Shri Vidyarnava Tantra 108 Inspirierende Verse und Mantras
Shri Vidyarnava Tantra – 108 inspirierende Verse und Mantras öffnet einen Weg durch das umfangreiche „Meer der Sri Vidya“. Die Auswahl beginnt mit der Göttin als Bewusstsein der Welt und führt über Hingabe, Aufrichtigkeit und Mitgefühl zur inneren Verehrung und zur Frage nach Befreiung. Am Ende stehen die Sammlung des Geistes und die Begleitung eines Menschen in seiner tiefsten spirituellen Ausrichtung.
Hier stehen genau 108 unterschiedliche, vollständig zitierte Verse mit IAST und deutscher Übersetzung. Die Auswahl ist thematisch gewichtet, nicht gleichmäßig auf alle Kapitel verteilt. Sie bietet keine verkürzte Gesamtdarstellung der Rituallehre. Bei Versen aus Namenshymnen wird die angerufene Göttin im jeweiligen Abschnitt genannt; die einzelnen Namen sind als Anrufungen zu lesen.
Die Fundstellen verwenden die Kapitel- und Abschnittskürzel der deutschen Ausgabe. Diese redaktionellen Kürzel unterscheiden die im Sanskrit mehrfach neu beginnenden Verszahlen. TR, KG und KS in Kapitel 1 bezeichnen die dort erklärten Zitatreihen. Die Zahl vor jedem Eintrag zählt nur diese Auswahl, nicht den Originaltext.

So kannst du diese Verse lesen
Lies zunächst die deutsche Übersetzung und anschließend, wenn du möchtest, den Sanskritvers langsam laut. Frage nach seinem Zusammenhang, bevor du ihn auf dein Leben beziehst. Ein kurzer Satz kann dich durch einen Tag begleiten: freundlich sprechen, aufmerksam zuhören, Dankbarkeit ausdrücken. Solche heutigen Anregungen sind von der historischen Ritualvorschrift zu unterscheiden.
Die Aussagen über Guru-Hingabe stehen neben ausdrücklichen Maßstäben für einen vertrauenswürdigen Lehrer. Sie begründen keine Pflicht, Grenzverletzungen hinzunehmen. Ebenso sind Segens- und Erfolgszusagen als religiöse Aussagen des Werkes zu verstehen.
Zur Ausgabe: Alle Textteile · 108 inspirierende Verse · Mantras und Formelregister
Vier Lesewege durch die Auswahl
- Eine tragfähige Lehrerbeziehung: 5–7 beschreiben Klarheit und Uneigennützigkeit; 12–16 richten den Blick auf den Charakter des Schülers. Lies beide Seiten zusammen.
- Verehrung als innere Sammlung: 25–30 führen von der Vergegenwärtigung der Göttin zum Verklingen von Oṃ; 64–65 deuten Gottheit und Opfer im Verhältnis zum Selbst.
- Mitgefühl als Sprache der Hingabe: 31 nennt freundliche Rede und ein mitfühlendes Herz; 35–43 geben diesem Anliegen die Form eines Gebets an Lakṣmī.
- Befreiung und Lebensführung: 86–87 verbinden Gleichmut mit gutem Wandel; 93–100 fragen nach Bewusstsein, Erkenntnis und Bindung.
Die Reihenfolge der 108 Einträge folgt weiterhin dem Werk. Diese Lesewege sind redaktionelle Vorschläge für das Studium, keine vom Tantra vorgegebene zusätzliche Übungsordnung.
Aus Kapitel 1
Göttliche Gegenwart, Lehrer und Schüler: Die Stimme der Hingabe wird mit konkreten Eigenschaften wie Wahrhaftigkeit und Mitgefühl verbunden.
1. Fundstelle: 1.2 · Textzusammenhang
yā śrīmadhumatī śaktirjagaccaitanyarūpiṇī |
sā stānme purato nityaṃ mālinī viśvavigrahā || 1-2 ||
Möge jene herrliche Madhumatī-Śakti, deren Wesen das Bewusstsein der Welt ist, stets vor mir gegenwärtig sein: Mālinī, deren Gestalt das ganze All umfasst.
2. Fundstelle: 1.384 · Textzusammenhang
navāya navarūpāya paramārthaikarūpiṇe |
sarvājñānatamobhedamānave cidghanāya te || 1-384 ||
Verehrung dir, dem Neuen, dem Neunfachgestaltigen, dessen einziges Wesen die höchste Wirklichkeit ist; dir, der als Mensch die ganze Dunkelheit des Nichtwissens durchbricht, dir, der reines, dichtes Bewusstsein ist.
3. Fundstelle: 1.386 · Textzusammenhang
vivekināṃ vivekāya vimarśāya vimarśinām |
prakāśināṃ prakāśāya jñānināṃ jñānarūpiṇe || 1-386 ||
Du bist die Unterscheidungskraft der Unterscheidenden, die Selbstbesinnung der Betrachtenden, das Leuchten der Leuchtenden und das Wissen der Erkennenden.
4. Fundstelle: 1.387 · Textzusammenhang
purastātpārśvayoḥ pṛṣṭhe namaskuryāmuparyadhaḥ |
sadā maccittarūpeṇa vidhehi bhavadāsanam || 1-387 ||
Vor dir, zu beiden Seiten, hinter dir, über und unter dir verneige ich mich. Nimm für immer meinen eigenen Geist als deinen Sitz ein.
Zum Zusammenhang: Die folgenden drei Verse gehören zur Beschreibung eines Gurus. Wörter wie Schönheit und Klarheit werden im Text selbst erläutert; sie sollten nicht allein nach heutigen Alltagsbedeutungen verstanden werden.
5. Fundstelle: 1.TR.4 · Textzusammenhang
sundaraḥ sumukhaḥ svacchaḥ sulabho bahumantravit |
asaṃśayaḥ saṃśayacchinnirapekṣo gururmataḥ || 1-4 ||
Als Guru gilt jemand, der schön, freundlich, klar und zugänglich ist, viele Mantras kennt, frei von Zweifel ist, Zweifel beseitigt und nichts für sich erwartet.
6. Fundstelle: 1.TR.5 · Textzusammenhang
saundaryamanavadyatvaṃ rūpe saumukhyatā punaḥ |
smerapūrvābhibhāṣitvaṃ svacchatā'jihmacittatā || 1-5 ||
Schönheit bedeutet Unanstößigkeit der Erscheinung. Freundlichkeit bedeutet, das Gespräch mit einem Lächeln zu beginnen. Klarheit bedeutet ein aufrichtiges, nicht verschlagenes Herz.
7. Fundstelle: 1.TR.7 · Textzusammenhang
nairapekṣyamavittecchā gurutvaṃ hitavāditā |
evaṃvidho gururjñeyastvitaraḥ śiṣyaduḥkhadaḥ || 1-7 ||
Erwartungsfreiheit bedeutet, nicht nach Reichtum zu verlangen; Guru-Sein bedeutet, zum Wohl des anderen zu sprechen. Einen solchen soll man als Guru erkennen. Ein anderer bringt dem Schüler Leid.
8. Fundstelle: 1.TR.15 · Textzusammenhang
yathā deve tathā mantre yathā mantre tathā gurau |
yathā gurau tathā svātmanyevaṃ bhaktikramaḥ priye || 1-15 ||
Wie die Hingabe zur Gottheit, so sei sie zum Mantra; wie zum Mantra, so zum Guru; wie zum Guru, so zum eigenen Selbst. So ist die Folge der Hingabe, Geliebte.
