Autarkie

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Autarkie kommt vom Griechischen autárkeia (αὐτάρκεια) und bedeutet Selbstgenügsamkeit. Autarkie kann auch ein psychischer Zustand sein: Die innere Einstellung, dass man nichts von außen braucht, um glücklich zu sein.

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Vollständige Autarkie ist natürlich illusorisch: Jeder Mensch braucht Nahrung, Wasser, Luft, usw. also Stoffe von außen. Aber man kann eine weitestgehende innere Autarkie entwickeln und so frei werden von der Abhängigkeit von Lob, Erfolg, Anerkennung etc. Diese Art der Autarkie empfiehlt Krishna allen ernsthaften Aspiranten in der Bhagavad Gita.

Autarkie ist der Zustand, indem man keines anderen bedarf. Autarkie kann sich beziehen auf ein Staatswesen, das ohne Außenhandel autark wirtschaftet. Ein Dorf kann Autarkie besitzen oder auch ein Hof. Manche religiöse Gemeinschaften, wie z.B. die Amische in Amerika haben das Bedürfnis, in weitestgehender Autarkie in Gruppen bis ca. 100 Menschen zu leben.

Autarkie - eine Tugend. Was versteht man unter Autarkie? Woher kommt das Wort? Wozu ist Autarkie gut? Was sind Begriffe mit ähnlicher Bedeutung, was Begriffe mit entgegengesetzter Bedeutung zu Autarkie? Über all das erfährst du hier in diesem Artikel.

Autarkie und Liebe als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Autarkie heißt Unabhängigkeit. Man spricht manchmal auch davon, dass spirituelle Gemeinschaften gerne autark sein wollen, also selbstgenügsam, sich selbst versorgen wollen. Wir bei Yoga Vidya sind keine autarke Gemeinschaft, sondern wir sind darauf ausgerichtet, mit anderen Menschen zu kommunizieren, uns auszutauschen und durchaus einiges der Gesellschaft zu geben und natürlich dann auch einiges von der Gesellschaft zu bekommen.

Ähnlich ist es auch in der Liebe, man kann sagen, eine einzelne Person kann autarker sein und wenn man etwas autarker ist, dann hat das auch seine Vorteile. Wenn man autark ist, dann ist man nicht so abhängig vom Partner und wenn man autark ist, dann fällt es auch leichter, auf den anderen zuzugehen mit Freude und mit Herzensöffnung.

Autarkie kann heißen, dass man nicht vom anderen abhängig ist. Daher kann Autarkie eine gute Eigenschaft sein. Wenn man das Gefühl hat, "ich brauche den anderen unbedingt für mein Glück", dann kann dort ein Kleben da sein, das kann mit Angst verbunden sein.

Und so empfiehlt man ja auch z.B., wenn eine Beziehung zu Ende ist, bevor man in die nächste Beziehung geht, wäre es erstmal klug, alleine leben zu lernen, dass man autark für sich selbst leben kann. Wenn man nämlich lernt, allein zu leben und für sich selbst zu leben, eine gewisse Autarkie zu haben, dann kann man mit Freiheit und Unabhängigkeit in die nächste Beziehung gehen und dann gelingt es oft leichter.

Andererseits, wenn man zu autark ist, das mag der andere auch nicht, denn letztlich, in der Beziehung geht es ja auch darum, dass man sich miteinander verbindet. Also, reine Autarkie ist auch nicht gut, denn angenommen, man ist vollkommen autark, warum geht man überhaupt in die Beziehung, dann kann man auch Single bleiben oder gleich Mönch werden.

Also, eine gewisse gegenseitige Verbundenheit und eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit ist durchaus auch gut in einer Beziehung. Ein Mittelweg ist oft ein Gutes oder auch mal in die eine Richtung und mal in die andere Richtung hineinzugehen.

Autarkie in der Liebe kann aber auch etwas anderes heißen, Autarkie könnte auch heißen: "My home is my castel, ich mit meinem Partner, ich mit meiner Partnerin und vielleicht noch mit meinen Kindern und der Rest der Menschheit ist mir egal. Vielleicht bin ich noch im Beruf, vielleicht habe ich noch einen Job und dort werde ich kämpfen, aber keine tieferen Beziehungen eingehen, ich werde meine Aufgaben tun." Dann ist man in der Beziehung autark.

Oder es gibt ja auch Beziehungen, die vielleicht darauf beruhen, dass man gemeinsam irgendetwas auf die Beine stellt und dann ist man vielleicht noch mehr autark, vielleicht ein Kleinunternehmen und dann lebt man eigentlich nur in der Beziehung und für die Beziehung und dann ist man in der Beziehung autark. Das kann Vorteile haben, es kann aber auch Nachteile haben.

Der Mensch ist nämlich eigentlich ein Zoon Politicon, das heißt, ein geselliges Wesen, der Mensch will mit anderen Kontakt haben, er will nicht nur mit wenigen Menschen Kontakt haben, er hat durchaus das Bedürfnis, mit vielen Menschen Kontakt aufzunehmen.

