Gemütsruhe

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Gemütsruhe bedeutet Ruhe des Gemüts, also Ruhe des Geistes. Gemütsruhe ist ein heute seltener gebrauchtes Wort, das man heute mit Gleichmut, mit Gelassenheit übersetzen würde. Gemüt war das früher übliche Wort für Psyche. Zum Gemüt gehören Denken und Fühlen, Persönlichkeit, Talente und Fähigkeiten. Gemütsruhe ist eine Fähigkeit, die bis zu einem gewissen Grad angeboren und anerzogen ist, die man aber auch kultivieren kann. Gemütsruhe hilft, inmitten der Herausforderungen eines wechselhaften Lebens innerlich ruhig zu bleiben. Gemütsruhe hilft, auch in schwierigen Situationen Contenance zu bewahren.

Wenn man alte Bäume anschaut, verspürt man tiefe innere Gemütsruhe

Gemütsruhe - eine Tugend. Was ist Gemütsruhe? Woher stammt das Wort? Wozu ist Gemütsruhe gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Gemütsruhe?

Gemütsruhe als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Gemütsruhe ist eine Fähigkeit, die man kultivieren und entwickeln kann. Gemütsruhe ist eben die Ruhe des Gemütes. Und Gemüt, das ist die Psyche, das Denken und das Fühlen. Gemütsruhe ist etwas, was zum einen eine Grundeigenschaft des Menschen ist. Es gibt Menschen, die sind eher begeistert und haben Gefühlsüberschwang usw., und es gibt solche, die haben eine Gemütsruhe.

Es gibt die Choleriker, die regen sich über alles auf, sie können leicht Ärger und Zorn empfinden. Es gibt andere, die sind vielleicht so ein bisschen ängstlich, haben Angst, und Furcht, und Lampenfieber. Und es gibt solche, die vielleicht eher zu Melancholie neigen, also irgendwo Schwermütigkeit. Und dann gibt es die Menschen, die Gemütsruhe haben und auch eine Gemütsruhe ausstrahlen.

Gemütsruhe ist oft auch ein Ausdruck von Weisheit, man versteht vieles, man hat schon einiges erfahren. Oft sind es weise Menschen, die schon ein gewisses Alter erreicht haben, die solche Gemütsruhe haben und Gemütsruhe ausstrahlen. Man würde nicht von einem sieben-, achtjährigen Kind sagen, es hat Gemütsruhe, das passt zu Kindern nicht so ganz. Aber ein Vierzigjähriger, noch mehr ein Fünfzig- oder Sechzigjähriger, der kann schon eine Gemütsruhe ausstrahlen.

Gemütsruhe ist also nicht Trägheit, nicht Faulheit, nicht Niedergeschlagenheit, sondern so eine innere Ruhe, die aus einem Verstehen kommt, aus einem Verständnis, einem Vertrauen und auch einer langfristig wirkenden Kraft. Gemütsruhe ist insbesondere etwas, was sich bewährt, wenn Dinge schiefgehen. Z.B., man wird angegriffen von jemandem, in einer Besprechung, einer kleineren oder größeren Besprechung, und irgendjemand schimpft auf einen oder wirft einem etwas vor.

Wenn es einem dann gelingt, in aller Gemütsruhe zu reagieren, dann hat man seine Würde bewahrt. Wenn man Haltung wahrt, Contenance wahrt, mit Gemütsruhe dort reagiert, dann prallt das letztlich ab, man behält seine Würde. Oder auch wenn Dinge schiefgehen – gut, manchmal muss man auch schnell sein. Also z.B., wenn es brennt in deiner Wohnung, musst du schnell raus. Aber manchmal gilt auch dort, in aller Gemütsruhe zu reagieren, kurz überlegen, gibt es ein Haustier, das deine Hilfe braucht?

Oder noch wichtiger, ist dort ein Kind, oder ein alter Mensch, der im Haus ist, der Hilfe braucht? Oder gäbe es die Möglichkeit, das Feuer zu löschen oder die Feuerwehr zu rufen? Also, manchmal hilft es, in aller Gemütsruhe das zu tun, was nötig ist, anstatt zu früh in Panik zu geraten. Gemütsruhe hat als tiefe Basis ein Vertrauen, dass hinter allem eine göttliche Wirklichkeit ist. Gemütsruhe hat als tiefe Basis, dass deine wahre Natur eins mit dieser Weltenseele ist.

