Geschichte von Yoga Vidya

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Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte von Yoga Vidya

Sukadev Bretz, der Gründer von Yoga Vidya

Ein Artikel aus dem Yoga Vidya Journal Nr.33 - Winter 2016

Die wichtigsten Fakten in der Übersicht

  • 1987 - Erste Vision Sukadevs, welche die Verbreitung des Yoga in großem Stil beinhaltete. "Yoga wird ein wichtiger Bestandteil in der neu entstehenden Weltkultur."
  • 1992 - Anfang dieses Jahres hatte Sukadev Bretz seine zweite Vision von der Verbreitung des Yoga, dieses Mal spezifischer in Deutschland, und zwar in Frankfurt. Er sollte in Frankfurt eine Yogaschule eröffnen, die innerhalb von 5 Jahren eine große Yogabewegung in Deutschland und Europa zur Folge hätte. Diese Vision war recht genau und sah einen großen Ashram mit Platz für 1.000 Gäste mit ca. 200 Mitarbeitern und damit verbunden eine weite Verbreitung und Akzeptanz des Integralen Yoga in allen Bevölkerungsschichten und Gesellschaftsbereichen vor.
  • 1992 - Am 15. Juni eröffneten Sukadev Bretz und Eva-Maria Kürzinger das Yoga Center Frankfurt am Zoo. Damit ist es quasi das erste Yoga Vidya Stadtcenter.
  • 1994 - Der Yoga Vidya Verlag wird gegründet.
  • 1995 - Die beiden Vereine, der „Yoga Vidya e.V.“ und der „Berufsverband der Yoga Vidya LehrerInnen e.V. (BYV)“ werden gegründet.
  • 1995 - Die erste Yoga Vidya 4-Wochen-Yogalehrer-Ausbildung nach dem bewährten Konzept von Swami Vishnudevananda findet statt. Diese Ausbildung hatte Sukadev Bretz bereits seit vielen Jahren unterrichtet und weiterentwickelt.
  • 1996 - Das erste eigene Yoga-Seminarhaus, die ehemalige Mühle im Westerwald, wird eröffnet.
  • 1996 - Das zweite Yoga Vidya Stadtzentrum wird in Koblenz eröffnet.
  • 2003 - Am 11. Oktober wird in der ehemaligen Kurklinik „Silvaticum“ das weiträumige Haus Yoga Vidya Bad Meinberg im Teutoburger Wald eröffnet.
  • Seit 2003 - Zusammenarbeit mit Universitäten (zunächst Bielefeld, später Magdeburg, Gießen, Witten-Herdecke) auf dem Gebiet der Yoga- und Meditationsforschung. Gründung des BYVG (Berufsverband der Yoga Vidya Gesundheitsberater, Kursleiter und Therapeuten), später auch des BYAT (Berufsverband der Yoga und Ayurveda Therapeuten) sowie die Yoga Vidya GmbH.
  • 2008 - Der lang ersehnte Ashram am Meer entsteht in Horumersiel an der Nordsee. Nun sind Yogaferien am Meer möglich.
  • 2009 - Die ehemalige „Parkklinik“ wird erworben – das „Projekt Shanti“ - und damit entsteht ein regelrechter „Yoga Campus“ in Bad Meinberg.
  • 2011 - Das 80. Yoga Vidya-Zentrum eröffnet in Freiburg.
  • 2011 - Das Haus Shanti entwickelt sich weiter: Neben dem Bereich für Gastgruppen entsteht ein neuer großzügiger Yogatherapie und Psychologische-Yogatherapie-Trakt, die Ganesha Kinderwelt sowie das Shivalaya Retreatzentrum als Ort der Stille und Einkehr für ernsthafte spirituelle Aspiranten.
  • 2012 - Der Zehntausendste Absolvent erhält sein Yoga Vidya-Yogalehrerzertifikat. In Bad Meinberg findet man den ersten „Yogaweg“ Deutschlands: „Yogaweg 7“ ist unsere offizielle Anschrift. Der Anbau an der Nordsee wird fertig.
  • Ab 2012 - verbreitet Sukadev mehr spirituelles Wissen über das Internet in Artikeln, Videos und Audios.
  • 2013 - Der Ashram im Allgäu wird eingeweiht.
  • 2014 - Erstes Mantra Sommer Camp im Westerwald.
  • 2016 - „Das große Yoga Vidya Hatha Yoga Buch“ erscheint im Yoga Vidya Verlag, ebenso die „Bhagavad Gita für Menschen von heute“ mit einem Kommentar von Sukadev. Hochschulertifikatslehrgang „Wissenschaft des Yoga Vidya" wird eingerichtet. Experience Initiative für die junge Yogaszene wird initiiert.

