Shri Vidyarnava Tantra Deutsche Übersetzung Teil 3
Shri Vidyarnava Tantra – Deutsche Übersetzung, Teil 3
Umfang dieser Seite: Kapitel 19–23. Die markierten Quellenprobleme und Auslassungen gehören zum Editionsbefund.
Deutsche Übersetzung des Uttarārdha: Kapitel 19–23 sind bis zu ihren Kolophonen bearbeitet. Kapitel 24–28 stehen im vierten Übersetzungsteil. Die beschädigte Devanagari-OCR wurde abschnittsweise mit dem Druckbild verglichen. Unsichere Lesungen und gedruckte Lücken bleiben gekennzeichnet; die Ausgabe reicht bis zum Ende des 36. Kapitels.
Mit Kapitel 19 beginnt die zweite Werkhälfte. Der Körper als Ort der Verehrung, die Nityā-Göttinnen und die innere Bedeutung von Pūjā führen zu den Gebeten an Lakṣmī, Durgā und Annapūrṇā. Einen besonders zugänglichen Ausgangspunkt bietet Kapitel 21: Dort werden Verehrungsgaben als wache Aufmerksamkeit auf die Einheit mit der Göttin ausgelegt. Von dieser Stelle aus lässt sich die Beziehung zwischen Ritual und Erkenntnis durch den ganzen Teil verfolgen.

Zur Ausgabe: Alle Textteile · 108 inspirierende Verse · Mantras und Formelregister
Deutsch: Teil 3 — IAST: Teil 2 — Devanagari: Teil 3 · Teil 4
19. Śvāsa
Der neunzehnte Śvāsa eröffnet den Uttarārdha, die zweite Werkhälfte. Er setzt die Erörterung des Nyāsa fort: Mantraglieder werden durch Berührung, Sprache und innere Vorstellung dem Körper zugeordnet. Der Beginn erklärt die Hand-Einsetzung und die geistige Bedeutung der sechs Glieder. Für diesen Werkteil wird die beschädigte OCR mit der digitalisierten Druckausgabe abgeglichen; unklare Stellen bleiben sichtbar.
Hand-Nyāsa und die Bedeutung der sechs Glieder
19.NP.1 (Nāradapañcarātra): Auf den mit Mantra berührten Händen setze man die Glieder ein, o Nārada, zugleich vom Ansatz bis zu den Spitzen, in umfassender Weise.
19.NP.2: Den Nyāsa an den übrigen Fingern vollziehe man mit dem Daumen; den den Daumen betreffenden Nyāsa dagegen mit der Spitze des Zeigefingers.
Die geistige Deutung der sechs Gliedmantras wird aus dem Prathamatantra angeführt:
19.PT.1: [Der Anfang fehlt bereits im Druck.] Was durch die Erkenntniskraft erfasst wird, gilt als Herz. Mit Namaḥ ist die Verneigung bezeichnet; diese wird nun durch das Herzmantra vollzogen.
19.PT.2: Die Verehrungshandlung ist durch die Erkenntniskraft zu erfassen. „Kopf“ wird auf das Oben beziehungsweise Höhere bezogen. Durch Svāhā wird dann das Herbeiführen der eigenen Wahrnehmungsgegenstände bezeichnet.
19.PT.3: Daher wird durch das Kopfmantra die Darbringung der Gegenstände nach oben erklärt. Die Śikhā, der Haarbüschel, bedeutet Lichtglanz, Vaṣaṭ das Glied; durch das Śikhā-Mantra wird die eigene Körpergestalt als Lichtglanz verstanden.
19.PT.4: Die Wurzel „Kav“ wird mit Erfassen erklärt; damit verbunden ist das Wort „Kavaca“, Schutzpanzer. Huṃ ist Lichtglanz. Durch den Schutzpanzer wird deshalb [der Leib] von diesem Glanz erfasst …
19.PT.5: … der Körper des Mantraübenden. „Auge“ ist Blick und Sehen; dies wird mit Vauṣaṭ bezeichnet. Dadurch soll der betreffende Glanz im Sehen aufleuchten. Das letzte Verb ist im Druck nicht völlig eindeutig lesbar.
19.PT.6: [Der Übergang enthält eine unsichere Wortverbindung.] Die Wurzel „As“ bezeichnet Werfen, „Trai“ Bewahren beziehungsweise Schützen. Phaṭ ist Feuer; damit soll man das Unerwünschte fortwerfen und Schutz gewähren. Der gedruckte Zusatz zur Bedeutung von „Trai“ ist schwer lesbar und wird hier nicht frei ergänzt.
Diese Erklärungen sind traditionelle Wort- und Mantradeutungen. Sie werden als religiöse Auslegung wiedergegeben, nicht als historische Etymologie.
Im Gautamīya heißt es:
19.GT.1: Das durch das Herzmantra verehrte Selbst befindet sich im Herzen des Bewusstseinswesens. Mit dem Herzmantra wird anschließend die Ausrichtung auf dieses Höchste vollzogen.
19.GT.2: Der Kundige bringt mit dem Kopfmantra die Wahrnehmungsgegenstände in das Bewusstseinsselbst ein, das aus Bewusstheit besteht und mit Eigenschaften wie Allwissenheit versehen ist. Die grammatische Verbindung der Eigenschaftsangabe ist im Druck verkürzt.
19.GT.3: Mit dem Śikhā-Mantra wird aufmerksam die feste Vorstellung gebildet, dass der eigene Körper aus jener Bewusstseinshelle besteht, die als Herz und Kopf erscheint.
19.GT.4: Mit dem Schutzpanzer-Mantra wird der aus Mantra bestehende Körper ringsum ohne Zwischenraum in den durch das Mantra bezeichneten Lichtglanz eingehüllt.
19.GT.5: Was höchste Erkenntnis im höchsten, aus Bewusstheit bestehenden Selbst gibt – jener aus Herz und den übrigen Gliedern bestehende Glanz –, wird als „Auge“ bezeichnet.
19.GT.6: Jene höchste Lichtstätte wird als das bezeichnet, was beim Übenden die aus Unwissenheit entstandenen Unreinheiten zerstört, die sich als inneres Leid und in weiteren Formen zeigen.
„Dem Auge“ oder „den drei Augen“?
Kommentar: Manche verwenden beim Sechsglied-Nyāsa „Netratrayāya vauṣaṭ – Den drei Augen Vauṣaṭ“. Der Verfasser hält deren Beleg für prüfbedürftig. Der Prapañcasāra spricht von den Dativformen für Herz, Kopf, Haarbüschel, Schutzpanzer, Auge und Waffe. Die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā nennt dieselben sechs Glieder; ebenso verlangt der Jñānārṇava ihre Einsetzung mit dem Dativ. Da diese Belege jeweils die Einzahl erkennen lassen, sei „Netrāya – Dem Auge“ die maßgebliche Form.
Als weiteren Beleg zitiert er eine verschlüsselte Mantrabildung aus dem Nāradapañcarātra:
19.NE.1: Man nehme „das Reine“, auf „Feuer“ gesetzt, den mit „Verbergen“ bezeichneten „Lotos“, den alleinstehenden Śaṅkara und zuletzt das nach Westen gerichtete [Lautzeichen] mit Ra. Die Drucklesung des letzten Ausdrucks wird bereits durch die Herausgeber als „mit Ra“ erläutert.
19.NE.2: Danach erschließe man Ajita, auf dem Nektarträger stehend. Man füge den alleinstehenden Herrn der Erde und das dreisilbige Wort „Netrāya“ hinzu.
Unnummerierter Halbvers: An dessen Ende steht Vauṣaṭ: So wird dieses Augenmantra bezeichnet.
Kommentar: Die Lautbezeichnungen werden hier als solche übersetzt; eine nicht im Zitat selbst erläuterte vollständige Bīja-Folge wird nicht ergänzt. Der Verfasser erklärt, das Nāradapañcarātra sage die Form ausdrücklich. Andernfalls müsste man bei einer zweiäugigen Gottheit folgerichtig auch „Netrābhyām – Den beiden Augen“ und andere abgewandelte Worte zu Bestandteilen des Mantras machen.
Der eigene Körper als Yogapīṭha
19.PS.1 (Prapañcasāra): Wer eingeweiht ist und dieses Mantra wiederholen möchte, bilde aus dem eigenen Körper einen trefflichen Yogasitz. Seine Glieder werden durch die beiden Schultern, beide Oberschenkel, die Füße, das Gesicht, den Nabelbereich und die beiden Seiten gestaltet und erhellt.
Kommentar und weitere Zitate: Padmapādācārya sagt: In der Mitte verehre der Mantraübende Ananta und die weiteren Gestalten bis zum Erkenntnisselbst, anschließend das als Pīṭha bezeichnete Mantra. Īśānaśiva lehrt, die tragende Śakti im Herzen zu verehren, Dharma an der rechten Schulter, Erkenntnis an der linken und an linkem und rechtem Oberschenkel Leidenschaftslosigkeit beziehungsweise Herrschaftskraft.
„Ananta und die weiteren“ schließt nach der Erläuterung den Lotos, Sonne, Mond, Feuer, Sattva, Rajas, Tamas, Selbst, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnisselbst ein. Hinzu kommen die Prinzipien der Erkenntnis, Māyā, begrenzten Wirkkraft, Vidyā und des Höchsten.
Das Uttaratantra entfaltet die Zuordnung:
19.UP.1: Im Mūlādhāra setze man den Frosch ein; im Svādhiṣṭhāna Rudra, der Kālagni heißt; im Nabellotos die ursprüngliche Natur, Mūlaprakṛti.
19.UP.2: Im Herzen setze der vortreffliche Übende die tragende Śakti ein, dann Schildkröte und Ananta, den Eber, die Erde und den Nektarozean.
19.UP.3: Er setze die Juweleninsel ein, darin den goldenen Berg, über diesem den Nandana-Garten und in dessen Mitte den Juwelenpavillon. Der überlieferte Satz wechselt stellenweise die grammatische Form; die Reihenfolge der Vorstellungen bleibt erkennbar.
19.UP.4: Dieser strahlt wie zehn Millionen Sonnen und ist von einer goldenen Mauer umgeben. In die Mitte des Juwelenpavillons setze man einen aus Gold gefertigten Altar …
19.UP.5: … und in dessen Mitte einen glückverheißenden Juwelenthron. Im eigenen Körper bilde man den Sitz durch Dharma und die übrigen Eigenschaften.
19.UP.6: An der rechten Schulter setze man Dharma ein, an der linken Erkenntnis, an der Wurzel des linken Oberschenkels Leidenschaftslosigkeit und rechts Herrschaftskraft.
19.UP.7: Am Gesicht setze man Adharma ein, an der linken Seite Unwissenheit, im Nabelbereich fehlende Leidenschaftslosigkeit und an der rechten Seite fehlende Herrschaftskraft.
19.UP.8: Dharma und die übrigen positiven Eigenschaften stelle man als Füße des Sitzes vor, die anderen als dessen weitere Bauteile. Im Herzen setze man Ananta ein, auf ihm den Lotos und über dessen innerem Blütenboden …
19.UP.9: … die Sonne, bei den Staubfäden den Mond und auf den Blütenblättern das Feuer. Ihre jeweiligen Kalās setze man an den entsprechenden Stellen ihrer Maṇḍalas ein.
Kommentar: „An den entsprechenden Stellen“ wird zugleich zeitlich erläutert: jeweils bei der Einsetzung des betreffenden Maṇḍala. Das verbindende Wort wird als nachdrückliches „eben“ verstanden.
19.UP.10: Danach setze man die drei Guṇas, beginnend mit Sattva, ein; anschließend Selbst, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnisselbst.
19.UP.11: Darauf folgen nacheinander die Prinzipien Erkenntnis, Māyā, begrenzte Wirkkraft, Vidyā und das Höchste. Dann setze der vortreffliche Lehrer das Pīṭha-Mantra ein.
Unnummerierter Halbvers: Auf diesem aus dem eigenen Körper bestehenden Sitz meditiere man über die erwählte Gottheit.
Fortsetzung des Kommentars zum Sitz: Aus den Formulierungen „das als Pīṭha bezeichnete [Mantra] zuletzt“, „das Pīṭha-Mantra anschließend“ und „er setze das Pīṭha-Mantra ein“ in drei Werken, darunter Prapañcasāra und Śāradātilaka, schließt der Verfasser, dass dort kein gesonderter Nyāsa der Pīṭha-Śaktis vorgesehen ist. Es folgt der Nyāsa des Grundmantras.
Nyāsa des Grundmantras und die Handgesten
19.RY.1 (Rudrayāmala): Nach drei Atemregelungen mit dem Grundmantra setze der Übende dessen Ṛṣi, Versmaß und Gottheit vorschriftsgemäß ein.
19.RY.2: Er vollziehe den Hand- und Glied-Nyāsa sowie die übrigen in den jeweiligen Ritualtexten genannten Nyāsas. Danach zeige der Mantraübende die Mudrās.
19.NN.1 (Nāradapañcarātra): Nachdem man zunächst auf diese Weise die Einsetzung an den Händen vorgenommen hat, führe man anschließend die weiteren Handlungen aus, die zum Grundmantra und den übrigen eingesetzten Mantragruppen gehören …
19.NN.2: … nämlich diejenigen Nyāsas, die der nach Vollendung Strebende für das betreffende Mantra vollziehen soll. Danach [erfolge die Einsetzung] mit den Mutterbuchstaben, die mit Bindu versehen und vom Mantra umschlossen sind …
19.NN.3: … nach dem in der Lehre dargestellten Verfahren. Oder man vollziehe die Glied- und Hand-Nyāsas; anschließend zeige man die Mudrās. Die Sätze des Zitats sind über die Versgrenzen hinweg verbunden.
19.KN.1 (Kulārṇava): Wer täglich die Nyāsas auf dem vom Āgama beschriebenen Weg vollzieht, erlangt den Zustand der Gottheit; die Vollendung des Mantras stellt sich ein.
19.KN.2: Vor dem, der vom Schutzpanzer des Nyāsa umhüllt das Mantra wiederholt, o Geliebte, fliehen die Hindernisse wie Elefanten beim Anblick eines Löwen.
19.KN.3: Wer unverständig Japa vollzieht, ohne die Nyāsas ausgeführt zu haben, wird gewiss von Hindernissen bedrängt wie ein junges Wildtier von Tigern.
19.KP.1 (Kālikāpurāṇa): Bei einer Fülle von Nyāsas besteht auch eine Fülle von Früchten. Den vorgeschriebenen Nyāsa soll man nicht aufgeben; zusätzliche könne man vollziehen.
Diese Aussagen erläutern den Stellenwert des Nyāsa innerhalb der betreffenden Ritualüberlieferung. Sie sind keine allgemeine Drohung gegen Menschen, die eine andere oder eine einfachere Form der Mantrapraxis pflegen.
19.UM.1 (Uttaratantra): Mit dem zweiten [Kūṭa] nach dem Vāgbhava, dem Kāmarāja, o Bhairava, soll die Mudrā gebunden werden; mit dem Grundmantra wird sie gezeigt.
19.UM.2: Das Auflösen der Mudrā geschehe mit dem Tārā-Bīja. Dieses wird aus dem ersten der Schlussbuchstaben, dem sechsten Vokal, Halbmond und Bindu gebildet …
Unnummerierter Abschluss und Kommentar: … so wird das Tārā-Bīja bezeichnet. Der erste der Schlussbuchstaben ist Ha; das Übrige erklärt der Verfasser für leicht verständlich.
Meditation mit Eigenschaften und jenseits der Eigenschaften
19.UD.1 (Uttaratantra): Danach meditiere der Mantraübende auf dem im jeweiligen Ritualtext angegebenen Weg. Meditation gilt als geistiges Erkennen der eigenen erwählten Gottheit.
19.UD.2: Sie wird als zweifach beschrieben: mit Eigenschaften und ohne Eigenschaften. [Für die erste Form stelle man sich] den eigenen Herzlotos vor, mit leuchtendem Blütenboden und Staubfäden …
19.UD.3: … voll erblüht und durch die Kreise von Mond, Sonne und Feuer erstrahlend. Dort meditiere man über die eigene erwählte Gottheit, wie sie im Āgama gelehrt wird.
19.UD.4: Eine solche Vergegenwärtigung heißt Meditation mit Eigenschaften. Das Erkennen der Einheit von individuellem Leben und Brahman – „Ich bin Das“ – …
Unnummerierter Halbvers: … erkennen die Brahmankundigen dagegen als Meditation ohne Eigenschaften.
Kommentar: Die einzelnen Meditationsbilder sollen in den jeweiligen Ritualabschnitten folgen.
Die innere Verehrung geht der äußeren voraus
Unnummeriertes Zitat aus dem Yoginītantra: Nun werde ich die innere Verehrung erklären; höre genau zu. Man ziehe durch den linken Kanal ein und ziehe das Herz etwas zusammen. Dies, o Göttin, wird als innerer Yoga nach dem Wort des Gurus mitgeteilt. Die knappe Atemanweisung ist Quelleninhalt und wird hier nicht als selbstständig auszuführende Übung ausgegeben.
Weitere Belege: Das Phetkāriṇītantra sagt: „Nachdem man innerlich mit Hingabe verehrt hat, vollziehe man die äußere Pūjā.“ Im Gautamīya heißt es: „Man vollziehe die geistige Verehrung; danach bereite man das Arghya.“
19.UI.1 (Uttaratantra): Nach der Meditation verehre der Mantrakundige den Sitz innerlich entsprechend dem Nyāsa-Verfahren. Auf diesem Sitz stelle er sich die erwählte Gottheit in freundlicher Gestalt vor …
19.UI.2: … und verehre sie mit geistig dargebrachtem Sandelholz und den weiteren Gaben bis hin zur Speise. Beim Darbringen der Speise vollziehe man auch innerlich das Vaiśvadeva-Opfer.
19.UI.3: Im Mūlādhāra stelle man sich eine Feuergrube vor, in der das Feuer der Kuṇḍalinī entsteht. Ihre vier Seiten sind Selbst, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnisselbst.
19.UI.4: Sie ist mit Dharma und Adharma verbunden. Dort bringe man nacheinander die Gaben dar, jeweils nach dem Grundmantra mit den Worten: „Dies opfere ich, Svāhā.“
19.UI.5: Ichbezogenheit, Diebstahl, Verleumdung, Begehren, Zorn und die übrigen [Verfehlungen] sind die Opfergabe. Der Geist gilt als kleiner Opferlöffel, die Suṣumṇā als großer Opferlöffel.
19.UI.6: Danach, von der Gottheit erfüllt, wiederhole man das Mantra nach seinem Vermögen. Diesen Japa bringe man der Gottheit zur Erlangung aller Erfüllung dar.
Kommentar: Das Mantra zur Darbringung des Japa, das mit „Guhyāti …“ beginnt, wurde bereits zuvor genannt.
Vom inneren Opfer zum Verehrungsdiagramm
19.LS.1 (Lalitasāgara): Nachdem man auf diese Weise nach seinem Vermögen Japa geübt hat, o Göttin, bringe man ihn dar. Man verneige sich vor dem Guru und fertige vorschriftsgemäß das Verehrungs-Cakra an.
19.SI.1 (Siddhīśvaratantra): Nachdem sich der Übende hingebungsvoll vor dem verehrten Guru verneigt hat, zeichne er mit Kuṅkuma und weiteren Stoffen das Verehrungs-Cakra auf eine aus Gold oder anderem Material bestehende Unterlage.
19.SI.2: Er stelle es vor sich auf einem glückverheißenden Sitz auf, o Herrin der Götter, und bringe dort mit dem Grundmantra eine Handvoll Blüten dar.
Kommentar: Das Verfahren zur Gestaltung des Verehrungs-Cakra wurde bereits zuvor erklärt.
Weihe des Yantra nach der Kādī-Überlieferung
Unnummeriertes Zitat aus dem Tantrarāja: Die Einsetzung wird als dreifach bezeichnet: im Cakra, in der Göttin und im Schüler. Sie ist durch einen Kundigen der Wirklichkeitsprinzipien zu vollziehen, der der Überlieferung folgt.
Kommentar: Mit Cakra ist das Verehrungsdiagramm gemeint, mit „Göttin“ ihr Bild. „Göttin“ steht hier stellvertretend für die jeweils erwählte Gottheit, sodass die Regel deren Bild betrifft. „Kundig der Prinzipien“ heißt: vertraut mit dem Verlauf von Mond- und Sonnenkanal, den Zeiten des Hervortretens der fünf Elemente, beginnend mit der Erde, und deren Wirkungen; alternativ versteht der Verfasser darunter jemanden, der Selbsterkenntnis besitzt. Der Überlieferung zu folgen bedeutet, die Folge der Gurus zu kennen, den Guru-Kreis zu verehren und sich den täglichen sowie anlassbezogenen Formen der Verehrung zu widmen.
Weiteres unnummeriertes Zitat: Der Kundige lasse die Handlung zu einem Zeitpunkt mit festem Aszendenten, günstigen Planeten, förderlicher Konstellation und guten Eigenschaften vollziehen, oder an einem glückverheißenden Tag bei einer als Pūrṇā bezeichneten Mondtageslage.
Kommentar: „Fest“ wird als fester Aszendent erklärt. „Mit günstigen Planeten“ schließt einen von ungünstigen Planeten besetzten Zeitpunkt aus. Dennoch könnten Planetenstellungen im achten, vierten oder zwölften Haus ungünstig sein; deshalb wird zusätzlich „förderlich“ verlangt. Da das Warten auf einen vollkommen bestimmten Termin wiederum Hindernisse verursachen könne, fügt der Text „mit guten Eigenschaften“ hinzu. Gemeint sei ein Zeitpunkt, dessen geringe Mängel von seinen Vorzügen überwogen werden. Dies ist die astrologische Begründung der Quelle, keine überprüfte Vorhersagemethode.
19.TRW.1: Zunächst bade man [das zu weihende Bild oder Diagramm] mit Honig, Ghee und Milch, danach mit Kokoswasser und anschließend mit dem beschriebenen Pflanzenwasser. Die abschließende Pflanzenbezeichnung ist im Druck nicht eindeutig lesbar.
19.TRW.2: Nach Anrufung und Verehrung mit dem zugehörigen Mantra stelle man das Cakra auf und verehre es. Die Nityās verehre man nacheinander mit der aus der betreffenden Zeitzuordnung hervorgehenden Vidyā. Die mittlere Wortverbindung zur Zeitzuordnung bleibt textlich unsicher.
19.TRW.3: Man wiederhole das Mantra, während man das Śrīcakra mit den Fingerspitzen berührt, und verehre es. Nachdem man dies drei Tage getan hat, gehe man zur täglichen Ordnung über.
19.TRW.4: Drei Nächte lang verehre man die Göttin zusammen mit Yoginīs und Yogins, mit Duftstoffen, Blüten, Speisegaben, Lampen und sättigenden Darbringungen. Speisegaben werden im überlieferten Wortlaut zweimal genannt.
Unnummerierter Abschluss: So bewirkt diese Folge bei der Einsetzung der Göttin ihre Gegenwart.
19.LA.1 (Lalitasāgara): Zuerst vollziehe man mit den im Veda gelehrten Mantras die rituelle Herausnahme aus dem Feuer, insbesondere bei aus Metall gefertigten Cakras und Bildern.
Kommentar: Das Verfahren des Agnyuttāraṇa soll im praktischen Teil erläutert werden. Die anschließende Bereitstellung der Gefäße wurde bereits ausführlich beschrieben.
Besprengung der Materialien
19.ŚP.1 (Śāradātilaka): Der Guru besprenge sich selbst, die Verehrungsgegenstände, das Maṇḍala und nacheinander auch die übrigen Dinge mit Wasser aus dem Besprengungsgefäß und dem Mantra.
19.KD.1 (Kulārṇava): Der Ritualkundige besprenge die Verehrungsmaterialien mit Grund- und Waffenmantra und zeige die Dhenu-Mudrā. Dies wird Reinigung der Materialien genannt.
Unnummeriertes Zitat aus dem Rudrayāmala: Man bringe nichts Unbesprengtes dar; auch verehre man nicht, ohne selbst besprengt worden zu sein.
19.ŚY.1 (Śāradātilaka): Dann verehre man im eigenen Körper in der Reihenfolge des Nyāsa Dharma und die übrigen [Sitzgottheiten] bis zum Pīṭha-Mantra mit Blüten und weiteren Gaben; in jenem Lotos verehre man die Gottheit.
19.ŚY.2: Mit ungeteilter Aufmerksamkeit bringe man fünfmal Blüten mit gefalteten Händen dar: der Reihe nach am Kopf, am Herzen, an der Basis, an den Füßen und am gesamten Körper.
19.ŚY.3: Man verehre mit Duftstoffen und den übrigen Darbringungen, die Speisegabe ausgenommen. Alles Weitere vollende man nach der Unterweisung des Gurus.
Unnummerierter Halbvers: Gesammelt vollziehe man dies alles mit dem Wasser aus dem Besprengungsgefäß.
Kommentar: „Dharma und die übrigen“ steht stellvertretend für sämtliche Gottheiten des Yogasitzes, vom Frosch bis zum Pīṭha-Mantra. Sie sind an den entsprechenden Orten des Yogapīṭha-Nyāsa zu verehren. „Alles Weitere“ bezeichnet Japa und die folgenden Handlungen.
19.UF.1 (Uttaratantra): In der zuvor beschriebenen viereckigen Feuergrube im Mūlādhāra bringe der Mantraübende wie zuvor Dharma, Adharma und die weiteren inneren Gaben dar.
Das Feuer des Bewusstseins
19.PR.1 (Prakāśodaya): Oder das Feuerritual werde im Inneren vollzogen; dieses werde ich erklären: im Kreis des Bewusstseinsfeuers, an der Wurzel der Körperachse, in der Gestalt der Kuṇḍalinī …
Unnummerierte Fortsetzung: … in einer dreieckigen Feuergrube, deren Glanz dem Kreis der aufgehenden Sonne gleicht.
Kommentar: Hier bestehen die dreieckige und die viereckige Form der Feuergrube als Alternativen.
19.PR.2: [Der Anfang fehlt bereits im Druck.] … durch den Brennstoff der eingeprägten Neigungen entfacht und durch die fünf Lebenswinde …
19.PR.3: … zusammengeführt [der anschließende Ausdruck ist beschädigt beziehungsweise nicht sicher lesbar], bringe man im Feuer die Gabe dar. Nach dem Aussprechen der Grundvidyā gebe man sieben Opfergaben.
19.PR.4: Man rezitiere den folgenden Vers als Mantra, als Höchstes, schwerer wiegend als anderes: „Im Feuer des Selbst, das durch die Gaben von Dharma und Adharma aufleuchtet, mit dem Geist als Opferlöffel …“
19.PR.5: „… bringe ich auf dem Weg der Suṣumṇā beständig die Tätigkeiten der Sinne dar.“ Nach der mit Svāhā abschließenden Gabe bringe der Guru das Vollopfer dar.
19.PR.6: Nach dem Aussprechen der Grundvidyā rezitiere er diesen weiteren Vers: „Mit den Händen des Leuchtens und der bewussten Selbstwahrnehmung halte ich den Opferlöffel Unmanī …“
19.PR.7: „… und opfere im Feuer, das mit dem Öl der Anteile von Dharma und Adharma gefüllt ist.“ Nach der mit Svāhā abschließenden Opfergabe, durch das Stillhalten im Prāṇāyāma …
Unnummerierter Halbvers: … vergegenwärtige man das aus Bewusstsein bestehende Selbst, von sämtlichen begrenzenden Bedingungen frei.
Das Zitat beschreibt eine innere Darbringung. Das erwähnte Atemstillhalten wird als Bestandteil der historischen Anleitung übersetzt, nicht als allgemeine Übungsempfehlung.
19.JH.1 (Jñānārṇava): Verdienst und Verfehlung sind die Gabe, o Göttin; das zu Tuende und das nicht zu Tuende sind die Gabe, o Geliebte. Entschluss und unterscheidende Vorstellung, Dharma und Adharma, sind die Gabe, o Geliebte.
Kommentar: Die Art des Opferns wird im praktischen Teil erläutert. Der Mantratantraprakāśa sagt, der Mantraübende solle nach hingebungsvoll vollzogener innerer Verehrung täglich tausendachtmal Japa üben. „Inneres Opfer“ bedeutet Verehrung innerhalb des Körpers.
19.UA.1 (Uttaratantra): Nachdem man auf diese Weise die Verehrung des Selbst vollzogen hat, übe man Japa nach seinem Vermögen, mit gesammeltem Geist das eigene Selbst als die erwählte Gottheit vergegenwärtigend.
Kommentar: Daraus folgert der Verfasser, dass die Zahl tausendacht sich auf jemanden bezieht, der dazu imstande ist.
Verehrung des Sitzes, der Lehrer und Gaṇapatis
19.UC.1 (Uttaratantra): Der Mantrakundige besprenge das Verehrungs-Cakra mit Arghya-Wasser und dem Grundmantra. Danach vollziehe er dort die Verehrung des Sitzes.
19.UC.2: Anschließend verehre man nördlich der Gottheit die Reihe der Gurus. Im Süden verehre man Mahāgaṇapati mit Sandelholz und weiteren Gaben.
Kommentar: „Nördlich“ meint die nördliche Himmelsrichtung, hier also nahe dem rechten Arm der Gottheit. Die Anrufung wird später entsprechend erläutert.
Schutzbitten an die Gottheiten des inneren Sitzes
19.RS.1 (Rudrayāmala): Ganz unten, auf dem Frosch als Grundlage, möge der mächtige Rudra als Zeitfeuer mich schützen; ebenso die ursprüngliche Natur, Mūlaprakṛti.
19.RS.2: Dann möge die tragende Śakti meinen Schutz gewähren. Die Schildkröte behüte mich beständig; Ananta schütze mich immer.
19.RS.3: Der Eber mit dem Cakra, der sich auf seinem Haupt befindet, möge mich ringsum beschützen. Die auf dessen Zahn ruhende Erde, die Schätze Tragende, behüte mich stets.
19.RS.4: Der Ozean mit seinen nektargleichen Wassern möge mich immer behüten; ebenso die Juweleninsel und der goldene Berg. Das nähere Attribut der Wasser ist in der Druckvorlage unsicher lesbar.
19.RS.5: Der Nandana-Garten behüte mich, die wunscherfüllenden Bäume mögen mich beschützen. Unter ihnen behüte mich stets der vielfältige Juwelenboden.
Unnummerierter Halbvers: Der heilige Juwelentempel behüte mich, und stets behüte mich der Altar.
Gestalten der tragenden Kräfte
19.BY.1 (Bhairavayāmala): Zuerst verehre man den roten, großleibigen Frosch, darauf Kālagni-Rudra mit zehn Armen …
19.BY.2: … fünf Gesichtern und einer roten rechten sowie schwarzen anderen Körperhälfte. Darüber verehre man Mūlaprakṛti, leuchtend wie eine Bandhūka-Blüte und mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit.
19.UŚ.1 (Uttaratantra): Unter dem Sitz verehre man die rote tragende Śakti. In ihren lotosgleichen Händen hält sie Schlinge und Elefantenhaken und zeigt Gewährung und Furchtlosigkeit.
19.UŚ.2: Über ihr wird die Schildkröte verehrt, deren Panzer wie Gold erstrahlt. Darüber verehre man den tausendköpfigen, weißen, geschmückten …
19.UŚ.3: … großleibigen Ananta in blauem Gewand. Dort [folgt] der blaugestaltige, schön geschmückte Eber in gelbem Gewand …
19.UŚ.4: … der Muschel, Cakra, Keule und Lotos hält. [Es folgt] die glückverheißende [Erde], die eine Reisähre und einen Papagei in ihren Lotoshänden trägt und Gewährung sowie Furchtlosigkeit zeigt …
Unnummerierter Halbvers: … auf seinem Hauer: Der gesammelte Übende verehre dort die bläulich leuchtende Erde.
Juweleninsel, Pavillon und Thron
Kommentar mit Quellenzitaten: Die Juweleninsel besteht aus neun Edelsteinarten. Der Tantrarāja spricht von einer aus neun Juwelen bestehenden, in neun Bereiche gegliederten Insel und nennt unter anderem Puṣpa[rāga], Nīla und Vaiḍūrya. Der Verfasser erklärt, die neun edelsteinernen Bereiche seien in umgekehrter Folge, bis zur Mitte hin, zu meditieren. Dafür verweist er auf denselben Text, den Kurukullā-Abschnitt: „Nachdem man im Westen den Puṣparāga[-Bereich] erreicht hat, steige man dort herab.“ Das verkürzt angeführte Zitat enthält hier keine vollständige Liste aller neun Steine.
Der Juwelentempel besteht aus neun Juwelenarten oder aus Rubinen. Das Uttaratantra nennt einen vielfältigen, von einer goldenen Mauer umgebenen Pavillon. Das Devīyāmala sagt: „Im Nektarozean, auf der Juweleninsel, die durch einen Wald von Wunschbäumen erstrahlt, vergegenwärtige man sich den von einer goldenen Mauer umgebenen Rubinpavillon.“ Der Altar besteht aus Gold; das Uttaratantra verlangt die Verehrung des vielfältigen Pavillons mit seinem goldenen Altar. Weiter heißt es dort, man solle den Juwelenthron samt Maṇḍala verehren. „Samt Maṇḍala“ meint das Maṇḍala in Gestalt des jeweils zugehörigen Verehrungs-Cakra.
19.UPF.1 (Uttaratantra): An den Füßen des Thrones verehre man in der Folge vom Südosten bis zum Nordosten zunächst Dharma: rot und in der Gestalt eines Stieres.
19.UPF.2: Danach verehre man gesammelt Erkenntnis als dunklen Löwen, anschließend Leidenschaftslosigkeit als gelbe Geistgestalt.
19.UPF.3: Herrschaftskraft verehre man schwarz und in Elefantengestalt. Dann verehre man, von vorn ausgehend, in den vier Richtungen …
Unnummerierter Halbvers: … Adharma und die übrigen, wiederum als die verschiedenen Bauteile des Sitzes vorgestellt.
Zitat aus dem Vāmakeśvaratantra: In der Mitte verehre der vortreffliche Übende Māyā und Vidyā.
Der Lotos auf Ananta
19.UL.1 (Uttaratantra): Danach verehre man Ananta in Gestalt eines Ruhebetts in der Mitte des Sitzes. Auf seinem Haupt verehre man den Lotos, der mit sämtlichen Kennzeichen versehen ist.
19.UL.2: Man verehre die Wurzelknolle als Glückseligkeit und anschließend den Stängel als Bewusstheit, die Blätter als ursprüngliche Natur und die Staubfäden als deren Umgestaltungen …
Unnummerierter Halbvers: … und den entsprechend gestalteten inneren Blütenboden, dessen Leib aus den Mutterbuchstaben besteht.
19.LP.1 (Liṅgapurāṇa): Das östliche Blütenblatt besteht unmittelbar aus Aṇimā, der Kraft der Kleinheit, und ist unvergänglich. Das südliche ist Laghimā, Leichtigkeit, das westliche Mahimā, Größe.
19.LP.2: Das nördliche Blatt ist Prāpti, die Kraft des Erlangens, das südöstliche Prākāmya, ungehindertes Verwirklichen. Das südwestliche Blatt ist Īśitva, Herrschaft, und das nordwestliche Vaśitva, Verfügungsmacht.
19.LP.3: Das nordöstliche Blatt ist Allwissenheit. Der innere Blütenboden wird als Mond bezeichnet. Unter dem Mond befindet sich die Sonne, darunter das Feuer selbst.
19.UGU.1 (Uttaratantra): In den Blattbereichen des Lotos verehre man nacheinander Sattva und die übrigen Guṇas sowie die Kreise von Sonne, Mond und Feuer …
Unnummerierter Halbvers: … und die drei, beginnend mit dem Selbst, die Brahmā, Viṣṇu und Maheśa heißen, in der entsprechenden Reihenfolge.
19.SG.1 (Saṃmohanatantra): Der Sattva-Guṇa hat die Gestalt des Schöpfers, Rajas die Gestalt der Prakṛti, Tamas die Gestalt der Verblendung. So werden die drei Guṇas beschrieben.
19.VM.1 (Vāmakeśvaratantra): [Der Anfang fehlt im Druck.] Man verehre das aus dem Erkenntnisprinzip Bestehende, ebenso das aus dem Zeitprinzip Bestehende und das aus dem Vidyā-Prinzip Bestehende …
Unnummerierte Fortsetzung: … und das aus dem höchsten Prinzip Bestehende, nacheinander in den vier Richtungen und in der Mitte. Die Vorlage liest hier Kāla, Zeit; dies wird nicht stillschweigend an die zuvor genannte Kalā angeglichen.
19.PM.19 (Prapañcasāra; die zitierte Nummer lautet 19): In der Mitte verehre man Ananta, auf ihm den Lotos, Sonne, Mond und Feuer mit den getrennten Buchstaben von Oṃ; ferner die drei Guṇas, beginnend mit Sattva, zusammen mit den Selbst-Zuordnungen sowie die Śaktis an den Staubfäden und in der Mitte.
19.UŚA.1 (Uttaratantra): Danach verehre man an den Staubfäden und in der Mitte, in der Reihenfolge vom Osten aus, die neun Śaktis des im jeweiligen Mantra angegebenen Sitzes.
Unnummerierter Halbvers: Anschließend verehre man in der Mitte den Sitz mit dem Pīṭha-Mantra, Duftstoffen und weiteren Gaben.
19.SK.1 (Sanatkumārasaṃhitā): Auf den acht Blättern vom Osten an und auf dem Blütenboden verehre man sie, o Weiser, jeweils mit ihren eigenen Namen im Dativ, verbunden mit Namaḥ.
Unnummerierter Halbvers: In der Mitte bringe der Mantrakundige mit dem Pīṭha-Mantra Blüten in gefalteten Händen dar.
Wie die Richtungsangaben zu verstehen sind
Kommentar: Die Verehrung geschieht im Uhrzeigersinn, entsprechend dem Mantratantraprakāśa. Bei der Angabe „vom Osten an“ gilt hier der Westen als ritueller Osten. Der Verfasser begründet dies mit der Buchstabenanordnung im Yantra nach dem Jñānārṇava: Die sechzehn Vokale werden paarweise auf die acht Blätter geschrieben, vom Westen an im Uhrzeigersinn. Auch bei der Verehrung der Umkreise wird der Raum vor der Gottheit als Osten bezeichnet; entsprechend solle man es hier vorstellen.
Hinzu kommen Saṅkarṣaṇas Worte „und ebenso rechts den Guru“ sowie die Vorschrift des Nāradapañcarātra zur Guru-Verehrung: Auf dem Maṇḍala, rechts vom Gott der Götter und oberhalb des Maṇḍala, verehre man die Gurus. Auch die vorherige Angabe „nördlich des Gottes der Götter“ sei daher als Verehrung oberhalb des Verehrungs-Maṇḍala zu verstehen. Bei der Verehrung Dharmas und der übrigen Sitzgottheiten bestimme man entsprechend Südosten und die anderen Richtungen von dem vor der Gottheit vorgestellten Osten aus.
Der Text nimmt dabei sprachlich etwas Zukünftiges als schon vorhanden vorweg: Die eigentliche Anrufung der Gottheit folgt erst anschließend mit der Anweisung „Nachdem man sie mit dem Mantra angerufen hat, o Weiser“. Die Richtungszuordnung setzt somit ihre bevorstehende Anwesenheit bereits voraus.
Zur „Geistgestalt“ der Leidenschaftslosigkeit: Mit Bhūta ist hier eine Klasse nichtmenschlicher Wesen gemeint. Der Verfasser beruft sich auf ein Wörterbuch und erläutert die Gestalt durch den Bhūtaḍāmara: Rākṣasas seien dunkel, in rote Gewänder gekleidet, mit furchterregenden Nägeln und Zähnen [die betreffende Wortfolge ist bereits im Druck mit einem Fragezeichen versehen], Schere und Schädelstab in den Händen und schrecklicher Gestalt. Bhūtas hätten eine entsprechende Gestalt, jedoch bedrückte Gesichter. Die konkreten Pīṭha-Śaktis und Pīṭha-Mantras sollen in den jeweiligen Ritualabschnitten folgen.
Einsetzung und Verehrung der Gottheitsgestalt
19.UMŪ.1 (Uttaratantra): Nachdem man die neun Śaktis des Sitzes, welche Gewährung und Furchtlosigkeit zeigen, an den Staubfäden und in der Mitte verehrt hat, verehre man den Sitz mit dem Pīṭha-Mantra.
19.UMŪ.2: Man spreche das Grundmantra und den Namen der Gottheit im Genitiv sowie „Ich gestalte die Erscheinungsform“ und setze die Gestalt in der Mitte ein.
19.UMŪ.3: Wiederum spreche man das Grundmantra und den Namen der Gottheit wie zuvor, dann „Ich verehre die Erscheinungsform“, und verehre sie mit einer Blüte.
19.UMŪ.4: Das Haupt der verehrten Gestalt sei stets mit einer Blüte geschmückt. Außerhalb der Verehrungszeit soll man die Hand nicht über ihr kreisen lassen.
Unnummerierter Abschluss des vorausgehenden Zitats: Zur Freude der erwählten Gottheit verehre man auch die heiligen Stätten.
Kommentar: Diese Stätten wurden bereits zuvor genannt; ebenso wurde die Vorschrift für die Maße des Śiva-Liṅga schon erklärt. Nun folgt die Herstellung eines Liṅga aus Erde als Bestandteil der Verehrung der erwählten Gottheit.
Die Verehrung des Liṅga aus Erde
Die folgende Darlegung erscheint als Gespräch zwischen Nārada und Īśvara. Ihre Vorrangbehauptung für die Śiva-Verehrung ist eine Aussage dieser religiösen Überlieferung; sie bewertet nicht allgemein die Gültigkeit anderer Religionen oder Verehrungsformen.
19.PL.1 – Nārada sprach: O Allmächtiger, erläutere mir vollständig das höchste, heilsame Mittel zu Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung. Ich bin einer, dem du deine Gnade zuwenden kannst.
19.PL.2: [Erläutere] dasjenige, das alle Sünden schwinden lässt, alles Unheil abwehrt, alles gefügig macht und im Kali-Zeitalter überall Vollendung gewährt.
19.PL.3 – Īśvara sprach: Höre, Nārada: Ich werde die Ordnung der Śiva-Verehrung erklären. Schon durch ihren Vollzug gilt der Mensch als einer, der das zu Tuende getan hat.
19.PL.4: Wer eine andere Gottheit verehrt, ohne ein Liṅga aus Erde hergestellt zu haben, dessen Verehrung sei vergeblich; vergeblich seien auch Baden, Geben und die weiteren Handlungen.
19.PL.5: Man beschaffe reine Erde und reinige sie nochmals besonders sorgfältig. Daraus forme man ein Liṅga nach der angegebenen Vorschrift.
19.PL.6: Man verehre dieses vortreffliche Erd-Liṅga vorschriftsgemäß. Es werde ungeteilt hergestellt, mit den [anschließend genannten] Namen. Die nähere Bestimmung der Namen in der zweiten Vershälfte ist im Druck unsicher.
19.PL.7: Das Herbeiholen der Erde, ihr Zusammenfügen, die Einsetzung und Anrufung, das Baden, die Verehrung und die Verabschiedung mit „Verzeihe“ …
19.PL.8: … geschehen der Reihe nach unter den Namen Hara, Maheśvara, Śūlapāṇi, Pinākadhṛk, Paśupati, Śiva und Mahādeva.
19.PL.9: Wer es in zwei Teilen herstellt, dessen Verehrung sei fruchtlos. Śiva [in dieser Gestalt] gleicht einer reifen Jambū-Frucht und verleiht alle gewünschten Güter.
19.PL.10: Wer eine Höhlung herstellt, dem bringe dies Verlust und Bedrängnis. Man verehre unmittelbar mit der eigenen Keimsilbe und dem Grundmantra.
19.PL.11: Ha, versehen mit dem vierzehnten Vokal und Bindu, bewirkt Śivas Gnade und wird Śiva-Praṇava genannt. Die Druckausgabe verzeichnet eine Variante mit Prāsāda.
19.PL.12: Man verehre ihn auch in den Gestalten Śarva, Bhava, Rudra, Ugra, Bhīma, Īśāna, Mahādeva und Paśupati.
19.PL.13: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Mond, Sonne und der Opfernde werden als seine acht Gestalten bezeichnet.
19.PL.14 – Nārada sprach: O Gott, nach welcher Vorschrift ist das alle Wünsche Gewährende zu vollziehen, durch dessen Ausführung allein ein Mensch das zu Tuende getan hat?
19.PL.15 – Īśvara sprach: O Weiser, die Menschen sollen täglich mit aller Sorgfalt ein vortreffliches Erd-Liṅga herstellen, auf ihr Anliegen ausgerichtet und aufmerksam.
19.PL.16: Das Erd-Liṅga gilt als ungeteilt, das fest aufgestellte Liṅga als zweiteilig. Das Erd-Liṅga ist nach der zuvor genannten Vorschrift zu verehren.
Überlieferte Zahlen für unterschiedliche Anliegen
Die folgenden Zahlen dokumentieren religiöse Wirkungsverheißungen, darunter auch historische Schadensmagie. Sie werden nicht als wirksame Verfahren oder als Empfehlung wiedergegeben. Die Quelle enthält voneinander abweichende Angaben für dasselbe Anliegen.
19.PL.17: Die Zahl der Erd-Liṅgas wird entsprechend dem Wunsch genannt: Wer Wissen begehrt, [verehre] tausend, wer Vermögen begehrt, fünfhundert.
19.PL.18: Wer einen Sohn begehrt, fünfzehnhundert; wer eine Geliebte begehrt, fünfhundert; wer Befreiung begehrt, zehn Millionen; wer Land begehrt, tausend.
19.PL.19: Wer Schönheit begehrt, dreitausend; wer einen heiligen Badeort begehrt, zweitausend; wer Freundschaft begehrt, dreitausend; wer Kleidung begehrt, achthundert.
19.PL.20: Für ein auf Tötung gerichtetes Ritual werden siebenhundert genannt, für Verblendung achthundert, für Vertreibung tausend.
19.PL.21: Für Erstarrung werden tausend genannt, für Tötung fünfhundert; wer Befreiung aus Fesseln begehrt, fünfzehnhundert. Für das zweite Anliegen verzeichnet der Druck eine Variante Vaśya, also Gefügigmachen; die Hauptlesung und ihre Abweichung von Vers 20 werden hier bewahrt.
19.PL.22: Bei Furcht vor einem mächtigen König fünfhundert, bei Gefahr durch Diebe und Ähnliches zweihundert, bei Furcht vor einer Ḍākinī wiederum fünfhundert.
19.PL.23: Bei Armut fünftausend; zehntausend gelten als alle Wünsche erfüllend. Ein einziges wird als Sünden beseitigend bezeichnet, zwei als Erfolg im Anliegen gewährend.
19.PL.24: Drei Liṅgas werden als höchstes Mittel für sämtliche Wünsche bezeichnet. Die Wirkung steigere sich entsprechend weiter, bis zu den zuvor genannten Zahlen.
Weitere Zahlenangaben aus einer anderen Quelle
19.LZ.1 (ein anderes Werk): Durch das Herstellen von zehntausend Liṅgas werde die Furcht vor einem mächtigen König beseitigt; fünftausend werden für die Befreiung aus Fesseln genannt.
19.LZ.2: Zur Befreiung aus Gefängnis und ähnlicher Haft lasse der Kundige zehntausend herstellen, bei Furcht vor Ḍākinīs und ähnlichen Wesen siebentausend.
19.LZ.3: Wer einen Sohn begehrt, lasse fünfundfünfzigtausend herstellen; durch zehntausend Liṅgas erlange man eine Tochter. Die erste Zahl ist als „fünfundfünfzig [mal] tausend“ formuliert und weicht von der früheren Angabe ab.
19.LZ.4: Auf diese Weise erlange man durch die Liṅga-Verehrung unvergleichliche Fülle. Wer auf Erden hunderttausend Liṅgas herstellt …
19.LZ.5: … werde selbst zu Śiva; darüber sei kein Zweifel zu hegen. Die Verehrung von Erd-Liṅgas gewähre die Frucht von zehn Millionen Opfern.
19.LZ.6: Sie gewähre stets Befreiung und Lebensgenuss und erfülle die jeweiligen Anliegen der Menschen. Zur Wiedergutmachung im Zusammenhang mit Brahmaneneigentum solle man ein goldenes Liṅga verehren.
Materialien und die ihnen zugeschriebenen Wirkungen
Die folgende Liste dokumentiert die Materialsymbolik und die Wirkungsverheißungen der Quelle. Aussagen über Heilung, Beeinflussung, Tötung oder Vertreibung werden weder als nachgewiesene Wirkungen noch als Handlungsanleitung empfohlen. Nicht eindeutig bestimmbare Stoffnamen bleiben benannt, ohne eine Verwendungsempfehlung daraus abzuleiten.
19.LZ.7: Salz wird mit Glück verbunden, Erde mit sämtlichen gewünschten Gütern. Ein aus Samenflüssigkeit bestehendes Liṅga wird als mit zahlreichen Vorzügen ausgestattet bezeichnet.
19.LZ.8: Ein Liṅga aus Sesampaste verleihe ein Dorf; eines aus Spreu wird einem Tötungsritual zugeordnet. Eines aus Speise gewähre Nahrung, eines aus Rohzucker vermehre Zuneigung.
19.LZ.9: Eines aus Duftstoffen gewähre Genuss, eines aus Zucker Glück. Wer Fortbestand der Familie wünscht, verehre ein Liṅga aus Gerstenmehl.
19.LZ.10: Mit Reismehl erlange man zahlreiche Söhne. Zur Vernichtung aller Krankheiten wird eines aus Kuhdung genannt.
19.LZ.11: Ein Liṅga aus Haaren und Knochen wird mit der Vernichtung sämtlicher Feinde verbunden. Ein als āsura bezeichnetes sowie eines aus Salz sollen alle Menschen gefügig machen. Die Stoffbezeichnung āsura wird hier nicht erläutert und deshalb nicht durch eine vermutete Pflanzenart ersetzt.
19.LZ.12: Für Erstarrung gilt ein Liṅga aus Kurkumapaste als geeignet; ein aus Reismehl bestehendes wird als Wissen verleihend bezeichnet.
19.LZ.13: Ein Liṅga aus Dickmilch und Milch gewähre Ruhm, Wohlstand und Glück. Eines aus Getreide gewähre Getreide, eines aus Früchten die gewünschte Frucht.
19.LZ.14: Für religiöses Verdienst wird ein mit Glück verbundenes Liṅga aus Dhātrī-Früchten genannt; die Wortverbindung ist im Druck nicht ganz eindeutig. Eines aus frischer Butter gewähre Ruhm und Herrschaft.
19.LZ.15: Eines aus Dūrvā und Guḍūcī wehre vorzeitigen Tod ab. Eines aus dem als Indradaṇḍa bezeichneten Stoff vertreibe den Gegner.
19.LZ.16: Ein Liṅga aus Saphir erfülle den Wunsch nach reicher Versorgung. Eines aus Bergkristall wird von den Weisen als weitreichende Herrschaft verleihend bezeichnet.
19.LZ.17: Zur Befreiung der Ahnen werde ein silbernes Liṅga verehrt; zum Erlangen des Satyaloka ein goldenes.
19.LZ.18: Wer Gedeihen wünscht, verehre ein kupfernes Liṅga; wer Erfolg im Ackerbau wünscht, stets eines aus Messing.
19.LZ.19: Wer Ruhm wünscht, verehre ein Liṅga aus Bronze. Für den Wunsch, einen Feind zu töten, nennt die Quelle ein eisernes.
19.LZ.20: Zur Beruhigung von Fieber werde eines aus Sandelholz vorschriftsgemäß verehrt; wer Frieden wünscht, verehre eines aus Kampfer.
19.LZ.21: Wer Duft wünscht, verehre eines aus Moschus; wer Schönheit wünscht, eines aus Gorocanā.
19.LZ.22: Wer Ausstrahlung wünscht, verehre eines aus Kuṅkuma beziehungsweise Safran. Eines aus weißem Aguru vermehre große Erkenntniskraft.
19.LZ.23: Ein Liṅga aus schwarzem Aguru verleihe die Kraft des Festhaltens und der Konzentration; eines aus der Duftmischung Yakṣakardama vermehre Zuneigung.
19.LZ.24: Wer Kühe wünscht, verehre eines aus Weizenmehl. Wer ein Liṅga aus der im Druck als Mudra beziehungsweise Mudga lesbaren Mehlpaste verehrt, erlange Befreiung. Die Lesung des Hülsenfruchtnamens ist unsicher.
19.LZ.25: Eines aus Māṣa-Mehl gewähre stets die Erfüllung des gewünschten Anliegens; eines aus Kichererbsenmehl vermehre Erkenntniskraft.
19.LZ.26: Wer Getreide wünscht, verehre täglich ein Liṅga aus Reis. Eines aus Gerstenkorn wehre jedes Unheil ab.
19.LZ.27: Wer eines aus Sesam herstellt, werde auf der betreffenden Insel geehrt [die verbindende Wortfolge ist unklar]. Wer dagegen aus schwarzem Sesam ein Liṅga herstellt und es vorschriftsgemäß verehrt …
19.LZ.28: … werde ein Herr des Begehrens und den Frauen stets lieb. [Ein neues Thema beginnt:] Im Sommer verehre man ein vortreffliches Liṅga aus Jasminblüten …
19.LZ.29: … hingebungsvoll und erlange dadurch große [der Ergebnisbegriff ist nicht sicher lesbar]. Während der Regenzeit verehre man hingebungsvoll eines aus Kanaka-Blüten …
19.LZ.30: … und werde in dieser und jener Welt glücklich. Im Herbst forme man eines aus blauen Wasserlilien …
19.LZ.31: … und verehre es: Durch Hingabe erlange man höchste Vollendung. Aus Blüten des frühen Winters forme man ein ansprechendes Liṅga …
19.LZ.32: … und nach dessen hingebungsvoller Verehrung erfreue sich der Einsichtige mit Śiva. Im späten Winter verehre ein Mensch eines aus allerlei Blüten …
19.LZ.33: … und erfreue sich, alle Verfehlung rasch hinter sich lassend, mit Brahmā. Auf welche Weise und aus welchem Stoff auch immer …
19.LZ.34: … man ein Liṅga herstellt und verehrt, erlange man den Bereich Prajāpatis. Wessen Zeit dagegen beständig ohne Liṅga-Verehrung vergeht …
19.LZ.35: … der erleide als unverständiger Mensch überall großen Verlust. Sämtliche Gaben, die verschiedenen Observanzen …
19.LZ.36: … Pilgerorte, Selbstverpflichtungen und Opfer gelten durch Liṅga-Verehrung als vollzogen. Im Kali-Zeitalter gilt sie als höchste [Verehrung], wie sie in der Welt sichtbar wird.
19.LZ.37: Darüber hinaus gebe es nichts Höheres – so wird die feste Auffassung der Schriften wiedergegeben. Das Liṅga gewähre Lebensgenuss und Befreiung und wehre vielfältige Bedrängnis ab.
19.LZ.38: Wer es täglich verehrt, erlange Vereinigung mit Śiva. Unter allen Liṅgas wird dasjenige aus Erde als vortrefflich bezeichnet.
19.LZ.39: Wer es herstellt und vorschriftsgemäß verehrt, erlange alle gewünschten Güter. Wer ein steinernes Liṅga mit großer Freude verehrt …
19.LZ.40: … erlange hier seine Wünsche und stets unübertreffliches Glück. Besser als gewöhnlicher Stein sei Bergkristall, besser als Bergkristall Padmarāga.
Eine Rangfolge von Materialien
Die mineralischen Bezeichnungen werden dort in Sanskrit belassen, wo ihre historische Bedeutung nicht ohne Weiteres einer einzigen heutigen Mineralsorte entspricht. Der Text stellt verschiedene Rangfolgen nebeneinander; die frühere Hochschätzung des Erd-Liṅga bleibt erhalten.
19.LZ.41: Höher als Padmarāga stehe Kāśmīra, höher als Kāśmīra Puṣparāga; höher als Puṣparāga Indranīla und höher als Indranīla Gomada.
19.LZ.42: Noch höher stehe Gārutmata, darüber Māṇikya; höher als Māṇikya Koralle, darüber Perle.
19.LZ.43: Höher als Perle stehe Silber, höher als Silber Gold; höher als Gold Diamant und höher als Diamant Quecksilber.
19.LZ.44: Höher als Quecksilber stehe das Bāṇa-Liṅga; etwas Höheres gebe es nicht. Als Bāṇa-Liṅga gilt eines, das sich im Wasser der Narmadā befindet.
Die Stoffnennung Quecksilber gehört zur historischen Materialliste und ist keine Empfehlung, damit zu arbeiten.
Bāṇa-Liṅga und die dargebrachten Gaben
19.LZ.45: Sämtliche heiligen Badeorte, Opfer, Gaben und Observanzen mit ihren Gliedern, die drei täglichen Sandhyās sowie Yoga-Vollendung und Weiteres seien im Bāṇa-Liṅga gegenwärtig.
19.LZ.46: Weil es von Bāṇāsura verehrt wurde, heiße es Bāṇa-Liṅga. Wer es vorschriftsgemäß mit Hingabe verehrt, werde in Śivas Welt geehrt.
19.LZ.47: Beim Bāṇa-Liṅga gibt es nach dieser Vorschrift keine [gesonderte Zuordnung an] Caṇḍeśa und keine Behandlung der Gaben als ausgeschiedene Opferreste. Alles ihm Dargebrachte könne mit rechter Kraft und Hingabe angenommen werden, nicht in anderer Haltung.
19.LZ.48: Bei einem Bāṇa-Liṅga, einer selbstentstandenen Form, einem aus Mondstein und einer im Herzen befindlichen Gestalt gilt das Genießen der Śiva dargebrachten Speise als hundert Cāndrāyaṇa-Observanzen.
19.LZ.49: So wird beim Bāṇa-Liṅga die Unterscheidung von Anzunehmendem und Nichtanzunehmendem geregelt. Das Dargebrachte soll unter der Bezeichnung Prasāda angenommen werden; die Wortfolge mit tila, Sesam, ist im Druck nicht eindeutig verständlich.
19.LZ.50: In einem Bāṇa-Liṅga, einem silbernen, edelsteinernen, kristallenen oder goldenen Liṅga, einem aus Kāśmīra, einem aus Mondstein und einem selbstentstandenen …
19.LZ.51: … sei der Gott stets gegenwärtig: wahrlich, wahrlich, daran bestehe kein Zweifel. Ein als Śivanābhi bezeichnetes Liṅga sei von den großen Seelen täglich zu verehren.
19.LZ.52: Dieses wird von den Kennern der Verehrungsordnung unter allen Liṅgas gepriesen. Nach der Größe werden drei Arten genannt: eine vorzügliche, eine mittlere und eine kleinere.
19.LZ.53: Vier Fingerbreiten hoch und mit einer schönen Basis versehen wird das vorzügliche Liṅga von den tantrakundigen Weisen beschrieben.
19.LZ.54: Die Hälfte davon gilt als mittlere Größe, deren Hälfte als kleinere. Wer auf diese Weise ein Liṅga beschafft, mit Vertrauen und Hingabe …
19.LZ.55: … und es verehrt, erlange die im Geist gewünschten Güter. Nachdem man sämtliche Schriften betrachtet und ihre Bedeutungen erwogen hat …
19.LZ.56: … wird die Liṅga-Verehrung als die das menschliche Lebensziel gewährende Wahrheit bestimmt. Andere Gestalten und insbesondere die Vielzahl weiterer Riten beiseitelassend …
19.LZ.57: … verehre der Kundige das Liṅga mit höchster Hingabe. In seiner Verehrung sei die ganze Welt des Unbeweglichen und Beweglichen verehrt.
19.LZ.58: Für die im Ozean des Saṃsāra Versunkenen gebe es kein anderes Mittel des Hinübergelangens; für jene, die von der Dunkelheit des Nichtwissens geblendet sind und deren Geist an den Sinnesgegenständen haftet …
19.LZ.59: … gebe es für die Welten keinen anderen Übergang als die Liṅga-Verehrung [der Anfangsausdruck ist textlich unsicher]. Brahmā und sämtliche Götter, Weise, Yakṣas und Rākṣasas …
19.LZ.60: … Gandharvas, Cāraṇas, Siddhas, Daityas und Dānavas verehrten mit großer Hingabe das Liṅga, das alle Anliegen erfüllt …
19.LZ.61: … und erlangten bald alle gewünschten Güter. Ein Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra oder ein als Anulomaja eingeordneter Mensch …
19.LZ.62: … verehre als Übender stets das Liṅga mit dem jeweils zugehörigen Mantra. Für Zweimalgeborene gilt auch die Verehrung auf vedischem Weg als vorzüglich.
Den jeweiligen Überlieferungsweg beachten
19.LZ.63: Auch für andere Wesen [wird die Verehrung] mit vedischem Mantra [genannt]; für nach tantrischer Vorschrift Eingeweihte nach dem vorschriftsgemäßen tantrischen Verfahren …
19.LZ.64: … gilt die Verehrung Śambhus, und zwar nicht auf vedischem Weg. Für sämtliche Anhänger der vedischen Ordnung dagegen ist die Verehrung auf vedischem Weg …
19.LZ.65: … zu vollziehen, nicht auf einem anderen: So spricht der verehrte Śiva. Für Dadhīci, Gautama und andere, deren Geist vielfach damit verbunden ist …
19.LZ.66: … entstehe auf einem anderen Weg kein [entsprechender] Dharma. Die Verbindung mit „auf vedischem Weg“ bleibt im überlieferten Satz unklar. Wer das vedische oder auch das smṛti-gemäße Handeln missachtet …
19.LZ.67: … und als Mensch anderes vollzieht, erlange dessen Handlungsfrucht nicht. Auch innerhalb dieser Ordnung verleihe das Erd-Liṅga rasche Vollendung.
Kommentar zur Überlieferung: Die Sätze unterscheiden vedische und tantrische Berechtigungen, sind jedoch in ihren Übergängen nicht durchgehend eindeutig. Die Übersetzung bewahrt diese Schwierigkeit. Die historische Einteilung nach Herkunft sowie der Anspruch auf Verbindlichkeit des eigenen Überlieferungswegs werden nicht zu einer heutigen Rangordnung von Menschen oder Religionen erklärt.
Das Erd-Liṅga im Kali-Zeitalter
19.LZ.68: Durch das Erd-Liṅga erlange man vielfältige Vollendung. Im Kṛta-Zeitalter [gilt] eines aus Juwelen, im Tretā eines aus Gold …
19.LZ.69: … im Dvāpara eines aus Quecksilber als vorzüglich, im Kali-Zeitalter aber eines aus Erde. Unter den acht Gestalten gilt die erdhafte als höchste; die grammatische Form des zweiten Halbverses ist im Druck uneinheitlich.
19.LZ.70: So sei Śiva im Erd-Liṅga stets gegenwärtig. Wie Maheśvara unter sämtlichen Göttern der älteste und höchste ist …
19.LZ.71: … so wird unter sämtlichen Liṅgas dasjenige aus Erde als vorzüglich bezeichnet. Wie unter allen Veden Oṃ als groß gilt …
19.LZ.72: … so sei auch das Erd-Liṅga vorzüglich, zu verehren und zu ehren. Seine Verehrung gilt als verdienstvoll, Lebensdauer und Vermögen mehrend …
19.LZ.73: … segensreich, Zufriedenheit und Fülle gewährend und zum Gelingen der Aufgaben führend. Mit den entsprechenden Darbringungen, Hingabe und Vertrauen …
19.LZ.74: … verehre man das Erd-Liṅga nach der Schriftvorschrift. Bei diesem soll man die Unterteilung nach fünf Maßlinien nicht eigens untersuchen.
19.LZ.75: Man bilde lediglich die Gestalt, die alle Vollendung gewähre. Wer es hier in zwei Teilen herstellt, erlange die Frucht der Verehrung nicht.
Bewegliche und fest aufgestellte Formen
19.LZ.76: Man könne ein Liṅga aus Edelstein, Gold, Quecksilber, Bergkristall, Erde, Mehlpaste, Blüten oder Māṣa herstellen.
19.LZ.77: Ein bewegliches Liṅga gilt als ungeteilt, ein unbewegliches als zweiteilig. Die Unterscheidung zwischen geteilt und ungeteilt wird auf Beweglichkeit und Unbeweglichkeit bezogen.
19.LZ.78: Die Basis sei Mahāviṣṇu, das Liṅga der Gott Maheśvara. Auch damit wird die Zweiteiligkeit des fest aufgestellten Liṅga verbunden; die genaue Satzverbindung des Schlusses ist beschädigt beziehungsweise unklar.
19.LZ.79: [Eine weitere Zuordnung:] Die Basis sei die große Göttin, Girijā, Śivas Geliebte; die Piṇḍikā sei Maheśāna. Die Verbindung beider sei Zweiteiligkeit. Die Begriffe werden hier so wiedergegeben, wie sie im Druck stehen; sie werden nicht an eine anderslautende Zuordnung angepasst.
19.LZ.80: Das fest aufgestellte Liṅga ist vorschriftsgemäß zweiteilig herzustellen, das bewegliche wird von den Kennern des Śaiva-Siddhānta als ungeteilt bezeichnet.
19.LZ.81: Wer ein bewegliches Liṅga zweiteilig herstellt, sei durch Unwissenheit verblendet. [Der folgende Satz über die siddhāntakundigen, schriftgelehrten Weisen ist grammatisch unvollständig; schon der Druck setzt ein Fragezeichen.]
19.LZ.82: Unverständige Menschen, die ein fest aufgestelltes Liṅga ungeteilt oder ein bewegliches zweiteilig herstellen, erlangten die Frucht der Verehrung nicht.
19.LZ.83: Daher sei nach der Schriftvorschrift das als beweglich bezeichnete zweiteilig, das fest aufgestellte Liṅga dreiteilig mit großer Freude herzustellen.
Textkritischer Hinweis: Vers 83 widerspricht den unmittelbar vorausgehenden Versen hinsichtlich der Anzahl der Teile. Diese Abweichung steht bereits in der Druckvorlage. Ohne weiteren Beleg wird sie weder stillschweigend korrigiert noch als widerspruchsfreie Anleitung ausgegeben.
19.LZ.84: Die Verehrung eines ungeteilten beweglichen Liṅga gilt als die volle Frucht gewährend; ebenso die Verehrung eines zweiteiligen fest aufgestellten Liṅga.
19.LZ.85: Bei einem zweiteiligen beweglichen entstehe großer Verlust; bei einem ungeteilten fest aufgestellten gewähre die Verehrung ihre Frucht nicht. Diese Verse kehren zur Regel vor Vers 83 zurück.
Vorbereitung der Erd-Liṅga-Verehrung
19.LZ.86: Nun wird die Verehrung des Erd-Liṅga für diejenigen erklärt, die der vedischen Haltung folgen: nach vedischer Vorschrift zur vollständigen Erlangung ihrer Frucht.
19.LZ.87: Nachdem man nach der in den Sūtras angegebenen Weise gebadet, die Sandhyā vorschriftsgemäß vollzogen, zunächst das Brahma-Yajña und danach das Tarpaṇa ausgeführt hat …
19.LZ.88: … und sämtliche anlassbezogenen Handlungen vollzogen sind, verehre man das vortreffliche Erd-Liṅga mit höchster Hingabe.
19.LZ.89: Vorgesehen ist diese Verehrung am Flussufer, an einem Teich, auf einem Berg, im Wald, in einem Śiva-Tempel oder an einem reinen Ort.
19.LZ.90: Sorgfältig hole man Erde von einer reinen Stelle. Für einen Brahmanen gilt helle Erde, für einen Kṣatriya rote, für einen Vaiśya …
19.LZ.91: … gelbe und für einen Śūdra schwarze; oder man nehme die Erde, die am jeweiligen Ort vorhanden ist. Zur Herstellung des Liṅga werde sie sorgfältig gesammelt. Die standesbezogenen Farbzuordnungen sind historische Vorschriften der Quelle.
19.LZ.92: Man bringe die geeignete Erde an einen reinen Ort, reinige sie mit sauberem Wasser und forme sie allmählich zu einer zusammenhängenden Masse.
19.LZ.93: Daraus bilde man das Liṅga. In dieser Folge verehre der Hingebungsvolle mit den zuvor genannten Namen im Dativ, jeweils mit Oṃ davor …
19.LZ.94: … der Mantraübende vollziehe die Verehrung mit Hingabe und höchster Freude. Der Lehrer führe mit dem Grundmantra drei Atemregelungen aus.
19.LZ.95: Zunächst vollziehe er die Reinigung der Elemente, dann den Mātṛkā-Nyāsa sowie den Nyāsa der fünf Brahman-Gestalten in Form der achtunddreißig Kalās.
Kommentar: Wer die zehn Arten des Mātṛkā-Nyāsa nicht ausführen kann, benötigt nach dem Verfasser zumindest vier: den inneren und äußeren Mātṛkā-Nyāsa, den mit Śrīkaṇṭha beginnenden Mātṛkā-Nyāsa und den Nyāsa der achtunddreißig Kalās.
19.LZ.96: Nach der Bereitstellung der Arghya- und übrigen Gefäße verehre man Śiva auf dem śivaitischen Sitz, bringe sorgfältig die Gaben dar und zeige die śivaitischen Mudrās.
19.LZ.97: Man bringe dreimal Blüten mit gefalteten Händen dar und vollziehe drei Atemregelungen. Zuerst spreche man Oṃ, dann erschließe man das Mahāprāsāda-Bīja …
19.LZ.98: … anschließend das Cintāratna-Bīja und Bhuvaneśī; danach folgt das fünfsilbige Mantra Maheśas. So ist das Grundmantra neunsilbig.
Unnummerierte Formel: Die Druckvorlage gibt Oṃ, Hauṃ, ein schwer lesbares Cintāmaṇi-Bīja, Hrīṃ und „Namaḥ Śivāya“ an. Das unklare Bīja wird in der Sanskritfassung ausdrücklich markiert und hier nicht als sicher rekonstruierte vollständige Formel ausgegeben.
Zuordnungen des Mantras
19.LZ.99: Der Ṛṣi ist Vāmadeva, das Versmaß die verkürzte Gāyatrī, Nicṛd-Gāyatrī. Als Gottheit wird Cintāmaṇi genannt, mit Pārthiveśvara als vorangehendem Namen …
19.LZ.100: … das Bīja heißt Mahāprāsāda; die Śakti ist Bhuvaneśānī, Namaḥ wird als Kīlaka bezeichnet.
19.LZ.101: Die Anwendung gilt den vier menschlichen Lebenszielen. Nach dem Aussprechen der vier Bījas folgt für das Herz „dem Allwissenden“ [mit der entsprechenden Herzformel].
19.LZ.102: Ebenso für den Kopf „dem stets Erfüllten“ mit Svāhā; für den Haarbüschel spreche man „dem anfangslos Erkennenden, Śikhāyai vaṣaṭ“.
19.LZ.103: Nach „dem mit unabhängiger Kraft“ folgt „Kavacāya huṃ“; nach „dem mit unverminderter Kraft“ spreche man „Netratrayāya vauṣaṭ“.
19.LZ.104: Nach „dem mit unbegrenzter Kraft“ folgt „Astrāya phaṭ“. Nach diesem Sechsglied-Nyāsa meditiere man aufmerksam auf folgende Weise.
Hinweis zur Variantenvielfalt: Hier steht ausdrücklich „den drei Augen“, obwohl der Verfasser am Kapitelanfang für eine andere Regelzusammenstellung den Singular „dem Auge“ bevorzugt hat. Die unterschiedliche Formel wird bewahrt.
Śiva als Verkörperung des Mitgefühls
19.LZ.105: Weiß wie Kampfer, Verkörperung des Mitgefühls, innerstes Wesen des Saṃsāra, den Fürsten der Schlangen als Halskette tragend – vor Bhava, der zusammen mit Bhavānī stets im Lotos des Herzens weilt, verneige ich mich.
19.LZ.106: Ich verehre Maheśa, dem Götter und Vollendete dienen, dessen Lotosfüße die Hingebungsvollen stets verehren, vor dem sich Brahmā, Indra, Viṣṇu und die anderen verneigen. Man meditiere stets über ihn als den heiteren, Wünsche erfüllenden Herrn.
19.LZ.107: Man meditiere stets über Maheśa, einem silbernen Berg gleichend, mit dem schönen Mond als Kopfschmuck, dessen Glieder von Juwelenschmuck erstrahlen. Heiter hält er Axt und Antilope und zeigt Gewährung und Furchtlosigkeit. Auf einem Lotos sitzt er, ringsum von den Scharen der Unsterblichen gepriesen und in ein Tigerfell gekleidet: Ursprung und Same der Welt, Vertreiber aller Furcht, mit fünf Gesichtern und drei Augen.
19.LZ.108: Nach dieser Meditation wiederhole man mit gesammeltem Geist das große Mantra. Anschließend vollziehe man nach seinem Vermögen die Atemregelung und die sechs Glieder [des Nyāsa].
19.LZ.109: „Du bist der Hüter des Geheimsten der Geheimnisse. Nimm unseren vollzogenen Japa an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, o Gott, o Herr der Götter.“
19.LZ.110: Nach diesen Worten bringe man den Japa in der rechten Hand des Gottes dar. Durch Umschreiten und Verneigen erfreue man ihn immer wieder …
Gebet zu Śiva
19.LZ.111: … und bete mit höchster Hingabe zum Gott der Götter, dem Lehrer der Welt: „Heil dir, Gott, Herr der Welt! Heil dir, ewiger Śaṅkara!
19.LZ.112: Heil dir, Oberhaupt aller Götter! Heil dir, von allen Göttern Verehrter! Heil dir, der du alle Guṇas übersteigst! Heil dir, Gewährer aller Segnungen!
19.LZ.113: Heil dir, Ewiger, der keiner Stütze bedarf! Heil dir, unvergänglicher Träger der Welt! Heil dir, Herr, den die ganze Welt verehrt! Heil dir, mit dem Fürsten der Schlangen Geschmückter!
19.LZ.114: Heil dir, Gaurīs Gemahl, Śambhu! Heil dir, der du die Mondsichel auf dem Haupt trägst! Heil dir, strahlend wie zehn Millionen Sonnen! Heil dir, Heimstatt unbegrenzter Vorzüge!
19.LZ.115: Heil dir, Rudra, Virūpākṣa! Heil dir, Unbegreiflicher, Unbefleckter! Heil dir, Herr, Ozean des Mitgefühls! Heil dir, der du die Flut des Leids zerbrichst!
19.LZ.116: Heil dir, Herr, der über den schwer zu überquerenden Ozean des Saṃsāra hinüberführt! Sei mir gnädig, o Herr der Götter, der ich beständig vom Saṃsāra bedrängt bin.
19.LZ.117: Lass alle Verfehlung schwinden und schütze mich, höchster Herr: mich, der in großer Armut versunken ist und dessen Kraft durch schweres Unrecht geschwächt wurde …
19.LZ.118: … der von großem Kummer überflutet und von schwerer Krankheit gequält wird, der unter der Last der Schulden steht und von seinen Handlungen verbrannt wird …
19.LZ.119: … der von den Grahas bedrängt wird: Sei mir gnädig, Śaṅkara. Langes Leben, beständige Gesundheit, wachsender guter Ruf und zunehmende Kraft …
19.LZ.120: … und bleibende Freude mögen mir durch deine Gnade zuteilwerden, Śaṅkara. Die Feinde mögen zugrunde gehen, die neun Planeten mögen günstig gestimmt sein.
19.LZ.121: Die Räuber mögen im Land verschwinden, die Menschen mögen ohne Gefahr sein. Hungersnot, Seuchen und Bedrängnis mögen auf Erden zur Ruhe kommen.
19.LZ.122: Gewähre mir stets Wohlstand, reiche Ernte und Freude.“ So bete man voller Hingabe in der Abenddämmerung oder am Ende der Verehrung.
19.LZ.123: Gnädig gestimmt gewähre der Gott, Girijās Gemahl, das Ersehnte. Nach diesem Gebet führe man seinen Lichtglanz auf dem Weg durch das linke Nasenloch …
19.LZ.124: … mit der Mahāsaṃhāra-Mudrā in das eigene Herz zurück. Das Śiva-Liṅga lege man in einen Fluss oder einen entsprechenden Ort und gehe glücklich weiter. Die Anweisung zur Ablage beschreibt den historischen Ritualabschluss.
Das Kāmadughā-Mantra
Kommentar: Hier soll entweder das zuvor genannte Pārthiveśvara-Cintāmaṇi-Mantra oder das Kāmadughā-Mantra wiederholt werden. Letzteres wird folgendermaßen gebildet:
19.LZ.125: Man spreche das sechssilbige Mantra, darauf das Wort „Prapanna“, anschließend „Pārijātāya“ und erschließe zuletzt die „Gemahlin des Feuers“, also Svāhā.
Unnummerierter Abschluss: Dieses sechzehnsilbige Mantra Maheśas heißt Kāmadughā, „das Wünsche Spendende“:
Oṃ namaḥ śivāya prapannapārijātāya svāhā.
Sinngemäß: „Oṃ, Verehrung Śiva, dem wunscherfüllenden Pārijāta-Baum für die Schutzsuchenden; Svāhā.“ Nyāsa, Meditation und die übrigen zugehörigen Handlungen sind wie zuvor.
Eine vedische Form der Verehrung
19.LZ.126: Nun werde ich die Verehrung Śivas auf vedischem Weg erklären. Mit dem bei „Sadyojāta …“ beginnenden Mantra geschehe das Aufnehmen der Erde.
19.LZ.127: Mit „Vāmadeva …“ reinige man sie sorgfältig durch Wasser; mit dem Aghora-Mantra forme man das vortreffliche Liṅga.
19.LZ.128: Mit „Tatpuruṣāya …“ bilde der Kundige den Schaft, mit „Īśāna …“ vollziehe er die Gestaltung von Basis und Schaft.
19.LZ.129: Mit dem fünfsilbigen Mantra verehre man es durch die Darbringungen. [Es folgt eine weitere Formel:] „Über Bhava, den Beender des Werdens, den großen Gott meditieren wir …“
19.LZ.130: „… über Ugra, den Beender des Schrecklichen, über Śarva, der den Mond auf dem Haupt trägt.“ Auch mit diesen Formeln soll der nach Segen Strebende die Verehrung vollziehen.
19.LZ.131: Wer ein Erd-Liṅga herstellt und es samt glückverheißender Basis verehrt, werde bereits hier mit Kindern und Einsicht gesegnet und erlange danach Rudras Zustand.
19.LZ.132: Wer kundig ein Erd-Liṅga herstellt und es zu den drei Tagesübergängen verehrt, bis zu der als „zehn Elfergruppen“ bezeichneten Zahl – höre dessen verdienstvolle Frucht. Welche Zähleinheit sich auf die Zeit beziehungsweise die Herstellung bezieht, bleibt im knappen Wortlaut ungesagt.
19.LZ.133: Noch mit diesem eigenen Körper werde der Mensch Rudra gleich. Nun, Nārada, erkläre ich die Vorschrift für ein Liṅga aus Quecksilber.
Das Rasa-Liṅga in der historischen Ritualkunde
Dieser Abschnitt beschreibt den historischen Umgang mit Quecksilber einschließlich Erhitzen. Das Verfahren wird als Quelleninhalt dokumentiert und ist wegen des giftigen Materials keine Anleitung zum Nachmachen.
19.LZ.134: Wenn die tägliche Herstellung [eines Erd-Liṅga] nicht möglich ist, wird ein anderes Verfahren genannt: drei Niṣkas Blattgold und neun Niṣkas Quecksilber …
19.LZ.135: … werden nach dem Text eine Yāma lang mit saurer Flüssigkeit verrieben und zu einem Liṅga geformt. Dieses soll, in einer Zitrusfrucht eingeschlossen, im Dolā-Yantra mit Sāranāla einen Tag lang erhitzt werden. Die historischen Bezeichnungen für Gerät und Flüssigkeit werden bewahrt.
19.LZ.136: Dieses Liṅga werde täglich mit glückverheißenden Gaben verehrt. Die Frucht der vorschriftsgemäßen Verehrung von tausend mal zehn Millionen Liṅgas …
19.LZ.137: … werde durch die Verehrung eines Rasa-Liṅga nochmals zehnmillionenfach übertroffen. Tausende Brahmanentötungen und Hunderttausende Kuhtötungen …
19.LZ.138: … würden durch seinen Anblick augenblicklich aufgehoben, durch seine Berührung werde Befreiung erlangt: Dies wird als Śivas wahres Wort bezeichnet. Die Aussage ist eine religiöse Sühneverheißung der Quelle.
19.LZ.139: Man verehre mit dem königlichen Aghora-Mantra, dem Vāk-, Māyā- und Śrī-Bīja vorangehen. Man vergegenwärtige [Śiva] mit achtzehn Armen, weiß, mit fünf Gesichtern und drei Augen …
19.LZ.140: … auf einem Leichnam sitzend, blaukehlig, als das Rasa-Liṅga. Auf seinem Schoß stelle man sich die große Göttin vor, mit einem Gesicht und vier Armen …
19.LZ.141: … rechts Gebetskette und Elefantenhaken haltend, links Schlinge und Furchtlosigkeitsgeste, glänzend wie geschmolzenes Gold und in gelbem Gewand.
19.LZ.142: Vāk, Māyā, Śrī, Kāmarāja und das Śakti-Bīja, anschließend Rasāṅkuśā [im Dativ] und Namaḥ: Dies wird als die zwölfsilbige, siegreiche Rasāṅkuśī-Vidyā bezeichnet. Die Verbindung des Dativendes mit der vorausgehenden Zeile ist im Druck nicht sauber getrennt.
19.LZ.143: Mit ihr verehre man die Göttin durch Duftstoffe, Blüten, Reis und weitere Gaben. Nandin, Bhṛṅgin, Mahākāla und Kumāra [beziehungsweise die im Druck pluralisch genannten Kumāras] verehre man in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen …
19.LZ.144: … mit ihren Namensmantras, die mit Oṃ beginnen und mit Namaḥ enden. Dadurch würden sämtliche Wünsche erfüllt, und Kinder sowie Vermögen erlangt.
19.LZ.145: Die Einweihung in Parāprāsāda, die Verehrung Pāradeśvaras und die Rezitation des Mahimnaḥ-Loblieds seien nicht die Frucht geringer Askese.
19.LZ.146: Man verehre das Rasa-Liṅga mit dem Parāprāsāda-Mantra; innerhalb von sechs Monaten werde man nach dieser Verheißung Herr sämtlicher Vollendungen.
Vier Grundgestalten und zwölf Formen Viṣṇus
Der Text wechselt nun zur viṣṇuitischen Bildkunde.
19.HP.1 (Hayaśīrṣapañcarātra): Die ursprüngliche Gestalt Vāsudeva brachte Saṅkarṣaṇa hervor; der Herr selbst brachte auch Pradyumna und Aniruddha hervor.
19.VF.1: Der Höchste wird als viergestaltig beschrieben. Jede dieser Gestalten gliedert sich dreifach; so werden die zwölf Formen, beginnend mit Keśava, erklärt.
19.VF.2: Wer rechts [unten] den Lotos und darüber Pāñcajanya, die Muschel, trägt, links oben die Keule und darunter das Cakra …
19.VF.3: … ist eine Form der ursprünglichen Gestalt und heißt Keśava. Wo die Anordnung von oben und unten vertauscht wird …
19.VF.4: … heißt die Gestalt Nārāyaṇa; aufgestellt verleihe sie Lebensgenuss und Befreiung. Wer links unten den Lotos, darüber Pāñcajanya …
19.VF.5: … rechts oben die Keule und darunter das Cakra trägt, ist eine Form der ursprünglichen Gestalt und heißt Mādhava.
19.VF.6: Bei wem sich rechts unten das Cakra und darüber die Keule befindet, links oben der Lotos und darunter die Muschel …
19.VF.7: … diese Form Saṅkarṣaṇas heißt Govinda. [Eine weitere Form hat] rechts oben den Lotos und darunter die Keule …
19.VF.8: … links oben Pāñcajanya und darunter das Cakra. Diese Form Saṅkarṣaṇas wird Viṣṇu genannt.
19.VF.9: Rechts oben zeige man die Muschel, darunter das Cakra; links oben den Lotos und darunter die Keule.
19.VF.10: Diese Form Saṅkarṣaṇas heißt Madhusūdana. [Bei der nächsten Gestalt befindet sich] rechts oben die Keule und darunter der Lotos …
19.VF.11: … links oben das Cakra und darunter die Muschel. Der linke Fuß reicht zum Weltenei, der rechte steht auf Śeṣas Rücken.
19.VF.12: Unten steht Vāmana, mit der Fesselung Balis beschäftigt. [Für die anschließende Vāmana-Gestalt:] Links oben befindet sich die Keule und darunter der Lotos …
19.VF.13: … rechts oben das tausendspeichige Cakra und darunter Pāñcajanya. Vāmana soll mit einer Höhe von sieben Tālas hergestellt werden. Die vorausgehende kosmische Fußstellung wird beschrieben, ohne dass das Zitat dort eigens den Namen Trivikrama ausschreibt.
19.VF.14: Rechts oben befindet sich das Cakra und darunter der Lotos; links oben die Keule und darunter Pāñcajanya.
19.VF.15: An seiner linken Seite steht Padmā mit einem Lotos in der Hand. Er selbst steht oder sitzt, liebevoll zugewandt und anmutig.
19.VF.16: Diese Form Pradyumnas heißt Śrīdhara. [Bei der folgenden Gestalt befindet sich] rechts oben das große Cakra, darunter die Keule …
19.VF.17: … links oben der Lotos und darunter die Muschel. Sie heißt Hṛṣīkeśa und gewähre, als Bild aufgestellt, sämtliche Wünsche.
19.VF.18: Rechts oben ist der Lotos, darunter Pāñcajanya, links oben das Cakra und darunter die Keule.
19.VF.19: Diese Gestalt heißt Padmanābha und gewähre, aufgestellt, Befreiung. [Für die nächste:] Rechts oben ist Pāñcajanya, darunter der Lotos …
19.VF.20: … links oben die Keule und darunter der König der Waffen, das Cakra. Diese Form Aniruddhas heißt Dāmodara.
Unnummerierter Halbvers: Ihre glückverheißenden Gefährtinnen sollen mit Lotos und Vīṇā dargestellt werden.
Vierundzwanzig Gestalten nach der Siddhārthasaṃhitā
Eine weitere Überlieferung nennt vierundzwanzig Gestalten. Am Ende bestimmt sie die Zählung der Attribute von der rechten unteren Hand aus. Die folgenden Reihenfolgen werden genau nach diesem Zitat wiedergegeben; Abweichungen und gleiche Attributfolgen verschiedener Gestalten werden nicht angeglichen. Die Eigennamen Pāñcajanya, Kaumodakī und Sudarśana bezeichnen hier Muschel, Keule und Cakra.
19.V24.1: Vāsudeva trägt Keule, Muschel, Cakra und Lotos. Keśava trägt Lotos, Muschel, Cakra und Keule.
19.V24.2: Nārāyaṇa trägt Muschel, Cakra, Keule und Lotos. Mādhava trägt Keule, Cakra, Muschel und Lotos.
19.V24.3: Puruṣottama trägt Cakra, Lotos, Muschel und Keule. Adhokṣaja trägt Lotos, Keule, Muschel und Cakra.
19.V24.4: Saṅkarṣaṇa trägt Keule, Muschel, Lotos und Cakra. Govinda trägt Cakra, Keule, Lotos und Muschel.
19.V24.5: Viṣṇu trägt Keule, Lotos, Muschel und Cakra. Madhusūdana trägt Cakra, Muschel, Lotos und Keule.
19.V24.6: Acyuta trägt Keule, Lotos, Cakra und Muschel. Upendra trägt Muschel, Keule, Cakra und Lotos.
19.V24.7: Pradyumna trägt Cakra, Muschel, Keule und Lotos. Trivikrama trägt Lotos, Keule, Cakra und Muschel.
19.V24.8: Vāmana trägt Muschel, Cakra, Keule und Lotos. Śrīdhara trägt Lotos, Cakra, Keule und Muschel.
19.V24.9: Narasiṃha trägt Cakra, Lotos, Keule und Muschel. Janārdana trägt Lotos, Sudarśana-Cakra, Muschel und Keule.
19.V24.10: Aniruddhas Hände erstrahlen mit Cakra, Keule, Muschel und Lotos. Hṛṣīkeśa trägt Keule, Cakra, Lotos und Muschel.
19.V24.11: Padmanābha trägt Muschel, Lotos, Cakra und Keule. Dāmodara trägt Lotos, Cakra, Keule und Muschel.
19.V24.12: Hari trägt Muschel, Cakra, Lotos und Keule. Kṛṣṇa trägt Muschel, Keule, Lotos und Cakra.
Unnummerierter Abschluss: Diese Gestalten sind in der Reihenfolge von der rechten unteren Hand aus zu verstehen.
Historische Ausschlussregeln als Gegenstand der Quellenkritik
Überleitung des Verfassers: Manche erklären, die genannten Viṣṇu-Bilder oder ein Śiva-Liṅga, die von Śūdras verehrt wurden, dürften von Brahmanen und den übrigen [höher eingeordneten Gruppen] weder verehrt noch durch Verneigung geehrt werden. Als Beleg werden im Bṛhannāradīya die Worte Dharmas im Gespräch mit Bhagīratha angeführt.
Diese diskriminierende Vorschrift wird als historische Aussage dokumentiert. Sie wird hier weder bestätigt noch zur Bewertung der Würde oder religiösen Berechtigung heutiger Menschen herangezogen.
Im folgenden Bṛhannāradīya-Zitat spricht Dharma zu Bhagīratha. Die Aussagen richten sich gegen Śūdras, Frauen, Buddhisten und bestimmte andere religiöse Gruppen. Die Übersetzung dokumentiert diese historischen Ausschlüsse und Strafdrohungen, ohne sie zu befürworten.
19.BN.1: „Höre, o König, von Verfehlungen, für die es keine Sühne gibt. Höre von diesen Verfehlungen, o Herr aller Könige …
19.BN.2: … die allen Verfehlungen zusammen gleichkämen und in große Höllen führten: Wenn ein Zweimalgeborener sich vor einem von einem Śūdra verehrten Liṅga oder Viṣṇu[-Bild] verneigt …
19.BN.3: … gebe es für ihn selbst durch hundert Sühnehandlungen keine Tilgung. Wer sich vor einem von einem Śūdra berührten Liṅga oder Hari[-Bild] verneigt …
19.BN.4: … erleide sämtliche Qualen, solange Mond und Sterne bestehen. Wer sich vor einem von einem als Häretiker bezeichneten Menschen verehrten Liṅga verneigt, werde selbst zum Häretiker.
19.BN.5: Selbst ein Kenner aller Veden oder sämtlicher Lehrwerke gelange nach einer Verneigung vor einem von einem Ābhīra verehrten Liṅga in die Hölle.
19.BN.6: Wer sich vor einem von Frauen verehrten Liṅga oder Viṣṇu[-Bild] verneigt, gelange zusammen mit zehn Millionen Familienlinien bis zum Ende eines Kalpa in die Raurava-Hölle.
19.BN.7: Sobald ein Liṅga von Mantrakundigen vorschriftsgemäß eingesetzt wurde, dürften Śūdras oder Frauen es nicht mehr berühren.
19.BN.8: Frauen, Menschen ohne Upanayana und Śūdras, o Herr der Menschen, hätten keine Berechtigung zur Einsetzung eines Viṣṇu- oder Śaṅkara-Bildes.
19.BN.9: Ein [von ihnen] verehrtes Bild dürfe man, o trefflicher König, nicht einmal im Traum verehren. Wenn ein Zweimalgeborener sich vor einem von einem Śūdra geweihten Liṅga oder Viṣṇu[-Bild] verneigt …
19.BN.10: … erfahre er schon hier äußerstes Leid – wie erst in jener Welt! Ein Śūdra, ein Mensch ohne Upanayana, eine Frau oder ein als gefallen Bezeichneter …
19.BN.11: … gelange durch das Berühren Keśavas oder Śaṅkaras in die Hölle. Wenn ein Zweimalgeborener ein buddhistisches Heiligtum betritt, selbst in großer Not …
19.BN.12: … sei für ihn auch durch hundert Sühnehandlungen keine Tilgung vorgesehen. Buddhisten werden [in dieser polemischen Quelle] als Häretiker bezeichnet, weil sie den Veda herabsetzten.
19.BN.13: Deshalb solle ein den Göttern hingegebener Zweimalgeborener sie nicht einmal ansehen. Wer mit einem Menschen spricht, dessen Körper mit eingebrannten Zeichen von Muschel, Cakra oder Liṅga versehen ist …
19.BN.14: … gelange für die Dauer von vierzehn Indras in die Raurava-Hölle. Wo jemand mit eingebranntem Cakra-Zeichen lebt, solle man nicht einen Tag wohnen.
19.BN.15: Wer dort bleibt, gelte als schwerer Sünder, gleich einem tausendfachen Brahmanentöter, selbst wenn er dem Baden in der Gaṅgā oder dem Pferdeopfer ergeben ist.
19.BN.16: Nach dem Anblick eines Menschen mit Cakra-Zeichen solle man unter Rezitation zur Sonne blicken und das Puruṣa-Sūkta wiederholen; andernfalls gelange man nach Raurava.
19.BN.17: Nach dem Anblick eines Menschen mit Liṅga-Zeichen solle man, o König, zur Sonne blicken und das Śatarudriya rezitieren; andernfalls gelange man nach Raurava.
19.BN.18: Der Körper eines Brahmanen gilt als Aufenthaltsort sämtlicher Götter. Wenn er durch Einbrennen erhitzt wurde, o König, was soll ich über dessen Verfehlung sagen?
19.BN.19: Ein Mensch, dessen Körper mit Cakra oder Liṅga eingebrannt ist, o König, gilt als nicht berechtigt zu den śrauta- und smṛti-gemäßen Ritualhandlungen.“
Der Zusammenhang richtet sich am Ende auch gegen religiöse Brandmarkierungen und zeigt damit innerreligiöse Abgrenzungen. Die zuvor genannten Menschen und Gemeinschaften werden durch diese historischen Behauptungen nicht tatsächlich unrein oder minderwertig.
Merkmale der Śālagrāma-Steine
Der Verfasser wechselt anschließend zur Beschreibung von Śālagrāmas nach dem Skanda[purāṇa].
19.SL.1: [Genannt werden Steine, die] glatt beziehungsweise glänzend, schwarz, weißlich, gelb, blau, rot, rau, gekrümmt, sehr groß oder ohne Kennzeichen sind.
19.SL.2: Weiter: braune, gesprenkelte, zerbrochene, mit vielen Cakras oder einem einzigen Cakra, mit großer Öffnung oder großem Cakra, mit anhaftendem Cakra …
Unnummerierte Fortsetzung: … mit eingesunkenem Cakra, mit durchbrochenem Cakra oder mit nach unten gerichteter Öffnung.
Zugeschriebene günstige und ungünstige Wirkungen
19.SW.1: Ein glatter Stein gewähre Mantravollendung, ein schwarzer Ruhm, ein weißlicher tilge Verfehlungen, ein gelber gewähre einen Sohn.
19.SW.2: Ein blauer bringe Wohlstand, ein roter Herrschaft, ein rauer beständige Unruhe und ein gekrümmter Armut.
19.SW.3: Ein übermäßig großer vermindere die Lebensdauer, einer ohne Kennzeichen bleibe fruchtlos. Ein brauner, gesprenkelter oder zerbrochener, einer mit vielen oder mit einem Cakra …
19.SW.4: … mit großer Öffnung, großem oder anhaftendem Cakra, eingesunkenem oder durchbrochenem Cakra oder nach unten gerichteter Öffnung …
Unnummerierter Abschluss: … bringe dem, der ihn unachtsam verehrt, nur Leid. Diese Aussagen geben die religiöse Klassifikation der Quelle wieder; sie belegen keine Wirkung eines Steines auf Gesundheit oder Lebensdauer.
19.AG.1 (Agnipurāṇa): [Als ungünstig werden genannt:] eine schlangenartig geöffnete, zerbrochene oder ungleichmäßige Form, ein gebundenes Cakra, eine veränderte Wirbelvertiefung sowie eine Nārasiṃha-Form …
19.AG.2: … ein brauner Stein, einer mit verwirrtem Wirbel oder kreisenden Linien. Ein solcher wird als leidbringend und niemals glückbringend bezeichnet.
19.AG.3: Ein glatter, dunkler, weißer oder gelber Stein mit gleichmäßigem Cakra, eine Eberform, eine Ananta genannte, eine tiefe und gut geschlossene Form …
19.AG.4: … ebenso eine feine Gestalt mit schöner Öffnung gewähre, verehrt, Vollendung. Ein Stein von der Größe einer Dhātrī-Frucht, der von den Händen umschlossen werden kann …
19.AG.5: … sei sorgfältig und mit Hingabe zu verehren. Durch seine Verehrung erlange man Frucht in dieser und in jener Welt.
Die Einschränkung auf wunschbezogene Verehrung
Kommentar des Verfassers: Die genannten Mängel beziehen sich auf eine Verehrung mit besonderen Wünschen. Daher sagt der verehrte Herr im Skanda[purāṇa]:
19.SF.1: Abgeschlagenes, Gesprungenes oder Zerbrochenes gilt beim Śālagrāma nicht als Mangel. Welche Gestalt einem Menschen lieb ist, diese soll er sorgfältig verehren.
19.SF.2: [Es können] allein ein Cakra, ein Cakra zusammen mit einem Lotos, allein eine Waldblumengirlande oder Hari zusammen mit Lakṣmī [zu erkennen sein].
19.SF.3: Die glatten und entsprechenden Formen gelten hier als vorrangig, die roten und weiteren als nachgeordnet. Fehlen die vorrangigen, so sind nach Aussage anderer auch die nachgeordneten zu verehren. Im ersten Halbvers ist die zweite Rangbezeichnung im Druck nicht eindeutig; der folgende Halbvers unterscheidet beide ausdrücklich.
Namen nach besonderen Kennzeichen
Im Brahma[purāṇa], im Gespräch zwischen dem verehrten Herrn und Brahmā, werden die Namen entsprechend den Merkmalen erläutert:
19.ŚB.1: „Ich wohne stets, o Brahmā, in der Śālagrāma genannten Stätte. Höre meine Namen nach den Unterschieden der hervortretenden Cakra-Zeichen.
19.ŚB.2: Wo im Bereich der Öffnung zwei gleiche Cakras ohne trennendes Hindernis erscheinen, erkennt man Vāsudeva: weißlich glänzend und besonders schön.
19.ŚB.3: Pradyumna hat ein feines Cakra und gelben Glanz. Der Hohlraum besitzt zahlreiche Öffnungen, die Gestalt ist länglich.
19.ŚB.4: Aniruddha ist blau schimmernd, rund und besonders schön; an seiner Öffnung sind zwei Linien, die Rückseite ist mit einem Lotos gekennzeichnet.
19.ŚB.5: Keśava ist viereckig und gewähre Glück. Nārāyaṇa erkennt man als dunkel, mit einem Nabel-Cakra oben …
19.ŚB.6: … versehen mit einer langen Linie, mit einem großen Hohlraum rechts und nach oben gerichteter Öffnung; an der Öffnung erscheint Haris Gestalt …
19.ŚB.7: … die Wünsche, Befreiung und besonders Freude gewähre. Parameṣṭhin ist weißlich glänzend und mit Lotos und Cakra versehen …
19.ŚB.8: … von der Gestalt einer Bilva-Frucht, mit einer großen Vertiefung an der Rückseite. Viṣṇu ist schwarz, mit zwei großen, schönen Cakras …
19.ŚB.9: … und einer Linie über der Öffnung, die von der Mitte aus sichtbar wird. Nārasiṃha ist braun und hat ein großes, schönes Cakra.
19.ŚB.10: Zur Verehrung sei jemand berechtigt, der Brahmacarya einhält; andernfalls solle sie nicht geschehen. In Brahmacarya werde er verehrt, sonst bringe er Hindernisse.“
Die Nārasiṃha-Form wird hier unter einer besonderen Voraussetzung zugelassen, während sie im vorausgehenden Agnipurāṇa-Zitat unter ungünstigen Formen stand. Die unterschiedlichen Aussagen bleiben erkennbar.
Weitere Angaben zu Nārasiṃha
19.KNĀ.1 (eine weitere Quelle): Der braune Stein kann unten drei Punkte oder fünf Punkte haben. Er soll in Brahmacarya verehrt werden; andernfalls bringe er sämtliche Hindernisse.
19.KNĀ.2: In der Mitte befinden sich zwei große Cakras; die folgende Farbangabe verbindet eine unklare Wortform mit Lākṣā, Lackrot. Über der Öffnung befindet sich eine Linie. Die Verehrung werde in schöner Weise vollzogen.
19.KNĀ.3: Nārasiṃha ist braun, mit gesprungenem beziehungsweise hervortretendem, ungleichmäßigem Cakra. Seine Verehrung gewähre Befreiung und Sieg im Kampf. Die Beschreibung wird ohne Angleichung an die zuvor genannten Regeln wiedergegeben.
19.PK.1 (Padmapurāṇa, Kārtika-Māhātmya): Wo eine lange Öffnung zusammen mit den zuvor beschriebenen Kennzeichen und einer mähnenartigen Linie vorhanden ist, wird Nārasiṃha erkannt.
19.BV.1 (Brahma[purāṇa]): Varāha wird an einem Śakti-Zeichen und zwei ungleichmäßigen Cakras erkannt; er gleicht einem Saphir, ist groß und an seiner Fläche mit drei Linien gekennzeichnet.
Unnummeriertes Zitat aus dem Padmapurāṇa: Eine gebogene beziehungsweise eingezogene Ebergestalt, mit Cakra-Linien geschmückt, wird Vārāha genannt. Die nähere Formbeschreibung ist im Druck nicht ganz sicher lesbar.
19.BMK.1 (Brahma[purāṇa]): Ein länglicher Stein, goldfarben glänzend und mit drei Punkten geschmückt, heißt Matsya; er gewähre Lebensgenuss und Befreiung.
19.BMK.2: Kūrma ist am Rücken erhöht, rund und voll geformt, grün und mit dem Kaustubha-Zeichen versehen.
Unnummerierter Halbvers: Ein schildkrötenförmiger, mit einem Cakra gekennzeichneter Stein wird Kūrma genannt.
19.BH.1 (Brahma[purāṇa]): Hayagrīva ist elefantenhakenförmig und hat fünf Linien. Er erscheint blau und mit zahlreichen Punkten übersät.
19.PH.1 (Padmapurāṇa): Ein Stein, der einem Pferdehals gleicht oder eine lang herabhängende Linie hat, ist der friedvolle Hayagrīva; verehrt gewähre er Erkenntnis.
19.PH.2: Wo die Öffnung pferdeförmig ist und der Kopf mit einem Gebetskettenzeichen versehen, gegebenenfalls auch lotosförmig erscheint, erkennt man Hayaśīrṣa.
19.PH.3: Vaikuṇṭha glänzt blau, hat ein Cakra und ein Bannerzeichen sowie eine Linie oberhalb der Öffnung. Seine Verehrung werde in schöner Weise vollzogen.
19.PH.4: Der Gott Śrīdhara ist mit einer Waldblumengirlande gekennzeichnet und durch fünf Linien geschmückt, die der Gestalt einer Kadamba-Blüte gleichen.
19.PH.5: Vāmana wird als rund und sehr klein beschrieben, einer Atasī-Blüte gleichend und durch einen Punkt geschmückt.
19.AV.1 (eine andere Quelle): Ein kleiner, stark strahlender Stein heißt Vāmana, wenn links Keule und Cakra und rechts eine Linie vorhanden sind.
19.PSD.1 (Padmapurāṇa): Wo Linien eine kreisförmige Reihe bilden, heißt der Stein Sudarśana; er gewähre die Frucht der Verehrung.
19.PSD.2: Dāmodara ist groß und hat ein Cakra in der Mitte. Die Öffnung ist eng, und oberhalb der Öffnung befindet sich eine gelbe Linie.
19.PSD.3: Zwei Cakras liegen oben und unten, der Hohlraum der Öffnung ist nicht sehr lang, und in der Mitte befindet sich eine herabhängende Linie: Auch dies wird Dāmodara genannt.
19.AD.1 (eine andere Quelle): Dāmodara erkennt man als groß, mit einer feinen Öffnung und zwei Cakras im Mittelbereich; verehrt sei er stets günstig zugewandt.
19.AD.2: Der vielfältig gefärbte Ananta ist mit einer Schlangenwindung gekennzeichnet und von zahlreichen Cakras durchzogen; er gewähre die Frucht sämtlicher Wünsche.
19.AD.3: Mit vielen Cakras und zahlreichen Linien versehen wird er als Ananta erkannt; er gewähre die Früchte sämtlicher Verehrungen.
19.AD.4: Wo die Öffnung nach oben hin von allen Richtungen aus sichtbar wird, erkennt man Puruṣottama, der Lebensgenuss und Befreiung gewähre.
19.AD.5: Wenn oben ein Liṅga-Zeichen aus dem Śālagrāma hervortritt, heißt er Yogīśvara; ihm wird die Tilgung der Brahmanentötung zugeschrieben.
19.AD.6: Den Padmanābha genannten, mit Lotos und Schirm versehenen Stein verehre man täglich mit Tulasī; ein Armer werde dadurch reich beziehungsweise mächtig. Der Anfang des Verses ist beschädigt und schon im Druck mit fraglichen Ergänzungen versehen.
19.AD.7: Hiraṇya wird als mondförmig, mit einem Netz von Strahlen, zahlreichen goldenen Linien und dem Glanz von Bergkristall beschrieben.
19.PSV.1 (Padmapurāṇa): Wo durch Vajrakīṭas entstandene Linien in Reihen verlaufen, heißt der Śālagrāma Viṣṇupañjara. Die Ursache der Linien wird nach der traditionellen Erklärung des Textes benannt.
19.PSV.2: Eine Reihe schlangenartig gewundener Linien bezeichnet Śeṣaka. Bei einer lotosförmigen Gestalt mit zwei Reihen und einer herabhängenden Linie in der Mitte …
19.PSV.3: … erkennt man Garuḍa. Vier Cakras kennzeichnen Janārdana. Vier Cakras, eine kleine Öffnung und ein mit einer Waldblumengirlande gekennzeichneter Bauch …
19.PSV.4: … bezeichnen den herrlichen Lakṣmīnārāyaṇa, der Lebensgenuss und Befreiung gewähre. Der halbmondförmige Gott wird Hṛṣīkeśa genannt.
19.PSV.5: Durch seine Verehrung erlange man den Himmel und die gewünschten Gegenstände. Ein schwarzer, mit Punkten versehener Stein mit zwei gleichen Cakras an der linken Seite …
19.PSV.6: … ist als Lakṣmīnṛsiṃha bekannt, der Lebensgenuss und Befreiung gewähre. Trivikrama ist dunkel und stark leuchtend …
19.PSV.7: … mit zwei Cakras links und einer Linie rechts. [Die nächste Gestalt ist] mit einer im Uhrzeigersinn verlaufenden Waldblumengirlande geschmückt …
19.PSV.8: … dieser Stein heißt Kṛṣṇa und gewähre Fülle an Vermögen und Getreide. Wo vier nebeneinanderliegende Linien an der Seite sichtbar sind …
Unnummerierter Halbvers: … und zwei Cakras im Mittelbereich, heißt der Stein Caturmukha, „viergesichtig“.
19.PKLE.1: Śālagrāma-Steine mit diesen Kennzeichen gelten als glückverheißend. Unter ihnen werden die kleinen als besonders geeignet gepriesen.
Im selben Werk, im Gespräch des verehrten Herrn mit Brahmā:
19.BKL.1: Je kleiner der Stein, desto größer sei das religiöse Verdienst. Deshalb verehre man ihn täglich zur Verwirklichung von Dharma, Wunscherfüllung und Wohlstand.
19.BKL.2: „Besonders in jenem, der einer Āmalakī-Frucht gleicht und sehr klein ist, wohne ich stets zusammen mit Śrī, o Brahmā.“
Lob der Verehrung Haris im Śālagrāma
Das folgende Lob stammt aus dem Māgha-Māhātmya des Padmapurāṇa. Es verwendet bewusst weitreichende religiöse Verheißungen.
19.SMĀ.1: Wer Hari im Cakra des Śālagrāma-Steins verehrt, habe an jedem Tag tausend Rājasūya-Opfer vollzogen.
19.SMĀ.2: Was die Vedānta-Texte als eigenschaftsloses, unvergängliches Brahman verkünden, dessen Gnade werde den Menschen durch die Verehrung des Śālagrāma zuteil.
19.SMĀ.3: Wie das in einem großen Holzstück befindliche Feuer durch Reiben hervorleuchtet, [so wird die Gegenwart offenbar]. Selbst Menschen mit verwerflichem Verhalten, die zu Ritualhandlungen nicht berechtigt sind …
19.SMĀ.4: … gelangen, wenn sie Śālagrāma verehren, nicht in Yamas Reich, o Vaiśya. Hari erfreue sich weder mit Lakṣmī noch in seiner eigenen Stadt so sehr …
19.SMĀ.5: … wie er sich stets im Cakra des Śālagrāma-Steines erfreut. Wer ihn verehrt hat, habe das Agnihotra dargebracht und die Erde samt den Meeren verschenkt …
19.SMĀ.6: … wenn Hari im Cakra des Śālagrāma verehrt wurde. Selbst ein schlechter Mensch, der von Begehren, Zorn, Hochmut und Gier erfüllt ist …
19.SMĀ.7: … gelange durch die Verehrung des Śālagrāma in Haris Welt. Wer Govinda stets im Śālagrāma verehrt …
19.SMĀ.8: … falle bis zur Auflösung der Wesen nicht aus dem Himmel. Ohne Pilgerorte, ohne Gaben, ohne Opfer und Opferfeste …
19.SMĀ.9: … gelangen Menschen durch die Verehrung des Śālagrāma zur Befreiung, o Vaiśya. Weder Hölle noch Aufenthalt in einem Mutterleib noch Geburt als Tier oder Wurm …
19.SMĀ.10: … erreicht selbst einen Sünder, der Acyuta im Śālagrāma verehrt, o Vaiśya. Wer das Verfahren der Einweihung und die Mantras kennt und im Cakra eine Bali-Gabe darbringt …
19.SMĀ.11: … gelange in Viṣṇus Stätte: Wahrlich, wahrlich, so wird es verkündet. Mit verschiedenen Speisegaben, Blüten, Räucherwerk, Licht und Salbungen …
19.SMĀ.12: … Gesang, Instrumenten, Lobliedern und weiterem vollziehe ein Mensch im Kali-Zeitalter, ganz der Hingabe ergeben, die Verehrung des Śālagrāma …
19.SMĀ.13: … und erfreue sich für tausende von zehn Millionen Kalpas in Haris Nähe. Welche Frucht der Anblick und die Verehrung von zehn Millionen Liṅgas gewähre …
19.SMĀ.14: … diese Frucht gewähre hier ein einziger Śālagrāma-Stein. Wo Keśava in Gestalt eines Śālagrāma-Steines weilt …
19.SMĀ.15: … dort sind Götter, Asuras, Yakṣas und die vierzehn Welten gegenwärtig. Wer beim Śālagrāma-Stein ein Śrāddha für die Ahnen vollzieht …
19.SMĀ.16: … dessen Ahnen bleiben, gesättigt, hundert Kalpas im Himmel. Im Umkreis von einem Krośa um den Śālagrāma …
19.SMĀ.17: … gelangt selbst ein dort gestorbenes Insekt nach Vaikuṇṭha, um wie viel mehr ein Mensch! Wer einen Śālagrāma mit Cakra als höchste Gabe verschenkt …
Unnummerierter Halbvers: … habe damit den Erdkreis samt Bergen, Wäldern und Hainen verschenkt.
Śiva über die Verehrung Viṣṇus
Im Skandapurāṇa, im Gespräch zwischen Śiva und Skanda, spricht Śiva. Die Verse verbinden die Verehrung beider Gottheiten; ihre überschwänglichen Verheißungen und Drohungen gehören zur religiösen Lobpreisung des zitierten Werkes.
19.ŚSK.1: „Im Śālagrāma-Stein ruht stets die Dreiwelt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen, zusammen mit mir, o Mahāsena.
19.ŚSK.2: Wer ihn betrachtet, sich vor ihm verneigt, ihn badet und verehrt, erlange ein Verdienst wie zehn Millionen verdienstvolle Taten und die Frucht der Gabe von zehn Millionen Kühen.
19.ŚSK.3: Selbst wer am Begehren hängt und keine innere Hingabe besitzt, werde durch die Verehrung des Śālagrāma zu Acyuta, mein Sohn.
19.ŚSK.4: Das Bild des Śālagrāma vernichte die Schuld von zehn Millionen Tötungen, wenn man seiner gedenkt, es preist, meditiert, verehrt und sich davor verneigt.“ Die Ausgabe kennzeichnet bei bimba selbst eine unsichere Kasusendung; sie wird in den Sanskritfassungen sichtbar belassen.
19.ŚSK.5: „Beim Anblick des Śālagrāma fliehen die vielfachen Verfehlungen, wie die Wildtiere im Wald beim Anblick eines Löwen aus Furcht fliehen.
19.ŚSK.6: Richtet ein Mensch seinen Geist auf die Verehrung des Śālagrāma, lösen sich die Verfehlungen auf wie die Finsternis beim Sonnenaufgang.
19.ŚSK.7: Ob jemand an Begierden hängt oder zornig ist: Durch die Verehrung des Śālagrāma, mit oder ohne Hingabe, erlange er Befreiung.
19.ŚSK.8: Wer vor dem Śālagrāma von Viṣṇu erzählt, brauche weder Vaivasvata, den Todesgott, noch Sterben und Wiedergeburt zu fürchten.
19.ŚSK.9: Wer im Kali-Zeitalter, der Hingabe ergeben, den Śālagrāma mit Gesängen, Instrumentalmusik und Lobliedern verehrt …
19.ŚSK.10: … erfreue sich für tausende von zehn Millionen Kalpas in Viṣṇus Wohnstätte. Wer dem Śālagrāma die Verneigung darbringt – wie auch Bhava, Śiva, dies tut – …“ Der zweite Halbvers ist syntaktisch schwerfällig; der Bezug von bhavena bleibt hier ausdrücklich sichtbar. Eine gedruckte Variante liest „Stätte“ statt „Wohnhaus“ für Viṣṇus Aufenthaltsort.
19.ŚSK.11: „… diese meine Verehrer auf Erden werden keine Furcht erfahren. Wer aber, hochmütig über die Kraft seiner Hingabe an mich, meinem Freund …
19.ŚSK.12: … Vāsudeva keine Ehrerbietung erweist, soll nicht als mein Verehrer gelten; der Text nennt solche Menschen sündig. Ich wohne stets im Śālagrāma, mein Sohn.
19.ŚSK.13: Der erfreute Gott hat mir aus Hingabe seine eigene Stätte gegeben. Welche Frucht meine Verehrung mit tausenden von zehn Millionen Lotosblüten bringt …
19.ŚSK.14: … diese Frucht werde durch die Verehrung des Śālagrāma zehnmillionenfach. Mich haben jene Sterblichen nicht verehrt, vor mir haben jene Menschen sich nicht verneigt …
19.ŚSK.15: … die auf Erden keine Śālagrāma-Verehrung vollzogen haben. Wer mich vor dem Śālagrāma verehrt …
19.ŚSK.16: … habe mich einundsiebzig Yugas hindurch beständig verehrt. Was nützt die Verehrung von hundert Liṅgas ohne Hingabe an Viṣṇu …
19.ŚSK.17: … wenn das Śālagrāma-Bild nicht verehrt wurde, mein Sohn? Speise, meine Opfergabe, Blatt, Blüte, Frucht und Wasser …
19.ŚSK.18: … werden durch Berührung mit dem Śālagrāma insgesamt geheiligt. Wer als Śiva-Verehrer das höchste Zeichen Viṣṇus …
19.ŚSK.19: … hasst, gelange in die Hölle für die Dauer von vierzehn Indras. Ist Viṣṇu im Śālagrāma auch nur einmal verehrt worden …
19.ŚSK.20: … gelangen Menschen wahrlich zur Befreiung, selbst ohne Sāṃkhya-Erkenntnis. Welche Frucht der Anblick und die Verehrung von zehn Millionen meiner Liṅgas bringt …
19.ŚSK.21: … diese Frucht werde hier schon durch einen einzigen Śālagrāma erreicht. Deshalb sollen meine Verehrer aus Hingabe, um mich zu erfreuen, mein Sohn …
19.ŚSK.22: … stets mit Hingabe die Śālagrāma-Verehrung vollziehen. Wo Keśava in der Gestalt des Śālagrāma weilt …
19.ŚSK.23: … dort sind Götter, Asuras, Yakṣas und die vierzehn Welten. Die Ahnen, die vor dem Śālagrāma einmal mit einer Piṇḍa-Gabe gesättigt wurden …
19.ŚSK.24: … bleiben dort, ohne dass sich dafür eine Zahl bestimmen ließe. Alles andere verdienstvolle Handeln hat nämlich ein begrenztes Maß, mein Sohn …“
19.ŚSK.25: „… die Frucht der Śālagrāma-Verehrung aber hat kein Maß. Wer Viṣṇus Śālagrāma-Stein …
19.ŚSK.26: … einem Viṣṇu ergebenen Brahmanen schenkt, habe damit viele Opfer vollzogen. In der schwer zu erlangenden menschlichen Daseinsform wird der Śālagrāma von Menschen …
19.ŚSK.27: … nicht ohne religiöses Verdienst erlangt, besonders im Kali-Zeitalter. Gesegnet ist jener Mensch in der Welt, fruchtbar ist sein Leben …
19.ŚSK.28: … in dessen Haus ein reiner Śālagrāma verehrt wird. Wer die Schar seiner Sinne beherrscht und die Śālagrāma-Verehrung …
19.ŚSK.29: … hingebungsvoll vollzieht, erreicht die höchste Stätte. Wer sie mit oder ohne Hingabe vollzieht, erhält religiöses Verdienst.
19.ŚSK.30: Selbst wenn Hass, Gier, Selbstinszenierung oder Täuschung der Anlass sind, werde man durch den Anblick des im Śālagrāma gegenwärtigen Gottes von Verfehlungen frei.
19.ŚSK.31: Selbst ein Unreiner oder ein Mensch schlechten Verhaltens, ohne Wahrhaftigkeit und Reinheit, werde durch die Berührung des Śālagrāma rein.
19.ŚSK.32: Welche Frucht die tägliche hingebungsvolle Gabe von hundert Prasthas Sesam bringt, diese erreiche man durch die Śālagrāma-Verehrung.
19.ŚSK.33: Ein Blatt, eine Blüte, eine Frucht, eine Wurzel, Wasser, Dūrvā-Gras und unversehrte Reiskörner werden, dem Śālagrāma dargebracht, dem Berg Meru gleich, mein Sohn.
19.ŚSK.34: Wer die Cakra-Verehrung auch ohne das vorgeschriebene Verfahren, ohne Ritualhandlungen und Mantras vollzieht, erlange dennoch die in den Lehrtexten genannte Frucht vollständig.“
An anderer Stelle desselben Werkes:
19.SA.1: Wer den Herrn in Steingestalt auf die Schulter nimmt und auf seinem Weg trägt, habe damit die gesamte Dreiwelt samt Beweglichem und Unbeweglichem getragen.
19.SA.2: Welche Verfehlung ein Mensch auch begeht, bis hin zur Tötung eines Brahmanen: Die Verehrung des Śālagrāma verbrenne sie rasch vollständig.
19.SA.3: Für die Verehrung des Śālagrāma seien weder [aufwendige] Pūjā noch Mantras, Japa, innere Vergegenwärtigung, Lobpreisung oder Ritualgeräte erforderlich.
19.SA.4: Wo ein Śālagrāma ist, erstreckt sich ein heiliger Ort über drei Yojanas. Jede Gabe und jedes Feueropfer dort werde zehnmillionenfach wirksam.
19.SA.5: Wer beim Śālagrāma ein Śrāddha vollzieht, dessen Ahnen bleiben hundert Kalpas lang gesättigt im Himmel.
19.SA.6: Im Umkreis von einem Krośa um den Śālagrāma gelange selbst ein gestorbenes Insekt nach Vaikuṇṭha; der Vers nennt anschließend auch den Menschen. Der gedruckte Wortlaut ist hier verkürzt und entspricht nicht genau der früheren Fassung „um wie viel mehr ein Mensch“.
19.SA.7: Wer einen Śālagrāma mit Cakra als höchste Gabe verschenkt, habe den Erdkreis samt Bergen, Wäldern und Hainen verschenkt.
Im Garuḍapurāṇa:
19.GŚ.1: In wessen Haus die mit Cakras gekennzeichneten heiligen Steine weilen, dort sind stets die Ahnen, Menschen, Pilgerorte, heiligen Feuer, Gaṅgā, Gayā, Puṣkara und die Opfer einschließlich des Aśvamedha gegenwärtig. Die Aufzählung ist in der gedruckten Fassung grammatisch verdichtet.
Im Padmapurāṇa:
19.PŚB.1: Bei Menschen, die Hari im Śālagrāma verehrt haben, reinige [diese Verehrung] die Verfehlungen und gewähre die zur Befreiung führende Einsicht. Das grammatische Subjekt des zweiten Halbverses ist im Druck nicht ausdrücklich ergänzt.
19.PŚB.2: „Im Monat Kārttika, in Mathurā, wird Hari als Gleichgestaltigkeit geschaut“ – so der syntaktisch schwierige erste Halbvers mit sārūpyam. Wird Kṛṣṇa im Śālagrāma um der Ahnen willen verehrt …
Unnummerierter Halbvers: … erhebe er diese Ahnen zur Gemeinschaft mit ihm in derselben Welt.
Im Bṛhannāradīyapurāṇa:
19.BNŚ.1: Wo Keśava in Gestalt eines Śālagrāma weilt, können Asuras, Bhūtas, Vetālas und andere solche Wesen nicht schaden.
19.BNŚ.2: Wo ein Śālagrāma ist, dort ist ein Pilgerort und ein Wald der Askese. Werden hundert [Steine] mit Hingabe verehrt, sei die Frucht noch größer. Zur Zahl ist eine im Druck schwer lesbare Variante verzeichnet; sie wird nicht als sichere Alternativlesung ausgegeben.
Nun folgt aus dem Padmapurāṇa die besondere Frucht der Verehrung einer größeren Zahl solcher Steine.
19.PZA.3 (Padmapurāṇa; Zählung des Druckes): Śālagrāmas sollen in gerader Zahl verehrt werden, doch unter den geraden Zahlen nicht zwei. Ungerade Zahlen werden nicht verehrt; unter ihnen ist allein ein einzelner Stein zugelassen.
19.PZA.4: „Welches Verdienst jemand erlangt, der zwölf Śālagrāma-Steine vorschriftsgemäß verehrt, das sage ich dir, o Vaiśya:
19.PZA.5: Was die Verehrung von zwölfmal zehn Millionen Liṅgas mit goldenen Lotosblüten über zwölf Kalpas erbringen würde, werde damit an einem einzigen Tag erreicht.
19.PZA.6: Welche Frucht hingegen die hingebungsvolle Verehrung von hundert Śālagrāmas hat, kann ich nicht einmal in hunderten von Kalpas aussprechen.“
Anrufung und Vergegenwärtigung der Gottheit
Kommentar: Dies genüge an ausführlichen Belegen. Einige sagen, im Śālagrāma solle keine Anrufung Viṣṇus vorgenommen werden. Der Beleg dafür sei jedoch zu prüfen. Aus dem Skandapurāṇa und anderen Texten gehe vielmehr hervor, dass die Anrufung notwendig ist.
Im Skandapurāṇa:
19.SKĀ.1: Der kundige Brahmane vollziehe zuerst am eigenen Körper den in der Smṛti gelehrten Nyāsa, danach am Götterbild und besonders am Śālagrāma.
19.SKĀ.2: Anschließend vollziehe er der Reihe nach die Anrufung und die weiteren Handlungen. Der beste der Zweimalgeborenen rufe vor sich den durch Meditation zu verehrenden Gott an.
Kommentar mit weiteren Belegen: Deshalb sagt Baudhāyana nach der Beschreibung des Ablaufs von der Anrufung bis zur Entlassung, auch beim Śālagrāma, bei Bildern und im Feuer sei die Folge von Anrufung bis Entlassung vorgesehen. Im Trailokyasaṃmohanatantra wird, beginnend mit „Śālagrāma“, eine Pūjā bis zur Entlassung beschrieben. Die Vorschrift „An einem Śālagrāma soll keine Pratiṣṭhā vorgenommen werden“ verbietet allein die förmliche Einsetzung. Deshalb sei die Anrufung notwendig und stehe weder für Viṣṇu noch für andere Gottheiten im Widerspruch dazu. Auch der Herr selbst sagt im Bhāgavata: „Nachdem man mich angerufen, in Bildern und anderen Trägern vergegenwärtigt und den Nyāsa meiner Glieder vollzogen hat, verehre man mich.“ Unter „und anderen“ versteht der Kommentator auch Mantras und weitere Träger.
Im Merutantra, bei den Merkmalen der Śālagrāmas:
19.MĀ.1: „Diese verschiedenen Gestalten Viṣṇus sind beschrieben worden. In eben ihnen rufe man Hari an; am Ende der Pūjā entlasse man ihn. Eine Pratiṣṭhā soll man hier nicht vornehmen.“
Im Siddhāntaśekhara wird das Wesen der Anrufung erklärt:
19.SĀ.1: Bei der Verehrung dessen, der schon aus sich selbst vollkommen erfüllt ist, gilt die ehrfürchtige Hinwendung zu seiner Gegenwart als Āvāhana, Anrufung.
Das Śāradātilaka beschreibt den Vorgang:
19.ŚTĀ.1: Der verständige Übende spreche den Grundmantra aus und führe das Licht von seinem eigenen Ort auf dem Weg der Suṣumṇā herbei, bis es durch die Nasenöffnung hervortritt …
19.ŚTĀ.2: … verbinde das Bewusstsein im Mātṛkā-Lotos seiner Hand mit der Ansammlung von Blüten und rufe es durch die Brahmarandhra-Öffnung in das Bild hinein.
Kommentar: Gemeint sei der Weg durch Suṣumṇā und Brahmarandhra, mit dem Austritt durch das rechte Nasenloch. Im Garuḍapurāṇa heißt es an Śaṅkara gerichtet, die Anrufung solle mit dem Ausdruck „Komm!“ und mit dem Grundmantra vollzogen werden. Im Nṛsiṃhapurāṇa steht: „Komm, Narasiṃha!“ Diese Beschreibung gehört zur inneren Ritualvorstellung des Textes.
In einem anderen Tantra:
19.TĀ.1: Anrufung, Aufstellung, Herbeiführung der Nähe und Festhalten der Gegenwart werden genannt; danach die Herstellung des Gegenüberseins …
19.TĀ.2: … dann Verhüllung, Zusammenfügung aller Glieder, Erfüllung mit Amṛta und Erhebung zum Höchsten.
Unnummerierter Halbvers: Nachdem dies mit den jeweils zugehörigen Mudrās vollzogen wurde, führe man die Einsetzung der Lebenskraft aus.
Im Siddhāntaśekhara über Sakalīkaraṇa:
19.SAK.1: Das gemeinsame, ungeteilte Wirken der Glieder und ihres Trägers, die ihrem Wesen nach nicht voneinander getrennt sind, wird Sakalīkaraṇa genannt.
Im verehrten Kulārṇavatantra:
19.KŚU.1: Nachdem der Mantrakundige die Gottheit auf dem Sitz vergegenwärtigt und ihre Glieder zur Ganzheit zusammengefügt hat, [besprenge er sie] mit dem Grundmantra, mit Dīptinī und Mālinī sowie mit Arghya-Wasser …
19.KŚU.2: … dreimal. Dies ist die Reinigung der Gottheit, Geliebte. Nachdem so die fünf Reinigungen vollzogen wurden, beginne man die Verehrung.
Unnummerierter Halbvers: Diese Pūjā trägt Frucht, o Göttin; andernfalls bleibe sie fruchtlos.
Dīpinī-Mantra, Lebenskraft und Mudrās
Weiter heißt es im Kulārṇava-Zusammenhang:
19.DĪ.1: „Das Vāgbhava-Bīja, dann zweimal vada, sodann vāgvādini und wiederum Vāgbhava; darauf Kāmarāja, dann klinne, kledini, kle daya [zusammen kledaya] …
19.DĪ.2: … mahākṣobhaṃ, zweimal kuru, danach Kāmarāja; das dritte [Bīja], nach dem Wort mokṣa zweimal kuru …
19.DĪ.3: … und am Ende Prāsāda-Parāmbā: Dieser aus siebenunddreißig Silben bestehende Mantra heißt Dīpinī und gewähre alle Siddhis, Geliebte.“ Die Benennung des Schlussgliedes wird im folgenden Kommentar als Parāprāsāda-Bīja erläutert; die verschlüsselte Beschreibung wird hier nicht durch eine ungesicherte ausgeschriebene Formel ersetzt.
Kommentar: Aus der verbindenden Partikel ca folge, dass nach dem doppelten kuru das dritte Bīja und danach das Parāprāsāda-Bīja steht; darauf weise die Angabe von siebenunddreißig Silben. Vāgbhava, Kāmarāja und das dritte Bīja gehören zur Bālā-Vidyā, die noch behandelt werde. Das Parāprāsāda-Bīja werde weiter unten im praktischen Ablauf am Ende eben dieses Mantras angegeben.
19.PRĀ.1: Nachdem die Gottheit zur Ganzheit zusammengefügt und ihre Lebenskräfte und Sinne eingesetzt wurden, soll sie verehrt werden; andernfalls bleibe die Verehrung fruchtlos.
Kommentar zur Prāṇapratiṣṭhā: Einige lehnen die Einsetzung der Lebenskraft unter Berufung auf das Uttaratantra ab: „Außer bei der Verehrung eines Bildes soll der Kundige hier nirgendwo eine Prāṇapratiṣṭhā vornehmen; täte er es, erlangte er den Tod.“ Der Autor verwirft diesen Schluss. Die Stelle betreffe vielmehr die Verehrung auf einer Bodenfläche und anderen Trägern ohne Anrufung. Deshalb stehe dort ausdrücklich „außer bei der Verehrung eines Bildes“. Ein Bild sei eine Gestalt, und auch eine aus Mantras bestehende Gestalt habe diesen Status. Wie wäre sonst das Zusammenfügen ihrer Glieder zur Ganzheit möglich?
Das Uttaratantra sagt: „Nachdem die Mudrā gezeigt wurde, ordne man die Ehrengaben vorschriftsgemäß an.“ Die Mudrās werden in den jeweiligen Ritualanleitungen genannt und hier noch behandelt.
Im Kulamūlāvatāra:
19.KMU.1: Mudrās heißen jene [Gesten], die durch den Körper mühelos die Freude des Selbst sichtbar machen, die im Erlangen seines eigenen Wesens besteht.
19.KMU.2: Sie befreien von Grahas und ähnlichen Mächten und lassen die Masse der Verfehlungen zerfließen. Wegen dieses Befreiens und Auflösens werden sie in den Lehrtexten Mudrās genannt.
Dies ist die religiöse Worterklärung des Ausdrucks mudrā.
Sechzehn, zehn und fünf Ehrengaben
Im Prapañcasāra:
19.PU.1: Sitz, Willkommensgruß, Arghya-Ehrenwasser, Fußwaschwasser, Wasser zum Mundspülen, Madhuparka, erneutes Mundspülen, Bad, Gewand und Schmuck …
19.PU.2: … Wohlgeruch, Blüten, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Sandel: Diese sechzehn Upacāras sind bei der Verehrung darzubringen.
19.PU.3: Arghya, Fußwaschwasser, Mundspülwasser, Madhuparka, erneutes Mundspülen und die Gaben von Duft bis Speise bilden der Reihe nach die zehn Ehrengaben.
19.PU.4: Die Gaben von Duft bis Speise bilden die Pūjā mit fünf Ehrengaben. Diese drei Formen der Verehrung sind gelehrt; man wähle eine von ihnen.
Kommentar: Bei der Pūjā mit fünf Ehrengaben werden Arghya und die entsprechenden weiteren Gefäße nicht aufgestellt, weil sie dafür nicht gebraucht werden. Das Bhairavītantra sagt, der Mantrakundige solle sich bei jeder einzelnen Gabe verneigen und sie darbringen.
Im Nāradapañcarātra wird die Darbringung beschrieben:
19.NPŪ.1: Nach dem Praṇava setze man dreimal das mit „Raum“ geschmückte „Leben“, dann die sechs Silben idam idam idam …
19.NPŪ.2: … danach gṛhāṇa und svāhā. Dieser Mantra hat fünfzehn Silben und ist bei allen Ehrengaben, vom Fußwaschwasser an, anzuwenden.
Kommentar: „Leben“ bezeichnet den Laut ha, „Raum“ den Bindu. Der Bindu über dem dritten ha soll mit dem folgenden i nach den Sandhi-Regeln verbunden werden. Der Text gibt die Formel an dieser Stelle verschlüsselt und erläutert ihre Zusammensetzung.
Im Uttaratantra:
19.UTŪ.1: Mit dem Grundmantra gebe der Mantrakundige den Sitz und spreche den Willkommensgruß. Dann bringe er am Haupt das Arghya mit dem auf svāhā endenden Mantra dar.
19.UTŪ.2: An den Lotosfüßen der Gottheit ordne er mit dem Herzmantra das Fußwaschwasser an; am Mund gebe er mit der Amṛta-Silbe das Mundspülwasser.
Unnummerierter Halbvers: Auch den Madhuparka bringe er mit dem Amṛta-Mantra am Lotosmund dar.
Historische Ritualzuordnung: Der Kommentar schreibt Śūdras bei Arghya, Mundspülwasser, Madhuparka und den weiteren entsprechenden Gaben namaḥ anstelle von svāhā und ähnlichen Endungen vor und verweist auf seine frühere Begründung. Als Beleg zitiert er: „Für Brahmanen und die weiteren [zugelassenen Gruppen] wird der vedische oder gemischte Ritus vorgeschrieben; der tantrische wird auch für einen den Brahmanen ergebenen Śūdra gelehrt.“ Diese ständische Einschränkung ist eine historische Vorschrift der Quelle.
Fortsetzung des Kommentars: Aufgrund des angeführten Padmapurāṇa-Satzes sollen Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas die fünf Gottheiten, beginnend mit Gaṇeśa, zuerst mit den jeweiligen vedischen Mantras und anschließend mit den tantrischen Mantras verehren. Der ausschließlich tantrische Ritus werde in dieser Vorschrift den Śūdras zugeordnet.
Die folgende historische Polemik verteidigt die Bindung an den vedischen Ritus. Ihre sozialen Abwertungen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben:
19.VED.1: Die Zweimalgeborenen sollen den Weg des Veda niemals aufgeben. Für diejenigen, die vom Veda abgefallen sind, seien Brahmanenstatus und göttlicher Status schwer zu erlangen.
19.VED.2: Der Veda kann nicht [neu] geschaffen werden, die Tantras aber [entstehen] in jedem Zeitalter. Der zweite Halbvers ist im vorliegenden Druck nicht zuverlässig zu entziffern; er enthält kalmaṣam, „Befleckung“, und kīrtitāḥ sadā, „stets genannt“. Eine vollständige Übersetzung dieses Halbverses bleibt deshalb offen.
19.VED.3: Vom Kali-Zeitalter angetrieben, gehen Brahmanen den Weg der Tantras, von Begierde, Gier und Ähnlichem ergriffen und von ihrem Brahmanentum getrennt.
19.VED.4: Sie würden zu Mlecchas werden und nach dem Verbrauch ihres Verdienstes in die Raurava-Hölle fallen. Wer dies weiß, solle das Vedische nicht aufgeben.
Zuordnung der vedischen Mantras: Für Gaṇapati wird der mit gaṇānāṃ tvā beginnende Vers genannt; für Bhuvaneśvarī und weitere Gestalten Gaurīs gaurīr mimāya; für Bhāratī yad vāk; für Lakṣmī das Śrīsūkta; für Durgā jātavedase sunavāma; für Viṣṇu das Puruṣasūkta; für die Sonne ā kṛṣṇena; für Śiva namaḥ śambhave oder tryambakaṃ yajāmahe. Beim ersten Vers nennt die Quelle Gṛtsamada als Seher, Gaṇapati als Gottheit und Jagatī als Versmaß. Bei gaurīr mimāya nennt sie Jagatī und Dīrghatamas; bei ā kṛṣṇena Hiraṇyastūpa, Savitṛ und Triṣṭubh. Dies sind die Zuordnungen des hier edierten Ritualtextes.
Sitze als erste Ehrengabe
19.ĀS.1: Links von der Gottheit bringe man mit dem Grundmantra den Sitz dar: aus Blüten, Holz, [ein Ausdruck ist unsicher], Leder beziehungsweise Fell, Gewebe und Metall …
Unnummerierter Anschluss: … so werden sechs Arten von Sitzen genannt.
Im Uttaratantra:
19.UTS.1: Ein aus Blüten und ähnlichem gefertigter, mit Kuśa-Gras, Fäden und weiterem versehener Sitz erfreue die Göttin, mich und die anderen [Gottheiten] besonders, o Bhairava.
19.UTS.2: Ein aus Opferholz gefertigter, unbeschädigter Sitz ist glückverheißend. Auch einen guten Sitz aus anderem Holz darf man darbringen …
19.UTS.3: … ausgenommen Holz mit Insektenbefall oder Milchsaft, ohne festes Kernholz, von einem verehrten Dorfbaum oder vom Verbrennungsplatz sowie Vibhītaka-Holz.
Kommentar: Caitya bezeichnet hier einen großen Baum, durch den das Dorf bekannt ist.
Im Rudrayāmala über Holzsitze:
19.RYS.1: Der Kundige gebe einen Sitz aus Śāṇḍilya- oder Bhadrasāra-Holz, eine Elle breit und sieben Finger hoch, oder einen Viṣṭara.
Worterklärungen: Śāṇḍilya ist Bilva. Der Amarakośa führt dafür auch Śailūṣa, Mālūra und Śrīphala an. Bhadrasāra ist Sandelholz; auch Malayaja und Bhadraśrī nennt der Amarakośa als Bezeichnungen. Viṣṭara ist ein Bündel Darbha-Gras. Ein zitierter unnummerierter Vers beschreibt ein aus siebenundzwanzig Darbha-Halmen zusammengebundenes und am Ende verknotetes Bündel als den bei Opfern verwendeten Viṣṭara. Das Wort könne aber auch allgemein „Sitz“ bedeuten; der angeführte Wortschatz nennt außerdem Zweig, Darbha-Bündel und einen Sitz wie einen Schemel.
Im Uttaratantra:
19.UTW.1: Seide, Rindenstoff und Hanfgewebe werden als drei [Stoffarten] genannt; dazu kommen ein wollener Mantel beziehungsweise eine Decke und Baumwolle. Der Druck spricht am Ende von „vier“, während die Aufzählung ohne weitere Zusammenfassung nicht eindeutig vier ergibt.
Unnummerierter Halbvers: Unter den Stoffen gilt eine Wolldecke als bester Sitz, um die Gottheit zu erfreuen.
Kommentar: Gemeint seien vier Arten von Stoffsitzen. Bādara bedeutet Baumwolle, wie der Viśvaprakāśakośa bestätigt.
Weiter:
19.TF.1: [Sitze werden hergestellt] aus Häuten von Löwen, Tigern, Tarakṣus, Ziegen, Büffeln, Elefanten, Pferden und Schwarzantilopen.
Unnummerierter Halbvers: Unter den haarigen Stoffen ist Rāṅkava besonders gut, unter den Holzsitzen Sandelholz.
Kommentar: Raṅku sei ein in Kaschmir bekanntes Wildtier; das aus seinem Haar gefertigte Rāṅkava sei eine besondere, gewöhnlich „Pāmarī“ genannte Decke. Die Tiermaterialien werden hier als historische Ritualausstattung dokumentiert.
19.KUS.1: Ein Sitz aus Kuśa-Gras ist unübertrefflich. Ein solcher Kuśa-Sitz wird dem Yogapīṭha gleichgesetzt.
19.MET.1: Auch Sitze aus den verschiedenen Metallen gelten als vorzüglich; ausgenommen sind Eisen, Kāṃsya [Glockenmetall beziehungsweise Bronze] und Blei.
Kommentar zur Arghya-Gabe: Als Nächstes folgt die Darbringung des Ehrenwassers. Es wird am Haupt dargebracht, weil es für den Kopf der Gottheit bestimmt ist. Dagegen spreche nicht, dass beim Ahnenritual das Arghya in die Hand eines Brahmanen gegeben wird: Auch dort sei es für das Haupt der Ahnen bestimmt.
Somaśambhu:
19.SOM.1: Der Kundige bringe Arghya bei der Ankunft, bei der Verehrung, beim Einnehmen des Sitzes zum Bad und nach der Verehrung vor dem beabsichtigten Weggang dar. Die Verbindung pūjitāgantukāmāya wird hier nach dem Ritualzusammenhang verstanden; ihr Wortlaut ist gedrängt.
19.SOM.2: Für das Fußwaschwasser nennen die Kundigen drei Zeitpunkte: bei der Ankunft, zur Zeit des Bades und zu Beginn der Speisedarbringung, jeweils einmal.
Unnummerierter Anschluss: Mundspülwasser gebe man beim Fußwaschwasser, beim Madhuparka, beim Bad, bei Gewand und Opferschnur sowie beim Essen.
Die folgende Quelle wird im Druck mit einem schwer lesbaren Werktitel bezeichnet:
19.SNB.1: Nachdem die Gottheit mit duftenden Ölen behandelt und mit duftender Āmalakī und ähnlichen Mitteln eingerieben wurde, erfrische man sie mit Wasser … Der Ausdruck unmittelbar vor „Wasser“ ist unsicher gelesen.
19.SNB.2: … und vollziehe nach Vermögen mit Duftwasser und dem Grundmantra die Begießung. Die große Begießung soll überall mit einem Muschelhorn vorgenommen werden.
Unnummerierter Halbvers: Das „Wassergeborene“ gilt bei allen Mantras als geeignet, außer bei der Verehrung Śivas und der Sonne.
Kommentar: „Wassergeborenes“ bezeichnet das Muschelhorn.
Agastya:
19.AGSn.1: Das Bad erfolge mit dem Puruṣasūkta und reinem Wasser aus einem Muschelhorn; getrennt voneinander mit Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Zucker …
19.AGSn.2: … auch mit Kokoswasser und Wasser der Palmfrucht, mit wohlriechenden Stoffen und süßen Flüssigkeiten sowie Duftwasser …
19.AGSn.3: … mit Zuckerrohrsaft, der nach Kampfer und ähnlichen Mitteln duftet, sowie mit duftender Flüssigkeit aus Bananen, Jackfrüchten und Mangos.
19.AGSn.4: Je nach Vermögen vollziehe man hundert, tausend oder zehntausend Begießungen. Man verehre das Muschelhorn und benutze dieses, mit einer Blüte versehen, o Bester der Raghus.
19.AGSn.5: Zwischendurch räuchere man mit schwarzem Aguru. Danach bade man die Gottheit mit reinem Wasser, den Geist ganz auf sie gerichtet.
Kommentar zur abweichenden Regel: Hier wurde das Baden Śivas mit dem Muschelhorn verboten. In einem Purāṇa werde es jedoch ausdrücklich empfohlen. Im Skandapurāṇa heißt es:
19.SKSn.1: „Nachdem man gesammelt Mahādeva mit heiligem Wasser aus einem ordnungsgemäß aufgestellten Muschelhorn und auch mit den fünf Amṛtas unter Rezitation der Rudra-Hymnen begossen hat …“ Der zitierte Vers ist als Satzglied offen überliefert.
Gewänder, Opferschnur und Schmuck
Im Yāmala:
19.YG.1: Gelbe Seide wird zur Freude Viṣṇus genannt; Rot für Śakti, die Sonne und den Herrn der Hindernisse [Gaṇeśa], Weiß für Śiva, Geliebte.
Unnummerierter Halbvers: [Das Gewand sei] fleckenlos und ohne Löcher, auch aus Leinen oder Baumwolle.
Im Mantratantraprakāśa:
19.MTG.1: Ein durch Öl und Ähnliches verunreinigtes Gewand bringe dem Ausführenden Krankheit, ein löchriges Tadel, ein abgetragenes Armut und ein schmutziges den Verlust von Ausstrahlung. Dies sind die rituellen Folgenbehauptungen der Quelle.
Im Kālikāpurāṇa:
19.KĀG.1: Ein Gewand ohne Saum beziehungsweise Fransen, ein schmutziges, abgetragenes, zerrissenes oder bereits am Körper getragenes, fremdes, von Mäusen angenagtes, von Nadeln durchstochenes oder schwarzes …
19.KĀG.2: … mit Haaren behaftetes, ungewaschenes oder durch Schleim, Urin und Ähnliches verunreinigtes [Gewand soll man meiden] bei Gaben an Gottheiten sowie bei Götter- und Ahnenritualen …
Unnummerierter Halbvers: … ebenso ein zum eigenen Gebrauch bestimmtes Gewand, wenn es um die Verwendung bei Opfern und ähnlichen Handlungen geht.
Im Uttaratantra:
19.UTSch.1: Nach der Gabe der Opferschnur bringe man Schmuck dar. Es gibt viele Arten, etwa Kronen und weitere Schmuckstücke …
Unnummerierter Halbvers: … wobei die Kundigen auch die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen [Gottheitsgestalten] beachten sollen.
Im Yoginītantra:
19.YO.1 (Yoginītantra): Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speisegabe, ebenso Gewand, Schmuck, Gold und was sonst dargebracht wird …
19.YO.2: … all dies besprenge und verehre man unter Nennung seiner zugehörigen Gottheit. Danach widme man es mit dem Grundmantra und bringe jede Gabe unter ihrem eigenen Namen dar.
19.YO.3: Das Besprengen erfolgt mit Varuṇas Bīja. Die Gottheit der Nahrung ist Lakṣmī oder Prajāpati.
19.YO.4: Gold gehört zu Agni, Silber zum Mond; Heraka [Bezeichnung eines Materials, hier nicht sicher bestimmt] gehört zu Varuṇa, die Säfte zur Erde.
19.YO.5: Für Wasser ist Varuṇa die Gottheit, ebenso für Getränke. Für Kṛsara [eine Getreide-Hülsenfrucht-Speise] und Paramānna [süßen Reis] ist es Ramā.
19.YO.6: Bei einer Ghee-Lampe ist Viṣṇu zuständig, bei einer Öllampe Vanaspati. Räucherwerk gehört zu den Gandharvas, der Fächer zu Agni.
19.YO.7: Honig gehört zu Varuṇa, Dickmilch und Milch zu Viṣṇu, Blüten zu Vanaspati und Duftstoffe zu Viṣṇu.
Unnummerierter Halbvers: Für die Girlande ist Durgā zuständig; oder alles wird Viṣṇu zugeordnet.
Kommentar: Die Nennung der zugeordneten Gottheit erfolgt bei der Verehrung der Gabe, wie der Text selbst sagt: „Der Kundige spreche ihre Gottheit aus und verehre sie.“ Die eigentliche Widmung und Darbringung geschehen dagegen mit dem Grundmantra.
Fünf Arten von Duftstoffen
Im Kālikāpurāṇa:
19.KGD.1: Pulverisiert, gerieben, durch Erhitzen gewonnen, als ausgepresster Saft oder aus einem tierischen Körperteil entstanden …
19.KGD.2: … so werden fünf Arten von Duftstoffen genannt, welche die Gottheiten erfreuen. Duftendes Pulver, Pulver von Duftblättern und von Blüten …
19.KGD.3: … sowie Pulver aus weiteren angenehm duftenden Blättern werden als Duftstoffe bezeichnet; die pulverisierte Form gilt als erste Art.
19.KGD.4: Geriebenes Sandelholz, auch mit Nameru, und Aguru und ähnliche Stoffe, aus denen eine Paste bereitet wird …
Unnummerierter Halbvers: … bilden als durch Reiben gewonnener Duft die zweite Art.
Im Śāradātilaka folgt die Aufzählung:
19.ŚGD.1: Duft wird aus Sandel, Kampfer und schwarzem Aguru bereitet. Aus Devadāru, Aguru, Brahmasāra, dem Kernholz des Sandelbaums …
19.ŚGD.2: … und Priya und weiteren Hölzern wird durch Erhitzen ein Holzsaft gewonnen. Dieser durch Hitze herausgezogene Duft gilt als dritte Art.
19.ŚGD.3: Was aus duftendem Karavīra und ähnlichen Pflanzen sowie der duftenden Lalitā durch Auspressen gewonnen wird … Ein Ausdruck in der Pflanzenbeschreibung des zweiten Halbverses ist unsicher; eine botanische Gleichsetzung wird nicht ergänzt.
19.ŚGD.4: … ist der durch Zerdrücken entstandene Duft und heißt Saṃmardaja. Was aus dem „Nabel“ des Moschustiers, also aus dessen Beutel, stammt …
Unnummerierter Halbvers: … ist als aus einem tierischen Körperteil gewonnener Duft bekannt, der die Himmelsbewohner erfreue. Diese Angabe dokumentiert den historischen Gebrauch von Moschus.
Blüten und ihre Wiederverwendung
Im Mantratantraprakāśa:
19.MTPu.1: Nārada und andere Weise nennen fünf Arten von Blüten beziehungsweise Blütengaben: die höchste, die nächstfolgende, die vorzügliche, die mittlere und die geringste.
19.MTPu.2: Die goldene gilt als höchste, die aus buntem Stoff als nächstfolgende. Blüten von Bäumen, Sträuchern und Kletterpflanzen gelten als vorzüglich.
19.MTPu.3: Blätter, Wasser und Ähnliches bilden die geringste, Früchte die mittlere Art. Was bereits gewidmet wurde, eignet sich nicht für eine erneute Ritualhandlung; die beiden ersten Arten eignen sich dauerhaft.
Kommentar: Eine Gabe, die bereits den Gottheiten überlassen wurde, soll nicht erneut als neue Ritualgabe verwendet werden. Die goldenen und die aus Stoff gefertigten Blüten können dauerhaft auf der Gottheit bleiben, solange sie nicht in der hier gemeinten Weise ausgesondert wurden. Ist eine von ihnen bereits als abgeschlossene Opfergabe fortgegeben, eignet sie sich nicht zur erneuten Darbringung.
Im Jñānārṇava:
19.JÑPu.1: „Mit abgestandenen Blüten soll man nicht verehren, o Göttin, auch nicht mit solchen aus Gold, wenn sie zu Nirmālya, zu bereits gewidmeten und ausgesonderten Opferblüten, geworden sind, o höchste Herrin.“
Kommentar: Utsṛṣṭa meint hier „bereits gegeben“, also zu Nirmālya geworden; oder es bezeichnet die nach der Verehrung übriggebliebenen Gaben.
Die vorzüglichen natürlichen Blüten nennt das Uttaratantra im Folgenden.
19.UTBl.1: Helle und dunkle Tulasī, weißer und roter Lotos, die beiden Ketakī-Arten, die beiden Jātī-Arten und die beiden Hayāri-Arten …
19.UTBl.2: … diese zehn Blütenarten werden als geeignet bezeichnet. Auch rote und blaue Wasserlilien, Mallikā und Kumuda gelten als gut …
19.UTBl.3: … Kunda, Kahlāra, Mandāra, Tagara, Arjuna, der rote Kiṃśuka, nochmals Mandāra und Nāgacampaka …
19.UTBl.4: … Aśoka, Bilva-Blüten, Pāṭalā, Navamallikā, Campaka, Karṇikāra und Blüten des Pārijāta-Baums …
19.UTBl.5: … Blüten der Śatavarga genannten Gruppe und Koraṇṭa-Blüten: Solche schönen, duftenden und leuchtenden Blüten …
19.UTBl.6: … bringe man dar, soweit sie in den Regeln für den jeweiligen Mantra vorgesehen sind. Welke, im Wasser liegende, zerfallene und auf den Boden geratene …
19.UTBl.7: … abgestandene, von Würmern angefressene, verdorbene Knospen und Blüten, an denen bereits gerochen wurde, bringe man nicht dar.
Die Pflanzennamen bleiben dort in Sanskrit stehen, wo eine eindeutige botanische Bestimmung aus dem Text allein nicht möglich ist.
Im Mantratantraprakāśa:
19.MTBl.1: Unter den Blättern ist Tulasī besonders gut; glückverheißend sind Bilva, Dāmanaka, Maruva, Devakahlāri und Viṣṇukrāntā …
19.MTBl.2: … Apāmārga, Gāndhārī, die Surabhi genannte Patrī, Nāgavallī-Blätter, Dūrvā und Kuśa-Blüten …
Unnummerierter Halbvers: … ferner das Blatt des Agastya-Baums und die heilige Dhātrī-Frucht.
Im Jñānamālā:
19.JMBl.1: Viṣṇu verehre man nicht mit unversehrten Reiskörnern, Gaṇādhipa nicht mit Tulasī, Durgā nicht mit Dūrvā und den Sonnengott nicht mit Bilva-Blättern.
19.JMBl.2: Bei den Göttinnen [meide man] Arka und Mandāra, bei der Sonne Tagara. Für Gaṇeśa und die Sonne sind rote Blüten besonders erfreulich.
19.JMBl.3: Bei Śiva [meide man] Kunda, Madantī, Yūthī, Bandhūka, Ketaka, roten Japā, die beiden Trisandhyā-Arten, Sindūra und Kuṭaka …
19.JMBl.4: … Mālatī, Ghusṛṇa, roten Hayāri und Barbarī, ebenso stechend riechende oder geruchlose und durch Haare, Würmer oder Ähnliches verunreinigte Blüten.
19.JMBl.5: Was mit unreinen Gefäßen, Händen, Körperteilen oder Kleidern oder von als verwerflich bezeichneten Menschen herbeigebracht wurde, soll Śambhu nicht dargebracht werden; selbst unabsichtlich getan, gelte es als fehlerhaft.
19.JMBl.6: Mit Knospen soll nicht verehrt werden, ausgenommen Lotos und Campaka. Auch mit vertrockneten Blättern, Blüten oder Früchten soll Śambhu nicht verehrt werden …
19.JMBl.7: … ebenso nicht mit nach dem Bad herbeigebrachten, abgestandenen, erbettelten, schwarzen, von eigener Hand zum Öffnen gebrachten oder von selbst auf den Boden gefallenen Blüten. Svayaṃ vikāśitaiḥ wird hier als absichtliches Öffnen verstanden; wörtlich kann die Wendung auch „selbst entfaltete“ bedeuten.
19.JMBl.8: Bṛhatī-Blüten, Kāñcanāra und Kuraṇṭaka sind zu meiden. [Doch heißt es anschließend:] Mit allen Blüten, vorgeschriebenen wie nicht vorgeschriebenen, soll stets die Verehrung …
Unnummerierter Halbvers: … aller Gottheiten vollzogen werden: Entscheidend ist hier allein die Hingabe.
Kommentar: „Nach dem Bad herbeigebracht“ beziehe sich auf das Einsammeln nach dem Mittagsbad. Das Nāradapañcarātra ordne das Sammeln der Blüten dem zweiten Tagesabschnitt zu: Nach der Darstellung des ersten Abschnitts vom Aufstehen bis zum Abschluss der Morgenverehrung heißt es, man solle sich danach erheben und die Verehrung mit Blüten, Früchten und weiteren Gaben vollziehen. Die abschließende Betonung der Hingabe steht im zitierten Text neben den ausführlichen Ausschlussregeln und wird nicht fortgelassen.
Weiter:
19.BLA.1: Blatt, Blüte oder Frucht sollen nicht nach unten gekehrt dargebracht werden; dies bringe Leid. Wie sie gewachsen sind, so sollen sie dargebracht werden.
19.BLA.2: Bei bildhaften Blütenanordnungen gilt eine umgekehrte Lage nicht als Fehler. Das Verbot der nach unten gerichteten Darbringung gilt ebenfalls nicht für den Puṣpāñjali, die mit beiden Händen dargebrachte Blütengabe.
19.BLA.3: Bei allen Verehrungen mit hunderttausend Darbringungen gebe man die Blüten einzeln. Wer sie als Haufen darbringt, erlange dadurch nicht die Frucht der hunderttausendfachen Pūjā.
19.BLA.4: Der Fehler des Abgestandenseins gilt nicht für Wasserblüten, Utpala, Campaka, Tulasī, Agastya, Bakula, Bilva und Gaṅgā-Wasser.
Kommentar: Einige wollen „Wasserblüten“ hier auf den Lotos beschränken, weil Utpala gesondert genannt wird. Der Autor widerspricht unter Berufung auf das Bhaviṣyapurāṇa: „Bei Tulasī, Bilva-Blättern und allen Wasserblüten besteht der Fehler des Abgestandenseins nicht, ebenso [bei Blüten] in den Häusern der Blumenbinder.“
Im Uttaratantra:
19.UTFr.1: Man darf Blüten von Bäumen herbeibringen, die andere gepflanzt haben, und damit verehren. Geschieht dies aber ohne deren Wissen, sei die Verehrung fruchtlos.
Im Jñānamālā:
19.JMFr.1: Unter den Früchten sind Āmalaka, Bādara, Tamarinde, Granatapfel, Mātuluṅga, Jambīra und Jackfrucht geeignet …
19.JMFr.2: … ebenso Bananen, Mangos und die vorzügliche Jambū-Frucht. Mit solchen Blättern, Blüten und Früchten verehre man stets Viṣṇu.
Kommentar: Viṣṇu steht hier stellvertretend [auch für andere Gottheiten].
19.ERS.1: Am Tage erfolgt die Verehrung mit am Tage entstandenen Blüten, entsprechend bei Nacht. Fehlen Blüten, verwende man junge Triebe oder Mangoknospen.
Āvaraṇa-Pūjā: Die Gottheiten des Umkreises
Nun folgt die Verehrung der umgebenden Gottheiten. Nach dem Abschluss der Blütengabe heißt es im Uttaratantra:
19.UTA.1: Mit den von Mantras eingeschlossenen Mātṛkā-Lauten, jeweils mit Bindu versehen, verehre man der Reihe nach die Glieder der Gottheit mit Duft, Blüten und weiteren Gaben.
Unnummerierter Halbvers: Der beste Mantrakundige verehre am Körper der Gottheit das Laya-Aṅga, das in ihr aufgehende Glied.
Auch im Jñānārṇava heißt es: „Der Mantrakundige verehre das Laya-Aṅga am Körper, an den Stellen des Nyāsa.“
Im Śāradātilaka:
19.ŚTA.1: Man verehre die Umkreise von den Gliedgottheiten bis zu den Hütern der Himmelsrichtungen. In den Staubfäden des Lotos, beginnend bei der Feuerecke, verehre man Herz und die weiteren Glieder …
19.ŚTA.2: … das Auge vorn und die Waffe in den Himmelsrichtungen. Die Gliedgottheiten sind mit einem Glanz wie Schnee, Bergkristall, Śyāma [dunkle Färbung], Blau, Schwarz und Morgenrot zu meditieren …
Unnummerierter Halbvers: … als weibliche Gestalten mit dem Körper der Hauptgottheit, die Segen und Furchtlosigkeit gewähren.
Kommentar zur Reihenfolge: Wo keine nähere Unterscheidung vorgenommen wird, schließt „Hüter der Himmelsrichtungen“ auch deren Waffen ein. Einige verstehen „von der Feuerecke an“ als fortlaufende Reihenfolge und ordnen die vier Glieder Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten zu. Der Autor widerspricht. Er verweist auf einen im Jñānārṇava angeführten Satz der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā, der Agni, Īśa, Asura und Vāyu sowie Mitte und Richtungen nennt. Der Dakṣiṇāmūrtikalpa formuliert ausdrücklich: „Das Herz verehre man im Südosten, das Haupt im Nordosten, die Haarspitze im Südwesten, die Rüstung im Nordwesten, den Waffenmantra in den Richtungen und das Auge vorn.“
Im Kapilapañcarātra:
19.KPR.1: Das Herz bei Feuer [Südosten], das Haupt im Nordosten, die Haarspitze beim Nachtwandler [Südwesten], die Rüstung bei Wind [Nordwesten], das Auge vorn und die Waffe in allen vier Richtungen.
Kommentar mit Parallelbeleg: „In allen vier“ meint die vier Himmelsrichtungen. Somaśambhu lehrt ebenso: Herz im Südosten, Haupt im Nordosten, Haarspitze im Südwesten und Rüstung im Nordwesten; nach dem Auge vorn werde die Waffe in den Richtungen verehrt.
Im Nāradapañcarātra:
19.NPR.1: Viṣṇus Herz setze man zwischen Osten und Süden ein, das Haupt zwischen Osten und Norden, die Haarspitze zwischen Westen und Süden.
19.NPR.2: Haris Rüstung setze man zwischen Westen und Norden ein, das Auge vorn im Bereich der Lotosstaubfäden und den Herrscher der Waffen in den Richtungen.
Bestimmung des rituellen Ostens: Im Nṛsiṃhakalpa heißt es: „Nun erfolge die Āvaraṇa-Pūjā. Man stelle sich vorn den Osten vor und verehre, dort beginnend, das Gefolge im Uhrzeigersinn.“ Das Uttaratantra sagt: „Die Gottheiten sind dem Opfernden zugewandt; von der Blickrichtung der Gottheit her sind bei Pūjā, Feueropfer und anderen Handlungen Osten und die weiteren Richtungen zu bestimmen.“ Das Bhairavītantra ergänzt: „Wo die Sonne aufgeht, das nennen die Vedakenner Osten. Die Kenner der Āgamas aber sollen ihn hier stets zwischen Verehrer und Verehrtem denken.“ Deshalb wird vor der Gottheit Osten angenommen; die weiteren Richtungen und die Stellen der Glieder werden entsprechend festgelegt. Ebenso erfolgt die Verehrung der Āvaraṇa-Gottheiten.
Im Mahākapilapañcarātra:
19.MKMan.1: Bei der Pūjā enden die Mantras vom Haupt an auf namaḥ. Beim Feueropfer enden die Mantras außer demjenigen des Hauptes auf svāhā.
Kommentar: Die einzelnen Āvaraṇa-Gottheiten sind den jeweiligen Ritualanleitungen zu entnehmen. Das Mālinītantra sagt: „Man verehre sie an ihren jeweiligen Orten, zugewandt, durch Besprengen und weitere Handlungen.“ „Zugewandt“ bedeutet: der Hauptgottheit zugewandt. Denn bei der Śrīvidyā-Āvaraṇa-Pūjā lehrt die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā: „Man vergegenwärtige sie sich Śrīvidyā zugewandt.“
Im Siddheśvarītantra:
19.SIDD.1: Wie die Sonne mit ihren eigenen Strahlen [hervortritt und sich entfaltet], so sollen die [Gliedgottheiten] als ihre eigenen Strahlen meditiert werden. Mehrere Wörter des gedruckten Verses sind unsicher; die Übersetzung gibt den erkennbaren Vergleich wieder und kennzeichnet die ergänzten Satzteile.
In der bereits zuvor unter einem unsicher lesbaren Titel zitierten Quelle:
19.ĀVP.1: Nach der Meditation über die Göttin stelle man sich vor, wie aus ihrem Körper eine Fülle von Strahlen hervortritt, sich festigt und ihr Gefolge bildet.
19.ĀVP.2: Nachdem der erste Umkreis verehrt wurde, spreche der Mantrakundige den Grundmantra, verehre die Göttin, wende sich an sie und spreche:
19.ĀVP.3: „Gewähre mir die Verwirklichung des Ersehnten, du Liebevolle zu denen, die bei dir Zuflucht suchen. Mit Hingabe bringe ich dir die Verehrung des ersten Umkreises dar.“
19.ĀVP.4: Mit diesen Worten gebe man einen Puṣpāñjali und verneige sich in tiefer Hingabe. Jeden weiteren Umkreis bringe man ebenso unter seinem jeweiligen Namen dar.
19.ĀVP.5: Nachdem alle Umkreise auf diese Weise verehrt wurden, verehre der Mantrakundige abschließend die Welthüter und ihre jeweiligen Waffen der Reihe nach:
19.ĀVP.6: Indra, den Herrn der Götter, gelb, mit Vajra in der Hand und seinem Reittier; Agni, den Herrn des Feuers, rot, mit Speer in der Hand und schönem Schmuck …
19.ĀVP.7: … Yama, den Herrn der Verstorbenen, schwarz und mit Stab; Nirṛti, den Herrn der Rākṣasas, rauchfarben und mit Schwert …
19.ĀVP.8: … Varuṇa, den Herrn der Wasserwesen, hell und mit Schlinge; Vāyu, den Herrn der Lebenskräfte, rauchfarben und mit Elefantenhaken in der Hand …
19.ĀVP.9: … Kubera, den Herrn der Yakṣas, weiß und mit Keule; Śiva, den Herrn der Erkenntnis, bergkristallfarben und mit Dreizack …
19.ĀVP.10: … Ananta, den Herrn der Nāgas, hell und mit Cakra; Vidhātṛ [Brahmā], den Herrn der Welten, rot und mit einem Lotos in der Hand.
19.ĀVP.11: Airāvata, Widder, Büffel, Mṛgapūruṣa [ungewöhnliche Bezeichnung, wörtlich „Tier-Mensch“], Makara, Gazelle, Pferd, Stier sowie Viṣa und Haṃsa [die beiden letzten Reittiernamen sind in dieser Fassung ungewöhnlich] …
19.ĀVP.12: … gelten den Kundigen als die Reittiere der Welthüter, beginnend mit Indra. Man verehre den Vajra gelb, den Speer weiß und den Stab schwarz …
19.ĀVP.13: … das Schwert dem Himmel gleich, die Schlinge blitzartig, den Haken rot und die Keule weiß …
19.ĀVP.14: … dann den Dreizack blau, das Cakra rubinfarben und den Lotos rot.
Unnummerierter Halbvers: So verehre man die Waffen der Welthüter der Reihe nach.
Kommentar zu den Himmelsrichtungen: Einige berufen sich auf das Śāradātilaka: „Am Ende verehre man die Welthüter mit ihrem Gefolge und den Herren ihrer jeweiligen Waffen, in den Richtungen von Osten an.“ Daraus schließen sie auf den wirklichen geographischen Osten. Der Autor hält dagegen: Nach dem zuvor erläuterten Verfahren zur Aufstellung der vier Heiligtumsgottheiten beginnen alle Umkreise vor der Gottheit. Da auch der Kreis der Welthüter ein Āvaraṇa ist, müsse seine Verehrung nach dem vorgestellten rituellen Osten erfolgen. Die gedruckte Sanskritstelle über das Gefolge enthält selbst die Alternative bhūta (mūla).
19.ĀVS.1: Erneut spreche man den Grundmantra, dann sāṅgāyai und saparivārāyai, „mitsamt ihren Gliedern und ihrem Gefolge“, und den Namen der Göttin im Dativ …
19.ĀVS.2: … gefolgt von namaḥ. So verehre der Übende sie dreimal mit Duft, Blüten und weiteren Gaben; danach mit erfreuendem Räucherwerk, Licht und Speise.
Räucherwerk
Im Prapañcasāra:
19.PRDh.1: Der Mantrakundige räuchere von unten mit Guggulu, Aguru, Uśīra, Zucker, Ghee, Honig und Sandel, die auf Holzkohlenglut gelegt wurden.
Im Kulamūlāvatāra beginnt ein längerer Vers über eine historische Duftmischung:
Unnummerierter Versanfang, Fortsetzung auf der nächsten Druckseite: Prāleya [Kampfer], Sandel, Jatu, Nakha, Sarja und Kuṣṭha zu gleichen Teilen, dazu Silha und Aguru; Jaṭī in doppelter Menge, alles jeweils pulverisiert … Die Stoffnamen werden ohne unsichere moderne Gleichsetzungen bewahrt.
19.KMDh.1 (Fortsetzung des Verses): … sechs Teile besten Honigs und acht Teile feinen Zuckers [kommen hinzu]. Diese von Śaṅkara auf Erden gelehrte Räuchermischung sei Śrīsundarī lieb. Die Mengenbeziehung bei Zucker ist im gedrängten Ausdruck aṣṭāṃśabhāgānvitā nicht völlig eindeutig; sie wird nicht zu einer modernen Rezeptanweisung vereinheitlicht.
Im Śaivāgama:
19.ŚDh.1: Man besprenge das Räuchergefäß mit dem Waffenmantra und verehre es mit der Herzsilbe. Während man die mit dem Waffenmantra verehrte Glocke läutet, verbrenne man Guggulu.
Im Nāradapañcarātra:
19.NPGh.1: Bei Anrufung, Arghya, Räucherwerk, Bad und Darbringung der Speise soll man die mit ihrem Mantra besprochene Glocke stets verwenden.
Kommentar: Das verbindende „und“ schließt auch das Licht ein.
Weiter:
19.Gh.1: Außerhalb der Pūjā-Zeit sei ihr Läuten nicht angebracht. Wer Siddhi erstrebt, soll die Pūjā nicht ohne sie vollziehen.
19.Gh.2: Nach dem Tāra [Praṇava] setze man die Wörter garja dhvani, danach mantramātaḥ und die Silben svāhā …
Unnummerierter Halbvers: … dies ist der elfsilbige Glockenmantra, der alle Siddhis gewähre. Eine gedruckte Variante hat jaya anstelle von garja.
Kommentar: Die Zusammenstellung des Mantras sei leicht zu erkennen.
Im Kālikāpurāṇa:
19.KDh.1: Das Räucherwerk bringe man links oder vorn dar, nicht rechts. Man stelle es weder unmittelbar auf die Erde noch auf den Sitz oder das Ritualgefäß.
19.KDh.2: Auf einer geeigneten Unterlage stehend werde es dargebracht. Räucherstoffe mit Fett oder Knochenmark soll man nicht darbringen.
Unnummerierter Halbvers: Der Übende soll auch niemals Yakṣadhūpa darbringen.
Kommentar: Yakṣadhūpa sei im gewöhnlichen Sprachgebrauch als Rāla bekannt. Der anschließend Viṣṇu zugeschriebene kurze Satz ist im Druck nicht zuverlässig lesbar; sein Wortlaut bleibt in der Sanskritfassung markiert.
Die Darbringung des Lichtes
Im Prapañcasāra:
19.PRDi.1: Mit Kuh-Ghee oder Öl und einem dünnen Docht entzündet, duftend und hell, soll das Licht hoch emporgehoben gezeigt werden.
Kommentar: Das Wort „oder“ bedeutet nach dem Autor, dass beide Brennstoffe nicht vermischt werden sollen. Als Beleg zitiert er aus dem Kālikāpurāṇa das Verbot, Ghee und andere Lampenbrennstoffe zu mischen, verbunden mit einer Drohung der Tāmisra-Hölle. Diese rituelle Wertung ist keine technische Aussage über Lampenbrennstoffe.
In der zuvor unter unsicherem Titel zitierten Quelle:
19.TDi.1: Man zeige das Licht vom Augenbereich an in einer Bewegung wie dem Kreisflug einer Taube. Rechts stehe die Ghee-Lampe, links die Lampe mit Sesamöl.
Unnummerierter Halbvers: Rechts sei der Docht weiß, links rot.
Im Kālikāpurāṇa:
19.KDi.1: Die Lampe soll auf einem Träger stehen, niemals unmittelbar auf dem Boden. Wer sie so aufstellt, dass die Erde erhitzt wird …
Unnummerierter Halbvers: … gelange für hundert Jahre in die Tāmratāpa-Hölle. Eine Variante ersetzt die Zeitangabe durch „ohne Zweifel“.
Im Rudrayāmala:
19.RYDi.1: Der Übende soll die Lampe nicht auslöschen. Wer sie auslöscht, verliere Lakṣmī, sein Glück und Gedeihen.
19.RYDi.2: Eine Frau, die einen Kūṣmāṇḍa-Kürbis schneidet, und ein Mann, der die Lampe auslöscht, würden in sieben Geburten Witwe beziehungsweise arm. Diese geschlechtsspezifische Unheilsdrohung wird als historische Textaussage dokumentiert.
Beginn der Speisedarbringung
Der Mantratantraprakāśa sagt: „Nachdem Fußwaschwasser und Mundspülwasser gegeben wurden, bringe man die Speise dar.“
Im Sanatkumārakalpa:
19.SKN.1: Nachdem Kṛṣṇa mit seinen fünf Umkreisen auf diese Weise verehrt wurde, bringe man ihm Milchreis mit Bananen dar.
Im Jñānārṇava:
19.JÑN.1: „In einem glänzenden goldenen Gefäß [bringe man] schönen, weich gekochten Reis [dar], reinem Bergkristall gleich und leuchtend wie Mondstrahlen, Geliebte …“
19.JÑN.2: … „ein gutes Vaṭaka-Gebäck mit Asafoetida, Kreuzkümmel, Pfeffer und frischem Ingwer, von [unsicher beschriebener] Gestalt, und Milchreis so weiß wie Schnee …
19.JÑN.3: … sorgfältig eingekochte, reich mit Zucker versehene Milch, mit dem Ghee einer Kapilā-Kuh verbunden, sowie dünne Maṇḍaka-Fladen, die wie Birkenrinde aussehen …
19.JÑN.4: … Zucker und eingedickten Zuckerrohrsaft, Mungbohnensuppe, verschiedene Getränke und viele Beilagen.“
Im Uttaratantra:
19.UTN.1: Man lege die Speisen in ein goldenes Gefäß, stelle dieses mit seinem Untersatz auf ein viereckiges Maṇḍala und berühre es auf dem Weg des Ausatmens …
19.UTN.2: … besprenge es mit dem Waffenmantra und schütze es durch die Cakra-Mudrā. Mit dem Wind-Bīja trockne man [vorgestellte Unreinheit], mit dem Feuer-Bīja verbrenne man sie.
19.UTN.3: Während der Mantrakundige die Gabe mit den Fingerspitzen der rechten Hand berührt, verwandle er sie mit dem Amṛta-Bīja in Nektar; danach mit dem Grundmantra …
19.UTN.4: … bespricht er sie vorschriftsgemäß achtmal, während er sie mit beiden Händen berührt. Dann zeige er die Dhenu-Mudrā und verehre sie mit Duft und Blüten.
19.UTN.5: Nachdem die Gottheit verehrt wurde, bringe man mit ganz auf sie gerichtetem Geist einen Puṣpāñjali dar: „Die im goldenen Gefäß befindliche, sorgfältig zubereitete vorzügliche Speise …
19.UTN.6: … von fünferlei Art und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen, nimm sie an zu meiner Vollendung.“ Man spreche den Grundmantra mit svāhā am Ende und bringe Wasser dar.
19.UTN.7: Mit beiden Händen hebe man die verehrte, ihrem Wesen nach nektargleiche Gabe empor: „Dir und deinem Gefolge bringe ich dies dar; nimm es wohlgefällig an.“
19.UTN.8: Dies ist bei allen Pūjās der Mantra für Naivedya, jeweils mit dem betreffenden Namen. Danach folgen die Mantras für Prāṇa, Apāna, Vyāna und Udāna …
19.UTN.9: … und Samāna; jeder Name im Dativ, mit dem Praṇava am Anfang und svāhā am Ende. So werden die fünf Mantras der Reihe nach beschrieben.
Kommentar: Die Mudrās der fünf Lebenskräfte werden noch erklärt; die Weihung der Speise und ihre Darbringung folgen auch im praktischen Ritualablauf.
Im Smṛtisamuccaya:
19.SMNa.1: Für Angehörige der drei [oberen] Stände ist gekochte Nahrung als Gabe an Viṣṇu vorgesehen. Eine mit Zucker, Ghee und ähnlichen Stoffen zubereitete Speise werde jedoch nicht dadurch unrein, dass sie von einem Śūdra stammt.
Historische Einschränkung im Kommentar: Der Śrāddhakalpa schreibe für einen Śūdra am zehnten Totentag und bei vergleichbaren Handlungen Piṇḍa-Gaben aus ungekochter Nahrung vor. Daraus leitet der Autor nach derselben Regel auch ungekochte Gaben an die Gottheit ab. Diese ständische Vorschrift und die zuvor zitierte Ausnahme bleiben nebeneinander erhalten.
Das tägliche Feueropfer und die Bali-Gabe
Im Jñānārṇava heißt es: „Nachdem man [die Speise] der höchsten Herrin gewidmet hat, vollziehe man das tägliche Feueropfer.“ Der Kommentar erklärt ausdrücklich, dass sich die Widmung auf Naivedya bezieht.
Im Uttaratantra:
19.UTH.1: In das auf diese Weise geweihte Feuer rufe der Mantrakundige die Gottheit, verehre sie und gebe mit dem Grundmantra fünfundzwanzig Opfergaben …
19.UTH.2: … aus Ghee, Opferspeise, Sesam, gutem Milchreis, mit Sesam vermischten oder reinen Reiskörnern oder auch Blüten.
19.UTH.3: Für jede Glied- und Umkreisgottheit gebe er eine einzelne Opfergabe. Nachdem die Gottheit aus dem Feuer entlassen wurde, kehre er zum Pūjā-Platz zurück.
19.UTH.4: Dort setze sich der Mantrakundige auf seinen Sitz und bringe den Bhūtas eine Bali-Gabe. Im Nordosten bereite er ein Maṇḍala und stelle darauf einen Untersatz …
19.UTH.5: … mit einem durch Blüten und weitere Gaben verehrten Gefäß für Speise, Beilagen, Wasser und Ähnliches. Er meditiere die Bhūtas, verehre sie und bringe ihnen die Bali-Gabe dar.
Kommentar: Die Meditation der Bhūtas wurde im Abschnitt über die Verehrung des Sitzes gelehrt; auch Bali-Mantra und Darbringung wurden bereits erklärt. Die Entlassung der Gottheit betrifft ihre Gegenwart im Pūjā-Kreis, im eigenen Selbst und im Feuer; die Feuerweihe ist ebenfalls zuvor behandelt. Für das verkürzte Verfahren wird Vasiṣṭha angeführt: „Beim täglichen Homa gibt es die Handlungen des erstmaligen Einsetzens des Feuers und Ähnliches nicht.“
Im Nāradīya heißt es: „Erneut gebe man Mundspülwasser und die Reinigung der Hände.“ Gemeint seien das Wasser nach der Mahlzeit und, durch das verbindende „und“ eingeschlossen, Ausspülen des Mundes, Reinigen der Zähne und weitere Handlungen. Im Prapañcasāra steht: „Nachdem man die Speisegabe wieder fortgenommen, wie zuvor verehrt und Mittel zum Erfrischen des Mundes gegeben hat …“
Im Nārāyaṇīya:
19.NĀSch.1: Der Kundige gebe Tāmbūla mit Kampfer und führe die Lichterschwenkung aus; nachdem er Krone und die weiteren Schmuckstücke dargebracht hat …
Unnummerierter Halbvers: … zeige er den Spiegel und richte Ehrenschirm und Yakhaarwedel her.
Agastya:
19.AGT.1 (Agastya): Mit Kampferstückchen vermischt, mit Nāgavallī-Blättern, einem Tupfen „Sudhā“ und schönen Arekanüssen versehen …
Unnummerierter Halbvers: … bringe man Tāmbūla Raghunātha dar und erlange dadurch die ersehnten Wünsche.
Kommentar: „Sudhā-Tupfen“ bezeichnet hier das Kalkpulver der historischen Betelzubereitung. Über Nīrājana sagt Somaśambhu: „Nachdem man auf das Haupt der Gottheit ein Pavitra aus Dūrvā und unversehrten Reiskörnern gelegt hat …“ Nīrājana bezeichnet hier die Lichterschwenkung, Ārātrika.
Ārati und Sammlung des Geistes
Im Jñānārṇava:
19.JÑĀr.1: „Dann vollziehe man zur Erfüllung aller Wünsche die Lichterschwenkung, schön anzusehen, auf einer goldenen, silbernen oder bronzenen [Platte].
19.JÑĀr.2: Mit Kuṅkuma zeichne man einen achtblättrigen Lotos, Schönangesichtige: eine Lampe in seine Mitte und acht Lampen auf die acht Blätter.
19.JÑĀr.3: Die Lampen [beziehungsweise ihre Schälchen] seien aus Gerste und Weizen mit Zucker und Milch gefertigt, mit ringförmigen Verzierungen geschmückt und mit Ghee gefüllt.
19.JÑĀr.4: Der Mantrakundige bespreche sie mit dem Ratneśvarī-Mantra, verehre sie anschließend mit dem Grundmantra und vollziehe die Lichterschwenkung.
19.JÑĀr.5: Er hebe die Platte wiederholt bis zum Haupt der großen Göttin und vollziehe so neunmal die Lichterschwenkung.“
Unnummerierter Anschluss: Bei der Ārātrika für die große Göttin zeige man die Cakra-Mudrā.
Kommentar: Der Ratneśvarī-Mantra wurde bereits angegeben.
Im Kātyāyanītantra:
19.KĀJ.1: Nach der Lichterschwenkung verneige sich der Übende vor der höchsten Gottheit und vollziehe dreimal Prāṇāyāma mit dem Grundmantra …
19.KĀJ.2: … führe den Nyāsa wie zuvor aus, meditiere die Göttin im Herzenslotos und wiederhole den Grundmantra nach Vermögen, mit ganz auf sie gerichtetem Geist.
Im Kulārṇava:
19.KMan.1: Die Silben des Grundmantras werden mit den Mātṛkā-Lauten verflochten und dreimal in vorwärts- und rückwärtsgehender Folge wiederholt. Dies wird Mantra-Reinigung genannt.
Im Śāradātilaka:
19.ŚJap.1: Nachdem man den Grundmantra tausendmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit wiederholt hat, widme man diesen Japa der Gottheit zur Erlangung aller Erfüllung.
Abweichende zeitliche Anordnung: Dakṣiṇāmūrti nennt für das tägliche Feueropfer einen anderen Zeitpunkt: „Nachdem Japa nach Vermögen vollzogen wurde, führe man das tägliche Homa aus.“
Im Śaivāgama:
19.ŚAJ.1: Täglich wiederhole man ohne Nachlässigkeit eintausendachtmal, halb so oft, dreihundertmal oder hundertachtmal.
Kommentar: Japa und die Art seiner Widmung werden im praktischen Ablauf erläutert.
19.JST.1: Nachdem der Japa so gewidmet wurde, läute der von Hingabe erfüllte Übende die Glocke und preise die Gottheit mit Lobliedern.
Im Uttaratantra:
19.UTPr.1: Mit purāṇischen und vedischen Versen sowie dem Grundmantra vollziehe man ehrende Umkreisung und Verneigung als Mittel zur Verwirklichung von Dharma und Lebenszielen.
Unnummerierter Halbvers: „Dann bitte man mit den noch folgenden Mantras um Verzeihung, o Maheśvarī.“
Kommentar und historische Zugangsbeschränkungen: Die Verzeihungsmantras folgen im praktischen Ablauf. Der Autor beschränkt hier purāṇische und vedische Texte auf die drei oberen Stände; die Wiederholung des Grundmantras ordnet er den Śūdras zu, denen er auch die Rezitation purāṇischer Loblieder untersagt. Die folgenden Verse dokumentieren diese ausgrenzende historische Regelung; sie sind keine Vorgabe für heutige Leser.
Im Kālikāpurāṇa:
19.KPEx.1: Ein Śūdra, der aus Verblendung oder absichtlich Purāṇa, Saṃhitā oder Smṛti liest, gelange als Übeltäter zusammen mit seinen Ahnen in die Hölle.
Der Kommentar behauptet weiter, für die Pañcarātra-Texte bestehe nicht einmal eine Berechtigung zum Zuhören. Dazu zitiert er das Nāradapañcarātra:
19.NPEx.1: Das Pañcarātra ist für Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas vorgesehen; zu den Ohren von Śūdras und weiteren ausgeschlossenen Gruppen soll es nicht gelangen.
Dazu folgt ein Beleg aus dem Merutantra.
19.MEx.1 (Merutantra): Ein Brahmane [verehre] mit vedischen Mantras, ein Kṣatriya mit Saṃhitā-Texten, ein Vaiśya mit purāṇischen und ein Śūdra mit volkssprachlichen Texten und entsprechenden weiteren Mitteln.
19.MEx.2: Ein Śūdra, der aus Verblendung oder absichtlich Purāṇa, Saṃhitā oder Smṛti liest, gelange als Übeltäter zusammen mit seinen Ahnen in die Hölle.
19.MEx.3: Wenn ein Śūdra bewusst zuhört und ein Zweimalgeborener ihn hören lässt, seien beide in diesem Leben leidend und am Ende der Hölle verfallen.
19.MEx.4: Ein Śūdra, der aus Hochmut über Stellung oder Reichtum den Veda anhört, werde ohne Nachkommen und ohne Vermögen sein.
19.MEx.5: Wurde der Veda aus Unwissenheit gehört oder durch einen Zweimalgeborenen vorgetragen, würden beide nach dreimaligem Prājāpatya-Sühneritus wieder rein.
Diese Verse schließen die historische, ständisch ausgrenzende Argumentation des vorangehenden Abschnitts ab.
Alle Handlungen dem Göttlichen widmen
Im Śaivāgama:
19.ŚWid.1: Der Mantrakundige hebe das Arghya-Gefäß, spreche den Grundmantra und sage: „Welche Handlung ich auch vollzogen habe, gut oder unvollkommen …
19.ŚWid.2: … nimm dies alles an, verehrter Śambhu, als höchste Verehrung.“ Mit diesen Worten gieße er etwas Arghya-Wasser in die rechte …
Unnummerierter Halbvers: … Hand der Gottheit und widme Śiva die vollzogene Verehrung.
Im Kulārṇava:
19.KWid.1: Alle vollzogene Verehrung und die weiteren Handlungen bringe man der Gottheit dar, mit Mantra und Wasser, unter Verwendung der mit itaḥ pūrvam beginnenden Formel.
Kommentar: Dieser Mantra wurde bereits angegeben. Sanatkumāra sagt: „Danach entlasse man die Gottheit mit ihrem gesamten Gefolge.“ Der Prapañcasāra erklärt: „Nachdem man den mit der Mondsichel Geschmückten so gepriesen hat, führe man ihn wieder in den eigenen Herzenslotos zurück.“
Im Śivarahasya:
19.ŚHerz.1: „Mögen alle verehrten Gottheiten, die Strahlen Maheśas sind, segenspendend in Śrī Śivas Körper aufgehen.“
19.ŚHerz.2: Mit diesen Worten bringe man einen Puṣpāñjali dar, verneige sich und stelle sich vor, wie die gesamte Strahlenschar restlos im Körper der Gottheit aufgeht.
19.ŚHerz.3: Man meditiere Śiva als Lichtgestalt, bitte wiederholt „Vergib!“ und nehme Maheśvara in den eigenen Herzenslotos auf.
19.ŚHerz.4: „Gehe, gehe zur höchsten Stätte, zu deiner eigenen Stätte, höchster Herr, zu jener höchsten Wirklichkeit, die Brahmā und die anderen Götter nicht erkennen.“
19.ŚHerz.5: Mit diesem Mantra entlasse man ihn. Dann meditiere man beim Einatmen, verneige sich und setze ihn mit dem folgenden Mantra in das Herz ein:
19.ŚHerz.6: „Verweile, verweile an der höchsten Stätte, an deiner eigenen Stätte, höchster Herr, dort in meinem Herzen, wo Brahmā und alle anderen Götter weilen.“
Unnummerierter Anschluss: Die Entlassung erfolgt mit der Saṃhāra-Mudrā, der Geste des Zurücknehmens.
Der Haṃsapārameśvara beschreibt dasselbe für die Göttin:
19.HHerz.1: „Man forme die Saṃhāra-Mudrā, vergegenwärtige Maheśvarī als Licht, nehme sie mit einer Blüte auf und führe sie auf dem Weg durch die Nase, o Śivā …
19.HHerz.2: … in den tausendblättrigen Lotos am Dvādaśānta. Nach einer Ruhe dort führe man sie durch den mittleren Kanal in den Herzenslotos …
Unnummerierter Halbvers: … lasse sie dort weilen, verehre sie vollkommen und erkenne das eigene Selbst als ganz von ihr erfüllt.“ Dies ist die innere Meditation des Ritualabschlusses.
Umgang mit den bereits dargebrachten Gaben
Im Kulamūlāvatāra:
19.KNir.1: Im Nordosten bereite man ein Maṇḍala ohne Tore und Lotos, um vor der Entlassung die Trägerin des Nirmālya zu verehren.
19.KNir.2: Man lege die bereits dargebrachten Gaben hinein und verehre sie mit dem Mantra: „Caṇḍeśvarī, große Göttin, mit diesen bereits geweihten Gaben, Sandel und den weiteren Stoffen …
19.KNir.3: … Leck- und Saugspeisen, Nahrung, Getränken, Girlanden und Salben – dies gebe ich dir, der Empfängerin des Nirmālya, auf Śrī Śivas Geheiß.“
Unnummerierter Halbvers: Nachdem die übrige Speisegabe dargebracht wurde, verneige man sich und vollziehe die Entlassung.
Die Gaṇeśvaraparāmarśinī sagt, für Lambodara solle das Nirmālya in ein Maṇḍala im Nordosten gelegt werden. Das Saṃmohanapañcarātra weist Nirmālya und die Speisegabe Viṣvaksena zu.
Im Śaivāgama:
19.ŚNir.1: Am nordöstlichen Rand verehre man Caṇḍeśa im Maṇḍala, den Mondsichelgeschmückten, der über das Nirmālya des Gottes der Götter meditiert.
Im Vāmadevatantra:
19.VNir.1: Tejaścaṇḍa sei der Empfänger der bereits dargebrachten Gaben. Was der Gottheit gegeben wurde, soll ihm stets überlassen werden; man soll nicht daran riechen und nicht darüber hinwegtreten. Der Name am Versanfang ist im Druck als tejaścaṇḍa lesbar, bleibt aber in seiner genauen Zuordnung unsicher.
Im Uttaratantra:
19.UTSū.1: Danach bringe man Bhāskara mit dem folgenden Mantra, verbunden mit seinem Bīja, Arghya dar, damit die Verehrung ohne Lücke sei:
19.UTSū.2: „Oṃ, Verehrung dem Vivasvat, dem Strahlenden, dem Licht Viṣṇus, dem Hervorbringer der Welt, dem Reinen, dem Savitṛ, der die Tätigkeit ermöglicht.“ Die gedruckte Anrede brahman und die Wiederholung um śucaye/śucayam sind syntaktisch uneben; sie werden im Sanskrit beibehalten.
19.UTSū.3: Nachdem man die Hände aneinandergelegt und den genannten Mantra gesprochen hat, bekräftige man mit gesammeltem Geist die Vollständigkeit:
19.UTSū.4: „Oṃ. Was in meiner Erkenntnis, in meiner Askese und in meiner Verehrung unvollkommen war, möge alles durch Bhāskaras Gnade vollständig werden.“
Kommentar: Das Bhāskara-Bīja sei ein dreisilbiger Mantra, der im zugehörigen Abschnitt zu verstehen ist.
Prasāda empfangen und teilen
Im Vijayamālinītantra:
19.VMP.1: „O Herrin der Götter, Śivā: Vermische etwas von dem nach der Pūjā verbliebenen Duftstoff mit Arghya-Wasser und besprich es achtmal mit dem Grundmantra.
19.VMP.2: Der Mantrakundige besprenge sich damit unter dem Grundmantra und trage die bereits dargebrachten Gaben auf dem Haupt.
19.VMP.3: Nachdem er das Fußwasser gekostet hat, verteile er die Speisegabe an die Verehrer; auch er selbst esse davon und lebe, ganz von der Gottheit erfüllt, in Freude, Geliebte.“
Kommentar: Dies widerspreche nach dem Autor nicht den Texten, welche die Annahme von Śivas und anderer Gottheiten Prasāda tadeln. Jene Verbote beträfen unreinen Umgang. Als Beleg führt er das Skandapurāṇa an:
19.SKP.1: „Selbst wenn jemand einen Brahmanen getötet hat: Wird er rein und trägt Nirmālya, werde ich seine große Schuld rasch vernichten, o Mahāvratā.
19.SKP.2: Wer das Liṅga vorschriftsgemäß gebadet hat und dreimal von dessen Badewasser trinkt, dessen dreifache Verfehlung vergehe noch hier.
19.SKP.3: Wer das Wasser vom Bad des Liṅga über sein Haupt gießt, erlange, von Verfehlung gereinigt, die Frucht eines Bades in der Gaṅgā.“
Weiter:
19.SKPUn.1: Wer hingegen, obwohl er hingebungsvoll Nirmālya auf dem Haupt trägt, unrein ist, die gebotenen Grenzen verletzt und mit Verfehlungen behaftet ist …
Unnummerierter Halbvers: … falle in eine schreckliche Hölle und werde in einer Tiergeburt wiedergeboren. Auch diese Drohung gehört zur historischen rituellen Wertung.
Im Kālikāpurāṇa:
19.KPS.1: Früchte, Blüten, Tāmbūla, Speisen, Getränke und Ähnliches soll man niemals selbst genießen, ohne sie zuvor der großen Göttin gegeben zu haben.
19.KPS.2: Ob auf dem Weg, auf einem Berggipfel oder in einer Versammlung: Der Übende widme sie zuerst ihr und bereite sie danach zum eigenen Genuss.
Die Einheit der verehrten Gottheiten
Im Varāhapurāṇa:
19.VEin.1: Die Behauptung eines trennenden Unterschiedes zwischen Viṣṇu und Rudra oder zwischen Śrī und Gaurī wird als von den Lehrtexten getadelte Rede törichter Ungläubiger bezeichnet.
Im Bhaviṣyapurāṇa:
19.BEin.1: Wie Śiva, so ist Viṣṇu; wie Viṣṇu, so ist Umā. Wie Umā, so ist Gaṅgā: Es gibt hier keine vier voneinander getrennten Wirklichkeiten.
Im selben Werk:
19.BEinTr.1: Wer einen trennenden Unterschied zwischen Viṣṇu und Rudra, zwischen Śrī und Gaurī oder zwischen Gaṅgā und Gaurī behauptet, dessen Einsicht sei verblendet …
Unnummerierter Halbvers: … und er falle in schreckliche Höllen wie Raurava. Die Einheit wird hier mit einer polemischen Unheilsdrohung bekräftigt.
Im Bhaviṣyottara:
19.BUEin.1: Wer Brahmā ist, wird Hari genannt; wer Hari ist, ist Maheśvara. Maheśvara gilt als Sūrya, und Sūrya wird Pāvaka, das Feuer, genannt.
19.BUEin.2: Pāvaka ist Kārttikeya, und Kārttikeya ist Vināyaka. Gaurī, Lakṣmī und Sāvitrī werden als verschiedene Gestalten der Śakti genannt.
19.BUEin.3: Wenn ein Mensch ein Gelübde für einen Gott oder eine Göttin vollzieht, soll er darin keine Trennung denken: Die Welt ist von Śiva und Śakti erfüllt.
Im Padmapurāṇa:
19.PEin.1: „Verehrer der Sonne, Śivas, Gaṇeśas, Viṣṇus und Śaktis gelangen alle zu mir, wie die Regenwasser zum Meer.
19.PEin.2: Ich bin einer und erscheine spielerisch unter fünf Namen – wie ein Mensch namens Devadatta unter verschiedenen Anreden, etwa ‚Sohn‘, gerufen wird.“
Kommentar: Dazu wird Viṣṇus Wort aus der Bhagavadgītā angeführt: „Ich bin der Empfänger und Herr aller Opfer.“ „Herr“ wird als „Geber ihrer Frucht“ erklärt.
Im Viṣṇupurāṇa:
19.VAll.1: Wer Opfer vollzieht, verehrt ihn; wer Japa übt, wiederholt seinen Namen, o König. Wer einem anderen Schaden zufügt, verletzt ihn, denn Hari ist in allen Wesen.
Kommentar zum Genuss der Opfergabe: Da alles in allen Gestalten das Spiel Śrī Viṣṇus ist, erscheint dem Autor die Annahme der der eigenen Iṣṭadevatā dargebrachten Gabe nicht als Fehler. Die vorausgehenden Regeln „nicht ohne Darbringung“ und „erst nach der Widmung“ können auf zweierlei Weise verstanden werden: Entweder man gibt einen Teil und genießt einen anderen Teil, oder man genießt gerade das zuvor Gegebene. Einige bevorzugen die erste Deutung, weil die zweite eine Umwidmung des bereits Zugewiesenen oder die Aneignung einer nicht zurückgegebenen Gabe bedeuten könnte. Der Autor bevorzugt hingegen die zweite: Es werde kein getrennter erster Anteil vorgeschrieben, Darbringung und Essen bezögen sich auf denselben Gegenstand, und es gebe keine gesonderte Ritualhandlung dazwischen. Er führt außerdem einen als Śruti bezeichneten Satz über das Essen der Viṣṇu zugeordneten Gabe an; dessen Schlüsselwort ist in der vorliegenden Ausgabe unsicher und wird nicht als sichere wörtliche Lesung ausgegeben.
Im Nāradapañcarātra:
19.NPEss.1: „Wenn jemand etwas von seinem eigenen Essen zu sich nimmt, [ohne es] zuvor [Viṣṇu] dargebracht zu haben, o Brahmane, soll er Viṣṇus Grundmantra hundertachtmal mit Sprache, Körper und Geist wiederholen.“ Der Druck hat niveditam, „dargebracht“; die Verneinung fehlt. Die Ergänzung „ohne“ folgt der unmittelbar anschließenden ausdrücklichen Einordnung als Sühnehandlung und bleibt deshalb sichtbar.
Kommentar: Auch eine Sühne sei damit genannt. „Brahmane“ ist hier die Anrede an Nārada. Das verkürzte Verfahren der täglichen Pūjā werde im praktischen Ablauf beschrieben.
Was zur täglichen Pūjā gehört
Der Prapañcasāra nennt die erforderlichen Handlungen:
19.PRTag.1: Der Guru spüle erneut den Mund, sitze mit dem Gesicht nach Osten auf seinem Sitz, vollziehe Prāṇāyāma und den Nyāsa der Schriftlaute und setze dann den Seher und die weiteren Zuordnungen ein.
Kommentar: Nachdem Prāṇāyāma, Mātṛkā-Nyāsa sowie der Nyāsa von Seher und weiteren Zuordnungen, Händen und Gliedern genannt wurden, heißt es im selben Werk: „Dies ist die allgemeine Vorbereitung zu Beginn des Mantra-Japa.“ Der Autor erklärt sie als Herstellung der Befähigung zur Verehrung. Diese Vorbereitung sei allen Varṇas und Lebensständen gemeinsam; durch sie bestehe für alle die Berechtigung zur Pūjā. Diese Aussage steht neben den zuvor angeführten Beschränkungen für bestimmte Textrezitationen. Die Unterlassung der Vorbereitung werde deshalb getadelt.
In der Agastyasaṃhitā:
19.AGTag.1: Welche Handlung auch ohne Prāṇāyāma vollzogen werde, sei ohne Sinn. Wer Gutes erstrebt, soll daher sorgfältig Prāṇāyāma ausführen.
Im Dakṣiṇāmūrtikalpa:
19.DKTag.2 (Zählung des Druckes): Wird Mantra-Japa ohne den Nyāsa der Schriftlaute vorgenommen, gelte er als fruchtlos. Deshalb setze man zuerst die Laute ein.
Im Kapilapañcarātra:
19.KPTag.1: Wird ein Mantra ohne den Nyāsa von Seher, Versmaß und Gottheit wiederholt, bringe selbst ein bereits verwirklichter Mantra nur geringe Frucht.
Im Gautamīya:
19.GTag.1: Meditation, Japa, Verehrung und Feueropfer, selbst mit einem verwirklichten Mantra vollzogen, trügen ohne den Nyāsa der Glieder keine Frucht.
Yājñavalkya über die Unterlassung der vorgeschriebenen Ausführung:
19.YTag.1: Wer eine in der Regel vorgesehene Handlung entgegen ihrem Verfahren ausführt, erlange keine Frucht; es bleibe ihm allein die Mühe.
Im Uttaratantra beginnt nun die Regel für erschwerte Umstände:
19.UTNot.1: In der Fremde, unterwegs, an einem schwer zugänglichen Ort, wenn kein geeigneter Platz verfügbar ist, auch im Wasser, in Gefangenschaft oder selbst während eines Prāyopaveśa [des historischen Fastens bis zum Tod] …
19.UTNot.2: … wenn Furcht im Geist entsteht, in einer von Löwen und Tigern unsicher gemachten Gegend oder beim Einfall eines feindlichen Heeres, vollziehe man die Verehrung im Geist.
19.UTNot.3: Man stelle sich im Inneren des Herzens den Yogapīṭha vor und vollziehe dort, inmitten der vorgestellten Erde, die Pūjā.
19.UTNot.4: Reinigung nach der Ausscheidung, Bad, Zahnreinigung und alle weiteren Handlungen [werden im Vers genannt]; die Verehrung vollziehe man in der inneren Vorstellung. Der anschließende Kommentar nimmt körperlich notwendige Reinigungshandlungen ausdrücklich von einer bloß vorgestellten Ausführung aus.
19.UTNot.5: Wie die Verehrung außen mit Blüten und weiteren Gaben vollzogen wird, so sollen auch im Herzen alle einzelnen Ehrungen ausgeführt werden.
Kommentar: „Im Wasser“ umfasst die Fahrt auf einem Schiff. Prāyopaveśa bezeichnet hier das angenommene historische Fastengelübde. „Alles weitere“ schließe die Reinigung nach der Ausscheidung und die Zahnreinigung nicht ein, weil diese nicht allein im Geist ausgeführt werden können. Zur Bedeutung von maitra wird ein dem Brahmāṇḍapurāṇa zugeschriebener Satz angeführt, der den der Reinheit ergebenen Brahmanen so nennt. Der Titel des vermittelnden Sammelwerks ist im Druck unsicher lesbar.
Der Tagesablauf als Verehrung
Im Nāradapañcarātra:
19.NPZeit.1: „Beginnend mit Brahmamuhūrta wende man den frühen Teil des Tages Japa, Meditation, Verehrung und Lobliedern zu, mit Körper, Sprache und Geist …
19.NPZeit.2: … und nähere sich so dem Ursprung der Welt. Dies heißt Abhigamana, das Hinzutreten. Danach stehe man auf und widme sich Blüten, Früchten und den weiteren Gaben …
19.NPZeit.3: … während des nächsten Tagesabschnitts, um die Verehrung des Herrn vorzubereiten. Darauf verehre man den höchsten Herrn mit dem Opfer und seinen zugehörigen Handlungen …
19.NPZeit.4: … einen weiteren Tagesabschnitt lang, o Brahmane. Dies gilt als die Zeit der Ijyā, der Verehrung. Danach folgen Hören, Nachdenken und Erklären, verbunden mit Textrezitation …
19.NPZeit.5: … diese Zeit erkenne als Svādhyāya, bester Weiser. Wenn das Tagesende gekommen ist, vollziehe man die Pūjā und übe …
Unnummerierter Anschluss: … Yoga, auch am Ende der Nacht, mit Ruhezeiten dazwischen.“
Kommentar: „Brahmane“ ist die Anrede an Nārada. Das „und weitere“ bei den Gaben schließt Opferhölzer ein, wie ein weiterer Satz über die Zeit zum Sammeln von Brennholz, Blüten und Kuśa bestätigt. Die Glieder des Opfers werden in einem weiteren Zitat als Verehrung mit Honig und Ghee, Dickmilch sowie einem Tier beschrieben; die eigentliche Verehrung werde als viertes genannt. Honig und Ghee beziehen sich auf Madhuparka, dem das Tier in der älteren Ritualordnung zugeordnet ist. Dazu wird im Viṣṇudharmottara ausdrücklich ein Ersatz gelehrt:
19.VDErs.1: Anstelle des für Madhuparka vorgesehenen Tieres bringe man einen entsprechenden Anteil dar: ein Gefäß mit Saatkörnern, Gold und einer Gabe.
Unnummerierter Halbvers: „Im Kali-Zeitalter soll kein Tier [dafür verwendet] werden“, sagt der verehrte Bhṛgu.
Kommentar: „Gabe“ bedeutet hier Dakṣiṇā. Dies soll, soweit möglich, nach der Mittagsverehrung erfolgen.
Vereinfachung bei Krankheit und besonderen Umständen
In der Tattvasārasaṃhitā:
19.TSNot.1: Die Verehrung wird weiter als Āturī, Sautikī, Trāsī, Daurbodhakī, Sādhanā und Bhāvinī bezeichnet. Der Druck sagt zugleich „fünffach“, obwohl die überlieferte Aufzählung sechs Ausdrücke enthält; diese Unstimmigkeit wird nicht verdeckt.
19.TSNot.2: Wenn eine Erkrankung so weit reicht, dass Nahrungsverzicht erforderlich wird, soll die Pūjā auf einer Ritualfläche oder an Götterbildern unterbleiben.
19.TSNot.3: Auch rituelles Bad, Zahnreinigung mit dem dafür vorgesehenen Holz und Homa sollen dann nicht vollzogen werden. Man schaue auf die Sonnenscheibe oder auf ein Götterbild …
19.TSNot.4: … wiederhole den Grundmantra einmal und bringe eine Blüte mit unversehrten Reiskörnern dar. Am Ende [der Erkrankung] bitte man, nachdem schwere Krankheit und Fasten einen überwältigt hatten …
Unnummerierter Halbvers: … „Möge daraus kein Fehler entstehen“, und nehme die frühere Praxis wieder auf. Dies beschreibt eine historische Erleichterung des Rituals bei Krankheit, keine medizinische Behandlung.
Kommentar: Nach diesem Gebet sind Japa, Homa und weitere Handlungen wieder aufzunehmen. Das Nāradapañcarātra sagt:
19.NPKr.1: Ein durch Krankheit oder Verwirrung entstandener Ritualfehler soll durch Japa, Gaben und Feueropfer bereinigt werden …
Unnummerierter Halbvers: … auch durch Meditation, bester Weiser, nachdem Gewicht und Umstände der Handlung erkannt wurden.
Weiter:
19.Sūt.1: „Nun erkläre ich die in den Āgamas gelehrte Verehrung während Sūtaka [der traditionellen Absonderungszeit nach Geburt oder Todesfall]. Nach dem Bad und den täglichen Pflichten soll sie innerlich vollzogen werden …
19.Sūt.2: … in derselben Reihenfolge wie die äußere Pūjā, durch Meditation, sofern besondere Wünsche verfolgt werden. Wer keine solchen Wünsche verfolgt, vollziehe die tägliche Verehrung wie zuvor.“
19.Sūt.3: „Nun wird die in den Āgamas gelehrte Verehrung für einen von Furcht Bedrängten erklärt. Ob Arghya-Gefäß und weitere Hilfsmittel vorhanden sind oder fehlen …
19.Sūt.4: … die Pūjā werde mit Wasser vollzogen. Ist selbst Wasser nicht vorhanden, verehre man die Gottheit mit vorgestellten Blüten und weiteren inneren Gaben.
