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Dharma Megha Samadhi


Sadguru Swami Sivananda

Dharma Megha Samadhi (Sanskrit: धर्ममेघसमाधि dharmameghasamādhi m.) höchster Samadhi; vollständiger Samadhi; Nirvikalpa Samadhi, die höchste Form des Asamprajnata-Samadhi (laut Yogasutra). Hier sollen alle Kleshas, also alle Ursachen von Leid, erlöschen. Dharma-Megha-Samadhi wird auch "Dharma-Wolken-Samadhi" genannt. Nach Shankaras Kommentar zu den Yogasutren ist mit "Dharma Mega" das Ausschütten von Kaivalya, also spiritueller Befreiung, dem höchsten Dharma gemeint.

Dharma Megha Samadhi und Kaivalya

Shiva der Ur-Yogi immer in Einheit

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Kommentar zum 4. Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali, Verse 29 – 34

Den Wunsch nach Samadhi aufgeben

Vers 29

Gibt man selbst den Wunsch nach dem höchsten Bewusstseinszustand auf und übt Unterscheidungskraft, erreicht man Dharma-Megha-Samadhi.

Das klingt doch gut: Nicht nur Samadhi, sondern Megha-Samadhi. Nicht nur Megha-Samadhi, sondern Dharma-Megha-Samadhi.

Wörtlich bedeutet Dharma-Megha-Samadhi der „Überbewusste Zustand der Wolke der kosmischen Ordnung“, man könnte auch „Tugend-Wolken-Samadhi“ sagen.

Was heißt das jetzt? Zunächst einmal: Wenn du alle Wünsche aufgibst – sogar den Wunsch nach der Befreiung – und dabei höchste Unterscheidungskraft übst, dann erreichst du einen so hohen Samadhi, dass du nachher genau weißt, was deine Aufgabe ist, Dharma heißt ja Rechtschaffenheit, Tugend oder auch Aufgabe.

Wenn du aufhörst zu denken, dass du dieses oder jenes bräuchtest, wenn du nicht mehr handelst, um etwas zu bekommen, wenn du als Instrument Gottes handelst, um Gott zu dienen, deine Aufgabe zu erfüllen oder weil es getan werden muss, dann gelangst du in Samadhi, dann bekommst du Viveka (die höchste Unterscheidungskraft), und dann strömt letztlich Dharma durch dich hindurch. Du wirst zum reinen Instrument, und du erfährst Samadhi.

Dieser Vers besagt auch:

  • Zum einen ist es wichtig, nach Befreiung zu streben. Das sagte er ja schon einmal im 26. Vers des 4. Kapitels, und auch in einem Vers aus dem 1. Kapitel sagte er: „Samadhi kommt schnell, wenn die Sehnsucht danach intensiv ist.“ Auch Shankara schreibt im Viveka Chudamani und im Atma Bodha immer wieder, wie wichtig es ist, die Sehnsucht nach Befreiung zu kultivieren.
  • Aber wenn du höhere Bewusstseinszustände erreicht hast, musst du irgendwann den Wunsch nach dem Höchsten aufgeben, und dann kommt er von selbst. Es ist so ähnlich wie wenn du eine Leiter hochsteigst, um auf ein Dach zu kommen. Um das Dach wirklich zu besteigen, musst du die Leiter verlassen. Die Sehnsucht nach Befreiung ist wie eine Leiter, und zum Schluss musst du auch sie verlassen.

Wenn du also den höchsten Bewusstseinszustand erlangt hast, entsteht Viveka, und es entsteht Dharma-Megha, d.h. die Wolke des Dharma strömt durch dich hindurch.

Leiden und Karma hören dann auf

Anandamayi Ma - Die glückselige Mutter

30. Vers

Tatah Kleshakarmanivritti – Dann hört alles Leiden auf, dann hört Karma auf.

Wenn es dir gelingt, in Samadhi zu kommen, nichts mehr zu wollen und Dharma durch dich hindurchströmen zu lassen, dann bist du aus allem Leiden heraus. Kein neues Karma mehr für dich, kein Leiden – du tust, was zu tun ist, dein Körper und deine Psyche werden Instrumente des Dharmas, und du weißt: Du Purusha bist und durch Körper und Psyche strömt die rechte Handlung.

Das über den Geist Erfahrbare ist winzig

31. Vers

Dann wird es mit der Beseitigung aller Schleier und Unreinheiten ersichtlich, dass das über den Geist Erfahrbare im Vergleich mit dem unendlichen Wissen der Erleuchtung nur winzig ist.

