Sanskrit Kurs Lektion 56

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Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze und -verse in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Der Superlativ (1)

Der Superlativ ist die zweite Steigerungsform eines Adjektivs. Beispiele aus dem Deutschen sind etwa am größten (von groß) oder am liebsten (von lieb). Die erste Steigerungsform ist der Komparativ.

Bildung

Zur Bildung des Superlativs werden in der Sanskrit Grammatik zwei Suffixe (Pratyaya) gebraucht. Diese beiden Bildungstypen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bedeutung nicht.

  1. Suffix -tama tritt an den unveränderten Nominalstamm: bṛhat "groß" + -tama ergibt bṛhattama "am größten"
  2. Suffix -iṣṭha tritt an den veränderten Nominalstamm: laghu "leicht" + -iṣṭha ergibt laghiṣṭha "am leichtesten"

Die mit den Suffixen -tama und -iṣṭha gebildeten Superlative folgen der Deklination der vokalischen (auf Vokal endenden) Nominalstämme.


Übersicht: Einige häufige Superlative

Im sogenannten klassischen (d.h. nach-vedischen) Sanskrit kann das Suffix -tama an jedes Adjektiv antreten und wird als regelmäßige Superlativbildung betrachtet. Das Suffix -iṣṭha wird dagegen nur in Verbindung mit einigen besonders häufigen Adjektiven gebraucht. Die Grundform des zu steigernden Adjektivs wird als Positiv bzeichnet.

Positiv Deutsch Sanskrit Superlativ Deutsch Sanskrit 1 und Sanskrit 2
leicht laghu am leichtesten laghutama laghiṣṭha
schwer guru am schwersten gurutama gariṣṭha
breit pṛthu am breitesten pṛthutama prathiṣṭha
weich mṛdu am weichsten mṛdutama mradiṣṭha
lang dīrgha am längsten dīrghatama drāghiṣṭha
schnell kṣipra am schnellsten kṣipratama kṣepiṣṭha
lieb priya am liebsten priyatama preṣṭha
weit dūra am weitesten dūratama daviṣṭha
viel bhūri am meisten bhūritama bhūyiṣṭha
groß bṛhat am größten bṛhattama -
stark balavat am stärksten balavattama -
geduldig kṣamāvat am geduldigsten kṣamāvattama -


Übung 1 - 4

  • Devanagari: भीमो बलवत्तमः पाण्डवानामस्ति |
  • wissenschaftliche Transliteration: bhīmo balavattamaḥ pāṇḍavānām asti |
  • vereinfachte Transkription: bhimo balavattamah pandavanam asti |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Bhima (Nom. Sg. m.) der stärkste (Balavattama, Nom. Sg. m.) der Pandavas (Gen. Pl. m.) ist (as, Verb), d.h. "Bhima ist der stärkste der Pandavas."


  • Devanagari: हिमालयो बृहत्तमः पर्वतानामस्ति |
  • wissenschaftliche Transliteration: himālayo bṛhattamaḥ parvatānām asti |
  • vereinfachte Transkription: himalayo brihattamah parvatanam asti |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Der Himalaya (Nom. Sg. m.) der höchste (Brihattama, Nom. Sg. m.) der Berge (Parvata, Gen. Pl. m.) ist (as, Verb), d.h. "Der Himalaya ist der höchste der Berge."


  • Devanagari: हस्ती गुरुतमश्चतुष्पदामस्ति |
  • wissenschaftliche Transliteration: hastī gurutamaś catuṣpadām asti |
  • vereinfachte Transkription: hasti gurutamash chatushpadam asti |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Der Elefant (Hastin, Nom. Sg. m.) der schwerste (Gurutama, Nom. Sg. m.) der Vierfüßer (Chatushpad, Gen. Pl. m.) ist (as, Verb), d.h. "Der Elefant ist der schwerste der Vierfüßer."


  • Devanagari: श्येनः क्षिप्रतमः पक्षिणामस्ति |
  • wissenschaftliche Transliteration: śyenaḥ kṣipratamaḥ pakṣiṇām asti |
  • vereinfachte Transkription: shyenah kshipratamah pakshinam asti |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Der Falke (Shyena, Nom. Sg. m.) der schnellste (Kshipratama, Nom. Sg. m. ) der Vögel (Pakshin, Gen. Pl. m.) ist (as, Verb), d.h. "Der Falke ist der schnellste der Vögel."


Erläuterungen

  • Die Nominative (Prathama) bhīmaḥ (m.), himālayaḥ (m.), hastī (m.) und śyenaḥ (m.) sind in den Beispielsätzen 1 bis 4 jeweils das logische Subjekt (Agens, Kartri) der Verbalhandlung asti "ist".
  • Die entsprechenden Superlative balavattamaḥ (m.), bṛhattamaḥ (m.), gurutamaḥ (m.) und kṣipratamaḥ (m.) stimmen mit ihren jeweiligen Bezugswörtern als Adjektive in Fall, Zahl und Geschlecht überein.
  • Sandhi: Die Formen bhīmo und himālayo stehen für bhīmaḥ und himālayaḥ, da auslautendes -aḥ vor stimmhaftem Konsonant zu -o wird. Die Form gurutamaś steht für gurutamaḥ, da Visarga vor stimmlosem Palatal (hier: c) zu palatalem ś wird.


Übung 5

  • Devanagari: गङ्गा दीर्घतमा नदीनां भारतवर्षस्य |
  • wissenschaftliche Transliteration: gaṅgā dīrghatamā nadīnāṃ bhāratavarṣasya |
  • vereinfachte Transkription: ganga dirghatama nadiniam bharatavarshasya |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Der Ganges (Ganga, Nom. Sg. f.) der längste (Dirghatama, Nom. Sg. f.) der Flüsse (Nadi, Gen. Pl. f.) Indiens (Bharatavarsha, Gen. Sg. n.), d.h. "Der Ganges (die Ganga) ist der längste der Flüsse Indiens."


Erläuterungen

  • Der Nominativ gaṅgā (f.) ist das logische Subjekt (Agens, Kartri) der im Sanskrit nicht ausdrücklich genannten Verbalhandlung asti "ist". Ein solcher Satz, in dem kein Verb erscheint, heißt Nominalsatz.
  • Der Superlativ dīrghatamā stimmt als Adjektiv mit seinem Bezugswort gaṅgā in Fall, Zahl und Geschlecht überein.
  • Der Genitiv (Shashthi) bhārata-varṣasya ("Indiens", wörtl.: "des Bharata-Landes") ist ein Kompositum (Samasa) des Typs Tatpurusha und bezieht sich auf den Genitiv Plural nadīnām "der Flüsse".
  • Sandhi: Das auslautende m von nadīnām geht vor einem Konsonanten (Vyanjana) in Anusvara () über. Folgt ein labialer Konsonant (hier: b) verändert sich die Aussprache nicht.


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