9. Fundstelle: 1.KG.5 · Textzusammenhang
vedavedāṅgavicchāntaḥ sarvajīvadayāparaḥ |
svādhīnendriyasaṃcāraḥ ṣaṭvargavijayakṣamaḥ || 1-5 ||
Er kennt Veden und Vedāṅgas, ist friedvoll und ganz dem Mitgefühl mit allen Lebewesen hingegeben. Die Bewegung seiner Sinne steht unter seiner Herrschaft; er vermag die sechs inneren Feinde zu überwinden.
10. Fundstelle: 1.KG.6 · Textzusammenhang
agragaṇyo'tigambhīraḥ pātrāpātraviśeṣavit |
nirmamo nityasaṃtuṣṭo nirdvandvo'nantaśaktimān || 1-6 ||
Er nimmt eine hervorragende Stellung ein, ist tiefgründig und kennt den Unterschied zwischen geeigneten und ungeeigneten Empfängern. Er ist frei vom Besitzenwollen, stets zufrieden, jenseits der Gegensatzpaare und von unbegrenzter Kraft.
11. Fundstelle: 1.KG.7 · Textzusammenhang
sadbhaktavatsalo dhīraḥ kṛpāluḥ smitapūrvavāk |
bhaktapriyaḥ sarvasamo dayāluḥ śiṣyaśāsitā || 1-7 ||
Er ist liebevoll zu aufrichtigen Verehrern, standhaft und mitfühlend; seine Worte beginnen mit einem Lächeln. Er liebt die Hingegebenen, begegnet allen gleich, ist barmherzig und leitet die Schüler an.
Zum Zusammenhang: Nun wechselt die Perspektive zum Schüler. Die Eigenschaften in 12–16 ergänzen die zuvor genannten Anforderungen an den Lehrer: Beide Seiten tragen Verantwortung für die Beziehung.
12. Fundstelle: 1.KS.3 · Textzusammenhang
kṛtajñaṃ pāpabhītaṃ ca sādhusajjanasaṃmatam |
āstikaṃ dānaśīlaṃ ca sarvabhūtahite ratam || 1-3 ||
Er ist dankbar, scheut Unrecht, wird von guten und aufrichtigen Menschen geachtet, besitzt Glauben, ist freigebig und dem Wohl aller Wesen zugewandt.
13. Fundstelle: 1.KS.4 · Textzusammenhang
viśvāsavinayopetaṃ vittaśāṭhyavivarjitam |
asādhyasādhakaṃ śūraṃ balakāntisamanvitam || 1-4 ||
Er ist vertrauenswürdig und bescheiden, in Geldangelegenheiten ohne Täuschung, mutig und fähig, auch Schwieriges zu vollbringen; er besitzt Kraft und Ausstrahlung.
14. Fundstelle: 1.KS.5 · Textzusammenhang
anukūlakriyāyuktamapramattaṃ vicakṣaṇam |
hitasatyamitasnigdhabhāṣaṇaṃ muktadūṣaṇam || 1-5 ||
Er handelt unterstützend, ist aufmerksam und urteilsfähig. Er spricht wohltuend, wahrhaftig, maßvoll und freundlich und ist frei von Verleumdung.
15. Fundstelle: 1.KS.7 · Textzusammenhang
vimṛśyakāriṇaṃ vīraṃ manodāridryavarjitam |
sarvakāryātikuśalaṃ dhīraṃ sarvopakārakam || 1-7 ||
Er handelt nach Überlegung, ist mutig und frei von geistiger Kleinheit, in allen Aufgaben geschickt, standhaft und allen hilfreich.
16. Fundstelle: 1.KS.8 · Textzusammenhang
svasvārthaparanindāyāṃ vimukhaṃ sumukhaṃ priye |
jitendriyaṃ susantuṣṭaṃ dhīmantaṃ brahmacāriṇam || 1-8 ||
Eigennutz und Herabsetzung anderer liegen ihm fern. Er ist freundlich, Geliebte, beherrscht seine Sinne, ist zufrieden und verständig und lebt in Brahmacarya.
Aus Kapitel 2
17. Fundstelle: 2.1 · Textzusammenhang
sa śivo gururūpeṇa bhuktimuktiprado mama |
iti bhaktyā smared yastu tasya siddhiradūrataḥ || 2-1 ||
„Er ist Shiva in der Gestalt des Gurus, der mir Erfüllung und Befreiung schenkt.“ Wer sich so voller Hingabe erinnert, für den ist Vollendung nicht fern.
18. Fundstelle: 2.2 · Textzusammenhang
yasya deve parā bhaktiryathā tathā gurau |
tasyaite kathitā hyarthāḥ prakāśante kuleśvari || 2-2 ||
Wer höchste Hingabe zur Gottheit und ebenso zum Guru besitzt, dem werden diese dargelegten Bedeutungen offenbar, Herrin des Kula.
19. Fundstelle: 2.6 · Textzusammenhang
śrīgurau niścalā bhaktirvarddhate hi yathā yathā |
tathā tathāsya vijñānaṃ varddhate kulanāyike || 2-6 ||
In dem Maß, wie die unbeirrbare Hingabe zum ehrwürdigen Guru wächst, wächst auch die unmittelbare Erkenntnis des Übenden, Herrin des Kula.
20. Fundstelle: 2.10 · Textzusammenhang
aśubhāni ca sarvāṇi samahāpātakāni ca |
bhaktiḥ kṣaṇena dahati tūlarāśimivānalaḥ || 2-10 ||
Hingabe verbrennt augenblicklich alles Unheil und die großen Verfehlungen, wie Feuer einen Haufen Baumwolle verbrennt.
Aus Kapitel 20
21. Fundstelle: 20.TF.11 – Uttarārdha, Druckseite 58 · Textzusammenhang
ambāyāṃ lalitāyāḥ syuranyāḥ pañcadaśāṅgagāḥ |
lalitāṅgitvasattvena sarvāsāmātmavigrahāḥ || 11 ||
In der Mutter Lalitā sind die übrigen fünfzehn als ihre Glieder gegenwärtig. Weil Lalitā das Ganze ist, das diese Glieder trägt, sind ihre eigenen Gestalten zugleich Gestalten ihres Selbst.
22. Fundstelle: 20.TF.15 – Uttarārdha, Druckseite 58 · Textzusammenhang
prokteṣvādhārapadmeṣu lohitātmaikyavigrahām |
vibhāvya tejonicayaṃ tatra siddhiṃ ca cintayet || 15 ||
In den zuvor genannten tragenden Lotoszentren vergegenwärtige man ihre rote, mit dem eigenen Selbst geeinte Gestalt als Fülle von Licht und betrachte dort auch die Vollendung.
23. Fundstelle: 20.TF.19 – Uttarārdha, Druckseite 58 · Textzusammenhang
siddhastu sūkṣmarūpeṇa dhyānena sakalepsitam |
sādhayet pararūpaṃ tu sādhyaṃ sādhanasiddhaye || 19 ||
Ein Siddha verwirklicht nach der Lehre durch Meditation über die feine Form alles Erstrebte. Die höchste Form aber ist zur Vollendung der spirituellen Übung selbst zu verwirklichen.
24. Fundstelle: 20.MV.5 – Uttarārdha, Druckseite 83 · Textzusammenhang
nityaśo bhojayedviprān bhaktān bhajanakautukān |
andhādidīnān madhuraṃ pāyasaṃ bhojyabhaktimān || 5 ||
Täglich werden Brahmanen, hingebungsvolle Menschen und an der Verehrung Interessierte gespeist. Auch Blinde und andere Bedürftige erhalten süßen Milchreis und Nahrung; der Ausführende handelt voller Hingabe.
