Erkenntnisvermögen

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Erkenntnisvermögen ist die Fähigkeit etwas zu erkennen, etwas zu wissen. Hier mehrere philosophische Definitionen, denn der Ausdruck Erkenntnisvermögen ist ein hochphilosophischer: "Erkenntnisvermögen, dasjenige angebliche Vermögen der Seele, vermöge dessen wir die Objekte, wie sie ihrem wahren Wesen nach sind, begreifen".

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Und: "Unser gesamtes Erkenntnisvermögen hat zwei Gebiete, das der Naturbegriffe und das des Freiheitsbegriffs; denn durch beide ist es a priori gesetzgebend.' Zwischen dem Verstande und der Vernunft steht als (oberes) Erkenntnisvermögen die Urteilskraft". Erkenntnisvermögen ist letztlich die Bezeichnung der Fähigkeit des Menschen, die Welt zu begreifen.

Das Erkenntnisvermögen ist begrenzt auf die Sinne und den Intellekt. Das menschliche Erkenntnisvermögen ist begrenzt. Durch die Grenzen menschlichen Erkenntnisvermögens kann man die höchste Wahrheit nur bedingt wahrnehmen. Die mystischen Traditionen geben einen Weg vor Sinne und Geist als Instrumente des Erkenntnisvermögens zu transzendieren, Wahrheit direkt wahrzunehmen einfach dadurch dass man Wahrheit ist.

Erkenntnisvermögen - eine Tugend. Was versteht man unter Erkenntnisvermögen? Woher stammt das Wort? Wozu ist Erkenntnisvermögen gut? Welche anderen Substantive, welche Adjektive und Verben stehen im Zusammenhang mit dem Wort Erkenntnisvermögen? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Erkenntnisvermögen als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Nutze dein Erkenntnisvermögen. Aristoteles, der große griechische Philosoph, hat gesagt: "Der Mensch ist Zoon Politikon Echon." Zoon heißt Wesen, Politikon heißt gesellig, Echon heißt vernunftbegabt. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, er hat Erkenntnisvermögen, nur leider nutzt der Mensch dieses Erkenntnisvermögen nicht ausreichend. Der große Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant, hat gesagt: "Aufklärung ist das Überwinden der selbstgemachten Unwissenheit. Sapere aude! Wage es, zu wissen!" Nutze dein Erkenntnisvermögen, mit anderen Worten, nutze deine Vernunft. Und das ist auch und gerade im Yoga wichtig.

Yoga ist kein Glaubenssystem, Yoga ist natürlich hauptsächlich Erfahrung, Yoga ist ein Übungssystem, Yoga ist Erfahrung. Aber im Yoga geht es auch darum, seinen Geist und seinen Verstand zu schärfen, insbesondere im Jnana Yoga wie auch im Raja Yoga, da spielt Viveka eine wichtige Rolle. Viveka ist das Unterscheidungsvermögen, man würde aber auch sagen, das Erkenntnisvermögen. Öfters mal zu fragen: "Was steckt dahinter? Und was soll das eigentlich?" Das ist eine wichtige Fähigkeit des spirituellen Aspiranten.

Ich hatte einen großen Yogameister namens Swami Vishnudevananda, der hat uns immer ermutigt: "Frage durchaus auch, warum?" Nicht immer gibt es eine passende Antwort, trotzdem, fast alles, was wir im Yoga machen, können wir auch irgendwo logisch ergründen. Und wenn wir nachhaken und fragen, erfahren wir einiges. Aber wir müssen es fragen, mit dem Wunsch, etwas zu wissen, nicht einfach nur aus Kritiksucht. Leider gibt es immer wieder Aspiranten, die fragen nicht wirklich, sondern sie wollen einfach nur argumentieren und zeigen, wie klug sie sind. Wenn man aber aus dem Wunsch, etwas zu wissen, fragt, dann steigert man sein Wissen und sein Erkenntnisvermögen.

Natürlich, Erkenntnisvermögen will auch tatsächlich erkennen und einfach indem man sich öfters tiefe Fragen stellt, steigert man auch sein tiefes Erkenntnisvermögen. Im Yoga gibt es verschiedene so genannte Viveka. Ich habe ja auch eine ganze Vortragsserie gegeben über Atma Bodha, die Erkenntnis des Selbst. Bodha ist auch die Erkenntnis, und das ganze Atma Bodha, diese berühmte Schrift von Shankaracharya, da geht es darum, sein Erkenntnisvermögen auszubauen und anzuwenden. Und dort ebenso wie in dem berühmten Werk, "Viveka Chudamani, das Kleinod der Unterscheidung", geht es eben darum, das Erkenntnisvermögen aufzubauen. Und dort gibt es z.B. die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Was ist ewig, was ist vergänglich? Das immer wieder zu erkennen und danach auch zu handeln. Das zweite ist die Unterscheidung zwischen dauerhaftem Glück und vorübergehendem Glück, das letztlich nur Leiden bringt. Auch das heißt Erkenntnisvermögen.