19.Sūt.5: Nun erkläre ich die in den Āgamas gelehrte Daurbodhakī-Pūjā. Als wenig verständig werden hier Ungebildete, Frauen, Kinder und Alte bezeichnet …“ Diese pauschale Abwertung entspricht der historischen Quelle, nicht einer Bewertung der genannten Menschen durch die vorliegende Ausgabe.
19.Sūt.6: … für sie wird die Verehrung des Juwelenpavillons, der mit Dharma beginnenden Vierergruppe, der Schlange und des Lotos, der Hauptgestalt und ihrer sechs Glieder vorgeschrieben.
19.Sūt.7: Dasselbe gilt auch für alle anderen beim verkürzten Verfahren. Sind sämtliche äußeren Gegenstände nicht verfügbar, genügt die innere Vorstellung.
19.Sūt.8: Nārada sagt ferner, man könne mit reinem Wasser das Fehlende ersetzen. Weiter wird die Pūjā in höchste, geringste und mittlere eingeteilt.
19.Sūt.9: [Der erste Halbvers fehlt im Druck.] Die mit Blättern, Blüten und Wasser auszuführende Verehrung wird als geringste Art bezeichnet.
19.Sūt.10: Eine Verehrung durch reine Kenner Brahmans, denen der gesamte Sinn des Veda bekannt ist, heißt sāttvikī und gewähre Befreiung.
19.Sūt.11: Eine ordnungsgemäße Verehrung durch königliche Weise, die in Askese gefestigt sind und die Wirklichkeit des Herrn kennen, heißt rājasī und gewähre Glück.
19.Sūt.12: Die tägliche Verehrung von Frauen, Kindern, Alten, Ungebildeten und weiteren Menschen, deren Geist allein an der Hingabe Freude findet, wird hier tāmasī genannt. Diese Rangordnung ist die soziale und rituelle Einteilung des zitierten Textes; Hingabe selbst wird an anderen Stellen desselben Kapitels ausdrücklich als entscheidend gepriesen.
Im Uttaratantra:
19.UTTeil.1: Wer die Verehrung nicht selbst ausführen kann, stelle ihre Hilfsmittel bereit. Wer auch nichts geben kann, schaue der Verehrung zu.
19.UTTeil.2: Wer keine dieser Möglichkeiten wahrnimmt, gehe abwärts, so die Mahnung des Textes. Wer hingegen mit Hingabe und Bemühen selbst alles vorbereitet …
Unnummerierter Halbvers: … und die erforderlichen Mittel beschafft, erlange die vollständige Frucht.
Kumbhasaṃbhava [Agastya]:
19.KSUm.1: Wer gesund und leistungsfähig ist, verwende die besten Mittel; wer mittlere Möglichkeiten hat, entsprechende mittlere; wer weniger besitzt, geringere Mittel im Wald der Askese.
19.KSUm.2: In einer Notlage verwende auch ein leistungsfähiger Mensch nur geringe Mittel. Die Pūjā ist besonders nach Ort und Zeit auszurichten.
Im Merutantra:
19.MTSūt.1: Wer sich in Sūtaka befindet, vollziehe die von der Smṛti genannten täglichen vedischen Pflichten und führe die tantrische Pūjā und weitere entsprechende Handlungen allein im Geist aus.
Im Bhaviṣyapurāṇa:
19.BPUm.1: Wer ausreichende Mittel hat und dennoch aus Verblendung die umfassende vorgeschriebene Ausführung unterlässt, erlange ihre Frucht nicht, weil sein Geist von Habgier beherrscht sei.
Im Śivayāmala:
19.ŚYOrt.1: Selbst die von Śiva genannten geeigneten Orte – Śivas Stätte, der Verbrennungsplatz, ein Ort mit einzelnem Liṅga, Caṇḍīndra [unsicherer Ortsausdruck im Druck], ein Zusammenfluss und ein Kreuzungsplatz – darf der nach Befreiung Strebende verlassen: Für ihn gilt die Verehrung im eigenen Haus als vorzüglich.
19.ŚYOrt.2: Im Wald ist die Verehrung zur Erlangung von Siddhi für Menschen mit begrenzten Wünschen heilsam. Für die Wunschlosen, die Befreiung erstreben, ist die beständige Verehrung zu Hause vorzüglich.
Kolophon: Damit endet der neunzehnte Śvāsa des Śrīvidyārṇava-Tantra, verfasst von Vidyāraṇya Yati. Der Schluss nennt die Lehrerfolge Govindācārya, Śaṅkarācārya, Viṣṇuśarmācārya und Pragalbhācārya. Die historische Einordnung dieser Zuschreibung ist von der Wiedergabe des Kolophons zu unterscheiden.
20. Śvāsa
Der zwanzigste Śvāsa beschreibt den praktischen Ablauf der täglichen Puja. Er beginnt mit dem Erwachen, der Vorbereitung des Verehrungsortes und der Meditation über den Guru. Die äußeren Handlungen werden immer wieder durch innere Vorstellung und Gebet begleitet. Der Abschnitt enthält zunächst unnummerierte Prosa und Gebetsverse; für diese wird keine ursprüngliche Verszählung erfunden.
Den Morgen der Verehrung widmen
Beginn des täglichen Ritualablaufs: Der verehrte Übende erhebt sich im vierten Abschnitt der Nacht über die rechte Körperseite vom Lager, erinnert sich an seine Iṣṭadevatā und setzt den linken Fuß auf den Boden. Er steht auf, geht aus dem Haus, verrichtet die notwendigen körperlichen Bedürfnisse und wäscht Hände und Füße. Die Nachtkleidung legt er ab, zieht zwei gereinigte Gewänder an und vollzieht Ācamana, das rituelle Schlucken von Wasser.
Er reinigt den Verehrungsraum der Gottheit, bestreicht den Boden nach der historischen Vorschrift mit Kuhdung und schmückt ihn mit einem Baldachin und weiteren Gegenständen. Auf seinem Sitz nimmt er die bereits dargebrachten Gaben vom Götterbild, reinigt es und stellt es wieder auf. Nach Prāṇāyāma und dem Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen verehrt er das Bild dreimal mit den vom Vortag verbliebenen Blättern und weiteren Gaben. Er gibt Fußwasch- und Mundspülwasser, bietet der Gottheit die Zahnreinigung mit Kampferstückchen an, danach duftendes Wasser zum Ausspülen und Waschen des Gesichtes und erneut Mundspülwasser. Zum Abtrocknen von Händen und Gesicht gibt er ein feines, reines Tuch. Die Angaben beschreiben die rituelle Versorgung des Götterbildes.
Meditation über den Guru
Im Zentrum eines weißen tausendblättrigen Lotos über dem Haupt meditiert der Übende den verehrten Guru: mit weißen Gewändern und Schmuck, die Hände mit den Gesten des Segens, der Furchtlosigkeit und der Erkenntnis sowie mit einem Buch; leuchtend wie Mondstein, freundlich und klar, mit weißer Duftpaste und weißen Girlanden geschmückt.
Auf seiner linken Seite sitzt die rote Göttin, geschmückt mit roten Gewändern, Schmuck, Duft und Girlanden. In ihrer linken Hand hält sie einen beweglichen Lotos, mit dem rechten Arm umfasst sie ihn. Der Guru besitzt drei Augen, ist friedvoll, nach innen gewandt und von der Gestalt Śivas. Der Übende stellt sich vor, dass ein Strom von Amṛta aus den beiden Lotosfüßen des Gurus den eigenen Körper übergießt.
Dann verehrt er mit Duft und weiteren Gaben oder innerlich die verehrten Pādukās, die Füße beziehungsweise Sandalen des Gurus. Er verwendet dabei den überlieferten Guru-Namen in der Formel: „Ich verehre die heiligen Pādukās des ehrwürdigen [Name]-Ānandanātha.“ Ist dieser Name nicht bekannt, lautet die Anrufung: „Verehrung den verehrten Gurus. Verehrung den verehrten Guru-Pādukās.“
Unnummerierter Guru-Vers: „Stets verneige ich mich vor dem verehrten Guru: Er ist Freude und schenkt Freude, ist freundlich und klar, von der Natur der Erkenntnis und im eigenen Wesen gegründet, von den höchsten Yogis gepriesen, ein Arzt für das Leid des Daseins.“ Die gedruckte Variante spricht von der „Krankheit des Daseins“.
Nach der Verneigung stellt sich der Übende vor, dass der Guru im eigenen Herzen aufgeht.
Mantra und göttliches Licht
Vom Mūlādhāra bis zur Brahmarandhra-Öffnung meditiert er den Grundmantra in der Suṣumṇā wie einen Lichtstab, strahlend wie tausend aufgehende Sonnen. Er betrachtet den eigenen Körper als von diesem Licht erfüllt. Dann vollzieht er nach dem später erläuterten Verfahren dreimal Prāṇāyāma mit dem Grundmantra, führt den Nyāsa von Seher und weiteren Zuordnungen, der Hände und der sechs Glieder aus und meditiert im Herzenslotos die noch zu beschreibende Gestalt der Gottheit.
Er verehrt sie mit inneren Gaben, wiederholt den Grundmantra nach Vermögen, widmet den Japa, preist sie und verneigt sich. Die Atem- und Nyāsa-Verfahren werden hier als Bestandteile der überlieferten Ritualfolge wiedergegeben.
Gebete für den Tagesbeginn
Unnummerierter Morgenvers: „Ursprünglicher Gott, Bewusstsein der drei Welten, verehrter Śaṅkara: Deinem Geheiß folgend erhebe ich mich am Morgen und werde zu deiner Freude meinen Weg durch das alltägliche Leben gehen.“
Unnummerierter Schutzvers: „Während ich auf dein Geheiß meinen Weg durch das Leben gehe, Śaṅkara, Gott der Götter, mögen Rivalität, Verachtung, Streit, Unachtsamkeit und Ängste mich nicht überwältigen, o Herr.“
Unnummerierter Vers über Dharma: „Ich kenne den Dharma, und doch fehlt mir der Antrieb zu ihm. Ich kenne den Adharma, und doch fehlt mir das Abstehen davon. Wie du, die göttliche Macht über die Sinne, mich lenkst, so handle ich.“ Eine gedruckte Variante lautet: „Durch dich, Hṛṣīkeśa, der du im Herzen wohnst“; eine weitere spricht von „einer göttlichen Macht, die in mir wohnt“.
Kommentar: Verehrer Gaṇeśas und anderer Gottheiten sollen diese Gebetsverse passend zu ihrer jeweiligen Gottheit anpassen. Danach wird zur Erde gebetet:
Unnummeriertes Erdgebet: „O Göttin, deren Gürtel das Meer und deren Brüste die Berge sind, Gemahlin Viṣṇus, ich verneige mich vor dir. Vergib mir die Berührung durch meine Füße.“
Vorbereitung des rituellen Bades
Nach dem Gebet zur Erde setzt der Übende den Fuß entsprechend dem Atemfluss auf, spricht den Namen seiner Iṣṭadevatā und erhebt sich. Bei jedem Schritt erinnert er sich an den Waffenmantra. Er geht nach Süden oder Südwesten aus dem Dorf, über die Entfernung eines Pfeilschusses hinaus, und bittet nach dem überlieferten Verfahren die am Ort befindlichen Wesen, sich zu entfernen. Ein Ausdruck für diese Wesen ist im Druck unsicher. Nach der Verrichtung der körperlichen Bedürfnisse vollzieht er Reinigung und Ācamana nach den angegebenen Regeln.
An Tagen, an denen dies nicht untersagt ist, nimmt er ein geeignetes Zahnputzholz und reinigt die Zähne mit dem Mantra: „Klīṃ, Verehrung Kāmadeva, der allen Menschen lieb ist.“ Er spült das Holz ab, legt es an einem reinen Ort vor sich ab und spült den Mund unter dem Grundmantra. Er nimmt Kuśa-Gras, Sesam, Duftstoff, unversehrte Reiskörner, Blüten, gereinigte Gewänder und weitere Hilfsmittel mit. Hinzu kommt Erde von einem reinen Ort, entnommen mit einem durch den Waffenmantra und weitere Mantras geweihten Werkzeug.
Am Gewässer reinigt er das Ufer mit mantra-geweihtem Wasser und legt dort die besprochenen Materialien ab. Mit herausgeschöpftem Wasser reinigt er den Unterkörper außerhalb der eigentlichen Badestelle. Dann vollzieht er das vedische Bad nach seiner eigenen Überlieferungsschule und das zugehörige Tarpaṇa. Wieder am Ufer bestreicht er sich vom Haupt bis zu den Füßen mit Erde unter dem Waffenmantra.
Unnummerierter Vers an das Wasser: „Ihr Wasser seid aus Viṣṇu von unvergleichlichem Glanz hervorgegangen und von seiner Gestalt. Vor euch verneige ich mich.“ Der erste Satzteil verbindet die Wasser mit dem Träger aller Wesen; seine Kasusverbindung ist im Druck uneben.
Fortsetzung des historischen Badeablaufs: Nach der Verneigung und der Saṃmukhīkaraṇa-Mudrā beschreibt der Text das Hineingehen ins Wasser mit zurückgehaltenem Atem, ein stilles Untertauchen und Wiederauftauchen und das Stehen in nabeltiefem Wasser. Dies ist die Wiedergabe des historischen Ablaufs, keine Anleitung zum Atemanhalten unter Wasser.
Dort fasst der Übende den Entschluss: „Heute … werde ich, [Name], zur Freude meiner Iṣṭadevatā das tantrische Bad vollziehen.“ Es folgen dreimal Prāṇāyāma mit dem Grundmantra sowie dessen Nyāsa von Seher und weiteren Zuordnungen, Händen und sechs Gliedern. Vor sich stellt er sich im Wasser einen quadratischen heiligen Badeplatz von einer Elle Seitenlänge vor.
Unnummeriertes Gebet an die Sonne: „O Sonne, deine Strahlen berühren die heiligen Orte im Inneren des Weltalls. Kraft dieser Wahrheit gewähre mir den heiligen Badeplatz, Herr der Götter, Lichtspender.“
Mit kroṃ und der Aṅkuśa-Mudrā stellt er sich vor, die Sonnenscheibe zu öffnen, und ruft die heiligen Wasser:
Unnummerierter Flussmantra: „Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī und Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.“
Die aus der Sonnenscheibe angerufene heilige Kraft wird mit dem vorgestellten Tīrtha-Maṇḍala verbunden. Mit dem nachfolgend genannten Mantra ruft er Tīrthaśakti an und meditiert sie.
Tīrthaśakti: Die heilige Kraft des Wassers
Unnummerierter Meditationsvers: „Ich verehre die herrliche Tīrthaśakti, erfüllt von aller Freude, Vernichterin aller Verfehlungen, mondhell und dreiäugig. Mit ihren beiden erhobenen Händen trägt sie Schlinge und Elefantenhaken; mit den weiteren Händen den goldenen, mit Amṛta gefüllten Krug, die Perlengebetskette und [die Geste des] Segens. Gaṅgā, Sindhu und weitere heilige Flüsse begleiten sie.“ Die Zuordnung von Krug, Kette und Segen zu den Händen ist im verdichteten Sanskrit nicht vollständig eindeutig.
Anrufung: Nach einleitenden Bījas, deren Drucklesung hier unsicher bleibt, lautet der Sinn: „Du von aller Freude erfüllte Tīrthaśakti, komm, komm! Svāhā. Verehrung der Tīrthaśakti.“ Die unsicheren Anfangslaute werden nicht zu einer vermeintlich sicheren Rezitationsform ergänzt.
Mit dem folgenden Mantra wird das Wasser achtmal besprochen: „Oṃ, Verehrung, verehrte Mutter, Ambe, Ambālike, Ambike, Mahāmālinī! Komm, komm, Verehrte, du Grund aller heiligen Badeorte! Hrīṃ, śrīṃ, du in Śivas Haarflechten Weilende, Gaṅgā, Gaṅgāmbikā, svāhā.“
Das Wasser wird unter hrīṃ betrachtet, mit vaṃ und der Dhenu-Mudrā als Amṛta vergegenwärtigt, mit dem Schutzpanzer-Mantra und der Avaguṇṭhana-Mudrā umhüllt und durch Fingerschnippen mit dem Waffenmantra geschützt. Im Wasser meditiert der Übende die Gottheit mit ihrem Cakra und ihren Umkreisen und verehrt sie mit fünf aus Wasser bestehenden Ehrengaben. Es folgen acht Wiederholungen des Grundmantras.
Der Text beschreibt danach dreimaliges Untertauchen und Wiederauftauchen bei innerer Erinnerung an die Gottheit und Japa. Mit der Kumbha-Mudrā gießt der Übende unter dem Grundmantra dreimal Wasser über sein Haupt und besprengt sich:
Unnummerierter Reinigungsvers: „[Der Versanfang ist unsicher.] Die ganze Welt wird immer wieder rein. Ihr göttlichen Wasser, Mütter aller Götter, reinigt mich.“
Unnummeriertes Gebet: „Was an Unglück in meinen Haaren, am Scheitel und auf dem Haupt, an Stirn, Ohren und Augen ist, mögen die Wasser fortnehmen. Verehrung euch!“
Nach der Verneigung vollzieht er dreimal Ācamana mit dem auf svāhā endenden Grundmantra und dreimal Tarpaṇa. Er entlässt die Gottheit, kehrt ans Ufer zurück, zieht zwei gewaschene Gewänder an und reinigt Oberschenkel und Hände mit Erde und Wasser. Nach Ācamana trägt er zuerst das nach seiner historischen Varṇa-Zuordnung vorgesehene Tilaka auf; danach folgt das für den Śiva-Verehrer charakteristische Zeichen …
Bhasma und die fünf Śiva-Mantras
… das Tripuṇḍra aus heiliger Asche. Zunächst unterscheidet die Quelle Stirnzeichen nach historischem Stand: für Brahmanen ein aufrechtes Puṇḍra, für Kṣatriyas die drei Querlinien, für Vaiśyas eine Halbmondform und für Śūdras einen Kreis. Anschließend folgt das Verfahren für das Aschezeichen des Śiva-Verehrers.
Herkunft und Vorbereitung der Asche: Verwendet wird Asche aus dem Agnihotra, dem Hochzeitsfeuer oder einem nach den zuvor genannten beziehungsweise noch folgenden Regeln geweihten Śiva-Feuer. Die Quelle beschreibt dafür im Fallen aufgefangenen, getrockneten Kuhdung, der unter dem Grundmantra verbrannt wird. Die Asche wird vor der Entlassung der Gottheit entnommen, weder ungenügend noch übermäßig verbrannt, durch ein Tuch gereinigt, mit Kampfer und weiteren Stoffen beduftet und aufbewahrt.
Nyāsa zur Ascheweihe: Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Grundmantra werden zugeordnet: am Haupt „Verehrung dem Seher Pippalāda“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“, am Herzen „Verehrung der Gottheit Śrī Rudra“, am verborgenen Körperbereich „Verehrung dem Feuer-Bīja“ und an den Füßen „Verehrung der Kraft der Asche“. Die Anwendung wird als Tragen der Asche zum Zweck der eigenen Befreiung erklärt.
An den Daumen steht die Anrufung Kālas mit dem Herzmantra namaḥ; an den Zeigefingern Kalavikaraṇa mit dem Kopfmantra svāhā; an den Mittelfingern Balavikaraṇa mit dem Śikhā-Mantra vaṣaṭ; an den Ringfingern Balapramathana mit dem Schutzpanzer-Mantra huṃ; an den kleinen Fingern Sarvabhūtadamana mit dem Mantra der drei Augen vauṣaṭ; an Handflächen und Handrücken Manonmana mit dem Waffenmantra phaṭ. Danach werden die fünf erstgenannten Mantras an Herz, Haupt, Haarspitze, Schutzpanzerbereich und Augen eingesetzt. Mit dem Waffenmantra folgen dreimaliges Klatschen und das rituelle Schützen der zehn Richtungen.
Unnummeriertes Gebet an die Asche: „O Vibhūti, durch dich war Vāmadeva, Sadāśiva, von Herrlichkeit erfüllt. Du bist das Schutzband, Göttin. Beschütze mich stets, Makellose.“ Die Satzverbindung ist im Druck gedrängt; die Schutzbedeutung ist deutlich.
Zuordnung der fünf Anuvākas: Für die mit sadyojātam beginnenden fünf Abschnitte nennt die Quelle als Seher die Sāttvika- und Devatopaniṣad-Seher in einer grammatisch unebenen Angabe. Dem ersten, zweiten und vierten Abschnitt ordnet sie Anuṣṭubh, dem aghorebhyaḥ-Abschnitt Svarāḍ-Anuṣṭubh und dem letzten Gāyatrī zu; die Gottheit ist jeweils Rudra. Diese Zuordnungen werden als Angaben des Ritualtextes wiedergegeben.
20.PB.1: „Oṃ. Zu Sadyojāta nehme ich Zuflucht. Dir, Sadyojāta, Verehrung! Von Geburt zu Geburt – lass mich nicht immer weiter geboren werden; wende dich mir zu. Verehrung dem Ursprung des Werdens.“
20.PB.2: „Verehrung Vāmadeva, dem Ältesten, dem Besten, Rudra, Kāla, Kalavikaraṇa, Balavikaraṇa, der Kraft, dem Überwinder der Kräfte, dem Bezwinger aller Wesen und Manonmana, der über den Geist hinausführt.“
20.PB.3: „Den milden, den furchtbaren und den noch furchtbareren Gestalten, allen, sämtlichen Śarva-Gestalten – dir sei Verehrung in allen Formen Rudras.“ Die gedruckte Variante verändert die Anordnung der Anreden im zweiten Halbvers.
20.PB.4: „Wir erkennen Tatpuruṣa; wir meditieren über Mahādeva. Möge Rudra uns anregen und erleuchten.“
20.PB.5: „Herr aller Erkenntnisformen, Herr aller Wesen, Herr des Brahman und Herr Brahmās: Möge Brahmā, möge Śiva mir [Heil] sein – Sadāśiva, oṃ.“ Der Wortlaut verbindet mehrere eng verwandte Brahman-Bezeichnungen, die nicht zu einem einzigen Ausdruck zusammengezogen werden.
Weitere Besprechung der Asche: Nach diesen Mantras wird die Asche in die linke Hand genommen. Es folgen die Zuordnungen Atharvaśiras als Seher am Haupt, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Śrī Rudra als Gottheit am Herzen. Dann wird gesprochen: „Feuer ist Asche, Wind ist Asche, Wasser ist Asche, Erde ist Asche, Raum ist Asche. Wahrlich, dieses Ganze ist Asche; Geist … Augen … sind Asche.“ Die Schlusswörter über Geist und Augen sind in der Quelle syntaktisch beschädigt und bleiben auch im Sanskrit erkennbar.
Wassermantra: Für āpo vā werden Prajāpati als Seher, Yajus als Textform und die Wasser als Gottheit genannt. Unter dem folgenden Mantra wird Wasser hinzugegeben: „Wasser ist dies alles. Alle Wesen sind Wasser. Die Lebenskräfte sind Wasser, die Tiere sind Wasser, Nahrung ist Wasser. Samrāj, Virāj und Svarāj sind Wasser; die Versmaße sind Wasser, die Lichter sind Wasser, Wahrheit ist Wasser, alle Gottheiten sind Wasser. Bhūr, bhuvaḥ, svar sind Wasser. Oṃ.“
Rudra-Gebet: Für den folgenden Vers nennt die Quelle Bhagavān als Seher, Jagatī als Versmaß und Hiraṇyagarbha als Gottheit: „Oṃ. Schade nicht unseren Kindern und Nachkommen, nicht unserer Lebenszeit, nicht unseren Kühen und Pferden. Töte nicht unsere tapferen Menschen im Zorn, Rudra. Mit Opfergaben und Verneigung wollen wir dir dienen.“ Damit wird die Asche verrieben.
Es folgen elf Wiederholungen einer im Druck unebenen Formel mit dem erkennbaren Sinn: „Dies ist das Pāśupata [des Brahman], zur Befreiung des gebundenen Wesens aus seinen Fesseln.“ Danach wird die Asche geteilt. Mit dem ersten Teil wird der ganze Körper bestäubt: am Haupt mit īśānaḥ sarvavidyānām, am Gesicht mit tatpuruṣāya, an den Armen mit aghorebhyaḥ, von der Kehle bis zum Nabel mit vāmadevāya und von den Oberschenkelansätzen bis zu beiden Füßen mit sadyojāta.
Nach dem Händewaschen wird der zweite Teil aufgenommen. Die Quelle beginnt die weiteren Körperzuordnungen: am Haupt „Oṃ hauṃ, hara hara, oṃ namaḥ śivāya“, an der Stirn „Verehrung Brahmā“, am Herzen „Verehrung dem Träger der Opfergaben [Agni]“, am Nabel „Verehrung Skanda“, an der Kehle „Verehrung Pūṣan“ …
Fortsetzung der Asche-Zuordnungen: Am rechten Armansatz „Verehrung Rudra“, in der Mitte des rechten Arms „Verehrung Āditya“, am rechten Handgelenk „Verehrung dem Mond“, am linken Armansatz „Verehrung Vāmadeva“, in der Mitte des linken Arms „Verehrung Prabhañjana [dem Wind]“, am linken Handgelenk „Verehrung den Vasus“, im Nacken „Verehrung Śambhu“, am Rücken „Verehrung Hara“ und an der Brahmarandhra-Öffnung „Verehrung dem höchsten Selbst“.
Nach dem Auftragen des Tripuṇḍra folgen die vedische und danach die tantrische Sandhyā. Der Text beschränkt das soeben geschilderte ausführliche Ascheverfahren auf die drei oberen Stände. Andere sollen das Tripuṇḍra mit dem fünfsilbigen oder dem Grundmantra auftragen. Śakti-Verehrer verwenden dem Text zufolge mit Kuṅkuma vermischtes Sandel und entsprechende weitere Stoffe unter ihrem Grundmantra. Die ständische Einschränkung wird als historische Regel der Quelle wiedergegeben.
Die tantrische Sandhyā
Nach Ācamana mit dem Grundmantra bindet der Übende die Śikhā, vollzieht dreimal Prāṇāyāma und den Nyāsa von Seher, Händen und sechs Gliedern des Grundmantras. Vor sich vergegenwärtigt er Wasser mit vaṃ und der Dhenu-Mudrā als Amṛta und bespricht es achtmal mit dem Grundmantra. Mit Kuśa-Gras und den einundfünfzig Lauten von a bis kṣa, jeweils mit Bindu, besprengt er das Haupt für jeden Laut einmal; danach dreimal mit dem Grundmantra.
Er meditiert die Gottheit in der Sonnenscheibe in ihrer zuvor beschriebenen Gestalt. Wasser wird aufgenommen und dreimal zum Besprengen verwendet. Den in der linken Hand verbleibenden Rest führt er in die Nähe des linken Nasenlochs. Die folgende Reinigung wird innerlich vorgestellt: Als Licht tritt das Wasser links in den Körper ein, reinigt dort alle Verunreinigung und verlässt den Körper schwarz gefärbt durch das rechte Nasenloch. Das in die rechte Hand übernommene Wasser wird nach links geworfen, auf einen vorgestellten Vajra-Stein, unter dem Pāśupatāstra-Mantra. Dessen gedruckte Lautfolge ist unsicher und wird nicht als sichere Rezitationsform ausgeschrieben.
Nach Händewaschen und dreimaligem Ācamana mit dem Grundmantra steht der Übende auf, nimmt Wasser in die zusammengelegten Hände und spricht die Gāyatrī seiner Iṣṭadevatā: „Verehrter Mahādeva, dies ist dein Arghya, svāhā.“ Mahādeva steht hier stellvertretend für die jeweils verehrte Gottheit. Dreimal wird die Arghya-Gabe zur Sonne hin dargebracht. Nach dem Grundmantra folgen dreimal die Worte: „Ich erfrische und erfreue Śrī Mahādeva mit dieser Wassergabe; Verehrung.“
Wie zuvor werden Prāṇāyāma und die weiteren Handlungen vollzogen. Während die Gottheit in der Sonnenscheibe meditiert wird, wiederholt der Übende die Śiva-Gāyatrī oder die Gāyatrī seiner jeweiligen Gottheit nach Vermögen:
Unnummerierte Śiva-Gāyatrī: „Oṃ. Wir erkennen jenen Maheśa; wir meditieren über den in seiner Sprache vollkommen Reinen. Möge Śiva uns anregen und erleuchten.“ Die Fassung dieser Quelle lautet vāgviśuddhāya; sie wird nicht durch eine geläufigere andere Gāyatrī-Fassung ersetzt.
Alternativ wird der Grundmantra hundertachtmal wiederholt. Danach widmet der Übende den Japa, preist die Gottheit, verneigt sich, nimmt sie aus der Sonnenscheibe in das eigene Herz auf und verneigt sich vor dem Guru. Dies ist der Ablauf der tantrischen Sandhyā zu den drei Tageszeiten. Für Gaṇeśa und andere Gottheiten wird das Verfahren entsprechend angepasst; besonders ändern sich Gāyatrī, Arghya-Mantra und Grundmantra. Die jeweiligen Formeln stehen in den zugehörigen Ritualabschnitten.
Unnummeriertes Zitat aus dem Śivarahasya: „Die Sandhyā soll nicht ausgelassen werden; so lautet Śambhus Gebot. Ein Eingeweihter, dem die Sandhyā fehlt, erlangt die Frucht der Einweihung nicht.“
Kommentar: Daher seien die drei Sandhyās erforderlich. Wird eine zur vorgesehenen Zeit versäumt, folgt nach dieser historischen Regel zunächst eine hundertachtfache Wiederholung als Ausgleich, dann die versäumte und schließlich die zur gegenwärtigen Zeit gehörende Sandhyā.
Wassergaben und Rückkehr nach Hause
Nach der morgendlichen Sandhyā und dem vedischen Tarpaṇa werden wiederum Prāṇāyāma und Nyāsa vollzogen. Wasser wird mit vaṃ und der Dhenu-Mudrā als Amṛta vergegenwärtigt. Darin wird die Gottheit mit Cakra, Gliedern und Umkreisen meditiert. Unter dem Grundmantra und der Formel „Ich erfreue die verehrte [Name der Gottheit] mit dieser Wassergabe; Verehrung“ wird das Wasser als höchster Amṛta ihrem Lotosmund dargebracht: hundertachtmal, halb so oft oder achtundzwanzigmal.
Jede Umkreisgottheit erhält eine einzelne Handvoll Wasser mit ihrem Namen. Dann wird die Hauptgottheit in das eigene Herz aufgenommen und die heilige Badestätte in die Sonne zurückgenommen. Der Übende verneigt sich vor Guru, Richtungshütern und Brahmā, nimmt ein Gefäß reinen Wassers und kehrt nach Hause zurück. Er erinnert sich im Herzen an die Iṣṭadevatā, richtet den Blick auf den Weg vor seinen Füßen und bewahrt Schweigen beziehungsweise rezitiert Loblieder. Beide Angaben stehen im Text nebeneinander.
An der Haustür hält er inne, bedenkt eigene Verfehlungen und spricht:
Unnummeriertes Reinigungsgebet: „O Gott, mein gewöhnlicher Geist wurde von Verfehlungen ergriffen. Entferne diese Verfehlung aus meinem Geist. Phaṭ, phaṭ, phaṭ; Verehrung dir.“
Unnummerierter Vers über die Zeugen des Handelns: „Sonne, Mond, Yama, Zeit und die fünf großen Elemente – diese neun sind Zeugen des heilsamen und unheilsamen Handelns.“
Mit huṃ phaṭ und strengem Blick schaut der Übende nach unten auf die vorgestellte Gestalt der Verfehlung. Mit geklärter Stimmung betritt er das Haus, reinigt die Füße mit den zugehörigen Mantras und bereitet auf dem gereinigten, mit Kuśa versehenen Boden den Sitz. Im Zentrum eines mit Sindūra und weiteren Mitteln angelegten Sonnen-Bindu-Maṇḍalas wird der Platz eingerichtet. Die genaue Richtungsangabe für das Kuśa ist im Druck unsicher …
Die Sonne verehren
… der Sitz wird mit „Oṃ hrīṃ, Verehrung dem Lotossitz der tragenden Kraft“ verehrt. Nach Osten gewandt vollzieht der Übende dreimal Prāṇāyāma mit dem später genannten Sonnenmantra. Am Haupt ordnet er den Seher Aja zu, am Mund das Versmaß Gāyatrī und am Herzen die Gottheit Śrī Sūrya. Mit zusammengelegten Händen erklärt er die Anwendung für die Arghya-Gabe an die Sonne.
An Daumen, Zeigefingern, Mittelfingern, Ringfingern, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken werden der Reihe nach hāṃ, hīṃ, hūṃ, haiṃ, hauṃ, haḥ eingesetzt, mit den bekannten Endungen für Herz, Haupt, Haarspitze, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe. Danach folgen die entsprechenden Gliedzuordnungen am Körper, dreimaliges Klatschen und der Schutz der zehn Richtungen.
Unnummerierte Sonnenmeditation: „Ich verneige mich vor Bhānu, dem Herrn aller Welten, der auf einem roten Lotos sitzt und der eine Ozean aller guten Eigenschaften ist. Seine Lotushände tragen zwei Lotosblüten und zeigen Furchtlosigkeit und Segen. Eine Rubinkrone schmückt ihn; seine Glieder leuchten morgenrot, und er besitzt drei Augen.“
Der Übende verehrt Sūrya mit Gliedern und Umkreisen nach dem im weiteren Ritualteil beschriebenen Verfahren des Prayojanatilaka. Ist dies nicht möglich, meditiert und verehrt er diese im Maṇḍala. Vor sich zeichnet er eine Anordnung aus Quadrat, Kreis und Dreieck und verehrt sie mit „Verehrung dem tragenden Maṇḍala Śrī Sūryas“.
Darauf steht ein Kupfergefäß mit Untersatz, das einen Prastha Wasser fasst. Es wird unter dem Sonnenmantra mit reinem Wasser gefüllt; Sesam, Gerste, Senfsamen, Śyāmāka-Hirse, Kuśa-Spitzen, Duft, unversehrte Reiskörner, rote Blüten und roter Sandel werden beigegeben. Nach dem Bedecken mit Kuśa und beiden Händen folgt hundertachtmal der Sonnenmantra.
Kniend hebt der Übende das Gefäß bis zum Haupt. Er meditiert die Sonne in der genannten Form als nicht verschieden von seiner Iṣṭadevatā und spricht: „Oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ. Verehrter Sūrya, umgeben von Planeten, Tierkreiszeichen, Nakṣatras, Yogas und Karaṇas: Dies ist dein Arghya, svāhā.“
Nach der Darbringung meditiert er die durch das Arghya-Wasser geehrte Sonne, wiederholt ihren Mantra nach Vermögen, preist sie und verneigt sich. Anschließend nimmt er ihre Gegenwart in die vor ihm befindliche Verehrungsfläche zurück.
Die Schwelle als Übergang zur Pūjā
Am Eingang des Verehrungspavillons richtet er das allgemeine Arghya nach dem noch folgenden Verfahren ein. Falls dies nicht möglich ist, wird Wasser in einem Kupfergefäß oder einem anderen geeigneten Gefäß mit der Dhenu-Mudrā als Amṛta vergegenwärtigt. Damit besprengt er den Eingang.
In der Mitte des oberen Türbalkens verehrt er Vighna, rechts davon Mahālakṣmī, links Sarasvatī und erneut in der Mitte Dvāraśrī, die Segenskraft der Tür. An den linken und rechten Pfosten folgen von oben nach unten die Paare: Gaṇapati mit gaṃ und Kṣetrapāla mit kṣaṃ; Śaṅkhanidhi mit Vasudhārā und Padmanidhi mit Vasumatī; Māyāśakti mit maṃ und Cicchakti mit ciṃ; Gaṅgā mit gaṃ und Yamunā mit yaṃ; Dhātrī mit dhaṃ und Vidhātrī mit viṃ. Jede Anrufung endet auf namaḥ. Unten wird die Schwelle selbst verehrt, links und rechts die Türhüter Nandin und Mahākāla.
Am Nordeingang wiederholt sich die Reihe von Vighna bis zur Schwelle; die Türhüter sind dort Gaṇeśa und Vṛṣabha. Am Südeingang wird ebenso verfahren, mit Umā und Caṇḍeśvara als Türhütern.
Bei einer Viṣṇu-Verehrung werden jeweils paarweise Nanda und Sunanda, Caṇḍa und Pracaṇḍa, Bala und Prabala sowie Bhadra und Subhadra verehrt. Bei Gaṇeśa sind es Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahodara, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāja und Dhūmravarṇa. Für die Śakti-Verehrung nennt der Text nach einer bereits im Druck fraglichen Stelle die acht Mütter, beginnend mit Brāhmī.
Den Raum für die Verehrung vorbereiten
Am Westeingang spricht der Übende den Waffenmantra siebenmal und das folgende Gebet:
Unnummerierte Verse zur Abwehr von Hindernissen: „Mögen die Bhūtas, Piśācas, Pretas und Guhyakas zurückweichen, ebenso die anderen Mächte, die hier auf Erden wohnen. Mögen die hier befindlichen Wesen sich entfernen. Jene, die Hindernisse bereiten, mögen auf Śivas Geheiß verschwinden.“
Während der Waffenmantra wiederholt wird, richtet er die Nārāca-Mudrā in den Pavillon. Durch Zurücknehmen seiner linken Körperseite lässt er den vorgestellten hinausgehenden Hindernissen einen Weg frei. Dreimaliges Auftreten mit der linken Ferse entfernt die irdischen, dreimaliges Klatschen nach oben die im Luftraum befindlichen und ein scharfer Blick die himmlischen Hindernisse.
Mit dem rechten Fuß voran, in der Śakti-Verehrung mit dem linken, überschreitet er die Schwelle, tritt ein und verhängt die Tür mit einem Tuch. Unter Glockenklang besprengt er den Innenraum mit Pañcagavya und Arghya-Wasser. In der südwestlichen Ecke beginnt die Verehrung des Vāstupuruṣa …
… mit „Verehrung dem Vāstupuruṣa“ und am selben Ort „Verehrung Brahmā, dem Herrn des Baugrundes“. Im Nordosten des Pavillons folgt: „Verehrung Śrī Dīpanātha, begleitet von den zwölf roten Śaktis.“
Unnummeriertes Gebet an Bhairava: „Überaus kraftvoll, von gewaltiger Gestalt, dem Feuer am Ende eines Kalpas gleich – dir, Bhairava, Verehrung. Gewähre mir die Erlaubnis.“ Eine gedruckte Variante formuliert diese Bitte ausdrücklich als „erteile mir Erlaubnis“.
Den eigenen Sitz vorbereiten
Mit aḥ phaṭ tritt der Übende zur Verehrungsplattform in der Mitte des Pavillons. Für das Erdgebet setzt er am Haupt Merupṛṣṭha als Seher, am Mund Sutala als Versmaß und am Herzen die Erde als Gottheit ein. Mit zusammengelegten Händen erklärt er die Anwendung zur Anrufung der Erde.
Unnummeriertes Erdgebet für den Sitz: „Oṃ. Erde, die Welten werden von dir getragen; du, Göttin, wirst von Viṣṇu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.“
Der Sitzplatz wird mit Grund- beziehungsweise Waffenmantra besprengt, mit Kuśa berührt und unter dem Schutzpanzer-Mantra nochmals besprengt. Die Gottheiten des Sitzes von Maṇḍūka bis zur Vedikā werden verehrt. Dann richtet der Übende seinen quadratischen Sitz ein: zwei Ellen breit, vier Finger hoch, mit Stoff, Fell und Kuśa als den genannten Auflagen. Er besprengt ihn mit Wasser, das zwölfmal mit dem Grundmantra besprochen wurde, und verehrt ihn mit „Hrīṃ, Verehrung dem Lotossitz der tragenden Kraft“.
Mit dem Gesicht nach Osten oder Norden sitzt er in Svastikāsana, Vīrāsana oder Siddhāsana. An den vier Ecken, beginnend vorn rechts und im Uhrzeigersinn, verehrt er Gaṇapati mit gaṃ, Durgā mit duṃ, Sarasvatī mit saṃ und Kṣetrapāla mit kṣaṃ. Duft, Blüten, unversehrte Reiskörner und die übrigen Gaben liegen rechts von ihm.
Sammlung und Schutz des Ritualraumes
Unter einer im Druck nicht ganz sicheren Bīja-Formel betrachtet er die Gegenstände mit „göttlichem Blick“. Links steht ein Krug mit reinem, durch Kampfer und weitere Stoffe beduftetem Wasser. Er berührt den Krug mit der linken Hand unter śrīṃ, das Wasser mit den rechten Fingerspitzen unter klīṃ und die Lampenflamme unter raṃ. Nach dem Händewaschen verneigt er sich mit zusammengelegten Händen: links vor den Gurus, rechts vor Gaṇapati, vorn vor Mahādeva.
Sandel und Duftblüten werden mit einem im Druck unsicheren Bīja aufgenommen und unter dem Waffenmantra zwischen den Händen verrieben. Die Blüte wird in der linken Hand unter roṃ um das Haupt geführt und gerochen. Danach folgt eine historische Abwehrformel:
Unnummerierter Abwehrvers: „Mögen alle Schädigenden, die mir Gewalt antun, zugrunde gehen. Tod, Krankheit, Furcht und Leiden mögen auf das Haupt des Feindes fallen.“ Diese gegen Gegner gerichtete Formel wird als Textbestand wiedergegeben, nicht als heutige Gebetsempfehlung.
Mit dem Waffenmantra und der Nārāca-Mudrā wird die Blüte weit nach Nordosten geworfen. Die Hände werden unter dem Waffenmantra aneinander gereinigt. Es folgen dreimaliges Klatschen nach oben und der Schutz der zehn Richtungen durch Fingerschnippen. Die in der Triśūla-Mudrā geformten Hände werden gekreuzt und an den Handgelenken verbunden; dreimal kreisen sie im Uhrzeigersinn um das Haupt. Dabei stellt der Übende drei Feuermauern und sich selbst in deren Mitte vor. Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Grundmantra beginnt die Bhūtaśuddhi.
Äußerer und innerer Nyāsa
Erläuterung der Reihenfolge: Zuerst erfolgt die Reinigung der Elemente, danach die Einsetzung der Lebenskraft und anschließend der innere Mātṛkā-Nyāsa. Dieser innere Nyāsa wird ausschließlich im Geist vollzogen. Die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā sagt: „Mit Blüten, mit dem Ringfinger oder auch im Geist setze man die Mantras ein.“ Kumbhasaṃbhava erläutert, dass das Einsetzen im Inneren durch den Geist und nicht äußerlich erfolgt.
Der Autor erklärt das „oder“ als Zusammenfassung verschiedener Anwendungsweisen: mit Blüten am Götterbild, mit dem Ringfinger am eigenen Körper und im Geist in den Cakras vom Mūlādhāra an, weil eine Berührung durch die Hand dort nicht möglich ist. Zum Ringfinger gehört der Daumen; als Beleg wird Padmāvatīs Aussage angeführt, dass Nyāsa mit Daumen und Ringfinger allgemein anerkannt sei.
Diese Regel gelte nicht ohne Weiteres für den Nyāsa von Seher und weiteren Zuordnungen, für den Hand-Nyāsa und für den der sechs Glieder. Dort seien entsprechend den besonderen Vorschriften auch die anderen Finger vorgesehen, und die sechs Gliedmantras würden einzeln angegeben.
Danach folgt der äußere Mātṛkā-Nyāsa. Bereits bei seiner einfachen Form werde nach der Überlieferung Bindu zur Verbindung mit der Mantrakraft verwendet. Anschließend nennt der Text gesondert den Bindu-Mātṛkā-Nyāsa, den Visarga-Mātṛkā-Nyāsa und den Mātṛkā-Nyāsa mit Bindu und Visarga …
Reihenfolge nach Lebensstand: Für Entsagende und Waldeinsiedler nennt die Quelle zuerst Schöpfung, dann Erhaltung, dann Auflösung. Für Haushälter beginnt sie mit Auflösung, gefolgt von Schöpfung und Erhaltung. Für Brahmacārins lautet die Folge Erhaltung, Auflösung und Schöpfung.
Einige lehren als Variante, Haushälter sollten zunächst Schöpfung, Erhaltung und Auflösung vollziehen und danach nochmals Schöpfung und Erhaltung, damit die Reihe mit Erhaltung endet. Brahmacārins sollten nach derselben Dreierfolge nochmals den Schöpfungs-Nyāsa ausführen. So ergeben sich je nach Lebensstand Erhaltung, Schöpfung oder Auflösung als Abschluss. Der Autor verweist für die Wahl auf die Unterweisung des Gurus.
Es folgen der Mātṛkā-Nyāsa der einundfünfzig im Tāra enthaltenen Kalās, der mit Keśava beginnende, der mit Śrīkaṇṭha beginnende, der Bhuvaneśvarī-Nyāsa, die Nyāsas mit Śrī-Bīja, mit Kāma-Bīja, mit Śrī-, Śakti- und Kāma-Bīja sowie der Prapañcayāga-Mātṛkā-Nyāsa. Die Verehrer führen danach den zu ihrer jeweiligen Gottheit gehörenden Mātṛkā-Nyāsa aus. Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Grundmantra folgt der Yogapīṭha-Nyāsa.
Prāṇāyāma und Yogapīṭha-Nyāsa
Historische Beschreibung der Atemfolge: Im gebundenen Lotossitz, mit aufrechtem Körper, wird das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen geschlossen und durch das linke eingeatmet. Danach wird auch links mit kleinem Finger und Ringfinger geschlossen. Während die Gottheit im Herzen meditiert und der Grundmantra wiederholt wird, beschreibt die Quelle ein Anhalten nach Vermögen und anschließend langsames Ausatmen rechts. Der zweite Durchgang beginnt rechts und endet links, der dritte beginnt wieder links und endet rechts. Die Atemhaltephase gehört zum hier beschriebenen, unterwiesenen Ritualverfahren.
Vom Mūlādhāra an setzt der Übende die zuvor genannten Kräfte ein, beginnend mit „Verehrung Maṇḍūka“ bis zum höchsten Tattva. Danach folgt, vom Haupt bis zu den Füßen den ganzen Körper umfassend: „Oṃ, Verehrung dem Erhabenen, der das Wesen aller Eigenschaften ist, dem mit Śakti verbundenen Ananta, dessen Wesen der Yogapīṭha ist.“ Dies ist der Yogapīṭha-Nyāsa.
Unterschiede nach Gottheit: In der Gaṇeśa-Verehrung tritt an die Stelle des Amṛta-Meeres das Meer aus Zuckerrohrsaft; in der Viṣṇu- und Sonnenverehrung das Milchmeer. Auch der jeweilige Pīṭha-Mantra wird entsprechend eingesetzt.
Die eigenen Begrenzungen innerlich darbringen
Der Nyāsa des Grundmantras wird in den jeweiligen Ritualabschnitten erläutert. Nach der dort angegebenen Mudrā meditiert der Übende seine Iṣṭadevatā in der beschriebenen Gestalt als nicht verschieden von sich selbst. Mit dem Grundmantra bringt er einen Puṣpāñjali über dem eigenen Haupt dar und meditiert die Gottheit erneut im Herzenslotos. Er verehrt sie innerlich mit Yogapīṭha, Gliedern, Umkreisen und Ehrengaben, gibt eine vorgestellte Speisegabe und betrachtet sie als deren Empfängerin.
Im Mūlādhāra stellt er sich eine quadratische Opfergrube vor, deren vier Seiten Ātman, Antarātman, Paramātman und Jñānātman entsprechen. In ihrer Mitte meditiert er die Bewusstseinskraft Kuṇḍalinī als Feuer. Nach dem Grundmantra spricht er: „Ich opfere das Ichgefühl, svāhā.“ Danach: „Ich opfere die Unwahrheit, svāhā.“
So werden der Reihe nach Ichbezogenheit, Unwahrheit, Verleumdung, Begierde, Zorn, Gier, Hochmut, Verblendung und Neid innerlich dargebracht. Der Geist erscheint als Opferlöffel, verbunden mit der Suṣumṇā als dem zugehörigen Opfergerät. Diese Opferung betrifft innere Haltungen, keine körperlichen Gegenstände.
Nach Prāṇāyāma und dem Nyāsa von Seher, Händen und sechs Gliedern wird der Grundmantra hundertachtmal wiederholt und mit der mit guhyāti beginnenden Formel gewidmet. Es folgt die Verneigung vor dem Guru.
Das Pūjā-Cakra einrichten und weihen
Vor sich richtet der Übende auf einem mit Sandel bestrichenen Sitz aus Śrīparṇī oder einem entsprechenden Material, alternativ auf einer geeigneten Ritualfläche, mit Kuṅkuma das im jeweiligen Abschnitt beschriebene Pūjā-Cakra ein. Darauf wird mit dem Grundmantra ein Puṣpāñjali gegeben. Eine andere Möglichkeit ist ein von kundigen Handwerkern aus Gold oder einem anderen geeigneten Material gefertigtes Cakra, das mit Sandel versehen und aufgestellt wird.
Ein Cakra aus Gold, Silber oder einem anderen Metall wird mit saurer Flüssigkeit und weiteren Mitteln gereinigt. Zunächst erfolgt das vedische Agnyuttāraṇa, das im Zusammenhang der Herstellung mit Feuer stehende Reinigungsritual. Dann wird es getrennt mit Honig, Ghee, Kuhmilch und Kokoswasser begossen; es folgen Abkochungen der den fünfzig Lauten zugeordneten Pflanzen oder der Pflanzen des betreffenden Mantras.
Zuordnung wiederholter Laute: Kommt ein Laut im Mantra mehrfach vor, wird von der ihm zugeordneten Pflanze entsprechend oft ein Anteil genommen. Die Pflanzenzuordnungen wurden bereits zuvor genannt.
Nach dem Spülen mit reinem Wasser wird das Cakra mit Sandel, Aguru, Kampfer, Moschus, Kuṅkuma und weiteren Duftstoffen bestrichen und auf einem reinen Sitz aufgestellt. Der Übende berührt es und wiederholt den Grundmantra eintausendachtmal. Für die Einsetzung der Lebenskraft wird in die zuvor genannte Formel ausdrücklich „des Pūjā-Cakra der [jeweiligen Gottheit]“ mit ihrem Namen eingesetzt.
Die Gottheit wird angerufen und mit Gliedern und Umkreisen verehrt. Mit einer großen Speisedarbringung, Bali-Gaben und weiteren Handlungen wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen ein großes Verehrungsfest begangen.
Fortsetzung der dreitägigen Weihe: Die am ersten Tag angerufene Gottheit wird während dieser drei Tage nicht entlassen. Erst am vierten Tag erfolgt die Entlassung nach der täglichen Pūjā. An dem so eingesetzten Cakra werden danach die täglichen, anlassbezogenen und weiteren Verehrungen vollzogen.
Für Agnyuttāraṇa kann auch der folgende Agni-Hymnus des Ṛgveda verwendet werden. Die Quelle nennt Ṛgveda 10.80. Die hier erfasste Sanskrit-Arbeitsfassung gibt den Wortlaut wieder; die im Druck enthaltenen vedischen Tonzeichen werden in diesem Abschnitt nicht als vollständig rekonstruiert beansprucht.
Agni als Geber und Träger der Opfergabe
20.RV80.1: Agni gibt das siegbringende Pferd; Agni gibt den ruhmwürdigen, in der Tat bewährten Helden. Agni durchwandert Himmel und Erde und fügt sie zusammen; Agni [gibt] die fruchtbare Frau, deren Schoß Helden trägt.
20.RV80.2: Möge das Entzünden des wirkmächtigen Agni glückverheißend sein. Agni ist in die weiten Räume von Himmel und Erde eingegangen. Agni treibt den Einzelnen in den Kämpfen an; Agni zerteilt die vielen Widerstände.
20.RV80.3: Agni half dem alten Karṇa; Agni brannte Jarūtha aus den Wassern heraus. Agni schützte Atri in der Hitze; Agni verband Nṛmedha mit Nachkommenschaft. Die Eigennamen werden nach dem zitierten vedischen Wortlaut beibehalten.
20.RV80.4: Agni schenkt Reichtum, ausgezeichnet durch Helden; Agni [fördert] den Seher, der Tausende gewinnt. Agni hat die Opfergabe im Himmel ausgebreitet; Agnis Wohnstätten sind vielerorts verteilt.
20.RV80.5: Die Seher rufen Agni mit Lobgesängen; die bedrängten Menschen rufen ihn auf ihrem Weg. Die Vögel, die im Luftraum fliegen, [rufen] Agni; Agni umschreitet Tausende von Kühen.
20.RV80.6: Die menschlichen Gemeinschaften preisen Agni, ebenso die vielfach hervorgegangenen Nachkommen des Manu und des Nahuṣa. Agni [gehört] der gandharvischen Bahn der Wahrheit; Agnis Weidegrund ruht im Ghee. Der dritte Satzteil ist in der zitierten Fassung elliptisch und wird nicht zu einer sicheren Prosaaussage erweitert.
20.RV80.7: Für Agni formten die Ṛbhus das heilige Wort; zu Agni haben wir den großen, schönen Lobpreis gesprochen. Agni, Jüngster, hilf dem Sänger! Agni, erwirke durch das Opfer großen Reichtum.
Anwendung des Hymnus: Das eingesetzte Cakra oder der entsprechende Gegenstand wird zunächst mit reinem Wasser begossen, während diese Mantras hundertmal ohne das Wort „Agni“ wiederholt werden; danach folgt die Begießung mit dem Agni-Wort, ebenfalls hundertmal oder in der entsprechend angegebenen Wiederholungszahl. Dies wird als Agnyuttāraṇa erklärt. Ein Metall-Cakra wird täglich mit saurer Flüssigkeit und danach reinem Wasser gereinigt, ein Bergkristall-Cakra allein mit Wasser.
Cakra-Weihe im Kālī-Mata
Für das Verfahren im Kālī-Mata wird das Vāmakeśvaratantra zitiert.
Bhairavī sprach:
20.VCP.1: „Mahādeva, durch deine Gnade habe ich die verschiedenen Cakras kennengelernt. Nun möchte ich die genaue Folge ihrer Einsetzung hören.“
Śaṅkara sprach:
20.VCP.2: „Höre, hochbegnadete Göttin, Schöpferin der Welt, Kaulinī, die Bestimmung aller Handlungen, die zur Eröffnung und Einsetzung gehören.
20.VCP.3: Nach dem Bad fasse der Mantrakundige den Entschluss und beginne mit der Verehrung des Gurus. Danach bereite er Pañcagavya und bespreche es mit dem Śiva-Mantra …
20.VCP.4: … lege das Cakra hinein und verbinde es mit dem Praṇava. Anschließend hebe er es heraus und stelle es in ein gefülltes Gefäß.
20.VCP.5: Mit den fünf Amṛtas, Milch und kühlem Wasser, mit duftendem Sandel, Moschus und Kuṅkuma …“
20.VCP.6: „… vollziehe der Kundige der Reihe nach das Bad mit den fünf Amṛtas: Milch, Joghurt, Ghee, Honig und Zucker. Zwischen den einzelnen Gaben verwende er Wasser und Räucherwerk.
20.VCP.7: Mit acht goldenen, wassergefüllten Krügen, die auch den Kräuterauszug enthalten, bereite er der Göttin das vorzügliche Bad.
20.VCP.8: Nach Beendigung des Bades stelle er die Göttin in ein goldenes Gefäß: ‚Wir erkennen den König der Yantras; wir meditieren über das große Yantra. Möge dieses Yantra unseren Geist anregen.‘
20.VCP.9: Er berühre das Yantra mit der Spitze eines Kuśa-Halmes und bespreche es, o Göttin, 108-mal mit dieser Gāyatrī, damit seine Gegenwart als Gottheit verwirklicht werde.
20.VCP.10: Nachdem er sich selbst gereinigt hat, verehre er die Gottheit der sechs Glieder. Er rufe die große Göttin dorthin und vollziehe den Jīva-Nyāsa, die rituelle Einsetzung des Lebens.
20.VCP.11: Mit den sechzehn Verehrungsgaben, den großen Mudrās und den weiteren Gesten, mit Früchten, Betel und Speisegaben verehre er dort die Göttin.
20.VCP.12: Er gebe Seidenfäden und dergleichen, Kleidung und Schmuck, einen Spiegel, einen Cāmara-Wedel und eine Glocke, jeweils angemessen, o Maheśvarī.
20.VCP.13: Um sein eigenes Wohl bemüht, bringe er dies alles sorgsam dar. Darauf wiederhole er den Mantra tausendmal, um alles Erstrebte zu verwirklichen.
20.VCP.14: Nachdem er eine Bali-Gabe dargebracht hat, verneige er sich vor dem König der Cakras. Nach 108 Feueropfergaben gieße er das zugehörige Sampāta-Ghee darüber.
20.VCP.15: Ist er zur Feueropferhandlung nicht imstande, vollziehe er die doppelte Zahl von Mantrawiederholungen. Er führe eine Kuh herbei, deren Hörner mit Gold geschmückt sind …“
Unnummerierter Abschluss: „… und gebe sie dem Guru als Dakṣiṇā. Danach verabschiede er die Göttin.“
Ausführlicher Ablauf der Yantra-Weihe
Nach seinen täglichen Verrichtungen spreche der Übende die Segensworte und fasse den rituellen Entschluss: „Heute … werde ich, der ich dieser Familie beziehungsweise diesem Gotra angehöre und diesen Namen trage, zur Verehrung dieser Gottheit die Weihe dieses Yantras vollziehen.“ Die offenen Angaben sind jeweils einzusetzen.
Er beschaffe Pañcagavya, bespreche es 108-mal mit „hauṃ“ und lege das Yantra mit „oṃ“ hinein. Danach hebe er es heraus und stelle es in ein anderes Gefäß. Er bade es mit kühlem Wasser, Sandel, Moschus und Kuṅkuma. Pañcāmṛta werde wie zuvor mit „hauṃ“ gereinigt und bereitgestellt.
Die Reihenfolge lautet: zuerst das Milchbad, danach erneut ein Bad mit reinem Wasser und Räucherung. Entsprechend verfahre er mit Joghurt, Ghee, Honig und Zucker. Anschließend bade er das Yantra aus acht Krügen mit Wasser, dem Kuṅkuma, Gorocanā und Sandel beigemischt sind. Bei allen diesen Handlungen werde der Mūlamantra gesprochen.
Er hebe das Yantra heraus und berühre es mit einer Kuśa-Spitze. Mit der 108-mal gesprochenen Yantra-Gāyatrī — „Wir erkennen den König der Yantras; wir meditieren über das große Yantra. Möge dieses Yantra unseren Geist anregen“ — vollziehe er die Prāṇa-Pratiṣṭhā, die Einsetzung der Lebensgegenwart.
Darauf rufe er die erwählte Gottheit an, verehre sie mit den sechzehn Upacāras und vollziehe die Verehrung ihrer sechs Glieder. Nach der Gabe von Seidenfäden und den übrigen Gegenständen wiederhole er den Mantra 1008-mal. Wenn möglich, bringe er eine Bali-Gabe dar. Er vollziehe 108 Feueropfergaben und bei jeder Gabe die zugehörige Sampāta-Handlung, bei der Ghee für die Begießung verwendet wird. Ist ein Homa nicht möglich, werde die doppelte Zahl von Mantrawiederholungen ausgeführt. Dem Guru gebe er eine goldgeschmückte Kuh und eine weitere Dakṣiṇā; danach bestätige er den unversehrten Abschluss des Ritus.
Unterschied innerhalb der Quelle: Der Vers nennt tausend Wiederholungen, die folgende Prosa 1008. Beide Angaben bleiben erhalten.
Vom geweihten Cakra zum inneren Feueropfer
Das so eingesetzte, gereinigte und mit Sandel geschmückte Cakra werde auf den beschriebenen Sitz vor dem Übenden gestellt. Mit dem Mūlamantra bringe er eine Handvoll Blumen dar. Wie zuvor richte er die Gefäße für Arghya und die übrigen Gaben her. Etwas Arghya-Wasser schöpfe er in ein anderes Gefäß und besprenge damit unter dem Mūlamantra sich selbst, das Pūjā-Cakra und die Verehrungsgegenstände. Über ihnen zeige er die Dhenu-Mudrā.
Er schmücke seinen Körper mit Duftstoffen und stelle ihn sich als Gestalt seiner erwählten Gottheit vor. Auf seinem Scheitel verehre er den Guru, im Mūlādhāra Gaṇapati. Die zuvor genannten Gottheiten des Yoga-Pīṭha verehre er an ihren jeweiligen Nyāsa-Stellen, die Kräfte der Sitze an den Staubfäden des Herzenslotos. Mit den jeweiligen Pīṭha-Mantras bringe er Blumen über den ganzen Körper dar.
Sich selbst als die erwählte Gottheit betrachtend, gebe er unter dem Mūlamantra fünf Blumenopfer: am Scheitel, am Herzen, im verborgenen Körperbereich, an den Füßen und am ganzen Körper. Es folgen Räucherwerk, Licht und Speisegabe. Wie zuvor stelle er sich im Mūlādhāra eine quadratische Feuergrube vor und darin das Feuer des höchsten Selbst, dessen Gestalt die Kuṇḍalinī ist. Nach dem Mūlamantra spreche er:
„In das Feuer des Selbst, das von den Opfergaben des Dharma und Adharma hell brennt, opfere ich unablässig die Tätigkeiten der Sinne. Mein Geist ist der Opferlöffel; der Weg der Suṣumṇā ist die Bahn der Darbringung.“
„Ich opfere das Verdienst. Svāhā.“ Er wiederhole den Mūlamantra und den eben genannten Vers: „Ich opfere das Unheilvolle. Svāhā.“ So werden Verdienst und Verfehlung, das zu Tuende und das zu Unterlassende [im folgenden Abschnitt werden weitere Gegensatzpaare genannt] …
Zum Verständnis: Das hier beschriebene Homa wird im vorgestellten inneren Feuer vollzogen. Die Opfergaben sind die eigenen Sinnestätigkeiten und die Bindung an Bewertungen des Handelns. Diese innere Betrachtung hebt die Verantwortung für das eigene Verhalten nicht auf.
… ebenso Entschluss und Gegenentwurf sowie Dharma werden jeweils gesondert geopfert. Nach erneuter Rezitation des Mūlamantras spreche er:
„Mit den beiden Händen von Licht und Raum halte ich den Opferlöffel des Unmanī-Zustandes, gefüllt mit dem Öl der Anteile von Dharma und Adharma. Dies opfere ich ins Feuer. Svāhā.“
So bringt er die gesamte Erscheinungswelt, die sich als Dharma und Adharma darstellt, als vollständige Schlussgabe dar. Er meditiere über sein eigenes Selbst als freies Spiel des Bewusstseins, als unübertreffliches Glück und Wonne, von allen begrenzenden Bestimmungen befreit. Nach Prāṇāyāma und dem Nyāsa von Ṛṣi und den weiteren Zuordnungen sowie der sechs Glieder wiederhole er den Mūlamantra 108-mal. Er widme die Rezitation und besprenge das Pūjā-Cakra mit Arghya-Wasser.
Der kosmische Aufbau des Gottheitssitzes
Nördlich des Cakras verehre er die Gurus: „aiṃ, Verehrung den Gurus.“ Südlich verehre er Gaṇapati: „gaṃ, Verehrung Gaṇapati.“ Unter dem Pūjā-Cakra stelle er sich die sieben Unterwelten, beginnend mit Atala, vor und verehre nacheinander: „oṃ, Verehrung Maṇḍūka“, danach Kālāgnirudra, die Urnatur Mūlaprakṛti, die tragende Kraft Ādhāraśakti, die Schildkröte Kūrma, Ananta und Varāha.
Auf Varāhas Stoßzahn verehre er die Erde, auf ihr den Nektarozean, darin die Insel aus neun Edelsteinarten und in deren Mitte den goldenen Berg. Darüber folgen der Nandana-Garten und die wunscherfüllenden Bäume; in ihrer Mitte der Boden aus mannigfachen Edelsteinen, in dessen Mitte die goldene Umfriedung, darin der Edelsteinpavillon, in seinem Inneren der goldene Altar und darauf der Edelsteinthron. Jede Stufe wird eigens vorgestellt und mit „Verehrung …“ angesprochen.
Den tragenden Sitz des Pūjā-Cakras betrachte er als Löwenthron. An seinen vier Beinen, beginnend in der südöstlichen Ecke und im Uhrzeigersinn fortschreitend, verehre er Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und souveräne Macht: „Verehrung Dharma. Verehrung der Erkenntnis. Verehrung der Leidenschaftslosigkeit. Verehrung der souveränen Macht.“ An den vier Seitenteilen, vorn beginnend und ebenfalls im Uhrzeigersinn, verehre er Adharma, Unwissenheit, fehlende Leidenschaftslosigkeit und fehlende Macht.
Māyā, Vidyā und der Lotos des Bewusstseins
In der Mitte des Thrones verehre er Māyā und Vidyā. Er stelle sie sich als seidene Bänder vor, die wie die Bespannung eines gewöhnlichen Lagers längs und quer miteinander verflochten sind. Darüber verehre er Ananta in Gestalt eines Ruhebettes.
Auf dessen Haupt verehre er den Lotos: „Verehrung dem Lotos. Verehrung der Wurzelknolle der Wonne. Verehrung dem Stängel des Bewusstseins.“ An seinen Blütenblättern: „Verehrung den Blättern, deren Wesen die Urnatur ist.“ An den Staubfäden: „Verehrung den Staubfäden, deren Wesen die Entfaltungen der Natur sind.“ An der Samenkapsel: „Verehrung der Samenkapsel, die mit den Samen der fünfzig Laute erfüllt ist und die Gestalt aller Tattvas trägt.“
An den Staubfäden verehre er mit „aṃ“ den Sonnenkreis, an der Samenkapsel mit „uṃ“ den Mondkreis, an den Blättern mit „maṃ“ den Feuerkreis. Ebenso werden Brahmā, Viṣṇu und Rudra verehrt.
Es folgen die Anrufungen: „saṃ, Verehrung Sattva, dessen Wesen Erwachen ist. raṃ, Verehrung Rajas, dessen Wesen Tätigkeit ist. taṃ, Verehrung Tamas, dessen Wesen Verblendung ist. āṃ, Verehrung dem Selbst. aṃ, Verehrung dem inneren Selbst. paṃ, Verehrung dem höchsten Selbst. hrīṃ, Verehrung dem Erkenntnisselbst.“
An den vier Richtungen des Thrones, vorn beginnend, und in seiner Mitte verehre er nacheinander das Wesen des Erkenntnis-Tattva, des Māyā-Tattva, des Kalā-Tattva, des Vidyā-Tattva und des höchsten Tattva.
An den Staubfäden verehre er, vorn beginnend und im Uhrzeigersinn, die neun Kräfte des jeweils verwendeten Sitzes, etwa des Gaṇeśa-Pīṭha. Mit dem Pīṭha-Mantra verehre er den gesamten Sitz. Den entsprechenden Mūlamantra sprechend erkläre er: „Ich vergegenwärtige die Gestalt des ehrwürdigen Śiva“ — beziehungsweise die Gestalt der jeweils verehrten Gottheit. In die Mitte des Sitzes setze er ein Śivaliṅga oder das entsprechende Symbol; fehlt dieses, können Blumen oder ähnliche Gaben eintreten. Er stelle sich die im Dhyāna beschriebene Gestalt vor und verehre sie mit „namaḥ“.
Anordnung bei der Pañcāyatana-Pūjā
Wird die Fünfgottheiten-Verehrung ausgeführt und steht Śiva in der Mitte, so werden an den vier Ecken, beginnend im Südosten, Sūrya, Gaṇeśa, Durgā und Viṣṇu eingesetzt. Die Verehrung beginnt mit Gaṇeśa. Jede Gottheit wird auf ihrem eigenen Yantra nach dem für sie geltenden Ritual verehrt: zuerst ihr Pīṭha, dann ihre Glieder und umgebenden Gottheiten, mit sämtlichen Upacāras. Es folgen die jeweilige Mantrarezitation, Hymnen, Verneigungen und die Bitte um Vergebung.
Steht Viṣṇu oder eine andere Gottheit im Mittelpunkt, so werden die übrigen Gottheiten nach der jeweils maßgeblichen Anordnung in die Ecken gesetzt und entsprechend verehrt. Auch bei der Pañcāyatana-Pūjā wird die Richtung zwischen dem Verehrenden und der verehrten Gottheit als Osten bestimmt; Südosten und die übrigen Richtungen ergeben sich daraus.
Danach vollziehe er mit dem Mūlamantra erneut dreimal Prāṇāyāma und die Zuordnung von Ṛṣi und den übrigen Bestandteilen des Mantras. Mit beiden Händen nehme er ein Blumenopfer auf, forme die Padma-Mudrā und betrachte sie als den zuvor beschriebenen Lotos der Mātṛkā-Laute. Im Lotossitz, mit aufrechtem Körper und nach innen gewandter Aufmerksamkeit, richtet sich seine Vorstellung auf den vierblättrigen Lotos im Quadrat innerhalb der Suṣumṇā, im Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan. [Die Beschreibung der Lotosblätter wird auf der folgenden Druckseite fortgesetzt.]
Kuṇḍalinī und die Vergegenwärtigung der Gottheit
Auf den vier Blütenblättern werden die vier Laute va, śa, ṣa und sa vorgestellt. Der Mūlādhāra-Lotos besitzt Staubfäden und ist gelb. In seiner Mitte liegt ein Dreieck, dessen drei Linien mit a, ka und tha beginnen und deren Wesen Mond, Sonne und Feuer ist. Darin meditiere er über ein leuchtendes Liṅga, strahlend wie zehn Millionen Sonnen, kühl wie zehn Millionen Monde und von der Farbe einer Hibiskusblüte.
Darüber betrachte er lange die Kuṇḍalinī-Śakti: Sie ist Bewusstsein, leuchtet wie zehn Millionen Blitze, ist feiner als die Faser eines Lotosstängels und ruht wie eine schlafende Schlange in dreieinhalb Windungen. Als innerste Lenkerin aller Wesen ist sie vom höchsten Brahman ungetrennt.
Nach der vom Guru gelehrten Weise wird sie unter Anspannung des unteren Körperbereichs mit dem Huṃ-Laut erweckt. Die Betrachtung führt sie auf dem Weg der Suṣumṇā durch die sechs Cakras — Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūraka, Anāhata, Viśuddha und Ājñā — bis zum Brahmarandhra. Dort wird sie mit dem höchsten Selbst vereint, dem Ozean des höchsten Nektars.
Textvariante und Praxisrahmen: Die Fußnote nennt für den erweckenden Laut auch „huṅkāra“. Die körperlichen und energetischen Vorgänge stehen ausdrücklich unter der Anleitung des Gurus; die Übersetzung beschreibt den historischen Ritualtext.
Das Licht, dessen Wesen Śiva und Śakti sind, wird in der Vorstellung durch die Nase nach außen geführt und mit den Blumen in den Händen verbunden. Nach dem Mūlamantra spreche er: „Ehrwürdiger Śiva, komme hierher, komme hierher.“ Indem er die Blumen auf das Haupt der über dem Cakra eingesetzten Gestalt gibt, rufe er dieses Licht mit der Āvāhanī-Mudrā herbei. Er stelle sich vor, dass es durch deren Brahmarandhra eintritt und die im Dhyāna beschriebene Gestalt Śivas beziehungsweise der jeweiligen Gottheit annimmt.
Nach dem Mūlamantra spreche er: „Ehrwürdiger Śiva, bleibe hier, bleibe hier“, und zeige die Sthāpanī-Mudrā. Er bete:
„Herr der Götter, den die Hingabe leicht erreicht, mit allem Schmuck versehen: Solange ich dich verehre, bleibe hier gegenwärtig.“
Mit jeweils erneutem Mūlamantra und der entsprechenden Mudrā folgen diese Anrufungen:
- „Ehrwürdiger Śiva, sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig.“ — Sannidhāpana, Vergegenwärtigung.
- „Ehrwürdiger Śiva, bleibe hier festgehalten, bleibe hier festgehalten.“ — Sannirodha, Festigung der Gegenwart.
- „Ehrwürdiger Śiva, wende dich mir hier zu, wende dich mir hier zu.“ — Sammukhīkaraṇa.
- „Ehrwürdiger Śiva, sei hier umhüllt, sei hier umhüllt.“ — Avaguṇṭhana.
An den sechs Nyāsa-Stellen der Gottheit, beginnend mit dem Herzen, werden die sechs Gliedermantras eingesetzt. Darauf: „Ehrwürdiger Śiva, sei mit allen Gliedern vollständig ausgestattet, sei vollständig ausgestattet.“ Mit der Dhenu-Mudrā stelle er sich einen Nektarregen über dem Haupt der Gottheit vor: „Ehrwürdiger Śiva, sei mit Nektar erfüllt, sei mit Nektar erfüllt.“ Mit der Mahāmudrā und der Vorstellung des höchsten Nektarregens: „Ehrwürdiger Śiva, sei zur höchsten Vollkommenheit erhoben, sei zur höchsten Vollkommenheit erhoben.“
Nach dem Mūlamantra folgt der Dīpanī-Mantra: „aiṃ, sprich, sprich, Herrin der Rede; aiṃ, du Durchfeuchtete, du Befeuchtende, durchdringe; bewirke, bewirke die große Erregung; sauḥ, hsauḥ.“ Alternativ können die Mātṛkā-Laute von a bis kṣa gesprochen werden. Die Gottheit wird dreimal mit Arghya-Wasser besprengt. Ihr Herz berührend, spreche er den zuvor angegebenen Prāṇa-Pratiṣṭhā-Mantra und ersetze darin „mein“ durch „des ehrwürdigen Śiva“.
Nach der Einsetzung des Lebens bringe er mit dem Mūlamantra und „Verehrung dem ehrwürdigen Śiva“ dreimal Blumen dar. Es folgen die zehn Mudrās Liṅga, Yoni, Dreizack, Gebetskette, Gewährung von Gaben, Furchtlosigkeit, Antilope, Khaṭvāṅga-Stab, Schädelgefäß und Ḍamaru-Trommel. Jede wird mit dem Kāma-Bīja gebildet und mit dem Mūlamantra gezeigt. Die anschließende kurze Druckformel zur Besiegelung der zehn Mudrās lautet „hasi“; ihre grammatische Lesung bleibt unsicher.
Sitz, Begrüßung und die ersten Wassergaben
„Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Sitz. Namaḥ.“ Entsprechend dem Vorhandenen werde an der linken Seite der Gottheit ein Sitz niedergelegt. Der Text nennt dabei unter anderem einen Sitz aus Fell, Stoff, Blumen oder Metall; ein weiteres Wort in dieser Aufzählung ist undeutlich und wird nicht als gesicherte Materialbezeichnung ergänzt. Die Darbringung lautet: „haṃ haṃ haṃ, nimm dies, dies, dies an. Svāhā.“ Mit dem Mūlamantra zeige er die Padma-Mudrā und bringe mit „Verehrung dem ehrwürdigen Śiva“ Blumen dar.
„Ehrwürdiger Śiva, möge es dir wohl sein; sei willkommen.“ Dazu zeige er die Gesten der Nachfrage nach dem Wohlergehen und des Willkommens.
„Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Arghya. Svāhā.“ Aus dem zuvor aufgestellten Arghya-Gefäß schöpfe er mit einem anderen Gefäß Wasser, das Duftstoffe, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senfsamen und Dūrvā enthält. Er gebe es auf das Haupt der Gottheit und spreche: „oṃ haṃ haṃ haṃ, nimm dies, dies, dies an. Svāhā.“ Er zeige die Arghya-Mudrā und bringe mit dem Mūlamantra und „Verehrung dem ehrwürdigen Śiva“ Blumen dar.
„Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Wasser für die Füße. Namaḥ.“ Aus dem Pādya-Gefäß nehme er Wasser mit Śyāmāka, Dūrvā, Lotos und Viṣṇukrāntā und gebe es auf die Füße der Gottheit. Die Darbringungsformel mit „oṃ haṃ haṃ haṃ“, die Mudrā und das Blumenopfer folgen wie zuvor. Bei jeder einzelnen Verehrungsgabe sind die angegebene Darbringungsformel und das Blumenopfer mit dem Mūlamantra zu wiederholen.
Aus dem Ācamanīya-Gefäß nehme er Wasser mit Pulver von Muskatnuss, Gewürznelken und Kakkola. Nach dem Mūlamantra spreche er: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Wasser zum Spülen des Mundes — Nektar.“ Er gebe es zum Lotosmund der Gottheit, bringe es wie zuvor dar, zeige die Ācamanīya-Mudrā und opfere Blumen.
Dann nehme er das Madhuparka-Gefäß: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Madhuparka — Nektar.“ Auch diese süße Ehrengabe wird dem Lotosmund der Gottheit zugeführt und wie zuvor dargebracht. [Fortsetzung folgt im unmittelbaren Textanschluss.]
Er zeige die Madhuparka-Mudrā und bringe Blumen dar. Danach nehme er erneut Wasser aus dem Ācamanīya-Gefäß: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein erneutes Mundspülwasser — Nektar.“ Darbringung, Ācamanīya-Mudrā und Blumenopfer folgen wie zuvor.
Das Bad als königlicher Ehrendienst
Er stelle mit Edelsteinen besetzte Sandalen bereit und bete: „Herr, besteige dieses Paar edelsteingeschmückter Sandalen. Komm zum Bad in den Badepavillon, der in Indras Richtung liegt.“ Er führe die Gottheit zum im Osten errichteten Badepavillon und biete ihr wie zuvor Sitz, Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser an.
Er bringe duftendes Öl und die weiteren Mittel: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist deine Salbung mit Duftöl, deine duftende Einreibung mit Āmalaka und den übrigen Mitteln. Namaḥ.“ Nach diesen Anwendungen bade er die Gottheit wie einen großen König mit verschiedenen Wassern. Er stelle sich vor, dass himmlische Dienerinnen goldene Krüge tragen, gefüllt mit Wasser aus Gaṅgā und anderen heiligen Gewässern, und damit die Gottheit begießen. Es folgen die Darbringung, die Bade-Mudrā, Blumen mit dem Mūlamantra und Wasser zur Mundspülung.
Er reiche ein Tuch zum Abtrocknen und stelle sich vor, wie der Körper getrocknet wird. Zwei weiße feine Gewänder werden herbeigebracht, mit dem Varuṇa-Bīja besprochen und unter dem Astra-Mantra mit Wasser besprengt: „Verehrung den beiden Gewändern, deren Gottheit Bṛhaspati ist.“ Mit dem Mūlamantra: „Ehrwürdiger Śiva, dies sind deine beiden Gewänder. Namaḥ.“ Er kleide die Gottheit ein; Darbringung, Gewand-Mudrā, Blumen und Mundspülwasser folgen.
Eine heilige Schnur aus Gold oder entsprechendem Material werde herbeigebracht: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist deine heilige Schnur. Namaḥ.“ Es folgen Darbringung, Blumen, Yajñopavīta-Mudrā und Mundspülwasser.
Schmuck und Rückkehr in den Verehrungspavillon
Er reiche die Edelsteinsandalen: „oṃ. Herr, besteige dieses edelsteingeschmückte Sandalenpaar. Komm in den Schmuckpavillon, der im Süden errichtet ist.“ Dorthin führe er die Gottheit und lasse sie auf dem Löwenthron Platz nehmen.
Er bringe die verschiedenen Schmuckstücke herbei, besprenge sie und verehre sie: „Verehrung den Kronen und Schmuckstücken, denen die verschiedenen Gottheiten zugeordnet sind.“ Nach dem Mūlamantra nenne er jedes Stück einzeln: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist deine Krone. Namaḥ. Dies ist dein Ohrring. Namaḥ.“ Nach der Darbringung zeige er die Schmuck-Mudrā und opfere Blumen.
Wieder reiche er die Sandalen: „Lege diese Sandalen an und komme, begleitet von den fünf Arten der Musik und deinem Gefolge, in den Verehrungspavillon.“ Er führe die Gottheit in den Hauptpavillon und setze sie auf den zuvor vergegenwärtigten Yoga-Pīṭha.
In aufmerksamer Betrachtung stelle er sich vor, wie die Gottheiten des Gefolges aus ihrem Körper hervorgehen wie Strahlen aus der Sonne. Sie tragen Schirme, Cāmara-Wedel und andere Geräte, nehmen ihre jeweiligen Plätze im Cakra ein und bleiben dort gegenwärtig. Ihre Gestalten, Schmuckstücke und Waffen entsprechen der Hauptgottheit.
Duftstoffe, Blumen und die Gottheiten des Gefolges
Er bringe Sandel, Aguru, Kampfer und andere Duftstoffe herbei und besprenge sie: „Verehrung dem Duft, dessen Gottheiten die Gandharvas sind.“ Mit dem Mūlamantra: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Duft. Namaḥ.“ Er bringe die Duftstoffe dar und bete:
„Deinen Körper kenne ich nicht, ebenso wenig deine Bewegungen. Nimm die von mir dargebrachten Duftstoffe an und lasse dich damit salben.“
„Ehrwürdiger Śiva, dies sind deine Blumen. Vauṣaṭ.“ Er opfere verschiedene duftende weiße Blumen, vollziehe die Darbringung und zeige die Blumen-Mudrā. An den sechs Nyāsa-Stellen, beginnend mit dem Herzen der Gottheit, verehre er deren sechs Glieder als in ihr aufgehende Glieder. Dann bitte er: „Ehrwürdiger Śiva, gewähre die Erlaubnis, die Gottheiten deines Gefolges zu verehren.“ Es folgt die Verehrung der Āvaraṇa-Gottheiten nach dem jeweils geltenden Ritual.
Die Hüter der Richtungen
Außerhalb der Glieder- und Āvaraṇa-Gottheiten werden die acht Richtungshüter verehrt, vor der Gottheit beginnend und der Reihe nach fortschreitend. Die vollständigen Anrufungen lauten:
- „laṃ, Verehrung Indra, dem Herrn der Götter, gelb von Farbe, mit dem Donnerkeil in der Hand, auf Airāvata reitend.“
- „raṃ, Verehrung Agni, dem Herrn des Feuerglanzes, rot von Farbe, mit dem Speer in der Hand, auf dem Widder reitend.“
- „ṭaṃ, Verehrung Yama, dem Herrn der Verstorbenen, schwarz von Farbe, mit dem Stab in der Hand, auf dem Büffel reitend.“
- „kṣaṃ, Verehrung Nirṛti, dem Herrn der Rakṣas-Wesen, rauchfarben, mit dem Schwert in der Hand, auf einem Leichnam getragen.“
- „vaṃ, Verehrung Varuṇa, dem Herrn des Wassers, weiß von Farbe, mit der Schlinge in der Hand, auf dem Makara reitend.“
- „yaṃ, Verehrung Vāyu, dem Herrn des Lebenshauchs, schwarz von Farbe, mit dem Treibstachel in der Hand, auf einer Antilope reitend.“
- „saṃ, Verehrung Kubera, dem Herrn der Yakṣas, perlenfarben, mit der Keule in der Hand, von einem Menschen getragen.“
- „haṃ, Verehrung Īśāna, dem Herrn des Wissens, kristallfarben, mit dem Dreizack in der Hand, auf dem Stier reitend.“
Zwischen Indra und Īśāna: „āṃ, Verehrung Brahmā, dem Herrn der Welten, rot von Farbe, mit dem Lotos in der Hand, auf dem Haṃsa reitend.“ [Die anschließende Verehrung zwischen Nirṛti und Varuṇa folgt im nächsten Abschnitt.]
Zwischen Nirṛti und Varuṇa verehre er: „hrīṃ, Verehrung Ananta, dem Herrn der Nāgas, hell von Farbe, mit dem Cakra in der Hand, auf Garuḍa reitend.“ Diese in der Quelle ausdrücklich Ananta zugewiesenen Merkmale werden beibehalten.
Ist die ausführliche Form nicht möglich, lauten die kürzeren Anrufungen: „laṃ, Verehrung Indra; raṃ, Verehrung Agni; ṭaṃ, Verehrung Yama; kṣaṃ, Verehrung Nirṛti; vaṃ, Verehrung Varuṇa; yaṃ, Verehrung Vāyu; saṃ, Verehrung Kubera; haṃ, Verehrung Īśāna; āṃ, Verehrung Brahmā; hrīṃ, Verehrung Ananta.“
In ihrer Nähe werden auch die Waffen und Attribute verehrt: „vaṃ, Verehrung dem Donnerkeil; śaṃ, Verehrung dem Speer; daṃ, Verehrung dem Stab; khaṃ, Verehrung dem Schwert; pāṃ, Verehrung der Schlinge; kroṃ, Verehrung dem Treibstachel; gaṃ, Verehrung der Keule; śaṃ, Verehrung dem Dreizack; paṃ, Verehrung dem Lotos; caṃ, Verehrung dem Cakra.“
Bei jeder Āvaraṇa-Verehrung wird am Ende des ersten Kreises die Gottheit mit ihrem Mūlamantra verehrt und angesprochen:
„Gewähre mir die Erfüllung des Erstrebten, du, der du die Schutzsuchenden liebst. In Hingabe bringe ich dir die Verehrung des ersten Kreises dar.“
Zu ihren Füßen gebe er Arghya-Wasser, Blumen und weitere Gaben. Für den zweiten und die folgenden Kreise wird die Kreisbezeichnung entsprechend geändert.
Räucherwerk und Glocke
Nach dem Mūlamantra: „Verehrung Śiva mit seinen Gliedern und umgebenden Gottheiten.“ Dreimal bringe er Blumen dar. Das Räuchergefäß werde mit dem Astra-Mantra besprengt und mit dem Herzmantra sowie Duftgaben verehrt. Er lege feste Holzkohleglut hinein und vollziehe mit „vaṃ“ und der Dhenu-Mudrā die Verwandlung in Nektar. Mit „krauṃ, Svāhā dem duftenden Feuerglanz“ gebe er Guggulu und anderes Räucherwerk hinzu: „Verehrung dem Räucherwerk, dessen Gottheiten die Gandharvas sind.“ Nach dem Mūlamantra spreche er:
„Aus Pflanzensaft entstanden, reich an Duft, vorzügliches Räucherwerk, für alle Götter angenehm zu riechen: Nimm dieses Räucherwerk an.“
Die Glocke werde links vom Übenden aufgestellt, mit dem Astra-Mantra besprengt und unter demselben Mantra dreimal verehrt: „Verehrung der Glocke.“ Der gedruckte Glockenmantra wird dreimal gesprochen: „oṃ, du mit Elefantenschall, Mutter der Mantras, svāhā.“ Die Lesung „gajadhvani“ ist ungewöhnlich; sie wird hier nicht stillschweigend durch eine geläufigere Glockenformel ersetzt.
Mit der linken Hand läute er die Glocke und bringe das Räucherwerk in niedriger Höhe dar: „oṃ haṃ haṃ haṃ, nimm dies, dies, dies an. Svāhā.“ Danach stelle er das Räuchergefäß links von der Gottheit auf, zeige die Räucher-Mudrā und verehre sie.
Das Licht, das äußere und innere Dunkelheit vertreibt
In die Lampe gebe er Kuhghee oder Sesamöl und lege einen Docht mit Kampfer hinein. Mit „hrīṃ“ werde er entzündet. Bei einer Ghee-Lampe lautet die Verehrung: „Verehrung der Ghee-Lampe, deren Gottheit Viṣṇu ist“; bei einer Sesamöllampe: „Verehrung der Sesamöllampe, deren Gottheit der Herr der Pflanzen ist.“ Mit „vaṃ“ und der Dhenu-Mudrā werde die Gabe mit Nektar erfüllt. Nach dem Mūlamantra spreche er:
„Hell leuchtend ist diese große Lampe; überall vertreibt sie die Finsternis. Ihr Licht leuchtet außen und innen. Nimm diese Lampe an.“
„Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Licht. Namaḥ.“ Unter Glockenklang werde es vor der Gottheit von den Füßen bis zum Scheitel emporgeführt. Eine Ghee-Lampe wird rechts, eine Öllampe links von ihr aufgestellt. Es folgen die Licht-Mudrā, die Verehrung und erneut Fußwasch- und Mundspülwasser.
Vorbereitung und Darbringung der Speise
In einem goldenen oder anderen geeigneten Gefäß werde die Speisegabe herbeigebracht. Sie umfasst die fünf Arten des Essens: zu Kauendes, weich zu Essendes, zu Leckendes, zu Saugendes und zu Trinkendes. Verschiedene Beilagen sollen die sechs Geschmacksrichtungen enthalten: scharf, sauer, salzig, bitter, zusammenziehend und süß.
„Verehrung der Speisegabe, deren Gottheit Viṣṇu ist.“ Das Gefäß wird mit seiner Unterlage auf ein quadratisches Maṇḍala vor der Gottheit gestellt. Unter dem Mūlamantra betrachte er es; unter dem Astra-Mantra besprenge er es mit dem vorgesehenen Wasser und berühre es dreimal mit Kuśa-Halmen. Es folgt eine Besprengung mit dem Kavaca-Mantra.
Die linke Hand werde über die rechte gelegt, beide Handflächen nach unten. Mit acht Wiederholungen von „yaṃ“, dem Luft-Bīja, stelle er sich vor, dass rituelle Mängel der Speise, etwa durch Berührung, austrocknen. Dann wird die rechte über die linke Hand gelegt und die Gabe mit der nach unten gewendeten linken Hand bedeckt. Mit acht Wiederholungen von „raṃ“, dem Feuer-Bīja, werden diese Mängel in der Vorstellung verbrannt. Mit der Dhenu-Mudrā und acht Wiederholungen von „vaṃ“, dem Nektar-Bīja, werde die Speise mit Nektar erfüllt. Astra-Mantra und Cakra-Mudrā dienen ihrem Schutz. Abschließend bespreche er sie achtmal mit dem Mūlamantra.
Er nehme Wasser in die rechte Hand und spreche:
„Höchster Herr, nimm die vorzüglich bereitete göttliche Speise im goldenen Gefäß an: fünffach ist sie und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen.“
Er gebe eine kleine Handvoll Wasser über die Speisegabe. Nach dem Mūlamantra: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist deine Speisegabe. Namaḥ.“ Mit beiden Händen das Gefäß berührend, bringe er die Gabe unter der zuvor genannten Formel dar. Wasser in einem anderen Gefäß werde mit der Dhenu-Mudrā zu Nektar vergegenwärtigt; etwas davon gebe er in die rechte Hand der Gottheit. [Die zugehörige Formel folgt im nächsten Abschnitt.]
„Du bist die Unterlage aus Nektar. Svāhā.“ Mit dieser Formel reiche er der Gottheit Wasser zur Mundspülung. Mit der linken Hand zeige er die Grāsa-Mudrā, die einem geöffneten Lotos gleicht. An der rechten Hand verbinde er kleinen Finger, Ringfinger und Daumen: „oṃ, dem Prāṇa svāhā.“ Danach nennt der Text die Verbindung von Zeige-, Mittel- und Ringfinger mit dem Daumen: „oṃ, dem Udāna svāhā.“ Mit den bereits früher beschriebenen fünf Mudrās werden insgesamt fünf Bissen gereicht. Die übrigen drei Zuordnungen werden an dieser Stelle nicht erneut ausgeschrieben.
Wasser in einem goldenen oder anderen geeigneten Gefäß werde mit der Dhenu-Mudrā als Nektar vergegenwärtigt:
„Verehrung dir, Herr der Götter über alle Götter. Nimm dieses vorzügliche Wasser an: Es gewährt vollständige Sättigung, wurde keinem anderen dargebracht, ist rein, naturbelassen und angenehm kühl; es ist von höchster Wonne erfüllt.“
Er stelle das Wassergefäß links von der Gottheit auf, bringe es dar und opfere Blumen. Mit dem Astra-Mantra versiegle er die Richtungen und stelle sich um die Gottheit einen Vorhang vor. „Verehrung der Speisegabe, deren Wesen Nahrung ist.“ An beiden Händen werden Daumen und Ringfinger zur Naivedya-Mudrā verbunden. Dann betrachte er die Gottheit beim Essen:
„Brahmā, Indra und die anderen sitzen freudig ringsum. Die Göttin fächelt ihm ehrerbietig zu; an ihrer Hand klingen die Armreifen. Voller Scherz, Spiel und Lachen bringt der Herr der Götter seine Tischgefährten zum Lachen. Aus einem goldenen Gefäß genießt er Speisen von sechs Geschmacksrichtungen.“
Das tägliche Feueropfer und seine vereinfachte Form
Während dieser Betrachtung wiederhole er den Mūlamantra zehnmal, widme die Rezitation und vollziehe das tägliche Homa. Dessen ausführlicher Ablauf wurde bereits zuvor beschrieben.
Ist die ausführliche Form nicht möglich, gilt das Wort der Vasiṣṭhasaṃhitā: „Beim täglichen Homa gibt es keine Handlung der erstmaligen Feuergründung und dergleichen.“ Daher kann die Gottheit in gewöhnlichem Feuer vergegenwärtigt und verehrt werden. Mit dem Mūlamantra werden 25 Gaben dargebracht, mit den sechs Gliedermantras sechs weitere und für jede Āvaraṇa-Gottheit eine Gabe. Ist die Verehrung der Āvaraṇa-Gottheiten im Feuer nicht möglich, bleiben die angegebenen Gaben mit dem Mūlamantra und den sechs Gliedermantras.
Nach dem täglichen Homa kehre er zum Verehrungsplatz zurück und nehme seinen Sitz ein. Mit dem Mūlamantra vollziehe er dreimal Prāṇāyāma, den Nyāsa von Ṛṣi und den weiteren Zuordnungen sowie den Sechsgliedernyāsa. Mit dem Mūlamantra bringe er dreimal Blumen dar.
Speisegabe an die Wesen
In der nordöstlichen Ecke des Pūjā-Cakras zeichne er ein Maṇḍala aus Quadrat, Kreis und Dreieck. Darauf stelle er mit einer Unterlage ein Kupfergefäß mit Speise, Beilagen und Wasser. „Alle Wesen, kommt hierher und bleibt hier.“ Mit „Verehrung allen Wesen“ verehre er sie durch Blumen und weitere Gaben:
„Alle wilden Wesen, die wilde Taten vollbringen und an wilden Orten wohnen, auch die Yoginīs von furchterregender Gestalt und die Herren der Scharen; alle, die sich auf der Erde, im Himmel und im Zwischenraum bewegen: Mögen sie mit freudigem Herzen diese Bali-Gabe annehmen.“
Mit einem anderen Gefäß schöpfe er Wasser aus dem Arghya-Gefäß und lasse es über die Finger der linken Hand als Strahl in das Bali-Gefäß fließen. So werde die Gabe dargebracht. Er nehme Blumen in die Hände:
„Alle Wesen, die hier auf der Erde wohnen, mögen diese ordnungsgemäß dargebrachte Gabe annehmen. Zufriedengestellt mögen sie weiterziehen und hier Nachsicht üben. Verehrung sei ihnen.“
Er opfere die Blumen, verneige sich und verabschiede die Wesen mit der Nārāca-Mudrā: „Mögen die Wesen nach ihrem Wohlgefallen umherziehen.“
Abschluss des göttlichen Mahles
Unter dem Astra-Mantra besprenge er sich mit reinem Wasser und betrachte die Gottheit als gesättigt. In einem anderen Gefäß werde Wasser mit „vaṃ“ und der Dhenu-Mudrā zu Nektar vergegenwärtigt: „Du bist die Bedeckung aus Nektar. Svāhā.“ Damit reiche er das abschließende Wasser nach dem Mahl.
Er entferne die Speisegabe, deren feine Essenz als aufgenommen gilt, und stelle das Gefäß nach Südwesten. Den Platz reinige er unter dem Astra-Mantra mit dem im Text genannten Kuhdungwasser. Einen kleinen Rest der Speise gebe er nach Nordosten: „Verehrung dem Empfänger der übriggebliebenen Opfergaben.“ Danach wasche er seine Hände.
Der Gottheit werden duftendes Reinigungspulver und Wasser zum Waschen der Hände gereicht. Es folgen Kampferstäbchen oder ähnliche Mittel zur Reinigung der Zähne, Wasser zum Ausspülen des Mundes, das Waschen der Füße und Ācamanīya-Wasser wie zuvor. Hände und Füße werden mit einem feinen Tuch getrocknet; Duftpulver verleiht den Händen Wohlgeruch. Nun nehme er die Betelgabe auf und spreche den Mūlamantra. [Ihre Darbringungsformel folgt unmittelbar anschließend.]
„Nimm diese duftende Betelgabe an, bereichert mit Tamāla-Blatt, Kampfer und Stücken der Arekanuss, schön zubereitet.“ „Ehrwürdiger Śiva, dies ist deine Betelgabe. Namaḥ.“ Sie wird unter der bereits genannten Darbringungsformel übergeben.
Nach dem Mūlamantra verehre er die Gottheit dreimal mit Blumen: „Verehrung dem gütig gestimmten ehrwürdigen Śiva.“ Es folgt: „Für den gütig gestimmten ehrwürdigen Śiva ist dieser Duft. Namaḥ.“ Entsprechend werden Blumen, Räucherwerk und Licht gereicht. Nach dieser Verehrung der freundlich gegenwärtigen Gottheit setze er ihr die Krone auf, zeige ihr einen Spiegel und stelle sich königliche Ehrendienste mit Schirm, Cāmara-Wedel, Fächer und weiteren Gegenständen vor.
Nīrājana mit neun Lichtern
Mit Dūrvā, ungebrochenen Reiskörnern und Wasser spreche er nach dem Mūlamantra: „Ehrwürdiger Śiva, dies ist dein Nīrājana. Namaḥ.“ Dūrvā und die übrigen Gaben werden auf die Krone der Gottheit gelegt.
Auf einer großen Schale aus Bronze oder anderem geeigneten Material zeichne er mit Sandel einen achtblättrigen Lotos. In der Mitte und auf den acht Blättern stehen neun aus Teig geformte Lampen, mit Ghee gefüllt und mit kampferhaltigen Dochten versehen. Mit „hrīṃ“ werden sie entzündet. Die Schale werde auf ein quadratisches Maṇḍala gestellt; mit „vaṃ“ und der Dhenu-Mudrā werden die Gaben als Nektar vergegenwärtigt, mit dem Astra-Mantra und der Cakra-Mudrā geschützt. Jede Lampe wird mit der Ratneśvarī-Vidyā und dem Mūlamantra verehrt.
Leselücke: Die dichte Bīja-Folge der hier gedruckten Ratneśvarī-Vidyā ist nicht sicher aufzulösen. Sie wird als lokale Leselücke gekennzeichnet und nicht zu einem vermeintlich gesicherten Mantra ergänzt.
Mit beiden Händen nehme er die Schale auf. Den Mūlamantra sprechend, führe er die Lichter wiederholt von den Füßen zum Scheitel der Gottheit und vom Scheitel zu den Füßen. Dies geschieht neunmal. Damit endet die Beschreibung des Nīrājana.
Japa und Widmung
Nach einer Verneigung vollziehe er dreimal Prāṇāyāma mit dem Mūlamantra und den Nyāsa von Ṛṣi und den weiteren Zuordnungen, Händen und sechs Gliedern. Die nach dem früher beschriebenen Verfahren geweihte Gebetskette werde entsprechend verehrt.
Die Gottheit vergegenwärtigend, wiederhole er den Mūlamantra mit vorangestelltem Praṇava 1008-mal, halb so oft, 300-mal oder 108-mal. Mit „oṃ“ schließe er die Rezitation. Nach erneutem Prāṇāyāma und Ṛṣi-Nyāsa lege er die Gebetskette wie zuvor auf sein Haupt, nehme Arghya-Wasser und spreche:
„oṃ. Du hütest das Geheimste der Geheimnisse. Nimm die von mir vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir die in dir ruhende Vollendung zuteilwerden, o Gott.“
Mit dem Wasser, das er in die rechte Hand der Gottheit gibt, widme er den Japa. Danach verehre er die Gebetskette erneut und bewahre sie an einem geschützten, nicht öffentlich zugänglichen Ort auf. Ist keine Gebetskette vorhanden, können die Wiederholungen an den Fingern gezählt werden.
Nach dem Japa preise er die Gottheit unter Glockenklang mit den tausend Namen Śivas, seinen hundert Namen und anderen Hymnen. Es folgen Umwandlungen und Verneigungen.
Gebete der Hingabe und Bitte um Vergebung
Mit zusammengelegten Händen bete er:
„Was ich allein aus Hingabe gegeben habe — Blatt, Blume, Frucht und Wasser, auch die dargebrachte Speise —, nimm es in deinem Mitgefühl an.
Ich verstehe das Herbeirufen nicht, ich verstehe das Verabschieden nicht; auch die rechte Verehrung verstehe ich nicht. Du bist meine Zuflucht, höchster Herr.
In meinem Handeln, Denken und Sprechen habe ich keine andere Zuflucht als dich. Du siehst die Wesen, indem du in ihrem Innersten gegenwärtig bist, höchster Herr.
Herr, in welche der tausend Daseinsformen ich auch eintreten mag: In jeder möge meine Hingabe an dich stets unerschütterlich und unvergänglich sein.
Gott ist der Gebende und der Empfangende; Gott ist diese ganze Welt. Überall ist Gott siegreich. Dieser Gott bin wahrlich ich selbst.“
Er verneige sich wiederholt und spreche seine persönlichen Bitten aus. Das Arghya-Gefäß aufnehmend bete er:
„Was immer ich getan habe, gut oder unvollkommen: Nimm dies alles, ehrwürdiger Śambhu, als höchste Verehrung an.“
Mit Arghya-Wasser widme er die vollzogene Verehrung. Er bringe erneut Arghya dar und stelle das Gefäß zurück. Blumen werden mit dem bereits vorausgesetzten Mantra, der mit „Von allem, was zuvor …“ beginnt, zu den Füßen der Gottheit gelegt. Der Mantra wird hier nur durch seine Anfangsworte bezeichnet.
Rücknahme der vergegenwärtigten Gestalten
Nach der Verneigung nehme er erneut Blumen auf und spreche den Mūlamantra:
„Mögen die verehrten Gottheiten, die Strahlen Maheśas sind und allen Wesen Wohl bringen, wieder in der Gestalt des ehrwürdigen Śiva aufgehen.“
Er opfere die Blumen und stelle sich vor, dass auch die Torgottheiten und die vier weiteren Gottheiten der Pañcāyatana-Anordnung in ihm aufgehen. „Ehrwürdiger Śiva, vergib.“ Er klatsche dreimal in die Hände, bilde die Saṃhāra-Mudrā und spreche:
„Gehe, gehe an den höchsten Ort, an deinen eigenen Ort, höchster Herr — zu jener höchsten Stätte, die selbst Brahmā und die anderen Götter nicht erkennen.“
Zusammen mit einer bereits dargebrachten Blume nehme er in der Vorstellung das göttliche Licht auf. Beim Riechen an der Blume werde das Licht durch die Nase zum Brahmarandhra geführt und von dort auf dem Weg der Suṣumṇā … [Die Rückführung setzt sich unmittelbar fort.]
… zum Herzenslotos zurückgeführt.
„oṃ. Bleibe, bleibe am höchsten Ort, an deinem eigenen Ort, höchster Herr — in meinem Herzen, wo Brahmā und alle anderen Götter wohnen.“
So setze er die Gottheit in sein eigenes Herz ein. Er betrachte sie dort in der beschriebenen Gestalt, verehre sie mit inneren Gaben und meditiere über ihre Ungetrenntheit von sich selbst. Es folgen dreimal Prāṇāyāma und der Nyāsa von Ṛṣi und den weiteren Zuordnungen, Händen und sechs Gliedern.
Die Empfänger der verbliebenen Gaben
Im Nordosten werde ein Dreiecksmaṇḍala angelegt, das von einem Quadrat umgeben ist. Bei der Pañcāyatana-Pūjā werden an seinen vier Ecken, im Nordosten beginnend und im Uhrzeigersinn, die jeweiligen Empfänger der verbleibenden Gaben verehrt: „Verehrung Lambodara; Verehrung Caṇḍeśvarī; Verehrung Viṣvaksena; Verehrung Tejaścaṇḍa.“ Sie erhalten die zuvor Gaṇeśa und den anderen Gottheiten dargebrachten Gaben.
In der Mitte: „Verehrung Caṇḍeśvara.“ Dorthin lege er Śivas verbliebene Blumen und andere Gaben. Etwas von der Speise werde herbeigebracht:
„Auf Geheiß des ehrwürdigen Śiva gebe ich dir, dem Empfänger der verbliebenen Gaben, zu Leckendes, zu Saugendes, Speise, Getränk, Betel, Kranz und Salbe.“
Er lege dies dort nieder und wasche seine Hände. Auch Verehrende anderer Gottheiten sollen die entsprechenden Empfänger der Gaben von Gaṇeśa und den übrigen Gottheiten in der zuvor angegebenen Anordnung verehren; sie gelten dabei als Glieder ihrer eigenen erwählten Gottheit.
Sonnengebet und Abschluss der täglichen Pūjā
Ein Kupfergefäß oder anderes geeignetes Gefäß werde mit Wasser, Duftstoffen und Blumen gefüllt. Der Sonne zugewandt spreche er:
„oṃ. Verehrung Vivasvat, dem Strahlenden, o Brahman, dessen Glanz Viṣṇus Glanz ist; dem reinen Erwecker der Welt, Savitṛ, der das Wirken ermöglicht.“
„hāṃ hīṃ saḥ. Ehrwürdiger Sūrya, dies ist dein Arghya. Svāhā.“ Nach der Wassergabe bete er mit zusammengelegten Händen:
„Was an meinem Opfer, an meiner Askese und an meiner Verehrung unvollständig ist, möge durch Bhāskaras Gnade ganz und unversehrt werden.“
Zum Verehrungsplatz zurückgekehrt, lege er etwas verbliebenen Duftstoff in seine linke Hand, füge Arghya-Wasser hinzu und vermische beides. Nach acht Wiederholungen des Mūlamantras besprenge er sich damit. Mit demselben Mantra lege er eine bereits dargebrachte Blume auf sein Haupt und nehme etwas vom Fußwasser der Gottheit zu sich. Er teile die Speisegabe unter den Śiva-Verehrenden aus und esse auch selbst davon. Sich als Gestalt Śivas erkennend, möge er freudig seines Weges gehen. Damit endet die Beschreibung der täglichen Pūjā.
Die folgende Erläuterung beruft sich auf das Skandapurāṇa: Śivas Verehrende sollen seine verbliebenen Opfergaben tragen beziehungsweise die ihm dargebrachten Speisen annehmen. Entgegenstehende Verbote werden hier auf Personen bezogen, denen die rituelle Berechtigung fehlt. „Unrein“ bedeutet in dieser Argumentation „nicht berechtigt“, insbesondere „nicht eingeweiht“. Dies ist die kultische Einordnung der Quelle.
Vereinfachungen bei begrenzten Möglichkeiten
Wer die tägliche Pūjā nicht in diesem Umfang vollziehen kann, stehe morgens auf, erinnere sich an den Guru und verneige sich. Nach Reinigung und Bad verfahre er entsprechend seinen Möglichkeiten. Ist auch das ausführliche Ritualbad nicht möglich, genügen nach dem gewöhnlichen reinigenden Bad drei Begießungen des eigenen Hauptes mit der Kumbha-Mudrā.
Die drei Aschestriche werden nach der angegebenen Regel aufgetragen. Ist deren ausführliche Weihe nicht möglich, genügt Asche, die mit dem Mūlamantra besprochen wurde. Sandhyā, Tarpaṇa und Sonnen-Arghya werden wie beschrieben vollzogen. Beim vereinfachten Tarpaṇa wird die Gottheit 28-mal mit dem Mūlamantra erquickt. Beim vereinfachten Sonnen-Arghya genügt der Sonnenmantra allein.
Im Haus erfolgt die zuvor beschriebene Entfernung störender Wesen. Von den Türen wird nur die westliche nach der angegebenen Weise verehrt. Er trete ein und bereite seinen Sitz. Für dessen vereinfachte Verehrung genügt: „hrīṃ, Verehrung dem Lotossitz der tragenden Kraft.“
Nach dem Bereitstellen der Gaben folgt die Bhūtaśuddhi. In ihrer verkürzten Form wird die individuelle Seele im Herzen vergegenwärtigt und zum Brahmarandhra geführt. Die zuvor beschriebene Personifikation der Verfehlungen wird vorgestellt, mit „yaṃ“ ausgetrocknet, mit „raṃ“ verbrannt und mit „vaṃ“ rein gewaschen. Danach kehrt die Seele vom Brahmarandhra ins Herz zurück. Prāṇa-Pratiṣṭhā und Mātṛkā-Nyāsas folgen wie zuvor.
Wer nicht sämtliche Mātṛkā-Nyāsas ausführen kann, vollziehe den einfachen Mātṛkā-Nyāsa und den Śrīkaṇṭha-Nyāsa. Ist auch dies nicht möglich, genügt der Mātṛkā-Nyāsa allein. Danach folgen Prāṇāyāma, Yoga-Pīṭha-Nyāsa, die Nyāsas des Mūlamantras, Meditation, Bereitstellung des Arghya und die weiteren Handlungen wie zuvor.
Können die einzelnen Gefäße für Fußwaschwasser und die übrigen Gaben nicht aufgestellt werden, genügen ein Arghya-Gefäß und ein Gefäß mit Besprengungswasser. Aus letzterem werden Fußwaschwasser und die weiteren Wassergaben vergegenwärtigt. Noch kürzere Formen sind aus den Lehrtexten und mündlich vom Guru zu erfahren.
Die Quelle beschränkt diese Vereinfachungen ausdrücklich auf Personen, denen die ausführliche Form nicht möglich ist. Wer dazu imstande wäre und sie allein aus Trägheit unterlässt, begeht nach ihrer Auffassung einen rituellen Fehler.
Kenntnis des Mantras, des Yantras und der Gottheit
Das Uttaratantra lehrt:
20.UT.1: Wer, ohne das Wesen der Mantras und Yantras und insbesondere das Wesen der Gottheiten zu kennen, unverständig verehrt, erlangt dadurch keine Vollendung.
20.UT.2: Die Gesamtheit der Laute eines Mantras beziehungsweise einer Vidyā wird nach Vokalen und Konsonanten getrennt. Ebenso werden die sechs Arten der Strahlen, beginnend mit den erdhaften, jeweils gesondert erfasst …
20.UT.3: … und aufgeschrieben. Man bilde die Summe der erdhaften, der wässrigen, der feurigen, der luftartigen und der raumhaften Strahlen …
20.UT.4: … sowie der geistigen Strahlen. So werden sechs Gruppen zusammengestellt und notiert. Welche dieser sechs Arten überwiegt, bestimmt den Charakter des betreffenden Mantras.
Erläuternde Prosa: Sämtliche Laute des Mantras werden einzeln, unterschieden nach Vokalen und Konsonanten, aufgeschrieben. Von den vier zuvor im Abschnitt über die Kraft des Mantras genannten Strahlenordnungen wird eine herangezogen. Die sechs Strahlenarten werden einzeln verzeichnet und addiert: so viele erdhafte, so viele wässrige, feurige, luftartige, raumhafte und geistige Strahlen. Die vorherrschende Gruppe zeigt das Wesen von Mantra, Yantra und Gottheit an. Dies ist die im Kālī-Mata erläuterte Strahlenlehre; ihre Unterscheidungen werden weiter ausgeführt.
Zum Begriff „Strahlen“: Raśmi bezeichnet hier Bestandteile einer traditionellen Zuordnung von Lauten, Elementen und geistigen Kräften. Die folgenden Zahlen gehören zu diesem symbolischen Klassifikationssystem.
Die sechs Strahlenarten im Mātṛkārṇava
Für das Kādi-Mata wird der Mātṛkārṇava zitiert. Die Verszählung beginnt neu; die Kennzeichnung „MR“ unterscheidet dieses Zitat von den anderen Versreihen.
20.MR.1: Die aus dem nach oben gerichteten Antlitz hervorgegangenen Mantras heißen Ūrdhvāmnāya. Die aus dem östlichen Antlitz hervorgegangenen heißen Pūrvāmnāya.
20.MR.2: Die aus dem südlichen Antlitz hervorgegangenen heißen Dakṣiṇāmnāya, diejenigen aus dem westlichen Antlitz Paścimāmnāya.
20.MR.3: Die aus dem nördlichen Antlitz hervorgegangenen heißen Uttarāmnāya. Die aus dem oberen Antlitz hervorgegangenen werden Ūrdhvāmnāya genannt. Die Wiederholung der oberen Überlieferung steht so in der Quelle.
20.MR.4: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum sind hier der Reihe nach als die fünf Elemente zu verstehen.
20.MR.5: Geistige Strahlen sind in der gesamten Elementenwelt vorhanden. Ich erläutere nun die sechs Arten der Strahlengruppen in der Ordnung des Ūrdhvāmnāya.
20.MR.6: Bei den zehn Raumlauten gibt es Strahlen der erdhaften und der weiteren Arten. Für die erdhaften Strahlen gelten der Reihe nach die Zahlen 1 bis 10.
20.MR.7: Für die Wasserstrahlen gelten die Zahlen 71 bis 80. Von 111 bis 120 …
20.MR.8: … reichen die Feuerstrahlen. Von 151 bis 160 werden die Luftstrahlen angegeben.
20.MR.9: Die Raumstrahlen werden von 241 bis 250 angegeben.
20.MR.10: Für jeden Laut gibt es jeweils 32 geistige Strahlen. Höre nun die Strahlenordnung der zehn Luftlaute.
20.MR.11: Ihre Erdstrahlen liegen von 11 bis 20, ihre Wasserstrahlen von 61 bis 70. „Rudra“ steht im ersten Ausdruck als Zahlwort für elf.
20.MR.12: Von 101 bis 110 reichen die Feuerstrahlen. Von 191 bis 200 …
20.MR.13: … sind die Luftstrahlen zu verstehen. Von 231 bis 240 reichen die Raumstrahlen.
20.MR.14: Die geistigen Strahlen sind wie zuvor 32. Bei den zehn Feuerlauten werden ebenfalls Erdstrahlen und die übrigen Arten unterschieden.
20.MR.15: Von 21 bis 30 reichen die Erdstrahlen, von 51 bis 60 die Wasserstrahlen.
20.MR.16: Von 141 bis 150 reichen die Feuerstrahlen. Beginnend mit 181 …
20.MR.17: … bis 190 werden die Luftstrahlen angegeben. Von 221 bis 230 …
20.MR.18: … reichen die Raumstrahlen; die geistigen Strahlen sind wie zuvor. Nun folgt die Strahlenordnung der zehn Wasserlaute.
20.MR.19: Von 31 bis 40 reichen die Erdstrahlen, von 91 bis 100 die Wasserstrahlen.
20.MR.20: Von 131 bis 140 reichen die Feuerstrahlen. Beginnend mit 171 …
20.MR.21: … bis 180 werden die Luftstrahlen angegeben. Von 211 bis 220 …
20.MR.22: … reichen die Raumstrahlen; die geistigen Strahlen sind wie zuvor. Nun erläutere ich die Strahlenordnung der zehn Erdlaute.
20.MR.23: Für die Erdlaute reichen die Zahlen der Erdstrahlen von 41 bis 50. Von 81 …
20.MR.24: … bis 90 reichen die Wasserstrahlen, von 121 bis 130 die Feuerstrahlen.
20.MR.25: Von 161 bis 170 reichen die Luftstrahlen. Von 201 …
Unnummerierter Abschluss des Verszitats: … bis 210 reichen die Raumstrahlen. Die übrigen entsprechen den vorherigen Angaben.
Erläuterung: Mit den „übrigen“ sind die geistigen Strahlen gemeint: Wie zuvor sind jedem Laut 32 zugeordnet.
Die Elementenfolge der fünf Überlieferungsrichtungen
Das Jayadrathayāmala erklärt:
20.JY.1: Im Ūrdhvāmnāya lautet die Folge der Strahlen: Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde. Im Pūrvāmnāya: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum.
20.JY.2: Im Dakṣiṇāmnāya ist die Folge: Luft, Feuer, Wasser, Erde, Raum. Im Paścimāmnāya: Wasser, Erde, Raum, Luft, Feuer.
Unnummerierter Abschluss: Für den Uttarāmnāya wird die Folge Feuer, Wasser, Erde, Raum, Luft angegeben.
Strahlenzahlen an den Cakras
Wieder wird der Mātṛkārṇava zitiert; diese neue Versreihe wird als „MC“ gekennzeichnet.
20.MC.1: Im Ādhāra sind dem Laut la 56 Erdstrahlen zugeordnet. Im Svādhiṣṭhāna sind es 62 Feuerstrahlen des „vorletzten“ Lautes.
20.MC.2: Im Maṇipūra sind dem auf la folgenden Laut 52 Nektar- beziehungsweise Wasserstrahlen zugeordnet. Im Anāhata besitzt ya 54 Luftstrahlen.
20.MC.3: Im Viśuddha besitzt ha 72 Raumstrahlen. In der Ājñā sind dem auf dha folgenden Laut 64 geistige Strahlen zugeordnet.
Unnummerierter Nachsatz: Am Ort des Visarga besitzt der Visarga geistige Strahlen in der Zahl „Kalā-Śataka“. Die knappe Zahlenbezeichnung bleibt hier unaufgelöst.
Zu den verhüllten Lautnamen: Die Ausdrücke „vorletzter Laut“, „auf la folgend“ und „auf dha folgend“ gehören zur kodierten Bezeichnung von Mantralauten. Sie werden zunächst wörtlich wiedergegeben; ihre Auflösung wird nicht stillschweigend vorausgesetzt.
Einzelzuordnung der Strahlenzahlen
Die folgende Prosa erläutert den Ūrdhvāmnāya, der aus Īśānas raumhaftem Antlitz hervorgeht. Die sechs Arten von Strahlen dienen dazu, das Wesen von Gottheit, Mantra und Yantra zu bestimmen. Jede Tabellenzeile entspricht einem Laut; die Zahlen geben seine jeweilige Zuordnung an. Die geistigen Strahlen betragen bei jedem Laut 32.
Die zehn Raumlaute
| Laut | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ḷ | 1 | 71 | 111 | 151 | 241 | 32 |
| ḹ | 2 | 72 | 112 | 152 | 242 | 32 |
| aṃ | 3 | 73 | 113 | 153 | 243 | 32 |
| ṅa | 4 | 74 | 114 | 154 | 244 | 32 |
| ña | 5 | 75 | 115 | 155 | 245 | 32 |
| ṇa | 6 | 76 | 116 | 156 | 246 | 32 |
| na | 7 | 77 | 117 | 157 | 247 | 32 |
| ma | 8 | 78 | 118 | 158 | 248 | 32 |
| śa | 9 | 79 | 119 | 159 | 249 | 32 |
| ha | 10 | 80 | 120 | 160 | 250 | 32 |
Die zehn Luftlaute
| Laut | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| a | 11 | 61 | 101 | 191 | 231 | 32 |
| ā | 12 | 62 | 102 | 192 | 232 | 32 |
| e | 13 | 63 | 103 | 193 | 233 | 32 |
| ka | 14 | 64 | 104 | 194 | 234 | 32 |
| ca | 15 | 65 | 105 | 195 | 235 | 32 |
| ṭa | 16 | 66 | 106 | 196 | 236 | 32 |
| ta | 17 | 67 | 107 | 197 | 237 | 32 |
| pa | 18 | 68 | 108 | 198 | 238 | 32 |
| ya | 19 | 69 | 109 | 199 | 239 | 32 |
| ṣa | 20 | 70 | 110 | 200 | 240 | 32 |
Die zehn Feuerlaute
| Laut | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| i | 21 | 51 | 141 | 181 | 221 | 32 |
| ī | 22 | 52 | 142 | 182 | 222 | 32 |
| ai | 23 | 53 | 143 | 183 | 223 | 32 |
| kha | 24 | 54 | 144 | 184 | 224 | 32 |
| cha | 25 | 55 | 145 | 185 | 225 | 32 |
| ṭha | 26 | 56 | 146 | 186 | 226 | 32 |
| tha | 27 | 57 | 147 | 187 | 227 | 32 |
| pha | 28 | 58 | 148 | 188 | 228 | 32 |
| ra | 29 | 59 | 149 | 189 | 229 | 32 |
| kṣa | 30 | 60 | 150 | 190 | 230 | 32 |
Es folgen die zehn Wasserlaute ṛ, ṝ, o, gha, jha, ḍha, dha, bha, va und sa. Ihre einzelnen Zahlen werden im unmittelbaren Textanschluss aufgeführt.
Die zehn Wasserlaute: Fortsetzung der oberen Überlieferung
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ṛ | 31 | 91 | 131 | 171 | 211 | 32 |
| ṝ | 32 | 92 | 132 | 172 | 212 | 32 |
| o | 33 | 93 | 133 | 173 | 213 | 32 |
| gha | 34 | 94 | 134 | 174 | 214 | 32 |
| jha | 35 | 95 | 135 | 175 | 215 | 32 |
| ḍha | 36 | 96 | 136 | 176 | 216 | 32 |
| dha | 37 | 97 | 137 | 177 | 217 | 32 |
| bha | 38 | 98 | 138 | 178 | 218 | 32 |
| va | 39 | 99 | 139 | 179 | 219 | 32 |
| sa | 40 | 100 | 140 | 180 | 220 | 32 |
Die zehn Erdlaute
Die gedruckte Lautfolge lautet u, ū, au, ga, ja, ḍa, da, ba, la, ḷa. Der letzte Konsonant ist im Druck als retroflexes ḷa wiedergegeben.
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| u | 41 | 91 | 121 | 161 | 201 | 32 |
| ū | 42 | 92 | 122 | 162 | 202 | 32 |
| au | 43 | 93 | 123 | 163 | 203 | 32 |
| ga | 44 | 94 | 124 | 164 | 204 | 32 |
| ja | 45 | 95 | 125 | 165 | 205 | 32 |
| ḍa | 46 | 96 | 126 | 166 | 206 | 32 |
| da | 47 | 97 | 127 | 167 | 207 | 32 |
| ba | 48 | 98 | 128 | 168 | 208 | 32 |
| la | 49 | 99 | 129 | 169 | 209 | 32 |
| ḷa | 50 | 100 | 130 | 170 | 210 | 32 |
Abweichung innerhalb der Quelle: Die Prosatabelle nennt für die Wasserstrahlen der Erdlaute 91–100; Vers 20.MR.23–24 nennt dagegen 81–90. Die Prosawerte werden hier unverändert dokumentiert. Damit endet die Strahlenordnung des Ūrdhvāmnāya.
Strahlenordnung des Pūrvāmnāya
Die Quelle führt nun die östliche Überlieferung auf. Die Zeilen bezeichnen jeweils den ersten bis zehnten Laut der genannten Gruppe; die Zahlenfolge wird vollständig wiedergegeben. Für die geistigen Strahlen gilt weiterhin die zuvor angegebene Zahl 32.
Erdlaute
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 241 | 151 | 111 | 71 | 1 | 32 |
| 2 | 242 | 152 | 112 | 72 | 2 | 32 |
| 3 | 243 | 153 | 113 | 73 | 3 | 32 |
| 4 | 244 | 154 | 114 | 74 | 4 | 32 |
| 5 | 245 | 155 | 115 | 75 | 5 | 32 |
| 6 | 246 | 156 | 116 | 76 | 6 | 32 |
| 7 | 247 | 157 | 117 | 77 | 7 | 32 |
| 8 | 248 | 158 | 118 | 78 | 8 | 32 |
| 9 | 249 | 159 | 119 | 79 | 9 | 32 |
| 10 | 250 | 160 | 120 | 80 | 10 | 32 |
Wasserlaute
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 231 | 191 | 101 | 61 | 11 | 32 |
| 2 | 232 | 192 | 102 | 62 | 12 | 32 |
| 3 | 233 | 193 | 103 | 63 | 13 | 32 |
| 4 | 234 | 194 | 104 | 64 | 14 | 32 |
| 5 | 235 | 195 | 105 | 65 | 15 | 32 |
| 6 | 236 | 196 | 106 | 66 | 16 | 32 |
| 7 | 237 | 197 | 107 | 67 | 17 | 32 |
| 8 | 238 | 198 | 108 | 68 | 18 | 32 |
| 9 | 239 | 199 | 109 | 69 | 19 | 32 |
| 10 | 240 | 200 | 110 | 70 | 20 | 32 |
Feuerlaute
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 221 | 181 | 141 | 51 | 21 | 32 |
| 2 | 222 | 182 | 142 | 52 | 22 | 32 |
| 3 | 223 | 183 | 143 | 53 | 23 | 32 |
| 4 | 224 | 184 | 144 | 54 | 24 | 32 |
| 5 | 225 | 185 | 145 | 55 | 25 | 32 |
| 6 | 226 | 186 | 146 | 56 | 26 | 32 |
| 7 | 227 | 187 | 147 | 57 | 27 | 32 |
| 8 | 228 | 188 | 148 | 58 | 28 | 32 |
| 9 | 229 | 189 | 149 | 59 | 29 | 32 |
| 10 | 230 | 190 | 150 | 60 | 30 | 32 |
Luftlaute
| Laut beziehungsweise Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 221 | 171 | 131 | 91 | 31 | 32 |
| 2 | 222 | 172 | 132 | 92 | 32 | 32 |
| 3 | 223 | 173 | 133 | 93 | 33 | 32 |
| 4 | 224 | 174 | 134 | 94 | 34 | 32 |
| 5 | 225 | 175 | 135 | 95 | 35 | 32 |
| 6 | 226 | 176 | 136 | 96 | 36 | 32 |
| 7 | 227 | 177 | 137 | 97 | 37 | 32 |
| 8 | 228 | 178 | 138 | 98 | 38 | 32 |
| 9 | 229 | 179 | 139 | 99 | 39 | 32 |
| 10 | 230 | 180 | 140 | 100 | 40 | 32 |
Druckbefund: Auch bei den Luftlauten steht für die Erdstrahlen 221–230, wie bereits bei den Feuerlauten. Diese Wiederholung wird nicht stillschweigend in 211–220 geändert.
Für die Raumlaute beginnt die nächste Reihe: Erdstrahlen 201–210, Wasserstrahlen 161–170, Feuerstrahlen zunächst 121–128. Die Zahlenreihe läuft auf der folgenden Druckseite weiter.
Die Feuerstrahlen der Raumlaute im Pūrvāmnāya setzen sich mit 129 und 130 fort. Die vollständige Zuordnung lautet:
| Reihenstelle | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum | Geist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 201 | 161 | 121 | 81 | 41 | 32 |
| 2 | 202 | 162 | 122 | 82 | 42 | 32 |
| 3 | 203 | 163 | 123 | 83 | 43 | 32 |
| 4 | 204 | 164 | 124 | 84 | 44 | 32 |
| 5 | 205 | 165 | 125 | 85 | 45 | 32 |
| 6 | 206 | 166 | 126 | 86 | 46 | 32 |
| 7 | 207 | 167 | 127 | 87 | 47 | 32 |
| 8 | 208 | 168 | 128 | 88 | 48 | 32 |
| 9 | 209 | 169 | 129 | 89 | 49 | 32 |
| 10 | 210 | 170 | 130 | 90 | 50 | 32 |
Übertragung auf die südliche, westliche und nördliche Überlieferung
Für den Dakṣiṇāmnāya gilt die Reihenfolge Luft, Feuer, Wasser, Erde, Raum. Die Erläuterung überträgt die zuvor genannten Werte folgendermaßen:
| Zahlengruppe des Pūrvāmnāya | Entsprechende Lautgruppe im Dakṣiṇāmnāya |
|---|---|
| Erdlaute | Luftlaute |
| Wasserlaute | Feuerlaute |
| Feuerlaute | Wasserlaute |
| Luftlaute | Erdlaute |
| Raumlaute | Raumlaute |
Für die westliche Überlieferung gilt entsprechend die Reihenfolge Wasser, Erde, Raum, Luft, Feuer; für die nördliche Feuer, Wasser, Erde, Raum, Luft. Aus dieser Regel sind ihre Strahlenordnungen abzuleiten. Die Quelle schreibt die einzelnen Zahlen hier nicht noch einmal aus.
Besondere Strahlenzahlen in den Cakras
Bei bestimmten Lauten treten in allen fünf Überlieferungsrichtungen zusätzliche beziehungsweise über die reguläre Reihe hinausgehende Strahlenzahlen auf. Die Prosa erläutert die Angaben des Mātṛkārṇava:
| Ort | Blütenblätter | Laut in der Mitte | Strahlenart | Zahl |
|---|---|---|---|---|
| Mūlādhāra | 4 | la | Erde | 56 |
| Svādhiṣṭhāna | 6 | va | Wasser | 52 |
| Maṇipūra | 10 | ra | Feuer | 62 |
| Anāhata | 12 | ya | Luft | 54 |
| Viśuddha | 16 | ha | Raum | 72 |
| Ājñā | 2 | ṭha | Geist | 64 |
| Brahmarandhra, oberhalb der Mitte des tausendblättrigen Lotos, am Visarga-Ort | 1000 | ṭhaḥ | Geist | 1600 |
Abgleich mit den Versen: Die Prosaauslegung ordnet Svādhiṣṭhāna Wasser und die Zahl 52, Maṇipūra Feuer und die Zahl 62 zu. Das zuvor zitierte Verspaar 20.MC.1–2 nennt diese beiden Zuordnungen in umgekehrter Verbindung mit den Cakras. Beide Fassungen bleiben dokumentiert. Die Prosa löst außerdem die vorangegangene Zahlenbezeichnung am Visarga-Ort ausdrücklich als 1600 auf. Die ungewöhnlichen Lautlesungen ṭha und ṭhaḥ werden nach dem Druck beibehalten.
Farben der sechzehn Nityās im Tantrarāja
Das Śrītantrarāja lehrt; diese Versreihe erhält die Kennzeichnung „TR“:
20.TR.1: Nun beschreibe ich dir die verschiedenen Meditationen über die sechzehn Nityās. Höre, Verständiger: Sie gleichen göttlichen Wunschbäumen, die das Erstrebte gewähren.
20.TR.2: Bei allen Anwendungen werden sie jeweils mit ihren gekennzeichneten Gliedern und ihren Kräften betrachtet, in der entsprechenden Folge äußerlich und innerlich. Die knappe Wendung zur Kennzeichnung der Glieder bleibt im gedruckten Satz elliptisch.
20.TR.3: Für Wohlergehen, Ruhm, Sieg sowie die erhoffte Macht, andere zu beeinflussen oder anzuziehen, werden sämtliche Göttinnen mit roten Gestalten und rotem Schmuck meditiert.
20.TR.4: Für die drei Lebensziele und für Befriedung gleichen sie Perlen, Mond und Kampfer. Bei den im Text genannten Riten des Entzweiens, Vertreibens, Tötens und Niederhaltens werden sie schwarz vorgestellt.
20.TR.5: Die Kräfte erhalten ihre Farben und Gestalten aus den Elementen, beginnend mit der Erde, und aus den Guṇas, beginnend mit Sattva, die jeweils miteinander verbunden werden und sie durchdringen.
Historischer Zusammenhang: Die auf Einflussnahme und Schädigung gerichteten Zwecke sind Kategorien der Ritualquelle. Ihre Übersetzung dokumentiert diese Lehre; sie empfiehlt solche Handlungen nicht.
Die zwölf Verbindungen der Guṇas
Die zehn Erdlaute werden mit folgenden zwölf Guṇa-Zuordnungen verbunden:
- Sattva; Rajas; Tamas.
- Sattva–Sattva; Rajas–Rajas; Tamas–Tamas.
- Sattva–Rajas; Rajas–Sattva.
- Sattva–Tamas; Tamas–Sattva.
- Rajas–Tamas; Tamas–Rajas.
So ergeben sich zwölf Formen jedes der zehn Erdlaute, insgesamt 120. Ebenso werden jeweils 120 Formen der Wasser-, Feuer-, Luft- und Raumlaute angegeben; mit den geistigen Zuordnungen ist entsprechend zu verfahren.
Weitere Gestalten der Kräfte
Die anschließend erneut beginnende Verszählung wird mit „TF“ gekennzeichnet:
20.TF.1: Für die zuvor genannten Zwecke des Entzweiens und dergleichen werden sämtliche Göttinnen rauchfarben betrachtet. Überall sind sie von Kräften umgeben, die ihnen an Gestalt und Farbe gleichen.
20.TF.2: Ihre Gestalten sind unzählbar. Wer könnte alle ihre Meditationen vollständig darlegen? Wer könnte sie in ihrer Gesamtheit anhören? Deshalb nenne ich dir nur einen Teil.
20.TF.3: Die erdhaften Gestalten sind gelb und werden mit dem Hemmen beziehungsweise Stillstellen verbunden. Die wässrigen Gestalten besitzen Sattva und werden sämtlich als weiß beschrieben.
20.TF.4: Diese [wässrigen] Gestalten verleihen Erkenntnis, Schönheit, Wohlergehen, Ruhm, Glück und Befreiung. Die feurigen Gestalten besitzen Rajas und sind sämtlich rot.
20.TF.5: Sie werden mit Beeinflussung und Anziehung, Befriedung, Wohlergehen, Glück und Sieg verbunden. Die luftartigen Gestalten sind rauchfarben und werden den Riten des Entzweiens und ähnlichen Zwecken zugeordnet.
20.TF.6: Die raumhaften Gestalten sind dunkelblau; der Text nennt sie für Tötungs- und Vertreibungsriten. Höre nun, Pārvatī, die Bestimmungen ihrer Gesichter, Arme und weiteren Merkmale.
20.TF.7: Manche haben ein Gesicht, vier oder neun; andere sechzehn oder fünfundzwanzig. Der gedruckte Ausdruck nach „fünfundzwanzig“ ist grammatisch auffällig und erlaubt keine sichere weitere Zählung.
20.TF.8: Einige haben 36, andere 49 Gesichter, ebenso 64, 81 oder 100. Die letzte Zahlenverbindung ist im Druck zusammengeschrieben; hier wird sie entsprechend der vorangehenden Folge von Quadratzahlen getrennt gelesen.
20.TF.9: Wozu viele Worte? Die Zahl der Gesichter und Arme richtet sich nach der Vorstellung des Übenden. Dennoch wurde einiges angegeben: Auf jedes Gesicht kommen zwei Arme.
20.TF.10: Weil sie über Namen und Gestalt hinausgeht, besitzt sie unendliche Gestalten. Die verschiedenen Formen bestehen nicht unabhängig; entsprechend dem Wunsch der Verehrenden können sie erscheinen.
20.TF.11: In der Mutter Lalitā sind die übrigen fünfzehn als ihre Glieder gegenwärtig. Weil Lalitā das Ganze ist, das diese Glieder trägt, sind ihre eigenen Gestalten zugleich Gestalten ihres Selbst.
20.TF.12: Deshalb haben sie alle jeweils weitere Dienerinnen, ausgestattet mit den entsprechenden Farben, Waffen, Gestalten und Reittieren …
20.TF.13: … und sind von ihren jeweiligen Scharen gleichartiger Kräfte umgeben. Damit sind ihre verschiedenen grobstofflich vorgestellten Meditationsgestalten beschrieben, Maheśvarī.
Feine und höchste Meditation
20.TF.14: Ebenso beschreibe ich dir ihre feinen Gestalten, Makellose, durch die nach dieser Lehre alle Übenden das Erstrebte augenblicklich erreichen können.
20.TF.15: In den zuvor genannten tragenden Lotoszentren vergegenwärtige man ihre rote, mit dem eigenen Selbst geeinte Gestalt als Fülle von Licht und betrachte dort auch die Vollendung.
20.TF.16: Dadurch werde alles Erstrebte mühelos erlangt, allein durch innere Vergegenwärtigung, ohne äußere Pūjā, Tarpaṇa, Homa und die übrigen Handlungen.
20.TF.17: Die höchste Meditation wird als Gewahrsein des ungeteilten Selbst beschrieben, einer Lampe an einem windstillen Ort gleich. Der letzte Ausdruck zur Beziehung des Selbst auf sich selbst ist in der Druckfassung sprachlich unsicher; er wird nicht zu einer zusätzlichen Atemanweisung erweitert.
20.TF.18: Mit der groben, bildhaften Form werden nach der genannten Ordnung die einzelnen erstrebten Wirkungen verfolgt, günstige wie ungünstige, o Herrin der Götter, durch die auf solche Ziele gerichteten Übenden.
20.TF.19: Ein Siddha verwirklicht nach der Lehre durch Meditation über die feine Form alles Erstrebte. Die höchste Form aber ist zur Vollendung der spirituellen Übung selbst zu verwirklichen.
20.TF.20: [Die Göttin bittet:] „Sage, Gott Maheśāna, welche verschiedenen Ergebnisse und Wirkungen durch die Meditation über die grobe und die feine Form entstehen.“
20.TF.21: [Antwort:] „Höre, Maheśānī, ich beschreibe dir nun der Reihe nach auch sämtliche Waffen an ihren jeweiligen Händen und Gliedern.“
Hände, Attribute und Ausdruck
20.TF.22: Bei zwei Armen zeigen linke und rechte Hand Gabenverleihung und Furchtlosigkeit. Bei vier Armen kommen Schlinge und Treibstachel hinzu, bei sechs Bogen und Pfeile.
20.TF.23: Bei acht Armen kommen Schild und Schwert hinzu, bei zehn Keule und Dreizack. Form und Zahl der Gesichter, Hände und Waffen können sich nach der jeweiligen Vorstellung richten.
20.TF.24: In welcher Gestalt der Übende die Göttinnen bei der jeweiligen Handlung vergegenwärtigt, in dieser erscheinen sie vor ihm und beschützen ihn fürsorglich.
20.TF.25: Bei glückverheißenden Handlungen sind Gesicht und Augen lächelnd. Bei grausamen Handlungen sind sie mit furchterregenden Hauern versehen, mit schrecklichem Blick und Antlitz.
20.TF.26: Bei glückverheißenden Handlungen werden sie sitzend dargestellt; bei den anderen Anwendungen stehend oder auf ihren Reittieren.
20.TF.27: Sie tragen Halsketten, Halsschmuck, Perlen und andere Schmuckstücke, Ringe und Fußreifen. Alle sind mit Schmuckgebinden aus den neun Edelsteinarten geschmückt …
20.TF.28: … sowie mit Armreifen, Oberarmspangen und edelsteinbesetzten Fingerringen. Alle strahlen in göttlichen Gewändern.
20.TF.29: So wurde ihre allgemeine Meditationsgestalt beschrieben, Maheśvarī. Höre nun die besonderen Formen, die den jeweiligen Ritualzwecken zugeordnet werden.
20.TF.30: Bei Schutzriten werden sie auf Elefanten, Pferden oder Wagen, in Himmelsgefährten, auf Löwen, Tigern oder Garuḍa vorgestellt …
20.TF.31: … für Sieg im Kampf, zum Schutz von Herrscher und Land sowie auf schwer passierbaren Waldwegen mit Piśāca-Wesen, Räubern, Raubtieren und anderen Gefahren.
Historische Vorstellungen von Schutz und Krieg
Die folgenden Verse führen die vormoderne Rituallehre mit Bildern von Vertreibung, Schädigung und Krieg fort. Ihre Wirkungszusagen werden als Aussagen der Quelle übersetzt.
20.TF.32: Man betrachte alle diese Gottheiten, von sämtlichen Kräften umgeben, einzeln oder gemeinsam. Dadurch, so die Verheißung, werde man gewiss glücklich.
20.TF.33: Bei Vertreibungsriten werden sie furchtbar und äußerst wild vorgestellt, auf Ṛkṣa- und Bhallūka-Bären, Affen, Eseln und Büffeln reitend. Die beiden Bärenbezeichnungen stehen nebeneinander im Text.
20.TF.34: Bei Entzweiungsriten erscheinen sie auf Kanka-Vögeln, Falken, Reihern, Kranichen, Krähen und Eulen, mit schrecklichen Waffen ausgestattet.
20.TF.35: Bei den verschiedenen schädigenden Kleinriten werden sie auf Nashörnern, Schakalen, Wildrindern, Stachelschweinen, Hirschen und Pferden betrachtet. Der gedruckte Tiername „śalyalī“ ist ungewöhnlich; die Wiedergabe als Stachelschwein bleibt vorläufig.
20.TF.36: Bei Tötungsriten werden sie auf Piśāca- und Vetāla-Wesen vorgestellt. So wurden die verschiedenen erhofften Wirkungen nach den unterschiedlichen Reittieren erläutert.
20.TF.37: Sie alle können auf Garuḍa erscheinen, mit Feuer und Wind an ihren beiden Armen, mit zwei Augen, einem Gesicht, Hauern und furchterregender Gestalt.
20.TF.38: An der Spitze des Kampfes werden sie vorgestellt, wie sie die gegnerischen Scharen verbrennen, ringsum von gleichgestaltigen Kräften mit furchtbarem Geschrei umgeben. Hier wird die in der Druckfußnote angegebene Lesart mit „vairi“ (Gegner) herangezogen.
20.TF.39: Der Text verspricht schnellen Sieg und die Auflösung der gegnerischen Streitmacht: durch Flucht, Gefangennahme oder Unterwerfung zu den Füßen des Siegers.
20.TF.40: Werden sie mit vier Gesichtern und acht Armen vorgestellt, wie sie ein großes Heer ergreifen, soll nach der genannten Weise Sieg im Kampf erlangt werden.
20.TF.41: Oder sie werden als furchtbare Gestalten mit neun Gesichtern und doppelt so vielen Armen betrachtet, in den linken Händen zahlreiche Bogen, in den anderen Pfeile …
20.TF.42: … während das gesamte gegnerische Heer als von Pfeilen verwundet und blutend vorgestellt wird. Der Text verbindet damit die genannte Siegesverheißung.
20.TF.43: Oder sie tragen in neun Händen Schilde und in den übrigen Schwerter und zerschlagen mit diesen die viergliedrige feindliche Streitmacht …
20.TF.44: … im furchtbaren, schwer zu bestehenden Kampf, erfüllt vom Getöse der Fußsoldaten, Pferde, Elefanten und Wagen sowie dem Lärm der Instrumente …
20.TF.45: … wodurch nach der zuvor genannten Weise rascher, müheloser Erfolg verheißen wird. Eine weitere Gestalt hält in den neun linken Händen Keulen und in den anderen …
20.TF.46: … furchtbare Krallenwaffen. Wer sie im Kampf so vergegenwärtigt und das viergliedrige Heer als von ihnen zerschlagen betrachtet, soll Sieg erlangen.
20.TF.47: Ebenso werden sie vorgestellt, wie sie mit großen Äxten die gegnerische Streitmacht niederwerfen. Dem Krieger wird nach dieser Weise Sieg auf dem Schlachtfeld zugesprochen.
20.TF.48: Auch mit Schilden und zahlreichen Schlagkeulen werden sie betrachtet, wie sie das Heer überwältigen. Damit wird Sieg im haarsträubenden Kampf verbunden.
20.TF.49: Oder sie halten Schlaf und Dunkelheit in den Händen und verwirren die gegnerische Streitmacht. Dem Herrscher wird dadurch sicherer Sieg verheißen.
20.TF.50: Oder sie halten Piśāca-Wesen und Schlangen und bedrängen damit das Heer. Wer sie so erinnert, soll wie Indra im Kampf siegen.
20.TF.51: Oder sie überwältigen die Streitmacht mit Schlingen und Scherenwaffen. Ihre Vergegenwärtigung soll dem Herrscher nach der genannten Weise sicheren Sieg bringen.
20.TF.52: Oder sie zerreißen das Heer augenblicklich mit Treibstacheln und Sägen. Auch dieser Betrachtung schreibt die Quelle sicheren Sieg im furchtbaren Kampf zu.
20.TF.53: Oder sie schlagen mit Pflügen und Stampfkeulen auf die gegnerische Streitmacht ein. Der Macht dieser Meditation wird ein entscheidender Sieg zugeschrieben.
20.TF.54: Ebenso werden sie mit sechzehn Gesichtern und 32 Armen vorgestellt, wie sie das feindliche Heer überwältigen. Dazu wird der Mantra wiederholt.
20.TF.55: Oder sie haben 25 Gesichter und 50 Arme und überwältigen die Streitmacht mit den elf genannten Arten von Waffen …
20.TF.56: … deren Betrachtung dem Herrscher stets Sieg verheißen soll. Mit entsprechender innerer Vergegenwärtigung soll er sie auch zu Hause verehren.
20.TF.57: Die Göttinnen werden auch mit 36 Gesichtern und 72 Händen betrachtet, ausgestattet mit denselben elf Arten furchtbarer Waffen.
20.TF.58: Oder mit 49 Gesichtern und doppelt so vielen Händen. Indem sie im Kampf gegen die Gegner vergegenwärtigt werden, wird wiederum Sieg verheißen.
20.TF.59: Die Göttinnen werden mit 64 Gesichtern und doppelt so vielen Händen vorgestellt, wie sie im Kampf zuschlagen. Damit verbindet der Text sicheren Sieg.
20.TF.60: Ebenso werden sie mit 81 Gesichtern und doppelt so vielen Armen betrachtet, ausgestattet mit den genannten Waffen; auch dies soll Sieg im Kampf bringen.
20.TF.61: Oder alle sechzehn Göttinnen erscheinen mit hundert Gesichtern und zweihundert Händen, mit denselben Waffen. Ihrer Vergegenwärtigung wird wiederum Sieg zugeschrieben.
20.TF.62: Auf diese Weise können sie je nach der gewünschten Vorstellung mit vielen Gesichtern und Händen erscheinen, die zahlreiche Waffen in unterschiedlichen Anordnungen tragen …
20.TF.63: … in unzähligen Formen, die dem Übenden die Erfüllung seiner Wünsche gewähren sollen. Wer sie in heftigem Kampf und anderen Bedrängnissen so betrachtet …
20.TF.64: … soll rasch die Not überwinden, sei er Mensch, Gott, Rākṣasa, Yakṣa, Kinnara oder Schlangenwesen …
20.TF.65: … Piśāca, Guhyaka, Siddha oder Dānava. Wer sich stets an sie erinnert, soll nach der Verheißung niemals unterliegen.
20.TF.66: Bei Gefahr durch Räuber im Wald, auf schwer begehbaren Gebirgspfaden, in Bedrängnis durch Feinde und bei Furcht vor königlicher Gewalt … Die Wortverbindung unmittelbar vor „Feinden“ ist im Druck unsicher und wird nicht näher ausgedeutet.
20.TF.67: … bei der Bedrängnis durch schädigende Riten, Bhūtas, Apasmāra und Rākṣasas, durch Piśācas, Scharen von Ḍākinīs und Brahmarākṣasas …
20.TF.68: … und bei anderen ausgedehnten und schweren Nöten soll die Erinnerung an sie durch die Macht der Meditation alle Gefahren überwinden. Apasmāra wird hier innerhalb der historischen Verbindung von Krankheit und dämonischer Bedrängnis genannt.
Freundliche Gestalten und weltliche Verheißungen
20.TF.69: Sie erscheinen auch mit einem Gesicht, zwei Augen und zwei Armen, die das Gewünschte tragen. Mit Sandalen an den Füßen kommen sie herbei, mit allem Schmuck geschmückt …
20.TF.70: … ringsum von gleichgestaltigen Kräften begleitet, die singen und tanzen und Waldblumenkränze tragen.
20.TF.71: Die Meditation über alle sechzehn soll alles Erstrebte gewähren. Die Quelle erklärt: „Durch die Meditation über sie ist in der Welt nichts unerreichbar, Maheśvarī.“
20.TF.72: Auf geschmückten Pferden reitend, von ihren Kräften umgeben, mit lächelnden Gesichtern und singend werden sie betrachtet. Damit wird die Beherrschung der Welt als Wirkung verheißen.
20.TF.73: Oder sie reiten in derselben Weise auf Elefanten, von ihren Kräften umgeben, inmitten einer Schar musizierender Frauen …
20.TF.74: … und gewähren nach der Verheißung beständiges, auch von Königen geachtetes Wohlergehen, verbunden mit vielerlei Genüssen und durch eigene Fülle weithin bekannt.
20.TF.75: Oder sie fahren auf Wagen, wiederum umgeben von ihren Kräften und begleitet von den musizierenden Scharen …
20.TF.76: … und verleihen Landbesitz; einem König wird das Gebiet seiner Gegner verheißen. Aus diesen drei Meditationsformen sollen Glück und unvergleichlicher Ruhm entstehen.
20.TF.77: In einem schönen, einsamen Bananenhain werden sie betrachtet, wie sie mit Sandalen an den Füßen und mit ihren Kräften herankommen …
20.TF.78: … während man dort für einen Ritualzyklus, einen Monat oder einen halben Monat die Vidyā wiederholt. Der Text verheißt darauf den Fund eines Schatzes und lebenslanges Wohlergehen im eigenen Haus. Die Zeitangabe „Maṇḍala“ wird hier ohne ergänzte Tageszahl wiedergegeben.
20.TF.79: Dieselbe Betrachtung in einem Arekahain soll mühelos einen Schatz gewähren; ebenso in Hainen von Campaka, Punnāga, Nameru und Bakula.
20.TF.80: In Gebirgslauben soll sie Vermögen bringen, von einem König, einem reichen Menschen oder einem anderen Geber, und langes Wohlergehen.
20.TF.81: An heiligen Orten der Meeresküste soll die fortwährende innere Vergegenwärtigung durch ihre Meditationskraft zahlreiche unschätzbare Edelsteine gewähren.
20.TF.82: In Baumgärten inmitten von Flüssen, die zum Meer fließen, wird derselben Betrachtung der Erwerb unermesslichen Goldes von vorzüglicher Beschaffenheit zugeschrieben.
20.TF.83: In einem einsamen Wald soll die Meditation die Begegnung mit glückverheißenden Frauen bewirken, reich an Schönheit, Jugend und gutem Wesen, in Liebe verbunden und ausschließlich zugewandt.
20.TF.84: An den genannten Orten soll die Betrachtung der auf Pferden reitenden Göttinnen den Herrscher in Denken, Sprechen und Handeln gefügig machen.
20.TF.85: Die Betrachtung ihrer auf Elefanten reitenden Gestalten wird mit der Beherrschung von Frauen, Männern, Königen und allgemein allen Lebewesen verbunden.
20.TF.86: Die Betrachtung der beschriebenen, auf Wagen fahrenden Göttinnen soll das Erstrebte gewähren und aus Fesseln und ähnlicher Gefangenschaft befreien.
Einordnung: Diese weltlichen Erfolgsversprechen und Vorstellungen der Beherrschung anderer gehören zur historischen Ritualquelle. Sie werden als solche dokumentiert, nicht als gesicherte Wirkungen oder als heutige Übungsziele ausgegeben.
20.TF.87: Die hundertgesichtigen Gestalten mit doppelt so vielen Armen und den gewünschten Waffen werden deutlich auf neun Tüchern dargestellt …
20.TF.88: … die in der Mitte und an den beiden Seiten von Wagen, Elefanten und Pferden angebracht und zunächst mit Vorhängen bedeckt werden.
20.TF.89: Gegenüber dem gegnerischen Heer werden diese Bilder sichtbar gemacht. Die mit Vajra-Zeichen versehenen Niḥsāna-, Bherī-, Paṇava- und Mardala-Trommeln …
20.TF.90: … werden geschlagen; Hörner, Muschelhörner und Kāhala-Blasinstrumente erklingen beim Vorrücken. Die Quelle verheißt, dass der Gegner darauf rasch geschlagen flieht.
20.TF.91: Sein Heer werde danach nicht mehr zum Gegenangriff antreten. „Damit habe ich dir die Meditationen vollständig beschrieben, Makellose.“
Rückkehr zur feinen Betrachtung
20.TF.92: Durch die feine Meditation entstehen die Ergebnisse für Siddhas und Übende. Höre daher die Beschreibung dessen, was alle erstrebten Ziele gewähren soll.
20.TF.93: Die Göttinnen werden innerlich als Lichtgestalten betrachtet, deren Leuchten den Staubfäden der Granatapfelblüte gleicht. In ihrer Mitte wird die dem eigenen Wunsch entsprechende Gestalt des zu Verwirklichenden vorgestellt …
20.TF.94: … wodurch nach dem Text sämtliche günstigen wie ungünstigen Ziele erreichbar sein sollen. Oder man betrachte in derselben Weise ihr Kommen und Gehen innerhalb der Suṣumṇā.
20.TF.95: Dadurch, so die Verheißung, erlangen Übender und Siddha durch die Kraft der Meditation alles persönlich Erstrebte. Für diese beiden wird rasche Verwirklichung zugesagt.
Erläuterung: Die Laute des Mūlamantras werden in Vokale und Konsonanten aufgeteilt und jeweils mit ihren zugehörigen Strahlengruppen in der entsprechenden Gestalt betrachtet. Ebenso ist mit den Mātṛkā-Lauten zu verfahren.
Unter den sechzehn Nityās gelten die fünfzehn übrigen als Glieder Lalitās. Untereinander werden diese fünfzehn wiederum als Glieder und als Ganze betrachtet. Ihre Mantralaute werden einzeln nach Vokalen und Konsonanten sowie nach der Zugehörigkeit zu Erde und den übrigen Elementen geordnet und mit den jeweiligen Strahlenbündeln vergegenwärtigt. Daraus werden die entsprechenden Ergebnisse abgeleitet. Damit endet die Strahlenordnung des Kādi-Mata.
Die Strahlenordnung des Kālī-Mata
Nun wird die Strahlenordnung des Kālī-Mata nach dem Uttaratantra beschrieben. Zur Unterscheidung vom früheren Zitat werden diese Verse als „UK“ bezeichnet.
20.UK.1: Die mit den Lauten verbundenen Strahlen eignen sich zur Darlegung der Mantras. Durch sie wird das Wesen von Gottheit, Mantra und Yantra erkannt.
20.UK.2: Durch Erkenntnis der Strahlenordnung wurde man zu Śiva — daran bestehe kein Zweifel. Für den Laut a werden 14 Erdstrahlen angegeben.
20.UK.3: Dazu kommen fünf Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen und 160 Luftstrahlen.
20.UK.4: Vier Raumstrahlen vervollständigen die Reihe. Dieselben Werte gelten für ā. Danach beginnt für i und ī die Folge 14, fünf und 166 …
20.UK.5: … sowie vier und vier, jeweils gesondert für i und ī. Für u und ū beginnt die Folge mit 170, fünf und zehn …
20.UK.6: … und endet jeweils mit vier und vier. Für ṛ und ṝ beginnt die Reihe mit 14 Erdstrahlen und danach 169 …
20.UK.7: … zehn, vier und vier, jeweils für ṛ und ṝ. Für ḷ und ḹ beginnt sie mit 14, fünf, zehn und vier …
20.UK.8: … und endet jeweils mit 160. Für e gelten dieselben Strahlenzahlen wie für a.
20.UK.9: Für ai gelten dieselben Werte wie für i; für o dieselben wie für u; für au dieselben wie für ṛ.
20.UK.10: Für aṃ gelten dieselben Strahlenzahlen wie für ḷ. [Für aḥ gelten dieselben Strahlenzahlen wie für ḹ.] Der zweite Satz steht bereits in der Druckquelle in eckigen Klammern.
Reihenfolge der Zahlen: Wo die Verse nur Zahlen aneinanderreihen, lautet ihre Zuordnung weiterhin Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum. Die Zahl 169 für die Wasserstrahlen von ṛ und ṝ wird nach dem Druck übernommen.
20.UK.11: Für ka werden 14 Erdstrahlen angegeben, danach fünf Wasser- und zehn Feuerstrahlen. Der zusammengeschriebene Ausdruck „pañcadaśa“ wird hier dem Satzbau nach in „fünf“ und „zehn“ getrennt gelesen.
20.UK.12: Dazu kommen 235 Luftstrahlen und vier Raumstrahlen. Für kha beginnt die Reihe mit 14 …
20.UK.13: … Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen und 241 Feuerstrahlen. Danach folgen vier …
20.UK.14: … Luftstrahlen und vier Raumstrahlen. Für ga werden 245 Erdstrahlen genannt.
20.UK.15: Dazu kommen fünf Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen, vier Luftstrahlen und vier Raumstrahlen. Für gha sind es zunächst 14 Erdstrahlen; „Manu“ wird hier als Zahlwort für vierzehn verwendet.
20.UK.16: Für gha werden anschließend 236 Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen und vier Luftstrahlen angegeben. Die Raumstrahlen …
20.UK.17: … werden mit 235 angegeben. Für ca gelten dieselben Werte wie für ka, für cha dieselben wie für kha, für ja dieselben wie für ga. Der Bezug der ersten Zahl dieses Verses schließt unmittelbar an „Raumstrahlen“ des vorangehenden Verses an; eine eigene vollständige ṅa-Reihe wird hier nicht eindeutig eingeführt.
20.UK.18: Für jha gilt die Reihe von gha, für ña die Reihe von ṅa, für ṭa diejenige von ca und für ṭha diejenige von cha.
20.UK.19: Für ḍa werden 295 Erdstrahlen genannt. Für ḍha gilt die Reihe von gha, für ṇa diejenige von ña.
20.UK.20: Für ta gilt die Reihe von ṭa. Für tha werden 14 Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen und danach 291 genannt; die Benennung der zugehörigen Strahlenart ist an dieser Stelle elliptisch. Es folgt die Nennung der Luftstrahlen …
20.UK.21: … mit vier und ebenso der Raumstrahlen. Für da gelten die Werte von ḍa, für dha diejenigen von ḍha, für na diejenigen von ṇa.
20.UK.22: Für pa werden 14 Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen und zehn Feuerstrahlen angegeben. Danach beginnt die Zahl der Luftstrahlen mit dem Zahlbestandteil 91 …
20.UK.23: … zu dem zweihundert hinzukommen, insgesamt also 291. Dazu kommen vier Raumstrahlen. Für pha nennen die Kundigen der Reihe nach dieselben Strahlen wie für tha.
20.UK.24: Für ba werden 145 Erdstrahlen angegeben, fünf Wasserstrahlen und zehn Feuerstrahlen. Luft- und Raumstrahlen …
20.UK.25: … betragen jeweils vier. Für bha werden 14 Erdstrahlen und anschließend 536 genannt. Die Elementbezeichnung der zweiten Zahl wird im Vers nicht eigens wiederholt.
20.UK.26: Es folgen zehn Feuerstrahlen, vier Luftstrahlen und ebenso vier Raumstrahlen. Für ma werden 14 Erdstrahlen angegeben.
20.UK.27: Dazu kommen fünf Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen, vier Luftstrahlen und 535 Raumstrahlen.
20.UK.28: Für ya werden 14 Erdstrahlen und fünf Wasserstrahlen genannt. Feuerstrahlen werden erwähnt, ohne dass in diesem Vers ihre Zahl ausdrücklich dasteht. Danach folgen die Luftstrahlen …
20.UK.29: … mit 535 und die Raumstrahlen mit vier. Für ra werden 14 Erdstrahlen und fünf Wasserstrahlen angegeben.
20.UK.30: Die Feuerstrahlen betragen 541. Es folgen vier Luftstrahlen und vier Raumstrahlen; die gedruckte Wortverbindung bei der Luftzahl enthält ein zusätzliches „eka“ und ist sprachlich auffällig.
20.UK.31: Für la gelten dieselben Strahlenzahlen wie für ba. [Danach werden die Strahlenzahlen von va genannt.] Seine Erdstrahlen betragen 14. Die eckig geklammerte Ergänzung steht bereits in der Druckquelle.
20.UK.32: Für va folgen 836 Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen, vier Luftstrahlen und vier Raumstrahlen.
20.UK.33: Für śa werden 14 Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen und vier Luftstrahlen angegeben. Die Raumstrahlen …
20.UK.34: … betragen 835. Für ṣa werden 14 Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen und zehn Feuerstrahlen genannt.
20.UK.35: Für ṣa folgen 835 Luftstrahlen und vier Raumstrahlen. Für sa gelten dieselben Werte wie für va. Für ha beginnt die Reihe mit vierzehn …
20.UK.36: … Erdstrahlen, fünf Wasserstrahlen, zehn Feuerstrahlen und vier Luftstrahlen. Die anschließende große Zahl der Raumstrahlen wird über die Versgrenze hinweg angegeben …
20.UK.37: … ist jedoch in der gedruckten Verbindung der Zahlwörter nicht sicher als eine eindeutige Zahl aufzulösen. Für ḷa verweist die Quelle auf la; die folgende Wendung enthält eine weitere elliptische Wiederholung. Für kṣa beginnt die Reihe mit vierzehn …
20.UK.38: … Erdstrahlen und fünf Wasserstrahlen. Die Zahl der Feuerstrahlen enthält die Bestandteile „einundvierzig“ und eine ebenfalls nicht sicher auflösbare Tausenderverbindung.
Unnummerierter Abschluss: Die Luftstrahlen und ebenso die Raumstrahlen betragen vier.
Textkritischer Hinweis: Die großen Zahlverbindungen in 20.UK.36–38 sowie die verkürzten Verweise auf einzelne Konsonanten werden als lokale Unsicherheiten der Druckfassung dokumentiert. Daraus wird keine vollständig gesicherte Rechentabelle abgeleitet. Wo die Quelle eine Zahl oder Elementbezeichnung auslässt, wurde sie nicht stillschweigend ergänzt.
Gedruckte Übersicht zur Strahlenordnung des Kālī-Mata
Die Quelle stellt die Zahlen anschließend in einer Tabelle zusammen. Die folgende Wiedergabe übernimmt deren Werte, auch wenn sie von den vorhergehenden Versen abweichen. Die laufenden Nummern sind Tabellenpositionen, keine neue Verszählung.
| Nr. | Laut | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | a | 14 | 5 | 10 | 160 | 4 |
| 2 | ā | 14 | 5 | 10 | 160 | 4 |
| 3 | i | 14 | 5 | 166 | 4 | 4 |
| 4 | ī | 14 | 5 | 166 | 4 | 4 |
| 5 | u | 100 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 6 | ū | 170 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 7 | ṛ | 14 | 169 | 10 | 4 | 4 |
| 8 | ṝ | 14 | 169 | 10 | 4 | 4 |
| 9 | ḷ | 14 | 5 | 10 | 2 | 160 |
| 10 | ḹ | 14 | 5 | 10 | 2 | 160 |
| 11 | e | 14 | 5 | 10 | 160 | 4 |
| 12 | ai | 14 | 5 | 166 | 4 | 4 |
| 13 | o | 170 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 14 | au | 14 | 169 | 10 | 4 | 4 |
| 15 | aṃ | 14 | 5 | 10 | 2 | 160 |
| 16 | aḥ | 14 | 5 | 10 | 2 | 160 |
| 17 | ka | 14 | 15 | 15 | 235 | 4 |
| 18 | kha | 14 | 5 | 241 | 2 | 4 |
| 19 | ga | 245 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 20 | gha | 14 | 236 | 10 | 4 | 4 |
| 21 | ṅa | 14 | 5 | 10 | 4 | 235 |
| 22 | ca | 14 | 15 | 15 | 235 | 4 |
| 23 | cha | 14 | 5 | 241 | 2 | 4 |
| 24 | ja | 245 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 25 | jha | 14 | 236 | 10 | 4 | 4 |
| 26 | ña | 14 | 5 | 10 | 4 | 235 |
| 27 | ṭa | 14 | 15 | 15 | 235 | 4 |
| 28 | ṭha | 14 | 5 | 241 | 2 | 4 |
| 29 | ḍa | 295 | 5 | 241 | 2 | 4 |
| 30 | ḍha | 14 | 236 | 10 | 4 | 4 |
| 31 | ṇa | 14 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 32 | ta | 14 | 15 | 15 | 235 | 4 |
| 33 | tha | 14 | 5 | 291 | 4 | 4 |
| 34 | da | 295 | 5 | 241 | 2 | 4 |
| 35 | dha | 14 | 236 | 10 | 4 | 4 |
| 36 | na | 14 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 37 | pa | 14 | 5 | 10 | 291 | 4 |
| 38 | pha | 14 | 5 | 291 | 4 | 4 |
| 39 | ba | 145 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 40 | bha | 14 | 536 | 10 | 4 | 4 |
| 41 | ma | 14 | 5 | 10 | 4 | 536 |
| 42 | ya | 14 | 5 | 10 | 535 | 4 |
| 43 | ra | 14 | 5 | 541 | 41 | 4 |
| 44 | la | 145 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 45 | va | 14 | 836 | 10 | 4 | 4 |
Abweichungen und Ergänzungen: Bei u steht in der Tabelle 100 statt der zuvor genannten 170. Für ḷ, ḹ, aṃ und aḥ werden zwei Luftstrahlen angegeben; ebenso erscheinen zwei bei kha, cha, ṭha, ḍa und da. Bei ka, ca, ṭa und ta nennt die Tabelle jeweils 15 Wasser- und 15 Feuerstrahlen, während die entsprechende Versstelle anders gelesen werden kann. Für ṅa und ña ist die Raumzahl 235 nun ausdrücklich zugeordnet. Bei ma steht 536 statt 535; bei ra steht als Luftzahl 41. Diese Druckwerte werden nicht rechnerisch vereinheitlicht. Die Tabelle setzt sich auf der folgenden Seite fort.
Abschluss der gedruckten Strahlentabelle
| Nr. | Laut | Erde | Wasser | Feuer | Luft | Raum |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 46 | śa | 14 | 5 | 10 | 4 | 835 |
| 47 | ṣa | 14 | 5 | 10 | 835 | 4 |
| 48 | sa | 14 | 836 | 10 | 4 | 4 |
| 49 | ha | 14 | 5 | 10 | 4 | 70035 |
| 50 | ḻa | 145 | 5 | 10 | 4 | 4 |
| 51 | kṣa | 14 | 5 | 70041 | 4 | 4 |
Die Tabelle gibt damit für die zuvor schwer auflösbaren großen Zahlwörter ausdrücklich 70.035 Raumstrahlen bei ha und 70.041 Feuerstrahlen bei kṣa an. Diese Tabellenwerte ergänzen den dokumentierten Befund der Verse 20.UK.36–38.
Die Strahlen in den Lotoszentren
20.UK.39: In der Mitte des Lotos im Mūlādhāra ist [der Elementlaut] seinem Wesen nach Śiva. Der Druck bietet unter dieser Nummer nur diese halbe Strophe; der Satz läuft in den folgenden Vers weiter.
20.UK.40: Der Erdlaut ist dort von 56 Strahlen umgeben, die bis zu den Blütenblättern reichen. Im Lotos namens Svādhiṣṭhāna …
20.UK.41: … ist der Feuerlaut in der Mitte von 62 Strahlen umgeben; sein Licht durchdringt die Blütenblätter. Auch er ist seinem Wesen nach Śiva.
20.UK.42: In der Mitte des Maṇipūra-Cakra ist der Nektar- beziehungsweise Wasserlaut von den „Nektar“ genannten Strahlen umgeben. Die gedruckte Zahlenform „dvāsapti“ deutet auf 72, ist jedoch sprachlich unvollständig; sie wird nicht stillschweigend in die zuvor an anderer Stelle genannten 52 geändert.
20.UK.43: In der Mitte des Anāhata-Cakra ist der Luftlaut, seinem Wesen nach Śiva, von 54 Strahlen umgeben.
20.UK.44: In der Mitte des großen Viśuddha-Cakra ist Śiva selbst von 72 Raumstrahlen umgeben.
20.UK.45: In der Mitte der Ājñā ist der geistige Laut, seinem Wesen nach Śiva und stets von Nektar erfüllt, von 64 Strahlen umgeben.
20.UK.46: In der Mitte des großen tausendblättrigen Lotos ist er stets von 1600 geistigen Strahlen umgeben …
20.UK.47: … wobei tausend den tausend Blütenblättern und ihren Strahlen entsprechen; sechshundert weitere gelten als seine eigenen Glieder. Er hat das Wesen des Visarga und Śivas.
20.UK.48: Die im Visarga und die in den sechs Cakras befindlichen Strahlen werden von den Lichtkräften durchdrungen, deren Wesen die 38 Kalās von Mond, Sonne und Feuer sind …
20.UK.49: … und die 38 Kalās der Mantras der fünf Brahman-Gestalten. Sie durchdringen einander und wirken miteinander …
20.UK.50: … und erfüllen als Bezeichnetes und Bezeichnendes die ganze Welt des Unbeweglichen und Beweglichen. Sie bewirken Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.
20.UK.51: Die sechzehnlautige Mahāvidyā hat die Gestalt des Mondkreises. Sie umfasst die 36 Tattvas und ist stets ein Regen von Nektar.
Unnummerierter Abschluss: Sie ist die Gestalt des vollen Kreises, die Höchste, erfüllt von allem Licht.
Gegenseitige Spiegelung der Strahlen
Die Prosa erläutert: Die Strahlen der fünf Elemente und die geistigen Strahlen im Sahasrāra spiegeln sich gegenseitig. Die Strahlen, die den fünfzig Elementlauten jeweils zugehören, spiegeln sich in den Gruppen von jeweils 32 geistigen Strahlen; ebenso spiegeln sich jeweils 32 geistige Strahlen in jedem einzelnen Laut.
Die folgende kleine Versreihe beginnt erneut bei eins und erhält die Kennzeichnung „IK“:
20.IK.1: Von den fünf Kalās, die aus Īśānas Antlitz hervorgehen, besitzt jede einzelne 320 …
20.IK.2: … geistige Strahlen. Diese Ordnung sollen die Einsichtigen erkennen. Für den Mantra beziehungsweise die Vidyā werden sodann 68 Laute genannt. [Der Zusammenhang dieser letzten Angabe wird im folgenden Abschnitt erläutert.]
20.IK.3: Die Laute werden mit den jeweils 32 geistigen Strahlen multipliziert und durch die vollständige Zahl der geistigen Strahlen geteilt. Aus dem dabei gewonnenen Ergebnis wird das Chandas des Mantras bestimmt.
20.IK.4: Entsprechend der Vollständigkeit der Restzahl wird die Vidyā als Mahāvidyā eingeordnet; bei einem geringeren Wert als geringer. So soll die Regel verstehen, wer Vollendung erstrebt.
Erläuterung der Rechenregel: Die Laute des Mantras oder der Vidyā werden einzeln in Vokale und Konsonanten zerlegt und gezählt. Ihre Anzahl wird mit 32 multipliziert, weil jedem Laut 32 geistige Strahlen zugeordnet werden. Die Division durch die vollständige geistige Strahlenzahl 1600 liefert den für das Chandas herangezogenen Wert. Ist dieser größer als 26, wird nochmals durch 26 geteilt; der dabei verbleibende Rest bezeichnet das Chandas.
Beträgt der Rest der Division durch 1600 genau 576, wird die Vidyā hier als Mahāvidyā bezeichnet. Ein größerer beziehungsweise geringerer Rest ist entsprechend als größer beziehungsweise geringer einzuordnen. „Chandas“ steht hier innerhalb dieser rituellen Zahlenlehre; die Passage wird nicht als moderne metrische Analyse verstanden.
Sonderfälle der Berechnung
Eine neue Versreihe, hier „RC“, ergänzt:
20.RC.1: Wenn nach der Multiplikation der Vidyā-Laute mit 32 und der Division durch die geistigen Strahlen kein Rest verbleibt …
20.RC.2: … teile man das gewonnene Ergebnis durch 26. Daraus ergibt sich das Chandas … [Der übrige Verstext fehlt bereits im Druck und ist dort durch eine Punktreihe angezeigt.]
Die Prosa wiederholt: Bleibt bei der Division der mit 32 multiplizierten Lautzahl durch 1600 kein Rest, wird der Quotient selbst durch 26 geteilt, um das Chandas zu ermitteln.
Eine weitere einzeln nummerierte Regel, hier „RZ“, lautet:
20.RZ.1: Erreicht die mit 32 multiplizierte Zahl der Mantra- oder Vidyā-Laute die vollständige Zahl nicht, wird sie vor der Division verzehnfacht.
Die Erläuterung nennt ausdrücklich die Schwelle 1600. Wird sie nicht erreicht, multipliziere man das Ergebnis mit zehn und teile dann durch 1600. Alles Weitere erfolgt wie zuvor.
Strahlenzahlen der sechzehnlautigen Śrīvidyā
Die folgende Versreihe wird als „SV“ gekennzeichnet:
20.SV.1: Die sechzehnlautige Śrīvidyā besitzt 20.360 Raumstrahlen.
20.SV.2: Ihre Erdstrahlen betragen 2895. Die Zahl der Feuerstrahlen beginnt mit sechstausend …
20.SV.3: … dazu kommen achthundert und 61, insgesamt 6861. Die Luftstrahlen betragen 1175.
20.SV.4: Die Nektar- beziehungsweise Wasserstrahlen betragen 4518. Nun werden die gemischten Strahlen erläutert.
20.SV.5: In den Raumlauten sind 364 Erdstrahlen enthalten, ferner 160 Wasserstrahlen und ebenso viele Feuerstrahlen.
20.SV.6: Hinzu kommen 140 Luftstrahlen. In den Feuerlauten sind 424 Erdstrahlen enthalten …
20.SV.7: … ferner 155 Wasserstrahlen und 124 Luftstrahlen …
20.SV.8: … sowie ebenso viele Raumstrahlen. In der Gruppe der Erdlaute sind 30 Wasserstrahlen und 84 Feuerstrahlen enthalten.
20.SV.9: Dazu kommen 24 Luftstrahlen und ebenso viele Raumstrahlen. Bei den Luftlauten nennt der Druck für die Erdstrahlen einen Ausdruck mit „siebzig“, dessen abschließende Verbindung nicht eindeutig ist; eine zusätzliche Einerstelle wird deshalb nicht ergänzt.
20.SV.10: In den Luftlauten sind ferner 25 Wasserstrahlen, fünfzig Feuerstrahlen und zwanzig Raumstrahlen enthalten. Bei den Wasserlauten beträgt die Zahl der Erdstrahlen …
20.SV.11: … 728. Ihre Feuerstrahlen betragen siebzig, ihre Luftstrahlen 28.
20.SV.12: Ebenso viele Raumstrahlen sind zu verstehen. Dies sind die gemischten Strahlen. Die dem eigenen Element eines Lautes entsprechenden Strahlen gelten dagegen als seine eigenen. Die eingeklammerte Zeichenfolge am Beginn des letzten Satzes ist im Druck auffällig; die anschließende Prosa bestätigt die Unterscheidung eigener und gemischter Strahlen.
Erläuterung: Die Strahlen anderer Elemente gelten als gemischt; die geistigen Strahlen werden hier ebenso eingeordnet. Nach einer anderen Auffassung innerhalb des Ūrdhvāmnāya sind gerade die geistigen Strahlen ursprünglich zugehörig und die übrigen gemischt. Dies ist nach der Unterweisung des jeweiligen Gurus zu verstehen.
Strahlen des Parāprāsāda-Mantras
Die folgende neue Versreihe wird als „PP“ bezeichnet:
20.PP.1: Der Parāprāsāda-Mantra besitzt 1005 Wasserstrahlen. Die Zahl seiner Raumstrahlen beginnt mit achthundert und 95 …
20.PP.2: … dazu kommen tausend, insgesamt also 1895. Als gemischte Strahlen werden 56 Erdstrahlen und vierzig Feuerstrahlen angegeben.
20.PP.3: Hinzu kommen sechzehn Luftstrahlen, sechzehn Raumstrahlen und zehn Wasserstrahlen. Die geistigen Strahlen sind wie zuvor zu verstehen.
Die Erläuterung zum Parāprāsāda-Mantra präzisiert die geistigen Strahlen: Bei 32 pro Laut ergeben sich insgesamt 128.
Weitere Chandas-Regeln
Eine neue Einzelstrophe, hier „PR“, lautet:
20.PR.1: Die Lautmenge des Parāprāsāda-Mantras wird mit ihren geistigen Strahlen multipliziert und durch 26 geteilt. Den Rest teile man erneut durch den gewonnenen Quotienten.
Unnummerierter Nachsatz: Das Ergebnis gilt den Einsichtigen als Chandas dieses Mantras.
Die Prosa erklärt die Folge ausführlicher: Die Laute werden nach Vokalen und Konsonanten getrennt, mit 32 multipliziert und durch 26 geteilt. Der Rest wird durch den erhaltenen Quotienten geteilt; der dabei wiederum verbleibende Rest soll erneut durch den neu gewonnenen Quotienten geteilt werden. Das Ergebnis wird als Chandas bezeichnet. Die knappe Rechenanweisung wird hier nach ihrem Wortlaut wiedergegeben; nicht jeder mögliche Rechenfall wird im Text geregelt.
Für Kālīs Mahāvidyā beginnt eine eigene Zweiversreihe, hier „KD“:
20.KD.1: Die Laute von Kālikās Mahāvidyā werden mit 32 multipliziert und durch die vollständige geistige Strahlenzahl geteilt. Der Rest wird durch 26 geteilt.
20.KD.2: Rest und Quotient werden addiert und erneut durch 26 geteilt. Den dann verbleibenden Rest sollen die Kenner der Prinzipien als Chandas verstehen.
Die Prosa wiederholt dieselbe Regel: Zerlegung in Vokale und Konsonanten, Multiplikation mit 32, Division durch die vollständige geistige Strahlenzahl, Division des Restes durch 26, Addition des letzten Restes und Quotienten und erneute Division durch 26. Der abschließende Rest bezeichnet das Chandas.
Elementanteile und geistige Strahlen
Die folgende Reihe wird als „KB“ gekennzeichnet:
20.KB.1: Sechs Anteile entfallen auf Erde, zwei auf Nektar beziehungsweise Wasser, 32 auf Feuer und vierzehn auf Luft.
20.KB.2: Für Raum werden 25 Anteile angegeben. Die geistigen Strahlen betragen zweitausend und zweihundertacht …
20.KB.3: … also 2208. Die aus den Elementanteilen hervorgehenden Strahlen sind nach der zuvor genannten Ordnung zu bestimmen. Damit ist die Strahlenordnung erläutert.
Die fünf Kāma-Bījas und ihre Yantras
Nun beginnt die Darstellung der Anwendungen für Kāmeśvarī und die übrigen Nityās nach dem Kādi-Mata. Die fünf Kāma-Bījas werden in der Quelle als „hrīṃ, klīṃ, aiṃ, blūṃ, strīṃ“ angegeben.
Das Tantrarāja wird mit dem Stellenhinweis Kapitel 7, Vers 36 zitiert; die neu einsetzende Verszählung wird hier als „PY“ wiedergegeben:
20.PY.1: Alle diese Yantras werden als Kräfte beschrieben, welche die drei Welten in Bewegung versetzen. „Ich werde sie dir der Reihe nach erläutern; höre gesammelt zu.“
20.PY.2: Aus den fünf Bījas werden acht voneinander verschiedene Verbindungen gebildet, ohne doppelte Wiederholung. Jede wird mittels der beschriebenen Verbindung mit den sechzehn Vokalen kombiniert.
20.PY.3: Dadurch entstehen 128 Formen. Mit ihnen werden die Yantras der fünf Bījas der Reihe nach angelegt, Śivā.
Erläuterung der acht Verbindungen: Die Quelle beschreibt jeweils ein Bīja im „Inneren“ eines anderen. Die Reihenfolge ist:
| Verbindung | Äußeres Bīja | Im Inneren eingesetztes Bīja |
|---|---|---|
| 1 | zweites | erstes |
| 2 | drittes | zweites |
| 3 | viertes | drittes |
| 4 | fünftes | viertes |
| 5 | viertes | fünftes |
| 6 | drittes | viertes |
| 7 | zweites | drittes |
| 8 | erstes | zweites |
Jede der acht Verbindungen wird mit den sechzehn Vokalen verbunden. So ergeben sich 8 × 16 = 128 Bīja-Formen, mit denen die Yantras beschrieben werden.
Aufbau der fünf Yantras
Eine weitere Versreihe, hier „YR“, beschreibt die Anordnung:
20.YR.1: Es werden drei Kreise und ein Sechseck angelegt. In die Mitte wird der eigene Mantra zusammen mit der Bezeichnung des angestrebten Gegenstandes beziehungsweise der betreffenden Person geschrieben; derselbe Mantra erscheint in den sechs Ecken.
20.YR.2: Die übrigen Formen werden aufgeteilt, mit Bindu und Māyā verbunden und der Reihe nach unten beziehungsweise oben geschrieben. In die Zwischenräume der Kreise werden zweimal jeweils 64 Formen eingetragen. Die folgende Prosa konkretisiert die zweite Endmarkierung als Visarga.
Unnummerierter Abschluss: Auf diese Weise entstehen die fünf Yantras der fünf Bījas, Śivā.
Ausführliche Prosa: Zuerst wird ein Sechseck angelegt, außen von drei Kreisen umgeben. In die Mitte kommt das erste der fünf ursprünglichen Kāma-Bījas, verbunden mit dem Namen des rituellen Zieles; dasselbe Bīja steht in allen sechs Ecken.
Die 128 zuvor gebildeten Formen werden in zwei Gruppen zu jeweils 64 geteilt. Im inneren der beiden Ringzwischenräume steht die erste Gruppe in Reihen, mit Bindu versehen. Im äußeren Zwischenraum steht die zweite Gruppe, mit Visarga versehen. Dies ist das erste Yantra.
Beim zweiten Yantra steht das zweite Bīja mit der Zielbezeichnung in der Mitte und ebenfalls in den sechs Ecken. Die beiden äußeren Zwischenräume werden wie zuvor beschrieben. Entsprechend entstehen mit dem dritten Bīja das dritte, mit dem vierten das vierte und mit dem fünften das fünfte Yantra.
Damit, so die Erläuterung, sind fünf Yantras entstanden. Nun folgt ein gemeinsames Yantra aus allen fünf Bījas. Die neue Versreihe wird als „Y6“ bezeichnet.
20.Y6.1: Aus den fünf entsteht noch ein weiteres, besonders wunderbares Cakra. Das erste Bīja wird zusammen mit dem Namen in das Innere des zweiten geschrieben.
20.Y6.2: Außen wird es mit einem Sechseck umgeben, das aus der Gestalt des dritten Bījas gebildet ist. In seine sechs Ecken wird das vierte geschrieben, Pārvatī.
Unnummerierter Abschluss: Mit dem fünften werde alles umschlossen. Dieses Yantra wird als „alles bezaubernd“ bezeichnet.
Erläuterung: Im Inneren des zweiten Bījas klīṃ steht das erste Bīja mit dem Namen des rituellen Zieles in seinem Inneren. Lesartenhinweis: Die Prosa nennt das erste Bīja hier ausdrücklich śrīṃ, während die vorausgehende Bīja-Reihe als hrīṃ gelesen wurde. Die Abweichung bleibt bestehen; daraus wird hier kein einheitlich gesicherter Praxismantra hergestellt.
Außen bilden zwei einander entgegengesetzte Dreiecke aus dem dritten Bīja aiṃ ein Sechseck. Die Prosa begründet dies mit der Dreiecksgestalt von aiṃ. In den sechs Ecken steht das vierte Bīja blūṃ. Das fünfte Bīja strīṃ umgibt das ganze Sechseck, sodass alles in seinem Inneren erscheint. Damit sind sechs Cakras beschrieben.
Das siebte und achte Yantra
Die nächste Einzelstrophe wird als „Y78“ gekennzeichnet:
20.Y78.1: Wird dieses Yantra außen mit den zuvor genannten Formen und außerdem mit der Mātṛkā umgeben, entsteht ein weiteres Yantra.
Die Prosa unterscheidet zwei Ausführungen: Um das sechste Yantra werden drei Kreise gelegt. In deren beiden Zwischenräumen stehen wie zuvor die 128 Bīja-Formen in zwei Gruppen zu 64; so entsteht das siebte Yantra. Für das achte wird dieselbe Grundanordnung außen mit der Mātṛkā beschrieben, einmal mit Bindu und einmal mit Visarga, entsprechend der zuvor erläuterten Weise.
Anwendungen der acht Yantras in der Quelle
Die neue Versreihe erhält die Kennzeichnung „YA“. Die folgenden Vorstellungen von Verfügungsgewalt über andere Personen werden als historische Aussagen des Textes wiedergegeben.
20.YA.1: Auf diese Weise entstehen acht Yantras, deren Wesen die fünf Kāmas sind. Die Quelle behauptet, durch sie sei in den Welten nichts unerreichbar.
20.YA.2: Ein Mensch, ein Herrscher oder eine von Leidenschaft bewegte Frau wird in der Mitte der acht Cakras vorgestellt …
20.YA.3: … mit dem eigenen Licht vereint, während die fünf Bījas wiederholt werden. Dadurch, so die Quelle, würden die Betreffenden rasch und lebenslang gefügig.
20.YA.4: In der Mitte des achten Yantras erscheint die betreffende Person hibiskusrot, umgeben von den noch stärker roten Lichtkräften der Mantralaute …
20.YA.5: … und als vom eigenen Selbst aufgenommen beziehungsweise umfangen. Die Wiederholung der Laute wird mit der Behauptung verbunden, die Person gebe dem Übenden sogar Leben und Vermögen hin.
20.YA.6: Das in der Mitte des sechsten Yantras befindliche Bīja wird vom Mantra umgeben und mit der Yoni-Mudrā innerhalb der Suṣumṇā betrachtet. Der Beginn des zweiten Halbverses enthält bereits im Druck eine unsichere Zeichenfolge; sie wird nicht ergänzt.
20.YA.7: Ein nach den Regeln bereiteter Krug wird in die Mitte der acht Yantras gestellt. Mit seinem Wasser wird eine Begießung vorgenommen, der Befreiung von Unglück, Krankheit und Armut zugeschrieben wird.
20.YA.8: Die acht Cakras werden mit rotem Sandel, Sindūra, rotem Ocker oder Darada auf dem Boden, einer Tafel oder Steinen gezeichnet. Darada bezeichnet hier traditionell Zinnober.
20.YA.9: In der Mitte wird die von der Vidyā umgebene Anordnung hergestellt; Kāmeśvarī wird angerufen und verehrt. Der Übende wiederholt nachts den Mantra unter einem Milchgelübde.
20.YA.10: Die Quelle verheißt dadurch das Schwinden schlechter Handlungen aus früheren Leben sowie Wohlergehen und zunehmendes Glück in diesem Leben.
20.YA.11: In die Mitte kann die Bezeichnung eines Mannes, einer Frau, eines Herrschers oder einer anderen Person, einer Stadt, eines Handelsortes, eines Landes, einer Region oder der Welt geschrieben werden …
20.YA.12: … worauf die Verehrung mit roten Blumen, Duftstoffen aus Kaschmir und Speisegaben aus Bananen, Milch, Zucker, Milchreis und Ähnlichem folgt.
20.YA.13: Als Dauer nennt der Text einen Ritualzyklus, dessen Hälfte oder sieben Tage. Er verheißt dem Menschen dadurch eine Anziehungskraft wie die des Liebesgottes Kandarpa.
20.YA.14: Das Schreiben auf Gold oder anderem Material und das Tragen der Anordnung werden mit einem erfüllten Leben, Wohlergehen, Schönheit, Vermögen und Gesundheit verbunden.
20.YA.15: Werden die nicht wiederholten Laute der Vidyā mit den sechzehn Vokalen kombiniert, entstehen 192 Mantraformen.
Einordnung: Die Gesundheits- und Wirkungsversprechen werden als Glaubensaussagen der Quelle dokumentiert. Die genannten historischen Zeichenstoffe und Gelübde sind damit nicht als heutige gesundheitliche Praxis empfohlen.
Die Prosa erläutert die Zahl 192 anhand des elfgliedrigen Kāmeśvarī-Mantras: Bei der Zerlegung in Einzellaute ohne Wiederholung werden zwölf Grundlaute angesetzt; ihre Verbindung mit sechzehn Vokalen ergibt 192 Formen. Die dicht zusammengeschriebene Lautliste ist an ihrem Ende nicht eindeutig segmentierbar und wird hier nicht zu einer gesicherten Aussprachefolge ergänzt.
Vokale als Lebenshauch der Mantras
Die neue Versreihe erhält die Kennzeichnung „SY“:
20.SY.1: [Die Göttin fragt:] „Aus welchem Grund werden bei allen Mantras die Vokale hinzugefügt? Erkläre mir dies jetzt, höchster Herr.“
20.SY.2: [Antwort:] „Sechzehn Vokale und 35 Konsonanten werden angegeben, Herrin der Götter. Durch ihre wechselseitige Verbindung …
20.SY.3: … werden die Vokale mit den Konsonanten vereint, welche den Körper der Sprachgöttin Bhāratī bilden. Verstehe dies als Verbindung mit ihrem Lebenshauch — ein Geheimnis, Parameśvarī.
20.SY.4: Ha und sa werden als Augen der aus Lauten bestehenden Bhāratī bezeichnet. Die Vokale heißen ihr Lebenshauch, Bindu und Visarga ihr Bewusstsein.
20.SY.5: Die anderen Laute sind ihre weiteren Glieder, Parameśvarī. Erst durch diese Verbindung entfalten die Laute ihre günstige Wirksamkeit.
20.SY.6: Bindu, Visarga, ha, sa und als fünftes der vierte Vokal: Erkenne darin die Entfaltung des Bewusstseins im Mātṛkā-Körper Bhāratīs. Der vierte Vokal der üblichen Reihe ist ī.
20.SY.7: Mantras, Vidyās und andere Formeln, denen diese Bestandteile fehlen, gelten wie ein Körper ohne Lebenshauch als unfähig, ihre Aufgaben zu erfüllen.
20.SY.8: Deshalb lehre ich überall die Verbindung mit den Vokalen. Mantras, denen die genannten Laute fehlen, werden mit ihnen verbunden.
20.SY.9: Dadurch werden sie kraftvoll und bringen die ihnen zugeschriebenen Ergebnisse hervor. Durch die Verbindung mit den Vokalen gelten sie als Mittel zur Verwirklichung aller Ziele.
20.SY.10: So werden auch die daraus entstehenden Yantras kraftvoll. Ihre 32 Anwendungen werde ich nun der Reihe nach erläutern.
20.SY.11: Innerhalb zweier Kreise werde ein Sechseck angelegt. In die Mitte kommt das Erstrebte, in Māyā eingeschlossen; außen wird die Anordnung mit den Mātṛkā-Lauten umgeben.“
Erläuterung der 32 Yantras: In das von zwei Kreisen umgebene Sechseck wird hrīṃ geschrieben, mit dem Namen des rituellen Zieles in seinem Inneren. In die sechs Ecken kommen die ersten sechs der 192 Formen. Im Zwischenraum der beiden Kreise steht die Mātṛkā-Lautreihe. Dies ist das erste Yantra.
Das zweite erhält in seinen Ecken die nächsten sechs Formen, beginnend mit der siebten. So werden ohne Wiederholung jeweils sechs weitere Formen für jedes folgende Yantra eingesetzt. Die übrige Anordnung bleibt gleich. Auf diese Weise entstehen 192 ÷ 6 = 32 Yantras.
Die im Text genannten Ergebnisse
Die folgende Versreihe wird als „YF“ gekennzeichnet. Ihre Versprechen von Einflussnahme und Schädigung werden als historische Ritualvorstellungen wiedergegeben.
20.YF.1: Dem ersten Yantra wird Goldgewinn, dem zweiten Schmuck, dem dritten das Gewinnen einer Braut und dem vierten der Empfang von Landbesitz zugeschrieben.
20.YF.2: Das fünfte soll ein Reittier beziehungsweise Fahrzeug bringen, das sechste eine Frau gefügig machen, das siebte ein Haus und das achte Kühe verschaffen.
20.YF.3: Das neunte soll einen Herrscher, das zehnte Elefanten und Pferde gefügig machen. Das elfte wird mit Sieg im Kampf verbunden.
20.YF.4: Das zwölfte soll das gewünschte Ergebnis in Streitgesprächen, Rechtsstreitigkeiten und den beiden Arten des Glücksspiels bringen. Das folgende wird der Vernichtung von Gegnern zugeordnet.
20.YF.5: Der Text dehnt diese schädigende Zielsetzung auf Menschen und verschiedene Tiere aus: Elefanten, Pferde, Esel, Kamele, Rinder, Wildtiere, Vögel, Ziegen, Schafe und Büffel. Die gedruckte Aufzählung enthält eine unklare Verbindung und wiederholt die Pferdebezeichnung.
20.YF.6: Die Quelle beschreibt dazu ein Schreiben auf der jeweiligen Haut mit dem entsprechenden Blut und eine Platzierung am betreffenden Ort. Als behauptete Wirkungsfristen nennt sie einen Ritualzyklus, einen Monat oder sieben Nächte.
20.YF.7: Dem vierzehnten Yantra wird Regen zugeschrieben, dem folgenden das Hemmen des Gegners, seines Zorns, seiner feindlichen Unternehmungen und seines Fortgehens.
20.YF.8: Das sechzehnte, an der Schulter getragen, soll vor Bedrängnis durch Bhūtas und ähnliche Wesen schützen. Das nächste, im Erdboden vergraben …
20.YF.9: … wird mit dem Schutz der Lebewesen verbunden. Danach werden zwei weitere Yantras im Zusammenhang mit Vergraben und Streit genannt; der Satz setzt sich auf der folgenden Seite fort.
20.YF.10: Die beiden zuvor genannten Anordnungen werden mit der Zerstörung von Feldfrüchten und Gewächsen durch vielfältige Bedrängnis sowie mit gegenseitigem Streit und Leid in Ländern verbunden.
20.YF.11: Das nächste Yantra soll durch Vergraben an der Grenze zweier Herrschaftsgebiete binnen kurzer Zeit Streit zwischen den Herrschern hervorrufen.
20.YF.12: Dem einundzwanzigsten wird das Krankmachen von Gegnern zugeschrieben, dem zweiundzwanzigsten Krankheit bei Rindern und dem dreiundzwanzigsten bei Elefanten.
20.YF.13: Das vierundzwanzigste soll Reittiere beziehungsweise Pferde, das fünfundzwanzigste Herrscher und das sechsundzwanzigste führende Amtsträger erkranken lassen.
20.YF.14: Dem siebenundzwanzigsten wird dagegen die Beseitigung der genannten Leiden zugeschrieben. Das achtundzwanzigste soll eine schädigende Kṛtyā-Handlung zurückwenden.
20.YF.15: Tragen, Vergraben, Befestigen an Baumspitzen oder das Einbringen in Teiche, Brunnen und Wasserbecken werden mit Schutzwirkungen verbunden. Der genaue Rückbezug des Pronomens bleibt im Vers knapp.
20.YF.16: Durch das folgende, neunundzwanzigste Yantra soll selbst ein stummer Mensch redegewandt werden. Das dreißigste wird dem Hemmen der Rede eines Gegners zugeordnet.
20.YF.17: Das einunddreißigste soll Reittiere und Elefanten schützen, wenn es an ihrem Aufenthaltsort vergraben oder getragen wird.
20.YF.18: Das zweiunddreißigste soll Schiffe auf dem Meer vor Bedrängnis schützen und sie unerschüttert ans andere Ufer gelangen lassen. „Vielfältig sind die Kräfte der Yantras“, schließt die Quelle.
Gaben an die Nityās an den Mondtagen
20.YF.19: Die sechzehn Nityās werden der Reihe nach an den ihnen zugeordneten Tithis verehrt, jeweils mit Japa, Homa und den weiteren Handlungen.
20.YF.20: Als Gaben werden Ghee, Zucker, Milch, Kuchen, Banane, Honig, Guḍa, Kokosnuss, gepufftes Getreide, Sesam und Joghurt genannt …
20.YF.21: … ferner Getreideflocken, Kichererbsen, Mungbohnen und Milchreis. Beginnend mit dem ersten Mondtag werden sie der Reihe nach an den fünfzehn Tithis dargebracht.
20.YF.22: Diese Ordnung gilt für Kāmeśvarī und die übrigen Kräfte. Für die ursprüngliche Lalitā sind stets sämtliche genannten Gaben bestimmt.
20.YF.23: Mit den Speisegaben wird auch das Feueropfer vollzogen. Der weitere Ausdruck über eine Gabe „an die drei“ ist im Druck nicht eindeutig aufzulösen. Der Vers verbindet die tägliche Verehrung der Vidyā mit der Erfüllung des Erstrebten.
20.YF.24: Die den jeweiligen Vidyā-Lauten zugeordneten Pflanzenmittel werden in der angegebenen Menge zerrieben und zu Kügelchen geformt. Ihnen schreibt der Text vielfältige rituelle Wirkungen zu.
20.YF.25: Genannt werden außerdem tägliches Tarpaṇa, Verwendung beim Bad und als Trank sowie das Auftragen mit Sandel auf der Stirn. Damit wird die Verheißung aller Vollendungen verbunden.
20.YF.26: Besonders für Herrscher wird die fortgesetzte Schutzanwendung beim Bad, als Trank, beim Tragen oder in Form der genannten Kügelchen beschrieben.
20.YF.27: Die Quelle behauptet, Krankheiten, vorzeitiger Tod, schädigende Riten und von Grahas ausgehende Belastungen könnten dann nicht schaden. Daraus leitet sie die tägliche Verehrung im eigenen Haus ab.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Kāmeśvarīs. Die historischen Krankheits- und Schutzvorstellungen sind keine medizinischen Wirksamkeitsnachweise; insbesondere wird die Einnahme der genannten, hier nicht abschließend bestimmten Mittel nicht als heutige Praxis übernommen.
Anwendungen der Nityā Bhagamālinī
Nun folgt die Praxisdarstellung zu Bhagamālinī. Das Śrītantrarāja wird mit Kapitel 8, Vers 23 angeführt. Die neue Reihe wird hier als „BM“ gekennzeichnet.
20.BM.1: „Nun beschreibe ich das auf besondere Wünsche gerichtete Homa, dem vielfältige Ergebnisse zugeschrieben werden.“ Weiße Lotosblüten, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, werden im Text der Einflussnahme auf Brahmanen zugeordnet.
20.BM.2: Āragvadha-Blüten werden der Einflussnahme auf einen Herrscher, Karavīra auf einen Vaiśya, Utpala auf einen Śūdra und Hibiskus auf eine Frau zugeordnet. Diese Einteilung folgt der historischen Gesellschafts- und Ritualordnung der Quelle.
20.BM.3: Bilva wird mit Wohlergehen, Lotos mit Landbesitz, Kairava mit einem Reittier oder Fahrzeug verbunden. Die anschließend genannte Blütenbezeichnung „śephu“ ist unsicher; ihr wird großer Ruhm zugeordnet.
20.BM.4: Campaka wird mit Glück, roter Saugandhika mit Vollendung, Tagara mit Kleidung und Punnāga mit Schmuck verbunden.
20.BM.5: Madhūka wird dem Gewinnen einer Braut, Palāśa dem Goldgewinn, Kiṃśuka dem Erwerb feiner Gewänder und Pāṭala dem Erwerb von Vieh zugeordnet. Palāśa und Kiṃśuka werden hier trotz ihrer üblichen Nähe als Pflanzenbezeichnungen getrennt aufgeführt.
20.BM.6: Bakula und Utpala werden mit sämtlichen Vollendungen verbunden, Parameśvarī. „Nun beschreibe ich die Yantras, welche die erstrebten Ziele gewähren sollen.“
20.BM.7: Wer das Erstrebte erlangen möchte, zeichnet die Yantras mit Sandel, Aguru, Kampfer, Moschus und Kuṅkuma.
20.BM.8: Als Unterlagen nennt der Text Gold, Silber, Kupfer, eine nicht sicher bestimmte „taiṣuka“-Unterlage und Birkenrinde. Die Anordnung wird am Kopf, Oberarm, Hals, an der Taille oder am Unterarm getragen.
20.BM.9: Die Yantras können auch an einem geeigneten Ort aufgestellt und verehrt werden. Zwischen den Kreisen wird ein Sechseck angelegt; in dessen Mitte …
20.BM.10: … wird ein Yoni-Dreieck gezeichnet. Darin steht Māyā mit dem Namen des rituellen Zieles. In die drei Ecken und außen in die sechs Ecken werden die entsprechenden Laute eingetragen …
20.BM.11: … jeweils einzeln; die übrigen Laute stehen zwischen den Kreisen. Außen wird die Anordnung mit der Mātṛkā umgeben, innerhalb des Kreises mit Bindu versehen.
20.BM.12: So entstehen Yantras mit jeweils zehn Mantralauten. Beim letzten wird der Rest mit den sechzig Amṛta-Formen verbunden.
Erläuterung der vierzehn Bhagamālinī-Yantras
Zuerst wird ein Dreieck angelegt, darum ein Sechseck und außen vier Kreise. In der Mitte steht hrīṃ, in dessen Innerem der Name des rituellen Zieles erscheint. Die ersten drei Laute des Mūlamantras stehen in den drei Dreiecksecken, die nächsten sechs in den sechs Ecken des äußeren Sechsecks. Das zehnte Bīja wird im innersten der drei Ringzwischenräume geschrieben. Beginnend mit dem elften Laut wird dieser Zwischenraum mit den übrigen Mūlamantralauten gefüllt.
Zahlenbefund: An dieser Stelle nennt die Prosa 125 Laute für die fortlaufende Umschrift. Später rechnet sie ausdrücklich mit insgesamt 135 Mūlamantralauten; die vorausgehenden zehn und die verbleibenden 125 ergeben zusammen diese Zahl.
Im nächsten Ringzwischenraum stehen die Mātṛkā-Laute mit Bindu, im äußersten mit Visarga. Indem jeweils zehn aufeinanderfolgende Mūlamantralaute für die innere Anordnung verwendet werden, entstehen dreizehn Yantras. Die verbleibenden fünf Laute werden mit den fünf Amṛta-Bījas zu einer weiteren Zehnergruppe verbunden, die das vierzehnte Yantra bildet.
Die fünf Amṛta-Bījas werden mit zwölf Vokalen verbunden, unter Ausschluss der vier als Ṣaṇṭha bezeichneten Vokale. Daraus entstehen sechzig Formen. Mit Bindu und mit Visarga ergeben sich 120 Zeichenformen für den inneren Ringzwischenraum; außen folgen wiederum die beiden Mātṛkā-Reihen. So werden vierzehn Yantras hergestellt.
Die fünf Amṛta-Bījas
Eine neue Einzelstrophe, hier „AP“, lautet:
20.AP.1: Jyā, Ka, Dāva, Ambu und Hṛt bilden mit ihrer eigenen Endmarkierung und mit Māyā die fünf Amṛta-Formen. Durch die Verbindung mit den Vokalen entstehen achtzig Formen; mit der anderen Endmarkierung entsprechend nochmals achtzig.
Unnummerierter Nachsatz: Ebenso [entstehen] achtzig.
Eine weitere Einzelstrophe, hier „AV“, präzisiert:
20.AV.1: Ohne die Ṣaṇṭha-Vokale entstehen sechzig Formen; mit der anderen Endmarkierung ebenso viele. Als Amṛta-Gestalt innerhalb der Laute werden insgesamt 160 angegeben.
Unnummerierter Nachsatz: Ihre Anwendung wird im gesamten vorliegenden Tantra beschrieben.
Erläuterung der Kodierung: Jyā bezeichnet ja, Ka bezeichnet bha, Dāva bezeichnet ṭha, Ambu bezeichnet va und Hṛt bezeichnet sa. Die Prosa schreibt die Folge als „ja, bha, ṭha, va, sa“ aus. Mit Bindu entstehen fünf Formen, mit Visarga fünf weitere. Die Verbindung mit zwölf Vokalen ergibt sechzig; mit beiden Endmarkierungen werden daraus 120. Bei Verwendung aller sechzehn Vokale entstehen achtzig, mit beiden Endmarkierungen insgesamt 160.
Unterschied der Zählweisen: Die Zahlen 120 und 160 beziehen sich auf zwei ausdrücklich unterschiedene Vokalsätze: zwölf beziehungsweise sechzehn Vokale.
Zugeordnete Wirkungen
Die folgende Zweiversreihe wird als „BV“ gekennzeichnet:
20.BV.1: „Höre die Anwendungen der vierzehn Yantras, Geliebte“: Genannt werden Einflussnahme, Anziehung, Hemmung, Gesundheit, Sieg und Wohlergehen …
20.BV.2: … sowie Schutz für Elefanten, Pferde, Rinder, Schafe und Büffel und für Männer, Frauen und Herrscher, entsprechend der genannten Zuordnung.
Die kombinierte Reihe aus 456 Lauten
Eine neue Zweiversreihe, hier „NS“, lautet:
20.NS.1: Zu den Amṛta-Lauten und den Lauten des Mūlamantras kommen 161 Laute der vierzehn Nityās unter Ausschluss Lalitās. Der Druck bietet zunächst „likhitā“, danach in Klammern die erklärende Lesung „Lalitā“.
20.NS.2: Insgesamt werden 456 angegeben. „Höre nun den Aufbau der Yantras mit ihnen und die zugeordneten Ergebnisse, Geliebte.“
Die Prosa macht die Rechnung ausdrücklich: 160 Amṛta-Lautformen + 135 Mūlamantralaute + 161 Mantralaute der vierzehn Nityās ohne Lalitā = 456.
Weitere Yantra-Anordnung
Die nächste Versreihe wird als „BN“ gekennzeichnet:
20.BN.1: Es werden ein Dreieck, ein achtblättriger Lotos und außen zwei Kreise angelegt. In der Mitte steht der Name innerhalb des Māyā-Bījas; die weiteren Einträge beginnen an den Dreiecksecken …
20.BN.2: … setzen sich an den drei Zwischenstellen und auf den acht äußeren Blütenblättern fort. So werden vierzehn Laute eingetragen; zwischen den Kreisen steht die Mātṛkā-Reihe.
20.BN.3: Die Yantras werden durch Verehrung, Feueropfer, Japa und Begießung rituell vollendet und angewendet. Das dreiunddreißigste Yantra wird mit den fünf Amṛta-Bījas samt ihren Kräften gebildet … [Fortsetzung folgt im unmittelbaren Textanschluss.]
Erläuterung des vorhergehenden Yantras: Das Dreieck wird von einem Kreis umgeben, an den acht Blütenblätter anschließen; außen folgen zwei weitere Kreise. In der Mitte steht hrīṃ mit der Zielbezeichnung in seinem Inneren. Sechs Bījas verteilen sich auf die drei Dreiecksecken und die drei Zwischenstellen, acht weitere auf die Blütenblätter. Damit werden jeweils vierzehn aufeinanderfolgende Laute der zuvor genannten Gesamtmenge eingesetzt. Zwischen den beiden äußeren Kreisen steht die Mātṛkā-Reihe.
Für das dreiunddreißigste Yantra bleiben acht Laute übrig. Sie werden mit den fünf Amṛta-Bījas und dem Māyā-Bīja zu vierzehn ergänzt; die übrige Anordnung entspricht den vorangehenden Yantras.
Historische Anwendungen der 33 Yantras
Die nun neu einsetzende Versreihe wird als „BF“ gekennzeichnet. Sie ordnet den Yantras Krankheiten und Bedrängnisse zu; diese Zuordnungen sind Teil der historischen Ritual- und Krankheitslehre.
20.BF.1: Genannt werden heftiges Fieber, Śītikā, das viertägig wiederkehrende Fieber, Blasen- beziehungsweise Pustelbildung, Masūrikā, Augenleiden und im Bauch entstehende Beschwerden. Śītikā und Masūrikā werden als traditionelle Krankheitsbezeichnungen beibehalten.
