Prapanchasara Tantra
Prapanchasara Tantra (Sanskrit: प्रपञ्चसारतन्त्र, IAST: Prapañcasāratantra) ist eine umfangreiche tantrische Schrift über die schöpferische Macht des Mantras, die Entstehung der Welt aus Shakti, die Heiligung des Körpers und die Rückkehr des Geistes zu seinem Ursprung. Der Titel lässt sich als „Essenz der Weltentfaltung“ verstehen: Prapancha bezeichnet die ausgebreitete Vielfalt der Erscheinungen, Sara ihren wesentlichen Gehalt. Die vorliegende Fassung umfasst 33 Paṭalas, also Kapitel.
Die Schrift eröffnet eine weite Sicht auf das spirituelle Leben. Klang, Atem, Körper, Gottheiten und Welt werden als miteinander verbundene Ausdrucksweisen einer ursprünglichen Kraft betrachtet. Was außen als Vielfalt erscheint, kann innen als Zusammenhang erfahren werden. Das Wort wird zum Mantra, der Körper zum Ort der Verehrung, Nahrung zur inneren Opfergabe und gesammeltes Bewusstsein zum Tor der Befreiung.
Diese Ausrichtung verdichtet sich im Gebet: „Herr der Götter, möge all mein Handeln deine Verehrung sein!“ (20.69). Die Bitte verbindet die stille Meditation mit dem tätigen Leben. Auch ein Gespräch, eine Mahlzeit oder ein Dienst an anderen kann von Hingabe getragen sein. Darin liegt ein besonders zugänglicher Schlüssel zu diesem vielgestaltigen Werk.

Prapanchasara Tantra: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras
Was Yoga-Aspiranten aus dem Prapanchasara Tantra lernen können
Wer das Werk zum ersten Mal aufschlägt, begegnet langen Lautreihen, Gottheitsnamen, Yantras und Ritualordnungen. Ein guter Zugang beginnt bei der Frage, welche innere Haltung diese Formen tragen. Drei besonders zugängliche Wege führen in das Werk: die Haṃsa-Lehre in 4.12–24, der zusammenhängende Yoga-Abschnitt in Kapitel 18 und das Gebet der Hingabe in 20.54–70.
Das Werk lädt dazu ein, die eigene Stimme bewusster zu gebrauchen, den Atem als Träger des Lebens wahrzunehmen und den Körper mit Achtung zu behandeln. Japa sammelt die zerstreute Aufmerksamkeit. Dhyana lässt die verehrte Gottheit im Herzen gegenwärtig werden. Samadhi bezeichnet schließlich das Aufgehen des Geistes im reinen, unbefleckten Sein (18.23–24).
Dabei gehört die Lebensführung zur Übung. Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen, Gleichmut, Geduld und Aufrichtigkeit werden ausdrücklich als Grundlagen genannt (18.17). Ein Lehrer soll selbst dann das Wohl anderer suchen, wenn dies für ihn mit Mühe verbunden ist (33.27). Für ernsthafte Yoga-Aspiranten liegt darin eine einfache Orientierung: Geistige Tiefe bewährt sich auch im Umgang mit Menschen.
Ein persönlicher Zugang zum Studium
Du musst die zahlreichen Ritualdetails nicht auf einmal verstehen. Wähle zunächst einen zusammenhängenden Abschnitt, lies ihn langsam und frage: Welche Haltung wird hier beschrieben? Was verändert sich, wenn ich diese Haltung in meinen Alltag mitnehme? Lies Verse, deren Satz über die Versgrenze hinausgeht, stets zusammen.
| Dein Interesse | Ein guter Einstieg | Frage zur Betrachtung |
|---|---|---|
| Atem und innere Verbundenheit | 4.12–24: Kundalini und Haṃsa | Kann ich den Atem aufmerksam wahrnehmen und zugleich geschehen lassen? |
| Konzentration und Meditation | 18.15–30: die acht Glieder des Yoga | Welche Gewohnheit unterstützt meine Sammlung, welche zerstreut mich? |
| Mantra und Stille | 18.32–37: Betrachtung von Om | Wie verändert sich mein inneres Hören, wenn ich nach dem Japa still bleibe? |
| Hingabe mitten im Leben | 20.54–70: Hari-Lobpreis | Welche heutige Handlung möchte ich bewusst als Gabe darbringen? |
| Vertrauen und geistige Begleitung | 33.26–31: Eigenschaften des Lehrers | Woran erkenne ich Mitgefühl, Bescheidenheit und gelebte Erkenntnis? |
Die Fragen sind Anregungen für das heutige Studium. Eine kompakte Begleitung bietet die Seite 108 inspirierende Verse und Mantras. Wer einzelne Begriffe genauer betrachten möchte, findet den entsprechenden Wortlaut in IAST und Devanagari.
Überlieferung und traditionelle Zuschreibung an Shankara
Die Eingangszeilen und die Kapitelkolophone schreiben das Werk dem ehrwürdigen Shankara zu, dem Schüler Govinda Bhagavatpadas und Paramahamsa-Wanderlehrer. Diese Zuschreibung ist für das Selbstverständnis der Überlieferung bedeutsam. Sie verbindet die Schrift mit einer Gestalt, in der spirituelle Erkenntnis, Entsagung und Unterweisung zusammenkommen.
Aus dem Kolophon allein lässt sich die historische Autorschaft des bekannten Adi Shankara jedoch nicht beweisen. Auch eine genaue Entstehungszeit wird hier nicht festgelegt. Die hier übersetzte Sanskritfassung überliefert 33 Kapitel. Ihre textlichen Besonderheiten und die Grenzen ihrer Absicherung sind im Abschnitt Literatur und Textgrundlage erläutert.
Die Lehrrede beginnt mit Brahma, Hari und Ishvara, die nach ihrem eigenen Ursprung fragen (1.2–19). Die Antwort führt zum ursprünglichen Laut und zur Kraft, aus der die Welt hervorgeht. Schon der Anfang verbindet Verehrung und Erkenntnis: Auch die großen Gottheiten erscheinen als Fragende vor dem höchsten Licht.
Aufbau des Werkes
Die ersten Kapitel entfalten die Beziehung von Urnatur, Bewusstsein, Körper und Lauten. Darauf folgen Einweihung und Ritualgrundlagen, ausführliche Mantra- und Gottheitsverehrungen sowie besondere Yoga-Lehren. Die späteren Kapitel behandeln unter anderem Vishnu- und Shiva-Mantras, vedische Formeln, Prana-Pratishtha, Yantras und das Verhältnis von Lehrer und Schüler.
Die folgende Übersicht nennt die Orientierungsthemen; sie ersetzt nicht die Übersetzung. Die Zahlen geben die tatsächlich vorhandenen nummerierten Einheiten der Vorlage an.
| Paṭala | Orientierungsthema | Nummerierte Einheiten |
|---|---|---|
| 1 | Weltentfaltung, Tattvas, Körperentstehung und Nadis | 104 |
| 2 | Körper, Sprachentstehung und Entfaltung der Lautkraft | 68 |
| 3 | Lautgruppen und Zuordnungen von Kräften und Gottheiten | 75 |
| 4 | Kundali, Hamsa, Laut- und Zeitentsprechungen | 77 |
| 5 | Einweihung und Vorbereitung der Ritualpraxis | 71 |
| 6 | Nyasa, Verehrung und Feueropfer | 123 |
| 7 | Lautverehrung, Prapancha-Yaga und Pranagnihotra | 95 |
| 8 | Tripura-Vidya und Verehrung der Sprachgöttin | 77 |
| 9 | Mantra der ursprünglichen Shakti | 68 |
| 10 | Shakti-Yantra und weitere Verehrungsformen | 70 |
| 11 | Shri beziehungsweise Lakshmi | 66 |
| 12 | Triputa-Mantra und verwandte Formen der Verehrung | 85 |
| 13 | Durga-Mantras und Anwendungen | 88 |
| 14 | Vier-Silben-Mantra, Ajapa und weitere Formeln | 65 |
| 15 | Mond-Mantra und weitere Verehrungsformen | 65 |
| 16 | Ganapati | 78 |
| 17 | Manmatha und weitere Mantraformen | 54 |
| 18 | Pranava und die Wege des Yoga | 64 |
| 19 | Acht-Silben-Mantra | 60 |
| 20 | Monats-Yantras der Vishnu-Verehrung und Hari-Lobpreis | 70 |
| 21 | Zwölf-Silben-Mantra und Sudarshana | 57 |
| 22 | Shrikara- und Varaha-Mantra | 48 |
| 23 | Narasimha | 56 |
| 24 | Vishnu-Panjara | 66 |
| 25 | Prasada-Mantra und Shiva-Verehrung | 73 |
| 26 | Dakshinamurti und weitere Shiva-Mantras | 55 |
| 27 | Weitere Formen der Shiva-Verehrung | 46 |
| 28 | Gayatri | 73 |
| 29 | Trishtubh-Vidya und Anwendungen | 100 |
| 30 | Tryambaka-Anushtubh und weitere Ritualanwendungen | 144 |
| 31 | Prana-Pratishtha | 21 |
| 32 | Yantras und besondere Mantraanwendungen | 77 |
| 33 | Nachkommenschaftsritual, Guru und Schüler; Schluss | 63 |
Klang, Matrika und die Entstehung der Welt
Die Matrika ist die „Mutter“ oder mütterliche Kraft der Laute. Im Prapanchasara Tantra sind Buchstaben mehr als Zeichen auf einer Seite. Sie bilden ein Netz von Entsprechungen, durch das Körper, Gottheiten, Elemente und Weltbereiche miteinander verbunden werden.
Die Schöpfungsdarstellung beschreibt zunächst eine Verdichtung der Urkraft zum Bindu. Aus dessen Entfaltung entsteht ein noch unoffenbarer Klang, den die Überlieferung Shabda-Brahman nennt (1.41–44). Diese spirituelle Schöpfungslehre betrachtet Klang als Ausdruckskraft des Bewusstseins. Sie lädt dazu ein, hinter den vielen Namen und Formen nach dem gemeinsamen Ursprung zu fragen.
Im Menschen findet diese Entfaltung eine Entsprechung. Vers 2.44 nennt Para, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari: die ursprüngliche, die schauende, die innere und die ausgesprochene Sprache. Die Lautkraft steigt aus Muladhara auf, verbindet sich im Herzen mit dem Erkenntnisvermögen und wird im Mund hörbar. Wer diesen Zusammenhang betrachtet, kann achtsamer werden für den Weg von der inneren Regung zum gesprochenen Wort.
Die fünfzig Laute entstehen nach 2.68 aus dem Nada, der im Hohlraum der Sushumna aufsteigt. Die Lautgruppen werden an anderen Stellen nach weiteren rituellen Gesichtspunkten geordnet. Für die Betrachtung des eigenen Sprechens öffnet sich hier eine einfache Frage: Welcher inneren Haltung gebe ich mit meinen Worten Gestalt?
Prana, Nadis und Sushumna
Prana ist die belebende Kraft, die den Körper in Tätigkeit hält. Die Nadis sind in dieser Lehre seine Leitungsbahnen. Vers 1.81 nennt die mittlere Sushumna, links Ida und rechts Pingala. Der Text verbindet diese Bahnen mit Sonne und Mond, Tag und Nacht sowie den größeren Rhythmen des Kosmos.
Diese Beschreibung steht teilweise neben vormodernen Vorstellungen von Zeugung, Embryonalentwicklung und Körperflüssigkeiten. Sie wird hier als historisches Körperverständnis wiedergegeben. Die Aussagen über die Entstehung des Geschlechts oder über aus Feuchtigkeit entstehende Tiere sind keine heutige naturwissenschaftliche Erklärung.
Für die geistige Betrachtung bleibt ein fruchtbarer Gedanke: Das Leben des Körpers ist kein isolierter Vorgang. Der einzelne Atem steht im Bild der Schrift mit größeren Lebensrhythmen in Verbindung. Daraus kann Dankbarkeit wachsen, statt den Leib nur als Werkzeug der eigenen Wünsche zu behandeln.

Kundalini und Ajapa
Kundalini begegnet im Werk als lebendige Kraft des Lautes und des Bewusstseins. Schon beim noch undeutlichen Lautgeben eines Kindes wirkt sie nach 2.52. In 4.12 heißt es, die Weisen erkennen die Kraft im Herzen; ihr unablässiger Klang wird mit dem Summen einer Biene verglichen. Vers 4.13 verbindet sie ausdrücklich mit Sushumna.
Damit umfasst Kundalini hier mehr als die Vorstellung eines spektakulären Aufstiegs. Sie gehört zur alltäglichen Möglichkeit, sich auszudrücken, wahrzunehmen und bewusst zu werden. Die besondere Yogapraxis verdichtet einen Zusammenhang, den der Text bereits im gewöhnlichen Leben erkennt.
Ajapa heißt wörtlich „Nicht-Rezitation“. Die Schrift beschreibt einen Mantra, den das Selbst beständig wiederholt (14.22). In 4.17–20 deutet sie Haṃsa als Einheit von Purusha und Prakriti. Die Erkenntnis „So’ham – Das bin ich“ führt die individuelle Erfahrung auf ihren geistigen Ursprung zurück.
Eine heutige, allgemein zugängliche Anregung ist, für einige Minuten den natürlichen Atem zu beobachten und sich dabei an diese Einheit zu erinnern. Dies ist eine behutsame Übertragung in den Alltag, keine Behauptung, damit sämtliche Einweihungs-, Nyasa- und Ritualvorschriften aus Kapitel 14 zu vollziehen. Die dortige Ajapa-Praxis enthält auch ausdrückliches Japa, Gottheitsbetrachtung und Opferordnungen; „Ajapa“ bedeutet im Werk also nicht schlicht den Verzicht auf jede bewusst ausgeführte Praxis.
Mantra, Bija und Japa
Die Schrift erklärt Mantra durch eine traditionelle Wortdeutung: Das betrachtende Verinnerlichen der Wirklichkeit schützt vor Furcht (5.2). In dieser Deutung gehören Laut, Betrachtung und geistige Ausrichtung zusammen. Die Wiederholung erhält ihre Tiefe durch die Aufmerksamkeit und Hingabe, mit der sie geschieht.
Bijas bündeln solche Wirklichkeit in kurzen Lautgestalten. Die Texte bezeichnen sie oft verschlüsselt, etwa über Elemente, Gottheiten, Lautpositionen oder Körperteile. Solche Angaben verlangen genaue Kenntnis ihrer jeweiligen Zuordnung. Beschädigte Codierungen dürfen deshalb nicht durch eine scheinbar vertraute Formel ersetzt werden.
Japa verbindet Wiederholung mit Sammlung. Große Wiederholungszahlen und daran anschließende Opfergaben gehören zu den historischen Sadhana-Ordnungen. Für den heutigen Leser ist zunächst die Qualität der Hinwendung wesentlich: aufmerksam hören, bewusst wiederholen, Zerstreuung bemerken und freundlich zum Mantra zurückkehren. Diese Leseanregung ersetzt keine Diksha in eine bestimmte Praxis.
Om als Sammlung der Vielfalt
Kapitel 18 beschreibt Om als Pranava, als Zusammenfassung der Mantras und als Weg zum höchsten Selbst. A, U und M werden in 18.34 ausdrücklich genannt. Die Meditation vertieft sich von der hörbaren Gestalt über Bindu und Nada bis zum feinen Licht des Bewusstseins (18.32–37).
Das Ziel ist nicht ein immer stärkerer äußerer Klang. Es ist das Stillwerden des Geistes in dem, worauf der Klang hinweist. Deshalb kann ein bewusst gesprochenes Om in ein achtsames Lauschen und schließlich in stille Meditation übergehen.
Guru und Diksha – Erkenntnis empfangen und verkörpern
Diksha, die Einweihung, steht am Beginn der ausführlichen Rituallehre. Vers 5.2 deutet sie als Vermittlung göttlicher Bewusstheit und als Überwindung von Verfehlungen. Damit verbindet die Schrift das Erlernen einer Praxis mit einer inneren Wandlung: Das Empfangene soll das Denken und Handeln prägen.
Welche Verantwortung dabei dem Guru zukommt, zeigt das Schlusskapitel. Es nennt Frieden, Selbstbeherrschung, Mitgefühl, Unterscheidungsvermögen und Bescheidenheit (33.27–29). Besonders eindringlich ist die Forderung, auch unter eigener Mühe das Wohl anderer zu suchen (33.27). Ein Lehrer soll Zweifel klären und „wie ein Spiegel des Wissens“ sein (33.31). Geistige Autorität wird damit auch an der Qualität des Umgangs mit Menschen erkennbar.
Für Yoga-Aspiranten liegt darin eine wertvolle Orientierung: Vertrauen darf mit wacher Unterscheidungskraft wachsen. Gute Unterweisung hilft dir, das Gelehrte zu verstehen, Fragen zu klären und verantwortlicher zu handeln. Auf Seiten des Schülers hebt der Text unter anderem Aufrichtigkeit und das Streben nach Befreiung hervor (33.36). So begegnen sich die Bereitschaft zu lernen und die Verantwortung zu lehren.
Nyasa – der Körper als heiliger Kosmos
Nyasa bedeutet das rituelle Setzen oder Niederlegen von Lauten, Mantras und Gottheitskräften an bestimmten Stellen des Körpers. Die äußere Berührung und die innere Vergegenwärtigung gehören dabei zusammen.
Ein besonders verständliches Beispiel bietet 6.2: Der Seher des Mantras wird auf dem Haupt verortet, weil er Lehrer ist; das Versmaß an der Zunge, weil es aus Lauten besteht; die Gottheit im Herzen, weil sie durch innere Erkenntnis erfasst wird. So wird aus einer technischen Zuordnung eine Betrachtung über Lernen, Sprechen und Erkennen.
Das Körperverständnis der Schrift kann zu Achtung gegenüber dem eigenen Leib führen. Er ist nicht nur Träger von Unruhe und Gewohnheiten, sondern auch Ort von Erkenntnis, Hingabe und Dienst. Im Alltag kann sich diese Haltung darin ausdrücken, dem Leib Ruhe zu geben, seine Grenzen wahrzunehmen und die eigenen Fähigkeiten in den Dienst anderer zu stellen. Das ist eine heutige Betrachtung des Grundgedankens; der rituelle Nyasa besitzt darüber hinaus seine eigene überlieferte Ordnung.
Dhyana und innere Verehrung
Das Prapanchasara Tantra enthält viele genaue Bilder von Gottheiten: Farben, Gesten, Schmuck, Waffen und Sitze. Dhyana sammelt den Geist in einer solchen geistigen Gegenwart. Die äußere Form hilft der Aufmerksamkeit, sich zu bündeln; ihr geistiger Sinn kann in das Herz aufgenommen werden.
Das Werk definiert Dhyana als das beständige Halten der Gottheit im Geist (18.22–23). Es erklärt die Bilder damit nicht für bedeutungslos. Die verehrte Gegenwart soll vielmehr so lebendig werden, dass Denken, Fühlen und Handeln auf sie ausgerichtet sind.
Pranagnihotra – Nahrung als innere Opfergabe
In 7.70–92 wird Pranagnihotra beschrieben: die Verinnerlichung des Feueropfers in den Lebenskräften. Die fünf Lebenswinde entsprechen den Opferfeuern; auch die Aufnahme der Nahrung wird in diese Betrachtung einbezogen. Vers 7.89 formuliert die Identifikation mit Vaishvanara, dem verdauenden Feuer.
Die geistige Bewegung reicht noch weiter: In 7.80 werden die Sinnesbereiche als Opfergaben betrachtet. Hören, Berühren, Sehen, Schmecken und Riechen werden auf ihren inneren Grund zurückgeführt. Für eine heutige Betrachtung kann dies bedeuten, Eindrücke bewusst wahrzunehmen, ohne sich von jedem Reiz fortziehen zu lassen.
Ein stiller Moment der Dankbarkeit vor dem Essen ist eine einfache Brücke zu diesem Gedanken. Er ist keine verkürzte Gleichsetzung mit dem vollständigen Pranagnihotra-Ritual, sondern eine eigene, allgemein geeignete Praxisanregung.
Gottheiten und ihre Mantras
Die Schrift entfaltet eine große Vielfalt der Gottesverehrung. Die Göttin erscheint als Sharada, Sarasvati, Tripura, ursprüngliche Shakti, Lakshmi und Durga. Weitere Kapitel behandeln Ganesha, Manmatha, Vishnu in verschiedenen Gestalten und Shiva in unterschiedlichen Mantraformen.
Dabei können dieselben Grundgedanken in mehreren Zusammenhängen wiederkehren: die Sammlung der Lautkraft, die Einweihung, die Platzierung der Mantras, die Gottheitsbetrachtung, Japa, Verehrung und Feueropfer. Die genaue Ordnung bleibt jeweils gottheits- und mantraspezifisch.
Nicht jede genannte Gottheit besitzt an der betreffenden Stelle eine ausgeschriebene, unmittelbar rezitierbare Formel. Der Mantra-Abschnitt der Versauswahl unterscheidet deshalb klare Textbelege von bloßen Namen, verschlüsselten Anweisungen und beschädigten Lautfolgen.
Sri Vidya und Tripura
Kapitel 8 beginnt ausdrücklich mit der Vidya namens Tripura. Vers 8.2 verbindet den Namen mit der Dreiheit der Gottheiten, der drei Veden und der drei Welten. Im Lobpreis 8.65 werden die Bergestochter, Durga, Kamala und Tripura als Erscheinungsweisen derselben Göttin angerufen.
Darin liegen wichtige Berührungspunkte mit Sri Vidya: Göttin, Lautkraft, geistige Erkenntnis und kosmische Ordnung bilden einen Zusammenhang. Wer Tripurasundari verehrt, kann hier eine weite Deutung der Göttin als Ursprung und innere Gegenwart der Vielfalt finden.
Die jeweiligen Ritualsysteme sollten dennoch genau gelesen werden. Aus einer Tripura-Nennung folgt nicht automatisch, dass die Stelle die vollständige spätere Navavarana-Puja oder eine bestimmte Shri-Chakra-Tradition erläutert. Die Verwandtschaft der Themen lädt zum vergleichenden Studium ein; die Eigenart jeder Schrift bleibt dabei wichtig.

Vishnu, Shiva, Devi und Ganapati
Die Vielfalt der Verehrungsformen eröffnet unterschiedliche Zugänge. Vishnu wird unter anderem durch den Acht-Silben- und den Zwölf-Silben-Mantra, als Varaha und Narasimha sowie im Vishnu-Panjara behandelt. Shiva erscheint unter anderem im Prasada-Mantra, als Dakshinamurti und im Mrityunjaya-Zusammenhang. Devi ist sowohl ursprüngliche Weltkraft als auch konkret verehrte Göttin; Ganapati wird in Kapitel 16 mit seinen eigenen Ordnungen entfaltet.
Diese Weite kann den Respekt vor anderen Zugängen stärken. Du kannst in deiner eigenen Sadhana verwurzelt bleiben und zugleich würdigen, dass andere Menschen durch andere Namen und Gestalten Hingabe erfahren. Das Werk verbindet mehrfach Hingabe an eine konkrete Gottheitsgestalt mit dem Ziel der höchsten Erkenntnis.
Yoga, Samadhi und Moksha
Kapitel 18 gehört zu den besonders wertvollen Abschnitten für das Studium des Yoga. Seine acht Glieder sind Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi (18.16). Die Aufzählung der ethischen Regeln ist dabei eigenständig und darf nicht wortgleich mit den Listen des Yoga Sutra gesetzt werden.
Die innere Bewegung der acht Glieder
Der Weg beginnt dort, wo wir leben: beim Sprechen, Handeln und Begegnen. Wahrhaftigkeit und Nichtverletzen schaffen eine tragfähige Grundlage. Zufriedenheit, Reinheit und Selbststudium geben dem Alltag eine Richtung. Sitz und Atem bereiten die Sammlung vor. Pratyahara nimmt die nach außen gerichtete Lebenskraft zurück; Dharana hält sie an einem Ort. Dhyana vertieft die Gegenwart der Gottheit. Samadhi wird als Aufgehen des Geistes im reinen Sein beschrieben (18.21–24).
Besonders alltagsnah ist 18.30: Die Vorbereitung umfasst maßvolles Essen, angemessenen Schlaf, einen geschützten Raum und einen bequemen Sitz. Geistige Übung gewinnt an Tiefe, wenn sie von einer ausgewogenen Lebensführung getragen wird.
Die überlieferten Atemzahlen, intensiven Visualisierungen und Beschreibungen des Atemstillstands gehören dagegen zum anspruchsvollen Yoga des Textes. Die deutsche Wiedergabe dokumentiert sie; sie ist keine persönliche Übungsanleitung für unvorbereitetes Ausprobieren.
Turiya und Turiyatita
Die Verse 18.46–52 unterscheiden Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und Turiyatita. Turiya wird als Erkennen des Höchsten in einem von Dunkelheit freien Licht beschrieben. Turiyatita bezeichnet hier die Nichtverschiedenheit von individuellem und höchstem Selbst.
Diese Begriffe weisen über wechselnde Erfahrungen hinaus. Die Frage lautet nicht nur: „Was erlebe ich gerade?“, sondern auch: „Was ist der Grund, in dem diese Erfahrungen erscheinen?“ Eine solche Betrachtung kann die Bindung an angenehme oder unangenehme Zustände lockern.
Befreiung und besondere Erfahrungen
Das Kapitel nennt auch Siddhis, außergewöhnliche Fähigkeiten und körperliche Zeichen der Praxis. Diese Aussagen werden als Bestandteil der Überlieferung wiedergegeben, ohne ihre behaupteten Wirkungen als nachgewiesene Tatsachen auszugeben. Das im Text selbst wiederkehrende Ziel ist Moksha, die Befreiung aus dem Samsara.
Für die eigene Orientierung ist deshalb die ethische und geistige Frucht aussagekräftiger als das Suchen nach ungewöhnlichen Empfindungen: mehr Klarheit, weniger Gier, mehr Mitgefühl und eine beständigere Hinwendung zum höchsten Selbst.
Fünf zentrale Lehren des Prapanchasara Tantra
- Die Vielfalt hat einen geistigen Zusammenhang. Die Urkraft entfaltet sich als Welt und bleibt ihr innerer Grund (1.26–28; 1.41–44). Daraus wächst eine ehrfürchtige Sicht auf das Leben.
- Klang kann zur Erkenntnis führen. Laut, Bindu, Nada und Bewusstsein werden miteinander verbunden. Om dient als Weg der Sammlung und Verinnerlichung (2.44; 18.32–37).
- Der Körper ist ein Ort spiritueller Praxis. Atem, Nadis und Nyasa verbinden Leiblichkeit mit der Hinwendung zum Göttlichen (1.81; 4.12–13; 6.2).
- Sammlung braucht eine ethische Grundlage. Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen, Geduld und Nichtanhaften stehen am Anfang des Yogaweges; ein Lehrer soll dem Wohl anderer dienen (18.15–18; 33.27).
- Hingabe kann das ganze Leben umfassen. Gedanken, Worte und Handlungen dürfen zu Meditation, Lobpreis und Verehrung werden (20.68–69). Befreiung bleibt das höchste Ziel.
Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten
Die folgenden Anregungen übertragen ausgewählte Gedanken in eine einfache Alltagspraxis. Wähle zunächst eine aus und beobachte einige Tage lang, was sie in deiner Aufmerksamkeit und deinem Verhalten bewirkt. Die besonderen Einweihungs-, Ritual- und Atemverfahren des Werkes gehören in ihre jeweilige angeleitete Tradition.
- Gib deinem Japa ungeteilte Aufmerksamkeit. Wiederhole einen dir vertrauten Mantra für einige Minuten. Höre jede Wiederholung innerlich mit. Wenn Gedanken dich forttragen, beginne freundlich neu. Betrachte anschließend: Bin ich gegenwärtiger geworden? So erhält die Verbindung von Mantra und Verinnerlichung aus 5.2 eine persönliche Bedeutung.
- Begegne dem Atem mit Dankbarkeit. Setze dich bequem hin und spüre einige natürliche Atemzüge, ohne ihre Tiefe oder Dauer zu verändern. Die Haṃsa-Lehre in 4.17–20 kann dich an die Verbundenheit von Leben und Bewusstsein erinnern. Nimm diese ruhige Aufmerksamkeit in die nächste Begegnung mit.
- Lass nach dem Klang Raum für Stille. Bleibe nach deinem gewohnten Japa einen Moment sitzen. Du brauchst keine besondere Erfahrung hervorzubringen. Nimm wahr, was jetzt da ist, und kehre bei Ablenkung sanft zur Sammlung zurück. Die Om-Betrachtung in 18.32–37 gibt diesem Übergang vom Klang zur inneren Versenkung einen geistigen Hintergrund.
- Schaffe eine freundliche Grundlage für Meditation. Prüfe, ob dein Sitz bequem ist und ob du genügend Ruhe hast. Maßhalten und angemessener Schlaf gehören bereits in 18.30 zur Vorbereitung. Wähle eine kleine, tragfähige Veränderung in deinem Tagesablauf, die regelmäßige Übung erleichtert.
- Lass eine Handlung zur Gabe werden. Erinnere dich vor einer Arbeit oder einem Gespräch an die Bitte aus 20.69: „Möge all mein Handeln deine Verehrung sein!“ Höre einem Menschen aufmerksam zu, erledige eine Aufgabe sorgfältig oder hilf ohne Erwartung einer Anerkennung. Betrachte am Abend, wo Hingabe in deinem Verhalten spürbar wurde.
Historische Ritualpraxis und verantwortliches Lesen
Das Prapanchasara Tantra enthält neben den erhebenden Lehren auch Verfahren zur Beeinflussung, zur Abwehr von Feinden und zur Schädigung. Solche Passagen dürfen nicht stillschweigend in harmlose Sinnbilder umgedeutet werden. Sie gehören zum historischen Ritualspektrum, sind aber keine Empfehlung für die heutige Praxis.
Ebenso enthält Kapitel 33 Aussagen über Kinderlosigkeit, soziale Herkunft, Armut, Krankheit und Behinderung, die Menschen ausgrenzen. Die Übersetzung dokumentiert diese Aussagen. Kinderlosigkeit ist kein Beleg für moralische Verfehlung; körperliche Eigenschaften oder materielle Armut bestimmen nicht den geistigen Wert eines Menschen. Für eine heutige ethische Rezeption bieten die ausdrücklichen Forderungen nach Nichtverletzen, Mitgefühl und dem Wohl anderer einen tragfähigen Maßstab.
Auch die geforderte Hingabe an den Guru ist im Zusammenhang mit den zuvor genannten Lehrerqualitäten zu lesen. Verantwortliche Unterweisung zeigt sich in Klarheit, Selbstbeherrschung und Sorge für die Lernenden. Die historischen Gehorsamsforderungen rechtfertigen keine Gewalt, Ausbeutung oder Aufhebung persönlicher Grenzen.
Die zahlreichen Verheißungen von Heilung, Giftüberwindung, langem Leben oder Nachkommenschaft werden als Aussagen des Werkes wiedergegeben. Sie werden nicht zu medizinischen Wirksamkeitsbehauptungen oder Einnahmeempfehlungen für Ritualstoffe umformuliert.
Prapanchasara Tantra und andere Tantra Schriften
Die folgenden Vergleiche dienen der Orientierung nach Themen. Sie behaupten keine hier nachgewiesene direkte literarische Abhängigkeit.
| Schrift | Hilfreicher thematischer Vergleich |
|---|---|
| Sharada Tilaka Tantra und Mantramahodadhi | Lautkraft, Mantra-Systematik, Nyasa und unterschiedliche Gottheitsverehrungen. |
| Parashurama Kalpasutra und Nityotsava | Die genaue Ordnung der Sri-Vidya-Praxis, Einweihung und ritualisierte Verehrung. |
| Yogini Hridaya und Nitya Shodashikarnava | Göttin, Mantra und die innere Bedeutung der Sri-Vidya-Tradition. |
| Bhavana Upanishad und Kama Kala Vilasa | Verbindungen von Körper, Bewusstsein, kosmischer Ordnung und innerer Verehrung. |
| Kularnava Tantra | Guru, Diksha, Eignung des Schülers und Verantwortung auf dem tantrischen Weg. |
| Tantraloka | Eine weiter ausgreifende Darstellung tantrischer Erkenntnis und Praxis; unterschiedliche philosophische Voraussetzungen sind jeweils zu beachten. |
| Vijnana Bhairava Tantra | Ein ergänzender Zugang über konzentrierte Betrachtungsweisen und unmittelbare Aufmerksamkeit. |
| Dakshinamurti Samhita | Berührungspunkte bei Mantra, Sri Vidya, innerer Verehrung und Ajapa. |
Deutsche Übersetzung des Prapanchasara Tantra
Umfang dieser Fassung: Alle 2.402 vorhandenen nummerierten Einheiten der 33 Kapitel sind unten bearbeitet. Reine Mantralaute werden erläutert; bei beschädigten Stellen wird nur der erkennbare Sinn wiedergegeben und die Unsicherheit benannt. Die Lautlisten 3.71 und 29.70 lassen keine sichere Bedeutungsübersetzung zu. Die Textabdeckung ist vollständig, die philologische Klärung aller beschädigten Lesarten dagegen offen.
Die Übersetzung bewahrt die ursprünglichen Nummern. Eckige Klammern kennzeichnen Hinweise der Redaktion; zusammenhängende Sätze können sich über mehrere Versnummern erstrecken. Unsichere Lesungen werden vor Ort benannt. Heilungs- und Wirkungsversprechen gehören zur Aussage der Quelle.
Übersetzung der Eingangszeilen: „Das Prapanchasara Tantra, verfasst vom ehrwürdigen Shankara, dem Paramahamsa-Wanderlehrer und Schüler des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.“
1. Paṭala
Orientierung: Weltentfaltung, Tattvas, Körperentstehung und Nadis.
1.1 Möge Sharada, die ewige Herrin der ganzen Welt, der Schoß des Alls, eurem Geist Reinheit schenken! Ihr Gesicht, ihre Arme, Füße, ihre Mitte und ihr Herz sind aus den sieben Lautgruppen gestaltet, die mit a, ka, ca, ṭa, ta, pa und ya beginnen. [Die Zusammensetzungen der Vorlage sind teilweise beschädigt; der Segenswunsch und die Zuordnung der Lautgruppen sind erkennbar.]
1.2 Einst, am Ende der Weltauflösung, entstanden aus der Urnatur die Brahma, Hari und Ishvara Genannten. Durch die Gunas unterschieden, wandten sie sich den Aufgaben der Erschaffung, Erhaltung und Auflösung dieser Welt zu.
1.3 Sie dachten über ihre eigene Entstehung und ihre Aufgabe nach und erkannten den ungeborenen, unoffenbaren, gestaltlosen, alldurchdringenden Träger der Maya als denjenigen, der ihnen Auskunft geben konnte.
1.4 In einer sichtbaren Erscheinungsform befand er sich im Milchozean, der von Fischen und Muscheln erfüllt und von den Tropfen der windbewegten Wellen gekühlt war.
1.5 Dort milderten die Strahlen der aufgehenden Sonne die Kühle, und die Berührung der Vollmondstrahlen versetzte die Wasserfläche in Bewegung.
1.6 Auf dem reinen Leib Anantas, der von zahllosen Schlangenhauben erstrahlte, ruhte der Träger des Sharnga-Bogens. Ihn priesen damals Sharva, Shauri und der Lotusgeborene.
1.7 Mit freudigem Herzen lobten sie den weithin berühmten, alldurchdringenden Herrn durch heilige Worte. Über ihre Lobgesänge erfreut, zeigte er ihnen seine Gestalt.
1.8 Sie glich einem blauen Lotusblatt, hatte dunkles, gelocktes Haar, eine wie der Mond des achten Tages glänzende Stirn und langgezogene Brauen.
1.9 Ihre Augen glichen roten Lotusblüten; die Nase war erhaben, die Lippen rötlich. Ein sanftes Lächeln belebte das Gesicht, und Makara-Ohrringe leuchteten daran.
1.10 Ihr Hals glich einer Muschel; von den breiten Schultern gingen die Arme aus. Armreifen, Oberarmschmuck und Ringe waren mit vielerlei Edelsteinen besetzt.
1.11 Über dem weiten Himmelsraum ihrer Brust glänzten Halsketten wie Sternenreihen. Das Kaustubha-Juwel erhellte die Brust, und das Shrivatsa-Zeichen ließ sie aufstrahlen.
1.12 Ein leuchtender Gürtel umgab den wohlgeformten Leib. Der Nabel war tief, die Hüften breit, und gelbe Gewänder umhüllten die Gestalt.
1.13 Breite, runde Oberschenkel und volle Knie schmückten sie. Die Unterschenkel waren rund, die Knöchel verborgen, und die Fußrücken übertrafen die Wölbung eines Schildkrötenpanzers.
1.14 Schmale, lange Zehen mit glänzenden Nägeln zierten die Füße. Beide Fußsohlen trugen Zeichen wie Rad, Svastika, Muschel, Lotus und Fahne. [Das abschließende Kompositum ist in der Vorlage beschädigt.]
1.15 Als Vidhi, Adhokshaja und Shankara diese Gestalt sahen, waren sie innerlich bewegt und wussten nicht, was sie tun sollten. Da sprach der Ungeborene, Brahma.
1.16 „Herr, sei uns gnädig! Herr der Welt, wer sind wir? Durch wen sind wir entstanden? Was ist unser Ursprung, was unsere Aufgabe? Bitte erkläre uns dies alles.“
1.17 So gefragt, antwortete das höchste Licht mit wenigen Worten: „Ihr seid aus Akshara, dem unvergänglichen Laut, hervorgegangen und bewirkt Schöpfung, Erhaltung und Ende.
1.18 Durch eben diese Laute habt ihr unterschiedliche Gestalten angenommen, und in ihnen löst ihr euch wieder auf.“ Als der Lotusgeborene diese Worte hörte, fragte er ihn:
1.19 „Was heißt Akshara, Herr? Woher ist es entstanden, und was ist sein Wesen?“ So fragte der aus dem Inneren des Lotus Geborene Hari.
1.20 Darauf erklärte Hari den ursprünglichen Laut, die Umgestaltungen der Laute, deren weitere Umgestaltungen, die daraus hervorgehenden Mantras und ihre unterschiedlichen Anwendungen.
1.21 Er erläuterte sie alle, die vedischen ebenso wie die tantrischen, folgendermaßen: „Prakriti und Purusha sind ewig, ebenso die Zeit, du Edler.
1.22 Sie, die Urnatur, ist feiner als das Feinste und größer als das Größte; sie durchdringt Bewegliches und Unbewegliches. Alles Leuchtende, Sonne, Mond und anderes, hat an ihrem Wesen teil.
1.23 Sie lässt sich nicht durch Farben wie Weiß, Rot oder Gelb bestimmen. Auch ist sie nicht auf eine bestimmte Eigenschaft oder ein bestimmtes Element festgelegt.
1.24 Sie erfüllt die Körper der verkörperten Wesen, im Innersten und außerhalb. Ihr Wesen ist nur unmittelbar zu erfahren; durch die Unterweisung des Lehrers wird sie erkannt.
1.25 Durch sie werden Raum und auch Finsternis erfahren, während sie selbst nicht als Gegenstand erfasst wird. Männern und Menschen ohne eindeutige Geschlechtszuordnung gleichermaßen gegenwärtig, tritt sie nach dieser Darstellung in Frauen besonders hervor. [Der erste Halbvers ist sprachlich unsicher.]
1.26 Man nennt sie Pradhana, die Urgrundlage, und Shakti, die Kraft. Sie trägt euch ebenso wie mich unablässig und reicht über uns hinaus.
1.27 Sie bin ich; sie seid ihr. Alles andere, was erkannt werden kann, gilt als sie. Bei der Weltauflösung geht diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt in sie ein.
1.28 Sie allein kennt sich selbst als die Höchste; kein anderer ist ihr Erkenner. In ihrer Gestalt als Zeit wird sie jedoch von mir stets vollständig erkannt.
1.29 Du Ungeborener, diese Zeit wird vom winzigen Lava bis zur Weltauflösung beschrieben. Denke an einen Stoß Lotusblätter, den eine feine Nadel durchsticht.
1.30 Die Zeit, die sie für jedes einzelne Blatt braucht, wird Lava genannt. Dreißig Lavas bilden eine Truti, ebenso viele Trutis eine Kala.
1.31 Ebenso viele Kalas ergeben eine Kashtha; ebenso viele Kashthas einen Nimesha. Dieser entspricht einem Fingerschnippen. Acht davon gelten als eine Matra.
1.32 Die Zeit, in der die eigene Hand das eigene Knie einmal umkreist, ist eine Matra; sie entspricht zugleich der Dauer eines eigenen Atemzuges.
1.33 Dreihundertsechzig Atemzüge gelten als eine Nadika. Zwei Nadikas bilden einen Muhurta, und dreißig Muhurtas ergeben Tag und Nacht.
1.34 Dreißig Tage und Nächte bilden einen Monat, zwölf Monate ein menschliches Jahr. Dieses entspricht einem Tag und einer Nacht der Götter.
1.35 Dreihundertsechzig solcher göttlichen Tage und Nächte bilden ein göttliches Jahr. Aus diesen göttlichen Jahren wird weiter gerechnet.
1.36 Zwölftausend, entsprechend aufgeteilt, bilden einen Zyklus der vier Weltalter. Tausend solcher Zyklen gelten als ein Tag von dir, Brahma.
1.37 Ebenso lang ist deine Nacht, erklären die Kenner der Zeit. Dreißig solcher Tage und Nächte bilden einen Monat.
1.38 Zwölf solcher Monate gelten als dein Jahr. Hundert solcher Jahre währt dein Leben.
1.39 Deine gesamte Lebenszeit ist ein Atemzug von mir. So wirkt der Antrieb der Zeit; sie kennt die Reifungen, die in jener Urnatur angelegt sind.
1.40 Sie betrachtet die Lebensdauer von Wesen wie dir und führt deren Reifung herbei. Zu einer bestimmten Zeit bewirkt sie auch eine Veränderung der Prakriti.
1.41 Diese wird Tattva genannt. In der Nähe des Lichtes reinen Bewusstseins verdichtet sich die Urnatur, indem sie schöpferisch tätig werden will, und nimmt den Zustand des Bindu an.
1.42 Wenn die Zeit diesen Bindu aufgliedert, wird er dreifach. Seine Dreiheit wird als grob, fein und höchst bezeichnet.
1.43 Man beschreibt sie auch als Bindu, Nada und Bija. Aus dem sich öffnenden Bindu entsteht ein Klang, dessen Wesen noch unoffenbar ist.
1.44 Die mit der heiligen Überlieferung Vertrauten nennen diesen Klang Shabda-Brahman, Brahman als Klang. Wie er sich entfaltet, will ich nun erläutern.
1.45 Aus dem Unoffenbaren entsteht das Mahat genannte Prinzip, in dessen Innerem die Differenzierungen noch verborgen liegen. Aus Mahat entsteht Ahamkara, das Ich-Prinzip.
1.46 Aus Ahamkara in seinen Gestalten Bhutadika, Vaikarika und Taijasa entsteht durch die von der Zeit angeregte Shakti, verbunden mit dem Klang der Gunas, die Lautschöpfung.
1.47 Aus Klang entsteht der Raum; mit Berührung die Luft; mit beiden und mit Gestalt das Feuer; mit diesen und Geschmack das Wasser; mit ihnen und Geruch die Erde. So entstehen die fünf Elemente entsprechend der Folge ihrer Eigenschaften.
1.48 Raum ist durch Offenheit gekennzeichnet, Luft durch Bewegung, Feuer durch Reifung und Umwandlung, Wasser durch Geschmack und Erde durch Festigkeit. Ihre Farben werden der Reihe nach als weiß, dunkel, rötlich, hell und gelb angegeben.
1.49 Das Zeichen des Raumes ist rund; das der Luft trägt sechs Punkte. Das Feuer hat ein Dreieck mit Svastika-Zeichen. Das Wasser wird als Halbmond mit Lotus dargestellt, die Erde als Viereck mit einem Opferzeichen.
1.50 Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita sind die fünf Shaktis, die der Reihe nach mit Erde und den weiteren Elementen verbunden sind und auch als Nada, Kala und weitere Erscheinungsweisen auftreten.
1.51 Bei der Entstehung des Körpers liegt die Erde stabförmig zwischen den beiden Seiten; Wasser ist unten, Feuer oben, Luft seitlich und Raum in der Mitte. [Die genaue räumliche Beschreibung ist in der Vorlage nicht eindeutig.]
1.52 Im Raum liegt die Luft, in ihr das Feuer, darin das Wasser und in diesem die Erde. Auf ihr entstehen alle Wesen, bewegliche und unbewegliche.
1.53 Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase sind die Erkenntnisorgane. Stimme, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan heißen Handlungsorgane.
1.54 Sprechen, Greifen, Gehen, Ausscheiden und Lust sind die Tätigkeiten der Stimme und der übrigen Handlungsorgane. Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta bilden das innere Instrument.
1.55 Mit Elementen, Sinnen und Sinnesgegenständen wird eine Gruppe von fünfundzwanzig Prinzipien beschrieben; unter einer weiteren Zusammenstellung wird auch von vierundzwanzig Prinzipien gesprochen. [Die betreffende Aufzählung ist im zweiten Halbvers beschädigt.]
1.56 Diese Prinzipien werden unter Einbeziehung der inneren Instrumente und unter Auslassung der mit dem Sprechen beginnenden Tätigkeiten bestimmt. Die Elemente, die zehn Sinne und Manas bilden die sechzehn Umgestaltungen.
1.57 Das Unoffenbare, Mahat, Ahamkara und die fünf Elementgrundlagen gelten als acht Prakritis. Die fünf Tanmatras, Ahamkara und Mahat sind die sieben Prinzipien, die sowohl Ursprung als auch Umgestaltung sind. [Die Vorlage ist im ersten Halbvers verkürzt beziehungsweise beschädigt.]
1.58 Sattva, Rajas und Tamas heißen ihre drei Gunas. Durch deren Verbindung und die daraus entstehenden dreifachen Unterscheidungen ist die ganze Welt durchwoben.
1.59 Götter, heilige Überlieferungen, Laute, Lebenswinde, Welten, Feuer, Zeiten und Kräfte, die drei Lebensziele, drei Tätigkeitsweisen, die Nadis und alles andere in den drei Welten stehen in solchen Beziehungen. Sonne, Mond und Feuer wirken unablässig zur Erhaltung des Alls.
1.60 So ist diese Schöpfung entstanden, und so wird die Welt erfahren. In der Erfahrung des Alls wird die vielfältige Entfaltung, Prapancha, erkannt.
1.61 Was Shabda-Brahman genannt wurde, wird nun weiter erläutert. Was darüber hinausgeht, lässt sich nicht aussprechen, da es seinem Wesen nach nur unmittelbar erfahren wird.
1.62 Die Weisen verstehen unter Shabda-Brahman eine Wirklichkeit, die durch Klang erschlossen wird. Der zuvor erwähnte ursprüngliche Klang ist jedoch nicht von der Art eines gewöhnlichen Lautes, der von sich aus einen bestimmten Gegenstand erkennen ließe.
1.63 Er ist vielmehr überall eingewoben. Wenn die Grundlage der Elemente entstanden ist, erscheint er wiederum in den Körpern der Lebewesen, ohne dass seine Bedeutung bereits bewusst wäre.
1.64 Wenn die Zeit die Prakriti anregt, die als Gunas und inneres Instrument wirkt, entstehen je nach Geburtsweise vier Arten verkörperter Wesen.
1.65 Es gibt aus dem Boden Hervorsprossende, aus Feuchtigkeit Entstehende, aus Eiern Geborene und als vierte die im Mutterschoß Geborenen. Was die Erde durchbricht und hervorwächst, heißt hervorsprossend; es ist das Ortsgebundene.
1.66 Mit Stamm, Zweigen, Blättern, Blüten, Früchten und anderen Teilen versehen, entsteht es aus den fünf Elementen und hat die Erde als Grundlage. [Das erste Wort der Vorlage ist beschädigt.]
1.67 Durch das Zusammenwirken von Wasser als Ursprung, Feuer, Luft und Raum entstehen nach dieser Darstellung die feuchtigkeitsgeborenen Wesen aus erwärmter Erde, Feuer und Wasser.
1.68 Dazu zählt der Text Läuse, Wanzen, Würmer und winzige, kurzlebige Geschöpfe. Die aus Eiern Geborenen entstehen aus einer rund gewordenen Hülle von Samen und Blut.
1.69 Wenn diese mit der Zeit aufbricht, kommt das vollständig entwickelte Wesen hervor und beginnt sich zu bewegen. Hierzu gehören Schlangen, Warane, die verschiedenen Vögel und Wassertiere wie der Shimshumara.
1.70 Das im Mutterschoß Geborene entsteht durch geschlechtliche Vereinigung. Es kommt mit einem Körper zur Welt, der aus vierundzwanzig Prinzipien zusammengesetzt ist.
1.71 Wenn der Lebenswind einen Tropfen des aus seiner Stätte ausgetretenen Samens aufnimmt und in den Mutterschoß führt, wirkt zugleich ein entsprechender anderer Vorgang.
1.72 Er nimmt aus dem weiblichen Blut den anderen Keim an dessen Ursprung auf und führt ihn in den Mutterschoß. Dort verbindet der Lebenswind die beiden.
1.73 Das aus der Frau Stammende wird hier Mayiya-Mala genannt, das männliche Karmana-Mala. Die miteinander verbundene Mischung dieser beiden heißt Anava-Mala.
1.74 Die vierundzwanzig Prinzipien liegen in feiner Gestalt in diesen beiden Stoffen. Der Lebenswind verbindet sie rasch und führt sie in den Zustand des Embryos. [Die Syntax der Vorlage ist beschädigt.]
1.75 Er bewegt und vermehrt dieses Gemisch. Nach der hier vertretenen Lehre entsteht bei überwiegendem Blut eine Frau, bei überwiegendem Samen ein Mann und bei gleichen Anteilen ein Wesen ohne eindeutige Geschlechtszuordnung.
1.76 Durch Luft, Feuer und Wasser wird es befeuchtet und erwärmt. Innerhalb eines Tages verdichtet es sich zu einer Größe, die mit dem Daumen der Mutter verglichen wird. [Der Versanfang ist unklar.]
1.77 Am folgenden Tag dehnt es sich länglich und blasenförmig aus. Nach einer Monatshälfte wird es viereckig, genährt vom Saft dessen, was die Mutter gegessen hat.
1.78 Aus der verbundenen Mischung der beiden Stoffe treten zunächst zwei keimartige Gebilde gesondert hervor.
1.79 Vom Lebenswind nach oben getrieben, geht von diesen beiden fruchtartigen Gebilden eine lange, gerade Nadi aus, die an beiden Anteil hat und nach unten verläuft.
1.80 Sie ist nach unten gerichtet; an ihren beiden Seiten entsteht je ein weiterer Kanal. An deren Verbindungen werden sieben weitere Nadis angesetzt.
1.81 Die erste Nadi heißt Sushumna. Die linke ist als Ida zu erkennen, die rechte wird Pingala genannt.
1.82 Der mit dem linken Hoden verbundene Kanal schließt sich an Sushumna an, berührt die rechte Niere und liegt bogenförmig gekrümmt im Herzen.
1.83 Er zieht zwischen linker Schulter und Schlüsselbein hindurch und erreicht den rechten Kanal. Entsprechend führt die aus dem rechten Hoden hervorgehende Nadi zur linken Öffnung.
1.84 Als weitere Leitungsbahnen werden Gandhari, Hastijihvika, Pusha, Alambusha, Yashasvini und Shankhini genannt.
1.85 Auch Kuhu zählt nach den Kundigen zu den Hauptbahnen, die den Körper durchdringen. Eine nach außen mündende Nadi ist mit dem Herzen der Mutter verbunden.
1.86 Durch sie erhält das Wesen Nahrung wie ein Feld durch einen Bewässerungsgraben. Allmählich wird es durch die aus der Nahrung der Mutter gewonnenen Körperstoffe ernährt.
1.87 Während dieses Wachstums nimmt ein Strahl des höchsten Lichtes die Gestalt des Kshetrajna, des Kenners des Feldes, an. Das stoffliche Gebilde ist nun mit diesem Erkenner, den Elementen und den Gunas verbunden.
1.88 Mit Doshas und den ihnen unterliegenden Körperstoffen versehen, wird es Lebewesen genannt. Die beiden zuvor genannten Fruchtbehälter treten beim Mann deutlich hervor, bei der Frau nicht.
1.89 Bei einem Menschen ohne eindeutige Geschlechtszuordnung ist ihre Ausprägung nach dieser Darstellung teilweise sichtbar. Aus den fünf Gelenkstellen der mittleren Sushumna entstehen weitere Bahnen.
1.90 Als Haupt- und Nebenäste verzweigt, sollen es dreihundertfünfzigtausend Leitungsbahnen sein, sagen die Kenner des Körpers.
1.91 Sie nennen noch viele weitere Unterteilungen. Durch all diese Bahnen breitet sich überall der Lebenswind aus, der den Körper in Tätigkeit hält.
1.92 Im Körper steigt der Lebenswind aus dem Muladhara auf und tritt über die beiden Nadis durch die Nase aus; sein äußerer Bereich wird mit zwölf Fingerbreiten angegeben.
1.93 Seine auf- und absteigende Bewegung wird als Tag und Nacht unter dem Zeichen von Sonne und Mond beschrieben. In der linken und rechten Nadi entsprechen seine Wege dem nördlichen und südlichen Sonnenlauf.
1.94 Auch über das Eintreten von Bewusstsein gibt es verschiedene Auffassungen. Einige sagen, es entstehe aus Samen und Blut, andere leiten es von der durch die Mutter aufgenommenen Nahrung ab.
1.95 Manche erklären es aus dem Nahrungssaft, andere als Frucht früheren Handelns. Wieder andere verstehen es als die Gegenwart des höchsten Lichtes.
1.96 Ein Kenner des Vorgangs erklärt: Durch die innere Verbindung mit dem Körper des Vaters und die erregende Bewegung beim Zeugungsakt geht es aus dessen Samenstoff hervor.
1.97 Dabei werde das höchste Licht samt Lebenskraft durch den Lebenswind übertragen und mit Blut verbunden, wie eine Lampe eine andere entzündet.
1.98 Ein anderer sagt, die individuelle Seele trete bei der Geburt von irgendwoher in den aus Elementen gebildeten Körper ein und sei so als verkörpertes Wesen entstanden.
1.99 Doch wozu viele Worte? Durch die Nähe des Purusha entfaltet sich die machtvolle Prakriti, differenziert durch die Gunas und in Gestalt der drei Doshas.
1.100 Sie besteht aus den fünf Elementen, gliedert sich in sieben Körpergewebe, ist mit den fünf elementaren Eigenschaften verbunden und wirkt durch die fünf Erkenntnissinne.
1.101 Sie wendet sich deren fünf Gegenständen zu, entfaltet die fünf Sinneserkenntnisse, wirkt durch die fünf Handlungsorgane und bleibt bis zum Tod tätig.
1.102 Mit dem höchsten Licht verbunden, heißt diese große Kraft Manas, wenn sie Vorstellungen entwirft und Alternativen erwägt. Wenn sie zu einer bestimmten Entscheidung gelangt,
1.103 heißt sie Buddhi. Wenn sie das Selbst als den Erkenner auf sich bezieht, heißt sie Ahamkara. Wenn sie sich nach innen wendet und den festgestellten Gegenstand in sich aufnimmt, heißt sie Chitta. [Die letzten Satzglieder der Vorlage sind syntaktisch unsicher.]
1.104 Wenn diese große Kraft sich durch die inneren und äußeren Instrumente schrittweise zum Ausdruck bringen will, entfaltet sich der Klang, der aus dem Aufbrechen des Bindu hervorgeht.
Kolophon: Hier endet der 1. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
2. Paṭala
Orientierung: Körper, Sprachentstehung und Entfaltung der Lautkraft.
2.1 Nachdem sich das Wesen auf diese Weise gebildet hat, wächst es von Monat zu Monat, von Monatshälfte zu Monatshälfte, von Tag zu Tag, ja von Muhurta, Nadika und Augenblick zu Augenblick.
2.2 Zunächst hat es sechs Hauptglieder: Kopf, beide Füße, beide Hände und den Rumpf. Innerhalb dieser sechs Glieder entstehen weitere Teile.
2.3 Dazu gehören Augen, Nase, Mund, Ohren, Brauen, Wangen und Kinn; ferner Unterarme, Ellbogen und Schultern sowie Hüften, Oberschenkel und Füße.
2.4 Auch Brust, Bauch, Brüste und weitere Teile bilden sich aus. So wird das Wesen mit der Zeit vollständig gegliedert, sofern die Doshas in einem günstigen Verhältnis stehen.
2.5 Zur Zeit der Geburt bereitet es der Mutter wiederholt Schmerzen. Mit verschlossener Mündung der Sushumna und nach unten gerichtetem Gesicht wird es vom Lebenswind vorangetrieben.
2.6 In jener als Grahani bezeichneten Stätte liegen Gesicht, Augen und Nase im Unrat. Dabei erinnert sich das Wesen nach dieser Darstellung wiederholt an zahllose früher begangene Verfehlungen.
2.7 Vom Körperfeuer der Mutter erhitzt, mit feuchten Gliedern und von aufsteigenden Ausdünstungen bedrängt, befindet es sich im Bereich ihrer unteren Ausscheidungsöffnung. [Die Beschreibung folgt dem vormodernen Körperbild der Vorlage.]
2.8 Sein Leib wird von den eigenen, heftig bewegten und in zehn Formen wirkenden Lebenswinden zusammengedrückt. Dann verlangt es, so heißt es, allein nach Befreiung.
2.9 Prana und die übrigen Lebenswinde haben dort bereits ihre jeweiligen Stätten eingenommen. Prana und Apana halten einander wechselseitig im Gleichgewicht beziehungsweise hemmen einander.
2.10 Wenn Prana nach oben zieht, bewegt sich Apana nach unten. Wenn Samana das Körperfeuer zur Verdauung anfacht,
2.11 nimmt Vyana den dabei freigesetzten Nahrungssaft auf und durcheilt damit den Körper des Lebewesens von den Fußsohlen bis zum Scheitel.
2.12 Udana bewirkt zusammen mit Prana das Schließen und Öffnen der Augen. Naga bewirkt das Aufstoßen, Kurmaka das Öffnen der Augen.
2.13 Krikala bewirkt das Niesen; Devadatta ist für das Gähnen zuständig. Der Dhananjaya genannte Lebenswind erzeugt im Körper unterschiedliche Geräusche.
2.14 Weil er zur gewöhnlichen Luft gehört, verlässt dieser auch den verstorbenen Körper nicht. Damit sind die zehn Lebenswinde beschrieben, die den Leib durchziehen.
2.15 Daneben gibt es zehn Feuer: Sieben gehören zu den Körpergeweben, drei zu den drei Doshas. Sie stehen auch mit Schweiß, Feuchtigkeit und dem Verdauungsbereich in Verbindung.
2.16 Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen sind die Körpergewebe. Sie sind die beeinflussbaren Stoffe; Kapha, Pitta und Vayu sind die Doshas. Der Lebenswind setzt deren Vorgänge in Bewegung. [Die Schlusswörter der Dosha-Aufzählung sind beschädigt.]
2.17 Dieser wirkt verbindend, ist im gesamten Organismus gegenwärtig und bewirkt dessen Tätigkeiten. Ob etwas als Dosha oder als davon beeinflusster Stoff betrachtet wird, ist nach seiner Funktion zu bestimmen.
2.18 Hunger und Durst, Trauer und Verblendung, Alter und Tod sind die sechs Wogen. Sie gehören jeweils zum Bereich der Lebenskraft, des Erkenntnisvermögens und des Körpers.
2.19 Mark, Knochen und Sehnen werden dem väterlichen Samen zugeschrieben, Haut, Fleisch und Blut dem mütterlichen Blut. Daher wird der Körper der verkörperten Wesen als aus sechs Hüllen bestehend bezeichnet.
2.20 Die Reifung schreitet durch die Körpergewebe vom Nahrungssaft bis zum Samen fort. Aus der Reifung des Samens sondert sich als achte Stufe das Ojas ab.
2.21 Dieses Ojas gilt als besondere Grundlage des Kenners des Körpers: wie das Öl für die Lampe und die Wolke für den Glanz des Blitzes.
2.22 Wie das Licht eines von einem vielfach durchlöcherten Gefäß umschlossenen Feuers nach außen dringt und die Umgebung erhellt,
2.23 so wirkt auch der stark leuchtende Kshetrajna, obwohl er vom Körper umgeben ist, durch die Sinne: Jeder richtet sich auf die Wahrnehmung seines eigenen Gegenstands.
2.24 Raum wirkt im Gehör, Luft in der Haut, Feuer im Auge, Geschmack auf der Zunge und Erde im Geruchssinn. So vollzieht sich die Wahrnehmung der Gegenstände.
2.25 Wenn Pitta vom Lebenswind bewegt wird und, selbst verflüssigt, die Gewebe zum Schmelzen bringt, lässt es nacheinander Blut und die Lasika genannte Flüssigkeit austreten. [Der letzte Vorgang ist sprachlich nicht eindeutig.]
2.26 Diese verflüssigte Lasika bewegt sich durch die Haarporen und tritt überall tropfenweise nach außen. Dann wird sie als Schweiß wahrgenommen.
2.27 Wenn Kapha durch Lebenswind und Pitta bewegt nach oben steigt, entstehen daraus Tränen und Speichelfluss. [Die Beschreibung des Bewegungsablaufs ist in der Vorlage beschädigt.]
2.28 Es kann auch die dem Kapha zugeordneten Veränderungen im Bereich der Ohrmuschel sowie Drüsenschwellungen und Ähnliches hervorrufen. Der Text bringt diese beim Lebewesen auftretenden Störungen mit früherem Handeln in Zusammenhang.
2.29 Die Grahani genannte Aufnahme- und Verdauungsstätte gleicht zwei zusammengehaltenen, geöffneten Händen. Unter ihr liegt das Hauptfeuer, das von Samana angefacht wird.
2.30 Darunter befindet sich die vorzügliche Grundlage des Lichtes in dreieckiger Gestalt. Diese Stätte kennen die Weisen als Muladhara.
2.31 Die aufgenommene Nahrung, welche die sechs Geschmacksrichtungen enthalten kann, gelangt durch die Kehle. Von Schleim begleitet, nimmt sie unter dessen Einfluss einen süßen Zustand an.
2.32 Süß, sauer, salzig, bitter, scharf und zusammenziehend heißen die sechs Geschmacksrichtungen. Sie ruhen als Umgestaltungen der Elemente in den Stoffen.
2.33 Nachdem die Nahrung die Magenstätte erreicht hat, gelangt sie weiter in den Bereich des Pitta. Durch dessen Einwirkung nimmt sie einen scharfen Zustand an.
2.34 Dort wird sie im Inneren des Darms durch die Pitta-Flüssigkeit verdaut. Der Lebenswind führt den aus dem Verdauten abgesonderten Saft in Blut und die übrigen Körperstoffe über.
2.35 Den dabei ausgesonderten Rückstand sammelt der Lebenswind in der Grahani. Dieser sich anhäufende, Kot genannte Stoff füllt sie allmählich.
2.36 Wenn sie davon angefüllt ist, zieht sie sich zusammen und entlässt den Kot durch den After. Bei der Verdauung entsteht außerdem die klare Flüssigkeit,
2.37 mit der der Lebenswind über feine, den Körper innen durchziehende Gefäßöffnungen, ähnlich der Schweißbildung, die Blase füllt. Ist diese voll, wird die Flüssigkeit in einem Strahl entlassen.
2.38 Die bogenförmig gekrümmte Harnstätte heißt Vasti, Blase. Die aus ihr durch das Harnorgan austretende Flüssigkeit wird Urin genannt.
2.39 Bei Menschen mit ungeeigneter Lebensweise können die Doshas diese beiden Wege beeinträchtigen. Dann entstehen nach dieser Lehre Harnstörungen, erschwertes Wasserlassen, Störungen der Grahani und Ähnliches.
2.40 Das auf diese Weise gebildete Wesen, dessen Leib noch von der Fruchthülle umgeben ist, erreicht den Geburtsweg und wird immer wieder vom Lebenswind vorwärtsgedrängt.
2.41 Es wird unter großer Bedrängnis geboren, streckt die zitternden Glieder und weint vor Furcht. [Die Aussage über das Atmen in der zweiten Vershälfte ist beschädigt und widersprüchlich; sie wird nicht sicher ergänzt.]
2.42 Für verkörperte Wesen, die Verfehlungen begangen haben, wird das Austreten aus dem Mutterleib hier als große Mühsal beschrieben. Vielgestaltig ist der Verlauf menschlichen Karmas, Lotusgeborener. [Die Anrede und der Zusammenhang im dritten Viertel sind nicht ganz sicher.]
2.43 Nun wird das Wesen geboren, bewegt seine Glieder, erbebt vor der entstandenen Furcht, atmet heftig und weint in seiner Bedrängnis, zuvor von vielerlei hundertfachen Leiden geprägt.
2.44 Der zuerst aus Muladhara aufsteigende Vorgang heißt Para, danach Pashyanti. Wenn er das Herz erreicht und sich mit dem Erkenntnisvermögen verbindet, heißt er Madhyama; im Mund wird er Vaikhari. Bei dem zum Weinen ansetzenden Wesen entstehen so, an Sushumna gebunden und vom Lebenswind bewegt, die Lautgruppen.
2.45 Weil der Weg des Lautstroms noch nicht ausdifferenziert ist, werden die einzelnen Laute noch nicht deutlich. Das geschieht erst mit der Ausbildung ihrer Artikulationsstätten, etwa Kehle und Gaumen.
2.46 Wenn die Haltung „Ich bin der Erkennende“ entsteht, wächst im Lebewesen jener vom Bewusstsein getragene Zustand mit Manas, Ahamkara und Buddhi allmählich heran.
2.47 Zuerst bindet er sich an Mutter und Vater, danach schrittweise an die Verwandten. Nachdem das Kind wiederholt Muttermilch getrunken hat, wünscht es die Mutter, die ihm die Brust gibt.
2.48 Es ruft weinend nach ihr und sieht sie; daraus erwächst eine gegenseitige Bindung. Dann wendet es sich auch dem zu, der als zuständiger Beschützer besonders liebevoll und ganz auf es ausgerichtet ist.
2.49 Wenn es den Vater, ebenso den Bruder, den väterlichen und mütterlichen Onkel und andere Angehörige sieht, freut es sich.
2.50 So in das Beziehungsgeflecht des Samsara eingebunden, vergisst es sein früheres Handeln und die während des Aufenthalts im Mutterleib entstandenen Leiden.
2.51 Nun ruft es immer wieder nach der Mutter, damit sie es aufhebe. Da der Weg des Lautstroms im Mund noch nicht klar ausgebildet ist, sind seine Laute undeutlich.
2.52 Selbst wenn es nur unverständliche Laute hervorbringt, strömt Kundalini dabei immer wieder aus Muladhara hervor, als die Sushumna umwindende Kraft.
2.53 Sie entfaltet sich der Reihe nach in dreifacher, vierfacher, fünffacher, sechsfacher, siebenfacher, achtfacher, zehnfacher, zwölffacher und fünfzigfacher Gliederung. [Die Zahlwörter sind in der Vorlage grammatisch unregelmäßig.]
2.54 Wenn sie dreifach entfaltet ist, erscheint die allgegenwärtige Shakti mit verborgener Gestalt als Kama, Agni und Nada. [Das erste Zahlwort ist beschädigt; der dreifache Zusammenhang wird im selben Vers ausdrücklich genannt.]
2.55 Die Vielgehörten nennen sie dann Tara und sagen, ihr Wesen sei Om. Andere nennen dieselbe Shakti das Selbst Haris.
2.56 Sie ist die drei Gunas, die drei Doshas, die drei Farben und der dreifache Veda. Sie ist die drei Welten, die Trimurti und die dreifache Linie: So wird ihre Besonderheit beschrieben.
2.57 Weil sie über all dies hinüberführt, heißt sie Tara; wegen der in ihr getragenen Macht heißt sie Shakti. Wenn sie vierfach entfaltet ist, bezeichnet sie die mit der subtilen Ebene beginnenden Stätten.
2.58 Dann bezeichnet sie auch die mit dem Wachen beginnenden Zustände und die inneren Instrumente. Wenn sie sich fünffach entfaltet, differenziert sie sich in die verschiedenen Fünfergruppen.
2.59 Dazu gehören die fünf Laute, die Farben und die Lebenswinde. Wenn sie sechsfach entfaltet ist, unterscheidet sie sich als Körperhüllen, Wogen und Geschmacksarten.
2.60 Dann gliedert sie auch das sechsfach genannte Yantra. Bei siebenfacher Entfaltung zeigt sie die folgenden Unterschiede von Tara und Hrillekha.
2.61 Sie unterscheiden sich jeweils in sieben Glieder, vom Anfangslaut bis zu Shanta. Bei Tara beginnen sie mit a, u, m und Bindu.
2.62 Nada, Shakti und Shanta vervollständigen diese Glieder von Tara. Bei der Shakti-Formel werden ha, r, Maya sowie Bindu und Nada genannt.
2.63 Mit Shakti und Shanta ist auch hier die siebenfache Gliederung vollständig. Durch diese sieben Glieder differenziert sich die Welt siebenfach.
2.64 So erscheinen Welten, Berge, Inseln, Unterwelten, Meere, Planeten, Seher, Töne, Körpergewebe und weitere Bereiche jeweils in Siebenergruppen.
2.65 In ihrer achtfachen Entfaltung unterscheidet sie sich als Formen der Prakriti, als acht Silben, Vasus, Himmelsrichtungen, Mütterkräfte und Gottheitsgestalten.
2.66 Zehnfach entfaltet gliedert sie Nadis, Marmas, Richtungen und verwandte Bereiche. Zwölffach umfasst sie die Tierkreiszeichen und Sonnengestalten.
2.67 Dann bringt sie auch den Zwölf-Silben-Mantra, die entsprechend gezählten Laute und das nach derselben Zahl gegliederte Yantra der Shakti zum Ausdruck.
2.68 Wenn die Göttin sich in fünfzig Teile entfaltet, ihren göttlichen Zustand in sich tragend, bringt sie durch den Nada, der im Hohlraum der Sushumna aufsteigt, der Reihe nach die fünfzig Laute hervor.
Kolophon: Hier endet der 2. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
3. Paṭala
Orientierung: Lautgruppen und Zuordnungen von Kräften und Gottheiten.
3.1 Die Laute sind zunächst zweifach, je nachdem, ob sie dem Feuer oder dem Mond entsprechen. Durch die Unterscheidung von Mond, Sonne und Feuer werden sie wiederum dreifach gegliedert. [Die erste Zusammensetzung ist beschädigt.]
3.2 Sechzehn werden Vokale genannt, fünfundzwanzig Berührungslaute und zehn durchdringende Laute. Sie entsprechen der Reihe nach Mond, Sonne und Feuer.
3.3 Die Vokale werden nach kurzen und langen Formen zweifach unterschieden: zuerst die kurze, danach die lange Form; Bindu und Visarga stehen am Ende.
3.4 Die mittleren vier zwischen den ersten und letzten sechs Vokalen heißen bei den mit den Agamas vertrauten Lautkundigen neutral.
3.5 Wenn Prana in Sushumna verweilt, entsprechen diese vier dem Stillstand des Sonnenwegs. Befindet sich der Prana auf der rechten beziehungsweise nördlichen Seite, entsprechen dem südlicher und nördlicher Sonnenlauf.
3.6 Bei entsprechend geordnetem Verlauf treten die fünf kurzen und langen Lautformen hervor. Ihr Auftreten gemäß den Elementen und deren Kalas wurde zuvor erläutert. [Der Versanfang ist beschädigt.]
3.7 Die bereits genannten Bindu und Visarga entsprechen der Reihe nach Sonne und Mond. Die Vielfalt ihrer Umgestaltungen wird später ausführlich dargelegt.
3.8 Die Berührungslaute bilden durch die Einteilung in je fünf Laute fünf Gruppen. Deren letzter wird als Selbst und als Sonne betrachtet.
3.9 Die übrigen Laute sind der Reihe nach in den vierundzwanzig Prinzipien verortet. Daher gelten die Berührungslaute als sonnenhaft und als Ausdruck von Luft, Feuer, Erde, Wasser und Raum. [Die Elementaufzählung ist orthographisch beschädigt.]
3.10 Auch die durchdringenden Laute bilden zwei Gruppen von jeweils fünf. Denn Vokale, Berührungslaute und durchdringende Laute entstehen aus Mond, Sonne und Feuer.
3.11 Aus dieser Dreiteilung gehen achtunddreißig Kalas hervor: die mondhaften aus den Vokalen, die sonnenhaften aus Paaren von Berührungslauten und die feuerhaften aus den mit ya beginnenden Lauten.
3.12 Ihre Anzahl beträgt der Reihe nach sechzehn, zwölf und zehn. Aus den Lauten des Tara entstehen ferner durch dessen fünf, mit den Elementen verbundenen Unterteilungen
3.13 fünfzig allgegenwärtige Kalas. Aus diesen wiederum gehen ebenso viele Vishnu-Gestalten mitsamt ihren Shaktis hervor.
3.14 Ebenso viele Rudra-Gestalten mit ihren Mutterkräften entstehen daraus. Auch fünfzig Heil- beziehungsweise Ritualpflanzen werden aus diesen Entsprechungen hergeleitet.
3.15 Durch sie sollen Mantrakundige die Vollendung erreichen, die ihre ersehnten Ziele gewährt. Die Kalas beginnen mit Amrita, Manada, Pusha, Tushti, Pushti, Rati und Dhriti.
3.16 Es folgen Shashini, Chandrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti, Angana, Purna und Purnamrita. Diese mit den Vokalen verbundenen Kalas gewähren Wünsche. [Die Wortgrenzen im letzten Teil der Namensreihe sind nicht eindeutig.]
3.17 Tapini, Tapini mit langem Anfangsvokal, Dhumra, Marichi, Jvalini, Ruchi, Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhini, Dharini und Kshama
3.18 heißen die zwölf sonnenhaften Kalas, die Wohlstand gewähren und den von ka an bezeichneten Lautpaaren zugeordnet sind. Danach beginnt die Feuerreihe mit Dhumrarchis, Ushma, Jvalini und Jvalini mit langem Anfangsvokal sowie Vishphulingini. [Die technische Lautgrenze der ersten Hälfte ist beschädigt.]
3.19 Sushri, Surupa, Kapila, Havyavaha und Kavyavaha vervollständigen die zehn aus Feuer entstandenen, Dharma gewährenden Kalas, die mit den Lauten von ya an verbunden sind.
3.20 Srishti, Riddhi, Smriti, Medha, Kanti, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Sthiti und Siddhi werden als die zehn aus dem a-Laut hervorgehenden Kalas genannt.
3.21 Die aus a und aus Brahma hervorgehenden Kalas dienen der Schöpfung. Jara, Palini, Shanti, Aishvari, Rati und Kamika
3.22 sowie Varada, Hladini, Priti und Dirgha sind die aus u entstandenen Kalas. Sie gehen aus Vishnu hervor und dienen der Erhaltung.
3.23 Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra, Tandri, Kshut, Krodhini, Kriya, Utkari und Mrityu sind die aus dem m-Laut entstandenen Kalas.
3.24 Diese aus m und Rudra hervorgehenden Kalas dienen der Auflösung. Aus dem Bindu gehen vier hervor: die gelbe, weiße, rote und dunkle.
3.25 Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhika, Dipika, Rechika, Gochika und Para,
3.26 Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita, Apyayini, Vyapini, Vyomarupa und Ananta sind die aus Nada hervorgehenden Kalas.
3.27 Diese sechzehn aus Nada entstandenen Kräfte gewähren Lebensfülle und Befreiung. Die folgende Reihe der Vishnu-Gestalten beginnt mit Keshava, Narayana, Madhava, Govinda und Vishnu.
3.28 Es folgen Madhusudana, als siebter Trivikrama, danach Vamana, Shridhara und Hrishikesha.
3.29 Padmanabha, Damodara, Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha vervollständigen die aus den Vokalen hervorgehenden Gestalten.
3.30 Darauf folgen Chakrin, Gadin, Sharngin, Khadgin, Shankhin, Halin, Musalin, Shulin, Pashin und Ankushin: die Träger von Rad, Keule, Bogen, Schwert, Muschel, Pflug, Stößel, Dreizack, Schlinge und Elefantenhaken.
3.31 Mukunda, Nandaja, Nandin, Nara, Narakajit, Hari, Krishna, Satya, Satvata, Shauri, Shura und Janardana,
3.32 Bhudhara, Vishvamurti, Vaikuntha, Purushottama, Balin, Balanuja, Bala, Vrishaghna und Vrisha,
3.33 Hamsa, Varaha, Vimala und Narasimha sind die Gestalten der Konsonanten. Die zugehörige Shakti-Reihe beginnt mit Kirti, Kanti, Tushti, Pushti, Dhriti, Kshanti, Kriya und Daya.