Tradition und Zukunft von Yoga Vidya

Ein Artikel aus dem Yoga Vidya Journal Nr.33 - Winter 2016

Ein Interview mit Sukadev, dem Gründer von Yoga Vidya

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"Meine Liebe zum Yoga entwickelte sich in Etappen" Sukadev Volker Bretz, der Gründer und Leiter von Yoga Vidya, stand uns für ein längeres Interview zur Verfügung. Er schildert aus seiner Sicht die Geschichte des Vereins und geht auch auf persönliche Fragen ein.

Wie kam es zu der Idee, Yoga Vidya zu gründen?

[[Zur Idee, Yoga Vidya zu gründen, kam ich durch zwei Visionen von Swami Sivananda]]: 1987, aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Swami Sivananda war ich in einem Ashram meines Meisters Swami Vishnudevananda in Kanada. Eines Morgens wachte ich um 3 Uhr mit einem sehr klaren Geist auf. Ich setzte mich hin zur Meditation, wie ich es immer mache, wenn ich sehr früh aufwache.

Nach einer Weile hatte ich plötzlich eine Vision von Swami Sivananda, der mich mit Licht durchflutete, mich erhob in andere Ebenen des Bewusstseins. Als ich aus diesem Bewusstseinszustand herauskam, lächelte Swami Sivananda mir zu und bedeutete mir, dass Yoga noch sehr große Verbreitung finden würde, dass Yoga bei der entstehenden Weltkultur immer wichtiger werden würde und dass ich auch eine gewisse Rolle dabei spielen würde. In der Vision war auch klar, dass ich die Aufgabe hätte, klassischen Yoga zu verbinden mit demokratischen und humanistischen Prinzipien.

In den folgenden vier Jahren, als ich in Kanada und in den USA bei meinem Guru Swami Vishnudevananda persönlicher Assistent, später Vorstandsmitglied war, brachte ich einige der Ideen ein, die aus dieser Vision entsprangen, spürte aber, dass da noch etwas anderes auf mich wartete. Am 31.12.1991 verließ ich die Zentren von Swami Vishnudevananda. Auf der Suche nach den nächsten Schritten reiste ich nach Indien und verbrachte ein paar Wochen im Sivananda Ashram in Rishikesh. Kurz vor der Abreise hatte ich wieder eine Vision von Swami Sivananda. Der Meister führte mich in die Erfahrung von Licht, von Freude, von tiefer Einheit.

Am Ende dieser Vision kam die Gewissheit für mich, dass es meine Aufgabe sei, zurückzukehren nach Deutschland und ein Yoga Zentrum in Frankfurt zu eröffnen. Die Vision enthielt auch die Gewissheit, dass daraus innerhalb von 5 Jahren ein Ashram entstehen würde, später ein Ashram für 1000 Menschen, welcher Hauptsitz einer größeren Yoga Bewegung sein würde mit vielen Zentren, Ashrams und einer großen spirituellen Gemeinschaft. Aufgabe würde sein, Yoga in seiner ganzen Tiefe und Breite zu unterrichten, von der tiefen Spiritualität bis zur Yoga Therapie, von der klassischen Yogaphilosophie bis zur naturwissenschaftlichen Forschung. So kehrte ich nach Deutschland zurück; ein paar weitere Wochen später, am 15. Juni 1992, wurde das erste Yoga Vidya Center eröffnet, das „Yoga-Center am Zoo“ in der Hanauer Landstraße in Frankfurt-Ostend.

Hattest du am Anfang schon Mitstreiter?