20.BF.2: Es folgen Bedrängnisse durch Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas, Piśācas und Schlangenwesen, durch als Bālagrahas bezeichnete Kinderkrankheitsdämonen, ferner Unglück, Unfruchtbarkeit und Verfolgung durch Gegner.
20.BF.3: Hinzu kommen Streit, Unmāda, der Zorn eines Herrschers, Furcht vor Räubern sowie die angenommene Bedrängnis durch sechs Scharen, beginnend mit Ḍākinīs, und durch Brahmarākṣasas. Unmāda bezeichnet hier einen traditionellen Komplex schwerer geistiger beziehungsweise psychischer Störung.
20.BF.4: Prameha, Kāmalā, Erbrechen und die drei durch die Doṣas erklärten Krankheitsarten schließen die Aufzählung ab. Die 33 Yantras werden ihnen nach der genannten Weise der Reihe nach zugeordnet, Īśvarī.
Gemeinsame Verehrung der Nityās
20.BF.5: „Höre, Göttin, ich erkläre nun die gemeinsame Verehrung von Kāmeśvarī und den übrigen Nityās“, unter Unterscheidung der Hauptgestalt und ihrer Glieder.
20.BF.6: Die Mantralaute der fünfzehn Nityās werden mit 296 angegeben. Aus ihnen wird das Cakra für diese Verehrung gebildet.
20.BF.7: Zwanzig Linien werden von Osten nach Westen und zwanzig von Süden nach Norden gezogen. Dadurch entstehen quadratische Felder, Pārvatī …
20.BF.8: … insgesamt 361. Beginnend im Nordosten werden die Laute im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend eingetragen, bis ihre Zahl ausgeschöpft ist.
20.BF.9: Es bleiben 65 Felder. In den vier Richtungen, im Osten beginnend, werden jeweils vier Felder zu einer Gruppe zusammengefasst …
20.BF.10: … und Māyā wird mit der gewünschten Zielbezeichnung in ihrem Inneren eingetragen. Die verbleibenden 49 Felder werden zu einer Fläche vereinigt.
20.BF.11: Darin wird ein vierzehnblättriger Lotos angelegt, außen von zwei Kreisen umgeben. In seine Mitte kommt ein Yoni-Dreieck, das Māyā in sich trägt.
20.BF.12: Auch auf den vierzehn Blütenblättern wird das Śakti-Bīja eingetragen. Im mittleren Bīja wird Bhagamālinī angerufen und verehrt; außen …
20.BF.13: … werden die anderen Nityās vom Westen bis zur nordwestlichen Richtung angerufen und verehrt. Diese Anordnung ist ihnen als gemeinsames Cakra zugeordnet.
20.BF.14: Jeweils die gerade hauptsächlich verehrte Göttin steht in der Mitte; die übrigen nehmen die entsprechenden Blütenblätter ein, der Reihe nach bis Citrā. Die letzte Wortverbindung des Verses ist im Druck sprachlich unsicher; das Prinzip wechselnder Mitte und umgebender Nityās wird durch den Zusammenhang deutlich.
20.BF.15: Außen werden zwei Quadrate mit Toren in den vier Richtungen angelegt. Zu beiden Seiten der Tore und in den Ecken werden zwölf Gestalten der Reihe nach verehrt.
20.BF.16: Links und rechts des westlichen Tores stehen Brāhmī und Māheśvarī; am nördlichen Kaumārī und Vaiṣṇavī; am östlichen Vārāhī und Aindrī.
20.BF.17: Am südlichen Tor stehen Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. In den Ecken, im Nordwesten beginnend, werden Raum beziehungsweise Ort, Zeit, Gestalt und Laut in der genannten Reihenfolge eingesetzt.
Ausführliche Erläuterung des Gitters
Die Prosa wiederholt die Anlage aus zwanzig waagerechten und zwanzig senkrechten Linien. Beginnend mit dem nordöstlichen Feld werden die 296 Laute der fünfzehn Nityā-Mantras im Uhrzeigersinn nach innen eingetragen. Von den verbleibenden 65 Feldern werden in den vier Richtungen jeweils vier, insgesamt sechzehn, freigemacht und zusammengefasst. In jede dieser vier Flächen kommt hrīṃ mit dem Namen des rituellen Zieles.
Die 49 übrigen Mittelfelder werden vereinigt. Dort entsteht der vierzehnblättrige Lotos mit zwei äußeren Kreisen. In seiner Mitte wird das Dreieck gezeichnet und darin hrīṃ geschrieben; auch auf allen Blütenblättern steht das Māyā-Bīja. Außen folgen die beiden Quadrate mit vier Toren.
In der Mitte wird Bhagamālinī angerufen. Auf den vierzehn Blütenblättern werden die übrigen Nityās, von Nityaklinnā bis Citrā, vom Westen bis zum Nordwesten verehrt. Die Rechnung der Flächen ist damit nachvollziehbar: 361 − 296 = 65; 65 − 16 = 49.
Je nachdem, welche Nityā in der Mitte verehrt wird, beginnt die Verehrung der vierzehn übrigen mit der unmittelbar auf sie folgenden Nityā. Außen stehen Brāhmī und die weiteren Kräfte zu beiden Seiten der vier Tore. In den Ecken werden Raum beziehungsweise Ort, Zeit, Gestalt und Laut verehrt. Die Prosa beginnt hierbei im Südosten, während 20.BF.17 den Nordwesten nennt; diese Richtungsabweichung bleibt dokumentiert.
Gaben und Dauer der gemeinsamen Verehrung
Die neue Versreihe wird als „BP“ bezeichnet:
20.BP.1: Die Göttinnen werden in den beschriebenen Gestalten mit den entsprechenden Verehrungsgaben geehrt, darunter auch Āsava, Fisch und sorgfältig zubereitetes Fleisch.
20.BP.2: Hinzu kommen Kuchen, Milchreis, angenehm kühle und gezuckerte Milch, Bananen, Jackfrüchte und weitere süße Früchte.
20.BP.3: Durch diese Speisegaben sowie Tanz, Gesang und weitere Darbietungen wird die Göttin erfreut. Die Verehrung dauert eine, drei, fünf oder sieben Nächte …
20.BP.4: … neun Nächte, einen Halbmonat, einen ganzen Monat oder länger, ein Jahr oder bis zum Ende des Monats Phālguna. Damit wird die Beseitigung aller Bedrängnis verheißen.
20.BP.5: Als Anlässe nennt der Text ungünstige Graha-Einflüsse, langwierige Krankheiten, ungewöhnliche Veränderungen, unheilvolle Erscheinungen im Bereich der Gottheiten sowie die dreifachen Störungen und Abhicāra …
20.BP.6: … ferner Armut, das Streben nach Sieg, Hungersnot, Verfolgung durch Gegner und andere schwere Nöte. Diese Pūjā wird als alle Wünsche erfüllend bezeichnet.
20.BP.7: Ein ebener Sitz beziehungsweise Altar oder ein Pavillon mit Altar wird hergerichtet. Die beschriebene Anordnung wird mit den angegebenen Gegenständen verehrt.
20.BP.8: Genannt werden Nameru, Campaka, Aśoka, Punnāga, Bakula, Lotos, Mallikā, Mālatī, Jāti, Śatapatra, Utpala …
20.BP.9: … sowie weitere duftende Blumen. Mit gesammeltem, erfülltem Geist werde die Pūjā vollzogen. Auch andere Menschen, die dieser Vidyā mit Hingabe und Verehrung verbunden sind, werden geehrt.
Das Yonyarṇava-Cakra in der historischen Rituallehre
20.BP.10: Ein weiteres, „wunderbar anzuschauendes“ Cakra heißt Yonyarṇava, „Ozean der Yoni-Dreiecke“. Die Quelle beschreibt es mit dem Bild eines Donnerkeils, der den „Berg des Stolzes einer Frau“ zerbricht.
Zur Einordnung: Die folgenden Verse schildern eine auf die Überwindung des Willens einer Frau gerichtete rituelle Fantasie. Die Übersetzung dokumentiert diese Vorstellung und ihre behaupteten Wirkungen; sie ist keine Empfehlung für zwischenmenschliches Verhalten.
20.BP.11: Auf ebener Fläche wird ein Yoni-Dreieck von sechzehn Fingerbreiten angelegt. Darin werden elf Linien beziehungsweise Schnüre in Fingerbreitenabständen eingezogen.
20.BP.12: Dadurch sollen 144 Yoni-Dreiecke entstehen. In diese werden die Mantralaute …
20.BP.13: … fortlaufend im Uhrzeigersinn nach innen geschrieben. In den neun verbleibenden Feldern in der Mitte …
20.BP.14: … werden die neun Nāthas eingetragen. Danach wird die Bezeichnung der betreffenden Person zusammen mit dem Ritualzweck wiederholt in die Anordnung geschrieben.
20.BP.15: Um Mitternacht wird die betreffende Frau als vom Feuer des Verlangens erfasst und innerlich überwältigt vorgestellt, mit über dem Kopf zusammengelegten Händen …
20.BP.16: … mit gelöstem Haar, bewegten Augen und stark geröteter Erscheinung, ihr Körper wie ein vom Wind bewegtes Banner …
20.BP.17: … ihrer Unterscheidungskraft beraubt, berauscht und jenseits von Stolz, Scham und Furcht. Während dieser Vorstellung wird das Cakra mit der unbekleideten Göttin in seiner Mitte verehrt.
20.BP.18: Als Blumengaben nennt der Text Hibiskus, Granatapfelblüten, Bandhūka, Kiṃśuka, duftende Śephālikā und weitere duftende Blüten.
20.BP.19: Nach 21 Nächten, so die Behauptung der Quelle, komme die Frau in der beschriebenen Verfassung herbei und bleibe bis zum Lebensende unablässig wie ein Schatten bei dem Übenden.
Die Prosa bezeichnet die Anwendung als damit erklärt. Hier endet die Darstellung der Anwendungen Bhagamālinīs.
Beginn der Anwendungen Nityaklinnās
Das Śrītantrarāja wird mit Kapitel 9, Vers 23 angeführt. Die neue Versreihe wird als „NK“ gekennzeichnet:
20.NK.1: „Höre, Göttin: Ich erkläre die rechte Sādhana der Vidyā, welche die erhofften Ergebnisse gewährt und durch die man zur Ausführung ihrer Anwendungen befähigt wird.“
20.NK.2: Der Übende beherrsche seine Sinne, nähre sich von Haviṣya-Speise und halte die dreimal tägliche rituelle Ordnung ein. Nach der zuvor beschriebenen Rezitation werden Homa und Tarpaṇa mit der entsprechenden Zehntelzahl vollzogen.
20.NK.3: Als Feueropfergaben werden honigbestrichene Madhūka- oder Bakula-Blüten genannt. Für Tarpaṇa dient Wasser, das mit Kampfer, Sandel und Moschus duftet.
20.NK.4: So wird der täglich Verehrende nach dieser Lehre zur Anwendung der Vidyā befähigt. Ihr ergeben, wiederhole er sie tausendmal und verfahre nach der angegebenen Weise.
20.NK.5: Dem Homa mit roten, mit den drei süßen Stoffen bestrichenen Lotosblüten wird Wohlergehen zugeschrieben. Rote Kairava-Blüten werden in derselben Weise der Einflussnahme auf Frauen zugeordnet.
20.NK.6: Mallikā-, Mālatī-, Jāti- und Śatapatra-Blüten werden für das Homa mit der Milch einer weißen Kuh benetzt, deren Kalb dieselbe Farbe hat.
20.NK.7: Damit verbindet die Quelle Ruhm, Wissen, Vermögen, Gesundheit, Glück und Sieg. Anschließend nennt sie Āragvadha-Blüten sowie Lodhra und Arka …
20.NK.8: … für Goldgewinn und das Hemmen eines Gegners beziehungsweise des Zorns von Herrschern. Rote Karavīra-Blüten, mit Ghee bestrichen, werden …
20.NK.9: … roten Gewändern, der Einflussnahme auf Frauen, Herrscher und Amtsträger sowie Erfolg mit Schmuck, Reittieren und Handel zugeordnet.
Historische Schadens- und Zwangsrituale
Die folgenden Verse enthalten schädigende Ritualvorstellungen. Die beschriebenen Wirkungen sind Behauptungen des historischen Textes.
20.NK.10: Ein nächtliches Homa mit Salz und weißen oder anderen Senfsamen, mit dem entsprechenden Öl benetzt, wird mit dem Herbeiführen einer begehrten Frau verbunden.
20.NK.11: Ölbenetzte Blüten der dunklen Arka werden einem nächtlichen Schadensritus zugeordnet. Die Quelle behauptet, der Gegner werde innerhalb eines Monats von schwerem Fieber geplagt.
20.NK.12: Das nächtliche Homa mit Samen, die mit Āruṣkara-Fett bestrichen sind, soll dem Gegner schwer behandelbare Wunden zufügen.
Erläuternde Prosa: Āruṣkara-Fett wird ausdrücklich als Bhallātaka-Öl erklärt; mit den Samen sind Bhallātaka-Samen gemeint.
20.NK.13: Denselben Mitteln sowie Vānīra und Aṅkola in diesem Öl wird sogar eine tödliche Wirkung gegen den Gegner zugeschrieben.
20.NK.14: Ein nächtliches Homa mit Pfeffer, Senf und Ghee wird mit der Behauptung verbunden, nach einem Monat komme die begehrte Frau vom Verlangen erfasst herbei.
20.NK.15: Für sieben Nächte wird eine entsprechende Anwendung mit Pfeffer und Senf genannt. Sie soll eine schwer erreichbare, standhafte und auf ihre gesellschaftliche Stellung bedachte Frau herbeiführen. Die Charakterisierung ist im Druck sprachlich verkürzt.
Gaben für Nahrung und Wohlergehen
20.NK.16: Tägliches Homa mit Speise und Ghee, 108 Gaben, soll nach der Verheißung das Haus mit Nahrung füllen und dem Übenden deren Genuss ermöglichen, Geliebte.
20.NK.17: Gheegetränkter Śāli-Reis wird mit dem Erwerb von Reis verbunden. Die anschließende Bezeichnung einer weiteren gheegetränkten Gabe ist nicht sicher lesbar; ihr wird die Erfüllung des Erstrebten zugeschrieben.
Ritualfiguren als Stellvertreter
20.NK.18: Die Quelle beschreibt eine Figur aus Pulver des dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Baumes, Staub ihrer Fußspur, Senf, Pfeffer und Salz, die nachts dem Feuer übergeben wird.
20.NK.19: Die Teile der Figur werden von den Füßen über Unterschenkel, Knie und Oberschenkel bis zum Unterleib, dem Bereich unterhalb des Nabels und dem Abschnitt vom Herzen zum Hals getrennt …
20.NK.20: … zuletzt der Kopf. Der Vers spricht von zwölf Darbringungen und behauptet für Männer, Frauen und Herrscher …
20.NK.21: … nach sieben Tagen Unterwerfung, Fieber oder Tod entsprechend dem Wunsch des Ritualausführenden. Gemeint ist hier eine symbolische Figur; der Text beschreibt an dieser Stelle keine Zerteilung eines Menschen.
Abweichende Zählung in der Prosa: Die anschließende Erläuterung zählt acht Darbringungen statt zwölf. Sie nennt dieselben fünf Stoffgruppen, dann Nyāsa und Prāṇa-Pratiṣṭhā an der Figur. Die acht Teile sind: Füße, Unterschenkel, Knie, Oberschenkelpaar, Bereich unterhalb des Nabels, Abschnitt vom Herzen bis zum Nabel, Abschnitt vom Hals bis zum Herzen und Kopf. Die Abweichung zwischen Vers und Prosa bleibt erhalten.
20.NK.22: Eine weitere Figur wird aus Mehl mit Guḍa, Pfeffer und Kreuzkümmel beschrieben. Im Herzbereich wird der Name der betreffenden Person angebracht.
20.NK.23: Die Figur wird in dem aus dem namensbezogenen Homa stammenden Ghee gegart. Während sie mit der Hand berührt wird, erfolgt eine tausendfache Mantrarezitation.
20.NK.24: Nach der Verehrung wird die mit diesem Ghee versehene Figur unter weiterer Rezitation und Vorstellung der Zielperson verzehrt. Die Quelle verbindet damit die Behauptung lebenslanger Gefügigkeit von Männern, Frauen und Herrschern.
Ausführliche Erläuterung der Quelle: Die Prosa wiederholt die Herstellung aus Reismehl, Guḍa, Pfeffer und Kreuzkümmel und das Schreiben des Namens im Herzbereich. Der Name wird in den Mūlamantra eingefügt; dazu werden tausend Ghee-Gaben im Feuer und die rituelle Widmung beschrieben. Die Figur wird in einem Gefäß mit dem zugehörigen Sampāta-Ghee wie eine Speise gegart. Nach erneutem Berühren und tausend Wiederholungen des namensbezogenen Mantras wird die Gottheit in der Figur angerufen und verehrt.
Für jede umgebende Śakti nennt der Text die Formel: „Bringe die betreffende Person unter meine Gewalt; ich verehre die Pādukā der betreffenden Gottheit.“ Räucherwerk, Licht und die übrigen Gaben folgen. Schließlich wird die Figur mit dem Ghee unter Rezitation und entsprechender Vorstellung verzehrt. Damit wird erneut die zuvor behauptete Wirkung verbunden.
20.NK.25: Aus denselben Teigstoffen wird eine handförmige Figur hergestellt, in deren Mitte der Name der Zielperson deutlich steht. Sie wird wie zuvor gegart und verzehrt …
20.NK.26: … was nach der Quelle ein Jahr lang Gefügigkeit bewirken soll. Für eine weitere namensbezogene Zubereitung wird die halbe Dauer angegeben.
Erläuterung und abweichende Formangabe: Die Prosa spricht statt einer Handform von einer rundlichen Form aus den genannten Teigstoffen. Für das zuvor beschriebene Verfahren nennt sie ein Jahr; für die Rezitation des namensbezogenen Mūlamantras ohne den vollständigen übrigen Ritus sechs Monate. Danach werde die Handlung wiederholt. Diese Angaben werden als historische Wirkungsbehauptungen wiedergegeben.
Tarpaṇa und die zugeschriebenen Wirkungen
20.NK.27: Kokoswasser beim Tarpaṇa wird der Einflussnahme auf Frauen, kampferduftendes Wasser der Einflussnahme auf Menschen allgemein zugeordnet.
20.NK.28: Mit Meerwasser wird die Behauptung verbunden, alle Menschen würden zu Dienern; salzhaltigem Wasser wird wiederum Einfluss auf Frauen zugeschrieben.
20.NK.29: Reines Wasser, unter Nennung einer Person einen Monat, einen halben Monat oder sieben Nächte dargebracht, soll diese Person dauerhaft gefügig machen.
20.NK.30: Mit Ketaka duftendes und mit Kampfer versehenes Kokoswasser wird mit der Behauptung verbunden, Frauen gäben dem Ritualausführenden Leben und Vermögen hin.
20.NK.31: Nameru-duftendes Wasser wird der Einflussnahme auf Herrscher, Campaka-duftendes Wasser der allgemeinen Beliebtheit zugeordnet.
20.NK.32: Wasser mit Pāṭalī- und Śatapatra-Duft soll bewirken, dass der Übende überall Bewunderung hervorruft.
20.NK.33: Moschusduftendes Wasser wird als Mittel zu allen Vollendungen bezeichnet. Wasser mit Kampfer- und Sandelduft …
20.NK.34: … soll innerhalb eines Ritualzyklus das Erstrebte verwirklichen. Mit geröstetem Getreidemehl vermischtem Wasser wird dauerhafter Besitz von Vermögen, Getreide und weiteren Gütern zugeordnet; die gedruckte Satzverbindung ist verkürzt.
20.NK.35: Wasser mit Guḍa wird nachts zur angenommenen Beseitigung von Hindernissen genannt. Wasser mit dem Saft einer im Druck als „viṣvā“ bezeichneten Frucht wird der Erzeugung von Feindschaft zugeordnet; die Pflanzenidentität bleibt ungesichert.
20.NK.36: Heißes Wasser mit Pfeffer wird in der Schadensrituallehre dem Tod eines Gegners zugeordnet, heißes Wasser allein schwerem Fieber.
20.NK.37: Wasser mit dem Saft von Nimba-Blättern soll gegenseitige Feindschaft unter Gegnern erzeugen und zu ihrem Untergang führen.
20.NK.38: Senföl beim Tarpaṇa wird mit der Behauptung verbunden, Gegner würden durch Durchfall und andere Bauchleiden stark bedrängt.
Die Prosa bezeichnet die Bedeutung als unmittelbar verständlich. Die aufgeführten Krankheiten und Wirkungszusagen gehören zur historischen Ritualvorstellung; die Passage belegt keine entsprechende tatsächliche Wirkung.
Weitere Yantras Nityaklinnās
20.NK.39: „Höre nun, Herrin der Götter, die Yantras, denen die Erfüllung der Wünsche zugeschrieben wird.“ Die letzte Wendung über das Erlangen ihrer Kräfte enthält die auffällige Lesung „bharjana“; eine Druckvariante bietet „bhavana“. Sie wird hier nicht zu einem zusätzlichen sicheren Arbeitsschritt erweitert.
20.NK.40: Innerhalb der Anordnung aus Sechseck und Kreis wird ein weiterer Kreis mit dem Namen angelegt. Dort steht der erste Laut der Vidyā; die sechs folgenden Laute …
20.NK.41: … stehen der Reihe nach in den sechs Ecken. Die vier übrigen Laute werden zwischen den Kreisen in den Richtungen, zwischen den Ecken, geschrieben.
20.NK.42: Zehn Elementlaute werden der Reihe nach in Zweier- und Dreiergruppen eingesetzt. Indem jeweils andere Laute in die Mitte kommen, entstehen elf Formen.
20.NK.43: Durch die jeweilige Verbindung mit Elementlauten wird die Zahl 505 angegeben. „Höre diese Anordnungen nun der Reihe nach, Parameśānī.“ Die knappe Kombinationsregel wird hier ohne ergänzte Herleitung wiedergegeben.
20.NK.44: Bei allen wird außen ein weiterer Kreis angelegt und ringsum die Mātṛkā geschrieben. Danach werden ihre Anwendungen erläutert.
20.NK.45: Drei Formen werden der Einflussnahme, zwei der Anziehung und zwei der Befriedung zugeordnet. Die Unterscheidungen entstehen durch die unterschiedliche Einsetzung der Namenslaute in der Mitte.
20.NK.46: Insgesamt werden 27 unterschiedliche Wirkungsarten genannt. „Höre nun, Herrin der Götter, die übrigen Anwendungen in ihrer Reihenfolge.“
20.NK.47: Es folgen Hemmung, Verblendung, Entzweiung, Vertreibung, Tötung, Bedrängnis durch Krankheiten und die Vernichtung einer Familie …
20.NK.48: … außerdem Schutz für Elefanten, Pferde, Kamele, Esel, Büffel, Schafe, Rinder, Männer und Frauen sowie Sieg über Gegner im Kampf. [Die Aufzählung läuft weiter.]
20.NK.49: [Fortsetzung der Wirkungsaufzählung:] im Zweikampf, im Streitgespräch, in Rechtsangelegenheiten und beim Würfelspiel; außerdem Schutz für Städte, Dörfer und Bezirke.
Erläuternde Prosa: Zuerst wird ein Kreis, außen darum ein Sechseck und um dieses eine Folge von drei Kreisen angelegt. In die Mitte kommt das erste der elf Bījas der Nityaklinnā-Vidyā zusammen mit dem Namen der Zielperson. Die sechs folgenden Bījas stehen in den sechs Ecken; die vier verbleibenden Laute stehen außerhalb des Sechsecks zwischen zwei Kreisen in den vier Richtungen. Im äußeren Zwischenraum werden zehn zur beabsichtigten Wirkung gehörende Elementlaute abwechselnd zu zweien und dreien auf die vier Richtungen verteilt. Ein weiterer äußerer Kreis enthält die Mātṛkā-Buchstaben. So wird das erste Yantra erklärt. Für das zweite steht der zweite Laut des Mūlamantras in der Mitte; das Übrige wird wie zuvor angeordnet. Entsprechend entstehen die weiteren Formen mit dem dritten und den folgenden Bījas, insgesamt elf Yantras.
Die Prosa ordnet ihnen 27 Anwendungen zu: dem ersten drei Formen der Einflussnahme, dem zweiten zwei Formen der Entzweiung und dem dritten zwei Formen der Befriedung. Den übrigen acht sollen jeweils drei Anwendungen, beginnend mit Hemmung, zukommen. Die Unterschiede entstehen durch die Namenslaute in der Mitte und die zur jeweiligen Absicht passenden zehn Elementlaute.
Textabweichung: Diese Erläuterung nennt beim zweiten Yantra Entzweiung, während Vers 45 zuvor Anziehung nennt. Auch die hier ausformulierte Verteilung ergibt rechnerisch 31 statt der angegebenen 27 Anwendungen. Beide Angaben bleiben als Überlieferungsbefund erhalten.
Sechzehn weitere Yantras und ihre historischen Wirkungszuschreibungen
20.NK.50: Werden aus der Vidyā die wiederholten Laute ausgeschieden, bleiben elf verschiedene Laute. Durch ihre Verbindung mit den Vokalen entstehen, Maheśvarī, wie zuvor …
20.NK.51: … 176 zum Mantra gehörende Lautformen. Sie werden in Gruppen von jeweils elf in die zuvor beschriebenen Yantras eingetragen.
20.NK.52: Die Anordnung wird mit der Mātṛkā-Vidyā umgeben und mit dem betreffenden Namen verbunden. Nun werden die Anwendungen dieser sechzehn Yantras erklärt.
Erläuternde Prosa: Die elf nicht wiederholten Grundlaute werden als „ha ra na ta ya ka la ma da va sa“ angegeben. Mit den sechzehn Vokalen ergeben sie 176 Lautformen. Je elf kommen in ein Yantra; dadurch entstehen sechzehn Yantras. Es folgen die ihnen zugeschriebenen Wirkungen.
20.NK.53: Das erste Yantra wird der Beherrschung von Mädchen beziehungsweise unverheirateten jungen Frauen zugeordnet. Mit Besprengung und dem Tragen desselben wird zugleich die Behauptung verbunden, ihre Bedrängnis werde gestillt.
20.NK.54: Während der Mantra geistig wiederholt wird, soll damit ein Āveśa, ein Zustand göttlicher Ergriffenheit, hervorgerufen werden. Die junge Frau wird dabei als von der Gottheit erfüllt vorgestellt; Sarja-Harz dient als Räucherstoff.
20.NK.55: Die so Ergriffene wird mit den zuvor festgelegten Gaben verehrt und nach den im Tantra bezeichneten Gegenständen befragt. Der Text behauptet, sie spreche dann aus ihrem eigenen Inneren darüber.
20.NK.56: Nach erneuter Verehrung wird sie mit dem eigenen Selbst verbunden vorgestellt; der Ausführende soll seinerseits mit ihrem Selbst eins werden. Das Tragen des Yantras wird außerdem als Mittel gegen anderweitig hervorgerufenen Āveśa bezeichnet. Die knappe Wendung über diese Verbindung bleibt auslegungsbedürftig.
Einordnung: Diese Verse beschreiben eine historische Orakel- und Besessenheitsvorstellung. „Kanyā“ bestimmt hier kein gesichertes Alter; die Übersetzung legt deshalb weder Volljährigkeit noch eine moderne psychologische Diagnose zugrunde.
20.NK.57: Dem zweiten Yantra, mit flüssigem rotem Ocker auf Stoff geschrieben und zwischen die Beteiligten gelegt, wird der Sieg über einen Gegner im Streitgespräch zugeschrieben …
20.NK.58: … selbst ein sehr gewandter Redner werde dadurch augenblicklich mit starrer Zunge, handlungsunfähig, trockenem Mund und unstetem Blick dastehen …
20.NK.59: … in alle zehn Richtungen schauen und ohne Rücksicht auf seine Ehre davonlaufen; oder er falle rasch zu Füßen des anderen und erkläre: „Ich bin besiegt.“
20.NK.60: Das dritte wird als mit Kurkumawasser auf Stoff oder eine Scherbe geschrieben beschrieben, auf heißem Boden niedergelegt …
20.NK.61: … oder unter einer Feuerstelle. Damit verbindet der Text die Behauptung, binnen zwei oder drei Tagen würden Zorn, Bewegung, Denken, Sprache und sämtliche Kampfhandlungen eines Gegners gehemmt.
20.NK.62: Für die Begegnung mit einem heranziehenden Gegner nennt der Text nächtliches Vergraben auf dessen Weg und eine Bali-Darbringung nach einer zuvor genannten Vorschrift. Der Rückverweis am Versende ist sprachlich unsicher und wird nicht zu einer zusätzlichen Ritualanweisung ausgebaut.
20.NK.63: Dadurch, so die Behauptung, werde sein Heer zerrüttet, geschwächt, mutlos und verängstigt; kraft des Yantras könne es dem Ausführenden nicht mehr entgegentreten. Der Druck enthält in der zweiten Vershälfte eine gestörte Lautfolge.
20.NK.64: Das vierte wird als nach der früheren Vorschrift auf ein Brett aus dem dem Geburtsstern des Gegners zugeordneten Baum geschrieben beschrieben und in dessen Stadt niedergelegt …
20.NK.65: … mit der Behauptung, der Gegner gehe durch Bedrängnis zugrunde, die aus Feinden, Krankheit und Ähnlichem entstehe. Für die jeweiligen Anwendungen verlangt der Text zugleich Schutzmaßnahmen für den Ausführenden selbst.
20.NK.66: Das fünfte, sechste, siebte, achte und neunte Yantra werden dem Schutz von Land, Stadt und Wohnsitz zugeordnet.
20.NK.67: Die auf Kupferplatten dargestellten Yantras werden vom Osten aus in den vier Hauptrichtungen, außerdem in den Zwischenrichtungen beginnend mit Südosten sowie in der Mitte aufgestellt.
20.NK.68: Das neunte kommt entsprechend der genannten Anordnung in die Mitte. Im eigenen Land, in der Stadt oder im königlichen Wohnsitz werden sie nach der angegebenen Reihenfolge eingegraben.
20.NK.69: Feindliche Kṛtyā-Rituale in furchtbarer Gestalt könnten dann, so die Vorstellung, nicht eindringen und vernichteten stattdessen ihren Urheber.
20.NK.70: Das zehnte, auf Silber geschrieben und als Schutzpanzer getragen, soll einem Kämpfer beim Eintritt in die Schlacht ermöglichen, das gegnerische Heer rasch zu zerschlagen und in die Flucht zu treiben.
20.NK.71: Das elfte, mit in Kurkumawasser angeriebenem Ocker auf Stoff geschrieben und aufgestellt, wird mit der Behauptung verbunden, es stille rasch den Krieg der Könige.
20.NK.72: Das zwölfte, mit Kampfer und Safran auf Birkenrinde geschrieben und getragen, wird dem umfassenden Schutz von Menschen zugeordnet.
20.NK.73: Das dreizehnte, auf ein Palmblatt geschrieben, mit Tāla bestrichen, in eine Wand eingesetzt und verehrt …
20.NK.74: … soll das Haus vor Krankheit, Dieben, Besessenheitsmächten, Schlangen, Herrschern, Gegnern und sonstigen übelgesinnten Bedrängern schützen. Die letzte Wortbildung im Druck ist ungewöhnlich. Tāla bezeichnet hier vermutlich ein arsenhaltiges gelbes Pigment; die Quelle wird als historischer Ritualtext wiedergegeben, nicht als heutige Materialempfehlung.
20.NK.75: Dem vierzehnten, auf Birkenrinde geschrieben und getragen, wird unvergleichliches eheliches Glück für Frauen zugeschrieben.
20.NK.76: Das fünfzehnte, auf einer Goldplatte getragen, soll nach dem Text sogar einer unfruchtbaren Frau einen tugendreichen, langlebigen Sohn verschaffen.
20.NK.77: Das sechzehnte wird in der genannten Gestalt mit einer rituellen Besprengung verbunden und getragen. Es soll einer Frau Vorrang gegenüber den anderen Frauen desselben Mannes und seine besondere Zuneigung verschaffen.
20.NK.78: Auf Birkenrinde geschrieben und getragen, wird ihm ferner jederzeitiger Schutz aller Menschen vor Herrschern, Dieben, Besessenheitsmächten und Ähnlichem zugeschrieben.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Nityaklinnās.
Bheruṇḍā-Nityā: Voraussetzungen und erste Yantras
Nun folgt die Darstellung der Anwendungen Bheruṇḍā-Nityās. Zitiert wird der Śrītantrarāja, zehntes Kapitel, ab Vers 21. Die örtliche Verszählung beginnt neu; sie erhält hier das Kennzeichen BR.
20.BR.1: Nach dem Bad, schweigend und von Milch lebend, werden neun Lakṣas, also 900.000 Wiederholungen, vorgeschrieben. Ein Zehntel davon wird als Homa mit Lotusblüten genannt, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind.
20.BR.2: Ebenso viele Tarpaṇa-Darbringungen sollen mit Wasser erfolgen, das mit Kampfer und Sandel duftet. Die Göttin wird täglich verehrt; außerdem werden tausend Mantrawiederholungen angegeben.
20.BR.3: Danach sollen die vom eigenen Guru unterwiesenen Anwendungen vorschriftsgemäß ausgeführt werden. Andernfalls, warnt der Text, blieben sie fruchtlos und könnten vielmehr den Ausführenden selbst vernichten.
20.BR.4: Aus den drei Bījas, beginnend mit dem zweiten, und dem sechsten wird die als Nigraha, „Zügelung“, bezeichnete Formel erklärt. Die andere entsteht aus drei Bījas und den beiden letzten. Die zweite Angabe benennt die erste Dreiergruppe nicht erneut ausdrücklich.
20.BR.5: Für das Yantra werden ein Sechseck und zwei Kreise genannt. In der Mitte steht der zweite Laut zusammen mit dem Namen der Zielperson; in den Ecken stehen die drei anderen Laute.
20.BR.6: In den unteren Ecken werden dieselben stets mit Visarga geschrieben. Zwischen den beiden Kreisen werden sie von den Luftlauten zusammen mit dem Namen umgeben …
20.BR.7: … und mit Mantrarezitation verbunden. Das Niederlegen auf einem Verbrennungsplatz bei einer Mondstellung im achten Zeichen vom Zeichen des Gegners wird einem Ritual der Entzweiung zugeordnet.
Erläuternde Prosa: Um das Sechseck liegen zwei Kreise. In seiner Mitte steht der zweite Laut der neunlautigen Grundformel Bheruṇḍās, in den die Namen einbezogen werden, zusammen mit der Aufforderung: „Bewirke, bewirke Entzweiung zwischen dieser und jener Person.“ In den oberen drei Ecken stehen das dritte, vierte und sechste Bīja mit Bindu; in den unteren drei Ecken dieselben mit Visarga. Zwischen den äußeren Kreisen werden die zehn Luftlaute mit den eingesetzten Namen angeordnet. Dem wird die zuvor genannte Wirkung zugeschrieben.
20.BR.8: Als weitere rituelle Schreibstoffe nennt die Quelle Kohle vom Verbrennungsplatz, mit Nimba-Blattsaft verrieben, sowie Bestandteile von Katze und Maus; dazu werden zweitausend Wiederholungen der Formel angegeben. [Die Beschreibung setzt sich auf der nächsten Seite fort.]
Die anschließende Worterklärung setzt pṛṣat mit Katze und ākhu mit Maus gleich.
20.BR.9: Die Beschreibung nennt das Schreiben auf Haut vom Gesicht eines Leoparden und auf Haut vom Maul eines Rindes sowie die Verbindung mit dem Namen. Die räumliche Angabe am Versende ist im Druck gestört; die folgende Prosa erklärt sie als Osten oder Norden der gegnerischen Person.
20.BR.10: Die beiden beschriebenen Stücke werden übereinander zwischen Steine gelegt. An den beiden Tagesübergängen wird die zuvor genannte Anzahl rezitiert. Damit verbindet die Quelle den Anspruch, einen Gegner im Streitgespräch zu besiegen.
Prosaerklärung: Gemeint sei nördlich oder östlich vom Gegner. „Oben und unten“ bezeichnet zwei Steine, einen darüber und einen darunter. Die beiden Tagesübergänge sind Morgen und Abend; die genannte Zahl beträgt hier tausend.
20.BR.11: Schon beim Anblick des Gesichts des Ausführenden, behauptet der Text, verliere der andere den Mut, bleibe ohne Antwort und fliehe oder sage: „Ich bin besiegt.“
20.BR.12: Für den Sieg im Streitgespräch wird außerdem ein Yantra in der genannten Anordnung beschrieben, geschrieben mit zerriebenem Haritāla und Kurkumasaft.
Einordnung der folgenden Passage: Die Quelle führt historische Schadensrituale mit Tier- und menschlichen Körperstoffen auf. Die Übersetzung gibt ihre Vorstellungen wieder; die behaupteten Wirkungen sind damit nicht als tatsächliche Wirkungen bestätigt.
20.BR.13: Ein auf Ruru-Hirschhaut mit dessen Blut geschriebenes Yantra wird zusammen mit der vorgeschriebenen Verehrung und Rezitation zum genannten Zeitpunkt im Haus des Gegners vergraben …
20.BR.14: … dem wird zugeschrieben, den Gegner binnen eines Monats sicher zu vertreiben. Ein weiteres wird auf Menschenhaut mit menschlichem Blut geschrieben und auf einem Verbrennungsplatz …
20.BR.15: … zur genannten Zeit mit Verehrung und Rezitation eingegraben. Darauf folgt die Behauptung, der Gegner gelange binnen eines Monats, von brennendem Fieber erfüllt, zu Yama, dem Todesherrn.
20.BR.16: Das dritte Bīja steht in der Mitte, die übrigen ringsum. Die Trägerhaut wird dem Yoni-Tier des Geburtssterns der Zielperson zugeordnet; das Geschriebene wird mit Bienenwachs zusammengedrückt beziehungsweise eingeschlossen.
Die eingeschobene Prosa erklärt: Mit „dem dritten“ ist das dritte Bīja aus der zuvor genannten Vierergruppe gemeint. Yoni bezeichnet hier die astrologische Tierzuordnung; die knappe Zusammensetzung wird entsprechend dem Zusammenhang verstanden.
20.BR.17: Mit Asche vom Verbrennungsplatz vermischt wird es in einen verfallenen Brunnen eingebracht. Bei Einhaltung des angegebenen Zeitpunkts verbindet der Text damit die Vernichtung des Gegners durch Wasser; die gedruckte Wendung „salilaṃ ripum“ ist grammatisch auffällig.
20.BR.18: Dasselbe wird ferner als auf Rinderhaut geschrieben beschrieben, mit zerriebener „Feuerwurzel“ und menschlichem Knochenmaterial. Es wird in einer Feuerstelle unter darüber brennendem Feuer niedergelegt …
20.BR.19: … und fortdauernd erhitzt. Nach einem Monat, behauptet die Quelle, falle der Gegner mit zerstörten Gliedern nieder. Die Wendung mit bhasman, „Asche“, ist im Druck sprachlich gestört. Danach folgt eine weitere Anordnung: das dritte Bīja in der Mitte, die übrigen ringsum.
Die Prosa bestätigt nochmals: „das dritte“ bedeutet das dritte Bīja.
20.BR.20: Hier werden Federn von Eule und Krähe als Schreibgeräte und Eselshaut als Träger genannt, mit dem zuerst beschriebenen Schreibstoff. Das Stück wird im Zentrum einer Opfergrube vergraben; darüber …
20.BR.21: … wird ein Feuer aus Holz geführt, das dem Geburtsstern der Zielperson zugeordnet ist. Dem Homa mit ölgetränkten Unmatta-Samen schreibt der Text die Wirkung zu, der Gegner werde wahnsinnig und sterbe.
20.BR.22: Ein Pflock aus dem dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Baum, verbunden mit dem genannten Yantra und mit Eselsehnen umwickelt, wird als nachts in der Stadt des Gegners vergraben beschrieben …
20.BR.23: … bei der Stellung im achten Zeichen von dessen Zeichen. Nach einem Monat werde seine Stadt, so die Behauptung, zu einem Totenhain. Die nächste Beschreibung nennt die Füße von Krähe, Eule, Reiher, Falke, Kaṅka-Vogel und Rebhuhn …
20.BR.24: … auf denen die genannten Yantras angebracht, in ein Totengewand eingebunden und an einem Dienstag zur bezeichneten Zeit an einer Wegkreuzung vergraben werden.
20.BR.25: Binnen dreier Wochen werde der Gegner wahnsinnig und irre in alle zehn Richtungen, heißt es. Dieselben Yantras, jeweils auf den betreffenden Häuten angebracht und im Boden der betreffenden Wohn- oder Stallstätte niedergelegt …
20.BR.26: … werden mit weiteren Vernichtungsbehauptungen gegen Menschen und Tiere verbunden: Pferde, Rinder, Esel, Kamele, Ziegen und Elefanten. Der Beginn der Aufzählung ist im Druck gestört. Die Quelle nennt eine Woche, zwei Wochen und einen Monat, ohne hier jede Frist eindeutig einem einzelnen Fall zuzuordnen.
Bheruṇḍā: Gegenmittel und Befriedung
20.BR.27: „Höre, Herrin der Götter, nun von der Befriedung dieser Wirkungen durch Yantra, Meditation und rituelle Besprengung.“ Die weitere Wendung verbindet die im Yantra gegenwärtige Mantrakraft mit der Meditation über den Sinn und die Wirkmacht des Mantras; ihr Satzbau bleibt unsicher.
20.BR.28: Ein achtblättriger Lotus wird angelegt. In seiner Mitte steht Tāra, die Silbe Oṃ, zusammen mit dem Namen; auf die acht Blätter kommt die Vierergruppe der Bījas. Außen darum …
20.BR.29: … werden zwischen den Kreisen die Mātṛkā-Buchstaben als Umfassung geschrieben. Die Verehrung erfolgt mit den zuvor genannten Stoffen, jeweils entsprechend dem beabsichtigten Einsatz.
Unnummerierte Fortsetzung: Durch die Wirkmacht des Mantras sollen so die jeweiligen Bedrängnisse vernichtet werden.
Fortsetzung der Erläuterung: Die vier zuvor beim Nigraha-Yantra genannten Laute werden ausgeschieden. Von den verbleibenden fünf kommt der erste zusammen mit dem Namen in die Mitte; die übrigen vier werden zweimal wiederholt auf die acht Blätter verteilt.
20.BR.30: „Höre nun von dem Sieg der Könige im Kampf und der Vernichtung ihrer Gegner.“
20.BR.31: Jeder Mantralaut wird mit den sechzehn Vokalen verbunden. Dadurch beträgt die Anzahl der Mantralaute hundert …
20.BR.32: … und vierundvierzig. „Höre, wie daraus das Yantra gebildet wird.“ Ihm wird die sichere Erlangung des Sieges in jeder Schlacht zugeschrieben.
Eingeschobene Prosa: Die nicht wiederholten Grundlaute des Mūlamantras werden im Druck als „karabhabhacajasavada“ angegeben; es sollen neun Laute sein. Mit sechzehn Vokalen ergeben sich 144 Lautformen. Die gedruckte Folge enthält zweimal bha, obwohl von nicht wiederholten Lauten die Rede ist. Sie wird deshalb nicht stillschweigend zu einer vermeintlich sicheren Mantraformel berichtigt.
20.BR.33: Es werden je dreizehn Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden gezogen; dadurch entstehen die entsprechende Anzahl von Feldern. [Dreizehn Begrenzungslinien je Richtung ergeben zwölf mal zwölf, also 144 Felder.]
20.BR.34: Außen wird eine achteckige Anordnung und darum ein Paar Kreise angelegt. Die Laute werden der Reihe nach eingetragen, beginnend bei Śiva, der nordöstlichen Richtung, bis Nirṛti, der südwestlichen Richtung.
20.BR.35: In die neun Felder der betreffenden Mantralaute wird der Name geschrieben. In die acht äußeren Ecken kommen die Laute beginnend mit dem zweiten.
Prosaerklärung: In jedes Feld, in das einer der nicht wiederholten Grundlaute fällt, wird der Name der Zielperson geschrieben. „Beginnend mit dem zweiten Laut“ bezieht sich auf die Bījas des Mūlamantras.
20.BR.36: In die Zwischenräume kommt der erste Laut. Zwischen den beiden Kreisen werden die Mātṛkā-Laute geschrieben, durchsetzt mit jenen Mantralauten.
Prosaerklärung: In die Zwischenräume der acht äußeren Ecken kommt der erste Laut, der Praṇava Oṃ. Zwischen dem inneren und äußeren Kreis wird die Umfassung aus Mātṛkā-Lauten mit eingeschobenen Lauten des Mūlamantras gebildet.
20.BR.37: Auf Stoff dargestellt und zur Fahne gemacht, wird das Yantra beim Aufbruch zum Kampf gezeigt. Damit verbindet der Text die Behauptung, die Gegner flöhen in alle zehn Richtungen …
20.BR.38: … oder unterwürfen sich augenblicklich und böten ihren Besitz als Gabe dar. Dasselbe Yantra wird ferner als beim Aufgang Saturns im feindlichen Lager vergraben beschrieben …
20.BR.39: … mit der Behauptung, dieses werde durch gegenseitigen Streit unverzüglich vernichtet. Im Zentrum der eigenen Stadt wird es beim Aufgang Jupiters aufgestellt …
20.BR.40: … sodass fremde Schadensrituale, Kṛtyā und ähnliche Übel die Stadt nicht berührten: Dies wird der Macht des in ihr befindlichen Yantras zugeschrieben.
20.BR.41: Das Yantra wird auf Kupfer geschrieben, verehrt und im Bereich des betreffenden Herrschers aufgestellt. Die Wendung „ekādaśa-samucchraya“ am Versende ist in diesem Zusammenhang nicht eindeutig; eine bestimmte Höhe oder Anzahl von Aufstellorten wird daraus hier nicht ergänzt.
20.BR.42: Genannt werden der Elefanten- und Pferdestall, die eigene Schatz- oder Vorratskammer, der eigene Wohnsitz und die inneren Gemächer; außerdem das Eingraben in den Richtungen und im Zentrum der Stadt.
20.BR.43: Wo das Yantra aufgestellt ist, soll der König täglich Verehrung veranlassen. Damit verbindet der Text die Zusage dauerhafter Mehrung und Wohlfahrt für diese Bereiche.
20.BR.44: Die Bījas werden jeweils einzeln der Reihe nach in die Mitte und ringsum auf die Blätter eines achtblättrigen Lotus geschrieben.
20.BR.45: Außen werden sie von der Mātṛkā umgeben. Mit täglicher Rezitation und Verehrung wird die Befriedung der neun Sternzuordnungen, beginnend mit dem eigenen Geburtsstern, der Reihe nach ausgeführt.
20.BR.46: Unter welcher dieser Sternzuordnungen auch Bedrängnis durch Planetenmächte, Herrscher, Krankheit oder Gegner auftrete: Mit dem betreffenden Yantra werde sie nach Aussage des Textes befriedet.
Beginn der Erläuterung zum weiteren Yantra: Ein achtblättriger Lotus wird gezeichnet. In der Mitte steht das erste Bīja zusammen mit dem Namen der Zielperson, auf den acht Blättern die acht Bījas beginnend mit dem zweiten. Außen liegt zwischen zwei Kreisen die Umfassung aus Mātṛkā-Lauten. Entsprechend wird als Nächstes der zweite Laut in die Mitte gesetzt … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
Fortsetzung der Prosa: Wird der zweite Laut in die Mitte gesetzt, entsteht das zweite Yantra. Auf dieselbe Weise entstehen insgesamt neun Yantras.
20.BR.47: Das Yantra wird mit Mantralauten und Heilpflanzen verbunden; ihm wird Schutz für alle und Rettung aus allen Gefahren zugeschrieben. Die Zusammensetzung am Versanfang ist mehrdeutig; eine Druckvariante spricht von Asche statt von der hier gelesenen Verbindung mit Heilpflanzen.
20.BR.48: Mit den jeweiligen Yantras werden an den zugehörigen Tagen Baden, Trinken, Essen und weitere Handlungen verbunden. Dadurch, behauptet die Quelle, würden Leiden durch Planetenmächte und Gegner ohne Zweifel gestillt.
20.BR.49: Die neun Yantras werden der Reihe nach als Gestalten der neun Planetenmächte verstanden. Deshalb soll jeweils das betreffende Yantra die Bedrängnis durch die entsprechende Planetenmacht befrieden.
20.BR.50: Die zuvor genannten Verfahren umfassen Besprengung, Einnehmen und heilige Asche. Zur angenommenen Beseitigung verschiedener Gifte werden ferner auf Birkenrinde dargestellte Yantras in Wasser gelegt …
20.BR.51: … und mit Trinken, Besprengen, Tragen und Verehren verbunden. Der Text steigert dies zu der Aussage, es gebe nirgendwo etwas, das mit diesen neun Yantras nicht vollbracht werden könne.
20.BR.52: Für Land, Stadt, Dorf, Bezirk, befestigte Siedlung und ähnliche Orte wird das erste Yantra als im Zentrum eingegraben beschrieben; in den acht Richtungen, beginnend mit Osten …
20.BR.53: … liegen das zweite und die folgenden. Damit verbindet die Quelle dauerhaften Wohlstand sowie starken Zuwachs an Dharma und Artha, rechter Lebensführung und materiellen Lebensgrundlagen.
20.BR.54: Liegt das zweite in der Mitte und sind die übrigen ringsum verteilt, sollen die Bewohner rechtschaffen werden und die Gottheiten Wohlgefallen finden.
20.BR.55: Entsprechendes wird für die sieben übrigen Mittelpunktsanordnungen erklärt: Glanz, Gesundheit, Ansehen, Kraft, Nachkommenschaft, Erkenntnis, Vermögen und Herrschaft werden als ihre Wohltaten aufgezählt. Eine genaue Einzelzuordnung wird hier nicht ausgeführt.
20.BR.56: Die Meditation beschreibt neun Schlangen bei den neun Körperöffnungen. Mit der Macht des Mantras wird sogar die Auferstehung eines Toten behauptet. Die Wendung über Ströme und Körper am Versanfang ist im Druck nicht sicher verständlich; sie wird nicht zu einer eindeutig rekonstruierten Visualisationsanweisung erweitert.
20.BR.57: Bei den neun Sternbildern beginnend mit Aśvinī werden der Reihe nach die neun Yantras geschrieben. Die Göttin wird in ihnen in neun Gestalten gegenwärtig vorgestellt …
20.BR.58: … und täglich voller Hingabe mit Gaben verehrt. Auch ohne den zuvor beschriebenen Kreis ihrer Begleitgottheiten …
20.BR.59: … erlange ein Mensch Vollendung, wenn er höchste Hingabe besitze. Dies nennt die Quelle ausdrücklich als Zugang zur Vollendung für Frauen, Kinder, Alte und Menschen, denen die Kraft für die umfangreiche Ritualform fehlt.
20.BR.60: Die Bheruṇḍā-Formel wird als in die Ohren eines von Gift Gequälten rezitiert beschrieben. Dieser werde sogleich giftfrei, behauptet der Text: „Unbegreiflich sind die Kräfte der Mantras, Śivā.“
Zur Einordnung: Die Verse 48–60 dokumentieren rituelle Heilungs- und Wirklichkeitsvorstellungen der Quelle. Ihre Aussagen über Vergiftung, Krankheit und Wiederbelebung sind keine nachgewiesenen Behandlungswirkungen.
Die allumfassende Vidyā und Abhiṣeka
20.BR.61: Die Göttin fragt: „Du hast die Vidyā, die die drei Welten bezaubert, überall gepriesen, sie aber noch nie ausgesprochen. Sage sie mir, Maheśvara.“
20.BR.62: Die Antwort lautet: „Ruhmreiche, ich werde dir die alle Mantras und Vidyās durchdringende Gestalt erklären. Höre dieses Wunderbare …
20.BR.63: … durch dessen Anwendung Frauen, Männer, Könige, Gottheiten und alle Wesen dem Ausführenden zugetan sein sollen, so wie du mir.“
20.BR.64: Ein Mantra oder eine Vidyā wird einzeln mit den Mātṛkā-Lauten von A bis Kṣa, jeweils mit Bindu, umschlossen …
20.BR.65: … oder umgekehrt werden die Mātṛkā-Laute mit der Vidyā beziehungsweise dem Mantra umschlossen. Über den beschriebenen neun Yantras wird ein Krug aufgestellt.
20.BR.66: Mit Japa, Tarpaṇa, Homa und Verehrung wird die Besprengung erklärt; eine kurze Wendung im Druck ist gestört. Als Materialien für die Yantras folgen rotes Sandelholz, roter Ocker, Darada und Sandelholz …
20.BR.67: … außerdem Sindūra, Reiskörner, Mungbohnen sowie schwarzer und weißer Sesam. Mit diesen neun Stoffen werden die neun Yantras angelegt. Die Stoffnamen werden als Angaben des historischen Rituals wiedergegeben.
20.BR.68: Als Zeiten nennt der Vers den Beginn mit Caitra, die beiden Tagundnachtgleichen, die beiden Sonnenwenden und weitere Fest- beziehungsweise Geburtstage. Die Zusammensetzung der zweiten Vershälfte ist nicht zuverlässig auflösbar; insbesondere die dort genannte Dreiergruppe bleibt ungeklärt.
20.BR.69: Ein König, eine Königin, ein Heerführer oder ein anderer wohlhabender Mensch mit Hingabe lässt diese rituelle Besprengung durchführen.
20.BR.70: Beim Abhiṣeka wird eine Dakṣiṇā, eine Gabe an den Ritualleiter, nach den eigenen Möglichkeiten gegeben. Der Text warnt davor, aus Habgier Vermögen zurückzuhalten oder darüber zu täuschen …
20.BR.71: … und droht, solches Verhalten verbrenne den Betreffenden zusammen mit Kindern, Wohlstand und Ehepartner wie leicht brennbaren Stoff. Deshalb, sagt er, solle in diesem Tantra nirgends eine solche Täuschung über die verfügbaren Mittel beabsichtigt werden. Das Vergleichswort yāvaka ist hier in seiner genauen Bedeutung unsicher.
20.BR.72: „Göttin, höre die Früchte des Abhiṣeka, die ich nach der Vorschrift erklären werde: durch Wasser in der Gestalt von Mond, Sonne und Feuer, verbunden mit dem gewünschten Mantra …“ [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
20.BR.73: [Fortsetzung:] Der durch Japa, Verehrung und weitere Riten mit Wirkmacht versehene Abhiṣeka wird als Mittel gegen Übel beschrieben, die aus ungünstigen Zeichen und schlechten Handlungen entstehen …
20.BR.74: … ebenso gegen die Folgen schlechter Lebensführung und andere Bedrängnisse. Sie würden augenblicklich vernichtet, heißt es, wie Feuer durch Wasser. Die gedruckte Vergleichskonstruktion ist grammatisch verkürzt.
20.BR.75: Ein Kinderloser, ausgestattet mit Vermögen, Wissen, Lebenskraft, Gesundheit und Ähnlichem, soll viele Söhne erhalten und lange glücklich gedeihen.
20.BR.76: Selbst jemand, der infolge seiner Geburt unter Kemadruma und ähnlichen astrologischen Konstellationen oder infolge früherer Ursachen von dauernder Armut stark bedrängt sei, werde dadurch wohlhabend.
20.BR.77: Leiden, die der Text auf in früheren Geburten angesammelte Verfehlungen, unzuträgliche Lebensweise, Unrecht oder von Gegnern ausgeführte Schadensrituale zurückführt …
20.BR.78: … würden restlos verschwinden. Glanz, Glück, Reichtum, Gesundheit, Wissen, Sieg und Ansehen …
20.BR.79: … begleiteten dann ein langes, berühmtes Leben zusammen mit Kindern und Enkeln. Wer den neunfachen Abhiṣeka vorschriftsgemäß bei den neun genannten Gelegenheiten ausführe …
20.BR.80: … überwinde einen vorzeitigen Tod und lebe mit reinem Inneren als zu Lebzeiten Befreiter und Yogi lange auf Erden, schön wie Manmatha. Die Lesung manmathaḥ steht im Haupttext; eine Variante bietet manmayaḥ, „von mir erfüllt“.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Bheruṇḍā-Nityās.
Vahnivāsinī-Nityā: Verehrung und Homa
Nun folgen die Anwendungen Vahnivāsinī-Nityās. Die Quelle nennt den Śrītantrarāja, elftes Kapitel, ab Vers 26. Die örtlich neu beginnende Verszählung erhält das Kennzeichen VV.
20.VV.1: „Parameśvarī, auch die Sādhana dieser Vidyā wird in diesem Tantra entsprechend dargestellt. Damit kein anderes Tantra herangezogen werden muss, wird ihre Sādhana hier selbst erklärt.“
20.VV.2: Wo bei einer Homa-Vorschrift kein Stoff genannt wird, nennt der Text Ghee beziehungsweise gekochte Nahrung mit Ghee. Fehlt eine Zahl, werden tausend oder hundert Darbringungen gemäß der Tantra-Vorschrift angegeben.
20.VV.3: Die zuvor erklärte Form wird entsprechend ausgeführt; die anschließende kurze Wendung ist im Druck gestört. „Ich werde nun das Homa für bestimmte Wünsche erklären. Höre davon als einem Mittel zur Erlangung des Gewünschten.“
20.VV.4: Ein Prastha Śāli-Reis kommt in ein Gefäß, dazu Milch einer roten Kuh, deren Kalb dieselbe Farbe besitzt …
20.VV.5: … und zwar die doppelte Menge. Der Reis wird auf dem rituell vorbereiteten Feuer gekocht. Eine Portion wird mit Ghee getränkt, mit Zucker versehen und in die Hand genommen …
20.VV.6: … während die Vidyā 108-mal wiederholt wird; danach folgt die Feuerdarbringung. Ein solches Homa am ersten Mondtag wird mit der Herbeiführung großen Wohlstands beziehungsweise Mahālakṣmīs verbunden.
Worterklärung: Siktha wird hier als Klumpen oder Portion erklärt; sasita bedeutet „mit Zucker versehen“.
20.VV.7: Dasselbe wird auch für Freitage genannt; nach einem Jahr, so die Verheißung, werde der Ausführende einem König gleich. Besonders am fünften Mondtag wird das zuvor beschriebene Homa ausgeführt.
20.VV.8: An diesem Mondtag werden weiße Blüten wie Jasmin, mit den drei süßen Stoffen versehen, als Opfergaben genannt. Regelmäßiges Homa mit gekochter Nahrung und Ghee wird mit Reichtum verbunden.
20.VV.9: Durch Homa mit Ghee, ebenso mit Sesam und Reiskörnern, werde nach der Quelle alles jeweils Gewünschte erlangt.
20.VV.10: Besonders an den fünften Mondtagen wird Verehrung mit einem Gelübde verbunden. „Ambikā, vom ersten Mondtag bis zum fünfzehnten …
20.VV.11: … erscheinen die Göttinnen, beginnend mit Kāmeśvarī und endend mit Citrā, jeweils in ihrer besonderen Gestalt. Deshalb werden sie an ihren jeweiligen Mondtagen mit Homa und weiteren Gaben verehrt.“
20.VV.12: Mit dem festen Entschluss zum Gelübde und voller Hingabe werden sie erfreut. Damit verbindet der Text Lebensdauer, Glück, Vermögen, Gesundheit, Wissen und Ansehen …
20.VV.13: … und die Verheißung eines hundertjährigen Lebens auf Erden, hervorragender Stellung in der eigenen Familie sowie Erkenntnis der Wirklichkeit. Die jeweils genannten Göttinnen werden an den ihnen zugeordneten Mondtagen verehrt.
20.VV.14: Nachdem alle fünfzehn Vidyās auf vorgeschriebene Weise empfangen wurden, dienen Japa, Homa, Verehrung, Yoga, Tarpaṇa und rituelle Besprengung …
20.VV.15: … dem Erlangen der Wesensgemeinschaft mit der Gottheit durch die Vidyā; aus dieser heraus werden die Handlungen vollzogen. Die Göttin fragt: „Gott, erkläre mir nun genau, wie diese Vidyās empfangen werden …
20.VV.16: … diese fünfzehn, sodass sich die Göttinnen dem Übenden zuwenden.“ Die Antwort lautet: „Höre, Göttin, ich werde dir die heilsame Weise des Empfangens der Vidyā erklären …
20.VV.17: … durch die mittels Yoga die Einheit mit Vidyā und Gottheit verwirklicht wird: Ihre Gestalt ist die Einheit von uns beiden, eine Verkörperung der Glückseligkeit.“ [Die Erläuterung setzt sich fort.]
20.VV.18: „Ambikā, um diese Einheit zu erlangen, vollziehen noch heute viele Weise Verehrung.“ Mit rotem Sandelholz, Safran, Sindūra oder rotem Ocker …
20.VV.19: … wird ein großes, schön gestaltetes Cakra mit deutlich sichtbaren Linien angelegt, jeweils in der für die tägliche Verehrung der betreffenden Göttin erklärten Anordnung.
20.VV.20: Darin wird ein Krug aufgestellt, und die Gottheiten werden in seinem Wasser nach der angegebenen Reihenfolge verehrt. Am Vortag findet mit Gesang und Tanz …
20.VV.21: … ein Fest statt. Am folgenden Tag wird die Göttin wie zuvor verehrt. An dem zugehörigen Mondtag richtet sich der Schüler, der die genannten Voraussetzungen erfüllt, nach Osten …
20.VV.22: … und ein entsprechend qualifizierter Guru besprengt ihn mit dem Wasser des Kruges. Wasser, das nach Osten, Norden oder in die dazwischenliegende Richtung abfließt, wird mit allen Vollendungen verbunden.
20.VV.23: Den anderen Richtungen werden dagegen der Reihe nach unerwünschte Folgen zugeschrieben: Verbrennung, Tod, Krankheit, Armut und Verlust der Heimat …
20.VV.24: … in der Reihenfolge vom Südosten bis zum Nordwesten. Danach zieht der Schüler zwei weiße, reine Gewänder an …
20.VV.25: … vollzieht Ācamana und verehrt den Meister zu dessen Füßen mit eigenen Gaben beziehungsweise den zuvor genannten Mitteln. Er preist ihn mit fünf Strophen.
20.VV.26: Er verneigt sich, erhebt sich und steht mit gefalteten Händen vor ihm. Dann ruft ihn der Guru herbei und lässt ihn im Zentrum des Cakras Platz nehmen.
20.VV.27: Der Guru vergegenwärtigt sich im Geist die Einheit des eigenen Selbst mit dem Wesen der Gottheit. Nach der genannten Reihenfolge ruft er die hell strahlende Göttin in ihrer Gestalt als Vidyā herbei …
20.VV.28: … und setzt sie der Reihe nach an drei Stellen des Schülers ein, beginnend mit dem Scheitel. Er meditiert über ihre beschriebene Gestalt, verehrt sie und spricht den Mantra …
20.VV.29: … dreimal in das rechte Ohr, gesammelt und ganz vom Wesen der Gottheit erfüllt. Dann wiederholt der Schüler dort die Vidyā hundertmal, ebenfalls von ihrem Wesen erfüllt.
20.VV.30: Auf die Erlaubnis des Gurus hin erhebt er sich wieder, verehrt ihn mit Blumen und Lobpreis, verneigt sich und vollzieht dreimal Verehrung, mit über dem Kopf gefalteten Händen und weiterem Lob.
20.VV.31: Der Lehrer ruft ihn heran, erklärt Reihenfolge und Verhaltensregeln und trägt ihm auf: „Verehre gewissenhaft.“ Von diesem Tag an …
20.VV.32: … verehrt der Schüler täglich durch Japa, Pūjā und weitere Formen den Guru als Śiva. So ist die Reihenfolge für die fünfzehn Nityās erklärt.
20.VV.33: „Göttin, die Vorschrift zum Empfangen der Vidyās ist damit vollständig erklärt. Ihre anlassbezogenen und wunschorientierten Riten …
20.VV.34: … sowie die Handlungen zur Einsetzung werden nach der für Lalitā genannten Weise vollzogen, denn durch sie wird der Übende von ihrem Wesen erfüllt. Parameśvarī, bei der wechselseitigen Verehrung dieser Göttinnen als Hauptgottheit und Glieder ihres Kreises …
20.VV.35: … steht eine als Hauptgottheit im Mittelpunkt, während die übrigen entsprechend ihren Begleitkreis bilden. In anderen Fällen werden sie bei der jeweiligen Verehrung in ihren eigens beschriebenen Gestalten aufgefasst.
20.VV.36: Die Meditationen zur Erlangung bestimmter erwünschter Früchte sind in ihrem jeweiligen Kapitel genannt. Damit ist die gemeinsame Vorschrift vollständig erklärt.“
Vidyā, Mantra und die Lautanordnung
20.VV.37: Die Göttin fragt: „Es ist von Vidyās und Mantras die Rede; erkläre ihren Unterschied, Herr.“ Die Antwort lautet: „Höre, Göttin: Auch wenn die Verbindung der Laute gleichartig ist …
20.VV.38: … werden sie aufgrund der unterschiedlichen Gottheit besonders in zwei Arten unterschieden: Formeln mit einer weiblichen Gottheit heißen Vidyās; solche mit einer männlichen Gottheit heißen Mantras.“
20.VV.39: „Geliebte, höre nun weiter ihre Yantras und deren Früchte. Unter den Lauten der Vidyā finden sich acht nicht wiederholte Grundlaute …
20.VV.40: … durch deren Verbindung mit den Vokalen 128 Lautformen entstehen.“ Zwischen zwei Kreisen wird ein Sechseck angelegt; die anschließende Wendung nennt zwei weitere Formen, ohne sie an dieser Stelle erneut ausdrücklich zu bestimmen.
Prosaerklärung: Die nicht wiederholten Konsonanten lauten „ha ra va na sa ya ma“. Hinzu kommt am Anfang A. Diese acht Grundlaute ergeben mit den sechzehn Vokalen 128 Lautformen.
20.VV.41: Auf acht Anordnungen werden jeweils acht Laute eingesetzt. In der Mitte steht Māyā, das Bīja Hrīṃ, mit dem Namen; es wird von Tāra, Oṃ, umgeben. Die knappe Angabe „acht in acht“ erklärt hier noch nicht ausdrücklich die Verteilung aller zuvor gezählten 128 Formen.
20.VV.42: Zwischen den inneren Kreisen stehen der Reihe nach die zehn zur jeweiligen Handlung passenden Laute. Die fünfzig Laute werden nach der zuvor genannten Reihenfolge geschrieben.
20.VV.43: Zwischen den äußeren Kreisen stehen wie zuvor die Laute von A bis Kṣa. Auf diese Weise entstehen sechzehn Yantras mit jeweils zugeordneten Anwendungen.
Erläuternde Prosa zur Konstruktion: In der Mitte steht Hrīṃ mit dem eingesetzten Namen, außen umgeben von Oṃ. Darum werden zwei Kreise angelegt. Außen folgt eine achteckige Figur aus zwei Vierecken, wiederum von zwei Kreisen umgeben. Zwischen den inneren Kreisen stehen zehn zur betreffenden Handlung gehörende Elementlaute in der Verteilung zwei, drei, zwei, drei. In den acht Ecken stehen die ersten acht Bījas aus den 128 Lautformen. Zwischen den äußeren Kreisen bilden die Mātṛkā-Laute die Umfassung. Für das zweite Yantra wird statt der ersten die zweite Achtergruppe verwendet; alles Übrige bleibt gleich. So ergeben sich sechzehn Yantras.
Textbefund: Die Prosa präzisiert damit die zuvor knappe Angabe: 16 Achtergruppen umfassen die genannten 128 Lautformen. Zugleich beschreibt sie ausdrücklich eine achteckige Figur aus zwei Vierecken, während Vers 40 die Lesung „Sechseck“ bietet. Die Abweichung wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.
20.VV.44: Den Yantras wird die vollständige Erfüllung aller Wünsche zugeschrieben. Das erste wird auf einer Scherbe beschrieben; als Stoffe werden „rote Feuerwurzel“ …
20.VV.45: … und Sindūra genannt, verrieben mit deren Saft und Dhattūra-Saft. Das beschriebene Stück wird nachts während der Rezitation auf Khadira-Kohlen erhitzt.
20.VV.46: Dadurch, behauptet der Text, komme eine Frau, ein Mann, ein König oder jede andere bezeichnete Person herbei. Dasselbe wird mit denselben Stoffen auf Kupfer oder Bronze geschrieben …
20.VV.47: … und erhitzt; auch dem wird die zuvor genannte Wirkung zugeschrieben. Das zweite Yantra wird mit demselben Stoff auf eine Scherbe geschrieben und nachts erhitzt …
20.VV.48: … mit der Behauptung, eine Frau werde gefügig und überschreite die für Herkunft und Lebensführung geltenden Schranken. Das dritte wird auf demselben Träger mit demselben Stoff geschrieben und nachts erhitzt …
20.VV.49: … im Feuer eines Verbrennungsplatzes, während der Ausführende die Haare offen trägt. Dem Gegner wird dabei schon binnen eines halben Augenblicks Fieber zugeschrieben. Die Quelle nennt ferner Kohle von einem Feuer, auf dem ein Ehepaar verbrannt worden ist …
20.VV.50: … als Bestandteil eines weiteren Schreibstoffs. Das Geschriebene wird erhitzt und auf einem Verbrennungsplatz zum für den Gegner angegebenen Zeitpunkt vergraben; die Rezitation erfolgt nach der Beschreibung in zorniger Gesinnung.
20.VV.51: Dadurch werde der Gegner verwirrt und von Piśāca-Geistern bedrängt, heißt es. Das vierte Yantra wird auf schwarzem Stoff beschrieben; der Ausführende trägt schwarze Kleidung …
20.VV.52: … und vergräbt es nachts dort in der zuvor genannten Weise. Damit verbindet der Text die Behauptung, der Gegner gelange nach einer Woche durch brennendes Fieber zu Yamas Wohnstatt.
20.VV.53: Beim fünften oder sechsten Yantra werden zwei Namen auf zwei Scherben eingetragen; als Schreibgeräte nennt die Quelle Federn von Krähe und Eule.
20.VV.54: Die beiden Stücke werden wie zuvor auf Verbrennungsplätzen an den beiden Ufern eines Flusses vergraben. Wenn der Fluss voll Wasser sei, entstehe zwischen den beiden bezeichneten Personen gegenseitige Feindschaft, so die Behauptung.
20.VV.55: Für das siebte wird der Name auf eine Bleiplatte geschrieben, in einen Schädel gelegt und nachts auf einem Verbrennungsplatz vergraben …
20.VV.56: … zu dem zuvor für den Gegner genannten Zeitpunkt. Damit wird Besessenheit durch Piśācas verbunden. Das achte wird auf einer Scherbe dargestellt und nachts am Tor des Gegners vergraben …
20.VV.57: … mit der Behauptung, dieser verlasse binnen einer Woche vertrieben sein Haus. Für das neunte werden Gold als Träger, das betreffende Gelände und ein Sonntag genannt …
20.VV.58: … ferner Siddhayoga, ein günstiges Aszendentenzeichen oder der Aufgang Jupiters. Damit wird Befreiung von Schadensritualen, vorzeitigem Tod, Krankheit und ähnlichen Bedrängnissen verheißen.
20.VV.59: Das zehnte, auf Silber dargestellt, wird im Haus aufgestellt und verehrt; ihm wird die Befriedung von Steinwürfen gegen das Haus und ähnlichen Störungen zugeschrieben.
20.VV.60: Auch Bedrängnisse durch Bhūtas und Grahas werden mit seinem Tragen verbunden; das gedruckte Verb ist hier auffällig und scheint in der Schutzaufzählung eine Abwehrhandlung zu meinen. Das elfte wird auf Birkenrinde mit Sandel- und Kampferflüssigkeit geschrieben …
20.VV.61: … nach der genannten Anordnung zu einem Kügelchen gerollt, in einen Liṅga aus weißem Wachs eingesetzt und verehrt.
Worterklärung: Siktha bedeutet an dieser Stelle Bienenwachs.
20.VV.62: Dieser wird in Wasser aufgestellt und täglich an den Tagesübergängen vorschriftsgemäß mit weißen, duftenden Blumen verehrt.
20.VV.63: Nach einem Monat, einem halben Monat oder einer Woche würden Gegner gefügig, behauptet der Text. Sie könnten krank werden und beim Herausnehmen des Gegenstandes wieder Gesundheit erlangen …
20.VV.64: … insbesondere Fieberleidende würden mühelos Erleichterung finden. Das Einstellen desselben Gegenstandes in sauren Sauvīra wird dagegen mit der Entzweiung zweier Gegner verbunden.
20.VV.65: Das Kochen darin wird ferner als Herbeiführung von Krankheit bei beiden beschrieben. Es folgt eine weitere Stoffangabe: fein zerriebener trockener Ingwer, Pfeffer und langer Pfeffer …
20.VV.66: … verbunden mit Lākuca-Saft; der Gegenstand wird darin eingelegt und an den drei Tagesübergängen erhitzt, wobei die Richtung des Gegners eingenommen wird. [Die zugeschriebene Wirkung folgt auf der nächsten Seite.]
Die Anwendungen in diesem Abschnitt gehören zur historischen Ritual- und Schadensmagie. Die Übersetzung unterscheidet ihre Wirkungsbehauptungen von belegten Wirkungen und gegenwärtigen Praxisempfehlungen.
20.VV.67: [Fortsetzung der zugeschriebenen Wirkung:] Zum genannten Zeitpunkt werde der Gegner von Fieber, Hitze und Durst gequält. Das zwölfte Yantra wird auf Stoff mit Rātri-Saft, hier Kurkuma, geschrieben …
20.VV.68: … zwischen zwei Ziegel gelegt und fest eingeschlossen. Als Aufstellort wird ein Tempel Caṇḍikās oder Śāstṛs genannt …
20.VV.69: … oder die Wand des eigenen Hauses beziehungsweise der Schlafplatz. Damit verbindet der Text die Hemmung des Zorns, der Unternehmungen und der Absicht eines Gegners, jemanden gefangen zu setzen …
20.VV.70: … ebenso seiner Rechtsstreitigkeiten, Kampfhandlungen und sonstigen gegen den Ausführenden gerichteten Vorhaben. Dem Tragen des dreizehnten Yantras auf Birkenrinde wird für eine Frau …
20.VV.71: … selbst bei Unfruchtbarkeit die Geburt eines Sohnes zugeschrieben. „Vielfältig sind die Kräfte der Yantras“, fügt der Text hinzu. Beim vierzehnten wird der Name in das auf Birkenrinde geschriebene Yantra eingesetzt …
20.VV.72: … das dann mit Wachs umgeben und um Mitternacht erhitzt wird. Nach einer Woche, so die Behauptung, würden Frauen, Männer und Könige gefügig …
20.VV.73: … ebenso Elefanten, Pferde, andere Tiere und alle auf Erden lebenden Wesen. Das folgende, fünfzehnte Yantra wird zusammen mit dem Namen auf eine Tafel geschrieben …
20.VV.74: … und mit Verehrung und Besprengung verbunden; ihm wird eine leichte Geburt für Frauen zugeschrieben. In das sechzehnte werden die Namen der betreffenden Lebewesen geschrieben; es wird getragen …
20.VV.75: … zum behaupteten Schutz vor Planetenmächten, Krankheiten, Furcht und ähnlichen Bedrängnissen. Dasselbe wird nach der Vorschrift auf Gold dargestellt …
20.VV.76: … und an einem Ring, Armreif oder anderen Schmuckstück beziehungsweise am Kopf getragen. Damit verbindet der Text Freiheit von seelischer und körperlicher Bedrängnis, Freiheit von Gegnern und Beherrschung der Sinne …
Unnummerierter Abschlussvers: … ferner Genuss der Früchte verdienstvollen Handelns, eigenes verdienstvolles Handeln und ein hundertjähriges Leben auf Erden.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Vahnivāsinī-Nityās; der Rückverweis nennt das elfte Kapitel des Tantrarāja.
Mahāvajreśvarī-Nityā: Voraussetzungen der Sādhana
Nun folgt die Darstellung der Anwendungen Mahāvajreśvarī-Nityās. Zitiert wird der Śrītantrarāja, zwölftes Kapitel, ab Vers 22. Die neue örtliche Verszählung erhält das Kennzeichen MV.
20.MV.1: Die Sādhana beginnt nach dieser Vorschrift im Frühling oder Sommer, an einem Vollmondtag. Als Nahrung nennt sie opfergeeignete Speise, Milch oder Früchte und Wurzeln.
20.MV.2: Der Übende badet in duftendem Wasser, trägt rötliches Gewand und hält sich rein. Sein Körper ist durch eine Salbung aus Kampfer, Sandel und Safran rötlich gefärbt.
20.MV.3: Beide Augen sind mit Augensalbe versehen, der Mund ist durch Tāmbūla gerötet. Die nächste Wendung nennt eine Mondsichel in Verbindung mit dem Gesicht, ist jedoch im Druck sprachlich auffällig. Der Geist ist freudig, die Sinne sind beherrscht.
20.MV.4: Bei den drei täglichen Verehrungen hält der Übende Schweigen und den gefassten Entschluss zur Sādhana ein. Er isst nachts von dem nach dem Homa Übriggebliebenen und wiederholt die genannte Vidyā.
20.MV.5: Täglich werden Brahmanen, hingebungsvolle Menschen und an der Verehrung Interessierte gespeist. Auch Blinde und andere Bedürftige erhalten süßen Milchreis und Nahrung; der Ausführende handelt voller Hingabe.
20.MV.6: Nach Verneigung und ehrender Behandlung werden sie täglich verabschiedet. An den sieben Tagen wird auch der Guru aufgesucht und wiederholt verehrt; die Verbindung mit dem Wort jīvana, „Leben“, bleibt in der gedruckten Wendung offen.
20.MV.7: Der Guru wird mit Geld, Getreide, Gewändern und weiteren Gaben zufriedengestellt. Mit seiner Erlaubnis beginnt die Handlung; täglich wird er voller Hingabe verehrt.
20.MV.8: Auch zum Abschluss wird er mit Gaben und Lobpreis erfreut. Täuschung über Vermögen, Heuchelei, Verblendung und Unwahrheit …
20.MV.9: … sollen niemals ausgeübt werden, besonders nicht in Gegenwart des Gurus. Nach drei Lakṣas, also 300.000 Wiederholungen, folgt Homa mit einem Zehntel dieser Anzahl, mit Ghee …
20.MV.10: … oder mit Blüten von Āragvadha, Bakula, Madhūka oder Campaka, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind.
20.MV.11: Ebenso viele Tarpaṇa-Darbringungen erfolgen mit Wasser, das mit Kampfer, Sandel, Moschus und Safran duftet, täglich mit fester Hingabe.
20.MV.12: Erst wenn der Mantra auf diese Weise vervollkommnet ist, vollzieht der Übende die wunschorientierten Anwendungen: dem Guru ergeben, die täglichen Pflichten erfüllend und mit festem Entschluss.
20.MV.13: Auch wer tausendfach rezitiert, einen gefestigten Geist hat, die Kraft des Mantras kennt und sich selbst beherrscht, wird zu solchen Anwendungen zugelassen. „Andernfalls nicht, Śivā.“
20.MV.14: Wer aus Unwissenheit, Verblendung oder Leichtfertigkeit handelt, erfahre nach der Warnung der Quelle Unglück, Bedrängnis und Verfolgung durch Herrscher und andere.
20.MV.15: Homa mit roten Lotusblüten, die mit den drei süßen Stoffen getränkt sind, wird mit der Verheißung verbunden, innerhalb eines Ritualzyklus großen, herrlichen Wohlstand zu erlangen.
20.MV.16: Von einem Vollmondtag bis zum entsprechenden folgenden Tag werden täglich mit Hingabe tausend Darbringungen mit schönen, honiggetränkten Kahlāra-Blüten genannt. Die letzte beschreibende Wortform des Drucks ist unklar.
20.MV.17: An diesen Tagen werden die zuvor genannten Personen in der beschriebenen Weise gespeist. Nach dem Homa wird der Mantra ebenso oft wiederholt, wie Darbringungen stattgefunden haben.
20.MV.18: Tausend Darbringungen mit honiggetränkten Campaka-Blüten werden mit der Verheißung verbunden, binnen eines Monats hundert goldene Niṣkas zu erlangen.
20.MV.19: Dreitausend Darbringungen mit in Ghee getränkten Pāṭala-Blüten sollen bunte Gewänder verschaffen. Die Zeitangabe daśādi-māsāt ist im Druck nicht eindeutig und wird nicht zu einer sicheren Frist vereinheitlicht.
20.MV.20: Kampfer, Sandel und weitere duftende Dinge werden als Früchte innerhalb eines Monats genannt, wenn angenehme, dem Genuss dienende Stoffe verwendet werden.
20.MV.21: Für die siebten Mondtage werden hundert Darbringungen mit milchgetränktem Śāli-Reis angegeben. Daraus werde nach sechs Monaten unzweifelhaft Reichtum an Reis entstehen, heißt es.
20.MV.22: Sesamdarbringungen an diesem Tag werden mit Gesundheit nach einem Jahr verbunden. Ferner wird Homa mit Dūrvā bei den drei dem eigenen Geburtsstern entsprechenden Zuordnungen genannt …
20.MV.23: … mit der Verheißung eines hundertjährigen, sorgenfreien Lebens in großem Wohlstand. Als andere Stoffe bei diesen drei Geburtsstern-Zuordnungen werden Guḍūcī, Sesam und Dūrvā aufgeführt.
20.MV.24: Damit verbindet der Text Lebensdauer, Glück, Ruhm, günstiges Geschick und einen Vorrat an Verdienst. Werden an den drei genannten Gelegenheiten der Reihe nach Ghee, Milchreis und Milch dargebracht …
20.MV.25: … verheiße dies Lebensdauer, Gesundheit, Wohlstand und Ansehen beim König. Ein Homa mit Bananen am siebten Mondtag wird mit Glück nach einem Jahr verbunden.
20.MV.26: Bei schwerem Sannipāta, Fieber und Krankheit nennt die Quelle tägliche Darbringungen mit Dūrvā-Dreierbündeln von einer Spanne Länge, versehen mit den drei süßen Stoffen.
20.MV.27: Bei schweren Krankheiten werden Dūrvā, Sesam und Erzeugnisse des Zuckerrohrs, einzeln beziehungsweise zusammen und mit den drei süßen Stoffen, als tägliche Homa-Gaben aufgeführt.
20.MV.28: Damit verbindet der Text Freiheit von Krankheit und Wohlbefinden; seine erste Zeitangabe ist sprachlich gestört, danach nennt er ein Jahr als weitere Frist. An den betreffenden Tagen wird die Vidyā täglich wiederholt, während Wasser berührt wird …
20.MV.29: … und zwar tausendmal. Dieses Wasser wird zum Baden, Trinken, Kochen und Ähnlichem bestimmt, mit der Absicht, von Krankheit frei zu werden. Die Verse geben historische Heilungsbehauptungen wieder, keine nachgewiesene Behandlung.
Stellvertreterfiguren und historische Zwangsrituale
20.MV.30: Die Quelle beschreibt eine Figur aus pulverisiertem Holz des dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Baumes, den drei scharfen Gewürzen, Senf, Sesam und Mehl, verbunden mit Staub aus deren Fußspuren …
20.MV.31: … mit dem Namen im Herzbereich. Die Figur wird in der beschriebenen Ritualvorstellung mit scharfen Metallwerkzeugen zerteilt und nachts ins Opferfeuer gegeben.
20.MV.32: Damit verbindet der Text die Behauptung, die bezeichnete Person werde nach sieben Tagen, drei Tagen oder einem Tag rasch gefügig, selbst wenn sie weit entfernt und standhaft sei.
20.MV.33: Eine solche Figur wird auch als in der Mitte der Opfergrube vergraben beschrieben. Darüber wird Feuer angelegt, verbunden mit täglichen Darbringungen und der Vidyā …
20.MV.34: … dreitausend nächtlichen Senfdarbringungen mit dessen Öl. Dem wird das gewaltsame Herbeiziehen einer Person selbst aus hundert Yojanas Entfernung zugeschrieben. Das entsprechende Personenwort ist im Druck auffällig und bleibt in der Geschlechtszuordnung unsicher.
Prosaerklärung: Triyāmā bezeichnet hier Mitternacht; „mit dessen Saft getränkt“ wird als mit Senföl bestrichen erklärt.
20.MV.35: Eine Figur mit Wachs im Inneren, an der eine rituelle Lebensübertragung vollzogen wurde, wird als nachts auf einem Verbrennungsplatz vergraben beschrieben.
20.MV.36: Danach nennt der Text das Zerteilen von sādhya-yoni, eine Bali-Darbringung, rituelle Besprengung und dreihundert Wiederholungen der Vidyā. Sādhya-yoni ist hier nicht sicher bestimmbar; der Ausdruck wird nicht ohne Beleg zu einem konkreten menschlichen oder tierischen Opferobjekt erklärt.
20.MV.37: Bei der Stellung im achten Zeichen des Gegners werde dieser nach einem Monat durch verschiedene Krankheiten und Bedrängnisse von Bhūtas und anderen Mächten vernichtet, so die Behauptung.
20.MV.38: Das Herausnehmen der Figur und ihr nächtliches Versenken in Wasser werden dagegen mit der Befreiung von diesen Leiden und einem glücklichen Leben verbunden. Die einleitende Wortfolge ist im Druck gestört; ein zusätzlicher bestimmter Zeitpunkt wird daraus nicht ergänzt.
20.MV.39: Eine weitere Figur wird aus dem der Zielperson zugeordneten Holz gefertigt und mit Ghee verbunden; das Gebilde wird in Wasser gestellt und an den genannten Tagen gekocht …
20.MV.40: … mit der Behauptung, der Gegner werde von heftigem Fieber gequält und durch die zuvor beschriebene Gegenhandlung wieder wohlauf. Dieselbe Figur wird ferner mit einer Bali-Darbringung im Haus beziehungsweise Tempel Caṇḍikās vergraben …
20.MV.41: … wenn die Zielperson ein Mann ist; bei einer Frau wird das Heiligtum Śāstṛs genannt. Mit der beschriebenen Handlung verbindet der Text die Erzeugung von Wahnsinn beim Gegner.
Mahāvajra und Vajra
20.MV.42: „Ich werde nun die Yantras Mahāvajra und Vajra und ihre Anwendungen der Reihe nach erklären. Höre mit gesammeltem Geist.“
20.MV.43: Je zwanzig Linien werden von Osten nach Westen und von Süden nach Norden gezogen. Dadurch entstehen 361 Felder.
20.MV.44: In jeder der vier Ecken werden vierzig und fünf, also 45 Felder, entfernt, sodass die verbleibende Figur die Gestalt eines Vajra erhält.
20.MV.45: In den Richtungen werden jeweils weitere vier Felder entfernt und die Form dreieckig gestaltet. Die verbleibende Anzahl beträgt 165 Felder.
20.MV.46: Darin werden, vom Osten aus ringsum, die Laute der Vidyā eingetragen, wie zuvor durch die Verbindung mit Vokalen unterschieden und nach der genannten Weise angeordnet …
20.MV.47: … insgesamt 144. „Ambikā, in ihrer Mitte verbleiben einundzwanzig Felder.“
20.MV.48: Dort stehen die sechs Laute der betreffenden Nityās sowie die Buchstaben der Ghaṭikā- und Yuga-Zuordnung nach der zuvor beschriebenen Verbindung.
20.MV.49: In die verbleibenden Felder werden zwölf Laute der Vidyā geschrieben; in die zwei letzten Felder kommt der Name der Zielperson nach der angegebenen Weise.
20.MV.50: In den Ecken der vier Richtungen stehen die Elementlaute, zu zweien und dreien angeordnet. Für die östliche und westliche Ecke werden ausdrücklich je drei genannt.
20.MV.51: Die Anordnung wird auf den genannten Trägern dargestellt und vorschriftsgemäß verehrt. Während sie berührt wird, wird der Mantra dreitausendmal wiederholt.
20.MV.52: Danach folgen der Reihe nach die angegebenen Anwendungen. „Śivā, die Elementlaute werden jeweils entsprechend der beabsichtigten Handlung neu geschrieben.“
20.MV.53: Das als Mahāvajra bekannte Yantra wird als überall unbesiegbar bezeichnet: bei Sieg, Hemmung, Entzweiung, Beherrschung und Vertreibung …
20.MV.54: … ebenso bei Schutz, Gedeihen, Befriedung und Zügelung von Gegnern, besonders im Zusammenhang mit Land, Reich, Stadt und Dorf.
20.MV.55: Bei furchtbaren ungewöhnlichen Ereignissen wird es mit rotem Ocker auf den Boden geschrieben. In der Mitte wird die segensreiche Göttin herbeigerufen und täglich verehrt.
20.MV.56: An den drei Tagesübergängen findet das zuvor beschriebene Nīrājana, das Schwenken von Lichtern, statt: drei Nächte lang oder je nach Absicht für die doppelte oder dreifache Dauer.
20.MV.57: Wenn einem König durch feindliche Einschließung nur noch seine Stadt verbleibt, wird das genannte große Vajra in seinem Pavillon dargestellt …
20.MV.58: … mit Darada als Zeichenstoff. In seiner Mitte wird die Göttin mit dem reinen Lächeln verehrt, mit Tanz, Gesang und weiteren Darbringungen, besonders an den Tagesübergängen.
20.MV.59: Nach der genannten Dauer werde der König siegreich, behauptet der Text, durch Vernichtung, Zerschlagung oder Flucht des Gegners. Die letzte zusammengesetzte Wendung ist im Druck unregelmäßig.
20.MV.60: Danach wird die Zeichnung fortgewischt; ihr Stoff wird an die Stirn gebracht. Der König umzieht mit seinen Truppen die Stadt, ehrt den Lehrer mit Gaben und soll lange glücklich leben …
20.MV.61: … ohne Gegner und Furcht, mit weithin bekannter Macht in den sechs Bereichen. „Wer könnte die ganze Herrlichkeit dieses Vajra beschreiben?“
Ausführliche Erläuterung zur Gitterkonstruktion: Je zwanzig Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung ergeben 361 gleich große Felder. Nach der Anweisung des Gurus werden in jeder Ecke 45 Felder entfernt, insgesamt 180. An diesen Stellen werden die vier Spitzen ausgestaltet; die fertige Figur umfasst 165 Felder. In 144 davon werden die nicht wiederholten Grundlaute der Vidyā mit den sechzehn Vokalen eingetragen, vom Osten aus im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend.
Von den 21 verbleibenden Feldern enthalten sechs je einen der drei Laute der Nityā des betreffenden Tages und der drei Laute ihrer zugeordneten Nityā. Ein Feld enthält den Yuga-Laut mit dem Ghaṭikā-Laut. Danach spricht die Prosa von vierzehn verbleibenden Feldern und jeweils einem Grundmantralaut pro Feld; sie nennt anschließend noch zwei übrige Felder für den Namen und die beabsichtigte Handlung. Die Verse 48–49 machen die Zählung deutlicher: sechs plus eins plus zwölf plus zwei ergibt 21. Die Prosa wird daher so verstanden, dass die letzten beiden in den vierzehn enthalten sind; dies ist eine Erklärung der Zählung, keine Änderung des Drucktexts.
In die vier Richtungsspitzen kommen die zur betreffenden Handlung gehörenden Elementlaute, in der Folge zwei, drei, zwei, drei. Der Text schreibt dem so gebildeten Yantra die zuvor genannten Wirkungen zu.
Rechnerische Kontrolle: 361 Ausgangsfelder minus 180 Eckfelder minus viermal vier weitere Felder ergeben 165. Davon bleiben nach Eintragung der 144 Lautformen 21 Felder. Diese Zahlen sind miteinander vereinbar.
20.MV.62: „Geliebte, höre nun die Vorschrift für ein weiteres Vajra: Wer es in der Hand hat, soll auch die Vollendungen in der eigenen Hand halten.“
20.MV.63: Je zehn Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ergeben 81 Felder. Damit wird wie zuvor verfahren … [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
20.MV.64: In den Ecken werden jeweils zehn Felder entfernt; in den verbleibenden Teilen werden Dreiecke in den vier Richtungen ausgestaltet. Dort stehen dieselben Laute wie zuvor. [Der Druck zählt diesen Vers irrtümlich „34“; die fortlaufende redaktionelle Kennung lautet hier MV.64.]
20.MV.65: In die übrigen Felder kommen die Mantralaute zweimal. Im mittleren Feld wird die Zielbezeichnung in das Innere des Śakti-Bījas eingesetzt.
20.MV.66: Diese Form kann für die zuvor genannten Anwendungen gewählt werden. Hinsichtlich der Anwendungen, sagt der Text, bestehe kein Unterschied zwischen den beiden Vajras.
20.MV.67: In die Mitte dieses Vajra kommt der Name des Königs. Es wird an dessen Rüstung, auf Herzhöhe und am Kopf angebracht, wenn der Kampf stattfindet …
20.MV.68: … mit der Verheißung, der König vernichte das viergliedrige Heer des Gegners und bleibe an allen Gliedern unversehrt, ausgestattet mit Ruhm, Glück und Landbesitz.
20.MV.69: Er kehre zurück und lebe lange auf Erden, nach eigenem Wunsch genießend. Eine auf Kupfer angebrachte und aufgestellte Form wird außerdem der Mehrung des Wohlergehens zugeordnet.
Prosaerklärung zur kleineren Vajra-Form: Je zehn Linien in beiden Richtungen ergeben 81 gleich große Felder. In den vier Richtungen werden je zehn Felder entfernt, sodass eine Vajra-Form mit 41 Feldern entsteht. Durch das Entfernen von jeweils vier weiteren Feldern werden die Dreiecksspitzen ausgestaltet. Darin stehen wie zuvor die zur Handlung passenden Elementlaute. In der Mitte steht das Māyā-Bīja mit dem Namen der Zielperson; in den übrigen Feldern werden die zwölf Laute des Mūlamantras zweimal geschrieben. [81 − 40 − 16 ergibt 25: ein Mittelfeld und zweimal zwölf weitere Felder.]
20.MV.70: Für eine weitere Form wird ein Sechseck zwischen Kreisen angelegt. In seiner Mitte und außerhalb werden das erste und das abschließende Bīja der Vidyā angeordnet …
20.MV.71: … in den sechs Ecken der Reihe nach: vorn und hinten jeweils eines, in den seitlichen Ecken jeweils zwei. Zwischen den Kreisen …
20.MV.72: … steht die Mātṛkā von A bis Kṣa, mit Bindu versehen. In das mittlere Bīja wird das jeweils Gewünschte eingetragen.
20.MV.73: Diese Form wird für unverheiratete Mädchen beziehungsweise junge Frauen beschrieben, die sich vor der Begegnung mit einem Ehemann fürchten. Am Arm oder Hals getragen, soll sie bewirken, dass die Trägerin ihm lieb wird. Der Vers legt kein bestimmtes Alter fest und wird als historische Heirats- und Ritualvorstellung wiedergegeben.
Prosaerklärung: Zuerst werden ein Sechseck und außen zwei Kreise angelegt. In der Mitte steht Hrīṃ mit dem Namen. In den sechs Ecken, an den Eckspitzen und in den Zwischenräumen stehen ebenfalls Māyā-Bījas. Zwischen den Kreisen wird die Mātṛkā von A bis Kṣa geschrieben, verbunden mit je zwei Māyā-Bījas. Ihr wird die genannte Wirkung zugeschrieben.
Sechzehn Lotus-Yantras
20.MV.74: Mit den durch Vokale erweiterten Mantralauten werden sechzehn schön gestaltete Lotusformen mit Kreis und je acht Blättern angelegt.
20.MV.75: In die Mitte und auf die Blätter kommt jeweils ein Laut. In das Bīja des Mittelpunkts wird der gewünschte Name eingesetzt …
20.MV.76: … verbunden mit dem Ghaṭikā-Laut. Tag und Nacht werden in sechzehn Abschnitte geteilt, denen die Formen zugeordnet und entsprechend angewendet werden.
20.MV.77: Das insgesamt Erstrebte wird in der Mitte eingetragen. Tragen, rituelle Besprengung und Japa werden mit der Erlangung des gewünschten Ziels verbunden.
Prosaerklärung: Um einen Kreis werden acht anliegende Blätter angelegt. Von den 144 Lautformen der Grundvidyā, entstanden durch die Verbindung ihrer verschiedenen Grundlaute mit sechzehn Vokalen, kommt die erste mit dem Namen in die Mitte. Dort wird auch der Ghaṭikā-Laut hinzugefügt. Auf die acht Blätter kommen die acht folgenden Lautformen. Je neun gehören zu einem Yantra; so entstehen sechzehn Yantras.
20.MV.78: Je fünf Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ergeben sechzehn Felder. In diese werden die Lotusformen eingesetzt.
20.MV.79: Auf den zuvor genannten Trägern werden sie so dargestellt und der Reihe nach in den Zeitabschnitten verehrt. Die Göttin wird auf dem Boden gegenwärtig gemacht, mit dem Ziel, sämtliche Formen des Wohlergehens zu erlangen.
Die Prosa bezeichnet den Sinn als unmittelbar verständlich. Damit endet die Darstellung der Anwendungen Mahāvajreśvarī-Nityās.
Śivadūtī-Nityā
Nun folgt die Darstellung der Anwendungen Śivadūtī-Nityās nach dem Śrītantrarāja, dreizehntes Kapitel, ab Vers 20.
Die örtliche Verszählung der Śivadūtī-Passage erhält das Kennzeichen SD.
20.SD.1: Die Sādhana wird unermüdlich auf dem beschriebenen Weg und in der genannten Reihenfolge vollzogen. „Göttin, höre die Homa-Vorschriften für besondere Wünsche, denen die Erfüllung des Entschlusses zugeschrieben wird.“
20.SD.2: Dadurch soll das Gewünschte rasch und sicher erlangt werden. Homa mit in Honig gemischtem Guggulu wird der Beherrschung von Frauen zugeordnet.
20.SD.3: Guḍa zusammen mit Kokosnuss wird mit der Erlangung von Wohlstand verbunden; ebenso in Ghee getränkte Kahlāra-Blüten und in Milch getränkte rote Lotusblüten.
20.SD.4: Darbringungen mit Campaka-, Bakula- und Madhūka-Blüten, versehen mit den drei süßen Stoffen, werden mit dem Erlangen einer unverheirateten Frau beziehungsweise Braut verbunden.
20.SD.5: Puṃnāga-Blüten werden dem Erlangen einer Kurtisane zugeordnet; die folgende Verbindung mit Ghee und dem Gewünschten ist im Druck stark zusammengezogen. Büffelghee wird mit Büffeln, Ziegenghee mit Ziegen und Kuhghee mit Rindern verbunden …
20.SD.6: … als den Früchten der jeweiligen Darbringungen. Gekochte Nahrung wird dem Erlangen von Nahrung zugeordnet. Danach beschreibt die Quelle eine kleine Figur aus Reismehl mit Zucker …
20.SD.7: … mit den Lauten des Namens im Herzbereich. Sie wird nachts in Öl und Ghee gegart; nach Fasten am Tag wird die mit Vidyā-Rezitation verbundene Figur nachts gegessen.
20.SD.8: Dem Verfahren über sieben Nächte schreibt der Text zu, ein Mann, eine Frau oder ein König werde wie ein Diener gefügig und gebe Vermögen, Leben und Weiteres hin. Die beschriebene Speise ist eine Stellvertreterfigur.
20.SD.9: Darbringungen mit roten oder weißen Hayāri-Blüten werden mit großem Wohlstand nach drei mal sieben Nächten verbunden.
20.SD.10: Homa mit Ziegenfleisch, versehen mit den drei süßen Stoffen, wird der Erlangung von Gold zugeordnet. Bei Verbindung mit Milch wird fruchtbares, mit Feldfrüchten erfülltes Land innerhalb eines Ritualzyklus verheißen.
20.SD.11: Lotusdarbringungen werden mit Wohlstand binnen drei Tagen verbunden. „Nun werde ich dir die Yantras erklären, denen die Erfüllung verschiedener Wünsche zugeschrieben wird.“
20.SD.12: „Höre ihre Anordnung mit gesammeltem Geist, Śivā. Unter den Lauten der Dūtī-Nityā gibt es zehn nicht wiederholte Grundlaute.“
Prosanotiz: Der Druck gibt anschließend eine zusammengezogene Lautfolge. Ihre genaue Auflösung ist nicht zuverlässig; sie wird hier nicht in eine vermeintlich sichere rezitierbare Formel umgeschrieben.
20.SD.13: Mit den sechzehn Vokalen verbunden ergeben diese 160 Lautformen. Es werden zwei Vierecke und innerhalb davon ein Paar Kreise angelegt …
20.SD.14: … darin eine achteckige Figur und innerhalb dieser wiederum zwei Kreise. In die Mitte wird der erste Laut der Vidyā mit dem Namen geschrieben.
Die Prosa erklärt den ersten Laut ausdrücklich als Hrīṃ.
20.SD.15: Zwischen den inneren Kreisen stehen die übrigen Laute. Außen in den acht Ecken stehen jeweils zwei Lautformen. Zwischen den äußeren Kreisen …
20.SD.16: … stehen zehn zur betreffenden Handlung gehörende Elementlaute. Im Bhūpura wird die Mātṛkā in die Richtungen geschrieben, jeweils zwölf der Reihe nach.
20.SD.17: Weitere Laute kommen in drei Ecken. Bei der Niederschrift der übrigen Laute wird den Vokalen Bindu beigefügt; die anschließende Anweisung zur Verbindung bei Konsonanten ist verkürzt.
Unnummerierter Halbvers mit gedruckter Lücke: So entstehen zehn Yantras, die als Stätten der Vollendung bezeichnet werden. [Im Druck folgt eine punktierte Textlücke.]
Ausführliche Prosaerklärung: Zuerst werden zwei Kreise, darum eine achteckige Form, darum weitere zwei Kreise und außen zwei Vierecke angelegt. In der Mitte steht das Māyā-Bīja mit dem Namen. Zwischen den inneren Kreisen wird die Grundvidyā ohne ihr erstes Bīja als Umfassung geschrieben. In die acht Ecken werden zunächst die ersten sechzehn der 160 Lautformen eingesetzt, jeweils zwei pro Ecke. Zwischen den äußeren Kreisen folgen wie zuvor die zehn zur Handlung passenden Elementlaute.
Zwischen den Vierecken stehen in den vier Richtungen jeweils zwölf Mātṛkā-Laute, von A bis Sa. In die drei Ecken beginnend mit Südosten kommen Ha, La und Kṣa; in die Nordostecke die Formen mit Bindu: „haṃ laṃ kṣaṃ“. Die knappe Zählung der Mātṛkā wird so wiedergegeben, wie sie hier gedruckt ist. Mit den aufeinanderfolgenden Sechzehnergruppen entstehen zehn Yantras.
20.SD.18: [Der Druck beginnt mit einer punktierten Textlücke.] Das erste Yantra wird mit rotem Ocker angelegt; darin wird die segensreiche Göttin herbeigerufen und verehrt.
20.SD.19: Am siebten Mondtag erfolgt dies an den drei Tagesübergängen. Als Speisegabe werden Zuckergebäck und Milch genannt, morgens und mittags … [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
20.SD.20: … abends Reis mit Joghurt, außerdem Milch und Bananen. Die gesammelte Verehrung dauert einen ganzen oder halben Ritualzyklus.
20.SD.21: Durch die Gnade der Göttin werde das Gewünschte mit geringer Mühe erlangt, heißt es. Das zweite Yantra wird mit Darada angelegt; die Göttin wird darin am betreffenden Tag herbeigerufen …
20.SD.22: … und erhält gut gegartes Ziegenfleisch, Honig und gekochte Nahrung. Rezitation wird mit der Absicht verbunden, einen Herrscher mühelos gefügig zu machen.
20.SD.23: Ebenso wird lebenslange Einflussnahme auf eine geliebte Frau behauptet. Das dritte Yantra wird mit Sindūra angelegt und die Göttin darin herbeigerufen …
20.SD.24: … mit der Verheißung, innerhalb derselben Tageszahl verschiedene Gegner zu beherrschen. Das vierte wird mit Safran angelegt; in seiner Mitte wird die Göttin verehrt …
20.SD.25: … sodass durch ihre Gnade binnen einer Woche alle Gefahren schwänden. Das fünfte wird mit Sandel angelegt; in seiner Mitte wird die segensreiche Göttin verehrt …
20.SD.26: … ausschließlich mit Milchreis, Bananen, Zucker und Ghee an den drei Tagesübergängen. Die Quelle verheißt, nach einem Monat seien sämtliche Krankheiten überwunden …
20.SD.27: … und die verbleibende Lebenszeit werde lange und glücklich in Gesundheit verbracht. Ein Krug wird auf dem Yantra aufgestellt; mit seinem Wasser wird Abhiṣeka vollzogen.
20.SD.28: Danach erhält der Ausführende des Rituals eine reichliche Dakṣiṇā gemäß den eigenen Möglichkeiten. Die Quelle bezeichnet ihn als Lebensspender und nennt auch die Hingabe des gesamten Besitzes …
20.SD.29: … beziehungsweise so vieler Mittel, bis er zufriedengestellt sei. Das sechste Yantra wird mit Sandel und Kampfer dargestellt …
20.SD.30: … auf einer Bodenfläche, Steinplatte, einem Sitz oder dem Boden eines Hauses. Gekochte Nahrung, Ghee, Milchreis, Gebäck und Beilagen werden dargebracht.
20.SD.31: An den drei Tagesübergängen findet Verehrung mit Vidyā-Rezitation statt. Nach nur drei mal sieben Nächten, behauptet der Text, werde Fieber beseitigt, das auf furchtbare Schadensrituale zurückgeführt wird …
20.SD.32: … und die Lebewesen würden davon frei. „Unbegreiflich sind die Kräfte von Mantra und Yantra.“ Das siebte wird auf Kupfer dargestellt, die Gottheit herbeigerufen und verehrt …
20.SD.33: … und im Haus aufgestellt, damit Lakṣmī dort dauerhaft bleibe. Das achte wird auf Silber dargestellt und für umfassendes Wohlergehen getragen.
20.SD.34: „Śivā, das neunte wird auf Gold dargestellt und als Schmuck getragen. Im zehnten wird die segensreiche Göttin zur Vollendung sämtlicher Vorhaben verehrt.“
20.SD.35: Das jeweils gewünschte Vorhaben wird in die Mitte eingetragen. Bei der Verehrung wird es im Herzen vergegenwärtigt.
20.SD.36: Es werde innerhalb der genannten Zeit erlangt, erklärt der Text und schließt Zweifel daran aus. Alle zehn Yantras werden auch als auf Birkenrinde dargestellt und verehrt beschrieben …
20.SD.37: … und mit einem Wachsgefäß in Honig verbunden. An den drei Tagesübergängen erfolgt gesammelte Verehrung mit roten Duftstoffen und Blüten.
20.SD.38: Mit Blick in Richtung der Zielperson wird die Vidyā rezitiert; dabei stellt sich der Ausführende die Person mit einer Schlinge um den Hals zu seinen Füßen niedergeworfen vor …
20.SD.39: … mit über dem Kopf gefalteten Händen und den Worten: „Ich bin dein Diener.“ Damit verbindet die Quelle die Behauptung, Männer, Frauen, Herrscher und andere würden binnen drei mal sieben Nächten gefügig.
20.SD.40: Wird dasselbe täglich an den drei Tagesübergängen leicht erwärmt, so seien Frauen nach der Vorstellung des Textes von Begehren und Liebesfieber erfüllt …
20.SD.41: … gäben nach und nach Familienbindung, Scham und Urteilsvermögen auf und würden zu Dienerinnen des Ausführenden. Damit schließt die Aufzählung dieser historischen Zwangsrituale.
Verschlüsselte Prāṇapratiṣṭhā-Vidyā
20.SD.42: „Pārvatī, höre: Ich werde dir die Vidyā zur Einsetzung der Lebenskraft erklären.“ Die Lautfolge wird verschlüsselt mit den Bezeichnungen Wind, Raum, zweimal Erde und „Berührung“, verbunden mit „Durchdringung“, begonnen.
Redaktioneller Hinweis: Die folgenden Verse nennen überwiegend Lautschlüssel. Ihre wörtlichen Bildwörter bilden keine gewöhnliche zusammenhängende Aussage. Die Übersetzung gibt sie deshalb als Schlüsselbezeichnungen wieder; eine nicht sicher belegte Entschlüsselung zu einer rezitierbaren Formel wird nicht ergänzt.
20.SD.43: Es folgen „der Schnelle“, verbunden mit Brand und Wind, außerdem Raum mit Wind; Feuer, Haṃsa und der frühere Laut; danach die erste Dreiergruppe.
20.SD.44: Die einleitende Lautzusammensetzung ist im Druck gestört; sie endet mit „Wasser“. Danach werden der sechste und siebte Laut, eine Folge mit Ha, Flamme und Feuer, sodann Māyā und erneut die Dreiergruppe beginnend mit Wind genannt.
20.SD.45: Es folgen Herz, Brand und „Wasserwanderer“, verbunden mit dem eigenen Laut; danach eine schwer auflösbare Folge mit gotra, Brand und weiteren Zeichen. „Durchdringung“ wird mit Wind verbunden, anschließend Raum und Feuer.
20.SD.46: Wieder folgen die erste Dreiergruppe, Wasser und zweimal Wind, verbunden mit Raum; Leere mit Māyā, danach der vierte und fünfte Laut.
20.SD.47: Feuer und Haṃsa werden mit Wind verbunden, ebenso „Durchdringung“ mit Wind. Es folgen Raum, zweimal „süß“ und zweimal Erde, danach Herz und Wasser mit Wind. [Die verschlüsselte Folge setzt sich fort.]
Unnummerierte Fortsetzung des Lautschlüssels: „Haṃsa, mit Wind verbunden; der Mantra hat vierzig Schriftzeichen.“ [Danach steht im Druck eine punktierte Textlücke.]
Ausgeschriebene Formel der Quelle: „Die Lebenskräfte dieser Person seien hier als Lebenskräfte gegenwärtig; das Leben dieser Person sei hier anwesend; sämtliche Sinne dieser Person, Sprache, Geist und Lebenskräfte dieser Person mögen hierherkommen. Svāhā.“
Die Prosa gibt damit eine zusammenhängende Formel an, ohne die zuvor gedruckten Lücken des Lautschlüssels zu schließen. Amuṣya, „dieser Person“, bezeichnet den einzusetzenden Bezug.
20.SD.48: [Der erste Halbvers ist im Druck durch Punkte als fehlend markiert.] Mit den sieben Lauten beginnend mit Ya werden die sechs Glieder durch paarweise Verbindung gebildet.
20.SD.49: Dieselben werden an den Handflächen und den weiteren Stellen eingesetzt, umschlossen von Śakti. Meditiert wird über die Göttin Prāṇaśakti: rötlich, in rotem Gewand …
20.SD.50: … mit rötlichem Schmuck und Krone, mit zarten roten Lippen, einem Paar großer rötlicher Lotusaugen und einem schönen, hellen Antlitz …
20.SD.51: … in beiden Händen einen Blütenball und eine Schlinge haltend, ringsum von zehn ihr gleichenden Śaktis umgeben …
20.SD.52: … die mit unendlicher Kraft erfüllt sind. Sie wird inmitten eines Lotus verehrt. Die Śaktis heißen Prāṇa, Apāna, Samāna, Vyāna und Udāna …
20.SD.53: … außerdem Nāgā, Kūrmī, die im Druck als „Prakṛkā“ erscheinende Form, Devadattā und Dhanañjayā. Es werden zwei Vierecke und innerhalb davon zwei Kreise angelegt …
20.SD.54: … darin ein zehnblättriger Lotus und darin erneut das Kreispaar. In der Mitte wird die Göttin herbeigerufen und nach Bereitung der Arghya-Gabe verehrt.
20.SD.55: Vorgeschrieben werden ein Lakṣa, also 100.000 Wiederholungen, bei Milchnahrung sowie ein Zehntel davon als Homa mit reinem Sesam und Senf, verbunden mit Zucker und süßen Stoffen.
20.SD.56: Tarpaṇa erfolgt mit duftreichem Wasser. Auf diese Weise werde die Sādhana vollendet. Auf die in diesem Tantra beschriebenen Stellvertreterfiguren und Yantras …
20.SD.57: … sollen mit dieser Vidyā die Lebenskräfte der Zielperson übertragen werden. „Verständige, höre nun die Einsetzung im Yantra, der unmittelbare Wirksamkeit zugeschrieben wird …
20.SD.58: … durch die sich die Figur kraft des Geistes mit Lebensbewegung erfülle.“ Je acht Linien werden von Osten nach Westen und von Süden nach Norden gezogen …
20.SD.59: … sodass 49 Felder entstehen. Die Eintragung beginnt in der nordöstlichen Richtung und setzt sich ringsum nach innen fort.
20.SD.60: In den mittleren, durch die Zahlwörter Śiva und neun bezeichneten Feldern werden die zu den Gliedern genannten Laute der Reihe nach eingetragen. Die knappe Zahlenverbindung ist nicht eindeutig aufgelöst. In die zwei verbleibenden Felder schreibt der Übende den Namen der Zielperson.
20.SD.61: Während er mit der als belebt verstandenen Hand berührt, wiederholt er die Vidyā hundertmal. Die Figuren werden damit zur angenommenen Wirksamkeit gebracht; auf andere Weise, erklärt der Text, geschehe dies nicht.
20.SD.62: „Höre nun die wunderbare Herbeiführung des Lebens und der übrigen Kräfte der Zielperson.“ Dabei wird die Kraft des Mantras vergegenwärtigt, und aus dem Inneren ihres Herzens …
20.SD.63: … werden die Gegenstände der Erkenntnis- und Handlungssinne, Geist, Leben und Körper aus dem Inneren der betreffenden Person in die Figur übertragen vorgestellt. Die abschließende Wendung über die Stelle an der Figur ist im Druck gestört.
20.SD.64: Im Geist werden sie mit einer roten, aus Śakti bestehenden Schnur herbeigeführt und eingesetzt. An den Enden der Laute der Vidyā wird der Name der Zielperson eingefügt.
20.SD.65: Die so mit dem Namen verbundene Vidyā wird vom gesammelten Ausführenden mitten in der Nacht tausendmal wiederholt, während er mit der „belebten Hand“ berührt.
20.SD.66: Die auf diese Weise mit Lebenskräften versehene Figur bewege sich dann, behauptet der Text. „Höre nun die Geburtsstern-Zuordnungen der Zielperson, die ich dir nennen werde.“
20.SD.67: Maßgebend ist die Navāṃśa-Zuordnung, die aus dem Geburtsaszendenten der Person hervorgeht. Hinzu kommen neun weitere Sternzuordnungen aus der Verbindung mit den neun Grahas.
20.SD.68: Ihre jeweiligen Anwendungen werden für einen späteren Homa-Abschnitt angekündigt. Ferner nennt die Quelle Nägel, Haare und Staub aus den Fußspuren des Gegners …
20.SD.69: … sowie weitere Körperhaare als Bestandteile der Figur. Das gelte für die beschriebenen Anwendungen beginnend mit Beherrschung, verbunden mit der genannten Vidyā.
20.SD.70: Damit sei die Handlung des Herbeiziehens der Lebenskräfte erklärt. Nach dieser angenommenen Übertragung mittels der Vidyā …
20.SD.71: … würden an der betreffenden Figur die im jeweiligen Tantra beschriebenen Handlungen vollzogen. Bei den als Tötungsrituale bezeichneten Verfahren wird die Stellung der Sterne und Planeten der Zielperson berücksichtigt …
20.SD.72: … ebenso die Aṣṭakavarga-Bewertung der genannten Sternzuordnungen und die Daśā-Periode. Erst nach deren Betrachtung werde nach der historischen Rituallehre die entsprechende Handlung ausgeführt.
20.SD.73: Eine ohne diese Prüfung vollzogene Handlung, warnt der Text, vernichte augenblicklich den Ausführenden selbst. Ein Brahmane, ein rechtschaffener Herrscher, eine Frau oder ein gläubiger Mensch …
20.SD.74: … ebenso ein freigebiger und mitfühlender Mensch dürfe niemals zum Ziel eines Schadensrituals gemacht werden. Geschehe dies aus Feindschaft, richte sich die Handlung gegen ihren Urheber.
20.SD.75: „Höre nun, gegen wen sich nach dieser Lehre Abhicāra richten darf.“ Die Quelle zählt schwer sündigende Menschen, Ungläubige, Furchtbare sowie Schmähende von Gottheiten und Brahmanen auf …
20.SD.76: … ferner solche, die Menschen töten, sich leidverursachenden Handlungen widmen, Land, Lebensunterhalt, Vermögen oder Frauen rauben oder Familien zugrunde richten …
20.SD.77: … außerdem Schmähende der religiösen Verpflichtungen, Verleumder, Königsmörder und solche, die Lebewesen beständig durch Gift, Feuer, Tiere, Waffen und Ähnliches verletzen.
20.SD.78: Gegen diese, so der Anspruch des Textes, könne ein Tötungsritual gerichtet werden, ohne dadurch zum schweren Sünder zu werden. Nach einer solchen Handlung werde jedoch die Hälfte …
20.SD.79: … oder ein Viertel des eigenen Vermögens zur Ehrung des Gurus und von Brahmanen verwendet. Es folgen ein auf die eigene Nityā bezogener Abhiṣeka und ein Jahr Vidyā-Rezitation bei opfergeeigneter Nahrung.
20.SD.80: Während eines Jahres wird Abhiṣeka auch bei den drei Geburtsstern-Zuordnungen vollzogen, zusammen mit Dūrvā-Homa. Nach diesem Jahr, behauptet die Quelle, werde der Ausführende von den damit verbundenen Verfehlungen frei.
Einordnung des Schlusses: Die Quelle verbindet ihre Einschränkungen mit religiösen und gesellschaftlichen Wertungen ihrer Zeit. Besonders die Aufnahme Anders- oder Nichtgläubiger in die Liste vermeintlich zulässiger Ziele wird hier ausschließlich dokumentiert. Auch die nebeneinanderstehenden Aussagen, eine Handlung mache nicht zum Sünder und erfordere dennoch ein Jahr Entsühnung, werden nicht geglättet.
Unnummerierter Abschluss: „Damit ist dir die gesamte Vorschrift für Dūtī-Nityā erklärt.“ Damit endet die Darstellung der Anwendungen Śivadūtī-Nityās.
Kolophon des zwanzigsten Śvāsa: Damit endet der zwanzigste Śvāsa des Śrīvidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati. Das Kolophon nennt die Lehrerfolge Śrīgovindācārya, Śrībhagavacchaṅkarācārya, Śrīviṣṇuśarmācārya und Śrīpragalbhācārya. Es preist den erstgenannten Lehrer mit den Ehrentiteln Mahāmahopādhyāya und Bhagavatpūjyapāda. Die Verfasser- und Linienangabe wird als Aussage der Überlieferung wiedergegeben.
21. Śvāsa
Der einundzwanzigste Śvāsa setzt die Lehre von den Nityā-Göttinnen mit Tvaritā fort. Die Anwendungen werden dem Śrītantrarāja, Kapitel 14, ab Vers 23, entnommen. Die örtliche Verszählung erhält hier das Kennzeichen TV. Die Übersetzung bewahrt die historischen Wirkungsbehauptungen und unterscheidet sie von heutigen Praxisanregungen.
Tvaritā-Nityā: Homa und Beginn der Yantra-Lehre
21.TV.1: Erst nach Vollendung der Vidyā werden die Anwendungen ausgeführt. Für das Homa werden Bambusblätter und verwandte Pflanzenteile genannt; die Anzahl der Darbringungen beträgt ein Zehntel der zur Sādhana gehörenden Rezitationen.
21.TV.2: Ein auf diese Weise als vollendet geltender Mantra wird mit Wasser in einer Handvoll verbunden. Der Text behauptet, durch Besprengen oder Anschlagen des Gesichts könnten Menschen, die nach einem Schlangenbiss gestorben seien, wiederbelebt werden.
21.TV.3: Dazu nennt er die Rezitation der Vidyā in die Ohren und das Berühren beziehungsweise Anschlagen des Kopfes mit einem Stab, wiederum mit der Behauptung einer plötzlichen Wiederbelebung. Diese Verse sind eine historische Wirkungsbehauptung, kein belegtes Verfahren zur Behandlung eines Schlangenbisses.
21.TV.4: „Göttin, höre die vorschriftsgemäße Darstellung des Homa für bestimmte Wünsche.“ In der Mitte der Opfergrube wird eine Yoni-Form angelegt; darin folgen die Darbringungen im Feuer.
21.TV.5: Sesam, Senf, Weizen, Śāli-Reis, weiteres Getreide und Gerste werden einzeln oder gemeinsam mit den drei süßen Stoffen als Gaben für Wohlstand genannt.
21.TV.6: Bakula, Campaka, Lotus, Kahlāra, roter Lotus, Kairava, Mallikā, Kunda und Madhūka werden der Erlangung von Indirā beziehungsweise Lakṣmī zugeordnet.
21.TV.7: Die Reihe setzt sich mit Aśoka, Pāṭala, Bilva, weißen Jātī- und Vicakila-Blüten, frischen blauen Lotusblüten sowie Aśvaripu- und Karṇikāra-Blüten fort.
21.TV.8: Diesem Homa schreibt der Text Wohlstand, Glück, Lebensdauer, Vermögen, Ansehen, Schätze und die sichere Erfüllung jedes jeweiligen Wunsches zu.
21.TV.9: Dūrvā, Guḍūcī, Aśvattha, Vaṭa, Āragvadha und weißer Arka werden für ein Homa genannt, dem rasche Befreiung von Krankheit zugeschrieben wird. Der Druck nennt eine Siebenergruppe, obwohl hier nur sechs Stoffnamen eindeutig abgrenzbar sind; ein siebter wird nicht ergänzt.
21.TV.10: Zuckerrohr, Jambū, Kokosnuss, Banane, Guḍa und Zucker werden mit dauerhaftem Wohlstand und der Möglichkeit verbunden, ihn zu genießen.
21.TV.11: Dieselben genannten Stoffe, einzeln mit Ghee, Honig oder Milch verbunden, werden in einer weiteren Wirkungsbehauptung der lebenslangen Beherrschung einer Frau und ihres Vermögens zugeordnet.
21.TV.12: Bei Verbindung mit Ghee wird Einfluss auf Könige behauptet; bei Verbindung mit Milch die Beherrschung aller Menschen. Die kurze eingeschobene Wendung im ersten Halbvers ist im Druck unregelmäßig.
21.TV.13: Danach beschreibt die Quelle Schadensrituale: Senf und Ghee in einem Feuer aus „Todesholz“ werden dem Tod eines Gegners zugeordnet; hinzu kommt Fleisch aus der dem Geburtsstern des Gegners entsprechenden Tierzuordnung.
21.TV.14: Es folgen weitere Stoffangaben eines solchen Rituals: eine mit Blut aus der genannten Yoni-Zuordnung bereitete Opferspeise, Arka-Holz als Brennstoff, Āruṣkara-Fett und ein Schlangenkopf. Die Quelle verbindet das Garen und Darbringen dieser Stoffe mit der zuvor genannten Absicht.
21.TV.15: Der Ausführende wird dabei mit schwarzem Tuch um den Kopf, mit Schwert in der Hand und zorniger Gesinnung beschrieben; die Handlung findet um Mitternacht statt und soll nach der Quelle den Gegner gewaltsam töten.
21.TV.16: Früchte und Blätter des als „Todesholz“ bezeichneten Baumes werden im entsprechenden Feuer dargebracht. Daraus würden, so die Behauptung, binnen sieben Nächten Krankheiten der Elefanten und Pferde des Gegners entstehen.
21.TV.17: Vier Fingerbreiten lange Stücke als Homa-Gaben werden mit Krankheit und Leid des gesamten viergliedrigen gegnerischen Heeres binnen einer Woche verbunden.
21.TV.18: „Wer könnte die ganze Wirkmacht dieser Vidyā beschreiben? Dennoch soll etwas in dieser Richtung gesagt werden. Höre es, Geliebte.“
21.TV.19: „Nun werde ich die Yantras zur Erfüllung sämtlicher Wünsche erklären. Herrin der Götter, nimm sie der Reihe nach aufmerksam auf.“
21.TV.20: Je zwölf Linien werden von Osten nach Westen und von Süden nach Norden gezogen. Ihre Enden werden ringsum dreispitzig gestaltet. Im mittleren Feld …
21.TV.21: … steht Tāra, Oṃ, mit dem Namen im Inneren. Von Śivas Richtung, Nordosten, aus wird im Uhrzeigersinn nach innen fortgeschritten; Māyā, Hrīṃ, wird zwölfmal wiederholt. [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
21.TV.22: Die Vidyā wird eingetragen und rezitiert; das Yantra wird zur Erlangung aller Vollendungen getragen. Genannt werden Wohlstand, Ansehen, Einfluss, Glück und die Erfüllung sämtlicher Wünsche.
21.TV.23: Als weitere Zwecke führt der Text die Befriedung von Gift, Graha-Bedrängnis, Krankheit und Wahnsinn, den Sieg im Kampf und die Beherrschung von Männern, Frauen und Herrschern an.
Prosaerklärung: Je zwölf Linien in beiden Richtungen ergeben 121 Felder. Alle Linienenden werden mit Dreizacken versehen. In der Mitte steht Oṃ mit dem Namen der Zielperson. Vom Nordostfeld aus wird im Uhrzeigersinn nach innen fortgeschritten; die Tvaritā-Vidyā wird zwölfmal eingetragen, jedoch ohne Oṃ und ohne das zweite Hrīṃ. Dem so gebildeten Yantra werden die genannten Wirkungen zugeschrieben.
Das Sarvatobhadra-Cakra
21.TV.24: „Parameśvarī, je neun Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ergeben 64 Felder.“
21.TV.25: Darin wird der Lakṣmī-Mantra der Reihe nach geschrieben, ausgehend von den Śarva- und Nirṛti-Richtungen. Außen erfolgt eine Umfassung mit der Formel tūrṇāvicarantī, verbunden mit Vaṣaṭ.
21.TV.26: „Maheśvarī, höre die Vidyā des großen segenspendenden Cakras: Sie hat eine Sarvatobhadra-Anordnung, das Anuṣṭubh-Metrum und wird als alle Vollendungen verleihend bezeichnet.“
Hinweis zu den Lautschlüsseln: Die folgenden Verse erklären die Form durch verschlüsselte Lautnamen. Ihre Bildwörter werden als solche übersetzt; bei beschädigten Zusammensetzungen wird keine zusätzliche sichere Lautfolge erfunden.
21.TV.27: Der erste Laut wird mit „Brand“ und „Feuer“ verbunden; danach folgt eine verkürzte Verbindung mit Raum und Wind, sodann Raum mit Wind und „Durchdringung“ mit demselben.
21.TV.28: Dieselben Laute rückwärts vervollständigen den ersten Versfuß. Für den zweiten wird mit dem zweiten Laut begonnen; die anschließende Wendung nennt wiederum Leere und den zweiten Laut und ist im Druck verkürzt.
21.TV.29: Danach werden der dritte und vierte Laut genannt, gefolgt von einer mehrdeutigen Verbindung mit jyā. Dieselben in umgekehrter Folge bilden den zweiten Versfuß.
21.TV.30: Der dritte und vierte Laut stehen erneut am Anfang; es folgen Ilā mit Feuer und nochmals Ilā mit Wind. Die Umkehrung dieser Folge bildet wie zuvor den dritten Versfuß.
21.TV.31: Für den vierten werden der vierte, zwölfte und zwanzigste Laut sowie der erste genannt, dann in umgekehrter Folge. „Maheśvarī, dies ist der vierte Versfuß der Śrīvidyā.“
21.TV.32: Die Vidyā wird als Sarvatobhadra, „nach allen Seiten heilvoll“, und als Erfüllerin sämtlicher Ziele bezeichnet. Wo sie im Cakra gegenwärtig sei, gebe es nach der Verheißung keine Rede von Unheil.
Ausgeschriebene Lautfolge der Quelle: Die anschließende Prosa schreibt die vier Lautzeilen aus. Es handelt sich um eine durch Wiederkehr und Umkehr gebildete Mantrafolge, nicht um einen gewöhnlichen Sanskritsatz. Ihre Funktion ist der Lakṣmī-Mantra des Sarvatobhadra-Cakras; eine künstliche Wort-für-Wort-Bedeutung wird nicht zugewiesen. Der genaue Wortlaut steht in den parallelen Sanskritfassungen.
Ausführliche Anordnung: Neun Linien je Richtung bilden ein quadratisches Śrīcakra mit 64 Feldern. In den obersten vier Reihen werden die 32 Laute des genannten Lakṣmī-Mantras eingetragen, beginnend links oben und jeweils nach rechts fortschreitend. In den unteren vier Reihen stehen dieselben 32 Laute nochmals, beginnend rechts unten und nach links sowie Reihe für Reihe aufwärts fortschreitend.
Außen wird die Tvaritā-Vidyā in den vier Richtungen, vom Osten aus und bis in die Nordostecke, viermal geschrieben; Vaṣaṭ ist einbezogen. Die Schrift berührt die äußere Linie. Darum liegt die Umfassung mit dem Amṛta-Bīja Vaṃ. Dem Ganzen werden die zuvor genannten Wirkungen zugeschrieben.
Ein weiteres Gitter und die Kruggestalt
21.TV.33: Je zehn Linien ergeben 81 Felder. In das mittlere Feld kommt das mit „Brand“ bezeichnete Bīja mit dem Namen. Auf den Wegen des Gitters …
21.TV.34: … werden vier Zehnergruppen geschrieben. Die anschließende verschlüsselte Lautfolge ist im Druck stark zusammengezogen; sicher erkennbar sind die Schlüssel Wasser, Berührung und Ilā. Eine vollständige sichere Entschlüsselung ist hier nicht möglich.
21.TV.35: Danach wird die Vidyā Śrīs eingetragen, deren Anfang wiederum durch eine zusammengesetzte Lautbezeichnung beschrieben wird. Die Umfassung erfolgt mit den zuvor genannten Amṛta-Lauten, verbunden mit Phaṭ.
21.TV.36: Danach steht Wasser mit Raum. Aus dieser zu einer Girlande verbundenen Folge und zwei Kreisen wird die Gestalt eines Kruges mit Lotus unten und oben gebildet.
21.TV.37: Auf Gold oder anderen Platten dargestellt, wird diese Form verehrt, durch Japa rituell vervollkommnet und an den zuvor genannten Orten aufgestellt.
21.TV.38: Dort, behauptet der Text, werde Lakṣmī überaus reich gegenwärtig; die Bewohner seien frei von Krankheit, und Elefanten, Pferde, andere Tiere und Lebewesen lebten beständig wohl.
21.TV.39: Das Tragen dieser Form wird bei Bedrängnis durch Bhūtas, Pretas und Piśācas genannt, ferner zur Befriedung von Unglück, zur Einflussnahme und für umfassendes Wohlergehen.
Beginn der Prosaerklärung: Je zehn gleichmäßig beabstandete Linien werden von Osten nach Westen und von Süden nach Norden gezogen; damit entsteht die Anordnung mit 81 Feldern … [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
Fortsetzung der Prosa zum Krug-Yantra: Im Mittelfeld wird der Name in das Innere des mit Bindu versehenen Kūṭa-Lautes geschrieben. Von diesem Mittelfeld aus verlaufen zwei Reihen waagerecht und zwei senkrecht, zusammen vier Wege mit jeweils vier Feldern. Vom eigenen Vorderbereich aus und im Uhrzeigersinn fortschreitend werden die Laute der Folge „jūṃ saḥ vaṣaṭ“ einzeln in die Felder gesetzt, von innen nach außen.
In die übrigen Felder, ausgehend von Nordosten und Südwesten, kommt der zuvor genannte Śrīvidyā-Anuṣṭubh, mit Aussparung der vier mittleren Wege. Ganz außen werden die Tvaritā- und Amṛta-Laute wie zuvor viermal geschrieben. Darum werden zwei Kreise angelegt, der äußere mit einer Fingerbreite Abstand. Oben und unten wird im mittleren Bereich jeweils ein Abschnitt von vier Fingerbreiten geöffnet. Die Enden werden so nach oben geführt, dass eine Krugöffnung von vier Fingerbreiten entsteht; an der Öffnung liegen zwei Querlinien.
Der Zwischenraum der Krugform wird mit einer nach innen gerichteten Kette einander berührender Va-Laute ausgefüllt, jeweils mit Bindu darüber. Unter dem Krug steht ein Lotus, sodass der Krug auf dessen Mitte ruht. Den entsprechenden Anwendungen werden die zuvor genannten Wirkungen zugeschrieben. Damit endet die Darstellung der als Anugraha, Begünstigung, bezeichneten Yantras.
Nigraha-Yantras und verschlüsselte Lautfolgen
21.TV.40: „Herrin der Götter, höre nun von Nigraha, der niederhaltenden Handlung, vor der Gegner sich fürchten und durch die sie binnen kurzer Zeit ihr Leben verlieren sollen.“
21.TV.41: Wie zuvor wird ein Gitter mit 81 Feldern angelegt. Im Mittelfeld steht der Name im Inneren des mit „Brand“ bezeichneten Bījas. In den Richtungswegen …
21.TV.42: … werden vier Bījas der Reihe nach geschrieben, die als aus Feuer und Wind bestehend beschrieben werden. Ihnen wird das sofortige Sterben der Gegner zugeschrieben.
21.TV.43: Die vier Bījas werden verschlüsselt über die Bezeichnungen „Saft“, „Verschlingen“, „Glanz“ und Haṃsa sowie Verbindungen mit Brand und weiteren Lautschlüsseln angegeben. Die wiederkehrende gedruckte Zusammensetzung dāhadmā ist nicht sicher auflösbar; die Bījas werden deshalb nicht durch eine erfundene Entschlüsselung ergänzt.
21.TV.44: Von Nordosten und Südwesten aus werden danach die Vidyā Kālīs und der Mantra Yamas der Reihe nach zeilenweise eingetragen.
21.TV.45: „Īśvarī, höre zunächst Kālīs Anuṣṭubh in der Sarvatobhadra-Form. Danach werde ich einen entsprechend gebildeten Anuṣṭubh Yamas erklären.“
21.TV.46: Die Lautschlüssel für den Anfang lauten: Lebenshauch mit Wind, Ilā mit Feuer, Raum mit Wind und Brand; darauf folgen die vier in umgekehrter Reihenfolge …
21.TV.47: … womit der erste Versfuß gebildet wird. Für den zweiten nennt der Text Leere, Raum, bhūtā und „Verschlingen“, danach deren Umkehrung.
21.TV.48: Es folgen der dritte und elfte Laut, dann gotrā mit „Bewegung“ sowie „Strömung“; ihre umgekehrte Folge bildet den dritten Versfuß.
21.TV.49: Für den vierten werden der vierte, zwölfte und zwanzigste Laut genannt; die weitere Wendung enthält „Strömung“ und „Wasser“ und deren Umkehrung. Die Vidyā wird als alles vernichtend bezeichnet.
21.TV.50: Für Yama beginnt die Folge mit „Durchdringung“, dem dritten Laut der Kālī-Formel, Wind mit Wasser und Nāda; darauf folgt die Umkehrung als erster Versfuß.
21.TV.51: Der zweite und vierte Laut dieser Folge, Erde mit Raum und Nāda bilden zusammen mit ihrer Umkehrung den zweiten Versfuß des Mantras.
21.TV.52: Wind mit Wasser, der elfte Laut, „Saft“ mit Erde sowie Feuer und Brand werden mit ihrer Umkehrung als Bestandteile des dritten Versfußes genannt.
21.TV.53: „Śivā, Nāda, Nāda, Brand und Feuer, danach Strömung und Wasser mit ihrer umgekehrten Folge ergeben den vierten Versfuß.“ Die knappe Anzahlzuordnung ist ohne weitere Entschlüsselung nicht eindeutig.
21.TV.54: Beide Formeln werden in die Felder eingetragen und außen mit den Lauten „Durchdringung“ und „Brand“ nach der genannten Reihenfolge umgeben.
21.TV.55: Als weitere Bestandteile des historischen Schadensrituals nennt der Text eine Auflage aus als markara, Daṇḍin und Gift bezeichneten Stoffen; der erste Ausdruck ist unklar. Unter Rezitation wird der Gegenstand in einer Baumhöhlung oder an einem Platz niedergelegt …
21.TV.56: … oder in einem Ameisenhügel, einem Heiligtum der Mütter, einem Śāstṛ-Tempel oder auf einem Verbrennungsplatz, jeweils zur genannten Zeit und in der beschriebenen Weise.
Nachfolgende Formeln: Der Druck schreibt anschließend den Kālī-Anuṣṭubh, den Yama-Anuṣṭubh und die Vierergruppe der Nigraha-Bījas aus. Teile dieser eng gesetzten Lautfolgen sind nicht sicher lesbar. Die Sanskrit-Arbeitsfassung bewahrt die erkennbaren Formen mit örtlichen Unsicherheitsmarkierungen; eine sichere vollständige Rezitationsfassung wird nicht behauptet. Die vorausgehenden Verse erklären ihre Funktion und Anordnung, ohne eine gewöhnliche Satzbedeutung zu bilden.
Beginn der Prosaerklärung: Für die Konstruktion dieses Nigraha-Yantras wird zunächst wie zuvor ein Cakra mit 81 Feldern angelegt; in dessen Mitte … [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
Fortsetzung der Prosa: In das mittlere Feld kommt Ra mit Bindu; der Name steht in dessen Innerem. In die vier Wege aus jeweils vier Feldern wird, von innen nach außen, die zuvor genannte Vierergruppe der Nigraha-Bījas geschrieben. Ist die Zielperson ein Mann, steht Kālīs Anuṣṭubh innen und Yamas Mantra außen; bei einer Frau wird die Reihenfolge vertauscht. Die Eintragung beginnt in Nordosten und Südwesten. Die äußere Formel läuft zweimal fort, von Nordosten nach Südwesten und von Südwesten nach Nordosten. Darum liegen die Umfassungen aus Ya und Ra, jeweils mit Bindu. Als Ort werden für eine männliche Zielperson ein Kālī- oder anderes Śakti-Heiligtum, für eine weibliche Zielperson ein Śāstṛ-Heiligtum genannt. Die abschließende Ortsangabe für das Eingraben ist im Druck unklar.
Zwischenzitat aus dem Prapañcasāra: Die beiden Verse dieser eingeschobenen Quelle erhalten das Kennzeichen PS.
21.PS.1: Ein neunteiliges Feld aus Blei, ein von einem Toten stammendes Tuch oder eine Steinplatte werden als Träger genannt. Die Schrift wird mit einem als Gift bezeichneten Stoff und einer Krähenfeder angebracht …
21.PS.2: … und an einem Platz oder in einem mit Streit verbundenen Bereich aufgestellt. Dem schreibt die Quelle Tod und Krankheit der Gegner sowie Unglück für deren Kinder und Frauen zu. Die genaue Ortsbezeichnung kalivṛtta ist hier nicht eindeutig.
Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats: Die Zählung TV wird wiederaufgenommen.
21.TV.57: Wo dieses Yantra in einem Land oder anderen Gebiet niedergelegt sei, entstünden nach der Behauptung des Textes Unglück, Krankheit und eine schwer zu überwindende Seuche, die selbst Gottheiten und Asuras nicht bewältigen könnten.
21.TV.58: „Śivā, wie zuvor ergeben je neun Linien acht mal acht Felder. Darin wird Kālīs Mantra von Nordosten und Südwesten aus eingetragen …
21.TV.59: … außen mit Yamas Mantra und den beiden genannten Bījas umgeben; das Cakra wird mit der Vorderseite nach unten niedergelegt.“
21.TV.60: Dem wird dieselbe Wirkung wie dem früheren Cakra zugeschrieben. Auch dort, wo es nicht eigens gesagt wird, sollen nach dem Text die Namen in die betreffenden Felder eingefügt werden.
21.TV.61: Der Vers bezeichnet einen Schreibstoff als „Gift“ und zählt Salz, Uṣaṇa, medāmbu, Hausruß, „Feuer“, Kohle vom Verbrennungsplatz und Nimba-Ausscheidung beziehungsweise -Harz als Bestandteile auf. Die Stoffangaben werden hier als historische Textaussage dokumentiert; die ungewöhnlichen Ausdrücke bleiben näher erklärungsbedürftig.
Prosaerklärung der Wörter und der Anordnung: Der Kommentator der Manoramā erklärt Uṣaṇa hier mit ūṣara, einer salzhaltigen oder unfruchtbaren Substanz; medāmbu wird mit prasrava, einer Ausscheidung beziehungsweise Flüssigkeit, und „Feuer“ mit Citraka erklärt. Darauf wird die Anordnung der 64 Felder wiederholt: innen Kālī und außen Yama bei einem Mann als Zielperson, umgekehrt bei einer Frau. Die Umfassung besteht wie zuvor aus Ya und Ra mit Bindu. Dem Aufstellen an den genannten Orten werden die zuvor beschriebenen Wirkungen zugeschrieben.
Zehn weitere Lotusformen
21.TV.62: Der Name wird in das Innere des ersten Lautes der Vidyā geschrieben. Auf die acht äußeren Lotusblätter kommen acht weitere Laute, unter Ausschluss von Phaṭ.
21.TV.63: Der Laut in der Lotusmitte und danach der Lotus werden von Māyā umgeben. Außen folgt die zuvor beschriebene Krugform mit ihrer Lautanordnung.
21.TV.64: Mit den neun anderen Lauten der Vidyā werden der Reihe nach neun weitere Yantras gebildet. „Höre nun die Wirkungen dieser zehn.“
Prosaerklärung: Ein achtblättriger Lotus mit Mitte und zwei äußeren Kreisen wird angelegt. In der Mitte steht der erste Laut der Vidyā mit dem Namen, umgeben von Māyā. Auf den acht Blättern stehen die acht Bījas vom zweiten an, mit Ausschluss von Phaṭ; außen liegt erneut Māyā. Wird der zweite Laut in die Mitte gesetzt, entsteht die zweite Form. Entsprechend werden die übrigen gebildet, insgesamt zehn.
21.TV.65: Ihnen werden Schutz in allen Bereichen, Sieg, Beherrschung von Männern, Frauen und Herrschern, Hemmung, Wohlstand, Ansehen, Gold und Gewänder zugeschrieben.
21.TV.66: Der Mantra enthält elf nicht wiederholte Grundlaute. Mit den Vokalen verbunden ergeben sie 176 Lautformen.
Die Prosa schreibt die Grundlaute als zusammengezogene Folge aus. Die Drucklesung ist stellenweise unklar; eine sichere vollständige Auflösung wird nicht ergänzt.
21.TV.67: „Herrin der Götter, höre nun die Bildung der Yantras daraus und ihre Wirkungen der Reihe nach, zur Erfüllung der Wünsche des Übenden.“
21.TV.68: Zwischen zwei Kreisen wird ein sechzehnblättriger Lotus angelegt. In seiner Mitte steht das Śakti-Bīja mit der Zielbezeichnung.
21.TV.69: Auf den Blättern stehen sechzehn Laute, umgeben von Māyā. Außen wird die zuvor genannte Krugform mit den beiden Kreisen dargestellt.
Unnummerierter Halbvers: Auf diese Weise sind elf Yantras beschrieben. [Danach folgt im Druck eine punktierte Textlücke.]
Prosaerklärung: Ein sechzehnblättriger Lotus mit Mitte und zwei äußeren Kreisen wird angelegt. In seiner Mitte steht Hrīṃ mit dem Namen, umgeben von Māyā. Die sechzehn Blätter enthalten sechzehn Bījas; zwischen den Kreisen liegt eine Umfassung aus Māyā-Bījas. Außen wird der zuvor beschriebene Krug dargestellt. So entstehen elf Yantras.
21.TV.70: [Der Druck markiert den ersten Halbvers durch eine punktierte Lücke.] „Pārvatī, höre nun ihre Anwendungen der Reihe nach.“
21.TV.71: Das erste wird dem Schutz von Elefanten zugeordnet, das zweite dem Schutz von Gold. [Eine Druckvariante bietet „Pferde“ statt „Gold“.] Das dritte dient dem Schutz eines Königs, das vierte dem Schutz im Zweikampf.
21.TV.72: Das fünfte wird dem umfassenden Schutz des königlichen Wohnsitzes zugeordnet, das sechste dem Schutz der Minister und das siebte dem Schutz der Stadt.
21.TV.73: Das achte soll jederzeit die Häuser aller Menschen schützen: vor Schlangen, Dieben, Grahas, weiteren Gefahren und Gegnern.
21.TV.74: Das neunte wird nach der zuvor genannten Vorschrift als Rettung aller Menschen aus jeder Krankheitsbedrängnis beschrieben.
21.TV.75: Das zehnte wird auf Birkenrinde dargestellt und wie zuvor in einen Liṅga aus Wachs einbezogen. Dieser steht in kühlem Wasser in einem Krug oder ähnlichen Gefäß.
21.TV.76: Die Formen werden verehrt und mit der als belebt verstandenen Hand berührt. Ein durch schwere Schadensrituale und Kṛtyā entstandenes brennendes Fieber …
21.TV.77: … solle den Betroffenen sofort verlassen und seinen Urheber vernichten. „Geliebte, so werden diese mit Namen versehenen Yantras als alle Aufgaben erfüllend erklärt.“ Eine gesonderte eindeutige Anwendung des elften Yantras wird an dieser Stelle nicht nochmals ausgeführt.
21.TV.78: Bei allen Nityās wird morgens zu Beginn der Verehrung eine Bali-Darbringung mit der sechzehnlautigen Formel zur Förderung des Wohlergehens genannt.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Tvaritā-Nityās.
Kulasundarī-Nityā: Verehrung und die Bedeutung der Vidyā
Nun folgt die Darstellung der Anwendungen Kulasundarī-Nityās nach dem Śrītantrarāja, Kapitel 15, ab Vers 25. Die neu beginnende örtliche Verszählung erhält das Kennzeichen KS.
21.KS.1: Die tägliche Verehrung und das tägliche Homa mit Ghee werden in der genannten Weise ausgeführt. Morgendliches Trinken des rituell vorbereiteten Wassers wird mit der Vollendung in der Vidyā verbunden.
21.KS.2: Sandel, Uśīra, Kampfer, Moschus und Rocanā, ferner Safran, dunkles Aguru und mṛgasveda werden als Duftstoffe aufgezählt …
21.KS.3: … mit denen der Körper gesalbt wird. Freudig im Inneren, schweigend, mit farbigem Schmuck, Gewändern und Blumengirlanden versehen, wiederholt der Übende die Vidyā zu Beginn der Nacht.
21.KS.4: Mit diesen Düften wird die segensreiche Göttin zur Erfüllung aller Ziele verehrt. Morgens werden alle Nityā-Formeln zusammen mit der Mātṛkā …
21.KS.5: … dreimal über dem Wasser rezitiert; dessen Trinken wird mit Vāksiddhi, Vollendung der Sprache, verbunden. „Śivā, dies werde auch mit den anderen genannten Mantras und Vidyās erreicht.“
21.KS.6: Wie zuvor werden drei Lakṣas, also 300.000 Wiederholungen, genannt und ein Zehntel davon als Tarpaṇa mit duftendem Wasser. Ebenso viele Homa-Darbringungen folgen mit den drei süßen Stoffen …
21.KS.7: … und geöffneten, unversehrten Palāśa-Blüten. Eine weitere Bestimmung der Blüten ist im Druck unregelmäßig. Erst nach Vollendung der Vidyā werden die wunschorientierten Anwendungen ausgeführt.
21.KS.8: Unterschiedliche Früchte werden mit den verschiedenen Farben der Göttin verbunden. „Höre nun die verschiedenen Bedeutungen und Gestalten der Vidyā, die ich vorschriftsgemäß erklären werde.“
21.KS.9: Genannt wird zunächst, dass die Vidyā aus der Dreiheit der Veden besteht. Durch die Verbindung der Laute ist sie außerdem mit der grenzenlosen Erscheinungswelt in ihrer Gestalt aus Bezeichnetem und Bezeichnendem verbunden …
21.KS.10: … als deren Ursache, als höchstes Selbst und als das Unermessliche. „Verständige, ich werde dies der Reihe nach erläutern. Vielfältig sind deine Herrlichkeiten.“
21.KS.11: Der Sāmaveda wird mit A verbunden, der Ṛgveda ebenfalls mit seinem Anfangslaut; dem Yajurveda wird I zugeordnet. Aus ihrer Verbindung entsteht der als „rein“ bezeichnete Laut.
21.KS.12: „Höre, Verständige, wie er entsteht.“ Die genannten Laute werden in der angegebenen Reihenfolge geschrieben und zunächst nach den Regeln der Sprachlehre verbunden …
21.KS.13: … Ṛg- und Yajurveda durch Guṇa-Sandhi; anschließend wird das Ergebnis mit dem anderen Laut durch Vṛddhi-Sandhi verbunden. So entsteht die Gestalt des reinen Lautes. [Gemeint ist die rituelle Herleitung eines Vidyā-Lautes anhand von Vokalverbindungen; die vedischen Texte selbst werden dadurch nicht sprachgeschichtlich hergeleitet.]
21.KS.14: Durch diese Verbindung von Ursache und Wirkung gilt die Vidyā als aus den drei Veden bestehend. Weil alle übrigen Laute aus dem ersten hervorgehen … [Fortsetzung auf der nächsten Seite.]
21.KS.15: … und der Lebenshauch auf dem mittleren Weg verläuft, wird die Mātṛkā, beginnend mit den Konsonanten, als sprachlicher Ausdruck verstanden. Wie zuvor wird dies über die Beziehung von Ursache und Wirkung erklärt.
21.KS.16: Durch die Verbindung mit den jeweiligen Lauten treten die Elemente und die übrigen Dinge als deren Bedeutungen hervor. In dieser Einheit von Bezeichnendem und Bezeichnetem wird die Vidyā als Wesen der Welt beschrieben.
21.KS.17: Durch den dritten Laut wird ihre höchste Gestalt bezeichnet, dreifach gegliedert, wie in der Triṃśikā gesagt. So ist sie welterfüllend. „Höre nun diese Gestalt der Vidyā.“
21.KS.18: Der erste Laut heißt „rein“ und hat die Gestalt der Sprache; der zweite wird als Feuer bezeichnet. Er stellt die Einheit von Bindu und dem als „Weg“ bezeichneten Prinzip dar: die gemeinsame Gestalt des göttlichen Paares. Die zusammengesetzte Wendung ist sprachlich knapp.
21.KS.19: Durch dieses Bīja wird sie als das Wesen der Welt erklärt. Der dritte wird mit dem Schlüsselwort „Wald“ bezeichnet, verbunden mit Māyā oder mit dem eigenen Zeichen.
21.KS.20: Sie heißt die Wurzel der Tripurā und wird verschlüsselt gelehrt. Ihre Dreiergruppen umfassen Erkennenden, Erkennen und Erkanntes sowie Mängel, Eigenschaften und Lichtkräfte; die letzte Aufzählung ist im Druck stark zusammengezogen.
Prosaerklärung: Eine kurze Bījafolge wird als verschlüsselte Vidyā angeführt; ihre eng gesetzte Druckform ist nicht sicher auflösbar. „Wurzel der Tripurā“ bedeutet hier Ursprung der Tripurā-Mantras. Der dritte, mit „Wald“ bezeichnete Laut wird als Au erklärt. Als Varianten nennt die Prosa die Verbindung mit Visarga oder mit Bindu. Eine sichere Rezitationsfassung der gesamten Folge wird damit nicht ergänzt.
21.KS.21: Durch Einsetzung der mit „Saft“ und dem folgenden verkürzten Schlüssel bezeichneten Laute in das mittlere Bīja wird die Vidyā als Ursache der Erscheinungswelt in ihrer Gestalt aus Wort und Bedeutung beschrieben.
21.KS.22: Wird dem dritten Bīja „Herz“ hinzugefügt, wird die dreifache Wesensgestalt der Welt erklärt. Durch Verbindung mit Haṃsa und Herz in diesen Bījas wird ihre Identität mit Beweglichem und Unbeweglichem ausgedrückt.
Die Prosa führt anschließend drei eng gesetzte Bījafolgen an; sie sind nicht durchgehend zuverlässig lesbar. Darauf verweist sie auf die 35 Konsonanten beginnend mit Ka in diesen Vidyās.
21.KS.23: „Parameśvarī, durch die Verbindung der Konsonanten, einzeln, zu zweien und in weiteren Gruppen, mit den drei Bījas lässt sich die Zahl der Vidyās nicht ermessen.“
Die Prosa bestätigt, dass „in den dreien“ die drei Bījas meint.
21.KS.24: „Ihre Herrlichkeit ist auf diese Weise unbegrenzt. Wie könnte man sie vollständig beschreiben? Dennoch werde ich dir zum Schutz der Hingebungsvollen einige Formen nennen …
21.KS.25: … solche, die Lebensdauer, Glück, Ansehen, Genuss, Schönheit und Gesundheit verleihen, die mit Erkenntnis für diese und die jenseitige Welt verbunden sind und die Erfüllung des Entschlusses gewähren.“
21.KS.26: Durch die Verbindung von Haṃsa mit den drei Bījas der Kulasundarī-Vidyā der Reihe nach entsteht die als Vijayā bekannte Mahāvidyā, die dem Schutz der Welt zugewandt ist.
Die Prosa schreibt eine Vijayā-Formel aus. Ihre Drucklesung ist stellenweise unsicher und wird in der Sanskrit-Arbeitsfassung entsprechend markiert.
21.KS.27: Durch die Verbindung mit „Herz“ wird die als Bīja bezeichnete Form genannt; durch Einsetzung beider entsteht Viśvacinmayī, „die Welt als Bewusstsein“, die gemeinsame Gestalt des göttlichen Paares. Der knappe Verssatz wird durch die Prosa näher unterschieden.
Prosaerklärung: Die Verbindung allein mit Sa heißt Bījā. Durch Verbindung mit Ha und Sa entsteht Viśvacinmayī.
21.KS.28: Die mit „Herz“ beginnende Vidyā hat das Wesen der Göttin; der mit Haṃsa beginnende Mantra das Wesen des sprechenden Gottes. Durch Verbindung mit „Brand“ entsteht die als Viśvā bekannte, die Welt verkörpernde Form.
Prosaerklärung: Hier werden Mantra und Vidyā als zwei Formen unterschieden. „Brand“ bedeutet Ra.
Unnummerierter Halbvers mit Textlücke: Die jeweils von Śakti umschlossene Vidyā heißt Viśvavimohinī, „die die ganze Welt bezaubert“. [Der zweite Halbvers ist im Druck durch eine punktierte Lücke ersetzt.]
Die Prosa erklärt die Umfassung als Umschließen jedes einzelnen Gliedes mit dem Māyā-Bīja.
21.KS.29: [Der erste Halbvers fehlt im Druck.] Die Form wird mit Māyā umschlossen, verbunden mit Raum, Bewegung, Wasser und „Saft“. Die genaue Lautverbindung bleibt ohne sichere ausgeschriebene Lesung offen.
Unnummerierte Fortsetzung: Sie trägt den Namen Tripurāmṛta und verkörpert das Erquicken aller Wesen. Die unmittelbar folgende kurze Bījafolge ist nicht sicher lesbar.
21.KS.30: [Der erste Halbvers fehlt im Druck.] Steht Māyā am Anfang, heißt die Form Mohinī, „die Bezaubernde“; steht sie in der Mitte, heißt sie Kṣobhiṇī, „die Erregende“.
21.KS.31: Steht Māyā am Ende, heißt sie Kledinī, „die Erweichende beziehungsweise Befeuchtende“; beginnt sie mit Wind, heißt sie Mahodayā. Dreizehn solcher Formen werden als Schätze der Tripurā bezeichnet.
21.KS.32: Aus der Veränderung ihrer Reihenfolge entstehen 68 Vidyās. Ihre vollständigen Vorschriften seien, so der Text, bereits im Lavasāgara erklärt worden.
21.KS.33: „Es gibt außerdem eine Vidyā namens Sampatkarī mit unbegreiflicher Wirkmacht. Herrin der Götter, höre: Ich werde sie zur Erfüllung der Wünsche des Übenden erklären.“
21.KS.34: Das erste Bīja wird mit den Lautschlüsseln Lebenshauch, „Saft“, Wind und Feuer erklärt. „Pārvatī, das zweite wird durch Wind sowie Bewegung und den eigenen Laut gebildet.“
21.KS.35: Das dritte wird durch Haṃsa, Herz und Māyā sowie eine verkürzte Verbindung erklärt. Die Vidyā hat somit drei Lautglieder. Es folgt ihre Anwendungsvorschrift.
Die Prosa schreibt die dreigliedrige Sampatkarī-Formel aus. Ihre dichte Druckform ist nicht durchgehend sicher lesbar; eine zuverlässige Rezitationsfassung wird hier nicht behauptet.
21.KS.36: Mit dem dritten Bīja, der Reihe nach mit langen Vokalen verbunden, werden wie zuvor die Glieder an Händen und Körper eingesetzt. Über die höchste Göttin wird so meditiert:
21.KS.37: Körper, Kleidung und Schmuck leuchten wie die Blütenfäden des Granatapfels. Sie hat vier Arme, drei Augen und ein heiter lächelndes Antlitz …
21.KS.38: … ist von einer Besprengung mit Juwelen erfüllt und sitzt in Svastika-Haltung in einem Dreieck inmitten eines achtblättrigen Lotus. Sie ist eine Wohnstatt von Mitgefühl und Glückseligkeit …
21.KS.39: … hält eine Korallenmālā, einen mit Juwelen gefüllten Edelsteinbecher und ein Buch und zeigt die Geste des Gewährens. Sie ist in jeder Hinsicht segensreich.
21.KS.40: Ihr Kula-Sitz wird aus drei Sechzehnergruppen der Laute von A bis Sa gebildet, mit den übrigen Konsonanten und der entsprechenden Vidyā im Inneren.
21.KS.41: Nach Bereitung der Arghya-Gabe wird sie herbeigerufen und der Reihe nach verehrt. In den drei Ecken des inneren Dreiecks stehen Rati, Prīti und Manobhavā …
21.KS.42: … von vorn aus im Uhrzeigersinn angeordnet; auf den acht Lotusblättern die Mütter und im Viereck die Welthüter. Die Śaktis werden wie zuvor verehrt.
21.KS.43: So sei die gemeinsame Vorschrift für die 68 Formen vollständig erklärt. Zwei Bali-Darbringungen, Homa und die übrigen Handlungen folgen der zuvor beschriebenen Weise.
21.KS.44: Die Quelle nennt ferner eine über drei Tage bereitete Ghee-Zubereitung mit Brāhmī-Saft, Vacā und Milch. Den drei Zusätzen werden das Vierfache, ein Viertel und die gleiche Menge im Verhältnis zur Ghee-Grundlage zugeordnet.
21.KS.45: Sie wird mit Yantra und zehntausend Wiederholungen der Mātṛkā-Vidyā verbunden und morgens täglich eingenommen. Damit verknüpft der Text die Behauptung, selbst ein sprachloser Mensch werde nach einem Jahr zum Dichter. Dies wird als historische Verheißung wiedergegeben.
21.KS.46: Als Herrscher der Tage werden Śiva, Ambikā, Kumāra, Brahmā, Viṣṇu, Ramā und Kubera sowie Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn aufgezählt …
21.KS.47: … und an ihren jeweiligen Tagen mit der zugehörigen Vidyā verehrt, verbunden mit dem Namen und einer siebenlautigen Formel. Dazu gehören Tarpaṇa und Homa.
21.KS.48: Aus den den Lauten zugeordneten Pflanzen gewonnene Asche wird mit Mantra versehen. Zusammen mit Mātṛkā-Nyāsa wird eine schützende Berührung damit beschrieben.
21.KS.49: Besonders für Herrscher und bedrängte Menschen wird diese Handlung genannt, verbunden mit der Verheißung lebenslangen Wohlergehens für sie und ihre Angehörigen.
21.KS.50: Bei schweren Krankheiten wird ein Maṇḍala mit neun Feldern verwendet; darin stehen die zuvor genannten neun Planetenmächte einschließlich Rāhu und Ketu …
21.KS.51: … in der Mitte und in den Richtungsfeldern, die mit Indra, Yama, Pāśin, Mond, Feuer, Rakṣas, Wind und Śiva bezeichnet werden. Der Text nennt eine gebietende Handlung gegenüber ihnen und behauptet sofortige Freiheit von Krankheit und Wohlbefinden.
21.KS.52: Die genannte Verehrung wird außerdem bei Bedrängnis durch Planetenmächte oder Gegner, bei dreifacher Hungersnot und bei beginnenden Kriegshandlungen vorgeschrieben.
21.KS.53: Die kundigen Ausführenden werden geehrt und erhalten Gold beziehungsweise Gewänder. Dadurch werde der Betreffende von allen Gefahren frei und lebe glücklich auf Erden, so die Verheißung.
Mātṛkā-Nyāsa
21.KS.54: Die Göttin bittet: „Erkläre mir Mātṛkā-Nyāsa und das zugehörige Yantra, Parameśvara.“ Die Antwort lautet: „Ich werde dir heute beides darstellen; das Ganze werde ich im entsprechenden Kapitel erklären.“
21.KS.55: Die sechs Glieder werden durch sechs Lautgruppen gebildet, fünf Gruppen zu fünf und eine zu fünfzehn Lauten. Sie werden mit den Paaren kurzer und langer Vokale umschlossen; die als ṣaṇṭa bezeichneten Vokale sind ausgenommen.
21.KS.56: Damit sind vier Vokale in der Mitte der Vokalreihe gemeint. Nach der entsprechenden Einsetzung an Händen und Körper folgen die Laute von A bis Kṣa.
21.KS.57: Die Vokale werden einzeln an Stirn, Gesichtsumfang, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähnen, Kopf und Zunge eingesetzt.
21.KS.58: Die vier Konsonantengruppen werden an Armen und Beinen eingesetzt: an Ansatz, mittleren Gelenken und Enden. Die fünfte Gruppe kommt an die beiden Körperseiten …
21.KS.59: … sowie an Nabel und Herz. Die durchdringenden Laute werden den zehn Bestandteilen zugeordnet, beginnend mit Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Fortpflanzungssubstanz …
21.KS.60: … ferner Lebenshauch, Kraft und Selbst. Der Übende bleibt dabei gesammelt. Bei der Einsetzung in diese Bestandteile wird ihre Verbindung mit dem Herzen vergegenwärtigt.
21.KS.61: Die Einsetzung erfolgt sodann an beiden Armen, beiden Schultern, im Bereich von Kreuz und Achseln, unterhalb des Herzens, an Füßen, Bauch und Gesicht.
21.KS.62: Für das Yantra wird ein achtblättriger Lotus, umgeben von zwei Kreisen und einem Bhūpura, angelegt. In die Mitte kommt die durch Haṃsa, Herz und Śakti bezeichnete Lautverbindung …
21.KS.63: … die Vokale stehen in den Staubfäden, die Konsonantengruppen zu je fünf Lauten auf den Blättern. „Brand“ und „Wasser“ werden den Haupt- und Zwischenrichtungen zugeordnet.
21.KS.64: Unter den Vokalen werden fünf nicht wiederholte Grundformen und fünf weitere genannt. Durch die Unterscheidung mit und ohne Konsonantenverbindung entsteht eine doppelte Zuordnung.
21.KS.65: Die Fünfergruppe wird durch Śakti mit Wind, Feuer, Erde und dem eigenen Laut erklärt. Die übrigen elf entstehen aus Lautverbindungen und weiteren Modifikationen. Die knappe Herleitung wird hier nicht zu einer zusätzlichen, im Vers nicht ausgeschriebenen Tabelle erweitert.
21.KS.66: In die Mitte des Yantras kommt der Name. Morgens wird es im Mondkreis über dem Scheitel vergegenwärtigt, mit der Absicht umfassenden Wohlergehens.
21.KS.67: Rituelle Besprengung, Tragen, Verehren und das Aufstellen einer Metallausführung im Haus oder an anderen Orten werden mit der Erfüllung sämtlicher Ziele verbunden.
21.KS.68: Alle in diesem Yantra gegenwärtigen Gottheiten, heißt es, gewähren den Übenden Nähe und die Früchte der Verehrung.
21.KS.69: Selbst ein Mensch, den die Quelle als unwissend, schwerfällig, sprachlos oder schwer sündigend bezeichnet, werde durch tägliches Japa, Verehrung und weitere Praxis mit der Zeit dem sprechenden Gott gleich.
21.KS.70: Wer diese Laute im Geist wiederholt auf der Zunge vergegenwärtige, werde nach der Verheißung beim Eintritt in Gelehrtenversammlungen von sprachgewandten Menschen geehrt.
21.KS.71: Der Mantra wird mit gesammeltem Geist wiederholt, während seine Gegenwart im Mondkreis am Scheitel meditiert wird, von dem ein Regen von Nektar ausgeht.
21.KS.72: Nach einem Ritualzyklus werde dichterische Vollendung in allen Sprachen erlangt; als von der Gottheit erfüllt werde der Übende in Streitgesprächen und ähnlichen Situationen siegreich.
21.KS.73: Die Yantras der Nityā-Vidyās gelten wegen ihrer Einheit im Wesen als miteinander verbunden. „Śivā, deshalb werden die von mir genannten als alle Vollendungen bewirkend bezeichnet.“
21.KS.74: Auch die neben den Yantras beschriebenen Anwendungen der sechzehn Vidyās werden aufgrund dieser Einheit wechselseitig aufeinander bezogen.
21.KS.75: Für eine weitere Form werden zwei Kreise und ein Sechseck angelegt. In das erste Bīja der Mitte kommt der Name; außen in den sechs Ecken steht die Dreierfolge, mit dem eigenen Zeichen und Māyā verbunden.
21.KS.76: Darum werden Mātṛkā und ein Kreis geschrieben. Das Tragen beim Gesicht und die Vorstellung auf der Zunge werden mit der Verheißung verbunden, in allen Versammlungen eine führende Stellung zu erlangen.
Damit endet die Darstellung der Anwendungen Kulasundarī-Nityās.
Nityā-Nityā
Nun folgt die Darstellung der Göttin, die hier selbst den Namen Nityā trägt, nach dem Śrītantrarāja, Kapitel 16, ab Vers 21. Die neue örtliche Verszählung erhält das Kennzeichen NN.
21.NN.1: Wie zuvor wird Sādhana mit zehn Lakṣas, also einer Million Wiederholungen, bei Milchnahrung beschrieben; dazu Homa mit roten Lotusblüten, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind.
21.NN.2: Erst wenn der Mantra durch Japa, Tarpaṇa, Homa, Verehrung und rituelle Besprengung vervollkommnet ist, folgen die genannten Anwendungen. Andernfalls, so die Warnung, würden die Gottheiten der eigenen Körperbestandteile …
21.NN.3: … zornig augenblicklich die Lebenskräfte verzehren. „Śivā, es gibt in der Welt nichts, was durch diese Vidyā nicht vollbracht werden könnte“, fügt die Verheißung hinzu.
21.NN.4: Sieben Grundlaute der Vidyā ergeben mit den Vokalen wie zuvor 112 Lautformen. „Ich werde dir die daraus gebildeten Yantras erklären.“
21.NN.5: Innerhalb zweier Kreise liegt ein Sechseck, darin wiederum ein Kreispaar. In die Mitte kommt ein Laut zusammen mit dem Namen, eingesetzt in Māyā.
21.NN.6: Die übrigen sechs stehen in den sechs äußeren Ecken; die Elementlaute und die Mātṛkā werden in die inneren und äußeren Kreiszwischenräume geschrieben. So entstehen der Reihe nach sechzehn Yantras.
Prosaerklärung: Die sieben nicht wiederholten Grundlaute werden als zusammengezogene Folge angegeben; deren letzte Glieder sind im Druck nicht zuverlässig lesbar. Mit sechzehn Vokalen ergeben sie 112 Formen. Zuerst wird ein Kreispaar, außen darum ein Sechseck und darum ein weiteres Kreispaar angelegt. In der Mitte steht ein Laut im Māyā-Bīja, zusammen mit dem Namen. Zwischen den inneren Kreisen folgen die zur jeweiligen Handlung gehörenden Elementlaute, in den sechs Ecken sechs weitere Lautformen und zwischen den äußeren Kreisen die Mātṛkā als Umfassung. Auf diese Weise entstehen sechzehn Yantras. Es folgen ihre Wirkungszuschreibungen.
21.NN.7: Das Tragen des ersten Yantras wird einer Gruppe von Krankheiten zugeordnet, deren Name am Versanfang im Druck beschädigt ist. Für das zweite wird die Beseitigung von Erkrankungen des Kopfes behauptet.
21.NN.8: Das dritte gilt der Befriedung von Augenleiden, das vierte Ohrenleiden, das fünfte Erkrankungen der Arme und das folgende Erkrankungen der Füße.
21.NN.9: Das siebte wird inneren, als lebensbedrohend bezeichneten Leiden zugeordnet; die Wortbildung ist unregelmäßig. Das achte betrifft Leiden der Erkenntnissinne …
21.NN.10: … das nächste die Handlungssinne, das zehnte windbedingte Beschwerden, das elfte durch Pitta und das zwölffte durch Kapha entstandene Leiden.
21.NN.11: Das dreizehnte wird Erkrankungen zugeordnet, die aus dem gemeinsamen Zusammenwirken der Doṣas entstehen. All diese Leiden würden durch die Wirkmacht der Yantras sogleich verschwinden, behauptet der Text.
21.NN.12: Durch das vierzehnte sollen Bhūtas, Pretas, Piśācas und alle übrigen Grahas augenblicklich erschreckt weichen.
21.NN.13: Durch das nächste sollen die acht großen Krankheiten nicht mehr bedrängen. Das sechzehnte wird mit Lebensdauer und Gesundheit verbunden.
21.NN.14: Die sechzehn Yantras werden für die Befriedung der Bedrängnisse aller Lebewesen getragen, auch bei hier nicht eigens genannten Erkrankungen.
21.NN.15: Der Text verlangt dabei Abhiṣeka, Dakṣiṇā, ehrende Verneigung und Vertrauen; nur damit werde das Tragen fruchtbar, andernfalls nicht. Die Verse 7–15 geben rituelle Heilungsbehauptungen wieder und belegen keine entsprechenden medizinischen Wirkungen.
21.NN.16: Eine um bestimmte Kūṭas verkürzte Vidyā wird Pañcakūṭā, „mit fünf Gliedern“, genannt. Die anschließende Wendung stellt ihre Wirkung der anderen Form gegenüber und erwähnt besonders Vāksiddhi; die Beziehung von „außer“ und „ohne Unterschied“ ist im Druck nicht eindeutig und wird nicht vereinheitlicht.
21.NN.17: Für die verschiedenen Kūṭa-Anordnungen dieser Vidyā wird die Zahl 720 angegeben. „Geliebte, höre nun die Bildung der Vajra-Yantras daraus und ihre Wirkungen.“
Sechs Vajra-Yantras
21.NN.18: Je achtzehn Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ergeben 289 Felder.
21.NN.19: Wie zuvor werden in jeder Ecke 36 Felder entfernt, sodass ringsum die Gestalt eines Vajra entsteht.
21.NN.20: Die Vajra-Form hat dann 145 Felder. Durch jeweils vier weitere Felder werden wie zuvor die vier dreieckigen Spitzen gestaltet.
21.NN.21: Beginnend beim Feld unterhalb der Mitte werden im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend die aus dem jeweiligen ersten Kūṭa-Glied entstandenen Formen eingetragen.
21.NN.22: In den neun verbleibenden Mittelfeldern stehen links und rechts jeweils drei Felder für die beiden Formen der Vidyā: rückwärts und vorwärts gelesen.
21.NN.23: Von den drei übrigen Feldern enthält das obere den Namen des Ausführenden, das mittlere die beabsichtigte Handlung und das untere den Namen der Zielperson.
21.NN.24: Die Eckbereiche der vier Richtungen werden durch Linien wiederum in neun Teile gegliedert und ebenso wie die Mitte beschriftet. Dies wird als Vajra-Yantra bezeichnet.
21.NN.25: Mit den übrigen fünf Kūṭa-Gliedern werden entsprechend fünf weitere Formen gebildet. „Śivā, so sind die sechs Vajra-Yantras der Reihe nach erklärt.“
Ausführliche Prosaerklärung: Je achtzehn gleichmäßig gesetzte Linien ergeben 289 Felder. Nach der Anweisung des Gurus werden in den vier Ecken je 36, zusammen 144 Felder entfernt. Die verbleibende Vajra-Form hat 145 Felder. Weitere vier Felder je Richtung werden entfernt, um die dreieckigen Spitzen zu bilden; es verbleiben 129 Felder.
Vom Feld unterhalb der Mitte aus werden 120 Varianten eingetragen, die mit dem ersten Kūṭa-Glied beginnen. In den neun verbleibenden Feldern stehen links die rückwärts gelesene Vidyā in drei Teilen und rechts die vorwärts gelesene ebenfalls in drei Teilen. Die drei mittleren Felder enthalten von oben nach unten den Namen des Ausführenden, die Handlung und den Namen der Zielperson. In den vier Spitzen werden jeweils neun Dreiecke angelegt und wie die neun Mittelfelder beschriftet. Aus den sechs Kūṭa-Anfängen entstehen so sechs Vajras. [Die Zahlen 289 − 144 − 16 = 129 sowie 120 + 9 = 129 sind miteinander vereinbar; sechs Gruppen zu 120 ergeben die genannten 720 Varianten.]
21.NN.26: Die sechs Formen werden auf sechs Trägern dargestellt: Platten aus drei Metallen, Stein oder einer Verbindung der vier, außerdem Stoff beziehungsweise Brettern.
Die Prosa erläutert „die vier“ als die drei Metalle zusammen mit Stein.
21.NN.27: Die Verehrung auf Brett oder Platte wird täglich vollzogen. Die übrigen Formen werden fest aufgestellt; dort wird die segensreiche Göttin verehrt.
21.NN.28: Am Aufstellort wird ein schöner Pavillon von neun Hastas Länge und Breite angelegt, mit Fahnen und Torbögen …
21.NN.29: … sowie Früchten, Blumen und Baldachinen geschmückt. In der Mitte steht eine Opferbank von je einem Hasta Höhe, Länge und Breite.
21.NN.30: Die Beschreibung unterscheidet die Aufstellung einer Form von der ganzen Sechsergruppe. Die anschließende Richtungsfolge nennt Īśa, Feuer, Rakṣas, Wasser und Wind; die Verbindung zum vorausgehenden Satz ist im Druck verkürzt.
21.NN.31: Die erste Form steht in der Rakṣas-Richtung, Südwesten; die übrigen folgen der Sechseranordnung. Verehrung geschieht mit Düften, Blumen, Tanz, Gesang und weiteren Darbringungen …
21.NN.32: … drei Tage lang mit den genannten Śaktis, Homa und Japa. Als günstige Zeitmerkmale werden Jupiter beziehungsweise Sonne, eine Sonnen-Sternzuordnung und ein fester Aszendent genannt. Die genaue Verbindung dieser Angaben bleibt wegen der knappen Drucklesung offen.
21.NN.33: „Parameśvarī“, setzt der Text fort, die Aufstellung erfolgt bei einem Erdzeichen; eine weitere eigene Zuordnung am Versanfang ist unklar. Der Ausführende stellt sich als von der Göttin erfüllt vor und befestigt die Anordnung mit Steinen …
21.NN.34: … dann werden sieben Gestalten angefertigt, rituell eingesetzt und verehrt: die Göttin und die sechs begleitenden Gestalten beginnend mit Ḍākinī.
21.NN.35: Täglich wird vor ihnen Vidyā-Verehrung vollzogen oder veranlasst. Krankheit, Unglück, Gegner, Grahas und Piśācas …
21.NN.36: … Hungersnot, Bedrängnisse durch niedere Zauberriten und von anderen ausgesandte Kṛtyās könnten dort, so die Verheißung, durch die Macht von Vidyā und Yantra niemals auftreten.
21.NN.37: Stets entstehe für alle nur Wohlergehen; die Könige seien rechtschaffen und mit allen sieben Gliedern ihres Reiches ausgestattet.
21.NN.38: Die Verehrung einer Darstellung auf Brett oder Platte im eigenen Haus wird mit der Erfüllung des Gewünschten innerhalb eines Ritualzyklus oder Monats verbunden.
Die Göttinnen in den sechs Cakras
21.NN.39: „Höre nun ihre Stellung im Körper, der die Erfüllung aller Ziele zugeschrieben wird. In den sechs Stützlotussen innerhalb der Suṣumṇā …
21.NN.40: … wohnen diese Göttinnen der Lebewesen. Durch Verehrung mit Erkenntnis werden sie verwirklicht. Äußerlich erfolgt ihre Verehrung im Maṇḍala als Nigraha und Anugraha, als Zurückhalten und Begünstigen.“
21.NN.41: Im Halsbereich liegt der Viśuddha-Lotus, rauchfarben und mit sechzehn Vokalblättern. Dort wird Ḍākinī von entsprechender Gestalt verehrt …
21.NN.42: … umgeben von Śaktis in Gestalt der Vokale. Damit verbindet der Text die Verheißung der Vollendung in Allwissenheit.
21.NN.43: Im Herzbereich liegt der zinnoberrote, zwölfblättrige Anāhata-Lotus. Dort wird Rākiṇī mit den Śaktis der Laute von Ka bis Ṭha …
21.NN.44: … täglich für Ansehen, Lebensdauer, Glück und Reichtum verehrt. Im Nabelbereich liegt der zehnblättrige Maṇipūraka-Lotus …
21.NN.45: … saphirblau, mit den zehn Laut-Śaktis beginnend mit Ḍa. Dort wird Lākinī für Sieg, Glück und Gedeihen verehrt.
21.NN.46: An der Wurzel des Geschlechtsorgans wird Kākinī, umgeben von den sechs Laut-Śaktis beginnend mit Va, zur Rettung aus allen Gefahren und zur Erfüllung des Gewünschten verehrt …
21.NN.47: … im sechblättrigen Svādhiṣṭhāna-Lotus mit dem Glanz der jungen Sonne. Im vierblättrigen, goldfarbenen Ādhāra-Lotus …
21.NN.48: … wird Śākinī verehrt, umgeben von den Laut-Śaktis von Va bis Sa, leuchtend im Dreieck zwischen After und Geschlechtsorgan.
21.NN.49: Im zweiblättrigen Ājñā-Lotus zwischen den Augenbrauen wird Hākinī verehrt, bedient von den reinen Śaktis der Laute Ha und Kṣa …
21.NN.50: … der die Erkenntnis der drei Zeiten, die Anziehung aller Bewusstseinsströme und die mühelose Gewährung der Kräfte von Weltschöpfung, Erhaltung und Auflösung zugeschrieben werden.
21.NN.51: Die Umkehrung der beschriebenen Reihenfolge heißt Nigraha. Die innere und äußere Verehrung wird als Befriedung allen Leids und als Grundlage des Wohlergehens beschrieben.
21.NN.52: Auf dem Boden werden sieben Sechsecke in der genannten Richtungsfolge angelegt. In der Mitte wird Nityā-Nityā mit Duft und weiteren Gaben verehrt.
Hinweis zu den Zuordnungen: Farben, Göttinnennamen und Lautfolgen werden nach dieser Passage wiedergegeben. Sie werden nicht mit anderen Cakra-Systemen vereinheitlicht. Insbesondere lautet der Beginn der sechs Laute in Vers 46 im Druck Va; eine stillschweigende Änderung zu Ba wird nicht vorgenommen.
21.NN.53: In den sechs umgebenden Sechsecken werden die sechs Göttinnen in der angegebenen Reihenfolge verehrt. Auch in den äußeren Bereichen erfolgt ihre Verehrung mit den zuvor genannten Lauten.
21.NN.54: Zu jeder der sechs gehören sechs Śaktis in den sechs Ecken, insgesamt 36. Sie gleichen der jeweiligen Göttin in Gestalt, Waffen und weiteren Merkmalen.
21.NN.55: Es folgen verkürzte Lautangaben zu den Vokalen und den Gruppen von Ka bis Ma sowie weiteren Zeichen beginnend mit Ya, Va, La und Kṣa. Mit diesen Verbindungen werden die Śaktis verehrt. Der Satzbau erlaubt hier keine sichere vollständige Auflösung sämtlicher Gruppen.
21.NN.56: Werden die Cakras und Śaktis in umgekehrter Reihenfolge verehrt, heißt dies Nigraha; es wird dem Unheil der Gegner zugeordnet.
21.NN.57: Die Quelle beschreibt sechs Krüge auf den sechs Cakras, gefüllt mit einem Absud aus den den Gegnern zugeordneten Bäumen und mit schwarzen Tüchern versehen.
21.NN.58: Um Mitternacht findet die Verehrung mit Bali aus der entsprechenden Yoni-Zuordnung statt. In der Ritualvorstellung sollen sich die Gefäße rasch mit den Körper- und Sprachkräften des Gegners füllen; die abschließende Verbindung von Sprache und Körpern ist im Druck knapp und nicht völlig eindeutig.
21.NN.59: Als Gabe wird eine Opferspeise mit Blut aus dieser Yoni-Zuordnung beschrieben; zum Homa werden dieselbe Speise und Schlangengift genannt, verbunden mit zorniger Gesinnung.
21.NN.60: Die Göttinnen werden zornig vorgestellt: Sie schlagen den Gegner mit ihren Armen und werfen dessen Körper den Piśācas hin. Die achtfache Armangabe ist grammatisch unregelmäßig.
21.NN.61: Ihre Hälse beziehungsweise Kehlen werden mit Hibiskusblüten verglichen, ihre Schreie als furchterregend beschrieben. Mit dieser Vorstellung verbindet der Text ein Nigraha-Ritual zur Vernichtung von Gegnern.
21.NN.62: Das für Nigraha genannte furchtbare Vajra-Cakra wird auf Bronze oder Blei dargestellt und im Bereich des Gegners niedergelegt.
21.NN.63: Je zehn Linien in beiden Richtungen ergeben 81 Felder. In den vier Ecken …
21.NN.64: … werden jeweils zehn Felder entfernt; in der verbleibenden Vajra-Form werden die vier Richtungsspitzen durch jeweils vier weitere Felder gestaltet.
21.NN.65: In das Mittelfeld kommen die Zielbezeichnung und die beabsichtigte Handlung. In die übrigen, beginnend mit dem Feld unterhalb der Mitte …
21.NN.66: … werden 36 rückwärts gebildete Vidyā-Kūṭas gegen den Uhrzeigersinn eingetragen. Als Auflage werden Rinde des zugeordneten Baumes und Blut aus der Yoni-Zuordnung der Zielperson beschrieben.
Textabweichung: Die Gitterangabe ergibt nach der zuvor erläuterten Rechnung 25 Felder, darunter ein Mittelfeld. Die hier genannte Zahl von 36 Kūṭas lässt sich daraus nicht ohne weitere Annahmen herleiten. Sie bleibt als gedruckte Angabe erhalten.
21.NN.67: Die Niederlegung zur genannten Zeit wird auf dem Feld oder im Haus des Gegners, auf einem Verbrennungsplatz oder in einem Caṇḍikā-Heiligtum beschrieben. Ihr wird die Vernichtung einer Familie zugeschrieben.
21.NN.68: „Damit ist Nigraha, das Zerschlagen aller Gegner, erklärt. Verständige, höre nun Anugraha, die Begünstigung durch die Vorschrift des Verehrungs-Cakras.“
Die begünstigende Verehrung
21.NN.69: Die Göttinnen werden in ihren zuvor beschriebenen Gestalten meditiert und in den Cakras verehrt. Jede erhält eine ihr Freude bereitende Speisegabe.
21.NN.70: Genannt werden sechs Speisen: Milchreis, Reis mit Guḍa, mit Mungbohnen gemischter Reis, Kurkumareis, Sesamreis und reiner gekochter Reis.
21.NN.71: Auf den sieben Cakras nehmen sieben junge Frauen Platz, die durch die entsprechende farbliche Erscheinung als Verkörperungen der Gestalten dienen. Sie werden wie zuvor der Reihe nach geehrt …
21.NN.72: … mit Schmuck, Gewändern, Düften, Blumengirlanden, Nahrung und weiteren Gaben. Wenn sie erfreut sind, gelten auch die entsprechenden Śaktis als erfreut.
21.NN.73: Im zuvor genannten Vajra werden die Zielbezeichnung und die vorwärts gebildeten Kūṭas vom genannten Anfang aus im Uhrzeigersinn geschrieben.
21.NN.74: Die Form wird auf den genannten Trägern und an den genannten Orten aufgestellt. Ihr werden dieselben beschriebenen Früchte zugeschrieben; dies wird als eine vereinfachte Form bezeichnet.
21.NN.75: Die Laute von A bis Kṣa werden wie zuvor mit den Rūpiṇī-Śaktis verbunden. Die Formeln haben fünfzehn Laute, beginnen mit zwei Bījas und enden mit der siebenlautigen Formel …
21.NN.76: … und dienen der Verehrung von fünfzig Śaktis mit fünfzig zugehörigen Hütern. Nochmals wird gesagt, dass die mit der siebenlautigen Formel verbundenen Mantras fünfzehn Laute haben.
21.NN.77: In einer Anordnung mit 64 Feldern stehen in den vier Mittelfeldern die Vidyā des jeweiligen Tages und, entsprechend den Zeitabschnitten, die fünfzig Paare.
21.NN.78: Ihre beiden Bījas werden mit den Lauten, Gestalt- und Śakti-Anteilen verbunden; das jeweils Gewünschte wird eingetragen.
21.NN.79: Diese Paare werden nach der Ghaṭikā-Reihenfolge zwischen Herz- und Māyā-Lauten verehrt. Dadurch werde das Gewünschte nach einem Ritualzyklus, einem Monat oder einem halben Monat erlangt, so die Verheißung.
21.NN.80: Indem man sie täglich herbeiruft und in diesem Cakra verehrt, werden, so heißt es, stets und in jeder Hinsicht alle Wünsche erfüllt.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Nityā-Nityā.
Nīlapatākā-Nityā: tägliches Feueropfer und zehn Arten von Siddhi
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Nīlapatākā-Nityā. Zitiert wird das Tantrarāja, 17.8. Der Abschnitt beschreibt übernatürliche Fähigkeiten und magische Helfer innerhalb seiner historischen Ritualwelt; die geschilderten Wirkungen sind Verheißungen des Textes.
21.NP.1: Für das tägliche Homa werden gekochter Reis und geklärte Butter oder Sesam und Reiskörner angegeben. Dies gilt überall dort, wo kein bestimmter Opferstoff genannt wird.
21.NP.2: Zerlegt man sämtliche Laute der Vidyā in ihre Vokale, Konsonanten und Bindu-Bestandteile und zählt diese getrennt, ergeben sich dreiundfünfzig.
21.NP.3: Dementsprechend soll man die Vidyā sorgfältig dreiundfünfzig Lakh, also 5.300.000 Mal, wiederholen und ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer darbringen. Dies wird für die hier unter diese Kennzeichnung fallenden Fälle angegeben. Der Schlussausdruck „atra-lakṣaṇake“ ist syntaktisch unsicher; die Reichweite dieser allgemeinen Regel bleibt daher offen.
21.NP.4: Bei der täglichen Verehrung und bei den besonderen Anwendungen sitzt der Übende nach Osten gewandt. Dies wird auch für die innere Vergegenwärtigung sämtlicher Nityās angegeben.
21.NP.5: Nachdem sein Mantra wirksam geworden ist, mag sich der Mantrin den besonderen Siddhis zuwenden. „Höre, du Weise, ihre Vorschrift; ich werde sie nach den verschiedenen Vidyās erklären.“
21.NP.6: Für die zehn Siddhis werden ihre Vidyās, deren durch Unterteilungen entstehende Anzahl sowie der Reihe nach ihre Früchte genannt.
21.NP.7: Bei den zehn Formeln werden die beiden anfänglichen Kūṭas der Vidyā der Reihe nach eingesetzt. Mit denselben beiden, in umgekehrter Folge, werden die nachstehend genannten Mantralaute eingeschlossen. Die Lautfolge nach „vidyādikūṭe“ ist im Druck nicht sicher aufzulösen; die zwei Kūṭas werden hier deshalb nicht zu einer vermeintlich vollständigen Rezitationsformel ergänzt.
21.NP.8: Höre die Laute der zehn Mantras und ihre jeweiligen Zahlen. Anschließend werde ich die Mantras ihrer Unterarten vorschriftsgemäß angeben.
21.NP.9: Der Sieg wird vierfach unterschieden: im Zweikampf, im Kampf mit dem viergliedrigen Heer, im Kampf mit List und bei einer Festung. Dementsprechend gibt es vier Mantras.
21.NP.10: Kāmarūpatva bedeutet die Fähigkeit, sich nach eigenem Wunsch die gewünschte Gestalt zu geben. Dafür wird ein einziger Mantra genannt.
21.NP.11: Ein durch die Macht der Vidyā erlangtes Paar Sandalen wird an die Füße gelegt; denkt man an den gewünschten Ort, so befindet man sich sogleich dort.
21.NP.12: Der zugehörige Mantra hat eine einzige Form. Ebenso wird eine Salbe beschrieben: Mit ihr bestrichen, sehe man verborgene Schätze sowie Götter und andere Wesen, die sich im Luftraum bewegen.
21.NP.13: Entsprechendes wird vom Schwert gesagt: Durch das in der Hand gehaltene Schwert getroffen, fliehen die Gegner sogleich oder fallen, unterworfen, zu Füßen nieder.
21.NP.14: Unzählige Vetālas sollen durch eine einzige Vidyā dienstbar werden. Sie setzen den Übenden auf ihre Schultern und tragen ihn nach seinem Wunsch umher.
21.NP.15: Manche haben entstellte Glieder und Gesichter, andere tierische Gesichter und Körper. Wieder andere besitzen eine furchtbare Stimme und Erscheinung: Die Vetālas haben vielerlei Gestalten.
21.NP.16: Alle stehen unter seinem Befehl und verschlingen auf sein Wort hin seine Feinde. Als Diener, die seine Anordnungen ausführen, bleiben sie ihm sein Leben lang zugeordnet.
21.NP.17: Ähnlich werden die Piśācas beschrieben: mit mageren, missgestalteten Körpern, zornig, von niedriger Gesinnung und unzählbar. Sie führen aus, was ihnen aufgetragen wird.
21.NP.18: Für sie gibt es eine einzige Vidyā; so werden sie zu dauernden Dienern. Durch sie, heißt es, könne man den Feind im Kampf unablässig und unbemerkt treffen.
21.NP.19: Die Yakṣiṇīs, die Wünsche erfüllen, sind in sechsunddreißig Anteile gegliedert. Sie sind schön, zweiarmig und mit bunten Gewändern und Schmuck versehen.
21.NP.20: Jugendlich und von Begleiterinnen umgeben, kommen sie mit dem Duft von Kränzen und Salben herbei und gewähren dem Übenden alles Gewünschte.
21.NP.21: „Ihre Vidyās sind sechsunddreißig; ich werde sie angeben. Höre sie, Geliebte. Durch deren Verwirklichung werden die Übenden stets von allen geachtet.“
21.NP.22: Es gibt vierundsechzig Ceṭakas, dienende Wesen, und ebenso viele Mantras für sie. Auch sie haben verschiedene Gestalten und sollen, dienstbar geworden, das Gewünschte geben.
21.NP.23: Die Māyās sind unzählbar und von vielfältiger Gestalt. Nach seinem Wunsch bringen sie fortwährend mannigfaltige Gegenstände herbei. Eine einzige Vidyā dient dazu, sie zu gewinnen.
21.NP.24: Mit den sechs genannten Lauten der Vidyā vom neunten an entstehen zehn Vidyās. „Höre, ich werde sie der Reihe nach erklären.“
21.NP.25: Man sagt „Nitye, gewähre Sieg“ und schließt dies dann in die genannten Bestandteile ein. Dies ist die Vidyā zur Erlangung des Sieges; sie ist vierfach und hat elf Laute. Die eingeschlossene Wortform lautet nitye vijayaṃ dehi. Die genaue äußere Formel hängt von der in Vers 7 unsicheren Kūṭa-Angabe ab.
Unnummerierte Erläuterung zu 21.NP.25: Die elfsilbige Grundform wird im Druck als nityavijayaṃ dehi madadrave ausgeschrieben. Sie wird vierfach erweitert:
- nityadvandvayuddhe vijayaṃ dehi madadrave – „Gewähre Sieg im Zweikampf.“
- nityacaturaṅgayuddhe vijayaṃ dehi madadrave – „Gewähre Sieg im Kampf mit dem viergliedrigen Heer.“
- nityakūṭayuddhe vijayaṃ dehi madadrave – „Gewähre Sieg im Kampf mit List.“
- nityadurgayuddhe vijayaṃ dehi madadrave – „Gewähre Sieg im Festungskampf.“
Die äußeren Lautbestandteile werden als Mantra-Bestandteile bewahrt. Die gedruckte Grundform beginnt mit nitya, während sich aus dem vorausgehenden Vers auch die Anrede nitye ergibt; diese Verschiedenheit wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.
21.NP.26: „Mada“ und „gewähre mir die gewünschte Gestalt“ werden entsprechend eingeschlossen. Die dreizehnlautige Vidyā gilt als Geberin der gewünschten Gestalt.
Ausgeschriebene Formel: madakāmarūpaṃ me dehi drave nitya. Der bedeutungstragende Teil kāmarūpaṃ me dehi heißt: „Gewähre mir die gewünschte Gestalt.“
21.NP.27: Nach „Nityadrave, gewähre die Sandalen“ wird die Einschließung vorgenommen. Die Vidyā hat zwölf Laute und soll, verwirklicht, das Paar Sandalen geben.
Ausgeschriebene Formel: nityadrave pādukāṃ dehi madadrave.
21.NP.28: Nach „Nityamada“ spricht man „gewähre die Salbe“ und schließt dies mit „Drave“ ein. Die Formel wird als zwölflautige bezeichnet. Der Ausdruck nach „draveṇa“ ist grammatisch unsicher; die ausgeschriebene Formel zeigt die beidseitige Einschließung.
Ausgeschriebene Formel: drave nityamada dehyañjanaṃ drave.
21.NP.29: Nach „Dravanitye, gewähre das Schwert“ wird entsprechend eingeschlossen. Die zwölflautige Vidyā soll, verwirklicht, ein sehr schönes Schwert geben.
Ausgeschriebene Formel: dravanitye dehi khaḍgaṃ dravanitye.
21.NP.30: „Nityadrave“ und „gewähre Vetālas“ werden entsprechend eingeschlossen. Die dreizehnlautige Vidyā soll, verwirklicht, diese Wesen sichtbar machen.
Ausgeschriebene Formel: nityadrave vetālāndehi nityadrave.
21.NP.31: Vor „gewähre mir Piśācas“ steht „Nityamadadrave“. Wie zuvor wird mit den beiden Bestandteilen eingeschlossen. Die Vidyā hat siebzehn Laute.
Ausgeschriebene Formel: nityamadadrave piśācānme prayaccha nityadrave.
Die sechsunddreißig Yakṣiṇīs und ihre Vidyās
21.NP.32: Sechsunddreißig Yakṣiṇīs sind genannt, die sämtlich die Verwirklichung des Gewünschten gewähren. „Höre ihre Namen und Vidyās; ich werde sie vorschriftsgemäß erklären.“
21.NP.33: Vicitrā, Vibhramā, Haṃsī, Bhīṣaṇī, Janarañjikā, Viśālā, Madanā, Tuṣṭā, Kālakaṇṭhī und Mahābhayā.
21.NP.34: Māhendrī, Śaṅkhinī, Cāndrī, Maṅgalā, Vaṭavāsinī, Mekhalā, Sakalā, Lakṣmī, Mālinī und Viśvanāyikā. Für Śaṅkhinī verzeichnet die Ausgabe die Variante Śaśinī.
21.NP.35: Sulocanā, Suśobhā, Kāmadā, Savilāsinī, Kāmeśvarī, Nandinī, Svarṇarekhā und Manoharā. Als Variante zu Svarṇarekhā erscheint Svarṇareṣā; die Lesung des kleinen Variantenapparats ist hier weniger deutlich als die des Haupttextes.
21.NP.36: Pramodā, Rāgiṇī, Siddhā, Padminī, Suratipriyā, Kalyāṇadā, Kalādakṣā und schließlich Surasundarī.
21.NP.37: Damit sind die sechsunddreißig Yakṣiṇīs genannt, die das Gewünschte gewähren. Ihre Vidyās werden der Reihe nach mit Einschließungen aus den betreffenden beiden Bījas gebildet.
21.NP.38: Aus den sechs Lauten „Nitya, Drava, Mada“ und den jeweiligen Namen werden sechsunddreißig Vidyās angegeben. Verwirklicht, sollen sie das Gewünschte gewähren. Ein Wort vor „nāmabhiḥ“ ist im Druck nicht sicher zu lesen; die genaue Bildung sämtlicher Formeln wird deshalb hier nicht ergänzt.
21.NP.39: „Höre die Anzahl ihrer Vidyā-Laute; ich werde sie der Reihe nach erklären.“ Die fünfte, fünfzehnte, zwanzigste und letzte …
21.NP.40: … diese vier haben fünfzehn Laute. Die dritte und achte sowie die dreizehnte, achtzehnte und zweiundzwanzigste haben zwölf Laute …
21.NP.41: … ebenso die einunddreißigste. Vierzehn Laute haben die neunte, zehnte, elfte und die unmittelbar folgende …
21.NP.42: … ferner die vierundzwanzigste, fünfundzwanzigste, siebenundzwanzigste und die unmittelbar darauf folgende sowie die drei von der dreiunddreißigsten an. Die übrigen haben dreizehn Laute. Die syntaktische Verbindung der über drei Verse verteilten Liste wurde beibehalten. Bei der einunddreißigsten Vidyā in Vers 41 bietet die Fußnote abweichend die einundzwanzigste; dadurch bleibt die Zuordnung an dieser Stelle unsicher.
21.NP.43: „Ich werde dir die vierundsechzig Ceṭakas und ihre Mantras nennen. Höre: Wenn sie dienstbar geworden sind, sollen sie stets das Gewünschte zustande bringen.“
21.NP.44: Vibhrama, Vāhaka, Vīra, Vikarṣa, Koraka, Kavi, Siṃhanāda, Mahānāda, Sugrīva, Markaṭa und Śaṭha.
21.NP.45: Biḍālākṣa, Biḍālāsya, Kumāra, Khecara, Bhava, Mayūra, Maṅgala, Bhīma, Dvīpivaktra und Kharānana.
21.NP.46: Mātaṅga, Niśācārī, Viṣagrāhī, Vṛkodara, Sairibhāsya, Gajamukha, Paśuvaktra und Mṛgānana.
21.NP.47: Kṣobhaka, Maṇibhadra, Krīḍaka, Siṃhavaktraka, Śyenāsya, Kaṅkavadana, Kākāsya und Hayavaktraka.
21.NP.48: Mahodara, Sthūlaśiras, Vikṛtāsya, Varānana, Capala, Kukkuṭāsya, Māyāvin und Madanālasa.
21.NP.49: Manohara, Dīrghajaṅgha, Sthūladanta, Daśānana, Sumukha, Piṇḍita, Kruddha, Varāhāsya und Saṭāmukha.
21.NP.50: Kapaṭa, Kautukī, Kāla, Kiṅkara, Kitava, Khala, Bhakṣaka, Bhayada, Siddha und Savega: So werden sie genannt.
21.NP.51: Die jeweiligen Namen stehen im Akkusativ, verbunden mit „Madanityadrave“ und dem Wort „dehi“, „gewähre“. Das Ganze befindet sich innerhalb der Einschließung durch das Bīja-Paar.
21.NP.52: „So sind, Maheśvarī, vierundsechzig Mantras der Reihe nach genannt. Höre auch ihre Lautzahlen; ich werde sie vorschriftsgemäß angeben.“
21.NP.53: Neun dieser Mantras werden als vierzehnlautige bezeichnet; sechsundzwanzig als fünfzehnlautige.
21.NP.54: Fünfundzwanzig werden als sechzehnlautige Mantras genannt, vier als siebzehnlautige. Sie stehen in der Reihenfolge gemischt, nicht nach der Lautzahl geordnet.
Ausgeschriebene Yakṣiṇī-Formeln
Die folgende unnummerierte Prosa führt die 36 Formeln einzeln auf. Die Zahlen sind die im Druck angegebenen Lautzahlen. Die Bījas hrīṃ und śrīṃ werden als sakrale Laute wiedergegeben, nicht mit erfundenen Wortübersetzungen versehen. Die jeweils eingeschlossene Anrede bezeichnet die zuvor genannte Yakṣiṇī. Runde Klammern innerhalb der Namen stehen bereits im Druck. Die Lautzahlen und Schreibungen weichen teilweise von der vorangehenden Liste ab; sie werden hier als Angaben dieser Quelle bewahrt.
| Nr. | Formel in IAST | Lautzahl laut Druck |
|---|---|---|
| 1 | hrīṃśrīṃ nityadrave madavicitre śrīṃhrīṃ | 13 |
| 2 | hrīṃśrīṃ nityadrave madavibhrame śrīṃhrīṃ | 13 |
| 3 | hrīṃśrīṃ nityadrave madahaṃsi śrīṃhrīṃ | 12 |
| 4 | hrīṃśrīṃ nityadrave madabhīṣaṇi śrīṃhrīṃ | 13 |
| 5 | hrīṃśrīṃ nityadrave madajanarañjike śrīṃhrīṃ | 15 |
| 6 | hrīṃśrīṃ nityadrave madaviśāle śrīṃhrīṃ | 13 |
| 7 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamadane śrīṃhrīṃ | 13 |
| 8 | hrīṃśrīṃ nityadrave madatuṣṭe śrīṃhrīṃ | 12 |
| 9 | hrīṃśrīṃ nityadrave madakālakaṇṭhi śrīṃhrīṃ | 14 |
| 10 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamahābhaye śrīṃhrīṃ | 14 |
| 11 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamāhendri śrīṃhrīṃ | 13 |
| 12 | hrīṃśrīṃ nityadrave madaśaṃkhini śrīṃhrīṃ | 13 |
| 13 | hrīṃśrīṃ nityadrave madacāndri śrīṃhrīṃ | 12 |
| 14 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamaṅgale śrīṃhrīṃ | 13 |
| 15 | hrīṃśrīṃ nityadrave madavaṭavāsini śrīṃhrīṃ | 15 |
| 16 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamekhale śrīṃhrīṃ | 13 |
| 17 | hrīṃśrīṃ nityadrave madasakale śrīṃhrīṃ | 13 |
| 18 | hrīṃśrīṃ nityadrave madalakṣmi śrīṃhrīṃ | 12 |
| 19 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamālini śrīṃhrīṃ | 13 |
| 20 | hrīṃśrīṃ nityadrave madaviśvanāyike śrīṃhrīṃ | 15 |
| 21 | hrīṃśrīṃ nityadrave madasulocane śrīṃhrīṃ | 15 |
| 22 | hrīṃśrīṃ nityadrave mada(su)śobhe śrīṃhrīṃ | 13 |
| 23 | hrīṃśrīṃ nityadrave madakāmade śrīṃhrīṃ | 13 |
| 24 | hrīṃśrīṃ nityadrave mada(sa)vilāsini śrīṃhrīṃ | 15 |
| 25 | hrīṃśrīṃ nityadrave madakāmeśvari śrīṃhrīṃ | 14 |
| 26 | hrīṃśrīṃ nityadrave madanandini śrīṃhrīṃ | 13 |
| 27 | hrīṃśrīṃ nityadrave madasvarṇarekhe śrīṃhrīṃ | 14 |
| 28 | hrīṃśrīṃ nityadrave madamanohare śrīṃhrīṃ | 14 |
| 29 | hrīṃśrīṃ nityadrave madapramode śrīṃhrīṃ | 13 |
| 30 | hrīṃśrīṃ nityadrave madarāgiṇi śrīṃhrīṃ | 13 |
| 31 | hrīṃśrīṃ nityadrave madasiddhe śrīṃhrīṃ | 12 |
| 32 | hrīṃśrīṃ nityadrave madapadmini śrīṃhrīṃ | 13 |
| 33 | hrīṃśrīṃ nityadrave mada(sa)ratipriye śrīṃhrīṃ | 15 |
| 34 | hrīṃśrīṃ nityadrave madakalyāṇade śrīṃhrīṃ | 15 |
| 35 | hrīṃśrīṃ nityadrave madakalādakṣe śrīṃhrīṃ | 14 |
| 36 | hrīṃśrīṃ nityadrave madasurasundari śrīṃhrīṃ | 15 |
Damit endet die Liste der sechsunddreißig Yakṣiṇī-Mantras.
Beginn der ausgeschriebenen Ceṭaka-Formeln
Es folgen die vierundsechzig Ceṭakas. Bei den ersten fünf wird die ganze Formel gedruckt; anschließend nennt die Quelle die weiteren einzusetzenden Namen. „Dehi“ bedeutet „gewähre“.
| Nr. | Formel in IAST | Lautzahl laut Druck |
|---|---|---|
| 1 | hrīṃśrīṃ madanityadrave vibhramaṃ dehi śrīṃhrīṃ | 15 |
| 2 | hrīṃśrīṃ madanityadrave vāhakaṃ dehi śrīṃhrīṃ | 15 |
| 3 | hrīṃśrīṃ madanityadrave vīraṃ dehi śrīṃhrīṃ | 14 |
| 4 | hrīṃśrīṃ madanityadrave vikarṣaṃ dehi śrīṃhrīṃ | 15 |
| 5 | hrīṃśrīṃ madanityadrave korakaṃ dehi śrīṃhrīṃ | 15 |
Entsprechend folgen die einzusetzenden Namen Kavi, Siṃhanāda, Mahānāda und Sugrīva. Die Liste setzt sich auf der folgenden Seite fort.
Fortsetzung der einzusetzenden Ceṭaka-Namen in der unnummerierten Formelliste: Markaṭa, Śaṭha, Biḍālākṣa, Biḍālāsya, Kumāra, Khecara, Bhava, Mayūra, Maṅgala, Bhīma, Dvīpivaktra, Kharānana, Mātaṅga, Niśācārin, Viṣagrāhin, Vṛkodara, Sairibhāsya, Gajamukha, Paśuvaktra, Mṛgānana, Kṣobhaka, Maṇibhadra, Krīḍaka, Siṃhavaktraka, Śyenāsya, Kaṅkavadana, Kākāsya, Hayavaktraka, Mahodara, Sthūlaśiras, Vikṛtāsya, Varānana, Capala, Kukkuṭāsya, Māyāvin, Madanālasa, Manohara, Dīrghajaṅgha, Sthūladanta, Daśānana, Sumukha, Piṇḍita, Kruddha, Varāhāsya, Saṭāmukha, Kapaṭa, Kautukin, Kāla, Kiṅkara, Kitava, Khala, Bhakṣaka, Bhayada, Siddha und Savega (64). Damit endet die Liste der vierundsechzig Ceṭakas. Die Sanskritfassung bewahrt die tatsächlich gedruckten Akkusativformen.