Wenn du erst einmal den Schleier der Unwissenheit überwunden hast und du die Großartigkeit des unendlichen Bewusstseins erfahren hast, dann weißt du: Alles, was dich vorher so fasziniert hat, ist nur sehr wenig. Statt zu überlegen was du jetzt brauchst oder wie du all das auf einer relativen Ebene wissen kannst, solltest du mehr daran arbeiten, dich aus allen Identifikationen zu lösen. Arbeite daran, Wünsche zu überwinden. Arbeite daran, durch uneigennütziges Dienen, spirituelle Praktiken und bewusstes Erleben, durch die Praxis von Samyama und durch Gebet an Ishvara (Gott) wirklich die Erleuchtung zu erreichen. Das ist es, was es wirklich wert ist – alles andere ist nur Stroh.

Das Wandeln der Gunas hört auf

32. Vers

Für solche, die das Ziel erreicht haben, hört der Vorgang des ständigen Wandeln der Gunas auf.

Wenn du das Ziel, die Gottverwirklichung erreicht hast, dann spielt für dich dieses Parinama der Gunas keine Rolle mehr, alles hört auf. Auf einer physischen Ebene mag alles mögliche weiter gehen, und so lange du noch ein gewisses Karma hast und in diesem physischen Körper weilst, nimmst du es wahr. Aber du selbst als Purusha weißt: Ich bin unendlich und ewig, unberührt.

Alle Parinamas kommen zum Ende

33. Vers

Kommt so der ständige Wechsel der entsprechenden Augenblicke zum Ende, wird ihre Aufeinanderfolge wahrnehmbar.

Wenn du in Purusha ruhst und dich selbst als das Selbst erkennst, dann sind die ganzen Parinamas zum Ende gekommen. Es spielt keine Rolle mehr für dich, du hast das Ziel erreicht.

Die Seele ruht in Ihrer wahren Natur

Ramana Maharshi

34. Vers

Pusushartasunyanam gunanam pratiprasavah kaivalyam svarupapratishtha va citsaktiriti.

Hören alle Anstrengungen und Zielstreben auf und sind die Gunas wieder in ihrem Ursprung absorbiert, dann ist das Kaivalya. Die Seele ruht in ihrer wahren Natur – reines Bewusstsein. Ende.

Purusharta Shunya – alle Anstrengungen des Menschen hören auf. Die Purushartas sind Kama, Artha, Dharma, Moksha – also die ganzen Motivationen des Menschen.

Guna pratiprasavah – Alle Eigenschaften kehren zurück in ihren Ursprung.

Kaivalya – das ist Befreiung.

Svarupa Pratishta – Die Seele ruht in ihrer wahren Svarupa.

Chit – das reine Bewusstsein

Iti – Ende

Damit schließt das Yoga Sutra des Patanjali, wo er sagt: Kaivalya, Befreiung ist das Ziel des Lebens. Dann haben sich alle Bestrebungen (Purusharthas) erfüllt. Dann hören die Gunas für dich auf. Du ruhst in deiner wahren Natur. Du erfährst dich selbst als reines Bewusstsein. Iti – darum geht es, das ist das Ziel des Lebens. Strebe danach, erreiche es. Praktiziere.

Hari Om Tat Sat

Om Om Om …

Zusammenfassung

So schließt das Yoga Sutra des Patanjali. Wenn du mehr davon wissen willst, dann lies im Buch „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“, oder gehe noch einmal Vers für Vers durch das Yoga Sutra. Auf unserem Schriften Portal wird jeder einzelne Vers kommentiert, und zu jedem Vers gibt es auch ein einzelnes Audio als Inspiration des Tages – so kannst du die knapp 200 Verse Tag für Tag durchgehen, jeden Vers als Motto des Tages nehmen. So kannst du diese Verse noch einmal nutzen, um deinen Geist unter Kontrolle zu bringen.

Insgesamt geht es Patanjali darum:

  • Komme zur Erleuchtung.
  • Sei dir bewusst – du bist das unsterbliche Selbst.
  • Lerne deinen Geist kennen und gehe über Identifikationen hinaus.
  • Nutze die Kräfte des Geistes, um Mitgefühl zu entwickeln.
  • Nutze die Kräfte des Geistes, um herauszufinden, was du auf der relativen Ebene für Aufgaben hast.
  • Nutze die Kräfte des Geistes, um den Geist zu beherrschen.
  • Und schließlich: Übe spirituelle Praktiken, führe ein ethisches Leben und meditiere.
  • Vertiefe die Meditation – komme zu Samadhi – erfahre Kaivalya.

