Garbha Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Garbha Upanishad''' ([[Sanskrit]]) bedeutet "Geheimlehre über den Embryo". Sie ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Die Garbha Upanishad gehört zum [[Atharvaveda]] und ist bei Deussen als [[reine Vedanta Upanishaden|reine Vedanta Upanishad]] aufgeführt. Sie gibt Auskunft über den Entwicklungsprozess des Embryos im Mutterleib. | '''Garbha Upanishad''' und '''Garbhopanishad''' ([[Sanskrit]]): गर्भोपनिषद् garbhopaniṣad ''f.'') bedeutet "Geheimlehre ([[Upanishad]]) über den Embryo ([[Garbha]])". Sie ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] bzw. [[Shruti]] genannt werden. Die Garbha Upanishad gehört zum [[Atharvaveda]] und ist bei Deussen als [[reine Vedanta Upanishaden|reine Vedanta Upanishad]] aufgeführt. Sie gibt Auskunft über den Entwicklungsprozess des Embryos im Mutterleib. | ||
[[Datei:Liebe Mann Baby Kind.JPG|thumb]] | [[Datei:Liebe Mann Baby Kind.JPG|thumb|Von Kindern kann man viel lernen]] | ||
Die '''Garbha Upanishad''' gehört zur Gruppe der [[Samanya Vedanta Upanishad]] und wird in der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] dem [[Krishna Yajurveda]] zugeordnet. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an [[Moksha|Befreiung]]. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage. | |||
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; [[Karma]], Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib. Sie verbindet die Autorität der [[Upanishaden]] mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden. | |||
[[Datei:Swami_Vishnu_in_Meditation.jpg|thumb|Die Garbha Upanishad lädt dazu ein, ihre Symbole in eine lebendige Praxis von Erkenntnis, Hingabe und innerer Sammlung zu verwandeln.]] | |||
Für heutige Übende ist entscheidend, dass [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation], Hingabe und [[Selbsterkenntnis]] bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen. | |||
== Garbha Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung == | |||
Die Garbha Upanishad verbindet Vedanta mit einer vormodernen indischen Körper- und Embryologielehre. Jeder überlieferte Hauptabschnitt und die metrischen Lehrstrophen des ungeborenen Jiva werden einzeln übersetzt. Anatomische, genetische und embryologische Angaben werden ausdrücklich als historische Vorstellungen gekennzeichnet; sie sind keine moderne medizinische Information. Der spirituelle Schwerpunkt liegt auf Körpervergänglichkeit, Karma, Erinnerung an Samsara und dem Vorsatz zu Yoga und Brahman-Erkenntnis. | |||
'''Traditioneller Eröffnungsvers und Shanti-Hinweis Garbha Upanishad'''<br> | |||
yadgarbhopaniṣadvedyaṃ garbhasya svātmabodhakam |<br> | |||
śarīrāpahnavātsiddhaṃ svamātraṃ kalaye harim ||<br> | |||
oṃ sahanāvavatviti śāntiḥ ||<br> | |||
'''Ich meditiere über Hari als das eigene Selbst, das durch die Garbha Upanishad erkannt werden soll, im Embryo beziehungsweise verkörperten Wesen Selbsterkenntnis erweckt und durch das Durchschauen der Körperidentifikation verwirklicht wird. Es folgt das traditionelle „Saha nau avatu“-Shanti-Mantra.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''garbha-upaniṣat-vedyam'' – durch die Garbha Upanishad zu erkennen; ''garbhasya sva-ātma-bodhakam'' – dem im Mutterleib befindlichen Wesen Erkenntnis des eigenen Selbst vermittelnd; ''śarīra-apahnavāt'' – durch Zurückweisung/Durchschauen der Körperidentifikation; ''siddham'' – verwirklicht; ''svamātram'' – das eigene reine Selbst; ''harim'' – Hari; ''kalaye'' – ich meditiere/kontempliere. | |||
'''Einleitende Prosatexteinheit Garbha Upanishad – Aufbau des Körpers'''<br> | |||
oṃ pañcātmakaṃ pañcasu vartamānaṃ ṣaḍāśrayaṃ<br> | |||
ṣaḍguṇayogayuktam |<br> | |||
tatsaptadhātu trimalaṃ dviyoni<br> | |||
caturvidhāhāramayaṃ śarīraṃ bhavati ||<br> | |||
pañcātmakamiti kasmāt pṛthivyāpastejovāyurākāśamiti |<br> | |||
asminpañcātmake<br> | |||
śarīre kā pṛthivī kā āpaḥ kiṃ tejaḥ ko vāyuḥ kimākāśam |<br> | |||
tatra yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tā āpo yaduṣṇaṃ<br> | |||
tattejo yatsañcarati sa vāyuḥ yatsuṣiraṃ tadākāśamityucyate ||<br> | |||
'''Om. Der Körper wird in der vormodernen physiologischen Lehre der Upanishad als aus fünf Elementen bestehend beschrieben, mit verschiedenen Stützen, Qualitäten, sieben Dhatus, drei Malas und unterschiedlichen Nahrungs- und Entstehungsbedingungen. Die fünf Elemente sind Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum: Das Harte wird der Erde, das Flüssige dem Wasser, das Warme dem Feuer, das Bewegliche der Luft und Hohlräume beziehungsweise Offenheit dem Raum zugeordnet. Diese Zuordnungen sind ein historisches philosophisch-medizinisches Modell und keine moderne Anatomie.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pañca-ātmakam'' – fünffach, aus fünf Prinzipien bestehend; ''ṣaḍ-āśrayam'' – sechs Stützen besitzend; ''sapta-dhātu'' – sieben Gewebsprinzipien/Dhatus; ''tri-malam'' – drei Ausscheidungen/Unreinheiten; ''catur-vidha-āhāra-mayam'' – aus vier Arten von Nahrung gebildet; ''pṛthivī'' – Erde; ''āpaḥ'' – Wasser; ''tejas'' – Feuer/Hitze; ''vāyuḥ'' – Luft/Bewegung; ''ākāśam'' – Raum; ''kaṭhinam'' – hart; ''dravam'' – flüssig; ''uṣṇam'' – warm/heiß; ''saṃcarati'' – bewegt sich; ''suṣiram'' – hohl/offen. | |||
'''1. Abschnitt Garbha Upanishad – Elemente, Sinne, Funktionen und Geschmäcker'''<br> | |||
tatra pṛthivī dhāraṇe āpaḥ piṇḍīkaraṇe tejaḥ prakāśane<br> | |||
vāyurgamane ākāśamavakāśapradāne | pṛthak śrotre<br> | |||
śabdopalabdhau tvak sparśe cakṣuṣī rūpe jihvā rasane<br> | |||
nāsikā''ghrāṇe upasthaścānandane'pānamutsarge buddhyā<br> | |||
buddhyati manasā saṅkalpayati vācā vadati | ṣaḍāśrayamiti<br> | |||
kasmāt madhurāmlalavaṇatiktakaṭukaṣāyarasānvindate |<br> | |||
ṣaḍjarṣabhagāndhāramadhyamapañcamadhaivataniṣādāśceti |<br> | |||
iṣṭāniṣṭaśabdasaṃjñāḥ pratividhāḥ saptavidhā bhavanti || 1 ||<br> | |||
'''Erde steht für Tragfähigkeit, Wasser für Zusammenhalt, Feuer für Sichtbarwerden, Luft für Bewegung und Raum für das Gewähren von Platz. Das Ohr erfasst Klang, die Haut Berührung, das Auge Form, die Zunge Geschmack und die Nase Geruch. Weitere Funktionen werden Fortpflanzung, Ausscheidung, Erkennen, Vorstellen und Sprechen zugeordnet. Als sechs Geschmäcker nennt der Text süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb; außerdem führt er die sieben Töne der indischen Musik an. Auch hier handelt es sich um ein traditionelles System von Entsprechungen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''dhāraṇe'' – beim Tragen/Stützen; ''piṇḍīkaraṇe'' – beim Zusammenfügen; ''prakāśane'' – beim Sichtbar-/Leuchtendmachen; ''gamane'' – bei Bewegung; ''avakāśa-pradāne'' – Raum gebend; ''śrotram'' – Ohr; ''śabda-upalabdhau'' – Wahrnehmung von Klang; ''tvak'' – Haut; ''sparśe'' – Berührung; ''cakṣuṣī'' – Augen; ''rūpe'' – Form; ''jihvā'' – Zunge; ''rasane'' – Geschmack; ''nāsikā'' – Nase; ''āghrāṇe'' – Riechen; ''buddhyā buddhyati'' – durch Buddhi erkennt; ''manasā saṅkalpayati'' – durch Manas stellt vor/beabsichtigt; ''vācā vadati'' – durch Rede spricht; ''madhura-amla-lavaṇa-tikta-kaṭuka-kaṣāya'' – süß, sauer, salzig, bitter, scharf, herb; ''ṣaḍja...niṣāda'' – sieben klassische Tonstufen. | |||
'''2. Abschnitt Garbha Upanishad – Sieben Dhatus und Entstehung des Embryos'''<br> | |||
śuklo raktaḥ kṛṣṇo dhūmraḥ pītaḥ kapilaḥ pāṇḍura iti |<br> | |||
saptadhātumiti kasmāt yadā devadattasya dravyādiviṣayā<br> | |||
jāyante || parasparaṃ saumyaguṇatvāt ṣaḍvidho raso<br> | |||
rasācchoṇitaṃ śoṇitānmāṃsaṃ māṃsānmedo medasaḥ<br> | |||
snāvā snāvno'sthīnyasthibhyo majjā majjñaḥ śukraṃ<br> | |||
śukraśoṇitasaṃyogādāvartate garbho hṛdi vyavasthāṃ<br> | |||
nayati | hṛdaye'ntarāgniḥ agnisthāne pittaṃ pittasthāne<br> | |||
vāyuḥ vāyusthāne hṛdayaṃ prājāpatyātkramāt || 2 ||<br> | |||
'''Der Text nennt verschiedene Farben und erklärt dann seine traditionelle Lehre der sieben Dhatus: Aus Rasa entstehe Blut, aus Blut Fleisch, daraus Fett, Sehnen, Knochen, Mark und schließlich Fortpflanzungssubstanz; aus der Verbindung männlicher und weiblicher Zeugungssubstanzen entstehe der Embryo. Herz, inneres Feuer, Pitta und Vayu werden in einer symbolisch-physiologischen Ordnung miteinander verbunden. Diese Sequenz gehört zur vormodernen indischen Körperlehre und stimmt nicht in allen Punkten mit heutiger Biologie überein.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sapta-dhātu'' – sieben Gewebsprinzipien; ''rasa'' – Nährsaft; ''śoṇitam'' – Blut; ''māṃsam'' – Fleisch/Muskel; ''medas'' – Fettgewebe; ''snāva'' – Sehnen/Bänder; ''asthi'' – Knochen; ''majjā'' – Mark; ''śukram'' – Fortpflanzungssubstanz; ''śukra-śoṇita-saṃyogāt'' – aus Verbindung männlicher und weiblicher Zeugungssubstanz; ''garbhaḥ'' – Embryo/Fötus; ''hṛdaye antar-agniḥ'' – inneres Feuer im Herzen; ''pittam'' – Pitta; ''vāyuḥ'' – Vayu; ''krama'' – Ordnung/Reihenfolge. | |||
'''3a. Abschnitt Garbha Upanishad – Vormodernes Modell der Embryonalentwicklung'''<br> | |||
ṛtukāle samprayogādekarātroṣitaṃ kalilaṃ bhavati<br> | |||
saptarātroṣitaṃ budbudaṃ bhavati ardhamāsābhyantareṇa piṇḍo<br> | |||
bhavati māsābhyantareṇa kaṭhino bhavati māsadvayena śiraḥ<br> | |||
sampadyate māsatrayeṇa pādapraveśo bhavati | atha caturthe māse<br> | |||
jaṭharakaṭipradeśo bhavati | pañcame māse pṛṣṭhavaṃśo bhavati |<br> | |||
ṣaṣṭhe māse mukhanāsikākṣiśrotrāṇi bhavanti | saptame<br> | |||
māse jīvena saṃyukto bhavati | aṣṭame māse sarvasampūrṇo<br> | |||
bhavati |<br> | |||
'''Die Upanishad schildert anschließend ein vormodernes Stufenmodell der Schwangerschaft: vom ersten Tag über eine blasen- und klumpenartige Phase bis zur Ausbildung von Kopf, Gliedmaßen, Rumpf, Wirbelsäule und Sinnesorganen in bestimmten Monaten. Im siebten Monat werde der Embryo mit dem Jiva verbunden, im achten sei er vollständig ausgebildet. Diese Monatsangaben sind historischer Textinhalt und keine verlässliche moderne Embryologie; für medizinische Fragen gelten heutige wissenschaftliche Erkenntnisse.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ṛtu-kāle samprayogāt'' – durch Vereinigung zur fruchtbaren Zeit; ''eka-rātra-uṣitam'' – nach einer Nacht; ''kalilam'' – Keimmasse; ''sapta-rātra'' – sieben Nächte; ''budbudam'' – Blase; ''ardha-māsa'' – halber Monat; ''piṇḍaḥ'' – Klumpen/Masse; ''māsa-dvayena'' – nach zwei Monaten; ''śiraḥ'' – Kopf; ''māsa-trayeṇa'' – nach drei Monaten; ''pāda'' – Füße/Gliedmaßen; ''jaṭhara-kaṭi-pradeśaḥ'' – Bauch- und Hüftbereich; ''pṛṣṭha-vaṃśaḥ'' – Wirbelsäule/Rückenlinie; ''mukha-nāsikā-akṣi-śrotrāṇi'' – Mund, Nase, Augen und Ohren; ''jīvena saṃyuktaḥ'' – mit dem Jiva verbunden; ''sarva-sampūrṇaḥ'' – vollständig ausgebildet. | |||
'''3b. Abschnitt Garbha Upanishad – Traditionelle Vorstellungen zu Geschlecht und Mehrlingsgeburt'''<br> | |||
pitū reto'tiriktāt puruṣo bhavati | mātuḥ<br> | |||
reto'tiriktātstriyo bhavantyubhayorbījatulyatvānnapuṃsako<br> | |||
bhavati | vyākulitamanaso'ndhāḥ khañjāḥ kubjā vāmanā<br> | |||
bhavanti | anyonyavāyuparipīḍitaśukradvaidhyāddvidhā<br> | |||
tanuḥ syāttato yugmāḥ prajāyante ||<br> | |||
'''Danach folgen historische Vorstellungen über die Entstehung männlichen, weiblichen oder intersexuellen Geschlechts, über angeborene Behinderungen und über Zwillinge. Die Upanishad erklärt dies mit dem Überwiegen beziehungsweise Gleichgewicht elterlicher Zeugungssubstanzen, dem Geisteszustand der Eltern und einer Teilung der Zeugungssubstanz. Diese Aussagen spiegeln vormoderne Vorstellungen und entsprechen nicht der heutigen Genetik, Embryologie oder Medizin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pituḥ retaḥ atiriktāt'' – durch Überwiegen der väterlichen Zeugungssubstanz; ''mātuḥ retaḥ atiriktāt'' – durch Überwiegen der mütterlichen; ''ubhayoḥ bīja-tulyatvāt'' – bei Gleichheit beider Keimanteile; ''napuṃsakaḥ'' – traditioneller Begriff für nicht eindeutig männlich/weiblich; ''andhāḥ'' – blind; ''khañjāḥ'' – gehbehindert; ''kubjāḥ'' – gekrümmt; ''vāmanāḥ'' – kleinwüchsig; ''śukra-dvaidhyāt'' – durch Zweiteilung der Zeugungssubstanz; ''yugmāḥ'' – Zwillinge/Paare; ''prajāyante'' – werden geboren. | |||
'''3c. Abschnitt Garbha Upanishad – Om, Prakriti und Erinnerung im neunten Monat'''<br> | |||
pañcātmakaḥ samarthaḥ<br> | |||
pañcātmakatejaseddharasaśca samyagjñānāt dhyānāt<br> | |||
akṣaramoṅkāraṃ cintayati | tadetadekākṣaraṃ jñātvā'ṣṭau<br> | |||
prakṛtayaḥ ṣoḍaśa vikārāḥ śarīre tasyaive dehinām | atha<br> | |||
mātrā'śitapītanāḍīsūtragatena prāṇa āpyāyate | atha<br> | |||
navame māsi sarvalakṣaṇasampūrṇo bhavati pūrvajātīḥ smarati<br> | |||
kṛtākṛtaṃ ca karma vibhāti śubhāśubhaṃ ca karma vindati || 3 ||<br> | |||
'''Der Text verbindet den Körper mit den fünf Elementen und führt die Kontemplation des unvergänglichen einsilbigen Om ein. Er nennt acht Prakritis und sechzehn Veränderungen als Bestandteile des verkörperten Daseins. Die Ernährung des Ungeborenen wird über die von der Mutter aufgenommene Nahrung erklärt. Für den neunten Monat behauptet die Upanishad, der Fötus erinnere sich an frühere Geburten und erkenne gutes und schlechtes Karma. Dies ist eine spirituell-mythologische Aussage des Textes, keine empirisch nachgewiesene Gedächtnisleistung eines Fötus.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pañca-ātmakaḥ'' – aus fünf Elementen bestehend; ''akṣaram oṃkāram cintayati'' – kontempliert den unvergänglichen Om-Laut; ''eka-akṣaram'' – einsilbig; ''aṣṭau prakṛtayaḥ'' – acht Prakritis; ''ṣoḍaśa vikārāḥ'' – sechzehn Veränderungen; ''dehinām'' – der Verkörperten; ''mātrā aśita-pīta'' – von der Mutter Gegessenes und Getrunkenes; ''prāṇaḥ āpyāyate'' – Prana wird genährt; ''navame māsi'' – im neunten Monat; ''pūrva-jātīḥ smarati'' – erinnert sich an frühere Geburten, Textbehauptung; ''śubha-aśubham karma'' – gutes und schlechtes Karma. | |||
