Sanskrit Kurs Lektion 21

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Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze und -verse in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Das Passiv der Gegenwart (1)

Im Sanskrit ist die Ausdrucksweise des Passivs (Karmani Prayoga) viel häufiger als im Deutschen. In den Lektionen 17 und 18 wurde bereits die Form des Passivs der Vergangenheit, das Partizip Präteritum Passiv, behandelt. Die Passivformen der Gegenwart werden ebenfalls von der Verbalwurzel abgeleitet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit betrachten wir zunächst nur die Formen der 3. Person (Purusha) Singular (Ekavachana) und Plural (Bahuvachana), die am häufigsten vorkommen.


Übersicht: Die Passivformen der Gegenwart einiger häufiger Verben

Bildung

An die schwache Form der Verbalwurzel (Dhatu), deren Vokal (Svara) sich zuweilen verändert, tritt das stammbildende Infix (Vikarana) -ya- sowie die Endungen des Mediums bzw. Atmanepada -te (3. Person Singular) bzw. -nte (3. Person Plural).

In der folgenden Übersicht erscheinen einige wichtige Verben unter folgenden Aspekten: Verbalwurzel (Dhatu) und ihre Hauptbedeutung(en), der davon abgeleitete Passivstamm, die gebeugte (konjugierte) Form der 3. Person Singular und Plural im Passiv der Gegenwart (Präsens, Vartamana).

Verbalwurzel Bedeutung Passivstamm 3. Person Singular Übersetzung 3. Person Plural Übersetzung
pac kochen pacya- pacyate es (er, sie) wird gekocht pacyante sie werden gekocht
yuj verbinden yujya- yujyate es (...) wird verbunden yujyante sie werden verbunden
bhuj genießen, essen bhujya- bhujyate es wird genossen bhujyante sie werden genossen
badh/bandh binden badhya- badhyate es wird gebunden badhyante sie werden gebunden
jñā wissen, kennen jñāya- jñāyate es wird gewusst jñāyante sie werden gewusst
trinken pīya- pīyate es wird getrunken pīyante sie werden getrunken
geben dīya- dīyate es wird gegeben dīyante sie werden gegeben
gā/gai singen gīya- gīyate es wird gesungen gīyante sie werden gesungen
kṛ machen, tun kriya- kriyate es wird gemacht kriyante sie werden gemacht
śru hören śrūya- śrūyate es wird gehört śrūyante sie werden gehört
pṛ/pṝ füllen pūrya- pūryate es wird gefüllt pūryante sie werden gefüllt
vac sagen ucya- ucyate es wird gesagt ucyante sie werden gesagt


Syntax

Die Verbform des Passivs (genauer: ihre Endung) bezeichnet jeweils das, was getan wird, d.h. das logische Objekt (Karman) der Handlung (Kriya). Derjenige, der es tut, also das logische Subjekt bzw. der Agens (Kartri) der Handlung, steht im Instrumental (Tritiya).


Übung 1 - 2

  • Devanagari: सूत्रं पुरुषेण श्रूयते |
  • wissenschaftliche Transliteration: sūtraṃ puruṣeṇa śrūyate |
  • vereinfachte Transkription: sutram purushena shruyate |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Das Sutra (Nom. Sg. n.) von dem Mann (Purusha Instr. Sg. m.) wird gehört (śru, Verb), d.h. "Das Sutra wird von dem Mann gehört."


  • Devanagari: सूत्राणि मया श्रूयन्ते |
  • wissenschaftliche Transliteration: sūtrāṇi mayā śrūyante |
  • vereinfachte Transkription: sutrani maya shruyante |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Die Sutras (Nom. Pl. n.) von mir (Purusha Instr. Sg.) werden gehört (śru, Verb), d.h. "Die Sutras werden von mir gehört."

Erläuterungen

  • Die Nominative (Prathama) sūtram (Singular) und sūtrāṇi (Plural) sind in den Beispielsätzen 1 und 2 jeweils das logische Objekt (Karman) der Verbalhandlung.
  • Die Verbformen śrūyate (Singular) und śrūyante (Plural) sind Formen der 3. Person des Passivs der Gegenwart der Wurzel śru "hören".
  • Die Instrumentale (Tritiya) Singular puruṣeṇa (von puruṣa Purusha m.) und mayā (vom Personalpronomen Mad) bezeichnen das logische Subjekt bzw. den Agens (Kartri) der Verbalhandlung.


Übung 3 - 4

  • Devanagari: कटः कन्यया क्रियते |
  • wissenschaftliche Transliteration: kaṭaḥ kanyayā kriyate |
  • vereinfachte Transkription: katah kanyaya kriyate |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Die Matte (Kata Nom. Sg. m.) von dem Mädchen (Kanya Instr. Sg. f.) wird gemacht (kṛ, Verb), d.h. "Die Matte wird von dem Mädchen gemacht."


  • Devanagari: कटास्त्वया क्रियन्ते |
  • wissenschaftliche Transliteration: kaṭās tvayā kriyante |
  • vereinfachte Transkription: katas tvaya kriyante |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Die Matten (Kata Nom. Pl. m.) von dir (Kanya Instr. Sg.) werden gemacht (kṛ, Verb), d.h. "Die Matten werden von dir gemacht."

Erläuterungen

  • Die Nominative kaṭaḥ (Singular) und kaṭāḥ (Plural) sind in den Beispielsätzen 3 und 4 jeweils das logische Objekt der Verbalhandlung.
  • Die Verbformen kriyate (Singular) und kriyante (Plural) sind Formen der 3. Person des Passivs der Gegenwart der Wurzel kṛ "machen, tun, anfertigen".
  • Die Instrumentale Singular kanyayā (von kanyā Kanya f.) und tvayā (vom Personalpronomen Tvad) bezeichnen das logische Subjekt bzw. den Agens der Verbalhandlung.
  • Sandhi: Die Form kaṭās steht für kaṭāḥ, da Visarga () vor stimmlosen Dentalen (Dantya, hier: t) zu -s wird.


Übung 5 - 6

  • Devanagari: दानं तेन दीयते |
  • wissenschaftliche Transliteration: dānaṃ tena dīyate |
  • vereinfachte Transkription: danam tena diyate |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Das Geschenk (Dana Nom. Sg. n.) von ihm (Tad Instr. Sg. m.) wird gegeben (, Verb), d.h. "Das Geschenk wird von ihm gegeben."


  • Devanagari: दानानि तैर्दीयन्ते |
  • wissenschaftliche Transliteration: dānāni tair dīyante |
  • vereinfachte Transkription: danani tair diyante |
  • Wort-für-Wort-Übersetzung: Die Geschenke (Dana Nom. Pl. n.) von ihnen (Tad Instr. Pl. m.) werden gegeben (, Verb), d.h. "Die Geschenke werden von ihnen gegeben."

Erläuterungen

  • Die Nominative dānam (Singular) und dānāni (Plural) sind in den Beispielsätzen 5 und 6 jeweils das logische Objekt der Verbalhandlung.
  • Die Verbformen dīyate (Singular) und dīyante (Plural) sind Formen der 3. Person des Passivs der Gegenwart der Wurzel "geben, schenken".
  • Die Instrumentale tena (Singular) und taiḥ (Plural) sind Formen des Demonstrativpronomens Tad, das auch als Personalpronomens der 3. Person dient. Sie bezeichnen das logische Subjekt bzw. den Agens der Verbalhandlung.
  • Sandhi: Die Form tair steht für taiḥ, da Visarga () vor stimmhaften Konsonanten (Vyanjana, hier: d) zu -r wird.


Weblink


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Siehe auch