Und dort ist zu viel Autarkie auch nicht gut. Selbstgenügsamkeit, Autarkie kann man auch als Selbstgenügsamkeit übersetzen. Der Mensch will zum einen mit sich selbst stimmig sein, also Stimmigkeit ist etwas, was wichtig ist. Der Mensch will mit der direkten Familie verbunden sein, das ist auch eine gewisse Stimmigkeit. Der Mensch will aber auch mit seiner Umgebung irgendwo Kontakt aufnehmen, wir nennen das gerne, mit der Kultur, mit den Nachbarn usw. Und schließlich will er auch etwas tun für das große Ganze.

Dabei ist es durchaus hilfreich, wenn er eine gewisse Autarkie hat, im Sinne von, "ich brauche nicht unbedingt etwas Konkretes von anderen". Diese innere Autarkie ist gut, aber es ist nur eine gewisse Autarkie, denn vollkommen autark ist der Mensch nun mal nicht. Er muss schon essen, er muss trinken, er muss atmen, er braucht Kontakt zu anderen Menschen, man braucht intimere Beziehungen zu ein paar Menschen, man braucht Anerkennung und irgendwo das Gefühl, etwas zu bewirken in einem größeren Kontext.

Und schließlich will man sich aufgehoben fühlen in einem größeren Sinnkotext. Schließlich weiß man: "Ich bin Teil des Ganzen, wie eine Zelle im Großen." Von daher, Autarkie im Kleinen, das macht keinen Sinn, aber eine gewisse Autarkie, eine gewisse Selbständigkeit, eine gewisse Selbstgenügsamkeit ist auch gut.

Genügsamkeit kann eben auch heißen: "Ich brauche nicht so viel. Ich brauche nicht so viel Geld, ich brauche nicht so viel Raum, ich brauche nicht so viel Aufmerksamkeit, ich bin in mir selbst zufrieden." Eine gewisse Zufriedenheit, eine gewisse Autarkie, eine gewisse Selbstgenügsamkeit ist hilfreich, aber dabei sollte immer bewusst sein, trotz aller Autarkie, bleibt die Notwendigkeit, Beziehungen aufzunehmen, im Kleinen wie auch im Großen, letztlich ist Liebe etwas, was uns mit allem verbinden will. Und Liebe heißt auch, dass man eben nicht autark ist, sondern dass man sich gegenseitig hilft, sich gegenseitig helfen lässt, dass man miteinander verbunden ist und weiß: "Wir sind Teil eines größeren Ganzen."

Autarkie - Antonyme und Synonyme

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Autarkie in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Autarkie - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Autarkie, also Synonyme zu Autarkie sind z.B. Eigenständigkeit, Selbstbeherrschung, Bedürfnislosigkeit, Entsagung.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Autarkie übertrieben kann ausarten z.B. in Willkür, Bindungsunfähigkeit, Eingebildetheit. Daher braucht Autarkie als Gegenpol die Kultivierung von Verbundenheit, Gemeinsinn, Kameradschaft, Vertrauen, Hingabe.

Gegenteil von Autarkie - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Autarkie, Antonyme zu Autarkie :

Autarkie Antonyme

Antonyme Autarkie, also Gegenteile, sind Verbundenheit, Gemeinsinn, Kameradschaft, Vertrauen, Hingabe, Fremdbestimmtheit, Opfermentalität, Abhängigkeit, Unselbständigkeit.

Autarkie in Bezug auf Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Kultivierung von Autarkie

Autarkie ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das man stärken kann, sofern man es will. Vielleicht willst du ja Autarkie in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Autarkie zu stärken.
  • Du kannst dir z.B. vornehmen: "Während der nächsten Woche will ich die Fähigkeit Autarkie kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein autarkerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, täglich mindestens etwas zu tun, was Autarkie ausdrückt. Tue jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Autarkie."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin autark."

Affirmationen zum Thema Autarkie

Hier einige Affirmationen für mehr Autarkie. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Autarkie

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin autark

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin autark. Om Om Om.
  • Ich bin ein Autarker, eine Autarke OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Autarkie

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin autark " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Autarkie.
  • Ich werde autark.
  • Jeden Tag werde ich autarker.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Autarkie.

Dankesaffirmation für Autarkie

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag autarker werde.

Wunderaffirmationen Autarkie

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr autark. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Autarkie entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr autark zu sein.
  • Ich bin jemand, der autark ist.

Gebet für Autarkie

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Autarkie:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Autarkie.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein autarker Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Autarkie mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Autarkie zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Autarkie zu entwickeln?
  • Wie könnte ich autark werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Autarkie.
  • Angenommen, ich will autark sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre autark, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Autarkie kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als autarker Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Autarkie - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Autarkie, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. Dieses Audio wird später eingefügt. Wir bitten um Verständnis

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Autarkie

Eigenschaften im Alphabet nach Autarkie

Literatur

Weblinks

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