Regelmäßigkeit

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Regelmäßigkeit ist die Befähigung, etwas regelmäßig zu tun. Regelmäßigkeit ist etwas, das zu bestimmten Zeiten wiederkehrt, z.B. die Abfahrt eines Zuges und die Post kommen mit großer Regelmäßigkeit.

Kreuzbeiniger Sitz

Der Ausdruck Regelmäßigkeit wird auch als Fähigkeit eines Menschen verwendet. Wer große Regelmäßigkeit besitzt, der erledigt Dinge immer zur gleichen Zeit, man kann auf ihn bauen, er ist verlässlich. Allerdings kann zu viel Regelmäßigkeit auch die Spontanität und die Fähigkeit auf geänderte Situationen klug zu reagieren einschränken.

Regelmäßigkeit - eine Tugend. Was ist Regelmäßigkeit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Regelmäßigkeit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Regelmäßigkeit ?

Regelmäßigkeit in der Praxis von Hatha Yoga

Zu Beginn der Yogapraxis werden die Übungen und Stellungen vermutlich eher körperlich wirken. Mit fortschreitender Praxis spürst du zunehmend das Fließen von Prana, oder Lebensenergie und die Bedeutung einer tieferen Atmung und Entspannung.

Sei nicht entmutigt, wenn der Fortschritt anfangs langsam erscheint und deine Stellungen, oder Asanas, wenig Ähnlichkeit mit den Abbildungen haben. Regelmäßige Praxis und eine positive Einstellung werden diese Kluft beständig verkleinern. Dabei gilt vor allem: Erzwinge nichts und versuche bitte niemals, gewaltsam in eine Stellung zu gelangen. Man macht nur dann Fortschritte, wenn die Muskeln immer wieder entspannt werden.

Regelmäßigkeit der Meditation

Swami Sivananda, Yoga Meister und indischer Heiliger (1887-1963) schrieb zum Thema Regelmäßigkeit in der Meditation:

Bei jeder geistigen Übung -japa, asana, konkrete Meditation über ein bestimmtes Bild (saguna-murti) oder Atemkontrolle (pranayama) - muß man systematisch und regelmäßig vorgehen. Dann ist der Erfolg sicher und ewiges Leben(amritatva) das Ergebnis. Wenn alle Wünsche sich auflösen, wird Selbstverwirklichung (nitya-tripti) erlangt. Es ist immer wieder notwendig zu meditieren, sich zu konzentrieren und nicht aus Trägheit, dem ärgsten Feind des Schülers (sadhaka), einen einzigen Tag zu verlieren. Das Leben ist kurz, die Zeit entflieht, und viele Hindernisse sind auf dem geistigen Pfad durch Übung und Gebet zu überwinden. Wer ernsthaft seine Übungen verrichtet, wird die verschiedensten Hilfen erhalten, sowohl im Innen wie im Außen. Auf der astralen Ebene sind es die Hilfen der lebenden »Befreiten« (Jivanmuktas), die über alle Teile der Welt verstreut sind, und der Unsterblichen (amara-purushas), wie sri vyasa, vasishta, kaila, muni, dattatreya, agastya muni. Will man beschleunigt zur Selbstverwirklichung gelangen, sollte man systematisch und regelmäßig viermal am Tag meditieren, ebenso wie man viermal am Tag Nahrung zu sich nimmt.

Wie Hanf, Indigo, Opium oder Alkohol selbst bei geringstem Quantum für einige Zeit berauschen, so wird auch der Gottes-Rausch, das Ergebnis regelmäßiger Meditation, mag sie auch nur eine halbe Stunde dauern, einige Stunden anhalten, wenn die Meditation regelmäßig erfolgt. Das Entwickeln göttlicher (sattva) Fähigkeiten durch Meditation prägt einen geistigen Weg in das Bewußtsein ein. Nur wenn es an Regelmäßigkeit fehlt, wenn die innere Ruhe gestört wird, wenn man sorglos und unachtsam ist, wird der geistige Pfad immer wieder durch die Fluten unreiner Gedanken und schlechter Keime des Unbewußten (vasanas) zerstört. Durch Meditation, japa, kirtana, pranayama oder Innenschau werden weltliche Gedanken, Wünsche und Vasanas unterdrückt. Wird die Meditation jedoch nicht regelmäßig geübt, geht die innere Ausgeglichenheit verloren, und die Begierden suchen sich wieder gewaltsam durchzusetzen. Deshalb sind Ausdauer, strenge geistige Disziplin und eine starke innere Ausgeglichenheit notwendig. So werden die Begierden schwächer und schwächer, bis sie völlig vernichtet sind.

Regelmäßigkeit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Regelmäßigkeit ist natürlich nicht nur eine Tugend, sondern letztlich hat die ganze Welt eine gewisse Regelmäßigkeit. Auf Sommer folgt Winter, auf Winter folgt Sommer, auf Tag folgt Nacht, auf Nacht folgt Tag, die Erde kreist um die Sonne, der Mond kreist um die Erde und so gibt es viele Regelmäßigkeiten.

Es gibt Regelmäßigkeiten in deinem Organismus. Zu bestimmten Zeiten willst du vielleicht schlafen, zu bestimmten Zeiten aufwachen, du willst bestimmte Nahrungsmittel, du willst die Mahlzeiten haben, du putzt deine Zähne usw. Das ist eine gewisse Regelmäßigkeit. Der Mensch braucht gewisse Regelmäßigkeit, das braucht der Organismus.

Manche Menschen sind vielleicht aus guten Gründen gezwungen zu Schichtarbeit, das führt zu einer gewissen Unregelmäßigkeit. Diese Unregelmäßigkeit ist eine Belastung, ist eine Belastung für den Körper und die Psyche. Der Mensch kann das durchaus aushalten, aber es gilt dann, auf andere Weise eine Regelmäßigkeit zu haben und auf sich selbst Rücksicht zu nehmen.

Regelmäßigkeit ist bei vielem wichtig. Regelmäßigkeit kann z.B. im Privaten heißen, dass du zu regelmäßigen Zeiten isst, dass du sagst: "Um die Uhrzeit habe ich Frühstück, um die Zeit Mittagessen, um die Zeit Abendessen. Und zu anderen Zeiten esse ich typischerweise nicht." Regelmäßigkeit würde idealerweise heißen, du gehst zu festen Uhrzeiten schlafen und wachst wieder auf, das hilft der Gesundheit.

Wenn du Schichtarbeit hast, dann ist es durchaus gut, dass du darin auch eine Regelmäßigkeit hast. Du sagst: "Wenn ich Frühschicht habe, dann wache ich dann auf und gehe dann schlafen, esse zu den Zeiten. Und wenn ich Spätschicht habe, dann mache ich es auf die Weise." So hast du eine Regelmäßigkeit.

Regelmäßigkeit ist natürlich auch hilfreich, wenn du auf dem spirituellen Weg bist und deine Yoga-Übungen machst. Es ist gut, Regelmäßigkeit zu haben in deinen Yoga-Übungen. Z.B. kannst du sagen: "Einmal die Woche gehe ich in die Yogastunde und ansonsten übe ich jeden Tag die und die Übungen, um die und die Zeit. Und ich meditiere zu der und der Zeit."

Diese Regelmäßigkeit, wenn du sie einmal hast, fällt es dir leicht, sie durchzuhalten. Wenn du jeden Tag bei allem überlegen musst, was du tust, dann ist es ausgesprochen schwierig für dich, wie auch für andere. Der Mensch lebt in Gruppen und mit anderen zusammen. Es braucht auch eine Verlässlichkeit, Menschen hilft es, wenn sie wissen, woran sie an dir sind.

Wenn du einen Partner hast und du übst Yoga und dein Partner nicht, hilft es, wenn dein Partner weiß: "Jeden Montagabend ist mein Liebling im Yoga-Unterricht und jeden Morgen macht er, oder sie eine Dreiviertelstunde, oder eine Stunde seine Yoga-Übungen zu dem und dem Zeitpunkt."

Da können sich alle darauf einstimmen. Wenn du es aber mal machst und mal nicht machst, dann ist es zum einen für deinen Organismus nicht so einfach, dann du wirst es relativ häufig nicht machen, und für deine Mitmenschen ist es auch schwer. So ist Regelmäßigkeit wichtig.

Überlege selbst, hast du eine Regelmäßigkeit? Bist du ausreichend regelmäßig in deinen Yoga-Praktiken, ausreichend regelmäßig in deiner Meditation? Regelmäßigkeit, hast du sie vielleicht auch im Lesen dieser Vorträge, hast du eine Regelmäßigkeit im Lesen von spirituellen Büchern? Hast du eine Regelmäßigkeit im uneigennützigen Dienen und wann du Dinge tust für andere?

Überlege und schaue, kannst du etwas mehr Regelmäßigkeit in dein Leben hineinbringen? Aber umgekehrt, bei aller Regelmäßigkeit, gibt es auch Raum für Spontanität, gibt es Raum für Intuition, gibt es Raum für Mitgefühl und für Liebe und Herzlichkeit? Regelmäßigkeit kann den Raum schaffen für anderes, aber sollte nicht im Weg stehen der Herzlichkeit, der Intuition und der Liebe gegenüber.

Regelmäßigkeit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Regelmäßigkeit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Regelmäßigkeit

Ähnliche Eigenschaften wie Regelmäßigkeit, also Synonyme zu Regelmäßigkeit sind z.B. Pünktlichkeit, Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit, Disziplin.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Regelmäßigkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Zwanghaftigkeit. Daher braucht Regelmäßigkeit als Gegenpol die Kultivierung von Spontanität, Authentizität, Lössigkeit, Natürlichkeit.

Gegenteil von Regelmäßigkeit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Regelmäßigkeit, Antonym zu Regelmäßigkeit :

Regelmäßigkeit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Regelmäßigkeit

Regelmäßigkeit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Regelmäßigkeit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Regelmäßigkeit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Regelmäßigkeit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein regelmäßigerer Mensch zu sein.
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Regelmäßigkeit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Regelmäßigkeit ". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Ich bin regelmäßig.

Affirmationen zum Thema Regelmäßigkeit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Regelmäßigkeit . Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Regelmäßigkeit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin regelmäßig.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin regelmäßig. Om Om Om.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Regelmäßigkeit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin regelmäßig " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Regelmäßigkeit.
  • Ich werde regelmäßig.
  • Jeden Tag werde ich regelmäßiger.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Regelmäßigkeit.

Dankesaffirmation für Regelmäßigkeit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag regelmäßiger werde.

Wunderaffirmationen Regelmäßigkeit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr regelmäßig. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Regelmäßigkeit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr regelmäßig zu sein.
  • Ich bin jemand, der regelmäßig ist.

Gebet für Regelmäßigkeit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Regelmäßigkeit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Regelmäßigkeit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein regelmäßiger Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Regelmäßigkeit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Regelmäßigkeit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Regelmäßigkeit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich regelmäßig werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Regelmäßigkeit.
  • Angenommen, ich will regelmäßig sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre regelmäßig, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Regelmäßigkeit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als regelmäßiger Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Regelmäßigkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Regelmäßigkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden.

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Regelmäßigkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Regelmäßigkeit

Literatur

Literatur

Weblinks

Seminare

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