Staunen: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Staunen''' | '''Staunen''' ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die entsteht, wenn etwas unsere bisherigen Vorstellungen übersteigt und uns für einen Augenblick aus dem gewohnten Denken heraustreten lässt. Im [[Yoga]], in der [[Meditation]] und auf dem spirituellen Weg kann Staunen zu [[Achtsamkeit]], Offenheit und einer unmittelbaren Erfahrung von Verbundenheit führen. | ||
== Staunen – wenn das Gewöhnliche außergewöhnlich wird == | |||
=== Was bedeutet Staunen? === | |||
Staunen bezeichnet einen Zustand intensiver Aufmerksamkeit, der durch etwas Unerwartetes, Schönes, Großartiges, Geheimnisvolles oder zunächst Unbegreifliches ausgelöst wird. Wer staunt, hält innerlich einen Augenblick inne. Gewohnte Bewertungen treten zurück, während die Wahrnehmung ganz auf das gerichtet ist, was sich gerade zeigt. | |||
Das Wort Staunen kann dabei unterschiedliche Erfahrungen umfassen: die Verwunderung über etwas Überraschendes, die Bewunderung außergewöhnlicher Fähigkeiten, das ehrfürchtige Ergriffensein angesichts der [[Natur]] oder des Universums sowie jenes stille Staunen, das keinen besonderen äußeren Anlass benötigt. Ein Mensch kann über einen Sternenhimmel ebenso staunen wie über eine Blüte, den menschlichen Körper, eine wissenschaftliche Erkenntnis oder einen unscheinbaren Augenblick des Alltags. | |||
Staunen unterscheidet sich von bloßer Überraschung dadurch, dass es häufig über den ersten Moment hinausführt. Es weckt [[Neugier]], öffnet Fragen und kann die eigene Sicht auf die Welt verändern. | |||
=== Staunen – Bedeutung in Psychologie und Philosophie === | |||
In der [[Psychologie]] wird Staunen häufig im Zusammenhang mit ''Awe'' untersucht, einem Begriff, der je nach Kontext mit Staunen, Ehrfurcht oder überwältigender Bewunderung übersetzt werden kann. Gemeint sind Erfahrungen, bei denen ein Mensch mit etwas konfrontiert wird, das größer oder umfassender erscheint als sein gewohntes Bezugssystem. | |||
Dabei muss „Größe“ nicht ausschließlich räumlich gemeint sein. Auch eine außergewöhnliche menschliche Handlung, eine tiefgreifende Erkenntnis, Musik, Kunst oder eine spirituelle Erfahrung können Staunen hervorrufen. Charakteristisch ist, dass vorhandene Denkmuster zunächst nicht ausreichen, um das Erlebte vollständig einzuordnen. Der Geist muss seine bisherigen Vorstellungen erweitern oder neu ordnen. | |||
Auch in der [[Philosophie]] besitzt das Staunen eine lange Tradition. Bereits in der antiken griechischen Philosophie wurde das Staunen als wichtiger Ausgangspunkt philosophischen Fragens betrachtet. Wer staunt, nimmt das scheinbar Selbstverständliche nicht länger einfach hin, sondern beginnt zu fragen: Warum ist etwas so? Was bedeutet es? Was liegt hinter dem unmittelbar Sichtbaren? | |||
Damit steht Staunen am Anfang einer Bewegung vom bloßen Wahrnehmen zum tieferen Erkennen. | |||
=== Formen des Staunens === | |||
Staunen besitzt verschiedene Ausdrucksformen, die sich überschneiden können. Die gebräuchlichsten Formen lassen sich danach unterscheiden, wodurch das Staunen ausgelöst wird und welche innere Qualität dabei im Vordergrund steht. | |||
==== Verwundertes Staunen ==== | |||
Das verwunderte Staunen entsteht durch etwas Unerwartetes. Eine Situation entspricht nicht dem, was der Mensch aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen erwartet hat. Für einen Augenblick wird die gewohnte Ordnung unterbrochen. | |||
Diese Form des Staunens ist eng mit [[Neugier]] verbunden. Aus dem inneren „Das hätte ich nicht erwartet“ kann die Frage entstehen: „Wie ist das möglich?“ Verwunderung kann dadurch zu Lernen, Forschung und [[Selbsterkenntnis]] führen. | |||
==== Bewunderndes Staunen ==== | |||
Beim bewundernden Staunen richtet sich die Aufmerksamkeit auf etwas, das als außergewöhnlich, schön oder besonders gelungen erlebt wird. Das können menschliche Fähigkeiten, ein Kunstwerk, eine musikalische Darbietung, eine beeindruckende Yogapraxis oder eine außergewöhnliche Handlung sein. | |||
Bewunderung kann inspirieren. Sie zeigt, was möglich ist, sollte jedoch nicht automatisch in [[Vergleich]] oder Selbstabwertung übergehen. Aus yogischer Sicht kann bewunderndes Staunen vielmehr dazu anregen, Schönheit und Fähigkeiten wahrzunehmen, ohne sie besitzen zu müssen. | |||
==== Ästhetisches Staunen ==== | |||
Ästhetisches Staunen entsteht angesichts von [[Schönheit]]. Ein Sonnenaufgang, ein Gebirge, ein Tempel, Musik, ein Gemälde oder eine einzelne Blüte können einen Menschen so berühren, dass für einen Moment das analysierende Denken zurücktritt. | |||
Das Besondere dieser Erfahrung liegt häufig darin, dass sie keiner unmittelbaren Erklärung bedarf. Etwas wird zunächst einfach wahrgenommen. In dieser unmittelbaren Wahrnehmung besteht eine Nähe zur [[Achtsamkeit]]. | |||
==== Staunen über die Natur ==== | |||
Eine besonders verbreitete Form ist das Staunen über die Natur. Der Blick in einen klaren Sternenhimmel, das Meer, ein alter Baum, ein Wasserfall, die Vielfalt eines [[Ökosystem]]s oder die Weite einer Landschaft können das eigene menschliche Maß relativieren. | |||
Naturerfahrungen machen unmittelbar sichtbar, dass der Mensch Teil größerer Zusammenhänge ist. Dadurch können [[Demut]], Dankbarkeit und ein stärkeres Bewusstsein für die Verbundenheit allen Lebens entstehen. | |||
==== Wissenschaftliches Staunen ==== | |||
Auch [[Wissenschaft]] beginnt häufig mit Staunen. Die Frage, warum Sterne leuchten, wie Leben entsteht, wie das Gehirn arbeitet oder warum bestimmte Naturgesetze gelten, kann aus einer zunächst einfachen Verwunderung hervorgehen. | |||
Wissenschaftliches Staunen zeigt, dass Wissen und Staunen keine Gegensätze sein müssen. Eine Erklärung kann das Staunen sogar vertiefen. Wer beispielsweise versteht, welche komplexen Prozesse in einer einzelnen Zelle stattfinden, muss sie deshalb nicht weniger erstaunlich finden. | |||
==== Philosophisches Staunen ==== | |||
Philosophisches Staunen richtet sich auf grundlegende Fragen des Daseins. Warum gibt es überhaupt etwas? Was ist [[Bewusstsein]]? Was bedeutet Wirklichkeit? Was ist Zeit? [[Wer bin ich?]] | |||
Solche Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden. Philosophisches Staunen besteht gerade darin, die Selbstverständlichkeit vertrauter Annahmen zu durchbrechen und sich einer Frage offen zuzuwenden. | |||
Damit besitzt es eine deutliche Nähe zur yogischen [[Selbsterforschung]]. | |||
==== Ehrfürchtiges Staunen ==== | |||
Beim ehrfürchtigen Staunen begegnet der Mensch etwas, das er als größer empfindet als sich selbst. Das können die Natur, das Universum, Leben und Tod, eine spirituelle Erfahrung oder eine Vorstellung des Göttlichen sein. | |||
[[Ehrfurcht]] ist dabei nicht mit Angst gleichzusetzen. Sie verbindet Staunen häufig mit [[Demut]] und dem Empfinden, Teil eines umfassenderen Ganzen zu sein. | |||
==== Spirituelles Staunen ==== | |||
Spirituelles Staunen kann entstehen, wenn die Wirklichkeit für einen Augenblick tiefer oder umfassender erfahren wird als im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein. Ein Mensch kann während einer [[Meditation]], im [[Satsang]], beim Rezitieren eines [[Mantra]]s, in der Natur oder scheinbar ohne besonderen Anlass eine starke Erfahrung von Gegenwärtigkeit, Verbundenheit oder Heiligkeit erleben. | |||
Eine solche Erfahrung muss nicht spektakulär sein. Spirituelles Staunen kann gerade im Einfachen entstehen: im Atem, in der Stille, im Licht eines Morgens oder in der Begegnung mit einem anderen Menschen. | |||
==== Kindliches Staunen ==== | |||
Kinder begegnen vielem zum ersten Mal. Deshalb gehört kindliches Staunen zu den ursprünglichsten Formen des Staunens. Ein Käfer, eine Schneeflocke, der Mond oder ein Regenbogen können die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. | |||
Bei Erwachsenen verschwindet diese Fähigkeit nicht zwangsläufig, wird jedoch häufig von Gewohnheit und Vorwissen überlagert. Eine achtsame Lebensweise kann dazu beitragen, Bekanntes wieder unmittelbarer wahrzunehmen. | |||
==== Stilles Staunen ==== | |||
Beim stillen Staunen tritt die sichtbare emotionale Reaktion in den Hintergrund. Es ist weniger ein „Wow!“ als ein tiefes Innehalten. Gedanken werden für einen Moment nebensächlich und die Wahrnehmung wird weit. | |||
Gerade diese Form besitzt eine besondere Nähe zu [[Meditation]] und [[Stille]]. Staunen wird hier nicht zum Gegenstand des Denkens, sondern zu einer Weise des gegenwärtigen Erlebens. | |||
=== Staunen und Überraschung – was ist der Unterschied? === | |||
[[Überraschung]] ist zunächst eine unmittelbare Reaktion auf etwas Unerwartetes. Sie kann angenehm, unangenehm oder neutral sein und klingt häufig schnell wieder ab. Staunen kann aus Überraschung entstehen, geht aber meist darüber hinaus. | |||