'''3d. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Erinnerung an viele Geburten'''<br> | |||
nānāyonisahasrāṇi dṛṣṭvā caiva tato mayā |<br> | |||
āhārā vividhā bhuktāḥ pītāśca vividhāḥ stanāḥ ||<br> | |||
'''„Tausende verschiedenartiger Geburten habe ich erfahren; vielerlei Nahrung habe ich gegessen und aus vielerlei Brüsten getrunken.“ Der Fötus spricht hier als symbolische Stimme des Jiva, der sich an die lange Wanderung durch Samsara erinnert.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''nānā-yoni-sahasrāṇi'' – Tausende verschiedener Geburtsformen; ''dṛṣṭvā'' – gesehen/erfahren habend; ''mayā'' – von mir; ''āhārāḥ vividhāḥ'' – verschiedene Nahrungen; ''bhuktāḥ'' – gegessen; ''pītāḥ'' – getrunken; ''vividhāḥ stanāḥ'' – verschiedene Brüste/Muttermilchquellen. | |||
'''3e. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Das Leiden wiederholter Geburt und Tod'''<br> | |||
jātasyaiva mṛtasyaiva janma caiva punaḥ punaḥ |<br> | |||
aho duḥkhodadhau magnaḥ na paśyāmi pratikriyām ||<br> | |||
'''„Immer wieder werde ich geboren und sterbe wieder. Ach, ich bin in den Ozean des Leidens versunken und sehe keinen Ausweg.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''jātasya'' – geboren; ''mṛtasya'' – gestorben; ''janma punaḥ punaḥ'' – Geburt immer wieder; ''aho'' – ach; ''duḥkha-udadhi'' – Ozean des Leidens; ''magnaḥ'' – versunken; ''na paśyāmi'' – ich sehe nicht; ''pratikriyām'' – Gegenmittel, Ausweg. | |||
'''3f. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Karma trägt jeder selbst'''<br> | |||
yanmayā parijanasyārthe kṛtaṃ karma śubhāśubham |<br> | |||
ekākī tena dahyāmi gatāste phalabhoginaḥ ||<br> | |||
'''„Was ich um meiner Angehörigen willen an gutem oder schlechtem Karma getan habe, dessen Folgen erfahre ich allein; diejenigen, für die ich handelte, sind fort.“ Der Vers betont persönliche karmische Verantwortung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''mayā'' – von mir; ''parijanasya arthe'' – um der Angehörigen willen; ''kṛtam karma'' – getane Handlung; ''śubha-aśubham'' – gut und schlecht; ''ekākī'' – allein; ''tena dahyāmi'' – davon werde ich gleichsam verbrannt/erfahre die Folgen; ''phalabhoginaḥ'' – Genießer der Früchte. | |||
'''3g. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Vorsatz zu Samkhya und Yoga'''<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi sāṃkhyaṃ yogaṃ samāśraye |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||<br> | |||
'''„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich mich [[Sankhya]] und [[Yoga]] zuwenden – Wegen, die Unheilsames überwinden und zur Befreiung führen.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yadi yonyām pramuñcāmi'' – wenn ich aus dem Mutterleib freikomme; ''sāṃkhyam'' – Sankhya; ''yogam'' – Yoga; ''samāśraye'' – ich werde Zuflucht nehmen; ''aśubha-kṣaya-kartāram'' – das Unheilsame vernichtend; ''phala-mukti-pradāyakam'' – Frucht und Befreiung gewährend. | |||
'''3h. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Zuflucht zu Maheshvara'''<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye maheśvaram |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||<br> | |||
'''„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich Zuflucht zu [[Maheshvara]] nehmen, der Unheilsames überwindet und Befreiung schenkt.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''prapadye'' – ich nehme Zuflucht; ''maheśvaram'' – zu Maheshvara, dem großen Herrn; ''aśubha-kṣaya-kartāram'' – Unheilsames überwindend; ''mukti-pradāyakam'' – Befreiung schenkend. | |||
'''3i. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Zuflucht zu Narayana und Brahman'''<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye<br> | |||
bhagavantaṃ nārāyaṇaṃ devam |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam |<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi dhyāye brahma sanātanam ||<br> | |||
'''„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich Zuflucht zu Bhagavan Narayana nehmen, der Unheilsames überwindet und Befreiung schenkt. Wenn ich herauskomme, will ich über das ewige Brahman meditieren.“ Der Text verbindet damit Sankhya, Yoga, Shiva-, Vishnu- und Brahman-Ausrichtung als Wege aus der Samsara-Bindung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bhagavantam nārāyaṇam devam'' – zum göttlichen Bhagavan Narayana; ''prapadye'' – ich nehme Zuflucht; ''phala-mukti-pradāyakam'' – Befreiung gewährend; ''dhyāye'' – ich werde meditieren; ''brahma sanātanam'' – das ewige Brahman. | |||
'''4. Abschnitt Garbha Upanishad – Geburt und Vergessen'''<br> | |||
atha jantuḥ strīyoniśataṃ yonidvāri<br> | |||
samprāpto yantreṇāpīḍyamāno mahatā duḥkhena jātamātrastu<br> | |||
vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate tadā na smarati janmamaraṇaṃ<br> | |||
na ca karma śubhāśubham || 4 ||<br> | |||
'''Wenn das Wesen den Geburtsweg erreicht, schildert die Upanishad die Geburt als äußerst leidvolle Passage. Unmittelbar nach der Geburt werde es vom „vaishnavischen Wind“ berührt und verliere dadurch die Erinnerung an frühere Geburten, Tode und an gutes oder schlechtes Karma. Auch dies ist spirituell-mythologische Anthropologie: Die Geburt symbolisiert den Übergang von einer angenommenen tiefen Erinnerung in die Unwissenheit des gewöhnlichen Bewusstseins.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''jantuḥ'' – Lebewesen; ''yoni-dvāri samprāptaḥ'' – am Ausgang des Mutterleibs angekommen; ''yantrena āpīḍyamānaḥ'' – wie durch eine Vorrichtung gepresst, Bild für Geburtswehen; ''mahatā duḥkhena'' – mit großem Leiden; ''jāta-mātraḥ'' – gerade geboren; ''vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate'' – vom vaishnavischen Wind berührt; ''na smarati'' – erinnert sich nicht; ''janma-maraṇam'' – Geburt und Tod; ''śubha-aśubham karma'' – gutes und schlechtes Karma. | |||
'''Abschließende Prosatexteinheit Garbha Upanishad – Der Körper als Opferstätte'''<br> | |||
śarīramiti kasmāt<br> | |||
sākṣādagnayo hyatra śriyante jñānāgnirdarśanāgniḥ<br> | |||
koṣṭhāgniriti | tatra koṣṭhāgnirnāmāśitapītalehyacoṣyaṃ<br> | |||
pacatīti | darśanāgnī rūpādīnāṃ darśanaṃ karoti |<br> | |||
jñānāgniḥ śubhāśubhaṃ ca karma vindati | tatra trīṇi<br> | |||
sthānāni bhavanti hṛdaye dakṣiṇāgnirudare gārhapatyaṃ<br> | |||
mukhamāhavanīyamātmā yajamāno buddhiṃ patnīṃ nidhāya<br> | |||
mano brahmā lobhādayaḥ paśavo dhṛtirdīkṣā santoṣaśca<br> | |||
buddhīndriyāṇi yajñapātrāṇi karmendriyāṇi havīṃṣi śiraḥ<br> | |||
kapālaṃ keśā darbhā mukhamantarvediḥ catuṣkapālaṃ<br> | |||
śiraḥ ṣoḍaśa pārśvadantoṣṭhapaṭalāni saptottaraṃ<br> | |||
marmaśataṃ sāśītikaṃ sandhiśataṃ sanavakaṃ snāyuśataṃ<br> | |||
sapta śirāsatāni pañca majjāśatāni asthīni ca ha<br> | |||
vai trīṇi śatāni ṣaṣṭiścārdhacatasro romāṇi koṭyo<br> | |||
hṛdayaṃ palānyaṣṭau dvādaśa palāni jihvā pittaprasthaṃ<br> | |||
kaphasyāḍhakaṃ śuklaṃ kuḍavaṃ medaḥ prasthau dvāvaniyataṃ<br> | |||
mūtrapurīṣamāhāraparimāṇāt | paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ<br> | |||
parisamāptaṃ paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ parisamāptamiti ||<br> | |||
'''Zum Schluss deutet die Upanishad den Körper selbst als Opferstätte. Sie unterscheidet Verdauungsfeuer, „Feuer des Sehens“ und Erkenntnisfeuer; Herz, Bauch und Mund werden mit den drei Opferfeuern verbunden. Der Atman ist der Yajamana, Buddhi seine Partnerin, der Geist übernimmt eine priesterliche Funktion, Begierden erscheinen als Opfertiere, Sinnesorgane als Opfergeräte und Handlungsorgane als Darbringungen. Danach folgen traditionelle Zahlenangaben zu Körperteilen, Gefäßen, Knochen, Haaren und Körpersäften. Diese Zahlen sind vormoderne Anatomie und nicht medizinisch zuverlässig. Der tiefere symbolische Gedanke ist jedoch klar: Das gesamte verkörperte Leben kann als inneres Yajna verstanden werden, dessen Erkenntnis auf Moksha zielt. Damit endet die Moksha-Lehre der Pippalada-Tradition.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śarīram'' – Körper; ''jñāna-agniḥ'' – Erkenntnisfeuer; ''darśana-agniḥ'' – Feuer des Sehens; ''koṣṭha-agniḥ'' – Verdauungsfeuer; ''pacati'' – verdaut/kocht; ''dakṣiṇa-agniḥ, gārhapatyam, āhavanīyam'' – drei Opferfeuer; ''ātmā yajamānaḥ'' – der Atman ist der Opferherr; ''buddhiṃ patnīm'' – Buddhi als Partnerin; ''manaḥ brahmā'' – Manas als Brahma-Priester; ''lobha-ādayaḥ paśavaḥ'' – Gier usw. als Opfertiere; ''dhṛtiḥ dīkṣā'' – Standhaftigkeit als Initiation; ''santoṣaḥ'' – Zufriedenheit; ''buddhi-indriyāṇi yajña-pātrāṇi'' – Erkenntnissinne als Opfergeräte; ''karma-indriyāṇi havīṃṣi'' – Handlungsorgane als Opfergaben; ''mokṣa-śāstram'' – Befreiungslehre; ''parisamāptam'' – vollständig beendet. | |||
'''Kolophon Garbha Upanishad'''<br> | |||
oṃ saha nāvavatviti śāntiḥ ||<br> | |||
iti garbhopaniṣatsamāptā ||<br> | |||
'''Das Shanti Mantra wird zum Abschluss angedeutet. Damit endet die Garbha Upanishad.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śāntiḥ'' – Frieden; ''garbha-upaniṣat'' – Garbha Upanishad; ''samāptā'' – beendet. | |||
== Garbha Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung == | |||
=== Name, Einordnung und Überlieferung === | |||
Der Name bezeichnet die Lehre über der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an [[Moksha|Befreiung]]. Als [[Samanya Vedanta Upanishad]] verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum [[Krishna Yajurveda]] beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte. | |||
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen. | |||
=== Datierung === | |||
Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Die moderne Forschung behandelt die Schrift als eigenständiges Zeugnis ihrer jeweiligen religiösen und philosophischen Überlieferung; über Autor und exakten Entstehungsort besteht keine gesicherte Kenntnis. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören. | |||
=== Aufbau und Inhalt === | |||
Der Text entfaltet fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; [[Karma]], Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden [[Bewusstsein]]. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder [[Mantra]] im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden. | |||
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über [[Atman]], [[Brahman]] und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit. | |||
=== Philosophische Kernlehre === | |||
Die zentrale Perspektive lautet: der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare [[Jnana|Erkenntnis]], Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden. | |||
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird [[Advaita Vedanta|Nichtdualität]] zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken. | |||
[[Datei:Meditation.Herz.Sonne.jpg|thumb|Studium wird in der upanishadischen Tradition durch Kontemplation, Meditation und verantwortliches Handeln vertieft.]] | |||
=== Beziehungen zu anderen Schriften === | |||
Thematisch steht die Garbha Upanishad besonders neben [[Shvetashvatara Upanishad]], [[Maitrayaniya Upanishad]], [[Kaushitaki Brahmana Upanishad]], [[Subala Upanishad]], [[Mantrika Upanishad]], [[Sarvasara Upanishad]], [[Niralamba Upanishad]]. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit. | |||
Die [[Bhagavad Gita]] verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das [[Yoga Sutra]] beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Garbha Upanishad einen eigenen Akzent setzt. | |||
=== Bedeutung für die Tradition === | |||
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; Karma, Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern. | |||
Historisch war die Unterweisung häufig in eine [[Guru]]-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der [[Sannyasa|Entsagung]]. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung. | |||
=== Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten === | |||
Der moderne [[Yoga Aspirant]] kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen? | |||
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller [[Meditation]] prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse. | |||
=== Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter === | |||
Für [[Yogalehrer]] ist die Garbha Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen. | |||
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit. | |||
=== Bleibende Botschaft === | |||
Die bleibende Einladung der Garbha Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht. | |||
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==Garbha Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen== | ==Garbha Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen== | ||
