Ramalingar

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Ramalingar (1823-1874) war der letzte Repräsentant der (andächtigen) poetischen Bhakti Tradition der Tamil Sprache. Wegen seiner egalitären und universellen Predigten wurde er ein spiritueller Führer seiner Zeit. Zu seinem Ashram und seiner Schule in Valadur gab es großen Zulauf. Ramalingar führte sie auf den "neuen Pfad" des unverfälschten Lebens.

Eingang zum "Satyagnana Sabha Tempel" in Vadalur. Auf dem Schild steht "Nur diejenigen, die auf Fleisch und Morden verzichtet haben sollten hier eintreten". Foto: Sodabottle, Copyright)

Die Betrachtungsweise des Lebens von Ramalingar erschließt sich aus der Sehnsucht seiner Gottesanbetung: "Mein einziger Vater! Höre meine demütige Bitte. Ich soll alle Menschen und Wesen lieben und ihnen dienen. Ich soll überall hingehen — in jeden Winkel und jede Ecke — dein Lob singen und deine Gnade durch mitfühlenden Dienst am Nächsten offenbaren. Ich soll die Herrschaft deiner Gnade begründen – das Licht, das die Menschen auf den universellen Weg führt, damit sie dich erfahren können, die unbeschreibliche und transzendente Wirklichkeit…."

Artikel aus dem Buch "Indian Spiritual Gurus. Nineteenth Century" von M.L. Ahuja, S. 1 - 14.

Die Kindheit von Ramalingar

Ramalingar wurde am 5. Oktober 1823 in Marudhar geboren, einem kleinen Dorf in der Nähe von Chidambaram. Er war das jüngste Kind seiner Eltern: Chinnammai und Ramàyya Pillai. Als Ramalingar fünf Monate alt war nahmen ihn seine Eltern mit nach Chidambaram. Sie besuchten die Puja im Tempel von Nataraja. Der Sichtschutz vor der Gottheit wurde entfernt, um jedem Darshan zu ermöglichen. Der flüchtige Blick auf Nataraja schuf einen bleibenden Eindruck im unbewussten und sensiblen Geistvon Ramalingar.

Die spirituelle Entwicklung von Ramalingar

Die Familie von Ramalingar zog nach Madras (das heutige Chennai) und der Junge wurde Kanchipuram Sabapathi Mudaliar zur Erziehung anvertraut. Der junge Ramalingar bekundete wenig Interesse am Lernen. Er zeigte sich desinteressiert an anderen Aktivitäten, die Jungen in seinem Alter üblicherweise gefallen. Häufig suchte er die Einsamkeit und grübelte über den Sinn des Lebens. Er verspürte eine starke Neigung, Gott anzubeten. Ramalingar fühlte sich zu Muruga hingezogen und besuchte Kandha Kottam, den Tempel von Muruga. Dort fand Ramalingar Gefallen an Murugas Vision und hielt Muruga für seinen spirituellen Meister.

Ramalingar begann zu glauben, dass Muruga die Wiedergeburt des Heiligen Gnanasambandhar sei, dem bekanntesten der Shaivitschen Heiligen des 17. Jahrhunderts. Nach der Wahl von Muruga als Meister, begann Ramalingar die Hymnen über das Leben von Muruga zu studieren. Nach und nach gewann er an spiritueller Reife. Fortwährend befürwortete Ramalingar die Gottesverehrung in Form von Arutperumjyothi, dem strahlenden Licht der Gnade. Sein Vater erlebte den Ruhm des Sohnes nicht mehr. Er starb früh. Sein plötzlicher Tod zwang die hilflose Chinnamai zu ihrem ältesten Sohn Sabhapati und seiner Frau Parvathi in Madras zu ziehen. Das war im Jahr 1824.