Wer überrascht ist, reagiert auf eine Abweichung von einer Erwartung. Wer staunt, richtet seine Aufmerksamkeit auf das Unerwartete und lässt sich davon berühren. Deshalb besitzt Staunen häufig eine kontemplative Qualität. | |||
Auch Verwunderung, Bewunderung und Ehrfurcht sind mit Staunen verwandt, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Verwunderung fragt eher nach dem Unerwarteten, Bewunderung nach dem Außergewöhnlichen und Ehrfurcht nach einer erfahrenen Größe oder Tiefe. | |||
=== Warum Menschen die Fähigkeit zum Staunen verlieren können === | |||
Was häufig erlebt wird, wird selbstverständlich. Der erste Blick auf ein Gebirge kann überwältigend sein; wer täglich daran vorbeifährt, nimmt es möglicherweise irgendwann kaum noch wahr. Dieser Gewöhnungseffekt ist für den Alltag nützlich, weil der Mensch nicht jeden Reiz ständig neu verarbeiten muss. | |||
Gleichzeitig kann Gewöhnung dazu führen, dass das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen übersehen wird. Hinzu kommen Zeitdruck, [[Stress]], permanente Ablenkung und die schnelle Folge digitaler Reize. Wer fortwährend neue Eindrücke konsumiert, hat möglicherweise viele Reize, aber wenig Zeit, sich von einem einzelnen Eindruck wirklich berühren zu lassen. | |||
Staunen benötigt daher nicht unbedingt mehr außergewöhnliche Erlebnisse. Manchmal benötigt es weniger Ablenkung und mehr Aufmerksamkeit. | |||
=== Staunen und Achtsamkeit === | |||
[[Achtsamkeit]] bedeutet, den gegenwärtigen Augenblick bewusst wahrzunehmen. Darin liegt eine unmittelbare Verbindung zum Staunen. Wer aufmerksam betrachtet, entdeckt häufig Einzelheiten, die im automatisierten Alltag unbemerkt bleiben. | |||
Eine einfache Blüte kann beispielsweise hinsichtlich ihrer Farbe, Form, Struktur und ihres Duftes betrachtet werden. Je genauer die Wahrnehmung wird, desto weniger selbstverständlich erscheint das scheinbar Gewöhnliche. | |||
Staunen kann deshalb eine natürliche Folge von Achtsamkeit sein. Umgekehrt verstärkt Staunen die Aufmerksamkeit: Was uns erstaunt, betrachten wir genauer. | |||
=== Staunen im Yoga === | |||
[[Yoga]] wird häufig mit Körperübungen, [[Asana]]s, [[Pranayama]] und Meditation verbunden. In einem umfassenderen Verständnis ist Yoga jedoch auch ein Weg der bewussten Wahrnehmung und Selbsterkenntnis. | |||
Wer eine Yogapraxis über längere Zeit vertieft, kann über scheinbar einfache Vorgänge neu staunen: darüber, wie eng Atem und Gemütszustand zusammenhängen, wie Gedanken den Körper beeinflussen, wie sich die Wahrnehmung in der Stille verändert oder wie unterschiedlich dieselbe Asana an verschiedenen Tagen erlebt werden kann. | |||
Staunen unterstützt dabei eine Haltung des Nicht-schon-Wissens. Statt jede Erfahrung sofort einzuordnen, kann der Praktizierende beobachten: Was geschieht tatsächlich? | |||
Diese offene Aufmerksamkeit ist sowohl für die Yogapraxis als auch für [[Meditation]] und [[Selbsterkenntnis]] wertvoll. | |||
==== Staunen in der Meditation ==== | |||
In der [[Meditation]] richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen oder auf einen bestimmten Meditationsgegenstand. Dabei können alltägliche Vorgänge plötzlich erstaunlich erscheinen. | |||
Schon die Beobachtung des [[Atem]]s kann Fragen aufwerfen: Der Atem geschieht fortwährend, ohne dass er normalerweise bewusst gesteuert werden muss. Gedanken tauchen auf und verschwinden wieder. Körperempfindungen verändern sich. Stille kann wahrgenommen werden, obwohl gleichzeitig Geräusche vorhanden sind. | |||
Meditatives Staunen bedeutet nicht, nach außergewöhnlichen Erfahrungen zu suchen. Gerade die Erwartung besonderer Zustände kann der Meditation im Weg stehen. Es geht vielmehr darum, auch dem Bekannten mit einer gewissen Offenheit zu begegnen. | |||
==== Staunen und der Anfängergeist ==== | |||
In verschiedenen kontemplativen Traditionen findet sich die Vorstellung eines Anfängergeistes: einer Haltung, in der eine Erfahrung nicht ausschließlich durch bereits vorhandene Vorstellungen betrachtet wird. | |||
Auch im Yoga kann diese Haltung hilfreich sein. Wer glaubt, eine Asana, ein [[Mantra]] oder eine Meditation vollständig zu kennen, nimmt möglicherweise nur noch das wahr, was er erwartet. Wer dagegen mit Offenheit übt, kann selbst nach vielen Jahren neue Aspekte entdecken. | |||
Der Anfängergeist bedeutet nicht, vorhandenes Wissen abzulehnen. Er bedeutet, Wissen nicht mit der Wirklichkeit selbst zu verwechseln. | |||
==== Staunen und Jnana Yoga ==== | |||
Im [[Jnana Yoga]], dem Yoga des Wissens und der Erkenntnis, spielen Fragen nach der eigenen Identität und der Wirklichkeit eine zentrale Rolle. Die klassische Frage „Wer bin ich?“ kann zunächst einfach erscheinen, führt bei genauer Betrachtung jedoch tief in die Erforschung des Bewusstseins. | |||
Wer bin ich jenseits meiner Rollen, Erinnerungen, Gedanken und wechselnden Gefühle? Was ist dasjenige, das all diese Veränderungen wahrnimmt? | |||
Hier begegnen sich philosophisches und spirituelles Staunen. Die Frage wird nicht nur intellektuell beantwortet, sondern kann zum Gegenstand von [[Vichara]], der tiefen Selbsterforschung, werden. | |||
==== Staunen und Bhakti Yoga ==== | |||
Im [[Bhakti Yoga]], dem Yoga der Hingabe, kann Staunen die Wahrnehmung des Göttlichen begleiten. Die Schönheit der Natur, ein [[Kirtan]], ein Mantra, eine [[Puja]] oder die Erfahrung tiefer Liebe können als Ausdruck einer Wirklichkeit erlebt werden, die das individuelle Ich übersteigt. | |||
Staunen kann hier in [[Hingabe]], Dankbarkeit und Verehrung übergehen. Das Göttliche wird nicht nur als philosophischer Begriff gedacht, sondern als etwas erfahren, dessen Größe sich dem vollständigen begrifflichen Erfassen entzieht. | |||
In diesem Sinne besitzt Staunen eine Nähe zu [[Bhakti]]: Der Mensch muss nicht alles erklären können, um sich davon berühren zu lassen. | |||
==== Staunen und Vedanta ==== | |||
Im [[Vedanta]] wird die alltägliche Identifikation mit Körper, Persönlichkeit und Gedanken grundlegend hinterfragt. Die Frage nach [[Atman]], dem wahren Selbst, und [[Brahman]], der absoluten Wirklichkeit, führt zu einer Perspektive, in der die gewöhnliche Vorstellung eines getrennten Individuums untersucht wird. | |||
Aus dieser Sicht kann bereits die Tatsache des [[Bewusstsein]]s zum Gegenstand des Staunens werden. Menschen beschäftigen sich gewöhnlich mit dem, was sie wahrnehmen – mit Gedanken, Dingen, Ereignissen und Empfindungen. Vedanta lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Frage nach demjenigen, der all dies wahrnimmt. | |||
Das Staunen richtet sich damit nicht nur auf die Welt, sondern auf die grundlegende Erfahrung des eigenen Seins. | |||
=== Adbhuta Rasa – Staunen in der indischen Ästhetik === | |||
In der klassischen indischen Ästhetik besitzt Staunen einen besonderen Platz. '''Adbhuta Rasa''' bezeichnet die ästhetische Erfahrung des Wunderbaren oder Erstaunlichen. ''Adbhuta'' kann unter anderem wunderbar, erstaunlich oder außergewöhnlich bedeuten. | |||
Die Lehre von den [[Rasa]]s beschreibt unterschiedliche Grundqualitäten ästhetischen Erlebens. Adbhuta Rasa entsteht dort, wo etwas Verwunderung und Staunen hervorruft und die Wahrnehmung über das Alltägliche hinausführt. | |||
Damit zeigt sich, dass Staunen innerhalb der indischen Tradition nicht nur eine beiläufige Emotion ist, sondern als eigenständige Qualität menschlicher Erfahrung erkannt wurde. | |||
=== Staunen und das Wunderbare === | |||
Staunen ist eng mit der Erfahrung des [[Wunder]]baren verbunden. Dabei muss ein Wunder nicht als Durchbrechung von Naturgesetzen verstanden werden. Auch etwas vollständig natürlich Erklärbares kann wunderbar erscheinen. | |||
Dass aus einem Samen ein Baum entsteht, dass ein menschlicher Organismus aus unzähligen miteinander kommunizierenden Zellen besteht oder dass Licht eines weit entfernten Sterns nach langer Reise das menschliche Auge erreicht, verliert durch eine naturwissenschaftliche Erklärung nicht zwangsläufig seinen erstaunlichen Charakter. | |||
Staunen und Wissen können sich daher ergänzen: Wissen erklärt Zusammenhänge, Staunen hält die Fähigkeit lebendig, ihre Außergewöhnlichkeit wahrzunehmen. | |||
=== Staunen, Demut und Nichtwissen === | |||
Staunen kann zu [[Demut]] führen. Je mehr ein Mensch erkennt, wie komplex Natur, Leben und Bewusstsein sind, desto deutlicher kann zugleich werden, wie begrenzt das eigene Wissen ist. | |||
Dieses Nichtwissen muss nicht als Mangel empfunden werden. Die Fähigkeit zu sagen „Ich weiß es nicht“ kann einen offenen Raum schaffen, in dem Lernen und Erkenntnis überhaupt erst möglich werden. | |||