Als ich aus Indien zurückkam, überlegte ich, wie ich jemanden finden könnte, der/die mitwirken würde. Ich kannte einige Yogalehrer/innen in München aus der Zeit, in der ich im Sivananda Yoga Zentrum München gelebt hatte (1981-1984). Bei einem Treffen fragte ich, wer mit mir zusammen das Yoga Zentrum im Frankfurt eröffnen wolle. Eva-Maria Kürzinger sagte, dass sie schon seit einiger Zeit darauf warte, mit mir zusammen ein Yoga Zentrum zu eröffnen. Sie hätte irgendwie gewusst, dass ich nach Deutschland zurückkommen würde - und war ganz begeistert, das jetzt mit mir umzusetzen. So waren wir also gleich zu zweit.

Ein weiterer wichtiger Mitstreiter war mein Bruder Atmaram. Er war ein paar Monate vorher nach Rheinhessen gezogen, um in die Firma meines Vaters einzusteigen. Von Anfang an half er mit, indem er eine Yogastunde pro Woche unterrichtete, beim Satsang dabei war und immer wieder gute Ideen einbrachte. Jyoti Halpert, den ich aus New York kannte, stieg ein paar Monate später als drittes Vollzeit-Gemeinschaftsmitglied (Sevaka) ein, war gleich ein beliebter Yogalehrer und brachte seine handwerklichen und kulinarischen Fähigkeiten ein.

Recht schnell fanden wir auch aus Frankfurt viele ehrenamtliche Mithelfer, wie Radha und Shankara Attner, Arjuna Lehotsky, Rafaela Sauter. Bald kam auch Shivakami dazu, erst als ehrenamtliche Yogalehrerin und Mithelferin, dann auch als Sevaka. Sie war unter anderem eine wunderbare Ideengeberin. Durch ihr grenzenloses Gottvertrauen gab sie uns immer wieder die Kraft, auch in schwierigen Situationen weiterzumachen. So gab es recht schnell ein engagiertes Team voller Ideen und Inspirationen.

Wie hat es sich in den ersten Jahren entwickelt?

Nach der Center-Eröffnung im Juni 1992 lief es zunächst sehr gut. Danach gab es ein richtiges "Sommerloch", wo wir in die erste finanzielle Krise fielen. So waren die ersten 1 1/2 Jahre finanziell immer wieder schwierig. Das hatte aber zur Folge, dass wir immer wieder Neues ausprobierten - und Schritt für Schritt das fanden, was viele Menschen ansprach.

Ab Herbst 1993 begann dann eine Phase großen Auftriebs. Gut besuchte Yogalehrer Ausbildungsgruppen begannen jedes halbe Jahr. Die offenen Yogastunden, die Yogakurse und Workshops fanden immer mehr Teilnehmer. Fast jede Woche hatten wir Wochenendseminare im Center oder in einem angemieteten Seminarhaus.

Wir organisierten Yogaferienwochen und Kundalini Yoga Intensivseminare im Schwarzwald, an der Nordsee, in Schleswig-Holstein. Im Juni 1995 gründeten wir den Yoga Vidya e.V., auf den alle Aktivitäten des Yoga-Centers überschrieben wurden.

Auch der Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen entstand im Juni 1995, ebenso der Yoga Vidya Verlag. Im Juli 1995 fand die erste 4-Wochen-Yogalehrerausbildung statt, die z.B. auch Vasudev Thies, einer der ersten Sevakas bei Yoga Vidya Westerwald, besuchte. So waren die ersten Jahre voller Kreativität, Inspiration, Begeisterung und der großen Gewissheit der Führung durch Swami Sivananda.

Was waren die wichtigsten Entscheidungen und Meilensteine für Yoga Vidya?

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Ich habe nicht das Gefühl, dass es wichtige Entscheidungen waren, die Yoga Vidya geprägt haben. Vielmehr war es immer ein Gefühl des Geführtseins. Bei Yoga Vidya bemühen wir uns immer darum, herauszufinden, was geschehen soll, was Swami Sivananda mit uns vorhat.