Hari Om Tat Sat

Video - Dharma Megha Samadhi und Kaivalya

Sukadev über Dharma Megha Samadhi

Dharma Megha Samadhi ist der Samadhi der Dharma-Wolke. Dharma Megha Samadhi ist aus dem Yoga Sutra, viertes Kapitel, einer der vielen Ausdrücke für den höchsten Samadhi-Zustand. Samadhi, das Überbewusstsein. Samadhi, der höchste Bewusstseinszustand. Dharma heißt Verantwortung, heißt Ordnung, heißt Aufgabe. Und Megha heißt Wolke. Also, nicht Mega, wie im Griechischen, einfach groß, sondern Megha heißt Wolke. Dharma Megha Samadhi ist der Samadhi der Dharma-Wolke.

Was heißt das? Das heißt, wenn man in die Tiefe der Meditation hineingeht, wenn man in der Meditation ins Überbewusstsein geht, dann geht man jenseits von Wünsche und Gedanken. Und wenn du die Wünsche und Gedanken überwunden hast, dann bist im Kontakt zu der Tiefe deines Wesens und dieses Wesen ist in Kontakt mit dem göttlichen Wesen. Du merkst: "Ich bin eins mit der Weltenseele." Und dieser Bewusstseinszustand der Einheit hält auch an, wenn du aus der Meditation herauskommst. Und das führt dazu, dass du nach dieser Meditation weniger überlegst: "Was mag ich und was will ich?" Sondern du spürst, was die Wolke deines Dharmas ist. Das heißt, welche Aufgabe du hast, welche Verantwortungen du hast. Und du weißt auch, deine Aufgaben, deine Verantwortungen sind nicht so individuell, sondern sie sind Teil des kosmischen Dharmas.

Daher ist das auch ein Zeichen, dass du wirklich in tiefer Meditation warst und nicht nur einfach in irgendeinem Euphorie- oder Glückszustand. Das ist das Zeichen, kommst du aus der Meditation heraus, dann bist du ein glücklicher, ein zufriedenerer Mensch und insbesondere ein Mensch, der größeres Vertrauen hat in die kosmische Ordnung, größeres Vertrauen in Gott. Daher der wunderschöne Ausdruck "Dharma Megha Samadhi" für den höchsten Samadhi-Zustand. Dharma Megha Samadhi, der Samadhi der Dharma-Wolke. Also, der Samadhi-Zustand, der dir hilft, deine Verantwortung zu kennen, deine Aufgabe zu kennen, und der dir hilft, so zu handeln, wie es in Übereinstimmung mit deinem Dharma ist, und so zu handeln, dass es in Übereinstimmung ist mit der kosmischen Ordnung, mit dem, was sein soll. Dharma Megha Samadhi - höchster Samadhi. Dharma Megha Samadhi – der Samadhi der Dharma-Wolke.

Übrigens, Patanjali sagt, wenn auch der Wunsch nach der Befreiung verschwunden ist, dann folgt Dharma Megha Samadhi. Das heißt, der Wunsch nach Befreiung, der Wunsch nach dem Höchsten oder besser vielleicht, die Sehnsucht, deine wahre Natur zu kennen, diese Sehnsucht ist eine machtvolle Kraft, die dich dorthin zieht. Im ersten Kapitel sagt Patanjali im Yoga Sutra, dass die Befreiung und Samadhi schnell für den kommen, der den Wunsch danach, die Sehnsucht danach wirklich hat. Ist die Sehnsucht intensiv, kommst du schnell zu den höchsten Bewusstseinszuständen. Aber der letzte Schritt ist, auch diese Sehnsucht fallenzulassen. Wenn du mit der Sehnsucht nach dem Höchsten sehr weit gekommen bist, dann gilt es, zum Schluss auch diese Sehnsucht, den Wunsch nach dem Höchsten, loszulassen. Und dann verwirklichst du das Höchste. Dharma Megha Samadhi – der höchste Samadhi. Dharma Megha Samadhi – der Samadhi der Dharma-Wolke.

Dharma Megha Samadhi धर्ममेघसमाधि dharma-megha-samādhi Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Dharma Megha Samadhi, धर्ममेघसमाधि, dharma-megha-samādhi ausgesprochen wird:

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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