Als Ramalingar fünf Jahre alt war, übernahm Sabhapati, auf gewohnt patriarchale Weise, die Schulbildung seines jüngsten Bruders. Das Kind zeigte jedoch eine tiefe Abneigung gegen die Schulbildung und zog Besuche im örtlichen Kandasamy Tempel vor. Dies rief den Zorn seines Bruders hervor, der überzeugt davon war, dass Ramalingar auf einem selbstzerstörerischen Weg sei. Als Strafe verbat er seiner Frau Ramalingar seine tägliche Mahlzeit zu geben. Seine mitfühlende Schwägerin gab ihm heimlich zu essen und setzte auf sanfte Weise durch, dass er seinen Studien ernsthaft nachging. Ramalingar gab unter der Bedingung nach, dass er seinen eigenen separaten Raum erhält. In der Abgeschlossenheit dieses Raumes hängte Ramalingar einen Spiegel auf und stellte davor eine kleine Lampe auf. Mit diesen Hilfsmitteln meditierte er unablässig. Das war der Beginn der spirituellen Reise von Ramalingar.

Ramalingar entdeckt Gott

Die Tamilen in Südindien verehrten ihren Gott Muruga mit ekstatischem Tanz und Trommeln in rußgeschwärzten Höhlen oder auf windgepeitschten Hügeln. Aber 1831 – in der Stille des von der Lampe erhellten Raumes, betete Ramalingar den Gott an, der vor ihm stand, den, den er im Licht und Schatten im Spiegel sehen konnte, der sein eigenes Gesicht wiedergab. Irgendwie hinterließ dies einen unauslöschlichen Eindruck in der Psyche des Jungen. Er wurde zum Mystiker. Seine Augen, die für einen Moment das Licht der Flamme enthielten, blickten auf alles mit neu entdecktem Staunen. Ramalingar sah die sich verströmende Vielfalt des Lebens, die sich in der Ekstase einer einzelnen Essenz, einer einzigen Präsenz, dem Licht der Gnade (Arut Perum Jyoti) drehte. Dies machte ihn ohne Frage zum größten tamilischen Dichter des 19. Jahrhunderts. Als Neunjähriger begann er, Gedichte zu verfassen und hörte niemals damit auf, bis auf den Tag, an dem er unter mysteriösen Umständen verschwand.

Ramalingar hat eine Vision von Muruga

Nach einer Erzählung hatte Ramalingar als Neunjähriger eine Vision von Muruga von Thiruthanigai mit seinen sechs Gesichtern, zwölf Armen, dem Speer, dem Pfau und dem Hahnenbanner. Dies geschah in einem Spiegel im Zimmer im oberen Teil des Hauses, in dem seine Familie lebte. Ramalingar hatte keine klassische Schulbildung und wurde in die spirituelle Wahrheit initiiert. 48 Gedichte widmete Ramalingar Thiruthanigai und vier Muruga, dem obersten Gott von Kandha Kottam in Madras. Ebenso lieferte Ramalingar Darlegungen in Bezug auf das Leben des Heiligen Gnanasambandhar und erweckte so die Aufmerksamkeit der Elite und des Klerus in der Stadt. Seine Familie und andere Menschen in seinem Umfeld waren überrascht, dass Ramalingar, der niemals eine Schule besucht und der seinen Lehrer gemieden hatte, so ein profundes religiöses Wissen haben konnte. So machte Ramalingar sich bei den Mitgliedern seiner Familie beliebt.

Ramalingar verbrachte die meiste Zeit außerhalb des Hauses. Die Hektik des Lebens mochte er nicht. Er suchte Frieden in der Umgebung. Sogar die Nächte verbrachte er draußen. Manchmal ging er weg aus Madras und wanderte in den Dörfern, auf Feldern und in Hainen. Als Zwölfjähriger litt Ramalingar häufig große Not. Als er wieder einmal in einer solchen Situation war, begann Ramalingar täglich mit dem Besuch von Thiruvotriyur, um Shiva zu verehren. Ramalingar empfand keinen Unterschied zwischen Muruga, seinem ersten Lieblingsgott, und Shiva.

Ramalingar erklärte, dass alle Gottheiten der Welt lediglich verschiedene Manifestationen des einen Gottes sind und, dass die unterschiedlichen Namen alles Namen des einen Gottes sind. Während er zu Ehren von Muruga sang, verlieh er ihm die Attribute von Shiva. Manchmal, wenn Ramalingar spät nach Hause zurückkehrte, musste er hungrig auf der Veranda außerhalb seines Hauses schlafen. In einigen seiner Lieder gibt es Hinweise darauf, dass Shiva selbst ihn in einer dieser Nächte nährte. Er machte sich nichts aus den Münzen, die man ihm anbot. Ramalingar warf die Münzen weg.

