Weltoffenheit

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Weltoffenheit ist die Verbindung von Weitherzigkeit mit weitem Verstand. Weltoffenheit drückt die Bereitschaft aus, sich auf andere Menschen und Kulturen einzustimmen. Weltoffenheit ist eine Haltung der Neugier, der Aufgeschlossenheit für andere.

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Für die friedliche Koexistenz auf diesem Planeten ist große Weltoffenheit notwendig. Alle Kulturen können voneinander lernen. Jeder hat etwas Wertvolles beizutragen. Sich auf andere einzulassen, andere Weltanschauungen, Wertvorstellungen, Religionen, Künste, weitet den Verstand, öffnet das Herz und hilft, auch in der Spiritualität weit zu sein.

In einem spirituell-religiösen Sinn bedeutet Weltoffenheit, dass religiös-spirituelle Menschen sich nicht abkapseln, für sich bleiben, sondern offen sind auch für "weltliche" Angelegenheiten. Es ist gut, dass es eher kontemplative Gemeinschaften gibt, die sich wenig um die Welt kümmern – und es ist wichtig, dass es weltoffenere Gemeinschaften gibt, die ihre Impulse in die Welt tragen und aus Erfahrungen der Welt lernen. Offenheit schließt auch Weltoffenheit ein. Weltoffenheit muss aber nicht Standpunktfreiheit heißen: Wer nach allen Seiten immer offen ist, ist nicht ganz dicht. So muss Weltoffenheit auch mit Ethik und Moral verbunden sein – wobei Weltoffenheit ein Wert an sich ist.

Weltoffenheit - eine Tugend. Was ist Weltoffenheit? Woher stammt das Wort? Wozu ist Weltoffenheit gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Weltoffenheit? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Weltoffenheitals hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Weltoffenheit ist eine Eigenschaft, die man bewusst kultivieren kann und sollte. Weltoffenheit ist das Gegenteil von Engstirnigkeit, Weltoffenheit ist das Gegenteil von Banalität, von Naivität. Weltoffenheit hilft einem, dass man ein weites Verständnis hat. Es ist gut, ein bisschen aus dem eigenen Nest herauszukommen, es ist gut, sich für Menschen zu interessieren, es ist gut, mal aus den vorgefassten Denkschemata herauszukommen.

Weltoffenheit heißt, sich für vieles zu interessieren. Weltoffenheit heißt auch, sich für unterschiedliche Kulturen zu interessieren. Weltoffenheit heißt die Bewusstheit, es gibt noch so viel zu entdecken. Weltoffenheit ist Neugier, Weltoffenheit ist Verständnis, ist Verstehen, ist die Bereitschaft, sich auf Unterschiedliches einzulassen.

Ich bin Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer und als spiritueller Lehrer geht es mir auch darum, zu sagen, dass unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Religionen, unterschiedliche spirituelle Traditionen alle ihren Sinn haben.

Leider ist im Namen von Religion und dem Namen von Spiritualität so viel Gewalt geschehen, so viel Fanatismus geschehen. Man kann nicht wirklich sagen, dass Religionen eine positive Kraft auf der Welt sind, denn so viele Probleme entstehen dadurch. Religionen sollten verbunden sein mit Weltoffenheit und mit der Bewusstheit, unterschiedliche Religionen haben alle ihre Berechtigung.

Und nicht nur unterschiedliche Religionen, jede Kultur wird auch gut vorankommen, wenn sie andere Kulturen wertschätzt. Man kann sogar sagen, alle großen Hochkulturen sind auch entstanden durch eine gewisse Weltoffenheit. Die persische Hochkultur ist entstanden aus der Verbindung zwischen der mesopotamischen Kultur und der ägyptischen Kultur, kleinasiatischer Kultur, persischer Kultur. Die hellenistische Kultur hat all diese verbunden und auch eine Offenheit für indische Kultur, griechische Kultur, karthagische Kultur gehabt. Römer haben weiter das Ganze absorbiert.

Die Renaissance ist entstanden aus der Wiederentdeckung der Weisheit der Antike. Und auch die moderne Zeit ist eine Zeit des Globalismus, wo die verschiedenen Kulturen sich durchaus gegenseitig befruchten. Und so ist es auch für jeden Menschen irgendwo gut, eine gewisse Weltoffenheit zu haben. Weltoffenheit ist wie ein Antidot für Fanatismus.

In diesem Sinne, angenommen, du interessierst dich für Yoga, da ist es auch gut, ein bisschen zu verstehen über Buddhismus, über Taoismus, über Sufismus und christliche Mystik. Angenommen, du bist in einer Yoga-Tradition drin, z.B. ich bin in der Tradition von Yoga Vedanta, Shankaracharya, Swami Sivananda, Swami Vishnudevananda, da ist es auch gut, etwas über die Kriya Yoga Tradition von Paramahamsa Yogananda zu lernen, es ist auch gut, etwas über die Hare Krishnas zu lernen, es ist gut, über andere Einweihungstraditionen zu lernen, es ist gut, auch die Krishnamacharya Tradition etwas zu betrachten.