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Die Garbha Upanishad<ref>Zur Anordnung. Unter denjenigen Upanishaden des [[Atharvaveda]], welche bestrebt sind, die [[Vedanta]]lehre, ohne wesentliches Übergreifen in das Gebiet des [[Yoga]], des [[Sannyasa]], des [[Siva]]- und [[Visnu]]-Kultus, fortzubilden, sind die bedeutendsten und am allgemeinsten von den Vedantatheologen anerkannten die drei bisher vorgeführten: Mundaka, Praina, Mandukya. Eine vierte, die Brahma-Upanishad, welche man mit Weber (Literaturgesch., 2. Aufl., S. 178) noch zu diesem Kreis rechnen könnte, wird, mit Rücksicht auf den dritten, eigentümlichsten Teil, besser als Übergangsglied von den rein vedantischen zu den Sannyasa-Upanishaden an der Spitze dieser letzteren ihre Stelle finden. So bleibt uns für diese Klasse nur eine Nachlese von sechs Upanishaden übrig, welche teils nur einzelne Punkte der Vedantalehre näher ausführen (Garbha, Pranagnihotra, Pinda), teils eine Rekapitulation der Grundbegriffe des Vedanta unternehmen (Atma, Sarvopanishatsara), woran sich ein vereinzelt stehender Text (Garuda) anschließen mag. Bei Anordnung dieser ganzen Gruppe halten wir an der Reihenfolge der Liste Narayanas und Colebrookes fest, da dieselbe für die Entstehungszeit der einzelnen Texte möglicherweise von Bedeutung ist. - Unserer Übersetzung liegt hier und weiterhin der Text der Kalkuttaer Ausgabe, ergänzt durch Jacob's Eleven Atharvana Upanishaden (Bombay 1891) zugrunde. Daneben wurden die Lesarten der von Weber benutzten Handschriften (Ind. Studien I. II. IX.) sowie die des Telugudruckes herangezogen. Während des Druckes erschienen und konnten nachträglich noch benutzt werden: die "32 Upanishaden" in der Anandacrama Series (Puna 1895) sowie der Neudruck der "108 Upanishaden" (Bombay 1896). Über die von uns befolgte Lesart wird der die Originaltexte vergleichende Leser nirgendwo in Zweifel sein. Eine eingehende Diskussion der überaus zahlreichen und tiefgehenden Abweichungen der verschiedenen Texte voneinander liegt außerhalb der Grenze unserer gegenwärtigen Aufgabe und muß für spätere Gelegenheiten aufbewahrt bleiben.</ref> (d. h. "Geheimlehre über den Embryo".) enthält, anknüpfend an einen vorangestellten Vers, allerlei Betrachtungen über die Elemente und Teile des menschlichen [[Körper|Leibes]] und schildert speziell die Entwicklung des Embryo im Mutterleib. Hiernach würde diese [[Schrift]] eher in ein Lehrbuch der Physiologie und Medizin als in die Sammlung der [[Upanishad]]en gehören und die am Schluß stehende Bezeichnung als "Erlösungslehre des [[Pippalada]]" sehr wenig rechtfertigen, — enthielte sie nicht in ihrem mittleren Teil bei Beschreibung der Entwicklung des Embryo die auf Stellen wie [[Rigveda]] 4,26,1. 4,27,1. 10,177,2 beruhende (Gesch. d. Philos. I, 253) und durch ihre Analoga in der abendländischen [[Philosophie]] interessante Vorstellung, daß der Embryo scheu im Mutterleib im Besitz des [[Wissen]]s (der eigenen früheren Geburten, des Unterschiedes von Gutem und Bösem usw.) gewesen sei, dieses alles aber bei seinem Austritt aus dem Mutterschoß vergessen habe. — Der Standpunkt des Verfassers ist, wie die nebeneinanderstehende Erwähnung von [[Samkhya]]-[[Yoga]], [[Mahesvara]] ([[Siva]]), [[Narayana]] ([[Visnu]]) und [[Brahma]] zu beweisen scheint, ein im höchsten Grade konziliatorischer, wenn wir nicht etwa hier (vgl. zu Chand. 8,14, oben S. 201) Formeln zur Auswahl für die verschiedenen Bekenntnisse vor uns haben. | Die Garbha Upanishad<ref>Zur Anordnung. Unter denjenigen Upanishaden des [[Atharvaveda]], welche bestrebt sind, die [[Vedanta]]lehre, ohne wesentliches Übergreifen in das Gebiet des [[Yoga]], des [[Sannyasa]], des [[Siva]]- und [[Visnu]]-Kultus, fortzubilden, sind die bedeutendsten und am allgemeinsten von den Vedantatheologen anerkannten die drei bisher vorgeführten: Mundaka, Praina, Mandukya. Eine vierte, die Brahma-Upanishad, welche man mit Weber (Literaturgesch., 2. Aufl., S. 178) noch zu diesem Kreis rechnen könnte, wird, mit Rücksicht auf den dritten, eigentümlichsten Teil, besser als Übergangsglied von den rein vedantischen zu den Sannyasa-Upanishaden an der Spitze dieser letzteren ihre Stelle finden. So bleibt uns für diese Klasse nur eine Nachlese von sechs Upanishaden übrig, welche teils nur einzelne Punkte der Vedantalehre näher ausführen (Garbha, Pranagnihotra, Pinda), teils eine Rekapitulation der Grundbegriffe des Vedanta unternehmen (Atma, Sarvopanishatsara), woran sich ein vereinzelt stehender Text (Garuda) anschließen mag. Bei Anordnung dieser ganzen Gruppe halten wir an der Reihenfolge der Liste Narayanas und Colebrookes fest, da dieselbe für die Entstehungszeit der einzelnen Texte möglicherweise von Bedeutung ist. - Unserer Übersetzung liegt hier und weiterhin der Text der Kalkuttaer Ausgabe, ergänzt durch Jacob's Eleven Atharvana Upanishaden (Bombay 1891) zugrunde. Daneben wurden die Lesarten der von Weber benutzten Handschriften (Ind. Studien I. II. IX.) sowie die des Telugudruckes herangezogen. Während des Druckes erschienen und konnten nachträglich noch benutzt werden: die "32 Upanishaden" in der Anandacrama Series (Puna 1895) sowie der Neudruck der "108 Upanishaden" (Bombay 1896). Über die von uns befolgte Lesart wird der die Originaltexte vergleichende Leser nirgendwo in Zweifel sein. Eine eingehende Diskussion der überaus zahlreichen und tiefgehenden Abweichungen der verschiedenen Texte voneinander liegt außerhalb der Grenze unserer gegenwärtigen Aufgabe und muß für spätere Gelegenheiten aufbewahrt bleiben.</ref> (d. h. "Geheimlehre über den Embryo".) enthält, anknüpfend an einen vorangestellten Vers, allerlei Betrachtungen über die Elemente und Teile des menschlichen [[Körper|Leibes]] und schildert speziell die Entwicklung des Embryo im Mutterleib. Hiernach würde diese [[Schrift]] eher in ein Lehrbuch der Physiologie und Medizin als in die Sammlung der [[Upanishad]]en gehören und die am Schluß stehende Bezeichnung als "Erlösungslehre des [[Pippalada]]" sehr wenig rechtfertigen, — enthielte sie nicht in ihrem mittleren Teil bei Beschreibung der Entwicklung des Embryo die auf Stellen wie [[Rigveda]] 4,26,1. 4,27,1. 10,177,2 beruhende (Gesch. d. Philos. I, 253) und durch ihre Analoga in der abendländischen [[Philosophie]] interessante Vorstellung, daß der Embryo scheu im Mutterleib im Besitz des [[Wissen]]s (der eigenen früheren Geburten, des Unterschiedes von Gutem und Bösem usw.) gewesen sei, dieses alles aber bei seinem Austritt aus dem Mutterschoß vergessen habe. — Der Standpunkt des Verfassers ist, wie die nebeneinanderstehende Erwähnung von [[Samkhya]]-[[Yoga]], [[Mahesvara]] ([[Siva]]), [[Narayana]] ([[Visnu]]) und [[Brahma]] zu beweisen scheint, ein im höchsten Grade konziliatorischer, wenn wir nicht etwa hier (vgl. zu Chand. 8,14, oben S. 201) Formeln zur Auswahl für die verschiedenen Bekenntnisse vor uns haben. | ||
Der Text ist vielfach verderbt und lückenhaft, und die Verworrenheit des Kommentars des Narayana wird nur noch überboten durch die Nachlässigkeit und Unwissenheit seines Herausgebers in der Bibliotheca Indica.<ref>Zu p. 64,13 stoscubhiscu avartate bringt er in der Note aus Cod. क die Variante bei: stoscunascuh avatansa, iti und fügt hinzu: kintu ubhayapatho pi durbodhah!Er hat also nicht erkannt, daß er ein Sutram des Panini (8,4,40: stoh scuna scuh) vor sich hat, welches freilich im Kommentar an unrechter Stelle steht, da es sich nur auf das ramsac chonitam des Textes beziehen kann. — Auch die Punaer Ausgabe scheint das Zitat, da sie es hinter allopo nas (Pan. 6,4,134) zur Erklärung der Form majjnah bringt, nicht verstanden zu haben.</ref> | Der Text ist vielfach verderbt und lückenhaft, und die Verworrenheit des Kommentars des Narayana wird nur noch überboten durch die Nachlässigkeit und Unwissenheit seines Herausgebers in der [[Bibliotheca Indica]].<ref>Zu p. 64,13 stoscubhiscu avartate bringt er in der Note aus Cod. क die Variante bei: stoscunascuh avatansa, iti und fügt hinzu: kintu ubhayapatho pi durbodhah!Er hat also nicht erkannt, daß er ein Sutram des Panini (8,4,40: stoh scuna scuh) vor sich hat, welches freilich im Kommentar an unrechter Stelle steht, da es sich nur auf das ramsac chonitam des Textes beziehen kann. — Auch die Punaer Ausgabe scheint das Zitat, da sie es hinter allopo nas (Pan. 6,4,134) zur Erklärung der Form majjnah bringt, nicht verstanden zu haben.</ref> | ||
'''Om!''' | '''Om!''' | ||
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Der "aus den fünf [Elementen] bestehende" [Embryo] ist [im achten Monat nämlich, - die vorherigen Sätze über die Zeugung sind zwischeneingeschobene Betrachtungen] lebensfähig, und seine fünfteilige [[Buddhi]] hat vermöge der Intelligenz die Erkenntnis des [[Geruch]]es, Geschmackes usw. Indem er selbst aber, nach dem Wort: "dann überdenkt er die unvergängliche Silbe [[Om]]" diese eine Silbe [als der [[Purusha]]] er | Der "aus den fünf [Elementen] bestehende" [Embryo] ist [im achten Monat nämlich, - die vorherigen Sätze über die Zeugung sind zwischeneingeschobene Betrachtungen] lebensfähig, und seine fünfteilige [[Buddhi]] hat vermöge der Intelligenz die Erkenntnis des [[Geruch]]es, Geschmackes usw. Indem er selbst aber, nach dem Wort: "dann überdenkt er die unvergängliche Silbe [[Om]]" diese eine Silbe [als der [[Purusha]]] er | ||
kennt, so sind weiter auch die acht schöpferischen ([[Prakriti]], [[Mahad]], [[Ahamkara]], 5 [[Tanmatra]]s und die sechzehn erschaffenen [Manas, 10 [[Indriya]]s, 5 [[Bhuta]]s, in summa also alle 25 Prinzipien der [[Samkhya]]lehre] in dem Leib eben dieser verkörperten Seele vorhanden. Dann gelangt mittels des von der [[Mutter]] Gegessenen und Getrunkenen und mittels der Aderschnur zu ihm Gelangenden auch sein [ | kennt, so sind weiter auch die acht schöpferischen ([[Prakriti]], [[Mahad]], [[Ahamkara]], 5 [[Tanmatra]]s und die sechzehn erschaffenen [Manas, 10 [[Indriya]]s, 5 [[Bhuta]]s, in summa also alle 25 Prinzipien der [[Samkhya]]lehre] in dem Leib eben dieser verkörperten Seele vorhanden. Dann gelangt mittels des von der [[Mutter]] Gegessenen und Getrunkenen und mittels der Aderschnur zu ihm Gelangenden auch sein [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] zum Schwellen. Im neunten Monat endlich ist er in allen Stücken und auch in der [[Erkenntnis]] vollständig; dann erinnert er sich [solange er noch im Mutterleib weilt) an seine früheren [[Geburt]]en und hat Erkenntnis seiner guten und bösen Werke: | ||
4. Nachdem schon tausendfach vormals | 4. Nachdem schon tausendfach vormals | ||
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===Fußnoten=== | ===Fußnoten=== | ||
<references/> | <references/> | ||
[[Datei:Spenden-Logo_Yoga-Wiki.jpg|link=https://www.yoga-vidya.de/service/spenden/]] | |||
== Garbha Upanishad – vollständiger Text in Devanagari == | |||
यद्गर्भोपनिषद्वेद्यं गर्भस्य स्वात्मबोधकम् ।<br> | |||
शरीरापह्नवात्सिद्धं स्वमात्रं कलये हरिम् ॥<br> | |||
ॐ सहनाववत्विति शान्तिः ॥<br> | |||
ॐ पञ्चात्मकं पञ्चसु वर्तमानं षडाश्रयं<br> | |||
षड्गुणयोगयुक्तम् ।<br> | |||
तत्सप्तधातु त्रिमलं द्वियोनि<br> | |||
चतुर्विधाहारमयं शरीरं भवति ॥<br> | |||
पञ्चात्मकमिति कस्मात् पृथिव्यापस्तेजोवायुराकाशमिति ।<br> | |||
अस्मिन्पञ्चात्मके<br> | |||
शरीरे का पृथिवी का आपः किं तेजः को वायुः किमाकाशम् ।<br> | |||
तत्र यत्कठिनं सा पृथिवी यद्द्रवं ता आपो यदुष्णं<br> | |||
तत्तेजो यत्सञ्चरति स वायुः यत्सुषिरं तदाकाशमित्युच्यते ॥<br> | |||
तत्र पृथिवी धारणे आपः पिण्डीकरणे तेजः प्रकाशने<br> | |||
वायुर्गमने आकाशमवकाशप्रदाने । पृथक् श्रोत्रे<br> | |||
शब्दोपलब्धौ त्वक् स्पर्शे चक्षुषी रूपे जिह्वा रसने<br> | |||
नासिकाऽऽघ्राणे उपस्थश्चानन्दनेऽपानमुत्सर्गे बुद्ध्या<br> | |||
बुद्ध्यति मनसा सङ्कल्पयति वाचा वदति । षडाश्रयमिति<br> | |||
कस्मात् मधुराम्ललवणतिक्तकटुकषायरसान्विन्दते ।<br> | |||
षड्जर्षभगान्धारमध्यमपञ्चमधैवतनिषादाश्चेति ।<br> | |||
इष्टानिष्टशब्दसंज्ञाः प्रतिविधाः सप्तविधा भवन्ति ॥ १॥<br> | |||
शुक्लो रक्तः कृष्णो धूम्रः पीतः कपिलः पाण्डुर इति ।<br> | |||
सप्तधातुमिति कस्मात् यदा देवदत्तस्य द्रव्यादिविषया<br> | |||
जायन्ते ॥ परस्परं सौम्यगुणत्वात् षड्विधो रसो<br> | |||
रसाच्छोणितं शोणितान्मांसं मांसान्मेदो मेदसः<br> | |||
स्नावा स्नाव्नोऽस्थीन्यस्थिभ्यो मज्जा मज्ज्ञः शुक्रं<br> | |||
शुक्रशोणितसंयोगादावर्तते गर्भो हृदि व्यवस्थां<br> | |||
नयति । हृदयेऽन्तराग्निः अग्निस्थाने पित्तं पित्तस्थाने<br> | |||
वायुः वायुस्थाने हृदयं प्राजापत्यात्क्रमात् ॥ २॥<br> | |||
ऋतुकाले सम्प्रयोगादेकरात्रोषितं कलिलं भवति<br> | |||
सप्तरात्रोषितं बुद्बुदं भवति अर्धमासाभ्यन्तरेण पिण्डो<br> | |||
भवति मासाभ्यन्तरेण कठिनो भवति मासद्वयेन शिरः<br> | |||
सम्पद्यते मासत्रयेण पादप्रवेशो भवति । अथ चतुर्थे मासे<br> | |||
जठरकटिप्रदेशो भवति । पञ्चमे मासे पृष्ठवंशो भवति ।<br> | |||
षष्ठे मासे मुखनासिकाक्षिश्रोत्राणि भवन्ति । सप्तमे<br> | |||
मासे जीवेन संयुक्तो भवति । अष्टमे मासे सर्वसम्पूर्णो<br> | |||
भवति । पितू रेतोऽतिरिक्तात् पुरुषो भवति । मातुः<br> | |||
रेतोऽतिरिक्तात्स्त्रियो भवन्त्युभयोर्बीजतुल्यत्वान्नपुंसको<br> | |||
भवति । व्याकुलितमनसोऽन्धाः खञ्जाः कुब्जा वामना<br> | |||
भवन्ति । अन्योन्यवायुपरिपीडितशुक्रद्वैध्याद्द्विधा<br> | |||
तनुः स्यात्ततो युग्माः प्रजायन्ते ॥ पञ्चात्मकः समर्थः<br> | |||
पञ्चात्मकतेजसेद्धरसश्च सम्यग्ज्ञानात् ध्यानात्<br> | |||
अक्षरमोङ्कारं चिन्तयति । तदेतदेकाक्षरं ज्ञात्वाऽष्टौ<br> | |||