Spirituelle Demut bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Selbsterniedrigung. Sie kann vielmehr darin bestehen, die eigenen Grenzen realistisch wahrzunehmen und anzuerkennen, dass Wirklichkeit größer sein kann als die eigenen Vorstellungen von ihr. | |||
=== Staunen und Dankbarkeit === | |||
Zwischen Staunen und [[Dankbarkeit]] besteht eine natürliche Verbindung. Was nicht mehr als selbstverständlich erlebt wird, kann leichter wertgeschätzt werden. | |||
Der eigene Atem, ein Glas Wasser, Nahrung, Freundschaft, ein Baum, ein Sonnenaufgang oder die Möglichkeit, überhaupt wahrnehmen zu können, können im Alltag leicht übersehen werden. Bewusstes Staunen unterbricht diese Selbstverständlichkeit. | |||
Dankbarkeit muss dabei nicht künstlich erzeugt werden. Sie kann spontan entstehen, wenn etwas Vertrautes plötzlich wieder in seiner Besonderheit wahrgenommen wird. | |||
=== Staunen und Verbundenheit === | |||
Tiefe Erfahrungen des Staunens können das Gefühl verstärken, Teil eines größeren Zusammenhangs zu sein. Beim Blick auf das Meer oder den Sternenhimmel kann die gewöhnliche Beschäftigung mit dem eigenen Ich für einen Moment an Bedeutung verlieren. | |||
Eine solche Erfahrung kann [[Verbundenheit]] mit der Natur, anderen Menschen oder dem Leben insgesamt fördern. Aus yogischer Sicht berührt dies die Vorstellung von [[Einheit]]: Hinter der Vielfalt der Erscheinungen kann eine tiefere Zusammengehörigkeit erfahren oder zumindest erahnt werden. | |||
Diese Erfahrung muss nicht theoretisch formuliert werden. Manchmal besteht sie einfach in dem stillen Empfinden: Ich bin Teil davon. | |||
=== Staunen und Kinder === | |||
Kinder können Erwachsene daran erinnern, wie wenig selbstverständlich die Welt eigentlich ist. Viele Fragen, die Kinder stellen, entstehen aus unmittelbarem Staunen: Warum ist der Himmel blau? Woher kommt der Wind? Warum träumen Menschen? Wo war ich, bevor ich geboren wurde? | |||
Nicht jede Frage benötigt sofort eine ausführliche Antwort. Gelegentlich kann es wertvoll sein, eine Frage zunächst gemeinsam auszuhalten und weiterzuentwickeln. | |||
Die Fähigkeit zum Staunen unterstützt [[Kreativität]], Entdeckerfreude und eigenständiges Denken. Sie zu fördern bedeutet daher nicht, Wissen zurückzuhalten, sondern Wissen mit Offenheit zu verbinden. | |||
=== Staunen im Alltag wiederentdecken === | |||
Staunen lässt sich nicht erzwingen. Es können jedoch Bedingungen geschaffen werden, unter denen es wahrscheinlicher wird. | |||
Eine Möglichkeit besteht darin, alltägliche Dinge bewusst langsamer wahrzunehmen. Wer einen vertrauten Weg geht, kann versuchen, etwas zu entdecken, das bisher übersehen wurde. Wer isst, kann Geschmack, Geruch und Konsistenz genauer wahrnehmen. Wer einen Baum betrachtet, kann sich Zeit für Rinde, Blätter, Licht und Bewegung nehmen. | |||
Auch [[Schweigen]], Naturaufenthalte, Meditation und zeitweiser Verzicht auf digitale Reize können Wahrnehmungsräume öffnen. | |||
Eine einfache Übung besteht darin, sich am Abend zu fragen: '''Was hat mich heute staunen lassen?''' Die Antwort muss nichts Spektakuläres enthalten. Gerade das kleine Staunen schärft die Wahrnehmung für das Besondere im Alltäglichen. | |||
=== Kann man Staunen üben? === | |||
Staunen selbst ist spontan, doch die dafür notwendige Offenheit lässt sich kultivieren. Achtsamkeitsübungen, bewusstes Beobachten, Naturerfahrungen, philosophische Fragen und Meditation können helfen, automatisierte Wahrnehmungsmuster zeitweise zu unterbrechen. | |||
Hilfreich kann eine Haltung sein, die nicht sofort benennt und bewertet. Statt beim Anblick einer Pflanze lediglich festzustellen „Das ist eine Rose“, kann die Aufmerksamkeit noch einen Moment bei Farbe, Form, Duft und Struktur verweilen. | |||
Das bedeutet nicht, begriffliches Denken abzulehnen. Vielmehr wird zwischen Erkennen und unmittelbarem Wahrnehmen wieder etwas Raum geschaffen. | |||
=== Staunen als Gegenpol zur Gewohnheit === | |||
[[Gewohnheit]] erleichtert das Leben. Ohne sie müsste jede alltägliche Handlung immer wieder neu gelernt werden. Gleichzeitig besitzt Gewohnheit eine Schattenseite: Sie kann Wahrnehmung abstumpfen. | |||
Staunen wirkt dieser Tendenz entgegen. Es macht das Vertraute wieder sichtbar. Dadurch kann ein gewöhnlicher Augenblick eine unerwartete Tiefe gewinnen. | |||
Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Eigenschaften des Staunens: Es verändert nicht unbedingt die Welt, die betrachtet wird. Es verändert zunächst die Art, wie sie betrachtet wird. | |||
=== Staunen und spirituelle Praxis === | |||
Auf dem [[spirituellen Weg]] kann Wissen Orientierung geben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass spirituelle Begriffe selbst zu Gewohnheiten werden. Begriffe wie [[Atman]], Brahman, [[Prana]], [[Chakra]] oder [[Samadhi]] können vertraut klingen, ohne dass ihre Bedeutung wirklich erforscht wird. | |||
Staunen kann hier eine korrigierende Funktion übernehmen. Statt vorschnell zu glauben, etwas verstanden zu haben, bleibt die Frage lebendig. | |||
Eine reife spirituelle Praxis muss daher nicht darin bestehen, immer mehr Antworten anzusammeln. Sie kann ebenso darin bestehen, immer tiefer fragen und wahrnehmen zu können. | |||
=== Staunen als Tor zur Erkenntnis === | |||
Staunen unterbricht für einen Augenblick die Selbstverständlichkeit der Welt. Genau darin liegt sein Erkenntnispotenzial. Wo etwas nicht mehr selbstverständlich erscheint, kann eine neue Frage entstehen. | |||
Aus einer Frage kann Forschung entstehen, aus Forschung Wissen und aus Wissen wiederum neues Staunen. Ähnliches gilt für den spirituellen Weg: Eine Erfahrung führt zu einer Frage, die Frage zur [[Selbsterforschung]] und diese möglicherweise zu einer veränderten Sicht auf sich selbst und die Wirklichkeit. | |||
Staunen steht deshalb nicht am Gegensatz zur Erkenntnis. Es kann ihr Anfang und zugleich ihre Begleitung sein. | |||
=== Staunen – die Welt mit offenen Augen betrachten === | |||
'''Staunen''' verbindet Aufmerksamkeit, Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, sich von etwas berühren zu lassen. Es kann angesichts der Natur und des Universums entstehen, durch Wissenschaft und Kunst, in zwischenmenschlichen Begegnungen oder während Yoga und Meditation. | |||
Aus yogischer Sicht besitzt Staunen eine besondere Qualität, weil es das gewohnte Denken für einen Augenblick lockert. Der Mensch muss nicht sofort erklären, bewerten oder besitzen, was er wahrnimmt. Er kann zunächst einfach gegenwärtig sein. | |||
So kann Staunen zu [[Achtsamkeit]], [[Demut]], Dankbarkeit und Verbundenheit führen. Vielleicht besteht seine tiefste Qualität gerade darin, dass die Welt nicht erst außergewöhnlich werden muss, damit wir über sie staunen können – manchmal genügt es, das scheinbar Gewöhnliche wieder wirklich zu sehen. | |||
== Staunen - Ein Vortrag von Sukadev Bretz == | |||
[[Datei:Kind Staunen Erde Weltall.jpg|thumb|]] | [[Datei:Kind Staunen Erde Weltall.jpg|thumb|]] | ||
Staunen eine [[Tugend]]. Was ist die Bedeutung des Begriffs Staunen? Was will man mit diesem Begriff sagen? Wozu ist Staunen ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal. Welche weiteren Persönlichkeitsmerkmale stehen in [[Verbindung]] mit Staunen? Die [[Entwicklung]] der eigenen [[Persönlichkeit]], des eigenen [[Charakter]]s, gehört zu den wichtigen Aufgaben eines [[Mensch]]en. | |||
Staunen ist die emotionale Reaktion auf etwas Unerwartetes, es kann mit [[Verwunderung]], aber auch mit [[Respekt]] und [[Hochachtung]] verbunden sein. Staunen führt zu einer Mischung aus innerer [[Erregung]], [[Freude]] und [[Konzentriertheit]]. Staunen reißt einen aus dem [[Alltagsbewusstsein]] heraus. | |||
Daher wird in der [[Mystik]] Staunen als eine wichtige [[spirituell]]e [[Praxis]] angesehen. In der [[Bhagavad Gita]] wird ein ganzes Kapitel als "Der [[Yoga]] des Staunens" (Vibhuti Pada, 10. Kapitel) bezeichnet: Man kann die [[Fähigkeit]] des Staunens bewusst kultivieren als Mittel der [[Bewusstseinserweiterung]] und der [[Gotteserfahrung]]. | Daher wird in der [[Mystik]] Staunen als eine wichtige [[spirituell]]e [[Praxis]] angesehen. In der [[Bhagavad Gita]] wird ein ganzes Kapitel als "Der [[Yoga]] des Staunens" (Vibhuti Pada, 10. Kapitel) bezeichnet: Man kann die [[Fähigkeit]] des Staunens bewusst kultivieren als Mittel der [[Bewusstseinserweiterung]] und der [[Gotteserfahrung]]. | ||
===Staunen als spirituelle Praxis=== | |||
Wenn du staunst, öffnet sich dein [[Herz]]. Wenn du staunst, nimmst du ein [[Göttliche]]s wahr. Staunen ist letztlich eine wichtige [[spirituelle Praxis]]. | |||
* Wenn du vor einem [[Baum]] stehst, dann staune über die [[Schönheit]] des Baumes: Wie der Baum gewachsen ist. Fühle diesen Baum, spüre das Staunen. | |||