Aus Kapitel 21
Zum Zusammenhang: Die Verse 25–28 entfalten eine innere Deutung der Nityā-Verehrung. Begriffe wie Verehrungsgabe, Mudrā und Yantra werden hier innerhalb dieser besonderen Auslegung verwendet.
25. Fundstelle: 21.VS.1 – Uttarārdha, Druckseite 131 · Textzusammenhang
atha ṣoḍaśanityānāṃ svātmatve vāsanāṃ śṛṇu |
yayā tanmayatāsiddhiḥ pratyakṣā bhavati dhruvam || 1 ||
Höre nun die Vergegenwärtigung der sechzehn Nityās als dein eigenes Selbst. Durch sie wird das Einswerden mit ihnen unmittelbar erfahrbar.
26. Fundstelle: 21.VS.14 – Uttarārdha, Druckseite 132 · Textzusammenhang
lauhityaṃ tadvimarśaḥ syādupāstiritīti bhāvanā |
siddhistvananyacittatvaṃ mudrā vaibhavabhāvanā || 14 ||
Ihre Röte bedeutet das bewusste Sich-selbst-Erkennen. Verehrung ist diese innere Vergegenwärtigung. Siddhi ist ungeteilte Sammlung des Geistes; Mudrā ist die Vergegenwärtigung ihrer Fülle.
27. Fundstelle: 21.VS.15 – Uttarārdha, Druckseite 132 · Textzusammenhang
upacārāścalatve'pi tanmayatvāpramattatā |
prayogastu vikalpānāṃ hetoḥ svātmani nāśanam || 15 ||
Die Verehrungsgaben sind die wache Achtsamkeit auf das Einssein mit ihr, auch inmitten der Bewegung. Rituelle Anwendung bedeutet, den Ursprung der unterscheidenden Vorstellungen im eigenen Selbst aufzulösen.
28. Fundstelle: 21.VS.16 – Uttarārdha, Druckseite 132 · Textzusammenhang
yantrāṇi mantrāḥ sarvatra svātmatve dhairyasādhanam |
saṃdhyāsu bhajanaṃ devyā ādimadhyāntamajjanam || 16 ||
Yantras und Mantras dienen dazu, überall fest in der Erkenntnis des eigenen Selbst zu stehen. Die Verehrung der Göttin an den Tagesübergängen bedeutet das Eintauchen in Anfang, Mitte und Ende.
29. Fundstelle: 21.PR.13 – Uttarārdha, Druckseite 133 · Textzusammenhang
kāṃsyaghaṇṭāninādastu yathā līyati śāntaye |
oṃkārastu tathā yojyaḥ śāntaye sarvamicchatā || 13 ||
Wie der Nachklang einer bronzenen Glocke zur Ruhe kommt, so soll Oṃ zur Ruhe geführt werden von dem, der umfassenden Frieden sucht.
30. Fundstelle: 21.PR.14 – Uttarārdha, Druckseite 133 · Textzusammenhang
yasmin saṃlīyate śabdastatparaṃ brahma gīyate |
dhruvaṃ hi cintayed brahma so'mṛtatvāya kalpate so'mṛtatvāya kalpate || 14 ||
Das, worin der Klang sich auflöst, wird das höchste Brahman genannt. Man soll über das beständige Brahman meditieren; so wird man zur Unsterblichkeit fähig, so wird man zur Unsterblichkeit fähig.
Aus Kapitel 22
Die Lakṣmī-Gebete und die Durgā-Verehrung sprechen in der Sprache vertrauensvoller Anrufung. Mit „du“ ist die jeweilige Göttin gemeint.
31. Fundstelle: 22.SU.41 – Uttarārdha, Druckseite 159 · Textzusammenhang
śāntaḥ śucisito vāgmī madhurālāpavān bhavet |
dayārdracitta ācāryadevātithyarcanārataḥ || 41 ||
Er soll ruhig und rein sein, klar und freundlich sprechen, ein von Mitgefühl bewegtes Herz haben und Lehrer, Gottheit und Gäste ehren.
32. Fundstelle: 22.LH.4 – Uttarārdha, Druckseite 168 · Textzusammenhang
namāmi nityaṃ deveśi tvayā preritamānasaḥ |
tvadājñāṃ śirasā dhṛtvā bhajāmi parameśvarīm || 4 ||
Stets verneige ich mich vor dir, Herrin der Götter, mit einem Geist, den du bewegst. Deinen Auftrag auf meinem Haupt tragend, verehre ich dich, die höchste Herrin.
33. Fundstelle: 22.LH.27 – Uttarārdha, Druckseite 170 · Textzusammenhang
ajñānatimiraṃ hantuṃ śuddhajñānaprakāśikā |
sarvaiśvaryapradā me'stu tvatkalā mayi susthirā || 27 ||
Um die Finsternis des Nichtwissens zu vernichten, möge dein Kraftanteil fest in mir stehen, reine Erkenntnis erhellen und alle Fülle schenken.
34. Fundstelle: 22.LH.37 – Uttarārdha, Druckseite 170 · Textzusammenhang
sthirā bhava mahālakṣmi niścalā bhava nirmale |
prasanne kamale devi prasannahṛdayā bhava || 37 ||
Sei beständig, Mahālakṣmī; sei unbeweglich, du Makellose. Gnädige Kamalā, Göttin, sei heiteren Herzens.
Zum Zusammenhang: Das angesprochene Du ist Lakṣmī. Die Bitten um Nähe, eine segnende Hand und wachsendes Mitgefühl gehören zur bildhaften Sprache des Gebets.
35. Fundstelle: 22.LH.46 – Uttarārdha, Druckseite 171 · Textzusammenhang
matsannidhiṃ samāgaccha madāhitakṛpārasāt |
prasīda śreyasāṃ dogdhri lakṣmi me nayanāgrataḥ || 46 ||
Komme in meine Nähe aus dem Mitgefühl, das du auf mich gerichtet hast. Sei gnädig, Lakṣmī, die Heil wie Milch spendet, und stehe vor meinen Augen.
36. Fundstelle: 22.LH.52 – Uttarārdha, Druckseite 171 · Textzusammenhang
krīḍasi tvaṃ ca bahudhā paripūrṇakṛpāmayi |
mama mūrdhani te hastamavilambitamarpaya || 52 ||
Du spielst auf vielerlei Weise, ganz von vollkommenem Mitgefühl erfüllt. Lege unverzüglich deine Hand auf meinen Scheitel.
37. Fundstelle: 22.LH.56 – Uttarārdha, Druckseite 171 · Textzusammenhang
saṃnidhatsva mahālakṣmi tvatpāṇiṃ mama mastake |
karuṇāsudhayā māṃ tvamabhiṣiñca sthiraṃ kuru || 56 ||
Mahālakṣmī, lege deine Hand auf mein Haupt. Übergieße mich mit dem Nektar des Mitgefühls und mache mich beständig.
38. Fundstelle: 22.LH.62 – Uttarārdha, Druckseite 171 · Textzusammenhang
cāndrī kalā yathā śukle vardhate sā dine dine |
tathā dayā te mayyeva vardhatāmabhivardhatām || 62 ||
Wie der Mondanteil in der hellen Monatshälfte von Tag zu Tag zunimmt, so möge dein Mitgefühl für mich wachsen, immer weiter wachsen.
39. Fundstelle: 22.LH.64 – Uttarārdha, Druckseite 171 · Textzusammenhang
yogināṃ hṛdaye nityaṃ yathā tiṣṭhasi viṣṇunā |
tathā madbhavane tiṣṭha sthiraṃ śrīviṣṇunā saha || 64 ||
Wie du stets mit Viṣṇu im Herzen der Yogis wohnst, so wohne beständig in meinem Haus zusammen mit Śrī Viṣṇu.

40. Fundstelle: 22.LH.69 – Uttarārdha, Druckseite 172 · Textzusammenhang
brahmarudrādayo devā vedāścāpi na śaknuyuḥ |
mahimānaṃ tava stotuṃ mando'haṃ śaknuyāṃ katham || 69 ||
Selbst Brahmā, Rudra und die anderen Götter und die Veden vermögen deine Größe nicht zu preisen. Wie sollte ich, der Beschränkte, es vermögen?
41. Fundstelle: 22.LH.70 – Uttarārdha, Druckseite 172 · Textzusammenhang
amba tvadvatsavākyāni sūktāsūktāni yāni ca |
tāni svīkuru sarvajñe dayālutvena sādaram || 70 ||
Mutter, die Worte deines Kindes, ob gut gesprochen oder nicht: Nimm sie alle, Allwissende, aus Mitgefühl und mit Zuwendung an.
42. Fundstelle: 22.LH.71 – Uttarārdha, Druckseite 172 · Textzusammenhang
bhavatīṃ śaraṇaṃ gatvā kṛtārthāḥ syuḥ purātanāḥ |
iti saṃcintya manasā tvāmahaṃ śaraṇaṃ vraje || 71 ||
Die Menschen früherer Zeiten fanden Erfüllung, indem sie zu dir Zuflucht nahmen. Dies im Herzen bedenkend, nehme auch ich Zuflucht zu dir.
43. Fundstelle: 22.LH.81 – Uttarārdha, Druckseite 172 · Textzusammenhang
kṛpā madagrajā kiṃ te hyahaṃ vā kiṃ tadagrajaḥ |
vicārya dehi me vittaṃ tava devi dayānidhe || 81 ||
Ist dein Mitgefühl älter als ich, oder bin ich älter als dieses? Bedenke es und gib mir deinen Reichtum, Göttin, Schatz des Mitgefühls.
44. Fundstelle: 22.LH.99 – Uttarārdha, Druckseite 174 · Textzusammenhang
trikālamekakālaṃ vā naro bhaktisamanvitaḥ |
yaḥ paṭhecchṛṇuyādvāpi sa yāti paramāṃ śriyam || 99 ||
Wer dieses Gebet mit Hingabe zu den drei Tageszeiten oder einmal täglich liest oder hört, soll höchste Śrī erlangen.
45. Fundstelle: 22.NP.2 – Uttarārdha, Druckseite 188 · Textzusammenhang
kalyāṇajananīṃ satyāṃ kāmadāṃ karuṇākarām |
anantaśaktisaṃpannāṃ durgāmāvāhayāmyaham || 2 ||
Ich rufe Durgā herbei, die Mutter des Heils, die Wahrhaftige, die Wünsche gewährt, die Quelle des Mitgefühls, erfüllt von unendlicher Kraft.
46. Fundstelle: 22.NP.4 – Uttarārdha, Druckseite 188 · Textzusammenhang
deveśi bhaktisulabhe sarvāvaraṇasaṃyute |
yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava || 4 ||
Herrin der Götter, die durch Hingabe leicht erreichbar ist, mit allen umgebenden Gottheiten vereint: Bleibe hier fest gegenwärtig, solange ich dich verehre.
47. Fundstelle: 22.NP.5 – Uttarārdha, Druckseite 188 · Textzusammenhang
oṃ durge devi sureśāni jñānamārgaprade śive |
āsanaṃ mama bhūtyarthaṃ gṛhāṇa tvaṃ sureśvari || 5 ||
Oṃ. Durgā, Göttin, Herrin der Himmelswesen, die den Weg der Erkenntnis eröffnet, Glückverheißende: Nimm diesen Sitz zu meinem Wohlergehen an, Herrin der Götter.
48. Fundstelle: 22.NP.6 – Uttarārdha, Druckseite 188 · Textzusammenhang
oṃ svāgataṃ kuśalaṃ pṛcche mahādevi maheśvari |
sukhāgataṃ tvayā bhadre kṛpayā bhaktavatsale || 6 ||
Oṃ. Willkommen! Ich frage nach deinem Wohlergehen, große Göttin, höchste Herrin. Mögest du freundlich angekommen sein, Glückverheißende, die du aus Mitgefühl deinen Verehrern zugetan bist.
49. Fundstelle: 22.NP.12 – Uttarārdha, Druckseite 189 · Textzusammenhang
jñānamūrte bhadrakāli divyamūrte sureśvari |
snānaṃ gṛhāṇa deveśi tīrthodakavibhūṣitam || 12 ||
Verkörperung der Erkenntnis, Bhadrakālī, göttliche Gestalt, Herrin der Himmelswesen: Nimm dieses Bad an, Herrin der Götter, bereichert mit Wasser heiliger Stätten.
50. Fundstelle: 22.NP.26 – Uttarārdha, Druckseite 190 · Textzusammenhang
bhagavati mahāmāye cāmuṇḍe pāpahāriṇi |
yaśo dehi dhanaṃ dehi tava bhaktiṃ ca dehi me || 26 ||
Bhagavatī, Mahāmāyā, Cāmuṇḍā, die das Unheilsame wegnimmt: Gib mir guten Ruf, gib mir Wohlstand und gib mir Hingabe an dich.
Aus Kapitel 23
51. Fundstelle: 23.AM.5 – Uttarārdha, Druckseite 211 · Textzusammenhang
dāridryadāvānaladahyamānaṃ pāhyannapūrṇe girirājakanye |
kṛpāmbudhau majjaya māṃ tvadīye tvatpādapadmārpitacittavṛttim || 5 ||
Annapūrṇā, Tochter des Bergkönigs, beschütze mich, der ich im Waldbrand der Armut brenne. Tauche mich in deinen Ozean des Mitgefühls, mich, dessen Gedankenbewegungen deinen Lotusfüßen dargebracht sind.
52. Fundstelle: 23.AM.6 – Uttarārdha, Druckseite 211 · Textzusammenhang
ityannapūrṇāstutiratnametacchlokatrayaṃ yaḥ paṭhatīha bhaktyā |
tasmai dadātyannasamṛddhimambā śriyaṃ ca vidyāṃ ca yaśaśca bhuktim || 6 ||
Wer dieses Juwel des Annapūrṇā-Lobes, diese drei Verse, hier mit Hingabe rezitiert, dem schenke die Mutter Fülle an Nahrung, Wohlergehen, Wissen, Ruhm und Lebensgenuss. Die Hauptlesung ist bhukti, nicht mukti; „Befreiung“ wird deshalb hier nicht eingesetzt.
Aus Kapitel 27
53. Fundstelle: 27.SHR.44 – Uttarārdha, Druckseite 444 · Textzusammenhang
ya evaṃ śrīkaraṃ viṣṇuṃ bhajedbhaktiyuto naraḥ |
bhuktveha sakalān bhogān yāti viṣṇoḥ paraṃ padam ||44||
Wer Viṣṇu als Śrīkara auf diese Weise mit Hingabe verehrt, genießt hier die Freuden des Lebens und gelangt danach zu Viṣṇus höchstem Ort.
Aus Kapitel 28
54. Fundstelle: 28.HST.14 – Uttarārdha, Druckseite 484 · Textzusammenhang
piśaṅgāṅgāya sarvāya vajradehāya te namaḥ |
kaupīnavāsase tubhyaṃ rāmabhaktiratāya ca || 14 ||
Dem gelblichbraun Gliedernden, dem Allumfassenden mit diamantenem Leib, der den Lendenschurz trägt und an der Hingabe an Rāma Freude hat: Verehrung dir!
55. Fundstelle: 28.KRS.54 – Uttarārdha, Druckseite 496 · Textzusammenhang
madhyāhne kṛṣṇamevaṃ yaḥ pūjayedbhaktitatparaḥ |
gīrvāṇavṛndavandyo'sau saṃmataḥ sarvajantuṣu ||54||
Wer Kṛṣṇa am Mittag so mit ganzer Hingabe verehrt, wird nach der Verheißung von den Götterscharen verehrt und von allen Wesen geachtet.
56. Fundstelle: 28.KRS.64 – Uttarārdha, Druckseite 496 · Textzusammenhang
nīlendīvarasatkāntiṃ śāntimūrtiṃ guṇālayam |
sarojadalasaṃkāśanetraṃ makarakuṇḍalam ||64||
Er besitzt den herrlichen Glanz eines blauen Lotus, ist die Verkörperung des Friedens und die Stätte guter Eigenschaften; seine Augen gleichen Lotusblättern, seine Ohrringe haben Makara-Gestalt.
Aus Kapitel 29
Zum Zusammenhang: Das mit „ihn“ und „er“ bezeichnete Gegenüber in 57–58 ist Gopāla-Kṛṣṇa. Beide Verse gehören zur selben Darstellung seiner Verehrung und sollten zusammen gelesen werden.
57. Fundstelle: 29.SMG.40 – Uttarārdha, Druckseite 525 · Textzusammenhang
sarvairbhaktiratipremabhāvabhārānatāṅgakaiḥ |
stuvadbhiḥ stutibhiḥ samyak sevāsaṃsaktamānasaiḥ || 40 ||
Alle beugen sich unter der Fülle von Hingabe, Zuneigung und Liebe. Sie preisen ihn mit Hymnen, ihr Geist ist ganz auf seinen Dienst gerichtet.
58. Fundstelle: 29.SMG.41 – Uttarārdha, Druckseite 525 · Textzusammenhang
caturvargapradaṃ nityaṃ manovācāmagocaram |
svatejasi sthitaṃ magnaṃ mahānandasudhāmbudhau || 41 ||
Er verleiht die vier Lebensziele, ist ewig und liegt jenseits des Zugriffs von Denken und Sprache. In seinem eigenen Licht ruhend, ist er in das Nektarmeer großer Glückseligkeit versunken.
59. Fundstelle: 29.SAR.2 – Uttarārdha, Druckseite 551 · Textzusammenhang
bhikṣāhāro'thavā vītasaṅgaḥ santoṣavān sadā |
mantramāvartayennityamārādhanaparāyaṇaḥ || 2 ||
Oder man lebe von erbettelter Nahrung, sei frei von Anhaftung und stets zufrieden. Der Verehrung ganz zugewandt wiederhole man täglich den Mantra.
Aus Kapitel 30
60. Fundstelle: 30.LIN.28 – Uttarārdha, Druckseite 575 · Textzusammenhang
pāpaśuddhirna cet puṃsaḥ kriyāḥ sarvāśca niṣphalāḥ |
jñānaṃ ca hīyate tasmāt kartavyaṃ pāpaśodhanam || 28 ||
Wird der Mensch nicht von seinem Unrecht gereinigt, bleiben seine Handlungen ohne Frucht. Auch seine Erkenntnis nimmt ab; deshalb ist die Reinigung von Verfehlungen zu vollziehen.
61. Fundstelle: 30.PAS.13 – Uttarārdha, Druckseite 592 · Textzusammenhang
pūjayedvidhinānena rudraṃ paramabhaktitaḥ |
yaḥ sa sarvānavāpyeha kāmānante śivo bhavet || 13 ||
Wer Rudra nach dieser Vorschrift mit höchster Hingabe verehrt, erlangt hier alle Wünsche und wird am Ende Śiva.
Aus Kapitel 31
62. Fundstelle: 31.JAY.5 – Uttarārdha, Druckseite 637 · Textzusammenhang
jaya nātha kṛpāsindho jaya bhaktārtibhañjana |
jaya dustarasaṃsārasāgarottāraṇa prabho ||5||
Heil dir, Herr, Meer des Mitgefühls, der du das Leid deiner Verehrenden zerbrichst! Heil dir, Gebieter, der du über das schwer zu durchquerende Meer des Daseins führst!
63. Fundstelle: 31.GAY.1 – Uttarārdha, Druckseite 639 · Textzusammenhang
atho vakṣyāmi gāyatrīṃ tadrūpāṃ trayīmayīm |
yayā prakāśyate brahma saccidānandalakṣaṇam ||1||
Nun werde ich die Gāyatrī erklären, die von jener Gestalt ist und aus den drei Veden besteht; durch sie wird Brahman offenbar, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.
64. Fundstelle: 31.TV.13 – Uttarārdha, Druckseite 664 · Textzusammenhang
kāmeśvaryādidevyaḥ syuḥ saṃvit kāmeśvaraḥ smṛtaḥ |
svātmaiva devatā proktā lalitā viśvavigrahā || 13 ||
Diese sind Kāmeśvarī und die anderen Göttinnen. Reines Bewusstsein gilt als Kāmeśvara. Das eigene Selbst ist die Gottheit: Lalitā, deren Gestalt das ganze Universum ist.
65. Fundstelle: 31.TV.20 – Uttarārdha, Druckseite 665 · Textzusammenhang
mohājñānādiduḥkhānāmātmanyastamayo hutam |
abhiṣekastu vidyā syādātmā sarvāśrayo mahān || 20 ||
Das Opfer ist das Aufgehen von Verblendung, Unwissenheit und den daraus entstehenden Leiden im Selbst. Abhiṣeka, die rituelle Begießung, ist Erkenntnis: Das Selbst ist groß und die Grundlage von allem.
Aus Kapitel 32
66. Fundstelle: 32.SGP.10 – Uttarārdha, Druckseite 669 · Textzusammenhang
guṇakhaṭvāṅgadaṇḍāṅkuśān vahantīṃ karāmbujaiḥ |
indragopāruṇāṃ dhyāyet kaumārīṃ karuṇālayām || 10 ||
Kaumārī, ein Hort des Mitgefühls, leuchtet rot wie das Indragopa-Insekt. Ihre Lotushände tragen Schlinge, Khaṭvāṅga-Stab, Stab und Haken.
67. Fundstelle: 32.TKV.8 – Uttarārdha, Druckseite 698 · Textzusammenhang
evaṃ santoṣya tatpaścāt pūrvavat sopacārakaiḥ |
sarvābhīṣṭaṃ ca samprārthya praṇamyodvāsayet sudhīḥ || 8 ||
Nach dieser Zufriedenstellung folgen wie zuvor die Verehrungsgaben. Der Übende erbittet das Erstrebte, verneigt sich und verabschiedet die Gottheit.
Aus Kapitel 33
68. Fundstelle: 33.NST.10 – Uttarārdha, Druckseite 747 · Textzusammenhang
idaṃ vyāsamukhotpannaṃ ye paṭhanti samāhitāḥ |
divā vā yadi vā rātrau śāntisteṣāṃ bhaviṣyati || 10 ||
Wer diesen aus Vyāsas Mund hervorgegangenen Hymnus gesammelt am Tag oder in der Nacht liest, soll Frieden erfahren.
69. Fundstelle: 33.PAR.27 – Uttarārdha, Druckseite 764 · Textzusammenhang
sarvajña jñānavijñānapradānaikamahātmane |
namaste devadeveśa sarvabhūtahite rata || 27 ||
Allwissender, große Seele, deren einziges Wirken das Schenken von Wissen und verwirklichter Erkenntnis ist: Verehrung dir, Herr der Götter, der sich dem Wohl aller Wesen widmet.
