Untätigkeit

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Untätigkeit ist das Gegenteil von Tätigkeit. Aktiv sein zu können ist eine wichtige Tugend. Aber auch die Fähigkeit zur Untätigkeit will gelernt sein. Muße und Untätigkeit können zur Regeneration verhelfen.

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Manchmal ist Untätigkeit das was man tun muss. Geduld und abwarten können, untätig sein können, all das gehört zu Fähigkeiten, die man kultivieren kann. Aber Untätigkeit sollte nicht zu Faulheit führen. Äußere Untätigkeit kann mit tiefer Kontemplation, Gebet und Gottesbewusstsein verbunden sein - oder eben mit Niedergeschlagenheit und Verzweiflung.

Untätigkeit - eine Tugend. Was ist Untätigkeit? Woher stammt das Wort? Wozu ist Untätigkeit gut? Was sind Synonyme, was das Gegenteil von Untätigkeit? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Untätigkeit als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Vom Wert der Untätigkeit. Untätigkeit kann etwas sehr Positives sein. Untätigkeit ist auch etwas, was man können muss. Untätigkeit ist vielleicht sogar etwas, was wir in unserer heutigen Zeit neu lernen müssen. Untätigkeit positiver formuliert wäre Muße. Natürlich, wer mich kennt, weiß, ich bin eigentlich ein sehr fleißiger Mensch.

Ich bin jemand, der durchschnittlich vielleicht achtzig Stunden die Woche tätig ist, um Yoga zu verbreiten, und das ist jetzt keine Übertreibung. Untätig bin ich normalerweise nicht, ich habe tausend Ideen und will alles Mögliche machen und ich nehme Ideen anderer auf und denke, "so viel zu tun, so viel zu machen".

Aber es gibt manchmal auch Phasen, da verordne ich mir Untätigkeit. Untätigkeit ist manchmal wichtig. Wann ist Untätigkeit wichtig? Zum einen, wenn du merkst, dass eine Krankheit kommt. Manchmal, wenn eine Krankheit kommt, musst du dir einfach Ruhe geben, was jetzt nicht notwendigerweise heißt, dass du dich ins Bett legen musst.

Aber manchmal ist der Sinn einer Krankheit, dass man etwas Ruhe hat, dass dein Organismus und Geist sich regenerieren können und auch, dass man auch mal erfährt, wie es ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen, vielleicht sich mit Gott zu beschäftigen und vielleicht sich höheren Fragen zu stellen.

Es gibt ja Bücher von Dahlke und Dethlefsen, die sagen, es gibt verschiedene Aufgaben im Leben und diese Aufgaben im Leben kommen zu unterschiedlichen Zeiten im Leben, wenn man sie nicht freiwillig angeht, dann werden bestimmte Ereignisse im Leben kommen, um einen vielleicht dazu zu zwingen.

Und so kann manchmal eine Krankheit kommen, die einen zur Untätigkeit zwingt. Wenn man merkt, es ist die Zeit für Untätigkeit, dann kann man diese Untätigkeit schon leben und vielleicht muss dann die eine oder andere Erkrankung nicht kommen. Wenn eine Erkrankung kommt, die dich zur Untätigkeit zwingt, dann sage: "Ok, jetzt übe ich Untätigkeit."

Natürlich, ganz untätig kann der Mensch wiederum nicht sein, das sagt schon Krishna in der Bhagavad Gita. Wenn du denkst, du könntest jetzt die eine Tätigkeit verlagern und vielleicht heißt das, du denkst nach, vielleicht meditierst du, vielleicht machst du eine Tiefenentspannung, du liest ein Buch, du hörst Hörsendungen, das ist auch Untätigkeit.

Manchmal ist Untätigkeit auch gut, wenn du nicht weißt, in welche Richtung du gehen sollst. Wenn du weißt, "das könnte man tun, das könnte man tun" und es ist vollkommen unklar, was das Richtige ist, dann gilt es in der Hinsicht, einfach mal Untätigkeit zu üben, eine Weile dort nichts zu machen, einfach nichts zu machen und warten. Warten, bis eine neue Eingebung kommt, warten, bis neue Gesichtspunkte kommen, warten, bis du es vielleicht zu einer Abstimmung hast kommen lassen, warten, bis du zu einer Entscheidung gekommen bist

Manchmal sind diese Phasen, diese Momente oder diese Tage der Untätigkeit sehr wichtig, so dass du nachher eine Entscheidung treffen kannst. Natürlich, der Mensch ist jetzt nicht da, um einfach nur rumzuliegen. Es ist gerade ein Charakteristikum des Menschen, dass er tätig ist. So wie Menschenaffen auch, das sind diejenigen, die ständig in Bewegung sind. Ein Hund, eine Katze liegt so viele Stunden einfach rum. Und auch Pferde und Kühe stehen die ganze Zeit rum und fressen oder dösen vor sich hin.

Der Mensch aber ist tätig, der Mensch wächst durch Tätigkeit. So wie Krishna in der Bhagavad Gita sagt: "In dieser Welt wachst ihr durch Handlung." Und er sagt auch: "Durch Handeln entwickelt sich der Mensch weiter." Daher, Tätigkeit ist schon etwas Wichtiges. Und im Normalfall ist es gut, tätig zu sein, aber ab und zu mal sind Momente der Untätigkeit wichtig. Untätigkeit im Sinne einer produktiven Tätigkeit, um etwas äußeres Konkretes zu erreichen, ab und zu mal ist Untätigkeit hilfreich und gut.