प्रकृतयः षोडश विकाराः शरीरे तस्यैवे देहिनाम् । अथ<br> | |||
मात्राऽशितपीतनाडीसूत्रगतेन प्राण आप्यायते । अथ<br> | |||
नवमे मासि सर्वलक्षणसम्पूर्णो भवति पूर्वजातीः स्मरति<br> | |||
कृताकृतं च कर्म विभाति शुभाशुभं च कर्म विन्दति ॥ ३॥<br> | |||
नानायोनिसहस्राणि दृष्ट्वा चैव ततो मया ।<br> | |||
आहारा विविधा भुक्ताः पीताश्च विविधाः स्तनाः ॥<br> | |||
जातस्यैव मृतस्यैव जन्म चैव पुनः पुनः ।<br> | |||
अहो दुःखोदधौ मग्नः न पश्यामि प्रतिक्रियाम् ॥<br> | |||
यन्मया परिजनस्यार्थे कृतं कर्म शुभाशुभम् ।<br> | |||
एकाकी तेन दह्यामि गतास्ते फलभोगिनः ॥<br> | |||
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि सांख्यं योगं समाश्रये ।<br> | |||
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ॥<br> | |||
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि तं प्रपद्ये महेश्वरम् ।<br> | |||
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ॥<br> | |||
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि तं प्रपद्ये<br> | |||
भगवन्तं नारायणं देवम् ।<br> | |||
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ।<br> | |||
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि ध्याये ब्रह्म सनातनम् ॥<br> | |||
अथ जन्तुः स्त्रीयोनिशतं योनिद्वारि<br> | |||
सम्प्राप्तो यन्त्रेणापीड्यमानो महता दुःखेन जातमात्रस्तु<br> | |||
वैष्णवेन वायुना संस्पृश्यते तदा न स्मरति जन्ममरणं<br> | |||
न च कर्म शुभाशुभम् ॥ ४॥<br> | |||
शरीरमिति कस्मात्<br> | |||
साक्षादग्नयो ह्यत्र श्रियन्ते ज्ञानाग्निर्दर्शनाग्निः<br> | |||
कोष्ठाग्निरिति । तत्र कोष्ठाग्निर्नामाशितपीतलेह्यचोष्यं<br> | |||
पचतीति । दर्शनाग्नी रूपादीनां दर्शनं करोति ।<br> | |||
ज्ञानाग्निः शुभाशुभं च कर्म विन्दति । तत्र त्रीणि<br> | |||
स्थानानि भवन्ति हृदये दक्षिणाग्निरुदरे गार्हपत्यं<br> | |||
मुखमाहवनीयमात्मा यजमानो बुद्धिं पत्नीं निधाय<br> | |||
मनो ब्रह्मा लोभादयः पशवो धृतिर्दीक्षा सन्तोषश्च<br> | |||
बुद्धीन्द्रियाणि यज्ञपात्राणि कर्मेन्द्रियाणि हवींषि शिरः<br> | |||
कपालं केशा दर्भा मुखमन्तर्वेदिः चतुष्कपालं<br> | |||
शिरः षोडश पार्श्वदन्तोष्ठपटलानि सप्तोत्तरं<br> | |||
मर्मशतं साशीतिकं सन्धिशतं सनवकं स्नायुशतं<br> | |||
सप्त शिरासतानि पञ्च मज्जाशतानि अस्थीनि च ह<br> | |||
वै त्रीणि शतानि षष्टिश्चार्धचतस्रो रोमाणि कोट्यो<br> | |||
हृदयं पलान्यष्टौ द्वादश पलानि जिह्वा पित्तप्रस्थं<br> | |||
कफस्याढकं शुक्लं कुडवं मेदः प्रस्थौ द्वावनियतं<br> | |||
मूत्रपुरीषमाहारपरिमाणात् । पैप्पलादं मोक्षशास्त्रं<br> | |||
परिसमाप्तं पैप्पलादं मोक्षशास्त्रं परिसमाप्तमिति ॥<br> | |||
ॐ<br> | |||
सह नाववत्विति शान्तिः ॥<br> | |||
इति गर्भोपनिषत्समाप्ता ॥<br> | |||
== Garbha Upanishad – vollständiger Text in IAST == | |||
yadgarbhopaniṣadvedyaṃ garbhasya svātmabodhakam |<br> | |||
śarīrāpahnavātsiddhaṃ svamātraṃ kalaye harim ||<br> | |||
oṃ sahanāvavatviti śāntiḥ ||<br> | |||
oṃ pañcātmakaṃ pañcasu vartamānaṃ ṣaḍāśrayaṃ<br> | |||
ṣaḍguṇayogayuktam |<br> | |||
tatsaptadhātu trimalaṃ dviyoni<br> | |||
caturvidhāhāramayaṃ śarīraṃ bhavati ||<br> | |||
pañcātmakamiti kasmāt pṛthivyāpastejovāyurākāśamiti |<br> | |||
asminpañcātmake<br> | |||
śarīre kā pṛthivī kā āpaḥ kiṃ tejaḥ ko vāyuḥ kimākāśam |<br> | |||
tatra yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tā āpo yaduṣṇaṃ<br> | |||
tattejo yatsañcarati sa vāyuḥ yatsuṣiraṃ tadākāśamityucyate ||<br> | |||
tatra pṛthivī dhāraṇe āpaḥ piṇḍīkaraṇe tejaḥ prakāśane<br> | |||
vāyurgamane ākāśamavakāśapradāne | pṛthak śrotre<br> | |||
śabdopalabdhau tvak sparśe cakṣuṣī rūpe jihvā rasane<br> | |||
nāsikā''ghrāṇe upasthaścānandane'pānamutsarge buddhyā<br> | |||
buddhyati manasā saṅkalpayati vācā vadati | ṣaḍāśrayamiti<br> | |||
kasmāt madhurāmlalavaṇatiktakaṭukaṣāyarasānvindate |<br> | |||
ṣaḍjarṣabhagāndhāramadhyamapañcamadhaivataniṣādāśceti |<br> | |||
iṣṭāniṣṭaśabdasaṃjñāḥ pratividhāḥ saptavidhā bhavanti || 1 ||<br> | |||
śuklo raktaḥ kṛṣṇo dhūmraḥ pītaḥ kapilaḥ pāṇḍura iti |<br> | |||
saptadhātumiti kasmāt yadā devadattasya dravyādiviṣayā<br> | |||
jāyante || parasparaṃ saumyaguṇatvāt ṣaḍvidho raso<br> | |||
rasācchoṇitaṃ śoṇitānmāṃsaṃ māṃsānmedo medasaḥ<br> | |||
snāvā snāvno'sthīnyasthibhyo majjā majjñaḥ śukraṃ<br> | |||
śukraśoṇitasaṃyogādāvartate garbho hṛdi vyavasthāṃ<br> | |||
nayati | hṛdaye'ntarāgniḥ agnisthāne pittaṃ pittasthāne<br> | |||
vāyuḥ vāyusthāne hṛdayaṃ prājāpatyātkramāt || 2 ||<br> | |||
ṛtukāle samprayogādekarātroṣitaṃ kalilaṃ bhavati<br> | |||
saptarātroṣitaṃ budbudaṃ bhavati ardhamāsābhyantareṇa piṇḍo<br> | |||
bhavati māsābhyantareṇa kaṭhino bhavati māsadvayena śiraḥ<br> | |||
sampadyate māsatrayeṇa pādapraveśo bhavati | atha caturthe māse<br> | |||
jaṭharakaṭipradeśo bhavati | pañcame māse pṛṣṭhavaṃśo bhavati |<br> | |||
ṣaṣṭhe māse mukhanāsikākṣiśrotrāṇi bhavanti | saptame<br> | |||
māse jīvena saṃyukto bhavati | aṣṭame māse sarvasampūrṇo<br> | |||
bhavati | pitū reto'tiriktāt puruṣo bhavati | mātuḥ<br> | |||
reto'tiriktātstriyo bhavantyubhayorbījatulyatvānnapuṃsako<br> | |||
bhavati | vyākulitamanaso'ndhāḥ khañjāḥ kubjā vāmanā<br> | |||
bhavanti | anyonyavāyuparipīḍitaśukradvaidhyāddvidhā<br> | |||
tanuḥ syāttato yugmāḥ prajāyante || pañcātmakaḥ samarthaḥ<br> | |||
pañcātmakatejaseddharasaśca samyagjñānāt dhyānāt<br> | |||
akṣaramoṅkāraṃ cintayati | tadetadekākṣaraṃ jñātvā'ṣṭau<br> | |||
prakṛtayaḥ ṣoḍaśa vikārāḥ śarīre tasyaive dehinām | atha<br> | |||
mātrā'śitapītanāḍīsūtragatena prāṇa āpyāyate | atha<br> | |||
navame māsi sarvalakṣaṇasampūrṇo bhavati pūrvajātīḥ smarati<br> | |||
kṛtākṛtaṃ ca karma vibhāti śubhāśubhaṃ ca karma vindati || 3 ||<br> | |||
nānāyonisahasrāṇi dṛṣṭvā caiva tato mayā |<br> | |||
āhārā vividhā bhuktāḥ pītāśca vividhāḥ stanāḥ ||<br> | |||
jātasyaiva mṛtasyaiva janma caiva punaḥ punaḥ |<br> | |||
aho duḥkhodadhau magnaḥ na paśyāmi pratikriyām ||<br> | |||
yanmayā parijanasyārthe kṛtaṃ karma śubhāśubham |<br> | |||
ekākī tena dahyāmi gatāste phalabhoginaḥ ||<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi sāṃkhyaṃ yogaṃ samāśraye |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye maheśvaram |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye<br> | |||
bhagavantaṃ nārāyaṇaṃ devam |<br> | |||
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam |<br> | |||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi dhyāye brahma sanātanam ||<br> | |||
atha jantuḥ strīyoniśataṃ yonidvāri<br> | |||
samprāpto yantreṇāpīḍyamāno mahatā duḥkhena jātamātrastu<br> | |||
vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate tadā na smarati janmamaraṇaṃ<br> | |||
na ca karma śubhāśubham || 4 ||<br> | |||
śarīramiti kasmāt<br> | |||
sākṣādagnayo hyatra śriyante jñānāgnirdarśanāgniḥ<br> | |||
koṣṭhāgniriti | tatra koṣṭhāgnirnāmāśitapītalehyacoṣyaṃ<br> | |||
pacatīti | darśanāgnī rūpādīnāṃ darśanaṃ karoti |<br> | |||
jñānāgniḥ śubhāśubhaṃ ca karma vindati | tatra trīṇi<br> | |||
sthānāni bhavanti hṛdaye dakṣiṇāgnirudare gārhapatyaṃ<br> | |||
mukhamāhavanīyamātmā yajamāno buddhiṃ patnīṃ nidhāya<br> | |||
mano brahmā lobhādayaḥ paśavo dhṛtirdīkṣā santoṣaśca<br> | |||
buddhīndriyāṇi yajñapātrāṇi karmendriyāṇi havīṃṣi śiraḥ<br> | |||
kapālaṃ keśā darbhā mukhamantarvediḥ catuṣkapālaṃ<br> | |||
śiraḥ ṣoḍaśa pārśvadantoṣṭhapaṭalāni saptottaraṃ<br> | |||
marmaśataṃ sāśītikaṃ sandhiśataṃ sanavakaṃ snāyuśataṃ<br> | |||
sapta śirāsatāni pañca majjāśatāni asthīni ca ha<br> | |||
vai trīṇi śatāni ṣaṣṭiścārdhacatasro romāṇi koṭyo<br> | |||
hṛdayaṃ palānyaṣṭau dvādaśa palāni jihvā pittaprasthaṃ<br> | |||
kaphasyāḍhakaṃ śuklaṃ kuḍavaṃ medaḥ prasthau dvāvaniyataṃ<br> | |||
mūtrapurīṣamāhāraparimāṇāt | paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ<br> | |||
parisamāptaṃ paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ parisamāptamiti ||<br> | |||
oṃ<br> | |||
saha nāvavatviti śāntiḥ ||<br> | |||
iti garbhopaniṣatsamāptā ||<br> | |||
== Garbha Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung == | |||
Der Körper wird als Verbindung der fünf Elemente beschrieben. Harte, flüssige, warme, bewegliche und räumliche Aspekte werden Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum zugeordnet. Dies ist ein vormodernes philosophisches Körpermodell. | |||
Sinnesorgane, Handlungsfunktionen, sechs Geschmäcker, Töne und sieben Dhatus werden in traditionellen Entsprechungsreihen geordnet. | |||
Die Upanishad gibt ein historisches Stufenmodell der Embryonalentwicklung und alte Vorstellungen zu Geschlecht, Behinderung und Mehrlingsgeburt wieder. Diese Angaben entsprechen nicht in allen Punkten heutiger Biologie und Medizin. | |||
Im neunten Monat wird dem ungeborenen Jiva symbolisch Erinnerung an frühere Geburten und Karma zugeschrieben. Er beklagt den Kreislauf von Geburt und Tod und nimmt sich vor, nach der Geburt Sankhya, Yoga, Maheshvara, Narayana und das ewige Brahman zu suchen. | |||
Mit der Geburt tritt nach der spirituellen Bildsprache des Textes Vergessen ein. | |||
Zum Schluss wird der Körper als innere Opferstätte gedeutet: Verdauung, Wahrnehmung und Erkenntnis sind Feuer; der Atman ist der Opferherr, Buddhi und Manas übernehmen rituelle Funktionen. Die abschließenden Körperzahlen sind vormoderne Anatomie; der bleibende Sinn ist die Verwandlung des gesamten Lebens in ein inneres Yajna auf Moksha hin. | |||
== Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Garbha Upanishad für ernsthafte Aspiranten == | |||
'''1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.'''<br> | |||
Die Garbha Upanishad richtet den Blick auf der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.<br> | |||
'''2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.'''<br> | |||
Führe ein kleines Studienheft zu [[Atman]], [[Brahman]], Maya und Moksha. Prüfe danach in der [[Meditation]], worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.<br> | |||
'''3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.'''<br> | |||
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.<br> | |||
'''4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.'''<br> | |||
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.<br> | |||
'''5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.'''<br> | |||
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.<br> | |||
== Literatur und Quellen == | |||
* Paul Deussen: ''Sechzig Upanishad's des Veda''. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte. | |||
* K. Narayanasvami Aiyar: ''Thirty Minor Upanishads''. Madras 1914. | |||
* T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library. | |||
* Patrick Olivelle: ''Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation''. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte. | |||
* [https://sanskritdocuments.org/ Sanskrit Documents] – elektronische Sanskritausgaben. | |||
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/garbha.html Garbha Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage] | |||
* [https://archive.org/details/1UpanishadsRigVeda 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen] | |||
* [https://archive.org/details/sechzigupanishad00deusuoft Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat] | |||
* [https://archive.org/details/thirtyminorupani00xxxxuoft K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/krishnananda/upanishaden/ Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/andere-autoren/upanishaden/ Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga] | |||
'''Redaktioneller Hinweis:''' Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition. | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
* [[Shvetashvatara Upanishad]], [[Maitrayaniya Upanishad]], [[Kaushitaki Brahmana Upanishad]], [[Subala Upanishad]], [[Mantrika Upanishad]], [[Sarvasara Upanishad]], [[Niralamba Upanishad]] | |||
*[[Garbhasana]] | *[[Garbhasana]] | ||
*[[Hiranyagarbha]] | *[[Hiranyagarbha]] | ||
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*[[Leben]] | *[[Leben]] | ||
*[[Erkenntnis]] | *[[Erkenntnis]] | ||
*[ | *[https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
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==Seminare== | ==Seminare== | ||
===[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/schwangerenyoga/ Yoga für Schwangere]=== | |||
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==Multimedia== | ==Multimedia== | ||
'''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas''' | '''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas''' | ||
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'''Jnana Yoga und Vedanta Einführung''' | '''Jnana Yoga und Vedanta Einführung''' | ||
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'''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden''' | '''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden''' | ||
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'''111 Geschichten aus den Upanishaden''' | '''111 Geschichten aus den Upanishaden''' | ||
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Aktuelle Version vom 1. September 2026, 15:07 Uhr
Garbha Upanishad und Garbhopanishad (Sanskrit): गर्भोपनिषद् garbhopaniṣad f.) bedeutet "Geheimlehre (Upanishad) über den Embryo (Garbha)". Sie ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda bzw. Shruti genannt werden. Die Garbha Upanishad gehört zum Atharvaveda und ist bei Deussen als reine Vedanta Upanishad aufgeführt. Sie gibt Auskunft über den Entwicklungsprozess des Embryos im Mutterleib.