3.34 Medha, Harsha, Shraddha, Lajja, Lakshmi, Sarasvati, Priti und Rati vervollständigen der Reihe nach die Shaktis der Vokale.
3.35 Jaya, Durga, Prabha, Satya, Chanda, Vani, Vilasini, Vijaya, Viraja, Vishva, Vinada, Sunada und Smriti,
3.36 Riddhi, Samriddhi, Shuddhi, Buddhi, Bhakti, Mati, Kshama, Rama, Uma, Kledini, Klinna, Vasuda und Vasudha,
3.37 Para, Parayana, Sukshma, Sandhya, Prajna, Prabha, Nisha, Amogha und Vidyuta bilden die weiteren, alle Wünsche gewährenden Shakti-Gestalten. [Am Übergang von 3.36 zu 3.37 ist die Abgrenzung des Namens Para nicht ganz eindeutig.]
3.38 Einundfünfzig Zuordnungen werden genannt. Den Namen wird der jeweilige Laut vorangestellt und „namaḥ“ angefügt. Von ya an werden die Gestalten außerdem mit Körpergewebe, Prana, Shakti und Atman verbunden.
3.39 Shrikantha, Ananta, Sukshma, Trimurti, Amareshvara, Arghisha, Bharabhuti, Sthitisha, Sthanuka und Hara,
3.40 Jhandisha, Bhautika, Sadyojata, Anugraheshvara, Akrura und Mahasena sind die den Vokalen zugeordneten Rudra-Gestalten. [Der erste Name ist möglicherweise beschädigt.]
3.41 Darauf folgen Krodhisha, Chandisha, Panchantaka, Shivottama, Ekarudra, Kurma, Ekanetra und Chaturanana,
3.42 Ajesha, Sharva, Somesha, Langalin, Daruka, Ardhanarishvara, Umakanta, Ashadhi und Dandin,
3.43 Atri, Mina, Mesha, Lohita, Shikhin, Chagalanda, Dviranda, Mahakala und Chalin,
3.44 Bhujangesha, Pinakin, Khadgisha, Baka, Shveta, Bhrigu, Lakuli, Shiva und Samvartaka.
3.45 Die Shakti-Reihe beginnt mit Purnodari, Viraja, als dritter Shalmali, dann Lolakshi, Vartulakshi und Dirghaghona.
3.46 Es folgen Sudirghamukhi, Gomukhi, als neunte Dirghajihvika, Kundodari, Urdhvakeshi und Vikritamukhi.
3.47 Jvalamukhi, Ulkamukhi, Shrimukhi und Vidyamukhi gehören noch zu den Vokal-Shaktis. Danach folgen Mahakali, Sarasvati und Sarvasiddhi. [Die Abgrenzung der ersten Namen ist aus der gedrängten Vorlage erschlossen.]
3.48 Gauri, Trailokyavidya, Mantrarnashakti, Bhutamata, Lambodari, Dravini und Nagari,
3.49 Khechari, Manjari, Rupini, Virini, Kodari, Putana, Bhadrakali und Yogini,
3.50 Shankhini, Girjini, Kalaratri, Kurdini, Karpidini, Vanka, Jaya und Sumukheshvari, [mehrere Namen dieser Zeile sind beschädigt und werden nicht sicher korrigiert],
3.51 Revati, Madhavi, Varuni, Vayavi, Raksho’vadharini und die Sahaja Genannte,
3.52 sowie Lakshmi, Vyapini und Maya werden als Lautkräfte genannt. Damit ist der dreifache, alle Fülle gewährende Nyasa der Reihe nach beschrieben.
3.53 Die Pflanzen- und Duftstoffreihe lautet: Chandana, Kuchandana, Agaru, Karpura, Ushira, Roga, Jala, Ghrisrina; Takkola, Jatamamsi, Mura, Chora, Granthi, Rochana und Patra. [Die Vorlage verbindet mehrere Namen unsicher; botanische Identitäten werden deshalb nicht ergänzt.]
3.54 Pippala, Bilva, Guha, Aruna, Trina, Kala, Vajra, Kumbhi, Vandi; ferner Udumbari, Kashmari, Sthira, Abja, Darapushpika und Mayurashikha. [Einzelne Wortgrenzen und Namen bleiben unsicher.]
3.55 Plaksha, Agnimantha, Simhi, Kusha, Darbha, Krishna-Darapushpi, Rohina, Dunduma, Brihati, Patala, Chitra, Tulasi und Apamarga.
3.56 Shatamakhalata, Dvirepha, Vishnukranti, Musali, Anjalini, Durva, Shri, Devisaha, Lakshmi und Sadabhadra. [Bei den abschließenden Namen ist die Trennung nicht eindeutig.]
3.57 So sind die Pflanzen der Reihe nach den mit a beginnenden Lauten zugeordnet. Als Kügelchen, Abkochungen und Aschen sollen sie nach der Überlieferung vielfältige Vollendungen gewähren.
3.58 Nun werde ich genau erläutern, auf welche Weise diese fünfzig Laute innerhalb des Körpers entstehen.
3.59 Vom Lebenswind angeregt, treten sie aus dem Hohlraum der Sushumna hervor und werden im Mund deutlich, indem sie Kehle und weitere Artikulationsstätten berühren.
3.60 Der nach oben verlaufende Luftstrom erzeugt den hohen Akzent Udatta, der nach unten gerichtete Anudatta; der seitlich sich ausbreitende Verlauf wird Svarita genannt.
3.61 Gemessen in einer halben, einer, zwei oder drei Matras werden die Laute der Reihe nach als Konsonanten sowie als kurze, lange und überlange Vokale unterschieden.
3.62 Aus der Verbindung von a und i entsteht der Laut e. Durch seine weitere Verbindung mit i entsteht der Laut ai.
3.63 Durch die Verbindung jenes a mit u entsteht o; aus dessen weiterer Verbindung mit u entsteht au.
3.64 Diese vier heißen Verbindungslaute und gelten als Mantraformen, die alle Ziele verwirklichen. Die Entfaltung von vokalischem l und r wird in den entsprechenden Konsonanten l und r sichtbar. [Die Verbindung der beiden Lautpaare ist in der Vorlage nicht ganz klar.]
3.65 Die Entfaltung von Bindu und Visarga wird mit den bezeichneten Lautformen und Ajapa verbunden. Visarga tritt aus der Kehle hervor und steht gewöhnlich nach einem Vokal. [Der erste Halbvers ist beschädigt; die genaue Lautzuordnung bleibt offen.]
3.66 Der rasch verhauchende Laut ist Visarga; mit Reibung und belebtem Atem wird er ha. Wenn der Atemstrom sich in der Kehle verdichtet, bringt er die mit ka beginnende Gruppe hervor.
3.67 Durch die bloße entsprechende Berührung entsteht ka, durch stärkere Berührung kha; aus etwas tieferer Berührung ga und gha, und beim Austritt der Laut nga. [Die artikulatorischen Einzelheiten sind in der Vorlage nicht vollständig eindeutig.]
3.68 Am Gaumen erzeugt der von Hauch begleitete Strom sha, die ca-Gruppe und ya. Am Munddach entstehen vokalisches r, die ta-Gruppe der Zungenrückbiegung, r und der entsprechende Zischlaut; an den Zähnen
3.69 vokalisches l, die dentale ta-Gruppe, l und s. An den Lippen entstehen u, die pa-Gruppe und Upadhmaniya; zwischen Zähnen und Lippen va. So erzeugt der Luftstrom die Laute an ihren jeweiligen Artikulationsstätten.
3.70 Die fünf kurzen Vokale, die weiteren Verbindungs- und Umwandlungsformen bis zum Bindu, die mit ka beginnenden sowie die übrigen Konsonantengruppen werden den Elementen zugeordnet. Mit den fünf Lautgruppen von jeweils zehn werden die mit dem Festhalten beginnenden Ritualhandlungen vollzogen. [Die vollständige Zuordnung der einzelnen Laute ist wegen beschädigter Lesungen nicht sicher zu übersetzen.]
3.71 [Die codierte Lautliste dieses Verses ist in der Vorlage stark beschädigt. Erkennbar sind Bezüge zu la, einem zweiten Laut, Schutz und den dem Feuer zugeordneten Lauten; eine zusammenhängende zuverlässige Übersetzung ist ohne Vergleichsquelle nicht möglich.]
3.72 Dem Luftbereich werden die als Wange und Bindu bezeichneten Laute sowie die jeweils fünften Gruppenlaute zugeordnet; sha und ha dem Raum. Auch bei anderen Mantras wende der Kundige die zugehörigen Handlungen zur Vollendung an. [Einzelne Lautchiffren bleiben unsicher.]
3.73 Mit den Erdlauten vollzieht man Festhalten und verwandte Handlungen, mit den Wasserlauten Beregnen und Ähnliches. Verbrennen, Austrocknen und Leermachen werden mit den aus Feuer, Luft und Raum hervorgehenden Lauten ausgeführt.
3.74 Mit diesen Lauten in Gruppen von jeweils zehn, mit „namaḥ“ am Ende und paarweise mit Bindu versehen, verehre der Mantraübende die Mitte und die drei Ecken der Yoni sowie den innersten Punkt. [Die räumliche Wiederholung im Vers ist nicht eindeutig.]
3.75 Aus dem zuvor beschriebenen Bindu gelangt Prakriti zunächst zur feinen Klanggestalt. Sie durchläuft die sechzehn mit a beginnenden Vokale, die folgenden fünfundzwanzig Laute, die mit ya beginnenden und mit den Körperstoffen verbundenen Laute sowie die fünf Elemente mit ihren Eigenschaften und feinen Sinnesgrundlagen. Dann wird sie als ha bezeichnet und durchdringt die Welt.
Kolophon: Hier endet der 3. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
4. Paṭala
Orientierung: Kundali, Hamsa, Laut- und Zeitentsprechungen.
4.1 Nachdem dies so dargelegt ist, wird seine Eigenschaft als Shakti anerkannt: Es erfüllt seine Aufgabe und ist in der Welt beständig fest gegründet.
4.2 Das ha genannte Bija besteht seinem Wesen nach aus Prana; aus ihm gehen die sechs Wogen hervor. Aus dem r-Laut entstehen vier Eigenschaften,
4.3 nämlich die Elemente von Luft bis Erde mitsamt den Eigenschaften von Berührung an. Die vier inneren Instrumente, der zusammengesetzte Organismus und Bewusstsein
4.4 werden von den Weisen als die sechs Eigenschaften des langen i genannt. Die sechs Laute von a bis zum langen u entstehen aus sechs
4.5 Gliederungen des großen ha-Lautes. Die vier von vokalischem r bis zum langen vokalischen l gelten als aus dem r-Laut entstanden.
4.6 Die sechs Laute von e bis Visarga gehen aus den sechs Gliedern des langen i hervor. So ergibt sich die sechzehnteilige Entfaltung.
4.7 Aus denselben Anteilen, aus denen die sechzehn allgegenwärtigen Vokale entstanden, gehen auch alle anderen Laute hervor. Daher erkennt man dies als die Wurzel.
4.8 Dieses ist zu eurem Samen geworden und in den Lebewesen gegenwärtig. Es umfasst das Weltenei und durchdringt Bewegliches und Unbewegliches.
4.9 Es wird Nada, Prana, Jiva, Ghosha und mit weiteren Namen bezeichnet. Diese Benennungen stehen in männlichem, weiblichem oder sächlichem grammatischem Geschlecht.
4.10 Auch als r-Laut und als Maya-Bija wird es in dieser dreifachen Betrachtung bezeichnet. Shakti, Shri, Sannati, Kanti, Lakshmi, Medha und Sarasvati,
4.11 Kshanti, Pushti, Smriti, Shanti und ähnliche Namen drücken jeweils seinen Sinn aus. Durch seine unterschiedlichen Zustände und Umgestaltungen wird es in vielfältiger Weise aufgefasst.
4.12 Die Weisen erkennen diese im Herzen gegenwärtige Kraft als Kundali. Die Göttin tönt unablässig, wie eine Biene einen melodischen Klang hervorbringt.
4.13 Ihre durch das eigene Wesen verdichtete Gestalt wird auf verschiedene Weise beschrieben. Kundali ist in jedem Fall als die der Sushumna folgende Kraft zu erkennen.
4.14 Weil sie der Same der beweglichen und unbeweglichen Welt ist, ist sie deren Wurzel. Durch die Verbindung dieser Wurzel mit dem Bindu bist du, Brahma, entstanden.
4.15 Durch die Verbindung von r mit i und a entstehen diese beiden. Du wirst dabei mit ha bezeichnet; dadurch wird jener Hari genannt. [Die verschlüsselte Namen- und Lautableitung ist in der Vorlage nicht vollständig sicher zu deuten.]
4.16 Daraus ergeben sich auch sein Hara-Sein und mein Allselbst-Sein. Durch das Hervortreten des Bindu wird die Lautgestalt als „haṃ sa“ bezeichnet. [Die Bezüge der ersten Hälfte bleiben mehrdeutig.]
4.17 Das ha wird als Purusha bezeichnet, das sa als Prakriti verstanden. Diese Shakti gilt als Ajapa und bewegt sich auch auf dem rechten und linken Weg.
4.18 Bindu ist die rechte Seite; die beiden Punkte des Visarga bilden die linke. Daher werden rechts und links mit männlicher und weiblicher Eigenart unterschieden. [Das letzte Satzglied ist in der Vorlage unklar.]
4.19 Bindu heißt Purusha, Visarga gilt als Prakriti. Hamsa besteht aus Purusha und Prakriti; von diesem Wesen ist die ganze Welt.
4.20 Indem sie ihre eigene Purusha-Gestalt erkennt, gelangt sie zur Erfahrung „So'ham – Das bin ich“. Dies ist der Paramatman genannte Mantra jener großen Mantrakraft.
4.21 Lässt man s und h fort und vollzieht die hier angegebene Lautverbindung, wird daraus Pranava. [Dies ist die symbolische Lautableitung des Textes, keine allgemeine grammatische Ableitungsregel.]
4.22 Aus dem letzten Teil des gegliederten Tara entstehen Raum und die weiteren Elemente; aus dem mittleren Teil die mit der Sonne beginnenden Lichtkräfte; aus dem ersten Teil alle Laute in der Welt.
4.23 So wird diese Gebärerin der Welt Savitri genannt. Dann gliedert sie sich durch ihre eigenen Prinzipien in vierundzwanzig Teile.
4.24 Nach den entsprechenden Lauten gegliedert, heißt sie Gayatri, weil sie den Singenden schützt. In ihrer siebenfachen Gestalt wird sie als die sieben Planeten umfassend beschrieben.
4.25 Dann ist die Sonne Herrin der Vokale, der rote Mars Herr der ka-Gruppe. Venus geht aus der ca-Gruppe hervor, Merkur aus der retroflexen ta-Gruppe.
4.26 Jupiter, der Lehrer der Götter, entsteht aus der dentalen ta-Gruppe, Saturn aus der pa-Gruppe und der kühlstrahlende Mond aus der ya-Gruppe. So ist diese Kraft siebenfach.
4.27 Wie die in sechs Gruppen gegliederten Konsonanten nicht unabhängig von den Vokalen sind, so sind auch die sechs Planetengruppen von der Sonne durchdrungen.
4.28 Wenn so der Sonnenanteil in den sechs Gruppen enthalten ist, wird die Hrillekha sechsfach betrachtet. Entsprechend beschreiben die Überlieferungskundigen ihr Yantra.
4.29 Diese Kraft durchdringt alles und nimmt fortwährend die Gestalt der Sonne an. Wo immer ihr eigenes Licht hinreicht, dort wird ihre Gegenwart erkannt.
4.30 Durch ihr Rajas und Tamas entstehen Tag und Nacht; die Sonne, ihrem Wesen nach ein vom Sattva gestützter Bindu, umkreist den Meru.
4.31 Durch ihre Umgestaltung entstehen aus den Lauten die zwölf Tierkreiszeichen. Mit den von Lava an anwachsenden Zeitmaßen ergibt sich daraus ein dreifacher Kreisverlauf.
4.32 Der Lauf des Kreises mit Sternbildern, Tierkreiszeichen und weiteren Gliederungen trägt den Bestand der Welt. Nun erläutere ich die Gestalt dieses Kreises und seine Ordnung nach den Zeichen.
4.33 Man bilde den Tierkreis mit einer inneren und einer äußeren Gliederung. Der mit Widder beginnende Kreis heißt Bhu-Chakra, der irdische beziehungsweise menschliche Kreis.
4.34 Aus den ersten Lauten bis zum langen i entsteht Widder, aus den mit u beginnenden bis zum vokalischen r Stier; aus den nächsten drei entsteht Zwillinge.
4.35 Aus e und ai entsteht Krebs, aus o und au Löwe. Aus den Nasal- und Hauchformen sowie den hier bezeichneten Zischlauten und l entsteht Jungfrau. [Die genaue Lautliste der zweiten Hälfte ist nicht sicher abgegrenzt.]
4.36 Aus den sechs Anfängen ka, ca, retroflexem ta, dentalem ta, pa und ya entstehen durch die Entfaltung der Shakti die Zeichen von Waage bis Fische.
4.37 Der Laut ksha gehört zusammen mit den vier von ya an zu den Fischen. Schütze und Krebs werden je fünfeinhalb Nadikas zugeteilt.
4.38 Steinbock, Zwillinge, Löwe und Skorpion erhalten je fünf und ein Viertel; Wassermann und Stier je vier und drei Viertel; Waage und Jungfrau je fünf Nadikas.
4.39 Fische und Widder erhalten je vier und ein Viertel. Damit sind die Zeitmaße der Zeichen angegeben. Schütze, Fische, Zwillinge und Jungfrau sind gelb und gelten als doppelnaturig.
4.40 Waage, Steinbock, Widder und Krebs sind rot leuchtend und beweglich. Die verbleibenden vier gelten als fest und weiß.
4.41 Krebs, Skorpion und Fische werden den Brahmanen zugeordnet; Löwe, Schütze und Widder den Herrschern; Waage, Wassermann und Zwillinge den Vaishyas; Jungfrau, Stier und Steinbock den Shudras. [Dies sind historische astrologische Zuordnungen.]
4.42 Widder und Skorpion gehören zu Mars; Stier und Waage zu Venus; Zwillinge und Jungfrau zu Merkur; Krebs zum Mond; Löwe zur Sonne; Schütze und Fische zu Jupiter; Steinbock und Wassermann zu Saturn. So werden die Herren der Zeichen angegeben. [Der abschließende Zusatz über ihre Stärke ist beschädigt.]
4.43 Die zwölf Häuser heißen: Aszendent beziehungsweise Selbst, Vermögen, Geschwister, Angehörige, Kinder, Feinde, Ehepartner, Tod, Dharma, Tätigkeit, Gewinn und Verlust.
4.44 Darüber liegt entsprechend der Bhuvas-Kreis. Er beginnt mit Löwe und bestimmt den den Ahnen zugehörigen Verlauf.
4.45 Darüber wiederum liegt in gleicher Weise der Svas-Kreis. Er beginnt mit Schütze und gehört den Göttern. So hat dieser Kreis drei Mittelpunkte.
4.46 Weil Schütze der Aszendent der Götter ist, wird er kurz Aszendent genannt. Für die gegenseitige Durchdringung werden Schütze, Widder, Löwe, Steinbock, Stier und Jungfrau,
4.47 Wassermann, Zwillinge, Waage, Fische, Krebs und Skorpion angegeben. Dies ist der Vedha der Tierkreiszeichen; danach wird der entsprechende Bezug der Sternbilder erläutert.
4.48 Mula, Ashvini, Magha, Jyeshtha, Revati und Ashlesha; ferner die dem Yama zugehörige Bharani, die beiden als Purva bezeichneten Sternbilder, Ahirbudhnya, Pushya und Anuradha,
4.49 Svati, Shatabhishaj, Ardra, Shravana, Rohini und Hasta werden in dieser Ordnung betrachtet. Ein Viertel ist mit drei Vierteln, eine Hälfte mit einer Hälfte zu verbinden. [Die gedrängte Sternbildliste in 4.48 lässt einzelne Bezeichnungen offen.]
4.50 So erkenne man durch die Vedha-Ordnung die Zeichen und ihre Herren, ihre bewegliche, feste oder doppelte Natur sowie ihre Zuordnung zu den vier gesellschaftlichen Klassen.
4.51 Aus diesen Zeichen gehen auch die Mondhäuser hervor. Durch die Unterscheidung der Laute ergeben sich siebenundzwanzig Formen.
4.52 Aus den ersten beiden a-Lauten entsteht Ashvini, danach Bharani; Krittika entsteht aus drei Lauten, Rohini aus der folgenden Vierergruppe. [Die Verteilung am Versanfang ist nicht völlig eindeutig.]
4.53 Aus e und ai entstehen Mrigashirsha und Ardra, aus den beiden folgenden Punarvasu. Die besondere Verbindung von Anusvara und Visarga wird für Revati ausgesondert.
4.54 Aus ka entsteht Tishya, aus kha und ga Ashlesha, aus gha und nga Magha; aus ca Purva-Phalguni, aus cha und ja Uttara-Phalguni, aus jha und nya
4.55 Hasta. Chitra entsteht aus den retroflexen ta und tha, Svati aus dem retroflexen da, Vishakha aus dha und na derselben Gruppe und Anuradha aus den folgenden dentalen Lauten. [Die letzte Lautangabe ist beschädigt.]
4.56 Jyeshtha entsteht aus dem dentalen dha, Mula aus na, pa und pha; Purva-Ashadha aus ba, die andere Ashadha aus bha. Danach wird Shravana genannt. [Der zu Shravana gehörige Laut wird in dieser Zeile nicht deutlich angegeben.]
4.57 Shravishtha entsteht aus ya und ra, Shatabhishaj aus la; Purva-Proshthapada aus va und sha; die spätere Proshthapada aus sha mit Zungenrückbiegung, sa und ha.
4.58 Wenn der la-Laut mit jenen beiden, Anusvara und Visarga, zusammenkommt, wird darin durch die Verbindung von Mond und Sonne der Neumond erkannt.
4.59 Aus der Verbindung von ka und sha entsteht ksha; Narasimha ist seine Gottheit. [Der vorausgehende Ausdruck über die Welt ist beschädigt.]
4.60 Dieser gehört wiederum mit den drei letzten Hauch- und Zischlauten zur späteren Proshthapada. Die zugeordneten Bäume beginnen mit Karaskara, Amalaki, Udumbara und Jambu.
4.61 Es folgen Khadira, Krishna, Vamsha, Pippala, Naga, Rohini, Palasha, Plaksha, Ambashta, Bilva, Arjuna und Vikankata. [Der letzte Name ist beschädigt geschrieben.]
4.62 Vakula, Shabara, Sarja, Vanjula, Panasa, Arka, Shami, Kadamba, Nimba, Amra und zuletzt Madhuka vervollständigen die Reihe der den Mondhäusern zugeordneten Bäume.
4.63 Wer langes Leben wünscht, soll den ihm zugeordneten Baum niemals fällen. Er soll ihn wässern, sein Wachstum fördern, ihn verehren und sich vor ihm verneigen.
4.64 An den eigenen Mondtagen, Mondhäusern und Wochentagen gilt Mantra-Japa als besonders günstig. Deshalb werden nun auch deren Gottheiten genannt.
4.65 Die Gottheiten der Mondhäuser sind der Reihe nach: die Ashvins, Yama, Agni, Dhatri, Mond, Rudra, Aditi, der von den Göttern Verehrte, die Schlangen, die Ahnen, Aryaman, Bhaga, Sonne, Tvashtri, Wind, Indra und Agni gemeinsam, Mitra, Indra, Nirriti, die Wasser, die Vishvedevas, Hari, die Vasus, Varuna, Ajaikapad, Ahirbudhnya und Pushan. [Einige Namen sind orthographisch beschädigt, aber im Zusammenhang erkennbar.]
4.66 Als Yoni-Sinnbilder der Mondhäuser werden der Reihe nach Tiere beziehungsweise Gestalten genannt: Pferd, Elefant, Ziege, Schlange, weitere Schlange, Hund, Katze, Ziege, Katze, Maus, Maus, Shivas Reittier, Büffel, Tiger, Yamas Reittier, Tigerin, Antilope, Hirschkuh und weitere Gestalten bis zu Kuh und Elefantenkuh. [Die zweite Hälfte der Aufzählung ist so beschädigt, dass ihre vollständige Reihenfolge nicht sicher wiedergegeben werden kann.]
4.67 Aus den Zeichen gehen die Mondtage von Pratipad bis Neumond hervor. Die folgende Zahlenwendung beschreibt ihre Verteilung auf die Zeichen. [Die genaue Zahl ist in der vorliegenden Lesung nicht sicher zu bestimmen.]
4.68 So ergeben sich dreißig Mondtage, nach den Lauten zwölfgeteilt. Sie sind wiederum zweifach gegliedert, nach erster und zweiter Monatshälfte.
4.69 Eine Monatshälfte umfasst fünfzehn Tage. Die erste, mit Pratipad beginnende, heißt die helle; ebenso wird die zweite, ebenfalls mit Pratipad beginnende, die dunkle genannt.
4.70 Obwohl ihre Namen übereinstimmen, sind die Mondtage beider Hälften wegen Zu- und Abnahme des Mondes nicht gleich. Deshalb werden dreißig unterschieden.
4.71 Agni, die Ashvins, Uma, Vighna, die Nagas, Guha, Savitri, die Mütter, Durga, die Himmelsrichtungen, Kubera, Vishnu, Yama, Hara und der Mond werden der Reihe nach als Herren der Mondtage genannt.
4.72 Aus Zeichen, Tagen und Mondtagen, die aus der Entfaltung der Shakti entstehen, gehen durch die Umgestaltung der Laute auch die sieben Karanas hervor.
4.73 Löwe, Tiger, Eber, Esel, Elefant, Stier und Hahn stehen als deren Sinnbilder der Reihe nach für die halben Mondtage, vom betreffenden Abschnitt des ersten Mondtages bis in die dunkle vierzehnte Tithi. [Die genauen Anfangs- und Endgrenzen sind in der Vorlage beschädigt.]
4.74 So sind Zeichen, Tage, Mondtage und Karanas zusammenfassend in ihren Unterteilungen erläutert. Aus dieser fünffachen Gliederung ist auch die Entstehung der fünf Farben zu verstehen.
4.75 Gelb, Weiß, Rot, Schwarz und Dunkelblau sind die Farben der mit ka beginnenden Gruppen. Damit ist die mannigfache Umgestaltung der Laute aus dem ursprünglichen Laut beschrieben.
4.76 Weil dieses Bija der Ursprung der beweglichen und unbeweglichen Welt ist, wird es als Wurzel bezeichnet.
4.77 Durch ihre Erkenntnis lösen Menschen die gesamte Bindung an das Handeln und gelangen zu Vishnus höchster Stätte. Darum wiederholt und verehrt beständig diese Hrillekha, die das Leben der Wesen in allen drei Welten ist.
Kolophon: Hier endet der 4. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
5. Paṭala
Orientierung: Einweihung und Vorbereitung der Ritualpraxis.
5.1 Nun erläutere ich zum Wohl der Welt die vorschriftsgemäße Einweihung in die Mantras. Wer sie empfängt, soll als ernsthafter Übender hier und jenseits Vollendung erlangen.
5.2 Weil sie göttliche Bewusstheit schenkt und Verfehlungen schwinden lässt, heißt sie Diksha. Mantra heißt so, weil das betrachtende Verinnerlichen der Wirklichkeit vor Furcht schützt.
5.3 Zu Beginn eines göttlichen, menschlichen oder den Ahnen entsprechenden Jahresabschnitts beginne man die Einweihungsordnung, nachdem man die erforderlichen Mittel vollständig bereitgestellt hat.
5.4 Bei glückverheißenden Handlungen, Einweihungen, dem Errichten eines Pavillons und bei Hausbauten ist eine Vastu-Gabe vorgesehen: zum Schutz, zur Befriedung von Hindernissen und für gutes Gelingen.
5.5 Einst gab es, so wird erzählt, einen Vastu-Purusha genannten Dämon, der die Welt bedrängte. Die Götter überwältigten ihn und legten ihn in viereckiger Gestalt auf die Erde.
5.6 Die Gottheiten, die auf seinem Leib ihren Sitz haben, werden als dreiundfünfzig beschrieben. Nun wird erläutert, wie sie von der Mitte des Mandalas an der Reihe nach zu verehren sind.
5.7 Man ebne einen quadratischen Boden, teile ihn in acht mal acht Felder und zeichne die Ecklinien. In den vier mittleren Feldern verehre der Übende Brahma.
5.8 In den jeweils vier Feldern im Osten, Süden, Westen und Norden verehre er der Reihe nach Arya, Vivasvat, Mitra und Mahidhara.
5.9 In den halben Feldern der Eckpaare, vom Südosten an, verehre er Savitra und Savitri, Shakra und Indrajaya, Rudra und Rudrajaya sowie Ap und Apavatsa.
5.10 In den Feldpaaren seitlich der Ecken werden Sharva, Guha, Aryaman, Jambhaka, Pilipinchha, Charaki, Vidari und Putana genannt. [Die Zahl und Trennung einzelner Namen in dieser beschädigten Reihe sind nicht sicher.]
5.11 Außen verehre der Mantrakundige nach der Vorschrift in den vier Richtungen Indras, Yamas, Varunas und des Mondes je acht Gottheiten, mit halben Feldern am Anfang und Ende.
5.12 Ishana, Parjanya, Jayanta, Shakra, Bhaskara, Satya, Vrisha und Antariksha sind die im Osten genannten Gottheiten.
5.13 Agni, Pusha, Vitatha, Yama, Graharakshaka, Gandharva, Bhringaraja und Mriga gehören zur südlichen Richtung.
5.14 Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Varuna, Pushpadanta, Asura, Shosha und Roga gehören zur westlichen Richtung.
5.15 Vayu, Naga, Mukhya, Soma, Bhallata, Argala, Aditi und Diti gehören zur nördlichen Richtung.
5.16 Man zeichne für diese Gottheiten mit Farbpulver ihre unterschiedlichen Felder und bringe ihnen eine geeignete Gabe aus Milchspeise oder den im jeweiligen Tantra vorgeschriebenen Stoffen dar.
5.17 Auf ebenem Boden, frei von Haaren, Knochen, Erdklumpen und Ähnlichem, errichte man einen Pavillon von neun, sieben oder fünf Ellen Ausdehnung. Er habe vier Tore aus den bezeichneten Hölzern, vier Torbögen, Darbha-Girlanden, einen hellen Boden und eine Überdachung.
5.18 Sieben oder neun Nächte vor dem Einweihungstag werde nach der Vorschrift die Aussaat vorgenommen: in den Palika-Gefäßen, fünfteiligen Gefäßen und vier Schalen.
5.19 In einem anderen, gut geschützten und reinen Raum lege man ein von Osten nach Westen ausgerichtetes Mandala an, mit der hier beschriebenen Feldteilung. Die Felder seien vom Südosten an gelb, rot, weiß und schwarz. Andere Mantrakundige lehren eine Ausrichtung von Süden nach Norden. [Die genaue Zahl der Mittelfelder ist beschädigt.]
5.20 Die Vishnu zugeordneten Palikas seien vierundzwanzig Finger hoch, die Brahma zugeordneten fünfmündigen Ghatikas sechzehn, die Shiva zugeordneten Schalen zwölf. Mit Wasser gereinigt und mit Fäden umwunden, stelle man sie in der angegebenen Reihenfolge auf.
5.21 Auf gesonderten, mit Reis gefüllten Unterlagen und mit Darbha-Bündeln versehen, werden diese Gefäße der Reihe nach mit Erde, Sand und getrocknetem Dung gefüllt.
5.22 Als zur Keimung geeignete Samen nennt man Reis, Kangu-Hirse, Shyama-Hirse, Sesam, Senf, Mungbohnen, schwarze Bohnen, Nishpava, Khalva und Adhaki. [Einzelne Getreide- und Hülsenfruchtnamen werden ohne botanische Gleichsetzung bewahrt.]
5.23 Nach dem Waschen bespreche der Übende sie mit dem Wurzel-Bija und säe sie in die Gefäße. Brahmanen sprechen Segensworte; die fünf großen Festklänge, voran die Muschel, begleiten dies nach der Vorschrift.
5.24 Man besprenge die Gefäße gründlich mit Kurkumawasser, bedecke sie mit Tüchern und bewässere sie unter den fünf Festklängen. Morgens und abends bringe der Übende mit den vorgeschriebenen Stoffen die jeweilige Gabe dar.
5.25 Die Empfänger sind der Reihe nach Wesenheiten, Ahnen, Yakshas, Nagas, Brahma, Shiva und zuletzt Vishnu. Ihnen werden während sieben oder neun Nächten Gaben dargebracht.
5.26 Puffreis, Sesam, das hier genannte Pflanzenpulver, Sauermilch, geröstetes Mehl und gekochte Nahrung bilden die Gabe für die Wesenheiten. Sesam und Reis gehören den Ahnen; die Yaksha-Gabe umfasst Udumbika sowie geröstetes Getreide und Puffreis. [Ein Pflanzenname ist unsicher.]
5.27 Die Naga-Gabe besteht aus den bezeichneten, mit Wasser beziehungsweise Milch verarbeiteten Mehlstoffen; die Brahma-Gabe aus Lotus und ungebrochenem Reis. Gekochte Speise und Kuchen gehören Shiva, mit Rohzucker gekochter Reis und Milchspeise Vishnu. [Der Beginn ist beschädigt.]
5.28 Bei einer neunnächtigen Ordnung wird auch eine Reis-Hülsenfrucht-Speise als Vishnu-Gabe genannt. Der jeweilige Gabenmantra beginnt mit Om, enthält den eigenen Namen der Gottheit und endet mit „namaḥ“.
5.29 Um die drei Gefäßarten herum bringe man außerdem in den acht Richtungen Gaben dar. Diese überlieferte Aussaatshandlung gilt als geeignet, alle Wünsche zu fördern.
5.30 Bereits zuvor lasse man im Pavillon nach den vorgeschriebenen Merkmalen die Feuergruben errichten, in den Richtungen Indras, Yamas, Varunas und des Mondes. Sie sollen eine Armlänge messen und von drei hervortretenden Umrandungen umgeben sein.
5.31 Als Formen der Feuergruben werden viereckig, halbmondförmig, dreieckig sowie rund mit schönen Lotusblättern beschrieben.
5.32 Mit einer Schnur messe man den Boden auf vierundzwanzig Fingerbreiten ab. Ebenso tief grabe man die Grube; bei der Anlage der Umrandungen lasse man eine Fingerbreite frei.
5.33 Die Umrandungen entsprechen der Reihe nach Sattva und den übrigen Gunas. Sie sind zwölf, acht und vier Finger hoch, jeweils vier Finger breit und gelten als vollendungsfördernd.
5.34 An der Westseite bringe man die Yoni an: Sie beginnt mit einem viereckigen Ansatz, hat einen mittleren Abfluss und breitet sich wie ein Ashvattha-Blatt aus. Der Vers nennt Maße für Höhe, Länge und Breite sowie eine zur Grube geneigte Spitze. [Die Zahlen- und Maßfolge ist beschädigt; eine verlässliche bauliche Maßzeichnung lässt sich daraus nicht erstellen.]
5.35 Oder man lege im Norden nur eine einzige viereckige Feuergrube an, versehen mit den genannten Merkmalen und von ansprechender, klarer Gestalt.
5.36 Dann bestreiche man in der Mitte des Pavillons die Opferfläche ordnungsgemäß mit Kuhdungwasser und lege in deren Mitte
5.37 eine von Osten nach Westen gespannte Schnur, begleitet von Segensworten der Brahmanen. Mit verdoppelter Schnur bilde man von der Mitte aus auf beiden Seiten fischförmige Kreisschnittfiguren.
5.38 Durch deren Mitte lege man eine Schnur mit Enden im Süden und Norden. Dann messe man von der Mitte in jede Richtung eine Elle samt einem Viertel ab.
5.39 Auf den Schnüren bilde man deutlich und in gleichen Abständen weitere Fischfiguren. Von den Figuren an den Schnurenden aus konstruiere man entsprechende Schnittfiguren in den Ecken.
5.40 Man ziehe die Schnüre in den Richtungen so, dass ihre Enden in diesen Eckfiguren liegen. Dadurch entsteht ein quadratisches Mandala aus vier Feldern.
5.41 Darin lege man eine Schnur von Südost nach Nordwest und eine von Südwest nach Nordost. An den Fischfiguren der östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Schnurenden
5.42 ziehe man vier weitere Schnüre mit entsprechend festgelegten Enden. So entstehen auch in den Eckfeldern die fischförmigen Schnittfiguren.
5.43 Von diesen aus ziehe man ostwestliche und südnördliche Schnüre. Es ergeben sich zweihundertsechsundfünfzig Felder.
5.44 Dann, Brahma, verteile der Verständige die Felder der Reihe nach: In der Mitte bilde man mit sechzehn Feldern einen Lotus samt drei Kreisen.
5.45 Achtundvierzig Felder gehören zum Tierkreis, achtzig zum Umgang und hundertzwölf zu den Toren, Schmuckfeldern und Ecken.
5.46 Jedes Tor umfasst sechs Felder, jedes Shobha-Schmuckfeld vier, ebenso jedes Upashobha-Nebenschmuckfeld; ein Eckbereich umfasst sechs Felder.
5.47 Zwischen Kreis und Umgang ziehe man vier Schnüre. Die Enden werden in den Fischfiguren der ostwestlichen und südnördlichen Ausrichtungen
5.48 festgelegt; so entsteht der Tierkreisring. Für den Fruchtboden, die Staubfäden, die Zwischenräume der Blätter und die Blätter selbst,
5.49 für deren Spitzen, Kreise, Tierkreisabschnitte, Umgang, Schmuck- und Nebenschmuckfelder lege man die runden und quadratischen Formen und ihre Plätze deutlich fest.
5.50 In der inneren Hälfte des Mandalas misst der Fruchtboden vier Fingerbreiten; die Staubfäden drei und der Blattzwischenraum vier.
5.51 Ebenso werden die Blätter bemessen; ihre Spitzen erhalten zwei Fingerbreiten. Zwischen den drei gesonderten Kreisen liegen jeweils zwei Fingerbreiten.
5.52 Darauf folgt der Tierkreis, jedes Zeichen mit seiner eigenen Farbe geschmückt. Ein Tierkreisabschnitt wird sechs oder neun Fingerbreiten groß ausgeführt.
5.53 Dieser Bereich misst zweiunddreißig Fingerbreiten; darüber hinaus wird nochmals ebenso viel vorgesehen. Einige Kenner lehren einen runden Kreis, andere ein Viereck. [Der genaue Bezug des ersten Maßes bleibt unklar.]
5.54 Bei einer runden Anlage können die zwölf Tierkreiszeichen speichenförmig sein, in der Mitte schmal wie Ameisen oder länglich wie Zitrusfrüchte.
5.55 Bei einer viereckigen Anlage sind die zwölf Zeichen dreieckig oder, nach anderen Kundigen, wie Lotusblätter geformt.
5.56 Außerhalb zeichne man vier schöne Wunschbäume, anmutig, voller Blüten und mit Früchten und jungen Blättern geschmückt,
5.57 begleitet von Wasser- und Landblumen, mit Schwänen, Kranichen, Wasservögeln, Papageien, Bienen und Kuckucken,
5.58 mit Pfauen, Chakravaka-Vögeln und weiteren Tieren auf den sich neigenden Zweigen: Bäume, die die Gaben aller Jahreszeiten schenken und die Augen erfreuen.
5.59 Darum lege man das Erd-Mandala mit schwarzen Ecken an. Der mit den Prinzipien Vertraute lasse die Mandalas bis einschließlich des Tierkreises ausführen.
5.60 Wer aus Verblendung an einer anderen Stelle ein unpassendes Mandala zeichnet, entspricht einem, der eine Gottheit anruft, aber eine andere verehrt.
5.61 Ein solcher unbeständiger und unverständiger Mantraübender zieht nach der Warnung des Textes den Unwillen beider auf sich. Wer die Gegenwart der zeitgestaltigen Gottheit in den Tierkreiszeichen nicht kennt,
5.62 dessen ganzes Tun bleibt nach dieser Lehre vergeblich: unwissend, hält er sich für wissend. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt die Zeichen samt ihren Herren der Reihe nach
5.63 und die ihnen entsprechenden Mandalas verstehen. Erst dann beginne der besonnene Übende mit der Verehrung oder dem Feueropfer für die Gottheiten.
5.64 Fünf Farbpulver bestehen aus fünf Stoffen. Gelb, Weiß, Rot, Schwarz und Dunkelgrün beziehungsweise Dunkelblau entsprechen den Elementen.
5.65 Gelbes Pulver wird aus Kurkuma gewonnen, weißes aus Reis. Durch Verbindung des genannten Pflanzenpulvers mit Lauge erhält man Rot. [Der Name des Pflanzenpulvers in der zweiten Hälfte ist beschädigt.]
5.66 Schwarz entsteht aus verbrannten Reiskörnern, Dunkelgrün aus Bilva-Blättern und ähnlichen Stoffen. Der Kundige ziehe die Grenzlinien mit weißem Pulver.
5.67 Bei allen Mandala-Arbeiten sollen die Linien eine Fingerbreite hoch und breit sein. Die Fruchtböden seien gelb, die Staubfäden rot, weiß und gelb.
5.68 Die Blätter seien hell; die Zwischenräume fülle man mit dunklem Pulver. Die drei Kreise werden in Weiß, Rot und Schwarz ausgeführt.
5.69 Die Umgänge seien mit verschiedenfarbigen Bildern geschmückt. Tore, Schmuckfelder, Nebenschmuckfelder und Ecken erhalten die genannten weißen, roten, gelben und schwarzen Farben. [Die dritte Farbbezeichnung wird über ihren Stoffnamen ausgedrückt.]
5.70 Höre nun von den nach dem Tierkreis verbleibenden Eckfeldern: Sie sind die Füße des Sitzes. Sie können rot sein oder die jeweils für diese Sitzfüße angegebenen Farben und Formen erhalten.
5.71 Andere lehren rote Lotusblätter, schwarze Blattzwischenräume und Kreise aus schwarzem, rotem und weißem Farbpulver.
Kolophon: Hier endet der 5. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
6. Paṭala
Orientierung: Nyasa, Verehrung und Feueropfer.
6.1 Nach erneuter ritueller Mundspülung sitze der Guru nach Osten gewandt auf seinem Sitz. Er vollziehe Pranayama und Laut-Nyasa und setze danach Seher, Versmaß und die weiteren Zuordnungen am Körper ein.
6.2 Der Seher wird wegen seiner Lehrerstellung auf dem Haupt getragen; das Versmaß gehört, weil es aus Lauten besteht, zur Zunge. Die Gottheit des Mantras wird stets im Herzen verortet, weil sie durch innere Erkenntnis zu erfassen ist.
6.3 Die für „Rishi“ herangezogenen Wortwurzeln bedeuten Gehen und Erreichen. Wer durch sie zum eigenen Wesen gelangt und als Lehrer wirkt, wird hier als Rishi bezeichnet.
6.4 Die Wortwurzeln chad und chad in der weiteren hier genannten Bildung werden mit Wünschen und Geben verbunden. Weil es das Gewünschte gewährt, heißt das die Mantralaute bezeichnende Gefüge Chandas. [Dies ist eine traditionelle Wortdeutung; die Wurzelformen sind nicht eindeutig geschrieben.]
6.5 Weil die göttliche Seinsweise des eigenen Selbst den Vorrang hat beziehungsweise verliehen wird, verwenden die Wissenden bei sämtlichen Mantras den Ausdruck Devata, Gottheit.
6.6 Herz, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer, Augen und Waffe werden im Dativ mit den Schlussworten namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, vauṣaṭ und phaṭ verbunden. Dies ist die Ordnung der sechs Glieder.
6.7 Das Herz steht für das durch Einsicht Erfassbare; „namaḥ“ bedeutet Verneigung. Mit dem Herz-Mantra wird deshalb die Verneigung vor der durch Einsicht erfassbaren Wirklichkeit vollzogen.
6.8 Der Kopf bezeichnet das Hohe; die als „zweimal ṭha“ codierte Endung bezeichnet das Herbeiholen der jeweiligen Gegenstände. Der Kopf-Mantra wird so als Aufnahme der erhabenen Gegenstände erklärt. [Die einleitende Wortableitung ist beschädigt.]
6.9 Das mit „vaṣaṭ“ verbundene Glied wird der Stelle des Haarschopfes zugewiesen. Durch dessen Mantra wird das Licht als Gestalt des Mantraübenden betrachtet.
6.10 „Kavacha“ wird von einer Wortwurzel für Ergreifen hergeleitet. Das „huṃ“ genannte Licht erfasst die Gestalt der Lichtkräfte; daher heißt dieses Glied Schutzpanzer.
6.11 Netra bezeichnet das Sehen; „vauṣaṭ“ wird als Schauen erklärt. Die Lichtkraft, durch die das Auge sieht, wird durch das Augen-Glied bezeichnet.
6.12 Die für Astra herangezogenen Wortwurzeln bedeuten Werfen und Bewegen. Durch das Feuer des Wortes „phaṭ“ wird das Unerwünschte fortgeworfen und entfernt.
6.13 So haben die Weisen die Glieder-Mantras für die verschiedenen Mantras beschrieben. Wenn ein Mantra nur fünf Glieder hat,
6.14 wird das Augen-Glied ausgelassen. Der Übende setze die Glieder der Reihe nach an den Fingern ein, beginnend mit dem Daumen
6.15 und endend mit dem kleinen Finger, dann an Handrücken und Handflächen. Mit dem Waffen-Mantra vollziehe er dreimaliges Klatschen und umschließe damit
6.16 der Reihe nach die zehn Richtungen. Dann setze er die sechs oder fünf Glieder am Körper ein. Dies ist die allgemeine Vorbereitung zu Beginn des Mantra-Japa.
6.17 Links stelle er eine Muschel mit duftendem Wasser, Blüten und ungebrochenem Reis auf. Nach der Unterweisung des Gurus setze er den Mantra samt seinen Gliedern in der Verehrungsgestalt ein.
6.18 Rechts stelle er das Blumengefäß auf, ringsum die Lampen. Die übrigen Hilfsmittel, Duftstoffe, Reis und anderes lege er vor sich bereit.
6.19 Zuerst verehre er links die eigenen großen, als göttlich betrachteten Lehrer. Auf der anderen Seite verehre er Ganesha mit leuchtendem Leib, dessen Hände Schlinge, Elefantenhaken, Stoßzahn und die Geste der Furchtlosigkeit tragen.
6.20 Im Südosten verehre er Dharma, rot und stiergestaltig; im Südwesten Jnana, dunkel und löwengestaltig; im Nordwesten das gelbe Vairagya in der beschriebenen Wesenform; im Nordosten das schwarze Aishvarya in Elefantengestalt. In den Hauptrichtungen verehre er ihre verneinten Gegenstücke als Glieder des Sitzes. [Ein Gestaltwort im dritten Viertel ist mehrdeutig.]
6.21 In der Mitte verehre er Ananta, darüber den Lotus, darin Sonne, Mond und Feuer mit den gegliederten Lauten des Tara. Er verehre die drei Gunas von Sattva an, verbunden mit Atman, und die Shaktis an den Staubfäden und in der Mitte.
6.22 Diese Lichtkräfte werden als weiß, schwarz, rot, gelb, dunkel, feuerfarben, hell, wie Augenschminke und wie eine rote Hibiskusblüte beschrieben.
6.23 Auf den Lotusfruchtboden lege man ungeschälten Reis, darauf geschälten Reis und darüber Darbha-Gras; darüber ein Grasbündel mit ungebrochenen Reiskörnern.
6.24 Der Om-Rezitierende stelle darauf den Topf, ordnungsgemäß mit einem dreifachen Faden umwunden und mit den genannten Duftstoffen beräuchert. [Die Duftstoffangabe der Vorlage ist unklar.]
6.25 In das Gefäß lege er ein Darbha-Bündel, ungebrochenen Reis und die neun Edelsteine. Dann fülle er es mit Wasser, in dem die den Lauten von ka bis zum Ende zugeordneten Pflanzen ausgekocht wurden.
6.26 Oder er verwende eine Abkochung aus den zehn Wurzeln, Blüten und Rinden milchsaftführender Bäume, eine entsprechende Baumrindenabkochung oder reines, geeignetes Wasser.
6.27 In einer mit diesem Wasser gefüllten Muschel vermische er nach der Vorschrift die Duftstoffe, rufe darin die Kalas an und gieße es in den bis zur Öffnung mit Abkochungswasser gefüllten Topf.
6.28 Die achtteilige Duftstoffmischung ist dreifach: für Shakti, Vishnu und Shiva. Durch die acht Duftstoffe wird im vom Mantrakundigen bereiteten Kalasha die unendliche Kraft gegenwärtig.
6.29 Chandana, Karpura, Agaru, Kunkuma, Kapi, Mamsi, Rochana und Chora bilden die acht Duftstoffe der Shakti. Sie sollen ihre Gegenwart bewirken und die Menschen erfreuen. [Die Namen Kunkuma und Kapi sind in der Vorlage beschädigt beziehungsweise unsicher.]
6.30 Eine weitere Mischung besteht aus Chandana, Hribera, Agaru, Kushtha, Asrij, Ushira, Mamsi und Mura; die andere aus Chandana, Karpura, Agaru, Patra, Rudhira, Kushita, Roga und Jala. [Unsichere Stoffnamen werden ohne botanische Ergänzung bewahrt.]
6.31 Die zuvor erläuterten achtunddreißig Kalas setze der Kundige entsprechend der vom Guru unterwiesenen Reihenfolge ein.
6.32 Die fünfzig Kalas, die aus den fünf Gliederungen des Tara entstehen, werden von den Tattva-Kennern nach dieser fünfteiligen Ordnung weiter unterschieden.
6.33 Von den sieben Gliedern des Tara sind die letzten beiden die höchsten. Deshalb werden Shakti und Shanta nicht zusammen mit den übrigen gelesen.
6.34 Zum ersten Bereich gehört der mit „Haṃsa“ beginnende Vers, zum folgenden „Pratad viṣṇu“; als dritter folgt „Tryambaka“, als vierter der mit „Tat“ beginnende.
6.35 Als fünfter Mantra werde der mit „Viṣṇur yonim“ beginnende verwendet. Man rufe die aus vierundneunzig Mantras bestehende Gottheit an und erfülle damit das Gefäß.
6.36 Die fünf hier genannten vedischen Verse werden der Reihe nach mit den fünf unterschiedlichen Kala-Gruppen des Tara verbunden.
6.37 Gesammelt vollziehe man jeweils Prana-Pratishtha. Mit dem dafür bestimmten Mantra und unter Rezitation des Wurzelmantras lasse man die Gegenwart im Kala-erfüllten Wasser des Kalasha entstehen.
6.38 Man bedecke die Gefäßöffnung mit Zweigen von Ashvattha, Mango und Jackfruchtbaum, verbunden mit der bezeichneten Schlingpflanze, und betrachte sie als göttlichen Wunschbaum. Dann umhülle man das Gefäß mit zwei Tüchern.
6.39 Der Guru vergegenwärtige die Gottheit im Wasser entsprechend dem zu verwirklichenden Mantra in ihrer vollständigen Gestalt und bringe ihr die Verehrungsgaben dar.
6.40 Sitz, Willkommensgruß, Ehrengabe, Fußwasser, Wasser zur Mundspülung, Honigspeise, erneute Mundspülung, Bad, Gewand und Schmuck,
6.41 Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung bilden die sechzehn Gaben der Verehrung.
6.42 Ehrengabe, Fußwasser, Mundspülwasser, Honigspeise, erneute Mundspülung und die mit Duft beginnenden, bei der Speise endenden Gaben bilden die zehnteilige Verehrung.
6.43 Duft und die weiteren Gaben bis zur Speise bilden die fünfteilige Puja. Drei Arten der Verehrung sind damit beschrieben; man wähle eine von ihnen.
6.44 Duftstoff, Blüten, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senfsamen und Durva-Gras werden als die acht Stoffe der Ehrengabe genannt.
6.45 Fußwasser bereitet man mit Shyamaka, Durva, Lotus und Vishnukranta; Mundspülwasser mit Jati, Gewürznelke und Takkola.
6.46 Die Weisen nennen mit Honig vermischte Sauermilch Madhuparka. Die darauf folgende Mundspülung wird mit reinem Wasser vollzogen.
6.47 Als Duftpaste wird eine Mischung aus Sandelholz, Agaru und Kampfer bezeichnet; oder eine Mischung aus den genannten Duftstoffen, Safran, Sandelholz und Moschus. [Ein Stoffname der zweiten Aufzählung ist unklar.]
6.48 Je zwei Arten Tulasi, Lotus, Jati, Ketaki und Karavira gelten als zehn geeignete Blüten beziehungsweise Pflanzen; außerdem rote Wasserlotusse.
6.49 Auch blaue Lotusse, Kumuda, Malati, Mallika, Kunda, Mandara, Nandyavarta und ähnliche Blüten werden genannt,
6.50 ferner Palasha, Patali, Partha, Parantyavartaka, Champaka, Naga und rote Mandara-Blüten. [Ein zusammengesetzter Pflanzenname ist beschädigt.]
6.51 Hinzu kommen Blüten von Ashoka, Bilva, Lotus und Karnikara sowie alle wohlriechenden, schön geformten Blüten, die im jeweils eigenen Agama vorgeschrieben sind.
6.52 Nicht verehren soll man mit Knospen, herabgefallenen, verwelkten, alten oder von Tieren verunreinigten Blumen; ebenso wenig mit bereits beschnupperten, am Körper getragenen oder über Nacht aufbewahrten.
6.53 Guggulu, Agaru, Ushira, Zucker, Ghee, Honig und Sandelholz gebe man auf geeignete Glut und bringe den Rauch von unten dar.
6.54 Mit Kuhghee oder Öl und einem passenden Docht entzünde man eine reine, wohlriechende Lampe und führe sie hoch empor. [Die nähere Dochtangabe ist nicht eindeutig.]
6.55 Man biete sehr weißen, reinen Milchreis mit gutem Ghee dar, dazu Zuckerbeigaben, Bananen, Sauermilch und weitere Speisen.
6.56 Die fünfzig Laute, jeweils vom Mantra umschlossen, setze der Übende der Nyasa-Reihenfolge gemäß bei allen Mantragottheiten ein und verehre sie zunächst mit Duft und den weiteren Gaben. Diese Anwendung heißt Trailokyamohana, „die drei Welten bezaubernd“.
6.57 Herz, Kopf, Haarschopf und Schutzpanzer werden vom Südosten an an den Ecken verehrt, das Augen-Glied davor; der Waffen-Mantra wird der Reihe nach in den Richtungen dargebracht.
6.58 Die Gliedergottheiten werden als weibliche Gestalten mit Gabe- und Furchtlosigkeitsgeste beschrieben. Ihre Farben gleichen einer Perlenkette, Kristall, Kalaya-Blüte, Augenschminke, Gelbbraun und Feuer.
6.59 Bei allen vollständigen Verehrungsordnungen soll zuerst der Umkreis der Glieder verehrt werden. Am Ende folgt der Umkreis der Welthüter, gegebenenfalls bis zu Vajra und den übrigen Waffen.
6.60 Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Mond, Shiva, der Schlangenherr und Brahma werden der Reihe nach mit den entsprechenden Klassenbezeichnungen, Herrschaften, Waffen, Reittieren und Gefolgschaften verehrt.
6.61 Die Welthüter von Indra an werden farblich als gelb, gelbbraun, schwarz, rauchfarben, weiß, rauchfarben, hell, weiß, schilfblütenfarben und rotlotusfarben beschrieben.
6.62 Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenhaken, Keule, Dreizack, Rad und Lotus heißen die Waffen der Welthüter.
6.63 Ihre Farben werden der Reihe nach mit Gelb, Schnee, Wasserwolke, Himmel, Blitz, Rot, Kunda-Blüte, Blau sowie den zuletzt genannten rötlichen Farbtönen verglichen. [Die Abgrenzung der letzten beiden Farbbezeichnungen ist beschädigt.]
6.64 Nach dem Speiseopfer stelle der Mantraübende die Gefäße mit den glückverheißenden Keimlingen der Reihe nach um das Mandala auf.
6.65 Er bestreiche die Feuergrube, zeichne die der eigenen Ordnung entsprechenden Linien, besprenge sie unter Om-Rezitation und bereite den Yogasitz.
6.66 Oder er verfahre nach der Unterweisung des Gurus mit einem Dreieck innerhalb eines Sechsecks, entsprechend der Pranagnihotra-Ordnung an der Avasathya genannten Feuerstätte.
6.67 Dort vergegenwärtige er die die ganze Welt umfassende Shakti, in ihrer fruchtbaren Zeit und von der bezeichneten leuchtenden Farbe. In ihre Yoni lege er mit Om ein durch Brennstein, Reibhölzer oder aus dem Haus gewonnenes Feuer.
6.68 Nach „citpiṅgala“ spreche er jeweils zweimal die Wörter für Schlagen, Brennen und Kochen, dann „Allwissender, befehle!“ und die dem Feuer zugeordnete Schlussformel. Mit diesem Mantra entzünde er das Feuer. [Die Formel ist als Zusammensetzungsanweisung, nicht als ausgeschriebener Mantra überliefert.]
6.69 Ich verehre das hell entflammte Feuer, Jatavedas, den Empfänger der Opfergaben: den goldfarbenen Agni, kräftig entfacht und mit Gesichtern nach allen Seiten.
6.70 Mit diesem Mantra trete man verehrend an das entzündete Feuer heran. Dann setze man mit den Mantras seiner Zungen dessen Kräfte am eigenen Körper ein,
6.71 der Reihe nach an Geschlechtsorgan, After, Kopf, Mund, Nase, Augen und am ganzen Leib. Die Feuerzungen werden nun in dreifacher Gliederung erläutert.
6.72 Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirakta sind die sieben sattvigen Zungen.
6.73 Padmaraga, Suvarna, Bhadralohita, Lohita, Shveta, Dhumrini und Karalika
6.74 werden der Reihe nach als die rajasigen Zungen des segensreichen Feuers genannt. Vishvamurti, Sphulingini, Dhumravarna und Manojava,
6.75 Lohita, Karala und Kali sind die tamasigen Zungen. Ihre Mantras werden mit den bezeichneten Feuerlauten, r, Vokalen und Bindu verbunden. [Die genaue codierte Lautreihe ist beschädigt.]
6.76 Die sattvigen Zungen werden bei göttlicher Verehrung, die rajasigen bei wunscherfüllenden Handlungen und die tamasigen bei grausamen Ritualhandlungen eingesetzt.
6.77 Götter, Ahnen, Gandharvas, Yakshas, Nagas, Pishachas und Rakshasas haben der Reihe nach ihren Sitz in den Zungen des Feuers.
6.78 Man opfere in der jeweils entsprechenden Zunge für die Aufgabe der Götter und der übrigen Wesen. Da diese Zungen die Gottheiten verkörpern, sollen sie die gewünschte Vollendung gewähren.
6.79 Die Feuerzungen gleichen überwiegend der durch ihren Namen bezeichneten Gestalt. Anschließend setze der Mantraübende der Reihe nach die Glieder des Feuers ein.
6.80 Sahasrarchis, Svastipurna, Uttishthapurusha, Dhumavyapin, Saptajihva und Dhanurdhara
6.81 heißen der Reihe nach die Glieder-Mantras. Dann setze man die acht Gestalten ein: an Kopf, Schulter, Seite, Hüfte, Unterleibsbereich und den entsprechenden gegenüberliegenden Stellen.
6.82 Der kundige Lehrer vollziehe diese Einsetzung rechtsherum. Jatavedas, Saptajihva und Havyavahana,
6.83 Ashvodaraja, Vaishvanara, Kaumaratejas und die mit Vishvedeva und Mukha bezeichneten Gestalten
6.84 sind die acht Formen des Feuers. Ihre Formeln beginnen mit Om, enthalten vor dem jeweiligen Namen „agnaye“ und enden mit „namaḥ“. Danach lege man vier Darbha-Bündel
6.85 der Richtungsfolge gemäß ringsum aus und verehre mit Duft und den weiteren Gaben: die Zungen in der Mitte und an den sechs Ecken, die Glieder an den Staubfäden,
6.86 außen die acht Gestalten der Reihe nach. Dann verehre der Mantrakundige in der Mitte mit dem folgenden Agni-Mantra.
6.87 Man spreche „Vaishvanara, Jatavedas, komme hierher, Rotäugiger, vollbringe alle Handlungen!“ und schließe mit Svaha. [Die Quelle gibt die Formel als Anweisung zum Zusammenfügen der genannten Wörter.]
6.88 Verneigt euch vor dem Feuer mit drei Augen, rötlich gebundenem Hauptschmuck, reinweißem Gewand und rotem Leib, vielfach geschmückt und auf einem Lotus sitzend! Seine Hände tragen die Gnadengabe, den Speer, das Svastika-Zeichen und die Furchtlosigkeitsgeste; eine goldene Kette schmückt seine Schultern.
6.89 Die Zungen leuchten wie Flammen; die Glieder zeigen Gabe- und Furchtlosigkeitsgeste. Die Gestalten halten in ihren beiden erhobenen Händen Speer und Svastika.
6.90 Mit vorbereitetem und durch die Feuerbetrachtung gereinigtem Ghee bringe man nach den Vyahritis dreimal mit diesem Mantra Opfergaben dar.
6.91 Die Lebensriten des Feuers, von der Empfängnis bis zur Hochzeit, vollziehe man jeweils mit Om und acht Ghee-Gaben.
6.92 Mit den Zungen-, Glieder- und Gestalt-Mantras opfere man je eine Runde. In der mittleren Zunge, deren Leib aus Flammenreihen besteht,
6.93 bringe man zunächst zehn Gaben mit den von Om an schrittweise erweiterten zehn Teilen des Ganapati-Mantras dar, jeweils mit den zuvor genannten Teilen verbunden.
6.94 Dann opfere man viermal mit dem vollständigen Mantra. Mit dem Verbindungsmantra bringe man fünfundzwanzig Ghee-Gaben dar,
6.95 bei allen Feueropfern zur Sättigung des Feuers. Dies ist die beschriebene Grundordnung der tantrischen Opferhandlungen.
6.96 Danach opfere man mit dem zu verwirklichenden Mantra achttausend oder achthundert Gaben von mit Ghee vermischter Milchspeise,
6.97 oder die im jeweiligen Ritual vorgeschriebenen Stoffe. Mit den großen Vyahritis am Ende und abschließender Wasserbesprengung vollende man das Feueropfer.
6.98 Die Formeln beginnen mit Bhuh, Bhuvah, Svah beziehungsweise ihrer gemeinsamen Nennung und enden mit Svaha. Die erste verbindet die Anrufungen „dem Feuer, der Erde und dem Großen“.
6.99 Die nächste verbindet „dem Wind, dem Zwischenraum und dem Großen“, die folgende „der Sonne, dem Himmel und dem Großen“.
6.100 Die weitere verbindet „dem Mond, den Himmelsrichtungen und dem Großen“. Diese großen Vyahritis umfassen die Gottheiten insgesamt.
6.101 Mit dem vorzüglichen Brahmarpana-Mantra bringe man dann acht Gaben dar, um von der Bindung an das Handeln frei zu werden.
6.102 Man spreche zunächst: „Was zuvor im Bereich von Prana, Erkenntnisvermögen und den Tätigkeiten des Körpers, in den Zuständen des Wachens, Träumens und Tiefschlafs,
6.103 mit dem Geist, mit der Sprache und durch Handlungen, mit den Händen, Füßen und dem Bauch,
6.104 mit dem Geschlechtsorgan getan, gesprochen oder erinnert wurde: All dies sei Brahman dargebracht.“
6.105 Am Ende folgen „bhavatu“ und die als zweimal ṭha bezeichnete Schlussformel. Dies gilt als Brahmarpana-Mantra. Nach dem Feueropfer beginne der Lehrer mit den Gaben im Mandala.
6.106 Den Mondhäusern, Tierkreiszeichen und Wochentagen bringe er der Reihe nach mit Achtung Gaben dar, denen Duft, Blüten und Räucherwerk vorausgehen.
6.107 Die mit Ashvini beginnenden Mondhäuser werden mit je zweieinviertel Mondhäusern den von Widder an gezählten Zeichen zugeordnet. Zuerst nenne man das Zeichen, danach die Mondhäuser,
6.108 dann „den Gottheiten“ und weiter „allen Wesen, die am Tag und in der Nacht umhergehen, Verehrung“.
6.109 Wenn ein Zeichen so vollständig behandelt ist, verfahre man bei den weiteren ebenso. Auch den Zeichenherren und Planeten bringe man an ihren jeweiligen Stellen Gaben dar.
6.110 Den sieben Karanas bringe man die Gabe zwischen Fische und Widder dar. So ist diese mit dem Kalasha verbundene Gabenordnung beschrieben.
6.111 Man entferne die Speisegabe, verehre nochmals wie zuvor, reiche Mundduft und Ähnliches, preise die Gottheit mit einem passenden Lobgesang und verneige sich mit Hingabe nach der Vorschrift.
6.112 Mit Armen, Füßen, Knien, Brust, Kopf, Blick, Sprache und Geist vollzogene Verneigung heißt achtgliedrige Verneigung.
6.113 Mit Armen samt Knien, Kopf, Sprache und Denken vollzogene Verneigung heißt fünfgliedrig. Diese beiden gelten bei der Verehrung als besonders vorzüglich.
6.114 Die Verehrungsmantras von den Gurus bis zu den Welthütern beginnen mit Om, verwenden den Dativ und enden bei der Puja mit „namaḥ“, bei der Feuerhandlung mit Svaha. Bei Verehrung durch Bijas werden keine Kasusendungen hinzugefügt.
6.115 Man schenke den beim Feueropfer mitwirkenden Brahmanen zwei Gewänder und Fingerschmuck mit dem Gedanken „dem Herrn dargebracht“ und empfange die von ihnen gesprochenen Segensworte.
6.116 Dann verneige man sich vor dem Guru als verkörpertem höchstem Selbst und gebe ihm die Hälfte, ein Viertel oder ein Zehntel des eigenen Vermögens. Ohne finanzielle Hinterlist bringe man auch sich selbst dar, den Geist auf ihn ausgerichtet.
6.117 Unter kräftigem Klang der Instrumente und den Segensrufen der Brahmanen übergieße der Lehrer den gesammelt und fest sitzenden Schüler nach der Vorschrift mit dem Wasser des Kalasha.
6.118 Wie zuvor die Gefäße mit den nektarhaften Lauten erfüllt wurden, so erfülle der beste Mantrakundige damit den Leib des Schülers und vollziehe die Weihe zur baldigen Erlangung der gewünschten Güter.
6.119 Der Schüler lege zwei reine Gewänder an, spüle rituell den Mund, verneige sich vor dem Guru und setze sich in seine Nähe. Dann teile der Guru ihm den Mantra dreimal mit.
6.120 Den vom Guru in Gnade empfangenen Mantra wiederhole der Schüler sogleich hundertmal. Dabei betrachte er innerlich die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra.
6.121 Wer dem Mantra, dem Mantralehrer und der Gottheit des Mantras beständig Hingabe entgegenbringt, erlangt nach der Lehre des Textes hier und nach dem Tod die gewünschte Frucht.
6.122 So wurde die Einweihung in Kürze zum dauernden Wohl der Rezitierenden erläutert; sie gewährt höchste Frucht. Wer sie empfangen hat, pflege Japa mit Achtung, verbunden mit der Feueropferordnung, zur Verwirklichung seines geistigen Anliegens.
6.123 Wer als verständiger Mantraübender mit Hingabe nach dieser Kalasha-Ordnung mit einem oder mehreren Gefäßen die Weihe vollzieht, soll seine Wünsche hier und jenseits erreichen. Was wäre daran erstaunlich? Die Macht von Edelsteinen, Mantras und Pflanzen ist, so erklärt der Text, dem gewöhnlichen Denken nicht zugänglich.
Kolophon: Hier endet der 6. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
7. Paṭala
Orientierung: Lautverehrung, Prapancha-Yaga und Pranagnihotra.
7.1 Nun werde ich zur Stillung allen Leides die vorzügliche Verehrungsordnung der Herrin der Laute erläutern: Sie erhellt den Bestand aller Erkenntnis, beginnend mit dem hier genannten Ajapa. [Der genaue Anschluss des letzten Ausdrucks ist unsicher.]
7.2 Die Kundigen nennen Brahma als Seher, Gayatri als Versmaß und Sarasvati als Gottheit. Ihre sechs Glieder werden durch die ersten und letzten Vokalgruppen und die dazwischenliegenden Konsonantengruppen von ka an gebildet. [Die genaue Verteilung der kurzen und langen Vokale ist beschädigt.]
7.3 Ich verneige mich vor Bharati, deren Gesicht, Arme, Füße, Leib und Brust aus den fünfzig Lauten gebildet sind. Sie ist weiß wie Mond und Jasmin, trägt die Mondsichel im leuchtenden Haar, hat drei Augen und sitzt auf einem Lotus; ihre Hände halten Gebetskette, Gefäß und die bezeichneten Schreib- beziehungsweise Erkenntniszeichen. Heller Schmuck und volle Brust und Hüften zieren sie. [Ein Teil der Handattribute ist unsicher überliefert.]
7.4 Man setze die Laute der Reihe nach am Gesichtsumkreis, beiden Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähnen, Scheitel und Mund ein; dann an den Gelenken und Enden von Armen und Beinen, beiden Seiten, Rücken, Nabel und Bauch,
7.5 an Herz, Armansätzen, Nacken, Hals und Achselbereichen; die als durchdringend bezeichneten Laute vom Herzen zu Händen und Füßen sowie zu Bauch und Gesicht. [Einige Körperstellen der ersten Hälfte sind beschädigt.]
7.6 Nach Einweihung und Unterweisung durch den Guru vollziehe der gesammelt und rein gesinnte Übende diesen Nyasa hunderttausendmal und ebenso oft Japa. Abschließend opfere er reinen, mit den drei süßen Stoffen vermischten Sesam und verehre täglich die Herrin der Laute. [Die Zahl der Opfergaben ist hier nicht ausdrücklich angegeben.]
7.7 Der Lautlotus trägt im Fruchtboden den bezeichneten Raumlaut mit vierzehntem Vokal und Visarga, in den Staubfäden die Vokale und auf den Blättern acht Lautgruppen. Ein Erdquadrat mit den bezeichneten Lauten an Ecken und Richtungen umgibt ihn. Auf dem Haupt betrachtet, gilt er als Überwinder von Gift, Krankheit und Tod. [Die codierten Randlaute sind unsicher.]
7.8 Nachdem man so den Lotus als Sitz gestaltet hat, verehre man nach der angegebenen Ordnung. Darin verehre man den Lautleib der Göttin mit den neun Shaktis und ihren Umkreisen.
7.9 Medha, Prajna, Prabha, Vidya, Dhi, Dhriti, Smriti, Buddhi und Vidyeshvari heißen die neun Kräfte Bharatis.
7.10 Zuerst verehre man die Glieder, dann die acht Lautgruppen mit den paarweise zugeordneten Kalas, Brahmani und die übrigen Mütter sowie die Welthüter von Indra an. Mit vorzüglichen Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern und Speisen verehre der Laut-Rezitierende Bharati täglich, in Hingabe geneigt. [„Duftstoffe“ ist aus dem beschädigten Zusammenhang erschlossen.]
7.11 Brahmani, Maheshi, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani, Chamundi und Mahalakshmi heißen die Mütter.
7.12 Die Anteile der Konsonantengruppen, Vokale und der mit ya beginnenden Laute sollen der Reihe nach golden, silbern und kupferfarben sein. Das so hergestellte Schmuckstück beziehungsweise Diagramm soll dem Übenden alle Ziele gewähren. [Die Gegenstandsbezeichnung Ruchaka ist mehrdeutig.]
7.13 Der Verständige trinke morgens Wasser, über dem diese Vidya dreimal gesprochen wurde. Der Text verheißt, dass selbst ein in der Rede Unbeholfener binnen zwölf Monaten dichterische Kraft und großen Ruhm erlangt.
7.14 Auch Ghee, mit Milch und dem Saft der bezeichneten Pflanze gekocht und mit zehntausend Wiederholungen besprochen, wird als tägliche Gabe genannt, durch die man binnen eines Jahres zum Dichter werden soll. [Die Pflanze ist nicht sicher zu identifizieren.]
7.15 Man fülle ein Gefäß mit Wasser, das mit den Lautpflanzen bereitet wurde, bespreche es tausendmal und vollziehe damit einen Monat lang morgens die Weihe. Der Text verheißt dem Geweihten Einsicht, Wohlstand, Lebensdauer, Frieden und Dichterruhm; einer kinderlosen Frau verheißt er einen mit vielen Vorzügen ausgestatteten Sohn.
7.16 In die aus dem Shakti-Bindu der Grundlage aufsteigende Lichtgestalt, die den Mond am Scheitel aufnimmt, lasse der Mantrakundige die mit Feuer und Mond verbundenen Laute von ksha an in umgekehrter Folge eintreten. Der Text verheißt Befreiung von Krankheiten.
7.17 Wer Bharati durch Nyasa, Japa, Feueropfer und Meditation verehrt, soll bald Wohlstand und dichterische Fähigkeit erlangen sowie Gift, Alter, vorzeitigen Tod und Krankheit überwinden.
7.18 Die Kalas werden den aus Nada, a, u, m und Bindu hervorgehenden Lautgruppen von ka, ca, ta, pa, ya und den abschließenden Zischlauten zugeordnet. [Die genaue Zuordnung der einzelnen Gruppen ist in der Vorlage beschädigt.]
7.19 Mit diesen Kalas vollziehe der Mantraübende täglich den Körper-Nyasa. Diese Ordnung gilt auch als geeignet, die göttliche Gegenwart in Bildnissen, Kalashas und ähnlichen Trägern zu bewirken.
7.20 Bei der Entnahme von Mantras werden Laute durch solche Bezeichnungen ersetzt; Fachkundige verwenden dafür auch die mit Shrikantha beginnenden Namen.
7.21 Der Mantraübende vergegenwärtige Vishnu in der besonderen, beim Acht-Silben-Mantra beschriebenen Gestalt. In Hingabe geneigt, setze er zuvor die Laute zusammen mit den Keshava-Gestalten am eigenen Körper ein.
7.22 Ebenso setze der Kundige Rudra und die übrigen Gestalten mit ihren Shaktis ein; von ya an verbinde er die Laute mit Haut und den weiteren Körperstoffen. Beim Shrikantha-Nyasa können ihnen auch die zuvor genannten Bijas beigefügt werden.
7.23 Er betrachte Ardhanarishvara, dessen eine Hälfte wie Zinnober, die andere wie Gold leuchtet, mit dem Schmuck und den Kennzeichen von Parvati und Hara. Die Hände tragen Schlinge, Gebetskette und die Gesten der Furchtlosigkeit und Gabe. So vollziehe er Nyasa zur Verwirklichung seiner Anliegen.
7.24 Nyasa zur Förderung der Fülle wird mit Lauten beschrieben, denen das Shakti-Bija, Shakti und Shri zusammen oder Shakti, Shri und das Kama-Bija vorangestellt sind; auch die Verbindung mit den weiteren genannten Shri-, Shakti- und Pfeil-Bijas wird gelehrt.
7.25 Nun wird mit dieser fünffach gegliederten Ordnung Prapancha-Yaga erläutert. Durch seine Vollziehung sollen die besten Übenden die unvergängliche Stätte des Nirvana erreichen.
7.26 Zuerst vergegenwärtige man Mahaganapati in der seiner Ordnung entsprechenden Gestalt, mit Gliedern und Umkreisen. Gesammelt wiederhole man den Girlandenmantra zusammen mit dem Bija und dem vedischen Vers zur Verwirklichung des eigenen Anliegens.
7.27 Das Bija werde vierundvierzigmal, der vedische Vers einmal wiederholt; der Mantraübende vollziehe vier Durchgänge der mit dem Girlandenmantra beginnenden Ordnung.
7.28 Er setze Seher, Versmaß, Gottheit, Glieder und Matrika nach der zuvor beschriebenen Vorschrift dreimal ein; ebenso die sieben Planeten.
7.29 Am Gesicht, den beiden Armen, den beiden Beinen, am Bauch und an der Brust setze er der Reihe nach Sonne und die übrigen Herren der Vokal- und Konsonantengruppen ein.
7.30 Tara, Shakti, Ajapa, Paramatma-Bija und die Gemahlin des Feuers heißen die fünf Mantras. Mit ihnen und den entsprechend verbundenen Lauten wird das Prapancha-Yaga genannte, alle Ziele gewährende Feueropfer vollzogen. [Die nähere Lautbestimmung ist beschädigt.]