Vielleicht noch einen letzten Aspekt von Untätigkeit, der gut ist. Angenommen, deine Kinder haben sich bisher darauf verlassen, dass du ihnen hilfst bei den Hausaufgaben. Manchmal wäre es gut, du wirst dort untätig, dass die Kinder selbstständig werden. Angenommen, du bist ein Chef, der liebt, alles selber zu machen. Manchmal ist es gut, wenn du dort etwas Untätigkeit übst, dass deine Mitarbeiter sich auch entwickeln können. Manchmal hilft eigene Untätigkeit, dass andere Menschen tätig sein können.

Auch angenommen, du bist eine Mutter und du hast Kinder oder du bist ein Vater und hast Kinder, beziehe deine Kinder in die Hausarbeit mit ein. Habe kein schlechtes Gewissen, deine eigene Untätigkeit hilft, dass deine Kinder lernen, den Haushalt zu führen und zu kochen, zu putzen. Gerade wenn du Jungs hast, heutzutage mögen es Frauen nicht, wenn ihre Partner sich in der Hausarbeit nicht einbringen.

Und wenn jetzt die Mütter weiterhin ihre Söhne so verwöhnen, dass sie nie lernen, wie man Kleider wäschst, wie man Toiletten sauber macht, wie man kocht, dann werden sie Schwierigkeiten haben später in ihrer Beziehung. In diesem Sinne, manchmal tut man anderen einen Gefallen, wenn man selbst untätig wird und andere dazu inspiriert, selbst tätig zu werden.

Vollkommene Erkenntnis — keine Untätigkeit

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Dialog zwischen einem Schüler und seinem Meister Ramana Maharshi aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Der Weg zum Selbst" 1944 erschienen im Rascher Verlag Zürich

Der Schüler: Kann einer, der die Vollendung (Siddhi), wie du sie beschreibst, erlangt hat, sich bewegen, handeln und reden?
Der Meister: Warum nicht? Meinst du, die Wirklichkeit des Selbst erleben, heißt zu Stein werden oder zu nichts?
Der Schüler: Ich weiß nicht; aber es heißt, der höchste Stand sei, sich von aller Tätigkeit der Sinne, allen Gedanken und Re-gungen und allen Erfahrungen des Leibes zurückzuziehen.
Der Meister: Wenn dem so wäre, — wo wäre da ein Unter-schied zwischen diesem Stand und tiefem Schlaf? Weiter: wäre es ein Stand noch so erhaben, der käme und schwände und daher dem Selbst nicht naturhaft und eigen wäre, — wie könnte er die ewige Gegenwart des Höchsten Selbst darstellen, das auf allen Ebenen besteht und sie alle übersteht? — Wahr ist: dieser Zu-stand ist für manche unabweislich, als zeitweilige Phase auf ihrem Gange zur Vollendung (Sâdhanâ) oder als ein Zustand, der bis ans Ende ihres Lebens dauert, wenn das der Wille des höchsten Wesens ist oder die Folge ihres angesponnenen (Prârabdha) Karman, dessen Frucht sie ernten müssen, Jedenfalls kann man das nicht den höchsten Stand nennen, Von grofaen Wesen, Erlösten (Mukta) und Vollendeten (Siddha) heißt es: sie waren sehr tätig, und waren in Wahrheit tatlos, Der Höchste Herr, der Geist, der über dem All waltet und seinen Gang leitet, ist gewiß nicht in diesem völlig untätigen Stande. Sonst könnte man sagen, daß Gott und die Erlösten (Mukta Purusha) nicht den höchsten Stand erreicht haben.
Der Schüler: Aber du hast immer großen Nachdruck auf Still¬sein (Mauna) gelegt.
Der Meister: Ja, — aber Stillsein bedeutet nicht Verneinung des Tätigseins oder trägen Stillstand. Stille ist nicht bloße Verneinung von Gedanken und Regungen, sondern etwas Positiveres, als du dir vorstellen kannst.
Der Schüler: Die Stille ist unvorstellbar?
Der Meister: Ja. Solange du mit dem eilenden Winde dahin-fährst, wirst du sie nicht erlangen. Die Stille des Selbst ist allgegenwärtig. Sie ist höchster Friede, Schweigen, reglos wie ein Fels, der alle Regungen alles Tätigseins auf seiner Oberfläche trägt. In dieser schweigenden Stille wurzelt Gott, wurzeln die Erlösten.

Untätigkeit in Beziehung zu anderen Eigenschaften

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In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Untätigkeit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Untätigkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Untätigkeit, also Synonyme zu Untätigkeit sind z.B. Muße, Ruhe, Geduld, Zurückgezogensein, Stille, Abwarten.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Untätigkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Trägheit, Passivität, Faulenzerei, Arbeitsscheu, Bequemlichkeit, Müßiggang, Antriebslosigkeit, [[]]. Daher braucht Untätigkeit als Gegenpol die Kultivierung von Emsigkeit, Eifer, Tätigkeit, Euphorie, Begeisterung, Tatendrang, Durchsetzungsvermögen, Aktivismus.

Gegenteil von Untätigkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Untätigkeit, Antonyme zu Untätigkeit :

Untätigkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Vortragsmitschnitt zu Untätigkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Untätigkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Untätigkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Untätigkeit

Literatur

Weblinks

Seminare

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