Die Garbha Upanishad gehört zur Gruppe der Samanya Vedanta Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Krishna Yajurveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; Karma, Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Für heutige Übende ist entscheidend, dass Yoga hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, Meditation, Hingabe und Selbsterkenntnis bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen.
Garbha Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die Garbha Upanishad verbindet Vedanta mit einer vormodernen indischen Körper- und Embryologielehre. Jeder überlieferte Hauptabschnitt und die metrischen Lehrstrophen des ungeborenen Jiva werden einzeln übersetzt. Anatomische, genetische und embryologische Angaben werden ausdrücklich als historische Vorstellungen gekennzeichnet; sie sind keine moderne medizinische Information. Der spirituelle Schwerpunkt liegt auf Körpervergänglichkeit, Karma, Erinnerung an Samsara und dem Vorsatz zu Yoga und Brahman-Erkenntnis.
Traditioneller Eröffnungsvers und Shanti-Hinweis Garbha Upanishad
yadgarbhopaniṣadvedyaṃ garbhasya svātmabodhakam |
śarīrāpahnavātsiddhaṃ svamātraṃ kalaye harim ||
oṃ sahanāvavatviti śāntiḥ ||
Ich meditiere über Hari als das eigene Selbst, das durch die Garbha Upanishad erkannt werden soll, im Embryo beziehungsweise verkörperten Wesen Selbsterkenntnis erweckt und durch das Durchschauen der Körperidentifikation verwirklicht wird. Es folgt das traditionelle „Saha nau avatu“-Shanti-Mantra.
Wort-für-Wort-Erläuterung: garbha-upaniṣat-vedyam – durch die Garbha Upanishad zu erkennen; garbhasya sva-ātma-bodhakam – dem im Mutterleib befindlichen Wesen Erkenntnis des eigenen Selbst vermittelnd; śarīra-apahnavāt – durch Zurückweisung/Durchschauen der Körperidentifikation; siddham – verwirklicht; svamātram – das eigene reine Selbst; harim – Hari; kalaye – ich meditiere/kontempliere.
Einleitende Prosatexteinheit Garbha Upanishad – Aufbau des Körpers
oṃ pañcātmakaṃ pañcasu vartamānaṃ ṣaḍāśrayaṃ
ṣaḍguṇayogayuktam |
tatsaptadhātu trimalaṃ dviyoni
caturvidhāhāramayaṃ śarīraṃ bhavati ||
pañcātmakamiti kasmāt pṛthivyāpastejovāyurākāśamiti |
asminpañcātmake
śarīre kā pṛthivī kā āpaḥ kiṃ tejaḥ ko vāyuḥ kimākāśam |
tatra yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tā āpo yaduṣṇaṃ
tattejo yatsañcarati sa vāyuḥ yatsuṣiraṃ tadākāśamityucyate ||
Om. Der Körper wird in der vormodernen physiologischen Lehre der Upanishad als aus fünf Elementen bestehend beschrieben, mit verschiedenen Stützen, Qualitäten, sieben Dhatus, drei Malas und unterschiedlichen Nahrungs- und Entstehungsbedingungen. Die fünf Elemente sind Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum: Das Harte wird der Erde, das Flüssige dem Wasser, das Warme dem Feuer, das Bewegliche der Luft und Hohlräume beziehungsweise Offenheit dem Raum zugeordnet. Diese Zuordnungen sind ein historisches philosophisch-medizinisches Modell und keine moderne Anatomie.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-ātmakam – fünffach, aus fünf Prinzipien bestehend; ṣaḍ-āśrayam – sechs Stützen besitzend; sapta-dhātu – sieben Gewebsprinzipien/Dhatus; tri-malam – drei Ausscheidungen/Unreinheiten; catur-vidha-āhāra-mayam – aus vier Arten von Nahrung gebildet; pṛthivī – Erde; āpaḥ – Wasser; tejas – Feuer/Hitze; vāyuḥ – Luft/Bewegung; ākāśam – Raum; kaṭhinam – hart; dravam – flüssig; uṣṇam – warm/heiß; saṃcarati – bewegt sich; suṣiram – hohl/offen.
1. Abschnitt Garbha Upanishad – Elemente, Sinne, Funktionen und Geschmäcker
tatra pṛthivī dhāraṇe āpaḥ piṇḍīkaraṇe tejaḥ prakāśane
vāyurgamane ākāśamavakāśapradāne | pṛthak śrotre
śabdopalabdhau tvak sparśe cakṣuṣī rūpe jihvā rasane
nāsikāghrāṇe upasthaścānandane'pānamutsarge buddhyā
buddhyati manasā saṅkalpayati vācā vadati | ṣaḍāśrayamiti
kasmāt madhurāmlalavaṇatiktakaṭukaṣāyarasānvindate |
ṣaḍjarṣabhagāndhāramadhyamapañcamadhaivataniṣādāśceti |
iṣṭāniṣṭaśabdasaṃjñāḥ pratividhāḥ saptavidhā bhavanti || 1 ||
Erde steht für Tragfähigkeit, Wasser für Zusammenhalt, Feuer für Sichtbarwerden, Luft für Bewegung und Raum für das Gewähren von Platz. Das Ohr erfasst Klang, die Haut Berührung, das Auge Form, die Zunge Geschmack und die Nase Geruch. Weitere Funktionen werden Fortpflanzung, Ausscheidung, Erkennen, Vorstellen und Sprechen zugeordnet. Als sechs Geschmäcker nennt der Text süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb; außerdem führt er die sieben Töne der indischen Musik an. Auch hier handelt es sich um ein traditionelles System von Entsprechungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: dhāraṇe – beim Tragen/Stützen; piṇḍīkaraṇe – beim Zusammenfügen; prakāśane – beim Sichtbar-/Leuchtendmachen; gamane – bei Bewegung; avakāśa-pradāne – Raum gebend; śrotram – Ohr; śabda-upalabdhau – Wahrnehmung von Klang; tvak – Haut; sparśe – Berührung; cakṣuṣī – Augen; rūpe – Form; jihvā – Zunge; rasane – Geschmack; nāsikā – Nase; āghrāṇe – Riechen; buddhyā buddhyati – durch Buddhi erkennt; manasā saṅkalpayati – durch Manas stellt vor/beabsichtigt; vācā vadati – durch Rede spricht; madhura-amla-lavaṇa-tikta-kaṭuka-kaṣāya – süß, sauer, salzig, bitter, scharf, herb; ṣaḍja...niṣāda – sieben klassische Tonstufen.
2. Abschnitt Garbha Upanishad – Sieben Dhatus und Entstehung des Embryos
śuklo raktaḥ kṛṣṇo dhūmraḥ pītaḥ kapilaḥ pāṇḍura iti |
saptadhātumiti kasmāt yadā devadattasya dravyādiviṣayā
jāyante || parasparaṃ saumyaguṇatvāt ṣaḍvidho raso
rasācchoṇitaṃ śoṇitānmāṃsaṃ māṃsānmedo medasaḥ
snāvā snāvno'sthīnyasthibhyo majjā majjñaḥ śukraṃ
śukraśoṇitasaṃyogādāvartate garbho hṛdi vyavasthāṃ
nayati | hṛdaye'ntarāgniḥ agnisthāne pittaṃ pittasthāne
vāyuḥ vāyusthāne hṛdayaṃ prājāpatyātkramāt || 2 ||
Der Text nennt verschiedene Farben und erklärt dann seine traditionelle Lehre der sieben Dhatus: Aus Rasa entstehe Blut, aus Blut Fleisch, daraus Fett, Sehnen, Knochen, Mark und schließlich Fortpflanzungssubstanz; aus der Verbindung männlicher und weiblicher Zeugungssubstanzen entstehe der Embryo. Herz, inneres Feuer, Pitta und Vayu werden in einer symbolisch-physiologischen Ordnung miteinander verbunden. Diese Sequenz gehört zur vormodernen indischen Körperlehre und stimmt nicht in allen Punkten mit heutiger Biologie überein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sapta-dhātu – sieben Gewebsprinzipien; rasa – Nährsaft; śoṇitam – Blut; māṃsam – Fleisch/Muskel; medas – Fettgewebe; snāva – Sehnen/Bänder; asthi – Knochen; majjā – Mark; śukram – Fortpflanzungssubstanz; śukra-śoṇita-saṃyogāt – aus Verbindung männlicher und weiblicher Zeugungssubstanz; garbhaḥ – Embryo/Fötus; hṛdaye antar-agniḥ – inneres Feuer im Herzen; pittam – Pitta; vāyuḥ – Vayu; krama – Ordnung/Reihenfolge.
3a. Abschnitt Garbha Upanishad – Vormodernes Modell der Embryonalentwicklung
ṛtukāle samprayogādekarātroṣitaṃ kalilaṃ bhavati
saptarātroṣitaṃ budbudaṃ bhavati ardhamāsābhyantareṇa piṇḍo
bhavati māsābhyantareṇa kaṭhino bhavati māsadvayena śiraḥ
sampadyate māsatrayeṇa pādapraveśo bhavati | atha caturthe māse
jaṭharakaṭipradeśo bhavati | pañcame māse pṛṣṭhavaṃśo bhavati |
ṣaṣṭhe māse mukhanāsikākṣiśrotrāṇi bhavanti | saptame
māse jīvena saṃyukto bhavati | aṣṭame māse sarvasampūrṇo
bhavati |
Die Upanishad schildert anschließend ein vormodernes Stufenmodell der Schwangerschaft: vom ersten Tag über eine blasen- und klumpenartige Phase bis zur Ausbildung von Kopf, Gliedmaßen, Rumpf, Wirbelsäule und Sinnesorganen in bestimmten Monaten. Im siebten Monat werde der Embryo mit dem Jiva verbunden, im achten sei er vollständig ausgebildet. Diese Monatsangaben sind historischer Textinhalt und keine verlässliche moderne Embryologie; für medizinische Fragen gelten heutige wissenschaftliche Erkenntnisse.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛtu-kāle samprayogāt – durch Vereinigung zur fruchtbaren Zeit; eka-rātra-uṣitam – nach einer Nacht; kalilam – Keimmasse; sapta-rātra – sieben Nächte; budbudam – Blase; ardha-māsa – halber Monat; piṇḍaḥ – Klumpen/Masse; māsa-dvayena – nach zwei Monaten; śiraḥ – Kopf; māsa-trayeṇa – nach drei Monaten; pāda – Füße/Gliedmaßen; jaṭhara-kaṭi-pradeśaḥ – Bauch- und Hüftbereich; pṛṣṭha-vaṃśaḥ – Wirbelsäule/Rückenlinie; mukha-nāsikā-akṣi-śrotrāṇi – Mund, Nase, Augen und Ohren; jīvena saṃyuktaḥ – mit dem Jiva verbunden; sarva-sampūrṇaḥ – vollständig ausgebildet.
3b. Abschnitt Garbha Upanishad – Traditionelle Vorstellungen zu Geschlecht und Mehrlingsgeburt
pitū reto'tiriktāt puruṣo bhavati | mātuḥ
reto'tiriktātstriyo bhavantyubhayorbījatulyatvānnapuṃsako
bhavati | vyākulitamanaso'ndhāḥ khañjāḥ kubjā vāmanā
bhavanti | anyonyavāyuparipīḍitaśukradvaidhyāddvidhā
tanuḥ syāttato yugmāḥ prajāyante ||
Danach folgen historische Vorstellungen über die Entstehung männlichen, weiblichen oder intersexuellen Geschlechts, über angeborene Behinderungen und über Zwillinge. Die Upanishad erklärt dies mit dem Überwiegen beziehungsweise Gleichgewicht elterlicher Zeugungssubstanzen, dem Geisteszustand der Eltern und einer Teilung der Zeugungssubstanz. Diese Aussagen spiegeln vormoderne Vorstellungen und entsprechen nicht der heutigen Genetik, Embryologie oder Medizin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pituḥ retaḥ atiriktāt – durch Überwiegen der väterlichen Zeugungssubstanz; mātuḥ retaḥ atiriktāt – durch Überwiegen der mütterlichen; ubhayoḥ bīja-tulyatvāt – bei Gleichheit beider Keimanteile; napuṃsakaḥ – traditioneller Begriff für nicht eindeutig männlich/weiblich; andhāḥ – blind; khañjāḥ – gehbehindert; kubjāḥ – gekrümmt; vāmanāḥ – kleinwüchsig; śukra-dvaidhyāt – durch Zweiteilung der Zeugungssubstanz; yugmāḥ – Zwillinge/Paare; prajāyante – werden geboren.
