Gnosis

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Gnosis bedeutet Erkenntnis, beziehungsweise die Erkenntnis von Gott. Die Gnosis war (und ist) eine religionsübergreifende Bewegung in der Zeit der römischen Antike. Die Auseinandersetzung mit der Gnosis hat das Christentum geprägt. Gedanken zum Stichwort Gnosis. Verstehe etwas mehr über das Thema Gnosis vom Standpunkt der Yoga Philosophie, Psychologie und Gesundheitslehre aus.

Gnosis - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Gnosis aus yogischer Sicht

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Gnosis ist ein griechisches Wort für Erkenntnis. Als Gnosis wird in der Religionswissenschaft oft eine Form der Religiosität bezeichnet, die esoterisch ist und die auf ein besonderes Wissen ausgerichtet ist. Der Gnosis geht es darum, nicht nur an etwas zu glauben, sondern der Gnosis geht es um die wahre Erkenntnis welche durch ein spirituelles Leben erreicht wird. Die Gnosis war im 2. Und 3. Jh.n.Chr. historisch besonders wichtig. Die Gnosis wird manchmal als Gnostik bezeichnet oder als Gnostizismus. Es gibt auf lateinisch, das Wort: "gnosticismus" und das ist die latinisierte Form des Gnostizismus, was das griechische Wort für eine Lehre ist, die auf Erkenntnis ausgerichtet ist.

Gnosis, Gnostik, Gnostizismus werden also oft unterschiedlich bezeichnet. Gnosis war eine religionsübergreifende Bewegung vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Besonders wichtig waren die gnostischen Bewegungen im 2. und 3. Jahrhundert n.Chr. Gnosis gab es im Christentum, im Judentum, aber auch allgemein in den hellenistischen und römischen Religionen.

Hauptmerkmale der Gnosis

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Die Gnosis hatte und hat, da es bis heute gnostische Religionen gibt, verschiedene Merkmale und man kann nicht sagen, dass die Gnosis insgesamt identisch ist. Dennoch kann man die Gnosis als esoterischen Gehalt verschiedener Religionen bezeichnen und hier gibt es verschiedene besondere Charakteristika, die für die meisten gnostischen Strömungen stimmen. Einige zentrale Inhalte der Gnosis:

  • 1. Es gibt einen vollkommenen allumfassenden Gott.
  • 2. Es gibt auch einen unvollkommenen Gott, der Demiurg oder der Schöpfergott. Dieser Gott schafft das materielle Universum und hat sich von dem vollkommenen, allumfassenden Gott getrennt. Dieser Gott, der in der Schöpfung wirkt, ist nicht mehr so vollkommen wie der ursprüngliche vollkommene Gott.
  • 3. Dieser Demiurg, dieser Schöpfergott, schafft den Menschen und bringt ihn in immer dichtere Materie.
  • 4. Die Schöpfung und der Mensch haben in sich das Prinzip des ursprünglichen vollkommenen Gottes, der ursprünglichen vollkommenen Gottheit. Sie sind nicht wirklich von Gott zu trennen.
  • 5. Das innewohnende geistige Prinzip, das man als Funke oder Samenkorn bezeichnen kann, will den Menschen dazu bringen, zum Ursprung zurückzukehren , um die Verhaftungen an die materielle Welt zu erkennen und zu lösen. Das Ziel des Lebens ist es, zum Ursprung zurückzukehren, das zu verwirklichen, was man wirklich ist.

Das sind die Grundmerkmale der Gnosis und wenn du dich mit Yoga auskennst, findest du identische Merkmale. Auch im Yoga gehen wir davon aus, dass es Brahman gibt, die absolute Wirklichkeit, das Ewige, das Unendliche, so ähnlich wie den vollkommenen, allumfassenden Gott in der Gnosis. Aus diesem Brahman gibt es Ishwara. Ishwara ist der Schöpfergott, der diese Welt schafft. In dieser Welt gibt es Jiva, die Einzelseele, die wieder zum Ursprung zurückkehren will.