Dann die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst, sein Erkenntnisvermögen zu schulen: "Wer bin ich?" Die vierte wichtige Unterscheidung ist die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen: "Was ist wirklich wirklich?" Das sind die vier, man kann auch sagen, die existentiellen Fragen, Unterscheidungen, Überlegungen. Und dich damit zu beschäftigen, steigert das wichtigste Erkenntnisvermögen. Ansonsten auch, Dinge zu hinterfragen, dir öfters überlegen: "Was sind meine Motive? Was hilft mir auf dem spirituellen Weg weiter? Was müsste ich tun, um spirituell zu wachsen?" Auch das ist wichtiges Erkenntnisvermögen. Öfters mal zu schauen, welche Tricks dein Geist dir spielt, in welche Vorstellung du dich wieder verrannt hast. All das sind Dinge, die du überlegen kannst und die helfen dir für das Erkenntnisvermögen.

Öfters mal auch deine Erfahrungen zu analysieren, zu schauen, wie bist du wieder in ein Leiden hineingegangen, wie bist du wieder in eine nicht so schöne Stimmung hinein gerutscht. Das hilft dem Erkenntnisvermögen. Auch schauen: "Was geschieht anderen Menschen, wie reagieren sie?" Die guten und die weniger geschickten Handlungen anzuschauen und daraus Lektionen zu ziehen, auch das entwickelt dein Erkenntnisvermögen. Überlege selbst, schulst du bewusst dein Erkenntnisvermögen durch eine oder andere dieser Techniken oder anderer Techniken? Oder lebst du einfach nur in den Tag hinein? Bewusst an dir zu arbeiten, bewusst mehr erkennen zu wollen, das ist so wichtig. Schule dein Erkenntnisvermögen, das führt dich zu immer mehr Jnana, Wissen und Weisheit und irgendwann auch zu Anubhava, zur vollen Verwirklichung der absoluten Einheit.

Erkenntnisvermögen - Antonyme und Synonyme

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Erkenntnisvermögen in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Erkenntnisvermögen - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Erkenntnisvermögen, also Synonyme zu Erkenntnisvermögen sind z.B. Klugheit, Auffassungsgabe, Denkfähigkeit, Verstand, Lernvermögen.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Erkenntnisvermögen übertrieben kann ausarten z.B. in Selbstüberschätzung, Hochmut, Hybris. Daher braucht Erkenntnisvermögen als Gegenpol die Kultivierung von Loslassen, Entspannung, Lebensfreude, Genuss.

Gegenteil von Erkenntnisvermögen - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Erkenntnisvermögen, Antonyme zu Erkenntnisvermögen :

Erkenntnisvermögen Antonyme auf einen Blick

Antonyme Erkenntnisvermögen, also Gegenteile, sind Loslassen, Entspannung, Lebensfreude, Genuss, Begriffsstutzigkeit, Ignoranz, Unvernunft, Engstirnigkeit, Unverständigkeit.

Erkenntnisvermögen im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Kultivierung von Erkenntnisvermögen

Erkenntnisvermögen ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das man stärken kann, sofern man es will. Vielleicht willst du ja Erkenntnisvermögen in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Erkenntnisvermögen zu kultivieren.
  • Fasse den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Eigenschaft, Erkenntnisvermögen wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein gut erkennenderer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens etwas zu tun, was Erkenntnisvermögen ausdrückt. Bringe mit deinen Handlungen zum Ausdruck, dass du diese Eigenschaft besitzt und lebst. Tue einfach so, als ob du diese Eigenschaft stark in dir hast.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Erkenntnisvermögen."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin gut erkennend."

Affirmationen zum Thema Erkenntnisvermögen

Hier einige Affirmationen für mehr Erkenntnisvermögen. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Erkenntnisvermögen Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin gut erkennend.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin gut erkennend. Om Om Om.
  • Ich bin ein Erkennender, eine Erkennende OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Erkenntnisvermögen Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin gut erkennend " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Erkenntnisvermögen.
  • Ich werde gut erkennend.
  • Jeden Tag werde ich gut erkennender.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Erkenntnisvermögen.

Dankesaffirmation für Erkenntnisvermögen

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag gut erkennender werde.

Wunderaffirmationen Erkenntnisvermögen Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr gut erkennend. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Erkenntnisvermögen entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr gut erkennend zu sein.
  • Ich bin jemand, der gut erkennend ist.

Gebet für Erkenntnisvermögen

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Erkenntnisvermögen:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Erkenntnisvermögen.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein gut erkennender Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Erkenntnisvermögen mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Erkenntnisvermögen zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Erkenntnisvermögen zu entwickeln?
  • Wie könnte ich gut erkennend werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Erkenntnisvermögen.
  • Angenommen, ich will gut erkennend sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre gut erkennend, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Erkenntnisvermögen kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als gut erkennender Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Erkenntnisvermögen

Eigenschaften im Alphabet nach Erkenntnisvermögen

Literatur

Weblinks

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