3c. Abschnitt Garbha Upanishad – Om, Prakriti und Erinnerung im neunten Monat
pañcātmakaḥ samarthaḥ
pañcātmakatejaseddharasaśca samyagjñānāt dhyānāt
akṣaramoṅkāraṃ cintayati | tadetadekākṣaraṃ jñātvā'ṣṭau
prakṛtayaḥ ṣoḍaśa vikārāḥ śarīre tasyaive dehinām | atha
mātrā'śitapītanāḍīsūtragatena prāṇa āpyāyate | atha
navame māsi sarvalakṣaṇasampūrṇo bhavati pūrvajātīḥ smarati
kṛtākṛtaṃ ca karma vibhāti śubhāśubhaṃ ca karma vindati || 3 ||
Der Text verbindet den Körper mit den fünf Elementen und führt die Kontemplation des unvergänglichen einsilbigen Om ein. Er nennt acht Prakritis und sechzehn Veränderungen als Bestandteile des verkörperten Daseins. Die Ernährung des Ungeborenen wird über die von der Mutter aufgenommene Nahrung erklärt. Für den neunten Monat behauptet die Upanishad, der Fötus erinnere sich an frühere Geburten und erkenne gutes und schlechtes Karma. Dies ist eine spirituell-mythologische Aussage des Textes, keine empirisch nachgewiesene Gedächtnisleistung eines Fötus.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-ātmakaḥ – aus fünf Elementen bestehend; akṣaram oṃkāram cintayati – kontempliert den unvergänglichen Om-Laut; eka-akṣaram – einsilbig; aṣṭau prakṛtayaḥ – acht Prakritis; ṣoḍaśa vikārāḥ – sechzehn Veränderungen; dehinām – der Verkörperten; mātrā aśita-pīta – von der Mutter Gegessenes und Getrunkenes; prāṇaḥ āpyāyate – Prana wird genährt; navame māsi – im neunten Monat; pūrva-jātīḥ smarati – erinnert sich an frühere Geburten, Textbehauptung; śubha-aśubham karma – gutes und schlechtes Karma.
3d. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Erinnerung an viele Geburten
nānāyonisahasrāṇi dṛṣṭvā caiva tato mayā |
āhārā vividhā bhuktāḥ pītāśca vividhāḥ stanāḥ ||
„Tausende verschiedenartiger Geburten habe ich erfahren; vielerlei Nahrung habe ich gegessen und aus vielerlei Brüsten getrunken.“ Der Fötus spricht hier als symbolische Stimme des Jiva, der sich an die lange Wanderung durch Samsara erinnert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nānā-yoni-sahasrāṇi – Tausende verschiedener Geburtsformen; dṛṣṭvā – gesehen/erfahren habend; mayā – von mir; āhārāḥ vividhāḥ – verschiedene Nahrungen; bhuktāḥ – gegessen; pītāḥ – getrunken; vividhāḥ stanāḥ – verschiedene Brüste/Muttermilchquellen.
3e. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Das Leiden wiederholter Geburt und Tod
jātasyaiva mṛtasyaiva janma caiva punaḥ punaḥ |
aho duḥkhodadhau magnaḥ na paśyāmi pratikriyām ||
„Immer wieder werde ich geboren und sterbe wieder. Ach, ich bin in den Ozean des Leidens versunken und sehe keinen Ausweg.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: jātasya – geboren; mṛtasya – gestorben; janma punaḥ punaḥ – Geburt immer wieder; aho – ach; duḥkha-udadhi – Ozean des Leidens; magnaḥ – versunken; na paśyāmi – ich sehe nicht; pratikriyām – Gegenmittel, Ausweg.
3f. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Karma trägt jeder selbst
yanmayā parijanasyārthe kṛtaṃ karma śubhāśubham |
ekākī tena dahyāmi gatāste phalabhoginaḥ ||
„Was ich um meiner Angehörigen willen an gutem oder schlechtem Karma getan habe, dessen Folgen erfahre ich allein; diejenigen, für die ich handelte, sind fort.“ Der Vers betont persönliche karmische Verantwortung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mayā – von mir; parijanasya arthe – um der Angehörigen willen; kṛtam karma – getane Handlung; śubha-aśubham – gut und schlecht; ekākī – allein; tena dahyāmi – davon werde ich gleichsam verbrannt/erfahre die Folgen; phalabhoginaḥ – Genießer der Früchte.
3g. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Vorsatz zu Samkhya und Yoga
yadi yonyāṃ pramuñcāmi sāṃkhyaṃ yogaṃ samāśraye |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||
„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich mich Sankhya und Yoga zuwenden – Wegen, die Unheilsames überwinden und zur Befreiung führen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yadi yonyām pramuñcāmi – wenn ich aus dem Mutterleib freikomme; sāṃkhyam – Sankhya; yogam – Yoga; samāśraye – ich werde Zuflucht nehmen; aśubha-kṣaya-kartāram – das Unheilsame vernichtend; phala-mukti-pradāyakam – Frucht und Befreiung gewährend.
3h. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Zuflucht zu Maheshvara
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye maheśvaram |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||
„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich Zuflucht zu Maheshvara nehmen, der Unheilsames überwindet und Befreiung schenkt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: prapadye – ich nehme Zuflucht; maheśvaram – zu Maheshvara, dem großen Herrn; aśubha-kṣaya-kartāram – Unheilsames überwindend; mukti-pradāyakam – Befreiung schenkend.
3i. Lehrstrophe Garbha Upanishad – Zuflucht zu Narayana und Brahman
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye
bhagavantaṃ nārāyaṇaṃ devam |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam |
yadi yonyāṃ pramuñcāmi dhyāye brahma sanātanam ||
„Wenn ich aus diesem Mutterleib herauskomme, will ich Zuflucht zu Bhagavan Narayana nehmen, der Unheilsames überwindet und Befreiung schenkt. Wenn ich herauskomme, will ich über das ewige Brahman meditieren.“ Der Text verbindet damit Sankhya, Yoga, Shiva-, Vishnu- und Brahman-Ausrichtung als Wege aus der Samsara-Bindung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhagavantam nārāyaṇam devam – zum göttlichen Bhagavan Narayana; prapadye – ich nehme Zuflucht; phala-mukti-pradāyakam – Befreiung gewährend; dhyāye – ich werde meditieren; brahma sanātanam – das ewige Brahman.
4. Abschnitt Garbha Upanishad – Geburt und Vergessen
atha jantuḥ strīyoniśataṃ yonidvāri
samprāpto yantreṇāpīḍyamāno mahatā duḥkhena jātamātrastu
vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate tadā na smarati janmamaraṇaṃ
na ca karma śubhāśubham || 4 ||
Wenn das Wesen den Geburtsweg erreicht, schildert die Upanishad die Geburt als äußerst leidvolle Passage. Unmittelbar nach der Geburt werde es vom „vaishnavischen Wind“ berührt und verliere dadurch die Erinnerung an frühere Geburten, Tode und an gutes oder schlechtes Karma. Auch dies ist spirituell-mythologische Anthropologie: Die Geburt symbolisiert den Übergang von einer angenommenen tiefen Erinnerung in die Unwissenheit des gewöhnlichen Bewusstseins.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jantuḥ – Lebewesen; yoni-dvāri samprāptaḥ – am Ausgang des Mutterleibs angekommen; yantrena āpīḍyamānaḥ – wie durch eine Vorrichtung gepresst, Bild für Geburtswehen; mahatā duḥkhena – mit großem Leiden; jāta-mātraḥ – gerade geboren; vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate – vom vaishnavischen Wind berührt; na smarati – erinnert sich nicht; janma-maraṇam – Geburt und Tod; śubha-aśubham karma – gutes und schlechtes Karma.
Abschließende Prosatexteinheit Garbha Upanishad – Der Körper als Opferstätte
śarīramiti kasmāt
sākṣādagnayo hyatra śriyante jñānāgnirdarśanāgniḥ
koṣṭhāgniriti | tatra koṣṭhāgnirnāmāśitapītalehyacoṣyaṃ
pacatīti | darśanāgnī rūpādīnāṃ darśanaṃ karoti |
jñānāgniḥ śubhāśubhaṃ ca karma vindati | tatra trīṇi
sthānāni bhavanti hṛdaye dakṣiṇāgnirudare gārhapatyaṃ
mukhamāhavanīyamātmā yajamāno buddhiṃ patnīṃ nidhāya
mano brahmā lobhādayaḥ paśavo dhṛtirdīkṣā santoṣaśca
buddhīndriyāṇi yajñapātrāṇi karmendriyāṇi havīṃṣi śiraḥ
kapālaṃ keśā darbhā mukhamantarvediḥ catuṣkapālaṃ
śiraḥ ṣoḍaśa pārśvadantoṣṭhapaṭalāni saptottaraṃ
marmaśataṃ sāśītikaṃ sandhiśataṃ sanavakaṃ snāyuśataṃ
sapta śirāsatāni pañca majjāśatāni asthīni ca ha
vai trīṇi śatāni ṣaṣṭiścārdhacatasro romāṇi koṭyo
hṛdayaṃ palānyaṣṭau dvādaśa palāni jihvā pittaprasthaṃ
kaphasyāḍhakaṃ śuklaṃ kuḍavaṃ medaḥ prasthau dvāvaniyataṃ
mūtrapurīṣamāhāraparimāṇāt | paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ
parisamāptaṃ paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ parisamāptamiti ||
Zum Schluss deutet die Upanishad den Körper selbst als Opferstätte. Sie unterscheidet Verdauungsfeuer, „Feuer des Sehens“ und Erkenntnisfeuer; Herz, Bauch und Mund werden mit den drei Opferfeuern verbunden. Der Atman ist der Yajamana, Buddhi seine Partnerin, der Geist übernimmt eine priesterliche Funktion, Begierden erscheinen als Opfertiere, Sinnesorgane als Opfergeräte und Handlungsorgane als Darbringungen. Danach folgen traditionelle Zahlenangaben zu Körperteilen, Gefäßen, Knochen, Haaren und Körpersäften. Diese Zahlen sind vormoderne Anatomie und nicht medizinisch zuverlässig. Der tiefere symbolische Gedanke ist jedoch klar: Das gesamte verkörperte Leben kann als inneres Yajna verstanden werden, dessen Erkenntnis auf Moksha zielt. Damit endet die Moksha-Lehre der Pippalada-Tradition.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śarīram – Körper; jñāna-agniḥ – Erkenntnisfeuer; darśana-agniḥ – Feuer des Sehens; koṣṭha-agniḥ – Verdauungsfeuer; pacati – verdaut/kocht; dakṣiṇa-agniḥ, gārhapatyam, āhavanīyam – drei Opferfeuer; ātmā yajamānaḥ – der Atman ist der Opferherr; buddhiṃ patnīm – Buddhi als Partnerin; manaḥ brahmā – Manas als Brahma-Priester; lobha-ādayaḥ paśavaḥ – Gier usw. als Opfertiere; dhṛtiḥ dīkṣā – Standhaftigkeit als Initiation; santoṣaḥ – Zufriedenheit; buddhi-indriyāṇi yajña-pātrāṇi – Erkenntnissinne als Opfergeräte; karma-indriyāṇi havīṃṣi – Handlungsorgane als Opfergaben; mokṣa-śāstram – Befreiungslehre; parisamāptam – vollständig beendet.
Kolophon Garbha Upanishad
oṃ saha nāvavatviti śāntiḥ ||
iti garbhopaniṣatsamāptā ||
Das Shanti Mantra wird zum Abschluss angedeutet. Damit endet die Garbha Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śāntiḥ – Frieden; garbha-upaniṣat – Garbha Upanishad; samāptā – beendet.
Garbha Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung
Name, Einordnung und Überlieferung
Der Name bezeichnet die Lehre über der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Als Samanya Vedanta Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Krishna Yajurveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.
Datierung
Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Die moderne Forschung behandelt die Schrift als eigenständiges Zeugnis ihrer jeweiligen religiösen und philosophischen Überlieferung; über Autor und exakten Entstehungsort besteht keine gesicherte Kenntnis. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.
Aufbau und Inhalt
Der Text entfaltet fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; Karma, Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.
Philosophische Kernlehre
Die zentrale Perspektive lautet: der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Beziehungen zu anderen Schriften
Thematisch steht die Garbha Upanishad besonders neben Shvetashvatara Upanishad, Maitrayaniya Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad, Subala Upanishad, Mantrika Upanishad, Sarvasara Upanishad, Niralamba Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.
Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Garbha Upanishad einen eigenen Akzent setzt.
Bedeutung für die Tradition
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – fünf Elemente und Körperbestandteile; Schwangerschaftsmonate; Karma, Geburt und das Gelübde des Wesens im Mutterleib – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.
Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.
Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten
Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.
Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter
Für Yogalehrer ist die Garbha Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.
Bleibende Botschaft
Die bleibende Einladung der Garbha Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.
Garbha Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen
Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 732 - 738.
Die Garbha Upanishad[1] (d. h. "Geheimlehre über den Embryo".) enthält, anknüpfend an einen vorangestellten Vers, allerlei Betrachtungen über die Elemente und Teile des menschlichen Leibes und schildert speziell die Entwicklung des Embryo im Mutterleib. Hiernach würde diese Schrift eher in ein Lehrbuch der Physiologie und Medizin als in die Sammlung der Upanishaden gehören und die am Schluß stehende Bezeichnung als "Erlösungslehre des Pippalada" sehr wenig rechtfertigen, — enthielte sie nicht in ihrem mittleren Teil bei Beschreibung der Entwicklung des Embryo die auf Stellen wie Rigveda 4,26,1. 4,27,1. 10,177,2 beruhende (Gesch. d. Philos. I, 253) und durch ihre Analoga in der abendländischen Philosophie interessante Vorstellung, daß der Embryo scheu im Mutterleib im Besitz des Wissens (der eigenen früheren Geburten, des Unterschiedes von Gutem und Bösem usw.) gewesen sei, dieses alles aber bei seinem Austritt aus dem Mutterschoß vergessen habe. — Der Standpunkt des Verfassers ist, wie die nebeneinanderstehende Erwähnung von Samkhya-Yoga, Mahesvara (Siva), Narayana (Visnu) und Brahma zu beweisen scheint, ein im höchsten Grade konziliatorischer, wenn wir nicht etwa hier (vgl. zu Chand. 8,14, oben S. 201) Formeln zur Auswahl für die verschiedenen Bekenntnisse vor uns haben.
Der Text ist vielfach verderbt und lückenhaft, und die Verworrenheit des Kommentars des Narayana wird nur noch überboten durch die Nachlässigkeit und Unwissenheit seines Herausgebers in der Bibliotheca Indica.[2]
Om!
- 1. Aus fünf bestehend, in je fünfen schaltend,
- Auf sechs gestützt, sechs-Eigenschaft-behaftet,
- Sieben-Grundstoff-haft, drei-Schleim-haft, zwei-erzeugt-haft,
- Vierfacher Nahrung teilhaft ist der Körper.