7.31 Brahma ist sein Seher; als Versmaß gilt die mit „Parama“ verbundene Gayatri. Seine Gottheit ist das höchste Licht, vollkommen und die wahre Wirklichkeit aller Dinge.
7.32 Die Gemahlin des Feuers bildet das Herz-Glied, So’ham das Kopf-Glied, die Haṃsa-Gestalt den Haarschopf, das Selbst den Schutzpanzer, Tara die Augen und die mit Hari und Hara bezeichnete Lautgestalt die Waffe. So wird die Gliederordnung erläutert.
7.33 Die ersten beiden Mantras beginnen hier mit a beziehungsweise ha und enden in Shanta. Weiter werden ha, a, Bindu und Visarga mit dem bezeichneten Laut genannt. [Die Codierung erlaubt hier keine sichere ausgeschriebene Gesamtformel.]
7.34 Mit sa verbunden heißt dies Atma-Mantra, der die sechs Sinne umfasst. Mit sa, au, ha und Bindu wird der folgende als fünfsilbig bezeichnete Mantra angegeben. [Eine der gezählten Lautkomponenten ist nicht eindeutig erkennbar.]
7.35 Mit dem inneren Instrument und dem Selbst verbunden heißt er Paramatma-Mantra. Die bezeichneten sva-Laute und das lange ha bilden den Mantra der Feuergemahlin; dieser fünfsilbige Mantra umfasst die mit der Stimme beginnenden Handlungsorgane.
7.36 Wegen seiner Größe heißt der Seher Brahma; das Wort „höchst“ hebt seine Vorzüglichkeit hervor. Weil sie den Singenden schützt, wird das Versmaß Gayatri genannt.
7.37 „Para“ bezeichnet das Andere beziehungsweise Überragende, „Jyotis“ das Licht. Was jedes bestimmte Licht übertrifft und im höchsten Maße darüber hinausgeht, wird daher als die Gottheit Paranjyotis bezeichnet.
7.38 „Sva“ wird als Himmel und als Selbst erklärt, „ha“ als Opfergabe und als Bewegung. Die bis Himmel und Selbst reichende Lichtkraft heißt Gemahlin des Feuers; in ihr wird alles geopfert.
7.39 „Sa“ bezeichnet das überall ausgebreitete höchste Licht; „aham“ das Ich, in dem sich dessen Geist zeigt; „tat“ die gesamte Erscheinung des Bewusstseinslichtes. So wird der Kopf-Mantra ausgelegt.
7.40 „Ham“ macht das Ich sichtbar, „sa“ das Erlöschen beziehungsweise Zur-Ruhe-Kommen aller Lichtentfaltung. Was unvergleichlich, weder heiß noch kalt ist, wird mit „tat“ bezeichnet. So wird das Haarschopf-Glied erläutert.
7.41 Nachdem die von den drei Gunas gebundene, von beweglichen und unbeweglichen Wesen erfüllte Welt durchdrungen ist, wird das in seinem eigenen Bindu gesammelte Selbst als Schutz der gesamten Welt betrachtet. Dies ist die Deutung des Schutzpanzer-Mantras. [Ein Wort über die verbindenden Eigenschaften ist beschädigt.]
7.42 Das Licht, das mit seinen drei ursprünglichen, bis zur Sonne reichenden Gliederungen unablässig die Erscheinung dieser Welt hervorbringt, nennen die Weisen die drei Augen dieses vorzüglichen Mantras.
7.43 Die hier herangezogene Wurzel bedeutet Wegnehmen. Die Lichtgestalt, die das Unerwünschte des Übenden beseitigt, bildet den Waffen-Mantra. [Die Wurzelbezeichnung ist beschädigt.]
7.44 Ohne den jeweils einzusetzenden Laut gilt diese Formel als achtsilbig. Dieser Acht-Silben-Mantra wird als Wurzel der ganzen Weltentfaltung betrachtet.
7.45 Der damit vollzogene Prapancha-Yaga gilt zugleich als Nyasa. Das Opfer wird zweifach ausgeführt: im Körper mit Lauten und im Feuer mit Opferstoffen.
7.46 Wie beim Matrika-Nyasa setze man täglich gesammelt die Laute zusammen mit dem Acht-Silben-Mantra ein, fünfzigmal nach der entsprechenden Folge.
7.47 Alle Laute gelten als mit den fünf Erkenntnissinnen verbunden. Durch sie wird der gesamte Bereich erschlossen, der dem jeweiligen Sinn zugänglich ist. [Das Verb der zweiten Hälfte ist beschädigt.]
7.48 Man vergegenwärtige sich das göttliche Licht, das alle Welten von innen durchdringt. In diesem stets überall gegenwärtigen Brahman-Feuer bringe man die Opfergabe dar.
7.49 Was gesammelte Brahman-Kenner mit Brahman als Mantra, Brahman als Opfergabe und Brahman als Feuer opfern, heißt Brahmarpana, Darbringung an Brahman.
7.50 So opfere der klar Gesinnte den vergänglichen, in Lauten gegliederten, aus Fleisch, Eingeweiden und Mark bestehenden Körper im reinen, überall gegenwärtigen Feuer des Unvergänglichen. Selbst zur Lichtgestalt geworden, vollziehe er Mantra-Japa, Verehrung, Meditation und Darbringung.
7.51 Reine Laute, Laute mit Bindu, mit Kalas, mit Keshava- und Shrikantha-Gestalten sowie mit Shakti, Lakshmi und Kama ergeben die verschiedenen Nyasas bis zum Brahman-Opfer. Zehn Formen werden unterschieden, alle gleich Wunschbäumen für die Verwirklichung der Übung. [Die genaue Gliederung der zehn ergibt sich aus den beschriebenen Einzelkombinationen.]
7.52 Prapancha-Yaga soll insbesondere die vielfältigen Bedrängnisse des Samsara beseitigen. Wer es beständig pflegt, dem erschließt es nach dieser Lehre ohne Mühe die höchste Wirklichkeit.
7.53 Nun erläutere ich die Stoffe dieses Opfers, ihre Beschaffenheit, die Anlässe seiner Ausführung und die dadurch verheißenen Ergebnisse.
7.54 Nach den vorgeschriebenen Gaben für Ganesha und die weiteren Gottheiten bringe der Mantrakundige einen vollständigen Durchgang des Prapancha-Yaga mit Ghee dar.
7.55 Als acht Opferstoffe sind Holz von Ashvattha, Udumbara, Plaksha und Nyagrodha sowie Sesam, Senf, Milchspeise und Ghee angegeben.
7.56 Wer mit diesen Stoffen die als Laksha plus Niyuta bezeichnete Zahl von Gaben oder deren Hälfte beziehungsweise Viertel darbringt, soll die gewünschten diesseitigen Vollendungen und danach das höchste Ziel erreichen. [Die Zahlbezeichnung Niyuta wird hier ohne unbelegte Zahlenfestlegung bewahrt.]
7.57 Bei schwerer Bedrängnis, die der Text mit kleinen Geistwesen, Besessenheit, Feinden, Wechselfieber, Bhutas, Yakshas, Rakshasas oder Pishachas verbindet, wähle man je nach Zustand hundert, zweihundert, dreihundert oder vierhundert Durchgänge.
7.58 Oder es werden zwölftausend, doppelt so viele oder viermal so viele Gaben bei solchen Bedrängnissen genannt.
7.59 Entsteht durch unzutreffend verstandene Mantrarezitation Verwirrung oder Gedächtnisverlust, soll der Kundige dies nach der Textvorschrift durch tausend Durchgänge mit denselben Stoffen beruhigen.
7.60 Wer nach der Ordnung zweitausend Durchgänge damit opfert, soll Vergesslichkeit, als Apasmara bezeichnete Zustände und als Fluchfolgen verstandene Störungen überwinden.
7.61 Wer hunderttausendmal mit diesen, von den drei süßen Stoffen benetzten Gaben opfert, soll so großen Reichtum gewinnen, dass ihm selbst der Glanz des Götterherrn wie ein Grashalm erscheint.
7.62 Mit denselben süß vermischten Stoffen werden hunderttausend oder fünfzigtausend Gaben genannt; innerhalb von drei Jahren soll dadurch die ganze Dreiwelt in den eigenen Einfluss gelangen. [Historische Wirkungsverheißung eines Beeinflussungsrituals.]
7.63 Wer Beeinflussung und ähnliche Handlungen anstrebt, soll die Zahl der Gaben mit denselben Stoffen nach der Schwere oder Leichtigkeit des Vorhabens bemessen. [Diese historische Anweisung wird nicht als heutige Praxis empfohlen.]
7.64 Hunderttausend Gaben von Sesam beziehungsweise Gerste werden zur Befriedung, ebenso viele Lotusse für Wohlstand genannt; Milchspeise für Gedeihen, Ghee für Ruhm und Jati-Blüten sowie Salz zur Beeinflussung.
7.65 Der Text beschreibt für die Beeinflussung eines Mannes oder einer Frau eine aus Reismehl und süßen Stoffen gebildete Ersatzgestalt, rituelle Lebensübertragung und Opferung nach der Nyasa-Folge während sieben Nächten; daneben nennt er Salz als Variante. Die Zahl einhundertacht gehört zur beschriebenen Handlung. [Der Bezug dieser Zahl ist syntaktisch unsicher.]
7.66 Mit Ghee aus Panchagavya, das mit den fünfzig Pflanzen bereitet wurde, opfere man hundert Durchgänge im Gefäßfeuer. Nach ebenso viel Japa und Verehrung nehme man die Asche auf, der der Text umfassendes Gedeihen zuschreibt.
7.67 Er nennt tägliches Auftragen, eine kleine Einnahme, ein Stirnzeichen und Bestreuung des Hauptes mit dieser Asche. Dadurch verheißt er Freiheit von Verfehlung, Apasmara, Geistbedrängnis, vorzeitigem Tod und Gift sowie Beliebtheit. [Dies dokumentiert die historische Anwendung und ist keine Einnahmeempfehlung.]
7.68 Als Gabe an den Guru werden in drei Abstufungen elfeinhalb, fünfeinhalb beziehungsweise zweieinhalb Einheiten guten Goldes genannt, im Zusammenhang mit dem tausendfachen Opfer. [Der genaue Bezug der Abstufungen ist in der Vorlage nicht vollständig eindeutig.]
7.69 Wie die Himmlischen von einem Wunschbaum alles Ersehnte erhalten, so sollen den Übenden durch Prapancha-Yaga alle gewünschten Güter unmittelbar zugänglich werden.
7.70 Nun werde ich zum Wohl der Wissenden die Vorschrift des Pranagnihotra erläutern. Der Mantraübende nehme den Lotussitz ein und sitze mit aufrechtem Körper nach Osten gewandt.
7.71 Unterhalb des Nabels vergegenwärtige der Yogi Muladhara als ebenmäßige Grundlage: in der Mitte mit Sattva verbunden, von Maya und Rajas umgeben, mit den bezeichneten Ecken und fünf leuchtenden Feuergruben in Mitte und Richtungen. [Die Eckenbeschreibung ist in der Vorlage teilweise beschädigt.]
7.72 Die Feuerstätten in Mitte, Osten, Westen, Norden und Süden heißen der Reihe nach Avasathya, Sabhya, Ahavaniya, Anvaharya und Garhapatya.
7.73 Aus dem bewusstseinsgestaltigen Ursprung, der alle Lichtkräfte hervorbringt und Urnatur ist, lasse man die nektarhafte Lautgirlande in umgekehrter Folge hervorströmen. Geistig von klarem Licht berührt, opfere man sie Laut für Laut in diesen Gruben, deren Inneres wie das Weltauflösungsfeuer flammt.
7.74 Die sieben von ksha an rückläufig betrachteten Lautgruppen werden mit Edelsteinfarben wie Smaragd, Gomeda, Saphir, Koralle, Diamant, Pushya und Vaidurya verbunden. Die durchdringenden und Berührungslaute leuchten in fünf Farben und verströmen Nektar; die beiden Achtergruppen der Vokale gleichen Perlen und Rubinen. [Ein Edelsteinname ist beschädigt.]
7.75 Diese neun Edelsteine werden der Reihe nach Ketu, dem Feind des Mondes, Saturn, Mars, Venus, Jupiter, Merkur, Mond und Sonne zugeordnet.
7.76 Die Mantraübenden, die diese Opferordnung täglich am Morgen richtig vollziehen, sollen mit Edelsteinen, Gold, Gewändern und Getreide versehen und bei allen Menschen beliebt werden. [Die Mengenangabe des zweiten Viertels ist unklar.]
7.77 In das Avasathya- und das Sabhya-Feuer werden die durch den letzten Zischlaut, das linke Ohr, die dunkle Farbe, den vierten Laut der pa-Gruppe und weitere Chiffren bezeichneten Lautkräfte geopfert. [Die vollständige codierte Verteilung ist beschädigt.]
7.78 Im westlichen Feuer werden die mit ha und la verbundenen dritten Gruppenlaute samt den bezeichneten höchsten und stillen Kräften dargebracht; im linken Feuer die durch Bhrigu, r, pha, Sadya, Tithi und Auge bezeichneten Gruppen. [Die technische Lautfolge bleibt unsicher.]
7.79 Mark, Haut, die Gruppenanfänge und die mit den Elementen und Pratishtha verbundenen Lautkräfte werden im Garhapatya geopfert. So wird das Lautopfer beschrieben. [Ein Zuordnungsname ist beschädigt.]
7.80 Wer im mittleren Feuer durch Raum alles Hörbare opfert, im östlichen durch Luft das Berührbare, im westlichen durch Feuer das Sichtbare, im nördlichen durch Wasser den Geschmack und im südlichen durch Erde den Geruch, begleitet von den entsprechend leuchtenden Lauten, dessen inneres Selbst wird durch das Durcharbeiten alles Erkennbaren offenbar.
7.81 Nachdem der Übende so fünfzig Opferungen mit den von Tara und Shakti beginnenden, bei Ajapa endenden Formeln vollzogen und ebenso viele Einsetzungen ausgeführt hat, wird seine Gestalt wie ein feiner Faden; er gewinnt den beständigen inneren Leib.
7.82 In ihm, dessen Ursprung wie die Weltaltersonne und dessen Inneres wie das Weltalterfeuer leuchtet, erscheinen Mond, Sonne, Planeten, Zeit, Elemente, Welten und Brahma, Shiva und Vishnu. Er ist unoffenbar, unvergänglich genannt, nektarhaft, vom Glanz der beiden Lichtkräfte erhellt, aus ewiger Wonne bestehend, ohne Anfang und Ende: Sein Wesen ist Hamsa.
7.83 Für die Mantrakundigen, die diese Ordnung täglich beim Essen pflegen, werden Prana und die übrigen Lebenswinde zu den Opferstätten Garhapatya und den weiteren Feuern.
7.84 Man nenne die Feuergruben und die Lebenswinde im Lokativ und verbinde sie mit den Farben beziehungsweise Zungen Hiranya, Gagana, Rakta und Krishna,
7.85 sowie Suprabha, mit den Worten „die reinen, läuternden Feuer“. So richte man das Feuer ein und verehre das eigene Selbst.
7.86 Dann spreche man von den Bewegungen nach oben, unten, seitwärts und gleichmäßig, füge „es möge gehen“ und die als zweimal ṭha bezeichnete Endung hinzu und vergegenwärtige sich die fünf Feuer.
7.87 Sie leuchten mit Flammen, die von den einzelnen Opfergaben entfacht werden. Man verehre erneut Garhapatya und die übrigen Feuer bis zum letzten,
7.88 durchlaufe den ganzen Mantra, vergegenwärtige die Zungen vollständig und betrachte besonders Bahurupa mit den Flammen der fünf Feuer.
7.89 „Als Vaishvanara bringe ich die vier Arten der Nahrung dar und verdaue sie auf diese Weise.“ In diesem Bewusstsein esse man mit beherrschten Sinnen, bis die angemessene Sättigung erreicht ist.
7.90 Nachdem man schweigend geopfert hat, schließe man mit Wasser ab und vollziehe die vorgeschriebene Reinigung durch Wasserberührung. Dann vergegenwärtige man sich den eigenen Körper vom Muladhara bis zum Scheitel.
7.91 Man betrachte das ursprüngliche, Kshetrajna genannte Selbst in Prakriti: das Eine, Unendliche, das die vierzehn Welten durchdringt, durch die reinen Speisegaben an die fünf Feuerzungen erfreut und durch begriffliches Denken nicht zu fassen ist. [Das Wort für „erfreut“ ist beschädigt überliefert.]
7.92 Man betrachte die Nahrung als Opfergabe, benetzt vom Nektarwasser der fünfzig Laute, bespreche sie damit und belebe die fünf inneren Feuer. Wer morgens und abends auf diese Weise isst und Pranagnihotra pflegt, soll nach der Verheißung des Textes nicht erneut in einen Mutterschoß eingehen.
7.93 Dieser dein Leib, Brahma, wird als die Lautgirlande beschrieben, welche alle Erscheinungen einschließlich der Veden, ihrer sechs Hilfswissenschaften und der Shastras umfasst und hier Schöpfung, Erhaltung und Auflösung des Alls bewirkt.
7.94 Darum setzt diese mit der Welt verbundene Lautgirlande im Nyasa ein, wiederholt sie, opfert und verehrt sie mit Hingabe: zur Erlangung unvergleichlicher dichterischer Kraft, langen Lebens, Ruhmes, Schönheit und Fülle, zur Beseitigung von Unheil und Krankheit und zur Befreiung.
7.95 So wurde die auf die ganze Welt wirkende Lautgirlande beschrieben, in vorwärts und rückwärts fortschreitenden Verbindungen. Von dem jeweiligen Mantra umschlossen, dient diese Laut-Gebetskette der Verwirklichung des geistigen Anliegens.
Kolophon: Hier endet der 7. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
8. Paṭala
Orientierung: Tripura-Vidya und Verehrung der Sprachgöttin.
8.1 Nun lehre ich die besondere, schwer zu erlangende Vidya namens Tripura. Als eine Entfaltung der Weltenmutter erscheint sie in dieser Welt in dreißig Formen und wird von den Göttern verehrt. [Eine Wendung im ersten Halbvers ist beschädigt.]
8.2 Weil die Göttin vor der Entstehung der Trimurti da war, das Wesen des dreifachen Veda ist und bei der Auflösung auch die drei Welten erfüllt, wird Ambika vornehmlich Tripura genannt.
8.3 Das erste Bīja wird durch die Chiffren Raum, Mond, Feuer und unteren Bindu bezeichnet; das zweite durch weitere Lautchiffren samt Ramā und Halbmond, das dritte wiederum durch Himmel, Mond und Feuer. Aus diesen drei Keimsilben besteht die Tripurā-Vidyā. [Die chiffrierte Buchstabenfolge ist in der Vorlage beschädigt; daraus wird hier kein rezitierbarer Mantra ergänzt.]
8.4 Weil es außerordentliche Herrschaft über die Rede verleiht, heißt das erste Bīja Vāgbhava, »Ursprung der Rede«. Kāmarāja soll die drei Welten erschüttern, anziehen und unter Einfluss bringen. Das Śakti-Bīja gilt als giftabwendend und dichterische Kraft weckend. Dieser Mantra wird als Spender von Dharma, Wohlstand, Glück und Befreiung gelehrt.
8.5 Die drei Bījas lege man der Reihe nach vom Nabel bis zu den Füßen, vom Herzen bis zum Nabel und vom Scheitel bis zum Herzen nieder. Dann lege man das erste in die linke Handfläche, das zweite in die rechte und das dritte in beide.
8.6 Weiter vollziehe man Nyāsa am Scheitel, am Geschlechtsbereich und Herzen, an den drei Augen, beiden Ohren und am Mund, an beiden Schultern, am Rücken, an den Ellbogen und am Nabelkreis.
8.7 Mit dem Vāgbhava-Bīja lege man die Laute nach dem schon beschriebenen Verfahren auf die Finger. Nachdem man damit die sechs Glieder eingesetzt hat, versenke man sich mit klarem Geist in die Gottheit.
8.8 Ich verneige mich vor der Göttin: Sie strahlt wie zehntausend kupferrote Sonnen, trägt die Mondsichel und besitzt drei Augen; ihr Antlitz gleicht dem Vollmond. Ihre Hände halten Gebetskette und Buch und gewähren Furchtlosigkeit und Erfüllung. Ihre Brüste sind voll und hoch, ihre schmale Mitte ist von Hautfalten geziert. Eine blutige Girlande abgeschlagener Köpfe schmückt ihren Leib; Gewand und Salbung sind tiefrot. [Ein Ausdruck der Kopfschmuckbeschreibung ist beschädigt.]
8.9 Man empfange die Einweihung von einem Lehrer guter Überlieferung, der die erforderlichen Eigenschaften besitzt, und erhalte diesen Mantra. Beherrscht wiederhole man ihn bis zur als halbe Tattva-Zahl von Lakshas bezeichneten Anzahl. In gut entfachtem Feuer bringe man mit süßen Stoffen bestrichene frische Palāśa-Blüten dar, in der als zwölf Tausend bezeichneten Zahl; auch Aśvāri-Blüten werden genannt.
8.10 Durch Atemregelung reinige der Mantrin seinen Leib und verehre freudigen Herzens mit den Opfergaben die göttliche Gestalt in der Yoni seines inneren Grundzentrums. Er bilde die Yoni-Mudrā und vergegenwärtige die leuchtende Kraft zwischen After und Geschlecht. Danach beginne er die äußere Verehrung mit reinen, rot leuchtenden Materialien.
8.11 Nachdem er den Sitz zusammen mit Vāmā und den übrigen Śaktis verehrt hat, errichte er darauf vorschriftsmäßig das Rad der neun Yonis. In dessen mittleres Dreieck stelle er das Gefäß, rufe dort die erhabene Göttin herbei und verehre sie in der angegebenen Folge.
8.12 Das Rad der neun Yonis wird durch die Verbindung zweier Feuerfiguren mit der mittleren, Indra zugeordneten Yoni beschrieben; seine Ecken sind Feuer, Varuṇa und Īśa zugeordnet. Die Weisen haben dieses in der Welt schwer zu erlangende Rad von alters her zur Verehrung der Göttin bestimmt. [Die knappe geometrische Anweisung erlaubt aus dieser Lesart keine sichere Zeichnung.]
8.13 Die Śaktis heißen Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrikā, Ambikā, Icchā, Jñānā, Kriyā, Kubjikā, Bahvī, Viṣaghnī, Dūtarī und Sarvānandakā. [Die letzten Namen sind nach der vorliegenden, teilweise unsicheren Lesart wiedergegeben.]
8.14 Zwischen der östlichen und der mittleren Yoni verehre man zunächst die Reihe der Lehrerfüße. Auch die als Parā, Aparā und Parāparā bezeichneten Kräfte seien dort, beginnend mit Vāgbhava, verehrt.
8.15 Mit demselben Mantra verehre man die Glieder in den Zwischenrichtungen und Hauptrichtungen nach der gelehrten Reihenfolge. Rings um die mittlere Yoni verehre man die Pfeile; den fünften stelle man an die Vorderseite.
8.16 Die hier genannten Kräfte sind Subhagā, Bhagā, Bhagasarpiṇī, Bhagamālinī, Anaṅgā, Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā und Anaṅgamadanā.
8.17 In den Yonis verehre man die Gruppe der Mütter samt Caṇḍikā, auf den inneren Blütenblättern die mit Asitāṅga beginnenden Bhairavas. Zusammen mit ihnen verehre man die Göttin mit Wohlgerüchen, schönen Blumen, Räucherwerk, Lichtern und vorzüglichen Speisegaben.
8.18 Die acht Bhairavas heißen Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmatta, Kapālin, Bhīṣaṇa und Saṃhāra.
8.19 Nach dem in dieser Reihenfolge empfangenen Weihebad erfreue man den Lehrer durch Gaben. Man wiederhole den Mantra, verehre und opfere nach der Lehre und übe die vom Lehrer unterwiesenen Formen des Yoga.
8.20 Wer in heller Erscheinung und reiner Kleidung in einem aus Erde errichteten Raum das Vāgbhava-Bīja hunderttausendmal wiederholt, danach ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer vollzieht und die mantra-geweihten Salbungen und übrigen Mittel anwendet, soll nach dem Text die drei Welten mit Gedichten vielfältiger Bedeutungen und Versmaße erfüllen. Ferner verheißt der Vers ihm die beständige Zuwendung von Frauen, die von Liebesverlangen bewegt sind.
8.21 Rot geschmückt, in tiefrotem Gewand und mit roter Salbung, schweigend und bequem in einem Erdraum sitzend, wiederhole der Mantrin das Bīja des Liebesgottes hunderttausendmal. Nach dem vorgeschriebenen Feueropfer werde er, so die Verheißung, von Göttern und Menschen geehrt und aufgesucht.
8.22 Die Frauen der Götter, Asuras, Siddhas, Yakṣas, Vidyādharas, Gandharvas, Schlangenwesen und Cāraṇas erscheinen in dieser Wirkungsbeschreibung von heftigem Verlangen ergriffen: Ihr Schmuck gerät durcheinander, ihre Gewänder und Haare lösen sich.
8.23 Vom kaum erträglichen Schmerz des Liebesgottes und innerer Hitze zittern ihre Glieder; Schweißtropfen liegen wie Perlen an ihren Brüsten und Achseln.
8.24 Ihre schlanken Körper sind von aufgerichteten Härchen bedeckt; ihre vollen, hohen Brüste bedrängen sie. Von Erwartung, starkem Zittern und Erschöpfung bewegt, kommen sie mit unsicherem Schritt heran.
8.25 Von den Pfeilen des Liebesgottes getroffen, sind sie in das Meer der Leidenschaft versunken; ihr Atem bewegt die Lippen, ihre Augen sind von Tränen erfüllt.
8.26 Mit rehgleichen Augen und über dem Haupt zusammengelegten Händen verneigen sie sich, sobald sein Blick sie trifft, bereit, seine Wünsche zu erfüllen. [Die Verse 8.22–26 gehören zur historischen Verheißung magischer Anziehung; sie formulieren kein heutiges Ideal freier Beziehung.]
8.27 Ebenso wiederhole der beherrschte Übende in einem Erdraum den anderen Mantra hunderttausendmal, mit weißen Blumen, Gewändern, Schmuck und Salbungen versehen. Unaufhörlich soll dann Bhāratī in mannigfaltigen Wortfolgen aus seinem Mund hervortreten; auch die Welt werde seinem Einfluss zugänglich.
8.28 Wer zehntausend Opfergaben aus Palāśa-Blüten, benetzt mit den drei süßen Stoffen, darbringt, soll bald zur Wohnstätte Sarasvatīs sowie des Glücks und der Fülle werden.
8.29 Ein Feueropfer mit geeigneten Hölzern der genannten Rājī-, Karañja-, Śamī- und Vaṭa-Pflanzen sowie Bilva-Blüten, verbunden mit den drei süßen Stoffen, gilt als Mittel, Könige, Frauen und Männer geneigt zu machen. [Die Verbindung des ersten Pflanzennamens ist nicht eindeutig.]
8.30 Ein Opfer mit Mālatī- und Vakula-Blüten, die in kräftiges Sandelwasser getaucht wurden, sowie mit den Śrīkarī genannten Blüten gilt als Fülle und dichterische Kraft spendend.
8.31 Der Text beschreibt ferner eine Einflussnahme, bei der der Name der betreffenden Person zwischen die vorwärts und rückwärts angeordneten Mantrateile gesetzt und ein Opfer mit Senfsamen und Salz verbunden wird. Als Ziel nennt er die Unterwerfung von Männern, Frauen und Herrschern.
8.32 Ein Feueropfer mit Bilva-Früchten und den drei süßen Stoffen soll die Menschen erfreuen und dem Übenden Gedeihen bringen; täglich vollzogen, gilt es als besonders wohlstandsfördernd.
8.33 Mit Stücken der Sudhā-Ranke und den drei süßen Stoffen opfere der beherrschte Mantrin zur Beruhigung aller Bedrängnisse und zur Abwendung von Alter und vorzeitigem Tod.
8.34 Für das Erlangen von Fülle werden täglich dargebrachte, mit süßen Stoffen benetzte Blüten genannt: geöffnete Bilva-Blüten und junge Blätter, die erwähnten Vārāhī-Blüten, frische Bandhujīva-Blüten, rote Lotusse, Utpala und Kairava, Nandyāvarta und Kunda, Blüten des Königsbaums sowie Pāṭalī und Nāga; auch Ghee und Milchreis werden genannt.
8.35 Man meditiere auf das blitzgleiche Licht, das aus dem Mūlādhāra aufleuchtet und von der Feuerfigur umschlossen wird. Vom Mond in der Mitte der Sonne strömt eine aus Mantra bestehende Nektarflut und erfüllt die ganzen drei Welten. Indem der Mantrin sich mit dieser Wirklichkeit identifiziert, soll er von Entstellung, Verfehlung, Alter, Krankheit und Armut frei werden.
8.36 Zur Stillung des Leidens meditiere er auf das Vāgbhava-Bīja im Grundzentrum, umgeben von zwei Feuerfiguren, leuchtend wie die aufgehende Sonne und umkränzt von den Vokalen. Aus seinem eigenen Mund strömt ununterbrochen Rede, und das Bīja ist von ausgebreiteten Strahlen umhüllt.
8.37 Im Sonnenkreis des Herzlotus, innerhalb der Yoni, meditiere man auf das Bīja des Liebeskönigs, hell wie die Mittagssonne und umgeben von den mit Ka beginnenden und Bha endenden Lauten. Es wird als das ganze Weltall erschütternd beschrieben; es schenke eine Fülle, vor der königlicher Reichtum gering erscheint, und erfreue die Welt.
8.38 Auf das letzte Bīja meditiere man in der Yoni innerhalb der Mondscheibe, zwölf Maße über dem Scheitel: weiß strahlend, von den durchdringenden Lauten umgeben und auf Ma ruhend. Von der klaren Nektarflut Sarasvatīs umspült, werde der Mantrin zum Schöpfer erhabener Dichtung; Gift, vorzeitiger Tod, Besessenheit, Unheil und Störungen würden abgewehrt.
8.39 Man stelle sich die Göttin als um die Yoni kreisende Kuṇḍalinī vor, aus deren eigenem Glanz roter Nektar fließt und den ganzen Raum erfüllt. Wer die betreffenden Personen in diesen Raum hineinversetzt, soll nach der historischen Wirkungsbehauptung Frauen und Männer rasch seinem Einfluss unterwerfen können.
8.40 Oder man vergegenwärtige im Geschlechtszentrum das Bīja des Liebesgottes, rot wie die Japā-Blüte und roten Nektar ausströmend. Das gedankliche Hineinversetzen der Zielperson wird auch hier als Mittel magischer Anziehung beschrieben.
8.41 Das letzte Bīja denke man im Herzlotus weiß wie Mond und Kunda-Blüte. Daraus erscheint die Göttin mit Buch und Gebetskette. Aus ihrem Mund treten alle Buchstaben hervor und strömen durch den eigenen Mund als vielfältige poetische Ausdrucksweisen hinaus. So werde man, frei von Vernichtungsfurcht, ein Liebling der Rede.
8.42 Damit ist die Tripurā genannte Vidyā in Kürze gelehrt: ihre Wiederholung, ihr Feueropfer, ihre geregelte Verehrung und ihre Meditation. Sie dient dem Gedeihen, dem Erlangen von Redegewandtheit und Fülle und dem Wohl der Welt.
8.43 Wer täglich die Herrin der Erkenntnis als Tripurā verehrt und ihren Mantra wiederholt, aus dessen Mund soll beständig eine Rede hervorströmen, die neue Bedeutungen klar erschließt. Fülle und ausgebreiteter Ruhm werden ihm verheißen; schließlich erlange er den von allen Weisen ersehnten Zustand.
8.44 Nun wird ein zehnsilbiger Mantra durch eine verschlüsselte Anordnung von Lauten und zwei Mondzeichen beschrieben. Als Seher wird Kaṇva, als Versmaß Virāj und als Gottheit Vāc genannt. [Die Buchstabenanweisung ist in der Vorlage beschädigt und wird nicht zu einem Mantra ergänzt.]
8.45 Die Laute lege man auf Kopf, Ohren, Augen, Nase, Mund, Geschlechtsöffnung und After. Mit den von Vokalen eingerahmten Konsonanten vollziehe der Mantrin der Reihe nach die sechs Glieder-Nyāsas.
8.46 Möge Bhāratī eure Furcht vor dem Daseinskreislauf brechen: Sie sitzt auf einem reinen Lotus, hält Schreibstift und Buch in ihren beiden Lotushänden, ist weiß wie Kunda und Mandāra und trägt eine Krone, die durch das darin ruhende Mondstück erstrahlt.
8.47 Nach einer Wiederholung von hunderttausend je Mantrasilbe bringe der in sich gesammelte Übende zehntausend Opfer dar: weiße, mit Milch benetzte Lotusse oder reine Sesamsamen, verbunden mit den drei süßen Stoffen.
8.48 Nach dem bei der Mātṛkā gelehrten Verfahren versehe man den Buchstabenlotus wie zuvor mit den Śaktis. Mit den Worten des Sitz-Mantras verehre man die große Göttin und danach zunächst mit den Glieder-Mantras.
8.49 Der Reihe nach verehre man Yogā, Satyā, Vimalā, Jñānā, Buddhi, Smṛti, Medhā und Prajñā, ferner die Mütter und die Weltenhüter.
8.50 Wer auf diese Weise den Mantra zur Wirksamkeit gebracht hat und vom Verlangen Abstand hält, werde bald ein geisteskräftiger Dichter. Der Wiederholung und dem Feueropfer ergeben, betrachte er jede Frau achtungsvoll als Herrin der Rede.
8.51 Mit Nyāsa und geschärftem Geist wiederhole man den Mantra täglich zu Beginn des Tages tausendmal und trinke das damit geweihte Wasser. Innerhalb eines Jahres werde nach dem Text die gewünschte Vollkommenheit der Rede ohne weitere Mühe erlangt.
8.52 Im Wasser bis zur Höhe des Herzens stehend, stelle man die Herrin der Rede in der Sonnenscheibe vor und wiederhole den Mantra dreitausendmal. Noch innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums werde reiche dichterische Fähigkeit verheißen.
8.53 Ein Feueropfer mit Palāśa- und Bilva-Blüten sowie geeigneten Hölzern dieser Bäume, verbunden mit süßen Stoffen, gilt als Spender von Dichtkunst, Glück, reicher Fülle und dauerhafter Zuneigung.
8.54 Wer mit vier Finger breiten beziehungsweise langen Holzstücken und Blüten opfert, die von den drei süßen Stoffen benetzt sind, erlange die Entfaltung des Geistes und werde bald zu den führenden Dichtern gerechnet.
8.55 Wer Nägel, Zähne, Hände und Füße rein hält, frohen Sinnes ist und schweigt, wenn es darum geht, andere herabzusetzen, wer den Füßen Haris, Haras und des Lotusgeborenen ergeben ist, wird auf lange Zeit zur Wohnstätte Sarasvatīs.
8.56 Es folgt ein weiterer, elf Laute umfassender Mantra, beschrieben durch Praṇava am Anfang und Ende, Śakti in der Mitte sowie Vāc und Sarasvatī; er endet mit der Verneigung. Er wird als Wunschbaum für seine Verehrer bezeichnet. [Die genaue chiffrierte Silbenfolge ist aus dem beschädigten Text nicht zuverlässig herzustellen.]
8.57 Die Mantralaute lege man am oberen Ende der Suṣumnā, zwischen den Brauen und an den neun Körperöffnungen nieder; anschließend vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder-Nyāsas.
8.58 Möge Bhāratī euch das Erwünschte schenken: Auf einem Schwan reitend, weiß wie Haras Lächeln, eine Perlenkette, der Mond und die Kunda-Blüte, mit sanft lächelndem Gesicht und der Mondsichel im Haar. Ihre Hände strahlen mit Buch, Vīṇā, Nektargefäß und Gebetskette; sie ruht auf einem weißen Lotus.
8.59 Mit beherrschten Sinnen wiederhole der Mantrin diesen Mantra zwölf Lakshas, also 1.200.000-mal. Danach bringe er zwölftausend Opfer mit weißen Lotussen, Nāga- und Campaka-Blüten dar.
8.60 Bei der Verehrung stelle man zu beiden Seiten der Göttin die Sanskrit-Rede und die Prakrit-Rede auf, beide als reine Verkörperungen der Sprache. Danach verehre man die Glieder und die Śaktis.
8.61 Prajñā, Medhā, Śruti, Śakti, Smṛti, Vāgīśī, Sumati und Svasti werden der Reihe nach verehrt, anschließend die Mütter und die Herren der Himmelsrichtungen.
8.62 So ist die Ordnung von Feueropfer, Wiederholung und Verehrung der Herrin der Rede dargelegt. Wer ihr täglich dient, wird nach dem Text von allen Verfehlungen frei und von Einsicht, Fülle und Ruhm begleitet. Er erlangt höchste Hingabe und freut sich in beiden Welten.
8.63 Der kundige Mantrin verehre auf diese Weise die verschiedenen Gestalten der Mātṛkā und die drei Mantras. Um die Gnade der Göttin der Rede zu empfangen, spreche er täglich auch den folgenden Lobpreis.
Lobpreis der Herrin der Sprache
8.64 Du, die im makellosen Lotus wohnt und dem Geist Reinheit schenkt, Liebliche von schöner Gestalt und edlem Wesen: Stets verneige ich mich vor deinem Lotusfuß.
8.65 Du allein bist jene, die in der Welt als Tochter des Berges, Durga, Kamala und Tripura unterschieden wird. Herrin der Sprache, sei mir mit deinem ganzen Wesen gnädig!
8.66 Selbst ein Zweimalgeborener, der sich nicht vor deinen Lotusfüßen verneigt, bleibt nach diesem Lobpreis wie einer ohne verständige Rede. Wer dir hingegeben ist, Göttin, erlangt dagegen umfassendes Wissen. [Die Bezeichnung in der ersten Hälfte ist beschädigt.]
8.67 Durch die Macht deines Lichtes, das aus der Öffnung des Muladhara aufsteigt und einem Lotusfaden gleicht, tragen Gesicht, Hände, Füße und die übrigen Glieder die Gruppen der Laute. Sei mir gnädig!
8.68 Du, deren Leib die Laute sind, von unsterblicher Schönheit, von den großen Yogis unermüdlich gesucht und jenseits begrifflicher Bestimmung: Göttin, schenke mir die Kraft, dich zu preisen!
8.69 Die Edelsteine an den Kronen der Götter und Asuras erhellen deine beiden Lotusfüße. Du, deren Wesen alle Agamas sind, Herrin des Alls: Sei in mir gegenwärtig!
8.70 Du hältst Buch und Gebetskette in den Händen; deine schönen Arme zeigen die Gesten der Gabe und der Furchtlosigkeit. Dein Leib ist rein wie Kampfer. Herrin der Sprache, reinige bald meinen Geist!
8.71 In feines Leinen gekleidet, mit Perlen und Edelsteinen geschmückt, Wohnstätte der Freude, deren Mondgesicht vom Mondlicht des Lächelns erblüht: Mutter, sei mir gnädig!
8.72 Du bist Wissen selbst und vernichtest Unwissenheit; du leuchtest den Kennern des inneren Selbst. Von den ursprünglichen Weisen in Prosa und Versen gepriesen: Sei mir gnädig!
8.73 Dreigesichtige, Verkörperung der drei Veden, Tripura, deren Füße von den Göttern verehrt werden, deren Gesicht mit drei Augen strahlt, ursprüngliches Wesen der Trimurti: Sei mir gnädig!
8.74 Du bist das Wesen der Veden. Etymologie, Himmelskunde, Grammatik, Rituallehre, Lautlehre und Versmaß bilden deine sechs Glieder. Sei mir gnädig!
8.75 Diejenigen, deren Geist durch das Verweilen an deinen Lotusfüßen erhoben ist, werden von Makeln nicht befleckt. Erhabene, höchste Herrin, sei mir, der ich dir hingegeben bin, gnädig! [Das Satzende der Vorlage ist unvollständig gefügt.]
8.26 (zweite Nennung, nach 8.75) Du, deren Wesen Erkenntnis ist, die auf der schönen Bühne der Herzenslotusse der Weisen tanzt: Erhabene, Spenderin des Guten, gewähre mir Hingabe, die das Werden und Vergehen durchbricht! [Originalnummer: 8.26, zweite Nennung nach 8.75.]
8.77 Wer diesen Lobpreis der Herrin der Sprache bei Japa, Verehrung und Feueropfer wiederholt, dessen geistige Regungen werden rein. Beim Ende des Körpers erreicht er die ewig reine Stätte.
Kolophon: Hier endet der 8. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
9. Paṭala
Orientierung: Mantra der ursprünglichen Shakti.
9.1 Nun werde ich den Mantra der Prakṛti, die das Wurzelwesen der gesamten Erscheinungswelt ist, ordnungsgemäß darlegen: mit seinen Gliedern, Feueropfer, Weihebad, Wiederholung und Verehrung, zur Verwirklichung aller Ziele.
9.2 Durch die Lautchiffren Wolkenpfad, Feuer, Śānti und Bindu wird der höchste, Prakṛti bezeichnende Mantra angegeben. Er soll Unheil abwenden, Wohlstand, Glück, Dharma und Befreiung schenken und seinen Verehrern die Zuneigung aller Menschen erschließen.
9.3 Sein Seher ist Śakti; als Versmaß wird Gāyatrī genannt. Die Lehrer bezeichnen Saṃvit, das Bewusstsein selbst, als seine Gottheit.
9.4 Die sechs Glieder werden mit dem Raumlaut gebildet, verbunden mit Feuer, Bindu und den durch Auge, Sinnesvermögen, Jahreszeiten, Sonne, Welten und Wandlung chiffrierten Vokalen sowie den jeweils unterschiedlichen Abschlussformeln.
9.5 Die durch die Verbindung von Feuer und Mond gestalteten Buchstaben sind hervorgebracht worden. Mit ihnen, in umgekehrter Folge gesprochen, durchdringe der geistig wache Übende ordnungsgemäß seinen ganzen aus Elementen bestehenden Leib mit Haut, Blut und den übrigen Bestandteilen.
9.6 Die letzten Laute werden in die Zischlaute, diese wiederum in die vorangehenden Buchstabengruppen und schließlich in die Vokale zurückgenommen. So löse man den ganzen Leib gemäß seinen zugehörigen Orten auf. Im Inneren des Stirnzentrums angelangt und die vierzehn und weiteren Welten durchdringend, gehe man in mein Wesen ein. [Die Einzelanordnung der Buchstaben ist im überlieferten Wortlaut stark beschädigt.]
9.7 Aus dem Mūlādhāra steigt ein blitzartig aufleuchtender, feiner Lichtschein bis zum Scheitel empor, noch feiner als das Feinste und Ursprung aller Lichtkräfte. Geschickt durchwandert er den Weg der Suṣumnā und ist mit der Sonne verbunden. So meditiert, lässt er sogleich Nektar aus der mit dem Mond vereinten Sonne strömen.
9.8 Die Nektartropfen, die auf das Haupt fallen, bestehen aus Buchstaben. Aus ihnen bilde man den gesamten Leib, beginnend mit dem Gesicht. Nach innen in das Licht gegossen, entfachen sie das eigene Leuchten wie Ghee ein Feuer.
9.9 Nachdem man den Leib auf diese Weise aufgelöst und neu hervorgebracht hat, stelle man ihn als lichtartig und alle Welten durchdringend vor. Man erkenne die eigene Gestalt als aus Śakti bestehend und bringe auch ihr Zeichen an sich selbst an.
9.10 Ich verneige mich vor Mutter Ambikā: Sie gleicht der aufgehenden Sonne und übertrifft die frische rote Japā-Blüte; die Mondsichel schmückt ihre leuchtende Krone. Dreiäugig, mit edelsteinbesetzten Ohrringen, sitzt sie auf dem Lotus. Halsketten, Halsschmuck, Gürtel, Juwelenarmreifen und bunte Gewänder zieren sie. Ihre Lotushände tragen Schlinge und Elefantenhaken und gewähren Erfüllung und Furchtlosigkeit.
9.11 Zwei Wortwurzeln werden mit den Bedeutungen »schützen« und »durchdringen« erklärt. Aus ihrer Wirkung entsteht die Bezeichnung Pāśa, Schlinge: Sie schützt alles und durchdringt jeden Teil mit dem Wesen des Ganzen. [Dies ist eine symbolische Lautdeutung; die Wurzelangaben der Vorlage sind beschädigt.]
9.12 Aṃ wird als Selbst gedeutet, Ku als Erde oder Leib und Śa als Teil oder Tätigkeit. Was die Elemente oder Körper anzieht und in das Selbst zurückführt, wird Aṅkuśa, Elefantenhaken, genannt.
9.13 Die Erinnerung an die göttliche Furchtlosigkeit befreit den Menschen von der Angst, die aus dem Umlauf des Daseinsrades und aus dem Verlust von Besitz entsteht. Darum trägt diese göttliche Gebärde den Namen Abhaya, »Furchtlosigkeit«.
9.14 Das Wort Vara bezeichnet das Vorzügliche und ebenso das Erwünschte. Wer das höchste Erwünschte schon durch bloßes Erinnern gewährt, wird als Varada, »Gabenspender«, verstanden.
9.15 Für die Einweihung zeichne man im beschriebenen Pavillon ein deutliches, leuchtendes Maṇḍala: mit dreifach gestaltetem, von Buchstaben besetztem Mittelteil und gelben Staubfäden. Die chiffrierten Hari- und Hara-Laute seien mit Māyā verbunden, in der Mitte und an den Spitzen angeordnet; außen erhält der Lotus die zuvor genannten Zeichen.
9.16 In die Śakti werde der Name der Zielperson eingeschlossen und mit den Bījas an den Orten Indras, des Windes und Nirṛtis verbunden. Māyā steht an den Ecken, Hari und Hara an den Seiten; entsprechende māyāverbundene Buchstaben umgeben das Ganze. Dieses als »dreifach« bekannte Yantra gilt als lebensverlängernd, Einfluss und Vermögen schenkend sowie als Quelle großer Fülle und Berühmtheit. [Die genaue Linienführung bleibt in der vorliegenden Lesart unsicher.]
9.17 Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Karālikā und Mahocchuṣmā lege man auf Scheitel, Gesicht, Geschlechtsbereich und beide Füße; dazu vollziehe man die zugehörigen Glieder-Nyāsas.
9.18 Gāyatrī lege man an die Kehle, Sāvitrī an die linke Brust und Sarasvatī an die andere. Den Lotusgeborenen lege man auf die linke Schulter, Mukunda in die Herzgegend und Śiva auf die andere Schulter.
9.19 Die acht Mütter, beginnend mit Brahmāṇī, lege der Mantrin der Reihe nach auf Stirn, Schulter, Seite und Bauch, sodann auf die andere Seite, Schulter, Kehle und Herz.
9.20 Die neun genannten Kräfte sind Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā.
9.21 Nach der Verehrung des Sitzes stelle man neun oder fünf Gefäße auf den Mittelteil und die Spitzen der Blütenblätter. Sie können aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton bestehen. Oder man stelle nur ein Gefäß in die Mitte. Bei allen drei Verfahren fülle man die Gefäße ordnungsgemäß und vollziehe die Anrufung nach der folgenden Reihenfolge.
9.22 Das mittlere Gefäß fülle man vorschriftsmäßig mit Honig zusammen mit kostbaren Edelsteinen. Man rufe die Kalās hinein und umhülle es mit zwei vorzüglichen neuen Tüchern. [Das Wort für die zusätzlich eingelegten Gegenstände ist in der Vorlage entstellt.]
9.23 Das östliche Gefäß fülle man mit Ghee, das südliche mit Dickmilch, das westliche mit Milch und das nördliche mit Sesamöl. Die Gefäße in den Zwischenrichtungen fülle man mit einem Absud aus Rinde milchsaftführender Bäume, der Zehn-Wurzeln-Gruppe und Blüten.
9.24 Bei fünf Gefäßen werden dem Osten Kuhurin, dem Süden Kuhdung, dem Westen Milch, dem Norden Dickmilch und der Mitte Ghee zugeordnet; danach wird der Reihe nach Wasser ergänzt.
9.25 Die Anteile von Kuhurin, Kuhdungwasser, Milch, Dickmilch und Ghee werden durch eine Folge von Zahlenwörtern angegeben; alternativ sollen alle Anteile gleich sein. [Die Zahlenfolge »eins, halb, Dhātu, Sattva …« ist hier nicht sicher aufzulösen.]
9.26 Die Kuhprodukte werden der Reihe nach mit den zugehörigen, auf den Praṇava bezogenen Ṛg-Versen verbunden. Alternativ können die fünf Produkte mit fünf achtlautigen Ātma-Mantras verbunden werden.
9.27 Wird nur ein Gefäß verwendet, fülle man es mit einem Absud aus fünfzig Heilpflanzen oder mit den fünf Kuhprodukten. Ist Wasser die Grundlage, werden die acht Duftstoffe hinzugefügt.
9.28 Auf einem Lotus im Norden stelle man ein reines Gefäß mit Gold und Stoffgaben auf und fülle es ordnungsgemäß mit Wasser, in dem Palāśa-Rinde ausgekocht wurde.
9.29 An jedem Eingang des Pavillons stelle man zwei Gefäße mit reinem Wasser auf. Mit Tüchern und den übrigen Ausstattungen umhüllt, sollen sie verehrt werden.
9.30 Oben sowie im Osten, Süden, Norden und Westen verehre man der Reihe nach die Elementlaute und Hṛllekhā mit den übrigen Kräften; anschließend die Glieder wie zuvor.
9.31 Gāyatrī verehre man im Osten, Sāvitrī im Südwesten und Sarasvatī im Nordwesten; Brahmā im Südosten, Viṣṇu im Westen und Īśa im Nordosten, jeweils an dem betreffenden Bīja.
9.32 Gāyatrī im östlichen Bīja ist rot, trägt roten Schmuck, besitzt vier Gesichter und hält Wassergefäß, Gebetskette und Lotusse. Ebenso erscheint Brahmā im Südosten.
9.33 Sāvitrī im südwestlichen Bīja hält Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus und ist mit Krone, Oberarmreifen und Halsketten geschmückt. Entsprechend erscheint Viṣṇu im Westen.
9.34 Vāṇī im Nordwesten trägt Beil und Gebetskette und zeigt Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sie besitzt drei Augen, trägt den Mond im verfilzten Haar und ist hell geschmückt. Ebenso erscheint Īśvara im Nordosten.
9.35 Außerhalb davon werden Brahmāṇī und die übrigen Mütter, danach Indra und die anderen Richtungsherren, mit den zuvor gelehrten Darbringungen verehrt, um das erwünschte Ziel zu erlangen.
9.36 Bei neun Gefäßen verehre man in den acht äußeren die Mütter in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen. Bei fünf Gefäßen verehre man Hṛllekhā und die übrigen vier Kräfte, beginnend mit dem mittleren Gefäß.
9.37 Das Weihebad erfolgt zunächst mit dem Ghee-Gefäß, dann mit einem Absud, mit Dickmilch, erneut einem Absud, Milch, wieder einem Absud, Öl, Absud und Honig; zuletzt mit dem aus dem »Zweimalgeborenen-Baum« bereiteten Absud.
9.38 Mit dem Wasser der Gefäße an den Eingängen vollziehe man weitere Zwischengüsse. Der Mantrin wasche Gesicht, Hände und Füße und führe auch das rituelle Wasserschlürfen und die übrigen Reinigungen aus.
9.39 Nach ordnungsgemäßem Weihebad wiederhole man den Mantra zweiunddreißig Lakshas, also 3.200.000-mal. Täglich ehre und nähre man die Sonne mit dem aus den eigenen Händen dargebrachten nektargleichen Arghya-Wasser.
9.40 Selbst zur Śakti geworden, vereinige man Sonne, Mond und Feuer mittels des Praṇava-Mantras und danach des Śakti-Bījas. Man ziehe das Licht nach innen und stelle es mit gesammeltem Geist innen wie außen her. Während der vorgeschriebenen Wiederholungszahl esse man die vom Feueropfer übrig gebliebene Speise.
9.41 Alternativ lebe man von opfergeeigneter Nahrung oder esse nur nachts und wiederhole so den Mantra. Sobald die festgesetzte Wiederholungszahl erreicht ist, beginne man das Feueropfer.
9.42 Ein Zehntel der Wiederholungszahl werde mit den acht Opferstoffen dargebracht, benetzt mit Rohzucker, Honig und Ghee. Nach dem Weihebad mit Wasser, das durch die den Buchstaben zugeordneten Pflanzen bereitet wurde, bewirte man die Zweimalgeborenen.
9.43 Als Zeichen des Erfolges werden dem Wiederholenden folgende Erscheinungen verheißen: Das Haus, in dem er weilt, sei nachts auch ohne Lampe frei von Dunkelheit.
9.44 Danach verringere er die Wiederholungszahl und verehre nach seinen Kräften. In sich gesammelt und beständig dem Yoga verbunden, vollziehe er die Verehrung nach dem zuvor gelehrten Verfahren.
9.45 Genannt werden Aśvattha, der »Brahmanenbaum«, Bilva, Tarkārī, Plakṣa, Sevyaka, Prasāriṇī, Kāśmarī, Rohiṇa, Udumbarī, Pāṭala und Ḍuṇḍuka.
9.46 Von diesen werden der Reihe nach ein Pala, ein halbes Pala, ein Karṣa und ein halbes Karṣa als Anteile angegeben. Mit dem daraus bereiteten Absud soll das Gefäß ordnungsgemäß gefüllt werden. [Die Zuordnung der vier Maße zu den zwölf zuvor genannten Pflanzen ist nicht ausdrücklich erläutert.]
9.47 Ein jährlich vollzogenes Weihebad soll ein hundertjähriges Leben, Einsicht und Fülle gewähren und Krankheiten fernhalten. Ein Weihebad in den eigenen Geburtsmonaten soll nach dem Text zur Herrschaft über die große Erde führen.
9.48 Sein Glanz werde sonnengleich, die Lotusgeborene diene ihm beständig. Krankheiten verschwänden bei seinem Anblick, seine Umgebung sei reich an Geld und Getreide. Götter ehrten ihn täglich, Schlangen bissen ihn nicht, seine Söhne seien wohlhabend und hätten wiederum Söhne. Beim Ende des Leibes werde er zur höchsten Wohnstätte Viṣṇus gelangen.
9.49 Nun wird das »sechsfache« Yantra beschrieben: Der Zielname liegt in Śakti, umgeben von Hara-, Pfeil- und Kalā-Māyā; zwei Feuerfiguren tragen Māyā an den Ecken und Śakti in den Zwischenräumen. Hinzu treten Buchstabengruppen mit und ohne Strich, Hari und Hara an den Seiten, das rückläufige Alphabet sowie Narasiṃha und Cintāmaṇi in den äußeren Feldern. [Mehrere geometrische Einzelwörter der Vorlage sind beschädigt.]
9.50 Man zeichne einen Kreis von sechs Fingermaßen. Mit einem Abstand von sechs Fingermaßen lege man einen weiteren Kreis außen darum.
9.51 Mit demselben Abstand folge außen ein dritter Kreis. In die Mitte des innersten Kreises schreibe man das Hṛllekhā-Bīja.
9.52 Ein leicht an den zweiten Kreis anschließendes Sechseck beziehungsweise eine doppelte Feuerfigur werde eingezeichnet, ohne den innersten Kreis zu berühren.
9.53 Seine Ecken liegen in Richtung Osten, Südosten, Südwesten, Westen, Nordwesten und Nordosten. In die sechs Zwischenräume schreibe man sechs Hṛllekhās.
9.54 Die jeweils durch eine Zwischenstellung getrennten Figuren sollen miteinander verbunden werden: die äußeren durch innere Spitzen und die inneren durch äußere.
9.55 Zu den beiden Seiten der Hṛllekhā im innersten Kreis schreibe man unten die Namenslaute der Zielperson und oben diejenigen des Ausführenden.
9.56 Zwischen Feuer und Śrī trage man auf der Seite des Ausführenden die beabsichtigte Handlung ein. Fünf Hara-Māyās stehen außerhalb des inneren Kreises.
9.57 Darum folgen die Pfeil-Māyās und weiter außen die Kalā-Māyās. An alle sechs Ecken der Feuerfigur schreibe man Māyā mit Bindu.
9.58 In die drei der Śrī-Seite zugeordneten Feuerecken schreibe man die drei Bījas von Śakti, Śrī und Kāma, mit einem Strich versehen, entsprechend den Lauten des Ausführenden.
9.59 Auf der Feuerseite stehen dieselben ohne Strich, zusammen mit den Namenslauten der Zielperson und den jeweils deutlich gesetzten Abschlusszeichen. [Das letzte Kompositum ist beschädigt.]
9.60 Zwischen den äußeren Linien stehen die glückverheißenden Buchstaben in gewöhnlicher Reihenfolge; außerhalb davon schreibe der geübte Schreiber sie in umgekehrter Folge.
9.61 Danach zeichne man die beiden gegliederten Erdumfassungen. In den Hauptrichtungen stehen die Narasiṃha-Laute, an den Ecken Cintāmaṇi.
9.62 Außen erhält das Yantra sechzehn Dreizackspitzen; es sei schön und mit klaren Buchstaben gezeichnet. Nachdem man dieses Yantra angefertigt hat, zeichne man den Lotus.
9.63 Dieser besitzt zwölf schöne Blütenblätter und sechsunddreißig leuchtende Staubfäden, erfüllt die zuvor genannten Merkmale und erfreut den Blick.
9.64 Man verehre den Sitz mit seinen neun Śaktis, danach die Glieder in den sechs Bījas. Anschließend verehre man Gāyatrī, Sāvitrī, Sarasvatī sowie Śrī, Rati und Puṣṭi.
9.65 Brahmā, Viṣṇu, Maheśvara, Dhanada, Madana und Gaṇanātha verehre man der Reihe nach an den sechs äußeren Ecken der Feuerfigur.
9.66 Die zwölf Śaktis heißen Raktā, Anaṅgakusumā, Kusumāturā, Nityā, Anaṅgamadanā, Madanāturā, Gaurī, Gaganā, Gaganarekhā, Padmā, Bhavapramathinī und Śaśiśekharā.
9.67 Je eine dieser zwölf Śaktis verehre man auf einem Blütenblatt. Außen folgen der Reihe nach die Mütter, dann Indra und die anderen Richtungsherren samt ihren Waffen. Danach vollziehe man das Weihebad nach dem früheren Verfahren.
9.68 Wer dieses vorzügliche Verfahren mit Mantrawiederholung und Feueropfern verehrt und die Śakti verwirklicht hat, wird nach dem Text zu einer Wohnstätte der Fülle und, Viṣṇu gleich, von den Göttern geehrt.
Kolophon: Hier endet der 9. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
10. Paṭala
Orientierung: Shakti-Yantra und weitere Verehrungsformen.
10.1 Nun werde ich das vorzügliche, »zwölffach« genannte Yantra in Kürze erklären. Wer damit die Śakti verehrt, soll sowohl weltliche Erfüllung als auch Befreiung erfahren.
10.2 Śakti ist von den Vyāhṛtis umgeben; die Verbindungen zweier Paare von Feuerfiguren tragen weitere Śaktis. An den Ecken stehen die Durgā-Bījas, an den Seiten der Gāyatrī-Mantra. Feuerformel, Buchstaben und zwei Erdumfassungen schließen das Ganze ein; in den Zwischenräumen stehen Kṣauṃ und Cintāmaṇi. Dieses zwölffache Yantra soll die erwünschten Ziele schenken. [Die dichte geometrische Beschreibung ist stellenweise unsicher überliefert.]
10.3 Nach den zuvor angegebenen Maßen zeichne der Mantrin drei Kreise. In den innersten schreibe er Śakti mit deutlich gesetztem Bindu als Abschluss.
10.4 An der äußeren Linie des mittleren Kreises zeichne man zwölf Śaktis: je zwei im Osten, Süden, Westen und Norden.
10.5 Je eine weitere stehe im Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten. Danach zeichne man zwei Sechsecke des Feuers, deren zugespitzte Ecken zwischen den Bījas hervortreten.
10.6 So entstehen zwei Paare von Figuren, deutlich gezeichnet und ohne den inneren Kreis zu berühren. Die innen stehende Śakti umgebe man mit den rückwärts angeordneten Vyāhṛtis.
10.7 An die zwölf Ecken schreibe man Māyā, verbunden mit dem als Du bezeichneten Laut und mit vorangestelltem Bindu. Die jeweils durch eine Zwischenstellung getrennten Śaktis werden miteinander verbunden.
10.8 Die Gāyatrī schreibe man in umgekehrter Reihenfolge außen an die Seiten der Feuerfigur, jeweils zwei Laute zusammen; weiter außen ebenso die Triṣṭubh-Formel. Die Buchstaben folgen in ihrer Ordnung. In die beiden Erdumfassungen schreibe man die als Siṃha und Cintāmaṇi bezeichneten Mantras. Dieses Yantra haben die Lehrer zur Stillung allen Leidens gelehrt.
10.9 Außen zeichne man sechzehn Blütenblätter, schön angeordnete Kreise und einen Ring der Tierkreiszeichen. So wird das Maṇḍala errichtet; danach stelle man das Gefäß wie beschrieben hinein.
10.10 Demütig verehre man zuerst die Gliederumfassung, dann die vier mit Hṛllekhā beginnenden Kräfte und Brahmāṇī mit den übrigen. Darauf folgen die Gruppen von sechzehn, zweiunddreißig und vierundsechzig Kräften, die Weltenhüter und als achte Umfassung Vajra und die übrigen Waffen. [Die Zahlenkomposita der Vorlage sind teilweise entstellt.]
10.11 Genannt werden Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Durgā, Śacī, Uṣā, Lakṣmī, Śruti, Smṛti und Dhṛti.
10.12 Śraddhā, Medhā, Mati, Kānti und Āryā vervollständigen die sechzehn Śaktis. Danach folgen Vidyā, Hrī, Puṣṭi, Prajñā, Sinīvālī und Kuhū.
10.13 Weiter heißen sie Rudravīryā, Prabhā, Ānandā, Poṣaṇī, Ṛddhidā, Śubhā, Kālarātrī, Mahārātrī, Bhadrakālī und Kapālinī.
10.14 Es folgen Vikṛti, Daṇḍinī, Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī, Niśumbhaśumbhamathanī und Mahiṣāsuramardinī.
10.15 Weiter Indrāṇī, Rudrāṇī, Śaṅkarārdhaśarīriṇī, Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī und Pālinī.
10.16 Ambikā und Hlādinī schließen die als zweiunddreißig bezeichnete Gruppe ab. Die nächste beginnt mit Piṅgalākṣī, Viśālākṣī, Samṛddhi und Vṛddhi.
10.17 Es folgen Śraddhā, Svāhā, Svadhā, Māyā, Vasundharā, Trilokadhātrī, Gāyatrī, Sāvitrī und Tridaśeśvarī.
10.18 Weiter Surūpā, Bahurūpā, Skandamātā, Acyutapriyā, Vimalā, Amalā, Aruṇī und Vāruṇī.
10.19 Weiter Prakṛti, Vikṛti, Sṛṣṭi, Sthiti, Saṃhṛti, Sandhyā, Mātā, Satī, Haṃsā, Mardikā, Vajrikā und Parā. [Die beiden vorletzten Namen sind in der Vorlage beschädigt.]
10.20 Es folgen Devatāmā, Bhagavatī, Devakī, Kamalāsanā, Trimukhī, Saptamukhī und Surāsuravimardinī. [Der erste Name ist lesungsunsicher.]
10.21 Weiter Lamboṣṭhī, Ūrdhvakeśī, Bahuśiśnā, Vṛkodarī, Ratharekhā und Śaśirekhā.
10.22 Dann Gaganavegā, Vegā und eine mit Pavana beginnende Benennung, ferner Bhuvanavegā und Madanāturā. [Die Abgrenzung der mittleren Namen ist nicht eindeutig.]
10.23 Es folgen Anaṅgā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgakusumā, Viśvarūpā und Asurabhayaṅkarī.
10.24 Akṣobhyā, Satyavādinī, Vajrarūpā, Śucivratā, Varadā und Vāgīśī schließen die als vierundsechzig bezeichnete Gruppe ab. [Die überlieferte Namensfolge lässt die genannte Gesamtzahl nicht überall eindeutig nachvollziehen.]
10.25 Nach der vorgeschriebenen Gefäßverehrung vollziehe man damit die Weihe des eigenen Sohnes, eines vertrauten Schülers oder eines vorzüglichen Königs: Er sei gläubig, der Wahrheit ergeben, freigebig, den Brahmanen zugetan und eine Zierde seiner Familie.
10.26 Dieses Verfahren gilt als alle Ziele verwirklichend, höchst reinigend, Fülle und langes Leben spendend, Einfluss verleihend, Feinde vernichtend und die Frucht der Befreiung gewährend.
10.27 Nun werde ich eine Yantra-Ordnung mit Śakti zwischen Schlinge und Elefantenhaken erklären, verbunden mit Wiederholung, Verehrung und Feueropfer. Die drei Welten werden dabei bildlich zu einer Opfergabe.
10.28 Das Yantra besitzt Sperrriegel in den acht Richtungen und Felder mit Lautgruppen, Glieder-Mantras und achtlautigen Mantras. Außen liegt ein achtblättriger Lotus, dessen Staubfäden Māyā, Ātma-Laute und Vokalpaare tragen. In seiner Mitte leuchten die drei Laute von Schlinge, Śakti und Elefantenhaken. [Die verschlüsselte Feld- und Lautanordnung ist in dieser Lesart teilweise beschädigt.]
10.29 Schlinge und Elefantenhaken, die vorwärts und rückwärts laufenden Buchstaben sowie ein von einem Lotus umschlossenes Gefäß umgeben es. Dieses vorzügliche Yantra, ein Glücksgefäß für die erwünschten Früchte, heißt Ghaṭārgala, »Gefäßriegel«.
10.30 An die östlichen und westlichen Riegel schreibe man Ha–La, an die südöstlichen und nordwestlichen Ha–Ya, im Süden und Norden Ha–Va, im Südwesten und Nordosten Ha–Ra, jeweils in zwei Reihen.
10.31 In den Mittelteil schreibe man Śakti, verbunden mit Schlinge, Elefantenhaken und dem Zielnamen. Die inneren acht Felder tragen die Glieder; in die verbleibenden kommen die beiden achtlautigen Mantras.
10.32 In die sechzehn Felder schreibe der Mantrin den sechzehnlautigen Mantra. In die Staubfäden des Lotus schreibe er Māyā, verbunden mit den Vokalpaaren und den Ātma-Lauten.
10.33 Auf jedes Blütenblatt kommen je drei der im Mittelteil stehenden Laute. Außen umschließe man den Lotus mit den Bījas von Schlinge und Elefantenhaken.
10.34 Weiter außen umgebe man ihn mit dem Alphabet in vorwärts und rückwärts laufender Folge. Darum zeichne man das auf einem Lotus stehende Gefäß und an dessen Öffnung einen weiteren Lotus.
10.35 Pratiṣṭhā mit Bindu wird von den Weisen als Schlingen-Bīja bezeichnet. Das Haken-Bīja wird durch die Chiffren eigene Erde, Feuer, Āpyāyinī und Mondsichel gebildet. [Die Lautchiffren bleiben als solche stehen.]
10.36 Ein achtlautiger Mantra wird aus den Chiffren Schlinge, Śrī, Śakti, Vokal, Liebesgott, Śakti, Indirā und Haken beschrieben. Ein weiterer enthält die Anrede »Kāmini, Raṅjini« und den doppelten Ṭha-Abschluss. [Der Vers gibt verschlüsselte Mantrabildungen, keine durchgehend ausgeschriebene Rezitationsfassung.]
10.37 Mit dem Bīja beginnend, folgen »Gauri, Rudradayite, Yogeśvari« sowie die Schutz-, Waffen- und doppelten Ṭha-Abschlüsse. Dies wird als sechzehnlautiger Śakti-Mantra gelehrt.
10.38 So gestalte man das Maṇḍala mit schön gegliederten Blütenblättern, leuchtend und anziehend für Augen und Herzen. Den Sitz und die folgenden Bestandteile verehre man wie zuvor.
10.39 Das Gefäß fülle man mit einem der zuvor beschriebenen Absude. Verehrt werden die mit Hṛllekhā beginnenden Kräfte, die Glieder, die Mütter, die Götterherren sowie Vajra und die übrigen Waffen.
10.40 Nachdem die Göttin und die Gefäße mit reinen Düften, Blumen und weiteren Gaben verehrt sind, bringe man von den Hölzern milchsaftführender Pflanzen jeweils dreihundert Opfer dar, benetzt mit Dickmilch, Ghee und Honig. Als Dakṣiṇā gebe man den Brahmanen Gold, Gewänder, Vieh und Land und ehre den Lehrer mit Vermögen. Mit reinem Geist und Selbstbeherrschung vollziehe man das Weihebad.
10.41 Wer mit diesem geweihten Gefäß besprengt wird, soll zum Dichter werden und beständig von Śrī umarmt sein. An Glanz und Größe werde er dem Herrn des Reichtums, der Sonne und dem Mond gleich; durch unvergleichlichen Wandel stehe er unter den Menschen voran.
10.42 In geordneter Übung und von opfergeeigneter Nahrung lebend wiederhole man den vorzüglichen Mantra vierundzwanzig Lakshas, also 2.400.000-mal. Nach Vollendung dieser Zahl wird das Feueropfer vollzogen.
10.43 Mit sechstausend Hölzern milchsaftführender Bäume, benetzt mit Dickmilch, Honig und Ghee, und ebenso vielen milchbenetzten Sesamgaben opfere man. Danach bewirte man vorzügliche Brahmanen.
10.44 Den Lehrer ehre man mit Gold und weiteren Gaben. Anschließend wiederhole man den Mantra täglich tausendmal und vollziehe die vorgeschriebene Verehrungsordnung mit Achtung.
10.45 Damit ist das Verfahren der Śakti-Verehrung in Kürze beschrieben. Man widme sich ihm zur Befreiung aus dem Daseinskreislauf, für Schönheit, Fülle, Ruhm und das Erfreuen der Menschen sowie zur Verwirklichung der strahlenden höchsten Wohnstätte.
10.46 Wer die verschiedenen Ziele verfolgt, zeichne die Yantras mit einer Mischung aus Elefanten- und Moschusduft, Safran und duftendem Rocanā, verbunden mit rotem Lacksaft. [Die historischen Stoffbezeichnungen werden hier ohne Empfehlung ihrer heutigen Beschaffung wiedergegeben.]
10.47 Ein nächtliches Opfer mit süß benetzten Senfsamen und Salz, begleitet vom Mantra mit Schlinge, Śakti und Elefantenhaken, wird als Mittel beschrieben, irdische Herrscher und sogar Urvaśī zu beeinflussen.
10.48 Nachdem der Mantrin Bhuvaneśvarī nach diesen Verfahren verehrt und ihren Mantra wiederholt hat, preise er sie mit dem folgenden Lobgesang, um die alle Leiden zerschlagende Göttin ganz zu erfreuen.
Bhuvaneshvari-Lobpreis
10.49 Sei gnädig, du Gestalt der ganzen Erscheinungswelt, du Urgrund! Du bist das Wesen der Natur und das Leben der Lebewesen. Mit gefalteten Händen beginne ich, dich zu preisen, o Herrin: Deinem Wesen nach unergründlich, entfaltest du dich frei und ungehindert.
10.50 Ein Lobpreis besteht aus Sätzen, ein Satz aus Wörtern, ein Wort aus Lauten – und die Laute bist du, große Herrin. Gewiss wirst du dich selbst durch die aus dir bestehenden Laute preisen; denn jede Bewegung der Rede besteht aus dir.
10.51 Selbst Brahmā, Viṣṇu und der Dreiäugige erkennen deine höchste, māyāreiche Gestalt nicht. Sie preisen dich, Herrin, in deiner sichtbaren Form. Darum, Mutter, ist eben dies auch für mich angemessen.
10.52 Verneigung dir, Herrin aller Dinge, du Gestalt des Bindu! Verneigung dir als Klang, als Bezeichnung der Wirklichkeit! Verneigung dir, Urgrund, der zum Mahat wird! Verneigung dir als Prinzip des Ichbewusstseins!
10.53 Verneigung dir als Laut und als Raum, als Berührung und als Wind! Verneigung dir als sichtbare Form und Feuer, als Geschmack und Wasser! Verneigung dir als Geruch und als Erde!
10.54 Verneigung dir als Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase, als Rede, Hände, Füße, Ausscheidung und Fortpflanzung! Du bist Manas, unterscheidende Einsicht, Ichbewusstsein und inneres Bewusstseinsfeld. Gestaltlose, alles durchdringende Gestalt des Universums, dir sei Verneigung!
10.55 Als Sonne geworden, trägst du als inneres Selbst die Geschöpfe; als Mond nährst du sie. In Gestalt des Feuers verbrennst du das Dargebrachte. Große Göttin, diese dreifache Lichtkraft geht allein aus dir hervor.
10.56 Viergesichtig, auf dem strahlenden Schwan reitend, mit Rajas verbunden und Brahmā genannt, vollbringst du die Schöpfung der Welt. Du selbst, Mutter des Alls, meditierst dabei über jenen höchsten Zustand.
10.57 Mit leuchtender Krone, Diskus und Muschelhorn trägst du in den Welten den Namen Nārāyaṇa. Auch derjenige, der in Sattva gegründet das Universum erhält, ist nur eine Erscheinung von dir, Göttin.
10.58 Mond, Schlange und Gaṅgā sind in dein verfilztes Haar gebunden. Dreiäugig löst du am Ende des Weltalters die Welt auf. Mit Tamas verbunden und Rudra genannt, strahlst du mit Beil und Gebetskette.
10.59 Auch Sarasvatī, Herrin der Rede, besteht aus dir: Sie trägt Gebetskette, Nektargefäß und Schreibgerät, besitzt drei Augen und den Halbmond im Haarknoten; Leib, Gewand und Schmuck sind strahlend weiß. [Ein Attribut am Versanfang ist lesungsunsicher.]
10.60 Mit glänzendem Diskus und Muschelhorn, furchtbar durch das geschwungene Schwert, auf einem brüllenden Löwen reitend und mit hochflammender Krone: Die Dämonenscharen fliehen, die Siddhas preisen dich. Du selbst bist Durgā, o unvergängliche Herrin.
10.61 Als Bhavānī erscheinst du als Hälfte des Leibes des Tripura-Feindes und als Tochter des Bergkönigs. Von großen Yogins verehrt und dem Leben Maheśas innigst verbunden, ist diese große Herrin Ambikā ihrem Wesen nach ganz du.
10.62 Auf der himmelblauen Brust des Kaiṭabha-Bezwingers, die vom Kaustubha-Juwel erstrahlt, wohnst du. Jene Śrī, die Geliebte der Welt und einzige Herrin aller Welten, erkenne ich als dich, große Göttin.
10.63 Auch die sieben Mütter, die die Zeichen Brahmās, Śivas, Skandas, Viṣṇus, des Ebers, Indras und des großen Bhairava tragen und in ihren Gestalten erscheinen, leuchten als deine Teilkräfte, große Göttin. [Die verkürzte Namensreihe der Vorlage ist teilweise beschädigt.]
10.64 Du leuchtest wie tausend aufgehende Sonnen und erfüllst beständig den ganzen Weltraum. Die Mondsichel glänzt an deiner Krone; deine Hände tragen Schlinge und Haken und zeigen Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Dir sei Verneigung!
10.65 Glanz, Ruhm, Schönheit, Fülle, Nacht, Dämmerung, Tätigkeit, Hoffnung, Dunkelheit, Hunger, Einsicht und geistige Kraft; Lobpreis, Rede, Denken, Demut, Glück und Wirkkraft – all diese und jede andere Gestalt der Śakti bist du selbst, Herrin.
10.66 Verneigung dir, Ungeteilte, die durch die verschiedenen Formen von Hara, Bindu, Nāda, Śakti und Śānta erscheint! Du bist stets die sieben Unterwelten, die Welten, Berge, Meere, Planeten, Inseln, Körperstoffe, Töne und alles Weitere.
10.67 Verneigung, Verneigung dir, Gestalt von allem! Als Kraft bist du in alle Dinge eingewoben. Du bist das Gröbste und das Feinste, große Herrin; als Erkenntnis wirst du erinnert und ebenso als Nichtwissen.
10.68 Möge jede Bewegung meines Geistes Erinnerung an dich sein; möge jede Regung meiner Rede zu deinem Lob werden, große Herrin. Möge jede Tätigkeit meines Körpers eine Verneigung vor dir sein. Sei mir gnädig, Herrin, und vergib mir immer wieder.