Sieben Yantras und das Erscheinen der Helferwesen
21.NP.55: Unter den Lauten der Vidyā sind vierzehn verschieden, wenn Wiederholungen nicht mitgezählt werden. In Verbindung mit den Vokalen ergibt sich die Zahl zweihundertvierundzwanzig.
Unnummerierte Lautliste: Die Quelle schreibt eine Reihe von vierzehn Konsonanten mit dem inhärenten A aus: ha ra pha sa ka [jha?] la [ṣa?] na ta ya ma da va. Zwei Zeichen sind im Druckbild nicht sicher zu unterscheiden; die Reihe ist deshalb keine abschließend gesicherte Rezitationsformel.
21.NP.56: Daraus entstehen sieben Yantras. In ihnen werden die Gottheiten nach der genannten Reihenfolge an den sieben Wochentagen, beginnend mit dem Sonnentag, hingebungsvoll verehrt.
21.NP.57: In die Mitte des Yantras schreibt man den Namen des Wochentags im Lokativ und „gewähre das Gewünschte“, innerhalb des Māyā-Bīja. Dort werden auch die Siddhis verehrt.
21.NP.58: Zwischen den beiden Kreisen wird die Neun-Yoni-Anordnung gezeichnet, außen die achtwinkelige Form; außerhalb davon folgen ein sechzehnblättriger Lotus und das Paar äußerer Begrenzungen, das Bhūsadman, nach der Vorschrift.
21.NP.59: Die Laute werden dort der Reihe nach eingetragen: zweiunddreißig auf die Blätter und Winkel; ferner wird im Zwischenraum der beiden Kreise …
21.NP.60: … die Mātṛkā in der A–Ka–Tha-Anordnung in innerer Reihenfolge geschrieben. In die Zwischenräume ihrer Winkel schreibt man Ha, Ḷa und Kṣa. Die gedruckte Lautgruppe wird hier als ha–ḷa–kṣa gelesen; sie wird nicht ungekennzeichnet in die häufigere Form ha–la–kṣa geändert.
21.NP.61: Vom vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn entstehen so sieben Yantras, entsprechend einzeln für die Siddhis, Ceṭakas und Yakṣiṇīs.
21.NP.62: Bei den Ceṭakas gilt diese Besonderheit: In der Mitte steht ein achtblättriger Lotus. Ihre Verwirklichungsverfahren und Früchte folgen derselben zuvor angegebenen Ordnung.
21.NP.63: „Höre, Herrin der Götter, die Anwendungen, durch die ein Vollendeter auf Erden mir gleich wird und als Herr aller Welten überall und jederzeit geehrt wird.“
21.NP.64: Die Yakṣiṇīs werden jeweils zu dritt an einem Flussufer und im Wald verwirklicht. An jedem Ort wird nach der genannten Vorschrift für jeden Mantralaut ein Lakh, also hunderttausend Wiederholungen, rezitiert.
21.NP.65: Weitere Orte sind der Fuß eines Banyanbaums im Wald, eine Bergspitze, Höhlen, die Mitte eines Gartens, die Wildnis und der Fuß eines Mātṛ-Baums. „Mātṛpādapa“ bleibt als Bezeichnung der Quelle stehen; die Baumart ist hier nicht sicher identifiziert.
21.NP.66: Ein Zehntel jener Zahl wird für die sättigenden Wassergaben und das Feueropfer angegeben. Verwendet werden rote Blüten von Kadamba, Bandhūka, Japā und Hayamāra.
21.NP.67: Dann sollen sie erfreut herbeikommen, sichtbar erscheinen und Wünsche erfüllen: Gold, Gewänder, Schmuck und Früchte …
21.NP.68: … Dinge zum Kosten und Lecken sowie dreierlei Speisen, Salben und Kränze sollen sie bis zum Lebensende geben.
21.NP.69: „Komme stets sichtbar zu mir und gewähre das Gewünschte“: Mit diesen Worten werden sie täglich verehrt; ebenso wird …
21.NP.70: … die jeweilige Vidyā mit ungeteilter Aufmerksamkeit eintausendacht Mal wiederholt. So sollen alle diese Yakṣiṇīs die jeweils gewünschte Frucht gewähren.
21.NP.71: Die Ceṭakas werden an den betreffenden Orten der Reihe nach jeweils zu fünft verwirklicht; am Flussufer sind es neun.
21.NP.72: Auch bei ihnen gilt die genannte Vorschrift von hunderttausend Wiederholungen pro Laut. Während dieser Tage wird fortwährend Schweigen gewahrt; auch nach dem Gelingen soll man davon nicht abweichen. Der letzte Ausdruck kann auch allgemein auf das Festhalten an der vollendeten Praxis bezogen werden.
21.NP.73: Feueropfer und sättigende Wassergaben werden stets um Mitternacht angegeben. Das Rezitieren soll bei der Verwirklichung all dieser Wesen am Tag und in der Nacht geschehen.
21.NP.74: Die Ceṭakas kommen um Mitternacht in äußerst furchterregender Gestalt und versuchen, den Übenden zu erschüttern. Bleibt er unerschüttert, so treten sie vor ihn …
21.NP.75: … sichtbar hervor, und jeder fragt in der Nacht: „Was wünschst du? Das werde ich tun.“ Er antwortet ihnen zustimmend und fügt hinzu: „Verlasst mich nicht.“ Die Redewechsel sind im Sanskrit gedrängt und grammatisch ungleichmäßig; die Zuordnung der Antworten folgt dem Zusammenhang.
21.NP.76: Er verehrt sie täglich durch Rezitation und rituelle Verehrung und setzt dies fort. Sobald er an sie denkt, sollen sie zu ihm kommen und das aufgetragene Gewünschte ausführen.
21.NP.77: Sie bewirken die Niederlage der Feinde im Kampf und treffen feindselige Menschen. Tag und Nacht sind sie damit beschäftigt, die erbetenen Dinge zu gewähren.
21.NP.78: Sie sollen gewünschte Frauen sogleich herbeibringen und einen wilden Elefanten, ein Pferd oder einen Menschen unbeweglich machen. Dies beschreibt die Herrschafts- und Zwangsvorstellungen des historischen Textes; es ist keine heutige Praxisempfehlung.
21.NP.79: Wenn die Gruppe der sechzehn Nityās verwirklicht ist, wird der Vollendete von Göttern, Ṛṣis, Ahnen, Rākṣasas, Piśācas, Caraṇas, Siddhas, Kinnaras und Scharen von Apsaras …
21.NP.80: … von Maruts, Vasus, den sieben Ṛṣis, Yakṣas, Dānavas, den elf Rudras, den Sādhyas und den neun Planeten mit ihren Begleitern …
21.NP.81: … von den zwölf Sonnengottheiten, den Weltenhütern, anderen Gottheiten, Königen, Frauen, anderen Menschen und Tieren …
21.NP.82: … stets geehrt. Er ist ein Sitz des ersehnten Glücks, heiteren Herzens, großzügig, mitfühlend, freundlich und geduldig.
21.NP.83: Sein Inneres ist erfüllt; er ist immer freudvoll, frei von Erwartungen und mit Fähigkeiten ausgestattet, wohlhabend, genießend und anderen gegenüber ohne Hass. Er wird zum Gegenstand unserer beider Liebe.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Nīlapatākā-Nityā.
Vijayā-Nityā: Sieg, Feueropfer und Wochentage
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Vijayā-Nityā. Die Quelle zitiert das Tantrarāja, 18.26. Die Verse verbinden rituelle Verehrung mit Verheißungen von Sieg und der Schädigung gegnerischer Heere. Die nachstehende Übersetzung gibt diese historischen Vorstellungen als solche wieder.
21.VJ.1: Der Verständige wiederholt die Vidyā nach der zuvor angegebenen Ordnung hunderttausend Mal für jeden Laut. Nach einem Feueropfer mit roten Lotusblüten ist sein Mantra verwirklicht; voller Mitgefühl …
21.VJ.2: … vollzieht der Mantrin die besonderen Anwendungen nach den Regeln für Feueropfer und Yantra, ferner durch Rezitation, sättigende Wassergaben und vorschriftsmäßige Verehrung.
21.VJ.3: Genannt werden Kamala, Kairava, rote und weiße Wasserblüten, Saugandhika, Utpala sowie duftende Śephālikā, jeweils vorschriftsmäßig mit den drei süßen Stoffen benetzt.
21.VJ.4: Mit diesen sieben werden an den sieben Wochentagen Feueropfer dargebracht; zuvor werden die beiden jeweiligen Wochentagsherren verehrt. Schon nach einem Maṇḍala-Zyklus … Die kleine Wortgruppe vor „vāreśayoḥ“ ist schwer lesbar. Die vorbereitende Verehrung wird in Vers 19 nochmals ausdrücklich genannt.
21.VJ.5: … erlangt man, so die Verheißung, Sieg in der Schlacht, im Zweikampf, beim Ringen, im Waffenkampf, in der Streitdebatte und in beiden Arten des Glücksspiels.
21.VJ.6: In allen Rechts- und Geschäftsangelegenheiten wird sicherer Erfolg verheißen. Ein Feueropfer mit Blüten des Caturaṅgula soll die Feinde lähmen.
21.VJ.7: Ebenso werden Blüten von Karṇikāra, Punnāga, Nameru, Campaka, Ketaka, Rājavṛkṣa und Mādhava genannt.
21.VJ.8: Wie zuvor werden die sieben Blütenarten der Reihe nach den Wochentagen zugeordnet und geopfert. Dadurch werde der Feind gelähmt oder geschlagen. Ein Ausdruck am Beginn des zweiten Halbverses bleibt unsicher; auch das Verhältnis des in Vers 6 genannten Caturaṅgula zu den sieben Namen in Vers 7 wird hier nicht stillschweigend vereinheitlicht.
21.VJ.9: Ein Feuer wird mit dem „Freund“ des Feindes bereitet; dessen Brennhölzer, mit Senf und geklärter Butter benetzt, dienen als Opfer. Dadurch sollen die Gegner zu Füßen niederfallen. „Freund“ ist hier eine verschlüsselte Zuordnung; der Text nennt an dieser Stelle keine sicher identifizierbare Pflanzenart.
21.VJ.10: In einem Feuer aus „Mṛtyu-Holz“ werden dessen Blätter, Blüten, Früchte und Brennhölzer geopfert, nachdem der Wochentagsherr verehrt wurde.
21.VJ.11: Das viergliedrige Heer des Feindes werde dadurch von Krankheit gequält. Daraus entstehe der Sieg des Übenden, ferner durch Furcht und dergleichen oder durch den Tod. Der zusammengesetzte Ausdruck „bhayādinidhanena“ ist in seiner inneren Verbindung nicht ganz eindeutig.
21.VJ.12: Am Sonnentag wird ein Feuer aus Arka-Holz entzündet. Darin werden der Reihe nach die Blätter, Blüten, Früchte, Stängel und Wurzeln derselben Pflanze geopfert …
21.VJ.13: … benetzt mit der geklärten Butter einer Kuh, deren Kalb dieselbe Körperfarbe hat. Nach einem Maṇḍala-Zyklus wird die Wirkung verheißen. Dabei wendet sich der Übende in die Richtung des Feindes; die Handlung in der Feuergrube erfolgt nach Vorschrift. Das Wort nach „kuṇḍe“ ist im Druck nicht sicher zu lesen.
21.VJ.14: Selbst ein Feind mit vollständigem Heer, der von Tapferkeit und Stolz erfüllt ist, soll dann krank fliehen oder sich furchterfüllt verneigen.
21.VJ.15: Ein Feueropfer an Montagen im Feuer aus Palāśa-Holz, mit den fünf Teilen dieser Pflanze und derselben geklärten Butter, soll zweifellos die zuvor genannte Wirkung haben.
21.VJ.16: Dieselbe Wirkung wird dem Opfer am Marstag zugeschrieben: im Feuer aus Khadira-Holz, mit dessen fünf Teilen, die mit der genannten geklärten Butter benetzt sind.
21.VJ.17: An den Tagen des Budha wird im Feuer aus Apāmārga-Holz dessen Brennholz geopfert, zusammen mit geklärter Butter einer weißen Kuh mit Kalb.
21.VJ.18: Nach den entsprechenden Tagen werde die vorher genannte Frucht erlangt. An jedem betreffenden Wochentag geht die Verehrung dem Feueropfer voraus. Der letzte Halbvers ist syntaktisch gedrängt; die Reihenfolge wird durch Vers 19 erläutert.
21.VJ.19: Für alle genannten Verrichtungen – Verehrung, Rezitation, Yantra und weitere Handlungen – gilt die Verehrung der jeweiligen Nityā zusammen mit den beiden jeweiligen Wochentagsherren.
21.VJ.20: Erst nachdem dies vollzogen ist, führt man die betreffenden Handlungen gesammelt aus. Dann werde ihre Frucht rasch verwirklicht; andernfalls verhält es sich anders.
21.VJ.21: Am Tag des Guru wird in einem Feuer aus Pippala-Holz mit den entsprechenden Pflanzenteilen geopfert, die mit der genannten geklärten Butter benetzt sind. Nach den betreffenden Tagen werde die Frucht zweifellos erlangt.
21.VJ.22: Am Tag des Bhṛgu, dem Freitag, wird das Feueropfer im Udumbara-Feuer mit dessen Erzeugnissen vollzogen, ebenfalls mit jener Butter benetzt. Nach den entsprechenden Tagen trete die Wirkung ein.
21.VJ.23: Im Śamī-Feuer werden dessen Teile mit geklärter Butter einer schwarzen Kuh geopfert. Nach dem betreffenden Tag sollen die Früchte eintreten. Damit ist die Ordnung der sieben Wochentage beschrieben.
21.VJ.24: So wurde die Erlangung des Sieges durch das vorschriftsmäßige Feueropfer dargestellt. „Höre nun, Herrin der Götter, die Erlangung des Sieges nach den Tithis; ich werde sie dir der Reihe nach erklären.“ Die zweite Hälfte des Kompositums nach „tithi“ ist im Druck undeutlich; der Anschluss an die Mondtage ist durch die folgenden Verse gesichert.
21.VJ.25: Vom ersten bis zum fünften Mondtag werden der Reihe nach Śāli-Reis, Kichererbsen, Mungbohnen, Gerste und Māṣa-Bohnen im Feuer geopfert …
21.VJ.26: … benetzt mit Büffelbutter. An diesen Mondtagen soll damit die Frucht erlangt werden. Vom sechsten bis zum zehnten Mondtag verwendet man von Ziegen stammende geklärte Butter …
21.VJ.27: … und die zuvor genannten Opferstoffe; daraus werde die bereits genannte Frucht erlangt. Danach, bis zum fünfzehnten Mondtag, verwendet man alle diese Stoffe sowie die beiden Arten Sesam … Eine Wortgruppe im ersten Halbvers ist nicht sicher zu lesen; sie bezeichnet das zugehörige Feueropfer.
21.VJ.28: … ferner Zucker und Milchreis, mit geklärter Schafbutter benetzt. Durch dieses Feueropfer werde die zu Beginn genannte Frucht erlangt. Die gedruckte Form „sitāṅka“ ist ungewöhnlich; die Wiedergabe mit Zucker ist eine vorsichtige kontextuelle Deutung.
21.VJ.29: Ebenso wird ein Feuer aus dem dem jeweiligen Nakṣatra zugeordneten Baum bereitet. Das Opfer mit dessen entsprechenden, mit Honig benetzten Teilen soll dieselbe Frucht zweifellos herbeiführen.
Vijayās Gitter- und Lotusyantras
21.VJ.30: Wie zuvor verbindet man die fünf Laute der Vidyā mit den Vokalen. So entsteht eine Vidyā mit achtzig Lauten. „Höre, Geliebte, die daraus gebildeten Yantras.“
21.VJ.31: In Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden jeweils zehn Linien gezogen. Daraus entstehen einundachtzig Felder; in sie werden jene Laute der Reihe nach geschrieben.
21.VJ.32: In das Mittelfeld setzt man die Bezeichnung der Zielperson nach der zuvor genannten Vorschrift. Die Linienenden werden zu Speerspitzen geformt; dort ruft man die Göttin herbei und verehrt sie.
21.VJ.33: Man verehrt sie vor sich und wiederholt dabei die Vidyā, täglich mit ritueller Verehrung. Die Folge der Vidyā wird im Yantra verehrt; daraus werde die betreffende Frucht erlangt.
Unnummerierte Erläuterung: Die Reihenfolge des Zeichnens dieses Yantras ist leicht verständlich. Ferner:
21.VJ.34: „Parameśvarī, durch vier Linien in Ost-West- und vier in Süd-Nord-Richtung entstehen neun Felder.“
21.VJ.35: In jedes zeichnet man einen achtblättrigen Lotus. In den Fruchtboden des mittleren Lotus schreibt man …
21.VJ.36: … die Vidyā, die den Namen in sich trägt. Auf seine acht äußeren Blätter kommen die ersten acht Laute mit Bindu. Entsprechend verfährt man außerhalb davon …
21.VJ.37: … in den acht weiteren Lotussen: je ein Name auf dem Fruchtboden und acht Laute auf den äußeren Blättern. Nachdem alle acht so beschrieben sind, umgibt man die Zeichnung mit den Mātṛkā-Lauten …
21.VJ.38: … in umgekehrter und vorwärts gerichteter Reihenfolge, verbunden mit Māyā und Bindu. Auf die drei äußeren Quadrate schreibt man die Schutzlaute.
21.VJ.39: Die Zeichnung wird in der Größe von zwei Hastas ausgeführt. Ein Krug wird darauf aufgestellt und wie zuvor mit Wasser gefüllt, das einen Absud der zur Vidyā gehörenden Kräuter enthält.
21.VJ.40: Nach der Verehrung und zehntausend Wiederholungen der Vidyā wird damit vorschriftsmäßig die rituelle Begießung, Abhiṣeka, vollzogen. Der Empfänger werde daraufhin von Bedrängnissen frei und glücklich.
21.VJ.41: Sieg wird in jeder Hinsicht verheißen, auch in den sieben zuvor genannten Bereichen. Bei Bedrängnis durch die neun Planeten und bei überall durch Feinde entstehenden Leiden …
21.VJ.42: … vor einem Kriegszug, zur Erlangung von Ruhm und Wohlstand, für Söhne und andere Wünsche sowie bei den drei Geburten soll man das Ritual vollziehen lassen. „Bei den drei Geburten“ gibt „triṣu janmasu“ wörtlich wieder; welche drei Anlässe damit gemeint sind, wird hier nicht erläutert.
21.VJ.43: Dieses Yantra wird mit rotem Ocker auf einen Sockel gezeichnet. Darin ruft man die Göttin herbei, verehrt sie vollständig und wiederholt die Vidyā zehntausend Mal.
21.VJ.44: „So durch dreimal sieben … nach sieben Nächten“ soll man die Welt unter seinen Einfluss bringen: den König, eine Frau, andere Menschen und alle Lebewesen. Die Zeitangaben „triḥsaptabhiḥ“ und „saptarātrāt“ stehen im Druck unvermittelt nebeneinander. Die Fußnote bietet bei der ersten Angabe „triḥ“; die Unstimmigkeit wird nicht durch eine erfundene Dauer aufgelöst.
21.VJ.45: Die Zeichnung wird mit Kurkuma und weiteren Stoffen auf Tuch ausgeführt und in einen Krug oder zwischen zwei Schalen gelegt; alternativ wird sie in einer Wand oder am eigenen Bett beziehungsweise Fahrzeug angebracht …
21.VJ.46: … nach der Verehrung wird zu den täglichen Dämmerungszeiten die Vidyā eintausend Mal rezitiert. Nach der genannten zeitlichen Ordnung sollen sämtliche Feinde gelähmt werden.
21.VJ.47: Betroffen sind das schädliche Handeln aus feindlicher Unternehmungslust und Zorn sowie bei Rechtsangelegenheiten, Kriegsvorbereitungen und Streitgesprächen die Rede, der Zorn und die Absicht des Gegners.
21.VJ.48: Das Yantra wird mit den zuvor genannten duftenden Stoffen gezeichnet. Darin wird sie täglich zu den Dämmerungszeiten verehrt; ebenso werden eintausend Wiederholungen vollzogen.
Unnummerierter Halbvers: Durch die Anwendung während der genannten Zeit werde reiche Fülle erlangt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck und ist dort durch Punkte angezeigt.
Unnummerierte Erläuterung zur Yantra-Zeichnung: Durch jeweils vier Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden neun gleichmäßig angeordnete Felder gebildet. In diese zeichnet man neun achtblättrige Lotusse mit ihren Fruchtböden. Auf den Fruchtboden des mittleren Lotus schreibt man die Vijayā-Vidyā zusammen mit dem Namen der Zielperson. Auf seine acht äußeren Blätter kommen die ersten acht der zuvor genannten achtzig Laute. Auf den Fruchtboden des östlichen Lotus wird der neunte Laut geschrieben, der den Zielnamen einschließt; auf dessen acht Blätter folgen die nächsten acht Laute. Entsprechend verfährt man mit den Lotussen im Südosten und in den weiteren Richtungen. Außen zeichnet man drei Quadrate und in deren Zwischenraum die rückwärts angeordnete Mātṛkā mit Visarga. Zwei Kreise umgeben das Ganze. Diesem Yantra werden die zuvor genannten Früchte zugeschrieben.
21.VJ.49: Der erste Halbvers ist bereits im Druck ausgelassen. „Nun werde ich ein weiteres Yantra von Vajra-Gestalt erklären, das große Furchtlosigkeit verleiht.“ „Atinirbhaya“ ist die Lesung des Haupttextes; die Fußnote bietet „atidurlabha“, „sehr schwer zu erlangen“.
21.VJ.50: Wie zuvor werden zweimal sieben Linien gezogen. Dadurch entstehen deutlich einhundertneunundsechzig Felder. Im Haupttext steht „rūpāṇām“; die Fußnote liest das hier sachlich passende „sūtrāṇām“, „der Linien“.
21.VJ.51: In jeder der vier Ecken werden einundzwanzig Felder entfernt. In der Mitte verbleibt nach der Vorschrift ein Vajra aus fünfundachtzig Feldern.
21.VJ.52: In seine vier Richtungen zeichnet man Dreiecke von je einer Ecke aus. In das zentrale Feld sowie in die vier Richtungen setzt man …
21.VJ.53: … die Vidyā, welche den Namen einschließt. Die übrigen Laute werden wie zuvor eingetragen. Ein dreifaches Quadrat wird so angelegt, dass es die vier Spitzen berührt …
21.VJ.54: … und darin wird nach der vorherigen Vorschrift die Mātṛkā geschrieben. Durch dieses Vajra-Yantra gilt Vijayā als Geberin des Sieges.
21.VJ.55: Es wird auf die zuvor genannten Materialien gezeichnet und in der genannten Weise aufgestellt. Dadurch werde Sieg auch in allen sieben genannten Bereichen erlangt.
21.VJ.56: Auf eine Platte aus Aśvattha-Holz zeichnet man das Yantra mit Ku-candana, dem als rotes Sandelholz bezeichneten Stoff. Nach seiner Vollendung durch Rezitation und Verehrung wird es in leerstehenden Häusern aufgestellt …
21.VJ.57: … oder an einem entsprechenden Ort. Dort sollen täglich beständiger Wohlstand zunehmen und Piśācas, Rākṣasas, feindliche Zaubergebilde und Vetālas fernbleiben.
21.VJ.58: Auf einer Palāśa-Platte vorschriftsmäßig gezeichnet und irgendwo aufgestellt, soll es den Ort zu einem Sattra, einer Opfer- beziehungsweise Versammlungsstätte und einem Sitz der Brahmanen, machen.
21.VJ.59: Durch die zuvor genannte Aufstellung werde eine Hauptstadt beständig. Auf Vaṭa-Holz gezeichnet und vergraben, soll das Yantra einer Stadt festen Bestand geben.
21.VJ.60: Wird es entsprechend auf Udumbara-Holz ausgeführt und aufgestellt, so soll der Ort bald keinen Feinden mehr Zuflucht gewähren.
21.VJ.61: Aus den Zwischenräumen der Dreiecke in den Himmelsrichtungen des Vajra wird eine Dreizackform gebildet. Sie wird mit der als „Dāha“ bezeichneten Lautkomponente und Vokalen verbunden; weitere Eintragungen betreffen ihre Spitzen. Die genaue verschlüsselte Lautangabe im zweiten Halbvers ist im Druck nicht ausreichend sicher lesbar. Eine vollständige Zeichen- oder Rezitationsanweisung wird deshalb nicht daraus rekonstruiert.
21.VJ.62: Darauf wird ein Erkrankter gesetzt. Mit Asche, über der die Vidyā rezitiert wurde, wird seine Stirn bestrichen; durch das Herbeiführen eines Āveśa soll sich das Leiden äußern. Die Quelle beschreibt eine historische Besessenheitsdeutung von Krankheit und ein entsprechendes Ritual.
21.VJ.63: Die Handlung, die das Eindringen verursacht hat, sowie die Art des Fortgehens sollen genannt werden. Grahas, Bhūtas, Piśācas und andere Wesen sollen in ihn eintreten und dann wieder fortgehen.
21.VJ.64: Eingeklammerter zusätzlicher Halbvers im Druck: Durch die Kraft dieses Verfahrens wird das betreffende Wesen ihm wie ein Diener untertan. – Das Yantra wird auf Stein gezeichnet, verehrt und an einem Ort aufgestellt …
21.VJ.65: … im Haus eines Königs; dann soll die Erde die Familie dieses Königs nicht verlassen. Für die Aufenthaltsorte von Elefanten und Pferden werden neun solcher Yantras angefertigt und an neun Stellen …
21.VJ.66: … in den Himmelsrichtungen und in der Mitte aufgestellt und täglich verehrt. Krankheiten und von anderen ausgesandte Zaubergebilde …
21.VJ.67: … sollen durch dessen Einfluss nicht einmal mehr auf den Ort blicken können. Mit Kampfer, Sandelholz und Safran wird das Yantra auf ein neues Tuch gezeichnet …
21.VJ.68: … verehrt und mit der Vidyā besprochen. Das Tuch wird ausgebreitet und ein Mensch mit brennendem Fieber darauf gelegt; er werde bald von diesem Fieber frei, so die historische Heilungsverheißung.
21.VJ.69: Auch bei anderen Krankheiten wird dieses Verfahren zur Befreiung davon genannt. Für die Kriege der Könige wird das folgende Yantra-Verfahren beschrieben.
21.VJ.70: Auf Niḥsāna-, Paṭaha- und Ḍaṅka-Trommeln sowie weitere Instrumente wird es mit Darada, Zinnober, gezeichnet. In seiner Mitte wird sie herbeigerufen und verehrt …
21.VJ.71: … Vijayā, um Sieg zu erlangen. Unter gleichzeitigem Schlagen der Instrumente zieht man vorwärts. Schon beim Hören dieses Schalls soll das gegnerische Heer fliehen …
21.VJ.72: … furchterfüllt in alle zehn Richtungen und niemals wieder angreifen. Bei einem Spiel oder Wettkampf mit lebenden Wesen wird dieses Yantra angefertigt …
21.VJ.73: … zu einer kleinen Kugel gerollt, an dessen Hals gebunden und dann das betreffende Wesen eingesetzt. Schon bei seinem Anblick sollen die Gegner in alle zehn Richtungen fliehen. „Sajīva-dyūta“ bezeichnet hier ein Spiel mit lebenden Wesen; welche Tierart gemeint ist, sagt der Vers nicht.
21.VJ.74: Wird das Yantra am eigenen Körper getragen, werde überall Sieg erlangt. „Pārvatī, durch dieses Vajra-Yantra gibt es nichts Unerreichbares.“
21.VJ.75: Im Gesicht des Feindes wird das Yantra oder die Vidyā in roter Gestalt vorgestellt. Durch dessen Kraft soll der Feind ihm wie ein Diener untertan werden.
Unnummerierter Schluss: Damit sind dir die Kräfte der Vijayā-Nityā erklärt worden. – Weil dieses Vajra leicht verständlich ist, wird es nicht weiter ausgeführt. Der kurze Sanskritsatz enthält bereits im Druck eine Korrekturanmerkung „sya? stu“; die überlieferte Wortform wird in den Sanskritteilen bewahrt. Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Vijayā-Nityā.
Sarvamaṅgalā: Lautkräfte von Mond, Sonne und Feuer
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Sarvamaṅgalā. Die Quelle zitiert das Tantrarāja, 19.17.
21.SM.1: Täglich werden vor ihr eintausend Wiederholungen vollzogen. Wie zuvor wird ihre Vidyā durch zweiunddreißig Lakh, also 3.200.000 Wiederholungen, verwirklicht.
21.SM.2: Das Feueropfer umfasst ein Zehntel dieser Zahl und wird mit gekochtem Reis und geklärter Butter oder mit geklärter Butter allein vollzogen. Nachdem die Vidyā auf diese Weise verwirklicht ist, werden sämtliche genannten …
21.SM.3: … Anwendungen ausgeführt. Andernfalls, warnt der Text, entstünden für ihn Erfolglosigkeit, schlechter Ruf und Tod. Deshalb verehrt er sie hingebungsvoll nach der genannten Ordnung …
21.SM.4: … und führt erst nach der Verwirklichung die glückbringenden, als heilvoll beschriebenen Anwendungen aus. „Göttin, ich werde die Lautkräfte für diese Anwendungen erklären. Höre, Geliebte.“
21.SM.5: Sie haben die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer und sind achtunddreißig. Genannt werden Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Rati und Dhṛti …
21.SM.6: … Śaśinī, Candrikā, Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti, Aṅgadā, Pūrṇā und Pūrṇāmṛtā. Diese aus den Vokalen hervorgehenden Kalās gewähren Wünsche.
21.SM.7: Dies sind die sechzehn Kalās des Mondes, den wunscherfüllenden Bäumen vergleichbar. Dann folgen Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī und Ruci …
21.SM.8: … Suṣumnā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā. So werden der Reihe nach die zwölf aus der Sonne hervorgehenden Śaktis genannt.
21.SM.9: Ihre Lautfolge verläuft in umgekehrter Richtung von Bha bis Ḍha. Dhātṛ, Aryaman, Mitra, Varuṇa und Saubhaga …
21.SM.10: … Vivasvat, Indra, Pūṣan, Arka, anschließend Parjanya, Tvaṣṭṛ und Viṣṇu werden der Reihe nach als die zwölf Sonnengottheiten genannt.
21.SM.11: Ihre Körper sind die Laute von Ka bis Ṭha; sie sind allgegenwärtig und gewähren alle Siddhis. Dann folgen Dhūmrārci, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī und Visphuliṅginī …
21.SM.12: … Suśrī, Surūpā, Kapilā, Havyavahā und Kavyavahā. Als Verkörperungen der Laute von Ya bis Kṣa werden diese zehn Śaktis bezeichnet.
21.SM.13: „Śivā, die Namen jener zehn wurden dir bei der inneren Vergegenwärtigung genannt.“ Für die Laute von Ka bis Kṣa werden zweiunddreißig Paare angegeben …
21.SM.14: … die man nach der genannten Reihenfolge vollständig verehrt und bei allen entsprechenden Handlungen einsetzt. Da die Vokale eigenständig sind, gelten ebenso ihre Śaktis als eigenständig.
21.SM.15: Ihre Herren werden mit entsprechenden Namen und Gestalten beschrieben. So sind der Reihe nach achtunddreißig Paare genannt. Die Zahlen der Quelle werden unverändert bewahrt: Die sechzehn Mond-, zwölf Sonnen- und zehn Feuerkräfte ergeben 38; Vers 13 nennt daneben 32 Paare für die Konsonanten. Wie beide Zählweisen zusammenhängen, wird hier nicht hinreichend erläutert.
21.SM.16: „Śivā, nachdem diese verehrt sind, werden die genannten Gottheitsgestalten in Wasser herbeigerufen, das als Verkörperung jener dreifachen Leuchtkraft gilt. Nach ihrer Verehrung wird mit diesen Wassern …“
Unnummerierter Halbvers, Fortsetzung von 21.SM.16: Durch die rituelle Begießung werde die Identität mit der Göttin als jener dreifachen Leuchtkraft erlangt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Erläuterung zur Zahl der Paare: Ohne die Vokale sind zweiundzwanzig Paare gemeint, weil die Kalās von Sonne und Feuer zusammen zweiundzwanzig sind. Mit den Vokalen ergeben sich achtunddreißig Paare. Damit erklärt die Prosa die beabsichtigte Zählung 22 + 16 = 38; die „32“ in 21.SM.13 bleibt als abweichende Lesung des gedruckten Verses sichtbar.
21.SM.17: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Mit den bei Vāta beginnenden und mit Grāsa und Māyā endenden Lauten, fünfhundert und sechsundsiebzig an der Zahl …
21.SM.18: … wird die Nityā-Vidyā der Sarvamaṅgalā verbunden. Danach setzt man an ihre „Vana-Stelle“ die sechzehn Vokale.
21.SM.19: „Parameśvarī, dadurch entstehen neuntausendzweihundertsechzehn Formen der Nityā-Vidyā.“
Unnummerierter Halbvers: „Ich werde dir die damit verbundenen Yantras, Anwendungen und Früchte nennen.“
Unnummerierte Erläuterung: „Bei Vāta beginnend“ bedeutet: beginnend mit Ha. Grāsa ist Kṣa, Māyā ist Visarga; die Reihe endet also mit Kṣa samt Visarga. Gemeint sind die 576 Laute in Gestalt des vollständigen Maṇḍala. An der „Vana-Stelle“ der Sarvamaṅgalā-Vidyā werden die sechzehn Vokale eingesetzt; das betreffende Bīja wird also mit diesen sechzehn Vokalen verbunden. Diese sechzehn Formen des Sarvamaṅgalā-Bīja werden wiederum mit den zuvor genannten Lauten des vollständigen Maṇḍala verbunden.
Die Quelle führt dafür drei stark zusammengedruckte Beispielreihen an: mit svaṃ, mit svāṃ und mit sviṃ, jeweils verbunden mit A, Ā, I, Ī und so weiter bis zu Kṣa mit Visarga; jede Reihe umfasst 576 Kombinationen. Insgesamt entstehen 9216. Die zusätzliche Bīja-Bezeichnung unmittelbar nach „vanasthāne“ sowie einzelne Anschlüsse in den dicht gesetzten Beispielen sind nicht sicher zu lesen. Die Sanskritfassungen bewahren den gelesenen Wortlaut mit örtlicher Kennzeichnung; daraus wird hier keine vermeintlich vollständig gesicherte Rezitationsliste hergestellt. Rechnerisch gilt 576 × 16 = 9216.
Sarvamaṅgalās Yantra-Varianten
21.SM.20: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Zwei Kreise werden gezeichnet und außerhalb davon eine sechsseitige beziehungsweise sechswinkelige Form.
21.SM.21: Außerhalb davon folgen ein achtblättriger Lotus und drei weitere Kreise. In diese werden die Vidyā-Kūṭas in der genannten Reihenfolge eingesetzt.
21.SM.22: Der erste wird zusammen mit der Zielbezeichnung in die Mitte geschrieben. Außen stehen je vier in jedem der sechs Winkel.
21.SM.23: Auf jedes der acht Blätter werden je fünf geschrieben. In die beiden Zwischenräume der äußeren Kreise kommt die mit Māyā verbundene Mātṛkā …
21.SM.24: … in umgekehrter und vorwärts gerichteter Folge, mit dem eigenen Lautbestandteil. In die sechs inneren Zwischenräume werden die beiden Nityās der betreffenden Tagesfolge …
21.SM.25: … vom vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn eingetragen. Auf diese Weise entstehen aus den Kūṭas, jeweils durch eine einzelne Variation …
21.SM.26: … einhundertvierundvierzig Yantras. Ebenso schreibt man die weiteren genannten Kūṭas der Reihe nach ein …
21.SM.27: … mit dem Namen in der Mitte und den übrigen Bestandteilen ringsum. Durch dreizehn Lakh, siebenundzwanzig …
21.SM.28: … Tausend, einhundert und vier wird ihre Zahl bezeichnet: So entstehen die Yantras, durch welche sie Sarvamaṅgalā ist. Die über beide Verse verteilte Zahl ergibt 1.327.104; sie stimmt mit 9216 × 144 überein.
21.SM.29: Ebenso entstehen für jede dieser Nityās gesonderte Yantras. Deshalb gebe es durch sie niemals und nirgends etwas Unerreichbares …
21.SM.30: … unter den betreffenden Dingen. Wer könnte für einen einzelnen Gegenstand alle Möglichkeiten erschöpfend angeben? Damit die Formen ihre jeweiligen Herren verkörpern, werden sie in neun Ordnungen … Die Satzverbindung des ersten Halbverses ist unsicher; wiedergegeben ist sein erkennbarer Gedanke der nicht erschöpfend darstellbaren Vielfalt.
21.SM.31: … und sechzehnfach unterteilt und dann, Göttin, entsprechend eingesetzt. Man bildet ein neunfeldriges Schema mit weit angelegter Mitte.
21.SM.32: „Weise, von Osten aus im Uhrzeigersinn bis zur Mitte werden die neun in die neun Felder geschrieben; in sie kommen auch die zugehörigen Sternkonstellationen.“
21.SM.33: Hinzu kommen der Reihe nach die Herren und Göttinnen mit ihren Śaktis, zusammen mit der Zielbezeichnung. Welche Wirkung auch gewünscht wird, sie wird jeweils dort eingetragen.
21.SM.34: Auf einem Sockel oder auf dem Erdboden wird die Form am genannten Tag verehrt. Wenn das Gewünschte erlangt ist, werden die Gottheiten verabschiedet … Die Form „snātam“ vor dem Verabschieden ist syntaktisch unklar; sie deutet auf eine Waschung hin, deren Bezug offenbleibt.
21.SM.35: … das Cakra wird abgewaschen und das Wasser auf Felder oder ähnliche Orte gegossen. „Śivā, ebenso sind die übrigen Yantras der Reihe nach beschrieben.“
21.SM.36: „Śivā, man setzt sie der Reihe nach für die gewünschten Handlungen ein, mit den jeweils weiteren Zahlen verbunden. Auch für diese gilt dieselbe Vorschrift.“ „Parasaṃkhyā“ bezeichnet hier die weitere beziehungsweise höhere Zählung; eine einzelne neue Zahl wird nicht genannt.
21.SM.37: Durch sie sollen überall die friedlichen Handlungen sicher gelingen: bei der Einflussnahme, der Erlangung von Erkenntnis und der Stillung aller Hindernisse …
21.SM.38: … beim Gewinnen von Wohlstand, bei Gesundheit und der Linderung von Krankheit und Leid, für Sieg, Rettung aus allen Gefahren und Gedeihen …
21.SM.39: … für die Erlangung von Söhnen und umfassenden Schutz wird sie darin nach dieser Ordnung verehrt. Für die Vermehrung von Elefanten, Pferden, Kühen, Eseln, Kamelen, Ziegen und Büffelkühen …
21.SM.40: … sowie bei deren Krankheiten und anderen Bedrängnissen und zu ihrer Stillung werden der Reihe nach neun Yantras angefertigt und Śivā an den jeweiligen Orten verehrt.
21.SM.41: Für jede genannte Aufgabe, um das betreffende Ziel zu erreichen, werden neun mit Begrenzungen versehene Formen beziehungsweise sechzehn Formen für die mit dem ersten beginnenden … Die Verbindung von „neun“ und „sechzehn“ ist im Satz nicht eindeutig; beide Angaben bleiben stehen.
21.SM.42: … Mondtage in der genannten Gestalt verwendet. In ihnen wird Sarvamaṅgalā verehrt, um das Gewünschte zu erlangen; in der ersten Form wird sie stets verehrt.
21.SM.43: So gilt sie durch Verehrung, Rezitation und weitere Handlungen als Geberin großer Siddhis. – „Erkläre mir eine Verehrung dieser Göttinnen mit kurzen Mantras und einfachen Handlungen, welche alle Ziele verwirklicht …“
21.SM.44: „… die vollständig, nicht allzu weitläufig und heilvoll ist, Śiva.“ – „Ich werde eine Verehrung erklären, die Göttern, Ṛṣis, Siddhas, Gandharvas, Yakṣas und himmlischen Frauen als Zuflucht dient …“
21.SM.45: „… höre, Herrin der Götter, diese geheime, anmutige Verehrung.“ Mit der Vidyā der Kulasundarī werden zunächst der Nyāsa an Händen und Körpergliedern vollzogen …
21.SM.46: … und mit derselben Vidyā das Arghya bereitet. Auf dem Sockel zeichnet man das Cakra mit Sandelholz, Aguru, Kampfer, Rocanā, Darada oder einem der anderen genannten Stoffe …
21.SM.47: … und verehrt darin die Göttinnen in den beschriebenen Gestalten. Alternativ wird es auf Edelstein oder anderes Steinmaterial gezeichnet, dort aufgestellt und verehrt. Die kleine Wortgruppe nach „ratnādi“ ist undeutlich; sicher ist der Bezug auf einen dauerhaften steinernen Träger.
21.SM.48: Auf den beiden Durchmessern des Kreises werden bei den Viertelmaßen Markierungen angebracht; durch diese zieht man Linien …
21.SM.49: … wobei jeweils drei dazwischen ausgelassen werden. So entsteht die zwölfwinkelige Form. An ihren Schnittpunkten und in der Mitte zeichnet man je ein Kreispaar.
21.SM.50: In die Mitte des zentralen Kreises kommt eine Yoni mit gleichen Seiten. Wie zuvor werden drei Nityās in ihren Winkeln im Uhrzeigersinn verehrt.
21.SM.51: Die anderen zwölf werden der Reihe nach in den übrigen Winkeln verehrt, vom vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn. Danach wird die Göttin vorschriftsmäßig meditiert. Das Attribut vor „dhyāyet“ ist nicht sicher zu lesen; eine bestimmte Ausrichtung oder Farbe wird daraus nicht ergänzt.
21.SM.52: Lalitā allein wird mit der reinen siebenlautigen Formel rezitiert. Mit den Namen der sechzehn Nityās, beginnend mit Lalitā …
21.SM.53: … und der siebenlautigen Nityā-Formel entstehen ihre jeweiligen Vidyās für die Verehrung. Mit diesen sechzehn Vidyās werden die sechzehn Nityās verehrt.
21.SM.54: „Höre, ich werde die Lautzahlen dieser Vidyās der Reihe nach nennen.“ Die erste und siebte Vidyā haben sechzehn Laute.
21.SM.55: Die zweite und vierte haben vierzehn Laute. Fünfzehn haben die dritte, sechste und zehnte …
21.SM.56: … sowie die zwölfte, vierzehnte und fünfzehnte. Die fünfte, neunte und dreizehnte haben dreizehn Laute.
21.SM.57: Für die elfte, achte und sechzehnte werden zwölf Laute angegeben. In demselben Cakra wird ferner mit vierundzwanzig verehrt …
21.SM.58: … und einhundertzwanzig Vidyās werden zur Verwirklichung rezitiert. Weitere werden als siebenhundertzwanzig bezeichnet; mit ihnen geschieht die Verehrung in den Yantras. Die knappe Verknüpfung der Zahlen 24, 120 und 720 wird im Vers nicht hinreichend erklärt; sie werden nicht zu einer neuen, unbelegten Gesamtzahl verrechnet.
21.SM.59: Dies ist für ihre Verehrung, Rezitation und weiteren Handlungen sowie für die Yantras angegeben. Dieses Yantra in vereinfachter Gestalt gewährt alle Ziele.
Unnummerierter Halbvers: Damit kann im Tantra alles erreicht werden, was durch die Vajra-Gestalt erreicht wird. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Erläuterung zu den sechs Versen ab „vṛttadvayaṃ vidhāya“: Zuerst werden zwei Kreise gezeichnet, außen eine sechswinkelige Form, darum ein achtblättriger Lotus und außerhalb davon zwei Kreise. In die Mitte kommt der erste Kūṭa mit der Zielbezeichnung. In jeden der sechs Winkel werden vier Kūṭas geschrieben, auf jedes der acht Blätter je fünf. In den inneren der beiden äußeren Kreiszwischenräume kommt die rückwärts angeordnete Mātṛkā mit Visarga, in den äußeren die vorwärts angeordnete Mātṛkā mit Bindu. Im Inneren … Die Erläuterung nennt hier zwei äußere Kreise, obwohl Vers 21 drei nennt und zwei Kreiszwischenräume voraussetzt. Die Abweichung bleibt erhalten; die Prosa setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Fortsetzung der unnummerierten Erläuterung: … in die sechs Zwischenräume der sechswinkeligen Form werden die sechs Laute der Nityā der betreffenden Folge und der Nityā des jeweiligen Tages eingetragen, vom eigenen vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn. Der mittlere Kūṭa bleibt unverändert; im zweiten Yantra werden die nächsten Kūṭas, im dritten die darauf folgenden eingetragen. So entstehen für jeden einzelnen Kūṭa 144 Yantras. Insgesamt ergeben sich der Reihe nach 1.327.104 Yantras. Entsprechend sind auch die Yantras der anderen Nityās zu verstehen.
Die Anwendungen werden mit „nāthātmakāni“ erklärt: Man zeichnet ein ausgedehntes Cakra mit neun Feldern. Durch je drei zusätzliche Linien wird jedes Feld in sechzehn Felder unterteilt; in jedes Unterfeld zeichnet man ein Yantra. So entstehen 144 Yantras. In die neun Hauptfelder kommen durch dreifache Zuordnung die 27 Nakṣatras und in die neun Felder die neun Nāthas. Der Zielname wird im Lokativ zusammen mit „vāñchitaṃ karma dehi“, „gewähre die gewünschte Wirkung“, geschrieben. Darauf folgen Verehrung und weitere Handlungen nach der genannten Ordnung; ihnen werden die genannten Früchte zugeschrieben. Dieselbe Ordnung gilt auch für die übrigen Yantras.
Die Verse ab „laghumantrakriyām“ beschreiben die vereinfachte Verehrung. Nach der Prosa wird eine vierzehnwinkelige Form gezeichnet, in deren Mitte ein Dreieck steht. Darin werden die drei mit Lalitā an erster Stelle verehrt; in den vierzehn Winkeln vierzehn Nityās. Diese Prosa weicht vom Vers ab: 21.SM.49 und 51 nennen zwölf äußere Winkel beziehungsweise zwölf Nityās. Die widersprüchlichen Angaben werden hier ausdrücklich bewahrt.
Wer die jeweilige Vidyā nicht aussprechen kann, soll die Verehrung mit Namensmantras vollziehen; darauf beziehen sich die Verse ab „prathamāyāśca“. Die betreffenden Mantras werden nach Kenntnis der jeweiligen Tantra-Angaben erschlossen. Der Vers ab „asminnevārcayeccakre“ bedeutet nach dieser Prosa, dass die zuvor genannten 144 Kūṭas auch in diesem Cakra rezitiert werden. Die anderen 720 Kūṭas aus dem Nityā-Abschnitt werden in den dort genannten Yantras verehrt. Die Prosa deutet damit die im Vers getrennt stehenden Angaben 24 und 120 als 144; sie wird als Erläuterung dokumentiert, ohne den Verswortlaut umzuschreiben.
Das große Vajra-Yantra mit 265 Feldern
21.SM.60: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Das zuvor genannte Vajra ist zweifach: Es besteht entweder aus Feldern oder aus Winkeln.
21.SM.61: „Śivā, die Herstellung und Anwendungen des aus Winkeln bestehenden Vajra folgen später. Jetzt werde ich das Vajra in Feldform vorschriftsmäßig erklären.“ Die erste kleine Wortgruppe des zweiten Halbverses ist undeutlich; der Gegensatz zwischen beiden Bauformen ist klar.
21.SM.62: Es soll für die Erfüllung der Wünsche des Übenden einem göttlichen Wunschbaum gleichen. Durch je vierundzwanzig Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung …
21.SM.63: … entstehen fünfhundertneunundzwanzig Felder. In den Ecken werden wie zuvor jeweils sechsundsechzig Felder entfernt.
21.SM.64: Es verbleibt ein Vajra mit zweihundertfünfundsechzig Feldern. In den vier Himmelsrichtungen werden wie zuvor Dreiecke aus jeweils vier …
21.SM.65: … Feldern gebildet. Von außen beginnend und im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend wird die Folge von Vicitrā bis Lalitā eingeschrieben. Der gedruckte Anfang „vicitrādi“ kann hier auf Citrā bezogen sein; die zusätzliche Silbe wird nicht stillschweigend beseitigt.
21.SM.66: In die in der Mitte verbleibenden Felder kommen vierundzwanzig weitere Lautformen, die durch die vierfachen Bestandteile der Lalitā-Laute entstehen, verbunden mit Name und Śakti. Die Formulierung bezeichnet die Bildung der 24 Varianten knapp; die Prosa wird nicht durch frei konstruierte Mantras ergänzt.
21.SM.67: In das zentrale Feld wird Lalitā geschrieben, mit der Zielbezeichnung in ihrem Inneren. Das Yantra wird auf Stein, die drei Metalle oder andere genannte Träger gezeichnet …
21.SM.68: … an einem geeigneten Ort aufgestellt und zur Erlangung des Gewünschten verehrt. In dem Gebiet, in dem das Vajra aufgestellt ist, sollen im Umkreis eines Yojana …
21.SM.69: … nur glückverheißende Dinge entstehen; von Unglück solle nirgends die Rede sein. Auch beim Verehrungs-Cakra werden die Namen in jeden Winkel geschrieben …
21.SM.70: … und Lalitā in die Mitte, die Zielbezeichnung in sich tragend. Auf den äußeren Kreis kommt die Mātṛkā; das Cakra wird auf der Erde aufgestellt.
21.SM.71: Auch dadurch soll, wie zuvor gesagt, im betreffenden Gebiet kein Unglück entstehen. Überall darin wird die Sarvamaṅgalā-Vidyā eingeschrieben …
21.SM.72: … in der Mitte mit den Lauten der Zielbezeichnung verbunden. Zur Erlangung der betreffenden Frucht wird es aufgestellt. „Śivā, auf dem zuvor genannten Vajra-Yantra oder auf der zwölfwinkeligen Form …“
21.SM.73: … wird ein Krug aufgestellt, gefüllt mit einem Absud der den Lauten zugeordneten Pflanzen. Mit diesem heilvoll genannten Wasser, über dem die Vidyā vorschriftsmäßig rezitiert wurde, geschieht die rituelle Begießung …
21.SM.74: … besonders beim eigenen Geburts-Nakṣatra, zur Stillung aller Krankheiten, für die Fülle vollständigen Wohlergehens und zur Stillung von Planetenbedrängnissen und Krankheiten.
21.SM.75: „Herrin der Götter, ferner eine andere Anwendung, die alles läutert: ein Waldbrand für den Wald der Armut und ein unterseeisches Feuer für das Meer der Verfehlungen …“
21.SM.76: „… eine Sonne für die Dunkelheit der Verengung und ein Mondaufgang über dem Meer der Zufriedenheit.“ Gesammelt wird die ewige Vidyā, verbunden mit den zuvor genannten Lauten …
21.SM.77: … schweigend rezitiert. Sie wird mit duftenden Blüten verehrt und mit Wasser von den Zusammenflüssen der zum Meer fließenden Ströme gesättigt, Śivā.
21.SM.78: Das Feueropfer geschieht vorschriftsmäßig mit duftenden Stoffen, weißen Sesamkörnern und Reiskörnern. Ein Krug wird aufgestellt, mit dem genannten Wasser gefüllt und hingebungsvoll verehrt.
Unnummerierte Erläuterung: Das „genannte Wasser“ ist der Absud der den Lauten zugeordneten Kräuter.
21.SM.79: Durch den vollständigen Ablauf in der genannten Reihenfolge und die dreifache Begießung werde man augenblicklich von Leiden durch schrecklichen Schadenszauber, Kṛtyās und andere Einwirkungen frei. Der Wortlaut verbindet „einmal“ mit „dreifacher Begießung“; dies kann einen vollständigen Durchgang mit drei Begießungen meinen.
21.SM.80: Bhūtas, Pretas, Piśācas, Apasmāras, Rākṣasas, Yakṣas, Kumāras, Guhyakas, Vīras und äußerst furchtbare Ḍākinīs …
21.SM.81: … sollen den Betroffenen sogleich erschrocken freigeben und anderswohin gehen. In einem zum Meer fließenden Strom stehend, wiederholt man diese Formeln …
21.SM.82: … bis zum Hals im Wasser, einen Maṇḍala-Zyklus lang; dadurch werde man von Verfehlungen früherer Geburten frei. Entsprechendes wird dem Feueropfer mit geklärter Butter und den sättigenden Gaben reinen Wassers zugeschrieben. Dies ist die historische Ritualbeschreibung, keine Empfehlung für ein solches langes Verweilen im Wasser.
21.SM.83: So wird sie als ganz und gar heilvoll Sarvamaṅgalā genannt: Ihrem Namen entsprechend gewährt sie den Verehrenden aus Mitgefühl die Früchte …
Unnummerierter Schluss-Halbvers: … indem sie den Geist stets klärt und Freude hervorbringt.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Sarvamaṅgalā-Nityā.
Jvālāmālinī: Yantras und die neun Planeten
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Jvālāmālinī-Nityā. Zitiert wird das Tantrarāja, 20.14.
21.JM.1: Mit beherrschten Sinnen und von opfergeeigneter Nahrung lebend, wird die Vidyā achthunderttausend Mal wiederholt. Ein Zehntel dieser Zahl entfällt auf sättigende Gaben und auf das Feueropfer mit Kuhbutter.
21.JM.2: Nachdem der Mantra auf diese Weise verwirklicht ist, werden die Yantras der Reihe nach angefertigt. Beim Verehrungs-Cakra wird das äußere Quadrat ohne Unterbrechung ausgeführt …
21.JM.3: … und die Laute werden darin nach der Vorschrift eingetragen. Ganz in die Mitte kommt die Śakti mit der Zielbezeichnung, im Inneren des Tāra, des Oṃ-Lautes.
21.JM.4: Drei Laute kommen in die drei Winkel, sechs in die sechs, acht in die acht und ebenso acht nach außen; außen in die Richtungen kommen der Reihe nach neun.
21.JM.5: „Śivā, nachdem das Yantra so mit den Grundlauten gebildet ist, soll dadurch alles Gewünschte verwirklicht werden: durch Verehrung, Tragen und Aufstellen.“
Unnummerierte Erläuterung zur Cakra-Zeichnung: In der Mitte liegt ein Dreieck, darum eine sechswinkelige, dann eine achtwinkelige Form, ein achtblättriger Lotus und außen ein Quadrat ohne Tore. In die Mitte schreibt man das Māyā-Bīja, das den Zielnamen enthält, in das Innere des Praṇava. Drei Laute des Grundmantras kommen in die drei Winkel, sechs in die sechs Winkel, acht in die acht Winkel, acht auf die acht Blätter und acht in die Richtungen des Quadrats, beginnend im Osten. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben. Die Prosa nennt für den äußeren Bereich acht Laute, Vers 4 dagegen neun. Die Abweichung wird bewahrt.
21.JM.6: Von den mit Vokalen verbundenen Lauten der angegebenen Reihe werden jeweils vier an die entsprechenden Stellen des beschriebenen Yantras geschrieben. Der Anfang ist A; der Endlaut vor „kārānta“ ist undeutlich und scheint Va zu sein. Eine sichere vollständige Lautreihe lässt sich daraus nicht herstellen.
21.JM.7: Der eine übrige Laut wird mit den Lauten der Zielbezeichnung in die Mitte geschrieben. So entstehen zehn Yantras. Ihre geordnete …
21.JM.8: … Anwendung und die daraus erlangten Früchte werde ich erklären. „Höre, Geliebte: Durch ihre Verehrung erlangt der Übende innerhalb eines Ayana, eines Halbjahres, sicher alles Gewünschte.“
21.JM.9: Das zweite und die folgenden Yantras, verbunden mit den Mātṛkā-Lauten, gehören der Reihe nach den neun Planeten. An deren jeweiligen Wochentagen und in ihrer jeweiligen Richtung …
21.JM.10: … werden sie durch die Verehrung der Göttin erfreut und sollen kein Unheil bewirken. Für Rāhu und Ketu gilt der Wochentag des Herrn des Tierkreiszeichens, in dem sie stehen.
21.JM.11: In die Zwischenräume der sechsseitigen Form schreibt man auf dem Gefäß den Namen des Planeten im Akkusativ und „prīṇayāmi“, „ich erfreue beziehungsweise besänftige“.
21.JM.12: In das erste Yantra wird entsprechend eingetragen und nach der genannten Ordnung verehrt, an allen Wochentagen zur Erfreuung aller Planeten.
21.JM.13: „Geliebte, zur Stillung von Unheil werden jene Planeten regelmäßig verehrt.“ So werden sie in den zehn Yantras zusammen mit der Nityā verehrt …
21.JM.14: … und werden erfreut. Selbst die grausamen Planeten oder solche in ungünstiger Stellung sollen dann stets mild wirken und die Früchte günstig stehender, wohltätiger Planeten hervorbringen.
Historische Orakel- und Āveśa-Verfahren
21.JM.15: Nachdem die zehn Yantras mit Darada oder rotem Ocker gezeichnet und entsprechend verehrt wurden, wird ein Junge oder ein Mädchen …
21.JM.16: … mit wohlgebildeten Gliedern und unbefangenem Wesen, gebadet und mit gewaschener Kleidung versehen, darauf gesetzt. Das Mädchen oder der entsprechend beschaffene Junge wird mit der Vidyā verehrt …
21.JM.17: … während man den Kopf berührt und die Vidyā hundert Mal wiederholt. Die Verehrung geschieht mit roten, weißen oder besonders duftenden Blüten.
21.JM.18: Bis zum Ende der Handlung wird Guggulu-Räucherwerk dargebracht. Wenn die Göttin in die betreffende Person eingetreten ist, wird sie hingebungsvoll verehrt …
21.JM.19: … mit den genannten Gaben. Der sich beherrschende Übende wiederholt die zuvor genannte Vidyā und stellt die gewünschte Frage; die Göttin soll darauf antworten.
21.JM.20: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles, was der Fragende im Sinn hat, sowie vergangene Geburten soll sie nach der Verehrung nennen.
21.JM.21: Danach wird sie wie zuvor verehrt und in das eigene Selbst zurückgeführt. Mit gefestigtem Geist wird die Formel eintausend Mal wiederholt; innerlich erfüllt soll man glücklich weiterleben. Die Verse beschreiben ein historisches Orakel mit einem Kind als Medium; eine solche Praxis wird hier nicht als heutige Übung übernommen.
21.JM.22: Ebenso wird die brennende Lautkomponente in die sechs Winkel und die Mitte geschrieben. Ein Kranker wird darauf gesetzt und nach der genannten Ordnung verehrt.
21.JM.23: Durch das Herbeiführen von Āveśa beim Kranken wird nach dem Leiden, seiner Ursache und seiner Stillung gefragt. Nachdem das betreffende Wesen dies alles genannt hat, soll es auf die Anweisung des Übenden fortgehen.
21.JM.24: Das erste Yantra wird in der Mitte eines Frauenschädels angebracht und nachts erwärmt, während die Vidyā wiederholt und an die Zielperson gedacht wird. Dadurch, heißt es, werde die betreffende Frau sogleich angezogen …
21.JM.25: … frei von Furcht, Scham und Stolz, mit zitternden Gliedern, ohne andere Gedanken und von Liebesverlangen bedrängt soll sie herbeikommen. Die Stelle beschreibt eine historische Vorstellung magischen Zwangs, keine einvernehmliche Beziehungsgestaltung.
21.JM.26: Wird dieses Yantra in einem Männerschädel angebracht und entsprechend rezitiert, so sollen Könige, Prinzen oder andere Personen …
21.JM.27: … ihre Unterscheidungskraft verlieren, verwirrt werden und ihre Kasten- und Familienordnung aufgeben. Die Herrscher sollen bis zum Tod wie Diener unterworfen bleiben.
Drei Formen des initiatorischen Vedha
21.JM.28: Bei der Unterweisung in den Nityās stellt der Guru den Schüler in die Mitte des betreffenden Cakra, verbunden mit der Rezitation der Vedha-Vidyā …
21.JM.29: … und vergegenwärtigt seinen Körper als von Flammen umgeben. Die Sinne, mit dem Geist als sechstem, nimmt er wie zuvor einzeln im eigenen Inneren auf. Der Satz ist im Sanskrit stark verkürzt; der Zusammenhang ist die innere Vergegenwärtigung, nicht ein tatsächliches Verbrennen des Körpers.
21.JM.30: Darauf, heißt es, falle der Schüler sogleich bewusstlos zu Boden. Der Guru richtet ihn auf, gibt Wasser in seinen Mund und spricht zu ihm. Die Übersetzung bewahrt die historische Beschreibung; sie ist keine Anleitung zum Umgang mit Bewusstlosigkeit.
21.JM.31: Dieser Vedha, die initiatorische „Durchdringung“, wird dreifach genannt und soll unmittelbare Gewissheit hervorbringen: als Śākta-Vedha, Śāmbhava-Vedha und als Yāmala, die Vereinigung beider im Selbst.
21.JM.32: An den Orten des Schülers vom Mūlādhāra an bis zum Brahmarandhra werden sieben brennende Laute vergegenwärtigt und verbunden. Durch das zuvor beschriebene Anschauen …
21.JM.33: … vollzieht der Lehrer mit der verwirklichten Vidyā den Śākta-Vedha. „Höre nun, Weise, den Śāmbhava-Vedha von wunderbarer Gestalt.“
21.JM.34: Der Schüler sitzt schweigend im betreffenden Cakra. Der Guru tritt in der Vergegenwärtigung als dessen Selbst in seinen Körper ein, wird mit ihm eins und kehrt dann in den eigenen Körper zurück …
21.JM.35: … wobei er das Selbst des Schülers als sein eigenes Selbst betrachtet. Nach Nyāsa, Rezitation und Verehrung lässt er dessen Körper im vorgestellten Feuer verbrennen.
21.JM.36: Dies ist der Śāmbhava-Vedha. Der Yāmala wurde bereits zuvor genannt. So sind die drei Arten des Vedha beschrieben, welche die Verwirklichung der Bhāvanā anzeigen.
21.JM.37: Beim Yāmala besteht diese Besonderheit: Nach der Durchdringung sollen das überlieferte Wissen des Gurus und all seine übrigen Kenntnisse auf den Schüler übergehen. Dadurch werde dieser ihm gleich.
21.JM.38: „Śivā, das erste Yantra wird mit einer Paste aus rotem Sandelholz auf eine Metallplatte, eine Holzplatte oder eine Steinfläche gezeichnet …“
21.JM.39: … oder auf ebenen, reinen Erdboden ohne Erdklumpen und Kohlenreste. Dort wird die Göttin, umgeben von ihren Śaktis, herbeigerufen und verehrt.
21.JM.40: Als Zeiträume werden ein Tag, drei Tage, sieben Tage, eine Monatshälfte, ein Monat oder ein Maṇḍala-Zyklus genannt. Der Reihe nach werde so das Gewünschte erlangt.
21.JM.41: Einflussnahme, Anziehung, Lähmung, Niederhaltung, gewünschter Gewinn und die ganze übrige Welt würden durch diese Verehrung rasch erlangt.
21.JM.42: Damit sollen alle genannten und sämtliche anderen Krankheiten überwunden werden. „Śivā, schon durch das erste Yantra werde dies ohne Mühe verwirklicht.“
21.JM.43: Das zweite Yantra wird mit Darada auf die genannten Träger gezeichnet und verehrt, wenn die Sonne erhöht steht. Nach der genannten Zeit sollen die beschriebenen Früchte eintreten.
21.JM.44: Es wird auf eine Silberplatte gezeichnet. Während man diese täglich berührt, wird die ewige Vidyā eintausend Mal wiederholt. Mit dem dadurch geprägten Wasser …
21.JM.45: … werden Baden, Trinken und die Speisenzubereitung für die genannten Tage vollzogen. Von den drei Arten von Prameha und schweren Beschwerden durch Harnsteine und erschwertes Wasserlassen …
21.JM.46: … von Aśmarī, Harnverhaltung und anderen Leiden werde der Betroffene frei und glücklich. Er soll lange auf Erden leben, ohne Krankheit und mit gesundem Geist. Dies sind historische Heilungsverheißungen; die klassischen Krankheitsnamen werden nicht mit gesicherten modernen Diagnosen gleichgesetzt.
21.JM.47: Das dritte Yantra wird mit rotem Ocker auf einen Träger aus dem Baum des Geburts-Nakṣatra des Feindes gezeichnet, in der Erde vergraben und darüber fortwährend ein Feuer unterhalten.
21.JM.48: Der Betroffene solle dadurch unter Brennen, Fieber und anderen Krankheiten leiden. Wenn das Yantra nicht ausgegraben und ins Wasser geworfen wird, werde er zugrunde gehen. Der Ausdruck am Anfang des Verses ist undeutlich; die danach genannten Leiden und die bedingte Schlussaussage sind lesbar.
21.JM.49: Das vierte Yantra wird mit Rocanā und Kampfer gezeichnet. Durch die genannte Verehrung soll es sicher Sieg in allen zuvor genannten Bereichen gewähren.
21.JM.50: In Streitgesprächen, beiden Arten des Glücksspiels, bei Planetenbedrängnissen und in den weiteren Bereichen sollen seine Verehrer durch dessen Macht stets siegreich sein.
21.JM.51: Das fünfte wird mit Kuṅkuma gezeichnet und darin verehrt. Nach den entsprechenden Tagen sollen Menschen, Elefanten, Pferde und Frauen unter seinen Einfluss geraten.
21.JM.52: Das sechste wird mit Kurkuma samt dem Namen auf Tuch geschrieben und, wenn Saturn erhöht steht, fest zwischen Ziegeln eingeschlossen an einem Ort niedergelegt.
21.JM.53: Es soll die Zunge, Bewegung und den Stolz des Feindes, ein Gottesurteil, den Angriff von Königen, die Lust am Streit und alles weitere Unheil zum Stillstand bringen. „Divya“ wird hier als Gottesurteil beziehungsweise Ordal verstanden; die knappe Aufzählung erlaubt keine genauere Bestimmung.
21.JM.54: Das siebte wird mit einer Mischung aus Sandelholz, Kampfer und weiteren Stoffen gezeichnet. Darin wird sie täglich zu den Dämmerungszeiten im eigenen Haus verehrt.
21.JM.55: Nach den entsprechenden Tagen soll sein Wohlstand den der ganzen Welt übertreffen. „Maheśānī, vielfältig sind die Kräfte der Yantras.“
21.JM.56: Das achte wird mit den bei der vereinfachten Form genannten Stoffen auf eine Platte oder einen Sockel gezeichnet. Darin wird die Göttin an einem Tag, an dem Jupiter erhöht steht …
21.JM.57: … zur Zeit seiner Erhöhung mit duftenden Blüten verehrt. Dadurch würden vielfältige Gewänder und Schmuck erlangt.
21.JM.58: Das neunte wird mit duftenden Stoffen gezeichnet und die Göttin darin verehrt. Mit derselben Mischung bestrichen, geht der Übende in eine Versammlung von Menschen. Der genaue abschließende Stoffname der einleitenden Liste ist nicht sicher lesbar.
21.JM.59: Alle sollen ihn wie einen Guru betrachten und sich ihm fügen. Handelt es sich um eine Frau, so soll sie kraft dieses Verfahrens lebenslang seine Wünsche erfüllen. Die Unterwerfungsverheißung ist Bestandteil der historischen Textaussage.
21.JM.60: Das zehnte Yantra wird mit allen genannten Stoffen oder mit jedem einzeln gezeichnet. Es soll sämtliche genannten Aufgaben verwirklichen. Eine eingeschobene Angabe mit „sahasra“, „tausend“, ist im Druck nicht sicher zu lesen; eine bestimmte Wiederholungszahl wird deshalb nicht ergänzt.
21.JM.61: Die zehn genannten Yantras werden mit den jeweiligen Stoffen gezeichnet. Darauf wird ein Krug aufgestellt und die Rezitation vollzogen. Die gedruckte Form vor „jāpayet“ ist gestört; außerdem erscheint „trigrahe“, dessen genaue zeitliche beziehungsweise astrologische Zuordnung hier offenbleibt.
21.JM.62: Mit dem Wasser wird die rituelle Begießung vollzogen. Dadurch solle die Wirkung der ungünstigen Stellung des betreffenden Planeten ausbleiben und nur Günstiges entstehen. Dies gilt entsprechend für alle Yantras.
21.JM.63: Ebenso werden beim zugehörigen Nakṣatra die Verehrung und das Feueropfer mit Reis, geklärter Butter und Milchreis vollzogen. Nach Darbringung und Verneigung gibt der mit Śiva verbundene Übende die Gabe. Die genaue Bezeichnung der Gabe vor „dadyāt“ ist nicht sicher lesbar.
21.JM.64: An den entsprechenden drei planetarischen Anlässen sollen die Planeten durch dieses Verfahren die Früchte einer Stellung im elften Haus gewähren; dies wird auch der täglichen Verehrung zugeschrieben. Das zusammengesetzte Wort für die Anlässe ist im Druck unsicher.
21.JM.65: „Śivā, eines jener Yantras wird auf Gold oder Silber gezeichnet, verehrt und einem Kenner der betreffenden Vidyā als gut verehrte Gabe übergeben …“
21.JM.66: … nach der hier genannten, mit Zahlen bestimmten Anordnung; alternativ dient es der Verehrung einer der Nityās im Nityā-Cakra. Der erste Halbvers enthält eine dicht geschriebene Zahlenfolge, deren Glieder nicht hinreichend sicher abzugrenzen sind. Sie wird in den Sanskritfassungen als unsichere Lesung bewahrt und hier nicht in erfundene Maße übersetzt.
21.JM.67: Das mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehrte Bild des Planeten wird nach einer Verneigung dem nach Westen gewandt Sitzenden nach der genannten Vorschrift übergeben.
21.JM.68: Durch das Trinken von Wasser, über dem die Vidyā rezitiert wurde, werde das Feuer im Bauch gestärkt. Dasselbe wird der Rezitation zugeschrieben, während nach dem Essen der Bauch berührt wird.
21.JM.69: Wenn die Sonne im Widder und den folgenden Tierkreiszeichen steht, wird in allen zwölf Monaten jedes der zehn beschriebenen Yantras jeweils drei Tage lang verehrt.
21.JM.70: Nach einem Jahr soll der Übende reich an Geld, Getreide, Häusern und anderem Besitz sein und lange, ohne Krankheit und mit frohem Geist auf Erden leben.
21.JM.71: In welchem Tierkreiszeichen ein Planet auch steht, allein, zu zweit oder mit mehreren: Durch die Verehrung an seinen Tagen und zu den Zeiten seiner Erhöhung …
21.JM.72: … werden die betreffenden Planeten erfreut und sollen ihn unablässig behüten. Ebenso geschieht dies durch sättigende Gaben, Feueropfer, Rezitation, Schenkungen und weitere Handlungen.
21.JM.73: In die neun Yantras werden innen die jeweiligen Namen eingetragen. In der Ausrichtung auf die neun Planeten werden sie zur Überwindung des Feindes verehrt.
21.JM.74: Die beschriebenen Formen werden mit dem Namen des Feindes bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis auf ebenen Boden gezeichnet. Dadurch werde Tag für Tag Sieg erlangt.
21.JM.75: Von jeder den Lauten der Vidyā zugeordneten Heilpflanze wird ein Karṣa in ein neues Gefäß gegeben; darin wird Pañcagavya im Umfang eines Khāri gekocht. Die traditionellen Maße und der Name der rituellen Mischung werden ohne eine unbelegte moderne Umrechnung bewahrt.
21.JM.76: Dies geschieht auf einem durch die Vidyā geweihten Feuer. In dem daraus beziehungsweise in seinem Inneren entstehenden Feuer wird mit geklärter Butter und der Vidyā geopfert; anschließend nimmt man die Asche …
21.JM.77: … bildet daraus die zehn Yantras und verehrt darin die Göttin. Die Asche wird danach gesammelt, aufbewahrt und täglich verehrt.
21.JM.78: Die Asche wird auch mit allen Śaktis und den Begleiterinnen rituell vollendet. In dem betreffenden Haus sollen dann keine Bedrängnisse durch Krankheit, Diebe oder ungünstige Planeteneinflüsse entstehen. Die Wortverbindung im ersten Halbvers ist undeutlich; die Einbeziehung der Begleiterinnen ist lesbar.
21.JM.79: Sie wird täglich am Körper getragen und mit Śrīkaṇṭha, hier einer Sandelholzbezeichnung, und weiteren Stoffen aufgetragen. Auch ihrem Verzehr schreibt die Quelle eine Befreiung von Leiden durch Kṛtyās und anderes Unheil zu. Die historische Zuschreibung wird nicht als heutige Anwendung übernommen.
Einundzwanzig Feuer-Yantras
21.JM.80: Von den zehn Feuerlauten werden die sieben Konsonanten einzeln der Reihe nach mit drei Vokalen verbunden. Dadurch entstehen einundzwanzig Formen.
21.JM.81: Zwei Dreiecke werden in äußerer und innerer Anordnung gezeichnet. Darin liegt ein Kreis und in dessen Mitte eine sechswinkelige Form.
21.JM.82: „Pārvatī, der erste Laut wird mit dem Namen in die Mitte geschrieben. Sechs weitere werden der Reihe nach in die sechs Winkel eingetragen, vom vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn.“
21.JM.83: Vierzehn werden der Reihe nach zwischen die Dreiecke geschrieben. Zum verbleibenden Laut kommen die Laute der Zielbezeichnung; so wird in allen fünfzehn entsprechenden Stellen verfahren. Der Bezug von „pañcadaśasv api“ auf fünfzehn Stellen ist im Vers knapp; die nachfolgende Prosa erläutert die vierzehn äußeren Laute und den verbleibenden Feuerlaut gesondert.
21.JM.84: Indem die übrigen Laute der Reihe nach die Mitte einnehmen, entstehen einundzwanzig Yantras. Durch sie werde das Verdauungsfeuer gestärkt.
21.JM.85: Sie werden auf dreieckige Kupferplatten gezeichnet. Während man sie berührt, wird die Vidyā rezitiert, eingeschlossen von den jeweiligen Lauten.
21.JM.86: Die durch Rezitation und Verehrung geweihten Platten werden täglich in ein Wassergefäß gelegt. Dem Kochen, Trinken und rituellen Begießen mit diesem Wasser wird sicher …
21.JM.87: … eine Anregung des Verdauungsfeuers zugeschrieben, verbunden mit der Tilgung von Verfehlungen früherer Geburten. „Parameśānī, dies geschieht durch die Macht der Nityās.“
Unnummerierte Erläuterung zur Yantra-Zeichnung: Zuerst wird die sechswinkelige Form angelegt, darum ein Kreis und außerhalb davon zwei Dreiecke in innerer und äußerer Anordnung. Die sieben Konsonanten der Feuerlaute ergeben durch die Verbindung mit drei Vokalen einundzwanzig Formen. Der erste wird mit dem Zielnamen in die Mitte geschrieben, die sechs folgenden in die sechs Winkel. Die verbleibenden vierzehn Laute kommen zwischen die beiden Dreiecke, vom vorderen Punkt aus im Uhrzeigersinn. In den verbleibenden Feuerlaut wird der Zielname eingeschlossen; dieser wird an den Spitzen eingetragen. Durch den Wechsel des mittleren Lautes entstehen einundzwanzig Yantras. Sie werden für die beschriebenen Ziele eingesetzt und sollen die genannten Früchte hervorbringen.
Hier endet die Anwendung der Jvālāmālinī-Nityā.
Vicitrā-Nityā: wunscherfüllende Feueropfer
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Vicitrā-Nityā. Die Überschrift der Ausgabe verwendet hier Vicitrā; die Göttin wird in der Nityā-Folge auch als Citrā bezeichnet. Zitiert wird das Tantrarāja, 21.13.
21.VC.1: „Ich werde die Vorschrift für das wunscherfüllende Feueropfer erklären. Höre, wie es alle Ziele gewährt: Selbst ein Mensch mit äußerst geringem Glück werde dadurch wohlhabend, genießend und glücklich.“
21.VC.2: Ein Feueropfer mit roten Lotusblüten, die mit den drei süßen Stoffen benetzt sind, soll nach einem Maṇḍala-Zyklus Wohlstand bringen; mit weißen Lotusblüten großen Ruhm.
21.VC.3: Das Opfer mit roten Utpala-Blüten, die mit Milch benetzt sind, soll nach der genannten Zeit Gold, einen Schatz oder Land gewähren.
21.VC.4: Ein Feueropfer mit milchbenetzten Kairava-Blüten soll nach der genannten Zeit rasch verschiedene Getreidearten bringen; der Mensch werde glückbegünstigt.
21.VC.5: Das Feueropfer mit Utpala-Blüten, die mit geklärter Butter benetzt sind, soll das Gewünschte gewähren. Ein Opfer mit entsprechend benetzten Kahlāra-Blüten mache ihn zum Günstling des Königs.
21.VC.6: Das Feueropfer mit Palāśa-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind, soll nach der genannten Zeit zweifellos vierfache Gelehrsamkeit hervorbringen.
21.VC.7: Ein Opfer mit gepufften Reiskörnern und den drei süßen Stoffen soll zur genannten Zeit ohne Mühe eine mit allen guten Eigenschaften ausgestattete Braut gewinnen lassen.
21.VC.8: Fein zerkleinerte Kokosnuss wird mit Zucker oder Guḍa und Honig geopfert. Dadurch werde man ohne Mühe dem Reichtumsgott gleich.
21.VC.9: Dasselbe wird dem Feueropfer mit Reis und geklärter Butter, mit Sesam samt Reiskörnern, mit roten Blüten und mit Bandhūka-Blüten zugeschrieben.
21.VC.10: Ein Opfer mit weißen Blüten soll die Vollendung der Rede gewähren; mit weißen und roten zusammen langes Leben und Gesundheit.
21.VC.11: Das Opfer mit dreifachen Dūrvā-Gräsern, die mit den drei süßen Stoffen benetzt sind, soll Krankheiten überwinden. Dasselbe gilt für Guḍūcī, Milchreis und Sesam.
21.VC.12: Śatapatra-Blüten, vermischt mit Sandelholz und Kampfer, sollen durch das Feueropfer Wohlstand verleihen, der auch auf die Nachkommen übergeht.
21.VC.13: Kuṅkuma wird mit kaltem Wasser verrieben und mit Kampfer verbunden. Mit dieser Paste bestrichene schöne, voll aufgeblühte Kahlāra-Blüten werden geopfert …
21.VC.14: … dadurch werde man an Wohlstand einem König gleich und lebe hundert Jahre auf Erden, ohne Gegner, ohne Bedrängnis, frei von Gegensätzen und mit lauterem Herzen.
21.VC.15: Ein Feueropfer mit Zuckerrohrstücken soll Edelsteine bringen; ebenso ein Opfer mit roten und weißen Karavīra-Blüten.
21.VC.16: Honigbenetzte Pāṭalī-Blüten sollen Frauen unter seinen Einfluss bringen; ein Feueropfer mit Campaka-Blüten eine Frau, die von ihrer Schönheit lebt, das heißt hier eine Kurtisane.
21.VC.17: Das Opfer mit dunklen Körnern, die mit der Milch einer schwarzen Kuh mit gleichfarbigem Kalb benetzt sind, soll unvergleichlichen Wohlstand bringen, selbst einem Menschen von sehr schlechter Gesinnung. „Asita“ bezeichnet den dunklen Opferstoff; eine bestimmte Pflanzenart wird hier nicht sicher genannt.
Nigraha: historische Vorstellungen schädigender Rituale
21.VC.18: „Ambikā, ein zur genannten Zeit in einer halbmondförmigen Feuergrube vollzogenes Opfer mit Baumwollsamen, die mit Sauvīra benetzt sind, soll unter Feinden Zwietracht erzeugen.“ Sauvīra bleibt als traditionelle Stoffbezeichnung stehen.
21.VC.19: Ebenso werden Ariṣṭa-Blätter und dessen Samen genannt, benetzt mit dem zugehörigen Öl. Ein Feueropfer mit den als Mṛtyu bezeichneten Samen und Nimba-Öl soll Elefanten …
21.VC.20: … krank machen, entsprechend mit den fünf Teilen derselben Pflanze auch Pferde. Dem Opfer mit ölbenetzten Akṣa-Samen wird umfassende Vernichtung zugeschrieben. Die Quelle verwendet hier mehrere verschlüsselte Pflanzennamen; sie werden ohne ergänzende moderne Identifizierungen wiedergegeben.
21.VC.21: Ein Feueropfer mit entsprechend benetzten Karañja-Samen soll den Feind von einem Piśāca besessen machen; ebenso das Opfer mit den fünf Teilen des Akṣa-Baums.
21.VC.22: Ein Feueropfer mit Samen des Akṣa-Baums und Nimba-Öl soll nach den betreffenden Tagen beim Feind Apasmāra hervorrufen.
21.VC.23: In einem Feuer aus dem Baum des Geburts-Nakṣatra des Feindes wird Fleisch der zugehörigen Yoni-Kategorie samt jenen Stoffen geopfert; dem wird der Tod des Feindes zugeschrieben. Die genaue Zuordnung von „tadyoni“ wird hier nicht ausgeführt; eine bestimmte Herkunft des Fleisches wird nicht ergänzt.
21.VC.24: Ein Feueropfer mit Yakṣākṣa-Samen, die mit Senföl benetzt sind, soll bei Feinden körperzerstörende Kuṣṭha-Erkrankungen hervorrufen.
21.VC.25: Ein nächtliches Feueropfer mit ölbenetztem Pfeffer und Senf soll den Feind nach den betreffenden Tagen mit brennendem Fieber schlagen. Die Krankheitstermini der Verse 20–25 werden als Aussagen der historischen Rituallehre wiedergegeben, nicht als nachgewiesene Wirkungen.
21.VC.26: Bei solchen Nigraha-Feueropfern sollen zum eigenen Schutz täglich Rezitation, Feueropfer und weitere Handlungen durch Personen vollzogen werden, welche die Mantras verwirklicht haben.
21.VC.27: Dies geschieht entsprechend mit dem Mṛtyuñjaya-Mantra oder mit den betreffenden Vidyās selbst. Andernfalls, warnt die Quelle, vernichte die Anwendung rasch denjenigen, dessen Mantra nicht verwirklicht ist.
21.VC.28: Nigraha soll nur gegenüber den zuvor genannten Personen ausgeführt werden. Wer Wohlergehen sucht, soll niemals aus eigenem Zorn oder aus Hoffnung auf Geld so handeln. Die Einschränkung ist eine Regel der Quelle innerhalb ihres eigenen Systems; sie macht die vorangehenden Schädigungsrituale nicht zu heutigen Praxisempfehlungen.
21.VC.29: „Maheśvarī, mit den bei Nityaklinnā angegebenen sättigenden Gaben und dieser Vidyā können alle diese Handlungen verwirklicht werden.“
Vicitrās Yantra
21.VC.30: „Nun werde ich Yantras erklären, die mannigfaltige Wünsche erfüllen und durch welche alle jederzeit alles Ersehnte erlangen sollen.“
21.VC.31: „Parameśvarī, die Vidyā, welche die mit Vokalen verbundenen Lautgruppen in sich trägt, wird überall an den beschriebenen Stellen vorschriftsmäßig eingeschrieben.“
21.VC.32: Gezeichnet werden ein Dreieck, zwei Kreise, eine sechswinkelige Form und nochmals ein Kreispaar; außen ein sechsblättriger Lotus und drei weitere Kreise.
21.VC.33: Der erste Kūṭa wird nach der Vorschrift zusammen mit der Zielbezeichnung in die Mitte geschrieben. In die drei Winkel, die sechs Winkel und die sechs Blätter werden die weiteren Bestandteile eingetragen …
21.VC.34: … nämlich die fünfzehn übrigen genannten Kūṭas. In die beiden inneren Kreiszwischenräume kommen die zur jeweiligen Handlung passenden Elementlaute …
21.VC.35: … zusammen mit der Zielbezeichnung und den Lauten für die beabsichtigte Wirkung. In die beiden äußeren Kreiszwischenräume schreibt man die Mātṛkā, mit Māyā und Bindu verbunden, in vorwärts und rückwärts gerichteter Folge.
21.VC.36: Auf diese Weise fertigt der Verständige sechsundzwanzig Yantra-Formen an; anschließend wird mit einhundertsechzig Kūṭas geschrieben. Das Schlusswort des Verses ist undeutlich. Die folgende Prosa erklärt die Bildung der 26 Formen aus 16 Grundformen und zehn weiteren.
Unnummerierte Erläuterung: In der Mitte wird ein Dreieck gezeichnet, darum ein Kreispaar, dann eine sechswinkelige Form, nochmals ein Kreispaar, ein sechsblättriger Lotus und außen drei Kreise. In die Mitte kommt der erste Kūṭa der mit sechzehn Vokalen verbundenen Grund-Vidyā, der den Zielnamen enthält. Drei Kūṭas stehen in den drei Winkeln, sechs in den sechs Winkeln und sechs auf den sechs Blättern: zusammen sechzehn Kūṭas. In den inneren Kreiszwischenraum werden die zur jeweiligen Handlung passenden Elementlaute mit dem Zielnamen eingetragen, in Zweier- und Dreierfolge. In den Kreiszwischenraum außerhalb der sechswinkeligen Form kommen dieselben Elementlaute mit der Angabe der Handlung. Von den beiden äußeren Kreiszwischenräumen enthält der innere die vorwärts angeordnete Mātṛkā mit Visarga, der äußere die rückwärts angeordnete Mātṛkā mit Bindu.
Beim zweiten Yantra steht der zweite Kūṭa mit dem Zielnamen in der Mitte; die fünfzehn übrigen werden nach derselben Ordnung verteilt. Ebenso folgen der dritte und die weiteren Kūṭas. Nach der Herstellung dieser sechzehn Yantras werden die zuvor genannten fünf Amṛta-Bījas mit den sechzehn Vokalen verbunden. Die so entstehenden achtzig Bījas werden jeweils mit Bindu und mit Visarga versehen, wodurch einhundertsechzig Formen entstehen. Der erste wird zusammen mit der Grund-Vidyā in die Mitte geschrieben, fünfzehn weitere in die Dreiecke und übrigen Plätze. Je sechzehn Bījas ergeben ein Yantra, somit zehn zusätzliche Yantras. Zusammen mit den sechzehn zuvor genannten entstehen sechsundzwanzig.
Überleitung: Nun wird als siebenundzwanzigstes das Vajra-Yantra beschrieben.
21.VC.37: In Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden je achtzehn Linien gezogen. Daraus entstehen zweihundertneunundachtzig Felder.
21.VC.38: In jeder Ecke werden zweiunddreißig Felder entfernt. In der Mitte entsteht dadurch ein Vajra aus einhunderteinundsechzig Feldern.
21.VC.39: In den Himmelsrichtungen des Vajra werden Dreiecke aus jeweils einem Feld angelegt. In das Mittelfeld schreibt man die Vidyā zusammen mit der Zielbezeichnung und der gewünschten Wirkung.
21.VC.40: In die Dreiecke kommen die zugehörigen Kūṭas mit der Zielbezeichnung. Vom Osten aus wird im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend geschrieben.
Unnummerierter Halbvers: Dieses Vajra ist ein großes Yantra, das alle Bedrängnisse abwehren soll.
Unnummerierte Erläuterung: Durch je achtzehn Linien in beiden Richtungen werden nach dem Wortlaut dieser Prosa „einhundertneunundachtzig“ Felder gebildet. In den vier Richtungen werden je zweiunddreißig entfernt, wodurch die Vajra-Form mit 161 Feldern entsteht. In jeder Richtung wird eine Ecke entfernt beziehungsweise zum Dreieck gestaltet. In die Mitte kommt die Grund-Vidyā mit dem Zielnamen. In die vier Dreiecke werden die ersten vier der zuvor genannten Amṛta-Bījas mit dem Zielnamen geschrieben. Vom fünften Bīja an werden die übrigen Felder von außen nach innen im Uhrzeigersinn gefüllt. Die anfängliche Zahl 189 ist ein Fehler oder eine Auslassung im gedruckten Prosasatz: Vers 37 und die Rechnung 289 − 4 × 32 = 161 setzen 289 voraus. Die unterschiedliche Zahlenangabe wird nicht verborgen.
21.VC.41: Heilvoll, alle Wünsche erfüllend und jeglichen Sieg und Wohlstand gewährend: „Maheśvarī, so sind siebenundzwanzig Yantras genannt.“
21.VC.42: Weil sie die siebenundzwanzig Nakṣatras verkörpern, werden diese zusammen mit der Zielbezeichnung im Lokativ eingetragen.
21.VC.43: Sie werden an den jeweils zugehörigen Tagen gezeichnet und aufgestellt. „Ich werde ihre Früchte nach der genannten Reihenfolge erklären …“
21.VC.44: „… und ihre Anwendung ganz deutlich, Parameśvarī.“ Durch die Verehrung des ersten sollen alle bei Frauen auftretenden Störungen verschwinden. „Strīdoṣa“ bleibt ein weiter Begriff des historischen Textes; eine bestimmte Diagnose wird daraus nicht abgeleitet.
21.VC.45: Im eigenen Haus wird es auf einem Sockel oder auf dem Erdboden deutlich gezeichnet, mit einer Paste aus den zuvor genannten verriebenen Stoffen.
21.VC.46: Drei, sieben oder siebenundzwanzig Nächte wird es verehrt. Darauf steht ein Krug mit Wasser, das die der Vidyā zugehörigen Kräuter enthält …
21.VC.47: … nach dessen Verehrung wird der Erkrankte damit rituell begossen; dadurch werde er glücklich. Entsprechend werden auch die übrigen Yantras für die genannten Zwecke eingesetzt.
21.VC.48: „Höre die Stoffe zum Zeichnen; ich werde sie dir nennen.“ Rotes Sandelholz, Sandelholz, Sindūra, Kampfer und Rocanā …
21.VC.49: … Safran, Aguru, Kuṣṭha, Elā, Kakkola, Jāti und Tvac: Diese zwölf werden mit kaltem Wasser verrieben …
21.VC.50: … oder mit Wasser beziehungsweise den wohlschmeckenden Säften aus Zuckerrohr und den hier als „Abja“ und „Vaktra“ bezeichneten Quellen. Mit den verriebenen Stoffen wird das zweite Yantra in der genannten Form zur Erlangung des Sieges angefertigt. Die genaue Auflösung von „ikṣv-abja-vaktrottha“ ist unsicher; weitere Pflanzen- oder Flüssigkeitsnamen werden nicht ergänzt.
21.VC.51: Es soll Sieg in Erörterung und Streit, in der Schlacht und beim Glücksspiel bringen. Im dritten und den acht folgenden Yantras werden die neun Planeten verehrt …
21.VC.52: … als Gestalten der Göttin selbst. Dadurch sollen sie keine Bedrängnis verursachen. Mit dem zwölften Yantra wird nach der genannten Vorschrift rasch zum Stillstand gebracht …
21.VC.53: … der Zug in den Kampf, das Einsetzen von Regen, die Rede und das Beharren auf einem Vorhaben. Die beim dreizehnten beginnenden Yantras verkörpern die Mondtage … Die Bezeichnung des letzten Glieds dieser Reihe ist im Druck undeutlich; aus der Gesamtzahl 27 ergeben sich fünfzehn Formen ab der dreizehnten.
21.VC.54: … und sollen an den entsprechenden Tithis wie zuvor das Gewünschte gewähren. In den jeweiligen Yantras werden die Herren der betreffenden Mondtage …
21.VC.55: … und auch die Wochentagsherren vollständig verehrt, um die jeweilige Frucht zu erlangen: bei Vorhaben, Krankheiten und anderen Wünschen.
21.VC.56: In dem für Wochentag, Nakṣatra und Tithi beschriebenen Yantra wird sie verehrt, umgeben von jenen Gottheiten in den Richtungen Agnis, des Rākṣasa-Hüters, des Windes und Īśas – also Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten.
21.VC.57: Damit sollen Linderung der Krankheit, Erfolg der Unternehmung und die gewünschten Früchte erlangt werden. „Die Herren der Wochentage sind genannt; nun die Gottheiten der Tithis und Nakṣatras …“
21.VC.58: „… die Bäume der Nakṣatras und ihre Yoni-Zuordnungen, Parameśvarī.“ Die Tithi-Herren beginnen mit Agni, den beiden Aśvins, Umā, Vighna, der Schlange, Ṣaṇmukha und der Sonne …
21.VC.59: … dann folgen die Mütter, Durgā, die Himmelsrichtungen, der Reichtumsgott, Keśava, Yama, Hara und der Mond. So werden die Herren der Mondtage genannt.
21.VC.60: „Höre auch die Gottheiten der Nakṣatras; ich werde sie nach der Ordnung nennen.“ Die Aśvins, Yama, Agni, Dhātṛ, Candra, Śiva und Aditi …
21.VC.61: … Guru, die Schlangen, die Ahnen, Aryaman, Bhaga, die Sonne, Tvaṣṭṛ, Marut, Indra und Agni gemeinsam sowie Mitra …
21.VC.62: … Indra, Nirṛti, die Wasser, die Viśvedevas, Hari, die Vasus, Varuṇa und danach Aja Ekapad …
21.VC.63: … Ahirbudhnya und Pūṣan: So sind die Nakṣatra-Gottheiten genannt. Die Baumfolge beginnt mit Kāraskara, Āmalaka, Udumbara und Jambuka …
21.VC.64: … Khadira, Kṛṣṇa und Vaṃśa, Pippala, Nāga und Rohiṇī, Palāśa, Plakṣaka, Ambaṣṭha, Bilva, Arjuna und Vikaṅkata …
21.VC.65: … Bakula, Sarala, Sarja, Vañjula, Panasa, Arka, Śamī, Kadamba, Cūta, Nimba und zuletzt …
21.VC.66: … Madhūka. Damit sind die Bäume der Sternorte der Reihe nach genannt. Die Yoni-Folge lautet: Pferd, Elefant, Ziegenbock, männliche Schlange, weibliche Schlange, Hund und Katze …
21.VC.67: … Ziege, Kater, männliche Maus, weibliche Maus, Stier und weiblicher Büffel, Tiger, männlicher Büffel, Tigerin, Hirschkuh, Hirsch, Hündin und Affe …
21.VC.68: … Go-khaḍga, Äffin, Löwin, Stute, Löwe, Kuh und Elefant. Wenn eine Bedrängnis durch Krankheit oder andere Leiden entsteht, wird die Dauer nach den betreffenden Sternorten und Tagen bestimmt … „Go-khaḍga“ ist als Tierbezeichnung beziehungsweise Worttrennung unklar; die Lesung wird nicht in eine vermeintlich sichere Tierart umgeschrieben. Auch die Zeitangabe am Versende ist undeutlich.
21.VC.69: … nach der entsprechenden Zahl von Muhūrtas oder Tagen, oder nach dem Doppelten davon, werde Stillung erreicht. Im Ādhāra werden fünf Yantras vergegenwärtigt, im Svādhiṣṭhāna vier …
21.VC.70: … und bei Krankheiten ebenso viele im Maṇipūra. Im Anāhata werden danach fünf Yantras vergegenwärtigt …
21.VC.71: … im Viśuddha vier und im Ājñā fünf. Auf diese Weise wird an den jeweiligen Tithi-Tagen die sechzehnte, heilvolle Göttin vergegenwärtigt.
21.VC.72: Für umfassendes Wohlergehen werden alle Göttinnen in den jeweiligen Cakras betrachtet. Die Cakras vom Ādhāra an werden in der beschriebenen Zuordnung vergegenwärtigt …
21.VC.73: … nicht sämtliche Formen unterschiedslos an jedem Ort. Wer zu dieser inneren Vergegenwärtigung nicht imstande ist, fertigt außerhalb der betreffenden Cakras …
21.VC.74: … die beschriebenen Grundlotusse an und verehrt darin Śivā. So wird der Reihe nach unter Berücksichtigung von Mondtag, Wochentag und Nakṣatra verfahren …
21.VC.75: … durch die Verehrung der Göttin sollen nach den genannten Tagen die gewünschten Dinge erlangt werden. An denselben oder an anderen Tagen werden nach der Vorschrift Bali-Gaben dargebracht.
21.VC.76: Für die fünfzig im Śakti-Cakra befindlichen Paare geschieht dies um Mitternacht, zu Mittag und zu den beiden Dämmerungszeiten, Īśvarī.
21.VC.77: Nach der für die Paare genannten Reihenfolge sind die Mantraformen der zum Cakra gehörenden Kūṭas wie bei den Śakti-Mantras ausdrücklich angegeben, Īśvarī.
21.VC.78: Mit diesen genannten Formeln werden ihnen zu den jeweiligen Zeiten Bali-Gaben dargebracht. Aus den für die begünstigende Verehrung der Göttin genannten Speisen bildet man eine große Portion …
21.VC.79: … und setzt in ihre Mitte eine mit geklärter Butter gespeiste Lampe. Mit den jeweiligen Mantras werden die Gaben der Reihe nach dargebracht …
21.VC.80: … entweder jeder Gottheit einzeln oder den Paaren. Je nachdem, ob das Vorhaben schwer oder leicht ist, wird die Verwirklichung angestrebt …
21.VC.81: … in sieben Tagen, einer Monatshälfte, einem Monat oder einem Maṇḍala-Zyklus. Die Gaben enthalten Dickmilch und weitere Speisen, Kuchen, Jackfrucht, Banane, Guḍa und geklärte Butter …
21.VC.82: … ferner gekochte Hülsenfrüchte, Milchreis, Reis und Beispeisen mit Fleisch. Den Paaren werden diese Bali-Gaben dargebracht; im Haus wird monatlich verehrt. Ein Bestandteil der Bezeichnung für die Beispeise ist undeutlich; „māṃsa“, Fleisch, ist lesbar.
21.VC.83: Alternativ verehrt der Mantrin jährlich im Haus; dadurch soll er wohlhabend und in großem Gedeihen leben. Durch solche Gaben an die Paare, welche die Zeit verkörpern, durch Verehrung …
21.VC.84: … Erinnern und Lobpreisen sollen Menschen alles Gewünschte erlangen. „Maheśvarī, höre die Bali-Stoffe für die Paare …“
21.VC.85: „… durch welche sie erfreut werden und rasch das Ersehnte geben.“ Zehn Paaren wird Milchreis gegeben, weiteren zehn Reis mit Guḍa.
21.VC.86: Fünf erhalten Reis mit Mungbohnen, fünf Reis mit Dickmilch, fünf Kuchen und fünf Milch und Zucker.
21.VC.87: Fünf erhalten zerkleinerte Kokosnuss mit Guḍa, fünf Banane mit Zucker und gekochtem Reis.
Unnummerierter Schluss-Halbvers: Wer sich stets der Verehrung der Paare widmet, gilt als führend unter den Mantrins.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Vicitrā-Nityā.
Kurukullā-Nityā: vorbereitende Praxis und Feueropfer
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Kurukullā-Nityā. Zitiert wird das Tantrarāja, 22.32. Die ersten Anwendungen stehen erneut im historischen Zusammenhang von Einflussnahme und Anziehung.
21.KK.1: Unter den zuvor genannten Gelübden wird die Vidyā fünfundzwanzig Lakh, also 2.500.000 Mal, wiederholt. Die Verehrung geschieht zu den Dämmerungszeiten, ferner durch sättigende Gaben und Feueropfer.
21.KK.2: Das Feueropfer wird mit einem der für die Nityās angegebenen Stoffe vollzogen. Nachdem die Vidyā so verwirklicht ist, bleibt man der täglichen Verehrung zugewandt …
21.KK.3: … und führt die gewünschten Anwendungen hingebungsvoll nach der beschriebenen Ordnung aus: durch Feueropfer, Verehrung und Vergegenwärtigung des Yantras. „Höre diese Anwendungen.“
21.KK.4: Ein Feueropfer mit Senf, der mit geklärter Butter benetzt ist, soll Frauen unter seinen Einfluss bringen; mit Pfeffer und Senföl sollen sie herbeigerufen werden.
21.KK.5: Ein vorschriftsmäßiges nächtliches Feueropfer mit ölbenetztem Sesam soll Frauen, Männer, Könige und andere Menschen lebenslang unterwerfen.
21.KK.6: Ein nächtliches Feueropfer mit Bandhūka-Blüten und geklärter Ziegenbutter soll Frauen in Verliebtheit und spielerisches Liebesverlangen versetzen.
21.KK.7: Ein Opfer mit milchbenetzten Mallikā-Blüten soll Brahmanen und Könige unter seinen Einfluss bringen; ebenso ein Opfer mit Śatapatra und schönen Vicakila-Blüten.
21.KK.8: Ein Feueropfer mit zerkleinerter Kokosnuss und Zucker, verbunden mit der Milch einer weißen Kuh mit Kalb, soll Gold gewähren.
21.KK.9: Kokosnuss und Guḍa, mit geklärter Butter benetzt, sollen nach der zuvor genannten Zeit einen Vorrat an Vermögen verschaffen.
21.KK.10: Das Feueropfer mit Bananenfrucht soll Wohlstand bringen, ebenso das mit Lotusblüten. Mit Kahlāra und den beiden Kumuda-Arten werde das Gewünschte erlangt.
21.KK.11: Die Göttin wird mit Utpala-Blüten zur Befreiung aus allen Bedrängnissen verehrt; mit weißen und roten Lotusblüten zur Erlangung von Wohlstand.
21.KK.12: Mit den beiden Kumuda-Arten geschieht die Verehrung für Vermögen und Ruhm; ebenso mit Japā-, Bandhūka- und Granatapfelblüten.
21.KK.13: „Śivā, verehrt wird mit Saugandhika, Vicakila, Kuṭaja, Śatapatra, Punnāga, Pāṭala und Campaka.“
21.KK.14: Diese sieben Blütenarten werden den sieben Wochentagen, beginnend mit dem Sonnentag, zugeordnet. Nach den genannten Zeiten soll der Übende reich an Vermögen, Land, Getreide, Gewändern und anderem Besitz sein.
21.KK.15: Durch tägliche Verehrung mit Sandelholz werde nach der genannten Zeit alles Gewünschte erlangt; ebenso durch flüssige Zubereitungen aus dunklem Aguru.
21.KK.16: Tägliche Blütenverehrung dient dem Glück; Kampfer wird für langes Leben, Einflussnahme, Wohlstand und Vermögen genannt. Zum Haupttext „kusumaiḥ“, „mit Blüten“, verzeichnet die Fußnote die Variante „kuṅkumaiḥ“.
21.KK.17: Durch einen Monat Verehrung mit Mṛgasveda und Mada werde ein Mann bei Frauen so begehrt wie Kandarpa, der Liebesgott. Beide Duftstoffnamen werden als traditionelle Bezeichnungen bewahrt; ihre genaue stoffliche Zuordnung bleibt offen.
21.KK.18: Tägliche Verehrung mit Elā, Lavaṅga, Kakkola und Jāti während eines Jahres soll ihn in der Welt durch seinen Wohlstand berühmt machen.
21.KK.19: Eine Verehrung mit Kampferstücken soll alle Wünsche erfüllen. Die Quelle schreibt sogar dem anschließenden Verzehr der geweihten Stücke allgemeine Beliebtheit zu. Dies ist eine historische Ritualvorstellung, keine heutige Verzehrempfehlung; der zweite Halbvers ist zudem grammatisch gestört.
Kurukullās Neun-Yoni-Cakra und Vajra
21.KK.20: Es werden drei Kreise, eine achtwinkelige Form und ein Lotus gezeichnet; innen liegt die Neun-Yoni-Anordnung. In deren Mitte kommt das Māyā-Bīja mit der Zielbezeichnung …
21.KK.21: … und in die acht Winkel werden acht Mantralaute geschrieben. Entsprechend werden die äußeren Blätter der Reihe nach beschrieben; der Vers nennt dabei eine Zweierfolge.
21.KK.22: Außen wird die Zeichnung mit der Mātṛkā in umgekehrter und geordneter Folge umgeben, verbunden mit der genannten Lautkomponente. Durch dieses Yantra werde … Das Kompositum mit „māyā“ ist schwer lesbar; die Prosa erläutert anschließend die Zuordnung von Visarga und Bindu.
21.KK.23: … alles Gewünschte durch Verehrung, Tragen, Aufstellen und weitere Handlungen verwirklicht. Mit Rocanā wird das Yantra auf Birkenrinde oder auf ein Stück Leinentuch geschrieben …
21.KK.24: … zu einer kleinen Kugel gerollt und in Wachs eingeschlossen. Nächtliches Erwärmen über die zuvor genannten Tage soll eine Frau herbeirufen.
21.KK.25: Mit Darada wird es auf Tuch oder eine Platte geschrieben. Darin wird die Göttin herbeigerufen und verehrt; nach den genannten Tagen sollen …
21.KK.26: … die gesamten drei Welten unter seinen Einfluss geraten: Männer, Frauen, Könige und selbst Tierarten wie Elefanten, Pferde und Hyänen.
21.KK.27: Das Cakra wird mit rotem Ocker am Meer beziehungsweise an einem Flussufer gezeichnet. Dort wird die Göttin herbeigerufen und verehrt.
21.KK.28: Nach den genannten Tagen sollen alle Krankheiten, Leiden und Bedrängnisse zur Ruhe kommen. Durch die Verehrung werden Vieh, Dienerinnen, Vermögen und Weiteres verheißen.
21.KK.29: Wird das Cakra mit Sandelholz auf einem Sockel gezeichnet und über die betreffenden Tage verehrt, so werde der Übende reich an Söhnen, Enkeln, Ehefrau, Befehlsgewalt, Vermögen und Getreide. Die dichte Schlussverbindung der Aufzählung ist im Druck nicht ganz deutlich.
21.KK.30: Auf Gold, Silber oder Birkenrinde gezeichnet und getragen, soll das Cakra glückliches Gedeihen frei von Krankheit, Leid und Bedrängnis bringen.
Unnummerierte Erläuterung zur Cakra-Zeichnung: Zuerst wird das Neun-Yoni-Cakra gezeichnet; außen folgen ein achtblättriger Lotus, eine achtwinkelige Form und drei Kreise. In die Mitte wird das Bīja hrīḥ zusammen mit der Zielbezeichnung geschrieben. In die acht Winkel kommen acht Laute des fünfundzwanziglautigen Grundmantras. Auf die acht Blätter folgen acht weitere Laute; in die äußeren acht Winkel die letzten acht. Im äußeren Zwischenraum wird die vorwärts angeordnete Mātṛkā mit Visarga geschrieben; im nächstäußeren Zwischenraum die rückwärts angeordnete Mātṛkā mit Bindu. Dem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben. Die gedruckte Bīja-Form endet hier ausdrücklich auf Visarga, hrīḥ; sie wird nicht in hrīṃ geändert.
21.KK.31: Durch je sechs Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung entstehen fünfundzwanzig Felder. In jeder Ecke werden drei entfernt.
21.KK.32: Aus den dreizehn verbleibenden Feldern entsteht das genannte Vajra. In seine Mitte wird die Zielbezeichnung in die Śakti-Māyā-Form geschrieben; ringsum …
21.KK.33: … wird die Vidyā eingetragen und darin um Mitternacht verehrt. Dadurch soll die gewünschte Frau Stolz, Familienbindung und Scham überschreiten. Die Aussage bleibt als historische Unterwerfungsvorstellung kenntlich.
Unnummerierter Halbvers: Auf einem Blatt des „Gräserkönigs“ wird das Yantra mit den hier als sarpa-piṅgu gelesenen Stoffen angefertigt. Diese Stofflesung ist unsicher; der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Erläuterung: „Blatt des Gräserkönigs“ bedeutet Palmblatt.
21.KK.34: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Verbunden mit Paṭu, Śuṇṭhī, Māgadhikā, Marica und Arka-Saft … Der erhaltene Halbvers setzt eine verlorene Anweisung fort; die traditionellen Stoffnamen werden ohne ergänzende Rezeptrekonstruktion bewahrt.
21.KK.35: Nachts wird die in Wachs eingeschlossene Form am Feuer einer Lampe erwärmt, während die dreizehnlautige Vidyā rezitiert wird. Nach den betreffenden Tagen solle die Frau … Die kleine Wortgruppe vor der Zeitangabe ist im Druck nicht sicher lesbar.
21.KK.36: … angezogen werden. Komme sie nicht, so führe das Liebesfieber durch seine zehn Zustände schließlich zum Tod, behauptet der Text. Die drastische Aussage gehört zur historischen Vorstellung magischer Nötigung.
21.KK.37: Das Yantra wird deutlich auf Birkenrinde oder Palmblatt geschrieben und in eine Figur aus Bienenwachs eingesetzt, die entsprechend erwärmt wird. Die genaue Stelle an der Figur ist undeutlich; möglicherweise ist das Herz gemeint.
21.KK.38: Mann, Frau, König oder ein anderes Lebewesen werde dadurch bis zum Lebensende von Zuneigung überwältigt; sie sprächen dabei widersinnige beziehungsweise gegenläufige Worte. Der Schlussausdruck „pratīpaṃ lapanti“ lässt sich im Zusammenhang nicht eindeutig bestimmen.
21.KK.39: Mit Ruß wird das Yantra auf Birkenrinde oder weißes Leinentuch geschrieben, besprochen und getragen. Es soll alle Krankheiten, Leiden und Bedrängnisse vernichten.
21.KK.40: Auf reinen Stoff wird es mit rotem Ocker und Sandelholz geschrieben. Wer darauf liegt, dem sollen selbst die Götter wie Diener werden.
21.KK.41: In beziehungsweise zwischen zwei Kreisen wird eine sechswinkelige Form angelegt. In ihrer Mitte steht der Name, eingeschlossen in den genannten Laut; in die sechs Spitzen … Der gedruckte Lautanfang scheint „bhūḥ“ zu lauten; die nachfolgende Prosa nennt hier ausdrücklich den Praṇava. Die Abweichung wird nicht verdeckt.
21.KK.42: … werden die sechs Laute der siebenlautigen Formel der Reihe nach geschrieben. Dieses Yantra wird auf Palmblatt, Birkenrinde, Leinentuch oder ein Arka-Blatt gezeichnet.
21.KK.43: Nach zehntausend Wiederholungen der Vidyā wird es in einen Ameisenhügel gelegt. Die dort lebenden Schlangen sollen an diesem Tag fliehen.
21.KK.44: Es wird auf einen Ring oder einen anderen Träger geschrieben, durch Rezitation und Verehrung geweiht und an einem Ort im Haus verwahrt und täglich verehrt …
21.KK.45: … dann sollen dort keine Bhūtas, Pretas, Piśācas, Apasmāras, Vetālas, Rākṣasas, Yakṣas, Gandharvas, Schlangen, Skorpione und andere solche Wesen sein.
21.KK.46: Das Yantra wird in das Wasser eines Kruges gelegt und die Vidyā eintausend Mal rezitiert. Dem Besprengen mit diesem Wasser wird eine Vernichtung pflanzlicher beziehungsweise unbeweglicher Giftquellen zugeschrieben. „Sthāvara“ ist hier die traditionelle Kategorie des nichttierischen Giftes.
21.KK.47: Wird das Wasser getrunken und gelangt in den Bauch, soll es sämtliches im Körper befindliche Gift vernichten, „Parameśānī, das furchtbare Gift in seinen drei Arten“. Dies ist eine historische Behauptung, keine wirksame Behandlung einer Vergiftung.
21.KK.48: Das Yantra wird mit der Nagelspitze auf ein Kokospalmenblatt gezeichnet, während die betreffende Schlange in ihrer Gestalt vergegenwärtigt und die Vidyā rezitiert wird. Durch Drücken oder Zerreißen mit dem Nagel und ähnlichen Mitteln …
21.KK.49: … solle auch die Schlange gedrückt oder zerrissen werden. So werde das Gift in seinen drei Arten vernichtet, lautet die rituelle Vorstellung.
21.KK.50: Das Yantra wird sorgfältig in Sand gezeichnet und die Gottheit darin verehrt. Mit diesem Sand wird ein Schlafender umgeben; Schlangen sollen den Bereich nicht überschreiten. Der Druck sagt wörtlich „nicht nach außen gehen“; die Richtung des behaupteten Schutzes ist daher nicht eindeutig.
Unnummerierte Erläuterung zum Yantra des dreizehnlautigen Mantras: Je sechs Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung bilden fünfundzwanzig Felder. In jeder Ecke werden drei Felder entfernt. So entsteht ein Vajra mit dreizehn Feldern. In die Mitte wird das Māyā-Bīja hrīḥ mit dem Zielnamen geschrieben. Die übrigen Laute der Vidyā werden nach innen fortschreitend eingetragen. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben.
Unnummerierte Erläuterung zum Yantra der siebenlautigen Formel: Zwischen zwei Kreisen wird eine sechswinkelige Form gezeichnet. In die Mitte kommt der Zielname, eingeschlossen in den Praṇava; die sechs weiteren Laute stehen in den sechs Winkeln. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben.
21.KK.51: Ohne Wiederholungen enthält die Vidyā dreizehn verschiedene Laute. Mit den sechzehn Vokalen verbunden, ergeben sie zweihundertacht Formen.
21.KK.52: Diese werden in das zuvor genannte erste Yantra geschrieben: zwei in die Mitte, die übrigen wie zuvor außen. „Maheśvarī, dadurch entstehen acht Yantras.“
21.KK.53: Das erste wird an allen Wochentagen für die genannten Zwecke verwendet. Die sieben weiteren, beginnend mit dem zweiten, gehören den Wochentagen vom Sonnentag an.
21.KK.54: Vor der Anwendung werden die genannte Handlung und die Zielbezeichnung eingetragen; der Name des Wochentags steht im Lokativ. So wird das betreffende Ziel angestrebt.
21.KK.55: Einflussnahme, Anziehung, Befriedung und weitere Wirkungen werden durch das erste Yantra nach der genannten Ordnung gesucht; durch seine Verehrung ebenso die Stillung von Bedrängnissen.
21.KK.56: „Śivā, verehrt und im Inneren eines Schiffes aufgestellt, soll es das Schiff auf dem Meer stets vor dem Untergang bewahren.“
21.KK.57: Ebenso werden an den jeweiligen Wochentagen die beschriebenen Formen gezeichnet und Śivā verehrt. Nach den entsprechenden Tagen sollen alle gewünschten Ziele erlangt werden.
21.KK.58: Dazu gehören Linderung von Krankheit, Sieg, Gewinn, die Erfüllung verschiedenster Wünsche, Niederlage der Feinde und Einfluss auf Frauen, Könige und andere Menschen.
Kurukullās großes Vajra
21.KK.59: In Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden der Reihe nach je zweiundzwanzig Linien gezogen. Daraus entstehen vierhunderteinundvierzig Felder.
21.KK.60: In den Ecken werden ringsum wie zuvor jeweils fünfundfünfzig Felder entfernt. „Maheśvarī, im Vajra verbleiben …“
21.KK.61: … zweihunderteinundzwanzig Felder. In den vier Himmelsrichtungen werden wie zuvor Dreiecke aus je vier Feldern angelegt. „Śivā, vom vorderen Bereich aus …“ Die kleine Richtungsangabe am Versende ist undeutlich.
21.KK.62: … wird im Uhrzeigersinn nach innen fortschreitend geschrieben. In die Mitte der neun verbliebenen Mittelfelder setzt man …
21.KK.63: … das Māyā-Bīja mit dem Namen in seinem Inneren. Ringsum kommen die Mantralaute in Dreierfolge, in die Dreiecke die Zielbezeichnungen. So wird das Vajra beschrieben.
21.KK.64: Auf schönes weißes Tuch oder Leinen gezeichnet und verehrt, soll dieses Vajra-Yantra ein Schiff auf dem Meer schützen, wenn es in dessen Innerem liegt.
21.KK.65: „Śivā, mit diesem Vajra-Yantra sollen innerhalb der genannten Zeit zuverlässig alle zuvor beschriebenen Ziele erreicht werden.“
21.KK.66: Die Göttin wird vorgestellt, wie sie die Zielperson mit der Schlinge gebunden hält und durch Schläge mit dem Haken zu ihren Füßen zieht. Dort verneigt sie sich immer wieder mit gefalteten Händen …
21.KK.67: … und ruft: „Schütze mich, schütze mich!“ Wer dies nachts vergegenwärtigt und die Vidyā rezitiert, soll die betreffende Person, Mann oder Frau, sicher unter seinen Einfluss bringen.
21.KK.68: Alternativ wird die Zielperson mit gefalteten Händen und denselben Worten vorgestellt, an den Haaren im Haken gefasst und herangezogen. Die entsprechende Rezitation soll sie unterwerfen.
21.KK.69: Oder die betreffende Person wird in derselben Haltung vom Glanz der Mantralaute umgeben vorgestellt. So soll sie durch Vergegenwärtigung und Rezitation herbeigeführt und unterworfen werden. Diese Verse beschreiben gewaltsame rituelle Vorstellungsbilder; sie werden hier als historische Aussagen, nicht als Meditationsanregung übernommen.
21.KK.70: „So ist dir Kurukullā als Verwirklicherin aller Ziele beschrieben.“ Der zweite Halbvers verbindet dies mit Lalitā und der von Vaśinī angeführten Gruppe. Die genaue Aussage von „lalitātigrahā yena“ ist grammatisch unsicher; eine eindeutige Rang- oder Machtbeziehung wird daraus nicht ergänzt.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Kurukullā-Nityā.
Vārāhī-Nityā: Vorbereitung und Gestalt der Göttin
Es folgt die Vorschrift für die Anwendungen der Vārāhī-Nityā. Zitiert wird das Tantrarāja, 23.10.
21.VH.1: Mit beherrschten Sinnen, schweigend und von opfergeeigneter Nahrung lebend, verehrt man sie zu den Dämmerungszeiten. Die Vidyā wird hunderttausend Mal wiederholt; ein Zehntel dieser Zahl dient den sättigenden Gaben.
21.VH.2: Nach Verehrung und Feueropfer ist der Mantra verwirklicht. Der Übende ist mitfühlend, dem Guru ergeben, ganz zufrieden, ruhigen Geistes und geduldig …
21.VH.3: … und führt die Anwendungen hingebungsvoll aus. Durch die Gnade und Macht der Göttin soll dadurch alles Ersehnte augenblicklich und ohne Mühe gelingen.
21.VH.4: Die Göttin wird mit Ebergesicht meditiert, glänzend wie erhitztes Gold, bis zum Hals von weiblicher Gestalt, mit flammendem rotbraunem Haar.
21.VH.5: Sie hat drei Augen und acht Hände. Sie trägt Diskus, Muschelhorn, Haken, Schlinge, Keule und Pflug; zwei Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung …
21.VH.6: … und sie sitzt bequem auf Garuḍas Schulter. „Śivā, bei der täglichen Verehrung werden ihre Śaktis in ihr entsprechenden Gestalten vergegenwärtigt.“
21.VH.7: Bei den besonderen Anwendungen wird die Göttin zusammen mit ihren Śaktis auf einem Löwen, Tiger, Elefanten, Pferd oder Tārkṣya, Garuḍa, vorgestellt.
21.VH.8: Sie erscheint dunkel, rot, gelb, schwarz oder rauchfarben. Entsprechend der jeweiligen Anwendung wird sie zur Erlangung der betreffenden Wirkung meditiert.
21.VH.9: Für Einflussnahme wird Pañcamī, Vārāhī, unablässig rot vorgestellt, mit rotem Schmuck und roten Śaktis ringsum, während die Formel wiederholt wird.
21.VH.10: Für das Stillstellen wird sie stets gelb meditiert, mit gelbem Gewand, gelbem Schmuck, gelben Kränzen und Salben, umgeben von gelben Śaktis.
21.VH.11: Auf einem beschwerlichen Weg wird sie dunkel, von furchtbarer Gestalt und auf einem Löwen sitzend betrachtet, umgeben von unzähligen Śaktis, die ihr gleichen …
21.VH.12: … während der Mantrin die Vidyā rezitiert und sich selbst inmitten der Śaktis vorstellt. So zieht er weiter. Die Schlussformulierung zur Beschaffenheit beziehungsweise Bedrängnis des Reisenden ist im Druck undeutlich; der Schutz auf dem schwierigen Weg ergibt sich aus dem Zusammenhang.
21.VH.13: Wo Löwen, Bären, Leoparden, Śarabhas, Nashörner, Elefanten und Makaras, Wildrinder, furchtbare Schlangen und von Brunst schwerfällige Elefanten …
21.VH.14: … lauern, wo speerbewaffnete Räuber und andere grausame, furchterregende Wesen auftreten, wo Bhūtas, Pretas und Piśācas sich drängen oder eine bedrohliche Kampflage besteht …
21.VH.15: … im weglosen Wald oder auf einer entsprechend gefährlichen Bergspitze: Durch das Erinnern an die Göttin in der genannten Gestalt soll man unbedrängt und glücklich weitergehen.
21.VH.16: Auch in schrecklichen Schlachten mit Fußsoldaten, Pferden, Wagen und Elefanten und in ausweglosen Bedrängnissen soll diese Vergegenwärtigung Sieg bringen.
Vārāhīs furchtbare Kampfgestalten
21.VH.17: Sie wird in furchtbarer Gestalt vorgestellt, in den rechten Händen Kralle, Messer, Schwert, Pfeil, Speer, Keule, Haken und Diskus haltend …
21.VH.18: … in den anderen die drohende Zeigefingergeste, Schild, Fell beziehungsweise einen weiteren Lederschutz, Bogen, Ḍamaru-Trommel, Pflug, Schlinge und Muschelhorn. Sie ist dunkelblau und von ihren Śaktis begleitet …
21.VH.19: … auf einem Elefanten reitend, umgeben von Elefanten, welche die Śaktis tragen. Mit schweren Schlagwaffen hat sie das gesamte feindliche Heer zu Boden geworfen …
21.VH.20: … und bewegt sich darüber, ringsum von schwingenden Bananenstauden und Bannern umgeben, zusammen mit Śakti-Scharen, die furchtbar lärmen und von Begeisterung erfüllt sind.
21.VH.21: Die Göttin wird in der Mitte der Sonnenscheibe meditiert, den Körper des Feindes auf ihren Speer gespießt; der Speer ist vom Blut benetzt, das aus seinem Körper fließt.
21.VH.22: Bis zum Hals im Wasser stehend und mit ungeteilter Aufmerksamkeit wird die Vidyā wiederholt. Einer solchen Anwendung über sieben Nächte schreibt die Quelle den Tod des Feindes durch Fieber zu.
21.VH.23: Der Körper des Feindes wird vorgestellt, von den Waffen der Göttin und ihrer Begleiterinnen zerstückelt und von Schakalen, Reihern, fleischfressenden Wesen und Hunden …
21.VH.24: … verzehrt. Dabei wird drei Tage im Wasser stehend die Vidyā wiederholt; nach der Nachricht vom Tod des Feindes steigt man heraus. Die Formulierung vor „śrutvā“ ist im Druck undeutlich; sie scheint die Nachricht vom getöteten Feind zu bezeichnen. Die Verse werden als historische Gewaltvorstellungen übersetzt.
21.VH.25: Sie wird zweiarmig und rauchfarben vorgestellt, wie sie Zunge und Herzlotus der Zielperson herausreißt. Der Rezitation wird zugeschrieben, den Feind zu Yama zu führen.
21.VH.26: In entsprechender, jedoch gelber Gestalt vergegenwärtigt und mit Rezitation verehrt, soll sie den Zorn des Feindes in Debatte, Streit und Kampf stillen.
21.VH.27: Sie reitet auf Garuḍa, umgeben von Śaktis auf Garuḍa-Scharen. Die gewaltigen Flügelschläge dieser Scharen erzeugen einen mächtigen Wind … Der Schlussausdruck „mārutamūrcchitā“ lässt den genauen Bezug der durch den Wind bewirkten Bewegung beziehungsweise Überwältigung offen.
21.VH.28: … durch diese Vergegenwärtigung und Rezitation soll das gegnerische Heer augenblicklich aus der Ferne vertrieben werden. Ebenso wird sie mit Schwertern in ihren acht Armen und von Śaktis umgeben meditiert …
21.VH.29: … um, wie es heißt, das gegnerische Heer im Kampf augenblicklich zu vernichten. Mit offenem Haar und rotem Panzer wird die folgende Vergegenwärtigung vollzogen: Die Göttin ist von Śakti-Scharen begleitet …
21.VH.30: … die auf Pferden, Hyänen, Löwen, Affen, Ebern, Bären und Garuḍas sitzen und Fußsoldaten, Pferde und Elefanten auf ihre Dreizackspitzen gespießt haben …
21.VH.31: … während sie selbst spielerisch in einem Rubin-Pavillon auf einem Löwenthron sitzt. Wer sie so meditiert, soll das feindliche Heer mit den eigenen Streitkräften vernichten. Das letzte Wort des Halbverses ist undeutlich; die Verbindung mit den eigenen Streitkräften ist lesbar.
21.VH.32: „Parameśvarī, zum Stillstellen wird sie gelb mit gelben Blüten verehrt, während eines zuvor genannten Zeitraums wie eines Maṇḍala-Zyklus.“
21.VH.33: Der Übende soll dadurch Bewegung, Heer, Absicht, Zunge und Unternehmungen der Gegner sowie jedes weitere gewünschte Ziel augenblicklich zum Stillstand bringen.
21.VH.34: Um Mitternacht wird sie rot mit roten Blüten verehrt. Selbst einen Feind, der töten will, soll dies rasch gefügig machen.
21.VH.35: Zu den als Viṣanāḍī, Dagdhayoga, Mṛtiyoga und Sanāśaka bezeichneten Zeiten oder zur Yamakāṇṭaka-Zeit wird sie in entsprechend schwarzer Gestalt mit schwarzen Blüten …
21.VH.36: … verehrt; nach den betreffenden Tagen sollen die Feinde zur Stadt des Herrn des Lebens, Yamas, gelangen. Wird sie dagegen dunkel mit besonders duftenden Blüten während der entsprechenden Tage verehrt …
21.VH.37: … so werde der Übende wohlhabend, frei von Krankheit, frohen Geistes und selbstbeherrscht. Er soll glücklich und angesehen hundert Jahre auf Erden leben. Die Wohlstandsbezeichnung am Versanfang ist im Druck undeutlich.
21.VH.38: Nachts wird in einer viereckigen Feuergrube ein Opfer mit kurkumagemischtem Reis, Sesam, Māṣa-Bohnen und Reiskörnern vollzogen …
21.VH.39: … ferner mit gelben Blüten, gelben Früchten und Palmblättern, die zerteilt und mit den geschriebenen Lauten der Zielbezeichnung versehen sind …
21.VH.40: … verbunden mit Kurkuma und geklärter Butter. Dadurch sollen die zuvor genannten Ziele zum Stillstand gebracht werden. Dasselbe wird einem Feueropfer mit Kurkumapulver und geklärter Butter zugeschrieben.
21.VH.41: Um Mitternacht wird im Feuer aus dem zugeordneten Feindbaum Fleisch aus der betreffenden Yoni-Kategorie geopfert, mit dem Blut des zugehörigen Körpers benetzt …
21.VH.42: … wodurch der Feind nach den betreffenden Tagen durch Krankheit, Waffen, Hörner, Schlangen, Wasser, Feuer, weitere mit Wasser verbundene Gefahren, Unfälle, Dornen und Ähnliches umkommen soll …
21.VH.43: … durch Blitzschlag, herabstürzende Bäume, Mauern und andere Gegenstände, durch Giftverzehr oder durch Feinde. Die Quelle behauptet, diese Anwendungen seien unfehlbar. Die Aufzählung ist Teil der historischen Schädigungsmagie, keine Beschreibung nachgewiesener Wirkmechanismen.
21.VH.44: Sie wird rauchfarben auf einem Kanka-Vogel sitzend meditiert, mit Kralle und den weiteren Waffen. Wenn das achte Tierkreiszeichen vom Zeichen des Feindes maßgeblich ist, wird mit in Ziegenbutter benetzten …
21.VH.45: … Pfeffer- und Senfkörnern geopfert. Dadurch solle der Feind nach den betreffenden Tagen sterben, von heftigem brennendem Fieber gequält, bewusstlos und mit entstellten Gliedern. Die genaue astrologische Bedingung ist im Satz verkürzt; ein bestimmter zusätzlicher Planet wird nicht ergänzt.
21.VH.46: Śivā wird wie die aufgehende Sonne leuchtend mit den anfänglich genannten Waffen vorgestellt. Schöne rote Blüten werden mit geklärter Butter einer roten Kuh mit gleichfarbigem Kalb benetzt …
21.VH.47: … genannt werden Kiṃśuka, Bandhūka, Japā, Palāśa und Karavīra …
21.VH.48: … Kahlāra, rote Utpala- und Lotusblüten, Pāṭala, Aśoka, Kusumbha und andere rote Blüten.
21.VH.49: Durch ein solches Feueropfer werde man an Macht, Befehlsgewalt und Vermögen einem König gleich. Dasselbe wird weiteren entsprechend roten Stoffen zugeschrieben. Die Verbindung „vīrarakta“ am Versende bleibt in ihrer genaueren Bedeutung offen.
21.VH.50: Gesammelt wird sie rot mit Kralle und den weiteren Waffen meditiert. Um Mitternacht wird, in die Richtung der Zielperson gewandt, mit Pfeffer geopfert.
21.VH.51: Nach den genannten Tagen sollen König, Frau oder die Menschenwelt unter seinen Einfluss kommen. Mit Ruhm und Wohlstand versehen, solle er lange auf Erden leben.
Vārāhīs Yantra mit Erdlauten
21.VH.52: Ein Bhūpura wird gezeichnet und in dessen Mitte die eigene Zielbezeichnung geschrieben. Außen werden zehn Erdlaute vom vorderen Punkt aus ringsum eingetragen.
21.VH.53: Außen wird ein achtblättriger Lotus gezeichnet; auf ihm stehen die Mantralaute der Reihe nach in Sechsergruppen. Darum folgt ein Kreispaar.
21.VH.54: Auch dort stehen die Erdlaute. Außen wird eine sechswinkelige Form gezeichnet; in ihren Winkeln und Zwischenräumen stehen die Mantralaute, verbunden mit den zehn Erdlauten …
21.VH.55: … wie zuvor ringsum angeordnet. Außen kommen zwei Kreise hinzu, darin die rückwärts angeordnete Mātṛkā; nochmals außen wird ein Bhūpura gezeichnet …
21.VH.56: … und darin die vorwärts angeordnete Mātṛkā. Durch die Verehrung mit der Grund-Vidyā sollen die ganze Welt und das feindliche Heer zum Stillstand gebracht werden.
Unnummerierte Erläuterung zur Yantra-Zeichnung: In der Mitte liegt ein Bhūpura mit dem Zielnamen, außen umgeben von zehn Erdlauten. Darum steht ein achtblättriger Lotus; auf jedes Blatt werden sechs Laute des Grundmantras geschrieben. Ein Kreispaar umgibt ihn, dessen Zwischenraum wiederum die zehn Erdlaute enthält. Außerhalb folgt die sechswinkelige Form; in ihre Winkel kommen jeweils sechs mit den Erdlauten verbundene Mantralaute. Außen werden zwei Kreise gezeichnet und ihr Zwischenraum mit den rückwärts angeordneten Mātṛkā-Lauten umschlossen. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben. Die Prosa wiederholt hier nicht eigens den im Vers beschriebenen äußersten Bhūpura; der Vers bleibt vollständig erhalten.
Neun- und achtwinkelige Anordnung
21.VH.57: Es werden eine neunwinkelige Form, ein Kreispaar, eine achtwinkelige Form, nochmals zwei Kreise und außen ein Quadrat gezeichnet. Die Mantralaute werden jeweils in Sechsergruppen eingetragen.
21.VH.58: In die acht Zwischenräume kommt jeweils eine vollständige Formel. In den äußeren Kreis und das Quadrat wird die Mātṛkā rückwärts beziehungsweise vorwärts geschrieben.
21.VH.59: Die Zielbezeichnung wird ringsum eingetragen; Śivā wird zweiarmig meditiert. „Parameśvarī, durch diese Vorschrift sollen die zuvor genannten Ziele stillgestellt werden.“
Unnummerierte Erläuterung zur Yantra-Zeichnung: Zuerst wird die neunwinkelige Form gezeichnet, darum zwei Kreise, dann die achtwinkelige Form, erneut zwei Kreise und außen ein Quadrat. In die Mitte kommen Zielname und gewünschte Wirkung. In jeden der neun Winkel werden sechs Laute des Grundmantras geschrieben, ebenso in die acht Winkel. In jeden der acht Winkelzwischenräume kommt ein vollständiger Grundmantra. In die beiden mittleren Kreiszwischenräume werden die Erdlaute samt der Zielbezeichnung nach der vorherigen Vorschrift eingetragen. Außen wird die Form mit den Mātṛkā-Lauten umgeben; in das äußere Quadrat …
Fortsetzung der unnummerierten Erläuterung: … wird wie zuvor die rückwärts und vorwärts angeordnete Mātṛkā geschrieben. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben.
21.VH.60: Ein Kreis, ein Dreieck, erneut ein Kreis, eine sechswinkelige Form, ein Kreispaar, eine achtwinkelige Form und außen ein weiterer Kreis werden angelegt; darin werden die Eintragungen vorgenommen.
21.VH.61: Ein Laut kommt in die Mitte, jeweils drei der Reihe nach in die äußeren Winkel und Zwischenräume. Der Rest wird außen zusammen mit den Erdlauten …
21.VH.62: … und der Zielbezeichnung geschrieben. Nach Rezitation und Verehrung stellt der Übende es an einem Ort auf und bringt dort täglich Bali-Gaben dar.
21.VH.63: Gesondert werden sechs achtwinkelige Formen und sechswinkelige Formen angelegt, der Reihe nach mit Dreiecken, Kreiszwischenräumen und Sechswinkeln verbunden. Die geometrische Verbindung ist im Vers stark verkürzt; eine eindeutig rekonstruierte Zeichnung wird daraus nicht behauptet.
21.VH.64: Von außen bis zur Mitte werden Nakṣatra, Tithi und Wochentag sowie die gesamte mit Śakti verbundene Mātṛkā eingeschrieben. Ein Ausdruck zur Gruppierung vor „sarvām“ ist nicht sicher lesbar.
21.VH.65: In die sieben Mittelpunkte wird der Reihe nach im Uhrzeigersinn die Zielbezeichnung, in das Māyā-Bīja eingeschlossen, geschrieben. „Göttin, dies wird zur Erlangung aller Siddhis getragen.“
21.VH.66: Getragen wird es zur Stillung von Einwirkungen der Bhūtas, Pretas, Piśācas und anderer Wesen, aller Bedrängnisse sowie der Krankheiten von Elefanten, Pferden, Eseln, Kamelen und anderen Tieren.
Unnummerierte Erläuterung: Weil die gesonderte Anfertigung dieser Formen leicht verständlich sei, wird sie nicht weiter ausgeführt.
21.VH.67: In Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden jeweils zwölf Linien gezogen. Die Linienenden erhalten ringsum Speerspitzen; an ihrer Mitte, am vorderen Punkt und an den Seiten …
21.VH.68: … wird „stambhaya“, „halte an, stelle still“, geschrieben, in das Mittelfeld der Name des Feindes. Ringsum stehen die mit den Erdlauten verbundenen Mantralaute.
21.VH.69: „Śivā, die Form wird mit rotem Ocker, Kurkuma und Tāla gezeichnet und in einer Wand oder im Erdboden aufgestellt.“ Tāla bleibt hier als traditionelle Stoffbezeichnung stehen.
21.VH.70: Als Träger werden auch Birkenrinde, Tuch, Metall und Stein genannt. Auf Metall oder Stein soll sie Häusern und Städten die gewünschten Wirkungen bringen.
21.VH.71: Sie wird täglich mit duftenden Blüten verehrt; ebenso wird rezitiert. Bis zum Erlangen der Frucht geschieht dies regelmäßig zu beiden Dämmerungszeiten.
Unnummerierte Erläuterung: Auch dieses Yantra sei leicht verständlich.
Weitere Vajra-Anordnungen
21.VH.72: In Ost-West- und Süd-Nord-Richtung werden je sechzehn Linien gezogen. Daraus entstehen zweihundertfünfundzwanzig Felder.
21.VH.73: „Īśvarī, in den Ecken werden wie zuvor jeweils achtundzwanzig Felder entfernt. In den verbleibenden Richtungen …“
21.VH.74: … werden wie zuvor Dreiecke aus jeweils einem Feld angelegt. In die drei mittleren Felder kommen Zielperson, Übender und gewünschte Wirkung …
21.VH.75: … oben, unten und in die Mitte. In die übrigen Felder werden wie zuvor, vom vorderen Punkt aus ringsum, die Mantralaute geschrieben, Śivā.
21.VH.76: Dieses Vajra gilt als großes Yantra, das alle Wünsche erfüllt. „Śivā, wo es auf Metall, Stein oder anderem Träger geschrieben und aufgestellt ist …“
21.VH.77: … sollen keine Bedrängnisse durch Diebe, Planeten, Krankheiten, Feinde oder Schlangen entstehen und auch keine Störungen durch den Zorn von Bhūtas, Pretas, Piśācas und anderen Wesen …
21.VH.78: … vielmehr soll dort Wohlstand entstehen. Leiden durch die empfindlichen Stellen des Baugrunds und weitere Vāstu-Einflüsse sowie körperliche Beschwerden sollen zur Ruhe kommen.
21.VH.79: In dem Haus, in dem dieses Vajra steht, sollen die Bewohner nicht durch Kṛtyās, Schadenszauber oder andere niedere Einwirkungen bedrängt werden.
21.VH.80: In den Richtungen Wind–Feuer und Nirṛti–Īśa, also entlang der diagonalen Achsen, werden je zwölf Linien angelegt. Daraus entstehen einhunderteinundzwanzig Felder in Vajra-Gestalt.
21.VH.81: In ihre Mitte kommt der Zielname. Von dort aus werden die übrigen Laute, vom vorderen Punkt beginnend, ringsum geschrieben …
21.VH.82: … nach außen fortschreitend, jeweils mit dem Erdlaut vorangestellt. „Śivā, wo diese Form auf Metall, Stein oder anderem Träger geschrieben und aufgestellt ist …“
21.VH.83: … soll sie Krankheiten, Bhūtas, Planeteneinwirkungen, Wahnsinn, Piśācas, Bewusstseinsstörungen, Feinde und alle weiteren leidverursachenden Einwirkungen vernichten.
21.VH.84: „Göttin, bei den genannten Bedrängnissen wird dieses Vajra mit rotem Ocker gezeichnet. In seine Mitte kommt ein Krug, gefüllt mit einem Absud milchsaftführender Bäume.“
21.VH.85: Im Wasser wird die Göttin herbeigerufen und verehrt. Der gesammelte Übende berührt das Wasser und wiederholt die Vidyā dreitausend Mal.
21.VH.86: Mit diesem Wasser wird der nach Osten gewandte Erkrankte rituell begossen. Dadurch werde sein Körper von den Bedrängnissen frei und er lebe glücklich auf Erden.
21.VH.87: Für die Einweihungsbegießung zur Erlangung der Vidyā wird der Krug auf diesem Feld-Vajra oder auf der Form mit 121 Feldern aufgestellt und damit begossen.
21.VH.88: Mit einer Zirkelöffnung von vier Fingerbreiten wird ein Kreis gezeichnet. Außen folgen der Reihe nach elf weitere, jeweils im Abstand einer Fingerbreite.
21.VH.89: In diese werden elf querlaufende Linien eingetragen, entsprechend dem als „Brahma-Maß“ bezeichneten Abstand. Von der vorderen Mitte aus im Uhrzeigersinn … Der Ausdruck „brahmamāna“ ist hier nicht näher erklärt; das genaue Konstruktionsmaß bleibt offen.
21.VH.90: … wird die Vidyā mit den zehn Erdlauten nach außen fortschreitend eingeschrieben. Die Linienenden erhalten Speerspitzen, in die Mitte kommt die Zielbezeichnung.
21.VH.91: Dieses Yantra wird wie zuvor für sämtliche Anwendungen eingesetzt. Durch diese verwirklichte Vidyā gebe es in der Welt nichts Unerreichbares.
Hier endet die Vorschrift für die Anwendungen der Vārāhī-Nityā.
Kautuka: besondere Vidyās und wunderbare Wirkungen
Es folgt der Kautuka-Abschnitt über besondere beziehungsweise erstaunliche Anwendungen. Die Quelle wechselt zum Tantrarāja, 34.1; die neue Zählung wird mit dem redaktionellen Kürzel KT unterschieden.
21.KT.1: „Schöne, nun erkläre ich für diejenigen, die sich hier für die Vidyās der sechzehn Nityās interessieren, eine staunenerregende Vidyā. Höre.“
21.KT.2: Genannt werden Siddhasārasvata, Mṛtyuñjaya, Tripuṭā und Gāruḍī, Aśvārūḍhā, Annapūrṇā, Navātman und Navātmikā …
21.KT.3: … dann Devīhṛdaya, Gaurīvidyā, Lakṣadā, Niṣkatrayapradā, Iṣṭavādinī und Mataṅginī …
21.KT.4: … Rājyalakṣmī, Mahālakṣmī, danach Siddhalakṣmī, die Gopāla-Varianten und die mit Heilpflanzen verbundenen Formen. „Diese werde ich in der genannten Reihenfolge erklären.“
21.KT.5: Die Lautbildung beginnt mit Śuci und dem eigenen Zusatz, dann Māyā, Viyat mit Dāha, dem eigenen Laut und Vahni. Es folgen Verbindungen von Haṃsa, Hṛd und Tejas mit Dyuti, Dāha, Cara und den eigenen Bestandteilen …
21.KT.6: … dann nochmals Haṃsa und Hṛd, zweimal Haṃsa, Dāha und Vana samt Māyā. So wird die fünflautige Vidyā in Gestalt des Unsterblichkeitsnektars angegeben. Beide Verse verwenden verschlüsselte Lautnamen. Die genaue Auflösung wird nicht über den sicher gelesenen ausgeschriebenen Wortlaut hinaus ergänzt.
Ausgeschriebene Formel: aiṃ hrīṃ śrīṃ … …. Zwei weitere zusammengesetzte Bījas folgen; das vierte beginnt mit hasakha, das fünfte mit hasa. Ihre Endbestandteile sind im Druckbild nicht hinreichend sicher zu entziffern. Die Formel bleibt deshalb ausdrücklich unvollständig und wird nicht als gesicherter vollständiger Rezitationsmantra ausgegeben.
21.KT.7: Bei den in diesem Paṭala genannten Formeln werden die Gliedernyāsas mit der jeweiligen eigenen Vidyā oder mit Māyā vollzogen. Wo kein besonderes Dhyāna angegeben ist, gilt die anfängliche Meditation.
21.KT.8: Unter einem Milchgelübde wird fünfhunderttausend Mal rezitiert und Kulasundarī meditiert. Nach der Verwirklichung des Mantras folgt die besondere Anwendung.
21.KT.9: Ein Mädchen wird mit Wasser gereinigt, über dem die Formel gesprochen wurde, und bekommt davon zu trinken. Gesammelt wird ihm gesagt: „Sprich in Versen.“
21.KT.10: Aus seinem Mund soll die Rede wie der Strom der Gaṅgā fließen. Auf Fragen soll es wundersam Sachverhalte der drei Zeiten nennen. Der Text beschreibt hier ein historisches Orakelverfahren mit einem Mädchen als Medium.
21.KT.11: Die Lautfolge wird verschlüsselt durch Bhū, den eigenen Bestandteil, Jayā, Dharā, Kheta, Hṛd und Māyā angegeben. „Pālaya“, „schütze“, wird zweimal gesprochen; danach wird die Anfangsfolge umgekehrt angefügt. Ein Teil der verschlüsselten Wortfolge ist im Druck unsicher; die anschließend ausgeschriebene Formel ist gesondert bewahrt.
21.KT.12: Diese Vidyā heißt Mṛtyuñjaya. Nach dem Gliedernyāsa mit Hṛd, verbunden mit den langen Vokalen, wird das eigene Selbst regelmäßig entsprechend betrachtet.
Ausgeschriebene Formel: oṃ juṃ saḥ pālaya pālaya saḥ juṃ oṃ – „Schütze, schütze.“ Die übrigen Bestandteile sind Bījas. Im vorliegenden Druck wird Juṃ mit kurzem U gelesen; dies wird nicht stillschweigend zur verbreiteten Form Jūṃ geändert. Für den sechsfachen Gliedernyāsa werden sāṃ, sīṃ und die folgenden entsprechenden Formen genannt; die Quelle schreibt hier nur diese beiden Beispiele aus.
21.KT.13: Hara wird sitzend auf einem Lotus vergegenwärtigt, dessen Stängel, Blüte und schöner Fruchtboden durch den ersten, mittleren und dritten Laut gebildet werden. Sein Körper ist von Nektar benetzt; auf dem Haupt trägt er die Mondsichel …
21.KT.14: … er ist ganz weiß und hält Gazelle, Gebetskette, die als Cintā bezeichnete Handgeste und Schlinge. Wer ihn stets als eins mit sich selbst betrachtet und rezitiert, soll an langem Leben wachsen. Eine Anmerkung der Ausgabe erläutert „cintā“ als Vyākhyāna-Mudrā, die Geste des Erklärens; diese Erklärung wird der Anmerkung, nicht dem Vers selbst zugeschrieben.
21.KT.15: Der dritte Laut der als Amṛta bezeichneten Formel, danach der zweite, dann Prāṇa mit Rasa, Vahni und Kha: Daraus wird die Tripuṭā angegeben.
Ausgeschriebene Formel: śrīṃ hrīṃ klīṃ. Es handelt sich um drei Bījas; ihnen wird keine erfundene wörtliche Übersetzung beigelegt.
21.KT.16: Mit den drei jeweils zweimal gesprochenen Lauten wird der Gliedernyāsa vollzogen. Täglich am Beginn des Tages wird die ewige Formel dreitausend Mal wiederholt, während die Einheit mit der Göttin vergegenwärtigt wird.
21.KT.17: Dadurch werden Wissen, Wohlstand, Ausstrahlung, Dichtkunst, Geschick im Gesang und Beliebtheit bei Männern, Frauen und Königen verheißen.
21.KT.18: Sie wird rot auf einem roten Lotus sitzend vorgestellt, mit heiterem Lotusgesicht. Genannt werden Blütenpfeile, Haken, Lotus und Zuckerrohrbogen … Die genaue Gliederung der sechs Handattribute ist im zweiten Halbvers undeutlich; die fehlenden beziehungsweise mehrdeutigen Bestandteile werden nicht aus anderen Darstellungen ergänzt.
21.KT.19: … die sie in sechs Armen trägt; ihre Rubinkrone leuchtet. Ringsum stehen Śaktis mit Wasserkrug, Schmuckkästchen, Yakschweifwedel, Spiegel und Sandalen …
21.KT.20: … die zugleich singen. Von ihnen umgeben, wird die Göttin als eins mit dem eigenen Selbst vergegenwärtigt.
Garuḍa-Formel
21.KT.21: Die Formel wird aus den verschlüsselten Lautnamen Bhū, dem eigenen Zusatz, Haṃsa, Dāha, Marut und weiteren Bestandteilen gebildet. Darauf folgen die vier Laute „vairimohi“ und das Wort „garuḍa“ … Eine Lautgruppe im ersten Halbvers ist undeutlich; die ausgeschriebene Formel folgt gesondert.
21.KT.22: … dann die durch Javī, Sarvadik und Grāsa bezeichneten Laute, zweimal „haṃsa“ und zweimal „hiṃsa“. Mit Svāhā endet der Mantra des Tārkṣya, der alle beschützt.
Unnummerierter Halbvers: Der dreiundzwanziglautige Mantra wird während einer Finsternis verwirklicht. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Ausgeschriebene Formel: oṃ hāṃ hīṃ hūṃ vairimohi garuḍapakṣī haṃsa haṃsa hiṃsa hiṃsa svāhā. Vairimohi benennt die Verwirrung der Feinde, garuḍapakṣī den Garuḍa-Vogel; die Bīja- und Befehlsbestandteile werden im Wortlaut bewahrt. Die Schreibung pakṣī folgt dem Druck und wird nicht grammatisch angeglichen.
21.KT.23: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Von Schlangen Gebissene, von Piśācas und ähnlichen Wesen Gequälte sowie andere Kranke …
21.KT.24: … von drei Arten heftigen Giftes Geplagte, Bewusstlose und sogar Leblose sollen durch Besprengen mit hundertmal besprochenem Wasser augenblicklich gerettet werden. Diese Behauptung gibt die historische Heilszuschreibung wieder; sie ist keine wirksame Behandlung von Vergiftungen oder Bewusstlosigkeit.
21.KT.25: Tārkṣya wird groß wie der Meru vorgestellt, vor Śambhu, der den Tāṇḍava tanzt, und Schlangen verschlingend. Während dieser Vergegenwärtigung wird die Formel rezitiert.
21.KT.26: Auch dem Öl der Padmākṣa-Samen und einer Berührung mit dem Nagel schreibt der Text eine rasche, mühelose Vernichtung sämtlichen Schlangengifts zu. Der Handlungssatz ist knapp; eine fehlende konkrete Anwendung wird nicht ergänzt.
Aśvārūḍhā-Formel
21.KT.27: Die verschlüsselte Lautfolge nennt Praṇava, Cara, Haṃsa, Agni und Javī, dann Dāha, Namas und Cara, Dāha mit Śūnya, Ambu und Agni sowie Hṛd und Ambu mit Marut …
21.KT.28: … und Haṃsa mit Marut. So wird die zehnlautige Vidyā angegeben. Nach dem sechsfachen Nyāsa mit Māyā wird sie hunderttausend Mal für jeden Laut wiederholt.
Ausgeschriebene Formel: oṃ ehi parameśvari svāhā – „Oṃ, komm, höchste Herrin, Svāhā.“
21.KT.29: Auf wen die nächtliche Rezitation gerichtet wird, den soll sie ohne Mühe in das eigene Haus bringen und bis zum Ende zum Ausführen der Anweisungen bewegen.
21.KT.30: Einflussnahme, Anziehung, Wohlstand, Gold und die gewünschten Dinge sollen durch diese verwirklichte Vidyā unablässig und ohne Mühe erlangt werden.
21.KT.31: Sie wird rot auf einem roten Pferd vorgestellt, mit rotem Gewand und Schmuck, vier Armen, drei Augen und einem heiteren Lotusgesicht.
21.KT.32: In der rechten Hand trägt sie eine Speer- beziehungsweise Pfeilspitze, links eine leuchtende Lederpeitsche. Mit den anderen Händen hält sie die Zielperson an einer goldenen Schlinge um den Hals gebunden …
21.KT.33: … mit einem goldenen Stab geschlagen, die gebundenen Hände zum Añjali gefaltet. Die Person liegt zu ihren Füßen und sagt: „Ich bin dein Diener.“
21.KT.34: Während dieser Vergegenwärtigung wird die Vidyā rezitiert. Durch die Aśvārūḍhā genannte Vidyā soll die ganze Welt der Lebewesen mühelos unterworfen werden. Die Unterwerfungsbilder gehören zur historischen Textaussage und werden nicht als heutige Übung empfohlen.
Annapūrṇā: Nahrung und Fülle
21.KT.35: Praṇava wird mit „namas“ verbunden; darauf folgen „bhagavati“, „māheśvari“, „annapūrṇe“ und „svāhā“. Dies ist ihr Mantra.
21.KT.36: Nach dem Gliedernyāsa mit Māyā wird die Vidyā regelmäßig eintausend Mal am Tagesbeginn wiederholt. Dadurch soll Armut fernbleiben.
Ausgeschriebene Formel: oṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā – „Oṃ, Verehrung dir, erhabene Herrin, große Göttin, Annapūrṇā, Svāhā.“ Annapūrṇā bedeutet „die von Nahrung Erfüllte“ beziehungsweise „die Fülle der Nahrung“.
21.KT.37: Sie wird lächelnd vorgestellt, aus einem goldenen Gefäß Milchreis spendend und aufmerksam den Tanz betrachtend, der den Schlangen Furcht einflößt …
21.KT.38: … als Bhavānī. Wer ihre Vidyā stets rezitiert, soll niemals und nirgends Hunger leiden.
21.KT.39: „So verehrt man mich im Tanz und dich, die voller Freude zuschaut. Wer uns beide täglich mit den beiden Mantras verehrt und um einen Segen bittet …“
21.KT.40: „… dessen Wunsch soll durch unser beider Gnade rasch erfüllt werden. Er soll jederzeit, überall und in jeder Hinsicht über allen stehen.“
21.KT.41: Haṃsa, Hṛd, Grāsa und Nabhas werden mit Rasa, Ambu und Dāha sowie den als Kṣmā und dem eigenen Bestandteil bezeichneten Lauten verbunden. Aus den neun Bestandteilen wird Navātman gebildet. Die Verbindung im zweiten Halbvers ist nicht vollständig sicher zu lesen; die ausgeschriebene Folge folgt gesondert.
Ausgeschriebene Formel: hasakṣamalavayarūṃ. Die Folge der Konsonanten und der Schlusslaut folgen dem vorliegenden Druck; den Lauten wird keine wörtliche Satzbedeutung beigelegt.
21.KT.42: Bei derselben Formel wird der Kṣmā-Laut fortgelassen und an seiner Stelle Vahni eingesetzt. Dies ist die Navātmikā-Vidyā. Beide werden für sämtliche Siddhis genannt.
Ausgeschriebene Navātmikā-Formel: Der Druck beginnt mit hasakṣamalavayara…ṃ; der genaue Schlussvokal ist nicht ausreichend sicher zu lesen. Die vollständige Formel wird deshalb nicht aus der vorherigen oder aus anderen Überlieferungen ergänzt.
21.KT.43: Praṇava, der letzte Laut der Tripuṭā und „namas“ bilden die vierlautige Vidyā namens Devīhṛdaya, „Herz der Göttin“. Ihr wird die Verwirklichung aller Ziele zugeschrieben.
Ausgeschriebene Formel: oṃ klīṃ namaḥ – „Oṃ, Klīṃ, Verehrung.“ Klīṃ ist ein Bīja.
21.KT.44: Für sie gilt die bereits genannte, stets heilvolle Meditation. Weißes Kuṣṭha und die Wurzel der Svarṇapuṣpī werden mit dem Wasser ihrer Blätter …
21.KT.45: … verrieben. Gereinigt, von Milchreis lebend, die Sinne beherrschend und die Vidyā rezitierend, schläft der Übende jene Nacht auf dem Boden in einem einsamen, angenehmen Haus.
21.KT.46: Ājñā-Stelle, Kehle und Herz sind mit der Paste bestrichen; dort ist das Māyā-Bīja aufgetragen. Beim Einschlafen wird die für die Nacht gelehrte Vidyā rezitiert …
21.KT.47: … während sowohl die Vidyā als auch ihre Gottheit in tiefroter Gestalt vorgestellt werden. Im Traum soll sie zu ihm kommen und die gewünschte Auskunft geben.
21.KT.48: Diese Devīhṛdaya-Vidyā soll Frauen rasch Früchte gewähren: Glück, Wohlstand, Ruhm, langes Leben, Gesundheit und Sieg.
Gaurī-Vidyā
21.KT.49: Praṇava, „rudradayite“, „yogeśvari“ und abschließend Svāhā: So wird diese zwölflautige Vidyā angegeben.
Ausgeschriebene Formel: oṃ rudradayite yogeśvari svāhā – „Oṃ, Geliebte Rudras, Herrin des Yoga, Svāhā.“
21.KT.50: Sie wird Gaurī-Vidyā genannt. Nach der für Lajjā angegebenen Meditation erscheint die Göttin wie zuvor auf einem Pferd und soll das Gewünschte verwirklichen. „Lajjā“ ist hier ein ritueller Name beziehungsweise Lautbezug; eine eigenständige neue Dhyāna-Beschreibung steht an dieser Stelle nicht.
21.KT.51: Um Mitternacht wird die Formel samt dem Namen der Zielperson mit Kurkuma auf den eigenen linken Oberschenkel geschrieben; der Geist bleibt darauf gerichtet …
21.KT.52: … während meditiert und die Vidyā wiederholt wird. Dadurch solle die Geliebte herbeigerufen werden. Der Text behauptet, keine andere Vidyā gleiche ihr bei der Unterwerfung von Frauen.
21.KT.53: Für die Unterwerfung von Königen, der Menschenwelt und von Frauen seien keine Vidyās den beiden Mantras von Aśvārūḍhā und Gaurī gleich. Die Vergleichsformulierung ist im Druck leicht gestört; die Vorrangbehauptung ist klar.
Lakṣadā und Niṣkatrayapradā
21.KT.54: Die Formel wird mit den verschlüsselten Bestandteilen Agni, Noda und dem zugehörigen Zusatz eröffnet; dieselben werden anschließend mit Namas und Dhara verbunden und wiederholt. Darauf folgt „kākaṇṭa“ … Die letzten Wortformen sind im Druck undeutlich; sie werden nicht als gesicherte Sanskritwörter ausgelegt.
Unnummerierter Halbvers: … danach „muriḍa“ und Svāhā. Diese Vidyā wird als fünfzehnlautige bezeichnet. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Ausgeschriebene Formel, mit unsicheren Schlussgliedern: iṭi iṭi muṭi muṭi [kākaṇṭa?] [muriḍa?] svāhā. Die beiden gekennzeichneten Lesungen bleiben offen; die Formel ist nicht als abschließend gesichert zu verwenden.
21.KT.55: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Nach dem Gliedernyāsa mit Māyā wird die ganz und gar heilvolle Göttin meditiert …
21.KT.56: … und die Vidyā schweigend zwischen Bananen- und Betelpalmen rezitiert, verbunden mit Verehrung zu den drei Dämmerungs- beziehungsweise Tagesübergängen. Erfreut soll sie nach den betreffenden Tagen als Lakṣadā ein Lakh gewähren. Ein einzelner Vers nennt hier nicht ausdrücklich die Art des gewährten Vermögens.
21.KT.57: Praṇava, „navakeśī“, „kanaka“ mit „vati“ und abschließend Svāhā: Diese zwölflautige Vidyā wird Niṣkatrayapradā, „Geberin von drei Niṣkas“, genannt.
Ausgeschriebene Formel: oṃ navakeśī kanakavati svāhā. Die Namen bleiben in ihrer gedruckten Form erhalten; kanakavatī bezeichnet die Goldbesitzende. Niṣka ist eine traditionelle Gold- beziehungsweise Wertbezeichnung, die hier nicht in einen heutigen Geldbetrag umgerechnet wird.
21.KT.58: Täglich am Fuß eines Banyanbaums auf einer Bergspitze wird die Vidyā dreihunderttausend Mal pro Laut wiederholt. Dadurch soll die genannte Frucht erlangt werden.
21.KT.59: Die nächste Lautbildung nennt Cara, Prāṇa mit Marut, den durchdringenden Bestandteil, Prāṇa mit Dharā, zweimal Vyoman mit Marut sowie Raya mit Dharā …
Unnummerierter Halbvers: … Cara und Prāṇa. So wird die Vidyā angegeben, welche im vertraulichen Gespräch das Gewünschte mitteilen soll. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck; die Fortsetzung folgt auf der nächsten Seite.
Ausgeschriebene Iṣṭavādinī-Formel: Die eng gedruckte Lautfolge am Seitenanfang ist nicht zuverlässig entzifferbar; sie bleibt als Leselücke gekennzeichnet.
21.KT.60: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Die heilvolle Gestalt wird um Mitternacht mit Jāti-Blüten verehrt.
Mātaṅginī und Rājyalakṣmī
21.KT.61: Die drei Anfangslaute des Siddhasārasvata, danach „mātaṅginyai“, Svāhā und nochmals dieselben drei Laute bilden ihren Mantra.
Ausgeschriebene Formel: aiṃ hrīṃ śrīṃ mātaṅginyai svāhā aiṃ hrīṃ śrīṃ – die Bījas rahmen die Darbringung an Mātaṅginī ein.
21.KT.62: Diese zwölflautige Formel soll bald Glück, dichterische Fähigkeit, Wohlstand und bei musikalischer Betätigung allgemeine Anerkennung gewähren.
21.KT.63: Nach dem Gliedernyāsa mit Māyā wird sie täglich im Herzen tausendmal wiederholt. Vollendet soll sie dadurch alles gewähren.
21.KT.64: Die Göttin wird saphirblau vorgestellt, leuchtend in roten Gewändern und Schmuck. In ihre lange herabhängende Haarflechte sind duftende Blüten gebunden.
21.KT.65: Sie trägt den genannten Kopfschmuck beziehungsweise eine so gebildete Girlande und ist mit Perlenbüscheln geschmückt; Ringe, Armreife und Fußspangen zieren sie. Die Verbindung „tatkḷptamuṇḍamālā“ ist an dieser Stelle nicht eindeutig: Muṇḍamālā kann auch Schädelgirlande bedeuten. Die Blütenbeschreibung allein entscheidet diese Lesung nicht.
21.KT.66: Stets spielt sie die Vīṇā. Frauen von gleicher Gestalt preisen sie ringsum. So wird die Göttin mit dem reinen Lächeln meditiert.
21.KT.67: Der zweite und dritte Laut der Mātaṅginī-Formel eröffnen die nächste Vidyā; weitere Bestandteile werden durch Rasa, Cara, Ambu, Kha, Vāta und Abhra verschlüsselt bezeichnet. Die genaue Verbindung der Lautnamen bleibt teilweise unsicher.
21.KT.68: Es folgen „rājyade“, „rājyalakṣmi“, die mit Hṛd und Māyā bezeichneten Bestandteile sowie die drei Anfangslaute in umgekehrter Folge. Dies wird als sechzehnlautige Rājyalakṣmī-Vidyā angegeben.
Ausgeschriebene Formel: Sicher lesbar sind hrīṃ śrīṃ … rājyade rājyalakṣmi saḥ … śrīṃ hrīṃ. Die mittleren zusammengesetzten Bījas werden nicht aus der vermuteten Lautzahl ergänzt. Die Anrufung bezeichnet die „Herrschaft gewährende Rājyalakṣmī“.
21.KT.69: Nach ihrer Meditation in der Vijaya-Gestalt wird täglich rezitiert und verehrt. Erfreut soll sie dem Übenden unverzüglich Herrschaft verleihen.
Mahālakṣmī und Siddhalakṣmī
21.KT.70: Praṇava, das von Śrī umschlossene Māyā-Bīja, danach „kamale“, dann „kamalālaye“ und zweimal „prasīda“ …
21.KT.71: … die anfänglichen drei Bījas und „mahālakṣmyai namaḥ“: So, o Maheśvarī, wird dir die siebenundzwanziglautige Vidyā genannt, welche stets alle gewünschten Ziele gewähren soll.
Ausgeschriebene Formel: oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale kamalālaye prasīda prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ mahālakṣmyai namaḥ. Sinngemäß: „O Lotusgöttin, die du im Lotus wohnst, sei gnädig, sei gnädig! Verehrung der großen Lakṣmī.“ Die Bījas bleiben unübersetzt.
21.KT.72: Die drei Bījas werden zweimal für die sechs Glieder verwendet. Die Meditation entspricht der Vijaya-Gestalt; täglich wird rezitiert.
21.KT.73: Ihr werden Ruhm, Glück und Wohlstand, Landbesitz, Gesundheit, Sieg und weitere ersehnte Gaben zugeschrieben. Verehrung bei der Sonne in der Waage und am Vollmond soll alle Wünsche erfüllen. Eine Druckfußnote bietet für einen Bestandteil die Lesart „dhana“, Vermögen.
21.KT.74: Die nächste Lautverschlüsselung beginnt mit einer im Druck undeutlichen Folge von Feuer- und Raumbezeichnungen, dann Haṃsa mit Marut; es folgen die Bestandteile von „caṇḍatejas“ und „saṃkarṣa“.
21.KT.75: Raum und Feuer, die Laute von „kālimanthāna“ und Haṃsa mit Māyā vervollständigen die als siebzehnlautige Siddhalakṣmī-Vidyā bezeichnete Formel.
Ausgeschriebene Formel: [Anfangsbīja unsicher] mahācaṇḍatejaḥ saṃkarṣiṇi kālimanthāne haḥ. Die Schreibweise der gedruckten Schlussglieder wird bewahrt; die Formel ist wegen des nicht gesicherten Anfangs unvollständig.
21.KT.76: Mit dem Anfangslaut werden die Glieder versehen. Die Vidyā wird täglich morgens tausendmal wiederholt; die Wasserspenden betragen ein Zehntel davon.
21.KT.77: Nach einem Jahr täglicher Verehrung soll sie dem Übenden erfreut Sieg im Kampf und überragenden Wohlstand gewähren.
21.KT.78: Der Text schreibt ihr das Abwehren von Bhūtas, Pretas, Piśācas, Anfällen und feindlicher Ritualwirkung sowie Schutz unterwegs, in der Wildnis und in schwierigen Berggegenden zu. Dies sind historische Wirksamkeitsbehauptungen, keine medizinischen Feststellungen.
21.KT.79: Für heilvolle Anliegen gleicht ihre Meditationsgestalt Maṅgalā. Für Schutz im Kampf und auf Reisen, o Herrin der Götter, höre nun die folgende Beschreibung.
21.KT.80: Sie hat hundert Köpfe, an jedem Gesicht drei Augen und ein furchterregendes Aussehen. Zweihundert Hände besitzt sie; Śaktis von gleicher Gestalt …
21.KT.81: … umgeben sie in unendlicher Zahl. In den Händen hält sie die vom Übenden gewünschten Waffen. Wer sie so meditiert und verehrt, soll alles Gewünschte erlangen. Die Fußnote erläutert die syntaktisch schwierige Form „anantaṃ“ durch die Lesart „anantaiḥ“ und den Bezug auf die unzähligen Śaktis.
Beginn eines Siddhalakṣmī-Yantras
21.KT.82: Je acht Linien werden in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung gezogen. In den äußeren Bahnen werden jeweils fünf Felder beziehungsweise Trennungen getilgt und zu einer Einheit verbunden.
21.KT.83: Auch in den inneren Ecken werden jeweils drei vereinigt. Von der Mitte aus werden die Mantralaute eingeschrieben, dazu der Name als sechzehnter Bestandteil. Die Auslegung der abschließenden Zahlverbindung bleibt vorläufig; die Anordnung wird auf der Folgeseite fortgesetzt.
21.KT.84: In drei Umgängen nach rechts und in der Mitte wird Siddhalakṣmī dort täglich verehrt, um die genannten Wünsche zu verwirklichen. Eine Druckvariante spricht allgemeiner von der rechtsläufigen Reihenfolge.
Lalitā in der Gestalt Kṛṣṇas und sieben Gopāla-Mantras
21.KT.85: Einst nahm die ursprüngliche Lalitā männliche Gestalt als Kṛṣṇa an. Durch die Begegnung mit allen Frauen machte sie die Welt bezaubert und willenlos.
21.KT.86: Darauf war er von seinen eigenen Śaktis umgeben, die Gopīs genannt wurden. Zum Spiel entfaltete er seine Gestalt sechsfach. Der Wechsel der grammatischen Geschlechter folgt dem Wechsel von Lalitā zu Kṛṣṇa im Text.
21.KT.87: Zu diesen sechs Gestalten gehören sechs Mantras, denen die Gewährung aller Wünsche zugeschrieben wird. Durch ihre Yantraverehrung, Feueropfer, Rezitation, Wasserspenden und Besprengung …
21.KT.88: … sollen Glück, Schönheit, Wohlstand, Sieg und Gesundheit entstehen. Höre diese sechs Mantras mit Meditation, Verehrung und Anwendung der Reihe nach.
21.KT.89: Aus den verschlüsselten Lautbestandteilen wird ein großer Mantra gebildet, der zwischen zwei Praṇavas steht und Siddhagopālaka heißt. Die genaue Verbindung des Lautcodes ist unsicher.
Formel 1: oṃ [Mittelbīja nicht sicher lesbar] oṃ. Die Konsonantenverbindung im Mittelbīja wird nicht stillschweigend normalisiert.
21.KT.90: Die fünf genannten Kāma-Mantras umschließen ihn der Reihe nach einzeln; entsprechend erhält jede Form ihren Namen. Durch die gemeinsame Umschließung … Die Wortverbindung dieses zweiten Halbverses ist teilweise undeutlich.
Unnummerierter Halbvers: … entsteht die Saṃmohana genannte Form. So wird der große Mantra siebenfach. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Weitere ausgeschriebene Formeln: 2: drāṃ … drāṃ; 3: klīṃ … klīṃ; 4: aiṃ … aiṃ; 5: blūṃ … blūṃ; 6: strīṃ … strīṃ; 7: drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ … saḥ blūṃ klīṃ drīṃ drāṃ. In jeder Formel steht an der Auslassungsstelle das nicht sicher entzifferte Mittelbīja. Die Gesamtform zeigt gegenüber der einzeln gedruckten sechsten Formel eine abweichende Bīja-Folge; diese wird nicht angeglichen.
21.KT.91: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Der erste Mantra hat fünf Glieder, die übrigen haben sechs.
21.KT.92: Die sechs Glieder werden vorschriftsgemäß mit dem jeweiligen Anfangsbīja gebildet. Diese sieben Formen werden nacheinander in der Mitte eines achtblättrigen Lotus verehrt.
21.KT.93: Ihre Yantras tragen jeweils den zugehörigen Mantra in der Mitte. Ihre Verehrung wird auf die Wochentage, beginnend mit Sonntag, verteilt.
21.KT.94: Als beständige, alle Wünsche gewährende Darbringungen werden Milch, ein undeutlich bezeichnetes süßes Opfer, geklärte Butter, gekochte Speise, Milchreis, Kokosnüsse und gezuckerte Bananen genannt. Die Trennung des zweiten zusammengesetzten Opferworts bleibt offen; die sieben Tage werden daher nicht mit einer ergänzten Speisenliste gleichgesetzt.
21.KT.95: Der Reihe nach wird an den Wochentagen Speise dargebracht, um das gewünschte Ziel zu erlangen. Durch die genannten sieben Formen soll alles Gewünschte erreicht werden.
21.KT.96: Er wird rötlich, sechsarmig und Flöte spielend meditiert; Schlinge, Stachelstock, Zuckerrohrbogen und Blumenpfeile hält er und ist von Śaktis umgeben.
21.KT.97: Das Bestreichen von Herz-, Hals- und Ājñā-Stelle mit der im eigenen Saft verriebenen Wurzel der Suvarṇapuṣpī soll eine Schau der Gottheit bewirken.
21.KT.98: Genannt werden ferner Ugragandhā, Nīlī, fruchttragende Dhātakī, Āragvadha, Muṇḍinī, Śākhoṭa und die Wurzel des Jambūbaums …
21.KT.99: … Karṇikāra, Haṃsapadī, Vārāhī, Bhṛṅgarājaka, Koraṇṭa, Karpaṭa, Kṣaudra und Triphalā, die zu gleichen Teilen zerkleinert werden. Mehrere Pflanzennamen und ihre Druckvarianten sind nicht eindeutig botanisch zuzuordnen; sie bleiben traditionelle Namen. Die Fußnoten bieten unter anderem „śṛṅgarājaka“ und „pippalaṃ mataṃ“.
21.KT.100: Mit Zucker, geklärter Butter und Honig soll die Mischung eingenommen und auf die drei genannten Stellen aufgetragen werden. Durch innere Vergegenwärtigung, so die historische Behauptung, werde der selbstbeherrschte Übende binnen einiger Tage eins mit der Gottheit. Die Passage wird als Überlieferung übersetzt; die ungesicherte Mischung ist keine Anwendungsempfehlung.
Vāsanā: Die sechzehn Nityās als das eigene Selbst
Quellenanschluss: Nun folgt die innere Vergegenwärtigung, im Druck als Zitat aus dem Tantrarāja, 35. Kapitel ab Vers 1, eingeführt. Die Zählung beginnt erneut; das redaktionelle Kürzel lautet 21.VS.
21.VS.1: Höre nun die Vergegenwärtigung der sechzehn Nityās als dein eigenes Selbst. Durch sie wird das Einswerden mit ihnen unmittelbar erfahrbar.
21.VS.2: Der Guru ist die ursprüngliche Śakti, die als bewusstes Sich-selbst-Erkennen gilt. Die Neunheit seines Körpers zeigt sich als dessen Öffnungen.
21.VS.3: Die Baligöttinnen sind die eigenen Māyākräfte. Pañcamī entspricht dem Vater, Kurukullā der Mutter; die menschlichen Lebensziele entsprechen den Meeren.
21.VS.4: Der Körper ist die Juweleninsel; seine Neunheit erscheint in seinen Grundbestandteilen und Wellen. Die Vorstellungen sind die wunscherfüllenden Bäume, ihre jeweiligen Grundlagen werden als Jahreszeiten verstanden. Die Beziehung zwischen den neun Bestandteilen und den „Wellen“ wird hier nicht einzeln aufgezählt.
21.VS.5: Durch den Kreis der Planeten, Sterne und Tierkreiszeichen erscheint das Zeit-Selbst nach Westen gewandt; daraus ergibt sich die Ausrichtung nach Osten. Die übrigen wechselseitigen Entsprechungen seien bereits mitgeteilt. Der Bezug der Richtungsangabe bleibt ohne die vorangehende kosmologische Anordnung schwer eindeutig aufzulösen.
21.VS.6: Das eigene Selbst ist der Erkennende; hinzu kommen Erkenntnis und das außen befindliche Erkannte. Die Verehrung des Śrīcakra wird als deren Einswerden bezeichnet.
21.VS.7: Die im Śrīcakra genannten Meere entsprechen den mit Niyati verbundenen Geschmacksqualitäten. Der folgende Halbvers verbindet Wellen, Puruṣa und die als Brahmans Schatten bezeichneten Muttergöttinnen. Die Worttrennung dieses Halbverses ist im Druck nicht ausreichend sicher; eine vollständige Zuordnung wird deshalb nicht ergänzt.
21.VS.8: Elemente, Sinne und Geist entsprechen der Reihe nach den Nityā-Kalās. Den acht Śaktis werden die Bereiche der Handlungsorgane und weitere Tätigkeiten zugeordnet. Zwei Wortverbindungen dieses Verses sind undeutlich; eine vollständige Liste der acht Entsprechungen steht hier nicht sicher lesbar.
21.VS.9: Die vierzehn Nāḍīs entsprechen den mit Kṣobhiṇī beginnenden Śaktis; die zehn Lebenswinde den mit Sarvasiddhi beginnenden Śaktis.
21.VS.10: Die zehn Feuer entsprechen den mit Sarvajñā beginnenden Śaktis. Kälte, Wärme, Freude, Leid, Wunsch und die Guṇas werden der Reihe nach …
21.VS.11: … als die mit Vaśinī beginnenden Śaktis verstanden. Die feinen Sinnesqualitäten sind die Blumenpfeile; der Geist ist der Zuckerrohrbogen, Verlangen die Schlinge.
21.VS.12: Abneigung wird als Stachelstock bezeichnet, o Schöne. Das Unentfaltete, Ichbildung und Mahat entsprechen in umgekehrter Reihenfolge …
21.VS.13: … den mit Kāmeśvarī beginnenden Göttinnen. Reines Bewusstsein wird Kāmeśvara genannt. Das eigene Selbst ist die Gottheit Lalitā, deren Gestalt die ganze Welt ist.
21.VS.14: Ihre Röte bedeutet das bewusste Sich-selbst-Erkennen. Verehrung ist diese innere Vergegenwärtigung. Siddhi ist ungeteilte Sammlung des Geistes; Mudrā ist die Vergegenwärtigung ihrer Fülle.
21.VS.15: Die Verehrungsgaben sind die wache Achtsamkeit auf das Einssein mit ihr, auch inmitten der Bewegung. Rituelle Anwendung bedeutet, den Ursprung der unterscheidenden Vorstellungen im eigenen Selbst aufzulösen.
21.VS.16: Yantras und Mantras dienen dazu, überall fest in der Erkenntnis des eigenen Selbst zu stehen. Die Verehrung der Göttin an den Tagesübergängen bedeutet das Eintauchen in Anfang, Mitte und Ende.
21.VS.17: Die übrigen Śaktis, die ringsum in den Kreisen wirken, werden als Ursachen der vielfältigen Erscheinungsweisen der Welt bezeichnet.
21.VS.18: Nyāsa bedeutet, den eigenen Körper als die Gottheit zu verstehen. Japa wird als rechte Vergegenwärtigung des Einsseins mit ihr erklärt.
21.VS.19: Homa gilt als das Zur-Ruhe-Kommen der vielfältigen Weltvorstellungen im Selbst. Tarpaṇa ist die Vergegenwärtigung ihres gegenseitigen Ineinanderseins.
21.VS.20: Abhiṣeka bedeutet das feste Zur-Ruhe-Kommen von Verblendung, Unwissenheit und den übrigen Leiden im Selbst. Vidyā ist die Erkenntnis: Das große Selbst ist der Grund von allem. Die Sanskrit-Satzgrenze zwischen Weihe und Erkenntnis wird hier dem Sinnzusammenhang entsprechend gesetzt.
21.VS.21: Unterweisung ist das Freisein von begrenzenden Zuschreibungen. Die Lehrergabe ist das Freisein von Trennung; dienende Aufmerksamkeit wird Beständigkeit genannt.
21.VS.22: Das Betrachten des Wandels durch die Zeit in Gestalt der Mondtage sind diese fünfzehn Nityās. So werden die inneren Entsprechungen erklärt.
21.VS.23: Die Elemente, beginnend mit Erde, werden vom kleinen Finger aus der Reihe nach zugeordnet. Durch die Arten ihres gegenseitigen Durchdringens entsteht ihre vielgestaltige Entfaltung.
21.VS.24: Durch drei Laute Lalitās wird die gesamte Bedeutung ausgedrückt; durch den übrigen Teil ihre göttliche Gestalt. Daraus ergibt sich die folgende Aussage. Der Vers zählt die drei Laute an dieser Stelle nicht nochmals aus.
21.VS.25: Die ganze Welt ohne Ausnahme wird als wesensgleich mit Hṛllekhā bezeichnet. Der Sinn ihrer Verehrung, in allen Tantras verborgen, ist damit erklärt.
21.VS.26: Raum bezeichnet das Sich-Offenbaren, Feuer das In-sich-Aufnehmen. Ī bezeichnet das bewusste Erfassen beider; der Bindu ihre endgültige Bestimmung. Die Druckfußnote erläutert das letzte Wort als die Gewissheit ihrer Wesenseinheit. Hṛllekhā ist hier die symbolisch ausgelegte Mantragestalt.
Die Natur des Praṇava
Quellenanschluss: Nun wird die Natur des Praṇava erklärt. Der Text führt die folgenden Verse als Upaniṣadwort an, ohne an dieser Stelle einen Titel zu nennen. Die neue Zählung erhält das Kürzel 21.PR.
21.PR.1: Oṃ. Ich werde die höchste Brahman-Erkenntnis lehren, die Erkenntnis von allem: Entstehung und Auflösung in Verbindung mit Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara.
21.PR.2: Das Geheimnis dieser Brahman-Erkenntnis wird in Zusammenhang mit dem aus dem Inneren der Gnade hervorgehenden Viṣṇu, dem Wunderbares Wirkenden, ausgesprochen. Die Verbindung am Versende ist im Druck nicht sicher zu lesen; insbesondere die Bezeichnung des Sprechers bleibt offen.
21.PR.3: Oṃ ist das einsilbige Brahman, wie es die Kenner Brahmans nennen. Ich werde seine Gestalt, seinen Ort, seine Zeit und seine Auflösung erklären.
21.PR.4: Dazu werden Gottheiten, Welten, Veden und die drei Feuer genannt, ferner die drei Lautmaße und das halbe Lautmaß des dreilautigen, heilvollen Oṃ.
21.PR.5: Ṛgveda, Gārhapatya-Feuer, Erde und Brahmā: Diese erklären die Kenner Brahmans als Gestalt des A-Lautes.
21.PR.6: Yajurveda, Zwischenraum, südliches Opferfeuer und der erhabene Gott Viṣṇu werden als U-Laut bezeichnet.
21.PR.7: Sāmaveda, Himmel, Āhavanīya-Feuer und Īśvara, der höchste Gott, werden als M-Laut bezeichnet.
21.PR.8: A leuchtet wie die Sonnenscheibe im Bereich des Stirnbeins. U gleicht dem Mond und befindet sich in dessen Mitte.
21.PR.9: M gleicht rauchlosem Feuer, leuchtend wie ein Blitz. So werden die drei Lautmaße als die Lichtkräfte von Mond, Sonne und Feuer verstanden. Die Aufzählungsreihenfolge dieses Verses wird bewahrt; sie vertauscht nicht die zuvor gegebenen Zuordnungen.
21.PR.10: Darüber befindet sich eine flammengleiche, einer Leuchte ähnliche Erscheinung. Sie ist als das halbe Lautmaß zu erkennen, das oberhalb des Praṇava steht.
21.PR.11: Fein wie die Faser eines Lotusstängels erscheint jene höchste Flamme. Diese Nāḍī gleicht der Sonne; sie durchdringt die Sonne und darüber hinaus …
21.PR.12: … die zweiundsiebzigtausend; nachdem die Sonne am Scheitel durchdrungen ist, bleibt der allen Wesen Gaben Gewährende bestehen und durchdringt alles. Das Bezugswort zur Zahl und die syntaktische Verbindung sind im Druck verkürzt. Die Zahl wird nicht ohne Kennzeichnung zu einer vollständigen anatomischen Aussage ergänzt.
21.PR.13: Wie der Nachklang einer bronzenen Glocke zur Ruhe kommt, so soll Oṃ zur Ruhe geführt werden von dem, der umfassenden Frieden sucht.
21.PR.14: Das, worin der Klang sich auflöst, wird das höchste Brahman genannt. Man soll über das beständige Brahman meditieren; so wird man zur Unsterblichkeit fähig, so wird man zur Unsterblichkeit fähig.
Erläuterung des Upaniṣadwortes
Unnummerierte Prosa: Der mit „Ich werde die Brahman-Erkenntnis lehren“ beginnende Vers steht nur in manchen Textfassungen am Anfang. Brahman bedeutet hier Praṇava. Seine Vidyā ist die Erkenntnis davon. Sie heißt Erkenntnis von allem, weil sie zum Erkennen von allem führt: Wird durch Praṇava Brahman erkannt, ist damit alles erkannt. Zur Verheißung der Śruti gehören Entstehung und Auflösung durch die drei Gottheiten; das Wort „und“ schließt auch Erhaltung ein. So hängt die Aussage mit dem vorangehenden Lehrvers zusammen.
Zu „prasāda“: Die Weisen nennen im Geheimnis der Brahman-Erkenntnis Viṣṇus das beständige Feuer, dhruvāgni, den Glanz des Praṇava. Gemeint ist, dass diese Lehre durch Viṣṇu in Umlauf gesetzt wurde. Damit erklärt der Kommentar die im zweiten Vers schwer lesbare Verbindung; diese Deutung wird hier als Kommentar, nicht als stillschweigende Änderung des Verses wiedergegeben.
Der Kommentar bietet mehrere Erklärungen des Hervorgehens: Erstens sei Viṣṇu aus Gnade, aus Mitgefühl mit seinem Verehrer, unmittelbar aus dem Inneren der Säule als Narasiṃha erschienen. Zweitens könne nach der Wörterbucherklärung „Prāsāda ist der Palast von Göttern und Königen“ ein Hervortreten zum Schutz der Welt aus einem göttlichen Aufenthaltsort gemeint sein: dem Milchozean, Vaikuṇṭha oder dem Tor von Balis Haus. Drittens könne „prasāda“ den geläuterten Jīva gegenüber seinen subtilen Hüllen bezeichnen. Sein Inneres beziehungsweise seine Hülle sei Unwissenheit und dergleichen; das Hervorgehen daraus bedeute, von dieser Verhüllung frei zu werden.
Dazu wird die Chāndogya-Upaniṣad angeführt: „Jener in sich Ruhende erhebt sich aus diesem Körper, erreicht das höchste Licht und tritt in seiner eigenen Gestalt hervor; er ist der höchste Puruṣa.“ Viṣṇus wunderbares Wirken zeige sich in Gestalten wie Matsya. Oṃ werde im Akṣaranighaṇṭu auch Dhruva, das Beständige, genannt.
Unnummeriertes Wörterbuchzitat, erster Vers: Oṃkāra, Vartula, Tāra, Bindu, Śakti, Tridaivata, Praṇava, Mantragarbha, Pañcadeva, Dhruva und Śiva werden als seine Namen genannt.
Zweiter Vers: Ebenso Mantrādya, höchstes Bīja, Mūla, Ādya, Tāraka, Śivādi, das Durchdringende, das Offenbare, höchstes Licht und Bewusstsein. Die Namen werden als überlieferte Synonymliste erhalten; nicht alle sind an dieser Stelle eigens erläutert.
Fortsetzung der Prosa: In „Ort, Zeit und Auflösung“ deutet der Kommentator kāla auch als Farbbezeichnung für Dunkelheit; damit sei „Farbe“ mitgemeint. Weshalb steht dann nicht einfach „Farbe“? Weil kāla zugleich die Zeitdauer der Lautmaße einschließt. Zunächst werde die Gestalt gliedweise erläutert: Gottheiten und die übrigen Gruppen seien jeweils dreifach. „Dreilautig“ beziehe sich auf die drei Mātrās; Śiva auf die halbe Mātrā. Die ungewöhnliche Verbindung „drei Lautmaße und halbes Lautmaß“ wird als vedische Lautfügung erklärt.
Unnummeriertes, der Haṭhapradīpikā zugeschriebenes Zitat: „A, U und M, mit Bindu bezeichnet: Wo diese dreifache Lautdauer besteht, ist jenes höchste Licht Oṃ.“ Die Zuschreibung folgt diesem Druck; eine unabhängige Versstellenbestimmung wird hier nicht behauptet.
Fortsetzung der Prosa: Die Dreiergruppen werden durch die mit „Ṛgveda“ beginnende Reihe einzeln erklärt. Beim Wort brahma werde die kurze Endung als vedische Form beziehungsweise unterbliebene Lautveränderung verstanden; gemeint sei der Gott Brahmā. Nach der Erklärung der Gestalt folgen Ort und Farbe: A leuchte wie die Sonnenscheibe. Śaṅkha bezeichne das Stirnbein, dessen Mitte den Augenbereich. Dazu werde das Śrutiwort „der Puruṣa im rechten Auge“ herangezogen. Das Wörterbuch Viśva nennt für Śaṅkha unter anderem einen Schatznamen, Muschelhorn, Stirnbein und Nagel.
U befinde sich gleichfalls im Stirnbereich, nach der Erklärung im linken Auge. Auch bei M müsse „in dessen Mitte“ ergänzt werden; hier sei das dritte Auge gemeint. Deshalb habe Yājñavalkya gesagt … Das Zitat folgt auf der nächsten Druckseite.
Fortsetzung des Yājñavalkya-Zitats, unnummerierter Vers: „In Iḍā und Piṅgalā bewegen sich Mond und Sonne. In Iḍā ist der Mond zu erkennen, in Piṅgalā wird die Sonne verortet.“
Zwei unnummerierte Halbverspaare aus einem Khecarī-Text: „An der Zungenwurzel, o Göttin, befindet sich das Feuer, das aus aller Lichtkraft besteht; vor ihm die Sonne, und der Mond ist in der Mitte des Gaumens gegründet. Wer dies seinem Wesen nach erkennt, dem entsteht Vollendung.“
Unnummerierte Prosa: Die drei Lautmaße sind A und die folgenden Laute; damit ist ihre Zeitdauer angegeben. „Lichtkräfte von Mond, Sonne und Feuer“ bezeichnet ihre Farben. „Darüber“, im Stirnbereich oberhalb des dritten Auges, gibt den Ort des halben Lautmaßes an. Der Vergleich mit einer Lotusfaser beschreibt dessen Erscheinung. „Flammengleich“ meint das Aufwärtsgerichtete und die Klarheit: unten breit, nach oben immer feiner.
Unnummeriertes Wörterbuchzitat: Das Viśva nennt für śikhā die Bedeutungen Wurzelfaser, Flamme, Haarknoten, Spitze, eine Lāṅgalī-Pflanze, Zweig und den Schopf des Pfaus.
Fortsetzung der Prosa: Die erwähnte Nāḍī ist Suṣumṇā; auch die zuvor genannten Eigenschaften können sich auf sie beziehen. „Sonne“ bezeichnet den Sitz des Sehens. Alternativ könne damit der Mond als Sitz des Geistes gemeint sein, weil er sein Licht von der Sonne empfängt. Nachdem diese Stelle und weiter unten der Kanda mit den zweiundsiebzigtausend Nāḍīs durchdrungen sind, geht die Nāḍī nach oben. Dies ist die symbolische Körperlehre des Kommentars.
Unnummeriertes Gorakṣa-Zitat: „Oberhalb des Geschlechtsorgans und unterhalb des Nabels befindet sich der Kanda-Ursprung wie ein Vogelei. Dort entspringen zweiundsiebzigtausend Nāḍīs.“
Fortsetzung der Prosa: Auf der Ebene der Gottheiten wird erneut die Sonne durchdrungen; am Scheitel, in Brahmaloka und am Dvādaśānta, wird sie geschaut. Diese Aussage sei im Satz mitzudenken. Dazu folgt Yājñavalkya. Für die neu beginnende Zählung gilt das redaktionelle Kürzel 21.SU.
21.SU.1: Von diesen sind drei die wichtigsten; unter den dreien ist eine die höchste. Sie heißt Befreiungsweg: Suṣumṇā, die das All trägt.
21.SU.2: Vom Kanda aus ist Suṣumṇā fest im mittleren Weg gegründet. Die Nāḍī verläuft in der Mitte des Rückens und reicht bis zum Scheitel.
21.SU.3: Als Befreiungsweg ist Suṣumṇā in der Brahmaöffnung gegründet. Sie ist als die Unoffenbare zu erkennen; fein ist sie und wird Vaiṣṇavī genannt.
Unnummerierte Prosa: Die Aussage über den Gaben Gewährenden besagt: Praṇava besteht als Klang und durchdringt alles. Damit werden Oṃ, der unangeschlagene Klang und Viṣṇu als eins bezeichnet. Nun erklärt das Glockengleichnis die Auflösung: Wie der Klang seine Tätigkeit beendet und zur Ruhe kommt, soll Oṃ zum Frieden geführt werden. Gemeint sei eine gedehnte Rezitation durch den, der das Selbstsein von allem, den Brahmanzustand, sucht. „Worin der Klang sich auflöst“ bezeichnet die Wirklichkeit, nach deren Erfahrung Klang nicht mehr als Gegenstand erfasst wird. Das sei das höchste Brahman.
Quellenanschluss: Dazu werden zwei Verse aus der Pradīpikā angeführt; das Kürzel dieser Zitatfolge lautet 21.ND.
21.ND.1: Wie das im Holz entfachte Feuer zusammen mit dem Holz zur Ruhe kommt, so löst sich der in Nāda eingegangene Geist zusammen mit dem Klang auf.
21.ND.2: Alles Äußere wird losgelassen; der Geist geht in Nāda ein wie Milch und Wasser ineinander. Eins geworden, löst er sich im Raum Brahmans auf. Die Wendung „mit dem Geist“ im zweiten Halbvers wird im Druck zusätzlich wiederholt; die genaue syntaktische Beziehung ist nicht völlig glatt.
Eigenständiges Zitat zur Kennzeichnung von Laya; Kürzel 21.LY:
21.LY.1: „Laya, Laya“, sagt man. Doch woran erkennt man Laya? Laya ist das Vergessen der Sinnesgegenstände, weil die gewohnheitsmäßigen Neigungen nicht wieder aufsteigen.
Unnummerierte Prosa: Eine weitere Erklärung verbindet dies mit dem Wort „woher die Rede umkehrt“. Den Abschluss bildet die Aufforderung, über Dhruva, Oṃ als Brahman, zu meditieren. Dhruva könne auch bedeuten, Brahman als unveränderlich oder mit gesammelter Aufmerksamkeit zu betrachten. Die Wiederholung des letzten Satzes zeigt den Abschluss an.
Kṣurikā: Sammlung als schneidende Erkenntnis
Quellenanschluss: Anschließend wird die Kennzeichnung des Yoga aus der Kṣurikā angeführt. Ihre neue Verszählung erhält das Kürzel 21.KH.
21.KH.1: Ich werde die „Klinge“ genannte Sammlung zur Vollendung des Yoga lehren. Wer sie erlangt und im Yoga verbunden ist, wird nicht wieder geboren.
21.KH.2: Sie ist gemäß dem Sinn der vedischen Wahrheit gelehrt, wie der Selbstentstandene sie verkündet hat. An einem stillen Ort nimmt der Übende seinen Sitz ein.
21.KH.3: Wie eine Schildkröte ihre Glieder einzieht, zieht er die Sinne zurück und hält den Geist im Herzen. In Verbindung mit zwölf Lautmaßen und Praṇava, ganz allmählich … Der Satz wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
21.KH.4: … füllt er sich ganz an und schließt alle Zugänge. Brust, Gesicht, Hüfte und Nacken werden ausgerichtet, der Herzbereich etwas angehoben. Die knappe Körperbeschreibung enthält keine ausgeführte moderne Haltungskorrektur.
21.KH.5: Der Yogin lässt die durch das Innere der Nase gehenden Lebenskräfte zirkulieren; darin gesammelt gibt er den Atem anschließend langsam frei.
21.KH.6: Nachdem das feste Lautmaß gefestigt ist, sammelt er sich im großen Zeh. Bei den Knöcheln werden zwei, bei den Unterschenkeln je drei angesetzt. Die Maßeinheit und der genaue Gegenstand der Zählung sind im Vers verkürzt; sie werden hier nicht zu einem eigenständig nutzbaren Atemplan ergänzt.
21.KH.7: Zwei bei den Knien, bei den Oberschenkeln, dem After und dem Geschlechtsorgan jeweils drei. Dann wendet er sich dem Nabelbereich als Sitz des Lebenswindes zu.
21.KH.8: Dort ist die Suṣumṇā von vielen Nāḍīs umgeben: feinen rötlichen, gelben, schwarzen, kupferfarbenen und tiefroten.
21.KH.9: Er richtet sich auf die äußerst feine, zarte, weiße Nāḍī aus. Dann führt er die Lebenskräfte weiter, wie eine Spinne ihren Faden.
21.KH.10: Dort befindet sich der große Wohnsitz des Puruṣa, einem roten Lotus gleich. In den Vedāntatexten wird er als der kleine Raum beziehungsweise Lotus bezeichnet.
21.KH.11: Ihn durchdringend gelangt er zur Kehle und füllt jene Nāḍī. Er ergreift die sehr scharfe Klinge des Geistes, durch Erkenntnis geläutert …
21.KH.12: … und durchtrennt oberhalb des Fußes die dort benannte Gestalt des empfindlichen Punktes. Stets auf Yoga gegründet, wirkt er mit dem scharfen Instrument des Geistes. Ein Wort beim Marma-Bezug ist unsicher. Das Durchtrennen gehört zur inneren Bildsprache der Dhāraṇā, wie der folgende Kommentar ausdrücklich erklärt.
21.KH.13: Der beim Unterschenkel genannte Marma wird mit Indras Donnerkeil verglichen. Durch die Kraft dieser Meditation wird er mittels Sammlung durchtrennt.
21.KH.14: In der Mitte des Oberschenkels richtet er die Sammlung auf den lebenslösenden Marma. Durch geübte Anwendung wird er ohne Zögern durchtrennt. Auch dies beschreibt die innere Konzentration, keinen körperlichen Eingriff.
21.KH.15: Danach sammelt der Yogin im Inneren der Kehle die Nāḍī-Verbindungen. Hundertundeine Nāḍī werden genannt; unter ihnen gelten einige als besonders ausgezeichnet.
21.KH.16: Iḍā ist links, Piṅgalā rechts. Zwischen beiden liegt der vorzügliche Ort. Wer ihn kennt, kennt den Veda.
21.KH.17: Suṣumṇā ruht im Höchsten, fleckenlos, von der Natur Brahmans. Die zweiundsiebzigtausend Nāḍīs werden im Folgenden mit Öl verglichen. Der Übergang zum Ölgleichnis ist in der überlieferten Satzfolge unregelmäßig; die Erläuterung erscheint erst in Vers 19.
21.KH.18: Durch Meditationsyoga werden die Bindungen durchtrennt; allein Suṣumṇā wird nicht durchtrennt. Mit der Klinge, deren Schneide durch Yoga gereinigt ist und die wie Feuer leuchtet …
21.KH.19: … durchtrennt der Standhafte kraft ihrer Wirksamkeit die hundert Nāḍīs schon in diesem Leben. Wie Jāti-Blüten beim Zusammenbringen dem Öl ihren Duft verleihen …
21.KH.20: … so wird die Nāḍī durch heilvolle und unheilvolle Vorstellungen geprägt; dies soll man sich vergegenwärtigen. Von jener Vergegenwärtigung durchdrungen gelangen die Übenden zur Freiheit von Wiedergeburt. Das Pronomen im zweiten Halbvers ist knapp; der Text erklärt hier nicht nochmals, welche Vorstellungen im Einzelnen gemeint sind.
21.KH.21: Wer so den Geist erkannt hat, weilt an einem stillen Ort, ohne Anhaftung, im wirklichen Yoga kundig und ohne Erwartung, ganz allmählich …
21.KH.22: … wie ein Schwan nach dem Durchtrennen der Schlinge furchtlos in den Himmel aufsteigt, so überschreitet der Jīva mit gelöster Fessel den Saṃsāra.
21.KH.23: Wie eine Lampe nach dem Verbrennen ihres Brennstoffs erlischt, so gelangt der Yogin nach dem Verbrennen aller Karmas zur Auflösung.
21.KH.24: Mit der durch Prāṇāyāma scharfen, auf Lautmaßen beruhenden Klinge, geschliffen am Stein der Leidenschaftslosigkeit, durchtrennt der Yogakundige den Faden und wird nicht gebunden. Er durchtrennt den Faden und wird nicht gebunden.
Kommentar zur Kṣurikā
Unnummerierter Erläuterungsvers: Kṣurikā heißt kleine Klinge. Weil die Sammlung ihr gleicht, wird dieser dreiteilige Text, der davon spricht, Kṣurikā genannt.
Unnummerierte Prosa: Wer die Lehre vom Guru empfangen und von ihm die Erkenntnis sowie den Praṇava-Mantra erhalten hat, ist nach dieser Überlieferung zum sechsgliedrigen Yoga befähigt. Diesem Zweck dient der folgende, mit „Kṣurikā“ beginnende Text. Die Sammlung wird bildlich mit einer Klinge verglichen, welche die Bindung an den Saṃsāra durchtrennt. Ihr Merkmal ist das Verweilen des Geistes im Selbst. Dazu wird der Yogin Yājñavalkya angeführt … Das Zitat folgt auf der nächsten Seite.
Unnummeriertes Yājñavalkya-Zitat: „Das Verweilen des Geistes im Selbst, wenn er mit Ruhe und den übrigen Tugenden ausgestattet ist, nennen die Guten, welche den Sinn der Lehre kennen, Dhāraṇā.“
Unnummerierte Prosa: Zur Aussage über die Wiedergeburt sei „findet nicht statt“ zu ergänzen. Falls ein in der Sammlung Geübter durch einen Fehltritt vom Yoga abkomme, werde er in einem späteren Leben erneut mit Yoga verbunden geboren. Dazu werden die Sätze „Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes“ und „Dort erlangt er wieder die Verbindung mit der Erkenntnis aus dem früheren Körper“ angeführt.
„Gemäß dem Veda“ besagt: Dieses Wesen des Yoga ist durch die höchste Wahrheit des Veda gelehrt, so, wie es der Selbstentstandene Brahmā dargestellt hat. Die Darstellung entspreche der Wirklichkeit und widerspreche ihr nicht. Yājñavalkya wird mit „Ich werde das Ganze des Yoga lehren, wie es einst Brahmā verkündete“ und „wie es Parameṣṭhin gelehrt hat“ zitiert.
Mit der Wendung vom stillen Ort werden die sechs Glieder erläutert, durch die Yoga verwirklicht werde. Ein weiteres Zitat nennt das beständige Leben in Übung an einem einsamen Ort der Wildnis, der Früchte, Wurzeln und Wasser bietet. Die Merkmale der sechs Glieder seien bereits erklärt. Yama und die weiteren Grundlagen würden hier nicht nochmals genannt, weil sie schon im ersten Teil feststehen. Das bedeute keine Ablehnung, wie sie der Verfasser polemisch den Kāpālikas zuschreibt. Diese Abgrenzung ist die Position des Kommentators, keine unabhängig geprüfte Beschreibung der gesamten Tradition.
Unnummerierter Vers über die zehn Yamas: Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacarya, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Vergebung beziehungsweise Geduld, Standhaftigkeit, maßvolle Ernährung und Reinheit: Dies sind die zehn Yamas.
Unnummerierter Vers über die zehn Niyamas: Tapas, Zufriedenheit, Vertrauen in die überlieferte Wahrheit, Geben, Gottesverehrung, Hören der Lehrentscheidungen, sittsame Scheu, Einsicht, Japa und Feueropfer.
Fortsetzung der Prosa: „Sich niedergelassen“ bedeutet, den Sitz eingenommen zu haben. Dazu wird die Bhagavadgītā angeführt.
Unnummeriertes Gītā-Zitat: „An einem reinen Ort richte er sich einen festen Sitz ein, nicht zu hoch und nicht zu niedrig, mit Tuch, Fell und Kuśagras versehen.“
Fortsetzung der Prosa: Zugleich sei das Einnehmen einer Haltung wie Padmāsana gemeint. Die Haṭhayogapradīpikā wird dazu angeführt.
Unnummeriertes Zitat: „Weil Āsana das erste Glied des Haṭha ist, wird es zuerst gelehrt. Es bewirkt Festigkeit der Haltung, Gesundheit und Beweglichkeit der Glieder.“
Fortsetzung der Prosa: Der Vergleich mit der Schildkröte erläutert Pratyāhāra; als zurückgezogene Glieder seien die Sinne zu verstehen.
Unnummeriertes Zitat: „Das kräftige Zurückholen der Sinne, die ihrer Natur nach unter den Gegenständen umherschweifen, wird Pratyāhāra genannt.“
Fortsetzung der Prosa: Um den inneren Rückzug zu verwirklichen, werde der Geist genannt. „Im Herzen“ bedeutet im Herzlotus. Das bloße äußere Zurückhalten ohne Sammlung des Geistes wird als fehlerhaft bezeichnet.
Unnummeriertes Gītā-Zitat: „Wer die Handlungsorgane zügelt, im Geist aber an die Sinnesgegenstände denkt, wird als Verblendeter von unwahrhaftigem Verhalten bezeichnet.“
Fortsetzung der Prosa: Die zwölf Mātrās werden im Nādabindu mit „Ghoṣiṇī ist das erste Lautmaß“ beginnend genannt; dort solle man nachlesen. Der Atem werde mit allmählich ausgesprochenem Praṇava angefüllt. A, U, M und das halbe Lautmaß bilden vier Bereiche mit jeweils drei Mātrās, insgesamt zwölf. Ihnen werden Früchte wie Herrschaft über die Erde zugeschrieben. Ihre Verbindung bedeute ihre innere Betrachtung während des Praṇava.
Der Kommentar unterscheidet folgende traditionelle Zählverhältnisse: Bei zwölf Praṇavas zum Einatmen werden achtundvierzig zum Anhalten und vierundzwanzig zum Ausatmen genannt; bei sechzehn sind es vierundsechzig und zweiunddreißig; bei acht zweiunddreißig und sechzehn. Die Zahlen sind hier Bestandteil der Quellenübersetzung; sie bilden keine individuell angepasste Atemanweisung.
„Das ganze Selbst“ bedeute, nicht nur einzelne Zugänge zu verschließen; sonst könne nach der Erklärung des Textes ein Ungleichgewicht des Lebenswindes entstehen. „Alle Zugänge“ werden als die eigenen Körperöffnungen verstanden. Für die unteren nennt der Kommentar Zusammenziehen und Mūlabandha, für die oberen Jālandharabandha. Zur Aufrichtung von Brust, Gesicht, Hüfte und Nacken wird die Gītā angeführt: „Körper, Kopf und Nacken gleichmäßig, unbewegt und fest halten.“
Das leichte Anheben des Herzbereichs weise auf Jālandharabandha hin.
Unnummerierter Bandha-Vers: „Den Hals zusammenziehend setze man das Kinn fest zum Herzen hin. Dieser Jālandhara genannte Verschluss lässt den Nektar zunehmen.“
Fortsetzung der Prosa: „Zirkulieren lassen“ werde auf die Einatemmaße und den Herzbereich bezogen. Durch die ausdrückliche Nennung der Nase seien hier Ein- und Ausatmen durch den Mund ausgeschlossen. Zur Einatmung allein durch den Mund … Die Begründung folgt auf der nächsten Seite.
Fortsetzung der Prosa: … weil andernfalls, nach der Auffassung des Kommentars, die Reinheit der Leitbahnen nicht erreicht werde. „Nachdem er dahin gelangt ist“ bedeute: Der Prāṇa ist in den ganzen Körper eingetreten und bleibt dort. Damit sei Kumbhaka gemeint, dessen Zählmaß das Vierfache der Einatmung beträgt. „Langsam“ erläutere die Ausatmung mit dem doppelten Einatemmaß. Bei raschem Ausstoßen, so der Kommentar, könne der Lebenswind auf einen falschen Weg geraten.
„Fest“ beziehe sich auf gleichmäßige, gleichbleibende Lautmaße und den so gefestigten Prāṇa; gemeint sei das Gelingen von Kevalakumbhaka. Danach werde Pratyāhāra durch einzelne Sammlungen geübt. Die Einzahl „am großen Zeh“ sei eine Gattungsbezeichnung: Gemeint seien beide großen Zehen, beide Knöchel, beide Unterschenkel und so fort. Das Wort „zwei“ werde auf zwei Sammlungen bezogen. „Je drei“ bedeute bei den Unterschenkeln das Zurückhalten an Anfang, Mitte und Ende. Bei den Knien seien Anfang und Ende gemeint, ebenso zwei Bereiche der Oberschenkel. Die genannten unteren Stellen würden als Mūlādhāra und Svādhiṣṭhāna gedeutet, wiederum mit Anfang, Mitte und Ende.
Der Nabelbereich sei ein Hauptsitz des Lebenswindes; ihm wende man sich in Sammlung zu. Dort sei die mittlere Nāḍī Suṣumṇā von zweiundsiebzigtausend weiteren umgeben. Ihr Ursprung liege im Kanda. Zitiert wird: „Zwischen After und Geschlechtsorgan kennt man den Kanda mit einer Höhe von zwei Fingerbreiten“, sowie: „Was zwischen After und Geschlechtsorgan liegt, wird Veṇukanda genannt.“ Veṇu bezeichne Suṣumṇā. Sie besitze die sechs Cakras, verlaufe im Hohlraum des vom Mūlādhāra aufsteigenden Stabes, durchdringe den Scheitel und reiche bis Brahmaloka.
Die Chāndogya-Upaniṣad wird angeführt: „Hundertundeine Nāḍī gehören zum Herzen; eine von ihnen geht zum Scheitel hinaus.“ Oberhalb des Nabels sei die Sammlung gemäß der Reihenfolge der Cakras bis zum Scheitel zu verstehen.
Quellenanschluss: Es folgt eine vier Verse umfassende Yājñavalkya-Zitatreihe zu den Marma-Orten; ihr Kürzel lautet 21.MR. Die Angaben werden als traditionelle Meditationskarte wiedergegeben.
21.MR.1: Die Marma-Orte im Körper, die der Vollendung des Yogin dienen, werde ich dir sämtlich erklären. Höre aufmerksam, o Gelübdetreue. Die Schlusswörter des ersten Halbverses sind nicht durchweg sicher lesbar.
Unnummerierte Überleitung: Nun die Aufzählung der Marma-Orte.
21.MR.2: Beide großen Zehen, beide Knöchel, die Mitten der Unterschenkel, deren Ansatzbereiche, die Knie und die Mitte beider Oberschenkel …
21.MR.3: … der Ansatz des Afters, die Körpermitte und das Geschlechtsorgan, Nabel, Herz, Nacken und Halsgrube …
21.MR.4: … Gaumenwurzel, Nasenwurzel, beide Augenbereiche, die Mitte zwischen den Brauen und die Stirn werden von den vorzüglichen Weisen genannt …
Unnummerierter Abschluss: … dies sind die Marma-Orte.
Unnummerierte Überleitung: Im selben Text wird die Sammlung an diesen Orten erklärt. Für den erneut mit 1 bezeichneten Vers gilt das Kürzel 21.MD.
21.MD.1: An diese Stellen wird der Lebenswind mit dem Geist geführt und dort gehalten. Wer ihn von Ort zu Ort zurücknimmt und Pratyāhāra übt …
Unnummerierter Halbvers: … dessen Krankheiten sollen sämtlich verschwinden und dessen Yogaübungen gelingen. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck. Die Heilungszusage ist eine historische Behauptung der zitierten Quelle.
Quellenanschluss: Auch das Prapañcasāra wird angeführt, im Druck mit der Stellenangabe 19.51. Die hier wieder bei 1 beginnende Zählung erhält das Kürzel 21.PP.
21.PP.1: Die großen Zehen, Knöchel und Knie, After, Dammnaht und Geschlechtsorgan, Nabel, Herz, Nacken, Gaumenzäpfchenspitze und Nase …
21.PP.2: … Brauenmitte, Stirnspitze, Ende der Suṣumṇā und Dvādaśānta: Diese werden beim Austritt, beim Eintritt in einen anderen Körper und bei der Rückkehr in den eigenen Körper …
Unnummerierter Halbvers: … von den in der Anwendung des Lebenswindes Kundigen als Orte der Sammlung genannt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck. Die genannten Körperwechsel gehören zur Siddhi-Lehre dieser Überlieferung.
Unnummerierte Prosa: Damit sei die Frucht des Aufstiegs vom großen Zeh nach oben beschrieben. Auch dem Abstieg vom Scheitel bis zu den Zehen werde eine Frucht zugeschrieben.
Unnummeriertes Zitat: „Wer verständig von Ort zu Ort zurücknimmt und so die Sammlung hält, wird von allem Unheil gereinigt und soll leben, solange Mond und Sterne bestehen.“
Fortsetzung der Prosa: „Fein und rötlich“ und die folgenden Farbwörter seien Eigenschaften der Nāḍīs. Die Chāndogya-Upaniṣad wird dazu zitiert: „Diese Nāḍīs des Herzens bestehen aus dem Feinen des Bräunlichen, Weißen, Blauen, Gelben und Roten.“ Das zusammengesetzte Wort aṇurakta wird als „fein und rot“ erklärt.
Unnummerierte Prosa: Nach dem Gelingen von Kevalakumbhaka und dem Rückzug von Prāṇa und Geist an den besonderen Stellen sollen beide zur Verwirklichung der Sammlung in Suṣumṇā eintreten. Als Mittel nennt der Kommentar Mūlabandha, Uḍḍiyānabandha, Jālandharabandha und das Bewegen der Śakti: Apāna werde nach oben gezogen, dadurch das Feuer im Körper entfacht und durch dessen Flamme Kuṇḍalinī erwärmt und geweckt. Indem ihr am Eingang der Brahmanāḍī befindlicher Mund geöffnet werde, sollen Lebenswind, Geist und Feuer eintreten. In diesem Sinn werde die „äußerst feine Nāḍī“ genannt. Jālandharabandha sei bereits erklärt; nun folgt Uḍḍiyāna.
Unnummerierter Vers: „Im Bauch wird ein Zug nach hinten und oberhalb des Nabels ausgeführt. Dieser Uḍḍiyāna genannte Verschluss ist wie ein Löwe gegenüber dem Elefanten Tod.“
Unnummerierter Mūlabandha-Vers: „Mit dem Fersenbereich die Yoni-Stelle drückend zieht man den After zusammen. Apāna nach oben zu ziehen wird Mūlabandha genannt.“ Yoni bezeichnet hier die körperliche Ursprungs- beziehungsweise Dammregion im Zusammenhang der Bandha-Erklärung.
Unnummerierter Śakticālana-Vers: Bei dem in der genannten Sitzhaltung Weilenden werde die schlangengestaltige Kraft morgens und abends jeweils einen halben Prahara bewegt. Die Fortsetzung nennt das Anfüllen durch die „Sonne“, Bekleidung beziehungsweise Umhüllung und ein Ergreifen. Einzelne Wörter dieser zweiten Verszeile sind unsicher; eine geschlossene Ausführungsanleitung lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten. Die gesamte Passage wird als historische Yogalehre wiedergegeben.
Fortsetzung der Prosa: Suṣumṇā sei äußerst fein und zart, dem hundertsten beziehungsweise im Druck ergänzend genannten tausendsten Teil einer Haarspitze vergleichbar. Sich auf sie zu stützen bedeute, die übrigen Nāḍīs beiseitezulassen und den Geist allein dort zu halten. Das Wort tatas wird hier instrumental als „durch sie“ ausgelegt, entsprechend dem Instrumental „durch den Faden“ im Gleichnis. Die Lebenskräfte werden durch Suṣumṇā nach oben geführt, wie eine Spinne an ihrem Faden aufwärtsgeht.
Nach diesem Aufsteigen folgt das Durchdringen des Lotus. Wie kann ein puṇḍarīka, das nach der Wörterbuchbedeutung ein weißer Lotus ist, rot erscheinen? Der Kommentar erklärt die Röte durch die Verbindung mit den verschiedenfarbigen Nāḍīs. Sie sei eine hinzugekommene Färbung. „Wohnsitz des Puruṣa“ bedeute Nest des Jīva; „groß“ heiße er, weil er alles erscheinen lässt. „Dahara“ bedeute klein beziehungsweise fein. Der Herzlotus und der als Dahara bezeichnete innere Raum werden in Vedāntatexten wie der Chāndogya-Upaniṣad genannt.
Unnummeriertes Upaniṣadzitat: „In dieser Stadt Brahmans befindet sich ein kleiner lotusförmiger Wohnsitz und darin ein kleiner innerer Raum. Was in ihm ist, das soll gesucht und erkannt werden.“
Fortsetzung der Prosa: Nachdem der als Anāhata bezeichnete Lotus durch Kuṇḍalinī, Geist, Prāṇa und Feuer durchdrungen ist, gelangt der Jīva zur Kehle, um die Sperre am Viśuddhicakra zu durchbrechen. Dabei erfüllt beziehungsweise durchdringt er Suṣumṇā, gesammelt und aufmerksam. Die Lesart „den Himmel erfüllend“ wird grammatisch als Zweckangabe erklärt: Der Aufstieg geschehe zur Erlangung des Himmels.
Die „Klinge des Geistes“ ist der Geist selbst, sofern er in der Lehre geübt ist. Sie sei scharf, weil sie am Schleifstein des prüfenden Denkens geschliffen, und rein, weil sie durch die Erkenntniskraft geglättet werde.
Den Ausdruck „oberhalb des Fußes“ deutet der Kommentar nun auf einen „Fuß“, das heißt ein Viertel Brahmans, wie es in einer anderen Śruti genannt werde. Durch dessen Verehrung werde Reinigung vollzogen. Die ungewöhnliche Form des Wortes für Reinigen wird als vedische grammatische Bildung erklärt.
Unnummeriertes Zitat über Brahmans vier Viertel: „Dieses Brahman ist vierfüßig: Rede ist ein Fuß, Lebensatem ein Fuß, Auge ein Fuß, Gehör ein Fuß. Dies gilt in Bezug auf das eigene Wesen. In Bezug auf die Gottheiten ist Feuer ein Fuß, Wind ein Fuß, Sonne ein Fuß und die Himmelsrichtungen ein Fuß. Damit sind beide Ebenen erklärt, die innere und die göttliche.“
Fortsetzung der Prosa: Alternativ könnten die vier Lautteile des Praṇava, entsprechend Wachen und den weiteren Bewusstseinszuständen, als seine Füße gemeint sein. Dazu werde aus der Atharva-Überlieferung der Satz angeführt: „Die Viertel dieser Silbe Oṃ sind vier.“
„Gestalt“ sei die Erscheinung der Elemente und dergleichen, „Name“ das sie bezeichnende Wort. Beide würden wie Haare als etwas dem Wesen Brahmans äußerlich Hinzugefügtes verstanden. Sie zu durchtrennen bedeute, die auf sie gerichteten Geistesbewegungen auf dem Weg der Bhūtaśuddhi aufzugeben. Das eigentliche Durchtrennen bestehe darin, sie nicht länger zu Gegenständen zu machen: Saṃsāra sei geistgestaltet und besitze außerhalb der geistigen Färbung keine eigene Gestalt.
Im Rahmen der Haṭha-Deutung bedeute dies dagegen, den mit Knoten versehenen Nāḍī-Kreis zu durchdringen, der den oberen Weg versperrt. Dazu folgt ein weiteres Zitat …
Unnummeriertes Zitat: Der durch den rechten Nasenweg gehende Lebenswind wird mit dem Nektarkörper und dem Wasser des Mondes verbunden. Durch das große Feuer der Zeit sollen die Nāḍī-Verbindungen im Brauenraum durchtrennt werden; der Körper werde dadurch erneuert wie der Stamm eines geschnittenen Baumes. Die erste Hälfte des langen Verses ist im Druck teilweise undeutlich; die Verbindung der Mond- und Nektarbezeichnungen bleibt offen.
Unnummerierte Prosa: Wie wird das Durchtrennen vollzogen? Durch den Geist als Mittel und durch beständige Hinwendung zum Yoga, der Einheit von individuellem und höchstem Selbst. Alternativ könne Yoga hier Bemühen bedeuten. Der Vergleich mit Indras Donnerkeil erläutere die Wirksamkeit: Wie Indra mit dem Vajra das zu Spaltende spaltet, so durchschneide Yoga das Geflecht der eingeprägten Neigungen. Ebenso werde das Nāḍī-Netz durch die dem Donnerkeil vergleichbare Kuṇḍalinī durchdrungen.
Die Nennung des Unterschenkels als Meditationsort stehe stellvertretend für die übrigen Marma-Stellen, von den großen Zehen bis zum Scheitel. Eine abweichende Lesart lasse an das Prüfen einer Rasierklinge am Unterschenkel denken: Wie ein Barbier daran die Schärfe prüfe, so würden die Marma-Stellen zur Beseitigung der Nāḍī-Unreinheit gereinigt. „Durch die Kraft jener Meditation“ beziehe sich auf die genannten Orte; alternativ könne es auf das zuvor genannte Paar Name und Gestalt zurückweisen. In beiden Fällen werde deren bindende Wirkung durch Sammlung aufgehoben.
Der Kommentar berichtet anschließend eine abweichende körperliche Deutung mancher Haṭhayogins: Sie verstünden den Indravajra-Yoga als Durchtrennen des Zungenbändchens, um die Zunge zur Gaumenwurzel zu führen. Hierzu wird ein Khecarī-Text zitiert. Die folgende historische Passage beschreibt körperliche Eingriffe; sie wird als Quelleninhalt, nicht als Praxisempfehlung wiedergegeben. Ihre neue Zählung erhält das Kürzel 21.KE.
21.KE.1: Die Gaumenwurzel anhebend solle der Selbstkundige sieben Tage lang nach der Unterweisung seines Gurus sämtliche Unreinheit beseitigen.
21.KE.2: Mit einem sehr scharfen, glatten und reinen Instrument in der Form eines Snuhī-Blattes solle vorsichtig ein haarbreiter Schnitt vorgenommen werden.
21.KE.3: Danach nennt der Text ein Pulver aus Saindhava und Pathyā zum Einreiben und nach sieben Tagen einen weiteren haarbreiten Schnitt.
21.KE.4: Dieses allmähliche Vorgehen wird für sechs Monate beschrieben; danach, so die Behauptung, sei die bindende Verbindung an der Zungenwurzel gelöst.
Unnummerierte Überleitung: Anschließend wird das „Melken“, also Dehnen, beschrieben.
21.KE.5: Die Vāgīśvarī genannte Zunge wird in ein Kopftuch gehüllt und vom Yogin langsam gezogen, unter Beachtung der überlieferten Zeitordnung.
Unnummerierte Überleitung: Auch das Einführen wird beschrieben.
21.KE.6: Wenn die Zunge durch den inneren Weg in die Brahmahöhlung gelangt, wird die selbst für die Götter schwer zu öffnende Brahmansperre genannt, o Göttin …
Unnummerierter Halbvers: … sie werde mit der Fingerspitze bearbeitet und die Zunge dort eingeführt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck; die Satzfügung bleibt dadurch unvollständig.
Unnummerierte Überleitung: Für die anschließende „quirlende“ Zungenübung wird auch eine Frucht genannt.
Unnummerierter Vers: „So entstehe nach zwölf Jahren Vollendung, o höchste Herrin: Im Körper schaue man das gesamte Weltall ohne Trennung vom Selbst.“
Fortsetzung der Prosa: Der Kommentator nennt dies den stärker gewaltsamen Weg. Zur Erwähnung des Oberschenkels kehrt er dann zur inneren Deutung zurück: Die Stelle stehe auch für die jeweils höher gelegenen Orte. In der Mitte des Oberschenkels werden Geist und Prāṇa gesammelt, und die Bindung an Marma und Lebensatem werde gelöst. Das bedeute, die Identifikation „Ich befinde mich in diesem Marma“ aufzugeben und ohne Stütze zu verweilen. Entsprechend sei es an den übrigen Orten zu verstehen.
Alternativ werde die jeweils trennende Nāḍī-Verbindung durchdrungen, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Die Wendung „vierfach“ könne die vier oberhalb des Oberschenkels genannten Orte After, Geschlechtsorgan, Nabel und Herz meinen: Dort werde durch Übung die Bindung an Namen, Gestalt, Marma und Prāṇa gelöst. Eine weitere Erklärung bezieht sie auf vier tägliche Wiederholungen: morgens, mittags, abends und um Mitternacht, jeweils an allen Orten … Die Erläuterung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Fortsetzung der Prosa: … durch die wiederholte Übung. Führt das Lösen der Körperidentifikation zum Tod? Der Kommentar verneint dies und erklärt damit „ohne Befürchtung“: Auch im Tiefschlaf falle die Identifikation weg, ohne dass der Körper zerfalle. Ebenso werde von einem langen Fortbestehen des Körpers Meditierender berichtet. Auch beim Durchdringen der Cakras solle dieselbe Befürchtung nicht entstehen. Dies ist die Argumentation des überlieferten Kommentars.
Anschließend sammle der Yogin die Nāḍī-Verbindungen im Halsbereich und durchtrenne ihre Bindung. Die Zahl hundertundeins bezeichne eine mittlere Gruppe besonders wichtiger Nāḍīs. Weshalb steht bei Iḍā „sie möge schützen“, obwohl eine bloße Ortsangabe links und rechts genügen würde? Der Kommentar erkennt darin einen Segen für die Schüler, damit die Weitergabe der Lehre nicht abbreche.
Der vorzügliche Ort sei Suṣumṇā. Das männliche Pronomen „ihn“ beziehe sich auf ihren göttlichen Lenker. Suṣumṇā ruhe im höchsten Puruṣa, Brahman; sie sei rein und von Brahmans Natur, weil sie dessen Wohnstätte sei. Damit sei Suṣumṇā der Ort und das Höchste ihr Lenker.
Abweichende Wortdeutung des Kommentars: Das schwer verständliche taitila in Vers 17 wird nun als Kopfpolster, gaṇḍuka, ausgelegt. Wie der Kopf auf einem Polster ruht, so seien die zweiundsiebzigtausend Nāḍīs auf Suṣumṇā gegründet. Dafür wird eine Wörterbuchstelle aus dem Viśva angeführt. Diese Deutung unterscheidet sich vom zunächst naheliegenden Ölgleichnis der Versübersetzung; sie bleibt ausdrücklich als Kommentarlesart sichtbar.
Die Nāḍīs würden durch Meditationsyoga „durchtrennt“, sodass der Jīva beim Austritt verschiedene höhere und niedrigere Bereiche erreichen könne. Dazu wird zitiert: „Durch jene nach oben gehend erlangt man Unsterblichkeit; die übrigen dienen dem Austritt in verschiedene Richtungen.“
Suṣumṇā allein werde nicht durchtrennt: Sie sei zu fein, um ein Gegenstand des Geistes zu sein; durch Yoga werde nur gelöst, was Gegenstand des Geistes ist. Außerdem sei sie gerade und ohne entgegenstehendes Hindernis. Die Klinge sei der Geist mit Yoga als reiner Schneide und mit feurigem Glanz. Werden die hundert Hauptnāḍīs gelöst, gelte dies auch für die aus ihnen entstandenen zweiundsiebzigtausend. „Standhaft“ bedeute verständig, „kraft seiner Wirksamkeit“ durch Yogavermögen, „in diesem Leben“ im menschlichen Körper.
Auch das Jāti-Gleichnis bezieht der Kommentar auf das Kopfpolster: Wie dieses mit Mālatī-Blüten beduftet werde, so werde die Nāḍī durch heilvolle und unheilvolle Vorstellungen geprägt. Sie sei der Träger der Vāsanās, wie das Polster Träger des Blütenduftes ist. Deshalb werde ihre innere Betrachtung gelehrt und die daraus entstehende Vollendung genannt.
„Den Geist erkannt habend“ bezeichnet den, der seinen Geist kennt. Die Schneide der Geistesklinge sind die zwölf und weiteren Praṇava-Maße. Der zu durchtrennende Faden kann sowohl die Vāsanā als auch die Nāḍī bezeichnen. Die Wiederholung des Schlusssatzes bekräftigt die Aussage; „iti“ zeigt das Ende an.
Überlieferte Aufstiegsbeschreibung aus dem Khecarī-Paṭala
Quellenanschluss: Der Kommentar führt nun eine Aufstiegsbeschreibung für utkrānti, das Verlassen des Körpers, aus dem Khecarī-Paṭala an. Die neue Zählung trägt das Kürzel 21.UK. Die Verse werden als historische Vorstellung von Tod und Befreiung wiedergegeben, nicht als Anleitung zum Herbeiführen des Todes.
21.UK.1: Wenn beim Yogin der Entschluss entsteht, diesen Körper zu verlassen, wird er als fest sitzend beschrieben und stellt sich die vom Wurzelbereich aus leuchtende Śakti vor …
21.UK.2: … lange, wie zehn Millionen Sonnen. Das bis zu den Fußsohlen ausgebreitete eigene Lebensprinzip …
21.UK.3: … wird der Reihenfolge nach gesammelt und zum Mūlādhāra geführt. Dort wird Kuṇḍalinī-Śakti dem Feuer der Weltauflösung gleich vorgestellt …
21.UK.4: … wie sie den eigenen Jīva und die Sinne in sich aufnimmt. Im Zustand des angehaltenen Atems wird sie als blitz- und feuerglänzend beschrieben.
21.UK.5: Vom Mūlādhāra führt der Asket sie zum Svādhiṣṭhāna, o Göttin. Dort stellt er sich vor, wie sie das an dieser Stelle befindliche Lebensprinzip ganz aufnimmt.
21.UK.6: Zehn Millionen Blitzen gleich erhebt sie sich rasch von dort zum Maṇipūra. Dort wird die vorherige Vorstellung wiederholt.
21.UK.7: Nach längerem Verweilen und derselben inneren Übung führt der Yogin sie zum Anāhata und verfährt in der geschilderten Weise.
21.UK.8: Danach wird Kuṇḍalinī zum Viśuddha geführt und ebenso betrachtet. Von dort erhebt sie sich zur Brauenmitte. Die abschließende Wortverbindung des Verses ist im Druck nicht sicher aufzulösen.
21.UK.9: Der Vers nennt das große Leere und einen Glanz wie zehn Millionen Sonnen; mit dem Geist und der als Vāgīśī bezeichneten Kraft werde die Brahmansperre durchdrungen. Mehrere Wörter der ersten Hälfte und die abschließende Verbindung bleiben unsicher; die Fortsetzung folgt auf der nächsten Seite.
21.UK.10: Im großen Meer des höchsten Nektars findet sie Ruhe. Der dort befindliche höchste Gott Śiva, die höchste Ursache …
Unnummerierter Halbvers: … wird mit Śakti verbunden; ihre Einheit wird vergegenwärtigt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: Derselbe Text beschreibe auch den Abstieg: Wenn der Yogin den vorher erkannten Zeitpunkt des Austritts überwinden und weiterleben wolle, werde eine Rückkehr vorgestellt. Die folgenden vier neu gezählten Verse erhalten das Kürzel 21.RK.
21.RK.1: Wer die Einteilungen der Zeit kennt und die Todeszeit überwinden will, verbleibt dort in Glück, bis diese Zeit vorübergeht.
21.RK.2: Unterhalb der Sperre am Brahmantor gehört der Körper zum Wirkungsbereich der Zeit; der darüber gelegene Bereich untersteht ihr nicht.
21.RK.3: Wenn er erkennt, o Göttin, dass seine Todeszeit vorüber ist, führt er Śakti durch die Brahmansperre zurück zum Wurzelort.
21.RK.4: Das in Śaktis Gestalt ausgebreitete eigene Lebensprinzip wird mit den Sinnen wieder den jeweiligen Tätigkeiten zugeordnet. Mit unversehrtem Körper erlangt er Wohlbefinden.
Unnummerierter Halbvers: Durch diesen Yoga, o Göttin, werde die herangekommene Todeszeit überwunden. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck. Die Unsterblichkeitsvorstellung wird als Aussage der Quelle bewahrt.
Bewusstseinsqualitäten an den Cakrablättern
Unnummerierte Prosa: Das Üben von Aufstieg und Abstieg wird hier als wesentlicher Yoga der Yogalehren verstanden und erläutert. Wenn der Geist die fünfzig Blätter durchläuft, entstehen fünfzig Bewusstseinsweisen. Dazu wird das Adhyātmaviveka angeführt. Das Kürzel der neuen Zählung lautet 21.CB.
21.CB.1: Zwischen After und Geschlechtsorgan liegt das vierblättrige Ādhāracakra. Höchste Freude, natürliche Freude, die als Heldenfreude bezeichnete Freude …
21.CB.2: … und Yogafreude sind seine Früchte, beginnend mit dem Blatt im Nordosten. Das Svādhiṣṭhāna an der Wurzel des Geschlechtsorgans ist ein sechsblättriger Kreis.
21.CB.3: Auf seinen Blättern, beginnend im Osten, werden der Reihe nach genannt: Ergebenheit, Grausamkeit, Verlust des Stolzes, Bewusstlosigkeit …
21.CB.4: … Missachtung und Misstrauen als Zustände des dort weilenden Jīva. Am Nabel befindet sich der zehnblättrige Lotus namens Maṇipūraka.
21.CB.5: Hier werden tiefer Schlaf, Durst beziehungsweise Verlangen, Neid, Verleumdung, Scham, Furcht, Abscheu, Verblendung, eine undeutlich bezeichnete gereizte Verfassung und Niedergeschlagenheit genannt. Das vorletzte Zustandswort bleibt in seiner Lesung unsicher.
21.CB.6: Im Herzen befindet sich das zwölfblättrige Anāhatacakra. Genannt werden Unbeständigkeit, Untergang beziehungsweise Verlust, Täuschung, prüfendes Erwägen und Reue …
21.CB.7: … Hoffnung, Denken an Offenbarung beziehungsweise Licht, Streben, Gleichmut, Anmaßung, Verwirrung beziehungsweise Beeinträchtigung, Unterscheidung und Ichbildung. Die gedruckte Wortfolge lässt sich nicht widerspruchsfrei in genau zwölf voneinander getrennte Zustände aufteilen. Zusammensetzungen werden deshalb nicht willkürlich zu einer gesicherten Zwölferliste umgeordnet.
21.CB.8: Diese gelten als Früchte des auf den Blättern von Osten an weilenden Selbst. In der Kehle befindet sich der Sitz Bhāratīs, das sechzehnblättrige Viśuddhicakra.
21.CB.9: Dort werden Praṇava beziehungsweise Udgītha, Huṃ, Phaṭ, Vauṣaṭ, Vaṣaṭ, Sudhā, Svāhā, Namas, Amṛta sowie die sieben Töne, beginnend mit Ṣaḍja, genannt. Die Verbindung von Praṇava und Udgītha als eine Position ermöglicht die angegebene Gesamtzahl sechzehn; der Vers erläutert diese Zählweise nicht ausdrücklich.
Unnummerierter Halbvers: So werden sechzehn Wirkungen für das auf den Blättern von Osten an weilende Selbst genannt. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Überleitung: Für den sechzehnblättrigen Lotus wird andernorts eine besondere Zuordnung gegeben. Die gedruckte Zählung wird mit 10 fortgesetzt.
21.CB.10: Mitgefühl, Geduld, Aufrichtigkeit, Mut, Leidenschaftslosigkeit, Standhaftigkeit, Lachen, das Aufrichten der Körperhaare vor Ergriffenheit, Entschlossenheit, Meditation und feste Ruhe …
21.CB.11: … Tiefe, Beruhigung, Klarheit, Erwachen und Einpünktigkeit: Diese Eigenschaften gehören zu den Blättern, beginnend im Osten. Eine Wortverbindung am Versanfang ist undeutlich; der Schluss des zweiten Halbverses fehlt bereits im Druck.
Unnummeriertes Zitat: „Im zweiblättrigen Lotus ist das Offenbarwerden der Bedeutung von ‚Das‘ und ‚Du‘ zu erkennen.“
Unnummerierte Prosa: Zum Aufsteigen des Lebenswindes wird ein Feuerraum zwischen Ādhāra und Svādhiṣṭhāna genannt; dort werde der Geist gesammelt. Wo der Geist ist, dorthin gelange der Prāṇa. In Verbindung mit dem Lebenswind entflamme das Feuer, das von Natur aus aufwärts brenne. Dadurch steige der Wind auf und die sechs Cakras würden durchdrungen. Das dreifache rechtsläufige Umkreisen des Svādhiṣṭhāna beziehungsweise Liṅgacakra werde aus der Aussage über Kuṇḍalinī erschlossen.
Vedhamayī-Dīkṣā: Einweihung durch inneres Durchdringen
Quellenanschluss: Es folgt ein Zitat aus einem Dīkṣā-Paṭala; das Kürzel der neuen Zählung lautet 21.VD.
21.VD.1: Ich werde die durchdringende Einweihung lehren, die aus dem Saṃsāra befreit. Im Körper des Schülers wird der vierblättrige Mūlādhāra meditiert …
21.VD.2: … in dessen reinem, von Licht entfalteten Dreieck die mit drei Windungen versehene Kraft erscheint, leuchtend wie zehn Millionen Blitze …
21.VD.3: … die Göttin aus Śiva und Śakti, deren Gestalt reines Bewusstsein ist, feiner als das Feinste. Die Śakti durchdringt mühelos die sechs Cakras …
21.VD.4: … und zieht auf dem mittleren Weg bis zum höchsten Śiva. Die auf den Blättern befindlichen Laute von Va bis Sa werden dabei zurückgenommen, o Lotusgeborener. Der Satz wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Fortsetzung in unnummerierter Prosa: Entsprechend dieser Darstellung Kuṇḍalinīs wird auch für den aufsteigenden Lebenswind eine dreifache Wendung angenommen. Er erreicht Maṇipūraka am Nabel, dann Anāhata am Herzen und durchquert auch dieses. Im Halsbereich Viśuddhi wird der Prāṇa gehalten; dabei wird das Ājñācakra in der Brauenmitte und anschließend Nāda meditiert.
Dieser Klang wird als vom Wurzelbereich bis zur Brahmaöffnung wahrnehmbar und leuchtend beschrieben. Er sei Brahman, das Selbst des Lebensatems und das höchste Selbst.
Die Anzahl der Atembewegungen sei zuvor mit 21.600 angegeben worden. Andere Texte nennen 21.606. Wieder andere überliefern die Worte: „Achtzig, sechshundert, dreizehntausend und ein Lakh Atemzüge innerhalb eines Tages und einer Nacht“; das ergibt 113.680. Der Druck stellt diese verschiedenen Zahlen ausdrücklich nebeneinander. Sie werden weder vereinheitlicht noch als gemessene physiologische Atemzahlen ausgegeben.
Quellenanschluss: Aus einem weiteren Tantra folgt ein mit 1 gezählter Vers; sein Kürzel lautet 21.HA.
21.HA.1: Bei Einatmung und Ausatmung erscheinen die beiden Laute Haṃ und Sa. Deshalb heißt der Prāṇa Haṃsa und besteht in der Gestalt des Selbst.
Unnummerierter Halbvers: Die vom Nabel ausgehenden Ein- und Ausatmungen sind vor dem Herzen verortet.
Unnummerierte Prosa: Nun erläutert der Kommentar das Verschließen des unteren Ausgangs und das Aufrichten des Prāṇa genannten Lebenswindes aus dem Mūlādhāracakra. Für die Art des Haltens wird Yājñavalkya angeführt. Die Herausgeber vermerken ausdrücklich: Dieser Kommentarabschnitt ist unsicher, weil der zugehörige Grundvers nicht vorliegt. Diese Überlieferungslücke bleibt bestehen.
Neue Zitatfolge; Kürzel 21.AS:
21.AS.1: Die feine Dammnaht unterhalb der Hoden wird durch die Stellung der Knöchel gehalten; der rechte liegt über dem linken. Die zusammengesetzte erste Ortsangabe ist gedrängt; eine zusätzliche moderne Haltungsanleitung wird daraus nicht ergänzt.
21.AS.2: Der Yogin schließt den Raum zwischen Unter- und Oberschenkeln fest; Nacken, Kopf, Schultern, Rücken und Bauch werden gleichmäßig ausgerichtet.
Unnummerierter Abschluss: Die Atemfolge nach der Kādi-Lehre werde später erklärt.
Kolophon: So endet der einundzwanzigste Śvāsa des Śrīvidyārṇava-Tantra, verfasst vom Yati Śrī Vidyāraṇya. Die überlieferte Lehrerfolge nennt den hochverehrten Śrī Govindācārya, dessen Schüler Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya, dessen Schüler Śrī Viṣṇuśarmācārya, dessen Schüler Śrī Pragalbhācārya und dessen Schüler Vidyāraṇya. Die Zuschreibung und Lehrerfolge werden als Angaben des Kolophons wiedergegeben.
22. Śvāsa
Der zweiundzwanzigste Śvāsa beginnt mit der Bildung und Anwendung von Lakṣmī-Mantras. Verse, Lautverschlüsselungen und Meditationsbilder werden durch Prosa erläutert. Die Übersetzung folgt dem Druckbild des Uttarārdha von 1937 ab Seite 143; unsichere Lesungen bleiben an Ort und Stelle kenntlich. Die neu beginnenden Zitatfolgen werden mit eigenen Kürzeln unterschieden.
Lakṣmī als Geberin von Fülle und Erkenntnis
Unnummerierte Einleitung: Nun werden die Herleitung und Anwendung der Mantras von Lakṣmī und weiteren Gottheiten erklärt. Zuerst wird das Kūrmapurāṇa angeführt; Kürzel 22.KP.
22.KP.1: Verehrt gewährt die Gemahlin des Erhabenen reichen Wohlstand, Gedeihen, Einsicht, Ruhm und Kraft. Deshalb soll Lakṣmī verehrt werden.
Quellenanschluss: Im Sārasaṃgraha folgt die nächste Reihe; Kürzel 22.SS.
22.SS.1: Nun werden die Mantras Ramās erklärt. Sie gewähren in hohem Maß Glück und Wohlergehen, vermögen aus Not zu erheben und verleihen die Früchte der drei Lebensziele. Ramā ist hier ein Name Lakṣmīs; die drei Ziele sind Dharma, Artha und Kāma.
22.SS.2: Der sechste Laut, von Saṃvarta aus nach links gezählt, wird mit dem siebten von Vyoman verbunden, dazu kommen der vierte Vokal, die Halbmond-Kalā und Nāda.
Unnummerierter Halbvers: Der einsilbige Ramā-Mantra ist ein himmlischer Wunschbaum für die Herzenswünsche. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: Saṃvarta bezeichnet Kṣa. Von dort rückwärts gezählt ist der sechste Laut Śa. Auch die Angabe „der siebte von Vyoman“ wird rückläufig verstanden; so ergibt sich Ra. Hinzu kommen der vierte Vokal Ī, die Halbmondgestalt und der als Bindu erläuterte Nāda. Damit ist das Śrī-Bīja angegeben: śrīṃ.
22.SS.3: Als Seher dieses Mantras wird Bhṛgu genannt, als Versmaß Nicṛt. Die Gottheit ist Lakṣmī, die sowohl Erfahrung und Genuss als auch Befreiung gewährt.
22.SS.4: Mit den durch „linkes Auge“, „Ohr“, Ina, Manu und den Schlusslaut bezeichneten Vokalen wird der Mantra für die sechs Glieder gebildet, jeweils mit den zugehörigen Schlussausdrücken. Die Zusammensetzung des Lautcodes ist im Vers gedrängt und teilweise unsicher; die anschließende Prosa erklärt die Lautfolge ausdrücklich.
Unnummerierte Prosa: Das linke Auge steht für I, das Ohr für Ū; durch die Zusammensetzung sei auch beim Ohr die linke Seite gemeint. Ina bezeichnet den zwölften, Manu den vierzehnten Vokal, und der letzte Laut ist Visarga. Daraus werden die sechs Gliedmantras angegeben: śrāṃ, śrīṃ, śrūṃ, śraiṃ, śrauṃ, śraḥ. Nun folgt die Meditation.
Meditationsbild der lotusäugigen Göttin
Unnummerierter Dhyāna-Vers: Auf einem Lotus sitzend, im Glanz frischen Goldes, hält sie zwei Lotusse und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung. Vier große Elefanten, den Schneebergen gleich, besprengen ihre Gestalt mit Gefäßen voller Nektar. Mit schöner Krone, feinem Gewand und Lotusaugen möge sie Wohlergehen schenken. Die genaue Verbindung beim Adjektiv des Nektargefäßes ist im Druck nicht völlig klar; sie wird nicht zu einer zusätzlichen Stoff- oder Temperaturangabe ausgebaut.
Unnummerierte Prosa: Die Anordnung der Attribute wird auf die oberen und unteren Hände bezogen. Dazu wird das Nārāyaṇīya zitiert.
Unnummerierter Vers: „Vierarmig, golden leuchtend, in beiden oberen Händen Lotusse haltend, zeigt sie mit der rechten Hand Furchtlosigkeit und mit der linken die Geste des Gewährens.“
Fortsetzung der Prosa: „Den Schneebergen gleich“ bezeichnet die weiße Farbe der Elefanten. Hierfür wird aus einer Dakṣiṇāmūrti zugeschriebenen Quelle die Wendung „weißen Wolken gleich“ herangezogen. Der Satz geht auf der nächsten Druckseite weiter.
In der Druckfußnote vollständig angeführter Dhyāna-Vers: Möge Śrī euch Fülle schenken: Ihre Hände halten zwei Lotusse und zeigen Furchtlosigkeit und Gewähren. Sie glänzt wie erhitztes Gold. Zwei Elefantenpaare, weißen Wolken gleich, besprengen sie mit Wasser aus den Gefäßen, die sie in ihren Rüsseln tragen. Ihr Haupt schmückt eine Fülle von Juwelen; sie trägt ein überaus reines feines Gewand und duftende Salbung. Lotusäugig, auf einem Lotus weilend, hat sie ihren Wohnsitz auf der Brust des Padmanābha. Die überlieferte Bezeichnung der Salbung ist dichterisch zusammengesetzt; eine bestimmte moderne Duftmischung wird nicht ergänzt.
Fortsetzung des Quellenanschlusses: In der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā folgt ein neu mit 1 gezählter Yantravers; Kürzel 22.DY.
22.DY.1: Ein achtblättriger Lotus wird gezeichnet, außen die Erdbegrenzung. In die Mitte wird das Bīja gesetzt; neun Śaktis werden verehrt.
Quellenanschluss: Im Sārasaṃgraha folgt eine weitere Beschreibung; Kürzel 22.YA.
22.YA.1: Zwei achtblättrige Lotusse mit leuchtenden Mittelbereichen und Staubfäden sind von drei Quadraten mit vier Toren umgeben.
Unnummerierte Prosa: So wird der Verehrungskreis beschrieben. Im selben Werk heißt es weiter:
22.YA.2: Auf dem mit Dharma und den weiteren Bestandteilen vorgestellten Sitz, der mit neun Śaktis ausgestattet ist, ruft der vorzügliche Übende Ramā herbei und verehrt sie mit Duft und weiteren Gaben.
Quellenanschluss: Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā nennt die Sitzkräfte; neue Zählung 22.PS.
22.PS.1: Vibhūti, Unnati, Kānti, Hṛṣṭi, Kīrti, Sannati, Vyuṣṭi, Utkṛṣṭi und Ṛddhi werden verehrt. Acht gehören zu den Richtungen …
Unnummerierter Halbvers: … in der Mitte wird der aus allen Kräften bestehende Thronsitz verehrt, o Geliebte. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck. Die folgende praktische Erläuterung ordnet Ṛddhi ausdrücklich der Mitte zu.
Der Mantra des Lotussitzes
Unnummeriertes Zitat aus dem Śāradātilaka: „Den Sitz gibt man mit dem vorangestellten Bīja; die Gestalt wird mit dem Wurzelmantra gebildet.“ Der folgende Vers trägt die gedruckte Nummer 1; Kürzel 22.ST.
22.ST.1: Nach dem Ausdruck „sarvaśakti“ wird „kamalāsana“ im Dativ gesprochen, dann „namas“. So wird der Sitz mit dem jeweils zugehörigen Anfangsbīja verehrt, o Śivā.
Unnummerierte Prosa: Der Sitzmantra lautet demnach nach dem Bīja: sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ – „Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte.“ Der eben übersetzte Vers wird zur Begründung nochmals unnummeriert vollständig wiederholt.
Wiederholter unnummerierter Vers: Nach „sarvaśakti“ folgt „kamalāsana“ in der Dativform und danach „namas“. Mit dem jeweiligen Bīja am Anfang wird so der Sitz verehrt, o Śivā.
Unnummerierte Prosa: Padmapādācārya nennt dagegen: śrīṃ śrīdevyāsanāya namaḥ und śrīṃ śrīdevīmūrtaye namaḥ – Verehrung dem Sitz der Göttin Śrī und Verehrung ihrer Gestalt. Sanatkumāra wird mit dem Satz angeführt: „Man stellt sich einen weißen Lotus vor und verehrt Śrī in seinem Mittelteil.“
Die umgebenden Kreise der Verehrung
Quellenanschluss: Im Sārasaṃgraha folgt eine neu gezählte Reihe; Kürzel 22.AV.
22.AV.1: Auf diesen Sitz wird die Göttin gerufen und mit Duft und weiteren Gaben verehrt. Zuerst werden ihre Glieder verehrt, dann die mit Vāsudeva beginnenden Gestalten …
22.AV.2: … mit den Elefanten und dem Paar der Schätze. Ein weiterer Kreis besteht aus den mit Balākā beginnenden Göttinnen, ein weiterer aus den Welthütern und der nächste aus deren Waffen.
22.AV.3: Balākā, Vimalā, Kamalā, Vanamālikā, Vibhīṣikā, Mālikā, Śāṅkarī und Vasumālikā …
22.AV.4: … halten jeweils zwei Lotusse und glänzen wie Perlenketten. Wer diesen Mantra nach der beschriebenen Ordnung verehrt …
Unnummerierter Halbvers: … soll bald den mit Kleidung und Nahrung erfüllten Wohlstand erlangen.
Unnummerierte Prosa: Die Gruppe von Vāsudeva bis Padmanidhi bildet hier die zweite Umhüllung. Zur Begründung wird das Prapañcasāra mit der Druckstellenangabe 12.10 und einem kurzen Zitat über die Gestalten, Elefanten und das Schatzpaar angeführt. Die im Nārāyaṇīya genannten Guggulu, Kuraṇṭaka, Damaka und Salila auf den Blättern von Südosten an seien auf die jeweils behandelten Richtungen zu beziehen. Die zusammengesetzte Form des kurzen Prapañcasāra-Zitats ist gedrängt; die Gruppenzuordnung ist aus der umgebenden Prosa klar.
Praktische Ritualfolge im Text
Unnummerierte Prosa: Die Beschreibung beginnt mit den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und mit dreimaligem Prāṇāyāma unter Verwendung des Wurzelmantras. Dann werden folgende Zuordnungen vorgenommen: am Kopf bhṛguṛṣaye namaḥ, Verehrung dem Seher Bhṛgu; am Mund nicṛcchandase namaḥ, dem Versmaß Nicṛt; am Herzen śriye devatāyai namaḥ, der Gottheit Śrī; im verborgenen Körperbereich śaṃ bījāya namaḥ, dem Bīja Śaṃ; an den Füßen ī śaktaye namaḥ, der Kraft Ī; am Nabel raṃ kīlakāya namaḥ, dem als Kīlaka bezeichneten Raṃ.
Nach der Anwendungserklärung werden die sechs Gliedmantras an Daumen, weiteren Fingern und Handflächen sowie an den sechs Körpergliedern eingesetzt: śrāṃ hṛdayāya namaḥ; śrīṃ śirase svāhā; śrūṃ śikhāyai vaṣaṭ; śraiṃ kavacāya huṃ; śrauṃ netratrayāya vauṣaṭ; śraḥ astrāya phaṭ. Sie beziehen sich der Reihe nach auf Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe.
Nach Meditation und geistiger Verehrung wird der Verehrungssitz mit zwei achtblättrigen Lotussen, drei Quadraten und vier Toren errichtet und vor dem Übenden angeordnet. Es folgen das Aufstellen des Arghya-Gefäßes und die zuvor beschriebene Verehrung bis zum höchsten Prinzip.
Die Sitzkräfte werden von der eigenen Vorderseite aus rechtsläufig angerufen: oṃ vibhūtyai namaḥ; ratyai namaḥ; kāntyai namaḥ; hṛṣṭyai namaḥ; kīrtyai namaḥ; sannatyai namaḥ; vyuṣṭyai namaḥ; utkṛṣṭyai namaḥ; in der Mitte ṛddhyai namaḥ. Die Prosa nennt an zweiter Stelle Rati, während der vorausgehende Vers Unnati nennt. Diese Abweichung wird nicht vereinheitlicht; auch die Fußnoten bieten abweichende Namen.
Danach folgt śrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ für den gesamten Sitz … Die Ritualbeschreibung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Fortsetzung der Ritualprosa: Nach der Verehrung des ganzen Sitzes, der Herbeirufung und der Verehrung der Glieder werden im inneren achtblättrigen Lotus, von der Vorderseite der Göttin aus, die vier Gestalten angerufen: oṃ vāsudevāya namaḥ; saṅkarṣaṇāya namaḥ; pradyumnāya namaḥ; aniruddhāya namaḥ. In den Zwischenrichtungen von Südosten an folgen damakāya namaḥ; salilāya namaḥ; guggulave namaḥ; kuraṇṭakāya namaḥ.
An der Spitze des Blattes rechts von der Göttin wird oṃ śaṅkhanidhaye namaḥ, links oṃ padmanidhaye namaḥ gesprochen: Verehrung dem Muschel- und dem Lotusschatz. Im zweiten achtblättrigen Lotus folgen die Formeln oṃ balākāyai namaḥ; oṃ vimalāyai namaḥ; oṃ kamalāyai namaḥ; oṃ vanamālāyai namaḥ; oṃ vibhīṣikāyai namaḥ; oṃ mālikāyai namaḥ; oṃ śāṅkaryai namaḥ; oṃ vasumālikāyai namaḥ. Hier heißt die vierte Gestalt Vanamālā, im vorangehenden Vers Vanamālikā; die Formen werden erhalten. Mit der Verehrung der Welthüter und den weiteren Schritten wird der Ablauf abgeschlossen.
Rezitationsumfang und Feueropfer
Die frühere Sārasaṃgraha-Reihe 22.SS wird mit Vers 5 fortgesetzt.
22.SS.5: Es werden so viele Lakh Wiederholungen wie Sonnen genannt, danach die entsprechende Tausenderzahl an Feueropfern: mit Lotussen, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind, oder mit Sesam beziehungsweise Śrīfrüchten.
22.SS.6: Auch alle drei werden, mit Süßem versehen, für den die Sinne beherrschenden Übenden genannt. Danach folgen Wasserspenden und die übrigen Handlungen bis zur Verehrung der Zweimalgeborenen, mit heiterem Geist.
Unnummerierte Prosa: Die Zahl der Sonnen wird als zwölf erklärt: zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen. Die anschließende Erläuterung nennt das Feueropfer ein Zehntel davon, erklärt aber unmittelbar danach für jedes der drei Materialien viertausend Darbringungen. Diese Angaben widersprechen sich: dreimal viertausend ergibt 12.000, während ein Zehntel von 1.200.000 den Wert 120.000 hat. Die Ausgabe gleicht die Zahlen nicht stillschweigend an.
Der Ācārya erläutert die Bilva-Angabe auch durch entsprechende Opferhölzer. „Mit dreien“ bedeute, die Stoffe einzeln zu verwenden, nicht als gemeinsame Mischung; eine Mischung bilde eine andere Substanz. Zur Begründung wird eine Diskussion der Bhaṭṭa-Tradition über Reis, Gerste und ihre Vermischung angeführt. Der Einwand, dann widerspreche das Vermischen mit den drei süßen Stoffen derselben Regel, wird zurückgewiesen: Die allgemeine Vorschrift erlaube diesen Zusatz zu Opfermaterialien. Er sei mit dem Hinzufügen von Ghee beim Unterlegen und Übergießen anderer Opfergaben vergleichbar.
Zugeschriebene Früchte der Lakṣmī-Verehrung
22.SS.7: Nach der Vollendung des Mantras wendet sich der Übende seinem Wunsch zu. Im Wasser stehend vergegenwärtigt er Śrī in der Sonne … Das genaue Wort zur Höhe des Wasserstandes ist undeutlich.
22.SS.8: … und wiederholt diesen Mantra bis zu dreihunderttausendmal. Dadurch, so die Zusage, werde der Mensch bald aus Armut befreit.
22.SS.9: Unter einem Bilvabaum bei einem Heiligtum Madhusūdanas sitzend werden dreihunderttausend Wiederholungen genannt; nach einem Jahr soll das Gewünschte gewährt werden.
22.SS.10: Der Übende soll bald eine große Menge an Besitz erlangen. In einem mit Aśoka-Holz geschichteten Feuer wird Reis mit geklärter Butter dargebracht …
22.SS.11: … wodurch ihm die Beherrschung der drei Welten zugeschrieben wird. In einem vorschriftsgemäß mit Khadira-Stücken entfachten Feuer …
22.SS.12: … bringt der Mantrakundige Reis mit den drei süßen Stoffen dar. Dadurch soll er ein Königshaus beeinflussen und reicher als der Reichtumsgott werden.
22.SS.13: In einem Feuer aus Arka werden gereinigte Śāli-Reiskörner dargebracht. Nach einem Niyuta solcher Opfer soll ein Königssohn die Herrschafts-Lakṣmī erlangen. Niyuta bleibt als traditionelle Zahlbezeichnung erhalten; der Vers selbst löst sie hier nicht auf.
22.SS.14: Hunderttausend Lotusopfer mit den drei süßen Stoffen werden genannt. Wer von Unglück begleitet ist, soll dadurch Lakṣmī erlangen.
22.SS.15: Der Übende erfreut sie mit Gaben von Vermögen, Getreide und weiteren Gütern. Wo sie ein von Mitgefühl erfülltes Zuhause findet, verlässt sie dessen Familie nicht. Die gedrängte Verbindung von „mitfühlend“ und „ein Zuhause habend“ wird sinngemäß auf die Familie bezogen.
22.SS.16: Ein Brahmane pflanzt bei seinem Haus einen Bilvabaum und zieht ihn heran. Er rezitiert das Śrīsūkta und bringt anschließend dessen Blätter dar.
22.SS.17: Ebenso nennt der Text Blüten, Früchte, geeignete Opferhölzer, Teile des Stammes und Wurzeln dieses Baumes, jeweils mit den drei süßen Stoffen verbunden.
22.SS.18: Bei einer Opferspeise mit Bilva als Nahrung soll Ramā noch vor Ablauf eines Maṇḍala sichtbar erscheinen. Wie, fragt der Text, könnte dann Unglück in der Familie bleiben? Die Dauer des Maṇḍala wird in diesem Vers nicht eigens beziffert; die Wirkungszusage bleibt eine Aussage der Quelle.
Eine Schriftanordnung aus dem Śrīyantrasāra
Quellenanschluss: Das Śrīyantrasāra eröffnet eine neue Zählung; Kürzel 22.SY.
22.SY.1: In die Mitte wird Tāra, der Praṇava, mit dem Namen der Zielperson in seinem Inneren geschrieben. Auf die Blätter kommen die vier Versviertel der mit „evā pitre“ beginnenden Ṛc.
22.SY.2: Auf dem achtblättrigen Lotus werden die Versviertel der mit „yūyam“ bezeichneten Stelle gemäß den Richtungen angeordnet; danach folgen der Reihe nach die sechzehn äußeren Blätter. Die Richtungsverbindung in der Mitte des ersten Halbverses ist undeutlich; eine vollständige vedische Stellenidentifikation wird hier nicht ergänzt.
22.SY.3: Auf den sechzehn Blättern wird die Ṛc mit „tvaṃ soma“ geschrieben; der Druck nennt zusätzlich in Klammern „pracikī“. Auf dem ersten Blatt stehen drei Laute, auf dem zweiten sieben …
22.SY.4: … auf dem dritten ebenfalls sieben, auf dem vierten vier, auf dem fünften fünf, auf dem sechsten sechs, auf dem siebten vier und auf dem achten acht. Die Zahlenfolge wird über die Versgrenze hinweg gelesen; die weiteren Blätter folgen auf der nächsten Seite.
22.SY.5: Von der mit „prajāpate“ beginnenden Ṛc werden vier Laute auf das neunte Blatt geschrieben, fünf auf das zehnte und sechs auf das elfte.
22.SY.6: Auf das zwölfte und auf das dreizehnte Blatt kommen jeweils vier Laute; auf das vierzehnte ebenfalls vier und auf das fünfzehnte sieben. Der zweite Halbvers steht bereits im Druck in eckigen Klammern.
22.SY.7: Auf das sechzehnte Blatt werden sechs Laute geschrieben. Außen wird das Ganze mit der Buchstabenreihe umgeben; an die Ecken der Erdbegrenzung kommt das Śrī-Bīja.
22.SY.8: Dieses Yantra der fünf Ṛcs soll Fülle an Geld, Getreide, Land, Kindern, Kühen, Elefanten, Pferden, Büffeln, Feldfrüchten und Schmuck …
Unnummerierter Halbvers: … als schöne Lakṣmī herbeiführen, die bis zu Kindern und Enkelkindern fortbesteht. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: In die Mitte eines vierblättrigen Lotus wird Praṇava mit dem Namen der Zielperson geschrieben. Auf die vier Blätter kommen rechtsläufig, von der eigenen Vorderseite aus, die vier Versviertel von „evā pitre“. Außen folgt ein achtblättriger Lotus: Auf die Blätter der Hauptrichtungen werden die vier Viertel von „yūyam“ geschrieben, auf die Zwischenrichtungen die vier Viertel von „evendrāgnī“. Noch weiter außen liegt der sechzehnblättrige Lotus für die beiden Ṛcs „tvaṃ soma“ und „prajāpate na tvad“.
Die Prosa wiederholt die vollständige Lautverteilung: Blätter 1–8 erhalten 3, 7, 7, 4, 5, 6, 4 und 8 Laute; Blätter 9–16 erhalten 4, 5, 6, 4, 4, 4, 7 und 6 Laute. Außen werden zwei Kreise gezogen. In den Zwischenraum kommt die Mātṛkā-Buchstabenreihe von A bis Kṣa mit Bindus als umlaufende Einfassung. Ein äußeres Quadrat trägt in seinen Ecken das Śrī-Bīja. Dem so gebildeten Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben.
Die fünf ausgeschriebenen Ṛgveda-Gebete
Unnummerierte Überleitung: Nun werden die fünf Ṛcs vollständig angeführt. Für die erste nennt der Text Vāmadeva als Seher, Bṛhaspati als Gottheit und Triṣṭubh als Versmaß. Das Kürzel der gedruckten Zählung lautet 22.RV. Die Sanskrit-Arbeitsfassung ist keine vollständige Edition der vedischen Akzente.
22.RV.1: So wollen wir dem Vater, dem Gott aller, dem kraftvollen Spender, mit Opfern, Verneigung und Gaben Verehrung darbringen. O Bṛhaspati, mögen wir gute Nachkommen und mutige Menschen haben und Herren von Gütern sein.
22.RV.2: Ihr Maruts, die wir preisen, führt uns aus der Bedrängnis zu Besserem. Nehmt unsere Opfergabe an, ihr Verehrungswürdigen. Mögen wir Herren von Gütern sein.
Unnummerierte Quellenangabe zur folgenden Ṛc: Seher Kutsa, Gottheiten Indra und Agni, Versmaß Triṣṭubh.
22.RV.3: So, Indra und Agni, die ihr den ausgepressten Soma getrunken habt, gewinnt für uns alle Güter. Dies mögen Mitra und Varuṇa uns reichlich gewähren, Aditi, der Strom, Erde und Himmel.
Unnummerierte Quellenangabe zur folgenden Ṛc: Seher Gautama, Versmaß Triṣṭubh.
22.RV.4: Du, Soma, bist durch Einsicht kundig; du führst uns auf dem geradesten Weg. Unter deiner Führung, o Indu, erlangten unsere weisen Väter einen kostbaren Anteil unter den Göttern.
Unnummerierte Quellenangabe zur folgenden Ṛc: Seher Hiraṇyagarbha, Gottheit Ka, Versmaß Triṣṭubh. Die Bezeichnung Ka wird als Angabe des Textes bewahrt; die Anrede des Verses lautet Prajāpati.
22.RV.5: O Prajāpati, kein anderer als du umfasst all diese entstandenen Wesen. Was wir ersehnen, wenn wir dir opfern, das möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren von Gütern sein.
Ein weiteres Lakṣmī-Yantra
Quellenanschluss: Erneut wird das Śrīyantrasāra angeführt, mit neuer Verszählung; Kürzel 22.NY.
22.NY.1: In die Mitte kommt Tāra mit dem Namen der Zielperson; in die sechs Ecken das Śrī-Bīja. In den Staubfäden des achtblättrigen Lotus werden der Reihe nach die Vokalpaare angeordnet.
22.NY.2: Je vier Laute der mit „yā lakṣmīḥ“ beginnenden Ṛc kommen auf die Blätter. Außen wird die Anordnung mit der „aśvadāyai“ genannten Ṛc umgeben; an den Ecken der Erdbegrenzung … Eine Verbindung in der zweiten Vershälfte ist unsicher; die folgende Prosa erläutert die Kreisräume genauer.
22.NY.3: … wird Śrī eingeschrieben. In dem Haus, in dem dieses Yantra steht, soll sie Geld, Getreide, weitere Güter, Pferde und Kühe …
Unnummerierter Halbvers: … beständig mehren und als Ramā dort wohnen. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: In einem achtblättrigen Lotus wird ein Sechseck gebildet. Seine Mitte enthält Praṇava mit dem Namen der Zielperson, seine sechs Ecken das Śrī-Bīja. Die Staubfäden tragen paarweise die Vokale; auf die acht Blätter kommen jeweils vier Laute von „yā lakṣmīḥ“. Außen bilden drei Kreise zwei Zwischenräume. In den inneren kommt die später beim Śrīsūkta genannte Ṛc „aśvadāyai godāyai“ … Die Erklärung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Vollständiger Vers aus der Druckfußnote: „O Geberin von Pferden, Geberin von Kühen, Geberin von Reichtum, du große Fülle: Möge mir Reichtum zuteilwerden, o Göttin, und gewähre mir alle ersehnten Güter.“
Fortsetzung der Yantra-Erläuterung: Nach der Umfassung mit dem genannten Vers wird der äußere Zwischenraum von den Buchstaben Ka bis Kṣa umgeben. Außen folgt ein Quadrat, in dessen Ecken das Śrī-Bīja geschrieben wird. Diesem Yantra werden die zuvor genannten Früchte zugeschrieben.
Nun vollständig angeführte Ṛc: „Möge jene Lakṣmī, aus dem Meer hervorgegangen, die Wohlstand spendende Kuh, reich an Gütern, Padmā, Viśvā, Vasudevī, stets gern in unserem Haus verweilen.“ Die Folge enthält Namen und Bezeichnungen der Göttin; „Kuh“ gehört zur traditionellen Bildsprache des Spendens und Nährens.
Vier Bījas der Kamalā
22.NY.4: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Der mit Sadyādya bezeichnete Laut wird mit Bindu versehen; an zweiter Stelle steht Bhuvaneśvarī.
22.NY.5: An dritter Stelle steht das Ramā-Bīja, an vierter das Kāmarāja-Bīja. Die vierlautige Formel gilt als Geberin von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa.
Unnummerierte Prosa: Sadyādya bezeichnet Ai; mit Bindu ergibt sich aiṃ. Die übrigen Bījas gelten als bekannt. Aus der angegebenen Folge ergeben sich Aiṃ, Hrīṃ, Śrīṃ und Klīṃ. Diese Auflösung der Namen wird als Lesehilfe angegeben; im Druck sind die drei zuletzt genannten Bījas an dieser Stelle nicht nochmals ausgeschrieben.
22.NY.6: Seher ist Bhṛgu; als Versmaß wird Anuṣṭubh mit vorangestelltem Nicṛt bezeichnet. Die Gottheit ist die heilvolle Kamalā, die alle Fülle gewährt.
Unnummerierter Halbvers: Ihre sechs Glieder werden wie beim vorangehenden Mantra gebildet. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Meditationsvers mit nochmals gedruckter Nummer 6; zur Unterscheidung Kürzel 22.DH:
22.DH.6: Rubinfarben leuchtet sie auf einem Lotus. Vier große Elefanten, dem im Text genannten heiligen Berg gleich, besprengen sie aus juwelenbesetzten Gefäßen, die sie mit erhobenen Rüsseln tragen. Ihre Hände zeigen Gewähren und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusse. Möge Lakṣmī uns schützen, deren Lotusfüße von den Scharen der Götter verehrt werden. Die Bergbezeichnung „harigiri“ im Druck ist nicht eindeutig; sie wird nicht ohne Weiteres in einen bestimmten geographischen Namen umgewandelt.
Unnummerierte Prosa: Die Anordnung der Attribute entspricht der früheren Erklärung.
22.NY.7: Auf dem zuvor beschriebenen Ramā-Sitz wird die Göttin wie zuvor verehrt. Bei geregelter Nahrung werden zwölf Lakh Wiederholungen genannt; danach folgt das Feueropfer …
22.NY.8: … in der entsprechenden Tausenderzahl mit roten Lotussen, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind. Die weiteren Anwendungen werden gemäß der genannten Ordnung ausgeführt. Die Verbindung „pūrvānukta“ kann wörtlich „zuvor nicht genannt“ bedeuten; im Zusammenhang wird auf die Anwendungsfolge verwiesen. Die Stelle bleibt in dieser Hinsicht offen.
Unnummerierter Halbvers: Dem Übenden dieses vorzüglichen Mantras sollen die Schätze selbst dienen. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: Die Anwendung wird als leicht verständlich bezeichnet.
Der zehnlautige Kamalavāsinī-Mantra
22.NY.9: Der fünfte Laut von Kāmikā, Kāla mit dem letzten Vokal, der Beginn der Lautgruppe, Kṣveḍa, Acalā, Varuṇa mit langem Vokal und Bhṛgu …
22.NY.10: … mit dem Augenlaut, ferner der nach Dha stehende Laut, Pavana und Sadyādya sowie der als Dviṭha bezeichnete Schluss: So wird der zehnlautige Mantra gelehrt, der die genannten Früchte gewährt.
Unnummerierte Prosa: Die verschlüsselten Bezeichnungen werden einzeln aufgelöst: Na; Ma mit Visarga; Ka; Ma; La; Va mit langem Ā; Sa mit I; Na mit Ya und Ai; schließlich Svāhā. Daraus ergibt sich die Formel namaḥ kamalavāsinyai svāhā – „Verehrung der im Lotus Wohnenden, Svāhā.“
22.NY.11: Als Seher, Versmaß und Gottheit werden Dakṣa, Virāṭ und Kamalā genannt. Die Göttin erscheint unter den Bezeichnungen Devī, Padminī, Viṣṇupatnī und Varadā …
22.NY.12: … sowie Kamalārūpā. Mit diesen Namen im Dativ und mit Namas am Ende werden wie zuvor die fünf Glieder des Mantras mit den jeweiligen Schlussausdrücken gebildet.
Unnummerierte Prosa: Im Śāradātilaka wird dazu die Formulierung „mit Namas endend und mit Praṇava beginnend“ für die Gliedmantras genannt. Nun folgt die Meditation.
22.NY.13: Wie ein Bündel von Blitzen leuchtet sie. Ihre Hände halten zwei Lotusse und zeigen Geben und Furchtlosigkeit. Mit dem klaren Glanz ihres Körpers erhellt sie den Weltenraum. Auf einem Lotus sitzend, geschmückt mit Hüftgürtel, Juwelenkrone und Fußspangen, ist ihre Gestalt unter der Fülle ihrer Brüste leicht geneigt. Möge Lakṣmī Wohlergehen schenken.
Unnummerierte Prosa: Die Verteilung der Attribute entspricht der früheren Beschreibung.
22.NY.14: Auf dem zuvor genannten Ramā-Sitz wird Lakṣmī vorschriftsgemäß verehrt: zuerst ihre Glieder, außen die acht mit Balākā beginnenden Śaktis … Die Reihenfolge wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
22.NY.15: … außerhalb stehen die Welthüter, noch weiter außen ihre Waffen. Wer Lakṣmī so verehrt, soll selbst einem Herrn des Reichtums gleichen.
Unnummerierte Ritualprosa: Wie zuvor folgen auf den Yoga-Pīṭha-Nyāsa drei Prāṇāyāmas mit dem Wurzelmantra. Am Kopf wird dakṣāya ṛṣaye namaḥ, am Mund virāṭchandase namaḥ und am Herzen śrīkamalāyai devatāyai namaḥ eingesetzt: Verehrung dem Seher Dakṣa, dem Versmaß Virāṭ und der Göttin Śrī Kamalā. Nach der Erklärung der Anwendung wird der Wurzelmantra über beide Hände ausgebreitet.
Die fünf Gliedmantras beginnen mit oṃ devyai namaḥ, oṃ padminyai namaḥ, oṃ viṣṇupatnyai namaḥ, oṃ varadāyai namaḥ und oṃ kamalarūpāyai namaḥ. Sie werden Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzpanzer und Waffe zugeordnet. Der Druck schreibt die erste Verbindung vollständig aus und kürzt die folgenden Schlussglieder ab. Der Nyāsa geht vom Daumen bis zum kleinen Finger und wird an den fünf Körpergliedern wiederholt; die Augen werden hier ausdrücklich ausgelassen. Nach Meditation und Gliederverehrung folgen die acht mit Balākā beginnenden Śaktis auf den Lotusblättern und anschließend die Welthüter, beginnend mit Indra, wie zuvor.
22.NY.16: Bei Opferspeise als Nahrung und beherrschten Sinnen werden zehn Lakh Mantrawiederholungen genannt. Ein Zehntel davon folgt als Feueropfer mit Lotussen und den drei süßen Stoffen.
22.NY.17: In einem zum Meer fließenden Fluss, bis zur Kehle im Wasser stehend, werden dreihunderttausend Wiederholungen beschrieben; dadurch soll der Mensch vermögend werden. Dies ist die historische Vorschrift des Textes, keine heutige Übungsanleitung.
22.NY.18: Unter einem Uttarā genannten Sternbild werden nach Ramās Verehrung tausend Nandyāvarta-Blüten geopfert. Ebenso viele mit Honig benetzte Bilva-Früchte …
22.NY.19: … werden am Vollmond genannt, am fünften Mondtag weiße Lotusse. Wer einen Monat lang freitags weiße Blüten darbringt …
22.NY.20: … soll innerhalb eines Jahres reichen Besitz erlangen. Was bedarf es vieler Worte? Wer diesen Mantra mit beherrschten Sinnen verehrt …
Unnummerierter Halbvers: … erlangt, so die Zusage, seine Wünsche und Fülle an Vermögen und Getreide. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Der zwölflautige Mahālakṣmī-Mantra
22.NY.21: Vāk, Śakti, Śrī und Kāma bilden den Anfang. Kha wird mit Sa, Feuer, dem letzten Sadya-Vokal und Visarga verbunden. Es folgen der dritte Laut der Ca-Gruppe, der dritte der ersten Gruppe und ein vokalloses Ta …
22.NY.22: … Lohita mit Feuer, Bhṛgu mit dem linken Ohrvokal, der Beginn der vierten Lautgruppe, Pavana, Sadyādya und zum Schluss Hṛdaya.
22.NY.23: Die Weisen nennen dies den zwölflautigen Mahālakṣmī-Mantra. Derselbe, mit Praṇava beginnend, gilt als Geber aller Vollendungen.
Unnummerierte Prosa: Vāk bedeutet das Sprachbīja, Śakti das Bīja Bhuvaneśvarīs und Kāma dessen eigenes Bīja. Kha ist Ha; Sa steht für sich selbst, Feuer für Ra, der letzte Sadya-Vokal für Au und Sarga für Visarga. Die Prosa schreibt daraus hasrauḥ. Die weiteren Lautnamen ergeben Ja, Ga, vokalloses T, Pra, Su und Tyai; Hṛdaya ist Namas. Mit vorgeschaltetem Praṇava wird die Formel als dreizehnlautig bezeichnet.
Aufgelöste Formel nach der vorliegenden Lauterklärung: aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ hasrauḥ jagatprasutyai namaḥ; mit Praṇava steht oṃ davor. Die Anrufung richtet sich an die Hervorbringerin der Welt. Das gedruckte zusammengesetzte Bīja Hasrauḥ und der in der Erklärung kurze U-Laut bleiben erhalten. Die Ausgabe ersetzt sie nicht stillschweigend durch andere gebräuchliche Mantrafassungen.
22.NY.24: Als Seher, Versmaß und Gottheit werden Brahmā, Gāyatrī und Mahālakṣmī genannt. Nach Reinigung der Hände mit dem Mantra, jeweils mit Praṇava am Anfang und Namas am Schluss …
22.NY.25: … werden die fünf Bījas der Reihe nach auf die Finger gesetzt; der übrige Mantrateil auf beide Handflächen.
22.NY.26: Mit dem Mantra wird der ganze Körper vom Scheitel bis zu den Füßen durchdrungen. Die fünf Bījas werden auf Scheitel, Augen, Mund, verborgenen Körperbereich und Füße gesetzt.
22.NY.27: Die verbleibenden sieben Laute werden im Herzen und in den Körperbestandteilen eingesetzt. Aus den fünf Bījas entstehen fünf Gliedmantras, aus dem Rest der sechste. Der Druck setzt den Text von der zweiten Hälfte des Verses 25 bis in diesen Vers hinein in eckige Klammern; dies bleibt in den Sanskritfassungen sichtbar.
22.NY.28: Alternativ werden die sechs Glieder mit den im Dativ stehenden Begriffen Wissen, Herrschaft, Kraft, Stärke, Wirkmacht und Glanz verbunden.
Der Garten der Mahālakṣmī-Meditation
22.NY.29: Nachdem der Körper so mit Nyāsa versehen ist, betrachtet der Übende seine gewählte Gottheit. Zuerst stellt er sich einen herrlichen Garten vor, geschmückt mit den Schönheiten aller Jahreszeiten.
22.NY.30: Vañjula, Nāgaraṅga, Rasāla und Śrīdruma, Tāla, Tamāla, Hintāla, Śāla und Bakula stehen darin. Die traditionellen Baumnamen bleiben erhalten; Rasāla ist hier die Mangobezeichnung, während nicht jeder weitere Name eindeutig botanisch festgelegt wird.
22.NY.31: Karkandhu, Bandhujīva und Campaka schmücken ihn, ebenso die sanft bewegten Blätter von Kampferbäumen und Bananenstauden.
22.NY.32: Aśoka, Pāṭala, Nāga und Kovidāra machen ihn lieblich; Mallikā, Yūthikā, Kunda und Madayantī erfüllen ihn mit Duft. Das Meditationsbild setzt sich auf der nächsten Seite fort.
22.NY.33: Weinranken, Nāgavallī, Mādhavī und Devadāru, Nameru, Gewürznelkenbäume, Bakula und Tilaka …
22.NY.34: … Karṇikāra, Sandelholz und rotes Sandelholz, Vañjula, Zitronatzitrone, Granatapfel und Lakuca schmücken den Garten.
22.NY.35: Kokospalmen, Dattelpalmen, Betelpalmen und Kuravaka umgeben ihn, ebenso Mālatī, Ketakī, Jāti, Pārantī und Tulasī. Nicht eindeutig bestimmte Namen bleiben in der traditionellen Form erhalten.
22.NY.36: Nandyāvarta und Damanaka lassen ihn mit Blüten aller Jahreszeiten leuchten; große Picumanda- und Mandāra-Bäume zieren ihn.
22.NY.37: Prächtige hohe Panasa-, Śākhoṭa- und Kuṭaja-Bäume stehen dort. Ein sanfter Wind berührt die Blüten und trägt ihren lieblichen Duft. Ein weiteres Schlusswort in der Baumaufzählung ist undeutlich.
Der See und der Juwelenpavillon
22.NY.38: In seiner Mitte stellt sich der Übende einen großen, schönen See vor, reich an Scharen von Wasservögeln und Schwänen, belebt von Cakra- und Kāraṇḍaka-Vögeln.
22.NY.39: Reihen umherfliegender Bienen schmücken alle vier Richtungen; Pfauenrufe erfüllen den Raum, und weitere Wasservögel, darunter Sārasa, halten sich dort auf.
22.NY.40: Voll erblühte schöne Lotusse, Kahlāra, Kairava und Scharen blauer Wasserblumen sowie weitere duftende Blüten bedecken ihn.
22.NY.41: Am Ufer leuchtet ein Hain von Wunschbäumen, schön in allen Jahreszeiten. In seiner Mitte steht ein Pavillon mit einem Boden aus Juwelen.
22.NY.42: Er strahlt wie die gebündelten Lichtstrahlen aufgehender Sonnen und ist zugleich angenehm kühl vom Nektar, den die Mondstrahlen auf ihn gießen.
22.NY.43: Eine leuchtende goldene Umfriedung macht ihn lieblich. Vier Tore bestehen aus einer Fülle verschiedener Edelsteine. Die genaue Bezeichnung der Goldverarbeitung am Versanfang ist unsicher.
22.NY.44: Acht aufragende Torformen aus den neun Edelsteinarten schmücken ihn; hohe Torbauten sind mit frisch glänzenden großen Juwelen gestaltet. Die hier genannte Achtzahl wird neben den vier Toren des vorigen Verses bewahrt; der Text erläutert ihre genaue bauliche Beziehung nicht.
22.NY.45: Gruppen von Fahnen stehen an klar glänzenden Stangen aus geschmolzenem Gold; Säulen aus Vaiḍūrya und anderen großen Edelsteinen leuchten.
22.NY.46: Hunderte Fenster aus geläutertem Gold und tausend an goldenen Haltern strahlende Lampen machen den Pavillon wunderschön.
22.NY.47: Fahnen aus verschiedenen feinen Stoffen und goldenen Teilen, mit Glöckchen versehen, umgeben ihn. Schon der Druck setzt bei der Goldverbindung ein Fragezeichen; auch das Kompositum vor den Glöckchen ist nicht eindeutig lesbar.
22.NY.48: Baldachine aus schönen feinen Geweben, dem Nektarlicht des herbstlichen Vollmonds gleich, sowie aus bunt gestalteten Stoffen überspannen ihn.
22.NY.49: Ein goldener Grund und ein Mosaik aus vielen Edelsteinen schmücken ihn. Kampfer, Aguru, duftendes Wasser, Moschus und Safran …
22.NY.50: … Tamāla-Stoffe und andere Wohlgerüche erfüllen seine vier Tore mit Duft. So wird der Pavillon vergegenwärtigt. Der Druck bietet bei Tamāla eine eingeklammerte Wortvariante.
Unnummerierter, im Druck eingeklammerter Vers: Darin, am Fuß des Pārijāta-Baumes, steht ein neuer Thronsitz, übersät mit verschiedenen Edelsteinen. Dort wird die Göttin vorgestellt.
Die Gestalt Mahālakṣmīs
22.NY.51: Sie besitzt den schönen Glanz der jungen Sonne und trägt den Mond als Kopfschmuck. Perlenketten lassen sie leuchten; kostbarer Juwelenschmuck ziert ihre liebliche Gestalt.
22.NY.52: In ihren lotushaften Händen hält sie eine frische Reisähre, zwei Lotusse und den Kaustubha-Edelstein. Ihr Lotusgesicht lächelt.
22.NY.53: Ihre drei Augen gleichen voll erblühten Wasserblumen; als Ohrschmuck trägt sie ein Paar voll geöffneter roter Lotusse.
22.NY.54: Ein glänzender Gürtel schmückt ihre Hüften. Ihre schöne Mitte ist von drei feinen Falten gezeichnet und wird mit einem Opferplatz verglichen.
22.NY.55: Ihr Nabel gleicht einem tiefen Wasserwirbel. Die vollen, erhobenen Brüste sind mit Yakṣakardama-Salbe bestrichen. Die Bezeichnung der Salbe bleibt traditionell; eine Zusammensetzung wird hier nicht angegeben.
22.NY.56: Eine Kette kostbarer Perlen, im Text mit dem Stirnbereich von Elefanten verbunden, ziert sie. Sie trägt ein feines Obergewand und ist mit Blütengirlanden geschmückt. Das zusammengesetzte Wort für die Perlenherkunft ist teilweise unsicher; die mythische Materialvorstellung wird nicht zoologisch umgedeutet.
22.NY.57: Armreife und Oberarmschmuck aus glänzendem Gold leuchten an ihr. Ihre Handgelenke tragen goldene Reife mit Padmarāga-Edelsteinen.
22.NY.58: Ringe mit verschiedenartigen leuchtenden Juwelen schmücken ihre Finger. Ihr Hals gleicht einem Muschelhorn, ihre Stimme klingt lieblich; goldener Halsschmuck ziert sie.
22.NY.59: Verschiedenste kostbare Schmuckstücke schmücken ihre Glieder. Rein ist ihr Lächeln; juwelenbesetzte Ohrgehänge strahlen wie die aufgehende Sonne.
22.NY.60: Goldgefasster Juwelenschmuck in Stachelstockgestalt schmückt ihre Ohren. Ihre schönen, zarten Lippen besitzen den leuchtenden Glanz von Korallen.
22.NY.61: Eine schöne glänzende Zahnreihe ziert sie; die im Druck eingeklammerte Lesart vergleicht ihren Glanz mit einer Muschel. Ihr Gesicht gleicht dem makellosen Vollmond einer Herbstnacht.
22.NY.62: Das Spiel ihrer beiden Brauen übertrifft den Bogen des fünf Pfeile tragenden Liebesgottes. Die Schönheit ihrer Nase übertrifft eine frisch aufgeblühte Sesamblüte.
22.NY.63: Ihre schöne Stirn besitzt die Form eines Mondstücks. Ein besonders wohlriechendes Moschuszeichen schmückt sie.
22.NY.64: Ihr Haar ist leicht gelockt, glatt, dunkel und schön; es trägt den Duft der Blüten des Pārijāta-Baumes.
22.NY.65: Eine Krone aus unschätzbaren Edelsteinen zeichnet ihr Haupt; verschiedene Juwelen sind in glänzendes Gold gefasst. Der erste Halbvers steht bereits im Druck in eckigen Klammern.
22.NY.66: So wird Mahālakṣmī vorgestellt: als Gipfel der Schönheit, Ursprungsort des Glanzes und Heimstatt spielerischer Anmut.
Unnummerierte Prosa: Die Attribute werden von der unteren linken Hand aus bis zur unteren rechten Hand der Reihe nach betrachtet.
Mahālakṣmīs Gefolge
22.NY.67: Auf dem früher beschriebenen Ramā-Sitz wird die Göttin sorgfältig verehrt. Der Sitz wird mit dem Bīja gegeben, ihre Gestalt mit dem eigenen Mantra gebildet.
22.NY.68: Rechts von der Göttin wird Gaṇapati verehrt, auf der anderen Seite der Blumenbogenträger Kāmadeva, der Blumen in den zusammengelegten Händen hält.
22.NY.69: Zuerst werden die Glieder an ihren jeweiligen Orten verehrt. Auf den acht Blättern folgen Umā, Śrī und Sarasvatī …
22.NY.70: … Durgā, Dharaṇī, Gāyatrī, Devī und Uṣā. Diese Śaktis tragen vielfältigen Schmuck und halten je zwei Lotusse.
22.NY.71: Die Töchter Jahnus und der Sonne, Gaṅgā und Yamunā, stehen zum Waschen ihrer Füße bereit und werden verehrt. Die beiden mit Händen gehaltene Yakschweifwedel tragenden …
22.NY.72: … Schatzgestalten werden ebenfalls verehrt; im Westen Varuṇa mit dem Schirm. Ringsum folgen die Tierkreiszeichen und danach die Planeten.
22.NY.73: In den Richtungen werden die vierstoßzähnigen Richtungselefanten verehrt; weiter außen die Welthüter und jeweils außerhalb von ihnen ihre Waffen.
22.NY.74: Die Elefanten heißen der Reihe nach Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda, Añjana, Puṣpadanta, Sārvabhauma und Supratīka.
Ausführlicher Nyāsa und Verehrungskreis
Unnummerierte Prosa: Auf die morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa folgen drei Prāṇāyāmas mit dem Wurzelmantra. Am Kopf steht brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ, am Herzen śrīmahālakṣmīdevatāyai namaḥ: Verehrung dem Seher Brahmā, dem Versmaß Gāyatrī und der Gottheit Śrī Mahālakṣmī.
Der anschließend im Druck eingeklammerte Abschnitt verteilt die fünf Bījas auf die Finger beider Hände: aiṃ namaḥ auf die Daumen, hrīṃ auf die Zeigefinger, śrīṃ auf die Mittelfinger, klīṃ auf die Ringfinger und hasrauḥ auf die kleinen Finger, jeweils mit Namas. Auf beide Handflächen kommt jagatprasūtyai namaḥ. Hier erscheint Prasūtyai mit langem Ū, während die vorherige Lauterklärung Su mit kurzem U angab. Die Abweichung bleibt sichtbar.
Am Körper folgen dieselben Bījas auf Scheitel, Augen, Brust, verborgenen Bereich und Füße. Die Prosa nennt Brust, wo der vorausgehende Vers den Mund nannte. Auf die sieben Körperbestandteile werden jaṃ namaḥ für die Haut, gaṃ für das Blut, praṃ für das Fleisch, sūṃ für das Fett, tyaiṃ für die Knochen, naṃ für das Mark und maṃ für den Samen gesetzt; die verkürzten Angaben tragen jeweils Namas.
Danach werden die sechs Gliedmantras ausgeschrieben:
aiṃ jñānāya namaḥ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Wissen; Verehrung dem Herzen.
hrīṃ aiśvaryāya namaḥ śirase svāhā – Verehrung der Herrschaftskraft; Svāhā dem Kopf.
śrīṃ śaktaye namaḥ śikhāyai vaṣaṭ – Verehrung der Kraft; Vaṣaṭ dem Scheitelhaar.
klīṃ balāya namaḥ kavacāya huṃ – Verehrung der Stärke; Huṃ dem Schutzpanzer.
hasrauḥ vīryāya namaḥ netrābhyāṃ vauṣaṭ – Verehrung der Wirkmacht; Vauṣaṭ den beiden Augen.
jagatprasūtyai tejase namaḥ astrāya phaṭ – Verehrung der Welthervorbringung und dem Glanz; Phaṭ der Waffe. Die gedrängte Dativfolge wird bewahrt; die Bījas und rituellen Schlusslaute bleiben unübersetzt.
Diese Formeln werden auf den zuvor mit dem Wurzelmantra berührten Händen vom Daumen bis zu den Handflächen und danach an den sechs Körpergliedern eingesetzt.
Der Verehrungskreis besteht aus einem achtblättrigen Lotus mit Staubfäden, außen einem zwölfblättrigen, weiter außen einem neunblättrigen Lotus und drei Quadraten mit vier Toren. Er wird wie zuvor vor dem Übenden angeordnet. Nach Meditation und den Gaben bis zu den Blumen werden im Mittelteil rechts von der Göttin gaṇapataye namaḥ und links kāmadevāya namaḥ gesprochen.
Auf die sechs Glieder folgen rechtsläufig die acht Śaktis: umāyai namaḥ; śriyai namaḥ; sarasvatyai namaḥ; durgāyai namaḥ; dhariṇyai namaḥ; gāyatryai namaḥ; devyai namaḥ; uṣāyai namaḥ. Die Prosa hat Dhariṇī, der Vers Dharaṇī. Am rechten Fuß der Göttin wird Gaṅgā, am linken Yamunā verehrt: gaṅgāyai namaḥ; yamunāyai namaḥ. Rechts und links folgen śaṅkhanidhaye namaḥ und padmanidhaye namaḥ.
Auf den zwölf Blättern stehen die Tierkreiszeichen: meṣāya namaḥ; vṛṣāya namaḥ; mithunāya namaḥ; karkāya namaḥ; siṃhāya namaḥ; kanyāyai namaḥ; tulāyai namaḥ; vṛścikāya namaḥ; dhanuṣe namaḥ; makarāya namaḥ; kumbhāya namaḥ; mīnāya namaḥ – Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Die äußere Anordnung folgt auf der nächsten Seite.
Fortsetzung der Ritualprosa: Auf dem äußeren neunblättrigen Lotus werden die Planeten verehrt: ravaye namaḥ; somāya namaḥ; maṅgalāya namaḥ; budhāya namaḥ; bṛhaspataye namaḥ; śukrāya namaḥ; śanaiścarāya namaḥ; rāhave namaḥ; ketubhyo namaḥ. Gemeint sind Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn, Rāhu und Ketu; die letzte Form steht im Druck im Plural.
Im Zwischenraum zwischen Lotus und Quadrat folgen in den acht Richtungen, von der Vorderseite der Göttin aus rechtsläufig, die Richtungselefanten: airāvatāya namaḥ; puṇḍarīkāya namaḥ; vāmanāya namaḥ; kumudāya namaḥ; añjanāya namaḥ; puṣpadantāya namaḥ; sārvabhaumāya namaḥ; supratīkāya namaḥ. Danach werden in den zwei äußeren Bahnen die Richtungshüter und ihre Waffen verehrt. Räucherwerk, Lichter und die übrigen Gaben schließen die Folge wie zuvor ab.
Vollendung der Mantraverehrung
22.NY.75: Bei geregelter Nahrung und festgehaltenem Gelübde werden zwölf Lakh Wiederholungen genannt. Ein Zehntel davon folgt als Feueropfer mit Ghee und den drei süßen Stoffen.
22.NY.76: Mit Lotussen und den Früchten des Ramā-Baumes folgen je zehntausend Darbringungen; mit reinem, duftendem Wasser zwanzigtausend Wasserspenden.
Unnummerierte Prosa: Zuerst werde das Ghee-Feueropfer im Umfang eines Zehntels ausgeführt, danach die zugehörigen Wasserspenden und weiteren Handlungen, jeweils in der beschriebenen Abstufung. Erst anschließend folgen die zusätzlichen zwanzigtausend Feueropfer und zwanzigtausend Wasserspenden. Darin bestehe eine Besonderheit gegenüber anderen Mantras.
22.NY.77: Nach dieser Vollendung des Mantras führt der in Guru-Hingabe und Gelübde feste Mantrakundige die auf seine jeweiligen Wünsche gerichteten Handlungen aus.
Historische Anwendungen und Wirkungszuschreibungen
22.NY.78: Für langes Leben werden zehn Nächte lang jeweils tausend mit Ghee benetzte Dūrvā-Darbringungen in einem gut entfachten Feuer genannt.
22.NY.79: Für sieben Tage werden je tausendundacht Darbringungen mit Śatāhvā und Guḍūcī beschrieben; dadurch solle der Übende hundert Jahre leben.
Unnummerierte Glosse: Śatāhvā wird hier durch Dūrvā erklärt. Die Glosse wird als Gleichsetzung des Textes bewahrt, nicht als allgemeingültige botanische Bestimmung. Die Lebensdauer- und Gesundheitsversprechen dieser Folge sind historische Aussagen.
22.NY.80: Für langes Leben wird ferner mit Ghee bestrichener Sesam genannt. Wer Gesundheit ersehnt, beginnt die folgende Opferfolge an einem Sonntag …
22.NY.81: … und bringt täglich das Zehntel in Form geeigneter, mit Ghee versehener Opferhölzer dar. Bis zur Kehle im Wasser stehend, Mahālakṣmī vergegenwärtigend …
Unnummerierte Glosse: Die genannten Opferhölzer stammen von Arka.
22.NY.82: … wird der Mantra mit erhobenen Armen tausendundachtmal wiederholt. Dadurch werden dem Übenden Wunscherfüllung und Gesundheit zugesagt. Die Wasser- und Atembedingungen werden als Quelleninhalt übersetzt, nicht als sichere heutige Übung ausgewiesen.
22.NY.83: Täglich werden achttausend Reisopfer genannt; dadurch soll bald große Fülle entstehen.
Unnummerierte Glosse: „Achttausend“ wird ausdrücklich als „tausendundacht“ ausgelegt. Die unterschiedliche Zahl im Vers und in seiner Glosse bleibt sichtbar.
22.NY.84: Auch Blüten der Ramā-Ranke oder des Nandyāvarta sowie mit Ghee benetzter weißer Senf werden als Opfermaterialien genannt.
22.NY.85: Dadurch solle der Übende bald große Fülle erlangen und von allen Wesen geachtet werden.
22.NY.86: Weiter beschreibt der Text Opferkuchen mit Kokosbestandteilen, Pfeffer und Kreuzkümmel, mit Rohzucker versehen und in Ghee gebacken …
22.NY.87: … von denen ein beherrschter Zweimalgeborener, der sich von Milchreis ernährt, täglich achthundert darbringt. Nach einem Maṇḍala soll er dem Reichtumsgott Vaiśravaṇa gleichen.
22.NY.88: Opfer von mit Rohzucker vermischter Speise sollen Nahrungsfülle gewähren. Danach werden tausendundacht Japā-Blütenopfer genannt …
22.NY.89: … deren Asche mit Nāgavallī-Saft zu einem Stirnzeichen verbunden werde. Diesem schreibt der Text die Beeinflussung aller zu.
22.NY.90: Mit Palāśa-Opferhölzern und Blüten werden Anwendungen zur Unterwerfung der „aus dem Haupt Geborenen“ beschrieben. Gemeint sind Brahmanen innerhalb der traditionellen Ständebildsprache.
22.NY.91: Jāti-Blüten werden zur Beeinflussung eines Königs genannt, rötliche Lotusse zur Beeinflussung von Vaiśyas.
22.NY.92: Blaue Lotusse werden den „aus den Füßen Geborenen“, das heißt Śūdras, zugeordnet; Madhūka-Blüten mit Ghee der Beeinflussung von Frauen. Diese hierarchischen und auf Unterwerfung gerichteten Zuordnungen sind Aussagen der historischen Quelle.
Beginn einer Anordnung mit neun Krügen
22.NY.93: Nun wird ein Maṇḍala aus neun Feldern errichtet. In seiner Mitte wird ein schönes Yantra nach der vorgesehenen Ordnung angeordnet.
Unnummerierte Glosse: Das Yantra wird im Folgenden erklärt.
22.NY.94: In die neun Felder werden neun neue, schöne Krüge gestellt, ringsum mit Sandelholz und Safran bestrichen.
22.NY.95: Mit Kuśabüscheln und Reiskörnern ausgestattet und von jeder Seite schön anzusehen, werden sie vorschriftsgemäß mit duftendem Wasser von heiligen Orten gefüllt.
22.NY.96: Aus einem Karṣa Gold wird ein mit den neun Edelsteinarten besetzter Lotus gefertigt, in dessen Mitte das Yantra sichtbar ist.
22.NY.97: Dieser schöne Lotus wird in den mittleren Krug gelegt. In sämtliche Krüge kommen die fünf Edelsteine.
Unnummerierte Überleitung: Als die fünf Edelsteine werden in den Purāṇas genannt; der neu mit 1 gezählte Vers erhält das Kürzel 22.PG.
22.PG.1: Diamant, Perle, blauer Edelstein, Padmarāga und Smaragd bilden die als fünf Juwelen bekannte Gruppe.
22.NY.98: Vaṭīra, Uśīra, Kāśmīra, Candra, Aguru und Tamāla sowie Jāti und Kaṅkola werden anteilig zerrieben …
22.NY.99: … und vorschriftsgemäß in die Krüge eingerührt. Hinzu kommen Sadābhadrā, Dūrvā, Devī, Śrī und Madhuvratā …
22.NY.100: … Apāmārga-Blätter, Muśalī, Vajravallarī, Cakra und Priyaṅgu, ferner Reis, Hülsenfrüchte und Weizenkörner …
22.NY.101: … Śāli-Reis, Māṣa, Sesam und Gerste. Auch Früchte von Banane, Kokospalme, dem Śrī-Baum, Dhātrī und Lakuca …
22.NY.102: … werden hineingelegt, dazu Blüten von Lotus, Bakula, Jāti, Saugandhika, Mallikā, Campaka, Aśoka und Punnāga …
22.NY.103: … ebenso Ketakī und junge Tulasī-Triebe sowie ein Brahmakūrca-Büschel aus den genannten Baumzweigen, darunter Nyagrodha, Udumbara und Plakṣa. Mehrere Kräuter- und Baumnamen bleiben traditionelle Bezeichnungen; die letzte Baumverbindung ist nicht eindeutig. Die Liste wird nicht zu einer modernen Pflanzenrezeptur ergänzt.
22.NY.104: Die Krugöffnungen werden mit schönen, mit ungebrochenen Reiskörnern und Früchten versehenen Auflagen beziehungsweise Opferkuchen bedeckt; die Krüge werden mit feinem Tuch umhüllt. Das Wort „pūpaka“ wird im Zusammenhang beibehalten; die genaue Form der Abdeckung bleibt offen.
22.NY.105: Im mittleren Krug wird Maheśvarī Mahālakṣmī herbeigerufen und mit Sandelholz und weiteren Verehrungsgaben verehrt.
22.NY.106: In den übrigen acht Krügen werden die mit Umā beginnenden Göttinnen der Reihe nach verehrt, mit wohlriechendem Sandelholz, schönen Blumen, Räucherwerk und Lichtern …
22.NY.107: … sowie verschiedenen festen und gekochten Speisen als Opfergaben. Die Krüge berührend wiederholt der Mantrakundige den Mantra dreitausendmal.
Die Weihe und ihre Segensworte
22.NY.108: Danach wird die Person, für die das Ritual bestimmt ist, gesammelt herbeigeführt und auf einem schönen Sitz auf dem reinen Ritualplatz niedergelassen; die rituelle Zuordnung wird an ihr vollzogen.
22.NY.109: Mit lieblichen Schmuckstücken und verschiedenen Gewändern wird sie ehrerbietig geschmückt, als hingebungsvoller Mensch von guter Gesinnung.
22.NY.110: Begleitet von den freudigen Worten der Zweimalgeborenen und der anwesenden verheirateten Frauen sowie vom Klang aller Instrumente …
22.NY.111: … und von vedischer Rezitation hebt der Guru zu einem besonders günstigen Zeitpunkt selbst den mittleren Krug an.
22.NY.112: Den Wurzelmantra rezitierend gießt er Wasser über das Haupt der zu weihenden Person. Danach geschieht dasselbe mit den übrigen Krügen. Anschließend legt er die Hand auf den Kopf des Schülers …
22.NY.113: … und spricht den überlieferten Segen: „Möge dir stets Wohlergehen zuteilwerden und ungetrübte Fülle.
22.NY.114: Möge Mahālakṣmī dir gnädig sein; mögen alle Gottheiten dich immer beschützen. Möge Gelingen dein sein. Sei glücklich!“
22.NY.115: Nach dem Segen werden die beiden Gewandstücke angelegt. Der Schüler vollzieht Ācamana und verneigt sich nach der überlieferten Ordnung vor dem Guru.
22.NY.116: Mit verschiedenen Gewändern und Schmuckstücken, Geld und Getreide, Edelsteinen, Kühen, Büffelkühen, männlichen Dienenden beziehungsweise Unfreien …
22.NY.117: … und weiblichen Dienenden beziehungsweise Unfreien soll der Schüler den Guru, den er als Gottheit betrachtet, erfreuen. Dazu kommen verschiedenartige feste, gekochte, zu leckende und zu trinkende Speisen …
22.NY.118: … mit denen die Zweimalgeborenen zusammen mit Armen, Blinden und Bedürftigen gespeist werden. Danach wird im eigenen Haus ein Fest mit den Angehörigen gefeiert. Die Personen als Gaben nennende Aufzählung gehört zur historischen Sozialordnung des Textes; sie wird nicht als heutige Gabeempfehlung übernommen.
22.NY.119: Für dieses Fest werden sechs, drei oder ein Tag genannt. Danach darf sich der Mensch, so die Aussage, als jemand betrachten, dessen Anliegen erfüllt ist. Die Zeitangaben stehen im Druck in einer gedrängten Zusammensetzung.
22.NY.120: Ein auf diese Weise geweihter König soll seine Gegner besiegen; ein Königssohn, der Herrschaft ersehnt, soll bald seine Stellung erlangen.
22.NY.121: Einer zuvor kinderlosen Frau, die diese Weihe empfängt, wird bald ein gewünschter, einsichtsvoller Sohn zugesagt. Dies ist das Fruchtbarkeitsversprechen der historischen Quelle, keine medizinisch gesicherte Wirkung.
22.NY.122: Bei großer Furcht, bei Furcht vor Bhūtas und ähnlichen Wesen sowie bei feindlicher Ritualwirkung, Bedrohung und weiteren Störungen wird diese Weihe genannt.
22.NY.123: Ihr werden umfassende Fülle, Glück und das Beruhigen sämtlicher Krankheiten zugeschrieben …
Unnummerierter Halbvers: … ebenso das Abwehren aller Bedrängnisse und jede Form des Wohlergehens. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Worterklärungen zu den Krugmaterialien
Unnummerierte Prosa: Der Kommentar erklärt die zuvor genannten Stoffnamen: Paṭīra sei Sandelholz, Uśīra Vālaka, Kāśmīra das als Kuṅkuma beziehungsweise Kesara bekannte Safranmaterial, Candra Kampfer und Tamālaka ein Blattmaterial. Jāti bedeute hier Jātīphala; Kaṅkola sei als Kola bekannt. „Anteilig“ werde als „zu gleichen Teilen“ verstanden.
Sadābhadrā wird mit Mustā, Devī mit Sahadevī, Śrī mit Aparājitā, Madhuvratā mit Bhṛṅgarāja, Muśalī mit Tālamūlī und Vajravallarī mit Indravāruṇī gleichgesetzt; Priyaṅgu wird Kāṅgunī genannt. In der Baumfolge bedeute Śrī dagegen Bilva. Dhātrī sei Āmalakī, Lakuca als Baḍahara, Bakula als Baulasarī und Plakṣa als Pākaḍī bekannt. Caitya bezeichne einen großen Baum, der einem Dorf als bekanntes Wahrzeichen dient. Dies sind Gleichsetzungen des Kommentars; sie werden nicht mit ungeprüften heutigen Pflanzenarten gleichgesetzt.
Zwei weitere Erläuterungen präzisieren die zuvor offene Übersetzung: Brahmakūrca bedeutet hier nach dem Kommentar Pañcagavya, die traditionelle Gruppe der fünf Kuhprodukte, nicht ein Zweigbüschel. Pūpaka bezeichnet an dieser Stelle ein Abdeckgefäß, nicht einen Opferkuchen. Die wörtlich zunächst möglichen Deutungen auf der vorangehenden Seite sind deshalb im Sinn dieses Kommentars zu berichtigen.
Das Yantra der Mahālakṣmī
22.NY.124: In die Mitte wird Praṇava mit Śrī-, Māyā- und Kāma-Bīja sowie dem Namen der Zielperson geschrieben. In die Staubfäden kommen die drei Bījas, auf die zwölf Blätter die Mantralaute. Außen folgt eine sechzehnteilige Form mit den Vokalen auf den Blättern und den mit Ka beginnenden Lauten an ihren Ansätzen. Eckbījas, zwei Erdbegrenzungen und eine mit Vaṣaṭ endende Einfassung vervollständigen sie. Die letzte Zeile des langen Verses ist teilweise undeutlich; die ausführliche Prosa folgt unmittelbar.
22.NY.125: Dieses Mahālakṣmī-Yantra wird als besonders segensreich bezeichnet: Es soll Fülle, Glück und Befreiung von Leiden gewähren.
Unnummerierter Halbvers: Es wird als Abwehr von Bedrängnis und, kurz gesagt, als Geber aller Wünsche gepriesen. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: Zuerst wird ein zwölfblättriger Lotus gebildet. Seine Mitte enthält Praṇava und darin Śrī-, Māyā- und Kāma-Bīja sowie den Namen der Zielperson. Die drei Bījas werden achtmal wiederholt, sodass auf jeden der vierundzwanzig Staubfäden eines entfällt. Auf die zwölf Blätter kommt je ein Laut des Wurzelmantras.
Außen folgt ein sechzehnblättriger Lotus. Seine Staubfäden tragen die zweiunddreißig Konsonanten von Ka bis Sa paarweise; die Blätter tragen die sechzehn Vokale. Zwei äußere Quadrate bilden acht Ecken. Jede Ecke erhält das im Druck gedrängt geschriebene Bīja hasrauṃ; dessen genaue Verbindung bleibt unsicher. Eine mit Vaṣaṭ endende Tvaritā-Vidyā umgibt die Anordnung. Die Überlieferung erklärt dazu, dass außen zwei Kreise zu ziehen sind, in deren Zwischenraum diese Vidyā geschrieben wird. Dem so gebildeten Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben.
Ein weiterer Mantrakönig der Mahālakṣmī
22.NY.126: Tāra, Śrī, Śakti und Lakṣmī eröffnen die Formel. Ka und Marya, Dhara mit Śiva, nochmals Caturānana und Marya sowie Purandara mit langem Vokal …
22.NY.127: … der vorletzte Laut, Pavana mit Śiva, Lohita mit Feuer, Bhṛgu mit dem vierten Vokal und der Laut nach Tha folgen. Diese letzte Dreiergruppe wird wiederholt.
22.NY.128: Danach stehen die drei Bījas, „mahālakṣmi“ und Hṛd als Schluss. Dies wird der alles gewährende Mantrakönig Mahālakṣmīs genannt.
Unnummerierte Prosa: Die Lautnamen werden ausführlich aufgelöst: Tāra ist Praṇava, Śrī das Śrī-Bīja, Śakti das Bīja Bhuvaneśvarīs und Lakṣmī nochmals Śrī. Die weiteren Lautverbindungen ergeben kamale, kamalālaye und zweimal prasīda. Die drei abschließenden Bījas sind wiederum Śrī, Śakti und Lakṣmī; danach folgen „mahālakṣmi“ und Namas.
Aufgelöste Formel nach dieser Erklärung: oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale kamalālaye prasīda prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ mahālakṣmi namaḥ. Sinngemäß: „O Lotusgöttin, im Lotus Wohnende, sei gnädig, sei gnädig, o Mahālakṣmī, Verehrung!“
Einige Lehrer, so der Kommentar ausdrücklich, setzen Lakṣmī in den Dativ und lesen mahālakṣmyai. Zur Begründung wird das Prapañcasāra mit der Druckstellenangabe 12.27 angeführt. Damit erklärt der Text selbst die Abweichung zwischen der Anredeform Mahālakṣmi und der Verehrungsform Mahālakṣmyai; beide werden hier nicht stillschweigend gleichgeschrieben.
Quellenanschluss: Im Sārasaṃgraha beginnt eine neue Verszählung; Kürzel 22.ML.
22.ML.1: Die fünf Glieder werden aus Mantragruppen gebildet, die von den drei Bījas umschlossen sind. Die Gruppen werden durch eine verschlüsselte Zahlenfolge bezeichnet; anschließend wird die Göttin meditiert. Die Lautzählung im zweiten Halbvers ist nicht vollständig sicher lesbar und wird nicht durch eine vermutete Aufteilung ersetzt.
Fortsetzung der Lautzählung: Iṣu bezeichnet fünf, Agni drei und Veda vier. Diese Glosse löst einzelne Zahlenwörter des vorigen Verses auf; die genaue Gliederfolge wird erst in der nachstehenden Ritualprosa vollständig ausgeschrieben.
Das zinnoberrote Meditationsbild
22.ML.2: Lakṣmī leuchtet zinnoberrot und wohnt auf einem Lotus, der Inbegriff lieblicher Schönheit. In ihren lotushaften Händen trägt sie ein Juwelengefäß, zwei Lotusse und einen Spiegel. Dienerinnen umgeben sie; eine Juwelenkrone, Halsketten und schöne Ohrgehänge schmücken sie. Ihr Hüftgürtel und der Oberarmschmuck glänzen. Möge sie euch zum höchsten Wohl gereichen.
Unnummerierte Prosa: Die Attribute werden von der unteren linken bis zur unteren rechten Hand betrachtet; alternativ wird mit der unteren rechten begonnen.
22.ML.3: Auf dem zuvor genannten Sitz wird sie in der folgenden Weise verehrt: zuerst die Glieder, dann die mit Śrīdhara beginnende Gruppe.
22.ML.4: Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Vaikuṇṭha und Viśvarūpa werden genannt, dazu die vier mit Vāsudeva beginnenden Gestalten.
22.ML.5: Eine weitere Umhüllung bilden Bhāratī, Pārvatī, Cāndrī und Śacī; daneben werden die mit Damaka beginnenden Elefanten verehrt.
22.ML.6: Außen folgen Mahālakṣmīs Begleitkräfte, beginnend mit Anurāga: Anurāga, Visaṃvāda, Vijaya, Vallabha, Mada …
22.ML.7: … Harṣa, Bala und Tejas. Noch weiter außen werden die Welthüter und außerhalb von ihnen ihre Waffen mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrt.
22.ML.8: Bei dem Menschen, der Lakṣmī auf diese Weise verehrt, soll Mahālakṣmī beständig zunehmen und ihn nicht verlassen.
Die fünf Gliedmantras und drei Lotusreihen
Unnummerierte Prosa: Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit dem Wurzelmantra werden Seher, Versmaß und Gottheit eingesetzt: dakṣaprajāpataye ṛṣaye namaḥ am Kopf, gāyatrīchandase namaḥ am Mund und śrīmahālakṣmīdevatāyai namaḥ am Herzen.
Die fünf Gliedmantras werden ausdrücklich angegeben:
śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale śrīṃ hrīṃ śrīṃ hṛdayāya namaḥ.
śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamalālaye śrīṃ hrīṃ śrīṃ śirase svāhā.
śrīṃ hrīṃ śrīṃ prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ śikhāyai vaṣaṭ.
śrīṃ hrīṃ śrīṃ prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ kavacāya huṃ.
śrīṃ hrīṃ śrīṃ mahālakṣmyai śrīṃ hrīṃ śrīṃ astrāya phaṭ.
Die Anrufungen „Lotusgöttin“, „im Lotus Wohnende“, zweimal „sei gnädig“ und „der großen Lakṣmī“ werden dabei von den drei Bījas umschlossen. Die fünf Schlussglieder beziehen sich auf Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzpanzer und Waffe. Der Nyāsa wird an den mit dem Wurzelmantra berührten Händen vom Daumen bis zum kleinen Finger und danach an den fünf Körpergliedern ausgeführt; die Augen bleiben ausdrücklich ausgenommen.
Nach Meditation und geistiger Verehrung wird ein Kreis aus drei achtblättrigen Lotussen innerhalb dreier Quadrate mit vier Toren errichtet. Auf Arghya-Aufstellung und Gliederverehrung folgt im inneren Lotus, von der Vorderseite der Göttin aus rechtsläufig: oṃ śrīdharāya namaḥ; hṛṣīkeśāya namaḥ; vaikuṇṭhāya namaḥ; viśvarūpāya namaḥ; vāsudevāya namaḥ; saṅkarṣaṇāya namaḥ; pradyumnāya namaḥ; aniruddhāya namaḥ.
Im zweiten Lotus werden auf den Hauptblättern bhāratyai namaḥ; pārvatyai namaḥ; cāndryai namaḥ; śacyai namaḥ gesprochen, auf den Zwischenblättern von Südosten an damakāya namaḥ; salilāya namaḥ; guggulave namaḥ; kuraṇṭakāya namaḥ.
Im dritten Lotus folgen anurāgāya namaḥ; visaṃvādāya namaḥ; vijayāya namaḥ; vallabhāya namaḥ; madāya namaḥ; harṣāya namaḥ; balāya namaḥ; tejase namaḥ. Anschließend werden Richtungshüter und die übrigen Elemente wie zuvor verehrt.
Abweichende Ordnung der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā: Der Kommentar stellt eine andere Fünferfolge der Umhüllungen daneben: zuerst die Glieder; zweitens die vier Göttinnen von Bhāratī an zusammen mit den vier Gestalten von Śrīdhara an; drittens Anurāga und die weiteren Begleitkräfte; viertens die Welthüter; fünftens ihre Waffen. Diese Ordnung wird nicht mit der vorausgehenden Dreilotus-Anordnung vereinheitlicht.
Weitere Anwendungen nach Dakṣiṇāmūrti
Quellenanschluss: Die neu beginnende Zählung erhält das Kürzel 22.DM.
22.DM.1: Hunderttausend Wiederholungen werden genannt, danach ein Zehntel als Feueropfer mit Bilva-Früchten und süßen Zusätzen im rituell vorbereiteten Feuer, nach dem früher gelehrten Verfahren.
Unnummerierte Prosa: Diese Rezitationszahl wird ausdrücklich auf das Kṛtayuga bezogen.
22.DM.2: Nach Vollendung des Mantras wendet sich der Übende seinem Wunsch zu. Hunderttausend mit Sandelholz versehene Lotusse werden als Feueropfer genannt …
22.DM.3: … wodurch ein König das Herrschaftsgebiet eines Gegners ohne Kampf erlangen soll. Wer den Mahālakṣmī-Mantra rezitiert und an einen Königshof geht …
22.DM.4: … soll dort stets geehrt werden. Anschließend werden Sahadevī, Ramā, Dūrvā, Krāntā, Bhadrā und Madhuvratā aufgezählt …
22.DM.5: … Śakravallī, Añjalinī, Muśalī, Haricandana, Kampfer, Sandelholz und weitere Stoffe, darunter Rocana. Die letzten Stoffnamen sind nicht durchweg sicher zu lesen; die Aufzählung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
22.DM.6: Māyūra und Kesara vervollständigen die Stoffliste. Alles wird mit Kurkuma zerrieben und mit tausendundacht Mantrawiederholungen besprochen.
Unnummerierter Halbvers: Ein daraus gebildetes Stirnzeichen soll, so die Behauptung, alle beeinflussen. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Glossen: Ramā wird als Śrīlatā erklärt, Krāntā als Aparājitā und Haricandana als rotes Sandelholz. Dafür wird eine Wörterbuchbedeutung von Hari als Farbwort angeführt. Ghanasāra bedeute Kampfer, Ruk Kuṣṭha. Die traditionellen Gleichsetzungen werden als solche erhalten.
Ein vierzehnlautiger Śrī-Mantra
Quellenanschluss: Aus dem Sārasaṃgraha folgt eine neue Zählung; Kürzel 22.VM.
22.VM.1: Praṇava, „śuddhavāsa“ mit der Endung „se“, Hṛd, dann „mahā“, Śrī im Dativ und nochmals Hṛd bilden den als vierzehnlautig bezeichneten Mantra.
Unnummerierte Prosa: Die Wörter werden in ihrer eigenen Lautgestalt genommen; Hṛd bedeutet Namas, die Dativform von Śrī lautet Śriyai. Daraus ergibt sich oṃ śuddhavāsase namaḥ mahāśriyai namaḥ – sinngemäß Verehrung der reinen Wohnstätte beziehungsweise des rein Wohnenden und der großen Śrī. Die erste Anrede ist grammatisch mehrdeutig; der Kommentar liefert hier keine weitergehende Bedeutungsdeutung.
22.VM.2: Aus den Wörtern des Mantras werden die fünf Glieder gebildet. Meditation und Verehrung entsprechen der früheren Lehre. Hunderttausend Wiederholungen und ein Zehntel davon als Lotus-Feueropfer werden angegeben.
Unnummerierte Prosa: „Wie zuvor“ bezieht sich auf den Mahālakṣmī-Mantra. Die Rezitationszahl wird hier ausdrücklich dem Kaliyuga zugeordnet. Auch Wasserspenden und weitere Handlungen seien nach der dortigen Erklärung zu verstehen.
Ein elflautiger Mantra
22.VM.3: Nach der Folge „yauṃ tauṃ mauṃ tabhaye“ werden „śriyai“ und „śrīr namaḥ“ gesprochen. Dies ist ein elflautiger Mantra; als Seher gilt Jamadagni. Die Nasalzeichen der ersten drei Bījas sind in den gedruckten Wiederholungen nicht überall gleich deutlich. Die Formel bleibt in diesem Detail vorläufig.
Unnummerierte Prosa: Die gesamte Lautfolge und auch „śriyai śrīr namaḥ“ sind in ihrer angegebenen Gestalt zu verwenden.
22.VM.4: Als Versmaß gilt Triṣṭubh, als Gottheit Ramā. Die ersten sechs Mantralaute werden mit Namas für das Herz und mit dem entsprechenden Svāhā-Schluss …
Unnummerierte Fortsetzung: … für den Kopf verwendet; für das Scheitelhaar folgt Vaṣaṭ, für den Schutzpanzer Huṃ. „Śriyai“ gehört zu den Augen, „śrīr namaḥ“ zur Waffe. Die Meditation entspricht der früheren Beschreibung. Der Druck versieht diese Fortsetzung nicht mit einer klaren Versnummer 5 und springt anschließend zu 6; die Ausgabe ergänzt keine gedruckt fehlende Nummer.
Unnummerierte Prosa: Die Nennung der Meditation schließt Verehrung und die übrigen Handlungen ein. Nach Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas werden jamadagnaye ṛṣaye namaḥ am Kopf, triṣṭupchandase namaḥ am Mund und śrīmahālakṣmyai devatāyai namaḥ am Herzen eingesetzt.
Die ausgeschriebenen Gliedformeln lauten: yauṃ tauṃ mauṃ tabhaye namaḥ hṛdayāya namaḥ; yauṃ tauṃ mauṃ tabhaye svāhā śirase svāhā; yauṃ tauṃ mauṃ tabhaye vaṣaṭ śikhāyai vaṣaṭ; yauṃ tauṃ mauṃ tabhaye huṃ kavacāya huṃ; śriyai netratrayāya vauṣaṭ; śrīr namaḥ astrāya phaṭ. Sie werden wie zuvor an Händen und Körpergliedern eingesetzt; der übrige Ablauf folgt der Mahālakṣmī-Verehrung. Für die gedrängte Bīja-Folge gilt dieselbe örtliche Lesungsunsicherheit wie bei Vers 3.
22.VM.6: Sieben Nächte lang werden täglich zwölftausend Wiederholungen genannt. Dadurch soll der Mantra für den Übenden vollendet werden.
Unnummerierte Prosa: Ein Feueropfer werde an dieser Stelle nicht genannt. Vertreter der Überlieferung ergänzen dennoch ein Opfer im Umfang eines Zehntels der Rezitation mit den zuvor angegebenen Materialien. Die Ergänzung wird ausdrücklich als Überlieferungsauslegung gekennzeichnet.
22.VM.7: Lakṣmī wird in goldener Erscheinung meditiert; tausendundacht Wiederholungen dieser Formel sollen die gewünschte Fülle gewähren. Das zusammengesetzte Wort nach „Gold“ ist im Druck nicht völlig eindeutig; eine zusätzliche Gestalt wird nicht ergänzt.
22.VM.8: Achthundert Wiederholungen werden mit einem Stirnzeichen zur Beeinflussung der Welt verbunden. Nach drei Monaten solcher Rezitation soll der Übende ein Dorf erlangen.
Padmaprabhā und die Herrschaftsgöttin
22.VM.9: „Padmaprabhe“, „padmasundari“, „padme“ und Agnivadhū werden gesprochen: So wird der vierzehnlautige Mantra angegeben.
Unnummerierte Prosa: Die Herleitung gilt als leicht verständlich. Mit Agnivadhū als Svāhā ergibt sich: padmaprabhe padmasundari padme svāhā – „O Lotusglänzende, Lotusschöne, Lotusgöttin, Svāhā.“
22.VM.10: Aus den vier Wörtern und dem gesamten Mantra werden die fünf Glieder gebildet. Rezitation, Verehrung und alles Weitere entsprechen der vorherigen Anweisung.
Unnummerierte Prosa: Gemeint ist der zuvor beschriebene elflautige Mantra. Dazu heißt es: „Diese vollendete Mahāvidyā ist eine wunscherfüllende Ranke für die Verehrenden.“ Auch die vorbereitende Vollendung, Puraścaraṇa, werde von dort übernommen.
Der folgende Śaktilakṣmī-Mantra sei mit dem später erklärten Tripuṭā-Mantra identisch; die Klammerangabe verweist auf diesen 22. Śvāsa. Auch dessen Verehrungsordnung sei dort zu entnehmen.
Quellenanschluss: Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā eröffnet nun eine weitere Zählung; Kürzel 22.SR.
22.SR.1: Nun werde ich dir, o große Göttin, die Gottheit umfassender Herrschaft lehren. Durch ihre Verehrung wurde Viṣṇu selbst zum Herrn Lakṣmīs.
Sāmrājyalakṣmī und ihre Lautgestalt
22.SR.2: Candra, Madana, Kṣmā und Īśa werden mit Feuer, dem langen Augenlaut, Nāda und Krūreśvarī verbunden. So wird die Vaiṣṇavī genannte Kraft beschrieben, o Geliebte. Eine Zahlenverbindung im zweiten Halbvers bleibt im Druck unklar.
Unnummerierter Halbvers: Das Śrī-Bīja umschließt die Formel; sie heißt Geberin umfassender Herrschaft. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
Unnummerierte Prosa: Candra ist Sa, Madana Ka, Kṣmā La, Īśa Ha, Feuer Ra und der lange Augenlaut Ī. Mit Bindu werde hier Nāda bezeichnet, weil Ursache und Hervorgebrachtes als nicht getrennt betrachtet werden. Zur Entstehungsfolge wird das Śāradātilaka mit der Stellenangabe 1.7 zitiert: „Es entstand Śakti; daraus Nāda; aus Nāda ging Bindu hervor.“ Krūreśvarī bezeichnet Bindu. So wird das Māyā-Bīja hergeleitet. Die spätere Nyāsa-Prosa schreibt das zusammengesetzte Grundbīja als sakalahrīṃ.
22.SR.3: Der erste Halbvers fehlt bereits im Druck. Seher ist Hari, das anerkannte Versmaß Gāyatrī.
22.SR.4: Die Gottheit ist die bezaubernde Lakṣmī, die umfassende Herrschaft gewährt. Als Bīja wird die zusammengesetzte Lautgruppe, als Śakti das Śrī-Bīja genannt.
22.SR.5: Die Lautgruppe wird mit sechs Vokalen für den Nyāsa der sechs Glieder verbunden. Die Göttin gleicht einer Atasī-Blüte und trägt Juwelenschmuck …
22.SR.6: … Muschel, Scheibe, Keule, Lotus, Śārṅga-Bogen und Pfeil in sechs Händen; zwei weitere zeigen Gewähren und Furchtlosigkeit, o Herrin der Götter.
Unnummerierte Prosa: „Man meditiere sie“ ist als Verb hinzuzudenken. Die Attribute werden paarweise von den oberen Händen aus nach unten verteilt, jeweils mit links beginnend.
Das dreieckige Yantra und seine Umhüllungen
22.SR.7: Der Versanfang fehlt bereits im Druck. Höre die Herleitung des Yantras, o Geliebte: Ein Dreieck, ein achtblättriger Lotus und die Erdbegrenzung werden gezeichnet.
22.SR.8: Das Yantra ist mit vier Toren geschmückt. Darin wird die Göttin herbeigerufen und mit den Verehrungsgaben verehrt.
22.SR.9: Wie zuvor werden die sechs Glieder als Umhüllung verehrt. Gāyatrī, Sāvitrī und Sarasvatī folgen von der vorderen Dreiecksecke aus …
22.SR.10: … der Reihe nach. Auf den acht Blättern stehen Brāhmī und die weiteren Muttergöttinnen, jeweils mit den zugehörigen Vokalen. Auf der Erdbegrenzung folgt die im Text als Śakra-Aussprache bezeichnete Verehrung. Die letzte Bezeichnung wird hier nicht weiter erklärt.
22.SR.11: „Aṣṭādaśamahākoṭiyoginībhyo namaḥ“ wird eingeschrieben: Verehrung den achtzehn großen Koṭis von Yoginīs. Danach werden Indra und die übrigen verehrt. Die gedruckte Versnummer lautet an dieser Stelle 21; zwischen 10 und 12 wird sie für die eindeutige deutsche Kennung als 11 behandelt.
22.SR.12: Erneut wird die Göttin mit Duft, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben verehrt. Vaṭuka, den Feldhütern und den Yoginīs wird Bali dargebracht.
Unnummerierte Prosa: Der Plural bei Vaṭuka und Kṣetrapāla schließe nach dieser Erklärung auch Gaṇeśa ein; die Gruppe bedeute also Vaṭuka, Kṣetrapāla und Gaṇeśa.
Ausgeschriebene Nyāsa-Folge
Unnummerierte Ritualprosa: Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas werden die folgenden Zuordnungen vorgenommen: haraye ṛṣaye namaḥ am Kopf, gāyatrīchandase namaḥ am Mund, śrīsarvasāmrājyalakṣmyai devatāyai namaḥ am Herzen, sakalahrīṃ bījāya namaḥ im verborgenen Bereich und śrīṃ śaktaye namaḥ an den Füßen.
Die sechs Gliedmantras lauten im Druck: sakalāṃ hṛdayāya namaḥ; sakalīṃ śirase svāhā; sakalūṃ śikhāyai vaṣaṭ; sakalaiṃ kavacāya huṃ; sakalauṃ netratrayāya vauṣaṭ; sakalaḥ astrāya phaṭ. Die Gliedformen tragen hier Sakala mit den wechselnden Vokalen; sie werden nicht um den im Grundbīja vorhandenen Hrīṃ-Bestandteil erweitert.
Nach Hand- und Körpernyāsa, Meditation und Selbstverehrung wird der zuvor genannte Lakṣmī-Sitz verehrt. Auf Herbeirufung und Gaben folgen die Glieder. Im Dreieck werden rechtsläufig oṃ gāyatryai namaḥ; sāvitryai namaḥ; sarasvatyai namaḥ gesprochen. Die acht Blätter tragen Brāhmī und die weiteren Muttergöttinnen. Auf dem Quadrat um die Göttin wird aṣṭādaśamahākoṭiyoginībhyo namaḥ verwendet. Mit den Welthütern und den weiteren Gaben wird der Ablauf wie zuvor vollendet.
22.SR.13: Nach der Meditation dieser achtarmigen Gestalt werden dreihunderttausend Wiederholungen genannt, danach ein Zehntel als Lotus-Feueropfer zur Erlangung von Herrschaft.
Unnummerierte Fortsetzung: „Mit beherrschten Sinnen und nach der Vorschrift.“ Der Kommentar erklärt, dass damit die weiteren Schritte von den Wasserspenden bis zur Speisung der Brahmanen eingeschlossen sind.
Padmatanayā: Die Lotustochter
Quellenanschluss: Aus dem Sārasaṃgraha folgt eine neue Zählung; Kürzel 22.PT.
22.PT.1: Hṛdaya, also Namas, und „padmatanayā“ in der Anredeform ergeben den siebenlautigen Ramā-Mantra. Aus diesem werden auch seine sechs Glieder gebildet.
Unnummerierte Prosa: Die Formel lautet namo padmatanaye – „Verehrung dir, Lotustochter.“ Für Herz, Scheitelhaar und Augen wird jeweils Namas verwendet, für Kopf, Schutzpanzer und Waffe jeweils Padmatanaye, mit den entsprechenden rituellen Schlussgliedern. Der Druck kürzt diese Zuordnungen ab.
Unnummeriertes Zitat: „Meditation, Verehrung, Feueropfer und die übrigen Handlungen sind wie zuvor gelehrt.“ Der Kommentar bezieht dies auf den einsilbigen Mantra. Die weitere Erklärung folgt auf der nächsten Seite.
Das Śrīsūkta und seine Verehrungsordnung
Die folgende Lehrreihe beginnt erneut bei Vers 1; Kürzel 22.SU. Die darin eingebetteten Verse des eigentlichen Śrīsūkta erhalten später das eigene Kürzel 22.SK.
22.SU.1: Wer den Mantras Ramās hingegeben ist, rezitiere das Śrīsūkta. Nun wird die Ordnung dieses aus fünfzehn Ṛcs bestehenden Hymnus erklärt.
22.SU.2: Für die mit „hiraṇyavarṇām“ beginnende Ṛc gilt Lakṣmī als Seherin, als Versmaß Anuṣṭubh. Die Seher der übrigen Verse …
22.SU.3: … sind Ānanda, Kardama und Ciklīta, die als Söhne Śrīs bezeichnet werden. Für „tāṃ ma āvaha“ und „aśvapūrvām“ …
22.SU.4: … gilt ebenfalls Anuṣṭubh. „Kāṃ so smitām“ wird Bṛhatī zugeordnet, die mit „candrāṃ prabhā…“ und „ādityavarṇe“ beginnenden Verse Triṣṭubh.
22.SU.5: „Upaitu mām“, „kṣutpipāsā“, „gandhadvārām“, „manasaḥ“, „kardamena“, „āpaḥ sṛjantu“ und als siebter „ārdrām“ …
22.SU.6: … sowie der weitere mit „ārdrāṃ puṣkariṇīm“ bezeichnete Vers bilden acht Ṛcs im Anuṣṭubh-Maß. Für das abschließende „tāṃ ma āvaha“ …
22.SU.7: … gilt Prastārapaṅkti. Als Gottheiten des Ganzen werden Śrī und Vibhāvasu, das Feuer, genannt. Die Verse werden auf Scheitel, Augen, Ohren, Nase, Mund, Hals, Arme, Herz und Nabel …
22.SU.8: … verborgenen Körperbereich, After, beide Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße gesetzt. Hiraṇmayī, Candrā und als dritte Rajatasrajā …
22.SU.9: … ferner Hiraṇyasrajā, Hiraṇyā und Hiraṇyavarṇā werden für die sechs Glieder der Reihe nach verwendet.
Unnummerierte Prosa: Diese Namen stehen im Dativ mit Namas am Schluss. Dazu wird der Mantratantraprakāśa angeführt: „Mit diesen, im Dativ und mit Namas endend, wird die Bildung der Glieder erklärt.“
Meditation und fünfzehn Verehrungsgaben
22.SU.10: Sie leuchtet wie eine Fülle rötlichen Lotusstaubes. Ihre lotushaften Hände zeigen Gewähren und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusse. Auf einem schönen tiefroten Lotus sitzend, lieblich geschmückt und mit einer Juwelenkrone versehen, möge diese Śrī, die Mutter der Welt, Wohlergehen schenken.
Unnummerierte Prosa: Die Verteilung der Attribute entspricht der beim einsilbigen Mantra beschriebenen Gestalt.
22.SU.11: Die Göttin wird auf den zuvor genannten Sitz gerufen und verehrt. Es folgen ihre Glieder, die mit Padmā beginnenden Kräfte sowie die Welthüter mit ihren Waffen.
22.SU.12: Herbeirufung, Sitz, Arghya, Fußwasser, Ācamana-Wasser, Madhuparka, rituelles Bad, Gewand, Schmuck und Sandelholz …
22.SU.13: … Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Entlassung: Diese fünfzehn Handlungen werden mit den fünfzehn Ṛcs vollzogen.
22.SU.14: Als Begleitkräfte werden Padmā, Padmavarṇā, Padmārdrā, Tarpayantī, Tṛptā und die als siebte bezeichnete Jvalantī genannt …
Unnummerierter Halbvers: … die achte heißt Svarṇaprākārā. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck. Die gedrängte Namensfolge lässt sich an dieser Stelle nicht zweifelsfrei in acht vollständig getrennte Namen auflösen; die spätere praktische Aufzählung bleibt abzuwarten.
Nyāsa der Namen und Hymnusverse
Unnummerierte Ritualprosa: Nach Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit Praṇava oder dem Śrī-Bīja werden am Kopf die Seher Ānanda, Kardama und Ciklīta als Śrīs Söhne angerufen: ānandakardamaciklītaśrīputrebhya ṛṣibhyo namaḥ. Am Mund werden Anuṣṭubh, Bṛhatī, Triṣṭubh, nochmals Anuṣṭubh und Prastārapaṅkti genannt; am Herzen śrīvibhāvasubhyāṃ devatābhyāṃ namaḥ, Verehrung den beiden Gottheiten Śrī und Feuer.
Die sechs Gliedformeln lauten: hiraṇmayyai namaḥ hṛdayāya namaḥ; candrāyai namaḥ śirase svāhā; rajatasrajāyai namaḥ śikhāyai vaṣaṭ; hiraṇyasrajāyai namaḥ kavacāya huṃ; hiraṇyāyai namaḥ netratrayāya vauṣaṭ; hiraṇyavarṇāyai namaḥ astrāya phaṭ. Sie verbinden die goldenen und mondhaften Namen der Göttin mit Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe. Die Namensformen folgen der gedruckten Ritualprosa.
Nach dem Nyāsa an Händen und Körpergliedern werden die fünfzehn Hymnusverse mit Oṃ am Anfang und Namas am Ende auf folgende Stellen verteilt: „hiraṇyavarṇām“ auf den Kopf; „tāṃ ma āvaha“ auf die Augen; „aśvapūrvām“ auf die Ohren; „kāṃ so smitām“ auf die Nase; „candrām“ auf den Mund; „ādityavarṇe“ auf den Hals; „upaitu mām“ auf die Arme; „kṣutpipāsā“ auf das Herz; „gandhadvārām“ auf den Nabel; „manasaḥ“ auf den verborgenen Bereich; „kardamena“ auf den After; „āpaḥ sṛjantu“ auf die Oberschenkel; die beiden „ārdrām“-Verse auf Knie und Unterschenkel; der abschließende „tāṃ ma“-Vers auf die Füße. Der Druck zitiert hier jeweils nur die Anfänge; die vollständigen Hymnusverse folgen in der Verehrungsordnung.
Nach Meditation und geistiger Verehrung wird der achtblättrige Lotus innerhalb von drei Quadraten mit vier Toren errichtet. Arghya-Aufstellung und Sitzverehrung gehen der Herbeirufung voraus.
Śrīsūkta, erster Vers
22.SK.1: Oṃ. Die goldfarbene, glänzende Göttin mit goldenen und silbernen Girlanden, die mondhafte, goldene Lakṣmī: O Jātavedas, bringe sie zu mir.
Unnummerierte Prosa: Mit diesem Vers und der Herbeirufungsgeste wird die Göttin eingeladen. Die Schritte von der Herbeirufung bis zur höchsten Vergegenwärtigung werden mit den jeweiligen Mudrās vollzogen. Danach beginnt „oṃ tāṃ ma āvaha …“; die Fortsetzung steht auf der nächsten Seite.
Śrīsūkta: Verse 2–15 und ihre Verehrungsgaben
Textgrundlage: Druckseite 158. Die hier verwendete Fassung und die Zuordnung der Verse werden nach diesem Druck wiedergegeben; sie werden nicht stillschweigend an andere verbreitete Śrīsūkta-Fassungen angeglichen. Die vedischen Tonzeichen sind in der Sanskrit-Arbeitsfassung nicht vollständig erfasst.
22.SK.2: O Jātavedas, bringe mir Lakṣmī, die nicht wieder fortgeht, durch die ich Gold, Rind, Pferd und Menschen gewinnen möge.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Sitz; Verehrung“ — śrīr etat ta āsanaṃ namaḥ.
22.SK.3: Oṃ. Ich rufe die Göttin Śrī herbei, der Pferde vorangehen, die inmitten von Wagen ist und die der Ruf der Elefanten erfreut. Möge die Göttin Śrī mir gewogen sein.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Arghya; Svāhā.“
22.SK.4: Oṃ. Die lächelnde, von goldener Umwallung umgebene, feuchte, leuchtende, erfüllte und Erfüllung schenkende Śrī, die im Lotus steht und Lotusfarbe hat: Sie rufe ich hierher.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Fußwasser; Verehrung.“
22.SK.5: Oṃ. Zur mondhaften, strahlenden Śrī, die von Ruhm leuchtet, in der Welt von den Göttern geliebt und freigebig ist, nehme ich Zuflucht — zu ihr, deren Radkranz lotushaft ist. Mein Unglück möge vergehen; dich erwähle ich.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Wasser zum Mundspülen; Sudhā.“ Sudhā bedeutet Nektar; die Schlussformel bleibt erhalten.
22.SK.6: Oṃ. Du Sonnenfarbene! Aus deiner Glut ist der Waldherr, dein Baum, der Bilva, hervorgegangen. Seine Früchte mögen durch diese Glut die inneren Hindernisse der Täuschung und das äußere Unglück vertreiben.
Gabenspruch und Prosa: „Śrī, dies ist dein Madhuparka; Sudhā.“ Danach folgt wie zuvor Wasser zum Mundspülen.
22.SK.7: Oṃ. Der Freund der Götter und Ruhm mögen mit dem Juwel zu mir kommen. In diesem Reich bin ich hervorgetreten; er möge mir Ruhm und Gedeihen schenken.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Bad; Verehrung.“
22.SK.8: Oṃ. Ich vertreibe die ältere Alakṣmī, die von Hunger und Durst befleckt ist. Verbanne allen Mangel und alles Nichtgedeihen aus meinem Haus.
Gabenspruch und Prosa: „Śrī, dies sind deine beiden Gewänder; Verehrung.“ Danach wird wiederum Wasser zum Mundspülen gegeben.
22.SK.9: Oṃ. Die durch Duft Zugängliche, Unbezwingbare, immer Genährte, mit fruchtbarem Dung Verbundene, die Herrin aller Wesen — diese Śrī rufe ich hierher.
22.SK.10: Oṃ. Mögen wir den Wunsch und die Absicht des Herzens und die Wahrhaftigkeit der Rede erlangen. Die Fülle an Vieh und Nahrung, Śrī und Ruhm mögen bei mir wohnen.
Gabensprüche zu Vers 9 und 10: „Śrī, dies sind deine Schmuckstücke; Verehrung.“ — „Śrī, dies ist dein Duft; Verehrung.“
22.SK.11: Oṃ. Durch Kardama entstand Nachkommenschaft. Kardama, werde in mir gegenwärtig; lasse Śrī, die Mutter mit der Lotusgirlande, in meinem Haus wohnen.
Gabenspruch und unnummerierte Ritualprosa: „Śrī, dies ist deine Blume; Vauṣaṭ.“ Nach den Gaben bis einschließlich Blumen werden die Glieder wie zuvor verehrt. Auf den acht Lotusblättern folgen, von der Vorderseite im Uhrzeigersinn: oṃ padmāyai namaḥ; oṃ padmavarṇāyai namaḥ; oṃ padmasthāyai namaḥ; ārdrāyai namaḥ; tarpayantyai namaḥ; tṛptāyai namaḥ; jvalantyai namaḥ; svarṇaprākārāyai namaḥ. Verehrt werden also Padmā, die Lotusfarbene, die im Lotus Stehende, die Feuchte, die Sättigende, die Gesättigte, die Leuchtende und die von Gold Umwallte. Diese praktische Liste klärt die acht Namen, die im gedrängten Vers auf Seite 157 nicht eindeutig getrennt waren: Padmasthā und Ārdrā stehen hier ausdrücklich als zwei Namen. Danach folgen die Welthüter und ihre Waffen.
22.SK.12: Oṃ. Die Wasser mögen Wohltuendes, Nährendes hervorbringen. Ciklīta, wohne in meinem Haus; lasse die göttliche Mutter Śrī in meiner Familie wohnen.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Räucherwerk; Verehrung.“
22.SK.13: Oṃ. Die Feuchte, Lotusreiche, den Stab Tragende, Goldene, mit Goldgirlanden Geschmückte, die mondhafte, goldene Lakṣmī: Jātavedas, bringe sie zu mir.
Gabenspruch: „Śrī, dies ist dein Licht; Verehrung.“
22.SK.14: Oṃ. Die Feuchte, Lotusreiche, nährende Fülle, die Goldbraune mit Lotusgirlanden, die sonnenhafte, goldene Lakṣmī: Jātavedas, bringe sie zu mir.
Gabenspruch und Prosa: „Śrī, dies ist deine Speisegabe; Verehrung.“ Es folgen erneut Wasser zum Mundspülen, Betel und alle weiteren im Verehrungskapitel genannten Gaben.
22.SK.15: Oṃ. Jātavedas, bringe mir Lakṣmī, die nicht fortgeht, durch die ich reichlich Gold, Kühe, Dienerinnen, Pferde und Menschen gewinnen möge.
Unnummerierte Prosa: Mit „Śrī, verzeihe“ — śrīḥ kṣamasva — wird die Göttin entlassen. Die verbleibenden Handlungen werden wie zuvor vollzogen und das Ritual abgeschlossen. Bei sämtlichen Gaben ist jeweils das im Verehrungskapitel vorgeschriebene Verfahren anzuwenden. Die Bitte um Menschen und Dienerinnen gehört zur historischen Wohlstandsvorstellung dieses Hymnus; sie wird hier als Quelleninhalt übersetzt.
Rezitationszeit und Abschlussgaben zum Śrīsūkta
22.SU.15: [Der erste Halbvers fehlt im Druck.] Beginnend am ersten Tag der hellen Monatshälfte bis zum elften Tag …
22.SU.16: … rezitiert der Verständige insgesamt zwölftausendmal mit unbewegtem Geist, hält sich an Brahmacarya und achtet auf Reinheit der Kleidung, der Zähne und des Übrigen.
22.SU.17: Je dreihundert Feueropfer werden mit Lotussen samt den drei süßen Stoffen, mit Ghee versehenem Milchreis, mit Śrī-Brennhölzern und mit Ghee dargebracht.
Unnummerierte Glosse: Śrī-Brennhölzer bedeutet Bilva-Brennhölzer.
22.SU.18: Am zwölften Tag werden zwölf Brahmanen mit Speise bewirtet. Dadurch gilt der Mantra als vollendet; daran soll nach Aussage des Textes kein Zweifel bestehen.
Unnummerierte Auslegung: Die überlieferte Zahl zwölftausend bezieht sich auf einzelne Ṛcs, nicht auf ebenso viele Wiederholungen des ganzen Sūkta. Der Kommentar begründet dies damit, dass zwölftausend vollständige Durchgänge in elf Tagen nicht möglich seien; der Satz läuft auf der nächsten Druckseite weiter.
Śrīsūkta: Zählung, Opfergaben und zweiunddreißig Kräfte
Unnummerierte Fortsetzung des Kommentars (Druckseite 159): Da die genannte Zahl vollständiger Hymnen in elf Tagen nicht zu bewältigen sei, werden insgesamt achthundert vollständige Sūkta-Durchgänge vorgeschrieben: an den ersten acht Tagen jeweils 73, an den folgenden drei Tagen jeweils 72. Dies ergibt zwölftausend einzelne Ṛcs. Die Rechnung stimmt: (8 × 73 + 3 × 72) × 15 = 12.000.
22.SU.19: Kunda, Mandāra, Kumuda, Mālatī, Lotus, Ketaka, die beiden Nandyāvarta-Arten, Jāti, Kahlāra und Campaka …
22.SU.20: … sowie rote Wasserlilien und andere Blumen gelten Lakṣmī als besonders lieb. Beim rituellen Bad wird sie dreimal mit den genannten sechs [Bestandteilen oder Formeln] übergossen. Der Bezug von „mit diesen sechs“ ist an dieser Stelle nicht eindeutig; die Blumenliste umfasst mehr als sechs Namen.
22.SU.21: Entsprechend der Zahl der rezitierten Ṛcs werden ebenso viele Tarpana-Gaben vollzogen. Die höchste Herrin wird vollständig nach dem zuvor genannten Verfahren verehrt.
22.SU.22: Dreimal täglich wird das vorgeschriebene Feueropfer vollzogen. Wer dies sechs Monate lang tut, wird nach der Verheißung des Textes selbst unmittelbar zum Herrn des Glücks.
22.SU.23: Frische Butter wird in einen eben aufgeblühten Lotus gelegt, in seine Mitte mit den Staubfäden, sorgfältig zwischen die Blütenblätter …
22.SU.24: … und dann herausgenommen und in einem gut entfachten Feuer geopfert. Dabei wird die letzte Ṛc 108-mal rezitiert; an Freitagen …
22.SU.25: … insgesamt vierzigmal vollzogen, soll Mahālakṣmī beständig bleiben. Mit der vierten Ṛc werden elf Ghee-Gaben geopfert.
22.SU.26: Wer so verfährt, soll nach sechs Monaten Mahendirā erlangen. Nach dem Tarpana für die Hauptgottheit werden folgende Kräfte ebenfalls mit Tarpana geehrt …
22.SU.27: … mit Oṃ am Anfang und Namas am Ende ihrer Namen: Śrī, Lakṣmī, Varadāyikā, Viṣṇupatnī, Vasudā und Hiraṇyarūpā …
22.SU.28: … ferner Svarṇamālinī, Rajatasrajā, Suvarṇagṛhā, Svarṇaprākārā und Padmavāsinī …
22.SU.29: … Padmahastā, Padmapriyā, Muktālaṅkārā, Sūryakā, Candrā, Viśvapriyā [Lesart: Bilvapriyā], Īśvarī, Bhukti und Pramukti …
22.SU.30: … Vibhūtyṛddhi [die eingeklammerte Lesart trennt Bhūti und Ṛddhi], Samṛddhi, Tuṣṭi, Puṣṭi, Dhanadā, Bhuvaneśī, Śuddhā, Bhoginī und Bhogadā …
22.SU.31: … Dhātrī und Vidhātrī: So werden zweiunddreißig Kräfte genannt. Am Ende der Verehrung wird Bali mit zweiunddreißig Mantras dargebracht.
Unnummerierte Glosse: Gemeint sind Namensmantras wie „Śrī, dies ist deine Bali-Gabe; Verehrung“ — śrīr eṣa te balir namaḥ. Zur Namenszählung: Die Druckfußnote trennt ausdrücklich Padmahastā und Padmapriyā. Nur mit der eingeklammerten Trennung Bhūti und Ṛddhi ergibt die hier wiedergegebene Liste die angekündigten 32 Namen; die abweichende Hauptlesung wird deshalb sichtbar belassen. Mehrere Namen sind im Vers durch die Stellung ihrer Bestandteile geteilt.
Historische Verhaltensregeln für Śrī-Mantra-Rezitierende
Einordnung: Die folgenden Vorschriften gehören zur historischen Ritualordnung. Insbesondere die abwertende Auswahl von Frauen nach Körper, Hautfarbe, Gesundheitszustand und sozialer Zuordnung in Vers 38–40 wird als Quelleninhalt wiedergegeben; sie begründet keine heutige Wertung von Menschen.
22.SU.32: Nun werden einige Regeln für Rezitierende des Śrī-Mantra genannt: Nach einer Öl-Einreibung soll nicht gegessen werden; nackt soll man nicht ins Wasser steigen.
22.SU.33: Man soll sich nicht in unreinem Zustand schlafen legen; eine Einreibung zieht hier einen Zustand ritueller Unreinheit nach sich. Salz und das aus Sesam Gewonnene sollen nicht für sich allein gegessen werden.
22.SU.34: Das Gesicht soll nicht mit Kurkuma bestrichen werden. Unwahres soll niemals gesprochen werden. Man soll sich nicht beschmutzt halten und nicht grundlos [etwas auf den Boden zeichnen; das Objekt ist im Druck nicht sicher lesbar].
22.SU.35: Bilvafrüchte, Lotusse und Droṇa [eine hier nicht näher bestimmte Pflanze] sollen nicht auf dem Kopf getragen werden. Der Lebenswandel soll rein und der Geist klar sein. Das zusätzliche gedruckte Wort „śukraḥ“ ist in diesem Zusammenhang nicht sicher aufzulösen; es wird in der Sanskritfassung erhalten.
22.SU.36: Reine Girlanden und Salben, reine Schmuckstücke, weiße Kleidung, ein sauberer Körper und angemessener Schmuck werden genannt.
22.SU.37: Erlesene Düfte und Salben, saubere Zähne, gepflegte Nägel, Verehrung Viṣṇus und ein sauberes, angenehmes Lager gehören zur beschriebenen Lebensführung.
22.SU.38: Eine als getadelt oder einem anderen zugehörig bezeichnete Frau [der erste Ausdruck ist textlich unsicher], eine als schlecht und streitsüchtig, als von „schlechter Herkunft“ oder unerwünscht bezeichnete sowie eine von Krankheit oder als Graha verstandener Einwirkung Betroffene …
22.SU.39: … eine an jemand anderem hängende oder schwache Frau, eine dunkelhäutige, eine sehr korpulente, eine sehr kleine, eine sehr große, eine als reizlos oder lustbegierig bezeichnete …
22.SU.40: … eine anderen Männern zugeneigte, „krähenäugige“, eine zum König gehörige Frau, eine menstruierende oder allein umhergehende Frau soll der Ritualübende nach dieser Vorschrift nicht einmal berühren. Die Aufzählung gibt die Ausschlüsse des historischen Textes wieder.
22.SU.41: Er soll ruhig und rein sein, klar und freundlich sprechen, ein von Mitgefühl bewegtes Herz haben und Lehrer, Gottheit und Gäste ehren.
22.SU.42: Der Verehrung von Guru und Gott zugewandt, zu gutem Handeln geneigt und fest in seinen Gelübden, soll er täglich baden, beim Essen nach Westen blicken und einen guten Lebenswandel führen.
Druckvarianten: Die Fußnoten nennen kurze Varianten re/ne, pātrāsya, vyaṅgā („körperlich beeinträchtigt“) und saṃbhoginīṃ; eine fünfte kurze Lesart ist unsicher. Die Einzelzuordnung ist bei einigen hochgestellten Zeichen nicht eindeutig. Die ausdrückliche Auflösung „Padmahastā und Padmapriyā sind zwei Namen“ ist oben berücksichtigt.
22.SU.43: Seinem Varṇa und Lebensstadium zugewandt, mit der eigenen Ehefrau zufrieden und zurückhaltend im Sprechen, soll er durch solche Regeln Lakṣmī erlangen.
Weitere Regelzitate zu Lakṣmī
Textgrundlage: Druckseite 160. Die nebeneinandergestellten Quellen stimmen nicht in sämtlichen Einzelregeln überein; diese Unterschiede bleiben sichtbar.
Aus dem Nārāyaṇīya:
22.NR.1: Ein Lotus soll nicht mit dem Fuß betreten werden; seine Samen sollen nicht gegessen werden. Man soll sich nicht beschmutzt halten, keinen Bilva-Baum abschneiden und auf dem Boden schlafen.
22.NR.2: Am Nāga- beziehungsweise Āditya-Mondtag werden Salz beziehungsweise Āmalaka gemieden. Am fünften und am folgenden [hier wohl siebten] Tag wird der Umgang mit einer Frau gemieden; beim Essen blickt man nach Westen.
Unnummerierte Glosse: Nāga- und Āditya-Tithi sind der fünfte und siebte Mondtag.
22.NR.3: Mit Bilva werden die Zähne gereinigt; zu den drei Tagesübergängen verneigt man sich vor den Bilva-Bäumen. Morgens wird Sesam gegessen und auch getragen; Lakṣmī [hier nach der Fußnote die Pflanze Śrīlatā] wird verehrt. Die Satzfügung des Versschlusses ist gedrängt und nicht sicher.
22.NR.4: Ihre Blüte wird auf dem Kopf getragen; am späteren genannten Tag werden süße Speisen gegessen. Zum Vollmond werden Milchreis und Bilvasamen gegessen.
Unnummerierte Glosse: „Am hellen Parvan“ bedeutet am Vollmond.
Aus dem Śāradātilaka, im Druck mit 8.163 angegeben:
22.STL.1: Auf einem sauberen Lager soll man mit einer jungen Frau schlafen, nicht anders. Nackt soll man nicht ins Wasser gehen und nach einer Öl-Einreibung nicht essen. „Junge Frau“ bezeichnet hier die Altersbeschreibung des Drucks; eine konkrete Alterszahl wird an dieser Stelle nicht genannt.
22.STL.2: Das Gesicht soll nicht mit Kurkuma bestrichen werden; man soll nicht unrein schlafen und nicht grundlos die Erde bekritzeln. Bilva, Droṇa und Lotus …
22.STL.3: … sollen nicht auf dem Kopf getragen werden. Salz und Öl soll man nicht allein zu sich nehmen. Man soll nicht beschmutzt sein und keine als verwerflich geltende Nahrung essen.
22.STL.4: Droṇa, Lotus und Bilva dürfen nicht mit den Füßen überstiegen werden. Sahadevī, Indravallī, Śrīdevī, Viṣṇuvallabhā …
Unnummerierter Halbvers: … Kanyā und Lotustriebe soll man stets auf dem Kopf tragen. [Die zweite Vershälfte fehlt bereits im Druck.] Das Nebeneinander von Verbot und Erlaubnis beim Lotus wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.
Unnummerierte Pflanzenglossen: Śrīdevī heißt hier Śrīlatā; Viṣṇuvallabhā ist Aparājitā; Kanyā bedeutet Kumārī. Diese traditionellen Gleichsetzungen ersetzen keine botanische Bestimmung.
Aus dem Prayogasāra:
22.PR.1: Wer Śrī begehrt, soll nicht oberhalb von Getreide, Kühen, Guru, Feuer oder Menschen schlafen und nicht längs eines Balkens. Beim Schlafen soll der Kopf weder nach Norden noch nach Westen weisen; man soll weder nackt noch mit nassen Händen und Füßen schlafen.
Das Śrīsūkta-Yantra nach dem Yantrasāra
22.SYJ.1: Das Śrī-Bīja wird zusammen mit der Bezeichnung der Zielperson in die Mitte geschrieben; auf die acht, zwölf und sechzehn Blätter der Reihe nach …
22.SYJ.2: … jeweils die Halbverse der Ṛcs des Śrīsūkta. Außen werden die Ṛc „yaḥ śuciḥ prayato bhūtvā“ und die Mātṛkā-Buchstaben …
22.SYJ.3: … ringsum angebracht; in die Ecken der Erddarstellung wird das Śrī-Bīja geschrieben. Wer dieses Śrīsūkta-Yantra in der vorgeschriebenen Weise trägt …
22.SYJ.4: … soll großen Wohlstand erlangen, verbunden mit Kindern, Gesundheit, Land, Getreide, Geld, Kühen und Ernten, und hundert Herbste leben.
22.SYJ.5: Dasselbe Yantra wird auf eine Kupferplatte geschrieben, mit Rezitation und Besprengung verbunden und im Hofboden eingesetzt. Lakṣmī wird herbeigerufen und angemessen verehrt …
22.SYJ.6: … nochmals zusammen mit ihrem Gefolge. Eine Bali-Gabe wird dargebracht [die nähere Wendung ist im Druck nicht sicher lesbar]. Wo so verfahren wird, sollen die Güter beständig zunehmen …
22.SYJ.7: … Kinder, Ehefrauen, Wohlstand, geschätzte Diener, Geld und Getreide, Elefanten, Wagen, Pferde, Stiere und Kühe ohne Zahl.
Unnummerierter Halbvers: Lakṣmī soll in diesem Haus beständig verweilen [die nähere Bestimmung ist textlich beschädigt beziehungsweise unsicher; die zweite Vershälfte fehlt im Druck]. Dies sind die überlieferten Wirkversprechen des Yantra-Textes.
Unnummerierte Erläuterung des Aufbaus: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus, setzt das Śrī-Bīja mit der Zielbezeichnung in seine Mitte und schreibt auf die acht Blätter jeweils eine halbe Ṛc: von „hiraṇyavarṇām“ bis „tām ihopahvaye śriyam“, also die ersten vier Hymnusverse. Außen folgt ein zwölfblättriger Lotus. Von der Vorderseite im Uhrzeigersinn werden dort die zwölf Halbverse von „candrāṃ prabhāsām“ bis „mayi śrīḥ śrayatāṃ yaśaḥ“, also der Verse 5–10, angebracht.
Außen folgt ein sechzehnblättriger Lotus mit weiteren Hymnus-Halbversen. Auf die letzten beiden Blätter kommen die beiden Hälften des Verses „yaḥ śuciḥ“. Die gedruckte Kurzbeschreibung erklärt an dieser Stelle noch nicht widerspruchsfrei, wie die verbleibenden fünf Hymnusverse und der Zusatzvers alle sechzehn Blätter füllen; eine eigenmächtige Ergänzung unterbleibt. Es folgen drei Kreise. In den inneren Zwischenraum wird geschrieben: „Wer rein und gesammelt ist, soll täglich Ghee opfern …“ — die vollständige Formel setzt auf der nächsten Seite fort.
Druckfußnoten: Genannt werden die Varianten prathamā und vaśyā; die Sternfußnote erläutert „Lakṣmī“ als Śrīlatā.
Fortsetzung der unnummerierten Yantra-Erklärung (Druckseite 161): Die Kreisinschrift lautet vollständig: „Wer rein und gesammelt ist, soll täglich Ghee opfern; wer Śrī begehrt, soll beständig den fünfzehnversigen Hymnus an Śrī rezitieren.“ In den äußeren Zwischenraum kommen die Mātṛkā-Buchstaben. Außerhalb wird ein Quadrat gezeichnet; in seine Ecken wird das Śrī-Bīja geschrieben. Diesem Yantra werden die zuvor genannten Wirkungen zugesprochen.
Unnummerierte Ritualprosa: Nun wird die Mahālakṣmī-Verehrung während der neun Nächte im Monat Āśvina nach vedischer Art erklärt. Man steht zur Brahma-Muhūrta auf und vollzieht die Erinnerung an den Guru, die Meditation auf Kuṇḍalinī, die Absichtserklärung für Ajapā, Reinigung, Zähneputzen, Bad, Mantra-Bad, Tilaka, die vedische und anschließend die tantrische Sandhyā sowie Tarpana für Sonne, Götter, Seher und Ahnen.
Auf dem eigenen Sitz folgen die Reinigung des Bodens, die Verehrung Dīpanāthas, das Entfernen von Hindernissen, die Reinigung der Hände, das Abgrenzen der Himmelsrichtungen, drei Feuerumwallungen, Friedensrezitation, Elementereinigung, Prāṇa-Pratiṣṭhā und die Nyāsas von der Mātṛkā bis zum Yoga-Pīṭha. Mit dem Grundmantra werden drei Prāṇāyāmas vollzogen; Gaṇapati, Familiengottheit, Brahmanen und die weiteren Verehrungswürdigen werden gegrüßt. Die folgenden Gebetsverse stehen im Druck ohne eigene Versnummern.
Zwölf Namen und Segensgebete
Unnummeriertes Namensgebet: Sumukha, Ekadanta, Kapila, Gajakarṇaka, Lambodara, Vikaṭa, Vighnanāśa, Vināyaka, Dhūmraketu, Gaṇādhyakṣa, Bhālacandra und Gajānana: Wer diese zwölf Namen liest oder auch nur hört, soll beim Beginn des Lernens, bei der Hochzeit, beim Eintreten und Fortgehen, im Kampf und in Bedrängnis keine Hindernisse erfahren.
Unnummerierter Meditationsvers: Zur Beruhigung aller Hindernisse meditiert man über den weiß Gekleideten, Allgegenwärtigen, mondfarbenen Vierarmigen mit heiterem Gesicht. Der Druck nennt „Viṣṇu“; in diesem Gaṇapati-Gebetszusammenhang kann das Wort zugleich „allgegenwärtig“ bedeuten. Der Sanskritwortlaut bleibt erhalten.
Unnummeriertes Verehrungsgebet: Verehrung dem Herrn der Gaṇas, der alle Hindernisse durchschneidet und selbst von den Göttern verehrt wird, damit das Gewünschte gelinge.
Unnummerierter Vers: Wo Kṛṣṇa, der Herr des Yoga, ist und wo Pārtha den Bogen trägt, dort sind Glück, Sieg, Gedeihen und beständige rechte Ordnung — so ist meine Überzeugung. Der hier zitierte Vers entspricht Bhagavadgītā 18.78.
Unnummerierter Vers: Die Menschen, die an mich denken und mich mit ungeteilter Hingabe verehren, die beständig mit mir verbunden sind: Für ihr Erlangen und Bewahren trage ich Sorge. Der hier zitierte Vers entspricht Bhagavadgītā 9.22.
Unnummeriertes Zufluchtsgebet: Zu jenem ewigen, ungeborenen Puruṣa, zu Hari, nehme ich Zuflucht; durch die Erinnerung an ihn wird man zum Gefäß allen Wohlergehens.
Unnummerierter Segensvers: Bei keinem begonnenen Werk begegnet denen Unheil, in deren Herzen der erhabene Hari wohnt, die Stätte des Segens.
Unnummerierter Vers an Lakṣmīpati: Dies ist die günstige Stunde, dies der gute Tag, dies die Kraft der Sterne und des Mondes, dies die Kraft des Wissens und des Göttlichen: O Herr Lakṣmīs, ich erinnere mich an deine beiden Füße.
Absichtserklärung und Anrufung Gaṇapatis
Unnummerierte Absichtserklärung: „Heute, im Monat Āśvina oder Caitra, werde ich, [Name] Devaśarman, geboren in [Gotra], um Mahākālī, Mahālakṣmī und Mahāsarasvatī zu erfreuen, zur Abwendung von Übel und zur Vermehrung von Wohlergehen, Beständigkeit, Lebensdauer, Gesundheit und Wohlstand, vom ersten bis zum neunten Mondtag Mahālakṣmī in Gestalt meiner erwählten Gottheit mit sechzehn Gaben verehren. Als Teile davon werde ich Śrīsūkta und Caṇḍī rezitieren und das Feueropfer mit einem Zehntel der Zahl vollziehen; damit keine Hindernisse entstehen, werde ich auch Gaṇapati verehren.“ Name und Gotra sind im Druck ausdrücklich Platzhalter; die Wirkziele gehören zur historischen Saṅkalpa-Formel.
Danach wird mit rot gefärbten ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Stoffen ein achtblättriger Lotus auf dem Sitz gestaltet. Dort lautet die Anrufung: oṃ bhūr bhuvaḥ svar mahāgaṇapate siddhibuddhisahita savāhana sāyudha saparivāra ihāgaccha — „Oṃ, Erde, Zwischenraum und Himmel. Großer Gaṇapati, zusammen mit Siddhi und Buddhi, mit deinem Reittier, deinen Waffen und deinem Gefolge: Komm hierher.“
Unnummeriertes Anrufungsgebet: „Heramba, komm her, komm her, Sohn von Ambikā und Tryambaka!“ [Die zweite Vershälfte nennt Siddhi, Buddhi und Lābha; ihre gedruckte Fügung ist nicht sicher aufzulösen und wird nicht zu einem vermeintlich vollständigen Satz ergänzt.] „Elefantengesichtiger mit der Schlangengirlande, vierarmiger König der Gaṇas, geschmückt mit deinen göttlichen Waffen — Schlinge, Haken und Axt! Ich rufe dich zur Verehrung und zum Schutz meines Opfers. Komm hierher, nimm diese Verehrung an und beschütze mein Opfer.“
Unnummerierte Prosa und vedische Anrufungen: So wird Gaṇeśa herbeigerufen und mit den Verehrungsgaben geehrt. Es folgen die beiden gedruckten Anrufungen:
„Oṃ. Als Herrn der Scharen rufen wir dich; als Herrn des Geliebten rufen wir dich; als Herrn der Schätze rufen wir dich, mein Guter. Ich möge den Keimträger erkennen; du mögest den Keimträger erkennen.“ Die schwer zu deutende Schlusswendung wird mit ihrem Sanskritlaut bewahrt: āham ajāni garbhadham ā tvam ajāsi garbhadham. Ihre genaue Deutung bleibt offen.
„Oṃ. Als Herrn der Scharen rufen wir dich, als Seher der Seher, von höchstem Ruhm, den ältesten König der heiligen Worte. Brahmaṇaspati, höre uns und nimm mit deinen Hilfen auf dem Sitz Platz.“
Druckvarianten: Zu Vighnanāśa nennt die Fußnote eine Lesart mit rāja; statt „von den Göttern“ steht in zwei Textzeugen „von Göttern und Asuras“.
Gaṇapati: Gaben, Fruchtopfer und Gebete
Unnummerierte Ritualprosa (Druckseite 162): Mit dem genannten Mantra werden Herbeirufung und Begrüßung, Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Madhuparka, nochmals Mundspülwasser, Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise, Betel, Umkreisung und Verneigung dargebracht. Dann nimmt man mit beiden Händen eine Kokosnuss oder andere Frucht mit Blumen aus dem Arghya-Gefäß, erhebt sich und betet.
Unnummeriertes Schutzgebet: „Beschütze, beschütze, Herr der Gaṇas, Dreiäugiger, Beschützer der drei Welten! Du schenkst den Verehrenden Furchtlosigkeit; rette mich aus dem Ozean des Werdens. Sohn zweier Mütter, Meer des Mitgefühls, älterer Bruder des Sohnes der sechs Mütter, Herr! Du Gewährer des Ersehnten, schenke die gewünschte Gabe.“
Unnummerierter Halbvers: „Durch diese Fruchtgabe mögest du mir stets Frucht schenken.“ [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.] Danach wird die Frucht dargebracht und weiter gebetet.
Unnummeriertes Preisgebet: „Verehrung dir, Herr der Hindernisse, Gabenspender, Blumenliebender, Großbäuchiger, Allumfassender, dem Wohl der Welt Zugewandter! Elefantengesichtiger, mit den Śrutis Geschmückter [das Kompositum mit pañca ist textlich unsicher], Sohn Gaurīs, Herr der Gaṇas: Verehrung, Verehrung dir!
Dir, der die Not der Verehrenden vernichtet, Herr der Gaṇas, Herr von allem, Segenspender, Herr der Götter, Träger des Wissens, Gewaltiger und Kleingestaltiger, der sich den Verehrenden gnädig zeigt und Gaben schenkt: Verehrung, Verehrung dir!
Verehrung dir in Brahmās Gestalt, Verehrung dir in Viṣṇus Gestalt, Verehrung dir, dessen Gestalt die ganze Welt ist, dir, dem Brahmacārin.
Dir, dem die Hingabe lieb ist, dem Gott Vināyaka, gilt meine Verehrung.“ [Der abschließende zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Unnummeriertes Bittgebet: „Die dich als Zerstörer der Hindernispfähle, als Schönen, als Freund der Hingebungsvollen, Fruchtspender, Freudenspender, Wissensspender und Tilger des Übels preisen — sei ihnen, Gaṇeśa, stets ein Gewährer von Gaben.“
Aufstellung des heiligen Kruges
Unnummerierte Ritualprosa: Nach diesem Gebet werden die Opferpriester gewählt. Gerste wird ausgesät und in ihrer Mitte der Krug aufgestellt. Der Text ordnet den einzelnen Schritten folgende Formeln zu:
Beim Berühren des Bodens: „Oṃ. Der große Himmel und die Erde mögen unser Opfer benetzen; sie mögen uns mit ihren tragenden Gaben erfüllen.“ Sanskritanfang: mahī dyauḥ pṛthivī ca na imam yajñaṃ mimikṣatām.
Zur Bitte an die Erde: „Oṃ. Erde, sei angenehm, frei von Unebenheiten, ein guter Ruheplatz. Gewähre uns weitreichenden Schutz.“ Anfang: syonā pṛthivi bhavānṛkṣarā niveśinī.
Beim Einlegen von Erde: „Erde, nimm mein Übel fort“ — mṛttike hara me pāpam. Der Druck führt an dieser Stelle nur diese kurze Formel an.
Beim Einstreuen der Gerste: „Oṃ. Die Heilkräuter sprechen gemeinsam mit König Soma: Den, für den der Brahmane wirkt, bringen wir, o König, hinüber.“ Anfang: oṣadhayaḥ saṃvadante somena saha rājñā.
Beim Einsetzen des Kruges: „Oṃ. Rieche am Krug; die Tropfen mögen zu dir eintreten. Kehre mit nährender Kraft wieder; spende uns tausendfach, mit weiten Strömen, milchreich. Reichtum möge wieder zu mir kommen.“ Anfang: ājighra kalaśaṃ mahyā tvā viśantv indavaḥ. Die erste Satzverbindung ist im gedruckten Wortlaut ungewöhnlich; sie bleibt in der Sanskritfassung unverändert.
Beim Füllen mit Wasser: „Oṃ. Du bist Varuṇas Stütze. Ihr seid die Träger seines Pfeilers. Du bist Varuṇas Sitz der Wahrheit. Du bist Varuṇas Wohnstätte der Wahrheit; nimm in Varuṇas Wohnstätte der Wahrheit Platz.“ Anfang: varuṇasyottambhanam asi. Die gedrängten Wortverschmelzungen im Druck sind in der Sanskritfassung kenntlich bewahrt.
Beim Einlegen der Gesamtheit der Kräuter: „Oṃ. Die Kräuter, die einst entstanden, drei Zeitalter vor den Göttern: Ich bedenke nun die hundert und sieben Wohnstätten der braunen.“ Anfang: yā oṣadhīḥ pūrvā jātā devebhyas triyugaṃ purā.
Beim Einlegen von fünf Erdarten wird nochmals die Bitte an die angenehme, Schutz gewährende Erde gesprochen. Beim weiteren Einlegen von Gerste wird nochmals „oṣadhayaḥ saṃvadante …“ verwendet. Darauf beginnt die nächste Formel: „Oṃ. Von Knoten zu Knoten sprossend, von Glied zu Glied …“ — kāṇḍāt kāṇḍāt prarohantī paruṣaḥ paruṣas pari; ihre Fortsetzung steht auf der folgenden Seite.
Druckvarianten: Im ersten Gaṇapati-Preisgebet verzeichnet der Druck vadanāya statt ānanāya; eine zweite Fußnote nennt stvaṃ. Die vedischen Akzente sind in der Arbeitsfassung nicht vollständig wiedergegeben.
Füllung und Weihe des Kruges
Fortsetzung der unnummerierten Formelfolge (Druckseite 163): Der begonnene Vers lautet im Zusammenhang: „Von Knoten zu Knoten sprossend, von Glied zu Glied: So breite uns, Dūrvā, tausend- und hundertfach aus.“ Damit wird Dūrvā-Gras eingelegt.
Beim Einlegen der fünf Blattzweige: „Oṃ. Im Aśvattha ist euer Sitz, im Parṇa ist eure Wohnstatt bereitet. An Kühen werdet ihr teilhaben, wenn ihr den Menschen gewinnt.“ Anfang: aśvatthe vo niṣadanaṃ parṇe vo vasatiṣ kṛtā.
Beim Einlegen einer Frucht: „Oṃ. Die fruchttragenden und die fruchtlosen, die blütenlosen und die blühenden Pflanzen, von Bṛhaspati hervorgebracht, mögen uns aus Bedrängnis lösen.“ Anfang: yāḥ phalinīr yā aphalā.
Beim Einlegen der fünf Edelsteine: „Oṃ. Der Herr der nährenden Kraft, der Seher Agni, ist um die Opfergaben geschritten und bringt dem Spendenden Schätze.“ Anfang: pari vājapatiḥ kavir agnir havyāny akramīt.
Beim Einlegen von Gold: „Oṃ. Hiraṇyagarbha entstand im Anfang. Geboren war er der eine Herr des Gewordenen. Er trug die Erde und diesen Himmel. Welchem Gott sollen wir mit der Opfergabe dienen?“ Anfang: hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre.
Beim Umwickeln mit rotem Stoff oder einer Schnur: „Oṃ. Jung, schön gekleidet und umhüllt ist er gekommen; so geboren wird er vortrefflich. Die verständigen Seher führen ihn empor, die andächtigen, die mit ihrem Geist nach dem Göttlichen streben.“ Anfang: yuvā suvāsāḥ parivīta āgāt.
Beim Darbringen des Duftes wird erneut die neunte Ṛc des Śrīsūkta verwendet: „Oṃ. Die durch Duft Zugängliche, Unbezwingbare, immer Genährte, mit fruchtbarem Dung Verbundene, die Herrin aller Wesen — diese Śrī rufe ich hierher.“
Beim Aufsetzen eines mit Getreide gefüllten Gefäßes: „Oṃ. Voller Schöpflöffel, fliege hinaus; reich gefüllt kehre wieder. Wie gegen einen Kaufpreis wollen wir Nahrung und Kraft austauschen, o Hundertkräftiger.“ Anfang: pūrṇā darvi parāpata supūrṇā punarāpata. Darauf wird eine Kokosnuss gelegt.
Mit der folgenden Formel wird Varuṇa herbeigerufen und anschließend mit sechzehn Gaben verehrt: „Oṃ. Zu dir komme ich, dich mit heiligem Wort verehrend; dies erbittet der Opfernde mit seinen Gaben. Ohne zu zürnen, Varuṇa, werde hier aufmerksam, Weitgerühmter; raube uns nicht die Lebenszeit.“ Anfang: tvāṃ yāmi brahmaṇā vandamānaḥ. Die Sanskritfassung wahrt die gedruckten Wortverbindungen; die Übersetzung löst sie sinngemäß auf.
Anrufung der heiligen Wasser
Unnummeriertes Sonnengebet: „Sonne, mit deinen Strahlen hast du die heiligen Wasser im Inneren des Welteneis berührt. Bei dieser Wahrheit, Herr der Götter, Tagbereiter: Schenke das heilige Wasser.“
Unnummerierte Ritualprosa: Mit kroṃ und der Haken-Mudrā werden die heiligen Wasser aus der Sonnenscheibe herbeigezogen.
Unnummeriertes Flussgebet: „Gaṅgā, Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī: Seid in diesem Wasser gegenwärtig. Alle Meere, Ströme, heiligen Wasserstätten, Wolken und Flüsse mögen zur Lakṣmī-Verehrung kommen, als Tilger des Übels.“
Unnummerierte Ritualprosa: Der Krug wird mit Sandelholz, ungebrochenen Reiskörnern, Blumen, Girlanden und weiteren Gaben geschmückt. Danach wird er mit folgendem Spruch geweiht.
Der Krug als Abbild des Kosmos
Unnummeriertes Weihegebet: „Oṃ. An der Öffnung des Kruges ist Viṣṇu, an seinem Hals hat Rudra seinen Sitz. An seinem Grund steht Brahmā, in seiner Mitte die Schar der Mütter. In seinem Bauch sind alle Meere und die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten. Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und Atharvaveda mit sämtlichen Hilfswissenschaften wohnen im Krug.“ [Zum letzten Halbvers fehlt im Druck eine zweite Hälfte.]
Unnummeriertes Gebet an den Kumbha: „Als Götter und Dānavas zusammenwirkten und der große Ozean gequirlt wurde, bist du, Krug, entstanden und von Viṣṇu selbst gehalten worden. In deinem Wasser sind alle heiligen Wasserstätten; alle Götter befinden sich in dir. Die Wesen stehen in dir, in dir sind die Lebenskräfte gegründet.
Du selbst bist Śiva, du bist Viṣṇu und Prajāpati. Ādityas, Vasus, Rudras, Viśvedevas und die Ahnen wohnen allesamt in dir als Gewährer ersehnter Früchte. Durch deine Gnade wünsche ich dieses Opfer zu vollziehen, du aus dem Wasser Entstandener. Sei mir gegenwärtig und stets gnädig.“ Der Druck wechselt im letzten Halbvers zwischen weiblicher Anrede „devi“ und männlicher Form „prasannaḥ“; die Fußnote bietet „deveśa“, Herr der Götter. Der fehlende zweite Halbvers wird nicht ergänzt.
Beginn des Śrīsūkta-Nyāsa
Unnummerierte Ritualprosa: Nach der Krugaufstellung werden mit dem Grundmantra drei Prāṇāyāmas vollzogen. „Oṃ, für dieses Śrīsūkta“ leitet den Nyāsa ein. Am Kopf: „Verehrung den Sehern Ānanda, Kardama und Ciklīta, den Söhnen Śrīs“; am Herzen: „Verehrung den Gottheiten Śrī und Vibhāvasu“; am Mund: „Verehrung den Versmaßen Anuṣṭubh, Bṛhatī, Triṣṭubh, Anuṣṭubh und Prastārapaṅkti.“ Die folgende Absichtserklärung beginnt mit dem Wohlergehen, der Beständigkeit und Lebensdauer des Ausführenden samt seiner Familie und setzt auf der nächsten Seite fort.
Weitere Druckvarianten: Im Sonnengebet steht auch „mir, o Gott, das heilige Wasser“; zu „stehend“ nennt die Fußnote „gedacht“; außerdem ist die kurze Lesart sa verzeichnet. Die vedischen Tonzeichen werden nicht vollständig wiedergegeben.
Śrīsūkta-Nyāsa und Meditation im Herzlotus
Fortsetzung der unnummerierten Prosa (Druckseite 164): Mit gefalteten Händen wird erklärt, dass die Anwendung dem Wohlergehen, der Beständigkeit, Lebensdauer und Gesundheit des Ausführenden und seiner Familie gewidmet ist.
Die sechs Gliedformeln lauten: oṃ hiraṇyāyai namo hṛdayāya namaḥ; oṃ candrāyai namaḥ śirase svāhā; oṃ rajatasrajāyai namaḥ śikhāyai vaṣaṭ; oṃ hiraṇyasrajāyai namaḥ kavacāya huṃ; oṃ hiraṇyāyai namaḥ netratrayāya vauṣaṭ; oṃ hiraṇyavarṇāyai namaḥ astrāya phaṭ. Sie gelten Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe. In der ersten Formel steht hier Hiraṇyā, während Seite 157 Hiraṇmayī verwendet; beide Drucklesungen bleiben erhalten. Die Formeln werden von den Daumen bis zu den Handflächen und an den sechs Körpergliedern gesetzt.
Die Hymnusanfänge werden wie folgt zugeordnet: „hiraṇyavarṇām“ dem Kopf, „tāṃ ma āvaha“ den Augen, „aśvapūrvām“ den Ohren, „kāṃ so smitām“ der Nase, „candrāṃ prabhā“ dem Mund, „ādityavarṇe“ dem Hals, „upaitu mām“ den Armen, „kṣutpipāsā“ dem Herzen, „gandhadvārām“ dem Nabel, „manasaḥ kāma“ dem verborgenen Bereich, „kardamena“ dem After, „āpaḥ sṛjanti“ den Oberschenkeln, die beiden „ārdrām“-Verse den Knien und Unterschenkeln und das abschließende „tāṃ ma āvaha“ den Füßen. Danach werden auch śrāṃ śrīṃ śrūṃ śraiṃ śrauṃ śraḥ als sechs Glieder gesetzt.
Unnummerierter Meditationsvers: Die Göttin sitzt auf einem rötlichen Lotus und hat die Farbe seines Blütenstaubes. Ihre lotushaften Hände zeigen Gewähren und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusse. Mit Juwelenkrone und vielfältigem, aus den Wunschbäumen hervorgegangenem Schmuck geziert, möge Śrī, die Mutter der Welt, euch beständig Wohlergehen schenken. Die Fußnote liest anstelle des aus Wunschbäumen Hervorgegangenen „aus Lotussen hervorgegangen“.
Unnummerierte Ritualprosa: Nach Meditation im eigenen Herzlotus, geistigen Gaben und Aufstellung des Arghya wird das eigene Selbst mit oṃ hrīṃ haṃsaḥ so'haṃ svāhā verehrt. Danach beginnt die Verehrung des Sitzes. Die folgenden Listen bestehen im Druck aus Namensmantras: Oṃ und Namas rahmen die im Dativ genannten Namen; Wiederholungen werden dort durch Abkürzungszeichen angezeigt.
Grundlage, Tore und Mitte des göttlichen Sitzes
Grundlage: Verehrung gilt Maṇḍūka, dem Frosch als Träger; Kālāgnirudra; Mūlaprakṛti, der Urnatur; Ādhāraśakti, der tragenden Kraft; Kūrma; Ananta; Varāha; der Erde; dem Nektarmeer; Śvetadvīpa; dem goldenen Berg; dem Nandana-Garten; dem Wald der Wunschbäume; der goldenen Umwallung; dem mit Wasser des Mitgefühls gefüllten Graben und dem goldenen Pavillon.
Osttor: Dvāraśrī, der Glanz des Tores; Indra; Brahmā; Sattva; Ṛgveda; Ātman; Kālatattva, das Zeitprinzip; Ambikā; Indrāṇī; Vedamātṛ, die Mutter der Veden; Śailaputrī; Brahmacāriṇī; Caṇḍaghaṇṭā; Skandamātṛ; Kātyāyanī; Kālarātrī und Gaurī.
Südtor: Dvāraśrī; Yama; Śāntā; Siddhā; Kṣamā; Viṣṇu; Yajurveda; Rajas; Vidyātattva; Jaganmātṛ, die Weltmutter; Māyā; Śivā; Śānti; Prabhā; Hrīṃkārā; Klīṃkārā; Māyāśakti; Vīrā; Pravīrā; Antarātman, das innere Selbst; Daṇḍadhara, der Stabträger. Zur ersten Śāntā nennt die Fußnote auch Śānti.
Westtor: Dvāraśrī; Varuṇa; Rudra; Sāmaveda; Tamas; Āditya; Vāruṇī; Śaṅkhāyudhā, die mit der Muschel Bewaffnete; Haṃsavāhinī, die auf dem Schwan Reitende; Jagajjīvā, das Leben der Welt; Jagadbījā, der Same der Welt; Ṣoḍaśakalā; Pūrṇakalaśa, der volle Krug; Citriṇī; Citramālā; Citrā und Cāmuṇḍā.
Nordtor: Dvāraśrī; Kapāladhāriṇī, die Schädelschale Tragende; Bhaktavatsalā, die den Verehrenden liebevoll Zugewandte; Īṃkārā und Lāṃkārā [die Lautnamen sind im Druck nicht völlig sicher]; Vimalarūpā; Īśāna; Pārvatī; Brahmā; Atharvaṇaveda; Dhātṛ; Jyotsnā; Kalyāṇī; Śarvāṇī; Candrakalā; Candravadanā; Vibhūti; Paramavibhūti; Bhasmadhāriṇī; Pāvanā; Gaṅgā; Bhāgīrathī; Godāvarī; Pravarā; Praṇatā; Krāṃkārā, Krīṃkārā und Krauṃkārā [auch diese gedrängten Lautschreibungen bleiben überprüfungsbedürftig]; Sarvabījātman, das Selbst aller Keimsilben; Bījapravāhinī, die Strömende der Keimsilben.
Mitte, erste Gruppe: Die Juwelenplattform und der Juwelenthron; Dharma, Wissen, Loslösung und Herrschaftskraft sowie ihre Gegenstücke Adharma, Nichtwissen, mangelnde Loslösung und fehlende Herrschaftskraft; der weiße Schirm; die Bewusstseinskraft und Māyā-Kraft; die Wurzelknolle der Seligkeit; der Lotusstängel des Bewusstseins; die aus Prakṛti bestehenden Blätter; die aus ihren Umformungen bestehenden Staubfäden; die mit den fünfzig Lautkeimen versehene Lotusmitte als Gestalt sämtlicher Prinzipien.
Mitte, zweite Gruppe: aṃ arkamaṇḍalāya, dem Sonnenkreis; maṃ vahnimaṇḍalāya, dem Feuerkreis; saṃ somamaṇḍalāya, dem Mondkreis; saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, den drei Guṇas; āṃ ātmane, aṃ antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane, dem Selbst, inneren Selbst, höchsten Selbst und Wissensselbst. Die jeweilige Verehrung endet mit Namas. Danach werden Ātmatattva, Māyātattva, Vidyātattva, Kalātattva und Paratattva geehrt.
Lotusstaubfäden und Mitte: Der Druck nennt für die acht Richtungen, beginnend im Osten, und die Mitte: Vibhūti, Unnati, Kānti, Hṛṣṭi, Kīrti, Sannati, Vyuṣṭi, Utkṛṣṭi, Mati und Ṛddhi. Die Liste enthält zehn Namen, obwohl acht Richtungen und eine Mitte genannt werden. Diese Unstimmigkeit wird erhalten. Es folgt die Sitzformel oṃ śrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ — „Oṃ Śrīṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“; die Handlung setzt auf der nächsten Seite fort.
Vergegenwärtigung Mahālakṣmīs über dem Krug
Unnummerierte Ritualprosa (Druckseite 165): Nach Verehrung des gesamten Sitzes wird der Grundmantra gesprochen. Mit „Ich vergegenwärtige Śrī Lakṣmīs Gestalt; Verehrung“ — śrīlakṣmīmūrtiṃ parikalpayāmi namaḥ — wird ihre Gestalt über dem Krug vorgestellt.
Unnummerierter Aufstellungsvers: „Ich stelle Lakṣmī, die Göttin Durgā, die große Göttin, die alles Wohlergehen schenkt, hier auf.“ Der erste Ausdruck dieses Verses ist bereits im Druck mit einem Fragezeichen versehen und lässt sich nicht sicher übersetzen; die unsichere Lesung bleibt in der Sanskritfassung sichtbar.
Unnummerierte Ritualprosa: Wie zuvor wird die Göttin im eigenen Herzlotus meditiert. Ihr Licht wird, wie eine Flamme von einer Lampe zur anderen, über den Weg der Nasenöffnung in die zum Blumenopfer gefalteten Hände geführt.
Unnummerierte Einladung: „Komm her, komm her, Herrin der Götter, mit deinem Gefolge! Bleibe hier, solange ich dich verehre. Du wohnst im großen Lotuswald, bist die Gestalt ursächlicher Seligkeit und dem Wohl aller Wesen zugewandt. Mutter, höchste Herrin, komm her!“ Nach den zehn Mudrās, beginnend mit der Herbeirufung, folgt die Meditation.
Unnummerierter Meditationsvers: „Ich verehre Lakṣmī, die Tochter des Königs des Milchmeeres, die Herrin des heiligen Wohnsitzes Śrīraṅga. Die gesamte Götterschar dient ihr; sie ist der eine Lichtkeim der Welt. Durch ihren sanften Seitenblick empfangen Brahmā, Indra und Gaṅgādhara ihren Glanz und ihre Macht. Sie umfasst die drei Welten als ihre Familie, ist lotusgeboren [Druckvariante: im Lotus wandelnd] und Mukunda lieb.“
Unnummerierte Ritualprosa: Nach dieser Meditation wird dreimal mit Arghya-Wasser besprengt, begleitet vom Grundmantra, Dīpanī und Mālinī. Prāṇa-Pratiṣṭhā wird vollzogen und eine Handvoll Blumen aufgenommen.
Die Gaben an die Göttin
Unnummeriertes Eingangsgebet: „Oṃ. Durgā, Kātyāyanī, Göttin, Śāmbhavī, Geliebte Śaṅkaras, große Herrin: Nimm meine mit Hingabe vollzogene Verehrung an.“
Formel der Herbeirufung: Auf die drei im Druck abgekürzten Textanfänge hiraṇyavarṇām …, jātavedase … und namo devyai … folgt śrīmahālakṣmyai namaḥ, āvāhanaṃ samarpayāmi — „Verehrung Śrī Mahālakṣmī; ich bringe die Herbeirufung dar.“ Die abgekürzten vedischen und Devī-Formeln werden hier nicht durch eine fremde Vollfassung ersetzt.
Sitzgebet: „Nimm diesen makellosen göttlichen Lotussitz an, glänzend wie geschmolzenes Gold, mit Perlen und Edelsteinen geschmückt.“ Es folgen tāṃ ma āvaha …; jātavedase …; namo devyai …; śrīmahāsarasvatyai namaḥ; śrīr etat te āsanaṃ namaḥ — „Verehrung Śrī Mahāsarasvatī. Śrī, dies ist dein Sitz; Verehrung.“ Der Wechsel zu Mahāsarasvatī steht so im Druck und bleibt erhalten.
Begrüßung: „Willkommen, große Göttin, höchste Herrin; ich frage nach deinem Wohlergehen. Sei uns gnädig willkommen, Gütige, die du den Verehrenden liebevoll zugewandt bist.“ Dieselben drei Anfänge werden gesprochen; anschließend: mahāsarasvatyai namaḥ; śrīr etat te svāgataṃ namaḥ — „Verehrung Mahāsarasvatī; Śrī, dies ist deine Begrüßung.“
Fußwasser: „Oṃ. Dir, die im Lotus wohnt, gebe ich Fußwasser aus den heiligen Wassern, beginnend mit Gaṅgā, versehen mit Duft, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern; Verehrung dir.“ Darauf aśvapūrvām …; jātavedase …; namo devyai …; śrīr etat te pādyaṃ namaḥ.
Arghya: „Ich gebe dir Arghya mit acht Duftstoffen, in ein goldenes Gefäß gefüllt. Sei gnädig, Herrin der Götter.“ Darauf kāṃ so smitām …; jātavedase …; namo devyai …; lokamātre namaḥ; śrīr eṣa te'rghyaḥ svāhā — „Verehrung der Weltmutter. Śrī, dies ist dein Arghya; Svāhā.“
Mundspülwasser: „Oṃ. Der Mutter aller Welten, der Mutter, welche die Welt läutert, Mahālakṣmī, gebe ich sorgfältig Wasser zum Mundspülen.“ Darauf candrāṃ prabhāsām …; jātavedase …; namo devyai …; varadāyai namaḥ; śrīr etat ta ācamanīyaṃ sudhā — „Verehrung der Gabenspenderin. Śrī, dies ist dein Mundspülwasser; Sudhā.“
Madhuparka: „Göttin, nimm dieses Madhuparka in goldenem Gefäß an: Dickmilch einer Kapilā-Kuh, weiß wie Kunda-Blüten und Mond, mit Honig verbunden.“ Darauf ādityavarṇe …; jātavedase …; namo devyai …; bhaktapriyāyai namaḥ; śrīr eṣa te madhuparkaḥ sudhā — „Verehrung der Freundin der Verehrenden; Śrī, dies ist dein Madhuparka; Sudhā.“
Erneutes Mundspülwasser: „Oṃ. Höchste Herrin, nimm erneut dieses klare, läuternde, mit Kampfer duftend gemachte Wasser zum Mundspülen an.“ Dieselben drei Anfänge und bhaktapriyāyai namaḥ werden wiederholt, anschließend śrīr etat ta ācamanīyaṃ namaḥ.
Einladung zum rituellen Bad
Unnummeriertes Badegebet: „Oṃ. Göttin, komme auf deinen Sandalen zum Badepavillon. Nimm das Badetuch und deinen Badesitz an. Nimm duftendes Öl, die aus der Kuh gewonnenen Stoffe, Pañcāmṛta, Wasser und weitere Gaben an, duftendes Pulver für Kopf und Einreibung [die genaue Wortfolge ist unsicher], Wasser aus verschiedenen heiligen Orten und alles für dein Bad.“ [Der letzte zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Begleitformeln: Wieder ādityavarṇe …; jātavedase …; namo devyai …; bhaktapriyāyai namaḥ, dann śrīr etat te snānīyaṃ namaḥ — „Śrī, dies ist das für dein Bad Bestimmte; Verehrung.“ Mit dem Mantra-Anfang āpo hi ṣṭhā … wird die Entfernung der Unreinheit vollzogen.
Pañcāmṛta-Bad, Gewänder und Schmuck
Unnummerierte Gabenfolge (Druckseite 166): „Oṃ. Milch, Dickmilch und Ghee, mit Zucker und Honig verbunden: Dieses von mir gebrachte Pañcāmṛta nimm an, höchste Herrin.“ Darauf folgen die im Druck abgekürzten Anfänge ādityavarṇe …; jātavedase …; namo devyai …, dann bhadrāyai namaḥ; śrīr etat te pañcāmṛtasnānaṃ namaḥ — „Verehrung der Gütigen. Śrī, dies ist dein Bad mit den fünf Nektarstoffen.“ Das Bad mit reinem Wasser wird vom Puruṣasūkta begleitet; mit jātavedase … wird nochmals Mundspülwasser gegeben.
Gewandgebet: „Oṃ. Mutter der drei Welten, Göttin, nimm das neue, weiße, überaus schöne feine Gewand an, das ich dir darbringe.“ Begleitung: upaitu mām …; jātavedase …; namo devyai …; śrīlakṣmyai namaḥ; etat te vastrayugmaṃ namaḥ — „Verehrung Śrī Lakṣmī; dies ist dein Gewänderpaar.“
Schmuckgebet: „Göttin, komm zum Schmücken in das schöne Ankleidegemach. Nimm auf dem Schmucksitz Platz, blicke in den Spiegel, ordne dein Haar und lege den Schmuck an: Edelsteinarmreifen, Oberarmspangen, Perlenketten und die weiteren Stücke. Gnädige Mahālakṣmī, nimm meinen Schmuck an.“ [Der letzte zweite Halbvers fehlt im Druck.] Begleitung: kṣutpipāsā …; jātavedase …; namo devyai …; hiraṇyāyai namaḥ; śrīr etāni te bhūṣaṇāni namaḥ.
Düfte, Reiskörner und farbige Gaben
Duftgebet: „Göttin, komm zu deinem eigenen Platz, dem unübertrefflichen Löwenthron. Nimm im Verehrungskreis Platz und den Duft an deinen Körper. Nimm diesen Duft mit Sandelholz, Aguru, Kampfer, Kuṅkuma, Moschus und Rocanā an.“ Darauf gandhadvārām …; jātavedase …; namo devyai …; śrīr eṣa te gandho namaḥ.
Ungebrochene Reiskörner: „Mit diesen ungebrochenen Körnern, die reinen Perlen und dem Mond gleichen, lasse ich mit tiefer Hingabe Mahālakṣmī an allen Gliedern erstrahlen.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; devyai namaḥ; śrīr ete te akṣatāḥ namaḥ. Die Fußnote nennt auch „aus Śāli-Reis gewonnen“.
Kurkuma: „Göttin, Spenderin des Heils, Geliebte Haris, nimm den von mir gebrachten Kurkuma an, der beständig Wohlergehen mehrt.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; haripriyāyai namaḥ; śrīr etat te hāridraṃ namaḥ.
Kuṅkuma: „Große Göttin, Schöne, dieses prächtige göttliche Kuṅkuma, das stets Segen bringt, habe ich gebracht und werde es dir geben.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; maṅgalāyai namaḥ; śrīr etat te kuṅkumaṃ namaḥ.
Sindūra: „Große Göttin, Spenderin allen Wohlergehens, ich bringe Sindūra dar, stets segenspendend und der großen Kraft lieb.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; mahādevyai namaḥ; śrīr etat te sindūraṃ namaḥ.
Blumen, Girlande und Duftpulver
Blumengebet: „Einzige Herrin, ich bringe frische Mālatī-, Mallikā- und andere Blüten; nimm diese Blumen an.“ Darauf manasaḥ kāmam ākūtim …; jātavedase …; namo devyai …; ekanāthāyai namaḥ; śrīr etāni puṣpāṇi vauṣaṭ.
Girlandengebet: „Ich bringe eine Blumengirlande, vielfältig geschmückt mit roten und weißen Lotussen, Mallikā und weiteren Blüten. Sei gnädig, Herrin der Götter.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; śrīr eṣā te puṣpamālā namaḥ.
Duftpulver: „Herrin der Götter, nimm zu deiner Freude dieses wohlriechende, kühlende, reine Pulver mit verschiedenen Düften an.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; subhagāyai namaḥ; śrīr etat te parimaladravyaṃ namaḥ.
Verehrung der Körperglieder der Göttin
Unnummerierte Aṅga-Pūjā: Die Namensformeln verbinden Verehrung mit der jeweiligen Körperstelle. Die wiederkehrende Form lautet „[Name im Dativ] namaḥ, [Körperstelle] pūjayāmi“ — „Verehrung [der Göttin]; ich verehre [diese Körperstelle]“. Der Druck kürzt die Wiederholungen ab.
| Name der Göttin | Verehrte Stelle |
|---|---|
| Cañcalā | beide Füße |
| Capalā | beide Knöchel |
| Kānti | beide Knie |
| Maṅgalā | beide Unterschenkel |
| Bhadrakālī | beide Oberschenkel |
| Kamalinī | Hüfte |
| Śivā | Nabel |
| Kṣamā | Bauch |
| Gaurī | Herz |
| Siṃhavāhinī | beide Brüste |
| Skandamātṛ | beide Arme |
| Kambukaṇṭhā | Hals |
| Sarasvatī | Mund beziehungsweise Gesicht |
| Suvāsinī | Nase |
| Svarṇakuṇḍalā | beide Ohren |
| Caṇḍikā | beide Augen |
| Śivā | Stirn |
| Kumārī | Kopf |
| Sarveśvarī | der ganze Körper |
Nach dieser Verehrung beginnt die anschließende Handlung; der Satz setzt auf der nächsten Seite fort.
Die 108 Namen Mahālakṣmīs
Unnummerierte Ritualprosa (Druckseite 167): Nach der Gliederverehrung wird mit 108 Namen verehrt. Für diesen Namensmantra nennt der Text Brahmā als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß und Śrī Mahālakṣmī als Gottheit. Die Absicht lautet: „Um Śrī Mahālakṣmī zu erfreuen, werde ich sie mit den 108 Namen verehren.“ Nach dem sechsgliedrigen Nyāsa mit den sechs Śrī-Bīja-Formen und der Meditation „Lakṣmī, Tochter des Milchmeeres …“ werden Blumen oder ungebrochene Reiskörner dargebracht.
Die folgende Zählung löst die Zehnergruppen des Drucks auf. Jeder Name wird dort im Dativ mit Oṃ und Namas verwendet. Wiederholte Namen bleiben erhalten; sie gehören zur überlieferten Liste. Einzelne unklare Lesungen sind vermerkt.
| Nr. | Name | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | Mahālakṣmī | die große Lakṣmī |
| 2 | Mahākālī | die große Kālī |
| 3 | Mahāsarasvatī | die große Sarasvatī |
| 4 | Mahākanyā | die große Jungfrau |
| 5 | Mahāgaurī | die große Gaurī |
| 6 | Mahādevī | die große Göttin |
| 7 | Bhaktānugrahakāriṇī | die den Verehrenden Gnade erweist |
| 8 | Svaprakāśātmarūpiṇī | deren Wesen das selbstleuchtende Selbst ist |
| 9 | Mahāmāyā | die große Māyā |
| 10 | Maheśvarī | die große Herrin |
| 11 | Vāgīśvarī | die Herrin der Rede |
| 12 | Jagaddhātrī | die Trägerin der Welt |
| 13 | Kālarātrī | die Nacht der Zeit |
| 14 | Trilocanā | die Dreiäugige |
| 15 | Bhadrakālī | die segensreiche Kālī |
| 16 | Kapālinī | die Schädelschale Tragende |
| 17 | Mahāśauryā | die von großer Tapferkeit |
| 18 | Trilokātmikā | deren Wesen die drei Welten sind |
| 19 | Siddhalakṣmī | die vollendete Lakṣmī |
| 20 | Kriyālakṣmī | Lakṣmī des Handelns |
| 21 | Lokamārgapradāyinī | die den Weg der Welt weist |
| 22 | Arūpā | die Formlose; Drucklesung nicht ganz sicher |
| 23 | Surūpā | die Wohlgestaltete |
| 24 | Viśvarūpiṇī | deren Gestalt die Welt ist |
| 25 | Pañcabhūtātmikā | deren Wesen die fünf Elemente sind |
| 26 | Devamātṛ | die Mutter der Götter |
| 27 | Sureśvarī | die Herrin der Götter |
| 28 | Dāridryadhvaṃsinī | die Armut vernichtet |
| 29 | Vīṇāpustakadhāriṇī | die Vīṇā und Buch trägt |
| 30 | Sarvaśakti | die sämtliche Kraft ist |
| 31 | Brahmātmikā | deren Wesen Brahman ist |
| 32 | Aṣṭāṅgarūpiṇī | deren Gestalt acht Glieder hat |
| 33 | Navadurgātmikā | deren Wesen die neun Durgās sind |
| 34 | Aṣṭabhairavī | die acht Bhairavīs umfassende Göttin |
| 35 | Gaṅgā | der heilige Fluss Gaṅgā |
| 36 | Śāradā | die herbstliche Göttin des Wissens |
| 37 | Veṇī | die Flechte beziehungsweise der Fluss dieses Namens |
| 38 | Sarvaśāstradhāriṇī | die sämtliche Lehrschriften trägt |
| 39 | Samudravasanā | deren Gewand das Meer ist |
| 40 | Brahmāṇḍamaṇimekhalā | deren Juwelengürtel das Weltenei ist |
| 41 | Avasthātrayanirmuktā | die von den drei Bewusstseinszuständen frei ist |
| 42 | Guṇatrayavivarjitā | die jenseits der drei Guṇas ist |
| 43 | Yogadhyānaikasaṃnyāsinī | die allein in Yoga und Meditation entsagt |
| 44 | Yogadhyānaikaparāyaṇā | die allein Yoga und Meditation hingegeben ist |
| 45 | Devyaviśokā | die leidfreie Göttin; Worttrennung im Druck unsicher |
| 46 | Vedāntajñānarūpiṇī | deren Gestalt das Wissen des Vedānta ist |
| 47 | Padmāvatī | die Lotusreiche |
| 48 | Viśālākṣī | die Weitäugige |
| 49 | Nāgayajñopavītinī | die eine Schlange als heilige Schnur trägt |
| 50 | Sūryacandrārdhabhāsā | deren Glanz Sonne und Mondhälfte umfasst; Kompositum unsicher |
| 51 | Graharkṣarūpiṇī | deren Gestalt Planeten und Sterne sind |
| 52 | Vaidikā | die Vedische |
| 53 | Vedarūpiṇī | deren Gestalt der Veda ist |
| 54 | Girisambhavā | die aus dem Berg Entstandene |
| 55 | Kaivalyadā | die Befreiung schenkt |
| 56 | Viśṛṅkhalā | die Fessellose |
| 57 | Sūryamaṇḍalasaṃsthitā | die im Sonnenkreis wohnt |
| 58 | Somamaṇḍalamadhyasthā | die in der Mitte des Mondkreises steht |
| 59 | Vāyumaṇḍalasaṃsthitā | die im Luftkreis wohnt |
| 60 | Vahnimaṇḍalasaṃsthitā | die im Feuerkreis wohnt |
| 61 | Śaktimaṇḍalasaṃsthitā | die im Kreis der Kräfte wohnt |
| 62 | Cakrikā | die mit dem Rad beziehungsweise Cakra Verbundene |
| 63 | Cakramadhyasthitā | die in der Mitte des Cakra steht |
| 64 | Cakramārgapradāyinī | die den Weg des Cakra weist |
| 65 | Sarvasiddhāntamārgaśāyinī | die auf den Wegen sämtlicher Lehrsysteme ruht |
| 66 | Ṣaḍvargavarjitā | die frei von den sechs inneren Gegnern ist |
| 67 | Pratyakṣādipramātṛkā | die Erkenntnisinstanz von Wahrnehmung und weiteren Mitteln; Lesung unsicher |
| 68 | Vidyāmūrti | die Verkörperung des Wissens |
| 69 | Trailokyamohinī | die die drei Welten bezaubert |
| 70 | Vidyā | das Wissen |
| 71 | Carmadā | wörtlich: die Haut spendet; Drucklesung fraglich |
| 72 | Ratnā | das Juwel |
| 73 | Brahmasthāpitarūpā | deren Gestalt von Brahmā eingesetzt wurde |
| 74 | Kaivalyajñānagocarā | die der Erkenntnis der Befreiung zugänglich ist |
| 75 | Karuṇā | das Mitgefühl |
| 76 | Varuṇā | die weibliche Varuṇa-Gestalt |
| 77 | Madhukaiṭabhamardinī | die Madhu und Kaiṭabha zermalmt |
| 78 | Acintyalakṣaṇā | deren Wesen nicht erdenkbar ist |
| 79 | Goṣṭhī | die Versammlung beziehungsweise der Viehbezirk; Deutung offen |
| 80 | Sadābhaktāghanāśinī | die stets das Übel der Verehrenden vernichtet |
| 81 | Mahāramā | die große Ramā |
| 82 | Parameśvarī | die höchste Herrin |
| 83 | Susiddhalakṣmī | die vollkommen vollendete Lakṣmī |
| 84 | Mahākālinī | die große dunkle Göttin |
| 85 | Sadyojātā | die eben Geborene |
| 86 | Vāmadevī | die liebliche Göttin |
| 87 | Aghorā | die Nichtschreckliche |
| 88 | Tatpuruṣā | die Gestalt jenes Puruṣa |
| 89 | Īśānarūpiṇī | deren Gestalt Īśāna ist |
| 90 | Ekākṣaradevī | die Göttin der einen Silbe |
| 91 | Yoginī | die Yoginī |
| 92 | Yogadhyānaparākramā | deren Kraft in Yoga und Meditation liegt |
| 93 | Śrīsiddhalakṣmī | die glückverheißende vollendete Lakṣmī |
| 94 | Śrī | Glanz und Wohlergehen |
| 95 | Kamalā | die Lotusgöttin |
| 96 | Kamalālayā | die im Lotus wohnt |
| 97 | Padmā | die Lotusgestalt |
| 98 | Nalinayugmakarāmbujā | deren lotushafte Hände zwei Lotusse tragen |
| 99 | Śailaputrī | die Tochter des Berges |
| 100 | Brahmacāriṇī | die in heiliger Enthaltsamkeit Lebende |
| 101 | Caṇḍaghaṇṭā | die mit der gewaltigen Glocke |
| 102 | Kūṣmāṇḍī | die Göttin Kūṣmāṇḍī |
| 103 | Skandamātṛ | die Mutter Skandas |
| 104 | Kātyāyanī | die Tochter Kātyāyanas |
| 105 | Kālarātrī | die Nacht der Zeit |
| 106 | Mahāgaurī | die große Gaurī |
| 107 | Siddhidā | die Vollendung schenkt |
| 108 | Sarvātmikā | deren Wesen alles ist |
Gliedkräfte, Lotuskräfte und Welthüter
Unnummerierte Fortsetzung: In der Lotusmitte werden die sechs Glieder verehrt: śrāṃ hṛdayāya namaḥ; śrīṃ śirase svāhā namaḥ; śrūṃ śikhāyai vaṣaṭ namaḥ; śraiṃ kavacāya huṃ namaḥ; śrauṃ netratrayāya vauṣaṭ namaḥ; śraḥ astrāya phaṭ namaḥ. Die zusätzlichen Namas-Schlüsse nach Svāhā, Vaṣaṭ und den weiteren Ausrufen stehen so im Druck.
Auf den acht Blättern, im Osten beginnend, folgen Padmāsanā, Padmavarṇā, Padmasthā, Ārdrā, Tarpayantī, Tṛptā, Jvalantī und Svarṇaprākārā. Hier steht Padmāsanā, die auf dem Lotus Sitzende, statt der früher genannten Padmā. Zu Jvalantī nennt die Fußnote auch Jvālinī. Auf den Blattspitzen stehen Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī.
Im Bhūpura werden die Welthüter jeweils mit Waffen, Reittier, Gefolge und Śakti verehrt. Die vollständige erste Formel lautet laṃ indrāya sāyudhāya savāhanāya saparivārāya saśaktikāya namaḥ. Nach demselben Muster folgen raṃ agnaye, ṭaṃ yamāya, kṣaṃ nirṛtaye, vaṃ varuṇāya, yaṃ vāyave, saṃ kuberāya, hauṃ īśānāya, āṃ brahmaṇe und hrīṃ anantāya. Die Namen bezeichnen Indra, Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Kubera, Īśāna, Brahmā und Ananta.
Außen folgen die Waffenformeln: vaṃ vajrāya namaḥ, dem Donnerkeil; śaṃ śaktaye, dem Speer; daṃ daṇḍāya, dem Stab; khaṃ khaḍgāya, dem Schwert; āṃ pāśāya, der Schlinge; kroṃ aṅkuśāya, dem Haken; gaṃ gadāyai, der Keule; śūṃ śūlāya, dem Dreizack; paṃ padmāya, dem Lotus; caṃ cakrāya, dem Diskus. Auch die abgekürzten Formeln enden jeweils mit Namas. Danach erhält die Göttin eine Blumenhandvoll.
Räucherwerk und Licht
Unnummeriertes Räuchergebet: „Oṃ. Das zehnteilige Räucherwerk aus Guggulu, verbunden mit Sandelholz und Aguru, ist von mir mit Hingabe dargebracht. Göttin, große Herrin, sei gnädig.“ Darauf kardamena …; jātavedase …; namo devyai …; śrīmahālakṣmyai namaḥ; śrīr eṣa te dhūpo namaḥ — „Verehrung Śrī Mahālakṣmī. Śrī, dies ist dein Räucherwerk.“
Unnummeriertes Lichtgebet: „Oṃ. Herrin der Götter, Mahālakṣmī, nimm die mit Kampferdocht und Kuh-Ghee bereitete Lampe an. Verehrung dir.“ Die Begleitformeln folgen auf der nächsten Seite.
Speise, Betel, Früchte und Lichterschwenkung
Fortsetzung der unnummerierten Gabenfolge (Druckseite 168): Zum Lichtgebet folgen āpaḥ sṛjanti …; jātavedase …; namo devyai …; śrīmahālakṣmyai namaḥ; śrīr eṣa te dīpo namaḥ — „Śrī, dies ist deine Lampe; Verehrung.“
Speisegebet: „Oṃ. Göttin, nimm diese Speisegabe aus Essbarem und Mahlzeiten an, göttlich zubereitet mit den sechs Geschmacksrichtungen und reichlich Ghee.“ Darauf ārdrām …; jātavedase …; namo devyai …; pūrṇamālinyai namaḥ; śrīr etat te naivedyaṃ sudhā. Dazwischen wird Trinkwasser, am Ende Wasser nach dem Essen und erneut Mundspülwasser gegeben.
Einreibung der Hände: „Oṃ. Höchste Herrin, nimm die Einreibung für die Hände an, mit Kampfer und Sandelholz gemischt und mit göttlichem Duft versehen.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; māheśvaryai namaḥ; śrīr etat te karodvartanaṃ namaḥ.
Betelgebet: „Oṃ. Nimm Betel an, versehen mit Arekanüssen, Kampfer und Nāgavallī-Blättern, verbunden mit Kampferpulver.“ Darauf ārdrām …; jātavedase …; namo devyai …; piṅgalāyai namaḥ; śrīr etat te tāmbūlaṃ namaḥ.
Goldblume: Der begleitende Vers fehlt im Druck vollständig und ist durch Punkte vertreten. Erhalten sind jātavedase …; namo devyai …; devyai namaḥ; śrīr etat te suvarṇapuṣpaṃ namaḥ — „Śrī, dies ist deine goldene Blume.“
Fruchtgebet: „Oṃ. Göttin, diese Frucht habe ich vor dich gelegt. Dadurch möge mir von Geburt zu Geburt alles Gute zuteilwerden.“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; siddhidāyai namaḥ; śrīr etat te phalam — „Verehrung der Vollendungsspenderin; Śrī, dies ist deine Frucht.“
Lichterschwenkung: „Oṃ. Du bist Sonne, Mond und Edelsteine; Blitz und Feuer bist du selbst. Höchste Herrin, nimm die von mir dargebrachte Lichterschwenkung an.“ Darauf tāṃ ma āvaha …; jātavedase …; namo devyai …; yamunādrivāsinyai namaḥ; śrīr etat te nīrājanam. Die gedruckte Anrede Yamunādrivāsinī bleibt als Eigenname erhalten.
Abschluss der Lakṣmī-Pūjā
Unnummerierte Prosa: Nach gaurīm imāya …; jātavedase …; ghṛṇā devī … und dem vollständigen Śrīsūkta folgt nochmals śrīr etat te naivedyaṃ namaḥ. Mahākālī, Mahālakṣmī und Mahāsarasvatī werden mit Namas angerufen; darauf śrīr etat te mantrapuṣpaṃ namaḥ, die Darbringung der Mantra-Blume.
Zur Umkreisung: oṃ sarvasvarūpe …; jātavedase …; namo devyai …; mahākālyai namaḥ; śrīr etāni pradakṣiṇāni. Danach die Anfänge oṃ sarvataḥ pāṇipādaṃ te … und yaḥ śuciḥ prayato ….
Unnummeriertes Verneigungsgebet: „Verehrung dir, große Göttin! Verehrung dir, Geliebte Haris! Verehrung dir, Trägerin der Welt! Verehrung dir, Geliebte Śivas!“ Darauf jātavedase …; namo devyai …; mahāmāyāyai namaḥ; śrīr etāni te vandanāni — „Śrī, dies sind deine Verehrungsbezeugungen.“
Unnummerierte Schlussprosa: Die weiteren Gebete werden im Druck nur mit ihren Anfängen genannt: pañcāśe … [Lesung unsicher], yā sāmpratam …, padmāsanasthā …, yā māyā madhukaiṭabha …, jātavedase … und namo devyai …. Darauf: śrīr eṣā te prārthanā — „Śrī, dies ist dein Gebet.“ Śrīsūkta, Caṇḍī-Pāṭha, Lakṣmīhṛdaya und die weiteren Texte werden rezitiert beziehungsweise rezitieren gelassen; mit „guhyam …“ wird der Japa dargebracht. Damit endet die Beschreibung der Lakṣmī-Pūjā.
Lakṣmīhṛdaya: Das Herzgebet an Lakṣmī
Unnummerierte Einleitung: Für das Śrī-Lakṣmīhṛdaya wird am Kopf Bhārgava als Seher, am Mund Triṣṭubh und die weiteren Versmaße und am Herzen Mahālakṣmī als Gottheit eingesetzt. Mit gefalteten Händen erklärt man die Anwendung zur Beseitigung von Alakṣmī, für langes Leben und zur Erlangung von Wohlstand und Herrschaftskraft. Die Zweckformel wiederholt im Druck das Wort Aiśvarya in einer nicht ganz klaren Verbindung; diese wird in der Sanskritfassung erhalten. Nach dem sechsgliedrigen Nyāsa mit den mit śrāṃ, śrīṃ beginnenden Mantras wird meditiert.
22.LH.1: Man vergegenwärtigt die Göttin Lakṣmī, die spielerisch mit ihren beiden Händen zwei Lotusse hält und mit Kette und Fußringen geschmückt ist.
22.LH.2: Ich verehre Lakṣmī, die aus dem höchsten Śiva besteht, die wie reines Gold aus dem Jambū-Fluss leuchtet. Sie ist Lichtgestalt, trägt goldene Gewänder und strahlt mit allen Schmuckstücken. Zitronenfrucht, goldenen Krug und goldenen Lotus hält sie: die ursprüngliche Kraft, die Mutter aller, auf Viṣṇus linkem Schoß sitzend.
22.LH.3: Ich preise die ewige Lakṣmī, die Mutter herrlichen Wohlergehens, die Freude schenkt und das eine Mittel zur Erfüllung aller Wünsche ist.
22.LH.4: Stets verneige ich mich vor dir, Herrin der Götter, mit einem Geist, den du bewegst. Deinen Auftrag auf meinem Haupt tragend, verehre ich dich, die höchste Herrin.
22.LH.5: Ich verehre die große Śrī, die alle Güter und Freude schenkt; die große Śrī, die alles Wohlergehen bewirkt; die große Śrī, die allen Segen hervorbringt; die große Śrī, die Erkenntnis schenkt.
Lakṣmīhṛdaya: Die Göttin in allen Wesen
Fortsetzung nach Druckseite 169. Die Namenswiederholung Kānti in Vers 10 und die weiteren Eigenheiten des Drucks bleiben erhalten.
22.LH.6: Ich verneige mich vor der Ewigen, die Erkenntnis, Wohlstand und Freude schenkt, vor der großen Herrin, die wunderbare Redegabe hervorbringt, die unendlichen, bezaubernden Genuss gewährt, Gedeihen bewirkt und Hari lieb ist.
22.LH.7: Du wohnst im Inneren aller Wesen, Herrin aller Wesen, deren Gestalt die Welt ist. Es gibt kein Ding, das von dir getrennt wäre. Śrī, vor deinem Lotusfuß verneige ich mich.
22.LH.8: Du vertreibst die Finsternis der Flut von Armut und Leid. Mache deinen Lotusfuß in mir gegenwärtig. Śrī, übergieße mich mit deinen gnädigen Seitenblicken, die das Leiden der Bedürftigen durchtrennen.
22.LH.9: Mutter, sei gnädig mit deinem Blick, der vom Nektar des Mitgefühls benetzt ist. Mache mich zu einem Haus des Reichtums deiner Gnade. Blicke mich liebevoll an, du Tilgerin des Leids im Herzen. Śrī, vor deinen beiden Lotusfüßen verneige ich mich.
Verehrung ihrer Kräfte und Namen
22.LH.10: Verehrung Śānti, dem Frieden, der die Zufluchtsuchenden schützt. Verehrung Kānti, dem Glanz, der Stätte liebenswerter Eigenschaften. Verehrung Kānti, die das Übel zum Schwinden bringt. Verehrung Dhātrī, der Trägerin, die Fülle an Geld und Getreide schenkt.
22.LH.11: Verehrung Śakti, der Kraft, die der Mondgekrönte preist. Verehrung Rati, der Freude, der Schwester des Mondes. Verehrung Bhakti, der Hingabe, die über den Ozean des Werdens führt. Verehrung Mati, der Einsicht, der Geliebten Madhusūdanas.
22.LH.12: Verehrung Lakṣmī, die durch glückverheißende Zeichen kenntlich ist. Verehrung Siddhi, der Vollendung, die Śiva und sein Gefolge verehren. Verehrung Dhṛti, der Festigkeit, die unermessliche Bedrängnis zerbricht. Verehrung Gati, dem Weg und Ziel, die einen vortrefflichen guten Ausgang schenkt.
22.LH.13: Verehrung Devī, der Göttin, die die Götterschar im Himmel verehrt. Verehrung Bhūti, dem Gedeihen, das die Not der Welt vernichtet. Verehrung Dānti, der Selbstbeherrschung, der Geliebten des Erdträgers. Verehrung Puṣṭi, der nährenden Fülle, der Geliebten des höchsten Puruṣa.
22.LH.14: Verehrung dir, die schmerzlichste Armut und Leid vernichtet und alle Furcht hinwegnimmt. Verehrung, Verehrung dir, die auf Śrī Viṣṇus Brust wohnt und allen Reichtum schenkt.
Siegesruf an Lakṣmī
22.LH.15: Heil, Heil Lakṣmī, deren Glieder mit glückverheißenden Merkmalen geschmückt sind! Heil, Heil Padmā, die der Lotusbewohner verehrt! Heil, Heil Vidyā, die auf Viṣṇus linkem Schoß sitzt! Heil, Heil Śrī, die alle Güter vollkommen hervorbringt!
22.LH.16: Heil, Heil Devī, die die Götterschar verehrt! Heil, Heil Bhadrā, Bhārgavī, die Gestalt des Glücks! Heil, Heil Nityā, die Ewige, die durch reine Erkenntnis erkannt wird! Heil, Heil Satyā, die Wahre, die im Inneren aller Wesen wohnt!
22.LH.17: Heil, Heil der Schönen, die im Inneren der juwelenbergenden Erde wohnt! Heil, Heil der Reinen, die wie reines Jambū-Gold leuchtet! Heil, Heil der Lieblichen mit strahlenden Gliedern! Heil, Heil der Friedvollen! Komm rasch, du Sanfte!
22.LH.18: Durch ihren Kraftanteil leben der Lotusgeborene und die anderen, die Rudras und die Götter mit Śakra an der Spitze — sie alle samt ihren Kräften. Durch sie erlangen sie Herrschaft und höchste Lebensdauer.
Druckvarianten: Genannt werden „bezaubernd“, „unendliches Genussglück schenkend“, „Götterfürst“ und „Zusammentreffen/Verbindung“ sowie eine letzte, nicht sicher lesbare Variante zu einem Glanz-Kompositum. Die Zuordnung der kurzen Fußnotenzeichen ist teilweise unklar; sie werden nicht zur stillschweigenden Änderung des Haupttextes verwendet.
Lakṣmīhṛdaya: Der göttliche Kraftanteil im Menschen
Fortsetzung nach Druckseite 170. Kalā bezeichnet hier einen Anteil oder eine Ausstrahlung göttlicher Kraft.
22.LH.19: Vidhi schrieb die Schrift meines Geschicks auf die Stirn und ließ einen Zwischenraum: „Dies soll von dir geschrieben werden“, damit sich die Frucht erfülle. Du Lotusbewohnerin, Śrī, setze hier deutlich dein eigenes Siegel ein, das alles Glück anzeigt. Die Syntax des ersten Halbverses ist gedrängt; die Übersetzung gibt den Zusammenhang der Schicksalsschrift und des Siegels wieder.
22.LH.20: Hier ist diese Finsternis auf der Stirn offenbar, Lotusbewohnerin. Schenke den aus dem Meer geborenen Glanz, der alles Glück anzeigt. „Finsternis“ steht so im Druck; die auffällige Fügung wird nicht eigenmächtig in einen geläufigeren Vers geändert.
22.LH.21: So wie durch deinen Kraftanteil die beweglichen und unbeweglichen Wesen leben, so sei mir stets gnädig, Lakṣmī, Spenderin des Gedeihens.
22.LH.22: Wie du deinen Kraftanteil beständig in den unwandelbaren Viṣṇu gelegt hast, so lege auch in mich deinen Kraftanteil, Lakṣmī.
22.LH.23: Göttin, Spenderin aller Freude, die den Verehrenden Furchtlosigkeit schenkt: Mache den in mich gelegten Kraftanteil sorgsam unerschütterlich.
22.LH.24: Der klare Kraftanteil Lakṣmīs des höchsten Ortes möge stets auf meiner Stirn sein. Die Kraft der Śrī von Vaikuṇṭha möge immer in meinen Augen wohnen. In meiner Rede in dieser sterblichen Welt möge Lakṣmīs vortrefflicher Anteil wohnen; die Kraft Śrīs von Śvetadvīpa möge in meinen beiden Händen wohnen.
22.LH.25: Die Śrī-Kraft des Milchmeeres möge so lange in meinen Gliedern wohnen, wie Sonne und Mond bestehen und der Herr Lakṣmīs mit Śrī verbunden ist.
22.LH.26: Voll allen Segens, mit aller Herrschaftskraft versehen: Als ursprüngliche Śrī Mahālakṣmī möge dein Kraftanteil in mir bleiben.
22.LH.27: Um die Finsternis des Nichtwissens zu vernichten, möge dein Kraftanteil fest in mir stehen, reine Erkenntnis erhellen und alle Fülle schenken.
22.LH.28: Wie Sonnenlicht die Dunkelheit vertreibt, so möge der in mir wohnende Anteil deiner Kraft rasch Alakṣmī beseitigen und mein Heil mehren.
22.LH.29: Dein Kraftanteil wird zur Entstehung von Herrschaftskraft und Segen in mich gelegt. Dadurch bin ich erfüllt; ich bin ein Gefäß deines Verweilens.
22.LH.30: Bhārgavī, ich bin beglückt, weil ich würdig bin, von deiner Gegenwart erfüllt zu werden. Durch deine Gnade bin ich geläutert. Weltmutter, Verehrung dir!
Anrufung aus den göttlichen Wohnstätten
22.LH.31: Weil du mich durch deinen Kraftanteil läuterst, komm vor mich. Ursprüngliche Lakṣmī, höchste Stätte und Śrī, tritt gnädig mit Acyuta in mich ein. Der mittlere Ausdruck ist im Druck syntaktisch ungewöhnlich; eine abschließende philologische Entscheidung bleibt offen.
22.LH.32: Lakṣmī, die in Śrī-Vaikuṇṭha wohnt, komme vor mich. Blicke zusammen mit Nārāyaṇa mit gnädigem Blick auf mich.
22.LH.33: Lakṣmī, die in Satyaloka wohnt, komme in meine Nähe. Zusammen mit Vāsudeva sei gnädig und schenke Gaben.
22.LH.34: Lakṣmī, die in Śvetadvīpa wohnt, komm rasch, du mit guten Gelübden. Göttin, Weltmutter, mit Viṣṇu vereint, sei mir gnädig.
22.LH.35: Lakṣmī, die im Milchmeer wohnt, komm zusammen mit Mādhava. Blicke stets mit dem Nektarregen deiner Gnade auf mich.
22.LH.36: Lakṣmī, die im Inneren der juwelenbergenden Erde wohnt, du Vollkommene, Goldene: Komm her, komm her, bleibe vor mir.
22.LH.37: Sei beständig, Mahālakṣmī; sei unbeweglich, du Makellose. Gnädige Kamalā, Göttin, sei heiteren Herzens.
22.LH.38: Du Trägerin Śrīs, du große glückverheißende Wesenheit, hebe den großen Schatz in deinem Inneren rasch hervor, zeige ihn vor mir und bringe ihn dar.
Druckvarianten: Statt des Verbs zum Freilassen der Schicksalsschrift steht auch „wegwerfend“; zu „unwandelbar“ wird „wahr“ genannt. Vers 29 besitzt eine abweichende, ebenfalls gedrängte Fügung mit Kalā und „ich“; weitere Kurzlesarten sind tvanna und „gib“.
Lakṣmīhṛdaya: Schätze der Erde und Schutz der Zufluchtsuchenden
Fortsetzung nach Druckseite 171. Die Bitten um verborgene Schätze gehören zur überlieferten Gebetssprache und ihren Wohlstandsvorstellungen.
22.LH.39: Vasundharā, glückverheißende Erde, die Reichtum wie Milch spendet, ganz aus Mitgefühl bestehend: Zeige mir rasch alle Güter in deinem Inneren.
22.LH.40: Geliebte Viṣṇus, Juwelenbergende, Spenderin aller Früchte, Gütige: Zeige, zeige das Gold und die übrigen Schätze in deinem Inneren.
22.LH.41: Lakṣmī, die in Rasātala wohnt, komme rasch vor mich. Ich kenne deine höchste Gestalt nicht; Mutter, zeige sie mir.
22.LH.42: Werde mit der Schnelligkeit des Gedankens sichtbar, komme rasch vor mich. Sprich: „Fürchte dich nicht, mein Kind!“ und beschütze mich liebevoll wie eine Kuh ihr Kalb.
22.LH.43: Göttin, die im Inneren der Erde wohnt, komme rasch. Mutter, ich bin der Diener deiner Diener und suche dich voller Verlangen.
22.LH.44: Stehe auf, erwache für mich; erhebe dich, erwache ganz. Die unvergänglichen goldenen Krüge, reich mit Gold gefüllt …
22.LH.45: … die verborgenen Schätze, ziehe für mich heran und hebe sie vor mich. Mit erhobenem Antlitz bringe sie aus dem Inneren der Erde empor.
22.LH.46: Komme in meine Nähe aus dem Mitgefühl, das du auf mich gerichtet hast. Sei gnädig, Lakṣmī, die Heil wie Milch spendet, und stehe vor meinen Augen.
22.LH.47: Setze dich hier nieder, Lakṣmī, und bleibe beständig, du Goldene. Bleibe fest in freundlicher Zuwendung, sei gnädig und schenke Gaben.
22.LH.48: Göttin, zeige mir die Schätze, die du gebracht hast. Gib sie heute, jetzt, in diesem Augenblick, und beschütze mich stets.
22.LH.49: Wohne immer in mir, wie du in Indra und den anderen wohnst. Göttin, schenke mir Furchtlosigkeit. Mahālakṣmī, Verehrung dir!
22.LH.50: Komm her, Mahālakṣmī, die wie reines Jambū-Gold leuchtet. Sei gnädig, stehe vor mir und blicke auf mich, der sich vor dir verneigt.
22.LH.51: Lakṣmī, wo immer du in der Erde als Goldene leuchtest: Wo immer du dort wohnst, zeige mir deine Gestalt.
22.LH.52: Du spielst auf vielerlei Weise, ganz von vollkommenem Mitgefühl erfüllt. Lege unverzüglich deine Hand auf meinen Scheitel.
22.LH.53: Lakṣmī, deren aufgehendes Glück Frucht trägt, die in allen Städten wohnt: Sei mir gnädig, Mahālakṣmī, deren Wünsche vollkommen erfüllt sind.
22.LH.54: Du wohnst in allen Städten, angefangen mit Ayodhyā. Mit vielfältiger Pracht und Kraft versehen, komme her.
22.LH.55: Komm her, komm her, bleibe fest in meinem Körper, du, aus deren beiden leuchtenden Augen der Saft des Mitgefühls strömt.
22.LH.56: Mahālakṣmī, lege deine Hand auf mein Haupt. Übergieße mich mit dem Nektar des Mitgefühls und mache mich beständig.
22.LH.57: Lege gnädig deine Hand auf mein Haupt, auf mich Bedürftigen, ursprüngliche Śrī Mahālakṣmī, die auf Viṣṇus linkem Schoß sitzt.
22.LH.58: Du bist ganz darauf gerichtet, die Verehrenden zu retten, die vor dem Dasein erschrecken. Mache mir deine Gestalt sichtbar; beschütze mich, der bei dir Zuflucht sucht.
22.LH.59: Lakṣmī, komme aus allen königlichen Häusern, mit deinen Vorzügen versehen. Stehe heute vor mir und mache mich durch deine Gnade furchtlos.
22.LH.60: Sei mir gnädig, Mahālakṣmī, sei ganz gnädig, große Gütige. Sei in liebevoller Zuwendung unerschütterlich und wohne beständig in meinem Haus.
22.LH.61: Solange die Götter bestehen, solange dein Name besteht, solange Viṣṇu und du bestehen: So lange erweise mir Gnade. Die grammatisch auffällige Verbindung zu den Göttern bleibt in der Sanskritfassung erhalten.
22.LH.62: Wie der Mondanteil in der hellen Monatshälfte von Tag zu Tag zunimmt, so möge dein Mitgefühl für mich wachsen, immer weiter wachsen.
22.LH.63: Wie du in der Stadt Vaikuṇṭha und im Milchmeer wohnst, so wohne beständig in meinem Haus zusammen mit Śrī Viṣṇu.
22.LH.64: Wie du stets mit Viṣṇu im Herzen der Yogis wohnst, so wohne beständig in meinem Haus zusammen mit Śrī Viṣṇu.
Beginn des nächsten Verses: „Wie du in Nārāyaṇas Herzen wohnst und Nārāyaṇa in deinem Herzlotus …“ Die Fortsetzung und Versnummer folgen auf Seite 172.
Druckvarianten: Verzeichnet sind eine abweichende Endung des Ausdrucks für das erhobene Gesicht, „gib vollständig“, „wohnend“, „du“, eine unsichere Variante bei Hiraṇmayī und „du wohnst in mir“.
Lakṣmīhṛdaya: Zuflucht und mütterliches Mitgefühl
Fortsetzung nach Druckseite 172.
22.LH.65: Wie du in Nārāyaṇas Herzen wohnst und Nārāyaṇa in deinem Herzlotus, so mögen Nārāyaṇa und du beide stets auch in meinem Herzen wohnen, mitfühlende Śrī. Der erste Halbvers steht bereits am Ende der vorigen Druckseite und wird hier zum vollständigen Zusammenhang wiederholt.
22.LH.66: Śrī, lasse Erkenntnis in meinem Herzen wachsen. Śrī, vollende das Wohlergehen in meinem Haus. Śrī, stärke das Mitgefühl in mir. Śrī, lasse das Gold in meiner Hand zunehmen.
22.LH.67: Verlasse mich nicht, Wunschgewächs der Zufluchtsuchenden, Wunschjuwel und Wunschkuh wahrer Hingabe. Sei als Mutter der Welt gnädig gegenwärtig im Haus, bei den Ehefrauen und unter den Kindern.
22.LH.68: Ursprüngliche Māyā, du bist der Same von Brahmās Weltenei; du selbst bist [mākāranirākṛti, eine nicht sicher aufzulösende Verbindung von Mā-Laut/Gestalt und Gestaltlosigkeit]. Du trägst die Scharen der Welteneier des Lotusgeborenen. Wunderbar ist dein Wirken, Göttin, und das Viṣṇus.
22.LH.69: Selbst Brahmā, Rudra und die anderen Götter und die Veden vermögen deine Größe nicht zu preisen. Wie sollte ich, der Beschränkte, es vermögen?
22.LH.70: Mutter, die Worte deines Kindes, ob gut gesprochen oder nicht: Nimm sie alle, Allwissende, aus Mitgefühl und mit Zuwendung an.
22.LH.71: Die Menschen früherer Zeiten fanden Erfüllung, indem sie zu dir Zuflucht nahmen. Dies im Herzen bedenkend, nehme auch ich Zuflucht zu dir.
22.LH.72: Deine Verehrenden, die dir ganz hingegeben sind, erfahren grenzenlose Freude. Weil dies durch den Veda bezeugt ist, nehme ich Zuflucht zu dir, Göttin.
22.LH.73: Dein Versprechen lautet: „Meine Verehrenden gehen niemals zugrunde.“ Indem ich dies immer wieder bedenke, halte ich meine Lebenskräfte aufrecht.
22.LH.74: Mutter, ich bin von dir abhängig, und deine Gnade ist in mir gegenwärtig. Gib weiter, bis ich ganz erfüllt bin, du Schatz des Mitgefühls.
22.LH.75: Nicht einen Augenblick kann ich ohne deine Gnade leben — wie die im Wasser geborenen Wesen nicht leben, wenn sie das Wasser verlassen.
22.LH.76: Aus Liebe zu ihrem Kind eilt die Mutter mit fließender Milch herbei und nährt es liebevoll. Das erste Wort des gedruckten Verses ist syntaktisch auffällig; das klare Mutter-Kind-Bild bestimmt die Übersetzung.
22.LH.77: Wenn ich dein Kind bin und du meine Mutter, dann übergieße mich mit dem Milchnektar aus den Brüsten deines Mitgefühls.
22.LH.78: Nicht einmal eine Spur guter Eigenschaften ist in mir zu finden, der ich ein Haus der Fehler bin. Wie Staubteilchen und Regentropfen sind meine Fehler nicht zu zählen.
22.LH.79: Unter den Fehlenden bin ich der Erste, unter den Mitfühlenden bist du die Erste. Wer in diesen drei Welten bedürfte deines Mitgefühls mehr als ich?
22.LH.80: Hätte der Schöpfer mich nicht geschaffen, gäbe es keinen Anlass für dein Mitgefühl. Wäre keine Krankheit geschaffen, wäre das Entstehen des Heilmittels vergeblich.
22.LH.81: Ist dein Mitgefühl älter als ich, oder bin ich älter als dieses? Bedenke es und gib mir deinen Reichtum, Göttin, Schatz des Mitgefühls.
22.LH.82: Du bist Mutter, Vater, Guru und gutes Ziel. Śrī, du allein bist die Ursache neuen Lebens. Einen anderen erkenne ich nicht an, einzige Herrin der Welt. Wahrhaftig, Göttin, du bist mein Alles.
22.LH.83: Ursprüngliche Lakṣmī, sei ganz gnädig, du Spenderin der Freude reiner Erkenntnis. Du vernichtest Nichtwissen und stehst jenseits der drei Guṇas; dein Auge ist höhere Erkenntnis. Sei ganz gnädig.
22.LH.84: Du entfernst jede Befleckung stockender Rede und schenkst immer neue, klare, gute Worte. Śrī, sei gnädig in meinem Mund die Tänzerin auf der schönen Bühne meiner Zungenspitze.
Beginn des nächsten Verses: „Die in allen Gütern erstrahlt, die in allen Lichtkräften erstrahlt …“ Die Fortsetzung folgt auf Seite 173.
Druckvarianten: Verzeichnet sind „Wachstum“ statt einer entsprechenden Fülle-Bezeichnung, „im Haus“, „beständig“, „wie“ und zum beginnenden Vers „die in der Welt erstrahlt“. Die demütige Selbstbeschreibung der Verse 78–81 ist die Stimme des historischen Beters.
Lakṣmīhṛdaya: Rede, Segen und Furchtlosigkeit
Fortsetzung nach Druckseite 173.
22.LH.85: Du erstrahlst in allen Gütern und in sämtlichen Lichtkräften. Geliebte Viṣṇus, leuchte als Göttin der Rede und sei in meinem Haus gnädig gegenwärtig. Der auf Seite 172 stehende erste Halbvers ist hier zum Zusammenhang wiederholt.
22.LH.86: Du gewährst denen, die sich in Hingabe verneigen, alles Ersehnte; du spendest Glanz, Schönheit und Mitgefühl. Goldspenderin, sei freundlich, Śrī. Du Goldene, sei mir ganz gnädig.
22.LH.87: Du schenkst alle Güter, bringst die ganze Welt hervor, bist die Herrin von allem und nimmst jede Furcht hinweg. Höchste Śrī, sei freundlich; Goldene, sei in meinem Mund gnädig gegenwärtig.
22.LH.88: Du vernichtest alle Scharen von Hindernissen und verstehst es, sämtliche Hindernisse auszuräumen. Du schenkst unendliches Wohlergehen und Freude. Goldene, sei in meinem Mund gnädig gegenwärtig. Die Fußnote bietet statt des Ausräumens von Hindernissen „die Verehrenden emporheben“.
22.LH.89: Göttin, sei mir, der besonders des Mitgefühls bedarf, gnädig; die Götterherren, Bhava und die Götterschar verehren dich. Mutter, sei meinen Augen nahe und wohne mit deinem Gatten ganz gnädig in meinem Mund. Die Bezeichnung der verehrenden Gottheiten ist im Druck ein gedrängtes Kompositum.
22.LH.90: „Fürchte dich nicht, mein Kind; meine furchtlos machende Hand liegt auf deinem Scheitel!“ So sprich zu mir, du von Mitgefühl mit den Bedürftigen Bewegte. Mutter, schenke freudig deinem gnädigen Seitenblick Raum in meinem Inneren, verbunden mit der Macht des Segenskeims.
22.LH.91: Dein Seitenblick sei hier meine Wunschkuh, deine Hand mein Wunschjuwel und immer mein göttlicher Wunschbaum. Indirā, du selbst bist die neun Schätze. Der Saft deines Mitgefühls sei täglich verjüngendes Elixier; dein Gesicht, der mondgleiche Schatz der Kräfte, schenke das vielfältig Ersehnte.
22.LH.92: Wie durch die Berührung des alchemistischen Rasa selbst Eisen Gold werden soll, so entsteht, Kamalā, durch die Berührung deines Seitenblicks selbst bei unglücklichen Menschen Glück. Der Vergleich verwendet die historische Vorstellung der Metallverwandlung; er ist kein naturwissenschaftliches Verfahren.
22.LH.93: Erschrocken über den Wechsel der Worte „Gib!“ und „Es ist nichts da!“, habe ich bei dir Zuflucht gesucht, Ramā. Sei deshalb stets hier bei mir, du Spenderin der Furchtlosigkeit, zusammen mit deinem Gatten.
22.LH.94: Dein überaus schöner Kraftanteil Śrī, verbunden mit Wunschbaum und Wunschjuwel, möge in mir als alchemistisches Elixier sein, sodass Bewegliches und Unbewegliches, das meine Augen, mein Haupt, meine Hände oder Füße berühren, goldene Gestalt erhielte. Dies ist das alchemistische Wirkbild des Gebets.
22.LH.95: Mutter, beständige rechtmäßige Gemahlin des ursprünglichen Viṣṇu, sei mit deinem Gatten bei mir. Ursprüngliche Lakṣmī, durch deine Gnade möge ich auf Schritt und Tritt Schätze sehen.
Überlieferte Frucht des Herzgebets
22.LH.96: Wer dieses Herzgebet an die ursprüngliche Lakṣmī rezitiert, soll unerschütterliches Herrschaftsglück entfalten. Selbst ein sehr Armer soll reich werden, und Śrī soll in seiner Nachkommenschaft beständig bleiben.
22.LH.97: Wessen bloße Erinnerung die Geliebte Viṣṇus erfreut, dem schenkt sie rasch das Ersehnte und schützt ihn wie ihr eigenes Kind.
22.LH.98: Dieses geheime Herzgebet wird als Spender aller gewünschten Früchte bezeichnet. Fünftausend Rezitationen heißen sein Puraścaraṇa.
Weitere Druckvarianten: Zweimal wird „im Auge“ statt „im Mund/Haus“ genannt, außerdem eine andere Bitte mit „hier“ und „Mutter“, sowie die kurzen Lesarten „im Dasein“, „mein“, „welche allein“ und „guter Regen“. Die Verheißungen werden als Aussagen des überlieferten Gebets wiedergegeben.
Lakṣmīhṛdaya: Abschluss und überlieferte Anwendung
Fortsetzung nach Druckseite 174. Die folgenden Fruchtverheißungen sind Aussagen der historischen Quelle, einschließlich der Vorstellungen zu Nachkommenschaft und Wohlstand.
22.LH.99: Wer dieses Gebet mit Hingabe zu den drei Tageszeiten oder einmal täglich liest oder hört, soll höchste Śrī erlangen.
22.LH.100: Wer es Mahālakṣmī gewidmet am Freitag in der Nacht fünfmal rezitiert, soll wohlhabend werden.
22.LH.101: Wird einer Schwangeren Nahrung gegeben, die mit diesem Herzgebet besprochen wurde, soll in dieser Familie ein Sohn geboren werden, der selbst Śrīpati ist. Dies ist eine rituelle Geburtsverheißung des Textes, keine Aussage über die Wirkung von Nahrung auf Schwangerschaft oder Kind.
22.LH.102: Wenn ein Mann oder eine Frau Wasser trinkt, das mit dem Lakṣmīhṛdaya besprochen wurde, soll in der betreffenden Abstammungslinie kein Unglücklicher geboren werden.
22.LH.103: Wer während des Ramā-Festes in der hellen Hälfte des Monats Āśvina mit ungeteilter Hingabe rezitiert und täglich einen Durchgang hinzufügt, soll Zunahme an Gold erlangen.
22.LH.104: Wer ein Jahr lang täglich siebzigmal mit reinem Geist rezitiert und nur eine Mahlzeit einnimmt, soll selbst bei unglücklichem Geschick durch Ramās Seitenblick einen Wohlstand erlangen, der hundert Indras übertrifft.
22.LH.105: Śrī, schenke mir Hingabe zu den Füßen deines Herrn, den Dienst an Haris Dienern, feste Ausrichtung auf den klar gewordenen Sinn des Mantra, Erinnerung an den Guru und Wachstum reiner Erkenntnis. Schenke mir die höchste Stätte.
22.LH.106: Herrschaft über die Erde, Vortrefflichkeit unter den Menschen, Verweilen in Fülle und die Vollendung vielfältigen Gedeihens: Schenke mir immer wieder vollständigen Erfolg, der viele Jahre genossen werden kann.
22.LH.107: Bhārgavī, schenke mir von Geburt zu Geburt Erfolg von Wort und Sinn, Einfluss auf viele Menschen, beständige Jugend, Freude mit Frauen, das Erlangen von Enkeln und die Erfüllung aller Anliegen.
22.LH.108: Man meditiert über Lakṣmī mit lächelndem Gesicht, leuchtend wie zehn Millionen aufgehende Sonnen, in einem erlesenen blitzfarbenen Gewand, reich geschmückt und schön. Sie trägt Zitronenfrucht, zwei Lotusse und ein goldenes Gefäß, ist mit ihrem Gatten verbunden und schenkt immer wieder Furchtlosigkeit: die beständige Śrī Acyutas. Die Fügung zum Gatten und der Versschluss sind im Druck grammatisch auffällig; der lesbare Bildinhalt bleibt gewahrt.
Kolophon: Damit ist das Lakṣmīhṛdaya-Stotra im Atharvaṇarahasya vollständig. Dies ist der Abschluss des hier zitierten Herzgebets, nicht der Abschluss des 22. Śvāsa.
Zusatzvers aus einem anderen Exemplar, als Druckfußnote überliefert: „Śrī, lasse das Gold in meinem Haus wachsen. Śrī, lasse den Segen in meinem Haus wachsen. Śrī, lasse die Fülle in meinem Haus wachsen. Śrī, lasse das Wohlergehen in meinem Haus wachsen.“
Weitere Druckvarianten: Genannt werden „einmal“, „zu tragen/zu bewahren“, „Ruhm“ und „durch Rede“; die kurzen Verweiszeichen sind nicht überall zweifelsfrei zuzuordnen.
Durgā-Mantras nach dem Sārasaṃgraha
22.DU.1: Nun werden die großen Mantras Durgās erklärt, die das Gewünschte geben sollen: die Früchte der drei Lebensziele, Befreiung und Sieg.
22.DU.2: Sadya mit Daṇḍin, Hṛllekhā, Hlādinī mit Dhṛti und Indu; Agni und Indhikā mit Visarga; Smṛti und Pratiṣṭhā zusammen mit Śrī …
22.DU.3: … Dhūmrārci, der Laut der Ṭa-Reihe, Tandrā und Anantā: So wird der achtsilbige Durgā-Mantra bezeichnet, der den Verehrenden alle Wünsche erfüllen soll.
Unnummerierte Lautauslegung: Sadya bezeichnet Oṃ, Daṇḍin den Anusvāra; zusammen bilden sie den Praṇava. Hṛllekhā ist das Bhuvaneśvarī-Bīja Hrīṃ. Dhṛti bezeichnet U, Hlādinī Da und Indu den Anusvāra: daraus duṃ. Agni bezeichnet Da, Indhikā U, mit Visarga also duḥ. Smṛti bezeichnet Ga, Pratiṣṭhā Ā: gā. Śrī bezeichnet Ai, Dhūmrārci Ya: yai. Der angeführte Laut der Ṭa-Reihe ist Na, Tandrā Ma und Anantā der Visarga: namaḥ. Die grammatische Erläuterung verweist auf sasajuṣo ruḥ und die Verbindung, aus der durgāyai entsteht. Der entschlüsselte Mantra lautet oṃ hrīṃ duṃ durgāyai namaḥ. Die gedruckte grammatische Kurzfassung ist gedrängt; der Lautschlüssel wird offengelegt, ohne ihn als wörtlich ausgeschriebene Mantrazeile des Drucks auszugeben.
22.DU.4: Als Seher wird Nārada genannt, als Versmaß Gāyatrī; die Gottheit ist Durgā, die sichtbare und unsichtbare Früchte gewährt.
22.DU.5: Die sechs Glieder des Mantra werden mit den sechs langen Vokalen, den entsprechenden Anfangs- und Endbestandteilen und den rituellen Schlussausrufen gebildet. Die kompakte Vorschrift wird im Folgenden praktisch entfaltet.
Durgā: Gliedmantras und Meditation
Unnummerierte Erläuterung (Druckseite 175): Aus dem Lautschlüssel ergibt sich die erste Gliedformel oṃ hrīṃ duṃ durgāyai hāṃ hṛdayāya namaḥ; die übrigen werden entsprechend gebildet. Die „Füße des Lehrers“ werden mit der Kurzvorschrift zitiert, Praṇava, Māyā und durgāyai mit den mit Hāṃ beginnenden Gliedbestandteilen zu verbinden. Padmapādācārya erklärt, dass das Wort „und“ auch duṃ einschließt.
22.DU.6: Ich verneige mich vor Durgā, die auf einem Löwen sitzt, wie Smaragd leuchtet und den Mond im Haar trägt. In ihren Händen hält sie Muschel, Diskus, Bogen und Pfeil. Mit drei Augen strahlend, vernichtet sie das Leid des Werdens; ihre Glieder sind mit Juwelenschmuck geziert.
Unnummerierte Attributglosse: Die ersten beiden Attribute werden dem vorderen Händepaar, von links beginnend, die letzten beiden dem darunter befindlichen Paar zugewiesen. Die Richtungsformulierung ist knapp; eine darüber hinausgehende ikonographische Neuordnung wird nicht vorgenommen.
22.DU.7: Mit Kuṅkuma und weiteren Stoffen werden zwei achtblättrige Lotusse gezeichnet, von drei Quadraten umgeben und mit vier Toren versehen.
22.DU.8: Bei der Verehrung des Sitzes werden neun Kräfte geehrt: Prabhā, Māyā, Jayā, Sūkṣmā, Viśuddhā …
22.DU.9: … Nandinī, Suprabhā, Vijayā und als neunte Sarvasiddhi. Sie werden zusammen mit den vorgeschriebenen Vokalen verehrt. Der Lautcode im zweiten Halbvers ist schwer lesbar; die folgende Prosa löst ihn auf.
Unnummerierte Vokalerklärung: Aus der Vokalreihe werden A, I, U, Ṛ, Ṝ, Ḷ und Ḹ ausgenommen. Die verbleibenden neun, Ā, Ī, Ū, E, Ai, O, Au, Aṃ und Aḥ, werden mit den neun Śaktis verbunden.
22.DU.10: Praṇava, „dem mit diamantfesten Krallen und Fangzähnen Bewaffneten“, das Wort „groß“, „dem Löwen“, dann Schutzpanzer, Waffe und Verneigung: So wird der Löwenmantra erklärt.
Unnummerierter Halbvers und Glosse: Mit diesem Mantra wird der Sitz gegeben und mit dem Grundmantra die Gestalt vergegenwärtigt. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.] „Schutzpanzer“ bezeichnet Huṃ, „Waffe“ Phaṭ und „Verneigung“ Namas.
Die Umkreise der Durgā-Verehrung
22.DU.11: Die Gestalt wird herbeigerufen und die Göttin darin mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrt. Den ersten Umkreis bilden die Glieder, den nächsten die mit Jayā beginnenden Kräfte, den folgenden …
22.DU.12: … die mit der Muschel beginnenden Waffen. Der vierte besteht aus Indra und den weiteren Welthütern, der nächste aus ihren Waffen. So wird Durgās Verehrung beschrieben.
22.DU.13: Jayā, Vijayā, Kīrti, Prīti, Prabhā, Śraddhā, Medhā und Śruti werden jeweils mit dem Anfangslaut ihres eigenen Namens verehrt.
22.DU.14: Als Waffen werden Diskus, Muschel, Keule, Schwert, Schlinge, Haken, Pfeile und Bogen genannt. Wer den Durgā-Mantra so verehrt, soll Indirā, das Wohlergehen, erlangen.
Praktische Ausführung und vollständige Formeln
Unnummerierte Ritualprosa: Nach dem morgendlichen Aufstehen, den vorbereitenden Handlungen bis zum Yāga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra werden Nārada am Kopf, Gāyatrī am Mund und Śrī Durgā am Herzen eingesetzt: oṃ nāradāya ṛṣaye namaḥ; gāyatrīchandase namaḥ; śrīdurgāyai devatāyai namaḥ. Mit gefalteten Händen wird die Anwendung der Erfüllung des eigenen Anliegens gewidmet.
Die Gliedformeln beginnen oṃ hrīṃ duṃ durgāyai hāṃ hṛdayāya namaḥ und oṃ hrīṃ duṃ durgāyai hīṃ śirase …. Der Druck kürzt die restlichen Glieder ausdrücklich ab. Sie werden an Daumen bis Handflächen und an Herz und den übrigen sechs Gliedstellen angebracht. Meditation und geistige Verehrung folgen.
Auf einer Goldplatte oder einer entsprechenden Unterlage werden mit Sandelholz zwei achtblättrige Lotusse in innerer und äußerer Anordnung gezeichnet, außen drei Quadrate mit vier Toren. Das Cakra wird vor dem Ausführenden aufgestellt; die Schritte von der Arghya-Aufstellung bis zur Verehrung des höchsten Prinzips folgen wie zuvor.
Die Sitzkräfte stehen von vorn im Uhrzeigersinn auf den acht Staubfadenbereichen: āṃ prabhāyai namaḥ; īṃ māyāyai; ūṃ jayāyai; eṃ sūkṣmāyai; aiṃ viśuddhāyai; oṃ nandinyai; auṃ suprabhāyai; aṃ vijayāyai. In der Mitte: aḥ sarvasiddhyai namaḥ. Die abgekürzten Formeln enden ebenfalls mit Namas.
In der Mitte wird der Löwensitz verehrt: oṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ — „Oṃ, Verehrung dem großen Löwen, dessen Waffen diamantfeste Krallen und Fangzähne sind; Huṃ Phaṭ.“ Nach Herbeirufung und Gaben bis zu den Blumen werden die Glieder verehrt.
Auf den inneren acht Blättern folgen oṃ jaṃ jayāyai namaḥ; oṃ viṃ vijayāyai; oṃ kiṃ kīrtyai; oṃ priṃ prītyai; oṃ praṃ prabhāyai; oṃ śraṃ śraddhāyai; oṃ meṃ medhāyai; oṃ śruṃ śrutyai namaḥ. Außen werden im Uhrzeigersinn Muschel, Diskus, Keule, Schwert, Schlinge, Haken, Pfeile und Bogen mit ihren Namensformeln geehrt. In den beiden Zwischenräumen folgen die Welthüter und ihre Waffen; die übrigen Handlungen werden wie zuvor abgeschlossen.
22.DU.15: Mit beherrschten Sinnen und Opferkost wird der Mantra achthunderttausendmal rezitiert. Mit achttausend Gaben aus Sesam, der in süßen Stoffen gewendet wurde, oder aus Milchreis … Der Satz setzt auf der nächsten Seite fort; der Druck nennt hier „entsprechend viele Tausend“ nach acht Lakhs.
Fortsetzung von 22.DU.15 (Druckseite 176): … werden in das gut entfachte Feuer geopfert. Danach folgen Tarpana und die weiteren Handlungen. Der Druck trennt diese Fortsetzung durch Punkte vom anschließenden Halbvers. Die Glosse erklärt Vasu-Lakṣa ausdrücklich als acht Lakhs und „süß“ als die drei süßen Stoffe.
22.DU.16: [Erster Halbvers im Druck durch Punkte vertreten.] Nachdem der Mantra so vollendet ist, führt der verständige Mantra-Übende die Anwendungen aus.
Durgā: Neun Krüge und das Schutz-Yantra
22.DU.17: Nach dem genannten Verfahren werden neun schöne Krüge mit den fünf Edelsteinen an neun Stellen aufgestellt.
22.DU.18: In der Mitte wird Durgā verehrt, an den übrigen Stellen Jayā und die weiteren Kräfte, mit Sandelholz und weiteren Gaben, Räucherwerk und Licht.
22.DU.19: Der Verständige besprengt die gewünschte Person, einen König oder ein Kind. Der König soll dadurch mit Siegesglück verbunden sein.
22.DU.20: Befreiung von Bhūtas, Apasmāra, Vetālas und Piśācas wird verheißen; eine unfruchtbare Frau soll einen guten, wohlerzogenen Sohn erlangen.
22.DU.21: Der Mensch soll von Krankheiten frei und langlebig werden. Mit demselben Verfahren wird auch das Gewinnen der Zuneigung anderer Menschen verbunden.
22.DU.22: Wer den Durgā-Mantra auf diese Weise verehrt, soll lange leben, Übel überwinden und Krankheit bezwingen. Diese Verse geben historische Heil- und Geburtsverheißungen wieder; die Übersetzung bestätigt keine medizinische Wirksamkeit.
22.DU.23: In den Lotus wird der Śakti-Keim innerhalb des Praṇava mit der Zielbezeichnung geschrieben. Auf seine Blätter kommen die acht Mantra-Silben; der Triṣṭubh-Mantra umschließt sie.
22.DU.24: Außen folgen die Mātṛkā-Buchstaben und ein umschließendes Quadrat. Dieses Durgā-Yantra wird als höchster Spender aller Vollendungen bezeichnet.
22.DU.25: Es soll Apasmāra, mächtige Geistwesen, geringere schädigende Einwirkungen und Fieber abwehren, Männern Sieg und Frauen Söhne verleihen. Der Text bekräftigt dies mit „daran besteht kein Zweifel“.
Unnummerierte Erklärung: In die Mitte eines achtblättrigen Lotus wird der Praṇava geschrieben, in ihn das Śakti-Bīja und darin der Name der Zielperson. Auf die acht Blätter kommt jeweils eine Silbe. Außen folgen drei Kreise; im inneren Zwischenraum wird der Triṣṭubh-Mantra mit dem Anfang jātavedase sunavāma … ringsum geschrieben. Ein Quadrat umgibt die Anlage. Diesem Yantra werden die zuvor genannten Wirkungen zugeschrieben. Die Aufstellung der neun Krüge erfolgt auf eben diesem Yantra.
Mahiṣamardinī nach dem Nārāyaṇīya
22.MM.1: Viṣa, der Laut Hi, Majjā, Kāla, Agni, Agniniṣṭhā, Ni und das Paar Ṭha: So wird der achtsilbige Mantra Mahiṣamardinīs erklärt.
Unnummerierter Lautschlüssel: Viṣa bezeichnet Ma, Hi sich selbst, Majjā Ṣa, Kāla Ma, Agni Ra; die anschließende, nicht ganz klare Fügung erläutert den Bestandteil rdi. Ni steht für sich, das Paar Ṭha für Svāhā. Der entschlüsselte Mantra lautet mahiṣamardini svāhā — „Du Bezwingerin des Büffeldämons, Svāhā.“ Die Unsicherheit der grammatischen Zwischenform wird in der Sanskritfassung markiert.
22.MM.2: Mārkaṇḍeya ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß; die von Göttern und Asuras verehrte Göttin Mahiṣamardinī ist die Gottheit des Mantra.
Fünf Glieder und Meditation nach dem Śāradātilaka
Der Druck nennt als Quelle Śāradātilaka 11.22.
22.MS.1: mahiṣamardini huṃ phaṭ wird dem Herzen zugeordnet. Der zweite, mit „Mahiṣas Feindin …“ verbundene Ausdruck und huṃ phaṭ gilt dem Kopf. Dieser zweite Gliedname ist im Druck nicht zweifelsfrei lesbar; er wird nicht zu einer vermeintlich gesicherten Vollformel ergänzt.
22.MS.2: mahiṣaṃ mohaya mohaya huṃ phaṭ — „Bezaubere den Mahiṣa, bezaubere ihn“ — ist die Scheitelformel. mahiṣaṃ hana hana devi huṃ phaṭ — „Schlage den Mahiṣa, schlage ihn, Göttin“ — bildet den Schutzpanzer.
22.MS.3: Nach mahiṣa folgt sūdani, dann huṃ phaṭ als Waffenformel: die Anrufung der Vernichterin Mahiṣas. Mit diesen Mantras und den zugehörigen Schlussausrufen werden die fünf Glieder gebildet.
22.MS.4: Ich verehre die Göttin, die wie Smaragd leuchtet, mit Juwelenkrone und Ohrringen geschmückt ist, das Stirnauge trägt und auf dem Haupt des Büffeldämons sitzt.
22.MS.5: Mit ihren Armen trägt sie Muschel, Diskus, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen und Dreizack und zeigt den drohenden Zeigefinger. Der Mond schmückt ihren Scheitel.
Unnummerierte Attributglosse: Die Zuordnung beginnt beim oberen rechten Händepaar und setzt nach unten fort. Die gedrängte Verteilungsregel wird in ihrem Wortlaut bewahrt.
Meditation nach Īśānaśiva
22.IS.1: Man meditiert über die dunkle Mahādurgā, mit allen Schmuckstücken geziert, prächtig mit einer Krone aus verfilztem Haar und einer leuchtenden Mondsichel.
22.IS.2: Die Göttin trägt ein gelbes Gewand und hat zwei volle, erhobene Brüste. In ihren Händen leuchten Muschel und Diskus; darunter hält sie Schwert und Schild.
Unnummerierter Halbvers: Darunter Pfeil und Bogen; dazu Dreizack und drohender Zeigefinger. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Druckvarianten: Verzeichnet werden hiṃsike, „Schädigerin/Vernichterin“, und heṣaya, „lasse wiehern“; sie betreffen die kurzen Gliedformeln.
Mahiṣamardinī: Zeigefingergeste und Umkreise
Unnummerierte Glosse (Druckseite 177): „Zeigefinger“ bezeichnet die Tarjanī-Mudrā. Nach dem zitierten Sārasaṃgraha steht dabei allein der Zeigefinger aufrecht, während die anderen Finger nach unten gebeugt sind. Der Text nennt diese Geste furchterregend für Sprechende und Hörende.
22.IS.3: [Der erste Halbvers fehlt im Druck.] Danach wird Mahiṣamardinī auf dem zuvor genannten Sitz verehrt.
22.IS.4: Den ersten Umkreis bilden die Glieder, den nächsten Durgā und die weiteren Göttinnen, den folgenden die in der Meditation genannten Waffen und danach die Welthüter.
22.IS.5: Ihre Waffen bilden den fünften Umkreis. So wird die Verehrung beschrieben. Als Kräfte werden Durgā, Varavarṇinī, Āryā und Kanakaprabhā …
22.IS.6: … Kṛttikā, Abhayapradā, Kanyā und Svarūpikā genannt. Der Mantra-Kundige verehrt sie der Reihe nach mit den vorangestellten langen Vokalen.
Unnummerierte Lauterklärung: Gemeint sind die langen beziehungsweise erweiterten Vokalformen ohne die als „neutral“ bezeichneten Laute und ohne den letzten Laut. Der Kommentar erläutert anhand des Nārāyaṇīya die Reihe Ā, Ī, Ū, E, Ai, O, Au und Aṃ. Das erste verschlüsselte Kompositum im Zitat ist nicht sicher lesbar; die ausdrücklich ausgeschriebene Reihe wird vollständig bewahrt.
Nyāsa, Blattkräfte und Waffenformeln
Unnummerierte Ritualprosa: Nach den Vorbereitungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra werden am Kopf Mārkaṇḍeya, am Mund Gāyatrī und am Herzen Śrī Mahiṣamardinī als Seher, Versmaß und Gottheit eingesetzt. Die Anwendung wird erklärt.
Die fünf Gliedformeln lauten: mahiṣamardini huṃ phaṭ hṛdayāya namaḥ; der nicht ganz sicher lesbare zweite Gliedname mahiṣaśatrutpādi huṃ phaṭ śirase svāhā; mahiṣaṃ heṣaya heṣaya huṃ phaṭ śikhāyai vaṣaṭ; mahiṣaṃ hana hana devi huṃ phaṭ kavacāya huṃ; mahiṣasūdani huṃ phaṭ astrāya phaṭ. Die Scheitelformel verwendet hier Heṣaya, während der vorherige Hauptvers Mohaya nannte; die Variante wird nicht vereinheitlicht.
Mit den durch den Grundmantra berührten Händen werden die fünf Finger von Daumen bis kleinem Finger und anschließend die fünf Körperglieder, ohne die Augen, mit den Formeln versehen. Nach Meditation und geistiger Verehrung wird das zuvor beschriebene Cakra errichtet und von der Arghya-Aufstellung bis zur Gliederverehrung weiterverfahren.
Auf den inneren acht Blättern stehen im Uhrzeigersinn āṃ durgāyai namaḥ; īṃ varavarṇinyai; ūṃ āryāyai; eṃ kanakaprabhāyai; aiṃ kṛttikāyai; oṃ abhayapradāyai; auṃ kanyāyai; aṃ svarūpāyai namaḥ. Die Prosa nennt am Ende Svarūpā, während der Vers Svarūpikā hat.
Auf den äußeren acht Blättern folgen yaṃ śaṅkhāya namaḥ; raṃ cakrāya; laṃ khaḍgāya; vaṃ kheṭakāya; śaṃ bāṇāya; ṣaṃ bāṇāsanāya; saṃ śūlāya; haṃ tarjanyai namaḥ: Muschel, Diskus, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Zeigefingergeste. Die abgekürzten Formeln enden ebenfalls mit Namas. Welthüterverehrung und Abschluss folgen wie zuvor.
Historische Anwendungen
22.IS.7: Der Mantra wird achthunderttausendmal rezitiert; mit der entsprechenden Tausenderzahl werden Sesamgaben geopfert. Nach dieser Vollendung folgen die Anwendungen.
22.IS.8: Sesamopfern schreibt der Text das Beeinflussen von Männern und Frauen zu, Senfopfern die rasche Befreiung von Krankheiten.
22.IS.9: Lotusopfer sollen dem König Sieg im Kampf bringen, Dūrvā-Opfer Krankheiten beruhigen.
22.IS.10: Blüten des Brahmavṛnta sollen vortreffliche Kräftigung verleihen, Getreideopfer Getreidegewinn. Dem Opfern von Krähenfedern …
22.IS.11: … wird das Entstehen von Feindschaft selbst zwischen engsten Freunden zugeschrieben, dem Pfefferopfer der Tod eines Feindes. Dies sind historische Zuschreibungen ritueller Schädigung; sie werden als Quelleninhalt wiedergegeben.
22.IS.12: Wer Durgā Mahiṣamardinī so verehrt, soll geringere schädigende Geistwesen, Diebe und weitere Bedrohungen schon durch seinen Anblick vernichten. Die Heil-, Einfluss- und Schutzwirkungen sind Behauptungen des Textes.
Ein weiterer Durgā-Mantra und seine umstrittene Lesung
Aus dem Sārasaṃgraha:
22.DV.1: Der Anfang des Veda, zweimal die Anrede Durgā, Feuer, der letzte Laut, der fünfte der Ṭa-Reihe mit dem Augenlaut und schließlich die Gemahlin des Feuers …
Unnummerierter Halbvers: … bilden einen zehnsilbigen Mantra, der den Verehrenden sämtliche Vollendungen geben soll. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Unnummerierte Lauterklärung und Lesungsdiskussion: „Anfang des Veda“ ist Oṃ; die doppelte Anrede lautet durge durge. Feuer steht für Ra, der letzte Konsonant für Kṣa, der fünfte Laut der Ṭa-Reihe für Ṇa, der Augenlaut für I; die Gemahlin des Feuers ist Svāhā. Daraus ergibt sich in der hier bevorzugten Lesung oṃ durge durge rakṣaṇi svāhā.
Der Kommentar führt eine abweichende Auslegung des Śāradātilaka an: Dort werde „mit dem Augenlaut“ auf beide letzten Konsonanten bezogen, sodass manche rakṣiṇi lesen. Der Verfasser lehnt dies unter Berufung auf den Lautschlüssel des Nārāyaṇīya ab. Die Sanskritfassung erhält diese ausdrücklich diskutierte Differenz zwischen Rakṣaṇi und Rakṣiṇi; der Lautcode des zitierten Śāradātilaka ist stellenweise schwer lesbar.
Fortsetzung der Durgā-Lesungsdiskussion
Unnummeriertes Zitat und Kommentar (Druckseite 178): Ein weiterer Lautschlüssel aus dem Kālikāpurāṇa nennt Feuer, den sechsten Vokal, den auf Ḍha folgenden Laut, den vorletzten Laut, erneut Feuer und die doppelte Anrede „Durge“. Der Kommentar erklärt, dass die Mantra-Bestandteile hier in umgekehrter Reihenfolge zu erschließen sind. I wird als sechster Vokal verstanden, wenn sieben Vokalarten unter Zusammenfassung kurzer und langer Formen rückwärts gezählt werden. Es soll sich nur mit dem unmittelbar benachbarten Ṇa verbinden. Damit stützt der Verfasser die zuvor bevorzugte Lesung rakṣaṇi. Einzelne Wörter der grammatischen Prosa sind schwer lesbar; die ausdrücklich erklärte Gegenüberstellung bleibt erhalten.
Jayadurgā nach dem Nārāyaṇīya und Śāradātilaka
22.JD.1: Nārada wird als Seher genannt, Virāj als Versmaß. Jayadurgā ist die Gottheit, die Genuss und Befreiung als Frucht schenkt.
Unnummerierte Vorschrift: Die fünf Mantra-Wörter, jeweils mit Praṇava beginnend, und der vollständige Mantra dienen mit den zugehörigen Schlussausrufen zur Bildung der Glieder.
22.JS.1: „Durge“ gilt dem Herzen, nochmals „Durge“ dem Kopf. „Durgāyai“ gehört zum Scheitel; „Bhūtarakṣaṇi“, Beschützerin der Wesen, bezeichnet den Schutzpanzer.
Unnummerierter Halbvers und Kommentar: Der mit Praṇava beginnende Ausdruck mit zweimal „Durge“ und „Rakṣaṇi“ gilt als Waffenformel. [Der zweite Halbvers fehlt.] Der Druck bezeichnet dies als sechs Gliedmantras. Die anschließende Erklärung bespricht, wie die vorausgehenden Gliedbestandteile in der Waffenformel enthalten sind; ihre knappe Fügung ist nicht völlig eindeutig. Die nicht einzeln ausgeschriebenen Formeln werden nicht frei ergänzt.
22.JY.1: Man verneigt sich vor Jayadurgā, die wie eine Regenwolke leuchtet, den Mond als Krone trägt und in ihren Lotushänden Diskus, Muschel, Schwert und Dreizack hält. Sie besitzt drei Augen und reitet auf dem Löwen.
Unnummerierte Glosse: Ruk bezeichnet den Dreizack. Die Attributverteilung beginnt oben links und führt bis unten links; alternativ beginnt sie oben rechts und führt entsprechend nach unten.
22.JP.1: Auf Durgās Sitz wird die Göttin nach dem beschriebenen Verfahren verehrt. Fünfhunderttausend Rezitationen und ein Zehntel davon als Ghee-Feueropfer werden genannt.
Unnummerierte Glosse: „Nach dem beschriebenen Verfahren“ bezieht sich auf die zuvor erklärte Umkreisverehrung.
22.JP.2: Danach folgen Tarpana und die weiteren Handlungen. So gilt der Mantra als vollendet; der verständige Übende geht anschließend zu den Anwendungen über.
22.JP.3: Wer diesen Mantra wiederholt rezitiert und in den Kampf mit Feinden zieht, soll den Gegner vollständig besiegen. Der Text bekräftigt diese Verheißung als zweifelsfrei.
22.JP.4: Bei Streit und Rechtsangelegenheiten soll die Rezitation Sieg gewähren. Waffen, die mit dieser Vidyā versehen …
Unnummerierter Halbvers: … und gründlich besprochen wurden, sollen im Kampf sicheren Sieg verleihen. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.] Dies sind historische Schutz- und Kampfverheißungen.
Zwölfsilbige Durgā-Form und Jvālāmālinī
Aus dem Sārasaṃgraha:
22.SD.1: Praṇava, die mit Hṛd bezeichnete Mantra-Erweiterung, zweimal „Durge“, „Rakṣaṇi“ und das doppelte Ṭha ergeben den zwölfsilbigen Mantra. Seher und weitere Zuordnungen werden wie zuvor verwendet. Die verschlüsselte Erweiterung ist in diesem Vers nicht vollständig ausgeschrieben; eine neue Vollformel wird daraus hier nicht als sicherer Druckwortlaut ausgegeben.
22.SD.2: Mit den einzelnen Teilen und dem vollständigen Mantra werden der Reihe nach die sechs Glieder gebildet. Meditation, Verehrung und alle weiteren Schritte folgen dem vorherigen Verfahren.
Unnummerierte Glosse: Das doppelte Ṭha bedeutet Svāhā. „Wie zuvor“ bezieht sich auf den achtsilbigen Durgā-Mantra.
22.SD.3: Praṇava, Hṛd, „Bhagavati“, „Jvālāmālini“, der mit „Gṛdhra“ beginnende Bestandteil, Ga, Lohita, „Rivṛte“ und das doppelte Ṭha werden als Lautfolge genannt.
Unnummerierter Halbvers und Glosse: Dieser Mantra wird als zweiundzwanzigsilbig und als Spender aller gewünschten Früchte bezeichnet. [Die zweite Hälfte fehlt.] Hṛd bedeutet Namas, Lohita bezeichnet Pa, das doppelte Ṭha bedeutet Svāhā; die übrigen Wörter stehen für ihren eigenen Wortlaut. Der Mittelteil des Lautcodes ist schwer lesbar; deshalb wird hier keine vermeintlich gesicherte vollständige Jvālāmālinī-Formel rekonstruiert.
22.SD.4: [Der erste Halbvers fehlt.] Mit Gruppen von drei, vier, fünf und acht Silben sowie dem weiteren genannten Mantra-Bestandteil … Der letzte Zählausdruck ist nicht sicher aufzulösen.
22.SD.5: … werden die fünf Glieder mit den entsprechenden rituellen Schlussausrufen gebildet. Alles Übrige soll wie bei Śūlinī-Durgā ausgeführt werden.
Beginn der Śūlinī-Durgā-Erklärung
22.SD.6: Nun werde ich den Mantra Śūlinī-Durgās nach der Vorschrift erklären: Der vierte Laut, mit Sudhā verbunden, dann Dharā und zweimal der folgende bezeichnete Bestandteil … Der verschlüsselte Lautaufbau setzt auf der nächsten Seite fort.
Druckvarianten: Zur Herzformel steht auch „mit Praṇava beginnend, Durge“; eine weitere Lesart nennt „mit fünf Lauten verbundene Mantras“, eine dritte „erneut“.
Śūlinī-Durgā: Mantra und fünf Glieder
Fortsetzung nach Druckseite 179.
22.SD.7: Der fünfte Laut von Marut mit dem linken Ohrlaut, Bhūmi mit dem Augenlaut, Dīrghā mit dem dritten Vokal und der dritte Laut der Ta-Reihe mit dem Ohrlaut …
22.SD.8: … dann die bezeichneten Laute Ṣṭa, Gra und Vyāma, Schutzpanzer, Waffe und die Gemahlin des Feuers: So wird der fünfzehnsilbige Mantra Śūlinī-Durgās erklärt.
Unnummerierter Lautschlüssel: Der vierte bezeichnete Laut ist Ja, Sudhā Va; zusammen jva. Dharā ist La. Zweimal ergibt dies jvala jvala. Der fünfte Laut von Marut ist Śa, der linke Ohrlaut Ū: śū. Bhūmi ist La, der Augenlaut I: li. Dīrghā ist Na, der dritte Vokal I: ni. Der dritte Laut der Ta-Reihe ist Da, der Ohrlaut U: du. Ṣṭa und Gra stehen für sich, Vyāma für Ha. „Schutzpanzer“ bedeutet Huṃ, „Waffe“ Phaṭ und „Gemahlin des Feuers“ Svāhā. Der so entschlüsselte Wortlaut lautet jvala jvala śūlini duṣṭagraha huṃ phaṭ svāhā.
22.SD.9: Dīrghatamas ist der Seher, Kakubh das Versmaß. Die Gottheit ist die Śūlinī genannte Mahādurgā, die geringere schädigende Mächte vernichtet.
22.SD.10: „Durge“ bezeichnet das Herz, „Varade“ den Kopf, „Vindhyavāsini“ den Scheitel und „Asuramardini“ den Schutzpanzer. Danach wird gesprochen …
22.SD.11: … „Yuddhapriya“, gefolgt von zweimal „Trāsaya“. So sind die fünf Gliedmantras erklärt. Wer sie auf diese Weise eingesetzt hat …
22.SD.12: … dessen Körper soll für Rākṣasas und schädigende Kleinmächte unzugänglich werden. Nach dem Nyāsa wird die von den Göttern gepriesene Durgā meditiert.
Unnummerierte Glosse: Allen Gliedformeln steht „Śūlini“ voran; am Ende folgt „Devasiddhasupūjite“, „du von Göttern und Vollendeten Verehrte“. Dazu wird das Nārāyaṇīya zitiert.
Śūlinī nach dem Nārāyaṇīya
22.SN.1: Am Anfang wird „Śūlini“ mit vorangestelltem Praṇava gesprochen; am Ende sämtlicher Formeln „Devasiddhasupūjite“.
22.SN.2: Dazu gehören die Nennungen „Nandinī“ und „Mahāyogeśvarī“ sowie Schutzpanzer- und Waffen-Bīja; ihnen wird Schutz vor Grahas zugeschrieben. Die knappe Verbindung mit „Paar“ bleibt im Sanskritwortlaut erhalten; die folgende Umkreisliste führt beide Namen getrennt.
Unnummerierter Halbvers und Glosse: Fünfzig Wiederholungen des Nyāsa sollen selbst starkes Fieber beseitigen. [Der zweite Halbvers fehlt.] Die Voranstellung des Praṇava bezieht der Kommentar auf diese Fieberanwendung. Dies ist eine historische Heilverheißung.
Unnummerierter Meditationsvers: Ich verehre Śūlinī-Durgā, die wie eine dunkelblaue Regenwolke leuchtet, den Mond als Krone trägt und auf dem Löwen reitet. In ihren schönen Händen hält sie Dreizack, Pfeil, Schwert, Diskus, Muschel, Keule, Bogen und Schlinge. Vier junge Begleiterinnen mit Schwert und Schild dienen ihr. Mit vielerlei Schmuck geziert, besitzt sie drei Augen.
Unnummerierte Attributglosse: Die Verteilung der Waffen beginnt an der unteren rechten Hand und führt bis zur unteren linken Hand.
22.SN.3: [Der erste Halbvers fehlt.] Nach der Meditation wird die Göttin auf dem zuvor beschriebenen Durgā-Sitz verehrt.
22.SN.4: Zuerst werden die Glieder nach dem anschließend erklärten Verfahren verehrt. Den zweiten Umkreis bilden Durgā und die weiteren Göttinnen, den nächsten die Waffen.
22.SN.5: Die Herren der Himmelsrichtungen und die mit dem Donnerkeil beginnenden Waffen folgen. Als Göttinnen werden Durgā, Varadā, Vindhyavāsinī und Asuramardinī …
22.SN.6: … Yuddhapriyā, Devasiddhasupūjitā, Nandinī und Mahāyogeśvarī genannt.
Unnummeriertes Waffenzitat: Die Waffen sind Diskus, Muschel, Schwert, Keule, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schlinge.
Ausgeschriebene Gliedformeln
Unnummerierte Ritualprosa: Nach den Vorbereitungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra werden am Kopf Dīrghatamas als Seher, am Mund Kakubh als Versmaß und am Herzen Śūlinī-Durgā als Gottheit eingesetzt. Nach Erklärung der Anwendung folgen:
śūlini durge devasiddhasupūjite hṛdayāya namaḥ — Śūlinī Durgā, von Göttern und Vollendeten verehrt: Verehrung dem Herzen.
śūlini varade devasiddhasupūjite śirase svāhā — Śūlinī, Gabenspenderin, von Göttern und Vollendeten verehrt: dem Kopf Svāhā.
śūlini vindhyavāsini devasiddhasupūjite śikhāyai vaṣaṭ — Śūlinī, Bewohnerin des Vindhya, von Göttern und Vollendeten verehrt: dem Scheitel Vaṣaṭ.
śūliny asuramardini devasiddhasupūjite kavacāya huṃ — Śūlinī, Bezwingerin der Asuras, von Göttern und Vollendeten verehrt: dem Schutzpanzer Huṃ.
śūlini yuddhapriya trāsaya trāsaya devasiddhasupūjite astrāya phaṭ — Śūlinī, Kampfliebende, erschrecke, erschrecke, von Göttern und Vollendeten verehrt: der Waffe Phaṭ. Die männlich wirkende Anredeendung Yuddhapriya steht so im Druck.
Mit dem Grundmantra werden die Hände vorbereitet. Die fünf Formeln werden von den Daumen bis zu den kleinen Fingern und an den fünf Gliedstellen, ohne die Augen, eingesetzt. Nach Meditation und Gliederverehrung beginnt auf den acht Lotusblättern die Folge mit oṃ duṃ …; sie wird auf Seite 180 fortgesetzt.
Śūlinī: Blattkräfte und Puraścaraṇa
Fortsetzung der unnummerierten Prosa (Druckseite 180): Die Blattformeln gelten Durgā, Varadā, Vindhyavāsinī, Asuramardinī, Yuddhapriyā, Devasiddhasupūjitā, Nandinī und Mahāyogeśvarī. Die erste, auf der vorigen Seite begonnene Formel lautet oṃ duṃ durgāyai namaḥ; die übrigen stehen im Druck abgekürzt. Auf den äußeren acht Blättern werden mit Oṃ und Namas Diskus, Muschel, Schwert, Keule, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schlinge verehrt. Welthüterverehrung und Abschluss folgen wie zuvor.
22.SN.7: Für jede Silbe wird ein Lakh des Mantra rezitiert; ein Zehntel der Gesamtzahl wird mit Ghee und reichlicher Opfergabe ins Feuer gegeben. Danach folgen Tarpana und die weiteren Handlungen. Bei den zuvor genannten fünfzehn Silben ergibt dies 1.500.000 Rezitationen und 150.000 Feueropfer.
22.SN.8: Brahmanen werden nach Vorschrift geehrt, anschließend der Guru mit Hingabe. Nachdem der Mantra so vollendet ist, führt der Übende die gewünschten Anwendungen …
22.SN.9: … nach der Vorschrift und mit vorausgehender Anweisung des Gurus aus. Er vergegenwärtigt sich selbst als die furchterregende Śūlinī, versehen mit Dreizack und den übrigen Waffen …
22.SN.10: … rezitiert den Mantra und berührt die als besessen betrachtete Person. Die eintretende Macht soll ihre ganze Lage offenlegen und anschließend verschwinden. Der handelnde Bezug der gedrängten Sanskritfügung ist nicht völlig eindeutig.
22.SN.11: Durch die Mantra-Wiederholung soll die Schar der Geistwesen fliehen. Zwischen sich und dem Erkrankten wird die bewaffnete Śūlinī vergegenwärtigt …
22.SN.12: … während der Rezitation sollen die Grahas, ihrer Körpermacht beraubt, rasch fliehen. Gift von gefährlichen Schlangen, Skorpionen, vielbeinigen Tieren und Hunden …
22.SN.13: … sowie von Spinnen und weiteren kleinen Tieren soll augenblicklich vernichtet werden. Die Göttin Śūlinī wird außerdem in einem geschärften Pfeil vergegenwärtigt …
22.SN.14: … als Schutzspenderin verehrt und mit diesem Mantra angerufen. Sie soll die Waffen des Gegners festhalten und das feindliche Heer bewegungslos machen. Die Heil- und Giftabwehrbehauptungen der Verse 10–14 sind historische Quelleninhalte; sie belegen keine medizinische Wirkung.
Weitere historische Wirkzuschreibungen
22.SN.15: Einhunderttausend Opfer von Senf und Sesam unter Nennung des Feindes sollen dessen Körper von Krankheit erfüllen …
22.SN.16: … und ihn zum „Gast Yamas“, also zum Toten, machen, woran der Text keinen Zweifel zulässt. Danach wird ein tägliches Sesamopfer mit den drei süßen Stoffen genannt, im Vers mit achttausend Gaben.
Unnummerierte Zahlenglosse: Der Kommentar erklärt „achttausend“ abweichend als „tausend und acht“, also 1008. Beide Angaben stehen so nebeneinander und werden nicht stillschweigend angeglichen.
22.SN.17: Noch vor Ablauf eines Jahres soll die Kraft des Ausführenden unwiderstehlich werden. Achthundert Ghee-Gaben sollen das Gewünschte gewähren.
22.SN.18: Mit 108 Gaben aus Dūrvā und den drei süßen Stoffen soll das Ersehnte noch vor Ablauf eines Jahres erreicht werden.
22.SN.19: Messer, Schwerter und eiserne Pfeile, mit diesem Mantra besprochen und mit dem bezeichneten Opfer-Ghee benetzt, sollen im Kampf unbezwingbare Kraft besitzen.
22.SN.20: Der Mantra-Übende soll 108 Kuhdungkugeln opfern; nach sieben Tagen wird eine Veränderung im Verhältnis zu Geliebten beziehungsweise Gehassten verheißen. Der Versschluss ist beschädigt oder grammatisch unklar und lässt keine sichere genauere Übersetzung zu.
22.SN.21: Genannt wird Kuhdung, der aufgefangen wurde, bevor er den Boden berührt. Nach dreitausend Rezitationen wird er an der bezeichneten Tür vergraben. Die Ortsbezeichnung am Versende ist im Druck nicht sicher aufzulösen.
22.SN.22: Dadurch soll die betreffende Person rasch zum Stillstand gebracht werden; vor der Front eines Heeres vergraben, soll derselbe Stoff das Heer aufhalten. Die Verse 15–22 geben die historischen Zuschreibungen schädigender und lähmender Rituale wieder.
22.SN.23: Wer ein Dorf oder eine Stadt betritt, erinnert sich während der Mantra-Rezitation an die freundliche Ambikā als Spenderin von Wasser und Nahrung.
22.SN.24: Nach Tarpana und dem Eintreten soll der Übende samt seinen Dienern die gewünschte Mahlzeit erhalten.
22.SN.25: Zwölftausend Opfergaben aus Arka-Brennholz, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, werden auf bestimmte Zielpersonen bezogen …
22.SN.26: … die dadurch beeinflussbar werden sollen. Ebenso werden gute Aśvattha-Brennhölzer genannt; alternativ wird mit Sesam und freundlichem Geist das zuvor beschriebene Werk vollzogen.
Unnummerierter Halbvers und Glosse: Sämtliche im Durgākalpa beschriebenen Anwendungen können ausgeführt werden. [Die zweite Hälfte fehlt.] Der Kommentar schränkt ein: diejenigen außerhalb der Opferzeremonien.
Beginn des Vanadurgā-Mantra
Aus dem Sārasaṃgraha:
22.VD.1: Nun wird der vortreffliche Mantra Vanadurgās erklärt: Dhṛti, das Paar Kāmikā, verbunden mit Tuṣṭi und dem bezeichneten Endlaut …
22.VD.2: … Ramā mit dem Pfeilvokal, Parā mit Viṣṇu und dem Augenlaut, Prajñā, Jayā mit Tuṣṭi und Bindu sowie Haṃsa mit Bāla … Der verschlüsselte Lautaufbau setzt auf der nächsten Seite fort; er wird hier noch nicht zu einer Vollformel ergänzt.
Druckvarianten: Verzeichnet sind eine schwer lesbare Tierbezeichnung, kulikādi, „rezitieren“ und „verborgen“.
Vanadurgā: Lautcode, Nyāsa und Meditation
22.VD.3: Lohita mit dem Augenlaut; danach der sechste Laut des Mantras; Klinnā, Vasudhā mit dem Stabzeichen sowie Viṣa mit dem bezeichneten Vokal …
22.VD.4: … Prabhā, Mahākāla mit Śrotra, Śara, die bezeichnete Lautverbindung und Hari mit dem Halbmond; Marut, die mit Mukti verbundene Lautbezeichnung, Sandhyā, die Verbindung „kya-ma“, nochmals Sandhyā und „kya“ mit Bindu …
22.VD.5: … Sadman mit Kānti, Śuddhi mit dem bezeichneten langen Vokal, Viśvamūrti, Prabhā, Bāla, der mit Kāmikā verbundene Laut und Vṛṣadhvaja …
22.VD.6: … Vaikuṇṭha, Vasudhā und Agnikāntā: So wird der hervorragende, aus siebenunddreißig Lautgliedern bestehende Mantra der Vanadurgā bezeichnet.
Unnummerierte Entschlüsselung: Dhṛti bezeichnet u; das doppelte Kāmikā ergibt tt, mit Tuṣṭi, dem Vokal i, also tti. Vṛṣa bezeichnet ṣ, hier mit ṭh verbunden: ṣṭh. Ramā steht für p, der Pfeilvokal für u, zusammen pu. Parā bezeichnet r, mit Viṣṇu, dem Vokal u, also ru. Prajñā mit dem Augenlaut ergibt ṣi. Jayā ist k, Tuṣṭi ist i; mit Bindu entsteht kiṃ. Haṃsa, s, mit Bāla, v, ergibt sva. Lohita, p, mit dem Augenlaut, i, wird zu pi; danach folgt erneut ṣi. Klinnā bezeichnet bha, Vasudhā mit dem Stabzeichen yaṃ, Viṣa mit dem bezeichneten Vokal me. Prabhā ergibt sa, Mahākāla mit Śrotra mu, Śara pa, die folgende Verbindung sthi, Hari mit Halbmond taṃ. Marut ergibt ya, die folgende Lautbezeichnung di, Sandhyā śa; es folgen kya, ma, nochmals śa und kyaṃ. Sadman mit Kānti ergibt vā, Śuddhi ta; die nächste Verbindung ergibt nme. Viśvamūrti steht für bha, Prabhā für ga, Bāla für va; der mit Kāmikā verbundene Laut ergibt ti. Vṛṣadhvaja steht für śa, Vaikuṇṭha für ma, Vasudhā für ya und Agnikāntā für svāhā.
Lesungshinweis: Einzelne Bezeichnungen und grammatische Verbindungen des Codes sind unsicher. Der Mantrakern lässt sich auf der folgenden Druckseite anhand der vollständig ausgeschriebenen Nyāsa-Formeln kontrollieren.
Unnummerierte Erklärung zum Kīlaka: Die Laute „vā tan me“ werden als Verschluss, Kīlaka, bezeichnet. Dazu wird die Īśānasaṃhitā zitiert: „Nachdem man das Guṇa-Bīja gebildet hat, folgt das Wort ‚uttiṣṭha‘ … So ist diese Mahāvidyā ohne Verschluss und gewährt alle Vollkommenheiten. Nach Guṇa füge man Bhuvaneśānī und das Durgā-Bīja ein. Am Ende des Mantras wird das Jaya-Bīja ausgelassen; anschließend setzt man die drei zuvor genannten Bījas in umgekehrter Reihenfolge, o Durchbohrer des Krauñca.“
Erklärung: Die drei Bījas werden als Praṇava-, Māyā- und Durgā-Bīja bezeichnet, rückwärts entsprechend Durgā, Māyā, Praṇava. Der Text fasst zusammen: fünf Bījas zu Beginn, dann der Mantra, danach drei Bījas in umgekehrter Reihenfolge. Der vollständige Rahmen aus fünf Anfangsbījas ist an dieser Stelle nicht sicher aufzulösen; deshalb wird daraus keine vollständige Rezitationsformel ergänzt.
22.VD.7: Als Seher gilt Āraṇyaka, als Versmaß Atyanuṣṭubh. Die Gottheit ist Vanadurgā, die alle Feinde vernichtet.
22.VD.8: Die sechs Körperglieder werden nacheinander mit den durch den Zahlencode bezeichneten Lautgruppen des Mantras und den jeweiligen Abschlussformeln eingesetzt. Der Zahlencode ist nicht sicher lesbar; die folgende Prosafassung führt die sechs Formeln ausdrücklich auf.
22.VD.9: Die Mantralaute werden an den Füßen und ihren acht Gelenkstellen, an After, Geschlechtsorgan, Mūlādhāra und Bauch eingesetzt, ferner an beiden Seiten, Herz, beiden Brüsten, Hals und den acht Gelenkstellen …
22.VD.10: … der Arme, an Mund, beiden Nasenöffnungen, Wangen, Augen und Ohren, zwischen den Brauen und auf dem Kopf, jeweils nach der angegebenen Ordnung.
22.VD.11: Ich erinnere mich im Herzen an die im Wald wohnende Durgā: Sie leuchtet wie ein Band von Blitzen und ruht auf einem goldenen Lotus. Drei Augen strahlen in ihrem Gesicht. Ihre Lotushände tragen Diskus und Muschelhorn und zeigen die Gesten des Gebens und der Furchtlosigkeit. Ihr Gewand glänzt wie goldene Strahlen; auf ihrer funkelnden Juwelenkrone erscheint der Mond. Sie ist freundlich, und an ihrer Seite erhebt sich der prächtige Löwe.
Unnummerierte Erläuterung: In den beiden oberen Händen, rechts beginnend, befinden sich die ersten beiden Attribute; in den darunterliegenden Händen die beiden Gesten.
22.VD.12: Nach dieser Meditation verehrt der von Hingabe erfüllte Übende die große Göttin. Durgā wird auf dem zuvor beschriebenen glückverheißenden Durgā-Pīṭha verehrt.
22.VD.13: Zunächst werden die Körperglieder verehrt, dann die mit Āryā beginnende Gruppe, die Waffen beginnend mit dem Diskus, die Mütter, die Weltenhüter und ihre Waffen.
22.VD.14: Die acht Göttinnen sind Āryā, Durgā, Bhadrā, Bhadrakālī, Ambikā, Kṣamyā, Vedagarbhā und als achte Kṣemaṅkarī.
22.VD.15: Als Waffen werden Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Seil und Schädelschale genannt. Damit ist die Verehrung Durgās erklärt. Der Druck liest beim siebten Gegenstand „Seil“; der folgende Kommentar erklärt stattdessen „Dreizack“. Beide Angaben bleiben unterscheidbar.
Druckvarianten: Der Apparat verzeichnet die alternative Formulierung „am Ende des Schutzpanzers …“ sowie „gesondert“; ihre genaue Zuordnung ist nicht sicher.
Vanadurgā: ausgeschriebene Formeln und Verehrung
Fortgesetzte Worterklärung: „Ruk“ bedeutet Dreizack, „Karoṭi“ menschliche Schädelschale. Damit weicht die Erklärung beim siebten Attribut von der Lesung „Seil“ des vorhergehenden Verses ab.
Unnummerierte Ritualbeschreibung: Nach dem zuvor erläuterten Yoga-Pīṭha-Nyāsa werden drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra vollzogen. Auf dem Kopf wird „Verehrung dem Seher Āraṇyaka“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Atyanuṣṭubh“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Śrī Vanadurgā“ eingesetzt. Es folgen die Zweckbestimmung und die Aufhebung des Kīlaka wie zuvor.
Die sechs Formeln lauten:
- uttiṣṭha puruṣi hṛdayāya namaḥ – „Erhebe dich, Puruṣi; dem Herzen Verehrung.“
- kiṃ svapiṣi śirase svāhā – „Warum schläfst du? Dem Haupt Svāhā.“
- bhayaṃ me samupasthitaṃ śikhāyai vaṣaṭ – „Gefahr ist an mich herangetreten; dem Scheitelbüschel Vaṣaṭ.“
- yadi śakyam aśakyaṃ vā kavacāya huṃ – „Ob es möglich oder unmöglich ist; dem Schutzpanzer Huṃ.“
- tan me bhagavati netratrayāya vauṣaṭ – „Dies für mich, o Bhagavatī; den drei Augen Vauṣaṭ.“
- śamaya svāhā astrāya phaṭ – „Besänftige es, Svāhā; der Waffe Phaṭ.“
Lesefassung des hier ausgeschriebenen Mantrakerns:
uttiṣṭha puruṣi kiṃ svapiṣi bhayaṃ me samupasthitaṃ yadi śakyam aśakyaṃ vā tan me bhagavati śamaya svāhā
„Erhebe dich, Puruṣi! Warum schläfst du? Gefahr ist an mich herangetreten. Ob es möglich oder unmöglich ist: Besänftige sie für mich, o Bhagavatī, Svāhā!“ Die Bījas des zuvor besprochenen Rahmens sind hier nicht ergänzt. Puruṣi bleibt als Anrede der Göttin erhalten.
Die sechs Formeln werden an den Händen, vom Daumen bis zu den Handflächen, sowie an den sechs Körpergliedern beginnend mit dem Herzen eingesetzt. Danach folgt der Nyāsa der siebenunddreißig Lautglieder. Jede Tabellenformel endet mit namaḥ, „Verehrung“:
| Körperstelle | Formel |
|---|---|
| Ansatz der rechten Zehen | uṃ namaḥ |
| Rechtes Fußgelenk | ttiṃ namaḥ |
| Rechtes Knie | ṣṭhaṃ namaḥ |
| Ansatz des rechten Oberschenkels | puṃ namaḥ |
| Ansatz der linken Zehen | ruṃ namaḥ |
| Linkes Fußgelenk | ṣiṃ namaḥ |
| Linkes Knie | kiṃ namaḥ |
| Ansatz des linken Oberschenkels | svaṃ namaḥ |
| After | piṃ namaḥ |
| Geschlechtsorgan | ṣiṃ namaḥ |
| Mūlādhāra | bhaṃ namaḥ |
| Bauch | yaṃ namaḥ |
| Rechte Körperseite | meṃ namaḥ |
| Linke Körperseite | saṃ namaḥ |
| Herz | muṃ namaḥ |
| Rechte Brust | paṃ namaḥ |
| Linke Brust | sthiṃ namaḥ |
| Hals | taṃ namaḥ |
| Ansatz der rechten Finger | yaṃ namaḥ |
| Rechtes Handgelenk | diṃ namaḥ |
| Rechter Ellenbogen | śaṃ namaḥ |
| Ansatz des rechten Arms | kyaṃ namaḥ |
| Ansatz der linken Finger | maṃ namaḥ |
| Linkes Handgelenk | śaṃ namaḥ |
| Linker Ellenbogen | kyaṃ namaḥ |
| Ansatz des linken Arms | vāṃ namaḥ |
| Mund | taṃ namaḥ |
| Rechte Nasenöffnung | nmeṃ namaḥ |
| Linke Nasenöffnung | bhaṃ namaḥ |
| Rechte Wange | gaṃ namaḥ |
| Linke Wange | vaṃ namaḥ |
| Rechtes Auge | tiṃ namaḥ |
| Linkes Auge | śaṃ namaḥ |
| Rechtes Ohr | maṃ namaḥ |
| Linkes Ohr | yaṃ namaḥ |
| Zwischen den Brauen | svāṃ namaḥ |
| Kopf | hāṃ namaḥ |
Nach Meditation und geistiger Verehrung wird das Verehrungsdiagramm mit drei achtblättrigen Lotussen wie zuvor errichtet. Auf die Aufstellung des Arghya und die Verehrung der Körperglieder folgt auf dem ersten Lotus: „Verehrung Āryā, Durgā, Bhadrā, Bhadrakālī, Ambikā, Kṣamyā, Vedagarbhā und Kṣemaṅkarī.“ Auf dem zweiten Lotus: „Verehrung dem Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und der Schädelschale.“ Auf dem dritten Lotus werden die Mütter beginnend mit Brāhmī verehrt. Die Verehrung der Richtungshüter und alle übrigen Schritte werden wie zuvor abgeschlossen.
Vanadurgā im Nārāyaṇīya
22.VN.1: Der Mantra wird vierhunderttausendmal rezitiert; ein Zehntel davon, vierzigtausend Gaben, wird mit Sesam geopfert. Im Feuer wird Durgā vergegenwärtigt. Die anschließende Stoffverbindung mit Brāhmī, Sesam und Milch ist nicht sicher aufzulösen.
22.VN.2: Nach Tarpana, ritueller Besprengung und Bewirtung der Brahmanen wird der eigene Guru mit Geld, Getreide und anderen Gaben zufriedengestellt.
22.VN.3: Wer auf diese Weise den Mantra verwirklicht hat, soll die ersehnten Ziele erreichen. Je nach Art der Durgā-Anwendung wird die Waldbewohnerin unterschiedlich vergegenwärtigt.
22.VN.4: Für Wohlergehen wird Durgā auf dem Kopf des Büffels betrachtet. Sie leuchtet wie ein Dūrvā-Blatt und trägt Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil und Bogen; hinzu kommt der drohend erhobene Zeigefinger. Der Druck bietet in Klammern „Dreizack“ als Alternative und eine Variante des Wortes für Glanz.
22.VN.5: Muschelhorn, Diskus, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack, menschliche Schädelschale, die als Asṛṣṭikā bezeichnete Waffe, Keule, Speer und Nandaka …
22.VN.6: … sowie die folgenden Waffen, darunter Gadā, Bhiṇḍipāla und Śaṅku, trägt sie in ihren Händen. Sie hat den Glanz einer Regenwolke und sitzt auf dem Kopf des Büffels. Einzelne Wörter der Waffenliste, insbesondere Asṛṣṭikā und die Verbindung vor Gadā, sind nicht sicher bestimmbar.
22.VN.7: Im Herzen wird sie mit feurigem Glanz betrachtet, auf einem furchterregenden Löwen. Dunkelfarbig und glückverheißend sitzt sie auf einem Lotus und strahlt mit drei Augen …
22.VN.8: … sie trägt ein Tigerfellgewand; Schlangen binden ihr schönes Haar, und der Mond schmückt ihre Krone. Den Göttern gewährt sie Furchtlosigkeit, den Dānavas bereitet sie Furcht.
22.VN.9: Der Mantra-Übende rezitiert täglich hundert- oder tausendmal für das eigene Anliegen. Danach gilt er als befähigt, die besonderen Anwendungen auszuführen.
22.VN.10: Auf welches Ziel er die tausend- oder zehntausendfache Rezitation richtet: Selbst ein unerreichbar scheinendes Ziel soll er bald erlangen.
22.VN.11: Der ausgezeichnete Übende badet morgens, vollzieht den Nyāsa, erinnert sich mit ungeteilter Aufmerksamkeit an die Göttin und rezitiert den Mantra täglich tausendmal.
22.VN.12: Dadurch sollen Beeinträchtigungen durch Fieber, Schlangen und Grahas besänftigt werden. Als Opferstoffe nennt der Text wilden Sesam oder Rājikā …
22.VN.13: … sowie Apāmārga-Brennholz. Damit sollen sämtliche Krankheiten, darunter Apasmāra, vernichtet werden; der Text lässt daran keinen Zweifel gelten. Dies sind historische Heilszuschreibungen, keine medizinisch bestätigten Wirkungen oder heutigen Behandlungsempfehlungen.
Druckvariante: Der Apparat verzeichnet eine abweichende, ebenfalls schwer verständliche Waffenbezeichnung.
Vanadurgā: überlieferte Schutz- und Gegenrituale
Die folgenden Verse beschreiben historische Ritualvorstellungen, darunter feindschädigende Handlungen und Heilszuschreibungen. Ihre Wiedergabe ist keine praktische Empfehlung. Die genannten Pflanzen- und Stoffnamen werden nicht durch vermutete moderne Bestimmungen ergänzt.
22.VN.14: Zehntausend Opfergaben aus Nyagrodha-Brennholz mit Milch sollen umfassendes Wohlergehen bewirken und sämtliche Störungen beseitigen.
22.VN.15: Zur Besänftigung von Grahas und anderen Störungen sowie zur Abwehr von Abhicāra werden gute Brennhölzer des Arka-Baums geopfert.
22.VN.16: Beginnend an einem Sonntag werden diese beiden Verfahren täglich vollzogen. Nach zehn Tagen soll das gewünschte Ziel sicher erreicht sein.
22.VN.17: Drei Tage oder sieben Nächte hindurch wird jeweils ein Stück des mit „Candra“ und „Sāra“ bezeichneten Stoffes geopfert, um das Gewünschte zu erreichen. Die Stoffbezeichnung ist nicht sicher bestimmbar.
22.VN.18: Dreißig spitze Pfeile werden niedergelegt. Danach folgt ein Opfer von tausend oder zehntausend Gaben mit scharfem Öl.
22.VN.19: Die Pfeile werden vorschriftsgemäß mit dem beim Opfer bezeichneten Öl bestrichen; der Mantra wird wie zuvor rezitiert. Dann nimmt der König diese Pfeile …
22.VN.20: … als Bogenschütze von reinem Verhalten, standhaft und geistig beherrscht. Furchtlos soll er sich in das gegnerische Heer begeben und sie abschießen.
22.VN.21: Das Heer soll darauf verwirrt und bestürzt in alle Richtungen fliehen. Nach seiner Rückkehr ehrt der König den Guru erneut mit Getreide und Geld …
22.VN.22: … sowie mit Kleidung und Schmuck als denjenigen, der den Sieg gewährt hat. Anschließend wird Leichenasche genannt, die mit 108 Rezitationen besprochen wird …
22.VN.23: … und auf den Kopf der Zielperson gelangt. Diese soll von den Menschen gehasst werden und wie eine Krähe von Land zu Land umherirren.
22.VN.24: Tausend Opfergaben werden aus vom Wind herabgefallenen Kāraskara-Blättern zusammen mit dem Staub vom Fuß des Feindes dargebracht …
22.VN.25: … wodurch dessen Vertreibung unmittelbar eintreten soll. Tausend Blüten des Viṣavṛkṣa werden für die Lähmung eines Heeres genannt.
22.VN.26: Ebenso viele Blätter dieses Baums sollen ein Heer zur Umkehr bringen. Anschließend beschreibt der Text eine sorgfältig hergestellte Feindfigur aus Viṣavṛkṣa-Holz …
22.VN.27: … der rituell Lebenskraft eingesetzt wird und die nachts Stück für Stück zerteilt wird. Genannt wird die vierzehnte Nacht der dunklen Mondhälfte; die Stücke sind mit Krähen- und Eulenfett benetzt …
22.VN.28: … und werden in dieser Nacht im Wald in achttausend Gaben geopfert. Nach drei solchen vierzehnten Nächten soll der Feind sicher zugrunde gehen.
22.VN.29: Auch ein Opfer aus Eulen- und Krähenfedern mit Fett und dem als Raṅga bezeichneten Stoff soll den Feind vernichten. Sodann wird Unmatta-Brennholz genannt …
22.VN.30: … dessen tausendfaches Opfer den Feind wahnsinnig machen soll. Es folgt eine Feindfigur, in die der Lebenshauch ordnungsgemäß eingesetzt wird …
22.VN.31: … die mit Viṣa und Trikaṭuka bestrichen und in heißes Wasser gegeben wird. Die anschließende Mantra-Rezitation soll den Feind unmittelbar mit Fieber schlagen.
22.VN.32: Durch eine Milchübergießung soll das Leiden sicher besänftigt werden. Danach wird eine Figur aus Viṣavṛkṣa-Holz in heißes Wasser gegeben …
22.VN.33: … wodurch der Feind unmittelbar dem Wahnsinn verfallen soll; die Besänftigung wird wie zuvor angegeben. Es folgt die Meditation der roten Göttin im Inneren der Sonnenscheibe, mit Dreizack und drohendem Zeigefinger …
22.VN.34: … verbunden mit zehntausend Rezitationen, was die Vernichtung einer Feindesschar bewirken soll. Die zornige Waldbewohnerin wird sodann schwarz, mit Schwert und Schild betrachtet …
22.VN.35: … und während der Mantra-Rezitation vergegenwärtigt, um die Feindesschar zu bezwingen. Eine weitere Gestalt trägt Pfeil und Bogen, sitzt auf einem Löwen und gleicht dem Feuer …
22.VN.36: … ihre Vergegenwärtigung beim Japa soll die Feinde rasch vertreiben. Zehntausend Gaben aus Kāraskara-Brennholz werden anschließend genannt …
22.VN.37: … die sämtliche Elefanten bald erkranken lassen sollen. Beim Opfer von Viṣavṛkṣa-Blättern wird ihr Tod behauptet.
22.VN.38: Die Blüten desselben Baums sollen Elefanten sicher vertreiben. Rājavṛkṣa-Brennholz dagegen soll die Krankheiten der Elefanten vernichten.
Unnummerierter Vers; Nummer 39 fehlt im Druck: Viṣavṛkṣa-Blüten mit den drei süßen Stoffen sollen einen Menschen gefügig machen; als Druckalternative steht „Elefanten“. Ebenso werden Blätter mit der schwer deutbaren Verbindung „Ānilya“ genannt; auch dazu bietet der Druck eine alternative Lesung.
22.VN.40: Mit den drei süßen Stoffen verbunden, sollen sie Elefanten in starke Erregung versetzen. Das Bestreichen mit Pañcagavya gilt dagegen als hervorragender Schutz …
22.VN.41: … für Elefanten, wenn es vom Mantra begleitet wird; so erklären es die kundigsten Mantrakenner. Es folgen Ghee, Sesam, Ānilyaka, Rājikā und Pañcagavya; die Anwendung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Unnummerierte Fußnoten: Eine Lesart lautet „stets“. Ānilyaka wird ausdrücklich als Rājavṛkṣa erklärt. Diese historische Namensgleichsetzung begründet keine sichere moderne Pflanzenbestimmung.
Vanadurgā: Schutz, Viṣṇu-Waffen und Yantra
22.VN.42: Dazu werden Milch und Reiskörner genannt. Je tausend Opfergaben der angeführten Stoffe sollen die Elefantenherden sicher vermehren.
22.VN.43: Ein großer Viṣavṛkṣa wird gefällt und in fünf Teile geteilt, um daraus in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen fünf Waffen herzustellen. Der Druck bietet „Dvija“ als alternative Baumbezeichnung.
22.VN.44: Ein kunstkundiger Handwerker fertigt nacheinander Muschelhorn, Nandaka-Schwert, Diskus, Śārṅga-Bogen und Kaumodakī-Keule: Dies sind die fünf genannten Waffen Viṣṇus.
22.VN.45: Sie werden in Pañcagavya gelegt. Tausend Mantra-Rezitationen und ebenso viele Ghee-Gaben folgen; das bezeichnete Opfer-Ghee wird dort hineingegeben.
22.VN.46: Der kundige Übende wiederholt den Japa in der zuvor genannten Zahl. Die fünf Waffen werden mit Pañcagavya verbunden beziehungsweise in entsprechend gefüllten Behältnissen aufgestellt. Die genaue Verbindung von Waffen und Füllung ist sprachlich nicht eindeutig.
Unnummerierte Fortsetzung; Nummer 47 fehlt im Druck: Die Waffen werden an den bezeichneten mittleren Stellen niedergelegt. Der Druck enthält eine längere Klammerfassung: „in den mittleren Gruben“, „hier und dort“, eine Bali-Gabe, das Herbeiholen und Besprechen mit dem Mantra. Die Konstruktion ist stellenweise beschädigt; die einzelnen erhaltenen Angaben werden nicht zu einem vermeintlich eindeutigen Ablauf ergänzt.
22.VN.48: Auf diese Weise wird Schutz für Land, Stadt und Dorf eingerichtet. Wo dieser Schutz vollzogen wird, soll Lakṣmī, das Wohlergehen, zunehmen. Der erste Teil des Verses steht innerhalb der zuvor begonnenen Druckklammer.
22.VN.49: Reichtum und Getreide sollen gedeihen, ohne Furcht vor Feinden und Dieben. Lotusopfer sollen einen König beeinflussen, Utpala-Blüten seine Frauen.
22.VN.50: Kumuda-Opfer werden der Beeinflussung von Brahmanen, Kahlāra-Blüten jener der Vaiśyas, Salz jener der Śūdras und Jāti-Blüten jener eines Dorfes zugeordnet. Die gesellschaftliche Einteilung gehört zur historischen Aussage des Textes.
22.VN.51: In der Sonnenscheibe wird der glückverheißende Mukunda mit Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus in den Händen vergegenwärtigt. Der Mantra wird dabei mit geändertem grammatischem Geschlecht rezitiert …
22.VN.52: … nämlich bei den Wörtern Puruṣa und Bhagavat. Kundige Mantrakenner bezeichnen diese Form als alle Vollkommenheiten gewährend. Gemeint ist die männliche Anrede anstelle der weiblichen; eine vollständige neue Mantrafassung wird hier nicht ausgeschrieben.
22.VN.53: In das Yantra – als Variante steht „auf ein Blatt“ – wird der mit den Buchstaben des Zielnamens durchsetzte Mantra geschrieben. Danach wird ein Stoff aus dem Bereich des Töpfers genommen. Die betreffende Stoffbezeichnung und ihr Verhältnis zu „Erde/Lehm“ sind im Druck nicht sicher lesbar.
22.VN.54: Das Geschriebene wird in das Herz der daraus hergestellten Figur gelegt. Man stellt sie dem Ausführenden zugewandt auf, verehrt sie und rezitiert den Mantra …
22.VN.55: … zu den drei Tagesübergängen jeweils 108-mal; die bezeichnete Person soll dadurch beeinflussbar werden. Täglich achthundert Reisgaben sollen nach einem Jahr …
22.VN.56: … Reisreichtum bringen; Kuhmilch soll sicher Viehreichtum gewähren. Ghee-Opfer sollen dem Mantra-Übenden großen Goldreichtum schenken.
22.VN.57: Dickmilch wird umfassendem Wohlergehen, Speise einem Überfluss an Nahrung zugeordnet; Honigopfer sollen einen Schatz an Edelsteinen erschließen.
22.VN.58: Dūrvā-Opfer sollen sicher ein langes Leben gewähren. Danach werden weiße Guñjā-Samen im Maß eines Kuḍava genannt …
22.VN.59: … die mit dem Mantra besprochen und, während der Ausführende verborgen bleibt, im feindlichen Heer ausgestreut werden. Dadurch soll dieses Heer …
22.VN.60: … von Fieber und anderen schweren Krankheiten getroffen werden und bald zugrunde gehen; zugleich wird gegenseitiger Streit seiner Heerführer genannt.
Unnummerierter Halbvers und Drucklücke: Die erhaltenen Worte erwähnen außerdem Misstrauen; der weitere Text fehlt. Die Verse 49–60 geben historische Beeinflussungs-, Reichtums- und Schädigungszuschreibungen wieder.
Das zwölfblättrige Vanadurgā-Yantra
Im Druck beginnt die Zählung erneut mit 59. Zur Unterscheidung trägt diese Reihe das Kürzel VY.
22.VY.59: Auf einem zwölfblättrigen Lotus wird in der Mitte innerhalb des Praṇava das Śārṅga-Zeichen mit dem Zielnamen geschrieben. An die Blattansätze kommen jeweils zwei Laute der Mardinī-Formel; auf die einzelnen Blätter werden die Grundmantralaute in der angegebenen Gruppierung verteilt. Das letzte Blatt erhält den verbleibenden Schlusslaut. Außen folgen die Schriftlaute und zwei Umfassungsquadrate. Dieses Durgā-Yantra soll eine Gefährtin und Kinder schenken und umfassenden Schutz gewähren. Die genaue Verteilung erläutert die folgende Prosa; einzelne Wörter der Versfassung sind unsicher.
22.VY.60: Es soll den Menschen alle Güter, Glück und Gedeihen schenken und Königen, die ihr Herrschaftsglück verloren haben, das Reich zurückgeben.
22.VY.61: Es wird als hervorragende Besänftigung von Krankheiten bei bedrängten Menschen beschrieben. Der anschließende Halbvers nennt Fieber und die bloße Berührung beziehungsweise das Auftragen einer geweihten Substanz, ist jedoch so beschädigt, dass keine sichere vollständige Übersetzung möglich ist.
Unnummerierter Halbvers: Dieses Vanadurgā-Verfahren wird als alles gewährend bezeichnet; daran soll kein Zweifel bestehen. [Die zweite Hälfte fehlt im Druck.]
Beginn der unnummerierten Erklärung: Man zeichnet einen zwölfblättrigen Lotus. In seine Mitte kommt der Praṇava, in dessen Inneres das Śārṅga-Zeichen und darin der Zielname. Die genaue Anordnung setzt auf der folgenden Seite fort.
Druckvariante: Der Apparat bietet eine ebenfalls nicht sicher auflösbare Variante zur Stoffbezeichnung beim Töpfer.
Erklärung des zwölfblättrigen Yantras
Fortsetzung der unnummerierten Erklärung: Der achtlautige Mahiṣamardinī-Mantra wird dreimal geschrieben, jeweils zwei seiner Laute an jeden Staubfaden beziehungsweise Blattansatz. Die Laute des Grundmantras werden zu je drei auf die Blätter verteilt; der verbleibende letzte Laut kommt auf das letzte Blatt. Außerhalb des Lotus zeichnet man zwei Kreise und schreibt in den Zwischenraum die Mātṛkā-Laute, jeweils mit Bindu. Außen wird die Anordnung von zwei ineinandergefügten Quadraten mit zusammen acht Ecken umschlossen. Diesem Yantra werden die zuvor genannten Früchte zugeschrieben.
Erläuterung der Zählung: Drei Wiederholungen des achtlautigen Mahiṣamardinī-Mantras ergeben 24 Laute, also zwei für jeden der zwölf Ansätze. Vom siebenunddreißigteiligen Vanadurgā-Grundmantra ergeben drei Laute je Blatt zunächst 36; der Schlusslaut wird zusätzlich auf das letzte Blatt gesetzt.
Das Durgā-Bīja Duḥ
Aus dem Nārāyaṇīya: „Atri wird hier genannt, mit Śiva und Sarga versehen: dies ist ihr Bīja.“ Der Kommentar löst auf: Atri bezeichnet d, Śiva u und Sarga den Visarga. Daraus entsteht duḥ, das Bīja Durgās.
Als Seher wird Kaśyapa genannt, als Versmaß Gāyatrī und als Gottheit Śrī Durgā. Für die sechs Körperglieder wird das Bīja mit den sechs langen Vokalen und jeweils Visarga verbunden. Auf dem achtblättrigen Lotus wird die Göttin dunkelgrün wie Dūrvā und dreiäugig betrachtet. Beginnend mit der unteren rechten Hand trägt sie Dreizack, Pfeil, Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Bogen und Schädelschale.
Hunderttausend Rezitationen werden mit einem Zehntel an Homa-Gaben verbunden. Die Verehrung und die übrigen Schritte entsprechen Vanadurgā. Die Angabe von hunderttausend Rezitationen wird ausdrücklich auf das Kṛtayuga bezogen.
Durgā-Stotra: Zuflucht bei der göttlichen Mutter
22.DS.1: Was die Wissenden als Grundlage von Handeln und Dharma bezeichnen, alles heilsame Verdienst aus Opfern und anderen Werken, besteht durch dich. Denn du bist das Bewusstsein. Dies im Herzen bedenkend, nehme ich beständig Zuflucht zu deinen Füßen.
22.DS.2: Selbst der uranfängliche Puruṣa, der Gemahl der Tochter des Meeres, dessen Leib auf dem Lager der Schlange Śeṣa ruht, wurde von deiner Fessel der Verblendung überwältigt. O Mutter der Welt, mit sich schließenden Augen legte auch er sich zum Schlaf nieder.
22.DS.3: Wie wunderbar, o Mutter: Madhu und Kaiṭabha, aus dem Schmutz hervorgegangen, der Janārdanas Ohren entstammte, waren selbst für ihn nicht leicht zu töten. Von deiner Māyā verschlungen, gingen beide zugrunde.
22.DS.4: Jene Büffelgestalt von beispielloser Kraft, die selbst die Macht des Himmelskönigs überwand und ihr Herz darauf festgelegt hatte, der Welt Leid zuzufügen – du, Girijā, hast sie wie im Spiel zerschmettert.
22.DS.5: Der auf Erden als Dhūmralocana bekannte Dämon wurde im Kampf durch deinen Huṃ-Laut zu Asche. O Tochter des Bergkönigs, die du alle Asuras vernichtest: Mir scheint, er wurde im Feuer deines Zorns als Opfer dargebracht.
22.DS.6: Caṇḍa und Muṇḍa waren selbst von den Göttern, mit ihrem Herrscher an der Spitze, kaum zu bezwingen. Doch die beiden Übermütigen fielen durch dein Schwert, hart wie ein Donnerkeil, sogleich zerschmettert nieder, o Mutter, deren Gestalt dem weiten Raum gleicht.
22.DS.7: Selbst der Gott Śiva, dessen Macht weithin bekannt ist, ging als dein Bote zum Haus des Dānava-Herrschers. Wieder wurde durch dieses Wirken seine Tat bekannt. Sei gnädig, o Śivadūtī, du, deren Bote Śiva ist. Der Bezug des Pronomens in der zweiten Hälfte bleibt sprachlich mehrdeutig.
22.DS.8: Wie erstaunlich, Aparṇā: Aus dem Blut, das durch Waffenschläge herabfiel, entstanden auf der Erde zahllose Abbilder Raktabījas, die selbst die Götter nicht besiegen konnten. Auch sie alle wurden allein von dir im Luftraum verschlungen.
22.DS.9: Unvergleichlich ist dieses Wunder, o Mutter: Die Götterfeinde Śumbha und Niśumbha, deren Hände sich freudig am Raub der Herrlichkeit der drei Welten beteiligten, wurden von dir auf Erden mit Waffen erschlagen und dennoch in die Himmelswelt geführt.
22.DS.10: In deinem Glanz, dem Feuer am Ende der Weltzeit, lösen sich die Welten augenblicklich auf. Was ist dann daran erstaunlich, Bhavānī, dass die Dānava-Herrscher wie Motten hineinstürzen und zu Asche werden?
22.DS.11: Wie soll ich dich preisen, die du denen, die sich vor dir verneigen, die heftige Glut des Daseins so gern stillst? Wie soll ich dich preisen, die du bei den in Not Geratenen die heftige Glut des Daseins so gern vermehrst?
Lesungshinweis: Die zweite Vershälfte sagt im vorliegenden Druck tatsächlich „vermehren“, während die erste „stillen“ sagt. Ob eine absichtliche Gegenüberstellung oder ein Textfehler vorliegt, lässt sich hier nicht entscheiden; die Übersetzung gleicht den Widerspruch nicht stillschweigend an.
Durgā-Stotra: Hingabe und Vergebung
22.DS.12: Wahrhaft gesegnet sind diejenigen, die dich betrachten, Bhavānī: rötlich leuchtend, in der linken und der anderen Hand und den darüberliegenden Händen ein Gefäß voll Nektar, eine schöne Zitronenfrucht, Schild und Keule tragend.
22.DS.13: Wenn ein Mensch täglich dein Bīja vergegenwärtigt, auf den Feuerlaut gesetzt, mit Māyā versehen und mit jungem Mond, Bindu und Nāda gekrönt, genießt er hier ein großes Reich. Die Eingangsworte des Verses sind nicht sicher aufzulösen. Der verschlüsselte Bīja-Aufbau wird nicht ohne weitere Belege in eine vermeintlich eindeutige Formel umgewandelt.
22.DS.14: Herbeirufung, Verehrung, Lob, Feueropfer, Darbringung der Handlungen und Verabschiedung: Was ich hier aus Verblendung fehlerhaft getan habe, vergib mir, Mutter, o Segensspenderin, die du außen und innen gegenwärtig bist.
22.DS.15: Obwohl du im Inneren aller Lebewesen als ihr eigenes Wesen gegenwärtig bist, erstrahlst du scheinbar außen als Gestalt des gesamten Universums. Wozu noch so viele kunstvoll gefügte Worte? Sie vermehren nur die Rede. Mutter, behüte mich bedürftigen Menschen, damit ich von der Verstrickung in die Vielheit frei werde.
22.DS.16: Wer täglich zu den drei Tagesübergängen dieses unvergleichliche Wirken Caṇḍīs liest, das die Danuja-Dämonen vernichtet, soll Wohlstand, Glück, Sieg, Schönheit und Gelingen erlangen, freigebig werden, lange leben und als Dichter hervorragen.
22.DS.17: Śrī Śambhunātha, auch Śrī Siddhanātha genannt, ist der eine Herr der Welt. Durch seine Gnade verfasste Pṛthvīdhara, geschmückt mit der Fülle der Āgamas, diesen Hymnus.
Unnummerierte Prosa: Nun wird die im Navārṇa-Verfahren gelehrte Verehrung Mahālakṣmīs beschrieben. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Mātṛkā-Nyāsa werden drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra vollzogen. Es folgen die Zuordnungen:
- Auf dem Kopf: „Verehrung Brahmā, Viṣṇu und Rudra.“
- Am Mund: „Verehrung den Versmaßen Gāyatrī, Uṣṇih und Anuṣṭubh.“
- Im Herzen: „Verehrung den Gottheiten Śrī Mahālakṣmī, Mahākālī und Mahāsarasvatī.“
- Im verborgenen Körperbereich: „Verehrung dem Paramaśiva-Liṅga als Bīja.“
- An den Füßen: „Verehrung Kālī, Śivadūtī und Prajāpati als Śaktis.“
- Am Nabel: „Hrīṃ, Verehrung dem Kīlaka.“
Mit gefalteten Händen wird die Zweckbestimmung gesprochen: „Die Anwendung im Japa dient der Erfüllung aller meiner ersehnten Ziele.“ Darauf folgt „Oṃ aiṃ hrīṃ klīṃ, dem Herzen Verehrung“; in entsprechender Weise wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen. Der Druck schreibt hier nur die Herzformel aus und verweist für die übrigen Glieder auf die entsprechende Durchführung.
Von elf Nyāsas ist der Mātṛkā-Nyāsa der erste, der sechsgliedrige Nyāsa der zweite.
Dritter Nyāsa: „Oṃ hrīṃ, Brahmāṇī schütze meinen Osten. Mahālakṣmī schütze meinen Nordosten. Vyomeśvarī schütze mich oben. Saptadvīpeśvarī schütze meine Mitte. Nāgeśvarī schütze mich unten.“ Der Druck verwendet bei den Folgeformeln Wiederholungszeichen; weitere Himmelsrichtungen werden an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.
Vierter Nyāsa: „Oṃ hrīṃ, Nandajā schütze meine Vorderseite, Verehrung.“ Entsprechend werden Raktadantikā der rechten Seite, Śākambharī der Rückseite, Durgā der linken Seite, Bhīmā der Richtung vom Kopf bis zu den Füßen und Bhrāmarī der Richtung von den Füßen bis zum Kopf zugeordnet. Die Formel schließt mit „schütze, Verehrung“.
Fortgesetzte Schutzzuordnungen: „Brahmā schütze von den Füßen bis zum Nabel; Viṣṇu vom Nabel bis zum Hals; Rudra vom Hals bis zum Brahmarandhra. Haṃsa schütze beide Füße, Vṛṣabha beide Augen, Gajānana den ganzen Körper und Hari das Brahmarandhra.“ Jede Formel endet mit „schütze, Verehrung“; die Anfangslaute sind durch Wiederholungszeichen angegeben.
Weitere Verehrungszuordnungen: In der Körpermitte „Verehrung Mahālakṣmī“, auf dem Kopf „Verehrung Sarasvatī“, an den Füßen erneut „Verehrung Mahālakṣmī“, an den Händen „Verehrung dem Löwen“, an den Augen „Verehrung Paramahaṃsa“, an den Füßen „Verehrung dem Preta zusammen mit dem Büffel“, am ganzen Körper „Verehrung Maheśa“ und nochmals am ganzen Körper „Verehrung Caṇḍikā“. Damit erklärt der Druck den sechsten Nyāsa für beendet. Der fünfte Nyāsa wird in der vorangehenden Folge nicht ausdrücklich mit einer eigenen Schlussformel abgegrenzt; die Reihenfolge bleibt erhalten.
Siebter Nyāsa: Die neun Lautglieder werden wie folgt eingesetzt. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ:
| Körperstelle | Lautglied |
|---|---|
| Brahmarandhra | aiṃ |
| Rechtes Ohr | hrīṃ |
| Linkes Ohr | klīṃ |
| Rechtes Auge | cāṃ |
| Linkes Auge | muṃ |
| Rechte Nasenöffnung | ṇḍāṃ |
| Linke Nasenöffnung | yaiṃ |
| Mund | viṃ |
| Geschlechtsorgan | ccaiṃ |
Achter Nyāsa: Mit denselben Anfangs- und Schlussworten werden die neun Lautglieder neu zugeordnet: aiṃ am After, hrīṃ am Geschlechtsorgan, klīṃ am Mund, cāṃ an der linken Nasenöffnung, muṃ an der rechten Nasenöffnung, ṇḍāṃ am linken Auge, yaiṃ am rechten Auge, viṃ am linken Ohr und ccaiṃ am rechten Ohr.
Lesungshinweis: Die Lautglieder sind gegenüber dem fließenden Mantra durch Vokale und Nasalzeichen für den Nyāsa gestaltet. Einzelne Vokalzeichen sind im Druck eng gesetzt. Sie werden als die hier gelesene Nyāsa-Fassung wiedergegeben, nicht stillschweigend durch eine geläufigere Rezitationsfassung ersetzt.
Neunter bis elfter Nyāsa
Unnummerierte Prosa: Beim neunten Nyāsa wird der Grundmantra mit abschließendem „Verehrung“ gesprochen und vom Kopf bis zu den Füßen über die ganze Vorderseite eingesetzt. Entsprechend folgen rechte Seite, Rücken und linke Seite, dann zurück linke Seite, Rücken, rechte Seite und Vorderseite. Die Einsetzung durchdringt jeweils den ganzen bezeichneten Bereich.
Beim zehnten Nyāsa wird der Grundmantra gesprochen, beginnend mit der Abschlussformel „dem Herzen Verehrung“, und entsprechend der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen.
Beim elften Nyāsa wird der Vers beginnend mit „Die Schwertträgerin, die Dreizackträgerin, die Furchtbare“ mit der Vorstellung einer schwarzen Gestalt über den ganzen Körper eingesetzt. Die vier Verse von „Mit dem Dreizack beschütze uns, o Göttin“ bis „beschütze von allen Seiten“ werden mit der Farbe der jungen Sonne verbunden. Die fünf Verse von „Du, deren Gestalt alles ist, du Herrin über alles“ bis „Caṇḍikā, vor dir verneigen wir uns“ werden mit reinem Kristallglanz verbunden und über den ganzen Körper eingesetzt. Der Druck nennt nur Anfangs- und Schlussworte dieser Versgruppen; sie werden hier nicht als vollständig zitierte Verse ausgegeben.
Die drei Göttinnen im Herzen
Im eigenen Herzen wird der später zu beschreibende Verehrungssitz vergegenwärtigt, darin die drei Bījas des Grundmantras. Im mittleren Bīja wird Śrī Mahālakṣmī betrachtet, hervorgegangen aus dem Glanz der Körper sämtlicher Götter.
22.MLN.1: Aus den Körpern aller Götter ist sie hervorgetreten, von unermesslichem Glanz, vielfarbig und mit bunten Girlanden und Gewändern geschmückt.
22.MLN.2: Sie trägt vielfältige Salbungen und ist erfüllt von Glanz, Schönheit und Glück. Obwohl sie tausend Arme besitzt, wird sie in ihrer achtzehnarmigen Gestalt verehrt.
22.MLN.3: Ihre Attribute werden nun genannt, beginnend mit der unteren rechten Hand: Gebetskette, Lotus, Pfeil, Schwert, Stößel, Keule …
22.MLN.4: … Diskus, Dreizack, Axt, Muschelhorn, Glocke, Schlinge, Speer, Stab, Schild, Bogen, Trinkgefäß und Wasserkrug.
22.MLN.5: Ihre Arme sind mit diesen Attributen geschmückt; sie sitzt auf einem Lotus. O König, wer diese Mahālakṣmī verehrt, die Herrin, in der alle Götter gegenwärtig sind …
Unnummerierter Halbvers: … soll Herr über sämtliche Götter und Welten werden. [Die zweite Hälfte fehlt im Druck.]
Übergang: Nach Mahālakṣmī wird im ersten Bīja Mahākālī betrachtet.
22.MKN.1: Sie hat zehn Gesichter, zehn Arme und zehn Füße und leuchtet schwarz wie Augenschminke. Eine weite Reihe von dreißig Augen schmückt sie.
22.MKN.2: Mit funkelnden Zähnen und Fangzähnen zeigt sie eine furchterregende Gestalt, o König. Zugleich ist sie die Grundlage von Schönheit, Glück, Glanz und großer Herrlichkeit.
22.MKN.3: Sie trägt Schwert, Pfeil, Keule, Dreizack, Diskus, Schlinge, Bhuśuṇḍī, Eisenstange, Bogen und einen Kopf, von dem Blut herabtropft. Bhuśuṇḍī ist eine traditionelle Waffenbezeichnung; eine genauere Form wird hier nicht erläutert.
22.MKN.4: Sie ist die Māyā Viṣṇus, die schwer zu überwindende Kālarātri, die Nacht der Zeit. Verehrt, soll sie alles Bewegliche und Unbewegliche dem Verehrenden unterordnen.
Übergang: Nach Mahākālī wird links von Mahālakṣmī, im dritten Bīja, Sarasvatī betrachtet.
22.MSN.1: Aus Gaurīs Leib ist sie hervorgetreten, allein von der Qualität Sattva erfüllt. Sie wird als Sarasvatī selbst bezeichnet, die den Asura Śumbha vernichtet.
22.MSN.2: Achtarmig trägt sie Pfeile, Stößel, Diskus, Dreizack, Muschelhorn, Pflug, Glocke und Bogen, o Herrscher der Erde.
Unnummerierter Halbvers: Wird sie mit Hingabe verehrt, gewährt sie Allwissenheit. [Die zweite Hälfte fehlt im Druck.]
Das innere Opfer: Ichbezogenheit und Unwahrhaftigkeit darbringen
Unnummerierte Prosa: Nach der Meditation Mahāsarasvatīs wird Mahālakṣmī mit ihren Gliedern und umgebenden Gottheiten durch geistige Gaben verehrt; voraus geht die später beschriebene Pīṭha-Verehrung. Im eigenen Mūlādhāra wird ein Quadrat betrachtet, das die vier mit Ātman beginnenden Wirklichkeiten verkörpert und vom inneren Feuer hell erleuchtet ist. Die genaue Sanskritverbindung zur Feuerstätte ist hier nicht sicher aufzulösen.
Nach dem Grundmantra heißt es: „Ich bringe die Ichbezogenheit dar, Svāhā.“ Wieder folgt der Grundmantra: „Ich bringe die Unwahrhaftigkeit dar, Svāhā.“ Auf diese Weise werden Ichbezogenheit, Verleumdung, Begierde, Zorn, Gier, Verblendung, Überheblichkeit, Neid und die weiteren inneren Hindernisse einzeln geopfert. Der Geist ist dabei der kleine Opferlöffel, verbunden mit Suṣumṇā als großem Opferlöffel. Nachdem alle inneren Feinde verbrannt sind, rezitiert der Übende mit festem Geist den Grundmantra nach Vermögen, bringt den Japa dar und beginnt die äußere Verehrung.
Heutige Betrachtung: Die Passage benennt ausdrücklich geistige Haltungen als Opfergaben. Sie lädt dazu ein, die eigene Reaktion ehrlich anzuschauen: Wo bestimmen Gier, Ärger oder das Bedürfnis, recht zu behalten, mein Handeln? Ein bewusstes Loslassen solcher Haltungen kann den Alltag verändern. Diese einfache Übertragung ist von den im Werk vorausgesetzten rituellen Einsetzungen zu unterscheiden.
Vorbereitung der äußeren Verehrung
Auf einer goldenen oder entsprechend geeigneten Unterlage werden mit Kuṅkuma oder einem anderen vorgesehenen Stoff ein Sechseck, ein Kreis, ein anschließender achtblättriger Lotus mit Staubfäden, ein weiterer Kreis und außen drei Quadrate mit vier Toren gezeichnet. In die Mitte des Sechsecks schreibt man die drei Bījas Vāgbhava, Māyā und Kāmarāja in einer Reihe. In die sechs Ecken kommen, vor dem Übenden beginnend und im Uhrzeigersinn, die sechs mit A beginnenden Bījas. Diese sechs werden an dieser Stelle nur bezeichnet, nicht einzeln ausgeschrieben.
Die Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben werden bereitgestellt und die Verehrungsgeräte besprengt. Mit der Formel oṃ hrīṃ haṃsaḥ so'haṃ svāhā wird der eigene Körper mit Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt. Man betrachtet das eigene Selbst in Gestalt der Göttin und erneut das Quadrat im Mūlādhāra. Die Beschreibung setzt auf der folgenden Seite fort.
Druckvariante: Der Apparat bietet „im vorderen Bereich“.
Das Feuer des Selbst
Fortsetzung der unnummerierten Prosa und Gebetsverse: Im Mūlādhāra wird das Feuer in der bezeichneten Kuṇḍa-Gestalt vergegenwärtigt. Nach dem Grundmantra folgt:
„In das Feuer des Selbst, das von den Opfergaben Dharma und Adharma auflodert, bringe ich mit dem Geist als Opferlöffel auf dem Weg der Suṣumṇā beständig die Tätigkeit der Sinne dar. Svāhā.“
Entsprechend heißt es: „Ich bringe das Unheilsame dar, Svāhā.“ So werden heilsames und unheilsames Verdienst, zu Tuendes und zu Unterlassendes, Entschluss und unterscheidende Vorstellung dargebracht. Nach erneuter Rezitation des Grundmantras folgt:
„Mit den Händen Prakāśa und Āmarśa – Licht des Bewusstseins und dessen Selbstgewahrsein – halte ich Unmanī als Opferlöffel und bringe die mit Dharma und Adharma verbundenen Kräfte als Opferfett in das Feuer dar.“ Die zweite Hälfte dieser Sanskritstrophe ist grammatisch beschädigt; die Übersetzung gibt den erkennbaren Bildzusammenhang wieder, ohne jede Wortverbindung als gesichert auszugeben.
„Ich bringe Adharma dar, Svāhā.“ Damit wird die vollständige Opfergabe vollzogen. Man betrachtet das eigene Selbst als Göttin, rezitiert den Grundmantra nach Vermögen und bringt den Japa dar.
Verehrungssitz und umgebende Kräfte
Der Verehrungssitz wird mit Arghya-Wasser besprengt. Im Sechseck gilt die Verehrung dem Oṃkāra-Pīṭha, im achtblättrigen Lotus dem Pūrṇagiri-Pīṭha, im Quadrat dem Kāma-Pīṭha. Außerhalb folgen in den vier Richtungen:
- oṃ gaṃ gaṇeśāya namaḥ – Verehrung Gaṇeśa.
- oṃ kṣeṃ kṣetrapālāya namaḥ – Verehrung dem Hüter des Feldes.
- oṃ duṃ durgāyai namaḥ – Verehrung Durgā.
- oṃ baṃ baṭukāya namaḥ – Verehrung Baṭuka.
In den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten: oṃ jaṃ jayāyai namaḥ, oṃ viṃ vijayāyai namaḥ, oṃ jaṃ jayantyai namaḥ und oṃ aṃ aparājitāyai namaḥ – Verehrung Jayā, Vijayā, Jayantī und Aparājitā.
Am Ansatz des Lotusstängels folgen: āṃ ādhāraśaktaye namaḥ – der tragenden Kraft Verehrung; kūṃ kūrmāya namaḥ – der Schildkröte Verehrung; śeṃ śeṣāya namaḥ – Śeṣa Verehrung; pṛṃ pṛthivyai namaḥ – der Erde Verehrung; nāṃ nālāya namaḥ – dem Stängel Verehrung; paṃ padmāya namaḥ – dem Lotus Verehrung.
Auf der Mitte des achtblättrigen Lotus, außerhalb des Sechsecks, werden im Uhrzeigersinn 23 Kräfte verehrt. Die Formel ist jeweils der genannte Laut, der Sanskritname im Dativ und namaḥ; Oṃ wird zu Beginn der Richtungsgruppen ausdrücklich gesetzt. Die verkürzten Folgeformeln des Drucks bleiben als solche erkennbar:
| Gruppe | Kraft und Bedeutung | Laut |
|---|---|---|
| Erste Gruppe | Viṣṇumāyā – Viṣṇus Māyā | viṃ |
| Erste Gruppe | Cetanā – Bewusstsein | ceṃ |
| Erste Gruppe | Buddhi – Vernunft, Unterscheidungsvermögen | buṃ |
| Erste Gruppe | Nidrā – Schlaf | niṃ |
| Erste Gruppe | Kṣudhā – Hunger | kṣuṃ |
| Süden | Chāyā – Schatten | chāṃ |
| Süden | Śakti – Kraft | śaṃ |
| Süden | Tṛṣṇā – Durst, Verlangen | tṛṃ |
| Süden | Kṣānti – Geduld, Nachsicht | kṣāṃ |
| Süden | Jāti – Geburt, Daseinsart | jāṃ |
| Süden | Lajjā – Scham, Zurückhaltung | laṃ |
| Westen | Śānti – Frieden | śāṃ |
| Westen | Śraddhā – Vertrauen | śraṃ |
| Westen | Kānti – Glanz, Schönheit | kāṃ |
| Westen | Lakṣmī – Glück und Fülle | laṃ |
| Westen | Dhṛti – Standhaftigkeit | dhṛṃ |
| Westen | Vṛtti – Tätigkeit, Lebensunterhalt | vṛṃ |
| Norden | Smṛti – Erinnerung | smṛṃ |
| Norden | Dayā – Mitgefühl | daṃ |
| Norden | Tuṣṭi – Zufriedenheit | tuṃ |
| Norden | Puṣṭi – Gedeihen, Nahrung | puṃ |
| Norden | Mātṛ – Mutter | māṃ |
| Norden | Bhrānti – Irrtum, Verwirrung | āṃ [Vorsilbe unsicher] |
Die Reihe schließt fünf und dreimal sechs Kräfte ein. Sie umfasst ausdrücklich sowohl klärende Eigenschaften als auch Hunger, Durst, Schlaf und Irrtum; der Text verengt die Göttin nicht auf angenehme Erfahrungen.
Im mittleren Bīja wird mit dem Grundmantra die Gestalt verehrt: „Verehrung der Gestalt Śrī Mahālakṣmīs.“ Mit beiden Händen nimmt man eine Blumenfülle auf. Im Herzlotus betrachtet man Mahālakṣmī in der beschriebenen Gestalt, mit ihren Gliedern und umgebenden Gottheiten. Ihr Licht wird auf dem Weg der Suṣumṇā zum Brahmarandhra geführt und durch die Nasenöffnung mit den Blumen verbunden. Mit dem Grundmantra wird dieses Licht herbeigeführt.
Herbeirufung und erste Gaben
22.NP.1: „Im Geist betrachte ich Durgā, die in der Mitte des Nabels gegenwärtig ist.“ Dann wird Durgā herbeigerufen, die über die Furcht vor Saṃsāra hinwegführt.
22.NP.2: Ich rufe Durgā herbei, die Mutter des Heils, die Wahrhaftige, die Wünsche gewährt, die Quelle des Mitgefühls, erfüllt von unendlicher Kraft.
22.NP.3: Du, die im großen Lotuswald wohnt, deren Gestalt die Freude des Urgrunds ist, Mutter, die dem Wohl aller Wesen dient: Komm, komm, höchste Herrin!
Unnummerierte Prosa: Mit dem Darbringen der Blumen wird sie herbeigerufen; die neun Mudrās, beginnend mit Āvāhana, werden gezeigt.
22.NP.4: Herrin der Götter, die durch Hingabe leicht erreichbar ist, mit allen umgebenden Gottheiten vereint: Bleibe hier fest gegenwärtig, solange ich dich verehre.
Darauf folgt die Bitte um Annahme des Sitzes:
22.NP.5: Oṃ. Durgā, Göttin, Herrin der Himmelswesen, die den Weg der Erkenntnis eröffnet, Glückverheißende: Nimm diesen Sitz zu meinem Wohlergehen an, Herrin der Götter.
Begrüßung:
22.NP.6: Oṃ. Willkommen! Ich frage nach deinem Wohlergehen, große Göttin, höchste Herrin. Mögest du freundlich angekommen sein, Glückverheißende, die du aus Mitgefühl deinen Verehrern zugetan bist.
Arghya-Gabe:
22.NP.7: Von der Welt Verehrte, Herrin der drei Welten, Bezwingerin der Daityas und Dānavas: Nimm diese achtgliedrige Arghya-Gabe an, Göttin, die das Leid der Welt wegnimmt.
Wasser für die Füße:
22.NP.8: Kātyāyanī, Mahādurgā, Cāmuṇḍā, Geliebte Śaṅkaras: Nimm das Wasser für die Füße an, Herrin der Götter, Bhadrakālī. Dir sei Verehrung.
22.NP.9: Der Mutter aller Welten, der Mutter, die die Welt reinigt, dieser Mahālakṣmī bringe ich achtsam Wasser zum rituellen Mundspülen dar.
Gaben für Mahālakṣmī
Fortsetzung: Der vorhergehende Vers begleitet das Wasser zum Mundspülen.
22.NP.10: Göttin, nimm meinen Madhuparka an: Dickmilch einer Kapilā-Kuh, weiß wie Jasmin und Mond, mit Honig verbunden und in einem goldenen Gefäß dargebracht.
Erneutes Wasser zum Mundspülen:
22.NP.11: Nimm dieses klare, mit Kampfer duftende Wasser an, höchste Herrin; es dient der Reinigung und dem erneuten rituellen Mundspülen.
Bad:
22.NP.12: Verkörperung der Erkenntnis, Bhadrakālī, göttliche Gestalt, Herrin der Himmelswesen: Nimm dieses Bad an, Herrin der Götter, bereichert mit Wasser heiliger Stätten.
Gewand:
22.NP.13: Nimm mein reines, kostbares, aus Seidenfäden gefertigtes Gewand an, glückliche Göttin, die du von den Göttern verehrt wirst.
Schmuck:
22.NP.14: Deine Lotusfüße werden von den Kronjuwelen der Götter und Asuras berührt. Nimm diese mit vielerlei Edelsteinen geschmückten Zierden an.
Sandelpaste:
22.NP.15: Nimm meine Duftgabe aus Sandelholz, Aguru, Kampfer, Rocanā und Moschus an, Göttin, die die Frucht aller Wünsche schenkt.
Blumen:
22.NP.16: Eine herrlich geschmückte Girlande, reich an vielfältigen Blumen, bringe ich dir dar. Nimm sie an, große Göttin, Herrin der Himmelswesen.
Verehrung der begleitenden Gottheiten
Unnummerierte Prosa: Nach den Gaben bis zu den Blumen wird gebeten: „Śrī Bhagavatī, erlaube mir, deine Begleitung zu verehren.“ Im ersten Bīja heißt es „Oṃ, Verehrung Mahāsarasvatī“, im dritten „Oṃ, Verehrung Mahākālī“. Diese Zuordnung ist gegenüber der Meditation auf Druckseite 187 vertauscht; die Ausgabe bewahrt beide Textangaben.
Hinter Mahālakṣmī werden Brahmā und Sarasvatī verehrt, hinter Mahāsarasvatī Rudra und Gaurī, hinter Mahākālī Hṛṣīkeśa und Lakṣmī. Links vor Mahālakṣmī: maṃ mahiṣāsurāya namaḥ, „Verehrung dem Büffel-Asura“; rechts vor ihr: siṃ siṃhāya namaḥ, „Verehrung dem Löwen“.
An den sechs Ecken, im Osten beginnend, werden Nandā, Raktadantikā, Śākambharī, Durgā, Bhīmā und Bhrāmarī mit Oṃ und Namaḥ verehrt. Außerhalb des Sechsecks, noch auf der Lotusmitte, folgen die sechs Körperglieder; auf den acht Blättern die acht Mütter beginnend mit Brāhmī. Im ersten Umgang des Quadrats werden die Richtungshüter beginnend mit Indra, im zweiten ihre Waffen beginnend mit dem Vajra verehrt. Die abgekürzten Gruppen werden hier ebenso als Gruppen wiedergegeben; der Druck schreibt ihre Einzelglieder an dieser Stelle nicht erneut aus.
Mit dem Grundmantra und „Verehrung Śrī Mahālakṣmī, mit ihren Gliedern und ihrer Begleitung“ werden Blumenhände dargebracht.
Räucherwerk, Licht und Speise
22.NP.17: Nimm dieses zehngliedrige Räucherwerk an, Bhadrakālī: Guggulu mit Ghee, verbunden mit Aguru und den weiteren Bestandteilen. Dir sei Verehrung.
Licht:
22.NP.18: Nimm die mit Kuh-Ghee gefüllte Lampe an, deren Docht aus rotem Faden leuchtet, Herrin der Götter. Verehrung dir, Schönheit der drei Welten.
Speise:
22.NP.19: Nimm meine köstliche Speise an, Göttin, reich an Geschmack, bereitet mit vielerlei Essbarem und begleitet von Dingen zum Lutschen und Trinken.
Unnummerierte Prosa: Nach der Darbringung wird die Göttin als essend betrachtet. Der Grundmantra wird zehnmal rezitiert und die bezeichnete Gabe der Göttin angeboten. Das Wort für diese Gabe ist im Druck nicht eindeutig lesbar. Im Smārta-Feuer folgen 25 Gaben mit dem Grundmantra, sechs Gaben mit den sechs Gliedermantras und je eine für die umgebenden Gottheiten.
Zurück am Verehrungsort wird links vorn auf einem dreieckigen Maṇḍala das Bali-Gefäß samt Unterlage mit Speise und Beilagen aufgestellt. Die Formel lautet: oṃ hrīṃ sarvavighnakṛdbhyaḥ sarvabhūtebhyo huṃ phaṭ – „Für alle, die Hindernisse verursachen, für alle Wesen: Huṃ Phaṭ.“ Es folgt: „Für alle Wesen ist diese Bali-Gabe; Verehrung.“ Danach erhält die Göttin Wasser zum Abschluss der Mahlzeit und die weiteren Gaben.
22.NP.20: Nimm dieses Tāmbūla an, Göttin: mit Kampfer duftend, mit Areka-Frucht und dem zugehörigen Pulver verbunden, als Schmuck des Mundes.
Abschluss der Mahālakṣmī-Verehrung
Fortsetzung: Der vorhergehende Vers begleitet die Tāmbūla-Gabe.
22.NP.21: Glückverheißende, Kālikā, Durgā, Bezwingerin des Mahiṣāsura: Nimm das von mir dargebrachte kreisende Licht an, Schönheit unter den Göttern.
Blumenhände:
22.NP.22: Durgā, Göttin, dir sei Verehrung, Vernichterin aller Asuras! Nimm die von mir dargebrachten Blumen an, von den Göttern Verehrte.
Verneigung:
22.NP.23: Du Glückverheißendste unter allem Glückverheißenden, Śivā, die alle Ziele erfüllt, Zuflucht, Dreiäugige, Durgā, Kātyāyanī: Dir sei Verehrung.
Umschreitung:
22.NP.24: Was ich in tausend Geburten an unheilsamem Handeln angesammelt habe, vernichte es rasch, mit jedem Schritt der ehrfürchtigen Umschreitung.
Goldgabe:
22.NP.25: Zur Vollendung der Verehrung bringe ich diese Dakṣiṇā dar. Nimm sie an, höchste Herrin, und lass meine Verehrung Frucht tragen.
Gebet:
22.NP.26: Bhagavatī, Mahāmāyā, Cāmuṇḍā, die das Unheilsame wegnimmt: Gib mir guten Ruf, gib mir Wohlstand und gib mir Hingabe an dich.
Lesung der Saptashatī
Unnummerierte Prosa: Der Grundmantra wird nach Vermögen rezitiert und der Japa dargebracht. Danach folgt die Lesung der Saptashatī. Nach der Zweckbestimmung, beginnend mit „Heute …“, werden ihre drei Erzählabschnitte rituell zugeordnet:
| Zuordnung | Erster Abschnitt | Mittlerer Abschnitt | Letzter Abschnitt |
|---|---|---|---|
| Seher | Brahmā | Viṣṇu | Rudra |
| Versmaß | Gāyatrī | Paṅkti | Anuṣṭubh |
| Gottheit | Mahākālī | Mahālakṣmī | Mahāsarasvatī |
| Bīja | Raktadantikā | Durgā | Bhrāmarī |
| Śakti | Nandā | Śākambharī | Bhīmā |
| Tattva | Feuer | Wind | Sonne |
Nach diesen Einsetzungen wird der jeweilige Erzählabschnitt gelesen. Die Saptashatī wird hier zur Rezitation angewiesen, nicht als vollständiger Text eingeschoben.
Pīṭhas, Überlieferung und Schutzgestalten
Außerhalb des Umfassungsquadrats werden die folgenden Sitze, ihre Nāthas und die Pādukās der zugeordneten Mütter verehrt. Die erste Reihe schreibt die Formel aus: „Dem Pīṭha Verehrung; dem Nātha Verehrung; die Pādukās der Mutter verehre ich, Verehrung.“ Die übrigen Reihen verwenden entsprechende Abkürzungen:
| Richtung | Pīṭha | Nātha | Mutter |
|---|---|---|---|
| Osten | Uḍḍyāṇa | Muṇḍeśvaranātha | Muṇḍāmbā |
| Südosten | Mātṛkā | Mātṛkācakreśvaranātha | Mātṛkāmbā |
| Süden | Jālandhara | Jvālāmukhanātha | Jvālāmbā |
| Südwesten | Kolāpura | Kolāpureśvaranātha | Kolāmbā |
| Westen | Pūrṇagiri | Pūrṇeśvaranātha | Pūrṇāmbā |
| Nordwesten | Cauhāra | Cauhāranātha | Cauhārāmbā |
| Norden | Kolagiri | Kolanātha | Kolāmbā |
| Nordosten | Kāmarūpa | Kāmarūpanātha | Kāmāmbā |
In der Mitte wird der Yoginī-Pīṭha verehrt. Die Namen Muṇḍeśvara, Muṇḍāmbā und Cauhāra sind im Druck nicht ganz eindeutig; moderne Ortsgleichsetzungen werden daraus nicht abgeleitet.
In den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, folgen die Vetālas Agnimukha, Pretavāhana, Jvālāmukha und Dhūmrākṣa. In den sechs Ecken der Mitte werden die Gurus, die Paramagurus, die Parameṣṭhigurus, Gaṇeśa, Hari und Hara verehrt.
Hinter der Göttin gilt die Verehrung den Paaren Mahālakṣmī–Hṛṣīkeśa, Sarasvatī–Viriñci und Umā–Maheśvara. Rechts folgen Kāla, Rudra und der große Löwe; links Mṛtyu, der Tod. In der Mitte werden Vijaya, Gaṇapa, Mahiṣa und Caṇḍikā genannt, im Norden erneut Kāla, im Süden Yama. Jede Formel endet mit Namaḥ. Nach dieser Verehrung wird die Yoni-Mudrā gezeigt.
Beginn der Jātavedas-Mantras
Im Brahmamuhūrta steht der Übende auf und vollzieht, wie zuvor erläutert, Guru-Meditation, Ajapā, Bad, Sandhyā, Bhūtaśuddhi und die weiteren Handlungen bis zum Mātṛkā-Nyāsa. Nach drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra folgen die Mantra-Einsetzungen.
„Zum großen Śrī-Jātavedas-Mantra: Der Seher ist Marīci-Kaśyapa, das Versmaß Triṣṭubh, die Gottheit Durgā in Gestalt des Feuers Jātavedas. Seine Anwendung dient der Erfüllung meines ersehnten Ziels.“ Es folgen „Verehrung dem Seher Marīci-Kaśyapa“ auf dem Kopf und „Verehrung dem Versmaß Triṣṭubh“ am Mund. Die Herzformel wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Der Sehername steht im Druck als Verbindung; eine Trennung in zwei Seher wird hier nicht unterstellt.
Jātavedas: Körper- und Lauteinsetzungen
Fortsetzung der unnummerierten Prosa: Im Herzen: „Verehrung der Gottheit Durgā in der Feuergestalt Jātavedas.“ Am ganzen Körper: „Verehrung der Anwendung zur Erfüllung meines ersehnten Ziels.“
Die sechs Körpergliedformeln werden mit folgenden Abschnitten verbunden:
- jātavedase – „dem Herzen Verehrung“.
- sunavāma somam arātīyato – „dem Haupt Svāhā“.
- nidahāti vedaḥ – „dem Scheitelbüschel Vaṣaṭ“.
- sa naḥ parṣad ati – „dem Schutzpanzer Huṃ“.
- durgāṇi viśvā nāveva – „den drei Augen Vauṣaṭ“.
- sindhuṃ duritāty agniḥ – „der Waffe Phaṭ“.
Entsprechend erfolgt die Einsetzung an den Fingern. Die Wortgruppen gehören zum folgenden Jātavedas-Vers; ihre Teilung richtet sich hier nach dem Nyāsa.
Einsetzung der Lautglieder: Jede folgende Formel beginnt mit oṃ und endet mit namo. Die Bījas werden in der Druckfolge angegeben; sie tragen keine hinzuerfundene wörtliche Bedeutung.
| Körperstelle | Lautglied |
|---|---|
| Rechter großer Zeh | jāṃ |
| Linker großer Zeh | taṃ |
| Rechtes Fußgelenk | veṃ |
| Linkes Fußgelenk | daṃ |
| Rechter Unterschenkel | seṃ |
| Linker Unterschenkel | suṃ |
| Rechtes Knie | naṃ |
| Linkes Knie | vāṃ |
| Rechter Oberschenkel | maṃ |
| Linker Oberschenkel | soṃ |
| Rechte Achselregion | maṃ |
| Linke Achselregion | arāṃ |
| Andhu [Körperbezeichnung unsicher] | tīṃ |
| Nabel | yaṃ |
| Herz | toṃ |
| Rechte Brust | niṃ |
| Linke Brust | daṃ |
| Rechte Körperseite | hāṃ |
| Linke Körperseite | tiṃ |
| Rücken | veṃ |
| Rechte Schulter | daḥ |
| Linke Schulter | saṃ |
| Mitte | naḥ |
| Ansatz des rechten Arms | paṃ |
| Ansatz des linken Arms | raṃ |
| Rechter Oberarm | ṣaṃ |
| Linker Oberarm | daṃ |
| Rechter Ellenbogen | tiṃ |
| Linker Ellenbogen | duṃ |
| Rechter Unterarm | rgāṃ |
| Linker Unterarm | ṇiṃ |
| Rechte Hand vom Gelenk bis zur Fläche | viṃ |
| Linke Hand vom Gelenk bis zur Fläche | śvāṃ |
| Mund | nāṃ |
| Rechte Nasenöffnung | veṃ |
| Linke Nasenöffnung | vaṃ |
| Rechtes Auge | siṃ |
| Linkes Auge | ndhuṃ |
| Rechtes Ohr | duṃ |
| Linkes Ohr | riṃ |
| Stirn | tāṃ |
| Kopfinneres | tyaṃ |
| Scheitel | gniḥ |
Einzelne Vokal- und Nasalzeichen sind im Druck schwer unterscheidbar; die Liste bewahrt die hier gelesene Fassung.
Einsetzung der Wortgruppen
Erste Folge, als Sṛṣṭi, Entfaltung, bezeichnet: jāta am Scheitelbüschel; vedase an der Stirn; sunavāma an den Ohren; somaṃ an der Nase; arātī an den Augen; yata an den Lippen; ni an den Zähnen; dahāti am Gaumen; vedaḥ an der Zunge; sa am Hals; naḥ an den Armen; parṣat an den Brüsten; ati am Herzen; duḥ am Bauchraum; gāṇi am Nabel; viśvā am Rücken; nāvā am After; iva an den Hoden; sindhuṃ am Penis; duḥ an den Achselregionen; itā an den Oberschenkeln; ati an den Unterschenkeln; agniḥ an den Füßen. Der folgende kurze Druckschluss „agnī raktatu“ ist nicht sicher aufzulösen.
Danach wird der vollständige Mantra über den ganzen Körper eingesetzt.
Zweite Folge: jātavedase an den Füßen; sunavāma an den Fingern; somaṃ an den Knien; arātīyato an den Oberschenkeln; ni am After; dahāti an den Achselregionen; vedaḥ am Nabel; sa am Herzen; naḥ am Rücken; parṣat an den Armen; ati am Hals; durgāṇi am Mund; viśvā an den Augen; nāveva an den Nasenöffnungen; sindhuṃ an den Ohren; duritā an der Stirn; ati an der Kopfkrone; agniḥ am Scheitel.
Gottheiten und Opferbilder im Körper
Die Verehrung gilt an den Füßen Viṣṇu, im Herzen Brahmā, am Scheitel Paramātman, am Scheitelbüschel den sieben Ṛṣis, an der Nase den sieben Winden, an den Augen Mond und Sonne, an den Ohren den beiden Aśvins, an der Zunge Sarasvatī, in der Sprache Agni, an den Zähnen den Maruts und am Hals den Göttern.
Im Herzen wird Varuṇa verehrt, im Bauch Havyavāhana, der Träger der Opfergaben, im Bauchraum Pṛthivī, die Erde, in der Achselregion die neun Grahas, am Nabel Meru. Dem Astra wird Jātavedas zugeordnet, dem Scheitelbüschel das Ghee-Gefäß, dem Haupt Ghee, den Augen Licht, dem Schutzpanzer das Opfergras. Jede Zuordnung endet mit „Verehrung“.
Eine folgende unvollständige Wortgruppe nennt erhobene Śakti, flammende Waffen sowie befestigten Armschutz und Fingerschutz. Der genaue Satzbau ist nicht erhalten beziehungsweise nicht sicher lesbar.
Herbeirufung der feurigen Durgā
Unnummerierter Vers: Ich rufe jene Durgā herbei, die mit Rudra vereint ist: Vor ihren Wagen ist ein Löwe gespannt, und Tiger folgen ihr.
Unnummerierte Anrufung: Möge Durgā kommen, deren Gestalt schwer zugänglich ist; möge sie mir Furchtlosigkeit schenken. Bei dieser jugendlichen Durgā, die von den Ṛṣis verehrt wird, nehme ich Zuflucht.
„Oṃ, Verehrung Durgā.“ Es folgen, jeweils mit Oṃ und Namaḥ, Yāmyā, Raudrī, Ādityā, Kātyāyanī, Gaurī, Dhātrī, Śānti, Cāmuṇḍā und Sarasvatī. So wird sie mit neun Śaktis verbunden betrachtet.
Unnummerierte Meditationsverse: Links trägt sie Muschelhorn, Schild und Pfeile und zeigt Furchtlosigkeit; rechts trägt sie Bogen, Diskus und Gefäß und gewährt einen vortrefflichen Segen. Ich verehre sie, die weiter oben Diskus, Schwert, Pfeile, Dreizack, die als Lohamṛṣṭi bezeichnete Waffe, Tomara, Ringwaffe und Bhiṇḍipāla trägt, dazu Eisenstange und Elefantenhaken, die Dreiäugige. Alle Vorhaben sollen sicher gelingen, o Bester der Zweimalgeborenen. Die Bezeichnung einer eisernen Waffe ist unsicher; die verschiedenen Hand- und Waffenbeschreibungen werden nicht stillschweigend auf eine einheitliche Armzahl gebracht.
Jātavedas-Durgā: Licht, Schutz und innere Einheit
Unnummerierter Vers und Fortsetzung: Die im Ṛgveda gepriesene, von Kaśyapa verkündete Göttin besitzt den Glanz des Feuers Jātavedas und gewährt Lebensfülle und Befreiung. Sie wird mit Meru in Verbindung gebracht, von Tigern begleitet und mit dem Löwen als Träger beschrieben, achtzehnarmig, weiß gekleidet und mit allem Schmuck versehen. Die Verbindungen mit Meru und „vier Gesichtern“ sind im Druck nicht eindeutig aufzulösen; sie werden nicht zu einer sicher bestimmten Bildgestalt ergänzt.
Nach dieser Meditation und der Verehrung mit geistigen Gaben betrachtet der Übende das eigene Selbst als eben diese göttliche Gestalt. Aus dieser Bhāvanā des Nichtverschiedenseins folgt der sechsgliedrige Schutz-Nyāsa.
Die sechs Schutzformeln
Herz: oṃ harahāriṇi mālini śūlini duṣṭagrahanivāriṇyāṃ svāhā hṛdayāya namaḥ – „Oṃ, Harahāriṇī, Girlandenträgerin, Dreizackträgerin, Abwehrerin schädlicher Grahas, Svāhā; dem Herzen Verehrung.“ Die Endung der Anrede ist im Druck ungewöhnlich.
Haupt: agnitejojvālāmālini śirase svāhā – „Du, deren Flammengirlande der Glanz Agnis ist; dem Haupt Svāhā.“
Scheitelbüschel: candratejojvālāmālini śikhāyai vaṣaṭ – „Du, deren Flammengirlande der Glanz des Mondes ist; dem Scheitelbüschel Vaṣaṭ.“
Schutzpanzer: brahmatejojvālāmālini kavacāya huṃ – „Du, deren Flammengirlande der Glanz Brahmās ist; dem Schutzpanzer Huṃ.“
Drei Augen: ādityatejojvālāmālini netratrayāya vauṣaṭ – „Du, deren Flammengirlande der Glanz der Sonne ist; den drei Augen Vauṣaṭ.“
Waffe: viṣṇutejojvālāmālini sarvatejojvālāmālini jvalajvālāmālini śūlini duṣṭagrahanivāriṇi devi daha jātavedasasaṃbhūte svāhā astrāya phaṭ – „Du mit der Flammengirlande von Viṣṇus Glanz, mit der Flammengirlande allen Glanzes, du mit lodernden Flammen, Dreizackträgerin, Abwehrerin schädlicher Grahas, Göttin, verbrenne! Du aus Jātavedas Hervorgegangene, Svāhā; der Waffe Phaṭ.“
Eine erweiterte Schutzfassung des Jātavedas-Verses
Unnummerierte Rezitationsfassung: „Oṃ. Für Jātavedas wollen wir Soma pressen …“ Der Druck schiebt hier Gefahren durch Götter und Asuras, die nicht sicher lesbare Verbindung dvijagajaiḥ, Piśācas, Schlangen und Rākṣasas sowie nächtliche Bedrohung ein. „Er verbrennt den Besitz dessen, der feindselig ist …“ Es folgen Gefahr am Königstor, furchtbarer Kampf und Bedrängnis durch Feinde sowie die Zusicherung des Schutzes. „Er führe uns über alle schwierigen Wege hinweg …“ Bei großer Gefahr soll man sich erinnern und rezitieren; Durgā hilft über alles hinweg, „wie ein Schiff über den Strom, Agni über das Unheil“.
Die Erweiterungen stehen zwischen den Teilen des vedischen Verses. Ihr teilweise unklarer Satzbau bleibt kenntlich; die Ausgabe gibt diese Schutzfassung nicht als unveränderten Ṛgveda-Vers aus.
Dabei betrachtet der Übende das eigene Selbst als aus sich selbst leuchtendes Bewusstsein und Glückseligkeit und die vor ihm vergegenwärtigte Gestalt als göttlich. Es folgt ein weiterer sechsgliedriger Nyāsa. In jede Formel wird nach der jeweiligen Versgruppe dieselbe Anrufung eingefügt:
halāhalini jvalajvālāmālini baddhagodhāṅgulitrāṇini – „Halāhalinī, du mit der lodernden Flammengirlande, mit befestigtem Armschutz und Fingerschutz.“
Die vollständige Struktur lautet:
- oṃ jātavedase sunavāma + diese Anrufung + hṛdayāya namaḥ.
- somam arātīyato + diese Anrufung + śirase svāhā.
- nidahāti vedaḥ + diese Anrufung + śikhāyai vaṣaṭ.
- sa naḥ parṣad ati + diese Anrufung + kavacāya huṃ.
- durgāṇi viśvā nāveva + diese Anrufung + netratrayāya vauṣaṭ.
- sindhuṃ duritāty agniḥ + diese Anrufung + astrāya phaṭ.
Die wiederkehrenden Worte sind hier einmal vollständig erklärt; jede der sechs Druckformeln enthält sie.
Aufbau des Verehrungssitzes
Der gesamte Körper wird mit dem Mantra durchdrungen. Links steht der Kalaśa, rechts das Muschelhorn, in der Mitte die fünf Gefäße beginnend mit Arghya. Die Göttin wird mit dem Devīsūkta rituell gebadet; dann folgt die Pīṭha-Verehrung.
Von unten nach oben werden Kālagni-Rudra, Maṇḍūka, Ādhāraśakti, Kūrma, Ananta, Varāha und Pṛthivī verehrt, danach Milchozean, Śvetadvīpa, Wunschbaum, Juwelenaltar und Juwelenthron. Jede Anrufung endet mit Namaḥ.
Die Thronbeine verkörpern, im Südosten beginnend, Dharma, Jñāna, Vairāgya und Aiśvarya: rechtes Handeln, Erkenntnis, Nichtanhaften und geistige Herrschaft. Die übrigen Thronteile werden ihren Gegenbegriffen Adharma, Ajñāna, Avairāgya und Anaiśvarya zugeordnet. Darüber werden mit hrīṃ Māyā und Citśakti verehrt.
Es folgen der Wurzelgrund der Glückseligkeit, der Stängel des Bewusstseins, die aus Prakṛti bestehenden Blätter, die aus ihren Wandlungen bestehenden Staubfäden und die Lotusmitte, welche sämtliche Tattvas und die fünfzig Buchstaben als Bījas umfasst.
Darunter werden verehrt: aṃ der Sonnenkreis, saṃ der Mondkreis, raṃ der Feuerkreis; saṃ Sattva, raṃ Rajas, taṃ Tamas; aṃ Antarātman, āṃ Ātman, paṃ Paramātman und hrīṃ Jñānātman. Es folgen Ātma-, Māyā-, Vidyā- und Kalā-Tattva sowie in der Mitte das höchste Tattva.
Auf den Staubfäden, in den acht Richtungen im Osten beginnend, stehen die Pīṭha-Śaktis. Jeweils vorangestellt ist hrīṃ: Jayā mit jaṃ, Vijayā mit viṃ, Bhadrā mit bhaṃ, Bhadrakālī mit bhaṃ, Sumukhī mit suṃ, Durmukhī mit duṃ, Vyāghramukhī mit vyāṃ, Siṃhamukhī mit siṃ; in der Mitte Durgā mit duṃ. Die Anrufungen schließen mit Namaḥ.
Der Sitz wird mit oṃ vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya huṃ phaṭ namaḥ verehrt: „Dem großen Löwen, dessen Krallen und Fangzähne Waffen hart wie der Vajra sind: Huṃ Phaṭ, Verehrung.“ Darüber wird unter Rezitation des Grundmantras das Devī-Yantra aufgestellt.
Herbeirufungsvers: Ich rufe jene mit Rudra vereinte Durgā herbei, vor deren Wagen ein Löwe gespannt ist und der Tiger folgen.
Mit den entsprechenden Mudrās wird gesprochen: „Sei herbeigerufen; sei aufgestellt; sei festgehalten; sei zugewandt; sei verhüllt; sei in allen Gliedern gegenwärtig; sei in die höchste Form erhoben; sei mit Nektar erfüllt.“ Danach folgt die Meditation.
Meditation der dreiaugigen Durgā
Unnummerierter Meditationsvers: Man vergegenwärtigt sich die dreiaugige Durgā, leuchtend wie eine Kette von Blitzen, furchterregend und auf dem Rücken des Löwen ruhend. Junge Begleiterinnen dienen ihr; in ihren Händen glänzen Schwerter und Schilde. Durgās Hände tragen Diskus, Keule, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen und Sehne beziehungsweise Schlinge; eine Hand zeigt den drohend erhobenen Zeigefinger. Ihr Wesen ist Feuer, und der Mond schmückt sie.
Unnummerierte Prosa: Nach der Meditation werden mit dem Grundmantra die sechzehn Gaben dargebracht, darunter Arghya, Fußwasser, Wasser zum Mundspülen und Madhuparka. Dann beginnt die Verehrung der Āvaraṇas, der umgebenden Kreise.
Die ersten drei Verehrungskreise
Erster Kreis – die sechs Glieder: Im Südosten jātavedase sunavāma hṛdayāya namaḥ; im Nordosten somam arātīyataḥ śirase svāhā; im Südwesten nidahāti vedaḥ śikhāyai vaṣaṭ; im Nordwesten sa naḥ parṣad ati kavacāya huṃ; in der Mitte durgāṇi viśvā nāveva netratrayāya vauṣaṭ; in den vier Hauptrichtungen, im Osten beginnend, sindhuṃ duritāty agniḥ astrāya phaṭ.
Zweiter Kreis – acht Feuergestalten: Auf den acht Lotusblättern, im Osten beginnend und im Uhrzeigersinn, werden mit Namaḥ verehrt: Jātavedas; Saptajihva, der Siebenzüngige; Havyavāhana, der Träger der Opfergaben; Aśvodaraja; Vaiśvānara; Kaumāratejas; Viśvamukha, dessen Antlitz alles umfasst; Devamukha, der Mund der Götter. Aśvodaraja ist als gelesener Name erhalten; seine genaue Form bleibt unsicher.
Dritter Kreis – Elemente und Kalās: An den Blattspitzen in den vier Hauptrichtungen werden Pṛthivyātman, Salilātman, Agnyātman und Vāyvātman verehrt, die Wesenskräfte von Erde, Wasser, Feuer und Wind. In den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, folgen Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā und Śānti.
Der vierte Kreis: 44 Kräfte
In den Haupt- und Zwischenrichtungen, im Osten beginnend, folgen acht Gruppen. Jeder Name wird mit dem angegebenen Laut, vorangestelltem oṃ und abschließendem namaḥ angerufen. Der Druck verkürzt die wiederkehrenden Endungen. Manche Eigennamen und Lautzeichen bleiben unsicher; die Liste gleicht sie nicht an eine andere Überlieferung an.
| Gruppe und Blickrichtung | Namen mit Lautgliedern |
|---|---|
| Sprache; abwärtsgewandte weibliche Gottheiten | jāṃ Jāgarā; taṃ Tapanā; veṃ Vedagarbhā; daṃ Dahanarūpiṇī; seṃ Sendukhaṇḍā |
| Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch; seitwärtsgewandte weibliche Gottheiten | suṃ Sumbhadantī [Name unsicher]; naṃ Nabhaścāriṇī; vāṃ Vāgīśvarī; maṃ Mandavādā; soṃ Somarūpā |
| Die sechs körperlichen Hüllen beziehungsweise Bestandteile; seitwärtsgewandte geschlechtsneutrale Gottheiten | maṃ Manojavā; maṃ Marudvegā; rāṃ Rātrī; tīṃ Tīvrakopā; yaṃ Yaśovatī; toṃ Toyātmikā |
| Die sechs Wogen des Daseins; aufwärtsgewandte geschlechtsneutrale Gottheiten | niṃ Nityā; daṃ Dayāvatī; hāṃ Hāriṇī; tiṃ Tiraskriyā; veṃ Vedamātṛ; daḥ Damanapriyā |
| Die sieben Körperbestandteile; nach beiden Seiten gewandte geschlechtsneutrale Gottheiten | saṃ Samārādhyā; naḥ Nandinī; paṃ Parākyā [Name unsicher]; raṃ Ripumardinī; ṣaṃ Ṣaṣṭhī; daṃ Daṇḍinī; tiṃ Tigmā |
| Die fünf Elemente; seitwärtsgewandte geschlechtsneutrale Gottheiten | duḥ Durgā; gāṃ Gāyatrī; ṇiṃ Niravadyā; viṃ Viśālākṣī; śvāṃ Śvāsodvāhā |
| Die Handlungsorgane; aufwärtsgewandte weibliche Gottheiten | nāṃ Nādinī; veṃ Vedanā; vaṃ Vahnigarbhā; siṃ Siṃhavāhā; dhuṃ Dhuryā [Name unsicher] |
| Die Erkenntnisorgane; aufwärtsgewandte weibliche Gottheiten | duṃ Durviṣayā; riṃ Riraṃsā; tāṃ Tāpadahāriṇī; tyaṃ Tyaktadoṣā; gniḥ Niḥsapatnā |
Sie werden mit flammendem Haar und Gesicht, furchterregenden Fangzähnen und als Vertreiberinnen der Angst betrachtet. Die Gruppen umfassen 5 + 5 + 6 + 6 + 7 + 5 + 5 + 5 Namen. Die Bezeichnung „geschlechtsneutral“ steht im Druck neben grammatisch weiblichen Namen; dieser Befund wird nicht stillschweigend vereinheitlicht. Damit ist der vierte Kreis beschrieben.
Richtungshüter und ihre Waffen
Fünfter Kreis: Außerhalb werden im Osten beginnend die Richtungshüter angerufen: laṃ Indra; raṃ Agni; maṃ Yama, mit der Druckalternative ṭaṃ; kṣaṃ Nirṛti; vaṃ Varuṇa; yaṃ Vāyu; saṃ Kubera; hauṃ Īśāna. Jede Formel endet mit Namaḥ.
Danach folgen außerhalb die Waffen: vaṃ Vajra, śaṃ Śakti-Speer, daṃ Stab, khaṃ Schwert und pāṃ die Schlinge. Die Waffenliste setzt auf der nächsten Seite fort.
Druckvarianten: Genannt werden eine alternative Form des Namens Rātrī und das Wort „Sprache“.
Sechster Verehrungskreis und Abschluss
Fortsetzung der Waffenliste: Auf pāṃ für die Schlinge folgen kroṃ für den Elefantenhaken, gaṃ für die Keule und śaṃ für den Dreizack; jede Formel endet mit Namaḥ. Damit ist der sechste Verehrungskreis abgeschlossen.
Nach den Gaben von Speise bis zum kreisenden Licht und zu den Blumenhänden folgen drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra und Japa nach Vermögen. Mit der nur durch „Guhyāti …“ bezeichneten Formel wird die Frucht des Japa dargebracht. Die Richtungshüter erhalten Bali mit den zuvor genannten Mantras.
Es werden 44.000 Rezitationen, verbunden mit der doppelten Zahl an Gāyatrī-Rezitationen, vorgeschrieben. Ein Zehntel wird als Homa vollzogen, mit Sesam, Senf, Citramūla, Brennhölzern von Udumbara, Plakṣa und Aśvattha sowie mit Ghee bestrichener Opferspeise. Damit gilt das Puraścaraṇa als vollzogen und die Berechtigung zur Anwendung des Āgneyāstra, der Feuerwaffe, als erworben. Dies ist die traditionelle rituelle Befähigungsordnung des Textes.
Die Feuer-Mantra-Lehre aus der Śāradā-Tradition
Der Druck verweist auf die Śāradā mit einer als 22.35 gelesenen Stellenangabe. Die zitierte Reihe beginnt hier erneut mit 1; sie erhält das Kürzel JSQ.
22.JSQ.1: Nun werde ich den Feuer-Mantra erklären, der alle Ziele verwirklichen soll. Als Seher dieses großen Mantras gilt Kaśyapa, der von Marīci abstammt.
22.JSQ.2: Das Versmaß ist Triṣṭubh, die Gottheit Agni Jātavedas. Mit neun, sieben, sechs, sieben, dann acht …
22.JSQ.3: … und sieben Grundmantralauteinheiten wird die Einsetzung der sechs Glieder erklärt. An großen Zehen, Fußgelenken, Unterschenkeln, Knien und beiden Oberschenkeln …
22.JSQ.4: … an Achselregionen, der als Andhu bezeichneten Stelle, Nabel, Herz, Brüsten, beiden Seiten, Rücken, Schultern, Mitte, Armansätzen und Oberarmen …
22.JSQ.5: … an Ellenbogen, Unterarmen, Handgelenken und Handflächen, an Mund, Nase, Augen, Ohren, Stirn, Kopfinnerem und Scheitel …
22.JSQ.6: … setzt der Mantra-Übende die aus dem Mantra hervorgehenden Laute der Reihe nach ein. Am Scheitelbüschel, an Stirn, Augen, Ohren, Lippen, Zähnen und Nase …
22.JSQ.7: … ferner an Hals, Armen, Herz, Bauch, Hüftregion, verborgenem Körperbereich, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen werden die Wortgruppen des Mantras eingesetzt.
Unnummerierter Verweis: Für die Meditation steht nur der Anfang „Leuchtend wie eine Kette von Blitzen …“; gemeint ist die bereits zuvor angeführte Dhyāna-Strophe.
22.JSQ.8: Der weitblickende Übende rezitiert den Mantra tausendmal für jeden seiner Laute. Danach folgt das Opfer mit Sesam, Siddhārtha-Senf, Citramūla und guten Brennhölzern …
22.JSQ.9: … von milchsafthaltigen Bäumen, mit Ghee und in Ghee getränkter Opferspeise. Vierundvierzig, dazu vierhundert …
22.JSQ.10: … und viertausend Gaben werden dem verehrten Opferfeuer dargebracht. Das Maṇḍala ist Sarvatobhadra; seine Mitte trägt ein Sechseck.
Zahlenhinweis: Die Verse 9–10 ergeben in dieser Druckfassung 4444 Gaben. Die vorangehende Prosa fordert dagegen ein Zehntel von 44.000, also 4400. Die Abweichung bleibt sichtbar.
22.JSQ.11: Nach dem anschließend beschriebenen Verfahren wird der Sitz der Göttin verehrt. Es folgen Jayā, Vijayā, Bhadrā und Bhadrakālī …
22.JSQ.12: … Sumukhī, Durmukhī, Vyāghramukhī, Siṃhamukhī und Durgā: Diese neun Śaktis werden verehrt.
22.JSQ.13: Der Lehrer gibt den Sitz mit dem genannten Löwen-Mantra. Nach dem Praṇava folgen die Worte „demjenigen, dessen Krallen und Fangzähne Vajra-Waffen sind“ …
22.JSQ.14: … „dem großen Löwen“, die Schutzpanzer- und Waffenabschlüsse sowie die Verneigung. So wird der Löwen-Mantra erklärt. Man stellt die Gestalt geistig her, ruft die Gottheit mit dem Grundmantra in sie herbei und verehrt sie.
22.JSQ.15: Die sechs Glieder werden wie zuvor auf den Staubfäden verehrt; außerhalb folgen die aus den genannten acht Wortgruppen hervorgehenden Gestalten. Die erste Wortverbindung der zweiten Vershälfte ist nicht sicher lesbar.
22.JSQ.16: Jātavedas, Saptajihva, Havyavāhana, die als Aśvodaraja bezeichnete Gestalt und Vaiśvānara …
22.JSQ.17: … Kaumāratejas, Viśvamukha und Devamukha. Dann werden Erde, Wasser, Feuer und Wind mit der Endung „Ātman“ und Namaḥ angerufen …
22.JSQ.18: … in den vier Richtungen; in den Zwischenrichtungen ihre Kalās. Im Osten beginnend werden die mit Jāgarā anfangenden Śaktis mit den zugehörigen Lauten verehrt.
22.JSQ.19: Jāgarā, Tapanā, Vedagarbhā, Dahanarūpiṇī, Sendukhaṇḍā, Sumbhahantrī und Nabhaścāriṇī …
22.JSQ.20: … Vāgīśvarī, Mandavāhā, Somarūpā, Manojavā, Marudvegā, Rātrī, Tīvrakopā und Yaśovatī …
22.JSQ.21: … Toyātmikā, Nityā, Dayāvatī, Hāriṇī, Tiraskriyā, Vedamātā und danach Damanapriyā …
22.JSQ.22: … Samārādhyā, Nandinī, Parākī, Ripumardinī, Ṣaṣṭhī, Daṇḍinī, Tigmā, Durgā und Gāyatrī. Die Reihe wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Lesungs- und Variantenhinweis: Die Versfassung nennt unter anderem Sumbhahantrī, Mandavāhā und Parākī, während die vorangehende Prosa anders beziehungsweise unsicher gelesen wurde. Der Apparat verzeichnet außerdem „Mandavahā“ und „Madana“. Die voneinander abweichenden Textvorkommen bleiben unterscheidbar.
Abschluss der 44 Śaktis
22.JSQ.23: Niravadyā, Viśālākṣī, Śvāsodvāhā, Nādinī, Vedanā, Vahnigarbhā und Siṃhavāhā …
22.JSQ.24: … Dhuryā, Durviṣayā, Riraṃsā, Tāpahāriṇī, Tyaktadoṣā und Niḥsapatnā: Es sind vierundvierzig.
22.JSQ.25: Danach werden die Weltenhüter mit ihren Waffen beginnend mit dem Vajra verehrt. Wenn dieser Mantra durch Japa und die übrigen Schritte verwirklicht ist, gilt der ausgezeichnete Übende …
Unnummerierter Halbvers: … als zur Feuerwaffe befähigt. Ihr Verfahren wird nun erklärt. [Die zweite Hälfte fehlt im Druck.]
Āgneyāstra: die umgekehrte Mantrafolge
Die folgende Passage beschreibt ein historisches feindschädigendes Ritual. Sie wird als Textaussage wiedergegeben und nicht als heutige Anwendung empfohlen.
Unnummerierte Zweckbestimmung: „Zum Śrī-Āgneyāstra-Mantra: Seher ist Kaśyapa, Sohn Marīcis; Versmaß Triṣṭubh; Gottheit Ugrakṛtyā. Die Anwendung im Japa dient der Vernichtung des Feindes.“
Nach Reinigung der Hände mit dem rückwärts gesprochenen Mantra werden dessen umgekehrte Gruppen den sechs Gliedern in rückläufiger Reihenfolge zugewiesen: Waffe, drei Augen, Schutzpanzer, Scheitelbüschel, Haupt und Herz. Die Abschlüsse lauten entsprechend astrāya phaṭ, netratrayāya vauṣaṭ, kavacāya huṃ, śikhāyai vaṣaṭ, śirase svāhā und hṛdayāya namaḥ.
Die davorstehenden rückwärts gesetzten Lautgruppen sind im Druck teilweise schwer unterscheidbar. Sie sind in den Sanskritfassungen drucknah erhalten; aus ihnen wird hier keine sicher rezitierbare Gesamtformel konstruiert.
Auch Buchstaben- und Wort-Nyāsa werden umgekehrt vollzogen. Die Meditation erfolgt nach der Unterweisung des Gurus. Der rückläufige Mantra wird 44.000-mal rezitiert, verbunden mit der doppelten Zahl an Brahmāstra-Rezitationen. Das Homa umfasst ein Zehntel dieser Zahl mit in Pañcagavya gekochtem Caru. Dadurch soll die Verwirklichung der Astra erreicht werden.
22.JSQ.26: [Die erste Vershälfte fehlt.] Der rückwärts ausgesprochene Mantra wird Āgneyāstra genannt.
22.JSQ.27: Seher und die weiteren Zuordnungen entsprechen den zuvor genannten. Die sechs Glieder werden in umgekehrter Reihenfolge eingesetzt.
22.JSQ.28: Buchstaben- und Wort-Nyāsa werden rückläufig vollzogen. Die unterschiedlichen Meditationen sollen ausschließlich durch die Unterweisung des Gurus verstanden werden.
22.JSQ.29: Die Japa-Anordnung entspricht der vorherigen. In der zuvor genannten Zahl wird gut in Pañcagavya gekochtes Caru geopfert, um die Verwirklichung zu erlangen.
22.JSQ.30: Die Verehrung geschieht wie zuvor, die Śaktis jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Der Lehrer soll überall die doppelte Zahl an Gāyatrī-Rezitationen vollziehen. Die Prosa spricht zuvor von Brahmāstra, dieser Vers von Gāyatrī; die beiden Bezeichnungen bleiben sichtbar.
22.JSQ.31: Grausame Handlungen werden dem rückläufigen Verfahren zugeordnet; besänftigende und stärkende Handlungen der gewöhnlichen Reihenfolge.
22.JSQ.32: Bei der Anwendung werden die acht Abschnitte rückwärts rezitiert. Durch dieses Verfahren gilt der Mantra anschließend als wirksam gemacht.
Die acht Abschnitte und ihre Bedeutungen
22.JSQ.33: Der mit „gni“ beginnende fünflautige Abschnitt verkörpert die Erkenntnisorgane. Ein weiterer fünflautiger Abschnitt, mit „dhu“ beginnend, verkörpert die Handlungsorgane.
22.JSQ.34: Der dritte, mit „śva“ beginnende fünflautige Abschnitt besteht aus den fünf Elementen. Der vierte, mit „tya“ beginnende siebenlautige Abschnitt verkörpert die Körperbestandteile. Die Bezeichnung des Anfangslauts ist gegenüber der vorangehenden Liste nicht völlig eindeutig.
22.JSQ.35: Der fünfte, mit „daḥ“ beginnende sechslautige Abschnitt besteht aus den Wogen des Daseins. Der mit „to“ beginnende sechslautige Abschnitt verkörpert die sechs körperlichen Hüllen beziehungsweise Bestandteile.
22.JSQ.36: Der nächste fünflautige Abschnitt beginnt mit „so“ und besteht aus den Sinnesqualitäten, beginnend mit Klang. Der achte beginnt mit „se“, umfasst fünf Laute und wird der Sprache und den zugehörigen Kräften zugeordnet.
22.JSQ.37: So wird die Einteilung der Abschnitte durch ihre Verbindung mit den Tattvas erklärt. Aus den einzelnen Lauten jedes Abschnitts entstehen entsprechend viele Lautgottheiten.
22.JSQ.38: Sie gleichen der Hauptgestalt und strahlen im Licht der jeweils eigenen Laute. Mit flammendem Haar und Gesicht, furchterregenden Fangzähnen, nehmen sie die Angst.
22.JSQ.39: Die aus den Sinnesorganen hervorgehenden Gottheiten blicken nach oben; die aus dem Elementabschnitt hervorgehenden haben seitwärtsgewandte Gesichter.
22.JSQ.40: Die aus den Lauten der Körperbestandteile hervorgehenden sind mit nach beiden Seiten gerichteten Gesichtern geschmückt. Die aus den Wogen des Daseins hervorgehenden blicken nach oben, die aus den Hüllen hervorgehenden seitwärts.
22.JSQ.41: Diese werden als geschlechtsneutral bezeichnet. Die aus den Sinnesgegenständen hervorgehenden sind weiblich. Abwärts- und seitwärtsgewandte Gesichter werden für diese Lautgottheiten genannt.
22.JSQ.42: Bei friedlichen Handlungen sind sie zugewandt, bei den anderen abgewandt. Aus ihnen gehen unzählige weitere Gottheiten mit flammenden Gesichtern hervor …
22.JSQ.43: … durch die der Mantra-Übende nach der Vorstellung des Textes das Reich des Feindes samt Bergen und Wäldern verbrennen soll. Die Astra-Anwendung wird unter den als „menschlich“ bezeichneten Mondhäusern begonnen.
Druckvarianten: Der Apparat bietet eine verkürzte Namensendung, „gelesen“ und „vom Laut so aus“.
Zeitordnung der historischen Astra-Rituale
22.JSQ.44: Die Anwendung erfolgt unter den als asurisch bezeichneten Sternen, die Rücknahme unter den göttlichen. Als menschlich gelten die drei Pūrva- und drei Uttara-Mondhäuser, außerdem Bharaṇī, Ārdrā und Rohiṇī …
22.JSQ.45: … so erklären es die Wissenden. Jyeṣṭhā, Śatabhiṣaj, Mūla, Dhaniṣṭhā, Āśleṣā und Kṛttikā …
22.JSQ.46: … Citrā, Maghā und Viśākhā gelten als rākṣasische Mondhäuser. Aśvinī, Revatī, Puṣya, Svātī, Hasta und Punarvasu …
22.JSQ.47: … Anurādhā, Mṛgaśiras und Śravaṇa gelten als göttliche. An Nandā-Mondtagen wird begonnen; an Riktā-Tagen wird die Astra ausgesandt.
22.JSQ.48: An Bhadrā-Tagen wird sie zurückgeholt; Jayā-Tage gelten als besonders günstig. Als Wochentag für den Beginn wird Dienstag, für die Aussendung Samstag genannt.
22.JSQ.49: Die Rücknahme geschieht am Donnerstag oder Freitag. Aussendung und Rücknahme werden in den beiden Mondhälften mit Bezug auf die Sonne vollzogen. Die genaue Bedeutung dieser Sonnenzuordnung wird hier nicht weiter erklärt.
22.JSQ.50: Begonnen wird unter festen Tierkreiszeichen, ausgesandt unter beweglichen. Unter den zweifachen Zeichen wird die Astra zurückgenommen.
22.JSQ.51: In der dunklen Mondhälfte wird die Astra mit Feuer ausgesandt; in der hellen wird sie mit dem Mond der Ordnung gemäß wieder in das eigene Selbst zurückgeführt.
Feindschädigende Anwendungen in der Überlieferung
Die folgenden Verse beschreiben historische magische Zuschreibungen, überwiegend an rituelle Figuren und symbolische Handlungen. Sie werden nicht als heutige Praxis oder als nachgewiesene Wirkung dargestellt.
22.JSQ.52: Die Handlungen werden mit dem Gesicht nach Westen vollzogen. Stücke des zugehörigen Mondhaus-Baums werden mit Zielname und Ritualzweck verbunden …
22.JSQ.53: … sowie mit den jeweiligen Mantralauten. In der Zahl der Mantralaute werden sie im angefachten Feuer geopfert, um nach der Vorstellung des Textes den Feind zu töten.
22.JSQ.54: Von der achten bis zur vierzehnten Nacht der dunklen Mondhälfte werden Brennhölzer aus den als Dhattūra, Viṣavṛkṣa und einer weiteren Baumbezeichnung genannten Pflanzen verwendet …
22.JSQ.55: … verbunden mit Senf und Sesam, jeweils siebentausend Gaben. Der Ausführende soll sich dabei beherrschen; dem Feind wird der Gang in Yamas Stadt, also der Tod, zugeschrieben. Die zusammengesetzte Baumbezeichnung des vorhergehenden Verses ist nicht vollständig sicher lesbar.
22.JSQ.56: Für sieben Nächte nennt der Text Pfeffer mit Siddhārtha-Öl, unter Ārdrā und zur Viṣṭi-Zeit mit diesem Mantra geopfert …
22.JSQ.57: … wodurch der Feind von einem Fieber ergriffen werden soll, das dem Feuer am Weltende gleicht. Sodann wird der Feindname vorschriftsgemäß auf ein Palmblatt geschrieben …
22.JSQ.58: … vom Āgneyāstra-Mantra umgeben und in der Mitte der Feuergrube niedergelegt. Ein zornig vollzogenes Pfefferopfer soll ihn mit Fieber schlagen.
22.JSQ.59: Wird das Blatt herausgenommen und in kaltes Wasser gelegt, soll die Person gefügig werden. Danach nennt der Text zerstoßene Apāmārga-Samen, verbunden mit Pfeffer und Honig …
22.JSQ.60: … die in sehr heißem Salzwasser gekocht werden. Auf Herz, Mund und Nase einer Figur aus dem zugeordneten Mondhaus-Baum …
22.JSQ.61: … wird davon jeweils ein wenig Wasser mit einem Kāraskara-Löffel gegeben, während der Āgneya-Mantra gesprochen wird. Dem Feind wird baldiges Fieber zugeschrieben.
22.JSQ.62: Wird die Figur in das kochende Wasser gelegt, soll der Feind mühelos getötet werden. Eine weitere Feindfigur wird mit scharfem Öl bestrichen und nachts …
22.JSQ.63: … im angefachten Feuer erhitzt, während der rückläufige Mantra rezitiert wird. Unmittelbares Fieber und Tod nach einem Monat werden behauptet.
22.JSQ.64: Eine Figur aus dem Baum des Mondhauses der Zielperson wird in gekochtes Meerwasser mit Hiṅgu, Viṣa und Jīraka gegeben …
22.JSQ.65: … mit dem Gesicht nach unten. Mit einem Stab aus Viṣataru wird ihr Kopf berührt beziehungsweise geschlagen, während die Astra rückwärts rezitiert wird.
22.JSQ.66: Dem Feind wird nach sieben Tagen der Tod durch Fieber zugesprochen. Der folgende Halbvers verbindet den Sonnenwagen, einen Nāga-Herrscher, dessen Kopf beziehungsweise Feuer und Gift zu einem nicht sicher auflösbaren Meditationsbild.
22.JSQ.67: Der eigene Feind wird nackt, mit Öl bestrichen, von Sonnenstrahlen verbrannt und mit dem Gesicht nach unten vorgestellt. Mit gekochtem Wasser …
22.JSQ.68: … wird er rituell erhitzt, während der Ausführende zur Sonne blickt; der Feind soll dem Tod verfallen. Danach wird die Göttin mit Stößel und Dreizack, dunkel wie eine schwere Regenwolke betrachtet …
22.JSQ.69: … und ein Opfer aus Kārpāsī-Samen und Nimba-Blättern mit Schaf-Ghee beschrieben. Durch diese Astra sollen Feinde untereinander entzweit werden.
22.JSQ.70: Durgā wird furchterregend, mit drohendem Zeigefinger und Dreizack betrachtet. Genannt werden junge Viṣavṛkṣa-Blätter, in Büffel-Ghee getränkt; die Beschreibung setzt auf der folgenden Seite fort.
Druckvarianten: Der Apparat bietet unter anderem „Zuflucht nehmen“, „beschrieben“, „der Mantra-Übende“, „wird vergraben“ und „benetzt“.
Fortsetzung der historischen Anwendungen
22.JSQ.71: Das zuvor beschriebene Opfer soll das feindliche Heer augenblicklich vertreiben. Danach wird die bereits genannte Göttin betrachtet; das folgende Opfer verbindet Pfeffer mit den als „vier“ bezeichneten Bestandteilen …
22.JSQ.72: … und Ziegenblut und wird drei Tage lang vollzogen. Der Text verspricht die sichere Vertreibung des feindlichen Heeres. Welche vier Bestandteile Vers 71 meint, ist an dieser Stelle nicht eindeutig angegeben.
22.JSQ.73: Durgā wird mit Schwert und Dreizack betrachtet, flammend wie das Feuer am Weltende. Es folgen mit Senföl bestrichene pflanzliche Opferstoffe …
22.JSQ.74: … deren Opfer die Feinde verwirren soll; alternativ werden Pfeffer und Senf genannt. Danach wird Durgā schwarz wie dunkle Augenschminke, mit Dreizack und Schwert vergegenwärtigt. Die genaue Stoffbezeichnung in Vers 73 ist unsicher.
22.JSQ.75: Brennhölzer des zugehörigen Mondhaus-Baums, mit dem Öl des Vraṇavṛkṣa benetzt, werden geopfert; dem Feind wird Tod nach einem Monat zugeschrieben.
22.JSQ.76: Durgā sitzt auf dem Löwen und eilt dem fliehenden Feind nach. Von ihrem Bogen löst sie Pfeile, von Feuerflammen umgeben …
22.JSQ.77: … während der Übende ihrer gedenkt und mit heißem Wasser Tarpana vollzieht. Beim Blick auf die Sonnenscheibe soll dies den Feind vertreiben.
Besondere Durgā-Gestalten
22.JSQ.78: Atidurgā wird mit Eisenstab und Keule betrachtet, leuchtend wie eine Kette von Blitzen. Die folgenden Gaben werden mit Büffel-Ghee benetzt …
22.JSQ.79: … Pulāka-Körner, Nimba- und Vaibhītaka-Brennholz oder Kodrava. Damit soll das feindliche Heer zum Stillstand gebracht werden.
22.JSQ.80: Die rote Gāṇadurgā wird mit Schlinge und Elefantenhaken und ihrem Mantra vergegenwärtigt. Salz mit süßen Stoffen wird im Feuer aus dem Mondhaus-Holz der Zielperson geopfert …
22.JSQ.81: … nachts; nach sieben Tagen soll der Mantra-Übende Könige beeinflussen. Danach wird die rote Viśvadurgā mit Schlinge und Elefantenhaken betrachtet.
22.JSQ.82: Wer nachts aufgeblühte Phalinī-Blumen, mit Sandelwasser besprengt, opfert, dem soll nach dem Text die Welt gefügig werden.
22.JSQ.83: Sindhudurgā wird strahlend wie der Herbstmond betrachtet, höchsten Nektar verströmend, mit Schlinge und Elefantenhaken in den Händen.
22.JSQ.84: Ein Opfer mit guten Vetasa-Brennhölzern, von süßen Stoffen benetzt, soll Regen bewirken. Die nächste Gestalt trägt Schädelschale, Dreizack, Schlinge und Elefantenhaken …
22.JSQ.85: … Agnidurgā, rot wie eine Hibiskusblüte. Durch das Opfer einer Salzfigur mit den drei süßen Stoffen …
22.JSQ.86: … soll der Mantrakenner die gewünschten Zielpersonen anziehen. Der als Triṣṭubh bezeichnete Mantra für Atidurgā beginnt nach dieser Erklärung mit „ati“ und endet mit Phaṭ.
22.JSQ.87: Gāṇidurgā wird mit einem bei „gāṇi“ beginnenden und bei „durgāṇi“ endenden Abschnitt verbunden. Viśvadurgā beginnt bei „viśva“ und endet beim Laut „ti“.
22.JSQ.88: Sindhudurgā beginnt bei „sindhu“ und endet bei „va“. Die Wissenden nennen die mit „agni“ beginnende und bei „ti“ endende Form Agnidurgā.
Hinweis zu den Formeln: Die Verse beschreiben Ausschnitte beziehungsweise Umordnungen des Mantras, ohne hier alle Fassungen auszuschreiben. Die Bezeichnungen Gāṇa/Gāṇi sowie Ati/Agni schwanken im Druck. Daraus werden keine geglätteten Vollformeln ergänzt.
Abwehr und rituelle Speise
22.JSQ.89: Vor sich bereitet der Übende einen Opferplatz und verehrt die Göttin täglich mit wohlriechenden Blumen und anderen Gaben nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.
22.JSQ.90: Nachts wird für das Gelingen Bali aus Caru dargebracht. Dem Verfahren wird die Vernichtung von Kṛtyā-Schadenszauber, Krankheiten, feindlichen Grahas und Bhūtas zugeschrieben.
22.JSQ.91: Nachdem das Feuer ordnungsgemäß mit schönen Duft- und Blumengaben verehrt wurde, bleibt der Mantra-Übende davor und rezitiert mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
22.JSQ.92: Der so rezitierte Mantra soll das Erwünschte bewirken. Mit dem Gesicht nach Westen werden Salzgaben dargebracht, von süßen Stoffen benetzt …
Unnummerierter Vers; Nummer 93 fehlt: … in der Zahl der Mantralaute, um den Feind unter den eigenen Einfluss zu bringen. Danach werden Śāli-Reiskörner gewaschen, gereinigt und zu sauberen geschälten Körnern bereitet.
22.JSQ.94: Im rituell bereiteten Opferfeuer wird Caru in Pañcagavya gekocht, während der Mantra rezitiert wird. Anschließend wird die Speise vom Feuer genommen. Das einleitende Sanskritwort ist beschädigt; der folgende Ablauf ist lesbar.
22.JSQ.95: Mit klarem Geist wird die Göttin im Feuer wie zuvor verehrt. Achttausend Gaben dieses Caru mit Ghee werden geopfert.
22.JSQ.96: Das bezeichnete Opfermaterial wird in einem Gefäß aufgefangen und der betreffenden Person zu essen gegeben. Der Rest wird an der Tür, das als Saṃpāta bezeichnete Material im Hof vergraben.
22.JSQ.97: Schadenszauber und Krankheiten sollen zusammen mit Beeinträchtigungen durch Bhūtas und Grahas verschwinden. Eine von anderen ausgesandte Kṛtyā soll sich gegen ihre Urheber wenden. Diese Aussagen beschreiben historische rituelle Vorstellungen, keine bestätigten Heilwirkungen.
Druckvarianten: Der Apparat nennt unter anderem „benetzt“, „Agni“, „Mantra“ sowie mehrere abweichende Formulierungen zu Anziehung und Rezitation.
Schutzsand und abschließendes Yantra
22.JSQ.98: Reis, der als Nīvipā bezeichnete Stoff, Wasser und gute Brennhölzer milchsafthaltiger Bäume werden genannt, mit Ghee und den drei süßen Stoffen verbunden, jeweils tausend Opfergaben …
22.JSQ.99: … wodurch der Übende sicher zu einer Stätte des Wohlergehens werden soll. Wenn die Sonne im Widder steht, an einem geeigneten Tag …
22.JSQ.100: … badet der Mantrakenner vorschriftsgemäß in einem Fluss, der ins Meer fließt. Er entnimmt Sand, säubert ihn und reinigt ihn nochmals.
22.JSQ.101: Der Sand wird mit Pañcagavya verbunden und im rituell bereiteten Feuer unter Mantra-Rezitation geröstet, mit einem Löffel aus Brahmataru-Holz.
22.JSQ.102: Als Zeitangaben folgen die Sonne in Löwe, Widder oder Schütze, der achte Tag der dunklen Mondhälfte und die Mondhäuser Viśākhā, Kṛttikā, Mūla, Hasta, die Uttara-Gruppe und Maghā …
22.JSQ.103: … ferner Rohiṇī und Śravaṇa. Die Wochentage Saturns und Jupiters, also Samstag und Donnerstag, werden ausgenommen; an den anderen soll der Sand eingesetzt werden. Die genaue syntaktische Reichweite der Zeitangaben in beiden Versen ist nicht völlig eindeutig.
22.JSQ.104: Zum Schutz von Haus, Dorf und Land wird der glückverheißende Sand in den Maßen Prastha, Āḍhaka oder Ghaṭa bereitgestellt und in Gruben, beginnend mit der Mitte …
22.JSQ.105: … insgesamt neun, nach der Rezitation eingebracht. Dort verehrt der Lehrer der Reihe nach in der Mitte die Göttin und ringsum ihre Waffen bis zur Schädelschale.
22.JSQ.106: Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schädelschale werden jeweils mit dem eigenen Mantra verehrt. Zum Abschluss wird Bali dargebracht.
22.JSQ.107: Die Mondhäuser, Grahas, Tierkreiszeichen und Weltenhüter erhalten Bali. Wo dieser Schutz eingerichtet wird, soll Wohlergehen zunehmen.
22.JSQ.108: Fieber, Grahas, schwere Krankheiten, Diebe, Bhūtas und kriechende Tiere sollen durch dieses Verfahren verschwinden; daran lässt der Text keinen Zweifel gelten. Dies sind überlieferte Schutz- und Heilszuschreibungen.
22.JSQ.109: Gereinigter Sand in einem durch die nicht sicher lesbare Verbindung „Vikāra-Kuḍava“ bezeichneten Maß wird mit Pañcagavya in ein Gefäß aus Brahmavṛkṣa-Holz gegeben …
22.JSQ.110: … und vorschriftsgemäß aufgestellt. Dort soll der Wohlstand Tag für Tag wachsen; zugleich mit Kāla, Viṣṭi und den weiteren Störungen …
22.JSQ.111: … sollen große Unheilszeichen, Kṛtyā-Angriffe und schwere Graha-Bedrängnisse verschwinden. Auch Caru aus den Kuhprodukten wird nach diesem Verfahren zur rituellen Aufstellung bereitet.
22.JSQ.112: Genannt werden ein Prastha Kuhurin und halb so viel Kuhdungwasser. Wasser wird in gleicher Menge wie Ghee angegeben, Dickmilch in dreifacher Menge des Kuhurins.
22.JSQ.113: Ghee entspricht der Menge des Kuhurins; alternativ werden alle Bestandteile in gleicher Menge genannt. Die Kühe sollen kapilafarben, weiß, dunkel, rauchfarben und rötlich sein.
22.JSQ.114: Sind solche Kühe nicht verfügbar, werden alle anderen zugelassen; alternativ können sämtliche Bestandteile von einer Kapilā-Kuh stammen. Auf einer Tafel aus Brahmaśākhin-Holz mit neunundvierzig Feldern …
22.JSQ.115: … werden die Eckfelder ausgelassen. Der mit Śakti beginnende Jātavedas-Mantra wird geschrieben, und in den Feldern, mit der Mitte beginnend, wird die zugehörige Gottheit verehrt.
22.JSQ.116: Nach Homa und dem dazugehörigen Saṃpāta wird die Tafel wie zuvor vergraben. Bali wird nach dem bereits beschriebenen Verfahren dargebracht; die Früchte entsprechen den zuvor genannten.
22.JSQ.117: In die Mitte kommt Māyā, in die acht umgebenden Felder kommen die acht Mantraabschnitte, umschlossen von den Mātṛkā-Lauten und im Erdquadrat angeordnet. Dieses Yantra soll Beeinträchtigungen durch Bhūtas vernichten, Schutz, langes Leben, Wohlergehen und guten Ruf schenken.
22.JSQ.118: Wer durch den Guru unterwiesen ist und Aussendung und Rücknahme des Āgneyāstra kennt, dem sollen die drei Welten unterstehen.
Quellenhinweis zu den Schlussversen: Einzelne Stoff- und Maßbezeichnungen bleiben unsicher. Vers 112 liest ausdrücklich „Wasser“, nicht „Milch“; eine geläufige andere Zusammensetzung wird nicht eingesetzt. Die Angaben zu Kuhprodukten sind Bestandteil des historischen Ritualtextes und keine heutige Ernährungsempfehlung.
Druckvariante: Der Apparat bietet „beständig in reichlichem Wasser“.
Kolophon des zweiundzwanzigsten Śvāsa
Damit endet der zweiundzwanzigste Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrī Vidyāraṇyayati, dem Schüler Śrī Pragalbhācāryas, in der hier genannten Schülerfolge über Śrī Viṣṇuśarmācārya und Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya zu dem hochverehrten Mahāmahopādhyāya Śrī Govindācārya.
Die Schülerfolge wird als Aussage des Kolophons wiedergegeben. Sie ist damit nicht unabhängig historisch datiert.
23. Śvāsa
Dināstra und Kṛtyāstra: historische Feindrituale
Textgrundlage: Uttarārdha, Druckseite 199 (PDF-Index 227). Die folgenden Aussagen gehören zu historischen magischen Schädigungsritualen. Ihre behaupteten Wirkungen werden als Aussagen der Quelle übersetzt. Die fortlaufende Zitatreihe erhält das Kürzel DK; die Zählung des Druckes bleibt erhalten.
Es beginnt der dreiundzwanzigste Śvāsa. Ferner heißt es; der Druck setzt den Verweis „22.1“ hinzu:
23.DK.1: Nun werde ich die Tageswaffe und die Kṛtyā-Waffe erläutern, die den Feind zermalmen sollen. Die besten Mantrakenner nennen den Atidurgā-Mantra „Tageswaffe“.
23.DK.2: Diesen Mantra in umgekehrter Folge nennen sie Kṛtyā-Waffe. Die sechs Glieder und die weiteren Bestandteile der Tageswaffe kennen sie in umgekehrter Anordnung.
Unnummerierte Erläuterung: Gemeint ist der Atidurgā-Mantra, beginnend mit „ati durgāṇi“ und endend mit „parṣat“. Zur Umkehrung gibt die Glosse eine rückläufige Zeichenfolge an, deren Drucklesung hier nicht sicher ist. Bei „Tageswaffe“ sei „Kṛtyā-Waffe“ zu ergänzen. Die sechs umgekehrt gesprochenen Glieder seien wie bei der Feuerwaffe zu verstehen. „Und die weiteren“ verweist auf die umgekehrte Anordnung beim Buchstaben-Nyāsa, Wort-Nyāsa und der Verehrung der Buchstabenkräfte. Dazu beschreibt die Glosse eine Folge vom fünften Anfangsbuchstaben bis zum Mantrabuchstaben; die genaue Gliederung ist nicht eindeutig. Sie grenzt dies ausdrücklich von einer einfachen Umkehrung des gesamten Triṣṭubh-Mantras ab. Eine scheinbar gesicherte vollständige Umkehrformel wird deshalb nicht ergänzt.
23.DK.3: Der Verständige stelle sich das in der Sonnenscheibe befindliche, von Gift getroffene [Bezugswort śumbhabhaucakaṃ nicht sicher verständlich] vor, von der aus der Wurzel aufgestiegenen Kuṇḍalī verschlungen …
23.DK.4: … und werfe es sogleich in das im Mūlādhāra auflodernde Feuer der Zeit beziehungsweise des Todes. Der Feind werde nach drei Tagen von Fieber befallen und gehe in Yamas Stadt. Eine Variante formuliert stattdessen: „Der Feind gibt seine Lebenskräfte auf.“
23.DK.5: Den im Svādhiṣṭhāna befindlichen Feind, dessen Körper durch die Tageswaffen [unsichere Lesung] betroffen ist und im durch die fünf Lebenswinde angefachten Feuer verbrennt …
23.DK.6: … soll er betrachten und dabei den Mantra wiederholen. Sogleich werde jener ein Liebling Yamas. Den im Maṇipūra befindlichen Feind, dessen Körper im Feuer aufleuchtet …
23.DK.7: … soll er betrachten und die Tageswaffe wiederholen; jener werde dem Tod zur Beute. Der im Anāhata untergebrachte Feind werde vom Mantrafeuer völlig verbrannt …
23.DK.8: … und, mit einer Schlinge gebunden, rasch von Yamas Dienern fortgeführt. Den im Viśuddha-Ort befindlichen Widersacher, vom Tagespfeil gepeinigt …
23.DK.9: … stelle er sich mit nach unten gewandtem Gesicht vor; jener werde innerhalb von drei Tagen leblos. Den im Ājñā befindlichen Feind verbrenne er in Gedanken mit dem Tagesfeuer.
23.DK.10: Jener lasse Söhne, Freunde, Gattin und die übrigen Angehörigen zurück und gehe zum Tod. Im Wasser bis zur Nabelhöhe stehend, betrachte der Praktizierende in der Scheibe des Tagesherrn …
23.DK.11: … den am ganzen Körper verbrannten Feind und wiederhole den Mantra 108-mal. Noch vor Ablauf von sieben Tagen gehe jener in Yamas Welt.
23.DK.12: Beginnend am Dienstag wiederhole er eine Woche lang den Mantra, jeweils von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
23.DK.13: Der Gegner werde von Sannipāta-Fieber ergriffen und von Yama gepackt. Der Mantrin verweile drei Nächte ohne Nahrung im Heiligtum Durgās …
23.DK.14: … und denke dabei an den vom Tagespfeil durchbohrten Widersacher. Er wiederhole diesen Mantra; der Feind bekomme Fieber und gehe in den Tod.
23.DK.15: Durgā berührend, wiederhole er drei Tage ohne Nahrung den Mantra und stelle sich den eigenen Feind aufgespießt und von der Tageswaffe gequält vor.
23.DK.16: Von starkem Fieber ergriffen, werde jener ein Gast Yamas. Den Feind in der Sonnenscheibe, gebissen von den Schlangen am Sonnenwagen …
23.DK.17: … und am ganzen Körper vom Giftfeuer verbrannt betrachtend, vollziehe er mit heißem Wasser die Sättigungsdarbringung unter Verwendung des Tagespfeils. Jener werde ein Liebling Yamas.
Weitere Druckvarianten: Die Fußnoten verzeichnen uddhṛta („emporgehoben“), eine abweichende Wendung mit śara („Pfeil“) und vaśatām („in Abhängigkeit/Gefügigkeit“). Die letzte Variante steht der Lesung „dem Tod zur Beute“ gegenüber. Die genaue erste Zuordnung und einzelne Buchstaben der Glosse bleiben offen. Sannipāta bezeichnet hier einen vormodernen Krankheitsbegriff; die Übersetzung behauptet keine medizinische Wirksamkeit des Rituals.
Weitere Tagesrituale und Übergang zu Nachtritualen
Druckseite 200; Fortsetzung derselben historischen Ritualbeschreibung. Die Textlücken des Druckes werden beibehalten.
23.DK.18: Er betrachte den Feind, dessen Körper von einer aus der Sonnenscheibe kommenden Flamme erfasst wird, und wiederhole den Mantra. Jener spiele dann in Yamas Nähe.
23.DK.19: Der Kenner der Waffe stelle sich den eigenen Feind in der vom „Ergreifer“ verschlungenen Sonnenscheibe vor, von Mantrapfeilen durchbohrt, und wiederhole zehntausendmal. Gemeint ist das Bild einer Sonnenfinsternis.
23.DK.20: Yamas Bote führe den Feind rasch in Yamas Haus. [Es folgt eine Beschreibung der Göttin:] wie eine zweite Kālarātrī, dem Feuer der Weltauflösung gleich …
23.DK.21: … schrecklich, Dreizack und Schlinge tragend, auf der Schulter eines Löwen sitzend, im Inneren der Sonnenscheibe befindlich, mit den aus ihren drei roten Augen hervorgehenden …
23.DK.22: … Funken den verstörten Feind verbrennend, mit deutlich sichtbaren Fangzähnen und einem durch bewegte Brauen furchtbaren Gesicht …
23.DK.23: … den eigenen Feind mit dem drohenden Zeigefinger bedrohend, durch das Strahlengeflecht ihrer Fangzähne die Himmelsrichtungen erhellend …
23.DK.24: … furchterregend, mit dem Dreizack die Brust des Widersachers aufreißend: [So betrachtet] wiederhole der Mantrin drei Tage lang; er töte damit, so der Text, seinen Feind.
23.DK.25: Nach dem Nyāsa mit dem Waffenmantra, strahlend wie das Feuer der Weltauflösung, [betrachte er die Göttin,] rote Gewänder tragend, zornig, mit drei roten Augen …
23.DK.26: … auf einem Löwen reitend, dem fliehenden Feind nachjagend, mit dem Schwert dessen Kopf abschlagend und sogleich zum Himmelsraum aufsteigend.
23.DK.27: Durgā so betrachtend, wiederhole er drei Tage ohne Nahrung den Mantra. Durch eben diese Vorschrift werde der Feind dem Tod lieb.
Unnummerierter Halbvers: Diese Handlungen soll er am Tag ausführen, nicht in den Nächten. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Übergang: So weit dies. Nun das nächtliche Ritual.
23.DK.28: [Erster Halbvers fehlt.] Vor einem nach Westen gerichteten Liṅga einen lebenden Büffel …
23.DK.29: … eingrabend und auf dessen Kopf eine dreieckige Feuergrube anlegend, [bringe] der beste Lehrer im darin ordnungsgemäß entzündeten Feuer …
23.DK.30: … vorzügliche Kāraskara-Brennhölzer dar, mit Dreiecken versehen, mit dem Sternzeichen und Namen der Zielperson bezeichnet und mit Ziegenblut benetzt …
23.DK.31: … tausend Stück, während er die Göttin in der Sonnenscheibe betrachtet: schrecklich wie das Feuer der Weltauflösung, mit zweiunddreißig Armen geschmückt …
23.DK.32: … durch erhobene Waffen leuchtend, auf dem Kopf des Gegners tanzend, mit großen Fangzähnen, überaus furchtbar, mit flammendem Haar und brüllendem Mund …
23.DK.33: … mit blutfeuchtem Fleisch am Mund und drei nach oben rollenden Augen. Durch dieses Verfahren werde der Feind von starkem Fieber gequält …
23.DK.34: … und verlasse seinen Körper zusammen mit Söhnen, Freunden und anderen. [Eine weitere Anweisung beginnt:] Der Mantrin hänge eine Schlange oberhalb heißen Wassers auf …
23.DK.35: … und betrachte Durgā in der Sonnenscheibe, tausend Sonnen gleich, mit tausend Händen und Füßen, tausend Augen, Köpfen und Gesichtern …
23.DK.36: … mit tausend Schlangen um den Körper, die drei Welten erschreckend. Mit diesem [Mantra] vollziehe er die Sättigungsdarbringung mit heißem Wasser im Maul der Schlange.
23.DK.37: Von der Schlinge der Zeit beziehungsweise des Todes gebunden, lasse der Feind sein Leben los. [Eine weitere Betrachtung beschreibt die Göttin] zehntausend Mittagssonnen gleich, wie Narasiṃha brüllend …
23.DK.38: … auf einem schrecklichen Löwen sitzend, von äußerst furchtbarem Anblick, mit dem aufgespießten Gegner. Sie so betrachtend, wiederhole er den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
23.DK.39: Drei Tage lang vollziehe er die Sättigungsdarbringung mit heißem Wasser im Schlangenmaul. Der Widersacher gehe in Yamas Welt; daran bestehe, so der Text, kein Zweifel.
23.DK.40: Eine Nachbildung des Feindes [Wortlaut zur Nachbildung unsicher], in der die Lebenskraft rituell eingesetzt wurde, gebe er anschließend vorschriftsgemäß in heißes, mit Gift versehenes Wasser.
23.DK.41: [Er betrachte die Göttin] Sonne und Mond [weiteres Vergleichsglied im Druck unklar] gleich, Schwert und Schild tragend, umgeben von Hunderten Funken aus ihren drei Augen …
23.DK.42: … „körperlos“ [Hauptlesung unsicher; Variante: „mit abgemagertem Körper“], reich mit Schlangen geschmückt, den drei Welten Furcht bereitend, den Gegner mit dem Schwert zerschneidend. So betrachtend, wiederhole er den Mantra zehntausendmal.
Druckvarianten: Außerdem sind yuktā („verbunden/versehen“), samantrārṇān („mit Mantrabuchstaben versehen“), māyām („Māyā“) und dāyinīm („gebend“) verzeichnet. Die letzte Variante verändert den Schluss des Ausdrucks zur Furcht in den drei Welten. Die botanische Bezeichnung Kāraskara wird als historischer Quellenname bewahrt und nicht mit einer heutigen Pflanze identifiziert.
Fortsetzung der historischen Kṛtyā-Rituale
Druckseite 201. Die Quelle beschreibt weitere magische Schädigungsrituale und deren behauptete Folgen. Unklare Stoffnamen bleiben unbestimmt.
