Parashurama Kalpasutra
Parashurama Kalpasutra (Sanskrit: परशुरामकल्पसूत्र, IAST: Paraśurāmakalpasūtra) ist ein grundlegender Ritual- und Erkenntnistext der Sri Vidya. Im Mittelpunkt steht die Verehrung der Göttlichen Mutter als Lalita und Tripurasundari. Guru, Diksha, Mantra, Nyasa, Shri Chakra und Puja werden hier zu einem zusammenhängenden Weg verbunden: Der Körper wird zum Ort der Verehrung, die Sprache zum Mantra, die Wahrnehmung zur Darbringung und das eigene Bewusstsein zum heiligen Feuer.

„Es gibt nichts Höheres als die Erlangung des Selbst“ (1.28): Dieser Satz erschließt die geistige Mitte des Werkes. Die Göttin, der Blüten, Licht und Mantras dargebracht werden, ist nach seiner Lehre im eigenen Herzen gegenwärtig. Aus diesem Herzen tritt sie in die sichtbare Verehrung hervor; dorthin wird sie am Ende zurückgeführt (4.1; 5.23). Die sorgfältig übertragene Sadhana soll diese Einheit erfahrbar werden lassen.
Darin liegt die besondere Kraft des Parashurama Kalpasutra: Es verbindet die Zärtlichkeit der Hingabe mit der Klarheit der Selbsterkenntnis. Die Göttliche Mutter wird gebadet, geschmückt und zum Verweilen eingeladen. Zugleich wird sie als das Bewusstsein erkannt, in dem Körper, Gedanken und Welt erscheinen. Wer sich auf diese Verbindung einlässt, kann das Ritual als eine Schule der Aufmerksamkeit lesen: Jeder Laut, jede Geste und jede Gabe erhält ihren Sinn durch die innere Gegenwart.
Diese Ausgabe bietet die deutsche Übersetzung aller 337 nummerierten Einheiten der zehn Khaṇḍas. Die beiden Sanskritartikel enthalten den vollständigen entsprechenden Grundtext. Der Ritualtext setzt Einweihung und mündliche Unterweisung voraus; seine knappen Anweisungen sind deshalb zusammen mit seinen Aussagen über Erkenntnis, Verantwortung und Befreiung zu lesen.
Die drei Ausgaben: Einführung und deutsche Übersetzung · Vollständiger Sanskrittext in IAST · Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
Was Yoga-Aspiranten aus dem Parashurama Kalpasutra lernen können
Für Menschen auf dem Weg des Yoga öffnet das Werk einen Zugang zu einer Praxis, in der Hingabe und Erkenntnis einander vertiefen. Sein Ausgangspunkt ist bemerkenswert: Das individuelle Wesen ist Shiva in einer Umhüllung; ohne diese Begrenzung ist es der höchste Shiva (1.5). Spirituelle Praxis richtet sich damit auf das Wiedererkennen einer schon gegenwärtigen Wirklichkeit.
Die Praxis darf den ganzen Menschen umfassen. In 1.11 werden Guru, Mantra, Gottheit, Selbst, Geist und Atem zusammengeführt. Körper, Klang und Aufmerksamkeit wirken dabei zusammen. Der Nyasa heiligt die körperliche Erfahrung; Japa sammelt die Sprache; Bhavana richtet das innere Erleben aus; die Puja gibt der Hingabe eine sichtbare Form.
Das Äußere soll nach innen führen. Die Göttin tritt im Ritual aus dem Herzen in die Verehrungsgestalt hervor (4.1) und wird am Ende wieder mit dem eigenen Selbst vereinigt (5.23). Eine Blüte darzubringen kann so Ausdruck einer tieferen Bewegung werden: Auch das Festhalten an Gedanken, Rollen und Besitzansprüchen darf sich lösen. Diese Übertragung auf den Alltag ist eine heutige Anregung; ihr Ausgangspunkt liegt im Opferbild von 1.26.
Erkenntnis zeigt sich auch im Umgang miteinander. Der Text verlangt, andere Lehrwege nicht herabzusetzen (1.14), ohne Anhaften an die Frucht zu handeln (1.22), wahrhaftig zu sprechen (10.77) und Eigenlob, Beschimpfung und Einschüchterung zu meiden (10.79). Sein Wunsch nach höchster Erfahrung geht mit konkreten Verhaltensregeln einher.
Das Ziel ist innere Freiheit. Die vielen Schritte des Rituals erhalten ihre Richtung durch das Ziel. Als Frucht nennt 1.27 das Gewahrsein gegenstandslosen Bewusstseins; 10.82 beschreibt Jivanmukti, Befreiung noch während des Lebens. So lässt sich der Text auch als Einladung lesen, jede regelmäßige Praxis von innen her zu beleben.
Ein guter Zugang zur Lektüre
Beim ersten Lesen lohnt es sich, mit den Leitsätzen 1.4–28 zu beginnen. Sie nennen die geistige Grundlage, von der die späteren Rituale ausgehen. Die Abschnitte 4.1–3 und 5.12 machen verständlich, wie die verehrte Göttin und das innere Bewusstsein zusammengehören. Kapitel 8 entfaltet die innere Verehrung besonders deutlich; 10.73–82 führt zu Wahrhaftigkeit und Befreiung.
Die ausführlichen Ritualkapitel lassen sich anschließend mit einer einfachen Frage lesen: Was wird hier gesammelt, geheiligt, dargebracht oder in die Einheit zurückgeführt? So bleiben auch lange Namenreihen mit dem geistigen Weg verbunden. Ein einzelner verständlicher Sūtra kann dabei zunächst mehr erschließen als viele Seiten rascher Lektüre. Die 48 ausgewählten Stellen bieten einen weiteren Einstieg.
Diese Leseempfehlung ist eine heutige Orientierung. Die Reihenfolge des überlieferten Grundtextes bleibt in der Übersetzung vollständig erhalten.
Name, Überlieferung und traditionelle Einordnung
Kalpasūtra bezeichnet hier eine in knappen Leitsätzen gefasste Ordnung des Rituals. Viele dieser Sūtras sind umfangreiche Prosaperioden, die zahlreiche Handlungen oder Mantraangaben enthalten. Der Titel ist daher nicht mit einem ausschließlich aus kurzen Aphorismen bestehenden Meditationsbuch gleichzusetzen.
Das Schlusskolophon 10.85 schreibt die Schrift Parashurama, dem Sohn Jamadagnis und Renukas, zu und nennt ihn einen Schüler Mahadevas sowie einen großen Kula-Lehrer. Diese Zuschreibung gehört zum traditionellen Selbstverständnis des Werkes. Sie liefert für sich genommen keine historische Datierung. Die traditionelle Zuschreibung und die historische Entstehungszeit sind daher auseinanderzuhalten.
Die Einleitung 1.2 führt die Lehre auf das Gespräch des höchsten Shiva mit Bhairavi zurück. Anschließend spricht der Text überwiegend in der Form einer Lehranweisung: „Man soll …“. Ein fortlaufender dramatischer Dialog zwischen Parashurama und einem anderen Sprecher liegt in dieser Fassung nicht vor. Der Schluss nennt das Werk eine große Upanishad in zehn Abschnitten und die Essenz der Tripura-Lehre (10.83).
Die konkret verwendete Textgrundlage ist der von Claudia Weber erfasste GRETIL-Text nach der Ausgabe von A. Mahadeva Sastri, Baroda 1923, Gaekwad’s Oriental Series 22. Übersetzt wird der Grundtext, nicht ein mit ihm überlieferter Kommentar.
Parashurama Kalpasutra und Sri Vidya
Sri Vidya bedeutet in diesem Zusammenhang sowohl heiliges Wissen als auch die wirksame Mantragestalt der Göttin. Das Werk entfaltet eine klare Mitte: Lalita ist die Kaiserin, Shyama ihre erste Ministerin und Vartali beziehungsweise Varahi ihre Heerführerin (6.1–2; 7.1). Ganapati eröffnet den Zugang durch Beseitigung der Hindernisse; Para führt in die ausdrückliche Betrachtung des höchsten Bewusstseins.
Diese Ordnung verbindet unterschiedliche Gestalten der Shakti in einem gemeinsamen Verehrungsweg. Ihr geistiger Schlüssel liegt in 5.12: Die Göttin an mehreren Stellen des Chakras ist ein und dieselbe; man soll keinen trennenden Unterschied von Mantra und Gottheit machen. Die Vielheit der Namen dient hier der Entfaltung einer Einheit, die immer wieder erkannt werden soll.
Der Text gehört zugleich in einen Kaula-Zusammenhang. Er spricht von den fünf M, besonderen Ritualstoffen, eingeweihten Teilnehmern und Geheimhaltung. Diese rituelle Eigenart gehört zum Verständnis des Werkes. Für die heutige allgemeine Yogapraxis sind besonders seine Aussagen über Hingabe, Japa, Wahrhaftigkeit und bewusste Vergegenwärtigung fruchtbar.
Die Gestalten des Verehrungsweges
Die einzelnen Gottheiten geben dem Werk seine innere Ordnung. Ihre Rollen werden im Grundtext selbst beschrieben:
| Gottheit | Stellung im Werk | Geistiger Schwerpunkt der betreffenden Abschnitte |
|---|---|---|
| Mahaganapati | Eröffnet die Verehrung durch die Beseitigung von Hindernissen (2.1) | Sammlung und Vorbereitung für den weiteren Weg |
| Lalita / Tripurasundari | Herrin des Shakti-Kreises und Kaiserin (3.1; 6.1) | Verehrung der Göttlichen Mutter und Einheit ihrer vielen Erscheinungsformen |
| Shyama / Matangi | Erste Ministerin und Mutter der Musik (6.1; 7.1) | Mantra, Sprache und die Würdigung musikalischen Ausdrucks |
| Varahi / Vartali | Heerführerin Lalitas (7.1) | Schutz, Zurückhalten schädigender Kräfte und Begünstigung der Guten |
| Para | Herz der Löwenthron-Vidya (8.1) | Bewusstes Erkennen der Einheit aller Wirklichkeitsprinzipien |
Sukadev über Tripurasundari und die Göttliche Mutter.
Werkstruktur und Sūtra-Zählung
Die überlieferte Fassung umfasst zehn Khaṇḍas mit durchgehender eigener Zählung je Abschnitt. Die 337 nummerierten Einheiten schließen Lobverse, größere Mantrakomplexe, Schlussformeln, die Kapitelübersicht und das Schlusskolophon ein; sie sind daher nicht 337 gleich lange Einzelaphorismen.
| Khaṇḍa | Sanskrittitel | Inhalt | Zählung |
|---|---|---|---|
| 1 | Dīkṣā-vidhi | Grundanschauung, Verhaltensregeln und Einweihung | 1.1–1.43 |
| 2 | Gaṇanāyaka-paddhati | Mahaganapati-Verehrung | 2.1–2.10 |
| 3 | Śrī-krama | Vorbereitung der Shri-Verehrung, Nyasa und Arghya | 3.1–3.32 |
| 4 | Lalitā-krama | Herbeirufung Lalitas, 64 Dienste, Nityas und Lehrerlinien | 4.1–4.10 |
| 5 | Lalitā-navāvaraṇa-pūjā | Die neun Verehrungskreise des Shri Chakra | 5.1–5.23 |
| 6 | Śyāmā-krama | Shyama/Matangi, Musik, Sprache und Ritual | 6.1–6.39 |
| 7 | Vārāhī-krama | Varahi/Vartali und ihre Umkreise | 7.1–7.38 |
| 8 | Parā-krama | Para, die 36 Tattvas und das innere Bewusstseinsopfer | 8.1–8.28 |
| 9 | Homa-vidhi | Ordnung des Feueropfers | 9.1–9.29 |
| 10 | Sarva-sādhāraṇa-krama | Allgemeiner Ablauf, Strahlengirlande, Ethik und Befreiung | 10.1–10.85 |
Die Nummern sind in allen drei Artikeln identisch. 10.84 bewahrt die Anfangsworte der Kapitel in rückläufiger Reihenfolge; 10.85 ist das vollständige Schlusskolophon. Die Formeln iti śivam am Ende der Abschnitte werden als heilvoller Abschluss wiedergegeben. In der Nummernfolge fehlen keine Einheiten. Einzelne schwierige Lesungen und besonders verkürzte Ritualangaben werden an Ort und Stelle erläutert.
Guru und Diksha

Der Guru ist im Parashurama Kalpasutra Träger der Überlieferung und lebendige Verbindung zum Ziel. Diksha, die Einweihung, eröffnet den übertragenen Praxisweg. Drei Formen werden genannt: Shakti-Einweihung durch das Eintreten der Kraft, Shiva-Einweihung durch die Auflegung der Füße und Mantra-Einweihung durch Unterweisung (1.32).
Die Einweihung ist von Bildern des Lichts, des Nektars und der inneren Reinigung durchzogen. Der Schüler wird rituell in eine neue Selbstwahrnehmung aufgenommen. Die Umarmung am Schluss und die Aufforderung, sich als erfüllt zu erfahren (1.42–43), geben dieser Übertragung eine persönliche und zugleich geistige Tiefe.
Besonders berührend ist der Abschluss der Einweihung: Der Guru nimmt den Schüler als sein eigenes Selbst an; der Schüler vergegenwärtigt Fülle. Beide Bewegungen gehören zusammen. Die empfangene Lehre soll im eigenen Herzen lebendig werden. Als geistliche Betrachtung lässt sich daraus eine ermutigende Haltung gewinnen: aufrichtig lernen, beharrlich üben und der Möglichkeit inneren Erwachens vertrauen.
Die Schrift verlangt große Bindung an den Guru und formuliert in 10.76 sogar ein Verbot, dessen Wort infrage zu stellen. Das ist als Aussage dieses historischen Textes erkennbar zu halten. Eine heutige Würdigung kann Dankbarkeit, Verbindlichkeit und Lernbereitschaft aufnehmen, ohne daraus eine pauschale Rechtfertigung menschlicher Unfehlbarkeit oder Grenzüberschreitung abzuleiten.
Mantra, Japa und Bija
Ein Mantra gehört hier zur Gegenwart der Gottheit. In seinem Klang wird ihre Kraft angerufen und innerlich vergegenwärtigt. 1.8 spricht von seiner dem Denken nicht zugänglichen Kraft; 1.17 verlangt, die Vidya fortwährend innerlich gegenwärtig zu halten. Bei Japa verbinden sich Laut, Aufmerksamkeit und die Beziehung zur Gottheit.
Bijas sind Keimlaute. Für sie gibt es häufig keine wörtliche Übersetzung. Das Werk bezeichnet sie teilweise mit Decknamen wie Vāk, Maya, Kama, Kamala oder Para, teilweise mit Zahlen und Buchstabengruppen. Die langen Anweisungen in Kapitel 10 sind deshalb nicht ohne Weiteres als ausgeschriebene Rezitationsformeln lesbar. Diese Ausgabe bewahrt den Unterschied zwischen ausdrücklich geschriebenem Laut, verschlüsselter Lautangabe und erklärbarer Bedeutung.
Die Rashmimala, die Strahlengirlande, wird morgens einmal im Geist wiederholt (10.8–10). Sie ordnet mehrere Mantragruppen den inneren Orten vom Wurzelzentrum bis zum Dvadashanta zu. Ihre Schlussaussage ist weitreichend: Der von reiner Vidya erfüllte Mensch ist selbst der höchste Shiva (10.50).
Für das Verständnis von Japa ist die Verbindung mit 1.11 entscheidend: Laut, Atem, Geist und Selbst gehören in einen gemeinsamen Erkenntnisvorgang. Eine heutige praktische Folgerung daraus ist, beim Wiederholen eines vertrauten Mantras immer wieder aufmerksam zu werden: dem Klang lauschen, seine Ausrichtung erinnern und der Stille danach Raum geben. Regelmäßigkeit erhält so eine innere Wärme.
Nyasa – der Körper als heiliger Raum
Nyasa bedeutet ein Auflegen oder Einsetzen. Im Ritual werden Mantralaute, Gottheiten oder Kräfte an bestimmten Körperstellen vergegenwärtigt. Hände, Herz, Kopf, Augen und weitere Orte werden Teil einer geordneten Verehrung. So wird der Körper bewusst in die Sadhana aufgenommen.
Besonders deutlich ist die Verbindung von Körper und Welt in 8.17–19. Die sechsunddreißig Tattvas werden innerlich gesammelt und zum Sitz Paras. Was gewöhnlich als äußere Welt, innere Fähigkeit oder Begrenzung erscheint, wird in die Erkenntnis seiner gemeinsamen Grundlage einbezogen.
Für eine allgemeine Meditation lässt sich daraus die Haltung ableiten, den Körper aufmerksam und würdevoll wahrzunehmen. Dies ist eine heutige Übertragung des Gedankens, nicht der im Werk vorgeschriebene Mantra-Nyasa.
Tripurasundari und Lalita
Lalita erscheint als königliche Mitte des Verehrungsweges. In 4.3 wird sie zugleich als Mutter angerufen, die dem Wohl aller Wesen zugewandt ist. Die Gestalt voller Schönheit, Schmuck und Zuwendung und das höchste Bewusstsein gehören im Text zusammen: Die Herbeirufung beginnt mit dem ursprünglichen Bewusstsein im Herzen (4.1).
Die 64 Dienste von 4.5 entfalten eine liebevolle Aufmerksamkeit bis ins Einzelne: Bad, Gewand, Schmuck, Licht, Speise, Schirm, Spiegel und Lächeln. Spirituell gelesen schulen sie die Fähigkeit, der Gegenwart der Göttin Zeit und Sorgfalt zu schenken. Sie machen aus Verehrung eine vollständige Hinwendung.
Das Wort „Mutter“ in der Anrufung von 4.3 verleiht dieser königlichen Verehrung Nähe. Die Göttin wird als dem Wohl aller Wesen zugewandt angesprochen. Im Gebet können Ehrfurcht und Vertrauen zusammenkommen: das Staunen vor dem unermesslichen Bewusstsein und das schlichte Sich-Anvertrauen an die Göttliche Mutter. Diese Betrachtung erschließt den Ton der Anrufung, ohne ihre rituelle Bedeutung aufzuheben.
Dabei wird die Vielfalt der göttlichen Erscheinungen ausdrücklich in Einheit zurückgebunden. Die Hauptgöttin, die Sechzehnte unter den Nityas und die Göttin im Bindu werden in 5.12 als dieselbe Wirklichkeit bezeichnet.
Shri Chakra und Avarana Puja

Das Shri Chakra wird in 3.9 als Zusammenkunft von fünf Shakti- und vier Shiva-Dreiecken beschrieben. Der Text nennt seine geometrischen Bereiche, die Materialien seiner Darstellung und die Gottheiten, die darin verehrt werden. Kapitel 5 führt durch die neun Avaranas, die Umkreise der Verehrung.
| Kreis | Gestalt | Bezeichnung im Text | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| 1 | Dreifache quadratische Einfassung | Die drei Welten bezaubernd | 5.1–3 |
| 2 | Sechzehn Lotusblätter | Alle Wünsche erfüllend | 5.4 |
| 3 | Acht Lotusblätter | Alles erschütternd | 5.5 |
| 4 | Vierzehn Dreiecksfelder | Alles Glück gewährend | 5.6 |
| 5 | Äußerer Zehnerkreis | Alle Ziele verwirklichend | 5.7 |
| 6 | Innerer Zehnerkreis | Alles schützend | 5.8 |
| 7 | Acht Dreiecksfelder | Alle Krankheiten beseitigend | 5.9 |
| 8 | Inneres Dreieck | Alle Vollendung gewährend | 5.11–13 |
| 9 | Bindu | Ganz aus Glückseligkeit bestehend | 5.14 |
Die Namen drücken die den Kreisen traditionell zugeschriebenen Kräfte aus. Der Weg nach innen lässt sich als geistige Sammlung verstehen: Die Vielzahl der Kräfte wird geordnet, gewürdigt und schließlich auf die eine Mitte bezogen. Für den Text bleibt dies ein konkreter, durch Mantra und Mudra bestimmter Verehrungsvollzug.
Thematische Einführung zum Shri Yantra.
Puja, Homa und rituelle Darbringung

Puja ist im Werk ein Zusammenspiel von äußerer Gabe und innerer Gegenwart. Die wiederholte Bereitung des Arghya verbindet Wasser, Gefäß, Feuer-, Sonnen- und Mondkräfte mit Mantra und Bhavana. Die Dinge werden in eine heilige Beziehung gestellt.
Homa erhält in Kapitel 9 einen eigenen Ablauf. Das äußere Feuer wird ausdrücklich mit dem inneren Bewusstsein verbunden (9.9). Am Ende steht die umfassende Darbringung von allem Gedachten, Gesagten und Getanen an Brahman (9.27). Damit reicht die Opferbewegung über einen einzelnen Ritualmoment hinaus.
Die Schrift enthält auch stoffliche Kaula-Riten mit Alkohol, Fleisch und weiteren historisch bestimmten Gaben sowie Riten zur Beeinflussung oder Schädigung von Gegnern. Diese Stellen werden in der Übersetzung erkennbar belassen. Ihre historische Beschreibung ist von einer Empfehlung heutiger Praxis zu unterscheiden. Ebenso sind die textlichen Verheißungen zu Krankheiten, Lebensdauer oder außergewöhnlichen Fähigkeiten als Verheißungen dieser Tradition zu lesen.
Bhavana und innere Verehrung
Bhavana ist die gesammelte Vergegenwärtigung, durch die eine geistige Wahrheit die eigene Erfahrung prägt. Das Werk fordert Festigkeit darin (1.13). Die innere Vorstellung folgt dabei den Mantras, Gestalten und Zusammenhängen der Überlieferung.
Besonders eindrücklich ist das innere Opfer in 1.26. Nicht nur ein einzelner Gegenstand, sondern alles Erkennbare wird zur Gabe. Die Sinne dienen als Opferlöffel, die Kräfte als Flammen, das eigene Selbst als Feuer. Daraus ergibt sich eine tiefe Perspektive auf Meditation: Wahrnehmungen können auftauchen, ohne dass das Bewusstsein sich auf einen einzelnen Inhalt verengen muss.
Im Para-Krama wird dieser Gedanke ausdrücklich entfaltet. Die Gesamtheit der Tattvas wird im Bewusstseinsfeuer aufgelöst, im Herzen gesammelt und als Sitz der Göttin vergegenwärtigt (8.10; 8.17–19). Prakasha, das Leuchten des Bewusstseins, und Vimarsha, sein bewusstes Sich-Erkennen, werden zusammen verehrt (8.21).
