Brahmacarya

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Meister wie Swami Sivananda lehrten die Notwendigkeit des Brahmacharya

Brahmacarya: (Sanskrit: ब्रह्मचर्य brahmacarya n.) wörtl.: 'Wandeln im Brahman'; Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit, die sich auf alle Sinne beziehen sollte, Keuschheit (vgl. Zölibat); Selbstbeherrschung; die Schülerschaft als Pfad, der zu Erkenntnis von Brahman führt.

1. Im traditionellen System des Varnashrama bezeichnet 'Brahmacarya den ersten Abschnitt im Leben eines Brahmanen, d.h. Stand und Lebensweise eines Brahmanenschülers. Dafür verließ ein junger Brahmane in der Regel sein Elternhaus und lebte fortan im Haus seines Lehrers bzw. Gurus. Von diesem erhielt er über mehrere Jahre Unterricht, wobei er im Gegenzug dem Lehrer und seiner Familie in allen häuslichen Dingen dienen musste. Der Unterricht betraf in erster Linie das Vedastudium, was zunächst das Auswendiglernen der heiligen Texte sowie die genaue Kenntnis der korrekten Ausführung der unterschiedlichen Opferhandlungen umfasste. Mit Abschluss seiner Lehrzeit überreichte der Schüler seinem Lehrer ein Gegengeschenk (Dakshina). Nun war er bereit, zu seiner Familie zurückzukehren bzw. eine eigene Familie zu gründen, womit er in das Lebensstadium des Haushälters (grihastha) eintrat.

2. Im Yogasutra bezeichnet "Brahmacarya" einen der fünf Bestandteile der äußeren Disziplin (Yama). Hier meint Brahmacarya soviel wie Enthaltsamkeit, die sich allerdings nicht auf das Sexuelle beschränkt. Es geht auch ganz allgemein darum, bei allem das rechte Maß zu finden und sich nicht in Exzessen zu verlieren. Ein Zweck der Enthaltsamkeit ist es, die sexuelle Kraft, hinter der feinstoffliche Energien stecken, spirituell zu nutzen und dadurch auch eine höhere Form der Freude zu erreichen. Der Begriff wird zum Teil im Westen viel liberaler gefasst und als "reiner Lebenswandel" interpretiert, als bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Energien, die nicht einfach nur in die Erfüllung von Wünschen gesteckt werden sollte. Diese innere Einstellung könnte auch zu einer tieferen Partnerschaft führen.

Raja Yoga Sutras von Patanjali

अहिंसासत्यास्तेयब्रह्मचर्यापरिग्रहा यमाः || 2.30 ||
ahiṃsā-satyāsteya-brahmacaryāparigrahā yamāḥ || 2.30 ||

Die Regeln der äußeren Disziplin (Yama) bestehen aus Nichtverletzen (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), Nichtstehlen (Asteya), Enthaltsamkeit (Brahmacarya) und Unbestechlichkeit (Aparigraha).

Kontrolle der sexuellen Energie

Im Ayurveda wird Brahmacharya als die dritte wichtige Säule des Lebens angesehen. Brahma bedeutet Wissen oder das Studium, das zur Kenntnis Gottes führt und Charya Verhalten oder Pflicht. Nur wer während des Studiums seine Sinne zügelt, wird wahres Wissen erreichen.

Es gibt drei Arten von sexueller Enthaltsamkeit: die körperliche, die geistige und die spirituelle, die durch Meditation, Asanas und Rituale geprägt ist und der Erkenntnis Gottes dient.

In den Upanishaden schon wird der Geschlechtsakt mit einem Ritual oder Opfer (Yajna) verglichen, weil die Betroffenen damit die Verantwortung für ein neues Leben übernehmen.

Unerfüllter Geschlechtstrieb kann zu körperlichen oder geistigen Erkrankungen führen. Perverses, übermäßiges und respektloses sexuelles Verhalten kann zu einem Kräfteverlust, Schwächung des Immunsystems (Ojaksaya), zu Krankheiten usw. führen.

Swami Sivananda über Brahmacarya in seinem Buch "Yoga im täglichen Leben"

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Ohne vollkommenes Brahmacharya kannst du keine wesentlichen geistigen Fortschritte machen. Auf dem geistigen Pfad gibt es keine Halbheiten. Beherrsche zuerst deinen Körper. Dann reinige deine Gedanken durch Gebet, Japa, Kirtan, Erfassung Brahmas (Vichara) und Meditation. Fasse einen festen Entschluss: Ich will von heute an ein vollkommener Brahmachari sein, ein lauterer Zölibatär, der die Veden studiert. Möge dir Gott Kraft der Seele verleihen, dass du der Versuchung widerstehen und das Begehren töten kannst.