23.DK.43: Durch dieses Verfahren werde der Feind vom Tod ergriffen. [Eine weitere Beschreibung beginnt:] Im Heiligtum Durgās eine vorzügliche dreieckige Feuergrube anlegend …
23.DK.44: … und darin Feuer entzündend, [bringe er] eine aus Büffelkuhdung angefertigte Puppe dar, mit Ziegenblut bestrichen und rituell mit Lebenskraft versehen …
23.DK.45: … indem er sie nachts Stück für Stück zerschneidet und mit Ziegenblut opfert. Dabei betrachte er Durgā, die auf der Brust des Büffels tanzt …
23.DK.46: … mit dem Dreizack den Körper des Büffels durchbohrt, schrecklich aussieht, durch unaufhörlich hervorbrechendes lautes Lachen furchtbar ist und von den Göttern verehrt wird …
23.DK.47: … dem Feuer der Weltauflösung gleicht, mit drei rollenden Augen und einer zerbissenen Unterlippe versehen ist und ein durch Fangzähne furchtbares Lotusgesicht besitzt …
23.DK.48: … umgeben von Mädchen, die Schwert und Schild tragen. Durch dieses Verfahren gehe der Feind in Yamas Haus.
23.DK.49: So ist die Tageswaffe als Mittel zur Niederhaltung des Feindes dargelegt. Der beste Mantrakenner führe [nun] die durch die Kṛtyā-Waffe angegebenen Anwendungen aus.
23.DK.50: Die aus dem Ādhāra aufgestiegene Göttin Kuṇḍalī in Schlangengestalt, durch den Hohlraum der Suṣumṇā zum Himmelsraum gelangt …
23.DK.51: … den Feind mit dem Maul ergreifend und zur eigenen Wohnstatt zurückgekehrt, vom lodernden Feuer der Zeit erglänzend: Sie so betrachtend, wiederhole er den Mantra.
23.DK.52: Nach sieben Tagen erlange der verwirrte Feind den Tod. [Die nächste Vorschrift nennt] am Dienstag im Scheiterhaufenfeuer eine mit Senföl vermengte …
23.DK.53: … Kuḍava-Menge Siddhārtha-Samen, die nach dem Japa geopfert werde. Binnen einer Monatshälfte gehe der Feind, von der Flamme der Kṛtyā-Waffe verbrannt, in Yamas Stadt.
23.DK.54: In der Mitternacht des vierzehnten Mondtages verehre der Sādhaka Knochen vom Scheiterhaufen und opfere sie, mit Vraṇatela bestrichen, im Scheiterhaufenfeuer. Die Ölbezeichnung ist nicht sicher erklärt.
23.DK.55: Durch dieses Verfahren gehe der verängstigte Feind in den Tod. [Es folgt] eine aus Spelzen und Knochen hergestellte Nachbildung des Feindes, mit demselben Öl durchtränkt …
23.DK.56: … mit eingesetztem Lebensatem; der Sādhaka zerschneide und opfere sie nachts mit Ziegenblut. Nach einer Woche sterbe der Gegner.
23.DK.57: Er berühre Sand vom Verbrennungsplatz zusammen mit ungebrochenen Reiskörnern und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Diesen Sand streue er in einen Teich oder ein anderes Gewässer. Das durch die Kṛtyā-Waffe „zum Sieden gebrachte“ Wasser …
23.DK.58: … töte nach dem Trinken bald sämtliche Menschen. [Der Text geht zu einem weiteren magischen Verfahren über:] Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, der auf einen Dienstag fällt, wiederhole er [den Mantra] mit Leichenasche …
23.DK.59: … die mit dem Ghee einer Büffelkuh vermengt ist, bilde daraus Kügelchen entsprechend der Zahl der Mantrabuchstaben und versehe diese durch korrektes Japa mit Lebensatem …
23.DK.60: … und opfere sie mit festem Geist im Feuer, das durch Holz vom Scheiterhaufen entfacht ist. Noch vor Ablauf von drei vierzehnten Mondtagen werde der Feind dem Tod lieb.
23.DK.61: Asche vom Verbrennungsplatz und Siddhārtha-Samen gebe er in Pañcagavya. Er denke an die auf dem Büffel befindliche Göttin, strahlend wie das Feuer der Zeit …
23.DK.62: … röste [die Mischung] unter Mantrawiederholung im mit Viṣakāṣṭha bezeichneten Holz entzündeten Scheiterhaufenfeuer und bringe mit diesem [Mantra] zehntausend Opfer dar. Der Ausdruck durgāṅgāre zur Feuerstelle ist unklar; er wird nicht zu einer sicher bestimmten Vorschrift ergänzt.
23.DK.63: Dann nehme er die Asche wieder auf und werfe sie in das Heer des Widersachers. Dieses Heer werde vielfach zerspalten und von Fieber und Krankheit verwirrt …
23.DK.64: … lasse seine Waffen zurück und fliehe zur Zeit der Schlacht. In Häuser, Dörfer und andere Orte geworfen, bewirke [die Asche] sofort Vertreibung.
23.DK.65: An sieben Dienstagen, zur Gulika-Zeit [grammatische Form im Druck auffällig], nehme er sieben Steinchen aus Durgā-Heiligtümern, unter Ausschluss der Richtung Indras, und wiederhole den Mantra.
23.DK.66: Er röste sie wie zuvor in Pañcagavya aus Erzeugnissen der Büffelkuh. Nach erneutem Japa streue er sie in Häuser, Dörfer und Städte.
23.DK.67: Jenes Gebiet gehe rasch zugrunde, vom Mantrafeuer verbrannt. [Es folgt eine weitere Aufzählung:] Brahmadaṇḍī, Markaṭikā und das als karakrośanikā gelesene dritte Mittel …
23.DK.68: … nehme er zur Gulika-Zeit des Dienstags und wiederhole den Mantra. Am vierzehnten Mondtag vergrabe er sie im Haus des Feindes und wiederhole den Mantra.
Textkritischer Hinweis: Die Fußnoten enthalten unter anderem „Nähe“ statt einer Ortsangabe, „angegeben/gezeigt“ zu den Kṛtyā-Anwendungen, eine abweichende Formulierung zu sieben Wochentagen und einen Instrumental „mit Pañcagavya“. Weitere Varianten sind selbst verkürzt oder schwer lesbar. Sie stehen in der Sanskritfassung unverändert neben der Hauptlesung. Die drei Mittel am Ende werden nicht botanisch identifiziert. Die Behauptung über rituell behandelten Sand und Wasser in DK 57–58 ist eine magische Wirkungsbehauptung der Quelle.
Abschluss der Kṛtyā-Anwendungen und Lavaṇadurgā
Druckseite 202. Die letzte Ritualgruppe enthält historische Tieropferbeschreibungen. Anschließend beginnt ein neuer Mantra-Abschnitt mit unnummerierter Prosa.
23.DK.69: Der Feind werde mit Söhnen, Gattin und anderen vertrieben. Oder der Mantrin wiederhole [den Mantra] jeweils für eines der Mittel; nach einem Maṇḍala-Zeitraum erlange er dessen Wirkung.
23.DK.70: Ein als ṣaḍbindudrumakhaṇḍa bezeichnetes Holzstück [Lesung und Bedeutung unsicher], mit gekochtem Reis bedeckt, vergrabe beziehungsweise stecke er in eine Puppe. Er berühre sie und wiederhole die Waffenformel am achten Tag der dunklen Monatshälfte ab Mitternacht.
23.DK.71: Mit dem Namen des Feindes versehen, vergrabe er sie auf dem Verbrennungsplatz. Der Feind gehe rasch mit Haushalt und Verwandten zugrunde.
23.DK.72: Schädelscherben in der Zahl der Buchstaben der Kṛtyā-Waffe berührend, wiederhole der Mantrin den Mantra nach vorausgehender Einsetzung der Lebenskraft.
23.DK.73: Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, der auf einen Dienstag fällt, opfere er sie auf dem Verbrennungsplatz im Feuer aus Viṣavṛkṣa-Holz, mit Ziegenblut bestrichen. Von der Flamme der Kṛtyā-Waffe getroffen …
23.DK.74: … gehe der Feind, von starkem Fieber verwirrt, in Yamas Stadt. [Die nächste Vorschrift beginnt:] In einen mit Ziegenblut gefüllten Krug lege er eine Schlange.
23.DK.75: Er verschließe ihn mit einer Schädelschale, bedecke ihn mit rotem Stoff, verehre ihn mit roten Blüten und weiteren Gaben, berühre ihn und wiederhole zehntausendmal.
23.DK.76: In der Mitte der Dienstagnacht opfere er ihn im Scheiterhaufenfeuer, das mit Kāraskara entzündet wurde. Der Feind gehe in Yamas Stadt.
23.DK.77: Aus dem Baum, der dem Geburtsstern der Zielperson entspricht, fertige er einen Krug, fülle ihn mit Pañcagavya aus Büffelerzeugnissen und lege eine Katze hinein.
23.DK.78: Japa, Verehrung und alles Weitere vollziehe er wie zuvor. Im mit Kāraskara entzündeten und mit der Kṛtyā-Waffe angefachten Feuer …
23.DK.79: … bringe er zehntausend Opfer mit Vraṇataila dar, hebe am Ende den Krug bis zur Kopfhöhe und wiederhole den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit …
23.DK.80: … und opfere ihn. Durch dieses Verfahren sterbe der Feind nach drei Tagen. [Eine weitere Vorschrift betrifft] ein schönes Büffelkuhkalb, das eine Nacht gefastet hat …
23.DK.81: … und eine Prastha-Menge Büffel-Ghee zu trinken erhält, über der der Mantra gesprochen wurde; mit Kuśa sei sein ganzer Körper gebunden und die Lebenskraft eingesetzt.
23.DK.82: Der Mantrakenner vollziehe im Kāraskara-Feuer zehntausend Feueropfer mit Vraṇataila und opfere dann mit gesammeltem Geist das Kalb.
23.DK.83: Innerhalb eines Tages gehe der Feind, „glücklich“, in Yamas Stadt. [Eine weitere Beschreibung nennt] das Feuer in einer dreieckigen Feuergrube, durch den Mantra entzündet …
23.DK.84: … mit Duft, Blüten und anderen Gaben verehrt. Darin bringe er sieben Tage lang der Reihe nach zehntausend Opfer mit den Ölen von Rājī, Bhallātaka und Sesam dar.
23.DK.85: Eine Büffelkuh, deren Geburtszeit gekommen ist und deren Lebensatem rituell eingesetzt wurde, verehre er mit Duft, Blüten und anderen Gaben. Sie mit einem Kuśa-Büschel berührend, wiederhole er den Mantra …
23.DK.86: … und vergegenwärtige sich das Kalb vom Kopf bis zum Geburtskanal. Er nehme das in die Hand gelangte Kalb und opfere es im entzündeten Feuer.
23.DK.87: Wenn dies geschehen ist, entstehe aus dem Opferfeuer eine leuchtende Kṛtyā, die bald den Feind verschlinge, selbst wenn Īśvara ihn beschütze.
23.DK.88: Dann gehe sie wieder ins Feuer ein und verlange nach dem Ausführenden. Der Mantrakenner, der derartige Handlungen vollzieht …
Unnummerierter Halbvers: … soll zu seinem eigenen Schutz Mantras wie den Mṛtyuñjaya wiederholen. [Der zweite Halbvers fehlt im Druck.]
Druckvarianten: Zu DK 69 steht auch „Vernichtung“; ferner sind Varianten zu „vergraben“, zur Berührung der Scherben, „entzündet“ und janacaryā verzeichnet. Eine weitere Fußnotenform koṭāvaśeṣaḥ ist in ihrer Zuordnung nicht sicher. Die Stoff- und Baumnamen werden als Quellenbezeichnungen bewahrt.
Beginn der Lavaṇadurgā-Mantras
Nun die Mantras der „Salz-Durgā“. Für diese Śrī-Lavaṇadurgā-Mantras gilt folgende Zuordnung: Verehrung dem Ṛṣi Āṅgirasa am Kopf; dem Versmaß Anuṣṭubh am Mund; den als Aṅgirātridurgābhadrakālī bezeichneten Gottheiten am Herzen. Die genaue Trennung dieses zusammengesetzten Namens ist nicht gesichert. Verehrung dem Bīja hrīṃ am verborgenen Bereich, der Kraft kroṃ an beiden Knien und dem Kīlaka aṃ an beiden Füßen. Die Anwendung des Japa „zum Gefügigmachen der ganzen Welt für mich“ wird am ganzen Körper zugeordnet.
Sechsgliedriger Nyāsa: „oṃ ciṭi ciṭi“ – dem Herzen Verehrung; „caṇḍāli“ – dem Kopf svāhā; „mahācaṇḍāli“ – dem Haarschopf vaṣaṭ; „amukaṃ me“ („die betreffende Person für mich“) – dem Schutzpanzer huṃ; „vaśam ānaya“ („bringe in Gefügigkeit“) – den drei Augen vauṣaṭ; „svāhā“ – der Waffe phaṭ. Ebenso erfolgt der Finger-Nyāsa.
Innerer Nyāsa, Beginn: Die folgenden Silben werden jeweils mit oṃ und namaḥ verbunden. Zuordnung: oṃ am Scheitel; ci an der Stirn; ṭi am rechten Auge; ci am linken Auge; ṭi am rechten Ohr; caṃ am linken Ohr; ṇḍāṃ am rechten Nasenflügel; li am linken Nasenflügel; maṃ am Mund; hāṃ am Kinn; caṃ am Hals; ṇḍāṃ am Herzen. Die Nasalzeichen sind stellenweise schwer lesbar. Die Liste wird auf der nächsten Druckseite fortgesetzt.
Buchstaben-Nyāsa und vier Meditationsgestalten
Druckseite 203. Die neue Zitatreihe erhält das Kürzel LD. Ihre Zählung beginnt bei 1; sämtliche unnummerierten Übergänge bleiben erhalten.
Fortsetzung des inneren Nyāsa: Jeweils mit oṃ und namaḥ: liṃ an der rechten Brust; aṃ an der linken Brust; muṃ am Bauch; kaṃ am Nabel; meṃ an der rechten Achsel; vaṃ an der linken Achsel; śaṃ am Geschlechtsorgan; māṃ an beiden Seiten; naṃ an beiden Oberschenkeln; yaṃ an beiden Knien; svāṃ an beiden Unterschenkeln; hāṃ an beiden Füßen. So weit der Buchstaben-Nyāsa. Einzelne Nasalzeichen sind im Druck unscharf.
Nun die Betrachtung:
23.LD.1: Ich verneige mich vor dem Feuer, frischem Kuṅkuma gleich, dreiäugig, mit Hunderten schöner Schmuckstücke, in den Armen Opferlöffel, Śakti-Waffe, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit tragend, auf einem roten Lotus sitzend.
23.LD.2: Ich verneige mich vor Yāmavatī, leuchtend wie eine dunkle Regenwolke, mit mondgleichem Gesicht und einer von Ketten geschmückten Brust, Schädelschale, Schlinge, Haken und Dreizack in den Händen, in blauem Gewand.
23.LD.3: Ich verehre Durgā, dunkler Augenschminke gleich, Diskus, Muschelhorn, Dreizack und Khaṭvāṅga in den Händen, mit dem jungen Mond im Haarschmuck, furchtbar, dreiäugig, die Feindesschar bezwingend und geschickt darin, Not zu zerbrechen.
23.LD.4: Möge Bhadrakālī mir zum Gedeihen gereichen: Beil, Schädelschale, Trommel und Dreizack tragend, mit der Mondsichel geschmückt, mit gelblichbraunem aufgerichtetem Haar und weißen, furchtbaren Fangzähnen.
Übergang: Nachdem er so meditiert hat:
23.LD.5: Er wiederhole die Gruppe von fünf Ṛc-Versen ordnungsgemäß zehntausendmal und bringe davon ein Zehntel als Opfer mit Ghee-benetzer Speise im verehrten Feuer dar.
23.LD.6: Wenn er so die vorbereitende Praxis vollzogen hat, sei er in der Anwendung geübt. Agni und Yāmavatī sind bei den Handlungen des Gefügigmachens und Heranziehens zu betrachten.
Unnummerierter Halbvers: Bei Tötungshandlungen denke der Mantrin an Durgā und Bhadrakālī. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Pīṭha und sechs Verehrungsumkreise
Unnummerierte Ritualbeschreibung: Nun die Anwendung. In der Brahma-Muhūrta aufstehend, vollende er die Handlungen vom Gruß an den Guru über Bad, Sandhyā und Mātṛkā-Nyāsa bis zum Aufstellen der Gefäße. Auf dem Pīṭha verehre er die Reihe vom Frosch bis zum Lotus. An den Staubfäden, in den acht Himmelsrichtungen von Osten beginnend sowie in der Mitte, verehre er die Pīṭha-Kräfte:
23.LD.7: Bhīṣaṇī, Bahurūpā, Tīkṣṇadaṃṣṭrā, Madotkaṭā, Smaraṇī, Mohinī, Kāntā, Kamaṇḍaludharā und Parā.
Fortsetzung: In dieser Folge, beginnend mit „bhīṃ bhīṣaṇyai namaḥ“, verehre er sie. Auf dem Blütenboden setze er den Pīṭha-Mantra „oṃ hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ“ ein: Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft. Darüber stelle er sich das Yantra aus sechs Ecken, achtblättrigem Lotus und äußerem Erdhaus vor. In die Mitte lade er die erwählte Gottheit ein und verehre sie mit sechzehn Darbringungen. In den sechs Ecken, von Osten beginnend, verehre er die sechs Glieder nach der Formel „oṃ ciṭi ciṭi hṛdayāya namaḥ“. Auf den acht Blütenblättern folgen:
23.LD.8: Śūlahastā, Vikeśī, Dāruṇā, Lavaṇapriyā, Parā, Karālā, Atyugrā und Tāmasī – die acht Siddhis.
Fortsetzung: Beginnend mit „oṃ śūṃ śūlahastāyai namaḥ“ verehre er sie. An den Staubfäden, von Osten beginnend:
23.LD.9: Utkaṭa, Vikaṭākṣa, Śūlahasta, Mahābala, Agnijihva, Khaḍgadhara, Kapālin und Dāruṇapriya.
Fortsetzung: Beginnend mit „oṃ uṃ utkaṭāya namaḥ“ verehre er diese. An den Blattspitzen werden von Osten an die folgenden Paare verehrt, jeweils mit oṃ, den angegebenen Vokalen und namaḥ:
| Silben | Göttin mit zugehörigem Bhairava |
|---|---|
| aṃ āṃ | Brāhmī mit Asitāṅgabhairava |
| iṃ īṃ | Māheśvarī mit Rurubhairava |
| uṃ ūṃ | Kaumārī mit Caṇḍabhairava |
| ṛṃ ṝṃ | Vaiṣṇavī mit Krodhabhairava |
| ḷṃ ḹṃ | Vārāhī mit Unmattabhairava |
| eṃ aiṃ | Indrāṇī mit Kapālibhairava |
| oṃ auṃ | Cāmuṇḍā mit Bhīṣaṇabhairava |
| aṃ aḥ | Mahālakṣmī mit Saṃhārabhairava |
Im Erdhaus verehre er die Welthüter, außerhalb die Waffen, beginnend mit dem Vajra. Er verehre die erwählte Gottheit mit ihren sechs Umkreisen, wiederhole 1008-mal und übergebe mit dem nur durch seinen Anfang „guhyātiguhya“ bezeichneten Mantra die Frucht in Gestalt von Licht in die Hand der Göttin. Der vorbereitende Japa umfasst zehntausend Wiederholungen; das Feueropfer ein Zehntel davon mit Ghee versetzter Opferspeise.
Lesungshinweis: Die Namen Smaraṇī und Dāruṇapriya sowie einzelne Zeichen für vokalisches l bleiben vorläufig. Der auf der vorherigen Seite schwer trennbare Gottheitskomplex wird durch die vier hier ausdrücklich beschriebenen Gestalten verständlicher; die ursprüngliche Lesung wurde dennoch nicht stillschweigend geändert.
Weitere Fassung des Lavaṇa-Mantra-Rituals
Druckseite 204. Diese neue Zitatfolge beginnt erneut bei 1 und erhält deshalb das Kürzel LV. Die vier bereits beschriebenen Meditationsverse werden in der Quelle wiederholt und auch hier vollständig wiedergegeben.
23.LV.1: Nun wird die Vorschrift des Salz-Mantras erläutert. Der erste Ṛc-Vers wurde zuvor genannt; er beginnt mit „lavaṇāmbhasi“.
23.LV.2: Der zweite beginnt mit „lavaṇa“, der [dritte] mit „daha“. Der vierte beginnt mit „taṃ dagdhvā“, der fünfte mit „yā te“.
23.LV.3: Aṅgiras wird als Ṛṣi genannt, Anuṣṭubh als Versmaß. Agni, Rātri, ferner Durgā und Bhadrakālī sind die Gottheiten.
23.LV.4: Mit den Buchstaben des Ciṭi-Mantras vollziehe er gesammelt die sechs Glieder. Fünf sind dem Herzen zugeordnet, drei Buchstaben dem Kopf …
23.LV.5: … fünf dem Haarschopf; der Schutzpanzer wird durch karaṇākṣara-Buchstaben zugeordnet [Ausdruck nicht sicher als Zahl deutbar]. Fünf werden für die Augen und ein Paar für die Waffe genannt.
23.LV.6: Der Tāra [oṃ], dann zweimal „ciṭi“, anschließend „cāṇḍāli“; darauf spreche er dasselbe mit dem Wort „mahā“ davor, anschließend „amukaṃ me“ …
23.LV.7: … „vaśam ānaya“ und das Paar ṭha [Code für svāhā]. So ist der Ciṭi-Mantra erklärt, aus vierundzwanzig Silben bestehend und die Frucht aller Wünsche verleihend. Der Druck bietet hier cāṇḍāli, während der vorausgehende Nyāsa caṇḍāli schreibt; die Abweichung bleibt erhalten.
23.LV.8: Ich verneige mich vor dem Feuer, frischem Kuṅkuma gleich, dreiäugig, mit Hunderten schöner Schmuckstücke, in den Armen Opferlöffel, Śakti-Waffe, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit tragend, auf einem roten Lotus sitzend.
23.LV.9: Ich verneige mich vor Yāmavatī, leuchtend wie eine dunkle Regenwolke, mit mondgleichem Gesicht und einer von Ketten geschmückten Brust, Schädelschale, Schlinge, Haken und Dreizack in den Händen, in blauem Gewand.
23.LV.10: Ich verehre Durgā, dunkler Augenschminke gleich, Diskus, Muschelhorn, Dreizack und Khaṭvāṅga in den Händen, mit dem jungen Mond im Haarschmuck, furchtbar, dreiäugig, die Feindesschar bezwingend und geschickt darin, Not zu zerbrechen.
23.LV.11: Möge Bhadrakālī mir zum Gedeihen gereichen: Beil, Schädelschale, Trommel und Dreizack tragend, mit der Mondsichel geschmückt, mit gelblichbraunem aufgerichtetem Haar und weißen, furchtbaren Fangzähnen.
23.LV.12: Er wiederhole die fünf Ṛc-Verse ordnungsgemäß zehntausendmal und bringe ein Zehntel davon als Opfer mit Ghee-benetzer Speise im verehrten Feuer dar.
23.LV.13: Nachdem er so die vorbereitende Praxis vollzogen hat, sei er in der Anwendung geübt. Agni und Yāmavatī sind bei den Handlungen des Gefügigmachens und Heranziehens zu betrachten.
23.LV.14: Bei Tötungshandlungen denke der Mantrin an Durgā und Bhadrakālī. [Eine weitere Anwendung beginnt:] Nachts bis zu den Knien im Wasser stehend und den Mantra wiederholend …
23.LV.15: … werde ihm die gewünschte Zielperson bald zum Diener. Der Verständige stehe im Wasser bis zur Nabelhöhe und wiederhole diesen Mantra …
23.LV.16: … 1008-mal; dann werde die Zielperson ihm gefügig. Bis zur Kehle im Wasser stehend, wiederhole der Mantrin die Gruppe von fünf Ṛc-Versen.
23.LV.17: Durch dieses Verfahren mache er innerhalb von sieben Tagen Könige gefügig. [Ein weiteres Verfahren:] Er schreibe den Mantra, mit dem Namen der Zielperson durchsetzt, auf ein Palmblatt …
23.LV.18: … lege es in mit Kṣāra versetztes Wasser und lasse dieses nachts sieden. Die Zielperson werde ihm gefügig; daran sei, so der Text, nicht zu zweifeln.
23.LV.19: Er schreibe ihn auf ein Palmblatt und vergrabe dieses im Haus Bhadrakālīs. Diese Anwendung wird zum Gefügigmachen aller Wesen genannt.
23.LV.20: Er schreibe den Mantra, mit der Zielperson [ihrem Namen] durchsetzt, auf ein Kupferblatt und erhitze es im Khadira-Feuer. Nach einem Monat werde der betreffende Mensch gefügig.
23.LV.21: Er lege eine dreieckige Feuergrube genau nach den Merkmalen der Lehrschrift an und vollziehe darin das Feueropfer im rituell vorbereiteten Opferfeuer.
23.LV.22: Der Verständige wasche und reinige das Salz mit Kuhmilch und opfere es fein zermahlen. Nach einer Woche mache er Menschen gefügig.
Druckvarianten: Zu den Meditationsversen steht unter anderem „ich verehre“ statt „ich verneige mich“ und eine andere Wortform für das dunkle Wolkenbild. Außerdem werden eine alternative Palmblatt-Anweisung, „mit ungeteilter Aufmerksamkeit“ und „Welt“ statt „Menschen“ verzeichnet. Weitere verkürzte Varianten sind in der Sanskritfassung bewahrt. Die fünf Ṛc-Anfänge in LV 1–2 sind Querverweise der Quelle; an dieser Stelle werden daraus keine fehlenden Volltexte ergänzt.
Salzopfer, fünf Nachbildungen und Buchstabenzuordnung
Druckseite 205; Fortsetzung der LV-Reihe. Zwei eingeschobene Maßverse werden gesondert als PM 1–2 bezeichnet.
23.LV.23: Ebenso opfere er Steinsalz, mit Dickmilch, Honig und Ghee benetzt. Bald mache er sämtliche Länder gefügig – um wie viel mehr einzelne Herrscher. Eine Variante hat „Götter“ statt „Länder“.
23.LV.24: Eine Prastha-Menge gereinigten Salzes teile er in fünf gesonderte Teile und opfere sie fünf Tage lang achtsam, jeweils mit einem Ṛc-Vers.
23.LV.25: Die Person, mit deren Namen dies geschieht, werde dadurch gefügig; daran bestehe kein Zweifel. Er nehme reines Salz und opfere es mit Süßem vermischt.
23.LV.26: Mit neunundvierzig Darbringungen bringe er die gewünschte Person in Gefügigkeit. Durch tägliches Opfern reinen Salzes mache er Feinde gefügig.
23.LV.27: Mit den drei süßen Stoffen vermischtes, gut zermahlenes Salz opfernd, mache er Frauen, Männer und selbst Könige gefügig.
23.LV.28: Vom dritten bis zum achten Tag der dunklen Monatshälfte wiederhole er den Mantra. Er fertige fünf schöne, gleichmäßige Puppen mit sämtlichen Haupt- und Nebengliedern.
23.LV.29: Eine sei aus dem der Zielperson zugeordneten Baumholz, eine andere aus Teig, eine weitere aus Ton aus der Hand des Töpfers und eine andere aus Wachs.
23.LV.30: Eine Kuḍava-Menge des als potasaṃbhūta bezeichneten Salzes [Herkunftsbezeichnung unklar], zermahlen und gereinigt, besprenge er nacheinander mit Milch, Dickmilch, Ghee und Honig.
23.LV.31: Aus diesem, gut mit Zucker, Ghee und Honig vermischt, fertige er eine freundliche Puppe mit schön ausgebildeten sämtlichen Gliedern.
23.LV.32: In das Herz dieser Puppen setze er ein mit dem grāma-Mantra angefertigtes Yantra ein [Mantrabezeichnung im Druck unsicher]. Er setze die Lebenskräfte in ihnen ein und verehre sie mit Blüten und anderen Gaben.
23.LV.33: Dann, in der Nacht des achten Tages der dunklen Monatshälfte, wenn eine Nachtwache vergangen ist, vollziehe er den Mātṛkā-Nyāsa und unmittelbar danach den Mantra-Nyāsa.
23.LV.34: Die aus dem Ciṭi-Mantra gewonnenen vierundzwanzig Buchstaben, beginnend mit dem Tāra, setze er gesammelt an folgenden Stellen ein:
23.LV.35: Am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, beiden Ohren, an Nase, Mund und Kinn, an Hals, Herz und beiden Brüsten, an Bauch, Nabel und beiden Hüftseiten …
23.LV.36: … am Geschlechtsorgan und am After. Die übrigen vier Buchstaben [verteile er] auf beide Oberschenkel, beide Knie, beide Unterschenkel und beide Füße.
23.LV.37: Nachdem so alle Glieder mit Nyāsa versehen sind, trage er rote Kränze, rote Salbung und rote Gewänder und sei gereinigt. Die aus Holz gefertigte Puppe …
23.LV.38: … vergrabe er mit dem Gesicht nach unten in der Feuergrube, die Teigpuppe unter dem Sitz. Die Tonfigur lege er an den Ort seiner Füße.
23.LV.39: Die Wachspuppe hänge er im Raum oberhalb der Feuergrube auf. Dann berühre er die aus Salz angefertigte Puppe und wiederhole …
23.LV.40: … die fünf Ṛc-Verse ordnungsgemäß 1008-mal. Die Buchstaben des Ciṭi-Mantras setze er erneut in auflösender, rückläufiger Ordnung auf deren Körper ein:
23.LV.41: An Zehen beziehungsweise Daumen [aṅguṣṭha], Gelenken und Fußspitzen, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln und After, am Geschlechtsorgan, dann am Nabel, Bauch und Herzlotus …
23.LV.42: … an beiden Brüsten, Hals, Kinn, Mund, an beiden Nasenöffnungen, Ohren und Augen, an Stirn und Scheitel.
Einschub: Maße der Nachbildung.
23.PM.1: Die Länge ihrer Füße beziehungsweise Beine wird mit vier Aṅgula „bis zur Achsel“ angegeben; anschließend nennt der Druck ein um ein Viertel vermindertes Aṅgula für den Bauch und eine gleichartige Aṅgula-Angabe. Die Satzgestalt und die anatomischen Bezüge sind nicht sicher lesbar.
23.PM.2: Bis zum Gesicht werden zwei Aṅgula als Maß des Halsbereichs genannt; für Kopf beziehungsweise Gesicht zweieinhalb Aṅgula. Auch die Verknüpfung dieser Angaben bleibt unsicher.
Unnummerierte Erläuterung: Gemeint sei eine Nachbildung mit einem Maß von zwölf Aṅgula. Diese ausdrücklich gedruckte Gesamtangabe wird bewahrt; aus den beschädigten Einzelmaßen wird keine neue Maßzeichnung berechnet.
23.LV.43: Er hole Feuer, entzünde es mit Holz des der Zielperson zugeordneten Geburtssterns und verehre darin die im Mantra genannte Gottheit, in einem silbernen Gefäß …
23.LV.44: … mit den als kuśītarāli gelesenen Gaben, Blüten und weiteren Opfergaben [Wortfolge unsicher]. Zu Beginn und Ende der Anwendung verneige sich der Verständige mit diesen Mantras, den Geist gesammelt haltend:
23.LV.45: Oṃ. Mit Salz [einleitende Anrufungswendung unsicher], o Träger der Opfergaben in der Nacht: Werde durch die mit Mantra besprochene Opferspeise zusammen mit ihr gesättigt.
Druckvarianten: Neben der Variante „Götter“ sind verkürzte Alternativen zu einem Opferausdruck, „durch das Verfahren bald“, svamānanam und „mit dem Gegebenen“ verzeichnet. Die vollständigen Druckformen bleiben in der Sanskritfassung erhalten.
Gebete an Feuer, Nacht und Göttinnen
Druckseite 206; Fortsetzung der LV-Reihe. Die anschließenden Salzmantras beginnen erneut bei 1 und erhalten das Kürzel LM.
23.LV.46: Jātavedas, großer Gott, glänzend wie erhitztes Gold, Herr der Svāhā, Weltverzehrer, verbrenne das Salz, Feindvernichter!
23.LV.47: Herrin, Nacht, Śarvāṇī, von dir ist die Welt verschlungen und verzehrt. Große Göttin, dir Verehrung! Wunschgewährende, erfülle das Begehren!
23.LV.48: Aus Dunkelheit Bestehende, große Göttin, Gelübdetreue Mahādevas, dreifache Nacht: Ergreife den Menschen und bringe ihn mir in Gefügigkeit, Göttin!
23.LV.49: Durgā, frei von Bedrängnis und anderem, mit dem Zurückhalten von Bedrängnis befasst, Göttin mit Diskus und Muschelhorn, den bösen Feinden Furcht Einflößende …
23.LV.50: … dir Verehrung! Verbrenne meinen Feind, bringe ihn in Gefügigkeit, Caṇḍikā. Śākambharī, große Göttin, sei meine Zuflucht, Makellose!
23.LV.51: Bhadrakālī, Bhava lieb, glückverheißende Vollendung Gewährende: Schlage, schlage meine Widersacher; verbrenne, trockne aus, erhitze!
23.LV.52: Mit Dreizack, Schwert, Śakti-Waffe, Vajra und den weiteren Waffen zerschneide sie immer wieder und töte sie, große Göttin, Mahākālī, [abschließender Ausdruck raktāsmānakṣarātmike nicht sicher verständlich].
Opferfolge und weitere historische Schädigungsanwendung
23.LV.53: Der Zielperson gedenkend, teile er dann die Puppe in sieben Teile und opfere sie im entzündeten Feuer, die fünf Ṛc-Verse sprechend.
23.LV.54: Zuerst der rechte Fuß, unmittelbar danach die rechte Hand; als Drittes wird der Kopf genannt, danach die linke Hand.
23.LV.55: Der fünfte Teil liege oberhalb der Körpermitte, als sechster wird der untere Körperteil genannt; der siebte sei der linke Fuß. So ist die Reihenfolge der Teile überliefert.
23.LV.56: Oder jeder dieser genannten Teile werde vorschriftsgemäß nochmals siebenfach geteilt. Nachdem er so geopfert und das Feuer verehrt hat, verneige er sich ausgestreckt wie ein Stab.
23.LV.57: Der Auftraggeber erfreue seinen Guru mit Geld und Getreide. Durch dieses Verfahren mache der Mantrin selbst Götter und Asuras gefügig …
23.LV.58: … um wie viel mehr Menschen, Könige, Minister und Kurtisanen. Beim Tötungsritual werden die zuvor genannten vier Puppen …
23.LV.59: … durch den vorschriftenkundigen Sādhaka wie zuvor aufgestellt. Eine weitere fertige er nach der nun beschriebenen Vorschrift an:
23.LV.60: Aus Kot von Schwein und Taube, Sesam, Vyūṣaṇa und Rāmaṭha, Vraṇakṛt, Nimba, Siddhārtha und Staub vom linken Fuß der Zielperson …
23.LV.61: … mit Büffelkuhurin verrieben und mit dem bereits genannten Salz versetzt, fertige er eine Puppe und vollziehe ordnungsgemäß die Einsetzung der Lebenskraft. Die Stoffnamen werden hier als historische Bezeichnungen ohne botanische Identifizierung wiedergegeben.
23.LV.62: Japa, Verehrung und alles Weitere vollziehe er auf dem zuvor genannten Weg. Dann, nachts im entzündeten Feuer der zuvor beschriebenen Grube …
23.LV.63: … verehre er Durgā oder Bhadrakālī ordnungsgemäß und halte als Sādhaka eine scharfe Waffe in der linken Hand.
23.LV.64: Vom linken Fuß beginnend und mit dem rechten endend, zerschneide und opfere er die Teile, ohne Nahrung und mit beherrschten Sinnen.
23.LV.65: Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte vollziehe der Kundige das Feueropfer nach diesem Verfahren.
Unnummerierter Halbvers: Durch eine Anwendung über drei Monate [gedruckte Wendung unsicher] töte er seinen Feind. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Die Salzmantras im Wortlaut der Quelle
23.LM.1: Im Salzwasser bist du scharf, bist du heftig; dein Herz … [Satzfügung auffällig]. Die Erde ist die Mutter des Salzes, Varuṇa ist der Vater des Salzes.
23.LM.2: Wenn Salz geopfert wird, woher sollen Schlaf und Lust kommen? Salz kocht, koche [Form pāca unsicher]; Salz schneidet und spaltet.
23.LM.3: Verbrenne die Glieder des Betreffenden, verbrenne das Fleisch, verbrenne die Haut; verbrenne Haut, Knochen und Mark, verbrenne das Mark aus den Knochen.
23.LM.4: Selbst wenn er hundert Yojana entfernt wohnt, jenseits von hundert Flüssen, in einer Stadt mit eisernen Mauern und Hunderten schwarzen Schlangen als Riegel …
23.LM.5: … verbrenne ihn und bringe ihn mir rasch, Agni, durch die Glut des Salzes. Von der Kraft des Salz-Mantras angetrieben, möge er in Gefügigkeit kommen.
Druckvarianten: Die Fußnoten bewahren unter anderem „gib“, „bei der Schöpfung“, eine längere Wiederholung der Befehle „schlage, verbrenne, trockne aus, erhitze“, „nach ritueller Vorbereitung“ statt „sich erinnernd“ und „König“. Weitere fragmentarische Formen und ihre unsichere Zuordnung bleiben in der Sanskritfassung stehen.
Abschluss der ersten Salzformel und Fassung nach Pippalāda
Druckseite 207. Der erste Vers trägt im Druck nochmals die Nummer 5 und wird zur Unterscheidung als LMZ 5 gekennzeichnet. Die Quelle nennt die Gruppe weiterhin „fünf Ṛc-Verse“, obwohl zuvor sechs nummerierte Texteinheiten erscheinen. Die Pippalāda-Fassung erhält PL, ihre Meditationsverse PD, die Baumverse NT.
23.LMZ.5: Welche Nacht dir zukommt – die Nacht dessen, der von einem Pfeil getroffen und auf die Spitze eines Pfahls gehoben ist –, welche Nacht deine große Nacht ist, diese Nacht sei dir die gewaltige Finsternis.
Unnummerierte Erläuterung: An die Anfänge dieser Ṛc-Verse werden Oṃ-Laute gesetzt. Die Gruppe der fünf Ṛc-Verse wird zusammen mit dem Ciṭi-Mantra wiederholt, dem drei Silben, beginnend mit Praṇava und Pāśa, vorangestellt werden. Oder dieses dreisilbige Präfix werde allen Ṛc-Anfängen, dem Ciṭi-Mantra und den Anrufungen der Umkreisgottheiten vorangestellt. Die dritte Silbe wird hier nicht ausgeschrieben; sie wird nicht ergänzt.
Nun die Salzmantras nach der Auffassung Pippalādas:
23.PL.1: Im Salzwasser bist du scharf, bist du heftig; dein Herz … [Satzfügung auffällig]. Die Erde ist die Mutter des Salzes, Wasser ist sein Vater.
23.PL.2: Salz verbrennt und kocht; Salz, schneide, spalte! Wenn Salz geopfert wird, woher sollen Schlaf und Lust kommen?
23.PL.3: Verbrenne die Glieder der genannten Person, verbrenne das Fleisch, [Wendung dahyanalam unklar]; verbrenne Haut, Knochen und Mark, verbrenne das Mark aus den Knochen.
23.PL.4: Selbst wenn er hundert Yojana entfernt wohnt, jenseits von hundert Flüssen: Nach dem Verbrennen [bringe] ihn mir rasch, Agni, durch die Glut des Salzes. Der zweite Halbvers ist grammatisch beschädigt; „bringe“ verdeutlicht den Zusammenhang mit der vorausgehenden Fassung und ist keine sicher gelesene Ergänzung des Sanskrit.
23.PL.5: Welche Nacht deine große Nacht ist, welche Nacht deine gewaltige Finsternis ist: jene Nacht dessen, der von einem Pfeil getroffen und auf die Spitze eines Pfahls gehoben ist.
Unnummerierter Mantra: „oṃ ciṭi ciṭi cāṇḍāli mahācāṇḍāli amukaṃ me vaśam ānaya svāhā“. Die bedeutungstragende Bitte lautet: „Caṇḍālī, große Caṇḍālī, bringe mir die betreffende Person in Gefügigkeit.“ So weit die Salzmantras.
Zuordnung: Aṅgiras ist der Ṛṣi; Anuṣṭubh das Versmaß; Agni, Rātri, Durgā und Bhadrakālī die Gottheiten. Die Konsonanten des Mantras sind die Bījas, seine Vokale die Kräfte. Mit den fünf Mantras, bezeichnet durch die Anfänge „lavaṇāmbhasi“, „lavaṇe hūyamāne“, „daha tvagasthi“, „saṃdagdhvā“ und „yā te rātriḥ“, erfolgen fünf Glieder. Oder mit den Buchstaben des Ciṭi-Mantras nacheinander sechs Glieder nach der Zahlfolge fünf, drei, fünf, vier, fünf, zwei. Diese ausdrückliche Zahlenfolge erläutert die vorausgehende, dort unsicher formulierte Gliederzuordnung.
Vier weitere Meditationsverse
23.PD.1: Möge euch der rote Feuerverzehrer beschützen, auf einem roten Lotus sitzend, die Hände mit Opferlöffel, Śakti-Waffe, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit versehen, mit unermesslichen Flammen, [Eigenschaft ajātagati unklar], mit drei leuchtenden Augen.
23.PD.2: Möge Yāmavatī euch stets beschützen, mit tiefblauem Gewand und Haar, dunklem Körper und voller Brust, mit Haken, Schlinge, Dreizack und Schädelschale.
23.PD.3: Möge Kātyāyanī euch beschützen, in ihren Lotushänden Diskus, Muschelhorn, Schwert und Dreizack tragend, mit glänzender Krone, viele Daityas niederwerfend, mit drei leuchtenden Augen, wie der Feind der Dunkelheit strahlend [Druckform unsicher], ihr Körper dem Freund des Windes, dem Feuer, gleich.
23.PD.4: Möge Bhadrakālī lange zur Vollendung eures Gedeihens wirken: mit furchtbaren weißen Fangzähnen, drei Augen, gewaltig aufgerichtetem Haar, Schädelschale, Beil und glänzender Trommel, vom Dreizack erhellt, [Vergleich ghanāvananibhā nicht sicher verständlich], mit einem schön klingenden Glöckchenkranz.
Unnummerierte Fortsetzung: So weit die Meditation. Die vorbereitende Praxis umfasst zehntausend Japa-Wiederholungen, für einen äußerst disziplinierten Übenden dreitausend. Das Feueropfer beträgt ein Zehntel und verwendet mit Ghee bereiteten Caru. Vom achten bis zum vierzehnten Mondtag soll nachts täglich mit einer Kuḍava-Menge Salzpulver und den drei süßen Stoffen 208-mal geopfert werden. Durch sieben Nächte solchen Opfers werde die Zielperson wie ein Diener gefügig. Bei der Anwendung werde anstelle des Wortes „amuka“ der Name der Zielperson eingesetzt; damit werde geopfert und Japa vollzogen.
Bäume der Geburtssterne
23.NT.1: Kāraskara, Aśva, Dhātrī, ferner der süße Udumbara-Baum; Jambū, Khadira und der Kṛṣṇa genannte, Vaṃśa und Pippala.
23.NT.2: Die Nāga und Rohiṇa genannten; Palāśa und Plakṣa; Ambaṣṭha, Bilva, Arjuna und der Viṣaṅkata genannte Baum.
23.NT.3: Bakula, Śambara, Sarja, Vañjula, Panasa und Arka; Śamī, Kadamba, Āmra, Nimba und Madhūka sind die Bäume der Sternhäuser.
Textkritischer Hinweis: Der Druck nennt die Baumreihe ohne ausgeschriebene Zuordnung der einzelnen Sternnamen. Einzelne Baumlesungen sind unsicher; eine Fußnote bietet Sarala. Die Liste wird nicht durch eine aus anderen Quellen übernommene moderne Zuordnung ersetzt.
Annapūrṇeśvarī: Mantra, Nyāsa und Meditation
Druckseite 208. Neue Zitatreihen: AN für die erste Zuordnung, DN für den Nyāsa und AD für die Meditationsverse. Die Quellenverweise werden wie gedruckt wiedergegeben; die Quellenwechsel innerhalb der Zählung bleiben sichtbar.
Nun die Mantras der Annapūrṇeśvarī. Im Jñānārṇava, mit dem Druckverweis „6, 15“, heißt es:
Unnummerierte Mantraerschließung: Man spreche den Tāra, Bhuvaneśānī, das Śrī-Bīja und Kāmarāja, dann nach „Herz“ die Silben „bhagavati“, das Wort „māheśvari“, „annapūrṇe“ und die Gattin des Feuers. Diese Vidyā hat zwanzig Silben. [Ein weiterer Halbvers fehlt im Druck.]
Erläuterung: Tāra ist der Praṇava oṃ; Bhuvaneśānī das Māyā-Bīja hrīṃ; das Śrī-Bīja ist śrīṃ; Kāmarāja ist klīṃ; „Herz“ bedeutet namaḥ. Bhagavati, māheśvari und annapūrṇe stehen für ihren eigenen Wortlaut. Die Gattin des Feuers ist svāhā. Wegen der angegebenen zwanzig Silben werden māheśvari und annapūrṇe durch Sandhi zu māheśvaryannapūrṇe verbunden. Daraus ergibt sich die hier erläuterte Folge: „oṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ namaḥ bhagavati māheśvaryannapūrṇe svāhā“.
Ferner, Druckverweis „6–19“:
23.AN.1: Brahmā ist der Ṛṣi dieses Mantras; Anuṣṭubh wird als Versmaß bezeichnet. Die Göttin Annapūrṇeśvarī wird als Gottheit genannt.
23.AN.2: Bhuvaneśānī ist das Bīja, das Śrī-Bīja wird als Kraft bezeichnet. Kāmarāja sei der Kīlaka. Danach folgen die sechs Glieder.
Die Körperzuordnungen
Druckverweis auf Dakṣiṇāmūrti: „16, 7“.
23.DN.1: Pārvatī, verbinde die Hṛllekhā mit den sechs langen Vokalen. Nachdem mit diesen die Glieder zugeordnet sind, vollziehe man den Buchstaben-Nyāsa …
23.DN.2: … am Brahmarandhra, am Scheitel beziehungsweise Haarscheitel, an Stirn und Brauenmitte, an der Nase, am Mund, Hals und Herzen, an Bauch und Nabel, am Geschlechtsorgan …
23.DN.3: … am Ādhāra, an beiden Gesäßhälften, beiden Oberschenkeln, beiden Knien und beiden Füßen, Herrin der Götter. Danach vollziehe man den Wort-Nyāsa.
Unnummerierter Halbvers: An den neun Toren, Göttinnenherrin, wird der Wort-Nyāsa genannt. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Quellenwechsel: Im Jñānārṇava hingegen, Druckverweis „6–23“:
23.DN.4: Die neun Wörter, Herrin der Götter, setze man an den neun Toren ein, vom Scheitel bis zum After; danach wiederum, Schöngesichtige …
Unnummerierter Halbvers: … setze man die Gruppe von neun Wörtern vom After bis zum Brahmarandhra ein. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Erläuterung des Druckes: Der After sei der zehnte Endpunkt der beim Brahmarandhra beginnenden Reihe. Deshalb seien die neun Wörter zuerst vom Brahmarandhra bis zum Geschlechtsorgan einzusetzen und danach dieselben Wörter vom After bis zum rechten Auge. Die Glosse nennt somit andere Endpunkte als der vorangehende Vers; diese Abweichung bleibt erhalten. Eine Klammer verbindet im Druck Teile der beiden Quellenzitate, ohne dass ihre Funktion eindeutig erklärt wäre.
Weitere unnummerierte Verse: Man setze die vier Bījas der Reihe nach an Brahmarandhra, Mund, Herz und Mūlādhāra ein, die anderen an den Vokalstellen. Danach vollziehe man ordnungsgemäß den Golaka-Nyāsa, geliebte Göttin. [Ein weiterer Halbvers fehlt.]
Erläuterung: Golaka bedeutet hier „den ganzen Körper umfassend“. Als Beleg wird Dakṣiṇāmūrti zitiert: „Mit dem Grundmantra soll man zur Vollendung des Körpers den umfassenden Nyāsa vollziehen.“ „An den Vokalen“ bedeutet an den Stellen des Vokal-Nyāsa.
Meditation über die nährende Göttin
23.AD.1: [Man betrachte sie] erhitztem Gold gleich, mit dem jungen Mond im Haarschmuck, die Krone vom Glanz der neun Edelsteine erleuchtet, rot wie Kuṅkuma …
23.AD.2: … in bunten Gewändern, mit fischgleichen Augen, dreiäugig, mit vollen, erhabenen Brüsten in der Gestalt goldener Krüge …
23.AD.3: … die höchste Göttin, von Freude erfüllt, da sie den stets tanzenden Herrn sieht, mit freudig bewegten Augen [einzelne Wortform unsicher], mit Hüftgürtel geschmückt und vollen Hüften …
Unnummerierter Halbvers: … stets dem Geben von Nahrung zugewandt, von Bhūmi und Śrī verehrt. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Erläuterung: „Dem Geben von Nahrung zugewandt“ bedeutet, dass sie in der linken Hand ein Speisegefäß und in der rechten einen Schöpflöffel hält. Als Beleg folgt ein Saṃhitā-Zitat: „Oder man betrachte in der rechten Hand einen goldenen Schöpflöffel, in der linken Hand ein mit Milchreis gefülltes, mit göttlichen Edelsteinen geschmücktes Gefäß, Maheśānī.“
Druckvarianten: Zum Versmaß erscheint eine abweichende Lesung Kṛti; ferner steht eine Variante „Bīja“, eine andere Form der Farbbeschreibung, „Augen wie ein Jungtier“ statt „fischgleiche Augen“ und eine Form von „auflodernd“. Die Hauptlesung und ihre Alternativen bleiben getrennt.
Annapūrṇās Yantra und die Kräfte des Sitzes
Druckseite 209. AY bezeichnet die erste Yantra-Reihe, AP den eingeschobenen Vers aus dem Saṃmohana-Tantra und AV die erneut bei 1 beginnende Verehrungsfolge.
Im Jñānārṇava, Druckverweis „6–25“:
23.AY.1: Man zeichne ein Dreieck, einen vierblättrigen und danach einen achtblättrigen Lotus, einen Lotus mit sechzehn Blättern und die Erdfigur mit vier Toren.
Erläuterung: Die Erdfigur besteht aus drei Quadraten. Als Beleg aus dem Saṃmohana-Pañcarātra heißt es: „Man soll drei Quadrate anlegen, mit vier Toren geschmückt.“ Dies gelte für sämtliche Gottheiten, da ausdrücklich gesagt werde: „Bei allen Verehrungskreisen ist ein Erdhaus anzulegen.“
23.AY.2: Rings um den Löwenthron verehre man die Pīṭha-Göttinnen. Für den südlichen Löwenthron wurden die Herrinnen des Pīṭha genannt.
Unnummerierter Halbvers: Eben diese, beginnend mit Vāmā, werden am Pīṭha verehrt, höchste Göttin. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Erläuterung: Die mit Vāmā beginnende Gruppe sind die Śaiva-Pīṭha-Kräfte. Oder es gelte:
23.AP.1: Nachdem man die neun Pīṭha-Kräfte, beginnend mit Jayā, der Reihe nach verehrt hat, [verehre man] den Sitz mit dem Pīṭha-Mantra und die mit Hṛllekhā beginnenden Kräfte.
Erläuterung: Dies wird als Wort des Saṃmohana-Tantra angeführt. Der Sārasaṃgraha sagt: „Danach verehre man die neun Kräfte, beginnend mit Jayā.“ Man kann somit die neun bereits beim Bhuvaneśvarī-Pīṭha genannten Kräfte samt dessen Pīṭha-Mantra übernehmen.
Śiva, Varāha, Nārāyaṇa, Bhū und Śrī
Weiterer Druckverweis: „6–34“.
23.AV.1: Nachdem man die Göttin so betrachtet hat, verehre man sie und den Umkreis der sechs Glieder. [Der folgende Mantra besteht aus] Tāra, Prāsāda-Bīja, „Herz“ [namaḥ] und anschließend „śivāya“.
23.AV.2: Mit dieser siebensilbigen Mahāvidyā verehre man, Göttin, [Śiva,] weiß wie der Glanz von Kuhmilch, fünfgesichtig und dreiäugig …
23.AV.3: … mit freundlichem Gesicht, friedvoll, mit dem blauen Hals glänzend, mit geflochtenem Haar, mit lebendigem Schlangenschmuck, einer Muschel gleich …
23.AV.4: … den tanzenden Gott Īśvara an der Spitze des Dreiecks, Götterherrin. [Eine weitere Formel:] Man spreche „oṃ namaḥ“, dann das Wort „bhagavate“ …
23.AV.5: … danach „varāharūpāya“ und „dem Herrn von bhūr, bhuvaḥ und svaḥ“ im Dativ, dann „bhūmipatitvaṃ me dehi dadāpaya“: „Gib mir Herrschaft über die Erde, lasse sie mir geben.“
23.AV.6: Mit der Gattin des Feuers [svāhā] verbunden, ist dies der Mantra Varāhas, Schöngesichtige. Mit dieser Vidyā verehre man ihn in der linken Ecke.
23.AV.7: Man spreche „oṃ namaḥ“ und schreibe Nārāyaṇa im Dativ. Nārāyaṇa verehre man der Reihe nach in der rechten Ecke.
23.AV.8: Links und rechts sind Bhū und Śrī zu verehren, höchste Göttin. Dafür nenne ich dir, Makellose, einen Mantra …
23.AV.9: … mit der Wendung „annamahi“, „annaṃ me dehi“, dann „annādhipataye“, „mamānnaṃ“ und anschließend „pradāpaya“.
23.AV.10: Mit der Gattin des Feuers verbunden, werde dieser Mantra eingerahmt: links durch das Bīja glauṃ, rechts durch Ramā [śrīṃ]. Die bedeutungstragende Bitte lautet: „Gib mir Nahrung; dem Herrn der Nahrung; lasse mir meine Nahrung geben.“ Der Anfang annamahi bleibt als überlieferte Anrufungsform stehen.
Lotusblätter und sechzehn Mondkräfte
23.AV.11: Danach sind auf den vier Blütenblättern von Westen beginnend Paravidyā mit dem Tāra und Bhuvaneśī mit ihrem eigenen [Bīja] zu verehren …
23.AV.12: … Kamalā mit Ramā [śrīṃ] und Subhagā mit Kāma [klīṃ], Glückverheißende. Auf den acht Blättern [verehre man] die mit Brāhmī beginnende Gruppe, von Westen beginnend.
23.AV.13: Auf dem sechzehnteiligen Lotus sind die sechzehn Kalās in der Gestalt des Mondkreises zu verehren, ebenfalls von Westen beginnend.
23.AV.14: Amṛtā, Mānadā, Puṣṭi, Tuṣṭi, Prīti, Rati, Hrī, Śrī, Sudhā, Rātri, Jyotsnā und Hemavatī …
23.AV.15: … Chāyā, Pūrṇimā, Nityā und als Sechzehnte Amāvāsyā. Mit den übrigen Buchstaben sind sie zu verehren, wobei ihre Namen jeweils mit „Annapūrṇā“ enden.
Unnummerierter Halbvers: Im Quadrat verehre man der Reihe nach die Welthüter. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Druckvarianten: Die Fußnoten bieten kundu zu einem Weißvergleich und Pūṣā als Namensvariante in der Mondkräftereihe.
Beginn der ersten ausführlichen Anwendung
Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Nyāsa des Yoga-Pīṭha vollziehe man drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra. Dann: „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“ am Kopf; „Verehrung dem Versmaß Anuṣṭubh“ am Mund; „Verehrung der Gottheit Śrī-Annapūrṇā“ am Herzen. Die nächste Zuordnung am verborgenen Bereich wird auf der folgenden Druckseite fortgesetzt.
Ausführlicher Annapūrṇā-Nyāsa
Druckseite 210; Fortsetzung der unnummerierten Ritualprosa. Die kurzen neuen Versreihen erhalten AH, AS und AM.
Fortsetzung der Zuordnung: „Verehrung dem Bīja hrīṃ“ am verborgenen Bereich; „Verehrung der Kraft śrīṃ“ an beiden Füßen; „Verehrung dem Kīlaka klīṃ“ am Nabel. Mit zusammengelegten Händen spreche man: „Die Anwendung dieses Japa dient meinem Überfluss an Nahrung.“
Dann folgen die sechs Glieder: hrāṃ dem Herzen, namaḥ; hrīṃ dem Kopf, svāhā; hrūṃ dem Haarschopf, vaṣaṭ; hraiṃ dem Schutzpanzer, huṃ; hrauṃ den drei Augen, vauṣaṭ; hraḥ der Waffe, phaṭ. Diese Mantras setzt man an beiden Händen von den Daumen bis zu den Handflächen sowie an den sechs Körpergliedern vom Herzen an ein.
Buchstaben-Nyāsa: Jeweils mit namaḥ werden zugeordnet:
| Stelle | Silbe |
|---|---|
| Kopf | oṃ |
| Haarscheitel | hrīṃ |
| Stirn | śrīṃ |
| Brauenmitte | klīṃ |
| Nase | naṃ |
| Mund | moṃ |
| Hals | bhaṃ |
| Herz | gaṃ |
| Bauch | vaṃ |
| Nabel | tiṃ |
| Geschlechtsorgan | māṃ |
| Ādhāra | heṃ |
| Rechte Gesäßhälfte | śvaṃ |
| Linke Gesäßhälfte | riṃ |
| Rechter Oberschenkel | aṃ |
| Linker Oberschenkel | aṃ |
| Rechtes Knie | pūṃ |
| Linkes Knie | ṇeṃ |
| Rechter Fuß | svāṃ |
| Linker Fuß | hāṃ |
Einzelne Nasal- und Vokalzeichen sind unscharf. Die beiden aufeinanderfolgenden aṃ-Zuordnungen bleiben als Drucklesung stehen.
Wort-Nyāsa: Oṃ am Brahmarandhra; hrīṃ am rechten Auge; śrīṃ am linken Auge; klīṃ am rechten Ohr; namo am linken Ohr; bhagavati an der rechten Nasenöffnung; māheśvari an der linken; annapūrṇe am Mund; svāhā am Geschlechtsorgan. Die abgekürzten Formeln enden jeweils mit namaḥ. Danach dieselben neun Wörter der Reihe nach an After, Geschlechtsorgan, Mund, linker und rechter Nasenöffnung, linkem und rechtem Ohr, linkem und rechtem Auge. So weit der Wort-Nyāsa.
Anschließend setze man oṃ am Brahmarandhra, hrīṃ am Mund, śrīṃ am Herzen und klīṃ am Mūlādhāra ein, jeweils mit namaḥ. Die übrigen [Buchstaben] werden an den sechzehn Vokal-Nyāsa-Stellen eingesetzt. Dann vollziehe man mit dem Grundmantra den umfassenden Nyāsa, die Meditation und die weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung. Der bereits genannte Bhuvaneśvarī-Pīṭha wird verehrt; es folgen Einladung und Darbringungen bis zu den Blüten sowie die Gliederverehrung wie zuvor.
Ausgeschriebene Formeln für das Gefolge
An der Spitze des Dreiecks wird der tanzende Śiva verehrt: „oṃ hauṃ namaḥ śivāya śivāya namaḥ“ – Verehrung Śiva. Die Wiederholung seines Namens steht in der Quelle.
In der linken Ecke Varāha: „oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā varāhāya namaḥ“ – Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn der drei Welten; gib mir Herrschaft über die Erde, lasse sie mir geben; Verehrung Varāha.
In der rechten Ecke Nārāyaṇa: „oṃ namo nārāyaṇāya nārāyaṇāya namaḥ“ – Verehrung Nārāyaṇa.
Innerhalb des Dreiecks, links von der Göttin, Bhū: „glauṃ annamahyannaṃ me dehi annādhipataye mamānnaṃ pradāpaya svāhā glauṃ bhūmyai namaḥ“ – die Bitte um Nahrung, eingerahmt durch glauṃ, mit Verehrung der Erde.
Rechts Śrī: „śrīṃ annamahyannaṃ me dehi annādhipataye mamānnaṃ pradāpaya svāhā śrīṃ śriye namaḥ“ – dieselbe Bitte, eingerahmt durch śrīṃ, mit Verehrung Śrī.
Auf den vier Blättern, vor der Göttin beginnend: „oṃ paravidyāyai namaḥ“, „hrīṃ bhuvaneśvaryai namaḥ“, „śrīṃ kamalāyai namaḥ“, „klīṃ subhagāyai namaḥ“. Danach auf den acht Blättern die mit Brāhmī beginnende Gruppe.
Auf den sechzehn Blättern werden von vorn beginnend im Uhrzeigersinn die folgenden Kräfte mit ihrer Silbe, ihrem Namen im Dativ, „annapūrṇāyai“ und „namaḥ“ verehrt:
| Silbe | Kraft |
|---|---|
| naṃ | Amṛtā |
| moṃ | Mānadā |
| bhaṃ | Puṣṭi |
| gaṃ | Tuṣṭi |
| vaṃ | Prīti |
| tiṃ | Rati |
| māṃ | Hrī |
| heṃ | Śrī |
| śvaṃ | Svadhā |
| riṃ | Rātri |
| aṃ | Jyotsnā |
| aṃ | Hemavatī |
| pūṃ | Chāyā |
| ṇeṃ | Pūrṇimā |
| svāṃ | Nityā |
| hāṃ | Amāvāsyā |
Hier steht Svadhā, während der vorausgehende Vers Sudhā nennt. Außerhalb, im Quadrat, werden wie zuvor Indra und die anderen Welthüter verehrt; die übrigen Handlungen schließen die Verehrung ab.
Wiederholungszahlen und weitere Mantraformen
Dakṣiṇāmūrti, Druckverweis „16.17“:
23.AH.1: Unter Einhaltung der Regeln wiederhole man hunderttausendmal und bringe ein Zehntel als Feueropfer mit köstlichem Milchreis und Ghee dar. [Die Vidyā] verleihe gewiss Vollendung.
Im Sārasaṃgraha:
23.AS.1: Danach vollziehe der Verständige Sättigungsdarbringung und weitere Handlungen nach der zuvor genannten Vorschrift. Verehrt, schenke die Göttin Annapūrṇeśvarī Nahrung und Gold.
23.AS.2: Durch diese Vidyā sei Kubera zum Herrn des Reichtums geworden. Die Annapūrṇeśvarī genannte [Vidyā] gewähre Fülle sämtlicher Güter.
Ferner:
23.AM.1: Eben diese ohne Bījas sei sechzehnsilbig; so sagen andere. Mit Māyā oder mit Tāra am Anfang gelte sie als siebzehnsilbig. Die Fußnote bietet eine Variante parā.
Textkritischer Hinweis: Die vorliegende Prosa führt māheśvari und annapūrṇe getrennt, während die Glosse auf Druckseite 208 ausdrücklich Sandhi verlangt. Die unterschiedlichen Formen und die jeweils behaupteten Silbenzahlen werden als Quellenangaben bewahrt.
Weitere Annapūrṇā-Mantras und drei Gebetsverse
Druckseite 211; Fortsetzung der AM-Reihe. Das Gebet wird ausdrücklich als Gruppe von drei Versen bezeichnet. Der folgende Vers 6 beschreibt seine verheißene Frucht.
23.AM.2: Eine weitere [Formel] mit Māyā und Tāra am Anfang wird als achtzehnsilbig bezeichnet. Ṛṣi und die weiteren Zuordnungen sind wie zuvor genannt; die Gliederhandlung wird mit Māyā vollzogen.
Unnummerierter Halbvers: Mit Verehrung der Glieder, Indras, der Waffen vom Vajra an und der übrigen [Gottheiten] vollende man sie wie zuvor. [Der zweite Halbvers fehlt.]
23.AM.3: Erhabene Göttin, ich leide an der Krankheit des Werdens, die aus unheilsamem Tun entstanden ist; die Sorgen um Sohn, Tochter und Gattin verfolgen mich. Schaue mit deinem leuchtenden, nektargleichen Blick auf meinen verwirrten Geist. Mutter aller Welten, beschütze mich! Oṃ, dir Verehrung!
23.AM.4: Zu dir, Māheśvarī, wünscheerfüllende Ranke für die, die bei dir Zuflucht suchen, zu Bhavānī, die das Werden abschneidet, nehme ich Zuflucht, Annapūrṇā, zusammen mit meiner von Hunger gequälten Gattin, meinen Kindern und den anderen Angehörigen.
23.AM.5: Annapūrṇā, Tochter des Bergkönigs, beschütze mich, der ich im Waldbrand der Armut brenne. Tauche mich in deinen Ozean des Mitgefühls, mich, dessen Gedankenbewegungen deinen Lotusfüßen dargebracht sind.
23.AM.6: Wer dieses Juwel des Annapūrṇā-Lobes, diese drei Verse, hier mit Hingabe rezitiert, dem schenke die Mutter Fülle an Nahrung, Wohlergehen, Wissen, Ruhm und Lebensgenuss. Die Hauptlesung ist bhukti, nicht mukti; „Befreiung“ wird deshalb hier nicht eingesetzt.
Der Nahrung spendende Mantra für Bhū und Śrī
23.AM.7: Nun wird die Vorschrift des zuvor genannten Mantras namens Annaprada erläutert. Brahmā wird als Ṛṣi genannt, Atikṛti als Versmaß.
23.AM.8: Bhū und Śrī gelten als die beiden Gottheiten, glückverheißende Spenderinnen von Geld und Getreide. Mit Mantrabuchstabengruppen in der Zahl der Veden, Pfeile, Pfeile, Weisen und eines Paares …
Unnummerierter Halbvers: … soll der Mantrakenner die fünf Glieder mit ihren jeweiligen Schlussformeln ausführen. [Der zweite Halbvers fehlt.] Der Zahlencode ergibt vier, fünf, fünf, sieben und zwei.
23.AM.9: Am Tagesbeginn vergegenwärtige man sich zur Fülle von Getreide und Nahrung Vasudhā und Śrī: Im Milchozean, auf einer glückverheißenden goldenen Insel mit hohen silbernen Wällen, mit Gruppen von Wunschbäumen geschmückt und aus Edelsteinen bestehend, sitzen sie vor dem guten Herrn des Reichtums und lassen dem Verehrer immer wieder Scharen von Gütern zuströmen. Ein Wort zur Insel, im Druck surāye (?), ist bereits dort mit einem Fragezeichen versehen.
23.AM.10: Man lade die Göttin auf den Vaiṣṇava-Pīṭha ein und verehre sie mit Duft und anderen Gaben. Zuerst verehre man die Glieder, dann außen in den Himmelsrichtungen die Elemente …
23.AM.11: … die ersten vier; anschließend in den Zwischenrichtungen die vier mit Nivṛtti beginnenden [Kräfte], danach die mit Balākī beginnende Gruppe.
Unnummerierter Halbvers: Indra und die übrigen sowie ihre Waffen: So wird die Verehrung erläutert. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Zweite ausführliche Anwendung
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa vollziehe man drei Prāṇāyāmas mit der Grundvidyā. Zuordnung: „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“ am Kopf; „Verehrung dem Versmaß Atikṛti“ am Mund; „Verehrung den Gottheiten Bhū und Śrī“ am Herzen. Mit zusammengelegten Händen erkläre man die Anwendung „zur Fülle an Geld und Getreide für mich“.
An den mit dem Grundmantra berührten Händen: annamahi den Daumen; annaṃ me dehi den Zeigefingern; annādhipataye den Mittelfingern; mamānnaṃ pradāpaya den Ringfingern; svāhā den kleinen Fingern, jeweils mit namaḥ.
Dieselben fünf Glieder werden ohne die Augen am Körper zugeordnet: annamahi dem Herzen, namaḥ; annaṃ me dehi dem Kopf, svāhā; annādhipataye dem Haarschopf, vaṣaṭ; mamānnaṃ pradāpaya dem Schutzpanzer, huṃ; svāhā der Waffe, phaṭ.
Nach Meditation und geistiger Verehrung werde ein Verehrungskreis aus zwei achtblättrigen Lotussen angelegt, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren. Nach Aufstellung und Verehrung wie zuvor wird der noch zu erläuternde Vaiṣṇava-Pīṭha verehrt. Bhū und Śrī werden eingeladen; die Darbringungen bis zu den Blüten sowie die Gliederverehrung erfolgen wie zuvor. Die gedruckte Übergangsform zur Badehandlung ist sprachlich auffällig.
Auf den Blättern des ersten achtblättrigen Lotus in den Hauptrichtungen: „oṃ ākāśāya namaḥ“, „oṃ vāyave namaḥ“, „oṃ agnaye namaḥ“, „oṃ jalāya namaḥ“ – Verehrung Raum, Wind, Feuer und Wasser. In den Zwischenrichtungen beginnt die Reihe mit „oṃ nivṛttyai namaḥ“ und Pratiṣṭhā; sie setzt sich auf der nächsten Druckseite fort.
Druckvarianten: Zum ersten Gebetsvers steht „durch die Verbindung mit Leiden“ statt der Hauptlesung zur Krankheit des Werdens; außerdem ist „gebunden“ als Variante verzeichnet.
Abschluss der Verehrung von Bhū und Śrī
Druckseite 212. Fortsetzung der unnummerierten Prosa. Die neuen Versreihen erhalten AF für den Annaprada-Abschluss, AR für Aśvārūḍhā, TR für das Tantrarāja-Zitat, RP für die Verehrung und RH für die Wiederholungszahl.
Fortsetzung der Zwischenrichtungen: Verehrung Pratiṣṭhā, Vidyā und Śānti. Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus wird die mit Balākī beginnende Achtergruppe verehrt, die im Abschnitt über die einsilbige Lakṣmī genannt wurde. Danach wird die Verehrung von Indra und den übrigen wie zuvor vollzogen und das Ritual abgeschlossen.
23.AF.1: Der Mantrakenner wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere davon ein Zehntel der Reihe nach mit Ghee vermischter Nahrung.
23.AF.2: Danach vollziehe er die Sättigungsdarbringung und die weiteren Handlungen, speise sorgfältig die Brahmanen und erfreue aufmerksam den Guru. So erlange er die Vollendung des Mantras.
23.AF.3: Der Verständige wiederhole am Tagesbeginn den Mantra 108-mal; er werde gewiss reich an Feldern, Getreide, Nahrung und Edelsteinen.
Aśvārūḍhā, die Göttin auf dem Pferd
Nun die Aśvārūḍhā-Mantras. Im Sārasaṃgraha:
23.AR.1: Man spreche Yoni, den Raum mit „Auge“, dann das Wort „parame“; den bei „Knochen“ befindlichen Laut mit „Fett“ verbunden, den bei „Rot“ befindlichen mit „Blick“ und zweimal ṭha.
Unnummerierter Halbvers: Mit dem Praṇava am Anfang gilt dieser als zehnsilbiger Aśvārūḍhā-Mantra. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Erläuterung: Yoni wird in der Glosse als i erklärt; Raum als ha, mit „Auge“, dem i-Laut, zu hi verbunden; parame steht für seinen Wortlaut. „Knochen“ ist śa, „Fett“ va, zusammen śva. „Rot“ ist ra und „Blick“ i, zusammen ri. Das doppelte ṭha steht für svāhā. Der folgende Nyāsa schreibt den Anfang ehi aus; diese Lesung wird gegenüber der abweichenden Vokalerklärung bewahrt. Die so belegte Formel mit Praṇava lautet „oṃ ehi parameśvari svāhā“: „Komm, höchste Göttin, svāhā.“
23.AR.2: [Erster Halbvers fehlt.] Brahmā ist der Ṛṣi, Virāj das Versmaß; als Gottheit wird genannt …
23.AR.3: … Aśvārūḍhā. Mit den drei Wörtern, mit Praṇava beginnend und zweimal gesprochen, gestalte man die sechs Glieder dieses Mantras mit den jeweiligen Schlussformeln.
23.AR.4: Im Geist betrachte ich die auf einem Pferd reitende Göttin, mit dem jungen Mond und einem Stirnauge versehen. Mit einem Arm zieht sie die durch eine Schlinge gebundene, von Verlangen überwältigte Zielperson rasch herbei; in der rechten Hand trägt sie einen erhobenen goldenen Stab. Sie gleicht der Bandhūka-Blüte und ist von ihrer vollen Brust leicht geneigt.
Im Tantrarāja dagegen, Druckverweis „33.31“:
23.TR.1: [Man betrachte sie] rot, auf einem roten Pferd, mit rotem Gewand und rotem Schmuck, vierarmig, dreiäugig und mit freundlichem Lotusgesicht …
23.TR.2: … rechts das Pferd [Zuordnung sprachlich auffällig], links eine glänzende Lederpeitsche; mit den anderen beiden Händen die eigene Zielperson durch eine goldene Schlinge am Hals gebunden …
23.TR.3: … vom goldenen Stab getroffen, mit gebundenen, zum Gruß zusammengelegten Händen, „Ich bin dein Diener“ sprechend und zu ihren Füßen niedergeworfen.
Übergang: „So sich vergegenwärtigend.“ Damit ist eine vierarmige Meditationsgestalt beschrieben.
23.RP.1: Auf dem Śākta-Pīṭha verehre man die Göttin, zuvor die Glieder, außen die Mütter und Indra mit den übrigen, noch weiter außen deren Waffen.
Unnummerierter Halbvers: Diese Verehrung Aśvārūḍhās wird als alle Fülle gewährende beschrieben. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Ausführlicher Nyāsa und Verehrung
Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa erfolgen drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra. Zuordnung: Brahmā als Ṛṣi am Kopf, Virāj als Versmaß am Mund, Aśvārūḍhā als Gottheit am Herzen. Mit zusammengelegten Händen erklärt man die Anwendung zum Gefügigmachen.
Sechs Glieder: ehi dem Herzen, namaḥ; parameśvari dem Kopf, svāhā; svāhā dem Haarschopf, vaṣaṭ; ehi dem Schutzpanzer, huṃ; parameśvari den drei Augen, vauṣaṭ; svāhā der Waffe, phaṭ. So erfolgen Hand- und Körper-Nyāsa. Nach Meditation und den Darbringungen bis zu den Blüten werden die Glieder wie zuvor verehrt. Die Quelle setzt in Klammern hinzu: Auf den acht Blättern werden Brāhmī und die anderen wie zuvor verehrt. Im Quadrat die Welthüter; danach schließt man mit Räucherwerk und den übrigen Gaben ab.
23.RH.1: Man wiederhole zehntausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee. Danach vollziehe der Verständige Sättigungsdarbringung und weitere Handlungen nach der zuvor genannten Vorschrift.
Druckvariante: Eine Fußnote bietet saṃsthite („befindlich/aufgestellt“). Der letzte Vers dieser Seite wurde nach dem Druckbild erfasst; er fehlt in der OCR-Wiedergabe.
Aśvārūḍhā: weitere Anwendungen und Mantraformen
Druckseite 213. Die RH-Reihe wird fortgesetzt. Die später beginnenden Gaurī-Verse erhalten das Kürzel GA.
23.RH.2: Schon durch diese Betrachtung mache er bald die ganze Welt gefügig. Der Mantrin opfere mit Ghee bereitete Nahrung; er erlange die gewünschte Frucht.
23.RH.3: Mit den drei süßen Stoffen benetzte geröstete Körner opfernd, mache er, wie es heißt, Könige gefügig. Durch dasselbe genannte Verfahren würden auch Frauen gefügig.
23.RH.4: Ein Ghee-Feueropfer mit dieser Vidyā gilt als Gold gewährende Anwendung. Mit den drei süßen Stoffen opfere er tausendmal zur Erlangung der Gefügigkeit von Frauen.
23.RH.5: Durch das zuvor beschriebene Feueropfer ziehe er gewiss eine Frau herbei. [Eine weitere Mantraform] mit Praṇava und anschließend Māyā am Anfang ist elfsilbig.
Unnummerierter Halbvers: Die sechs Glieder werden bei ihr mit Māyā und den sechs langen Vokalen gebildet. [Der zweite Halbvers fehlt.]
23.RH.6: Mit Praṇava, Pāśa, Hṛllekhā und Aṅkuśa am Anfang wird dieser als dreizehnsilbig bezeichnet. Mit zwei, einem, einem und einem Paar [Silben] …
Unnummerierter Halbvers: … dann mit fünf und zwei wird die Folge der sechs Glieder erläutert. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Erläuterung: Pāśa ist āṃ; Hṛllekhā ist hrīṃ; Aṅkuśa ist kroṃ. „Dieser“ bezeichnet den zehnsilbigen [Grundmantra]. Die Darstellung der verschiedenen Präfixe wird nicht zu einer einzigen verbindlichen Formel vereinheitlicht.
23.RH.7: Als vorbereitende Praxis werden fünfhunderttausend Wiederholungen genannt [Bezugswort am Versanfang unsicher]. Verehrung und die weiteren Handlungen dieser beiden [Formen] folgen dem vorausgehenden Mantra.
23.RH.8: Man lege zwölf Felder an; in die vier in der Mitte befindlichen Felder den Praṇava zusammen mit der Zielperson, in die übrigen die zwölf Mantrabuchstaben. Die genannten Feld- und Buchstabenzahlen ergeben ohne zusätzliche Annahmen keinen eindeutigen Plan; diese Unstimmigkeit bleibt bestehen.
23.RH.9: Dieses Aśvārūḍhā-Yantra gilt als Mittel, sämtliche Frauen, Könige und Männer gefügig zu machen; verehrt, gewähre es alle Wünsche.
Unnummeriertes Zitat aus dem keralischen Yantrasāra: In die Mitte die Śakti mit der Zielperson; in die Ecken des doppelten Feuerhauses [der beiden Dreiecke] Pāśa, Śakti und die folgenden Bījas [teilweise unsichere Lesung]. Außen auf die zwölf Blätter jeweils einen Mantrabuchstaben. Umgeben von den Pfeilen des Liebesgottes, der Nityā und den Mātṛkā-Buchstaben, im Erdhaus befindlich, sei dieses Yantra Glück bringend und Gefügigkeit bewirkend.
Ausführliche Glosse: In die Mitte des Sechsecks werden das Śakti-Bīja und die Zielperson geschrieben. In die sechs Ecken nennt der Druck die Folge „āṃ hrīṃ krauṃ mai klauṃ sauḥ“; besonders mai und die Zusammenschreibung im Vers sind nicht sicher. Auf die zwölf äußeren Blätter werden die zwölf Buchstaben ohne das Śakti-Bīja verteilt. Außen zeichnet man vier Kreise, die drei Zwischenräume bilden: Im ersten stehen die bereits genannten Pfeil-Bījas, im zweiten die später zu erläuternde Nityaklinnā-Vidyā, im dritten fortlaufend die Mātṛkā-Buchstaben. Darum legt man ein Quadrat. Dies gewähre die genannte Wirkung.
Weitere unnummerierte Mantraform: Praṇava, Bhuvanādhīśā, „namo“, „bhagavati“, „māheśvari“, „ehi parameśvari“ und als Ende svāhā: Der Mantra wird als einundzwanzigsilbig bezeichnet. Seine Verehrung erfolgt wie zuvor. [Ein weiterer Halbvers fehlt.]
Glosse: Bhuvanādhīśā ist hrīṃ; das Übrige sei leicht verständlich. Zwischen māheśvari und ehi sei kein Sandhi anzuwenden, da einundzwanzig Silben angegeben werden. Die erklärte Folge lautet entsprechend: „oṃ hrīṃ namo bhagavati māheśvari ehi parameśvari svāhā“.
Gaurī: Mantra und Meditationsgestalt
Im Sārasaṃgraha:
23.GA.1: Man spreche Māyā, „gauri rudradayite“, dann „yo“ mit dem Ende „geśvari“, Schutzpanzer, Waffe und zweimal ṭha. [Der Mantra] ist sechzehnsilbig.
Glosse: Māyā ist hrīṃ, Schutzpanzer huṃ, Waffe phaṭ, zweimal ṭha svāhā. Daraus ergibt sich die erläuterte Folge: „hrīṃ gauri rudradayite yogeśvari huṃ phaṭ svāhā“ – Gaurī, Geliebte Rudras, Herrin des Yoga.
23.GA.2: Aja [Brahmā] wird als Ṛṣi genannt, Anuṣṭubh als Versmaß. Die Gottheit ist Gaurī, Spenderin von Glück, Schönheit beziehungsweise Wohlgestalt und sämtlichen Gütern.
23.GA.3: Mit Māyā und den sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Glieder des Mantras. [Man betrachte sie] goldglänzend, in ihren Armen Spiegel und Mittel zum Auftragen von Augenschminke tragend …
Unnummerierter Halbvers: … Schlinge und Haken, mit allem Schmuck versehen: Dieser Gaurī gedenke man stets. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse zur Attributzuordnung: Die beiden ersten Attribute werden einer linken beziehungsweise unteren Handstellung, die anderen den übrigen Stellungen zugeordnet. Der gedruckte Satz ist beschädigt; eine sicher bestimmte Verteilung auf vier Hände wird daraus nicht erfunden.
Gaurīs Verehrung und eine zweite Überlieferungsfassung
Druckseite 214. GA wird fortgesetzt; die Prapañcasāra-Verse erhalten GP, die abschließenden Anwendungsverse GH.
23.GA.4: [Erster Halbvers fehlt.] Auf dem Śākta-Pīṭha verehre man Gaurī mit erfreulichen Gaben wie Sandelholz.
23.GA.5: Zuerst verehre man die Glieder, danach die mit Subhagā beginnende Gruppe: Subhagā, Lalitā, Kāminī und Kāmamālinī …
23.GA.6: … Schlinge, Haken, Spiegel und als achtes das Stäbchen für Augenschminke; Śakra [Indra] und die übrigen mit ihren Waffen. So ist Gaurīs Verehrung erläutert.
Im Prapañcasāra hingegen:
23.GP.1: Auf dem von Dharma und den weiteren [Kräften] gebildeten Pīṭha verehre man diese Pīṭha-Kräfte: Prabhā, Jñānā, Vāc, Vāgīśvarī und die höchste Jvālinī …
23.GP.2: … Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī und Guhyaśakti: diese neun. Sie werden mit Bhṛgu verbunden, versehen mit den Vokalen außer den drei kurzen und den geschlechtsneutralen.
Glosse: Die drei kurzen Vokale sind a, i, u; die geschlechtsneutralen ṛ, ṝ, ḷ und ḹ. Bhṛgu ist der Laut sa.
23.GP.3: „gauṃ gaurīmūrtaye“ und „Herz“ [namaḥ] bilden den Pīṭha-Mantra. So verehre man die Göttin auf dem Pīṭha mit erfreulichen Gaben wie Sandelholz.
23.GP.4: „subhagāyai“, dann „vidmahe“, „kāmamālinyai“, „dhīmahi“, „tanno gaurī“ und „pracodayāt“ [bilden die Gāyatrī].
23.GP.5: Mit dieser Gāyatrī bringe man sämtliche Darbringungen dar. Zuerst verehre man die Glieder, dann die mit Subhagā beginnende Gruppe.
23.GP.6: Bhṛgu zusammen mit Wasser, versehen mit dem zweiten, vierten, sechsten und zwölften Vokal und dem Mondpunkt: [So verehre man] Subhagā, Lalitā, Kāminī und Kāmamālinī.
Unnummerierter Halbvers: In den Himmelsrichtungen [diese Kräfte], an den anderen Stellen die eigenen Waffen, mit den Welthütern und deren Waffen. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse: Bhṛgu ist sa, Wasser va; der zweite Vokal ā, der vierte ī, der sechste ū und der zwölfte ai. Daraus entstehen svāṃ, svīṃ, svūṃ und svaiṃ. Die Attribute sind Spiegel, Mittel zum Auftragen von Augenschminke, Schlinge und Haken.
Ausführliche Gaurī-Pūjā
Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa vollziehe man drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra. Aja wird als Ṛṣi am Kopf, Anuṣṭubh als Versmaß am Mund und Śrī-Gaurī als Gottheit am Herzen zugeordnet. Mit zusammengelegten Händen wird die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Anliegens erklärt. Hand- und sechsgliedriger Körper-Nyāsa erfolgen mit hrāṃ und den weiteren Formen.
Nach Meditation und Selbstverehrung verehre man den Pīṭha von Maṇḍūka bis zum höchsten Tattva. An den Staubfäden des achtblättrigen Lotus, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn: sāṃ Prabhā, sīṃ Jñānā, sūṃ Vāc, saiṃ Vāgīśvarī, saiṃ Jvālinī, soṃ Vāmā, sauṃ Jyeṣṭhā, saṃ Raudrī, saḥ Guhyaśakti, jeweils mit dem Namen im Dativ und namaḥ. Die zweimalige Folge saiṃ steht so im Druck; nach dem vorausgehenden Vokalcode wäre an der ersten dieser beiden Stellen seṃ zu erwarten. Die Abweichung wird nicht stillschweigend geglättet.
Mit „gauṃ gaurīmūrtaye namaḥ“ verehrt man den gesamten Pīṭha. Nach Einladung und Zeigen der Mudrās werden Sitz und sämtliche weiteren Gaben mit der Gāyatrī dargebracht:
subhagāyai vidmahe kāmamālinyai dhīmahi tanno gaurī pracodayāt
„Wir erkennen die Glückverheißende; wir meditieren über Kāmamālinī. Möge Gaurī uns anregen und erleuchten.“
Nach der Blumengabe verehrt man die Glieder wie zuvor. Auf den Blättern in den Hauptrichtungen: oṃ svāṃ Subhagā, oṃ svīṃ Lalitā, oṃ svūṃ Kāminī, oṃ svaiṃ Kāmamālinī, jeweils mit namaḥ und Dativform. In den Zwischenrichtungen: Schlinge, Haken, Spiegel und Augenschminkstäbchen. Die Verehrung erfolgt vor der Gottheit beginnend im Uhrzeigersinn. Im äußeren Quadrat werden Welthüter und Waffen verehrt; Räucherwerk und die übrigen Gaben schließen die Handlung ab.
Wiederholungszahl und historische Anwendungen
23.GH.1: Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee. Nachdem man den Guru sorgfältig erfreut hat, vollziehe man Sättigungsdarbringung und die weiteren Handlungen.
23.GH.2: Erst wenn der Mantra vollendet ist, vollziehe der Mantrin wunschbezogene Anwendungen, nicht vorher. Nachts schreibe er [den Namen] der Schönäugigen mit Niśā auf den linken Oberschenkel.
23.GH.3: Dies mit dem linken Arm bedeckend, den Geist darauf gerichtet, wiederhole er den Mantra tausend und hundert Mal. Er bringe die Bewegäugige herbei, von Verlangen überwältigt.
23.GH.4: Duftstoffe, Blüten, Früchte und weitere Dinge, mit diesem Mantra besprochen und anderen gegeben beziehungsweise von ihnen verwendet, sollen die Menschen gefügig machen.
Unnummerierter Übergang zu einem weiteren Mantra: Nun werde ich einen anderen nennen, der sämtliche Frauen gefügig machen soll. [Es folgen die Wörter] „kāñcit strī vaśaṃ“ und eine zweifach auszuführende Silbenanweisung, deren Schlussform karidvidu im Druck nicht sicher lesbar ist. Die Erschließung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Druckvariante: Eine Fußnote bietet padyā; ihre genaue Zuordnung ist nicht eindeutig.
Abschluss der weiteren Gaurī-Formel
Druckseite 215. Die unnummerierte Mantraerschließung setzt sich fort; anschließend beginnt eine neue Versfolge mit dem Kürzel PJ.
Unnummerierter Text: [Unsichere Lautanweisung: dheyaṃ vādvayaṃ], „strī svāhā“: So wird dieser Mantra genannt. Er sei neunzehnsilbig und bewirke in besonderem Maß die Gefügigkeit von Frauen. Der Mantrin vollziehe seine Verehrung und die weiteren Handlungen wie zuvor. Anstelle der Anfangslaute [gedruckte Austauschregel beschädigt] werde der Name der Zielperson eingesetzt. Schon hundert Wiederholungen sollen diese gefügig machen. [Ein weiterer Halbvers fehlt.] Aus den beschädigten Lautanweisungen wird keine scheinbar vollständige Formel hergestellt.
Padmāvatī
Im Sārasaṃgraha:
23.PJ.1: Māyā mit „Rot“, „dmāvati“ und svāhā: Der siebensilbige Padmāvatī-Mantra wird als allen Gefügigkeit gebend beschrieben.
Glosse: Māyā ist das Bhuvaneśvarī-Bīja hrīṃ; „Rot“ ist pa; dmāvati und svāhā stehen für ihren Wortlaut. Daraus ergibt sich „hrīṃ padmāvati svāhā“.
23.PJ.2: Brahmā wird als Ṛṣi angegeben, Gāyatrī als Versmaß. Padmāvatī ist die Gottheit, hrīṃ das Bīja; ihre Kraft …
23.PJ.3: … sei svāhā. Nachdem die Glieder mit Māyā, verbunden mit den sechs langen Vokalen, gebildet sind, betrachte der Sādhaka mit festem Geist die Göttin.
23.PJ.4: Man denke an sie mit zwei Händen, die rote Lotusse halten, auf einem Lotus sitzend, mit Lotusgesicht, einer Bandhūka-Blüte gleich, dreiäugig und mit vielfältigem Schmuck glänzend.
23.PJ.5: Auf dem Śakti-Pīṭha verehre man die Göttin; zuvor die Glieder, die Mütter, Welthüter und deren Waffen. Dies gilt als Padmāvatīs Verehrung.
Übergang: Die Anwendung sei leicht verständlich. Ferner:
23.PJ.6: Die Mantrakenner nennen hunderttausend Wiederholungen als vorbereitende Praxis. Der beste Mantrakenner opfere ein Zehntel davon mit Ghee.
23.PJ.7: Wer diesen Mantra verehrt, sei allen Frauen lieb. In das Innere eines Sechsecks schreibe man die Śakti, in die sechs Ecken …
23.PJ.8: … die Mantrabuchstaben; außen werde dies von Schrift umgeben. Dieses schöne Padmāvatī-Yantra bewirke Gefügigkeit; daran bestehe nach Aussage des Textes kein Zweifel.
Glosse: „Von Schrift umgeben“ bedeutet von der Mātṛkā. Das Übrige sei leicht verständlich.
Jyeṣṭhalakṣmī
23.PJ.9: Das erste Bīja ist Vāgbhava, das zweite Bhuvaneśvarī, das dritte Ramā; danach das Wort „ādyalakṣmī“ …
23.PJ.10: … nach „svayaṃbhuve“ spreche man Bhuvaneśvarī, „jyeṣṭhāyai“ und „Herz“. Der Mantra ist siebzehnsilbig.
Glosse: Vāgbhava ist aiṃ, „Herz“ namaḥ; das Übrige sei leicht verständlich. Die so erläuterte Folge lautet: „aiṃ hrīṃ śrīṃ ādyalakṣmī svayaṃbhuve hrīṃ jyeṣṭhāyai namaḥ“. Die ungewöhnliche Kasusfolge des Druckes wird bewahrt.
23.PJ.11: Brahmā wird als Ṛṣi überliefert, Aṣṭi als Versmaß. Die Gottheit ist Jyeṣṭhalakṣmī; Śrī und Māyā sind Kraft und Bīja.
23.PJ.12: Der Kundige reinige dreimal die Hände und vollziehe dann den Glieder-Nyāsa. Mit Buchstabengruppen von drei, vier, vier, eins, drei und zwei werden die sechs Glieder der Reihe nach gebildet.
23.PJ.13: Die drei Bījas setze man an Kopf, Brauenmitte und Mund ein, die fünf Wörter an Herz, Nabel, Ādhāra, Knien und Füßen.
23.PJ.14: [Man betrachte sie] auf einem Lotus sitzend, rötlich, rote Gewänder tragend, den Körper mit Kuṅkuma bestrichen, mit Augen wie voll erblühte Lotusse …
23.PJ.15: … Jyeṣṭhā mit sanft lächelndem Gesicht, Krug und Schatzgefäß tragend, mit den oberen Armen Schlinge und Haken.
Unnummerierter Halbvers: Man betrachte und verehre die Göttin auf diese Weise mit höchster Hingabe. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Attributglosse: Die ersten beiden Attribute werden linken beziehungsweise unteren, die anderen weiteren Handstellungen zugeordnet; die genaue Satzfassung ist unsicher. Der Krug ist mit Nektar gefüllt.
23.PJ.16: Der Mantrakenner gestalte den Pīṭha ordnungsgemäß mit Dharma und den weiteren [Kräften]. Lohitākṣī, Virūpākṣī, Kamalā, Nīlalohitā …
23.PJ.17: … Samadā, Vāruṇī, Puṣṭi, Amoghā und Viśvamohinī: Diese verehre man der Reihe nach an den Blattwurzeln, von Osten beginnend, und in der Mitte. Die folgende Prosa bietet für Samadā die Form Madā.
23.PJ.18: Man spreche „raktajyeṣṭhāyai vidmahe“, dann „nīlajyeṣṭhāyai dhīmahi“ und „tanno lakṣmīḥ pracodayāt“.
23.PJ.19: Mit dieser [Gāyatrī] lade man Jyeṣṭhā ein und verehre sie mit Sandelholz und anderen Gaben. Glieder, Mütter, Welthüter und deren Waffen sind zu verehren.
Gāyatrī in deutscher Bedeutung: „Wir erkennen die rote Jyeṣṭhā; wir meditieren über die blaue Jyeṣṭhā. Möge Lakṣmī uns anregen und erleuchten.“
Druckvarianten: Zum Yantra steht eine andere Schreibanweisung für das Sechseck; außerdem „Rad“ als Attributvariante. Die Hauptlesung wurde nicht damit ersetzt.
Ausführliche Jyeṣṭhalakṣmī-Verehrung
Druckseite 216; PJ wird bis 21 fortgesetzt. Die Tripuṭā-Reihe erhält TP, der letzte Yantra-Vers TY.
Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa vollziehe man drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra. Zuordnung: Brahmā als Ṛṣi am Kopf, Aṣṭi als Versmaß am Mund, Jyeṣṭhalakṣmī als Gottheit am Herzen, Śrī als Bīja im verborgenen Bereich und hrīṃ als Kraft an den Füßen. Hier vertauscht die Prosa die Bīja- und Kraftzuordnung gegenüber PJ 11; die Abweichung bleibt erhalten.
Nach Reinigung der Hände mit der Grundvidyā: oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ dem Herzen, namaḥ; ādyalakṣmī dem Kopf, svāhā; svayaṃbhuve dem Haarschopf, vaṣaṭ; hrīṃ dem Schutzpanzer, huṃ; jyeṣṭhāyai den beiden Augen, vauṣaṭ; namaḥ der Waffe, phaṭ. Mit diesen Gliedermantras werden Hand- und Körper-Nyāsa vollzogen.
Nach Meditation und Selbstverehrung wird der Pīṭha von Maṇḍūka bis zum höchsten Tattva verehrt. An den Staubfäden des achtblättrigen Lotus, vorn beginnend im Uhrzeigersinn und in der Mitte endend: Lohitākṣī, Virūpākṣī, Kamalā, Nīlalohitā, Madā, Vāruṇī, Puṣṭi, Amoghā, Viśvamohinī, jeweils im Dativ mit namaḥ. Hier steht Madā gegenüber Samadā im vorausgehenden Vers.
Mit „aiṃ hrīṃ śrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ“ verehrt man den gesamten Lotussitz aller Kräfte. Mit „raktajyeṣṭhāyai vidmahe nīlajyeṣṭhāyai dhīmahi tanno lakṣmīḥ pracodayāt“ wird die Göttin eingeladen. Sitz und weitere Darbringungen bis zu den Blüten erfolgen mit der Grundvidyā. Es folgen die Glieder, Brāhmī und die übrigen auf den acht Blättern, Welthüter und Waffen im Quadrat sowie Räucherwerk, Licht und die abschließenden Gaben.
23.PJ.20: Der Sādhaka wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit reinem, mit Ghee benetztem Milchreis.
Unnummerierter Halbvers: Nach Sättigungsdarbringung und Besprengung veranstalte man die Speisung der Brahmanen. [Der zweite Halbvers fehlt.]
23.PJ.21: Der Mensch, der den Jyeṣṭhā-Mantra mit Nyāsa, Verehrung, Japa und Sättigungsdarbringung verehrt, erlange hier viele Freuden und danach den ewigen Ort Viṣṇus.
Tripuṭā: die dreifache Vidyā
Im Sārasaṃgraha:
23.TP.1: Nun werde ich den vorzüglichen, glückverheißenden Mantra namens Tripuṭā erläutern, der die Menschen erfreut und die Frucht der vier Lebensziele gewährt …
23.TP.2: … Ruhm, Söhne und Enkel schenkt und dichterische Kraft hervorbringt. Kamalā, Bhuvaneśānī und als Drittes Manobhava …
Unnummerierter Halbvers: … bilden den dreilautigen Mantra namens Tripuṭā. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse: Kamalā ist śrīṃ, Bhuvaneśānī hrīṃ, Manobhava klīṃ. Somit lautet die erklärte Bīja-Folge „śrīṃ hrīṃ klīṃ“. Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā nennt Brahmā als Ṛṣi und Gāyatrī als Versmaß; im Śāradātilaka heißt es: „Der Ṛṣi ist Saṃmohana.“ Der verehrte Lehrer habe hierzu nichts gesagt. Im Sārasaṃgraha:
23.TP.3: [Erster Halbvers fehlt.] Bhṛgu, Saṃmohana, ist sein Ṛṣi; Gāyatrī wird als Versmaß bezeichnet. Die beiden Namen stehen so nebeneinander im Druck; die Glosse hat bereits unterschiedliche Quellenzuordnungen genannt.
23.TP.4: Die Gottheit heißt Tripuṭā. Die Glieder werden mit dem zweimal gesprochenen Mantra gebildet. Oder die sechs Glieder werden mit Bhuvaneśānī zugeordnet.
23.TP.5: Ich vergegenwärtige mir die goldglänzende Göttin im schönen Wald der Pārijāta-Bäume, in einem Pavillon auf goldenem Boden und hoher Edelsteinterrasse, unter dem glänzenden Götterbaum, über einem schönen Löwenthron im Sechseck sitzend. Mit ihren Lotushänden trägt sie zwei Lotusse, Schlinge, Haken, Bogen und Pfeile; ihre Krone ist aus Edelsteinen, ihr Schmuck schön, und sie hat drei Augen.
23.TP.6: Rings ist die Glückverheißende von Botinnen umgeben, die Fliegenwedel, Spiegel, Kästchen, Körbchen und Betel tragen.
Glosse: Gemeint sind die Botinnen Dhṛtinī und die weiteren. Das Nārāyaṇīya nennt, mit der nordöstlichen beziehungsweise „milden“ Richtung beginnend, Dhṛtinī, Sṛṇī, Ādityā und Prabhāvatī; einzelne Namen sind unsicher. Ferner heißt es: „Mit nektargleichem Blick schaut sie auf den anmutigen Sādhaka.“
Dakṣiṇāmūrti:
23.TY.1: Der Verständige zeichne zuerst ein Sechseck und schreibe in die Mitte die Vidyā. In die Ecken des Sechsecks schreibe er sie dann der Reihe nach mit Wiederholung.
Tripuṭās Yantra und sechs Begleitgestalten
Druckseite 217. TY wird fortgesetzt; neue Reihen: TG für die Begleitgestalten, TJ für Japa und PS für die Prapañcasāra-Fassung.
23.TY.2: Außen lege man einen achtblättrigen Lotus an, mit langen Vokalen geschmückt, und zeichne ein quadratisches Maṇḍala mit vier Toren.
Glosse: „Quadrat“ bedeutet drei Quadrate; der Singular bezeichne hier, wie in der Wendung „er reinigt das Gefäß“, eine durch den Zusammenhang gegebene Mehrzahl. „In der Mitte“ meint die Mitte des vierblättrigen Lotus innerhalb des Sechsecks. Als Beleg dient das Nārāyaṇīya: „Der Kundige verehre sie im vierblättrigen Lotus innerhalb des Sechsecks.“
Im Sārasaṃgraha:
23.TG.1: Auf dem Śākta-Pīṭha mit neun Kräften verehre man die Göttin. Zuerst die Glieder, dann die mit Lakṣmī beginnenden Gestalten in den sechs Ecken.
23.TG.2: An den beiden Seiten des Sechsecks verehre man die beiden Schätze, außen die Mütter und anschließend die Welthüter in Frauengestalt.
23.TG.3: Lakṣmī, goldglänzend und schlank, mit zwei Händen, die Wunschgewährung und Lotus zeigen; Hari, goldglänzend, mit Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus in den schönen Händen …
23.TG.4: … Śivā, rötlich, Schlinge, Haken, Furchtlosigkeit und Wunschgewährung tragend; Śiva, goldglänzend, mit Gazelle [folgender Bestandteil des Attributkompositums unsicher], Beil, Furchtlosigkeit und Wunschgewährung …
23.TG.5: … Rati, goldglänzend, freundlich, mit blauem Lotus in der Hand; Smara, rot leuchtend, Schlinge, Haken, Bogen und Pfeile tragend.
Unnummerierter Halbvers: So ist die Verehrung der Mahāvidyā namens Tripuṭā in Kürze erläutert. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Ausführlicher Tripuṭā-Nyāsa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa erfolgen drei Prāṇāyāmas mit der Grundvidyā. Saṃmohana wird als Ṛṣi am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und „Śrī-Tripurā“ als Gottheit am Herzen zugeordnet. Die Prosa schreibt hier Tripurā, während die Abschnittsüberschrift Tripuṭā lautet.
Sechs Glieder: śrīṃ dem Herzen, namaḥ; hrīṃ dem Kopf, svāhā; klīṃ dem Haarschopf, vaṣaṭ; śrīṃ dem Schutzpanzer, huṃ; hrīṃ den drei Augen, vauṣaṭ; klīṃ der Waffe, phaṭ. Nach Hand- und Körper-Nyāsa erfolgen Meditation und Darbringungen bis zu den Blüten auf dem bereits beschriebenen Bhuvaneśvarī-Pīṭha sowie die Gliederverehrung.
Auf den vier Blättern, links von der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Dhṛtinī, Sṛṇī, Ādityā und Prabhāvatī. In den sechs Ecken, vorn beginnend: Lakṣmī, Hari, Girijā, Śiva, Rati und die im Druck als Anaṅgaja bezeichnete Gestalt. Jeweils werden die Namen im Dativ mit namaḥ verwendet; die letzte Namensform weicht von Smara im Vers ab.
Rechts vom Sechseck Śaṅkhanidhi, der Muschelschatz, links Padmanidhi, der Lotusschatz. Auf den acht Blättern Brāhmī und die übrigen Mütter. Welthüter und alles Weitere schließen die Verehrung wie zuvor ab.
23.TJ.1: Nach dieser Betrachtung wiederhole man den Mantra zwölf Lakh Mal. Mit vorzüglichen, mit Süßem benetzten Opferhölzern opfere man „dessen Tausenderzahl“.
23.TJ.2: [Diese Hölzer stammen] vom Śrī- und Rājavṛkṣa, zusammen mit schönen Japā-Blüten. Danach erfolgen Sättigungsdarbringung, Besprengung und die Ehrung der Brahmanen.
Glosse: Śrīvṛkṣa ist Bilva. Die Zahl ādityalakṣakam wird hier als zwölf Lakh, also 1.200.000, verstanden; der folgende Ausdruck tatsahasram ist keine ausdrücklich formulierte Zehntelregel. Eine bestimmte Homa-Gesamtzahl wird deshalb nicht ergänzt.
Weitere unnummerierte Betrachtung: Der Verständige setze die Bījas von Lakṣmī, Gaurī und Kandarpa der Reihe nach in die Mondsichel, diese in den Mond und den Mond in den Raum. Dann vergegenwärtige er sich die gesamten drei Welten als aus diesem bestehenden, zinnoberroten Raum. So bringe er alle Götter in Gefügigkeit – um wie viel mehr Menschen. Wer den Mantra auf diese Weise verehrt, erlange höchste dichterische Kraft, göttliches Wohlergehen und unvergleichliches Glück; lange lebe der Mensch glücklich auf Erden. [Ein weiterer Halbvers fehlt.]
Achtsilbige Śakti-Fassung aus dem Prapañcasāra
Unnummerierte Bīja-Reihe: Pāśa, Śrī, Śakti, Smara, Manmatha, Śakti, Indirā und Aṅkuśa. Die Glosse erklärt Pāśa als āṃ, Smara und Manmatha beide als klīṃ, Indirā als Śrī-Bīja und Aṅkuśa als kroṃ. Mit den bereits erläuterten Śakti-Bījas ergibt dies: „āṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ klīṃ hrīṃ śrīṃ kroṃ“.
23.PS.6: Ṛṣi, Versmaß und Gottheit werden als Aja, Gāyatrī und Śakti bezeichnet. Die Anwendung wird für Gefügigmachen von Frauen, Heranziehen und Ähnliches genannt.
23.PS.7: Die Glieder werden mit Māyā und den sechs langen Vokalen gebildet. [Die Buchstaben werden] an Herz, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer, Augen, Waffe, Bauch und Rücken …
Unnummerierte Fortsetzung: … als achtgliedriger Nyāsa eingesetzt; mit dem Grundmantra erfolgt der umfassende Nyāsa. Im Herzen stelle man sich die Göttin als Gestalt der Freude vor, rötlich, Schlinge, Haken, Bogen und Pfeile in den Armen tragend, mit [auffällig formuliertem] Brustattribut. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Druckvariante: Eine verkürzte Form nabhyarcayet steht in der Fußnote; sie wird nicht ohne sicheren Bezug in die Hauptlesung eingesetzt.
Abschluss der achtsilbigen Śakti-Verehrung
Druckseite 218. PS setzt mit der gedruckten Nummer 9 fort; die vorhergehenden unnummerierten Verse erhalten keine erfundene Nummer 8. Die Nityaklinnā-Reihe wird NK genannt.
Attributglosse: Die ersten beiden Attribute werden den linken beziehungsweise oberen, die übrigen den anderen unteren Händen zugeordnet. Die genaue Anordnung ist sprachlich unsicher.
23.PS.9: Auf dem Śākta-Pīṭha verehre man die Göttin mit den bei Hṛllekhā beginnenden Kräften, den Gliedern, Müttern und Welthütern; Vajra und die weiteren Waffen bilden den fünften Umkreis.
Ausführliche Anwendung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit der Grundvidyā werden Aja als Ṛṣi am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Śakti als Gottheit am Herzen zugeordnet. Die erklärte Anwendung betrifft Gefügigmachen von Frauen und Heranziehen. Mit hrāṃ, hrīṃ und den weiteren Formen erfolgen Hand- und Glieder-Nyāsa.
Die acht Buchstaben werden, jeweils mit namaḥ, zugeordnet: āṃ am Herzen, śrīṃ am Kopf, hrīṃ am Haarschopf, klīṃ an der Schutzpanzerstelle, klīṃ an den Augen, hrīṃ an der Waffenstelle, śrīṃ am Bauch und kroṃ am Rücken.
Nach Meditation und Darbringungen bis zu den Blüten wird in der Mitte Hṛllekhā verehrt, vorn Gaganā, rechts Raktā, im Norden Karālikā, im Westen Mahocchuṣmā, jeweils mit namaḥ. Es folgen wie zuvor die Glieder, Brāhmī und die übrigen auf den acht Blättern, die Welthüter im Quadrat und der Abschluss.
Unnummerierter Vers: Man wiederhole achthunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee versetztem Sesam. Danach vollziehe man Sättigungsdarbringung und die weiteren Handlungen; so werde der Mantra vollendet.
Nityaklinnā: Mantraerschließung und Meditation
Nun die Nityaklinnā-Anwendung. Im Sārasaṃgraha:
23.NK.1: Lakṣmī, auf dem Schlangenherrn ruhend, mit Lolākṣī verbunden, mit Śrīmukhī am glänzenden Scheitel; Meṣa mit Nayana …
23.NK.2: … Pūtanā mit Sumukhī; Mahākālī mit Mādhavī [Versform abweichend], mit Sūkṣma verbunden; zweimal Meṣa mit Bhiṇṭīśa …
23.NK.3: … Jayā und Yoginī, mit Revatī verbunden; Vāruṇī mit Ūrdhvakeśī; Sahajā, Khaḍgīśa mit Virajā …
23.NK.4: … und Nakulīśa mit Ananta: Dies gilt als der elfsilbige Nityaklinnā-Mantra, der alles Glück und Herrlichkeit verleiht.
Unnummerierte Lautglosse: Der Schlangenherr ist ra, Lakṣmī ha, Lolākṣī ī, Śrīmukhī der Punkt; zusammen hrīṃ. Meṣa ist na, Nayana i: ni. Pūtanā ist ta, Sumukhī ya: tya. Mahākālī ist ka, Mādhavī la, Sūkṣma i: kli. Zweimal Meṣa ist zweimal na, Bhiṇṭīśa e: nne. Jayā ist ma, Yoginī da, Revatī ra; aus dem verbindenden „und“ wird nochmals da genommen: dra. Vāruṇī ist va und Ūrdhvakeśī e: ve. Sahajā ist sa, Khaḍgīśa va, Virajā ā: svā. Nakulīśa ist ha, Ananta ā: hā. Die erklärte Formel lautet damit „hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā“.
23.NK.5: Brahmā ist der Ṛṣi; Triṣṭubh wird als Versmaß des Mantras genannt. Die Gottheit ist Nityaklinnā, die Frucht der vier Lebensziele gewährend.
Quellenvergleich: Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā nennt den ersten Laut als Bīja und die Gattin des Feuers [svāhā] als Kraft und Kīlaka; sie nennt außerdem Virāj als Versmaß. Diese Abweichung zu Triṣṭubh bleibt erhalten.
23.NK.6: Mit dem ersten Mantrabuchstaben wird das Herz bezeichnet; dann mit zwei, wiederum zwei, zwei, zwei und zwei …
23.NK.7: … bilde man die übrigen Glieder und setze sie der Reihe nach an beiden Händen ein. Am Herzen, an den Paaren der Augen und Ohren, an der Haut, am Geschlechtsorgan und am verborgenen Bereich …
23.NK.8: … sowie an beiden Füßen setze der beste Mantrakenner die Mantrabuchstaben ein. [Er betrachte sie] rötlich, mit rotem Schmuck und rotem Gewand …
23.NK.9: … mit roten Kränzen und Salbung, mit schön lächelndem Lotusgesicht, das von drei Augen erstrahlt, an der Stirn mit Schweißperlen …
23.NK.10: … geschmückt, mit dem Halbmond auf der glänzenden Krone, in ihren vier Armen Schlinge, Haken, Trinkgefäß …
23.NK.11: … und Furchtlosigkeit tragend, mitten auf einem Lotus sitzend, in berauschter Ruhe. So betrachtet, verehre man Nityā auf dem zuvor beschriebenen Śakti-Pīṭha.
23.NK.12: In der Mitte ein achtblättriger Lotus, außen von einem Erdhaus umgeben; außen zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen.
23.NK.13: In der Mitte verehre man die Göttin mit vorzüglichen Gaben wie Sandelholz. Im Bereich der Yoni in der Lotusmitte, in den Richtungen von Wind, Īśa und Feuer …
23.NK.14: … im Südwesten und vorn verehre man die sechs Glieder der Reihe nach. In den drei Ecken werden Kṣobhiṇī, Mohinī und Lolā verehrt.
23.NK.15: Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā, Drāviṇī und Drāviṇā befinden sich auf den acht Blättern. Die beiden letzten Namen stehen als verschiedene Formen im Druck und werden nicht zusammengezogen.
Nityaklinnās äußere Kräfte und vollständiger Nyāsa
Druckseite 219; Fortsetzung der NK-Reihe.
23.NK.16: Madāvilā, Maṅgalā, Manmathārtā, Manasvinī, Mohā, Modā, Mānamayī, Māyā, Mandā und Mitāvatī …
23.NK.17: … diese zehn verehre man an den Torseiten, Ecken und Himmelsrichtungen. Außerhalb die Welthüter, noch weiter außen deren Waffen.
Ausführliche Anwendung: Nach den morgendlichen Verrichtungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas mit der Grundvidyā erfolgen die Zuordnungen: Brahmā am Kopf, Triṣṭubh am Mund, Śrī-Nityaklinnā am Herzen. Mit zusammengelegten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung der vier Lebensziele.
Sechs Glieder: hrīṃ dem Herzen, namaḥ; nitya dem Kopf, svāhā; klinne dem Haarschopf, vaṣaṭ; mada dem Schutzpanzer, huṃ; drave den drei Augen, vauṣaṭ; svāhā der Waffe, phaṭ. Danach mit namaḥ: hrīṃ am Herzen, niṃ am rechten Auge, tyaṃ am linken, kliṃ am rechten Ohr, nneṃ am linken, maṃ an der rechten Nasenöffnung, daṃ an der linken, draṃ am ganzen Körper, veṃ am Geschlechtsorgan, svāṃ am After und hāṃ an den Füßen. Es folgt der umfassende Nyāsa mit der Grundvidyā.
Nach Meditation und der Verehrung der sechs Glieder werden in den drei Dreiecksecken, vorn beginnend, Kṣobhiṇī, Mohinī und Lolā verehrt. Auf den acht Blättern, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā und zweimal die Dativform drāviṇyai. Die Prosa unterscheidet die letzten beiden Namen somit nicht wie der vorausgehende Vers.
Im Quadrat, an der linken Seite des vorderen Tores beginnend: Madāvilā, Maṅgalā, Manmathārtā, Manasvinī, Mohā, Āmodā, Mānamayī, Māyā, Mandā und Mitāvatī. Hier steht Āmodā gegenüber Modā im Vers. Die zehn Stellen sind die beiden vorderen Torseiten, Südosten, Süden, Südwesten, die beiden westlichen Torseiten, Nordwesten, Norden und Nordosten. Auf der mittleren Linie werden Indra und die übrigen verehrt, auf der äußersten Vajra und die anderen Waffen. Räucherwerk, Licht und weitere Gaben schließen die Verehrung ab.
Vorbereitende Praxis und historische Wirkungsversprechen
23.NK.18: Nach dieser Betrachtung wiederhole man den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit süß benetzten Madhūka-Blüten oder mit Opferspeise.
23.NK.19: Ein Zehntel davon bringe man als Sättigungsdarbringung mit kampferduftendem Wasser dar, besprenge sich selbst und speise anschließend Brahmanen.
23.NK.20: Nachdem der Guru mit Geld, Schmuck, Gewändern und anderen Gaben erfreut ist, vollziehe der Mantrakenner mit vollendetem Mantra die Anwendungen.
23.NK.21: Zur Anwendung der Vidyā befähigt, stets ihrer Verehrung zugewandt, tausendfach Japa übend und ihr ergeben, vollziehe er das Gesagte; anders nicht.
23.NK.22: Durch Feueropfer mit roten Lotussen, mit den drei süßen Stoffen benetzt, erlange er Wohlergehen. Ebenso mit roten Kairava-Blüten bringe er Könige in seine Gewalt.
23.NK.23: Mit Mallikā, Mālatī, Jātī und Śatapatra, benetzt mit Milch einer weißen Kuh, deren Kalb dieselbe Farbe hat, werde er …
23.NK.24: … Herr des Goldes. Auch die Stilllegung des Zorns von Feinden, Königen und anderen [wird genannt]. Durch Opfer mit roten Karavīra-Blüten, mit Ghee bestrichen …
23.NK.25: … bringe er Frauen, Könige und Menschen in Gefügigkeit; die zusätzliche Wendung „der rot Gekleideten“ ist im Druck unklar. Gewünschte Erfolge in Schmuck, Fahrzeugen und Handel würden erlangt.
23.NK.26: Durch Feueropfer mit Salz, Senf oder hellem Sesam, mit dem entsprechenden Öl benetzt, bringe er um Mitternacht die gewünschte Frau herbei.
23.NK.27: Nachts opfere er mit Öl benetzte Blüten des als Kṛṣṇadhattūra bezeichneten Mittels. Nach einem Monat werde der Feind von heftiger Not und Fieber gequält.
23.NK.28: Durch nächtliches Opfern der mit Āruṣkara-Ghee beziehungsweise einer so bezeichneten Zubereitung bestrichenen Samen sollen am Körper des Feindes Wunden entstehen, die Ärzte nur sehr schwer behandeln könnten.
23.NK.29: Durch diese am Körper zerrüttet, gehe der Feind in Yamas Haus. Ebenso mit den mit jenem Öl benetzten, als raṅkālaja gelesenen Samen [Stoffname unsicher].
23.NK.30: Durch nächtliches Opfern von Marica, mit Senf-Ghee beziehungsweise einer entsprechenden Zubereitung bestrichen, bringe er nach einem Monat die gewünschte Schöne herbei, vom Fieber des Verlangens gequält.
23.NK.31: Mit Ghee versetztem Marica sieben Nächte lang opfernd, bringe er eine schwer erreichbare Frau herbei, [die zusätzliche Wendung zu Gaben und Ehrung ist syntaktisch unsicher].
23.NK.32: Täglich opfere er mit Ghee versetzte Nahrung, hundert oder 108-mal. Dadurch werde sein Haus gewiss voller Nahrung und er habe daran teil.
Textkritischer Hinweis: Pflanzen- und Stoffnamen bleiben Quellenbezeichnungen; sie werden nicht in heutige Rezepturen übersetzt. Die medizinisch klingenden Folgen in NK 27–29 sind magische Schädigungsbehauptungen des Werkes. Die Fußnoten bieten Varianten zu einem Handelsausdruck und dhairya („Festigkeit“).
Weitere Nityaklinnā-Anwendungen
Druckseite 220. Die historischen Wirkungsversprechen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben. NK setzt bis 54 fort; die neue Mantrafassung erhält NV.
23.NK.33: Durch Feueropfer mit Ghee versetztem Śāli-Reis erlange man Śāli-Reis. [Die folgende Anwendung nennt eine Puppe] aus dem Baum des Geburtssterns der Zielperson, aus dem als iṣṭapādrajas gelesenen Staub [Wortlaut unsicher] …
23.NK.34: … oder aus Rājī, Marica und Salz; diese opfere man nachts. Von Fußspitzen, Unterschenkeln, Knien und beiden Oberschenkeln …
23.NK.35: … unterhalb des Nabels, vom Herzen, vom Hals [die gedruckte anatomische Folge ist beschädigt] und vom Kopf schneide man der Reihe nach mit sehr scharfer Klinge [Teile der Puppe] ab.
23.NK.36: Durch dieses zwölfteilige Feueropfer würden Männer, Frauen und Könige nach einer Woche gefügig. Ein Feind werde nach dem Wunsch des Ausführenden …
23.NK.37: … durch dessen ungeteilte Ausrichtung in den Tod gehen. [Eine weitere Anwendung beginnt:] Aus mit Zucker vermischtem Teig, Marica und Jīraka …
23.NK.38: … fertige man eine Puppe, am Herzen mit dem Namen der Zielperson versehen. Man gare sie im Ghee, das die unter Nennung dieses Namens vollzogenen Opfer aufgenommen hat …
23.NK.39: … berühre sie mit der Fingerspitze, wiederhole den Mantra tausendmal, verehre sie und esse sie, mit jenem Ghee bestrichen, während man an die Zielperson denkt und Japa vollzieht.
23.NK.40: Männer, Frauen und Könige würden bis zum Tod gefügig. Aus denselben [Stoffen] forme man ferner einen Teig …
23.NK.41: … mit dem deutlich geschriebenen Namen der Zielperson in der Mitte, gare ihn wie zuvor und esse ihn; dadurch würden jene für ein Jahr gefügig. Ebenso mit den Buchstaben ihres Namens …
23.NK.42: … angefertigt, gegart und gegessen, mache man sie für die halbe Zeit gefügig. Durch Sättigungsdarbringung mit Kokoswasser würden Frauen gefügig.
23.NK.43: Mit kampferduftendem Wasser würden Menschen gefügig. Durch Sättigungsdarbringung mit dem Wasser des dreisilbigen [Mantras] würden alle zu seinen Dienern.
23.NK.44: Ebenso würden Frauen durch salzhaltiges Wasser gefügig. Mit reinem Wasser einen Monat, einen halben Monat oder sieben Nächte lang …
23.NK.45: … unter Nennung des jeweiligen Namens die Sättigungsdarbringung vollziehend, mache man die Person dauerhaft gefügig. Mit Ketakī-duftendem Kokoswasser, mit Duftstoff und „Mond“ [Kampfer] versehen …
23.NK.46: … würden Frauen gefügig und gäben Leben und eigenes Vermögen. Mit Nameru-duftendem Wasser würden durch die Sättigungsdarbringung Könige gefügig.
23.NK.47: Die Sättigungsdarbringung mit Campaka-duftendem Wasser erfreue alle. Mit Wasser, das durch Pāṭalī und Śatapatra duftet …
23.NK.48: … bewirke man stets das Erstaunen aller Menschen. Mit moschusduftendem Wasser gewähre die Sättigungsdarbringung sämtliche Vollendungen.
23.NK.49: Mit Wasser, das nach „Mond“ [Kampfer] und Sandelholz duftet, bewirke die Sättigungsdarbringung innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums gewiss die Erfüllung des gewünschten Anliegens.
23.NK.50: [Beginn einer Druckklammer:] Mit Wasser, das mit sitaktu vermischt ist [Lesung unklar], werde man lange reich an Geld, Getreide und weiteren Gütern. Nächtliche Sättigungsdarbringung mit Zuckerwasser beseitige Hindernisse.
23.NK.51: Mit Ciñcā-Fruchtsaft versetztem Wasser vollziehe man die Sättigungsdarbringung zur Erregung von Feindschaft. [Ende der Druckklammer.] Mit heißem, Marica enthaltendem Wasser vollziehe man sie zum Tod des Widersachers.
23.NK.52: Allein mit heißem Wasser entstehe heftiges Fieber. Durch Sättigungsdarbringung mit Nimba-Blattsaft versetztem Wasser entstehe unter Feinden …
23.NK.53: … gegenseitige Feindschaft, durch die sie zugrunde gingen. Durch Sättigungsdarbringung mit sehr heißem Wasser würden die Widersacher stark …
23.NK.54: … durch schreckliche Leiden wie Durchfall gequält. Durch Japa und die weiteren [Praktiken] werde der Sādhaka zum Feuer, das die „Butter“ der Frauen schmelzen lässt …
Unnummerierter Halbvers: … stets schöner als Kandarpa, der Liebesgott. [Der zweite Halbvers fehlt.] Die Metapher beschreibt die im Text behauptete Anziehungskraft, ohne eine heutige zwischenmenschliche Empfehlung zu bilden.
Druckvarianten: Eine Stoffangabe lautet alternativ „Teig“; ferner steht eine Variante „von Fieber gequält“ und eine Form von „Nächte“. Die beschädigte anatomische Folge wird nicht zu einer neuen Zwölfteilung ergänzt.
Fünfzehnsilbige Nityaklinnā-Fassung
23.NV.1: Man spreche Praṇava, Hṛllekhā, Vāgbīja, nach „nitya“ „klinne“, „madadrave“, Vāc, Māyā und die Gattin des Feuers.
Unnummerierter Halbvers: Dies wird als der fünfzehnsilbige Mantra namens Nityaklinnā bezeichnet. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse: Hṛllekhā ist hrīṃ, Vāc aiṃ, die Gattin des Feuers svāhā. Die erläuterte Folge lautet: „oṃ hrīṃ aiṃ nityaklinne madadrave aiṃ hrīṃ svāhā“.
23.NV.2: Saṃmohana wird als Ṛṣi genannt, Virāj als Versmaß; die Gottheit ist die Nityaklinnā genannte Göttin, die Frucht der vier Lebensziele gewährend.
Die weitere Nityaklinnā-Gestalt
Druckseite 221; Fortsetzung der NV-Reihe.
23.NV.3: Ohne die Vāgbhava-Bījas werden die sechs Glieder aus Gruppen von zwei, zwei, zwei, fünf, zwei und schließlich dem gesamten [Mantra] gebildet. Danach vergegenwärtige man sich Nityaklinnā.
23.NV.4: Mitten im Ozean des Weines stelle man sich eine weite, sehr schöne Insel vor, mit Wunschbäumen geschmückt, erfüllt vom lieblichen Klang der Kuckucke und Bienenschwärme, von sanftem Wind umspielt …
23.NV.5: … mit Blüten schöner Ranken bestreut, im eigenen Glanz dem Herbstmond gleich; dort einen makellosen Pavillon aus Edelsteinen und einen edelsteinernen Löwenthron.
23.NV.6: Man stelle sich einen anmutigen achtblättrigen Lotus mit einem Dreieck in der Mitte vor und darin die Göttin: mit dem Mond im Haarschmuck, einem roten Lotus gleich, in den Händen Schlinge, Haken und Wunschranke …
23.NV.7: … in einer weiteren Hand eine Schädelschale und mit beiden anderen Händen eine lieblich klingende Vīṇā haltend. Ich verehre diese Nityā, welche die drei Welten verzaubert, schön leuchtend und dreiäugig.
Attributglosse: Die ersten Attribute werden den linken beziehungsweise oberen Händen, die weiteren den mittleren und die Vīṇā den beiden unteren Händen zugeordnet. Die verdichtete Handfolge bleibt sprachlich teilweise unsicher; sechs Arme ergeben sich aus der Gesamtbeschreibung.
23.NV.8: Nach dieser Betrachtung verehre der Verständige den Pīṭha mit vier Kräften: einen achtblättrigen Lotus, dessen Blütenboden eine Yoni enthält …
23.NV.9: … außen einen fünfblättrigen Lotus, darum einen zehnblättrigen, außen drei Quadrate mit vier Toren.
Quellenhinweis in Klammern: Dies sei im Saṃmohana-Pañcarātra gesagt.
23.NV.10: Im vierblättrigen [Bereich] verehre der Mantrakenner Drāviṇī und die weiteren Kräfte, von der Richtung Īśas beginnend im Uhrzeigersinn. Sie werden nun der Reihe nach genannt. [Hier endet die Druckklammer.]
23.NV.11: Zuerst Drāviṇī-Vāmā, dann Jyeṣṭhā, die Freude hervorbringt; ferner Kṣobhiṇī-Raudrī und als Vierte Guhyaśakti.
Unnummerierter Halbvers: Der Sitz werde mit Māyā am Anfang dargebracht; die Gestalt werde mit dem Mantra gebildet. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse: Drāviṇī und die beiden folgenden Ausdrücke sind Eigenschaften der drei mit Vāmā beginnenden Göttinnen, keine zusätzlichen selbständigen Namen. Der Satz des Nārāyaṇīya, man solle diese Kräfte „in den Ecken, von Īśa beginnend, und in der Mitte“ einsetzen, bedeutet eben die Ecken und die Mitte.
Unnummeriertes Zitat: Dort verehre man Nityaklinnā nach dem noch zu beschreibenden Verfahren. An den Staubfäden erfolgt die Gliederverehrung; auf den Blättern die folgenden [Göttinnen], mit den acht Vokalen am Anfang unter Ausschluss der geschlechtsneutralen und der Anfangs- und Endlaute. [Ein weiterer Halbvers fehlt.]
Glosse: Ausgeschlossen sind die vier Vokale ṛ, ṝ, ḷ, ḹ sowie Anusvāra, Visarga, a und ā. Die acht übrigen Vokale bilden die Präfixe.
23.NV.12: Zuerst Nityā, dann Subhadrā, Sumaṅgalā, Vanacāriṇī, Subhagā, Durbhagā, Manonmanī und Rudrarūpiṇī.
23.NV.13: Diese Botinnen sind rot, anmutig, dem Vergnügen des Caturaṅga-Spiels zugewandt [Lesung vorläufig], in berauschter Langsamkeit schreitend, schön gekleidet und mit reizvollem Schmuck versehen.
23.NV.14: Dann verehre man die fünf roten, geschmückten Kāmas. Mit dem Kandarpa-Bīja, versehen mit Raum und Visarga, beginnt Anaṅga …
23.NV.15: … danach Smara, Manmatha, Kāma und als Fünfter Māra. Sie tragen fünf Blütenpfeile, Schlinge, Haken und Zuckerrohrbogen; ein zusätzlicher Bestandteil des Attributkompositums ist unklar …
23.NV.16: … und Köcher auf dem Rücken. Die seitlich bei ihnen stehenden Śaktis verehre man sorgfältig, geschmückt und mit lächelnden Lotusgesichtern.
23.NV.17: Ihnen werden [nach einem unscharfen Vokalcode] die Anfangslaute der Lautgruppe mit den betreffenden Vokalen vorangestellt. Es sind Rati, Virati, Prīti, Viprīti, Mati und Durmati …
Textkritischer Hinweis: Die Namensreihe wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Der vierblättrige Bereich in NV 10 wird in der vorausgehenden knappen Yantra-Beschreibung nicht ausdrücklich genannt; er wird deshalb nicht stillschweigend in deren Wortlaut eingefügt. Eine Fußnote bewahrt die verkürzte Variante mātradvā.
Die zehn Śaktis und ausführliche Verehrung
Druckseite 222; NV wird bis 21 fortgesetzt. Die neue Vāgvādinī-Klinnā-Reihe erhält das Kürzel VK.
23.NV.18: … Dhṛti, Vidhṛti, Tuṣṭi und Vituṣṭi: So werden zehn genannt. Sie sind rot, mit rotem Schmuck versehen, halten Vīṇās in den Händen und haben helle Gesichter.
Unnummerierter Halbvers: Danach außen die Welthüter, noch weiter außen ihre Waffen. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Ausführliche Anwendung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas erfolgen die Zuordnungen: Saṃmohana am Kopf, Virāj am Mund und Śrī-Nityaklinnā am Herzen. Die sechs Gliedermantras lauten: oṃ hrīṃ dem Herzen, namaḥ; nitya dem Kopf, svāhā; klinne dem Haarschopf; madadrave hrīṃ dem Schutzpanzer; svāhā den drei Augen; „oṃ hrīṃ nityaklinne madadrave hrīṃ svāhā“ der Waffe, phaṭ. Die mittleren Schlussformeln sind im Druck abgekürzt; die beiden Vāgbhava-Bījas fehlen hier gemäß der vorausgehenden Anweisung.
Diese Formeln werden an den Händen von den Daumen bis zu den Handflächen eingesetzt. Nach Meditation und den weiteren Handlungen bis zum höchsten Tattva folgen an den Staubfäden des „fünfblättrigen“ [Bereichs], von Nordosten beginnend: āṃ Drāviṇī-Vāmā, īṃ Hlādinī-Jyeṣṭhā, ūṃ Kṣobhiṇī-Raudrī und aiṃ Guhyaśakti. Der Druck nennt hier fünf Blätter, während NV 10 vier nannte. Mit „hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ“ wird der gesamte Sitz verehrt.
Nach Bildung der Gestalt mit der Grundvidyā, Einladung und Gliederverehrung stehen auf den acht Blättern: iṃ Nityā, īṃ Subhadrā, uṃ Maṅgalā, ūṃ Vanacāriṇī, eṃ Subhagā, aiṃ Durbhagā, oṃ Manonmanī und auṃ Rudrarūpiṇī, jeweils mit Dativ und namaḥ. Maṅgalā steht hier gegenüber Sumaṅgalā im Vers.
[In Klammern:] Außen auf den fünf Blättern, vorn beginnend, werden Anaṅga, Smara, Manmatha, Kāma und Māra jeweils mit klīḥ und namaḥ verehrt.
Auf den zehn äußeren Blättern, vorn beginnend im Uhrzeigersinn: kaṃ Rati, kāṃ Virati, kiṃ Prīti, kīṃ Viprīti, kuṃ Mati, kūṃ Durmati, koṃ Dhṛti, kauṃ Vidhṛti, kaṃ Tuṣṭi und kaḥ Vituṣṭi. Einzelne Vokalzeichen sind unscharf; die zweimalige Form kaṃ bleibt als Drucklesung bewahrt. Welthüter und der übrige Ablauf schließen die Verehrung ab.
23.NV.19: Man wiederhole den Mantra drei Lakh Mal und opfere danach ein Zehntel mit Ghee; nach Sättigungsdarbringung und den weiteren Handlungen erfreue man den Lehrer …
23.NV.20: … sorgfältig mit Geld, Getreide und anderen Gaben. Danach vollziehe der Verständige die im Mantra beschriebenen Anwendungen nach der zuvor genannten Vorschrift.
23.NV.21: Wer so täglich Nityaklinnā mit Hingabe verehrt, erlange großes Wohlergehen und werde von Frauen begehrt.
Vāgvādinī-Klinnā
23.VK.1: Bālā ohne den letzten [Laut]; nach „nitya“ das Kāma-Bīja kurz und ohne Punkt; zweimal na, mit Śiva verbunden, und ma und da …
23.VK.2: … nach dra Wasser mit Śiva; der erste Laut der Ha-Reihe, Wasser und Ananta; Raum mit Kānti: Dies ist der zwölfsilbige Vāgvādinī-Klinnā-Mantra.
Ausführliche Glosse: Die zuvor erschlossene Bālā-Vidyā wird ohne ihr drittes Bīja genommen: aiṃ klīṃ. Nitya steht für seinen Wortlaut. Das Kāma-Bīja mit kurzem i und ohne Punkt ergibt kli. Zweimal na mit Śiva, dem e-Laut, ergibt nne. Ma und da stehen für ihre Buchstaben, dra für seinen Wortlaut. Wasser ist va, Śiva e: ve. Der erste Laut der Ha-Reihe ist sa; Wasser va, Ananta ā: svā. Raum mit Kānti ist ha mit ā: hā. Die erläuterte Folge lautet damit: „aiṃ klīṃ nityaklinne madadrave svāhā“.
23.VK.3: Saṃmohana, Nicṛt und Nityaklinnā gelten als Ṛṣi, Versmaß und Gottheit. Nach den sechs Gliedern mit Vāgbhava vergegenwärtige man sich Nityā.
23.VK.4: Im Herzen stelle man sich Nityā vor: rot, in tiefrotem Gewand, mit roter Salbung, in ihren Lotushänden Lotus, Schlinge, Haken und Schädelschale tragend, dreiäugig, mit dem Mond im Haarschmuck, ihre Gestalt von Berauschung bewegt.
Attributglosse: Die Verteilung der Attribute beginnt mit der unteren rechten und endet mit der unteren linken Hand.
23.VK.5: Auf dem beschriebenen Śākta-Pīṭha verehre man die Göttin; zuvor die Glieder und dann die bereits genannten acht Kräfte, beginnend mit Nityā …
23.VK.6: … rot, mit blauen Lotussen und Schädelschalen in den Lotushänden. Außen verehre man Śakra und die übrigen, noch weiter außen Vajra und die anderen Waffen.
Druckvarianten: Eine Fußnote bietet die längere Namensform „Śrī-Āhlādinī“, eine weitere die Bīja-Form uṃ.
Vāgvādinī-Klinnās ausführliche Anwendung
Druckseite 223. Die zehnsilbige Nityaklinnā-Reihe erhält NZ, die Vahnivāsinī-Reihe FV und ihr eingeschobener Zuordnungsvers FD.
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa erfolgen drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra. Saṃmohana wird als Ṛṣi am Kopf, Nicṛt als Versmaß am Mund und Nityaklinnā-Nityā als Gottheit am Herzen zugeordnet. Die Anwendung gilt der Erfüllung des Gewünschten. Nach Hand- und Glieder-Nyāsa, beginnend mit aiṃ am Herzen, sowie Meditation und Gliederverehrung werden auf den acht Blättern die acht mit Nityā beginnenden Kräfte aus der elfsilbigen Fassung verehrt. Welthüter und der übrige Ablauf schließen die Handlung ab.
Zehnsilbige Nityaklinnā-Formel
23.NZ.1: Nityaklinnā im Vokativ, ebenso Madadravā, dann der fünfte [Laut] von Kāmikā und Kāla mit Visarga: [Der Mantra] hat zehn Silben.
Unnummerierter Halbvers: Dieser Nityaklinnā-Mantra wird den Verehrenden alle Vollendungen gewährend genannt. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Glosse: Der Vokativ lautet nityaklinne, ebenso madadrave. Der fünfte Laut von Kāmikā ist na, Kāla ma, mit Visarga maḥ. Die erklärte Folge lautet: „nityaklinne madadrave namaḥ“.
23.NZ.2: [Erster Halbvers fehlt.] Atri ist der Ṛṣi, Triṣṭubh das genannte Versmaß und Nityā die Gottheit.
23.NZ.3: Nityāyai wird dem Herzen zugeordnet, nityāyai mit svāhā dem Kopf; klinne svāhā dem Haarschopf, nityaklinne dem Schutzpanzer.
23.NZ.4: Nityaklinne namaḥ der Waffe. Meditation und Verehrung mit den weiteren Handlungen gestalte der Mantrin wie zuvor.
Ausführliche Anwendung: Nach drei Prāṇāyāmas mit dem Grundmantra werden Atri am Kopf, Triṣṭubh am Mund und Śrī-Nityaklinnā am Herzen zugeordnet. Die Anwendung wird für die Erfüllung sämtlicher gewünschter Anliegen erklärt. Nach umfassender Berührung der Hände mit dem Grundmantra: nityāyai dem Herzen, namaḥ; nityāyai dem Kopf, svāhā; klinne svāhā dem Haarschopf [Schlussformel abgekürzt]; nityaklinne dem Schutzpanzer, huṃ; nityaklinne namaḥ der Waffe, phaṭ. Diese fünf Glieder ohne die Augen werden von den Daumen bis zu den kleinen Fingern sowie an den entsprechenden Körperstellen eingesetzt. Meditation und der übrige Ablauf erfolgen wie beim vorausgehenden Mantra.
23.NZ.5: Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Sesam. Danach vollziehe der Verständige Sättigungsdarbringung und die weiteren Handlungen nach der bereits genannten Vorschrift.
23.NZ.6: Wer den Nityā-Mantra mit Feueropfer, Japa, Verehrung und Sättigungsdarbringung übt, werde von Armut, Leiden und Krankheiten frei und lebe hundert Jahre. Der Mantrakenner mache die ganze Welt gefügig und bezaubere rasch die Menschen. Am Ende des Körpers erlange er die gewünschte, höchste und makellose Befreiung; anders sei es hier nicht. Dies ist die Verheißung der Quelle. Die Fußnote bietet eine abweichende Wendung „ein ganzes Jahr“.
Vahnivāsinī, die im Feuer Wohnende
Im Sārasaṃgraha:
23.FV.1: Praṇava, Bhuvaneśānī, Wasser, Feuer, Wasser mit Ananta, die Silben „sinī“ im Dativ und „Herz“: So wird die neunlautige [Vidyā] erklärt.
23.FV.2: Diese Vidyā Vahnivāsinīs gewähre die Frucht allen Wohlbefindens. Schon durch das Erinnern an sie würden die drei Welten gefügig.
Glosse in Klammern: Wasser ist va; Feuer steht für vahni; Wasser ist va, mit Ananta, ā, verbunden: vā. Sinī im Dativ ist sinyai, „Herz“ namaḥ. Die so erschlossene Formel lautet „oṃ hrīṃ vahnivāsinyai namaḥ“.
In der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā, Druckverweis auf Kapitel 22:
23.FD.1: Vasiṣṭha ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß; diese ist die Gottheit. Anfang und Ende sind Bīja und Kraft, die Mitte ist der Kīlaka.
Glosse: „Diese Gottheit“ ist Vahnivāsinī. Wieder im Sārasaṃgraha:
23.FV.3: Mit dem zweiten Bīja der Vidyā, verbunden mit den langen Vokalen, [nach der gedruckten Formulierung] mit Māyā am Ende, vollziehe der Verständige die sechs Glieder an Händen und Körper.
23.FV.4: Die neun Silben der Vidyā setze man an den neun Öffnungen ein und mit der ganzen Formel den umfassenden Nyāsa, um die Einheit mit der Göttin zu verwirklichen.
23.FV.5: [Man betrachte sie] erhitztem Gold gleich, in der Schönheit frischer Jugend, mit drei Augen, die in ihrem schön lächelnden Lotusgesicht leuchten …
Vahnivāsinīs Gestalt und Yantra
Druckseite 224; Fortsetzung der FV-Reihe.
23.FV.6: … mit acht Armen, von Edelsteinschmuck glänzend, in den linken Armen roten Lotus, Muschelhorn, Zuckerrohrbogen und Vollmondscheibe …
23.FV.7: … und in den rechten Händen Kahlāra-Lotus, goldenes Horn, Blütenpfeil und Mātuluṅga-Frucht tragend.
23.FV.8: Sie ist rings von Śaktis umgeben, die ihr gleichen. In der Lotusmitte lege man neun Yonis an, darum einen Lotus …
23.FV.9: … mit zwölf schönen Blättern und außen zwei Quadrate, versehen mit zwei Toren …
23.FV.10: … im Osten und Westen. In diesem Kreis verehre man die Göttin, in die Mitte Vahnivāsinī einladend, deren Gestalt das All ist.
23.FV.11: Mit den Darbringungen von Duft und Blüten bis zur Speisegabe verehre man sie der Reihe nach. Nach vorausgehender Gliederverehrung werden die nun genannten Kräfte …
23.FV.12: … in den acht Ecken verehrt, vorn beginnend im Uhrzeigersinn: Jvālinī, Visphuliṅginī, Maṅgalā, Manoharā …
23.FV.13: … Kanakā, Kitavā, Viśvā und Vividhā. Auf den zwölf Blättern verehre man die folgenden Tierkreiskräfte:
23.FV.14: Meṣā, die Vṛṣā genannte Kraft, Mithunā, Karkaṭā, Siṃhā, Kanyā, Tulā, Kīṭā, Cāpā und Makarā …
23.FV.15: … Kumbhā und Mīnā; der Mantrakenner verehre sie wie zuvor, am Tor beginnend. An den Seiten der beiden Tore des Quadrats, in den Ecken und Richtungen …
23.FV.16: … verehre er die nun genannten zehn Kräfte: Ghasmarā, Sarvabhakṣā, Viśvā, Vividhodbhavā …
23.FV.17: … Citrarūpā, Niḥsapatnī, Nirātaṅkā, Pāvanī, Acintyavaibhavā und als Zehnte Raktā.
23.FV.18: Danach außen die Welthüter, noch weiter außen ihre Waffen. Diese Verehrung Vahnivāsinīs wird als alle Fülle gewährend beschrieben.
Ausführliche Verehrungsfolge
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa vollziehe man drei Prāṇāyāmas mit der Grundvidyā. Vasiṣṭha wird als Ṛṣi am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Śrī-Vahnivāsinī-Nityā als Gottheit am Herzen zugeordnet; oṃ als Bīja im verborgenen Bereich, namaḥ als Kraft an den Füßen und vahnivāsinyai als Kīlaka am Nabel.
[In Klammern:] Nach Hand- und Körper-Nyāsa mit hrāṃ, hrīṃ und den weiteren Formen werden, jeweils mit namaḥ, zugeordnet: oṃ am rechten Auge, hrīṃ am linken, vaṃ am rechten Ohr, hniṃ am linken, vāṃ an der rechten Nasenöffnung, siṃ an der linken, nyaiṃ am Mund, naṃ am Geschlechtsorgan und maḥ am After. Einzelne Nasalzeichen sind unscharf.
Mit der Grundvidyā wird der umfassende Nyāsa vom Scheitel bis zu den Füßen vollzogen. Nach Meditation und geistiger Verehrung wird der nach der maßgeblichen Beschreibung gebildete Kreis vorbereitet. Vom Aufstellen des Arghya bis zur Selbstverehrung erfolgt der Ablauf; danach Bhuvaneśvarī-Pīṭha, Einladung, Darbringungen bis zu den Blüten und Gliederverehrung.
In den acht Yonis, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, werden Jvālinī, Visphuliṅginī, Maṅgalā, Manoharā, Kanakā, Kitavā, Viśvā und Vividhā verehrt. Auf den zwölf äußeren Blättern folgen dieselben Tierkreiskräfte wie in den Versen, jeweils mit Dativ und namaḥ:
| Quellenname | Tierkreiszeichen |
|---|---|
| Meṣā | Widder |
| Vṛṣā | Stier |
| Mithunā | Zwillinge |
| Karkaṭā | Krebs |
| Siṃhā | Löwe |
| Kanyā | Jungfrau |
| Tulā | Waage |
| Kīṭā | Skorpion |
| Cāpā | Schütze |
| Makarā | Steinbock |
| Kumbhā | Wassermann |
| Mīnā | Fische |
Im Quadrat, rechts vom vorderen Tor beginnend im Uhrzeigersinn, werden Ghasmarā, Sarvabhakṣā, Viśvā, Vividhodbhavā, Citrarūpā, Niḥsapatnī, Nirātaṅkā, Pāvanī, Acintyavaibhavā und Raktā verehrt. Die Prosa beschreibt dazu die vorderen Torseiten, südöstliche, südliche, südwestliche und nordwestliche Bereiche sowie die hinteren Torseiten bis zum Nordosten; die verdichtete Richtungsfolge ist nicht durchweg eindeutig. Außen folgen Welthüter und Waffen. Dies bringe die genannte Frucht.
23.FV.19: Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal, opfere ein Zehntel davon mit Ghee und vollziehe Sättigungsdarbringung, Besprengung sowie die Ehrung der Brahmanen.
23.FV.20: Mit vollendetem Mantra führe man die gewünschten Anwendungen aus. Ich werde die Vorschrift des wunschbezogenen Feueropfers erklären, das das Gewünschte ganz gewähren soll.
23.FV.21: Eine Prastha-Menge geschälten Śāli-Reises gebe man in ein neues Gefäß, dazu Milch einer roten Kuh, deren Kalb dieselbe Farbe hat …
Druckvarianten: Die Fußnoten verzeichnen zweimal eine Form cayā und „in den Ecken“. Die begonnene Opferbeschreibung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Vahnivāsinīs wunschbezogene Feueropfer
Druckseite 225. FV wird fortgesetzt; die Vajraprastāriṇī-Reihe erhält VP, ihr eingeschobener Zuordnungsvers VD.
23.FV.22: … die doppelte Menge davon [Milch] gebe man hinzu und koche es im rituell vorbereiteten Feuer. Man benetze es gut mit Ghee und lege es auf die Hand …
23.FV.23: … wiederhole hundertmal [die mit der Vidyā eingerahmte Formel; Wortlaut unsicher] und opfere es danach. Ein solches am ersten Mondtag vollzogenes Feueropfer bringe großes Wohlergehen.
23.FV.24: Ebenso an Freitagen: Nach einem Jahr werde man einem König gleich. Besonders am fünften Mondtag vollziehe man das Feueropfer wie zuvor.
23.FV.25: An diesem Mondtag opfere man weiße Blüten wie Mallikā, mit den drei süßen Stoffen benetzt. Durch regelmäßiges Opfern von Nahrung und Ghee werde der Mensch wohlhabend.
23.FV.26: Welche Dinge man auch begehre, alle erlange man durch Feueropfer mit Ghee, ebenso mit Sesam und Reis.
Unnummerierter Halbvers: Besonders an den fünften Mondtagen soll man Verehrung vollziehen und ein Gelübde halten. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Vajraprastāriṇī
Nun die Anwendung Vajraprastāriṇīs. Im Sārasaṃgraha:
23.VP.1: Ich erkläre zum Wohl der Menschen ordnungsgemäß und in Kürze die glückverheißende Vajraprastāriṇī-Vidyā, die Wohnstatt Indirās …
23.VP.2: … die alle Frauen, Könige und Männer bezaubert und aus Wildnis, Meer und einer Fülle schrecklicher Leiden hinüberführt.
23.VP.3: Aruṇā, Krodhinī mit Śānti verbunden; Sṛṣṭi mit Kriyā und Akṣi; zweimal der fünfte Laut der Ta-Reihe mit Rudra; Jñānāmṛtā mit dem Mondpunkt …
23.VP.4: … Jayā mit Mondpunkt, Feuer und Āpyāyanī; Dīrghā und Vidyā, Kāmikā, Kṣudhāvatī, Viṣa und der auf tha folgende Laut, nochmals dieser mit Feuer verbunden …
23.VP.5: … Utkārī mit Śiva; danach spreche man erneut das erste Bīja. Diese zwölfsilbige Mahāvidyā wird als alle Fülle gewährend erklärt.
Lautglosse: Aruṇā ist ha, Krodhinī ra, Śānti ī: Daraus wird das Māyā-Bīja erschlossen. Ein zusätzliches a steht in der Glosse ohne klare Funktion. Sṛṣṭi ist ka, Kriyā la, Akṣi i: kli. Zweimal der fünfte Laut der Ta-Reihe ist na-na, mit Rudra, e: nne. Jñānāmṛtā ist ai, der Mondpunkt Anusvāra: aiṃ. Jayā ist ka, Feuer ra, Āpyāyanī o, mit Punkt: kroṃ. Die nächste, sprachlich auffällige Erklärung ergibt ni; Kāmikā ta und Kṣudhāvatī ya ergeben tya. Viṣa ist ma; der auf tha folgende Laut da; nochmals da mit Feuer ra ergibt dra. Utkārī va mit Śiva e ergibt ve. Das letzte Bīja ist erneut Māyā. Die erläuterte Folge lautet: „hrīṃ klinne aiṃ kroṃ nityamadadrave hrīṃ“; lokale Unklarheiten der codierenden Verse bleiben in der Sanskritfassung markiert.
Dakṣiṇāmūrti, Druckverweis auf Kapitel 22:
23.VD.1: Die höchste Vidyā ist zwölfsilbig; Brahmā wird als Ṛṣi bestimmt, Gāyatrī als Versmaß; die Gottheit ist Parameśvarī.
Glosse: Parameśvarī ist Vajreśvarī. Wieder im Sārasaṃgraha:
23.VP.6: Anfang und Ende sind Bīja und Kraft; Vāgbhava ist der Kīlaka. Klinne ist dem Herzen zugeordnet, [das Wort für das Kopf-Bīja fehlt im Vers], Aṅkuśa dem Haarschopf.
23.VP.7: Nitya dem Schutzpanzer, mada den Augen, drave der Waffe. Jeweils mit Māyā eingerahmt, bilde man daraus die sechs Glieder.
23.VP.8: Die zehn Mantrabuchstaben, jeder mit Śakti eingerahmt, setze man der Reihe nach an Ohren, Nase, Wangen, Augen, Nabel und verborgenem Bereich ein.
Die Göttin auf dem Schiff
23.VP.9: Danach stelle man sich die Göttin vor, die alles Wohlergehen schenkt: rot, in rotem Gewand, mit rotem Duft, Kränzen und Schmuck …
23.VP.10: … vierarmig, dreiäugig, mit Edelsteinkrone glänzend, Schlinge, Haken, Zuckerrohrbogen und einen granatapfelroten Pfeil …
23.VP.11: … in den Armen tragend. Mit Augen, kühl vom Nektar des Mitgefühls, schaut sie den Sādhaka an. Im Kreis aus Dreieck, Sechseck, Lotus und Erdhaus …
23.VP.12: … sitzt sie behaglich in der Mitte, mit lächelndem Lotusgesicht, umgeben von ihr gleichen Śaktis, mitten auf einem Schiff …
23.VP.13: … auf einem Löwenthron. Rings ist sie von Śaktis auf schaukelnden Schiffen umgeben, mit denen sie sich durch Hin- und Herfahren und weitere Spiele …
23.VP.14: … auf dem roten Ozean erfreut. So betrachte man die Herrin des Mantras im beschriebenen Maṇḍala, auf dem Śakti-Pīṭha mit seinen Kräften.
Druckvarianten: Die Fußnoten enthalten abweichende Formen zu „benetzt“, „gut ausgeführt“ und einzelnen Attribut- beziehungsweise Ortsausdrücken. Die auf der nächsten Seite ausgeschriebenen Nyāsas dienen der Klärung des hier teilweise beschädigten Mantracodes.
Vajraprastāriṇīs Verehrungskreise
Druckseite 226; Fortsetzung der VP-Reihe. Die genannten Gruppenzahlen werden mit den tatsächlich ausgeschriebenen Namen verglichen.
23.VP.15: [Man vergegenwärtige sich] den roten Ozean, das goldene Schiff und danach den Löwenthron, darauf den Kreis; dann lade man die Göttin ordnungsgemäß ein und verehre sie …
23.VP.16: … mit roten Duftstoffen und Blüten, Räucherwerk, Lichtern und Speisegaben. Zuerst werden die Glieder verehrt, dann die im Dreieck befindlichen …
23.VP.17: … Kräfte namens Wille, Erkenntnis und Handlung. Danach in den sechs Ecken Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī und Kākinī …
23.VP.18: … Śākinī und Hākinī. Auf den zwölf Lotusblättern: Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanāturā …
23.VP.19: … Nirañjanā, Rāgavatī, Madanāvatī, Mekhalā, Drāviṇī und Vegavatī – „zwölf Kräfte“. Tatsächlich sind hier nur elf Namen ausgeschrieben; ein zwölfter wird nicht ergänzt.
23.VP.20: Danach verehre man auf den sechzehn Blättern die folgenden: Kamalā, Kāminī, Kalpā, Kalā, Kalitā und Kautukā …
23.VP.21: … Kirātā, Kālā, Kadanā, Kauśikī, Kambuvāhinī, Kātarā, Kapaṭā, Kīrti, Kumārī und Kuṅkumā.
23.VP.22: Auch die im Quadrat befindlichen Kräfte werde ich der Reihe nach nennen: Bhaginī, Veginī, Nāgā, Capalā, Peśalā, Satī …
23.VP.23: … Rati, Śraddhā, Bhogalolā, Madonmattā und Manasvinī. Sie befinden sich in den Richtungen, vor und neben den Toren und in den Eckrichtungen.
23.VP.24: Diese „zwölf“ großen Göttinnen verehre man rings im Quadrat. Außen die Richtungsherren, noch weiter außen ihre Waffen. Auch diese Liste enthält im gedruckten Vers nur elf Namen.
23.VP.25: Durch diese Verehrung werde der Mensch bald von Armut frei und von Krankheit, vorzeitigem Tod, Unglück und den Gebrechen des Alters befreit …
Unnummerierter Halbvers: … und am Ende des Körpers von der Furcht vor dem Werden erlöst; daran bestehe nach Aussage des Werkes kein Zweifel. [Der zweite Halbvers fehlt.]
Ausführlicher Mantra- und Buchstaben-Nyāsa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yoga-Pīṭha-Nyāsa und drei Prāṇāyāmas werden Brahmā am Kopf, Gāyatrī am Mund, Śrī-Vajreśvarī-Nityā am Herzen, hrīṃ als Kraft an den Füßen und aiṃ als Kīlaka am Nabel zugeordnet. Eine gesonderte Bīja-Stelle ist hier nicht ausgeschrieben. Mit zusammengelegten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des gewünschten Anliegens.
Die sechs Glieder werden mit hrīṃ vor und nach dem jeweiligen Kern gebildet: klinne dem Herzen, namaḥ; aiṃ dem Kopf, svāhā; kroṃ dem Haarschopf, vaṣaṭ; nitya dem Schutzpanzer, huṃ; mada den drei Augen, vauṣaṭ; drave der Waffe, phaṭ.
Danach werden, jeweils von hrīṃ eingerahmt und mit namaḥ abgeschlossen, die zehn inneren Mantrabuchstaben zugeordnet:
| Stelle | Eingerahmter Kern |
|---|---|
| Rechtes Ohr | kliṃ |
| Linkes Ohr | nneṃ |
| Rechte Nasenöffnung | aiṃ |
| Linke Nasenöffnung | kroṃ |
| Rechte Wange | niṃ |
| Linke Wange | tyaṃ |
| Rechtes Auge | maṃ |
| Linkes Auge | daṃ |
| Nabel | draṃ |
| Verborgener Bereich | veṃ |
Einzelne Nasalzeichen sind unscharf. Es folgen der umfassende Nyāsa mit der Grundvidyā, Meditation und geistige Verehrung.
Anlage und Besetzung des Verehrungskreises
Man bilde einen zwölfblättrigen Lotus, in seiner Mitte ein Sechseck, darin ein Dreieck; außen einen sechzehnblättrigen Lotus und darum drei Quadrate mit vier Toren. Der Kreis wird vor einem aufgestellt und wie zuvor verehrt. Arghya-Aufstellung und die weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung folgen.
Bei der Pīṭha-Verehrung werden von Maṇḍūka bis zur Erde die tragenden Ebenen verehrt, danach roter Ozean, goldenes Schiff und darin der edelsteinerne Löwenthron. Nach Dharma und den weiteren Kräften sowie der Gliederverehrung stehen im Dreieck, vorn beginnend: Icchāśakti, Jñānaśakti und Kriyāśakti – Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft.
Im Sechseck: links von der Göttin Ḍākinī, rechts Rākiṇī, hinten Lākinī, hinten links Kākinī, hinten rechts Śākinī und vorn Hākinī.
Auf den zwölf Blättern, vorn beginnend im Uhrzeigersinn, werden Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī, Madanāvatī, Mekhalā, Drāviṇī und Vegavatī verehrt. Auch diese Prosawiederholung bietet nur elf Namen.
Auf den sechzehn Blättern: Kamalā, Kāminī, Kalpā, Kalā, Kalitā, Kautukā, Kirātā, Kālā, Kadanā, Kauśikī, Kambuvāhinī, Kātarā, Kapaṭā, Kīrti, Kumārī, Kuṅkumā. Hier löst die Prosa die zusammengezogenen Versformen eindeutig in sechzehn Namen auf.
Im Quadrat, rechts vom vorderen Tor beginnend, werden an Torseiten und Ecken im Uhrzeigersinn Bhaginī, Veginī und Nāgā verehrt; die Liste wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Sämtliche Namen stehen in den Formeln jeweils im Dativ mit namaḥ.
Druckvariante: Eine verkürzte Form lavidyayā ist als Fußnote überliefert.
Abschluss des äußeren Kreises
Druckseite 227; Fortsetzung der VP-Reihe.
Fortsetzung der Namensliste: Capalā, Peśalā, Satī, Rati, Śraddhā, Bhogalolā, Madā, Unmattā und Manasvinī werden verehrt, dann Welthüter und alles Weitere wie zuvor. Die Prosa trennt Madā und Unmattā, wo der Vers Madonmattā hatte; zusammen mit den drei Namen der vorherigen Seite ergibt diese Fassung tatsächlich zwölf äußere Kräfte.
Vorbereitende Praxis
23.VP.26: Der Mantrin wiederhole dreihunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee oder mit Āragvadha- beziehungsweise Bakula-Blüten …
23.VP.27: … mit Madhūka-Blüten oder Lotussen, mit den drei süßen Stoffen benetzt. Mit Wasser, das nach Kampfer, Sandelholz, Moschus und Kāśmīra duftet …
23.VP.28: … vollziehe der hingebungsvolle Verständige die Sättigungsdarbringung [Mengen- beziehungsweise Zeitangabe im Druck unklar], besprenge sich selbst und sättige auch die Brahmanen.
23.VP.29: So mit vollendetem Mantra, stets der Verehrung zugewandt und dem Guru ergeben, führe er die gewünschten Anwendungen aus.
23.VP.30: Wer tausendfach Japa übt, festen Geist besitzt, die Wirkkraft des Mantras kennt und selbstbeherrscht ist, darf ebenfalls wunschbezogene Anwendungen vollziehen; anders niemals.
23.VP.31: Wer aus Unwissenheit, Verblendung oder Leichtsinn handelt, erlange nach Aussage des Textes sicher Unheil, Leiden und Bedrängnis durch Herrscher und andere.
Historische Fülle- und Heilungsversprechen
23.VP.32: Mit roten Lotussen, in den drei süßen Stoffen getränkt, vollziehe man das Feueropfer. Innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums erlange man großes, preiswürdiges Wohlergehen.
23.VP.33: Vom Vollmond bis zu demselben [Mondtag] opfere man täglich mit Hingabe tausend schöne, geöffnete Kahlāra-Blüten, mit Honig vermischt.
23.VP.34: An diesen Tagen speise man die zuvor genannten [Personen] in der angegebenen Weise. Die Zahl der Japa-Wiederholungen entspreche der Zahl der vollzogenen Opfer.
23.VP.35: Durch tausend Opfer mit honigbenetzten Campaka-Blüten erlange man gewiss hundert goldene Niṣkas, nach dem zuvor genannten [Zeitraum; Druckform mākṣeṇa unsicher].
23.VP.36: Ebenso erlange man durch dreitausend Opfer mit Ghee benetzten Pāṭala-Blüten bunte Gewänder, nach dem als daśodimāsāt gelesenen Zeitraum. Die Zeitangabe ist nicht sicher verständlich.
23.VP.37: Nach einem Monat erlange man duftende Dinge wie Kampfer und Sandelholz sowie erfreuliche Gegenstände; das Kompositum zur Art der Verwendung ist im Druck unklar.
23.VP.38: Der Mantrakenner opfere hundertmal Śāli-Reis, mit Milch benetzt. Dadurch entstehe nach sechs Monaten zweifellos Überfluss an Śāli-Reis.
23.VP.39: Ebenso opfere er hundertmal Sesam und erlange nach einem Jahr Gesundheit. An drei eigenen Geburts[terminen] opfere der Verständige Dūrvā …
23.VP.40: … und lebe als Glücklicher hundert Jahre ohne Bedrängnis. Mit Guḍūcī, Sesam und Dūrvā opfere man an drei eigenen Geburts[terminen] …
23.VP.41: … und habe Anteil an langem Leben, Wohlergehen, Gefügigkeit, Reichtum, Genüssen und Nachkommen [verdichtetes Kompositum teilweise unsicher]. Mit Ghee, Milchreis und Milch, an diesen drei Terminen der Reihe nach geopfert …
23.VP.42: … erlange man langes Leben, Gesundheit, Wohlstand und Achtung durch den König. Durch Kadalī-Feueropfer am siebten Mondtag erlange man gewiss Glück.
23.VP.43: Mit Dūrvā-Sprossen von einer Spanne Länge, mit den drei süßen Stoffen verbunden, werde man nach sechs Monaten oder einem Jahr von Krankheit frei und glücklich.
23.VP.44: An jenen Tagen wiederhole man täglich die Vidyā tausendmal, Wasser berührend; mit diesem Wasser vollziehe man Baden und Trinken.
23.VP.45: Auch Kochen und die weiteren [Tätigkeiten] geschehen mit demselben Wasser zur Befreiung von Krankheit. [Eine neue Anwendung beginnt:] Pulver vom Baum des Geburtssterns der Zielperson, Tryūṣaṇa, Senf und Sesam …
Einordnung: Die Heilungs- und Lebensdauerangaben sind überlieferte Ritualverheißungen. Quellenpflanzen werden nicht botanisch identifiziert oder als heutige Behandlung ausgegeben.
Weitere historische Zwangs- und Schadensrituale
23.VP.46: … Teig und Staub vom Fuß der Zielperson: Daraus fertige man eine Puppe mit dem Namen am Herzen.
23.VP.47: Wie zuvor sich vergegenwärtigend, opfere beziehungsweise treffe man die Puppe mit scharfen Pfeilen [die Verbindung des Opferverbs mit den Pfeilen ist auffällig]. Nach sieben Tagen, drei Tagen oder einem Tag …
23.VP.48: … werde die Zielperson, auch eine weit entfernte Frau [Satzfügung beschädigt], gefügig. Eine solche Puppe vergrabe man im Boden in der Mitte der Feuergrube.
23.VP.49: Darüber lege man Feuer und opfere täglich mit der Vidyā dreitausendmal Senf, benetzt mit dem betreffenden Saft; die zusätzliche Wendung priyāmāyām ist unklar.
23.VP.50: Selbst aus einer Entfernung von hundert Yojana bringe man eine Frau mit Zwang herbei. Jene Puppe, mit [unleserem Zusatz] und Wachs verbunden …
23.VP.51: … und mit eingesetztem Lebensatem, vergrabe man nachts auf dem Verbrennungsplatz. Dann schneide man dort die „Yoni der Zielperson“ ab und gebe eine Bali-Darbringung. Im unmittelbaren Zusammenhang geht es um die Puppe; der Vers nennt deren Zuordnung hier nicht ausdrücklich erneut. Die Formulierung wird als historischer Quellentext bewahrt.
Druckvarianten: Die Fußnoten bieten Campaka und eine Form „am Ende“. Beschädigte Zeit-, Stoff- und Satzangaben bleiben offen; die Anwendung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Abschluss der Vajraprastāriṇī-Anwendungen
Druckseite 228; Fortsetzung der historischen Schadensrituale.
23.VP.52: Nach der Besprengung wiederhole man jene Vidyā dreihundertmal. Der Feind, „im achten Tierkreiszeichen“ [Bezug der astrologischen Wendung unklar], werde nach einem Monat durch mancherlei …
23.VP.53: … Krankheiten und Bedrängnisse durch Geister und anderes vernichtet, so die Behauptung. Wenn man sie nachts im Wasser des Meeres vergräbt [die einleitende Druckform ist beschädigt] …
23.VP.54: … werde er von jenen Leiden frei und lebe glücklich auf Erden. Aus dem der Zielperson zugeordneten Baum fertige man sie [die Puppe], lege sie in Senf und Ghee …
23.VP.55: … stelle dies in Wasser und koche es an einem Freitag. Der Feind werde von schwerem Fieber gequält; verfahre man wie zuvor [zur Aufhebung], werde er wieder glücklich.
23.VP.56: Dieselbe Puppe vergrabe man zusammen mit einer Bali-Darbringung im Haus der Caṇḍikā, wenn die Zielperson ein Mann ist; ist sie eine Frau, im Heiligtum des Śāstṛ.
Unnummerierter Halbvers: Durch dieses Verfahren werde der Feind ständig wahnsinnig. Die zweite Vershälfte fehlt bereits im Druck und ist durch Punkte bezeichnet.
Eine weitere zwölf-silbige Vajraprastāriṇī-Form
23.VA.1: An der Stelle der zweiten Silbe der Vāgvādinī-Klinnā setze man Māyā ein. Diese zwölf-silbige [Vidyā] gilt als Vajraprastāriṇī.
Glosse: Gemeint ist die zuvor genannte Vāgvādinī-Klinnā. An die Stelle ihres zweiten Lautes, des Kāma-Bījas, trete das Bhuvaneśvarī-Bīja. Aus dieser ausdrücklichen Ersetzungsregel ergibt sich aiṃ hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā. Die Versdruckform māyā meṣā ist auffällig; die Prosa erklärt die Ersetzung eindeutig.
23.VA.2: Ihr Seher sei Aṅgiras, ihr Versmaß Triṣṭubh. Als Gottheit wird Vajraprastāriṇī genannt, die alle Könige gefügig mache.
23.VA.3: Mit dem ersten Bīja bilde der Verständige nacheinander die sechs Glieder. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe er wie zuvor.
Glosse: „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei Vajraprastāriṇī. Der Sechsgliedernyāsa geschieht mit hrāṃ, hrīṃ und den folgenden Formen. Der Rest sei leicht verständlich. Diese ausdrückliche Nyāsa-Angabe wird auch angesichts des aiṃ am Anfang der aus der Ersetzungsregel gewonnenen Formel bewahrt.
Śivadūtī: Mantra, Meditation und Verehrung
Aus dem Sārasaṅgraha; neue SD-Reihe:
23.SD.1: Bhuvaneśī, darauf das Wort Śivadūtī im Dativ und der Herzabschluss: Dies wird als sieben-silbiger Mantra Śivadūtīs gelehrt, der die drei Lebensziele gewährt.
Glosse und Formel: Bhuvaneśī ist hrīṃ, der Dativ lautet śivadūtyai, der Herzabschluss namaḥ:
hrīṃ śivadūtyai namaḥ.
Dakṣiṇāmūrti, Kapitel 22; eigene Nummerierung:
23.DD.1: Rudra ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Śivā die Gottheit. Anfang und Ende sind Bīja und Śakti; die Mitte heißt Kīlaka.
Glosse: Śivā bedeutet hier Śivadūtī. Damit sind hrīṃ, namaḥ und śivadūtyai zugeordnet. Die SD-Reihe wird mit der gedruckten 2 fortgeführt.
23.SD.2: Mit dem ersten Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde der Mantrakenner die sechs Glieder, jeweils mit dem zugehörigen Abschluss.
23.SD.3: Mit den übrigen Mantrasilben, von eben diesem [Bīja] umschlossen, vollziehe der Verständige die Einsetzung am Körper: nacheinander an Ohren, Nase, Wangen, Augen und Nabel.
23.SD.4: Die sechste setze er in den Geist ein; mit der ganzen Vidyā vollziehe er die umfassende Einsetzung. [Meditation:] Sie strahlt wie die Mittagssonne in der heißen Jahreszeit …
23.SD.5: … trägt eine Krone mit neun Edelsteinen, besitzt drei Augen und ein rötliches Gewand. Der Glanz ihres Körpers erstrahlt, durchsetzt vom Schmuck vieler Art.
23.SD.6: Sie lächelt rein, ist achtarmig und wird von großen Sehern gepriesen. Mit den linken Armen hält sie Schlinge, Schild, Keule und Edelsteinbecher …
23.SD.7: … mit den rechten Haken, Schwert, Axt und Lotus. Sie ist bereit, den Übenden ihre Wünsche zu gewähren.
23.SD.8: So meditiere und verehre man die Göttin Dūtī, die Übel vernichtet. [Das Diagramm hat] zwei Kreise, außen ein Dreieck, wiederum zwei Kreise und einen sechsblättrigen Lotus …
23.SD.9: … ferner ein Sechseck, ein Achteck und einen achtblättrigen Lotus. Die äußere Erdfassung werde wie bei Vahnivāsinī gebildet; in ihrer Mitte [vergegenwärtige man] Śivā.
23.SD.10: Man rufe die Göttin Dūtī, die schlechtes Handeln abwehrt, herbei und verehre sie gesammelt auf dem Śakti-Sitz mit Duft, Blumen und den weiteren Darbringungen.
23.SD.11: In der Mitte der Kreise und im zweiten Kreis verehre man die Glieder. In den drei Ecken verehre man die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns.
23.SD.12: Auf den sechs Blättern verehre man Śivā, Vāṇī, Dūrasiddhā, Traivigrahavatī [Drucklesung des Namens unsicher], Nādā und Manonmanī.
23.SD.13: In den sechs Ecken [verehre man] die mit Ḍākinī beginnende Gruppe, von der vor dem eigenen Gesicht liegenden Ecke aus rechtsherum. Gestalt, Farbe und Waffen gleichen denen der Hauptgöttin.
Druckvarianten: Die Fußnoten nennen unter anderem „mit dem vorgeschriebenen Verfahren verbunden“ statt „mit Bali verbunden“ in VP 56 sowie eine Variante zum Ausdruck für schlechtes Handeln in SD 8. Die Lücke nach VP 56 wird nicht ergänzt.
Śivadūtīs äußere Kreise
Druckseite 229; Fortsetzung der SD-Reihe.
23.SD.14: Sumukhī, Sundarī, Sārā, Sumanā, Sarasvatī, Samayā, Sarvagā und Siddhi sind die Kräfte des Achtecks.
23.SD.15: Vāgīśī, Varadā, Vighnā, Vinadā, Vighnakāriṇī, Vīrā, Vighnaharā und Vidyā sind auf den acht Blättern zu verehren.
23.SD.16: Vihvalā, Karṣiṇī, Lolā, Nityā, Madana-Mālinī, Pramodā, Kautukā, Puṇyā und Purāṇā stehen im Viereck. Die Prosa trennt Madanā und Mālinī zu zwei Namen und schreibt Ākarṣiṇī statt Karṣiṇī.
23.SD.17: Außen verehre man die Welthüter und außerhalb von ihnen ihre Waffen. So habe ich die ordnungsgemäße Verehrung Śivadūtīs gelehrt.
Ausführliche Durchführung
Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollziehe man mit der Grundvidyā dreimal die Atemregelung. Die Einsetzungen lauten, jeweils mit namaḥ: am Kopf Rudra als Seher; am Mund Gāyatrī als Versmaß; am Herzen Śrī-Śivadūtī-Nityā als Gottheit; im verborgenen Bereich hrīṃ als Bīja; an den Füßen namaḥ als Śakti; am Nabel śivadūtyai als Kīlaka. Die Anwendung wird der Erfüllung aller erwünschten Ziele gewidmet.
Nach Meditation und innerer Verehrung zeichne man auf eine goldene oder andere Tafel mit Sandelholzpaste und ähnlichen Stoffen zwei Kreise, darum ein Dreieck mit der Spitze dem Übenden zugewandt, zwei weitere Kreise, einen sechsblättrigen Lotus, ein Sechseck, ein Achteck, einen achtblättrigen Lotus und drei Vierecke mit je zwei Toren im Osten und Westen. Die im Druck eingeklammerten Teile der geometrischen Beschreibung sind hier mitübertragen.
Nach Aufstellung, Arghya und Blumendarbringung verehre man zwischen den Kreisen die sechs Glieder wie zuvor. Im Dreieck beginne man an der vorderen Spitze und gehe rechtsherum: icchāśaktyai namaḥ, jñānaśaktyai namaḥ, kriyāśaktyai namaḥ — der Kraft des Wollens, Erkennens und Handelns Verehrung.
Auf den sechs Blättern folgen Śivā, Vāṇī, Dūrasiddhā, Traivigrahavatī [unsichere Drucklesung], Nādā und Manonmanī, jeweils im Dativ mit namaḥ. In den sechs Ecken, von der vorderen Ecke der Göttin aus rechtsherum: Hākinī, Rākinī, Śākinī, Lākinī, Kākinī und Ḍākinī. Die ausformulierte Reihenfolge beginnt somit mit Hākinī, obwohl der vorausgehende Vers die Gruppe als „Ḍākinī und die anderen“ bezeichnet.
Im Achteck: Sumukhī, Sundarī, Sārā, Sumanā, Sarasvatī, Samayā, Sarvagā und Siddhā. Auf den acht Blättern: Vāgīśī, Varadā, Vighnā, Vinadā, Vighnakāriṇī, Vīrā, Vighnaharā und Vidyā. Im Viereck, rechts vom vorderen Tor der Göttin beginnend und rechtsherum: Vihvalā, Ākarṣiṇī, Lolā, Nityā, Madanā, Mālinī, Pramodā, Kautukā, Puṇyā und Purāṇā. Jeden Namen spreche man im Dativ mit namaḥ. Welthüter, Waffen und Abschluss folgen wie zuvor.
Japa, Feueropfer und überlieferte Anwendungen
23.SD.18: Der vorzügliche Übende wiederhole den Mantra hunderttausendmal; als Mantrakenner opfere er ein Zehntel davon mit Milchreis, mit Ghee benetzt.
23.SD.19: Mit einem Zehntel davon vollziehe er die Sättigungsdarbringung mit gutem, duftendem Wasser. Dann besprenge er sich selbst und stelle die Brahmanen zufrieden.
23.SD.20: Wer den Mantra so vollendet hat, ist zu den Anwendungen befähigt. Ich werde die wunschbezogenen Feueropfer lehren, die den gefassten Vorsatz vollständig erfüllen sollen.
23.SD.21: Dadurch erlange er gewiss rasch das Gewünschte. Mit Guggulu, mit Sesam vermischt, mache das Feueropfer Frauen gefügig.
23.SD.22: Mit Guḍa, verbunden mit Kokosnuss, erlange man Wohlstand; ebenso mit Ghee benetzten Kahlāra-Blüten, mit kṣīrāṅka [Stoffbezeichnung unsicher] und roten Wasserlilien.
23.SD.23: Mit Campaka- und Bakula-Blüten, von den drei süßen Stoffen benetzt, sowie Madhūka-Blüten erlange man eine Braut.
23.SD.24: Mit Punnāga-Blüten, dem Feuer mit Ghee dargebracht, erlange man das Erwünschte. Es folgen Zusagen zum Erlangen von Büffeln, Ziegen und Kühen durch entsprechend bezeichnete tierische Darbringungsstoffe; die Zuordnung in der gedrängten zweiten Vershälfte bleibt unsicher.
23.SD.25: Durch Edelsteine, mit Ghee geopfert, erlange der Übende Edelsteine. [Neue Anwendung:] Man fertige eine Puppe aus Śāli-Reismehl, mit Zucker verbunden …
23.SD.26: … setze den Namen der Zielperson in ihre Herzgegend ein und backe sie nachts in Öl und Ghee. Der Mantrin esse sie tags und nachts, nachdem sie mit der Vidyā besprochen worden ist.
23.SD.27: Durch eine Anwendung über sieben Nächte komme der Mann, die Frau oder der König wie ein Diener herbei und übergebe Vermögen, Lebenskräfte und anderes.
23.SD.28: Ebenso opfere man rote oder weiße Hayāri-Blüten. Nach drei mal sieben Nächten erlange der Mensch großen Wohlstand.
Einordnung und Varianten: Diese Zusagen und Zwangsrituale werden als Aussagen der historischen Quelle übersetzt. Die Fußnoten bieten „Honig“, „Früchte“ und eine abweichende Lesart zum Erlangen von Nahrung durch Nahrung beziehungsweise Ghee. Die Pflanzenbezeichnungen bleiben ohne moderne botanische Gleichsetzung.
Śivadūtī: Schluss
Druckseite 230.
23.SD.29: Durch ein Feueropfer mit Tigerfleisch, von den drei süßen Stoffen benetzt, erlange man Gold. Mit kṣīrāṅka [Bezeichnung weiterhin unsicher] erlange man nach einem Maṇḍala-Zeitraum ein mit Feldfrüchten reiches Land.
23.SD.30: Durch Darbringung von Lotus-Erzeugnissen erlange man nach drei Tagen Wohlstand. Sie rettet aus allen Bedrängnissen, bezaubert und erfreut die Welt.
Unnummerierter Halbvers: Sie heißt Śivadūtī, die Glück und sämtliche Fülle gewährt. Eine weitere Vershälfte ist im Druck nur durch Punkte vertreten.
Tvaritā: die rasch rettende Göttin
Sārasaṅgraha; neue TV-Reihe:
23.TV.1: Nun werde ich dir den von den Göttern verehrten Tvaritā-Mantra sagen, der über alle Bedrängnisse hinwegführt und die Erfüllung aller Fülle und Nachkommenschaft gewährt.
23.TV.2: Die „Zahnreihe“, mit dem „Haupt“ verbunden; Hṛllekhā, mit dem Panzer abgeschlossen; rechter Armellenbogen und Lippe; darauf der linke Armansatz …
23.TV.3: … dessen Zahn- und Lippenlaute, der letzte [Buchstabe], Bhṛgu verbunden mit dem letzten [Konsonanten der betreffenden Gruppe] und Repha, mit Śānti; der Raum, verbunden mit linkem Ohr und Punkt; der letzte [Buchstabe] mit Vokal …
Unnummerierte Fortsetzung: … Śakti, mit dem Waffenabschluss: Der Mantra wird zwölf-silbig genannt. Die anschließende Halbzeile ist im Druck punktiert.
Entschlüsselung der Quelle: Die „Zahnreihe“ ist o, das „Haupt“ der Punkt: oṃ. Hṛllekhā ist das Bhuvaneśvarī-Bīja hrīṃ; Panzer ist huṃ. Der rechte Armellenbogen bezeichnet kha, die Lippe e, zusammen khe. Linker Armansatz ist ca; Zahn und Lippe bezeichnen cha und e, daraus cche. Der letzte Buchstabe ist kṣa. Bhṛgu bezeichnet sa, verbunden mit ta, ra und langem ī zur angegebenen Form strīṃ. Raum ist ha, linkes Ohr ū, mit Punkt hūṃ. Der letzte Buchstabe kṣa, mit e, ergibt kṣe. Śakti ist hrīṃ, der Waffenabschluss phaṭ.
Die Quelle schreibt in dieser Glosse zunächst kurzes huṃ, später langes hūṃ. Auch die Beziehung zwischen verschlüsseltem Vers und einzelnen erläuterten Lautgruppen ist nicht durchgehend glatt. Die Übertragung bewahrt die ausdrücklich erklärten Bestandteile; die ausführliche Ritualfassung folgt im nächsten Abschnitt.
23.TV.4: [Erste Halbzeile im Druck punktiert.] Als Seher und die weiteren Bestimmungen werden Arjuna, Virāj und Tvaritā genannt.
23.TV.5: Mit den Kūrma-Bījas und den langen [Vokalformen, in der gedruckten Wendung nicht eindeutig angeordnet] bilde man die sechs Glieder. Je zwei Mantrabuchstaben, unter Auslassung von Māyā, setze man ein.
Glosse: Kūrma bezeichnet ca. Zur paarweisen Zusammenstellung nennt die Glosse Formen wie cacche für das Herz und cacchetaḥ für den Kopf; die Drucklesung ist hier auffällig. Die Durchführung soll später erläutert werden.
Nārāyaṇīya; eigene NTY-Reihe:
23.NTY.1: Die sieben Buchstaben, vom neunten beginnend bis zum zweiten [in der vorausgesetzten Anordnung], sollen nach der Unterweisung paarweise zu Gliedern gebildet werden.
Glosse: „Nach der Unterweisung“ verweist auf die jeweilige einzelne Einsetzung. Genannt werden kheca für das Herz, cacche für den Kopf und so weiter; man richte sich nach der Unterweisung des Gurus. Die Beziehung dieser Paare zu den vorausgehenden Angaben bleibt als überlieferte Variante sichtbar.
23.TV.6: Am Schädel, Hals, an Armen, Herz, Nabel, verborgenem Bereich, Oberschenkeln samt Knien, Unterschenkeln und Füßen setze der Mantrin [die Laute] ein. Mit sämtlichen Lauten vollziehe er die umfassende Einsetzung.
Tvaritās Gestalt
23.TV.7: Ihr dunkler Körper strahlt; ihre Lotusfüße stehen auf einem roten Lotus. Mit herrlichen Ohrringen, Armreifen, Gürtel und Fußringen …
23.TV.8: … aus acht furchterregenden Nāgas, je zwei aus den Gruppen der Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, ist ihr leuchtender Schmuck gestaltet.
23.TV.9: Śeṣa und Vāsuki heißen Brahmanen, Takṣaka und Karkoṭaka Könige, Padma und Mahāpadma Vaiśyas, Kulika und Śaṅkhaka Angehörige der vierten Gruppe.
Glosse: Śaṅkhaka ist Śaṅkhapāla. Es handelt sich um die soziale Symbolordnung des historischen Textes.
23.TV.10: Sie trägt ein Gewand aus Blättern; ihre Arme schmücken schöne Reifen aus Pfauenfedern. Eine Rubin-Krone erstrahlt auf ihr.
23.TV.11: Ihr Kopfschmuck besteht aus Pfauenfedern, ebenso ihr Schirm und ihre Fahne. Eine Halskette aus Guñjā-Früchten leuchtet über ihrer Brust.
23.TV.12: Sie hat drei Augen, ein schönes Gesicht und ein sanft lächelndes Lotusantlitz. Ihre Hände gewähren Wünsche und Furchtlosigkeit; beide Wangen ziert Makara-Schmuck.
23.TV.13: Ihre Taille ist schlank wie eine Ranke, ihre Brüste sind voll; ihre schönen Augen sind rötlich und weit, ihre Lippen leuchtend rot wie junge Blätter. Das Kompositum zur Brustgestalt ist im Druck beeinträchtigt.
Ausführliche Druckfußnote, Śivārcanacandrikā: Rechts und links erscheinen die Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Die Schlangen werden dort abweichend gruppiert: Ananta und Kulika als Brahmanen, pfauenfarben und mit je tausend Hauben; Vāsuki und Śaṅkhapāla als Könige, gelb und mit je achthundert Hauben; Takṣaka und Mahāpadma als Vaiśyas, blau und mit je fünfhundert Hauben; Padma und Kārkoṭaka als Angehörige der vierten Gruppe, weiß und mit je dreihundert Hauben. So seien sie als jeweilige Schmuckstücke zu meditieren. Diese Gruppierung wird nicht mit der abweichenden Liste von TV 9 vereinheitlicht. Eine weitere Fußnote bietet eine Variante im Kompositum von TV 13.
Tvaritās Sitz und Verehrungsdiagramm
Druckseite 231; Fortsetzung der TV-Reihe.
23.TV.14: Der Verständige vergegenwärtige sich die junge Göttin als Wohnstätte der Anmut, auf einem goldenen Sitz, ringsum von acht Löwen umgeben. Die Zahl ist in der zusammengedrängten Druckform beeinträchtigt; das folgende Zitat nennt ausdrücklich acht.
23.TV.15: [Das Diagramm hat] einen achtblättrigen Lotus, danach zwei Kreise und außen zwei Erdfassungen mit einem Tor im Westen.
23.TV.16: Hier verehre man die neun beim Māyā-Sitz genannten Kräfte. Darin verehre man Tvaritā nach der nun folgenden Vorschrift.
23.TV.17: Der letzte [Buchstabe] mit „Stab“, Panzer, Raum mit „Stab“, Nektar, jrade; Raum, der auf bha folgende Laut mit Ohr und Feuer; dieses Paar wiederholt …
23.TV.18: … der letzte [Buchstabe] mit Auge und Halbmond; zweimal gula und zweimal garja; Raum mit vorletztem Vokal, Panzer, der letzte [Buchstabe] mit langem Vokal und Punkt …
Unnummerierte Fortsetzung: … Pañcānana im Dativ und der Herzabschluss: So wird der Sitzmantra gelehrt. Die weitere Halbzeile ist im Druck punktiert.
Glosse des Sitzmantras: „Letzter“ wird im Druck hier als ca erläutert; mit Anusvāra ergibt sich caṃ. Panzer ist huṃ; Raum mit Punkt haṃ. Nektar bezeichnet va; jrade steht für sich, sodass diese beiden Bestandteile vajrade bilden. Raum bezeichnet ha; auf bha folgt ma, mit u wird daraus mu. Feuer ist ra, mit dem ergänzten u ergibt sich ru; muru wird wiederholt. Der als ca erklärte „letzte“ Laut mit i und Punkt ergibt ciṃ. Gula und garja werden jeweils doppelt gesprochen. Raum mit Punkt ist haṃ, Panzer huṃ; der „letzte“ Laut mit langem ā und Punkt ergibt nach derselben Drucklesung cāṃ. Es schließen sich pañcānanāya und namaḥ an. Die Buchstabenangaben zu „letzter“ sind auffällig; sie werden nicht stillschweigend durch eine vermutete Standardform ersetzt.
23.TV.19: Mit diesem Mantra bringe man den Sitz dar. Die Gestalt bilde man mit dem Grundmantra; dann verehre man Tvaritā.
23.TV.20: Der Verständige vollziehe ordnungsgemäß die Gliederverehrung an den Staubfäden. Dort verehre der Mantrakenner auch Praṇītā und Gāyatrī.
Erklärung und weitere Quellen: „Dort“ meint den siebten und achten Staubfaden. An den ersten sechs, vor der Göttin beginnend und rechtsherum, werden die sechs Glieder verehrt; an den verbleibenden beiden die zwei Kräfte. Das Muḍānītantra nennt den Sitz mit acht Löwen und die Reihenfolge von Osten an. Das Totalāmata nennt ebenfalls Glieder, Praṇītā und Gāyatrī; Praṇītā steht im Norden, Gāyatrī im Nordosten. Padmapādācārya ordnet entsprechend die sechs Glieder den ersten sechs Staubfäden von Osten an und die beiden übrigen Gottheiten Norden und Nordosten zu. Die ungewöhnliche Klammerung des Drucks wird nicht als zusätzliche fehlende Textstelle ausgegeben.
Prapañcasāra 13.33; eigene PG-Reihe:
23.PG.1: Zu verehren sind Huṃkārī, Khecarī, Caṇḍā, Cchedanī, Kṣepaṇī, Strī [die Wortfügung ist gedrängt], Hūṃkārī und Kṣemaṅkarī.
Unnummerierte Fortsetzung: Mit Śrī-Bīja versehen, mit Waffen und Schmuck der Welthüter, an den Blattspitzen.
Glosse: Auch die Reittiere der Welthüter sind mitzudenken. Das Totalāmata erklärt ihre Farben, Reittiere und Waffen als denen Indras und der übrigen Welthüter entsprechend.
23.PG.2: Außerdem [verehre man] Phaṭkārī, die Bogen und Pfeil trägt, außen vor ihnen.
23.PG.3: Als Torwächterinnen verehre man Jayā und Vijayā mit goldenen Rohrstäben; vor ihnen den schwarzen Diener Kiṅkara mit wildem Haar, einen Knüttel tragend.
Glosse und Fußnote: Barbara wird als bestäubt beziehungsweise grau erläutert; die Fußnote nennt nach dem Tantrarāja-Kommentator auch „kraus“. Lakuḍa bedeutet Keule. Der Sārasaṅgraha beschreibt ihn entsprechend als schwarz und mit einer Keule in der Hand.
Sārasaṅgraha; eigene TS-Reihe:
23.TS.1: [Man spreche] kiṅkarāya, zweimal rakṣa, „Sei fest in Tvaritās Befehl“, den Panzerabschluss und phaṭ; mit diesem Mantra sodann …
23.TS.2: … verehre man Śivā mit schönen, duftenden Erzeugnissen aus Wald und Wildnis, mit Räucherwerk, Licht und anderen Darbringungen sowie Tanz und Gesang.
23.TS.3: Nach solcher Verehrung wiederhole man die Vidyā tausendmal oder hundertmal. Nach dem Feueropfer schließe man die Verehrung wie zuvor ab.
Beginn der ausführlichen Tvaritā-Praxis
Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollziehe man mit der Grundvidyā dreimal die Atemregelung. Mit namaḥ setze man ein: am Kopf Arjuna als Seher; am Mund Virāj als Versmaß; am Herzen Śrī-Tvaritā-Nityā als Gottheit; im verborgenen Bereich oṃ als Bīja; an den Füßen hrīṃ als Śakti. Dann erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Lebensziele …“ Die Anweisung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Tvaritā: Nyāsa und Gefolge in der ausführlichen Fassung
Druckseite 232; Fortsetzung der Prosa.
Mit gefalteten Händen spreche man die Widmung aus. Der Hand- und Sechsgliedernyāsa wird im Druck mit folgenden Lautgruppen angegeben: cace hṛdayāya namaḥ; cecchaḥ śirase svāhā; kṣastrī śikhāyai vaṣaṭ; strīhuṃ kavacāya huṃ; huṃkṣe netratrayāya vauṣaṭ; kṣepḥaṭ astrāya phaṭ. Die ersten drei Gruppen sind im Druck beeinträchtigt; diese Wiedergabe ist keine normalisierte Mantrafassung. Die Glieder sind Herz, Kopf, Haarknoten, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe.
Nach Meditation, Selbstverehrung, Verehrung des Bhuvaneśvarī-Sitzes, Herbeirufung und Blumendarbringung verehre man die sechs Glieder an den ersten sechs Staubfäden, vor der Göttin beginnend. An den letzten beiden: oṃ praṇītāyai namaḥ; oṃ gāyatryai namaḥ. Auf den acht Blättern folgen mit oṃ und namaḥ Huṃkārī, Khecarī, Caṇḍā, Cchedinī, Kṣepaṇī, Strī, Huṃkārī und Kṣemaṅkarī. Diese Prosafassung schreibt Huṃkārī zweimal; die vorausgehende Liste wird dadurch nicht stillschweigend korrigiert.
Vor der Göttin: oṃ phaṭkāryai namaḥ. Rechts und links des vorderen Tores: oṃ jayāyai namaḥ; oṃ vijayāyai namaḥ. Unmittelbar vor dem Tor:
kiṅkarāya rakṣa rakṣa tvaritājñāsthiro bhava huṃ phaṭ; kiṅkarāya namaḥ — „Für Kiṅkara: Beschütze, beschütze! Stehe fest in Tvaritās Befehl! … Dem Kiṅkara Verehrung.“
Welthüter, Waffen und Abschluss folgen wie zuvor. Einige lehren hier jedoch keine eigene Welthüterverehrung, weil Huṃkārī und die übrigen Kräfte bereits deren Wesen verkörpern.
Tvaritā-Gāyatrī und vorbereitende Wiederholung
Muḍānītantra; eigene TGAY-Reihe:
23.TGAY.1: Nach den Worten tvaritādevi spreche man rasch vidmahe aus; gelehrt werden vidyāyai dhīmahi und tan no devī pracodayāt.
Formel nach dem angegebenen Wortlaut:
tvaritādevi vidmahe vidyāyai dhīmahi tan no devī pracodayāt.
„Wir möchten Tvaritā Devī erkennen; wir meditieren auf die Vidyā. Jene Göttin möge uns anregen.“ Die Quelle setzt das erste Glied in dieser Form, ohne es hier ausdrücklich in den Dativ umzuschreiben.
Unnummerierter Halbvers: Diese Gāyatrī Tvaritās bewirke durch Wiederholung ihre Gegenwart. Die weitere Halbzeile ist im Druck punktiert.
Prapañcasāra 13.31; eigene TPJ-Reihe:
23.TPJ.1: Nach Empfang der Einweihung vom Guru wiederhole der Übende mit wohlbeherrschtem Geist hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Bilva-Hölzchen, die von den drei süßen Stoffen benetzt sind.
Sārasaṅgraha; eigene TB-Reihe:
23.TB.1: So sich vergegenwärtigend, wiederhole der vorzügliche Mantrakenner hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit honigbenetzten Bilva-Hölzchen.
23.TB.2: Mit duftendem Wasser sättige er die höchste Tvaritā; danach besprenge er sich selbst und veranstalte eine Speisung der Brahmanen.
23.TB.3: Ist der Mantra so vollendet, erweisen Männer, Frauen und Herrscher ihm Verehrung; daran solle kein Zweifel bestehen.
Die Verlockung und die Standhaftigkeit des Übenden
23.TB.4: Frauen aus den Gruppen der Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas und Cāraṇas, Frauen der Siddhas und Vidyādharas sowie Apsaras …
23.TB.5: … mit hervortretender Hüft- und Brustgestalt, schön durch die sichtbaren Armansätze, mit leicht schwankendem Schritt und flimmerndem Zahnglanz …
23.TB.6: … schön, mit etwas geöffneten wasserliliengleichen Augen, sich lockernden Gewändern und lose gebundenem Haar …
23.TB.7: … langsam und stockend redend, immer wieder um Gunst bittend, mit in tiefer Verneigung über dem Kopf gefalteten Händen, [sprechen]:
23.TB.8: „Sieh uns an, sprich bald zu uns! Sei uns freundlich und voller Mitgefühl. Komm in den schönen Garten der Götter; hier wollen wir nach eigenem Wunsch Freude genießen …“
23.TB.9: „… jederzeit ohne Furcht!“ Wenn der Mantrakenner durch solche Tag und Nacht ausgesprochenen Verlockungen nicht aus seiner Haltung gerät …
23.TB.10: … dann kommt Tvaritā und gewährt ihm alles Gewünschte. [Neue Aussage:] Nachdem er die Vidyā in beide Ohren gesprochen und einen Stab zweimal besprochen hat …
Unnummerierte Fortsetzung: … könne er durch einen plötzlichen Schlag auf den Kopf einen Toten aufrichten. Die Glosse ergänzt: einen durch Schlangenbiss oder Ähnliches Gestorbenen. Dies ist eine historische Wiederbelebungsbehauptung, keine Behandlungsvorschrift. Die zweite Vershälfte ist im Druck punktiert.
Wunschbezogene Feueropfer
Neue TH-Reihe:
23.TH.1: Ich werde die Vorschrift der wunschbezogenen Feueropfer lehren. Der Regelkundige bilde in der Feuergrube eine Yoni, richte darin das Feuer ein und [verehre] sie …
Glosse: Yoni meint hier ein Dreieck mit der Spitze zum Übenden hin.
23.TH.2: … indem er die Gottheit nach der vorher genannten Vorschrift verehrt. Der Verständige opfere Sesam, Senf, Weizen, Śāli-Reis, Getreide und Gerste …
23.TH.3: … einzeln oder zusammen, mit den drei süßen Stoffen benetzt, zur Erlangung von Fülle. Mit Bakula, Campaka, roten Kahlāra-Blüten und roten Wasserlilien …
23.TH.4: … mit Kairava, Mallikā, Kunda und Madhūka zur Erlangung von Indirā [Wohlstand]; mit Aśoka, Pāṭala, Bilva, Jāti und weißen Vicakila … Die Aufzählung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Weitere überlieferte Tvaritā-Anwendungen
Druckseite 233; Fortsetzung der TH-Reihe.
23.TH.5: … mit frischen blauen Wasserlilien, Aśvāripu- und Karṇikāra-Blüten erlange man durch das Feueropfer Wohlstand, Glück, langes Leben, dauernden Ruhm und einen Schatz.
23.TH.6: Was auch immer gewünscht werde, all dies erlange man gewiss. Dūrvā, Guḍūcī, Aśvattha, Vaṭa und Āragvadha …
23.TH.7: … sowie weißen Lotus hunderttausendfach opfernd, werde der Mensch bald von Krankheit frei. Man opfere Zuckerrohr, Jambū, Kokosnuss, Mocā, Guḍa und Zucker …
23.TH.8: … und erlange unerschütterlichen Wohlstand und werde gewiss ein Genießender. Mit den genannten Stoffen, von Ghee, Honig und Milch benetzt, vollziehe man das Feueropfer.
23.TH.9: Durch die einzelnen [Darbringungen] werde eine Frau mit ihrem Vermögen und anderem lebenslang gefügig. Durch dieselben Stoffe, mit Ghee benetzt [Druckfügung rājya statt eines eindeutigen ājya], mache das Feueropfer Herrscher gefügig.
23.TH.10: Durch dieselben, mit Milch benetzt geopferten Stoffe, würden alle Menschen gefügig. Für den Tod des Feindes nennt der Text ein Senf-Ghee-Opfer im Feuer aus Mṛtyu-Holz …
23.TH.11: … ferner Fleisch aus der „Yoni des Feindes“, mit einem unsicheren Zusatz tadaṅka, und einen daraus bereiteten Caru in einem Feuer mit rotem Brennstoff.
23.TH.12: Mit Āruṣkara und Ghee versehen bringe man ihn mit einer Schlangenkopf-Opferkelle dar, den Kopf in schwarzes Tuch gehüllt, ein Schwert in der Hand und zornig …
23.TH.13: … mitten in der Nacht, um den Feind gewaltsam sofort zu töten. Durch Opfer von Früchten und Blättern des Mṛtyu-Baums in dessen Holzfeuer …
Glosse: Mṛtyu ist Kāraskara. Die historische Stoffbezeichnung wird ohne moderne botanische Bestimmung übernommen.
23.TH.14: … erkrankten nach sieben Nächten die Elefanten und Pferde des Feindes. Durch Opfer des als caturaṅgulaja bezeichneten Stoffes werde das viergliedrige Heer des Feindes …
23.TH.15: … nach einer Woche von Krankheit und Leid bedrängt, so die Zusage. [Neue Aussage:] Baden mit mantra-besprochenem Wasser bewirke die Stillung von Gift.
23.TH.16: Ebenso [geschehe es] durch Luftbewegung eines besprochenen Stabes und eine Handvoll besprochenes Wasser. Die Zahl der Mantrawiederholungen solle der Zahl der Feuerdarbringungen entsprechen.
23.TH.17: Durch Japa in die Ohröffnung verschwänden Gift- und Besessenheitsleiden sofort; auch die Aufstellung des Yantras vernichte Gift, Geister und anderes.
23.TH.18: Wer könnte die Herrlichkeit dieser Vidyā beschreiben? Dennoch habe ich dir durch ihre Gnade ein wenig gesagt.
Erklärung der Quelle: „Fleisch aus der Yoni des Feindes“ meint Fleisch des Tieres, das der Geburtstern-Yoni des Feindes zugeordnet wird. Damit erklärt die Quelle selbst den Ausdruck von TH 11. Krankheits-, Vergiftungs- und Tötungswirkungen sind historische Ritualbehauptungen.
Die Tier-Yonis der Mondstationen
Totulāmata; eigene NYO-Reihe:
23.NYO.1: Pferd, Elefant, Ziegenbock, männliche Schlange, weibliche Schlange und Katze; Widder, Kater, ākhu, mūṣaka [zwei Nagetierbezeichnungen], Kuh und Stier …
23.NYO.2: … Büffel, Tiger, Büffelkuh, Tigerin, Hirsch, Hündin, männlicher Affe, Mungo, weiblicher Mungo und Äffin …
23.NYO.3: … Löwe, Stute, Löwin, Ziege und Elefantenkuh: So sind dir, o Göttin von gutem Gelübde, die Yonis der Sterne in ihrer Reihenfolge genannt.
Glosse: Das zweite Mungo-Wort bezieht sich auf Abhijit; deshalb sind es achtundzwanzig. Die Liste umfasst bei getrennter Zählung aller genannten Tiere tatsächlich 28 Einträge. Der Text schreibt hier die Namen der einzelnen Mondstationen nicht daneben; eine zusätzliche Zuordnungstabelle wird daher nicht erfunden.
Anugraha: Diagramme der Begünstigung
Sārasaṅgraha; neue AC-Reihe. Unnummerierte Einleitung: Nun werden die Begünstigungsdiagramme kurz erläutert. Die zweite Halbzeile ist im Druck punktiert.
23.AC.1: Man zeichne vierundsechzig Felder und schreibe darin den Śrī-Mantra, beginnend bei Śiva und bei Kuṇapa [verschlüsselte Richtungsangaben, die folgende Prosa erklärt die Anordnung]. Außen schreibe man den Tṛṇa-Mantra mit Śikhā-Abschluss, umgeben von Amṛta.
23.AC.2: Auf eine Goldtafel oder ein reines Gewand geschrieben und aufgestellt, bewirke dies zur rechten Zeit Regen, der die Feldfrüchte gedeihen lässt und Frucht bringt.
23.AC.3: Wo dieses „Anugraha“ genannte Yantra eingegraben wird, solle wahrlich keine unheilvolle Nachricht eintreffen. Nun werde ich dir diesen Śrī-Mantra sagen.
23.AC.4: Ramā ohne Punkt, dann sā, „Gift“ mit langem Vokal und „Wind“ mit langem Vokal; man spreche diese rückwärts. Die Entschlüsselung folgt auf der nächsten Seite.
Druckvarianten: Zwei Fußnoten betreffen Stoff- beziehungsweise Ortslesungen; die zweite nennt arke. Beschädigte Zusammensetzungen werden nicht zu botanischen oder rituellen Gewissheiten erweitert.
Der Sarvatobhadra-Lakṣmī-Mantra
Druckseite 234; Fortsetzung der AC-Reihe.
23.AC.5: Bhṛgu mit Kānti; der fünfte der ta-Gruppe mit Sadya; Wind mit Ananta; nochmals jña mit e.
23.AC.6: Diese spreche man rückwärts. Dann mā, Wind mit langem Vokal, Erde mit linkem Auge und Vasundharā mit Ananta.
23.AC.7: Diese lese man rückwärts. Dann yā, jña mit e, das Wort lā und lī; auch diese in umgekehrter Folge.
Unnummerierter Halbvers: Man spreche diesen Mantra; er gilt als Vollbringer aller Vorhaben. Die zweite Halbzeile ist im Druck punktiert.
Vollständige Entschlüsselung der Glosse: Ramā ohne Punkt ist śrī; sā bleibt unverändert. „Gift“ bezeichnet ma, mit langem ā wird es mā. Wind ist ya, mit langem ā wird es yā. Rückwärts: yā mā sā śrī. Bhṛgu ist sa, Kānti ā: sā. Der fünfte Laut der ta-Gruppe ist na, Sadya ist o: no. Wind mit Ananta, das heißt ā, ergibt yā. Jña mit e ergibt jñe. Rückwärts: jñe yā no sā. Es folgen mā, yā, Erde als la mit linkem Auge als ī: lī, sowie Vasundharā als la mit ā: lā. Rückwärts: lā lī yā mā. Schließlich yā jñe lā lī und rückwärts lī lā jñe yā.
Damit ergeben sich die ausdrücklich erläuterten 32 Silben des Sarvatobhadra-Lakṣmī-Mantras:
śrī sā mā yā yā mā sā śrī |
sā no yā jñe jñe yā no sā |
mā yā lī lā lā lī yā mā |
yā jñe lā lī lī lā jñe yā ||
Das Diagramm mit 64 Feldern
Man ziehe neun Linien von Osten nach Westen und neun von Süden nach Norden; dadurch entsteht ein Viereck aus 64 Feldern. In die 32 Felder der oberen vier Reihen schreibe man die 32 Silben des genannten Mantras, beginnend im ersten Feld der obersten Reihe von der eigenen linken zur rechten Seite. In die unteren vier Reihen schreibe man denselben Mantra erneut: vom rechten Feld der untersten Reihe nach links und dann Reihe für Reihe nach oben.
Außerhalb schreibe man die Tvaritā-Vidyā mit eingefügtem vaṣaṭ viermal, für die vier Himmelsrichtungen, vom Nordosten aus wieder bis zum Nordosten; die Schrift berührt die äußere Begrenzung. Darum lege man das Amṛta-Bīja, im Druck als vam erläutert. Dieses Yantra soll die zuvor genannten Wirkungen gewähren.
Ein weiteres Diagramm mit 81 Feldern
Neue EF-Reihe:
23.EF.1: Nun werde ich dir ein schönes, vorzügliches Yantra lehren. Mit Schnüren von Osten nach Westen und von Süden nach Norden …
23.EF.2: … jeweils zehn, in gleichen Abständen, bilde man einundachtzig Felder. In das mittlere Feld schreibe man …
23.EF.3: … den auf ṭa folgenden Laut, mit Punkt und dem Namen der Zielperson. Außen davon, in vier Bahnen von je vier Feldern …
23.EF.4: … in den vier Richtungen schreibe man nacheinander die nun genannten Laute: den vierten der ca-Gruppe, mit linkem Ohr und Punkt …
23.EF.5: … Bhṛgu mit Visarga, Wasser, Śveteśa und Khecarī. Darauf schreibe man wie zuvor die reine Lakṣmī-Vidyā …
23.EF.6: … in die Felder ohne jene Laute. Dann umgebe der Mantrakenner dies der Reihe nach außen mit den Tṛṇāgni- und Amṛta-Lauten. Die Druckfügung dieser Bezeichnung ist beeinträchtigt.
23.EF.7: Diese werden in der Überlieferung als die Buchstaben der Grundvidyā mit vaṣaṭ, jedoch ohne phaṭ, angegeben.
Unnummerierter Halbvers: Außen bilde man einen Krug und darunter sowie darüber je einen Lotus. Die weitere Halbzeile ist im Druck punktiert.
Ausführliche Zeichenanweisung: Zehn gleichmäßig verlaufende Linien in jeder der beiden Achsen ergeben 81 Felder. In der Mitte schreibe man den Namen der Zielperson in den Bauch des mit Punkt versehenen ṭha, also ṭhaṃ. In die vier vom Mittelfeld ausgehenden Reihen mit je vier Feldern schreibe man, vorn beginnend und rechtsherum, jeweils von innen nach außen, pro Feld einen Laut aus jhūṃ saḥ va ṣaṭ.