Prakasha und Vimarsha: Bewusstsein, das sich selbst erkennt
Die beiden Begriffe in 8.21 helfen, die innere Verehrung zu verstehen. Prakasha bezeichnet das Leuchten, durch das Erfahrung überhaupt möglich ist. Vimarsha bezeichnet das bewusste Sich-Erkennen dieser Gegenwart. Das Wort „Licht“ meint hier die geistige Helligkeit des Bewusstseins, in der etwas erkannt wird.
Der Text verehrt Para ausdrücklich als Prakasha, als Vimarsha und als ihre Einheit. Die anschließende Darbringung alles Erkennbaren (8.22) vertieft diesen Gedanken: Auch das, was als Gegenüber erscheint, wird auf seine gemeinsame Bewusstseinsgrundlage bezogen. Darin begegnen sich Bhakti und Erkenntnis. Die Göttin wird mit Liebe angerufen und zugleich als das innerste Wesen der eigenen Erfahrung erkannt.
Ritual und spirituelle Transformation
Die wiederkehrende Bewegung des Werkes lässt sich so beschreiben: sammeln, reinigen, vergegenwärtigen, verehren, darbringen und wieder in das Selbst aufnehmen. Jede Handlung erhält ihre geistige Bedeutung durch die innere Beziehung, in der sie geschieht.
Dazu gehört die Verbindung von Regelmäßigkeit und Loslassen. Der tägliche Ablauf bleibt auch dann innerlich gegenwärtig, wenn besondere Ritualstoffe fehlen (1.24). Gleichzeitig soll man ohne Anhaften an die Handlungsfrucht handeln (1.22). Sorgfalt und Freiheit können so zusammenwachsen: Man gibt der Praxis eine verlässliche Form und überlässt ihr Ergebnis dem Göttlichen.
Die Verhaltensregeln geben dieser inneren Arbeit eine menschliche Gestalt. Wahrhaftigkeit, Nichtanhaften, das Unterlassen von Einschüchterung und die Hilfe für Schutzsuchende gehören ausdrücklich zum Weg (10.59; 10.77–80). Eine vertiefte Praxis soll sich im Gespräch, in der Verantwortung und im Umgang mit Verletzlichkeit bewähren.
Bemerkenswert ist auch die Achtung vor anderen Lehrwegen in 1.14. Wer in der eigenen Überlieferung verwurzelt ist, kann anderen Wegen mit Würde begegnen. Ebenso verlangt 6.38, sich von Musik und Gesang nicht abzuwenden und Sänger nicht herabzusetzen. Die Welt des Klangs wird so in die spirituelle Aufmerksamkeit aufgenommen.
Moksha und das Ziel der Sadhana
Moksha erscheint als Erkenntnis des eigenen Wesens. Schon der erste Abschnitt nennt Selbstgewinnung und gegenstandsloses Bewusstsein als Ziel (1.27–28). Der letzte spricht von vollständiger Erkenntnis und Jivanmukti (10.80–82).
Das Bild vom Sterben in Kashi oder im Haus eines sozial Ausgegrenzten unterstreicht diese innere Freiheit. Für den Befreiten hängt die Erfüllung nicht mehr vom äußeren Rang des Ortes ab. Die heilige Mitte, auf die das Ritual hinführt, ist erkannt.
Dieser Gedanke kann auch eine schlichte Praxis erhellen: Der Wert der Sammlung hängt nicht vom Eindruck ab, den sie nach außen macht. Die innere Aufrichtigkeit zählt. Das Werk selbst stellt die Erkenntnis über den gesellschaftlichen Rang des Sterbeortes; seine heutige geistliche Betrachtung darf deshalb dazu ermutigen, auch in unscheinbaren Lebensumständen gewissenhaft und vertrauensvoll zu üben.

Wichtige Begriffe für die Lektüre
| Begriff | Bedeutung im Zusammenhang dieses Werkes |
|---|---|
| Vidya | Heiliges Wissen; häufig zugleich die besondere Mantraform einer Göttin |
| Krama | Geordnete Folge der Verehrung oder ein zusammenhängender Praxisweg |
| Bhavana | Gesammelte innere Vergegenwärtigung |
| Nyasa | Auflegen beziehungsweise Einsetzen von Lauten und Kräften an Körperstellen |
| Avarana | Umkreis eines Yantras mit den dort verehrten Gottheiten |
| Arghya | Rituell bereitete Flüssigkeit zur ehrenden Darbringung |
| Tarpana | Sättigende Darbringung, meist mit Flüssigkeit |
| Upacara | Dienst an der verehrten Gottheit, etwa Bad, Licht oder Speisegabe |
| Paduka | Wörtlich die Sandalen; in der Verehrung die geheiligte Gegenwart der Füße des Gurus oder der Gottheit, auch in einer Mantraformel |
| Bali | Besondere Opfergabe, unter anderem an begleitende oder schützende Mächte |
| Tattva | Wirklichkeitsprinzip; die 36 Tattvas umfassen im Text die Welt und ihre Bewusstseinsgrundlage |
| Dvadashanta | Ein durch das Zwölf-Finger-Maß bezeichneter subtiler Ort; im oberen Bezug der hier beschriebenen Praxis ein Bereich über dem Kopf |
Die kurzen Erklärungen dienen der Orientierung. Die genaue Funktion ergibt sich jeweils aus dem betreffenden Sūtra.
Deutsche Übersetzung des Parashurama Kalpasutra
Die folgende Übersetzung folgt sämtlichen nummerierten Einheiten der GRETIL-Grundlage. Ergänzende Verständnis- und Textnotizen sind kursiv gekennzeichnet. Sanskritnamen von Gottheiten und Ritualkräften bleiben als Namen stehen. Ausgeschriebene Mantras werden, wo nötig, innerhalb der deutschen Erklärung zitiert; ihre Bedeutungsübersetzungen ersetzen keine Rezitationsfassung. Vollständige Lautfolgen, auch der umfangreichen Mantra-Anweisungen, sind unter derselben Nummer im IAST-Artikel nachlesbar.
Die Deckbezeichnungen „Erstes“, „Zweites“ und „Mittleres“ werden beibehalten, wo die Vorlage sie verwendet. Sie gehören zur kodierten Benennung der Kaula-Ritualstoffe. Eine durchgehende Auflösung in vermeintlich eindeutige moderne Zutaten würde den verkürzten Text an einzelnen Stellen überinterpretieren. Zahlengebundene Bija-Namen bleiben ebenfalls als solche erhalten.
Erster Khaṇḍa: Einweihung – Dīkṣā-vidhi
1.1 Nun wollen wir die Einweihung erklären.
1.2 Der erhabene höchste Herr Shiva hat spielerisch, indem er die jeweils entsprechenden Zustände annahm, die achtzehn Wissensgebiete, angefangen mit der Offenbarung, und sämtliche Lehrsysteme hervorgebracht. Von der erhabenen Bhairavi, die aus Bewusstsein besteht und von seinem eigenen Selbst ungetrennt ist, befragt, verkündete er mit seinen fünf Gesichtern die fünf Überlieferungen, welche die Essenz der höchsten Wirklichkeit enthalten.
1.3 Darin gilt folgende grundlegende Lehre:
1.4 Das Weltall besteht aus sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien, den Tattvas.
1.5 Shiva, vom Körper wie von einem Gewand umhüllt, ist die individuelle Seele; ohne diese Umhüllung ist er der höchste Shiva.
1.6 Das bewusste Erkennen des eigenen Selbst ist das Ziel des Menschen.
1.7 Die Laute, deren Wesen die Buchstaben sind, sind ewig.
1.8 Den Mantras eignet eine Kraft, die das Denken nicht ermessen kann.
1.9 Durch Überlieferung und Vertrauen kommt jede Vollendung zustande.
1.10 Die Geltung der Lehre beruht vor allem auf Vertrauen.
1.11 Durch das Ausloten der Einheit von Guru, Mantra, Gottheit, Selbst, Geist und Atem wird das innere Selbst erkannt. Textnotiz: Die Vorlage liest niṣphālana; die Wiedergabe „Ausloten“ bezeichnet den Zusammenhang, ohne diese auffällige Form stillschweigend zu berichtigen.
1.12 Glückseligkeit ist das Wesen Brahmans; sie ist im Körper gegenwärtig. Die fünf mit dem Buchstaben M bezeichneten Elemente bringen sie zum Ausdruck. Mit ihnen soll die Verehrung im Verborgenen geschehen; ihre öffentliche Preisgabe führt nach dem Text zur Hölle.
1.13 Aus der Festigkeit der inneren Vergegenwärtigung erwächst die Wirksamkeit der Weisung.
1.14 Keine der philosophischen oder religiösen Sichtweisen soll herabgesetzt werden.
1.15 Man soll sich von niemandem abhängig machen. Die äußerst knappe Wendung bedeutet wörtlich „Nichtberücksichtigen irgendeines [anderen]“; gemeint ist hier die innere Unabhängigkeit, nicht eine Aufforderung zur Verachtung.
1.16 Einem geeigneten Schüler soll das Geheimnis mitgeteilt werden.
1.17 Die heilige Vidya soll stets innerlich gegenwärtig bleiben.
1.18 Immer wieder soll man in das Shiva-Sein eintreten.
1.19 Begierde, Zorn, Habgier, Verblendung, Überheblichkeit, Neid, nicht vorgeschriebene Gewalt, Diebstahl und gesellschaftlich verabscheute Handlungen sind zu meiden.
1.20 Man soll einem einzigen Guru dienen und ohne Zweifel sein.
1.21 Überall soll man frei von Besitzergreifen sein.
1.22 Man soll handeln und dabei die Frucht der Handlung loslassen.
1.23 Nicht regelmäßig verpflichtende Handlungen werden ausgelassen. Gemeint sind anitya-Rituale; der Satz ist keine Aufhebung der täglichen Praxis.
1.24 Auch wenn die fünf M nicht verfügbar sind, soll man sich den täglichen Ablauf innerlich vergegenwärtigen.
1.25 Überall soll Furchtlosigkeit herrschen.
1.26 Alles Erkennbare ist die Opfergabe; die Sinne sind die Opferlöffel; die Kräfte sind die Flammen; das eigene Selbst, Shiva, ist das Feuer; man selbst ist der Opferpriester.
1.27 Die Frucht ist das bewusste Gewahrsein des Bewusstseins ohne Gegenstand.
1.28 Es gibt nichts Höheres als die Erlangung des Selbst.
1.29 Dies ist die Ausdrucksweise dieser Schrift.
1.30 Die Wissenslehren, angefangen mit den Veden, liegen offen zutage wie öffentliche Frauen; diese Vidya aber ist unter allen Lehrwegen verborgen. Das Bild gehört zur historischen Ausdrucksweise des Textes.
1.31 Ein verständiger Mensch soll sich deshalb unter allen Umständen einweihen lassen.
1.32 Es gibt drei Einweihungen: die Shakti-Einweihung, die Shiva-Einweihung und die Mantra-Einweihung. Die erste geschieht durch das Eintreten der Shakti, die zweite durch das Aufsetzen der Füße, die dritte durch die Unterweisung im Mantra. Man soll alle drei vollziehen.
1.33 Einige hingegen sagen: auch jeweils eine allein.
1.34 Der wahre Guru soll den Ritualablauf beginnen und das Feueropfer mit seinen Nebenhandlungen vollziehen. Im Zustand des „jugendlichen Aufblühens“ soll er den Schüler herbeirufen, dessen Gesicht mit einem Tuch bedecken, ihn mit Tropfen aus den Gefäßen für Ganapati, Lalita, Shyama, Vartali und Para besprengen und ihm die grundlegende Lehre vortragen.
1.35 Er soll auf dessen Haupt den roten und den weißen Fuß vergegenwärtigen und den ganzen Körper des Schülers als von ihrem Unsterblichkeitsnektar gewaschen und geschmückt betrachten.
1.36 Vom Wurzelzentrum bis zur Brahman-Öffnung soll er eine brennende Lichtwoge meditieren, leuchtend wie loderndes Feuer, und mit ihren Strahlen die Fesseln der Verfehlungen des Schülers verbrennen.
1.37 Er soll einen neuen, mit zwei Tüchern umwickelten Krug mit Wasser füllen, das mit den drei scharfen Gewürzen, den drei Früchten, den vier Duftstoffen, Takkola, Madayanti, Sahadevi, Durva-Gras, Asche, Erde, Sandelholz, Safran, Rocana und Kampfer versetzt ist. Diesen soll er mit den sechs Gliedern des Bala-Mantras verehren, die Chakras von Shri, Shyama und Vartali einsetzen und sie mit den Mantras ihrer jeweiligen Umkreise verehren. Er soll mit dem Waffenmantra schützen und die Kuh- und Yoni-Mudra zeigen.
1.38 Im Matrika-Yantra soll er den Schüler Platz nehmen lassen: Seine Mitte enthält den mit Shiva verbundenen sau-Laut; seine acht Staubfäden tragen die Vokalpaare; seine acht Blätter tragen die acht Buchstabengruppen ka, ca, ṭa, ta, pa, ya, śa und la; an den acht Richtungsstellen des Quadrats stehen ṭhaṃ und vaṃ. Mit dem Wasser aus dem Krug soll er ihn unter den drei Vidyas baden.
1.39 Den heiter gestimmten Schüler, mit feinem Gewand, Salbe, Schmuck und Kranz versehen, soll er neben sich setzen und die Matrika auf dessen Glieder legen. Er soll das Gesichtstuch entfernen und ihm drei Stücke des „Zweiten“, mit dem „Ersten“ getränkt und mit Sandel besprengt, sowie Blütenstücke in die Hand legen. Unter den Tattva-Mantras soll er ihn diese zu sich nehmen lassen. In sein rechtes Ohr soll er Bala lehren und danach den gewünschten Mantra mitteilen.
1.40 Dann soll er seinen Fuß auf dessen Haupt setzen und ihm alle Mantras, entsprechend seiner Befähigung, auf einmal oder nach und nach lehren. Er soll den Schüler einen Körperteil des Gurus berühren lassen und ihm einen Namen geben, dessen Anfangsbuchstabe dem dortigen Matrika-Laut entspricht, der zwei, drei oder vier Silben umfasst und mit „Anandanatha“ endet.
1.41 Vor der Bala-Unterweisung soll er seinen eigenen Paduka-Mantra, mit den sechs Tara-Silben verbunden, übermitteln.
1.42 Er soll die Verhaltensregeln lehren, das Bewusstsein im Herzen berühren und mit den drei Vidyas den Körper des Schülers dreimal bestreichen. Er soll ihn umarmen, an seinem Scheitel riechen und ihn als sein eigenes Selbst annehmen.
1.43 Auch der Schüler soll Fülle vergegenwärtigen. Er soll sich als einer betrachten, dessen Aufgabe erfüllt ist, und den Guru nach seinen Möglichkeiten mit Gütern ehren. So wird er zu einem, der das zu Erkennende erkannt hat und zu sämtlichen Mantras berechtigt ist. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Zweiter Khaṇḍa: Gananayakas Verehrungsweg – Gaṇanāyaka-paddhati
2.1 Wer auf diese Weise vom wahren Guru eingeweiht wurde, soll sich dem Verehrungsweg Gananayakas zuwenden, um Hindernisse bei der Verehrung der großen Vidya zu beseitigen.
2.2 In der Brahma-Muhurta soll er aufstehen und seinen ganzen Körper als überflutet vom Nektarstrom meditieren, der von den beiden Füßen des Gurus in der Mitte des tausendblättrigen Lotus im Dvadashanta herabfließt. Mit geordnetem Atem und Geist soll er im Herzlotus den Elefantengesichtigen meditieren: lodernd, so rot wie Millionen aufgehender Sonnen und alle Fehler tilgend. Sein Körper ist von dessen Lichtfülle gerötet. Er soll hinausgehen, Darm und Blase entleeren, die Zähne reinigen, baden, sich ankleiden und der Sonne Wasser darbringen. Dem in der aufgehenden Sonne weilenden Mahaganapati soll er mit der Ganapati-Gayatri Arghya darbringen: „tat-puruṣāya vidmahe, vakra-tuṇḍāya dhīmahi; tan no dantī pracodayāt“. Dann soll er die täglichen Pflichten und die vierfach wiederholte Wasserdarbringung vollziehen. Aus dieser vierfachen Darbringung entstehen nach der Verheißung des Textes langes Leben, Gesundheit, Herrschaft, Kraft, Gedeihen, großer Ruhm, Dichtkunst, Lebensgenuss und Befreiung.
2.3 Zuerst soll er zwölfmal mit dem Wurzelmantra darbringen. Dann soll er jeden seiner achtundzwanzig Laute, mit svāhā abgeschlossen, viermal und jeweils den Wurzelmantra viermal darbringen. Danach soll er bei den dreizehn Paaren Shri–Shripati, Girija–Girijapati, Rati–Ratipati, Mahi–Mahipati, Mahalakshmi–Mahalakshmipati, Riddhi–Amoda, Samriddhi–Pramoda, Kanti–Sumukha, Madanavati–Durmukha, Madadrava–Avighna, Dravini–Vighnakartri, Vasudhara–Shankhanidhi und Vasumati–Padmanidhi jeder einzelnen Gottheit viermal und dem Wurzelmantra viermal darbringen. So ergeben sich vierhundertvierundvierzig Darbringungen. Die Zusammenschreibung der Vorlage bei Madadrava–Avighna–Dravini ist mehrdeutig; die hier verwendete Trennung folgt der ausdrücklich genannten Gesamtzahl von dreizehn Paaren.
2.4 Nun der Opferablauf: Er soll heimkehren, den Opferplatz bestreichen und an beiden Türseiten Bhadrakali und Bhairava sowie über der Tür Lambodara mit namaḥ ehren. Nach dem Eintritt soll er sich mit dem Sitzmantra niederlassen, den Atem regulieren, die sechs Mantraglieder auflegen und mit dem Wurzelmantra den ganzen Körper durchdringen. In sich soll er Vighneshvara meditieren: an seiner Seite von Siddhalakshmi umarmt, mit der Mondsichel gekrönt, rötlich, mit elf Händen, die Zitronenfrucht, Keule, Zuckerrohrbogen, Dreizack, Diskus, Muschel, Schlinge, Lotus, Getreideähre, eigenen Zahn und juwelenbesetzten Krug tragen; aus den Schläfen fließt Elefantenbrunstsaft. Er ist voller Glückseligkeit und ganz auf die Vernichtung sämtlicher Hindernisse gerichtet.
2.5 Vor sich soll er mit reinem Wasser, das siebenmal mit dem Wurzelmantra besprochen und mit Duft, ungebrochenen Reiskörnern und Blüten verehrt wurde, Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat zeichnen. Er soll Blüten darauf streuen und die sechs Glieder in Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und in den Richtungen auflegen. Die drei Verehrungsformeln gelten dem Feuerkreis mit seinen zehn Kräften als Träger des Arghya-Gefäßes, dem Sonnenkreis mit zwölf Kräften als Gefäß und dem Mondkreis mit sechzehn Kräften als Arghya-Nektar. Er soll reines Wasser einfüllen, es mit dem Waffenmantra schützen, mit dem Panzer-Mantra umhüllen und Kuh- und Yoni-Mudra zeigen.
2.6 Nach siebenmaligem Besprechen soll er sich und die Verehrungsgeräte mit Wassertropfen besprengen. Mit diesem Wasser soll er das bereits beschriebene Mandala herstellen, entsprechend das „Erste“ bereitstellen und „Zweites“ sowie „Mittleres“ hineingeben. Er soll die Kräfte von Feuer, Sonne und Mond verehren, mit der Vakratunda-Gayatri und dem vedischen Vers, der mit „gaṇānāṃ tvā“ beginnt, besprechen, den Schutz mit dem Waffenmantra und den weiteren Formeln vollziehen und mit Tropfen daraus dreimal die Guru-Paduka auf seinem Haupt verehren.
2.7 Auf einem Sockel aus rotem Sandelholz, in einer Mahaganapati-Figur oder in einem Chakra aus Quadrat, achtblättrigem Lotus, Sechseck und Dreieck soll er die Sitzkräfte Tivra, Jvalini, Nanda, Bhogada, Kamarupini, Ugra, Tejovati, Satya und Vighnanashini verehren. Mit ṛṃ, ṝṃ, ḷṃ und ḹṃ verehrt er Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaft und mit denselben Lauten deren Gegensätze Adharma, Unwissenheit, Anhaften und Ohnmacht. Dann soll er den Wurzelmantra aussprechen und Mahaganapati herbeirufen, ihn mit fünf Diensten ehren, zehnmal sättigend darbringen und mit dem Wurzelmantra die fünf Umkreise aus Paaren, Mantragliedern, Brahmi und den weiteren Müttern sowie Indra und den weiteren Richtungshütern verehren.
2.8 Die Gottheit befindet sich im Dreieck; im Zwischenraum zum Sechseck stehen die vier Paare, beginnend mit Shri–Shripati, und die Mantraglieder. Im Sechseck stehen die sechs Paare, beginnend mit Riddhi–Amoda; die beiden weiteren Paare stehen an dessen Seiten und die Glieder an den Verbindungspunkten. Im achtblättrigen Lotus sind Brahmi und die weiteren Mütter, in den acht Richtungen des Quadrats Indra und die übrigen Richtungshüter zu verehren. Überall ist dem Gottheitsnamen śrī voranzusetzen und die achtsilbige Verehrungswendung „pādukāṃ pūjayāmi“ anzufügen.
2.9 Nachdem er die fünf Umkreise so verehrt hat, soll er Gananatha nochmals zehnmal sättigend darbringen und mit sechzehn Diensten ehren. Nach Pranava und Maya soll er dreimal „sarva-vighna-kṛdbhyaḥ sarva-bhūtebhyo huṃ svāhā“ sprechen und die Bali-Gabe darbringen. Einen jungen männlichen Ritualteilnehmer soll er als Ganapati und eine Shakti als Siddhalakshmi herbeirufen, mit Duft, Blüten und Reiskörnern verehren und ihnen „Erstes“, „Zweites“ und „Mittleres“ geben. Er soll ihren Segen erbitten: „Möge mein Mantra ohne Hindernisse zur Vollendung gelangen.“ Nach der Verneigung soll er nach Kräften Japa üben.
2.10 Wenn die Voraussetzungen für das Feuerritual bestehen, soll er vor der Bali-Gabe im ordnungsgemäß geweihten Feuer mit den auf svāhā endenden Mantras von Shri–Shripati bis Vighnakartri opfern. Dann soll er zurückkehren, die Gottheit dreimal sättigend verehren und zusammen mit geeigneten Teilnehmern die fünf M annehmen. Mahaganapati soll er in sich zurückführen und mit erfülltem Vorsatz glücklich leben. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Dritter Khaṇḍa: Der Shri-Ablauf – Śrī-krama
3.1 Nachdem er Ganapati auf diese Weise verehrt und alle Störungen durch Hindernisse beseitigt hat, soll er den Verehrungsweg Shri Lalitas beginnen, der einzigen Herrin des Kreises der Shaktis.
3.2 In der Brahma-Muhurta soll der Brahmane aus dem Schlaf erwachen und zur Tilgung seiner Verfehlungen den Guru als höchsten Shiva vergegenwärtigen.
3.3 Er soll das ursprüngliche Bewusstsein meditieren, das vom Wurzelzentrum bis zur Brahman-Öffnung lodert: strahlend wie Millionen Blitze, goldrötlich wie die junge Sonne. Nachdem dessen Strahlen das Geflecht der Unreinheiten vernichtet haben, soll er die mit ka oder mit ha beginnende Wurzelvidya zehnmal im Geist wiederholen.
3.4 Beim Baden soll er mit dem Wurzelmantra dreimal eine Handvoll Wasser darbringen, dreimal damit besprochenes Wasser trinken, dreimal die sättigende Darbringung vollziehen und sich dreimal besprengen. Er soll die beiden Gewänder anlegen und mit „hrāṃ hrīṃ hrūṃ saḥ“ sowie „mārtāṇḍa-bhairavāya prakāśa-śakti-sahitāya svāhā“ dem Sonnengott dreimal Arghya darbringen.
3.5 In dessen Kreis soll er das Chakra der neun Yonis vergegenwärtigen. Die Gayatri besteht aus dem Vāk-Bija vor „tripura-sundari vidmahe“, dem Kāma-Bija vor „pīṭha-kāmini dhīmahi“ und dem Śakti-Bija vor „tan naḥ klinnā pracodayāt“. Damit soll er der großen Herrin dreimal Arghya darbringen, den Mantra hundertachtmal innerlich wiederholen und Schweigen annehmen.
3.6 Er soll den Verehrungsraum betreten und, mit den erforderlichen Gegenständen versehen oder sie durch seinen Entschluss innerlich bereitstellend, mit dem Sitzmantra Platz nehmen.
3.7 Nach Tritari soll er „rakta-dvādaśa-śakti-yuktāya dīpa-nāthāya namaḥ“ sprechen und eine Handvoll Blüten auf die Erde streuen: Verehrung dem Herrn des Lichtes, verbunden mit den zwölf roten Kräften.
3.8 Allen Mantras ist Tritari voranzusetzen. Tritari besteht aus Vāk, Maya und Kamala.
3.9 Vor sich soll er den großen König der Chakras aufstellen, in dem fünf Shakti-Dreiecke und vier Shrikantha-Dreiecke zusammentreffen. Er besteht aus drei Einfassungen des Erdquadrats, drei Kreislinien, sechzehn und acht Lotusblättern, vierzehn, zehn und nochmals zehn Dreiecksfeldern, acht Dreiecken, dem inneren Dreieck und dem Punkt. Er kann mit Zinnober und Safran gezeichnet oder in Gold, Silber, fünf Metallen, Edelstein, Bergkristall oder anderem Material eingearbeitet sein.
3.10 In diesem großen Chakra soll er mit vierundvierzig auf namaḥ endenden Formeln alles Folgende vergegenwärtigen und verehren: den Nektarozean, die Juweleninsel, den großen Garten verschiedenartiger Bäume, die Haine der Wunschbäume, Santanaka-, Haricandana-, Mandara-, Parijata- und Kadamba-Bäume; die Mauern aus gelbem Edelstein, Rubin, Gomedha, Diamant, Vaidurya, Saphir, Perlen, Smaragd und Koralle; die Rubinhalle, die tausendsäulige Halle, die Teiche des Nektars, der Glückseligkeit und des bewussten Sich-Erkennens; den Ausstrom des jungen Sonnenlichts, den Ausstrom des Mondlichts, die Umfriedung höchster Schönheit, den großen Lotuswald und den königlichen Palast aus Wunschedelstein. Es folgen das Osttor als östliche, das Südtor als südliche, das Westtor als westliche und das Nordtor als nördliche Überlieferung; der Ring aus Juwelenlampen, der große juwelene Löwenthron, seine vier Füße als Brahma, Vishnu, Rudra und Ishvara, seine Sitzplatte als Sadashiva, die Matratze und das große Kissen aus Schwanenflaum, die safranrote Decke, der große Baldachin und der große Vorhang.
3.11 Duftstoffe, Blüten, Reiskörner und die weiteren Gaben soll er rechts bereitstellen und ringsum Lampen aufstellen. Er soll mit dem Wurzelmantra das Chakra und mit dessen drei Abschnitten das erste Dreieck verehren.
3.12 Mit Atemübungen, verbunden mit den Lauten von Wind, Feuer und Wasser, soll er Austrocknung, Verbrennung und Überflutung vollziehen.
3.13 Dreimal soll er den Atem regulieren.
3.14 Er soll die Abwehrformel sprechen, deren Sinn lautet: „Mögen die Wesen, die auf der Erde verweilen, zurückweichen; mögen die Hindernisse verursachenden Wesen auf Shivas Weisung vergehen.“ Dabei soll er mit der linken Ferse aufstampfen, in die Hände schlagen, das Gesicht heben und dreimal klatschen. Mit dem Bewusstsein „Ich bin die Göttin“ soll er auf dem eigenen Körper das Netz des unzerstörbaren Schutzpanzer-Nyasa ausbreiten.
3.15 Mit den durch Bindu ergänzten Lauten Shrikantha, Ananta und dem dritten Laut soll er die Hände reinigen, vom Mittelfinger an bis zur Handfläche. Die Lautangaben stehen in verschlüsselter Form und werden hier nicht aufgelöst.
3.16 Er soll Kumari, dann den Namen Mahatripurasundari und die Worte „ātmānaṃ rakṣa rakṣa“ aussprechen und die Hände vor dem Herzen zusammenlegen.
3.17 Er soll Maya, Kama und Shakti aussprechen und sich mit „devy-ātmāsanāya namaḥ“ den Sitz des Selbst der Göttin geben.
3.18 Er soll die mit Shiva verbundene Bala aussprechen und „śrī-cakrāsanāya namaḥ“ hinzufügen; dann die mit Shiva und Bhrigu verbundene Bala und „sarva-mantrāsanāya namaḥ“; schließlich Bhuvana, Madana und bleṃ mit „sādhya-siddhāsanāya namaḥ“. Mit diesen drei Formeln soll er im Chakra die Sitze von Chakra, Mantra und Gottheit bereiten.
3.19 Durch zweimaliges Wiederholen Balas soll er die sechs Glieder auflegen, unter Verwendung von drei, zwei, einem, zehn, drei und zwei Fingern.
3.20 Er soll die Vokale mit Bindu und blūṃ aussprechen und Vashini, die Gottheit der Sprache, auf dem Kopf verehren. Alle Buchstabengruppen sind mit Bindu zu verbinden. Die ka-Gruppe und ka-la-hrīṃ gelten Kameshvari an der Stirn; cuṃ und nvlīṃ Modini zwischen den Augenbrauen; ṭuṃ und ylūṃ Vimala am Hals; tuṃ und jmrīṃ Aruna im Herzen; puṃ und hslvyūṃ Jayini am Nabel; die vier Laute ab ya und jhmryūṃ Sarveshvari am Geschlechtsorgan; die sechs Laute ab śa und kṣmrīṃ Kaulini am Wurzelzentrum. Jede Anrufung benennt die entsprechende Sprachgottheit und endet mit namaḥ. Die ungewöhnlichen Bija-Gruppen werden nach der Vorlage belassen.
3.21 Die fünfzehn Laute der Wurzelvidya soll er auf Scheitel, Wurzelzentrum, Herz, drei Augen, beide Ohren, Mund, beide Arme, Rücken, beide Knie und Nabel legen. Den sechsfachen Nyasa im Chakra kann er ausführen oder unterlassen.
3.22 Links soll er mit reinem Wasser ein Mandala aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat zeichnen und mit Blüten verehren. Er soll die Muschel auf ihrem Träger aufstellen, reines Wasser einfüllen, einen Tropfen des „Ersten“ hinzufügen, mit den sechs Gliedern verehren und mit der Vidya besprechen. Mit Wassertropfen soll er sich und die Verehrungsgeräte besprengen.
3.23 Mit diesem Wasser soll er ein Mandala aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat herstellen: die Mitte mit der Vidya, das Dreieck mit ihren Abschnitten und das Sechseck durch Wiederholung der Bijas verehren. Nach dem Vāk-Bija soll er den Feuerkreis mit seinen zehn Kräften als Träger des Arghya-Gefäßes anrufen, den Träger aufstellen und die Feuerkräfte verehren.
3.24 Nach dem Madana-Bija soll er den Sonnenkreis mit seinen zwölf Kräften als Arghya-Gefäß anrufen, das Gefäß aufstellen und die Sonnenkräfte berühren. Mit sauḥ soll er den Mondkreis mit seinen sechzehn Kräften als Arghya-Nektar anrufen, das „Erste“ einfüllen, „Zweites“ und „Mittleres“ hinzufügen und die sechzehn Mondkräfte verehren.
3.25 Darin soll er ein Dreieck zeichnen, dessen Linien die Buchstabenfolgen ab a, ka und tha bilden. An seinen Enden stehen ha, la und kṣa; es leuchtet durch haṃsa; seine Ecken tragen Vāk, Kama und Shakti. Er soll es mit haṃsa verehren, außen Kreis und Sechseck zeichnen und das Sechseck, vorne beginnend, mit den sechs Gliedern verehren. Siebenmal soll er mit dem Wurzelmantra besprechen, Duft, Reiskörner, Blüten, Räucherwerk und Licht darbringen und die Verehrungsgegenstände mit Tropfen besprengen. Alles soll er als von der Vidya erfüllt betrachten, das Gefäß berühren und vierundneunzig Mantras rezitieren.
3.26 Die achtunddreißig Kräfte der drei Lichter sind zwischen Tritari und namaḥ einzuschließen. Die zehn Brahma-Kräfte heißen Srishti, Riddhi, Smriti, Medha, Kanti, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Sthiti und Siddhi. Die zehn Vishnu-Kräfte heißen Jara, Palini, Shanti, Ishvari, Rati, Kamika, Varada, Ahladini, Priti und Dirgha. Die zehn Rudra-Kräfte heißen Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra, Tandra, Kshudha, Krodhini, Kriya, Udgari und Mrityu. Die vier Ishvara-Kräfte heißen Pita, Shveta, Aruna und Asita. Die sechzehn Sadashiva-Kräfte heißen Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhika, Dipika, Recika, Mocika, Para, Sukshma, Sukshmamrita, Jnana, Jnanamrita, Apyayini, Vyapini und Vyomarupa. Dazu kommen fünf vedische Mantrakomplexe; ihre Bedeutung lautet: (1) „Der Schwan weilt im Reinen, der Vasu im Zwischenraum, der Opferpriester an der Opferstätte, der Gast im Haus; er weilt unter Menschen, im Erhabenen, in der Wahrheit und im Himmelsraum; aus Wasser, Erde beziehungsweise Licht, Wahrheit und Berg geboren ist er die große Wahrheit.“ (2) „Vishnu wird um seiner Heldenkraft willen gepriesen, dem furchtbaren Wildtier gleich, das umherstreift und auf dem Berg steht; in seinen drei weiten Schritten wohnen alle Welten.“ (3) „Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der Gedeihen mehrt; wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ (4) „Vishnus höchsten Ort schauen die Weisen stets, wie ein im Himmel ausgebreitetes Auge. Wachende, einsichtsvolle Seher lassen diesen höchsten Ort Vishnus erstrahlen.“ (5) „Vishnu bereite den Mutterschoß, Tvashtri forme die Gestalten; Prajapati gieße ein, Dhatar lege den Keim in dich. Lege den Keim hinein, Sinivali; lege den Keim hinein, Sarasvati; die beiden göttlichen Ashvins mit Lotuskränzen mögen den Keim in dich legen.“ Zusammen mit der Wurzelvidya sind es vierundneunzig Mantras. Die Sanskritfassung bewahrt die auffälligen Schreibungen der vedischen Zitate; hier wird ihr verständlicher Sinn wiedergegeben.
3.27 Einige lehren stattdessen die Besprechung mit den fünf Formeln, deren erste mit „akhaṇḍa“ beginnt.
3.28 Die drei Vidyas im Anushtubh-Metrum bedeuten: „Du, die ungeteilte, einheitliche Glückseligkeit bewirkt, deren Wesen höchster Nektar ist, Herrin des Akula: Lege hier dein freies Aufleuchten hinein! Du Höchste, deren Gestalt der im Akula ruhende Nektar ist, die reine Erkenntnis bewirkt, du von Feuchtigkeit erfüllte Gestalt: Lege Unsterblichkeit in diesen Stoff! Du, die eben diese Gestalt ist, mache dies zu einer einzigen Essenz mit dir; werde zur Gestalt des höchsten Nektars und lass in mir Bewusstsein aufleuchten!“
3.29 Der vierte Mantra besteht aus Vāk, blūṃ, jhrauṃ, jūṃ und saḥ, gefolgt von „amṛte amṛtodbhave amṛteśvari amṛta-varṣiṇi amṛtaṃ srāvaya srāvaya svāhā“. Er ruft die Nektargestalt, die Nektargeborene, die Herrin und Regnerin des Nektars an und bittet: „Lass Nektar strömen, strömen!“
3.30 Die fünfte Vidya wird so angegeben: Vagbhava, „vada vada“, dann „vāg-vādini“, Vāk und Madana, „klinne kledini kledaya mahā-kṣobhaṃ kuru kuru“, Madana, Shakti und „mokṣaṃ kuru kuru“; zuletzt die Lautgruppen ha–sa–vierzehnter–fünfzehnter und sa–ha–vierzehnter–sechzehnter Laut. Mit diesen Vidyas soll er das Arghya besprechen und es als Licht verkörpern. Die Formel enthält verschlüsselte Lautangaben; diese bleiben als solche stehen.
3.31 Mit Tropfen davon soll er dreimal die Guru-Paduka auf seinem Haupt verehren. Dann soll er einen Tropfen in die eigene Kundalini opfern. Die zugehörige Selbstopferformel bedeutet: „Das Feuchte brennt; ich bin Licht. Licht brennt; ich bin Brahman. Der ich bin, bin ich Brahman. Ich bin; ich bin Brahman. Ich selbst bin ich; mich selbst opfere ich. Svaha!“
3.32 Dies ist die Reinigung des Arghya. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Vierter Khaṇḍa: Lalitas Verehrung – Lalitā-krama
4.1 Nun soll er das ursprüngliche Bewusstsein, das im Herzchakra weilt, durch das vom Atem durchströmte Nasenloch hinausführen: Es durchdringt den Lotuswald im Inneren der Sushumna, hat die Finsternis der Verblendung vertrieben und strahlt als Shivas Licht. Die Göttin, die spielerisch Gestalt annimmt, soll er in die Blüten seiner Hände herbeibringen, über denen die Trikhanda-Mudra wie eine Krone steht.
4.2 Er soll Maya, Lakshmi und Para sowie den Namen der Göttin aussprechen und mit „amṛta-caitanya-mūrtiṃ kalpayāmi namaḥ“ ihre Gestalt als unsterbliches Bewusstsein bilden.
4.3 Er soll Vāk, verbunden mit ha–sa–ra, ka–la–rī verbunden mit ha–sa und die Folge ha–sa–ra–vierzehnter–sechzehnter Laut aussprechen. Mit der Anrufung „Du, die im großen Lotuswald weilt, Verkörperung ursächlicher Glückseligkeit, Mutter, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Herrin!“ soll er das höchste Bewusstsein im Bindu-Chakra herbeirufen.
4.4 Er soll die vierundsechzig Verehrungsdienste vollziehen. Alle ihre Formeln sind mit Tritari zu beginnen und mit „kalpayāmi namaḥ“ abzuschließen.
4.5 Nach Tritari soll er zunächst Fußwaschwasser bereitstellen. Darauf folgen: Abnehmen des Schmuckes; Einölen mit wohlriechendem Öl; Eintritt in den Baderaum; Platznehmen auf dem Juwelensitz der Badehalle; Einreiben mit göttlichen Badepulvern; warmes Bad; Begießung mit dem Wasser aller heiligen Badeplätze aus goldenen Krügen; Abtrocknen mit gereinigtem Tuch; Anlegen des roten Untergewandes und des roten Brusttuches; Eintritt in die Salbungshalle und Platznehmen auf ihrem Juwelensitz; Salben des ganzen Körpers mit göttlichen Düften wie Sandel, Aloeholz, Safran, Shanku, Moschus, Kampfer, Kasturi und Gorocana; Räuchern des Haares mit schwarzem Aloeholz; ein Kranz aus den Blüten aller Jahreszeiten, besonders Mallika, Malati, Jati, Campaka, Ashoka, hundertblättriger Rose, Arekanussknospen, Punnaga und Kalhara; Eintritt in die Schmuckhalle und Platznehmen auf ihrem Juwelensitz. Es folgen eine Krone mit neun Edelsteinen, die Mondsichel, Zinnober am Scheitel, das Stirnjuwel, schwarze Augenschminke, das Paar Pali-Ohrschmuck, das Paar Edelsteinohrringe, Nasenschmuck, rote Lippenfarbe, der erste Halsschmuck, die goldene Cintaka-Kette, Padaka, Mahapadaka, Perlenkette, Einzelkette, kreuzweise getragener Brustschmuck, vier Paare Oberarmreifen, Reihen von Armreifen und Fingerringen, Hüftgürtel und Hüftschnur, glückverheißender Schmuck, Fußreifen, juwelenbesetzte Fußschellen und Zehenringe. In eine Hand wird die Schlinge, in die andere der Stachelstock, in die dritte der Zuckerrohrbogen, in die vierte werden die Blütenpfeile gegeben. Es folgen die herrlichen Rubin-Padukas; Besteigen des großen Chakras zusammen mit den gleich gekleideten Umkreisgöttinnen; Platznehmen auf Kameshvaras Schoß; der Becher mit Nektargetränk; Wasser zum Mundspülen; kampferhaltiger Betelbissen; freudiges Spiel und Lächeln; glückverheißendes Schwenken des Lichtes; Schirm; zwei Wedel; Spiegel; Palmfächer; Duft; Blüten; Räucherwerk; Licht und Speisegabe. Mit „kalpayāmi namaḥ“ soll er diese vierundsechzig Dienste darbringen.
4.6 Er soll die neun Mudras zeigen.
4.7 Mit dem Wurzelmantra soll er dreimal sättigend darbringen.
4.8 Er soll die sechs Glieder der Göttin im Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten sowie in der Mitte und den Richtungen verehren.
4.9 Nun folgen die fünfzehn Nityas und ihre Formelangaben. Allen ist die Wendung „nityā-śrī-pādukā“ anzufügen. Kameshvari: Vāk und „sa-ka-la-hrīṃ nitya-klinne mada-drave sauḥ“. Bhagamalini: Die Vorlage gibt die folgende Anrufung mit einem als Vāk bezeichneten Anfangslaut an: vāg-bhaga-bhuge bhagini bhagodari bhaga-māle bhagâvahe bhaga-guhye bhaga-yoni bhaga-nipātini sarva-bhaga-vaśaṅkari bhaga-rūpe nitya-klinne bhaga-svarūpe sarvāṇi bhagāni me hy ānaya vara-de rete surete bhaga-klinne klinna-drave kledaya drāvaya amoghe bhaga-vicce kṣubha kṣobhaya sarva-sattvān bhageśvari aiṃ blūṃ jeṃ blūṃ bheṃ blūṃ moṃ blūṃ heṃ blūṃ heṃ klinne sarvāṇi bhagāni me vaśam ānaya strīṃ hara bleṃ hrīṃ. Ihr Sinn: „Du, die Bhaga genießt, Schwester, die Bhaga im Schoß trägt, Bhaga-Kranz, Bhaga-Bringerin, Bhaga-Geheimnis, Bhaga-Ursprung, Bhaga herabführende, alle Bhagas lenkende, Bhaga-Gestalt, ewig Befeuchtete, Bhaga-Wesen: Bringe mir alle Bhagas herbei, Gabenspenderin, Samen, guter Samen, im Bhaga Befeuchtete, fließende Feuchte: Befeuchte, lass schmelzen, Unfehlbare, Bhaga-Kennerin; erbebe und erschüttere alle Wesen, Herrin des Bhaga! [Es folgen die angegebenen Bijas.] Befeuchtete, bringe alle Bhagas in meine Verfügung!“ Der vieldeutige Ausdruck Bhaga bezeichnet hier besonders die schöpferische, auch geschlechtliche Kraft und bleibt deshalb als Fachwort stehen. Nityaklinna: Tara, Maya und „nitya-klinne mada-drave svāhā“. Bherunda: Pranava und „kroṃ bhroṃ krauṃ jhrauṃ chrauṃ jrauṃ svāhā“. Vahnivasini: Pranava, Maya und „vahni-vāsinyai namaḥ“. Mahavajreshvari: Maya, „klinne“, Vāk, „kroṃ nitya-mada-drave hrīṃ“. Shivaduti: Maya und „śiva-dūtyai namaḥ“. Tvarita: Pranava, Maya und „huṃ khe ca che kṣaḥ strīṃ huṃ kṣeṃ hrīṃ phaṭ“. Kulasundari: Kumari. Nitya: ha–sa–ka–la–ra–ḍa mit Vagbhava, nochmals dieselbe Gruppe mit Bindumalini und nochmals mit vierzehntem und sechzehntem Laut. Nilapataka: Maya, phreṃ, srūṃ, Ankusha, Pasha, Smara, Vagbhava, blūṃ, „nitya-mada-drave“, Varma, phreṃ und Maya. Vijaya: bha–ma–ra–ya–ūm. Sarvamangala: svaum. Jvalamalini: Tara und die Anrufung der erhabenen flammenbekränzten Göttin, Göttin der Götter, Auflöserin aller Wesen, Feuerkennerin und Lodernde, mit den Befehlen „jvala jvala prajvala prajvala“, dann Maya mit den drei Lautklassen, sieben repha-Lauten, nochmals Jvalamalini, Varma, Phaṭ und der Bezeichnung der Feuergefährtin. Citra: „(aṃ) ckauṃ“. Diese fünfzehn Nityas sind an den fünfzehn Vokalen auf den Linien des ersten Dreiecks zu verehren. Am Visarga soll er die Sechzehnte mit der Wurzelvidya verehren. Dies ist die Übersetzung der Mantra-Anweisungen; die vollständige überlieferte Lautfolge steht unter 4.9 im IAST-Artikel. Unsichere oder verschlüsselte Formeln sind nicht zu einer neuen Rezitationsfassung ergänzt.
4.10 Im Inneren, im Bereich des vorderen Dreiecks, soll er nach der jeweiligen Überlieferung die Padukas der göttlichen, vollendeten und menschlichen Lehrerströme verehren; ihre Zahlen werden durch „Weise“, „Veden“ und „Schlangen“ bezeichnet, also sieben, vier und acht. Danach soll er den eigenen Herrn auf seinem Haupt verehren. Dies ist die Verehrung der Glieder der Auflösung. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
5.1 Im ersten Quadrat sind die Siddhis Anima, Laghima, Mahima, Ishitva, Vashitva, Prakamya, Bhukti, Iccha, Prapti und Sarvakama zu verehren. Im mittleren Quadrat stehen die Mütter von Brahmi bis Mahalakshmi. Im dritten stehen die Kräfte Samkshobhana, Dravana, Karshana, Vashya, Unmadana, Mahankusha, Khecari, Bija, Yoni und Trikhanda, jeweils mit sarva davor.
5.2 Er soll sie gemeinsam verehren: „Mögen diese offenbaren Yoginis im Chakra, das die drei Welten bezaubert, mit ihren Mudras, Siddhis, Waffen, Kräften, Fahrzeugen und Gefolgen durch sämtliche Dienste vollständig verehrt sein.“
5.3 Er soll den Mantra der Handreinigung aussprechen, Tripura als Herrin des Chakras vergegenwärtigen und mit drām die Sarvasamkshobhini-Mudra zeigen. Die Namen von Chakra, Yogini und Chakraherrin unterscheiden sich in den folgenden Kreisen; das Übrige bleibt gleich.
5.4 Im sechzehnblättrigen Lotus sind die ewigen Kräfte Kamakarshini, Buddhyakarshini, Ahamkarakarshini, Shabdakarshini, Sparshakarshini, Rupakarshini, Rasakarshini, Gandhakarshini, Cittakarshini, Dhairyakarshini, Smrityakarshini, Namakarshini, Bijakarshini, Atmakarshini, Amritakarshini und Sharirakarshini zu verehren; jedem Namen folgt nityā-kalā. Es sind die verborgenen Yoginis im alle Wünsche erfüllenden Chakra. Die gemeinsame Formel folgt der vorigen. Er soll den Selbstschutz-Mantra aussprechen, Tripureshi verehren und mit drīṃ die Sarvavidravini-Mudra zeigen.
5.5 Im achtblättrigen Lotus soll er Anangakusuma, Anangamekhala, Anangamadana, Anangamadanatura, Anangarekha, Anangavegini, Anangankusha und Anangamalini vergegenwärtigen. Es sind die noch verborgeneren Yoginis im alles erschütternden Chakra. Nach der gemeinsamen Formel soll er den Mantra des Selbstsitzes aussprechen, Tripurasundari verehren und mit klīm die Sarvakarshini-Mudra zeigen.
5.6 Im vierzehnteiligen Kreis soll er die jeweils mit sarva beginnenden Kräfte Samkshobhini, Dravini, Akarshini, Ahladini, Sammohini, Stambhini, Jrimbhini, Vashankari, Ranjani, Unmadini, Arthasadhini, Sampattipurani, Mantramayi und Dvandvakshayankari vergegenwärtigen. Es sind die Yoginis der Überlieferung im alles Glück gewährenden Chakra. Er soll die gemeinsame Formel ergänzen, den Chakrasitz-Mantra aussprechen, Tripuravasini als Chakraherrin verehren und mit blūṃ die Sarvavashankari-Mudra entfalten.
5.7 Im äußeren Zehnerkreis soll er die jeweils mit sarva beginnenden Kräfte Siddhiprada, Sampatprada, Priyankari, Mangalakarini, Kamaprada, Duhkhavimocini, Mrityuprashamani, Vighnanivarini, Angasundari und Saubhagyadayini verehren. Es sind die das Kula überschreitenden Yoginis im alle Ziele verwirklichenden Chakra. Nach der gemeinsamen Formel und dem Mantrasitz-Mantra soll er Tripurashri als Chakraherrin vergegenwärtigen und mit sa die Unmadini-Mudra zeigen.
5.8 Im inneren Zehnerkreis sind die jeweils mit sarva beginnenden Kräfte Jnana, Shakti, Aishvaryaprada, Jnanamayi, Vyadhivinashini, Adharasvarupa, Papahara, Anandamayi, Rakshasvarupini und Ipsitaphalaprada zu verehren. Es sind die innersten, „im Schoß“ ruhenden Yoginis im alles schützenden Chakra. Die Formel wird wie zuvor ergänzt. Nach dem Sadhyasiddhasana-Mantra ist Tripuramalini zu ehren; mit krom soll die Sarvamahankusha-Mudra gezeigt werden.
5.9 Im Achterkreis sind die acht Sprachgöttinnen, beginnend mit Vashini, zu verehren; an die Stelle von namaḥ tritt die Verehrungsformel mit dem jeweiligen Namen. Es sind die geheimen Yoginis im alle Krankheiten beseitigenden Chakra. Der Rest der Formel ergibt sich wie zuvor. Er soll die Murti-Vidya aussprechen, Tripurasiddha verehren und Khecari mit phreṃ zeigen, verbunden mit Shiva, Bhrigu und Riddhi.
5.10 Außerhalb des großen Dreiecks sind in den vier Richtungen die Waffen zu verehren: mit den Pfeil-Bijas die alles aufreißenden Pfeile; mit dhaṃ thaṃ der alles bezaubernde Bogen; mit āṃ hrīṃ die alles in den Bann ziehende Schlinge; mit kroṃ der alles zum Stillstand bringende Stachelstock. Die Formeln enden jeweils mit namaḥ.
5.11 Im Dreieck werden die großen Göttinnen Kameshvari, Vajreshvari und Bhagamalini mit Vāk, Kama und Shakti verehrt; die Vierte im Bindu mit der Gesamtheit dieser Laute.
5.12 Nach jeder dieser drei wird die Wurzelgöttin verehrt, um ihre Ungetrenntheit zu verwirklichen. Die Vierte nach Kameshvari und den anderen, die Sechzehnte unter den Nityas, die Neunte unter den Chakragöttinnen und die im Bindu-Chakra Weilende sind ein und dieselbe. Hier darf kein Unterschied von Mantra oder Gottheit gemacht werden. Die besondere Verehrung derselben großen Göttin wiederholt sich an vier Stellen.
5.13 Dies sind die höchst geheimen Yoginis im alle Vollendung gewährenden Chakra. Die übrigen Teile der Formel sind wie zuvor zu ergänzen. Er soll den Anrufungsmantra aussprechen, Tripuramba verehren und mit hsauṃ die Bija-Mudra bilden.
5.14 Im Bindu-Chakra soll er die Göttin mit dem Wurzelmantra verehren: „Möge diese über höchste und niedere Geheimnisse hinausgehende Yogini im ganz aus Glückseligkeit bestehenden Chakra, mit Mudra, Siddhi, Waffe, Kraft, Fahrzeug und Gefolge durch sämtliche Dienste verehrt sein.“ Dann soll er nochmals den Wurzelmantra aussprechen, die große Chakraherrin verehren und mit Vagbhava die Yoni-Mudra zeigen.
5.15 Wie zuvor soll er Räucherwerk, Licht, Mudras, sättigende Darbringung, Speisegabe und die weiteren Dienste darbringen.
5.16 Einen Punkt soll er als Gesicht und zwei Punkte als Brüste bilden; mit dem folgenden halben Zeichen soll er die Yoni bilden und dies als Kamakala meditieren. Textnotiz: Die knappe graphische Angabe sa-parārdhena ist aus dem Grundtext allein nicht eindeutig aufzulösen. Eine bestimmte Zeichnung wird hier nicht als gesichert ergänzt.
5.17 Er soll das Herz des Glücks, Saubhagyahridaya, vergegenwärtigen.
5.18 Links soll er ein Dreieck, einen Kreis und ein Quadrat anlegen und mit Duft und Reiskörnern verehren. Nach Vagbhava soll er „vyāpaka-maṇḍalāya namaḥ“ sprechen und dort ein Gefäß mit „Erstem“, „Zweitem“ und „Mittlerem“, Wasser und zur Hälfte gekochter Speise aufstellen.
5.19 Nach Pranava und Maya soll er dreimal „sarva-vighna-kṛdbhyaḥ sarva-bhūtebhyo huṃ svāhā“ sprechen und Bali darbringen.
5.20 Er soll die Göttin durch Umwandlung im Uhrzeigersinn, Verneigung, Japa und Lobgesänge erfreuen.
5.21 Eine Shakti als ihre Verkörperung soll er mit Bala und den Verehrungsdiensten ehren und mit den fünf M sättigen.
5.22 Zusammen mit den eingeweihten Teilnehmern soll er den Rest der Opfergabe im Feuer des Bewusstseins opfern.
5.23 Er soll die Khecari-Mudra bilden, mit „kṣamasva“ um Verzeihung bitten, die Göttin aus der äußeren Verehrung entlassen und mit dem eigenen Selbst vereinigen. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Sechster Khaṇḍa: Shyamas Verehrungsweg – Śyāmā-krama
6.1 Diese große Vidya ist die Herrin des Löwenthrons, die Kaiserin. Shyama nimmt bei ihr die Stellung der obersten Ministerin ein. Ihr Verehrungsweg soll stets vergegenwärtigt werden.
6.2 Denn es ist angemessen, die Gunst des Herrschers durch dessen ersten Minister zu gewinnen.
6.3 In der Brahma-Muhurta soll er aufstehen, noch auf dem Lager die Shri-Paduka grüßen, den Atem regulieren und das höchste Bewusstsein als vom Wurzelzentrum bis zum Dvadashanta lodernd meditieren. Nach dreimaligem innerem Japa des Wurzelmantras soll er hinausgehen, Darm und Blase entleeren, die Zähne putzen, die Zunge reinigen, Schleim entfernen, die Nase reinigen und zwanzig Mundspülungen vornehmen.
6.4 Er soll eine der vorgesehenen Reinigungen mit Mantra, Asche oder Wasser vollziehen und sich ankleiden.
6.5 Er soll die Sandhya verehren, die Göttin mit ihren Umkreisen im Sonnenkreis vergegenwärtigen, dreimal mit dem Wurzelmantra Arghya darbringen und nach Kräften die sättigende Darbringung vollziehen.
6.6 Er soll den Verehrungsraum betreten und mit „ādhāra-śakti-kamalāsanāya namaḥ“ auf dem Lotus-Sitz der tragenden Shakti Platz nehmen.
6.7 Mit „samasta-prakaṭa-gupta-siddha-yoginī-cakra-śrī-pādukābhyo namaḥ“ soll er die Hände über dem Kopf zusammenlegen und die Paduka seines eigenen Gurus verehren.
6.8 Mit dem Waffenmantra „aiṃ hraḥ astrāya phaṭ“ soll er Nyasa vom Daumen bis zum kleinen Finger, auf beiden Handflächen, an beiden Ellbogen und den ganzen Körper durchdringend vollziehen.
6.9 Mit yaṃ soll er durch Pingala Luft einziehen und den Körper austrocknen; mit raṃ einatmen und ihn verbrennen; mit vaṃ einatmen und die Asche des verbrannten Körpers mit Nektar tränken; mit laṃ einatmen und ihn fest machen; mit haṃsa einatmen und Shiva-Bewusstsein entstehen lassen.
6.10 Er soll den Wurzelmantra einmal sprechen und einatmen, dreimal sprechen und den Atem halten, einmal sprechen und ausatmen. Diesen Ablauf von Ausatmen, Einatmen und Anhalten soll er drei-, sieben-, zehn- oder sechzehnmal vollziehen und seinen Körper als aus Licht bestehend erfahren.
6.11 Er soll die sechs Glieder, die mit Bala verbundene Matrika sowie Rati, Priti und Manobhava auf Wurzelzentrum, Herz und Mund auflegen.
6.12 Den Wurzelmantra soll er in siebzehn Abschnitte teilen und auflegen: sechs Laute an der Brahman-Öffnung, drei an der Stirn, vier zwischen den Augenbrauen, sechs und acht am rechten und linken Auge, sieben am Mund, je einen am rechten Ohr, linken Ohr und Hals, acht und zehn an rechter und linker Schulter, zehn am Herzen, je acht an rechter und linker Brust, neun am Nabel, zwei am Svadhishthana und sechs am Wurzelzentrum.
6.13 Dann soll er dieselben siebzehn Abschnitte in den genannten Stellen vom Wurzelzentrum aufwärts bis zur Brahman-Öffnung auflegen.
6.14 Auf einer Juweleninsel im Nektarozean soll er eine Halle mit vier Toren vergegenwärtigen, geschmückt mit Perlenketten und anderem Schmuck. An den vier Toren, im Osten beginnend, verehrt er mit sāṃ Sarasvati, mit lāṃ Lakshmi, mit śaṃ Shankhanidhi und mit paṃ Padmanidhi. In den elf Richtungsstellen verehrt er elf Gottheiten samt Gefolge: mit lāṃ Indra, Donnerkeilträger, Herr der Götter, auf Airavata; mit rāṃ Agni, Speerträger, Herr des Feuers, auf dem Ziegenbock; mit ṭāṃ Yama, Stabträger, Herr der Verstorbenen, auf dem Büffel; mit kṣāṃ Nirriti, Schwertträger, Herr der Rakshasas, auf einem Menschen; mit vāṃ Varuna, Schlingenträger, Herr des Wassers, auf dem Makara; mit yāṃ Vayu, Bannerträger, Herr des Lebensatems, auf der Ruru-Antilope; mit sāṃ Soma, Muschelträger, Herr der Gestirne, auf dem Pferd; mit hāṃ Ishana, Dreizackträger, Herr des Wissens, auf dem Stier; mit oṃ Brahma, Lotusträger, Herr der Wahrheitswelt, auf dem Schwan; mit śrīṃ Vishnu, Diskusträger, Herr der Nagas, auf Garuda; mit oṃ Brahma als Herrn des Bauplatzes. Jede Formel endet mit namaḥ.
6.15 Den Mantras des Shyama-Krama werden Tritari und Kumari oder nur Kumari vorangestellt. Tritari wurde zuvor erklärt; Kumari ist Bala. Das Übrige ist unmittelbar verständlich.
6.16 Er soll seinen Körper mit wohlriechenden Stoffen salben, den Mund mit Betel erfrischen und heiteren Geistes sein.
6.17 Auf Flächen aus Gold, Silber, Kupfer oder Sandel soll er den König der Chakras zeichnen: Punkt, Dreieck, Fünfeck, achtblättriger, sechzehnblättriger und nochmals achtblättriger Lotus, vierblättriger Lotus und Quadrat.
6.18 Mit reinem Wasser, über dem der Wurzelmantra dreimal wiederholt wurde, soll er mit der Fisch-Mudra von außen nach innen Quadrat, Kreis, Sechseck, Dreieck und Punkt anlegen. Mit „aṃ ātma-tattvāya ādhāra-śaktaye vauṣaṭ“ stellt er den Träger auf und verehrt die Feuerkräfte Dhumrarcis, Ushma, Jvalini, Jvalini, Visphulingini, Sushri, Surupa, Kapila, Havyavaha und Kavyavaha. Mit „uṃ vidyā-tattvāya padmānanāya vauṣaṭ“ stellt er das Gefäß auf und verehrt darin die Sonnenkräfte Tapini, Tapini, Dhumra, Marici, Jvalini, Ruci, Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhini, Dharini und Kshama. Mit „maṃ śiva-tattvāya soma-maṇḍalāya namaḥ“ füllt er reines Wasser ein und verehrt die Mondkräfte Amrita, Manada, Pusha, Tushti, Pushti, Rati, Dhriti, Shashini, Candrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti, Angada, Purna und Purnamrita. Die sechs Glieder legt er im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und in den Richtungen auf. Er schützt mit dem Waffenmantra, umhüllt mit dem Panzer-Mantra, zeigt Kuh- und Yoni-Mudra und bespricht siebenmal mit dem Wurzelmantra. Mit den Tropfen besprengt er Verehrungsraum und Geräte. Die unterschiedliche Vokallänge der gleichlautenden Kraftnamen ist im IAST-Text erkennbar.
6.19 Mit diesen Tropfen soll er ein Mandala aus Dreieck, Kreis und Quadrat anlegen, das den Buchstaben ī trägt. Er streut Blüten, stellt wie zuvor den Träger auf, verehrt die Feuerkräfte und stellt das Gefäß darauf. Darin bringt er mit der Anrufung hrīṃ aiṃ mahā-lakṣmîśvari parama-svāmini ūrdhvaśūnya-pravāhini soma-sūryâgni-bhakṣiṇi paramâkāśa-bhāsure āgacchâgaccha viśa viśa pātraṃ pratigṛhṇa pratigṛhṇa huṃ phaṭ svāhā Blumen dar: Sie ruft mit hrīṃ aiṃ die große Herrin Lakshmi, die höchste Herrin, die durch die obere Leere Strömende, Mond, Sonne und Feuer Verzehrende, im höchsten Raum Leuchtende herbei, bittet sie einzutreten und das Gefäß anzunehmen und endet mit huṃ phaṭ svāhā. Er verehrt die Sonnenkräfte und spricht: „Das große Gefäß ist aus dem ungeteilten Weltei hervorgegangen, birgt sämtliche Essenzen und ist gefüllt; führe den Nektarsaft herbei!“ Er füllt das „Erste“ ein, gibt das „Zweite“ hinzu und schreibt in die drei Ecken mit den Linien ab a, ka und tha die Laute ha, la und kṣa, in die Mitte haṃsa. Er bespricht zehnmal mit dem Wurzelmantra, verehrt die Mondkräfte, legt die sechs Glieder an den genannten Orten auf, schützt, umhüllt und zeigt Kuh- und Yoni-Mudra.
6.20 In der Mitte des Chakras soll er aus den getrennt angegebenen Lautteilen den Namen Shri Matangishvari sprechen und mit namaḥ ihre Gestalt bilden. Mit demselben Namen soll er ihr unsterbliches Bewusstsein herbeirufen und sie mit sechzehn Diensten ehren. Die Gliedgöttinnen sind im Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten, auf dem Haupt und ringsum zu verehren. Ihre Mantras bestehen aus den mit „sarva-jana“ und den weiteren Worten beginnenden Abschnitten von acht, sieben, elf, zehn, nochmals zehn und achtundzwanzig Lauten. Voran stehen Tritari, Kumari und Vāk; hinzutreten die entsprechenden Lautklassen und der allgemeine Mantra.
6.21 Danach soll er die Umkreisverehrung vollziehen.
6.22 Bei allen Chakragottheiten soll er mit Daumen und Ringfinger der linken Hand ein Stück des „Zweiten“ halten und einen Tropfen des „Ersten“ aus dem Shri-Gefäß entnehmen; zugleich soll er mit der rechten Hand Reiskörner und Blüten darbringen.
6.23 Im Dreieck soll er Rati, Priti und Manobhava verehren.
6.24 An den Wurzeln der fünf Spitzen, vorne beginnend, gelten drāṃ dem schmelzenden Pfeil, drīṃ dem austrocknenden, klīṃ dem bindenden, blūṃ dem bezaubernden und saḥ dem berauschenden Pfeil. An den Spitzen stehen Kama, Manmatha, Kandarpa, Makaraketana und Manobhava, verbunden mit Maya, Kama, Vāk, blūṃ und strīm.
6.25 An den Wurzeln der acht Lotusblätter sind Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Mahendri, Camunda und Candika zu verehren, jeweils mit dem letzten Laut eines Vokalpaares und dem Mondpunkt. An den Spitzen stehen Lakshmi, Sarasvati, Rati, Priti, Kirti, Shanti, Pushti und Tushti.
6.26 Im sechzehnblättrigen Lotus stehen Vama, Jyeshtha, Raudri, Shanti, Shraddha, Sarasvati, Kriyashakti, Lakshmi, Srishti, Mohini, Pramathini, Ashvasini, Vici, Vidyunmalini, Surananda und Nagabuddhika.
6.27 Im nächsten achtblättrigen Lotus sind die Bhairavas Asitanga, Ruru, Canda, Krodhana, Unmatta, Kapala, Bhishana und Samhara zu vergegenwärtigen, jeweils mit dem ersten Laut eines Vokalpaares und dem Dandin-Zeichen. Die Vorlage belässt die Lautergänzung in dieser technischen Kurzform.
6.28 Im vierblättrigen Lotus stehen Matangi, Siddhalakshmi, Mahamatangi und Mahasiddhalakshmi.
6.29 Im Quadrat sind Ganapati mit gaṃ, Durga mit duṃ, Batuka mit baṃ und Kshetrapala mit kṣaṃ zu verehren.
6.30 Dort soll er nochmals die Reihe von „sāṃ sarasvatyai namaḥ“ bis „vāstu-pataye brahmaṇe namaḥ“ verehren.
6.31 Auf der östlichen Linie des Quadrats soll er die Überlieferungsgurus Hamsamurti, Paraprakasha, Purna, Nitya und Karuna verehren.
6.32 Auf seinem eigenen Haupt soll er die allgemeine und die besondere Guru-Paduka verehren.
6.33 Er soll die Göttin erneut verehren und mit Bala die sechzehn Dienste vollziehen.
6.34 Mit reinem Wasser soll er Dreieck, Kreis und Quadrat anlegen und ein Gefäß samt Träger daraufstellen, mit Wasser, zur Hälfte mit Speise, mit „Erstem“, „Zweitem“ und „Mittlerem“ sowie mit Duft und Blüten versehen. Die Vorlage vermerkt bei su-/sa-gandha eine Lesungsalternative.
6.35 Mit drei Formeln soll er Bali darbringen: „śrī-mātaṅgīśvari imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ svāhā“; „śrī-mātaṅgīśvari śaraṇāgataṃ māṃ trāhi trāhi huṃ phaṭ svāhā“; „kṣetra-pāla-nāthemaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa phaṭ svāhā“. Die erste bittet die Göttin, die Gabe anzunehmen, die zweite um Schutz für den Zuflucht Suchenden, die dritte den Herrn des Feldschutzes um Annahme der Gabe. Dazu gehören linkes Fersenstampfen, Händeklatschen, gehobenes Gesicht und die Naraca-Mudra.
6.36 Er soll eine Shakti als Shyamala herbeirufen, mit Bala verehren, ihr „Erstes“ und „Zweites“ in die Hand geben und das Tattva reinigen. Er soll den Rest davon annehmen und zusammen mit geeigneten Teilnehmern den Rest der Opfergabe zu sich nehmen.
6.37 Während er diese tägliche Verehrung vollzieht, soll er hunderttausend Wiederholungen ausführen; Feueropfer, sättigende Darbringung und Speisung von Brahmanen folgen jeweils mit einem Zehntel der vorausgehenden Zahl.
6.38 Wer diesen Mantra rezitiert, soll keinen Kadamba-Baum fällen und das Wort „Kali“ nicht aussprechen. Von Vina- oder Flötenspiel, Tanz, Gesang, Liedern und musikalischen Zusammenkünften soll er sich nicht abwenden; einen Sänger soll er nicht herabsetzen.
6.39 Ein Verehrer Lalitas soll kein Stück Zuckerrohr essen, Vartali nicht am Tag vergegenwärtigen und die geweihten Stoffe nicht verabscheuen. Er soll Frauen nicht grausam behandeln, sich nicht mit der Frau eines Vira verbinden, den Vira nicht töten und dessen Besitz nicht rauben. Er soll die fünf M nicht nach eigenem Belieben gebrauchen, nicht mit vom Kula Abgefallenen zusammensitzen und nicht viel schwätzen. Spricht eine Frau ihn an, soll er nicht fortgehen, ohne zu antworten. Die Kula-Schriften soll er geschützt bewahren. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Siebter Khaṇḍa: Varahis Verehrungsweg – Vārāhī-krama
7.1 Nachdem er so die Mutter der Musik mit ihren Gliedern verehrt hat, soll er die Ebergesichtige ordnungsgemäß verehren. Sie nimmt bei Lalita, der auf dem Thron der Bewusstseinsherrschaft sitzenden großen Königin, die Stellung der Heerführerin ein. Ihr Weisungskreis ist ungehindert wirksam, um Übeltäter zurückzuhalten und die Guten zu begünstigen; sie wird durch das vereinbarte Geheimzeichen der Überlieferung bezeichnet.
7.2 Ihr Ablauf ist dieser: Er soll in tiefer Nacht erwachen und den ungeschlagenen Klang vergegenwärtigen, der im höchsten Raum seines Herzens ertönt und machtvolle Glückseligkeit schenkt.
7.3 Mit „śivādi-śrī-gurubhyo namaḥ“ soll er die Hände über dem Scheitel zusammenlegen: Verehrung den ehrwürdigen Gurus, angefangen mit Shiva.
7.4 In diesem Verehrungsweg sind sämtliche Mantras mit Vāk und glaum voranzusprechen.
7.5 Mit den sechs Mantras, deren erster mit „mūla“ beginnt, soll er den feinstofflichen Körper entsprechend den jeweiligen Formeln reinigen.
7.6 Die sechs Formeln der Elementereinigung besagen: „Vom Wurzelknoten aus vereinige ich durch den Sushumna-Weg den individuellen Shiva mit dem höchsten Shiva, svāhā. Yaṃ: Trockne den Körper der Begrenzung aus, trockne ihn aus, svāhā. Raṃ: Verbrenne den Körper der Begrenzung, verbrenne ihn; gare ihn, gare ihn, svāhā. Vaṃ: Lass den Nektar des höchsten Shiva regnen, regnen, svāhā. Laṃ: Bringe den Shiva-Körper hervor, hervor, svāhā. Haṃsaḥ so 'ham: Steige herab, steige herab von Shivas Stätte; tritt als lebendige Seele durch den Sushumna-Weg in den Wurzelknoten ein. Erstrahle, erstrahle; brenne, brenne; lodere, lodere. Haṃsaḥ so 'haṃ svāhā.“ So soll er die Reinigung der Elemente vollziehen.
7.7 Die von den Matrika-Lauten umschlossene Dvitari soll er auflegen: im Gesichtskreis, an beiden Augen, Ohren, Nasenlöchern, Wangen, Lippen und Zahnreihen, auf Scheitel und Mund, an Gelenken und Enden von Armen und Beinen, beiden Flanken, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Armwurzeln, hinterem Hals und Achseln sowie vom Herzen aus an beiden Händen und Füßen, Bauch und Gesicht. Die Anfangsform kānanavṛtta der Vorlage ist auffällig; die Zuordnung zum Gesichtskreis folgt dem Zusammenhang des Matrika-Nyasa.
7.8 Die fünf siebensilbigen Gruppen, beginnend mit „andhe“, soll er vom Daumen bis zum kleinen Finger auflegen.
7.9 Beginnend mit Vāk und „namo bhagavati“ soll er dreizehn Laute auf das Herz, sechs auf den Kopf, zehn auf die Haarspitze und je sieben auf Panzer, Augen und Waffe auflegen.
7.10 Er soll sich mit Duft und den weiteren Mitteln schmücken und das Arghya reinigen.
7.11 Auf einer vor ihm mit Kuhdung bestrichenen Fläche soll er mit Wasser, das mit dem als hetu bezeichneten Ritualgetränk gemischt ist, ineinander Quadrat, Kreis, Sechseck und Dreieck zeichnen. Mit den im Shyama-Krama genannten Arghya-Mantras reinigt er Träger und Gefäß und verehrt sie mit dem allgemeinen Arghya. Mit vaṣaṭ hebt er das Arghya, mit svāhā stellt er es hin, mit huṃ umhüllt er es, mit vauṣaṭ macht er es zu Nektar, mit phaṭ schützt er es, mit namaḥ legt er eine Blüte hinein. Er schaut es unter dem Wurzelmantra an und reinigt mit seinen Tropfen die Verehrungsgegenstände.
7.12 Er soll erstens die zuvor genannten fünf siebensilbigen Gruppen auf Kopf, Gesicht, Herz, Schamregion und Füße legen. Zweitens soll er die Vidya in acht Abschnitte teilen: einunddreißig, sieben, sieben, sieben, sieben, sieben, fünfunddreißig und elf Laute. Diese werden auf die Strecken Füße–Knie, Knie–Hüfte, Hüfte–Nabel, Nabel–Herz, Herz–Hals, Hals–Brauenmitte, Brauenmitte–Stirn und Stirn–Scheitel gelegt. Drittens soll er die Wörter des Wurzelmantras an den Matrika-Stellen auflegen.
7.13 Er soll die acht vorgenannten Abschnitte einzeln aussprechen und an denselben Stellen den Tattva-Nyasa vollziehen: hlāṃ für Sharva als Herrn des Erdprinzips, hlīṃ für Bhava als Herrn des Wassers, hlūṃ für Rudra als Herrn des Feuers, hlaiṃ für Ugra als Herrn der Luft, hlauṃ für Ishana als Herrn der Sonne, soṃ für Mahadeva als Herrn des Mondes, haṃ für Mahadeva als Herrn des Opfernden und auṃ für Bhima als Herrn des Raumes; jeweils mit namaḥ.
7.14 Mit dem ganzen Wurzelmantra soll er den gesamten Körper durchdringen und die Göttin meditieren.
7.15 Vor sich soll er das erfreulich anzuschauende Chakra der Ebergesichtigen herstellen, auf Stoff, Tafel, Gold, Silber, Kupfer, einem Sandelsockel oder anderem geeigneten Material. Es besteht aus drei Quadraten, tausendblättrigem, hundertblättrigem und achtblättrigem Lotus, Sechseck, Fünfeck, Dreieck und Punkt.
7.16 Er soll eine Handvoll Blüten darauf streuen und die goldene Umfassungsmauer, den Nektarozean, die Eberinsel und den Ebersitz mit namaḥ verehren. Mit āṃ ehrt er die tragende Kraft, mit kuṃ die Schildkröte, mit kaṃ die Wurzelknolle und mit aṃ den endlosen Stiel. Zusammen mit Dharma und den weiteren Kräften wird der Sockel mit sechzehn Mantras verehrt.
7.17 Mit der auf namaḥ endenden Formel für den Lotus-Sitz mit Dreieck, Fünfeck, Sechseck, acht, hundert und tausend Blättern soll er das Chakra verehren.
7.18 Die drei Formeln für die Qualitäten gelten dem Feuerkreis, Sonnenkreis und Mondkreis; hinzu kommen vier Selbst-Mantras. Insgesamt sind auf dem Sitz siebenundzwanzig Verehrungen auszuführen.
7.19 Mit „hauṃ preta-padmāsanāya sadāśivāya namaḥ“ soll er über dem Chakra den Sitz der Göttin als Sadashiva, den Leichnam-Lotus-Sitz, vergegenwärtigen.
7.20 Die gestaltbildende Vidya lautet im angegebenen Kern „ḹ ṣā ī vārāhī-mūrtaye ṭhaḥ ṭhaḥ ṭhaḥ ṭhaḥ huṃ phaṭ“. Sie beginnt mit Vāk und glaum und endet mit glauṃ und Vāk.
7.21 Mit der Wurzelvidya soll er die Mudras für Herbeirufen, Aufstellen, Gegenwärtigmachen, Festhalten, Zuwenden, Umhüllen und Begrüßen sowie Kuh- und Yoni-Mudra bilden.
7.22 Er soll die sechs und die fünf Glieder auf die Glieder der Göttin legen.
7.23 Er soll die als sechzehn bezeichneten Dienste bereitstellen: Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Kleidung, Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht, Lichtschwenken, Schirm, Wedel, Spiegel, Schutz, Mundspülwasser, Speisegabe, Trinkwasser und Betel. Die ausgeschriebene Liste enthält mehr als sechzehn Bezeichnungen; die Quellfassung gruppiert sie hier nicht näher.
7.24 So ist die Göttin zu meditieren: Vartali ist dunkel wie eine Regenwolke, mit gebogenen Hauern, gelbbraunen Augen und voller Brust. Ihre Hände tragen Diskus, Schwert, Stampfkeule, Schutzgeste, Muschel, Schild, Pflug und Wunschgewährungsgeste. Sie sitzt auf einem Lotus.
7.25 Zehnmal soll er ihr die sättigende Darbringung erweisen.
7.26 Im Dreieck stehen Jambhini, Mohini und Stambhini.
7.27 Im Fünfeck stehen Andhini und Rundhini sowie die drei zuvor genannten Göttinnen.
7.28 Im Sechseck werden Brahmani mit ā kṣā ī, Maheshvari mit ī lā ī, Kaumari mit ū hā ī, Vaishnavi mit ṝ sā ī, Indrani mit ai śā ī und Camunda mit au vā ī verehrt. An seinen Spitzen und in der Mitte folgt die Verehrung der Herrinnen der Körpergewebe. Für Yakini lautet die Lautfolge „ya-ma-ra-yūṃ yāṃ yīṃ yūṃ yaiṃ yauṃ yaḥ“; die anschließende Formel fordert sie auf, die Gegner zu lähmen, ihr Hautgewebe zu ergreifen und es unter die Macht von Anima und den weiteren Siddhis zu bringen. Bei den übrigen werden Bija, Name, Gewebe und Tätigkeitswort entsprechend ausgetauscht: „ra-ma-ra-yūṃ“ – Rakini, Blutgewebe, „trinke, trinke“; „la-ma-ra-yūṃ“ – Lakini, Fleischgewebe, „iss, iss“; „ḍa-ma-ra-yūṃ“ – Dakini, Fettgewebe, „verschlinge, verschlinge“; „ka-ma-ra-yūṃ“ – Kakini, Knochengewebe, „lähme, lähme“; „sa-ma-ra-yūṃ“ – Sakini, Markgewebe, „ergreife, ergreife“; „ha-ma-ra-yūṃ“ – Hakini, Samengewebe, „trinke, trinke“. Jede Formel erhält den Schluss über Anima und die weiteren Siddhis sowie svāhā. Dies ist die Verehrung der Gewebeherrinnen. Die gegen Gegner gerichtete Ritualsprache wird als historische Textaussage wiedergegeben.
7.29 An beiden Seiten des Sechsecks stehen Krodhini und Stambhini als Wedelträgerinnen. Dort werden auch die stillstellende Stampfkeulenwaffe und die anziehende Pflugwaffe verehrt. Vor der Göttin, außerhalb des Sechsecks, gilt „kṣrauṃ krauṃ caṇḍoccaṇḍāya namaḥ“ Candoccanda.
7.30 Im achtblättrigen Lotus stehen Vartali, Varahi, Varahamukhi und die fünf Göttinnen, beginnend mit Andhini. Außerhalb davon wird der große Büffel als Fahrzeug der Göttin verehrt.
7.31 Im hundertteiligen Lotus, vor der Göttin an einer Blattverbindung beginnend, sind mit namaḥ zu verehren: Jambhini, Indra, die Apsaras, Siddhas, zwölf Adityas, Agni, Sadhyas, Vishvedevas, Vishvakarman, Yama, Mütter, Rudras Diener, Rudras, Mohini, Nirriti, Rakshasas, Mitras, Gandharvas, Scharen der Bhutas, Varuna, Vasus, Vidyadharas, Kinnaras, Vayu, Stambhini, Citraratha, Tumburu, Narada, Yakshas, Soma, Kubera, Götter, Vishnu, Ishana, Brahma, die beiden Ashvins, Dhanvantari und Vinayakas. Außerhalb davon verehrt er Kshetrapala mit auṃ kṣauṃ und den vortrefflichen Löwen als Fahrzeug der Göttin. Weiter außen verehrt er den großen schwarzen König der Tiere als Fahrzeug der Göttin.
7.32 Im achtfach gegliederten tausendblättrigen Lotus soll er Airavata, Pundarika, Vamana, Kumuda, Anjana, Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika verehren; dies kann auch außerhalb des Nektarozeans geschehen. In den acht Richtungen der äußeren Umfassung sowie unten und oben sind die zehn Bhairavas Hetuka, Tripurantaka, Agni, Yamajihva, Ekapada, Kala, Karala, Bhimarupa, Hatakesha und Acala zu verehren, jeweils mit kṣaum am Anfang und der Ergänzung „bhairava-kṣetra-pāla“.
7.33 Nachdem er so die sechs Umkreise verehrt hat, soll er der Göttin nochmals dreimal sättigend darbringen und sie mit allen Diensten ehren.
7.34 Vor sich links soll er eine handgroße Fläche mit Wasser bestreichen. Gekochten Reis soll er mit Blutreis, Kurkumareis, Büffelfleisch, geröstetem Mehl, Zucker, dem Ritualgetränk, drei Früchten, Honig, drei Arten Mung, Schwarzbohnenmehl, Dickmilch, Milch und Ghee vermengen. Er soll daraus zehn hühnereigroße Klöße und einen kapitthafruchtgroßen Kloß formen und daneben einen Becher mit „Erstem“, „Zweitem“ und „Mittlerem“ stellen. Die zehn Klöße gibt er mit den jeweiligen Mantras Hetuka und den übrigen; den mittleren Kloß und den Becher gibt er Candoccanda. So verehrt er die ganze Schar.
7.35 Nach seinen Möglichkeiten soll er den ehrwürdigen Guru erfreuen.
7.36 Er soll drei voll erwachsene Shaktis mit den vorgeschriebenen Kennzeichen, die in Begeisterung versetzen, und einen männlichen Ritualteilnehmer herbeirufen, verehren, baden und mit Duft und Schmuck versehen. Eine Shakti stellt er als Vartali in die Mitte, die beiden anderen als Krodhini und Stambhini an die Seiten und den männlichen Teilnehmer als Candoccanda nach vorn. Mit allen Gaben soll er sie erfreuen und sagen: „Möge mein Shri-Vartali-Mantra Vollendung erlangen.“ Sie sollen antworten: „Mögen die vorstehenden Gottheiten gnädig sein.“
7.37 Nachdem er die freigebige Ebergesichtige mit ihrem Gefolge so erfreut hat, soll er eine vorbereitende Mantrapraxis von hunderttausend Wiederholungen vollziehen und mit einem Zehntel dieser Zahl Tamala-Blüten im Feuer opfern, um den Mantra zur Vollendung zu führen.
7.38 Dann soll er die verehrte Göttin mit dem eigenen Selbst vereinigen und frei, mit wirksamer Weisung und glücklich leben. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Achter Khaṇḍa: Paras Verehrungsweg – Parā-krama
8.1 Wer die Verehrung Vartalis ordnungsgemäß vollzogen hat, soll sich, ihrem Ablauf folgend, der unübertrefflichen Wirklichkeit zuwenden, die das Herz der Löwenthron-Vidya und die Gestalt des Para-Bijas ist.
8.2 Wer das Herz des Herrn kennt, findet bei jedem Schritt Freude.
8.3 Nun wollen wir den unübertrefflichen Verehrungsweg erklären.
8.4 Früh am Morgen soll er aufstehen und seinen Körper als überflutet vom Nektarstrom meditieren, der von den beiden Füßen Paras herabfließt. Sie ist goldglänzend und sitzt auf dem tausendblättrigen Lotus in der Brahman-Höhlung. Sauvarṇa kann in diesem Mantrakontext zugleich auf die Gestalt des sau-Lautes bezogen werden; vgl. 8.5 und 8.13.
8.5 Gebadet und in reine Gewänder gekleidet soll er mit sauḥ dreimal rituell Wasser schlürfen, zweimal abwischen, einmal berühren und beide Augen, Nasenlöcher, Ohren, Schultern, Nabel, Herz und Kopf berühren. So soll er den Wasserritus dreimal vollziehen.
8.6 Er soll einen sehr reinen, weichen Wollsitz benutzen, der durch Wiederholung des sau-Lautes in der durch „Sonne“ bezeichneten Zahl, zwölf, besprochen und mit dem Wurzelmantra besprengt wurde.
8.7 Nach Norden gewandt, schweigend und mit geschmücktem Körper soll er auf seinem Kopf den Lehrer mit dessen Mantra verehren, dem der Wurzelmantra vorangestellt wird.
8.8 Mit Stampfen der linken Ferse und dreimaligem Fingerschnippen soll er die Hindernisse aus Unterwelt und den weiteren Bereichen vertreiben, die als Erscheinungen der Getrenntheit auftreten.
8.9 Er soll den Wurzelmantra auf Kopf, Gesicht, Herz, Wurzelzentrum und sämtliche Glieder legen.
8.10 Mit einem wie ein Krähenschnabel geformten Mund soll er Luft einziehen und siebenundzwanzigmal den Wurzelmantra wiederholen. Das gesamte Erkennbare soll er im Nabel verschließen, nochmals siebenundzwanzigmal rezitieren, die Haarspitze mit dem Daumen binden und erneut Luft einziehen. Damit soll er im Wurzelzentrum das Bewusstseinsfeuer entzünden und das Aufgehen alles Erkennbaren darin vergegenwärtigen.
8.11 Auf einer mit Kuhdung bestrichenen quadratischen Fläche soll er mit göttlich duftendem Wasser und der durch seitwärts bewegte Hände gebildeten Fisch-Mudra die Mandalas von Erde, Raum, Wind und Feuer anlegen.
8.12 Das allgemeine und das besondere Arghya soll er wie im Shyama-Krama bereitstellen.
8.13 Allen Mantras des Para-Krama ist sauḥ voranzustellen.
8.14 Durch zweimaliges Wiederholen von Bhrigu, vierzehntem und sechzehntem Laut soll er den Laut-Nyasa der sechs Glieder vollziehen; durch sechsmaliges Wiederholen des ganzen Wurzelmantras den Mantra-Nyasa der sechs Glieder.
8.15 Mit beiden soll er verehren.
8.16 Nach dem Wurzelmantra soll er die Nektargöttin verehren: Sie besteht aus Bewusstsein, ist durch Glückseligkeit gekennzeichnet, hält in ihren beiden Händen einen Nektarkrug und ein Stück Fleisch und ist heiter. Er schließt mit „pūjayāmi namaḥ svāhā“. Mit ihr, das heißt mit dem als Göttin verehrten Nektar, soll er die Verehrungsgegenstände besprengen.
8.17 Die zuvor im Nabel eingeschlossene und im Bewusstseinsfeuer aufgelöste Gesamtheit der sechsunddreißig Tattvas, flüssig wie geschmolzenes Eisen, soll er in den Herzlotus herbeibringen.
8.18 Mit Blüten, über denen der Wurzelmantra gesprochen wurde, und mit den folgenden Formeln soll er den Sitz bilden. Jede beginnt mit dem Wurzelmantra und endet mit „yoga-pīṭhāya namaḥ“. Dazwischen stehen: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung, Klang; Zeugungsorgan, Ausscheidungsorgan, Fuß, Hand, Sprache; Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn, Tastsinn, Gehör; Ichbewusstsein, Erkenntnisvermögen, Denkorgan; Urnatur, individuelle Seele; Begrenzung durch Ordnung, Zeit, Verlangen, begrenzte Wirkkraft und begrenztes Wissen; Maya; reines Wissen, Ishvara, Sadashiva, Shakti und Shiva. So soll er das Para-Chakra bilden.
8.19 Darin soll er die sechzehnteilige Göttin Para herbeirufen, deren Wesen das bewusste Erkennen der Einheit all dessen ist.
8.20 Er soll meditieren: „Die höchste Kraft, hell wie der fleckenlose Mond, dreiäugig, mit der Mondsichel, deren Hände mit Mudra und Buch leuchten, möge mich beschützen.“
8.21 Mit dem Anfang des Wurzelmantras soll er Para Bhattarika als Licht, mit dessen Mitte als Sich-Erkennen und mit dessen Ende als Licht und Sich-Erkennen verehren, und zwar am Wurzelort, im Herzen und am Mund der Göttin. Mit dem ganzen Mantra soll er zehnmal Para Bhattarika als das große Licht und Sich-Erkennen vergegenwärtigen. Dieselbe Göttin soll er als so leuchtend wie Millionen weltauflösender Feuer meditieren.
8.22 In ihr soll er unter dem begleitenden Ritualvollzug alles Erkennbare opfern.
8.23 Nach dem Wurzelmantra soll er mit der allgemeinen Paduka-Formel dem auf seinem Kopf gegenwärtigen Guru Arghya darbringen.
8.24 Er soll das Bewusstseinsfeuer erneut als hell auflodernd vergegenwärtigen.
8.25 Er soll drei Padukas des göttlichen Stromes, drei des Stromes der Vollendeten und acht des menschlichen Stromes verehren.
8.26 Die Padukas des Para-Krama sind Parabhattarika, Aghora, Shrikantha, Shaktidhara, Krodha, Tryambaka, Ananda, Pratibhadevyamba, Vira, Samvidananda, Madhuradevyamba, Jnana, Shrirama und Yoga. Die Namensfolge ist in der Vorlage weitgehend zusammengeschrieben; die Aufteilung folgt der in 8.25 angegebenen Gesamtzahl vierzehn.
8.27 Dann soll er mit dem Kala-Mantra Bali darbringen.
8.28 Den Rest der Opfergabe soll er in sich aufnehmen. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Neunter Khaṇḍa: Das Feueropfer – Homa-vidhi
9.1 Nun wollen wir den Vollzug des Feueropfers für den jeweils gewählten Mantra erklären.
9.2 Er soll eine quadratische Feuergrube oder eine einen Hasta lange und einen Daumen hohe Opferfläche anlegen.
9.3 Er soll das allgemeine Arghya reinigen und damit besprengen.
9.4 Er soll je drei Linien nach Osten und nach Norden ziehen.
9.5 Auf diesen Linien soll er Brahma, Yama, Soma, Rudra, Vishnu und Indra verehren, deren Namen zwischen Shattari und namaḥ eingefügt werden.
9.6 Er soll den sechsgliedrigen Nyasa vollziehen: „sahasrārciṣe hṛdayāya namaḥ“, „svasti-pūrṇāya śirase svāhā“, „uttiṣṭha puruṣāya śikhāyai vaṣaṭ“, „dhūma-vyāpine kavacāya huṃ“, „sapta-jihvāya netra-trayāya vauṣaṭ“, „dhanur-dharāya astrāya phaṭ“. Sie gelten dem tausendstrahligen Feuer am Herzen, dem heilserfüllten am Kopf, dem sich erhebenden Purusha an der Haarspitze, dem rauchdurchdringenden als Panzer, dem siebenzüngigen an den drei Augen und dem Bogenträger als Waffe. Mit diesen sechs Gliedern soll er die Feuergrube verehren.
9.7 Er soll das Feuerchakra aus Achteck, Sechseck und Dreieck zeichnen. In der Dreiecksmitte verehrt er die Sitzkräfte des Feuers: Pita, Shveta, Aruna, Krishna, Dhumra, Tivra, Sphulingini, Rucira und Jvalini. Dort verehrt er auch Tamas mit taṃ, Rajas mit raṃ, Sattva mit saṃ, das Selbst mit ām, das innere Selbst mit am, das höchste Selbst mit paṃ und das Erkenntnisselbst mit hrīṃ; jeweils mit namaḥ.
9.8 Dann soll er auf dem Sitz Vagishvari und Vagishvara, die Eltern des zu gebärenden Feuers, verehren, ihre Vereinigung vergegenwärtigen und mit „hrīṃ vāgīśvarī-vāgīśvarābhyāṃ namaḥ“ meditieren.
9.9 Er soll Feuer mit Reibhölzern, einem Sonnenstein oder aus dem Haus eines Zweimalgeborenen gewinnen und in einem Ton- oder Kupfergefäß im Südosten, Nordosten oder Südwesten abstellen. Einen Anteil für die Fleischverzehrer soll er nach Südwesten ausscheiden. Durch Anschauen, Besprengen, Anschlagen, Umhüllen und die weiteren Handlungen soll er es reinigen. Mit „oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarva-karmāṇi sādhaya svāhā“ soll er das aus dem Muladhara aufsteigende Bewusstsein durch das Stirnauge austreten lassen, mit dem äußeren Feuer verbinden und hineinbringen. Die Formel ruft Vaishvanara, den rotäugigen Feuerkenner, zur Vollendung aller Handlungen an.
9.10 Mit dem Panzer-Mantra soll er das Feuer mit Brennholz bedecken.
9.11 Er soll das Feuer mit folgendem Lob verehren: „Ich grüße das entflammte Feuer, den Kenner der Geburten, den Opfergabenverzehrer, das goldfarbene, wohlentzündete Feuer, das nach allen Seiten sein Gesicht wendet.“
9.12 Mit „uttiṣṭha harita-piṅgala lohitākṣa sarva-karmāṇi sādhaya me dehi dāpaya svāhā“ soll er das Feuer aufrichten. Der Sinn lautet: „Erhebe dich, grünlich-goldbrauner, rotäugiger; vollende alle Handlungen; gib mir und lass geben!“
9.13 Mit „cit-piṅgala hana hana daha daha paca paca sarva-jñājñāpaya svāhā“ soll er es entfachen: „Goldbraunes Bewusstsein, schlage, schlage; brenne, brenne; gare, gare; Allwissender, erteile deine Weisung!“
9.14 Mit der Formel aus Shattara, Vāk und namaḥ soll er für das Feuer die Lebensriten vollziehen: Pumsavana, Scheitelteilung, Geburtsritus, Namengebung, erste Speisung, erste Haarschur, Einführung in die Schülerschaft, Godana und Hochzeit. Dabei spricht er jeweils: „Für dieses Feuer bereite ich diesen Ritus, namaḥ.“
9.15 Er soll ringsum Wasser sprengen, Gras ausbreiten und die Umfassungshölzer hinlegen.
9.16 Er soll meditieren: „Verneigt euch vor dem Feuer: dreiäugig, rötlich strahlend, mit gebundenem Haar, in ein strahlend weißes Gewand gekleidet, von roter Farbe, mit vielerlei Schmuck versehen und auf einem Lotus sitzend. Seine Hände zeigen Wunschgewährung, Shakti-Waffe, Svastika und Furchtlosigkeit; seine Schultern sind mit einer goldenen Girlande geschmückt.“
9.17 Im Achteck soll er Jatavedas, Saptajihva, Havyavaha, Ashvodara, Vaishvanara, Kaumaratejas, Vishvamukha und Devamukha mit namaḥ verehren; im Sechseck die sechs Glieder; im Dreieck das Feuer mit seinem Mantra.
9.18 Mit Ghee, das durch den Wurzelmantra gereinigt wurde, soll er den sieben Zungen des Feuers sieben Gaben darbringen: Hiranya, Kanaka, Rakta, Krishna, Suprabha, Atirakta und Bahurupa, jeweils mit namaḥ.
9.19 Mit den drei Formeln, die mit „vaiśvānara“, „uttiṣṭha“ und „cit-piṅgala“ beginnen, soll er dem Feuer dreifach opfern.
9.20 In die Zunge Bahurupa soll er seine gewählte Gottheit herbeirufen und sie mit fünf Diensten ehren.
9.21 Allen Göttinnen des Chakras soll er je eine Gabe opfern. Die Mantras mit namaḥ am Ende, mit pādukā am Ende und die übrigen Formeln soll er für das Feueropfer mit svāhā abschließen.
9.22 Dann soll er der Hauptgottheit zehn Gaben opfern.
9.23 Wünscht er ein bestimmtes Ergebnis, soll er es der gewählten Gottheit mitteilen und den Entschluss fassen: „Zur Vollendung dieser Handlung werde ich so viele Gaben darbringen.“
9.24 Der Text ordnet folgenden Zielen folgende Opferstoffe zu: Befriedung – Sesam und Ghee; Nahrung beziehungsweise Lebensnektar – Speise; Fieberstillung – Brennholz und junge Mangoblätter; langes Leben – Durva-Gras; Vermögen – Kritamala-Blüten; Glücksanteil – Wasserlilien; Königtum – Bilva-Blätter; Oberherrschaft – Lotusblüten; Gewinnung einer Braut – reine Puffreiskörner; Dichtkunst – Nandyavarta-Blüten; Gedeihen – Vanjula; Glück – Mallika, Jati und Punnaga; Herrschaft – Bandhuka, Hibiskus, Kimshuka, Bakula und Madhukara; Anziehung – Salz; Beeinflussung aller – Kadamba; Getreidefülle – Shali-Reiskörner; glückverheißende Fülle – Safran, Gorocana und andere Düfte; Strahlkraft – Palasha-Blüten oder Ghee einer braunen Kuh; Verwirrung – Dhattura-Blüten; Vernichtung von Feinden – Holz von Giftbäumen, Nimba, Shleshmataka und Vibhitaka; Tötung – mit Nimba-Öl versehenes Salz; Entzweiung – Federn von Krähe und Eule; Beseitigung von Husten und Atemnot – mit Sesamöl versehener Pfeffer. Mit diesen soll nach dem Text geopfert werden. Diese historischen Wirkungszuschreibungen umfassen auch schädigende Riten; sie sind weder Wirksamkeitsnachweise noch heutige Praxisempfehlungen. Die Wortverbindung annāyāmṛtāya bleibt in ihrer genauen Zielbestimmung unsicher.
9.25 Er soll Bali darbringen.
9.26 Mit vier Formeln soll er das Feueropfer der großen Weltenrufe vollziehen: „oṃ bhūr agnaye ca pṛthivyai ca mahate ca svāhā“; „oṃ bhuvo vāyave cāntarikṣāya ca mahate ca svāhā“; „oṃ suvar ādityāya ca dive ca mahate ca svāhā“; „oṃ bhūr bhuvas suvaś candramase ca nakṣatrebhyaś ca digbhyaś ca mahate ca svāhā“. Sie gelten Feuer, Erde und dem Großen; Wind, Zwischenraum und dem Großen; Sonne, Himmel und dem Großen; schließlich Mond, Sternen, Richtungen und dem Großen.
9.27 Er soll die Gabe der Darbringung an Brahman vollziehen. Ihre Formel besagt: „Alles, was ich zuvor im Bereich von Lebensatem, Erkenntnisvermögen, Körper, Pflichten und Befugnis im Wachen, Träumen und Tiefschlaf mit Geist, Sprache, Handlung, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan habe, möge ganz zur Darbringung an Brahman werden, svāhā.“
9.28 Mit „cid-agniṃ devatāṃ cātmany udvāsayāmi namaḥ“ soll er Bewusstseinsfeuer und Gottheit in sich selbst zurücknehmen.
9.29 Mit einem Stirnzeichen aus dieser Asche versehen soll er, nach der Verheißung des Textes die Welt bezaubernd, glücklich leben. So endet der Abschnitt im Zeichen des Heils.
Zehnter Khaṇḍa: Der allgemeine Verehrungsweg – Sarva-sādhāraṇa-krama
10.1 Nun wollen wir den allgemeinen Verehrungsweg für sämtliche Mantras erklären.
10.2 Von der Sandhya bis zur Reinigung des Arghya gilt der Ablauf des Shyama-Krama, ausgenommen dessen besondere Nyasas.
10.3 Wenn für einen Mantra keine sechs Glieder angegeben sind, werden sie mit Maya, verbunden mit den sechs Lautklassen, gebildet.
10.4 Das Chakra besteht aus Punkt, Dreieck, Sechseck, achtblättrigem Lotus, vierblättrigem Lotus und Quadrat.
10.5 Im Punkt steht die Hauptgottheit, im Dreieck die Kräfte des Willens, Wissens und Handelns; im Sechseck die jeweiligen sechs Glieder, im achtblättrigen Lotus Brahmi und die weiteren Mütter, im vierblättrigen Ganapati, Durga, Batuka und Kshetrapala; im Quadrat stehen die Richtungshüter.
10.6 Alle Mantras dieses Ablaufs sind mit Tritari und Kumari zu verbinden.
10.7 Die Herbeirufung geschieht mit dem jeweiligen Wurzelmantra, Bali mit dem Kala-Mantra; die Feuergaben folgen dieser Reihenfolge.
10.8 Nun folgt die Strahlengirlande, Rashmimala.
10.9 Nach dem Erwachen soll sie einmal im Geist wiederholt werden.
10.10 Ihre ersten fünf Strahlen sind: (1) Pranava, die Weltenrufe „bhūr bhuvas suvaḥ“ und die Gayatri; sie umfasst nach dem Text dreißig Laute und bedeutet: „Wir meditieren das erwählenswerte Licht des göttlichen Savitri; möge er unsere Erkenntniskräfte anregen.“ (2) Die siebenundsechziglautige Indra-Vidya, die in Bedrängnis die Furcht vertreibt: „Wovor wir uns fürchten, Indra, davor mache uns furchtlos. Freigebiger, hilf uns mit deiner Hilfe; schlage die Hassenden und Angreifenden. Der Heil spendende Herr der Menschen, der Vritra-Besieger und Bezwinger der Feinde, der mächtige Indra gehe uns voran, Heil spendend und Furchtlosigkeit schenkend.“ (3) Pranava und „ghṛṇis sūrya āditya“ bilden die achtlautige Sonnenvidya, die Strahlkraft verleiht. (4) Pranava allein ist die Brahmavidya, die Befreiung schenkt. (5) Tara und „paro-rajase (')sāvad om“ bilden die neunlautige Turiya-Gayatri, die die eigene Einheit bewusst werden lässt. Diese fünf Strahlen sind als Samen an Wurzelzentrum, Herz, Stirn, Brahman-Öffnung und Dvadashanta zu vergegenwärtigen. Die eingeklammerte Avagraha-Stelle im fünften Mantra bleibt entsprechend der Vorlage offen.
10.11 Die Cakshushmati-Vidya, der Fernsicht zugeschrieben wird, besteht aus sechzehn Mantras. Ihre Bedeutungen sind: (1) „Verehrung dem Licht des Sonnenauges“; (2) „Verehrung dem im Raum Wandelnden“; (3) „Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen“; (4) „Führe mich von der Dunkelheit zum Licht“; (5) „Führe mich vom Tod zur Unsterblichkeit“; (6) „Heiß ist der Erhabene, von reiner Gestalt“; (7) „Der erhabene Schwan ist rein und ohne Gegenbild“; (8) „Allgestaltig, glühend, alle Geburten kennend, golden, als ein einziges Licht brennend, tausendstrahlig und hundertfach gegenwärtig geht diese Sonne als Lebensatem der Geschöpfe auf“; (9) die Anrufung „oṃ namo bhagavate sūryāya aho vāhini vāhiny aho vāhini vāhini svāhā“; (10) „Die geflügelten Vögel, die erkenntnisliebenden Seher, nahten bittend Indra: Enthülle das von Dunkelheit Verdeckte, erfülle das Auge, löse uns wie von einer Schlinge Gebundene“; (11–14) Verehrung dem Lotusäugigen, dem Wasserlotusäugigen, dem Makellosäugigen und dem Lotusäugigen; (15) Verehrung dem Allgestaltigen; (16) Verehrung dem ehrwürdigen großen Vishnu.
10.12 Pranava, die Anrede an den Gandharvakönig Vishvavasu und die Bitte „Gib mir die von mir gewünschte, namentlich bezeichnete junge Frau“, gefolgt von der Bezeichnung der Feuergefährtin: Dies ist die Vidya, der die Heirat mit einer vortrefflichen Frau zugeschrieben wird.
10.13 Tara und „namo rudrāya pathi-ṣade svasti mā sampāraya“ bilden die Vidya zur Beseitigung von Gefahren unterwegs. Ihr Sinn: „Verehrung Rudra, der auf dem Weg weilt; führe mich heil hindurch.“
10.14 Tara, dann die Wörter „tāre“, „tuttāre“, „ture“ und die Bezeichnung der Feuergefährtin bilden die Vidya zur Stillung von Wassergefahren.
10.15 „acyutāya namaḥ, anantāya namaḥ, govindāya namaḥ“: Diese Vidya der drei Namen wird als Vernichterin großer Krankheiten bezeichnet.
10.16 Diese fünf Strahlen sind als Gefolge der fünf Orte, beginnend mit dem Wurzelzentrum, zu entfalten.
10.17 Die Mahaganapati-Vidya zur Stillung von Hindernissen wird so angegeben: Pranava, Kamala, Bhuvana, Madana, gla verbunden mit vierzehntem und fünfzehntem Laut, gaṃ, „gaṇapataye“, zweimal „vara“, da, „sarva-janaṃ me vaśam ānaya“ und die durch Feuer und linkes Auge bezeichnete Schlussformel. Die Lautnamen bleiben unaufgelöst; die Bitte bezieht sich auf das Heranziehen aller Menschen.
10.18 Pranava mit „namaḥ śivāyai“ und Pranava mit „namaḥ śivāya“ bilden die zwölfsilbige Vidya, die das Shiva-Prinzip bewusst werden lässt.
10.19 Pranava, die Lautgruppe aus dem achten der ka-beginnenden Konsonantenreihe, rechtem Ohr und Bindu, dann Bhrigu und sechzehnter Laut sowie zweimal „māṃ pālaya“: Diese zehnlautige Vidya heißt „Tod selbst des Todes“. Die Bitte lautet „Beschütze mich, beschütze mich“.
10.20 Tara und die folgende Brahman-Anrufung bilden die Vidya zum Bewahren des Gehörten: „Verehrung Brahman. Möge mir Festhalten zuteilwerden, kein Verlust; möge ich ein Bewahrender sein. Möge das in beiden Ohren Gehörte nicht von mir abfallen; von mir, dem namentlich Genannten. Om.“ Die Form mācyoḍhvam ist auffällig; wiedergegeben ist der erkennbare Sinn der Bitte um Gedächtniskraft.
10.21 Alle Laute von Shrikantha bis kṣa, mit Bindu versehen, bilden die Matrika, die als Allwissenheit bewirkende Vidya bezeichnet wird.
10.22 Diese fünf Strahlen sind als Schutz der fünf Orte, beginnend mit dem Wurzelzentrum, zu verehren.
10.23 Die mit Shiva beginnende Vidya, die das eigene Wesen bewusst werden lässt, wird durch folgende Lautnamen angegeben: Shiva, Shakti, Kama, Kshiti, Maya, Ravi, Indu, Smara, Hamsa, Purandara, Bhuvana, Para, Manmatha, Vasava und Bhauvana.
10.24 Die sechsabschnittige Vidya, der das Gewähren von Fülle zugeschrieben wird, hat zunächst drei Teile: kla mit linkem Auge und Bindu; Ananta mit Yoni und Bindu; Shankara mit Para, Dreizack und Visarga. Dieselben drei Teile folgen in umgekehrter Reihenfolge.
10.25 Kalasamkarshini, der höchstes langes Leben zugeschrieben wird, besteht aus fünf Vidyas. Zunächst: sam und „sṛṣṭi-nitye svāhā“; ham und „sthiti-pūrṇe namaḥ“; Feuer mit Bindu, „mahā-saṃhāriṇī kṛśe caṇḍa-kāli phaṭ“; Feuer mit Bindu, siebtes Mudra-Bija, „mahā-nākhye ananta-bhāskari mahā-caṇḍa-kāli phaṭ“. Danach werden die als Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bezeichneten Teile in umgekehrter Folge angegeben, verbunden mit Khecari-Bija, der Mahacanda-Formel und „yogīśvarī“. Die sehr gedrängte Konstruktion der fünf Vidyas wird nicht zu einer spekulativen Gesamtformel ausgebaut.
10.26 Tritari, die siebte Mudra, Shakti mit Shiva und zweimal „aham“: Diese fünf Teile, in entsprechender Folge, bilden die Shambhavi-Vidya, deren Wesen reine Erkenntnis ist.
10.27 Bhrigu, Dreizack und Visarga bilden die Para-Vidya.
10.28 Diese fünf Strahlen sind als die herrschenden Kräfte der fünf Orte, beginnend mit dem Wurzelzentrum, zu vergegenwärtigen.
10.29 Vāk, Kama und Shakti in gewöhnlicher, umgekehrter und nochmals gewöhnlicher Folge bilden Bala, das Glied der Shri-Vidya.
10.30 Bhuvana, Kamala, Subhaga, Tara, „namo bhagavati pūrṇe“, mit vorangestelltem anna, dann „mamābhilaṣitam annaṃ dehi“ und die Feuergefährtin: Dies ist Annapurna, das Nebenglied der Shri-Vidya. Die Bitte gilt der gewünschten Nahrung.
10.31 Pranava, die drei Laute beginnend mit Pasha, „ehi parameśvari“ und die Schlussangabe Feuer–linkes Auge bilden Ashvarudha, das weitere Glied der Shri-Vidya.
10.32 Die Shri-Paduka wird mit folgender verschlüsselter Folge angegeben: Tritari; siebte Mudra; Shiva–Shakti–Samvarta–fünfter der pa-Reihe–Purandara–va–ra–yūṃ; Shakti–Shiva–kṣa, nach ma die mit va beginnende Folge va–ra–yīṃ; Shiva–Bhrigu–Dreizack–Bindu; Bhrigu–Shiva–Dreizack–Visarga. Dann folgen śrī, der Name des eigenen Gurus und die achtsilbige Paduka-Verehrungsformel.
10.33 Mit diesen vier verbunden soll die Wurzelvidya, die Kaiserin, im Muladhara geschaut werden.
10.34 Ihre große Vidya wird so bezeichnet: Madana, Shakti, Bindumalini, Vasava, Maya, Aghosha, Doshakara, Kandarpa, Gagana, Maghavan, Bhuvana, Bhrigu, Pushpabana, Bhu und Maya.
10.35 Vāk, die Verneigung, „ucchiṣṭa-cāṇḍali mātaṅgi“, „sarva-vaśaṅkari“ und die Schlussangabe Feuer–linkes Auge bilden Laghushyama, das Glied Shyamas. Die Formel ruft Matangi als alles in ihren Bann Ziehende an.
10.36 Kumari, zweimal „vada“, dann „vāg-vādini“ und die Feuergefährtin bilden Vagvadini, das Nebenglied Shyamas.
10.37 Nakuli, das weitere Glied Shyamas, wird durch zwei ineinanderzufügende Lautreihen angegeben. Nach Pranava steht die Grundreihe „o-pi-nā-ku-daṃ-pa-vṛ-pa-sa-syai-ca-śā-cā-mā-ha-da“; ihr werden die Teile „ṣṭhā-dhā-na-lī-taiḥ-ri-tā-viḥ-rva-vā-ī-nā-ru-mi-vā-ye“ jeweils angefügt. Die analytische Verschlüsselung bleibt erhalten; eine rekonstruierte Formel wird nicht eingesetzt.
10.38 Für Shyamas Paduka wird an die Stelle der ersten Dreiergruppe von Lalitas Paduka Kumari gesetzt; alles Übrige bleibt wie dort.
10.39 Mit diesen vier verbunden soll Shyama im Herzchakra verehrt werden.
10.40 Ihre Vidya umfasst nach der Vorlage achtundneunzig Laute. Sie beginnt mit Tritari und Kumari. Die beiden ausdrücklich angegebenen Lautreihen werden der Reihe nach ineinandergefügt; abschließend folgt die Sechsergruppe der Anfangs-Bijas in umgekehrter Reihenfolge. Die vollständigen Reihen werden nachstehend als Bestandteil dieser verschlüsselten Mantra-Anweisung unverändert wiedergegeben: „tad-vidyā tu tritārī kumārī na-bha-va-śrī-taṃ-śva-sa-ja-ma-hā-sa-mu-raṃ-ni-māyā-sa-rā-va-ka-sa-strī-ru-va-ka-sa-du-mṛ-va-ka-sa-sa-va-ka-sa-lo-va-ka-a-kaṃ-va-mā-ya-hā-varṇā oṃ-mo-ga-ti-mā-gī-ri-rva-na-no-ri-rva-kha-ji-madana-śrīṃ-rva-ja-śaṃ-ri-rva-pu-ṣa-śaṃ-ri-rva-ṣṭa-ga-śaṃ-ri-rva-tva-śaṃ-ri-rva-ka-śaṃ-ri-mu-me-śa-na-svā-'nta mantrâdi bīja-ṣaṭkaṃ prātilomyam iti aṣṭanavati-varṇāḥ“
10.41 Hara mit Bindu, „vārāhi“, Sthanu mit Bindu, „unmatta“, bhai und ravi sowie „pādukābhyāṃ namaḥ“ bilden Laghuvartali, das Glied Vartalis.
10.42 Vedadi, Bhuvana, „namo vārāhi ghore svapnaṃ“, zweimal ṭha und die Feuergefährtin bilden Svapnavartali, Vartalis Nebenglied, das nach dem Text im Traum günstige und ungünstige Folgen offenbart.
10.43 Vāk, die als „Herz“ bezeichnete Formel, „bhagavati tiraskariṇi mahā-māye“, „paśu-jana-manaś-cakṣus-tiraskaraṇaṃ“, zweimal „kuru“, Varma, phaṭ und die Feuergefährtin bilden Tiraskarini, Vartalis weiteres Glied. Die Bitte gilt dem Verbergen vor Geist und Augen der als pashu bezeichneten Menschen.
10.44 Bei der Paduka-Formel Shyamas werden die ersten drei Bijas entfernt und durch Vāk und glaum ersetzt. Dies ist Vartalis Paduka.
10.45 Mit diesen Vidyas verbunden ist die erhabene Ebergesichtige im Stirnchakra zu verehren.
10.46 Ihr Mantra hat nach der Vorlage hundertzwölf Laute. Das von Vāk umschlossene glauṃ wird mit zwei ineinanderzufügenden Lautreihen verbunden; die Anleitung nennt anschließend Vāk, glauṃ, die Visarga-Endungen und die weiteren Panzer- und Waffenabschlüsse. Die vollständige verschlüsselte Anweisung wird unverändert erhalten: „manur idam īyo 'yaṃ vāk-puṭitaṃ glauṃ na-bha-va-vā-li-rtā-vā-hi-rā-va-ha-khi-rā-mu-aṃ-aṃ-ni-maḥ-dhe-dhi-na-jaṃ-jaṃ-ni-maḥ-he-hi-na-staṃ-staṃ-ni-maḥ-rva-ṣṭa-du-nāṃ-rve-sa-vāk-tta-kṣu-kha-ti-hvā-bha-ku-ku-śī-va-śabdā yathā-kramaṃ mo-ga-ti-rtā-vā-li-rā-vā-hi-rā-mu-va-ha-khi-dhe-dhi-na-ruṃ-ruṃ-ni-maḥ-bhe-bhi-na-mo-mo-ni-maḥ-bhe-bhi-na-sa-du-pra-ṣṭā-sa-ṣāṃ-rva-ci-ca-rmu-ga-ji-staṃ-naṃ-ru-ru-ghraṃ-śyaṃ-śabdopetā vāk glauṃ visṛṣṭy-antāś ca saptamāś catvāro varmâstrāya phaḍ iti dvādaśottaraśatâkṣarā“
10.47 Shri selbst, ohne das fünfte und elfte Bija, ist die Shripurti-Vidya. Sie ist in der Brahman-Höhlung zu verehren.
10.48 Bei Shyamas Paduka werden an die Stelle der ersten Dreiergruppe die drei Tara-Silben, Kumari, Vāk und glaum gesetzt; das Übrige danach bleibt gleich.
10.49 Dies ist die Mahapaduka, welche die Gesamtheit aller Mantras verkörpert, die eigene Einheit bewusst werden lässt und große Vollendung verleiht. Sie ist im Dvadashanta zu verehren.
10.50 Damit ist die Strahlengirlande vollständig. Wessen ganzer Körper zur Verkörperung reiner Vidya geworden ist, der ist selbst der höchste Shiva.
10.51 Nun die Gottheiten der Hindernisse. Der erste Mantra besteht aus „iri mili kiri kili“ und „parimirom“. Der zweite beginnt mit Pranava, Maya, „namo bhagavati mahā-tripura“, dann bhai und ravi, gefolgt von „mama traipura-rakṣāṃ kuru kuru“. Der dritte lautet „saṃhara saṃhara vighna-rakṣo-vibhīṣakān kālaya huṃ phaṭ svāhā“. Der vierte lautet „blūṃ raktābhyo yoginībhyo namaḥ“, der fünfte „sāṃ sārasāya bahv-āśanāya namaḥ“, der sechste besteht aus „dumuluṣu muluṣu“, Maya und „cāmuṇḍāyai namaḥ“. Diese Mantras gehören zu den Hindernisgottheiten beim Lalita-Japa.
10.52 „hasanti hasitālāpe mātaṅgī-paricārike mama bhaya-vighna-nāśaṃ“, zweimal „kuru“ und dreimal ṭha mit Visarga: Dies ist die Formel für Shyamas Hindernisgöttin. Sie bittet Matangis lächelnde Dienerin um die Beseitigung von Furcht und Hindernissen.
10.53 „staṃ stambhinyai namaḥ“ ist die Formel für die Hindernisgöttin der Ebergesichtigen.
10.54 Diese Formeln sollen jeweils zu Beginn des betreffenden Japa rezitiert werden.
10.55 Lalita wird am Vormittag verehrt, Shyama am Nachmittag, Vartali in der Nacht und Para in der Brahma-Muhurta.
10.56 Erst nach Abwägung von Lebensverhältnissen, Ort, eigener Verträglichkeit, Gefährdung oder Beunruhigung der Lebenskraft, Begleitung, Krankheit und Alter soll der entsprechende Umgang mit den fünf M und den weiteren Ritualmitteln erfolgen.
10.57 Mit allen Wesen soll man ohne Feindschaft leben.
10.58 Widersacher sollen zurückgehalten werden.
10.59 Den Schutzsuchenden soll man Gunst und Hilfe gewähren.
10.60 Gegenüber Kindern, Ehefrau und weiteren Angehörigen des Gurus soll man sich wie gegenüber dem Guru verhalten.
10.61 Der eigenmächtige Genuss des „Ersten“ gilt nach der Agama-Lehre als fehlerhaft und ist zu unterlassen.
10.62 Angenommen werden soll ein Freude bereitendes, wohlschmeckendes, duftendes und leichtes Getränk: aus Baumsaft, Zucker, Mehl, Reis, Rinde oder Blüten oder ein am jeweiligen Ort gebräuchliches.
10.63 Bei den beiden mittleren Ritualstoffen soll die Tötung nicht eigenhändig erfolgen. Für das „Zweite“ gilt diese Regel nicht. Wird beim „Mittleren“ selbst rituell getötet, lautet die Formel ihrem Sinn nach: „Erwache, Opfertier! Du bist nicht un-Shiva; du bist Shiva. Dieser Leib ist durch Shiva abgetrennt; durch mich gehe ein in das Shiva-Sein.“ Die Unterscheidung von madhyama und upādima wird in der Vorlage äußerst knapp formuliert. Der Wortlaut bleibt erhalten, ohne daraus eine moderne Handlungsanleitung abzuleiten.
10.64 Überall soll dem Handeln das entsprechende Wort beziehungsweise die erteilte Anweisung vorausgehen.
10.65 Die zehn Kula-Bäume dürfen nicht beschädigt werden.
10.66 Beim Anblick folgender Erscheinungen soll man sich verneigen: einer Frauengruppe; eines Kruges mit dem „Ersten“; eines Siddha mit seinen Kennzeichen; einer im Spiel lebhaften Mädchengruppe; eines Mangobaums, eines Ashoka-Baums oder eines alleinstehenden Baumes; eines Leichenplatzes; einer berauschten öffentlichen Frau; einer dunkelhäutigen oder dunkel gekleideten Frau; einer Rotgekleideten und eines brünstigen Elefanten. Die zusammengesetzte Reihe lässt einzelne Wortgrenzen offen; die Übersetzung hält diese Mehrdeutigkeit bei śyāmā sichtbar.
10.67 An den fünf Festtagen soll besondere Verehrung stattfinden.
10.68 Bei den Aufblühzuständen Anfang, Jugend, Reife, volle Reife, deren Abschluss, Übersteigen des gewöhnlichen Geistes und Nichtfestgelegtsein gelten bis einschließlich des Abschlusses voller Reife die Samaya-Verhaltensregeln; darüber hinaus wird Freiheit des Handelns beschrieben. Auch bei freiem Handeln unter Viras und Nicht-Viras führt unangemessene innere Haltung zum Fall.
10.69 Zu meiden sind das Verlassen einer zugewandten Frau, das Bedrängen einer abgewandten und das Verführen einer gleichgültigen.
10.70 Befangenheit beziehungsweise Mitleid, Zweifel, Furcht, Scham, Abscheu sowie Bindung an Familie, soziale Herkunft und herkömmliches Verhalten sollen nach und nach abgebaut werden. Ghṛṇā kann sowohl Befangenheit/Abscheu als auch Mitleid bedeuten; der Satz betrifft die historische Kaula-Lehre von Bindungen und ist keine allgemeine Aufforderung zur Lieblosigkeit.
10.71 Sind Guru und dessen Guru anwesend, soll zuerst der Guru des Gurus gegrüßt werden. In dessen Gegenwart soll die gesonderte Verneigung vor dem eigenen Guru unterbleiben, sofern dieser es so anordnet.
10.72 Ehrwürdigen Menschen soll man sich nicht abwenden.
10.73 Vor allem soll das Licht des Bewusstseins vergegenwärtigt werden.
10.74 Man soll nach Erkenntnis streben und Körper, Besitz und Lebenskräfte für den Guru bereithalten.
10.75 Man soll das von ihm Gesagte ausführen.
10.76 Sein Wort soll nicht prüfend infrage gestellt werden; darin soll man feststehen. Dies beschreibt das vormoderne Ideal der Guru-Bindung im Text.
10.77 Unter allen Umständen soll man die Wahrheit sprechen.
10.78 An den Partnern und am Vermögen anderer soll man nicht anhaften.
10.79 Eigenlob, Herabsetzung anderer, verletzende oder feindselige Worte, Verspottung, Verachtung, Beschimpfung und Einschüchterung sind zu meiden.
10.80 Mit ernsthaftem Bemühen soll man durch die Verehrung der Vidya danach streben, in die vollständige Erkenntnis einzutreten. Dies sind die Verhaltensregeln der eingeweihten Gemeinschaft.
10.81 Hinzu kommen die weiteren, in den Schriften gelehrten Regeln.
10.82 Wer dies erkannt und ordnungsgemäß verwirklicht hat und im Kula feststeht, hat in jeder Hinsicht seine Aufgabe erfüllt. Beim Verlassen des Körpers besteht für ihn kein Unterschied zwischen dem Haus eines „Hundeessers“ und Kashi. Er ist schon zu Lebzeiten befreit. Der historische Ausdruck bezeichnet einen sozial ausgegrenzten Menschen; der Satz hebt die spirituelle Gleichgültigkeit des Sterbeortes für den Befreiten hervor.
10.83 Wer diese große Upanishad in zehn Abschnitten studiert, welche die ganze Essenz der großen Tripura-Lehre enthält, wird zum Vollzieher sämtlicher Opfer. Denn die Offenbarung sagt: „Welches Opfer er auch studiert, eben dieses hat er damit vollzogen.“ So lautet die Upanishad. So endet sie im Zeichen des Heils.
10.84 Die Anfangsworte der Abschnitte werden rückläufig aufgezählt: „Nun für sämtliche Mantras“; „Nun für den gewählten Mantra“; „So ordnungsgemäß“; „So mit ihren Gliedern“; „Diese große Vidya“; „Nun im ersten Quadrat“; „Nun die im Herzchakra Weilende“; „Nachdem er Ganapati so verehrt hat“; „So vom wahren Guru“; „Nun wollen wir die Einweihung erklären“. Es folgen als Merkwörter: „nun“, „so“, „nun“, „so“ und „nun für den gewählten“ – diese fünf. Dies ist ein überlieferter Strukturvermerk, keine zusätzliche Praxisanweisung.
10.85 Damit ist das Kalpasutra vollendet, verfasst vom ehrwürdigen Parashurama Bhargava, Sohn Jamadagnis, aus Renukas Schoß geboren, dem Zeitende für die Geschlechter der bösen Kshatriyas, dem vornehmsten Schüler Mahadevas, großen Lehrer und großen Kula-Acharya. Dies ist die traditionelle Zuschreibung des Schlusskolophons.
Inspirierende Sutras des Parashurama Kalpasutra
Die folgenden 48 Stellen richten den Blick auf Bewusstsein, Hingabe, Übertragung, innere Verehrung und ein wahrhaftiges Leben. Auszüge aus längeren Einheiten sind ausdrücklich bezeichnet. Es handelt sich um Übersetzungen aus dem Werk, nicht um ihm nachträglich zugeschriebene Sinnsprüche.
1.5 – Shiva, vom Körper wie von einem Gewand umhüllt, ist die individuelle Seele; ohne diese Umhüllung ist er der höchste Shiva.
1.6 – Das bewusste Erkennen des eigenen Selbst ist das Ziel des Menschen.
1.8 – Den Mantras eignet eine Kraft, die das Denken nicht ermessen kann.
1.9 – Durch Überlieferung und Vertrauen kommt jede Vollendung zustande.
1.11 (Auszug) – Durch das Ausloten der Einheit von Guru, Mantra, Gottheit, Selbst, Geist und Atem wird das innere Selbst erkannt.
1.13 – Aus der Festigkeit der inneren Vergegenwärtigung erwächst die Wirksamkeit der Weisung.
1.14 – Keine der philosophischen oder religiösen Sichtweisen soll herabgesetzt werden.
1.16 – Einem geeigneten Schüler soll das Geheimnis mitgeteilt werden.
1.17 – Die heilige Vidya soll stets innerlich gegenwärtig bleiben.
1.18 – Immer wieder soll man in das Shiva-Sein eintreten.
1.19 – Begierde, Zorn, Habgier, Verblendung, Überheblichkeit, Neid, nicht vorgeschriebene Gewalt, Diebstahl und gesellschaftlich verabscheute Handlungen sind zu meiden.
1.21 – Überall soll man frei von Besitzergreifen sein.
1.22 – Man soll handeln und dabei die Frucht der Handlung loslassen.
1.24 – Auch wenn die fünf M nicht verfügbar sind, soll man sich den täglichen Ablauf innerlich vergegenwärtigen.
1.25 – Überall soll Furchtlosigkeit herrschen.
1.26 – Alles Erkennbare ist die Opfergabe; die Sinne sind die Opferlöffel; die Kräfte sind die Flammen; das eigene Selbst, Shiva, ist das Feuer; man selbst ist der Opferpriester.
1.27 – Die Frucht ist das bewusste Gewahrsein des Bewusstseins ohne Gegenstand.
1.28 – Es gibt nichts Höheres als die Erlangung des Selbst.
3.3 (Auszug) – Er soll das ursprüngliche Bewusstsein meditieren, das vom Wurzelzentrum bis zur Brahman-Öffnung lodert: strahlend wie Millionen Blitze, goldrötlich wie die junge Sonne.
4.1 (Auszug) – Nun soll er das ursprüngliche Bewusstsein, das im Herzchakra weilt, durch das vom Atem durchströmte Nasenloch hinausführen: Es durchdringt den Lotuswald im Inneren der Sushumna, hat die Finsternis der Verblendung vertrieben und strahlt als Shivas Licht.
4.3 (Auszug) – Du, die im großen Lotuswald weilt, Verkörperung ursächlicher Glückseligkeit, Mutter, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Herrin!
5.12 (Auszug) – Die Vierte nach Kameshvari und den anderen, die Sechzehnte unter den Nityas, die Neunte unter den Chakragöttinnen und die im Bindu-Chakra Weilende sind ein und dieselbe. Hier darf kein Unterschied von Mantra oder Gottheit gemacht werden.
5.20 – Er soll die Göttin durch Umwandlung im Uhrzeigersinn, Verneigung, Japa und Lobgesänge erfreuen.
5.22 – Zusammen mit den eingeweihten Teilnehmern soll er den Rest der Opfergabe im Feuer des Bewusstseins opfern.
5.23 (Auszug) – Er soll die Göttin aus der äußeren Verehrung entlassen und mit dem eigenen Selbst vereinigen.
6.38 (Auszug) – Von Vina- oder Flötenspiel, Tanz, Gesang, Liedern und musikalischen Zusammenkünften soll er sich nicht abwenden; einen Sänger soll er nicht herabsetzen.
7.2 – Ihr Ablauf ist dieser: Er soll in tiefer Nacht erwachen und den ungeschlagenen Klang vergegenwärtigen, der im höchsten Raum seines Herzens ertönt und machtvolle Glückseligkeit schenkt.
8.2 – Wer das Herz des Herrn kennt, findet bei jedem Schritt Freude.
8.4 (Auszug) – Früh am Morgen soll er aufstehen und seinen Körper als überflutet vom Nektarstrom meditieren, der von den beiden Füßen Paras herabfließt.
8.19 – Darin soll er die sechzehnteilige Göttin Para herbeirufen, deren Wesen das bewusste Erkennen der Einheit all dessen ist.
8.20 (Auszug) – Die höchste Kraft, hell wie der fleckenlose Mond, dreiäugig, mit der Mondsichel, deren Hände mit Mudra und Buch leuchten, möge mich beschützen.
8.21 (Auszug) – Mit dem ganzen Mantra soll er zehnmal Para Bhattarika als das große Licht und Sich-Erkennen vergegenwärtigen.
8.22 – In ihr soll er unter dem begleitenden Ritualvollzug alles Erkennbare opfern.
8.24 – Er soll das Bewusstseinsfeuer erneut als hell auflodernd vergegenwärtigen.
9.27 (Auszug) – Alles, was ich zuvor im Bereich von Lebensatem, Erkenntnisvermögen, Körper, Pflichten und Befugnis im Wachen, Träumen und Tiefschlaf mit Geist, Sprache, Handlung, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan habe, möge ganz zur Darbringung an Brahman werden.
9.28 (Auszug) – Bewusstseinsfeuer und Gottheit führe ich in mein eigenes Selbst zurück.
10.9 – Nach dem Erwachen soll sie einmal im Geist wiederholt werden.
10.49 (Auszug) – Dies ist die Mahapaduka, welche die Gesamtheit aller Mantras verkörpert, die eigene Einheit bewusst werden lässt und große Vollendung verleiht.
10.50 – Damit ist die Strahlengirlande vollständig. Wessen ganzer Körper zur Verkörperung reiner Vidya geworden ist, der ist selbst der höchste Shiva.
10.57 – Mit allen Wesen soll man ohne Feindschaft leben.
10.59 – Den Schutzsuchenden soll man Gunst und Hilfe gewähren.
10.69 – Zu meiden sind das Verlassen einer zugewandten Frau, das Bedrängen einer abgewandten und das Verführen einer gleichgültigen.
10.73 – Vor allem soll das Licht des Bewusstseins vergegenwärtigt werden.
10.77 – Unter allen Umständen soll man die Wahrheit sprechen.
10.78 – An den Partnern und am Vermögen anderer soll man nicht anhaften.
10.79 – Eigenlob, Herabsetzung anderer, verletzende oder feindselige Worte, Verspottung, Verachtung, Beschimpfung und Einschüchterung sind zu meiden.
10.80 (Auszug) – Mit ernsthaftem Bemühen soll man durch die Verehrung der Vidya danach streben, in die vollständige Erkenntnis einzutreten.
10.82 (Auszug) – Wer dies erkannt und ordnungsgemäß verwirklicht hat und im Kula feststeht, hat in jeder Hinsicht seine Aufgabe erfüllt. Beim Verlassen des Körpers besteht für ihn kein Unterschied zwischen dem Haus eines „Hundeessers“ und Kashi. Er ist schon zu Lebzeiten befreit.
Wichtige Mantras im Parashurama Kalpasutra
Die folgenden zwölf Einträge sind im Grundtext belegt. Einzelne Ausschnitte und zusammengehörige Teilformeln werden als solche bezeichnet. Die IAST-Schreibung dieses Abschnitts gibt Sandhi-Langvokale mit Makron statt mit dem analytischen Zirkumflex wieder. Verschlüsselte Zusatzsilben werden nicht spekulativ ausgeschrieben. Bedeutungsangaben dienen dem Verständnis; für Bijas wird keine erfundene Wortübersetzung gegeben.
Ganapati-Gayatri
IAST:
tat-puruṣāya vidmahe vakra-tuṇḍāya dhīmahi |
tan no dantī pracodayāt
Devanagari:
तत्-पुरुषाय विद्महे वक्र-तुण्डाय धीमहि ।
तन् नो दन्ती प्रचोदयात्
Gottheit/Bezug: Mahaganapati. Fundstelle: 2.2.
„Wir wollen jenen Purusha erkennen; über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren wir. Möge der Zahntragende uns anregen.“ Die Formel begleitet im Text die morgendliche Arghya-Darbringung. Sie verbindet Sammlung mit der Bitte um geistige Ausrichtung.
Anrufung des Sonnen-Bhairava
IAST:
hrāṃ hrīṃ hrūṃ saḥ mārtāṇḍa-bhairavāya prakāśa-śakti-sahitāya svāhā
Devanagari:
ह्रां ह्रीं ह्रूं सः मार्ताण्ड-भैरवाय प्रकाश-शक्ति-सहिताय स्वाहा
Gottheit/Bezug: Martanda-Bhairava mit Prakasha-Shakti. Fundstelle: 3.4.
Die Bijas haben keine wörtliche Satzübersetzung. Der folgende Teil gilt Martanda-Bhairava, verbunden mit der Kraft des Lichtes. Im Text gehört er zur morgendlichen Sonnenverehrung. Die ursprünglich durch die Anweisung „nachdem er gesprochen hat“ getrennten Formelteile sind hier in ihrer angegebenen Reihenfolge zusammengestellt.
Tryambaka-Mantra
IAST:
tryambakaṃ yajāmahe su-gandhiṃ puṣṭi-vardhanam |
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt
Devanagari:
त्र्यम्बकं यजामहे सु-गन्धिं पुष्टि-वर्धनम् ।
उर्वारुकम् इव बन्धनान् मृत्योर् मुक्षीय मामृतात्
Gottheit/Bezug: Tryambaka. Fundstelle: 3.26.
„Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der Gedeihen mehrt; wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Im Werk ist dies einer der vedischen Mantras zur Arghya-Bereitung. Der Ausdruck der Loslösung verweist über äußere Darbringung hinaus auf Freiheit.
Anrufung der Göttlichen Mutter
IAST:
mahā-padma-vanāntaḥsthe kāraṇānanda-vigrahe |
sarva-bhūta-hite mātar ehy ehi parameśvari
Devanagari:
महा-पद्म-वनान्तःस्थे कारणानन्द-विग्रहे ।
सर्व-भूत-हिते मातर् एह्य् एहि परमेश्वरि
Gottheit/Bezug: Lalita/Tripurasundari. Fundstelle: 4.3.
„Du, die im großen Lotuswald weilt, Verkörperung ursächlicher Glückseligkeit, Mutter, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Herrin!“ Hier ist der vollständig ausgeschriebene Anrufungsvers wiedergegeben. Die ihm im Ritual vorangestellten verschlüsselten Bijas werden nicht ergänzt.
Gruß an die Lehrerlinie
IAST:
śivādi-śrī-gurubhyo namaḥ
Devanagari:
शिवादि-श्री-गुरुभ्यो नमः
Gottheit/Bezug: Die Guru-Linie, beginnend mit Shiva. Fundstelle: 7.3.
„Verehrung den ehrwürdigen Gurus, angefangen mit Shiva.“ Die Formel steht am Beginn des Varahi-Krama. Sie verbindet die eigene Praxis mit der empfangenen Übertragung.
Hamsa und Soham
IAST:
haṃsaḥ so 'ham
Devanagari:
हंसः सो ऽहम्
Gottheit/Bezug: Shiva und das eigene lebendige Selbst. Fundstelle: 7.6, als Bestandteil der längeren Elementereinigungsformel.
„Hamsa; ich bin Er/Das.“ Die kurze Folge ist hier ein ausdrücklich gekennzeichneter Ausschnitt. Im Text steht sie in einem komplexen Reinigungs- und Rückkehrvorgang durch die Sushumna, nicht als eigenständige dort gelehrte Atemübung.
Para-Bija
IAST:
sauḥ
Devanagari:
सौः
Gottheit/Bezug: Para. Fundstelle: 8.5 und 8.13.
Keimlaut Paras, ohne wörtliche Satzbedeutung. 8.13 setzt ihn vor die Mantras dieses Verehrungsweges. Seine Funktion ist die Gegenwart der höchsten Göttin innerhalb des übertragenen Mantrasystems.
Meditationsvers zu Para
IAST:
akalaṅka-śaśāṅkābhā try-akṣā candra-kalā-vatī |
mudrā-pusta-lasad-bāhuḥ pātu māṃ paramā kalā
Devanagari:
अकलङ्क-शशाङ्काभा त्र्य्-अक्षा चन्द्र-कला-वती ।
मुद्रा-पुस्त-लसद्-बाहुः पातु मां परमा कला
Gottheit/Bezug: Para. Fundstelle: 8.20.
„Die höchste Kraft, hell wie der fleckenlose Mond, dreiäugig, mit der Mondsichel, deren Hände mit Mudra und Buch leuchten, möge mich beschützen.“ Der Vers ist eine vollständige Dhyana- und Schutzanrufung, kein Bija-Mantra.
Vom Unwirklichen zum Wirklichen
IAST:
asato mā sad gamaya |
tamaso mā jyotir gamaya |
mṛtyor mā 'mṛtaṃ gamaya
Devanagari:
असतो मा सद् गमय ।
तमसो मा ज्योतिर् गमय ।
मृत्योर् मामृतं गमय
Gottheit/Bezug: Das in der Cakshushmati-Vidya angerufene göttliche Licht. Fundstelle: 10.11, Teilformeln 3–5.
„Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen; führe mich von der Dunkelheit zum Licht; führe mich vom Tod zur Unsterblichkeit.“ Die drei Bitten stehen hier innerhalb einer aus sechzehn Formeln bestehenden Vidya. Es ist keine vollständige Wiedergabe dieser Gesamtvidya.
Die drei Namen Vishnus
IAST:
acyutāya namaḥ anantāya namaḥ govindāya namaḥ
Devanagari:
अच्युताय नमः अनन्ताय नमः गोविन्दाय नमः
Gottheit/Bezug: Vishnu als Acyuta, Ananta und Govinda. Fundstelle: 10.15.
„Verehrung dem Unerschütterlichen; Verehrung dem Unendlichen; Verehrung Govinda.“ Die Schrift nennt diese Namensfolge eine Vidya zur Beseitigung großer Krankheiten. Diese traditionelle Funktion ist von einer medizinischen Wirksamkeitsaussage zu unterscheiden.
Die Darbringung des Selbst
IAST:
ārdraṃ jvalati jyotir aham asmi jyotir jvalati brahmāham asmi yo 'ham asmi brahmāham asmi aham asmi brahmāham asmi aham evāhaṃ māṃ juhomi svāhā
Devanagari:
आर्द्रं ज्वलति ज्योतिर् अहम् अस्मि ज्योतिर् ज्वलति ब्रह्माहम् अस्मि यो ऽहम् अस्मि ब्रह्माहम् अस्मि अहम् अस्मि ब्रह्माहम् अस्मि अहम् एवाहं मां जुहोमि स्वाहा
Gottheit/Bezug: Das eigene Selbst als Brahman, im Kundalini-Opfer. Fundstelle: 3.31.
„Das Feuchte brennt; ich bin Licht. Licht brennt; ich bin Brahman. Der ich bin, bin ich Brahman. Ich bin; ich bin Brahman. Ich selbst bin ich; mich selbst opfere ich. Svaha!“ Die Formel verbindet die Arghya-Gabe mit einer inneren Selbsthingabe. Ihr ungewöhnlicher Beginn wird nicht durch eine geläufigere Formulierung ersetzt.
Alles wird Brahman dargebracht
IAST:
itaḥ pūrvaṃ prāṇa-buddhi-deha-dharmādhikārato jāgrat-svapna-suṣupty-avasthāsu manasā vācā karmaṇā hastābhyāṃ padbhyām udareṇa śiśnā yat smṛtaṃ yad uktaṃ yat kṛtaṃ tat sarvaṃ brahmārpaṇaṃ bhavatu svāhā
Devanagari:
इतः पूर्वं प्राण-बुद्धि-देह-धर्माधिकारतो जाग्रत्-स्वप्न-सुषुप्त्य्-अवस्थासु मनसा वाचा कर्मणा हस्ताभ्यां पद्भ्याम् उदरेण शिश्ना यत् स्मृतं यद् उक्तं यत् कृतं तत् सर्वं ब्रह्मार्पणं भवतु स्वाहा
Gottheit/Bezug: Brahman. Fundstelle: 9.27.
„Alles, was ich zuvor im Bereich von Lebensatem, Erkenntnisvermögen, Körper, Pflichten und Befugnis im Wachen, Träumen und Tiefschlaf mit Geist, Sprache, Handlung, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan habe, möge ganz zur Darbringung an Brahman werden, svaha.“ Der Abschluss des Feueropfers bezieht das ganze Leben in die Hingabe ein.
Die weiteren Mantra-Anweisungen – insbesondere die Nitya-Formeln in 4.9 und die verschlüsselten Vidyas in 10.17–48 – stehen vollständig in den Sanskritartikeln und werden in der deutschen Übersetzung erläutert. Aus Decknamen, Zahlen und ungewöhnlichen Konsonantengruppen wird hier keine neue Einweihungsformel hergestellt.
Allgemeine Einführung zum Thema Mantra; keine spezielle Einweihung in die Formeln des Parashurama Kalpasutra.
Fünf zentrale Lehren des Parashurama Kalpasutra
- Das eigene Wesen ist göttliches Bewusstsein. Shiva in der Umhüllung ist das individuelle Wesen; das Erkennen des Selbst ist das höchste Ziel (1.5–6; 1.28).
- Übertragung, Mantra und innere Sammlung gehören zusammen. Guru, Mantra, Gottheit, Selbst, Geist und Atem werden in ihrer Einheit erkannt (1.9–11).
- Der ganze Mensch kann zum Ort der Verehrung werden. Nyasa, Mantra und die Vergegenwärtigung der Tattvas beziehen Körper und Welt in die Sadhana ein (3.14–21; 8.17–19).
- Die Vielheit der göttlichen Gestalten führt zur Erkenntnis der Einheit. In den verschiedenen Verehrungsorten wird dieselbe Göttin erkannt; Licht und bewusstes Sich-Erkennen gehören zusammen (5.12; 8.21).
- Erfüllung zeigt sich als Erkenntnis und verantwortliches Handeln. Wahrhaftigkeit, Nichtanhaften und das Unterlassen verletzender Rede begleiten den Weg zur Befreiung im Leben (10.77–82).
Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten
Die folgenden Anregungen übertragen allgemein zugängliche Gedanken in den heutigen Alltag. Sie ersetzen keine Einweihung in die besonderen Ritualsysteme des Textes.
- Beginne den Tag mit dankbarer Sammlung. Erinnere dich für einen stillen Moment an die Lehrer und Menschen, durch die du Zugang zur spirituellen Praxis gefunden hast. Grundlage: die morgendliche Guru-Vergegenwärtigung in 3.2 und 6.3.
- Gib deinem vertrauten Mantra einen regelmäßigen Platz. Wiederhole einen dir bereits vertrauten oder übertragenen Mantra mit ruhiger Aufmerksamkeit. Lass anschließend Stille zu. Grundlage: die beständige Vidya-Gegenwart in 1.17 und die tägliche Sammlung in 10.9.
- Begegne deinem Körper mit Würde. Nimm im ruhigen Sitzen den Körper als Ganzes wahr und verbinde diese Wahrnehmung mit Dankbarkeit. Dies ist eine allgemeine Betrachtung im Geist des heiligen Körpers, kein Nachvollzug des technischen Nyasa.
- Mache eine einfache Gabe mit ganzem Herzen. Bringe der Göttlichen Mutter eine Blüte, ein Licht oder ein stilles Gebet dar. Frage dich danach, welchen Anspruch oder welche Sorge du innerlich loslassen kannst. Grundlage: äußere Verehrung und Rückkehr ins Selbst in 4.1–5 und 5.23.
- Lass deine Sprache Teil der Sadhana werden. Achte im Alltag besonders auf Wahrheit und auf Worte, die andere weder erniedrigen noch einschüchtern. Grundlage: 10.77–79. Eine ruhige, hilfreiche Antwort kann eine ebenso ernsthafte Übung sein wie die Zeit am Meditationsplatz.
Parashurama Kalpasutra und andere Tantra Schriften
Die enge Beziehung zum Nityotsava
Der Nityotsava des Umanandanatha gehört unmittelbar zum praktischen Überlieferungszusammenhang des Parashurama Kalpasutra. Er entfaltet die knappen Sūtra-Vorgaben als ausführlicheren Verehrungsablauf. Das Verhältnis lässt sich deshalb als Grundordnung und ausgeführte Ritualanleitung verstehen. Wer im Kalpasutra auf Wendungen wie „wie zuvor“, „nach der Überlieferung“ oder auf nur benannte Mantrateile trifft, erkennt, weshalb ein erläuterndes Praxiswerk wichtig wurde.
Das Kalpasutra gibt die konzentrierte Architektur des Weges vor: Einweihung, Ganapati, Shri/Lalita, Shyama, Varahi, Para und ergänzende allgemeine Verfahren. Der Nityotsava dient der detaillierteren Durchführung und Einordnung dieser Praxis. Beide Titel sind dennoch nicht austauschbar. Die vorliegende Übersetzung folgt dem Kalpasutra-Grundtext; Ergänzungen aus dem Nityotsava werden nicht unbemerkt in ihn eingefügt.
Verwandte Perspektiven
Die folgenden Vergleiche betreffen die thematische Ausrichtung. Sie behaupten keine direkte historische Abhängigkeit einzelner Passagen.
| Schrift | Gemeinsamer Schwerpunkt | Unterschied des Zugangs |
|---|---|---|
| Yogini Hridaya | Shri Chakra, Mantra und Einheit der Göttin | Besonders wichtig für die innere Bedeutung des Chakras; das Kalpasutra ordnet stärker den praktischen Vollzug. |
| Nitya Shodashikarnava | Nityas und Tripurasundari-Verehrung | Breitere Entfaltung der Nitya-bezogenen Lehre; das Kalpasutra fasst deren Verehrung in seinen Gesamtweg ein. |
| Vamakeshvara Tantra | Der tantrische Überlieferungsraum von Tripura, Mantra und Chakra | Der Titel bezeichnet einen größeren Textzusammenhang; er ist kein Alternativtitel des Kalpasutra. |
| Bhavana Upanishad | Inneres Vergegenwärtigen von Körper, Kräften und Shri Chakra | Konzentriert die innere Entsprechungslehre; das Kalpasutra verbindet solche Innenschau mit ausführlichen Ritualvorgaben. |
| Kama Kala Vilasa | Kamakala und die Einheit von Shiva und Shakti | Entfaltet besonders die schöpferische Symbolik; im Kalpasutra erscheint Kamakala innerhalb des Verehrungsablaufs, vor allem 5.16. |
| Varivasyarahasya | Sri Vidya, Mantra und geistige Bedeutung der Verehrung | Erschließt besonders den Sinn der Mantralehre; das Kalpasutra stellt die Handlungsfolge in den Vordergrund. |
| Dakshinamurti Samhita | Göttinnenverehrung, Mantra, Einweihung und Ritual | Ein eigenständiger Lehrtext mit eigener Gliederung; parallele Themen bedeuten keine Textgleichheit. |
| Tripura Rahasya | Tripura und befreiende Erkenntnis | Besonders im Erkenntnisteil stärker erzählend und dialogisch; das Kalpasutra lehrt überwiegend in rituellen Vorschriften. |
| Sharada Tilaka Tantra | Mantra, Nyasa, Gottheitenverehrung und Yoga | Umfassender über mehrere Gottheitssysteme angelegt; das Kalpasutra konzentriert sich auf den hier beschriebenen Sri-Vidya-Weg. |
| Kularnava Tantra | Guru, Diksha, Kula-Verhalten und spirituelle Befähigung | Größeres Gewicht auf der Darlegung von Voraussetzungen und Regeln des Kula-Weges; das Kalpasutra bietet einen konkreten Ritualkurs. |
| Tantraloka | Bewusstsein, Mantra, Einweihung und innere sowie äußere Verehrung | Eine weitreichende Synthese des Trika; das Kalpasutra entfaltet einen wesentlich kompakteren Sri-Vidya-Praxisweg. |
Die Verehrung wird zur Erkenntnis
Am Anfang steht ein Mensch, der sich dem Weg anvertraut. Er empfängt Unterweisung, sammelt seinen Geist, spricht den Mantra und bringt seine Gaben dar. Im Verlauf dieser Verehrung verändert sich der Blick: Der eigene Körper wird als heiliger Raum erfahren; die Welt erscheint als Fülle von Kräften; im Herzen wird die Gegenwart der Göttin erkannt.
Das Parashurama Kalpasutra führt diese Bewegung bis zu einem stillen, weitreichenden Gedanken: „Alles Erkennbare ist die Opfergabe“ (1.26). Was der Mensch wahrnimmt, kann in die Hingabe eingehen. Freude kann zur Dankbarkeit werden, eine Schwierigkeit zum Anlass aufrichtiger Selbsterforschung, eine Begegnung zur Gelegenheit für hilfreiches Handeln. Dies sind heutige Anwendungen des Opferbildes; sie machen seine geistige Weite im Alltag spürbar.
So kann das Studium dieser Schrift eine einfache Sadhana beleben. Beim Japa wird der Klang aufmerksam gehört. Vor dem Bild der Göttlichen Mutter darf das Herz weich werden. In der Stille richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Bewusstsein selbst. Im Gespräch wird Wahrheit mit Achtung verbunden. Die großen Begriffe des Werkes erhalten durch solche Momente eine persönliche Bedeutung.
„Vor allem soll das Licht des Bewusstseins vergegenwärtigt werden“ (10.73). Dieser Satz kann die Lektüre begleiten und nach ihr weiterwirken. Die Göttin, die im Ritual mit so vielen Namen angerufen wird, wird am Ende in das eigene Selbst zurückgeführt. Verehrung findet ihre Erfüllung darin, dass die erkannte Gegenwart das Leben durchdringt: als Klarheit im Geist, Hingabe im Herzen und Sorgfalt im Handeln.
Siehe auch
- Sri Vidya
- Tripurasundari
- Lalita
- Shri Chakra
- Shri Yantra
- Shakti
- Guru
- Diksha
- Mantra
- Bija
- Japa
- Nyasa
- Puja
- Yantra
- Homa
- Bhavana
- Dhyana
- Sadhana
- Moksha
- Bewusstsein
- Nityotsava
- Bhavana Upanishad
- Yogini Hridaya
- Parashurama Kalpasutra Sanskrit IAST
- Parashurama Kalpasutra Sanskrit Devanagari
Literatur
- A. Mahadeva Sastri (Hrsg.): Paraśurāmakalpasūtra. Baroda: Central Library, 1923. Gaekwad’s Oriental Series, Band 22. Editionsgrundlage des verwendeten GRETIL-Textes.
- Paraśurāmakalpasūtra: elektronische Texterfassung und Bereitstellung durch Claudia Weber; GRETIL, SUB Göttingen; Fassung des TEI-Headers vom 31. Juli 2020.
- Umanandanatha: Nityotsava. Weiterführender Ritualtext zum Überlieferungszusammenhang des Parashurama Kalpasutra; hier nicht als zweite Sanskritgrundlage eingemischt.
Weblinks
- GRETIL: Paraśurāmakalpasūtra, TEI-Text und Quellenheader
- GRETIL: analytische ältere Textfassung
- Yoga
- Meditation
Seminare
Kundalini Yoga
- 25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung
Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…- Adishakti Stein, Viveka Wilde
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Chakras
- 23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur
Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…- Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
- 20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren
Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …- Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
Energiearbeit
- 23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur
Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…- Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
- 25.10.2026 - 01.11.2026 Ayurvedische Marma Massage Ausbildung
Lerne in dieser Ayurveda Ausbildung, die ayurvedische Marma Massage professionell anzuwenden. In den Marma Punkten, bestimmten Energiepunkten, treffen B…- Galit Zairi
Textgrundlage und Hinweise zur Ausgabe
Grundlage ist die vollständige analytische IAST-Fassung von GRETIL nach Sastri 1923, erfasst von Claudia Weber. Alle 337 Nummern einschließlich 10.84 und 10.85 werden berücksichtigt. Die Kapitelzählung lautet 43, 10, 32, 10, 23, 39, 38, 28, 29 und 85 Einheiten. Der Beginn und das vollständige Schlusskolophon liegen vor; die Nummernfolge enthält keine Lücken. Eine neue Kollation mit Handschriften oder Druckausgaben wurde nicht vorgenommen.
Die analytische Sanskritfassung verwendet Bindestriche zur Gliederung von Zusammensetzungen, Zirkumflexe wie â und î sowie einfache und doppelte Apostrophe zur Kennzeichnung von Sandhi. Diese Besonderheiten bleiben im IAST-Artikel lesbar erhalten. Entfernt wurden die eindeutig technischen eckigen Seitenzahlen und die technischen Präfixe vor den weiterhin vollständig erhaltenen Sūtra-Nummern. Durch Seitenzahlen getrennte Wortteile wurden wieder verbunden. Echte Lesungsangaben wie su-[sa]-gandha in 6.34 bleiben erhalten.
Der Devanagari-Text ist aus dieser Grundlage regelbasiert abgeleitet, keine unabhängig kollationierte Edition. Zirkumflexvokale werden als die entsprechenden Langvokale geschrieben. Analytische Ausfallzeichen nach einem verschmolzenen Langvokal werden aufgelöst; echte Avagrahas bleiben erhalten. Anusvara, Visarga, seltene Vokale und ungewöhnliche Bija-Konsonantengruppen werden nicht durch geläufigere Formen ersetzt. Die Herkunft und wesentliche Einzelstellen werden auch dort erläutert.
Zu den erklärungsbedürftigen Stellen gehören niṣphālana in 1.11, die Wortgrenzen der Paarliste in 2.3, die ungewöhnlichen Bijas in 3.20, einzelne Schreibungen der vedischen Zitate in 3.26, die graphische Kurzangabe in 5.16, die unterschiedliche Gruppierung der als sechzehn bezeichneten Dienste in 7.23, die zusammengeschriebene Lehrerreihe in 8.26 und mehrere verschlüsselte Mantra-Anweisungen in Kapitel 10. Bei 10.63, 10.66 und 10.70 bleibt die Mehrdeutigkeit der sehr knappen Ausdrucksweise sichtbar. Diese Stellen werden nicht durch erfundene Sicherheit verdeckt.
Die Wirkungsversprechen und die sozialen oder rituellen Normen gehören zum historischen Text. Erläuterungen und die fünf heutigen Praxisanregungen sind davon unterschieden. Der Artikel soll sowohl eine zusammenhängende spirituelle Lektüre als auch das Nachschlagen der einzelnen Sūtras ermöglichen.
Lizenz der elektronischen Sanskritgrundlage: Der mitgelieferte GRETIL-Header nennt CC BY-NC-SA 4.0. Die Sanskritwiedergabe und ihre abgeleitete Schriftfassung behalten diese Quellen- und Lizenzangabe. Die Vereinbarkeit dieser Lizenz mit der konkreten Veröffentlichungsform ist vor Übernahme des elektronischen Textes zu beachten.
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