==Staunen | * Wenn du einen [[Sonnenuntergang]] anschaust, staune. So viel Schönheit. Wenn du den Sonnenuntergang anschaust, mag dir das Herz vor Freude zerbrechen. | ||
* Wenn du einen Menschen anschaust, staune auch dort. Auch der Mensch, eine so großartige Kreatur. | |||
* Wenn du deinem Kind beim Spielen zuschaust, staune nur. | |||
* Wenn du isst, staune auch hier. Was musste alles passieren, damit du jetzt [[essen]] kannst. Wenn du schluckst und die Nahrung in deinem Bauch spürst, staune. Wie großartig ist es, dass du diese Nahrung verdauen kannst? | |||
Es gibt so viele Möglichkeiten des Staunens. Im Staunen leuchtet [[Gott]] auf. | |||
==Kultiviere das Staunen - nähere dich dem Mysterium des Lebens== | |||
'''Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz''' | '''Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz''' | ||
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Man könnte sogar sagen, die einfachste und intensivste Weise, [[Gott]] zu erfahren, ist durch Staunen. Indem du die [[Fähigkeit]] des Staunens kultivierst, entwickelst du [[Liebe]]. Staunen ist ein wichtiger Faktor in der [[Gottesliebe]]. Indem du vom [[Herz]]en her die göttliche [[Gegenwart]] spürst, indem du vom Herzen her immer wieder hinter allem das Göttliche siehst, kommt Staunen. | Man könnte sogar sagen, die einfachste und intensivste Weise, [[Gott]] zu erfahren, ist durch Staunen. Indem du die [[Fähigkeit]] des Staunens kultivierst, entwickelst du [[Liebe]]. Staunen ist ein wichtiger Faktor in der [[Gottesliebe]]. Indem du vom [[Herz]]en her die göttliche [[Gegenwart]] spürst, indem du vom Herzen her immer wieder hinter allem das Göttliche siehst, kommt Staunen. | ||
Und umgekehrt, wenn du den [[Himmel]] anschaust, | Und umgekehrt, wenn du den [[Himmel]] anschaust, zum Beispiel den Sonnenaufgang, oder Sonnenuntergang, kommt Staunen. Und aus dem Staunen kommt eine [[Liebe]] zum [[Gott|Göttlichen]]. Wenn du die [[Schönheit]] der Bäume anschaust, spürst du Staunen. Auch manchmal wenn du siehst, was [[Mensch]]en so alles machen, wenn du dein Handy genauer analysierst, kommt Staunen. | ||
Oder wenn du überhaupt merkst, du liest [[jetzt]] diesen Vortrag von [[Sukadev]], der das vielleicht vor ein paar Monaten, Jahren aufgenommen hat, du kannst es jetzt hören, da kann man doch schon staunen. Also, diese Art Staunen kann etwas sehr Hilfreiches sein. Und dann kannst du überlegen: "Bin ich jemand, der gut staunen kann?" | Oder wenn du überhaupt merkst, du liest [[jetzt]] diesen Vortrag von [[Sukadev]], der das vielleicht vor ein paar Monaten, Jahren aufgenommen hat, du kannst es jetzt hören, da kann man doch schon staunen. Also, diese Art Staunen kann etwas sehr Hilfreiches sein. Und dann kannst du überlegen: "Bin ich jemand, der gut staunen kann?" | ||
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Nutze die [[Fähigkeit]] zu staunen, Staunen ist ein wichtiger Aspekt der Liebe. Aus Liebe kommt Staunen, aus Staunen kommt Liebe. Und du kannst bewusst auch dir [[Zeit]] nehmen für Staunen. [[Gefühle]] kommen nicht einfach nur und gehen, du kannst etwas tun, dass diese Gefühle entstehen, du kannst [[selbst]] überlegen: "Habe ich heute schon gestaunt? Habe ich gestern gestaunt? Nehme ich mir [[Zeit]] für Staunen? Und könnte ich meine [[Liebe]] zu [[Gott]], meine Liebe zu meinen [[Kinder]]n, meine Liebe zum [[Partner]] vertiefen, indem ich mir Momente nehme des Staunens?" | Nutze die [[Fähigkeit]] zu staunen, Staunen ist ein wichtiger Aspekt der Liebe. Aus Liebe kommt Staunen, aus Staunen kommt Liebe. Und du kannst bewusst auch dir [[Zeit]] nehmen für Staunen. [[Gefühle]] kommen nicht einfach nur und gehen, du kannst etwas tun, dass diese Gefühle entstehen, du kannst [[selbst]] überlegen: "Habe ich heute schon gestaunt? Habe ich gestern gestaunt? Nehme ich mir [[Zeit]] für Staunen? Und könnte ich meine [[Liebe]] zu [[Gott]], meine Liebe zu meinen [[Kinder]]n, meine Liebe zum [[Partner]] vertiefen, indem ich mir Momente nehme des Staunens?" | ||
{{#ev:youtube| | {{#ev:youtube|sanYB-mNWxU}} | ||
{{#ev:youtube| r4hoOQQvZZM }} | |||
Autor/Sprecher: [[Sukadev Bretz]], Seminarleiter zu [https://www.yoga-vidya.de/kundalini-yoga/ Kundalini Yoga] und [https://www.yoga-vidya.de/chakra/ Chakras]. | |||
== Staunen Audio Vortrag== | |||
Hier die Audiospur des oberen Videos zu '' Staunen '': | |||
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==Staunen - Antonyme, Synonyme undandere Persönlichkeitsmerkmale== | ==Staunen - Antonyme, Synonyme undandere Persönlichkeitsmerkmale== | ||
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===Ähnliche Eigenschaften wie Staunen - Synonyme=== | ===Ähnliche Eigenschaften wie Staunen - Synonyme=== | ||
Ähnliche Eigenschaften wie Staunen, also Synonyme zu Staunen sind | Ähnliche Eigenschaften wie Staunen, also Synonyme zu Staunen sind zum Beispiel [[bewundern]], [[erstaunen]], [[sprachlos sein]], [[verwundern]], [[überrascht sein]]. | ||
===Ausgleichende Eigenschaften=== | ===Ausgleichende Eigenschaften=== | ||
Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer [[Untugend]], zu einem [[Laster]], einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Staunen übertrieben kann ausarten | Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer [[Untugend]], zu einem [[Laster]], einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Staunen übertrieben kann ausarten zum Beispiel in [[glotzen]], [[anstarren]], [[gaffen]], [[Stielaugen machen]]. Daher braucht Staunen als Gegenpol die Kultivierung von [[ruhen]], [[in sich gekehrt sein]], [[rational]], [[unbeeindruckt]], [[unberührt sein]] | ||
===Gegenteil von Staunen - Antonyme=== | ===Gegenteil von Staunen - Antonyme=== | ||
Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Staunen, Antonyme zu Staunen : | Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Staunen, Antonyme zu Staunen : | ||
* Positive Gegenteile von Staunen, man könnte diese auch als Gegenpole bezeichnen: [[ruhen]], [[in sich gekehrt sein]], [[rational]], [[unbeeindruckt]], [[unberührt sein | * Positive Gegenteile von Staunen, man könnte diese auch als Gegenpole bezeichnen: [[ruhen]], [[in sich gekehrt sein]], [[rational]], [[unbeeindruckt]], [[unberührt sein]] | ||
* Negative Gegenteile von Staunen, also [[Laster]], negative Eigenschaften, sind | * Negative Gegenteile von Staunen, also [[Laster]], negative Eigenschaften, sind zum Beispiel [[Desinteresse]], [[Gleichgültigkeit]], [[Abgestumpftheit]], [[Trägheit]] | ||
===Staunen Antonyme=== | ===Staunen Antonyme=== | ||
Antonyme Staunen sind | Antonyme Staunen sind zum Beispiel ruhen, in sich gekehrt sein, rational, unbeeindruckt, unberührt sein, Desinteresse, Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit, Trägheit. | ||
=== Staunen und die großen Temperamentgruppen=== | === Staunen und die großen Temperamentgruppen=== | ||
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* Im Kontext des Persönlickeitsmodell der [[Big Five]] gehört Staunen zum Persönlichkeitsfaktor O1 [[Offenheit]] hoch: [[neugierig]], [[erfinderisch]], [[experimentierfreudig]] | * Im Kontext des Persönlickeitsmodell der [[Big Five]] gehört Staunen zum Persönlichkeitsfaktor O1 [[Offenheit]] hoch: [[neugierig]], [[erfinderisch]], [[experimentierfreudig]] | ||
* Im Persönlichkeitsmodell [[DISG]] gehört Staunen zur Grundverhaltenstendenz I - [[Initiative]], [[Extravertiertheit]], [[Enthusiasmus]] | * Im Persönlichkeitsmodell [[DISG]] gehört Staunen zur Grundverhaltenstendenz I - [[Initiative]], [[Extravertiertheit]], [[Enthusiasmus]] | ||
* Im [https://www.yoga-vidya.de/ayurveda Ayurveda] zählt man Staunen zum [[Vata]] [[Temperament]] | * Im [https://www.yoga-vidya.de/ayurveda Ayurveda] zählt man Staunen zum [[Vata]] [[Temperament]] beziehungsweise [[Dosha]]. | ||
==Entwicklung von Staunen== | ==Entwicklung von Staunen== | ||
Staunen ist eine Tugend, die man stärken kann. Vielleicht willst du ja Staunen als Fähigkeit in dir zu stärken. Hierzu einige Tipps: | Staunen ist eine Tugend, die man stärken kann. Vielleicht willst du ja Staunen als Fähigkeit in dir zu stärken. Hierzu einige Tipps: | ||
* Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Staunen zu stärken. | * Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Staunen zu stärken. | ||
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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 19:00 Uhr
Staunen ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die entsteht, wenn etwas unsere bisherigen Vorstellungen übersteigt und uns für einen Augenblick aus dem gewohnten Denken heraustreten lässt. Im Yoga, in der Meditation und auf dem spirituellen Weg kann Staunen zu Achtsamkeit, Offenheit und einer unmittelbaren Erfahrung von Verbundenheit führen.
