Ashtavakra Gita

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Die Ashtavakra Gita ist ein Dialog zwischen Lehrer und Schüler

Die Ashtavakra Gita, (Sanskrit Devanagari: अष्टावक्रगीता; IAST: aṣṭāvakragītā), ist eine Heilige Schrift des Vedanta bzw. des Jnana Yoga, des Yogas des Wissens. Die Ashtavakra Gita ist ein Dialog zwischen dem Weisen Ashtavakra und König Janaka. Die Ashtavakra Gita ist ein recht gründlich vorgehender Advaita Text. Die Ashtavakra Gita ähnelt in vielerlei Hinsicht der Avadhuta Gita. Es handelt sich bei der Ashtavakra Gita nicht um eine intellektuelle, sondern intuitiv inspirierte Abhandlung. Indologen gehen davon aus, dass die Ashtavakra Gita kurz nach der Bhagavad Gita geschrieben wurde, also um 500-400 v.Chr.

Bedeutung der Ashtavakra Gita

Die Ashtavakra Gita isteiner der wichtigsten Texte des Advaita Vedanta. Die Ashtavakra Gita wird häufig zitiert auch von modernen Vedanta Meistern wie Ramakrishna, Vivekananda, Swami Chinmayananda, Sri Sri Ravi Shankar, Radhakrishnan.

Swami Sivananda über die Essenz der Ashtavakra Gita

Swami Sivananda schreibt in seinem Buch Sarva Gita Sara [1] über die Essenz der Ashtavakra Gita: Das Ziel des Lebens besteht in der Verwirklichung der Wahrheit bzw. des Brahman. Nur der Jivanmukta allein ist die wahrhaft gesegnete Person. Bindung entsteht aus Unwissenheit – durch die Austilgung dieser Unwissenheit entsteht die Befreiung aus der irdischen Knechtschaft. Die absolute Freiheit ist die eigentliche Essenz des Selbst. Es ist das Auftauchen einer zweiten Wesenheit nebem dem Selbst, die zur Ursache allen Kummers und aller Sorgen wird. Die völlige Loslösung von allen Anhaftungen ist das einzige Allheilmittel gegen diesen Samsara, den Kreislauf von Geburt und Tod. Das Ziel aller Bemühungen ist das vollkommene Einsinken und die vollkommene Auflösung des persönlichen Selbst im Reinen Sein. Darin besteht der Gipfel der Vollkommenheit und der Seligkeit. Darin besteht der Kern der Ashtavakra Gita. [2]

Charaktere in der Ashtavakra Gita

Die Ashtavakra Gita ist geschrieben als Dialog zwischen dem Guru und Yoga Meister Ashtavakra und dem Schüler Janaka:

  • Ashtavakra, wörtlich "achtfach gekrümmt", ist ein selbstverwirklichter Heiliger und Weiser, der auch in der Mahabharata beschrieben wird. Anscheinend war Ashtavakra körperlich verunstaltet oder schwerbehindert. Dass ein solcher Mensch die höchste Verwirklichung erreicht hat und von einem König als Guru akzeptiert wird, soll symbolisieren, dass die höchste Verwirklichung nicht abhängt von Gesundheit/Krankheit des Körpers und auch nicht notwendigerweise zu einer Transformation des Körpers führen muss. Der Körper ist zwar der Tempel - aber die Gottheit kann im Tempel wahrnehmbar sein unabhängig von der Form des Tempels. Der Körper mag seine Beschwerden haben - das Selbst, der Atman, ist frei davon.
  • Janaka ist der König von Mithila bzw. Videha. Er gilt als Vater von Sita. Janaka hatte zwei Gurus: Ashtavakra und Yajnavalkya. Janaka wird beschrieben in der Mahabharata, in der Ramayana und in der Brihadaranyaka Upanishad. Janaka gilt als Beispiel eines Aspiranten, der im Luxus eines erfolgreichen Lebens verhaftungslos bleibt und das höchste Selbst verwirklicht.

Die zwanzig Kapitel der Ashtavakra Gita

Die Ashtavakra Gita hat zwanzig Kapitel:

  1. Sakshi - Das Selbst als der Beobachter
  2. Ashcharyam - Das Wunder des Selbst als unendlich und jenseits der Natur
  3. Atmadvaita - Das Selbst in allem und das All im Selbst
  4. Sarvamatma - Der Kenner und der Nichtkenner des Selbst
  5. Laya - Stufen der Auflösung des Bewusstseins
  6. Prakriteh Parah - Die Irrelevanz der Auflösung des Bewusstseins
  7. Shanta - Die Stille des Ozeans des Bewusstseins, des Höchsten Selbst
  8. Moksha - Bindung und Befreiung
  9. Nirveda - Gleichmut
  10. Vairagya - Entsagung, Verhaftungslosigkeit
  11. Chidrupa - Das Selbst als reines, unendliches Bewusstsein
  12. Svabhava - Erfahrung der wahren Natur durch Meditation
  13. Yathasukham - Transzendente Wonne
  14. Ishvara - Die Natürliche Auflösung des Geistes; Gott
  15. Tattvam - Das Wesentliche: Das ungeborene Selbst, Brahman
  16. Svasthya - Das Ruhen in sich selbst durch Lösung von der scheinbaren Welt
  17. Kaivalya - Befreiung durch die Erkenntnis der Alleinheit des Selbst
  18. Jivanmukti - Der lebendig Befreite - Samadhi
  19. Svamahima - Die Großartigkeit des Selbst
  20. Akinchanabhava - Die Transzendenz des Selbst

Die wichtigsten Verse der Ashtavakra Gita

Swami Sivananda erachtete die folgenden Verse als die wichtigsten der Ashtavakra Gita und schloss sie deshalb ein in seinem Werk Sarvagita Sara.

I-2 Wenn du Befreiung suchst, liebes Kind, dann meide alle Objekte wie Gift. Nimm Zuflucht zur Vergebung, zur Ernsthaftigkeit, zum Mitgefühl, zur Zufriedenheit und zur Wahrhaftigkeit, so wie du Nektar suchen würdest als Erquickung.

I-3 Du bist weder Erde noch Wasser, weder Feuer, Luft noch Raum. Erkenne zum Zweck deiner Befreiung das Selbst, welches reines Bewusstsein ist, als den Zeugen von all diesem.

I-4 Wenn du die Identifizierung mit dem Körper aufgibst und im Geist ruhst, ist dies der Moment, wo du glücklich, friedvoll und befreit von Bindung sein kannst.

I-6 Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Freude und Schmerz gehören zum Intellekt, aber nicht zu dir. Oh du alldurchdringender Einer! Du bist weder der Handelnde noch der Genießer – du bist auf immer im Zustand der Befreiung.

I-7 Du bist der eine Seher von allem, du bist immer frei. Deine einzige Bindung besteht darin, dass du den Seher als getrenntes Wesen ansiehst.

I-8 Du wurdest von der großen schwarzen Schlange des egoistischen Empfindens, von „Ich bin der Handelnde“ gebissen – nehme ein Gegengift, indem du den Ambrosia des Vertrauens trinkst „Ich bin nicht der Handelnde“ und sei glücklich.

I-9 Verbrenne den Wald der Unwissenheit mit dem Feuer der Überzeugung: „Ich bin das eine, reine Bewusstsein“. Befreie dich so vom Kummer und sei glücklich.

I-10 Wie auch immer dieses Universum erscheint, so wie ein Seil, das für eine Schlange gehalten wird, bist du stets nur diese Bewusstseins-Seligkeit, die höchste Seligkeit! Lebe glücklich!

I-11 Wer denkt, er sei frei, ist in der Tat frei. Wer denkt, er sei gebunden, ist in der Tat gebunden! „Du wirst zu dem, was du denkst“ ist tatsächlich ein wahrer Ausspruch.

I-12 Der Atman ist der Zeuge, allgegenwärtig, die Fülle, der Eine, frei, Bewusstsein, nicht-handelnd, (verhaftungslos), wunschlos und friedvoll – aber durch Täuschung erscheint er als von dieser Welt.

I-13 Erkenne, daß das Selbst unbeweglich ist. Es ist Bewusstsein und nondual, indem du die falsche Sicht eines Innen und Außen sowie die Täuschung „Ich bin eine Widerspiegelung“ (d.h. ein Individuum, ein getrenntes Wesen), aufgibst.

I-14 Oh liebes Kind! So lange schon warst du mit dem Seil der Überzeugung gebunden „Ich bin der Körper“. Durchtrenne es mit dem Schwert der Weisheit: „Ich bin Bewusstsein“, und sei glücklich.

I-15 Du bist unverhaftet, nicht-handelnd, selbststrahlend und unbefleckt – deine Bindung besteht darin, dass du Samadhi praktizierst.

I-16 Du durchdringst das Universum und tatsächlich befindet es sich in dir. Du selbst bist die Form der Reinheit und des Bewusstseins – sei nicht so kleingeistig!

I-17 Du bist wunschlos, unwandelbar, ohne Pflichten, frei von Leidenschaften, unergründliches Bewusstsein, unberührt – strebe daher nach Bewusstsein und nach nichts anderem.

I-18 Wisse, dass das, was Form besitzt, unwirklich, und dass das Formlose wandellos ist. Nach der Unterweisung in der Wahrheit gibt es keine Rückkehr mehr in den Samsara.

I-20 Der eine, allgegenwärtige Raum befindet sich außerhalb wie innerhalb des Kruges – auf dieselbe Weise existiert das ewige, unteilbare Brahman in der Vielzahl der Wesen.

II-4 So wie Wellen, Schaum und Blasen sich nicht von Wasser unterscheiden, so ist das durch das Selbst ausgedrückte Universum nicht verschieden von diesen.

II-5 So wie eine sorgfältige Untersuchung ergibt, dass ein Tuch aus nichts anderem als Fäden besteht, so wird dieses Universum, wenn es gründlich erforscht wird, als nichts anderes als das Sein des Atman erkannt.

II-7 Diese Welt erscheint aufgrund der Unwissenheit über das Selbst – sie erscheint nicht, wenn Selbsterkenntnis vorhanden ist. Die Schlange erscheint aufgrund der Unkenntnis anstatt des Seils – wird das Seil erkannt, verschwindet die Schlange.

II-8 Glanz ist meine wahre Form – Ich bin nichts anderes als das. Wenn sich das Universum selbst manifestiert, bin nur Ich allein es, der als dieses leuchtet.

II-10 Das Universum, welches aus mir selbst hervorgegangen ist, wird sich in mir allein wieder auflösen – so wie ein Topf sich wieder in Erde, Wellen in Wasser und ein Schmuckstück in Gold auflösen wird.

II-11 Wie wunderbar bin Ich! Ich verehre mich selbst; - nie kann ich zerstört werden. Selbst wenn das Universum von Brahman bis zum letzten Grashalm zerstört würde – existiere Ich.

II-12 Wie wunderbar bin Ich! Ich verehre mich selbst; - obwohl da ein Körper ist, bin Ich nur der Eine. Ich komme noch gehe Ich an einen Ort. Ich existiere, indem Ich das gesamte Universum durchdringe.

II-13 Wie wunderbar bin Ich! Ich verehre mich selbst; - mir kommt keiner gleich. Ohne den Körper zu berühren, trage Ich auf ewig das Universum.

II-16 Oh, wahrlich wurzelt aller Kummer in der Dualität. Es gibt kein anderes Heilmittel dafür, außer der Erkenntnis, dass dieses sichtbare Universum unwirklich ist und Ich allein die reine Essenz des Bewusstseins bin.

II-20 Körper, Himmel und Hölle, Bindung und Befreiung, Furcht – all dies sind bloße Einbildungen. Was habe Ich, der Ich reines Bewusstsein bin, damit zu schaffen?

II-21 Oh, auch in der Menge der Menschen erblicke ich keine Dualität. All dies ist nur wie eine Illusion – wer bin ich, dass ich mich an etwas binden sollte?

II-23 Oh, in Mir dem großen, unendlichen Ozean, tauchen diese wunderbaren Wellen aller Universen auf, sobald der Wind des Geistes weht.

II-25 Oh Wunder! In Mir, dem unendlichen, großen Ozean, tauchen die Wellen der Jivas auf, stürzen übereinander; spielen darin (für kurze Zeit), und gehen entsprechend ihrer Natur wieder darin unter.

III-2 Ah! Aufgrund der Unwissenheit über das Selbst entsteht die Liebe zu den Objekten der getäuschten Wahrnehmung, so wie aufgrund der Unwissenheit über die Natur der Perlmutter die Gier nach dem illusorischen Silber entsteht.

III-3 Erkenne dich selbst als Das zu sein, wo Welten wie Wellen im Ozean aneinander schlagen – weshalb läufst du wie ein elendes Wesen umher?

III-4 Wie kann es sein, dass jemand, der gehört hat, dass das Selbst reines Bewusstsein und von außerordentlicher Herrlichkeit ist, noch von der Lust auf Frauen verunreinigt wird

III-7 Wissend, dass Leidenschaft der schlimmste Feind der Weisheit ist, so ist es erstaunlich, dass sogar der, der schwach geworden ist und das Ende seiner Tage nahen sieht, noch dem Vergnügen der Wollust nachjagt.

III-9 Der Held dagegen, ob man für ihn immer Festlichkeiten gibt oder ob er immer gequält wird, jauchzt weder noch ist er zornig, denn er sieht stets nur das Eine, absolute Selbst.

III-11 Was könnte den kühn Denkenden, der dieses Universum als bloße Illusion betrachtet und alle Neugierde verloren hat, wohl in Furcht versetzen – selbst wenn der Tod ihm nahen sollte?

III-12 Wem ist diese große Seele gleich, die sogar in der Enttäuschung wunschlos bleibt und zufrieden durch Selbsterkenntnis ist?

IV-4 Wer könnte ihn davon abhalten, so zu leben wie er möchte; – wer ist diese große Seele, die erkannt hat, dass diese ganze Welt nichts als das Selbst ist?

IV-6 Derjenige, der weiß, dass das non-duale Selbst die Quelle des ganzen Universums ist, der handelt so wie er denkt, empfindet keinerlei Furcht.

V-1 Löse dich selbst in dem Wissen auf, dass du unverhaftet bist; dass du, der Reine, keiner Sache zu entsagen hast, indem du die gesamte Verkörperung (Körper und Geist) auflöst.

V-2 Löse dich selbst in dem Wissen auf, dass das Universum wie Luftblasen im Ozean in dir aufsteigt und nur der Atman allein existiert.

V-3 Löse dich selbst in dem Wissen auf, dass das Universum, obgleich sichtbar, nicht in dir, dem Reinen, existiert, da es eine Nicht-Wesenheit ist und einfach nur wie das Seil als Schlange auftaucht.

V-4 Löse dich selbst in dem Wissen auf, dass du in Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschung, Leben und Tod derselbe bist und auf immer derselbe bleibst.

VI-1 Ich bin unendlich wie der Raum, diese Welt ist wie der Tonkrug nur ein Phänomen – das ist Weisheit. Dies muss weder zurückgewiesen noch akzeptiert oder zerstört werden.

VI-4 Ich bin in allen Wesen, alle Wesen sind in Mir – dies muss weder zurückgewiesen noch akzeptiert oder zerstört werden.

VII-2 Lass die Wellen des Universums in Mir, dem unendlichen großen Ozean, steigen oder fallen – dadurch werde Ich weder kleiner noch größer.

VII-5 Oh, wahrhaftig bin Ich nichts als reines Bewusstsein – diese Welt ist nur ein Taschenspielertrick! Wie und wo könnte es daher ein Zurückweisen, ein Akzeptieren oder überhaupt so eine Vorstellung in Mir geben?

VIII-1 Bindung entsteht, sobald der Geist nach etwas verlangt, um etwas trauert, etwas zurückweist, etwas akzeptiert, sich über etwas erfreut und ärgerlich über etwas wird.

VIII-2 Die Befreiung ist da, wenn der Geist weder verlangt, trauert, zurückweist, akzeptiert, sich erfreut noch ärgerlich wird.

VIII-4 Befreiung ist da, wenn es kein „Ich“ gibt. Bindung ist da, wenn es ein „Ich“ gibt. Wisse dies und akzeptiere nichts und weise nichts zurück.

IX-2 Selten ist diese gesegnete Person, oh liebes Kind, die ihre Wünsche nach Leben, nach Vergnügen und Wissen durch Betrachten der törichten Welt ausgelöscht hat.

IX-3 Ein weiser Mensch wird still, sobald er erkennt, dass all dies hier vergänglich, von Gebrechen bedroht (körperlichen, weltlichen und himmlischen), unwesentlich, unbedeutend und nicht von Wert ist.

IX-8 Wünsche sind gleichbedeutend mit Samsara – gib daher alle Wünsche auf. Die Austilgung des Samsara geschieht durch Entsagung der Wünsche – dann lebe, wie es dir gefällt.

X-2 Betrachte Freunde, Besitz, Wohlstand, Häuser, Gattinnen, Angehörige und aller Art Besitztümer wie bloße Träume oder Kunststücke eines Taschenspielers, die nur kurze Zeit andauern.

X-5 Du bist das eine, reine Bewusstsein, das Universum ist leblos und irreal, auch Unwissenheit gibt es nicht – wie kann es dann noch in dir einen Wunsch nach Wissen geben?

X-6 An Königreiche, Söhne, Gattinnen, Körper und Vergnügen warst du angehaftet, und doch hast du dies alles nach jeder Geburt wieder und wieder verloren.

X-7 Fort mit all dem Wohlstand, den Wünschen und den tugendhaften Taten – in der Einöde des Samsara vermag der Geist in all diesen Dingen doch keinen Frieden finden.

X-8 In wie vielen Geburten hast du doch mit Körper, Verstand und Rede so schwere und mühevolle Arbeit geleistet! Sehe nun wenigstens einmal von Handlungen ab.

XII-6 Die Ausübung von Handlung ist Unwissenheit – die Entsagung aller Handlung ist ebenfalls Unwissenheit. Da ich diese Wahrheit vollkommen verinnerlicht habe, bleibe ich ihr treu.

XIII-1 Der beständige Friede, der durch Entsagung entsteht, kann auch nicht dadurch gewonnen werden, dass einer alles außer einem einzigen Kaupeena (Lendentuch) aufgibt. Indem ich daher sowohl Entsagung als auch Erwerben aufgebe, lebe ich glücklich.

XIII-2 Der Körper macht immer wieder Schwierigkeiten, die Zunge erzeugt immer wieder Unannehmlichkeiten, der Geist ersinnt immer wieder Probleme. Indem ich all dem entsage, habe ich mich selbst im höchsten Ziel des spirituellen Strebens verankert.

XIII-4 Die Yogis, die dem Körper verhaftet sind, bestehen auf Handlung und Untätigkeit. Da ich weder Vereinigung noch Trennung kenne, lebe ich glücklich.

XIV-4 Die verschiedenen Verhaltensweisen desjenigen, der im Innern frei vom Denken ist, sich aber wie eine verwirrte Person, so wie es ihm gefällt, nach außen zeigt, kann nur von denjenigen verstanden werden, die sind wie er.

XV-1 Ein Mensch mit reinem Intellekt erreicht sein Ziel sogar ohne ausdrückliche Belehrungen (durch andere), während andere selbst nach lebenslangem Studium immer noch verwirrt sind.

XV-2 Leidenschaftslosigkeit gegenüber Objekten bedeutet Freiheit – Leidenschaft für Dinge bedeutet Bindung. Darin besteht die Erkenntnis. Tue nun, was dir gefällt.

XV-3 Diese Erkenntnis der Wahrheit macht eine beredsame, intelligente und äußerst aktive Person stumm, eingeschränkt und inaktiv. Daher wird sie (die Erkenntnis) von denjenigen zurückgewiesen, die nach weltlichen Vergnügungen suchen.

XV-4 Du bist nicht der Körper und der Körper ist nicht dein; du bist weder der Genießer noch der Handelnde; du bist die Form des reinen Bewusstseins; du bist auf immer der Zeuge und wunschlos. Lebe glücklich!

XV-5 Verhaftung und Hass gehören zum Dharma (Natur) des Geistes. Der Geist ist niemals du selbst; du bist frei von Gedanken und unwandelbar; du bist das Wesen des reinen Bewusstseins. Lebe glücklich!

XV-7 Oh du Form des Bewusstseins! Du bist in der Tat das, worin dieses Universum wie Wellen im Ozean erscheint – es gibt keinerlei Zweifel darüber. Mögest du frei von Fieber sein!

XV-8 Habe Vertrauen, oh liebes Kind, habe Vertrauen! Verfalle nicht in diese Selbsttäuschung. Du bist der Herr, du bist die Form der Erkenntnis, du bist der Atman, du bist jenseits der Prakriti.

XV-14 Was immer du auch wahrnimmst, du nimmst darin niemals etwas anderes als dich selbst wahr. Sind denn Schmuckstücke, Armreifen und Fußkettchen verschieden vom Gold?

XV-15 Gib diese Unterscheidungen zwischen „dies bin ich, dies bin ich nicht“ auf, betrachte alles als das Selbst (Atman), sei frei vom Denken und sei glücklich!

XV-16 Dieses Universum existiert gänzlich nur aufgrund deiner Unwissenheit. Tatsächlich bist du allein der einzig Existierende. Außer dir gibt es hier wirklich niemanden, der an Samsara gebunden oder nicht gebunden wäre.

XV-20 Gib auch die Meditation vollständig auf, denke über nichts mehr nach – du bist bereits das freie Selbst. Was hoffst du durch Nachdenken zu erreichen?

XVI-1 Oh liebes Kind! Du magst die verschiedensten Schriften auf vielfältigste Weise erörtern oder anhören, aber die Selbstverwirklichung kannst du, außer durch das Vergessen von allem, nicht erlangen.

XVI-2 Oh weiser Mensch! Magst Samadhi genießen, ausüben oder praktizieren, aber dein Geist wird trotzdem immer noch nach dem verlangen, was jenseits allen Verlangens ist.

XVI-3 Alle sind nur deshalb unglücklich, weil sie Handlungen ausüben – dieses Geheimnis kennt niemand. Diese eine Instruktion genügt dem glücklichen Menschen, um die Befreiung zu erlangen.

XVI-4 Das Glück gehört dem Meister des Müßigganges, für den schon die simple Handlung des Öffnens und Schließens der Augenlider lästig ist, zu niemandem sonst.

XVI-11 Lass sogar Shiva, Vishnu oder Brahma deine Lehrer sein. Jedoch wirst du die Selbstverwirklichung nicht erreichen, ohne dass du alles vergessen hast.

XVII-2 Oh wahrlich, der Kenner der Wahrheit trauert um nichts in dieser Welt, denn dieses ganze Universum ist von ihm allein erfüllt.

XVII-14 Für denjenigen, für den der Ozean des Samsara restlos ausgetrocknet ist, gibt es weder Anhaftung noch Entsagung. Sein Blick ist leer; seine Handlungen sind absichtslos und seine Sinne wirkungslos.

XVII-14 Die große Persönlichkeit ruht in sich selbst und bleibt unberührt, ob sie nun eine lieblich anzuschauende Frau sieht oder das Nahen des schreckenerregenden Todes – sie ist wahrhaftig frei.

XVII-18 Der Weise mit dem entleerten Geist weiß nichts von den einander widersprechenden Ideen von Konzentration und Nicht-Konzentration, von Vergnüglichem und Mißvergenüglichem – er ruht im Absoluten.

XVIII-8 Wissend, dass der Atman Brahman selbst ist, dass Existenz und Nicht-Existenz bloße Einbildungen sind, was sollte der Wunschlose noch wissen, sagen oder tun?

XVIII-16 Wer das höchste Brahman erkannt hat, meditiert folgendermaßen: „Ich bin Brahman.“ Woran sollte der von Gedanken Freie wohl denken, der neben sich kein zweites Wesen sieht?

XVIII-21 Wunschlos, unabhängig, nach seinem eigenen Gutdünken lebend, bewegt sich der, der frei von Bindung ist, wie ein vom Wind der Samskaras umhergeblasenes trockenes Blatt.

XVIII-27 Der Weise, der ermüdenden Debatten überdrüssig, erlangt die Stille und denkt nicht mehr, noch weiß, hört oder sieht er.

XVIII-32 Die stumpfe Person wird durch Anhören der klaren Wahrheit noch verwirrter, während die intelligente Person sich ins Innere zurückzieht und dadurch anderen selbst als stumpf erscheint.

XVIII-34 Die unwissende Person kehrt weder durch Handlung noch Untätigsein ins Selbst zurück, während der Weise allein durch das Erkennen der Wahrheit im Selbst ruht.

XVIII-39 Der Narr will Frieden und bekommt ihn nicht – der Weise kennt die Wahrheit und befindet sich immer im Frieden.

XVIII-40 Wie könnte es für denjenigen, dessen Wissen auf der Objektivität beruht, die Vision des Selbst geben? Der Weise sieht dies (die Objektivität) nicht, sondern sieht das unvergängliche Selbst.

XVIII-46 Beim Sehen des Löwen der Wunschlosigkeit, laufen die Elefanten der Sinnesobjekte leise davon, und wenn sie unfähig gemacht wurden, werden sie Schmeichler. (Der Gedanke ist hier, dass Sinnesvergnügen lediglich zu einem bloßen Spiel werden für den, der in der Wunschlosigkeit verankert ist.)

XVIII-49 Der Mensch der Wahrheit erfüllt seine Pflichten so, wie sie gerade auf ihn zukommen; ohne ein Empfinden von (vom relativen Standpunkt aus gesehen) gut oder böse, denn alle seine Handlungen sind wie die eines Kindes.

XVIII-53 Diese großen Seelen, die frei sind, befreit von den Einbildungen und Funktionen des Geistes, scheinen manchmal sich großer Genüsse zu erfreuen und meditieren manchmal in Berghöhlen.

XVIII-54 Im Herzen der Weisen gibt es keine Wünsche, ob er einen weisen Gelehrten sieht und verehrt oder einen Gott, einen heiligen Platz, eine Dame, einen König oder eine ihm nahestehende Person.

XVIII-55 Der Yogi ist nicht im mindesten beunruhigt, selbst wenn er von Dienern, Söhnen, Frauen, Enkeln oder anderen Verwandten verachtet oder verspottet wird.

XVIII-56 Wenn er sich freut, so freut er sich in Wahrheit nicht; ist er traurig, so trauert er in Wahrheit nicht. Nur diejenigen, die so sind wie er, können seinen wunderbaren Bewusstseinszustand verstehen.

XVIII-58 Auch wenn er nichts tut, ist der Tor stets aufgeregt und zerstreut. Der Erfahrene jedoch, obwohl er tätig ist, bleibt stets unabgelenkt und gesammelt.

XVIII-59 Sogar im Alltagsleben friedvoll ist der Weise. Er sitzt glücklich, schläft glücklich, kommt glücklich, geht glücklich, spricht glücklich, isst glücklich.

XVIII-72 Wie sollten wohl für denjenigen, der wie die unendliche Wirklichkeit selbst leuchtet und kein objektives Universum wahrnimmt, Bindung, Befreiung, Freude und Schmerz sein?

XVIII-80 Himmel und Hölle gibt es nicht; ebenfalls nicht Jivanmukti. Kurz gesagt – in der yogischen Sichtweise existiert überhaupt nichts.

XVIII-83 Dieser Weise hier fürchtet weder den Samsara noch verlangt es ihn nach der Schau des Selbst. Ohne Freude und Schmerz ist er. Er ist weder tot noch lebendig.

XVIII-99 Wenn er gelobt wird, ist er nicht erfreut; wenn er beleidigt wird, ist er nicht verärgert. Weder fürchtet er den Tod, noch begehrt er das Leben.

XVIII-100 Der Friedvolle sehnt sich weder nach belebten Plätzen, noch nach einsamen Wäldern. Er bleibt im gleichen Zustand, wo immer er sich auch befinden mag.

Siehe auch

Seminare

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