Warum ist er "aus fünf bestehend" [und "in fünfen schaltend"]? -
Weil er aus Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther besteht.
Was ist an diesem "aus fünf bestehenden" Leib Erde, was Wasser, was Feuer, was Wind, was Äther? -
Was an diesem aus fünf bestehenden Leib das Feste ist, das ist Erde, was das Flüssige, das ist Wasser, was das Warme, das ist Feuer, was umherstreicht, das ist der Wind, was das Hohle ist, das ist der Äther. - Hierbei [ist er "in je fünfen schaltend", sofern] die Erde ihm zur Stützung dient, das Wasser zur Assimilation der Nahrung (Pindikaranam, vgl. Chand. 6,8,3], das Feuer zur Erleuchtung, der Wind zur Verteilung [der Stoffe], der Äther zur Raumgewährung. - In anderer Art[3] [ist er "in je fünfen schaltend", sofern] die Ohren der Wahrnehmung der Töne, die Haut dem Fühlen, die Augen dem Sehen, die Zunge dem Schmecken und die Nase dem Riechen dient. - [Oder hinwiederum, sofern] das Geschlechtsglied dem Geschlechtsgenuß, der Apana der Entleerung dient, während er mit der Buddhi erkennt, mit dem Manas vorstellt, mit der Rede redet.
Warum ist er "auf sechs gestützt"?
Weil er [in der Nahrung, aus der er sich aufbaut] den süßen, sauern, salzigen, bittern, beißenden und herben Geschmack vorfindet.
Ferner sind da Shadja, Rishabha, Gandhara, Madhyama, Pancama, Dhaivata und Nishada [als die sieben Töne der Tonleiter]. Ferner werden [die oben aufgezählten Fünfheiten], je nachdem sie mit den Worten "angenehm" oder "unangenehm" gekennzeichnet werden, durch ihre Verwendung zu zehnen.[4]
2. Warum ist der Leib "sieben-Grundstoff-haft"?
Weil in ihm 1) weiße, 2) rote, 3) dunkle, 4) rauchfarbige, 5) gelbe, 6) braune, 7) blasse [Flüssigkeit sich befindet], je nachdem z. B. dem Devadatta Materien [lies Dravyani, mit Narayana] zu Objekten [der Ernährung] werden. (Die gemeinsame Quelle aber aller sieben Grundstoffe] ist, sofern sie miteinander die Eigenschaft der Wässerigkeit gemeinsam haben, der sechsfache [oben erwähnte: süße, saure, salzige, bittere, beißende und herbe] Nahrungssaft.
Aus dem [1. weißen] Nahrungssaft entsteht das [2. rote] Blut, aus dem Blut das [3. dunkle, d. h. undurchsichtige] Fleisch, aus dem Fleisch das [4. rauchfarbige] Fett, aus dem Fett [Snayavah Snayubhyas ist, mit Samkarananda und dem Telugudruck zu streichen] die [5. gelben] Knochen, aus den Knochen das [6. braune] Mark, aus dem Mark der [7. blasse] Same.
Aus der Verbindung des Samens und des Blutes entwickelt sich der Embryo "im Herzen sind die Auseinandertretungen", wie es heißt. Nämlich im Herzen ist ein Feuer, und bei dem Feuer ist Galle, und bei der Galle ist Wind, und wo der Wind ist, da geht infolge eines schöpferischen Vorganges das Herz [des Kindes] hervor.
3. Aus der Paarung zur Zeit der Periode entsteht nach einer Nacht ein Knötchen, nach sieben Nächten eine Blase, innerhalb eines halben Monats ein Klumpen, innerhalb eines Monats wird er fest, nach zwei Monaten entsteht der Kopf, nach drei Monaten entstehen die Fußteile, im vierten Monat Fußknöchel, Bauch und Hüften, im fünften das Rückgrat, im sechsten Mund, Nase, Augen, Ohren, im siebten wird der Embryo mit der Seele (Jiva) ausgestattet, im achten ist er in allen Stücken vollständig.
Beim Überwiegen des väterlichen Samens entsteht ein Mann, beim Überwiegen des mütterlichen Samens ein Weib, beim Gleichgewicht des Samens beider ein Zwitter; bei Benommenheit des Gemütes entstehen Blinde, Lahme, Bucklige und Zwerge. Geht der durch die beiderseitigen Winde eingepreßte Same entzwei, so wird auch der Körper zweifach und es entstehen Zwillinge.
Der "aus den fünf [Elementen] bestehende" [Embryo] ist [im achten Monat nämlich, - die vorherigen Sätze über die Zeugung sind zwischeneingeschobene Betrachtungen] lebensfähig, und seine fünfteilige Buddhi hat vermöge der Intelligenz die Erkenntnis des Geruches, Geschmackes usw. Indem er selbst aber, nach dem Wort: "dann überdenkt er die unvergängliche Silbe Om" diese eine Silbe [als der Purusha] er kennt, so sind weiter auch die acht schöpferischen (Prakriti, Mahad, Ahamkara, 5 Tanmatras und die sechzehn erschaffenen [Manas, 10 Indriyas, 5 Bhutas, in summa also alle 25 Prinzipien der Samkhyalehre] in dem Leib eben dieser verkörperten Seele vorhanden. Dann gelangt mittels des von der Mutter Gegessenen und Getrunkenen und mittels der Aderschnur zu ihm Gelangenden auch sein Prana zum Schwellen. Im neunten Monat endlich ist er in allen Stücken und auch in der Erkenntnis vollständig; dann erinnert er sich [solange er noch im Mutterleib weilt) an seine früheren Geburten und hat Erkenntnis seiner guten und bösen Werke:
4. Nachdem schon tausendfach vormals
- In Mutterschößen ich geweilt,
- Genoß ich mancherlei Nahrung
- Und trank schon manche Mutterbrust.
- Geboren ward ich, starb wieder
- Und wurde stets geboren neu.
- Was ich an meinen Mitmenschen
- Getan von gut-und-bösem Werk,
- Dafür muß ich allein büßen;
- Die es genossen, sind dahin.
- Ach! in ein Weltmeer von Schmerzen
- Versenkt, seh' keine Heilung ich!
- Komm' erst vom Mutterschoß los ich,
- Wend' ich mich zu Mahesvara,
- Der das Böse macht zunichte
- Und als Lohn die Erlösung schenkt.
- Komm' erst vom Mutterschoß los ich,
- Wend' ich mich zu Narayana,
- Der das Böse macht zunichte
- Und als Lohn die Erlösung schenkt.
- Komm' erst vom Mutterschoß los ich,
- Studiere Samkhya-Yoga ich,
- Der das Böse macht zunichte
- Und als Lohn die Erlösung schenkt.
- Komm' erst vom Mutterschoß los ich,
- Will meditieren Brahman ich.
Wenn er aber sodann, zu den Pforten der Geschlechtsteile gelangend, durch die Einzwängung gequält und, unter großen Schmerzen kaum geboren, mit dem Vaishnava-Wind [dem Wind der Außenwelt im Gegensatz zu den Winden im Körper] in Berührung tritt, so kann er sich nicht mehr auf seine Geburten und Tode besinnen und hat keine Erkenntnis seiner guten und bösen Werke mehr.
Warum heißt er "der Körper" (Sariram)?
Weil in demselben Feuer angelegt sind (Sriyante), nämlich das Erkenntnisfeuer, das Sehensfeuer und das Bauchfeuer. Hierbei ist es das Bauchfeuer, welches Gegessenes, Getrunkenes, Gelecktes, Gesogenes verkocht. Das Sehensfeuer bewirkt das Sehen der Gestalten. Das Erkenntnisfeuer erkennt die guten und bösen Werke.
[Außerdem] sind da drei Feuerstätten; im Mund ist das Ahavaniya-Feuer, im Bauche das Garhapatya-Feuer, im Herzen das Daksina-Feuer. Der Atman ist der Opferherr, das Manas der Brahmane [der Priester dieses Namens], die Begierden usw. sind die Opfertiere, Ausdauer und Genügsamkeit sind die Opferweihe, die Erkenntnisorgane sind die Opfergefäße, die Tatorgane sind die Opferspenden; das Haupt ist die Opferschale, die Haare sind die Darbhagräser, der Mund ist das Innere des Opferbettes.
Der Kopf hat vier Schädelknochen, und an ihnen sind [auf jeder] Seite sechzehn Zahnzellen. [Am Leib], sind hundertundsieben Gelenke, hundertundachtzig Fugen, neunmalhundert Sehnen, siebenhundert Adern, fünfhundert Muskeln [Yajnav. 3,100; Majja soll nach dem Schol. für Pesi stehen], dreihundertundsechzig Knochen, und vier und eine halbe Koti (45 Millionen) Haare.
Das Herz wiegt acht Pala (364 Gramm), die Zunge zwölf Pala (546 Gramm), die Galle ein Prastham (728 Gramm), das Phlegma ein Adhakam (2912 Gramm), der Same ein Kudavam (182 Gramm), das Fett zwei Prastha (1456 Gramm), unbestimmt ist Kot und Urin, je nach dem Quantum der Nahrung.
Dies ist die Erlösungslehre des Pippalada, - die Erlösungslehre des Pippalada.
Fußnoten
- ↑ Zur Anordnung. Unter denjenigen Upanishaden des Atharvaveda, welche bestrebt sind, die Vedantalehre, ohne wesentliches Übergreifen in das Gebiet des Yoga, des Sannyasa, des Siva- und Visnu-Kultus, fortzubilden, sind die bedeutendsten und am allgemeinsten von den Vedantatheologen anerkannten die drei bisher vorgeführten: Mundaka, Praina, Mandukya. Eine vierte, die Brahma-Upanishad, welche man mit Weber (Literaturgesch., 2. Aufl., S. 178) noch zu diesem Kreis rechnen könnte, wird, mit Rücksicht auf den dritten, eigentümlichsten Teil, besser als Übergangsglied von den rein vedantischen zu den Sannyasa-Upanishaden an der Spitze dieser letzteren ihre Stelle finden. So bleibt uns für diese Klasse nur eine Nachlese von sechs Upanishaden übrig, welche teils nur einzelne Punkte der Vedantalehre näher ausführen (Garbha, Pranagnihotra, Pinda), teils eine Rekapitulation der Grundbegriffe des Vedanta unternehmen (Atma, Sarvopanishatsara), woran sich ein vereinzelt stehender Text (Garuda) anschließen mag. Bei Anordnung dieser ganzen Gruppe halten wir an der Reihenfolge der Liste Narayanas und Colebrookes fest, da dieselbe für die Entstehungszeit der einzelnen Texte möglicherweise von Bedeutung ist. - Unserer Übersetzung liegt hier und weiterhin der Text der Kalkuttaer Ausgabe, ergänzt durch Jacob's Eleven Atharvana Upanishaden (Bombay 1891) zugrunde. Daneben wurden die Lesarten der von Weber benutzten Handschriften (Ind. Studien I. II. IX.) sowie die des Telugudruckes herangezogen. Während des Druckes erschienen und konnten nachträglich noch benutzt werden: die "32 Upanishaden" in der Anandacrama Series (Puna 1895) sowie der Neudruck der "108 Upanishaden" (Bombay 1896). Über die von uns befolgte Lesart wird der die Originaltexte vergleichende Leser nirgendwo in Zweifel sein. Eine eingehende Diskussion der überaus zahlreichen und tiefgehenden Abweichungen der verschiedenen Texte voneinander liegt außerhalb der Grenze unserer gegenwärtigen Aufgabe und muß für spätere Gelegenheiten aufbewahrt bleiben.
- ↑ Zu p. 64,13 stoscubhiscu avartate bringt er in der Note aus Cod. क die Variante bei: stoscunascuh avatansa, iti und fügt hinzu: kintu ubhayapatho pi durbodhah!Er hat also nicht erkannt, daß er ein Sutram des Panini (8,4,40: stoh scuna scuh) vor sich hat, welches freilich im Kommentar an unrechter Stelle steht, da es sich nur auf das ramsac chonitam des Textes beziehen kann. — Auch die Punaer Ausgabe scheint das Zitat, da sie es hinter allopo nas (Pan. 6,4,134) zur Erklärung der Form majjnah bringt, nicht verstanden zu haben.
- ↑ Die Punaer Ausgabe liest mit Narayana prithustu "er (der Leib) ist aber (ja) raumerfüllend".
- ↑ Dieses nochmalige Zurückgreifen auf die Fünfheiten ist schwer erklärlich; noch schwerer, wie vorher plötzlich die sieben Töne der Skala hereingeschneit kommen. Narayana denkt mit Bezugnahme auf das Shadgunayogayuktam des Verses an die Verwendung der sieben Töne in den sechs Ragas und den zugehörigen sechsmal sechs Raginis; Samkarananda erklärt die Aufzählung der sieben Töne für einen Purvapaksha zu der Frage nach den "sieben Grundstoffen", obgleich diese Frage erst nachher aufgeworfen wird. Übrigens sind bei ihm Lesung und Wortstellung zu verschieden, als daß wir hier darauf eingehen könnten. Ganz andere Lesarten bietet wiederum der Telugudruck, und noch andere scheinen dem Oupnekhat vorgelegen zu haben. — Quot capita, tot sensus. Die Verderbtheit der Stelle scheint somit eine ganz desperate zu sein.