Gemütsruhe kommt aus dem tiefen Vertrauen, dass letztlich dir nichts passieren kann. Und aus dieser tiefen Gemütsruhe heraus kannst du dann tun, was deine Aufgabe ist, du kannst deinen Pflichten gerecht werden, du kannst anderen helfen und dienen und du kannst lernen. Aber aus diesem tiefen inneren Vertrauen kommt Gemütsruhe und Gelassenheit.

Gemütsruhe Definition

Eine Definition für Gemütsruhe könnte heißen: Wer innere Ruhe bewahrt, frei ist von Hast und Aufregungen, bewahrt seine Gemütsruhe. Eine andere Definition für Gemütsruhe: Gemütsruhe ist die Fähigkeit, innerlich ruhig zu bleiben, was auch immer geschieht. Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, insbesondere in schwierigen Situationen die Fassung sowie eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Gemütsruhe ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.

http://angst.podspot.de/files/70-gemuetsruhe-als-gegenpol-zur-angst.MP3

Gemütsruhe Bedeutung

Die Bedeutung von Gemütsruhe ist, in aller Ruhe das zu tun was zu tun ist, ruhig und ohne Hast, auch wenn nicht mehr viel Zeit übrig ist. http://angst.podspot.de/files/71-gemuetsruhe-2-nicht-sofort-reagieren.MP3

Antonyme Gemütsruhe

Antonyme, also Worte für das Gegenteil von Gemütsruhe, sind Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität, Hektik, Unbedachtheit, Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt.

Synonyme Gemütsruhe

Synonyme, also Worte mit ähnlicher Bedeutung, wie Gemütsruhe sind Gelassenheit, innere Ruhe, Coolness, Gleichmut, Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, Balance, Selbstbeherrschung, Besonnenheit, Gefasstheit, inneres Gleichgewicht, Würde, Zufriedenheit, Seelenruhe und Seelenfrieden. Weitere Synomyme für Gemütsruhe sind Sanftmut, Sanftmütigkeit, Stoische Ruhe, Ataraxie, Abgeklärtheit, Beherrschtheit, Beherrschung, Kaltblütigkeit, Kontenance, Contenance, Leidenschaftslosigkeit, Unerschütterlichkeit.

Verwendung des Wortes Gemütsruhe

Oft wird der Ausdruck Gemütsruhe zusammen mit "in aller" verwendet:

  • Obwohl alles Kopf stand, trank er in aller Gemütsruhe seinen Tee zu Ende.
  • In aller Gemütsruhe begann er sein Tagewerk.
  • Fünf Minuten vor dem Abflug schlenderte er in aller Gemütsruhe zum Flugsteig.

Gemütsruhe kann andere aggressiv machen

Manche Menschen leben ostentativ Gemütsruhe. Auch wenn Eile angebracht ist, machen sie in aller Gemütsruhe weiter. Das kann hilfreich sein - sodass keine Fehler gemacht werden. Gemütsruhe kann vor stressbedingten Krankheiten schützen - aber wer seine Arbeitsgeschwindigkeit in stressigen Zeiten nicht anpassen kann, lädt seinen Kollegen die Zusatzarbeit auf, was diese dann aggressiv machen kann. Eine gewisse Gemütsruhe ist von Vorteil - stößt aber auch an ihre Grenzen.

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Quelle der Gemütsruhe

Eine tiefe Gemütsruhe kann verschiedene Quellen haben:

Der altindische Weise Narada war in seiner Jugend ein Hitzkopf und lernte im Alter, Gemütsruhe zu bewahren

Stoiker und Gemütsruhe

Für die Stoiker war Gemütsruhe, Gelassenheit, auch ein Bewahren der eigenen Würde. Warum sollte man Situationen und anderen Menschen Macht über den eigenen Gemütszustand geben? Zur Selbstachtung kann gehören, Gemütsruhe zu kultivieren. Aus Würde und aus Freiheitswunsch kann man sich vornehmen, Gemütsruhe zu entwicklen.