10.69 Wer die Hṛllekhā-Wiederholung, diese besonderen Verehrungsweisen und diesen Lobpreis täglich mit Achtung übt, erlangt nach dem Text höchste Fülle und geht in den reinen Zustand der höchsten Wohnstätte ein.
10.70 Damit ist die gesamte zur Hṛllekhā gehörende Ordnung in Kürze dargelegt. Der Mantrin, dessen Geist darin fest gegründet ist, ist zugleich ein Yogi und einer, der Erfüllung erfährt.
Kolophon: Hier endet der 10. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
11. Paṭala
Orientierung: Shri beziehungsweise Lakshmi.
11.1 Nun wird zum Wohl der Welt die Mantra-Ordnung der Śrī in Kürze dargelegt: mit den verschiedenen Gliedern, der Wiederholung, der Verehrung und der Folge der Feueropfer, um aus Bedrängnis emporzuführen.
11.2 Der vierte Raumlaut, rückwärts genommen, durch Feuer erleuchtet, mit dem linken Auge und einem Mondstück versehen, wird als Ramā-Mantra bezeichnet: ein großer göttlicher Wunschbaum zur Erfüllung der Herzenswünsche. [Die chiffrierte Lautbildung wird nicht stillschweigend normalisiert.]
11.3 Bhṛgu ist der Seher, Nicṛt das angegebene Versmaß und Śrī die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit dem durch weitere Lautchiffren, Vokale und Feuer ergänzten Grundlaut gebildet. [Die Folge der Vokalchiffren ist in der Vorlage nicht eindeutig.]
11.4 Möge Śrī euch immer neue Fülle schenken: Sie hält zwei Lotusse und zeigt Furchtlosigkeit und Gabengewährung; ihr Glanz gleicht geschmolzenem Gold. Vier Elefanten, weiß wie helle Wolken, begießen sie aus den in ihren Rüsseln getragenen Krügen. Edelsteine schmücken ihre Krone; reine Gewänder und Salbungen zieren sie. Lotusäugig wohnt sie auf Padmanābhas Brust und ruht auf dem Lotus.
11.5 Nach der Einweihung durch den Lehrer wiederhole man diesen vorzüglichen Mantra mit wachem Geist zwölf Lakshas, also 1.200.000-mal. Täglich verehre der Mantrin Śrī mit Achtung, führe einen reinen Lebenswandel und lebe währenddessen enthaltsam.
11.6 Am Ende der Wiederholung bringe man zwölftausend Opfer dar: Lotusse, benetzt mit den drei süßen Stoffen, oder Sesam, geeignete Bilva-Hölzer oder alle drei nach der Regel.
11.7 Man zeichne einen schönen achtblättrigen Lotus, versehen mit drei Kreisen, einem Tierkreisring und einer viereckigen Umfassung. Darin verehre man den Sitz und anschließend Ramā zusammen mit den neun Śaktis.
11.8 Ramās neun Śaktis heißen Vibhūti, Unnati, Kānti, Hṛṣṭi, Kīrti, Sannati, Puṣṭi, Ākṛṣṭi und Ṛddhi.
11.9 Ramā werde ordnungsgemäß in das Gefäß gerufen und nach der Regel verehrt. Nach Wiederholung des Mantras gemäß seinen Kräften besprenge der Lehrer seinen selbstbeherrschten Schüler zur Weihe.
11.10 Die erste Umfassung wird mit den Gliedern verehrt; die nächste mit den göttlichen Gestalten, den vier Elefanten und den beiden Schätzen. Es folgen die acht Śaktis und zuletzt die Herren der Himmelsrichtungen.
11.11 Die Gestalten heißen Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha; die Elefanten Damaka, Śalala, Guggula und Kuraṇḍaka.
11.12 Die acht Kräfte heißen Balākī, Vimalā, Kamalā, Vanamālikā, Vibhīṣikā, Drāvikā, Śāṅkarī und Vasumālikā.
11.13 Durch diese vorbereitende Verehrung erfreut, wird Kamalā gnädig und schenkt dem Mantrin bald eine von Geld, Getreide und Gedeihen erfüllte Fülle.
11.14 Bis zur Brust im Wasser stehend, wiederhole der Mantrin den Mantra dreihunderttausendmal und vergegenwärtige Śrī in der Sonne. Dadurch werde er nach dem Text von Armut befreit.
11.15 Auch wer im Heiligtum Viṣṇus oder am Fuß des Kamalā-Baumes sitzt und dreihunderttausend Wiederholungen vollzieht, soll innerhalb eines Jahres einen Reichtum erlangen, der das Erhoffte übersteigt.
11.16 Ein Opfer mit Ghee-benetzen Reiskörnern in einem Feuer aus Aśoka-Holz gilt als starkes Mittel der Einflussnahme. Dieselben Körner mit den drei süßen Stoffen in einem Khadira-Feuer sollen Vermögen und Einfluss auf das Königshaus bringen.
11.17 Durch hunderttausend Opfer süß benetzter Lotusse soll selbst zu einem von Unglück umgebenen Menschen vollkommene Śrī kommen. Mit großer Fülle erfreue sie ihn beständig; von Mitgefühl bewegt, verlasse sie auch seine Nachkommenschaft nicht.
11.18 Ein Brahmane, der das Śrīsūkta wiederholt, ziehe auf eigenem Boden einen Bilva-Baum. Mit dessen Blättern, Blüten, Früchten, Zweigen, Stammstücken und Wurzeln, verbunden mit den drei süßen Stoffen, vollziehe er in geregeltem Wandel das Feueropfer. Noch vor Ablauf eines Maṇḍala-Zeitraums soll der innerlich Reine Ramās Gestalt sehen; Unglück werde danach seiner Familie fernbleiben.
11.19 Nach der Herzformel folgen die als Kamalā bezeichneten Laute, dann eine mit Amṛta beginnende Folge und zuletzt die Geliebte des Feuers, Svāhā. Dies ist ein Ramā-Mantra, den Menschen begehren, die vorzüglichen Reichtum suchen. [Die mittlere Lautfolge ist beschädigt und wird nicht ergänzt.]
11.20 Dakṣa ist sein Seher, Virāj das von den Kundigen genannte Versmaß und Śrī die Gottheit. Śrīdevī und Padminī werden Herz und Kopf, Viṣṇupatnī dem Haarschopf zugeordnet; weitere chiffrierte Laute und die Kamala-Gestalt bilden Schutz und Waffe. Die Gliederformeln beginnen mit Praṇava, enden mit Verneigung und erhalten ihre jeweiligen Abschlusslaute. [Ein Teil der Lautchiffren ist unsicher.]
11.21 Möge Śrī euch zum Heil gereichen: Sie sitzt auf dem Lotus, ist lotusäugig und hält zwei Lotusse; ihre übrigen Lotushände gewähren Gabe und Furchtlosigkeit. Mit den aus ihrem Leib strömenden Strahlen erhellt sie alle drei Welten. Perlenketten schmücken ihre hohen Brüste; Juwelenfußreifen, Gürtel, Halsketten, Ringe und Oberarmreifen sowie eine Edelsteinkrone zieren sie.
11.22 So meditiert, werde Śrī auf dem zuvor bereiteten Lotus-Sitz zuerst mit den Gliedern, dann mit den acht Śaktis auf den Blütenblättern und zuletzt mit den Weltenhütern verehrt. Diese Ordnung dient dem Gedeihen.
11.23 Nach der Einweihung wiederhole der Ramā und ihrem Herrn ergebene Übende diesen Mantra geregelt zehn Lakshas, also eine Million Mal. Innerhalb eines Jahres werde der Mantrin reich an Geld und Getreide sowie einsichtsvoll.
11.24 Der Mantrawiederholung ergeben, bringe er zehntausend Lotusse mit den drei süßen Stoffen als Opfer dar. Mit gereinigtem Geist erlange er bald die erwünschte Fülle an Gütern.
11.25 In einen zum Meer fließenden Strom steigend, stehe man bis zum Hals im Wasser und vollziehe dreihunderttausend Wiederholungen. Innerhalb eines Jahres werde der Mantrin sehr wohlhabend; daran lässt der Text keinen Zweifel.
11.26 Unter dem Sternbild Bhaga verehre man Lakṣmī und opfere tausend Nandyāvarta-Blüten; zu Vollmond ebenso viele Bilva-Früchte mit den drei süßen Stoffen, am fünften Mondtag weiße Lotusse oder freitags andere helle Blüten. Monatlich ausgeführt, soll dieses Opfer im Lauf der Jahre reichen Besitz bringen.
11.27 Der Indirā-Mantra wird aus Praṇava, den Bījas von Ramā, Māyā und Śrī, den Worten »Kamale, Kamalālaye, prasīda, prasīda«, nochmals denselben Bījas und der Herzformel zu Mahālakṣmī gebildet.
11.28 Drei Laute bilden das Herz, fünf den Kopf, drei den Haarschopf, drei den Schutz und vier die Waffe. Die einzelnen Glieder werden jeweils von den drei Bījas eingerahmt. [Die vorliegende Aufzählung nennt fünf Glieder.]
11.29 Möge Ramā eure Verfehlungen vernichten: Ihre Hände halten eine Schale mit Reichtum, zwei Lotusse und einen Spiegel. Fußreifen, Halsschmuck, Oberarmreifen, Halsketten, Armreifen, hohe Krone und Ohrringe strahlen. Sie sitzt auf dem Lotus, umgeben von Dienerinnen, mit weißer Salbung und weißem Gewand; die göttlichen Scharen verneigen sich vor ihr.
11.30 Man wiederhole diesen Mantra hunderttausendmal und bringe danach zehntausend mit den drei süßen Stoffen benetzte Bilva-Früchte als Opfer dar. Wer täglich nach dem folgenden Verfahren verehrt, soll von der Furcht vor Not frei werden.
11.31 Unmittelbar nach der Gliederumfassung folgen Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Vaikuṇṭha und Viśvarūpa sowie Vāsudeva und die zuvor genannten Gestalten.
11.32 Hinzu treten Bhāratī, Pārvatī, Cāndrī und Śacī. Die dritte Umfassung besteht aus Damaka und den übrigen Elefanten, die vierte aus Anurāga und den folgenden Kräften.
11.33 Anurāga, Visaṃvāda, Vijaya, Vallabha, Mada, Harṣa, Bala und Tejas werden als die acht Pfeile der großen Śrī bezeichnet.
11.34 Die fünfte Umfassung besteht aus Indra und den übrigen, einschließlich Ananta und Brahmā. Die sechste bilden Vajra und die weiteren Waffen bis zu Diskus und Lotus.
11.35 Wer Śrī täglich so verehrt, den Mantra in der genannten Zahl wiederholt und die Feueropfer vollzieht, erlangt nach dem Text hohe Fülle. Binnen zwei oder drei Jahren werde er reich an Vieh, Kindern und Genüssen; beim Ende des Leibes gehe er in Viṣṇus ewigen Zustand ein.
11.36 Bei den genannten Śrī-Mantras soll der Hingebungsvolle auch die Śrīsūkta-Verse wiederholen und damit verehren und opfern. Beim ersten wird der Seher als »er selbst« bezeichnet; für die übrigen werden nun die Seher genannt.
11.37 Ānanda, Kardama und Cilkīta, der Sohn Indirās, werden als Seher der weiteren Ṛg-Verse angegeben.
11.38 Für die ersten drei Verse gilt Anuṣṭubh, für den mit »Kāṃ« beginnenden Bṛhatī; bei den beiden folgenden wird Triṣṭubh genannt. Für die danach kommenden acht gilt wiederum –
11.39 – Anuṣṭubh; der letzte hat Prastārapaṅkti als Versmaß. So werden die Versmaße der Reihe nach angegeben. Śrī und Agni sind die Gottheiten. Nun wird die Ordnung von Nyāsa und Gliedern erklärt.
11.40 Die Verse lege man der Reihe nach auf Scheitel, Augen, Ohren, Nase, Mund, Kehle, Arme, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, After, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße.
11.41 Mit den Benennungen Hiraṇmayī, Candrā, Rajatasraj, Hiraṇyasraj und Hiraṇyā werden die Glieder samt ihren Abschlussformeln gebildet; Hiraṇyavarṇā bildet die Waffenformel.
11.42 Möge Śrī, die Mutter der Welt, euch beständig Fülle schenken: Sie sitzt auf einem roten Lotus und gleicht dessen Blütenstaub. Ihre Lotushände gewähren Erfüllung und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusse. Eine Edelsteinkrone und mannigfaltige Schmuckstücke zieren sie.
11.43 Der Eingeweihte beginne am ersten Tag der hellen Monatshälfte, lebe enthaltsam, halte Körper und Kleidung rein und reinige Zähne und die übrigen Körperteile. Bis zum elften Tag vollende er zwölftausend Wiederholungen und verehre Ramā auf dem zuvor beschriebenen Sitz.
11.44 Die hier genannten Kräfte sind Padmā, Padmavarṇā, Padmasthā, Ārdrā, Tarpayantī, Tṛptā, Jvalantī und Svarṇaprākārā.
11.45 Diese werden zwischen der Gliederumfassung und den Richtungsherren verehrt; danach folgen Vajra und die übrigen Waffen. So ist das auf dem Sūkta beruhende Verfahren mit vier Umfassungen dargelegt.
11.46 Bei der Verehrung bringe der Mantrin hundertacht Opfergaben aus gekochter Nahrung und Ghee dar. Anrufung, Sitzgabe, Arghya, Fußwasser, Wasser zum Schlürfen, Honigtrank und Bad –
11.47 – Gewand, Schmuck, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise sowie die Verabschiedung vollziehe er hingebungsvoll mit den fünfzehn Mantras.
11.48 Zur Verwirklichung verwende der Gesammelte sie in der Verehrung einzeln und als Gesamtheit. Der Reihe nach opfere er gekochte Speisen, Bilva-Hölzer, Milchreis und Ghee.
11.49 Von jedem bringe er dreihundert Opfer dar und bewirte am zwölften Mondtag Brahmanen. Als Blumen werden Mandāra, Kunda, Kumuda, Nandyāvarta, Mālatī und Jāti –
11.50 – sowie Kahlāra, Lotus, roter Utpala, Ketaka, Campaka und ähnliche genannt. Beim täglichen Bad besprenge man sich dreimal mit diesen Sūkta-Versen.
11.51 Der Sonne zugewandt, wiederhole man sie ebenso oft und vollziehe entsprechend die Wassergabe. Nach dieser Ordnung verehre und opfere man täglich dreimal.
11.52 Wer dies sechs Monate lang tut, werde ein Herr der Fülle. In einen gerade geöffneten Lotus lege man frische Butter –
11.53 – in den Mittelteil, zwischen die Staubfäden und in die Zwischenräume der Blütenblätter. Dann hebe man den Lotus heraus und bringe ihn in gut entfachtem Feuer dar –
11.54 – mit dem letzten Ṛg-Vers; anschließend wiederhole man diesen hundertachtmal. Nach vierzig Freitagen werde große Fülle verheißen.
11.55 Mit dem Versanfang »Kāṃ so’smi« bringe man elf Ghee-Opfer dar. Wer dies sechs Monate täglich ausführt, soll große Fülle erlangen.
11.56 Mit diesen Sūkta-Versen opfere, wiederhole und verehre man; beim Eintauchen ins Wasser und beim täglichen Besprengen des Gesichts gebrauche man sie ebenso und vollziehe gesammelt die Wassergaben. Innerlich gereinigt, werde der Mantrin reich an Geld und Getreide, von allen geachtet und einer der Ersten unter den Wohlhabenden.
11.57 Die Namen beginnen: Śrī, Lakṣmī, Varadā, Viṣṇupatnī, Vasupradā, Hiraṇyarūpā, Svarṇamālinī und Rajatasrajā.
11.58 Es folgen Suvarṇaprabhā, Svarṇaprākārā, Padmavāsinī, Padmahastā, Padmapriyā sowie eine mit Muktā beginnende Benennung –
11.59 – Alaṅkārā, ferner Sūryā, Candrā, Bilvapriyā, Īśvarī, Bhukti, Pramukti, Vibhūti, Ṛddhi und Samṛddhi. [Die Verbindung von Muktā und Alaṅkārā über die Versgrenze ist lesungsunsicher.]
11.60 Weiter Tuṣṭi, Puṣṭi, Dhanadā, Dhaneśvarī, Śraddhā, Bhoginī, Bhogadātrī, Dhātṛ und Vidhātṛ.
11.61 Diese als zweiunddreißig bezeichneten Mantras der Śrī beginnen mit Praṇava und enden mit Verneigung. Mit ihnen bringe der Mantrakundige während der Verehrung die Bali-Gabe dar und vollziehe zu Tagesbeginn die Wasserspende für die große Göttin.
11.62 Wer Fülle sucht, soll nicht gesalbt essen, nicht nackt ins Wasser steigen und nicht unrein schlafen. Er soll die weiteren genannten Regeln zu Salbung, Sesamöl und Salz beachten, keine Unwahrheit sprechen, nicht schmutzig sein und nicht zwecklos auf dem Boden zeichnen. [Mehrere Verbverbindungen und die Vorschrift zu Bimba, Lotus und Droṇa sind beschädigt; ihr genauer Sinn bleibt offen.]
11.63 Sein Wandel sei rein, sein Körper mit reinen Blumen, Salbungen, Schmuck und Gewändern versehen, sein Haupt mit gutem Duft. Nägel und Zähne seien sauber, sein Denken rein und Viṣṇu ergeben, sein Lager sauber und schön. So lebe, wer dauerhafte Fülle sucht.
11.64 Es folgt eine historische, abwertende Liste von Frauen, deren Umgang offenbar gemieden werden soll: als boshaft, von gering geschätzter Herkunft, streitsüchtig, unterwegs angetroffen, unerwünscht, einem anderen zugetan oder selbst unzugeneigt bezeichnete Frauen; ferner sehr kräftige oder magere, sehr kleine oder große, kranke, genusssüchtige, häufig wechselnde Partnerinnen, königliche Geliebte, als unschön oder »krähenäugig« bezeichnete, allein umherziehende und von Menstruation betroffene Frauen. [Die Schlusswendung der Vorlage lautet positiv »berühre«; die erwartete Verneinung fehlt. Die Passage wird als zeitgebundene Wertung des Textes kenntlich gemacht.]
11.65 Wer dauerhafte Fülle sucht, sei friedlich, spreche zuerst selbst mit einem Lächeln und freundlichen Worten und sei von Mitgefühl bewegt. Er verehre Gottheiten, Lehrer, Gäste und Feuer, handle verdienstvoll, bade täglich und halte seine Gelübde ein. Er esse nach Westen gewandt und sei nach dem historischen Ordnungsbild des Textes seiner Lebensklasse und Lebensstufe verbunden.
11.66 Dem Śrī-Mantra ergeben, in Viṣṇus Einweihung gegründet, das Śrīsūkta wiederholend, klar im Denken und von gutem Wandel, mit der eigenen Ehepartnerin zufrieden, maßvoll im Sprechen und Essen und den Menschen lieb – so sei, wer dauerhafte Fülle sucht.
Kolophon: Hier endet der 11. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
12. Paṭala
Orientierung: Triputa-Mantra und verwandte Formen der Verehrung.
12.1 Aus den Bījas von Ramā, Bhuvaneśī und dem Liebesgott wird der Tripuṭa genannte Mantra gebildet. Er soll die Früchte aller Lebensziele und Ruhm gewähren, die Welt erfreuen und dichterische Kraft schenken.
12.2 Mit den drei jeweils zweimal gesprochenen Bījas bilde der Übende die Glieder. Oder er verwende eines der beiden zuvor gelehrten Gliederverfahren.
12.3 Man stelle sich die Göttin sitzend vor: auf einem Lotus, der auf einem edelsteinbesetzten Thron ruht, unter einem Wunschbaum, auf einem Juwelenboden über einer wie frisches Gold leuchtenden Erde –
12.4 – mit Edelsteinkrone, funkelnden Ohrringen, Oberarmreifen, Armbändern, Gürtel und Fußschmuck. Sie hält zwei Lotusse, Schlinge, Haken beziehungsweise Stachelgerte, Zuckerrohrbogen und Blumenpfeile; ihre Farbe ist die frischen Goldes.
12.5 Botinnen mit Yakschweifwedel, Spiegel, Kästchen und Betelbehälter umgeben sie. Mit freundlichem Blick schaut sie den Übenden an.
12.6 So vergegenwärtige man Yogeśvarī und wiederhole den Mantra zwölf Lakshas, also 1.200.000-mal. Danach bringe man zwölftausend Opfer mit Hölzern des Śrī- und Königsbaums sowie Japā-Blüten dar, verbunden mit süßen Stoffen.
12.7 Man verehre die Glieder sowie Lakṣmī und Hari, die Bergtochter und Śarva, Rati und den Liebesgott an den sechs Ecken, zusammen mit den beiden Schätzen. Außen folgen die Mütter und die Richtungshüter in weiblicher Gestalt. Diese Verehrungsordnung der Göttin gilt selbst für die Götterscharen als verehrungswürdig.
12.8 Man lege die Bījas von Lakṣmī, Gaurī und dem Liebesgott in die Kalā, diese in den Bindu und diesen in den Raum. Diesen denke man zinnoberrot und die ganze Welt als daraus bestehend. So könne der Mantrin nach dem Text selbst Götter beeinflussen, um wie viel mehr Menschen.
12.9 Wer sich diesem Mantra gesammelt widmet oder die Verehrung vorschriftsmäßig vollzieht, erlangt die sichtbaren Freuden und danach jenen göttlichen Zustand, die höchste Wohnstätte.
12.10 Nun wird der Mantra der Erde mit Praṇava, Verneigung, der Anrede an Bhagavatī, weiteren Dhara-Lauten und dem doppelten Ṭha-Abschluss angegeben. Er soll vorzügliches Land, Glück, Kinder, Geld, Getreide und Ruhm schenken. [Die innere Lautfolge ist beschädigt; eine vollständige Rezitationsfassung lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.]
12.11 Varāha ist der Seher, Nicṛt das Versmaß und Dharaṇī die Gottheit. Das Gliederverfahren entsteht aus diesem Mantra, indem er in sechs Wortgruppen geteilt wird.
12.12 Möge Viśvambharā, die Geliebte des Kaiṭabha-Feindes, euch stets das Erwünschte schenken: Sie sitzt auf einem herrlichen Lotus, mit roten Fußsohlen und dunklem, anmutigem Leib. Auf ihrer Hand glänzt ein Papagei, der an einer bewegten Reisähre pickt; sie hält auch einen blauen Lotus. Edelsteinschmuck, Juwelenkrone und bunte Gewänder zieren die freundlich Blickende.
12.13 Die Wiederholung des Erd-Herzmantras umfasst hunderttausend Wiederholungen, gefolgt von einem Feueropfer in einem Zehntel dieser Zahl. Dabei wird reiner Milchreis mit Ghee geopfert. Dieses Verfahren gilt als alle Vollendungen gewährend.
12.14 Auf dem Sitz Viṣṇus verehre der Gesammelte die Erde mit den zuvor gelehrten Mantras, den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Lebenswind, den bis Śānti reichenden Śaktis und den Richtungshütern sowie den rituellen Gaben.
12.15 Wer tausend Opfer mit Priyaṅgu-Blüten, blauen oder roten Lotussen darbringt, benetzt mit den drei süßen Stoffen, soll Land erhalten, das reich an Rindern und Feldfrüchten ist.
12.16 Wer täglich hundert goldbraune, volle Reisrispen mit den drei süßen Stoffen opfert, dem soll innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums ausgedehntes Land zufallen.
12.17 An einem Freitag koche man die Speise in Wasser, das mit Erde vom gewünschten Grundstück vermischt ist. Mit Milch und Ghee versehen bringe man davon tausend Opfer dar, oder opfere bei Tagesanbruch mit der betreffenden Milch.
12.18 Dieses sechs Monate lang an jedem Freitag vollzogene Opfer soll ertragreiche Ländereien, Kinder, Rinder und Büffel sowie täglich wachsende, umfassende und erwünschte Fülle bringen.
12.19 Damit ist der Herzmantra der Erde in Kürze zum Wohl der Menschen ohne Land erklärt. Wer sich ihm widmet, werde hier reich an Land und Fülle und erlange jenseits die höchste Vollendung.
12.20 Nun wird die Tvaritā genannte Vidyā gelehrt, die den der Mantrawiederholung Ergebenen die vier Lebensziele erschließen soll, mit ihren Regeln für Wiederholung, Feueropfer und Verehrung.
12.21 Weil sie hingebungsvollen Mantrins rasch Vollendung gewährt und Gift, Besessenheit und Ähnliches schnell beseitigen soll, trägt die Göttin den Namen Tvaritā, »die Schnelle«.
12.22 Ein zehnlautiger Mantra wird durch Schutzformeln, Śiva, weitere verschlüsselte Laute, Yoni und Waffenabschluss beschrieben und mit Praṇava versehen. [Die Buchstabenanweisung ist stark beschädigt und wird nicht spekulativ ausgeschrieben.]
12.23 Nach dem Praṇava und vor der Waffenformel füge der Mantrin das Māyā-Bīja ein. Dadurch werde den Mantrakundigen das erhoffte Ziel bald zuteil.
12.24 Beginnend mit dem als Kūrma bezeichneten Laut bilde man mit Zweiergruppen, unter fortschreitender Auslassung der zuvor verwendeten Laute, der Reihe nach die sechs Glieder; insgesamt werden sieben Laute genannt. [Die genaue Verteilung bleibt in der knappen Lesart unsicher.]
12.25 Man vollziehe Nyāsa an Kopf, Stirn, Kehle, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen. Mit dem ganzen Mantra durchdringe man anschließend den gesamten Leib.
12.26 Man denke sie dunkelhäutig, mit roten lotusgleichen Fußsohlen und Fußreifen aus Schlangen der Śūdra-Klasse. Sie trägt ein goldenes Gewand und einen Gürtel aus zwei Schlangen der Vaiśya-Klasse.
12.27 Ihre Mitte ist schlank wie eine Ranke, ihre Brüste sind voll; ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Armreifen aus Pfauenfederkielen und aus Guñjā-Samen gefügter roter Schmuck zieren sie.
12.28 Ihre Oberarmreifen bestehen aus Schlangen der Königsklasse; am Hals trägt sie vielfältigen Edelsteinschmuck. Ohrgehänge aus Schlangen der Brahmanenklasse schmücken ihre beiden spiegelglatten Wangen.
12.29 Ihre Lippen leuchten tiefrot wie junge Blätter und Korallen. Sie blickt freundlich, ihr Gesicht ist vollmondgleich, und ihre drei länglichen Augen gleichen roten Lotussen.
12.30 Lockiges Haar umspielt ihre Krone, die mit den Federn des Schlangenfeindes, des Pfaus, geschmückt ist. Als Kirāta-Frau strahlt sie mit Waldblumen und trägt einen Schirm aus Pfauenfedern als Zeichen.
12.31 Jugendlich sitzt sie auf einem schönen Löwenthron, eine Wohnstätte aller Anmut. So meditiere man auf die Tvaritā genannte Göttin und vollziehe Wiederholung, Verehrung und Feueropfer.
12.32 Nach der Einweihung durch den Lehrer wiederhole der gesammelte Übende den Mantra hunderttausendmal und bringe ein Zehntel dieser Zahl als Opfer mit Bilva-Hölzern dar, benetzt mit den drei süßen Stoffen.
12.33 Man rufe die Göttin auf einem Lotus über einem von acht Löwen getragenen Thron herbei und verehre sie zusammen mit den Gliedern und der gelehrten Gāyatrī in der Folge der Himmelsrichtungen.
12.34 Zu verehren sind Huṅkārā, Khecarī, Caṇḍā, Chedanī, Kṣapaṇī, Strī, Huṅkārī und Kṣemakārikā. [Einige Namen sind in der Vorlage undeutlich getrennt.]
12.35 Mit dem Śrī-Bīja und den Waffen und Schmuckzeichen der Weltenhüter versehen, stehen sie an den Blattspitzen. Vorne wird Phaṭkārī verehrt, außerhalb davon die Bogen und Pfeile tragende Gestalt.
12.36 An den Toren verehre man Jayā und Vijayā mit goldenen Stäben. Vor ihnen steht der schwarze Diener mit struppigem Haar und Keule.
12.37 Mit rotem Sandel, Blumen und Waldblüten, Räucherwerk, Lichtern, vorzüglichen Speisen, Tanz und Gesang verehre man sie, den Leib unter der Last der Hingabe geneigt.
12.38 Wenn der Mantra durch die verschiedenen Formen von Wiederholung, Feueropfer und Verehrung vollendet ist, sollen Frauen, Männer und Könige dem Mantrin beständig Ehrerbietung erweisen.
12.39 Vidyādharīs, Yakṣiṇīs, Frauen der Götter, Asuras, Siddhas und Cāraṇas sowie vorzügliche Apsaras erscheinen in der folgenden Verheißung mit einem auf den Übenden gerichteten, aufgewühlten Herzen.
12.40 Von den Pfeilen des Liebesgottes erschüttert, mit aufgerichteten Härchen an ihren schlanken Körpern, tragen sie Schweißtropfen wie Perlen auf Brüsten und Wangen.
12.41 Hüften, Brüste und Achseln treten deutlich hervor; ihre Schritte sind unsicher, ihre Lotusaugen halb geschlossen und ihre Lippen bewegen sich zitternd.
12.42 Gewänder und Haare lösen sich; vom Rausch des Verlangens überwältigt, sprechen sie langsam und stockend. Sanft legen sie die gefalteten Hände an den Kopf, verneigen sich und begehren seine Zuwendung.
12.43 »Blicke uns an, sprich zu uns! Schenke uns die höchste Freude deiner Umarmung. Komm, wir wollen uns in den Gärten der Götter und anderswo frei und unbesorgt erfreuen.«
12.44 Wenn der Mantrin, obwohl er durch solche Worte verlockt wird, unbewegt bleibt, kommt die Göttin selbst und schenkt ihm alles Erwünschte.
12.45 Im Inneren der Opfergrube gestalte man die Yoni und entzünde dort das Feuer. Nach der zuvor gelehrten Verehrung bringe der Mantrin die Opfer für die verschiedenen Ziele dar.
12.46 Zuckerrohrstücke werden dem Gedeihen, Dūrvā-Gras dem eigenen langen Leben, Getreide der Fülle, Gerste dem Getreidezuwachs, Weizen der Kräftigung und Sesam der Vermehrung des Wohlstands zugeordnet.
12.47 Jambū-Früchte werden dem Goldgewinn, Senfsamen der Beruhigung von Feinden, ungebrochene Reiskörner unerschöpflichem Erfolg, Vakula-Blüten dem Ruhm und Kunda-Blüten großem Aufstieg zugeordnet.
12.48 Rote Lotusse dienen der Kräftigung, Madhūka-Blüten der Wunscherfüllung, Aśoka-Blüten dem Kinderwunsch, Pāṭala-Blüten dem Erlangen einer Partnerin und Nimba-Blüten der Erzeugung von Feindschaft.
12.49 Mit blauen Lotussen opfere man für Zufriedenheit, mit Campaka-Blüten für Gold und mit Lotussen zusammen mit Kiṃśuka-Blüten für die Beruhigung aller Bedrängnisse.
12.50 Die Opferzahl beträgt tausend, hunderttausend oder zehntausend. So viele Opfer vollzogen werden, ebenso oft soll der Mantrin den Mantra wiederholen.
12.51 Das Besprengen mit mantra-geweihtem Wasser wird als giftstillend beschrieben; ebenso das Berühren beziehungsweise Schlagen mit einem geweihten Stab und das Auftreffen einer Handvoll geweihten Wassers.
12.52 Durch das Sprechen des Mantras in das Ohr sollen Gift, Besessenheit und weitere Leiden sogleich verschwinden. Auch die Aufstellung des zugehörigen Yantras gilt als Mittel zur Beruhigung von Gift und Geistereinflüssen.
12.53 In die Mitte wird der Name mit Praṇava geschrieben; auf hundertzwanzig Feldern folgt zwölfmal der mit Śarva beginnende Mantra im Uhrzeigersinn. Das Yantra besitzt weitere durch Zahlenwörter beschriebene Spitzen. Geweiht und angebunden soll es Gift- und Besessenheitsleiden abwehren sowie Sieg, Fülle und Ruhm bringen. [Die genaue Zahl und Verteilung der Spitzen ist in der Vorlage beschädigt.]
12.54 Nun folgt ein als Nigraha, »Niederhaltung«, bezeichnetes Rad: Der Zielname steht in der mittleren Feuerfigur, in den Richtungsreihen stehen bestimmte Hūṃ-, Kṣrūṃ-, Crūṃ- und Chrūṃ-Laute. In den als vierundsechzig bezeichneten Feldern wird der Kālī-Mantra in vorwärts und rückwärts laufender Ordnung angeordnet und außen von Feuerzeichen umgeben. Dem Rad wird die schädigende Wirkung zugeschrieben, Feinde in Yamas Stadt zu führen.
12.55 [Dieser Vers enthält eine symmetrisch angelegte Folge von Mantralautelementen, beginnend mit Kālī und Māra, keine fortlaufend übersetzbaren Sanskrit-Sätze. Die vollständige Lautfolge bleibt in den parallel geführten IAST- und Devanagari-Ausgaben erhalten; eine deutsche Bedeutungsübersetzung wäre hier erfunden.]
12.56 [Auch dieser Vers setzt die palindromartig angeordneten Mantralaute fort. Die Bestandteile Yama, Māyā und weitere Silben bilden keine sicher übersetzbare Aussage. Der Wortlaut ist in beiden Sanskrit-Ausgaben vollständig bewahrt.]
12.57 Der historische Schadensritus nennt als Schreibmittel eine Mischung aus Feuerexkrement, Nimba-Saft, Gift und Tinte; als Träger Blei, ein Leichentuch oder Stein und als Schreibfeder eine Krähenfeder. Das gezeichnete Yantra soll an einem Ameisenhügel, einer Wegkreuzung oder in einer Baumhöhlung niedergelegt werden. Dem Feind werden daraufhin Tod, Gliederschädigung, Krankheit oder Sturz angedroht. [Der erste Stoffname ist unklar; die Passage wird als Textzeugnis eines Schadenszaubers wiedergegeben.]
12.58 In einem Rad aus acht mal acht Feldern werden mit Kālī, Śiva und Yātudhāna beginnende Lautgruppen angeordnet, von Yama-, Feuer- und Windzeichen umgeben und mit den genannten Gift-, Daṇḍin- und Markaṭī-Stoffen bestrichen. [Die Pflanzen- und Stoffbezeichnungen sind nicht sicher identifiziert.]
12.59 Wo der Mantrin dieses geweihte Rad mit der Vorderseite nach unten niederlegt, sollen nach der Schadensbehauptung des Textes täglich umfassende Bedrängnisse entstehen.
12.60 Es folgt die Gegenform: In einundachtzig Feldern steht der Zielname im mittleren Mondzeichen; in den vier Richtungsreihen eine mit Juṃsaḥ beginnende Formel. In die verbleibenden vierundsechzig Felder werden Lakṣmī-Laute eingetragen, außen die Tvaritā-Formel in der angegebenen, chiffrierten Reihenfolge.
12.61 Die Richtungen tragen Waffenformeln mit Vaṣaṭ als Abschluss; die Figur wird von einer Lautgirlande und einem Gefäß umschlossen. Sie ruht auf einem Lotus, auch die Gefäßöffnung trägt einen Lotus. Dieses Rad heißt Anugraha, »Begünstigung«.
12.62 [Der Vers gibt die symmetrische Mantralautfolge für das begünstigende Rad, beginnend mit Śrī und Māyā. Sie ist nicht als Satz übersetzbar und wird in IAST und Devanagari vollständig überliefert.]
12.63 Wer dieses Yantra mit rotem Lack oder Safran auf weißes Tuch oder eine Goldplatte schreibt, dabei einen goldenen Stift verwendet, es fest zu einer Kapsel formt und trägt, dem verheißt der Text Schutz vor Schadenszauber, Tod, Besessenheit, Gift und Unheil sowie langes Leben mit Kindern, Enkeln und großer Fülle.
12.64 Oder der Kundige ordne diesen Lakṣmī-Mantra in vierundsechzig Feldern an, beginnend bei Śiva beziehungsweise im Südwesten und von vier Nektarzeichen umgeben. Nach dem früheren Verfahren werde das Rad auf einen reinen oder goldenen Träger geschrieben, geweiht und am betreffenden Ort niedergelegt.
12.65 An dem Ort, an dem dieses Anugraha-Rad liegt, sollen ununterbrochen glückverheißende Güter entstehen: reiche Ernte, Regen zur rechten Zeit und weitere Formen des Gedeihens.
12.66 In Hūṃ schreibe man den Zielnamen, darunter in den Mittelteil die verbleibenden Laute und auf die Blätter die acht Laute. Dreimal von Hara-Māyā umgeben, steht das Yantra in einem Gefäß, das von einem Lotus umschlossen ist. Es wird für umfassenden Schutz gelehrt, zur Beruhigung aller Bedrängnisse, zur Fülle und zur Einflussnahme.
12.67 Wer den Mantra auf diese Weise täglich achtet und die als Totalā bezeichnete Göttin nach der gelehrten Ordnung verehrt, erlangt nach dem Text umfassende Fülle in der Welt und beim Ende des Leibes, frohen und gesammelten Geistes, Befreiung.
12.68 Nun wird ein zwölflautiger Mantra durch eine lange Reihe von Lautchiffren beschrieben, die mit dem Liebesgott beginnt und auf beiden Seiten von Śakti eingeschlossen wird. [Die verschlüsselte Folge ist in der Vorlage so beschädigt, dass keine sichere Rezitationsfassung daraus hergestellt wird.]
12.69 Mit Gruppen von zwei, einem, zwei, zwei und nochmals zwei Mantralauten bilde der Mantrin die Glieder samt den zugehörigen Abschlussformeln. [Die vorliegende Zahlenaufzählung deckt sich nicht eindeutig mit der zuvor genannten Mantralänge.]
12.70 Ihre leuchtende Krone trägt die Mondsichel, ihre drei Augen sind vom Liebesrausch bewegt. Auf einem Boot, das auf den Wellen eines Blutmeeres schaukelt, sitzt sie auf einem strahlenden zwölfblättrigen Lotus.
12.71 Ihre Hände tragen Granatapfel, Pfeil, Schlinge, Haken, Bogen und Schädelschale. Mit rotem Gewand, roter Salbung und roten Girlanden, selbst tiefrot, möge die Göttin euch schützen.
12.72 So denke man an die ewige Göttin und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Zur Vollendung bringe man danach zehntausend Opfer mit Hölzern des Königsbaumes oder mit Ghee dar.
12.73 Auf dem Śakti-Sitz verehre man die Göttin mit roten Blumen und Salbungen; auch der eigene Leib sei geschmückt. Räucherwerk, Lichter, Speisen und Betel werden dargebracht.
12.74 Hṛllekhā, Kledanī, Nandā, Kṣobhaṇī, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī und Madanāvatī –
12.75 – ferner Mekhalā, Drāviṇī, Vegavatī und Smārā sind die zwölf auf den Blütenblättern stehenden Śaktis.
12.76 Mit den Gliedern, diesen Śaktis, den Müttern und den Richtungsherren verehre der Mantrin sie täglich der Reihe nach, in Hingabe gebeugt, um die Furcht vor dem Daseinskreislauf zu brechen.
12.77 Wer diesen Mantra verehrt, soll ungefährdet leben, unberührt von Armut, Krankheit, Leid, Unglück, Alter und vorzeitigem Tod.
12.78 So ist zum Wohl der Welt Vajraprastāriṇī gelehrt, die Wohnstätte der Fülle. Als Pfeil der Verzauberung gilt sie als betörend für alle Frauen, Männer und Könige.
12.79 Nun folgt eine weitere, mit Māyā beginnende Mantraformel mit den Bestandteilen Nidrā, Klinna und Mada sowie einem Kopfabschluss. Aus Lautpaaren wird ihr Gliederverfahren gebildet. [Die Wort- und Silbentrennung der Vorlage ist beschädigt.]
12.80 Möge die Göttin Pārvatī euch beständig schützen, unermessliche Früchte spendend: rot, mit rotem Gewand, Blumen und Salbungen, den Mond auf dem Haupt; das Gesicht von Schweiß benetzt, die drei Augen vom Rausch bewegt. Ihre Hände tragen Schlinge, Haken und Schädelschale und gewähren Furchtlosigkeit; sie sitzt auf dem Lotus.
12.81 Der Eingeweihte wiederhole diesen Mantra hunderttausendmal. Danach bringe er zehntausend Opfer mit süß benetzten Madhūka-Blüten und ebenso mit der Opferspeise dar.
12.82 Den Sitz verehre man wie zuvor, rufe dort die Göttin herbei und verehre sie gesammelt mit den Gliedern, den Śaktis und den Weltenhütern.
12.83 Die Śaktis heißen Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā, Madadravā, Drāviṇī und Draviṇā.
12.84 Der Vers beschreibt eine nächtliche Anziehungspraktik: Wer auf dem Lager liegend tausend Mantrawiederholungen vollzieht und dabei eine bestimmte Frau vergegenwärtigt, dem werde sie bald, von den Pfeilen des Liebesgottes und von Verlangen bewegt, erscheinen.
12.85 Es gebe in der Welt keine den Nityā-Mantras vergleichbaren Mantras, die Fülle schenken und die Menschen erfreuen. Darum sollen wohlgesinnte Menschen ihnen beständig durch Wiederholung, Verehrung, Feueropfer und besondere Meditationen dienen.
Kolophon: Hier endet der 12. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
13. Paṭala
Orientierung: Durga-Mantras und Anwendungen.
13.1 Nun erkläre ich die Mantras Durgās mit ihren Gliedern und Gottheiten sowie den Regeln für Wiederholung, Verehrung und Feueropfer, zur Freude der Mantrawiederholenden.
13.2 Praṇava, Māyā und der mit Atri-Sitz und Bindu versehene Götterherr bilden die Lautfolge; derselbe Laut erhält auch Visarga. Es folgen die als »gāyai« bezeichnete Endung und die Verneigung. [Die Mantrabildung ist chiffriert und in dieser Lesart nicht eindeutig.]
13.3 Durgā ist die Gottheit, Gāyatrī das Versmaß und Nārada der Seher. Praṇava, Māyā, »Durgāyai« und die mit Hrām beginnenden Formen dienen der Bildung der Glieder.
13.4 Ich verneige mich vor Durgā, die alle Arten von Unheil beseitigt: In ihren Händen hält sie Muschelhorn, Diskus, Bogen und Pfeil. Dreiäugig, mit einer Krone, in der die Mondsichel glänzt, sitzt sie auf dem Löwen. Götter und Siddhas preisen sie; ihre Farbe gleicht Dūrvā-Gras.
13.5 Nach Weihebad und Einweihung wiederhole man den Mantra acht Lakshas, also achthunderttausendmal. Danach bringe man Milchreis mit Ghee als Feueropfer dar –
13.6 – oder achttausend süß benetzte Sesamgaben. Bei der Verehrung des Sitzes werden der Reihe nach seine neun Śaktis verehrt.
13.7 Sie heißen Prabhā, Māyā, Jayā, Sūkṣmā, Viśuddhā, Nandinī, Suprabhā, Vijayā und als neunte Sarvasiddhidā.
13.8 Diese verehre man mit den Vokalen unter Auslassung der drei kurzen und der als geschlechtslos bezeichneten Laute. Nach Praṇava spreche man die Bezeichnung Vajra und dann die Krallen- und Zahnwaffen an –
13.9 – danach »dem großen Löwen«, gefolgt von Schutz-, Waffen- und Verneigungsformel. Dies ist der Löwen-Mantra; damit ist die Gestaltung des Sitzes erklärt.
13.10 Die erste Umfassung besteht aus den Gliedern, die zweite aus den Śaktis, die dritte aus acht Waffen und die vierte aus den Weltenhütern.
13.11 Ihre Waffen bilden die fünfte Umfassung. So ist Durgās Verehrung geordnet. Die Kräfte beginnen mit Jayā, Vijayā, Kīrti, Prīti und Prabhā –
13.12 – danach folgen Śraddhā, Medhā und Śruti, jeweils mit dem eigenen Anfangslaut. Diskus, Muschelhorn, Keule, Schwert, Schlinge, Haken, Pfeil und Bogen –
13.13 – sind der Reihe nach Durgās acht Waffen, die Bedrängnis beseitigen. Wenn der Durgā-Mantra so durch Wiederholung, Feueropfer und Verehrung wirksam geworden ist –
13.14 – wird der Mantrin nach dem Text reich, langlebig und Sieger über Unheil. Welche eigenen Wünsche er auch anstrebt, sie soll er durch Bemühen erlangen.
13.15 Man weihe das Gefäß nach dieser Ordnung und vollziehe das Weihebad. Der so Geweihte soll von Bhūtas, Vetālas, Piśācas und ähnlichen Einflüssen frei werden. Ein nach diesem Verfahren geweihter König soll seine Gegner überwinden. [Das letzte Verb ist in der Vorlage unsicher.]
13.16 Einer Frau, die dieses Weihebad empfängt, wird ein wohlgesitteter Sohn verheißen. Zweitausend Opfer mit Sesam und Senfsamen werden als Mittel zum Schutz der Schwangerschaft beschrieben.
13.17 Durch dieselbe Folge von Wiederholung, Weihebad und Feueropfer soll die Zuneigung der Menschen gewonnen werden. Die vorzüglichen Weisen haben dieses Verfahren ursprünglich zur Erfüllung aller Ziele der Verehrenden bestimmt.
13.18 Der folgende Mantra beginnt mit: »Steh auf, Puruṣi! Warum schläfst du? Furcht ist mir nahegekommen. Wenn …«
13.19 Er fährt fort: »… es möglich oder unmöglich ist, o Bhagavatī, stille es mir!« Darauf folgt der doppelte Ṭha-Abschluss. So wird ein siebenunddreißiglautiger Mantra gelehrt.
13.20 Āraṇyaka ist sein Seher, Atyanuṣṭubh sein Versmaß und Vanadurgā die Göttin. Seine Glieder werden aus dem eigenen Mantra durch Teilung in Satzabschnitte gebildet.
13.21 Mit Gruppen von sechs, vier, acht, acht, sechs und fünf Lauten, versehen mit den jeweiligen Abschlussformeln, bilde der klarsichtige Übende die sechs Glieder.
13.22 Die Laute lege man auf beide Füße, die Gelenke, After, Geschlechtsbereich, Grundzentrum, Bauch, Seiten, Herz, Brüste, Kehle, Armgelenke, Gesicht, Nase, Wangen, Augen, Ohren und Brauen.
13.23 Ich verneige mich vor der göttlich gestalteten Durgā: goldglänzend, die Mondsichel in der Krone, mit Muschelhorn und Diskus sowie den Gesten von Erfüllung und Furchtlosigkeit. Dreiäugig sitzt sie auf einem goldenen Lotus, gelb gekleidet und freundlich.
13.24 Möge Durgā euch Fülle schenken: Auf dem Kopf des Büffels stehend, gleicht sie frischem Dūrvā-Gras. Sie trägt Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen und Dreizack und erhebt den drohenden Zeigefinger.
13.25 Ihre Waffen sind Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schädelschale, ferner Ṛṣṭi-Speer, Keule, Lanze, Nandaka-Schwert, Ring, Streitkolben, Bhiṇḍipāla-Wurfwaffe und Śakti-Speer.
13.26 Mit sechzehn erhobenen Armen steht sie auf dem Büffel und gleicht einer Regenwolke. Oder sie sitzt feuerfarben auf einem Löwen; oder sie ruht smaragdglänzend auf einem Lotus.
13.27 Sie trägt ein Tigerfell und allen Schmuck, besitzt drei Augen und dunkle Locken, in die Schlangen geflochten sind. Krone und Mondsichel strahlen über ihrem Haar.
13.28 Schlangen bilden ihre Armreifen, Fußreifen, ihren Gürtel, Oberarmschmuck und ihre Halskette. Den Göttern gewährt sie Furchtlosigkeit, den Dämonen Furcht. So soll Kātyāyanī bei den Anwendungen meditiert werden.
13.29 Mit gesammeltem Geist wiederhole man den Mantra vierhunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Reis, Sesam, Ghee und Opferspeise. Dabei vergegenwärtige man Bhagavatī deutlich im Feuer.
13.30 Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man Durgā der Reihe nach mit den Gliedern, den acht Śaktis, den acht Waffen, den Müttern und den Richtungsherren.
13.31 Die Śaktis heißen Āryā, Durgā, Bhadrā, Bhadrakālī, Ambikā, Kṣemyā, Vedagarbhā und Kṣemakarī.
13.32 Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schädelschale sind die acht Waffen in ihrer Reihenfolge. Das Übrige wird wie bei der vorangehenden Ordnung ausgeführt.
13.33 Für den Mantrin, dessen Mantra durch Wiederholung, Verehrung und Feueropfer vollendet ist, wird folgende Anwendung gelehrt: Zum eigenen Schutz wiederhole er täglich hundert- oder tausendmal.
13.34 Auf welches Ziel gerichtet er diesen Mantra tausend- oder zehntausendmal wiederholt, das soll er durch die Gnade der Göttin bald erlangen, selbst wenn es unerreichbar erscheint.
13.35 Nach dem Bad stehe man der Sonne zugewandt bis zum Nabel im Wasser und wiederhole hundertachtmal, um das Erwünschte und Fülle zu erlangen.
13.36 Bei Fieber, Schlangenbiss oder Besessenheit stelle man die Göttin mit dem Dreizack vor, berühre den Kopf des Betroffenen und wiederhole den Mantra. So werde nach dem Text die dadurch entstandene Bedrängnis beruhigt.
13.37 Zehntausend Opfer mit wild wachsendem Sesam, Senfsamen oder Māyūrikī-Holz werden als Mittel gegen Epilepsie und ähnliche Leiden beschrieben.
13.38 Zehntausend Opfer mit sprossentragenden Rohiṇa-Hölzern dienen nach dem Text der Befreiung von Gefahren, dem umfassenden Gedeihen und der Beruhigung von Besessenheit und Ähnlichem.
13.39 Beginnend an einem Sonntag bringe man tausend Arka-Hölzer dar. Noch vor Ablauf von zehn Tagen werde durch die Gnade der Göttin das Erwünschte erreicht.
13.40 Drei Tage oder sieben Nächte lang opfere der Mantrin reine, kernige Holzstücke, jedes einzelne mit dem Mantra, um seinen Wunsch zu erfüllen.
13.41 Es folgt eine kriegerische Anwendung: Dreißig Pfeile werden bereitgelegt; mit scharfem Öl werden tausend oder zehntausend Opfer vollzogen. Nach Vollendung der Zahl –
13.42 – bestreicht man die Pfeile mit dem dabei geweihten Öl und wiederholt den Mantra wie zuvor. Ein tapferer, im Bogenschießen kundiger Mann von reinem Wandel soll die Pfeile abschießen –
13.43 – in die gegnerische Armee, die daraufhin nach der Behauptung des Textes verwirrt flieht. Anschließend soll der Auftraggeber den Lehrer mit Geld und Getreide ehren.
13.44 Wer einem Menschen hundertachtmal besprochene Verbrennungsasche auf den Kopf streut, soll bewirken, dass dieser von den Menschen gemieden wird und von Land zu Land umherirrt.
13.45 Ein Opfer mit achttausend vom Wind abgefallenen Kāraskara-Blättern und Fußstaub des Gegners wird als Mittel zu dessen sofortiger Vertreibung beschrieben.
13.46 Tausend Blüten des »Giftbaums« werden dem Stillstellen einer Armee zugeordnet, ebenso viele Blätter desselben Baumes ihrer Umkehr.
13.47 Für einen weiteren Schadensritus wird eine Figur des Feindes aus dem Holz des Giftbaums hergestellt und rituell belebt; sie wird wiederholt zerteilt und mit Krähen- und Eulenfett bestrichen –
13.48 – und ihre Teile werden am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte um Mitternacht im Wald als achttausend Opfer dargebracht. Der Text behauptet, der Feind werde vor der dritten solchen Anwendung sterben.
13.49 Auch Opfer mit Krähen- und Eulenfedern, verbunden mit deren Fett und Blut, werden als tödlicher Schadenszauber beschrieben; tausend Opfer mit Unmatta-Holz sollen Verwirrung hervorrufen. [Die Worttrennung am Versende ist beschädigt.]
13.50 Wird die rituell belebte Figur in heißes Wasser gelegt und der Mantra wiederholt, soll der Feind wahnsinnig werden. Ein Begießen mit Milch wird als Aufhebung dieser Wirkung beschrieben.
13.51 Die rote Göttin in der Sonnenscheibe, mit Dreizack und drohendem Zeigefinger, wird als Meditationsgestalt für zehntausend Wiederholungen zur angeblichen Vernichtung feindlicher Scharen genannt.
13.52 Zornig, mit Schwert und Schild in der Sonne stehend, soll sie durch dieselbe Wiederholungsweise töten; auf dem Löwen sitzend, mit Pfeil und Bogen, die Gegner rasch vertreiben.
13.53 Zehntausend Opfer mit Giftbaumholz sollen Elefanten erkranken lassen; dessen Blätter werden ihrer Vernichtung und dessen Blüten ihrer Vertreibung zugeordnet.
13.54 Dagegen sollen Opfer mit Anitya-Holz die Krankheiten der Elefanten rasch beseitigen. Süß benetzte Blüten derselben Pflanze gelten als Mittel, Elefanten gefügig zu machen.
13.55 Mit den drei süßen Stoffen verbundene Anitya-Blätter sollen die Tiere in Erregung versetzen. Eine Salbung mit mantra-geweihtem Pañcagavya wird als Schutz der Elefanten beschrieben.
13.56 Je tausend Opfer mit Ghee, Sesam, Senfsamen, Anitya, Milch, Wasser, Pañcagavya und Reiskörnern, jeweils mit Ghee verbunden, gelten als gedeihlich für Elefanten und Pferde.
13.57 Man fälle einen großen »Brahmanenbaum« und teile ihn in fünf Stücke. Ein tüchtiger Handwerker fertige daraus fünf Waffen in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen.
13.58 Die fünf sind Muschelhorn, Nandaka-Schwert, Diskus, Śārṅga-Bogen und Kaumodakī-Keule. Man lege sie in Pañcagavya und wiederhole den Mantra fünftausendmal.
13.59 Ebenso viele Ghee-Opfer werden vollzogen und die geweihten Reste auf die Waffen gegeben. Nach nochmals derselben Wiederholungszahl werden sie zusammen mit Pañcagavya in die Gruben in der Mitte und den übrigen Orten gelegt –
13.60 – diese werden eingeebnet, und mit den zugehörigen Mantras wird überall eine Bali-Gabe dargebracht. So soll der Mantrakundige Schutz für Städte, Länder und Dörfer bereiten.
13.61 Wo dieser Schutz eingerichtet ist, soll große Fülle wachsen, Geld und Getreide sollen gedeihen, und Feinde, Diebe und andere Störer sollen keinen Schaden anrichten.
13.62 Lotus-, Utpala- und Kumuda-Opfer werden der Einflussnahme auf König, Frauen und Brahmanen zugeordnet; Kahlāra- und Salzopfer auf Vaiśyas und Śūdras, Jāti-Blüten auf ein Dorf.
13.63 Oder man meditiere auf Mukunda mit Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus in der Sonnenscheibe und wiederhole den Mantra, wobei die Wörter Puruṣa und Bhagavatī entsprechend vertauscht werden. Dies gilt als alle Ziele verwirklichend.
13.64 Ein weiterer Anziehungsritus setzt die Namenslaute der Zielperson in den Mantra ein, schreibt ihn auf ein Blatt und legt dieses ins Herz einer aus Töpferton gefertigten Figur. Sie wird sieben Tage gegenüber aufgestellt; an den drei Tagesübergängen folgen jeweils achthundert Wiederholungen. Der Text verheißt dadurch dauerhafte Unterwerfung der Zielperson.
13.65 Achthundert Reisopfer sollen innerhalb eines Jahres Getreidereichtum, Kuhmilchopfer Viehbesitz, Ghee Gold und Dickmilch umfassendes Gedeihen bringen. Gekochte Nahrung wird der Speisefülle, Honig den Edelsteinen und Dūrvā dem langen Leben zugeordnet. Ein Opfer am ersten Mondtag soll sogleich große Fülle bewirken.
13.66 Nun wird der Śūlinī-Mantra durch Lautchiffren sowie die Wörter Śūlinī und Duṣṭa beschrieben; er endet mit Hūṃ, Phaṭ und dem doppelten Ṭha-Abschluss. [Die chiffrierte Anfangs- und Mittelfolge ist beschädigt und wird nicht zu einem sicheren Rezitationstext ergänzt.]
13.67 Dīrghatamas ist der Seher, Kakubh das Versmaß und Durgā die Gottheit. Durgā wird dem Herzen, Varadā dem Kopf und Vindhyavāsinī dem Haarschopf zugeordnet.
13.68 Asuramardinī gehört zum Schutz; Yuddhapriyā und die zweimalige Aufforderung »erschrecke« gehören zur Waffenformel, zusammen mit »von Göttern und Siddhas hoch verehrt« –
13.69 – ferner Nandinī, dem doppelten »schütze« und Mahāyogeśvarī. Das fünfteilige Gliederverfahren beginnt mit Śūlinī und endet mit Hūṃ Phaṭ. Schon die Gliederhandlung allein gilt als schützend und Besessenheit abwehrend.
13.70 Möge Śūlinī eure Furcht vor dem Daseinskreislauf vernichten: Ihre Lotushände tragen Dreizack, Pfeil, Schwert, Diskus, Muschelhorn, Keule, Bogen und Schlinge. Wolkendunkel und furchtbar, reich geschmückt, ragt ihre Krone in die Wolken. Auf den Schultern des Löwen sitzend, umgeben von vier jungen Frauen mit Schwert und Schild, zerschlägt sie die Dämonen.
13.71 So meditiere man und wiederhole den Mantra hunderttausendmal je Laut. Danach opfere man ein Zehntel der Zahl mit Ghee oder mit Ghee versetzter Opferspeise. Man verehre die Göttin mit den Gliedern, den acht Śaktis, ihren Waffen und den Richtungsherren.
13.72 Die Kräfte heißen Durgā, Varadā, Vindhyavāsinī, Asuramardinī, Yuddhapriyā, Devasiddhapūjitā und Nandinī –
13.73 – sowie Mahāyogeśvarī als achte. Die Waffen heißen Diskus, Muschelhorn, Schwert, Keule, Pfeil und Bogen –
13.74 – dazu Dreizack und Schlinge; diese acht werden in der Richtungsfolge verehrt. Nach Vollendung durch Einweihung, Wiederholung, Feueropfer und Verehrung folgen Anwendungen zur Beruhigung von Krankheit, Wahnsinn, Geistereinfluss, Epilepsie, Gift und Ähnlichem.
13.75 Man vergegenwärtige sich selbst als Śūlinī mit geschwungenen, rasch bewegten Waffen wie dem Dreizack. Durch das Eintreten in diese Gestalt und die Wiederholung des Mantras sollen die Geisterscharen rasch weichen.
13.76 Im eigenen Inneren und im Kranken stelle man Ambikā mit ihren Waffen vor. Wer mit der Diskus-Mudrā den Mantra wiederholt, soll die fremden Einflüsse machtlos vertreiben.
13.77 Vindhyavāsinī soll durch diese Vergegenwärtigung Giftwirkungen von Schlangen, Mäusen, Skorpionen, Vielbeinern, Hunden und Spinnen bei Menschen rasch beseitigen.
13.78 Ein kriegerischer Ritus vergegenwärtigt die schutzbringende Göttin in einem scharfen Pfeil und verbindet ihn mit dem Mantra. Schon dessen Auftreffen soll die feindliche Armee verwirrt in alle zehn Richtungen fliehen lassen.
13.79 Wer sich selbst als Āryā mit Dreizack und Schlinge vorstellt, in die feindliche Streitmacht eintritt und den Mantra wiederholt, soll die gegnerischen Waffen an sich nehmen und ihren Trägern das Bewusstsein rauben.
13.80 Ein Opfer mit Sesam und weißen Senfsamen wird gegen einen Feind gerichtet; der Vers nennt hunderttausend und zehntausend als Zahlen und behauptet Krankheit und Tod des Gegners. [Die Zuordnung der beiden Zahlen ist im vorliegenden Satz beschädigt.]
13.81 Wer täglich achttausend mit den drei süßen Stoffen verbundene Sesamgaben opfert, dem wird noch vor Ablauf eines Jahres unwiderstehliche Kraft verheißen.
13.82 Achthundert Ghee-Opfer mit diesem Mantra sollen innerhalb eines Jahres alles Erwünschte bringen. Auch achthundert Opfer mit dreifach zusammengelegtem Dūrvā-Gras werden der Wunscherfüllung zugeordnet.
13.83 Messer, Schwerter und krallenartige Waffen, die mit diesem Mantra besprochen und mit geweihtem Ghee begossen sind, werden als im Kampf unaufhaltsam wirksam bezeichnet.
13.84 Hundertacht Opfer mit aus Kuhdung geformten fingerartigen Stücken sollen bewirken, dass zwei verbundene oder verfeindete Personen binnen sieben Tagen voneinander getrennt werden.
13.85 Kuhdung wird aufgefangen, bevor er den Boden berührt, und dreitausendmal besprochen. Das Vergraben am Tor oder vor einer Armee wird als Mittel zum Stillstellen von Menschen beschrieben.
13.86 Wer vor dem Betreten eines Dorfes oder einer Stadt Āryā freundlich mit Wasser und Nahrung in den Händen meditiert, den Mantra wiederholt und die Wassergabe darbringt, soll dort zusammen mit seinen Dienern wohlschmeckende Speise erhalten.
13.87 Zwölftausend Opfer mit Arka- oder Aśvattha-Holz oder Sesam, verbunden mit den drei süßen Stoffen, werden in einem ganz von der Gottheit erfüllten Feuer auf bestimmte Personen gerichtet. Der Text behauptet, diese würden verwirrt und gefügig.
13.88 Mit diesem Mantra kann der Mantrin auch die in der Vanadurgā-Ordnung beschriebenen Anwendungen von Wiederholung, Verehrung, Feueropfer und Wassergaben vollziehen. Zwischen den beiden Mantras besteht dabei ein nicht geringer Unterschied.
Kolophon: Hier endet der 13. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
14. Paṭala
Orientierung: Vier-Silben-Mantra, Ajapa und weitere Formeln.
14.1 Nun erkläre ich in Kürze den als vierlautigen bezeichneten Mantra: Praṇava, der Herr der Welt und eine weitere durch Daṇḍin und Raum bezeichnete Lautfolge, die mit Visarga endet. [Die letzte Lautchiffre ist beschädigt.]
14.2 Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Bhuvaneśī die Gottheit. Die sechs Glieder werden der Reihe nach aus Praṇava und Śakti-Bīja gebildet.
14.3 Möge die sonnengleiche Gestalt der Weltenmutter euch schützen: Die schöne Mondsichel glänzt in ihrer edelsteinreichen Krone. Mit Strahlen wie glühendes Gold und frische Lotus- und Japā-Blüten erfüllt sie den ganzen Weltraum mit heißem Leuchten. Ihre Hände tragen Schlinge und Haken und zeigen Erfüllung und Furchtlosigkeit; ihre Brüste sind hoch und anmutig.
14.4 Nach der Einweihung wiederhole der Mantrin den Mantra vierhunderttausendmal. Danach opfere er süß benetzte Blüten des »Brahmanenbaums« oder Lotusse.
14.5 Mit diesem Mantra wird die Verehrung in Sonnengestalt zusammen mit der Arghya-Gabe vollzogen. Auf einem ebenen, gut gereinigten, abgeschiedenen und reinen Platz des Hofes bereite man den Opferboden.
14.6 Vor der Gestaltung des Sitzes verehre man Prabhūtā, Vimalā, Sārā, Samārādhyā und Paramasukhā an den mit Südosten beginnenden Ecken und in der Mitte.
14.7 Mit den Vokalen, unter Auslassung der drei kurzen und der geschlechtslosen Laute, verbunden mit Feuer und Mond, verehre man der Reihe nach die neun leuchtenden, mächtigen Śaktis.
14.8 Sie heißen Dīptā, Sūkṣmā, Jayā, Bhadrā, Vibhūti, Vimalā, Amoghā, Vidyutā und als neunte Sarvatomukhī.
14.9 Man spreche »aus Brahmā, Viṣṇu und Śiva bestehend« und danach »dem solaren Yoga-Sitz«; mit der Verneigung schließe man den Sitz-Mantra der Sonne ab.
14.10 Man rufe die in Hṛllekhā verkörperte Sonne herbei und verehre sie mit Arghya, Fußwasser, Wasser zum Schlürfen und Honigtrank, dann mit den Umfassungen. Der Geist sei ihr hingegeben, um umfassendes Gedeihen zu erlangen.
14.11 Zuerst verehre man die fünf mit Hṛllekhā beginnenden Kräfte, danach die Glieder, die Mütter und schließlich die Richtungshüter mit den durch Oṃ eingeleiteten Formeln.
14.12 Nach dieser Śakti-Verehrung stelle man vor sich eine Kupferschale. Während man den Mantra in umgekehrter Folge wiederholt, fülle man sie mit reinem Wasser –
14.13 – versehen mit ungebrochenem Reis, Kuśa-Gras, Gerste, Dūrvā, Sesam, Senfsamen, Blumen und Sandel. Das unbeschädigte Gefäß soll ein Prastha fassen; gesammelt vergegenwärtige man die Einheit mit der Gottheit.
14.14 Man verehre den Sonnengott auf dem Sitz und schaue ihn ebenso am Himmel, umgeben von seinen Umfassungen. Mit der eigenen Hand das Gefäß bedeckend, wiederhole man den Mantra hundertachtmal. [Die Richtungsangabe zur Hand ist im Text knapp und mehrdeutig.]
14.15 Nochmals verehre man das nektargleiche Wasser mit Duft und Blumen. Auf beiden Knien am Boden hebe man die Schale bis zum Kopf und bringe der Sonne hingebungsvoll Arghya dar, Blick und Herz auf ihre Scheibe gerichtet. Dies gilt als Quelle von Lebenskraft, Stärke, Licht, Glanz, Ruhm, Standfestigkeit, Erinnerung und Fülle.
14.16 Danach bringe man eine Handvoll Blumen dar und wiederhole den Mantra nochmals achthundertmal, während man vergegenwärtigt, dass das nektargleiche Wasser sich in den Sonnenstrahlen ausbreitet.
14.17 Der Sonnengott, dessen Leib mit Nektarwasser begossen wird, soll seinerseits Unsterblichkeit entfalten, verbunden mit Reichtum, Besitz, einer guten Partnerin, Freunden, Kindern, Viehherden und unermesslicher Freude.
14.18 Darum bringe man der Sonne, der geliebten Herrin des Tages und Vertreiberin des Elends, täglich bei Tagesbeginn Arghya dar – oder wenigstens sonntags. Mit umfassender Fülle versehen, erreiche man das andere Ufer des Daseinsmeeres.
14.19 Nach dieser Ordnung soll die Sonne täglich verehrt werden. Alternativ bringe man ihr zwei Arghya-Gaben dar, um das Erwünschte zu erlangen.
14.20 Sonne, Mond und Feuer, die alle Dinge durchdringen, vereine man; mit dem guna-geprägten Om und der Hrillekha ziehe man sie samt ihren Eigenschaften zusammen. Indem der Mantraübende alles durchdringt und in Hamsa zusammenfasst, wird er durch Yoga zur ewigen, reinen, ungeteilten und unvergänglichen Stätte.
14.21 Nun lehre ich den höchsten Ajapa-Mantra, ein Mittel, den gesamten Samsara zu überwinden. Ihm schreibt der Text die Kraft zu, Verfehlung, Krankheit und Gift zu beseitigen und gewünschte Vollendung hier und jenseits zu gewähren.
14.22 Das als Vishnu-Stätte bezeichnete Lautglied, mit dem Mondteil verbunden, und der verschlüsselt bezeichnete weitere Laut ergeben den Mantra des Kenners des Feldes. Diesen wiederholt das Selbst beständig. [Die Lautcodierung der ersten Hälfte ist beschädigt; eine vollständige Formel wird daraus hier nicht ergänzt.]
14.23 Als Seher wird Brahma, als Versmaß Devi-Gayatri und als Gottheit Paramatman angegeben. Die Gliederzuordnung vollziehe man mit Hamsa, verbunden mit den entsprechenden nichtneutralen, langen Lautgliedern. [Die technische Lautvorschrift ist nicht eindeutig.]
14.24 Möge jene Gestalt, halb Ambika, halb Ishvara, euch die Erfüllung eurer Anliegen schenken: rötlich-golden, auf einem Lotus sitzend, mit den Kennzeichen von Gauri und Hara, von mildem Feuerlicht umgeben, mit Schlinge, Axt und den Gesten der Furchtlosigkeit und Gnadengabe. [Einzelne Wörter der Vorlage sind beschädigt.]
14.25 Diesen Mantra wiederhole man zwölf Lakshas, also 1.200.000-mal. Auf dem solaren Verehrungssitz bringe man zwölftausend Opfer mit Milchreis und Ghee dar.
14.26 Man stelle dort ein Gefäß auf, fülle es mit einer der zuvor genannten Wasserzubereitungen, versehe es mit den Darbringungen und verehre zuerst die Glieder.
14.27 Die durch Jahreszeiten, Götter und Menschen bezeichneten Gestalten sowie eine weitere, mit Badri beginnende und mit Aja endende Folge werden in den Haupt- und Zwischenrichtungen aufgestellt; danach folgen die Richtungsherren und Vajra samt den übrigen Waffen. [Die Benennungsfolge ist in der Vorlage beschädigt.]
14.28 Nach der Gefäßverehrung vollziehe der Mantrin das Weihebad und bringe der Sonne weiterhin geregelt Arghya dar, um diesseitige und jenseitige Vollendung zu erlangen.
14.29 Der Besonnene vergegenwärtige sich das ursprüngliche Bija, gestärkt durch den Bindu und verbunden mit dem sa-Laut, der vom Nektar zweier Monde erfüllt ist. Wenn er diesen Mantra in der Einheit mit dem eigenen Selbst verehrt, wird er von Verfehlungen frei.
14.30 Durch den raumfolgenden, Nektarwasser ausströmenden Laut und den leuchtenden Mondschein, verbunden mit dem Glanz von Feuer und Mond, sollen Krankheit, vorzeitiger Tod, Giftwirkung und brennende Schmerzen weichen. [Die syntaktische Verknüpfung der Lichtbilder ist beschädigt.]
14.31 Man denke den leuchtenden Mond am Scheitel in der Form eines Schwaneneis, höchsten Nektar ausströmend, und führe ihn aufmerksam durch den Weg der Suṣumnā, sodass er den ganzen Leib durchdringt. Bei der Mantrawiederholung werden das Schwinden von Ergrauung, Vergiftung, Kopfschmerz, Fieber, Wahnsinn, Geistereinfluss, Epilepsie, Unheil, Unglück und Armut verheißen.
14.32 Man zeichne einen Buchstabenlotus mit dem Mantra im leuchtenden Mittelteil, stelle ein Gefäß darauf und fülle es mit Wasser. Mit der mondhaft vorgestellten linken Hand, verbunden mit dem eigenen Mantra, verwandle man es gedanklich in Nektar und vollziehe damit das Weihebad der betreffenden Person.
14.33 Einer so geweihten Frau oder einem Mann wird Befreiung von den durch zweierlei Gift und die damit verbundenen Belastungen hervorgerufenen Krankheiten sowie langes Leben mit gereinigten Sinnesvermögen verheißen.
14.34 Mit derselben Hand bedecke der Mantrin ein wassergefülltes Gefäß und wiederhole den Mantra. Das nektargleich vorgestellte Wasser werde über einen Vergifteten gegossen; ihm wird selbst gegen Kālakūṭa-Gift Wirksamkeit zugeschrieben.
14.35 Die mantra-geweihte Handfläche werde auf den Kopf des Vergifteten gelegt und Wasser verwendet. Der Text behauptet, selbst ein von Takṣaka Gebissener werde dadurch rasch vom Gift befreit.
14.36 Damit ist, ihr besten Mantrakundigen, die Ordnung des Ajapa-Mantras in Kürze erläutert. Wer sie empfängt, soll Anteil an Fülle, Glück, Dharma, Ruhm, Lebensgenuss und Befreiung gewinnen.
14.37 Ein weiterer Mantra wird durch Aruṇā, Feuer, Länge, Hṛllekhā, Śvetā und Anantā beschrieben. Er gilt als hervorragendes Mittel der Anwendungen und als seinem Namen entsprechend wirksam. [Die Lautchiffren werden nicht zu einem ungesicherten Mantra ergänzt.]
14.38 Die Mantra-Bījas lege man der Reihe nach vom Geschlechtsbereich bis zu den Fußsohlen, von der Kehle bis zum Geschlechtsbereich und vom oberen Körperteil bis zur Kehle nieder; danach bilde man die Glieder. [Die Angabe des oberen Ausgangsortes ist beschädigt.]
14.39 Die Glieder werden mit dem mittleren Bīja und seinen langen Vokalformen gebildet. Danach meditiere der Mantrin auf die Sonne, um das eigene erwünschte Ziel zu erlangen.
14.40 Möge die Sonne euch schützen: rot, auf einem roten Lotus sitzend, dreiäugig und zwei rote Lotusse tragend. Sie zeigt Furchtlosigkeit und Gabengewährung, ist eine Scheibe aus Licht und trägt unermesslichen Schmuck.
14.41 Nach der Einweihung wiederhole der Mantrin den Mantra zwölf Lakshas. Danach bringe er zwölftausend Opfer mit Ghee-Speise oder süß benetztem Sesam dar.
14.42 Den Sitz und die übrigen Bestandteile errichte man nach dem zuvor beschriebenen Verfahren, stelle das Gefäß hinein und verehre die Sonne samt ihren Umfassungen.
14.43 Die erste Umfassung besteht aus den Gliedern, die zweite aus den Planetenkräften und die dritte aus den Richtungsherren. Man verehre sie mit vorzüglichen Düften, Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben, den Geist in Hingabe geneigt.
14.44 In den mit Osten beginnenden Richtungen stehen der Reihe nach Mond, Merkur, Jupiter und Venus. In den mit Südosten beginnenden Ecken werden Mars, Saturn, Rāhu und Ketu verehrt.
14.45 Ihre Farben sind der Reihe nach weiß, hell, gelb, weiß, rot, schwarz, rauchfarben und dunkel. Die vom Mond bis Ketu reichenden Gestalten halten die linke Hand auf dem linken Oberschenkel.
14.46 Die andere Hand zeigt Furchtlosigkeit. Rāhu besitzt ein entstelltes Gesicht und gefaltete Hände; Saturn hat ein durch Fangzähne schreckliches Antlitz und goldähnliches Gewand und Schmuck.
14.47 Nach dieser Verehrung bringe der Mantrin der Sonne ordnungsgemäß Arghya mit Gorocanā und den folgenden Stoffen dar, um das Erwünschte zu erlangen.
14.48 Je nach Verfügbarkeit werden Gorocanā, roter Farbstoff, Sesam, Bambusreis, Senfsamen, rotes Sandel, Reis, Karavīra- und Japā-Blüten, Kuśa-Spitzen und Śyāmāka-Körner verwendet. Mit großer Hingabe soll die Arghya-Gabe vollzogen werden. [Einzelne Stoffkomposita sind lesungsunsicher.]
14.49 Man errichte ein Maṇḍala mit acht Blütenblättern und stelle neun wassergefüllte Gefäße in die Mitte und an die Blattspitzen. Der Reihe nach rufe und verehre man die neun Planetenkräfte und vollziehe das Weihebad. Störungen durch die Planeten sollen dadurch weichen und Fülle entstehen.
14.50 Nach der zuvor beschriebenen Sonnenverehrung in einer der häuslichen Anlage angepassten Form vollziehe man das Feueropfer beim eigenen Geburtsstern, bei ungünstigen Planetenkonstellationen, bei Mond- oder Sonnenfinsternis, bei Gefahr durch Feinde oder Könige und bei schwerer Krankheit.
14.51 Als Hölzer beziehungsweise Pflanzen werden der Reihe nach Arka, der Brahmanenbaum, Mayūraka, Pippala, Udumbara, Khadira, Śamī, Dūrvā und Darbha genannt, jeweils hundertacht. Das Opfer wird mit den Vyāhṛtis sowie Ghee und Opferspeise verbunden.
14.52 In den jeweiligen Richtungen der Planeten, beginnend mit dem Mond, richte man die Feuer ein und opfere ordnungsgemäß. So sollen alle Planetenkräfte erfreut werden und Sieg im Kampf, Beruhigung von Krankheit und langes Leben gewähren. Alternativ können sämtliche Opfer an einem einzigen Feuer vollzogen werden.