Staunen – wenn das Gewöhnliche außergewöhnlich wird
Was bedeutet Staunen?
Staunen bezeichnet einen Zustand intensiver Aufmerksamkeit, der durch etwas Unerwartetes, Schönes, Großartiges, Geheimnisvolles oder zunächst Unbegreifliches ausgelöst wird. Wer staunt, hält innerlich einen Augenblick inne. Gewohnte Bewertungen treten zurück, während die Wahrnehmung ganz auf das gerichtet ist, was sich gerade zeigt.
Das Wort Staunen kann dabei unterschiedliche Erfahrungen umfassen: die Verwunderung über etwas Überraschendes, die Bewunderung außergewöhnlicher Fähigkeiten, das ehrfürchtige Ergriffensein angesichts der Natur oder des Universums sowie jenes stille Staunen, das keinen besonderen äußeren Anlass benötigt. Ein Mensch kann über einen Sternenhimmel ebenso staunen wie über eine Blüte, den menschlichen Körper, eine wissenschaftliche Erkenntnis oder einen unscheinbaren Augenblick des Alltags.
Staunen unterscheidet sich von bloßer Überraschung dadurch, dass es häufig über den ersten Moment hinausführt. Es weckt Neugier, öffnet Fragen und kann die eigene Sicht auf die Welt verändern.
Staunen – Bedeutung in Psychologie und Philosophie
In der Psychologie wird Staunen häufig im Zusammenhang mit Awe untersucht, einem Begriff, der je nach Kontext mit Staunen, Ehrfurcht oder überwältigender Bewunderung übersetzt werden kann. Gemeint sind Erfahrungen, bei denen ein Mensch mit etwas konfrontiert wird, das größer oder umfassender erscheint als sein gewohntes Bezugssystem.
Dabei muss „Größe“ nicht ausschließlich räumlich gemeint sein. Auch eine außergewöhnliche menschliche Handlung, eine tiefgreifende Erkenntnis, Musik, Kunst oder eine spirituelle Erfahrung können Staunen hervorrufen. Charakteristisch ist, dass vorhandene Denkmuster zunächst nicht ausreichen, um das Erlebte vollständig einzuordnen. Der Geist muss seine bisherigen Vorstellungen erweitern oder neu ordnen.
Auch in der Philosophie besitzt das Staunen eine lange Tradition. Bereits in der antiken griechischen Philosophie wurde das Staunen als wichtiger Ausgangspunkt philosophischen Fragens betrachtet. Wer staunt, nimmt das scheinbar Selbstverständliche nicht länger einfach hin, sondern beginnt zu fragen: Warum ist etwas so? Was bedeutet es? Was liegt hinter dem unmittelbar Sichtbaren?
Damit steht Staunen am Anfang einer Bewegung vom bloßen Wahrnehmen zum tieferen Erkennen.
Formen des Staunens
Staunen besitzt verschiedene Ausdrucksformen, die sich überschneiden können. Die gebräuchlichsten Formen lassen sich danach unterscheiden, wodurch das Staunen ausgelöst wird und welche innere Qualität dabei im Vordergrund steht.
Verwundertes Staunen
Das verwunderte Staunen entsteht durch etwas Unerwartetes. Eine Situation entspricht nicht dem, was der Mensch aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen erwartet hat. Für einen Augenblick wird die gewohnte Ordnung unterbrochen.
Diese Form des Staunens ist eng mit Neugier verbunden. Aus dem inneren „Das hätte ich nicht erwartet“ kann die Frage entstehen: „Wie ist das möglich?“ Verwunderung kann dadurch zu Lernen, Forschung und Selbsterkenntnis führen.
Bewunderndes Staunen
Beim bewundernden Staunen richtet sich die Aufmerksamkeit auf etwas, das als außergewöhnlich, schön oder besonders gelungen erlebt wird. Das können menschliche Fähigkeiten, ein Kunstwerk, eine musikalische Darbietung, eine beeindruckende Yogapraxis oder eine außergewöhnliche Handlung sein.
Bewunderung kann inspirieren. Sie zeigt, was möglich ist, sollte jedoch nicht automatisch in Vergleich oder Selbstabwertung übergehen. Aus yogischer Sicht kann bewunderndes Staunen vielmehr dazu anregen, Schönheit und Fähigkeiten wahrzunehmen, ohne sie besitzen zu müssen.
Ästhetisches Staunen
Ästhetisches Staunen entsteht angesichts von Schönheit. Ein Sonnenaufgang, ein Gebirge, ein Tempel, Musik, ein Gemälde oder eine einzelne Blüte können einen Menschen so berühren, dass für einen Moment das analysierende Denken zurücktritt.
Das Besondere dieser Erfahrung liegt häufig darin, dass sie keiner unmittelbaren Erklärung bedarf. Etwas wird zunächst einfach wahrgenommen. In dieser unmittelbaren Wahrnehmung besteht eine Nähe zur Achtsamkeit.
Staunen über die Natur
Eine besonders verbreitete Form ist das Staunen über die Natur. Der Blick in einen klaren Sternenhimmel, das Meer, ein alter Baum, ein Wasserfall, die Vielfalt eines Ökosystems oder die Weite einer Landschaft können das eigene menschliche Maß relativieren.
Naturerfahrungen machen unmittelbar sichtbar, dass der Mensch Teil größerer Zusammenhänge ist. Dadurch können Demut, Dankbarkeit und ein stärkeres Bewusstsein für die Verbundenheit allen Lebens entstehen.
Wissenschaftliches Staunen
Auch Wissenschaft beginnt häufig mit Staunen. Die Frage, warum Sterne leuchten, wie Leben entsteht, wie das Gehirn arbeitet oder warum bestimmte Naturgesetze gelten, kann aus einer zunächst einfachen Verwunderung hervorgehen.
Wissenschaftliches Staunen zeigt, dass Wissen und Staunen keine Gegensätze sein müssen. Eine Erklärung kann das Staunen sogar vertiefen. Wer beispielsweise versteht, welche komplexen Prozesse in einer einzelnen Zelle stattfinden, muss sie deshalb nicht weniger erstaunlich finden.
Philosophisches Staunen
Philosophisches Staunen richtet sich auf grundlegende Fragen des Daseins. Warum gibt es überhaupt etwas? Was ist Bewusstsein? Was bedeutet Wirklichkeit? Was ist Zeit? Wer bin ich?
Solche Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden. Philosophisches Staunen besteht gerade darin, die Selbstverständlichkeit vertrauter Annahmen zu durchbrechen und sich einer Frage offen zuzuwenden.
Damit besitzt es eine deutliche Nähe zur yogischen Selbsterforschung.
Ehrfürchtiges Staunen
Beim ehrfürchtigen Staunen begegnet der Mensch etwas, das er als größer empfindet als sich selbst. Das können die Natur, das Universum, Leben und Tod, eine spirituelle Erfahrung oder eine Vorstellung des Göttlichen sein.
Ehrfurcht ist dabei nicht mit Angst gleichzusetzen. Sie verbindet Staunen häufig mit Demut und dem Empfinden, Teil eines umfassenderen Ganzen zu sein.
Spirituelles Staunen
Spirituelles Staunen kann entstehen, wenn die Wirklichkeit für einen Augenblick tiefer oder umfassender erfahren wird als im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein. Ein Mensch kann während einer Meditation, im Satsang, beim Rezitieren eines Mantras, in der Natur oder scheinbar ohne besonderen Anlass eine starke Erfahrung von Gegenwärtigkeit, Verbundenheit oder Heiligkeit erleben.
Eine solche Erfahrung muss nicht spektakulär sein. Spirituelles Staunen kann gerade im Einfachen entstehen: im Atem, in der Stille, im Licht eines Morgens oder in der Begegnung mit einem anderen Menschen.
Kindliches Staunen
Kinder begegnen vielem zum ersten Mal. Deshalb gehört kindliches Staunen zu den ursprünglichsten Formen des Staunens. Ein Käfer, eine Schneeflocke, der Mond oder ein Regenbogen können die ganze Aufmerksamkeit beanspruchen.
