Gelehrtheit

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Gelehrtheit ist Bildung, insbesondere intellektuelle Bildung. Gelehrtheit bedeutet, auf einem oder mehreren Fachgebieten Experte zu sein, weil man alles darüber studiert hat. Meist beruht Gelehrtheit auf dem Studium vieler Bücher. Gelehrtheit besitzt jemand, der viel gelesen hat, viel gelernt hat – und auch weiter immer mehr wissen will. Oft spricht man bei einem Lehrer, oder Professor von Gelehrtheit, wenn er wirklich viel weiß. Gelehrtheit beinhaltet aber auch immer die Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens.

Der große Yoga Lehrer und Meister Swami Sivananda, spricht zu seinen Schülern, die ihn liebevoll Gurudev nannten.

Gelehrtheit - eine Tugend. Was ist Gelehrtheit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Gelehrtheit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Gelehrtheit ?

Gelehrtheit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Gelehrtheit heißt, viel gelernt zu haben. Gelehrtheit heißt, sich damit beschäftigt zu haben, viel zu erkennen, viel zu wissen. Ein Gelehrter ist jemand, der sich viel hat lehren lassen. Und jemand, der viel gelernt hat, der hat Gelehrtheit. Gelehrtheit ist etwas, was hilfreich ist, es ist gut, zu wissen. Natürlich, es gibt die Praktiker, die haben weniger theoretisches Wissen, die haben praktisches Wissen. Und es gibt diejenigen, die einfach aus dem Herzen heraus handeln und sprechen, mit wenig Gelehrtheit, auch sie können zur Verwirklichung kommen. Aber Gelehrtheit ist auch ein Wert an sich.

Wenn man vieles weiß, vor allem, wenn man breit lernt, wenn man sich breit interessiert, dann ist man mindestens etwas gefeit vor Fanatismus, man ist etwas gefeit vor einem Scheuklappendenken und man kann auch leichter aus seinem Ego heraustreten. Natürlich, man kann sich auch etwas einbilden auf seine Gelehrsamkeit, auf seine Gelehrtheit. Wenn man sich auf seine Gelehrtheit etwas einbildet, dann wächst natürlich das Ego. Aber schon Sokrates hat gesagt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Und ein wahrer Gelehrter weiß, je mehr er weiß, wie wenig er weiß.

Gerade indem man versucht, alles zu eruieren, erkennt man, wieviel Rätsel noch da sind. Deshalb, Gelehrtheit gibt einem eine gute Übersicht. Eine gute Gelehrtheit hilft einem auch, zu erkennen, dass so viele Menschen so viele verschiedene Eigenschaften haben. Eine gute Gelehrtheit kann auch erkennen, dass die spirituellen Traditionen alle Ähnliches wollen. Eine gute Gelehrtheit lehrt auch den Menschen, dass Menschen überall auf der Welt ähnlich sind, ähnliche Wünsche und Bedürfnisse haben.

Eine gute Gelehrtheit kann auch erkennen, dass auch Tiere Wünsche und Bedürfnisse haben und dass Tiere gar nicht so verschieden, sind von den Menschen. In diesem Sinne kann Gelehrtheit helfen, zu mehr zwischenmenschlichem Verständnis. Gelehrtheit kann auch erkennen, dass durch Kriege nichts Positives erreicht wird. Gelehrtheit kann auch erkennen, wie groß der Kosmos ist und wie riesengroß die Zeitspannen sind, so dass der Mensch etwas demütiger wird. So kann Gelehrtheit in vielerlei Hinsicht gut sein.

Das heißt nicht, dass du jetzt zum Gelehrten werden musst. Wie gesagt, es gibt Menschen, die einfach aus dem Herzen heraus, voller Liebe anderen helfen und dienen, Gott spüren, Gott erfahren und es gibt so viele Geschichten, wie Menschen Gott verwirklicht haben, das höchste Selbst verwirklicht haben, ohne allzu große Gelehrtheit. Genauso gibt es auch so viele Geschichten, wie Menschen Gutes in der Welt bewirkt haben ohne Gelehrtheit. Und umgekehrt, wie es irgendwelche Menschen gab, die in ihren Elfenbeintürmen waren, ohne positiv etwas zu tun.

Und es gibt auch so viele Geschichten in der indischen Mythologie, wo irgendwelche Pandits, also Schriftgelehrte, sich was eingebildet haben auf ihr Wissen, aber nichts vom Herzen verwirklicht haben. Aber trotz all dieser Erzählungen, dass Gelehrtheit an sich auch Schwierigkeiten bereitet, gibt es doch auch viel Hochschätzung, gerade in der indischen Spiritualität, für Gelehrtheit und Gelehrsamkeit. Die Veden werden ja als Veda, als Wissen, bezeichnet. Oder auch, wir nennen uns bei Yoga Vidya, eben Yoga Vidya. Vidya heißt Wissen, Weisheit, Wissenschaft. Und bei Yoga Vidya haben wir auch ein sehr umfangreiches Ausbildungssystem.

Eine gewisse Gelehrtheit kann kommen, wenn man z.B. zum Yoga Vidya Visharada wird, ein mehrjähriges Studienkonzept, wo du die wichtigen indischen Schriften lernst, wo du die verschiedenen Meditationstechniken lernst, die Yoga-Philosophie, Psychologie, Yoga-Therapie und vieles mehr. Verstehen ist etwas Gutes, eine gewisse Gelehrtheit ist gut, aber dabei braucht es auch Demut, und es braucht auch Herz und den Wunsch, anderen zu helfen und zu dienen.

Gelehrtheit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Gelehrtheit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Gelehrtheit

Ähnliche Eigenschaften wie Gelehrtheit, also Synonyme zu Gelehrtheit sind z.B. Klugheit, Weisheit, Bildung.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Gelehrtheit übertrieben kann ausarten z.B. in Aufgeblasenheit, Arroganz, Hochmut. Daher braucht Gelehrtheit als Gegenpol die Kultivierung von Bodenständigkeit, Liebe, Mitgefühl.

Gegenteil von Gelehrtheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Gelehrtheit, Antonym zu Gelehrtheit :

Gelehrtheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Gelehrtheit

Gelehrtheit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Gelehrtheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Gelehrtheit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Gelehrtheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein gelehrterer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Gelehrtheit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Gelehrtheit ". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Ich bin gelehrt.

Affirmationen zum Thema Gelehrtheit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Gelehrtheit Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Gelehrtheit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin gelehrt.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin gelehrt. Om Om Om.
  • Ich bin ein Gelehrter, eine Gelehrte.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Gelehrtheit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin gelehrt " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Gelehrtheit.
  • Ich werde gelehrt.
  • Jeden Tag werde ich gelehrter.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Gelehrtheit.

Dankesaffirmation für Gelehrtheit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag gelehrter werde.

Wunderaffirmationen Gelehrtheit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr gelehrt. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Gelehrtheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr gelehrt zu sein.
  • Ich bin jemand, der gelehrt ist.

Gebet für Gelehrtheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Gelehrtheit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Gelehrtheit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein gelehrter Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Gelehrtheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Gelehrtheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Gelehrtheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich gelehrt werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Gelehrtheit.
  • Angenommen, ich will gelehrt sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre gelehrt, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Gelehrtheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als gelehrter Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Gelehrtheit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Gelehrtheit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Gelehrtheit

Eigenschaften im Alphabet nach Gelehrtheit

Literatur

Weblinks

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