14.53 Wer der Sonne täglich nach dieser Ordnung mit Feueropfern, Verehrung und weiteren Handlungen dient, dessen Wohnstätte soll dauerhaft mit Edelsteinen, Geld und vorzüglichem Getreide erfüllt sein.
14.54 Ein achtlautiger Sonnen-Mantra wird durch die Laute von Ārya und Sūrya sowie weitere, in ihrer Reihenfolge vertauschte Lautchiffren beschrieben. Er gilt als alle Ziele verwirklichend. [Die chiffrierte Anfangsfolge ist beschädigt.]
14.55 Devabhāga ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Āditya die Gottheit. Nun werden die Glieder dieses Mantras erläutert.
14.56 Mit Satya, Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Agni, jeweils mit Sarva verbunden, sowie den Worten Tejas, Jvālā und Maṇi bilde man die Glieder; die Abschlüsse umfassen Hūṃ, Phaṭ und Svāhā. [Die genaue Gruppierung bleibt im kompakten Wortlaut mehrdeutig.]
14.57 Āditya, Ravi, Bhānu, Bhāskara und Sūrya lege man zusammen mit kurzen Vokalen der Reihe nach auf Scheitel, Gesicht, Herz, Geschlechtsbereich und Füße.
14.58 Die acht mit Praṇava beginnenden Laute lege man der Reihe nach auf Scheitel, Gesicht, Kehle, Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsbereich und Füße. Dies ist der Buchstaben-Nyāsa.
14.59 Möge Ravi euch schützen: rot, auf einem roten Lotus sitzend, mit zwei Lotussen und den Gebärden von Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Dreiäugig, von unzähligem Schmuck umgeben, bildet sein eigener Glanz die Sonnenscheibe.
14.60 Der eingeweihte Mantrin wiederhole den Mantra hunderttausendmal je Laut. Danach opfere er achttausend geeignete Hölzer milchsaftführender Bäume, benetzt mit den drei süßen Stoffen –
14.61 – oder Speise mit Ghee. Täglich verehre er und bringe Arghya dar. Auf dem zuvor genannten Sitz stelle er das Gefäß auf und fülle es sorgfältig –
14.62 – mit reinem Wasser. Er umhülle es mit zwei roten Tüchern und verehre der Reihe nach die Gliederumfassung und danach Āditya und die übrigen Gestalten samt Uṣā und den anderen Śaktis.
14.63 Es folgen die Mütter, die bis Aruṇa reichenden Gestalten, die Planeten und die Götter des inneren Sonnenhofes. Die Śaktis heißen Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā. [Die Verbindung der ersten Gruppen ist in der Vorlage knapp.]
14.64 Nach dieser Sonnenverehrung, Mantrawiederholung, Feueropfer und Weihe gebe man dem Lehrer Vermögen samt Gewändern und bewirte zwölf Brahmanen. Mit gutem Wandel bringe man dem Herrn der Planeten täglich oder sonntags Arghya dar. [Die Maßangabe zur Lehrergabe ist beschädigt.]
14.65 Wer hingebungsvoll täglich diesem Sonnen-Mantra dient, soll binnen eines Jahres Fülle und Gesundheit erlangen. Von Verfehlung, vorzeitigem Tod, Feinden, Geisterbedrängnis und ähnlichen Gefahren befreit, lebe er glücklich und erreiche den höchsten Zustand.
Kolophon: Hier endet der 14. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
15. Paṭala
Orientierung: Mond-Mantra und weitere Verehrungsformen.
15.1 Nun erkläre ich in Kürze den Mond-Mantra mit Wiederholung, Verehrung, Feueropfer und Arghya-Gabe zum Wohl der Mantrins.
15.2 Bhṛgu, verbunden mit Sadya und Halbmond, danach nochmals ohne Bindu, sowie die durch Viṣa und Ananta bezeichneten Laute, Ma und Verneigung bilden diesen Soma-Mantra. [Die Lautchiffren werden ohne spekulative Auflösung wiedergegeben.]
15.3 Mit dem eigenen Bīja und seinen langen Vokalformen bilde man der Reihe nach die Glieder. Danach vergegenwärtige der Mantrin die Mantragottheit ordnungsgemäß.
15.4 Möge der Mond euch das Erwünschte schenken: Auf einem reinen Lotus sitzend, mit überaus freundlichem Mondgesicht, hält er einen Kumuda-Lotus und zeigt Gabengewährung. Schöne Halsketten und anderer Schmuck zieren ihn; seine Farbe gleicht Bergkristall und Silber, sein Zeichen strahlt glückverheißend.
15.5 Der eingeweihte, selbstbeherrschte Mantrin wiederhole den Mantra sechs Lakshas, also sechshunderttausendmal, besonders am fünften, zehnten und fünfzehnten Mondtag.
15.6 Abends verehre er den Herrn der Gestirne und wiederhole zehntausendmal. Danach bringe er tausend Opfer mit Milchreis und Ghee dar.
15.7 Anschließend werden sechstausend Opfer mit Ghee-Milchreis genannt. Bei der Gestaltung des Sitzes verehre man die bis Soma reichende Ordnung und darauf den Mond.
15.8 Auf den Staubfäden werden die Glieder verehrt, außerhalb davon die Śaktis: Rohiṇī, Kṛttikā, Revatī und Bharaṇī –
15.9 – Rātri, Ārdrā, Jyotsnā und Kalā. An den Blattspitzen folgen die acht übrigen Planetenkräfte und danach die Richtungsherren.
15.10 Man verwende helle Düfte und Blumen sowie silberne Gefäße. Die Śaktis gleichen geöffneten Kunda-Blüten und sind mit strahlenden Halsketten geschmückt.
15.11 Sie tragen weiße Girlanden, Gewänder und Salbungen und halten die Hände gefaltet. Nach Vollendung des Mantras meditiere der Mantrin auf den Mond am Scheitel.
15.12 Wer nachts dreitausendmal wiederholt, soll binnen eines Monats den Tod überwinden. Wer den Mond im Herzlotus vergegenwärtigt und den Mantra wiederholt –
15.13 – soll innerhalb eines Jahres königliche Fülle erlangen, selbst wenn er besitzlos ist. In Nahrung und Lebenswandel geregelt, wiederhole man vierhunderttausendmal.
15.14 Dadurch werde ein Schatz gefunden, behauptet der Text. Schwere Fieber, Giftwirkungen, Kopfleiden, Schadenszauber und Gelbsucht –
15.15 – sowie alle Bedrängnisse sollen durch zehntausend Wiederholungen schwinden. Mit beherrschten Sinnen wiederhole man täglich und besonders bei Vollmond.
15.16 Für Fülle und Glück wiederhole man nach seinen Kräften. Drei Maṇḍalas werden hintereinander in west-östlicher Richtung angelegt.
15.17 Im westlichen sitze man; im mittleren lege man die Materialien bereit. Im östlichen, mit einem Lotus versehenen Maṇḍala verehre man Soma wie zuvor.
15.18 Bei Vollmond, wenn der Mond aufgeht, vergegenwärtige man das eigene Anliegen. Man stelle eine silberne Schale auf und fülle sie –
15.19 – mit reiner Kuhmilch. Das Gefäß berührend, wiederhole man den Mantra hundertachtmal und bringe danach dem Mond Arghya dar.
15.20 Mit ganz auf ihn gerichtetem Geist verwende der Mantrakundige die Vidyā-Formel: Auf »Vidyā, Vidyā« folgen »Mālinī« und »Candriṇī« –
15.21 – sowie »Candramukhī« und eine weitere, beschädigt überlieferte Endung; Praṇava steht am Anfang. Monatlich vollzogen, soll dies binnen sechs Monaten das Erwünschte erfüllen.
15.22 Eine Tochter werde dem gewünschten Partner vermählt, ein Mann finde die gewünschte Frau. Wer dem Mond Arghya darbringt, erlange unermessliche Fülle, Schönheit, Kinder, Ruhm, Vieh und langes Leben.
15.23 Damit ist die Vollendung des Mond-Mantras in Kürze erklärt, zum Nutzen der Mantrakundigen, für große Fülle, Einsicht und Gedeihen hier und nach dem Tod.
15.24 Nun erkläre ich zum Wohl der Welt die alle Ziele verwirklichenden Feuer-Mantras: mit Sehern und den übrigen Zuordnungen, Gliedern, besonderen Verehrungsweisen und Wiederholung.
15.25 Der Agni-Mantra beginnt mit Praṇava und wird durch den zehnten Raumlaut, weitere Erd-, Bhṛgu- und Vokalchiffren sowie die Geliebte des Feuers als Abschluss beschrieben. Er gilt als reiches Gedeihen spendend. [Die Lautbildung ist in der Vorlage beschädigt.]
15.26 Bhṛgu ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Agni die Gottheit. Die Glieder werden wie zuvor oder mit den gesondert angegebenen Mantraabschnitten gebildet.
15.27 Möge der freundliche Pāvaka euch lange schützen: Dreigesichtig trägt er Śakti-Speer, Svastika, Schlinge und Haken und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit; Krone und vielerlei Schmuck zieren ihn.
15.28 Mit Achtung wiederhole man diesen Mantra sechshunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Milchreis und Ghee sowie dunklem, in sechzig Tagen reifendem Reis. Danach verehre man Agni ordnungsgemäß.
15.29 Die neun Śaktis des Feuers heißen Pītā, Śvetā, Aruṇā, Kṛṣṇā, Dhūmrā, Tīvrā, Sphuliṅginī, Rucirā und Kālinī.
15.30 Auf dem Sitz des Feuers verehre man zuerst die Glieder, danach die acht Gestalten und schließlich Indra und die übrigen. So verehre man den Goldsamigen nach der Regel.
15.31 Vom ersten Mondtag an bringe der Mantrakundige vier Monate täglich hundertacht Ghee-Opfer dar; dadurch wird große Fülle verheißen.
15.32 Tägliche Opfer mit reinem Reis sollen binnen eines Jahres das Haus mit Reis, Rindern, Büffeln und weiterem Besitz füllen.
15.33 Wer täglich reine, mit Ghee benetzte Speise in gut entfachtem Feuer opfert, dessen Haus soll innerhalb eines Jahres reich an Nahrung werden.
15.34 Reine Sesamopfer sollen in sechs Monaten große Fülle bringen. Auch mit Kumuda-, Kahlāra- und Jāti-Blüten wird Vollendung verheißen.
15.35 Für große Vollendung opfere man täglich oder an jedem ersten Mondtag hundertacht Gaben aus Palāśa-Holz, Lotussen, Bilva, roten Utpala-Blüten, Hölzern milchsaftführender Bäume, Khadira, Vyāghāta, Dūrvā, Śamī und Vikaṅkata.
15.36 Der nächste Mantra umfasst Praṇava, die Vyāhṛtis und die Anrede: »Agni, Jātavedas, führe hierher; bringe alle Handlungen zur Vollendung«, gefolgt von der Gemahlin des Feuers, Svāhā.
15.37 Seher und die übrigen Zuordnungen gelten wie zuvor. Die Glieder werden durch Teilung des Mantras in Lautgruppen gebildet, deren Zahlen durch Elemente, Jahreszeiten, Organe, Sinne und Guṇas chiffriert sind, jeweils mit den passenden Abschlüssen.
15.38 Oder man meditiere auf den reich geschmückten Vasu mit goldener Girlande, der Śakti-Speer, Svastika, Darbha-Gras, Gebetskette, die beiden Opferlöffel sowie Furchtlosigkeit und Gabengewährung zeigt.
15.39 Am vierzehnten Mondtag zu Jahresbeginn wiederhole der Eingeweihte, nach ordentlichem Fasten, von Tagesanbruch an den Mantra zwölftausendmal.
15.40 Er verehre die Glieder und Gestalten zusammen mit den Weltenhütern und Vajra samt den übrigen Waffen. Am Neumondtag reinige er die Hölzer und anderen Materialien nach der Regel.
15.41 Nachdem er Brahmanen bewirtet und selbst gegessen hat, bringe er gesammelt am folgenden ersten Mondtag mit diesen Stoffen Opfer im verehrten Feuer dar.
15.42 Vaṭa-Hölzer, Reis, Sesam, Senfsamen, Opferspeise und Ghee werden der Reihe nach jeweils hundertachtmal geopfert.
15.43 Nach zehn Tagen dieses Verfahrens sättige man am elften Mondtag Brahmanen nach seinen Kräften und überreiche die Lehrergabe.
15.44 Diese umfasst Gold, Kleidung, Getreide und eine rote Kuh mit Kalb. Danach wiederhole der Mantrin täglich eintausendachtmal.
15.45 Wer Agni so verehrt, dem wird bald große Fülle verheißen: Land reich an Geld, Getreide, Gold und Edelsteinen sowie Rinder, Stiere, Kinder und Freunde.
15.46 Oder man wiederhole täglich tausendmal; binnen eines Jahres soll große Fülle entstehen. Täglich hundert Opfer mit Opferspeise werden ebenfalls als innerhalb eines Jahres gedeihlich beschrieben.
15.47 Einen Maṇḍala-Zeitraum lang opfere man täglich hundertacht Palāśa-Blüten, benetzt mit Dickmilch, Ghee und Honig; ebenso Karavīra-Blüten für Gedeihen. Sechs Monate täglich achttausend Gaben von Kapilā-Kuh-Ghee sollen königsgleichen Reichtum und großen Ruhm bringen.
15.48 Der nächste, vierundzwanziglautige Feuer-Mantra beginnt mit »Steh auf«, gefolgt von Puruṣa, Hari, Piṅgala und Lohitākṣa sowie der Bitte »Gib mir« und »Lass geben«, zuletzt dem doppelten Mondlaut. Er gilt als göttlicher Wunschbaum für alles Erwünschte. [Die genaue Wortgliederung ist teilweise unsicher.]
15.49 Seher und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Aus dem Grundmantra bilde man die Glieder in den durch Jahreszeiten, Elemente, Richtungen und Organe chiffrierten Lautgruppen.
15.50 Ich verehre das göttlich gestaltete Feuer: In Pferdegestalt tritt es aus dem Inneren eines goldenen Aśvattha-Wunschbaums hervor und lässt aus seinen Öffnungen unaufhörlich Geld, Getreide und Edelsteine regnen. Aus seinen Poren sprossen Flammen; es zerschlägt die Not der Verehrenden und schenkt Dharma, Glück, Wohlstand und Befreiung.
15.51 Nach der Einweihung wiederhole man diesen Mantra hunderttausendmal. Danach opfere man ein Zehntel davon mit Ghee-benetzen Milchreisgaben.
15.52 Täglich verehre der Mantrin Pāvaka mit den Gliedern, den Feuergestalten, den Richtungsherren und ihren Waffen sowie Düften und den übrigen Gaben.
15.53 Bei Tagesanbruch wiederhole man täglich tausendmal, gesammelt und regelmäßig: für Unverletzlichkeit, Ruhm, Fülle, Freiheit von Krankheit und langes Leben.
15.54 Aus weißem Reis und Milch bereite man Opferspeise. Nach der Verehrung des Feuers mit Düften forme man einen großen, mit Ghee benetzten Klumpen. Am ersten Mondtag wiederhole man den Mantra hundertachtmal und opfere diesen einen Klumpen. Binnen eines Jahres werde Fülle verheißen.
15.55 An jedem ersten Mondtag bringe man mit der Mṛga-Mudrā hundertacht Gaben von Milchreis und Ghee dar. Innerhalb eines Jahres werde der Übende, so versichert der Text, zur Wohnstätte Indirās.
15.56 Wer täglich hundertacht Speiseopfer mit diesem Mantra vollzieht, soll binnen sechs Monaten sehr wohlhabend werden.
15.57 Täglich hundertacht Opfer mit reinem Reis sollen den Mantrin binnen eines halben Jahres reich an Geld und Getreide machen.
15.58 Monatlich, beginnend am ersten Mondtag, werden zehntausend Ghee-Opfer genannt; nach sechs Monaten wird außerordentliche Fülle verheißen.
15.59 Wer ein halbes Jahr lang täglich hundertzehn süß benetzte rote Lotusse mit diesem Mantra opfert, soll rasch große Fülle erlangen.
15.60 An jedem ersten Mondtag opfere man je hundert Blüten von Jāti, Palāśa, Karavīra, Japā, Bilva, Vyāghāta, Kesara und Kuraṇḍa, benetzt mit den drei süßen Stoffen. Binnen eines Jahres soll Fülle entstehen.
15.61 Sieben Tage lang bringe man nach sorgfältiger Feuerverehrung je dreitausend milchbenetzte Stücke der Amṛtā-Ranke dar. Dies wird als Mittel gegen Viertagefieber und andere Wechselfieber beschrieben.
15.62 Ein Gefäß wird mit Wasser gefüllt, in dem Rinde milchsaftführender Bäume ausgekocht wurde; darin wird Agni verehrt und der Mantra dreitausendmal wiederholt. Das anschließende Besprengen gilt als fieberstillend und ungünstige Planeteneinflüsse abwehrend.
15.63 Bis zum Herzen im Wasser stehend und zur Sonne blickend, wiederhole man täglich tausendmal. Binnen eines Jahres werden Freiheit von Verfehlung, vorzeitigem Tod und Krankheiten, beständiges Glück und langes Leben verheißen.
15.64 Hundertachtmal mit diesem Mantra besprochenes Wasser soll das Verdauungsfeuer anregen. Der Text schreibt ihm zu, selbst schwer verdauliche Nahrung im Bauch verdauen zu helfen.
15.65 Täglich tausend rote, mit den drei süßen Stoffen benetzte Lotusse sollen binnen sechs Monaten große Fülle bringen. Wer in dieser Weise an jedem ersten Mondtag opfert, soll binnen eines Jahres selbst nach Verlust seines Besitzes wieder zur Wohnstätte Indirās werden.
Kolophon: Hier endet der 15. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
16. Paṭala
Orientierung: Ganapati.
16.1 Nun erkläre ich in Kürze den Mantra des großen Gaṇeśa. Wer ihn mit aufmerksamem Geist verehrt, hat dadurch hohe Vollendung erlangt.
16.2 Der Mantra beginnt mit Praṇava und den Bījas von Śrī, Śakti, Kāma, Erde und Gaṇapati. Darauf folgen die Anrede an den Hindernisherrn, »Vorzüglicher, Gabenspender«, »alle Menschen« und die Bitte, sie unter den eigenen Einfluss zu bringen; er endet mit dem doppelten Ṭha-Laut. Dieser Gaṇapati-Mantra gilt als Wunschbaum, der alle Güter schenkt. [Eine mittlere Lautchiffre ist beschädigt.]
16.3 Gaṇaka ist der Seher, Nicṛd-Gāyatrī das Versmaß und Mahāgaṇapati die Gottheit, dessen beide Füße von allen Göttern und Asuras verehrt werden.
16.4 Mit dem Bīja des Hindernisherrn, auf dem Sitz der mit Praṇava beginnenden Bījas und verbunden mit langen Vokalen, bilde der Mantrin die sechs Glieder.
16.5 Man vergegenwärtige einen Ort, dessen vier Richtungen durch Mandāra und andere Wunschbäume mit hervorragenden Früchten gekühlt werden, erfüllt von jungem Sonnenlicht und Mondschein –
16.6 – umweht von einem Wind, der Tropfen aus den Wellen eines Zuckerrohrsaftmeeres trägt und vom Flügelschlag der Bienen bewegt wird, die an den Blüten der Götterbäume weilen.
16.7 Unter einem großen Wunschbaum aus Edelsteinen, mit Früchten, Blüten und jungen Blättern aus Juwelen, Diamanten und Korallen, dem alle Jahreszeiten zugleich dienen –
16.8 – sitzt auf einem Buchstabenlotus über einem löwenfüßigen Sitz, inmitten leuchtender Dreiecks- und Sechsecksformen, der einstoßzahnige, dickbäuchige, zehnarmige, rote und elefantengesichtige Gott.
16.9 Seine Lotushände tragen Zitronatzitrone, Keule, Zuckerrohrbogen, Diskus, Lotus, Schlinge, Utpala, Reisähre, eigenen Stoßzahn und Edelsteingefäß. Seine strahlend geschmückte Geliebte, einen Lotus in der Hand, umarmt ihn. Er bewirkt Entstehen, Vergehen und Bestand der Welt und gewährt besondere Ziele.
16.10 Aus dem Gefäß, das er mit dem Rüssel hält, lässt er ununterbrochen einen Regen von Edelsteinen, Perlen und Korallen ringsum strömen, zum umfassenden Gedeihen des Übenden.
16.11 Mit dem Schlagen seiner fächerartigen Ohren vertreibt er immer wieder die Bienen, die nach seinem Schläfensaft verlangen. Götter und Asuras dienen ihm zugleich.
16.12 Vorne beim Bilva-Baum stehen Ramā und ihr Herr; rechts bei einem Vaṭa-Baum Girijā und Śiva; hinten beim Pippala-Baum Rati und der Blumenpfeilträger; links beim Priyaṅgu-Baum die Erde und Varāha.
16.13 Das erste Paar trägt zwei Lotusse, Diskus und Muschelhorn; das zweite Schlinge, Haken, Beil und Dreizack; das dritte zwei Utpala-Blüten und den Zuckerrohrbogen; das letzte Papagei, Reisähre, Keule und Diskus.
16.14 An den sechs Ecken meditiere man ringsum rote Gaṇapatis mit ihren Gefährtinnen, Schlinge und Haken sowie den Gesten von Furchtlosigkeit und Gabengewährung, vom strömenden Schläfensaft bewegt.
16.15 An der vorderen Ecke steht Āmoda, an den beiden benachbarten Pramoda und Sumukha. Hinten steht Durmukha, an seinen beiden Seiten Vighna und Vighnakartṛ.
16.16 Links und rechts werden die Schätze Śaṅkha und Padma meditiert, perlweiß und rubinrot, beständig Ströme von Reichtum ergießend.
16.17 Siddhi, Samṛddhi, Kānti, Madanāvatī, Madadravā, Drāviṇī, Vasudhārā und Vasumatī sind die Gefährtinnen der sechs Gaṇapatis und der beiden Schätze.
16.18 Nach dieser Meditation wiederhole der eingeweihte Mantrin vierhundertvierundvierzigtausendmal.
16.19 Täglich vollziehe er vierundvierzig Wassergaben für Gaṇeśa. Nach Vollendung der Wiederholungen bringe er ein Zehntel davon als Feueropfer mit den acht Stoffen dar.
16.20 Diese acht sind Modaka-Süßspeisen, gepresster Reis, Puffreis, geröstetes Mehl, Zuckerrohr, Kokosnuss, Sesam und Bananen.
16.21 Während der Mantrawiederholung verehre man Gaṇapati täglich auf dem zuvor beschriebenen Lotussitz mit seinen Śaktis nach der für diesen Mantra geltenden Ordnung.
16.22 Die neun Śaktis heißen Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Nityā und Vighnanāśinī.
16.23 »Mit allen Śaktis verbunden« und »Verneigung dem Lotussitz« bilden den Sitz-Mantra. Mit ihm verehre man nach den neun Śaktis den Sitz.
16.24 Die erste Umfassung besteht aus den Paaren, die zweite aus den sechs Gaṇapatis und den Schätzen, die nächste aus den Gliedern, eine weitere aus den Müttern und die fünfte aus Indra und den übrigen.
16.25 Nach Einweihung und Weihebad wiederhole man den Mantra und verehre Gaṇeśa so. Nun wird die auf Anweisung des Lehrers durchzuführende Einweihung nochmals erläutert.
16.26 In die Mitte und an die Spitzen der vier Richtungsblätter stelle man Gefäße mit Absuden aus den Rinden milchsaftführender Bäume, Bilva, Rohiṇa, Pippala und Phalinī.
16.27 Man rufe Gaṇapati und die Paare der Reihe nach herbei und verehre sie ordnungsgemäß mit den Darbringungen. Nach dem vorgeschriebenen Feueropfer vollziehe man das Weihebad.
16.28 Wer durch Wiederholung, Feueropfer und Verehrung im Mantra vollendet ist, führe die Anwendungen aus. Mit den acht Stoffen oder anderen opfere er für die jeweiligen Ziele.
16.29 Honig wird dem Goldgewinn, Kuhmilch dem Viehbesitz, Ghee der Fülle, Zucker dem Ruhm und Dickmilch umfassendem Gedeihen zugeordnet. Gekochte Nahrung dient der Speisefülle, Reis mit Sesam dem Besitz, Puffreis dem Ruhm und Kusumbha- sowie Aśvāri-Blüten dem Erlangen von Kleidung.
16.30 Lotusse sollen Einfluss auf einen König, Utpala auf seine Gemahlin, Kairava auf seine Minister und Aśvattha-Holz sowie weitere Hölzer auf die Lebensklassen ausüben. Mehlfiguren werden zur Anziehung von Frauen genannt, Salz zum Ausbleiben von Regen und Vetasa zur Förderung von Regen.
16.31 Mit dem ganzen Mantra vollziehe man zunächst vier Wassergaben; danach folgen Śrī, Śakti, Kāma, Erde, Vināyaka und Rati mit Bīja und Name, sodann Āmoda und die übrigen sowie die beiden Schätze, jeweils viermal nach der genannten Ordnung. Binnen eines Maṇḍala-Zeitraums werde das Erwünschte erreicht.
16.32 Ein König, der Elefanten erlangen möchte, lasse im Elefantenwald eine Fanganlage herrichten und nahebei ein geräumiges viereckiges Gebäude errichten.
16.33 Dieses sei von einer festen Umfriedung umgeben und besitze vier geschmückte Tore. Im Pavillon errichte man eine erhöhte quadratische Plattform.
16.34 An ihrer Nordseite werde eine Opfergrube wie zuvor angelegt. Die in den als Bogen-, Löwen- und Menschenrad bezeichneten Diagrammen gelehrten Buchstaben –
16.35 – schreibe man der Reihe nach auf die oberen und weiteren Einfassungen, um das Erwünschte zu erlangen. In der Mitte der Plattform zeichne man das Maṇḍala mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
16.36 Man rufe den Hindernisherrn herbei und verehre ihn nach der zuvor gelehrten Ordnung. Man biete reichlich feste Speisen, Leckspeisen und gekochte, mit Ghee versehene Nahrung dar.
16.37 In der Grube entzünde man das Feuer und verehre es der Reihe nach mit den Agni-Mantras. Zuerst opfere man damit Ghee und danach dreimal mit der Samṛddhi-Formel.
16.38 Der Mantrakönig werde in neun Teile gegliedert: Praṇava, die der Reihe nach angefügten Bījas von Lakṣmī, der Bergtochter, Kāma, Erde und Gaṇeśa sowie die drei Wortabschnitte. Mit diesen opfere man.
16.39 Danach opfere man mit dem ganzen Mantra Ghee in der Zahl seiner Laute. Es folgen die zuvor genannten acht Stoffe, benetzt mit den drei süßen Stoffen.
16.40 Als Gesamtzahl werden vierundvierzigtausendvierhundertvierundvierzig Opfer angegeben, auszuführen innerhalb von vierzig Tagen. [Die Zahl ist in gestaffelten Zahlwörtern ausgedrückt.]
16.41 Gaṇapati soll dadurch Elefanten, Jungtiere und Elefantenkühe in die Fanggrube führen. Täglich werden Brahmanen bewirtet, und ihr Segen begleitet die Handlung.
16.42 Ein Fünftel der Elefanten gebe man dem Lehrer als Gabe, oder den entsprechenden Verkaufserlös; nach seiner Zustimmung wird auch ein Zehntel als Alternative genannt.
16.43 Für die Paare, Gaṇapatis, Schätze, Glieder, Mütter und Weltenhüter opfere man Ghee, verehre sie und schließe das Feueropfer ordnungsgemäß ab.
16.44 Man entferne die Speisegaben und übrigen Opfer, verehre Gaṇapati samt seinen Umfassungen nochmals und entlasse ihn in das eigene Herz. So ist die Reihenfolge der Verehrung angegeben.
16.45 Damit ist der Mantra des Zehnarmigen in Kürze gelehrt. Wer eingeweiht ist, ihn ordnungsgemäß wiederholt, opfert, verehrt, preist, sich verneigt und täglich Wassergaben darbringt, erlange seine Wünsche und zuletzt den von den Weisen ersehnten Zustand.
16.46 Pinākin auf dem Smṛti-Sitz, mit Anugraha und Bindu verbunden, bezeichnet das Erd-Bīja, das als besonders stillstellend gilt.
16.47 Der vierte Laut in umgekehrter Zuordnung, mit Praṇava am Anfang und Bindu verbunden, bildet den Gaṇeśa-Mantra. Bei der Verehrung endet er mit der Herzformel, beim Feueropfer mit dem doppelten Ṭha-Abschluss.
16.48 Gaṇaka ist der Seher, Nicṛt das Versmaß und Vighna die Gottheit. Die Gliederhandlung erfolgt mit dem durch lange Vokale und Daṇḍin ergänzten Bīja.
16.49 Möge der Hinderniskönig euch Gedeihen schenken: rot, mit roter Salbung, rotem Gewand und roten Blumen, dickbäuchig, die Mondsichel auf dem Haupt. Er besitzt drei Augen und kurze Arme und Beine; sein Rüssel hält eine Zitronatzitrone. Die Hände tragen Schlinge, Haken und Stoßzahn und zeigen Gabengewährung. Eine Schlange dient ihm als heilige Schnur; er sitzt auf dem Lotus, von den Göttern verehrt.
16.50 Der Eingeweihte wiederhole vierhunderttausendmal und opfere wie zuvor ein Zehntel davon mit den acht genannten Stoffen.
16.51 Auf dem Sitz mit Tīvrā und den übrigen Śaktis rufe man Vināyaka in den Mittelteil des Lotus. In den vier Richtungen verehre man –
16.52 – Gaṇādhipa, Gaṇeśa, Gaṇanāyaka und Gaṇakrīḍa; die Glieder stehen auf den Staubfäden des mittleren Lotus.
16.53 Es folgen Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahodara, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāj und Dhūmavarṇa.
16.54 Außen verehre man die Mütter und die Weltenhüter. Damit ist die Gaṇeśa-Verehrung in Kürze erklärt.
16.55 Vom ersten bis zum vierten Tag der hellen Monatshälfte bringe der Mantrin täglich vierhundert Opfer mit Kokosnuss, geröstetem Mehl, Puffreis und Sesam dar.
16.56 Dies gilt als Mittel umfassender Einflussnahme und Wunscherfüllung. Sesam und Reiskörner werden als Fülle, Einfluss und Ruhm verleihend beschrieben.
16.57 Wer eine Partnerin sucht oder als Frau einen Partner wünscht, opfere sieben Tage Puffreis, benetzt mit den drei süßen Stoffen.
16.58 Ein Kokosopfer am vierten Mondtag gilt als unmittelbar füllespendend. Ein Opfer mit Ghee-benetzer Nahrung wird der Erfüllung aller Aufgaben zugeordnet.
16.59 Vier Nächte lang werden Opfer mit Dickmilchreis, Salz und einem als Mudrā überlieferten Stoff genannt, um das Erwünschte und rasche Verständigung zu erlangen. [Die letzte Stoffbezeichnung ist nicht eindeutig.]
16.60 Man meditiere auf Gaṇapati in dieser Gestalt und bringe täglich zu Tagesbeginn nektargleich vorgestelltes Wasser auf seinem Scheitel dar.
16.61 Vierundvierzig oder vierhundertvierundvierzig Wassergaben werden genannt. Innerhalb von vierzig Tagen soll die gewünschte Vollendung eintreten.
16.62 Ein Anziehungsritus schreibt das Bīja vorwärts und rückwärts in frische Butter, mit dem Namen der Zielperson in seinem Inneren.
16.63 Nach ritueller Belebung und achthundert Wiederholungen wird die Butter schweigend gegessen. Der Text behauptet, innerhalb von sieben Nächten trete die Anziehungswirkung ein.
16.64 Ein weiterer Mantra wird durch die Chiffren Antya-Sitz, Sūkṣma, Lohita und zweimal Feuer beschrieben, gefolgt von weiteren Lauten und Verneigung; das eigene Bīja steht am Anfang. [Die Lautkonstruktion ist beschädigt.]
16.65 Seher und Gottheit bleiben wie zuvor; als Versmaß wird Virāj angegeben. Die Glieder werden mit dem Bindu tragenden Bīja und seinen langen Vokalen gebildet.
16.66 Man meditiere auf den roten, dreiäugigen Elefantengesichtigen: Er trägt Schlinge, Haken, Wunschbaumranke, eigenen Stoßzahn und Zitronatzitrone; die Mondsichel schmückt sein Haupt.
16.67 Mit leuchtendem Schmuck, großem Bauch, kurzen lotusgleichen Armen und Füßen sitzt er anmutig auf einem Lotus. So sollen Menschen ihn beständig für ihr Gedeihen vergegenwärtigen.
16.68 Nach der Einweihung wiederhole man diesen Mantra hunderttausendmal. Danach opfere man zehntausend Sesamgaben mit den drei süßen Stoffen oder die zuvor genannten acht Stoffe.
16.69 Vighna, Vināyaka, Vīra, Śūla, Varada, Ibhavaktra, Ekarada, Lambodara und Mātaṅga werden genannt; zwischen beziehungsweise außerhalb der Umfassungen stehen die Weltenhüter. [Die Gruppierung der Namen ist im Vers undeutlich.]
16.70 Sie werden verehrt. Opfer mit Zucker, Ghee und Milchreis sollen große Fülle bringen. Durch reines Ghee erfreut, soll der Hindernisherr die Welt rasch geneigt machen.
16.71 Selbst eine einzige Kokosnuss, mit ihrer Hülle als Brennstoff geopfert, soll bei täglicher Wiederholung binnen vierzig Tagen das Erwünschte bringen. [Ein Wort der Brennstoffangabe ist lesungsunsicher.]
16.72 Für die Wunscherfüllung opfere man gepressten Reis, geröstetes Mehl, Puffreis und Sesam sowie Kuchen, Kokosnuss, Zuckerrohr und süße Bananen.
16.73 Das mit diesen acht Stoffen vollzogene Feueropfer gilt als alle Ziele verwirklichend. Tägliche Ghee-Speiseopfer sollen den Lebensunterhalt von Haushältern sichern.
16.74 Täglich zu Tagesbeginn bringe der Mantrin Gaṇapati vierundvierzig Gaben reinen Wassers dar, um Indirā zu erlangen.
16.75 Auch Wassergabe, Verehrung und Feueropfer mit den zehn mit Vighna beginnenden Namen samt Mahāgaṇapati sollen täglich das Erwünschte gewähren.
16.76 Man denke Gaṇapati wie eine Wolke aus der Sonnenscheibe auf silbernen Stufen herabkommend, wasserartig und auf einem Lotus sitzend, mit Ranke, Stoßzahn, Schlinge und Haken. Er setzt seinen Rüssel an die betreffende Person und begießt deren Leib mit dem daraus strömenden Nektar. So bringe man täglich die nektargleichen Wassergaben dar.
16.77 Der kundige Mantrin kann auch die zuvor gelehrten Verfahren täglich mit Achtung ausführen. Oder die Menschen verehren nach eigener Neigung einen einzigen Gaṇapati mit dem seinem Namen entsprechenden Mantra.
16.78 Wer dem Hinderniskönig durch Wiederholung, Feueropfer, Verehrung und Wassergabe dient, dem wird umfassende Reinheit und Fülle mit Geld, Getreide, Kindern und Freunden verheißen: frei von allen Hindernissen und im Einklang mit der Welt.
Kolophon: Hier endet der 16. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
17. Paṭala
Orientierung: Manmatha und weitere Mantraformen.
17.1 Nun erkläre ich ordnungsgemäß den Mantra des Liebesgottes mit Wiederholung und Feueropfer: Er soll selbst den Zerstörer der Städte betören und die Scharen der Siddhas und Götter bewegen.
17.2 Durch die Chiffren Aja, Kalā, erste Erde und Śānti, verbunden mit dem leuchtenden Mondstück, wird dieser Mantra Manobhavas angegeben. Er gilt als Spender von Dharma, Ruhm, Wohlstand und Glück.
17.3 Sammohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Manobhava die Gottheit. Die Glieder werden mit dem Bīja, seinen langen Vokalen und den jeweiligen Abschlüssen gebildet.
17.4 Man denke den Liebesgott rot, mit rotem Gewand, Girlanden und Salbung. Er hält Schlinge, Haken, Pfeile und Bogen; Edelsteinkrone und anderer Schmuck strahlen. Er sitzt auf einem roten Lotus.
17.5 Mit Achtung wiederhole man diesen Mantra zwölf Lakshas und opfere danach ein Zehntel dieser Zahl mit schönen Kiṃśuka-Blüten, reich benetzt mit den drei süßen Stoffen, zur eigenen Vollendung.
17.6 Die Śaktis des Liebesgottes heißen Mohinī, Kṣobhiṇī, Trāsī, Stambhinī, Ākarṣiṇī, Drāviṇī, Hlādinī, Klinnā und Kledinī.
17.7 Mit den angegebenen, verschlüsselten Lautfolgen verehre man der Reihe nach die Pfeile Śoṣaṇa, Mohana, Sandīpana, Tāpana und Mādana: austrocknend, betörend, entflammend, erhitzend und berauschend. [Die Bīja-Chiffren sind teilweise beschädigt.]
17.8 Die nächste Gruppe heißt Anaṅgarūpā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamanmathā, Anaṅgakusumā und Anaṅgakusumāturā –
17.9 – ferner Anaṅgaśiśirā, Anaṅgamekhalā und Anaṅgadīpikā. Zwischen den Gliedern und den Richtungsherren verehre man die Umfassungen der Pfeile und Anaṅga-Kräfte.
17.10 Im Mittelteil eines von Feuerfiguren eingeschlossenen Yantras steht das Kāma-Bīja mit dem Zielnamen, in den Zwischenräumen die sechs Glieder. Außen folgen dreifache Lautgruppen, an den Blattspitzen der Girlandenmantra und an den Erdecken Anaṅga. Diesem Yantra wird Einfluss selbst auf die ganze Welt zugeschrieben. [Die genaue Laut- und Zahlenanordnung ist teilweise beschädigt.]
17.11 Die Gāyatrī lautet dem Sinn nach: »Den Liebesgott wollen wir erkennen; über den Blumenpfeilträger meditieren wir. Möge Anaṅga uns anregen.«
17.12 Nach der Verneigung an Kāmadeva folgen die Worte »allen Menschen lieb« und »alle Menschen betörend« –
17.13 – danach zweimal »entflamme« und »lodere auf«, dann »das Herz aller Menschen« und »mein« –
17.14 – sowie »unter Einfluss«, zweimal »mache« und die Geliebte des Feuers als Abschluss. Dieser Madana-Mantra wird als achtundvierziglautig bezeichnet.
17.15 Ein Gefäß, das nach dieser Yantra-Ordnung geweiht ist, soll jeden Menschen betören können. Der Text nennt Frauen, Könige, Versammlungen, Städte und selbst göttliche Herrinnen als Ziele solcher Einflussnahme.
17.16 Nun erkläre ich eine weitere Ordnung Manobhavas, die die Welt betören soll. Nach ihr verehrt, gewähre der Gott den Mantrakundigen alles Erwünschte.
17.17 Die Gliederformeln verwenden Amṛtodbhava, Makaraketana, Saṅkalpaja, eine als Akṣarūpa überlieferte Benennung, Ikṣudhanurdhara und Puṣpaśara und enden mit der Gemahlin des Feuers. [Der mittlere Name ist lesungsunsicher.]
17.18 Man meditiere auf sich selbst als schönen Liebesgott: mit rotem Gewand, Girlanden, Salbung und Schmuck, Pfeil und Bogen tragend, die Pfeil-Bījas auf den Leib gelegt.
17.19 Außerhalb der Glieder- und Pfeilumfassung werden sechzehn Śaktis verehrt: Yuvati, Vipralambhā, Jyotsnā, Subhrū und Madadravā –
17.20 – Suratā, Vāruṇī, Lolā, Kānti, Saudāminī, Kāmacchatrā, Candralekhā, Śukī und Madanā –
17.21 – sowie Yoni und Māyāvatī. Danach beginnen die Begleiter des Liebesgottes mit Śoka, Moha, Vilāsa, Vibhrama und Madanātura –
17.22 – ferner Apatrapa, Yuvan, Kāmin, Cūtapuṣpa, Ratipriya, Grīṣma, Tapānta, Ūrja, Hemanta, Śiśira und Mada.
17.23 Diese Diener des Liebesgottes werden in der vierten Umfassung verehrt. Es folgen Parabhṛt, Sārasa, Śuka und Megha –
17.24 – sowie Seitenblick und Brauenspiel, Hāva und Bhāva, die dem Liebesgott lieb sind. Mādhavī, Mālatī, Hariṇākṣī und Madotkaṭā stehen mit Yakschweifwedeln in den Händen an den Ecken und werden dort verehrt.
17.25 Die Śaktis und übrigen Gestalten verehre man mit Hṛllekhā und ihrem jeweiligen Namen. Die siebte Umfassung bilden Indra und die übrigen. So ist die Verehrung des Liebesgottes geordnet.
17.26 Wer nach dieser Madana-Ordnung verehrt, soll von allen Menschen geachtet, anmutig und eine Wohnstätte Lakṣmīs werden.
17.27 Der Mann werde als Gestalt des sich entfaltenden Ichbewusstseins gedacht, sein Geist als Śiva und Träger der Anmut. Die Frau werde als verkörperte Einsicht und ihr Schoß als Bewusstseinsfeld verstanden; in dieser Vergegenwärtigung nähere er sich ihr.
17.28 Wer die eigene Partnerin in solcher Liebes-Yoga-Verbundenheit erfreut, wird als einer beschrieben, der Genuss und Befreiung erstrebt und Frauenherzen anzieht.
17.29 Man meditiere auf sich selbst als Liebesgott in Feuergestalt. Die Spitze des Bījas denke man als Śiva-Flamme, ebenso die Gestalt der Partnerin in der folgenden inneren Zuordnung.
17.30 Die Partnerin werde nektarartig, ihr Schoß buttergleich vorgestellt; bei der Vereinigung denke man Herz und übrigen Leib von der Śiva-Flamme berührt.
17.31 Man umarme die durch Feuerberührung schmelzende, nektargleiche Gestalt und koste mit der Zungenspitze den Nektar ihrer Lippen.
17.32 Auch äußere Berührung mit den Nägeln wird unter dem Bild der Blumenpfeile erwähnt. Dabei soll der Mantrin klaren Geistes dem Lebewesen keinen Schaden zufügen.
17.33 In der Vereinigung vergegenwärtige man dies der Reihe nach unten, in der Mitte und oben und wende sich so der eigenen Geliebten zu. Der Text verheißt, sie werde, von Liebespfeilen bewegt, wie ein Schatten untrennbar bei ihm bleiben, auch in einem weiteren Leben.
17.34 Ein weiteres Yantra trägt den von Kāma-Lauten umschlossenen Zielnamen im Mittelteil, chiffrierte Lautgruppen auf den Blättern und Dreizackspitzen in den Richtungen. Es wird auf das Blatt des als Viṣṇu-Feind bezeichneten Baumes gezeichnet und mit dem Kāma-Mantra verbunden. Die gewünschte Frau werde dadurch angeblich gefügig. [Mehrere Laut-, Zahlen- und Handlungswörter sind beschädigt.]
17.35 Der auf Haṃsa gesetzte Kāma-Mantra gilt als rasch die drei Welten bewegend. Mit dem Himmelslaut verbunden soll er Zuneigung, mit dem Lebenslaut verbunden langes Leben fördern.
17.36 Eine Frau, die mit dem Praṇava-verbundenen Mantra opfert und ihren Mann mit dem geweihten Ghee speist, soll nach dem Text seine starke Zuneigung gewinnen.
17.37 Mit Dickmilch benetzten Puffreis opfere, wer eine Partnerin sucht. Ebenso könne eine Frau nach dieser Ordnung einen dauerhaft zugewandten Partner erlangen.
17.38 Ein Opfer mit frischen Aśoka-Blüten, Dickmilch und Sesam gilt als besonders anziehend; es soll auch die gewünschte Partnerin bald gewinnen helfen.
17.39 Schon die Erinnerung an Smara soll Wünsche erfüllen, besonders jedoch Wiederholung und Verehrung. Durch seine Gnade würden die Bewohner aller Welten dem Mantrin dauerhaft geneigt.
17.40 Nun folgt eine verschlüsselte Anordnung der Laute von Kṛṣṇa, Govinda und Gopījana-vallabha, mit dem Kāma-Bīja am Anfang und Svāhā am Ende. [Die Zwischenstellung der Silben ist in der Vorlage entstellt.]
17.41 Nārada ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Kṛṣṇa die Gottheit. Nun wird die Gliederordnung des Mantras erklärt.
17.42 Aus vier Gruppen zu je vier Lauten und einer Zweiergruppe des Grundmantras werden die Glieder gebildet. Danach meditiere man auf Devakīs Sohn.
17.43 Möge Devakīs Sohn euch schützen: Sein Glanz gleicht dem zusammengelegten Pfauenrad, Pfauenfedern schmücken sein Haar. Seine anmutige Gestalt wird von den Lotusaugen der Hirtinnen verehrt; Hirten und Kühe umgeben ihn. Sein schönes Lotusgesicht überstrahlt den Mond, er trägt ein gelbes Gewand und raubt durch sein Flötenspiel den Menschen ihre gefasste Ruhe.
17.44 Die Wiederholung umfasst zwanzigtausend; ein Zehntel davon wird mit roten Lotussen geopfert. Täglich verehre man Nandas Sohn auf dem für Viṣṇu gelehrten vorzüglichen Sitz.
17.45 Mit den Gliedern, Richtungsherren und Vajra samt den übrigen Waffen als Umfassungen erfreue man Govinda durch weißen Milchreis, frische Butter, Bananen und Dickmilch.
17.46 Man opfere reine Milchspeise mit Ghee und Zucker. So erfreut, soll Govinda die erwünschte Fülle unmittelbar herbeiführen.
17.47 Zu Tagesbeginn verehre man Govinda als ungeborenes göttliches Kind: dunkel wie eine Regenwolke, mit funkelnden Juwelenglöckchen an Hüften und Beinen und einem Halsgehänge aus Hirschklauen. Sein freundliches Gesicht gleicht einem geöffneten Lotus. Er hat den Wagen zerschlagen und Pūtanā und weitere Gegner gestürzt; Indra und die höchsten Götter verehren ihn.
17.48 Mittags verehre man Mukunda für Fülle: von den Göttern geachtet, dunkel wie eine reife Karavanda-Frucht, blauäugig wie Utpala. Hirtinnen und Kühe umgeben den Sieger über die Feinde. Sein Lächeln gleicht Kunda und Mandāra, Pfauenfedern schmücken seine Locken, und sein gelbes Gewand strahlt.
17.49 Abends verehre man den reinen, unvergleichlichen, alterslosen und dunkel leuchtenden Vāsudeva: Durch Tapferkeit hat er die Feindscharen vernichtet und die Last der Erde entfernt. Nārada und andere Weise umgeben ihn täglich, um die Wahrheit zu erkennen. Er bewirkt Entstehen, Bestand und Vergehen der Welt und schenkt Befreiung.
17.50 Wer mit weitem Geist den Bogenträger zu den drei Tageszeiten so meditiert und verehrt, erlangt Dharma, Wohlstand, Freude und höchste Fülle und beim Ende des Leibes Befreiung.
17.51 Wer ein Dorf oder eine Stadt betritt, bringe dem Herrn der Götter innerlich immer wieder reines, als Milch vorgestelltes Wasser an den Mund. Mukunda soll ihm beständig vielfältige Speisen sowie Geld, Getreide, Gewänder und weitere Güter schenken.
17.52 Wer von Almosen lebt, denke täglich an ihn als die eigene Gestalt: spielerisch und anmutig entwendet Kṛṣṇa den Hirtinnen Milch, Butter und Dickmilch und zugleich ihre Herzen. So werde reiche Almosenspeise aus den Häusern verheißen.
17.53 Wohin der Meditierende und Mantrawiederholende auch geht und was er dort erhofft, das soll er reichlich erlangen und erfreut wie ein Gott unter den Menschen spielen.
17.54 Wer diesen Gott verehrt und den Mantra wiederholt, werde allen Menschen lieb. Nach Erfüllung seiner Wünsche und einem Leben in Fülle soll er zur ewigen, reinen höchsten Wohnstätte werden.
Kolophon: Hier endet der 17. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
18. Paṭala
Orientierung: Pranava und die Wege des Yoga.
18.1 Nun erläutere ich den höchsten Mantra, der Pranava heißt, samt seiner Wiederholung, Verehrung, Feueropferordnung und inneren Betrachtung: Er beseitigt alles Unheil, gleicht einem Wunschbaum für vielerlei Anliegen, schenkt die Frucht der Befreiung und wird von reinen Yogis gepflegt.
18.2 Der erste Vokal, mit dem hier verschlüsselt bezeichneten weiteren Laut und dem siebten nach dha sowie dem Bindu verbunden, wird Pranava-Mantra genannt. Er hat drei Lautmaße und vereinigt alle Mantras in sich. [Die Buchstabencodierung der Vorlage ist stellenweise beschädigt; die gemeinte dreigliedrige Om-Deutung wird in 18.34 ausdrücklich erläutert.]
18.3 Prajapati ist der Seher dieses Mantras, Devi-Gayatri sein Versmaß und Paramatman seine Gottheit. Der Mantrakundige vollziehe die Gliederzuordnungen mit den nichtneutralen Vokalen, verbunden mit dem mittleren Paar, Om und den Schlussformeln; oder der Reihe nach mit den Vyahritis unter Auslassung von Satya. [Die Lautzuordnung im dritten Viertel ist nicht sicher lesbar.]
18.4 Ich verneige mich vor Vishnu, dessen Gestalt mit leuchtender Krone, Oberarmreifen, Armbändern, Schmuck, Halsketten, Brustjuwel und großen Makara-Ohrringen geschmückt ist. In seinen Händen erheben sich Rad, Muschel, Lotus und Keule. Makellos, in gelbe Seide gekleidet, erhellt er die Himmelsrichtungen und sitzt wie die aufgehende Sonne strahlend auf einem Lotus. [Ein Teil der Körper- und Schmuckaufzählung ist in der Vorlage beschädigt.]
18.5 Nach der Einweihung wiederhole man diesen Mantra zehn Millionen Mal. Anschließend bringe man ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dar, mit Milchreis und Ghee oder mit Opferhölzern des als Vipra-Baum bezeichneten Baumes.
18.6 Wer mit diesem Mantra Ghee, Milchreis, Reis, Sesam, Opferhölzer und dergleichen darbringt, erlangt nach der Verheißung des Textes bald die gewünschte Frucht in dieser und der jenseitigen Welt.
18.7 Nachdem der Mantrakundige den Vishnu-Sitz vorschriftsgemäß verehrt hat, rufe er dort Mukunda an, der alle Ziele gewährt. Der Reihe nach verehre er ihn mit seinen Gliedern, den Gruppen seiner Gestalten und Kräfte, den Götterherren sowie Vajra und den übrigen Waffen.
18.8 Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha werden ihren Farben nach mit Kristall, Gold, Durva-Gras und Saphir verglichen.
18.9 Sie sind vierarmig und tragen Rad, Muschel, Keule und Lotus. Sie haben Kronen und Oberarmreifen und sind in gelbe Gewänder gekleidet. [Das Wort für Lotus ist in der Vorlage beschädigt.]
18.10 Shanti, Shri, Sarasvati und Rati befinden sich auf den entsprechenden Lotusblättern. Reich geschmückt, zeigen sie die Farben von klarem Kristall, Lotuspollen, Milch und Durva-Gras.
18.11 Atman, Antaratman, Paramatman und Jnanatman sind die Gestalten; Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti sind die Kräfte.
18.12 Die mit Atman beginnenden Gestalten und Kräfte leuchten wie lodernde Flammen. So wird die aus Pranava hervorgehende Verehrung in fünf Umkreisen beschrieben.
18.13 Nachdem der Mantrakundige dieses Om durch Japa, Feueropfer und Verehrung in sein Leben aufgenommen hat, übe er auch die Wege des Yoga. Durch sie erlangt er hier umfassende Fülle und zuletzt Vishnus reine, höchste Stätte.
18.14 Was weder Hände noch Füße noch Gesicht besitzt, was unablässig gegenwärtig ist und nirgends anders als im Selbst gefunden wird: Wenn der Wahrheitskenner diese Stätte des Selbst in sich erkennt, nennt man dies Yoga.
18.15 Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid sind die sechs Feinde, die das Erlangen von Yoga beeinträchtigen. Mit entschlossenem Geist überwinde der Yogakundige sie durch die acht heilsamen Glieder des Yoga.
18.16 Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi werden als die acht zum Yoga gehörenden Glieder genannt.
18.17 Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen, Gleichmut, Standhaftigkeit, Nichtstehlen, Geduld, Aufrichtigkeit und Nichtanhaften bilden Yama. Selbststudium, Askese, Verehrung und Gelübde gehören zu den folgenden Regeln.
18.18 Mit Zufriedenheit und Reinheit bilden diese Niyama. Asana wird fünffach gelehrt: als Padma-, Svastika-, Bhadra-, Vajra- und Vira-Sitz. [Der vierte Name ist in der Vorlage beschädigt.]
18.19 Pranayama ist durch Ausatmen, Einatmen und Atemhalten dreifach. Man lasse den Atem durch die rechte Bahn ausströmen, führe ihn durch die linke herein und leite ihn zur mittleren Bahn.
18.20 Dort halte man ihn fest: So sind Ausatmen, Einatmen und Atemhalten beschrieben. Der Reihe nach nennt der Text sechzehn, zweimal sechzehn und vierundsechzig Zeiteinheiten. [Diese Reihenfolge der Vorlage wird bewahrt.]
18.21 Wenn der mit Bewusstsein verbundene Prana in der Einheit von Geist und Selbst gehalten und von einer Stätte zurückgenommen wird, heißt dieses Zurückziehen Pratyahara.
18.22 Das Festhalten an einer bestimmten Stätte nennen die Wahrheitskenner Dharana. Die geistige Gegenwart der Gottheit, die sich dem Mantraübenden erschließt,
18.23 soll er dort beständig halten: Dies nennen die Wahrheitskenner Dhyana. Was als reines Sein, ewig, rein und unbefleckt beschrieben wird,
18.24 darüber denke er nach; wenn der Geist darin aufgeht, heißt dies Samadhi. Durch diese acht beschriebenen Glieder wird der innere Feind vom Selbstkenner rasch bezwungen.
18.25 Oder man reinige den Körper durch die vorgestellten Vorgänge des Austrocknens, Verbrennens und Überflutens und regle danach den Prana entsprechend der Vorschrift in fünfzig Zeiteinheiten.
18.26 Auch Om wird durch seine einzelnen Kalas als fünfzigfach beschrieben. Indem der Wahrheitskenner den Atem über ebenso viele Zeiteinheiten ordnet, werden diese Kalas gehalten.
18.27 Zuerst stelle man sich an der Öffnung der Ida das rauchfarbene Luft-Bija vor. Mit der dadurch eintretenden Kraft trockne man den Körper mitsamt Rumpf, Händen und Füßen aus.
18.28 Durch Pingala lasse man den Atem wieder ausströmen. Ebenso verbrenne man den Körper innerlich mit dem rot leuchtenden Feuer-Bija und gehe wie zuvor vor; darauf folge das ganz weiße Mond-Bija.
18.29 Mit diesem erfülle man den ganzen Leib wie durch einen Regen feiner Tropfen aus Nektarwasser. Nachdem man ihn geistig neu gestaltet hat, verweile man lange mit erfülltem Herzen.
18.30 Man habe maßvoll gegessen und gut verdaut, angemessen geschlafen und Ähnliches beachtet. In einem guten Haus mit reinem Boden, geschützt vor Kälte und anderen Störungen, sitze man bequem nach Osten gewandt, mit geschlossenen Augen, auf einem sauberen, weichen Sitz aus Tuch, Fell und Kusha-Gras.
18.31 Die geöffnete linke Hand lege man in den Schoß, darüber die rechte. Aufrecht, heiter und mit gesammelten Sinnen vergegenwärtige man sich die eigene Grundlage als vollkommen ebenmäßig.
18.32 In ihrer Mitte betrachte man Pranava, in Pranava den Bindu und im Bindu den Nada. Om lasse man der Vorschrift gemäß bis zum Ende der Sushumna aufsteigen.
18.33 In deren Mitte vergegenwärtige man sich stets das reine Shabda-Brahman, fein wie ein allerzartester Faden: das Licht, dessen Wesen Om ist und das allem Beweglichen und Unbeweglichen zugrunde liegt.
18.34 Omkara, Guna-Bija, Pranava, Tara, Dhruva und Vedadi sind seine Namen. Auch heißt es: a am Anfang, u in der Mitte, m am Ende; daher wird es dreimaßig genannt. [„Omkara“ ist in der Vorlage beschädigt geschrieben.]
18.35 Weil es am Anfang des Veda steht, wird es auch allen Mantras vorangestellt. Es ist der Ursprung in jedem Körper und wird übereinstimmend als Brahman bezeichnet.
18.36 Rig, Yajus und Saman werden seinen Anfangs-, Mittel- und Endgliedern zugeordnet. In weltlicher und vedischer Überlieferung werden viele weitere Unterscheidungen gelehrt. [Die genaue Verteilung der Glieder ist in diesem Vers nicht sicher lesbar.]
18.37 Indem man Om wieder und wieder erklingen lässt, führe man es stufenweise bis zum Dvadashanta hinauf. Man übe so lange, bis der Geist in dem innerlich vergegenwärtigten Om zur Ruhe kommt und aufgeht.
18.38 Oder man betrachte den runden Bindu, den drei Windungen umgeben, mit der Sonnenscheibe verbunden: als ein Licht, von dem Nektar herabströmt. [Die Vorlage verweist bildhaft auf eine Gestalt, ohne eine gesonderte Zeichnung zu liefern.]
18.39 Dieser Yoga gilt als Überwinder vorzeitigen Todes, von Krankheit und Verfehlung und als rascher Spender von Vollendung. Oder man betrachte ein aus Muladhara aufsteigendes Licht, fein wie ein aus einem Lotusstängel gelöster Faden.
18.40 Dieses ist mit der Mondscheibe im Gesichtsbereich verbunden und von Nektartropfen benetzt. Der Text schreibt diesem Yoga die Kraft zu, pflanzliches und tierisches Gift zu beseitigen.
18.41 Oder der Yogi führe das Licht im dreifach umwundenen Bindu mithilfe von Pranava nach oben: wie einen gelben Wollfaden, gerade auf dem Weg der Sushumna.
18.42 Dorthin richte er den Geist und lasse ihn an der mit der Sonnenzahl bezeichneten Grenze aufgehen. Durch diese Übung erreicht er die Stätte des Nirvana, von der es keine Rückkehr gibt. [Gemeint ist im Zusammenhang wahrscheinlich Dvadashanta, die Zwölfgrenze.]
18.43 Oder man löse das Anfangs-Bija in u, dieses weiter im folgenden Laut und schließlich im Bindu auf; den Bindu im Nada, diesen in Shakti und Shakti in dem, was Shanta, das Stille, heißt. [Die Lautfolge in der ersten Hälfte ist beschädigt; sie wird hier nicht als sichere Rezitationsanweisung rekonstruiert.]
18.44 Dieses ist Licht und Bewusstsein, das auf nichts anderes gerichtet ist: frei von Gegensätzen, ungeteilt, stets voller Wonne und fein; überall gegenwärtig, aber nicht durch Merkmale wie Gesicht, Hände, Füße oder Augen festzulegen.
18.45 Wenn man so alles im eigenen Selbst aufgehen lässt, das Hinausstreben der inneren Instrumente und Sinne endet und Verdienst und Verfehlung erloschen sind, wird man, ohne ausströmenden Atem, selbst Brahman.
18.46 Oder der Yogi erkenne nacheinander die fünf mit Yoga verbundenen Zustände und übe beständig mit ihnen, um die Befreiung unmittelbar zu verwirklichen.
18.47 Diese sind Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und das darüber Hinausgehende. Wenn das Selbst durch seine Sinne Gegenstände erfährt, ist dies Wachen.
18.48 Wenn es Erfahrungen macht, obwohl die Sinne nicht bewusst tätig sind, ist dies Traum. Die ungestörte Ruhe infolge der Hinwendung zum Selbst heißt Tiefschlaf.
18.49 Wenn das Selbst das Höchste durch ein von Dunkelheit freies Licht erkennt, ist dies Turiya. Wenn der Yogi durch die Nichtverschiedenheit von individuellem Selbst und höchstem Selbst alles durchdringt,
18.50 ist dies Turiyatita. Auch die Befreiung ist ihm dann nicht fern. Oder er verbinde die feine Sprachebene sowie Pashyanti, Madhyama und Vaikhari
18.51 und den oberen Bereich der Sushumna mit dem Atem und mit den Zuständen vom Wachen an. Das Aussprechen des Bija ist Wachen, Bindu ist Traum, Nada ist Tiefschlaf.
18.52 Shakti entspricht Turiya; das Aufgehen des Selbst im Stillen ist das Ende beziehungsweise Überschreiten des Vierten. Große Zehen, Knöchel, Unterschenkel, beide Knie, Damm und Geschlechtsorgan,
18.53 Nabel, Herz, Hals, Zäpfchenbereich, Nasenspitze, Brauenmitte, oberer Stirnbereich, Sushumna-Ende und Dvadashanta bilden die folgende Reihe von Konzentrationsorten. [„Brauenmitte“ ist in der Vorlage beschädigt geschrieben.]
18.54 Die Kenner der Lebenswindlenkung nennen diese Stätten der Dharana für das Austreten aus dem Körper, das Eintreten in einen anderen Körper und die Rückkehr in den eigenen Leib.
18.55 Durch die Übung, an diesen Stellen Selbst, Geist und Lebenswind zu verbinden, sollen bald die bekannten Vollendungen wie das Austreten aus dem Körper entstehen.
18.56 Im Hals, zwischen den Brauen, im Herzen, im Nabel und im ganzen Körper vergegenwärtige man sich der Reihe nach den Lebenswind mit den Lauten la, va, ra sowie den Luft- und Raumlauten. Dies gilt als Überlistung der großen Todeszeit.
18.57 Indem der Weise durch die Kräfte und Sinnbilder von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum das eigene Wesen jeweils in Entsprechung zu ihnen bringt, gewinnt er nach dieser Lehre rasch Macht über das betreffende Element.
18.58 Wer sich täglich durch diese gelehrten Yogawege sammelt, erlangt bald jene bleibende Vollendung, die aus dem gesamten Samsara befreit.
18.59 Bei dem, dessen Geist täglich durch diese unterschiedlichen Yogawege in der Sammlung gefestigt wird, zeigen sich Vollendungen als Tore zum Eintritt in die Stadt der Befreiung.
18.60 Zittern, Aufrichten der Körperhaare, Wonne, Reinheit, Festigkeit, Leichtigkeit, umfassendes Erhelltsein und Erkennen werden als acht Zustände genannt, die Vollendung anzeigen.
18.61 Wissen um die drei Zeiten, intuitives Erschließen, Anmut beziehungsweise Erkennen des Geistes, willentliche Beherrschung des Lebenswindes, dessen Überführung durch die Nadis, Wirksamkeit der Rede und der Übergang von einem Körper in einen anderen,
18.62 sowie das Sichtbarwerden von Licht gelten als acht Bestätigungen der Vollendung. Anima, Mahima, Laghima, Garima, Ishitva und Vashitva,
18.63 Prapti und Prakamya bilden die acht übernatürlichen Vermögen des Yogis. Der mit ihnen ausgestattete Yogi wird als zu Lebzeiten befreit bezeichnet, immer erfüllt von der Wonne, den großen Nektar der Yogaerfahrung zu trinken.
18.64 So ist diese Lehre von Pranava erläutert. Wer sie mit Hingabe durch Japa und die weiteren Formen der Praxis pflegt, erreicht jene alldurchdringende, ewig reine und bewusste höchste Stätte Vishnus.
Kolophon: Hier endet der 18. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
19. Paṭala
Orientierung: Acht-Silben-Mantra.
19.1 Nun erkläre ich den achtlautigen Mantra, die Sonne, welche die Finsternis allen Unheils und Leidens durchbricht. Auf Praṇava und Verneigung folgen die Laute Nārā, danach Yaṇā und Ya. Dieser Mantra gewährt das Erwünschte.
19.2 Praṇava wurde zuvor als aus Śakti hervorgehend und im Sinn von »Er bin ich« erklärt. Na bezeichnet die Verneinung, Ma dagegen »dieses Ich«.
19.3 Die Laute Nā, Rā, Ya und Ṇa werden der Reihe nach Wasser, Feuer, Wind und Erde zugeordnet. Der Schlusslaut verdeutlicht die grammatische Beugung und damit den Sinn der Anrede.
19.4 Als Seher dieses Mantras wird Sādhyanārāyaṇa angegeben, als Versmaß Devī-Gāyatrī und als Gottheit das höchste Selbst.
19.5 Mit den durch Kruddha, Mahāvīra, Dyus und Sahasra eingeleiteten Ulkā-Formeln, versehen mit ihren jeweiligen Abschlüssen, bilde man der Reihe nach die fünf Glieder. [Die Aufzählung ist in der Vorlage verkürzt.]
19.6 Oder der Kundige bilde aus den acht einzelnen Mantralauten acht Glieder: Herz, Kopf, Haarschopf, Schutz, Augen, Waffe, Bauch und Rücken.
19.7 Ich verehre Mukunda, den alle Welten ehren: Er strahlt wie eine Sonnenschar, trägt Krone und Makara-Ohrringe, leuchtende Oberarmreifen, vom Kaustubha-Juwel bunt erhellte Halsketten und ein gelbes Gewand. Hunderte von Schmuckstücken glänzen mit vielerlei Edelsteinen. Śrī und die Erde schmiegen sich an seine Seiten; seine Arme tragen Diskus, Lotus, Muschelhorn und Keule.
19.8 Der Eingeweihte, der diesen Mantra wiederholen möchte, bilde aus seinem eigenen Leib den Yoga-Sitz. Schultern, beide Oberschenkel, Füße, Gesicht, Nabel, Grundzentrum und beide Seiten bilden dessen leuchtende Glieder.
19.9 In der Mitte verehre der Mantrin die mit Ananta beginnenden und bis zum Erkenntnis-Selbst reichenden Prinzipien; zuletzt den Sitz-Mantra, mit Duft und den übrigen reinen Darbringungen.
19.10 Man spreche Praṇava und die Herzformel, danach »Bhagavate, Viṣṇave« und »dem Selbst aller Wesen«. [Die Fortsetzung zum Sitz-Mantra ist durch das Fehlen von Vers 19.11 in der Vorlage unterbrochen.]
Die Nummer 19.11 fehlt in der Sanskritvorlage; es wird kein Vers ergänzt.
19.12 Nachdem er die Richtungen mit dem Waffen-Mantra gebunden hat, lege der Mantrin die Mantralaute auf seinen Leib. Durch diesen Nyāsa werde er zu Hari, dessen Gestalt aus den Mantralauten besteht.
19.13 Genannt werden Grundzentrum, Herz, Gesicht, Arm- und Fußwurzeln, Nabel und Kehle, ferner Herz, Brust, Seiten und Rücken, Kopf, Mund, Augen, Ohren, Nase, Arm- und Beingelenke, Finger sowie Herz, Körperstoffe und Lebenswinde. [Die dicht aufgereihten Körperstellen sind teilweise doppelt und syntaktisch undeutlich überliefert.]
19.14 Die Laute lege man der Reihe nach auf Scheitel, Augen, Mund, Herz, Bauch, Oberschenkel, Unterschenkel und Füße. Gesammelt ordne man Wangen, Schultern, Hände, Oberschenkel und Füße den Worten für Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus zu.
19.15 Zur Vervollständigung des achtlautigen Mantras vergegenwärtige man den zwölflautigen. In seine zwölf Gestalten gegliedert, werde er auf den Leib gelegt.
19.16 Der achtlautige Mantra wird als aus den acht Naturprinzipien bestehend gelehrt. Diese acht Prakṛtis werden mit vier Formen des Selbst verbunden –
19.17 – und die Vereinigung dieser zwölf bildet den zwölflautigen Mantra. Die zwölf Ādityas sind mit den zwölf göttlichen Gestalten verbunden.
19.18 Die zwölf mit Keśava beginnenden Gestalten lege man mit den entsprechenden Anfangsvokalen nieder. So entstehen die zwölf Gestalten-Nyāsas.
19.19 Ihre Orte sind Stirn, Bauch, Herz, Kehle, rechte Seite, rechte Schulter und rechte Halsseite, entsprechend die drei linken Stellen, Rücken und Nacken beziehungsweise Rückenhöcker.
19.20 Den zwölflautigen Mantra lege der Kundige auf den Scheitel. Von dort durchdringt Vāsudeva den ganzen Leib.
19.21 Um dies zu verwirklichen, wiederhole man den mit Kirīṭa beginnenden Mantra. Man spreche die Wörter für Krone, Oberarmreifen und Halskette –
19.22 – danach Makara-Ohrringe, Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus in den Händen sowie »Träger des gelben Gewandes« –
19.23 – ferner »mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust«, »mit Śrī und Bhūmi verbunden« und zweimal die Benennung des eigenen inneren Lichtes –
19.24 – sowie »Quelle des Glanzes« und »mit der Kraft von tausend Sonnen«. Der Kirīṭa-Mantra beginnt mit Praṇava und endet mit der Herzformel. [Ein Ausdruck zur Lichtfülle ist beschädigt.]
19.25 Man bereite den Opferboden, lege den eigenen Sitz darauf und setze sich. Mit reinem Geist verehre man den Sitz und die weiteren Bestandteile im eigenen Leib mit Duft und anderen Gaben.
19.26 Nachdem man die bis zum zwölflautigen Mantra reichende Ordnung verehrt hat, bringe man mit dem Kirīṭa-Mantra fünfmal oder dreimal eine Blumenhandvoll am eigenen Leib dar.
19.27 Damit ist die für Eingeweihte bestimmte Ordnung des achtlautigen Mantras erklärt. Nun folgt in Kürze die Einweihung für reine Menschen klaren Geistes.
19.28 Man errichte eines der leuchtenden Maṇḍalas, etwa das dreifache, und verehre den Sitz mit den Śaktis nach dem für die Selbstverehrung beschriebenen Verfahren.
19.29 Die neun Śaktis heißen Vimalā, Utkarṣiṇī, Jñānā, Kriyā, Yogā, Prahvī, Satyā, Īśānā und Anugrahā.
19.30 Man stelle dort ein Gefäß auf und fülle es mit Pañcagavya, Kuhmilch, den genannten Absuden oder den acht Duftstoffen in Wasser.
19.31 Mit den Gliedern des achtlautigen Mantras und den acht Lautgruppen verehre man an den Blattwurzeln Vāsudeva und die übrigen Gestalten samt ihren Śaktis. Außen folgen Haris Waffen und Zeichen.
19.32 Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotus, Kaustubha, Śārṅga-Bogen, Schwert und Waldgirlande werden genannt. Ihre Farben folgen als Rot, Hell, Gelb, Gold, Dunkelgrün, Schwarz und weitere helle Töne. [Die Farbliste ist am Ende beschädigt.]
19.33 Banner, Garuḍa und die Schätze Śaṅkha und Padma stehen in den Hauptrichtungen; Gaṇeśa, Āryaka, Durgā und Viṣvaksena in den Zwischenrichtungen.
19.34 Das Banner ist dunkel, der Vogel rot; die beiden Schätze leuchten weiß und rot. Gaṇeśa und die drei folgenden Gestalten sind der Reihe nach rot, dunkelgrün, dunkel und gelb.
19.35 Außerhalb verehre man Indra und die übrigen mit Duft und weiteren Gaben. Dies wird als Viṣṇus Verehrung mit fünf Umfassungen bezeichnet.
19.36 Nachdem Viṣṇu so mit den schon beschriebenen Darbringungen verehrt wurde, entzünde man das Feuer in der Grube und verwende die beim Brahma-Opfer gelehrten Stoffe –
19.37 – acht an der Zahl, begleitet vom achtlautigen Mantra. Von jedem bringe man achthundert Opfer dar und danach die Bali-Gabe.
19.38 Der Lehrer vollziehe am Schüler das Weihebad und teile ihm den Mantra wie zuvor mit. Dieser wiederhole ihn daraufhin 3.200.000-mal oder halb so oft, in reinem Wandel und mit beherrschten Sinnen.
19.39 Im Lotussitz, nach Osten gewandt, ohne müßiges Reden und ganz auf ihn gesammelt, zähle man an der Gebetskette oder mit den Fingern unter Auslassung des Zeigefingers. Man wiederhole weder zu schnell noch zu langsam.
19.40 Ein Zehntel der Zahl opfere man mit den zuvor genannten glückverheißenden Stoffen oder süß benetzten Lotussen. Die Lehrer ehre man nach Vermögen mit Edelsteinen, Gewändern, gutem Gold, Kühen, Land und Getreide.
19.41 Nach der Bewirtung der Brahmanen erfreue man sie mit Gaben und führe die Wiederholung in geordneter Weise fort. Die tägliche Verehrung erfolgt nach derselben Ordnung; alternativ vollziehe man die beschriebene Selbstverehrung.
19.42 Wer den achtlautigen Mantra so durch Wiederholung, Feueropfer und Verehrung übt, erlangt diesseitige Vollendung und zuletzt den höchsten Zustand.
19.43 Wer zuerst die Glieder, dann die Gestalten und Śaktis einschließlich Keśava und der übrigen sowie Indra und die anderen verehrt, soll seinen erhofften Wunsch bald erfüllen.
19.44 Eine weitere Ordnung beginnt mit Vāsudeva und den übrigen, dann folgen Diskus und weitere Zeichen, Banner und die übrigen, Keśava und die Richtungsherren. Sie dient Zufriedenheit, langem Leben, Fülle und Ruhm.
19.45 Oder man verehre Vāsudeva und die weiteren Gestalten, danach Banner und die übrigen sowie Indra und die Richtungsherren. Auch diese Reihenfolge gilt als von den Göttern geehrt.
19.46 Wer nach seinen Kräften auch nur eine dieser vier Ordnungen vollzieht, dem soll bald Lakṣmī zufallen, welche die verschiedenen Lebensziele erschließt.
19.47 Nun erkläre ich die acht unterschiedlichen Gestaltenordnungen, die aus den acht Lauten des Mantras hervorgehen und den Verehrenden alle erwünschten Ziele gewähren sollen.
19.48 Ihre Farben gleichen der Reihe nach Zinnober, Kunda, rotem Lotus, Bandhujīva, Safran, Lotusnektar, blauem Utpala und der Farbe eines weiteren Lotus. So werden die acht aus den Mantralauten entstandenen Gestalten beschrieben.
19.49 Alle tragen Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus. Bei den aus Na und Mo entstandenen Gestalten sind Muschelhorn und Diskus vertauscht; die übrigen Merkmale bleiben gleich.
19.50 Welche dieser Gestalten jeweils im Mittelpunkt verehrt wird, die anderen bilden ihr Gefolge. Wenn eine andere den letzten beziehungsweise zentralen Anteil einnimmt, tritt die vorherige selbst in das Gefolge zurück.
19.51 Bei der aus Praṇava entstandenen Form kommt diese Umfassung zu der zuvor beschriebenen Ordnung hinzu. Dies ist die erste der hier genannten Gestaltenordnungen.
19.52 Bei der zweiten Lautgestalt verehre man nach den Gliedern die acht Buchstabengestalten, danach die Gestalten mit ihren Śaktis sowie Banner, Weltenhüter und die übrigen nach der gelehrten Ordnung.
19.53 Bei der aus Mo entstandenen Form verehre man Rati, Dhṛti, Kānti, Tuṣṭi, Puṣṭi, Smṛti, Dīpti und Kīrti, ferner Banner und die übrigen sowie Indra und die Richtungsherren.
19.54 Bei der aus Nā entstandenen Form folgen auf die Glieder die Gestalten, Śaktis und Weltenhüter. Bei der aus Rā entstandenen folgen auf Glieder und Gestalten Śrī, Bhū, Māyā und Manonmanī –
19.55 – sowie Hrī, Śrī, Rati, Puṣṭi, Mohinī, Māyā, Mahāmāyā und Yogamāyā als dritte Umfassung. Alles Weitere gilt wie zuvor. [Die Abgrenzung der aufeinanderfolgenden Gruppen ist nicht völlig eindeutig.]
19.56 Bei der aus Ya entstandenen Form besteht die dritte Umfassung aus Diskus, Muschelhorn, Keule, Pflug, Śārṅga-Bogen, Stößel, Schwert und Dreizack. Es folgt die aus dem nächsten Laut entstandene Form –
19.57 – mit Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka, Kārkoṭaka, Padma, Mahāpadma, Varapāla und Gulika als dritter Umfassung. In der letzten Ordnung bleibt das Übrige entsprechend gleich.