Bei Erwachsenen verschwindet diese Fähigkeit nicht zwangsläufig, wird jedoch häufig von Gewohnheit und Vorwissen überlagert. Eine achtsame Lebensweise kann dazu beitragen, Bekanntes wieder unmittelbarer wahrzunehmen.
Stilles Staunen
Beim stillen Staunen tritt die sichtbare emotionale Reaktion in den Hintergrund. Es ist weniger ein „Wow!“ als ein tiefes Innehalten. Gedanken werden für einen Moment nebensächlich und die Wahrnehmung wird weit.
Gerade diese Form besitzt eine besondere Nähe zu Meditation und Stille. Staunen wird hier nicht zum Gegenstand des Denkens, sondern zu einer Weise des gegenwärtigen Erlebens.
Staunen und Überraschung – was ist der Unterschied?
Überraschung ist zunächst eine unmittelbare Reaktion auf etwas Unerwartetes. Sie kann angenehm, unangenehm oder neutral sein und klingt häufig schnell wieder ab. Staunen kann aus Überraschung entstehen, geht aber meist darüber hinaus.
Wer überrascht ist, reagiert auf eine Abweichung von einer Erwartung. Wer staunt, richtet seine Aufmerksamkeit auf das Unerwartete und lässt sich davon berühren. Deshalb besitzt Staunen häufig eine kontemplative Qualität.
Auch Verwunderung, Bewunderung und Ehrfurcht sind mit Staunen verwandt, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Verwunderung fragt eher nach dem Unerwarteten, Bewunderung nach dem Außergewöhnlichen und Ehrfurcht nach einer erfahrenen Größe oder Tiefe.
Warum Menschen die Fähigkeit zum Staunen verlieren können
Was häufig erlebt wird, wird selbstverständlich. Der erste Blick auf ein Gebirge kann überwältigend sein; wer täglich daran vorbeifährt, nimmt es möglicherweise irgendwann kaum noch wahr. Dieser Gewöhnungseffekt ist für den Alltag nützlich, weil der Mensch nicht jeden Reiz ständig neu verarbeiten muss.
Gleichzeitig kann Gewöhnung dazu führen, dass das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen übersehen wird. Hinzu kommen Zeitdruck, Stress, permanente Ablenkung und die schnelle Folge digitaler Reize. Wer fortwährend neue Eindrücke konsumiert, hat möglicherweise viele Reize, aber wenig Zeit, sich von einem einzelnen Eindruck wirklich berühren zu lassen.
Staunen benötigt daher nicht unbedingt mehr außergewöhnliche Erlebnisse. Manchmal benötigt es weniger Ablenkung und mehr Aufmerksamkeit.
Staunen und Achtsamkeit
Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Augenblick bewusst wahrzunehmen. Darin liegt eine unmittelbare Verbindung zum Staunen. Wer aufmerksam betrachtet, entdeckt häufig Einzelheiten, die im automatisierten Alltag unbemerkt bleiben.
Eine einfache Blüte kann beispielsweise hinsichtlich ihrer Farbe, Form, Struktur und ihres Duftes betrachtet werden. Je genauer die Wahrnehmung wird, desto weniger selbstverständlich erscheint das scheinbar Gewöhnliche.
Staunen kann deshalb eine natürliche Folge von Achtsamkeit sein. Umgekehrt verstärkt Staunen die Aufmerksamkeit: Was uns erstaunt, betrachten wir genauer.
Staunen im Yoga
Yoga wird häufig mit Körperübungen, Asanas, Pranayama und Meditation verbunden. In einem umfassenderen Verständnis ist Yoga jedoch auch ein Weg der bewussten Wahrnehmung und Selbsterkenntnis.
Wer eine Yogapraxis über längere Zeit vertieft, kann über scheinbar einfache Vorgänge neu staunen: darüber, wie eng Atem und Gemütszustand zusammenhängen, wie Gedanken den Körper beeinflussen, wie sich die Wahrnehmung in der Stille verändert oder wie unterschiedlich dieselbe Asana an verschiedenen Tagen erlebt werden kann.
Staunen unterstützt dabei eine Haltung des Nicht-schon-Wissens. Statt jede Erfahrung sofort einzuordnen, kann der Praktizierende beobachten: Was geschieht tatsächlich?
Diese offene Aufmerksamkeit ist sowohl für die Yogapraxis als auch für Meditation und Selbsterkenntnis wertvoll.
Staunen in der Meditation
In der Meditation richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen oder auf einen bestimmten Meditationsgegenstand. Dabei können alltägliche Vorgänge plötzlich erstaunlich erscheinen.
Schon die Beobachtung des Atems kann Fragen aufwerfen: Der Atem geschieht fortwährend, ohne dass er normalerweise bewusst gesteuert werden muss. Gedanken tauchen auf und verschwinden wieder. Körperempfindungen verändern sich. Stille kann wahrgenommen werden, obwohl gleichzeitig Geräusche vorhanden sind.
Meditatives Staunen bedeutet nicht, nach außergewöhnlichen Erfahrungen zu suchen. Gerade die Erwartung besonderer Zustände kann der Meditation im Weg stehen. Es geht vielmehr darum, auch dem Bekannten mit einer gewissen Offenheit zu begegnen.
Staunen und der Anfängergeist
In verschiedenen kontemplativen Traditionen findet sich die Vorstellung eines Anfängergeistes: einer Haltung, in der eine Erfahrung nicht ausschließlich durch bereits vorhandene Vorstellungen betrachtet wird.
Auch im Yoga kann diese Haltung hilfreich sein. Wer glaubt, eine Asana, ein Mantra oder eine Meditation vollständig zu kennen, nimmt möglicherweise nur noch das wahr, was er erwartet. Wer dagegen mit Offenheit übt, kann selbst nach vielen Jahren neue Aspekte entdecken.
Der Anfängergeist bedeutet nicht, vorhandenes Wissen abzulehnen. Er bedeutet, Wissen nicht mit der Wirklichkeit selbst zu verwechseln.
Staunen und Jnana Yoga
Im Jnana Yoga, dem Yoga des Wissens und der Erkenntnis, spielen Fragen nach der eigenen Identität und der Wirklichkeit eine zentrale Rolle. Die klassische Frage „Wer bin ich?“ kann zunächst einfach erscheinen, führt bei genauer Betrachtung jedoch tief in die Erforschung des Bewusstseins.
Wer bin ich jenseits meiner Rollen, Erinnerungen, Gedanken und wechselnden Gefühle? Was ist dasjenige, das all diese Veränderungen wahrnimmt?
Hier begegnen sich philosophisches und spirituelles Staunen. Die Frage wird nicht nur intellektuell beantwortet, sondern kann zum Gegenstand von Vichara, der tiefen Selbsterforschung, werden.
Staunen und Bhakti Yoga
Im Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, kann Staunen die Wahrnehmung des Göttlichen begleiten. Die Schönheit der Natur, ein Kirtan, ein Mantra, eine Puja oder die Erfahrung tiefer Liebe können als Ausdruck einer Wirklichkeit erlebt werden, die das individuelle Ich übersteigt.
Staunen kann hier in Hingabe, Dankbarkeit und Verehrung übergehen. Das Göttliche wird nicht nur als philosophischer Begriff gedacht, sondern als etwas erfahren, dessen Größe sich dem vollständigen begrifflichen Erfassen entzieht.
In diesem Sinne besitzt Staunen eine Nähe zu Bhakti: Der Mensch muss nicht alles erklären können, um sich davon berühren zu lassen.
Staunen und Vedanta
Im Vedanta wird die alltägliche Identifikation mit Körper, Persönlichkeit und Gedanken grundlegend hinterfragt. Die Frage nach Atman, dem wahren Selbst, und Brahman, der absoluten Wirklichkeit, führt zu einer Perspektive, in der die gewöhnliche Vorstellung eines getrennten Individuums untersucht wird.
Aus dieser Sicht kann bereits die Tatsache des Bewusstseins zum Gegenstand des Staunens werden. Menschen beschäftigen sich gewöhnlich mit dem, was sie wahrnehmen – mit Gedanken, Dingen, Ereignissen und Empfindungen. Vedanta lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Frage nach demjenigen, der all dies wahrnimmt.
Das Staunen richtet sich damit nicht nur auf die Welt, sondern auf die grundlegende Erfahrung des eigenen Seins.
Adbhuta Rasa – Staunen in der indischen Ästhetik
In der klassischen indischen Ästhetik besitzt Staunen einen besonderen Platz. Adbhuta Rasa bezeichnet die ästhetische Erfahrung des Wunderbaren oder Erstaunlichen. Adbhuta kann unter anderem wunderbar, erstaunlich oder außergewöhnlich bedeuten.
Die Lehre von den Rasas beschreibt unterschiedliche Grundqualitäten ästhetischen Erlebens. Adbhuta Rasa entsteht dort, wo etwas Verwunderung und Staunen hervorruft und die Wahrnehmung über das Alltägliche hinausführt.
Damit zeigt sich, dass Staunen innerhalb der indischen Tradition nicht nur eine beiläufige Emotion ist, sondern als eigenständige Qualität menschlicher Erfahrung erkannt wurde.
Staunen und das Wunderbare
Staunen ist eng mit der Erfahrung des Wunderbaren verbunden. Dabei muss ein Wunder nicht als Durchbrechung von Naturgesetzen verstanden werden. Auch etwas vollständig natürlich Erklärbares kann wunderbar erscheinen.
Dass aus einem Samen ein Baum entsteht, dass ein menschlicher Organismus aus unzähligen miteinander kommunizierenden Zellen besteht oder dass Licht eines weit entfernten Sterns nach langer Reise das menschliche Auge erreicht, verliert durch eine naturwissenschaftliche Erklärung nicht zwangsläufig seinen erstaunlichen Charakter.
Staunen und Wissen können sich daher ergänzen: Wissen erklärt Zusammenhänge, Staunen hält die Fähigkeit lebendig, ihre Außergewöhnlichkeit wahrzunehmen.
