Sanskrit Kurs Lektion 15

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Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Das Adjektiv (1)

In einigen Beispielsätzen der Lektionen 12 - 14 erscheinen Adjektive (Eigenschaftswort, Visheshana). Diese dienen dazu, ein Substantiv, auf das sie sich beziehen, näher zu beschreiben bzw. zu "bestimmen". Dies ist auch die Bedeutung von Visheshana: "einen Unterschied (Vishesha) ausdrückend".

Im Sanskrit (wie im Deutschen) stimmt ein Adjektiv mit dem Substantiv, auf das es sich bezieht, in Fall (Kasus), Zahl (Numerus) und Geschlecht (Genus) überein. Diese grammatische Übereinstimmung nennt man auch Kongruenz. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt noch einmal einige Sätze aus Lektion 12 - 14:


  • vṛkṣā (Sandhi für vṛkṣāḥ Nom. Pl. m.) asya vanasya tuṅgāḥ (Nom. Pl. m.) santi | "Die Bäume dieses Waldes sind hoch."


  • kanyā bahūn (Akk. Pl. m.) vṛkṣān (Akk. Pl. m.) nāmato jānāti | "Das Mädchen kennt viele Bäume mit Namen."


  • mālikas taruṇebhyo (Dat. Pl. m.) vṛkṣebhyo (Dat. Pl. m.) jalaṃ dadāti | "Der Gärtner gibt den jungen Bäumen Wasser."


  • skandhā (Sandhi für skandhāḥ Nom. Pl. m.) eṣāṃ vṛkṣāṇāṃ sthūlāḥ (Nom. Pl. m.) santi | "Die Stämme dieser Bäume sind dick."


Übung 1

  • Devanagari: तरुणा कन्या तुङ्गेषु वृक्षेषु बहून्खगान्पश्यति |
  • wissenschaftliche Transliteration: taruṇā kanyā tuṅgeṣu vṛkṣeṣu bahūn khagān paśyati |
  • vereinfachte Transkription: taruna kanya tungeshu vriksheshu bahun khagan pashyati |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Das junge Mädchen (Taruna Kanya, Nom. Sg.) auf den hohen Bäumen (Tunga Vriksha, Lok. Pl.) viele Vögel (Bahu Khaga, Akk. Pl.) sieht (Verb, paś/spaś), d.h. "Das junge Mädchen sieht auf den hohen Bäumen viele Vögel."

Erläuterungen

  • Der Nominativ Singular kanyā (von kanyā Kanya f.) ist das logische Subjekt (Kartri) der Verbalhandlung paśyati ("sie sieht").
  • Das Adjektiv taruṇā (von taruṇa Taruna "jung") ist eine nähere Bestimmung (Visheshana) zu kanyā und steht daher ebenfalls im Nominativ Singular Femininum.
  • Der Lokativ Plural vṛkṣeṣu (von vṛkṣa Vriksha m.) beschreibt den Ort (Adhikarana) der Verbalhandlung näher.
  • Das Adjektiv tuṅgeṣu (von tuṅga Tunga "hoch") ist eine nähere Bestimmung zu vṛkṣeṣu und steht daher ebenfalls im Lokativ Plural Maskulinum.
  • Der Akkusativ Plural khagān (von khaga Khaga m.) ist das logische Objekt (Karman) der Verbalhandlung paśyati.
  • Das Adjektiv bahūn (von bahu Bahu "viel") ist eine nähere Bestimmung zu khagān und steht daher ebenfalls im Akkusativ Plural Maskulinum.


Übung 2

  • Devanagari: क्षुद्रो बालो वृद्धाय पुरुषाय पक्वमाम्रं ददाति |
  • wissenschaftliche Transliteration: kṣudro bālo vṛddhāya puruṣāya pakvam āmraṃ dadāti |
  • vereinfachte Transkription: kshudro balo vriddhaya purushaya pakvam amram dadati |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Der kleine Junge (Kshudra Bala, Nom. Sg.) dem alten Mann (Vriddha Purusha, Dat. Sg.) eine reife Mango (Pakva Amra, Akk. Sg.) gibt (Verb, ), d.h. "Der kleine Junge gibt dem alten Mann eine reife Mango."

Erläuterungen

  • Der Nominativ Singular bālaḥ (von bāla Bala m.) ist das logische Subjekt (Kartri) der Verbalhandlung dadāti ("er gibt").
  • Das Adjektiv kṣudraḥ (von kṣudra Kshudra "klein") ist eine nähere Bestimmung (Visheshana) zu bālaḥ und steht daher ebenfalls im Nominativ Singular Maskulinum.
  • Der Dativ Singular puruṣāya (von puruṣa Purusha m.) bezeichnet den Empfänger (Sampradana) der Verbalhandlung näher.
  • Das Adjektiv vṛddhāya (von vṛddha Vriddha "alt") ist eine nähere Bestimmung zu puruṣāya und steht daher ebenfalls im Dativ Singular Maskulinum.
  • Der Akkusativ Singular āmram (von āmra Amra n.) ist das logische Objekt (Karman) der Verbalhandlung dadāti.
  • Das Adjektiv pakvam (von pakva Pakva "reif") ist eine nähere Bestimmung zu āmram und steht daher ebenfalls im Akkusativ Singular Neutrum.
  • Die Verbform dadāti ("er gibt") ist die 3. Person Singular (Indikativ Präsens Aktiv bzw. Parasmaipada) von der Verbalwurzel (Dhatu) "geben".
  • Sandhi: Die Formen kṣudro und bālo stehen für kṣudraḥ und bālaḥ, da auslautendes -aḥ vor stimmhaften Konsonanten (hier: b bzw. v) zu -o wird.


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