19.58 Dort bilden die Glieder die erste Umfassung, Gestalten und Śaktis die zweite; weitere Umfassungen bestehen aus Keśava und den mit Banner beginnenden Zeichen. Die fünfte beginnt mit Matsya.
19.59 Genannt werden Fisch, Schildkröte, Eber, Narasiṃha, Zwerg, die drei Rāmas, Kṛṣṇa, Kalkin, Anantātman und Amṛtātman. Die sechste Umfassung beginnt mit den Schlangenfürsten.
19.60 Die siebte besteht aus den Weltenhütern, die achte aus ihren Waffen. Was hier nicht ausdrücklich erläutert wurde, ist aus den zuvor beschriebenen Ordnungen zu entnehmen.
19.61 Wer Mukunda hingebungsvoll mit diesen acht Gestaltenordnungen des achtlautigen Mantras verehrt und seinem Mantra ergeben ist, soll das Erwünschte ohne Mühe erlangen.
Kolophon: Hier endet der 19. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
20. Paṭala
Orientierung: Monats-Yantras der Vishnu-Verehrung und Hari-Lobpreis.
20.1 Nun erkläre ich in Kürze die nach Monaten unterschiedenen Yantras: Sie leuchten in geordneten Linien und vielfältigen Buchstaben und gehören zu Viṣṇus Verehrungsordnungen.
20.2 Mit ihnen vollziehen die auf ihr Ziel gerichteten Übenden die Dharaṇī-, Ananta- und weiteren Gelübde. Sie gelten als unablässig Früchte spendende Wunschbäume.
20.3 Die ersten vier, mit Widder beginnenden Monatsyantras werden von einer Windumfassung eingeschlossen; die vier ab Löwe von einer Erdumfassung und die vier ab Schütze von einer doppelten Erdumfassung.
20.4 Unter den mit Widder beginnenden Zeichen erhalten die beweglichen dreifache, die festen zwölffache und die zweifachen sechsfach gestaltete Yantras.
20.5 Sie tragen die Merkmale der zuvor beschriebenen drei-, sechs- und zwölffachen Formen. Ihre äußeren Kreise werden durch die jeweiligen Namen und Gestaltunterschiede bestimmt.
20.6 Das dreifache Yantra ist von acht Blütenblättern umgeben, das sechsfache von zwei Sechsergruppen. Das feste besitzt sechzehn oder alternativ zwölf Blütenblätter.
20.7 Bei beweglichen, zweifachen und festen Zeichen sind die Lotusblätter der Reihe nach rot, gelb und weiß. Im Inneren des Yantras stehen die Laute der jeweiligen Monats- und Göttergestaltnamen.
20.8 Die langen Vokale der Namen Keśava und der übrigen sowie Widder und der übrigen Zeichen bestimmen die Kreise. Damit ist die allgemeine Yantra-Gestaltung angegeben. [Ein Ausdruck der Namenszuordnung ist beschädigt.]
20.9 Die zwölf mit Keśava beginnenden Gestalten gleichen der Reihe nach Gold, Kuhmilch, Japā-Blüte, rotem Mineral, Gelb, Saphir, Rot, weißem Lotus, Safran, Wolke und Augenschminke. [Die vorliegende Farbreihe lässt nicht alle zwölf Glieder eindeutig trennen.]
20.10 Sie tragen gleichermaßen schöne Kronen, Halsketten, Oberarmreifen und gelbe Gewänder sowie Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus. Der Reihe nach werden sie mit den Sonnengestalten verehrt.
20.11 Diese heißen Dhātṛ, Aryaman, Mitra, Varuṇa, Aṃśa, Bhaga, Vivasvat, Indra, Pūṣan, Parjanya, Tvaṣṭṛ und Viṣṇu. [An der Stelle Indra liest die Vorlage Indu; die folgende Paarliste nennt Indra.]
20.12 Die erste Ordnung verbindet Keśava und Dhātṛ, die zweite Nārāyaṇa und Aryaman, die dritte Mādhava und Mitra, die vierte Govinda und Varuṇa.
20.13 Die fünfte verbindet Viṣṇu und Aṃśa, die sechste Madhusūdana und Bhaga, die siebte Trivikrama und Vivasvat, die achte Vāmana und Indra.
20.14 Die neunte verbindet Śrīdhara und Pūṣan, die zehnte Hṛṣīkeśa und Parjanya, die elfte Padmanābha und Tvaṣṭṛ, die zwölfte Dāmodara und Viṣṇu.
20.15 In diesen Ordnungen verehre man zuerst die vier verbundenen Gestalten und Śaktis, danach in den Tierkreiszeichen die mit den Sonnengöttern verbundenen Gestalten, unter Beachtung der folgenden Erläuterungen.
20.16 Bei Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann füge man zwischen den Umfassungen die mit Matsya und mit Śeṣa beginnenden Gruppen sowie Banner und Keśava mit den übrigen ein.
20.17 Das Widder-Yantra trägt das große Bīja, von zweimal acht Vokalen umgeben; Śakti, Lakṣmī und Kāma stehen an den Feuerecken. Außen folgen der Varāha-Mantra mit Narasiṃha und sechs mit Ka beginnende Buchstabengruppen zwischen den Bindus. Eine Windumfassung schließt das Ganze ein. Es gilt als wunscherfüllend. [Einzelne Lautangaben sind beschädigt.]
20.18 Gaurī, Indirā, Rati, Dhṛti, Vasudhā, Puṣṭi, Kṣamā und Sarasvatī bilden die mittlere Umfassung zwischen den Gestaltengruppen. Vor den Richtungsherren folgt die mit Banner beginnende Gruppe.
20.19 Diese Ordnung soll Pferde, Wagen, Elefanten, Diener und weitere Güter, Einfluss und Tapferkeit, Glanz und großen Ruhm gewähren.
20.20 Das Stier-Yantra umgibt das große Bīja mit den Anfangslauten bis Aṃ; in den Vokalzwischenräumen stehen weitere bis Pa reichende Lautgruppen. Seine Feuerecken und Seiten tragen zusätzliche chiffrierte Laute; außen folgen die Gruppen von Na bis Sa und Ka bis Na. Verehrt soll es vielfältige Früchte bringen. [Die genaue Buchstaben- und Eckenzuordnung ist beschädigt.]
20.21 Die dritte Umfassung umfasst Nityānandā, Vyāpinī, Vyomarūpā, Śānti, Vidyārūpiṇī, Pratiṣṭhā, Kalyā, Amoghā, Caṇḍikā und Dīptajihvā. [Die Trennung der mittleren Namen bleibt unsicher.]
20.22 Diese Stier-Ordnung soll Kühe, Pferde, Büffel, Dienerinnen, Diener, Schmuck und Gewänder schenken und am Ende des Leibes die Vollendung des höchsten Seins.
20.23 Das Zwillings-Yantra trägt ein von den als Mātṛ bezeichneten Lauten umgebenes Bīja und einen Vokalring. Die Seiten sind mit den Gruppen Śa bis Kṣa und weiteren Lauten versehen, die Ecken mit Juṃsaḥ; außen folgen Bha bis Ka, die Laute Ma, Ya, Ra, La, Va, Ha samt Bindus und die Windumfassung. Es soll Wünsche erfüllen und Fruchtbarkeit gewähren. [Einzelne Lautgruppen sind nicht sicher zu trennen.]
20.24 Indrāṇī, Kaumārī, Brahmajātā, Vārāhī, Vaiṣṇavī, Lakṣmī, Cāmuṇḍā und Māheśvarī bilden die dritte Umfassung. Die Ordnung soll Schutz, Einsicht und Fülle schenken.
20.25 Im Krebs-Yantra wird das innere Bīja vom großen achtlautigen Mantra umgeben, der seinerseits durch den mit Pāśa beginnenden achtlautigen Mantra eingerahmt ist. An den Ecken stehen Raum und Narasiṃha; außen folgen die Kāminī-Formel, Hari- und Hara-Bījas und vorwärts und rückwärts laufende Buchstaben. Eine Windumfassung schließt es ein. [Die Verzweigungsbeschreibung ist beschädigt.]
20.26 Raktā, Ramā, Karālī, Kamalā, Caṇḍā, Indirā, Mahocchuṣmā und Śrī bilden die Umfassung zwischen den beiden Gestaltengruppen.
20.27 Eine weitere Umfassung umfasst Bhūti, Vibhūti, Unnati, Nati, Dhṛti, Rati, Saṃyati und Dyuti. Diese Ordnung wird als Fülle und Einfluss spendend beschrieben.
20.28 Das Löwen-Yantra umgibt die Mitte mit Zischlauten und dem achtlautigen Mantra; die Ecken tragen den zwölflautigen. Die Seiten werden von den inneren Ātma-Lauten in vorwärts und rückwärts laufender Folge erhellt. Zwei Narasiṃha-Anuṣṭubh-Formeln und Kalās folgen außen; in den Zwischenrichtungen stehen die mit Ka, Ca, Ṭa, Ta und Pa beginnenden Gruppen. [Mehrere Komposita sind beschädigt.]
20.29 Die dritte Umfassung nennt Puṣṭi, Tuṣṭi, Dhṛti, Kṛti, Śānti, Kānti, Pramodā, Medhā, Harṣā, Smṛti, Abhimatā und Kāntikā. Die vierte nennt Kṛṣṇa, Satya, Nṛhari, Varada, Viśvamūrti, Vareṇya, Śauri, Śūra, Nara, Murajit, Viṣṇu und Jiṣṇu.
20.30 Die Löwen-Ordnung soll Gegner niederhalten, Glanz, Ruhm und Vermögenszuwachs bewirken.
20.31 Das Jungfrau-Yantra umgibt die Mitte mit Lauten vom Sarga bis Aṃ und trägt an den Ecken Hā, Hī, Hū, Hai, Hau und Ho mit den jeweiligen Zeichen. Weitere Gruppenendlaute, rückläufige Buchstaben, das Kāma-Bīja an den Erdecken sowie »Klinne Svāhā« vervollständigen es. Es soll hohe Früchte gewähren. [Die genaue Zeichenverteilung ist teilweise unklar.]
20.32 Hier werden Madhusūdana, Hṛṣīkeśa und Mohinī, Vaikuṇṭha und Virajā, Hari und Sarasijā, Śārṅgin und Tamohāriṇī, Bradhna und Kamalāvatī sowie Mukunda und Ramā verehrt, dazu Matsya und die übrigen. Die Ordnung gilt als reinigend und als Kinder, Rinder, Büffel und Glück spendend.
20.33 Das Waage-Yantra besitzt ein von Anfangslauten umgebenes Bīja, einen Planetenring und Hūṃ-Phaṭ an den Ecken. Außen folgen Schlingen- und Hakenlaute, die Namenslaute der zwölf Gestalten, vorwärts und rückwärts laufende Buchstaben sowie Hari und Hara. An den Erdecken leuchtet Narasiṃha.
20.34 Die dritte Umfassung besteht aus den zuvor genannten, mit Diskus beginnenden Zeichen. Dieses Yantra soll die Wiedererlangung von Verlorenem und Gewinn im Handel bewirken. [Das Wort für die erste Wirkung ist in der Vorlage beschädigt.]
20.35 Das Skorpion-Yantra umgibt Hṛllekhā mit zwölf nicht geschlechtslosen Vokalen und zwölf weiteren Lauten; an zwölf Ecken stehen der achtlautige Mantra und Zischlaute. Außen folgen das Alphabet und eine von Mondscheiben eingeschlossene Erdumfassung, deren Ecken die geschlechtslosen Laute tragen. Es soll vorzügliche Früchte gewähren.
20.36 Die Kräfte heißen Cidrūpā, Cinmayā, Cintāmaṇi, Śrī, Kṣoṇī, Rati, Pāvanī, Dhārā, Dharaṇī und Tāraṇī –
20.37 – sowie Drāviṇī und Mohinī. Dies ist die dritte Umfassung. Die Verehrung soll Nachkommenschaft und Freude am Dharma bringen.
20.38 Das Schützen-Yantra verbindet das Sechseck mit Bogenformen; in den Zwischenräumen leuchtet Narasiṃha, innen Śakti. Außen stehen fünf Gruppen kurzer Vokale in vorwärts und rückwärts laufender Ordnung; die übrigen Vokale besetzen die Ecken, darüber Dreizackzeichen und Buchstabengruppen. Acht Erdecken tragen die chiffrierten Ya-, Du-, Ju-, Hu-, La- und Va-Laute. [Die genaue Gruppierung ist beschädigt.]
20.39 Die zwölf Kräfte werden als Harṣā, Sunadā, Aruṇā, Gaganā, Ghorā, Ramā, Drāviṇī, Vīrā, Vīriṇī, Hāriṇī, Hariṇī und Mandārikā angegeben. Die Verehrung soll Fülle, Nachkommen, Einsicht, Einfluss, Geschick, Schönheit und gute Hingabe schenken.
20.40 Das Steinbock-Yantra trägt um die mittlere Kraft die Vokale in gegenläufiger Ordnung, Narasiṃha an den Ecken, Hari und Hara an den Seiten sowie einen Ring von Planetenlauten. Außen folgen die sechzehn Mantralaute; die Ecken der doppelten Erdumfassung tragen So’haṃ und Haṃsa. Es gilt als wunscherfüllend. [Einzelne Verbindungen sind unsicher.]
20.41 Die dritte Umfassung der Steinbock-Ordnung besteht aus Medhā, Harṣā, Śraddhā, Kṛpā, Rati, Sarasvatī, Prīti und Vāṇī.
20.42 Die Planeten stehen in ihren eigenen Bereichen, der Reihe nach mit Keśava und den übrigen Gestalten verbunden. Diese Ordnung soll Geld und Getreide vermehren.
20.43 Im Wassermann-Yantra wird das innere Bīja von Hari, Hara und Brahmā umgeben, die durch Śakti-, Śrī- und Kāma-Bījas eingerahmt sind. An zwölf Ecken leuchtet Narasiṃha; außen folgt das Alphabet bis Kṣa. Die Ecken der doppelten Erdumfassung tragen Kāma, Śrī, Śakti, Erde und den Cintāmaṇi-Mantra. Das Yantra gilt als füllespendend.
20.44 Die mittlere Umfassung nennt Acyutā, Kāminī, Bhānu, Manojñā, Viśvatanu, Vimalā, Hari, Bhadrā, Sūkṣmā, Sarasvatī, Nandanā und Sandhyā. [Die ungetrennte Namensfolge lässt einzelne Formen offen.]
20.45 Diese Ordnung soll Land, Vieh, Kinder, Wohlstand, das Glück der Vorfahren und Erwachen des Herzens bewirken und zuletzt höchste Ruhe schenken.
20.46 Das Fische-Yantra umgibt das große Bīja mit kurzen und langen Vokalen in gegenläufiger Folge. An sechs Ecken stehen die Bījas von Sonne, Kāma, Lakṣmī, der Bergtochter und Erde samt Proṃ. Außen folgen die Buchstaben von Ka bis Kṣa; an den acht Erdecken leuchtet Haṃsa. Ordnungsgemäß errichtet, soll es alle Ziele schenken. [Ein Zeichen der Vorlage ist ausdrücklich verstümmelt.]
20.47 In der mittleren Umfassung stehen Hṛṣṭi, Vṛṣṭi, Tuṣṭi, Iṣṭā, Supuṣṭi, Kānti, Medhā, Maṅgalā, Vāmā, Durgā, Prajñā und Bhāratī. Diese Ordnung soll Redekraft und Fülle verleihen.
20.48 Wer nach diesen Ordnungen die Einweihungen für das Dharaṇī-Gelübde und die weiteren Gelübde vollzieht, soll verdienstvoll, reich und mit Kindern und Partnerin glücklich werden.
20.49 Langes Leben, vorzügliche Fülle, große Wirksamkeit und unvergleichliche Kraft werden verheißen. Am Ende des Leibes gehen sie frei von Sorgen in Viṣṇus ungeteilten Zustand ein.
20.50 Auf den jeweiligen Monatsyantras werden die Gefäße ordnungsgemäß geweiht. Nach Erfüllung des Erwünschten sollen die Übenden sowohl Genuss als auch Befreiung erfahren.
20.51 Man zeichne das Yantra auf eine quadratische Goldplatte von einem Karṣa Gewicht oder auf eine Platte von einem Drittel beziehungsweise einem Bruchteil davon und lege sie bei der Einweihung in das Gefäß. [Die zweite Gewichtsangabe ist mehrdeutig.]
20.52 Nach dem Weihebad überreiche der Gesammelte das goldene Yantra dem Lehrer: zur Abwendung von Unheil, für Glanz, Ruhm, Fülle und Sammlung des Geistes.
20.53 Wer nach einer dieser Opferordnungen verehrt, preise zum Abschluss Hari mit dem folgenden Lobgesang, um die jeweils verehrte Gestalt zu erfreuen.
Hari-Lobpreis
20.54 Sei mir gnädig, Erhabener, dessen Inneres durch Unwissenheit gehemmt ist! Schenke mir höchste Hingabe, die sich nach dem Staub deiner Lotusfüße sehnt. [Das Verb des zweiten Satzes wird aus dem Gebetszusammenhang ergänzt.]
20.55 Ungeborener, Erhabener, sei gnädig, du Hülle unermesslichen Lichtes! Unermesslicher, Beseitiger unseres Leides, höchster Purusha, sei uns gnädig!
20.56 Du, dessen Wesen nur unmittelbar erfahrbar ist, unser Selbst aus Wonne, frei von Leiden, von unbegreiflicher Essenz, Selbst des Alls: Sei gnädig, unbefleckter Herr!
20.57 Sei gnädig, Erhabenster der Erhabenen! Sei gnädig, Heilvoller, Schöner! Offenbarer und zugleich Tiefster der Tiefen, du von großem Glanz: Sei gnädig!
20.58 Sei gnädig, Offenbarer, Weitester des Weiten, Feiner als das Feinste! Zartester des Zarten und Ende dessen, was ein Ende setzt: Sei gnädig! [Die beiden Anrufungen des zweiten Halbverses sind sprachlich unsicher.]
20.59 Größer als das Große, Herr aller, keinem verkörperten Wesen fremd: Sei gnädig! Sieg dir, Madhava, dessen Wesen Maya umfasst! Sieg dir, Keshava, Überwinder Keshis!
20.60 Sieg dir, Schöner von mildem Wesen! Sieg dir, Ewiger, Muschelträger! Sieg dir, Träger des Sharnga-Bogens, Glorreicher! Sieg dir, der sich an Nandaka erfreut!
20.61 Sieg dir, der Rad und Keule in den Händen hält! Sieg dir, unbesiegbarer Janardana! Sieg dir, dessen Haupt eine Krone aus den Schätzen des Juwelenozeans trägt! [Die letzte Zusammensetzung ist nicht sicher überliefert.]
20.62 Sieg dir, den der Schatten des Vogelfürsten vor den Strahlen der Sonne schützt! Verehrung dir, Bezwinger Narakas! Verehrung dir, Madhusudana!
20.63 Verehrung dir mit dem lotushaften Blick! Verehrung dir, Wohltat für die Augen! Verehrung dem Herrn, der Verfehlungen hinwegnimmt! Verehrung dir, der alle Furcht vertreibt!
20.64 Verehrung dir, der alle Wesen in sich trägt! Verehrung dir, Träger des Kaustubha! Verehrung dir, der dem Auge entzogen ist! Verehrung dir, der den Bereich der Sprache überschreitet!
20.65 Verehrung dir, der sich in den unterschiedlichen Bereichen des Erkennbaren entfaltet! Verehrung dir jenseits des Erinnerns! Verehrung dem, der als Trimurti Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bewirkt!
20.66 Verehrung Vishnu, dem Überwinder der Götterfeinde, dem höchsten Selbst, dessen Rad die Reihen der Gegner zerteilt, dem Radträger und dem mit dem Rad Verbundenen!
20.67 Verehrung dem All, dem vom All Verehrten, dem Selbst aller Wesen! Verehrung dem, über den die Yogis meditieren! Verehrung dem, dessen Gestalt das innere Selbst ist!
20.68 Verehrung dir, der seinen Verehrern Lebensfülle schenkt und Befreiung gewährt! Mögen die Bewegungen meines Geistes, meiner Sprache und meines Körpers zu Meditation, Lobpreis und Verneigung werden.
20.69 Herr der Götter, möge all mein Handeln deine Verehrung sein! Selbst meine Berührung mit den Sinnesgegenständen möge eine Opfergabe an dich sein, Vishnu, Unerschütterlicher!
20.70 Wer mit Herz und Hand beständig der Verehrung Vishnus durch Feueropfer, Japa und Puja hingegeben ist, erlangt die ersehnten Ziele, wird im Innersten froh und erreicht die höchste Befreiung, frei von Geburt und Tod.
Kolophon: Hier endet der 20. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
21. Paṭala
Orientierung: Zwölf-Silben-Mantra und Sudarshana.
21.1 Nun wird der zwölflautige Mantra mit Gliedern, Wiederholung und Feueropfer gelehrt. Wer ihn ordnungsgemäß wiederholt, soll als Verehrender Genuss und Befreiung erlangen.
21.2 Praṇava und Verneigung stehen am Anfang; die Laute von »Bhagavate« und »Vāsudevāya« werden in verschlüsselter Zerlegung angegeben. Dies ist der zwölflautige Mantra.
21.3 Prajāpati ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Viṣṇu die Gottheit. Praṇava bildet das Herz, Namah den Kopf.
21.4 Vier Laute bilden den Haarschopf, fünf den Schutz; der ganze Mantra bildet die Waffe. So ist das fünfteilige Gliederverfahren.
21.5 Die Laute werden auf Füße, Knie, Geschlechtsbereich, Nabel, Bauch, Herz, Arme, Kehle, Mund, Augen, Kopf und Haarschopf gelegt.
21.6 In umgekehrter Folge lege man sie auf Haarschopf, Stirn, Augen, Mund, Kehle, Arme, Herz, Bauch, Nabel, Geschlecht, Knie und Füße.
21.7 Eine weitere Anordnung führt vom Herzen über Bauch, Nabel, Geschlecht und Knie zu den Füßen nach unten, dann über Hände, Kehle, Mund, Augen und Kopf zum Haarschopf nach oben.
21.8 Die Rücknahme beseitigt Fehler, die Schöpfungsfolge fördert glückverheißendes Gedeihen und die Erhaltungsfolge Frieden. Darum wird dieser Nyāsa in drei Formen ausgeführt.
21.9 Ich verneige mich stets vor Hari: Seine mächtigen Arme tragen den leuchtenden Diskus, Muschelhorn, Lotus und Keule. Er sitzt auf einem weißen Lotus, trägt Armreifen, Oberarmreifen, Halsketten und Krone und leuchtet wie eine frische Kunda-Blüte.
21.10 Nach ordnungsgemäßer Einweihung wiederhole man den Mantra hunderttausendmal je Laut. Danach bringe der Mantrin zwölftausend Opfer mit reinem Sesam dar.
21.11 Auf Haris Sitz verehre man hingebungsvoll die Glieder, die Gestalten mit ihren Śaktis, Keśava und die übrigen sowie Indra und die Götterherren.
21.12 Zur Reinigung des Geistes bringe man zwölftausend milchbenetzte Hölzer milchsaftführender Bäume oder weißen Milchreis mit Ghee dar.
21.13 Wer täglich in geregelter Weise den zwölflautigen Mantra wiederholt und verehrt, erlangt hier das Erwünschte und nach dem Tod Haris unvergänglichen Zustand.
21.14 Nun erkläre ich die schöne Ordnung Sudarśanas mit ihren Mantralautelementen. Durch ihre Vollendung sollen selbst Siddhas und große Weise rasch hohe Vollendung erlangt haben.
21.15 Aus den Chiffren letzter Laut, vierter Laut, dessen Anfang, Bhṛgu, Feuer, Ananta, Feuer sowie Schutz- und Waffenabschluss, mit Praṇava am Anfang, entsteht der Diskus-Mantra, der das Erwünschte gewähren soll.
21.16 Ahirbudhnya ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Viṣṇu die Gottheit. Mit den durch Ā-, Vi-, Su-, Dhī- und Jvālā eingeleiteten Cakra-Formeln samt Kopfabschluss bilde man die Glieder. [Die Trennung der Vorsilben ist unsicher.]
21.17 Vom Osten bis zur unteren Richtung nenne man der Reihe nach alle zehn Richtungen und spreche sinngemäß: »Mit dem Diskus binde ich; Verneigung dem Diskus«, mit dem Kopfabschluss. So werden die Richtungen gebunden.
21.18 Die mit Praṇava beginnende Formel »Schütze, schütze die drei Welten, Hūṃ Phaṭ Svāhā« heißt Feuerumwallung.
21.19 Praṇava lege man auf den Scheitel, Sa in weiß-roter-dunkler Vergegenwärtigung zwischen die Brauen und Ha auf den Mund. Die übrigen feuerfarbenen Laute lege man auf Herz, Geschlechtsbereich, Knie und Fußgelenke.
21.20 Möge Hari in Diskusgestalt euch schützen: Mit sonnengleichen Strahlen erhellt er alle Richtungen. Seine Augen sind furchtbar; sein lautes Lachen entblößt leuchtende Fangzähne. Mit rötlichem Haar trägt er Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotus, Stößel, weitere Waffe, Schwert, Schlinge und Haken.
21.21 Die Gāyatrī lautet dem Sinn nach: »Sudarśana wollen wir erkennen; über die große Flamme meditieren wir. Möge der Diskus uns anregen.«
21.22 Wer die Mantrawiederholung ausführen möchte, soll diese Sudarśana-Gāyatrī sprechen und dabei die Mudrā zeigen, welche die Gegenwart der Gottheit herbeiführt.
21.23 Eine weitere Formel beginnt mit Praṇava und »Verneigung dem erhabenen großen Sudarśana, dem großen Diskus, der großen Flamme« –
21.24 – und fährt fort: »der Gestalt des Glanzes; schütze, schütze mich von allen Seiten; dem Starkmächtigen Svāhā«. Dieser Mantra ist als Schutzformel bei den rituellen Handlungen bekannt.
21.25 Das Diskus-Yantra trägt Praṇava im Sechseck, die Mantralaute in dessen Zwischenräumen und die Glieder an den zugehörigen Stellen. Außen folgen die Kalās als Staubfäden, ein achtblättriger Lotus mit dem achtlautigen Mantra, ein weiterer mit sechzehn Lauten und drei Umfassungen. Raumendlaut, eigener Name, Schlingen- und Hakenzeichen ergänzen es. [Einzelne geometrische Komposita sind beschädigt.]
21.26 Der sechzehnlautige Mantra besteht aus Praṇava, Verneigung, Bhagavat im Dativ, der Anrede an den großen Diskus sowie Hūṃ und dem Waffenabschluss. Die Weisen haben ihn hoch geachtet.
21.27 Man fülle das Gefäß mit Absud aus der Rinde milchsaftführender Bäume, mit Milch, mit den fünf Kuhprodukten oder mit Kuhurin und verehre darin Hari in Diskusgestalt ordnungsgemäß.
21.28 Die erste Umfassung besteht aus den Gliedern, die zweite aus Diskus und weiteren Waffen, die dritte aus Lakṣmī und den anderen Śaktis, die vierte aus Indra und den Richtungsherren.
21.29 Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotus, Stößel, Bogen, Schlinge und Haken werden genannt; die Farben Gelb, Rot, Weiß und Dunkel wiederholen sich paarweise.
21.30 Die Śaktis heißen Lakṣmī, Sarasvatī, Rati, Prīti, Kīrti, Kānti, Tuṣṭi und Puṣṭi.
21.31 Nachdem Hari so verehrt wurde, vollziehe der erfreute Lehrer das Weihebad des Schülers. Dieser bewirte hingebungsvoll nach seinen Kräften die Brahmanen und folge danach der Unterweisung des Lehrers.
21.32 Mit einspitzigem Geist und täglicher Verehrung wiederhole er zwölf Lakshas. Danach opfere er zwölftausendmal mit Senfsamen, Bilva, Ghee und Milchspeise.
21.33 Geeignete Orte der Wiederholung sind Meeresufer, Berggipfel, Ufer zum Meer fließender Flüsse, ein abgeschiedener Raum im eigenen Haus oder ein Viṣṇu-Heiligtum.
21.34 Nach der vorgeschriebenen Wiederholungszahl und dem Feueropfer mit den genannten Stoffen führe man die Anwendungen ordnungsgemäß zum eigenen Wohl und zum Wohl anderer aus.
21.35 Man zeichne zwei Diskusräder, eines nördlich und eines südlich: mit gelber Mitte, roten Speichen, dunklen Zwischenräumen, weißem Radkranz und dunklen Außenlinien bis zur Erdumfassung. Im nördlichen stelle man das gefüllte Gefäß auf; im südlichen vollziehe man das Feueropfer.
21.36 Mit Ghee, Apāmārga-Holz, ungebrochenem Reis, Senfsamen, Sesam und Milchreis werden der Reihe nach jeweils zweitausendsechshundert Opfer vollzogen, zuletzt nochmals Ghee. Von jedem Stoff gebe man die geweihten Reste in das Gefäßwasser sowie einen reinen Speisekloß aus einem halben Prastha Reis.
21.37 Die betreffende Person stelle man südlich auf und vollziehe mit dem Gefäß die rituelle Umkreisung. Danach trage man das Gefäß mit seinem Inhalt weit hinaus zum als achten bezeichneten Richtungsbereich. [Der genaue Bezug von »achter« ist nicht eindeutig.]
21.38 Feuer und die übrigen Materialien werden südlich des Gefäßes abgelegt. Mit der restlichen Opferspeise vollziehe man eine Bali-Gabe unter der folgenden Formel.
21.39 Nach der Herzformel spreche man sinngemäß: »Den Scharen Viṣṇus, allen Frieden Wirkenden: Nehmt diese Gabe an! Zum Frieden Verneigung.«
21.40 Dieses Verfahren soll Fieber und andere Krankheitsfolgen, Gedächtnisverlust, Epilepsie sowie Störungen durch Rākṣasas, Piśācas und andere fremde Einflüsse rasch beseitigen.
21.41 Oder man errichte aus Palāśa-Holz oder Holz milchsaftführender Bäume einen Behälter, fülle ihn mit Pañcagavya und setze den gereinigten Kranken hinein.
21.42 Beherrschte Brahmanen opfern in den Richtungen mit den zuvor genannten Stoffen und wiederholen die Mantras. Nachdem sie einschließlich ihrer Gaben geehrt wurden, soll der Kranke von seinem Leiden frei werden.
21.43 Für eine heilbringende Asche werden Rinden des Brahmanenbaums und milchsaftführender Bäume, Sandel, Guggulu, Safran, Kuṣṭha, Triyāmā, Bilva, Apāmārga, Senfsamen, Sesam, zwei Tulasī-Arten, Krānti, Dūrvā, Gerste, Arka, Lakṣmī-Pflanze, Devī-Pflanze, Kuśa, Kuhdung, Lotus, Vacā, Rocanā und Pañcagavya genannt. Im Feuer bereitet und durch Gefäßweihe und Mantrawiederholung geheiligt, gilt die Asche als alle Ziele gewährend. [Einzelne Pflanzennamen sind unsicher.]
21.44 Ihr werden Fülle und langes Leben sowie das rasche Beseitigen von Piśāca- und Geistereinflüssen, Epilepsie, Schadenszauber und anderen Bedrängnissen zugeschrieben. Der Text preist sie als höchsten Schutz.
21.45 Drei oder vier Tage lang werden täglich eintausendacht Guggulu-Kügelchen geopfert; dies gilt als Mittel gegen alle Bedrängnisse.
21.46 Oder man opfere gesammelt zehntausend Hölzer der Svaramañjarī, um Fieber, Geistereinfluss, Krankheit, Gedächtnisverlust und Epilepsie zu beruhigen. [Die Pflanzenbenennung ist nicht sicher identifiziert.]
21.47 Ghee-benetzte Lotusse werden der Fülle, Dūrvā dem langen Leben, Brahmanenbaum-Holz der Einsicht, weiße Kumuda-Blüten der Kleidung, reines Ghee und Udumbara dem Viehbesitz und Aśvattha dem Kinderwunsch zugeordnet. Ein Jahr lang eintausendacht Opfer sollen der Befreiung dienen.
21.48 Wer sich selbst in der Nabe des Diskus vergegenwärtigt und den Mantra wiederholt, soll im Kampf auch allein nicht von vielen besiegt werden.
21.49 Der gesammelte Mantrin stelle den von einem fremden Einfluss Ergriffenen im kreisenden Diskus vor. Der Einfluss soll dann sprechen, alles offenbaren und vom Feuer des Diskus verbrannt weichen. [Der letzte Ausdruck ist beschädigt.]
21.50 Eine feindselige Anwendung stellt den Diskus als furchtbares Feuer über dem Kopf eines Gegners vor. Der Text behauptet, nach sieben Tagen entstehe brennendes Fieber und nach dreißig Tagen der Tod.
21.51 Eine weitere, von Kalās und Schlangenzeichen umgebene Lautfigur wird über dem Kopf des Gegners meditiert. Ihr werden Vertreibung nach zehn Tagen und Tod nach einem Maṇḍala-Zeitraum zugeschrieben.
21.52 Auch ein krähenfarbenes, mit dem Schlusslaut versehenes Bild über dem Kopf des Feindes wird für sieben Tage genannt. Es soll ihn rasch vertreiben oder durch seine Schärfe töten. [Die letzte Wortfolge ist beschädigt.]
21.53 Dagegen wird ein mondheller, leuchtender und Nektar ausströmender Diskus über dem Kopf als stärkend beschrieben: Der ganze Leib werde rasch erfrischt, und der Mensch lebe lange.
21.54 In die Mitte schreibe man Praṇava, an die sechs Ecken die Mantralaute, außen die Glieder. Auf einem Gefäß, Silber, Kupfer oder Stein ordnungsgemäß gezeichnet, besprochen und aufgestellt, gilt der Diskus als Schutz vor Dieben, Besessenheit und Feinden.
21.55 Mit klaren Buchstaben und Hṛṣīkeśa an der vorgesehenen Stelle, durch die drei Mantras geordnet und besprochen, soll dieses Yantra beständig vor fremden Einflüssen schützen.
21.56 Ein weiteres, als »sieben Felder« bezeichnetes Yantra ordnet den achtlautigen Mantra zwischen vier Wort- beziehungsweise Viertelfeldern an; drei Felder tragen Zielname und Sudarśana. Auf beiden Seiten wird es von vier Linien eingeschlossen.
21.57 Man zeichne das Yantra sorgfältig auf Birkenrinde, Leinen oder dünnen glatten Stoff, rolle es zu einer Kapsel und umhülle es mit Lack. Durch Ghee aus dem bei der Aschebereitung genannten Feueropfer erhält es rituelle Kraft; gut besprochen wird es angebracht. Dadurch sollen alle Störungen zur Ruhe kommen.
Kolophon: Hier endet der 21. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
22. Paṭala
Orientierung: Shrikara- und Varaha-Mantra.
22.1 Zum Wohl der Welt wird nun der achtlautige, Śrīkara genannte Mantra gelehrt. Durch Wiederholung, Verehrung und Feueropfer soll der Mantrin Vollendung erlangen.
22.2 Seine Laute werden durch eine verschlüsselte Folge von Sarga, Sonne, Mond, Śrī, Arm, Weiß, Körperstoff, Haris Lager und Ha bezeichnet. Als Seher, Versmaß und Gottheit werden Vāma, Paṅkti und Hari genannt. Die Gliederformeln enthalten verdoppelte Aufforderungen zum Erschrecken, Vertreiben, Zermalmen, Vernichten und Schützen und enden mit Hūṃ. [Die Lautfolge ist stark beschädigt.]
22.3 Die Laute lege man auf Scheitel, Augen, Kehle, Herz, Bauch, Oberschenkel, Knie und Füße. Die vier Lebensklassen werden Gesicht, Händen, Oberschenkeln und Füßen zugeordnet; Diskus und die übrigen Waffen den Händen.
22.4 Möge Mukunda euch Fülle schenken: Auf einer herrlichen Insel im Milchmeer, unter dem Wunschbaum eines Göttergartens, sitzt er über einem glückverheißenden Lotussitz auf Garuḍas Schultern. Goldfarben, mit strahlender Krone und vielfältigem Schmuck, trägt er Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus.
22.5 Auf den Richtungsblättern verehre man Śrī, Rati, Dhṛti und Kānti, an den Ecken die Gestalten. Ringsum folgen die beiden Schatzherren, Viṣvaksena und die Richtungshüter.
22.6 Nach dieser Viṣṇu-Verehrung vollziehe der Mantrin das Feueropfer mit Hölzern des Śrī-Baums und milchsaftführender Bäume, Lotussen, Milchreis mit Ghee und reinem Ghee.
22.7 Von jedem bringe er der Reihe nach achthundert Opfer dar, ehre den Lehrer mit Gold und weiteren Gaben, empfange das Weihebad und verehre die Brahmanen. Danach wiederhole er diesen Mantra achthunderttausendmal.
22.8 Mit denselben Stoffen opfere er ein Zehntel der Wiederholungszahl und verehre den Lehrer erneut. So werden unermessliche Fülle, Ruhm, Schönheit und dauerhafte Zuneigung der Menschen verheißen.
22.9 Man opfere zehntausend Ghee-benetzte Dūrvā-Gaben und esse die mit dem geweihten Ghee verbundene Opferspeise. Dem Lehrer gebe man eine Gabe nach den eigenen Kräften.
22.10 Während dieser Tage verehre man auch die Brahmanen hingebungsvoll nach Vermögen. Vorzeitigen Tod, Krankheit und Verfehlung überwindend, soll man langes Leben erlangen.
22.11 Täglich zur Sonne gewandt und beide Arme erhoben wiederhole man den Mantra. Dadurch soll im eigenen Haus dauerhaft reichliche Nahrung entstehen.
22.12 Wer diesem Mantra täglich durch die beschriebenen Wiederholungen, Feueropfer und Verehrungen dient, soll sich bald an gewünschten Kindern, Land, Geld und Getreide erfreuen und zuletzt Viṣṇus vollkommen reine höchste Wohnstätte erreichen.
22.13 Nun erkläre ich die Ordnung des Mahāvarāha-Mantras mit Gliedern, Wiederholung, Feueropfer und Verehrung zur Erfüllung der Wünsche der Mantrins.
22.14 Nach Praṇava und Verneigung folgen die Anrede »Bhagavate, der Ebergestalt«, die Vyāhṛtis und »dem Herrn«, dann die Bitte »Gib mir Herrschaft über Land, lass sie mir geben« und der Abschluss. Der Mantra wird als zweiunddreißiglautig bezeichnet. [Einige Endungsangaben sind beschädigt.]
22.15 Bhārgava ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Varāha die Gottheit. Nun werden die Glieder erklärt.
22.16 Ekaśṛṅga gehört zum Herzen, Vyomolka zum Kopf, Tejo’dhipati zum Haarschopf, Viśvarūpa zum Schutz und Mahādaṃṣṭra zur Waffe. So entstehen die Glieder.
22.17 Alternativ bilde man sie aus Gruppen von sieben, sechs, sieben, fünf und acht Lauten des Grundmantras. [Die überlieferte Summe stimmt nicht mit der zuvor genannten Mantralänge überein.]
22.18 Verneigt euch vor Varāha, dessen Hauer die Erde erheben: Von den Knien zu den Füßen ist er goldglänzend, von den Knien zum Nabel schneeweiß, vom Nabel zur Kehle feuerfarben, darüber bis zum Kopf blau und am Scheitel raumgleich. Seine Hände tragen Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Keule und Speer und zeigen Gabe und Furchtlosigkeit.
22.19 Oder man meditiere auf den Ebergesichtigen wie eine Regenwolke, mit erhobenen mächtigen Armen und einem berggleichen Leib, die Welt auf seinem weißen Hauer tragend.
22.20 Im Erdmaṇḍala sei er goldfarben, im Wasser schneeweiß, im Feuer feuerfarben, im Wind dunkel und im Raum himmelsgleich. So verehre man den alles durchdringenden, in Wahrheit gegründeten Varāha.
22.21 Man zeichne ordnungsgemäß einen achtblättrigen Lotus mit leuchtendem Mittelteil und verehre darin den wie tausend Sonnen strahlenden Eber zur Vollendung.
22.22 Die vier ersten Glieder werden der Reihe nach im Osten, Süden, Westen und Norden verehrt, die Waffenformel in den Zwischenrichtungen sowie oben und unten. Danach folgen Varāhas Waffen, beginnend mit dem Diskus.
22.23 Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Keule, Speer, Gabengewährung und Furchtlosigkeit werden verehrt, anschließend die Richtungsherren mit guten Düften, ungebrochenem Reis, Blumen, Räucherwerk und Lichtern.
22.24 Auf dem Hauer verehre man die Erde mit Bergen, Städten, Wäldern und Flüssen; im Hūṃ-Laut die Herrin der Rede, im Atem den Wind, in den Armen Sonne und Mond. Die Vasus stehen im Bauch, die Richtungen in den Ohren, die Aśvins in den Augen, Brahmā an den Füßen, Hari im Herzen und Śaṅkara im Mund.
22.25 Nachdem Varāha so verehrt wurde, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Lotussen, benetzt mit den drei süßen Stoffen. Dadurch wird reicher Landbesitz verheißen.
22.26 Schon Meditation soll Vermögen bringen, Mantrawiederholung einen Landlosen zum Landbesitzer machen. Durch Wiederholung, Verehrung und Feueropfer werde der Mensch rasch reich an Geld, Land und Fülle.
22.27 In der Erdfigur meditiert, soll Varāha Land schenken; im Wasser Frieden, im Feuer Einfluss und Ruhm, im Wind Vertreibung, im Raum Schutz vor Feinden, Besessenheit, Gift und Unheil. In Wind und Feuer wird ihm bedrängende Wirkung, im Kampf bei Feuer-Wind-Verbindung Sieg zugeschrieben.
22.28 Wenn die Sonne im Löwen steht, wird am achten Tag der hellen Monatshälfte ein weißer Stein mit den Kuhprodukten verbunden und zehntausendmal besprochen. Nach Norden gewandt, in Varāha-Gestalt, stelle der Mantrin ihn am bezeichneten Ort auf; dadurch sollen feindliche Behinderungen von Feldern rasch weichen. [Die genaue Ortsangabe ist beschädigt.]
22.29 An einem Dienstag bei Sonnenaufgang nehme man, sich als Varāha vergegenwärtigend, Erde vom umstrittenen Land und teile sie in drei Portionen. Eine wird zum Bestreichen der Feuerstelle, eine bei der Speisezubereitung und eine im Wasser mit Milch verwendet, worin die Opferspeise gekocht wird. [Die ersten beiden Verwendungsangaben sind lesungsunsicher.]
22.30 Nach der Verehrung bringe man mit dieser Speise und Ghee hundertacht Opfer dar. An sieben Dienstagen ausgeführt, soll das Verfahren die vom Grundstück ausgehende Bedrängnis beenden.
22.31 Bei starkem Widerstand nehme man freitags bei Tagesanbruch Erde, bereite die Opferspeise, opfere nach der genannten Ordnung und bringe auch Bali dar.
22.32 Eine solche Opferhandlung an sieben Tagen soll Streit und Not um Land beseitigen sowie Störungen durch Verstorbene, Vetālas, Piśācas und Ḍākinīs.
22.33 Dieselbe Erde wird mit Milch oder Ghee vermischt; eintausendacht Opfer werden genannt. Nach zwei Maṇḍala-Zeiträumen soll wertvolles Land ohne Mitbewerber dem Mantrin gehören.
22.34 Wer mit diesem Mantra zehntausend Hölzer des Königsbaums opfert, dessen Haushaltsführung soll nicht ins Stocken geraten; Felder und weiterer Besitz sollen allmählich wachsen.
22.35 Wer täglich hundertacht Reisopfer darbringt, soll innerhalb eines Jahres ein mit Reisvorräten gefülltes Haus besitzen.
22.36 Tausend Ghee-Opfer werden dem Goldgewinn innerhalb eines Maṇḍalas zugeordnet, tausend süß benetzte Añjalinī-Blüten der Kleidung, honigbenetzter Puffreis der gewünschten Partnerin und süß benetzte rote Lotusse umfassender Fülle.
22.37 Daṇḍin und Ardheśa auf dem Raumsitz bezeichnen das Varāha-Bīja. Wer es verwirklicht, soll unvergleichliches Gedeihen erlangen.
22.38 Man schreibe es in Praṇava und umgebe es außen mit einer doppelten Feuerfigur. Darum zeichne man einen vierblättrigen, weiter außen einen achtblättrigen Lotus.
22.39 Außen folgt ein sechzehnblättriger Lotus und die Indra- beziehungsweise Erdumfassung. In das mittlere Varāha-Bīja kommt der Name des betreffenden Grundstücks, an die Ecken der Mantra.
22.40 In die Zwischenräume schreibe man die Glieder-Mantras, an die Blattwurzeln die achtlautigen Staubfäden und der Reihe nach je acht Laute des Varāha-Mantras auf die Blätter.
22.41 Der verbleibende Laut kommt an das Ende. Im achtblättrigen Lotus bestehen die Staubfäden aus Vokalen; auf jedes Blatt kommen vier Laute, auf das achte fünf.
22.42 Im letzten Lotus mit Konsonanten als Staubfäden stehen je zwei Laute, auf dem letzten Blatt drei. Praṇava, Erde und Varāha umgeben das Ganze, jeweils von den Zielnamenslauten eingerahmt.
22.43 Außen folgen die Mantralaute, mit den Buchstaben des Zielwortes durchsetzt. Die vier Ecken der Erdfigur tragen vier Bījas mit den Zielbuchstaben im Inneren.
22.44 An den acht Dreizackspitzen stehe Varāha, von Vāsusena umgeben. An einem günstigen Tag zeichne man mit einer goldenen Schreibfeder und einer Mischung aus Lack, Safran, Sandel, wenig Kampfer, Rocanā und Kuhdungwasser.
22.45 Ein auf Gold gezeichnetes Yantra wird dem Königtum, eines auf Silber dem Dorfbesitz, eines auf Kupfer tausend Goldstücken, eines auf Birkenrinde dem Lebensunterhalt, eines auf Leinen dem Landgewinn und eines auf Picu-Holz der Wunscherfüllung zugeordnet. Es wird besprochen und mit geweihtem Ghee aus dem Feueropfer versehen.
22.46 Der Mantrin nehme innerlich Varāhas Gestalt an und vergrabe das Yantra im betreffenden Gebiet bei einem festen Tierkreiszeichen. Er rufe Varāha herbei und ordne die Glieder in den Richtungen an.
22.47 Zum Schutz bei Krankheiten und Störungen durch fremde Einflüsse wird das besprochene Yantra am Kopf angebunden. Der Text verheißt dadurch mühelose Genesung.
22.48 So ist der Varāha-Mantra gelehrt. Wer ihm täglich durch Wiederholung und weitere Verehrung dient, soll umfassendes Gedeihen auf Erden und beim Ende des Leibes Haris höchsten Zustand erlangen.
Kolophon: Hier endet der 22. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
23. Paṭala
Orientierung: Narasimha.
23.1 Nun erkläre ich in Kürze die Ordnung des Narasiṃha-Mantras im Anuṣṭubh-Versmaß: mit Gliedern, Wiederholung, Feueropfer und Verehrung zur Erfüllung des Erwünschten.
23.2 Der Mantra lautet dem Sinn nach: »Vor dem Gewaltigen, dem Helden, dem großen Viṣṇu, dem Flammenden, dem Allgesichtigen, Narasiṃha, dem Furchtbaren und Heilvollen, dem Tod des Todes, verneige ich mich.« So bilde der Mantrin diesen alle Ziele umfassenden Mantra.
23.3 Als Seher nennen die Kundigen Brahmā beziehungsweise Prajāpati oder Nārada; das Versmaß ist Anuṣṭubh und die Gottheit Viṣṇu als Narasiṃha.
23.4 Vier Laute bilden das Herz, vier den Kopf, acht den Haarschopf, sechs den Schutz, vier die Augen und die verbleibenden die Waffe. So entstehen der Reihe nach die sechs Glieder.
23.5 Die Laute lege man auf Kopf, Stirn, beide Augen, Gesicht, Hand- und Fußgelenke samt ihren Enden, Bauch, Herz, Kehle, Seiten, Rücken und Nacken.
23.6 Die Vergegenwärtigung wird besonders in eine freundliche und eine schreckliche Form unterschieden. Die freundliche dient der eigenen Übung und Verehrung, die andere den besonderen Anwendungen.
23.7 Möge Narasiṃha euch schützen: Seine scharfen Nägel leuchten, die Arme ruhen an den Knien und berühren die Mähne; weitere Hände tragen Diskus und Muschelhorn. Mit feuerartigem Glanz bezwingt er den Dämon. Flammengirlanden umgeben ihn, Sonne, Mond und Feuer bilden seine drei Augen; Zunge und Fangzähne leuchten, die Mähne ist aufgeschüttelt.
23.8 Ich verneige mich vor Narasiṃha: Wie tausend aufgehende Sonnen strahlt er, aus seinen drei blitzgleichen Augen fährt Feuer. Seine Mähne breitet sich wie ein Netz von Blitzen aus; göttlicher Schmuck erhellt den Leib. Mit vielen mächtigen Armen und scharfen Nägeln hat er den Körper des Dämonenherrn zerrissen; seine Gestalt ist unermesslich.
23.9 Zuerst verneige man sich innerlich vor diesem Narasiṃha und verehre ihn mit Arghya, Fußwasser, Wasser zum Schlürfen, Düften, Blumen, Räucherwerk und weiteren vorzüglichen Gaben sowie Tanz und Gesang.
23.10 Mit klarem Geist verehre man danach auch äußerlich den Vaiṣṇava-Sitz, rufe Narahari darauf herbei und bringe ihm die besten Darbringungen dar.
23.11 Die erste Umfassung besteht aus den Gliedern, die zweite aus Garuḍa, Ananta, Śarva und Brahmā samt Śrī, Hrī, Dhṛti und Puṣṭi; eine weitere aus den Weltenhütern.
23.12 Die Gestalten stehen in Osten, Westen, Süden und Norden, die Śaktis in den mit Südosten beginnenden Zwischenrichtungen. Mit höchster Hingabe verehre man den Gott so.
23.13 Zweiunddreißigtausend Wiederholungen gelten als vorbereitende Befähigung; danach werden dieselben Zahlen in Zehntausendern und Lakshas als Stufen der Vollendung dieses Mantras angegeben. [Die Staffelung ist im kompakten Wortlaut nicht vollständig erläutert.]
23.14 Nach Abschluss der Wiederholung opfere man zweiunddreißigtausend Milchreisgaben mit Ghee. Täglich verehre der Mantrin Narasiṃha.
23.15 Man errichte ein Maṇḍala mit seinem Bīja im Mittelteil und acht Blättern, die je vier Mantralaute tragen, versehen mit den übrigen Merkmalen. Darauf stelle man das gefüllte Gefäß.
23.16 Nach der beschriebenen Verehrung wiederhole man eintausendachtmal. Dreimal den Mantra sprechend, vollziehe man das Weihebad; der so Geweihte soll dem Rachen des Todes entkommen. [Ein Verb der Vorlage ist beschädigt.]
23.17 Das Narasiṃha-Bīja wird aus dem letzten Buchstaben, Feuer, Welt und Halbmond gebildet. Wer es ordnungsgemäß verwirklicht, dem gilt nichts als unerreichbar.
23.18 Dem eigenen Lehrer, der gleichsam das Leben schenkt, gebe man eine dem Vermögen entsprechende Gabe. Der aufrichtige Schüler soll dabei nicht mit seinem Besitz täuschen oder geizen.
23.19 Nachdem man den Lehrer nach seinen Kräften erfreut hat, bewirte man vorzügliche Brahmanen. So werden diesseitige Vollendung und jenseits der reine höchste Zustand verheißen.
23.20 Nach der Verehrung bringe man achttausend Dreierbündel Dūrvā als Gaben ins Wasser. Dadurch sollen Bedrängnisse zur Ruhe kommen; denn die Offenbarung nennt die Wasser friedvoll.
23.21 Bei großen Unheilszeichen und Bedrängnissen gilt dieses Opfer als friedenspendend. Auch andere Herzenswünsche sollen erfüllt werden, und man werde allen Menschen lieb.
23.22 Nach einem bösen Traum verbringe man den Rest der Nacht wach und wiederhole den Mantra. Durch seine Kraft soll der Traum sogleich eine gute Wendung erhalten.
23.23 Wer durch einen Wald mit gefährlichen Tieren, Schlangen, Räubern und Raubtieren geht und diesen Mantra wiederholt, soll vor vielerlei Furcht geschützt sein, ob der Mantra bereits verwirklicht wurde oder noch nicht.
23.24 Ein achttausendmal besprochenes Gefäßwasser wird zum Begießen eines von Schlangengift Betroffenen verwendet. Der Text behauptet Befreiung selbst von schwerer Vergiftung.
23.25 Hundertacht Wiederholungen sowie besprochene Asche und ähnliche Mittel werden gegen Giftwirkungen von Mäusen, Spinnen, Skorpionen und Vielbeinern genannt.
23.26 Der Mantra soll Kopf-, Augen-, Hals- und Bauchleiden, Fieber, sich ausbreitende Hautleiden, Erbrechen und Schluckauf sowie durch Mantras, Stoffe und Schadensriten bewirkte Störungen beruhigen.
23.27 Eine feindselige Visualisierung stellt den eigenen Gegner als junges Wildtier vor, das man selbst in Narasiṃha-Gestalt ergreift und vom Himmel weit auf die Erde schleudert. Täglich ausgeführt, soll sie Vertreibung bewirken.
23.28 In die Richtung, in die er innerlich mit dem Mantra geschleudert wird, soll der Gegner bald ziehen, plötzlich Kinder, Partnerin und Besitz verlassen und nicht zurückkehren.
23.29 Eine weitere Schadensvorstellung imaginiert den Gegner durch Narasiṃhas Nägel zerrissen, getötet und gefressen; der Text schreibt dieser Mantrawiederholung seine Vernichtung zu.
23.30 In die erste Stelle des Wortes »Tod« werde der Zielname eingesetzt. Mit einem als verbrennend gedachten grausamen Blick wird sieben Tage wiederholt –
23.31 – täglich achttausendmal; der Text behauptet den Tod des Feindes. Zugleich erklärt er ausdrücklich: »Tötungshandlungen sind nicht zu billigen.« Falls sie ausgeführt wurden, sollen zehntausend Wiederholungen zur Befriedung folgen.
23.32 Wer Einflussnahme, Anziehung, Entzweiung, Verwirrung oder Vertreibung beabsichtigt, verbindet nach dem Text die jeweilige Handlung mit der entsprechenden Vergegenwärtigung.
23.33 Täglich zu Tagesbeginn verehre man die Sonne und Narahari nach der gelehrten Ordnung. Mit seiner innerlich erbetenen Zustimmung bereite man dann mit besprochener Asche einen Schutz für einen König oder eine gewünschte Person.
23.34 Mit der Asche und den Mantralauten vollziehe man Nyāsa an den genannten Stellen: zur Beruhigung aller Bedrängnisse, zum Gedeihen und zur Erfüllung der Wünsche.
23.35 Für einen König, der ein fremdes Reich erobern möchte, wird folgende Anwendung beschrieben: Zunächst wird Narahari, der Feind Hiraṇyakaśipus, ordnungsgemäß verehrt.
23.36 Vor ihm entzündet man ein Feuer aus Vibhīta-Holz. Darin werden tausend Schilfhölzer mit Wurzeln und Fasern geopfert, während der Mantra gesprochen und die Vernichtung der Gegner vergegenwärtigt wird.
23.37 Nach dem Opfer rüstet man die Armee gegen das fremde Reich und meditiert Narasiṃha vor ihr, wie er die feindlichen Truppen ebenso vernichtet wie einst den Sohn Ditis.
23.38 Bis der König siegreich zurückkehrt, wird diese Wiederholung fortgesetzt. Der Text verheißt Sieg selbst über Götter, Asuras, Rākṣasas und Yakṣas, erst recht über Menschen.
23.39 Wer Fülle sucht, opfere tausend Śrī-Blüten oder Bilva-Hölzer, Blätter, Blüten beziehungsweise Früchte. Wer Kinder wünscht, verwendet Putrajīva-Holz und dessen Früchte; für langes Leben Dūrvā. Binnen eines Jahres soll der Mantrawiederholende das Erwünschte erhalten.
23.40 Hundertachtmal besprochene Brāhmī oder Vacā wird morgens unter Narasiṃha-Meditation eingenommen. Der Text verheißt dadurch rasche Einsicht und Vertrautheit mit Veda und Lehrschriften.
23.41 Wozu weitere Worte? Wer die Ordnung kennt, soll durch diesen Mantra alles Erbetene erlangen. Darum widmet euch ihm mit hingegebenem Geist, ihr, die ihr das Meer des Daseins überqueren wollt.
23.42 Ein sechslautiger Mantra verbindet Śakti- und Narasiṃha-Bīja zwischen Schlinge und Haken mit Schutz- und Waffenabschluss. Svabhava ist der Seher, Paṅkti das Versmaß und Narasiṃha die Gottheit; seine sechs Laute bilden die sechs Glieder.
23.43 Möge Narasiṃha euch lange schützen: Von unverhüllt furchtbarer Gestalt, mit weit geöffnetem Mund und scharfen Fangzähnen, trägt er Diskus, Muschelhorn, Schlinge, Haken, Vajra, Keule und die Zeichen des Zerreißens. Unterhalb des Nabels ist er rot, darüber weiß; göttlicher Schmuck ziert ihn. Sonne, Feuer und Mond sind seine Augen; er schenkt umfassendes Glück.
23.44 Das Yantra trägt den Zielnamen in Hṛllekhā und die Mantralaute an den Ecken zweier Feuerfiguren. Auf den Blättern stehen je vier Laute des Narasiṃha-Anuṣṭubh, die Kalās bilden die Staubfäden; ein Konsonantenring umgibt es, Cintāmaṇi steht an den Erdecken. Es gilt als Abwehr von Rākṣasas, Piśācas, Krankheit, Gift und Feinden.
23.45 Auf dem leuchtenden Maṇḍala mit diesem Yantra stelle man das mit den früher genannten Absuden gefüllte Gefäß. Man verehre mit den Gliedern, den verschiedenen Waffen, Indra und den übrigen sowie Vajra und den weiteren Zeichen.
23.46 Die Waffen sind Diskus, Muschelhorn, Schlinge, Haken, Vajra und Keule. Den beiden Händen in der Gebärde des Zerreißens werden Schwert und Schild zugeordnet.
23.47 Nach dieser Einweihung wiederhole man hunderttausendmal je Mantralaut und opfere am Ende sechstausend Gaben reinen Ghees.
23.48 Sieben Tage lang werden tausend in Pañcagavya gebadete Blütenstände der Kharamañjarī geopfert, zur Beruhigung von Geistereinflüssen.
23.49 Dreitausend milchbenetzte Chinnaruhā-Hölzer, vier Tage lang geopfert, werden als rasch fieberstillend beschrieben.
23.50 Das auf Birkenrinde oder ein Palmblatt geschriebene und besprochene Yantra wird am Kopf befestigt; ihm wird die Linderung von Fieber, Verwirrung und Kopfschmerz zugeschrieben.
23.51 Wer täglich tausend rote Utpala-Blüten mit den drei süßen Stoffen opfert, soll innerhalb eines Monats das Erwünschte und binnen eines Jahres ein mit Geld und Getreide gefülltes Haus erlangen.
23.52 Zwölftausend geöffnete rote Lotusse mit den drei süßen Stoffen sollen große Fülle, langes Leben und die Zuneigung der ganzen Welt bringen.
23.53 Einen halben Monat lang werden morgens täglich tausend süß benetzte Puffreisgaben geopfert. Ein Mann soll dadurch die gewünschte Partnerin, eine Frau einen vorzüglichen Partner finden.
23.54 Je zweitausend Gaben aus Sesam, Senfsamen, Kharamañjarī-Holz, Opferspeise und Ghee gelten als Schutz vor Besessenheitsleiden und Schäden durch feindliche Rituale.
23.55 Wer morgens Narahari im Feuer meditiert und hundertzehn Dreierbündel Dūrvā mit Milch und Ghee opfert, soll langes Leben, Freiheit von Krankheiten und Glück mit Partnerin und Kindern erlangen.
23.56 Wer diesen Mantra wie gelehrt wiederholt, soll seine ersehnten Wünsche bald erfüllt sehen, reich und von Brahmanen und Königen geachtet sein, friedlichen Geist besitzen und zuletzt Viṣṇus vollkommen reine höchste Wohnstätte erreichen.
Kolophon: Hier endet der 23. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
24. Paṭala
Orientierung: Vishnu-Panjara.
24.1 Nun erkläre ich in Kürze die Ordnung des Viṣṇupañjara, des Schutzgehäuses Viṣṇus. Damit soll Śiva Tripura und der Götterkönig den Asura Vala besiegt haben.
24.2 Aus den für das zwölffache Śakti-Yantra genannten Mantras, Maṇḍalas und Bījas wird dieses Schutzgehäuse Viṣṇus gebildet.
24.3 In den mittleren Śakti-Bindu schreibe man Viṣṇu, an seine beiden Seiten die Bījas von Narasiṃha und Varāha. Dies umgebe man mit dem Viśvarūpa-Mantra und weiter mit den sechzehn Mantralauten.
24.4 Der Mantra umfasst Praṇava, Verneigung, Bhagavat, Mahāviṣṇu und Vāsudeva im Dativ, »Viśvarūpa, werde mir Zuflucht« und die Verneigung vor dem mächtigen Viṣṇu.
24.5 An den zwölflautigen Mantra werden Schutz- und Waffenformel sowie Svāhā angefügt. Dieser sechzehnlautige Mantra soll alle Ziele verwirklichen.
24.6 Aus den Veränderungen seiner Laute entstehen der Reihe nach sechzehn Gestalten, beginnend mit dem Diskus. Durch sie entfaltet sich die Kraft von Viṣṇus Schutzgehäuse in vielerlei Formen.
24.7 An die vier Bīja-Stellen im Osten, Süden, Westen und Norden schreibe man Diskus, Keule, Śārṅga-Bogen und Schwert samt ihren Mantras.
24.8 Muschelhorn, Pflug, Stößel und Dreizack stehen in den mit Südosten beginnenden Ecken. An die acht weiteren Bīja-Stellen kommen Stab, Lanze, Speer, Schlinge, Haken, Vajra, Śatamukha und Feuer.
24.9 Die Gestalten werden mit Praṇava, Herzformel, Bhagavat, Viṣṇu, ihrem eigenen Namen, »die Gestalt tragend« und »Heerführer« bezeichnet; die jeweils eigene Mantraformel bildet den Abschluss.
24.10 Die ersten besonderen Anreden lauten Sahasrāra, Kaumodakī, Mahāśārṅga und Mahākhaḍga.
24.11 Diese Mantras enden der Reihe nach mit Schutz- und Waffenformel. Danach folgen Mahāpāñcajanya und Mahāhala –
24.12 – Mahāmusala und Mahāśūla. Die mit dem Muschelhorn beginnenden Mantras enden jeweils mit Svāhā.
24.13 Bei den acht mit dem Stab beginnenden Gestalten füge man Namah an. Im Varāha-Mantra werde zwischen die Bezeichnungen Viṣṇu und Varāha die Wendung für das Emporheben der Erde eingesetzt. [Das erste Wort dieser Wendung ist beschädigt.]
24.14 Im Narasiṃha-Mantra füge man die Wörter »Nagel«, »zerrissen« und »Leib des Feindes« zusammen –
24.15 – vor Narasiṃha ein und schließe so den Löwen-Mantra ab. Nach Viṣṇu folgen bei Garuḍa »dem großen Vogelkönig, Garutmat« –
24.16 – sowie »Haris Reittier, dem Lebensatem-Selbst« und abschließend Namah. Dies gilt den Kundigen als Garuḍa-Mantra.
24.17 Zuerst umgebe man das Yantra mit dem Feuerhaus samt Triṣṭubh, danach mit dem Mondhaus samt Anuṣṭubh und weiter mit dem Sonnenhaus, das durch die Gāyatrī-Formel erstrahlt.
24.18 Es folgen die Buchstaben vorwärts und rückwärts und eine doppelte Erdumfassung. Außen zeichne man einen sechzehnblättrigen Lotus mit den Gestalten-Mantras.
24.19 Außen werde ein Maṇḍala mit allen vorgeschriebenen Merkmalen errichtet. Darin rufe man Hari als Viśvarūpa herbei und verehre ihn.
24.20 Er besteht aus Feuer und Mond. Seine erhobenen Arme tragen Diskus, Keule, Śārṅga-Bogen, Schwert, Muschelhorn, Pflug, Stößel, Dreizack, Lanze, Stab, Speer, Schlinge, Haken, Vajra, Beil und Feuer. Gesicht, Hände und Füße leuchten wie Sonne und Feuer; er gleicht glühendem Gold.
24.21 Ich verneige mich vor Viṣṇu als Allgestalt: Strahlende Krone, Juwelenhaube, Hüftschnur, Oberarmreifen, Halsketten, Halsschmuck, Ringe und weitere edle Schmuckstücke erhellen seine göttliche Salbung. Er erfüllt den ganzen Weltraum, leuchtet wie zehntausend Sonnen und hält in den Händen seiner erhobenen Arme vielerlei Waffen.
24.22 Nach der Verehrung des Sitzes mit den neun Śaktis verehre man der Reihe nach die vier Gestalten samt ihren Kräften.
24.23 Auf dem östlichen Blatt verehre man den Diskus: mit Diskuszeichen an der Krone, Diskus, Muschelhorn, Keule und Bogen in den Händen, rotem Leib und Gewand und furchtbaren Fangzähnen.
24.24 Auf dem südlichen Blatt verehre man die Keule: mit Keulenzeichen am Haupt, Keule, Diskus, Muschelhorn und Bogen tragend, gelb, gelb gekleidet und gesalbt, von zorniger Erscheinung.
24.25 Auf dem westlichen Blatt verehre man den dunklen Śārṅga-Bogen mit seinem Zeichen am Haupt, Bogen, Diskus, Muschelhorn und Keule in den Händen, mit rotem Gewand, roter Salbung und Girlanden.
24.26 Auf dem nördlichen Blatt verehre man das rauchfarbene Schwert mit Schwertzeichen am Haupt, Schwert, Diskus, Keule und Bogen tragend, in ungewöhnlich gestalteten Gewändern, Salbungen und Girlanden.
24.27 Auf dem südöstlichen Blatt verehre man das reinweiße, mächtig tönende Muschelhorn mit seinem Zeichen am Haupt, Muschelhorn, Diskus, Keule und Bogen in den Händen, weiß gekleidet und geschmückt.
24.28 Pflug, Stößel und Dreizack werden auf den mit Südwesten beginnenden Blättern verehrt. Sie besitzen die für das Muschelhorn genannten Schmuckmerkmale und vier Arme, wobei die eigene Waffe jeweils voransteht.
24.29 Auf den Zwischenblättern verehre man die acht vom Stab bis Śatamukha und Feuer reichenden Gestalten: rot, vierarmig und jeweils die eigene Waffe hervorhebend.
24.30 Unten verehre man den ursprünglichen großen Varāha mit der Erde an der Hauerspitze, dunkel wie eine Regenwolke und achtarmig. Er trägt Diskus, Schwert, Pfeil, Keule, Muschelhorn, Schild, Bogen und Speer.
24.31 Oben im Raum verehre man Mahānarasiṃha: Gesicht wie Sonne und Feuer, aus drei Augen Feuer ausströmend, mit aufgeschüttelter Mähne und hellem Schmuck; seine Arme tragen Diskus, Muschelhorn, Keule und Schwert.
24.32 Vorne verehre man den mächtigen Vogelfürsten Garuḍa von furchtbarer Gestalt, dessen Flügelschlag die Scharen der Gegner erschüttert und dessen Schnabel scharf geschnitten ist. Er steht vor Viṣṇu im Schutzgehäuse.
24.33 Danach verehre der gesammelte Mantrin Keśava und die übrigen, Indra und die Richtungsherren sowie Vajra und die weiteren Waffen mit den fünf Darbringungen, beginnend mit Duft.
24.34 Nach der Speisegabe folgt das Feueropfer nach der Einweihungsordnung. Mit Ghee-Speise opfere man zunächst für die Feuergestalt und ebenso mit Viṣṇus Mantra.
24.35 Die mit Vāmadeva und Śānti beginnenden Formeln werden jeweils elfmal geopfert. Mit den vier Mantras von Diskus und den folgenden Gestalten bringe man Hölzer milchsaftführender Bäume dar –
24.36 – jeweils hundertachtmal. Mit den zwölf übrigen, beim Muschelhorn beginnenden Mantras opfere man jeweils sechzehn Gaben aus Sesam und weißen Senfsamen.
24.37 Mit Triṣṭubh, Anuṣṭubh und der mit »Tat« beginnenden Formel opfere man Ghee-Speise in der Zahl ihrer jeweiligen Laute. Für Keśava und die übrigen zwölfmal, für Indra und die Waffen jeweils achtmal; zuletzt die großen Vyāhṛtis.
24.38 Nach Verehrung und Entlassung des Feuers und dem Weihebad vollziehe man gesammelt Viṣṇus Schutzgehäuse. Als Seher werden Brahmā und Bṛhaspati genannt.
24.39 Anuṣṭubh und Triṣṭubh sind die von den Weisen angegebenen Versmaße. Viṣṇu als Viśvarūpa und in den weiteren Gestalten ist die Gottheit des Viṣṇupañjara.
24.40 Mit den einzelnen und zusammengefassten Viertelversen der Gītā-Formel, zwischen den achtlautigen und den Diskus-Mantra gesetzt und mit den jeweiligen Abschlüssen versehen, bilde man der Reihe nach die fünf Glieder des Schutzgehäuses.
24.41 Man wiederhole die beim östlichen Viṣṇu beginnenden und beim Narasiṃha im Raum endenden Mantras je dreimal, danach die weiteren Formeln fünfmal beziehungsweise einundzwanzigmal. Die mit geistiger Gesundheit beginnende Folge wird fünfmal genannt; anschließend wiederhole man den Diskus-Mantra. [Die Zuordnung der Zahlen und der Ausdruck »drei Gāthās« sind im Wortlaut nicht eindeutig.]
24.42 Verehrung dem Erhabenen, dem alles umfassenden Vishnu von allgestaltigem Wesen! Verehrung Vasudeva, der das Rad und sämtliche übrigen Waffen trägt!
24.43 Während der Wiederholung stelle der Übende die zu schützende Person als vom Nektar aus Viṣṇus Lotusfüßen übergossen vor. Viṣṇus höchste Kraft strahlt durch die drei Mantras in den Häusern von Sonne, Mond und Feuer.
24.44 Durch Viṣṇus Gegenwart erstarken Diskus und die übrigen Waffen. Mit furchtbaren Gesichtern, Blicken, Schritten, Worten, Lachen und Hūṃ-Rufen schleudern, zerreißen, zersprengen und vernichten sie Vetālas, Geister, Besessenheit, Unheil, Piśācas, Feinde, Schlangen und Krankheiten. So werden diese Bedrängnisse als schließlich befriedet vergegenwärtigt.
24.45 Zuerst wiederhole man an der vorgesehenen Stelle den mit Hṛṣīkeśas Mantra verbundenen Vaiṣṇava-Grundmantra in der Vorstellung der Allgestalt.
24.46 Danach verbinde man mit den vier ersten Gestalten, beginnend beim Diskus, der Reihe nach die vier Viertelverse der Gītā-Triṣṭubh.
24.47 Nach Vollendung der sechzehn Gestalten wird der erste Viertelvers bei Varāha, der zweite bei Narasiṃha und ein weiterer bei Garuḍa eingesetzt –
24.48 – auch der vierte wird der Reihe nach verbunden. So wiederhole der Kundige den Sudarśana-Mantra und den als achtzehnten bezeichneten erwünschten Mantra. [Die Versfolge zur Zuordnung der letzten Viertelverse ist widersprüchlich überliefert.]
24.49 In großer Bedrängnis verbinde und wiederhole der kundige Mantrin diese Formeln gesammelt nach der im Feuerabschnitt noch zu erläuternden Ordnung.
24.50 Sand, Kiesel und weitere Stoffe werden geweiht und damit Handlungen im Haus, in der Stadt, im Dorf oder im ganzen Gebiet ausgeführt.
24.51 In der Mitte und an den Enden der sechzehn Richtungen hebe man achtzehn Gruben aus; die achtzehnte liegt vor der Indra-Richtung.
24.52 Sie seien quadratisch, eine Elle tief und ebenso lang. Zwischen ihnen lege man saubere Wege zum Umgehen an.
24.53 Man bestreiche sie mit Kuhdung und lege die einzusetzenden Gegenstände auf zwanzig getrocknete Lotusblätter. [Ein Wort zur Ausstattung ist beschädigt.]
24.54 Der Lehrer trete vor die mittlere Grube, verehre darin den Sitz und vergegenwärtige das Yantra.
24.55 Am Viṣṇu-Ort setze er die Allgestalt ein, danach der Reihe nach Diskus und die drei folgenden Gestalten in die vier Richtungsgruben.
24.56 Ebenso folgen Muschelhorn und die übrigen in den Eckgruben; die acht mit dem Stab beginnenden Gestalten kommen in die Zwischenrichtungen.
24.57 In der Mitte verehre man unten Varāha und oben Narasiṃha. In der östlich vor dem Diskus gelegenen Grube stelle man Garuḍa auf.
24.58 Danach ebne und bestreiche man die Plätze der Reihe nach. Nach Westen gewandt sitzend, verehre man auf dem mittleren Opferplatz –
24.59 – den Herrn auf der goldenen Platte wie zuvor, mit reichlichem Instrumentenklang, in der richtigen Reihenfolge bis zur Speisegabe. [Die Vorlage liest an einer Stelle »Opfer« statt des erwartbaren Yantra-Bezugs.]
24.60 Mit den zuvor genannten Stoffen opfere man nach der beschriebenen Ordnung. In Haupt-, Neben- und Zwischenrichtungen bringe man jeweils dreimal Bali dar.
24.61 Für Diskus und die übrigen Gestalten verwende man der Reihe nach fünf volle Speiseportionen. Danach entlasse man den Götterherrn und schließe die Verehrung ab.
24.62 Dem Lehrer gebe man Gold und Gewänder. Die Brahmanen erfreue man mit angemessenen Gaben und bewirte sie in der Vorstellung göttlicher Gegenwart.
24.63 Dort sollen die Bedrängnisse von Männern, Frauen und Herrschern schwinden; Besessenheitskräfte, Schadensgeister und Piśācas wagten aus Furcht nicht einmal, in jene Richtung zu blicken.
24.64 Gefahren wie Steinregen sollen weichen. Ernten, Rinderbestand und Bevölkerung sollen gedeihen.
24.65 Geld und Getreide mehren sich, die Familie wächst und lebt frei von Armut und Krankheit glücklich bis zur Auflösung der Welt.
24.66 Selbst Indra, umringt von unvermindert starken Rākṣasas, Asuras und Daityas mit erhobenen großen Waffen, werde durch die Verehrung dieses Viṣṇu-Schutzgehäuses bewahrt – um wie viel mehr ein Mensch.
Kolophon: Hier endet der 24. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
25. Paṭala
Orientierung: Prasada-Mantra und Shiva-Verehrung.
25.1 Nun erkläre ich zum Wohl der Welt in Kürze den Prāsāda genannten Mantra. Durch Wiederholung, Verehrung und Feueropfer soll er die gewünschte Vollendung gewähren.
25.2 Weil er den Geist zur Klarheit und Heiterkeit bringt, heißt er Prāsāda. Er wird aus dem vom Ende rückwärts gezählten dritten Laut, verbunden mit Anugraha und Halbmond, gebildet.
25.3 Vāmadeva ist der Seher, Paṅkti das Versmaß und Īśa die Gottheit. Mit demselben Bīja, verbunden mit den langen, nicht geschlechtslosen Vokalformen, werden seine Glieder gebildet.
25.4 Ich verneige mich vor Pārvatīs Herrn: fünfgesichtig, dreiäugig, bergkristallgleich und freundlich, auf dem Lotus sitzend. Seine Hände tragen Dreizack, Schlange, Beil, Glocke, Schwert, Haken, Vajra, Schlinge und Feuer und zeigen Furchtlosigkeit. Die Mondsichel schmückt die hochgebundenen Flechten; vielerlei Schmuck ziert den Leib, und er gewährt das Erwünschte.
25.5 Der Mantrakundige lege die fünf mit Īśāna beginnenden Mantras auf die Finger, beginnend mit dem Daumen. Dazu verwende er die als kurz bezeichneten Raum-Vokale in umgekehrter Folge und eben diese Finger.
25.6 Die fünf Gottheiten heißen der Reihe nach Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Vāmadeva und Sadyojāta.