Die Bedeutung von Brahmacarya

Brahmacharya ist das göttliche Wort. Es ist Summe und Wesen von Yoga. Infolge von Nichtwissen (Avidya) wurde das vergessen. Es ist höchstes Yoga, wie Krishna der Herr wiederholt in seinem unsterblichen Sang Gita betont. In Kapitel VI, Shloka 14 wird ganz klar festgestellt, dass zur Meditation das Brahmacharyagelübde unerlässlich ist. Wiederum in Kapitel XVII, Sloka 14 sagt ER, Brahmacharya sei eine der Kasteiungen des Leibes. Eine der wichtigsten Feststellungen in der Gita besagt, dass Yatis Brahmacharya übt, um das Ziel zu erreichen, von dem die Vedakenner sprechen. (Kapitel VIII, Sloka 11). In der Katha Upanishad sagt Yama zu Nachiketas, das Leben in Enthaltsamkeit (Brahmacharya) sei notwendig, um das Ziel zu erreichen. „Das Symbol, dessen Gestalt und Innerstes Wesen alle Veden erklären, um die Kasteiungen zu verwirklichen, die sie vorschreiben, in dem Verlangen, zu erkennen, was die Großen als Brahmacharya durchführen, dieses Symbol will ich dir kurz nennen. Es ist Om.“

Brahmacharya fuehrt zu mehr Lebenskraft

Ändere deine Betrachtungsweise

Für einen Wissenschaftler ist eine Frau eine Masse von Elektronen. Für einen Viseh-Philosophen der Rishi-Kanada-Denkrichtung ist sie ein Konglomerat von Atomen, Elektronen (Paramanu), Dvianu, Trianu (zwei Atome, drei Atome). Für einen Tiger ist sie eine Beute.

Für einen leidenschaftlichen Gatten ein Gegenstand der Freude. Für ein weinendes Kind ist sie eine liebevolle Mutter, die ihm Milch, Süßigkeiten und andere Erquickungen bringt.

Für eine eifersüchtige Schwester oder Schwägerin ist sie eine Feindin. Für einen Viveki oder Vairagi (ein Mann von Unterscheidungsvermögen und leidenschaftslosem Wesen) ist sie Verbindung von Fleisch, Knochen, Urin, Fäkalien, Haaren, Eiter, Schweiß, Blut, Schleim und so weiter. Für einen ausgereiften Jnani ist sie Satchidananda Atma. Alles ist nur Atman. Namen und Gestalten sind nur Gedankengebilde wie die Schlange im Tau und der Mensch im Pfahl.

Ändere deine Denkhaltung (Bhav), dann wirst du den Himmel auf Erden haben und in Brahmacharya gefestigt sein. Es ist eine wichtige Methode, um ein wahrer Brahmachari zu werden. Sieh Atman in allen Frauen, verwirf alle Namen und Gestalten und halte dich nur an das dahinter waltende Wesen, Sein-Bewusstsein-Seligkeit (Asti Bhati Priya oder Satchidananda).

Alle Namen und Formen sind unwirklich wie die Schatten, Wasser in der Fata Morgana und die Wolken des Himmels.

Meditation über Brahmacarya

1. Ich bin lauter Reinheit (Shuddoham) OM OM OM
2. Ich bin geschlechtsloses Atman OM OM OM
3. In Atman oder Brahman ist weder Begierde noch geschlechtsloses Vasana OM OM OM
4. Begierde ist Vikara, Forschen in Gedanken. Ich bin ein Zeuge (Sakshi) dieser Sonderform OM OM OM
5. Ich bin nicht der Welt verfallen (Asanga) OM OM OM
6. Mein Wille ist rein, stark und unwiderstehlich OM OM OM
7. Ich bin jetzt vollkommen in körperlichem und geistigem Brahmacharya begründet OM OM OM
8. Ich fühle jetzt die Reinheit OM OM OM

Sitze allein in deinem Meditationsraum in Padmasana, Siddhasana, Swastikasana oder Sukhasana. Schließe deine Augen. Wiederhole immer wieder langsam in Gedanken die vorstehende Formeln. Lasse auch deine Gedanken bei der Bedeutung der Formeln verweilen. Sättige sie mit diesen Ideen. Dein Herz, Verstand, Intellekt und Seele müssen die Reinheit fühlen. Habe das Wortbild OM REINHEIT deutlich vor deinen Gedanken. Schaue innerlich das Gedankenbild. Dein Organismus, Fleisch, Blut, Knochen, Nerven, Zellen, Moleküle, Atome und Elektronen müssen von diesen Ideen kräftig schwingen.

Du kannst auch nachts noch eine Sitzung halten. Das ist die allgemeine Meditation für Selbstverwirklichung. Steigere die Zeitdauer von anfänglich 10 Minuten bis zu einer halben Stunde. Erhalte das reine Denken (Bhav) auch während der Arbeitsstunden. Schreibe sechsmal in großen Buchstaben auf ein Stück Papier OM REINHEIT. Behalte das Blatt Papier in deiner Tasche. Lies es im Laufe des Tages mehrmals. Hefte es an einer sichtbaren Stelle in deinem Hause an. Denke täglich an die großen Brahmachari-Heiligen Swami Vivekananda, Swami Dayananda und ihre machtvolle Wirksamkeit. Denke über die vielfachen Vorteile Brahmacharyas nach und über die Nachteile des unreinen Lebens.

Unterbrich deine Übungen niemals. Gehe ordentlich und planmäßig vor. Du wirst allmählich reiner und reiner und zuletzt ein Oordvareta Yogi werden, in dem die Samenenergie aufwärts fließt. Habe Geduld!

Gebet um Reinheit

O liebender Herr des Erbarmens. Seele meiner Seele, Leben meines Lebens, Verstand meines Verstandes, Ohr meines Ohres, Licht der Lichter, Sonne der Sonnen, gib mir Licht und Reinheit. Lass mich fest und sicher werden in körperlichem und geistigem Brahmacharya. Lass mich rein sein in Gedanken, Worten und Werken. Gib mir Kraft, die Sinne (Indriyas) zu beherrschen. Behüte mich vor allen Versuchungen dieser Welt. Lass alle meine Indriyas immer in deinem holden Dienst tätig sein. Rotte die geschlechtlichen Eindrücke (Samskaras) und Begierden (Vasanas) aus. Vernichte die Begierde in meinem Denken. Mach einen rechten Brahmachari, der richtig lebt (Sadachari) und Oordvarenta Yogi aus mir. Lass mich keusch sein in meinen Blicken. Lass mich immer auf dem Pfad der Rechtschaffenen wandern.

Mache mich so rein wie Swami Vivekananda, Swami Dayananda, Bishma Pitamaha, Manuman oder Lakshmana. Vergib mir. Vergib alle meine Fehler (Aparatham). Ich bin Dein. Ich bin Dein. Beschütze mich. Führe mich. OM OM OM! Erleuchte meinen Verstand (Buddhi)!

Brahmacharya ist kulturell abhängig

Ratschläge für Brahmacarya: Vorschriften für Ehelosigkeit

  • 1.
Sirshasana 5 Minuten
Sarvangasana 10 Minuten
Fasten an Ekadashitagen oder jeden zweiten Sonntag
Japa eine Stunde
Gitastudium eine Stunde
Meditation eine halbe Stunde
  • 2.
Siddhasana 5 Minuten
Pranayama eine halbe Stunde
Milch und Früchte abends
Uddiyana Bandha morgens und abends
Halte deine Gedanken voll beschäftigt mit Lesen, Gartenarbeit und Kirtan.
  • 3.
Kirtan eine halbe Stunde
Gebet eine halbe Stunde
Satsang (Verkehr mit guten, weisen Menschen) eine Stunde
TriphalaWasser morgens
Erforschung Atmans (Atma Vichar), Meditation 15 Minuten
  • 4.
Trataka (auf OM starren oder Krishna) 10 Minuten
Maha Mantra (Bhajan eine halbe Stunde
Krishna Mantra Japa eine halbe Stunde
Badam und Misre früh am Morgen

Zweimal täglich nach dem Essen einen Teelöffel voll Huxleys Nervigor-Syrup auf 4 Teelöffel Wasser.

Man kann alle vorgenannten Übungen miteinander verbinden, wie es einem förderlich erscheint.

Copyright Divine Life Society

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Multimedia

Erläuterungen von Versen der Raja Yoga Sutra von Patanjali von Sukadev Bretz aus dem Haus Yoga Vidya Bad Meinberg.

Brahmacharya in der Partnerschaft