Meditationsunterweisungen

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Meditationsunterweisungen von Swami Sivananda

Nachstehend findest du Unterweisungen von Swami Sivananda [1] für die Vertiefung der Meditation:

Anfänglich bedarf es ernster Bemühungen, um eine regelmäßige und systematische Meditation durchzuführen und keinen Tag auszulassen. Auseinandersetzungen und Diskussionen sollte der Schüler vermeiden und sich statt dessen in ein entlegenes Zimmer zurückzuziehen, die Augen schließen und in schweigende Meditation versinken.

Fühle Seine Gegenwart, wiederhole Seinen Namen - Om - mit Eifer, Freude und Liebe. Lass göttliche Liebe (Prema) dein Herz erfüllen. Zerstöre die unbewussten Eindrücke (Sankalpas), Gedanken, Phantasien, Launen und Begierden, sobald sie in das Bewusstsein aufsteigen. Sammle die wandernden Gedanken und richte sie auf Gott. Nun können Versenkung (Nishtha) und Meditation tief und intensiv werden. Öffne nicht die Augen und verharre in deiner Stellung. Versenke dich in Ihn, versinke ganz hinein in die Tiefen deines Herzens. Gehe auf im strahlenden Atman und trinke den Nektar der Unsterblichkeit. Erfreue dich der Stille. Frieden! Stille! Herrlichkeit!

Mein geliebter Rama, nun bist du in einer starken geistigen Festung eingeschlossen. Keine Versuchungen können dich in deiner Sicherheit mehr berühren. Ohne Furcht kannst du dich einem starken Sadhana hingeben, angelehnt an einen unerschütterlichen geistigen Pfeiler. Sei ein guter Kämpfer und töte erbarmunglos deinen Feind, die zerstreuten Gedanken. Bekränze deine Stirn mit dem geistigen Lorbeer des Friedens, der Zufriedenheit und der ganzheitlichen Schau. Schon erstrahlt dein Antlitz in der Herrlichkeit Brahmans. Der all erbarmende Herr hat dich mit Freuden und Gesundheit begabt, er schenkte dir einen Guru, der dich führt. Was willst du noch mehr? Wachse, entwickle dich! Erkenne die Wahrheit und verkünde sie überall.

Immer von neuem kläre deine Gedanken. Dein Denken sei klar und rechtschaffen, die Konzentration tief. In der Stille dringe ein in dein tiefstes Wesen und bringe die unruhigen Gedanken zur Ruhe. Wie der Arzt in der Sprechstunde immer nur einen Patienten hereinläßt, so soll auch nur eine einzige Gedankenwelle in das Bewusstsein eindringen und sich dort in Ruhe festsetzen. Danach erst darf ein anderer Gedanke aufsteigen, und auch nur, wenn er zu dem augenblicklichen Gegenstand gehört. Eine wirksame Kontrolle der Gedanken, durch lange Übung erreicht, wird bei der Meditation von großer Hilfe sein.

Jeden Gedanken soll man sorgfältig überwachen, um nutzlose vertreiben zu können. Das Leben muss im Gleichklang mit der Meditation verlaufen, die auch während der Arbeit fortdauern sollte. Bösen Gedanken soll man nicht neue Kraft geben, indem man immer wieder an sie denkt, sondern soll sie unschädlich machen und durch erhabene ersetzen. Beherrschung der Gedanken ist eine unbedingte Voraussetzung. Nicht ein einziger Gedanke darf verschwendet werden.

Deshalb soll man das Bewusstsein zur Ruhe bringen und das Herumwandern der Gedanken verhindern. Man soll auch nicht in seinen Gedanken unnötiges Wissen ansammeln, sondern sein Bewusstsein ausräumen und all das vergessen, was nicht mehr von persönlicher Bedeutung ist. Nur dann kann man in der Meditation das Bewusstsein mit göttlichen Gedanken erfüllen und neue, geistige Kräfte erlangen. Positives besiegt Negatives. Ein positiver Gedanke treibt den negativen aus. Mut verjagt Angst, Liebe zerstört Hass, Einheit setzt der Trennung ein Ende. Großzügigkeit vernichtet Enge (Eifersucht), Weitherzigkeit vertreibt Geiz und Habsucht. Man soll immer das Positive in sich wachhalten. Dann wird man wunderbar meditieren.

Sei still und erkenne dich. Erkenne »Das«. Versenke dein Bewusstsein in »Das«. Wahrheit ist ganz rein und einfach. Einsamkeit und intensive Meditation sind zwei wesentliche Erfordernisse für die Selbstverwirklichung. Treibe die negativen Gedanken aus. Nimm in dich auf, was dich begeistern und erheben kann.

In jedem Augenblick soll der Schüler Disziplin üben, denn sonst könnten seine Sinne unruhig werden. Darum spricht Krishna zu Arjuna: »0 Sohn der Kunti, erregte Sinne - selbst des Weisen, der sie unermüdlich bekämpft - treiben die Gedanken fort. So führt ihr Ungestüm, wenn sie sich des Denkens bemächtigen, von Einsicht und Verständnis fort, dem Sturm gleich, der das Schiff hintreibt.«

Gedanken wandern und verändern sich immerfort. Dies zeigt sich auf verschiedenste Art. Deshalb muss man stets bemüht sein, sie zu zügeln. Viele Weise legen ihre Gedanken während Sadhana nicht fest. Trotzdem muss ihr Bewusstsein geordnet und auf einen Ort, eine einzige Methode, einen einzigen Guru, eine einzige Form des Yoga konzentriert sein. Ein rollender Stein sammelt kein Moos. Studiert man ein Buch, darf man nicht ein anderes in die Hand nehmen, bevor man das erste zu Ende gelesen hat. Verrichtet man eine Arbeit, so muss man seine ganze Aufmerksamkeit auf sie richten und erst, wenn sie beendet ist, eine neue aufnehmen. »Jedes Ding zu seiner Zeit.«

Wer niemals Yoga geübt, niemals seine Sinne, seine Impulse (Vrittis) oder seine Unreinheit gebändigt hat, wird Schwierigkeiten bei der Konzentration und Meditation erfahren; denn seine Gedanken werden immer ausschwingen, wie das Pendel der Uhr. Sie werden herumschweifen wie ein wilder Stier. Man darf keinem lebenden Wesen Schmerz oder Leid antun durch Gier, Selbstsucht, Zorn oder Langeweile und soll sich von Wut und Böswilligkeit, Kampfgeist und Widerspruch freimachen . Man soll sich nicht streiten oder mit Heftigkeit debattieren, sonst wird man drei oder vier Tage lang nicht fähig sein, zu meditieren. Das geistige Gleichgewicht ist gestört, und viel verschwendete Energie fließt ungenützt ab. Wenn das Blut sich erhitzt und die Nerven sich erregen, muss man versuchen, das innere Gleichgewicht zu halten und die Heiterkeit des Wesens zu bewahren. Nur so kann die Meditation erfolgreich fortschreiten. Ein ausgeglichenes Bewusstsein ist der wertvollste Besitz.

Der Schüler muss sensibel sein und doch zugleich seinen Körper und seine Nerven vollkommen beherrschen. Je stärker die Feinfühligkeit, um so schwieriger ist diese Aufgabe. Es gibt viele Geräusche, die ein normaler Mensch überhört, die dem übersensiblen aber wirkliche Qual bereiten. Konzentration der Gedanken bedeutet Entwicklung innerer Kräfte und Zentralisierung der Energie. Durch sinnlose Gespräche, Pläne und gegenstandslose Beunruhigungen (Chintana) wird Energie vergeudet, die man andernfalls bewahren und in der Meditation auf Gott richten kann. Dann wird die Meditation wunderbar sein, und auch bewundernswerte Aktivität in weltlicher Arbeit kann im Geist der Gemeinschaft (Loka Sangraha) eingesetzt werden.

Wie der Mensch, der zwei Hasen nachjagt, keinen von beiden fangen wird, so wird auch der Meditierende, der sich gleichzeitig mit zwei einander entgegengesetzten Gedanken befasst, in keinem erfolgreich sein. Geht er zehn Minuten lang göttlichen Gedanken, die nächsten zehn Minuten aber irdischen Gedanken nach, wird er das göttliche Bewusstsein nicht erlangen. Mit aller Kraft, Anstrengung und Zielgerichtetheit kann man nur einen Hasen jagen. Dann aber wird man ihn mit Sicherheit fangen. So soll der Schüler zu allen Zeiten nur göttliche Gedanken denken. Dann wird er mit Bestimmtheit in kurzer Zeit Gott erfahren. Wer sich einbildet, er übe täglich tiefe Meditation, dabei aber die schlechten Eigenschaften und die Unruhe seines Bewusstseins (Vikaras) nicht überwunden hat, täuscht und betrügt sich selbst und die anderen.

Verlangt der Schüler in der Meditation zu viel von sich und überschreitet er damit seine Möglichkeiten, wird er in Untätigkeit und Trägheit verfallen. Meditation muss das natürliche Ergebnis eines ausgeglichenen heiteren Bewusstseins (Sama), der Selbstbeherrschung (Dama), der Ausschaltung von Sinneswahrnehmungen (Uparati) und der Gedankenkonzentration (Pratyahara) sein. Atman ist die Quelle aller Energie. An Atman zu denken ist eine dynamische Art, Energie, Kraft und Macht zu steigern. Seine Energie aber soll der Schüler schonen, indem er nur wenig spricht und Stillschweigen (Mauna) bewahrt, indem er den Zorn beherrscht, Keuschheit (Brahmacharya) übt, den Atem schult (Pranayama) und unerwünschte Gedanken unter Kontrolle hält. Auf diese Weise wird eine Fülle von Energie zu seiner Verfügung stehen, mit der er Himmel und Erde bewegen könnte.

Ohne Bedauern soll man allen Objekten der Sinne entsagen, die nur Leid erzeugen, und langsam das innere Gleichgewicht durch Zurückdrängen der Sinne, der Lust, des Ärgers und der Begierden erstreben. Der leidenschaftliche Mensch führt immer und immer wieder die gleiche schmachvolle Tat aus: er füllt seinen Bauch, sooft er kann. Der Schüler, der von der Sehnsucht nach dem Absoluten erfüllt ist, wird dagegen nur wenig Milch zu sich nehmen und die Freuden der ewigen Glückseligkeit des Selbst genießen, wenn er Tag und Nacht meditiert. Beide leben auf ihre Weise, aber während der erste an das Rad von Tod und Wiedergeburt gekettet ist, empfangt der andere Unsterblichkeit.

Wer im Yoga Erfolg haben will, muß alle irdischen Befriedigungen aufgeben, muß Entsagung (Tapas) und Keuschkeit (Brahmacharya) üben. Beide Tugenden helfen zur Erlangung von Konzentration und Samadhi.

Will man mit ein wenig Stroh, Papier und dünnen Holzscheiten ein Feuer anzünden, so muss man es mit Hilfe des Blasebalgs immer wieder anfachen und vorm Verlöschen bewahren. Nach einiger Zeit wird es brennen. Dann kann es selbst mit viel Anstrengung nicht mehr ausgelöscht werden.

Ähnlich fällt der Anfänger bei seiner Meditation immer wieder in alte Gewohnheiten zurück und muß seine Gedanken erneut anfachen und auf ihr Ziel (Lakshya) hinführen. Zum Anzünden des Feuers der Meditation bedarf es intensiver Entsagung (Tivra Vairagya) und inbrünstiger Konzentration. Ist die Meditation tief und stetig geworden, ruhen die Gedanken in Gott, da der Zustand der Meditation zu ihrer Natur (Sahaja) geworden ist.

Der Schüler sollte selbst nach jahrelanger geistiger Übung sehr sorgfältig beobachten, ob er auf dem geistigen Pfad stehenbleibt oder weiter fortschreitet. Manchmal kann er sogar Rückschritte machen, wenn er in der Meditation nachläßt. Manche haben nach fünfzehnjähriger Übung noch keine wirklichen Fortschritte gemacht. Dies liegt an einem Mangel an Eifer und Entsagung, an einem Nachlassen des brennenden Verlangens nach Befreiung und einem Fehlen des Sadhana.

Läßt sich der Schüler durch Geringfügigkeiten beleidigen, kann er nicht zum Erfolg in der Meditation kommen. Er muss vielmehr seine freundschaftlichen Gefühle pflegen und sich besser anpassen, damit seine schlechten Eigenschaften an Bedeutung verlieren. Mancher Anfänger fühlt sich schon beleidigt, wenn man ihm seine schlechten Eigenschaften aufzeigt, und kämpft entrüstet gegen den Betreffenden in der Annahme, er handle aus Neid oder Hass. Andere geben sich Mühe, immer nur die Fehler ihrer Nächsten zu sehen. Wer kein Innenleben hat und nur nach außen lebt, vermag seine eigenen Fehler nicht zu erkennen. Die Meinung, die er von sich selbst hat, verschleiert seine geistige Schau. Wer sich wirklich entwickeln will, muss die Fehler in sich erkennen, auf die andere ihn aufmerksam machen. Er muss sein möglichstes tun, um sie auszutilgen, und jedem dankbar sein, der sie ihm aufzeigt. Nur so vermag er im Geistigen zu wachsen.

Zerstreuung (Vikshepa) bildet ein großes Hindernis, ebenso Pläne und Wünsche, Handlungen des täglichen Lebens (Vyavahara) und äußere Belastungen (Pravritti). Dagegen fördern Anbetung der Bilder (Murti Upasana), Pranayama, Wiederholen der heiligen Silbe OM (Pranava), rechtes Denken (Manana), Unterscheidung (Vichara) und Gebet.

Leider kann sich die falsche Auffassung des Schülers bemächtigen, als sei das Selbst, der Körper und die Welt eine feste Wirklichkeit (Viparita Bhavana), und Zweifel (Samshaya Bhavana) wird ihn erfüllen. Die Energie wird sich durch Anziehung (Raga) auf Gegenstände und verborgene Wünsche verbrauchen, wie das Wasser eines drainierten Bodens durch Röhren abfließt. Unterdrückte Begierden werden ihn plagen und erschöpfen und ihn unbewußt zu ihrem Opfer machen.

Wenn man einen Raum, der monatelang abgeschlossen war, zu säubern beginnt, werden alle Ecken und Winkel voll des verschiedensten Unrats sein. Ebenso werden bei der Meditation unter dem Druck des Yoga und der Gnade Gottes alle möglichen Unreinheiten an die Oberfläche des Bewusstseins kommen. Entferne eine nach der anderen mutig mit Geduld und Ausdauer durch die entgegengesetzten Tugenden. Frühere unbewußte Eindrücke suchen sich zu rächen, wenn man anstrebt, sie zu unterdrücken. Nach einiger Zeit aber verlieren sie ihre Kraft, wenn man die Gedanken zähmt wie einen wilden Elefanten. Man darf die lasterhaften Gedanken nicht schonen, die dem Bewusstsein Nahrung geben, damit es sich nach innen kehren kann (Antar Mukha). Dagegen soll man gute, tugendhafte, erhabene Gedanken aufnehmen und das Bewusstsein mit edlen Wünschen und Ideen nähren. So werden die früheren unbewußten Eindrücke (Samskaras) geschwächt und allmählich endgültig beseitigt.

Anfänger verwechseln bedauerlicherweise im allgemeinen ihre eigene Phantasie und ihre Impulse mit der inneren Stimme, dem göttlichen Befehl (Adesha). Manchmal erfüllt die Schau einer schönen Gestalt das Bewusstsein mit Freude, nach der es mit aller Kraft verlangt. Wenn es aber durch Meditation gelernt hat, die Glückseligkeit des gestaltlosen Brahman oder des Selbsts im innersten Herzen zu genießen, wird es nicht mehr ausweichen, um die Schönheit im Außen zu suchen.

Ist der Schüler noch nicht fähig, das Bild seiner Schutzgottheit (Ishta Devata) in sich zu erschauen und seine Gedanken auf dieses Bild zu konzentrieren, muß er versuchen, den Klang des Mantram zu hören, das er wiederholt, oder sich die Buchstaben vorzustellen, aus denen es besteht. So wird er der Unruhe seines Bewusstseins ein Ende setzen, die sich aus der Zerstreuung der Gedanken ergibt. Das wirksamste magische Mittel gegen Zerstreutheit und Unausgeglichenheit der Gedanken, die unreinen Eindrücken entstammen, ist die Einsamkeit. Mag die Zerstreuung (Vikshepa) auch sehr mächtig sein, die geistige Tugend (Sattva) ist noch mächtiger. Stärkt man sie, so wird man dem Umherschweifen der Gedanken leicht Einhalt gebieten.

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