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Ayurveda und Gemütsruhe

Manche Menschen haben ein ruhigeres Temperament. Im Ayurveda würde man sagen, das Menschen mit Kapha Naturell eine Begabung für Gemütsruhe und Gemütlichkeit haben. Unabhängig von deinem natürlichen Temperament kannst du Kapha kultivieren - und so Gemütsruhe entwickeln. Du kannst dich zum Beispiel fragen: Was tut mir gut? Was genieße ich? Wie kann ich für mich selbst sorgen? Wie fühle ich mich geborgen? Wie fühle ich mich zuhause? Indem du dich um solche Fragen kümmerst, kannst du auch dein Kapha erhöhen, was wiederum zur Gemütlichkeit und dann auch zur Gemütsruhe führt. Manchmal sind Ängste nämlich einfach ein Zeichen dafür, dass das Vata, das Luftelement, zu groß geworden ist. Wenn du wieder Kapha erhöhst, verschwinden Ängste von selbst, Gemütsruhe stellt sich ein.

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Gottvertrauen für Gemütsruhe

Gottvertrauen, Bhakti Yoga, kann eine Quelle für Gemütsruhe sein: Wer weiß, dass hinter allem das Wirken Gottes steckt, dem gelingt es, Gemütsruhe zu bewahren. Gottvertrauen ist eine sehr machtvolle Quelle für Gemütsruhe – und ein wunderbares Gegenmittel gegen Angst und Ängste. Nicht jedem ist es in die Kinderstube gelegt worden, ein Gottvertrauen aufzubauen. Du kannst aber selbst nachdenken: Habe ich ein Vertrauen in eine höhere Wirklichkeit? Habe ich eine Art Glauben an Gott, eine Kosmische Intelligenz, eine Kosmische Energie? Wenn du irgendeine Art Vertrauen, Glauben hast, kannst du auch überlegen: Wie kann ich meinen Glauben an eine höhere Wirklichkeit kultivieren? Und du kannst öfter dich im Gebet an das Göttliche wenden. Du kannst dir immer bewusst machen: Ja, hinter allem steckt eine höhere Wirklichkeit. Zu dieser Wirklichkeit kann ich einen Kontakt aufbauen. Diese höhere Wirklichkeit kümmert sich um alles, ich kann darauf vertrauen. Aus dieser Art Gottvertrauen kommt Gemütsruhe und Gelassenheit – dann verschwinden Ängste von selbst. Der große indische Yogameister Swami Sivananda sagte mal: Wenn dich eine Eigenschaft stört, dann kultiviere die entgegengesetzte. Wenn du also weniger Angst haben willst, dann kultiviere Vertrauen – oder auch Mut.

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Philosophische Überzeugung und Gemütsruhe: Vedanta und Jnana Yoga

Vedanta und Jnana Yoga, also die tiefe philosophische Überzeugung, dass hinter allem das Eine, das Absolute, steckt, und dass die Welt eine Art Schauspiel, eine Art kosmischer Traum ist, kann zur tiefen inneren Gemütsruhe beitragen.

Auch das, was dir geschieht, in einen höheren Zusammenhang zu stellen, kann dir helfen, Gemütsruhe zu erlangen. Du könntest dir sagen: Wenn ich in 20 Jahren auf heute zurückblicke, wie würde ich das betrachten? Angenommen, ein Bewohner eines anderen Planeten käme mich besuchen und ich würde ihm von meinen Problemen erzählen, wie würde das auf ihn wirken? Vom Standpunkt der Ewigkeit und der Unendlichkeit aus, vom Standpunkt von Milliarden von Sternen und einem Alter der Erde von mehreren Milliarden Jahren, wie wichtig sind da meine momentanen Probleme? Wenn du darüber nachdenkst, wirst du manchmal eine Bewusstseinsweite, eine Herzensöffnung, eine Ehrerbietung, ein Staunen spüren. Manchmal kann schon der Anblick des Sternenhimmels nachts zu einem tiefen Gefühl der Geborgenheit und der Gemütsruhe führen.