25.7 Mit ihren Namen und den eigenen Bījas lege man sie auf Scheitel, Gesicht, Herz, Geschlechtsbereich und Füße sowie auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter.
25.8 So den eigenen Leib vergegenwärtigend und mit Śiva identisch, wiederhole man den Mantra in der durch die Sinne bestimmten Laksha-Zahl. Am Ende opfere man ein Zehntel davon mit süß benetzten Karavīra-Blüten. [Die Zahlchiffre Indriya wird ohne eindeutige Auflösung belassen.]
25.9 Alternativ werden Japā-Blüten, Lotusse, reiner Milchreis oder geeignete Hölzer des Königsbaums als Opferstoffe für das Gedeihen genannt.
25.10 Man errichte ein Maṇḍala mit acht Blütenblättern, drei Kreisen, Tierkreis, Umgängen und Wunschbäumen. Darin verehre man den Sitz des Dreizackträgers mit seinen neun Śaktis.
25.11 Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī, Balavikaraṇī, Balapramathanī, Sarvabhūtadamanī und Manonmanī werden verehrt. [Die beiden Vikaraṇī-Namen sind in der Vorlage entstellt.]
25.12 Der Sitz-Mantra beginnt mit Praṇava und Verneigung, dann folgt Bhagavat im Dativ, »das Wesen aller Guṇas« und »mit Śakti verbunden« –
25.13 – danach »dem Unendlichen, dem Wesen des Yoga-Sitzes« und abschließend Namah. So wird der Sitz-Mantra gelehrt.
25.14 Nach der Nyāsa-Ordnung verehre man den Leib mit Duft und weiteren Gaben. Die Gestalten stehen in den zuvor genannten Richtungen, die mit Nivṛtti beginnenden Kräfte in den Zwischenrichtungen.
25.15 Sadyojāta ist weiß wie Kunda und Mandāra, mit Veda, Gebetskette, Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Vāmadeva ist safranfarben, mit Gebetskette und den beiden Segensgesten. Aghora ist dunkel wie Augenschminke, mit furchtbaren Fangzähnen; er trägt Gebetskette, Veda, Schlinge, Haken, Trommel, Khaṭvāṅga, Dreizack und Schädelschale.
25.16 Tatpuruṣa ist blitzfarben und trägt Veda, Furchtlosigkeit, Gabengewährung und Beil. Drei Augen und vier Gesichter werden diesen Gestalten zugeschrieben; die Angabe von vier Armen passt nicht zu Aghoras voriger Attributliste. Īśāna ist perlweiß, fünfgesichtig und zeigt die Segensgesten. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Śiva bilden die entsprechende Folge.
25.17 Weil die mit Nivṛtti beginnenden Kräfte die Wirkkraft der Elemente sind und die Welt durchdringen, beschreiben die Weisen sie als Lichtgestalten ohne Hände, Füße oder bestimmte Farbe.
25.18 Ananta, Sūkṣma, Śivottama, Ekanetra, Ekarudra, Trimūrti, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin werden auf den mit Osten beginnenden Blütenblättern verehrt.
25.19 Alle sind dreiäugig, sitzen auf Lotussen und tragen vielfältigen Schmuck. Ihre Arme mit Dreizack, Vajra, Pfeil und Bogen erscheinen furchtbar.
25.20 Ihre Farben sind der Reihe nach rosa, gelb, weiß, rot, dunkel, tiefrot, mondhell und rauchfarben. In ihren Kronen leuchtet jeweils die Mondsichel.
25.21 Von Norden an werden Umā, Caṇḍeśvara, Nandin, Mahākāla, Gaṇeśvara, der Stier, Bhṛṅgiriṭi und Skanda verehrt.
25.22 Sie sind der Reihe nach gold-, lapis-, korallen-, smaragd- und perlfarben, dunkel, hell und rot und sitzen auf Lotussen.
25.23 Danach folgen die Richtungsherren und ihre Waffen, beginnend mit Vajra. So ist die Prāsāda-Ordnung erklärt, die alle Lebensziele erschließen soll.
25.24 Wer Maheśa täglich gesammelt so verehrt, erlangt die sichtbaren Freuden und zuletzt die höchste, vollkommen erfüllte Wohnstätte.
25.25 Nun erkläre ich den Nyāsa der achtunddreißig Kalās, den Kern der Śiva-Überlieferung, mit den fünf Brahma-Mantras, ihren Sehern und weiteren Zuordnungen sowie den besonderen Gliedern.
25.26 Der Vers ordnet den fünf Brahma-Mantras Seher, Versmaße und Gottheiten zu und nennt Īśa, Anuṣṭubh, Erde, Īśvara, Tatpuruṣa, Gāyatrī, Wasser, Feuer, Vāmadeva, Bharga und Hara. [Die syntaktisch und lautlich beschädigte Folge erlaubt keine verlässliche Einzelzuordnung aller Angaben.]
25.27 Mit Praṇava und der Sinneszahl verbunden folgt für das Herz »dem Allwissenden«; für den Kopf werden Amṛta, Tejomālin und »dem Erfüllten« sowie Brahmaśiras genannt.
25.28 Für den Haarschopf folgt »flammende Feuerspitze, dem anfangslosen Erwachen«; für den Schutz die Vajra-Formel mit Svāhā und »dem Unabhängigen«. Für die Augen stehen Sau, Sau und Hau mit Bindu sowie die Benennung der unverminderten Kraft. [Die Vorlage lässt bei dieser Benennung eine Silbe aus.]
25.29 Mit Śrī-, Paśu-, Hūṃ- und Phaṭ-Lauten sowie »der unendlichen Kraft« entsteht die Waffenformel. So ist das sechsteilige Gliederverfahren mit Seher, Versmaß und Gottheit beschrieben.
25.30 Nyāsa an Händen, Leib und Gesichtern führe man mit den Mantras wie zuvor aus. Die Kalās werden in der folgenden Reihenfolge auf den Leib gelegt.
25.31 Ihre Gruppen umfassen fünf, vier, acht, dreizehn und acht: zusammen achtunddreißig Kalās, die der Mantrakundige ordnungsgemäß niederlegen soll.
25.32 Die Niederlegung erfolgt mit den Fingern an den Richtungsorten der Gesichter, dann an Herz, Hals, beiden Schultern, Nabel, Bauch, Rücken, Brust, Geschlecht, After, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln, Gesäß, Hüften, Seiten, Fuß- und Handflächen, Nase, Kopf und Armen. [Die einleitende Richtungsreihe ist beschädigt.]
25.33 An einem Bildnis ausgeführt, soll dieser Nyāsa die göttliche Gegenwart besonders wirksam herbeiführen; am menschlichen Leib soll er Befähigung schaffen. Wo ein Mensch täglich mit so geweihtem Leib verweilt, betrachten die Kenner der Śiva-Āgamas einen Umkreis von einem Yojana als heiligen Bezirk.
25.34 Nach dem Nyāsa mit den fünf Brahma-Mantras verehre man Śiva mit diesen Versen in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden und Westen; danach mit Gliedern, Ananta und den übrigen, Umā und den anderen, Richtungsherren und Waffen. Diese Fünf-Brahma-Ordnung soll Glück, Ruhm, Genuss und Befreiung schenken.
25.35 Nun erkläre ich die Ordnung des fünfsilbigen Mantras, der den Wiederholenden die erhoffte Vollendung und hier wie jenseits die erwünschte Frucht gewähren soll.
25.36 Die fünf Laute werden durch Meṣa, Viṣa mit Visarga, Mṛtyu, Sākṣin und Wind chiffriert. Weil der Mantra aus Praṇava hervorgeht, wird dieser ihm vorangestellt. [Die Buchstabenchiffren sind teilweise beschädigt.]
25.37 Seine fünf Laute entsprechen den fünf Elementen. Auch die Welt ist aus den Elementen hervorgegangen; darum wird dieser Mantra als Wesen der Welt bezeichnet.
25.38 Seher und weitere Zuordnungen wurden zuvor genannt. Mit den Glieder-Mantras und den Lauten des Grundmantras vollziehe man Nyāsa an Fingern, Leib und Gesichtern –
25.39 – mit Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta, Vāmadeva und Īśāna, der Reihe nach an Zeigefinger, Mittelfinger, kleinem Finger, Ringfinger und Daumen.
25.40 Am Leib liegen sie an Gesicht, Herz, Füßen, Geschlechtsbereich und Scheitel; ferner an den nach Osten, Süden, Westen und Norden gerichteten Gesichtern und am oberen Haupt.
25.41 Man meditiere auf Maheśa: freundlich, Beil und Gazelle tragend, Furchtlosigkeit und Gabengewährung zeigend, von allem Schmuck erhellt. Auf dem Lotus sitzend trägt er ein Tigerfell; sein Glanz gleicht einem mit Perlenstaub und Nektar übergossenen Berg. Fünfgesichtig und dreiäugig trägt er die Mondsichel hoch in seiner Krone.
25.42 Man wiederhole vierhunderttausendmal je Mantralaut und opfere die entsprechende Zahl in Tausenden mit reinem Sesam, Ghee, Milchreis oder Hölzern milchsaftführender Bäume.
25.43 Tatpuruṣa und die übrigen tragen die für die Hauptgestalt genannten Waffen und besitzen vier strahlende Gesichter. Īśāna unterscheidet sich als reine Lichtgestalt.
25.44 Die erste Umfassung besteht aus den Gestalten, die zweite aus den Gliedern, die dritte aus Ananta und den übrigen; es folgen Umā und die anderen, Indra und die Richtungsherren sowie ihre Waffen.
25.45 Nun erkläre ich eine weitere, von Weisen geehrte Ordnung des Bogenträgers: Man bilde den Sitz im eigenen Leib und lege ebenso die Glieder und Mantralaute nieder.
25.46 Die sechs Laute werden der Reihe nach auf Herz, Gesicht, beide Schultern und beide Oberschenkel gelegt; weiter an die Ohrwurzeln, den Nabel, beide Seiten, Rücken und Herz.
25.47 Weitere Reihen betreffen Kopf, Mund, Augen und Nase, die Arm- und Beingelenke samt Enden sowie Kopf, Gesicht, Herz, Bauch, Oberschenkel und Füße.
25.48 Auch Herz, Gesicht, Beil, Gazelle, Furchtlosigkeit und Gabengewährung werden genannt. Die drei Wörter lege man auf Gesicht, Schultern und Herz sowie auf Füße, Oberschenkel und Bauch.
25.49 In auf- und absteigender Folge vollziehe man diesen vorzüglichen kreisförmigen Nyāsa. Danach lege man Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta, Vāmadeva und Īśāna –
25.50 – auf Stirn, beide Schultern, Bauch und Herz. Um dies innerlich zu verwirklichen, wiederhole der Kundige den folgenden Mantra.
25.51 »Verneigung dem, der zum unerschütterlichen Pfeiler geworden ist, dessen Selbst vom Licht-Liṅga umhüllt ist, dessen Glieder vom Widerschein der vier Gestalten erhellt werden: Śambhu.«
25.52 Mit diesem Mantra bringe der Gesammelte dreimal oder fünfmal eine Blumenhandvoll am eigenen Leib dar.
25.53 Auf dem zuvor genannten Sitz werden zuerst die Glieder, dann Gestalten und Śaktis verehrt, danach Stier, Wächter, Caṇḍa, Durgā, Guha, Nandin, Gaṇapati und Heerführer. [Die Trennung einzelner Namen ist unsicher.]
25.54 Eine weitere Umfassung besteht aus Indra und den übrigen. Nach der hingebungsvollen Verehrung und dem Feueropfer preise man Īśa mit dem folgenden Lobgesang.
Shiva-Lobpreis
25.55 Verneigung dem höchsten Selbst, das als Brahmā, Viṣṇu und Īśa erscheint und seine Tätigkeit in der Unterscheidung von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung offenbart.
25.56 Verneigung dem Herrn der Wesen, dem Dreizackträger, dem Selbst der auf vierfache Weise hervorgebrachten Wesen, der die Qual der schweren Last der Erde beseitigt.
25.57 Verneigung dir, der du die Welt verschlingst und das schreckliche Kālakūṭa-Gift trankst; sein Zeichen färbt deinen Hals blau, o Nīlakaṇṭha.
25.58 Verneigung Śambhu, in dessen Stirnauge Feuer aufleuchtet, der den Liebesgott verbrannt hat und von den von Kummer befreiten Yogins meditiert wird.
25.59 Verneigung dem, dessen eine Körperhälfte die Geliebte ist, der Dakṣas Opfer verbrannt hat, der in den vier Lebenszielen das Erwünschte schenkt, dem Herrn der Māyā und dem Feinsten.
25.60 Verneigung dem Größten und dem Ursprung, der Feinde mit dem Dreizack durchbohrt, den Tod vernichtet und die Mondsichel als Schmuck des Hauptes trägt.
25.61 Verneigung dem Unbekleideten, dessen Flechten Schlangen, Strom und Mond tragen und dessen Füße von den Kronen der Götter-, Daitya- und Asura-Könige berührt werden.
25.62 Verneigung, Verneigung Śaṅkara, mit Asche gesalbt, den Verehrenden Genuss und Befreiung schenkend, von offenbarer und unoffenbarer Gestalt.
25.63 Verneigung dem Bezwinger Andhakas und Antakas, dem Feind der Städte, dem Überwinder von Elefant und Eber. Verneigung dir, dessen Leib giftleuchtende Schlangen umwinden, der stets den vorzüglichen Stier als Reittier hat.
25.64 Verneigung deiner Gestalt als Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, Opferherr, Sonne und nektarstrahlender Mond. Du durchbrichst die Furcht vor der Hölle; o Allgegenwärtiger, brich hier unsere Furcht vor dem Werden.
25.65 Nachdem man den mit der Mondsichel Geschmückten so gepriesen hat, entlasse man ihn in den eigenen Herzlotus. Mit gesammeltem Geist, selbst zu Śiva geworden, wiederhole man diesen großen Mantra.
25.66 Nach der Bewirtung der Brahmanen verehre man den Mondsichelträger wiederum so. In Śivas Gestalt wiederhole man nach den eigenen Kräften und werde schließlich Śiva selbst.
25.67 Denselben Mantra, von Hṛllekhā eingerahmt, wiederhole man hunderttausendmal. Danach opfere man vierzehntausend süß benetzte Hölzer des Königsbaums.
25.68 Ich verehre Hara mit Gabengewährung, Dreizack, Schädelschale und Furchtlosigkeit. Die Bergtochter erhellt seinen Leib; auf seinem linken Oberschenkel sitzend, trägt sie einen roten Lotus in der linken Hand und umarmt ihn.
25.69 Die fünf Umfassungen dieser Īśa-Ordnung bestehen aus den Gliedern, Hṛllekhā und den übrigen, dem Stier und den anderen, den Müttern sowie den Richtungsherren.
25.70 Ein achtlautiger Śiva-Mantra wird durch Āpyāyinī mit Mond, Aruṇā, Feuer, Māyā mit Bindu, weitere Welt- und Mondchiffren sowie Śiva und die Laute »Śivāya« beschrieben. [Die genaue Lautbildung ist beschädigt.]
25.71 Man meditiere auf Pārvatīs goldglänzenden Herrn auf dem Lotus: Die Geliebte sitzt auf seinem linken Schoß, legt die rechte Hand dort auf und hält im linken Arm einen roten Lotus; sein linker Arm umfasst ihre Brust. Reich geschmückt, trägt er Beil und Gazelle und zeigt Gabengewährung. Seine Gestalt ist von anmutiger Liebe erfüllt.
25.72 Die Glieder folgen der beim fünfsilbigen Mantra gelehrten Ordnung, die Verehrung der Fünf-Brahma-Lehre. Der Mantra wird achthunderttausendmal wiederholt; achttausend Opfer folgen.
25.73 Wer Īśa durch Wiederholung, Feueropfer, Verehrung und Meditation dient, soll allen Wesen lieb sein, lange leben und an Geld, Besitz, Ruhm und Fülle reich werden; beim Ende des Leibes erreiche er Śivas höchste Wohnstätte.
Kolophon: Hier endet der 25. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
26. Paṭala
Orientierung: Dakshinamurti und weitere Shiva-Mantras.
26.1 Nun wird der Dakṣiṇāmūrti-Mantra gelehrt, ein göttlicher Wunschbaum zur Verwirklichung der Wünsche seiner Wiederholenden.
26.2 Die Anfangslaute werden durch Atri, Kṣiṇā, Kāla, Karṇa und Kāmi chiffriert und mit weiteren Endungen verbunden; es folgt »dem am Fuß des Banyanbaums Wohnenden«.
26.3 Danach folgt eine Wendung über den hingebungsvoll ausgerichteten Leib sowie »Verneigung Rudra, Śambhu«. Von Praṇava und Śakti eingerahmt, wird dieser Mantra als sechsunddreißiglautig bezeichnet. [Die ersten beiden Verse sind in ihrer Lautanweisung beschädigt.]
26.4 Śuka ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Rudra als Dakṣiṇāmūrti die Gottheit.
26.5 Die mit Praṇava und Śakti beginnenden und mit Hāṃ und den weiteren Formen endenden Mantralaute werden in Gruppen nach den Chiffren Jahreszeiten, Augen, Vasus, Vasus, Feuer und Guṇas geteilt –
26.6 – und mit den jeweiligen Abschlüssen zu sechs Gliedern verbunden. Zehn Körperstellen werden zunächst an Kopf, Stirn, Ohren, Augen, Wangen, Nase und Mund genannt –
26.7 – danach Armgelenke, Kehle, Brust, Herz, Nabel, Hüften, Geschlechtsbereich und Beingelenke. Mit den letzten beiden Lauten durchdringe man den ganzen Leib. Nach diesem Nyāsa meditiere man auf die Mantragottheit.
26.8 Möge Bhava euren inneren Sinn reinigen: Unter dem Banyanbaum sitzend, milchweiß und dreiäugig, trägt er die Mondsichel in den Flechten und eine große Schlange als Gürtel. Er zeigt die heilbringende Lehrgebärde, hält Beil und Gazelle und legt einen Arm auf das Knie. Śuka und die anderen ursprünglichen Weisen preisen ihn.
26.9 Nach sorgfältiger Verehrung und Gefäßweihe gemäß der früheren Ordnung empfange der Mantrin die Einweihung und wiederhole diesen Mantra gesammelt.
26.10 Man wiederhole dreihundertzwanzigtausendmal und opfere ein Zehntel davon mit milchbenetztem Sesam, Milchreis mit Ghee oder beiden.
26.11 Wer den Mantra so wiederholt und den Bergherrn täglich verehrt, ihm opfert, sich verneigt und ihn mit Geist, Wort und Leib preist, soll alle Wünsche erfüllen. Er werde ein Erklärer der Āgamas, ein vorzüglicher Dichter, ein Kenner des Vedānta und geschickter Redner, mit durch nichtduales Wissen gereinigtem Geist, und erreiche Śivas Zustand.
26.12 Ein weiterer Mantra verdoppelt die durch Leben, Feuer, Ohr und Repha bezeichneten Laute, zunächst mit Pra- und dann erneut, verbunden mit Medhā, Āpyāyinī und weiteren Endungen –
26.13 – danach folgen Caṭa und Pracaṭa, weitere Laute sowie die verdoppelten Aufforderungen »binde« und »schlage«. Mit Schutz- und Waffenabschluss und Śakti am Anfang wird der Mantra gebildet. [Die chiffrierte Lautfolge ist stark beschädigt.]
26.14 Aghora ist der Seher, Triṣṭubh das Versmaß und Aghora-Rudra die Gottheit.
26.15 Fünf Laute bilden das Herz, sechs den Kopf, zehn den Haarschopf, zehn den Schutz, acht die Augen und zwölf die Waffe.
26.16 In elf Abschnitte geteilt, werden die Mantralaute auf Kopf, Augen, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße gelegt.
26.17 Die Abschnitte werden durch fünf, sechs, zwei, acht, vier, sechs, drei Vierergruppen, sechs und zwei Laute beschrieben. [Die verdichtete Zahlenreihe ist nicht vollständig eindeutig.]
26.18 Möge Aghora alles Unerwünschte abschneiden: dunkel wie eine Gewitterwolke, furchtbar im Antlitz und dreiäugig, mit Beil, Trommel, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen, Dreizack und Schädelschale. Roter Schmuck und rotes Gewand zieren ihn; Feinde, Schlangen und fremde Einflüsse verschlingend, schenkt er das Erwünschte.
26.19 Für Befreiungssuchende wird Aghora klar und hell gedacht, für Wunscherfüllung rot, bei Schadensriten und Besessenheitsstörungen schwarz. Die Wiederholung umfasst hunderttausend.
26.20 Am Ende opfere man ein Zehntel davon mit Ghee-benetzen Sesam- und Reiskörnern oder Ghee-Opferspeise. So soll das Erwünschte erreicht werden.
26.21 Das Yantra trägt den Zielnamen in Hṛllekhā im Mittelteil, umgeben von den Kalās. Die acht Buchstabengruppen bilden die Staubfäden; am Ende stehen weitere Ha-, La- und Kṣa-Laute.
26.22 Je drei Mantralaute stehen in Blattmitte und Blattspitze. Außen folgen doppelte Feuerfiguren mit Schutz- und Waffenformel an den Ecken. So zeichne man das Yantra.
26.23 Nach Fertigstellung des Maṇḍalas stelle man das Gefäß auf den Sitz des Pināka-Trägers und fülle es mit Kuhprodukten oder den bereiteten Absuden.
26.24 Nach der Gliederumfassung folgen die genannten Waffen, die Mütter und die Richtungsherren. Oder man verehre nach der beim sechslautigen Mantra gelehrten Ordnung, um den Mantra zur Entfaltung zu bringen.
26.25 Nächtliche Opfer mit jeweils tausend Gaben aus Ghee, Apāmārga-Holz, Sesam, Senfsamen, Milchreis und nochmals Ghee werden zur Beruhigung von Geisterbedrängnis und ähnlichen Störungen gelehrt.
26.26 Je tausend Opfer mit weißem Kiṃśuka, Nirguṇḍī, Kanaka und Apāmārga sollen fremde Einflüsse rasch binden und lösen.
26.27 Mit Kuhprodukten benetzte Mayūra-Hölzer werden tausendmal geopfert; an Śivas fünftem Mondtag nachts nochmals vier Finger lange Stücke. Danach folgen Ghee, Apāmārga, Pañcagavya, Opferspeise und Ghee samt geweihten Resten; die Speise wird gereicht. So sollen alle fremden Einflüsse beruhigt werden. [Einzelne Opferverbindungen sind beschädigt.]
26.28 In die Mitte des Sechsecks kommt Śakti mit dem Zielnamen, von zweimal »Sphura« umgeben; an die Ecken zweimal »Prasphura«. Die Blätter tragen die in Zahlgruppen gegliederten Mantralaute, außen stehen Schutz und Waffe. Dieses Aghora-Yantra gilt als Abwehr von Besessenheit, Krankheit und Furcht.
26.29 Weder Feinde noch Krankheiten, Besessenheitsdruck, Waffenverletzung oder Giftleiden sollen Menschen berühren, die dem Aghorāstra-Mantra ergeben sind.
26.30 Darum wiederhole man den Aghorāstra-Mantra, verehre nach seiner Ordnung und opfere damit zur Erfüllung aller Wünsche und zur Befreiung.
26.31 Der siebte Raumlaut mit Ohr und Halbmond, der fünfte La-Laut mit zwei Monden und Praṇava am Anfang bilden den als Todesüberwinder bekannten Mantra, der den Übenden schützen soll. [Die Lautchiffren bleiben unaufgelöst.]
26.32 Kahola ist der Seher, Devī-Gāyatrī das Versmaß und Mṛtyuñjaya-Rudra die Gottheit. Die Glieder werden mit dem als Bhṛgu bezeichneten Laut gebildet.
26.33 Ich verneige mich vor Īśa: Auf einem geöffneten Lotus sitzend, vom Nektar der Mondsichel in seinem Haar benetzt, besitzt er Mond, Feuer und Sonne als Augen. Seine Hände tragen eine Mudrā, Schlinge, Veda und Gebetskette. Er ist weiß wie Bergkristall, Silber und Perlen.
26.34 Nach der Einweihung wiederhole man diesen Mantra dreihunderttausendmal. Auf Anweisung des Lehrers opfere man ein Zehntel davon mit reinen Galūcī-Stücken, benetzt mit Milch und Ghee.
26.35 Täglich verehre man auf dem Śiva-Sitz mit den Gliedern, Richtungsherren und deren Waffen, mit geeigneten Gaben und Mantrawiederholung. Dies ist die Ordnung des Todesbezwingers.
26.36 Nach Vollendung durch Wiederholung, Feueropfer und Verehrung vergegenwärtige man die im Mantra gelehrte Gestalt und übe inneren Yoga zur Abwehr von Schadenszauber und vorzeitigem Tod.
26.37 Man denke zwei Lotusse mit Praṇava als Stängel, den weiteren Lauten als Blättern und Ha als Mittelteil, in vorwärts und rückwärts laufender Ordnung. Zwischen ihnen meditiere man Śiva für Gesundheit und beständiges Leben.
26.38 Die beiden übereinander liegenden Lotusse tragen die Mantralaute auf ihren Blättern; aus ihnen tropft langsam Nektar. Darin sitzt Īśāna in feiner Gestalt innerhalb der reinen Suṣumnā. Wer so meditiert und wiederholt, soll von Krankheiten frei langes Leben erlangen.
26.39 In den Mittelteil schreibe man Praṇava samt Zielname, die übrigen Laute auf Richtungsblätter und Ecken. Außen folgen Erdumfassung, Mondzeichen und der Ṭa-Endlaut an den Ecken. Besprochen und angebunden gilt das Yantra als Abwehr von Besessenheit, Krankheit und Gift.
26.40 Auf dem so gestalteten Maṇḍala werde das Gefäß aufgestellt, gefüllt und für das Weihebad verwendet. Dies gilt als Fülle und Einfluss fördernd sowie Besessenheit und Schadenszauber abwehrend.
26.41 Danach opfere man zwölftausend vier Finger lange, milchbenetzte Stücke der Chinnaruhā in gut entfachtem Feuer.
26.42 So viele Gaben der Übende im Feuer darbringt, mit ebenso vielen Nektargefäßen erfreut Agni den Śaṅkara.
26.43 Durch Agni gestärkt, gewährt Śarva dem Übenden die erwünschten Gaben, beginnend mit langem Leben, die nach dem Bild des Textes bis zur Weltauflösung reichen.
26.44 An den Mantra füge man den Zielnamen, zweimal »schütze« und den rückwärts gesprochenen Mantra. Auch diese Form wird Mṛtyuñjaya genannt.
26.45 Oder man meditiere Rudra in Gestalt und Schmuck eines Kindes innerhalb eines reinen Lotuskelchs und wiederhole ordnungsgemäß; mit dem Feueropfer verbunden gilt dies als todabwehrend.
26.46 Zwölftausend vier Finger lange, milchbenetzte Amṛtā-Stücke werden für Gesundheit, langes Leben und Fülle geopfert.
26.47 Die sieben Stoffe sind Amṛtā, Vaṭa, Sesam, Dūrvā, Milch, Ghee und Milchreis. Von jedem bringe man tausend Opfer dar.
26.48 Bei heftigem Fieber, schwerem Schadenszauber, Wahnsinn, brennender Krankheit und Verwirrung soll dieses Opfer rasch Frieden und ein hundertjähriges Leben bringen.
26.49 Am Opfertag bewirte man mindestens sieben Brahmanen mit wohlschmeckenden Speisen. Am Ende gebe man den ausführenden Priestern Kühe mit Kälbern.
26.50 Wer langes Leben wünscht, opfere am eigenen Geburtstag regelmäßig je hundert Gaben der sieben vorzüglichen Stoffe und bewirte die Brahmanen mit süßen Speisen.
26.51 Oder man opfere beim eigenen Geburtsstern tausendmal mit allen sieben oder einem einzigen dieser Stoffe. Dies soll ein vorzügliches, ungestörtes Leben gewähren.
26.52 Täglich elf Opfer mit Dreierbündeln Dūrvā sollen vorzeitigen Tod und Krankheiten überwinden und das Leben verlängern.
26.53 Bei den drei zugeordneten Geburtsstern-Terminen opfere man der Reihe nach je tausend Chinnā-, Kāśmarya- und Vakula-Hölzer. Vorzeitiger Tod, Krankheit und Unheil sollen dadurch schwinden.
26.54 Tausend Opfer mit weißen Senfsamen gelten als Abwehr fieberbedingter Bedrängnisse; ebenso Apāmārga-Opfer als Mittel zu Todesüberwindung und Gesundheit.
26.55 Wer Mṛtyuñjaya täglich morgens mit freundlichem Geist durch die beschriebenen Meditationen, Wiederholungen, Verehrungen und Feueropfer dient, soll seine Wünsche erfüllen, ein blühendes Familienleben mit Kindern führen, lange glücklich leben und beim Ende des Leibes Śiva werden.
Kolophon: Hier endet der 26. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
27. Paṭala
Orientierung: Weitere Formen der Shiva-Verehrung.
27.1 Nun wird der Cintāmaṇi-Mantra mit Wiederholung und Feueropfer gelehrt, ein Wunschbaum für die ersehnten Ziele. Seine Lautbildung wird durch Feuer, Kaṣa, Repha, Lebensatem, Sadya, linkes Ohr, Mond und Schwert chiffriert. [Die Folge ist beschädigt.]
27.2 Kāśyapa ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Umās Herr oder Ardhanārīśvara die Gottheit. Die sechs mit Ya abschließenden Laute bilden die Glieder.
27.3 Möge Īśa euch lange schützen: Schlangen, Mond und Gaṅgā schmücken die hochgebundenen Flechten. Die Götterscharen verneigen sich vor seinen Füßen. Dreiäugig und von weiblicher Anmut begleitet, trägt er Schlange, Beil, Dreizack, Schwert, Feuer, Schädelschale, Pfeil und Bogen.
27.4 Oder man denke Maheśvara halb als anmutige Frau, halb als furchtbare Gestalt, mit Schlinge, blauem Lotus, Schädelschale und Dreizack. So meditiere man bei der Wiederholung für Fülle.
27.5 Eine weitere Meditationsform zeigt Bhagavatī mit sechzehn von Dreizacken erfüllten Armen, drei Augen sowie rotem Gewand, roter Salbung, roter Farbe und rotem Schmuck.
27.6 Nach täglicher ordnungsgemäßer Verehrung wiederhole man hunderttausendmal. Am Ende opfere man zehntausend reich mit den drei süßen Stoffen benetzte Sesam- und Reiskorngaben.
27.7 Auf dem Śiva-Sitz verehre man Maheśa mit den Gliedern, den mit Stier, Caṇḍa, Durgā und den weiteren Gestalten beginnenden Gruppen, den Müttern und Richtungsherren sowie den fünf Darbringungen. [Die mittlere Namensfolge ist stark entstellt.]
27.8 Eine andere Ordnung verehrt mit den acht Mantralauten in den Richtungen, beginnend beim ersten Feuerort, zusammen mit den Müttern.
27.9 Manche erklären eine vor Ka mit Ha verbundene Form als besonders geeignet für den Beginn der Wiederholung. Zehntausend Wiederholungen mit vorangestelltem Prāsāda sollen rasch Entrückung beziehungsweise Besessenheit und deren Behebung bewirken. [Die Endwendung ist unsicher.]
27.10 Das vom Scheitel herabkommende, in der Mondscheibe ruhende und von Vokalen umgebene Bīja wird als nektarfeucht vorgestellt. Ihm wird die Abwehr von vorzeitigem Tod, Gift, Fieber, Epilepsie, Verwirrung und Kopfschmerz zugeschrieben.
27.11 In einem Dreieck, umgeben von zwei Feuerhäusern mit den eigenen Lauten an den Ecken und von den Konsonanten umschlossen, am Kopf vergegenwärtigt, soll es Besessenheitsleiden sofort beseitigen.
27.12 Feuergleich flammend in einer Feuerscheibe über dem Kopf des Betroffenen meditiert, soll das Bīja den fremden Einfluss zum Hervortreten bringen. Auch das Riechen an einer besprochenen Bandhujīva-Blüte wird genannt.
27.13 Für Stärkung und Befriedung wird der Mantra weiß und mit weißem Anfang gedacht, für Anziehung und Einfluss rot mit rotem Anfang, für Erregung und Stillstellung goldfarben mit Ha am Anfang; für Zermürbung und Vertreibung rauchfarben mit Windlaut, für Stillstellung gelb und für Genuss besonders klar. [Mehrere Anfangslautangaben sind beschädigt.]
27.14 Eine schwarze, im Windhaus gedachte Form wird in schädigender Absicht Augen, Ohren, Gesicht, Bauch, empfindlichen Stellen oder Kopf zugeordnet und soll Blindheit, Taubheit, Lähmung, Schmerzen oder Kopfleiden hervorrufen. Eine gelbe Erdform an der Kehle wird der Sprachhemmung zugeordnet.
27.15 Dagegen wird die mondhelle, von Vokalen umgebene Form an den Augen gegen Augenleiden, im weiblichen Schoß gegen Blutfluss und im Bauch gegen Schmerzen meditiert. Ebenso wird sie bei Blasenbildung, Gift, Fieber, Durst, Blutleiden, Verwirrung, Brennen und Kopfschmerz zur Beruhigung genannt.
27.16 Ein Anziehungsritus bindet den als Lebensatem bezeichneten Laut im Herzlotus der Zielperson mit den Bīja-Lauten und ordnet Licht, Mond und Wind am Kopf zu. Die Schlussform über das Heranziehen ist in der Vorlage negativ formuliert und nicht eindeutig aufzulösen.
27.17 Das Bīja im Feuerkreis, verbunden mit dem Bild einer Pāribhadra-Blüte, werde über dem Kopf einer Person meditiert; der Text behauptet dadurch ihre Unterwerfung.
27.18 Das Bīja mit dem eigenen Namen im Inneren wird in einer sexuellen Visualisierung im Schoß einer Frau gedacht. Ihm werden sofortige Einflussnahme und das Hervorrufen von Samen- oder Blutfluss zugeschrieben.
27.19 Eine weitere sexuelle Visualisierung stellt die Figur auf dem eigenen Śiva, hier dem männlichen Geschlecht, vor und führt sie gedanklich in den Schoß ein. Der Text verbindet damit das Auslösen von Erregung und Unterwerfung.
27.20 Eine Figur mit dem Zielwort innerhalb des höchsten Repha, in einem Dreieck und sechs Feuerzeichen, von Konsonanten umgeben und in einem Erdhaus stehend, soll Geliebte rasch geneigt machen.
27.21 Eine aus Reismehl und den drei süßen Stoffen gefertigte Figur wird geteilt und drei Tage mit dem Mantra geopfert. Die Person, auf die sie bezogen ist, soll dadurch unter Einfluss geraten.
27.22 Eine weitere, auf einem als Ahi bezeichneten Blatt geschriebene Lautfigur mit Krankheitsname und Feuerzeichen wird besprochen und gegessen; ihr wird die Linderung von Kopfschmerz zugeschrieben. [Die Mantra- und Blattchiffren sind beschädigt.]
27.23 Der Vers beschreibt einen weiteren Körper-Nyāsa mit Lauten an Kehle, beiden Brüsten, Schultern, Gesicht, Nabel und Brustmitte sowie Bindu und Mond. Die Schlusswendung spricht vom längeren Spiel mit als eigen vergegenwärtigten Kugeln. [Mehrere Laut- und Körperzuordnungen sind so beschädigt, dass die genaue Übung nicht zuverlässig rekonstruiert werden kann.]
27.24 Mit Bandhujīva wird eine vom Feuerlaut gefolgte Mantrafigur gezeichnet; Feuer wird eingesetzt und ordnungsgemäß verehrt. Hundertacht Ghee-Opfer und deren geweihte Reste werden mit einem Dreimetall-Träger verbunden. Besprochen soll dies Unheil, Gift, Vetālas und Geister abwehren. [Die Verbindung von Träger und Opfer ist verkürzt überliefert.]
27.25 Im Mittelteil einer Feuerfigur schreibe man den Mantra mit dem Zielnamen; an die sechs Ecken kommen die Glieder-Mantras, auf die Blätter die aufgeteilten Bīja-Laute. Drei Umfassungen tragen Vokale sowie die mit Ka und Ya beginnenden Gruppen; Narasiṃha steht an den Erdecken. Die Gefäßweihe darauf soll umfassend schützen.
27.26 Eine andere Schutzfigur setzt den von Kalās umgebenen Mantra in den Ṭa-Endlaut, darum zwei Feuerhäuser mit Feuer an den Ecken, einen Sonnenkreis mit Konsonanten und zwei Erdumfassungen mit Narasiṃha an den Ecken. Sie gilt gegen Besessenheit, Krankheit, schweres Gift und Fieber.
27.27 In zwei Feuerfiguren schreibe man diesen Cintāmaṇi samt Zielname, an die Ecken die mit Feuer beginnenden Konsonanten, in sechs Verbindungen Vokalpaare. Praṇava und Erdumfassung schließen es ein. Mit Kuhdungwasser und Rocanā gezeichnet, mit Lack umhüllt und besprochen, wird es am Kopf angebunden.
27.28 Dieses Yantra soll Fülle, langes Leben, Kräftigung, Glück und Einfluss fördern und vor Dieben, Raubtieren, großen Schlangen, Geistern und Epilepsie schützen.
27.29 Auf einen Ast des Giftbaums mit Spitze schreibe man den Mantra samt Zielname und beabsichtigter Handlung in zwei Feuerfiguren, außen Feuerflammen. Nach eintausendacht Wiederholungen in Narasiṃha-Vorstellung schlafe man dort. Feinde, Tiger, Eber, Räuber und Piśācas sollen fernbleiben.
27.30 Von Siddhas und Göttern verehrt, soll dieser Mantra alle Lebensziele erschließen, Besessenheit, Fieber, Krankheit, Gift und sich ausbreitende Leiden beseitigen. Was bedarf es vieler Worte? Als Wunschjuwel für das Ersehnte ist der vorzügliche Cintāmaṇi-Mantra hier in Kürze gelehrt.
27.31 Der sechste Vokal und Feuer, ihre jeweils vierten Zuordnungen und der erste Vokal bilden einen mit Phaṭ endenden Mantra. Trika wird als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß und Caṇḍeśa als Gottheit genannt. [Die Seherbezeichnung steht in der Vorlage irrtümlich im Zusammenhang mit »Mantra«.]
27.32 Mit Sapta-, Jvala-, Jvālinī-, Ṭaṭa-, Hata- und Sarvajvālinī-Formeln, jeweils mit Phaṭ am Ende, bilde man die Glieder.
27.33 Möge Īśa euch schützen: Die Mondsichel sitzt in seinen Flechten; seine Hände tragen Dreizack, Gebetskette, Wassergefäß und Beil. Rot von Leib und Gewand sitzt er auf einem roten Lotus; drei Augen erhellen sein Lotusgesicht.
27.34 Nach der Einweihung wiederhole der Mantrin den Mantra dreihunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam und Reis, benetzt mit den drei süßen Stoffen.
27.35 Oder er opfere ebenso viele Vyāghāta-Hölzer. Auf dem zuvor beschriebenen Verehrungssitz verehre er Caṇḍeśa mit Düften und weiteren Gaben.
27.36 Man spreche »Caṇḍacaṇḍāya vidmahe«, danach »Caṇḍeśvarāya dhīmahi« –
27.37 – und »tannaś caṇḍaḥ pracodayāt«: »Den gewaltigen Caṇḍa wollen wir erkennen; über Caṇḍeśvara meditieren wir. Möge Caṇḍa uns anregen.« Diese Gāyatrī soll durch Wiederholung seine Gegenwart herbeiführen.
27.38 Mit Gliedern, Müttern und Weltenhütern verehre man ihn. Kūrma mit Viṣṇu und Daṇḍin bezeichnet nach den Kundigen sein Bīja.
27.39 Darauf folgt »Caṇḍeśvarāya«; Bīja am Anfang und Herzformel am Ende bilden den bei Verehrung und weiteren Handlungen verwendeten Mantra.
27.40 Sobald der Mantra durch Wiederholung, Feueropfer und Verehrung vollendet ist, soll mehr Gold als gewünscht erlangt werden.
27.41 So oft der dreilautige Mantra wiederholt wird, ebenso oft wiederhole man den sechslautigen, um diesseitige und jenseitige Vollendung zu erlangen.
27.42 Ein Einflussritus verwendet eine aus Reismehl gefertigte Figur und ein Feuer aus Scheiterhaufenholz. Die süß benetzten Teile werden bei Männern vom rechten, bei Frauen vom linken großen Zeh aus abgetrennt und hundertachtmal geopfert. Der Text schreibt dies der Einflussnahme auf die vier Lebensklassen zu.
27.43 Wer täglich achthundert Blumenopfer mit diesem Mantra darbringt, soll binnen sieben Tagen ein Gewand von der Farbe der verwendeten Blumen erhalten.
27.44 Wer Īśa täglich achthundert Wassergaben mit diesem Mantra darbringt, soll vor Ablauf von vier Monaten große Fülle erlangen.
27.45 Eine Figur aus fein zerriebener Rinde des dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Baums, Mehl und Salz wird rituell belebt, besprochen und sieben Nächte geopfert. Dadurch soll ein Mann oder eine Frau in diesem Leben dauerhaft unter Einfluss geraten; für ein weiteres Leben lässt der Text Zweifel bestehen.
27.46 Wer dieser Caṇḍa-Mantra-Ordnung vorschriftsmäßig und mit Achtung dient, soll hier das Erwünschte und jenseits die Gestalt Śivas erlangen.
Kolophon: Hier endet der 27. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
28. Paṭala
Orientierung: Gayatri.
28.1 Die alle Ziele umfassende Śakti, verbunden mit den vierundzwanzig Wirklichkeitsprinzipien, heißt auch Gāyatrī. Nun erkläre ich ihre besonderen Anwendungen mit den Gliedern.
28.2 Praṇava, die sieben Vyāhṛtis und der Gāyatrī-Mantra samt seiner Kopfformel bilden diese sinnvolle Einheit. Die Vedakenner nennen sie die Essenz des Veda.
28.3 Nach dem historischen Berechtigungssystem des Textes sollen die nach diesseitiger und jenseitiger Vollendung strebenden Zweimalgeborenen diesen Mantra wiederholen: Brahmanen, Könige beziehungsweise Krieger und Angehörige der dritten Lebensklasse.
28.4 Für die aus als rein angesehenen Familienlinien Stammenden beginnt diese Verehrung mit der Einsetzung der heiligen Schnur. Die höchste Gāyatrī mit Praṇava, Vyāhṛtis und Kopfformel wird täglich durch Dämmerungsritual, Wiederholung, Schriftrezitation, Atemregelung und Meditation verehrt.
28.5 Praṇava entsteht aus Urnatur und Entfaltung, steigt vom Grundzentrum summend wie eine Biene durch die Suṣumnā empor und folgt den sieben Klangstufen bis Śānta. Rein gelangt er bis zum Scheitel; ewig ist er innen und außen.
28.6 Die Entfaltung des Praṇava wurde bereits erklärt. Nun folgen die sieben Vyāhṛtis der Reihe nach: Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ, Mahaḥ, Janaḥ, Tapaḥ und Satyam.
28.7 Die erste lautet Bhūḥ. Das Wort verweist auf Sein; das mit »Tat« bezeichnete wird als Sat, Sein, erklärt. Weil es reines Sein ist, heißt es Bhūḥ.
28.8 Bhuvaḥ wird aus dem Hervorgebrachtsein und dem Ursachesein erklärt. Svaḥ bezeichnet das Aufnehmen von allem in sich und das eigene Selbstsein.
28.9 Mahaḥ heißt so aufgrund seines Glanzes und seiner Größe. Dasselbe ist die Gesamtheit aller Geschöpfe; darum heißt die nächste Vyāhṛti Janaḥ.
28.10 Tapaḥ wird als Erkenntnis und als Erhitzung erklärt. Satyam bezeichnet Höchstes, Selbstsein und unendliches Wissen.
28.11 Nun folgt die Beziehung zum Praṇava: A ist Bhūḥ, U ist Bhuvaḥ und Ma ist Svaḥ.
28.12 Bindu ist Mahaḥ, Nāda ist Janaḥ, Śakti ist Tapaḥ und Śānta ist Satyam, jener allerhöchste Zustand.
28.13 Nun wird die Einheit von Praṇava, Vyāhṛtis und Gāyatrī erläutert. Zuerst wurde auch hier das Wort »Tat« genannt; dieses wird nun erklärt.
28.14 »Tat« steht im Akkusativ Singular. Es bezeichnet das lichtförmige, in der Sonnenscheibe zu meditierende Prinzip, die Ursache von Schöpfung und den weiteren Vorgängen aller Dinge –
28.15 – die höchste Freude, das höchste Brahman. »Savituḥ« steht im Genitiv Singular –
28.16 – und stammt von einer Wurzel, die das Hervorbringen von Lebewesen bezeichnet: »des Hervorbringers aller Arten von Lebewesen«.
28.17 »Vareṇyam« bedeutet wählenswert, verehrungswürdig, von allen aufzusuchen und zu erbitten.
28.18 Dem ersten achtlautigen Viertel beziehungsweise Abschnitt wird Bhūḥ zugeordnet. »Bhargas« wird durch das Zerschlagen von Verfehlung und die liebevolle Zuwendung zu den Verehrenden erklärt.
28.19 »Devasya« bezeichnet den Gott, der beständig mit Eigenschaften wie dem Spenden von Regen versehen ist und mit mächtigem Licht erstrahlt.
28.20 »Dhīmahi« wird von der Wurzel dhyai, »denken, meditieren«, abgeleitet. Mit dem göttlichen Auge der Erkenntnis, das durch die heilige Überlieferung erschlossen wird –
28.21 – ist der goldene Gott sichtbar, der beständig in der Sonne wohnt. Golden heißt er, weil sein Licht von keinerlei Mangel berührt ist.
28.22 »Jener Feine bin ich« – so meditieren wir beständig. Dem zweiten achtlautigen Abschnitt wird Bhuvaḥ zugeordnet.
28.23 »Dhiyaḥ« bedeutet die Erkenntniskräfte. Das Relativpronomen »Yaḥ« wird aufgrund der vedischen Sprachform und ihrer besonderen Beugungsfreiheit erklärt; dabei liegt ein Wechsel des grammatischen Geschlechts vor.
28.24 Gemeint ist jenes unvergleichliche Licht, dessen Wesen alle Gottheiten umfasst und das die Verfehlungen seiner Verehrenden beseitigt.
28.25 »Naḥ« ist hier die verkürzte Genitivform des Pronomens und bedeutet »unser«. »Pracodayāt« drückt die Bitte aus: »Möge es anregen.«
28.26 Dem dritten achtlautigen Abschnitt entspricht Svaḥ. So werden zehn Wörter und drei Abschnitte zu acht Lauten gezählt.
28.27 Auch vier Abschnitte zu sechs Lauten ergeben die vierundzwanzig Laute. Dieses Wesen des göttlichen, alles durchdringenden Savitṛ –
28.28 – das höchste, wählenswerte, Verfehlung beseitigende Licht meditieren wir. Möge es unsere Erkenntniskräfte anregen.
28.29 Damit ist die Gāyatrī erklärt; nun folgt ihre Kopfformel. »Wasser, Licht, Essenz« bezeichnet die Kräfte von Mond und Feuer.
28.30 Die ganze Welt besteht aus dieser Verbindung von Saft und Licht. Weil sie unvergänglich ist, heißt sie Amṛta; weil sie Brahman ist, heißt sie Brahman.
28.31 Das glückselige Brahman, gekennzeichnet durch Wahrheit und Wissen, wird als Bhūr Bhuvaḥ Svar bezeichnet. Oṃ wird im Sinn von »Er bin ich« erklärt.
28.32 Weil diese Formel der Kopf der Veda-Essenz ist, heißt sie »Kopf«. Wer nach den genannten Merkmalen in der Essenz des Veda gegründet ist –
28.33 – erlangt als Fruchtsuchender die Frucht und als Befreiungssuchender Befreiung. Der Zweimalgeborene stehe vor Tagesanbruch auf und vollziehe die Reinheitshandlungen.
28.34 Er reinige Zähne und Zunge, bade und vollziehe das rituelle Wasserschlürfen mit mantra-geweihtem Wasser.
28.35 Mit den drei Ṛg-Versen, beginnend »Āpo hi ṣṭhā mayo«, besprenge er sich, reinige den Leib und trinke gesammelt Wasser.
28.36 Mit dem Abschnitt »Sūryaś ca« schlürfe er erneut Wasser, besprenge sich wie zuvor und nehme mit reinen Händen eine Handvoll Wasser.
28.37 Der Sonne zugewandt, mit erhobenem Blick und ganz auf sie gerichtetem Geist, vergegenwärtige er das höchste Licht, die Veda-Essenz, den Ursprung und das Höchste über allem –
28.38 – das höchste Selbst, im Herzen aller Welten und in der Sonnenscheibe ruhend. So werfe er das Wasser empor.
28.39 Diese Wasser sollen Verfehlungen beseitigen und die Welt stärken. Danach umschreite man nach rechts und vollziehe erneut gesammelt das Wasserschlürfen.
28.40 Der Kundige lege der Reihe nach die Seher und weiteren Zuordnungen der mit Praṇava beginnenden Mantras nieder. Für Praṇava ist Prajāpati der Seher.
28.41 Devī-Gāyatrī ist sein Versmaß und das höchste Selbst seine Gottheit. Für die Vyāhṛtis beginnen die Seher mit Jamadagni, Bharadvāja, Bhṛgu, Gautama und Kāśyapa –
28.42 – gefolgt von Viśvāmitra und Vasiṣṭha. Die Versmaße sind Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī und Paṅkti –
28.43 – sowie Triṣṭubh und Jagatī. Die Gottheiten beginnen mit Agni, Wind, Sonne, Vācaspati, Varuṇa und Indra –
28.44 – gefolgt von den Viśvedevas als siebter Gottheit. Der Reihe nach werden die Vyāhṛtis auf Herz, Gesicht, beide Schultern, beide Oberschenkel und Bauch gelegt.
28.45 Viśvāmitra ist der Seher der Gāyatrī, sie selbst das Versmaß und Savitṛ die Gottheit. Für die Kopfformel gilt Brahmā als Seher.
28.46 Devī-Gāyatrī ist deren Versmaß und das höchste Selbst ihre Gottheit. An den zuvor genannten Stellen lege man die Vyāhṛtis mit Praṇava nieder.
28.47 Dreimal wiederhole man Gāyatrī samt Kopfformel; dies heißt Upāsanā. Im Herzen, unten, oben und in den Hauptrichtungen –
28.48 – breite man die Vyāhṛtis und die Gāyatrī samt Kopf aus. Dreimal mit Erinnerung an ihre Bedeutung wiederholt, bildet dies die Form des Japa.
28.49 Von unten, oben und aus den Richtungen führe man sie in sich selbst zurück und wiederhole Gāyatrī wie zuvor. Dies ist die Form des Svādhyāya.
28.50 Diese drei Verfahren vollziehe man je dreimal, mit aufrechtem Leib, ungeteilter Aufmerksamkeit und angehaltenem Atem. Die Kundigen bezeichnen dies als Prāṇāyāma.
28.51 Die reine Meditation wurde bereits in der Erklärung des Mantras dargestellt. Zu den Dämmerungszeiten übe man Gāyatrī mit den drei Vyāhṛtis am Anfang.
28.52 Hundert- oder tausendmal wiederhole man, den Geist auf den Mantrasinn gerichtet. Die zuvor beim Prapañca-Opfer gelehrten Gaṇapati-Wiederholungen –
28.53 – den Buchstaben-Nyāsa mit seinen Gliedern und den großen Nyāsa samt jeweiligen Sehern und weiteren Zuordnungen vollziehe der Kundige ordnungsgemäß.
28.54 Als Körperstellen werden Füße, die vier Beingelenke, Geschlechtsbereich, Nabel, Herz, Kehle, beide Arme und ihre Gelenke, Mund, Nase, Wangen, Augen, Ohren, Brauen und Kopf genannt –
28.55 – ferner die nach Westen, Norden, Süden, Osten und oben gerichteten Gesichter. Der Reihe nach lege der Mantrakundige die Gāyatrī-Laute darauf.
28.56 Die Wörter lege man der Reihe nach auf Kopf, Brauenmitte, Augen, Gesicht, Kehle, Herz, Nabel, Geschlechtsbereich, Knie und Füße.
28.57 Mit Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva und Sarvātman vollziehe man gesammelt den Glieder-Nyāsa. [Der Anfang des Verses ist beschädigt.]
28.58 Nach dieser Vorbereitung wiederhole der Eingeweihte Gāyatrī zur Vollendung. Auf dem zuvor beschriebenen schönen dreifachen Maṇḍala –
28.59 – verehre man den solaren Sitz mit den zuvor genannten Śaktis und stelle das Gefäß mit den üblichen Darbringungen darauf.
28.60 Man fülle es mit den fünf Kuhprodukten oder den Absuden, rufe darin die Śakti herbei und meditiere sie so:
28.61 Möge Tāriṇī euch das Erwünschte erschließen: Ihre Gesichter leuchten in den Farben von Mandāra, Rocanā, Augenschminke und Japā; Mondsichel und Juwelenkrone strahlen. Ihr Leib ist aus vierundzwanzig Lauten gestaltet. Sie trägt Lotusse, Diskus, Muschelhorn, Gebetskette, Schädelschale, Schlinge und Haken und zeigt Erfüllung und Furchtlosigkeit. [Die Farbliste ist nicht eindeutig auf alle Gesichter verteilt.]
28.62 Nach dieser Vergegenwärtigung der Lichtquelle verehre man zuerst die drei Śakti-Gestalten. In der zweiten Umfassung folgt der Sonnengott mit den vier Sonnenkräften.
28.63 Der Reihe nach verehre man Prahlādinī, Prabhā, Nityā, Viśvambharā, Vilāsinī, Prabhāvatī, Jayā und Śāntā.
28.64 Danach Tamopahāriṇī, Sūkṣmā, Viśvayoni, Jayāvahā, Padmālayā, Parā, Śobhā und Bhadrarūpā.
28.65 Die sechste Umfassung enthält die Mütter und die mit Aruṇa verbundenen Gestalten; die siebte die Planeten bis zum Sonnengefolge, die achte Indra und die übrigen Götter.
28.66 So ist diese höchste Ordnung der Umfassungen gelehrt. Mit Duft und den weiteren Gaben bis zur Speisung verehre man den Sonnengott sorgfältig.
28.67 Der Lehrer vollziehe danach das Weihebad des gesammelten Schülers, nachdem dieser Feueropfer und Bali ordnungsgemäß ausgeführt und die Lehrergabe überreicht hat.
28.68 Danach wiederhole der Selbstbeherrschte Gāyatrī hunderttausendmal je Laut. Er opfere Milchreis, Sesam, Ghee, Dūrvā und Hölzer milchsaftführender Bäume –
28.69 – von jedem dreitausend Gaben, für das Erwünschte und die Befreiung. Mit vorzüglichem reinem Sesam opfere man tausendmal je Laut.
28.70 Dies dient der Beseitigung von Verfehlung und langem Leben. Wer langes Leben wünscht, opfere Milchreis, Opferspeise mit Ghee und reines Ghee –
28.71 – sowie Dūrvā und Sesam, insgesamt beziehungsweise jeweils in der genannten Dreitausenderzahl. Ferner werden zehntausend rote Lotusse mit den drei süßen Stoffen genannt.
28.72 Selbst wer seine Fülle verloren hat, soll wieder anmutig und eine Wohnstätte Lakṣmīs werden. Für Nahrung opfere man Speise, für geistlich-vedischen Glanz Palāśa; für alle Früchte verwende der kundige Zweimalgeborene sämtliche genannten Stoffe.
28.73 Damit ist das höchste Geheimnis, die Essenz der Veda-Essenz, erklärt, den gereinigten Yogins in Meditation zugänglich. Wer ihm bei Wiederholung, Feueropfer und Meditation so dient, wird gereinigt und erlangt durch seine Handlungen Befreiung.
Kolophon: Hier endet der 28. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
29. Paṭala
Orientierung: Trishtubh-Vidya und Anwendungen.
29.1 Nun erkläre ich die vorzügliche Ordnung der Triṣṭubh-Vidyā mit Seher, Versmaß, Gottheit und der Folge des Glieder-Nyāsas.
29.2 Kāśyapa, der Sohn Marīcis, ist der Seher; Triṣṭubh selbst das Versmaß und Jātavedas-Agni die Gottheit. Nun folgen die Glieder.
29.3 Mit neun, sieben, sechs, sieben, acht und sieben Lauten des Grundmantras bilde man der Reihe nach die sechs Glieder.
29.4 Die Laute werden an großen Zehen, Knöcheln, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln, Hüften, Geschlechtsbereich, Nabel, Herz, Brüsten, beiden Seiten und Rücken –
29.5 – ferner an beiden Schultern und ihrer Mitte, Achseln, Oberarmen, Ellbogen, Unterarmen, Handgelenken und Handflächen –
29.6 – sowie an Gesicht, Nase, Augen, Ohren, Kopf, Hinterkopf und Scheitel niedergelegt, in vorwärts oder rückwärts laufender Folge.
29.7 Die Wörter der Triṣṭubh lege man der Reihe nach auf Haarschopf, Stirn, Augen, Ohren, Lippen, Zunge, Arme, Herz, Bauch, Hüften, Geschlecht, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße. [Ein Ohrbezug erscheint in der Vorlage doppelt.]
29.8 Möge die feurige Kātyāyanī euch das Erwünschte schenken: Mit drei leuchtenden Augen sitzt sie auf einem blitzartig strahlenden, furchtbaren Löwen. Sie trägt Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeil, Bogen und Dreizack und erhebt den Gegnern drohend den Zeigefinger. Waffen- und schildtragende junge Frauen umgeben sie, geschickt im Kampf.
29.9 Nach diesem Körper-Nyāsa vollziehe man Wiederholung und weitere Handlungen. Zuvor wird die Einweihung durch vorzügliche Lehrer ordnungsgemäß durchgeführt.
29.10 Danach folgen die Waffenform und die besonderen Anwendungen. Zuerst werden die Namenslaute des Einzuweihenden von Śakti umgeben –
29.11 – dann errichtet man ein sechsfaches Yantra mit Du-Lauten an den Ecken und außen einen achtblättrigen Lotus mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
29.12 Darin verehre man den Sitz mit seinen neun Śaktis. Die Liste beginnt mit Jayā, Vijayā, Bhadrā, Bhadrakālī und Durmukhī –
29.13 – danach folgen Vyāghramukhī, Siṃhamukhī, Durgā und Triṣṭubh. Man stelle das Gefäß auf und fülle es mit einem der göttlichen Absude, Kuhurin, Milch oder Wasser.
29.14 Darin rufe man Agni herbei. Außerhalb der Gliederumfassung verehre man die aus den acht mit dem Feuerlaut beginnenden Abschnitten hervorgegangenen Gestalten –
29.15 – Jātavedas und die weiteren Feuergestalten. Erde, Wasser, Feuer und Wind werden jeweils mit »Ātman« verbunden –
29.16 – und in den Richtungen verehrt; in den Ecken Nivṛtti und die übrigen. In jeder Richtung stehen elf der mit Jāgatā beginnenden Buchstabenkräfte.
29.17 Danach verehre man die Weltenhüter nach der Regel. Die Kräfte beginnen mit Jāgatā, Tāpinī, Vedagarbhā und Dāhanarūpiṇī –
29.18 – Indukhaṇḍā, Śumbhahantrī, Nabhaścāriṇī, Vāgīśvarī, Madavahā, Somarūpā und Manojavā –
29.19 – Marudvegā, Rātri, Tīvrakopā, Yaśovatī, Toyātmikā, Nityā, Dayāvatī und Hāriṇī –
29.20 – Tiraskriyā, Vedamātā, Damanapriyā, Samārādhyā, Nandinī, Parā und Ripuvimardinī –
29.21 – Ṣaṣṭhī, Daṇḍinī, Tigmā, Durgā, Gāyatrī, Niravadyā, Viśālākṣī, Śvāsodvāhā und Nādinī –
29.22 – Vedanā, Vahnigarbhā, Siṃhavāhā, Dhuryā, Durviṣahā, Riraṃsā und Tāpahāriṇī –
29.23 – sowie Tyaktadoṣā und Niḥsapatnā: insgesamt vierundvierzig. Nach dem Weihebad des Schülers nehme der Lehrer die Gefäße und übrigen Gaben an sich.
29.24 Auf einem solchen Yantra sitzend, wiederhole der beherrschte Schüler in Gegenwart des Lehrers den Mantra tausendmal je Laut zur Vollendung.
29.25 Bei allen solchen Wiederholungen wird die doppelte Zahl an Gāyatrī-Wiederholungen vorgeschrieben, für das Erwünschte, Schutz und Gelingen der Handlung.
29.26 Opfer mit Sesam, Senfsamen, Feuerholz, Hölzern milchsaftführender Bäume, Opferspeise und Ghee, mit Ghee benetzt und der Reihe nach dargebracht, sollen das Erwünschte verwirklichen.
29.27 Mit diesen Stoffen werden insgesamt viertausendvierhundertvierundvierzig Opfer genannt.
29.28 Erst nach solcher Vollendung des Mantras gelten Waffenanwendungen und weitere Handlungen als zulässig. Die Waffenform umfasst vierundvierzig Laute.
29.29 Die Weisen nennen das Rückwärtslesen der Laute »Waffe«. Die acht Abschnitte bilden die acht Glieder des Mantras.
29.30 Wer diesen Mantra wiederholen will, lese auch die Abschnitte rückwärts; so soll ein durch fremde Einwirkung verunreinigter Mantra gereinigt werden.
29.31 Die ersten drei Abschnitte besitzen je fünf Laute, der vierte sieben, der fünfte und sechste je sechs und die letzten beiden je fünf. Nun wird ihre Bedeutung erklärt.
29.32 Der erste, mit dem Feuerlaut beginnende Abschnitt steht für die Erkenntnissinne, der zweite für die fünf Elemente, der dritte beziehungsweise folgende für die sieben Körperstoffe und die sieben Laute. [Die Zuordnung von drittem und viertem Abschnitt ist in der Vorlage unstimmig.]
29.33 Der fünfte steht für die sechs Wellen des Daseins, der sechste für die sechs Hüllen; der siebte und achte für die Sinnesgegenstände, beginnend mit Klang, und die Handlungsvermögen, beginnend mit Rede.
29.34 Mit Gliedern, richtiger Vergegenwärtigung und der vom Lehrer autorisierten Ordnung werden unterschiedliche Vorwärts-, Rückwärts- und Abschlussformen der Wiederholung ausgeführt. Die zugehörigen Meditationen dienen dem jeweiligen Ziel; der Mantra wird als Sonnenaufgang gegen die Finsternis aller Gefahren gepriesen. [Die mittlere technische Aufzählung ist beschädigt.]
29.35 Bei vorwärts gerichteter Wiederholung werden auch die Glieder vorwärts gesprochen; bei rückwärts gerichtetem Verfahren entsprechend rückwärts.
29.36 Bei Umkehr der Abschnitte werden die Glieder ebenso umgekehrt; bei Umkehr der Laute entsprechend auch diese. Die Behandlung der Vokallängen richtet sich nach der jeweiligen Umkehrform. [Die letzte Wendung ist mehrdeutig.]
29.37 Die besonderen Vergegenwärtigungen führe der Kundige jeweils nach der Anweisung des Lehrers aus und nicht anders.
29.38 Die Wiederholungszahl gilt wie zuvor, ebenso das Feueropfer mit Hölzern milchsaftführender Bäume, Senfsamen, Sesam, Opferspeise und Ghee.
29.39 Alternativ wird mit einer aus Pañcagavya bereiteten Speise geopfert. Wiederholung und Feueropfer werden gewöhnlich nach Westen gewandt vollzogen.
29.40 Aus den Mantralauten entstehen ebenso viele Feuergottheiten. Jede wird von fünf weiblichen Gestalten mit gesenkten Brauen umgeben.
29.41 Jede dieser Fünfergruppen ist wiederum von je fünf umgeben; jede weitere Fünfergruppe besitzt eine sechzehnfache Umfassung.
29.42 Jede der sechzehn Gestalten hat zehn Millionen Dienerinnen. So entfaltet sich bereits aus einer einzelnen, sechzehnfachen Buchstabengestalt diese Vielzahl.
29.43 Den weiteren Umfang erschließe man entsprechend. Die aus den Sinnen entstandenen Gottheiten blicken nach oben.
29.44 Die aus den Elementen entstandenen blicken seitwärts; die aus den Körperstoffen werden als beiderlei beziehungsweise menschlich bezeichnet. Die aus den Wellen entstandenen haben aufwärts gerichtete Gesichter, die aus den Hüllen seitwärts gerichtete.
29.45 Die geschlechtslosen Gestalten besitzen zwei Gesichter; die aus den Sinnesbereichen entstandenen gelten als weiblich und schauen nach unten oder seitwärts. So ist die Gestaltenordnung zusammengefasst.
29.46 Durch all diese Flammen des Jātavedas sollen Bäume, Büsche, Gras und anderes in fremden Reichen durchdrungen werden.
29.47 Beim Beginn eines feindseligen Rituals werden menschliche Sternbilder, für die Ausführung asurische und für die Rücknahme göttliche genannt.
29.48 Als göttlich werden die durch Antya, Aśvin, Mond, Sonne, Aditi, Guru, Hari, Mitra und Wind bezeichneten Sternbilder aufgezählt. Die drei Pūrva- und drei Uttara-Sterne sowie Yama, Hara und Brahmā gelten hier als menschlich; die übrigen als asurisch. [Einzelne Sternchiffren sind nicht eindeutig.]
29.49 Man beginne an Nandā-Mondtagen, wende an Riktā-Tagen an und nehme in sich zurück; an Bhadrā- und besonders Jayā-Tagen sammle man die Kraft. Als Wochentage werden Dienstag zum Beginn, Samstag zur Anwendung und Sonntag –
29.50 – zur Rücknahme genannt; die Tage der beiden Lehrer, Jupiter und Venus, dienen der Sammlung. Bewegliche Zeichen werden dem Aussenden, zweifache dem Zurückholen und feste dem Einüben zugeordnet.
29.51 Die Tageswaffe ist mit Sonne und Tagesplanet verbunden. Die von Kṛttikā bis zum Schadensritus reichende Verbindung wird als Kṛtyā-Waffe des Jātavedas bezeichnet. [Die Schlussgliederung ist unklar.]
29.52 Feuer wird als Wesen der Sternbilder, der Mond als Wesen der Mondtage bezeichnet. Mit beiden vollzieht die Sonne Aussendung und Rücknahme.
29.53 Bei Schutzhandlungen blicken die elf Kräfte jeder Richtung mit, bei Niederhaltung gegen die Ausrichtung des Ausführenden. Sie gleichen der Hauptgestalt und tragen die Farben ihrer Laute. Man verehre, wiederhole oder opfere entsprechend vorwärts oder rückwärts.
29.54 Die gelbe Göttin mit Eisenfaust und Keule wird für Stillstellung meditiert; dazu nennt der Text Büffelghee, Pulāka-Körner, Vibhīta- und Ariṣṭa-Holz sowie Kodrava.
29.55 Die reinweiße Göttin mit Schlinge und Haken, von Wasserströmen umgeben, wird mit süß benetztem Vetasa-Holz verehrt; sie soll rasch Regen bringen.
29.56 Die rote Göttin mit Schlinge und Haken wird nachts mit Phalinī- und Kesara-Blüten, benetzt mit Sandelwasser, verehrt; dadurch soll sie die Welt geneigt machen.
29.57 Salz mit den drei süßen Stoffen oder eine daraus gefertigte Figur, nachts mit dem zugehörigen Sternbaumholz geopfert, soll binnen sieben Tagen selbst einen König beeinflussen.
29.58 Für Anziehung wird die tiefrote Durgā mit Schädelschale, Dreizack, Schlinge und Haken meditiert; als Opfer nennt der Text eine süß benetzte Salzfigur.
29.59 Für Entzweiung wird eine rauchfarbene Gestalt mit Stößel und Dreizack genannt, verbunden mit scharf bestrichenen Knochen, Baumwollpflanze, Nimba-Blättern und Schafghee.
29.60 Zur Vertreibung wird die rauchfarbene Göttin mit drohendem Finger und Dreizack beschrieben; der Text nennt Giftbaumblätter mit Büffelghee sowie Pfeffer-, Senf- und Speisegaben mit Ziegenblut.
29.61 Die feuerfarbene Göttin mit Feuer und Dreizack wird mit Senföl, Unmatta-Samen beziehungsweise Pfeffer und Senf verbunden, um Gegner zu verwirren.
29.62 Die schwarze Göttin mit Dreizack und Schwert wird mit Hölzern des Geburtssternbaums des Gegners und wundmachendem Fett verbunden. Der Text behauptet Tod binnen eines Monats.
29.63 Für Tötungsriten werden Sternbaumhölzer, Pfeffer und scharfe Asafoetida-Stücke, benetzt mit Aruṣkara-Öl, genannt.
29.64 Mit Zielname und Handlung beschriftete Sternbaumhölzer werden in einer durch vierundvierzig und Tattva bezeichneten Zahl geopfert; diesem Ritus wird tödliche Wirkung zugeschrieben. [Die genaue Zahlverbindung ist unklar.]
29.65 Pfeffer, Honig und Blütenstaub der Pratyakpuṣpī werden in heißem Wasser vermischt und auf eine Figur aus dem Sternbaumholz gegossen –
29.66 – auf Herz und Gesicht der gegenüber aufgestellten Feindfigur. Der Text behauptet dadurch Fieber und durch ihr Erhitzen den Tod binnen eines halben Monats.
29.67 Dieselbe wiederholt rituell belebte Figur wird mit scharfem Öl bestrichen und bei rückwärts gesprochenem Mantra am Feuer erhitzt.
29.68 Erhitzen wird Fieber, das Opfer einzelner Glieder deren Verlust und das vollständige Opfer dem Tod des Feindes zugeordnet. Dies sind die Schadensbehauptungen des Textes.
29.69 Die zuvor gelehrten Elementlaute werden je zu zehn, paarweise, mit Bindu und Namah, in Mitte und Ecken der Yoni-Figur angeordnet, in den Elementfarben und mit Vajra und den übrigen Zeichen. Mit ihnen und dem Feuer-Mantra sollen Stillstellung und weitere Handlungen ausgeführt werden.
29.70 [Die hier erneut erscheinende verschlüsselte Elementlautliste ist stark beschädigt. Sie entspricht weitgehend der problematischen Liste in 3.71 und erlaubt ebenfalls keine sichere vollständige Bedeutungsübersetzung. Ihr Wortlaut ist in den IAST- und Devanagari-Ausgaben vollständig erhalten.]
29.71 Für Wind werden der als Kapola bezeichnete Laut, Bindu und der fünfte Laut genannt, für Raum Śa und Ha. Der Mantrin soll diese Zuordnungen auch bei anderen Mantras für die jeweiligen Handlungen verwenden.
29.72 Ein weiterer Schadensritus nennt je siebentausend Hölzer von Unmatta, Giftbaum und Netrabaum, mit Senföl oder Büffelghee benetzt, sieben Nächte ab dem achten Tag der dunklen Monatshälfte. Dem Gegner wird dadurch Verwirrung und Tod zugeschrieben.
29.73 Eine Figur aus dem Geburtssternbaum des Gegners wird in Salzwasser mit Asafoetida, Kreuzkümmel und Gift in einem Gefäß gekocht, begleitet vom Feuer-Mantra und Schlägen eines Giftbaumstabs auf ihren Kopf. Der Text behauptet den Tod des Gegners nach sieben Tagen.
29.74 Eine feindselige Meditation stellt den Gegner nackt, kopfüber, ölbenetzt und mit von Schlangen am Sonnenwagen ergriffenen Füßen vor, von Sonnenstrahlen und windgetriebenen Flammen verbrannt. Wasserwerfen und Mantrawiederholung werden dabei als tödlicher Ritus beschrieben. [Ein Beiwort des Gegners ist widersprüchlich überliefert.]
29.75 Sieben Nächte lang in feuchtem Gewand ausgeführte Pfefferopfer mit Senföl und Feuer-Mantra, beginnend in einer Viṣṭi-Zeit, sollen den Gegner mit Fieber, Delirium und Ohnmacht treffen.
29.76 Auf ein Palm- oder Birkenblatt schreibe man den Zielnamen und ringsum den Mantra rückwärts. Das Blatt wird vergraben –
29.77 – darüber Feuer entzündet und nach Verehrung mit Pfeffer geopfert. Der Text behauptet starkes Fieber; das spätere Einlegen ins Wasser soll den Gegner gefügig machen.
29.78 Für rasche Vertreibung wird die löwenreitende Göttin meditiert, wie sie mit feurigen Pfeilen den fliehenden Gegner verfolgt. Dazu werden Wasser zur Sonnenscheibe hin ausgeworfen und der Mantra wiederholt.
29.79 Zum Schutz errichte man im Hof einen Opferplatz, verehre Bhagavatī nach der Nyāsa-Ordnung mit Düften und bringe nachts eine Speise-Bali dar. Die Wiederholung soll Krankheiten und Leiden durch Schadenszauber, Geister, Piśācas und Feinde beseitigen.
29.80 Täglich entzünde und verehre man das Feuer mit Duft und Blumen. Zur Dämmerung wiederholt, gilt dieser Mantra als Wunschbaum für alle ersehnten Vollendungen.
29.81 Nach Westen gewandt werden zu den Dämmerungszeiten Salzgaben mit Blütensaft in der Zahl der Mantralaute geopfert, in der Vorstellung der Einheit mit Agni. Dies soll Gegner rasch zum Weichen bringen.
29.82 Aus reinem Reis und Pañcagavya bereite man Opferspeise und bringe mit Ghee achttausend Opfer dar; die geweihten Reste werden gesammelt.
29.83 Wer diese Reste empfängt, soll umfassenden Schutz erhalten. Die übrigen werden im Hof, im Haus und am Eingang vergraben.
29.84 Schadenszauber soll dort vergehen, fremde Einflüsse sollen sich aus Furcht fernhalten. Die zornige Schadenskraft werde nach der Behauptung des Textes auf ihren Urheber zurückgeworfen.
29.85 Auf eine Platte aus Brahmanenbaum-Holz zeichne man sieben mal sieben Felder. Die Eckfelder bleiben ausgespart; in die Mitte kommt das Māyā-Bīja mit der beabsichtigten Handlung.
29.86 In die übrigen Felder schreibe man der Reihe nach die Mantralaute, belebe die Figur rituell, entzünde das Feuer und opfere –
29.87 – achttausend Ghee-Gaben, deren geweihte Reste auf die Platte gelangen. Im umstrittenen Land vergraben, soll sie Bedrängnisse sofort beseitigen.
29.88 Nun wird die Weihe von Sand, Opferspeise, Kuhprodukten, Steinen und Erde erklärt. Für den Schutz von Haus, Stadt und Gebiet gelten beim Sand die Maße Prastha, Āḍhaka und Gefäß. [Die Vorlage liest beim ersten Schutzobjekt »Graha«, wahrscheinlich beschädigt.]
29.89 Man errichte neun Gruben, eine in der Mitte und acht in den Richtungen, und lege die Stoffe der Reihe nach ein, wenn die Sonne in Löwe, Schütze oder Widder steht.
29.90 Als Termine werden der dunkle achte Mondtag und die Sternbereiche Viśākhā, Kṛttikā und Mūla genannt. Alle Wochentage außer Samstag und Donnerstag gelten als günstig.
29.91 Auch unter Hasta, Śravaṇa, Maghā und dem Brahmā zugeordneten Stern vollziehe man die Handlung. Zwölftausend Gāyatrī-Wiederholungen werden wie zuvor vorgeschrieben.
29.92 In der Mitte wird mit dem Grundmantra eingesetzt, in den acht Richtungen mit den Waffen vom Diskus bis zur Schädelschale, jeweils gesondert und ordnungsgemäß.
29.93 Nach der Verehrung der jeweiligen Gottheiten bringe man Bali für Tage, Planeten, Karaṇas, Weltenhüter und Tierkreiszeichen dar.
29.94 Wer sechzehn Kuḍuva Sand, mit Kuhprodukten versehen, in einem Gefäß aus Brahmanenbaum-Holz ordnungsgemäß niederlegt, soll den betreffenden Ort binnen vier Jahren zu einem Dorf machen.
29.95 Wenn die Sonne im Widder steht, sammle man reinen Sand an einem wasserreichen, zum Meer fließenden Fluss, trockne ihn in der Sonne und reinige ihn mit einer Worfel. Danach gebe man ihn in bereitetes Pañcagavya im Gefäß und röste ihn über dem mantra-geweihten Feuer aus Brahmanenbaum-Holz für das gewünschte Ziel.
