Vairagi

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1. Vairagi, Sanskrit वैरागिन् vairāgin m., ein Leidenschaftsloser. Ein Vairagi ist jemand, der sich von allem Raga befreit hat oder befreien will. Raga heißt Wunsch, Gier, weltliche Verlangen. Ein Vairagi ist also ein Entsagter, ein Asket, ein Mönch, ein Bettelmönch, der besonders einfach lebt.

Ein indischer Sannyasin (Mönch) - innen und außen Entsagter

Auch ein Mensch im Berufs- und Familienleben kann ein Vairagi sein, wenn er nämlich sich bemüht, Gutes zu tun, sein Leben dem Dienst an Gott und der Menschheit zu widmen und dabei eigenen Wünschen zu entsagen. Man kann Gott und der Menschheit dienen und auch eigenen Wünschen und Bedürfnissen nachgehen und alles Gott widmen. Dann ist man kein Vairagi. Der Vairagi will Gott verwirklichen, indem er besonders darauf achtet, seine Wünsche zu überwinden.

2. Vairagi, Sanskrit वैरागिन् vairāgin m, ist ein spiritueller Name und bedeutet Leidenschaftslos, ohne Verhaftung. Auch Bezeichnung eines Mönches, eines Entsagten. Vairagi kann Aspiranten gegeben werden mit Soham Mantra.

Sukadev über Vairagi

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Vairagi

Ein Vairagi ist jemand, der Vairagya hat. Vairagya heißt Wunschlosigkeit, heißt auch "der Verzicht", heißt auch "das Nicht-Anhaften". Vairagya ist die tiefe Überzeugung, dass ein äußerlich gelebtes Leben einen nicht dauerhaft glücklich macht. Und so ist ein Vairagi jemand, der bereit ist zum Verzicht. Ein Vairagi weiß: "Wunscherfüllung wird mich nicht glücklich machen. Erfolg wird mich nicht glücklich machen. Besitz, Macht, Geld wird mich nicht glücklich machen. Auch einfach zu tun, was mir in den Sinn kommt, wird mich nicht dauerhaft glücklich machen.

Also, ein Vairagi kann dem entsagen, innerlich entsagen, aber auch äußerlich entsagen. Es gibt einen innerlichen Vairagi und einen äußerlichen Vairagi. Ein äußerlicher Vairagi hat wenig Besitz, er hat bewusst auf alles Mögliche verzichtet. Und das ist auch eine Weise, spirituelles Leben zu leben. Du musst jetzt nicht ganz so extrem sein wie die indischen Wandermönche oder wie früher die Franziskaner, die gar keinen persönlichen Besitz hatten, oder wie Jesus mal gesagt hat, dass man an keinem Ort länger als eine Nacht bleiben soll - das hat er mindestens seinen engsten Schülern so geraten – sondern, du kannst aber ein einfaches Leben leben. Du kannst dir selber sagen, du wirst kein Kleidungsstück im Kleiderschrank haben, das du im letzten Jahr nicht angezogen hast. Du wirst eine einfache Wohnung haben, vielleicht nur ein Zimmer, vielleicht nur ein paar Bücher und ansonsten nichts mehr. Das kann durchaus der spirituellen Entwicklung förderlich sein. Und du kannst auch z.B. zu Yoga Vidya gehen als Mitarbeiter, dort hast du nur ein Zimmer als deine Wohnung. Das ist auch eine Form von Vairagya.

Also, ein Vairagi ist, der diese Dinge bewusst macht, bewusst ein äußerlich einfaches Leben führt und weiß, tiefe Zufriedenheit und Freude kommt nicht aus Äußerlichkeiten, sondern über spirituelle Erfahrung, Verbundenheit, sinnvolles Leben zu führen, anderen helfen und dienen und letztlich aus der Gotteserfahrung und der Erfahrung des Göttlichen in allen Menschen, in allen Wesen, hinter der ganzen Welt.

Es gibt noch eine zweite Definition von Vairagi und die gebraucht Krishna. Er betont dafür mehr die innerliche Überzeugung. Krishna in der Bhagavad Gita führt auch das Beispiel von König Janaka an, der König von Videha war, und der hatte durchaus ein königliches Leben geführt, in dem auch Luxus dabei war, aber er hat an nichts gehaftet. Du kannst vielleicht um der Gesellschaft willen, um deiner Familie willen, um deiner Position willen, vielleicht durchaus ein Leben mit Annehmlichkeiten haben, aber innerlich bewusst sein: "Das ist nicht das, was mich glücklich macht."

Ein Vairagi ist auch jemand, der auf die Früchte seiner Handlungen verzichten kann, bei Lob und Tadel der gleiche sein kann, in Erfolg und Misserfolg der gleiche sein kann und eben nicht für alles, was er tut, gleich einen Gegenwert erwartet. Ein Vairagi, in Krishnas Bhagavad Gita Sinn verstanden, ist jemand, der verhaftungslos lebt und keine Anhaftung an irgendetwas hat. Sehr engagiert, sehr viel tut, sehr viel Energie reinsteckt, sein Dharma, seine Pflicht und Aufgabe, erfüllt, all das hat, was er äußerlich braucht, aber an nichts verhaftet ist. Zusammenfassend gesagt: Vairagi ist jemand, der nicht verhaftet ist, jemand, der jenseits von Wünschen ist oder mindestens sich bemüht, dorthin zu kommen. Vairagi, aber auch ein Asket, jemand, der einen einfachen Lebensstandard folgt und eine einfache Lebensweise als Mittel zur Befreiung praktiziert. Vairagi wird einfach als Entsagter übersetzt.

Zitat aus dem Yoga-Sutra 2.39: Jemand, der sich auf das beschränken kann, was er braucht und was ihm zusteht, fühlt sich sicher. Ein solcher Mensch findet Zeit für sich.

Der spirituelle Name Vairagi

Vairagi, auch Vairagin geschrieben und ausgesprochen, ist jemand, der leidenschaftslos ist, jemand, der ohne Verhaftung ist. Vairagi ist auch die Bezeichnung eines Mönchs, eines Entsagten. Vairagi ist jemand, der sich von allem Raga, von allen Verhaftungen, befreien will. Vairagi ist auch ein Bettelmönch.

Wenn du Vairagi heißt, dann soll das heißen, du willst alles Begrenzende, alle Gier und jeden Wunsch, loslassen. Vielleicht hast du ein großes Interesse daran, Mönch zu werden. Vielleicht aber hast du ein Leben, das voller Erfüllung ist, aber du willst dich dabei an nichts haften.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Götter und Göttinnen im Hinduismus (2008)
  • Swami Sivananda, Jnana Yoga, Hrsg.: Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Autobiographie von Swami Sivananda (1999)
  • Swami Sivananda, Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda (1998)
  • Swami Sivananda, Gedanken zur Kontemplation (1996)
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
  • Swami Sivananda: Feste und Fastentage im Hinduismus, Yoga Vidya Verlag
  • Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute
  • Yoga Geschichten nacherzählt von Sukadev Bretz

Weblinks

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