Tanz

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Tanz ist ein künstlerischer Körperausdruck, der sich an Rhythmus und Musik orientieren kann. Er wird in allen Kulturen praktiziert und als Ausdrucksform eingesetzt, um in eine soziale Interaktion zu treten oder um sich körperlich fit zu halten. Tanz als darstellende Kunstgattung prägt sehr stark die Vorstellung der Menschen über Tanz an sich. Sie denken gleich an bestimmte Tanzrichtungen wie Ballet, Salsa, Samba, Jazz Dance, Modern Dance, Hip Hop, Tango, Walzer - niemand denkt an Yoga. Die drei folgenden Fotos stellen Yoga Asanas dar: die Taube, der Tänzer und die Heuschrecke. Machen sie keinen tänzerisch-graziösen Eindruck?

Tänzer

Tanz kann allerdings in aller Einfachheit als ganz persönlicher, individueller Gefühlsausdruck gesehen werden, der nur für einen Moment anhält und sich im nächsten Augenblick wieder verändern kann. Die Körperbewegung spiegelt das Innenleben eines Menschen, wobei eine neue lesbare (Körper)Sprache entsteht, die auch als Therapieform genutzt werden kann Tanztherapie. Diese Art des Tanzens ist mindestens genauso alt wie die Menschheit an sich, in einer Welt, die sich allerdings immer mehr an äußeren Einflüssen orientiert, geht man an Tanz auch mit einem Denken von gut und schlecht heran, sodass das Individuum weder die Möglichkeit hat, nach seinem eigenen Ausdruck zu suchen, noch ihn nach außen hin zu zeigen. Das heißt man lernt bestimmte Tanzstile und versucht den Lehrer nachzuahmen. Dies wird einem gut oder weniger gut gelingen.

Tanz kann auch als nonverbale Kommunikation betrachtet werden, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Tieren. Körperbewegung ist immer auch nonverbale Kommunikation, auch keine Körperbewegung ist Kommunikation. In der Sprachwissenschaft heißt es, dass man nicht nicht kommunizieren kann. So kommunizieren also auch Tiere miteinander und führen zum Beispiel Balztänze auf. Das sind jetzt nur die Tänze, die man offensichtlich als solche erkennt.

Rhythmische Gymnastik, Eiskunstlaufen und Synchronschwimmen sind Sportarten, die ebenfalls Tanz beinhalten. Manche Kampfsportarten wie zum Beispiel Capoeira sehen auch sehr tänzerisch aus. Wenn sich Gegenstände im Wind bewegen, führen sie einen Tanz auf. Hier soll nur an den Tanz der Blätter im Wind erinnert werden oder an eine Szene aus American Beauty, in der eine weiße Plastiktüte vom Wind im Tanz bewegt wird.

Die Definition darüber, was Tanz ist, hängt sehr stark von den Rahmenbedingungen ab. Soziale, kulturelle, ästhetische, künstlerische und moralische Aspekte spielen dabei eine große Rolle. Die Bewegungen können von ganz einfachen, funktionalen Bewegungen wie in den Volkstänzen ausgehen und sich bis hin zu virtuosen Techniken wie im Ballett emporschwingen. Ein Tanz kann zum Beispiel so sein, dass man daran teilnimmt, er kann soziale Aspekte erfüllen oder aber als Show einem Publikum vorgeführt werden. Er kann förmlich, zeremoniell sein; einen Wettbewerb darstellen oder den erotischen Aspekt hervorheben. Tanzbewegungen haben meist keine inhaltliche Bedeutung, sie dienen nur einem ästhetischen Ausdruck, wie zum Beispiel im Ballett oder in der europäischen Folklore. In vielen asiatischen Tänzen haben die Gesten und Körperbewegungen eine eigene Symbolik. Der Tanz kann Ideen, Emotionen oder eine Geschichte darstellen.

Im Tanz haben sich unterschiedliche Stile entwickelt. Der Afrikanische Tanz ist interpretativ. Ballett, Standardtänze (wie Walzer) und Tango sind klassische Tanzstile, während Square Dance zum Beispiel eine Form des Stepp-Tanzes ist. Breakdance und andere Formen des Street Dance werden mit der Hip Hop Kultur in Verbindung gebracht.

Historische Aspekte

Heusckrecke

Da Tanz keine Spuren hinterlässt oder man irgendwelche Gegenstände wie Steinwerkzeuge dazu findet, kann man nicht den Zeitpunkt festlegen, wann der Tanz Teil der menschlichen Kultur geworden ist.

Der Musikwissenschaftler Joseph Jordania behauptet, dass Tanz, rhythmische Musik und Körperbemalung schon sehr früh in der menschlichen Entwicklung, als ein Werkzeug angesehen wurde, mit dem man Gruppen von Menschen in eine Art Kampftrance versetzen konnte, in einen geänderten Bewusstseinszustand. In diesem Zustand würde ein Mensch sein individuelles Bewusstsein verlieren und ein kollektives annehmen. Die Studie von Jonathan Pieslak zeigte, dass es heutzutage Militäreinheiten gibt, die lauten Gruppengesang und Tanz einsetzen, um sich auf gefährliche Kampfsituationen vorzubereiten. Die Fähigkeit sich durch Tanz in einen Trancezustand zu bringen, scheint, laut Jordania, mit der Vergangenheit der menschlichen Evolution zu tun zu haben und ein Phänomen militärischen Drills zu sein, der auch darauf baut eine rhythmisch monotone Handlung in einer Gruppe zu vollbringen.

Der Tanz war sicherlich auch ein wichtiger Bestandteil von Zeremonien, Ritualen, Feierlichkeiten und Unterhaltung bevor die menschliche Rasse überhaupt geboren wurde. Die Archäologie liefert uns Tanzspuren aus der Urgeschichte, wie die möglicherweise 7000 Jahre alte Höhlenmalerei aus dem Felsen von Bhimbetka, die eine Reihentanzformation darstellt. Shiva wird schon in ganz frühen Darstellungen als Nataraj, kosmischer Tänzer, präsentiert. Im alten Ägypten gab es Grabmalereien, die tanzende Figuren aus der Zeit von 3300 vor Christi Geburt zeigen.

Die früheste Form, Tanz in einer strukturierten Art zu präsentieren, war die Art wie Mythen erzählt und präsentiert wurden. Tanz wurde auch oft vom anderen Geschlecht eingesetzt, um Zuneigung zu zeigen. Es steht in enger Verbindung zum Liebesakt. Bevor es die Schriftsprache gab, war Tanz ein Mittel, um Geschichten von einer Generation in die andere zu übertragen.

Der Tanz wurde schon sehr früh eingesetzt, um sich in Heilungsritualen in einen tranceähnlichen Zustand zu bringen. Der Tanz wird in vielen Kulturen immer noch dafür verwendet, angefangen mit dem brasilianischen Regenwald bis hin zur Kalahari-Wüste. Viele zeitgenössische Tanzformen gehen zurück auf historische, traditionelle, zeremonielle und ethnische Tänze.

Klassifizierung und Gattungen

Taube

Eine Kategorie ist jene, die sich an der Anzahl der interaktiven Tänzer orientiert. Dabei gibt es den Solotanz, den Partnertanz und den Gruppentanz. Tanz wird zu unterschiedlichen Anlässen aufgeführt: zu Zeremonien, in erotischem Umfeld, als Vorführung auf einer Bühne, als soziales Event u.a.

Tanzen und Musik

Viele frühe Formen von Musik und Tanz wurden zusammen erschaffen und aufgeführt. Diese zweiteilige Entwicklung hat sich im Laufe der Jahre in Stilrichtungen wie Walzer, Tango, Disco, Salsa, Techno und Hip-Hop fortgeführt. Manche musikalischen Gattungen haben eine parallele Tanzform: die barocke Musik und der barocke Tanz - die klassische Musik und das klassische Ballett hingegen haben sich unabhängig voneinander entwickelt.

Obwohl der Tanz oft durch Musik begleitet wird, kann er auch unabhängig davon präsentiert werden oder seine eigene musikalische Begleitung mitliefern, wie es bei Stepp-Tanz der Fall ist. Wenn der Tanz zusammen mit Musik stattfindet, kann im Rhythmus der Musik getanzt werden oder dagegen, das hängt ganz vom Stil des Tanzes ab. Wenn ein Tanz ohne Musik getanzt wird, dann wird er in seinem eigenen, ihm innewohnenden Rhythmus getanzt.

Klassifizierung durch ethnische oder regionale Prägung

Indien

Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden sehr viele Texte geschrieben, die versuchten, Aspekte des täglichen Lebens zu kodifizieren. Bharata Munis Text „Natyashastra“ ist einer der ersten Texte, der versucht den Tanz zu erklären. Obwohl das Hauptthema der „Natyashastra“ das Drama ist, wird der Tanz auch ausführlich behandelt. Seitdem sind die beiden Konzepte in Indien immer miteinander verbunden. Der Text erläutert unterschiedliche Handgesten oder Mudras und klassifiziert Bewegungen der einzelnen Körperteile, der Gangarten und andere. Die Natyashastra kategorisiert den Tanz in vier Gruppen und in vier regionale Unterschiede. Er benennt die Gruppen als profan, rituell, abstrakt und interpretativ. Die Konzepte der unterschiedlichen Regionen haben sich verändert und mit ihnen die Vielfalt des indischen Tanzes.

Aus diesen Anfängen entspringen die unterschiedlichen klassischen Stile, die heute anerkannt sind. Die klassischen indischen Tänze sind unterschiedlich tief in dem Natyashastra verwurzelt und greifen dadurch auf dieselben Elemente zurück: die Mudras, einige Körperhaltungen und das dramatische oder ausdrucksstarke Schauspiel (Abhinaya). Die Tradition der klassischen indischen Musik liefert den Hintergrund für den Tanz, und da Perkussion zu der Tradition gehört, tragen die Tänzer fast aller Stilrichtungen kleine Glöckchen um die Fußgelenke, um die Musik der Trommeln zu ergänzen und einen Kontrapunkt zu setzen.

Bhangra in the Punjab

Der Punjab ist eine Gegend, die sich über Teile von Indien und Pakistan erstreckt, daher stammt Bhangra. Er ist als Musikrichtung und Tanz bekannt. Er wird meistens mit alten Festen in Verbindung gebracht, in denen es um Ernte, Liebe, Patriotismus oder soziale Themen geht. Die Musik dafür kommt von einem Musikinstrument, das „Dhol“ heißt. Bhangra ist nicht nur Musik sondern auch Tanz, ein Erntefest, bei dem die Menschen die „Dhol“ (Trommel) spielen, „Boliyaans“ (Verse) singen und tanzen.

Die Tänze aus Sri Lanka

Die Dämonentänze aus Sri Lanka (Yakun Natima) sind ein sorgfältig vorbereitetes Ritual, das historisch weit in die vorbuddhistische Zeit von Sri Lanka reicht. Sie verbinden alte ayurvedische Konzepte mit der Idee, dass Krankheiten von Wesen verursacht werden, die in die Aura eines Menschen eindringen und wieder verjagt werden müssen. Der Tanz kombiniert viele Aspekte, unter anderem auch die singhalesische Kosmologie. Die Tänze haben eine Auswirkung auf die klassischen Tänze von Sri Lanka.

Europa und Nordamerika

Griechenland Die alten Griechen hatten für jede Gottheit einen bestimmten Tanz, der mit den Gefühlsausdrücken arbeitete, die für die Gottheit typisch waren. So wurden für Dionysos ekstatische Tänze aufgeführt. Terpsichore, die fröhlich im Reigen tanzt, gilt als die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Ein wichtiges Zeitzeugnis für die griechischen Tänze ist Homers Ilias, in dem er den Tanz Chorea aus 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. beschreibt. Aus diesen Tänzen entwickelt sich dann in Griechenland das Konzept des Dramas und der Komödie, in denen meistens ein Chor mitspielte, dessen Bewegungen als „Choreographie“ in den Stücken vermerkt wurde. Daraus entwickelte sich dann der Begriff der Choreografie.

Ballett Der Balletttanz wurde zunächst in Italien entwickelt und dann in Frankreich auf aufwendigen Hoffesten weiterentwickelt, wo Musik, Drama, Lyrik, Gesang, Kostüme und Tanz zusammenkamen. Der Hofadel nahm an den Vorführungen als Tänzer teil. Unter der Regentschaft Ludwig IV., der selbst ein Tänzer war, wurde der Tanz viel kodifizierter. Die Amateure des Hofadels wurden durch professionelle Tänzer ersetzt, und die Balletttänzer wurden vom französischen Parlament lizenziert. Die erste Tanzakademie war die Académie Royale de Danse, die in 1661 in Paris eröffnet wurde. Nur kurz danach wurde die erste Ballettgruppe, die mit der Akademie in Verbindung stand, institutionalisiert. Diese Gruppe bestand zunächst nur aus Männern, aber um 1681 nahmen sie auch Frauen mit auf.

Die Einflüsse des afrikanisch-amerikanischen Tanzes Afrikanisch-amerikanische Tänze sind jene Tänze, die sich innerhalb afrikanisch-amerikanischen Gemeinschaften entwickelt haben, und zwar vielmehr auf der Straße als in Tanzstudios, Schulen oder Firmen. Daraus entstanden Stepp-Tanz, Discotanz, Jazz Tanz, Swing, Hip Hop und Breakdance. Der Rock’n Roll hatte ebenfalls einen globalen Einfluss.

Das 20 Jahrhundert Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine explosionsartige Innovation innerhalb des Tanzstils, die mehr darauf aus ist, freier mit der Tanztechnik umzugehen. Die ersten Pioniere des Modern Dance waren Loie Fuller, Isadora Duncan, Mary Wigman und Ruth St. Denis. Die Beziehung zwischen Musik und Tanz bildet die Basis für Eurhythmics, das von Emile Jaques-Dalcroze erfunden wurde, und das wiederum eine Auswirkung auf die Entwicklung des Modern Dance und des modernen Balletts hat, das von Künstlern wie Marie Rambert präsentiert wurde. Eurhytmie wurde von Rudolf Steiner und Marie Steiner von Sivers entwickelt und verbindet formelle Elemente, die an den traditionellen Tanz erinnern, mit einem neuen freieren Stil. Sie führen auch ein neues Vokabular in den Tanz ein, das als Bühnenkunst in der Pädagogik oder als Therapieform praktiziert wird.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare und Ausbildungen

Tanz und Bewegung

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Wie kein anderes Medium vermag Musik Menschen miteinander zu verbinden. Sie ist eine universelle Sprache, die mit dem Herzen verstanden wird. Erlebe das Wunder der heilenden Töne. Freue dich auf e…
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Melina Chamunda Behrendt,

Selbsterfahrung Psychotherapie Psychologie

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