Allmählich begann sich Ramalingar nach Gott zu sehnen, wie sich eine Frau nach ihrem Liebhaber sehnt. Seine Lieder sind der spontane und intensive Ausdruck seiner Gefühle. Er wurde zum spirituellen Führer vieler Menschen. Einige wurden seine Schüler. Darunter insbesondere Thozhuvur Velayuda Mudaliar, der später Professor für Tamil am Presidency College in Madras wurde. Mudaliar entdeckte durch Ramalingar Manuskripte in Sanskrit und Tamil. Ramalingar selbst war in der Auslegung von Manuskripten relativ sicher und klar. Man geht davon aus, dass eine Reihe von zeitgenössischen Gelehrten aus allen Teilen von Tamil Nadu ihn besuchten, um ihre Zweifel auszuräumen.

Das Eheleben von Ramalingar

Die Mutter von Ramalingar und seine älteren Brüder und Schwestern wollten, dass er heiratet. Aber Ramalingar weigerte sich. Irgendwie gelang es einem Shivayogi, ihn von einer Heirat zu überzeugen. In der Hochzeitsnacht vertiefte er sich in das Thiruvachakam des Heiligen Manickavasagar. Im weiteren Verlauf seiner Ehe las er seiner Frau jede Nacht Hymnen vor und erklärte ihr Jnana und Bhakti Yoga. Morgens war er in Thiruvotriyu. Nach sechs Monaten erlitt seine Frau einen Elektroschock und starb. So endete das Eheleben von Ramalingar.

Vorlesungsreise von Ramalingar

1885 verließ Ramalingar als Vierundzwanzigjähriger Madras und ging mit einigen seiner Anhänger nach Chidambaram mit dem Ziel Darshan bei Nataraja – dem Meister des kosmischen Tanzes - zu erhalten. Dort trug er einige Gedichte vor, die später von T. Velayuda Mudaliar zusammengestellt und in einem Buch veröffentlicht wurden. Ramalingar besuchte auch verschiedene andere Orte, wie zum Beispiel Nellikkuppam, Tindivanam und Cuddalore. An jedem Ort hielt er Vorlesungen. In Karunkuzhi war Ramalingar bis zum 44. Lebensjahr. Demonstrativ war sein Mitgefühl für die Armen, die Notleidenden und die Asketen.

Die Sanmarga Philosophie hat er in seinem Buch "Manumurai Kandavasagar" dargelegt und in seinen Gedichten mit dem Titel "A Short Appeal from the Son of God" (Ein kurzer Aufruf des Gottessohnes) und "An Intense Appeal from the Son of God" (Ein intensiver Aufruf des Gottessohnes) ebenso wie in seinen Essays über "Compassionate Service" (Mitfühlender Dienst). Am 23. Mai 1867 gründete er das Heiligtum für den ewigen Dienst (Satya Dharma Salai). In dieser Institution wurden die Armen täglich verpflegt ohne Berücksichtigung von Kaste, Glauben, Geschlecht und Religion.

Samarasa Veda Sanmarga Sangam

Ramalingar verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Samarasa Veda Sanmarga Sangam, auch eine seiner Gründungen. Dort gab es Maßnahmen zur Versorgung der Armen. Eine Schule wurde dieser Zufluchtsstätte angeschlossen. 1870 zog Ramalingar in ein kleines Dorf namens Mettakkuppam und lebte dort in einem nach ihm als Chittivalakam benannten Ashram. 1871 erhielt er eine "Halle der Weisheit" für universelle Verehrung, gebaut von den Hauptmitgliedern des Sangam. Während des Baus sagt man, dass Ramalingar auf bestimmte Fehler im Gebäude hinwies und dass diese korrigiert wurden. Während dieser Zeit sollen auch einige Wunder stattgefunden haben.