Staunen, Demut und Nichtwissen
Staunen kann zu Demut führen. Je mehr ein Mensch erkennt, wie komplex Natur, Leben und Bewusstsein sind, desto deutlicher kann zugleich werden, wie begrenzt das eigene Wissen ist.
Dieses Nichtwissen muss nicht als Mangel empfunden werden. Die Fähigkeit zu sagen „Ich weiß es nicht“ kann einen offenen Raum schaffen, in dem Lernen und Erkenntnis überhaupt erst möglich werden.
Spirituelle Demut bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Selbsterniedrigung. Sie kann vielmehr darin bestehen, die eigenen Grenzen realistisch wahrzunehmen und anzuerkennen, dass Wirklichkeit größer sein kann als die eigenen Vorstellungen von ihr.
Staunen und Dankbarkeit
Zwischen Staunen und Dankbarkeit besteht eine natürliche Verbindung. Was nicht mehr als selbstverständlich erlebt wird, kann leichter wertgeschätzt werden.
Der eigene Atem, ein Glas Wasser, Nahrung, Freundschaft, ein Baum, ein Sonnenaufgang oder die Möglichkeit, überhaupt wahrnehmen zu können, können im Alltag leicht übersehen werden. Bewusstes Staunen unterbricht diese Selbstverständlichkeit.
Dankbarkeit muss dabei nicht künstlich erzeugt werden. Sie kann spontan entstehen, wenn etwas Vertrautes plötzlich wieder in seiner Besonderheit wahrgenommen wird.
Staunen und Verbundenheit
Tiefe Erfahrungen des Staunens können das Gefühl verstärken, Teil eines größeren Zusammenhangs zu sein. Beim Blick auf das Meer oder den Sternenhimmel kann die gewöhnliche Beschäftigung mit dem eigenen Ich für einen Moment an Bedeutung verlieren.
Eine solche Erfahrung kann Verbundenheit mit der Natur, anderen Menschen oder dem Leben insgesamt fördern. Aus yogischer Sicht berührt dies die Vorstellung von Einheit: Hinter der Vielfalt der Erscheinungen kann eine tiefere Zusammengehörigkeit erfahren oder zumindest erahnt werden.
Diese Erfahrung muss nicht theoretisch formuliert werden. Manchmal besteht sie einfach in dem stillen Empfinden: Ich bin Teil davon.
Staunen und Kinder
Kinder können Erwachsene daran erinnern, wie wenig selbstverständlich die Welt eigentlich ist. Viele Fragen, die Kinder stellen, entstehen aus unmittelbarem Staunen: Warum ist der Himmel blau? Woher kommt der Wind? Warum träumen Menschen? Wo war ich, bevor ich geboren wurde?
Nicht jede Frage benötigt sofort eine ausführliche Antwort. Gelegentlich kann es wertvoll sein, eine Frage zunächst gemeinsam auszuhalten und weiterzuentwickeln.
Die Fähigkeit zum Staunen unterstützt Kreativität, Entdeckerfreude und eigenständiges Denken. Sie zu fördern bedeutet daher nicht, Wissen zurückzuhalten, sondern Wissen mit Offenheit zu verbinden.
Staunen im Alltag wiederentdecken
Staunen lässt sich nicht erzwingen. Es können jedoch Bedingungen geschaffen werden, unter denen es wahrscheinlicher wird.
Eine Möglichkeit besteht darin, alltägliche Dinge bewusst langsamer wahrzunehmen. Wer einen vertrauten Weg geht, kann versuchen, etwas zu entdecken, das bisher übersehen wurde. Wer isst, kann Geschmack, Geruch und Konsistenz genauer wahrnehmen. Wer einen Baum betrachtet, kann sich Zeit für Rinde, Blätter, Licht und Bewegung nehmen.
Auch Schweigen, Naturaufenthalte, Meditation und zeitweiser Verzicht auf digitale Reize können Wahrnehmungsräume öffnen.
Eine einfache Übung besteht darin, sich am Abend zu fragen: Was hat mich heute staunen lassen? Die Antwort muss nichts Spektakuläres enthalten. Gerade das kleine Staunen schärft die Wahrnehmung für das Besondere im Alltäglichen.
Kann man Staunen üben?
Staunen selbst ist spontan, doch die dafür notwendige Offenheit lässt sich kultivieren. Achtsamkeitsübungen, bewusstes Beobachten, Naturerfahrungen, philosophische Fragen und Meditation können helfen, automatisierte Wahrnehmungsmuster zeitweise zu unterbrechen.
Hilfreich kann eine Haltung sein, die nicht sofort benennt und bewertet. Statt beim Anblick einer Pflanze lediglich festzustellen „Das ist eine Rose“, kann die Aufmerksamkeit noch einen Moment bei Farbe, Form, Duft und Struktur verweilen.
Das bedeutet nicht, begriffliches Denken abzulehnen. Vielmehr wird zwischen Erkennen und unmittelbarem Wahrnehmen wieder etwas Raum geschaffen.
Staunen als Gegenpol zur Gewohnheit
Gewohnheit erleichtert das Leben. Ohne sie müsste jede alltägliche Handlung immer wieder neu gelernt werden. Gleichzeitig besitzt Gewohnheit eine Schattenseite: Sie kann Wahrnehmung abstumpfen.
Staunen wirkt dieser Tendenz entgegen. Es macht das Vertraute wieder sichtbar. Dadurch kann ein gewöhnlicher Augenblick eine unerwartete Tiefe gewinnen.
Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Eigenschaften des Staunens: Es verändert nicht unbedingt die Welt, die betrachtet wird. Es verändert zunächst die Art, wie sie betrachtet wird.
Staunen und spirituelle Praxis
Auf dem spirituellen Weg kann Wissen Orientierung geben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass spirituelle Begriffe selbst zu Gewohnheiten werden. Begriffe wie Atman, Brahman, Prana, Chakra oder Samadhi können vertraut klingen, ohne dass ihre Bedeutung wirklich erforscht wird.
Staunen kann hier eine korrigierende Funktion übernehmen. Statt vorschnell zu glauben, etwas verstanden zu haben, bleibt die Frage lebendig.
Eine reife spirituelle Praxis muss daher nicht darin bestehen, immer mehr Antworten anzusammeln. Sie kann ebenso darin bestehen, immer tiefer fragen und wahrnehmen zu können.
Staunen als Tor zur Erkenntnis
Staunen unterbricht für einen Augenblick die Selbstverständlichkeit der Welt. Genau darin liegt sein Erkenntnispotenzial. Wo etwas nicht mehr selbstverständlich erscheint, kann eine neue Frage entstehen.
Aus einer Frage kann Forschung entstehen, aus Forschung Wissen und aus Wissen wiederum neues Staunen. Ähnliches gilt für den spirituellen Weg: Eine Erfahrung führt zu einer Frage, die Frage zur Selbsterforschung und diese möglicherweise zu einer veränderten Sicht auf sich selbst und die Wirklichkeit.
Staunen steht deshalb nicht am Gegensatz zur Erkenntnis. Es kann ihr Anfang und zugleich ihre Begleitung sein.
Staunen – die Welt mit offenen Augen betrachten
Staunen verbindet Aufmerksamkeit, Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, sich von etwas berühren zu lassen. Es kann angesichts der Natur und des Universums entstehen, durch Wissenschaft und Kunst, in zwischenmenschlichen Begegnungen oder während Yoga und Meditation.
Aus yogischer Sicht besitzt Staunen eine besondere Qualität, weil es das gewohnte Denken für einen Augenblick lockert. Der Mensch muss nicht sofort erklären, bewerten oder besitzen, was er wahrnimmt. Er kann zunächst einfach gegenwärtig sein.
So kann Staunen zu Achtsamkeit, Demut, Dankbarkeit und Verbundenheit führen. Vielleicht besteht seine tiefste Qualität gerade darin, dass die Welt nicht erst außergewöhnlich werden muss, damit wir über sie staunen können – manchmal genügt es, das scheinbar Gewöhnliche wieder wirklich zu sehen.
Staunen - Ein Vortrag von Sukadev Bretz

Staunen eine Tugend. Was ist die Bedeutung des Begriffs Staunen? Was will man mit diesem Begriff sagen? Wozu ist Staunen ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal. Welche weiteren Persönlichkeitsmerkmale stehen in Verbindung mit Staunen? Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Charakters, gehört zu den wichtigen Aufgaben eines Menschen.
Staunen ist die emotionale Reaktion auf etwas Unerwartetes, es kann mit Verwunderung, aber auch mit Respekt und Hochachtung verbunden sein. Staunen führt zu einer Mischung aus innerer Erregung, Freude und Konzentriertheit. Staunen reißt einen aus dem Alltagsbewusstsein heraus.
Daher wird in der Mystik Staunen als eine wichtige spirituelle Praxis angesehen. In der Bhagavad Gita wird ein ganzes Kapitel als "Der Yoga des Staunens" (Vibhuti Pada, 10. Kapitel) bezeichnet: Man kann die Fähigkeit des Staunens bewusst kultivieren als Mittel der Bewusstseinserweiterung und der Gotteserfahrung.
Staunen als spirituelle Praxis
Wenn du staunst, öffnet sich dein Herz. Wenn du staunst, nimmst du ein Göttliches wahr. Staunen ist letztlich eine wichtige spirituelle Praxis.
- Wenn du vor einem Baum stehst, dann staune über die Schönheit des Baumes: Wie der Baum gewachsen ist. Fühle diesen Baum, spüre das Staunen.
- Wenn du einen Sonnenuntergang anschaust, staune. So viel Schönheit. Wenn du den Sonnenuntergang anschaust, mag dir das Herz vor Freude zerbrechen.
- Wenn du einen Menschen anschaust, staune auch dort. Auch der Mensch, eine so großartige Kreatur.
- Wenn du deinem Kind beim Spielen zuschaust, staune nur.
- Wenn du isst, staune auch hier. Was musste alles passieren, damit du jetzt essen kannst. Wenn du schluckst und die Nahrung in deinem Bauch spürst, staune. Wie großartig ist es, dass du diese Nahrung verdauen kannst?
Es gibt so viele Möglichkeiten des Staunens. Im Staunen leuchtet Gott auf.
Kultiviere das Staunen - nähere dich dem Mysterium des Lebens
Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz
Staunen ist ein sehr wichtiges Wort im Yoga. Es gibt sogar ein ganzes Kapitel in der Bhagavad Gita, das nennt sich Vibhuti Yoga. Man kann es übersetzen als "der Yoga der Hochachtung, der Yoga der göttlichen Herrlichkeit", ich übersetze es gerne als "der Yoga des Staunens".
Indem du lernst, zu staunen, indem du lernst, das Wunder des Lebens immer wieder zu sehen und zu bemerken, bekommst du eine tiefe Hochachtung, eine tiefe Hochschätzung und auch Liebe. Der Mensch hat die Fähigkeit, zu staunen. Und gerade durch das Staunen ist er in der Lage, das Göttliche wahrzunehmen.
Man könnte sogar sagen, die einfachste und intensivste Weise, Gott zu erfahren, ist durch Staunen. Indem du die Fähigkeit des Staunens kultivierst, entwickelst du Liebe. Staunen ist ein wichtiger Faktor in der Gottesliebe. Indem du vom Herzen her die göttliche Gegenwart spürst, indem du vom Herzen her immer wieder hinter allem das Göttliche siehst, kommt Staunen.
Und umgekehrt, wenn du den Himmel anschaust, zum Beispiel den Sonnenaufgang, oder Sonnenuntergang, kommt Staunen. Und aus dem Staunen kommt eine Liebe zum Göttlichen. Wenn du die Schönheit der Bäume anschaust, spürst du Staunen. Auch manchmal wenn du siehst, was Menschen so alles machen, wenn du dein Handy genauer analysierst, kommt Staunen.
Oder wenn du überhaupt merkst, du liest jetzt diesen Vortrag von Sukadev, der das vielleicht vor ein paar Monaten, Jahren aufgenommen hat, du kannst es jetzt hören, da kann man doch schon staunen. Also, diese Art Staunen kann etwas sehr Hilfreiches sein. Und dann kannst du überlegen: "Bin ich jemand, der gut staunen kann?"
Und jetzt kommt es zur Liebe, die Liebe nicht nur zu Gott, sondern Liebe zu deinem Partner, Liebe zu deinen Kindern. Eltern haben dieses Staunen bei ihrem Baby. Wenn das Baby lacht, wenn das Baby was Neues lernt, wenn das Baby etwas Neues begreift, dann kann man nur staunen, wie schnell das Baby lernt, wie schnell das Kleinkind lernt. Und in diesem Staunen ist immer auch Liebe.
Genauso auch, wenn du deinen Partner siehst, staune über die Schönheit des Gesichtes deines Partners, über das Angenehme der Berührung durch einen Partner, staune, wie das Lächeln deines Partners dich immer noch fasziniert, staune über die vielen besonderen Fähigkeiten deines Partners. Nimm dir Momente des Staunens.
Wenn dein Partner noch schläft, während du wach wirst, schaue ihn an, staune über diese Schönheit deines Partners, staune, wie er dort so einfach vollkommen entspannt da liegt. Oder wenn dein Partner tätig ist, deine Partnerin kocht, dein Partner gerade ein Gemüse zubereitet, staune, wie wunderbar er oder sie das macht, mit wie viel Liebe und Hingabe.
Nutze die Fähigkeit zu staunen, Staunen ist ein wichtiger Aspekt der Liebe. Aus Liebe kommt Staunen, aus Staunen kommt Liebe. Und du kannst bewusst auch dir Zeit nehmen für Staunen. Gefühle kommen nicht einfach nur und gehen, du kannst etwas tun, dass diese Gefühle entstehen, du kannst selbst überlegen: "Habe ich heute schon gestaunt? Habe ich gestern gestaunt? Nehme ich mir Zeit für Staunen? Und könnte ich meine Liebe zu Gott, meine Liebe zu meinen Kindern, meine Liebe zum Partner vertiefen, indem ich mir Momente nehme des Staunens?"
Autor/Sprecher: Sukadev Bretz, Seminarleiter zu Kundalini Yoga und Chakras.
Staunen Audio Vortrag
Hier die Audiospur des oberen Videos zu Staunen :
Staunen - Antonyme, Synonyme undandere Persönlichkeitsmerkmale
Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Staunen in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:
Ähnliche Eigenschaften wie Staunen - Synonyme
Ähnliche Eigenschaften wie Staunen, also Synonyme zu Staunen sind zum Beispiel bewundern, erstaunen, sprachlos sein, verwundern, überrascht sein.
Ausgleichende Eigenschaften
Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Staunen übertrieben kann ausarten zum Beispiel in glotzen, anstarren, gaffen, Stielaugen machen. Daher braucht Staunen als Gegenpol die Kultivierung von ruhen, in sich gekehrt sein, rational, unbeeindruckt, unberührt sein
Gegenteil von Staunen - Antonyme
Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Staunen, Antonyme zu Staunen :
- Positive Gegenteile von Staunen, man könnte diese auch als Gegenpole bezeichnen: ruhen, in sich gekehrt sein, rational, unbeeindruckt, unberührt sein
- Negative Gegenteile von Staunen, also Laster, negative Eigenschaften, sind zum Beispiel Desinteresse, Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit, Trägheit
Staunen Antonyme
Antonyme Staunen sind zum Beispiel ruhen, in sich gekehrt sein, rational, unbeeindruckt, unberührt sein, Desinteresse, Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit, Trägheit.
Staunen und die großen Temperamentgruppen
- Staunen gehört zur Tugendgruppe 7 Gottesliebe, Naturliebe. Die wichtigsten Tugenden dieser Tugendgruppe sind [[Gottesliebe], Hoffnung] und Vertrauen
- Im Kontext des Persönlickeitsmodell der Big Five gehört Staunen zum Persönlichkeitsfaktor O1 Offenheit hoch: neugierig, erfinderisch, experimentierfreudig
- Im Persönlichkeitsmodell DISG gehört Staunen zur Grundverhaltenstendenz I - Initiative, Extravertiertheit, Enthusiasmus
- Im Ayurveda zählt man Staunen zum Vata Temperament beziehungsweise Dosha.
Entwicklung von Staunen
Staunen ist eine Tugend, die man stärken kann. Vielleicht willst du ja Staunen als Fähigkeit in dir zu stärken. Hierzu einige Tipps:
- Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Staunen zu stärken.
- Du kannst dir zum Beispiel vornehmen: "Während der nächsten Woche will ich die Fähigkeit Staunen ganz besonders kultivieren. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein staunenderer Mensch zu sein."
- Nimm dir vor, jeden Tag mindestens etwas zu tun, was Staunen ausdrückt. Tue jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
- Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, zum Beispiel: "Ich entwickle Staunen."
- Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie zum Beispiel: Ich bin staunend."
Affirmationen zum Thema Staunen
Hier einige Affirmationen für mehr Staunen. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.
Klassische Autosuggestion für Staunen
Hier die klassische Autosuggestion:
- Ich bin staunend.
Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:
- Ich bin staunend. Om Om Om.
- Ich bin ein Staunender, eine Staunende OM.
Entwicklungsbezogene Affirmation für Staunen
Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin staunend " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:
- Ich entwickle Staunen.
- Ich werde staunend.
- Jeden Tag werde ich staunender.
- Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Staunen.
Dankesaffirmation für Staunen
- Ich danke dafür, dass ich jeden Tag staunender werde.
Wunderaffirmationen Staunen
Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:
- Bis jetzt bin ich noch nicht sehr staunend. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Staunen entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
- Ich freue mich darauf, bald sehr staunend zu sein.
- Ich bin jemand, der staunend ist.
Gebet für Staunen
Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Staunen:
- Lieber Gott, bitte gib mir mehr Staunen.
- Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein staunender Mensch werde.
- Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Staunen mehr und mehr zum Ausdruck bringe.
Frage dich: Was müsste ich tun, um Staunen zu entwickeln?
Du kannst dich auch fragen:
- Was müsste ich tun, um Staunen zu entwickeln?
- Wie könnte ich staunend werden?
- Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Staunen.
- Angenommen, ich will staunend sein, wie würde ich das tun?
- Angenommen, ich wäre staunend, wie würde sich das bemerkbar machen?
- Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Staunen kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als staunender Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?
Vortragsmitschnitt zu Staunen - Audio zum Anhören
Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Staunen, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. Dieses Audio wird später eingefügt. Wir bitten um Verständnis
Siehe auch
Eigenschaften im Alphabet vor Staunen
Eigenschaften im Alphabet nach Staunen
Literatur
- Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis
- Swami Sivananda: Inspirierende Geschichten
- Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
- Swami Sivananda: Sadhana - Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
- Swami Sivananda: Licht, Kraft und Weisheit
- Swami Sivananda: Japa Yoga
- Swami Sivananda: Die Wissenschaft des Pranayama
- Swami Sivananda: Die Überwindung der Furcht
- Swami Sivananda: Vedanta für Anfänger
- Swami Sivananda: Japa Yoga
- Swami Sivananda: Göttliches Elixier
- Swami Sivananda: Götter und Göttinnen im Hinduismus
Weblinks
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- 27.09.2026 - 02.10.2026 Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 1
Hier lernst du die Grundlagen, wie man als Yogalehrer Menschen in Yoga und Meditation unterrichtet. Woche 1 der 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildung. Hier …- Jagadishvari Dörrer, Savitri Retat