Ernährungsökologie

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Die Ernährungsökologie beschäftigt sich damit, wie eine nachhaltige Ernährung aus einer umfassenden Perspektive heraus gestaltet werden kann. Mit unserer Ernährungsweise beeinflussen wir nicht nur die Gesundheit, sondern lösen auch ökologische, ökonomische und soziale Wirkungen aus. [1]

Gemüse - nicht nur lecker, sondern auch aus ernährungsökologischer Sicht eine gute Wahl

Durch gezieltes Einkaufen und Essen können wir zu einem Ernährungsstil im Sinne des Leitbilds "Nachhaltigkeit" beitragen. Mit einer fleischreichen Kost und konventionell, außerhalb der Region und Saison produzierten Lebensmitteln mit hohem Verarbeitungsgrad werden die global existierenden Problemfelder verstärkt. Umgekehrt können wir mit einer überwiegend pflanzlichen Kost, die ökologisch, regional und saisonal produzierten Lebensmitteln mit geringem Verarbeitungsgrad, die weltweiten Lebensbedingungen positiv beeinflussen.

Die Esskultur erfährt seit den 1950er Jahren einen bedenklichen Wandel. Essen wird immer mehr zur Nebentätigkeit und zum Bestandteil einer "Fremdversorgung" aus langen Handelsketten. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Individuum, sondern auch auf Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Gesundheit - sowohl regional als auch global. Diese Problemfelder sind vernetzt und die Ernährungsökologie ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet, welches die Vernetzungsgebiete untersucht und dadurch einen nachhaltigen Ernährungsstil ableitet.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bezeichnet eine gesellschaftliche Entwicklung, in der die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt werden sollen, ohne die Bedürfnisbefriedigung kommender Generationen zu gefährden.[1]

Forschungsgebiete der Ernährungsökologie

Ökologische Effekte der Ernährung

Massive globale Klimaveränderungen in den nächsten Jahrzehnten zeigen an, dass wir unsere Wirtschaftsweise und unseren Lebensstil dauerhaft nicht aufrechterhalten können.

Auch der ökologische Fußabdruck- ein Maß für die Benutzung der Biosphäre- zeigt, dass die biologisch produktive Fläche mehr ausgenutzt wird als sie ertragen kann. Man kann die Resultate so lesen: Eigentlich wären 1,2 Planeten notwendig, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Ein Fünftel des Energieverbrauchs ist und ein Fünftel der Treibhausemissionen ist auf den Ernährungssektor zurückzuführen. Die Hälfte davon stammt aus der Landwirtschaft, das meiste aus der Produktion tierischer Nahrungsmittel. Die Verpackung und der Transport sowie der einzelne Verbraucher (Heizen, Kühlen, Einkaufsfahrten) sind für weitere Emissionen verantwortlich.[1]

Ökonomische Auswirkungen

11 Prozent aller deutschen Erwerbstätigen arbeiten im Ernährungsbereich. Dieser Wirtschaftszweig, der drittgrößte, ist in einen ruinösen Preiskampf verwickelt.

Es kommt zu einer Rationalisierung und Konzentrierung der Landwirtschaft, der Verarbeitungsbetriebe und des Lebensmittelhandels, kleinere Betriebe gehen zugrunde. 1965 gab es 1,4 Mio. landwirtschaftliche Betriebe, bis heute gingen über eine Mio. dem sogenannten "Hofsterben" zum Opfer. Die Folgen des Preiskampfes sind für Konsumenten ebenso wenig positiv zu sehen, da die Folgen der Billigproduktion auf Steuermittel umgelegt oder auf die nächste Generation abgewälzt werden.

Vor allem global gesehen gibt es gravierende Ungleichheiten. Es werden ausreichend Lebensmittel für alle auf der Welt lebenden Menschen produziert, doch wegen einer extremen Ungleichheit des Welteinkommens sind viele zu arm, um sich diese leisten zu können. Dies wird unterstützt durch unfaire Handelsbeziehungen, da Menschen in armen Ländern keine fairen Preise für Produkte oder Dienstleistungen gewährt werden. Die Mangelernährung und die daraus resultierenden ernährungsabhängigen Krankheiten sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Ein Drittel der Kosten im Gesundheitswesen sind direkt oder indirekt den ernährungsbedingten Krankheiten zuzurechnen. [1]

Gesellschaftliche Zusammenhänge

Durch die globale Industrialisierung nehmen Landflucht und Verstädterung in den Entwicklungsländern stark zu. Die Menschen leben in Slums mit schlechten hygienischen Bedingungen und verlieren ihre soziokulturellen Wurzeln.

Die Menschen in den Industrieländern verzehren vor allem Fastfood und Convenience-Produkte und durch die Vorbildfunktion des Westens ziehen auch in Entwicklungsländern diese Produkte verstärkt in die Esskultur ein, was auch dort die sogenannten Zivilisationskrankheiten verstärkt.

Ein Drittel der Getreideernte wird an Tiere verfüttert, um Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. Diese Umwandlung von pflanzlicher in tierischer Nahrung ist ineffektiv: Für die Erzeugung von 1 kcal tierischer Lebensmittel werden 7 kcal aus pflanzlichen Futtermitteln gebraucht. Dies stellt eine riesige Ressourcenverschwendung dar. Da die Hälfte dieser Futtermittel aus Entwicklungsländern stammt, verdrängen sie die Nahrungserzeugung für die einheimische Bevölkerung.

Das Welternährungsproblem wird also gesellschaftlich gesehen zu einem Verteilungsproblem. [1]

Gesundheitliche Aspekte

Aus Bewegungsarmut, Überernährung, Stress, Rauchen und hohem Alkoholkonsum entstehen viele gesundheitliche Probleme, obwohl die Erhaltung der Gesundheit in Deutschland noch nie gut war wie heute. Die Ursache ist eine übermäßige, unausgewogene und bezüglich der essenziellen Nährstoffe unzureichende Ernährung.

In den Entwicklungsländern leben etwa 840 Mio. Menschen in Hunger und Unterernährung. Täglich sterben 30.00 Kinder an Unterernährung und ihren Folgen.

Es gibt dennoch mehr Übergewichtete als Untergewichtige und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte Übergewicht zur weltweiten Epidemie Nr. 1. [1]

Lösungsaspekte für die Problemfelder

Die Ernährungsökologie leitete daraus sieben "Grundsätze für einen nachhaltigen Ernährungsstil" ab. Sie sind in Folgendem nach ökologischer Priorität geordnet. Es geht der Ernährungsökologie darum, für die ökonomische, ökologische, gesellschaftliche und gesundheitliche Dimension integrierte Lösungsmöglichkeiten anzubieten. [1]

1. Fleischreduktion

  • Umwelt: Mit einer Fleischreduktion oder dem Fleischverzicht kann man am meisten für die Umwelt tun. So könnte man 40 % der Treibhaus-Emissionen des Ernährungssystems verringern.
  • Gesellschaft: Fleischreduktion trägt zu einer gerechteren Verteilung der Ressourcen bei, da die Futtermittelimporte aus Entwicklungsländern und die "Veredelungsverluste", also das ressourcenintensive Umwandeln von pflanzlicher in tierische Nahrung, wegfallen.
  • Gesundheit: Vegetarier weisen nachweislich einen besseren Gesundheitszustand auf. Pflanzliche Kost enthält viele gesunde Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, komplexe Kohlenhydrate und weniger Fett.
  • Wirtschaft: Im Einkauf sind Fleisch und Wurst für den Verbraucher teuer, außer man greift zu minderwertigem Billigfleisch.

2. Bio-Lebensmittel

  • Umwelt: Bio-Lebensmittel belasten die Umwelt weniger, da keine chemisch-synthetischen Pestizide und Mineraldünger eingesetzt werden. Bei der Herstellung dieser Lebensmittel sind der Energieverbrauch und die Treibhausemissionen im Vergleich zur konventionellen Produktion halbiert.
  • Wirtschaft: Fairere Preise bieten dem Bio-Bauern eine bessere Existenzsicherung und es werden durch arbeitsintensivere Vorgänge zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Allerdings gibt es im Bio-Bereich mittlerweile auch einen Preisdruck für die Hersteller.
  • Gesellschaft: Ein Bio-Bauernhof wartet oft mit sozialen und kulturellen Zusatzleistungen auf (z.B. Vernetzung mit Kindergärten, Behinderteneinrichtungen).
  • Gesundheit: In Bio-Lebensmitteln fehlen Rückstände an Pestiziden und Tierarzneimitteln. Sie enthalten oft höhere Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen. Die Unterschiede im Vitamin- und Mineralstoffgehalt sind im Vergleich zu konventionellen Produkten hingegen nicht beträchtlich.
Bio, regional, saisonal ist erste Wahl Copyright

3. Regionale und saisonale Produkte

  • Umwelt: Regionale Produkte haben durch die kürzeren Transportwege einen verminderten Energie- und Rohstoffverbrauch. Transporte mit dem Flugzeug sind extrem umweltschädlich und machen die Vorteile einer ökologischen Erzeugung zunichte.

Der saisonale Anbau spart ebenso Heizöl und CO2-Emissionen, da im Freiland und nicht in beheizten Treibhäusern angebaut wird.

  • Wirtschaft: Regionales Wirtschaften stärkt die kleinen und mittleren Betriebe und schafft dadurch eine bessere Existenzsicherung und partnerschaftliche Netzwerke.
  • Gesellschaft: Die überschaubaren Strukturen schaffen Transparenz und damit Vertrauen, die Gefahr von unerlaubten Praktiken und Lebensmittelskandalen ist gemindert.
  • Gesundheit: Regionale Erzeugnisse reifen auf dem Feld aus und sind dadurch sowohl schmackhafter als gesundheitsfördernder, da sie mehr essenzielle Substanzen enthalten.

4. Frische und gering verarbeitete Lebensmittel

  • Gesundheit: Gering verarbeitete Lebensmittel enthalten mehr essenzielle Inhaltsstoffe und gesundheitsfördernde Substanzen. Man kann zudem die unerwünschte Aufnahme von Zusatzstoffen vermeiden.
  • Umwelt: Der Schadstoffausstoß wird gesenkt, da die Transportaufkommen bei gering verarbeiteten Lebensmitteln wesentlich geringer sind.
  • Gesellschaft: Es fördert die sinnliche Wahrnehmung der Lebensmittel und das gemeinschaftliche Kochen als soziales Erlebnis.
  • Wirtschaft: Grundnahrungsmittel sind in der Regel preiswerter und haben so auch einen ökonomischen Vorteil für Verbraucher.

5. Hüllenlos oder umweltverträglich verpackt

  • Umwelt: Abfallmengen werden reduziert, was zu geringerem Energieverbrauch beiträgt. Dies ist bei Grundnahrungsmitteln am ehesten gegeben, da auch die Transportverpackungen zwischen den einzelnen Produktionsstufen entfallen.

6. Fairer Handel Um dem Ziel der Chancengleichheit für alle Menschen näher zu kommen, ist eine sozialverträgliche Nahrungsversorgung unverzichtbar.

  • Wirtschaft: Der Faire Handel bietet den Produzenten einen Fairen Preis an, der deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. Es gibt langfristige Pläne über Abnahmemengen zur Planungssicherheit, Vorauszahlungen ermöglichen Investitionen.
  • Gesellschaft: Soziale Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser werden gefördert, Kinderarbeit ist garantiert ausgeschlossen.
  • Gesundheit: Die zahlreichen Schutzauflagen verhindern die Pestizidvergiftungen der Arbeiter.

7. Genussvoll und bekömmlich

Der Genuss darf nicht zu kurz kommen, da Spaß und Lebensfreude bei der Ernährung Voraussetzungen sind für eine dauerhafte Umstellung der täglichen Essgewohnheiten. Dies steht nicht im Gegensatz zu den ökologischen, ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Dimensionen, da es sicherlich noch viele neue Geschmackserlebnisse zu entdecken gibt.

Fazit der Ernährungsökologie

Bio-Lebensmittel und fair gehandelte Produkte sind dem Verbraucher oft zu teuer, doch hier gilt es, einen anderen Blickwinkel zu kultivieren. Konventionelle Nahrungsmittel sind zu billig, um wahr zu sein. Der enorme Einsatz an Technik, chemisch-synthetischen Düngern und Pestiziden ist der Preis, die Folgen für Umwelt und Gesellschaft beträchtlich.

Öko-Bauern hingegen entlassen nur die Hälfte der Treibhausgase in die Atmosphäre. Den Menschen in Entwicklungsländern ist durch faire Preise geholfen. Billige Massenproduktionen und daraus entstehende Lebensmittelskandale werden vermieden.

Oft ist die Ernährungsumstellung nach ernährungsökologischen Gesichtspunkten langfristig gesehen nicht teurer. Fleisch, außerhalb der Saison gekauftes Obst und Gemüse und Fertigprodukte sowie ungesunde Genussmittel (Süßigkeiten, Zigaretten) entfallen und machen auch finanziell Raum für pflanzliche und regionale Grundnahrungsmittel in Bio-Qualität. Eigene Zubereitung statt Fertigprodukten und Restaurant-Besuchen, größere Abnahmemengen (Vorratshaltung) und geeignete Einkaufsquellen (Direktbezug vom Landwirt) können die Ernährung kostengünstiger machen.

Das Wissen um den ernährungsökologischen Mehrwert der Ernährung, mit dem entsprechenden Handeln verbunden, ist ein großer persönlicher Gewinn und eine lohnende Investition in die Zukunft. [1]

Siehe auch

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Ernährung nach den vier Dimensionen. Ernährung& Medizin 2006; 21: 178-185.

Weblinks

Literatur

Seminare

Kochseminare und Ausbildungen

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