Einmal, als Ramalingar bei der Arbeit war und eine Lampe langsam brannte, gab es nur noch wenig Öl. Anstelle dessen gab Ramalingar Wasser in die Lampe und die Lampe brannte weiter. Ramalingar empfand tiefe Verehrung für Gott and betrachtete die Statue stundenlang. In dieser Zeit nahm er nicht einmal wahr, wenn er hungrig war. In seinem Gedicht, "Instructing The Mind" (Training des Geistes), beschreibt Ramalingar die Schönheit von Shiva von Kopf bis Fuß und sagt, dass man bei der Betrachtung der Schönheit Gottes wahrscheinlich keinen Hunger verspürt. Während Ramalingar die tanzende Figur des Thyagesar betrachtete, löste sich sein Geist vollständig auf, und er hatte erstmalig viele Visionen.

Die Anziehung, die Thyagesar in ihm auslöste war ein wichtiger Meilenstein in seiner Gottesanbetung. Die Erfahrung, die Ramalingar hatte, war ziemlich einzigartig und er fühlte die Versunkenheit seines Geistes und die Abwesenheit von Einsichtsfähigkeit. Ramalingar konnte nun neue Dinge fühlen und hatte ein Gefühl von Ekstase. Sein Denkvermögen hörte auf zu funktionieren. Ramalingar fühlte sich gesegnet. Von Zeit zu Zeit sehnte er sich nach der Gottesvision. Wann immer er Gott suchte, war sein Geist frei von Leid. Bei anderen Gelegenheiten wurde Ramalingar bleich vor Leid. Er spürte, dass Gott seine einzige Zuflucht war.

Ramalingar gründet einen Tempel in Vadaluur

Ramalingar beschloss, eine Schule zu gründen und eine Zeitschrift herauszugeben. Leider scheiterten beide Vorhaben. Ebenso versuchte Ramalingar die Grundsätze seines Glaubenssystems breit zu fächern, aber es gab viel Widerstand gegen seine Versuche. Es gab sogar eine Verleumdungsklage gegen ihn. Schließlich siegte die Wahrheit. Die endgültige Vollendung seiner tiefen spirituellen Verwirklichung war am 25. Januar 1872 in einem Tempel, den Ramalingar in Vadaluur gegründet hatte. Ramalingar nannte diese Erfahrung "the Sathya Gnana Sabhai" oder "the Hall of True Knowledge" (Die Halle des wahren Wissens). Im Tempel gab es weder Opfergaben in Form von Früchten oder Blumen, noch wurden dort Menschen gesegnet. Der Tempel war offen für alle Kasten, Glaubensrichtungen und Kulte – außer für Fleischesser, die die Erlaubnis hatten, den Gottesdienst außerhalb des Gebäudes zu feiern.

Kastensystem

Gemäß seinem Motto hielt Ramalingar Gottesdienste für die Menschen seiner Gemeinschaft. Er war bereit, die jahrhundertelange fixe Idee des Kastensystems zu beseitigen, die Menschen voneinander trennte, indem sie als ranghöher und rangniedriger bezeichnet wurden. Ramalingar griff das Kastensystem vehementer an als jeder andere religiöse oder spirituelle Führer. Er weigerte sich, die Theorie von höheren und niedrigeren Kasten zu akzeptieren. Ramalingar sagte, dass Gott ihm offenbart hätte, dass es so etwas wie eine höhere Kaste nicht gäbe, dass eine höhere Kaste nicht an der Hautfarbe erkennbar sei, dass alle Kastenunterschiede und unterschiedlichen Lebensweisen Kinderkram sind.

Ramalingar nannte das "Falschmeldung" oder "Farce". Er wollte, dass die Menschen alles als gleichwertig betrachten. Ramalingar strebte auch eine Änderung des vorherrschenden Sozialgefüges mit seiner vielfältigen Beschaffenheit an und das Schaffen einer neuen Ordnung ohne Kastenunterschiede. Ramalingar befürwortete Methoden für diesen Übergang. Er entwickelte eine religiöse Reform als seinen Kernbereich und schenkte der Welt die Philosophie der universellen Religion. Ramalingar behauptete, dass alle Unterschiede - außer den Kasten- und Glaubensunterschieden – sich auf den physischen Körper beziehen und auf der spirituellen Ebene bedeutungslos sind. Ramalingar sagte, dass alle physischen Körper von einem Gott geschaffen werden. Daher ist eine rangniedere und ranghöhere Geburt gegen seinen Willen.