Garbha Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
यद्गर्भोपनिषद्वेद्यं गर्भस्य स्वात्मबोधकम् ।
शरीरापह्नवात्सिद्धं स्वमात्रं कलये हरिम् ॥
ॐ सहनाववत्विति शान्तिः ॥
ॐ पञ्चात्मकं पञ्चसु वर्तमानं षडाश्रयं
षड्गुणयोगयुक्तम् ।
तत्सप्तधातु त्रिमलं द्वियोनि
चतुर्विधाहारमयं शरीरं भवति ॥
पञ्चात्मकमिति कस्मात् पृथिव्यापस्तेजोवायुराकाशमिति ।
अस्मिन्पञ्चात्मके
शरीरे का पृथिवी का आपः किं तेजः को वायुः किमाकाशम् ।
तत्र यत्कठिनं सा पृथिवी यद्द्रवं ता आपो यदुष्णं
तत्तेजो यत्सञ्चरति स वायुः यत्सुषिरं तदाकाशमित्युच्यते ॥
तत्र पृथिवी धारणे आपः पिण्डीकरणे तेजः प्रकाशने
वायुर्गमने आकाशमवकाशप्रदाने । पृथक् श्रोत्रे
शब्दोपलब्धौ त्वक् स्पर्शे चक्षुषी रूपे जिह्वा रसने
नासिकाऽऽघ्राणे उपस्थश्चानन्दनेऽपानमुत्सर्गे बुद्ध्या
बुद्ध्यति मनसा सङ्कल्पयति वाचा वदति । षडाश्रयमिति
कस्मात् मधुराम्ललवणतिक्तकटुकषायरसान्विन्दते ।
षड्जर्षभगान्धारमध्यमपञ्चमधैवतनिषादाश्चेति ।
इष्टानिष्टशब्दसंज्ञाः प्रतिविधाः सप्तविधा भवन्ति ॥ १॥
शुक्लो रक्तः कृष्णो धूम्रः पीतः कपिलः पाण्डुर इति ।
सप्तधातुमिति कस्मात् यदा देवदत्तस्य द्रव्यादिविषया
जायन्ते ॥ परस्परं सौम्यगुणत्वात् षड्विधो रसो
रसाच्छोणितं शोणितान्मांसं मांसान्मेदो मेदसः
स्नावा स्नाव्नोऽस्थीन्यस्थिभ्यो मज्जा मज्ज्ञः शुक्रं
शुक्रशोणितसंयोगादावर्तते गर्भो हृदि व्यवस्थां
नयति । हृदयेऽन्तराग्निः अग्निस्थाने पित्तं पित्तस्थाने
वायुः वायुस्थाने हृदयं प्राजापत्यात्क्रमात् ॥ २॥
ऋतुकाले सम्प्रयोगादेकरात्रोषितं कलिलं भवति
सप्तरात्रोषितं बुद्बुदं भवति अर्धमासाभ्यन्तरेण पिण्डो
भवति मासाभ्यन्तरेण कठिनो भवति मासद्वयेन शिरः
सम्पद्यते मासत्रयेण पादप्रवेशो भवति । अथ चतुर्थे मासे
जठरकटिप्रदेशो भवति । पञ्चमे मासे पृष्ठवंशो भवति ।
षष्ठे मासे मुखनासिकाक्षिश्रोत्राणि भवन्ति । सप्तमे
मासे जीवेन संयुक्तो भवति । अष्टमे मासे सर्वसम्पूर्णो
भवति । पितू रेतोऽतिरिक्तात् पुरुषो भवति । मातुः
रेतोऽतिरिक्तात्स्त्रियो भवन्त्युभयोर्बीजतुल्यत्वान्नपुंसको
भवति । व्याकुलितमनसोऽन्धाः खञ्जाः कुब्जा वामना
भवन्ति । अन्योन्यवायुपरिपीडितशुक्रद्वैध्याद्द्विधा
तनुः स्यात्ततो युग्माः प्रजायन्ते ॥ पञ्चात्मकः समर्थः
पञ्चात्मकतेजसेद्धरसश्च सम्यग्ज्ञानात् ध्यानात्
अक्षरमोङ्कारं चिन्तयति । तदेतदेकाक्षरं ज्ञात्वाऽष्टौ
प्रकृतयः षोडश विकाराः शरीरे तस्यैवे देहिनाम् । अथ
मात्राऽशितपीतनाडीसूत्रगतेन प्राण आप्यायते । अथ
नवमे मासि सर्वलक्षणसम्पूर्णो भवति पूर्वजातीः स्मरति
कृताकृतं च कर्म विभाति शुभाशुभं च कर्म विन्दति ॥ ३॥
नानायोनिसहस्राणि दृष्ट्वा चैव ततो मया ।
आहारा विविधा भुक्ताः पीताश्च विविधाः स्तनाः ॥
जातस्यैव मृतस्यैव जन्म चैव पुनः पुनः ।
अहो दुःखोदधौ मग्नः न पश्यामि प्रतिक्रियाम् ॥
यन्मया परिजनस्यार्थे कृतं कर्म शुभाशुभम् ।
एकाकी तेन दह्यामि गतास्ते फलभोगिनः ॥
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि सांख्यं योगं समाश्रये ।
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ॥
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि तं प्रपद्ये महेश्वरम् ।
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ॥
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि तं प्रपद्ये
भगवन्तं नारायणं देवम् ।
अशुभक्षयकर्तारं फलमुक्तिप्रदायकम् ।
यदि योन्यां प्रमुञ्चामि ध्याये ब्रह्म सनातनम् ॥
अथ जन्तुः स्त्रीयोनिशतं योनिद्वारि
सम्प्राप्तो यन्त्रेणापीड्यमानो महता दुःखेन जातमात्रस्तु
वैष्णवेन वायुना संस्पृश्यते तदा न स्मरति जन्ममरणं
न च कर्म शुभाशुभम् ॥ ४॥
शरीरमिति कस्मात्
साक्षादग्नयो ह्यत्र श्रियन्ते ज्ञानाग्निर्दर्शनाग्निः
कोष्ठाग्निरिति । तत्र कोष्ठाग्निर्नामाशितपीतलेह्यचोष्यं
पचतीति । दर्शनाग्नी रूपादीनां दर्शनं करोति ।
ज्ञानाग्निः शुभाशुभं च कर्म विन्दति । तत्र त्रीणि
स्थानानि भवन्ति हृदये दक्षिणाग्निरुदरे गार्हपत्यं
मुखमाहवनीयमात्मा यजमानो बुद्धिं पत्नीं निधाय
मनो ब्रह्मा लोभादयः पशवो धृतिर्दीक्षा सन्तोषश्च
बुद्धीन्द्रियाणि यज्ञपात्राणि कर्मेन्द्रियाणि हवींषि शिरः
कपालं केशा दर्भा मुखमन्तर्वेदिः चतुष्कपालं
शिरः षोडश पार्श्वदन्तोष्ठपटलानि सप्तोत्तरं
मर्मशतं साशीतिकं सन्धिशतं सनवकं स्नायुशतं
सप्त शिरासतानि पञ्च मज्जाशतानि अस्थीनि च ह
वै त्रीणि शतानि षष्टिश्चार्धचतस्रो रोमाणि कोट्यो
हृदयं पलान्यष्टौ द्वादश पलानि जिह्वा पित्तप्रस्थं
कफस्याढकं शुक्लं कुडवं मेदः प्रस्थौ द्वावनियतं
मूत्रपुरीषमाहारपरिमाणात् । पैप्पलादं मोक्षशास्त्रं
परिसमाप्तं पैप्पलादं मोक्षशास्त्रं परिसमाप्तमिति ॥
ॐ
सह नाववत्विति शान्तिः ॥
इति गर्भोपनिषत्समाप्ता ॥
Garbha Upanishad – vollständiger Text in IAST
yadgarbhopaniṣadvedyaṃ garbhasya svātmabodhakam |
śarīrāpahnavātsiddhaṃ svamātraṃ kalaye harim ||
oṃ sahanāvavatviti śāntiḥ ||
oṃ pañcātmakaṃ pañcasu vartamānaṃ ṣaḍāśrayaṃ
ṣaḍguṇayogayuktam |
tatsaptadhātu trimalaṃ dviyoni
caturvidhāhāramayaṃ śarīraṃ bhavati ||
pañcātmakamiti kasmāt pṛthivyāpastejovāyurākāśamiti |
asminpañcātmake
śarīre kā pṛthivī kā āpaḥ kiṃ tejaḥ ko vāyuḥ kimākāśam |
tatra yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tā āpo yaduṣṇaṃ
tattejo yatsañcarati sa vāyuḥ yatsuṣiraṃ tadākāśamityucyate ||
tatra pṛthivī dhāraṇe āpaḥ piṇḍīkaraṇe tejaḥ prakāśane
vāyurgamane ākāśamavakāśapradāne | pṛthak śrotre
śabdopalabdhau tvak sparśe cakṣuṣī rūpe jihvā rasane
nāsikāghrāṇe upasthaścānandane'pānamutsarge buddhyā
buddhyati manasā saṅkalpayati vācā vadati | ṣaḍāśrayamiti
kasmāt madhurāmlalavaṇatiktakaṭukaṣāyarasānvindate |
ṣaḍjarṣabhagāndhāramadhyamapañcamadhaivataniṣādāśceti |
iṣṭāniṣṭaśabdasaṃjñāḥ pratividhāḥ saptavidhā bhavanti || 1 ||
śuklo raktaḥ kṛṣṇo dhūmraḥ pītaḥ kapilaḥ pāṇḍura iti |
saptadhātumiti kasmāt yadā devadattasya dravyādiviṣayā
jāyante || parasparaṃ saumyaguṇatvāt ṣaḍvidho raso
rasācchoṇitaṃ śoṇitānmāṃsaṃ māṃsānmedo medasaḥ
snāvā snāvno'sthīnyasthibhyo majjā majjñaḥ śukraṃ
śukraśoṇitasaṃyogādāvartate garbho hṛdi vyavasthāṃ
nayati | hṛdaye'ntarāgniḥ agnisthāne pittaṃ pittasthāne
vāyuḥ vāyusthāne hṛdayaṃ prājāpatyātkramāt || 2 ||
ṛtukāle samprayogādekarātroṣitaṃ kalilaṃ bhavati
saptarātroṣitaṃ budbudaṃ bhavati ardhamāsābhyantareṇa piṇḍo
bhavati māsābhyantareṇa kaṭhino bhavati māsadvayena śiraḥ
sampadyate māsatrayeṇa pādapraveśo bhavati | atha caturthe māse
jaṭharakaṭipradeśo bhavati | pañcame māse pṛṣṭhavaṃśo bhavati |
ṣaṣṭhe māse mukhanāsikākṣiśrotrāṇi bhavanti | saptame
māse jīvena saṃyukto bhavati | aṣṭame māse sarvasampūrṇo
bhavati | pitū reto'tiriktāt puruṣo bhavati | mātuḥ
reto'tiriktātstriyo bhavantyubhayorbījatulyatvānnapuṃsako
bhavati | vyākulitamanaso'ndhāḥ khañjāḥ kubjā vāmanā
bhavanti | anyonyavāyuparipīḍitaśukradvaidhyāddvidhā
tanuḥ syāttato yugmāḥ prajāyante || pañcātmakaḥ samarthaḥ
pañcātmakatejaseddharasaśca samyagjñānāt dhyānāt
akṣaramoṅkāraṃ cintayati | tadetadekākṣaraṃ jñātvā'ṣṭau
prakṛtayaḥ ṣoḍaśa vikārāḥ śarīre tasyaive dehinām | atha
mātrā'śitapītanāḍīsūtragatena prāṇa āpyāyate | atha
navame māsi sarvalakṣaṇasampūrṇo bhavati pūrvajātīḥ smarati
kṛtākṛtaṃ ca karma vibhāti śubhāśubhaṃ ca karma vindati || 3 ||
nānāyonisahasrāṇi dṛṣṭvā caiva tato mayā |
āhārā vividhā bhuktāḥ pītāśca vividhāḥ stanāḥ ||
jātasyaiva mṛtasyaiva janma caiva punaḥ punaḥ |
aho duḥkhodadhau magnaḥ na paśyāmi pratikriyām ||
yanmayā parijanasyārthe kṛtaṃ karma śubhāśubham |
ekākī tena dahyāmi gatāste phalabhoginaḥ ||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi sāṃkhyaṃ yogaṃ samāśraye |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye maheśvaram |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam ||
yadi yonyāṃ pramuñcāmi taṃ prapadye
bhagavantaṃ nārāyaṇaṃ devam |
aśubhakṣayakartāraṃ phalamuktipradāyakam |
yadi yonyāṃ pramuñcāmi dhyāye brahma sanātanam ||
atha jantuḥ strīyoniśataṃ yonidvāri
samprāpto yantreṇāpīḍyamāno mahatā duḥkhena jātamātrastu
vaiṣṇavena vāyunā saṃspṛśyate tadā na smarati janmamaraṇaṃ
na ca karma śubhāśubham || 4 ||
śarīramiti kasmāt
sākṣādagnayo hyatra śriyante jñānāgnirdarśanāgniḥ
koṣṭhāgniriti | tatra koṣṭhāgnirnāmāśitapītalehyacoṣyaṃ
pacatīti | darśanāgnī rūpādīnāṃ darśanaṃ karoti |
jñānāgniḥ śubhāśubhaṃ ca karma vindati | tatra trīṇi
sthānāni bhavanti hṛdaye dakṣiṇāgnirudare gārhapatyaṃ
mukhamāhavanīyamātmā yajamāno buddhiṃ patnīṃ nidhāya
mano brahmā lobhādayaḥ paśavo dhṛtirdīkṣā santoṣaśca
buddhīndriyāṇi yajñapātrāṇi karmendriyāṇi havīṃṣi śiraḥ
kapālaṃ keśā darbhā mukhamantarvediḥ catuṣkapālaṃ
śiraḥ ṣoḍaśa pārśvadantoṣṭhapaṭalāni saptottaraṃ
marmaśataṃ sāśītikaṃ sandhiśataṃ sanavakaṃ snāyuśataṃ
sapta śirāsatāni pañca majjāśatāni asthīni ca ha
vai trīṇi śatāni ṣaṣṭiścārdhacatasro romāṇi koṭyo
hṛdayaṃ palānyaṣṭau dvādaśa palāni jihvā pittaprasthaṃ
kaphasyāḍhakaṃ śuklaṃ kuḍavaṃ medaḥ prasthau dvāvaniyataṃ
mūtrapurīṣamāhāraparimāṇāt | paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ
parisamāptaṃ paippalādaṃ mokṣaśāstraṃ parisamāptamiti ||
oṃ
saha nāvavatviti śāntiḥ ||
iti garbhopaniṣatsamāptā ||
Garbha Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung
Der Körper wird als Verbindung der fünf Elemente beschrieben. Harte, flüssige, warme, bewegliche und räumliche Aspekte werden Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum zugeordnet. Dies ist ein vormodernes philosophisches Körpermodell.
Sinnesorgane, Handlungsfunktionen, sechs Geschmäcker, Töne und sieben Dhatus werden in traditionellen Entsprechungsreihen geordnet.
Die Upanishad gibt ein historisches Stufenmodell der Embryonalentwicklung und alte Vorstellungen zu Geschlecht, Behinderung und Mehrlingsgeburt wieder. Diese Angaben entsprechen nicht in allen Punkten heutiger Biologie und Medizin.
Im neunten Monat wird dem ungeborenen Jiva symbolisch Erinnerung an frühere Geburten und Karma zugeschrieben. Er beklagt den Kreislauf von Geburt und Tod und nimmt sich vor, nach der Geburt Sankhya, Yoga, Maheshvara, Narayana und das ewige Brahman zu suchen.
Mit der Geburt tritt nach der spirituellen Bildsprache des Textes Vergessen ein.
Zum Schluss wird der Körper als innere Opferstätte gedeutet: Verdauung, Wahrnehmung und Erkenntnis sind Feuer; der Atman ist der Opferherr, Buddhi und Manas übernehmen rituelle Funktionen. Die abschließenden Körperzahlen sind vormoderne Anatomie; der bleibende Sinn ist die Verwandlung des gesamten Lebens in ein inneres Yajna auf Moksha hin.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Garbha Upanishad für ernsthafte Aspiranten
1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Garbha Upanishad richtet den Blick auf der menschliche Körper, die Entwicklung des Embryos und die Erinnerung des verkörperten Wesens an Befreiung. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.
2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.
3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.
4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.
5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.
Literatur und Quellen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte.
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
- T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library.
- Patrick Olivelle: Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte.
- Sanskrit Documents – elektronische Sanskritausgaben.
- Garbha Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage
- 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat
- Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga
Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.
Siehe auch
- Shvetashvatara Upanishad, Maitrayaniya Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad, Subala Upanishad, Mantrika Upanishad, Sarvasara Upanishad, Niralamba Upanishad
- Garbhasana
- Hiranyagarbha
- Garbha Samskara
- Reine Vedanta Upanishaden
- Upanishad
- Veden
- Mahavakya
- Hinduismus
- Jnana Yoga
- Vedanta
- Vedanta Schulen
- Indische Philosophiesysteme
- Reinkarnation
- Leben
- Erkenntnis
- Meditation
Literatur
- Yoga in der Schwangerschaft von F.C. Freedman
- Yoga für Schwangere - DVD
- Plakat: Schwangeren Yoga - Yoga Vidya-Grundreihe
- Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda
- Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980
- Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002
- Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
- Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda
- Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
Weblinks
- Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda
- Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda
- Shankara
- Buch: Klassische Upanishaden - die 11 wichtigsten Upanishaden in der Übersetzung von Paul Deussen
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