Geneigtheit

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Geneigtheit bedeutet eine innere Neigung. Man kann gegenüber einem Menschen Geneigtheit zeigen, also Zuwendung, Freundlichkeit. Man kann aber auch gegenüber einer Sache eine Geneigtheit empfinden, d.h. sie mit Wohlwollen betrachten. Geneigtheit kann auch die Vorform eines Entschlusses sein: Man ist sich noch nicht sicher, aber man neigt dazu, der Variante A den Vorzug zu geben. Geneigtheit ist also meist ein Wort, das eine schwache Ausprägung bedeutet, schwache Form der Zuneigung, schwache Form des Wohlwollens, sanfte Form des Wunsches und Vorform eines Entschlusses.

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Geneigtheit - eine Tugend. Was ist Geneigtheit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Geneigtheit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Geneigtheit ?

Geneigtheit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Geneigtheit ist ein Wort, das heute nicht mehr so häufig gebraucht wird, es zählt dennoch zu den verschiedenen Eigenschaften, die man hat und die man entwickeln kann. Geneigtheit heißt, jemand anderem verbunden sich zu fühlen, heißt, einem anderen das Ohr zu leihen, heißt, den anderen irgendwo gut zu finden und bereit sein, seinen Anliegen zu folgen. Geneigtheit kommt natürlich zunächst mal von "neigen", es kommt von "sein Ohr neigen". Also, z.B. der König, wenn er zu Hof saß und dann kam jemand von der Seite, und wenn der König sich ihm so zugeneigt hat, dann war es ein Zeichen, er ist ihm geneigt.

Also, wenn er ihm seine Geneigtheit schenkt, dann heißt das, er leiht ihm sein Ohr und indem er das macht, gibt er schon so leicht vor, dass er geneigt ist dazu, ihm zu helfen, seinem Anliegen gerecht zu werden. In diesem Sinne hoffst du immer wieder, dass andere dir ihre Geneigtheit schenken. Wann immer du mit jemandem sprichst, etwas von jemandem willst, dann kann er dir geneigt sein und damit ist er auch geneigt, deinem Anliegen zu folgen.

Oder umgekehrt, er kann dir abgewandt sein. Wenn jemand sich von dir abwendet, das heißt auch, er ist deinem Anliegen nicht positiv gegenüber gestimmt. Als Grundsatz kannst du für dein eigenes Leben sagen: "Normalerweise will ich anderen zugeneigt sein. Normalerweise will ich ihnen meine Geneigtheit zeigen. Wenn jemand auf mich zukommt, die erste Reaktion sollte nicht sein, zusammenzucken und zurückgehen und hoffen, sondern die erste Reaktion kann sein, sich dem anderen zuzuneigen."

Indem du dich dem anderen erstmal zuneigst, öffnen sich die Herzen, es entsteht ein gewisses Einfühlungsvermögen, eine gewisse Liebe. Und wenn nichts dagegen spricht, ist normalerweise erstmal gut, die Anliegen des anderen ernst zu nehmen und zu schauen: "Wie kann ich sie umsetzen?" Also, eine solche Geneigtheit als grundpsychische Fähigkeit und als einen gewissen Grundsatz, wie man sein Leben leben kann, ist eine gute Sache. Du kannst jetzt selbst noch etwas nachdenken. Es gibt aber auch manche, die können nicht "nein" sagen, das ist dann auch nicht gut.

Sie haben die Neigung, oder sie sind dazu geneigt, immer "ja" zu sagen, selbst wenn sie es nicht so fühlen. Das ist natürlich auch nicht gut. Das heißt, manchmal muss man auch lernen, "nein" zu sagen. Aber mache das dann nicht zu extrem. Angenommen, du warst bisher ein Mensch, der geneigt war, immer "ja" zu sagen und plötzlich radikalisierst du dich und sagst immer "nein", du schlägst andere vor den Kopf.

Dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn deine bisherigen sozialen Beziehungen, deine Freundschaften, vielleicht sogar deine Beziehung in die Brüche geht. Du magst das für deine wichtige Lektion halten, "nein" zu sagen, du trainierst das, aber andere verstehen dich nicht mehr und wenden sich dann von dir ab. Also, wenn du einer bist, der zu viel "ja" gesagt hat, dann ab und zu mal sage, "nein". Oder vielleicht gerade gegenüber neuen Menschen, die du noch nicht so kennst, sage auch mal "nein".

Aber die grundsätzliche Geneigtheit, erstmal als Grundstimmung auf einen anderen zuzugehen, einem anderen das Ohr zu leihen und erstmal wohlwollend zu schauen, ob man dem Anliegen des anderen gerecht werden kann, vielleicht in kleiner Weise, ist eine gute Grundeigenschaft im Leben. Überlege selbst, wie hältst du es mit der Geneigtheit, wie verstehst du Geneigtheit, oder vielleicht verstehst du auch das Wort nicht, aber wie stehst du dazu, was ich dir jetzt zu diesem Wort gesagt habe?

Geneigtheit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Geneigtheit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Geneigtheit

Ähnliche Eigenschaften wie Geneigtheit, also Synonyme zu Geneigtheit sind z.B. Sympathie, Zuneigung, Wohlwollen.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Geneigtheit übertrieben kann ausarten z.B. in Bestechlichkeit, Vetternwirtschaft. Daher braucht Geneigtheit als Gegenpol die Kultivierung von Gelassenheit, Gerechtigkeitssinn.

Gegenteil von Geneigtheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Geneigtheit, Antonym zu Geneigtheit :

Geneigtheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Geneigtheit

Geneigtheit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Geneigtheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Geneigtheit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Geneigtheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein geneigterer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Geneigtheit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Geneigtheit". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Ich bin geneigt.

Affirmationen zum Thema Geneigtheit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Geneigtheit Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Geneigtheit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin geneigt.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin geneigt. Om Om Om.
  • Ich bin ein Geneigter, eine Geneigte.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Geneigtheit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin geneigt " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Geneigtheit.
  • Ich werde geneigt.
  • Jeden Tag werde ich geneigter.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Geneigtheit.

Dankesaffirmation für Geneigtheit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag geneigter werde.

Wunderaffirmationen Geneigtheit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr geneigt. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Geneigtheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr geneigt zu sein.
  • Ich bin jemand, der geneigt ist.

Gebet für Geneigtheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Geneigtheit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Geneigtheit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein geneigter Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Geneigtheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Geneigtheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Geneigtheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich geneigt werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Geneigtheit.
  • Angenommen, ich will geneigt sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre geneigt, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Geneigtheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als geneigter Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Geneigtheit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Geneigtheit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Geneigtheit

Eigenschaften im Alphabet nach Geneigtheit

Literatur

Weblinks

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