Obwohl Ramalingar gegen das Kastensystem war, äußerte er sich niemals zu den Verfechtern des Kastensystems. Er fühlte und erläuterte, dass es so etwas wie eine "höhere Kaste" in dieser Welt nicht gibt, da Menschen aus einer höheren Kaste ebenso sterblich sind wie die Menschen, die einer niederen Kaste entstammen. Ramalingar sagte, dass nur diejenigen, die Gutes tun zu einer höheren Kaste gehören. Ramalingar rief die Menschen dazu auf, zugunsten des Sanmargam ihre Kastenzugehörigkeit aufzugeben. Ramalingar kritisierte das Kastensystem hauptsächlich, weil es gegen das Prinzip der Integration aller Seelen durch die Liebe verstößt.

Ramalingar wollte freundschaftliche Beziehungen zwischen allen menschlichen Gruppierungen. Er war auch gegen die materialistischen Tendenzen der Menschen. Ramalingar sagte, dass die Menschen in ihrem wilden Gerangel um Wohlstand die Spiritualität und menschliche Werte, die Armen und die Notleidenden ignorieren. Er schlug vor, das Geld mit den Armen und Notleidenden zu teilen. Ramalingar verurteilte wohlhabende Menschen wegen ihrer teilnahmslosen Einstellung gegenüber den Armen und Leidenden. Mit diesen Formulierungen in seinen Gedichten beabsichtigte er, dass den Menschen bewusst wird, was richtig ist und dass sie ihre Perspektive ändern.

Thiruvarutpa

Ramalingar hat alle seine Lebenserfahrungen – die weltlichen und die spirituellen – im Thiruvarutpa festgehalten. Seine Gedichte leiteten den Beginn einer neuen Epoche in der Literaturgeschichte von Tamil Nadu ein. Ramalingar begann, Gott zu verherrlichen. Er hatte das Gefühl, dass Gott ein wesentlicher Teil des Gottesdienstes ist. Seine Lyrik beschränkte sich nicht nur auf die Anrufung und Verherrlichung Gottes. Ramalingar erweiterte sie, um seine Fürsprache für sich selbst und andere zu erbitten, um seine Erfahrungen mit Gott auf verschiedenen Ebenen mitzuteilen und um die Menschen auf die Notwendigkeit einer universellen Religion aufmerksam zu machen.

In einem seiner Gedichte schrieb Ramalingar: "Es ist Gott, der mich mit farbenfroher Poesie zu seinem Ruhm singen ließ – schon in meiner Jugend." Durch seine Tätigkeit als Dichter wuchs Ramalingar spirituell. Er fühlte die Gegenwart Gottes nicht nur in seiner Verbundenheit mit sich selbst, sondern auch in der Verbindung mit seinen Gedichten und deren Melodie: "Gott gibt mir die Worte ein, um für ihn zu singen." Seine Botschaften, meistens in der Form von Gedichten, wurden "Thiru-Arut-Pa" (Heiliges Buch der Gnade) genannt. Seine 5.818 Gedichte vermitteln unter anderem, die nicht engstirnige, egalitäre Perspektive von Ramalingar. Somit wurde Lyrik Teil seiner Erfahrung.

Gleichnisse und Metaphern

Das hauptsächliche literarische Stilmittel, das Ramalingar als Mittel zur Beschreibung seiner Erfahrungen nutzte, sind Symbolik und Symbolismus. Dies zusammen mit Rhythmus, der Wiederholung von Wörtern und Redewendungen sowie der Wortwahl, kennzeichnen seinen Stil, der den Beginn einer neuen Epoche in der Literaturgeschichte von Tamil Nadu einleitete. Die Bildsprache zieht sich durch seine Gedichte. Jedes Gedicht ist wie eine Metapher. Ramalingar spezialisierte sich auf dem Gebiet von Gleichnis und Metapher.

Seine Bildsprache ist frisch und von lebhafter Ausdruckskraft. In Kontrastbildern sagte Ramalingar über sich selbst: "Ich bin wie die große Schale, die in den Mülleimer wandert, nachdem sie zum Essen diente." Das Gleichnis ruft Kontrastbilder einer Schale hervor, bevor und nachdem sie zum Essen benutzt wurde. Nachdem sie einmal vorsichtig von Ort zu Ort getragen wurde, liegt sie nun im Staub. Einst gefragt und sogar zum Kauf angeboten, liegt sie nun vernachlässigt da. Wenn sie zum Essen genutzt wird, wird die Schale mit Lebensmitteln geschmückt. Wenn sie weggeworfen wird, liegt sie schmucklos da und das Nichtvorhandensein von Lebensmitteln wird offensichtlich.

Dieser auffällige Unterschied zeigt die Assoziation von einem einstmals sorgsam aufbewahrten Gegenstand - nach einiger Zeit unerwünscht und unbemerkt. Ein Gegenstand, der einst gefragt war und nach einiger Zeit vernachlässigt wurde, einst voller Wohlstand und Stärke wurde er nach einiger Zeit nutzlos. Dieser Kontrast vermittelt auf subtile Weise die Eindringlichkeit der Situation.

Ramalingar war einer der ganz wenigen seiner Generation, der – aus eigener Erfahrung – anderen beibrachte, dass menschliches Mitgefühl die einzige Leiter ist, um spirituelle Höhen zu erklimmen. Er bat Gott um Wunderkräfte, nicht nur zur Selbstverherrlichung, sondern auch für das Mitgefühl mit anderen Seelen. Während seines ganzen Lebens tat Ramalingar Dienst am Nächsten und wenn dieser Dienst nicht mit den normalen begrenzten menschlichen Möglichkeiten umsetzbar war, bat er Gott unaufhörlich, ihn mit übernatürlichen Kräften auszustatten.

Ramalingar erhob sich auf unvorstellbare Höhen im Reich des spirituellen Wissens in der letztendlichen Wirklichkeit. Diese Tat Gottes basiert auf seinem mitfühlenden Dienst an allen Seelen. Je umfangreicher das Aufgabengebiet, desto größer ist die benötigte Energie. Daher wandte Ramalingar sich an Gott, ihn mit der nötigen Energie auszustatten, während er im Bereich der Erfahrung höher und höher stieg.

Universelle Religion

Ramalingar sah sich als Teil eines anteilnehmenden Dienstes an der Welt, um die universelle Religion zu verbreiten. Es kümmerte ihn nicht, dass viele ihm seine Bemerkungen über die renommierten Religionen und Philosophien des Landes vorwerfen könnten. Ramalingar war bereit, alles als Segen aufzufassen. Er sagte: "Ich kenne keine persönliche Ehre. Das habe ich vor langer Zeit abgelegt." Man nimmt an, dass dies ein Ergebnis von höheren Erfahrungen in der geistigen Welt ist, um seine "Identifikation mit dem Selbst" zu verlieren. Und als er sich mit Gott vereinte, war er fähig, extreme Demut zu erwerben. In der Gegenwart Gottes verwandelte Ramalingar sich vollkommen und fühlte sich als bloßes Werkzeug in Seinen Händen.

Er sagte: "Meine Worte sind eigentlich seine Worte." Was immer Ramalingar predigte, kam aus seiner Erfahrung. Er sah sich niemals als großen Lehrer. Ramalingar tat oder sagte das, was Gott von ihm wollte. Dieses Gefühl der Unterwerfung führte bei ihm auch zu dem Gefühl, der Sohn Gottes zu sein. Ramalingar gab sich niemals stolz und als seine Anhänger anfingen, ihn zu verehren, erklärte er ihnen, dass Shiva der einzige Gott sei, der verehrt werden und dass man Menschen nicht anbeten sollte.

Ramalingar wollte der Diener von allem bleiben. Gewissermaßen war Ramalingar wie der Prophet Mohammed, der den Anhängern des Islam die klare Weisung erteilte, ihn nicht anzubeten. Ramalingar forderte alle Menschen auf, wie eine Familie verbunden zu bleiben und in perfekter Eintracht und Liebe zu leben. Ramalingar wollte, dass die Menschen zwei Dinge tun: Erstens, mitfühlend sein und ,zweitens, die Existenz einer gemeinsamen Realität zu untersuchen sowie häufig zu Gott zu beten und Gott ihre Fehler, Rückschläge, Irrtümer und Sünden zu beichten.

Die Vier-Säulen-Disziplin von Ramalingar

Um die universelle Religion in die Tat umzusetzen, schrieb Ramalingar eine Vier-Säulen-Disziplin vor, die die gesamte Persönlichkeit des Menschen einbezog. Ramalingar sagte, diese Disziplin beinhaltet die Disziplin der Sinne und der Organe des Handelns, die Disziplin des Geistes, die Lebensdisziplin sowie den Umgang mit anderen Menschen und der Seelendisziplin.

Die erste Disziplin besteht aus einem ethischen Verhaltenskodex. Sie enthält die Kontrolle über die Sinne und gute Übungen. Die zweite mentale Disziplin sieht die Meditation auf Gott vor und somit die Konzentration des Geistes. Ursprünglich muss man seinen Geist auf eine Stelle zwischen den Augenbrauen richten. Dann darf man nicht über Schlimmes nachdenken und sollte nicht über die Fehler oder das schlechte Verhalten anderer nachdenken und Gedanken über Selbstherrlichkeit keinen Raum geben. Die dritte Disziplin setzt die Behandlung anderer als gleichwertig voraus – unabhängig von Geschlecht, Kastenzugehörigkeit oder Religion. Gleichermaßen sollen alle Unterschiede in Bezug auf den sozialen Status, Herkunft und Abstammung abgelegt werden.

Die vierte Disziplin besteht in der Integration der Mitmenschen. Dies geschieht durch bedingungslose, tiefe Liebe. Dadurch verbindet sie sich mit dem ganzen Universum, indem Gott als sich stets erweiternder "Raum" des eigenen Selbst erfahren wird und stellt fest, dass Gott gleichermaßen durch jedermann und jede Seele durch sich selbst erfahren wird. "Daher gibt es ein natürliches, integrales Einssein aller Wesen im Universum.

Häufiges Gebet zu Gott war ebenso der entscheidende Faktor im Leben von Ramalingar wie die Religion, die er predigte. Somit belebte und bereicherte Ramalingar den Weg der Hingabe, der von den shivaistischen und vaishnaviten Heiligen aufgezeichnet wurde. Als ein Schritt in Richtung universelle Religion strebte Ramalingar nach Hingabe zu den anderen Seelen und der Liebe zu Gott. Ramalingar benutzte den Begriff "Bhakti", um das Verschmelzen der Seele, das Nicht-Wahrnehmen der eigenen Identität zu bezeichnen.

Ramalingar erklärte, dass man nur mit dieser Liebe die höchste Glückseligkeit erreichen könne. Ramalingar sagte, dass überfließende Liebe für Gott einen dazu bringt, unaufhörlich an Ihn zu denken und wie eine Kerze zu schmelzen mit ununterbrochenen Tränen, die einem die Wange hinunterlaufen. Diese Gefühle sollten sich – seiner Ansicht nach - in Gebeten und Liedern ausdrücken. Das andächtige Gebet zu Gott, dass Ramalingar empfiehlt, hat für ihn keine weltlichen Vorteile.

Die Selbstverwirklichung, wie Ramalingar sie durch die Führung von Gnanasambandar verstand, ist nicht vorübergehend. Sie ist eine beständige und unumgängliche Begleiterscheinung der Erkenntnis von Gottes Gnade. Dies kann bedeuten, dass es eine Fortsetzung der höheren Erfahrung der Seele ist, die mit der "Selbstverwirklichung" beginnt. Durch das Hinausgehen über die physischen Phänomene erfuhr er "sein Selbst als ein strahlendes Licht" und nahm dann "ein Licht im Licht" wahr.

In diesem inneren Licht machte Ramalingar die Erfahrung eines flüchtigen Blicks auf Gott. Er sagte, dass Gott selbst ihm dies offenbart hatte. Diese Erfahrung war so erhebend, dass das Verschwinden von Gott unaussprechlichen Kummer in ihm auslöste. Ramalingar konnte die Schmerzen der Trennung von Ihm nicht ertragen. In seinen Gedichten bat er Gott mehrfach inständig, ihn mit der Erkenntnis des Gnadenlichts zu segnen. Er fürchtete die möglichen Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis der Gnade. Diese Hindernisse schienen ihm so unüberwindbar, dass Ramalingar immer vorsichtiger wurde, bevor er die Gnade Gottes vollständig gewann.

Ramalingar fand die Erkenntnis, dass Gott ihn bereits unsterblich geschaffen hat insoweit schwierig, diese Unsterblichkeit mit der Unterbrechung einer höheren Erfahrung in Einklang zu bringen. Ramalingar flehte Gott an, ihn mit genügend Verständnis bzw. göttlichem Erbarmen zu segnen, um seine Unsterblichkeit mit ungestörter Glückseligkeit in Einklang zu bringen. In einem seiner Gedichte ist es offenkundig, "Ein intensiver Aufruf von Gottes Sohn": "Oh Herr, ich denke immer nur an dein Gebot. Ich versuche es zu erfüllen, um unsterblich zu werden durch gleichbleibendes Mitgefühl für alle Seelen. Aber die Schwäche meines Geistes und meines Körpers macht es mir unmöglich dein Gebot zu erfüllen. Das schmerzt mich am meisten." Ramalingar bittet Gott inständig, er möge ihm den Nektar Seiner Gnade gewähren, um gleichbleibendes Mitgefühl zu erlangen.

Ramalingar verlässt seinen Körper

Am 30. Januar 1874 betrat Ramalingar sein Zimmer in Chittivalakam und bat seine Anhänger die Tür zu schließen. Seine letzten Worte waren: "Wenn die Regierung das Öffnen dieser Tür anordnet, wird Gottes Gnade mit mir sein. Dennoch werden die, die einen kurzen Blick in den Raum werfen, nichts sehen. Der Raum wird leer sein. Ich werde nicht verraten werden."

Ramalingar trat nicht mehr in seinem physischen Körper in Erscheinung. Er wurde unsterblich aufgrund seiner idealen Haltung zur Menschheit. Seine Gedichte erleuchten uns weiter an derselben Stelle. Was ihn unsterblich gemacht hat ist sein am Dienst am Menschen. Ramalingar lebte inmitten von Menschen, heilte ihre Krankheiten und lehrte sie die Prinzipien des universellen Pfades "Suddha Sanmargam", der eine geglückte Kombination vom Dienst am Mitmenschen und spiritueller Erfahrung ist. Ramalingar war nicht dafür, dass eine zugunsten des anderen zu ignorieren. Er bestand darauf, dass beide zusammenwachsen, um sich gegenseitig zu helfen.

Ramalingar machte praktische Vorschläge zur Umsetzung der universalen Bruderschaft. "Mitfühlender Dienst an allen Geschöpfen (Jeevaharunya) ist der einzige Weg, um zur höchsten Wirklichkeit zu gelangen und Unterschiede von Religion, Kaste, Glauben, Nation sollten diesem Dienst nicht im Weg stehen, damit nicht das Recht von jedermann zu lieben und als Bruder geliebt zu werden auf dem Spiel steht," sagte er.

Ramalingar empfahl Yoga zu praktizieren (Konzentration und Einstimmung des Geistes) da es "die eigene Energie und die Fähigkeiten intensiviert und erhöht, um den selbstlosen Dienst mit Mitgefühl zu tun." Der Drang zur Verehrung durch selbstlosen Dienst an allen Wesen ist die treibende Kraft hinter seinem einzigartigen Aufruf. Der Weg, den er gezeigt hat, wird immer als "Der Weg des Lichts" in Erinnerung bleiben.

Das Vermächtnis von Ramalingar

Ramalingar hinterließ den nachfolgenden Generationen einen Moralkodex, um Fallen zu vermeiden und ein tugendhaftes Leben zu führen. Mitgefühl ist die Essenz dieser Philosophie. Ramalingar legte großen Wert auf die Vermeidung nicht-vegetarischen Essens und der Vermeidung von Gewalt, die sich gegen andere Wesen richtet. Sein Interesse beruht auf der Tatsache, dass Gott in jeder seiner Schöpfungen zuhause ist. Folglich ist eine Person nicht berechtigt, einer anderen das Leben zu nehmen. Barmherzigkeit sollte das Kennzeichen eines Menschen sein, dessen Achtsamkeit auch Tiere mit einschließt. Ramalingar predigte Gewaltverzicht. Seine Lehren zum Erreichen von Frieden, einer guten Gesundheit und der Vemeidung von Gewalt werden immer von Bedeutung sein.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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