Die übrigen Felder fülle man mit dem zuvor genannten Śrī-Vidyā-Anuṣṭubh, vom Nordosten beziehungsweise Südwesten beginnend; die vier mittleren Bahnen bleiben dafür ausgespart. Außen schreibe man die zuvor bezeichneten Tṛṇāgni-Amṛta-Laute in vier Umläufen vom Nordosten wieder zum Nordosten. Um das gesamte Quadrat lege man einen Kreis, dessen Mittelpunkt das mittlere Feld ist und dessen Umfang sich nach der äußeren Schrift richtet; mit einer Fingerbreite Abstand folgt ein zweiter Kreis. Oben und unten, von der Mitte aus, [folgt eine Veränderung über] vier … Die Konstruktionsanweisung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Die Krugform des 81-Felder-Diagramms
Druckseite 235; Fortsetzung der Zeichenanweisung.
… Fingerbreiten [von der Mitte] entferne man oben und unten die entsprechenden Teile beider Kreise. Die vier Enden führe man mit gleichem Abstand, oben über vier Fingerbreiten, so weiter, dass eine Krugmündung entsteht; an deren Öffnung ziehe man zwei Querlinien. Die Raumangaben sind im Druck gedrängt, die beabsichtigte Krugform wird jedoch ausdrücklich genannt.
Den Zwischenraum der Krugkontur fülle man mit einer Kette einander berührender, nach innen gerichteter va-Buchstaben; darüber schreibe man jeweils den Punkt. Unter den Krug zeichne man einen Lotus, sodass der Krug auf dessen Fruchtboden steht. Auf die gewünschten Zwecke nach der genannten Reihenfolge angewandt, soll dies die angegebenen Wirkungen gewähren.
23.EF.8: Mit Kuṅkuma oder Lackfarbe, mit einer goldenen Schreibspitze, auf eine Goldtafel oder ein weißes Gewand geschrieben …
23.EF.9: … verehrt und durch Japa vollendet, stelle man es auf. Wo es steht, werde der Wohlstand sehr groß, und die Menschen seien ohne Krankheit.
23.EF.10: Elefanten, Pferde, Vieh und andere Lebewesen seien sehr glücklich. Bei Bedrängnis durch Bhūtas, Pretas, Piśācas und andere [Wesen] trage man es.
23.EF.11: [Es diene] der Stillung des Unglücks, der Erlangung von Gefügigkeit, aller Fülle und der Befreiung von Zauberangriffen, Tod, Besessenheit, Gift und Übel …
Unnummerierte Fortsetzung: … sowie der Erlangung von Söhnen, Enkeln, Herrschaft und langem Leben. Die zweite Vershälfte ist im Druck punktiert. Die Aussagen bleiben als überlieferte Wirkungsversprechen gekennzeichnet.
Ein zehnblättriges Schutzdiagramm
23.EF.12: In einem Lotus mit zehn Blättern [schreibe man] Māyā zusammen mit dem Namen der Zielperson. Auf die zehn Blätter schreibe man die mit Tāra beginnenden Laute; [der Lotus steht] in einem Sechseck und einer Erdfassung.
23.EF.13: Besprochen und am Arm getragen, vernichte es Zauberangriffe, Feindseligkeit und Besessenheit, beseitige die vielfältige Furcht vor Dieben, Raubtieren und Ähnlichem und verleihe Königen Sieg im Kampf.
Ausführung: Man zeichne einen zehnblättrigen Lotus und schreibe im Fruchtboden den Namen der Zielperson in das Māyā-Bīja. Auf die Blätter kommen die zehn Laute der Grundvidyā von oṃ an, unter Auslassung der Māyā-Bījas. Außen folgen Sechseck und Viereck. Das soll die genannten Wirkungen gewähren.
Zehn Varianten eines achtblättrigen Diagramms
23.EF.14: In den Bauch des ersten Vidyā-Lautes schreibe man den Namen der Zielperson; außen auf die acht Blätter die acht Laute unter Auslassung von phaṭ.
23.EF.15: Den in der Mitte angeordneten [Inhalt] und den Lotus umgebe man mit Māyā; außen bilde man einen Krug mit den zuvor genannten Merkmalen.
23.EF.16: Ebenso bilde man mit den weiteren neun Vidyā-Lauten der Reihe nach neun weitere Yantras. [Der Text nennt] die Wirkungen aller zehn.
23.EF.17: Man erlange umfassenden Schutz, Sieg, Gefügigkeit, Beseitigung von Gift und schädlicher Besessenheit, Stillstellung, Wohlstand, Ruhm, Getreide und Gewänder.
Ausführliche Anordnung: Man zeichne einen achtblättrigen Lotus. In seinen Fruchtboden schreibe man die erste Hṛllekhā der Vidyā; in deren Bauch den am Anfang der Vidyā stehenden Praṇava, und darin den Namen der Zielperson. Die acht übrigen Mantrabuchstaben — ohne beide Hṛllekhās und ohne phaṭ — schreibe man, vorn beginnend und rechtsherum, auf die acht Blätter. Den Lotus umgebe man mit der zweiten Hṛllekhā, wie angegeben. Außen zeichne man den Krug mit der inneren Kette verbundener, mit Punkten versehener va-Buchstaben und den beiden Lotussen oben und unten. Dies ist das erste Yantra.
Für die weiteren Formen setze man der Reihe nach die verbleibenden Laute vom dritten Vidyā-Laut an in die Hṛllekhā der Mitte, jeweils mit dem Namen in ihrem Inneren. Auf den Blättern folgen die anderen acht Laute zyklisch, vom nächstfolgenden bis zum vorhergehenden Laut. Zusammen mit dem ersten entstehen so neun Yantras. Beim zehnten schreibe man phaṭ mit dem Namen in die Hṛllekhā; auf die Blätter kommen, ohne den Praṇava, die übrigen Laute vom dritten an. So sind zehn Yantras zu bilden.
Redaktioneller Hinweis: Erst die Prosa macht ausdrücklich deutlich, dass bei der Blattbelegung beide Hṛllekhās gesondert behandelt werden. Die verkürzte Versangabe wird im Licht dieser Erklärung wiedergegeben. Die Fußnote bietet „nach der Vorschrift der genannten Buchstaben“ als Lesart.
Das Diagramm mit 121 Feldern
Druckseite 236; Fortsetzung der EF-Reihe.
23.EF.18: In die Mitte von hundert und einundzwanzig Feldern schreibe man Tāra mit dem Namen der Zielperson; zwölfmal [folgt die Vidyā], bei Śiva beginnend, und Dreizackzeichen. Die gedrängte abschließende Zahlenformel des Verses ist nicht sicher aufzulösen.
23.EF.19: Mit der Grundvidyā besprochen und mit Opfer-Ghee verbunden, beseitige dieses vorzügliche Yantra Gift, Besessenheit und Ähnliches und gewähre Sieg, Wohlstand und Ruhm.
Ausführung: Zwölf Linien in Ost-West- und zwölf in Süd-Nord-Richtung ergeben 121 Felder. An alle Linienenden setze man Dreizackzeichen. Im Mittelfeld schreibe man den Praṇava mit dem Namen der Zielperson. Vom nordöstlichen Feld aus gehe man rechtsherum nach innen und schreibe die Tvaritā-Vidyā zwölfmal, ohne den Praṇava und ohne die zweite Hṛllekhā. Die so verbleibenden zehn Silben füllen bei zwölf Wiederholungen die 120 äußeren Felder; das Mittelfeld ist eigens belegt.
Nigraha: ein historisches Schadensdiagramm
23.EF.20: Man bilde ein Diagramm aus 81 Feldern und schreibe in seinem Mittelfeld den Namen der Zielperson in den Bauch des ra.
23.EF.21: In seine Bahnen schreibe man wie zuvor die vier Bījas. Dann schreibe man die nun zu lehrende Kālī-Vidyā …
23.EF.22: … in die vierundsechzig Felder, bei Īśa und Kuṇapa [Nordost und Südwest] beginnend. Außen werde sie vom Yama-Mantra und weiter von Feuer und Wind umgeben.
23.EF.23: Dieses „Nigraha“ genannte Yantra vernichte alle Feinde. [Die Bījas:] Der vierte der pa-Gruppe, auf Feuer stehend, mit linkem Ohr und Mond geschmückt …
23.EF.24: … wird als erstes Bīja genannt. Saṃvarta, auf dem Feuersitz, mit Mond und linkem Ohr, ist das zweite. Der auf Kūrma folgende Laut, mit Ardhī, Mond und Feuer …
23.EF.25: … ist das dritte; das letzte wird mit Raum, Feuer, Ardhī und Punkt gebildet. Diese vier Bījas sollen die Vernichtung der Feinde bewirken.
Glosse: Der vierte der pa-Gruppe ist bha; Feuer ist ra, linkes Ohr langes ū, Mond der Punkt: bhrūṃ. Saṃvarta wird im Druck hier mit einem als ca gelesenen Zeichen erläutert; mit ra, ū und Punkt ergibt sich entsprechend crūṃ. Der auf Kūrma folgende Laut ist cha; mit ra, ū und Punkt: chrūṃ. Raum ist ha, Feuer ra, Ardhī ū, Punkt Anusvāra: hrūṃ. Die Druckgestalt von ca beziehungsweise kṣa in diesen Glossen ist auffällig und wird nicht als zweifelsfrei normierter Mantratext ausgegeben.
Verschlüsselte Kālī-Vidyā
23.EF.26: Krodhīśa mit Kānti; Śakra mit linkem Auge; Kāla mit Ananta; Feuer. Diese spreche man rückwärts.
23.EF.27: Śakra mit Lolākṣī; Meṣa; der auf bha folgende Laut mit Sadya; Saṃvarta. Wieder hebe man diese in umgekehrter Folge heraus.
23.EF.28: Kāla mit Ananta; derselbe mit Sadya; der dritte der ta-Gruppe mit Bhiṇṭī; Pūtanā. Diese spreche man rückwärts.
23.EF.29: Feuer, der letzte [Buchstabe], Pūtanā und dieselbe auf Wasser; man spreche diese und ihre umgekehrte Folge. So ist die Feinde vernichtende Kālī-Vidyā gelehrt.
Entschlüsselung der Quelle: Krodhīśa ist ka, Kānti ā: kā. Śakra ist la, linkes Auge ī: lī. Kāla ist ma, Ananta ā: mā. Feuer ist ra. Daraus: kā lī mā ra und rückwärts ra mā lī kā.
Śakra mit Lolākṣī ergibt lī; Meṣa ist na, der auf bha folgende Laut ma mit o ergibt mo; Saṃvarta wird wiederum durch das auffällige ca-Zeichen erläutert. Die Rückwärtsfolge wird dementsprechend als ca mo na lī gedruckt. Kāla mit Ananta ergibt mā, mit Sadya mo; der dritte ta-Laut mit e ergibt de; Pūtanā ist ta. Die Rückwärtsform steht im Druck auffällig als tedamomā, obwohl die soeben erläuterten Einzelteile ta de mo mā erwarten lassen. Dieser Unterschied bleibt sichtbar.
Feuer ist ra, der „letzte“ Buchstabe zeigt dieselbe unsichere ca/kṣa-Lesung, Pūtanā ist ta; mit Wasser als va entsteht tva. Der Druck gibt die entsprechende umgekehrte Folge an. Wegen dieser lokalen Lesungsprobleme wird hier keine geglättete Gesamtformel als gesichert behauptet.
Beginn des Yama-Mantras
23.EF.30: Wind; Kāla mit Ananta; Wasser mit Kānti; Soma und Khecarī; Wasser mit Kānti; dieselbe mit Jayā.
23.EF.31: Wind; Kāla mit Kānti; Khecarī; Gift mit Sadya; Someśa und Khecarī; Kāla mit Sadya; Khecarī und Gift …
23.EF.32: … mit Kānti; Wasser mit Kānti; wieder Kāla mit Sadya; der vierte der pa-Gruppe mit linkem Ohr; Feuer mit Auge, und erneut … Die Formel und ihre Glosse setzen sich auf der folgenden Seite fort.
Yama-Mantra: Fortsetzung und Entschlüsselung
Druckseite 237; Fortsetzung der EF-Reihe.
23.EF.33: … dasselbe erneut auf diese Weise; der vierte der pa-Gruppe wie zuvor; Kāla mit Sadya; Wasser mit Kānti; zweimal Khecarī.
23.EF.34: Feuer mit linkem Auge; dann Wasser und Pūtanā; dieselbe noch einmal auf gleiche Weise; Feuer mit linkem Auge.
23.EF.35: Someśa und Khecarī: So wird der Yama-Mantra gelehrt, der durch Einsetzung im Yantra stets alle Feinde vernichten soll.
Vollständige Glosse der Lautfolge: Wind ist ya. Kāla ist ma, mit Ananta als ā ergibt sich mā. Wasser ist va, mit Kānti als ā: vā. Soma und Khecarī sind jeweils ṭa. Wasser mit Kānti ergibt nochmals vā. Kānti mit Jayā ergibt mā.
Wind ist ya; Kāla mit Kānti mā; Khecarī ṭa. Gift ist ma, mit Sadya als o: mo. Someśa und Khecarī sind jeweils ṭa. Kāla mit Sadya ergibt mo; Khecarī ṭa; Gift mit Kānti mā; Wasser mit Kānti vā; Kāla mit Sadya mo.
Der vierte der pa-Gruppe ist bha, linkes Ohr ū: bhū. Feuer ist ra, Auge i: ri. Dasselbe wiederholt ergibt ri. Der vierte pa-Laut mit langem ū ergibt wieder bhū. Kāla mit Sadya ist mo, Wasser mit Kānti vā, zweimal Khecarī ṭa ṭa. Feuer mit linkem Auge als langem ī ergibt rī. Pūtanā ist ta, verbunden mit Wasser als va: tva; dieselbe Verbindung wird wiederholt. Feuer mit linkem Auge ergibt nochmals rī, Someśa und Khecarī jeweils ṭa. Die Unterscheidung von ri und rī wird ausdrücklich beibehalten.
Zeichenanweisung zum Nigraha-Yantra
Auf der Ritualfläche bilde man wie zuvor ein Diagramm aus 81 Feldern. In der Mitte schreibe man den Namen der Zielperson in das mit Punkt versehene ra. Auf den vier seitlichen Bahnen aus je vier Feldern schreibe man von innen nach außen die vier zuvor erläuterten Bījas; deren lokale Druckunsicherheit bleibt bestehen.
Ist die Zielperson ein Mann, schreibe man den Kālī-Anuṣṭubh innen und den Yama-Mantra außen; bei einer Frau den Yama-Mantra innen und die Kālī-Vidyā außen. Die innere Schrift beginnt im Nordosten beziehungsweise Südwesten. Der andere Mantra wird außen ohne Unterbrechung zweimal in jeder der beiden Richtungen, von Nordost nach Südwest und von Südwest nach Nordost, geschrieben. Darum folgen fortlaufend ya und ra, jeweils mit Punkt, vom Nordosten wieder zum Nordosten, nach innerer und äußerer Anordnung.
Zum Vergraben nennt die Überlieferung bei einem männlichen Ziel den Bereich vor einem Heiligtum der Kālī oder einer anderen Śakti, bei einem weiblichen Ziel den Bereich vor einem Śāstṛ-Heiligtum. Dies ist die Beschreibung eines historischen feindseligen Rituals.
23.EF.36: Auf eine neue saumakṛta-Tafel [Materialbezeichnung unsicher], ein Totentuch oder einen Stein schreibe man [das Diagramm] mit einer Gift-Asche-Mischung und einer Krähenfeder …
23.EF.37: … und stelle es an einem Kreuzweg oder dem als kalita gedruckten Ort auf [Lesung unklar]. Es solle den Feinden Tod und Krankheit bringen und sie von Söhnen und Frau trennen.
Ein Schadensdiagramm mit 64 Feldern
23.EF.38: Man ziehe neun Schnüre in Ost-West- und neun in Süd-Nord-Richtung; daraus entstehen vierundsechzig gleich große Felder.
23.EF.39: Darin schreibe der Mantrin den Kālikā-Mantra, vom Nordosten beziehungsweise Südwesten beginnend; mit dem Yama-Mantra und den beiden genannten Bījas …
23.EF.40: … umgebe man ihn. Es folgen Bestreichen mit Giftstoffen, Verreiben mit Brahmadaṇḍī und Schreiben beziehungsweise Ablegen mit der Vorderseite nach unten; die Satzfügung des Drucks ist hier beschädigt.
23.EF.41: Wo man dies in ein Land oder einen anderen Bereich wirft, entstünden Unglück, Krankheiten und eine fest anhaltende Seuche, die selbst Götter und Asuras nicht heilen könnten, so die Aussage.
Erneute Zeichenanweisung: Neun Linien in jeder Richtung ergeben 64 Felder. Bei einem männlichen Ziel schreibe man wie zuvor Kālī innen und Yama außen, bei einem weiblichen Ziel Yama innen und Kālī außen, jeweils von Nordost beziehungsweise Südwest beginnend. Darum lege man ya und ra mit Punkt. Die Aufstellung an den genannten Orten solle die angegebenen Wirkungen hervorbringen.
23.EF.42: Auch in die Anuṣṭubh-Verse setze man die Namen in der Mitte der Felder ein. [Eine Mischung] mit Salz, Ūṣaṇa, Harnwasser, Hausrauch und Agni … Die Stoffaufzählung und ihre Erklärung setzen sich auf der folgenden Seite fort.
Abschluss der Nigraha-Stoffglosse
Druckseite 238; Fortsetzung von EF 42.
Unnummerierter Halbvers: Kohle vom Verbrennungsplatz und aus Nimba gewonnener Saft werden als „Gift“ bezeichnet. Die zweite Vershälfte ist im Druck punktiert.
Glosse: Der Verfasser der Manoramā erklärt ūṣaṇa als ūṣara [salzhaltiges beziehungsweise unfruchtbares Erdmaterial]. Mehāmbu ist Harn; agni bezeichnet Citraka. Die historischen Namen werden ohne moderne Stoffidentifikation übernommen.
Trikaṇṭakī
Sārasaṅgraha; Fortsetzung der EF-Nummerierung:
23.EF.43: Raum, khe und der letzte [Buchstabe] mit der letzten Kalā: Diese dreisilbige [Vidyā] ist Trikaṇṭakī. Seher und weitere Bestimmungen wurden zuvor gelehrt; die sechs Glieder [werden] mit jeweils zwei Lauten [gebildet].
Glosse: Raum bezeichnet ha, mit uṃ ergibt sich huṃ; khe bleibt unverändert. Der letzte Laut, im Druck mit derselben unsicheren ca/kṣa-Gestalt wie zuvor, erhält die letzte Kalā, das heißt Visarga. Die erwartbare Lesung kṣaḥ wird daher von der beschädigten Druckgestalt unterschieden; eine zweifelsfreie Gesamtformel lässt sich aus dieser Stelle allein nicht herstellen.
23.EF.44: Man meditiere stets auf die Göttin, welche die Furcht nimmt: Unterhalb des Nabels dunkelblau, [im mittleren Bereich] rötlich leuchtend, vom Hals an mit weißstrahlendem Gesicht; furchterregend durch vier herabhängende Gesichter mit mächtigen Hauern; mit langen Lotusarmen und den genannten Waffen, mit einem mondleuchtenden Kopfschmuck und einem erstrahlenden Stirnauge. Die Formulierung zu einzelnen Handattributen ist im Druck beeinträchtigt.
Glosse: „Nach dem Yuga gezählt“ bedeutet vier. Dara ist die Muschel, ari das Rad. In einem linken und rechten Handpaar sind Muschel und Rad, in den anderen die übrigen [Attribute] zu vergegenwärtigen.
23.EF.45: Dann verehre der Verständige die Glieder nach der zuvor genannten Weise. Er wiederhole hunderttausendmal für jeden Laut und opfere zum Schluss ein Zehntel mit Ghee.
23.EF.46: Sich selbst als Gestalt der Gottheit meditierend, bilde man mit beiden Händen die Dreizack-Mudrā, berühre die als besessen geltende Person und wiederhole so den Mantra.
Unnummerierter Halbvers: Durch die Macht des Mantras werde der Mensch rasch von der Besessenheit befreit. Die zweite Halbzeile ist im Druck punktiert.
23.EF.47: Die letzten beiden Laute des vorherigen Mantras, mit Īśa verbunden, und in ihrer Mitte „Frau“: Dies nennen die Mantrins die dreisilbige, gefügig machende Trikaṇṭakī-Vidyā.
Glosse: Die beiden Schlusslaute des vorherigen Mantras werden mit e verbunden; zwischen ihnen steht der als „Frau“ bezeichnete Laut strī. Wegen der bereits genannten Unsicherheit des letzten Grundlautes bleibt auch die vollständige Zusammenschreibung dieser Variante offen.
Unnummerierter Halbvers: Der Mantrin vollziehe die Praxis ordnungsgemäß nach dem zuvor genannten Verfahren. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Glosse: „Wie zuvor“ bedeutet wie bei Tvaritā; dies gilt für beide Mantras.
Mahāmāyā Vaiṣṇavī
Uttaratantra; neue MM-Reihe:
23.MM.1: Der vor dem auf ha folgenden Abschluss stehende Laut, der auf ma folgende, der auf na folgende und der auf ṇa folgende; der elfte von ka an, der sechste vom Anfang, der vor kha stehende — mit Viṣṇu voran.
23.MM.2: Dieser aus acht Lauten gebildete Mantra leuchtet wie ein roter Lotus. Alle Übenden sollen ihn mit vorangestelltem oṃ wiederholen.
Entschlüsselung: Die Glosse nennt der Reihe nach śa, ya, pa, ta, ṭa, ca, ka und Viṣṇu als a. „Voran“ legt die umgekehrte Anordnung von a bis śa fest. Daraus ergibt sich die achtgliedrige Formel, mit oṃ davor:
oṃ a ka ca ṭa ta pa ya śa.
23.MM.3: Nārada ist als Seher gelehrt, Anuṣṭubh als Versmaß. Als Gottheit nennen die Seher Vaiṣṇavī, die alle Vollkommenheiten gewährt.
23.MM.4: Mit jeweils drei aufeinanderfolgenden Lauten der Grundformel bilde man die sechs Glieder; danach lasse man jeweils den ersten [des vorherigen Dreierblocks] weg.
Glosse: a ka ca für das Herz, ka ca ṭa für den Kopf und so weiter, jeweils mit vorangestelltem Praṇava. Hierzu wird eine Aussage des Hayaśīrṣa angeführt, die ausdrücklich die Verbindung mit oṃ nennt.
23.MM.5: Danach [setze man die Laute] der Grundformel nacheinander am Gesicht, Rücken, Bauch, an den Armen, im verborgenen Bereich, an den Füßen, Unterschenkeln und der Hüftgegend …
23.MM.6: … ein: die acht Laute, dabei oṃ vergegenwärtigend. [Meditation:] Sie gleicht einem roten Lotus; ihr gelöstes Haar fällt herab. Die Beschreibung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Druckvariante: Eine Fußnote bietet paṅkti; die Hauptlesung des Versmaßes bleibt Anuṣṭubh.
Mahāmāyās Gestalt
Druckseite 239; Fortsetzung der MM-Reihe.
23.MM.7: Sie erstrahlt mit schwingenden goldenen Ohrringen und trägt eine aus Gold und Edelsteinen gefügte Krone sowie Schmuckgirlanden.
23.MM.8: Drei Augen, weiß, schwarz und rötlich, schmücken sie schön. Ihre Lippen gleichen der Bandhūka-Blüte, ihre Nase der Śirīṣa-Blüte [das betreffende Kompositum ist gedrängt].
23.MM.9: Ihr Hals gleicht einer Muschel, ihre Augen sind weit; sie strahlt wie zehn Millionen Sonnen. Sie ist vierarmig, unbekleidet und hat volle, hoch gewölbte Brüste.
23.MM.10: In der oberen rechten Hand trägt sie ein Schwert, in der anderen eine Siddhasūtra; mit den linken Händen gewährt sie Furchtlosigkeit und Wünsche.
Druckfußnote: Siddhasūtra bedeutet hier eine Japa-Mālā, eine Gebetskette.
23.MM.11: Ihre Oberschenkel gleichen dem herabgebogenen Rüssel eines Elefanten; ihre Knöchel sind rund, ihre Fersen schön. Mit ihrem Körper lehnt sie an einer Edelsteinsäule.
23.MM.12: Immer wieder spricht sie: „Was wünschst du?“ Dabei blickt sie auf Pañcānana, ihr vor ihr stehendes Reittier [den Löwen].
23.MM.13: So auf Ambikā meditierend, lege man mit oṃ namaḥ phaṭ eine Blume auf den eigenen Kopf und bedenke: „Ich bin sie.“
Herbeirufung und Darbringungen
23.MM.14: Pañcānana verehre man unbedingt in der Mitte des Maṇḍalas. Dann vollziehe man die Herbeirufung mit der Gāyatrī samt Kopfabschluss.
23.MM.15: „Mahāmāyā möchten wir erkennen; auf Caṇḍikā meditieren wir.“ Nachdem man dies gesagt hat, [folge:] „Jene Göttin möge uns anregen.“
Gāyatrī nach der ausformulierten Prosa:
mahāmāyāyai vidmahe caṇḍikāyai dhīmahi tan no devī pracodayāt svāhā.
23.MM.16: Dann bringe man mit dem Grundmantra Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und die weiteren Gaben dar, außerdem Modaka-Süßigkeiten und Milchreis.
23.MM.17: Mit dem Grundmantra bringe man dreimal eine schöne Handvoll Blumen dar. Nach dieser Verehrung verehre man in der Mitte die Glieder mit dem Mantra.
23.MM.18: Die Gebetskette und das Schwert verehre man jeweils mit ihrem eigenen Mantra. Śailaputrī, Caṇḍaghaṇṭā und Skandamātṛ …
23.MM.19: … sowie Kālarātrī verehre man mit Sandelholz und anderen Gaben auf den Blättern der Hauptrichtungen. Caṇḍikā, Kūṣmāṇḍī, die glückverheißende Kātyāyanī …
23.MM.20: … und Mahāgaurī verehre man in der Feuerecke [Südost] und den folgenden Zwischenrichtungen. Dann verehre der Mantrakenner die Welthüter und ihre Waffen.
23.MM.21: Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich verneige mich vor Mahāmāyā“ verehre man sie achtmal in der Lotusmitte durch Blumen-Handvoll-Darbringungen.
23.MM.22: O Glückverheißende unter allem Glückverheißenden, o Gütige, die alle Ziele vollbringt; Zuflucht gewährende, Dreiäugige, Gaurī, Nārāyaṇī: Dir sei Verehrung!
Der überlieferte Gebetsvers:
sarvamaṅgalamāṅgalye śive sarvārthasādhike |
śaraṇye tryambake gauri nārāyaṇi namo ’stu te ||
23.MM.23: Nachdem der Übende diese Lobpreisung siebenmal wiederholt hat, vollziehe er fünf Verneigungen mit den Mantras aiṃ hrīṃ śrīṃ.
Unnummerierter Halbvers: Danach zeige er die Yoni-Mudrā und vollziehe die Entlassung. Die zweite Vershälfte ist im Druck punktiert.
Ausführliche Mahāmāyā-Verehrung
Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollziehe man dreimal die Atemregelung mit dem Grundmantra. Die Einsetzungen lauten mit namaḥ: am Kopf Nārada als Seher; am Mund Anuṣṭubh als Versmaß; am Herzen Śrī-Vaiṣṇavī Mahāmāyā als Gottheit. Mit gefalteten Händen widme man die Anwendung der Erfüllung aller erwünschten Ziele.
Es folgt der Hand- und Sechsgliedernyāsa:
a ka ca hṛdayāya namaḥ — Herz;
ka ca ṭa śirase svāhā — Kopf;
ca ṭa ta śikhāyai vaṣaṭ — Haarknoten;
ṭa ta pa kavacāya huṃ — Schutzpanzer;
ta pa ya netratrayāya vauṣaṭ — drei Augen;
pa ya śa astrāya phaṭ — Waffe.
Die vorherige Glosse fordert jeweils vorangestelltes oṃ; in dieser ausgeschriebenen Reihe wird es nicht erneut vor jedem Glied gedruckt.
Nach der Meditation lege man mit oṃ namaḥ phaṭ eine Blume auf den eigenen Kopf. Nach innerer Verehrung bis zur Verehrung des höchsten Prinzips verehre man in der Sitzmitte Pañcānana mit oṃ pañcānanāya namaḥ. Mit der oben wiedergegebenen Gāyatrī bis svāhā und den Worten śrīvaiṣṇavīhāgacchāgaccha — „Śrī Vaiṣṇavī, komm hierher, komm!“ — vollziehe man die Herbeirufung.
Mit dem Grundmantra folgen Aufstellung und die weiteren Handlungen bis zur höchsten Einigung, dann Einsetzung des Lebensatems und Blumendarbringung. Mit dem Grundmantra gebe man dreimal eine Handvoll Blumen und verehre die Glieder wie zuvor.
In der unteren beziehungsweise oberen rechten Hand der Göttin verehre man die Gebetskette mit duṃ siddhasūtrāya namaḥ und das Schwert mit hāṃ hīṃ haṃsaḥ khaḍgāya namaḥ; die Bīja-Folge vor dem Schwertnamen ist im Druck nicht ganz sicher.
Auf den vier Hauptblättern, vor der Göttin beginnend, verehre man mit oṃ und namaḥ Śailaputrī, Caṇḍaghaṇṭā, Skandamātṛ und Kālarātrī. Auf den Zwischenblättern, von Südost an rechtsherum, Caṇḍikā, Kūṣmāṇḍī, Kātyāyanī und Mahāgaurī. Nach der Verehrung Indras und der übrigen [Welthüter] bringe man der Göttin acht Blumen-Handvoll-Gaben dar, jeweils mit dem Grundmantra und dem Zusatz mahāmāyāṃ namāmi — „Ich verneige mich vor Mahāmāyā …“ Die Prosa wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Mahāmāyā: Abschluss und vorbereitende Praxis
Druckseite 240; Fortsetzung der Prosa.
… dargebracht habend, bringe man Räucherwerk und alles Weitere wie zuvor dar.
23.MM.24: Zweihunderttausend [Wiederholungen] bilden ihre vorbereitende Praxis. Mit dem zehnten Teil beim Feueropfer und mit Wasser [für die weiteren Stufen] sind Sättigungsdarbringung und die übrigen Handlungen zu vollziehen; die zusammengedrängte Mengenfügung verweist auf die zuvor beschriebene Zehntelordnung.
Unnummerierte Mantravarianten: Nach oṃ namo folgt mahāmāyāyai; dies ist der acht-silbige Mantra:
oṃ namo mahāmāyāyai.
Nach oṃ namo folgt vaiṣṇavyai; dies ist der sechs-silbige Mantra:
oṃ namo vaiṣṇavyai.
Für beide Mantras vollziehe man alles zuvor Genannte. Die weitere Halbzeile ist im Druck punktiert.
Historische Vorschriften zur Unterbrechung der Praxis
Kālikāpurāṇa; eigene MP-Reihe. Die folgenden Reinheitsvorschriften geben die religiöse Ordnung der zitierten Quellen wieder. Die abschließende Glosse schränkt ihren Geltungsbereich ausdrücklich ein.
23.MP.1: In einem Zustand ritueller Unreinheit verehre man Mahāmāyā niemals. Wer jedoch von großer Hingabe erfüllt ist, soll sich des Mantras gewiss erinnern.
23.MP.2: Bei Zahnbluten sei auch dieses Erinnern ausgeschlossen. Durch das Erinnern an irgendeinen Mantra gerate man dann in die Hölle, so die Strafandrohung des Textes.
23.MP.3: Bei einer blutenden Verletzung oberhalb des Knies unterlasse man die täglichen Riten; bei einer darunter die anlassbezogenen. Bei jeder Blutung [vollziehe man sie] nicht. Die letzte Verallgemeinerung und die unterschiedliche Einteilung stehen im Druck nebeneinander.
23.MP.4: Beim Auftreten von Tränen, beim Rasieren, nach Geschlechtsverkehr, bei rauchartigem Aufstoßen und Erbrechen unterlasse man die täglichen Riten.
23.MP.5: Nach dem Verzehr von Nahrung, bei Verdauungsstörung, nach irgendeinem Essen sowie bei geburts- oder todesbedingter Unreinheit vollziehe der Mensch den täglichen Ritus nicht.
23.MP.6: O Bester der Menschen, selbst nach dem Genuss von Wasser unterlasse man die täglichen und anlassbezogenen Riten, außer [bei Einnahme] eines Heilmittels. Die gedrängte Verbindung mit „Essen“ bleibt in dieser Ausnahmeformulierung auffällig.
23.MP.7: Hat man absichtlich mit der Hand einen Blutegel, eine Schlange, einen Wurm, Regenwurm oder Ähnliches berührt, unterlasse man die täglichen Riten.
23.MP.8: Insbesondere soll ein Mensch, dessen Vater gestorben ist, bis zum Ende eines Jahres die Verehrung Śivās nicht einmal im Geist vollziehen.
23.MP.9: Nach dem Tod eines großen Gurus vollziehe man keinen wunschbezogenen Ritus, keinen Opferpriester-Dienst, kein Brahma-Yajña, kein Śrāddha und keinen Götterritus.
23.MP.10: Nachdem man einen Guru beschimpft oder einen Brahmanen mit der Hand geschlagen hat, vollziehe man keine täglichen Riten; ebenso bei Samenerguss und Blutung.
Kommentar: „Sich erinnern“ wird als geistiges Meditieren beziehungsweise inneres Japa erklärt. „Von großer Hingabe erfüllt“ meint den Menschen, dessen Geist unablässig seiner erwählten Gottheit zugewandt ist. Die folgenden Sätze zur täglichen Praxis und zur grammatischen Gegenwartsform sind im Druck beeinträchtigt und lassen sich nicht eindeutig mit MP 1 harmonisieren.
Bhaviṣyapurāṇa; eigene BP-Reihe:
23.BP.1: Wem oberhalb oder unterhalb des Nabels Blut fließt, der sei an diesem Tag unrein; wenn er dennoch den Ritus ausführt, gelange er in die Hölle.
Weitere Glossen: Anschließend wird erneut zwischen Verletzungen unterhalb und oberhalb des Knies unterschieden und für erstere die tägliche Praxis angesprochen; die Verbindung zum gerade zitierten umfassenden Verbot ist nicht klar. Lotaka bedeutet Tränenwasser, wie mit einem Eintrag des Viśvaprakāśa-Lexikons belegt wird. Dravya meint Nahrung und Ähnliches. „Verborgener Fuß“ bezeichnet die Schlange; gaṇḍūpada den Regenwurm. Die Erläuterung zu Opferpriesterdienst, Beschimpfen und „mit der Hand“ ist syntaktisch gestört und wird nicht zu einer zusätzlichen sicheren Regel ausgebaut.
Yogārṇava; eigene YR-Reihe:
23.YR.1: Bei Erbrechen, Aufstoßen, Wundblut oder Tränen, beim Berühren einer Schlange und beim Berühren der Geschlechtsorgane …
23.YR.2: … bei Samenerguss, Rasur oder Tod des Vaters vollziehe man weder tägliche noch anlassbezogene noch wunschbezogene Riten, nicht einmal geistig.
Glosse: „Aufstoßen“ wird als rauchartiges Aufstoßen erläutert; Tränen beziehen sich auf Weinen und Ähnliches.
Matsyapurāṇa; eigene MT-Reihe:
23.MT.1: Bei Tränen aus Weinen unterlasse man tägliche und anlassbezogene Riten. Entstehen dieselben aus Freude, wird man durch die Ausführung des Ritus nicht befleckt.
Glosse: Die Berührung der Geschlechtsorgane wird mit einem Zusatz zur Absicht erläutert; das anschließende kurze Zitat über die Körperreinigung ist beschädigt. „Tod des Vaters“ sei außerdem stellvertretend zu verstehen und schließe den Tod der Mutter ein.
Devīpurāṇa; im Zitat gedruckte Nummer 2, eigene DP-Reihe:
23.DP.2: Wem die Eltern gestorben sind, dessen Körper sei unrein. Bis ein volles Jahr vergangen ist, vollziehe er weder Götter- noch Ahnenriten.
Einschränkende Schlussglosse: All dies beziehe sich auf Verehrer Mahāmāyās; alternativ sei es auf Praxis mit einem Wunschziel zu beziehen. Denn die zuvor im Verehrungskapitel zitierte Tattvasārasaṃhitā kündigt ausdrücklich eine durch die Āgamas gelehrte Verehrung für Menschen in geburts- oder todesbedingter Unreinheit an. Die Begründung wird auf der folgenden Seite abgeschlossen.
Abschluss der vorherigen Glosse: Andernfalls wären die im Abschnitt über die vorbereitende Praxis niedergeschriebenen Aussagen bedeutungslos.
Brahmāstra-Vidyā: Śrī Bagalāmukhī
Druckseite 241. Śrī-Bhairavayāmala; neue BM-Reihe.
Śrī Devī sprach:
23.BM.1: O Herr, Bester der Bhairavas, der allen Tantras Leben verleiht! Durch deine Gnade höre ich den Kern vieler Geheimnisse.
23.BM.2: Die göttlichen Tantras, die großen Tantras und die als östlich, westlich, südlich, nördlich und oberhalb bezeichneten [Überlieferungen] mit ihren Verfahren hast du gelehrt, o Herr.
23.BM.3: Gefügigmachen und Herbeiziehen, Töten und Vertreiben, Entzweien, Verblenden und andere, zweifache wunschbezogene [Anwendungen] …
23.BM.4: … sowie das Wissen und den Nyāsa hast du ausführlich dargelegt [die Schlussfügung ist beschädigt]. Nun lehre aus Gnade die Stillstellung, o Gott.
Unnummerierter Halbvers: Sage es, Bester der Götter, wenn ich dir lieb bin. Die weitere Hälfte ist im Druck punktiert.
Śrī Bhairava sprach:
23.BM.5: Gut, gut, du Hochbegnadete, die den Sinn aller Tantras erfüllt! Niemandem habe ich dies mitgeteilt, und niemand hat danach gefragt.
23.BM.6: Geheimer als das Geheime ist es, o Göttin; aus Zuneigung zu dir wird es offenbart. Nun werde ich es sagen: Höre mit gesammeltem Geist.
23.BM.7: Die höchst verborgene Vidyā bewirkt die große Stillstellung. Zuerst spreche man Tāra, danach Sthiramāyā.
23.BM.8: O Göttin, man spreche Bagalāmukhī in der Anredeform. Dann sarvaduṣṭānāṃ, darauf vācaṃ mukhaṃ padam …
23.BM.9: … das Wort stambhaya, dann jihvāṃ kīlaya, danach buddhiṃ vināśaya; erneut schreibe man Sthiramāyā …
23.BM.10: … nochmals oṃ und schließlich das Wort svāhā. Diese 36-silbige Vidyā bewirkt die große Stillstellung.
Jayadrathayāmala; die gedruckte Zählung läuft weiter:
23.BM.11: In das zuvor genannte Māyā-Bīja füge man zwischen Raum und Repha das Erd-Bīja ein. Dies wird Sthiramāyā genannt.
Glosse: Māyā ist das Bhuvaneśvarī-Bīja; Erde bezeichnet la. Zwischen ha und ra des hrīṃ eingefügt, ergibt dies hlrīṃ. Ein anderes Tantra nennt als abweichende Bestimmung „ohne Feuer, mit doppeltem Mond“; diese Variante wird hier zitiert, jedoch nicht weiter ausbuchstabiert. „Zuvor genannt“ erklärt sich daraus, dass das Bhuvaneśvarī-Bīja bereits vielfach hergeleitet wurde.
23.BM.12: [Die Vidyā] stelle Elefanten, Wagen und rasch handelnde Übeltäter still; selbst die mächtige Rede aus Bṛhaspatis Mund könne sie hemmen.
23.BM.13: Große Berge und Bäume, Flüsse, Meere und Wälder, Vierfüßler, Vögel, Schlangen, Feuer, Wind und Blitz …
23.BM.14: … und „die fünf göttlichen [Dinge]“ stelle sie still [der Anschluss ist im Druck unsicher] — was wäre da von Menschen zu sagen? Die Göttin Śrī Bagalāmukhī ist die Vidyā, die die drei Welten stillstellt.
Vollständige Formel nach der ausdrücklichen Glosse dieser Ausgabe:
oṃ hlrīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ padaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlrīṃ oṃ svāhā.
Die Glosse erklärt Tāra als oṃ, Sthiramāyā als hlrīṃ, die Anrede als bagalāmukhi und alle übrigen genannten Wörter als unmittelbar zu übernehmen. Insbesondere wird padaṃ ausdrücklich aufgeführt. Die Formel bedeutet sinngemäß: „O Bagalāmukhī, stelle Rede, Mund und Schritt aller Übeltäter still; hefte ihre Zunge fest, vernichte ihre Einsicht …“ Es handelt sich um die historische Stillstellungsformel der Quelle; ihr gegen andere gerichteter Wortlaut wird nicht als heutige Praxisempfehlung ausgegeben.
23.BM.15: Nārāyaṇa ist der Seher, Triṣṭubh das Versmaß und Bagalāmukhī die Gottheit, o Göttin, die Stillstellerin der drei Welten.
23.BM.16: Sthiramāyā ist das Bīja, svāhā die Śakti. Die Anwendung ist auf die vier Lebensziele bezogen.
23.BM.17: Sthiramāyā [gehört] zum Herzen, Bagalāmukhī zum Kopf; sarvaduṣṭa setze man am Haarknoten ein. Der Schutzpanzer reicht bis stambhaya.
Unnummerierter Halbvers: Jihvāṃ kīlaya gehört zu den Augen, buddhiṃ vināśaya zur Waffe. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Glosse: Mit sarvaduṣṭa ist das ganze Wort sarvaduṣṭānāṃ gemeint, daher sarvaduṣṭānāṃ śikhāyai. „Bis stambhaya“ umfasst vācaṃ …; die Erläuterung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Druckvarianten: Eine Fußnote bietet „von Vyāsa gesagt“, eine weitere eine abweichende Wortfügung zur Rede. Beschädigte Verbindungen in BM 4 und 13–14 bleiben gekennzeichnet.
Fortsetzung der Nyāsa-Glosse: Vācaṃ mukhaṃ padaṃ stambhaya bilden die vier Wörter für den Schutzpanzer. Das Übrige sei leicht verständlich.
Bagalāmukhīs Meditation
Druckseite 242; Fortsetzung der BM-Reihe.
23.BM.18: Am Scheitel, an Stirn, Augenbrauenmitte, beiden Augen, Ohren, Nasenseiten, Wangen, Lippen, Mund, Kinn und Hals, o Geliebte …
23.BM.19: … sowie an den Gelenken und Enden der Arme und Beine setze man die Mantrabuchstaben nacheinander ein. So ist der Nyāsa gelehrt; nun höre die Meditation, Geliebte.
23.BM.20: Durch bloßes Erinnern an sie könne man die drei Welten augenblicklich stillstellen. [Man meditiere sie] tief und erhaben, von Rausch erfüllt, leuchtend wie geschmolzenes Gold …
23.BM.21: … vierarmig und dreiäugig, auf einem Lotussitz. Rechts [trägt sie] Hammer und Schlinge, links Zunge und Vajra.
23.BM.22: Sie trägt ein gelbes Gewand, hat volle, runde Brüste, goldene Ohrringe und einen gelben Halbmond als Kopfschmuck.
23.BM.23: Gelber Schmuck ziert sie; sie sitzt auf einem goldenen Thron. So meditiere man, o Herrin der Götter, die Stillstellerin der Feinde …
Unnummerierte Fortsetzung: … Mahāvidyā, Mahāmāyā, welche den Übenden die erwünschten Früchte gewährt. Die zweite Halbzeile ist im Druck punktiert.
Glosse: In den unteren und oberen rechten Händen sind Hammer und Schlinge, in den unteren und oberen linken Zunge und Vajra. Die Zunge wird ausdrücklich als die eines Gegners des Übenden erklärt; ein weiterer Wortbeleg nennt „Hammer und Feindeszunge haltend“.
Ort, Diagramm und Sitz
Śrī Devī sprach:
23.BM.24: Du hast die Meditation gelehrt, o Gott, die großes Erstaunen hervorruft. Nun erkläre, o Herr, die Verehrung nach der Vorschrift.
Śrī Bhairava sprach:
23.BM.25: Höre die Verehrung, Herrin der Götter, welche dem Übenden Vollkommenheit verleiht. Dreifach ist sie, Geliebte: täglich, anlassbezogen und wunschbezogen.
23.BM.26: Auf einem schönen Stück Boden, durch Blumenduft und Räucherwerk angenehm gemacht, mit Kuhdung bestrichen und mit Blumenmengen geschmückt …
23.BM.27: … verehre man in einem Pavillon ordnungsgemäß den Sitz. Auf Gold, Silber, Messing oder Birkenrinde …
23.BM.28: … zeichne man sorgfältig das Yantra mit einer goldenen oder silbernen Schreibspitze, mit Kampfer, Agaru, Moschus, Sandelholz und Kuṅkuma.
23.BM.29: In der Mitte zeichne man die Yoni, außen ein Sechseck, darum einen achtblättrigen Lotus und darum einen sechzehnblättrigen.
Unnummerierter Halbvers: Außen drei Vierecke, mit vier Toren geschmückt. Die zweite Vershälfte ist im Druck punktiert.
Śrī-Śivayāmala; die Zählung wird fortgeführt:
23.BM.30: Wo, o große Göttin, weder der Sitz noch seine Kräfte ausdrücklich genannt sind, dort ist der für Māyā gelehrte Sitz zu verstehen, und ebenso jene Kräfte.
Unnummerierter Halbvers: Den Sitz verehre man mit ihrem Bīja oder mit dem Māyā-Bīja. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Glosse: Aufgrund dieser Aussage des Śivayāmala verehre man den Bhuvaneśvarī-Sitz und darauf Śrī Bagalāmukhī oder eine andere Göttin, deren eigener Sitz nicht angegeben ist. Māyā-Bīja meint das Bhuvaneśvarī-Bīja.
Tore und Lehrerreihe
23.BM.31: Dort rufe man die Göttin herbei und verehre sie mit schön gelben Darbringungen, nachdem man zuerst ihre Glieder an den jeweiligen Stellen verehrt hat, o Maheśvarī.
23.BM.32: Am östlichen Tor verehre man Gaṇeśa, im Süden Vaṭuka, im Westen die Yoginīs und im Norden Kṣetrapāla.
Unnummerierter Halbvers: Von Nordost bis Südwest verehre man die Lehrerreihe. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Richtungsglosse: Die in den Tantras genannte Reihenfolge der Sechsgliederverehrung — Feuer-, Īśa-, Asura- und Windrichtung — folgt einer für das Ritual angesetzten Ostrichtung. Die Lehrerreihe wird entsprechend vom so bestimmten Nordosten bis Südwesten verehrt. Auf die tatsächlichen Himmelsrichtungen bezogen, ergibt sich daraus Nordwest bis Nordost … Der Satz endet erst auf der Folgeseite. Die beschädigte Satzfügung wird nicht zu einem zusätzlichen Richtungsdiagramm erweitert.
Druckvarianten: Die Fußnoten bieten eine Variante zu „gleichend“, einen abweichenden Kronen- beziehungsweise Schlangenkopfschmuck und „mit dem jeweiligen Bīja“.
Abschluss der Richtungsglosse: … ist demnach die Verehrung der Lehrerreihe auszuführen.
Die Kräfte im Bagalāmukhī-Diagramm
Druckseite 243; Fortsetzung der BM-Reihe.
23.BM.33: [Erste Vershälfte im Druck punktiert.] Bagalā auf dem östlichen Blatt, danach Stambhinī …
23.BM.34: … Jambhinī, Mohinī, Vaśyā, Acalā, Calā, Durdharā, Kalmaṣā, Dhīrā, Kalpanā und Kālakarṣiṇī …
23.BM.35: … Bhrāmikā, Mandagamanā, die Bhogā genannte und Yogakā: Diese verehre man auf den sechzehn Blättern mit Duft, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern.
23.BM.36: Nach der Überlieferung des Kulāgama sind sie mit den sechzehn Vokalen verbunden. In den Blattmitten des vorgestellten achtblättrigen [Lotus] verehre man …
23.BM.37: … die acht, mit Brahmāṇī beginnenden [Mütter], von Osten an, mit Reittieren und Schmuck, nach dem Kulāgama jeweils mit vorangestelltem Sthiramāyā-Bīja.
23.BM.38: In den sechs Ecken sind die sechs Mütter der körperlichen Bestandteile zu verehren, von ḍa bis ha. Außen verehre man die Welthüter und ihre Waffen, Geliebte.
23.BM.39: In der Yoni-Mitte verehre man die Hauptgöttin mit drei Handvoll-Gaben, Räucherwerk, Licht, guten Speisen, Duft, Betel und Leuchten …
23.BM.40: … und vollziehe ordnungsgemäß die Lichtschwenkung. Danach teile man die Japa-Zahl mit. O Göttin, man vollziehe das Anlegen des Pavitra und verehre mit Damana.
Unnummerierter Halbvers: Danach gebe der Übende drei Bali-Darbringungen, gelbe Speisen und Ähnliches. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Glosse: „Drei Bali“ sei stellvertretend gebraucht; gemeint seien fünf Bali-Darbringungen. Diese ausdrückliche Erweiterung der Quelle bleibt neben der Verszahl stehen.
Ausführlicher Nyāsa
Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal die Atemregelung. Mit gefalteten Händen und jeweils namaḥ setze man ein: am Kopf Nārāyaṇa als Seher; am Mund Triṣṭubh als Versmaß; am Herzen Bagalāmukhī als Gottheit; am Nabel hlīṃ als Bīja; im verborgenen Bereich svāhā als Śakti; an den Füßen die Anwendung auf die vier Lebensziele. Die Prosafassung schreibt hier hlīṃ, während die frühere Entschlüsselung hlrīṃ ergab.
Der Hand- und Sechsgliedernyāsa lautet:
hlīṃ hṛdayāya namaḥ;
bagalāmukhi śirase svāhā;
sarvaduṣṭānāṃ śikhāyai vaṣaṭ;
vācaṃ mukhaṃ padaṃ stambhaya kavacāya huṃ;
jihvāṃ kīlaya nābhyāṃ vauṣaṭ;
buddhiṃ vināśaya astrāya phaṭ.
In der fünften Einsetzung steht hier ausdrücklich „am Nabel“ statt der zuvor genannten Augen. Die Abweichung wird nicht stillschweigend berichtigt.
Es folgt die Einsetzung der einzelnen Mantrabestandteile, stets mit namaḥ:
| Körperstelle | Laut |
|---|---|
| Kopf | oṃ |
| Stirn | hlīṃ |
| Augenbrauenmitte | baṃ |
| Rechtes Auge | gaṃ |
| Linkes Auge | lāṃ |
| Rechtes Ohr | muṃ |
| Linkes Ohr | khiṃ |
| Rechte Nasenseite | saṃ |
| Linke Nasenseite | vaṃ |
| Rechte Wange | duṃ |
| Linke Wange | ṣṭāṃ |
| Oberlippe | nāṃ |
| Unterlippe | vāṃ |
| Mund | caṃ |
| Kinn | muṃ |
| Hals | khaṃ |
| Rechter Armansatz | paṃ |
| Rechte Armmitte | daṃ |
| Rechtes Handgelenk | staṃ |
| Rechte Fingeransätze | mbhaṃ |
| Rechte Fingerspitzen | yaṃ |
| Linker Armansatz | jiṃ |
| Linke Armmitte | hvāṃ |
| Linkes Handgelenk | kīṃ |
| Linke Fingeransätze | laṃ |
| Linke Fingerspitzen | yaṃ |
| Rechter Oberschenkelansatz | buṃ |
| Rechtes Knie | ddhiṃ |
| Rechter Knöchel | viṃ |
| Rechte Zehenansätze | nāṃ |
| Rechte Zehenspitzen | śaṃ |
| Linker Oberschenkelansatz | yaṃ |
| Linkes Knie | hlīṃ |
| Linke Zehenansätze | svāṃ |
| Linke Zehenspitzen | hāṃ |
Diese ausgeschriebene Reihe enthält 35 Einsetzungen. Der linke Knöchel und das zweite oṃ der 36-silbigen Formel werden hier nicht aufgeführt. Die Lücke wird vermerkt, ohne einen nicht gedruckten Nyāsa-Schritt einzusetzen.
Sitz, Lehrer und sechzehn Kräfte
Nach Meditation und Selbstverehrung verehre man den zuvor genannten Bhuvaneśvarī-Sitz mit seinen neun Kräften. Den ganzen Sitz verehre man mit hlīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ — „Dem Lotussitz aller Kräfte Verehrung.“ Nach Herbeirufung und Gliederverehrung folgen an den vier Toren, vorn beginnend und rechtsherum: gaṇeśāya namaḥ; vaṭukāya namaḥ; yoginībhyo namaḥ; kṣetrapālāya namaḥ.
Auf der eigenen linken Seite verehre man nach der angesetzten Ostrichtung die Lehrerreihe, in dieser Prosa von Südost bis Südwest; eine Fußnote bietet stattdessen Nordost bis Südwest. Die Formeln lauten: gurubhyo namaḥ; paramagurubhyo namaḥ; parameṣṭhigurubhyo namaḥ; parāparagurubhyo namaḥ; asmadgurubhyo namaḥ — den Gurus, höchsten Gurus, obersten Gurus, höheren und niederen Gurus sowie unseren Gurus Verehrung.
Auf den sechzehn Blättern, vor der Göttin beginnend und rechtsherum, verbinde man die Namen im Dativ mit folgenden Lauten und namaḥ: aṃ Bagalā; āṃ Stambhinī; iṃ Jambhinī; īṃ Mohinī; uṃ Vaśyā; ūṃ Acalā; ṛṃ Calā; ṝṃ Durdharā; ḷṃ Kalmaṣā; ḹṃ Dhīrā; eṃ Kalpanā; aiṃ Kālakarṣiṇī; oṃ Bhrāmikā; auṃ Mandagamanā; aṃ Bhogā; aḥ Yogā. Der letzte Formelabschluss folgt auf der nächsten Seite.
Fortsetzung der Gefolgeverehrung: … namaḥ. Auf den acht Blättern verehre man rechtsherum die acht Mütter, mit Brahmāṇī und Māheśvarī beginnend, jeweils mit dem Sthiramāyā-Bīja, hier hlīṃ, und namaḥ.
In den inneren sechs Ecken, vor der Göttin beginnend und rechtsherum:
ḍāṃ ḍākinyai namaḥ; rāṃ rākinyai namaḥ; lāṃ lākinyai namaḥ; kāṃ kākinyai namaḥ; śāṃ śākinyai namaḥ; hāṃ hākinyai namaḥ.
In der Mitte verehre man die Göttin nochmals dreimal mit der Grundvidyā. Nach Welthüterverehrung und allen Handlungen bis zum täglichen Feueropfer gebe man wie im Bālā-Abschnitt drei Bali-Darbringungen und schließe alles Weitere wie zuvor ab. Die Prosa nennt erneut drei, obwohl die vorherige Glosse den Ausdruck auf fünf erweitert hatte.
Die gelbe Bagalāmukhī-Praxis
Druckseite 244; Fortsetzung der BM-Reihe.
23.BM.41: Ich werde die Praxis zum Wohl der Übenden lehren. Der Mensch trage ein gelbes Gewand und verwende lauter gelbe Darbringungen.
23.BM.42: Die Japa-Kette, o Herrin der Götter, bestehe aus Haridrā-Knoten. Auf einem gelben Sitz sitzend, sei er der Meditation auf die gelbe [Göttin] hingegeben.
23.BM.43: Täglich verehre er mit gelben Blumen und wiederhole zehntausendmal. Das Feueropfer werde mit einem Zehntel dieser Zahl und schönen gelben Stoffen vollzogen.
23.BM.44: Danach vollziehe er Sättigungsdarbringung und die übrigen Handlungen; so werde dem Mantrin der Mantra wirksam. Man spreche den Namen der Zielperson und danach stambhaya — „Stelle still!“
23.BM.45: Die Vidyā hemmt Bewegung und stellt Feinde still; Gedächtniskraft, Einsicht, Feinde und andere, Götter, Menschen und Nāgas …
Unnummerierter Halbvers: … stelle die Mahāvidyā still, wahrlich, wahrlich, o Schönangesichtige. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
Wunschbezogene Anwendungen nach der historischen Quelle
Śrī Devī sprach:
23.BM.46: Nun lehre mir, o Gott, eine Praxis, die rasch Bestätigung ihrer Wirkung bringt, durch Mantra, Yantra, Stoffe, Japa, Feueropfer und anderes.
Glosse: Gemeint ist das Erreichen des gewünschten Ergebnisses; die Vollendung des Mantras selbst wurde bereits gelehrt.
Śrī Bhairava sprach:
23.BM.47: Höre, Verständige! Ein großes Geheimnis wird jetzt offenbart. An einem abgeschiedenen, menschenleeren, schönen, reinen Ort oder auch im Haus …
23.BM.48: … bilde man eine regelgemäße Feuergrube, mit drei Einfassungen versehen; die Yoni sei eine Spanne groß. Hier vollziehe man die sechs Wirkhandlungen.
23.BM.49: Die für die jeweilige Handlung genannten verschiedenen Verfahren führe man aus, o Göttin. Mit den drei süßen Stoffen, Sesam und Ghee erlange man Gefügigkeit.
23.BM.50: Wer Herbeiziehen wünscht, [opfere] Salz mit den drei süßen Stoffen. Mit Nimba-Blättern und Öl [geschehe] starkes Entzweien.
23.BM.51: Zur Stillstellung nennt der Text Haritāla und Haridrā zusammen mit Salz als Feuerdarbringung, o Göttin; Einsicht, Bewegung und Denken …
Glosse: Zu ergänzen ist: „stelle man still“. Die Stoffnamen werden als historische Bezeichnungen ohne moderne chemische oder botanische Gleichsetzung wiedergegeben.
23.BM.52: Zum Töten von Feinden nennt der Text nachts im Feuer des Verbrennungsplatzes eine Darbringung des Rājikā genannten Auszugs und von Büffelkuhblut.
Glosse: Der Rājikā-Auszug wird als Āsurī-Öl erläutert.
23.BM.53: Zum Vertreiben eines Feindes nennt er eine Feuerdarbringung von Geier- und Krähenfedern, mit Hausrauch beziehungsweise Ruß verbunden.
23.BM.54: Zur Stillung aller Krankheiten [nennt er] Dūrvā-Sprosse, vier Fingerbreiten lange Stücke der Amṛtā-Ranke und Puffreis, mit den drei süßen Stoffen verbunden.
23.BM.55: Hunderttausendmal wiederhole man, o Göttin, als enthaltsam Lebender mit festem Gelübde, auf einem Berggipfel, in einem großen Wald oder in dem als siddhaśūlamaya bezeichneten Haus beziehungsweise Heiligtum. Die genaue Ortsbezeichnung ist unklar.
23.BM.56: Auch am Zusammenfluss zweier großer Flüsse vollziehe man die Praxis, selbst außerhalb der Nacht [Druckwort aniśāyām]. Man lasse Sandalen aus der Wurzel des weißen Brahma-Baums fertigen …
23.BM.57: … mit Lackfarbe und Haridrā gefärbt und hunderttausendmal mit der 36-silbigen Vidyā besprochen.
Unnummerierter Halbvers: Hundert Yojana weit, allein durch den Gedanken … Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert; die Folgeseite ergänzt das Bewegungsverb. Diese Aussagen über Zwang, Schädigung, Heilung und übernatürliche Fortbewegung gehören zu den historischen Ritualverheißungen.
Druckvariante: Die Fußnote bietet eine Variante zu „schönen“ Darbringungsstoffen.
Glosse zum vorherigen Halbvers: Zu ergänzen ist „gehe man“ — gemeint ist die behauptete Fortbewegung über hundert Yojana.
Weitere historische Wirkungsversprechen
Druckseite 245; Fortsetzung der BM-Reihe.
23.BM.58: Rasa, Manaḥśilā und Tāla, mit Mākṣika verbunden, zerreibe man, bespreche sie hunderttausendmal und trage sie auf den eigenen Körper auf.
23.BM.59: Das mache unsichtbar, o Göttin, ein großes Wunder in der Welt. [Neue Anwendung:] Man nehme melkwarme Milch einer einfarbigen Kuh …
23.BM.60: … verbunden mit Zucker und Honig, dreimal damit besprochen. Zu trinken gegeben, beseitige dies pflanzliches und tierisches Gift, so die historische Behauptung.
23.BM.61: Zur Befreiung von Armut, o Göttin, wiederhole der Mensch hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit diesen Stoffen, einzeln.
23.BM.62: Er werde wohlhabend und vernichte gewiss die Armut. Nun werde ich eine weitere, vorzügliche Wunscherfüllung durch Yantras lehren.
Druckfußnote: „Mit diesen“ wird auf melkwarme Milch, Zucker und Honig bezogen, und zwar „miteinander vermischt“. Das steht neben der Versangabe „einzeln“; beide Fassungen bleiben sichtbar. Die Stoff- und Heilungsangaben werden nicht als heutige Anwendungen empfohlen.
Stillstellungsdiagramme
23.BM.63: Auf ein Tuch beziehungsweise eine Tafel oder einen Stein schreibe man den Namen der Zielperson, mit Sthiramāyā am Anfang und Ende, mit Haridrā und Tālaka.
23.BM.64: Mit Unmatta-Saft verbunden zeichne man dicht drei Umfassungen. Die höchste, wunderwirkende [Vidyā bewirke] Stillstellung der Schwangerschaft und Stillstellung der Bewegung.
Glosse: „Bewirke“ ist zu ergänzen. Die gegen Schwangerschaft und Bewegung gerichtete Aussage wird als historischer Quellentext bewahrt.
23.BM.65: Auf Birkenrinde zeichne man mit Tāla-, Unmatta- und Niśā-Säften ein Sechseck; in seiner Mitte schreibe man die Vidyā kreisförmig.
Glosse: Gemeint ist, den Namen der Zielperson mit der Vidyā zu umgeben.
23.BM.66: Danach, o Göttin, umwickle man den Namen [beziehungsweise das beschriftete Blatt] mit gelbem Faden. Von der in Gegenrichtung gedrehten Töpferscheibe nehme man Lehm …
23.BM.67: … und forme daraus einen Stier, mit Tālaka bestrichen. In sein Inneres lege man das Yantra; der nachfolgende Zusatz „auf dem Stier sitzend“ ist in seiner Beziehung unklar.
23.BM.68: Man lege eine Schnur in seine Nase, umhülle ihn mit gelbem Stoff und verehre ihn im eigenen Haus mit den äußeren Darbringungen.
23.BM.69: Zu vier Zeiten verehre der Übende ihn unter Nennung der Zielperson. Das stille den Mund der Übeltäter, selbst den des Vācaspati [Meisters der Rede].
23.BM.70: Man hole eine feste Schale vom Verbrennungsplatz, nach unten gerichtet, halte sie mit der linken Hand und [schreibe] mit Kohle vom Verbrennungsplatz …
23.BM.71: … mit der rechten Hand sorgfältig den Namen, Herrin der Götter. Siebenfach bespreche man sie mit dem ṭha-Laut und mit Pūraka [Einatmung beziehungsweise Füllung im Ritualzusammenhang].
23.BM.72: In die Mitte schreibe man das Bīja mit dreifacher Umfassung. Nach dem Namen der Zielperson im Genitiv schreibe man mukhaṃ stambhaya — „Stelle den Mund still!“
23.BM.73: Außen schreibe man das große Bīja viermal; den Namen beziehungsweise seine Buchstaben bespreche man mit der Vidyā.
23.BM.74: Den Übenden nenne man im Genitiv, die Zielperson in der Anrede. Danach folge mā muñca — „Lass nicht los!“ — mit Wiederholung. Die Lesung wurde durch vergrößerten Bildabgleich und die Parallelfassung BJ 20 geklärt.
23.BM.75: Mit gelben Darbringungen verehrt, sei dies vorzüglich zur Stillstellung des Mundes. Dieses Yantra schreibe man, o Schöngestaltige, auf ein Tuch vom Verbrennungsplatz.
23.BM.76: Man lege es in den Mund eines Frosches und umwickle ihn mit gelbem Faden. Auf der Erde bilde man ein Maṇḍala und verehre mit gelben Blumen. Die Tierhandlung wird als historischer Ritualtext wiedergegeben.
23.BM.77: Man spreche den jeweils folgenden Mantra beziehungsweise Ausdruck deutlich aus. Mit dem linken Fuß verehre man Töpferlehm [ungewöhnliche Satzfügung].
23.BM.78: Durch Anwendung des Pūraka bringe das Verfahren sichtbare Bestätigung. Man zeichne vier Füße, gebeugt beziehungsweise zusammengezogen; das entsprechende Kompositum ist beschädigt.
23.BM.79: Einander verbunden und nach unten angeordnet, bilde man durch Verbindung von links und rechts jeweils zwei Füße. Die räumliche Konstruktion lässt sich aus dem gedruckten Satz nicht vollständig sicher bestimmen.
23.BM.80: [Man schreibe] den Namen der Zielperson im Genitiv und gatiṃ stambhaya — „Stelle die Bewegung still!“ Wie zuvor schreibe man den Namen mit Māyā und füge das Erd-Bīja hinzu. Die Anweisung wird auf der Folgeseite fortgesetzt.
Weitere Druckvarianten: Der Apparat nennt unter anderem „gelb“, „geopfert“, „jene Mudrā“, „am eigenen Körper“, „an Tagen“, „hoch“, „zuvor“, „aufgrund des Ascheseins“ und eine Lesart „in dessen Mitte schreiben“. Einige der kleinen Fußnotentexte sind selbst beschädigt; sie werden nicht als sichere Verbesserungen in den Haupttext eingesetzt.
Fortsetzung der historischen Stillstellungsrituale
Druckseite 246; Fortsetzung der BM-Reihe.
23.BM.81: An den Enden [stehen] die Verzweigungen der Füße, in deren Mitte schreibe man das Bīja. Mit den zuvor genannten Stoffen schreibe man auf Stein oder eine Tafel …
23.BM.82: … schließe es mit den zuvor genannten [Bestandteilen] ein und umwickle es mit gelben Fäden. Im Bereich des Bettes grabe man sorgfältig eine Grube …
23.BM.83: … lege es mit der linken Hand hinein und verehre mit gelben Blumen. Dies sei, o Gütige, ein großes Wunder und vorzüglich zur Hemmung des Samenergusses. Die grammatische Fügung der ersten Halbzeile ist unsicher.
23.BM.84: Man nehme eine Schale und Kohle vom Verbrennungsplatz. Das Māyā-Bīja schreibe man dreifach und den Namen der Zielperson in die Mitte.
23.BM.85: Ohne Zittern ziehe man eine Linie in dreifacher Umfassung [Druckfügung beeinträchtigt]. Mit der linken Hand vergrabe man die Schale, nach unten gerichtet.
23.BM.86: Mit dem linken Fuß bedecke man sie und entleere darüber den Darm. Dies bewirke Stillstellung und Verschließen des Mundes der Feinde, Herrin der Götter.
23.BM.87: Man nehme ein Palmyrablatt und schreibe darauf den Namen der Zielperson, am Anfang und Ende das Bīja, sodann dreifach den nachfolgenden [Teil; Bezug unklar].
23.BM.88: Mit der linken Hand fasse man das gefaltete [Blatt] und durchsteche es mit sieben Karapiṇḍī-Dornen. Die Stoffbezeichnung wird ohne botanische Gleichsetzung übernommen.
23.BM.89: Der Übende spreche jeweils die Vidyā und den Namen der Zielperson aus. Dann lege man es in ein Gefäß und fülle dieses mit Sauvīra [traditionelle Flüssigkeitsbezeichnung].
23.BM.90: Außerhalb des eigenen Hauses, in der nordwestlichen Ecke, grabe man mit der linken Hand eine Grube und fülle sie mit dem linken Fuß zu.
23.BM.91: Diese Anwendung hemme Bewegung und Denken und bringe sichtbare Bestätigung. Die Stillstellung der divya, o Göttin, werde auch in anderen Büchern nicht gelehrt.
Divya: Beeinflussung historischer Gottesurteile
Redaktionelle Einordnung: Aus den folgenden Versen wird deutlich, dass divya hier Gottesurteile beziehungsweise rituelle Schuldproben bezeichnet. Der Text behauptet, selbst ein Schuldiger könne durch die beschriebenen Zauberverfahren als rein hervorgehen. Entsprechend sind auch die vorherigen Aussagen über das Stillstellen der „fünf divya“ im Bagalāmukhī-Abschnitt zu verstehen.
23.BM.92: Heute werde ich es nach der Tantra-Weise erklären. Höre das höchst Erwünschte: An dem Ort, wo ein Gottesurteil stattfindet, auch in einem Tempelhaus …
23.BM.93: … schreibe der Übende die Vidyā mit dem Namen der Zielperson. Darüber verreibe man Āṭarūṣa-Blätter.
23.BM.94: Das hemme sieben Gottesurteile; selbst wer eine Verfehlung begangen hat, gehe als rein hervor. Eine Wurzel der Uttarāvāruṇī, siebenmal mit der Vidyā besprochen …
23.BM.95: … gebe man ins Wasser und bade damit. Wer sich dem Gottesurteil unterzieht, werde selbst von einer großen begangenen Verfehlung rein [im behaupteten Ergebnis der Probe].
23.BM.96: Oder man verwende das Lampenverfahren: Nachts bilde man ein Maṇḍala und schreibe auf Birkenrinde mit den zuvor genannten Stoffen …
23.BM.97: … und entzünde sorgfältig eine mit Ghee einer Kapilā-Kuh gefüllte Lampe. Man lasse sie so lange brennen, bis das Gottesurteil zum Stillstand kommt.
23.BM.98: So ist dir, o Gütige, die sichtbar wirksame Wunscherfüllung gelehrt. Dies ist die höchste Vidyā. Was möchtest du noch erfragen?
Bagalāmukhī im Jayadrathayāmala
Neue BJ-Reihe:
23.BJ.1: Ein gelbes Gewand tragend und nach Osten gewandt, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal mit einer Kette aus Haridrā-Knoten.
23.BJ.2: Stets der Enthaltsamkeit zugewandt, wiederholend und in Meditation gesammelt, opfere man Priyaṅgu, Milchreis oder gelbe Blumen.
23.BJ.3: Nach einem Feueropfer von einem Zehntel der Zahl werde Bagalāmukhī wirksam. Sie hemme Rede und Bewegung und vernichte die Einsicht der Übeltäter.
Unnummerierter Halbvers: Bei Japa- und Homa-Anwendungen wiederhole man den Mantra auch zehntausendmal. Die weitere Hälfte ist im Druck punktiert.
Klärende Glosse zur Zahl: Daraus wird erschlossen, dass die zuvor als vorbereitende Praxis genannte zehntausendfache Wiederholung zum Beginn einer einzelnen Anwendung und zu deren Wirksamkeit gehört. Sie ist nicht die eigentliche Puraścaraṇa-Zahl. So seien beide Angaben miteinander vereinbar: Die vorbereitende Praxis besteht aus hunderttausend Wiederholungen. Diese Zahl wird ausdrücklich auf das Kṛta-Yuga bezogen.
23.BJ.4: Nachts opfere man Salz mit Haridrā und Haritāla; dies stille die fünf Gottesurteile, daran solle kein Zweifel bestehen.
23.BJ.5: Bei sämtlichen Stillstellungen bringe diese Anwendung Bestätigung; alternativ opfere man gelbe Blumen, mit den drei süßen Stoffen benetzt.
23.BJ.6: Zwei oṃ-Zeichen, einander zugewandt und mit ihren Köpfen nach oben und unten, schreibe man; in die Mitte den Namen der Zielperson, außen zwei Buchstaben. Die ausführliche Diagrammbeschreibung folgt auf der nächsten Seite.
Druckvariante: Eine Fußnote betrifft das Schreiben mit Kohle. Beschädigte Konstruktionen in BM 81–88 bleiben als solche kenntlich.
Das Bagalāmukhī-Diagramm im Jayadrathayāmala
Druckseite 247; Fortsetzung der BJ-Reihe.
23.BJ.7: Das Bīja, den dritten Laut der zweiten Konsonantengruppe, mit Punkt und dem vierzehnten Vokal, schreibe man mit Erde verbunden. Die spätere Prosa nennt als Erd-Bīja ausdrücklich glauṃ; die gedruckte Verschlüsselung und diese Erklärung lassen sich nicht ohne Weiteres gleichsetzen.
23.BJ.8: Mit dem ṭha-Laut umgeben, [zeichne man] außen eine vierwinklige Einfassung; mit ihren Ecklinien verbunden je acht Dreizack- und Vajra-Zeichen.
23.BJ.9: An den Mittellinien und Seiten der Dreizacke schreibe man die Erd-Bījas, ebenso je eines in allen acht Ecken.
23.BJ.10: Im Inneren und an den Seiten der Erde [des Erdrahmens] und über der Mātṛkā [bilde man] eine kreisförmige Umfassung; danach außen mit Sthiramāyā …
23.BJ.11: … und mit dem Haken-Bīja, dessen Fuß mit Nāda verbunden ist, umschließe man es. Wie zuvor schreibe man, den ṭha-Laut umgebend, Bagalāmukhī.
Glosse: „Bagalāmukhī“ bedeutet ihre Vidyā.
23.BJ.12: Auf eine Steintafel oder ein Tuch schreibe man mit Haridrā, Unmatta und Tālaka zur Stillstellung von Schwangerschaft oder Bewegung; man presse es fest zusammen.
Glosse: Bei Stillstellungen außerhalb eines Streitfalls schreibe man das genannte Yantra auf Tuch oder Stein, schließe es unten und oben mit Stein ein, stelle es auf und verehre dort die Göttin. Bei einem Streitfall gelte die folgende Vorschrift.
23.BJ.13: Bei einem Streitfall schreibe man das Yantra mit denselben Stoffen auf Birkenrinde. Von der in Gegenrichtung laufenden Töpferscheibe …
23.BJ.14: … nehme man Lehm und fertige daraus einen Stier. In seinen Bauch setze man das Yantra und bestreiche beziehungsweise beschrifte ihn mit Tāla.
23.BJ.15: Eine gelbe Schnur in seine Nase gelegt, verehre man ihn im eigenen Haus in einer viereckigen [Anordnung] täglich mit gelben Darbringungen.
Unnummerierter Halbvers: Dies stelle den Mund des Übeltäters still, selbst wenn er Vācaspati wäre. Die weitere Hälfte ist im Druck punktiert.
Ausführliche Zeichenanweisung
Zwei oṃ-Zeichen werden mit dem Kopf nach oben und unten geschrieben; seitlich stehen zwei weitere, einander zugewandte oṃ. So sind es vier. In die Mitte kommt der Name der Zielperson. An die beiden Seiten der gegenüberliegenden oṃ schreibe man das Erd-Bīja glauṃ und umgebe alles mit einem Kreis. Ein zweiter Kreis folgt außen; zwischen die Kreise kommt der Grundmantra.
Außen bilde man ein Achteck. An die acht Linien der vier in den Zwischenrichtungen liegenden Ecken, von Südost an, kommt je ein Vajra, insgesamt acht. An die acht Linien der vier Hauptrichtungsecken kommen acht Dreizacke. In die Dreiecksinnenräume, auf die mittleren Dreizacklinien und an ihre Seiten schreibe man das genannte Erd-Bīja; ebenso an die Eckseiten des mit Vajras versehenen Vierecks.
Außerhalb des Achtecks folgen vier Kreise. In deren drei Zwischenbahnen stehen von innen nach außen die Mātṛkā, Sthiramāyā als hlīṃ und das Haken-Bīja kroṃ. Mit den genannten Stoffen nach dieser Vorschrift geschrieben und angewandt, solle das Diagramm die genannten Wirkungen entfalten. Die Prosa schreibt hier wiederum hlīṃ und wird nicht an die frühere Form hlrīṃ angeglichen.
Parallelfassung der Mundstillstellung
23.BJ.16: Man nehme eine feste Schale vom Verbrennungsplatz, nach unten gerichtet, lege sie in die linke Hand und die dortige Kohle in die rechte.
Glosse: Mit „Kohle“ ist der kalte Kohlenstoff beziehungsweise Holzkohlenstoff gemeint, nicht Feuer; die Quelle erläutert mit kohlā.
23.BJ.17: Nach Pūraka bespreche man sie siebenmal mit dem ṭha-Laut und schreibe das Bīja in ihrem Inneren in Kreisform.
23.BJ.18: In die Mitte setze man den Namen der Zielperson im Genitiv und tanmukhaṃ stambhaya — „Stelle dessen Mund still!“ Vier Erd-Bījas schreibe man mit umgekehrten Köpfen.
23.BJ.19: Dann verfahre man am Yantra wie zuvor, Herrin der Götter. Die Zielperson nenne man in der Anrede, den Übenden schreibe man im Genitiv.
23.BJ.20: Danach folge mā muñca — „Lass nicht los!“ — mit Wiederholung. Man verehre mit gelben Blumen und den weiteren Gaben; dies sei vorzüglich zur Stillstellung des Mundes.
23.BJ.21: Mit den vorher genannten Stoffen schreibe man deutlich auf ein Tuch vom Verbrennungsplatz. Man lege es in den Mund eines Frosches und verschließe ihn mit gelben Fäden.
23.BJ.22: In die Erde gesetzt, verehre man [es] im Maṇḍala mit gelben Blumen. Statt den Mantra unausgesprochen zu lassen, spreche man ihn deutlich aus. Die letzte Wendung ist im Druck auffällig, ihre Gegenüberstellung von Nichtaussprechen und deutlichem Aussprechen bleibt erhalten.
Einordnung: Die Parallelfassung beschreibt historische Zwangsrituale einschließlich einer Tierhandlung. Sie dient hier auch zur Prüfung beschädigter Stellen der vorherigen Fassung; insbesondere bestätigt BJ 20 die korrigierte Lesung von BM 74.
Weitere Parallelfassungen der Diagramme
Druckseite 248; Fortsetzung der BJ-Reihe.
23.BJ.23: Durch Pūraka bringe die Anwendung Bestätigung ihrer Wirkung. Man zeichne vier Pādas, durch Teilung in verkürzte beziehungsweise abgebogene Gestalt gebracht.
Glosse: „Gebrochen“ bedeutet getrennt und in vier Teile geteilt. Pāda meint hier einen Teil der Mantra-Anordnung; die spätere Prosa erläutert die Aufteilung in vier Textabschnitte. Damit wird auch die entsprechende, dort schwer verständliche Fuß- beziehungsweise Schenkelbeschreibung von BM 78–79 präzisiert.
23.BJ.24: Einander verbunden, oben und unten sowie ringsum, bilde man zwei Pādas in Beziehung von links und rechts.
23.BJ.25: In die Mitte schreibe man den Namen im Genitiv und gatiṃ stambhaya — „Stelle die Bewegung still!“ An die Enden schreibe man die Erd-Bījas.
Glosse: Gemeint sind die Pāda-Enden und die Verzweigungen an den Spitzen. Ein weiterer Satz nennt das Schreiben am Ende der Pāda-Verzweigung und in der Mitte. Nach den Überlieferungsträgern entsteht durch diese Pādas ein Viereck.
23.BJ.26: Auf ein Tuch oder eine Steintafel, jeweils mit den genannten drei [Stoffen], [schreibe man es] und schließe es wie zuvor ein, mit festen gelben Fäden gebunden.
23.BJ.27: So entstehe durch die Wirkung dieses Yantras Bewegungsstillstand. [Neue Variante:] Mit Śilā, Tāla und Haridrā, verbunden mit Widderharn …
23.BJ.28: … schreibe man mit einer Kokilākṣa-Schreibspitze auf ein mit eigenem Blut versehenes beziehungsweise eigenes rotes Tuch [Kompositum mehrdeutig] den Namen der Zielperson im Genitiv, bei angehaltenem Atem.
23.BJ.29: Nach einer Woche entstehe gewiss Stillstellung, daran bestehe kein Zweifel. Mit Śilā, Tāla und Haridrā schreibe man auf zwei karapatra-Blätter beziehungsweise Flächen …
23.BJ.30: … mit einer Kokila-Schreibspitze die Stillstellung beziehungsweise den Feindesnamen, umgebe dies mit Dreiecken und außen mit einer Erdfassung …
23.BJ.31: … versehen mit acht Vajras und sechzehn ra-Zeichen, umgeben vom Māyā-Bīja und abgeschlossen durch den Haken [das Haken-Bīja].
23.BJ.32: [Ein beschädigter Zusatz folgt:] Man verbinde es und umgebe es im kaṭaka [Rahmen beziehungsweise Lager, Bezug unklar]. Man lege es in einen Ameisenhügel und fülle den Ort mit Steinen zu.
23.BJ.33: Danach beginne man den Kampf oder den Streitfall. Bewegung, Geist und Rede würden stillgestellt …
23.BJ.34: … ebenso die Zunge; im Streit werde [der Gegner] gewiss überwunden. [Neue Variante:] Auf schwarzes Tuch schreibe man das Yantra mit Gift und Blut.
23.BJ.35: Den mit der Vidyā durchflochtenen Namen, fest mit Wachs umhüllt, gebe man ins Wasser. Dies sei vorzüglich zur Stillstellung der Gottesurteile.
23.BJ.36: Es stille die fünf Gottesurteile, daran bestehe kein Zweifel. Durch dieses Verfahren werde [der Betreffende] unversehrt beziehungsweise unbetroffen; der abschließende Satz ist im Druck beschädigt.
23.BJ.37: Bei den drei yāna [Bezug unklar] sei ein eisernes Dreieck zu zeichnen; mit einer Pfauenfeder schreibe man darin den mit der Vidyā durchflochtenen Namen …
23.BJ.38: … außen mit dem Feuer-Bīja [umgeben]; auch wenn der Mensch innerlich rein ist [Satzanschluss unsicher]. Mit Gift und Blut schreibe man auf ein Tuch vom Verbrennungsplatz …
23.BJ.39: … den durchflochtenen Namen der betreffenden Person. Man nehme Asche und Erde vom Verbrennungsplatz, forme eine Gestalt daraus und setze das Yantra in ihr Herz.
23.BJ.40: Der Kundige durchsteche sie mit Dornen, die Vidyā immer wieder vergegenwärtigend. Durch das Durchstechen entstünden jener Person Leid und heftige Schmerzen.
23.BJ.41: Am ganzen Körper von furchtbaren Spitzen getroffen, sterbe sie. Brahmāstra sei in den drei Welten selbst für die Götter schwer zu erlangen.
23.BJ.42: Sorgfältig sei es geheim zu halten und nicht irgendeinem zu geben. Man gebe es einem dem Guru Ergebenen, der ein halbes Jahr [bei ihm] gelebt hat.
Einordnung: Die Quelle beschreibt historische Zwangs- und Schadensrituale. Die Aussagen über Wirkungen und Schuldproben werden als ihre Behauptungen wiedergegeben. Die Quellenpflanzen und -stoffe bleiben ohne moderne Gleichsetzungen.
Erläuterung der zuvor genannten Diagramme
Die fünf Verse von „eine feste [Schale]“ bis „vorzüglich“ erläutern ein weiteres Yantra. Man nehme die nach unten gerichtete Schale vom Verbrennungsplatz in die linke Hand und die dortige Kohle in die rechte. Beide bespreche man siebenmal mit dem ṭha-Laut. Mit der Kohle zeichne man einen Kreis in die Schale und darin das Sthiramāyā-Bīja. In dessen Mitte stehe: „Stelle den Mund von N. N. still!“ Um das Bīja schreibe man das zuvor genannte Bīja in den vier Richtungen und [an weiteren Mittelstellen; im Druck steht eine auffällige 6]. Der Herausgeber vermerkt hierzu ausdrücklich eine vermutete Textlücke. Außen folgen Achteck und alles Weitere wie zuvor … Die Erklärung wird auf der Folgeseite fortgeführt.
Druckvarianten: Der Apparat nennt unter anderem Varianten zu den Pādas, „in drei“, ṭha-Lauten, einer dreifachen Hakenumfassung, ra-Zeichen und dem Schreiben. Mehrere der kleinen Lesarten sind selbst beschädigt.
Abschluss der Diagrammerläuterungen
Druckseite 249; Fortsetzung der Prosa.
… das Yantra vollständig gezeichnet, stelle man es auf. In der Grundvidyā ersetze man sarvaduṣṭa durch „N. N., [des] N. N., lass nicht los, lass nicht los!“ Mit gelben Darbringungen rufe man die Göttin im Yantra herbei und verehre sie; dies bewirke Mundstillstellung.
Dasselbe Yantra schreibe man mit den zuvor genannten Haridrā-Stoffen auf ein Tuch vom Verbrennungsplatz und rolle es zu einer Kugel. Die Quelle beschreibt sodann ausdrücklich das Einlegen in den Mund eines lebenden Frosches, das feste Zubinden mit gelbem Faden, das Eingraben und die Errichtung einer gelben Verehrungsstätte darüber. Dort verehre man die Göttin mit gelben Blumen und weiteren Gaben; das solle die genannte Wirkung erfüllen. Diese Tierhandlung wird als Bestandteil des historischen Textes, nicht als Praxisempfehlung, wiedergegeben.
Die vier Mantra-Pādas
Die mit „vier“ beginnenden Verse bis „durch die Wirkung“ beschreiben ein weiteres Yantra. Man zeichne ein Viereck mit vier Toren. In der Mitte schreibe man: „Stelle Bewegung, Denken und Mund von N. N. still, stelle sie still!“ Die Grundvidyā wird in vier Teile geteilt: Der erste Pāda verläuft nach oben bis zum östlichen Tor, der zweite nach unten bis zum westlichen, der dritte quer zum nördlichen und der vierte quer zum südlichen Tor. So stehen die vier Teile rings um die mittlere Schriftgruppe.
An die Enden der vier Pādas, die vier Ecken des Vierecks, schreibe man das zuvor genannte Erd-Bīja. Mit den genannten Stoffen auf Stein oder Tuch geschrieben, mit gelben Schnüren umwickelt und oben und unten mit Stein eingeschlossen, werde das Yantra aufgestellt und verehrt. So solle sich die beschriebene Wirkung ergeben. Diese Prosa klärt, dass die vorausgehenden „Pādas“ Mantra-Viertel in einer geometrischen Anordnung sind.
Weitere Schreib- und Anwendungsvarianten
Die beiden mit „Śilā“ beginnenden Verse nennen für dasselbe Diagramm besondere Schreibstoffe, die Schreibspitze und das beim Schreiben einzuhaltende Verfahren. Die weiteren fünf Verse von „Śilā“ bis „gewiss“ beschreiben eine besondere Anwendung: Mit denselben Stoffen schreibe man das Diagramm auf zwei karapatra-Flächen und in der Mitte den mit Vokalen durchflochtenen Namen. Es folgen drei Kreise, außen ein Viereck, daran acht Vajras und an den beiden Seiten jedes Vajra je ein ra mit Punkt — zusammen sechzehn.
Darum zeichne man fünf Kreise. Von ihren vier Zwischenbahnen wird die innerste mit dem Sthiramāyā-Bīja und werden die drei äußeren mit den Haken-Bījas gefüllt. In die Mitte kommt der mit der Grundvidyā durchflochtene Name der Zielperson. Das Umhüllte lege man in einen Ameisenhügel, fülle ihn mit Steinen und lasse täglich verehren. Ein König solle danach mit seinen Truppen das feindliche Heer einschließen und den Kampf beginnen; der Streitende seinen Streitfall führen. Das Yantra soll die genannten Wirkungen gewähren.
Die beiden mit „schwarz“ beginnenden Verse erklären: Dasselbe Yantra werde mit den genannten Stoffen, mit Gift und Blut vermischt, auf schwarzes Tuch geschrieben, in der Mitte der mit der Vidyā durchflochtene Name. Fest mit Bienenwachs umhüllt werde es ins Wasser gelegt; dort solle das Gottesurteil stattfinden. Selbst ein Schuldiger gehe dabei als rein hervor, so die Behauptung.
Die mit „mit Gift und Blut“ beginnenden Verse beschreiben eine weitere Anwendung: Das gleiche Yantra mit dem von der Grundvidyā durchflochtenen Namen werde mit giftvermischtem Blut auf ein Tuch vom Verbrennungsplatz geschrieben. Aus Asche und Erde dieses Ortes forme man eine Puppe, setze das Yantra in ihr Herz und durchsteche alle Glieder mit Dornen, während man die Vidyā vergegenwärtigt. Der Feind sterbe dadurch rasch, behauptet der Text.
Bagalāmukhī-Stotra
Vorbemerkung und rituelle Zuordnung: Für diesen Śrī-Bagalāmukhī-Stotra-Mantra ist der ehrwürdige Nārada der Seher; die Versmaße werden mit der auffälligen Druckform bārhacchandāṃsi bezeichnet. Bagalāmukhī ist die Gottheit, Sthiramāyā das Bīja, svāhā die Śakti und kīlaya der Kīlaka. Die Widmung lautet: „Zur Stillstellung von Schritt, Zunge, Mund und Einsicht der mir nahen oder fernen Übeltäter und Gegner sowie zur Freude der höchsten Göttin werde ich Japa üben.“
Vorgeschaltete Meditationsverse; eigene BS-Reihe:
23.BS.1: Inmitten des Nektarmeeres, auf dem Edelsteinaltar eines juwelenbesetzten Pavillons, sitzt sie auf dem Löwenthron, ganz von gelber Farbe. Ich verehre die Göttin, deren Glieder gelbes Gewand, Schmuck und Girlanden zieren und die Hammer und Feindeszunge hält.
Druckvarianten: Die Fußnoten bieten laṃ sowie „bestrichen“. Die ungewöhnliche Versmaßbezeichnung wird nicht stillschweigend durch einen vermuteten Namen ersetzt.
Weitere Meditationsverse zu Bagalāmukhī
Druckseite 250; Fortsetzung der BS-Reihe.
23.BS.2: Ich verneige mich vor der zweiarmigen Göttin im gelben Gewand: Mit der linken Hand fasst sie die Zungenspitze und bedrängt die Feinde, mit der rechten schlägt sie mit der Keule.
23.BS.3: Man meditiere und verehre die Mutter, die den Dreizack trägt, alles Glück gewährt und in der Schönheit sämtlichen Schmuckes erstrahlt.
23.BS.4: Gelb gewandet, dreiäugig, zweiarmig, goldglänzend, mit Stein und Berg als Handattributen [ungewöhnliches, nicht sicher verständliches Kompositum], die Feinde stillstellend, von mächtigem Rausch erfüllt …
23.BS.5: … vergegenwärtige man sich Bagalāmukhī zur Zerschlagung der Feinde: tief und erhaben, berauscht, strahlend wie Gold …
23.BS.6: … vierarmig, dreiäugig, auf einem Lotussitz, mit goldenen Ohrringen und gelbem Halbmond als Kopfschmuck …
23.BS.7: … mit gelbem Schmuck geziert, auf einem goldenen Thron, freudvoll, o Herrin der Götter, die Stillstellerin der Feinde …
23.BS.8: … die höchste, welche selbst die Liebesfreude Madanas und Ratis stillstellt, Mahāvidyā, Mahāmāyā, die dem Übenden Kraft verleiht.
23.BS.9: Durch bloßes Erinnern an sie könne man augenblicklich die drei Welten stillstellen. In der linken Hand [trägt sie] den Haken, darunter die glückverheißende Wunschgewährung …
Unnummerierter Halbvers: … in den weiter darunter befindlichen Händen Gebetskette und vorzüglichen Lotus. Die zweite Hälfte ist im Druck punktiert.
23.BS.10: Entsprechend sind in den rechten Händen der Reihe nach Schlinge, Furchtlosigkeitsgeste, Gebetskette und Lotus. [Man meditiere sie] jung, mit Oberarmreifen, Armringen und Ohrringen geschmückt, die Krone vom Mond geziert …
23.BS.11: … der jungen Sonne gleich, mit einem seidenen Gewand über den Hüften, schlank, unter dem Wunschbaum auf einer goldenen Steinplatte, mit einem Glanz, der aus freudigem Geist hervorleuchtet …
23.BS.12: … auf den fünf Pretas thronend, spielerisch die verschiedenen Wünsche der Verehrer erfüllend. So meditiere man Bagalā im Geist, blau wie eine reine Wasserlilie.
Zu den Meditationsformen: Diese Folge nennt zwei, vier und durch die Attributaufzählung acht Arme sowie gelb-goldene und blaue Erscheinungsweisen. Die Unterschiede gehören zum überlieferten Text und werden nicht zu einer einzigen Gestalt zusammengezogen.
Bagalāmukhī-Lobpreis
Die Quelle beginnt erneut mit 1; eigene BG-Reihe.
23.BG.1: Ich vergegenwärtige mir Bagalāmukhī: Ihre schönen Wangen leuchten im Schwingen goldener Ohrringe; ihr Mondgesicht erstrahlt wie goldene Campaka-Blüten. Mit der Keule schlägt sie die Gegner, hält die bewegliche Zungenspitze fest und stellt den Mund der Widerstrebenden still.
23.BG.2: Wer sie täglich meditiert — im schönen, juwelenglänzenden Pavillon inmitten des Nektarmeeres, auf dem Löwenthron und einem Preta-Sitz, den Feind zerschlagen [die Verbindung ist bereits im Druck durch eine Klammerergänzung beeinträchtigt], goldglänzend, mit der Hand die Feindeszunge pressend und die Keule schwingend —, dessen sämtliche Bedrängnisse vergehen sogleich, o Mutter.
Beginn von BG 3, Fortsetzung auf der Folgeseite: Dein Mantra vermag die Gegner niederzuwerfen, dein Stotra ist heilig; dein wunderbares Yantra hemmt die Streitredner und siegt in den drei Welten. Mutter, wem der liebliche Name „Śrī Bagalā“ im Mund ist …
Druckvarianten: Die Fußnoten betreffen einzelne Silben, eine auf Śiva bezogene Wortform, „gut/seiend“, „Blume“, „so“ und aja. Beschädigte Komposita und Varianten werden nicht durch eine externe Standardfassung ersetzt.
Bagalāmukhī-Stotra: Fortsetzung
Druckseite 251; Fortsetzung der BG-Reihe. BG 3 beginnt bereits auf der vorherigen Seite.
23.BG.3: … durch das Aussprechen deines Namens werde in der Versammlung der Mund der Streitredner stillgestellt.
23.BG.4: O Göttin, wer bei der Verehrung deiner Lotusfüße hingebungsvoll eine Handvoll gelber Blumen in die linke Hand nimmt und als Mantrin, auf deine gelbe Gestalt meditierend, bei angehaltenem Atem das liebliche Erd-Bīja vergegenwärtigt: Im Mund, in der Rede und im Herzen seines Gegners entstehe augenblicklich Erstarrung.
23.BG.5: Der Redner verstummt, der Herrscher wird arm, das Feuer wird kalt; der Zornige beruhigt sich, der Schlechte wird gut, der rasch Folgende wird lahm; der Stolze wird klein, der Alleswisser stumpf, wenn ihn dein Mantrin bespricht. Śrī Nityā, Bagalāmukhī, Glückverheißende: Täglich sei dir Verehrung!
23.BG.6: Mutter, deine Gestalt möge vor mir erscheinen: Sie stellt Übeltäter still, beruhigt furchtbare Hindernisse, vertreibt Armut, hemmt Stolz und zieht die Herzen der Gazellenäugigen an. Sie ist die einzige Wohnstätte des Glücks, für meine Augen Nektar voller Mitgefühl und der Tod des Todes.
23.BG.7: Mutter, zerbrich den Mund meines Gegners, hefte seine Zunge gewaltsam fest; löse die Rede [brāhmī, Deutung im Zusammenhang], versiegle rasch seine Einsicht, stelle seine heftige Bewegung still! Zermalme, zermalme rasch die Feinde mit der Keule, o Helle, gelb Gewandete! Bagalā, deren Blick von Mitgefühl erfüllt ist, nimm täglich die Schar der Hindernisse hinweg!
23.BG.8: In Bedrängnis, unter Räubern, bei einem Angriff, in Gefangenschaft, im Wasser, im gelehrten Wortstreit oder Streitfall, vor einem erzürnten Herrscher, beim Gottesurteil, nachts, beim Gefügigmachen, Stillstellen oder Töten eines Feindes, angesichts eines langjährigen Feindes oder im Kampf: Wer dies standhaft zu den drei Zeiten liest, gehend oder stehend, erlange rasch Heil.
23.BG.9: Mutter Bhairavī, Bhadrakālī, Vijayā, Vārāhī, Zuflucht der Welt; Śrīvidyā, Bagalā, Maheśī, Samayā, Kāmeśī, Vāmā, Ramā; Mātaṅgī, Tripurā, Höhere als das Höchste, Spenderin von Himmel und Befreiung! Ich bin dein Diener und habe Zuflucht genommen. Herrin des Alls, rette mich aus Mitgefühl!
Zu Sprache und Varianten: Der Hymnus verbindet Zuflucht und Mitgefühl mit ausdrücklich gegen Gegner gerichteten Bitten. Diese Spannung bleibt in der Übersetzung erhalten. Die Fußnoten bieten unter anderem „Mantra“ statt „Buchstabe“, eine Stillstellung von Rede und Einsicht, „Stillung der Kraft“, „vernichte“, „für die sich Verneigenden“, „in Aufruhr unter Räubern“, „an einem einsamen Ort“ und „Nityā“. Weitere kleine Lesarten sind beeinträchtigt und werden nicht als sichere Verbesserungen eingesetzt.
Bagalāmukhī-Stotra: Abschluss
Druckseite 252; Fortsetzung der BG-Reihe.
23.BG.10: Du bist die höchste Vidyā, Mutter der drei Welten, welche die Schar der Hindernisse durchschneidet, Frauen herbeizieht und selbst sehr große Hindernismengen zerschneidet. Sie vertreibt Übeltäter, versetzt die Menschenherzen in Verblendung und hat die Macht, Zungen festzuheften: Siegreich ist die höchste Brahmāstra-Vidyā.
23.BG.11: Wer täglich mit Achtung diesen schönen Lobpreis der Göttin liest und das Yantra im Kampf am Oberarm, an der Hand oder am Hals trägt: Für ihn würden Könige, Feinde, Frauen, Elefanten, Schlangen, Löwen, Vögel und Feindesscharen verblendet; Wohlstand werde beständig und Vollkommenheiten [würden erlangt]. Das Kompositum vairiyoṣitaḥ kann auch „Frauen der Feinde“ bedeuten; die Aufzählung ist daher nicht völlig eindeutig.
23.BG.12: Der Übende, der täglich zu den drei Zeiten diesen schönen [Lobpreis] der Weltenmutter liest, wird von den Götterscharen verehrt. Durch seinen bloßen Blick entstehe in der Welt paramakula [„höchste Familie“ beziehungsweise eine beschädigte Wirkungsbezeichnung]. Die höchste Weltenmutter werde für ihn vollkommen wirksam. Die unsichere mittlere Fügung wird nicht durch eine vermutete Standardlesart ersetzt.
23.BG.13: Wissen, Wohlstand, alles Glück, langes Leben, Söhne, Fülle, Herrschaft, Erfüllung der gewünschten Ziele, o Mutter, Heil und die Fähigkeit, alles gefügig zu machen: „Erlangt, erlangt“ [so der wiederholte Wortlaut] werden sie von diesem Menschen auf Erden.
23.BG.14: Was an Japa-Rüstung [ritueller Vorbereitung] getan und ausgesprochen wurde, höchste Göttin, zur Stillstellung der Feinde: Nimm es an! Dir sei Verehrung.
23.BG.15: Als Brahmāstra ist es bekannt, in den drei Welten schwer zu erlangen. Einem dem Guru Ergebenen soll es gegeben werden, nicht irgendeinem Beliebigen.
Stotra-Kolophon: Damit ist im Śrī-Rudrayāmala das Bagalāmukhī-Stotra vollständig.
Kapitelkolophon: Damit endet der dreiundzwanzigste Śvāsa des Śrī Vidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati. Die überlieferte Lehrerfolge nennt den ehrwürdigen Mahāmahopādhyāya Śrī Govindācārya, dessen Schüler Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya, dessen Schüler Śrī Viṣṇuśarmācārya, dessen Schüler Śrī Pragalbhācārya und dessen Schüler Śrī Vidyāraṇya. Die Schlusszahl lautet 23 und wird als Kapitelnummer, nicht als zusätzlicher Vers gezählt.
Druckvarianten: Die Fußnoten bieten unter anderem „Feinde, rasende Elefanten“, „Diener“ und eine abweichende Fügung über Schauen beziehungsweise Betrachtung. Die Zuordnung des Hymnus zum Rudrayāmala wird so bewahrt, wie sie in seinem eigenen Kolophon steht, obwohl der vorausgehende Abschnitt andere Yāmala-Quellen zitiert.
Kapitel 19 in einfachen Worten: Vom äußeren Altar zum eigenen Herzen
Der neunzehnte Śvāsa führt durch eine vollständige Welt der Verehrung. Er beginnt beim Körper und seinen Mantras, beschreibt Bilder und heilige Steine, ordnet die Gaben und führt am Ende zurück in den Herzenslotos. Seine vielen Vorschriften können zunächst überwältigend wirken. Beim ruhigen Lesen wird jedoch eine Bewegung erkennbar: Was außen sorgfältig gestaltet wird, soll innen lebendig werden. Der Körper, die Aufmerksamkeit und der Alltag können zu Orten bewusster Hingabe werden.
Der eigene Körper als Ort der Sammlung. Die einleitenden Erläuterungen zum Nyasa geben den einzelnen Gliedern eine geistige Bedeutung. Herz verweist auf Erkenntnis und Bewusstsein, der Kopf auf das Höhere, der Schutzpanzer auf die umhüllende Kraft des Mantras. Solche Deutungen sind keine anatomischen Erklärungen. Sie zeigen, wie der Übende Berührung, Klang und Vorstellung zusammenführt. Eine Handlung soll mit innerer Aufmerksamkeit erfüllt sein. Für heutige Leser liegt darin die Frage, ob das, was sie sprechen und tun, wirklich von ihrem Geist begleitet wird.
Eine Gestalt betrachten und die Einheit erkennen. Das Kapitel unterscheidet Meditation über die Form einer Gottheit von der Betrachtung der Einheit von individuellem Selbst und Brahman. Beide werden ernst genommen. Eine leuchtende Gestalt kann dem Herzen einen Zugang geben; die Betrachtung der Einheit weitet den Blick über jede begrenzte Form hinaus. Der Text zwingt diese Zugänge nicht zu einer einzigen einfachen Formel zusammen. Er bewahrt die verschiedenen Aussagen seiner Quellen und lädt dadurch zu einem genauen Verständnis ein.
Der innere Altar. Sitz, Lotos, Kräfte und Gottheiten werden auch im Inneren vorgestellt. Selbst das Feueropfer besitzt eine innere Entsprechung. Das bedeutet nicht, dass die äußere Handlung bedeutungslos wäre. Vielmehr kann ihre Ordnung helfen, die eigene Aufmerksamkeit zu sammeln. Wer beim Lesen die zahlreichen Einzelheiten betrachtet, darf immer wieder zur Grundfrage zurückkehren: Welche Beziehung zwischen Bewusstsein, Handlung und Hingabe wird hier gestaltet? So wird aus einer bloßen Liste von Ritualelementen ein nachvollziehbarer geistiger Weg.
Śiva im Liṅga verehren. Ein langer Abschnitt behandelt das Śiva-Liṅga, besonders das aus Erde geformte Liṅga, verschiedene Materialien und den Bāṇaliṅga. Zahlreiche Verse verbinden die Verehrung mit Wunscherfüllung, Schutz, Wohlergehen und Befreiung. Diese Verheißungen gehören zur Sprache der religiösen Lobpreisung. Sie sind keine verlässlichen Zusagen über äußere Ergebnisse. Die einzelnen Quellen nennen teils unterschiedliche Zahlen, Formen und Zuordnungen. Die Übersetzung lässt diese Unterschiede stehen, damit man den Text tatsächlich kennenlernen kann.
Zwischen den Vorschriften begegnen eindrucksvolle Meditationsbilder: Śiva erscheint hell wie Kampfer oder wie ein silberner Berg, voller Mitgefühl, friedvoll und von der Göttin begleitet. Solche Verse öffnen einen anderen Zugang als die Materiallisten. Hier kann die Lektüre selbst zu einer stillen Betrachtung werden. Licht, Ruhe und Mitgefühl sind nicht nur schmückende Eigenschaften; sie geben der Verehrung eine innere Richtung. Die Gebete bringen Wünsche, Fehler und Bedürftigkeit vor die Gottheit, ohne dass der Übende sich als bereits vollkommen darstellen müsste.
Viṣṇu und seine vielen Gestalten. Die Beschreibung der Formen Viṣṇus zeigt, wie dieselben göttlichen Attribute in verschiedenen Anordnungen erscheinen. Muschelhorn, Cakra, Keule und Lotos werden unterschiedlich getragen; daraus ergeben sich bestimmte Namen und Gestalten. Anschließend folgen die Śālagrāma-Steine mit ihren Farben, Öffnungen, Linien und Cakras. Der Text sammelt mehrere Überlieferungen. Deshalb kann eine Gestalt in verschiedenen Zitaten unterschiedlich beschrieben sein. Eine zuverlässige Lektüre achtet auf diese Herkunft, statt alle Merkmale nachträglich zu einer einzigen Liste zu verschmelzen.
Das Kleine kann zum Träger großer Hingabe werden. Die Śālagrāma-Lobpreisungen nennen den kleinen Stein als Stätte göttlicher Gegenwart. Ein Blatt, eine Blüte oder etwas Wasser kann in dieser Beziehung einen hohen Wert erhalten. Der Wert der Gabe liegt damit nicht allein in ihrer Größe. Zugleich verwendet der Text gewaltige Zahlen, wenn er von religiösem Verdienst spricht. Diese Überhöhung soll die Bedeutung der Verehrung hervorheben. Sie braucht nicht als Rechnung gelesen zu werden, mit der man spirituelle Ergebnisse kaufen oder gegeneinander aufwiegen könnte.
Śiva und Viṣṇu gehören zusammen. Besonders deutlich wird dies in den Versen, in denen Śiva selbst zur Verehrung Viṣṇus aufruft. Wer aus Stolz auf die eigene Śiva-Hingabe Viṣṇu verachtet, verfehlt nach diesem Zitat gerade den Sinn seiner Hingabe. Später wird die Einheit noch weiter gefasst: Śiva, Viṣṇu, Devī, die Sonne und andere Gottheiten werden aufeinander bezogen. Die verschiedenen Ströme der Verehrung erreichen das eine Meer. Für Yoga-Aspiranten kann dies eine Einladung sein, dem eigenen Weg treu zu bleiben und anderen Formen des Göttlichen mit Achtung zu begegnen.
Eine besonders konkrete Folgerung der Einheit. Ein Vers des Viṣṇupurāṇa sagt: Wer einem anderen Wesen Schaden zufügt, verletzt Hari, denn Hari ist in allen Wesen. Damit reicht die Lehre über den Altar hinaus. Die Frage nach göttlicher Gegenwart betrifft auch den Umgang mit Menschen und Tieren. Eine liebevoll dargebrachte Blüte und ein achtsames Verhalten im Alltag gehören dann in denselben Zusammenhang. Dieser Gedanke eignet sich besonders dazu, beim Studium innezuhalten und die eigene Haltung zu prüfen.
Anrufung als bewusste Hinwendung. Wenn die Gottheit bereits überall oder im heiligen Stein gegenwärtig ist, warum wird sie dann angerufen? Das Kapitel stellt diese Frage anhand verschiedener Quellen. Eine Antwort lautet: Āvāhana bedeutet die ehrfürchtige Hinwendung zu dem, was aus sich selbst bereits vollkommen ist. Die Gottheit muss also nicht erst von einem fernen Ort herbeigeschafft werden. Die Aufmerksamkeit des Verehrenden wird gesammelt, und die Beziehung wird ausdrücklich hergestellt. Diese Erklärung gibt auch den nachfolgenden Gesten eine verständliche Grundlage.
Gastfreundschaft gegenüber dem Göttlichen. Sitz, Wasser, Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blüten, Licht und Nahrung bilden die Ehrengaben. Die Abfolge erinnert an die Aufnahme eines verehrten Gastes. Sie reicht von ausführlichen Formen mit sechzehn Gaben bis zu zehn oder fünf. Hier verbindet sich sorgfältiges Tun mit einer einfachen inneren Haltung: willkommen heißen, sich zuwenden, geben und danken. Die Texte setzen für manche Einzelheiten besondere Unterweisung voraus; die Grundbewegung der Gastfreundschaft lässt sich beim Lesen dennoch unmittelbar verstehen.
Sorgfalt, Unterschiede und Grenzen. Bei Materialien, Blüten und Gefäßen finden sich zahlreiche Gebote und Verbote. Manchmal widersprechen sie einander ausdrücklich. Der Autor bemerkt etwa, dass eine Quelle das Muschelhorn beim Bad Śivas ausschließt, während eine andere es empfiehlt. Solche Stellen zeigen, dass die überlieferte Ritualwelt nicht völlig einheitlich ist. Auch die heutige Lektüre darf Unterschiede wahrnehmen. Ehrfurcht vor einem Text verlangt nicht, seine Unebenheiten zu verstecken oder schwierige Wörter frei zu ergänzen.
Hingabe bleibt eine tragende Kraft. Nach langen Ausschlusslisten für Blüten heißt es überraschend, alle Gottheiten könnten mit allen Blüten verehrt werden: Entscheidend sei die Hingabe. Diese Aussage hebt nicht automatisch jede andere Vorschrift auf; sie steht im überlieferten Text neben ihnen. Gerade diese Spannung ist lehrreich. Äußere Sorgfalt kann Hingabe ausdrücken, aber sie darf den Blick auf das Herz der Verehrung nicht verstellen. Das Kapitel enthält sowohl die Sprache genauer Ordnung als auch die Sprache einer weit geöffneten Beziehung zum Göttlichen.
Ein Umkreis aus Strahlen. Die Āvaraṇa-Pūjā betrachtet die begleitenden Gottheiten als Strahlen, die aus der Hauptgottheit hervortreten. Ihre Plätze, Richtungen und Attribute werden genau beschrieben. Am Ende kehren diese Strahlen wieder in ihren Ursprung zurück. Das Bild verbindet Vielfalt und Einheit: Viele Kräfte erscheinen, ohne ihren gemeinsamen Grund zu verlieren. Man muss nicht jede Einzelheit des Maṇḍalas auswendig kennen, um diesen Gedanken zu verstehen. Die Formen stehen in Beziehung zueinander und werden am Schluss wieder gesammelt.
Geben, empfangen und teilen. Die Speisegabe wird geweiht und dargebracht; später wird Prasāda empfangen und mit anderen Verehrern geteilt. Der Text diskutiert sogar, ob gerade die dargebrachte Speise gegessen werden darf. Er bejaht dies im erläuterten Zusammenhang. Die Gabe endet damit nicht in bloßem Verzicht. Sie kehrt als empfangenes Geschenk in das gemeinsame Leben zurück. Dankbarkeit und Teilen gehören so zum Abschluss der Verehrung. Die historischen Reinheitsregeln bleiben dabei als Aussagen ihrer Zeit erkennbar.
Nicht jede Aussage des Werkes ist eine heutige Lebensregel. Das Kapitel enthält ständische Ausschlüsse, abwertende Aussagen über bestimmte Gruppen und drastische Drohungen. Sie werden in der Übersetzung nicht verschwiegen. Ebenso wenig werden sie als Maßstab für den Wert heutiger Menschen übernommen. Eine verantwortliche Lektüre kann die spirituelle Weite einzelner Verse schätzen und zugleich ausgrenzende Aussagen klar erkennen. Gerade weil der Text alle Wesen mit göttlicher Gegenwart verbindet, lohnt sich die aufmerksame Auseinandersetzung mit seinen inneren Spannungen.
Der Abschluss führt nach innen. Nach Japa, Lobpreisung und der Bitte um Verzeihung wird die Gottheit nicht einfach verabschiedet und vergessen. Sie wird als Licht in den Herzenslotos aufgenommen. Die umgebenden Kräfte gehen in ihr auf; der Übende betrachtet sich als von ihr erfüllt. Diese Rückkehr in das Herz gibt dem ganzen Ritual eine stille Mitte. Was außen verehrt wurde, soll im Inneren gegenwärtig bleiben. Die Widmung aller gelungenen und unvollkommenen Handlungen nimmt zugleich den Druck, sich vor dem Göttlichen fehlerlos darstellen zu müssen.
Praxis darf den wirklichen Umständen entsprechen. Gegen Ende wird die Verehrung bei Krankheit, Reise, Gefahr, Gefangenschaft und fehlenden Hilfsmitteln behandelt. Wo äußere Gaben fehlen, können sie im Geist vorgestellt werden. Wenn selbst Wasser nicht verfügbar ist, bleiben die inneren Blüten der Hingabe. Wer eine Pūjā nicht selbst ausführen kann, kann ihre Mittel bereitstellen oder an ihr betrachtend teilnehmen. Der Text kennt also neben anspruchsvollen Abläufen auch Erleichterungen. Ort, Zeit und tatsächliche Möglichkeiten werden ausdrücklich berücksichtigt.
Zu Hause beständig werden. Die Schlussverse sprechen dem nach Befreiung Strebenden die Verehrung im eigenen Haus zu. Man muss nicht stets einen außergewöhnlichen Ort aufsuchen. Für eine heutige Betrachtung liegt darin eine ruhige Ermutigung: Ein beständiger, aufrichtiger Zugang im eigenen Alltag kann wichtiger sein als die Suche nach immer neuen äußeren Besonderheiten. Svadhyaya, Dankbarkeit, achtsames Handeln und eine vertraute Form der Sammlung können einander tragen. Dies ist eine gegenwärtige Anregung aus dem gelesenen Kapitel, keine Ersatzanweisung für seine vollständigen tantrischen Rituale.

Kapitel 20 in einfachen Worten: Verehrung, Klang und die Verantwortung für die eigene Absicht
Der zwanzigste Śvāsa verbindet einen ausführlichen Tagesablauf der Verehrung mit einer großen Sammlung von Mantra- und Yantra-Lehren. Er beginnt beim Erwachen, bei der Erinnerung an den Guru und bei der Vorbereitung des eigenen Körpers. Später führt er durch die Göttinnen der Mondtage und ihre besonderen Rituale. Dazwischen stehen lange Berechnungen von Lauten, Elementen und Strahlen. Dieses Nebeneinander kann beim ersten Lesen verwirrend sein. Das Kapitel versteht jedoch Körper, Sprache, Zeit und Welt als miteinander verbunden. Ein ausgesprochenes Wort, eine gedachte Gestalt und eine äußere Handlung sollen sich gegenseitig entsprechen. Seine spirituelle Mitte ist die gesammelte Begegnung mit der Gottheit. Zugleich enthält es historische Macht- und Schadensrituale, die von dieser inneren Ausrichtung deutlich unterschieden werden müssen.
Der Tag beginnt mit einer Ausrichtung. Die ersten Druckseiten beschreiben, wie der Übende beim Erwachen den Lehrer und die göttliche Gegenwart erinnert. Der Tagesbeginn soll nicht nur aus äußeren Verrichtungen bestehen. Noch bevor viele Aufgaben den Geist beanspruchen, wird eine Beziehung vergegenwärtigt: zu einer geistigen Überlieferung, zu einer empfangenen Unterweisung und zum eigenen Ziel. Guru-Verehrung bedeutet in diesem Zusammenhang Erinnerung an den Ursprung der Praxis. Sie ist mit Gebeten, Vorstellungen und Mantras verbunden. Für heutige Leser lässt sich daraus eine einfache Frage gewinnen: Woran möchte ich mich ausrichten, bevor der Tag mich mitnimmt? Eine stille Erinnerung an Wahrhaftigkeit, Mitgefühl oder einen vertrauten Vers kann diese Frage begleiten. Das ist eine heutige Anregung; sie ersetzt nicht die Einweihungsrituale des Textes.
Reinigung ordnet die Aufmerksamkeit. Wasser, Bad, Asche, Sandhyā und Tarpaṇa nehmen viel Raum ein. Der Text sieht darin mehr als Körperpflege. Wasser wird mit heiligen Orten und Kräften verbunden; die aufgetragene Asche erhält durch die Pañcabrahma-Mantras eine geistige Bedeutung. Tarpaṇa ist eine Darbringung, bei der Wasser die Beziehung zu verehrten Wesen ausdrückt. Beim Lesen hilft es, die Ebenen auseinanderzuhalten: Es gibt den Stoff, das gesprochene Wort, die Vorstellung und die rituelle Zuordnung. Eine Bedeutung auf der geistigen Ebene ist keine naturwissenschaftliche Aussage über den Stoff. Auch besondere Atem- und Badvorschriften gehören zur unterwiesenen Ritualpraxis. Der allgemein zugängliche Gedanke ist, Übergänge bewusst zu gestalten und nicht jede Handlung zerstreut zu beginnen.
Der Körper wird zum Ort der Verehrung. Im Nyasa werden Mantras und Kräfte an Körperstellen vergegenwärtigt. Der Übende soll sich nicht als bloß zufälligen Zuschauer einer äußeren Zeremonie verstehen. Der eigene Körper wird in die heilige Ordnung einbezogen. Bhūtaśuddhi, die Reinigung der Elemente, und die innere Verehrung bereiten darauf vor. Das Kapitel beschreibt damit eine veränderte Wahrnehmung des Körpers: Er ist ein Ort, an dem Aufmerksamkeit, Klang und Vorstellung zusammentreffen. Dieser Zugang lässt sich würdigen, ohne jede einzelne körperliche Zuordnung als allgemein verbindlich zu behandeln. Für die heutige Selbstbeobachtung kann wichtig werden, wie man den eigenen Körper anspricht und behandelt. Sorgfalt und Würde sind eine andere Grundlage als Gleichgültigkeit oder beständige Abwertung.
Das innere Opfer richtet sich auf eigene Hindernisse. Unter den vielen Darbringungen gibt es auch eine innere Feuerhandlung. Dabei erscheinen nicht nur äußere Stoffe, sondern innere Gegensätze und belastende Haltungen als Opfergaben. Egozentrik, Unwahrheit, Verleumdung und Zorn werden in diesen Zusammenhang gestellt. Damit entsteht eine wichtige Leserichtung: Die Praxis kann die eigenen Reaktionen zum Gegenstand der Arbeit machen. Wer überall nur äußere Gegner sucht, übersieht diese Ebene. Ein heutiger Leser kann nach einem Gebet fragen, welche Gewohnheit er tatsächlich verändern möchte. Das innere Opfer ist dann kein bloßes Bild für einen Augenblick, sondern eine Einladung zur aufrichtigen Prüfung. Die ausführliche rituelle Form des Textes bleibt davon unterscheidbar.
Die äußere Pūjā entfaltet Gastfreundschaft. Die Göttin wird herbeigerufen, erhält einen Sitz, Wasser, Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blumen, Licht und Nahrung. Vieles erinnert an die ehrende Aufnahme eines hochgeschätzten Gastes. Die Aufmerksamkeit gilt jeder einzelnen Gabe. Der Text erweitert diesen Vorgang zu einer königlichen und kosmischen Szene mit Thron, Begleitgottheiten, Richtungshütern und weiteren Gestalten. Solche Bilder müssen nicht sofort begrifflich aufgelöst werden. Sie können zeigen, wie reich die Sprache der Hingabe ist. Zugleich wird deutlich, dass Verehrung Zeit und Zuwendung bedeutet. Wer sich einem Gegenüber widmet, bleibt bei dessen Gegenwart. Für Bhakti ist diese Bereitschaft zur ungeteilten Aufmerksamkeit eine verständliche Brücke zwischen Ritual und Alltag.
Nach der Fülle folgt die Rückkehr ins Herz. Die Abschnitte über Speisegaben, Nīrājana und Japa enden nicht bei immer neuen äußeren Handlungen. Gebete der Hingabe und das Zurücknehmen der göttlichen Gegenwart in den Herzensraum führen wieder nach innen. Die Gottheit wird dabei nicht als ein Gegenstand verstanden, den man nach Gebrauch beiseitestellt. Der Abschluss soll die Beziehung bewahren. Ebenso wichtig sind Gebete, die das begrenzte eigene Können anerkennen. Der Übende muss nicht behaupten, jede Handlung vollkommen beherrscht zu haben. Die Quelle gibt Raum für Hingabe trotz Unzulänglichkeit. Für heutige Praxis kann daraus eine ruhige Haltung entstehen: sorgfältig handeln, die eigenen Grenzen sehen und dennoch mit offenem Herzen fortfahren.
Vereinfachung gehört zur Überlieferung selbst. Das Kapitel kennt aufwendige Riten, nennt aber auch Verkürzungen und unterschiedliche Möglichkeiten. Besonders deutlich wird dies später bei Bheruṇḍā: Die Göttin kann ohne den vollständigen Begleitkreis verehrt werden, wenn hohe Hingabe vorhanden ist. Der Text nennt Frauen, Kinder, Alte und Menschen mit begrenzter Kraft als diejenigen, denen eine solche Form Zugang eröffnet (20.BR.57–59). Diese Stelle ist innerhalb der Überlieferung bedeutsam. Sie zeigt, dass die äußere Fähigkeit zu umfangreichen Zeremonien nicht als einziges Maß gilt. Das erlaubt keine beliebige Änderung jeder Vorschrift. Es bewahrt aber den Blick für Menschen, deren Lebensumstände eine schlichte Form verlangen. Hingabe und Zugänglichkeit werden ausdrücklich zusammengebracht.
Die Lauttabellen bilden eine eigene Symbolsprache. Ein großer Mittelteil ordnet Sanskritlaute Elementen, Richtungen und Strahlenzahlen zu. Einzelne Laute werden mit Vokalen verbunden und auf diese Weise vervielfacht. In anderen Abschnitten werden die Zahlen addiert oder nach besonderen Regeln geteilt. Diese Tabellen beschreiben eine rituelle Ordnung der Sprache. Sie sind weder eine moderne Lautphysik noch eine Messung von Lichtstrahlen. Wer sie verstehen möchte, sollte zuerst fragen: Welche Einheit wird gezählt? Sind es Grundlaute, Kombinationen, Felder oder zugewiesene Zahlenwerte? Erst danach lässt sich eine Rechnung nachvollziehen. Die Übersetzung hält unterschiedliche Tabellen und Zitatreihen auseinander, denn die Quelle bietet nicht überall dieselbe Zuordnung.
Widersprüche dürfen sichtbar bleiben. Gerade bei den Strahlenzahlen weichen Verse, Prosa und gedruckte Tabellen voneinander ab. Mitunter steht für einen Laut ein anderer Wert; gelegentlich wird ein Element einem anderen Cakra zugeordnet. Solche Unterschiede sollten weder durch erfundene Erklärungen beseitigt noch als Beweis für die Bedeutungslosigkeit des ganzen Textes benutzt werden. Sie gehören zur konkreten Überlieferungslage. Eine verlässliche Lektüre bewahrt sie und macht deutlich, wo eine sichere Entscheidung fehlt. Dasselbe gilt für beschädigte Mantrafolgen und punktierte Lücken. Geduld mit einer offenen Stelle ist Teil ernsthaften Schriftstudiums. Man darf einen Text wertschätzen, ohne jeden Druckbuchstaben für zweifelsfrei zu halten.
Die Nityās verbinden Verehrung und Zeit. Im weiteren Verlauf werden die Göttinnen der Mondtage einzeln behandelt. In diesem Kapitel stehen besonders Kāmeśvarī, Bhagamālinī, Nityaklinnā, Bheruṇḍā, Vahnivāsinī, Mahāvajreśvarī und Śivadūtī im Mittelpunkt. Die Tages- und Mondzuordnungen geben der Praxis einen Rhythmus. Nicht jede Gestalt steht jederzeit in derselben Weise im Vordergrund. Dabei kann eine Göttin Hauptgestalt sein und die anderen ihren Begleitkreis bilden. Später wird erklärt, dass die Rollen je nach Verehrung wechseln können. Für das Verständnis der vielen Namen ist dies hilfreich: Die Gestalten sind miteinander verbunden, ohne deshalb in jeder Ritualszene dieselbe Funktion zu haben.
Yantras verlangen genaues Lesen. Die geometrischen Angaben sind oft knapp. Kreis, Lotus, Viereck und Spitzen werden mit bestimmten Lauten und Namen verbunden. Es macht einen Unterschied, ob Linien oder die von ihnen begrenzten Felder gezählt werden. Zwanzig Linien in jeder Richtung ergeben beispielsweise neunzehn mal neunzehn, also 361 Felder. Beim großen Mahāvajra werden Felder entfernt, bis 165 übrig bleiben; 144 enthalten Lautformen, 21 weitere Angaben. Das kleinere Vajra führt von 81 über 41 zu 25 Feldern. Diese Zahlen lassen sich aus dem Text nachvollziehen. Wo hingegen eine Versform von einem Sechseck und die Erläuterung von einer achteckigen Figur spricht, wird die Abweichung bewahrt. Eine scheinbar elegante Zeichnung wäre sonst genauer, als die Quelle es erlaubt.
Wunscherfüllung und Macht sind nicht dasselbe wie innere Befreiung. Viele Anwendungen versprechen Reichtum, Gesundheit, Nachkommenschaft, Schutz oder Erfolg. Andere zielen auf Beherrschung, Entzweiung, Vertreibung oder Vernichtung eines Gegners. Die Übersetzung gibt diese historische Spannweite wieder. Es wäre unzutreffend, jede solche Passage nachträglich zu einer harmlosen Meditation über eigene Gedanken umzudeuten. Ebenso wenig folgt aus ihrer Aufnahme in einen religiösen Text, dass sie heute als Handlungsnorm gelten müsste. Für einen Yoga-Aspiranten entsteht vielmehr eine Prüfung der Absicht: Suche ich Erkenntnis und Verbundenheit, oder möchte ich andere meinem Willen unterwerfen? Diese Frage ist eine heutige ethische Auseinandersetzung mit der Quelle, keine behauptete wörtliche Lehre sämtlicher Ritualverse.
Heilungsverheißungen bleiben Aussagen der Quelle. Das Kapitel nennt Fieber, Vergiftung, Unfruchtbarkeit, schwere Krankheiten und sogar die Wiederbelebung eines Toten. Es verbindet solche Themen mit Homa, Mantra, Yantra, Tragen von Gegenständen und ritueller Besprengung. Die historische Bedeutung dieser Vorstellungen kann untersucht werden, ohne ihre tatsächliche medizinische Wirksamkeit zu behaupten. Auch die starke Sprache der Verheißung gehört zur Gattung des Textes: Ein Ritual wird als höchst wirksam gepriesen. In einer verständlichen Lektüre bleiben deshalb zwei Fragen getrennt: Was verspricht der Text, und was ist als Wirkung belegt? Die vorliegende Übersetzung beantwortet die erste Frage. Sie macht aus den überlieferten Verheißungen keine nachgewiesenen Behandlungsergebnisse.
Einweihung wird als Beziehung und Verantwortung beschrieben. Im Vahnivāsinī-Abschnitt folgt eine ausführliche Darstellung des Empfangens der fünfzehn Vidyās (20.VV.18–36). Ein Cakra wird vorbereitet, die Gottheit verehrt und Wasser für den Abhiṣeka bereitgestellt. Der Guru vergegenwärtigt sich die Einheit mit der Gottheit und überträgt den Mantra. Der Schüler rezitiert, verehrt und erhält Anweisungen für sein weiteres Verhalten. Einweihung erscheint so nicht als bloße Übergabe einer unbekannten Lautfolge. Sie ist in Vorbereitung, geistige Ausrichtung, eine Beziehung und anschließende tägliche Praxis eingebettet. Der Text verbindet den besonderen Anfang mit Beständigkeit. Die spätere Übung ist nicht weniger wichtig als der feierliche Moment.
Mantra und Vidyā werden hier nach der Gottheit unterschieden. Eine Frage der Göttin führt zu einer klaren Begriffsbestimmung (20.VV.37–38): Formeln mit weiblicher Gottheit heißen Vidyās; solche mit männlicher Gottheit heißen Mantras. Das ist die Definition an dieser Stelle des Werkes. Sie hilft, den häufigen Wechsel der Wörter zu verstehen. Zugleich bezeichnet Vidyā auch Wissen beziehungsweise die göttliche Formel als Gegenwart der Göttin. Der Text kann daher von einer Einheit des Übenden mit Vidyā und Gottheit sprechen. Klang wird nicht als bloßes Etikett behandelt. Er gehört zum Weg der Vergegenwärtigung. Eine verständliche Lektüre achtet auf den jeweiligen Zusammenhang, statt ein Sanskritwort überall durch dasselbe deutsche Wort zu ersetzen.
Glückseligkeit erscheint als Einheit. Unmittelbar vor der Einweihungsdarstellung wird die Einheit mit Vidyā und Gottheit als durch Yoga zu verwirklichende Möglichkeit beschrieben. Die gemeinsame Gestalt des göttlichen Paares heißt dort eine Verkörperung der Glückseligkeit (20.VV.15–18). Hier liegt eine andere Zielrichtung als bei den einzelnen Machtverheißungen. Der Übende soll nicht nur etwas zusätzlich besitzen, sondern seine Weise des Erkennens und Erlebens verändern. Das Kapitel bietet damit mehrere Ebenen nebeneinander: äußere Gaben, bestimmte erwünschte Wirkungen und die Identität mit der verehrten Wirklichkeit. Diese Ebenen sollten beim Studium bewusst unterschieden werden. Gerade dadurch wird der spirituelle Gehalt einzelner Stellen klarer.
Fürsorge steht neben strenger Ritualdisziplin. Zu Beginn der Mahāvajreśvarī-Sādhana werden nicht nur Nahrung, Kleidung, Bad und Rezitationszahlen beschrieben. Es sollen auch andere gespeist werden: religiöse Gäste, Menschen mit Hingabe, Blinde und weitere Bedürftige (20.MV.5–6). Die eigene Übung hat damit eine soziale Seite. Danach warnt der Text vor Heuchelei, Unwahrheit, Verblendung und Täuschung über verfügbare Mittel. Diese Aussagen sind in eine traditionelle Ordnung mit besonderen Pflichten gegenüber dem Guru eingebettet. Für heutige Leser kann der nachvollziehbare Kern lauten: Eine geistige Praxis verdient Vertrauen, wenn sie auch im Umgang mit Menschen und Ressourcen aufrichtig wird. Eine große Zahl von Wiederholungen ersetzt keine Wahrhaftigkeit.
Die Bereitschaft zur Praxis wird am inneren Zustand gemessen. Der Mahāvajreśvarī-Abschnitt nennt einen gefestigten Geist, Beherrschung der Sinne, Beständigkeit und Kenntnis der Mantrakraft als Voraussetzungen. Leichtfertigkeit, Unwissenheit und Verblendung werden ausdrücklich kritisiert. Solche Warnungen stehen zwar im Zusammenhang mit besonderen Ritualanwendungen, weisen aber auf ein allgemeiner verständliches Problem: Wunsch und Fähigkeit sind nicht dasselbe. Begeisterung für eine machtvolle Vorstellung bedeutet noch nicht, dass ihre Tragweite verstanden ist. Für Yoga und Meditation kann daraus eine bescheidene Lernhaltung erwachsen. Regelmäßiges Üben, genaues Zuhören und die Bereitschaft zur Korrektur sind tragfähiger als die Behauptung, schon alles zu beherrschen.
Prāṇapratiṣṭhā verbindet Sprache und Vorstellung. Im Śivadūtī-Abschnitt wird eine Vidyā zur Einsetzung der Lebenskraft erläutert. Zuerst erscheinen verschlüsselte Lautbezeichnungen, darunter Wind, Raum und Feuer. Der Druck enthält dort Lücken. Anschließend folgt eine ausgeschriebene Formel, die Lebenskräfte, Leben, Sinne, Sprache und Geist an den rituellen Ort ruft. Die Göttin Prāṇaśakti wird in einer leuchtenden Gestalt mit zehn Kräften meditiert. Im historischen Verfahren soll dies Yantras und Figuren beleben. Die Beschreibung dokumentiert, wie stark die Überlieferung geistige Vorstellung, Körperbilder und Sprache verbindet. Sie belegt keine tatsächliche Übertragung des Lebens einer anderen Person. Für das Textverständnis ist diese Unterscheidung grundlegend.
Der Schluss stellt Grenzen auf und bleibt spannungsreich. Die letzten Verse verbieten Schadensrituale gegen mehrere als schutzwürdig betrachtete Personengruppen und warnen vor einem Rückschlag auf den Ausführenden. Zugleich nennen sie Gruppen, gegen die solche Handlungen nach der historischen Lehre zulässig seien. Dazu gehören auch religiös abgewertete Menschen. Diese Wertungen sind keine heutige Empfehlung. Selbst innerhalb des Abschnitts bleibt eine Spannung: Einerseits soll eine bestimmte Handlung nicht zum schweren Sünder machen, andererseits folgen umfangreiche Entsühnung und ein Jahr Praxis. Das Kapitel endet also nicht mit einem einfachen Freibrief. Es zeigt zugleich, wie eng religiöse Machtvorstellungen, gesellschaftliche Grenzziehungen und die Frage nach Verantwortung verbunden sein können.
Eine heutige Brücke beginnt mit einfachen, belegten Themen. Wer aus diesem umfangreichen Kapitel eine Anregung für den eigenen Alltag sucht, kann sich zunächst den Stellen über Erinnerung, innere Sammlung, Hingabe, Wahrhaftigkeit und Fürsorge zuwenden. Eine kurze morgendliche Ausrichtung entspricht einem anderen Zweck als der Versuch, die komplizierten Yantras eigenständig nachzubauen. Ein bewusstes Gebet, ein gelesener Vers, eine hilfsbereite Handlung und die Prüfung der eigenen Absicht können zusammenwirken. Besonders hilfreich ist, nach dem Lesen eine konkrete Frage mitzunehmen: Was habe ich heute wirklich verstanden, und wie zeigt sich dieses Verständnis in meinem Verhalten? So bleibt das Studium mit dem Leben verbunden, ohne die historische Quelle zu verändern oder ihre schwierigen Seiten zu verschweigen.
Der 21. Śvāsa in einfachen Worten
Der einundzwanzigste Śvāsa führt zunächst die Anwendungen der Nityā-Göttinnen fort. Danach erweitert er die Darstellung um weitere Mantras und geht schließlich zu einer inneren Deutung des Śrīcakra, des Oṃ und des Yoga über. Diese Bewegung ist für das Verständnis des Kapitels wichtig: Am Anfang stehen ausführliche Formen der äußeren Verehrung; gegen Ende fragt der Text, wie Gottheit, Körper, Geist und Erkenntnis miteinander verbunden sind. Das Kapitel umfasst im zugrunde gelegten Druck die Seiten 91–142. Seine vielen neu beginnenden Zitatnummerierungen werden in der Übersetzung durch eindeutige Kürzel auseinandergehalten. Die Zusammenfassung erläutert den Zusammenhang; sie ersetzt weder die vollständige Übersetzung noch die an einzelnen Stellen erforderlichen Lesungshinweise.
Tvaritā: Schnelligkeit, Schutz und rituelle Genauigkeit
Die erste große Göttinnenfolge behandelt Tvaritā, deren Name auf Schnelligkeit verweist. Der Text verbindet ihre Verehrung mit rascher Hilfe, Schutz und unterschiedlichen erhofften Erfolgen. Er beschreibt Feueropfer, Gefäße, Lotusformen, Schriftanordnungen und bestimmte Arten der Rezitation. Dabei bilden Mantra, Bild und Handlung eine Einheit: Die Formel wird nicht nur gesprochen, sondern auch in eine geordnete Gestalt eingeschrieben und mit einer inneren Vorstellung verbunden. In der historischen Ritualwelt soll die genaue Übereinstimmung dieser Elemente Wirksamkeit hervorbringen. Manche Anwendungen richten sich auf Wohlergehen, andere auf die Beherrschung oder Schädigung von Gegnern. Die Übersetzung bewahrt diesen Unterschied und macht aus den gegnerbezogenen Abschnitten keine allgemein empfehlenswerte spirituelle Übung.
Die geometrischen Angaben sind Teil dieser Genauigkeit. Ein Lotus kann je nach Zahl und Anordnung seiner Blätter unterschiedliche Lautgruppen aufnehmen. Bei einem Sarvatobhadra oder einer anderen umfassenden Anordnung wird der Raum nach wiederkehrenden Regeln gegliedert. Zahlen beziehen sich deshalb auf verschiedene Dinge: auf Linien, Felder, Blätter, Laute, Wiederholungen oder Tage. Wer nur eine Zahl aus dem Zusammenhang löst, verliert leicht den Bezug. Einige gedrängte Bīja-Verbindungen sind im Druck nicht zuverlässig lesbar. Die Ausgabe lässt diese Stellen offen, statt aus einer erwarteten Lautzahl eine vermeintlich vollständige Formel zu erzeugen. Sorgfältiges Studieren bedeutet hier auch, Grenzen der vorhandenen Textgrundlage anzuerkennen.
Kulasundarī und Nityā: Sprache und göttliche Entfaltung
Bei Kulasundarī tritt der Zusammenhang zwischen Lauten, Erkenntnis und Welt deutlicher hervor. Die Göttin gehört zu einer Überlieferung, in der die Buchstaben nicht bloß als schriftliche Zeichen gelten. Sie werden als Ausdrucksformen der göttlichen Kraft verstanden. Die Darstellung führt deshalb von konkreten Mantraformen zu weitreichenden Vorstellungen über Wort und Wirklichkeit. Zugleich erscheinen weitere Gestalten wie Sampatkarī. Ihre Bildsprache verbindet geistige Fülle mit Attributen wie Buch und Gebetskette. Solche Bilder zeigen, dass die Göttinnenverehrung nicht allein auf äußeren Erfolg ausgerichtet ist: Erkenntnis, innere Freude und die Haltung des Verehrenden gehören ebenfalls dazu.
Der Abschnitt über Nityā entfaltet mehrere Cakras, Anordnungen und unterschiedliche Anwendungsweisen. Dabei ist „Nityā“ sowohl ein einzelner Göttinnenname als auch Teil des größeren Zusammenhangs der Nityā-Göttinnen. Diese Bedeutungen sollten beim Lesen auseinandergehalten werden. Die beschriebenen Formen folgen einer gemeinsamen Sprache von Mitte, Richtungen, inneren und äußeren Bereichen, ohne in allen Einzelheiten gleich zu sein. Eine bestimmte Zahl von Feldern kann durch das Entfernen oder Vereinigen anderer Felder entstehen. Wo die gedruckte Berechnung nicht mit der genannten Endzahl übereinstimmt, wird dies eigens kenntlich gemacht. Der ursprüngliche Text wird dadurch verständlicher, ohne dass seine Unregelmäßigkeiten verschwinden müssen.
Nīlapatākā: Ein umfangreiches Gefolge
Nīlapatākās Abschnitt enthält eine besonders dichte Aufzählung von Begleitwesen und Formeln. Sechsunddreißig Yakṣiṇīs und vierundsechzig Ceṭakas werden mit verschiedenen Namen, Lautgruppen und Anwendungen verbunden. Die Wiederholung ähnlicher Formelbestandteile ist dabei kein bloßes redaktionelles Versehen: Der Name des jeweils angerufenen Wesens verändert die Zuordnung innerhalb eines größeren Musters. Deshalb bleiben auch die ausführlichen Listen erhalten. Die deutsche Ausgabe ordnet Teile davon übersichtlich, ohne daraus eine verkürzte Auswahl zu machen. Für das Verständnis genügt zunächst: Eine zentrale Gottheit wird zusammen mit einer vielfach gegliederten Wirkmacht vorgestellt, deren einzelne Gestalten jeweils eigene Aufgaben erhalten.
Bemerkenswert ist der Abschluss dieser Folge. Nach vielen konkreten Anwendungen werden Eigenschaften des Übenden hervorgehoben: Mitgefühl, Großzügigkeit, Geduld, Zufriedenheit und das Freisein von Hass. Die erhoffte Fülle wird damit auch an eine innere Haltung gebunden. Diese Aussage steht im selben Kapitel wie machtbezogene und gegnergerichtete Rituale; die Spannung wird nicht aufgelöst, indem man eine Seite verschweigt. Für heutige Leser kann gerade dieser Übergang eine sinnvolle Frage eröffnen: Verengt sich eine Praxis auf das Durchsetzen eigener Wünsche, oder macht sie das Herz weiter? Als Anregung für den Alltag eignen sich die ausdrücklich genannten menschlichen Qualitäten wesentlich unmittelbarer als die historischen Machtversprechen.
Vijayā und Sarvamaṅgalā: Erfolg und allseitiges Wohlergehen
Vijayā wird mit Sieg und Gelingen verbunden. Ihre Verehrung erscheint in Zuordnungen zu Wochentagen, Mondtagen und verschiedenen Opfergaben. Mehrere Yantras und Schutzformen werden beschrieben. Ein Teil der Anordnungen besitzt eine Mitte, die von weiteren Feldern umgeben ist; andere bilden als Vajra bezeichnete geometrische Muster. Das Wort Vajra ist dabei nicht ohne Weiteres als sichtbare Waffe zu verstehen, sondern kann die jeweilige besondere Yantraform bezeichnen. Der Text verbindet solche Anordnungen mit der Mantra-Vidyā und mit bestimmten Gottheitsvorstellungen. Auch hier gilt: Historische Aussagen über Schutz, Einfluss oder Erfolg sind als Aussagen des Textes wiedergegeben, nicht als überprüfte Garantien.
Sarvamaṅgalā, die ganz und gar Heilvolle, führt diese Vielfalt weiter. Ihr Abschnitt verknüpft Mond-, Sonnen- und Feuerkräfte mit Lautgruppen und umfangreichen Kombinationen. Die Zahlen werden teilweise durch Prosa erklärt, teilweise bleiben Widersprüche zwischen Vers und Erläuterung bestehen. Daneben enthält der Abschnitt eine wichtige praktische Öffnung: Wenn eine anspruchsvolle Form der Verehrung nicht vollständig ausgeführt werden kann, werden vereinfachte Formen beschrieben. An einer Stelle dienen Namensmantras als Möglichkeit für Menschen, denen die genaue Aussprache der Vidyā nicht gelingt. Die Bedeutung dieses Gedankens liegt in der Zugänglichkeit: Hingabe hängt nicht ausschließlich davon ab, jede komplizierte Lautverbindung fehlerlos beherrschen zu können.
Auch das Ende der Sarvamaṅgalā-Folge betont Mitgefühl, Klarheit und Freude. Damit wird die Verehrung an einer Veränderung des Menschen erkennbar. Das ist keine nachträglich über den Text gelegte moderne Deutung, sondern gehört zu seinen eigenen Aussagen. Zugleich bleibt die umfangreiche äußere Ritualwelt bestehen. Der Text kennt also nicht nur eine einzige Ebene des Übens. Er beschreibt genaue Formen und lässt daneben einfachere Möglichkeiten zu. Diese Verbindung kann heutige Aspiranten ermutigen, Sorgfalt und Bescheidenheit zusammenzubringen: Was man versteht, kann man aufmerksam vertiefen; was man noch nicht versteht, muss man nicht durch eine vorgetäuschte Sicherheit ersetzen.
Jvālāmālinī und Vicitrā: Feuerbilder und vielfältige Ordnungen
Jvālāmālinī erscheint in einer vom Feuer geprägten Bildwelt. Zu ihrer Folge gehören Schutzformen, Orakelvorstellungen, verschiedene Yantras und die Unterscheidung mehrerer Arten des inneren Durchdringens. Ein Teil der Bildsprache ist heftig und auf die Überwältigung feindlicher Kräfte gerichtet. Andere Stellen behandeln die Übertragung von Erkenntnis im Verhältnis von Guru und Schüler. Die Textfassung unterscheidet dabei konkrete äußere Verrichtungen von ausdrücklich vorgestellten Vorgängen. Wo im inneren Bild etwas verbrannt wird, wird dies nicht in einen körperlichen Eingriff umgedeutet. Umgekehrt werden tatsächlich körperbezogene Handlungen nicht nachträglich nur als Symbol ausgegeben.
Die folgende Göttin heißt im Druck Vicitrā. Ihre Folge beschreibt zahlreiche Yantraformen sowie Zuordnungen zu Mondtagen, Sternbildern, Gottheiten, Bäumen und weiteren Kategorien. Solche Listen machen eine umfassende Entsprechungswelt sichtbar: Zeit, Natur, Körper und Verehrung werden miteinander verbunden. Nicht jede gedruckte Aufzählung lässt sich jedoch ohne Rest in eine moderne Tabelle mit genau einer Zuordnung pro Zeile überführen. Zusammengesetzte Namen oder abweichende Zahlen bleiben deshalb als solche kenntlich. Auch hier erscheint eine Verhältnisbestimmung von innerer Vergegenwärtigung und äußerer Handlung: Wo die innere Vorstellung schwerfällt, können äußere Formen einen Zugang eröffnen.
Kurukullā und Vārāhī: Unterschiedliche Seiten göttlicher Kraft
Kurukullās Folge entfaltet mehrere Mantra- und Yantraformen, darunter verschiedene Umfänge der Grundformel und daraus abgeleitete Anordnungen. Ein einzelner Schlusslaut kann dabei entscheidend sein: Ein Visarga ist nicht automatisch durch einen Anusvāra zu ersetzen, nur weil eine andere geläufige Formel ähnlich klingt. Die Ausgabe folgt deshalb dem lesbaren Druck und erklärt Abweichungen örtlich. Inhaltlich stehen Schutz, Beeinflussung und weitere zugeschriebene Wirkungen nebeneinander. Einige Aussagen betreffen Krankheiten oder Gift; sie bleiben historische Behauptungen. Die traditionelle Bezeichnung eines Mittels wird nicht ohne sichere Grundlage in eine heutige botanische oder medizinische Identifikation überführt.
Vārāhī wird in zahlreichen kraftvollen Gestalten vorgestellt. Ihre Bildsprache umfasst Waffen, Schutz, Kampf und verschiedene Farben und Körperformen. Solche Dhyānas sind als religiöse Vorstellungen zu lesen, deren Einzelheiten jeweils eine bestimmte Anwendung begleiten. Neben der kämpferischen Sprache nennt der Text ausdrücklich Eigenschaften wie Mitgefühl, Zufriedenheit, Ruhe, Geduld und die Verbundenheit mit dem Guru. Diese Verbindung sollte beim Studium erhalten bleiben. Wer nur die äußeren Waffen sieht, übersieht die ethische Haltung; wer nur die freundlichen Eigenschaften herausgreift, verliert einen Teil des historischen Textes. Die vollständige Übersetzung lässt beide Seiten erkennbar werden.
Weitere Vidyās: Eine Sammlung verschiedener Anrufungen
Nach den großen Göttinnenfolgen beginnt ein Abschnitt mit weiteren Vidyās und besonderen Anwendungen. Dazu gehören unter anderem Mṛtyuñjaya, Tripuṭā, Garuḍa, Aśvārūḍhā, Annapūrṇā, Navātman, Devīhṛdaya, Gaurī, Mātaṅginī und verschiedene Lakṣmī-Formen. Manche Formeln sind kurz und im Druck klar lesbar, andere bestehen aus gedrängten oder beschädigten Bīja-Gruppen. Ein ausgeschriebener Mantra bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jede seiner Silben abschließend gesichert ist. Die Ausgabe unterscheidet vollständige Lesungen, ausdrücklich unsichere Bestandteile und echte Lücken. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig für eine spätere Sammlung ausgewählter Mantras.
Die verschiedenen Anrufungen zeigen ein breites Spektrum menschlicher Wünsche: Nahrung und Versorgung, dichterisches Können, Musik, Erkenntnis, Wohlstand, Schutz und Herrschaft. Annapūrṇā ist dabei mit Nahrung und freudiger Fülle verbunden; Mātaṅginī wird als Vīṇā spielende Göttin beschrieben, deren Verehrung auch künstlerische Fähigkeiten begleiten soll. Mahālakṣmīs Anrufung bittet die im Lotus Wohnende um Gnade. Lalitā erscheint anschließend sogar in männlicher Gestalt als Kṛṣṇa, umgeben von den Gopīs als ihren eigenen Kräften. Der Wechsel der Gestalt macht innerhalb der Erzählung sichtbar, dass die göttliche Wirklichkeit nicht auf eine einzige äußere Erscheinung begrenzt wird.
Vāsanā: Das Śrīcakra als innere Wirklichkeit
Mit der Vāsanā-Lehre verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich. Nun werden die sechzehn Nityās als das eigene Selbst vergegenwärtigt. Der Körper gilt als Juweleninsel, Vorstellungen als wunscherfüllende Bäume und verschiedene Kräfte des Menschen als Gottheiten des Cakra. Diese Zuordnungen bedeuten nicht, dass ein moderner anatomischer Befund behauptet wird. Es handelt sich um eine innere, religiöse Deutung des Erlebens. Besonders klar wird dies im Vers über die Erkenntnis: Das eigene Selbst ist der Erkennende, hinzu kommen Erkenntnis und das Erkannte. Die Verehrung des Śrīcakra wird als deren Einswerden bezeichnet. Damit wird aus einer äußeren Anordnung zugleich ein Weg zur Betrachtung des Bewusstseins.
Auch die Attribute der Göttin erhalten eine innere Bedeutung. Die feinen Sinnesqualitäten sind ihre Blumenpfeile, der Geist ihr Zuckerrohrbogen, Verlangen ihre Schlinge und Abneigung ihr Stachelstock. Die Aussage lädt dazu ein, die Kräfte nicht nur außerhalb seiner selbst zu suchen. Was bindet, was ausrichtet und was Aufmerksamkeit erregt, kann im eigenen Erleben erkannt werden. Lalitā wird als das eigene Selbst und zugleich als die Gestalt der ganzen Welt bezeichnet. Diese Verbindung von Innerem und Welt ist ein Leitgedanke des Abschnitts. Sie ist keine Aufforderung, persönliche Wünsche für unfehlbar oder jeden spontanen Impuls für göttliche Weisung zu halten.
Rituale als Vorgänge der Erkenntnis
Die innere Deutung erfasst auch die einzelnen Riten. Nyāsa bedeutet nun, den eigenen Körper als Gottheit zu verstehen. Japa ist die Vergegenwärtigung des Einsseins mit ihr. Homa wird zum Zur-Ruhe-Kommen der vielfältigen Weltvorstellungen im Selbst, Tarpaṇa zur Betrachtung ihres gegenseitigen Ineinanderseins. Abhiṣeka wird mit dem Zur-Ruhe-Kommen von Verblendung und Unwissenheit verbunden. Unterweisung bedeutet Freiheit von begrenzenden Zuschreibungen; die Gabe an den Lehrer wird als Freiheit von Trennung gedeutet. Die äußeren Begriffe bleiben bestehen, erhalten aber eine Bedeutung, die unmittelbar auf Bewusstsein und Erkenntnis zielt.
Besonders lebensnah ist die Erklärung der Verehrungsgaben: Sie bestehen in wacher Aufmerksamkeit für das Einssein, auch während Bewegung und Tätigkeit. Sammlung muss in dieser Sicht nicht nur an einem abgesonderten Ort geschehen. Der Abschnitt richtet den Blick auf eine beständige innere Haltung. Als einfache Anregung lässt sich daraus die Frage gewinnen, ob man eine Tätigkeit klar und aufmerksam vollzieht oder sich darin verliert. Diese heutige Übertragung ist von den genauen historischen Ritualvorschriften zu unterscheiden. Sie nimmt einen ausdrücklich ausgesprochenen Gedanken auf, ohne daraus eine neue Einweihungslehre zu machen.
Oṃ: Vom hörbaren Klang zur Stille
Die folgenden Upaniṣadverse erläutern den Praṇava. A, U und M werden mit Gottheiten, Veden, Feuern und Weltbereichen verbunden; dazu kommt das halbe Lautmaß. Sonne, Mond, Feuer und eine feine Flamme bilden die Bildsprache der Meditation. Der besonders einprägsame Vergleich ist der Nachklang einer bronzenen Glocke: Wie ihr Ton allmählich zur Ruhe kommt, so wird Oṃ in die Stille geführt. Das, worin der Klang sich auflöst, wird Brahman genannt. Für das Studium ist wichtig, zwischen dem gesprochenen Laut, seiner symbolischen Deutung und der damit bezeichneten höchsten Wirklichkeit zu unterscheiden. Der Text verbindet diese Ebenen, setzt sie aber nicht einfach mit gewöhnlichem Schall gleich.
Der ausführliche Kommentar sammelt mehrere mögliche Erklärungen, grammatische Hinweise und Zitate. Er deutet dieselben Wörter teils mythologisch, teils auf den inneren Weg hin. Viṣṇus Hervortreten kann etwa auf Narasiṃha, auf göttliche Aufenthaltsorte oder auf das Freiwerden von Unwissenheit bezogen werden. Die Ausgabe bewahrt diese Mehrdeutigkeit. Auch die Namen anderer Schriften werden als Zuschreibungen des vorliegenden Textes wiedergegeben. Wo keine unabhängige Stellenbestimmung vorliegt, wird sie nicht vorgetäuscht. So bleibt erkennbar, was der Grundvers sagt, was der Kommentar daraus entwickelt und was die heutige Redaktion nur als Lesehilfe ergänzt.
Kṣurikā: Die Klinge der Sammlung
Die Kṣurikā-Lehre gebraucht eine eindringliche Metapher: Die Sammlung des Geistes gleicht einer Klinge, die Bindungen durchtrennt. Ihr Ziel ist Freiheit, nicht körperliche Verletzung. Der Kommentar erklärt zunächst ausdrücklich, dass die Klinge der in der Lehre geübte Geist ist. Sie wird durch prüfendes Denken geschärft und durch Erkenntnis gereinigt. Das Durchtrennen von Name und Gestalt bedeutet, die entsprechende geistige Bindung aufzugeben. Das Bild des Schwans, der nach dem Lösen seiner Fessel frei in den Himmel steigt, fasst diese Richtung anschaulich zusammen. Die Freiheit wird als Folge von Sammlung und Nichtanhaften beschrieben.
Gleichzeitig berichtet der Kommentar von anderen, körperbezogenen Auslegungen bestimmter Haṭhayogins. Dazu gehören historische Khecarī-Eingriffe an der Zunge. Diese Stellen werden weder verschwiegen noch als harmlose Metaphern umgeschrieben. Die Ausgabe kennzeichnet sie als überlieferte Eingriffe und trennt sie von heutigen Praxisanregungen. Der Kommentator selbst unterscheidet einen stärker gewaltsamen Weg von der inneren Auflösung der Identifikation. Diese Unterscheidung hilft, das Kapitel nicht als einheitliche Handlungsanleitung misszuverstehen. Es ist eine Sammlung mehrerer Lehrstimmen, die sich teilweise ergänzen und teilweise unterschiedliche Deutungen anbieten.
Ethische Grundlagen und der Abschluss des Kapitels
Im Yoga-Kommentar werden zehn Yamas und zehn Niyamas genannt. Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Geduld, Maßhalten und Reinheit stehen neben Zufriedenheit, Geben, Gottesverehrung, Studium und Rezitation. Diese Grundlagen sind nicht nebensächlich. Der Kommentar erklärt ausdrücklich, dass sie andernorts bereits gelehrt wurden und deshalb in einer verkürzten Yogadarstellung nicht jedes Mal wiederholt werden müssen. Die Schildkröte dient als Bild für den Rückzug der Sinne. Zugleich wird davor gewarnt, nur äußerlich still zu sein, während der Geist weiter an den Gegenständen hängt. Sammlung betrifft also die innere Ausrichtung ebenso wie die sichtbare Haltung.
Die letzten Seiten behandeln Suṣumṇā, den Herzlotus, den Aufstieg durch die Cakras und überlieferte Vorstellungen vom Verlassen und Wiederbetreten des Körpers. Die Blätter der Cakras werden mit verschiedenen Bewusstseinsqualitäten verbunden. Neben günstigen Eigenschaften stehen auch Angst, Täuschung, Unruhe und andere schwierige Zustände. Das gesamte menschliche Erleben wird in die Darstellung aufgenommen. Am Ende werden unterschiedliche überlieferte Atemzahlen ausdrücklich nebeneinandergestellt. Eine Herausgebernotiz weist außerdem darauf hin, dass einem Kommentarabschnitt der zugehörige Grundvers fehlt. Mit dieser sichtbaren Grenze der Überlieferung endet das Kapitel und kündigt die spätere Atemfolge nach der Kādi-Lehre an.
Für heutige Yoga-Aspiranten lässt sich aus diesem weiten Kapitel besonders die Verbindung von Sorgfalt, Mitgefühl und innerer Sammlung mitnehmen. Die äußeren Formen besitzen im Text ihren eigenen Stellenwert; die innere Deutung fragt zugleich nach dem Erkennenden und nach den Bindungen des Geistes. Ein ruhiger Moment aufmerksamen Hörens, eine bewusste Unterbrechung von Ärger oder eine konkrete Handlung des Mitgefühls können einfache Anknüpfungspunkte sein. Sie sind heutige, freiwillige Anregungen und ersetzen keine historische Initiation. Die leitende Frage bleibt: Vertieft die Beschäftigung mit der Lehre Klarheit, Geduld und Verbundenheit im eigenen Leben?
22. Śvāsa in einfachen Worten: Fülle, Schutz und das Licht des Bewusstseins
Der zweiundzwanzigste Śvāsa entfaltet die Verehrung von Lakṣmī und Durgā in großer Vielfalt. Mantras, Lotusbilder, Gebete, Körperzuordnungen, Opfergaben und Schutzvorstellungen stehen nebeneinander. Die Göttin erscheint als Schönheit und Nahrung, als Mutter und Erkenntniskraft, als freundliche Gegenwart und als furchterregende Bezwingerin von Gefahren. Wer dieses Kapitel liest, begegnet keiner einzigen kurzen Übung. Es ist eine Sammlung zahlreicher überlieferter Formen, die sorgfältig auseinandergehalten werden wollen. Gerade dadurch wird sichtbar, wie viele Anliegen Menschen in ihre Verehrung einbezogen haben: Lebensunterhalt, Gesundheit, Familie, Sicherheit, Anerkennung, geistige Klarheit und Befreiung.
Für heutige Yoga-Aspiranten sind besonders die Gebete und die ausdrücklich inneren Deutungen zugänglich. Sie sprechen von Vertrauen, Mitgefühl, aufrichtiger Rede, der Überwindung von Unwissenheit und dem Loslassen von Ichbezogenheit. Gleichzeitig enthält das Kapitel gesellschaftliche Wertungen und magische Feindrituale seiner Zeit. Die Übersetzung ersetzt diese nicht durch freundlichere Aussagen. Das spirituelle Studium kann beides leisten: die tragenden Gedanken aufnehmen und die historischen Grenzen einer Aussage erkennen. Die folgenden Erläuterungen führen durch das Kapitel; sie ersetzen weder die vollständige Übersetzung noch die im Werk vorausgesetzte persönliche Unterweisung.
Lakṣmī: Fülle als Gegenwart der Göttin
Zu Beginn steht die Verehrung Lakṣmīs mit dem Śrī-Bīja. Ein Bīja ist ein kurzer Mantralaut, dessen rituelle Bedeutung über eine gewöhnliche Wörterbuchübersetzung hinausgeht. Der Text verbindet ihn mit bestimmten Körperstellen, Gottheiten, Gesten und Bildern. Diese Zusammenhänge werden nicht beliebig zusammengestellt, sondern als überlieferte Ordnung behandelt. Ein Mantra ist hier nicht nur ein Satz, den man ausspricht. Er gehört zu einer Beziehung zwischen Klang, Aufmerksamkeit und göttlicher Gestalt. Das erklärt, weshalb der Text so ausführlich bei einzelnen Lauten und ihren Zuordnungen verweilt.
Lakṣmī wird auf dem Lotus betrachtet und mit einem Kreis begleitender Kräfte verehrt. Yantras gestalten diesen Zusammenhang räumlich: Mitte und Umkreis, Lotusblätter, Tore und Begrenzungen ordnen die Aufmerksamkeit. Der Blick wird auf die Göttin in der Mitte geführt, ohne die Vielfalt der umgebenden Kräfte auszuschließen. Für das heutige Lesen hilft es, zunächst das Gesamtbild zu erfassen. Nicht jede Einzelzuordnung muss sofort auswendig gelernt werden. Entscheidend ist, zu verstehen, welche Gestalt verehrt wird, welcher Mantra zu ihr gehört und wo der Text zu einer anderen Form übergeht.
Die verschiedenen Lakṣmī-Mantras werden mit unterschiedlichen Verheißungen verbunden. Wohlstand meint dabei oft ganz konkrete Güter: Nahrung, Getreide, Vieh, Schmuck, Einfluss oder ein gesichertes Haus. Es wäre ungenau, alle diese Aussagen ausschließlich als Sinnbilder für innere Fülle zu übersetzen. Zugleich überschreitet das Kapitel den bloßen Wunsch nach Besitz. Es nennt Wohltätigkeit, freundliche Rede und das Versorgen anderer. Die Bitte um Fülle kann deshalb beim heutigen Studium mit der Frage verbunden werden, wie das Empfangene weitergegeben wird. Diese Frage ist eine gegenwärtige Anregung; die historischen Versprechen werden dadurch nicht in nachweisbare Wirkungen verwandelt.
Der heilige Garten und die Gestalt Mahālakṣmīs
Eine ausgedehnte Meditation beschreibt einen kostbaren Garten und einen Pavillon als Ort der Göttin. Die Bilder sind reich an Farben, Düften, Bäumen, Edelsteinen und Licht. Sie geben der Vorstellung einen geschützten Raum, in dem das gewöhnliche Hin und Her der Gedanken zur Ruhe kommen kann. Die Göttin wird nicht abstrakt behauptet, sondern in einer sorgfältig ausgeführten Umgebung vergegenwärtigt. Die äußere Schönheit dient dabei innerhalb der Meditation dem Sammeln des Geistes. Wer liest, kann den Zusammenhang würdigen, ohne aus jedem Bestandteil eine zusätzliche geheime Bedeutung abzuleiten.
Die anschließenden Nyāsas beziehen den Körper in die Verehrung ein. Beim Nyāsa werden Mantralaute oder göttliche Namen bestimmten Körperstellen zugeordnet. Der Körper erscheint damit als Ort religiöser Aufmerksamkeit. Die Ausgabe bewahrt die jeweiligen Listen, weil eine allgemeine Aussage wie „alles wird verehrt“ die Genauigkeit des Textes verlieren ließe. Zugleich sind Unterschiede zwischen Vers und Kommentar sichtbar. Nicht jede Zuordnung stimmt in allen angeführten Fassungen überein. Das ist kein Anlass, eine neue einheitliche Anordnung zu erfinden, sondern ein Hinweis auf die Vielstimmigkeit der Sammlung.
Weitere Abschnitte beschreiben neun Krüge, Weihehandlungen, Segen und Opfergaben. Wasser wird zum Träger von Anrufungen; der Krug verbindet Erde, Pflanzen, Flüsse, Gottheiten und kosmische Bereiche. In den Gebeten werden die großen Flüsse und die lebendige Welt in die Verehrung einbezogen. Für einen heutigen Leser kann daraus Dankbarkeit für Wasser und Nahrung erwachsen. Der konkrete historische Ritus bleibt jedoch eine eigene Form mit Voraussetzungen und Einzelvorschriften. Eine einfache Dankbarkeitspraxis ist eine heutige Anknüpfung und keine vollständige Durchführung dieser Weihe.
Das Śrīsūkta und die Haltung der Verehrung
Das Kapitel nimmt das Śrīsūkta mit seinen fünfzehn Versen auf. Goldglanz, Lotus, Nahrung, Vieh, Nachkommenschaft und ein beständiges Wohlergehen prägen seine Sprache. Lakṣmī wird gebeten, zu kommen und zu bleiben; Mangel und Unglück sollen weichen. Die Verse stehen hier in einem bestimmten rituellen Zusammenhang und werden mit Gaben verbunden. Die Ausgabe folgt der vorliegenden Textfolge. Wo diese von einer heute verbreiteten Rezitationsfassung abweicht, wird sie nicht stillschweigend ersetzt. So bleibt erkennbar, welche Fassung tatsächlich im Śrīvidyārṇava angeführt wird.
Besonders beachtenswert ist die Verbindung von Wunsch, Geist und Sprache. Ein Vers bittet um das Ersehnte des Herzens und um Wahrhaftigkeit der Rede. Das kann für das eigene Studium eine klare Frage eröffnen: Was wünsche ich mir wirklich, und entsprechen meine Worte diesem inneren Anliegen? Die Bitte an die Göttin wird dann nicht nur als Forderung nach mehr Besitz gehört. Sie kann auch die Bereitschaft stärken, genauer hinzusehen, unaufrichtige Rede zu vermeiden und mit dem Vorhandenen verantwortlich umzugehen. Das ist eine mögliche heutige Betrachtung, keine Umdeutung aller Wohlstandsbitten.
Der Text ergänzt Verhaltensregeln für die Lakṣmī-Verehrung. Dazu gehören Mitgefühl, freundliche Sprache, Achtung vor dem Guru und Gastfreundschaft. Daneben stehen zeitgebundene Vorschriften zu Körpermerkmalen, gesellschaftlichen Gruppen und dem Umgang mit bestimmten Menschen. Diese beiden Ebenen dürfen nicht vermischt werden. Die ethisch hilfreichen Aussagen können aufgenommen werden, ohne jede historische Unterscheidung als heutige Norm zu übernehmen. Gerade bei einer vollständigen Übersetzung ist diese Unterscheidung wichtig: Vollständige Wiedergabe bedeutet nicht uneingeschränkte Zustimmung.
Die ausführliche Mahālakṣmī-Verehrung zur Navarātri-Zeit beginnt mit Vorbereitung, Gaṇeśa-Anrufungen und der Bestimmung von Zeit, Ort und Anliegen. Danach folgen der Krug, die Einsetzungen, die Meditation und die Herbeirufung der Göttin. Eine Pūjā ist in diesem Zusammenhang eine geordnete Begegnung. Die Gottheit wird empfangen, begrüßt, mit Wasser versorgt, gebadet, bekleidet, geschmückt und mit Nahrung bedacht. Die einzelnen Gaben sind nicht bloß Gegenstände. Sie werden jeweils mit einem Gebet begleitet, das ausdrückt, wem die Gabe gilt und in welcher Haltung sie gereicht wird.
Die Sprache vieler Darbringungsverse ist unmittelbar verständlich: „Nimm dieses Wasser an“, „nimm dieses Gewand an“, „nimm diese Blumen an“. Solche Sätze zeigen die persönliche Seite der Bhakti. Die Göttin wird als Gegenüber angesprochen, dem man aufmerksam begegnet. Selbst wer keine umfangreiche Ritualverehrung vollzieht, kann an dieser Aufmerksamkeit lernen. Eine Blume bewusst hinzustellen oder vor einer Mahlzeit kurz innezuhalten kann eine einfache heutige Form der Dankbarkeit sein. Der Text beschreibt darüber hinaus einen wesentlich größeren Ritus; diese einfache Anregung beansprucht nicht, ihn vollständig zu ersetzen.
Eine Liste von 108 Namen Mahālakṣmīs erweitert das Bild der Göttin. Die Namen sprechen unterschiedliche Eigenschaften und Erscheinungsweisen an. Mehrere sind im Druck schwer zu lesen und deshalb ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet. Diese Namensliste ist eine im Kapitel enthaltene Rezitationsfolge. Sie ist nicht identisch mit der für die Gesamtausgabe vorgesehenen Auswahl von 108 inspirierenden Textstellen. Auch die begleitenden Kreise von Göttinnen, Müttern, Richtungshütern und Waffen gehören zu ihrem jeweiligen Ritualzusammenhang und werden nicht zu einer einzigen neuen Liste vermischt.
Das Lakṣmīhṛdaya: Vertrauen, Mitgefühl und Erkenntnis
Einen großen Schwerpunkt bildet das Lakṣmīhṛdaya, das „Herz Lakṣmīs“, mit 108 nummerierten Versen. Hier tritt die persönliche Gebetssprache besonders hervor. Die Göttin wird um Nähe, Schutz, Versorgung, Erkenntnis und Befreiung angerufen. Der Betende bekennt seine Bedürftigkeit und bittet um den Blick des Mitgefühls. Die Bilder reichen von Sonnenlicht, das Unwissenheit vertreibt, bis zur Mutter, die sich ihrem Kind zuwendet. In dieser Sprache darf der Mensch Hilfe suchen. Er muss nicht zuerst alle Schwächen überwunden haben, um sich der göttlichen Gegenwart zuzuwenden.
Die Mutterbilder sind von besonderer Wärme. Eine Kuh, die zu ihrem Kalb kommt, die mütterliche Zuwendung und das Annehmen unvollkommener Kinderworte veranschaulichen eine Güte, die sich dem Bedürftigen zuwendet. Für heutige Aspiranten kann darin eine heilsame Ermutigung liegen: Auch ein einfaches Gebet, das noch nicht kunstvoll formuliert ist, kann Ausdruck aufrichtiger Hingabe sein. Gleichzeitig enthält der Hymnus starke Selbsterniedrigungen. Sie gehören zur überlieferten Gebetssprache; sie müssen nicht als Urteil über den eigenen menschlichen Wert übernommen werden. Die Bitte um Gnade setzt nicht voraus, sich im Alltag zu verachten.
Lakṣmī wird nicht nur um äußere Güter gebeten. Der Hymnus spricht von Wissen, Einsicht, reiner Erkenntnis und der Hinwendung zum Guru und zu Hari. Die wechselseitige Gegenwart Lakṣmīs und Viṣṇus im Herzen verbindet göttliche Fülle und Erhaltungskraft. Andere Verse vergegenwärtigen die Göttin im eigenen Herzen und in allen Wesen. Dadurch öffnet sich das Gebet über das einzelne persönliche Anliegen hinaus. Die Bitte um Nahrung und Sicherheit bleibt bestehen, wird aber in einen weiteren Horizont gestellt: Das Leben soll von Erkenntnis, Hingabe und einer tieferen Verbundenheit getragen werden.
Die Fruchtverheißungen des Hymnus nennen auch außergewöhnlichen Reichtum, alchemistische Bilder und besondere Wirkungen wiederholter Rezitation. Diese Aussagen werden als Aussagen des Textes übersetzt. Ihre religiöse Bedeutung lässt sich würdigen, ohne daraus eine wirtschaftliche oder medizinische Zusicherung zu machen. Für die eigene Praxis kann die beständige Rückkehr zum Gebet wichtiger sein als die Erwartung eines außergewöhnlichen Ergebnisses. Die konkrete Zahl der Rezitationen gehört zum überlieferten Rahmen; die einfache heutige Anregung lautet, sich regelmäßig mit einer gut verstandenen, tragenden Aussage zu verbinden.
Durgā: Kraft angesichts von Gefahr
Nach Lakṣmī wendet sich das Kapitel verschiedenen Durgā-Formen zu. Durgā, Mahiṣamardinī, Jayadurgā, Śūlinī und Vanadurgā werden mit eigenen Mantras, Bildern und Verehrungsordnungen vorgestellt. Gemeinsam ist ihnen die Kraft, Bedrängnis zu überwinden. Ihre Waffen und furchterregenden Gestalten sind Teil der Bildsprache des Schutzes und des Kampfes. Die unterschiedlichen Formen werden nicht einfach als austauschbar behandelt. Der Text unterscheidet Seher, Versmaß, Bījas, Körperglieder, Lotusordnungen und Zahlen. Für das Verständnis ist deshalb wichtig, die Übergänge zwischen den Formen wahrzunehmen.
Manche Mantras werden zunächst durch einen Lautcode beschrieben. Namen von Gottheiten, Körperteilen, Zeichen und anderen Begriffen stehen dabei für einzelne Laute. Erst ein Kommentar oder eine später ausgeschriebene Formel macht die Zuordnung verständlicher. Wo der Druck nicht eindeutig ist, bleibt die Rekonstruktion offen. Gerade bei Mantras ist Zurückhaltung sinnvoller als eine schön aussehende, aber unbelegte Vollformel. Der klar lesbare Vanadurgā-Kern bittet die Göttin aufzuwachen und eine herangetretene Gefahr zu besänftigen. Sein zusätzlicher Bīja-Rahmen ist an der betreffenden Stelle nicht vollständig sicher aufzulösen.
Die Vanadurgā-Meditation zeigt eine leuchtende Göttin auf einem goldenen Lotus, mit drei Augen und einem Löwen an ihrer Seite. Neben Waffen erscheinen die Gesten des Gebens und der Furchtlosigkeit. Kraft und Güte stehen in derselben Gestalt zusammen. Die ausführliche Einsetzung von 37 Lautgliedern führt durch den Körper. Für die historische Texttreue werden alle Zuordnungen bewahrt. Zugleich macht ein kleines Beispiel die Grenzen des Drucks deutlich: Ein Vers nennt beim siebten Attribut ein Seil, der Kommentar erklärt einen Dreizack. Die Ausgabe hält beide Angaben auseinander, statt Sicherheit vorzutäuschen.
Das Durgā-Stotra: Bewusstsein in allen Wesen
Das Durgā-Stotra beginnt mit einer weitreichenden Aussage: Die Göttin ist Bewusstsein; durch sie sind Handeln, Dharma und die religiösen Werke möglich. Darauf folgt die Zuflucht zu ihren Füßen. Die mythologischen Kämpfe werden als Wirken dieser göttlichen Kraft erzählt. Madhu und Kaiṭabha, Mahiṣa, Dhūmralocana, Caṇḍa und Muṇḍa, Raktabīja sowie Śumbha und Niśumbha erscheinen in den Lobversen. Diese Erzählungen werden nicht vollständig nacherzählt, sondern durch charakteristische Taten in Erinnerung gerufen. Das setzt eine gewisse Vertrautheit mit der Durgā-Überlieferung voraus.
Gegen Ende verändert sich der Ton. Die betende Person bittet um Vergebung für Fehler bei Herbeirufung, Verehrung, Lob, Opfer und Verabschiedung. Die Göttin wird als innen und außen gegenwärtig angesprochen. Ein weiterer Vers sagt, dass sie im Inneren aller Wesen und zugleich als Gestalt des gesamten Universums erscheint. Dann fragt der Hymnus, wozu noch immer mehr kunstvolle Worte nötig seien. Die Bitte wird schlicht: „Mutter, behüte mich.“ Gerade nach den langen rituellen Einzelheiten wirkt diese Rückkehr zur unmittelbaren Anrede besonders eindringlich.
Ein Vers stellt die Stillung und die Vermehrung der Daseinsglut gegeneinander. Ob hier Absicht oder ein Textfehler vorliegt, lässt sich aus der vorliegenden Fassung nicht sicher entscheiden. Die Übersetzung korrigiert die zweite Hälfte deshalb nicht nach Erwartung. Solche Stellen zeigen, was eine verantwortliche Lektüre leisten kann: Sie hört auf das Überlieferte, nimmt den Sinnzusammenhang ernst und lässt eine offene Frage dort stehen, wo die Grundlage keine eindeutige Antwort trägt. Spirituelle Inspiration verlangt nicht, jede Schwierigkeit im Text zu verdecken.
Mahālakṣmī, Mahākālī und Mahāsarasvatī
Im Navārṇa-Verfahren werden drei große Göttinnen miteinander verbunden. Mahālakṣmī erscheint aus dem Licht sämtlicher Götter und wird mit achtzehn Armen betrachtet. Mahākālī besitzt zehn Gesichter, zehn Arme und zehn Füße; ihre furchterregende Gestalt steht neben der Aussage, dass Schönheit und Herrlichkeit in ihr gegründet sind. Mahāsarasvatī geht aus Gaurīs Leib hervor, ist von Sattva erfüllt und trägt acht Waffen beziehungsweise Attribute. Der Text verbindet also strahlende Schönheit, überwältigende Kraft und klärende Erkenntnis. Die Bildgestalten sind reich und lassen sich nicht auf nur eine psychologische Eigenschaft reduzieren.
Die verschiedenen Nyāsas umfassen Körperglieder, Richtungen, Schutzgestalten und die Lautglieder des Navārṇa. Die Darstellung ist nicht an jeder Stelle völlig gleichmäßig: Der fünfte Nyāsa wird nicht ausdrücklich durch eine eigene Schlussformel abgegrenzt; an anderer Stelle sind die Plätze Mahākālīs und Mahāsarasvatīs gegenüber einer vorherigen Meditation vertauscht. Die Ausgabe bewahrt die tatsächliche Folge. Für das Studium bedeutet das, dass man die Unterschiede erkennen kann. Für eine konkrete überlieferte Durchführung wäre die im Text immer wieder vorausgesetzte persönliche Unterweisung maßgeblich.
Das innere Homa: Was wird wirklich dargebracht?
Eine besonders klare innere Deutung folgt nach den drei Göttinnenmeditationen. Der Geist wird zum Opferlöffel, Suṣumṇā gehört zum inneren Opferweg, und Ichbezogenheit, Unwahrhaftigkeit, Verleumdung, Begierde, Zorn, Gier, Verblendung, Überheblichkeit und Neid werden einzeln dargebracht. Der Text benennt diese Haltungen ausdrücklich. Hier muss man einen äußeren Ritus nicht erst modern umdeuten, um einen Bezug zum inneren Leben zu finden. Die innere Bedeutung wird im Werk selbst ausgesprochen. Sie verbindet Verehrung mit einer Veränderung der eigenen Haltung.
Die folgende Opferstrophe spricht vom Feuer des Selbst und von der Tätigkeit der Sinne. Dharma und Adharma, heilsames und unheilsames Handeln, Entschluss und Vorstellung werden in die Betrachtung einbezogen. Eine weitere Strophe verbindet Prakāśa, das Licht des Bewusstseins, mit dessen Selbstgewahrsein und mit Unmanī, dem Zustand jenseits des gewöhnlichen Denkens. Einzelne grammatische Verbindungen bleiben beschädigt. Der tragende Zusammenhang ist dennoch deutlich: Die Verehrung führt zur Frage, was im Bewusstsein erscheint und woran der Geist festhält. Das innere Opfer ist nicht körperliche Selbstverletzung, sondern eine ausdrücklich geistige Darbringung.
Für den Alltag lässt sich daraus eine sichere, einfache Betrachtung gewinnen. Wenn Ärger aufsteigt, kann man ihn zunächst wahrnehmen, ohne ihn sofort in verletzende Worte umzusetzen. Wenn Neid entsteht, kann man prüfen, welches Verlangen darunterliegt. Wenn der Wunsch, recht zu behalten, ein Gespräch beherrscht, kann man die eigene Anspannung bemerken und wieder zuhören. Solche Schritte sind heutige Anregungen zum bewussten Umgang mit den ausdrücklich genannten Hindernissen. Sie sind keine Behauptung, damit sei der gesamte historische Homa vollzogen. Ihr Wert liegt in der konkreten Veränderung des Handelns.
Jātavedas und die Vielfalt des Lebens
Der Jātavedas-Abschnitt verbindet Durgā mit dem Feuer und mit einem vedischen Vers, der um das Hinüberführen über Schwierigkeiten bittet. Mehrere Fassungen stehen nebeneinander: Wort- und Lauteinsetzungen, Schutzanrufungen und eine erweiterte Rezitationsform mit eingeschobenen Gefahrenbildern. Die Ausgabe unterscheidet diese Fassungen ausdrücklich. Nicht jeder in diesem Abschnitt gedruckte Satz gehört deshalb unverändert zum Ṛgveda. Der Text selbst stellt vedische Worte in einen größeren tantrischen Ritualzusammenhang. Das ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeitsweise als Sammlung.
Die 23 Kräfte einer vorhergehenden Verehrungsordnung umfassen Bewusstsein, Vernunft, Geduld, Frieden, Vertrauen, Mitgefühl und Zufriedenheit, aber auch Schlaf, Hunger, Durst und Irrtum. Die Göttin wird also nicht nur im Außergewöhnlichen oder Angenehmen gesucht. Die ganze menschliche Erfahrung erscheint im Horizont ihrer Kräfte. Daraus folgt keine Aufforderung, Verwirrung oder schädliches Handeln zu pflegen. Vielmehr kann die Betrachtung helfen, das eigene Erleben zunächst vollständig wahrzunehmen. Erst was erkannt wird, kann auch bewusst geordnet und verwandelt werden.
Die spätere Liste von 44 Śaktis ist mit den Mantralauten und Gruppen wie Erkenntnisorganen, Handlungsorganen, Elementen und Körperbestandteilen verbunden. Dazu kommen unterschiedliche Blickrichtungen und Erscheinungsweisen. Die langen Listen können beim ersten Lesen fremd wirken. Ihr Grundgedanke ist jedoch nachvollziehbar: Klang, Körper und Welt werden in einer geordneten Beziehung betrachtet. Die einzelnen Zuordnungen bleiben historische Lehre; sie werden nicht als moderne Anatomie oder Naturwissenschaft dargestellt. Ihre Bedeutung liegt innerhalb des rituellen und meditativen Systems des Werkes.
Historische Grenzen und ein tragender Abschluss
Die letzten Abschnitte behandeln die sogenannte Feuerwaffe, ihre Aussendung und Rücknahme, Zeitordnungen, rituelle Figuren und Schutzsand. Der Text unterscheidet gewöhnliche und rückläufige Mantrafolgen sowie besänftigende und schädigende Zwecke. Diese Passagen enthalten konkrete magische Feindvorstellungen. Sie werden vollständig im erhaltenen Textbestand wiedergegeben, aber nicht durch moderne Pflanzenbestimmungen, zusätzliche Verfahren oder Wirkungszusicherungen erweitert. Für heutige Aspiranten sind sie Gegenstand des geschichtlichen Verständnisses und der ethischen Unterscheidung, nicht eine Aufforderung zur Anwendung.
Am Ende stehen Yantras und die Zuschreibung von Schutz, langem Leben, Wohlergehen und gutem Ruf. Der Kolophon nennt die Schülerfolge und Vidyāraṇyayati als Verfasser. Diese Angabe wird als Aussage des Werkes bewahrt; sie ersetzt keine unabhängig gesicherte historische Datierung. Mit dem Kolophon schließt die große Folge von Lakṣmī- und Durgā-Verehrungen. Die vielen Formen gehören zusammen, ohne dass ihre Unterschiede aufgehoben werden: Bitte um Nahrung, Lob der Mutter, Sammlung im Mantra, Schutz vor Bedrängnis und Erkenntnis des Bewusstseins.
Für das eigene Studium können drei Fragen weiterführen: Wird meine Bitte von Dankbarkeit begleitet? Vertieft die Verehrung mein Mitgefühl? Bin ich bereit, eine hinderliche Haltung tatsächlich loszulassen? Das Kapitel gibt keine einfache Antwort auf jedes Lebensproblem. Es bietet jedoch eindringliche Worte für Vertrauen und für die Hinwendung zum inneren Licht. Wo die Göttin als Bewusstsein in allen Wesen angesprochen wird, kann das Lesen in eine stille Aufmerksamkeit übergehen. Und wo Ichbezogenheit und Zorn als Opfergaben benannt werden, kann diese Aufmerksamkeit im nächsten Gespräch, in einer hilfreichen Tat und in aufrichtiger Rede Gestalt annehmen.
23. Śvāsa in einfachen Worten: Nahrung, göttliche Kräfte und die Grenze des Machtwunsches
Der dreiundzwanzigste Śvāsa ist eine umfangreiche Sammlung von Göttinnenverehrungen. Er reicht von Durgā-Formen über Annapūrṇā, Aśvārūḍhā und Gaurī bis zu mehreren Nityā-Göttinnen, Tvaritā, Mahāmāyā Vaiṣṇavī und Bagalāmukhī. Die Abschnitte verbinden Mantras, Meditationen, Körperzuordnungen, Verehrungsdiagramme und Angaben zur vorbereitenden Wiederholung. Zugleich enthalten sie zahlreiche Versprechen über Reichtum, Gesundheit, Einfluss und Macht über andere. Das Kapitel zeigt dadurch sehr unterschiedliche Seiten der tantrischen Überlieferung: die Bitte um Nahrung und Mitgefühl, die Sammlung des Geistes, die Identifikation mit der Gottheit und historische Versuche, Feinde durch rituelle Mittel zu beherrschen.
Diese verständliche Zusammenfassung ersetzt weder den Text noch die örtlichen Hinweise auf beschädigte Lesungen. Sie erleichtert die Orientierung: Welche Gestalt wird verehrt? Was bedeutet die Anordnung der Praxis? Welche Aussagen sind Gebete, welche historische Wirkungsbehauptungen? Gerade dieses Kapitel lässt sich nicht sinnvoll auf eine einzige friedliche Botschaft verkürzen. Schutzsuche und Zwangswunsch stehen oft eng nebeneinander. Die Übersetzung hält beide Seiten sichtbar, während die heutige Betrachtung bewusst bei Fürsorge, Selbstprüfung, Hingabe und verantwortlichem Umgang mit der eigenen Sprache ansetzen kann.
Eine wiederkehrende Ordnung: Wort, Körper, Bild und Darbringung
Fast jede größere Verehrung folgt einer ähnlichen Folge. Zunächst wird der Mantra genannt oder durch verschlüsselte Buchstabenbezeichnungen hergeleitet. Es folgen Seher, Versmaß, Gottheit und häufig Bīja, Śakti und Kīlaka. Beim Nyāsa werden Laute oder Wortgruppen bestimmten Körperstellen zugeordnet. Eine Meditation beschreibt Farbe, Haltung, Augen, Arme, Schmuck und Gegenstände der Göttin. Das Yantra gibt der Verehrung eine räumliche Ordnung. Danach werden die Hauptgöttin, ihre Kräfte, Begleiterinnen, Welthüter und deren Waffen verehrt. Japa, Feueropfer, Wasserdarbringung und Speisung schließen die Vorbereitung ab oder führen zu einer besonderen Anwendung.
Die Ordnung verbindet also mehrere Weisen des Aufmerksamseins: Man hört und spricht, berührt und vergegenwärtigt, betrachtet und gibt. Für das Verständnis ist wichtig, die Ebenen auseinanderzuhalten. Eine Mantrasilbe ist nicht einfach ein übersetzbares Wort. Ein Sechseck ist nicht dasselbe wie eine Gruppe von sechs Gottheiten, auch wenn beide aufeinander bezogen werden. Eine Beschreibung der Göttin kann mehrere überlieferte Formen zusammenstellen, ohne daraus ein einziges widerspruchsfreies Bild zu machen. Deshalb werden etwa zweiarmige, vierarmige und achtarmige Gestalten nicht ohne ausdrückliche Grundlage vereinheitlicht.
Der schwierige Auftakt: Dināstra, Kṛtyāstra und Lavaṇadurgā
Der Anfang behandelt Dināstra und Kṛtyāstra sowie anschließend Lavaṇadurgā. Hier stehen Feindabwehr, nächtliche Handlungen, Puppenrituale, Salzformeln und Zwangsanwendungen im Vordergrund. Der Text verwendet Namen, Bilder und Materialien, die innerhalb seiner rituellen Welt auf eine bestimmte Person oder Wirkung bezogen werden. Eine Puppe kann die Zielperson vertreten; ihr eingeschriebener Name und die rituelle Belebung stellen die beabsichtigte Beziehung her. Manche Handlungen sollen Schaden hervorrufen, andere einen zuvor hervorgerufenen Zustand wieder aufheben. Die Quelle wechselt dabei zwischen Versen und erläuternder Prosa.
Solche Abschnitte werden hier als historische Texte wiedergegeben. Ihre Behauptungen über Erkrankung, Tod oder erzwungene Gefügigkeit werden dadurch nicht als nachgewiesene Wirkungen bestätigt. Auch die Stoffnamen bleiben historische Namen, solange ihre genaue Identität nicht geklärt ist. Die Lavaṇa-Überlieferung zeigt zusätzlich, wie verschiedene Fassungen nebeneinanderstehen: Eine Gruppe wird als fünffach bezeichnet, enthält aber sechs nummerierte Positionen einschließlich einer wiederholten Nummer; eine weitere Fassung wird Pippalāda zugeordnet. Die Ausgabe bewahrt diese Unterschiede, statt eine vermeintlich ursprüngliche, glatte Fünferreihe zu erfinden.
Annapūrṇā: Nahrung als Gabe und die Bitte um Mitgefühl
Mit Annapūrṇā ändert sich der Schwerpunkt. Die Göttin erscheint als Geberin der Nahrung und als tragende Mutter. Ihre Verehrung wird mit Śiva, Viṣṇu, Varāha, Bhū und Śrī verbunden. Damit wird Nahrung nicht nur als einzelnes Lebensmittel betrachtet: Erde, Erhaltung, Wohlstand und die göttliche Beziehung gehören zusammen. Die Beschreibung ihrer Gestalt, die Laut-Einsetzungen und die Begleiterinnen entfalten diese Verbindung im rituellen Bild. Die in der Quelle genannten Mantralängen und die ausgeschriebenen Wortformen stimmen nicht überall ohne Weiteres überein; die Ausgabe benennt solche Stellen, statt die Aussprache nachträglich zu vereinheitlichen.
Besonders unmittelbar sind die drei Gebete der AM-Reihe. Sie sprechen von der Mutter aller Welten, von Hunger, von den Angehörigen des Betenden und von Armut als einem brennenden Wald. Zugleich wenden sie sich an den Ozean des Mitgefühls und bitten um Ausrichtung des Geistes auf die Lotusfüße der Göttin. Die Not wird nicht beschönigt: Der Betende braucht Nahrung und Versorgung. Daraus lässt sich für die heutige Betrachtung eine einfache Frage gewinnen: Wie verbindet sich meine eigene Bitte um Unterstützung mit der Bereitschaft, anderen zu helfen? Das ist eine heutige Anregung, keine zusätzlich in den Vers hineingeschriebene Ritualvorschrift.
Die anschließende Annāprada-Form führt das Thema weiter. Auch hier werden Nahrung, die Erde und Śrī zusammengedacht. Die vorbereitende Praxis enthält bestimmte Wiederholungs- und Opferzahlen, während die tägliche Wiederholung eigens genannt wird. Solche Zahlen gehören zur jeweils beschriebenen Form; sie sollten nicht beliebig von einer Göttin auf eine andere übertragen werden. Ebenso unterscheidet der Text zwischen Genuss beziehungsweise Lebensfülle und Befreiung. Wo der Druck bhukti sagt, wird daraus nicht ohne Beleg mukti. Beide Begriffe können in der Tradition wertvoll sein, bezeichnen aber nicht dasselbe.
Aśvārūḍhā, Gaurī, Padmāvatī und Jyeṣṭhā
Aśvārūḍhā wird durch Bewegung, Pferd, Schlinge und Reitgerät charakterisiert. Verschiedene Quellen beschreiben ihre Gestalt und ihre Formel unterschiedlich. Die Zahl der Arme ist nicht überall gleich, und bei einer Diagrammbeschreibung passen die genannten Teilzahlen nicht glatt zur Gesamtzahl. Gaurī erscheint anschließend mit eigenen Mantras, einer Gāyatrī und einem Kreis von Kräften. Padmāvatī erhält einen kürzeren Abschnitt; Jyeṣṭhalakṣmī wird durch eine eigene Formel, Meditation und Gāyatrī erschlossen. Der Text ist damit nicht bloß eine Namensliste: Zu jedem Namen gehört eine bestimmte Weise, die Göttin im Wort, im Körper und im Raum zu vergegenwärtigen.
Gleichzeitig unterscheiden sich die Zwecke. Manche Stellen versprechen Wohlstand und ein gutes Leben, andere Einfluss auf eine bestimmte Person. Nicht jede Kraftbeschreibung ist daher schon eine ethische Handlungsempfehlung. Das Studium wird klarer, wenn man zuerst feststellt, was die Quelle tatsächlich behauptet, und anschließend fragt, was man davon heute verantwortbar betrachten oder praktizieren möchte. Eine Bitte um innere Klarheit oder um Mitgefühl lässt sich anders aufnehmen als eine Aufforderung, den Willen eines anderen Menschen zu brechen. Diese Unterscheidung bewahrt sowohl die historische Genauigkeit als auch die Freiheit der heutigen Lesenden.
Tripuṭā und die verschiedenen Nityaklinnā-Formen
Tripuṭā wird mit einer dreiteiligen Bīja-Folge und einer reichen Meditation verbunden. Göttliche Paare und Begleiterinnen bilden ihr Umfeld. Auch hier enthält die Quelle lokale Abweichungen, etwa bei Namen und bei der Bezeichnung der Göttin in der Prosa. Danach folgen mehrere Formen Nityaklinnās: eine grundlegende Form, eine längere Formel mit zusätzlichen Bījas, eine Vāgvādinī-Form und eine zehn-silbige Variante. Die Gestalten und Diagramme sind nicht identisch. Eine Meditation zeigt die Göttin mit vier Armen, eine andere mit sechs und einer Vīṇā. Der Text behandelt diese Verschiedenheit als Teil seines überlieferten Bestandes.
Die Namenskreise um Nityaklinnā sprechen von Erregung, Freude, Verlangen, Bewegung und dem Schmelzen oder Erweichen. Im historischen Kapitel werden solche Kräfte häufig auf die Beeinflussung anderer bezogen. Eine heutige innere Betrachtung kann sich dagegen damit befassen, wie stark Verlangen und Abwehr die eigene Aufmerksamkeit lenken. Dabei ist offen zu sagen, dass dies eine gegenwärtige Deutung ist. Sie darf den ursprünglichen Wortlaut nicht ersetzen. Ebenso werden doppelt geschriebene Namen und Unterschiede zwischen einer Versliste und ihrer Prosafassung nicht stillschweigend beseitigt.
Vahnivāsinī, Vajraprastāriṇī und Śivadūtī
Vahnivāsinī erscheint mit acht Armen und einer Vielzahl leuchtender Attribute. Ihre Verehrung ordnet Kräfte, Tierkreiszeichen und weitere Begleiterinnen in mehrere Kreise. Das Feuerhafte bedeutet im Text nicht nur äußeres Feuer, sondern prägt Farbe, Namen und Erscheinungsweise. Vajraprastāriṇī folgt mit einer Meditation auf eine rote, leuchtende Göttin, deren Blick zugleich als mitfühlend und nektarartig beschrieben wird. Die Verehrung verbindet die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns mit weiteren inneren und äußeren Gruppen. Diese drei Kräfte machen deutlich, dass Vorstellung, Einsicht und Tätigkeit zusammengehören.
An den Namenslisten lässt sich die Arbeitsweise der Ausgabe besonders gut sehen. Eine als Zwölfergruppe bezeichnete innere Reihe enthält nur elf ausgeschriebene Namen; auch die spätere Prosa ergänzt keinen zwölften. Bei einer äußeren Gruppe löst die Prosa dagegen einen zusammengesetzten Namen in Madā und Unmattā auf und erreicht so zwölf. Das sind zwei verschiedene Befundlagen. Die eine bleibt als Unvollständigkeit stehen, die andere wird durch die Quelle selbst erläutert. Ebenso wird eine fehlende Vershälfte nicht mit einer plausibel klingenden Ergänzung aufgefüllt.
Śivadūtī wird durch einen kurzen Mantra, eine achtarmige Meditation und ein mehrschichtiges Verehrungsdiagramm beschrieben. Ihr Glanz wird mit der Mittagssonne verglichen, ihre Bereitschaft zum Gewähren mit den Wünschen der Übenden verbunden. Die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns stehen im Dreieck; weitere Gruppen folgen auf Blättern und Ecken. Auch diese Verehrung mündet in Wohlstands-, Heilungs- und Zwangsversprechen. Der Text lädt dadurch nicht nur zum Betrachten einer schönen Gestalt ein, sondern zeigt, welche Hoffnungen und Machtvorstellungen sich historisch an sie knüpften.
Tvaritā: rasche Hilfe, Standhaftigkeit und die Ordnung der Diagramme
Tvaritā ist die rasch helfende Göttin. Ihre Gestalt trägt ein Blättergewand und Pfauenfedern; Schlangen bilden ihren Schmuck. Die Quelle ordnet diese Schlangen sozialen Gruppen zu, doch eine ausführliche Fußnote überliefert eine andere Zuordnung als der Vers. Beide Fassungen werden beibehalten. Mehrere Stellen verschlüsseln Mantrabuchstaben durch Körperteile, Elemente oder andere Namen. Weil einzelne Druckzeichen schwer lesbar sind, kann nicht jede Formel zu einem zweifelsfreien Gesamttext zusammengesetzt werden. Die Ausgabe erklärt dann die sicher erkennbaren Bestandteile und markiert die Grenze der Lesbarkeit.
Eine auffällige Erzählpassage handelt von der Standhaftigkeit des Übenden. Himmlische Frauen locken ihn zu Freude und Genuss. Bleibt er innerlich unerschüttert, so kommt Tvaritā selbst und gewährt das Gewünschte. Der Text stellt damit die Fähigkeit, sich nicht jeder auftauchenden Verlockung zu überlassen, in den Mittelpunkt. Für eine heutige Betrachtung kann daraus die Frage entstehen, ob ein kurzfristiger Reiz wirklich zu dem passt, worauf man sein Leben ausrichten möchte. Es geht dabei nicht darum, die geschilderten Erscheinungen als überprüfte Ereignisse auszugeben, sondern die erzählte Prüfung verständlich zu machen.
Die Tvaritā-Diagramme werden teilweise sehr genau erklärt. Ein Raster von neun Linien in jeder Richtung ergibt 64 Felder; darin steht ein vollständig erläuteter 32-silbiger Lakṣmī-Mantra zweimal. Zehn Linien in jeder Richtung ergeben 81 Felder. Ein weiteres Diagramm hat 121 Felder: ein Mittelfeld und zwölf Wiederholungen einer zehn-silbigen Restformel. Daneben stehen zehnblättrige und achtblättrige Lotusformen sowie Krugumfassungen. Solche Zahlen sind nicht austauschbarer Schmuck, sondern organisieren die Schrift. Wo Vers und Prosa voneinander abweichen oder die Zeichnung unklar bleibt, wird das ausdrücklich gesagt.
Das Kapitel unterscheidet außerdem begünstigende Anugraha-Diagramme von feindseligen Nigraha-Diagrammen. Erstere werden mit rechtzeitigem Regen, gedeihenden Feldfrüchten und Wohlergehen verbunden; letztere mit Krankheit, Zwang und Vernichtung. Bei den schädigenden Formen wechseln sich Kālī- und Yama-Formeln je nach Zielperson in ihrer inneren und äußeren Lage ab. Auch hier gilt: Die Übersetzung dokumentiert eine historische rituelle Logik. Eine behauptete Fernwirkung wird nicht dadurch zu einer erwiesenen Tatsache, dass die Zeichenvorschrift ausführlich ist.
Mahāmāyā Vaiṣṇavī: „Ich bin sie“
Mahāmāyā Vaiṣṇavī wird mit einer achtteiligen Lautformel und vorangestelltem oṃ verehrt. Die Glosse nennt die Buchstaben ausdrücklich und erklärt ihre Reihenfolge. Die Meditation zeigt eine leuchtende, vierarmige Göttin mit Schwert und Gebetskette, mit den Gesten von Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Sie fragt wiederholt: „Was wünschst du?“ Der Übende legt eine Blume auf den eigenen Kopf und bedenkt: „Ich bin sie.“ Diese Stelle verbindet Verehrung und Identifikation besonders deutlich. Die Gottheit wird nicht nur als äußerer Gegenstand betrachtet; das eigene Bewusstsein wird in die Meditation einbezogen.
Die Verehrung enthält eine Gāyatrī, mehrere Formen Durgās im Lotus und den bekannten Vers an die Glückverheißende, Dreiäugige, Zuflucht gewährende Nārāyaṇī. Anschließend sammelt der Text Regeln über Zeiten, in denen Rituale auszusetzen seien: bei bestimmten körperlichen Zuständen, nach Todesfällen oder bei ritueller Unreinheit. Verschiedene Purāṇas und der Yogārṇava werden nebeneinandergestellt. Die Schlussglosse schränkt diese Regeln auf Mahāmāyā-Verehrer oder auf wunschbezogene Praxis ein und verweist auf zuvor erlaubte Verehrung in besonderen Unreinheitszuständen. Deshalb dürfen die einzelnen Verbote nicht aus dieser Diskussion herausgelöst und als allgemeine heutige Vorgaben präsentiert werden.
Bagalāmukhī: Stillstellung, Sprache und das Verlangen nach Kontrolle
Der letzte große Teil behandelt Brahmāstra-Vidyā, die Kraft Bagalāmukhīs. Ihre zentrale Wirkung heißt stambhana, Stillstellung. Die Quelle bezieht diese auf Rede, Zunge, Bewegung, Denken, Feinde und sogar Naturkräfte. Gelb prägt die Gewänder, den Sitz, die Blumen und die Gebetskette. Der 36-silbige Mantra wird im Bhairavayāmala erläutert; seine Fassung enthält ausdrücklich padaṃ. Spätere Prosa schreibt das Bīja kürzer und weist beim Nyāsa Abweichungen auf. Die ausführliche Körperliste hat 35 Einsetzungen; der linke Knöchel mit dem zweiten oṃ fehlt. Diese Differenzen werden in der Ausgabe sichtbar gelassen.
Die zahlreichen Anwendungen umfassen Streitfälle, Feindrituale, Puppen und historische Gottesurteile. Gerade die Parallelfassungen helfen, beschädigte Stellen zu verstehen: Eine schwer lesbare Formel wird als „Lass nicht los!“ geklärt; die „vier Pādas“ erweisen sich in der Prosa als vier Teile der Mantra-Anordnung. Auch die Wiederholungszahlen werden diskutiert. Der Kommentar erklärt zehntausend Wiederholungen als Beginn einer einzelnen Anwendung und hunderttausend als eigentliche vorbereitende Praxis. Solche Erklärungen gehören zum Text selbst; sie sind keine nachträgliche Vereinheitlichung durch die Übersetzung.
Das abschließende Stotra verbindet die Bitte um Schutz und Mitgefühl mit scharfen Bitten gegen Gegner. Die Mutter soll Hindernisse beseitigen, Armut vertreiben und als „Tod des Todes“ erscheinen; zugleich soll sie Zungen festheften und gegnerische Einsicht zerstören. Ein Zufluchtsvers nennt zahlreiche Göttinnen als Formen derselben höchsten Herrin und bittet um Rettung aus Mitgefühl. Für heutige Yoga-Aspiranten kann gerade diese Spannung zum Nachdenken führen: Suche ich Ruhe und Klarheit, oder wünsche ich mir vor allem Kontrolle über andere? Eine verantwortliche Übertragung richtet die Aufmerksamkeit auf den eigenen Umgang mit Zorn, Angst, Rede und Macht, ohne den historischen Gegnerbezug aus dem Quellentext zu löschen.
Eine mögliche heutige Betrachtung
Wer dieses Kapitel spirituell lesen möchte, kann bei den zugänglichen Gebeten beginnen: bei Annapūrṇās Mitgefühl, bei der Bitte um Zuflucht oder bei Mahāmāyās Verbindung von Verehrung und innerer Erkenntnis. Eine einfache heutige Übung besteht darin, vor einer Mahlzeit kurz dankbar zu werden, eine konkrete Hilfe für einen anderen Menschen zu erwägen oder vor einer scharfen Antwort innezuhalten. Diese Vorschläge sind als heutige, alltagstaugliche Betrachtungen gemeint; sie werden nicht als wörtliche Anweisungen des Kapitels ausgegeben und beanspruchen nicht die Wirkungen seiner historischen Spezialrituale.
Der Ertrag des Studiums liegt auch im genauen Lesen. Man kann Unterschiede aushalten, ohne sie sofort zu beseitigen; eine Textlücke anerkennen, ohne etwas zu erfinden; eine kraftvolle Metapher würdigen, ohne jede Wirkungsbehauptung zu übernehmen. So verbinden sich Selbststudium, Hingabe und Unterscheidungsvermögen. Das Kapitel wird dadurch weder idealisiert noch verworfen. Es bleibt als vielstimmiges Zeugnis einer Überlieferung lesbar, in der Nahrung und Fülle, Schutz und Angst, Erkenntnis und Machtwunsch immer wieder aufeinandertreffen.
Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten
Eine heutige Anregung zum Schriftstudium ist, Worte, Vorstellungen und Handlungen aufmerksam miteinander in Beziehung zu setzen. Die historischen Ritualvorschriften und besonderen Atemverfahren bleiben davon unterscheidbar. Die hier übersetzte Überlieferung setzt für ihre vollständige Praxis persönliche Unterweisung voraus.
Moderne Begleitung zum Studium

Diese zeitgenössischen Videos begleiten das Schriftstudium. Sie sind keine Rezitation des hier übersetzten Sanskrittextes.
Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung
Grundlage ist die vom Nutzer bereitgestellte Devanagari-OCR des Uttarārdha, abgeglichen mit der digitalisierten Druckausgabe des zweiten Werkteils, herausgegeben von Ram Chandra Kak und Harabhatta Shastri, 1937. Die Zuordnung der Druckseiten zu den Scan-Seiten ist im Arbeitsprotokoll erfasst. Eine zweite OCR dient nur dem Vergleich; der Bildabgleich entscheidet über offensichtliche Erkennungsfehler. Bei unklaren Druckstellen bleibt die Lesung offen.
Kapitel 19 ist mit 707 nummerierten Einträgen von Druckseiten 1–37 bis zum Kolophon bearbeitet. Neu beginnende Zitatreihen erhalten eindeutige Abschnittskürzel. Unnummerierte Prosa, Fortsetzungen und gedruckte Lücken werden berücksichtigt. Kapitel 20: Druckseiten 38–90 mit 751 nummerierten Einträgen sowie unnummerierter Prosa und Gebeten bearbeitet. Kapitel 21: Druckseiten 91–142 mit 1027 nummerierten Einträgen sowie unnummerierter Prosa und Formeln bearbeitet. Kapitel 22: Druckseiten 143–198 mit 727 nummerierten Einträgen sowie unnummerierter Prosa und Formeln bearbeitet. Kapitel 23: Druckseiten 199–252 mit 823 nummerierten Einträgen sowie Prosa, Formeln und Kolophonen bearbeitet. Alle 36 Śvāsas sind in der Ausgabe mit ihren dokumentierten Einschränkungen erschlossen.
Siehe auch
- Sri Vidya
- Tripurasundari
- Guru
- Guruparampara
- Mantra
- Diksha
- Kundalini
- Nityashodashikarnava
- Parashurama Kalpasutra
- Dakshinamurti Samhita
- Sharada Tilaka Tantra
- Prapanchasara Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Kularnava Tantra
- Mantramahodadhi
- Shaktisangama Tantra
- Tripura Rahasya
Seminare
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
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Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
Mit Aufmerksamkeit weitergehen
Die innere Verehrung des 21. Kapitels und die mitfühlende Anrufung der Göttin im 22. und 23. Kapitel beleuchten einander. Erkenntnis erhält eine Sprache der Hingabe; Hingabe wird zur Frage nach dem eigenen Bewusstsein. Wenn dich ein Gebet besonders anspricht, lies auch seine Umgebung: So bleiben seine Wärme und sein genauer Sinn miteinander verbunden.