Belehrung

Aus Yogawiki
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Belehrung in Fragen

Dialog zwischen einem Schüler und seinem Meister Ramana Maharshi aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Der Weg zum Selbst" 1944 erschienen im Rascher Verlag Zürich

Der Schüler: Was ist Gott?
Der Meister: Der Augenzeuge deines Gemüts.
Der Schüler: Ich selbst, als Kraft des Lebens in mir, gewahre mein Gemüt.
Der Meister: So bist du Gott, — wie es die heiligen Schriften versichern: »Gott ist einzig Einer über Allem«.
Der Meister; Was ist das Licht, das dir leuchtet?
Der Schüler: Bei Tag die Sonne, bei Nacht die Lampe'.
Der Meister: Und welches Licht erleuchtet diese Lichter?
Der Schüler: Das Auge.
Der Meister: Und welches Licht scheint hinterm Auge?
Der Schüler: Der Geist.
Der Meister: Und was ist hinter dem Geist?
Der Schüler: Das Ich.
Der Meister: So bist du selbst das Licht der Lichter,
Der Schüler: Ich bin es.

Belehrung über das Ich und Selbst

von Heinrich Zimmer aus „Der Weg zum Selbst“ von Heinrich Zimmer

In der innersten Höhle des Herzens leuchtet immerdar das eine höchste Wesen, mit »ICH-ICH« sich selber inne. Willst du seine Wirklichkeit erfahren, so sammle einwärts forschend dein Gemüt in eine Spitze und dringe in dein Herz, oder halte den Atem an und tauche tief, — und weile so im Selbst des Selbst. Wenn das aufquellende Ich verlischt, zeigt das reine Inne-sein leuchtend und still sich selbst im Herzen mit »Ich-Ich« als Stätte der Befreiung, Der Leib ist fühllos wie ein irdener Topf, er kann nicht »Ich« fühlen. Aber jeder hat die Erfahrung: »auch im tiefen traumlosen Schlaf bin ich da, wenn ich vom Leibe nichts weiß«. Darum kann »Ich« nicht den Leib meinen. Aber der Höchste Herr des Morgen¬rot-Berges leuchtet aus sich selber strahlend als »ICH-ICH« in der Höhle des Herzens allen, die mit dem Fragen »wer bin ich?« — »von wannen bin ich?« ihn erleben und zu ihm einkehren. Nur wer zu seinem ersten Ursprung heimfindet mit der Frage: »von wannen bin ich?«, wird geboren und wird wiedergeboren. Wisse: wer so geboren wird, ist der Weiseste der Weisen, — jeden Augenblick seines Lebens wird er neu wiedergeboren. Hör auf, den armseligen Leib für dein Selbst zu nehmen, erlebe die Wirklichkeit des ewigen Selbst voll grenzenlosen Seligseins. Wer das Selbst erfahren will und dabei den vergänglichen Leib bezärtelt, gleicht einem, der auf Krokodils Rücken über den Strom fahren will. Fromme Gaben und Askese, Opferbräuche und Mildtätigkeit, Yoga-Uebungen und gläubige Hingabe, reinster Aetherraum des Geistigen, Wirklichkeit, Frieden und Wahrheit, Gnade, Schweigen, höchster Stand, todloses Erlöschen, reines Innesein, Entsagung, Erlösung und Seligsein, — das sind alles gewissermaßen nur immer wieder andere Namen für die Ueberwindung des Wahns: der Leib sei das Selbst.

Literatur

  • Der Weg Zum Selbst von Heinrich Zimmer, Rascher Verlag Zürich, 1944, 1. Auflage

Siehe auch