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Gemütsruhe durch Altersweisheit und Lebenserfahrung

Oft bringt Altersweisheit auch Gemütsruhe mit sich. Weisheit und Gemütsruhe gehören oft zusammen. Du kannst also zum einen darauf vertrauen, dass du im Lauf der Jahre ruhiger und gelassener werden wirst. Eine weitere Möglichkeit ist: Wenn ich in 10 Jahren auf die heutige Situation zurückblicken würde, wie würde ich sie sehen? Angenommen, ich hätte in 10 Jahren eine größere Gemütsruhe entwickelt, wie würde ich in dieser Situation denken, fühlen, reagieren? Oder denke an jemanden, den du als weisen Menschen ansiehst. Dann kannst du überlegen: Angenommen dieser weise Mensch wäre in der Situation, in der ich mich gerade befinde, wie würde dieser Mensch denken, fühlen, reagieren? Wie wäre die Atmung, die Körperhaltung, die Mimik, die Gestik eines weisen Menschen, der eine gewisse Gemütsruhe kultiviert hat? In dem Moment, in dem du überlegst, wie du als jemand mit Gemütsruhe reagieren würdest, hast du auch eine gewisse Gemütsruhe.

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Gemütsruhe trotz innerer Aufregung

Eine besonders machtvolle Technik für Gemütsruhe ist die Utilarisierung der inneren Aufregung. Angenommen, du spürst in dir eine Aufregung. Dann sage dir: Großartig, dass ich zur Aufregung fähig bin. Toll, dass ich so viel Energie habe. Großartig, dass in all meinen Fasern Kraft und Energie zirkuliert, pulsiert. Egal ob das jetzt Ärger ist, Unruhe, freudige Erwartung, Lampenfieber: Letztlich ist es nur Energie. Interpretiere einfach die Aufgeregtheit als positive Energie. Eventuell ignoriere die Etiketten "Angst, Lampenfieber, Aufgeregtheit, Nervosität, Ärger". Du kannst auch sagen: Man könnte meinen Gemütszustand als Lampenfieber bezeichnen. Ich bezeichne ihn als freudige Erwartung, als Energie, als Lebendigkeit, als starke Kraft. So bist du in tiefer innerer Gemütsruhe - und gleichzeitig voller Lebendigkeit.

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Meditation als Quelle für Gemütsruhe

Meditation ist eine gute Quelle für Gemütsruhe: Mit Meditation kommt man zur Tiefe des eigenen Wesens, jenseits der sprudelnden Gedanken und dem Wechselspiel der Emotionen. Wer durch die Meditation die tiefe innere Ruhe findet, der kann daraus auch Gemütsruhe empfinden.

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Übungen der Gemütsruhe

Die Schöpfung ist großartig, im Kleinen und Großen. Gemütsruhe verhilft dazu, diese Schönheit wahrzunehmen

Man kann es sich zur Aufgabe machen, Gemütsruhe zu entwickeln. Wenn man sagt: Eine Woche lang möchte ich mehr Gemütsruhe entwickeln, der kann die Fähigkeit zur Gemütsruhe sehr gut kultivieren. Viele Tipps und Übungen rund um Gemütsruhe findest du unter dem Hauptstichwort "Gelassenheit". Eine einfache Übung für Gemütsruhe kann sein, sich öfter zu sagen: "Gemütsruhe", "ruhig bleiben". Eine weitere einfache Technik ist, 10 Mal tief mit dem Bauch ein- und auszuatmen. Eine nächste Technik wäre, sich zu sagen: "Ja, es passiert viel. Und es gibt gute Gründe sich aufzuregen. Aber dieses Mal will ich mit tiefer Gemütsruhe reagieren. Aus der Tiefe meines Wesens bekomme ich die Kraft der Gemütsruhe."

Hier zwei Videos für Gemütsruhe bei Lampenfieber und Alltagsärger:

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Gemütsruhe

Eigenschaften im Alphabet nach Gemütsruhe

Literatur

Weblinks

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