Und es ist auch gut, andere Körperübungssysteme etwas zu verstehen, ein bisschen was über Chi Gong, über westliche Trainingslehre zu verstehen, vielleicht auch über Karate, Kung-Fu usw. Also, ich meine, eine gewisse Weltoffenheit ist etwas Gutes und etwas Weites. Auch andere Sprachen zu lernen, ich beherrsche Englisch, Französisch, Französisch nicht mehr so gut, aber ich habe es früher mal gesprochen fast wie meine Muttersprache, außer mit starkem Akzent, und das ist etwas Gutes, jede Sprache ist wieder irgendwo auch anders.

Daher ist es gut, unterschiedliche Sprachen zu lernen. Aber es muss nicht sein, dass du die Mühe aufnimmst, Sprachen zu lernen. Ich habe mich jetzt vor kurzem mit Sanskrit beschäftigt und habe da noch ganz andere Dinge verstanden über Mantras und über die Bedeutung von Sanskrit und vielleicht auch über die indische Philosophie und das indische Gedankengut.

Also, ich kann dir nur empfehlen, schaue, ist dein Horizont weit genug und habe eine gewisse Offenheit, habe eine gewisse Neugier, beschäftige dich mit anderen Kulturen. Ich muss zugeben, eine Schwierigkeit habe ich, Flugzeugreisen sind nun mal unökologisch, eigentlich würde ich lieber häufiger auch mal reisen und unterschiedliche Weltgegenden kennenlernen.

Da komme ich selbst auch in eine gewisse Schwierigkeit, ich will nun mal mindestens alle zwei, drei Jahre nach Indien fliegen und dann ist es irgendwo schwierig, es mit meinem Gewissen zu vereinbaren, dann zusätzlich noch in andere Weltregionen zu fliegen. Da muss ich mal sehen, wie ich das weiter löse. Vielleicht fliegen irgendwann Flugzeuge etwas ökologisch vertretbarer. Aber wann immer ich kann, beschäftige ich mich auch mit anderen Kulturen, versuche, meinen Geist weit zu machen und weiß einfach, unterschiedliche Kulturen haben Unterschiedliches hervorgebracht. Und indem man den Verstand auf diese Weise weitet, kann man auch das Herz weiten.

Weltoffenheit in Beziehung zu anderen Eigenschaften

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In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Weltoffenheit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Weltoffenheit

Ähnliche Eigenschaften wie Weltoffenheit, also Synonyme zu Weltoffenheit sind z.B. Weisheit, Offenheit, Empfänglichkeit, Übersicht, Bildung, Gelehrtheit, Weitsicht, Weitblick, Erfahrung, Lebenserfahrung, Reife, Neugier, Genuss, Optimismus, Zuversicht.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Weltoffenheit übertrieben kann ausarten z.B. in Unverbindlichkeit, Oberflächlichkeit, Genusssucht, Inkonsequenz, Seichtheit, Sorglosigkeit, Pflichtvergessenheit. Daher braucht Weltoffenheit als Gegenpol die Kultivierung von Bodenständigkeit, Konsequenz, Entsagung, Verzicht, Einfachheit, Schlichtheit, Naivität.

Gegenteil von Weltoffenheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Weltoffenheit, Antonyme zu Weltoffenheit :

Weltoffenheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Weltoffenheit

Weltoffenheit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Weltoffenheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Weltoffenheit zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Weltoffenheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein weltoffenerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Weltoffenheit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: Ich entwickle Weltoffenheit.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin weltoffen.

Affirmationen zum Thema Weltoffenheit

Hier einige Affirmationen für mehr Weltoffenheit. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen.

Klassische Autosuggestion für Weltoffenheit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin weltoffen.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin weltoffen. Om Om Om.
  • Ich bin ein Weltoffener, eine Weltoffene OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Weltoffenheit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin weltoffen " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Weltoffenheit.
  • Ich werde weltoffen.
  • Jeden Tag werde ich weltoffener.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Weltoffenheit

Dankesaffirmation für Weltoffenheit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag weltoffener werde.

Wunderaffirmationen Weltoffenheit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr weltoffen. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Weltoffenheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr weltoffen zu sein.
  • Ich bin jemand, der weltoffen ist.

Gebet für Weltoffenheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Weltoffenheit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Weltoffenheit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein weltoffener Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Weltoffenheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe

Was müsste ich tun, um Weltoffenheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Weltoffenheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich weltoffen werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Weltoffenheit.
  • Angenommen, ich will weltoffen sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre weltoffen, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Weltoffenheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als weltoffener Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Weltoffenheit

Eigenschaften im Alphabet nach Weltoffenheit

Literatur

Weblinks

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