Yoga und Stimme

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Die menschliche Stimme ist ein faszinierendes Instrument zur Lauterzeugung und Kommunikation.

Die Glottis in der Kehle

Menschen sind nicht nur fähig, wie Tiere einzelne Laute oder Abfolgen von Tönen zu erzeugen, sondern beherrschen ein fast unbegrenztes Repertoire von Klängen, Geräuschen und Sprachen. Die menschliche Stimme ist ähnlich einem Fingerabdruck sehr individuell.

Anatomie des Stimmapparates

Pranayama hilft bei vielem - auch zur Stärkung der Stimme

Zur Erzeugung von Schallwellen mit dem menschlichen Körper braucht es drei Aspekte. Luft bzw. eine Luftströmung, die das Atmungssystem liefert. Den Kehlkopf, mit der sogenannten Glottis, der Geräusche erzeugt. Und einen Resonanzkörper, der Geräusche und Töne verstärkt und variiert: Rachen, Nase und Mundhöhle.

Töne werden erzeugt, indem Luft zuerst von der Atemmuskulatur in den Rachenraum gepresst wird. Im Kehlkopf befinden sich verschiedene Knorpel, die Stimmritze und die Stimmlippen, auch Stimmbänder genannt. Diese sind mit Muskeln und Bändern miteinander verbunden [1].

Beim Einatmen öffnen sich diese Knorpel und Muskeln vollständig, damit Luft ungehindert in die Lunge kommt. Beim Ausatmen können diese Bänder verengt werden, um Geräusche und Töne zu erzeugen. Dadurch entsteht innerhalb der Stimmbänder ein sehr schneller Luftstrom, der diese in Vibrationen versetzt und Schallwellen erzeugt. Bernoulli Effekt

Durch diese Schallwellen entstehen in Rachen, Nase und Mundhöhle Töne und Geräusche. Beim Mann sind die Stimmbänder länger und dicker als bei der Frau, sie schwingen langsamer und bewirken deshalb eine tiefere Stimme.

Höhe und Lautstärke der Stimme

Die Tonhöhe ist von der Länge der Stimmbänder und der Stärke des Luftstroms abhängig. Diese Kombination ergibt sehr unterschiedliche Schwingungen. Hohe Töne entstehen durch stark gespannte Stimmbänder und eine enge Stimmritze. Durch nachlassende Spannung der Stimmbänder und die Erweiterung der Stimmritze werden die Töne tiefer.

Die Stärke des Luftstroms durch die Stimmbänder bestimmt die Lautstärke eines Tons. Beim Schreien wird Luft mit Druck durch die Stimmbänder gepresst und verursacht starke Vibrationen und laute Töne. Beim Flüstern ist die Vibration der Stimmbänder kaum wahrnehmbar, die Stärke des Luftstroms ist dann gering. Der Grundton, der in den Stimmbändern entsteht, wird durch den Resonanzraum in der Mund-, Nasen- und Rachenhöhle sowie in den Nasennebenhöhlen verstärkt. Lippen und Zunge haben ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. So entstehen – wie bei einer großen Orgel – verschiedene, charakteristische Klangbilder.

Stimme, Atmung und Pranayama

Das Yoga Vidya Musikfestival

Jeder Mensch hat seine optimale Tonhöhe, in der er leicht und mühelos sprechen und singen kann. Spricht und singt der Mensch in Tonhöhen, die deutlich über seiner körperlich angelegten Tonhöhe liegen, ist das eine Belastung für den Stimmapparat. Dieser muss wie andere Muskeln im Körper trainiert werden.

Der Kehlkopf, als Entstehungsort für Töne und Geräusche ist das einzige "frei schwebende" Organ im Körper. Er ist zwischen Rachen und Luftröhre nur an Muskeln befestigt. Darum hört man Anspannung, Stress und Nervosität meist sofort in der Stimme. Da die menschliche Stimme zum größten Teil durch Muskeln erzeugt und beeinflusst wird, kann die Stimme durch trainieren dieser Muskeln gestärkt, verändert und ausgebildet werden. Darum stimmen sich nicht nur Sängerinnen mit Stimmübungen für ihren Auftritt ein, sondern nehmen auch regelmäßig Gesangsunterricht.

Wesentlich für eine starke, klare und laute Stimme ist eine tiefe Atmung. Die vollständige Yogaatmung und regelmäßiges Pranayama stärken nicht nur die Lunge und versorgen den Körper mit mehr Sauerstoff, sondern trainieren das Atmungssystem und das Zwerchfell für das Sprechen in großen Räumen und kräftigen Gesang. Kapalabhati trainiert beispielsweise das Zwerchfell, um die Luft durch die Stimmbänder zu pressen.

Bei der Ujjayi Atmung wird die Stimmritze bewusst leicht verschlossen. So entsteht ein Hauch- oder Schnarchlaut, ähnlich wie bei der Bildung des „h“, wie bei "Hand". Mit der Kontrolle der Stimmritze und der Stimmbänder wird auch der Atem kontrolliert und geführt.

Stimme und Sprache

Wenn die Stimmbänder im Kehlkopf verengt werden, ist einer der entstehenden Grundlaute das „h“. Diese Stellung erzeugt auch weitere Laute wie p, t, k oder f. Bei den Vokalen (a, e, i, o u) berühren sich die Stimmbänder fast vollständig. Um aus einem Hauchen ein Vokal zu erzeugen sind die weiteren Werkzeuge des Klangapparats notwendig: die Zunge und die Lippen. So formen Kleinkinder meist als erstes die Laute "ma, ba, ta, da". Um ein „ma“ zu bilden, müssen die Lippen zuerst aufeinander gepresst und dann geöffnet werden, ähnlich beim „ba“. Beim „ta“ und „da“ wird die Zunge an die vorderen Zähne gepresst und zurückgezogen. Entscheidend hierfür ist die Spannung in der Zunge. Wird die Zunge Richtung Gaumen gepresst ergibt das die Laute „ka“ und „ga“. So entstehen nach und nach Wörter, Sätze und ganze Vorträge.

Gesang (Mantras)

Auch beim Gesang, zum Beispiel von Mantras, ist die Atmung sehr wichtig. Es ist sehr schwierig einen ausgeglichenen Ton zu erzeugen, wenn der Atem nicht tief und kontrolliert gleichmäßig ist. Für das Singen sind Singstimme und Stimmlage [2] entscheidend, um Gesang miteinander zu koordinieren. Gelungener Gesang zeichnet sich durch klare Artikulation und die vorgegebene Verbindung der Tonfolgen aus, ohne zusätzliche Pausen. Singen erfordert darum eine hohe Konzentration und Körperspannung. Das Anpassen der Melodie und der Geschwindigkeit kann häufig beim Mantra singen erlebt werden, denn große Gruppen benötigen mehr Zeit, um sich aufeinander einzustimmen. Beim Kirtangesang (Link: http://wiki.yoga-vidya.de/Kirtan) ist der deutliche Vortrag von Text und Melodie erforderlich, damit eine Gruppe im Gleichklang singen kann.

Schweigen (Mauna)

Die Stimme ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Die Bewertung einer Stimme oder Stimmlage unterliegt dabei gesellschaftlichen Normen und kulturellen Prägungen. Hohe und tiefe Stimmen werden je nach Kontext mit unterschiedlichen Attributen bewertet. Gleichzeitig vermittelt die Stimme die aktuelle Befindlichkeit, wie Rührung oder Freude. Das Fehlen dieser Ausdrucksmöglichkeit, wie zum Beispiel beim längeren Schweigen, verändert die Wahrnehmung in der Umwelt und macht den Austausch mit Mitmenschen deutlich schwieriger. Die Kommunikation nimmt schnell ab und reduziert sich auf das Wesentliche. Gleichzeitig lädt das Schweigen zur Fokussierung und zum Rückzug zu sich selbst ein. Eine sehr tiefe und interessante Erfahrung.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Seminare

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Original indisches Yoga und Philosopie mitten in Deutschland. In dieser Woche haben wir Dr. Tanu Varma zu Gast. Henna-Workshops (Malerei auf den Händen) und Vorträge zur Bedeutung/ Wissenschaflic…
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01. Mai 2017 - 01. Mai 2017 - Mantra-Konzert mit Devadas
Mantra-Konzert mit Devadas.18:45 - 19:45 Uhr
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02. Mai 2017 - 02. Mai 2017 - Mantra-Konzert mit Janin
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