Wenn die Einzelseele sich mit ihrem Körper und mit ihrem Geist identifiziert, dann ist sie getrennt und unglücklich. Das Ziel ist es, wieder zum Ursprung zurückzukehren. Diese Formen der Gnosis sind in den meisten Weltreligionen ähnlich. Man findet das auch in der jüdischen Kabbala, in der christlichen Mystik, im islamischen Sufismus, im Taoismus, im Konfuzianismus und natürlich im Buddhismus. Im Laufe der Zeit gab es spezielle Formen von Gnosis, z.B. gibt es gnostische Strömungen, die die materielle Welt inklusive des menschlichen Körpers als böse ansehen und es gibt gnostische Strömungen, die das Leben als einen Kampf zwischen Guten und Bösen sehen. Hier haben sich die gnostischen Strömungen mit den dualistischen Strömungen des Parsismus und des Manichäismus verbunden und hier gibt es etwas, was ich nicht so gut finde, weder ist die physische Welt böse noch ist menschliches Leben oder die ganze Schöpfung ein Kampf zwischen Gut und Böse. Vielmehr ist die ganze Welt vom Yoga aus betrachtet Maya. Das heißt zwar Täuschung, Illusion, aber auch göttliches Spiel, Lila.

Der Mensch ist hier, um zum höchsten Ursprung zurückzukehren

Die Gnosis war in der Antike oft mit der Vorstellung von Reinkarnation, mit verschiedenen Elementen von griechischer Philosophie und Religiosität, mit Zoroastrismus, mit babylonischen und ägyptischen Religionen verbunden und es wird überlegt, dass die Gnosis eventuell vom Mahayana Buddhismus und vom Hinduismus beeinflusst wurde. Man darf nicht vergessen, dass zwischen dem 4. vorchristlichen Jahrhundert bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert lebhafte Handelsbeziehungen zwischen dem Mittelmeerraum, Indien und China bestanden und dass dabei nicht nur Waren hin- und hergegangen sind, sondern auch Menschen, Philosophen, Wissenschaftler.

Ebenso wie man weiß, dass Ayurveda, die indische Heilkunde, die griechisch-römische Heilkunde stark beeinflusst hat, so wie man auch weiß, dass die griechische Kunst indische Kunst stark beeinflusst hat, so kann man davon ausgehen, dass die indische Philosophie und die indische Religiosität die griechisch-römische Philosophie und griechisch-römische Religiosität beeinflusst hat und sich im Juden- und Christentum niedergeschlagen hat. Und so gibt es viele verschiedene Formen der Gnosis, Gnosis hat ein interessantes, faszinierendes und breites Spektrum.

Die Verfolgung der Gnosis durch das Christentum

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In der Anfangszeit des Christentums waren gnostische Elemente sehr wichtig im Christentum. Und es gibt viele gnostische apokryphe Schriften. Bestimmte Teile der Evangelien enthalten gnostische Elemente. Allerdings gab es ab dem 4./5. Jh. bei den Christen eine starke Auseinandersetzung mit der Gnosis, wobei sich stark abgesetzt wurde von bestimmten Elementen der Gnosis. Gnostiker wurden zum Teil stark verfolgt. Aber gnostisches Gedankengut hat lange überlebt, man sagt z.B., dass im mittelalterlichen Europa die Alchemisten, die Bogomilen und die Katharer gnostische Elemente übernommen haben. Im Islam haben die Drusen und die Jesiden gnostische Elemente weiter gelebt. Und in der Alchemie und im Spiritualismus werden gnostische Traditionen fortgeführt. Auch das Mormonentum und später die Theosophie haben weitere gnostische Wesenszüge. Man sagt, letztlich lebt die Gnosis in der Anthroposophie fort, bei den Rosenkreuzern, in der Gralsbewegung und in der Psychologie von Carl Gustav Jung. Leider haben sich gnostische Elemente in rassistische Esoterik mit hineinbegeben, wie z.B. in der Ariosophie.

Insgesamt kann man sagen, dass die Gnosis eine religionsübergreifende Bewegung war, die spirituelle, esoterische Elemente aller Religionen aufgenommen hat und man könnte sagen, eine religionsübergreifende Spiritualität war. Heute gibt es Religionen, die sich formell auf Gnosis beziehen. So gibt es die Gnostica Catholica, die gnostisch-katholische Kirche von Theodor Reuß, die Gemeinde der Gnostiker nach Schmitt, die gnostische Tempelbrüderschaft in Herford und die Altgnostische Kirche von Eleusis in Hamborn. Darüber hinaus gibt es viele andere Traditionen, die sich auf die Gnosis beziehen. Es gibt die sogenannte Eric Voegelins Gnosis-These, die sieht, dass in der Moderne eine Wiederkehr der Gnosis entsteht. Er sagt, es gibt sechs Merkmale, welche die Gnosis auszeichnen und diese sechs Merkmale haben sich in der politischen Religion manifestiert. Er sagt, dass es sechs Aspekte der Gnosis gibt:

  • 1. Der Gnostiker ist unzufrieden mit seiner Lage in der Welt.
  • 2. Der Gnostiker glaubt an die Möglichkeit der Vollkommenheit des Menschen.
  • 3. Der Gnostiker glaubt, dass er vom Übel der Welt erlöst werden könne.
  • 4. Der Gnostiker geht davon aus, dass die Seinsordnung in einem historischen Prozess verändert werden kann, dass sich die Welt langfristig bessern kann.
  • 5. Zum Glauben des Gnostikers gehört, dass durch die Tat des Menschen die Erlösung in der Welt erreicht werden kann.
  • 6. Ein Gnostiker glaubt, dass er das rechte Wissen hat und auch die Methode, so dass er die Selbsterlösung und die Welterlösung bewirken kann und er verkündet prophetisch der Menschheit sein Erlösungswissen.

Wenn man Gnosis so sieht, also eigentlich abgetrennt von der eigentlichen Transzendenz und spirituellen Praxis, kann man sagen, dass viele der westlichen politischen Systeme diese Art von politischer gnostischer Religiosität haben. Das traf für den Kommunismus zu, das trifft für die soziale Marktwirtschaft zu, für den Kapitalismus, für den Liberalismus, Neoliberalismus, für verschiedene Formen des Sozialismus, für Nationalsozialismus usw. Also immer die Vorstellung, die Welt, so wie sie ist, ist nicht ok, der Mensch tief im Inneren ist gut, der Mensch hat die Aufgabe, die Welt zu verändern und der Mensch kann es, man kennt auch die Mittel dazu. Das wäre ein weltlicher Gnostizismus und man könnte sagen, diese Art von Gnosis hat sich im Menschen manifestiert.

Auf eine andere Weise kann man moderne Esoterik und moderne Spiritualität als eine Wiederauferstehung der Gnosis sehen, wo es unter spirituellen Menschen einen breiten Konsens gibt, dass letztlich Buddhismus, Hinduismus und esoterisches oder spirituelles Christentum, Sufismus, spirituelles oder mystisches Judentum alle ähnlich sind. Alle gehen davon aus, dass es ein umfassendes göttliches Prinzip gibt, die Welt von einem göttlichen Prinzip geschaffen worden ist, der Mensch tief im Inneren vollkommen ist.

Der Mensch kann etwas tun, um diese Vollkommenheit zu erreichen. In dieser Welt gilt es auch, Gutes zu bewirken und irgendwann wird der Mensch die Einheit mit dem Höchsten erlangen. Man könnte sagen, das wäre das Übereinstimmen der spirituellen Menschen vieler Traditionen heute und das könnte man als einen Aspekt der Gnosis deuten. Ein anderer Aspekt der Gnosis ist glücklicherweise heute aus der Mode gekommen, nämlich die Vorstellung von Polarität, von Gut und Böse, Kampf des absolut Guten gegen das absolut Böse und die Vorstellung, dass die Welt böse sei oder dass der Mensch in seiner Psyche böse sein. In der heutigen Mystik und Spiritualität sind die Vorstellungen der Gnosis weiter manifest, ohne die Vorstellung eines Bösen.

Gnosis Video

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Hier findest du ein Video zu Gnosis mit einigen Informationen und Anregungen:

Audiovortrag zu Gnosis

Hier kannst du die Tonspur des Videos zu Gnosis anhören:

Gnosis - weitere Infos

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siehe auch

Gnosis gehört zu den Themengebieten Esoterik, Religion, Relgionsgemeinschaft, Philosophie, Wissen, Christentum, Antike. Ähnliche Wörter und Begriffe, die thematisch dazu passen:

Begriffe im Alphabet vor und nach Gnosis

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Seminare und Ausbildungen

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Weitere Infos

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Literatur

  • Duden. Fremdwörterbuch. 5., neu bearb. u. erw. Aufl. 1997. Mannheim u. a.: Dudenverlag.