Wichtige Meilensteine waren sicherlich 1992 die Eröffnung des Frankfurter Centers, 1993 die erste 2-Jahres-Yogalehrerausbildung, 1995 die erste 4-Wochen Yogalehrerausbildung. 1996 wurde der erste Yoga Vidya Ashram eröffnet im Naturparadies Rhein-Wester-wald. Weitere Yoga Vidya Stadtzentren, zuerst Koblenz, später Köln, Essen und Mainz wurden eröffnet. Mit Swami Nirgunanandas Hilfe (damals auch ab ca. 1999 mit dabei), wurde mein erstes Buch veröffentlicht: „Die Yoga-Weis- heit des Patanjali für Menschen von Heute“, Verlag Via Nova. Etwa im Jahr 2001 machte ich ein 3-monatiges Retreat, in dem ich viel meditierte und intensiv Pranayama übte. Dies gab mir Kraft für die nächsten Entwicklungsstadien: Zusammen mit Padmakshi Berger entwickelten wir das Yoga Vidya Koop-Center Konzept, was ein großes Wachstum an Stadtzentren ermöglichte. Unter Keshavas Leitung wurde 2001-2004 der Westerwald Ashram erheblich ausgebaut.

2000-2003 begab sich Dieter Hehn auf die Suche nach einem geeigneten Objekt für einen größeren Yoga Vidya Ashram. Im Juli 2003 wurde der Bad Meinberger Ashram eröffnet, unter Dieters Leitung in den nächsten Jahren gründlich renoviert. Swami Nirgunananda als Büroleiterin sorgte für den weiteren Ausbau der Broschüren, des Internet Auftritts, der Datenbank sowie der Verwaltung. 2011 baute sie auch das Shivalaya Retreat-Center aus und war ein paar Jahre Ashramleiterin in Bad Meinberg. Shivakami entwickelte die Ayurveda Oase, setzte sich ein für Kinderyoga Kongress und Kinderyoga Ausbildung, für die psychologische Yogatherapie. Gemeinsam bauten wir das Spektrum für Ausbildungen und Weiterbildungen aus, was unter Narendra Hübners Ägide immer mehr systematisiert und professionalisiert wurde.

Zusammen mit der Kurverwaltung, dem Bad Meinberg e.V., der Stadtverwaltung, der Gesundheitstourismus Bad Meinberg, entstanden viele gemeinsame Projekte, seit vielen Jahren koordiniert von Inka Aichinger. 2008 eröffnete Keshava den Yoga Vidya Ashram Nordsee. 2009 wurde Projekt Shanti in Bad Meinberg eröffnet und unter Surya Thelens Leitung gründlich renoviert. Neue Konzepte entstanden, wie das Shantivasi-Konzept für bleibendes Wohnrecht bei Yoga Vidya, die Yogatherapie, die psychologische Yogatherapie. So entstand bis 2012 der jetzige Bad Meinberg Ashram, der (einschließlich Zeltplatz) für etwa 1000 Menschen Platz bietet. Seit 2012 wird der Ashram und das Ashramgelände mit besonderer Initiative von Swami Nirgunananda, Satyadevi und Narendra immer weiter verschönert und noch mehr spiritualisiert.

2013 eröffnete Shivakami den Allgäu-Ashram. Ca. 2012 übernahm Katyayani Ulbricht die Geschäftsführung des Yoga Vidya Verlags und brachte diesen zu neuer Blüte. Zahlreiche Bücher, CDs, DVDs, Ayurveda Produkte, Yoga Bedarf und vieles mehr, was Yoga Aspiranten für die Praxis inspiriert, erscheinen im Yoga Vidya Verlag. In beständiger Entwicklung sind die Internet Aktivitäten von Yoga Vidya. Von der ersten Internetseite 1998 bis zu den über 300.000 Internetseiten, über 20.000 öffentliche verfügbaren Youtube Videos, über 20.000 Audio Podcasts, einem Yoga Wiki, umfangreiche Facebook -Aktivitäten etc. gab es immer wieder neue kreative Ideen. Da waren gerade 2004-2010 meine damalige Assistentin, Rukmini Keilbar, später Bharata und Durga Devi, von besonderer Hilfe. Das ist vielleicht eher eine Aufzählung der verschiedenen Entwicklungen als exakte Meilensteine. Und gerade das ist ja eines der Charakteristika von Yoga Vidya, die beständige Entwicklung und Weiterentwicklung.

Wenn man das alles in ein paar Meilensteine zusammenfassen wollte, wäre das:

  • 1992 Gründung des ersten Yoga Vidya Centers in

Frankfurt

  • 1995 Abschluss der ersten Yogalehrer Ausbildungen,

Gründung des Yoga Vidya e.V., des Yoga Vidya Verlags und des BYV (Berufsverbands der Yoga Vidya Lehrer/innen)

  • 1996 Erwerb des Yoga Vidya Ashrams Westerwald
  • 2003 Eröffnung Yoga Vidya Bad Meinberg
  • 2008 Eröffnung Yoga Vidya Nordsee
  • 2009 Erwerb von Haus Shanti Bad Meinberg
  • 2013 Eröffnung Yoga Vidya Allgäu

Was bedeutet eigentlich Yoga Vidya übersetzt?

Yoga heißt Einheit, Harmonie. Vidya bedeutet Wissen, Weisheit, Wissenschaft. Vidya ist ein Sanskritwort mit vielschichtiger Bedeutung: Vidya bedeutet zum einen Wissenschaft: So heißen z.B. indische Universitäten Vidya Bhavan, Ort des Wissens. Vidya bedeutet auch praktisches Wissen. So wird z.B. von Hatha Vidya gesprochen, dem praktischen Wissen über Hatha Yoga.

Vidya ist aber auch das transzendente Wissen, das Wissen darüber, wer wir wirklich sind, was die Welt ist, was Gott ist. Vidya ist auch die Bezeichnung für die tantrische Weisheitsgöttin. Und in den Upanishaden (altindische philosophische Schriften) ist die Rede von den Vidyas, den abstrakten Meditationstechniken, um die höchste Wahrheit zu verwirklichen.

Wie wirkt Yoga Vidya in Deutschland und darüber hinaus?

Yoga Vidya ist eine große Yoga Bewegung, ein großes Netzwerk in Mitteleuropa: Yoga Vidya besteht aus 4 Ashrams, etwa 90 Yoga Zentren, über 15.000 ausgebildeten Yogalehrern. Etwa 500.000 Menschen praktizieren Yoga im Yoga Vidya Stil. Ich glaube, dass Yoga Vidya auch Yogalehrende anderer Traditionen inspiriert und motiviert, Yoga vermehrt weiterzugeben. Yoga Vidya hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass im kontinentalen Europa die deutschsprachigen Länder den höchsten Anteil an Yoga Praktizierenden haben - und dass in Deutschland Yoga klassischer und spiritueller gelehrt wird als in vielen anderen Ländern außerhalb Indiens. Viele bekannte Yogalehrer, spirituelle Musiker und Seminarleiter haben bei Yoga Vidya begonnen. Und auch die wissenschaftliche Erforschung des Yoga bekommt durch die Zusammenarbeit von Yoga Vidya mit Universitäten und Wissenschaftsverbänden immer wieder neue Impulse.

Warum ist Yoga Vidya so erfolgreich?

Yoga Vidya unterrichtet Yoga in der Tiefe und in der Breite: Wir passen den Yoga an die Bedürfnisse der Menschen an. In vielerlei Hinsicht vereinfachen wir, wandeln Übungen ab, ergänzen sie mit anderen. So kann Yoga im Yoga Vidya Stil sehr sanft sein, therapeutisch wirksam und auch sehr sportlich, dynamisch und herausfordernd. Wir haben Yoga Übungsreihen für Schwangere, Kinder, Jugendliche, Sportliche, Frauen in den Wechseljahren, für Senioren und für verschiedenste, körperliche Gebrechen. Yoga Vidya ist aber gleichzeitig darauf ausgerichtet, Menschen spirituell zu berühren. Wer in einer Yogastunde eine Erfahrung von Freude, von reinem Sein, von Verbundenheit gemacht hat, möchte diese Erfahrung immer weiter vertiefen. Yoga Vidya geht dabei auch sehr in die Tiefe: Yoga Vidya hat das weltweit umfassendste Weiterbildungsangebot für Yogalehrer, ein einzigartiges Angebot für spirituelle Intensivpraxis, spirituelle Retreats, Studium der Schriften, Sanskritstudium, indische Rituale etc. Vor allem aber haben wir das Gefühl, dass der Segen und die spirituelle Kraft von Swami Sivananda hinter uns stehen.

Wie könnte sich Yoga Vidya in den kommenden Jahren/Jahrzehnten weiter entwickeln?

Wir haben keine konkreten Pläne - wir schauen, was sich entwickeln will, wo der Segen von Swami Sivananda wirken will. Vielleicht entsteht aus dem jetzigen Hochschulzertifikatskurs ein Bachelor oder Master Studiengang Yoga. Vielleicht findet sich jemand, der einen weiteren Ashram an der Ostsee, in den Alpen oder im sonnigen Süden gründet. Vielleicht geht die Entwicklung in Bad Meinberg weiter mit der Sanierung des mittleren Gebäudekomplexes (Mahameru). Vielleicht steht eine Internationalisierung an mit weiteren Zentren und vielleicht auch Ashrams außerhalb Deutschlands. Swami Nirgunananda hat ja die Initiative "Experience Yoga" gestartet, um insbesondere auch jüngere Menschen anzusprechen. Vielleicht kommen daraus und aus unerwarteter Quelle immer weitere Ideen und Impulse - oder es werden besondere Herausforderungen kommen...

Welche Pläne hast du persönlich für die nächste Zeit?

Momentan bin ich zusätzlich zu meiner Unterrichtstätigkeit stark engagiert bei der weiteren Entwicklung des großen Multimedia Lexikons zu Yoga, Meditation, Gesundheit, Ayurveda und Spiritualität. Mein Meister, Swami Vishnudevananda, hatte sich vorgenommen, eine große, auf 10-12 Bände angelegte "Encyclopedia of Yoga, Yoga Science and Yoga Therapy" zu veröffentlichen, konnte dieses Projekt aus Gesundheitsgründen aber nicht angehen. So fühle ich, dass diese Aufgabe an mich und damit auch an Yoga Vidya übergegangen ist. Ich mache das insbesondere über das Drehen von Videos. Diese werden als Youtube Video und als Audio Podcast veröffentlicht, von vielen freiwilligen Mithelfer/innen und Sevakas transkribiert und dann auch als Texte veröffentlicht. Alles wird auf den Yoga Vidya Internetseiten, insbesondere im Yoga Wiki leicht zu finden sein. Von mir gibt es ja schon Kommentare zu jedem Vers der Yogaschriften Hatha Yoga Pradipika, Yoga Sutra, Bhagavad Gita, Atma Bodha, Bhakti Sutra. Kommentare zu den philosophischen Büchern Viveka Chudamani, eventuell auch Gheranda Samhita, Shiva Samhita, Goraksha Shataka können folgen.

Ich habe schon mehrwöchige Videokurse veröffentlicht, insbesondere den 10-wöchigen Hatha Yogakurs für Anfänger, den 10-wöchigen Meditationskurs für Anfänger, den 8-wöchigen Entspannungskurs für Anfänger, Pranayamakurse für Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene, den Mantra Meditationskurs, Vedanta Meditationskurs und den Kundalini Yoga Meditationskurs. Zum Teil sind sie schon im Internet, andere werden schrittweise erscheinen. In letzter Zeit habe ich über 2000 Videovorträge über Sanskrit-Yoga- Begriffe veröffentlicht, ebenso eine Reihe mit 3000 Videos zur Persönlichkeit des Menschen (Tugenden, Laster, Schattenseiten etc.). Als nächstes möchte ich Yoga als ganzheitlichen, spirituellen Entwicklungsweg in Gestalt einer auf 200 Folgen angelegten Video-Reihe beschreiben. Ein Lexikon zu allen Begriffen von Yoga und Meditation, ein Asana-Lexikon, sowie ein Lexikon der Yogatherapie sollen folgen (etwa 1000 Krankheiten und wie sie vom Yogastandpunkt aus beeinflusst werden können). Dazu werde ich vermutlich noch etwa 2 Jahre brauchen. Ich bin schon gespannt, was Swami Sivananda nachher mit mir vorhat.

Wenn Yoga eine Person wäre und du eine Liebesbeziehung hättest, war es dann Liebe auf den ersten Blick? Oder kam das eher so langsam? Gab es auch schwierige Zeiten?

Meine Liebe zum Yoga entwickelte sich in mehreren Etappen in meiner Jugend: Als Dreizehnjähriger hörte ich über die Yogis aus Indien, was mich irgendwie faszinierte ohne zu wissen warum. Als Sechzehnjähriger interessierte mich alles Spirituelle. Ich begann mittels eines Buchs täglich zu meditieren und wurde Vegetarier. Allerdings wusste ich noch nicht, in welche spirituelle Richtung ich gehen würde. Als 17-Jähriger besuchte ich erstmals einen Yoga-Vortrag bei einem Yogameister - und verliebte mich sofort in das Mantra-Singen. Als ich dann kurz darauf zum ersten Mal in einen Satsang ins Sivananda Yoga Vedanta Zentrum in München ging, hat sich das wie "Nach Hause Kommen" angefühlt - und ich wusste, dass Yoga mein Lebensweg werden würde.

Schon bald begann ich auch mit täglichem Hatha Yoga, machte eine Yogalehrerausbildung, zog noch während meines Studiums als Mitglied einer spirituellen Gemeinschaft in ein Yoga-Center. Seitdem fühlt sich Yoga für mich ganz natürlich an, bezüglich Yoga selbst hatte ich nie Zweifel. Mein persönliches Leben hatte ja auch einige Brüche: Nach Abschluss meines BWL Studiums 1983 trat ich nicht in die Firma meines Vaters ein sondern wurde Sevaka (Vollzeitgemeinschaftsmitglied) in den Sivananda Yoga Zentren von Swami Vishnudevananda. 1985-1991 war ich Swami (Mönch). Ich verließ Ende 1991 die Zentren meines Meisters. Die Frau, für die ich mein Sannyas (Mönchstum) aufgegeben hatte, verließ mich ein paar Monate später.

Ende 1992 verliebte ich mich in Shivakami, welche die Entwicklung von Yoga Vidya mitgeprägt hat. Einige Jahre später heirateten wir - und 2011 trennten wir uns. 2013 heirateten Satyadevi, meine jetzige Frau und ich, die mir weitere Aspekte des spirituellen Lebens, z.B. Naturspiritualität, näher brachte. So hatte ich immer wieder Überlegungen, auch Zweifel, wie ich Yoga konkret leben sollte, was meine Aufgabe, mein Dharma genau ist. Ich habe immer wieder um Führung gebetet. Zwei Bibelzitate gehören auch zu meinem Leben: Zum Einen mein Konfirmationsspruch: "Oh Gott sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten". Und "Nicht mein Wille, dein Wille geschehe". So probiere ich auch immer wieder etwas Neues auf dem Gebiet des Yoga aus. Denn lauwarme Routine ist nicht meine Sache. Ich will das, was ich tue mit Freude, Liebe und Intensität tun. Aber Yoga ist mein Leben, seit ich 17 bin, daran hatte ich nie Zweifel.

Welche positiven Auswirkungen hat Yoga auf dein Leben?

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Ich kenne ja kein Erwachsenen-Leben ohne Yoga. Ich habe also nicht den Vergleich, wie es wäre, ohne Yoga zu leben. Daher kann ich nicht genau sagen, welche Auswirkungen Yoga auf mich hat... Als ich mit Yoga begonnen habe, hat Yoga meinem Leben einen tiefen Sinn, eine tiefe Ausrichtung gegeben. Yoga hat mir geholfen, mich tiefer zu beschäftigen mit den Ewigen Fragen - und darauf auch Ahnungen von Antworten zu finden: Wer bin ich? Was ist die Welt? Was ist Gott? Wie kann man Gott erfahren? Was ist der Sinn des Lebens? Wie kann ich anderen Menschen helfen, sie unterstützen auf ihrem Weg? Was sind meine Aufgaben in diesem Leben? Die Yoga Praktiken verhelfen mir zu guter Gesundheit (ich bin ja schon über 50...), zu intensivem Energieerleben, mystischen Erfahrungen und einer beständigen Gewissheit der Göttlichen Gegenwart. Durch diese spirituelle Lebensweise kann ich mich mit Menschen in ihrer Tiefe verbinden, mit der Natur, mit dem Sein an sich. Besonders wertvoll ist für mich die Erfahrung der Führung durch Swami Sivananda von einer sehr subtilen Ebene aus. Und immer wieder erfahre ich große Inspiration, die mich dazu antreibt, Neues zu entdecken, Neues in die Wege zu leiten.

Was ist die Essenz, das Wesen des Yoga aus deiner Sicht?

Yoga heißt Harmonie, Yoga heißt Praxis, Yoga heißt Einheit. Yoga ist in seiner Essenz ein Praxis-System mit Übungen, die dem Menschen helfen, mehr in Harmonie mit sich selbst und mit seinen Mitgeschöpfen zu leben. Yoga ist die Kunst, immer mehr die Einheit zu erfahren, sich zu öffnen für das Erleben einer Höheren Wirklichkeit.

Wenn du nur eine Stunde Yoga (im weitesten Sinne) am Tag praktizieren dürftest, was würdest du dann üben?

Im weitesten Sinn praktiziere ich Yoga 24 Stunden am Tag - und wüsste auch nicht, wie ich eine Minute ohne Yoga leben würde... In einem engeren Sinne würde ich in einer Stunde 20 Minuten lang meditieren, 30 Minuten Pranayama üben, 10 Minuten Asanas - und sicherlich 40 weitere Minuten finden für eine zweite Meditation und insgesamt 30 Minuten Asanas.

Hatha Yoga, Raja Yoga, Bhakti Yoga, um nur ein paar zu nennen - der Yogaweg ist vielfältig und bietet für jeden Persönlichkeitstyp das Richtige. Welches ist dein „Lieblings“-yoga und warum?

Für mich ist der ganzheitliche Yoga mein Lieblingsyoga. In meinem Leben sind Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga, Jnana Yoga alle parallel vorhanden: Ich übe die Hatha Yoga Praktiken täglich, ich mache bewusst Energie Arbeit (Kundalini Yoga). Mein Leben ist dem Dienst an anderen gewidmet, ich versuche meine Aufgaben bewusst, anhaftungslos und verantwortungsbewusst anzugehen (Karma Yoga). Ich bitte um Gottes Führung und bringe alles Gott dar, einschließlich meiner Fehler und Unsicherheiten (Bhakti Yoga). Ich bemühe mich um einen guten Umgang mit meinem eigenen Geist, meditiere täglich, nutze die Kraft der Gedanken (Raja Yoga). Und ich mache mir immer bewusst, dass hinter allem die eine unendliche Wirklichkeit, Brahman, ist - und dass letztlich das ganze Weltgeschehen ein göttliches Spiel ist (Jnana Yoga). So ist der ganzheitliche Yoga, wie ihn Swami Sivananda und Swami Vishnudevananda gelehrt haben, nicht nur mein Lieblingsyoga, sondern der Yoga, den ich täglich lebe.

Wie sieht deine persönliche tägliche Yogapraxis aus?

Ich übe jeden Tag mindestens 30 Minuten Asanas und Tiefenentspannung, mindestens 35 Minuten Pranayama. Ich leite (fast) jeden Tag einen Satsang und meist noch eine weitere Meditationssitzung. Oft kommen Rezitationen von Sanskrit Shlokas und Suktas (Verse) dazu, mindestens einmal pro Woche längere Meditation, intensivere Asanas und längeres Pranayama. Und ein oder zwei Mal im Jahr habe ich 1-2 Wochen von intensiverer Praxis.

Und wenn du jedem deiner Schüler nur eine Sache/einen Gedanken nahelegen könntest, was würdest du dann weitergeben wollen?

Übung macht den Meister, die Meisterin. Die alten Rishis (Seher) haben uns großartige Techniken gegeben damit wir uns um uns selbst sorgen können, um uns zu entwickeln, den Alltag bewusst zu erleben, eine höhere Wirklichkeit zu erfahren. Es gilt, diese in beständiger Übung in die Tat umzusetzen. Übe, übe, übe..

Gibt es einen Rat, den du Yoga-Anfängern mit auf den Weg geben möchtest?

Anfängern rate ich gerne: Gehe einmal pro Woche in ein Yoga-Zentrum und nimm an einer Yogastunde oder einem Satsang teil. So spürst du die Wirkung des Yoga sehr schnell. Übe jeden Tag mindestens fünf Minuten lang aus dem weiten Gebiet des Yoga etwas, was du gerne machst, was dir eine gute Erfahrung schenkt und eine gute Wirkung auf dich hat. Und 1-2 Mal im Jahr besuche ein Yoga Wochenende oder eine Yogaferienwoche in einem Ashram - so erlebst du Yoga besonders intensiv und bekommst die Inspiration für deine weitere Yoga Praxis.