Aus Kapitel 34
70. Fundstelle: 34.SBR.21 – Uttarārdha, Druckseite 793 · Textzusammenhang
ādityābhimukhastiṣṭhan gāyatrīṃ ca śataṃ japet |
gāyatryabhiniyuktasya jñānamutpadyate'cirāt || 21 ||
Zur Sonne gewandt stehend wiederholt man die Gāyatrī hundertmal. Wer sich ganz dieser Gāyatrī zuwendet, dem soll bald Erkenntnis entstehen.
71. Fundstelle: 34.SVD.9 – Uttarārdha, Druckseite 808 · Textzusammenhang
svātmānaṃ mūlasūtroktakramāt samyag vibhāvayet |
sahasrabhedasaṃbhinnā nityeyaṃ śrīmahācitiḥ || 9 ||
Das eigene Selbst wird nach der Ordnung des Grundtextes vergegenwärtigt. Diese ewige, herrliche große Bewusstseinskraft entfaltet sich in tausend Unterscheidungen.
72. Fundstelle: 34.SVD.10 – Uttarārdha, Druckseite 808 · Textzusammenhang
tebhyaḥ sāratarā mūrtiḥ samayākhyā nigadyate |
atasīpuṣpasaṃkāśaśarīrāṃśudharā citiḥ || 10 ||
Ihre innerste Gestalt wird Samayā genannt. Diese Bewusstseinsmacht trägt Körperstrahlen von der Farbe der blauen Flachsblüte.
Aus Kapitel 35
Die Namenshymnen preisen die Göttin als Frieden, Erinnerung, Bewusstheit und Befreiung. Die anschließende Lehre beschreibt Befreiung im Leben und unterscheidet Körper, Erkenntnisvermögen und Bewusstsein.
Zum Zusammenhang: Die Einträge 73–76 sind Verse aus einem Göttinnen-Namenshymnus. Die aneinandergereihten Eigenschaften und Bezeichnungen sind Anrufungen, keine voneinander unabhängigen Lehrsätze.
73. Fundstelle: 35.NVS.15 – Uttarārdha, Druckseite 827 · Textzusammenhang
paramā parameśī ca sadasaccākhilātmikā |
nārī śivā siṃhavāhinyambikā bhadrakālikā || 15 ||
Die Höchste, die höchste Herrin, die das Selbst alles Seienden und Nichtseienden ist; die Frau, die Segensreiche, die Löwenreiterin, Ambikā und Bhadrakālikā.
74. Fundstelle: 35.NVS.24 – Uttarārdha, Druckseite 827 · Textzusammenhang
śāntirūpā tathā śraddhārūpā kāntisvarūpiṇī |
lakṣmīrūpā vṛttirūpā dhṛtirūpā tataḥ param || 24 ||
Die Gestalt des Friedens, des Vertrauens, der Schönheit, des Glücks, des Lebensunterhalts und der Festigkeit.
75. Fundstelle: 35.NVS.25 – Uttarārdha, Druckseite 827 · Textzusammenhang
smṛtirūpā dayārūpā tuṣṭirūpā tataḥ param |
puṣṭirūpā mātṛrūpā bhrāntirūpā tathaiva ca || 25 ||
Die Gestalt des Erinnerns, des Mitgefühls, der Zufriedenheit, des Gedeihens, der Mutter und des Irrtums.
76. Fundstelle: 35.NVS.39 – Uttarārdha, Druckseite 828 · Textzusammenhang
saṃmohinī ca vidyā ca svargamuktipradāyinī |
aśeṣajanahṛtsaṃsthā tathā nārāyaṇī śivā || 39 ||
Die Verblendende, das Wissen, die Himmel und Befreiung Verleihende, die in den Herzen aller Menschen Wohnt; Nārāyaṇī und Śivā.
77. Fundstelle: 35.NLK.50 – Uttarārdha, Druckseite 830 · Textzusammenhang
kālacakrasya nityāyā lokasya ca bahiḥsthitam |
vyomarūpamanādyantaṃ yaccinmayamāvayoḥ || 50 ||
Was außerhalb von Zeitrad, Nityā und Welt besteht, ist raumartig, ohne Anfang und Ende: Es ist das aus Bewusstsein bestehende Wesen von uns beiden.
78. Fundstelle: 35.NLK.51 – Uttarārdha, Druckseite 830 · Textzusammenhang
yo vettyevamaśeṣaṃ tu nityāvaibhavamīritam |
sa jīvanmukta eveti proktaṃ tacca mayā ca te || 51 ||
Wer die so erklärte ganze Herrlichkeit der Nityās erkennt, wird als schon im Leben befreit bezeichnet. Dies habe ich dir gesagt.
79. Fundstelle: 35.SPV.23 – Uttarārdha, Druckseite 831 · Textzusammenhang
pāśinī pāśavicchedā vāṇinī śāradā śivā |
acintyānandacaritā tāriṇī dharmavikramā || 23 ||
Pāśinī, die Schlingenträgerin; Pāśavicchedā, die Fesseln durchschneidet; Vāṇinī, Śāradā, Śivā, Acintyānandacaritā, deren Wirken unvorstellbare Glückseligkeit ist; Tāriṇī, die Hinüberführende, und Dharmavikramā.

80. Fundstelle: 35.SPV.47 – Uttarārdha, Druckseite 832 · Textzusammenhang
vāgbhavā varadā vāṇī śāntiḥ kṣāntiḥ kriyā dayā |
marīciraṅgirā prajñā sṛṣṭiḥ śraddhā ca sannatiḥ || 47 ||
Vāgbhavā, Varadā, Vāṇī, Śānti, Kṣānti, Kriyā, Dayā, Marīci, Aṅgirā, Prajñā, Sṛṣṭi, Śraddhā und Sannati. Die Namen verbinden Sprache mit Frieden, Geduld, Handeln, Mitgefühl, Erkenntnis und Vertrauen.
81. Fundstelle: 35.SPV.58 – Uttarārdha, Druckseite 833 · Textzusammenhang
sumanā unmanā gānapriyā kalyāṇadāyinī |
mahanīyaguṇā ratnabhūṣaṇā janarañjinī || 58 ||
Sumanā, Unmanā, Gānapriyā, Kalyāṇadāyinī, Mahanīyaguṇā, Ratnabhūṣaṇā und Janarañjinī: die Wohlgesinnte, die über den gewöhnlichen Geist Hinausgehende, die Gesang liebt, Heil verleiht, ehrwürdige Eigenschaften besitzt, Juwelenschmuck trägt und die Menschen erfreut.
82. Fundstelle: 35.SPV.66 – Uttarārdha, Druckseite 833 · Textzusammenhang
śūnyarūpā'śūnyarūpā śūnyāśūnyavivarjitā |
citsvarūpā cidaṃśā ca nirvikalpā nirīhikā || 66 ||
Die Gestalt der Leere, die Gestalt der Nichtleere und die von Leere und Nichtleere Freie; die Gestalt des Bewusstseins, dessen Anteil, die Ununterschiedene und die ohne Begehren Tätige beziehungsweise Absichtslose.
83. Fundstelle: 35.SPV.69 – Uttarārdha, Druckseite 833 · Textzusammenhang
sudhāpānaratā saudhī sudhāsārā sudhātmikā |
paramātmasvarūpā ca kuṇḍalinyamitaprabhā || 69 ||
Die Freude am Nektartrinken hat, die Nektarhafte, die Essenz des Nektars, die aus Nektar Bestehende; die Gestalt des höchsten Selbst, Kuṇḍalinī und die von unermesslichem Glanz.
84. Fundstelle: 35.SPV.74 – Uttarārdha, Druckseite 833 · Textzusammenhang
jāgradrūpā svapnarūpā tathā suṣuptirūpiṇī |
avasthātrayavinirmuktā cidānandasvarūpiṇī || 74 ||
Die Gestalt des Wachens, des Träumens und des Tiefschlafs; die von den drei Zuständen Freie, deren Wesen Bewusstsein und Glückseligkeit ist.
85. Fundstelle: 35.SPV.76 – Uttarārdha, Druckseite 833 · Textzusammenhang
bhaktapriyā muktidātrī bhuktidā bhuvanātmikā |
janmasaṃsārabandhaghnī jananī janakātmikā || 76 ||
Die ihren Verehrern Liebe, die Befreiung schenkt, Genuss verleiht und das Wesen der Welt ist; die die Bindung an Geburt und Daseinskreislauf löst, die Mutter und die vom Wesen des Vaters.
Zum Zusammenhang: Die Verse 86–87 beschreiben den schon im Leben befreiten Übenden. Gelassenheit und Zufriedenheit stehen dabei ausdrücklich neben Mitgefühl und gutem Verhalten.
86. Fundstelle: 35.PAH.29 – Uttarārdha, Druckseite 835 · Textzusammenhang
nirupādhikasantuṣṭaḥ svecchādhīnecchayā yutaḥ |
svadehamātrayātraśca samaśca stutinindayoḥ || 29 ||
Seine Zufriedenheit hängt von keiner äußeren Bedingung ab; sein Wollen steht unter eigener Führung. Er sorgt nur für den notwendigen Fortgang seines Körpers und bleibt gleichmütig bei Lob und Tadel.
87. Fundstelle: 35.PAH.30 – Uttarārdha, Druckseite 835 · Textzusammenhang
samārimitraḥ kalyāṇaguṇaśīladayānvitaḥ |
evaṃ sa kathito jīvanmukto lokeṣu sādhakaḥ || 30 ||
Freund und Feind begegnet er mit Gleichmut; er besitzt gute Eigenschaften, guten Wandel und Mitgefühl. So wird in den Welten der schon im Leben befreite Übende beschrieben.
88. Fundstelle: 35.LSP.2 – Uttarārdha, Druckseite 836 · Textzusammenhang
dāridryadhvaṃsanīṃ pūjāṃ lalitāyāḥ savistaram |
śīghrasaṃpatsiddhibhūtāṃ kṛpayā vada me prabho || 2 ||
Beschreibe aus Mitgefühl ausführlich die Armut überwindende Verehrung Lalitās, die rasch zum Erlangen von Wohlergehen führen soll, Herr.
89. Fundstelle: 35.LSP.12 – Uttarārdha, Druckseite 836 · Textzusammenhang
vijñānasaṃpatsukhadā hyaśvapūrṇā hiraṇmayī |
vicitravāṅmūrtikarī rathamadhyā manoharā || 12 ||
Die verwirklichte Erkenntnis, Wohlergehen und Glück schenkt; die von Pferden Erfüllte, die Goldene, die vielfältige Ausdruckskraft der Sprache bewirkt; die inmitten von Wagen steht und den Geist erfreut.
90. Fundstelle: 35.LSP.16 – Uttarārdha, Druckseite 836 · Textzusammenhang
śāntiḥ kāntiḥ padmasaṃsthā kamanīyaguṇāśrayā |
kṣāntirdāntiśca duritakṣayakāriṇyataḥ param || 16 ||
Frieden, Schönheit, die im Lotus Stehende, der Sitz liebenswerter Eigenschaften; Geduld, Selbstbeherrschung und die das Schwinden von Fehlhandlungen bewirkt.
91. Fundstelle: 35.LSP.26 – Uttarārdha, Druckseite 837 · Textzusammenhang
prasannahṛdayā caiva paripūrṇā hiraṇmayī |
vasundharā śrīdharā ca vasudogdhrī kṛpāmayī || 26 ||
Die mit freundlichem Herzen, die ganz Erfüllte, die Goldene; Vasundharā, Śrīdharā, die Reichtum wie Milch spendet und aus Mitgefühl besteht.
92. Fundstelle: 35.LSP.36 – Uttarārdha, Druckseite 837 · Textzusammenhang
rājyalakṣmīrdivyalakṣmīḥ suśrīrmaṅgaladevatā |
bhaktidā muktidā caiva bhuktidā sadgatipradā || 36 ||
Rājyalakṣmī, Divyalakṣmī, Suśrī, die Glücksgottheit, die Hingabe schenkt, Befreiung verleiht, Genuss gibt und einen guten Weg gewährt.
93. Fundstelle: 35.TEQ.11 – Uttarārdha, Druckseite 839 · Textzusammenhang
yajjñānamidamo jñāne yajjñānamahamastathā |
dvayorapi ca yajjñānaṃ tajjñānaṃ viddhi me vapuḥ || 11 ||
Das Erkennen im Wissen „dies“, das Erkennen im Wissen „ich“ und das Erkennen beider: Erkenne dieses Bewusstsein als meine Gestalt.
94. Fundstelle: 35.TEQ.15 – Uttarārdha, Druckseite 839 · Textzusammenhang
tenaiva prāṇināṃ puṇyapāpakarmasu vartanam |
yathātmajñānato'rtheṣu vyāpāraḥ puṇyasaṃjñakaḥ || 15 ||
Daraus ergibt sich das Handeln der Lebewesen in Verdienst und Schuld. Das auf die Dinge gerichtete Wirken gemäß wahrer Selbsterkenntnis heißt verdienstvoll.
95. Fundstelle: 35.TEQ.17 – Uttarārdha, Druckseite 839 · Textzusammenhang
yathārthajñānamarthānāṃ muktestadviparītataḥ |
saṃsṛtirmocanaṃ buddhervāsanā bandha īritaḥ || 17 ||
Wahres Erkennen der Dinge ist Befreiung; sein Gegenteil ist Daseinskreislauf. Die Befreiung betrifft das Erkenntnisvermögen; seine Prägung wird Bindung genannt.
96. Fundstelle: 35.TEQ.18 – Uttarārdha, Druckseite 839 · Textzusammenhang
karmakṣayāt sadgurostu kaṭākṣoktivimarśataḥ |
mocanaṃ sarvajantūnāṃ netareṇa kadācana || 18 ||
Durch das Schwinden von Karma und durch das Erkennen, das aus Blick und Wort des wahren Gurus erwächst, geschieht die Befreiung aller Wesen, nach der Aussage der Quelle durch nichts anderes.
97. Fundstelle: 35.TEQ.39 – Uttarārdha, Druckseite 840 · Textzusammenhang
bhūtātmabuddhisaṃghātaśakticaitanyajṛmbhaṇam |
prāṇāstatsākṣibhūto hi jīvastattvātmakaḥ paraḥ || 39 ||
Die Prāṇas sind die Entfaltung des Bewusstseins und der Kraft im Gefüge aus Elementen, Selbst und Erkenntnisvermögen. Der Jīva ist dessen Zeuge; das Höchste besteht aus dessen wahrem Wesen.
98. Fundstelle: 35.TEQ.43 – Uttarārdha, Druckseite 840 · Textzusammenhang
lavatruṭyādayo yattadbhāṣyante khaṇḍakāstu tat |
kālasya rūpaṃ tatproktaṃ yadanādyantavigraham || 43 ||
Lava, Truṭi und andere Einheiten, von denen gesprochen wird, sind ihre Unterteilungen. Die Gestalt der Zeit selbst wird als ohne Anfang und Ende beschrieben.
99. Fundstelle: 35.TEQ.54 – Uttarārdha, Druckseite 840 · Textzusammenhang
yena śrutena citte me śuśrūṣānyasya no bhavet |
tathā me sarvasandehāṃśchindhi pūrṇopadeśataḥ || 54 ||
Lass mich so hören, dass mein Geist nicht mehr nach einer anderen Erklärung verlangt. Durch vollständige Unterweisung löse alle meine Zweifel.
100. Fundstelle: 35.TEQ.58 – Uttarārdha, Druckseite 840 · Textzusammenhang
yādṛkkārarūpeṇaiva madhūcchiṣṭādivigraham |
jīvādirūpato buddhirviśeṣayati tatparam || 58 ||
Wie Bienenwachs und ähnliche Stoffe je nach Bearbeitung verschiedene Gestalten annehmen, so unterscheidet das Erkenntnisvermögen das Höchste in Formen wie Jīva und andere.
101. Fundstelle: 35.SVP.7 – Uttarārdha, Druckseite 857 · Textzusammenhang
ātmānamagnīṣomākhyapakṣayugmaṃ śivātmakam |
hakāreṇa bahiryāntaṃ viśantaṃ ca sakārataḥ ||7||
Das eigene Selbst wird als Śiva betrachtet, mit den beiden Flügeln Feuer und Soma: Mit ha geht es hinaus, mit sa tritt es ein.
Aus Kapitel 36
Vom Meditationsbild geht der Blick zum Ungeteilten. Die letzten ausgewählten Verse stehen im Zusammenhang von Sterbebegleitung und Totengedenken; ihre rituellen Aussagen sind aus diesem Zusammenhang zu lesen.
102. Fundstelle: 36.DHY.1 – Uttarārdha, Druckseite 891 · Textzusammenhang
evaṃ nyastatanurdevi dhyāyeddevamananyadhīḥ |
amṛtārṇavamadhyodyatsvarṇadvīpe manorame || 1 ||
Nachdem der Nyāsa so am Körper vollzogen ist, o Göttin, meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit den Gott auf der lieblichen goldenen Insel, die mitten aus dem Nektarozean aufragt.
103. Fundstelle: 36.DHY.7 – Uttarārdha, Druckseite 891 · Textzusammenhang
evaṃ cittāmbuje dhyāyedardhanārīśvaraṃ śivam |
puṃrūpaṃ vā smareddevi strīrūpaṃ vā vicintayet || 7 ||
So meditiere man im Lotus des Gemüts Śiva als Ardhanārīśvara, den Herrn, dessen eine Hälfte Frau ist. Oder man erinnere sich an eine männliche Gestalt, o Göttin, oder betrachte eine weibliche Gestalt.
104. Fundstelle: 36.DHY.8 – Uttarārdha, Druckseite 892 · Textzusammenhang
athavā niṣkalaṃ dhyāyet saccidānandalakṣaṇam |
sarvatejomayaṃ dhyāyet sacarācaravigraham || 8 ||
Oder man meditiere das Ungeteilte, gekennzeichnet durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Man meditiere das ganz aus Licht Bestehende, dessen Gestalt alles Bewegliche und Unbewegliche ist.
105. Fundstelle: 36.TSD.23 – Uttarārdha, Druckseite 899 · Textzusammenhang
sarvamantramayīṃ devīṃ sarvasaubhāgyasundarīm |
sarvalakṣmīmayīṃ nityāṃ paramānandananditām || 23 ||
Die Göttin besteht aus allen Mantras, ist schön mit allem Glück, umfasst alle Fülle, ist ewig und erfreut sich höchster Glückseligkeit.
Zum Zusammenhang: Mit 106–108 führt die Auswahl in den Zusammenhang von Sterbebegleitung und letzten Riten. Die Hinwendung des Sterbenden in 106 und die geistige Ausführung in 108 beziehen sich auf diese besondere Situation.
106. Fundstelle: 36.ANT.23 – Uttarārdha, Druckseite 911 · Textzusammenhang
yasmin niṣṭhā parā tasya tatkarṇe sarvathā japet |
anusandhānabāhulyāt tatra cittalayo bhavet || 23 ||
Worin dessen höchste Hinwendung ruht, das soll man ihm ins Ohr sprechen. Durch die oft wiederholte innere Verbindung möge sein Bewusstsein darin zur Ruhe kommen.
107. Fundstelle: 36.ANS.2 – Uttarārdha, Druckseite 913 · Textzusammenhang
nirvāṇavidyānirato nirvāṇapadabhāgbhavet |
śrutaitasmiṃstathāntyeṣṭikartā sa śivasaṃyutaḥ || 2 ||
Wer sich ganz der befreienden Vidyā widmet, soll die Stätte der Befreiung erlangen. Wenn sie gehört worden ist, ist auch der Vollzieher des letzten Opfers mit Śiva verbunden.
108. Fundstelle: 36.ANS.62 – Uttarārdha, Druckseite 915 · Textzusammenhang
tathāpi kuryāt siddhyarthamātmanaḥ sarvamāstikaḥ |
athavā manasā kuryādekānte svayamāstikaḥ || 62 ||
Dennoch soll der Glaubende zur eigenen Vollendung alles vollziehen. Oder er führe es selbst in der Abgeschiedenheit im Geist aus.
Vom Lesen zum gelebten Verständnis
Ein Vers kann durch wiederholtes Lesen vertraut werden, ohne seine Tiefe zu verlieren. Wähle eine Stelle, die dich anspricht, lies ihre Übersetzung und ihren Textzusammenhang und lass eine Frage daraus entstehen. Bei den Versen über Mitgefühl könnte sie lauten: Wie verändert sich meine nächste Begegnung, wenn ich wirklich zuhöre? Bei den Versen über Bewusstsein: Was genau bezeichnet der Text hier als Selbst? Solche heutigen Betrachtungen verbinden persönliche Nähe mit sorgfältigem Studium.
Die Mantrasammlung erschließt den Klang und die verschiedenen Funktionen der Formeln. Für eine ausführlichere Begegnung mit einem Kapitel führt jeder Quellenlink zurück zur deutschen Übersetzung.
Begleitende Vorträge
Die folgenden Yoga-Vidya-Vorträge begleiten das heutige Studium; sie sind keine Rezitation der hier ausgewählten Verse.
Textgrundlage
Die Sanskritstellen und Übersetzungen stammen aus der vorliegenden Ausgabe des Shri Vidyarnava Tantra. Für Śvāsa 1–18 liegt der Muktabodha-E-Text M00217 zugrunde (Erfassung unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; CC BY-NC 4.0). Für Śvāsa 19–36 wurden die gespeicherten, am Druck abgeglichenen Transkriptionen der Ausgabe von Ram Chandra Kak und Harabhatta Shastri verwendet: Uttarārdha, 1937. Die zugehörigen Hinweise stehen im Hauptartikel. Diese Lesefassung beansprucht keine neue kritische Edition.
Siehe auch
- Sri Vidya
- Tripurasundari
- Shri Yantra
- Guru
- Mantra
- Nityashodashikarnava
- Parashurama Kalpasutra
- Dakshinamurti Samhita
- Sharada Tilaka Tantra
- Prapanchasara Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Kularnava Tantra
- Mantramahodadhi
- Shaktisangama Tantra
- Tripura Rahasya
Seminare
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
Bhakti Yoga
- 27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM
Konzert mit Shamana OM- Shamana OM
- 31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Konzert mit der Gruppe Mudita- Gruppe Mudita
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Chakras
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…- Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner
Energiearbeit
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski