Jnanarnava Tantra

Aus Yogawiki
Die Göttliche Mutter wird im Jnanarnava Tantra als verehrte Gestalt, als Mantrakraft und als Bewusstsein erschlossen.

Jnanarnava Tantra (Sanskrit: ज्ञानार्णवतन्त्र, Jñānārṇavatantra, „Tantra vom Meer der Erkenntnis“) ist eine Schrift der Sri Vidya, der Verehrung der Göttin Tripurasundari, und des Shaktismus. Im Gespräch zwischen Devi und Ishvara verbindet sie die Verehrung der Göttlichen Mutter mit Mantra, Nyasa, Yantra, Puja, Meditation und Erkenntnis. Die Göttin erscheint als Bala, Tripurabhairavi und Tripurasundari. Sie wird als Göttliche Mutter verehrt und zugleich als die Kraft erkannt, die Klang, Körper und Welt durchdringt. Die vorliegende Ausgabe erschließt alle 26 Kapitel mit deutscher Übersetzung, spirituellen Erläuterungen und Verweisen auf die Sanskrittexte.

Der Anfang stellt eine überraschende Frage: Was wiederholt Shiva selbst im Japa? Die Antwort führt zur Matrika, dem Kranz der Sanskritlaute, und durch diesen Klangkranz hindurch zum höchsten Selbst, das jenseits des Klanges ist (1.1–10). Damit ist das Anliegen des Werkes eröffnet: Eine heilige Form soll die Aufmerksamkeit sammeln und zugleich den Zugang zu dem öffnen, was sich durch keine Form begrenzen lässt.

Die ausführlichen Ritualanweisungen gehören zu einem umfassenden Erkenntnisweg. Der Geist wird zum Opferlöffel, die Weltentfaltung zur Gabe im Feuer des Bewusstseins. Der Mensch soll erkennen, dass sein tiefstes Selbst die Grenzen eines einzelnen Körpers übersteigt (21.7–9; 21.25–33). So verbindet das Werk Hingabe und Selbsterkenntnis: Die Göttin wird angerufen, im Körper vergegenwärtigt, im Mantra erfahren und als höchste Wirklichkeit erkannt.

Sanskrittext, Übersetzung und Versauswahl

Zur vollständigen Ausgabe gehören vier miteinander verbundene Artikel:

Die Versangaben der deutschen Übersetzung ermöglichen den direkten Vergleich mit beiden Sanskritartikeln.

Was Yoga-Aspiranten aus dem Jnanarnava Tantra lernen können

Für Yoga-Aspiranten liegt ein besonderer Gewinn darin, die eigene Praxis bewusster zu erleben. Beim Gebet, beim Wiederholen eines Mantras und beim Darbringen einer Blume kann sich die Aufmerksamkeit sammeln. Das Jnanarnava Tantra lädt dazu ein, diesen inneren Vorgang wahrzunehmen und zu vertiefen. In 5.22 lässt er ausdrücklich eine im Geist gestaltete Speisegabe zu; in 3.1–5 geht die innere Verehrung der äußeren Puja voraus.

Als Eigenschaften auf diesem Weg nennt 13.26 Leidenschaftslosigkeit, Verlangen nach Befreiung, Geistesruhe, Reinheit des Geistes und die Unterscheidung von Wirklichem und Unwirklichem. Wer den Text liest, darf sich also zugleich fragen: Wird meine Praxis aufrichtiger? Lerne ich, meine wechselnden Gedanken zu beobachten? Wächst mein Respekt vor anderen Menschen?

Eine besonders kraftvolle Antwort gibt Kapitel 23. So wie Sonnenlicht allen zukommt, soll Erkenntnis zur Gleichgesinntheit führen (23.28–36). Als heutige Anwendung lässt sich daraus ableiten: Die Verehrung der Göttlichen Mutter darf sich in einer achtsamen, respektvollen Begegnung mit ihren Geschöpfen ausdrücken. Hingabe kann so im Alltag Gestalt gewinnen: in Geduld, im aufmerksamen Zuhören und in der Bereitschaft, einen Menschen jenseits des ersten Urteils wahrzunehmen.

Ein guter Einstieg in die Lektüre

Das Jnanarnava Tantra lässt sich abschnittsweise erschließen. Wer mit seiner spirituellen Grundidee beginnen möchte, kann zunächst die Erkenntniskapitel lesen und von dort zu den Ritualen zurückkehren. Ein Paṭala ist ein Kapitel; eine Angabe wie „16.30“ meint Kapitel 16, Vers beziehungsweise Texteinheit 30.

Anliegen Geeignete Stellen Worauf du achten kannst
Mantra und innere Stille verstehen 1.9–10; 13.7–9 Wie Klang auf die Wirklichkeit jenseits des Klanges verweist. Die Göttliche Mutter in der Meditation vergegenwärtigen 16.2–15 und 16.27–30 Wie Gestalt, Sammlung und Bewusstsein zusammengehören. Die Bedeutung der äußeren Verehrung vertiefen 21.25–33; 24.84–87 Wie Gaben und Opfer zu Bildern innerer Erkenntnis werden. Guru und Selbsterkenntnis betrachten 24.20–43 und 24.68–80 Wie Unterweisung, Vertrauen und eigene Einsicht einander ergänzen. Erkenntnis in der Begegnung mit anderen leben 23.28–36 Wie das gemeinsame Selbst zur Gleichgesinntheit hinführt.

Für eine kurze tägliche Lektüre eignet sich außerdem die Seite 108 inspirierende Verse und Mantras. Die thematischen Erläuterungen dieses Artikels unterscheiden den überlieferten Wortlaut von heutigen Betrachtungen und Praxisanregungen. Die vollständige Übersetzung folgt weiter unten in der Reihenfolge des Werkes.

Eine hilfreiche Haltung beim Lesen: Verweile bei einer verständlichen Stelle. Nimm ihren Gedanken mit in deine Meditation und beobachte, wie er deine Aufmerksamkeit im Alltag verändert. Auch ein einzelner Vers kann lange nachwirken.

Name, Überlieferung und Einordnung

Jñāna bedeutet Erkenntnis oder Wissen; arṇava bedeutet Meer. Der Titel weist auf eine Erkenntnis hin, die nicht bei einzelnen Begriffen stehen bleibt. In den Kolophonen nennt sich das Werk auch Nityātantra. Die hier verwendete Fassung besteht aus 26 Paṭalas. Diese Ausgabe bietet den gesamten vorhandenen Grundtext in deutscher Übersetzung sowie getrennt in IAST und Devanagari.

Die Textgrundlage ist der Muktabodha-E-Text M00069, jñānārṇavatantram, nach der von Sudhakar Malaviya herausgegebenen Ausgabe. Die Datenerfassung erfolgte laut Dateikopf unter der Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; als Jahr der elektronischen Veröffentlichung wird 2007 genannt. Dieses Jahr bezeichnet den E-Text, nicht die Entstehung der Schrift. Eine genaue historische Datierung lässt sich aus dem Dateikopf nicht gewinnen.

Traditionell spricht Ishvara zur Göttin. Diese Offenbarungssituation gehört zur Gestalt des Werkes; sie ist nicht mit einer historisch nachweisbaren menschlichen Autorschaft gleichzusetzen. Das hier behandelte Shakta-Tantra ist außerdem vom gleichnamigen Jnanarnava der jainistischen Literatur zu unterscheiden.

Jnanarnava Tantra und Sri Vidya

Sri Vidya bedeutet hier zugleich heilige Erkenntnis, Göttinnenmantra und ein überlieferter Weg der Verehrung. Die Schrift unterscheidet Formen der Tripura und entfaltet ihre Mantras, Gestalten, Sitze und Verehrungskreise. Kapitel 12 beschreibt verschiedene, traditionell mit bestimmten Verehrern verbundene Mantraformen; Kapitel 13 behandelt die sechzehnsilbige Vidya.

Die Formel und die Gottheit werden dabei nicht voneinander getrennt. In 13.7–9 heißt es, die höchste Vidya sei trotz ihrer Lautgestalt eine Wirklichkeit ohne Aussprache. Das ist eine Einladung, beim Japa nicht nur auf die Zahl der Wiederholungen zu achten. Die Laute werden wiederholt; zugleich darf sich die Aufmerksamkeit für die Stille öffnen, in der sie erscheinen.

Das Shri Chakra wird im zehnten Paṭala mit Mantra, Welt und den sechs Wegen der Wirklichkeit verbunden.

Guru und Diksha

Guru und Diksha sind für das Werk grundlegend. Die Mantras gehören zu einer überlieferten Unterweisung. Kapitel 13 und 24 betonen, dass das bloße Auffinden einer Formel ihre Weitergabe durch einen Lehrer nicht ersetzt. Die Geheimhaltungsgebote betonen innerhalb dieser Einweihungstradition den Wert verantwortlicher, persönlicher Weitergabe.

Das Einweihungskapitel ist zugleich eine Lehre über Erkenntnis. Der Guru begegnet dem Blick des Schülers, vermittelt durch Berührung und erläutert anschließend Aussagen wie „Das bist du“ (24.20–21; 24.38–43). Die Berührung wird mit der Verwandlung von Eisen in Gold verglichen: Ein Bild dafür, wie die Begegnung mit einem Lehrer das eigene Selbstverständnis verwandeln kann.

Kapitel 16.45–77 unterscheidet göttliche, vollendete und menschliche Guruströme. Die eigene Unterweisung wird so in eine größere Überlieferung gestellt. Zugleich beschreibt der Text eine allgemeine Gurureihe für Schüler, denen die einzelnen Namen nicht bekannt sind (16.63–67).

Ein eindrückliches Bild beschreibt den unruhigen Geist als Vogel. Seine Flügel sind Entwurf und Gegenentwurf, seine Äste Lob und Tadel, sein Baum die vielfältige Verstrickung des Samsara (24.29–36). Die Unterweisung soll dieses Getriebensein lösen. Für heutige Leser liegt darin die Frage, welche Gedankenbewegungen sie immer wieder forttragen und welche Form von Begleitung ihnen zu Klarheit verhilft.

Mantra, Bija und Japa

Mantra ist im Werk konzentrierte Gegenwart der Gottheit. Bija bezeichnet eine Keimsilbe; Japa ihre wiederholte Vergegenwärtigung. Viele Formeln werden durch Lautnamen und verschlüsselte Zuordnungen beschrieben. Solche Angaben sind in dieser Ausgabe als Beschreibungen übersetzt und nicht ohne Textbeleg zu Rezitationsformeln ergänzt.

In 1.9–10 führt der Klang zum Klanglosen; in 13.44–46 gehen Mantras wie Funken aus einem Feuer hervor. Die Vielheit der Laute erscheint so als Entfaltung einer gemeinsamen Quelle. Das Mantra verbindet in dieser Sicht Wort, Gestalt und Erkenntnis. Wer die Göttin anruft, wendet sich zugleich jener Kraft zu, durch die das Anrufen, Hören und Erkennen möglich werden.

Kapitel 20.5–9 unterscheidet lautes, flüsterndes und geistiges Japa und gewichtet die innerliche Wiederholung besonders hoch. Die großen Vergleichszahlen lassen sich als Hervorhebung der inneren Sammlung lesen. Für den heutigen Leser ergibt sich daraus ein wichtiger Akzent: Beim Japa verdient auch die Qualität der Aufmerksamkeit Pflege.

Kapitel 24 beschreibt außerdem Ajapa: In Gestalt des Ein- und Ausatmens vollzieht sich der Hamsa-Japa Tag und Nacht (24.78–80). Die traditionelle Zahl 21.600 beschreibt dabei die beständige Wiederkehr des Atems. Spirituell öffnet sich der Blick für eine Gotteserinnerung, die das ganze Leben begleiten kann.

Nyasa – der Körper als heiliger Raum

Nyasa bedeutet das rituelle Auflegen beziehungsweise Einsetzen von Lauten, Mantras und Gottheiten. Im zweiten Paṭala wird unter anderem die Matrika den Körperstellen und den Lotuszentren zugeordnet (2.51–67). Der Körper wird in die Verehrung einbezogen: Hände, Herz, Kehle und Scheitel gehören zum geistigen Weg.

Kapitel 14 erweitert diese Perspektive um Gottheiten, Planeten, Mondhäuser, Tierkreiszeichen und heilige Sitze. Der Körper wird als Mikrokosmos betrachtet: Klang, Kosmos und Pilgerlandschaft begegnen sich in ihm. Die Schrift beschreibt dafür bestimmte, initiationsgebundene Zuordnungen. Als frei zugängliche heutige Betrachtung kann jedoch die Wertschätzung des Körpers aufgenommen werden: aufmerksam sitzen, den natürlichen Atem wahrnehmen und sich bewusst machen, dass auch leibliches Leben in der göttlichen Gegenwart steht. Diese einfache Körperachtsamkeit ist eine heutige Anregung; der rituelle Nyasa selbst wird innerhalb der jeweiligen Überlieferung erlernt.

Matrika: Die Buchstaben werden als Kräfte der Göttin verstanden und im Nyasa dem Körper zugeordnet.

Als ergänzende heutige Praxis zur achtsamen Wahrnehmung des Körpers: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev.

Shakti und Göttinnenverehrung

Shakti ist die Kraft des Hervorbringens, Erhaltens und Zurücknehmens. In 4.12–27 fragt die Göttin nach den fünf leblosen Gestalten ihres Thrones. Die Antwort erklärt Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva als in sich unbewegt; ihr Wirken geschieht durch Shakti. Der Text entfaltet hier seine eigene theologische Sicht auf das Verhältnis von stiller Wirklichkeit und wirksamer Kraft.

Die Göttinnenbilder sind vielfältig. Neben der freundlichen, weißen Tripureshvari mit Buch und Gebetskette stehen feurige Bhairavi-Gestalten mit Schädelschale und Kopfkette. Kapitel 9 verehrt Annapurna, die Nahrung und Fülle schenkt. Die verschiedenen Gestalten eröffnen unterschiedliche Zugänge: Schönheit kann das Herz sammeln, die nährende Mutter Vertrauen wecken, die machtvolle Göttin an Vergänglichkeit und Verwandlung erinnern. Solche Betrachtungen helfen, die Vielfalt der Bilder zu erschließen; die einzelnen Göttinnen behalten im Text ihre eigenen Mantras und Verehrungsformen.

Die Anrede „Mutter“ lässt die Beziehung persönlich werden. Die Bezeichnung „höchstes Bewusstsein“ führt in die Tiefe dieser Beziehung: Nach 16.30 ist die Verehrte selbst ganz Wonne und Erkenntnis. Hingabe und Erkenntnis begegnen sich hier in derselben Verehrung.

Yantra und Mandala

Das Yantra gestaltet die Verehrung räumlich. Ein Mandala ordnet Mitte, Richtungen und umgebende Kräfte. Das zehnte Kapitel erklärt das Shri Chakra über seine Dreiecke, Lotusblätter und Umgrenzungen; zugleich stellt es Bezüge zu Lauten, Weltprinzipien und den sechs Wegen her (10.30–98).

Das Zentrum und die umgebenden Kreise gehören zusammen. Vom äußeren Quadrat bis zum Bindu werden Schöpfung, Erhaltung und Rücknahme beschrieben. Die Darstellung des Yantras ist damit auch eine Betrachtung der eigenen Erfahrung: Vielheit entfaltet sich, wird getragen und kehrt in ihren Grund zurück. Als spirituelle Betrachtung kann die Mitte des Yantras daran erinnern, auch in der Vielheit der eigenen Aufgaben die Sammlung wiederzufinden.

Die knappen Konstruktionsverse enthalten schwierige Einzelheiten. Ihre Übersetzung ersetzt keine anhand einer überlieferten Zeichnung überprüfte Bauanleitung.

Puja und innere Verehrung

Puja umfasst Gaben, Gesten, Anrufungen und die Vergegenwärtigung der Gottheit. Das Jnanarnava Tantra stellt äußere Verehrung und inneres Erkennen mehrfach in Beziehung. Nach 3.1–5 beginnt die Folge mit innerer Verehrung; 5.22 gestattet eine geistige Speisegabe. In 24.84–87 wird der ganze Vorgang nach innen gewendet: Vertrauen wird zum reinigenden Wasser, Samadhi zur Blüte, Erkenntnis zur Glut und Bewusstsein zur Lampe.

Hier kann ein einfacher Zugang zum Lesen liegen: Eine Blume kann an die Bereitschaft des Herzens erinnern, ein Licht an Wachheit, eine Gabe an das Loslassen. Im Alltag lässt sich diese innere Haltung weitertragen: Eine Tätigkeit bewusst beginnen, die Aufmerksamkeit ganz dem Gegenüber schenken und ein gutes Ergebnis dankbar annehmen. Dies sind heutige Anwendungen der erläuterten Grundidee.

Puja: Eine sichtbare Gabe kann Hingabe und innere Sammlung ausdrücken.

Dhyana und Bhavana

Dhyana richtet den Geist auf eine zusammenhängende göttliche Gestalt. Bhavana ist das lebendige innere Vergegenwärtigen. Die Dhyana-Verse beschreiben Farbe, Haltung, Attribute und Ausstrahlung der Göttin. Die Aufmerksamkeit erhält dadurch eine geistige Form, in der sie verweilen kann.

Kapitel 16.2–13 beschreibt, wie die Betrachtung der Göttin den Geist still werden lässt und ihn zum Ort angeborener Wonne macht. Die anschließend unterschiedenen Samadhi-Formen zeigen, dass äußere Erregung und tiefe Stille nicht einfach gleichgesetzt werden. Die Göttin selbst wird als höchstes Bewusstsein bezeichnet (16.15; 16.30).

Die Schrift führt zugleich über die gestaltgebundene Betrachtung hinaus. Turiya, der vierte Zustand, wird als reines Aufleuchten jenseits der drei Gunas beschrieben (1.24–27; 13.24–26). Unmani bezeichnet den Zustand, in dem die gewöhnliche Gedankenbewegung zur Ruhe kommt. Das Werk richtet den Blick damit auf eine tiefgreifende Veränderung des Erkennens. Die Bilder der Göttin helfen zunächst, die Aufmerksamkeit zu sammeln; die Erkenntnislehre fragt weiter nach dem Bewusstsein, in dem auch diese Bilder erscheinen.

Jnana, Bewusstsein und Moksha

Im einundzwanzigsten Paṭala wird Jnana zur inneren Gestalt des Homa. Der Text unterscheidet vier Betrachtungen des Selbst und veranschaulicht seine Ungeteiltheit durch den Raum im Gefäß: Das Gefäß ist begrenzt, nicht der Raum selbst (21.7–9). Ein zweites Bild spricht vom Mond, dessen Spiegelbild in verschiedenen Stoffen erscheint, ohne dass der Mond dadurch befleckt wird (21.20–22).

So wird Bewusstsein als Zeuge der wechselnden Erscheinungen erschlossen. Im inneren Feuer werden auch die Gegensätze von Verdienst und Verfehlung, Entwurf und Gegenentwurf dargebracht (21.25–33). Der Leser kann darin eine Einladung sehen, die eigenen Gedanken und Wertungen zu erkennen, ohne sich vollständig mit ihnen gleichzusetzen. Verantwortliches Handeln bleibt dabei eine Aufgabe des Alltags.

Moksha erscheint als Befreiung von der Verwechslung des Selbst mit seiner begrenzten Erscheinung. Kapitel 23 verbindet diese Erkenntnis mit Gleichgesinntheit: Das Licht unterscheidet beim Leuchten nicht zwischen gesellschaftlich Höher- und Niedrigerstehenden. Geistige Einsicht und die Weise, anderen zu begegnen, berühren sich hier unmittelbar.

Hingabe und Erkenntnis im Zusammenhang

Die verschiedenen Themen des Werkes fügen sich zu einem Weg zusammen: Mantra gibt der Sammlung einen Klang. Dhyana gibt ihr eine betrachtete Gestalt. Nyasa bezieht den Körper ein. Puja macht die Hinwendung zur Gabe. Jnana erschließt die Göttin als Bewusstsein und Grund der Erfahrung. Diese Zusammenfassung erklärt den Zusammenhang der Kapitel; sie bezeichnet keine zusätzliche, im Sanskrit aufgezählte Übungsfolge.

Für Aspiranten kann daraus eine reifere Haltung zur Sadhana wachsen. Übung wird sorgfältig, weil ihre Form Bedeutung hat. Sie wird hingebungsvoll, weil sie eine Beziehung ausdrückt. Und sie bleibt offen für Erkenntnis, weil ihr Ziel über das Festhalten an einer einzelnen Erfahrung hinausführt.

Historische Ritualsprache verantwortlich lesen

Die Paṭalas 17–20 enthalten neben Japa und Verehrung auch Zwangs-, Schädigungs- und Heilungsrituale. Ihre Übersetzung dokumentiert die historische Schrift; sie bestätigt weder die behaupteten Wirkungen noch empfiehlt sie deren Ausführung. Genannte Pflanzen- und Mineralstoffe sind keine Gesundheits- oder Trinkempfehlungen.

Kapitel 22 wechselt von der Kumari-Verehrung (22.1–6) zur gesonderten Duti-Verehrung (ab 22.7). Diese beiden Ritualzusammenhänge sind auseinanderzuhalten. Die spätere sexuelle Ritualdarstellung setzt der Text in einen initiationsgebundenen Erkenntniszusammenhang. Seine Lehre von Nichtdualität hebt für heutige Praxis weder die Selbstbestimmung anderer noch die Verantwortung für körperliche Unversehrtheit auf. Kapitel 23 deutet die Duti-Verehrung anschließend ausdrücklich innerlich.

Wichtige Begriffe beim Lesen

Die Übersetzung bewahrt einige Sanskritbegriffe, weil sie im Werk eine bestimmte Bedeutung haben. Diese kurze Übersicht erleichtert den Zugang zu den ausführlichen Ritualkapiteln.

Begriff Bedeutung im Zusammenhang des Werkes
Vidya Wörtlich Wissen oder Erkenntnis; im Ritual auch eine bestimmte Mantraform der Göttin. Bija „Same“: eine Keimsilbe, in der eine göttliche Kraft klanglich vergegenwärtigt wird. Kuta Eine zusammengehörige Lautgruppe eines Mantras. Die Shri Vidya wird unter anderem in drei Kutas gegliedert. Kala Ein Teil, eine Kraft oder Entfaltungsweise; die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang, etwa bei den Mondkräften. Nitya Eine „Ewige“; im Kreis der Nityas eine Göttin, die unter anderem einem Mondtag zugeordnet wird. Nyasa Das rituelle Auflegen oder Einsetzen von Lauten und Gottheiten an Körperstellen. Mudra Hier meist eine rituelle Handgeste; ihre Bedeutung und Bildung werden an der jeweiligen Stelle erklärt. Arghya Eine besondere flüssige Ehrengabe; der Begriff kann im Zusammenhang auch das dafür bestimmte Gefäß bezeichnen. Tarpaṇa Eine Gabe zur Erquickung oder Sättigung der verehrten Gottheit, häufig mit Flüssigkeit vollzogen. Homa Feueropfer; in Kapitel 21 auch als inneres Darbringen im Feuer des Bewusstseins erklärt. Amnaya Eine überlieferte Lehre beziehungsweise ein Überlieferungszweig, im Werk häufig einer Himmelsrichtung zugeordnet. Duti Wörtlich „Botin“; in Kapitel 22 die rituelle Partnerin, in Kapitel 23 im Zusammenhang innerer Erkenntnis gedeutet.

Aufbau des Werkes

Die Themenangaben folgen den Kolophonen beziehungsweise dem erkennbaren Kapitelinhalt. Die Übersetzungen technischer Titel sind beschreibend.

Paṭala Schwerpunkt Nummerierte Einheiten
1 Erkenntnis des eigenen Wesens; Matrika, Hamsa und die Bewusstseinszustände 28
2 Bala und das Verfahren des Nyasa 76
3 Innere Verehrung, Yantra und Meditation über Tripureshvari 36
4 Ordnung der Tripureshvari-Puja; fünf leblose Gestalten und Mudras 81
5 Tripureshvari-Verehrung; Licht, Speise, Feueropfer und Bali 49
6 Erklärung des östlichen Thrones 35
7 Rudrabhairavi-Verehrung auf dem zweiten Thron 21
8 Erklärung des westlichen Thrones 16
9 Vidyas der Throne; Annapurna und Überlieferungsrichtungen 68
10 Handreinigung, Sitze, Herbeirufung, Meru, Shri Chakra und sechs Wege 103
11 Neunlautiger Meru und Tripura-Mantra 13
12 Darlegung verschiedener Tripurasundari-Vidyas 26
13 Darlegung der Shodashi-Vidya 52
14 Verfahren des Shri-Vidya-Nyasa 148
15 Weitere Erklärung des Shri-Vidya-Nyasa 69
16 Verfahren der Shri-Vidya-Verehrung 228
17 Anwendungsverfahren der Shri Vidya 117
18 Verehrung mit Gold und Edelsteinen 26
19 Praxis der drei Tripura-Bijas 44
20 Rituelle Anwendungen und Feueropfer; Kolophon ohne eigenen Sachnamen 178
21 Feueropfer der Erkenntnis 34
22 Duti-Verehrung der Shri Vidya 74
23 Duti-Verehrung als Erkenntnis 36
24 Einweihungsverfahren 96
25 Auflegen der heiligen Pavitra-Schnüre 23
26 Darbringung der Damana-Pflanze 31

Hauptartikel und deutsche Übersetzung · IAST · Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Deutsche Übersetzung des Jnanarnava Tantra

Die Zählung folgt M00069. Eckige Klammern innerhalb der Übersetzung kennzeichnen Erläuterungen, begründete Ergänzungen oder Unsicherheit. Alle 26 Paṭalas sind enthalten. Beschädigte oder nicht sicher deutbare Stellen werden ausdrücklich bezeichnet; fehlender Sinn wird nicht erfunden. Die im historischen Text formulierten Ritualanweisungen sind als Übersetzung zu lesen.

Erster Paṭala

Erkenntnis des eigenen Wesens; Matrika, Hamsa und die Bewusstseinszustände.

Eingangsverehrung und Titel: Heil und Segen. Das von Ishvara verkündete Jnanarnava Tantra.

1.1 Die erhabene Göttin sprach: Du bist von Ganesha, Nandi, Chandesha und dem Herrscher der Götter umgeben, von allen verehrt, Herr der Scharen: Was wiederholst du beständig im Japa?

1.2 Was bedeutet der Name „Akshamala“, Buchstabenkranz oder Gebetskette? Diese Frage bewegt mein Herz. Du bist das höchste Brahman jenseits des Klanges; du kennst die höchste Wahrheit.

1.3 Sage es mir aus der Gewissheit deines Geistes, der vom strömenden Glück ganz erfüllt ist. Ishvara sprach: Ich werde dir, o Schöne, erklären, was ich beständig wiederhole.

1.4 Von A bis Ksha reicht die Matrika, die Gestalt des heiligen Sitzes. Sie ist mit vierzehn Vokalen versehen und mit drei Bindus geschmückt.

1.5 Durch den Anusvara ist sie, Herrin der Götter, mit einem Punkt geschmückt; durch den Visarga erstrahlt sie mit zwei miteinander verbundenen Punkten.

1.6 Dies wird der Kreis der Kalas genannt und hat das Wesen der Shakti, o große Herrin. Die Laute von Ka bis Ksha dagegen haben das Wesen Shivas.

1.7 Da sie Konsonanten sind, werden sie stets mit der Aussprache verbunden, die von Glück erfüllt ist. Mit Vokalen verbunden soll man sie aussprechen, o Göttin, daran besteht kein Zweifel. [Der erste Halbvers ist sprachlich schwierig; der Zusammenhang ist die Verbindung von Konsonant und Vokal.]

1.8 In Gestalt der fünfzig Laute besteht die Wirklichkeit, die „Klang“ heißt, o Tugendhafte. A ist ihr erster Laut, Ksha gilt als ihr letzter.

1.9 Als Akshamala ist die Matrika in ihrer Lautgestalt bekannt. Sie ist das Klang-Brahman; doch im Japa wird das verehrt, was jenseits des Klanges ist.

1.10 Die höchste Stätte jenseits des Klanges entzieht sich stets allem Zählen. Erkenne sie als das Wesen des Selbst: Hamsa ist der höchste Herr.

1.11 In eben dieser höchsten Wirklichkeit, die mit drei Bindus geschmückt ist, ruht das von der Matrika Umschlossene und tritt in Erscheinung.

1.12 Ich werde die drei Bindus in ihrer Keimgestalt erklären, o Schönangesichtige. Erkenne im Laut Ha, in Gestalt des Bindu, Brahma, o Parvati.

1.13 Der Laut Sa mit den beiden Schöpfungspunkten ist Hari und bin ich, o Herrin der Götter. Weil beide untrennbar verbunden sind, spricht man in der Welt von Hari und Hara.

1.14 Der Brahma-Bindu heißt die Shakti Vama, o große Herrin. Weil sie die Welt aus sich hervorströmen lässt, wird sie Vama genannt.

1.15 Jyeshtha ist die zu Vishnu gehörende Shakti, die die drei Welten erhält. Darauf folgt Raudri, die höchste Herrin, die alles wieder in sich aufnimmt.

1.16 Erkenne so die drei Bindus, ausgestattet mit den drei Gunas. Das Wort Bindu bezeichnet hier das Leere und weist dennoch auf die Gunas hin.

1.17 Erkenne darin Wollen, Erkennen und Handeln, ferner Bhur, Bhuvah und Svah. Es hat das Wesen der drei Städte und besteht aus den drei Tattvas, o Geliebte.

1.18 In den drei Bindus ist all dies gegründet, o große Herrin. Durch die Bindus der Ambika entfaltet sich die Folge der drei Gunas.

1.19 Wachen, Träumen und Tiefschlaf entstehen aus den drei Bindus, o Glückverheißende. Der Wachzustand ist als sattvig zu erkennen; er hat ganz das Wesen der Shakti.

1.20 Er entfaltet die Bewegungen des Geistes und ist auf Leid und Fehler gerichtet. Der Tiefschlaf dagegen hat die Gestalt Shivas und nimmt alle Bewegungen hinweg. [Die Beschreibung des Wachzustands ist in der vorliegenden Lesung auffällig; sie wird nicht in eine ausschließlich positive Aussage umgedeutet.]

1.21 Der Tiefschlaf ist frei von den Eigenschaften des Körpers und hat das Wesen des Shiva-Tattva. Von Tamas geprägt, verschlingt er das Handeln und trägt die Gestalt der Befreiung.

1.22 Am Ende des Tiefschlafs, vor dem Beginn des Wachens, steht der von Rajas geprägte Traumzustand. Er trägt Merkmale beider Zustände und ist durch Verlangen gekennzeichnet.

1.23 Damit sind die drei aus dem Bindu hervorgehenden Zustände erklärt. Nachdem dies erkannt ist, höre nun vom vierten Zustand, o Geliebte.

1.24 Am Anfang des Schlafes und am Ende des Wachens ist er durch reines Aufleuchten gekennzeichnet. Dieser zur Fülle gelangte Zustand ist Turiya, die höchste Kala.

1.25 Er ist frei von Sein und Nichtsein, jenseits der Gunas und vollkommen unbewegt. Wenn eben dieser Zustand, o Göttin, beständig mit dem Geist erreicht wird,

1.26 so heißt er Unmani: von der Natur des Seins, die Ranke der Erkenntnis, deren Wesen Bewusstsein ist. Durch die drei Bindus und den Nada entfaltet er sich als Glückseligkeit.

1.27 Durch die Vereinigung der drei Bindus trägt sie Namen und Gestalt der Tripura. Sie ist jenseits der Laute und zugleich mit Lauten verbunden: reine Kraft des erkennenden Bewusstseins.

1.28 Durch die vollständige Verehrung dieser Vidya ist Allwissenheit in mir, o Geliebte. Diese Tripura verehre ich, o Göttin, durch die Akshamala.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der erste Paṭala mit dem Titel „Das allein als eigenes Wesen zu Erkennende“.

Zweiter Paṭala

Bala und das Verfahren des Nyasa.

2.1 Die erhabene Göttin sprach: Höchster Herr, du hast auf Tripura durch den Weg der Erkenntnis hingewiesen. Erkläre ihr wirkliches Wesen, wenn ich dir lieb bin.

2.2 Welche Erscheinungsformen hat Tripura, und wie unterscheiden sich ihre Mantras? Das alles möchte ich hören, damit ich glückverheißende Fülle erlange.

2.3 Ishvara sprach: Tripura ist dreifach, o Göttin. Höre zuerst von Bala. Wer sie erkennt, kann selbst dem Lehrer der Götter gleich werden.

2.4 Man spreche den Sonnenvokal aus, verbunden mit Bindu, Nada und Kala; sodann den letzten Vokal, verbunden mit der Erde und geschmückt mit dem vierten Vokal,

2.5 versehen mit Bindu, Nada und Kala; ferner den unveränderlichen Bhrigu mit dem Sarga, verbunden mit dem Shakra-Vokal. Dies gilt als die dreisilbige Vidya. [Die Laute werden verschlüsselt bezeichnet; die Formel wird hier nicht rekonstruiert.]

2.6 Sie schenkt eine Redegewandtheit wie die sich überstürzenden Wellen der Ganga. Sie bringt großes Glück hervor und gewährt die hohe Gabe Sarasvatis.

2.7 Sie ist von großer Schönheit und Anmut, vernichtet den großen Tod und wird von Brahma, Vishnu und dem Herrscher der Götter verehrt. Sie nimmt die Verfehlungen hinweg.

2.8 Die Göttin umfasst alle heiligen Pilgerstätten und schenkt Gold, Edelsteine und anderes. Sie umfasst alle Welten und bringt alle Welten unter ihren Einfluss.

2.9 Die Göttin umfasst alle heiligen Stätten und erfüllt den Sinn aller Unternehmungen. Friedvoll schenkt sie die große Befreiung und gewährt höchste Erlösung.

2.10 Selbst mit Tausenden Millionen Mündern und Hunderten Millionen Zungen kann diese höchste dreisilbige Vidya nicht vollständig gepriesen werden.

2.11 Auch mit fünf Gesichtern und fünf Zungen ist dies nicht möglich. Durch das Vagbhava-Bija, das wie der Mond leuchtet, schenkt sie die Meisterschaft der Rede.

2.12 Durch das Kamaraja-Bija, das wie ein rotes Indragopa-Insekt strahlt, bezaubert sie die drei Welten. Durch das Shakti-Bija, o Tugendhafte,

2.13 von leuchtender Goldfarbe, entsteht Glück im Haus des Übenden. Ihre Sadhana werde ich dir, o Göttin, in Kürze erklären.

2.14 Frühmorgens erhebe man sich und gedenke im Brahmarandhra des eigenen Gurus. Man werde von der Göttin erfüllt und durch die Fülle seines Lichtes rein.

2.15 Dann vollziehe der Verständige die Waschung und erinnere sich dabei an das Grundmantra. Dreimal besprüche er das Wasser in den hohlen Händen mit dem Mantra und gieße es über den Kopf.

2.16 Dreimal nehme er rituell Wasser zu sich und vollziehe die Wasserspende. Dreimal besprenge er den Körper und bringe der Sonne das Begrüßungswasser dar,

2.17 mit dem Grundmantra oder mit dem Sonnenmantra, o Geliebte. Das Shiva-Bija setze man auf das Feuer und schmücke es mit dem linken Auge,

2.18 verbinde es mit Bindu und Nada und spreche danach das Wort „Hamsah“ aus. Mit diesem Mantra bringe man der Sonne das Begrüßungswasser dar. [Die vorangestellten Lautangaben sind verschlüsselt.]

2.19 Nach Kräften wiederhole man das Mantra, die höchste Gayatri. Man spreche den Anfang der Grundvidya und danach: „Die Herrin der Rede wollen wir erkennen.“

2.20 Nach dem zweiten Bija spreche man: „Über die Herrin des Verlangens wollen wir meditieren.“ Nach dem dritten Bija: „Möge jene Shakti uns anregen.“

2.21 Nachdem man nach Kräften Japa geübt hat, betrete man die Opferhalle. Dhatar und Vidhatar, Ganga und Yamuna,

2.22 die Glückskraft des Tores, die Türschwelle und den Vastu-Purusha verehre man. Dann verehre der Verständige seinen Sitz, o große Herrin.

2.23 Man spreche das Para-Bija aus, setze danach „Adhara“ vor „Shakti“ und füge „Kamalasana“, Lotussitz, an.

2.24 Man setze diese Bezeichnung in den Dativ und schließe mit „Namah“: So lautet das Sitzmantra, o Geliebte. Nach dem Niedersetzen vertreibe der Verständige die störenden Wesen.

2.25 Er vollziehe die Reinigung der Elemente mit dreifachem Pranayama. Nach dem Aussprechen des Wind-Bija vergegenwärtige er den großen, aus dem Sechseck hervorgehenden,

2.26 schwarzen Wind und lasse den Leib der Verfehlung austrocknen. Gut auf seinem Sitz niedergelassen, fülle er durch die linke Seite den Bauch mit Atem.

2.27 Mit Atemhalten, dreimaliger Wiederholung und Ausatmen durch die rechte Seite vollziehe er dies. Das Verschließen der Nasenöffnungen mit kleinem Finger, Ringfinger und Daumen

2.28 gilt hier als Pranayama; Zeige- und Mittelfinger bleiben unbeteiligt. In der linken Bauchseite stelle er sich den rußschwarzen „Menschen der Verfehlung“ vor:

2.29 Dessen Kopf ist die Tötung eines Brahmanen; seine beiden Arme sind der Golddiebstahl. Sein Herz ist der Genuss berauschenden Getränks, seine Hüftgegend das Verletzen des Ehebetts des Gurus.

2.30 Seine beiden Füße sind die Gemeinschaft mit solchen Tätern; die Verfehlungen bilden seine Glieder und Nebenglieder, die geringeren Verfehlungen seine Körperhaare. Schwarz sind sein Bart und seine Augen.

2.31 Zornig, mit Schwert und Schild, stelle man diese Verkörperung der Verfehlung im Bauch vor. Mit dem Wind-Bija trockne man den Körper aus, o höchste Herrin.

2.32 Nachdem man ihn auf diese Weise mitsamt der Verfehlung ausgetrocknet hat, stelle man ihn durch das Feuer-Bija vollständig verbrannt vor, o Glückverheißende.

2.33 Dann, von Verfehlung befreit, überflute man ihn mit Unsterblichkeitsnektar. Mit dem Mantra der Lebenseinsetzung setze man den Jiva wieder in den Körper ein.

2.34 Man spreche den als „Mundkreis“ bezeichneten Laut und danach Hamsa in umgekehrter Folge aus. So entsteht diese dreisilbige Vidya. [Auch hier gibt der Text eine verschlüsselte Lautanweisung.]

2.35 Dieses Mantra der Lebenseinsetzung bringt alle rituellen Handlungen zur Erfüllung. Durch dieses Verfahren festige man seinen eigenen Körper.

2.36 Mit gereinigtem Körper vollziehe man gesammelt den Nyasa. Der Seher dieses Mantras ist der unvergängliche Dakshinamurti.

2.37 Ihn setze man ehrend auf den Kopf, das Versmaß Pankti in den Mund und die Gottheit Bala Tripura, die höchste Herrin, ins Herz.

2.38 Das Bija ist Vagbhava; die Shakti ist das dritte Bija; der Verschluss ist Kamaraja. So ist die vorbereitende Zuordnung des Mantras erklärt.

2.39 Von der Nabelgegend bis zu den Füßen, von der Kehle bis zum Nabel und vom Scheitel bis zur Kehle lege man die dreisilbige Vidya der Reihe nach auf.

2.40 Je eines ihrer Bijas lege man in die linke und die rechte Handfläche; im Zusammenschluss beider Hände vergegenwärtige man die Vidya aus drei Bijas.

2.41 Die fünf Pfeile lege man der Reihe nach auf die Finger, vom Daumen bis zum kleinen Finger, o große Herrin.

2.42 Man schreibe zweimal den als „Ende von Tha“ bezeichneten Laut, setze ihn dem Verfahren gemäß auf das Feuer und verbinde ihn mit dem Mundkreis und dem linken Auge.

2.43 Damit sind zwei Pfeile genannt. Das Madana-Zeichen, auf die Erde gesetzt und mit viertem Vokal und Bindu verbunden, hat die Nawa-Gestalt. [Die verschlüsselte Lautbeschreibung, besonders „nāvarūpa“, bleibt unsicher.]

2.44 Den als „Ende von Pha“ bezeichneten Laut verbinde man in der angegebenen Folge mit dem linken Ohr, Bindu und Nada; ferner den Mond mit dem Sarga, o Geliebte.

2.45 Damit sind die fünf Pfeile bezeichnet. Höre ihre Namen, Parvati: Erregung, Verflüssigung und Heranziehung,

2.46 Unterwerfung und Berauschung, der Reihe nach, o große Herrin. Die fünf Formen Kamas sind ebendort zu vergegenwärtigen; höre ihre Bijas.

2.47 Das Para-Bija, den mittleren Pfeil, das Vagbhava-Bija, den vierten Pfeil und das Stri-Bija, o Geliebte.

2.48 Dies sind die fünf Kamas. Höre ihre Namen: Kama, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja

2.49 und als fünfter Minaketu, o große Herrin. Nachdem man diese aufgelegt hat, vollziehe man den Hand-Nyasa.

2.50 Die Grundvidya wiederhole man zweimal und lege sie auf sämtliche Fingerflächen. Nach dem Verfahren der sechs Glieder vollziehe man sodann den Matrika-Nyasa.

2.51 Höre von der Matrika, deren Nyasa die Verfehlungen abschneidet. Der Seher dieses Mantras ist Brahma; als Versmaß wird Gayatri genannt.

2.52 Die Gottheit ist die Göttin Matrika; die Gesamtheit der Konsonanten bildet das Bija, die Vokale sind ihre Shaktis. Man vollziehe den Nyasa der sechs Glieder.

2.53 Zwischen Aṃ und Āṃ setze man die Ka-Gruppe, zwischen Iṃ und Ī die Ca-Gruppe, zwischen Uṃ und Ūṃ die Ṭa-Gruppe und zwischen Eṃ und Eṃ die Ta-Gruppe. [Die auffällige Vokalfolge wird nach der Vorlage wiedergegeben, nicht stillschweigend berichtigt.]

2.54 Zwischen Oṃ und Au setze man die Pa-Gruppe. Zwischen Anusvara und Visarga stehen die Ya- und Sha-Gruppen einschließlich La und Ksha.

2.55 Herz, Kopf, Scheitel, Schutzpanzer, Augen und Waffe belege man damit, jeweils im Dativ und mit den Abschlussworten Namah und Svaha,

2.56 Vashat, Hum, Vaushat und Phat in der entsprechenden Folge. Dies gilt als der sechsgliedrige Nyasa der Matrika, der alle Verfehlungen hinwegnimmt.

2.57 In den sechzehnblättrigen Lotus an der Kehle lege man die sechzehn Vokale, in den zwölfblättrigen Herzlotus die zwölf Laute beginnend mit Ka.

2.58 In den zehnblättrigen Nabel-Lotus lege man die zehn Laute beginnend mit Da des retroflexen Lautkreises; in den sechsblättrigen Lotus im Genitalbereich die sechs Laute beginnend mit Ba.

2.59 In den vierblättrigen Basis-Lotus lege man die vier Laute beginnend mit Va; Ha und Ksha in den zweiblättrigen Lotus zwischen den Augenbrauen.

2.60 Nachdem man so die innere Matrika aufgelegt hat, vollziehe man den Nyasa am ganzen Körper: auf Kopf, Gesichtskreis, Augen und Ohren,

2.61 Nase, Wangen, Lippen, Zähnen, Kopf und Mund; sodann an Händen und Füßen, ihren Gelenken und Enden, jeweils der Reihe nach.

2.62 Man lege die Laute auf beide Flanken, Rücken, Nabel und Bauch. Danach lege man die mit Ya beginnenden Laute zusammen mit den Körpergeweben auf.

2.63 Die Körpergewebe sind Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen. Auch das Selbst des Lebenshauchs, das individuelle Selbst und das höchste Selbst lege man auf.

2.64 Die Stellen sind Herz, Armansätze und hintere Halsgegend, Achseln, Herzbereich sowie Hände und Füße,

2.65 Bauch und Gesicht; anschließend durchdringe man alles damit. Man vergegenwärtige sich die Göttin als die fünfzig Laute, geschmückt mit Kandarpa und Mond,

2.66 von der Klarheit reinen Kristalls, in strahlend reines Leinen gekleidet, mit glänzendem Schmuck aus Perlen und Diamanten, mit Gebetskette und Wassergefäß,

2.67 mit einem Buch und der Geste des Segens. Nachdem man so über die höchste Herrin meditiert hat, vollziehe man den Vidya-Nyasa.

2.68 Mit den drei Bijas umhülle man den Körper schützend. Zuerst lege man sie auf die Hände, auf Handgelenk, Handfläche und Nägel,

2.69 rechts und links; sodann auf Achsel, Ellbogen und Hand, wiederum rechts und links, und ebenso auf die Füße.

2.70 An den Fußenden, am Herzen und am Geschlechtsorgan lege man sie auf. An diesen Gliedern geschehe der Nyasa in der Reihenfolge der Rücknahme.

2.71 Erkenne die Vidya auch in der Schöpfungsfolge, o höchste Herrin. Danach vollziehe man den Nyasa mit der Bezeichnung „mit neun Yonis versehen“.

2.72 An Ohren und Kinn, sodann Schläfen und Gesicht, Augen und Nase, beiden Armen und Herz,

2.73 an Ellbogen und Nabel, Knien und dem als „Andhu“ bezeichneten Körperbereich, Füßen und Genitalbereich, Flanken, Herz und beiden Brüsten,

2.74 und an der Kehle lege man den Navayoni-Nyasa aus den drei Bijas auf. Danach vollziehe man mit zweimaliger Wiederholung den sechsgliedrigen Nyasa.

2.75 Die Zahlenfolge lautet drei, zwei, eins, zehn, drei, zwei, o Tochter des Berges. Auf die Finger lege man nochmals die Pfeile und Kamas auf.

2.76 Sodann auf Stirn, Kehle, Herz, Nabel und Muladhara in dieser Reihenfolge. Nachdem man mit dem Grundmantra den ganzen Körper durchdrungen hat, übe man Pranayama.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 2. Paṭala: „Verfahren des Bala-Nyasa“.

Dritter Paṭala

Innere Verehrung, Yantra und Meditation über Tripureshvari.

3.1 Ishvara sprach: Nachdem auf diese Weise der Nyasa am Körper vollzogen ist, führe man mit gesammeltem Geist die innere Verehrung aus, die unmittelbar von Brahman erfüllt ist.

3.2 Im Muladhara vergegenwärtige man die Grundvidya, leuchtend wie zehn Millionen Blitze, strahlend wie zehn Millionen Sonnen und fließend wie der Nektar von zehn Millionen Monden.

3.3 Sie ist fein wie ein Lotusfaden, vom Bindu und drei Windungen geprägt. Durch das natürliche Herabkommen der oberen Shakti, o Schönangesichtige,

3.4 durch die Festigung der Wurzel-Shakti und die Erweckung des mittleren Bija vergegenwärtige man freudig die Höchste als Fülle höchster Glückseligkeit.

3.5 Nach dieser inneren Verehrung vollziehe man die äußere Puja. Nach Osten gewandt sitzend, zeichne man das Chakra nach der überlieferten Anweisung.

3.6 An einem geeigneten Ort zeichne man das höchste Yantra auf eine geeignete Platte. Zunächst ziehe man eine gerade Linie vom Nordosten bis zum Südosten. [Die nähere Beschaffenheit der Platte ist in „śrībhave“ nicht eindeutig.]

3.7 Von den Endpunkten im Nordosten und Südosten ziehe der Lehrer zwei Linien und vereinige sie im Westen: Dies ist die höchste Shakti-Linie.

3.8 Sie hat die Form eines Dreiecks. Darüber zeichne man ein weiteres; durch die Dreiecksformen werden zwei Shaktis bezeichnet.

3.9 Am vorderen Spitzenbereich der ersten Shakti zeichne man, gleich einem Messstab, eine Linie, die zum nordwestlichen und südwestlichen Eckbereich führt.

3.10 Nach dem Verfahren, bei dem die Schnittpunkte beachtet werden, ziehe man von den Ecken dieser beiden Shaktis weitere Linien und richte ihre Spitzen nach Osten aus. [Die knappe Konstruktionsanweisung ist ohne überliefertes Diagramm nicht in allen Einzelheiten eindeutig.]

3.11 Dies ist das nach Osten gerichtete Feuer-Mandala, o von Helden Verehrte. Es entsteht aus einem Feuerdreieck und zwei Shakti-Dreiecken.

3.12 Dieses königliche Chakra ist mit neun Yonis geschmückt. Es erzeugt alles Glück und gewährt jede Herrlichkeit.

3.13 Es schenkt alle Vollendungen, nimmt Krankheiten hinweg und gibt Reichtum. Außen herum zeichne man einen Kreis wie den Vollmond.

3.14 An ihn anschließend zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit acht Knoten. Die Knoten fasse man jeweils mit zwei Pranavas ein.

3.15 Die Knoten sind als Vajras aufzufassen und mit Pranavas zu versehen. Man zeichne acht Dreizacke und dann ein Quadrat,

3.16 mit vier Toren geschmückt und alle Freude schenkend. In das Dreieck schreibe man „Hasauh“, o Schöne.

3.17 Das mittlere Bija, das Kama-Bija, schreibe man in die acht Winkel. Die sechzehn Vokale fasse man jeweils paarweise zusammen.

3.18 Man schreibe diese Paare in die acht Blätter, beginnend im Westen und im Uhrzeigersinn. An den Knotenpunkten der mit Ka beginnenden Lautgruppen

3.19 schreibe man jeweils den ersten Laut der sieben Gruppen; an der achten Stelle füge man Ksha ein. Die übrigen Laute setze man der Reihe nach

3.20 auf die Spitzen der Dreizacke, wieder vom Westen ausgehend. Außen herum zeichne man den Kreis der Matrika.

3.21 Im Quadrat schreibe man die vom Kama-Bija durchdrungene Matrika. Das Yantra verehre man auf einer Platte aus Gold, Silber oder einem anderen Material,

3.22 auch auf Kupfer, auf einem Spiegel, auf einem Palmblatt oder auf einem aus Kashmir stammenden Träger; ebenso auf mit Sandelholz versehenem Boden, mit Safran,

3.23 Zinnoberstaub, Moschus, Safran und Kampfer oder auf Birkenrinde mit Gorochana. Man kann es auch im Geist gestalten.

3.24 Mit einem Schreibgerät aus Gold oder Edelstein zeichne man das Yantra, das alle Anliegen verwirklicht, und verehre es mit den Opfergaben.

3.25 Nach dem Verfahren der Kula-Überlieferung meditiere man über sie, die Brahman offenbar werden lässt: Vom Wurzelzentrum bis zum Brahmarandhra reicht sie, feiner als ein Lotusfaden.

3.26 Man erinnere sich an sie, schön wie die aufgehende Sonne, um Unheil zu befrieden. Ihr Haarknoten ist dunkel wie schwirrende Bienen und mit reinen Blumen geschmückt.

3.27 Sie strahlt mit einer Perlenreihe am Brahmarandhra und einem von Perlen und Edelsteinen glänzenden Stirnzeichen; ihre Krone leuchtet. [Das zusammengesetzte Bild im ersten Halbvers ist in der Vorlage nicht völlig klar.]

3.28 Sie trägt eine Krone mit der Mondsichel und reinen Perlen und Edelsteinen. Ihre drei Augen sind dunkel wie kreisende Bienen.

3.29 Die Höchste trägt große, wie die Sonne strahlende Edelstein-Ohrringe und Schmuckketten mit Perlen, die wie der Morgenstern funkeln.

3.30 Mit Halsschmuck, Armreifen und Perlen erstrahlt sie. Ihre Gewänder sind weiß wie die Wellen der Ganga und wie Kampfer.

3.31 Ihre Arme gleichen anmutigen Sandelholzranken. Glänzende Armreifen und anderer Schmuck lassen ihre Handgelenke leuchten.

3.32 Ihre zarten Hände gleichen jungen Korallentrieben. Ihr Gürtel trägt Diamanten, Vaidurya-Steine und Perlen; rein ist ihr Glanz.

3.33 Ihre zarten Füße gleichen Blättern des roten Lotus. Fußringe aus Perlen schmücken sie wie eine Sternenreihe.

3.34 In einer linken Hand hält sie ein Buch, mit der anderen gewährt sie dem Übenden Furchtlosigkeit, o Schönangesichtige.

3.35 In den beiden rechten Händen trägt sie die Gebetskette und zeigt die Geste des Segens. So meditiere man über die Göttin, die Einfluss, Glück und die Gabe der Rede schenkt.

3.36 Weiß wie Milch, Jasmin und Mond, freundlich und heiter, so vergegenwärtige man sie, o Geliebte.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 3. Paṭala: „Meditation über Tripureshvari“.

Vierter Paṭala

Ordnung der Tripureshvari-Puja; fünf leblose Gestalten und Mudras.

4.1 Die erhabene Göttin sprach: Das Chakra-Mandala hast du erklärt, aber nicht die Verehrung in diesem Mandala. Höchster Herr, ich möchte sie ihrem Wesen nach hören.

4.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich werde den höchsten Kreis der Verehrung erklären. Zuerst vollziehe man die Verehrung des Sitzes, der mit zwölf Göttinnen geschmückt ist.

4.3 Vama, Jyeshtha, Raudri, Ambika, Iccha, Jnana, Kriya, Kubjika, Riddhi, Vishaghnika,

4.4 Dutari und Ananda sind diese zwölf Shaktis. Sie tragen einen mondhellen Schirm, der von reinen Perlen und Edelsteinen funkelt,

4.5 zwei Wedel, weiß wie die Wellen der Ganga, o Tochter des Berges, und eine Beteldose, die im Glanz der neun Edelsteine strahlt,

4.6 ein kostbares Gefäß voller Girlanden aus Mallika-, Malati- und Jati-Jasmin, Rosen und anderen Blumen, ferner einen mit Schmuck gefüllten

4.7 Kasten sowie zwei Fächer, mit neun Edelsteinen geschmückt, aus Pfauenfedern gefertigt und mit duftendem Ushira versehen,

4.8 einen goldenen Becher mit Kampfer, Moschus und Safranpulver, einen mit Diamanten besetzten Kamm,

4.9 ein Stäbchen zum Auftragen von Augenschminke und eine mit Kampfer gefüllte Dose. Mit diesen Gaben ausgestattet sind die Shaktis auf dem Sitz versammelt.

4.10 Die zwölf sind ringsum, vom Osten beginnend, zu verehren. Nach ihrer Verehrung verehre man in der Mitte den Thron der leblosen Gestalten.

4.11 Er ist aus Gold und Edelsteinen gebildet, weit, strahlend, rein und unvergänglich. Der Sitz aus den fünf leblosen Gestalten gewährt unmittelbar Befreiung, daran besteht kein Zweifel.

4.12 Die erhabene Göttin sprach: Erkläre mir diese fünf leblosen Gestalten und ihren Grund, o großer Herr. Wie können sie ohne Leben und dennoch unvergänglich und ewig sein?

4.13 Wo kein Leben ist, gibt es doch Vergehen. Wie haben sie Ewigkeit erlangt? Ishvara sprach: Gut hast du gefragt, o Glückverheißende, wie der Sitz aus den fünf leblosen Gestalten besteht.

4.14 Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva sind die fünf leblosen Gestalten, o Schöne. Sie sind in sich stets unbewegt.

4.15 Die mütterliche, schöpferische Kraft bei Brahma ist als Vama-Shakti zu erkennen. Brahma selbst ist daher eine leblose Gestalt, daran besteht kein Zweifel.

4.16 Shiva besitzt hier kein tätiges Vermögen; der Shakti dagegen gehört das Wirken stets zu. Aus der Shakti entsteht die Hervorbringung hunderttausender Welteneier, o Geliebte.

4.17 Eben deshalb wird Shiva eine leblose Gestalt genannt. Auch in Vishnu selbst liegt das Erhalten nicht: Die höchste Shiva, die Göttin, ist die Erhaltende.

4.18 Sie heißt Jyeshtha und wird als Vishnu bezeichnet, o große Herrin. Vishnu ist unbewegt; die Vaishnavi-Shakti bewirkt das Durchdringen.

4.19 Sie erhält die ganze Welt und bringt das Schauspiel des Universums hervor. Eben deshalb ist Vishnu eine leblose Gestalt.

4.20 Rudra ist die höchste Wirklichkeit, Shiva, ganz unbewegt. Seine Rudra-Shakti nimmt alles in sich auf; sie hat die Gestalt des Tamas.

4.21 Die drei Gunas befinden sich nicht in Shiva; der höchste Herr ist jenseits der Gunas. Wie könnte der Eigenschaftslose, Unbewegte etwas verschlingen, o Schöne?

4.22 Die Rudra-Shakti nimmt die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen in sich auf. Brahma, Vishnu und Rudra sind in sich stets jenseits der Gunas,

4.23 und doch, in ihrer Verbindung mit den Gunas, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Auch Ishvara ist eine große leblose Gestalt. Wie sollte bei Shivas Unbewegtheit tätige Herrschaft entstehen?

4.24 Wer selbst hervorbringt und wieder hinwegnimmt, ist ein Herr; anders ist dies nicht möglich. Das Paar von Hervorbringen und Hinwegnehmen findet sich im Unbewegten nicht.

4.25 Die Herrschaft liegt in Shiva, der Göttin, nicht in Shiva, dem unbewegten Gott. Eben deshalb ist Ishvara eine große leblose Gestalt.

4.26 Sadashiva ist eine große leblose Gestalt, ganz unbewegt, o Geliebte. Er ist unmanifest, höchste Glückseligkeit; die Göttin Shiva ist von der Glückseligkeit Brahmans erfüllt.

4.27 Ohne Shakti regt sich in Shiva nicht einmal eine innere Neigung, o Göttin. Darum verehre man den Sitz der großen leblosen Gestalten.

4.28 Das im Zentrum des Chakras stehende Bija ist die hohe Stätte Sadashivas. „Preta-Padmasana“, Lotussitz der leblosen Gestalten, im Dativ und mit dem Herzmantra versehen, ergibt das Mantra.

4.29 Dies ist das Mantra des großen Sitzes, dessen Silbenzahl durch „Kala“ bezeichnet wird. Nachdem du den Thron verehrt hast, vollziehe die Herbeirufung.

4.30 Nach dem Verlauf der führenden Nadi vergegenwärtige sie vom Wurzelzentrum bis zum Brahmarandhra: die Kraft des Bewusstseins, die allwissende Kulasundari.

4.31 Rufe Kulasundari in die Mitte des Chakras und erquicke sie mit der Darbringung. Die Mudras der Herbeirufung und die weiteren Gesten werde ich dir erklären, o Makellose.

4.32 Führe die erhobenen, aneinandergelegten Hände nach unten: Dies ist die Herbeirufungsgeste. Ihre Umkehrung gilt als die Geste des Einsetzens.

4.33 Zwei zusammengeführte Fäuste bilden die Geste des Gegenwärtigmachens. Fäuste, in denen die Daumen eingeschlossen sind, bilden die Geste des Festhaltens.

4.34 Werden bei derselben Geste die Zeigefinger ausgestreckt und nach rechts und links gedreht, so ist dies die Geste der Umhüllung.

4.35 Der vortreffliche Übende lege die Gliedermantras auf die Glieder der Göttin. Diese durchdringende Geste heißt Sankalikarana, Zusammenfügen zur Ganzheit.

4.36 Man führe beide Hände zusammen und verbinde die Daumen. Diese Geste heißt Paramikarana, Erhebung zum Höchsten.

4.37 Dann drehe man die Hände und verbinde jeweils Zeige- und Mittelfinger sowie die kleinen Finger und Ringfinger wechselseitig miteinander.

4.38 So wird die Kuh-Mudra beschrieben; sie bewirkt das Erfüllen mit Nektar. Nachdem man diese allgemein verwendeten Mudras gezeigt hat,

4.39 zeige man die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit entsprechend ihrer bekannten Form. Die linke Hand halte man flach wie ein Buch.

4.40 Diese Geste heißt Buch-Mudra und schenkt die Entfaltung der Rede. Wenn Zeigefinger und Daumen der rechten Hand zusammenkommen,

4.41 heißt dies Gebetsketten-Mudra und auch Erkenntnis-Mudra. Man schließe die rechte Hand zur Faust und krümme den Zeigefinger wie einen Haken.

4.42 Diese große Geste heißt Haken-Mudra und zieht die drei Welten an. Die beiden Zeigefinger bilde man, auf der linken Seite, zu einer Kette.

4.43 Dies heißt Schlingen-Mudra; sie vermag die drei Welten anzuziehen. Man forme die Hand so, als halte sie einen Bogen.

4.44 Dies ist die Bogen-Mudra, ausgeführt mit der linken Hand. Sodann forme man die Hand so, als halte sie einen Pfeil.

4.45 Dies heißt Pfeil-Mudra; sie schneidet die Schar der Feinde nieder. Die linke Handfläche forme man wie eine Schädelschale.

4.46 Die Schädelschalen-Mudra erfreut die Göttin stets. Werden beide Hände zur Gestalt eines Lotus geformt, entsteht die Lotus-Mudra.

4.47 Diese Lotus-Mudra gilt als Mehrerin von Glück und Wohlstand. Nachdem man so die Gesten der Attribute gezeigt hat,

4.48 bringe man Duftstoffe, Blumen, ungebrochene Reiskörner und weitere Gaben dar, stets zusammen mit einer Frau. Mit Ehrengaben und Schmuck erfreue man die höchste Herrin.

4.49 Man vergegenwärtige die zur Auflösung gehörigen Glieder im Körper und erquicke die Göttin vollständig. Danach folgt die Verehrung ihres Gefolges, beginnend mit den Gliedergestalten. [„Layanga“ ist hier eine knappe technische Bezeichnung.]

4.50 Im Anschluss an die Guru-Verehrung verehre man zunächst den eigenen Guru zwischen der östlichen und der mittleren Yoni. [Die Wiederholung der Guru-Verehrung steht so in der Vorlage.]

4.51 Für alle Vollendungen zeige man die besondere Mudra. Man drehe beide Hände und halte die Zeigefinger entsprechend zusammen. [Der Ausdruck „tarjanīvāhanī“ ist nicht eindeutig.]

4.52 Man ordne die Mittelfinger und verbinde dazwischen die Ringfinger miteinander; die kleinen Finger bleiben in ihrer Stellung.

4.53 Mit den beiden verbundenen Daumen gestalte man eine Yoni. Diese höchste Yoni-Mudra gilt als Mutter der drei Welten.

4.54 Ans Herz geführt, erregt sie die drei Welten. Am Mund heißt sie „Verflüssigerin der drei Welten“.

4.55 Zwischen den Augenbrauen zieht sie die drei Welten an. An der Stirn bringt sie die drei Welten unter ihren Einfluss.

4.56 Am Brahmarandhra berauscht sie die drei Welten. So zeige man die Yoni-Mudra, die fünf Gesten in sich enthält.

4.57 Danach verehre man den umgebenden Kreis der sechs Glieder rings um den Sitz: im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und in den Richtungen.

4.58 An der vorderen Ecke verehre man Rati, an der nördlichen Priti und an der südlichen Manobhava. Danach verehre man die Pfeile.

4.59 Zwei im Norden, zwei im Süden und einen vorn: In dieser Folge verehre man die fünf Pfeile, o Tochter des Berges.

4.60 Die fünf Kamas verehre man wie die Pfeile. Sodann Anangakusuma und Anangamekhala,

4.61 Anangamadana, Anangamadanatura, als fünfte Subhaga, danach Bhaga und Bhagasarpini,

4.62 und Bhagamala, vom Osten beginnend in den acht Yonis. Danach verehre man Brahmi und die anderen Göttinnen.

4.63 Auf den acht Blättern verehre man sie paarweise: Asitanga mit Brahmi, Ruru mit Maheshvari,

4.64 Chanda mit Kaumari, Krodha mit der Vaishnavi-Göttin, Unmatta mit Varahi, Kapalin mit Mahendri,

4.65 Bhishana mit Chamunda und als achtes Paar Samhara mit Mahalakshmi. So verehre man diese Paare, o große Göttin.

4.66 Vom Westen beginnend verehre man danach die acht heiligen Sitze: Kamarupa, Malaya, Kaulagiri,

4.67 Kulantaka, Cauhara, Jalandhara, Uddiyana und Devakuta: Dies ist die Folge der acht Sitze.

4.68 Sie sind an den Knotenpunkten, vom Westen ausgehend, zu verehren. Rings um den Dreizackbereich, im Kreis der Matrika,

4.69 verehre man zehn Bhairavas, wiederum vom Westen ausgehend: Hetuka, Vetala, unter ihnen Tripurantaka,

4.70 Agnijihva, Kalanta, Kapalin, Ekapada, Bhimarupa, Malaya und Hatakeshvara.

4.71 Nachdem man die zehn Bhairavas im Kreis der Mütter verehrt hat, verehre man im Quadrat die acht Weltenhüter:

4.72 Indra, Agni, Yama, Rakshasa, Varuna, Vayu, Kubera und Ishana, vom Osten beginnend.

4.73 Oben und unten verehre man Brahma und Vishnu. Man spreche das Bija Vam und füge an: „Verehrung dem Batuka.“

4.74 Man spreche das Bija Yam und füge an: „Verehrung den Yoginis.“ Man spreche das Bija Ksham und füge an: „Verehrung dem Hüter des Feldes.“

4.75 Man spreche das Bija Gam, setze Ganapati in den Dativ und füge Namah an. Vom Westen ausgehend sind sie in den Richtungen der Reihe nach zu verehren. [Die langen Vokale dieser vier Bijas sind im gesonderten Mantra-Abschnitt in IAST wiedergegeben.]

4.76 In den Zwischenrichtungen des Quadrats, beginnend im Nordwesten, verehre man die nun genannten Gruppen:

4.77 die Vasus, die zwölf Adityas, die Rudras und sämtliche Wesen, jeweils der Reihe nach.

4.78 Nach dieser Verehrung verehre man die Göttin mit den Ehrengaben. Wenn man das Chakra nach Norden gewandt verehrt,

4.79 gilt dabei der Norden als Osten. Verehrt man das Chakra nach Westen gewandt,

4.80 gilt dabei der Westen als Osten. Verehrt man es nach Süden gewandt,

4.81 gilt dabei der Süden als Osten, o Göttin, daran besteht kein Zweifel.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 4. Paṭala: „Verfahren der Reihenfolge der Tripureshvari-Puja“.

Fünfter Paṭala

Tripureshvari-Verehrung; Licht, Speise, Feueropfer und Bali.

5.1 Die erhabene Göttin sprach: Du hast das Verfahren der Kumari samt Mudras und Sitzen erklärt. Nun möchte ich von den Bali-Darbringungen und dem Weiteren hören, o Herr.

5.2 Ishvara sprach: Man lasse den Räucherduft sich gut ausbreiten und erinnere sich im Herzen an das Grundmantra: „Aus dem Saft der Bäume entstanden, reich an Duft, ist dies vorzügliches Räucherwerk,

5.3 bestimmt für alle Gottheiten. Möge dieses Räucherwerk angenommen werden.“ Mit diesem Mantra bringe man der Göttin den Duft dar.

5.4 „Die große Lampe strahlt hell und vertreibt überall die Dunkelheit. Sie ist das Licht außen und innen. Möge diese Lampe angenommen werden.“

5.5 Dies ist das Lampenmantra, das an die Vidya angeschlossen wird. Danach vollziehe man die Lichtzeremonie zur Erfüllung aller Anliegen.

5.6 Auf einem Teller aus Gold, Silber oder Bronze zeichne man mit Safran einen schönen achtblättrigen Lotus.

5.7 Man bereite die Darbringung mondförmig zu und stelle eine Lampe in die Mitte, acht weitere Lampen auf die acht Blätter. [Die Verbindung von „caru“ und „mastake“ ist in dieser Anweisung nicht ganz eindeutig.]

5.8 Die Schälchen fertige man aus Gerste, Weizen, Mungbohnen und anderen Zutaten, mit Zucker vermischt, mit den zugehörigen Zeichen versehen und mit Ghee gefüllt.

5.9 Man besprüche sie mit der Ratneshvari-Vidya. Zunächst setze man das Shri-Bija und das Para-Bija,

5.10 danach Ga, Sa, Ma, Pa und Na, jeweils auf Indra gesetzt, mit dem linken Ohr sowie Bindu und Nada verbunden. [Verschlüsselte Lautanweisung.]

5.11 Diese fünf Bijas sind die fünf Edelsteine. Mit den anfänglichen Bijas in umgekehrter Folge ergibt sich die neunsilbige Ratneshi-Vidya.

5.12 Nachdem man mit dem Grundmantra verehrt hat, vollziehe man Arati. Man hebe den Teller wiederholt bis zur Höhe des Kopfes,

5.13 neunmal, o große Herrin, und vollziehe die Lichtdarbringung: „Göttin, verbunden mit allen Chakras und ihren Herrinnen, Neungestaltige,

5.14 nimm diese meine Lichtdarbringung zu meiner Vollendung an.“ Dies ist das an die Vidya anzuschließende Mantra der Lichtzeremonie.

5.15 Bei der Lichtzeremonie wird die Chakra-Mudra verwendet. Man führe den rechten kleinen Finger in die Beugung des linken Daumens.

5.16 Den rechten Daumen lege man in die Beugung des linken kleinen Fingers. Diese wechselseitige Verbindung der Hände heißt Chakra-Mudra.

5.17 Nach dem Arati bringe man Speise dar: rein und durchsichtig wie Kristall, hell wie Mondstrahlen,

5.18 schön und weich gekochten Reis; dazu schmackhafte Zubereitungen mit Asafoetida, Kreuzkümmel, Pfeffer und frischem Ingwer,

5.19 safranfarbene Küchlein und goldschimmernden Milchreis, reich an Milch und mit viel Zucker versehen,

5.20 mit Ghee von einer braunen Kuh, ferner birkenrindendünne Fladen, in Zucker gewendet, und eine Suppe aus Mungbohnen,

5.21 verschiedene Getränke und zahlreiche Beilagen. Mit solchen Speisen und Säften gestalte der Verständige das Speiseopfer.

5.22 Oder er bringe Tripura eine im Geist gestaltete Gabe dar: „In einem goldenen Gefäß befindet sich diese köstliche, sorgfältig bereitete vorzügliche Speise,

5.23 fünffach und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen. Nimm sie an, höchste Herrin.“ Dies ist das Speisemantra, das an die Vidya angeschlossen wird.

5.24 Nach dem rituellen Umsprengen vollziehe man das tägliche Feueropfer. Mit dem Grundmantra bringe man der Reihe nach fünf Opfergaben dar.

5.25 Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana: Als deren Gestalt soll man die fünf Opfergaben erkennen.

5.26 Mit den sechs Gliedermantras bringe man sechs weitere Gaben dar. Dies heißt tägliches Homa. Danach vollziehe man das Verfahren der Bali-Darbringungen.

5.27 Im Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten gestalte man der Reihe nach vier Mandalas.

5.28 Rings um das Shri Chakra zeichne man Dreieck und Himmelsraum und verehre darin Batuka und die anderen mit den zuvor genannten Mantras. [„Himmelsraum“ ist hier eine technische Formbezeichnung.]

5.29 Man füge die Anrufung zusammen: „Komm, komm“, „Sohn der Göttin“, „Batukanatha“, „mit der Masse gelbbrauner Flechten“, „strahlender Dreiäugiger“,

5.30 „Flammenmund“, „vernichte, vernichte alle Hindernisse“, „diese mit allen Ehrengaben versehene Bali-Gabe nimm an, nimm an“.

5.31 Mit der „Gattin des Feuers“, Svaha, abgeschlossen, ist dies das Mantra Batukas. Auf diese Weise bringe man Batuka seine Bali-Gabe dar. [Die Vorlage beschreibt die Zusammensetzung; hier wird sie übersetzt, nicht als geprüfte Sanskrit-Rezitationsformel ausgegeben.]

5.32 „Ob oberhalb des Welteneies, im Himmel, im Luftraum, auf der Erde oder im Bereich ohne Teile; ob in der Unterwelt, im Feuer, im Wasser oder im Wind, wo immer sie sich aufhalten,

5.33 an heiligen Stätten, an Haupt- und Nebensitzen: Mögen die Göttinnen, erfreut durch Räucherwerk, Licht und diese heilbringende Bali-Darbringung, uns stets beschützen, sie, die von den Besten der Helden verehrt werden.“

5.34 Danach setze man das Bija Yam, „den Yoginis“ und Svaha. Am Ende sämtlicher Laute setze man nochmals das Wort Yogini,

5.35 dann die Schutzpanzer- und Waffenformel und wiederum Svaha. Mit diesem Mantra bringe man den Yoginis die Bali-Gabe dar. [Die Verknüpfung „sarvavarṇānte“ bleibt in der Vorlage mehrdeutig.]

5.36 Man schreibe Ksha, verbunden mit den sechs langen Vokalen; danach „Ort“, „Feld“, „Hüter“, „Räucherwerk, Licht und weitere Gaben“,

5.37 „zusammen mit dieser Bali-Gabe“, „nimm an, nimm an“. Mit Svaha abgeschlossen ist dies das Mantra des Kshetrapala.

5.38 Mit diesem Mantra erfolgt die Bali-Gabe an den Hüter des Feldes. Man setze die drei Bijas Gam, Gim und Gum und danach Ganapati in der angegebenen Kasusform,

5.39 dann „vorzüglich“, „Segensspender“, „alle Menschen“, „bringe unter meinen Einfluss“, gefolgt von

5.40 „mit allen Ehrengaben versehen“, „diese Bali-Gabe nimm an, nimm an“, und schließe mit Svaha. Mit diesem Mantra bringe man Ganapati die Bali-Gabe dar.

5.41 Mit linkem Daumen und Ringfinger bringe man Batukas Gabe dar. Zeigefinger und Ringfinger ordne man oberhalb des Mittelfingers,

5.42 in Yoni-Gestalt mit der linken Hand, für die Gabe an die Yoginis. Daumen, Mittel- und Ringfinger verbinde man in Yoni-Gestalt. [Die Abfolge zweier Gestenbeschreibungen bleibt nach der Vorlage bestehen.]

5.43 Man bilde die linke Faust und strecke den Zeigefinger gerade aus. Mit dieser Mudra erfolgt die Gabe an Kshetrapala.

5.44 Dann strecke man den mittleren Finger der Faust wie einen Stab aus. Mit dieser großen Elefantenrüssel-Mudra erfolgt die Gabe an Ganapati.

5.45 Oder man zeichne auf der linken Seite ein einziges Mandala und vollziehe darin die Bali-Darbringung zur Erfüllung aller Ziele.

5.46 Mit den Tattvas des Selbst, der Vidya und Shivas erquicke man Guru und Gottheit. Nachdem man sie erfreut hat, vollende man freudig alle Handlungen. [Die grammatische Verbindung der Tattva-Bezeichnungen ist in der Vorlage gedrängt.]

5.47 Auf diese Weise verehre man die höchste Herrin, die auf den fünf Thronen erhoben ist und deren Wesen höchste Glückseligkeit ist.

5.48 Beständig vergegenwärtige man die auf den fünf Thronen erhobene Kraft des Bewusstseins. Man wiederhole das Mantra hunderttausendmal je Silbe und bringe ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dar.

5.49 Ebenso vollziehe man die erquickende Darbringung; so werde man mit allem Glück gesegnet.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 5. Paṭala: „Verfahren der Tripureshvari-Verehrung“.

Hauptartikel und deutsche Übersetzung · IAST · Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Sechster Paṭala

Erklärung des östlichen Thrones.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

6.1 Die erhabene Göttin sprach: Wie befindet sich die höchste Tripura auf fünf Thronen? Erkläre, großer Herr, wie diese Throne beschaffen sind.

6.2 Ishvara sprach: Wie die erhabene Tripura Bala, so besteht auch Tripurabhairavi. Höre, o Reinen Geistes, von ihrer Form namens Sampatprada, der Reichtum Schenkenden.

6.3 Shiva und Mond stehen auf dem Feuer; darauf folgt Vagbhava. Ebenso wird Kamaraja mit Shiva und Mond verbunden,

6.4 mit dem Ende des Erd-Bija und mit Feuer versehen. Höre nun das dritte: In das Shakti-Bija füge man Shiva und Feuer ein,

6.5 mit dem Himmelsraum beginnend auf das Feuer gesetzt. Höre die Besonderheit: Bei der Kumari-Form lasse man den Sarga fort und setze den Bindu. [Verschlüsselte Lautanweisungen; die Zuordnung im letzten Halbvers bleibt knapp.]

6.6 Die Göttin Tripura Bhairavi schenkt großen Reichtum. Eine dieser Vidya ebenbürtige ist in den drei Welten schwer zu finden.

6.7 Sie ist unmittelbar von der Glückseligkeit Brahmans erfüllt und verleiht umfassende Herrschaft. Ich werde die Meditation über sie erklären, die große Fülle schenkt.

6.8 Sie leuchtet wie tausend kupferrote Sonnen; in ihrer hochgebundenen Haarflechte glänzt der Mond. An ihrer Krone funkeln Edelsteine und vielfältig angeordnete Perlen.

6.9 Sie trägt eine Reihe abgeschlagener Köpfe, von denen frisches Blut herabfließt. Drei Augen schmücken sie; ihr Gesicht gleicht dem Vollmond.

6.10 Perlenketten glänzen über ihren vollen, erhobenen Brüsten. Drei Falten zeichnen ihre schmale Mitte; vielerlei Schmuck ziert sie.

6.11 Sie trägt ein rotes Gewand und ist von jugendlichem Überschwang erfüllt. Links hält sie das Buch und zeigt Furchtlosigkeit, rechts hält sie die Gebetskette

6.12 und gewährt stets Segen. So vergegenwärtige man die große Fülle Schenkende. Nyasa, Puja und alles Weitere geschehen wie bei Kumari.

6.13 Die Göttin Tripura Bhairavi ist mit fünf Thronen verbunden. Höre vom ersten: Als Brahma zum Schöpfer wurde,

6.14 vermochte er dies, obwohl in sich ohne Bewusstseinsregung, durch die vollständige Verehrung der Göttin Tripura. So wurde er zum Urheber der Schöpfung.

6.15 Durch die Verehrung Brahmas mit großer Askese wurde Shakra König der Götter und Hüter der östlichen Richtung.

6.16 Da nahm die erfreute Tripura auf dem östlichen Thron Platz. Höre, ich werde diese auf dem östlichen Thron Ruhende erklären.

6.17 Man spreche das Vagbhava-Bija verbunden mit Jiva und Prana aus; sodann Sakala und Bhuvaneshani: Damit ist das zweite Bija bezeichnet.

6.18 Jiva und Prana, auf das Feuer gesetzt, mit dem Shakra-Vokal und Visarga versehen: Diese Vidya ist die Mutter der drei Welten.

6.19 Die Göttin bezaubert die drei Welten; ihr Wesen ist das Bewusstsein des höchsten Brahmans. Sie heißt Caitanyabhairavi, Bewusstseins-Bhairavi, die Bewusstheit im ungeteilten Shiva.

6.20 Sie strahlt wie tausend aufgehende Sonnen, trägt vielerlei Schmuck und in ihrer Krone die leuchtende Mondsichel; ihr Gewand ist rot.

6.21 Die Ewige hält Schlinge und Haken, links eine Schädelschale; Segen und Furchtlosigkeit schmücken sie, und ihre Brüste sind voll und erhoben.

6.22 So meditiere man über die Göttin auf dem östlichen Thron und verehre sie. Mit zweimaliger Wiederholung lege man die sechs Glieder auf und erfasse dabei ihre gesamte Gestalt.

6.23 Ihr Yantra, das die drei Welten bezaubert, werde ich erklären: ein Dreieck, ein Sechseck, ein achtblättriger Lotus,

6.24 und ein Quadrat mit vier Toren. So zeichne man das Mandala und rufe darin, wie zuvor, die große höchste Göttin herbei.

6.25 Danach zeige man die Mudras und verehre das Gefolge. Der erste umgebende Kreis besteht wie zuvor aus den sechs Gliedern.

6.26 Danach verehre man Rati und die übrigen wie zuvor. Vorn verehre man Vasanta, den Frühling, links Kamadeva,

6.27 in der rechten Ecke den Bogen und die Pfeile wie zuvor. Dakini, Rakini, Lakini, Kakini,

6.28 Shakini und Hakini verehre man vom Westen beginnend. Anangakusuma und die übrigen verehre man wie zuvor in den acht Blättern.

6.29 Man verehre Kuckuck und Kranich, Papagei und Wolke, Seitenblick und Brauenspiel, Hava und Bhava, die Gebärde und den inneren Ausdruck.

6.30 Die Weltenhüter beginnend mit Indra verehre man der Reihe nach. Damit ist die Verehrung am östlichen Thron erklärt.

6.31 Auch Kameshvari der Rudras befindet sich auf dem östlichen Thron. Von ebendieser Vidya nimmt man die beiden ersten Bijas,

6.32 fügt „Nityaklinne, Madadrave“ und danach das dritte Bija derselben Vidya an, o höchste Herrin der Rudras.

6.33 Verehrung, Meditation und Weiteres geschehen wie zuvor bei Caitanya. Im Dreieck gibt es eine Besonderheit, die ich dir erkläre:

6.34 Beginnend mit der vorderen Ecke verehre man Nitya, Klinna und Madadrava nach dem umgebenden Kreis der sechs Glieder, um alle Vollendungen zu erlangen.

6.35 Auf eben diese Weise verehre man die höchste Göttin Tripura Bhairavi, die auf dem östlichen Thron gegenwärtig ist.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 6. Paṭala: „Erklärung des östlichen Thrones“.

Siebter Paṭala

Rudrabhairavi-Verehrung auf dem zweiten Thron.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

7.1 Ishvara sprach: Durch die Verehrung dieser Mahatripurabhairavi wurde er zum Erhalter, obwohl er als leblose Gestalt in sich unbewegt ist.

7.2 Unter dem Anschein des Yogaschlafes zeigt sich seine unbewegte Leblosigkeit. Durch die Meditation über sie entstand in ihm selbst die Kraft, o Lotusäugige.

7.3 Nachdem Mahavishnu sie verehrt hatte, wurde Tripura, der den drei Welten Furcht einflößte, durch das Aghora-Antlitz besiegt. [Die Bezugnahme zwischen Vishnu und dem Aghora-Antlitz ist in dieser knappen Erzählung nicht eindeutig.]

7.4 Da nahm sie kraftvoll auf dem südlichen Thron Platz. Ihr Mantra, das die Last der Feinde abschneidet, werde ich erklären.

7.5 Shiva und Mond, das Ende des Madana-Zeichens, das Ende von Va, mit Feuer verbunden, von Shakti durchdrungen, mit Bindu, Nada und Kala versehen, und Vagbhava,

7.6 dazu eben das Kamaraja-Bija der Sampatprada Bhairavi sowie das Bija Sadashivas, der auf dem Thron gegenwärtig ist. [Die Formel wird durch verschlüsselte Lautangaben beschrieben.]

7.7 Wer vermöchte diese Vidya vollständig zu preisen? Ich werde ihre Meditation erklären, welche die Last der Feinde abschneidet.

7.8 Sie strahlt wie tausend aufgehende Sonnen, trägt den Mond auf dem Haupt und hat drei Augen. Mit vielerlei Schmuck geschmückt, vernichtet sie sämtliche Feinde.

7.9 Eine Kette bluttriefender Köpfe schmückt sie; ihr Gewand ist rot. Sie trägt Dreizack, Trommel, Schwert und Schild,

7.10 den Pinaka-Bogen und Pfeile, Schlinge und Haken, Buch und Gebetskette. Sie ruht auf dem Shiva-Thron.

7.11 Nachdem man so meditiert hat, bereite man das Verehrungsmandala: Dreieck, Kreis, einen im Kreis angeordneten achtblättrigen Lotus,

7.12 einen weiteren Kreis und die Umgrenzung der Erde. Dies ist das Tripura-Yantra. Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali,

7.13 Kaladhya, Baladhya, Vikarini, Balapramathini und die mit „Sarvabhuta“ beginnende,

7.14 mit „Damani“ und „Manonmani“ verbundene Göttin verehre man. Nach der Verehrung des Sitzes verehre man den Thron. [Die Trennung der letzten Göttinnennamen ist in der überlieferten Reihung nicht ganz eindeutig.]

7.15 Er hat die Gestalt der Aghora-Vidya, welche große Verfehlungen abschneidet. An „Aghore“ schließe man Vagbhava an, an „Ghore“ Bhuvaneshvari.

7.16 Man füge „Ghoraghoratarebhyah“, „Sarvebhyah Sarvasharvebhyah“ an und danach das Bija-Paar der Göttin.

7.17 Es folgen „Namaste astu“, „Rudrarupe“ und „Hsau“. Als dreiunddreißigsilbig wird diese Vidya beschrieben. [Die zuletzt genannte Lautfolge ist nach der Vorlage wiedergegeben; eine Korrektur wird nicht erschlossen.]

7.18 Mit diesem Mantra verehre der Verständige den Thron. Dann vollziehe er Herbeirufung und Weiteres und danach die Verehrung der Abfolge.

7.19 Zuerst folgt der Kreis der Glieder; diese verehre man mit zweimaliger Wiederholung. Nach der Verehrung der Dreiheit beginnend mit Rati verehre man Ananga und die übrigen.

7.20 Auf den acht Blättern verehre man die Paare beginnend mit Brahmi und die Mütter, im Erdkreis die Weltenhüter samt ihren Waffen.

7.21 So verehre man Rudrabhairavi, die auf dem zweiten Thron gegenwärtig ist.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 7. Paṭala: „Rudrabhairavi-Verehrung auf dem zweiten Thron“.

Achter Paṭala

Erklärung des westlichen Thrones.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

8.1 Ishvara sprach: Im Westen ist die höchste Göttin Bhairavi mit sechs Kutas gegenwärtig. Durch ihr Aufleuchten wird Shiva fähig, die Welt hervorzubringen und wieder aufzulösen.

8.2 Man nehme die Bijas von Dakini und Rakini sowie von Lakini und Kakini und verbinde sie mit Mond und Sonne.

8.3 Das erste verbinde man mit Ai, das andere schmücke man mit langem I. Das dritte Bija schreibe man mit dem Shakra-Vokal,

8.4 und versehe es mit Bindu, Nada und Kala. Diese Vidya befindet sich auf dem Rudra-Thron.

8.5 Ich werde ihre Meditation erklären, die alle Wesen überwältigt: Die Göttin leuchtet wie die junge Sonne und gleicht der Hibiskusblüte.

8.6 Sie ist mit einer Reihe abgeschlagener Köpfe geschmückt; ihr Gewand strahlt wie die junge Sonne. Ihre vollen, erhobenen Brüste gleichen goldenen Gefäßen.

8.7 Sie hält Schlinge, Haken, Buch und Gebetskette. So meditiere man über die Göttin und verehre sie mit geistigen Ehrengaben.

8.8 Mit zweimaliger Wiederholung vollziehe man die sechs Glieder. Für ihr Yantra zeichne man ein Dreieck und dessen umschließende Entsprechung,

8.9 außen einen achtblättrigen und einen zwölfblättrigen Lotus sowie ein Quadrat mit vier Toren. So zeichne man das Mandala.

8.10 Den umgebenden Kreis der sechs Glieder verehre man wie zuvor, die Dreiheit beginnend mit Rati im Dreieck.

8.11 Dakini und die übrigen verehre man im Sechseck, die Paare beginnend mit Brahmi auf den acht Blättern; danach auf den zwölf Blättern

8.12 die Sitz-Shaktis Balas beginnend mit Vama. Im Quadrat verehre man die Weltenhüter samt ihren Waffen.

8.13 So vollziehe man die Verehrung, um Lebensgenuss und Befreiung als Frucht zu erlangen. Nach eben diesem Verfahren verehre man auch Bhairavi namens Nitya,

8.14 die Ewige, die alles Glück und umfassende Herrschaft schenkt. Die sechs Laute dieser Vidya, die in einer bestimmten Folge stehen,

8.15 spreche man umgekehrt aus. Diese Vidya schenkt Lebensgenuss und Befreiung; sie ist Bhairavi namens Nitya, welche die Last der Feinde abschneidet.

8.16 Nyasa, Puja und alles Weitere vollziehe man bei ihr wie zuvor.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 8. Paṭala: „Erklärung des westlichen Thrones“.

Neunter Paṭala

Vidyas der Throne; Annapurna und Überlieferungsrichtungen.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

9.1 Ishvara sprach: Höre von der großen Vidya, die das erwünschte und innerlich vergegenwärtigte Ergebnis gewährt. Allein durch ihre Erkenntnis kann man zum Herrn der Welten werden.

9.2 Zuerst setze man Vagbhava mit Hamsa am Anfang; nach „Hasaka“ das Erd-Bija und Bhuvaneshani. Damit ist das zweite Bija bezeichnet.

9.3 Shiva und Mond, geschmückt mit dem Shakra-Vokal, mit Bindu, Nada und Kala versehen: Damit ist das dritte Bija bezeichnet.

9.4 Diese Vidya ist Bhuvaneshvarabhairavi. Mit ihrem mittleren Bija, durch die sechs langen Vokale unterschieden,

9.5 lege man die sechs Glieder auf. Man meditiere über die vierarmige Göttin, die Hibiskusblüte gleichend und wie eine Granatapfelblüte strahlend.

9.6 Die Mondsichel schmückt ihre Haarflechten; sie hat drei Augen und trägt rote Gewänder. Vielerlei Schmuck ziert sie; ihre Brüste sind voll und erhoben.

9.7 Sie trägt Schlinge und Haken und zeigt Segen und Furchtlosigkeit. So gedenke man der Glückverheißenden und verehre sie. Das Yantra gestalte man wie zuvor,

9.8 entsprechend dem Yantra der Caitanyabhairavi. Nach der Verehrung des Thrones folgt die Verehrung des Gefolges.

9.9 Den umgebenden Kreis der sechs Glieder verehre man wie zuvor, danach Rati und die anderen im Dreieck.

9.10 Ebendort sind Brahma, Vishnu und Rudra zu verehren; ebenso Dakini und die übrigen. Danach auf den acht Blättern

9.11 Anangakusuma und die weiteren Göttinnen sowie die Paare beginnend mit Brahmi. Im Erdkreis verehre man die Weltenhüter und Batuka mit den übrigen.

9.12 Man verehre die vierundsechzig Yoginis. Weil Kubera der Freund Sadashivas ist,

9.13 und diese Göttin angerufen hat, wurde er zum König der Könige. Von ihm wurde die Vidya Gauri erbeten, die strahlende Frucht schenkt.

9.14 Sie heißt Annapurneshvari und schenkt den Rechtschaffenen alle Fülle. Durch diese Vidya wurde Kubera zum Herrn des Reichtums.

9.15 Unter allen Weltenhütern besitzt er durch ihre Gnade beständige Fülle an Besitz und Edelsteinen und ebenso Fülle an Nahrung.

9.16 Annapurna ist unmittelbar die wunscherfüllende Kuh, o Tochter des Berges. Ihr Mantra, das alle Vollendungen schenkt, werde ich erklären.

9.17 Man setze den Urlaut, Bhuvaneshani, das Shri-Bija und Kamaraja, danach die Herzformel, „Bhagavati“, „Maheshvari“

9.18 und „Annapurne“, abgeschlossen mit Svaha. Dies ist die zwanzigsilbige Vidya. Keine ihr gleiche Vollendung schenkende Vidya gibt es auf Erden.

9.19 Mit Bhuvaneshani, unterschieden durch sechs lange Vokale, vollziehe man die sechs Glieder nach dem vorbereitenden Nyasa von Seher und Versmaß.

9.20 Der Seher dieses Mantras ist Brahma, das Versmaß Pankti, als Gottheit wird Annapurneshvari genannt.

9.21 Das Bija ist Bhuvaneshani, die Shakti das Shri-Bija, der Verschluss Kamaraja. Nach den sechs Gliedern

9.22 folgt die Einteilung der Mantraworte in eins, eins, eins, eins, zwei, vier, vier, vier und zwei Silben.

9.23 Diese neun Abschnitte lege man auf die neun Öffnungen des Körpers, vom Kopf bis zum After, und sodann wieder auf dieselben Stellen,

9.24 vom After bis zum Brahmarandhra. Der Reihe nach auf Brahmarandhra, Mund, Herz und Muladhara

9.25 lege man die vier Bijas und die übrigen auf die weiteren Stellen. Danach vollziehe man vorschriftsgemäß den Golaka-Nyasa.

9.26 Man übe Pranayama und zeichne das Verehrungsmandala: ein Dreieck, einen vierblättrigen und danach einen achtblättrigen Lotus,

9.27 einen sechzehnblättrigen Lotus und die Erdumgrenzung mit vier Toren. Rings um den Thron verehre man die Göttinnen des Sitzes.

9.28 Die beim südlichen Thron genannten Herrinnen des Sitzes, beginnend mit Vama, verehre man auch hier.

9.29 Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita, Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und Mangalatmika,

9.30 die neunte, die höchste Herrin: Sie befinden sich beim Thron. Man rufe die Göttin herbei und verehre sie, gesammelt in ihrer Meditation.

9.31 Sie strahlt in der Farbe glühenden Goldes; der junge Mond schmückt ihr Haupt. Ihre Krone leuchtet im Glanz der neun Edelsteine; sie ist safranrot.

9.32 Sie trägt bunte Gewänder, hat berauschende Augen und drei Augen insgesamt. Ihre vollen, erhobenen Brüste gleichen goldenen Gefäßen.

9.33 Sie schaut auf ihn, der weiß wie Kuhmilch ist, fünf Gesichter und drei Augen hat, dessen Gesicht freundlich und dessen Wesen friedvoll ist und dessen Hals blau leuchtet,

9.34 der Flechten trägt, mit glänzenden Schlangen geschmückt und weiß wie Jasmin ist und voller Freude tanzt. Ihn erblickend ist die Höchste von Glück erfüllt.

9.35 Freudig bewegen sich ihre Augen; ihre Hüften tragen einen Gürtel. Beständig ist sie dem Schenken von Nahrung zugewandt, begleitet von Bhumi und Shri.

9.36 So meditiere man über sie und verehre den Kreis der sechs Glieder im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und in den Richtungen.

9.37 Nun erkläre ich die Verehrung des Dreiecks. Man setze den Urlaut, das Prasada-Bija, die Herzformel und „Shivaya“.

9.38 Mit dieser siebensilbigen großen Vidya verehre man den tanzenden Ishvara an der vorderen Ecke des Dreiecks.

9.39 Man spreche „Om Namah“, danach „Bhagavate“, „Varaharupaya“ und den Herrn von Bhur, Bhuvah und Svah,

9.40 im Dativ, ferner „Bhupati“, „gib mir“ und „lasse geben“, abgeschlossen mit Svaha. Dies ist das Mantra Varahas. [Die Wortverbindung der Bitte ist in der Vorlage nicht eindeutig.]

9.41 Mit dieser Vidya verehre man ihn an der linken Ecke. Man spreche „Om Namah“ und setze Narayana in den Dativ.

9.42 Narayana verehre man an der rechten Ecke. Links und rechts sind ferner Bhumi und Shri zu verehren,

9.43 mit einem Mantra, das ich dir erkläre: „Om Namo“, „Nahrung“, „gib mir“, „dem Herrn der Nahrung“,

9.44 wieder „Nahrung“ und „lasse geben“, abgeschlossen mit Svaha. Diese Formel fasse man ein,

9.45 der Reihe nach mit Glaum und dem Rama-Bija, links und rechts. Danach verehre man auf den vier Blättern, vom Westen beginnend,

9.46 mit dem Urlaut die Para-Vidya, mit ihrem eigenen Bija Bhuvaneshi, mit Rama Kamala und mit Kama Subhaga.

9.47 Auf den acht Blättern verehre man Brahmi und die übrigen, vom Westen ausgehend. Auf den sechzehn Blättern die sechzehn Kalas, welche den Mondkreis bilden:

9.48 Amrita, Manasi, Pushti, Tushti, Priti, Rati,

9.49 Shri, Hri, Svadha, Ratri, Jyotsna, Haimavati, Chaya, Purnima, Nitya und als sechzehnte Amavasya.

9.50 Sie sind mit den übrigen Lauten und der angefügten Bezeichnung Annapurna zu verehren. Im Quadrat verehre man der Reihe nach die Weltenhüter.

9.51 So vom Herrn des Nordens recht verehrt, schenkt sie Nahrung und Gold. Durch ihre eigene Kraft macht sie den Herrn des Reichtums zum König der Könige.

9.52 Die vollendete Vidya schenkt Vollendung; selbst mir gibt sie Nahrung, o Geliebte. Nun wird eine weitere Form der Bhuvaneshvarabhairavi erklärt.

9.53 Mit Sa und Ha am Anfang ist sie Sakaleshvari. Meditation, Verehrung und alles Weitere geschehen bei ihr ebenso.

9.54 Dieser Thron befindet sich im Norden, o Schöne. Erkenne ferner Sampatprada Bhairavi als Kauleshabhairavi.

9.55 Jene Bhairavi hat Ha, Sa und Ra am Anfang ihrer drei Bijas; diese dagegen Sa, Ha und Ra. Verehrung und Meditation sind entsprechend.

9.56 Lässt man bei den Anfangs- und Endteilen dieser Vidya das Ra fort, so heißt sie Sakalabhairavi.

9.57 Ihre Meditation und Verehrung erfolgen wie bei Sampatprada Bhairavi. Mahatripurabhairavi besteht aus den fünf Thronen.

9.58 Der Thron ist mit den Vidyas der vier Überlieferungsrichtungen zu ehren. Man spreche Hasrim und Sahrim aus,

9.59 ferner Shakti und Sakalahrim: So sind vier Bijas genannt. Man mache das Shri-Bija zum dritten; daraus entsteht die viersilbige Nitya. [Die Anweisung nennt mehr Lautbestandteile, als sich ohne Deutung eindeutig zur angegebenen Silbenzahl verbinden lassen.]

9.60 Diese Vidya heißt Unmani und schenkt Lebensgenuss und Befreiung. Sie ist die große Vidya der östlichen Überlieferung. Nun folgt die südliche.

9.61 Man spreche das Vagbhava-Bija, „Klinne“, das Kama-Bija, „Madadrave Kule“ und „Hasrau“: Dies ist die Vidya Bhogini.

9.62 Dies ist die Vidya der südlichen Überlieferung. Nun die westliche: Vagbhava, Para, Shri und „Hasakhaphrom“,

9.63 und danach die Lautfolge „hasraubhastās“: Diese gelten als fünf Pranavas. Man setze „Bhagavati Amba“ und, als gesondertes Wort, „Ishvari“. [Die letzte der als Pranavas bezeichneten Folgen ist textlich unsicher.]

9.64 Dann den vierten Pranava, hier als „Hasakaphrom“ geschrieben, „Kubjike“, „Hasram“, „Hasrim“ und „Hasrau“.

9.65 Es folgen „Aghore“, „Ghore“, „Aghoramukhi“, „Hasram“, „Hasrim“, zweimal „Kini“ und „Vicce“: Die Vidya wird als zweiunddreißigsilbig bezeichnet.

9.66 Mit den zuvor genannten Pranavas eingefasst vergegenwärtige man sie: Dies ist die große Vidya Kubjika, die Gottheit der westlichen Überlieferung.

9.67 Man spreche „Khaphrem“, danach „Mahacanda“ und „Yogeshvari“: Dies ist die Vidya Kalika.

9.68 Diese Vidya der nördlichen Überlieferung ist unter dem Namen Kali bekannt. Mit diesen Vidyas ist der Thron stets zu verehren.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 9. Paṭala: „Verfahren der Thron-Vidyas“.

Zehnter Paṭala

Handreinigung, Sitze, Herbeirufung, Meru, Shri Chakra und sechs Wege.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

Zu 10.49–68: Die knappe geometrische Sprache ist stellenweise mehrdeutig. Die folgende Übersetzung bildet ihren Wortlaut ab; eine geprüfte zeichnerische Rekonstruktion ist damit nicht verbunden.

10.1 Die erhabene Göttin sprach: Zwei Formen Tripuras hast du offenbart. Du sprachst aber von drei Formen; erkläre nun die dritte, Shankara.

10.2 Ishvara sprach: Was die Gestalt des höchsten Brahmans hat, aus Nada und den drei Bindus besteht und Shiva und Shakti umfasst, werde ich dir erklären.

10.3 Sie durchdringt die Welt und Shiva selbst. Zuvor wurde sie anhand der Gunas erklärt; höre nun von ihrem Wesen als Shiva und Shakti.

10.4 Die Matrika von Ha bis Sa ist die unvergängliche Shakti. Der Laut Ha wird als Shiva allein bezeichnet.

10.5 Durch Anfangs- und Endlaut bin ich das Wesen von allem. Was durch die Matrika-Laute ausgedrückt wird, das alles bin ich, o Herrin.

10.6 Ha ist stets unvergänglich und von der Gestalt der Leere. Sa hat das Wesen der Shakti, bezeichnet das Höchste und ist mit Visarga versehen.

10.7 Weil sie Ursache des Hervorgehens ist, heißt sie Shakti. Die Vereinigung offenbart das Selbst durch das Wort „Ich bin Das“.

10.8 Durch die Vereinigung der drei Bindus ist sie Mahatripurasundari. Als Nada hat die Göttin die Gestalt der Hälfte des Ha-Lautes.

10.9 Weil Ha Shivas Gestalt ist, ist die große Shakti seine Hälfte und damit die Hälfte des Ha-Lautes.

10.10 Darum heißt die große Vidya Mahatripurasundari auch Nitya, die Ewige: die höchste Herrin, die Kraft des Bewusstseins.

10.11 Durch die Gnade des Gurus mit der Überlieferungslinie verbunden, erhebe man sich früh und verneige sich vor dem Guru unter Nennung der zugehörigen Namen.

10.12 Der Mantrakenner vollziehe die Dämmerungsriten, Waschung und Weiteres. Er kleide sich festlich und schmücke sich mit Kampfer, Safran

10.13 und kostbarem Sandelholz; sein Körper strahle, von Safran gerötet. Er trage Schmuck aus neun Edelsteinen und ein rotes Gewand.

10.14 Mit vom Betel gerötetem Mund und von berauschendem Getränk erfreutem Geist betrete er die Opferhalle, die mit Lackzeichnungen vielfältig verziert ist,

10.15 erfüllt von Räucherwerk und ausgestreuten Blumen, mit Kuhdung bestrichen und mit einem schönen Blumenbaldachin versehen.

10.16 Auf einem schönen, weichen, glatten Sitz niedergelassen, erschließe er die Mantraformeln zur Erfüllung aller Anliegen.

10.17 Zuerst spreche man Vagbhava, als zweites Kamaraja und als drittes das dritte Bija Kumaris: Dies ist die höchste Tripura.

10.18 Die erste Vidya reinigt die Hände. Die zweite ist Kumari, Tripureshi, o große Herrin.

10.19 Man lasse das erste Bija Tripureshis fort und setze Bhuvaneshi ein. Damit errichte man den Sitz des Selbst, mit Tripureshi die sechs Glieder.

10.20 Wenn die drei Bijas Tripureshis mit Ha verbunden sind, erkenne darin Tripuravasini, die auf dem Chakra-Sitz gegenwärtig ist. [Die Lesung „hasthitā“ ist knapp und nicht ganz eindeutig.]

10.21 Bei Tripureshi verbinde man Vagbhava und Kamaraja mit Shiva und Mond, das dritte Bija mit Shiva.

10.22 Dies ist Tripurashri, die auf dem Sitz aller Mantras gegenwärtig ist. Bei der Form auf dem Sitz des Selbst lasse man das dritte Bija fort,

10.23 und setze Blem ein: Auf dem Sitz des zu Vollbringenden und des Vollendeten befindet sich Tripuramalini. Höre nun von Tripura namens Siddha.

10.24 Bhuvaneshi mit Shri und der vorzüglichen Kumari wird als Gestalt-Vidya bezeichnet; Maya, Lakshmi und Para sind darin gegenwärtig.

10.25 Mit dieser Vidya verehre man Tripurasiddhika. [Der Abschnitt ab der zweiten Hälfte von 10.23 steht in der Vorlage in Klammern.] Die beiden Bijas von Maya und Lakshmi und als drittes das Shakti-Bija

10.26 bilden Tripuradyambika, die als achte genannt wird. Beim dritten Bija der Sampatprada Bhairavi

10.27 entferne man den Bindu und setze den Visarga ein. Damit vollziehe man die Herbeirufung, o von Göttern Verehrte.

10.28 Als Gestalt-Vidya werden Maya, Lakshmi und Para bezeichnet. Mit dieser Vidya verehre man Tripurasiddhida. [Die Vorlage wiederholt hier weitgehend 10.24–25 und verzeichnet am Wortende eine Korrekturalternative.]

10.29 Dies ist die Gestalt-Vidya zur Herbeiführung Siddhambas. Höre nun die Grundvidya, welche alle Agamas verehren,

10.30 die alle Lehrwege ehren: die unvergängliche Kraft des Bewusstseins. Erde, Mond, Shiva, Maya, Shakti, der dunkle Weg, Madana,

10.31 Halbmond und Bindu bilden den neunlautigen Meru. Die Mantras Mahatripurasundaris gehen aus diesem Meru hervor.

10.32 Aus La entsteht die Erde mit ihren Bergen, Wäldern und Hainen, ausgestattet mit den fünfzig heiligen Sitzen und allen Pilgerstätten,

10.33 mit allen heiligen Strömen und heiligen Orten. Aus Sa entsteht die Gestalt von Mond, Sternen, Planeten und Tierkreiszeichen.

10.34 Aus Ha ist sie in der Sphäre des Raumes gegenwärtig, mit Shiva verbunden. Aus langem I ist sie Maya, die Schöpferin des Universums, deren Wesen Turiya ist.

10.35 Aus E ist sie die Vaishnavi-Shakti, der Erhaltung der Welt zugewandt. Aus Ra ist sie von Feuerkraft erfüllt, die Gestalt des höchsten Lichtes.

10.36 Aus Ka schenkt sie Wünsche, nimmt die Gestalt des Verlangens an und leuchtet unvergänglich. Durch den Halbmond heißt sie Ursprung des Universums.

10.37 Durch den Bindu, der Shiva und Leere ist, ist sie die Zeugin. Mit ihr besteht überall Durchdringung, im Wesen des Selbst Unbewegtheit.

10.38 So hat sie durch diesen Meru die Gestalt des höchsten Brahmans. Aus diesen neun Lautbestandteilen entsteht das Mantra Tripuras.

10.39 Anders kommt das Mantra der Shri Tripura nicht zustande. Auch das Shri Chakra hat Meru-Gestalt, daran besteht kein Zweifel.

10.40 La ist das Erd-Bija; dadurch wird die Erdumgrenzung bezeichnet. Sa ist der Mond mit seinen sechzehn Kalas,

10.41 daher der sechzehnblättrige Lotus. Ha ist Shiva in acht Gestalten, daher der achtblättrige Lotus.

10.42 Langes I ist Mahamaya, die Höchste, welche die vierzehn Welten erhält; daher der vierzehnwinklige Kreis.

10.43 Shakti, an elfter Stelle stehend, bringt die drei Welten hervor. Sie heißt Weltenschoß; als Vishnu hat sie zehn Gestalten.

10.44 Aus Ra entfaltet sie sich und durchdringt das Chakra. Weil Ra das unvergängliche Licht ist, bringt es den zehnwinkligen Kreis hervor.

10.45 Das Feuer mit seinen zehn Kalas bildet den zehnwinkligen Kreis. Aus Ka entsteht Madana; Shiva hat acht Gestalten.

10.46 Im Chakra ist dies auf die Yoni bezogen und mit acht Yonis versehen. Die halbe Lautdauer bringt die Gunas hervor, weil sie Nada-Gestalt hat,

10.47 daher die dreieckige Yoni. Durch den Bindu entsteht der zentrale Punktkreis: die Gestalt Kameshvaras, welche die Gestalt des Universums umfasst.

10.48 Das Shri Chakra geht aus dem Meer der Shri Vidya hervor. Nach Osten gewandt sitzend, zeichne man diesen König der Chakras.

10.49 Auf einer geeigneten ebenen Bodenfläche zeichne man das Chakra mit Zinnober- oder Safranpulver.

10.50 Seine Linien seien gerade, schön anzusehen und an den Schnittpunkten gleichmäßig. Oder man fertige aus Gold, Silber, Kupfer oder mehreren Metallen

10.51 eine Platte, lege sie auf eine Unterlage aus hellem oder rotem Sandelholz und zeichne mit einem goldenen Schreibgerät.

10.52 Mit Gorochana, Safran, Moschus, Sandelholz und Kampfer ziehe man eine gerade Linie vom Nordosten zum Südosten.

10.53 Von deren beiden Endpunkten ziehe der Lehrer Linien und vereinige sie im Westen: Dies ist die höchste Shakti-Linie.

10.54 Sie ist dreieckig. Darüber zeichne man ein weiteres Dreieck: Damit sind zwei Shaktis bezeichnet.

10.55 Im vorderen Spitzenbereich der ersten Shakti zeichne man, wie mit einem Messstab, eine Linie zum nordwestlichen und südwestlichen Eckbereich.

10.56 Nach dem Verfahren der Schnittpunkte ziehe man von den Ecken beider Shaktis weitere Linien und richte deren Spitzen nach Osten aus.

10.57 Dies ist das nach Osten gerichtete Feuer-Mandala. Dort entsteht die Dreiheit der Chakras. Höre weiter.

10.58 Von den nordöstlichen und südöstlichen Ecken der ersten Shakti verlängere man die östliche Linie, ebenso vom westlichen Feuerdreieck aus.

10.59 Von den nordwestlichen und südwestlichen Ecken verlängere man die nach Westen gehende Linie und verbinde sie entsprechend dem Verfahren der Schnittpunkte.

10.60 Man führe sie im Osten von Süden und Norden zur Yoni-Spitze; ebenso die beiden zum Feuer gehörenden Linien der Reihe nach im Westen.

10.61 Durch die Verbindung der Eckspitzen entsteht ein zehnwinkliger Kreis. Ebenso entsteht der zweite zehnwinklige Kreis.

10.62 Man verlängere die zum Nordosten und Südosten gehenden Linien von den Spitzen der vorderen Yoni und verbinde sie anschließend nach Westen.

10.63 Die an den nordwestlichen und südwestlichen Ecken verlaufenden Linien verlängere man und verbinde die westlichen Spitzen mit den nach Osten gehenden.

10.64 Die schöne Linie berühre an einem Punkt die vordere Eckspitze. Man verbinde sie so, dass der zehnwinklige Kreis entsteht.

10.65 Auf der rechten Seite lasse man vier Ecken aus und bringe innerhalb des zehnwinkligen Kreises zwei Linien in der Mitte hervor.

10.66 Zwei liegen im südlichen und ebenso im nördlichen Bereich. Danach verbinde man entsprechend den Schnittpunkten des Sechsecks

10.67 Yoni und Feuer, wodurch die beschriebene Gestalt entsteht. Die durch die mittleren Bereiche laufenden Linien verbinde man gerade. [Das hier stehende „śakāra“ ist in der geometrischen Beschreibung nicht sicher zu deuten.]

10.68 So entsteht die sehr schöne geradlinige Form: fünf Shakti-Spitzen in Gegenrichtung und vier Feuerdreiecke nach Osten gerichtet.

10.69 Bindu, Dreieck und achtwinkliger Kreis sind die Mitte des Chakras; ferner das Paar der zehnwinkligen Kreise.

10.70 Der mit vierzehn Yonis versehene Kreis liegt im äußeren mittleren Bereich. Dieses Chakra mehrt alles Glück.

10.71 Es schenkt umfassende Herrschaft, vernichtet alle Bedrängnis und bringt Fülle an Edelsteinen, Rubinen und Gold.

10.72 Es gewährt die große Befreiung und entfaltet die Gabe der Rede. Außen herum zeichne man einen vollmondgleichen Kreis,

10.73 verbunden mit einem schönen achtblättrigen Lotus. Danach zeichne man den sechzehnblättrigen Lotus.

10.74 Außen herum folgt die mit der Matrika verbundene Umgrenzung und ein Quadrat mit vier Toren.

10.75 Vierundsechzig Millionen machtvolle Yoginis sind in diesem Chakra gegenwärtig und ehren den Übenden.

10.76 Das Quadrat ist zur Vollendung mit Matrika-Lauten geschmückt, mit Perlen und Rubinen gestaltet und auf ebenem Grund strahlend.

10.77 Es heißt „Bezauberung der drei Welten“ und schenkt die Frucht des Wunschbaumes. Der sechzehnblättrige Kreis hat die Gestalt des Mondes und umfasst alles.

10.78 Er heißt „Erfüllung aller Hoffnungen“ und lässt Nektar regnen. Der achtblättrige Lotus gleicht der Hibiskusblüte,

10.79 heißt „Erregung von allem“ und erfüllt alle Wünsche. Diese drei bilden das glückbringende Schöpfungs-Chakra,

10.80 geschmückt mit der herrschenden Göttin der östlichen Überlieferung und alle Vollendungen schenkend. Der vierzehnwinklige Kreis strahlt wie eine Granatapfelblüte,

10.81 gewährt unendliche Frucht und alles Glück. Der zehnwinklige Kreis leuchtet wie glühendes Gold und gleicht Zinnober,

10.82 heißt „Vollbringer aller Ziele“ und schenkt, was der Geist vergegenwärtigt. Der zweite zehnwinklige Kreis gleicht der Hibiskusblüte,

10.83 heißt „Gewährer allen Schutzes“ und ist von hoher Erkenntnis erfüllt. Diese drei bilden das glückbringende Erhaltungs-Chakra,

10.84 verehrt in der südlichen Überlieferung und die erwünschte Frucht schenkend. Der achtwinklige Kreis ist rot wie die Strahlen der jungen Sonne,

10.85 glänzt wie Rubin und nimmt alle Krankheiten hinweg. Das wie tausend aufgehende Sonnen und die Bandhuka-Blüte strahlende

10.86 Dreieck heißt „Gewährer aller Vollendungen“, ist die Stätte von allem, Ursache alles Hervorgehens und schenkt stets Gedeihen.

10.87 Der höchste Bindu-Kreis ist „von aller Glückseligkeit erfüllt“. Er ist von Sadashiva erfüllt und der Herr der Chakras.

10.88 Dieser Bereich ist von der Gestalt der Rücknahme und stets Brahman. Er wird in der westlichen Überlieferung verehrt; die Dreiheit wird auch in der nördlichen verehrt. [Der Bezug der abschließenden Dreiheit ist nicht ausdrücklich erläutert.]

10.89 In diesem Chakra sind die sechs Wege gegenwärtig. In den Blättern des Chakras befindet sich der Weg der Worte.

10.90 An den dreifachen Schnittpunkten befindet sich der Weg der Welten. Den Weg der Laute, der die Gestalt der Matrika hat, werde ich erklären.

10.91 Die acht Lautgruppen der Matrika sind der Reihe nach in den Richtungen gegenwärtig. Erkenne die Erdumgrenzung als von ihnen erfüllt, den sechzehnblättrigen Kreis als die Kalas.

10.92 Der achtblättrige Kreis trägt die Laute von Ka bis Ksha in Haupt- und Zwischenrichtungen. Die vierzehn Laute von Ka bis zum retroflexen Dha stehen in den vierzehn Winkeln.

10.93 Die zehn Laute von retroflexem Na bis Bha stehen im ersten zehnwinkligen Kreis; die Laute von Ma bis Sha im zweiten. [Die hier angegebene Reihe ergibt ohne weitere Zuordnung keine eindeutige Zehnergruppe.]

10.94 Acht Laute stehen in den acht Winkeln. Im Dreieck stehen die mit A, Ka und Tha beginnenden Reihen; in der Mitte das Paar Ha und Ksha.

10.95 So ist der Lautweg erklärt, der die Gestalt des Matrika-Sitzes hat. Entsprechend seiner Grundlage ist das Chakra mit sechsundzwanzig Tattvas erfüllt.

10.96 Dies ist der Tattva-Weg, von der Gestalt der Wirklichkeitsprinzipien. Der Weg der Kalas ist durch die Ordnung des Chakras auf den fünf Thronen erhoben.

10.97 Mahatripurasundari mit Bala und Bhairavi entfaltet sich im Chakra, verbunden mit den Anteilen Tripuras und Tryambikas.

10.98 Dies wird als Mantra-Weg bezeichnet. So betrachte man das Shri Chakra, rein durch die sechs Wege.

10.99 Wenn man das Chakra nach Norden gewandt errichtet, gilt dabei der Norden als Osten.

10.100 Die nordöstliche Ecke gilt dann als südöstliche. Errichtet man das Chakra nach Westen gewandt,

10.101 gilt der Westen als Osten, der Nordwesten als Südosten und der Nordosten als Südwesten.

10.102 Errichtet der Mantraübende das Chakra nach Süden gewandt, gilt diese Richtung als Osten und die südwestliche Ecke als Südosten.

10.103 Dieses Chakra hat Meru-Gestalt und wird aus den Lauten der Shri Vidya erschlossen. Es umfasst alle Agamas: So wurde es dir erklärt.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 10. Paṭala: „Darlegung der Vidya der Handreinigung, der vier Sitz-Vidyas, der Herbeirufungs-Vidya, der Verehrungs-Vidya, der Meru-Gestalt, der Gestaltung des Shri Chakra und der sechs Wege“.

Elfter Paṭala

Neunlautiger Meru und Tripura-Mantra.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

11.1 Ishvara sprach: Durch diese Laute wird nun Tripura erklärt. Dieser große neunlautige Meru ist die Kugel des Welteneies.

11.2 Quadrat, Bogen, Dreieck, dessen Umfassung, Gesicht und das Stützlose: So ist dir dieser Kreis des Welteneies erklärt. [Die Aufzählung ist knapp und lässt einzelne geometrische Bezüge offen.]

11.3 La ist das Quadrat, weil es das Erd-Bija ist. Die halbe Lautdauer ist der Bogen, der strömenden Nektar regnen lässt.

11.4 Das Feuer ist dreieckig; durch die Dreiecksform ist es die höchste Shakti. E, Ra und langes I bilden die Dreiheit.

11.5 Als Verwandlung der Maya hat sie das Sechseck zur Grundlage. Ha hat die Gestalt des Raumes, und der Bindu befindet sich im Gesichtskreis.

11.6 Kama ist als Wollen überall gegenwärtig. Deshalb wird dieses Meru-Mandala durch Madana erklärt.

11.7 Höre, ich werde das als Kameshvari geltende Bija erklären. Sakala und Bhuvaneshani bilden das höchste Kameshi-Bija.

11.8 Hierdurch werde ich insbesondere alle Vidyas erklären. Der Shakti-Laut ist der vierte; er befindet sich zwischen Ka und La,

11.9 und bildet das fünfsilbige Vagbhava. Nun Kamaraja: Madana mit Shiva und Mond am Anfang und Shiva am Ende,

11.10 ist das sechssilbige Kamaraja, das alles bezaubert. Das mit dem Mond beginnende Shakti-Bija schenkt alle Vollendungen,

11.11 und besteht aus vier Lauten. So ist die höchste Tripura dreiteilig; sie umfasst alle Pilgerstätten und hat die Gestalt aller Gottheiten. [Die Vorlage nennt sie hier „dreisilbig“, obwohl die zuvor genannten Gruppen fünf, sechs und vier Laute umfassen.]

11.12 Die Vidya umfasst alle Lehrschriften; die Höchste umfasst alle Wege des Yoga. Sie ist die Bewusstheit aller Opfer und die Gestalt aller Erkenntnis.

11.13 Sie umfasst unmittelbar alle Gottheiten und ist schön durch alles Glück. Durch ihre Verehrung wurde Kama an allen Gliedern schön.

Unnummerierter Abschluss nach 11.13: Er wurde Kamaraja, König des Verlangens, o Göttin. Diese Ewige hat die Gestalt Brahmans.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 11. Paṭala.

Zwölfter Paṭala

Darlegung verschiedener Tripurasundari-Vidyas.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

12.1 Die erhabene Göttin sprach: Herr der Götter, erkläre die verschiedenen Formen dieser Vidya. Von wem wurde sie jeweils verehrt? Erhelle dies seinem Wesen nach.

12.2 Ishvara sprach: Höre von der vorzüglichen Form namens Lopamudra. Bei der Vidya namens Kamaraja lasse man Shakti und den vierten Laut fort,

12.3 und setze Shiva und Mond an den Anfang: So wird Lopamudra offenbart. Es ist die von Agastya verehrte Vidya, welche die drei Welten erregt.

12.4 Diese Vidya ist auch von Kamaraja verehrt, daran besteht kein Zweifel. Dieses Vidya-Paar ist in den drei Welten schwer zu erlangen.

12.5 Anhand des Vagbhava-Teils der Kamaraja-Vidya werde ich die Bildung einer weiteren Formel erklären: Zwischen Shakti und Madana

12.6 setze man Shiva im Vagbhava; Kamaraja beginne mit Shiva, das dritte Bija mit dem Mond. Dies ist die von Manu verehrte Vidya.

12.7 Vagbhava beginne mit Sa und Ha; im Kamaraja steht Madana mit dem Mond am Anfang und Shiva in der Mitte; das Shakti-Bija beginne mit Sa und Ha.

12.8 Dies ist die vom Mond verehrte Vidya, die Lebensgenuss und Befreiung schenkt. Sodann Vagbhava mit Ha und Sa am Anfang, im Kamaraja Madana mit Shiva am Anfang und Sa und Ha in der Mitte;

12.9 höre nun das dritte: das Shakti-Bija mit Ha und Sa am Anfang. Dies ist die von Kubera verehrte Vidya.

12.10 Bei der Kamaraja-Vidya beginne das dritte, das Shakti-Bija, mit Sa und Ha. Dies ist die von Agastya verehrte Vidya.

12.11 Durch Lopamudras Kraft ist sie unmittelbar Brahman. Beim Vagbhava der Kamaraja-Vidya lasse man Madana fort,

12.12 setze dort den Mond ein und entferne ihn dann aus dem Kamaraja, um ihn an dessen Anfang zu setzen. Dies ist die von Nandi verehrte Vidya.

12.13 Bei der Kamaraja-Vidya entferne man die Erde aus dem dritten Teil, wo sie an der Kehle der Shakti steht, und setze sie dort unter den Mond.

12.14 Dies ist die von Indra verehrte Vidya, die Genuss und Befreiung schenkt. Bei der zweiten Form namens Lopamudra

12.15 entferne man Bhrigu aus dem Kamaraja; im dritten Teil steht Shiva bei Shakra. Dies ist die von der Sonne verehrte Tripura-Vidya.

12.16 Höre nun die viergliedrige Shankari. Man schreibe die zweite Lopamudra-Form nieder,

12.17 dann nochmals dieselbe, lasse die an vierter und fünfter Stelle stehende Bhuvaneshani fort und verehre durch eine zusammenhängende Aussprache.

12.18 Dies ist die viergliedrige große Vidya, die Shankara verehrt. Man schreibe wiederum Lopamudra nieder,

12.19 und danach die Vidya Nandikeshvaras: So entsteht die sechsgliedrige Vaishnavi. Durvasas verehrte einst die höchste Vidya ohne Kutas.

12.20 Die in den drei Kutas der Kamaraja-Vidya befindliche Bhuvaneshani teile man zweifach,

12.21 ohne Bindu und Nada: Dies ist die von Durvasas verehrte Form. Durch diese zwölf Mantras,

12.22 ist die Göttin am Ende der Zwölf gegenwärtig, von der Gestalt des höchsten Brahmans. Sie ist die Königin aller Vidyas, von allen Überlieferungsrichtungen verehrt.

12.23 Die großen Mantras aller Agamas und die Götter verehren sie; alle Yogas verneigen sich vor der Ewigen, die allein Brahman ist.

12.24 So ist die große Vidya Tripurasundari dreifach. Eben diese große höchste Göttin besitzt die drei Kutas.

12.25 Selbst Brahma, Vishnu und alle anderen können sie nicht vollständig beschreiben. Die Vierte lässt sich weder mit Worten noch mit Geist oder Verstand ausdrücken.

12.26 Die Göttin ist unmittelbar Brahman und erscheint als sechzehnsilbige Vidya. Indem ich ihrer allein im Geist gedenke, bin ich Sadashiva.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 12. Paṭala: „Tripurasundari [Darlegung der Vidya]“.

Dreizehnter Paṭala

Darlegung der Shodashi-Vidya.

Zur Lesart: Lautchiffren bleiben als Chiffren wiedergegeben. Angaben zur Mantrabildung sind nicht als selbstständige Praxisanleitung gedacht.

13.1 Die erhabene Göttin sprach: Die sechzehnsilbige Shri Vidya ist unmittelbar das höchste Brahman. Erkläre sie, großer Gott, wenn ich dir lieb bin.

13.2 Die dreigliedrigen Formen, die viergliedrige Shankari und die sechsgliedrige Vaishnavi hast du erklärt,

13.3 und alle diese dreifachen Vidyas habe ich gehört. Nun möchte ich von der sechzehnsilbigen Shri Vidya hören.

13.4 Ishvara sprach: Wer die Shri Vidya kennt und dabei hinterlistig handelt, wird nach der Weisung des Gurus zur Beute der Yoginis.

13.5 Die große sechzehnsilbige Vidya soll man nicht beliebig weitergeben, selbst nicht einem König, der sein Reich schenkt, oder einem Sohn, der das Leben rettet.

13.6 Alles möge man geben, selbst ein Reich, ja den eigenen Kopf samt Leben; die sechzehnsilbige Vidya aber soll man nicht preisgeben.

13.7 Alle Mantras, die ausgesprochen werden, gehören zur Sprache. Die sechzehnsilbige Shri Vidya ist die Wirklichkeit ohne Aussprache.

13.8 Obwohl mit Lauten versehen, ist diese Wirklichkeit unmittelbar lautlos. Wie eine von einer Biene besuchte Blume dennoch für Shiva geeignet ist,

13.9 so bleibt die Wirklichkeit lautlos, auch wenn sie mit Lauten verbunden ist. Das Aussprechen des Mantras ist wie Schreiben auf Wasser.

13.10 Die sechzehnsilbige Shri Vidya schenkt Genuss und Befreiung. Ohne Unterweisung durch den Guru entsteht gewiss ein Fluch.

13.11 Das Ende des Mondes und das Ende Varunas, jeweils mit Shakra am Anfang, mit linkem Auge, Bindu und Nada versehen, bilden die Kraft der Weltmutter. [Verschlüsselte Lautbeschreibung.]

13.12 Höre die vierfache Darlegung. Weil du mein Herz erfreust, wird dir das auf Erden schwer Zugängliche erklärt.

13.13 Am Anfang der Vidya angefügt, hat sie unmittelbar die Gestalt des Wachens: Hervorgehen, Wachen, Erwachen und die beständige Bewegung des Geistes,

13.14 diese vier Kalas sind im Wachzustand gegenwärtig. Wachen ist von Sattva geprägt und ganz Shakti.

13.15 Die dreigliedrigen Formen werden fünfgliedrig, die Vaishnavi achtgliedrig und die Shankari sechsgliedrig.

13.16 Dies ist die zweite Form, schwer zu erlangen in den drei Welten. Eben diese hat durch ihre Allgegenwart Shivas Gestalt,

13.17 unbewegt in allen Wesen, von Sadashiva erfüllt, die Höchste. Sie ist unmittelbar der Tiefschlaf, weil sie Brahman ist.

13.18 Tod, Vergessen, Ohnmacht und der von Dunkelheit umhüllte Schlaf sind die Kalas des Tiefschlafs; dieser hat Shivas Gestalt.

13.19 Alleinstehend ist der Wachzustand; die Shambhavi ist fünfgliedrig. Am Ende des Tiefschlafs, vor dem Wachen, steht der von Rajas geprägte Traum. [Der erste Halbvers ist in seinem Zusammenhang unsicher.]

13.20 Verlangen, Irrtum, Nachdenken und erneute Erinnerung an Sinnesgegenstände: Diese vier Kalas werden dem Traumzustand zugeordnet.

13.21 Die große Gottheit Tripura hat Shivas und Shaktis Gestalt. Mit dem Anfang der Veden geschmückt, besteht sie stets aus Shiva und Shakti.

13.22 Die sieben übrigen Formen sind sechsgliedrig; die Vaishnavi ist neungliedrig, die Shankari siebengliedrig.

13.23 Allein ihrer zu gedenken entspricht der Gabe von hundert Elefanten. Drei Formen sind erklärt; höre nun die vierte Vidya.

13.24 Allein durch ihre Erkenntnis ist Brahman unmittelbar gegenwärtig. Am Anfang des Tiefschlafs und am Ende des Wachens ist sie reines Aufleuchten.

13.25 Turiya ist die höchste Kala, welche die Zustände ganz umfasst. Frei von Sein und Nichtsein wird sie als jenseits der Gunas bezeichnet.

13.26 Leidenschaftslosigkeit, Verlangen nach Befreiung, Geistesruhe und die weiteren Tugenden, ein reiner Geist und die klare Unterscheidung zwischen Wirklichem und Unwirklichem: Dies sind die Kalas Turiyas.

13.27 Die beiden anfänglichen Bijas schreibe man in umgekehrter Folge; danach erschließe man die anderen.

13.28 Kumari Tripureshvari ist nach innen gewandt. Man verehre sie, eingefasst mit diesen fünf Bijas.

13.29 Sechsgliedrig ist diese sechzehnsilbige Vidya. Die dreigliedrigen Formen werden sämtlich sechzehnsilbig,

13.30 die Vaishnavi neunzehnsilbig, die Shaivi siebzehnsilbig. Selbst mit Tausenden Millionen Mündern und Hunderten Millionen Zungen

13.31 lässt sich diese sechzehnsilbige Shri Vidya nicht preisen. Und wer vermöchte die Eigenschaften der Vaishnavi, der fünften, zu beschreiben? [Der Bezug der „fünften“ ist in der Vorlage nicht erläutert.]

13.32 Weil die Wirklichkeit lautlos ist, ist Para dort der Ursprung. Pashyanti verstummt, und Madhyama bleibt in ihrer mittleren Stellung.

13.33 Als Gestalt des Brahman-Wissens schenkt sie Genuss und Befreiung. Einer einzigen Aussprache können Millionen Vajapeya-Opfer,

13.34 tausende Pferdeopfer, die Umschreitung der Erde und Pilgerfahrten nach Kashi und zu dreieinhalb Millionen weiteren heiligen Stätten

13.35 nicht gleichkommen. Darüber ist kein Zweifel nötig. Dies gilt schon für eine einzige Aussprache – wie viel mehr für Brahman selbst!

13.36 Die große sechzehnsilbige Vidya soll niemals öffentlich gemacht werden. Bewahre sie verborgen wie deine eigene Yoni, Parvati.

13.37 Was durch die Vereinigung Shivas und Shaktis geschieht, soll nicht Gegenstand öffentlicher Kenntnis werden; ebenso behandle man die sechzehnsilbige Shri Vidya.

13.38 Wer sie irgendwo sieht und ohne Unterweisung durch den Guru rezitiert, wird zur Beute der Yoginis.

13.39 Durch die Gnade des Gurus empfangen, gewährt sie umfassende Herrschaft, das Glück der drei Welten und großen Wohlstand.

13.40 Sie verleiht unmittelbar die Anmut Kamas, welche die drei Welten anziehen kann. Wie ein Nektarstrom schenkt sie Gewandtheit im Wort.

13.41 Sie schenkt eine Fülle von Kräften, ausgestattet mit Glück und Gelingen, das Aufgehen im höchsten Brahman und ausgezeichneten Ruhm.

13.42 Die Mutter der Veden hebt jene empor, die im Meer der Weltentfaltung versunken sind. Durch ihre Kraft entstanden die vierzehn Welten,

13.43 deren Ursache sie ist. Durch ihren mitfühlenden Blick entsteht Macht von der Weite der vier Meere.

13.44 Sie ist Mutter von Millionen Welteneiern und schenkt die große Befreiung. Die großen Mantras strömen aus ihr wie Funken,

13.45 zahlreich aus dem Feuer, ebenso die vielen Vidyas. Sie entstehen aus Vagbhava; darum heißt es „Ursprung der Rede“.

13.46 Auch die Matrika-Laute gehen der Reihe nach aus Vagbhava hervor. Darum ist sie von Klang-Brahman erfüllt.

13.47 Sie erhält die ganze Welt und bezaubert die drei Welten. Als Kamakala bezaubert sie und mehrt Kinder und Kindeskinder.

13.48 In weiblicher und männlicher Gestalt ist alles am Faden des Verlangens zusammengebunden. So ist sie von Glück erfüllt und wohnt in der Stätte Brahmans.

13.49 Tief erfüllt vom Reichtum ihrer Schönheit heißt sie der Schoß des Universums. Sie gründet in der vierfachen Sprache und bringt die drei Welten unter ihren Einfluss.

13.50 Unmittelbar Bewusstsein, von der Gestalt der Erkenntnis, schenkt sie Genuss. Ewig gewährt sie große Fülle und hat unmittelbar die Gestalt des Unvergänglichen beziehungsweise der Laute.

13.51 Damit habe ich dir die höchste sechzehnsilbige Shri Vidya erklärt. Wie ein Schatz vor Dieben ist sie zu schützen.

13.52 Sie ist nicht jedem Beliebigen zu geben, sondern einem Lebensspender, einem reinen, hingebungsvollen Menschen, der einem mehr bedeutet als das eigene Leben.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 13. Paṭala: „Darlegung der Shodashi-Vidya“.

Hauptartikel und deutsche Übersetzung · IAST · Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Vierzehnter Paṭala

Verfahren des Shri-Vidya-Nyasa.

14.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Das Chakra-Mandala hast du erklärt, doch die Verehrung in diesem Mandala noch nicht, höchster Herr. Ich möchte sie ihrem Wesen nach hören.

14.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich erkläre die unübertreffliche Verehrungsordnung. Zuerst werden die dazugehörigen Krüge und weiteren Gefäße aufgestellt.

14.3 Höre diese Vorschrift kurz und der Ordnung gemäß, Weise. Man zeichne links mit Wasser ein viereckiges Mandala.

14.4 Dort verehre man mit den beiden großen Kara[-Mantras; Ausdruck unklar] einen schönen Untersatz aus Gold, Silber, Kupfer oder anderem [geeignetem Material], Geliebte.

14.5 Als Gestalt der Feuersphäre verehre man die zehn Kalas: Dhūmrā, Nīlavarṇā, Kapilā und Visphuliṅginī,

14.6 Jvālā, Haimavatī, Kavyavāhinī, Havyavāhinī, Raudrī und Saṃkaṣīṇī [Lesart der Vorlage].

14.7 Nachdem er das Feuer mit diesen Kräften verehrt hat, stelle er darauf ein Gefäß aus Gold oder einem anderen [genannten Metall].

14.8 Darin verehre er die Kräfte der Sonne: Tapinī, Tāpinī, Vibudhā und Bodhinī,

14.9 Kalinī, Śoṣaṇī, Vāruṇī, Ākaṣīṇī [Lesung und Worttrennung unsicher], Māyā, Viśvāvatī, Hemā und Prabhā.

14.10 Er fülle das Gefäß mit Wasser und stelle sich darin die nektarreiche Sphäre des Mondes vor; ihre Kräfte soll er verehren.

14.11 Mit seinen Kalas verehre man den Mondkreis, von Göttern Verehrte: Amṛtā, Mānasī, Tuṣṭi, Puṣṭi, Prīti und Rati,

14.12 Śrī, Hrī, Svadhā, Rātri, Jyotsnā, Haimavatī, Chāyā, Pūrṇimā, Nityā und Amāvāsyā: die sechzehn Kräfte des Mondes.

14.13 Dann verehre er Ānandabhairava. [Für dessen Mantra nehme er] Shiva, den Mond und das Ende der Matrika, ferner Kalā, Shakra, Wasser und Feuer.

14.14 Wind, linkes Ohr und Bindu bilden die weitere Bija-Verbindung. Danach folgt der Name Ānandabhairava.

14.15 Diesen setze er in den Dativ und füge den Shikha-Mantra an. Das Bija wird wiederholt; beim ersten entfällt der Mond, und beim Ohr tritt das linke Auge ein [Lautchiffren].

14.16 Mit „surādevyai vauṣaṭ“ verehre er Ānandabhairavī. So wird das Mondgefäß für den Gebrauch geeignet.

14.17 Links zeichne er ein Viereck, stelle den Yantrikā-Untersatz darauf und lege die Muschel darauf.

14.18 Mit reinem Wasser und einem Anteil des Kāraṇa [rituellen Stoffes] gefüllt und mit den sechs Gliedern verehrt, dient sie als gewöhnliches Arghya.

14.19 Nun folgt das besondere Arghya: Zwischen sich selbst und dem Shri Chakra zeichne er ein viereckiges Mandala.

14.20 Mit Wasser aus dem gewöhnlichen Arghya [bereite er es]; auf den Knien und mit den Händen in der vorgeschriebenen Haltung richte er den Untersatz her [Wortlaut der Haltung unsicher].

14.21 Er zeichne Dreieck, Kreis, Sechseck und Viereck und stelle sich im Untersatz die Sphäre des Feuers vor.

14.22 In der Mitte verehre er die dreiteilige Vidya und in den drei Ecken ihre einzelnen Kutas.

14.23 Im Sechseck verehre er zweimal die sechs Glieder. Darauf stelle er ein Gefäß aus Gold oder Silber.

14.24 Darin betrachte er die Sonne und zeichne das Yantra wie zuvor; er verehre die ganze Vidya und ihre gesonderten Kutas.

14.25 Das besondere Gefäß fülle er mit Milch, als flüssigem Mond gedacht; auch darin zeichne er dasselbe Yantra und verehre die dreiteilige Vidya.

14.26 Dieses höchste Dreieck denke man sich durch die drei Kutas verehrt, mit drei Linien aus den mit A, Ka und Tha beginnenden Lautreihen; Ha und Kṣa liegen darin.

14.27 Zweimal verehre man die sechs Glieder in den sechs Ecken; mit dem Haṃsa-Mantra und Ānanda verehre man sich selbst.

14.28 Dort verehre man die Grundvidya und rezitiere anschließend die sechzehnlautige [Vidya]. Nach Darbringung von Räucherwerk und Licht verneige sich der Kundige vor dem Arghya.

14.29 Er zeige die Mudras: Dadurch wird es zu Brahman. Damit besprenge er sich selbst und die Geräte der Verehrung.

14.30 Überall sprenge er es aus und betrachte alles als Brahman. Er verehre sich selbst und entferne die störenden Wesen.

14.31 Mit der Grundvidya und dem Waffen-Mantra schließe man durch Fingerschnalzen und Ähnliches die Richtungen ab. Ihr zugewandt und verneigt vollziehe man die Reinigung der Elemente wie zuvor.

14.32 Er vollziehe den Nyasa am Körper und lege den schützenden Panzer an. Die Handreinigung beginnt am Mittelfinger und reicht bis zu den Handflächen.

14.33 Nachdem er die Finger zweimal [belegt hat], lege er den eigenen Sitz und den Chakra-Sitz auf.

14.34 Man füge den Sitz aller Mantras hinzu und verehre den Sādhya-Siddha-Sitz. Die vier [Sitze] lege man auf Füße, Unterschenkel, Knie und Geschlechtsorgan auf.

14.35 Die sechs Glieder Kumārīs, der Herrin Tripurā, [lege man] wie zuvor auf. Nun erkläre ich den höchsten Nyasa der Shri Vidya, große Herrin.

14.36 In der Scheitelöffnung betrachte man die vollständige Vidya, rot leuchtend, Nektar verströmend, sechzehnlautig und großes Glück verleihend.

14.37 Mit der Saubhāgyadaṇḍinī-Geste beginne er an der linken Schulter und führe eine Kreisbewegung aus; die Geste des Ergreifens der Feindeszunge setze er an den Füßen an.

14.38 „Ich bin der Schöpfer der drei Welten“: Mit dieser Vorstellung bringe er das Stirnzeichen an. Mit der vollständigen Vidya umschließe er den Mund.

14.39 Die ganze Vidya [lege er] oberhalb der Kehle auf und durchdringe anschließend mit ihr seinen gesamten Körper.

14.40 Nach der Durchdringung zeige man die Yoni-Mudra am Mund und verneige sich. Dieser Nyasa ist die vollständige Gestalt der Shri Vidya und mehrt das Glück.

14.41 Mit dem Ringfinger umfahre er den Kopf; [die weiteren Berührungen betreffen] Scheitel und Handgelenk.

14.42 Mit dem Ringfinger berühre der Kundige die Stirn und vergegenwärtige die sechzehnlautige Vidya. Dieser Nyasa heißt „bezaubernd“ und bewirkt Erregung.

14.43 Man betrachte die drei Welten rot leuchtend und vergegenwärtige Shri Vidya im Geist; [die Auflegung erfolgt] an Füßen, Unterschenkeln, Knien, Hüften, der Vertiefung [andhu; Stelle unklar] und Rücken,

14.44 Nabel, Seiten, Brüste, Schultern, Ohren, Scheitel, Mund und Augen,

14.45 Kehle und die umschließenden Hände mit den sechzehn Bijas. Dies ist der Nyasa der Auflösung.

14.46 Durch Nyasas mit den sechzehn Lauten der Shri Vidya wird man zum Herrn des Alls. Man lege die mit „Schöpfung“ [Visarga] endende Matrika wie zuvor auf, Geliebte.

14.47 Die Vaśinī-Matrika lege man auf: von der Gestalt der Matrika-Laute, mit den acht Lautgruppen und den acht Bijas verbunden.

14.48 Nach den Vokalen [bilde man das Bija aus] dem Ende des Feuers, Pha, Erde, linkem Ohr, Bindu und Nada.

14.49 [Man nenne] Vaśinī, die Gottheit der Rede. Nach der Ka-Gruppe folgt das Bija der Kāmeśī.

14.50 Man spreche das aus dem Meru entnommene [Bija] und verehre die Redegöttin. Nach der Ca-Gruppe [folgen] das Ende von Dha und das Ende von La, Erde und der vierte Vokal.

14.51 [Dazu gehört] Modinī. Nach der Ṭa-Gruppe [nehme man] Wind, Wasser und Mund,

14.52 linkes Ohr, Mond und Bindu: [Dies gehört zu] Vimalā. Nach der Ta-Gruppe [folgen] Ja, Ma, Erde und linkes Auge,

14.53 Bindu und Nada: [Dies gehört zu] Aruṇā. Nach der Pa-Gruppe [folgen] Raum, Mond, Erde, Wasser und Feuer,

14.54 der U-Vokal, Bindu, Nada und Kalā: [Dies gehört zu] Jayinī.

14.55 Nach der Ya-Gruppe [folgen] das Ende von Ja, Kalā, Ra, Wind und Ūmā [unsichere Lesart]: [Dies gehört zu] Sarveśī.

14.56 Erde mit U, Feuer und das vierte Bija [Verbindung unklar], Bindu, Nada und Kalā: [Dies gehört zu] Kaulinī.

14.57 Nach der Śa-Gruppe [werden sie aufgelegt], an Kopf, Stirn, Brauenmitte, Kehle, Herz und Nabel,

14.58 An der Wurzel bis zum Vyūhaka [Bezeichnung unklar] lege man die Göttinnen der Reihe nach auf. Danach vollziehe man den sechsfachen Nyasa, durch den man die Gestalt des Weltalls annimmt.

14.59 Man wird Virats Gestalt, aus Lauten bestehend, unmittelbar Shiva, ohne Zweifel. Als Erster folgt Ganeshas Nyasa, der alle Hindernisse vernichtet.

14.60 [Die Ganesha-Gestalten betrachte man] rot wie die aufgehende Sonne, elefantenköpfig und dreiäugig, mit Schlinge, Stachelstock, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, mit ihren Shaktis verbunden.

14.61 Nach dieser Meditation lege man sie wie beim Matrika-Nyasa auf, Göttin: Vighneśvara mit Śrī und Vighnarāja mit Hrī,

14.62 Vināyaka mit Tuṣṭi, Śivottama mit Śānti, Vighnakṛt mit Puṣṭi und Vighnahṛt mit Sarasvatī,

14.63 Vighnarāṭ mit Rati, Gaṇanāyaka mit Medhā, Ekadanta mit Kānti und Dvidanta mit Kāminī,

14.64 Gajavaktra mit Mohinī, Nirañjana mit Jaṭā, Kapardī mit Tīvrā und Dīrghavaktra

14.65 mit Jvālinī, Saṃkarṣaṇa mit Nandā, Vṛṣadhvaja mit Subhagā, sodann Gaṇanātha

14.66 mit Kāmarūpiṇikā, Gajendra mit Śubhrā, Śūrpakarṇa mit Jayinī und Trinetra mit Satyā,

14.67 Lambodara mit Vighneśī, Mahānāda mit Svarūpiṇī, Caturmūrti mit Kāmadā und Sadāśiva

14.68 mit Madavihvalā; Āmāda mit Vikaṭā [Namen beziehungsweise Zuordnung unsicher], Durmukha mit Ghūrṇā und Sumukha mit Bhūti,

14.69 Pramoda mit Bhūmi, Ekapāda mit Satī, Dvijihva mit Ramā und Śūra mit Mānuṣī,

14.70 Vīra und Makaradhvaja [die Paarzuordnung ist hier unklar], Ṣaṇmukha mit Vikarṇā und Varada mit Bhṛkuṭī,

14.71 Vāmadeva mit Lajjā, Vakratuṇḍa mit Dīrghaghoṇā und Viraṇḍaka mit Dhanurdharā,

14.72 Senānī mit Yāminī, Grāmaṇī mit Rātri, Matta mit Caṇḍikā und Vimatta mit Śaśiprabhā,

14.73 Mattavāhana mit Lolā, Jaṭī mit Capalekṣaṇā, Śuṇḍī mit Ṛjvī und Khaḍgī mit Durbhagā,

14.74 Vareṇya mit Subhagā, Vṛṣaketu mit Śivā, Bhakṣyapriya mit Durgā und Meghanāda mit Kālikā,

14.75 Gaṇeśa mit Kālakubjā und Gaṇapa mit Vighnahāriṇī. Nach diesem alphabetischen Nyasa folgt derjenige der Planeten.

14.76 [Die neun Planeten denke man sich] rubinrot, weiß, rot, dunkel, gelb, blass, rauchschwarz, schwarzrauchig und rauchfarben.

14.77 Sonne und die übrigen sind schön und geschmückt; die linke Hand ruht auf dem linken Schenkel, die rechte zeigt Furchtlosigkeit.

14.78 Mit den Vokalen lege man die Sonne ans Herz, mit der Ya-Gruppe den Mond an die Brauenmitte und mit der Ka-Gruppe Mars an die drei Augen.

14.79 mit der Ca-Gruppe Merkur ans Herz, mit der Ṭa-Gruppe Jupiter oberhalb des Herzens und mit der Ta-Gruppe Venus an die Kehle,

14.80 mit der Pa-Gruppe Saturn an den Nabel, mit der Śa-Gruppe Rahu an den Mund, mit La und Kṣa Ketu an den After.

14.81 Nun vollziehe man den glückbringenden Nyasa der Mondhäuser. Sie gleichen loderndem Weltenbrand und sind mit allem Schmuck geschmückt.

14.82 Aśvinī und die übrigen halten die Hände verehrend zusammen und gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. [Die Lautzuordnung beginnt mit] einem Paar, einem Paar, einem Paar und zwei Paaren für Rohiṇī.

14.83 Dann [folgen] ein einzelner Laut, ein einzelner, ein Paar und ein einzelner bis Puṣya; [die Stellen sind] Stirn, Augen sowie linkes und rechtes Ohr,

14.84 Nasenöffnungen und Hals bis zu Puṣya. Kha und Ga [gehören] zu Āśleṣā.

14.85 Diese [setze man] an die rechte Schulter; Gha und Ṅa mit Maghā an die linke Schulter, Ca mit Pūrvaphalgunī an den rechten Ellbogen,

14.86 Cha und Ja mit Uttaraphalgunī an den linken Ellbogen, Jha und Ña mit Hasta an das rechte Handgelenk,

14.87 Ṭa und Ṭha mit Citrā an das linke Handgelenk, Ḍa mit Svātī an die rechte Hand,

14.88 Ḍha und Ṇa mit Viśākhā an die linke Hand, Ta, Tha und Da mit Anurādhā an den Nabel,

14.89 Dha mit Jyeṣṭhā an die rechte Hüfte, Na, Pa und Pha mit Mūla an die linke,

14.90 Va [so die Vorlage] mit Pūrvāṣāḍhā an den rechten Schenkel, Bha mit Uttarāṣāḍhā an den linken,

14.91 Ma mit Śravaṇa an das rechte Knie, Ya und Ra mit Dhaniṣṭhā an das linke,

14.92 La mit Śatabhiṣ an den rechten Unterschenkel; danach [kommt] Pūrvabhādrapadā,

14.93 mit Va und Śa am linken Unterschenkel; Ṣa, Sa und Ha mit Uttarabhādrapadā am rechten Fuß,

14.94 Kṣa, Bindu und Visarga mit Revatī am linken Fuß. Nun wird der Yogini-Nyasa erklärt.

14.95 Sie sind weiß, schwarz, rot, braun, vielfarbig und gelb, vierarmig, mit den entsprechenden Gesichtern und Schmuckstücken ausgestattet.

14.96 [Man spreche] ḍāṃ, ḍīṃ; ḍa, ma, la, va, ra, ya werden mit linkem Ohr, Mond und Nada verbunden; [dazu] „ḍākinyai namaḥ“.

14.97 Nach den Vokalen und dem mit Ma endenden [Teil spreche man] zweimal „schütze“. [Ḍākinī gehört zur] Haut und zum Viśuddha an der Kehle.

14.98 Mit den Kehllauten [Lautgruppe nicht eindeutig] [verehre man] Rākinī mit den Ra-Bijas als Gestalt des Blutes

14.99 im Herzen. Mit Ḍa bis Pha [verehre man] Lākinī als Fleischgestalt im Maṇipūra,

14.100 mit Ba bis La Kākinī im Svādhiṣṭhāna als Bheda-Gestalt [Lesart unsicher; möglicherweise Fettgewebe]; mit Va bis Sa Sākinī

14.101 als Knochengestalt an der Wurzel, mit dem zuvor genannten Bija; mit Ha und Kṣa [verehre man] die Markgestalt

14.102 Hākinī im zweiblättrigen Lotus der Brauenmitte. Danach [folgt die Gottheit] des Zeugungsstoffes,

14.103 Yākinī, weiß, mit allen Körpergeweben verbunden, in der Scheitelöffnung.

14.104 Danach vollziehe man den stets allen Schutz gewährenden Tierkreis-Nyasa. Man vergegenwärtige [die Zeichen] rot, weiß, grün, blass, bunt und schwarz,

14.105 rotbraun, gelbbraun, braun, bunt, schwarz und rauchfarben. Mit den ersten vier Vokalen

14.106 [setze man] Widder an den rechten Knöchel; mit den nächsten beiden Stier ans Knie; mit den folgenden vier Zwillinge an den Hodenbereich,

14.107 mit den nächsten beiden Krebs an den Bauch, mit den folgenden beiden Löwe an die Schulter; mit Anusvara, Visarga und der Śa-Gruppe Jungfrau

14.108 an die rechte Kopfseite. Mit der Ka-Gruppe setze man Waage an die linke Kopfseite,

14.109 mit der Ca-Gruppe Skorpion an die linke Schulter, mit der Ṭa-Gruppe Schütze an die linke Bauchseite,

14.110 mit der Ta-Gruppe Steinbock an den linken Hoden und mit der Pa-Gruppe Wassermann an das linke Knie,

14.111 Mit der Ya-Gruppe und Kṣa lege man Fische an den linken Knöchel. Danach lege man die heiligen Sitze auf, die alle Pilgerstätten umfassen.

14.112 Die fünfzig heiligen Sitze denke man sich jeweils weiß, schwarz, rot, dunkel, grün und gelb [in wiederkehrender Folge].

14.113 Der Kundige vergegenwärtige die heiligen Sitze mit der gesamten Matrika [bereits in der Vorlage fragliche Lesung]. Mit den Matrika-Lauten lege er sie zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele auf.

14.114 Kāmarūpa, Vārāṇasī, Nepāla und Pauṇḍravardhana,

14.115 Purasthira, Candrasthira, Pūrṇaśaila und Arbuda,

14.116 Āmrātakeśvara, Ekāmra, Visrotaḥ und Kāmakoṭa,

14.117 Kailāsa, Bhṛgu, Kedāra, Candrapura, Śrīpīṭha, Oṃkāra und Jālandhara,

14.118 Mālava, Kulānta, Devakoṭa, Gokarṇa und Māruteśvara,

14.119 Aṭṭahāsa, Viraja, Rājageha, Mahāpatha, Kollagiri und Elāpura,

14.120 Kāmeśvara, Jayantikā, Ujjayanī, Caritra und Kṣīraka,

14.121 Hastināpura, Uḍḍīśa, Prayāga, Ṣaṣṭhīśa, Śrīśaila, Māyāpūra und Jaleśvara,

14.122 Malaya, Śrīśaila [erneut genannt], Meruka-Giri, Mahendra, Vāmana und Hiraṇyapura,

14.123 der Sitz der Mahālakṣmī, Uḍḍīyāna und Chāyācchatrapura.

14.124 So werden die fünfzig Sitze mit der Matrika aufgelegt. Durch den sechsfachen Nyasa wird der Übende Shiva gleich.

14.125 Die Kāma-Gestalten sind rot wie Granatapfelblüten; ihre Shaktis sitzen auf ihrem linken Schoß. Sie tragen Blumenpfeile und Zuckerrohrbogen.

14.126 Die Shaktis leuchten safranfarben, tragen allen Schmuck und einen blauen Lotus; sie ziehen die drei Welten an.

14.127 [Die Paare sind] Kāma mit Rati, Kāma mit Prīti, Kānta mit Kāminī und Bhrānta mit Mohinī,

14.128 Kāmāṅga mit Kamalā, Kāmacāra mit Vilāsinī, Karṇa mit Kalpalatā und Komala mit Śyāmalā,

14.129 Kāmavardhana mit Śucismitā, Kāma mit Vismitā und Rama mit Viśālākṣī,

14.130 Ramaṇa mit Lelihā, Ratinātha mit Digambarā, Ratipriya mit Vāmā und Rātrinātha mit Kubjikā,

14.131 Smara mit Kāntā, Ramaṇa mit Satyā, Niśācara mit Kalyāṇī und Nandana mit Bhoginī,

14.132 Nandaka mit Kāmadā, Madana mit Sulocanā und Nandasuta mit Sulāvaṇyā,

14.133 Niśācara mit Madinī, Rati mit Haṃsa [Zuordnung so überliefert], Kalaha mit Priyā und Puṣpadhanvan mit Kāṅkṣiṇī,

14.134 Mahādhanu mit Sumukhā, Grāmaṇī mit Nalinī, Bhīma mit Jaṭinī und Bhrāmaṇa mit Pālinī,

14.135 Bhramaṇa mit Śikhinī, Śānta mit Mugdhā, Bhrāmaṇa mit Ramā und Bhṛgu mit Bhūmā,

14.136 Bhrānta mit Amaralolā, Bhramāvaha mit Sucañcalā, Mohana mit Dīrghajihvā und Mocaka mit Satī,

14.137 Mugdha mit Lolākṣī, Mohamardana mit Bhṛṅgiṇī, Mohaka mit Capeṭā und Manmatha mit Nāthā,

14.138 Mātaṅga mit Mālinī, Bhṛṅga mit Kalahaṃsinī und Gāyaka mit Viśvatomukhī,

14.139 Gaja mit Nandikā; Gīti [ohne klare Paarzuordnung], Nartaka mit Rañjinī und Khela mit Kānti,

14.140 Unmatta mit Kalakaṇṭhā, Mattaka mit Vṛkodarī, Megha mit Śyāmā und Vimala mit Śrī.

14.141 Mit den Matrika-Lauten lege man sie wie die Matrika auf. [Der Text schreibt diesem Nyasa die Kraft zu,] die drei Welten zu erschüttern.

14.142 Mit Bālā Tripureśī [vollziehe man] den Neun-Yoni-Nyasa: an Ohren und Kinn, Schläfen und Mund, Augen und Nase,

14.143 an Schultern und Herz, Ellbogen und Bauch, Knien und Gelenkmitte, Füßen und Geschlechtsbereich, Flanken, Herz und Brüsten,

14.144 und am Hals. Den Neun-Yoni-Nyasa lege man als Gestalt der drei Bijas auf. Danach spreche man erneut Bālā und lege die sechzehnlautige Vidya auf.

14.145 Man spreche erneut Bālā und denke sich ein Viereck; durch den Golaka-Nyasa vergegenwärtige man das Shri Chakra.

14.146 Man bestimme die sechs Chakras, die Stirn, den Scheitelstrich und die Schädelhöhle als neun Stellen und vollziehe dort den Nyasa, Göttin.

14.147 Auf dem Scheitel [setze man] die Shri Vidya, dahinter die Gurus und danach mit den Vokalen die Tithi-Nityas.

14.148 Wie die Matrika lege man sie im Gesicht auf; sie verleihen alles Glück.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 14. Paṭala: „Verfahren des Shri-Vidya-Nyasa“.

Spirituelle Erläuterung: Die Auflegung von Lauten, Gottheiten, Himmelskreisen und heiligen Sitzen macht den Körper zum Ort einer umfassenden Vergegenwärtigung. Besonders 14.29–30 spricht von der Durchdringung durch Brahman. Die einzelnen Zuordnungen sind daher in ihrem Zusammenhang mit der Erkenntnisabsicht zu lesen.

Fünfzehnter Paṭala

Weitere Erklärung des Shri-Vidya-Nyasa.

15.1 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich erkläre das höchste Mandala der Nityas. Kāmeśvarī ist die große Vidya, welche alle Welten in ihren Bann zieht.

15.2 Nach Bālā, Tāra und Herz schreibe man „kāmeśvari“, nach „icchākāmaphala“ die Wörter „prade sarva“.

15.3 Dann spreche man „sattvavaśaṃ“, danach „kari sarvajagat“, nach „kṣobhaṇa“ wiederum „kari“ und schreibe dreimal „dhuṃ“.

15.4 Man schreibe die fünf Pfeile und Kumārī in der Reihenfolge der Auflösung. Damit ist bei dieser Gelegenheit Kāmeśvarī Nityā erklärt, o Bergestochter.

15.5 Nach Vāgbhava und dem Wort „bhaga“ schreibe man „bhuge bhagini“, danach „bhagodari bhagamāle bhagāvahe“.

15.6 [Es folgen] „bhagaguhye“, nach „bhaga“ „yoni“, danach „bhaga“, „nipātini“, nach „sarva“ „bhagavaśaṃkari“ [die Wortverknüpfung ist teilweise elliptisch].

15.7 Danach schreibe man „bhagarūpe“, o Lotusäugige, „nityaklinne“, nach „bhaga“ „svarūpe“ und „sarva“.

15.8 [Es folgen] „bhagāni me ānaya varade“, „reta surete bhaga klinne klinnadrave“.

15.9 Danach „kledaya drāvaya sarvasattvān bhageśvari amoghe bhagavicce kṣubha kṣobhaya sarva“.

15.10 Man spreche „sattvān bhageśvari“, Vāgbhava, „blūṃ“ mit Ja am Anfang, „bheblūṃ bhoblūṃ heṃblūṃ heṃ klinne“.

15.11 Nach „sarvāṇi bhagāni“ [folgt] „me vaśam ānaya“, das Strī-Bija und nach Hara der aus „baleṃ“ bestehende Laut [Chiffre unsicher].

15.12 Man schreibe Bhuvaneśī. So wurde hier die Vidya Bhagamālinī mit ihren hundertfünfundvierzig Silben erklärt.

15.13 Man spreche das Parā-Bija und „nityaklinne madadrave“, verbunden mit der Gemahlin des Feuers [svāhā]. Dies heißt Nityaklinnā.

15.14 Sie schenkt alles Glück und alle Herrlichkeit. [Für die nächste Vidya] spreche man zuerst den Praṇava und schreibe zweimal den Stachelstock.

15.15 Dazwischen schreibe man, Göttin, den aus „bharoṃ“ bestehenden Laut; die Ca-Gruppe ohne ihren letzten Laut schreibe man jeweils auf Feuer gestellt,

15.16 mit dem vierzehnten Vokal, einzeln mit Bindu und Nada versehen. Mit der Gemahlin des Feuers verbunden ist dies der fruchtbringende Mantra Bheruṇḍās.

15.17 Man spreche Bhuvaneśī und Vahnivāsinī im Dativ. Dieser Mantra endet mit Herz; dies ist die Nitya Vahnivāsinī.

15.18 Praṇava, Bhuvaneśānī, der aus „phareṃ“ bestehende Laut, danach der Mond mit Visarga und „nityaklinne madadrave“:

15.19 Mit der Gemahlin des Feuers verbunden schenkt diese Vidya alle Herrlichkeit. Hier habe ich die Nitya Mahāvidyeśvarī erklärt.

15.20 Man spreche das Parā-Bija und Śivadūtī mit der Dativendung; der Mantra endet mit Herz. Diese Dūtī gewährt alle Wünsche.

15.21 Man spreche das Oṃ-Bija, schreibe Parā und Panzer, „khe che kṣaḥ“ und das Strī-Bija,

15.22 dann „hūṃ“, „kṣe“, Parā und Waffe. Diese zwölfsilbige Vidya ist die Nitya Tvaritā, in den drei Welten schwer zu erlangen.

15.23 Kulasundarī enthält alle Throne und ist wie Bālā. Ebenso umschließe man Nityabhairavī mit Bālā.

15.24 Dazu kommen die fünf Pfeile, o Herrin der Götter; die Nitya hat die durch Shakra bezeichnete Silbenzahl. Die höchste Herrin namens Nityā ist die makellose Vidya der drei Welten.

15.25 Eine weitere Nitya besteht aus den fünf Silben der Pfeil-Bijas, Geliebte. [Nun folgen] Praṇava, Bhuvaneśānī und der aus „phareṃ“ bestehende Laut,

15.26 als zweiter der aus „srūṃ“ bestehende, danach Bhuvaneśī und Stachelstock, das Wort „nitya“ und die Anrede „madadrave“,

15.27 Panzer und Stachelstock: Mit fünfzehn [Silben ist dies] Nīlapatākinī. [Für die nächste] das Ende von Va mit Kāla, auf Feuer und Wind gestellt,

15.28 gesondert mit Paṃ [unsichere Lesart], dem Shakra-Vokal, Bindu und Nada: Dieses Bija ist die Nitya Vijayā, Geliebte.

15.29 Man schreibe das Tāra-Bija, mit Mond und Wasser verbunden, danach Sarvamaṅgalā im Dativ, Göttin.

15.30 Dieser Mantra endet mit Herz und ist die Nitya Sarvamaṅgalā. [Für die nächste] Tāra, Herz, nach „bhagavati“ „jvālāmālini devi“,

15.31 dies zweimal, nach „sarva“ „bhūtasaṃhārakārike“; man schreibe „jātavedasi“ und zweimal „jvalanti“,

15.32 „jvala“ und zweimal „prajvala“, zweimal „huṃ“, dreimal das Feuer-Bija und „huṃ“. Waffe und Svāhā schließen den Mantra ab.

15.33 Dies ist die höchste Nitya Jvālāmālinī, große Göttin. [Für die nächste] das Ende der Ka-Gruppe und das Ende der Vokale, geschmückt mit dem Shakra-Vokal,

15.34 mit Bindu, Nada und Kalā versehen: [Dies ist] die höchste Herrin Vicitrā. Man lege [die Nityas] der Reihe nach mit allen Vokalen von A an auf.

15.35 Beim Vokal Aḥ, höchste Herrin, [setze man] die Shri Vidya, die Mutter des Alls. Wie die Vokale lege man die Nityas auf, Lotusäugige.

15.36 Danach lege der Mantrakenner Prakaṭā und die übrigen an der Wurzel und den weiteren Stellen auf. Dann vollziehe er den Erhaltungs-Nyasa mit den sechzehn Lauten der Shri Vidya.

15.37 An den fünf Fingern beider Hände, an Scheitelöffnung, Mund und Herz lege er drei [Laute] auf; einen vom Nabel bis zu den Füßen, Bergestochter,

15.38 einen weiteren von der Kehle bis zum Nabel und einen von der Scheitelöffnung bis zur Kehle; dann an den Füßen

15.39 und Zehen. Dieser Nyasa bewirkt Erhaltung. Danach vollziehe er den Schöpfungs-Nyasa, der alle Vollkommenheiten verleiht.

15.40 An Scheitelöffnung, Stirn, Augen, Ohren, Nase, Lippen, oberem Zahnzwischenraum, Zunge und Halsgrube,

15.41 Rücken, ganzem Körper, Herz, Brüsten, Bauch und Geschlechtsorgan lege er mit den Lauten der Shri Vidya den Mantra auf, zu aller Fülle.

15.42 Danach lege er ihn durchdringend auf den ganzen Körper, Schöne. Er regle vorschriftsgemäß den Atem und umgebe seinen Leib mit den Mudras.

15.43 [Es folgen] Erschütterung, Vertreibung, Anziehung, Unterwerfung, Berauschung, großer Stachelstock, Khecarī, Bija und Yoni-Mudra in dieser Reihenfolge.

15.44 Ihre Bijas erkläre ich der Reihe nach, höchste Herrin. Den ersten fünf Mudras entsprechen die fünf Pfeile; [dann] der Laut „kroṃ“,

15.45 das erste Bija der Rudrabhairavī, dasjenige Sadāśivas und Vāgbhava: Diese vier folgen der Reihe nach.

15.46 Sie gehören zu den vier [übrigen] Mudras, sodass alle neun ihre Bijas haben. Nun erläutere ich die Mudras der Reihe nach, große Herrin.

15.47 Der Tantrakenner balle die linke Hand beim Ohr zur Faust, strecke den Zeigefinger gerade aus und lasse ihn kreisen.

15.48 Dies ist die Saubhāgyadaṇḍinī-Mudra, die beim Nyasa genannt wurde. Mit einer Faust, deren Daumen innen liegt, schließe er diese Erde ein.

15.49 Dies ist die beim Nyasa genannte Geste des Ergreifens der Feindeszunge. [Für die nächste] drehe man beide Hände gegeneinander,

15.50 verbinde sie und halte mit den Zeigefingern die Ringfinger zurück. Die Mittelfinger verbinde man in der Mitte, die kleinen Finger darunter,

15.51 auch die Daumen verbinde man, in dreifacher paarweiser Ordnung. Diese Trikhaṇḍā-Mudra dient der Anrufung Tripurās.

15.52 Man halte die Hände etwas auseinander und die Mittelfinger in der Mitte; mit den Daumen drücke man die kleinen Finger zusammen und strecke dann

15.53 die Zeigefinger gerade wie Stäbe aus; die Ringfinger liegen bei den Mittelfingern. Dies ist die Sarvasaṃkṣobhiṇī-Mudra, welche die drei Welten erschüttert.

15.54 Sind Mittel- und Zeigefinger verbunden und ausgestreckt, entsteht die Sarvavidrāviṇī-Mudra, welche Bewegliches und Unbewegliches bezaubert.

15.55 Krümmt man bei derselben Mudra die beiden Mittel- und Zeigefinger, Schönäugige, so entsteht die anziehende Geste.

15.56 Man wende die Handflächen gegeneinander und richte die Finger zum Herzen; durch wechselseitiges Drehen verschränke man sie fest,

15.57 die Daumen vorn, die Zeigefinger hakenförmig. Werden alle zusammengefügt, ist dies Sarvavaśyakarī, die alles unterwerfende Mudra.

15.58 Man forme mit den Händen eine hohle Anjali; die Mittelfinger liegen innen, die kleinen Finger jeweils an den Spitzen der Zeigefinger,

15.59 die Ringfinger sind gerade, die Daumen bei den Spitzen der Mittelfinger. Dies ist die alles berauschende Mudra, höchste Herrin.

15.60 Werden bei derselben Mudra Ring- und Zeigefinger nacheinander hakenförmig gebogen, ist dies die Mahāṅkuśā-Mudra.

15.61 Man lege den linken Arm zum rechten und den rechten nach links und verbinde sie dann durch wechselseitiges Drehen.

15.62 Mit den Zeigefingern halte man die kleinen Finger und Ringfinger fest; die Mittelfinger strecke man gerade aus, ebenso in Yoni-Form

15.63 die Daumen. Dies ist die Khecarī-Mudra, welche die irdische Stätte verbindet [Lesart unklar], allen Göttern lieb und den Zustand des Raumwanderns verleihend.

15.64 Man drehe die Hände in Anjali-Haltung und lege die Mittelfinger an die Spitzen der kleinen Finger; diese halte man

15.65 mit den Ringfingern fest. Das Zeige- und Mittelfingerpaar verbinde man mit den Daumen zu einer Halbmondform, Geliebte.

15.66 Dies heißt Bija-Mudra und schenkt alle Wonne. Man drehe die Hände entsprechend, die Zeigefinger und kleinen Finger gleichmäßig,

15.67 lege die Mittelfinger in die Mitte und verbinde dann die Ringfinger miteinander; die kleinen Finger bleiben an ihrer Stelle.

15.68 Mit den verbundenen Daumen bilde man eine Yoni-Form. Dies heißt Yoni-Mudra, die höchste Mutter der drei Welten.

15.69 Hat er so seinen Körper durch Nyasa geweiht und mit Mudras umgeben, vollziehe er die innere Verehrung, durch die er selbst unmittelbar zum allgegenwärtigen Herrn wird.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 15. Paṭala: „Erläuterung des Shri-Vidya-Nyasa“.

Sechzehnter Paṭala

Verfahren der Shri-Vidya-Verehrung.

16.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre mir vollständig die innere und die äußere Verehrung, Gott und Herr, wenn ich deine Geliebte bin.

16.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich erläutere die große innere Verehrung. [Man betrachte sie] von der Wurzel bis zur Scheitelöffnung, feiner als eine Lotusfaser,

16.3 wie ein Strahlennetz der aufgehenden Sonne, leuchtend wie Millionen Blitze, schmelzend im Glanz von Millionen Monden, als das eine Licht der drei Welten.

16.4 Sie bewirkt Entstehung, Bestehen und Auflösung der ganzen Welt. Man meditiere so über die Göttin, dass der Geist unbewegt wird.

16.5 Augenblicklich wird [der Geist] zum Wohnort der Fülle angeborener Wonne; durch Shivas und Shaktis Kraft hat er Unbewegtheit erlangt.

16.6 Darin entsteht Samadhi, der sich unter zwei Bezeichnungen entfaltet: Der eine heißt Svayaṃprajñāta, der andere Asaṃprajñāta.

16.7 Der Svayaṃprajñāta genannte entsteht bei überwiegender Shakti; der Asaṃprajñāta genannte bei überwiegendem Shiva.

16.8 Svayaṃprajñāta gliedert sich in intensiv und noch intensiver; Asaṃprajñāta in ruhig und noch ruhiger.

16.9 [Die folgende Passage ist in der Vorlage eingeklammert und sprachlich unsicher:] Wo Bezeichnung und Erkennen [bestehen], heißt es Svayaṃprajña; Asaṃprajña ist darüber hinaus in gefestigter Einsicht gegründet.

16.10 Erkennen und Nichterkennen, diese Zweiheit ohne Ich-Überhebung [Lesung unsicher]: Diese beiden Bezeichnungen bestehen durch die Shiva-Wirklichkeit, Göttin.

16.11 Lachen, Weinen, aufgerichtete Körperhaare, Zittern, Schwitzen und Ähnliches kennzeichnen den intensiven und noch intensiveren Samadhi.

16.12 Die Augen ohne Blinzeln, der Körper entsprechend still: So werden der ruhige und noch ruhigere Samadhi beschrieben.

16.13 Durch das zu Erkennende, das zu Shambhu gehört, werde man unablässig glücklich. Nach der inneren Verehrung vollziehe man die äußere.

16.14 Der vortreffliche Übende, dessen Körper so durch Nyasa geweiht ist und der zum Selbst von allem geworden ist, meditiere über die makellose Wirklichkeit, welche die drei Welten bezaubert,

16.15 über das höchste Bewusstsein, die Herrin aller Vorgänge, strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, leuchtend wie eine Granatapfelblüte,

16.16 wie Hibiskusblüten, wie Rubin, wie ein glänzender Lotus und wie geschmolzenes Gold: die Herrin der Götter.

16.17 Ihre jungen, zarten Füße gleichen roten Lotusblättern; beide Füße tragen mit kostbaren Edelsteinen besetzte Fußreifen.

16.18 Die Edelsteine ihrer Zehenringe verbreiten strahlendes Licht; ihre weichen Schenkel sind zart wie anmutige Bananenstämme.

16.19 Ein rotes Gewand schmückt die Rundung ihrer Hüften; an ihrem Gürtel klingen reizvoll rubinbesetzte Glöckchen.

16.20 Ihre Taille ist kaum sichtbar, ihr Nabel tief, ihr Leib schlank; an der Ranke ihrer feinen Körperhärchen stehen die großen Brüste gleich Früchten.

16.21 Ihre Brüste sind rund, fest und hoch; kostbare, breite Perlenketten schmücken sie.

16.22 Ihr Halsschmuck strahlt im Licht der neun Edelsteine; ihr Ohrschmuck verleiht den Wangen besondere Anmut.

16.23 Die Ohrringe erhellen ihr schönes Gesicht wie die aufgehende Sonne; ihr Antlitz gleicht Vollmond und Lotus, ihre Nase ist edel geformt.

16.24 Ihre schönen Brauen gleichen dem glänzenden Bogen des Liebesgottes; ihre Augen sind Lotusblüten. Ein kostbares, edelsteinreiches Zeichen schmückt ihre Stirn.

16.25 Ihre Krone trägt Glöckchen aus Perlen und Rubinen; die leuchtende Mondsichel schmückt sie. Sie besitzt drei Augen.

16.26 Ihre vier Arme glänzen wie Korallenranken; in den vier Händen trägt sie Zuckerrohrbogen, Blumenpfeile, Schlinge und Stachelstock.

16.27 Sie ist die Mutter, die alle Gottheiten enthält, schön durch alles Glück, göttlich, alle heiligen Badeorte umfassend und alle Wünsche erfüllend.

16.28 Sie besteht aus allen Mantras, ist ewig und kundig aller Agamas; die segensreiche Göttin enthält alle heiligen Stätten und alle Vidyas.

16.29 Sie ist die Vidya aller Opfer, die Gestalt aller Gottheiten, die Ewige aller Lehrschriften, von sämtlichen Agamas verehrt.

16.30 Sie umfasst alle Überlieferungsrichtungen, wird in allen Heiligtümern verehrt, besteht ganz aus Wonne: tiefgründige Erkenntnis und höchstes Bewusstsein.

16.31 Nachdem man so über die höchste Mutter meditiert hat, führe man sie durch die gerade wirksame Nasenöffnung und rufe sie mit der Trikhaṇḍā-Mudra in die Mitte des Chakra.

16.32 Man denke sie dort gegenwärtig, im heiligen Sitz wohnend; man zeige die Mudras und verehre sie dreimal mit erfrischenden Darbringungen.

16.33 Am Körper der Göttin stelle man die Glieder der Auflösung dar [Laya-Aṅga; technische Bedeutung nicht eindeutig] und bringe ihr Duft, Blüten, ungebrochene Reiskörner und die weiteren Gaben dar.

16.34 Mit sechzehn Ehrenerweisungen verehre man die höchste Gottheit und bringe ihr erneut dreimal mit der Grundvidya Tarpaṇa dar.

16.35 Nun verehre man die Nityas der Mondtage, von Kāmeśvarī bis Vicitrā, höchste Herrin.

16.36 Man verehre sie als die Mondtage vom ersten Tag bis zum Vollmond und vergegenwärtige das große Dreieck, mit Osten, Süden und Norden in ihrer Reihenfolge.

16.37 Auf seine Linien schreibe man jeweils fünf [Vokale]; A bis U denke man auf der südlichen Linie.

16.38 Auf die östliche Linie schreibe man die fünf mit Ū beginnenden, auf die nördliche anschließend die mit Shakti beginnenden,

16.39 bis zum Anusvara reichenden Mantralaute; beim Visarga verehre man die Sechzehnte. In Linkswendung sind so die sechzehn Nityas erklärt.

16.40 Vom ersten Mondtag bis zum Vollmond verehre man jeweils eine Nitya; dadurch erlangt man großes Glück, Bergestochter.

16.41 In der dunklen Monatshälfte verehre man das Mondtagsmandala von Vicitrā bis Kāmeśvarī, Schöne.

16.42 In umgekehrter Folge soll man sie hingebungsvoll verehren, höchste Herrin: die sechzehn Kräfte, die Mondkräfte der Reihe nach.

16.43 Dreimal verehre man die Tithi-Nitya um des Glücks willen; erneut verehre man Shri Tripurā Nityā, um Glück zu erlangen.

16.44 So erlangt man durch die Weisung des Gurus Glück, große Göttin. Nach der geordneten Verehrung der Nityas von Kāmeśvarī an

16.45 verehre der Kundige die Gurus. Ich erkläre dir dies durch das Zusammenziehen der Blüte, Makellose.

16.46 Die Strahlenschar entspricht den Blütenblättern; die Gurus zählen mehr als hundert. Darum ziehe man die Blüte zusammen: Unbegrenzte [Reihen] mindern die Vollendung.

16.47 Sie gelten als Unterbrechung der Überlieferung; begrenzte [Reihen] schenken alle Fülle. Zieht man die Blüte nicht zusammen, ist beim zwölften [Glied] die Überlieferung verloren.

16.48 Wer auf diese Weise die Überlieferung verloren hat, ist der Gottheit nicht lieb. Daher habe ich die Blüte richtig zusammengezogen, Geliebte.

16.49 Die Gurus der Kāmarāja genannten Vidya schenken Fülle. Im inneren östlichen Dreieck verehre man die Gurureihe dreifach.

16.50 Zuerst verehre man die Höchsten, dann die als Höchste-und-Nichthöchste unterschiedenen und danach die Nichthöchsten: drei Gruppen von Gurus, Göttin.

16.51 Die sieben Höchsten gehören zum göttlichen Strom, Schönangesichtige. Bei männlichen Gurus endet der Name auf Ānandanātha,

16.52 bei weiblichen auf Parāmbā, von Helden Verehrte. [Die Namen beginnen mit] Paraprakāśa und Paraśiva,

16.53 Parāśakti, Kauleśvara, Śuklā, Kuleśāna und Kāmeśvaryambikā der Reihe nach.

16.54 Diese sieben Gurus heißen die Höchsten und sind göttlicher Gestalt. Bhogaklinna, Samaya, Veda und Sahaja

16.55 gehören zum vollendeten Strom der Höchsten-und-Nichthöchsten. Höre nun den menschlichen Strom: Gagana, Viśva, Vimala, Madana und Bhuvana,

16.56 Līlā, Svātmā und Priya: acht menschliche [Gurus], die Nichthöchsten, höchste Herrin. Diese Lautgestalten sind festgelegt.

16.57 Diese drei feststehenden [Gruppen] habe ich zum Wohl der Lehrer herausgehoben; so ist die Blüte zusammengezogen, Geliebte.

16.58 Am Ende des menschlichen Stroms verehre man die drei eigenen Gurus: den Parameṣṭhin-Guru, danach den Parama-Guru

16.59 und den eigenen Guru, höchste Herrin. Diese drei soll man verehren; oder am Ende des menschlichen Stroms allein den eigenen Guru.

16.60 Diese Weise ist erklärt; eine weitere wird nun genannt, die unter allen Weisen verehrungswürdig ist: Nach den acht des menschlichen Stroms

16.61 entstehen hier bis zu neun [weitere] Gurus. Weil es neun Herrinnen der Chakras gibt, entfalte man die Blüte so weit.

16.62 Dann sind es im menschlichen Strom siebzehn. Anschließend ziehe man die Blüte zusammen und verehre den ehrwürdigen Guru als neunten.

16.63 Für Schüler, denen die Gurus unbekannt sind, erkläre ich es so: Man spreche „Verehrung den Gurus“ und schreibe „Verehrung den Fußsymbolen“.

16.64 Nach Guru und Parama-Guru [spreche man] „Verehrung den Gurus“, ebenso für ihre Fußsymbole; man spreche „Verehrung den Lehrern“.

16.65 Ebenso [verehre man] die Fußsymbole der Lehrer und der früheren Vollendeten. Dies ist die allgemeine Gurureihe für Schüler.

16.66 Nachdem er die Gurureihe verehrt hat, wird er selbst Shri Tripurā. Ein Mensch ohne Gurureihe ist von der Reihe ausgeschlossen.

16.67 Durch die allgemeine Gurureihe bleibt er jedoch nicht ausgeschlossen. Diesen Weg des Zusammenziehens der Blüte habe ich eingerichtet, Geliebte,

16.68 aus Mitgefühl zum Wohl der Übenden. So [lauten] die Gurus der Kāmarāja-Tradition im Bereich der Shri Vidya.

16.69 Höre nun die Gurus der Lopāmudrā genannten Vidya, Schönangesichtige: zuerst Paramādyaśiva und die ursprüngliche Kāmeśvaryambikā,

16.70 Divyaugha, Mahaugha, Sarvānanda, Prajñādevyambikā und als siebter Prakāśa.

16.71 Diese göttlichen Gurus heißen die Höchsten und bestehen aus dem Licht Lopāmudrās. Divya, Citra, Kaivalyadevyambā und Mahodaya

16.72 gelten als die Vollendeten, die Höchsten-und-Nichthöchsten. Höre den menschlichen Strom: Vidyā, Śakti, Viśva und als vierter Komala,

16.73 als fünfter Parānanda, dann Manohara, als siebter Svātmānanda und als achter Pratibha.

16.74 Diese Gurus heißen die Nichthöchsten, Göttin. Wie zuvor füge man nach diesen acht

16.75 die drei [eigenen Gurus], den eigenen Guru allein oder [die Erweiterung] bis zum neunten hinzu. So ist die Gurufolge der Schüler Dakṣiṇāmūrtis erklärt.

16.76 Es gibt viele Überlieferungen; sie sind gemäß der eigenen Gurufolge zu verstehen. Einem ohne Überlieferung soll man die höchste Reihe nicht geben.

16.77 Die allgemeinen Gurus sind hingegen in allen Zweigen dieselben. Nach der Verehrung der Gurufolge verehre man die Gottheiten der Überlieferungsrichtungen.

16.78 In den Chakras „Die drei Welten bezaubernd“, „Alle Hoffnungen erfüllend“ und „Alles erschütternd“ verehre man die östliche Überlieferung.

16.79 In den Chakras „Alles Glück verleihend“, „Alle Ziele verwirklichend“ und „Allen Schutz gewährend“ verehre man die südliche Überlieferung.

16.80 In den drei inneren Chakras verehre man die westliche Überlieferung; in allen neun Chakras die nördliche, die zu Kubera gehört.

16.81 Im Bindu verehre man den mittleren Thron. Auf dieselbe Weise verehre man die fünf Fünfergruppen.

16.82 Shri Vidya, höchstes Licht, Parā Niṣkalaśāmbhavī, Ajayā und Matrika werden die fünf Schatzkammern genannt.

16.83 Shri Vidya, Lakṣmī, Mahālakṣmī, Triśakti und Sarvasāmrājyā heißen die fünf Lakshmis.

16.84 Shri Vidya, Tvaritā, Pārijāteśvarī, Tripuṭā und Pañcabāṇeśī gelten als die fünf Wunschranken.

16.85 Shri Vidya, Mūlapīṭheśī, Sudhāśrī, Amṛteśvarī und Annapūrṇā sind als die fünf wunscherfüllenden Kühe bekannt.

16.86 Shri Vidya, Siddhalakṣmī, Mātaṅgī, Bhuvaneśvarī und Vārāhī heißen die fünf Edelsteine.

16.87 Die Grundvidya wird Shri Vidya genannt, große Herrin. [Für Lakshmis Bija nehme man] das Ende von Wasser, auf Feuer gestellt, mit Bindu und Nada

16.88 und mit dem linken Auge verbunden: So ist Lakshmis Bija erklärt. Śrī-Bija und Parā-Bija werden [hier ebenfalls] Lakshmis Bija genannt [verkürzte Zuordnung].

16.89 Zuerst spreche man Praṇava und den Laut „hrīṃ“; mit Śrī umschlossen [folgen] „kamale“ und vor „kamala“ „prasīda“ [Syntax der Lautanordnung unsicher].

16.90 Die in „laya“ befindliche Erde setze man an Rudras Stelle; man füge zweimal „prasīda“, das Śrī-Bija und Bhuvaneśvarī hinzu,

16.91 dann das Śrī-Bija, Mahālakṣmī und den Herz-Mantra. Mahālakshmis Mantra besteht nach dieser Darstellung aus siebenundzwanzig Lauten.

16.92 Man schreibe Śrī-Bija, Parā-Bija und Kāmarāja. Dies ist Triśakti, Herrin der Götter, schwer zu erlangen in den drei Welten.

16.93 [Die Vorlage markiert diesen Vers als unsicher:] Mādana mit Mond; die Göttin Lakṣmī mit langem Auge; verbunden mit Viṣṇu und Krūreśvarī, mit Riti und Vaiṣṇavī [Lautchiffren, Zusammenhang unklar].

16.94 Man umschließe [sie] mit dem Śrī-Bija; sie verleiht alle Lehrschriften. Zuerst spreche man Praṇava, dann Parā und Haṃsa,

16.95 danach So’haṃ und Kopf, Göttin. Dies wird als achtsilbig bezeichnet. Allein die Göttin mit dem Veda[-Laut] am Anfang ist Parā Niṣkalaśāmbhavī.

16.96 Haṃsa, am Ende der Ajapā-Laute, heißt Matrika [Text mit Korrekturzeichen, Satz unklar]. [Nun folgen] Praṇava, Bhuvaneśānī, Raum, Mond, Feuer und Wind,

16.97 Bhuvaneśī und Dhruva; man schreibe „sarasvatyai namaḥ“. Dies ist Pārijāteśī, dem kostbaren Pārijāta gleich.

16.98 Die Kāṇḍavānīśvarī-Vidya habe ich hier erklärt. Die drei Bijas und Parā-Bija mit Kāma heißen Tripuṭā.

16.99 Die Vidya Pañcakāmeśvarī wurde beim Bālā-Nyasa genannt. Vāgbhava, linkes Auge und das Ende von Dhruva, mit Bindu verbunden:

16.100 So habe ich die wohlverborgene Mūlapīṭheśvarī-Vidya erklärt. Parā-Bija, Śrī-Bija und der erste Laut Bālās,

16.101 „rājyade rājalakṣmi“, der Mond mit Visarga und die Anfangs-Bijas in umgekehrter Folge: Dies heißt Sudhāśrī.

16.102 Vāgbhava, Bhuvaneśānī, danach Śrī-Bija, Raum und das damit beginnende „khaphaleṃ“: So schreibe man den Laut [überlieferte Lesung unsicher].

16.103 Raum und das damit beginnende „taṃ“, sodann „phrāṃ“: So gilt der Mantra. Der dritte und vierte Laut der Ca-Gruppe, mit Māyā, Ra und Mond verbunden,

16.104 „mahācaṇḍa“, „saṃkarṣaṇi“ und „kālamahāna“, mit Raum und Mond verbunden [bereits in der Vorlage fraglich],

16.105 sowie das Māyā-Bija: So ist der große Mantra Siddhalakshmis erklärt. Annapūrṇā wurde in der nördlichen Überlieferung genannt.

16.106 Man schreibe „mātaṅgini“ und Aṃ [Lesung unsicher], mit Rede-, Māyā- und Śrī[-Bija] umschlossen. Diese Mātaṅginī-Vidya wird zwölfsilbig genannt.

16.107 Raum, mit Feuer verbunden und mit linkem Auge und Mond geschmückt: [Dies ist] Bhuvaneśī, große Herrin, schwer zu erlangen in den drei Welten.

16.108 Zuerst nehme man Vāgbhava, dann die Anrede „bhagavati“, zweimal „vārtāli“, zweimal „vārāhi“ und ebenso „vārāhamukhi“.

16.109 „andhe andhinyai“ mit Verehrung am Ende; danach Rundhinī; „jambhe jambhinyai“ mit Verehrung; „mohe mohinyai namaḥ“.

16.110 „stambhe stambhinyai“ mit Herz; [den Namen] eines bestimmten Menschen zwischen zweimal „stambhana“; „sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarva“ spreche man.

16.111 [Dann] „jihvāstambhaṃ kuru kuru śīghravaśyaṃ kuru kuru“, dreimal das Rede-Kuta, Rede [Textfolge unsicher] und die Gemahlin des Mantrafeuers.

16.112 So ist diese große, in allen Tantras verborgene Vidya erklärt. Die ehrwürdige Göttin sprach: Du hast die in allen Tantras verborgenen Mantras dargelegt, Gott.

16.113 Wie werden Menschen durch ihre Verehrung auf Erden zu seltenen [Vollendeten]? Erkläre dies alles ausführlich, großer Gott.

16.114 Ishvara sprach: Gut hast du gefragt, Segensreiche, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Menschen. [Der zweite Halbvers über den ohne Kenntnis der Geisteswirklichkeit Verehrenden ist sprachlich verderbt; die Vorlage setzt ein Fragezeichen.]

16.115 So wird hier erklärt, was in allen Tantras verborgen ist. Zur Reinheit der Mantras soll man die Prüfung der Mantras durchführen.

16.116 Man teile ein quadratisches Feld durch jeweils drei Linien; in den sechzehn Feldern schreibe man die Laute auf.

16.117 In die durch Indra, Feuer, Rudra, neun, Augen, Paar, Richtungen, Jahreszeiten, acht, sechzehn, vierzehn, Elemente, Unterwelt, fünfzehn, Feuer und Mond bezeichneten Fächer schreibe der Kundige die Buchstaben der Reihe nach [Zahlchiffren; keine geprüfte Rekonstruktion des Diagramms].

16.118 Wo der Anfangslaut des Mantras und der Namenslaut des Übenden zusammentreffen, erkennt man die Siddha-Stelle; die zweite heißt Sādhya.

16.119 Die dritte ist Susiddha, die vierte Ari. Siddha wird mit der Zeit wirksam; Sādhya wird wirksam oder auch nicht.

16.120 Susiddha wirkt augenblicklich; Ari verschlingt den Übenden. Siddha-Siddha wird durch Japa vollendet, Siddha-Sādhya durch die doppelte Menge.

16.121 Siddha-Susiddha [wirkt] durch bloßes Annehmen; Siddha-Ari tötet die Zweimalgeborenen. Sādhya wird unter Mühe wirksam, Sādhya-Sādhya bereitet großes Leid.

16.122 Sādhya-Susiddha [wirkt] durch Verehrung; Sādhya-Ari vernichtet die eigene Stütze. Susiddha-Siddha verleiht durch Studium die gewünschte Frucht.

16.123 Susiddha-Sādhya [wirkt] durch Japa und dergleichen; [die weitere Begründung ist unklar]. Susiddha-Susiddha beruht auf Mühe aus einem früheren Leben.

16.124 [Text stark unsicher:] Wer als Übender den Mantra aller Vollendeten wiederholt, [erlangt es] durch Erinnerung. Bei einem Schädigungsritual betrifft es den Feind [Rest unverständlich; Fragezeichen der Vorlage].

16.125 Besonders bei der Verbindung mit Ari wird gewiss die eigene Familie vernichtet. Ari-Siddha tötet, Ari-Sādhya [schädigt] die Frauen.

16.126 [Der Vers ist bereits in der Vorlage als fraglich markiert:] Der eigene Ari-Siddha-Mantra bewirkt die Verhüllung beziehungsweise Schädigung der Familie; Ari-Ari [führt durch] den erlangten großen Mantra gewiss [zum Unheil; Satzbau verderbt].

16.127 Dies wurde erklärt, große Herrin; andere Auffassungen lasse man beiseite. Bei einem im Traum empfangenen, von einer Frau gegebenen, einem Mala-Mantra oder einem aus drei Bijas bestehenden

16.128 gibt es diese Prüfung nach Siddha und den übrigen Klassen nicht. Am Verehrungsort der Shri Vidya, im königlichen Chakra, höchste Herrin,

16.129 [sie ist] auf einem Sitz gegenwärtig, den die Schar der großen Schatzkammer-Herren schmückt [einzelner Halbvers].

16.130 „Ich verehre die Fußsymbole der Mutter allen Glücks“: So sprechend verehre der Kundige die Schatzkammern vom höchsten Licht an.

16.131 Auf dieselbe Weise verehre er die fünf Fünfergruppen. Die shivaitische Sicht verehre er im Bindu, Geliebte.

16.132 Rings um das Chakra [verehre er] die shaktische Sicht; die brahmanische Sicht im ersten Erdkreis, Geliebte.

16.133 Links von Shiva verehre er die vishnuitische Sicht; im Schöpfungs-Chakra die Sicht des Sonnengottes, Lotusäugige.

16.134 Im Erhaltungs-Chakra verehre er die hervorragende buddhistische Sicht. Nachdem er so alles verehrt hat, erfreue er die Shri Vidya.

16.135 Er bringe erneut dreimal Tarpaṇa mit der Tattva-Mudra dar. Diese besteht aus der Verbindung von Daumen und Ringfinger.

16.136 Mit der Erkenntnis-Mudra bringe er eine Blüte dar. Die Jñāna-Mudra entsteht aus der Verbindung von Daumen und Zeigefinger.

16.137 Nach allen Ehrenerweisungen zeige er nacheinander die Mudras. Dann verehre er die aus dem Shri-Vidya-Mantra entstehende Umhüllung der Glieder.

16.138 Die Gliederverehrung erfolgt in Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, Mitte und Richtungen. Das Bija-Paar aus Māyā und Lakṣmī [werde] in der früher genannten Folge

16.139 verbunden, oder die drei [Bijas], höchste Herrin, oder in der Ordnung des Umschließens, von Helden Verehrte.

16.140 So verbunden verehre er alle der Reihe nach, Schönangesichtige. Im Chakra „Die drei Welten bezaubernd“ verehre er die offenbaren Yoginis.

16.141 Im geschmückten Viereck mit vier Toren gewähren sie Vollkommenheit. Aṇimā verehre er rechts vom Westtor,

16.142 Laghimā rechts vom Nordtor und Mahimā nördlich am Osttor, Geliebte,

16.143 die Vollkommenheit Īśitva am Südtor auf dieselbe Weise, Herrin der Götter,

16.144 die Vollkommenheit Vaśitva im Nordwesten nach derselben Ordnung.

16.145 Icchā-Siddhi verehre er im östlichen Bereich und im Südwesten [Zuordnung verkürzt]; Prāpti-Siddhi und Sarvakāma-Siddhi, höchste Herrin,

16.146 sind der Reihenfolge unten und oben zuzuordnen, Götterschöne. Brāhmī, Māheśvarī, Aindrī, Kaumārī, Vaiṣṇavī,

16.147 als sechste Vārāhī und Cāmuṇḍā sind die sieben Mütter; die achte ist Mahālakṣmī. Vom Westen ausgehend

16.148 verehre man sie links, vom Nordwesten an wie zuvor. [Dann] Erschütterung, Vertreibung, Anziehung, Unterwerfung, Berauschung, großer Stachelstock,

16.149 Khecarī, Bija, Yoni und Trikhaṇḍā. Nach ihrer Verehrung verehre man die höchste Chakra-Herrin Tripurā,

16.150 vor Aṇimā-Siddhi, die alle Vorhaben verwirklicht; man zeige die Sarvasaṃkṣobhiṇī-Mudra, Lotusgesichtige.

16.151 Danach verehre man zur Erfüllung der Vorhaben das sechzehnteilige Chakra „Alle Hoffnungen erfüllend“, in dem die verborgenen Yoginis wohnen.

16.152 [Man verehre] die Anzieherinnen des Verlangens, der Einsicht, des Ichbewusstseins und des Klanges,

16.153 die Anzieherinnen der Berührung, der Gestalt, des Geschmacks und des Duftes,

16.154 die Anzieherinnen des Geistes, der Standhaftigkeit, des Namens und der Bīṇā [unsichere Lesart], Geliebte,

16.155 die Anzieherinnen des Nektars, des Samens, des Körpers und des Selbst.

16.156 Vom Westen aus in umgekehrter Folge verehre man diese ewigen Kräfte mit den Vokalen im Sechzehnerkreis, als nektarströmende Sphären.

16.157 Vor der Anzieherin des Verlangens verehre man die Göttin und Chakra-Herrin Tripureśī, die Fülle schenkt, Geliebte.

16.158 Man zeige die alles vertreibende Mudra und bringe [die Verehrung] dar. Im alles erschütternden Chakra verehre man die „noch verborgeneren“ [Yoginis].

16.159 Anaṅgakusumā verehre man mit der Ka-Gruppe im Osten, Anaṅgamekhalā mit der Ca-Gruppe im Süden,

16.160 Anaṅgamadanā mit der Ṭa-Gruppe im Westen, Anaṅgamadanāturā mit der Ta-Gruppe im Norden,

16.161 Anaṅgarekhā mit der Pa-Gruppe im Südosten, Anaṅgavegā mit der Ya-Gruppe im Südwesten,

16.162 Anaṅgāṅkuśā mit der Śa-Gruppe im Nordwesten und Anaṅgamālinī mit La und Kṣa im Nordosten.

16.163 Dann verehre man die Göttin und Chakra-Herrin Tripurasundarī vor Anaṅgakusumā, die alle Herrschaft verleiht.

16.164 Man zeige die alles anziehende Mudra, von Göttern Verehrte. Nach Darbringung dieser Chakra-Verehrung verehre man das vierte Chakra.

16.165 [Seine Shaktis sind] die Alleserschütternde, Allesvertreibende, Allesanziehende und Alleserfreuende,

16.166 die Allesbezaubernde, Allesstillstellende, AlleszumGähnenbringende und Allesunterwerfende,

16.167 als neunte die Alle-Ziele-Erfreuende, höchste Herrin, die Allesberauschende und Alle-Ziele-Verwirklichende,

16.168 die Mit-aller-Fülle-Erfüllte, die Aus-allen-Mantras-Bestehende und als vierzehnte Shakti die Alle-Gegensatzpaare-Aufhebende.

16.169 Im Chakra „Alles Glück verleihend“ verehre man sie vom Westen aus in umgekehrter, linksläufiger Folge; sie schenken alle Vollkommenheit.

16.170 Vor der Alleserschütternden verehre man die höchste Chakra-Herrin Tripuravāsinī, die Vollkommenheit schenkt.

16.171 Man zeige die unterwerfende Mudra und bringe [die Verehrung] dar. Im zehnteiligen Chakra „Alle Ziele verwirklichend“ verehre man die Kula-Yoginis,

16.172 die im fünften [Chakra] alle Vorhaben vollenden, der Reihe nach: die Alle-Vollkommenheit-Verleihende und Alle-Fülle-Verleihende,

16.173 die Alles-Lieb-Machende, Alles-Heil-Bewirkende, Alle-Wünsche-Erfüllende und Von-allem-Leid-Befreiende,

16.174 die Allen-Tod-Beschwichtigende, Alle-Hindernisse-Abwehrende, An-allen-Gliedern-Schöne und Alles-Glück-Verleihende.

16.175 Vom Westen aus verehre man sie in umgekehrter Folge im Zehnerkreis. Vor der Alle-Vollkommenheit-Verleihenden [verehre man] die Chakra-Herrin,

16.176 Tripurāśrī, die alle Vollkommenheit verleiht; man zeige die alles berauschende Mudra und bringe [die Verehrung] dar.

16.177 Im Chakra „Allen Schutz gewährend“ verehre man die Yoginis „Nagarbhā“ [Lesart]: die Allwissende, Allmächtige und Alle-Herrlichkeit-Verleihende,

16.178 die Aus-allem-Wissen-Bestehende, Alle-Krankheit-Vernichtende, Alles-Tragende und Alle-Verfehlung-Fortnehmende,

16.179 die Aus-aller-Wonne-Bestehende, Allen-Schutz-Verkörpernde und Alle-Gewünschten-Früchte-Verleihende: Göttinnen, die alle Fülle schenken.

16.180 Man verehre sie vom Westen aus in umgekehrter Folge im zehnfachen Yoni[-Kreis]. Vor der Allwissenden verehre man die Chakra-Herrin Mālinī.

16.181 Man zeige die große Mahāṅkuśā-Mudra und bringe [die Verehrung] dar. Im mittleren Chakra verehre man die Yoginis, Geliebte.

16.182 Im achtwinkligen, alle Krankheiten beseitigenden Chakra verehre man die geheimen Yoginis Vaśinī und die übrigen, die Vollkommenheit verleihen.

16.183 Die bereits genannten verehre man vom Westen aus in umgekehrter Folge. Vor Vaśinī verehre man Siddhāmbā, die Chakra-Herrin.

16.184 Man zeige die Khecarī-Mudra und bringe [die Verehrung] dar. Im dreieckigen Chakra, das alle Vollkommenheit und alle Wünsche gewährt,

16.185 verehre man die Yoginis namens „Geheimnis des Höchsten und Nichthöchsten“. Man spreche die fünf Pfeile, die aus Kāma und Kāmeśvarī bestehen,

16.186 und verehre die Pfeilgottheiten namens Jambhana [Lähmung]. Kāmas Bogen besteht aus Dha, der zweite aus Tha.

16.187 Man verehre Kāmeśvarīs Bogengottheit namens Mohana [Bezauberung]; das zweite [Bija] und Bhuvaneśānī bilden das unterwerfende Schlingenpaar

16.188 Kāmeśas und Kāmeśīs, das die drei Welten anzieht. Das Stachelstock-Bija aus „karoṃ“ [so die Lesart] heißt Stambhana [Stillstellung].

16.189 Man verehre Kāmeśas und Kāmeśīs Stachelstock; nahe außerhalb der Umhüllung der sechs Glieder verehre man [die Waffen] der Reihe nach,

16.190 vom Westen aus in den vier Richtungen. Vorn verehre man mit dem ersten Kuta Kāmeśvarī, Rudras Shakti,

16.191 mit dem zweiten, Kāma genannten Kuta die vishnuitische [Shakti] in der rechten Ecke und mit dem dritten

16.192 Bhagamālā, Brahmas Shakti, die Mutter des Alls, im Norden. Die Chakra-Herrin Ambikā verehre man vor Kāmeśī.

16.193 Nach der Bija-Mudra bringe man die Chakra-Verehrung dar. Im königlichen Chakra, das ganz Wonne ist und Bindu heißt,

16.194 Brahmans Gestalt, Bewusstseinsgestalt, durch Bewusstsein erkennbar – höre, Geliebte –, verehre man Tripurā, die Yogini des Geheimnisses von Höchstem und Nichthöchstem.

16.195 Man spreche die drei Kutas, die Gestalt aller Vidyas, und verehre [sie] als Gestalt sämtlicher Gottheiten und als alles Seiende.

16.196 Auch die Chakra-Herrin ist sie selbst: Mahātripurasundarī, die sechzehnlautige Shri Vidya, die als Frucht Erfahrung und Befreiung schenkt,

16.197 Herrin aller Chakras, von allen Agamas verehrt, Herrin aller Überlieferungsrichtungen, mit Vidya geschmückt, Brahmans Gestalt.

16.198 Mit Duft, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Ehrenerweisungen verehre man sie; dreimal bringe man erneut Tarpaṇa mit der Grundvidya dar.

16.199 Man zeige die Yoni-Mudra und danach die Mudras der Reihe nach. Mit reinen, angenehm duftenden, aus Pflanzensäften gewonnenen

16.200 vorzüglichen Räuchermitteln, etwa der zehnteiligen Mischung, räuchere man für die höchste Herrin. [Eingeklammerter Text:] Moschus, Safran, Guggulu und Harz des Salbaumes,

16.201 Sandel, Aloeholz, Kampfer, Zucker, Ghee und Honig vereine der Lehrer zum täglichen Räuchern, zur Vollendung allen Glücks.

16.202 Mit dem Räuchermantra, Herrin der Götter, [erlangt man] selbst in den drei Welten schwer Erreichbares. Rings um Altar und Chakra [bringe man] mit Ghee getränkte Lampenreihen,

16.203 auch Kampferlichter oder mit Öl gefüllte [Lampen] dar. Nach Räucherwerk und Licht bringe man wie zuvor Tarpaṇa dar, Geliebte.

16.204 Man vollziehe Arati wie zuvor, von Göttern Verehrte. Eine weitere, alle Wünsche erfüllende Arati werde ich erklären.

16.205 In einem aus Gold oder anderem [geeignetem Material] gefertigten Gefäß zeichne der Kundige ein Chakra, schmücke es mit Reiskörnern und teile es neunfach.

16.206 Dann forme er neun mondförmige Kugeln und paarige, mit Zuckerfüllung versehene Fladen,

16.207 bereite kleine Gefäße, indem er jeweils sieben verbindet; in Gruppen von sieben ordne er neun Gefäße an [Herstellung und Zählung verkürzt].

16.208 Er stelle sie in die acht Ecken und lege die Kugeln darauf; nach dem Ausstreuen von Kichererbsen [caṇa; folgende Lesart unsicher] [bereite er] Lampen mit Ghee,

16.209 stelle hier und dort faustförmige [Lampen] hin, entzünde sie und verehre sie mit den fünf Edelsteinen.

16.210 Dort verehre er die Vidyas der fünf Throne; er hebe [das Licht] bis zum Kopf und bewege es immer wieder neunmal,

16.211 wie bei den neun Umhüllungen. Nach wiederholtem Kreisen setze er es ab und betrachte das Licht der Lampenreihe

16.212 fest zwischen den Augen. Dies ist die Arati, Geliebte. Die Speisegabe soll alle sechs Geschmäcker, Zucker und Kuchen enthalten,

16.213 mit Zucker gefüllte Fladen, Milchreis und reinen gekochten Reis, weiß wie Perlen und Kampfer,

16.214 mit Ghee und Kampfer veredelt, reichlich mit Ghee versehen, mit vielerlei Beilagen und safranfarbenen Bällchen geschmückt,

16.215 mit Masha-Bohnenreis, verschiedenen wohlschmeckenden Getränken, Ghee und Milch gefüllt und mit den vier Mudras versehen.

16.216 Nach der Widmung an die höchste Herrin vollziehe man das tägliche Feueropfer; mit dem Grundmantra und den Lebenskräften opfere man fünf Gaben.

16.217 Sechs Gaben gelten den sechs Gliedern: So ist das tägliche Feueropfer erklärt. Danach nehme man links auf einem schönen Sitz Platz.

16.218 Der Übende knie auf dem Boden; von der nach oben gewandten Handfläche [ausgehend; Ausdruck unklar] zeichne er dort ein viereckiges Mandala, Geliebte.

16.219 In seiner Mitte [zeichne er] ein Dreieck und darin den Raum genannten Kreis. Er verehre das Mandala mit „vyāpaka“, danach „maṇḍalāya“ und Herz am Ende, Vāgbhava als Erstem.

16.220 Mit diesem an den Anfang gesetzten [Bija] verehre er das Mandala durch den Mantra. Nach dessen Verehrung [bereite er] vier weitere Mandalas

16.221 im Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten wie zuvor und verehre sie auf dieselbe Weise, Geliebte.

16.222 Wie zuvor bringe er Bali zur Erlangung aller Fülle dar: für Baṭuka, große Herrin, und für die Yoginis, Geliebte,

16.223 für Kṣetrapāla und Gaṇeśa ebenfalls wie zuvor. Auf das links errichtete Mandala lege er

16.224 einen Untersatz und verehre ihn; [darauf] ein Gefäß mit Speise, Wasser und Kāraṇa. Nachdem er den Mantra darüber gesprochen hat, bringe er Bali für alle Wesen dar,

16.225 dreimal mit dem sechzehnlautigen Mantra, von Helden Verehrte. [Dann spreche er] Tāra, Bhuvaneśānī und „sarvavighna“,

16.226 „kṛdbhyaś ca sarvabhūtebhyo“, „huṃ“ und die Geliebte des Feuers. So sprechend bringe er Bali mit der Tattva-Mudra dar.

16.227 Diese fünf Bali-Gaben gewähren den Guten allen Schutz. Oder er bringe alle fünf zusammen im umfassenden Mandala dar.

16.228 Links verweilend beseitigt er alle Hindernisse. Hat er das gesamte Chakra vorschriftsgemäß verehrt, höchste Herrin, wird er durch die Gnade des ehrwürdigen Gurus allwissend und zum Kenner aller Wirklichkeiten.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, der 16. Paṭala: „Verfahren der Shri-Vidya-Verehrung“.

Spirituelle Erläuterung: Die lange äußere Verehrung beginnt mit innerer Sammlung und der Göttin als höchstem Bewusstsein (16.2–15). Am Ende umfasst die eine Göttin alle Vidyas und Gottheiten (16.194–197). Die Vielfalt der Gaben und Gestalten bleibt auf diese Mitte bezogen.

Siebzehnter Paṭala

Anwendungsverfahren der Shri Vidya.

17.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott der Götter, großer Gott, großer Herr! [Erkläre] die noch nicht gehörte Bedeutung und das höchste Shri-Chakra-Verfahren der sechzehnlautigen Vidya,

17.2 alles von Japa an und die Praxis jedes einzelnen Lautes. Erkläre es, großer Herr, wenn ich deine Geliebte bin.

17.3 Ishvara sprach: Höre, an allen Gliedern Segensreiche, das höchste Verfahren der Shri Vidya. Durch seine bloße Erkenntnis wird man selbst zum allmächtigen Schöpfer und Auflöser.

17.4 Wo das Shri Chakra nach dieser geordneten Vorschrift verehrt wird, bringt man alles in seinen Bann, ohne Zweifel.

17.5 Stadt, Land und Gebiet unterwerfen sich, Bergestochter; alle Frauen werden gefügig und vom brennenden Feuer des Verlangens bedrängt.

17.6 Durch die Vidya im Herzen bezaubert und im Geist auf den Übenden ausgerichtet: So werden alle Frauen durch seinen Anblick, Herrin der Götter.

17.7 Man nehme eine Gebetskette, welche die Laute der Matrika verkörpert. Eine aus Perlen schenkt die Frucht der Rede und der Befreiung,

17.8 gewährt stets alle Vollkommenheit und zieht alle Könige in den Bann. Wie eine Perlenkette wirkt auch eine aus Bergkristall.

17.9 Eine Rudraksha-Kette dient der Befreiung und schenkt alle Fülle und Wohlfahrt; eine Korallenkette dient der Unterwerfung und verwirklicht alle Vorhaben.

17.10 Eine Rubinkette trägt Frucht und schenkt Herrschaft; eine Kette aus Putrajivaka-Samen verleiht den Guten Wissen und Wohlstand.

17.11 Durch eine Kette aus Lotussamen entsteht großer, höchster Wohlstand; eine Kette aus rotem Sandelholz gewährt alle Genüsse.

17.12 Nachdem der Kundige die mit Sandel bestrichene Gebetskette verehrt hat, wiederhole er mit ihr die Vidya hunderttausendmal.

17.13 Frauen versuchen ihn zu verwirren. Bleibt sein Geist völlig fest, vollziehe der vortreffliche Übende das zweite Hunderttausend.

17.14 Die Töchter der Schlangenkönige aus der Unterwelt erregen ihn; doch der Übende gerät durch das Netz ihrer Seitenblicke nicht in Verwirrung.

17.15 Dann vollende er mit festem Geist dreihunderttausend Wiederholungen. Beim dritten Hunderttausend versuchen himmlische Frauen, ihn zu erschüttern.

17.16 Stolz auf ihre Schönheit und berauscht von ihrem Glück, suchen sie den Übenden zum Schmelzen zu bringen; er aber bleibt im Geist fest.

17.17 Dann ist das dreifache Hunderttausend wohl vollendet und tilgt alle Verfehlung. So wiederhole er dreihunderttausendmal, einem Gelübde verpflichtet und innerlich gesammelt.

17.18 Er erregt die Bewohner der Erde, des Himmels und der Unterwelt; Männer, Frauen, Bewegliches und Unbewegliches geraten in seinen Bann, Geliebte.

17.19 Mit Gorocanā und weiteren Stoffen zeichne man das königliche Chakra sehr schön und anmutig; in seine Mitte eine vorzügliche Gestalt,

17.20 leuchtend, mit dem Namen versehen und mit dem großen Bija verflochten. Dann stelle man sich [die Person] vor, selbst wenn Tausende von Yojanas [sie trennen].

17.21 Eine zuvor niemals gesehene, nur vom Hörensagen bekannte und schwer erreichbare schöne Königstochter, Herrin der Götter, verliert Furcht und Scham

17.22 und kommt, durch den Mantra bezaubert, zum Übenden, Geliebte. Wenn der Übende sich in die Mitte des Chakra versetzt,

17.23 sich selbst rot und wie tausend aufgehende Sonnen strahlend vorstellt, auch das Ziel rot werden lässt und kundig den Mantra wiederholt,

17.24 erhält er durch dieses Verfahren selbst die Gestalt des Liebesgottes, wird mit aller Schönheit begabt und zum Geliebten der Frauen.

17.25 Er wird in allen Welten anmutig und zieht alle Welten in seinen Bann. Mit ausschließlich roten Ehrengaben und durch Mudras geschütztem Leib

17.26 fülle er das Chakra. Wessen Name damit verflochten ist, wird wie ein Diener, sei es ein Reicher oder ein König.

17.27 Den Namen einer Frau, selbst einer nie gesehenen, setze der Kundige in die Chakra-Mitte und halte die Yoni-Mudra, große Herrin.

17.28 So zieht er gewaltsam und rasch eine Yakshini, Königstochter, Schlangentochter, Apsaras, Raumwandlerin oder Götterfrau herbei,

17.29 eine himmlisch schöne Vidyadhari, die Tochter eines Sehers oder die Frau eines Feindes, vom Verlangen erhitzt und mit bebenden Hüften,

17.30 deren Inneres von Liebespfeilen durchbohrt ist und deren Augen unruhig werden. Durch Meditation über die große Kāmakalā, von Göttern Verehrte,

17.31 erregt er die Frauen in Himmel, Erde und Unterwelt. [Für das folgende Stirnzeichen nehme man] je einen Teil Rocanā und Safran,

17.32 dazu zwei Teile Sandelholz, verreibe sie gleichmäßig und bereite daraus ein Stirnzeichen, das die drei Welten unterwirft.

17.33 Mit hundertacht Wiederholungen des Mantras bespreche man es. König, Stadt oder Dorf, was immer dadurch angesehen wird,

17.34 gerät in die Gewalt des Mantraträgers, höchste Herrin. Betel, Räucherwerk, Wasser, Blatt, Blüte, Frucht, Dickmilch,

17.35 Milch, Ghee, Pulver, Speise, Kleidung, Kampfer, Moschus, Safran, Kardamom, Gewürznelke und Muskatblüte,

17.36 Frucht oder welcher Gegenstand auch immer: Nachdem man hundertachtmal rezitiert hat, gebe man ihn jemandem.

17.37 Dieser wird gefügig, Göttin; daran sei nicht zu zweifeln. Alle Frauen werden gefügig wie Dienerinnen.

17.38 So ist die Anziehung der Welt erklärt; anders soll es nicht sein. An einem verborgenen Ort zeichne der Mantraträger mit Rocanā auf den Boden

17.39 eine schöne, entzückende Gestalt, in anmutiger Liebestracht und mit allem Schmuck versehen.

17.40 An Stirn, Kehle, Herz, Nabel und Ursprungsbereich [setze er] den Geburtsnamen und die große Vidya, mit dem Stachelstock am Ende verflochten.

17.41 An alle Gelenke des Körpers schreibe er den Madana-Laut und denke ihn dort eingegangen, leuchtend wie die Granatapfelblüte.

17.42 Er wende sich ihrer Richtung zu, selbst von der Gestalt der Göttin, bilde die erschütternde Mudra und wiederhole den Mantra hundertachtmal.

17.43 Er setze [die Kraft] in den Liebesbereich ein, der aus Mond- und Sonnenkräften besteht. Dann wird sie an allen Gliedern erschüttert und von Liebespfeilen bedrängt,

17.44 an nichts anderes denkend, vor Liebe verwirrt und berauscht. So zieht man eine Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbei.

17.45 Außen um das Chakra schreibe man die gesamte Matrika, Geliebte, auf Birkenrinde oder auf eine Gold-, Silber- oder Kupferplatte.

17.46 [Der Träger gilt dann als] unverwundbar für alle Wesen, besonders Tiger und andere Tiere. Trägt das Chakra ebenso die Matrika und den eigenen Namen, mit Kampfer, Safran und Ähnlichem [geschrieben], erlangt er Alterslosigkeit und Unsterblichkeit.

17.47 Nach diesem Verfahren, Göttin, [schreibe man] mit Rocanā, Aloeholz und Safran.

17.48 Im Zusammenhang mit dem Chakra schreibe man den Namen des Ziels, Schönangesichtige, verflochten mit dem eigenen Namen, wo immer [das Ziel] sich befindet.

17.49 Bewegliches und Unbewegliches, die ganze Menschenwelt bringt man in seine Gewalt und unter seine Füße, große Herrin, ohne Zweifel.

17.50 Mit dem leuchtenden Kāma-Kuta der Mahātripurasundarī umschließe man jeden einzelnen Buchstaben des Zielnamens;

17.51 auch außen umgebe man ihn mit allen Matrika-Lauten. Man fasse [das Geschriebene] in Gold und trage es am Haarschopf oder linken Arm.

17.52 Wo immer man es trägt, unterwirft es die drei Welten; selbst den König der Könige macht es zum Diener, Herrin der Götter.

17.53 Könige, Pferde, Schlangen, gefährliche brünstige Elefanten, Tiger und wilde Löwen werden ihm gefügig.

17.54 Nach der früheren Ordnung verflechte man den Namen einer Stadt und lege [das Chakra] in ihrer Mitte, an einer Kreuzung oder in den vier Richtungen nieder.

17.55 So entsteht große Erregung bei Frauen, bei bedeutenden Menschen, bei allen Bösartigen und den Bewohnern der Stadt.

17.56 Man denke sich darin die Erde mit Bergen, Wäldern und Höhlen, leuchtend, von allen Königen geschmückt und vom Ozean umkleidet.

17.57 Wer dies sechs Monate lang betrachtet, wird dem Liebesgott selbst gleich. Durch einen bloßen Seitenblick werden ihm Frauen gefügig.

17.58 Könige, Brahmanen, Vaishyas, Shudras, Tiere und Welt: Durch seinen Blick zieht er die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem an.

17.59 Durch seinen Blick vernichtet er Feinde, daran sei nicht zu zweifeln; ebenso Bhutas, Pretas, Pishachas und viertägig wiederkehrende Fieber,

17.60 Koliken, Bauchgeschwülste und andere Krankheiten vernichtet er augenblicklich durch seinen Blick. Wird dieses [Chakra], mit Zinnober geschmückt, nachts verehrt,

17.61 zieht es eine Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbei. Ebenso [erreicht es] in Haupt- und Zwischenrichtungen selbst die Himmelsbewohner,

17.62 die es rasch mitsamt Kindern, Vieh und Verwandten unterwirft. Man zeichne es auf Birkenrinde mit Rocanā, Aloeholz und Safran,

17.63 in die Mitte Stadt, Land, Gebiet oder Bezirk, mit dem eigenen Namen verflochten; nach vorschriftsgemäßer Verehrung

17.64 vergrabe man es in der Erde, um die drei Welten zu unterwerfen. Oder man trage es am Hals, Haarschopf oder Oberarm.

17.65 Wo es sich auch befindet, Segensreiche, erregt es eine große Stadt. [Es folgt eine historische Rezeptur:] Arka-Milchsaft und Dhattura-Saft,

17.66 Rocanā und Safran, Lack und roter Lackfarbstoff, Moschus und „Mond“ [Kampfer] werden zusammengebracht.

17.67 Mit dieser [Mischung] zeichne man das Chakra mit dem Namen dessen, dem Gefahr durch Tiger, Elefanten, Krankheiten, Feinde oder Schlangen droht.

17.68 Für ihn besteht keine Gefahr durch Diebe, Besessenheitsmächte, Wasserunheil, Shakinis, Dakinis oder fremde Mantras und Schädigungsrituale.

17.69 Er soll es ständig tragen, Göttin; [der Text verheißt,] dass es den zeitbedingten Tod vernichtet.

17.70 Oder man [zeichne] die Göttin in der Mitte beider Dreiecke, mit dem eigenen Namen verbunden und mit Rocanā und Safran bezeichnet,

17.71 und lege [das Diagramm] nieder: Nach sieben Tagen wird [die Zielperson] zum Diener. Man zeichne mit gelben Stoffen und verehre mit gelben Blüten,

17.72 dem Osten zugewandt, um alle Streitredner stillzustellen. Selbst einer mit tausend Mündern wird augenblicklich sprachlos.

17.73 Der Redner, dessen Name eingetragen ist, wird wie ein Stein. Man zeichne das Chakra mit dem Saft der Mahānīlī,

17.74 füge den Namen vorschriftsgemäß ein und verbrenne es, nach Süden gewandt, im Feuer: [Dies gilt als] Tötung von Feinden, Geliebte.

17.75 Mit Büffel- und Pferdedung wohl verrieben und mit Kuhurin schreibe man es, Bergestochter, und füge den Namen wie zuvor ein.

17.76 In sauren Reisbrei gelegt, soll es Zwietracht hervorrufen. Man schreibe den Namen mit Rocanā auf eine Krähenfeder;

17.77 hängt sie frei in der Luft, soll sie den Feind vertreiben. Mit Mahānīlī, Rocanā, Milch und Lacksaft

17.78 schreibe [das Diagramm] der Mantraträger und trage es, um alle Gesellschaftsgruppen zu unterwerfen. Nach demselben Verfahren lege er es in Wasser.

17.79 [Der Text behauptet:] Wer mit diesem Wasser badet oder es trinkt, unterwirft alle; durch dieses Wasser entsteht Glück, ohne Zweifel.

17.80 Man denke sich darin die Erde oder eine Stadt flammend; nach sieben Tagen erregt man sie vollständig, Schönäugige.

17.81 Nun erkläre ich die Vernichtung großer Verfehlungen, höchste Herrin. Man verehre die segensreiche Göttin mit duftenden Blüten, Geliebte.

17.82 Selbst wer große Verfehlungen auf sich geladen hat, wird davon augenblicklich befreit. Mit Shami, Durva-Sprossen, Ashvattha, Palasha oder Arka

17.83 vernichtet ein Mensch innerhalb eines Monats die Befleckung aus sieben Geburten. Nach Osten gewandt verehre man mit gelben Stoffen.

17.84 An einem gelben Ort zeichne man [das Chakra], um alle Streitredner stillzustellen. Nach Norden gewandt zeichne man mit Zinnoberpulver;

17.85 verehrt der Kundige es vorschriftsgemäß, unterwirft er alle Welt. Nach Westen gewandt zeichne man mit Sandelholz;

17.86 durch vorschriftsgemäße Verehrung gewinnt der Kundige die Herzen aller Frauen, wird ihnen lieb und unterwirft sie wie Dienerinnen.

17.87 Nach Süden gewandt verehre man Schwarz im Chakra; bei dem, dessen Name eingetragen ist, geht die Mantrakraft verloren.

17.88 In Südost-, Südwest-, Nordwest- und Nordostecke werde es wie zuvor der Reihe nach verehrt,

17.89 um Stillstellung, Zwietracht, Krankheit und Vertreibung des Feindes zu bewirken. Das mit Rocanā gezeichnete Chakra lege der Kundige in Milch:

17.90 So soll es alle unterwerfen, Göttin, ohne Zweifel; in Kuhurin gelegt soll es den Feind vertreiben.

17.91 In Öl soll das königliche Chakra Zwietracht stiften; mitten im lodernden Feuer soll es den Feind vernichten.

17.92 Zeichnet man es an einer abgelegenen Wegkreuzung mit Zinnoberpulver, so lege man von ganz außen bis zur Mitte

17.93 die Matrika von Ā bis Kṣa hinein und verehre es nachts nach der Ordnung des Kulācāra.

17.94 Der Übende wird dadurch zum Raumwandler, Göttin, ohne Zweifel. Ebenso verehre man es auf einem Berg bei einem einzelnen Baum nach dem Kula-Weg.

17.95 Der Mantrakenner erlangt Alterslosigkeit und Unsterblichkeit und wird glücklich. Auf der Leichenstätte verehre der Kundige das Chakra am Mahābhūta-Tag.

17.96 Nach der früheren Vorschrift, mit festem Geist, [erlangt der Übende] die Vollkommenheiten des Schwertes, des Geistes und der magischen Pille,

17.97 der Sandalen, des Vetala, wiederum des Geistes, der Metalle, der großen unterirdischen Höhle sowie der Yakshini und des dienenden Geistes.

17.98 All dies erlangt der Mantraträger, daran sei nicht zu zweifeln. Nun erkläre ich die große Verehrung der Shri Vidya,

17.99 die höchste vorbereitende Praxis gegen Verfehlungen wie Brahmanentötung. Mit roten Lotussen verehre man das höchste Chakra,

17.100 mit sämtlichen Strahlen, den Nityas und den Überlieferungsrichtungen, nach der Kula-Ordnung, mit Kampferpulver geschmückt.

17.101 In nur einem Monat vernichtet man Millionen großer Verfehlungen aus früheren Geburten vollständig, ohne Zweifel.

17.102 Die schöne Lakshmi bleibt fest in seinem Haus, von Göttern Verehrte. Mit Hibiskusblüten verehre man die Göttin wie zuvor,

17.103 einen Monat lang in derselben Ordnung, höchste Herrin; Verfehlungen wie Brahmanentötung aus früheren Geburten

17.104 werden vernichtet, ohne Zweifel, und der Kundige wird wohlhabend. Mit jungen Ketaka-Blättern verehre man sie wie zuvor, Geliebte.

17.105 In einem Monat vernichtet man die Menge der geringeren Verfehlungen; unvergleichliches Glück entsteht, ohne Zweifel.

17.106 Mit schönen hundertblättrigen Blüten verehre man sie einen Monat wie zuvor, höchste Herrin, und vernichte frühere Verfehlungen.

17.107 Mit reizvollen Champaka-Blüten verehre man die Göttin wie zuvor; in einem Monat tilgt man Verfehlungen aus hundert Geburten.

17.108 Durch Tripurās Gnade wird der Mantraträger glücklich. Mit großen weißen Lotussen verehre man die Höchste, große Herrin.

17.109 Wie zuvor vernichtet man dadurch in einem Monat alle Verfehlungen aus zwanzig Geburten; die Befreiung liegt in seiner Hand.

17.110 Mit Bandhuka-Blüten verehre man sie einen Monat: Die drei Welten werden gefügig, und der Kundige verbrennt frühere Verfehlungen.

17.111 Mit Bilva-Blättern zusammen mit Wasserblüten verehre man sie wie zuvor einen Monat lang mit heiterem Geist, höchste Herrin.

17.112 Man wird reich an Fülle und tilgt stets alle Verfehlung. Mit Mallika, Malati, Jati, Kunda und hundertblättrigen Blüten,

17.113 gemischt mit weißen Wasserlilien, verehre man sie einen Monat nach der Kula-Ordnung; Verfehlungen aus hundert Geburten,

17.114 auch durch Brahmanentötung entstandene, werden vernichtet, ohne Zweifel. Die Befreiung liegt in seiner Hand; in der Rede wird er Brihaspati gleich.

17.115 Mit Agastya-, Bana-, Bandhuka-, Hibiskus- und roten Wasserlilienblüten verehre man sie einen Monat nach der früheren Ordnung mit heiterem Geist.

17.116 Der Mantraträger vernichtet Verfehlung und wird dem Liebesgott selbst gleich. Mit Champaka, Patala, Bakula und Nagakesara, Göttin,

17.117 Kahlara und schönen Sindura-Blüten verehre man sie wie zuvor der Reihe nach. In einem Monat entsteht unvergleichliches Glück.

Unnummerierter Abschluss nach 17.117: Man vernichtet Verfehlung, Göttin, selbst wenn sie aus tausend Geburten stammt.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 17. Paṭala: „Verfahren der Anwendungen der Shri Vidya“.

Achtzehnter Paṭala

Verehrung mit Gold und Edelsteinen.

18.1 Ishvara sprach: Ich erkläre dir die Verehrung mit Edelsteinen, Makellose. Man fertige Blüten aus Rubinen, Göttin.

18.2 Mit ihnen verehre man das königliche Chakra wie zuvor, dazu mit verschiedenen duftenden Blüten, Kampferpulver und Sandelholz.

18.3 In einundzwanzig Nächten macht man zwanzig Herrscher zu Dienern und vernichtet schwere Krankheiten.

18.4 Der Mantraträger wird strahlend wie die Sonne, ohne Zweifel. Mit Perlen und Edelsteinen fertige man goldene Blüten, Schöne.

18.5 Mit ihnen und verschiedenen Blüten vollziehe man die Verehrung wie zuvor. In einundzwanzig Nächten werden Königinnen gefügig, Geliebte.

18.6 Mit Kunstfertigkeit und Glanz begabt wird man auf Erden glücklich. Mit vielen goldenen, korallenbesetzten Blüten verehre man [die Göttin],

18.7 wie zuvor nach der Kula-Ordnung und mit verschiedenen Blüten. Nach dreimal sieben Tagen, Herrin der Götter,

18.8 werden alle Grausamen gefügig und die Scharen der Feinde vernichtet. Ebenso verehre man mit goldenen, smaragdbesetzten Blüten.

18.9 Einundzwanzig Nächte verehre man die geordnete Folge mit verschiedenen Blüten: Die Götter gewähren Gaben, der Feind geht zugrunde; anders soll es nicht sein.

18.10 Mit goldenen Blüten, die kostbare Pushparaga-Steine tragen, verehre man das Chakra. Nach dreimal sieben Tagen, Herrin der Götter,

18.11 werden die Götter gefügig und man wird Brihaspati gleich. [Man verehre] mit goldenen Blüten, die Diamantzierden tragen.

18.12 In einundzwanzig Nächten bezaubert man diese Erde; Götter und Daityas werden gefügig, ohne Zweifel.

18.13 Mit goldenen, saphirbesetzten Blüten verehre man das Chakra einundzwanzig Nächte, ebenso mit blauen Wasserlilien.

18.14 Die Feinde werden vernichtet, die Übrigen gefügig. Mit goldenen, Gomedaka-besetzten Blüten verehre der Kundige [die Göttin],

18.15 mit Kimshuka- und weiteren Blüten wie zuvor, höchste Herrin. Nach sieben Tagen werden die Feinde gefügig, und Vernichtung trifft sie.

18.16 Nach dreimal sieben Tagen vernichtet man eine Ansammlung großer Verfehlungen. Fleischfressende Wesen werden gefügig, ohne Zweifel.

18.17 Mit goldenen, Vaidurya-besetzten Blüten verehre man die Folge; mit Champaka und anderen Blüten verehrt, stellt [die Kraft] augenblicklich die drei Welten still.

18.18 Nach einundzwanzig Wiederholungen wird man von allen Verfehlungen frei. Man verehre nicht mit abgestandenen Blüten, selbst wenn sie golden sind,

18.19 nicht mit bereits dargebrachten oder unreinen Restblüten, höchste Herrin. Verehrt man die Göttin mit goldenen, neun Edelsteine tragenden Blüten,

18.20 werden Götter, Menschen, Schlangenwesen, Rakshasas und alle übrigen nach dreimal sieben Tagen gefügig, ohne Zweifel.

18.21 Man vernichtet Verfehlungen aus Millionen Geburten, ohne Zweifel. Man verehre mit Blüten aus Gold und Edelsteinen, mit den neun Edelsteinen.

18.22 Dann gilt dies als Vollzug von zehn Pferdeopfern, Bergestochter. Fehlt es an ausreichendem Gold und Edelsteinen, höre nun:

18.23 Die vortrefflichen Übenden sollen mit eben denselben Blüten verehren. Welche Blüte wo dargebracht wurde,

18.24 soll dort wieder dargebracht werden, nicht nach Belieben anderswo. Als Schmuck verehre man damit die Herrschaft des Chakra.

18.25 Mit ausschließlich goldenen Blüten stellt man die drei Welten still, Segensreiche. In einem Monat [vernichtet man] Verfehlungen selbst aus sieben Geburten

18.26 und bezaubert die ganze vom Meer umgürtete Erde.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 18. Paṭala: „Erläuterung der Shri-Vidya-Verehrung mit Gold und Edelsteinen“.

Neunzehnter Paṭala

Praxis der drei Tripura-Bijas.

19.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Tripurā ist die höchste Shakti, welche die drei Welten unterwirft. Erkläre die Praxis ihrer höchsten Wonne, Herr,

19.2 diejenige der drei Bijas, Gott der Götter, wenn ich deine Geliebte bin. Ishvara sprach: Diese Vidya, Schöne, ist durch die geordnete Überlieferung zu uns gelangt.

19.3 Sie zerschlägt die Fessel des Werdens; erinnert, nimmt sie Verfehlung fort; durch Japa besiegt sie den Tod; meditiert, verwirklicht sie alle Ziele.

19.4 Verehrt, vernichtet sie Leid, Unglück, Armut und Furcht; durch Feueropfer stillt sie die Menge der Hindernisse, ohne Zweifel.

19.5 Ich erkläre dir die gesonderte Praxis der drei Bijas. In weiße Gewänder gekleidet und mit Duftstoffen und Kampfer geschmückt,

19.6 mit strahlendem Perlenschmuck und weißen Kränzen, in einem weißen Haus und in Brahmacharya lebend,

19.7 verehre man sie mit weißen Blüten und hellen Speisegaben: Milchreis reich an Ghee und Reis mit nektargleichen Früchten,

19.8 mit Ghee-Süßigkeiten und verschiedenen weißen Speisen. Diese Speisegabe zeige man der Göttin Vāgīśvarī, Herrin der Götter.

19.9 Mit ganz weißen Ehrengaben verwirkliche man Befreiung und Redekraft. Kundig wiederhole man die Vāgbhava-Vidya und vergegenwärtige Vāgīśī:

19.10 weiß wie Kampfer, mit weißen Blüten und Schmuck geschmückt, in strahlend weißen Gewändern, mit Diamant- und Perlenschmuck,

19.11 in der Hand eine glänzende Gebetskette aus Perlen und makellosen Edelsteinen, ein Buch tragend und Gaben sowie Furchtlosigkeit gewährend.

19.12 Wer so meditiert, wird zum Herrn aller Vidyas. Von der Wurzel bis zur Scheitelöffnung regnet sie strömenden Nektar.

19.13 Dann meditiere man über die lichtvolle, lampengleiche Zunge. Selbst ein Tor, einem Stein gleich, wird Brihaspati gleich.

19.14 Nun [folgt] der Übende der Kāmakalā-Shakti, höchste Herrin: Er trägt anmutigen roten Schmuck und ist mit roten Duftstoffen bestrichen,

19.15 in rote Gewänder gehüllt und innerlich von der Gestalt Kāmakalās; er verehrt sie mit verschiedenen roten Blüten, Safran und weiteren Gaben.

19.16 Von der Wurzel bis zur Brahma[-Öffnung] ist sie wie eine flackernde Lampe, mit Glanz und Schmuck von der Farbe der Bandhuka-Blüte,

19.17 mit Zuckerrohrbogen und Blumenpfeilen, Gaben und Furchtlosigkeit gewährenden Händen. Die drei Welten sind vom Zinnoberrot ihres Körpers erfüllt.

19.18 Wer dies betrachtet, bezaubert augenblicklich die drei Welten; Könige, Schlangenwesen, Rakshasas und Götter werden gefügig.

19.19 Wie der Liebesgott nimmt er den Frauen ihren Stolz; die Frau, an die er denkt, wird ihm wie eine Dienerin untertan.

19.20 Er betrachte [die Kraft] in der Yoni der Frauen, einem bewegten Mond gleich und von jugendlich rotem Leib; so erregt er selbst himmlische Schönheiten.

19.21 Um wie viel mehr menschliche Frauen, Göttin; selbst die drei Welten bezaubert er. Wird dieselbe Göttin zinnoberrot im Herzen betrachtet,

19.22 zieht er rasch selbst Rambhā oder Tilottamā herbei. Man betrachte die Frau rot [zweiter Halbvers teilweise verderbt; bereits in der Vorlage fraglich].

19.23 An ihrem Scheitel vergegenwärtige man die Bijas und [die Göttin] als Regen strömenden Nektars. So meditierend bezaubert man sie, im Geist vom Verlangen erhitzt.

19.24 In einem Augenblick unterwirft man die drei Welten, Göttin. Durch diese Kāmakalā-Meditation [wirken] die fünf Kamas, Schönangesichtige,

19.25 und bezaubern die ganze Welt. Höre ihre Anwendung, Parvati. Die zuvor genannten Kamas sind unter fünf Namen zu verstehen.

19.26 Mit dem ersten Kāma verflochten, setze man [das Ziel] in Manmatha, umschließe es mit Kandarpa und setze es in das Innere der Winkel.

19.27 [Man füge] den Makaradhvaja genannten [Mantra ein] und setze all dies in Mīnaketu, Schönangesichtige: So bezaubert man diese Erde.

19.28 Dieses Verfahren heißt „Bezauberung der drei Welten“. Höre, Göttin, ich erkläre die Praxis des Shakti-Bijas.

19.29 Im Körper betrachte man die Höchste von Schöpfung bis Auflösung, mit strömenden Nektargüssen regnend, Gift fortnehmend,

19.30 golden strahlend und hell wie ein Blitzbündel; sie trägt einen mit leuchtender Mondkraft gefüllten Krug, zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit

19.31 sowie die Erkenntnis-Mudra und ist unmittelbar Nektargestalt. Durch diese Meditation nimmt der Mantraträger Gift in seinen verschiedenen Formen fort.

19.32 Durch Erinnerung an sie wurde ich zum Blaukehligen, Göttin; als Sieger über den Tod bewege ich mich im Wasser und auf dem Land.

19.33 Wie Garuda wehrt der Mantraträger tausend Giftmengen ab; er vernichtet Bhutas, Pretas, Pishachas und die Menge der Krankheiten.

19.34 Alle viertägig wiederkehrenden Fieber und Anfälle vernichtet er. Nun [folgt] die vollständige dreiteilige Mahātripurasundarī.

19.35 Vom Übenden betrachtet, unterwirft sie rasch die drei Welten. Der Reihe nach befindet sie sich in Nabel-, Herz- und Mundkreis, rot leuchtend,

19.36 klar wie Rubin. Durch diese Betrachtung, von Göttern Verehrte, entstehen ihm achtfache Herrlichkeit und Glück.

19.37 Der Mantraträger, der ihren Namen erinnert, wird den Yoginis lieb; der Kreis der Mütter befindet sich in seinem Körper und erfreut sich mit ihm.

19.38 Durch Meditation wird der Mantraträger mit Söhnen gesegnet, Herrin der Götter, ohne Zweifel. Wenn die vollständige [Göttin] im Chakra steht, verleiht Khecarī Vollkommenheit.

19.39 Denn vierundsechzig Kotis [je zehn Millionen] machtvoller Yoginis verehren dieses Chakra und bleiben darin gegenwärtig, von Helden Verehrte.

19.40 Zuerst am Verbindungspunkt, außen die acht Bijas [Satz verkürzt]: Wer beim Zusammensein mit einer Frau die Kalā betrachtet, wird wie ein weiterer Kāmarāja.

19.41 Mit Schlinge, Stachelstock, Bogen und Liebespfeilen bezaubert er selbst die schönste Göttin der drei Welten; um wie viel mehr sterbliche Frauen.

19.42 Ebenso mit den der Shakti zugehörigen Waffen, sein Leib ganz von ihr erfüllt, unterwirft er Siddhas, Gandharvas und Götter, ohne Zweifel.

19.43 Durch ihre Verehrung wurde Kāma schön und glückverheißend. Hari wurde durch Tripurās Praxis, höchste Herrin,

19.44 zum Bezauberer der drei Welten und beständigen Erhalter. Durch diese Verehrung wurde Brahma zum Schöpfer, und Mond und Sonne, Schöne, zu Kräften von Schöpfung und Auflösung.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 19. Paṭala: „Verfahren der Praxis der drei Tripura-Bijas“.

Zwanzigster Paṭala

Rituelle Anwendungen und Feueropfer; Kolophon ohne eigenen Sachnamen.

Zählung: Die Vorlage springt von 20.112 auf 20.114. Eine Einheit 20.113 wird nicht ergänzt.

20.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre die Vorschrift für Japa und Feueropfer, durch die Hindernisse vernichtet werden. Sprich zum Wohl der Übenden, Shankara, du Gelübdetreuer.

20.2 Ishvara sprach: Höre, Göttin, ich erkläre Japa und Feueropfer, Geliebte. Fest im Gelübde verehre man das gesamte Chakra.

20.3 Man verehre das äußere, das im Inneren befindliche oder das mittlere Chakra; nach den Ehrenerweisungen rezitiere man rein tausendmal.

20.4 Verweilt der Mantraträger davor, ist die Frucht unendlich. Oder er vergegenwärtige das königliche Chakra mitsamt seiner Verehrung

20.5 und beginne kundig mit Japa; so tilgt er große Verfehlungen. Man rezitiere laut, flüsternd oder geistig.

20.6 Lautes Japa erfolgt mit deutlicher Stimme, höchste Herrin; undeutlich hörbares mit sich bewegendem Mund heißt flüsterndes Japa.

20.7 Geistiges Japa, Schöne, besteht aus dem inneren Denken der Lautgestalten. Hunderttausend laute Wiederholungen, Schönangesichtige,

20.8 kommen einer einzigen flüsternden Vergegenwärtigung gleich, Bergestochter; hunderttausend flüsternde Wiederholungen, Lotusäugige,

20.9 kommen einer einzigen geistigen Rezitation gleich, höchste Herrin. Mit durch Mudras geschütztem Körper und der zuvor genannten Meditation

20.10 befreit sich, wer hunderttausendmal rezitiert, von großen Verfehlungen. Durch zweihunderttausend vernichtet man Verfehlungen selbst aus sieben Geburten,

20.11 die großen Verfehlungen voran, ohne Zweifel. Wer danach den Mantra dreihunderttausendmal wiederholt, Kula-Herrin,

20.12 vernichtet Millionen großer Verfehlungen, ohne Zweifel. Bei vierhunderttausend Wiederholungen wird man zum Herrn der Rede.

20.13 Bei fünfhunderttausend wird man Kubera selbst, ohne Zweifel; durch sechshunderttausend wird man ein großer Vidyadhara.

20.14 Durch siebenhunderttausend Wiederholungen erlangt der Mantraträger die Begegnung mit den Khecaris; durch achthunderttausend wird der Mensch von Göttern verehrt.

20.15 Er wird zum Herrn der acht Vollkommenheiten von Aṇimā an. Könige und besonders Frauen werden ihm gefügig, Geliebte.

20.16 Neunhunderttausendmal wiederhole man Tripurasundarī: Man wird Rudras Gestalt, selbst unmittelbar Schöpfer und Auflöser, ohne Zweifel.

20.17 Stets von allen verehrt, in allem gefestigt und mit Glück begabt wird man. Wo sich ein nach Westen gerichtetes Linga befindet,

20.18 ein selbstentstandenes oder ein Bana-Linga, ohne Stier und im Wasser stehend, ein westlich gerichtetes Heiligtum oder ein anderes, Gelübdetreue,

20.19 an Shakti-Stätten, am Ganges, an einem Fluss, auf einem Berggipfel oder an einem reinen, geeigneten Ort rezitiere man die Vidya mit heiterem Geist.

20.20 Dort verweilend rezitiere man hunderttausendmal, unmittelbar von der Gestalt der Göttin. Dann wird diese Vidya zur Unterwerferin der drei Welten.

20.21 So rezitiere man nach Kräften und beginne dann das Feueropfer. Mit Kimshuka-Blüten bringe man ein Zehntel [der Japa-Zahl] als Opfergaben dar,

20.22 oder mit Kusumbha-Blüten, vermischt mit den drei süßen Stoffen. Nach der genannten Vorschrift vernichtet man augenblicklich die Hindernisschar.

20.23 [Diese Praxis] schenkt alle Wünsche, Herrschaft, Erfahrung und Befreiung. Man errichte vorschriftsgemäß eine Feuergrube mit allen geforderten Merkmalen.

20.24 Eine Yoni-Grube verleiht Redekraft, eine Bhaga-Form Anziehung; eine runde schenkt Wohlstand, eine halbmondförmige alle drei [Früchte].

20.25 Eine Grube aus neun Dreiecken verleiht Khecarī-Vollkommenheit; eine quadratische bewirkt Frieden, Wohlstand, Gedeihen, Wachstum und Wasser.

20.26 Eine sechseckige mehrt alle Fülle, Reichtum und Glück; eine lotusförmige bewirkt alle Fülle, von Göttern Verehrte.

20.27 Eine achtblättrige schenkt die gewünschte Frucht, Schöne. All diese Wirkungen lassen sich auch in einer quadratischen [Grube] erzielen.

20.28 Höre, Göttin, ich erkläre die Merkmale des Quadrats. Der Kundige fertige ein gleichmäßiges Quadrat von einer Hasta [Elle] Seitenmaß,

20.29 mit Umrandungen; höre seine vorzüglichen Merkmale. Die Grube sei fünfzehn Angulas [Fingerbreiten] tief und schön gestaltet.

20.30 Am Halsrand lasse man eine Fingerbreite frei; die erste Umrandung sei neun Fingerbreiten hoch und sechs breit.

20.31 Die zweite Umrandung sei vier Fingerbreiten breit und sieben hoch; die dritte

20.32 sei fünf Fingerbreiten hoch und zwei breit. Die Umrandungen seien vier, drei und zwei [Fingerbreiten] breit, Geliebte [abweichende Angabe im selben Zusammenhang].

20.33 Oder die Grube sei zwölf Fingerbreiten tief; die Umrandungen gestalte man mit zwölf, acht und deren Hälfte [Maßbezug nicht ausdrücklich genannt].

20.34 Länge und Höhe seien jeweils vier Fingerbreiten [Bezugsobjekt unklar]. An der Westseite der Grube fertige man eine wohlgestaltete Yoni,

20.35 zwölf Fingerbreiten lang und acht breit, in Form eines Ashvattha-Blattes oder eines Dreiecks.

20.36 Höre nun die Merkmale einer weiteren Möglichkeit: Der Kundige fertige eine achtzehn Fingerbreiten tiefe Grube.

20.37 Die Umrandung sei vier Fingerbreiten breit und sechs hoch; sie werde wie zuvor angelegt, ebenso die Yoni.

20.38 Eine dreieckige Grube messe an jeder Seite vierundzwanzig Fingerbreiten; man grabe sie wie zuvor und lasse am Halsrand eine Fingerbreite frei.

20.39 Die Umrandungen seien wie zuvor, oder nur eine einzige; ebenso die Yoni. So ist die dreieckige [Grube] erklärt.

20.40 Die dreieckigen und weiteren Gruben bemesse man so, dass sie der quadratischen Grube gleichkommen, Bergestochter.

20.41 Die Yoni-Grube sei yoni-förmig, die Bhaga-Grube bhaga-förmig; wie beim Dreieck fertige man sie nach dem Maß des Quadrats.

20.42 Eine vier Ellen lange Schnur lege man kreisförmig und zeichne damit den Kreis; die Ausschachtung erfolgt wie zuvor.

20.43 Umrandung und Yoni sind wie zuvor beschrieben. Die halbmondförmige Grube [bemisst man] nach ihrem Umfang,

20.44 vier Ellen, sodass die Halbmondform entsteht; Umrandung und Yoni seien wie zuvor, höchste Herrin.

20.45 Die Grube aus neun Dreiecken erkläre ich nun, Schönangesichtige. Der Kundige gestalte sie entsprechend dem inneren Chakra.

20.46 Das mittlere Dreieck sei wie das zuvor beschriebene Dreieck, doch ohne Umrandung, sodass die neunwinklige [Gestalt] entsteht.

20.47 Durch die Unterscheidung der Schnittstellen entstehen die acht [weiteren] Winkel. Jeden Teil grabe man entsprechend der jeweiligen Berechnung aus.

20.48 Die Umrandungen fertige man wie zuvor, am Halsrand eine Fingerbreite freilassend; ebenso die Yoni, die alles Glück mehrt.

20.49 Die achtblättrige [Grube] hat Lotusform, große Herrin; nach dem Maß des Quadrats erhält sie acht Blätter.

20.50 Man grabe sie als zusammenhängende, dem Auge angenehme Form aus; die Umrandung sei wie zuvor, in erfreulicher Lotusgestalt.

20.51 Ebenso fertige man die Yoni zur Erlangung aller Fülle. Nach solcher Errichtung der Grube vollziehe der Kundige das Feueropfer.

20.52 Die Grube wird unter Berücksichtigung des Lampenplatzes angelegt. Man zeichne eine runde, schildkrötenförmige Figur, Schönäugige.

20.53 Darin bilde man neun Felder und schreibe die Laute; in das mittlere Feld den Ortsnamen, dann in die anderen

20.54 nacheinander je ein Vokalpaar in den acht Richtungen. So ist die A-Gruppe erklärt; die sieben Gruppen von Ka an

20.55 schreibe man vom Osten bis zur Kubera-Richtung [Norden]. La und Kṣa schreibe man in die Shambhu-Ecke [Nordosten] des Schildkrötendiagramms.

20.56 Das Feld, in das der Ortsname fällt, erkenne als Mund, Parvati. Die beiden Seiten des Mundes sind die Hände.

20.57 Die beiden folgenden Seiten sind die Bauchregion, von Göttern Verehrte; danach kommen die beiden Füße und zuletzt der Schwanz.

20.58 Am Mund gelingen die Vorhaben und Hunderte von Wünschen; an den Händen entsteht große Mühe, welche alle Vorhaben zunichtemacht.

20.59 Am Bauch entsteht großes Leid, an den Füßen Verlust; am Schwanz Vermögensverlust. Anders soll es nicht sein.

20.60 So habe ich den Lampenplatz erklärt, der in den drei Welten schwer zu erlangen ist. Man bestimme ihn für Stadt, Dorf oder Gebiet.

20.61 Wo immer man ihn bestimmt, gelingt das Vorhaben, Geliebte. Nach dem Namen des Gebietsherrn untersuche man den Lampenplatz.

20.62 Dort vollziehe man Japa und stets fruchtbringendes Feueropfer. Im Nordosten des Pavillons errichte man eine wohlgestaltete Grube.

20.63 Auf einem ebenen, mit Kuhdung bestrichenen Boden bereite man ein Sandmandala von der Höhe eines Daumengliedes.

20.64 Darin ziehe man drei Linien vom Westen nach Osten; danach zeichne man drei Linien in rechter Umlaufsfolge,

20.65 die nach Norden enden; lege den Zeichenstift dort nieder und besprenge [das Feld]. Danach mit Zinnober,

20.66 Safran, Kampferpulver, Gelbwurzpulver oder Getreidemehl, Geliebte,

20.67 zeichne man Dreieck, Sechseck, acht Blätter und ein Viereck mit vier Toren: So zeichne man das Mandala.

20.68 In die Mitte lege man eine Blüte für Tripureśī, Schönangesichtige. Dann vollziehe man die Reinigung der Opferlöffel und übrigen Gefäße.

20.69 Brennholz, Durva und Darbha teile man in zwei Gruppen; die Gefäße für Ghee und gekochte Opferspeise stelle man paarweise auf,

20.70 danach kleinen und großen Opferlöffel sowie Wasser- und Sprenggefäß, paarweise und mit den Öffnungen nach unten, höchste Herrin.

20.71 Mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß versehe man das Sprenggefäß; nach dreimaligem rituellem Durchseihen besprenge man mit diesem Wasser

20.72 sämtliche Gefäße: So werden sie gereinigt. Danach richte man die Öffnungen auf und bespreche sie mit Bālā.

20.73 Rings um die Grube breite man Durva aus, mit den Spitzen nach Osten und Norden; dies heißt Umstreuung.

20.74 Man halte den gut geformten Opferlöffel in der linken Hand und wische seine Mündung mit Darbha-Sprossen von Westen nach Osten

20.75 dreimal aus; dann führe man [den Halm] unten entlang und oben wieder bis zur Mündung, während man den Mantra spricht.

20.76 Durch Bālā werden [die Geräte] rein, Schöne. Man spreche die Grundvidya und füge „kuṇḍāya namaḥ“ hinzu.

20.77 Mit diesem Mantra verehre der Kundige die Grube. In ihrer Mitte [rufe er] Kāmeśvarī, mit Kāma verbunden und in ihrer fruchtbaren Zeit,

20.78 herein, verehre sie und bringe das Feuer in ihren Schoß. Mit der Grundvidya und den beiden Augen-Mantralauten blicke er darauf.

20.79 Mit dem Waffen-Mantra schütze er es; dann trage er das im Behälter befindliche [Feuer] dreimal rechtsherum um die Grube.

20.80 Einen Teil des Feuers entnehme er dem Behälter und lege den Anteil des Fleischverzehrers mit der auf „huṃ phaṭ“ endenden [Formel] in die Südwestecke.

20.81 Mit dem Panzer[-Mantra] verehre er es, knie auf den Boden und setze es in die Grubenmitte. [Er spreche] Kāma-Bija und „vahni“

20.82 und schreibe „mūrtaye namaḥ“: Mit diesem Mantra verehre er die Göttin. Durch den gerade wirksamen Kanal beziehungsweise die Nasenöffnung [führe er] das im Nabelkreis befindliche

20.83 Erkenntnisfeuer [hinaus], vereinige es mit dem äußeren Feuer und verehre es. Er spreche die Grundvidya und „āṃ so’ham“.

20.84 Dann „vahnicaitanya“ im Dativ, verbunden mit dem Herz-Mantra. Mit diesem Mantra betrachte er [das Feuer] im Schoß Kāmeśvarīs.

20.85 Am Leib des Feuers ordne er die sechs Glieder an, von Helden Verehrte: Sahasrārciḥ, Svastipūrṇa, Uttiṣṭhapuruṣa,

20.86 Dhūmavyāpī, Saptajihva und Dhanurdhara. Im Dativ ordne man diese Namen den sechs Gliedern zu, Lotusäugige.

20.87 Tāra, danach „vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya“:

20.88 Mit der Gemahlin des Feuers verbunden ist dies der Mantra, mit dem man das Feuer verehrt. Man meditiere über das goldfarbene Feuer, das Speer und Svastika trägt,

20.89 mit der Geste der Gabengewährung und schönem Goldschmuck. Nach dieser Verehrung des Feuers, Lotusäugige, betrachte man in seinem Mund

20.90 ein Sechseck und verehre darin die sieben Zungen. Feuer und Wind mit linkem Ohr, geschmückt mit Nada und Bindu,

20.91 verbinde man nacheinander mit den Zungen. Sie bestehen aus den sieben [Lauten] von Ya bis Sa.

20.92 Sie leuchten wie Rubin und glühendes Gold, von Göttern Verehrte. Die Hiraṇyā genannte verehre man in der Shambhu-Ecke.

20.93 Die goldene Kanakā glänzt wie Vaidurya; nach ihrer Verehrung in der östlichen Ecke verehre man Rudralohitā,

20.94 wie die aufgehende Sonne leuchtend, Raktā genannt, in der Feuerecke; die blaue, blau strahlende Kṛṣṇā verehre man im Südwesten.

20.95 Die weiße, perlengleiche Śubhrā verehre man im Westen; die rauchige, rubingleiche, tiefrote [Dhūminī] im Nordwesten.

20.96 Karālī, wie Millionen Monde leuchtend und vielgestaltig, verehre man in der Mitte, im südlichen und nördlichen Bereich, alle Vollkommenheit verleihend [Ortsangabe mehrdeutig].

20.97 Nach dem jeweiligen Zungen-Bija verehre man der Reihe nach die Namen: Agni, Hutavāhana, Hutāśana, Vartman,

20.98 Devamukha, Saptajihva, Vaiśvānara und Jātavedas: diese acht Namen nacheinander.

20.99 Nach der Verehrung des aus Kāmeśīs Schoß entstandenen Feuers nehme man einen Darbha-Reif und binde ihn an die Hand, Schönäugige.

20.100 Mit dem Grundmantra und dem vierten Pfeil bringe man Opfergaben dar. So vollziehe man die Empfängniszeremonie, Scheitelteilung und die weiteren [Lebensriten],

20.101 für das aus Kāmeśīs Schoß geborene Feuer auch Haarschur und weitere Weihen. Mit dem Grundmantra vergegenwärtige man sie und verehre das äußere Chakra.

20.102 In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Glieder, in den acht Ecken die Mütter, im Erdkreis die Weltenhüter; man denke sich das Feuer erwachsen.

20.103 Im Süden verehre man Brahma und das Ghee-Gefäß. Nach vorschriftsgemäßer Feuerverehrung, Bergestochter, rufe man in seinen Mund

20.104 das königliche Chakra mit allen Strahlen, von sämtlichen Thronen bedient, und verehre es mit Ehrengaben.

20.105 Der Rauch breite sich reichlich aus und erfülle Grube und Pavillon. Der Mantraträger zeige Licht und ordne dann viele Lampen, Geliebte,

20.106 kranzförmig um die drei Umrandungen. Danach verteile man die gekochte Opferspeise in allen Richtungen, um Glück zu erlangen.

20.107 Nach dem erklärten täglichen Feueropfer vollziehe man das wunschbezogene. Mit Malati-, Jati- und Mallika-Blüten, mit Honig gemischt

20.108 und reich an Ghee, opfere man: Herrschaft über die Rede entsteht selbst beim Stummen, Toren oder einem Stein Gleichen; anders soll es nicht sein.

20.109 Mit Hibiskus- und ebenso Oleanderblüten, mit Ghee verbunden, bezaubert der Mantraträger durch das Opfer die Bewohner der drei Welten.

20.110 Durch Opfer von Kampfer und Safran, mit Moschus gemischt, wird selbst der Liebesgott vom Mantraträger übertroffen,

20.111 an Glück, Anmut und Kraft, Gelübdetreue. Nach Opfer von Champaka- und Patala-Blüten [erlangt er] herrlichen, strahlend gewandeten Wohlstand.

20.112 Der Mantraträger erlangt große [Fülle] und stellt diese Erde still. Mit Sandel, Guggulu, Kampfer und Aloeholz opfere man; dadurch unterwirft man die Frauen der Könige, Schlangenkönige und Götter.

20.114 Alle Welten werden ihm gefügig, ohne Zweifel. Durch Lackopfer erlangt der von Armut und Furcht Bedrängte Herrschaft; durch Opfer von Fleisch mit den drei süßen Stoffen werden Bedrängnisse in Festungen beschwichtigt.

20.115 Für weit Entfernte vollziehe der nach Unterwerfung Strebende das Feueropfer nach dem vom Guru gewiesenen Weg; anders bleibt es fruchtlos.

20.116 Durch nächtliches Opfer von blutbenetztem Ziegenfleisch, mit den drei süßen Stoffen verbunden, nach der vom Guru genannten Vorschrift,

20.117 bringt man ein fremdes Reich samt großer Festung vollständig in seine Gewalt. Mit „großem Fleisch“ [ritueller Sonderbegriff] vernichtet man das Heer des Feindes.

20.118 Durch ein nächtliches Feueropfer an einer Kreuzung wird man zum Raumwandler. Milch, Honig, Dickmilch und Ghee bringe man gesondert dar:

20.119 Der Reihe nach entstehen den Menschen Lebensdauer, Vermögen, Gesundheit und Fülle. Durch Milch und Honig wird der Tod vernichtet, Bergestochter.

20.120 Durch Opfer von Dickmilch und Honig erlangt man Glück und Vermögen; ein Opfer ausschließlich aus Zucker bewirkt Stillstellung des Feindes.

20.121 Ein Opfer von Dickmilch, Honig, Milch und Puffreis vernichtet Krankheit, Zeit und Tod, von Helden Verehrte, ohne Zweifel.

20.122 Ein Opfer mit roten Lotussen schenkt volle Wohlfahrt; mit roten Wasserlilien wird die Welt unterworfen, Könige werden augenblicklich gefügig.

20.123 Durch blaue Wasserlilien werden große Übeltäter gefügig; durch weiße Wasserlilien erlangt man Wohlstand und Redekraft, Geliebte.

20.124 Durch weiße Brahma-Lotusse erlangt man Lakshmi und Glück; durch Kahlara-Blüten gewinnt der Mantraträger Glück und Vermögen.

20.125 Durch ein vollständiges Granatapfelopfer unterwirft man große Asuras; durch Opfer von Matulunga-Früchten werden Kshatriyas gefügig.

20.126 Durch Orangenopfer werden Vaishyas gefügig; durch Opfer von Kushmanda-Früchten Shudras und andere.

20.127 Durch hunderttausend Opfergaben von Weintrauben [erlangt man] die acht Vollkommenheiten, ohne Zweifel. Durch hunderttausend Bananenopfer werden Könige

20.128 in der Zahl zehn gefügig, ohne Zweifel. Durch hunderttausend Dattelopfer werden Herrscher

20.129 in der Zahl zwanzig gefügig: So lautet die Weisung des höchsten Herrn. Durch Kokosnussopfer entsteht Fülle, Geliebte.

20.130 Nach hunderttausend [Gaben] wird der Mantrakenner wie ein weiterer König. Durch hunderttausend Opfer reifer Mangofrüchte, Schöne,

20.131 unterwirft man die Erde bis zu den vier Meeren. Durch hunderttausend Jackfruchtopfer werden hundert Könige

20.132 gefügig, Herrin der Götter, daran sei nicht zu zweifeln. Durch Sesam- und Ghee-Opfer gelingt das Vorhaben, Geliebte.

20.133 Mit Senfsamen und Salz unterwirft man bösartige Menschen; durch Guggulu-Opfer vernichtet man alle Leiden.

20.134 Mit Safran opfere man, um die drei Welten zu unterwerfen; auch durch Sandelopfer werden Feinde rasch gefügig.

20.135 Durch rotes Sandelholz werden Männer und Frauen gefügig; durch Kampferopfer erlangen Menschen Herrschaft über die Rede.

20.136 Durch Moschusopfer werden Könige und königliche Minister mitsamt ihrem gesamten Gefolge gefügig, Geliebte.

20.137 Durch Sesam- und Reisopfer entsteht Frieden im Haus; durch Zucker- und Rohzuckeropfer werden alle gewünschten Ziele verwirklicht.

20.138 Durch Opfer von Ghee und mit Zucker versetztem Milchreis unterwirft der Mantraträger die drei Welten; gewiss gelingt die Getreideversorgung.

20.139 Mit gewürzten Speisebällchen vernichtet man Bedrängnisse.

20.140 Ein Opfer von Bandhuka-Blüten vernichtet alle Feinde; Hibiskusblüten unterwerfen die Welt, Waldblüten bewirken Bezauberung.

20.141 Mit Bakula-Blüten opfere man: Großes Glück entsteht. Durch Opfer des zehnteiligen Räucherwerks entsteht unvergleichliches Glück.

20.142 Durch Jambu-Früchte werden Frauen gefügig, durch Kushmanda-Früchte Daitya-Töchter; durch Shri-Früchte oder ihre Blätter [erlangt man] unvergleichliche Lakshmi.

20.143 Durch Zuckerrohrstücke erlangt man Glück; durch Zuckerrohrsaft oder Kokoswasser werden Königstöchter gefügig, Herrin der Götter.

20.144 Durch ein Opfer ausschließlich aus Ghee werden alle Shaktis zu Gabenspenderinnen. Höre, Göttin, ich erkläre die Mengen, die das Feueropfer vollenden.

20.145 Man opfere die ganze Blüte, auch einen großen Lotus; Kusumbha- und Waldblüten opfere man nach Wunsch, Geliebte.

20.146 Sesamkörner und Senfsamen jeweils in der Zahl hundert, Puffreis eine Handvoll, Ghee ein Gadyāṇa-Maß.

20.147 Wasser beziehungsweise Milch eine halbe hohle Hand, Speise einen Bissen. Große Früchte, etwa Kushmanda oder Matulunga,

20.148 [opfere man] in angenehm bemessenen Stücken; gewiss entsteht Frucht. Eine Banane in vier Stücken, eine kleine jedoch ungeteilt.

20.149 Ein Kokosnussstück bemesse man wie eine Banane; Zuckerrohr trenne man an den Knoten oder in Stücke, die den Geist erfreuen.

20.150 Weintrauben, Orangen und Datteln bleiben ganz; Guggulu nehme man in der Größe einer halben Betelnuss, Safran ebenso.

20.151 Kampfer in der Größe eines Gunja-Samens, ebenso Moschus und Safran [hier erneut mit anderer Menge genannt]; Sandel und Aloeholz jeweils von Betelnussgröße.

20.152 Alle Früchte sollen beim Feueropfer angenehm sein; Lack entspricht der Guggulu-Menge. Was immer ein ansprechender Stoff ist,

20.153 daraus bereite man angenehme Opfergaben und vollziehe das Feueropfer, Schönäugige. So sind dir die alle Hindernisse beseitigenden Opfermaße erklärt.

20.154 Nach Wunsch erfreue man die Shri Vidya, Schöne. Nach Japa entsprechend den eigenen Kräften opfere man ein Zehntel davon.

20.155 Mit Kimshuka-Blüten, die die Menge der Verfehlungen tilgen, oder mit verschiedenen Stoffen, gesondert oder gemischt, Schönangesichtige,

20.156 vollziehe der Kundige das Opfer mit dem, was er nach Kräften zusammenbringen kann. Höre nun die höchste besondere Vorschrift.

20.157 Zuerst errichte man eine Grube mit allen Merkmalen: schön und quadratisch, für hundert Opfergaben eine halbe Elle groß,

20.158 für tausend eine Elle; ein Quadrat von zwei Ellen [wird genannt], für zehntausend zwei Ellen, für hunderttausend vier Ellen.

20.159 Für zehn Millionen Opfergaben acht Ellen: So bemesse man die Grube. Für Befriedung sei sie quadratisch, für Unterwerfung halbmondförmig,

20.160 für Stillstellung sechseckig, ebenso für Tötung; für Anziehung dreieckig, für Vertreibung rund.

20.161 Für die Erlangung verschiedener Vollkommenheiten ist die Lotusform förderlich. Befriedung [erfolgt] im Norden, Stillstellung in Varunas Richtung [Westen],

20.162 Tötung im Süden, Unterwerfung im Westen, Verbrennung im Südosten und Zwietracht im Südwesten,

20.163 Vertreibung im Nordwesten; Nordosten verleiht alle Vollkommenheit. Kṛttikā wird für Anziehung genannt, Bharaṇī für Tötung,

20.164 Svātī für Unterwerfung und Vertreibung, Jyeṣṭhā für Stillstellung, Śatatāra für Zwietracht und Abhijit für Befriedung.

20.165 Montags [vollziehe man] jede Anziehung, dienstags Tötung, mittwochs Stillstellung und donnerstags Förderung des Gedeihens.

20.166 Freitags [vollziehe man] alle Wünsche, am Sonnentag die unheilvollen [Handlungen; Lesung unsicher]. Vormittags Unterwerfung, mittags Zerstörung der Zuneigung,

20.167 nachmittags Vertreibung, in der Dämmerung Tötung, um Mitternacht Befriedung und morgens Förderung des Gedeihens.

20.168 Für Stillstellung [dienen] Elefantenhäute, für Tötung Büffelhaut, für Vertreibung Antilopenfell und für Unterwerfung Ziegenfell.

20.169 Für Zwietracht wird Schakalfell genannt, für Befriedung Kuhhaut; für verschiedene Vollkommenheiten Tigerfell.

20.170 Weiß [auf Tigerfell; Textbezug unsicher] dient der Befriedung, Gelb der Stillstellung; Rot dient Unterwerfung und Anziehung sowie Erregung und Liebesgewinn.

20.171 Schwarz wird für Tötung genannt, Rauchfarbe für Vertreibung und Ähnliches. Beim Stillstellungsritual opfere man Brennholz des Rajavriksha,

20.172 mit Büffel-Ghee verbunden; es verleiht stets Vollendung. Bei Tötung [folgt eine sprachlich unsichere Opferangabe] mit Granatapfelzweigen.

20.173 Mit Ziegen-Ghee, Herrin der Götter, unterwirft man Bewegliches und Unbewegliches. Für Zwietracht opfere man Unmatta-Zweige,

20.174 mit Leinöl verbunden; daraus [entsteht] Zwietracht. Die ganze Schar der Hindernisse wird vernichtet, ohne Zweifel.

20.175 Dann [folge] die vollständige Opfergabe, nachdem man die Mädchen verehrt hat. Wer die Mädchen verehrt, hat damit die drei Welten verehrt.

20.176 Mit Bālā verehre man die Göttin, danach die Shri Vidya; zusammen mit den fünf Thronen verehre man dort Shri Vidya.

20.177 Danach verehre man verheiratete Frauen und in ihnen die Shri Vidya; anschließend erfreue man die Brahmanen und verehre in ihnen Shri Vidya.

20.178 Ebenso verehre man die Yoginis und erfreue die Shri Vidya; sämtliche verschiedenen Lehrsichtweisen soll man verehren.

20.179 Darin erfreue man Shri Vidya; dann vollziehe man die vollständige Opfergabe.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 20. Paṭala.

Spirituelle Erläuterung: Der Abschnitt verbindet sehr unterschiedliche historische Ziele mit einem gemeinsamen Ritualrahmen. Für den Erkenntniszusammenhang ist besonders 20.83 wichtig: Das innere Erkenntnisfeuer und die äußere Flamme werden zusammengeführt. Die heutigen Praxisanregungen dieses Artikels greifen Sammlung und Verehrung auf, keine Zwangs- oder Schädigungsrituale.

Einundzwanzigster Paṭala

Feueropfer der Erkenntnis.

21.1 Ishvara sprach: Ich werde ein anderes Feueropfer erklären, durch das das ewige Brahman [erkannt wird]. Wie zuvor stelle man sich durch Erkenntnis die viereckige Opfergrube vor.

21.2 Ihr Viereck ist durch die Formen des Selbst zu verstehen, o von Helden Verehrte. Die vortrefflichen Lehrer sollen vier Formen des Selbst kennen,

21.3 durch deren Erkenntnis allein es keine Wiedergeburt gibt. In gewöhnlicher Betrachtung ist in allen Lebewesen gegenwärtig,

21.4 was als Selbst in Gestalt des Lebenshauchs bezeichnet wird. Prana ist der Lebenswind, o Göttin, dessen Wohnstätte das Herz ist.

21.5 Er durchdringt den ganzen Körper des Beweglichen wie des Unbeweglichen. Als Hamsa ist er zu erkennen, dessen Spiel das Ein- und Ausatmen ist.

21.6 „Jiva“, individuelles Leben, heißt er durch die Erscheinung der Täuschung, nicht in letzter Wirklichkeit. Ein- und Ausatmen beruhen auf der Körperlichkeit und gehören insofern zur Täuschung.

21.7 Wie beim Töpfern durch die Tätigkeit der Töpferscheibe ein Raum im Gefäß sichtbar wird, während der Raum doch alles durchdringt,

21.8 so besteht die Abgrenzung am Gefäß, nicht im Raum. Ebenso verhält es sich mit dem im Körper befindlichen Jiva: Wenn der Körper vergeht,

21.9 bleibt er allgegenwärtig. Darum ist das Selbst das höchste Große. Diese Erkenntnis des Selbst habe ich erklärt; höre nun vom zweiten.

21.10 Was bedeutet „inneres Selbst“? Höre von dieser hohen Wirklichkeit. Das Wort „innerlich“ bezeichnet das Verborgene und Feine.

21.11 In der Gestalt des allerkleinsten Teilchens durchdringt es alles und entfaltet sich. Weil es das innere Wesen bildet, wird alles Bewegliche und Unbewegliche

21.12 von ihm durchdrungen; darum heißt es inneres Selbst. Eben dieses Selbst ist Hamsa, wenn es den Yogis zugänglich wird.

21.13 Sein Schnabel ist der heilige Urlaut, seine beiden Flügel sind Nigama und Agama. Shiva und Shakti sind seine beiden Füße, die drei Bindus seine Augen.

21.14 Dieser höchste Hamsa durchdringt die Schöpfung und bleibt in ihr gegenwärtig. Daraus entstehen der Reihe nach die Elemente, o Lotusäugige:

21.15 Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde. Als das Erste dieser Fünfheit wird hier Chitta genannt. [Die knappe Zuordnung des Geistes zu den fünf Elementen bleibt erklärungsbedürftig.]

21.16 Im See des Nichtwissens, der ganz vom Schlamm der Verblendung erfüllt ist, steht der Welt-Lotus, entfaltet durch die fünf Elemente.

21.17 Darin spielt dieser Hamsa; durch die Schöpfung erscheint sein Spiel als Maya. Wenn eben dieser Hamsa aber frei von der entfalteten Welt ist,

21.18 zeigt er in Gestalt der Rücknahme sein eigenes Selbst. Er ist tatsächlich kein Vogel: Fest gegründet ist das Selbst als „Ich bin Das“.

21.19 Erkenne dies als das höchste Selbst. Damit sind drei Formen erklärt. Flügel, Schwanz und Kopf lassen eine Gestalt erscheinen,

21.20 doch als Erkenntnis-Selbst wird bezeichnet, was unmittelbar der Zeuge ist, durch den all dies in Gleichheit erkannt wird.

21.21 Wie das Bild des Mondes in Wasser und Milch erscheint, ohne durch den Unterschied von Wasser und Milch befleckt zu werden,

21.22 und wie sein Bild weder vom Schlamm noch vom Sandelholz befleckt wird, so heißt das, was alles bezeugt, Erkenntnis-Selbst.

21.23 Selbst, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnis-Selbst sind damit erklärt. Diese bilden die vier Seiten der Opfergrube des Bewusstseins.

21.24 Sie ist mit dem schönen Gürtel der Glückseligkeit umgeben, vom Bindu und drei Windungen gekennzeichnet. Die halbe Lautdauer bildet ihre Yoni; stets ist sie von der Glückseligkeit Brahmans erfüllt.

21.25 In das Feuer des Bewusstseins, das das höchste Ichbewusstsein ist und im Licht aller Erkenntnis aufleuchtet, bringe man die mächtige Opfergabe der entfalteten Welt dar.

21.26 Diese Opfergabe heißt Klang und hat die Gestalt der Matrika, geschmückt mit den Lauten von A bis Ksha. Wenn die Laute darin geopfert sind, tritt das klanglose Brahman hervor.

21.27 Verdienst und Verfehlung sind die Opfergabe; zu Tuendes und nicht zu Tuendes sind die Opfergabe; Entwurf und Gegenentwurf, Dharma und Adharma sind ebenso die Opfergabe.

21.28 Man opfere mit den beiden Mantras, o reine Herrin, nachdem man über die Grundvidya als die Gestalt Brahmans meditiert hat.

21.29 An sie anschließend spreche der Lehrer zur Verwirklichung Brahmans: „In das Feuer des Selbst, das durch die Opfergaben von Dharma und Adharma hell brennt, mit dem Geist als Opferlöffel,

21.30 opfere ich beständig auf dem Weg der Sushumna die Tätigkeit der Sinne.“ Mit Svaha abgeschlossen opfere man so die ganze Welt, in ihrer gegliederten und ungegliederten Gestalt.

21.31 Dieses Mantra des inneren Feueropfers schneidet alle Maya ab. „Mit den Händen des Lichtes und des Raumes ergreife ich den Opferlöffel Unmani

21.32 und opfere Dharma und Adharma in das mit dem Öl der Kalas gefüllte Feuer.“ Mit Svaha abgeschlossen ist dir dieses Mantra erklärt, das an die Vidya angeschlossen wird.

21.33 Wenn der vortreffliche Mantrakenner frei von der entfalteten Welt wird, ist der Übende unmittelbar Sein und Bewusstsein, allein Brahman.

21.34 [Unsichere Textstelle:] „Zehn … Ich bin Das …“ Auch der Ausdruck „juhaṃso“ ist in der Vorlage nicht eindeutig verständlich. Der Schluss lautet: „Nachdem er den Tod getrunken hat, wird er glücklich.“ Eine sichere vollständige Satzübersetzung ist aus dieser Lesung nicht möglich.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 21. Paṭala: „Verfahren des Erkenntnis-Feueropfers“.

Spirituelle Erläuterung: Das Erkenntnisopfer beschreibt keine zusätzliche äußere Zerstörung. Es richtet die Aufmerksamkeit auf das Bewusstsein, in dem Gedanken, Wertungen und Weltvorstellungen erscheinen. Die Sprache des Opfers wird zur Sprache inneren Loslassens.

Zweiundzwanzigster Paṭala

Duti-Verehrung der Shri Vidya.

22.1 Ishvara sprach: Alle Handlungen vom Feueropfer an tragen ohne Kumari-Verehrung nicht die vollständige Frucht; durch diese Verehrung werden sie fruchtbar.

22.2 Durch die Verehrung einer Kumari entsteht die Frucht von zehn Millionen Verehrungen. Eine ihr dargebrachte Blüte wird dem Meru gleich.

22.3 Wer eine Kumari gespeist hat, hat die drei Welten gespeist; das ihr gegebene Wasser gleicht dem Ozean.

22.4 Die Speise gleicht den großen Weltbergen, Fischäugige. Man verehre glückverheißende Mädchen vom ersten bis zum sechzehnten Lebensjahr.

22.5 Sind sie unverheiratet, verleihen sie mit zunehmendem Alter größere Vollendung. Sind sie verheiratet, gelten nur die jungen als Kumaris, Herrin der Götter.

22.6 Die verheirateten Frauen sind in ihrer Entfaltung gereift [Lesung „madaprauḍhāḥ“ unsicher]; im Zweifelsfall lasse man [die Einordnung] beiseite, Gelübdetreue. Bei der Kumari-Verehrung verwende man den Kumari-Mantra.

22.7 Durch die entsprechende Mantra-Unterscheidung verehre man mit ihm auch Shri Vidya. Nun erkläre ich die anlassbezogene [Verehrung], durch die der Kundige Brahman wird.

22.8 Sie gilt dem von Unterscheidung freien [Nirvikalpa], keinem anderen, Herrin der Götter. Der vortreffliche Übende, von jedem Zweifel frei und alles erkennend,

22.9 vollziehe die Duti-Verehrung; so wird er zum Raumwandler, Geliebte. Im Arghya-Gefäß, das aus Feuer, Sonne und Mondnektar besteht,

22.10 erkenne den Mondnektar stets als aus verschiedenen Stoffen bestehend. Für den noch unterscheidenden [Savikalpa] werden nach der Reihenfolge der gesellschaftlichen Klassen

22.11 verschiedene Stoffe genannt, Schönfarbige: Milch, Ghee, Honig und Maireya [ein alkoholisches Getränk].

22.12 Bei umfassender Erkenntnis besteht im Opfer kein Makel, Schöne. Wie könnte bei Pferdeopfern und ähnlichen Opfern [der Makel der] Pferdetötung bestehen?

22.13 Es gibt viele Unterschiede der Stoffe, Schöne: Wasser, Milch, Ghee, Honig, Maireya und aus Zuckerrohr Gewonnenes,

22.14 aus Blüten, Bäumen oder Getreide Gewonnenes, aus mehreren Stoffen Bereitetes und aus Mango Entstandenes: vielerlei verschiedene Arten.

22.15 Berauschendes galt als zu meiden, weil es den Dharma unterbricht, Schönäugige. Durch Erkenntnis geweiht vernichtet es jedoch große Verfehlungen.

22.16 Brahmanentötung, Alkoholtrinken, Golddiebstahl und weitere Verfehlungen tilgt der Mantrakenner durch Verehrung, sofern er frei von Unterscheidung ist.

22.17 Der Alleskennende soll stets alles untersuchen, von Helden Verehrte. Wisse, dass Wasser [Lebensraum von] Wasserwesen ist; man bringe einen gefüllten Krug herbei.

22.18 Nach sieben Tagen des Stehens enthält das Wasser Lebewesen. Milch ist [nach dieser Argumentation] Fleisch des Lebewesens, von dem sie stammt, ohne Zweifel.

22.19 Denn eine Frau mit Kindern ist mager, eine unfruchtbare wohlgenährt, Geliebte [historische Verallgemeinerung des Textes]. Der angenehme Saft aus Mangofrüchten darf von Zweimalgeborenen genossen werden.

22.20 Weil er nicht berauscht, wird auch Zuckerrohrsaft von Kundigen genossen. Es gibt nichts, das nicht tierisch-leiblichen Anteil hätte; Milch und alles Übrige [gehören dazu], Geliebte.

22.21 In Veden, Lehrschriften und Puranas liegt die Fülle der Erkenntnis verborgen, wie Feuer im Shami-Holz, Schöne.

22.22 Die vortrefflichen Lehrer sollen Erkenntnis in allen Wesen erkennen. Durch Reiben des Holzes tritt das Feuer hervor, Göttin.

22.23 Dieses Holz wird von ihm verbrannt; ebenso ist die Welt von Brahman erfüllt. Diese Erkenntnis ist frei von Verfehlung und Verdienst, Schönangesichtige.

22.24 Nur bis zu einer gewissen freudigen Belebung soll dieses [Getränk] genommen werden, Herrin der Götter: Es ist ein Teil des Opfers. Aus Gier [genossen] macht es zum Verfehlten, einem Brahmanentöter gleich.

22.25 Alle berauschenden Stoffe wie Kanaka und Kalañja soll man meiden [Stoffbezeichnungen nicht eindeutig]; dadurch wird man schuldig. Brahman [ist das Ziel] des besten Brahmankenners [Satzanschluss unsicher].

22.26 Durch Erkenntnis von Dharma und Nicht-Dharma [erkennt man] Reinheit in allem: Kot, Urin, weiblicher Menstruationsfluss, Nägel, Knochen und alles Weitere,

22.27 dies erwäge der Mantrakenner als rein, Gelübdetreue. Er erkenne Speise als Brahman; was daraus entsteht,

22.28 der Kot als Wohnort vieler Lebewesen: Wer sollte ihn tadeln? Vielerlei Gottheiten sind im Wasser gegenwärtig, Herrin der Götter.

22.29 Warum sollte man den aus diesem Wasser entstandenen Urin als unrein betrachten? Das Trinken von Kuhurin und Essen von Kuhdung

22.30 wird bei Sühnehandlungen für Brahmanentötung und Ähnliches gelehrt, Geliebte. Wie könnte also in Kot und Urin ein Makel liegen? [Der Text nennt dies] bloße Verblendung.

22.31 Aus dem Menstruationsfluss entsteht der Körper, höchste Herrin. Wie könnte unrein sein, wodurch die höchste Stätte erlangt wird?

22.32 Der Zeugungsstoff des Mannes wird Bindu genannt. Dieser Bindu, höchste Herrin, [bildet] den Körper, der Shivas Gestalt hat.

22.33 In der Bindu-Wirklichkeit besteht aufgrund der Shiva-Wirklichkeit keine Unreinheit von Knochen und Ähnlichem. Der Samen ist rein, Ursache des Körpers; wer sollte ihn tadeln?

22.34 Dieser gesamte Erkenntnisweg gilt dem von Unterscheidung Freien, Schöne. Wer noch in Unterscheidung befangen ist, wird an Verfehlung teilhaftig.

22.35 Aus dem Mutterleib hervorgegangen ist [der Mensch] ein Säugling, ohne Zweifel; alle seine Sinnesorgane befinden sich bereits im Körper, Geliebte.

22.36 Weil dabei keine [begehrliche] Veränderung besteht, ist es nicht anders [zu bewerten]. Bei der Geburt findet stets eine Berührung von weiblichem und männlichem Geschlechtsbereich statt.

22.37 Wird die Mutter aber begehrt, Göttin, wird [der Sohn] zum Verletzer des Guru-Bettes. Darum: Wenn seine innere Neigung verwerflich wird,

22.38 ist [die Handlung] mit der entsprechenden Eigenschaft verbunden [Lesart „bhūṣaṇa“ unklar]; alles andere ist heilvoll. Alles ist rein, Segensreiche; die innere Neigung gilt als befleckt.

22.39 Darum bereite man nach der Aufstellung des Arghya-Gefäßes ein Ruhebett aus Elfenbein, Gold, Silber oder anderem [geeignetem Material].

22.40 Man lege darauf ein Polster aus reinem Leinen und streue Blüten sowie Kampferpulver darüber.

22.41 Darauf [vergegenwärtige man] Manduka und die weiteren [Träger] übereinander, Bergestochter; zuerst verehre man Manduka, dann Rudra mit dem Zeitfeuer,

22.42 die tragende Shakti, die Schildkröte, Ananta, den Eber, Erde, Wurzelknolle, Stängel, Lotus und Blätter,

22.43 die Staubfäden und danach den Fruchtboden. Nach der Verehrung des Bettes [verehre man] an seinen vier Füßen

22.44 Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrlichkeit der Reihe nach; die mit A beginnenden Gegenstücke [Adharma usw.] verehre man neben diesen Füßen.

22.45 Ātman, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnisselbst verehre man der Reihe nach an den Bettenden; danach die drei Gunas.

22.46 Die Duti sei wohlgestaltet, schön, mit allen [geforderten] Merkmalen, anmutig durch vielerlei Schmuck und umfassend wissend wie Sharada.

22.47 Man verehre sie mit den fünf Kamas und den Pfeilen, höchste Herrin; Baṭuka und die übrigen verehre man in den vier Richtungen zur Vollendung.

22.48 Auf ihren Körper lege man die Matrika mit den Liebespfeilen auf; auf ihrem Scheitel betrachte man ein Dreieck und verehre dort der Reihe nach.

22.49 In seiner Mitte verehre man die Bālā genannte Kāmeśī sowie Gaṇeśa, den Kula-Herrn, Lakshmi und Sarasvati

22.50 in den Ecken. Vasantā [Frühling] und Madana verehre man anschließend an ihren Brüsten, den Mond an ihrem Gesicht.

22.51 Von ihrem rechten Fuß bis zum Scheitel und links vom Scheitel bis zum Fuß verehre man alle Kräfte Kāmas und des Mondes.

22.52 Śraddhā, Prīti, Rati, Dhṛti, Kānti, Manoramā, Manoharā, Manorāmā und Madanonmādinī,

22.53 Mohinī, Dīpanī, Śoṣaṇī, Vaśaṃkarī, Rañjanī, Subhagā und als sechzehnte Priyadarśanā, Göttin:

22.54 Diese Kāma-Kräfte verehre man mit den sechzehn Vokalen. [Die Mondkräfte sind] Pūṣā, Vaśā, Sumanā, Rati, Prīti und Dhṛti,

22.55 Ṛddhi, Saumyā, Marīci, Aṃśumālinī, Aṅgirāḥ, Śaśinī, Chāyā, Saṃpūrṇamaṇḍalā,

22.56 Tuṣṭi und Amṛtā: die sechzehn Mondkräfte. Man verehre sie ebenfalls mit den Vokalen; sie vollenden alle Vorhaben.

22.57 Nach der Verehrung der Bālā-Folge auf ihrem Haupt verehre man ihren Liebesbereich mit Bhagamālā.

22.58 Ihre Yoni erkenne man als das Dreieck „Alle Vollkommenheit verleihend“, seine Mitte als „Ganz Wonne“; diese beiden Chakras verehre man.

22.59 Nach der früheren Ordnung verehre man darin die Shri Vidya und bringe Räucherwerk und weitere Gaben dar; danach [verehre man] am eigenen Linga.

22.60 Tāra und Bhuvaneśānī, „mahātripurasundari namaḥ śivāya“: Diese Vidya wird zehnsilbig genannt [Worttrennung und Zählung widersprüchlich; keine gesicherte Gesamtformel].

22.61 Mit dieser Vidya verehre man Shiva am eigenen Linga unter den Namen Tatpuruṣa, Aghora, Sadya, Vāma und Īśa.

22.62 Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Śāntyatītā sind zu verehren; danach die Umhüllung der sechs Glieder.

22.63 Die vollständige Vidya sprechend verehre man Nandikeśa zwischen den Hoden mit Duft, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben.

22.64 Nach Darbringung von Räucherwerk und Licht halte man Sinne und Geist beherrscht; man bilde die alles erschütternde Mudra und bewege die Yoni.

22.65 Mit der erschütternden oder der Gajatuṇḍa genannten [Mudra], Göttin, spreche man Bhagamālā und das Drāviṇī-Bija.

22.66 Selbst unerschüttert bleibe man, Schöne, bis der Zeugungsstoff fließt. Der Rajas-Stoff ist unmittelbar Bewusstsein, ohne Zweifel.

22.67 Er ist Prakriti, höchste Herrin; der männliche Zeugungsstoff heißt Purusha. Alles ist unmittelbare Gleichgeschmackigkeit, ganz Shiva und Shakti.

22.68 Ihre Vereinigung ist wahrhaft Yoga, große Herrin, ohne Zweifel. Der Atemlaut ist Mantragestalt, das Sprechen wird zum Lobpreis.

22.69 Spuren von Nägeln und Zähnen sind dabei die verschiedenen Blüten; Laute sind Gesang und Lobpreis, Schläge werden zum Feueropfer.

22.70 Die Umarmung entspricht Moschus, Safran und weiteren Duftgaben, Bergestochter; Berührung und Reiben erkenne als Tarpaṇa, die Samenentlassung als rituelle Entlassung.

22.71 Mit dem Kula-Stoff gereinigt, aus Shiva und Shakti bestehend, lege man den Samen-Nektar, die Gestalt des höchsten Brahman,

22.72 in den Nektar des Arghya-Gefäßes. Stets frei von Unterscheidung und Makel verehre man die Shri-Vidya-Folge; so wird man vom höchsten Brahman erfüllt.

22.73 Diese Erkenntnis der Gleichgeschmackigkeit habe ich dir erklärt, Schönangesichtige. Wer jedoch in Unterscheidung befangen ist, wird an Verfehlung teilhaftig.

22.74 Der zweifelnde Mantraträger wird zum Verletzer des Guru-Bettes; darum soll er stets frei von Unterscheidung sein, Schöne.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 22. Paṭala: „Verfahren der Duti-Verehrung der Shri Vidya“.

Spirituelle Erläuterung: Der Text begründet seine Duti-Rituale mit einer Nichtdualität, die er von gewöhnlichem Begehren unterscheidet. Diese historische Begründung ist nicht mit einer allgemeinen Handlungserlaubnis gleichzusetzen. Der folgende Paṭala verlegt die Duti-Verehrung ausdrücklich in die Erkenntnis selbst.

Dreiundzwanzigster Paṭala

Duti-Verehrung als Erkenntnis.

23.1 Ishvara sprach: Ich werde eine andere Duti erklären, durch die das ewige Brahman [erkannt wird]. Man betrete das Opferhaus, das Pranava heißt, o von den Göttern Verehrte,

23.2 aus Wollen, Erkennen und Handeln als seinen Stoffen errichtet und mit Nektar versehen. Darin, im Raum wahrer Erkenntnis, mit der Mutter,

23.3 steht ein Ruhebett, dessen Füße die menschlichen Lebensziele sind. Seine Glieder sind mit Selbst, innerem Selbst, höchstem Selbst und Erkenntnis-Selbst ausgestattet.

23.4 Die Bedeutungen der drei Worte „Das“, „du“ und „bist“ bringen den Faden der Erkenntnis zum Leuchten.

23.5 Mit Tüchern, aus solchen Fäden gewoben, und mit einem Gewand geschmückt, schön durch den Duft der Blumen, ist dieser Ort. Dort verehre man die Höchste.

23.6 Vier Arten von Dutis werden unterschieden, o von Helden Verehrte: Hastini, Shankhini, Citrini und Padmini.

23.7 Vierfach sind die schönen, anmutig blickenden Dutis. Als Hastini, Elefantin, ist Vaikhari zu erkennen, weil diese Sprache grobstofflich ist.

23.8 Durch sie wird das ganze Weltenei getragen. Mit den acht Lautgruppen bringt sie die Schar der Richtungselefanten hervor; darum heißt sie Elefantin. Madhyama dagegen ist Shankhini.

23.9 Wie Shankhini rein und frei von Verfehlung ist, allen Gottheiten lieb und mit Frieden und Glück geschmückt,

23.10 so ist die in den Pflanzen gegenwärtige mittlere Sprache, o Schöne. Citrini ist die Ranke, welche die großen Übel vernichtet,

23.11 deren Frucht stets aus Shiva und Shakti besteht. Auch die drei Welten mit allen Lebewesen bestehen aus Shiva und Shakti.

23.12 In all diesen Lebewesen ist Pashyanti die höchste Grundlage. In das höchste Brahman eingegangen ist sie Para, die höchste Sprache.

23.13 Diese Duti verehre man dort in Reinheit mit den Blumen des Samadhi. An ihren Gliedern verehre man der Reihe nach die Kalas.

23.14 Padmini ist als Para zu erkennen, die sich rein durch Hamsa entfaltet. Wie der Lotus beim Aufgang des Hamsa seine Zusammenziehung aufgibt,

23.15 und seine Schönheit entfaltet, so tritt Para durch das Spiel der Wirklichkeit ins Licht. Daher gilt sie als Padmini, die Lotusartige.

23.16 An ihrem Körper verehre man sechzehn Kalas: die Kraft des Bewusstseins, die Kraft des Seins, die Kraft der Erkenntnis und die Kraft der unmittelbaren Bewusstheit.

23.17 Diese vier sind als Kräfte des Selbst zu erkennen. Leidenschaftslosigkeit, Befreiung, äußerste Feinheit

23.18 und die Kraft der Vidya bilden die Vierheit des inneren Selbst. Vidya, Zufriedenheit, Erfüllung und das Aufleuchten des höchsten Brahmans

23.19 sind als Kräfte des höchsten Selbst zu erkennen, in die höchste Wirklichkeit eingegangen. Auflösung, Frieden, Erwachen und die höchste Kraft des Durchdringens

23.20 sind die vier Kräfte des Erkenntnis-Selbst. Diese sechzehn Kalas sind in den Lauten der Shri Vidya gegenwärtig.

23.21 Die sechzehnsilbige Vidya hat die Gestalt Brahmans und besteht aus den sechzehn Kräften. Das Selbst bringt als Wachzustand die drei Welten hervor.

23.22 Das innere Selbst ist mit Sattva und Tamas vermischt und daher von Rajas geprägt. Der höchste Shiva hat die Gestalt des Tamas,

23.23 und ist als höchstes Selbst zu erkennen; das Erkenntnis-Selbst ist mit Turiya verbunden. Diese Kräfte lasse man in ihrem Körper aufleuchten.

23.24 Erkenne die Bedeutung des Wortes „Das“ als ihr Gesicht. Die Bedeutungen von „du“ und „bist“ bilden der Reihe nach ihre beiden Brüste.

23.25 Der Genuss ist Nada, von Brahman erfüllt. Die aus Nada hervorgegangene Welt ist die Yoni, daran besteht kein Zweifel.

23.26 Darin verehre man Shakti und verehre Shiva als das Linga des eigenen Selbst. Durch ihr gegenseitiges Wirken entsteht der Geschmack der Glückseligkeit Brahmans.

23.27 Diesen Geschmack, der durch die führende Nadi strömt, verbinde man im Geist mit dem Nektar des Begrüßungswassers. Danach verehre man das Shri Chakra.

23.28 Ich werde die Erkenntnis erklären, die von der Glückseligkeit Brahmans erfüllt ist: Ein Brahmane ist [in dieser Erkenntnis] kein Brahmane; ebenso ein Kshatriya kein Kshatriya. [Die zweite Verneinung ist nach der Parallelstruktur erschlossen; die Vorlage ist hier sprachlich unregelmäßig.]

23.29 Ein Vaishya ist kein Vaishya, ein Shudra kein Shudra, ein Chandala kein Chandala und ein Paulkasa kein Paulkasa.

23.30 Alles erkenne man als gleich aufgrund der Gewissheit des höchsten Selbst. Das vom Himmel gefallene Wasser fließt die tiefer gelegenen Wege entlang,

23.31 durchquert das Dorf und wird mit Kot und Urin vermischt, mit Blut von verendeten Kühen, Hunden, Katzen, Eseln und anderen Tieren.

23.32 Wenn dies alles in die Ganga eingegangen ist, bleibt im Nektar der Ganga keine Verunreinigung zurück.

23.33 Ebenso besteht in der Erkenntnis von Sein und Bewusstsein Gleichheit gegenüber allen Lebewesen und allen Stoffen, o Tochter des Berges, daran besteht kein Zweifel.

23.34 Wie das Sonnenlicht allen gleichermaßen zuteilwird und die Dunkelheit beim Höhergestellten wie bei jedem anderen augenblicklich vertreibt,

23.35 und Milch wie Urin, Sandelholz wie Schlamm trocknet: Wenn der Mantraübende in dieser Weise allem gegenüber gleichgesinnt ist,

23.36 dann ist die Vollendung erreicht, durch die Gnade des ehrwürdigen Gurus, o Geliebte.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 23. Paṭala: „Verfahren der Erkenntnis-Duti-Verehrung“.

Vierundzwanzigster Paṭala

Einweihungsverfahren.

24.1 Ishvara sprach: Ich werde das Verfahren der Einweihung erklären, durch das der Schüler glücklich wird. Alles wird dem Guru hingegeben, selbst das eigene Leben,

24.2 Besitz, Edelsteine, Gold, kostbare Gewänder und vieles mehr. Durch diese innere Haltung gelangt die Ansammlung vielfältiger Verfehlungen zur Auflösung.

24.3 Darum heißt sie in allen Lehrschriften Diksha. Einem Menschen, der Verfehlungen begeht, geizig ist, betrügt oder heuchelt,

24.4 einem Hochmütigen ohne rechten Lebenswandel, einem Mantrafeind, einem Verleumder, einem Toren oder einem Verächter heiliger Stätten,

24.5 einem Menschen ohne Hingabe oder von unreiner Gesinnung soll sie nicht gegeben werden. Einem Freigebigen, Hingebungsvollen, Rechtschaffenen, dessen Sinn auf Heiliges gerichtet ist,

24.6 der auf gutem Wege lebt, dem Feuer, den Gottheiten und den Zweimalgeborenen zugetan ist, der den Sinn der Lehrschriften und der Veden versteht und gute Gelübde hält,

24.7 dem soll die Einweihung gegeben werden. Andernfalls zieht man Unheil auf sich. Nun erkläre ich das vorzügliche Verfahren der Einweihung.

24.8 Man errichte eine Halle und einen Altar, mit einem Baldachin aus Blumen geschmückt, schön durch Reihen von Lampen, von vielerlei Räucherwerk durchduftet,

24.9 mit Zinnoberzeichnungen und farbigen Reihen vielfältig verziert. Auf dem Altar zeichne man mit Safran

24.10 oder mit Zinnoberpulver das höchste Chakra. Sein mittlerer Kreis sei mit neun Winkeln versehen.

24.11 Man zeichne ein Quadrat und stelle neun Gefäße bereit, aus Gold, Silber, Kupfer oder auch Ton,

24.12 mit Wasser gefüllt, mit besonderen Beigaben versehen, mit Gold und Edelsteinen ausgestattet, schön durch Früchte und Blumen und mit Duftstoffen bestrichen.

24.13 In acht Gefäßen verehre man die acht Göttinnen beginnend mit Vashini; im mittleren Gefäß erfreue man Shri Vidya.

24.14 Man verehre die gesamte Abfolge und vollziehe die Verehrung der Kumaris und der weiteren Personen: verheirateter Frauen, der Brahmanengemeinschaft und verschiedener Yogis.

24.15 Das zugehörige Feueropfer vollziehe man zur Erquickung aller. Der Guru führe den von Hingabe bescheidenen und makellosen Schüler herbei.

24.16 Nach vorschriftsgemäßer Atemzügelung lasse er ihn auf einem reinen Sitz Platz nehmen. Mit den Mantras beginnend „Surastvam“ und zusammen mit den als Ciranṭī bezeichneten Frauen

24.17 übergieße er den Kopf des Schülers mit dem Wasser dieser Gefäße. Danach kleide er ihn in schöne Gewänder und bestreiche ihn mit Sandelholz und anderen Duftstoffen. [Die Personenbezeichnung im vorangehenden Vers ist erklärungsbedürftig.]

24.18 Zu seiner Linken lasse er den gereinigten, festlich geschmückten Schüler auf einem verehrten Sitz Platz nehmen.

24.19 Über dessen Kopf vergegenwärtige er das Shri Chakra als die sechs Wege. Wenn die vorgesehenen Gefäße fehlen, fülle er eine große Muschel mit Wasser.

24.20 Darin verehre er die Kalas und die Göttin. Dann blicke er den Schüler an und lasse seinen Blick dem Blick des Schülers begegnen.

24.21 Er vollziehe die Übertragung der Weisung, bis Unbewegtheit eintritt. Diese Unbewegtheit ist als der Zustand Shambhus zu erkennen, frei von Leere und Nichtleere.

24.22 Die Leere ist die Wirklichkeit Shivas, der Purusha; die Nichtleere ist die ursprüngliche Shakti, Prakriti, o höchste Herrin.

24.23 Bei der Vereinigung Shivas und Shaktis entsteht durch das Überwiegen der Shakti die grobe Ausprägung des Rajas: Dies ist als Traumzustand zu erkennen. [Die knappe Schlusswendung über das Überwiegen der Shakti ist im Wortlaut schwer abzugrenzen.]

24.24 Shakti wird als Wachen bezeichnet, Shiva als Unbewegtheit. Die Mantrakenner nennen diese den Tiefschlaf, weil er unbewegt ist.

24.25 Damit sind die drei Gunas erklärt. Wachen ist von Sattva geprägt; Tiefschlaf, in Shiva unbewegt, von Tamas.

24.26 Durch das Überwiegen Shivas erkenne die Wirklichkeit jenseits der Gunas. Wenn in der Vereinigung Shivas und Shaktis Shiva überwiegt,

24.27 dann erkenne Turiya, das alle Fesseln abschneidet. Die sechzehn Kalas sind in der Selbsterkenntnis gegründet,

24.28 in den Bijas der Shri Vidya verborgen; man lasse sie im Körper des Schülers aufleuchten. Vierfach ist die sechzehnsilbige Mahatripurasundari.

24.29 Durch die Meditation über sie entsteht die Festigkeit des Geistes, die Unmani heißt. In der Darstellung der Brahman-Erkenntnis ist der Geist ein Vogel, dessen Schnabel das Verlangen ist.

24.30 Mit seinen beiden Flügeln, Entwurf und Gegenentwurf, ist er beständig unruhig. Verblendung, Neid, Begierde, Zorn, Ichgefühl und übermäßiger Stolz

24.31 bilden sein kräftiges Gefieder. Seine beiden Füße sind das zu Tuende und das nicht zu Tuende. Er lebt im Baum des Samsara, der in Besitz, Kindern und anderem wurzelt,

24.32 durch Nichtwissen weit ausgebreitet ist, mit den Zweigen von Tadel und Lob geschmückt und voller schimmernder Blüten des Verlangens,

24.33 mit Verfehlungen als Blättern und den Früchten von schlechtem und gutem Handeln. Auf zwei starken Ästen, dem Gehörten und dem Gesehenen, hält er sich auf.

24.34 Man ergreife diesen Vogel und binde ihn mit der Schlinge der Erkenntnis. Der Seitenblick des ehrwürdigen Gurus ist stets diesem Spiel mit dem Vogel zugewandt.

24.35 Wenn durch ihn die beiden Flügel sicher abgeschnitten sind, tritt der Geist in Unmani ein und wendet sich nach oben, o Geliebte.

24.36 Die siebzehnte Kala ist frei von allen Gedankenentwürfen. Sie heißt Unmani und schneidet die Fessel des Werdens ab.

24.37 Der Yogi, mit Unmani vereint, ist [nicht mehr als gesonderter] Yogi, und Unmani [nicht als etwas von ihm Getrenntes]. Wie eine Flamme im Kampfer … [Der zweite Halbvers ist in der vorliegenden Lesung unsicher; die Aussage der Nichtgetrenntheit wird nicht als vollständig gesicherte wörtliche Übersetzung ausgegeben.]

24.38 Deshalb vollziehe man die Übertragung durch den Blick. Danach verbinde man das Mitgeteilte mit Aussagen wie „Das bist du“.

24.39 Zuerst ist das Unsagbare durch Berührung zu vermitteln. Die von der Hand des Gurus ausgehende Berührung erscheint [äußerlich] wie eine bloße Berührung.

24.40 Durch Berührung werden Metalle wie Eisen augenblicklich zu Gold und können vielerlei kostbaren Schmuck bilden.

24.41 Ebenso nimmt die Berührung der Guru-Hand die Eisenhaftigkeit der durch die Weltentfaltung bedingten Befleckung hinweg und macht daraus Gold.

24.42 Der Guru nehme Blumen und Früchte in die Hand und lege sie auf das Brahmarandhra. Dadurch wird mit der Hand der Sinn der Aussage vermittelt: „Du bist eben Brahman.“

24.43 Dies ist die unaussprechliche Unterweisung durch Berührung des Brahmarandhra. Dort, im Sahasrara, ist der Guru weiß wie Kampfer,

24.44 Segen und Furchtlosigkeit gewährend, ewig, stets von der Gestalt Brahmans. Er lässt seine eigene Stätte aufleuchten. [Die Lesung „jāgatī“ im zweiten Halbvers ist unsicher.]

24.45 Danach vermittle er dem Schüler das Wissen von den sechs Chakras. Das Basiszentrum ist goldfarben und mit vier Blättern geschmückt,

24.46 mit den vier Lauten von Va bis Sa, leuchtend wie glühendes Gold, und mit Ganesha versehen. Danach folgt das Svadhishthana,

24.47 rot wie ein Indragopa-Insekt, geschmückt mit den von Ba bis La reichenden Lauten, die wie Korallen glänzen, und mit Brahma.

24.48 Das dritte, Manipura, ist blau und hat zehn Speichen; die Laute von retroflexem Da bis Pha schmücken es, leuchtend wie eine Fülle von Blitzen.

24.49 Darin ist der mächtige Hari, der die Keule trägt. Höre nun vom vierten: bräunlich-golden ist es, mit zwölf Speichen und den Lauten von Ka bis Tha,

24.50 die wie Funken leuchten; es ist mit Shiva verbunden. Das Vishuddha-Chakra ist rauchfarben und hat das Wesen der Kalas,

24.51 geschmückt mit Vokalen, die wie Rubine leuchten. Erkenne es als Sitz des individuellen Selbst. Danach folgt

24.52 das Ajna-Chakra, leuchtend wie zehn Millionen Blitze, mit zwei Blättern, geschmückt mit den weißen Lauten Ha und Ksha.

24.53 Es ist mit dem Wesen des höchsten Selbst erfüllt. Das siebte ist von der Gestalt des Nada. Weil darin Nada aufgeht, wird es Brahman genannt.

24.54 Die Laute sind im Körper; Nada ist ihr Ursprung. Wenn Nada durch die Verbindung mit dem Lebenswind mit Kundalini vereint ist,

24.55 entfaltet er sich, o große Herrin, auf den Blättern der sechs Chakras und nimmt die Gestalt der fünfzig Laute an.

24.56 Die Vorlage spricht sodann von einer „unmanifesten Gestalt“ in Verbindung mit den Akzenten wie Udatta. [Der Zusammenhang ist sprachlich unsicher.] So verleihe der wahre Guru dem Schüler umfassende Erkenntnis.

24.57 Dann vollziehe der Schüler eine angemessene Verehrung des Gurus, reich geschmückt mit Edelsteinen, Schmuck, kostbaren Gewändern und Besitz,

24.58 mit Elefanten und Pferden, Büffelkühen und Kühen, mit Feldern, Dörfern und großen schönen Gärten, samt hundert Dienerinnen,

24.59 mit einer Fülle von Gold, Moschus, Kampfer und Sandelholz. Nachdem er den Guru vorschriftsgemäß erfreut hat, nehme der vortreffliche Schüler dessen mit der Wirklichkeit verbundenen Prasad an.

24.60 Danach offenbare der Guru ihm die Bala-Vidya ins rechte Ohr.

24.61 Anschließend offenbare er die Vidyas der fünf Throne und danach das höchste Geheimnis, Mahatripurasundari,

24.62 ins rechte Ohr: Sie ist von Brahman erfüllt, bringt alles Glück hervor und gewährt als Frucht Lebensgenuss und Befreiung.

24.63 Die sechzehnsilbige Shri Vidya, deren Kraft in der Glückseligkeit Brahmans aufleuchtet, soll man jedoch nicht offen verbreiten; wie den eigenen größten Schatz soll man sie bewahren.

24.64 In Veden, Lehrschriften, Puranas und Yamalas ist diese sechzehnsilbige Shri Vidya verborgen. Man betrachte sie wie einen Schatz.

24.65 Selbst dem leiblichen Bruder, einem Verwandten, der seinen ganzen Besitz und sein Leben hingibt, einem König, der sein Reich schenkt, oder dem lebensrettenden Sohn

24.66 soll diese sechzehnsilbige Vidya nicht [allein deswegen] gegeben werden. Den ganzen Besitz möge man geben, auch den geliebten Sohn, die Gattin und nötigenfalls den eigenen Kopf,

24.67 doch die sechzehnsilbige Vidya nicht, selbst wenn das Leben bis in die Kehle aufgestiegen ist. Die große Vidya ist so verborgen zu halten wie die eigene Yoni. [Die drastische Sprache betont die Geheimhaltung; sie ist keine heutige Handlungsanweisung.]

24.68 Wie Salz sich im Wasser auflöst, so gehe der Geist zu Füßen des ehrwürdigen Gurus auf, o Geliebte.

24.69 Dann darf aus Mitgefühl die große sechzehnsilbige Vidya gegeben werden, ob in Verbindung mit Lauten oder in ihrem lautlosen Sein.

24.70 Wie im Himmelsraum durch Täuschung Bläue gesehen wird, so sind in der Shri Vidya die Laute vorhanden, o Herrin der Götter.

24.71 Erkenne die sechzehnsilbige Vidya als Brahman. Wie eine aus Edelsteinen bestehende Leuchte keinen Ruß hervorbringt,

24.72 so verhält es sich mit dem Unmanifesten und Manifesten der Shri Vidya. Man gebe sie nicht beliebig irgendjemandem, sondern einem Menschen, der einem so lieb ist wie das Leben.

24.73 Der vortreffliche Lehrer spreche zum Schüler: „Du hast dein Ziel erreicht.“ Die von Brahman erfüllte sechzehnsilbige Mahavidya soll er nicht weitergeben. [Die erneute Untersagung ist im Zusammenhang der zuvor genannten Ausnahmen zu lesen.]

24.74 Mit einer einzigen Aussprache dieser Vidya lassen sich Millionen Vajapeya-Opfer und tausend Pferdeopfer nicht vergleichen.

24.75 Eine einzige Aussprache kommt der rituellen Umschreitung der Erde gleich. Selbst wer Millionen und Abermillionen brauner Milchkühe verschenkt hat,

24.76 erreicht damit nicht den Wert einer einzigen Aussprache. Selbst tausend Lasten Gold, an einem heiligen Tag zur Ardhodaya-Konstellation geschenkt,

24.77 und Millionen Gaben des eigenen Körpergewichts erreichen nicht den Wert der Shodashi. Was immer an Wirklichkeit beschrieben wird, ist dann ganz frei von Unheil. [Die letzte Aussage ist im überlieferten Wortlaut allgemein gehalten.]

24.78 So erkenne die große sechzehnsilbige Vidya: Sie ist das höchste Selbst und hat die Gestalt des Pulsierens des Universums.

24.79 In Gestalt von Ein- und Ausatmung ereignet sich bei Tag und Nacht 21.600-mal der Klang-Japa des Hamsa.

24.80 Als Strömen durchdringt sie alles und ist überall gegenwärtig. Als das Selbst ist Ajapa zu erkennen, deren Gestalt Sonne und Mond sind.

24.81 Sie ist unbefleckt und frei von gesonderten Erscheinungsbildern; in Körperlosigkeit und Körperlichkeit ist sie fein gegenwärtig.

24.82 Durch das Herbeiführen des Erwachens ist sie auch mit der Gattin des Feuers geschmückt. Mit sechs Gliedern versehen, wird die Göttin durch Hamsa selbst verehrt.

24.83 Unmanifest ist ihre Gestalt; das Gayatri-Versmaß ist ihr Gesicht. Die höchste Gottheit leuchtet unmittelbar als Paramahamsa.

24.84 Erkenne Shri Vidya als allgegenwärtig, als die Gestalt des höchsten Lichtes. Das Linga in Gestalt des Selbst befindet sich im Haus der Maya,

24.85 gewaschen vom Wasser des Stromes des Vertrauens, ehrwürdig inmitten des Werdens, geschmückt mit Blumen und vortrefflich mit den Blüten des Samadhi. [„Bhavavandana“ ist nicht eindeutig; die Lesung wird zurückhaltend wiedergegeben.]

24.86 Auf der Glut der Erkenntnis liegt die Weltentfaltung als Räucherwerk; die Lampe besteht aus Bewusstsein. Allgegenwärtig ist dieses Selbst, mit sämtlichen Speisegaben geschmückt.

24.87 Frei von Weltentfaltung und gesondertem Erscheinungsbild, allein die wahre Kraft Brahmans: So heißt die höchste sechzehnsilbige Vidya „Shri Vidya“.

24.88 In der hellen Monatshälfte, an einem günstigen Datum und Wochentag beginne man die Mantrapraxis; ebenso bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis.

24.89 Bei Mond- und Sonnenfinsternissen gelten keine ungünstigen Einflüsse von Wochentag und Monat. Alles ist rein, o Herrin der Götter; auch die Gabe an einem günstigen Tag.

24.90 Im Monat Chaitra gilt der Beginn als fruchtlos, im Vaishakha bringt er Landgewinn, im Jyeshtha sicher den Tod,

24.91 im Ashadha den Verlust von Verwandten, im Shravana hundertjährige Lebensdauer, im Bhadrapada Schwund, im Ashvina Reichtum an Edelsteinen,

24.92 im Karttika Glück und Wohlstand, im Margashirsha großen Reichtum, im Pausha Leid, im Magha vortreffliches Gedeihen,

24.93 im Phalguna die Erfüllung aller Unternehmungen: So werden die Monatsfrüchte beschrieben. Man nehme den Anfangslaut des Schülers,

24.94 und bestimme für ihn einen ansprechenden Namen zur Festigung seines Geistes. Die unmanifest gestaltete Shri Vidya setze man in sein Herz ein.

24.95 Die Lautreihe der Shri Vidya ist Bewusstsein im höchsten Brahman, wie Salz, im Wasser aufgelöst, darin gegenwärtig bleibt.

24.96 Darum erkenne sie als von Brahman erfüllt und in allen Lehrschriften gegenwärtig.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 24. Paṭala: „Verfahren der Einweihung“.

Spirituelle Erläuterung: Diksha wird hier als Weitergabe von Mantra und als Hinführung zur Erkenntnis des Selbst entfaltet. Das Bild vom im Wasser gelösten Salz verdeutlicht die Gegenwart des Göttlichen ohne eine getrennt greifbare Gestalt (24.95).

Hauptartikel und deutsche Übersetzung · IAST · Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras

Fünfundzwanzigster Paṭala

Auflegen der heiligen Pavitra-Schnüre.

25.1 Ishvara sprach: Zum Wohl der Übenden werde ich das Auflegen der Pavitra-Schnüre erklären. Dadurch wird die im Laufe eines Jahres vollzogene Verehrung fruchtbar.

25.2 Darum ist diese Pavitra-Verehrung zur Vollendung auszuführen. Vom Eintritt der Sonne in die Zwillinge bis zum Monat ihres Eintritts in die Waage

25.3 findet die schöne große Pavitra-Verehrung statt. In beiden Monatshälften kann sie am vierten oder achten Tag,

25.4 am neunten oder vierzehnten Tag vollzogen werden. Man lasse feine Fäden aus Gold, Silber oder Kupfer anfertigen,

25.5 oder aus Baumwolle, Seide, aus Trasari-Fäden oder aus den Fasern des Lotus,

25.6 auch aus Darbha-, Munja- oder Hanffasern bereite man die Pavitra-Schnur. Den Urlaut, den Mond, Feuer, Brahma, den Naga, Guha, die Sonne,

25.7 Samba und Sarvadeva verehre man in den neun Fäden. Mit dem Kopfmantra besprüche man sie, danach mit dem Herzmantra,

25.8 wasche und besprenge sie mit dem Waffenmantra. Mit dem Augenmantra umschließe man sie, mit dem Schutzpanzermantra werden sie gebunden.

25.9 Mit Gorochana, Safran, rotem und hellem Sandelholz, Moschus, weiteren Duftstoffen, Kampfer und Nagara,

25.10 mit roter Erde und anderem lasse man sie vielfältig und schön gestalten. Mit dem Grundmantra besprengt, lege man sie in die nordöstliche Ecke.

25.11 Die gesamte Schar der Pavitra-Schnüre werde mit den sechs Gliedern geheiligt, am Vortag oder noch am selben Tag.

25.12 Die vorzüglichste Schnur besteht aus 108 Fäden, die nach dem neunteiligen Verfahren gefertigt sind. Die mittlere hat halb so viele,

25.13 die geringste wiederum die Hälfte davon. So ist die Dreiteilung erklärt. Zur vorbereitenden Weihe breite man Gerste aus,

25.14 lege an den vier Sitzen Blumen nieder und bereite die Pavitra-Schnüre mit den fünf Nektarstoffen,

25.15 den fünf reinen Edelsteinen und sämtlichen Heilkräutern. Man bedecke sie gut mit zwei neuen Gewändern.

25.16 Dann stelle man das Gefäß auf, mit Gold und anderem gefüllt, rufe die Göttin hinein und verehre sie mit dem Grundmantra.

25.17 Nach der Verehrung der Abfolge beginne man die Darbringung der Pavitra-Schnüre, mit der Shri Vidya und dem Namen des Gurus.

25.18 Zuerst gebe man dem Guru die Pavitra-Schnur, danach allen anderen und den Gurus der drei Gruppen.

25.19 Dann lege man die Pavitra-Schnüre den Nityas der Mondtage und den neun Chakra-Herrinnen in den neun Chakras auf.

25.20 Jeder einzelnen Strahlenkraft bringe man mit innerer Anteilnahme eine Pavitra-Schnur dar. Danach erfreue man die Gurus

25.21 mit Gold, Schmuck, Gewändern und vielerlei Besitz. Anschließend trage man den empfangenen Prasad und die Pavitra-Schnur selbst.

25.22 Man vollziehe das zugehörige Feueropfer und verehre mit der Pavitra-Schnur. Danach verehre man Kumaris und die Gemeinschaft verheirateter Frauen.

25.23 Auch Yoginis, Yogis, Brahmanen und die verschiedenen Gemeinschaften sind zu verehren, wenn man die eigene Vollendung wünscht.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, der 25. Paṭala: „Verfahren des Auflegens der Pavitra-Schnüre in der Shri Vidya“.

Sechsundzwanzigster Paṭala

Darbringung der Damana-Pflanze.

26.1 Ishvara sprach: Zum Wohl der Übenden werde ich das Darbringen der Damana-Pflanze erklären, durch das die Verehrung eines ganzen Jahres zur Vollständigkeit gelangt.

26.2 Als Madana einst meine Askese stören wollte und zu Asche wurde, o Tochter des Berges, waren seine Gattinnen Rati und Priti voller Schmerz.

26.3 Aus ihren Tränen entstand die Damana-Ranke. Groß waren ihr Duft und ihre glückverheißende Schönheit.

26.4 Dadurch im Herzen erfreut, gewährte ich Rati und Priti einen Segen; so wurde Madana wieder sichtbar.

26.5 Wenn ein Mantraübender innerhalb eines Jahres nicht mit Damana verehrt, soll die Frucht seiner jährlichen Verehrung Madana zufallen.

26.6 Diesen Segen habe ich ihm gegeben. Darum muss die Damana-Verehrung ausgeführt werden, o von Helden Verehrte.

26.7 Andernfalls fällt die Frucht der Jahresverehrung Kama zu. Man stelle die Damana-Pflanze mitsamt der Wurzel in ein geeignetes Gefäß.

26.8 Man teile Damana neunfach und verehre sie. Mit dem Bija Anandeshvaras und seinen unterschiedenen Formen,

26.9 neunfach mit Bindu versehen, verehre man der Reihe nach die neunfach gegliederte Damana-Pflanze.

26.10 Anschließend besprenge man sie mit der zuvor genannten Aghora-Vidya, die beim südlichen Thron erklärt wurde.

26.11 Mit dem Waffenmantra vollziehe man ihren Schutz, dann mit dem Schutzpanzermantra. Man forme die Dreizack-Mudra und bewege sie kreisend über Damana.

26.12 Am vierzehnten Tag der hellen Hälfte des Chaitra-Monats erfolgt die Damana-Darbringung. Man hebe die Pflanze mit dem Waffenmantra auf und bestreiche sie mit dem Herzmantra.

26.13 Mit Sandelholz, Safran, Kampfer und weiteren Stoffen vollziehe man die vorbereitende Weihe, möglichst am Vortag,

26.14 oder unmittelbar, zur Vollendung der Jahresverehrung. Am Morgen des vierzehnten Tages, nach der täglichen Verehrung,

26.15 zeichne man mit Zinnober ein leuchtendes neunwinkliges Mandala und stelle neun Gefäße auf, gefüllt mit Gold, Edelsteinen und anderem.

26.16 Oder der vortreffliche Lehrer stelle ein einziges schönes Gefäß auf. Rechts gestalte er ein Mandala, mit Safran und anderen Stoffen vielfältig gezeichnet.

26.17 Er zeichne einen Ashoka-Baum und ein dreieckiges Mandala. Darin verehre er Kama, jugendlich und rötlich strahlend,

26.18 mit rotem Gewand und rotem Schmuck, links und rechts von Rati und Priti begleitet, fünf Pfeile und einen Bogen tragend,

26.19 mit Vasanta, dem Frühling, inmitten eines Kadamba-Waldes. Zur Vollendung verehre man Kama mit diesem Mantra:

26.20 Vagbhava, Bhuvaneshani und Shri, verbunden mit dem Kama-Laut, danach „Verehrung dem Kama“: Diese Vidya wird als neunsilbig bezeichnet.

26.21 Man spreche dreimal das Kama-Bija, dann den zu Rati gehörenden Bestandteil und „Verehrung der Rati“. Die Rati-Vidya wird als achtsilbig bezeichnet. [Der zusätzlich bezeichnete Bestandteil ist nicht eindeutig ausgeschrieben.]

26.22 An Ratis Stelle nenne man Priti; auch ihr Mantra ist achtsilbig. Rati und Priti sind der Reihe nach hell und dunkel, mit Edelsteinen geschmückt,

26.23 Lotus und Betel in den Händen, mit roten Gewändern, himmlischem Schmuck und Blumengirlanden versehen.

26.24 Nachdem man sie links und rechts von Kama vergegenwärtigt hat, verehre man Vasanta inmitten des Kadamba-Waldes:

26.25 hell, in der linken Hand ein mit Nektar gefülltes Gefäß, in der rechten eine Fülle verschiedener Blumen.

26.26 Nach der Verehrung Kamas mit seinen Gliedern bringe man Räucherwerk, Licht und weitere Gaben dar. Kama, in Damana verehrt, erfüllt alle Anliegen.

26.27 Damit verehre man recht Mahatripurasundari und die gesamte Abfolge. Der Verständige speise die Kumaris,

26.28 verehre verheiratete Frauen, die Schar der Yoginis, Brahmanen und Kenner der verschiedenen Lehrwege.

26.29 Nach dem zugehörigen Feueropfer verehre man den Guru mit Edelsteinen und anderem Schmuck, mit tausend Lasten Gold und schönen kostbaren Gewändern.

26.30 Nachdem man ihn verehrt hat, bringe man die abschließende volle Opfergabe dar. Nach diesem Verfahren vollziehe man die Damana-Darbringung.

26.31 Dadurch wird die Verehrung des ganzen Jahres fruchtbar, o Tochter des Berges.

Kolophon: Damit endet im ehrwürdigen Jnanarnava, dem Nityatantra, im Gespräch zwischen Devi und Ishvara, der 26. Paṭala: „Verfahren der Damana-Darbringung in der Shri Vidya“.

Fünf zentrale Lehren des Jnanarnava Tantra

  1. Klang öffnet sich auf das Klanglose. Die Matrika ist Klang-Brahman; das Ziel der Verehrung wird zugleich als jenseits des Klanges beschrieben (1.9–10; 13.7–9). Japa und Erkenntnis gehören zusammen.
  2. Die Göttin ist die wirksame Kraft der Wirklichkeit. Schöpfung, Erhaltung und Rücknahme werden als Wirken der Shakti erklärt (4.14–27). Die verehrte Gestalt und die lebendige Kraft der Welt stehen in innerer Beziehung.
  3. Der Körper gehört zum Erkenntnisweg. Nyasa und die Lehre von den Lauten in den Chakras beziehen den Körper in die Verehrung ein (2.51–67; 24.45–55). Er wird als Ort geistiger Vergegenwärtigung betrachtet.
  4. Überlieferung und eigene Verwandlung gehören zusammen. Die Einweihung umfasst rituelle Handlung, persönliche Unterweisung und den Hinweis auf das Selbst (24.20–43). Die äußere Weitergabe soll zur inneren Einsicht führen.
  5. Erkenntnis mündet in Gleichgesinntheit. Die Unterschiede der Erscheinungen begrenzen das höchste Selbst nicht. Kapitel 23 verbindet dies mit Gleichheit gegenüber allen Lebewesen und mit der Gnade des Gurus (23.28–36).

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen sind heutige, allgemein zugängliche Anwendungen. Sie sind keine Anleitung zur eigenständigen Ausführung der initiationsgebundenen Rituale.

  1. Wende dich der Göttlichen Mutter zu. Sitze einige Minuten still und vergegenwärtige eine dir vertraute gütige Gestalt der Shakti. Du kannst innerlich um Klarheit, Kraft und Liebe bitten. Lass anschließend einen Moment stillen Vertrauens entstehen.
  2. Vertiefe den Japa eines vertrauten Mantras. Wiederhole das Mantra, das zu deinem bisherigen Weg gehört. Höre aufmerksam auf seinen Klang und lasse danach einen Moment Stille zu. Die verschlüsselten Spezialformeln dieses Werkes sind kein Ersatz für persönliche Unterweisung.
  3. Übe Guru-Dankbarkeit. Erinnere dich an einen Menschen, durch den du mehr Klarheit, Aufrichtigkeit oder Liebe gelernt hast. Verbinde den Dank mit einer konkreten Handlung, durch die du eine gute Unterweisung im Alltag verwirklichst.
  4. Begegne dem Körper achtsam. Nimm beim ruhigen Sitzen Atem, Hände, Herzraum und Gesicht wahr. Entspanne unnötige Spannung. Begegne dem Körper mit Dankbarkeit: Durch ihn kannst du üben, dienen, lernen und anderen Zuwendung schenken. Dies ist eine einfache Betrachtung, kein ritueller Nyasa.
  5. Führe eine äußere Gabe nach innen weiter. Wenn du eine Blume oder ein Licht darbringst, frage dich: Welche Haltung möchte ich heute stärken? Lass daraus eine einfache Tat entstehen – aufmerksam zuhören, einen Streit nicht nähren oder einem Menschen freundlich begegnen.

Jnanarnava Tantra und andere Tantra Schriften

Die folgenden Gegenüberstellungen dienen als Orientierung für das gemeinsame Lesen. Thematische Nähe belegt für sich allein keine direkte historische Abhängigkeit.

Schrift Gemeinsamer Zugang und Unterschied
Parashurama Kalpasutra Beide erschließen überlieferte Sri-Vidya-Praxis mit Mantra, Einweihung und Verehrung. Das Kalpasutra bietet eine knappe Sutra-Ordnung; das Jnanarnava entfaltet seine Unterweisung im Dialog und verbindet ausführliche Mantra- und Ritualbeschreibungen mit eigenen Erkenntnisabschnitten.
Nityotsava Beide helfen, die Abfolge einer Verehrung zu verstehen. Der Nityotsava gehört zur ausgebauten Praxisliteratur im Umfeld des Parashurama Kalpasutra. Im Jnanarnava ist die Ritualfolge unmittelbar in die Rede Ishvaras eingebettet; Kapitel 21 und 23 geben ihr ausdrücklich eine innere Erkenntnisdeutung.
Yogini Hridaya Shri Chakra, Mantra und Verehrung werden in beiden mit Bewusstsein verbunden. Für einen Lesevergleich bietet sich besonders Jnanarnava 10 an: Dort werden die Kreise des Yantras aus Lauten und Wirklichkeitsprinzipien erschlossen.
Nitya Shodashikarnava Beide gehören zum Umfeld von Tripurasundari, Nityas und Sri Vidya. Das Jnanarnava nennt sich in seinen Kolophonen ebenfalls Nityatantra; das macht die beiden Werke nicht zu demselben Text. Seine eigene 26-Paṭala-Folge und seine Kolophone bleiben maßgeblich.
Vamakeshvara Tantra Der Titel ist eng mit der Sri-Vidya-Überlieferung verbunden. Beim Vergleich müssen die jeweils gemeinten Textteile und Ausgaben unterschieden werden. Das Jnanarnava wird hier als eigenständige Fassung M00069 gelesen, nicht als unbesehen austauschbarer Teil eines anderen Tantra-Titels.
Bhavana Upanishad Die innere Betrachtung des Shri Chakra verbindet beide Lektüren. Die kurze Upanishad konzentriert sich auf die innere Zuordnung von Mensch und Verehrung; das Jnanarnava entfaltet daneben zahlreiche äußere Rituale und Mantraformen.
Kama Kala Vilasa Kamakala, Bindu, Klang und die Entfaltung der göttlichen Kraft bilden einen gemeinsamen Themenraum. Jnanarnava 1 und 10 sind geeignete Vergleichsstellen; das Gesamtwerk reicht zugleich weit in praktische Verehrungsordnungen hinein.
Varivasyarahasya Gemeinsam ist die Frage, wie die Bedeutung des Mantras und sein Vollzug zusammengehören. Im Jnanarnava wird diese Frage besonders durch die Spannung zwischen Lautgestalt und lautloser Wirklichkeit zugespitzt (13.7–9).
Dakshinamurti Samhita Guru, Sri Vidya, Nyasa und meditative Vergegenwärtigung ermöglichen einen fruchtbaren Vergleich. Für das Jnanarnava sind besonders die Aussagen über Einweihung, Hamsa und Ajapa in Kapitel 24 heranzuziehen; einzelne Ritualfolgen dürfen nicht ohne Prüfung übertragen werden.
Sharada Tilaka Tantra Mantra, Nyasa, Meditation über Gottheiten und rituelle Verehrung sind gemeinsame Arbeitsfelder. Das Sharada Tilaka erschließt ein breiteres Spektrum von Gottheiten und Mantraverfahren; das Jnanarnava setzt seinen besonderen Schwerpunkt auf Tripura und Sri Vidya.
Kularnava Tantra Guru, Einweihung und die Voraussetzungen einer überlieferten tantrischen Praxis verbinden die Lektüren. Das Jnanarnava macht diese Themen zum Bestandteil einer detaillierten Tripura-Verehrung und der ihr zugeordneten Erkenntnislehre.
Tantraloka Beide verbinden Ritual, Mantra und Befreiung. Der Tantraloka gehört in den systematischen Horizont von Abhinavaguptas nichtdualem Shaivismus; das Jnanarnava entfaltet eine Göttinnenunterweisung der Sri Vidya. Begriffe wie Bewusstsein, Shakti und Erkenntnis sollten jeweils aus ihrem eigenen Zusammenhang erklärt werden.

Die Verehrung im eigenen Herzen vertiefen

Das Jnanarnava Tantra führt vom gesprochenen Mantra zur Stille, von der Blume zur inneren Gabe und vom Bild der Göttin zur Erkenntnis des Bewusstseins. Die äußere Verehrung erhält Tiefe, wenn der Mensch mit seiner Aufmerksamkeit und seinem Herzen an ihr teilnimmt. Die Erkenntnis erhält Lebensnähe, wenn sie die Begegnung mit anderen durchdringt.

Das „Meer der Erkenntnis“ im Titel kann dafür zum Bild werden. Eine Welle hat ihre eigene Gestalt und Bewegung; ihr Wasser bleibt Wasser des Meeres. Als heutige Betrachtung erinnert dies daran, die besondere Gestalt des eigenen Lebens zu achten und zugleich nach dem gemeinsamen Grund aller Wesen zu fragen.

Vielleicht klingt nach der Lektüre ein vertrautes Mantra aufmerksamer. Vielleicht wird eine kleine Gabe bewusster dargebracht. Vielleicht gelingt es, in einer schwierigen Begegnung innezuhalten und dem anderen mit mehr Würde zu begegnen. Solche Schritte geben dem Studium eine Richtung im Alltag.

Verehre mit Hingabe. Übe mit Sorgfalt. Höre mit offenem Herzen. Und lass die Erkenntnis der göttlichen Gegenwart in deinem Handeln Gestalt gewinnen.

Siehe auch

Literatur

  • Sudhakar Malaviya (Hrsg.): Jñānārṇavatantram. Als zugrunde liegende Edition im Dateikopf des Muktabodha-E-Textes M00069 genannt. Druckort und Druckjahr sind dort nicht angegeben und werden hier nicht ergänzt.
  • Muktabodha Indological Research Institute: Jñānārṇavatantra, M00069, elektronische Veröffentlichung 2007, Datenerfassung unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski. Verwendete Arbeitsgrundlage: IAST- und Devanagari-Fassung.
  • Swami Sivananda: Tantra Yoga, Nada Yoga and Kriya Yoga, Divine Life Society, 5. Auflage 2000. Weiterführend zur spirituellen Einordnung von Sri Vidya, nicht als Übersetzungsvorlage verwendet.
  • Swami Sivananda: Japa Yoga. Weiterführend zur allgemeinen Mantrapraxis.
  • Swami Vishnu-devananda: Meditation und Mantras. Weiterführend zu Sammlung, Mantra und Meditation.

Weblinks

Seminare

Die Angebote vertiefen allgemeines Schriftstudium und spirituelle Praxis. Sie sind nicht als spezielle Einweihungen in die Ritualverfahren des Jnanarnava Tantra ausgewiesen.

Kundalini Yoga

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Indische Schriften

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Chakras

23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur

Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…
Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren

Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …
Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens

Energiearbeit

23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur

Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…
Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
25.10.2026 - 01.11.2026 Ayurvedische Marma Massage Ausbildung

Lerne in dieser Ayurveda Ausbildung, die ayurvedische Marma Massage professionell anzuwenden. In den Marma Punkten, bestimmten Energiepunkten, treffen B…
Galit Zairi

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Die beiden verwendeten Muktabodha-Fassungen M00069 enthalten dieselbe Folge von 26 Paṭalas und 1.708 nummerierten Versen beziehungsweise Texteinheiten. Manche Einheiten haben nur einen Halbvers, andere drei; deshalb ist diese Zahl keine Behauptung über 1.708 gleichförmige Doppelverse. Hinzu kommen Sprecherzeilen, Eingangsverehrung, unnummerierte Zeilen und Kolophone.

14.113 ist als „113“ vorhanden. In Kapitel 20 springt die Zählung von 112 auf 114; die angrenzenden Einheiten enthalten jeweils drei Halbverse. Ob dies auf eine fehlerhafte Zählung oder eine ältere Störung zurückgeht, lässt sich aus den beiden E-Textfassungen allein nicht entscheiden. Der Wortlaut wird nicht durch erfundene Ergänzungen geschlossen.

Klammerzusätze und Fragezeichen der Vorlage bleiben in den Sanskritartikeln erhalten. Die Passage 10.23–25 steht teilweise in Klammern; 10.28 wiederholt einen Teil ihres Inhalts. Die Übersetzung bewahrt diese Abfolge. In 21.34 ist eine sichere vollständige Übersetzung nicht möglich; die unsichere Lautfolge wird lokal kenntlich gemacht. Nach 11.13 und 17.117 stehen unnummerierte Abschlusszeilen; beide werden gesondert übersetzt. Weitere schwierige Stellen liegen unter anderem in 14.55–56, 16.93–96, 16.114–126 und 22.60. Wo die Vorlage keinen sicheren Sinn erlaubt, bleibt dies offen.

Die deutschen Texte sind eigene Übersetzungen aus dem Muktabodha-Sanskrittext. Sie wurden nicht als vollständiger Vergleich mit einer gedruckten Edition oder als unabhängige Neukollation ausgegeben. Bei schwierigen Lautchiffren, Geometrieanweisungen und auffälligen Lesungen stehen lokale Hinweise. Technische Übertragungsreste in 4.17, 4.31, 15.5, 16.117 und an der Sprecherangabe zu Kapitel 5 wurden in den Sanskritartikeln punktuell bereinigt und dort dokumentiert. Bei 16.117 wurde ein eingeschobenes Fremdzeichen entfernt, ohne einen Sanskritlaut zu ergänzen. Die Devanagari-Seite beruht auf der vorhandenen Devanagari-Datei, nicht auf einer automatischen Rücktransliteration.

Der Dateikopf weist den Muktabodha-E-Text als Creative Commons BY-NC 4.0 aus. Diese Herkunfts- und Lizenzangabe gehört auch zu den Sanskritartikeln. Das Sanskritwerk, seine elektronische Textfassung und die hier hinzugefügten Erläuterungen sind dabei zu unterscheiden.

Heutige Praxisanregungen und ergänzende Medien sind von den historischen Ritualanweisungen zu unterscheiden. Heilungs-, Macht- und Erfolgsaussagen werden als Aussagen des Werkes übersetzt, nicht als geprüfte Wirkversprechen. Das gilt ebenso für die kalendarischen Vorhersagen in Kapitel 24.