29.96 Ebenso werden Erde, Steine und Opferspeise mit Pañcagavya geweiht und eingesetzt. Sie sollen Streit um Land beseitigen und dessen Gedeihen fördern.
29.97 Reis, gekochte Speise, Milch, Hölzer milchsaftführender Pflanzen und Ghee, mit den drei süßen Stoffen versetzt, werden durch Feueropfer als Quelle großen Wohlstands beschrieben.
29.98 Was immer ein Mensch wünscht, soll durch die Macht dieses Mantras erreichbar sein. Selbst die Erde mit Planeten und Sternen, Bergen, Städten, Dörfern und Wäldern –
29.99 – und das Meer mit Schlangen, Fischen und Steinen könne der Kundige damit mühelos verbrennen und ebenso wieder aufrichten. Wer vermöchte die Macht dieses Mantras vollständig zu beschreiben? [Dies ist die kosmische Überhöhung des Textes.]
29.100 Darum wiederhole der Selbstbeherrschte diesen vorzüglichen Mantra täglich für das Erwünschte, opfere und verehre mit Achtung. Hingebungsvoll vollziehe er Weihebad und die übrigen Handlungen; bei allem weiteren Tun bleibe sein Geist ihm zugewandt.
Kolophon: Hier endet der 29. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
30. Paṭala
Orientierung: Tryambaka-Anushtubh und weitere Ritualanwendungen.
30.1 Nun erkläre ich in Kürze die Ordnung des hochverehrten Anuṣṭubh-Mantras mit Seher und weiteren Zuordnungen, Gliedern, Einweihung, Wiederholung, Verehrung und Feueropfer.
30.2 Vasiṣṭha ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Rudra die Gottheit. Der Mantra beginnt mit »Tryambaka«; aus ihm werden die sechs Glieder gebildet.
30.3 Drei Laute bilden das Herz, vier den Kopf, acht den Haarschopf, neun den Schutz, fünf die Augen und drei die Waffe.
30.4 Die Laute werden auf die nach Osten, Westen, Süden und Norden gerichteten Gesichter und den Scheitel gelegt, dann auf Gesicht, Brust, Kehle, Schultern, Nabel, Herz, Rücken, Bauch, Geschlecht, After, Oberschenkel, Knie, Brüste, Seiten, Füße, Hände, Nase und Kopf; die Folge wird auch von unten nach oben ausgeführt. [Einige Körperbezeichnungen sind beschädigt.]
30.5 Eine weitere Reihe führt über Zehenspitzen und Gelenke, After, Grundzentrum, Bauch, Herz, Kehle, Armgelenke und Fingerspitzen, Mund, beide Nasenseiten, Augen, Ohren, Brauen und Kopf.
30.6 Nach dem Buchstaben-Nyāsa lege man die Wörter auf Kopf, Brauen, Augen, Gesicht, Kehle, Herz, Bauch, Geschlechtsbereich, Oberschenkel, Knie und Füße.
30.7 Mit Vasiṣṭha, Tryambaka, Trinetra und »dem Anuṣṭubh-Versmaß«, jeweils mit den zugehörigen Abschlussformeln, vollziehe man den Glieder-Nyāsa. [Die Liste ist gegenüber sechs Gliedern verkürzt.]
30.8 Möge der Gott euch Fülle schenken: Auf einem reinen weißen Lotus sitzend, hält er mit zwei Händen ein volles Gefäß im Schoß, mit zwei weiteren Veda und Gebetskette und mit zwei weitere stets gefüllte Krüge. Mit dem übrigen Handpaar hebt er diese über sein mondgeschmücktes Haupt und übergießt den Leib; reiner Schmuck erhellt ihn.
30.9 Auf dem beim Prāsāda-Mantra gelehrten Sitz stelle man das Gefäß auf, fülle es mit Kuhprodukten oder Absuden milchsaftführender Bäume, rufe Maheśa hinein und verehre ihn hingebungsvoll.
30.10 Die erste Umfassung bilden die Glieder, die zweite acht mit der Sonne beginnende Gestalten. Vier weitere bestehen aus den Mantrabuchstabenkräften; dann folgen Richtungsherren und Waffen.
30.11 Die acht Gestalten sind Sonne, Mond, Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Selbst. So ist die vorzügliche Anuṣṭubh-Ordnung mit acht Umfassungen gelehrt.
30.12 Die Kräfte beginnen mit Ramā, Rākā, Prabhā, Jyotsnā, Pūrṇā, Uṣā, Pūraṇī, Sudhā, Viśvā, Vidyā, Sudhā, Prahvā, Sārā, Sandhyā, Śivā und Niśā.
30.13 Es folgen Ārdrā, Prajñā, Prabhā, Medhā, Kānti, Śānti, Dyuti, Mati, Parā, Umā, Pāvanī, Padmā, Śāntā, Medhā, Jayā und Amalā.
30.14 Diese zweiunddreißig Śaktis des Anuṣṭubh-Mantras stärken durch Śivas Macht beständig die Welt. [Wiederholte Namen sind nach der Vorlage beibehalten.]
30.15 Nach dieser Maheśa-Verehrung vollziehe man das Weihebad des Schülers mit dem Gefäßwasser. Dieser ehre den Lehrer mit Gold, Gewändern und Edelsteinen und nehme den übermittelten Mantra auf.
30.16 Man wiederhole hunderttausendmal. Am Ende werden Bilva, Palāśa, Khadira, Vaṭa, Sesam, weiße Senfsamen, Milchreis und Milch –
30.17 – ferner Dickmilch und Dūrvā als zehn Opferstoffe genannt, jeweils mit Ghee. Von jedem opfere man tausendmal und bewirte danach die Brahmanen.
30.18 So wird der Mantra vollendet, und der Übende gilt als zu seinen Anwendungen befähigt. Zehntausend Bilva-Opfer sollen große Fülle bringen.
30.19 Ebenso viele Opfer mit Brahmanenbaum-Holz sollen reiche Fülle gewähren; zehntausend Khadira-Hölzer den gewünschten Glanz, Kraft und Kräftigung.
30.20 Zehntausend Nyagrodha-Hölzer sollen rasch Geld und Getreide vermehren; zehntausend Sesamopfer von vorzeitigem Tod und Verfehlung befreien.
30.21 Zehntausend Senfsamenopfer werden als Abwehr von Feinden und vorzeitigem Tod beschrieben. Milchreisopfer sollen höchste Fülle, langes Leben und Ruhm bringen.
30.22 Milchopfer sollen Schönheit verleihen, fremden Schadenszauber beseitigen und Fülle bringen. Dickmilchopfer gelten als Nahrung und Zuneigung fördernd.
30.23 Zehntausend Dūrvā-Opfer sollen Krankheiten und vorzeitigen Tod vertreiben, sodass der Brahmane hundert Jahre lebt. [Ein Beiwort des Übenden ist beschädigt.]
30.24 Wer am eigenen Geburtstag hundertzwanzig Gaben von Milchreis oder Dreierbündeln Dūrvā mit Milch und Ghee opfert, soll lange Gesundheit und Lebensdauer erlangen.
30.25 Wer langes, krankheitsfreies Leben wünscht, opfere dreihundert beziehungsweise dreitausend Kāśmarya-Hölzer zusammen mit Ghee und Milchreis, bewirte die Brahmanen und ehre die Lehrer sorgfältig. [Die Zahlenverbindung ist nicht eindeutig.]
30.26 Nach dem Bad zur Sonne gewandt im Wasser stehend tausend Wiederholungen vollziehen gilt als lebensfördernd. Milchopfer an den Mondwendetagen sollen große Fülle, Puffreis die gewünschte Partnerin und süß benetzte Hölzer milchsaftführender Bäume Einfluss auf alle Menschen bringen.
30.27 Mögen Sonne, Feuer und Mond euch das Erwünschte schenken: Die Sonne ist ganz von den Gāyatrī-Lauten erfüllt, das Feuer besitzt die besondere Größe der Triṣṭubh, und der Mond strahlt mit sämtlichen Anuṣṭubh-Lauten.
30.28 Aus diesen drei vorzüglichen Mantras entsteht der hundertlautige Mantra, eine Wunschkuh für die ersehnten Früchte. Mitfühlende Weise lehrten ihn zum Wohl der Welt; nun erläutere ich ihn in Kürze.
30.29 Seher und weitere Zuordnungen bleiben wie zuvor. Dreizehn Laute bilden das Herz, elf den Kopf, je zweiundzwanzig Haarschopf und Schutz.
30.30 Fünfzehn Laute bilden die Augen, siebzehn die Waffe. Den Nyāsa der einzelnen Mantras vollziehe der Kundige der Reihe nach wie zuvor.
30.31 Möge das höchste, aus den drei Lichtkräften hervorgehende Leuchten euch Vollendung schenken: Es durchdringt alles Bewegliche und Unbewegliche, bringt die Erscheinungswelt hervor und gewährt durch seine Verwirklichung Befreiung. Es liegt in den drei tiefen Formen des Praṇava und wird von der Offenbarung besungen.
30.32 Der hundertlautige Mantra wird hunderttausendmal wiederholt. Danach folgen zehntausend Opfer mit Milchreis und Ghee.
30.33 Auf dem solaren Sitz besteht die erste Umfassung aus den zuvor genannten Gliedern; drei weitere folgen mit Prahlādinī und den übrigen Kräften.
30.34 Die fünfte enthält Jāgatā und die übrigen wie bei Triṣṭubh; vier weitere folgen mit den beim Anuṣṭubh genannten Kräften. Die zehnte besteht aus Indra und den anderen.
30.35 So lehren die Kundigen die Verehrung des hundertlautigen Mantras mit zehn Umfassungen, zur Erfüllung der Wünsche und zur Befreiung aus dem ganzen Daseinskreislauf.
30.36 Für langes Leben opfere man tausend milchbenetzte Amṛtā-Stücke, Dreierbündel Dūrvā mit Milch und Ghee oder reines Ghee. Für Fülle werden rote Kokonada- und Utpala-Lotusse mit den drei süßen Stoffen sowie am selben Tag geöffnete Bilva-Blüten genannt.
30.37 Einen Monat lang opfere der Gesammelte täglich tausend Sesamgaben zur Beruhigung von Verfehlung und bewirte zwölf Brahmanen hingebungsvoll mit verschiedenartigen wohlschmeckenden Speisen.
30.38 Wer jeden Morgen eifrig hundert Wiederholungen dieses hundertlautigen Mantras vollzieht, soll gesund, reich und glücklich hundert Herbstzeiten leben.
30.39 Wer diesen Mantra wiederholt, soll alle Wünsche erlangen und jede als Waffe oder anderes bezeichnete Anwendung verwirklichen.
30.40 Für diesseitige und jenseitige Vollendung wiederhole man täglich die hundertlautige Formel mit Praṇava und Vyāhṛtis am Anfang sowie Vyāhṛtis und Praṇava am Ende.
30.41 Zur Beruhigung von Verfehlung beginne man mit dem »Tat«-Abschnitt, für krankheitsfreies langes Leben mit Anuṣṭubh, zur Vernichtung von Gegnern mit Triṣṭubh. Ein Jahr lang erfolge dies täglich morgens mit klarem, gesammeltem Geist.
30.42 Damit ist die Ordnung des hundertlautigen Mantras in Kürze erklärt. Täglich und unermüdlich übe man ihn in Abgeschiedenheit für Wunscherfüllung, guten Ruf, langes Leben, Zuneigung der Menschen und dauerhafte Fülle.
30.43 Nun erkläre ich die Ordnung des Saṃvāda-Sūkta mit Gliedern und Göttergestalt, die den Übenden täglich das Erwünschte gewähren soll.
30.44 Saṃvanana ist der Seher, Anuṣṭubh und Triṣṭubh sind die Versmaße. Der Text nennt die mit Saṃvāda und Saṃjñāna beginnenden Abschnitte; Agni ist die Gottheit.
30.45 Brahmā bildet das Herz, Viṣṇu den Kopf, Rudra den Haarschopf, Īśvara den Schutz, Sadāśiva die beiden Augen und Sarvātman die Waffe. So werden die sechs Glieder gelehrt.
30.46 Verneigt euch vor dem Göttermund Agni, dem rasch Eintracht bewirkenden Prinzip: Er sitzt in einer Mondscheibe auf einem weißen Lotus, trägt Schlinge und Haken und zeigt Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Reinweiß wie Mond und Milch besitzt er drei Augen.
30.47 Nach der Einweihung wiederhole man vierundvierzigtausendmal und opfere am Ende ein Zehntel mit Milchreis.
30.48 Bei seiner Verehrung folgen zuerst die Glieder, in der zweiten Umfassung die Feuergestalten und danach Indra und die übrigen. So verehre man Agni ordnungsgemäß.
30.49 Nach Vollendung des Saṃvāda-Sūkta führe man die Anwendungen aus. Für Wiederholung oder Opfer werden Vierergruppen und eine mit vierhundert und zehn verbundene Zahl genannt. [Die Zahlphrase ist beschädigt und wird nicht auf eine vermeintlich sichere Summe festgelegt.]
30.50 Für das Erwünschte opfere man Milchreis mit den drei süßen Stoffen, Blüten des Brahmanen- und Königsbaums, Ghee oder Hölzer milchsaftführender Bäume.
30.51 Man verbinde die einzelnen Ṛg-Verse mit Vierergruppen der Kalās und der mit Ka beginnenden Buchstabengruppen; ebenso mit den weiteren genannten Gruppen ab Pa, Ya, Śa und La, und opfere wie zuvor.
30.52 Ebenso verbinde man jeden Ṛg-Vers mit den Viertelversen der Triṣṭubh und opfere Ghee-benetzen Milchreis in der zuvor genannten Zahl, um das Ziel rasch zu erreichen.
30.53 Oder man verbinde jeden Viertelvers mit dem entsprechenden Ṛg-Viertelvers und opfere wie zuvor. Dadurch soll das Erhoffte bald erreichbar werden.
30.54 Die mit den Triṣṭubh-Buchstaben und -Viertelversen verbundenen Sūkta-Verse werden in der vorigen Zahl geopfert, um eine Versammlung zur Eintracht zu bringen; alternativ werden Wassergaben genannt. [Die Schlusslesart lautet wörtlich »mit Worten« und ist unsicher.]
30.55 Auf welches Ziel der Mantrin die genannten Sūktas und drei Mantras richtet, einzeln oder gemeinsam und nach seinen Möglichkeiten ordnungsgemäß verwendet, das soll ihm vollständig und mühelos gelingen.
30.56 Nun folgt ein Varuṇa-Ṛg-Vers im Triṣṭubh-Maß mit Praṇava und dem angegebenen Anfang. Vasiṣṭha ist der Seher, Triṣṭubh das Versmaß und der Herr der Wasser die Gottheit. [Der Versanfang ist nicht eindeutig ausgeschrieben.]
30.57 Mit acht, sieben, sechs und weiteren entsprechend gegliederten Mantralauten bilde man die sechs Glieder. [Die zweite Hälfte nennt die letzten drei Gruppen nur verkürzt.]
30.58 Die Laute werden der Reihe nach auf Fingerspitzen und Gelenke, After, Geschlechtsbereich, Grundzentrum, Nabel, Bauch, Rücken, Herz, Brust, Kehle, Armgelenke und Fingerenden, Gesicht, Wangen, Nase, Augen, Ohren, Brauenmitte und Kopf gelegt und über den ganzen Leib ausgebreitet.
30.59 Möge Varuṇa euch dauerhafte Fülle verleihen: Mit hellem Gewand, Schmuck, Girlanden und Salbung, Schlinge und Haken sowie den Gesten von Furchtlosigkeit und Gabengewährung sitzt er freundlich und reinweiß auf einem klaren Lotus.
30.60 Nach der Verehrung des Wasserherrn mit Gliedern, acht Schlangenfürsten und Richtungsherren vollziehe der Lehrer mit den Gefäßen das Weihebad des mantraübenden Schülers.
30.61 Der Schüler erfreue den Lehrer mit Gaben und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Danach opfere er zehntausend Gaben von in Milch gekochtem Reis mit Ghee.
30.62 Dieser Ṛg-Vers gilt durch Wiederholung, Feueropfer und Wassergaben als schuldenlösend; selbst einem in Not Geratenen soll er rasch erfreuliche Fülle bringen.
30.63 Vier Tage lang opfere man weiße Zuckerrohrstücke mit Ghee, zur Beruhigung aller Bedrängnisse, zur Schuldenbefreiung und für dauerhaften Wohlstand.
30.64 Zehntausend Vetasa-Hölzer mit Kuhmilch, drei Tage morgens geopfert, sollen den erfreuten Varuṇa selbst außerhalb der Regenzeit Regen bringen lassen.
30.65 Wenn die Sonne unter Śatabhiṣaj aufgeht oder an einem Freitag, opfere man vierhundert Milchreisgaben mit Ghee für Schuldenfreiheit, Fülle und menschliche Zuneigung.
30.66 Eine feindselige Anwendung meditiert Varuṇa, wie er den mit Schlinge gebundenen und vom Haken ergriffenen Gegner über das Meer hinausschleudert; dazu wird geopfert oder wiederholt.
30.67 Eine weitere stellt vor, wie er den gebundenen Gegner mit dem Schwert zerschneidet. Vetasa-Holz mit Kuhurin wird dabei als Opfer zur Schädigung genannt.
30.68 Freitags dargebrachte Ghee-benetzte Milchreisopfer gelten dagegen als schuldenlösend, Bedrängnisse beruhigend und Fülle schaffend.
30.69 Zur Abenddämmerung verehre man nach Westen gewandt das Feuer und wiederhole den Ṛg-Vers vierhundertmal zur Beseitigung allen Leidens.
30.70 Vom Fluss aus werden drei Tage je vierhundert Ghee-benetzte Reisgaben geopfert; dies wird als Stillstellung einer gegnerischen Armee beschrieben.
30.71 Oder der Mantrin bringe nach Westen gewandt reine Wassergaben dar. Auch dies soll Bedrängnisse hemmen und Fülle bringen.
30.72 Was bedarf es vieler Worte? Durch Wiederholung, Feueropfer und Wassergaben mit diesem Mantra des mächtigen Schlingenträgers soll der Kundige das Erwünschte rasch erreichen.
30.73 Nun erkläre ich den Salz-Mantra mit Gliedern, Wiederholung, Vergegenwärtigung und Feueropfer. Der Text schreibt ihm bei ordnungsgemäßer Ausführung Einfluss auf die ganze Welt zu.
30.74 Die fünf Ṛg-Verse beginnen mit »Lavaṇāmbhasi«, »Lavaṇe«, »Dehe« und »Sadagdhvā« –
30.75 – sowie als fünfter mit »Yā te«, wie im Atharvan überliefert. Mit diesen fünf Versen werden die fünf Glieder gebildet.
30.76 Oder man bilde sechs Glieder aus den Lautelementen des Ciṭi-Mantras, jeweils mit Praṇava am Anfang: Gruppen von fünf, drei, fünf, fünf –
30.77 – nochmals fünf und vier Lauten, samt den jeweiligen Abschlüssen. Aṅgiras ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß; Agni, Rātri, Durgā und Bhadrakālī werden als Gottheiten genannt. [Die Zahlen stimmen nicht mit der später genannten Vierundzwanzigerzahl überein.]
30.78 Möge Agni euch schützen: rot und auf einem roten Lotus, mit Opferlöffel, Speer, Gabengewährung und Furchtlosigkeit in den Händen; unermesslich strahlend, auf dem Widder fahrend und mit drei leuchtenden Augen.
30.79 Möge die Nachtgöttin euch stets schützen: blau von Leib, mit blauem Gewand und dunklem Haar, mit vollen Brüsten; sie trägt Haken, Schlinge, Dreizack und Schädelschale.
30.80 Möge Kātyāyanī euch schützen: In den Lotushänden hält sie Diskus, Muschelhorn und großen Dreizack. Mit strahlender Krone hat sie viele Dämonen gestürzt; drei Augen leuchten, und ihr Leib glänzt wie Sonne und Feuer.
30.81 Möge Bhadrakālī eure Fülle fördern: mit furchtbaren weißen Fangzähnen, drei Augen und aufgerichtetem Haar, Schädelschale, Beil, Trommel und Dreizack tragend. Sie gleicht einer dichten Wolke und trägt eine schön klingende Glöckchenkette.
30.82 Rātrikālī wird auch auf einem Löwen sitzend gedacht, mit furchtbaren Zähnen und Schild, Schwert, Stößel, Wurfspeer, Schädelschale, Speer, Schlinge und Haken.
30.83 Gesammelt und geregelt wiederhole man den Mantra samt den fünf Ṛg-Versen zehntausend- oder dreitausendmal.
30.84 Zur Vollendung opfere man ein Zehntel mit Ghee-Opferspeise. Erst danach gilt der Mantrin als zu den besonderen Anwendungen befähigt.
30.85 Agni und Rātri werden für Einflussnahme und Anziehung bevorzugt, Durgā und Kālī für Tötungsriten. [Dies ist die historische Zuordnung des Textes.]
30.86 Der eingeweihte Mantrin beginnt am dritten Tag der dunklen Monatshälfte in einem reinen Gebäude mit der Wiederholung.
30.87 Dort wird eine armlange Opfergrube mit dreieckiger Einfassung ausgehoben; außerdem werden vier sorgfältig gestaltete Figuren hergestellt.
30.88 Eine besteht aus dem Holz des Zielpersonen-Sternbaums, eine aus Reismehl, eine aus Töpferton und eine aus Bienenwachs.
30.89 Auf ihre Herzstellen wird der Zielname geschrieben. Der Ausführende überträgt in der Vorstellung die Lebenskräfte der Zielperson in die Figuren.
30.90 Die besprochene Holzfigur wird in der Grube vergraben, die Mehlfigur unter den Sitz gelegt und die Tonfigur an den Platz der Füße.
30.91 Die Wachsfigur wird kopfüber aufgehängt. Am achten Tag der dunklen Monatshälfte, nach Ablauf des ersten Nachtviertels –
30.92 – trägt der reine Mantrin rote Girlanden, rotes Gewand und rote Salbung und vollzieht Buchstaben-Nyāsa, Atemregelung und die übrigen Vorbereitungen.
30.93 Eine Kuḍuva-Menge fein gemahlenen Salzes wird mit Dickmilch, Honig, Ghee und Milch besprengt und gereinigt.
30.94 Mit Rohzucker, Honig und Ghee vermischt, wird daraus eine weitere, deutlich gegliederte Figur geformt.
30.95 Nach der Anweisung des Lehrers wird sie rituell belebt; als Wiederholungszahlen werden hundertacht oder eintausendacht genannt.
30.96 Die Figur berührend, wiederhole man die fünf Ṛg-Verse fünfundzwanzigmal und lege die Glieder sowohl auf den eigenen Leib als auch auf die Figur.
30.97 Die vierundzwanzig mit Praṇava verbundenen Ciṭi-Mantralaute werden auf Kopf, Stirn, Augen, Ohren, Nase, Mund und Kinn –
30.98 – sowie Kehle, Herz, Brüste, Bauch, Nabel, Hüften, Geschlecht, After, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße gelegt.
30.99 Unterhalb des Geschlechtsbereichs erfolgt die Zuordnung ungeteilt, oberhalb gegebenenfalls paarweise. Nach der Niederlegung auf sich selbst wird sie auf der Figur wiederholt.
30.100 Die Folge beginnt bei großen Zehen, Gelenken, Füßen, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln, After, Geschlecht, Nabel, Bauch, Herz und beiden Brüsten –
30.101 – und führt zu Kehle, Kinn, Mund, Nase, Augen, Ohren, Stirn und Kopf. In der Figur werden die Laute anschließend zusammengezogen.
30.102 Die Grube und ihr Außenbereich werden mit Kuhdungwasser bestrichen. Der Zielperson zugewandt sitzend, richtet der Ausführende das Feuer ein.
30.103 Es wird mit Holz des zugeordneten Sternbaums entfacht und verehrt. In einer silbernen oder ähnlichen Schale werden Wasser mit Senfsamen, Kuśa, kühlem Duftstoff und Blumen bereitgestellt –
30.104 – die Gottheit vergegenwärtigt und Arghya zur Erfüllung der Handlung dargebracht. Zu Beginn und Ende des Opfers erfolgen die folgenden Anreden.
30.105 »Du bist der Mund in der Nacht, o Feindbezwinger, Träger der Opfergaben. Werde mit mir durch die mittels Mantra dargebrachte Speise gesättigt.«
30.106 »Jātavedas, großer Gott, glühendem Gold gleich, Herr der Svāhā, Verzehrer der Welt: Verbrenne das Salz, o Feindtöter!«
30.107 »Herrin, Īśvarī, Śarvāṇī, von dir wird die Welt verschlungen und freigegeben. Große Göttin, Verneigung dir; Gabenspenderin, erfülle den Wunsch!«
30.108 »Aus Dunkelheit bestehende große Göttin, treu dem großen Gott: Gehe zu der Frau oder dem Mann, bringe sie unter meinen Einfluss und übergib sie mir.« [Die Geschlechtskonstruktion ist in der Vorlage beschädigt.]
30.109 »Durgā, frei von Bedrängnis, Riegel zur Reinigung der schwer zugänglichen Orte, Diskus und Muschelhorn tragende Göttin, Schrecken böser Feinde –«
30.110 »– Verneigung dir! Verbrenne meinen Feind, bringe ihn unter Einfluss, Caṇḍikā. Śākambharī, große, makellose Göttin, werde mir Zuflucht!«
30.111 »Bhadrakālī, dem Bhava lieb, glückverheißende Vollendung spendend: Verbrenne, verbrenne meine Gegner, koche, trockne und erhitze sie!«
30.112 »Mit Dreizack, Speer, Vajra und den übrigen Waffen zerschneide sie immer wieder und töte sie. Große Göttin, Mahākālī, schütze das Selbst, o Jungfrau!« [Die letzte Bitte ist im Bezug mehrdeutig.]
30.113 Danach werden mit einem scharfen Eisenwerkzeug sieben Körperabschnitte der Figur vom rechten Fuß an abgetrennt und der Mantra der fünf Ṛg-Verse wiederholt.
30.114 Die Zielperson vergegenwärtigend, werden sieben Opfer dargebracht: zuerst der rechte Fuß, danach die rechte Körperhälfte –
30.115 – als drittes die rechte Hand, als viertes der Teil oberhalb der Kehle, als fünftes die linke Hand, als sechstes die linke Körperhälfte –
30.116 – und als siebtes der linke Fuß. Eine andere Opferform teilt jeden der sieben Abschnitte wiederum in sieben Teile.
30.117 Oder die sieben Abschnitte werden je in elf Teile zerlegt und geopfert. Bei einer weiteren Reihenfolge bildet der rechte Fuß den Anfang –
30.118 – die rechte Hand den zweiten, der Kopf den dritten, der linke Arm den vierten und der obere Rumpf den fünften Abschnitt.
30.119 Der untere Rumpf folgt als sechster, die linke Seite als siebter. Nach diesem Opfer verehrt man mit den zuvor genannten Anrufungsmantras.
30.120 Man verneige sich lang ausgestreckt vor Agni und gebe eine rote Kuh mit Kalb, geschmückt mit einem Karṣa Gold.
30.121 Bei einem Tötungsritus wird eine Gabe von sieben Karṣas genannt. Mit Gewand, Goldschmuck und Getreide wird der Lehrer erfreut.
30.122 Durch dieses Feueropfer soll der Mantrin das Gewünschte erlangen. Für eine ausdrücklich auf Tötung gerichtete Variante wird Staub vom linken Fuß der Zielperson –
30.123 – mit Nimba, Sesam, weißen Senfsamen, wundmachendem Öl, Asafoetida und den drei scharfen Gewürzen in Büffelurin zerrieben –
30.124 – und mit Eber- und Taubenkot sowie der zuvor genannten Salzmenge vermischt.
30.125 Aus diesem Salzgemisch wird wie zuvor eine Figur hergestellt und mit der genannten Wiederholungszahl rituell belebt.
30.126 Mit den früher beschriebenen Figuren, an der Grube nach Süden gewandt, wird Durgā oder Bhadrakālī in der angegebenen Form vergegenwärtigt.
30.127 Um Mitternacht beginnt der Ausführende mit dem Werkzeug in der linken Hand beim linken Fuß und opfert in der früher genannten Zahl.
30.128 Mit einem eisernen Werkzeug endet die Teilung am rechten Fuß. Der Text behauptet, eine dreiwöchige Anwendung töte den Gegner.
30.129 In jener Nacht und am folgenden Tag fastet der Ausführende und vollzieht Atemregelung sowie Gāyatrī-Wiederholung und -Feueropfer –
30.130 – um nach dem Text von Verfehlung frei wieder glücklich zu leben. Danach werden die mit »Yāṃ kalpayanti« beginnende Formel und Apāmārga, Senfsamen, Ghee und Opferspeise genannt.
30.131 Mit jedem Stoff werden hundertacht Opfer vollzogen, danach Bali mit den zehn bei »Yo me purastāt« beginnenden Mantras.
30.132 So ist die Ordnung des Salz-Mantras mit ihren verschiedenen Anwendungen erklärt. Wer das Verfahren sachgerecht ausführt, soll die gewünschte Frucht auf Dauer erlangen.
30.133 Alternativ werden vom Abend des achten bis zum Abend des vierzehnten Mondtags mit denselben Mantras je eine Kuḍuva fein gemahlenes, süß benetztes Salz geopfert.
30.134 Dies soll Frauen, Männer, Städte, Könige, Dörfer und Menschen dauerhaft dem eigenen Willen geneigt machen, behauptet der Text ohne Vorbehalt.
30.135 Aus dem genannten Stoff werde eine Figur mit Haupt- und Nebengliedern und dem Geschlecht der Zielperson hergestellt. In sie werden Lebensatem und weitere Kräfte übertragen.
30.136 Man lege etwas in ihre Herzstelle, berühre die Figur und vollziehe rasch die beabsichtigte Übertragung der Lebenskräfte. [Die Angabe des einzulegenden Gegenstands ist beschädigt.]
30.137 Im Herzen denke man ein rundes Windmaṇḍala mit dem Windlaut und sechs schwarzen Punkten, vom Wind erfüllt.
30.138 Darin fasse man Elemente, feine Sinnesqualitäten ab Klang, Sinnesvermögen ab Gehör, Körperstoffe, Manas, Buddhi und Ichbewusstsein zusammen.
30.139 All dies werde, von jenem heftigen Wind bewegt, durch die rechte Nasenöffnung in die eigene Nähe geführt –
30.140 – und auf demselben Weg in die Figur eingebracht. Durch den Mantra der Lebensweihung erhält sie in der rituellen Vorstellung Lebensatem und weitere Kräfte.
30.141 Die acht mit Ya beginnenden Laute denke man als Bienen im eigenen Herzlotus, ihre Körper vom Blütenstaub seiner Staubfäden bedeckt. Ebenso vergegenwärtige man sie im Herzen der Zielperson und verbinde deren Lotuslaute mit den eigenen.
30.142 Aus dem Fadennetz im Herzlotus treten der Reihe nach einzelne Fäden hervor. Mit dem Atem dringen sie ein und ziehen die Bienen durch den Lebensatemweg heran.
30.143 Die lebensatemgleichen Bienen sitzen auf den Staubfäden der Wind-, Feuer-, Indra-, Wasser-, Īśāna-, Nirṛti-, Mond- und Yama-Richtungen und sind durch punktartige Fäden verbunden.
30.144 Durch den Weg der rechten Nasenöffnung zieht der Kundige die Lebenskräfte in dieser Vorstellung heran und führt sie mittels der rituellen Lebensübertragung in die Figur ein.
Kolophon: Hier endet der 30. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
31. Paṭala
Orientierung: Prana-Pratishtha.
31.1 Nun wird die Ordnung des Mantras zur Einsetzung des Lebensatems erklärt. Ohne sie wären die beschriebenen Anwendungen vergeblich, gleichsam ohne Leben.
31.2 Zuerst nenne man »dieses hier« beziehungsweise die betreffende Person; darauf folgen sinngemäß: »Seine Lebenskräfte seien hier; sein Leben sei hier gegründet; alle Sinneskräfte, Rede und Geist, die Lebenskräfte mögen hierher kommen«, mit Svāhā am Ende. So werden die Lebenskräfte eingesetzt.
31.3 Die höchste Gottheit ist Prāṇa-Śakti: anfangs- und endlose schöpferische Natur, deren Leib Tätigkeit ist und die alle Welt bewegt. Für ihre sechs Glieder verbinde man die Buchstabengruppen mit den zugehörigen Vokalen und Bindu, den Elementen, Sinnesqualitäten, Erkenntnis- und Handlungsorganen, ihren Tätigkeiten sowie Buddhi und den weiteren inneren Kräften, jeweils mit »Ātman« und den passenden Abschlüssen. Dies dient der Verwirklichung der Allgestalt.
31.4 Das Schlingen-Bīja lege man vom Nabel zu den Füßen, Śakti vom Herzen zum Nabel und das Haken-Bīja vom Kopf zum Herzen. Danach ordne man die sieben mit Ya beginnenden Laute den Körperstoffen zu.
31.5 Haṃsa und die zugehörigen Laute werden in Lebensatem und individuellem Leben verankert; mit dem Grundmantra wird der Leib vom Kopf an durchdrungen. So geweiht, meditiere man die Göttin als Prāṇa-Śakti und als eigene wahre Gestalt.
31.6 Möge die Lebensgöttin Glück schenken: Auf einem roten Lotus in einem Boot im Blutmeer sitzend, trägt sie Schlinge, Zuckerrohrbogen, Sehne, Haken, fünf Pfeile, Girlande und Schädelschale. Dreiäugig, mit vollen Brüsten und der Farbe der jungen Sonne, ist sie die eigene Lebenswirklichkeit.
31.7 Nach dieser Meditation wiederhole man den Mantra gesammelt hunderttausendmal und opfere am Ende ein Zehntel mit Ghee oder Opferspeise.
31.8 Auf dem Śakti-Sitz verehre man die Göttin mit Brahmā, Hari und Rudra samt Vāṇī, Lakṣmī und Girijā an den sechs Ecken, danach mit Gliedern, Müttern und Weltenhütern.
31.9 So verehre man täglich mit klarem Geist ihre vier Gefolgegruppen. Erst nach der Mantravollendung beginne man die Anwendungen, etwa Einflussnahme.
31.10 Nach Śakti zwischen Schlingen- und Haken-Bīja spreche man die acht mit Ya beginnenden Laute samt Haṃsa, danach »dieses hier«. So wird der Anwendungsmantra oder seine durch neun bezeichnete Form angegeben.
31.11 Die Lebensgestalten heißen Mṛtā, Vaivasvatā, Jīvahā, Prāṇahā, Ākṛṣyā, Grathanā, Unmādā, Viṣphuliṅginī, Kṣetrajñā und Pratihārī, verbunden mit den entsprechenden Ya-Lauten.
31.12 Die Zielperson wird innerlich mit dem Schlingen-Bīja gebunden, mit Śakti ergriffen und mit dem Haken herangezogen. Die Ya-Laute, Botinnen, Zielname und Körperstoffe werden benannt; so bleibt der Mantra bis zur Übertragung des Selbst mit Kraft versehen. [Die Schlusskonstruktion ist verkürzt.]
31.13 Um Mitternacht, wenn alle und auch die Zielperson schlafen, wird sie in einer gewaltsamen Visualisierung im Herzen ihrer Figur festgehalten und durch einen Schlag von Kālas Stab auf den Kopf in ihren Sinneskräften erschüttert vorgestellt.
31.14 An den Orten von Wind, Feuer, Indra, Wasser, Īśāna, Nirṛti, Mond und Yama sowie in der Mitte denke man die acht Ya-Laute samt Haṃsa als durch Bīja-Bindus gebundene Bienen.
31.15 Ebenso denke man im eigenen Herzlotus Bienen, die auf den Atemwegen austreten, die Bienen im Lotus der Zielperson ergreifen und an ihren eigenen Ort zurückkehren.
31.16 Bei Einflussnahme werden die Bījas rot, bei Schadensritualen wolkendunkel, bei Entzweiung und Verwirrung rauchfarben und bei Stillstellung gelb gedacht.
31.17 Bei grausamen Anwendungen wie Schadenszauber werden die Lebenskräfte der Zielperson als Frösche und die eigenen als Schlangen vergegenwärtigt.
31.18 Nach dieser Lebensweihung und weiteren elf Wiederholungen werden die Kräfte in der Figur oder im eigenen Geist durch das Erd-Bīja stillgestellt. [Die Elfzahl ist in der Vorlage knapp angeschlossen.]
31.19 So werden die aus der Zielperson herangezogenen Lebenskräfte in eine Figur oder einen anderen Träger eingesetzt. In den eigenen Herzlotus sollen sie jedoch nur bei Einflussnahme und Anziehung, nicht bei Schadensriten geführt werden.
31.20 Schlinge und die beiden anderen Bījas verbinden Grundzentrum, Herz und Brauenmitte wie einen Faden. Die feuerverbundene Kraft dringt durch die Stirnöffnung der Zielperson bis zum Grund ein und bewegt sich in der inneren Yoni beziehungsweise dem Herzlotus. Der Text schreibt dieser beständigen Vorstellung Anziehung und Einfluss über hundert Geburten zu. [Die räumlichen Bezüge sind im Sanskrit mehrdeutig.]
31.21 Damit ist die Lebensweihung mit Gliedern, Yoga und Anwendungen erklärt. Wer darin geübt ist, könne nach der Überhöhung des Textes sogar Berge und Wälder beleben und bewegen.
Kolophon: Hier endet der 31. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
32. Paṭala
Orientierung: Yantras und besondere Mantraanwendungen.
32.1 Nun erkläre ich für verständige Mantrakundige verschiedene besondere Mantras durch die Gestaltung von Yantras, für diesseitiges und jenseitiges Gelingen.
32.2 Beim dreifachen Yantra, dessen Ecken Māyā tragen und das von ihr umgeben ist, erläutere ich in Kürze die jeweiligen besonderen Gestaltungen.
32.3 An den Ecken leuchten die Nektarlaute; ihr strömender Nektar erfüllt die umgebende Feuerfigur. Aus dem Bīja im mittleren Bindu ergießt sich eine Nektarflut –
32.4 – die die Suṣumnā der betreffenden Person ganz erfüllt. So vergegenwärtigt wird das Yantra am Kopf befestigt; dadurch werden Gesundheit, Einsicht und langes Leben verheißen.
32.5 In der Mondscheibe stehend, mit dem vierten Kūrma-Laut an den Ecken, kühl bestrichen, besprochen und am Kopf getragen, gilt es als Mittel gegen Kopfschmerz und Fieber.
32.6 Zwei solche Yantras werden mit den Namen der Zielperson und des Ausführenden gezeichnet. Das der Zielperson wird unten angebracht, und der Ausführende schläft täglich darauf.
32.7 Dies soll mühelos Einfluss auf die Zielperson bringen. Auch das Vergraben im Haus und Essen der dort zubereiteten Speise wird als Einflussritus beschrieben.
32.8 Eine weitere Anziehungsfigur trägt den Zielnamen in Śakti und Feuer, Narasiṃha in drei Zwischenräumen und die Handlung in den drei Śaktis. Rituell belebt und besprochen wird sie für einen Mann auf einem Erdträger im Haus aufgestellt; für eine Frau auf ein als Wasserherrn-Blatt bezeichnetes Blatt geschrieben und an einer Lampe erwärmt. [Die Trägerbezeichnungen sind unsicher.]
32.9 Die für das dreifache Yantra gelehrten Verfahren können auch beim sechsfachen verwendet werden. Dieses wird wegen seiner größeren Mantrafülle besonders für Schutzhandlungen empfohlen.
32.10 Das sechsfache Yantra enthält Śakti, umgeben vom achtlautigen Schlingen-Mantra, den Zielnamen im Feuer, Śakti, Śrī und Kāma als Umfassung und Cintāmaṇi in den Zwischenräumen der doppelten Erdfigur. Besprochen und getragen soll es Könige und Frauen geneigt machen und in Kampf und Stadt schützen.
32.11 Ein weiteres Yantra besitzt Cintāmaṇi an sechs Ecken, das innere Bīja samt Zielname von Narasiṃha umgeben, außen das Alphabet vorwärts und rückwärts und vier Laute in den Zwischenräumen der doppelten Erdumfassung. Es gilt gegen Besessenheit, Verwirrung und Krankheit; die Gefäßweihe darauf wird auch dem Schwangerschaftsschutz zugeordnet.
32.12 Im zwölffachen Yantra steht das Narasiṃha-Bīja an den Spitzen, von der Erdumfassung eingeschlossen, mit der beabsichtigten Handlung im Inneren. Es wird gelb bestrichen und mit Guggulu und einem weiteren Duftstoff geräuchert –
32.13 – und an den vier Grenzen oder unter Toren und Torbögen vergraben. Dies wird als besonders geheimer Gebietsschutz der alten Weisen bezeichnet.
32.14 Mit den genannten gelben und kühlenden Stoffen zeichne man das Yantra auf einen glatten Träger, versehe es mit der Haus-Schutzabsicht, bespreche es und vergrabe es im Hof. [Die Stofffolge ist beschädigt.]
32.15 Diebe, Besessenheitskräfte und Schadenszauber sollen dort nicht eindringen. Es wird als Hausschutz, Abwehr von Steinwürfen und rasche Förderung des Wohlstands gepriesen.
32.16 Das Ghaṭārgala-Yantra werde auf einen guten blauen Stoff gezeichnet, zu einer Kapsel geformt und in die Herzstelle einer dunklen Figur der Zielperson gelegt.
32.17 Die Figur wird in ein mit den drei süßen Stoffen gefülltes Gefäß gestellt, mit Duft und Blumen verehrt und nachts mit Bali bedacht. Der Text verheißt nach sieben Tagen die Herbeiführung der gewünschten Frau.
32.18 Dieselbe Figur wird leicht am Feuer erwärmt, während Śakti mit Schlingen- und Haken-Mantra sowie dem Zielnamen gesammelt wiederholt wird.
32.19 Der Text behauptet, der Mantrin könne so binnen drei Nächten selbst eine stolze göttliche Frau heranziehen, von Liebespfeilen bewegt und zur Erfüllung seiner Wünsche bereit.
32.20 Dasselbe Yantra wird mit Lack und Kupfer umhüllt in Gefäßwasser gelegt. Nach zwölftausend Wiederholungen wird damit das Weihebad vollzogen; auch Silber und Gold werden als Umhüllungen genannt.
32.21 Nach entsprechender Gefäßweihe trage man das Yantra beständig. Wunscherfüllung und selbst die hingebungsvolle Verehrung durch Gottheiten werden verheißen.
32.22 Ordnungsgemäß an eine Wand gezeichnet und täglich verehrt, soll es Diebe, Feinde, Geister und Schlangen so fernhalten, dass sie den Ort nicht anzublicken vermögen.
32.23 Auf ein Stirnband des Kriegers gezeichnet und am Kopf getragen, soll es im Kampf Sieg und unverwundete Rückkehr bringen.
32.24 Mit Elefanten-Schläfensaft geschrieben, besprochen und am Kopf angebracht, soll das Yantra selbst eine Elefantenkuh rasch erregen; erst recht einen heftigen Elefantenbullen.
32.25 Wozu viele Worte? Der Text erklärt diese Yantras zu den vorzüglichsten und empfiehlt ihr Tragen denen, die Einfluss auf die Welt wünschen.
32.26 Für die verschiedenen Ziele werden die Yantras mit Elefantenduft, Moschus, Safran, duftendem Rocanā und rotem Lacksaft gezeichnet.
32.27 Nächtliche Opfer mit süß benetzten Senfsamen und Salz unter dem Mantra mit Schlinge, Śakti und Haken werden als Mittel der Einflussnahme auf Könige und Urvaśī beschrieben.
32.28 Auf ein Betelblatt zeichne man den Zielnamen in Hṛllekhā und Feuer, umgeben von Āṃ und Kroṃ, mit Svastikas an den Ecken zweier Feuerhäuser. Bei Wiederholung der mit Schlinge und Haken verbundenen Śakti wird es nachts an der Lampenflamme erwärmt. Der Text verheißt die liebesbewegte Annäherung der Zielperson.
32.29 Ein weiteres Anziehungs-Yantra trägt den eigenen Namen in Śakti und das Kāma-Bīja in zwei Feuerfiguren, außen Śakti mit dem Zielnamen und die Erdumfassung mit Kāma an den Ecken. Auf Betelmaterial mit den genannten Farbstoffen geschrieben, besprochen und zum Essen gegeben, soll es Frauen betören. [Die Farbstoffchiffre ist beschädigt.]
32.30 Der Zielname wird in Śakti von vier Bījas umgeben und mit Śakti, Kāma, Haken und Proṃ umschlossen. Auf eine Reismehlfigur geschrieben, rituell belebt, in den drei süßen Stoffen gebacken und gegessen, soll dies die Zielperson unter Einfluss bringen.
32.31 Eine weitere Figur verbindet den Ḍa-Endlaut mit Feuer und weiteren Lauten; der Zielname steht im Feueranteil, der Ausführende im Māyā-Anteil. Von Kalās umgeben und mit gegeneinander gerichteten Dreizacken in der Mitte, wird sie als Männer und Frauen beeinflussendes Yantra bezeichnet. [Der Eigenname der Figur ist beschädigt.]
32.32 Aus Töpferton, mit Eidechsenfett und Fußstaub der Zielperson verbunden, wird eine Figur geformt. In ihr Herz schreibt man Śakti und den Zielnamen, setzt die Lebenskräfte ein, bespricht und vergräbt sie; tägliches Urinieren darüber wird als dauerhafter Einflussritus beschrieben.
32.33 Der Name einer Frau wird nachts mit gelbem Farbstoff auf den eigenen linken Oberschenkel geschrieben und um Mitternacht mit der linken Hand bedeckt. Dazu wird eine mit Rudra, Dayitā und Yogeśvarī beschriebene Formel wiederholt; der Text verheißt dadurch ihre liebesbewegte Annäherung.
32.34 Ein weiterer Mantra beginnt mit Māyā und der Herzformel, danach Brahmaśrīrājitā, Rājapūjitā, Jayā, Vijayā, Gaurī und Gāndhārī –
32.35 – ferner »die drei Welten beeinflussend«, »alle Welten beeinflussend«, »alle Frauen und Männer beeinflussend« sowie die verdoppelte Anrede »Sudughe« –
32.36 – und endet mit Māyā und dem doppelten Ṭha-Abschluss. Er wird als einundsechziglautig bezeichnet; Brahmā ist der Seher, Atinicṛt das Versmaß und Gaurī die Gottheit.
32.37 Vierzehn, zehn, acht, acht, zehn und elf Mantralaute bilden der Reihe nach die sechs Glieder.
32.38 Möge Pārvatī euch Fülle schenken: Die Mondsichel schmückt ihr Haupt, ihre schönen Lotushände tragen Schlinge und Haken. Rot wie Bandhujīva, dreiäugig, von den Göttern verehrt, trägt sie rote Salbung, rote Gewänder und Blumen.
32.39 Man wiederhole zehntausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee-benetzen Milchreisgaben. Mit klarem Geist verehre man Glieder, Mütter und Richtungsherren.
32.40 Dreitägige Opfer mit Sesam und Reis, Salz mit den drei süßen Stoffen, süßen Früchten oder roten Kuvalaya-Blüten mit Ghee werden als stark anziehend beschrieben.
32.41 Täglich zu Tagesbeginn stelle man die Göttin in der Sonne vor, wende sich ihr zu und wiederhole hundertachtmal. Dadurch soll die Welt rasch geneigt werden.
32.42 Vor den entsprechenden Lauten setze man Zielname und beabsichtigte Handlung ein. So wiederholt oder beim Feueropfer verwendet, soll der Mantra das Erwünschte erfüllen.
32.43 Ein weiterer Mantra beginnt mit Praṇava und »Rājamukhi«, dann »Rājādhimukhi« und »Vaśyamukhi« sowie den eigenen, Śrī- und Kāma-Lauten –
32.44 – darauf folgen die wiederholten Anreden »Devi, Mahādevi, Devādidevi«, dann »das Gesicht aller Menschen unter meinen Einfluss« –
32.45 – und zweimal »mache«, gefolgt vom doppelten Ṭha-Abschluss. Er umfasst siebenundvierzig Laute.
32.46 Zehn, sieben, vier, eine durch Karaṇa bezeichnete Zahl, fünf und siebzehn Laute bilden die Glieder. [Die Karaṇa-Zahl bleibt ohne sichere Auflösung.]
32.47 Vergegenwärtigung, Wiederholungszahl und Feueropfer gelten wie beim zuvor gelehrten Brahmaśrī-Mantra.
32.48 Bei Wiederholung, Feueropfer oder Wassergabe kann anstelle von »alle Menschen« der Name der Zielperson eingesetzt werden.
32.49 Sieben Tage werden hundertacht Hölzer der Devī-Pflanze wie Blüten mit den drei süßen Stoffen geopfert. Stirnzeichen aus der Asche sollen Einfluss bewirken; ebenso wird das Verabreichen des besprochenen, durch Opfer geweihten Ghees an die Zielperson genannt.
32.50 In das Herz einer Figur aus dem Sternbaumholz der Zielperson schreibt man Śakti und setzt die Lebenskräfte ein. Über ihrem Platz im Hof entzündet man Feuer und opfert sieben Nächte jeweils hundertzehn Japā-Blüten mit dem genannten Sandelstoff unter dem Göttinnen-Mantra; danach wird die Figur im Flussbett vergraben. Dies gilt dem Text als besonders wirksamer Anziehungsritus.
32.51 Der Nahrung spendende Mantra enthält sinngemäß: »Nahrung sei in mir; gib mir Nahrung; dem Herrn der Nahrung; lass mir Nahrung geben«, mit doppeltem Ṭha-Abschluss. [Ein Laut am Anfang ist beschädigt.]
32.52 Die Glieder werden aus den durch Organe, Sinne, Geschmäcker und Körperstoffe chiffrierten Lautgruppen gebildet. Zwanzigtausend Wiederholungen und zweitausend Opfer mit Ghee und Speise sind vorgesehen.
32.53 Für Nahrung und Fülle wiederhole man morgens, während man Bhū und Śrī vergegenwärtigt: Im Milchmeer, auf einer goldenen, von Silberwällen umgebenen göttlichen Insel, unter Wunschbäumen auf einem Juwelensitz vor reichen Güter- und Getreidevorräten sitzend, schenken sie dem Mantrin die gewünschten Güter.
32.54 Ein weiterer Nahrung spendender Mantra beginnt mit Verneigung und Bhagavatī, gefolgt von »Māheśvari, Annapūrṇe« und der Gemahlin des Feuers als Abschluss.
32.55 Seine sechs Glieder werden mit Māyā gebildet. Zu Tagesbeginn wird er sechzehntausendmal wiederholt; am Ende folgt ein Zehntel als Opfer mit Ghee-Speise.
32.56 Man wiederhole, die Mutter vergegenwärtigend: In buntem Gewand schaut sie freudig Rudras Tanz, mit glückverheißendem Gesicht und Augen, Bhavas Geliebte, beständig dem Spenden von Nahrung ergeben.
32.57 Vaiśravaṇa, Pakvāśa, Piṅgala, Nidhipa, Vitteśa und Kubera werden als Mantraanreden genannt, verbunden mit den Vyāhṛtis und Svāhā.
32.58 Für Vermögen opfere man nach dem Vaiśvadeva-Ritus zehn Ghee-benetzte Vaṭa-Hölzer und meditiere im Feuer den Vermögensherrn: dickbäuchig, goldfarben, juwelengeschmückt, mit goldenem Gefäß und Kästchen in den Händen, von Śaṅkha- und Padma-Schatz erhellt, auf goldenem Sitz unter dem Banyanbaum.
32.59 Auch Ghee-Milchreisopfer mit diesen Mantras sind vorgesehen. Ghee-Sesam und Bilva-Holz werden derselben wohlstandsfördernden Wirkung zugeordnet.
32.60 Ein achtlautiger Mantra wird durch Bhaya, Hāra mit Mond, weitere Daṇḍin- und Has-Pa-Laute, Yoni in Bāli und Namah beschrieben. [Die stark beschädigte Chiffrenfolge ist nicht sicher ausschreibbar.]
32.61 Er wird tausendmal je Laut wiederholt und hundertmal je Laut geopfert. Das Opfer besteht aus Ghee-Speise; das Bīja bildet die Glieder.
32.62 Man meditiere den Götterlehrer im Marktbereich: Gelb gekleidet und geschmückt, lässt er mit der rechten Lotushand Edelsteine, Gold und Gewänder herabströmen; die andere ruht auf einem Stoffhaufen. Drei Tage werden hundertzwanzig Ghee-benetzte Bhītā-Blüten für Gold und Kleidung geopfert. [Der Blumenname ist unsicher.]
32.63 Ein weiterer Mantra ordnet zwischen Va und Ya die Bitte »gib mir Kleidung« und die Śukra-Laute mit doppeltem Ṭha-Abschluss an. Zehntausend Wiederholungen und tausend Ghee-Opfer sind vorgesehen.
32.64 Vor Śukra werden weiße Blumen geopfert, in Dreier-, Siebener- oder einundzwanzigfacher Wiederholung. Man denke ihn weiß gekleidet, weiß geblümt und gesalbt im Vorraum eines Marktes: Mit der linken Hand spendet er Gewänder, Edelsteine und Gold, die rechte zeigt die Lehrgebärde.
32.65 Ein achtlautiger Vyāsa-Mantra wird durch Rājeri, Schlangenherr und Daṇḍin, danach »Veda« und weitere Laute bis »sāya« und Namah beschrieben. [Die Lautchiffren sind beschädigt.]
32.66 Erinnert euch an Vyāsa: Von Weisen umgeben, freudigen Geistes und regenwolkengleich leuchtend, zeigt er rechts die Lehrgebärde und legt die andere Hand aufs Knie. Fest gegürtet sitzt der vorzügliche Dichter da, stets heiligem Wandel ergeben.
32.67 Sechzehntausend Wiederholungen und ein Zehntel als Milchreis-Ghee-Opfer werden genannt. Der Mantra soll unvergleichliche Dichtkraft, Einsicht, Auslegungsgabe und Fülle schenken.
32.68 Ein weiterer Mantra wird durch Hände, Füße, Seiten, Grund, Raum sowie Loṃ, Hara, Bindu, Duṃ und Zunge chiffriert, mit Praṇava am Anfang und Schutz-, Waffen- und doppeltem Ṭha-Abschluss. [Die Anfangslautfolge ist beschädigt.]
32.69 Man wiederhole zehntausend- oder bis sechzehntausendmal; ein Zehntel wird in gut entfachtem Feuer mit Sesam, Senfsamen, Reiskörnern, Reisopferspeise und Ghee geopfert. [Die Verbindung der beiden Wiederholungszahlen ist verkürzt.]
32.70 Berg, Wasser, Feuer, Wind, Erde und Raum werden im Osten, Westen, Süden, Norden, unten und oben als Begrenzungen vergegenwärtigt. Innerhalb sollen Gegner, Löwen, Wildtiere, Elefanten, Schlangen und Räuber durch die Mantrakraft überwältigt werden.
32.71 Eine feindselige Anwendung schließt den Gegner mit diesen Kräften ein, hemmt seinen Atem durch zwei Laute und verschließt seinen Mund mit darüber liegenden Bījas. Mit Schutz-, Waffen- und Mondlauten wird sein Verbrennen imaginiert.
32.72 Ein zehnlautiger Mantra wird durch Yoni, Raum, gute Augen, Para und weitere in Knochen, Fett und Blut gesetzte Laute bezeichnet, mit Praṇava am Anfang und doppeltem Ṭha-Abschluss. [Die Chiffrenfolge bleibt ungesichert.]
32.73 Zehntausend Wiederholungen und tausend Ghee-Opfer werden genannt. Schon die Meditation auf diese Bergtochter soll die ganze Welt geneigt machen.
32.74 Möge die ursprüngliche, makellose Göttin euch erfreuliche Fülle und vorzügliches Glück schenken: Auf einem Pferd reitend, hält sie rechts eine neue goldene Gerte und zieht mit der anderen Hand die durch ihre lebendige Schlinge gebundene Zielperson heran. Ihr Mondgesicht ist stets freundlich, ihre drei Augen sind schön.
32.75 Täglich ausgeführte Feueropfer mit dieser erfreuenden Vidyā sollen gutes Gold schenken und die gewünschte, vom Liebesgott bewegte Frau rasch herbeiführen.
32.76 Ein Feueropfer mit reichlich süß benetztem Salz wird als unmittelbar beeinflussend beschrieben. Der Text erklärt diesen Mantra für unübertroffen bei Anziehungsriten.
32.77 Beim abschließenden Nyāsa ist Vāṇī als Praṇava auf dem Kopf, die Bergtochter als Śakti auf der Stirn, Sonne und Feuer an den Augen und der Mond als Ṭa-Endform um das Gesicht. Śrī liegt in eigener Lautgestalt auf der Zunge; die langen Sva- und Ha-Laute erhalten die jeweilige gewünschte Gestalt. Dieser Nyāsa soll Gesichtsglanz, Fülle, Glück, Ruhm, Schönheit und Einsicht fördern.
Kolophon: Hier endet der 32. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
33. Paṭala
Orientierung: Nachkommenschaftsritual, Guru und Schüler; Schluss.
Die folgenden historischen Aussagen zu Kinderlosigkeit, sozialer Stellung und körperlichen Eigenschaften werden dokumentiert; ihre Einordnung erläutert der Abschnitt über verantwortliches Lesen.
33.1 Nun will ich für Hausleute, deren Herz von dem Wunsch nach Nachkommenschaft bewegt ist, das Opfer erläutern, das deren Entstehung bewirken soll.
33.2 „Für den Sohnlosen gibt es keine jenseitige Stätte, und die Ahnen sinken herab“: Mit dieser traditionellen Begründung fordert der Text dazu auf, mit allen geeigneten Mitteln nach Nachkommenschaft zu streben.
33.3 Er nennt Menschen, die Götter, Seher und Ahnen ohne Hingabe verehren, sowie solche, die den Guru, Mutter und Vater oder die Ahnenriten beständig vernachlässigen. [Der Beginn ist beschädigt; der Zusammenhang setzt bei den im Folgenden behaupteten Ursachen der Kinderlosigkeit ein.]
33.4 Weiter nennt er jene, die Bittenden trotz vorhandenen Vermögens nichts geben und aus schlechter Gesinnung essen, ohne Gästen zuvor Nahrung angeboten zu haben.
33.5 Er nennt auch solche, die die Verehrung der Lotusfüße Haris und Shankaras aufgegeben haben, ihre eigene Frau schmähen und gegen die Ordnung der Welt und des Veda handeln.
33.6 Hausleuten, die durch solche Verfehlungen belastet sind, werde Kinderlosigkeit zuteil; auch die Annahme unangemessener Geschenke wird als Ursache genannt.
33.7 Nun wird eine Opferhandlung beschrieben, die nach dieser Überlieferung solche Fehler beseitigen, einen Sohn gewähren und alle Verfehlungen tilgen soll.
33.8 Der Hausvater, der einen Sohn wünscht, verbringe mit seiner Frau die Nacht des vierzehnten Mondtages nach der Einweihungsordnung und verrichte danach alle Morgenhandlungen.
33.9 Er bereite nach der Vorschrift Panchagavya, rühre es unter dem Sankoca-Mantra um und spreche die Formel einhundertachtmal darüber. Nachdem es mit den Elementmantras rituell behandelt wurde, sollen er und die Frau es trinken. [Eine Passage über die genaue Zubereitung ist beschädigt. Dies ist die historische Ritualbeschreibung des Textes.]
33.10 Dann richte er das Feuer ein, bereite die gekochte Opfergabe und bestimme deren südlichen und nördlichen Anteil als für die Ahnen beziehungsweise die Götter bestimmt. Zuerst bringe er der Reihe nach den Ahnenanteil dar.
33.11 Er vergegenwärtige sich den eigenen Vater als unten sitzend und opfere ihm zwei mit Ghee getränkte Speiseklöße, mit der Opferkelle von Ghee umgeben. Ebenso verfahre er für Großvater und Urgroßvater.
33.12 Nach der gekochten Speise opfere er mit den Vyahritis von allen Seiten Ghee. Zuvor habe er, wie beschrieben, auch die mütterliche Ahnenreihe, den Guru und dessen zwei Vorfahren berücksichtigt.
33.13 Mit den sechzehn Gestalt-Mantras samt ihren Kalas und mit den einzelnen Lauten des Acht-Silben-Mantras opfere er gesondert; achtmal mit dem vollständigen Mantra. Mit dem Fünf-Silben-Mantra verfahre er entsprechend dem Acht-Silben-Mantra.
33.14 Die Zahl der gekochten Opfergaben richte sich nach der Zahl der Laute; die Ghee-Gaben seien viermal so zahlreich. Danach bereite er zwei Portionen der Opferspeise, unterschieden als männlich und weiblich.
33.15 Über die männliche Portion spreche er den Fünf-Silben-Mantra, über die andere den anderen Laut beziehungsweise Mantra, jeweils zweimal einhundertachtmal. Er verbinde beide und bespräche sie mit dem bei „Vishnur yonim“ beginnenden Mantra. [Die letzte Mengenangabe ist beschädigt und lässt sich nicht verlässlich übersetzen.]
33.16 Der Mann verzehre gesammelt die dem Purusha zugeordnete Portion, die Frau die der Prakriti zugeordnete. Nach dem Verzehr der beiden Portionen spüle man rituell den Mund und verehre das Feuer.
33.17 Man gebe dem Guru die Opfergabe, entlasse das Feuer und bewirte die Zweimalgeborenen. An jedem Festtermin werde die Zahl schrittweise um eins erhöht. [Das Objekt der abschließenden Ergänzungsvorschrift ist beschädigt.]
33.18 Im weiteren Jahresablauf werde die Bewirtung der Zweimalgeborenen unter stufenweiser Erhöhung fortgesetzt. Der Text verheißt, dass noch vor Ablauf von drei so erfüllten Jahren durch göttliche Kraft ein Sohn geboren werde. [Die Zeitstaffelung am Versanfang ist beschädigt.]
33.19 Durch die Gnade der Ahnen und Götter sei der Nachkomme verständig, langlebig, schön, gelehrt, reich an Glanz und Fülle, dem Dharma zugeneigt und selbst ein Fortsetzer des Geschlechts.
33.20 Wer gegenüber Sehern, Göttern und Ahnen die dreifache Schuld durch Brahmacharya, Opfer und Nachkommen abträgt, erfüllt die Weisung der Shruti. Ein solcher Hausvater wird von guten Menschen in dieser und der anderen Welt geehrt.
33.21 Der Sankoca genannte Mantra wird mit dem Anfangslaut und Om beschrieben; die Elementmantras werden über die Elemente und deren Selbstformen angegeben. [Die codierte Formulierung ist beschädigt. Eine vollständige Formel wird hier nicht daraus ergänzt.]
33.22 Nun werde ich zum Wohl der Welt in Kürze die Merkmale von Guru und Schüler erläutern, wie sie bei Menschen von klarem Geist bekannt sind.
33.23 Ein Lehrer soll rein sein, mit innerer Freiheit verbunden, von bedeutendem Verstand und mit gesammelt ausgerichtetem Herzen. Wer Ort, Zeit und die weiteren Umstände kennt, wird als kundiger Unterweiser anerkannt. [Das Wort über die Herzenshaltung ist mehrdeutig.]
33.24 Er soll hervorragend, umfassend kundig und sowohl zur Begrenzung als auch zur Förderung fähig sein; bemüht, die sechs inneren Feinde zu überwinden, frei von Härte und Streit.
33.25 Er soll rein sein, weiße Gewänder tragen und in seinem Handeln vorbildlich sein; die Veden und Vedangas kennen, kundig sprechen und auch die verborgenen Agamas verstehen. [„viklavamānasaḥ“, wörtlich „verwirrten Geistes“, widerspricht der Merkmalsreihe; die Stelle bleibt ungeklärt.]
33.26 Er soll das Gute gewähren, Unheil beseitigen und sichtbares wie unsichtbares Wohlergehen fördern, stets mit besonderer Freude der Verehrung Shivas und Vishnus hingegeben.
33.27 Er soll friedvoll, selbstbeherrscht und im Geist still sein, von sehr anziehender Erscheinung. Selbst wenn es ihm Mühe oder Leid bereitet, soll er nach dem Wohl anderer streben.
33.28 Er soll prüfen und unterscheiden können, unaufgeregt sowie frei von Gier und Verblendung sein, Mitgefühl mit Unwissenden haben und die inneren Regungen anderer verstehen. [Die Formulierung über sein Wissen ist in der Vorlage beschädigt.]
33.29 Er soll das Ungeteilte und das Gegliederte kennen, Zweifel auflösen und selbst frei von Zweifel sein, mit guter Führung und Bescheidenheit verbunden. [Die letzte Bestimmung ist nicht sicher lesbar.]
33.30 Er soll mit der Ordnung des Samadhi vertraut, in der heiligen Überlieferung standfest, äußerst entschlossen, mutig und gewandt in der Rede sein. [Die einleitende Aussage über Krankheit ist beschädigt und wird nicht ergänzt.]
33.31 Seine Unternehmungen sollen mit den erforderlichen Voraussetzungen versehen sein. Tiefgründig und frei von Heuchelei, soll er wie ein Spiegel des Wissens sein und die Erkenntniswege nicht herabsetzen.
33.32 Einen solchen Lehrer soll suchen, aufsuchen und ihm dienen, wer das ersehnte Ziel erreichen möchte. Der Schüler gewinne sein Wohlwollen durch persönlichen Einsatz und materielle Unterstützung.
33.33 Mit dem Staub von den Lotusfüßen des Lehrers geschmückt, empfängt der Schüler gleichsam ein Bad. Ohne dieses, so heißt es, erreicht auch der Verständige das ersehnte Ziel kaum.
33.34 Der Schüler soll mit wohlgesammeltem Geist täglich durch Körper, Rede und Denken dem Dienst am Lehrer hingegeben sein, für drei, zwei oder ein Jahr oder eine entsprechende Zeit.
33.35 Der Lehrer beobachte einen solchen Schüler: ob er stets wahr spricht, nach der überlieferten Auffassung von mütterlicher und väterlicher Seite reiner Herkunft ist, verständig und nicht habgierig.
33.36 Er soll nicht stehlen, der geistigen Überlieferung vertrauen, sich um Befreiung bemühen, untadelig und ohne Falschheit sein sowie über die erforderlichen Mittel und geistige Bereitschaft verfügen.
33.37 Er soll Brahmacharya pflegen, dem Lehrer beständig dienen, bei Essen und Schlaf maßvoll sein und bei der Verehrung keine Mühe scheuen.
33.38 Er soll den Veda studiert haben, selbstbeherrscht, frei von innerer Bedrückung und Krankheit, jung, eine Wohnstätte des Mitgefühls und für den Lehrer erfreulich sein.
33.39 Seine Kleidung soll angemessen sein; er soll über eigennützige Wünsche hinausgewachsen, rein und von lauterer Absicht sein, heiter und offen, dem Lehrer stets nahe.
33.40 Er soll anderen helfen und davon abstehen, sie herabzusetzen. Die Frau des Lehrers soll er wie eine Mutter, dessen Söhne wie Brüder betrachten.
33.41 Er soll achtsam sein, nicht von sinnlichem Verlangen bedrängt, freundlich lächeln und frei von Überheblichkeit sein. Einen Schüler mit solchen Eigenschaften nehme der Guru erst nach Prüfung an.
33.42 Einen Trägen, von Unreinheit Befleckten, Bedrängten, aus bedrängter Herkunft Stammenden, Heuchlerischen, Oberflächlichen, Jähzornigen oder einen, der sich nur für gelehrt hält,
33.43 einen von Leidenschaft Getriebenen, Kranken, Genusssüchtigen, nur von Unreifen Geschätzten, Gewalttätigen, Armen, Schlafsüchtigen, Entmutigten oder Niedriggesinnten,
33.44 einen Grausamen, Blinden, Tauben, Gehbehinderten, körperlich Entstellten oder als unheilvoll Geltenden, einen übermäßig Großen, Kleinen, Dicken oder Dünnen,
33.45 einen an sich Reißenden, Verachteten, Abstoßenden, Neidischen, einen, der sich mit der Frau eines anderen einlässt, einen Feigen, Harten oder Feind guter Menschen,
33.46 einen Habgierigen, Unkundigen, Starrsinnigen, mit Jägern Verbundenen, Bequemlichen, Schwatzhaften, schwer Zugänglichen, Übelredenden oder innerlich Verschlossenen, [mehrere Wörter dieser Reihe sind beschädigt],
33.47 einen Heftigen, Wilden, Zerstreuten, unter den Übeltätern Hervorragenden, von Dunkelheit Berührten, Bedrängten oder einen, der Menschen ihr Gutes nimmt, [mehrere Bestimmungen sind nicht sicher lesbar],
33.48 einen ausschließlich Eigennützigen, an Besitz Hängenden, mit nutzlosen Unternehmungen Beschäftigten oder Hinterlistigen: Einen solchen Schüler solle der Lehrer keinesfalls annehmen.
33.49 Nimmt er ihn dennoch an, berührt dessen Fehler gewöhnlich auch den Guru: wie der Fehler eines Ministers den König und nach dem Vergleich des Textes die Tat einer Frau ihren Ehemann.
33.50 Ebenso fällt eine Verfehlung des Schülers auf den Guru zurück, daran bestehe kein Zweifel. Wer aus Zuneigung oder Gier jemanden nicht durch Einweihung annimmt, [der Anschluss dieses Satzes an die vorherige Aussage ist problematisch],
33.51 über den Guru samt seinem Schüler komme nach der Warnung des Textes der Fluch der Gottheit. Die Hingabe, die man Vishnu, Mahadeva, Mutter, Vater oder dem König entgegenbringt, richte man stets auf die Lotusfüße des eigenen Gurus.
33.52 Der beim Lehrer lebende Schüler soll dessen Schatten, Anweisung, Sandalen, Schuhe, Stab, Liege- und Sitzstätte, Fahrzeug und auch dessen innere Absicht nicht übertreten beziehungsweise missachten.
33.53 Im Haus des Gurus lasse er Streit um Auslegungen, eigenwilliges Unabhängigkeitsstreben, von Begehren bestimmte Regungen, Schlafträgheit, verkehrtes Argumentieren und Zorn stets los.
33.54 Ungehöriges Verhalten, Ausscheiden von Kot und Urin, Ausspucken und Erbrechen soll der Kundige im Heiligtum beziehungsweise Haus des Gurus unterlassen. [Das erste Kompositum ist nicht eindeutig.]
33.55 Rohe Rede, Unwahrheit, Verleumdung, Schuldenmachen und Handel mit Besitz soll er in Gegenwart des Gurus unterlassen, ebenso Umgang mit dessen Gegnern. [Die letzte Personenbezeichnung ist beschädigt beziehungsweise mehrdeutig.]
33.56 Was der Guru anordnet, ob angenehm oder unangenehm und selbst wenn es schwer ist, soll er rasch mit geradem, aufrichtigem Geist ausführen.
33.57 Mit Handeln, Denken und einer von Hingabe erfüllten Rede verehre der Schüler den Guru ohne Verstellung, um sein eigenes geistiges Ziel zu verwirklichen.
33.58 Er spreche keine Worte, die Menschen beunruhigen, ihre guten Tätigkeiten vereiteln oder ihre tragende Ordnung zerstören.
33.59 Selbst wenn eine Kleidung schön, glänzend und dem eigenen Herzen erwünscht ist, solle er keine Tracht annehmen, die in seiner Umgebung Feindseligkeit hervorruft.
33.60 Ein Schüler, der so auf rechtes Verhalten bedacht ist und den Lehrer angemessen verehrt, erfüllt seine Aufgabe und freut sich in dieser und der jenseitigen Welt.
33.61 Wer mit täglich neu bereitem Herzen Götter, Seher, Ahnen, Gäste und Feuer ehrt, gewinnt hier die ersehnten Lebensgüter und geht nach dem Tod zur höchsten Stätte des ursprünglichen Purusha.
33.62 So wurde dir, Lotusgeborener, in diesem Tantra die Weltentfaltung gezeigt: durch Urnatur und ursprünglichen Laut, deren Umgestaltungen und Lautgruppen, durch die daraus hervorgehenden Planeten, Sternbilder und Bereiche, die verbundenen Elemente, Sinne und Eigenschaften, Sonne, Mond und Feuer; durch Mantras, ihre Gottheiten und Seher, Japa, Meditation, Feueropfer, Verehrung und die verschiedenen Yantras.
33.63 Sonne, Mond und Feuer nähren die Welten mit ihrer Kraft, die durch die Macht der Urnatur in unterschiedliche Strahlenanteile hervortritt. Verehrung jenem vollkommenen Licht, in dem sie alle ihren Grund haben!
Kolophon: Hier endet der 33. Paṭala im Prapanchasara des ehrwürdigen Shankara, des Paramahamsa-Wanderlehrers und Schülers des verehrungswürdigen Govinda Bhagavatpada.
Schlussvermerk der Sanskritvorlage: Das Prapanchasara ist vollständig.
Das Leben als Verehrung
Am Ende seiner weiten Wanderung durch Weltentstehung, Mantras, Gottheiten und Rituale fasst das Prapanchasara Tantra seinen Weg noch einmal zusammen (33.62). Der Schlussvers verneigt sich vor dem vollkommenen Licht, in dem Sonne, Mond und Feuer ihren Grund haben (33.63). Die vielen Formen der Verehrung münden so in die Hinwendung zu ihrem Ursprung.
Für das eigene Studium darf dieser große Bogen einfach beginnen: mit einem aufmerksam wiederholten Mantra, einem wahrhaftigen Wort und der Bereitschaft, einem Menschen Gutes zu tun. Die ethischen Lehren des Yoga-Kapitels und das Gebet in 20.68–69 führen die innere Übung immer wieder ins Leben zurück. Sammlung kann das Sprechen klären; Hingabe kann das Handeln von Selbstbezogenheit lösen.
Du musst nicht warten, bis du jede Lautzuordnung und jedes Ritual verstanden hast. Lies sorgfältig, übe geduldig und gib dem Gelesenen Zeit, in dir zu wirken. Die Frage, die dich begleiten kann, ist schlicht: Wie kann heute durch meine Gedanken, Worte und Taten mehr Klarheit und Güte sichtbar werden?
Begleitende Videos
Anregungen aus dem Yoga-Vidya-Angebot begleiten die Beschäftigung mit Meditation und spiritueller Praxis.
Siehe auch
- Sharada Tilaka Tantra
- Mantramahodadhi
- Parashurama Kalpasutra
- Nityotsava
- Yogini Hridaya
- Nitya Shodashikarnava
- Bhavana Upanishad
- Kama Kala Vilasa
- Kularnava Tantra
- Tantraloka
- Vijnana Bhairava Tantra
- Dakshinamurti Samhita
- Ajapa Japa
- Matrika
- Nyasa
- Pranava
Literatur und Textgrundlage
- Prapañcasāratantra, traditionell Shankara zugeschrieben: elektronische Sanskritfassung in Devanagari, 33 Paṭalas, 2.402 nummerierte Einheiten. Diese Fassung bildet die unmittelbare Textgrundlage. Die Datei nennt keine eindeutig identifizierbare Druckausgabe, keinen Herausgeber und kein Erscheinungsjahr; entsprechende Angaben werden deshalb nicht ergänzt.
- Vollständige Wiedergabe der Devanagari-Vorlage mit Eingangswidmung, Kapitelüberschriften, Nummerierung und Kolophonen.
- Regelbasiert erzeugte IAST-Umschrift derselben Vorlage. Sie ist keine unabhängige Textquelle.
- 108 ausgewählte Verse mit Konkordanz und belegten Mantraformen.
Textkritische Hinweise: Die doppelte Nummer 8.26 wird bewahrt; ihre zweite Nennung steht nach 8.75 und dürfte die Position von 8.76 einnehmen. In Kapitel 19 fehlt die Nummer 19.11. Elf weitere Verse tragen nur ihre lokale Verszahl. Für die deutsche Zitierung wurde bei diesen die zugehörige Kapitelzahl ergänzt. Schreibschäden und unverständliche Komposita bleiben in den Sanskritfassungen sichtbar; die Übersetzung benennt wesentliche Unsicherheiten vor Ort. Die Lautlisten 3.71 und 29.70 bleiben ohne sichere Bedeutungsübersetzung. Die vollständige Textabdeckung ist von der noch offenen Klärung beschädigter Lesarten zu unterscheiden. Ein vollständiger Editionsvergleich wurde nicht vorgenommen.
Zu den Abbildungen und Videos: Die Medien veranschaulichen verwandte Themen aus dem Yoga. Sie sind keine Abbildungen der zugrunde gelegten Handschrift oder Druckausgabe und keine versweisen Kommentare.
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Prapanchasara Tantra: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras