Nitya Shodashikarnava

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Nitya Shodashikarnava (Sanskrit: नित्याषोडशिकार्णव, IAST Nityāṣoḍaśikārṇava), auch Nityashodashikarnava, bedeutet sinngemäß „Ozean der sechzehn Nityas“. Die Nityas sind die ewigen Göttinnen der Shri Vidya, einer tantrischen Tradition der Verehrung von Tripurasundari. Das Werk verbindet die Hinwendung zur Göttin mit Mantra, Meditation, rituellen Gesten und dem Shri Chakra, ihrem heiligen Diagramm. Seine fünf Kapitel laden dazu ein, das Verhältnis von göttlicher Kraft, Laut, Körper und bewusster Verehrung genauer kennenzulernen.

Das Shri Yantra, auch Shri Chakra genannt, ist ein zentrales Verehrungsdiagramm der Shri Vidya. Allgemeine Illustration der Göttinnenverehrung.

Die Schrift beginnt mit einer Anrufung der Matrika, der göttlichen Mutter der Laute. Anschließend fragt Devi, die Göttin, nach einer Lehre, die ihr bisher nur angedeutet wurde. Bhairava, eine Gestalt Shivas, antwortet. Die Unterweisung führt von Namen und Formen der Göttinnen über die Gestaltung des Chakra bis zur Betrachtung der höchsten Herrin im eigenen Herzen (5.6). Äußere Verehrung und innere Sammlung gehören damit beide zum Horizont des Nitya Shodashikarnava.

Für Yogaübende kann diese Bild- und Klangwelt das Schriftenstudium bereichern: Ein Mantra lässt sich mit neuer Aufmerksamkeit hören, eine vertraute Meditation mit bewusster Hingabe beginnen. Zugleich enthält die Schrift historische Macht- und Schadensrituale, sexuelle Zwangsvorstellungen und weitreichende Wirkungsbehauptungen. Diese Aussagen bleiben in der Übersetzung erkennbar; sie sind historische Beschreibungen und keine heutigen Übungsempfehlungen. Die einfachen Praxisanregungen am Ende des Artikels sind davon getrennt.

Der folgende Text umfasst alle fünf Kapitel der hier wiedergegebenen Fassung: 378 nummerierte Textblöcke einschließlich der Eingangsanrufung, dazu zwei unnummerierte Schluss-Halbverse. Auf Sanskrit in IAST mit deutscher Übersetzung folgt der vollständige entsprechende Text in Devanagari. Andere Fassungen können in Wortlaut und Verszählung abweichen.

Name und Bedeutung des Titels

Nityā bedeutet „die Ewige“ und bezeichnet hier eine Göttin. Ṣoḍaśikā verweist auf die Gruppe der sechzehn; arṇava bedeutet Meer oder Ozean. Der Titel kündigt eine umfassende Lehre von den sechzehn ewigen Göttinnen an. Die Schreibweise Nitya Shodashikarnava ist für deutschsprachige Leser gut lesbar; für die genaue Sanskritumschrift dient Nityāṣoḍaśikārṇava.

Die Göttin erscheint zugleich als Vidyā. Dieses Wort bedeutet Wissen oder heilige Lehre und bezeichnet im Tantra auch eine göttliche Mantraform. Wenn die Göttin in 1.22 nach den sechzehn Vidyas fragt und Bhairava in 1.25–1.28 die Nityas nennt, stehen Wissen, Laut und göttliche Gestalt eng beieinander. Shakti bedeutet Kraft: die göttliche Wirkmacht, durch die Erscheinung und Handeln möglich werden.

Überlieferung, Umfang und verwandte Schriften

Nitya Shodashikarnava und Vamakeshvara Tantra

Das Nitya Shodashikarnava gehört zum Überlieferungszusammenhang des Vamakeshvara Tantra. Sein fünfkapiteliger Textbestand ist auch unter dem Titel Vāmakeśvarīmata, „Lehre der Vamakeshvari“, überliefert. In einer weiter gefassten Gesamtordnung stehen diesen fünf Kapiteln die drei Kapitel des Yogini Hridaya zur Seite. Diese Ordnung wird in der Einleitung der Ausgabe von 1945 erläutert.

Der Artikel Vamakeshvara Tantra stellt beide Textteile zusammen. Der vorliegende Artikel macht das Nitya Shodashikarnava als eigenständige Schrift zugänglich. Die Überschneidung des Sanskritbestandes ist deshalb beabsichtigt. Die drei Kapitel des Yogini Hridaya gehören zum zugehörigen Vergleichstext und werden hier nicht als Kapitel 6 bis 8 des Nitya Shodashikarnava angehängt.

Die Bezeichnung Pūrva-catuḥśatī, „vorderer Vierhundertverse-Teil“, ist eine traditionelle Umfangsangabe. Sie bedeutet nicht, dass jede Fassung genau vierhundert fortlaufend nummerierte vollständige Strophen enthält. Hier stehen 168, 78, 28, 71 und 33 nummerierte Textblöcke. Im vierten Kapitel ist die Nummer 58 zweimal überliefert; beide Verse bleiben erhalten. Die Eingangsanrufung 1.1–1.12 ist mitgezählt. Hinzu kommen die unnummerierten Schluss-Halbverse nach 2.78 und 3.28.

Im Sanskrit können Strichfolgen zwischen getrennten Textstücken stehen. Sie bleiben sichtbar und werden nicht mit erfundenen Wörtern gefüllt. Ein nummerierter Block ist deshalb nicht immer einer glatt überlieferten zweizeiligen Strophe gleichzusetzen. Bei schwer verständlichen Stellen steht der notwendige Hinweis unmittelbar am Vers.

Entstehungszeit und Kommentare

Das Nitya Shodashikarnava gehört zur vormodernen Sanskritliteratur der Shri Vidya. Eine genaue Entstehungszeit und ein historischer Verfasser sind nicht gesichert. Das Gespräch zwischen Devi und Bhairava ist die religiöse Offenbarungsform des Werkes. Es ersetzt keine historische Verfasserangabe. Auch Handschriftenalter, spätere Kommentierung und die Erscheinungsjahre moderner Ausgaben sind von der Entstehung des Grundtextes zu unterscheiden.

Zur Auslegungsgeschichte gehören Jayarathas Vāmakeśvarīmatavivaraṇa, Shivanandas Ṛjuvimarśinī, Vidyanandas Artharatnāvalī und Bhaskararayas Setubandha. Shivananda ist hier der ältere Sanskritkommentator; die Namensgleichheit macht ihn nicht zu Swami Sivananda des 20. Jahrhunderts. Die Kommentare erschließen knappe Ritualangaben und Lautchiffren, bieten aber auch unterschiedliche Deutungen. Wo die Übersetzung eine solche Erklärung benötigt, wird sie am Vers benannt.

Die Literatur nennt Druckausgaben von 1908, 1945 und 1985. Das sind Stationen der Editionsgeschichte, keine Entstehungsdaten des Tantra. Die vollständige Übersetzung der fortlaufenden Kommentare gehört nicht zum Umfang dieses Artikels; Jayarathas Eingangssprüche und Schlussstücke stehen als gesonderter Anhang.

Zum Verhältnis der Verszählungen

Die bisherige kurze Versauswahl dieses Artikels hatte an mehreren Stellen eine andere Zählung. Beispielsweise entspricht ihre Frage in 1.24 hier dem Vers 1.23. Die dortigen Nitya-Verse 1.27–1.29 verteilen sich hier auf 1.25–1.28. Außerdem enthält die bisherige Auswahl in 1.25 eine zusätzliche Bitte um gnädige Unterweisung. Ihre neun Verse stehen deshalb im Anhang mit eigener Kennzeichnung. So bleiben die abweichenden Lesungen nachvollziehbar, ohne zwei Fassungen unbemerkt ineinanderzuschieben.

Die sechzehn Nityas

Die Nityas sind unterschiedliche göttliche Gestalten innerhalb der Verehrung Tripurasundaris. Der Grundtext stellt Mahatripurasundari an den Anfang und nennt danach die weiteren Göttinnen (1.25–1.28). Diese Reihenfolge ist keine Tabelle der Mondtage. In der Shri-Vidya-Auslegung werden die fünfzehn einzelnen Nityas mit den fünfzehn Mondtagen einer Monatshälfte verbunden; die höchste Göttin umfasst sie als große Nitya. Die Kommentarliteratur entfaltet damit das Verhältnis von zeitlichem Wandel und göttlicher Fülle.

Reihenfolge Name Kurze Orientierung
1 Mahatripurasundari Höchste Göttin und große Nitya.
2 Kameshvari Herrin des Begehrens.
3 Bhagamalini Göttinnenname mit dem vieldeutigen Bestandteil bhaga.
4 Nityaklinna Wörtlich etwa „die immer Feuchte“.
5 Bherunda Eigenname einer Nitya.
6 Vahnivasini Die im Feuer Wohnende.
7 Mahavidyeshvari Herrin der großen Vidya.
8 Duti Die Botin.
9 Tvarita Die Schnelle.
10 Kulasundari Die Schöne des Kula, der spirituellen Familie oder Kraftgemeinschaft.
11 Nitya Hier auch der Eigenname einer einzelnen Göttin.
12 Nilapataka Die mit dem blauen Banner.
13 Vijaya Die Siegreiche.
14 Sarvamangala Die allseits Heilvolle.
15 Jvalamali In der abweichenden Versfassung: Jvalamalinika; verwandt mit dem Namen Jvalamalini.
16 Vichitra In der abweichenden Versfassung: Chitra.

Die beiden letzten Namen folgen hier der Gliederung in 1.28. Gleiche oder ähnliche Namen in anderen Göttinnengruppen dürfen nicht ohne Prüfung gleichgesetzt werden. Die Sprachgöttinnen bei den Lautgruppen bilden etwa einen eigenen Zusammenhang (1.60–1.63).

Inhalt und vollständige Kapitelübersicht

Die folgenden Themenüberschriften dienen der Orientierung und beschreiben den Inhalt der Kapitel. Sie sind keine zusätzlichen Sanskrit-Kapiteltitel.

Kapitel Umfang Inhalt Devanagari
1 1.1–1.168 Matrika-Anrufung, Tantraliste, Nityas, Aufbau des Shri Chakra, Mantras, Meditation und Verehrung der Göttin. Kapitel 1
2 2.1–2.78 und Schluss-Halbvers Anziehungs-, Unterwerfungs-, Schutz- und Schadensrituale mit Diagrammen und Mantras. Kapitel 2
3 3.1–3.28 und Schluss-Halbvers Handanordnungen, darunter Trikhanda-, Khechari-, Bija- und Yoni-Mudra. Kapitel 3
4 4.1–4.70; 4.58 zweimal Göttliche Kraft, Erkennen, Handeln und Wollen; Lautkräfte, Mantra-Waffen und Verehrung. Kapitel 4
5 5.1–5.33 Äußere und innere Verehrung, Rezitationsweisen, Gebetsketten und Feueropfer. Kapitel 5

Sanskrit in IAST mit deutscher Übersetzung

Jeder nummerierte Textblock hat einen eigenen deutschen Absatz. Eckige Klammern kennzeichnen Ergänzungen und notwendige Erläuterungen. Bīja bedeutet Keimsilbe: eine Lautform mit ritueller Bedeutung, die nicht immer wie ein gewöhnlicher Satz übersetzbar ist. Lautchiffren bleiben als solche erkennbar. Mudrā bezeichnet hier vor allem eine rituelle Handgeste; nyāsa das rituelle Auflegen oder Zuordnen von Mantras an Körperstellen. Pūjā ist die verehrende Zuwendung, japa die Wiederholung eines Mantras.

Überlieferter Sanskrittitel
atha
śrīvāmakeśvarīmatam
śrīmadrājānakajayarathaviracitavivaraṇopetam |
Nun die erhabene Vamakeshvarimata, versehen mit dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar.

Kapitel 1: Matrika, Nityas und Shri Chakra

prathamaḥ paṭalaḥ |
Erstes Kapitel.

1.1
gaṇeśagrahanakṣatrayoginīrāśirūpiṇīm |
devīṃ mantramayīṃ naumi mātṛkāṃ pīṭharūpiṇīm || 1 ||
Ich verehre die Göttin Matrika, die Mutter der Laute, deren Wesen Mantra ist. Sie nimmt die Gestalten der Ganeshas, Planeten, Mondhäuser, Yoginis und Tierkreiszeichen an; auch die heiligen Sitze sind ihre Gestalt.

1.2
praṇamāmi mahādevīṃ mātṛkāṃ parameśvarīm |
kālahallohalollolakalanāśamakāriṇīm || 2 ||
Ich verneige mich vor der großen Göttin Matrika, der höchsten Herrin. Sie bringt die aufgewühlte Bewegung der Zeit, die alles in einzelne Abschnitte gliedert, zur Ruhe.

1.3
yadakṣaraikamātre'pi saṃsiddhe spardhate naraḥ |
ravitārkṣyendukandarpaśaṅkarānalaviṣṇubhiḥ || 3 ||
Wer auch nur eine ihrer Silben vollkommen verwirklicht, kann es an Kraft mit Sonne, Garuda, Mond, Liebesgott, Shiva, Feuer und Vishnu aufnehmen.

1.4
yadakṣaraśaśijyotsnāmaṇḍitaṃ bhuvanatrayam |
vande sarveśvarīṃ devīṃ mahāśrīsiddhamātṛkām || 4 ||
Ich verehre die Göttin, die Herrin aller: die herrliche, vollendete Matrika. Das Mondlicht ihrer Silben schmückt die drei Welten.

1.5
yadakṣaramahāsūtraprotametajjagattrayam |
brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ vande tāṃ siddhamātṛkām || 5 ||
Ich verehre die vollendete Matrika. An ihrem großen Faden aus Silben sind diese drei Welten aufgereiht, bis hin zur Schale des Welteneies.

1.6
yadekādaśamādhārabījakoṇatrayodbhavam |
brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ jagadadyāpi dṛśyate || 6 ||
Noch heute erscheint die Welt bis zur Schale des Welteneies als aus den drei Ecken ihrer elften Keimsilbe [e] hervorgegangen. Diese Silbe ist ihre Grundlage.

Anmerkung: Jayaratha erläutert „ekādaśa“ ausdrücklich als den Vokal e. Die drei Ecken deutet er als Wollen, Erkennen und Handeln. Die Lautangabe [e] stammt aus dem Kommentar; sie wird nicht als zusätzliches Wort des Grundtextes ausgegeben.

1.7
akacādiṭatonnaddhapayaśākṣaravargiṇīm |
jyeṣṭhāṅgabāhuhṛtpṛṣṭhakaṭipādanivāsinīm || 7 ||
[Ich verehre sie,] deren Lautgruppen mit a, ka, ca, ṭa und ta beginnen und pa, ya und śa umfassen; sie wohnt im Haupt, in Armen, Herz, Rücken, Hüfte und Füßen. [Die auffällige Folge „akacādiṭatonnaddhapayaśā“ bleibt im Sanskrit unverändert; ihre Gliederung ist aus dem Kommentar erschlossen.]

1.8
tāmikārākṣaroddhārasārādhārāṃ parāparām |
praṇamāmi mahādevīṃ paramānandarūpiṇīm || 8 ||
Ich verneige mich vor jener großen Göttin, deren Gestalt höchste Wonne ist: der Höchsten und Nichthöchsten, deren wesentliche Grundlage die Heraushebung des Lautes i ist.

1.9
adyāpi yasyā jānanti na manāgapi devatāḥ |
keyaṃ kasmāt kva keneti svarūpārūpabhāvanām || 9 ||
Bis heute können selbst die Gottheiten nicht im Geringsten erfassen, wie sie als gestaltetes und gestaltloses [Sein] zu denken ist: „Wer ist sie? Woher, wo und wodurch [ist sie]?“

Anmerkung: Der Bezug von yasyāḥ liegt bei der Göttin, nicht beim eigenen Wesen der Gottheiten. Jayaratha erklärt svarūpa als sattva (Sein) und arūpa als asattva (Nichtsein). Seine Deutung betrifft die Grenzen begrifflicher Bestimmung; der Vers bestreitet nicht einfach die Existenz der Göttin.

1.10
vande tāmahamakṣayyakṣakārākṣararūpiṇīm |
devīṃ kulakalollolaprollasantīṃ paraulijām || 10 ||
Ich verehre jene Göttin, deren Gestalt der unvergängliche Laut kṣa ist, die im Aufwogen der Kula-Kräfte erstrahlt und aus der höchsten Überlieferungsreihe hervorgeht. [„paraulijām“ wird hier mit Jayarathas Erklärung auf die höchste Reihe bezogen.]

Anmerkung: Die Devanagari-Datei hat anfangs eine abweichende Folge „akṣayayakṣa“. Sie wurde nach der IAST-Fassung und dem kontrollierten Druck S. 13 zu „akṣayyakṣa“ berichtigt; dies ist keine neue Handschriftenlesung.

1.11
vargānukramayogena yasyā mātraṣṭakaṃ sthitam |
vande tāmaṣṭavargotthamahāsiddhyaṣṭakeśvarīm || 11 ||
Ich verehre die Herrin der acht großen Vollkommenheiten, die aus den acht Lautgruppen entstehen. Ihre acht Muttergöttinnen stehen in derselben Reihenfolge wie diese Gruppen.

1.12
kāmapūrṇajakārākhyaśrīpīṭhāntarnivāsinīm |
caturājñākośabhūtāṃ naumi śrītripurāmaham || 12 ||
Ich preise Shri Tripura, die in den heiligen Sitzen namens Kama, Purna, Ja und [dem vierten] Shri Pitha wohnt und die Schatzkammer der vier Weisungsüberlieferungen ist. [Die verkürzten Sitznamen sind nicht stillschweigend ausgeschrieben.]

Die Göttin spricht
[śrīdevy uvāca]
Die erhabene Göttin sprach.

1.13
bhagavansarvamantrāśca bhavatā me prakāśitāḥ |
catuṣṣaṣṭistu tantrāṇi mātṛṇāmuttamāni tu || 13 ||
Erhabener, du hast mir sämtliche Mantras offenbart, ebenso die vierundsechzig vorzüglichen Tantras der Muttergöttinnen:

1.14
mahāmāyā śambaraṃ ca yoginī jālaśambaram |
tattvaśambarakaṃ devaṃ bhairavāṣṭakameva ca || 14 ||
Mahāmāyā, Śambara, Yoginījālaśambara, Tattvaśambaraka, o Gott, und die acht Bhairava-[Tantras]; [die Lesung „devaṃ“ statt einer Anredeform ist auffällig.]

1.15
bahurūpāṣṭakaṃ jñānaṃ yāmalāṣṭakameva ca |
candrajñānaṃ vāsukiṃ ca mahāsaṃmohanaṃ tathā || 15 ||
die acht Bahurupa-Texte, Jnana und die acht Yamala-Texte, Chandrajnana, Vasuki und Mahasammohana;

1.16
mahocchuṣmaṃ mahādeva vāthulaṃ ca nayottaram |
hṛdbhedaṃ mātṛbhedaṃ ca guhyatantraṃ ca kāmikam || 16 ||
Mahocchushma, o großer Gott, Vathula, Nayottara, Hridbheda, Matri Bheda, Guhyatantra und Kamika;

1.17
kālapādaṃ kālasāraṃ tathānyat kubjikāmatam |
nayottaraṃ ca vīṇādyaṃ trotulaṃ bhrātulottaram || 17 ||
Kālapāda, Kālasāra und ferner Kubjikāmata, Nayottara und den mit Vīṇā beginnenden [Titel], Troṭula [Vorlage: trotula] und Bhrātulottara. [Die erneute Nennung von Nayottara bleibt erhalten.]

1.18
pañcāmṛtaṃ rūpabhedaṃ bhūtoḍḍāmarameva ca |
kulasāraṃ kuloḍḍīśaṃ kulacūḍāmaṇiṃ tathā || 18 ||
Panchamrita, Rupa Bheda, Bhutoddamara, Kulasara, Kuloddisha und Kulachudamani;

1.19
sarvajñānottaraṃ deva mahāpicumataṃ tathā |
mahālakṣmīmataṃ deva siddhayogīśvarīmatam || 19 ||
Sarvajnanottara, o Gott, Mahapichumata, Mahalakshmimata und Siddhayogishvarimata;

1.20
kurūpikāmataṃ deva rūpikāmatameva ca |
sarvavīramataṃ deva vimalāmatameva ca || 20 ||
Kurupikamata, o Gott, Rupikamata, Sarvaviramata und Vimalamata;

1.21
aruṇeśaṃ modaneśaṃ viśuddheśvarameva ca |
evametāni śāstrāṇi tathānyānyapi koṭiśaḥ || 21 ||
Arunesha, Modanesha und Vishuddheshvara: Diese Schriften und unzählige weitere …

1.22
bhavatoktāni me deva sarvajñānamayāni ca |
vidyāḥ ṣoḍaśa deveśa sūcitā na prakāśitāḥ || 22 ||
... diese Schriften, die alles Wissen enthalten, hast du mir gelehrt, o Gott. Die sechzehn Vidyas jedoch, Herr der Götter, hast du angedeutet, aber noch nicht offenbart.

1.23
idānīṃ śrotumicchāmi tāsāṃ nāmāni śaṅkara |
ekaikacakrapūjāṃ ca paripūrṇāṃ samantataḥ || 23 ||
Nun möchte ich, o Shankara, ihre Namen hören und die Verehrung jedes einzelnen Chakra kennenlernen, vollständig und in jeder Hinsicht,

1.24
anekadevatānāmamantramudrāgaṇaiḥ saha |
[śrībhairava uvāca – Bhairava spricht]
śṛṇu devi mahājñānaṃ vidyāṣoḍaśakārṇa-vam || 24 ||
... zusammen mit den Namen, Mantras und Mudra-Gruppen der zahlreichen Gottheiten. [Bhairava antwortet:] Höre, Göttin, dieses große Wissen: den Ozean der sechzehn Vidyas.

Anmerkung: Zwischen den beiden Halbversen steht im erklärenden Text der Sprecherwechsel zu Bhairava. Er gehört innerhalb dieser Versnummer an den Beginn der Antwort, nicht vor die Bitte der Göttin.

1.25
na kasyacinmayākhyātaṃ sarvatantreṣu gopitam |
tatrādau prathamā nityā mahātripurasundarī || 25 ||
Niemandem habe ich es mitgeteilt; in allen Tantras wird es geheim gehalten. Als erste Nitya steht darin Mahatripurasundari.

1.26
tataḥ kāmeśvarī nityā nityā ca bhagamālinī |
nityaklinnāpi hi tathā bheruṇḍā vahnivāsinī || 26 ||
Danach [folgen] die Nitya Kameshvari und die Nitya Bhagamalini, ferner Nityaklinna, Bherunda und Vahnivasini;

1.27
mahāvidyeśvarī dūtī tvaritā kulasundarī |
nityā nīlapatākā ca vijayā sarvamaṅgalā || 27 ||
Mahavidyeshvari, Duti, Tvarita und Kulasundari, Nitya, Nilapataka, Vijaya und Sarvamangala;

1.28
jvālāmālivicitrā cetyevaṃ nityāstu ṣoḍaśa |
śṛṇu devi mahānityāmādau tripurasundarīm || 28 ||
Jvalamali und Vichitra: Dies sind die sechzehn Nityas. Höre zunächst von der großen Nitya Tripurasundari. [Die Folge „jvālāmālivicitrā“ wird hier in zwei Namen gegliedert; andere Fassungen bieten andere Namensformen.]

1.29
yayā vijñātayā devi jagatkṣobhaḥ prajāyate |
śaktyā śaktiṃ vinirbhidya bhūyo vahnipureṇa tu || 29 ||
Wenn sie erkannt wird, Göttin, entsteht Erregung in der Welt. Nachdem man ein Shakti-[Dreieck] mit einem Shakti-[Dreieck] durchdrungen und ferner mit dem Feuerdreieck ...

1.30
saṃpuṭīkṛtya sarvordhvaśaktiṃ vistārayedadhaḥ |
tathaiva vahnicakreṇa tāmevordhvaṃ vibhedayet || 30 ||
... eingeschlossen hat, erweitere man das oberste Shakti-[Dreieck] nach unten. Ebenso durchdringe man es nach oben mit dem Feuer-Chakra.

1.31
tata ūrdhvasthitāṃ śaktimūrdhvaṃ vistārayet kramāt |
punarādyaṃ vahnicakramadho vistārya sundari || 31 ||
Dann erweitere man das oben befindliche Shakti-[Dreieck] schrittweise nach oben. Nachdem man wiederum das erste Feuer-Chakra nach unten erweitert hat, Schöne,

1.32
granthibhedakrameṇaiva śaktimādyāṃ vibhedayet |
tathā sarvordhvavahnyantaśaktiṃ vistārayedadhaḥ || 32 ||
... durchdringe man das erste Shakti-[Dreieck] in der Reihenfolge der Schnittpunkte. Auch das Shakti-[Dreieck] am Ende des obersten Feuers erweitere man nach unten.

1.33
tāmādicakrādhaḥśaktyā vahninordhvaṃ vibhedayet |
punaḥ pūrvavadevādyāṃ śaktiṃ vistārya bhedayet || 33 ||
Man durchdringe es nach oben mit dem Feuer, [ausgehend] von der Shakti unter dem ersten Chakra. Wiederum erweitere man wie zuvor die erste Shakti und durchdringe ...

1.34
ūrdhvavahnim - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - adhovahnimadhye vahnivivarjitam |
vistārya bhedayecchaktimadhastādūrdhvavahninā || 34 ||
... das obere Feuer; inmitten des unteren Feuers, ohne Feuer, erweitere und durchdringe man die Shakti von unten mit dem oberen Feuer. [Vorläufige geometrische Übersetzung: Die genaue Zuordnung von „vahnivivarjitam“ ist nicht gesichert. Die Strichfolgen stehen zwischen getrennt kommentierten Fragmenten.]

Anmerkung: Die geometrischen Verse 1.29–1.41 sind sprachlich übertragen, aber nicht durch eine unabhängig rekonstruierte Zeichnung verifiziert. Feuer und Shakti sind hier auch Bezeichnungen von Dreiecken.

1.35
ato madhyādiśaktyūrdhvaśaktiṃ vistārayedadha. |
tathaiva saṃpuṭīkuryāt sarvaṃ cakraṃ sureśvari || 35 ||
Dann erweitere man die Shakti oberhalb der mittleren ursprünglichen Shakti nach unten. Auf diese Weise schließe man das gesamte Chakra ein, Herrin der Götter. [„adha.“ steht so in der Vorlage; als „nach unten“ verstanden.]

1.36
tāṃ ca tena maheśāni vahnicakreṇa bhedayet |
granthibhedakrameṇādhaḥ sarvordhvātsarvabāhyataḥ || 36 ||
Man durchdringe sie, große Herrin, mit jenem Feuer-Chakra, in der Reihenfolge der Schnittpunkte nach unten, vom Allerobersten und vom Alleräußersten her,

1.37
madhyordhvaśaktiparyantam - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - ādiśaktyavadhipriye |
tato bāhyasthaśaktyantaḥśaktimūrdhvaṃ vikāsayet || 37 ||
... bis zur mittleren oberen Shakti, bis zur ursprünglichen Shakti, Geliebte. Dann entfalte man nach oben die Shakti innerhalb der äußeren Shakti. [Die beiden Grenzangaben bedürfen einer Überprüfung am Diagramm.]

1.38
sarvordhvavahnyadhovahniparyantaṃ vīravandite |
tathā vistārayecchaktimādyāmapyūrdhvamīśvari || 38 ||
Bis zum Feuer unter dem obersten Feuer, du von Helden Verehrte, erweitere man ebenso auch die ursprüngliche Shakti nach oben, Herrin.

1.39
tayā vibhedayedvahnicakraṃ sarvordhvasaṃsthitam |
sarvordhvavahnyadhobhāgagranthiparyantataḥ priye || 39 ||
Mit ihr durchdringt man das ganz oben liegende Feuerdreieck bis zum Schnittpunkt unter dem obersten Feuer, Geliebte.

1.40
vistārya vāhyaśaktiṃ tu sarvādhastādvibhedayet | *
tataḥ sṛṣṭyā mahācakraṃ prathamaṃ tu hutāśanam || 40 ||
Nachdem man die äußere Shakti erweitert hat, durchdringe man sie von ganz unten. Dann [ist] im großen Chakra das erste Feuer durch Schöpfung [bestimmt],

1.41
madhye tu dvitayaṃ sthityā saṃhāraṃ pañcamaṃ ca yat |
evametanmahācakraṃ mahāśrītripurāmayam || 41 ||
... die beiden mittleren durch Erhaltung und das fünfte durch Auflösung. So besteht dieses große Chakra aus der erhabenen Shri Tripura. [Welche fünf Glieder die Kurzfassung hier zählt, bleibt ohne gesicherten Diagrammabgleich offen.]

1.42
kledanaṃ drāvaṇaṃ caiva kṣobhaṇaṃ mohanaṃ tathā |
ākarṣaṇaṃ mahādevi jambhanaṃ stambhanaṃ tathā || 42 ||
[Seine Wirkungen sind] Befeuchten, Schmelzen, Erregen, Verblenden, Heranziehen, o große Göttin, Überwältigen und Stillstellen;

1.43
vyādhidāridryaśamanaṃ sarvadurnītināśanam |
śāntipuṣṭidhanārogyamantrasiddhikaraṃ param || 43 ||
[Das Chakra] besänftigt Krankheit und Armut, vernichtet alle schlechte Führung und bewirkt in höchstem Maße Frieden, Gedeihen, Wohlstand, Gesundheit und Mantra-Vollendung.

Anmerkung: Nach dem sichtbaren Haupttext der Ausgabe von 1945, S. 30, zu vyādhidāridryaśamanam berichtigt: „Besänftigung von Krankheit und Armut“. Die elektronische Erfassung hat vyādhidāsviśamanam. Beide Schriftfassungen sind entsprechend berichtigt; keine Handschriftenkonjektur.

1.44
bhogadaṃ mokṣadaṃ caiva khecaratvapravartakam |
sarvarakṣākaraṃ devi sarvānandakaraṃ tathā || 44 ||
Es gibt Genuss und Befreiung, bringt das Wandeln im Luftraum hervor, gewährt allen Schutz, Göttin, und bewirkt alle Wonne.

1.45
sarvakarmakaraṃ cāpi sarvakāryārthasādhakam |
sarvāveśakaraṃ devi sarvavedhakaraṃ punaḥ || 45 ||
Es vollbringt alle Handlungen, verwirklicht jedes Vorhaben, bewirkt jedes Eintreten [einer Kraft in einen Menschen] und jedes Durchdringen.

1.46
sarvatattvakaraṃ devi sarvājñānilayaṃ tathā |
sarvarddhisaṃyutaṃ caiva sarvaśreyaskaraṃ param || 46 ||
Es bringt sämtliche Wirklichkeitsprinzipien hervor und ist die Stätte aller Weisungen. Mit aller Fülle verbunden, bewirkt es das höchste Wohl.

1.47
sarvamantramayaṃ devi sarvatīrthamayaṃ punaḥ |
sarvavratamayaṃ caiva sarvāmṛtamayaṃ tathā || 47 ||
Es besteht aus allen Mantras, aus allen heiligen Stätten, aus allen Gelübden und aus allem Nektar der Unsterblichkeit.

1.48
sarvaduḥkhapraśanaṃ sarvaśokanivāraṇam |
sarvonmādakaraṃ devi sarvayogīśvarīmayam || 48 ||
Es beruhigt alles Leiden, beseitigt jeden Kummer, bewirkt jede Raserei und besteht aus allen Herrinnen des Yoga. [„sarvaduḥkhapraśanam“ wird als Beruhigung des Leidens verstanden.]

1.49
sarvapīṭhamayaṃ devi sarvajñānamayaṃ priye |
sarvadevamayaṃ devi sarvāhlādanakārakam || 49 ||
Es besteht aus allen heiligen Sitzen, aus allem Wissen und aus allen Gottheiten, Göttin, und bewirkt jede Freude.

1.50
sarvadaurbhāgyaśamanaṃ sarvavighnanivāraṇam |
sarvasiddhikaraṃ cakraṃ sarvāśāparipūrakam || 50 ||
Dieses Chakra besänftigt alles Unglück, beseitigt alle Hindernisse, gewährt alle Vollkommenheiten und erfüllt sämtliche Hoffnungen.

1.51
raudrābhicārakoccaṇḍaparamantraughabhakṣakam |
parasiddhyākarṣaṇaṃ ca parājñākarṣaṇaṃ tathā || 51 ||
Es verschlingt die Scharen fremder Mantras, die durch heftigen Schadenszauber mächtig sind. Die Vollkommenheiten und die Weisungsgewalt anderer zieht es an sich.

1.52
parasainyastambhakaṃ ca paravijñānamohanam |
paravaktrastambhakaṃ ca śastrastambhanakaṃ param || 52 ||
Es hält feindliche Heere auf, verwirrt fremde Erkenntnis, lässt fremde Münder verstummen und bringt Waffen zum Stillstand.

1.53
mahācamatkārakaraṃ mahābhuktipravartakam | *
mahāvaśyakaraṃ devi mahāsaubhāgyadāyakam || 53 ||
Es erweckt großes Staunen, eröffnet großen Genuss, bewirkt weitreichende Unterwerfung und verleiht großes Glück.

1.54
mahājvaraharaṃ devi mahāviṣaharaṃ param |
mahāmṛtyupraśamanaṃ mahābhayavināśanam || 54 ||
Es nimmt schweres Fieber und starkes Gift hinweg. Große Todesgefahr besänftigt es, große Furcht vernichtet es.

1.55
mahāpurakṣobhakaraṃ mahāsukhaśubhapradam |
mahālakṣmīmayaṃ devi mahāmaṅgalyadāyakam || 55 ||
Es versetzt große Städte in Erregung, gewährt großes Glück und Heil, besteht aus großer Fülle und verleiht großen Segen.

1.56
mahāprabhāvasaṃyuktaṃ mahāpātakanāśanam |
evametasya cakrasya prabhāvo varṇituṃ mayā || 56 ||
Es besitzt große Macht und vernichtet schwere Verfehlungen. Die Wirkkraft dieses Chakra kann ich auf diese Weise ...

1.57
na śakyate mahādevi kalpakoṭiśatairapi |
etadvāhyagataṃ padmamaṣṭapatraṃ samālikhet || 57 ||
… selbst in Hunderten von Millionen Weltaltern nicht beschreiben, große Göttin. Außen um das Chakra zeichnet man einen Lotus mit acht Blättern.

1.58
tadbāhyato'pi deveśi ṣoḍaśāraṃ tathaivaca |
pariveśasamāyuktaṃ caturdvāropaśobhitam || 58 ||
Außerhalb davon ebenso einen sechzehnblättrigen [Lotus], Herrin der Götter, mit Umfassung versehen und durch vier Tore geschmückt.

1.59
saṃsthitā tu mahācakre mahātripurasundarī |
śṛṇu devi yathā sā tu pūjyate sādhakottamaiḥ || 59 ||
Mahatripurasundari befindet sich im großen Chakra. Höre, Göttin, wie die vorzüglichsten Übenden sie verehren.

1.60
vargānukramayogena devatāṣṭakasaṃyutā |
avargaḥ prathamo devi vaśinī tatra devatā || 60 ||
Sie ist mit acht Gottheiten entsprechend der Reihenfolge der Lautgruppen verbunden. Die erste ist die a-Gruppe; ihre Gottheit ist Vashini.

1.61
tatparastu kavargo yastatra kāmeśvarī sthitā |
modinī tu cavargasthā ṭavarge vimalā tathā || 61 ||
Danach kommt die ka-Gruppe, in der Kameshvari wohnt; Modini befindet sich in der ca-Gruppe und Vimala in der ṭa-Gruppe.

1.62
aruṇā tu tavargasthā pavarge jayinī sthitā |
sarveśvarī yavarge tu śavarge kaulinīti ca || 62 ||
Aruna befindet sich in der ta-Gruppe, Jayini in der pa-Gruppe, Sarveshvari in der ya-Gruppe und Kaulini in der śa-Gruppe.

1.63
etā vargāṣṭake devi aṣṭāvevahi devatāḥ |
arcitāḥ puruṣasyāśu prakurvanti vaśaṃ jagat || 63 ||
Diese acht Gottheiten gehören zu den acht Lautgruppen. Verehrt, unterstellen sie einem Menschen rasch die Welt.

Matrika bezeichnet die göttliche Ordnung der Laute. Die Abbildung ist eine allgemeine Illustration.

1.64
uddharetprathamaṃ rephaṃ tadadhaḥ kuṭilāntagam |
tadapyavanibījasthaṃ ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 64 ||
Zuerst hebe man repha [r] heraus, darunter den Laut nach kuṭila [nach dem Kommentar v]; auch diesen setze man auf die Erdkeimsilbe [l], verbunden mit dem sechsten Vokal [ū].

Anmerkung: Die Lautangaben in eckigen Klammern stammen aus Jayarathas unmittelbar folgendem Kommentar. Seine Ergebnisform „rblū/“ stimmt nicht glatt mit der zuvor genannten Folge r–v–l–ū überein. Der Schrägstrich ist ein Erfassungszeichen der E-Text-Mantraform und wird nicht als Sanskritwort übersetzt.

1.65
ūrdhvamardhendubindvāḍhyaṃ kārayetparameśvari |
etattadvaśinībījaṃ yoginīnāṃ mukhe sthitam || 65 ||
Oben versehe man [die Verbindung] mit Halbmond und Punkt, höchste Herrin. Das ist Vashinis Keimsilbe, die im Mund der Yoginis wohnt. [Der Kommentar schreibt „rblū/“, obwohl er zuvor v erklärt; diese Abweichung bleibt ungeklärt.]

1.66
dvitīyavargātprathamamaindrārūḍhaṃ maheśvari |
adhastānnābhasaṃ bījamāgneyasthaṃ samuddharet || 66 ||
Man hebe den ersten Laut der zweiten Gruppe [k], auf Indra [l] ruhend, heraus; darunter die Himmelskeimsilbe [h], auf Feuer [r] ruhend, höchste Herrin,

1.67
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindukhaṇḍendvalaṅkṛtam |
etatkāmeśvarībījaṃ trailokyakṣobhakārakam || 67 ||
... verbunden mit dem vierten Vokal [ī], mit Punkt und Mondsichel geschmückt. Das ist Kameshvaris Keimsilbe, die die drei Welten erregt.

1.68
aruṇāpañcamasyādho vāruṇaṃ viniyojayet |
tadadho'pīndrabījaṃ tu sarvordhvabhiparaṃ priye || 68 ||
Unter den fünften Laut [n] der Aruna-[Gruppe] setze man den Wasserlaut [v]; darunter Indras Keimsilbe [l], ganz oben [den Punkt], mit ī verbunden, Geliebte. [Die Lautzuordnung folgt Jayaratha; die Erfassung „sarvordhvabhiparam“ bleibt auffällig.]

1.69
etattanmodinībījaṃ sarvatattvavaśaṅkaram |
vāyavyamindrabījasthaṃ ṣaṣṭhasvarasamanvitam || 69 ||
Das ist Modinis Keimsilbe, die alle Wirklichkeitsprinzipien unterwirft. Den Windlaut [y] setze man auf Indras Keimsilbe [l], verbunden mit dem sechsten Vokal [ū],

1.70
ardhendumastakākrāntaṃ bindunā paribhūṣitam |
etatte kathitaṃ devi vimalābījamuttamam || 70 ||
... mit dem Halbmond oben und dem Punkt geschmückt. Damit habe ich dir Vimalas vorzügliche Keimsilbe erklärt,

1.71
sarvapāpakṣayakaraṃ sarvopadravanāśanam |
jakāraṃ kālamārūḍhaṃ tadadho jvalanākṣaram || 71 ||
... die alle Verfehlungen aufhebt und alle Bedrängnisse vernichtet. Man setze j auf Kala [m] und darunter den Feuerlaut [r],

1.72
caturthasvarasaṃbhinnaṃ bindunādasamanvitam |
etattadaruṇābījamaruṇaṃ sarvamohanam || 72 ||
... durchsetzt mit dem vierten Vokal [ī], versehen mit Punkt und Klang. Das ist Arunas rote, alles bezaubernde Keimsilbe.

1.73
śivabījaṃ tadādisthamadhastādaindravāruṇau |
vāyavyamuparodbhinnaṃ saṃyojya parameśvari || 73 ||
Man verbinde Shivas Keimsilbe [h] mit dem davorstehenden [s], darunter Indra und Wasser [l, v], ferner Wind [y], durchsetzt mit dem nach u kommenden [ū], höchste Herrin.

1.74
jayinībījamevedaṃ nādabinduvibhūṣitam |
uddharenmodinīvargacaturthaṃ parameśvari || 74 ||
Dies ist Jayinis Keimsilbe, mit Klang und Punkt geschmückt. Man hebe den vierten Laut von Modinis Gruppe [jh] heraus, höchste Herrin,

1.75
adhaḥ kālāgnivāyavyān krameṇa viniyojayet |
dīrghāyurbījasaṃyuktānyathānukramayogataḥ || 75 ||
... und setze darunter nacheinander Kala, Feuer und Wind [m, r, y], verbunden mit der Keimsilbe langen Lebens [ū], in der angegebenen Reihenfolge,

1.76
uparīśvarabindvantānekatra surasundari |
etatsarveśvarībījaṃ sarvatraivāparājitam || 76 ||
... alles zusammen, oben abgeschlossen mit Ishvara und Punkt, Schöne unter den Göttern. Das ist Sarveshvaris Keimsilbe, die überall unbesiegt ist. [Die genaue graphische Funktion von „īśvara“ ist hier nicht unabhängig geklärt.]

1.77
kaulinīpañcamaṃ devi kālabījoparisthitam |
sarvādhastādapi tathā vahnibījaṃ niyojayet || 77 ||
Den fünften Laut von Kaulini [kṣ] setze man über Kalas Keimsilbe [m]; ganz darunter setze man die Feuerkeimsilbe [r],

1.78
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindvindusamalaṅkṛtam |
etadbījavaraṃ bhadre kaulinīrūpamāsthitam || 78 ||
... verbunden mit dem vierten Vokal [ī] und geschmückt mit Punkt und Mond. Diese vorzügliche Keimsilbe, Gütige, trägt Kaulinis Gestalt.

1.79
evametāni bījāni kramādaṣṭau maheśvari |
kathitāni mahādevi - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - śṛṇu vidyāṅgarūpiṇīḥ || 79 ||
So wurden diese acht Keimsilben der Reihe nach erklärt, höchste Herrin, große Göttin. Höre nun die [Vidyas], die Glieder der Vidya bilden.

1.80
karaśuddhikarīṃ vidyāṃ tathāṅganyāsasaṃsthitām |
ātmāsanagatāṃ cāpi tathā cakrāsanasthitām || 80 ||
[Höre] die Vidya zur Reinigung der Hände, die für das Auflegen auf die Körperglieder, die zum eigenen Sitz gehörende und die auf dem Chakra-Sitz befindliche,

1.81
sarvamantrāsanagatāṃ sādhyasiddhāsanasthitām |
devyāvāhanavidyāṃ ca - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - -mūlavidyāmapi priye || 81 ||
... die auf dem Sitz aller Mantras befindliche, die zum Sadhya-Siddha-Sitz gehörende, die Vidya zur Anrufung der Göttin und auch die Grundvidya, Geliebte.

1.82
vāgbhavaṃ prathamaṃ devi kāmarājaṃ dvitīyakam |
śāntāntaṃ kādisaṃyuktamaikārāntāntayojitam || 82 ||
Zuerst [nehme man] Vagbhava, Göttin, als Zweites Kamaraja; [als Drittes] den Laut nach dem auf ś Folgenden, verbunden mit dem vor ka Stehenden und mit dem nach dem auf ai Folgenden. [Jayaratha erklärt den dritten Teil als sauḥ; gemeint sind Lautoperationen, kein gewöhnlicher Satz.]

1.83
eṣā vidyā maheśāni karaśuddhikarī smṛtā |
e-omadhyagataṃ bījaṃ vāgvidhānāya kevalam || 83 ||
Diese Vidya gilt als Reinigung der Hände, höchste Herrin. Die zwischen e und o befindliche Keimsilbe, allein [mit Punkt], dient der Sprache,

1.84
rudrayāmalatantre tu nirdiṣṭaṃ paramākṣaram |
mādanaṃ śakrasaṃyuktaṃ caturthasvarasaṃyutam || 84 ||
... als höchster Laut im Rudrayamala Tantra bezeichnet. [Sodann] den zu Madana gehörenden Laut [k], verbunden mit Shakra [l] und dem vierten Vokal [ī],

1.85
ūrdhvamardhendubindvāḍhyam - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - ādyante tatparaṃ punaḥ |
śāntāntaṃ kādisaṃyuktamaikārāntāntayojitam || 85 ||
... oben mit Halbmond und Punkt versehen; am Ende des ersten [Gliedes] wiederum das darauf Folgende: den Laut nach dem auf ś Folgenden, mit dem vor ka Stehenden und mit dem nach dem auf ai Folgenden verbunden. [Der Satz wechselt zwischen der Erklärung von klīṃ und der umgestellten Gliederfolge aiṃ sauḥ klīṃ; die Deutung folgt Jayaratha.]

1.86
eṣā vidyā mahāvidyā yoginīnāṃ mahodayā |
kulavidyā maheśāni sarvakāryārthasādhakī || 86 ||
Diese große Vidya bringt den Yoginis großen Aufgang [ihrer Kraft]; sie ist die Kula-Vidya, höchste Herrin, und verwirklicht jedes Vorhaben.

1.87
anayā vidyayā gauri rakṣāmātmani kārayet |
etasyā eva vidyāyāḥ śivamāyāgnibindumat || 87 ||
Mit dieser Vidya bewirke man Schutz für sich selbst, Gauri. Von eben dieser Vidya [nehme man] die mit Shiva, Maya, Feuer und Punkt versehene ...

1.88
bījamādipade yuktvāṃ kāryātmāsanarūpiṇī |
punarvidyādyamasyordhvamantarantaṃ śivānvitam || 88 ||
... Keimsilbe [hrīṃ] an die Stelle des ersten Gliedes und bilde so die Vidya des eigenen Sitzes. Wiederum [verbinde man] das erste, mittlere und letzte Glied der Vidya oben mit Shiva [h]. [Für diesen zweiten Satz diskutiert Jayaratha zwei überlieferte Deutungen; keine davon wird als einzig mögliche ausgegeben.]

Anmerkung: Jayaratha stellt unterschiedliche Deutungen gegenüber, die er Ishvarashiva und Shankararashi zuordnet. Seine Erklärung ist daher selbst ein Zeugnis von Auslegungsvielfalt; keine harmonisierte Lautfolge wurde als Grundtext eingesetzt.

1.89
trailokyamohanīyaṃ sā vidyā cakrāsanasthitā |
punarādyāṃ mahāvidyāṃ śivacandrasamanvitām || 89 ||
Diese auf dem Chakra-Sitz befindliche Vidya bezaubert die drei Welten. Wiederum die ursprüngliche große Vidya mit Shiva und Mond [h und s] ...

1.90
kṛtvā kāmapradā vidyā sarvamantrāsanasthitā |
devyātmāsanavidyāyāḥ pūrvoktāyā yathākramam || 90 ||
... versehen, [ergibt] die wunscherfüllende Vidya auf dem Sitz aller Mantras. Bei der zuvor erklärten Vidya des eigenen Sitzes der Göttin, der Reihe nach,

1.91
antadeśe toyabinduśakraśaktīranukramāt |
saṃyojya parameśāni sākamardhendunā tataḥ || 91 ||
... verbinde man am Ende Wasser, Punkt, Shakra und Shakti [v, ṃ, l, ī] in ihrer Folge zusammen mit dem Halbmond, höchste Herrin.

1.92
kevalākṣarabhedena vidyā sādhyāsanasthitā |
haṃsasomasamārūḍhāmādyāmagnyāsanasthitām || 92 ||
Durch diese Änderung der einzelnen Silbe entsteht die Vidya auf dem Sadhya-Sitz. Die ursprüngliche [Vidya], auf Hamsa und Soma [h, s] gesetzt und auf dem Feuersitz [r] befindlich,

1.93
sarvārthasādhakī vidyā devyāvāhanakarmaṇi |
evametā mahāvidyā devi sarvārthasiddhidāḥ || 93 ||
... ist die alle Ziele verwirklichende Vidya für die Anrufung der Göttin. So verleihen diese großen Vidyas, Göttin, die Erfüllung aller Ziele.

1.94
mahātripurasundaryāṃ mūlavidyāṃ śṛṇu priye |
mādanaṃ tadadhaḥ śaktistadadho bindumālinī || 94 ||
Höre die Grundvidya Mahatripurasundaris, Geliebte: Madana [k], darunter Shakti [e], darunter Bindumalini [ī],

Anmerkung: Die drei Mantraglieder von 1.94–1.101 werden hier nach der vorliegenden Chiffrensprache übertragen. Die Ergebnisformen des Kommentars werden im Arbeitsarchiv dokumentiert. Eine geläufige Panchadashi-Folge wurde nicht an ihre Stelle gesetzt.

1.95
aindramākāśabījasthamadhastājjvalanākṣaram |
māyābindvīśvarayutā sarvopari niyojitā || 95 ||
... Indra [l], auf der Himmelskeimsilbe [h] ruhend, darunter der Feuerlaut [r]; Maya [ī], mit Punkt und Ishvara verbunden, wird ganz darüber gesetzt. [Die Funktionszuordnung folgt dem Kommentar; daraus darf nicht unbesehen ein standardisiertes Mantra anderer Fassungen eingesetzt werden.]

1.96
ayaṃ sa vāgbhavo devi vāgīśatvapravartakaḥ |
śivabījaṃ tridhā yuṅktvā sṛṣṭisthitilayakramaiḥ || 96 ||
Dies ist Vagbhava, Göttin, der Herrschaft über die Sprache hervorbringt. Nachdem man Shivas Keimsilbe dreifach nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung angeordnet hat,

1.97
dvayamādyena rahitamādyādho madanākṣaram |
punaḥ sthitiśivādhastādindrabījaṃ niyojayet || 97 ||
... halte man die beiden [folgenden] vom ersten getrennt; unter das erste setze man Madanas Laut [k], unter den Shiva der Erhaltung wiederum Indras Keimsilbe [l].

1.98
tathā layaśivādho'pi jvalanaṃ ca maheśvari |
caturthasvarasaṃyuktaṃ bindukhaṇḍendvalaṅkṛtam || 98 ||
Ebenso setze man unter den Shiva der Auflösung Feuer [r], verbunden mit dem vierten Vokal [ī] und geschmückt mit Punkt und Mondsichel.

1.99
evametanmahābījaṃ kāmarājaṃ mahodayam |
māyābījaṃ maheśāni mādanaṃ śakrasaṃyutam || 99 ||
So [entsteht] diese große Keimsilbe Kamaraja mit großer Entfaltung. [Sodann nehme man] Mayas Keimsilbe, höchste Herrin, und Madana, mit Shakra verbunden,

1.100
candrabījaṃ kevalaṃ tu viniyojyaṃ varānane |
tyaktvā sṛṣṭikramaṃ devi prāguccārakrameṇa tu || 100 ||
... ferner die Mondkeimsilbe und den einzelnen [Laut], Schöne. Unter Aufgabe der Schöpfungsfolge, jedoch mit der früheren Aussprachefolge,

1.101
saṃhārakramayogena śaktibījaṃ samuddharet |
evameṣā mahāvidyā mahātripurasundarī || 101 ||
... hebe man nach der Auflösungsfolge die Shakti-Keimsilbe heraus. So ist diese große Vidya Mahatripurasundari,

1.102
saṃsmṛtaiva mahādevi trailokyavaśakāriṇī |
etayaitasya cakrasya sādhako'rcanamārabhet || 102 ||
... die schon durch bloßes Erinnern die drei Welten unterwirft, große Göttin. Mit ihr beginne der Übende die Verehrung dieses Chakra.

1.103
kuṅkumāruṇadehastu vastrāruṇavibhūṣitaḥ |
tāmbūlapūritamukho dhūpāmodasugandhitaḥ * || 103 ||
Sein Körper ist durch Safran gerötet, er ist mit roten Gewändern geschmückt, sein Mund mit Betel gefüllt und er duftet nach Weihrauch;

1.104
karpūrakṣodadigdhāṅgo raktābharaṇamaṇḍitaḥ |
raktapuṣpāvṛto maunī raktagandhānulepanaḥ || 104 ||
Seine Glieder sind mit Kampferpulver bestrichen und mit rotem Schmuck und roten Blumen bedeckt. Schweigend trägt er rote Duftsalben.

1.105
raktāsanopaviṣṭastu lākṣāruṇagṛhasthitiḥ |
sarvaśṛṅgāraveśāḍhyastripurīkṛtavigrahaḥ || 105 ||
Er sitzt auf rotem Sitz, befindet sich in einem lackroten Haus, ist mit allem Liebesschmuck ausgestattet und hat seinen Leib zur Gestalt Tripuras gemacht.

1.106
manaḥsaṃkalparakto vā sādhakaḥ sthiramānasaḥ |
bhūpradeśe same śuddhe gomayenopalepite || 106 ||
Oder der standhafte Übende ist durch die Vorstellung seines Geistes gerötet. Auf einem ebenen, reinen, mit Kuhdung bestrichenen Stück Erde,

1.107
puṣpaprakarasaṃkīrṇe dhūpāmodasugandhite |
sindūrarajasā devi kuṅkumenāthavā punaḥ || 107 ||
... mit Blumen bestreut und nach Weihrauch duftend, zeichne man, Göttin, mit rotem Sindura-Pulver oder Safran ...

1.108
ālikhetprathamaṃ cakraṃ samarekhaṃ manoramam |
samatrikoṇaśaktyagraṃ saśrīkamatisundaram || 108 || *
... zuerst das Chakra: mit gleichmäßigen Linien, anmutig, mit gleichmäßigen Dreiecken und Shakti-Spitzen, herrlich und sehr schön.

1.109
dhyātvā puratrayaṃ devi bījatrayasamanvitam |
sarvādyavidyayā devi karaśuddhiṃ tu kārayet || 109 ||
Nachdem man die drei Städte, verbunden mit den drei Keimsilben, meditiert hat, reinige man die Hände mit der allerersten Vidya, Göttin.

1.110
tata ātmāsanaṃ dadyāccakrāsanamatheśvari |
sarvamantrāsanaṃ devi sādhyasiddhāsanaṃ tathā || 110 ||
Dann gebe man den eigenen Sitz, den Chakra-Sitz, den Sitz aller Mantras und den Sadhya-Siddha-Sitz.

1.111
tato rakṣāṃ prakurvīta pūrvoktakulavidyayā |
ṣaḍaṅganyāsayogena namaskāraniyuktayā || 111 ||
Darauf bewirke man Schutz durch die zuvor beschriebene Kula-Vidya, verbunden mit Verehrung, durch Auflegen auf die sechs Körperglieder.

1.112
śikhālalāṭabhrūmadhyakaṇṭhahṛnnābhigocare |
ādhāre'pyūhakaṃ yāvannyāsamaṣṭabhirācaret || 112 ||
An Haarkrone, Stirn, Brauenmitte, Kehle, Herz und Nabel sowie an der Grundlage bis zu ūhaka [den Füßen] vollziehe man Nyasa mit den acht [Keimsilben]. [Jayaratha erläutert ūhaka hier als Hinweis auf den Fuß und die Acht als Vashinis und der anderen Göttinnen Keimsilben; die Übersetzung folgt dieser ausdrücklichen Erklärung.]

Darstellung der Devi zur Begleitung der folgenden Meditation über Tripurasundari. Allgemeine Illustration.

1.113
tataḥ padmanibhāṃ devīṃ bālārkakiraṇāruṇām |
japākusumasaṅkāśāṃ dāḍimīkusumopamām || 113 ||
Dann [betrachte man] die Göttin: einem Lotus gleich, rot wie die Strahlen der jungen Sonne, Hibiskus- und Granatapfelblüten ähnlich,

1.114
padmarāgapratīkāśāṃ kuṅkumodakasaṃnibhām |
sphuranmukuṭamāṇikyakiṅkiṇījālamaṇḍitām || 114 ||
... einem Rubin und Safranwasser gleich, geschmückt mit funkelnden Kronenrubinen und einem Netz kleiner Glöckchen,

1.115
kālālikulasaṃkāśakuṭilālakapallavām |
pratyagrāruṇasaṃkāśavadanāmbhojamaṇḍalām || 115 ||
... mit lockigen Haarsträhnen, schwarzen Bienenschwärmen gleich, und einem Lotusantlitz wie frisch aufleuchtendes Rot,

1.116
kiṃcidardhendukuṭilalalāṭamṛdupaṭṭikām |
pinākidhanurākārasubhruvaṃ parameśvarīm || 116 ||
... mit sanfter Stirn, leicht wie ein Halbmond gebogen, und schönen Brauen in der Form von Shivas Bogen, die höchste Herrin,

1.117
ānandamuditollolalīlāndolitalocanām |
sphuranmayūkhasaṃghātavitatasvarṇakuṇḍalām || 117 ||
... deren Augen sich spielerisch im Aufwogen freudiger Wonne bewegen und deren goldene Ohrringe Scharen funkelnder Strahlen verbreiten,

1.118
sugaṇḍamaṇḍalābhogajitendvamṛtamaṇḍalām |
viśvakarmādinirmāṇasūtrasuspaṣṭanāsikām || 118 ||
... deren schöne, volle Wangen die Nektarscheibe des Mondes übertreffen, deren Nase nach den Gestaltungsregeln Vishvakarmans und anderer [Meister] klar geformt ist,

1.119
tāmravidrumabimbābharaktoṣṭhīmamṛtopamām |
smitamādhuryavijitamādhuryarasagocarām || 119 ||
... mit roten Lippen wie Kupfer, Koralle und Bimba-Frucht, nektargleich, deren süßes Lächeln alle erfahrbare Süße übertrifft,

1.120
anaupamyaguṇopetacibukoddeśaśobhitām |
kambugrīvāṃ viśālākṣīṃ mṛṇālalalitairbhujaiḥ || 120 ||
... geschmückt mit einem Kinn unvergleichlicher Schönheit, mit muschelförmigem Hals, großen Augen und lotusfasergleichen anmutigen Armen,

1.121
raktotpalasamākārasukumārakarāmbujām |
karāmbujanakhadyotavitānitanabhastalām || 121 ||
... mit zarten Lotushänden wie rote Wasserlilien, deren Nägel den Himmelsraum mit ihrem Glanz erfüllen,

1.122
muktāhāralatopetasamunnatapayodharām |
trivalībalanāyuktamadhyadeśasuśobhitām || 122 ||
... mit hochgewölbten, von Perlenschnüren geschmückten Brüsten und einer schönen Taille mit drei Falten,

1.123
lāvaṇyasaridāvatākāranābhivibhūṣitām |
anargharatnaghaṭitakāñcīyuktanitambinīm || 123 ||
Ihr Nabel gleicht einem Strudel im Fluss der Schönheit. Um ihre Hüften liegt ein Gürtel aus unschätzbaren Edelsteinen.

1.124
nitambabimbadviradaromarājyaparāṅkuśām |
kadalīlalitastambhasukumārorumīśvarīm || 124 ||
... deren Haarlinie wie ein höchster Treibstachel den Elefanten ihrer vollen Hüften lenkt: die Herrin mit zarten Schenkeln wie anmutige Bananenstämme. [Die Zuordnung des ersten Bildes bleibt vorläufig.]

1.125
lāvaṇyakadalītulyajaṅghāyugalamaṇḍitām | *
namadbrahmaśiroratnanirghṛṣṭacaraṇāmbujām || 125 ||
... geschmückt mit einem Paar Unterschenkeln wie schöne Bananenstämme, deren Lotusfüße von den Edelsteinen auf dem Haupt des sich verneigenden Brahma berührt werden,

1.126
śītāṃśuśatasaṃkāśakāntisantānahāsinīm |
lauhityajitasindūrajapādāḍimarāgiṇīm || 126 ||
... lächelnd in einer Folge von Glanz wie hundert Monde, in ihrer Röte Sindura, Hibiskus und Granatapfel übertreffend,

1.127
raktavastraparīdhānāṃ pāśāṅkuśakarodyatām |
raktapadmaniviṣṭāṃ tu raktābharaṇamaṇḍitām || 127 ||
... in rote Gewänder gehüllt, Schlinge und Treibstachel in den Händen erhoben, auf rotem Lotus sitzend und mit rotem Schmuck geziert,

1.128
caturbhujāṃ trinetrāṃ tu pañcabāṇadhanurdharām |
karpūraśakalonmiśratāmbūlāpūritānanām || 128 || *
Sie hat vier Arme und drei Augen. Sie trägt einen Bogen und fünf Pfeile. Ihr Mund ist mit Betel gefüllt, der mit kleinen Kampferstücken vermischt ist.

1.129
mahāmṛgamadoddāmakuṅkumāruṇavigrahām |
sarvaśṛṅgāraveśāḍhyāṃ sarvālaṅkārabhūṣitām || 129 ||
... mit einem durch Safran und starken Moschus geröteten Leib, reich an allem Liebesschmuck und mit sämtlichen Zierden ausgestattet,

1.130
jagadāhlādajananīṃ jagadrañjanakārikām |
jagadākarṣaṇakarīṃ jagatkāraṇarūpiṇīm || 130 ||
... die Freude der Welt hervorbringend, die Welt erfreuend und anziehend, die selbst die Ursache der Welt ist,

1.131
sarvamantramayīṃ devīṃ sarvasaubhāgyasundarīm |
sarvalakṣmīmayīṃ nityāṃ paramānandananditām || 131 ||
... die aus allen Mantras bestehende Göttin, schön durch alles Glück, erfüllt von aller Herrlichkeit, die Ewige, die sich in höchster Wonne freut.

1.132
mahātripuramudrāṃ tu smṛtvāvāhanarūpayā |
vidyayāvāhya subhage namaskāraniyuktayā || 132 ||
Nachdem man die große Tripura-Mudra vergegenwärtigt hat, rufe man, Glückliche, mit der zur Anrufung dienenden und mit Verehrung verbundenen Vidya ...

1.133
pūrvoktayā sādhakendro mahātripurasundarīm |
cakramadhye tu saṃcintya - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - tataḥ pūjanamārabhet || 133 ||
... der zuvor genannten, Mahatripurasundari herbei. Der treffliche Übende betrachte sie in der Mitte des Chakra und beginne dann die Verehrung.

1.134
śivāgnibindavo devi dinakṛdvahnibindavaḥ |
yugapatkramarūpeṇa yojanīyā maheśvari || 134 ||
Shiva, Feuer und Punkt sowie Sonne, Feuer und Punkt sind, Göttin, zugleich und in der Reihenfolge zu verbinden, höchste Herrin.

1.135
māyārdhendusamāyuktaṃ bījayugmaṃ yadutthitam |
māyālakṣmīmayaṃ tena pūjyāstatrāṣṭa mātaraḥ || 135 || *
Die so entstandenen zwei Keimsilben, verbunden mit Maya und Halbmond, bestehen aus Maya und Lakshmi; mit ihnen sind dort die acht Mütter zu verehren. [Jayaratha erklärt hrīṃ und śrīṃ.]

1.136
brahmaṇī paścimadvāre māheśvaryapi cottare |
pūrve caiva tathendrāṇī kaumārī dakṣiṇe tathā || 136 ||
Brahmani am westlichen Tor, Maheshvari im Norden, Indrani im Osten und Kaumari im Süden;

1.137
vaiṣṇavyapica vāyavye vārāhīmīśadiggatām |
cāmuṇḍāṃ devi cāgneye mahālakṣmīṃ tu nair-ṛte || 137 ||
Vaishnavi im Nordwesten, Varahi im Nordosten, Chamunda im Südosten und Mahalakshmi im Südwesten.

1.138
kāmākarṣaṇarūpā ca buddhyākarṣasvarūpiṇī |
ahaṅkārākarṣiṇī ca śabdākarṣasvarūpiṇī || 138 ||
[Es folgen] die das Begehren Anziehende, die den Verstand Anziehende, die das Ichbewusstsein Anziehende und die den Klang Anziehende;

1.139
sparśākarṣaṇarūpā ca rūpākarṣaṇakāriṇī |
rasākarṣakarī devī gandhākarṣakarī tathā || 139 ||
die Berührung Anziehende, die Form Anziehende, die Geschmack Anziehende und die Geruch Anziehende;

1.140
cittākarṣaṇarūpā ca dhairyākarṣasvarūpiṇī |
smṛtyākarṣaṇarūpā ca nāmākarṣaṇakāriṇī || 140 ||
die das Denken Anziehende, die Standhaftigkeit Anziehende, die Erinnerung Anziehende und die Namen Anziehende;

1.141
bījākarṣaṇarūpānyā ātmākarṣasvarūpiṇī |
amṛtasyākarṣaṇī ca śarīrākarṣaṇī parā || 141 ||
die Keimsilbe Anziehende, die Selbst Anziehende, die Unsterblichkeitsnektar Anziehende und die höchste, den Körper Anziehende.

1.142
ṣoḍaśāre mahādevi vāmamārgeṇa pūjayet |
māyālakṣmīkalābhistu kalāṣoḍaśakaṃ tvidam || 142 ||
Diese sechzehn Kräfte verehre man im sechzehnblättrigen [Lotus] auf dem linken Weg mit den Kräften von Maya und Lakshmi. [Hier erläutert Jayaratha eine Umlaufrichtung aus Sicht des Übenden.]

1.143
anaṅgakusumāṃ pūrve dakṣiṇe'naṅgamaṅgalām |
paścime'naṅgamathanāmuttare madanottarām || 143 ||
[Man verehre] Anangakusuma im Osten, Anangamangala im Süden, Anangamathana im Westen und Madanottara im Norden;

1.144
anaṅgalekhāmāgneye nair-ṛte'naṅgavāsinīm |
anaṅgāṅkuśāṃ vāyavya īśāne'naṅgamālinīm || 144 ||
Anangalekha im Südosten, Anangavasini im Südwesten, Anangankusha im Nordwesten und Anangamalini im Nordosten.

1.145
sarvasaṃkṣobhiṇī śaktiḥ sarvavidrāvaṇī tathā |
sarvākarṣakarī cānyā sarvāhlādakarī tathā || 145 ||
[Es folgen] die alles Erregende, die alles Vertreibende, die alles Anziehende und die alles Erfreuende;

1.146
sarvasaṃmohanī śaktiḥ sarvastambhanarūpiṇī |
sarvajambhanarūpā tu sarvato vaśakāriṇī || 146 ||
die alles Verblendende, die alles Stillstellende, die alles Überwältigende und die in jeder Hinsicht Unterwerfende;

1.147
sarvarañjanaśaktiśca sarvonmādasvarūpiṇī |
sarvārthasādhakī śaktiḥ sarvāśāparipūrakī || 147 ||
die alles Beglückende, die alles in Raserei Versetzende, die alle Ziele Verwirklichende und die alle Hoffnungen Erfüllende;

1.148
sarvamantramayī devī sarvadvandvakṣayaṅkarī |
vāmāvartakrameṇaiva paścimādeva dakṣiṇam || 148 ||
die Göttin aus allen Mantras und die alle Gegensatzpaare Aufhebende. In Linksumwendung nehme man vom Westen aus den Süden ...

1.149
gṛhītvā pūjayedetā devīstribhuvaneśvarīḥ |
sarvasiddhipradā śaktiḥ sarvasaṃpatpradā tathā || 149 ||
... [als weiteren Verlauf] und verehre diese Göttinnen, die Herrinnen der drei Welten. [Es folgen] die alle Vollkommenheiten und die allen Reichtum Verleihende;

1.150
sarvapriyaṅkarī cāpi sarvamaṅgalakāriṇī |
sarvakāmapradā devī sarvaduḥkhavimocinī || 150 ||
die alles Angenehme und alles Heilvolle Bewirkende, die alle Wünsche Gewährende und die von allem Leid Befreiende;

1.151
sarvamṛtyupraśamanī sarvavighnavināśinī |
sarvāṅgasundarī devī sarvasaubhāgyakāriṇī || 151 ||
die allen Tod Besänftigende, die alle Hindernisse Vernichtende, die an allen Gliedern Schöne und die alles Glück Bewirkende.

1.152
tathaiva devadeveśi punarevādyavidyayā |
dvitīyāvaraṇe devi devīdaśakamarcayet || 152 ||
Ebenso verehre man wiederum mit der ursprünglichen Vidya diese zehn Göttinnen in der zweiten Umhüllung, Göttin, Herrin des Gottes der Götter.

1.153
sarvajñā sarvaśaktiśca sarvaiśvaryapradāyinī |
sarvajñānamayī devī sarvavyādhivināśinī || 153 ||
[Es folgen] die Allwissende, die Allmächtige, die alle Herrschaft Verleihende, die aus allem Wissen Bestehende und die alle Krankheiten Vernichtende;

1.154
sarvādhārasvarūpā tu sarvapāpaharī tathā |
sarvānandamayī devī sarvarakṣāsvarūpiṇī || 154 ||
die Grundlage von allem, die alle Verfehlungen Hinwegnehmende, die ganz aus Glückseligkeit Bestehende und die allen Schutz Verkörpernde;

1.155
punareva maheśāni sarvepsitaphalapradā |
daśamī devatā khyātāḥ svanāmasadṛśodayāḥ || 155 ||
ferner die alle ersehnten Früchte Verleihende als zehnte Gottheit. Sie sind bekannt dafür, entsprechend ihren eigenen Namen wirksam zu werden.

1.156
evametā mahādevīrdevi sarvārthasiddhidāḥ |
pūrvoktena vidhānena tṛtīyāvaraṇe'rcayet || 156 ||
Diese großen Göttinnen, die alle Ziele verwirklichen, werden wie zuvor beschrieben in der dritten Umhüllung des Chakra verehrt.

1.157
ādyacakre maheśāni śṛṇu pūjāṃ yathākramam |
ekaikaṃ devatānāma pūrvoktaṃ bījasaṃyutam || 157 ||
Höre nun der Reihe nach die Verehrung im ursprünglichen Chakra, große Herrin: jeden zuvor genannten Gottheitsnamen, mit der Keimsilbe verbunden,

1.158
adhastāddevadeveśi vāmamārgeṇa pūjayet |
yāvaddakṣiṇamārgaṃ tu raktapuṣpairmaheśvari || 158 ||
... verehre man von unten aus auf dem linken Weg bis zur rechten Seite mit roten Blumen, höchste Herrin.

1.159
paścimottarapūrvādidakṣiṇānukrameṇa tu |
cakramadhye catuṣkaṃ tu krameṇa paripūjayet || 159 ||
In der Reihenfolge Westen, Norden, Osten und Süden verehre man die Vierergruppe in der Mitte des Chakra.

1.160
kāmabāṇānmaheśāni dhanustatpāśameva ca |
jambhamohavaśastambhapadaiḥ sahitamaṅkuśam || 160 ||
[Man verehre] Kamas Pfeile, seinen Bogen, seine Schlinge und seinen Treibstachel, zusammen mit den Wörtern für Überwältigung, Verblendung, Unterwerfung und Stillstellung.

1.161
sarvamadhyatrikoṇe'pi pūjayenmūlavidyayā |
kevalākṣarabhedena samastavyastayeśvari || 161 ||
Im Dreieck in der Mitte von allem verehre man mit der Grundvidya, durch Unterscheidung der einzelnen Silben, zusammen und einzeln, Herrin:

1.162
kāmeśvarīmagrakoṇe vajreśīṃ dakṣiṇe tathā |
vāme'pi bhagamālāṃ tu madhye tripurasundarīm || 162 ||
Kameshvari an der vorderen Ecke, Vajreshi rechts, Bhagamala links und Tripurasundari in der Mitte.

1.163
evaṃ pūjāvidhānaṃ tu kṛtvādau sādhakottamaḥ |
dhūpagandhādinaivedyatarpaṇāni nivedayet || 163 ||
Nachdem der vorzügliche Übende zunächst diese Verehrung vollzogen hat, bringe er Räucherwerk, Duftstoffe, Speisegaben und Sättigungsgaben dar.

1.164
saṃkṣobhadrāvaṇākarṣāveśonmādamahāṅkuśāḥ |
khecarībījarūpādiyonimudrāstvanukramāt || 164 ||
[Die Mudras heißen] Erregung, Vertreibung, Heranziehung, Eintritt, Raserei, großer Treibstachel, Khechari, Keimgestalt und weitere sowie Yoni, in ihrer Reihenfolge. [„ādi“ lässt weitere Glieder zu; Jayaratha bezieht die Trikhanda-Mudra ein.]

1.165
viracya sādhakendrastu dhyānaṃ kuryātsamāhitaḥ |
binduṃ saṃkalpya vaktraṃ tu tadadhastātkucadvayam || 165 ||
Nachdem er sie gebildet hat, meditiere der treffliche Übende gesammelt. Er stelle sich den Punkt als Gesicht vor, darunter ein Paar Brüste,

1.166
tadadhaḥ saparārddhaṃ ca cintayettadadhomukham |
evaṃ kāmakalārūpamakṣaraṃ yatsamutthitam || 166 ||
Darunter stelle man sich die Hälfte des auf sa folgenden [Lautes ha] vor und betrachte dies nach unten gewandt. Das Unvergängliche, das so in Gestalt der Kamakala hervorgetreten ist, ...

Anmerkung: Der Satz läuft in 1.167 weiter. Jayaratha zerlegt saparārdha zunächst als „Hälfte des auf sa folgenden ha“ und erläutert eine Lautgestalt ohne vollen Vokal. Daneben legt er dieselbe Wendung über Bewusstsein, Atem und Körper sowie über weitere Lautoperationen aus. Diese mehrfache Auslegung wird hier nicht zu einer einzigen gesicherten Zeichenkonstruktion vereinheitlicht.

1.167
kāmādiviṣamokṣāṇāmālayaṃ paramaṃ dhruvam |
tadeva tattvapravaraṃ nijadehaṃ vicintayet || 167 ||
... die höchste, beständige Wohnstätte von Kama, Visha und Moksha [den drei zuvor erläuterten Mantragliedern] und den weiteren [Kräften und Vollendungen], eben dieses vorzüglichste Wirklichkeitsprinzip betrachte man als den eigenen Leib.

Anmerkung: Kama, Visha und Moksha werden hier als technische Namen aufgenommen; 4.17–4.18 erläutert die Beziehung zu den drei Mantragliedern. Jayaratha versteht ādi („und weiteres“) auch als Hinweis auf die anschließend behandelten begrenzten Siddhis. Der Anschluss an 1.166 wurde entsprechend berichtigt.

1.168
dhyātvā cakreṇa sahitāṃ tatastripurasundarīm |
svamudrayā sādhakendraḥ kṣamasveti visarjayet || 168 ||
Nachdem der vorzügliche Übende über Tripurasundari zusammen mit ihrem Chakra meditiert hat, verabschiede er sie mit der zugehörigen Mudra und den Worten: „Vergib!“

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe prathamaḥ paṭalaḥ || 1 ||
Damit endet das 1. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Die Begleitvideos zeigen allgemeine heutige Yogapraxis. Sie sind keine Rekonstruktionen der beschriebenen historischen Rituale.

Begleitvideo: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Kapitel 2: Historische Rituale und Wirkungsbehauptungen

dvitīyaḥ paṭalaḥ |
Zweites Kapitel.

2.1
yatrānena vidhānena sādhakena prapūjyate |
deśe vā nagare grāme jagatkṣobhaḥ prajāyate || 1 ||
Wo der Übende nach dieser Weise verehrt – in einem Land, einer Stadt oder einem Dorf –, entsteht Erregung in der Welt.

Anmerkung: Dieses Kapitel beschreibt historische Macht- und Zwangsrituale. Seine Anweisungsform ist Teil des übersetzten Originals; sie ist keine heutige Praxisempfehlung.

2.2
jvalatkāmāgnisantāpapratāpottaptamānasāḥ |
pipīlikāsthinyāyena dūrādāyānti yoṣitaḥ || 2 ||
Frauen kommen von fern wie Ameisen [zu] einem Knochen, ihre Gemüter erhitzt von der Glut des lodernden Feuers der Begierde.

Anmerkung: Die Lesung pipīlikāsthi ist bereits auf Druck S. 78 vorhanden. Der Vergleich verbindet pipīlikā (Ameise) und asthi (Knochen); im Deutschen ist nur der sprachlich notwendige Richtungsbezug ergänzt. Es wurde kein anderes Vergleichsobjekt eingesetzt.

2.3
mantrasaṃmūḍhahṛdayāḥ sphurajjaghanamaṇḍalāḥ |
taddarśanānmahādevi jāyante sarvayoṣitaḥ || 3 ||
Beim Anblick jenes [Übenden], große Göttin, werden alle Frauen durch den Mantra im Herzen verwirrt, während sich ihre Hüften bewegen.

2.4
japte lakṣaikamātre tu kṣubhyante bhūtale'ṅganāḥ |
yadi na kṣubhyatītthaṃ hi sādhakasya mano manāk || 4 ||
Schon nach hunderttausend Wiederholungen geraten die Frauen auf der Erde in Erregung. Wenn der Übende dabei selbst innerlich völlig ruhig bleibt …

2.5
saṃkṣubhyanti tataḥ sarvāḥ pātāle nāgakanyakāḥ |
tāsāmapi yadā nāsau kṣobhaṃ yāti manāgapi || 5 ||
... werden darauf alle Naga-Mädchen der Unterwelt erregt. Wenn er auch ihretwegen nicht im Geringsten in Erregung gerät,

2.6
tataḥ svarganivāsinyo vidravanti surāṅganāḥ |
evaṃ lakṣatrayaṃ japtvā vratasthaḥ sādhakottamaḥ || 6 ||
... eilen dann die im Himmel wohnenden Götterfrauen herbei. Nachdem der vorzügliche Übende, sein Gelübde wahrend, dreihunderttausendmal rezitiert hat,

2.7
saṃkṣobhayati deveśi trailokyaṃ sacarācaram |
likhitvā vipulaṃ cakraṃ tanmadhye pratimāṃ yadi || 7 ||
… erregt er die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen, Herrin der Götter. Zeichnet er ein großes Chakra und darin ein Bild …

2.8
nāmnā likhati saṃyuktāṃ jvalantīṃ cintayettataḥ |
śatayojanamātrasthā tvadṛṣṭāpi ca yā bhavet || 8 ||
… mit dem Namen der betreffenden Frau, so stellt er sich dieses Bild brennend vor. Selbst eine Frau, die er nicht sieht und die hundert Yojanas entfernt ist …

2.9
bhayalajjāvinirmuktā sāpyāyāti vimohitā |
tanmadhyago'thavā bhūtvā mantraṃ saṃcintayedyadā || 9 ||
... kommt dann verblendet, frei von Furcht und Scham. Oder wenn er sich in dessen Mitte befindet und den Mantra betrachtet,

2.10
sarvamātmānamaruṇaṃ sādhyamapyaruṇīkṛtam |
tataḥ saṃjāyate devi sarvasaubhāgyasundaraḥ || 10 ||
... sich ganz rot vorstellt und auch die Zielperson gerötet, dann wird er schön durch alles Glück, Göttin,

2.11
vallabhaḥ sarvalokasya sādhakaḥ parameśvari |
sarvaraktopacāraistu pūjyate mudrayā yutam || 11 ||
... und der Übende wird von der ganzen Welt geliebt, höchste Herrin. [Das Chakra] wird mit ausschließlich roten Gaben und zusammen mit der Mudra verehrt;

2.12
yasya nāmnaiva saṃyuktaṃ sa bhaveddāsavadvaśī |
adṛṣṭāyāstu saṃyojyaṃ nāma cakrasya madhyagam || 12 ||
... mit wessen Namen es verbunden ist, der wird wie ein Diener untertan. Der Name einer ungesehenen [Frau] ist in die Mitte des Chakra einzufügen;

2.13
viracya yonimudrāṃ tu tāmākarṣayati kṣaṇāt |
yakṣiṇīṃ cātha gandharvīṃ kinnarīṃ vāsureśvarīm || 13 ||
... nach dem Bilden der Yoni-Mudra zieht man sie augenblicklich herbei: eine Yakshini, Gandharvi, Kinnari oder Herrin der Asuras,

2.14
siddhakanyāṃ nāgakanyāṃ devakanyāṃ ca khecarīm |
vidyādharīmapsarasamṛṣikanyāmathorvaśīm || 14 ||
... ein Siddha-, Naga- oder Göttermädchen, eine Khechari, Vidyadhari, Apsaras, Tochter eines Rishi oder Urvashi,

2.15
madanodbhavavikṣobhajharajjaghanalambikām |
mahākāmakalādhyānātkṣobhayetsarvayoṣitaḥ || 15 ||
... deren herabhängender Schambereich infolge der vom Liebesgott hervorgerufenen Erregung feucht wird. Durch Meditation über die große Kamakala erregt man alle Frauen. [„jaghanalambikā“ wird hier auf den Schambereich bezogen; die genaue anatomische Bezeichnung bleibt unsicher.]

Anmerkung: Jayaratha erklärt jharat mit draveṇa: durch Flüssigkeit beziehungsweise fließend. Deshalb betrifft die Stelle körperliche sexuelle Erregung. Die elektronische Folge jharañj- wurde nach dem Druck S. 80 zu jharajj- berichtigt; die genauere anatomische Deutung des folgenden Kompositums bleibt vorläufig.

2.16
rocanākuṅkumābhyāṃ ca samabhāgaṃ ca candanam |
aṣṭottaraśataṃ japtvā tilakaṃ kārayedbudhaḥ || 16 ||
Der Kundige [verwendet] Rochana und Safran mit einem gleichen Anteil Sandelholz, rezitiert hundertachtmal und bringt ein Stirnzeichen an.

2.17
tato yamīkṣate vakti saṃspṛśeccintayecca yam |
arthena ca śarīreṇa so'vaśyaṃ yāti dāsatām || 17 ||
Wen er danach ansieht, anspricht, berührt oder an wen er denkt, der gerät mit Besitz und Körper unweigerlich in Dienstbarkeit.

2.18
tathā puṣpaṃ phalaṃ gandhaṃ pānaṃ vastraṃ maheśvari |
śatamaṣṭottaraṃ japtvā yasyāḥ saṃpreryate striyāḥ || 18 ||
Ebenso [gilt dies für] Blume, Frucht, Duftstoff, Getränk oder Gewand: Wird es nach hundertacht Wiederholungen einer Frau übermittelt,

2.19
sadyaḥ ākarṣayetsādhvīṃ vimūḍhahṛdayāṃ satīm |
haṭhākṛṣṭiriyaṃ bhadre na kvacitpratihanyate || 19 ||
... zieht man die tugendhafte Frau sogleich herbei und verwirrt dabei ihr Herz. Diese gewaltsame Heranziehung, Gütige, lässt sich nirgends aufhalten.

Anmerkung: Der Text nennt diese Heranziehung ausdrücklich gewaltsam (haṭhākṛṣṭi). Eine Deutung als bloß freiwillige Anziehung würde den Wortlaut beschönigen.

2.20
likhedrocanayaikānte pratimāmavanītale |
surūpāṃ cāruśṛṅgāraveśābharaṇamaṇḍitām || 20 ||
An einem abgeschiedenen Ort wird mit Rochana ein schönes Bild auf den Boden gezeichnet, mit anmutiger Liebeskleidung und Schmuck.

2.21
tadbhālatalahṛnābhijanmamaṇḍalayojitām |
janmanāmamahāvidyāmaṅkuśena vidarbhitām || 21 ||
An dessen Stirn, Herz, Nabel und Geschlechtsbereich [trage man] die große Vidya zusammen mit dem Geburtsnamen ein, durch den Treibstachel[-Mantra] verflochten.

2.22
sarvāṅgasandhisaṃlīnamālikhya madanākṣaram |
tadāśābhimukho bhūtvā tripurīkṛtavigrahaḥ || 22 ||
Nachdem man Madanas Laut in sämtliche Gliedergelenke eingezeichnet hat, wende man sich in ihre Richtung, den eigenen Leib zu Tripuras Gestalt gemacht,

2.23
baddhvā tu kṣobhiṇīṃ mudrāṃ vidyāmaṣṭottaraṃ japet |
niyojya dahanāgāre candrasūryakalālaye || 23 ||
... binde die erregende Mudra und rezitiere die Vidya hundertachtmal, [das Bild] im Feuerhaus anordnend, der Stätte der Mond- und Sonnenkräfte.

2.24
tato vihvalitāpāṅgāmanaṅgaśarapīḍitām |
procchalanmadakallolapracalajjaghanasthalām || 24 ||
Dann stellt er sich die Frau so vor: mit unruhigen Augenwinkeln, von den Pfeilen des körperlosen Liebesgottes gequält, mit Hüften, die sich in hervorbrechenden Wellen der Erregung bewegen,

2.25
śakticakrocchalacchaktivalanākavalīkṛtām |
dūrīkṛtasvacāritrabhayalajjānayāṅkuśām || 25 ||
... von der Bewegung der im Shakti-Chakra aufwallenden Kraft verschlungen, während die Schranken ihres eigenen sittlichen Verhaltens, ihrer Furcht, Scham und ihres Anstands aufgehoben sind,

2.26
ākṛṣṭahṛdayāṃ naṣṭadhairyāmuttīrṇajīvitām |
vapraprākāraniviḍanadīyantrasurakṣitām || 26 ||
... mit fortgezogenem Herzen, verlorener Standhaftigkeit und über das Leben hinausgetrieben, [obwohl sie] durch Wälle, Mauern, dichte [Hindernisse], Flüsse und Vorrichtungen gut geschützt ist,

2.27
navānurāgasandhānavepamānahṛdambujām |
manodhikamahāmantravegenāpahṛtāṃśukām || 27 ||
... mit einem Herzlotus, der durch die Verbindung neuer Leidenschaft zittert, und einem Gewand, das die Gewalt des übermächtigen Mantra fortgerissen hat. [„manodhika“ ist sprachlich auffällig.]

2.28
vimūḍhāmiva vikṣubdhāmivāpluṣṭāmiva srutām |
likhitāmiva niḥsaṃjñāmiva pramathitāmiva || 28 ||
Sie erscheint wie betäubt, aufgewühlt, versengt und zerflossen, wie ein gemaltes Bild, wie bewusstlos und gewaltsam erschüttert …

2.29
dalitāmiva saṃbhrāntāmivottrāsamitāmiva |
galitāmiva saṃbhinnāmivākulitamānasām * || 29 ||
… wie zerschmettert, verwirrt und erschrocken, wie zerflossen und zerrissen, innerlich bestürzt …

2.30
bhramanmantrānilodbhrāntapatrākārāṃ nabhastale |
bhramantīmānayennārīṃ yojanānāṃ śatādapi || 30 ||
... einem Blatt gleich, das der wirbelnde Mantra-Wind am Himmel umhertreibt: So führe man die umhergewirbelte Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbei.

2.31
athavā mātṛkāṃ sarvāṃ likhitvā cakrabāhyataḥ |
dhārayedbāhumūle yastvabadhyaḥ sarvajantuṣu || 31 ||
Oder man schreibe die gesamte Matrika außen um das Chakra und trage es am Oberarm: Wer dies tut, ist unter allen Lebewesen unverletzbar.

2.32
tathaiva hi maheśāni svasaṃjñākramayogataḥ |
candanāgurukarpūrairajarāmaratāṃ labhet || 32 ||
Ebenso erlange man, höchste Herrin, durch Verbindung mit dem eigenen Namen und mit Sandelholz, Agaru und Kampfer Freiheit von Alter und Tod.

2.33
etadeva vidhānena rocanāgurukuṅkumaiḥ |
likhitaṃ cakrayogena yasmiṃstasminnapi sthitam || 33 ||
Dieses [Chakra], nach der Vorschrift mit Rochana, Agaru und Safran geschrieben, mit der kreisförmigen [Anordnung der Matrika] verbunden und irgendwo angebracht,

2.34
sādhyanāma svanāmnā tu cakrasyāntarvidarbhitam |
karoti sakalaṃ lokamacirātpādavartinam || 34 ||
... mit dem Namen der Zielperson und dem eigenen Namen im Innern des Chakra verflochten, macht bald die ganze Welt zu [jemandem, der] zu den Füßen [des Übenden liegt].

2.35
madhyaṃ gatena bījena mahākāmakalātmanā |
ekamekamavaṣṭabhya sādhyanāmākṣaraṃ priye || 35 ||
Mit der in der Mitte befindlichen Keimsilbe, deren Wesen die große Kamakala ist, umschließe man einzeln jeden Laut des Namens der Zielperson, Geliebte,

2.36
bahirapyakhilaireva veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ |
hemamadhyagatāṃ kṛtvā dhārayedvāmake bhuje || 36 ||
... und umgebe ihn auch außen mit sämtlichen Matrika-Lauten. In Gold eingefasst trage man [dieses Schutzmittel] am linken Arm.

2.37
śikhāyāmathavā vastre dhārayedyatra tatra vā |
karoti dāsabhūtaṃ hi trailokyaṃ sacarācaram || 37 ||
Man kann es auch an der Haarkrone, im Gewand oder an einer anderen Stelle tragen. Es macht die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen dienstbar.

2.38
saṃmohayati rājānaṃ vājinaṃ duṣṭakuñjaram |
cauraṃ kesariṇaṃ sarpaṃ paramantramahāgraham || 38 ||
[Die als Chakra getragene Göttin] verblendet König, Pferd, bösartigen Elefanten, Dieb, Löwen, Schlange und den mächtigen Ergreifer [in Gestalt] fremder Mantras, ...

Anmerkung: Der Druck S. 84 hat sarpaṃ („Schlange“), nicht das elektronisch erfasste sapraṃ. Die Göttin als Handelnde ergibt sich aus dhāritā cakrarūpiṇī in 2.39. mahāgraha wird als mächtiger Ergreifer beziehungsweise schädigende Besessenheitsmacht wiedergegeben; die genaue Binnenbeziehung zu „fremden Mantras“ bleibt auslegungsfähig.

2.39
śatruṃ vajrāśaniṃ śastraṃ ḍākinīṃ śākinīṃ tathā |
bhūtapretapiśācāṃśca dhāritā cakrarūpiṇī || 39 ||
... Feind, Vajra-Blitz, Waffe, Dakini und ebenso Shakini, ferner Bhutas, Pretas und Pishachas – wenn sie in Gestalt des Chakra getragen wird.

2.40
tena cakreṇa sandarbhya purāṇāṃ nāma sundari |
madhye catuṣpathe vāpi caturdikṣu nidhāpayet || 40 ||
Das Chakra wird mit den Namen von Städten verbunden. Dann wird es in ihrer Mitte, an einer Kreuzung oder in den vier Himmelsrichtungen niedergelegt.

2.41
mahāhallohelo devi tato lokasya jāyate |
yoṣitāṃ ca viśeṣeṇa tvadṛṣṭānāmapīśvari || 41 ||
Dadurch entsteht große Unruhe unter den Menschen, Göttin, besonders unter Frauen, selbst ungesehenen.

2.42
etanmadhyagatāṃ pṛthvīṃ saśailavanakānanām |
catuḥsamudraparyantāṃ jvalantīṃ cāpi cintayet || 42 ||
In der Mitte des Chakra wird die Erde mit Bergen, Wäldern und Hainen betrachtet, bis zu den vier Meeren reichend und ganz in Flammen.

2.43
ṣaṇmāsadhyānayogena jāyate madanopamaḥ |
dṛṣṭyaivākarṣayellokaṃ dṛṣṭyaiva kurute vaśam || 43 ||
Wer sechs Monate so meditiert, wird dem Liebesgott gleich. Allein mit seinem Blick zieht er die Welt an und unterwirft sie.

2.44
dṛṣṭyā kṣobhayate nārīṃ dṛṣṭyā saṃharate viṣam * |
dṛṣṭyā karoti cāveśaṃ dṛṣṭyā sarvavimohanam || 44 ||
Durch den Blick erregt man eine Frau, durch den Blick beseitigt man Gift, bewirkt Eintritt [einer Kraft] und jede Verblendung.

2.45
dṛṣṭyā cāturthikādīṃśca nāśayedacirājjvarān |
etatprapūjitaṃ rātrau sindūreṇa vicitritam || 45 ||
Durch den Blick vernichtet man bald Viertagefieber und andere Fieber. Nachts verehrt und mit Sindura gezeichnet,

2.46
karoti mahadākarṣaṃ sudūrādapi yoṣitām |
sarvadikṣu vidikṣvevaṃ yathā devī prapūjyate || 46 ||
... bewirkt dieses [Chakra] eine große Heranziehung von Frauen, selbst aus sehr großer Ferne. So wie die Göttin in allen Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt wird,

2.47
diganukramayogena tadā sarvaṃ jagadvaśe |
bhūrjapatre samālikhya rocanāgurukuṅkumaiḥ || 47 ||
... gerät nach der Reihenfolge der Richtungen die ganze Welt in Gewalt. Nachdem man [das Chakra] mit Rochana, Agaru und Safran auf Birkenrinde geschrieben hat,

2.48
saṃdarbhayettasya madhye nagaraṃ vāthavā param |
vipulaṃ deśamathavā viṣayaṃ maṇḍalaṃ ca vā || 48 ||
... verbinde man in seiner Mitte eine Stadt oder eine andere, ein großes Land, eine Provinz oder einen Bezirk,

2.49
svanāmadarbhitaṃ kṛtvā - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - yadi bhūmau nidhāpayet |
dhārayedathavā haste kaṇṭhe vā bhujamūlataḥ || 49 ||
... mit dem eigenen Namen verflochten. Wenn man es im Boden niederlegt oder an Hand, Hals oder Oberarm trägt,

2.50
śikhāyāmathavā vastre yatra tatra sthitaṃ ca vā |
cakrametanmahābhāge purakṣobhaṇamuttamamam || 50 ||
... an Haarkrone oder Gewand oder wo immer es sich befindet, ist dieses Chakra, Glückliche, ein vorzügliches Mittel zur Erregung einer Stadt.

2.51
arkakṣīraṃ kuṅkumaṃ ca dhattūrakarasaṃ tathā |
rocanālaktakaṃ lākṣārasaṃ mṛgamadotkaṭam || 51 ||
[Man nehme] Arka-Milchsaft, Safran, Dhattura-Saft, Rochana, roten Lack und Lacksaft, kräftig mit Moschus versehen;

2.52
ekīkṛtya cakrametallikhyate yasya saṃjñayā |
tasya coragrahavyādhiripusiṃhāhivājinām || 52 ||
... zusammengebracht, wird damit dieses Chakra unter jemandes Namen geschrieben. Für diese Person [besteht hinsichtlich] Dieben, Ergreifern, Krankheiten, Feinden, Löwen, Schlangen und Pferden,

2.53
yakṣarākṣasabhūtaughaśākinīduṣṭacetasām |
lūtādigardabhajvālā tathā śītalikodbhavam || 53 ||
... Scharen von Yakshas, Rakshasas und Bhutas, Shakinis und Böswilligen sowie vor der von Spinnen und anderem, Gardabhajvala und Shitalika ausgehenden ... [Die beiden letzten historischen Krankheitsnamen werden nicht mit heutigen Diagnosen gleichgesetzt.]

Anmerkung: lūtā bezeichnet die Spinne; Gardabhajvala und Shitalika bleiben historische Krankheitsbezeichnungen. Die Vorlage liefert hier keine medizinische Definition. Jayaratha unterbricht nach bhayaṃ na vidyate („es besteht keine Furcht“) und setzt anschließend mit tasya paramantrābhicārakam fort. Der gemeinsame negative Sinn wird im Deutschen kenntlich gemacht; die Auslassung des Prädikats beim Schadenszauber wird durch eine Ergänzung in eckigen Klammern überbrückt.

2.54
bhayaṃ na vidyate - - - - - - - - - - |
- - - - - - tasya paramantrābhicārakam |
nityasaṃdhāraṇāccāpi kālamṛtyuyamādayaḥ || 54 ||
... Bedrohung keine Furcht. [Auch] Schadenszauber mit fremden Mantras [vermag dieser Person nichts anzuhaben]. Durch beständiges Tragen [des Chakra] sind Zeit, Tod, Yama und andere ...

2.55
na śaktā hiṃsituṃ samyagromaikamapi sarvadā |
athavā madhyagāṃ devīṃ trikoṇobhayagāṃ tathā || 55 ||
... niemals imstande, auch nur ein einziges Haar wirklich zu verletzen. Oder [man zeichne] die Göttin in die Mitte und in die beiden Dreiecke,

2.56
adhastānnāmasaṃyuktāṃ rocanākuṅkumāṅkitām |
kuryādyastu ca saptāhāddāsavatkiṅkaro bhavet || 56 ||
... darunter mit dem Namen verbunden und mit Rochana und Safran gezeichnet. Wer dies tut, [bewirkt, dass die benannte Person] binnen sieben Tagen wie ein Diener zum Knecht wird. [Das Subjekt des Ergebnissatzes ist im Grundtext nicht ausdrücklich wiederholt.]

2.57
pītadravyeṇa vālikhya dhārayedindradiggatām |
nāmnā sarvajñabhūto'pi mūko bhavati tatkṣaṇām || 57 ||
Oder man zeichne [sie] mit einem gelben Stoff und trage [sie], nach Osten gewandt, mit dem Namen [der Zielperson]: Selbst ein Allwissender wird sogleich stumm.

2.58
mahānīlarasenāpi nāma saṃyojya pūrvavat |
dakṣiṇābhimukho vahnau dagdhvā taṃ mārayetkṣaṇāt || 58 ||
Auch mit dem Saft des großen Nila, den Namen wie zuvor einfügend, verbrenne man [das Diagramm], nach Süden gewandt, im Feuer und töte jene Person augenblicklich.

2.59
mahiṣāśvapurīṣābhyāṃ gomūtreṇa samaṅkitam |
kṣiptvāranālamadhyasthaṃ vidviṣṭaḥ sarvajantuṣu || 59 ||
Mit Büffel- und Pferdemist sowie Kuhurin gezeichnet und in saure Getreideflüssigkeit gelegt, [bewirkt es, dass] alle Lebewesen die Zielperson hassen.

2.60
yuktvā rocanayā nāma kākapakṣasya madhyagam |
lambamānaṃ tadākāśe uccāṭanakaraṃ param || 60 ||
Mit Rochana den Namen mitten auf einen Krähenflügel gesetzt, [lasse man ihn] im Luftraum hängen; dies bewirkt stärkste Vertreibung.

2.61
dugdhalākṣārocanādimahānīlarasādibhiḥ |
likhitvā dhārayeddevi cāturvarṇyaṃ vaśaṃ nayet || 61 ||
Mit Milch, Lack, Rochana, dem Saft des großen Nila und weiteren [Stoffen] geschrieben und getragen, Göttin, bringt [das Chakra] die vier gesellschaftlichen Klassen unter Gewalt.

2.62
etadeva vidhānena jalamadhye yadā kṣipet |
saubhāgyamatulaṃ tasya snānapānānna saṃśayaḥ || 62 ||
Wenn man dieses [Chakra] nach der Vorschrift in Wasser legt, entsteht durch Baden und Trinken unvergleichliches Glück für jene [Person], ohne Zweifel.

2.63
etanmadhyagatāṃ devi nagarīṃ vā varāṅganām |
saptāhātkṣobhayetsatyaṃ jvalamānāṃ vicintya tām || 63 ||
Wenn man sich eine Stadt oder eine schöne Frau in seiner Mitte brennend vorstellt, Göttin, versetzt man sie innerhalb von sieben Tagen in Erregung – wahrlich.

2.64
mahāpātakayuktātmā yadi devi prapūjayet |
śamīdūrvāṅkurāśvatthapallavairathavārkajaiḥ || 64 ||
Wenn selbst ein mit schweren Verfehlungen beladener Mensch, Göttin, mit Shami, Durva-Sprossen, Ashvattha-Blättern oder Arka-[Blättern] verehrt,

2.65
māsena hanti kaluṣaṃ saptajanmakṛtaṃ naraḥ |
likhitvā pītavarṇaṃ tu cakrametadyadārcayet || 65 ||
... vernichtet er in einem Monat die Befleckung aus sieben Geburten. Wenn man dieses Chakra gelb zeichnet und verehrt,

2.66
pūrvāśābhimukho bhūtvā stambhayetsarvavādinaḥ |
sindūrareṇulikhitaṃ pūjayeduttarāmukhaḥ || 66 ||
... nach Osten gewandt, bringt man alle Streitredner zum Verstummen. Das mit Sindura-Pulver gezeichnete [Chakra] verehre man nach Norden gewandt;

2.67
yadā tadāsya vaśago loko bhavati sarvadā |
cakraṃ gairikamālikhya pūjayetpaścimāmukhaḥ || 67 ||
... dann wird die Welt stets unter seiner Gewalt sein. Man zeichne das Chakra mit rotem Ocker und verehre es nach Westen gewandt;

2.68
sa ca sarvāṅganākarṣavaśyakṣobhakaro bhavet |
dakṣiṇābhimukho bhūtvā kṛṣṇavarṇaṃ yadārcayet || 68 ||
... so bewirkt man Heranziehung, Unterwerfung und Erregung aller Frauen. Wenn man es, nach Süden gewandt, schwarz verehrt,

2.69
yasya nāmnā tasya nityaṃ mantrahānistu jāyate |
tadvaddigantarāleṣu pūjitaṃ parameśvari || 69 ||
... unter jemandes Namen, tritt bei diesem beständig Verlust der Mantrakraft ein. Ebenso in den Zwischenrichtungen verehrt, höchste Herrin,

2.70
stambhavidveṣaṇavyādhiśatrūccāṭanakārakam |
rocanālikhitaṃ devi dugdhamadhye vaśaṅkaram || 70 ||
... bewirkt es Stillstellung, Verfeindung, Krankheit und Vertreibung von Feinden. Mit Rochana gezeichnet [und] in Milch [gelegt], bewirkt es Unterwerfung;

2.71
kṣiptaṃ gomūtramadhye vā śatrūccāṭanakārakam |
takramadhyagataṃ cakraṃ vidveṣaṇakaraṃ param || 71 ||
... in Kuhurin gelegt, bewirkt es Vertreibung von Feinden; in Buttermilch gelegt, starke Verfeindung;

2.72
jvalajjvalanamadhyasthaṃ sarvaśatruvināśanam |
athavā devadeveśi yadekānte catuṣpatham || 72 ||
... in loderndes Feuer gelegt, Vernichtung aller Feinde. Oder, Herrin des Gottes der Götter, wo sich eine abgelegene Kreuzung befindet,

2.73
tatsamīpe likheccakraṃ sindūreṇa mahāprabham |
sarvabāhyata ārabhya yāvanmadhyaṃ maheśvari || 73 ||
… In ihrer Nähe wird das hell leuchtende Chakra mit Sindura gezeichnet. Von ganz außen bis zur Mitte, höchste Herrin …

2.74
akārādikṣakārāntāṃ mātṛkāṃ tatra vinyaset |
pūjayedrātrisamaye kulācārakrameṇa yaḥ || 74 ||
… werden die Matrika-Laute von a bis kṣa eingetragen. Wer es nachts nach dem Kula-Brauch verehrt …

2.75
tatkṣaṇāt maheśāni sādhakaḥ khecaro bhavet |
pūjayitvā mahādevi tadvadekataro girau || 75 ||
... wird augenblicklich zum Khechara, große Herrin. Nachdem man ebenso auf einem einzelnen Berg verehrt hat,

2.76
ajarāmaratāṃ samyaglabhate nātra saṃśayaḥ |
mahābhūtadine vāpi śmaśāne yadi pūjayet || 76 ||
... erlangt man wahrhaft Freiheit von Alter und Tod; daran besteht kein Zweifel. Oder wenn man am Tag des großen Bhuta auf dem Verbrennungsplatz verehrt,

2.77
pūrvavanniśi deveśi sādhakaḥ sthiramānasaḥ |
pādukākhaḍgavetālasiddhakravyamanaḥśilā || 77 ||
... nachts wie zuvor, standhaften Geistes, Herrin der Götter, [verwirklicht der Übende die Siddhis von] Sandalen, Schwert, Vetala, Siddha, Fleisch und Manahshila, ... [Die Aufteilung von „siddhakravya“ in zwei Glieder bleibt vorläufig; möglich ist auch „zubereitetes Fleisch“.]

Anmerkung: Auf Druck S. 91 steht im Haupttext siddhakravya; eine Fußnote nennt dravya als Lesart des Zeugen ग. Kravya bedeutet Fleisch, dravya dagegen Stoff oder Gegenstand. Die Handschriftenvariante wird hier verzeichnet, aber nicht unbemerkt in den Haupttext eingesetzt. Manahshila bezeichnet einen historischen mineralischen Ritualstoff; keine heutige Stoffanwendung wird empfohlen.

2.78
añjanaṃ vivaraṃ caiva ceṭakaṃ yakṣiṇīṃ tathā |
yatkiṃcitsiddhinicayaṃ vidyate bhuvanatraye || 78 ||
... Augensalbe, unterirdischem Zugang, dienstbarem Geist und Yakshini – was immer an Vollkommenheiten in den drei Welten existiert, ...

Unnummerierter Schluss-Halbvers
tatsarvameva sahasā sādhayetsādhakottamaḥ |
Dies alles verwirkliche der vorzügliche Übende rasch.

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe dvitīyaḥ paṭalaḥ || 2 ||
Damit endet das 2. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Kapitel 3: Mudras und rituelle Gesten

tṛtīyaḥ paṭalaḥ
Drittes Kapitel.

Die Göttin spricht
[śrīdevy uvāca]
Die erhabene Göttin sprach.

3.1
bhagavaṃstripurāmudrāḥ sūcitā na prakāśitāḥ |
kathaṃ viracanaṃ tāsāṃ kriyate vada śaṅkaraḥ || 1 ||
Erhabener, die Mudras Tripuras wurden angedeutet, aber nicht erklärt. Sage, Shankara, wie sie gebildet werden. [Die Vorlage hat die auffällige Form „śaṅkaraḥ“.]

Anmerkung: Die Handanordnungen werden textnah beschrieben. Ein praktischer Abgleich sämtlicher Gesten wurde nicht durchgeführt; „Khechari“ bezeichnet hier eine Handmudra und darf nicht ungeprüft mit der später verbreiteten Zungentechnik gleichgesetzt werden.

Bhairava spricht
[śrībhairava uvāca]
Der erhabene Bhairava sprach.

3.2
śṛṇu devi pravakṣyāmi mudrāḥ sarvārthasiddhidāḥ |
yābhirviracitābhistu saṃmukhā tripurā bhavet || 2 ||
Höre, Göttin. Ich werde dir die Mudras erklären, die alle Ziele verwirklichen. Werden sie gebildet, wendet Tripura sich [dem Übenden] zu.

3.3
parivartya karau spaṣṭāvaṅguṣṭhau kārayetsamau |
anāmāntargate kṛtvā tarjanyau kuṭilākṛtī || 3 ||
Man drehe beide Hände und halte die Daumen deutlich gleichmäßig. Die Ringfinger lege man nach innen, die Zeigefinger forme man gekrümmt.

3.4
kaniṣṭhike niyuñjīta nijasthāne maheśvari |
trikhaṇḍaiṣā mahāmudrā tripurāhvānakarmaṇi || 4 ||
Die kleinen Finger kommen an ihren eigenen Platz, höchste Herrin. Dies ist die große Trikhanda-Mudra, mit der Tripura angerufen wird.

3.5
madhyamāmadhyage kṛtvā kaniṣṭhe'ṅguṣṭharodhite |
tarjanyau daṇḍavatkṛtvā madhyamoparyanāmikā || 5 ||
Die kleinen Finger werden zwischen die Mittelfinger gelegt und mit den Daumen festgehalten. Die Zeigefinger bleiben gerade, die Ringfinger liegen über den Mittelfingern.

3.6
eṣā tu prathamā mudrā sarvasaṃkṣobhakāriṇī |
etasyā eva mudrāyā madhyame sarale yadā || 6 ||
Dies ist die erste Mudra, die alles erregt. Wenn bei eben dieser Mudra die beiden Mittelfinger gerade ...

3.7
kriyete parameśāni sarvavidrāviṇī smṛtā |
madhyamātarjanībhyāṃ tu kaniṣṭhānāmike same || 7 ||
... gemacht werden, höchste Herrin, heißt sie Sarvavidravini, die alles Vertreibende. Kleine Finger und Ringfinger [halte man] gleichmäßig zwischen Mittel- und Zeigefingern,

3.8
aṅkuśākārarūpābhyāṃ madhyage parameśvari |
iyamākarṣiṇī mudrā trailokyākarṣakāriṇī || 8 ||
… die wie Treibstacheln gebogen sind, höchste Herrin. Dies ist die anziehende Mudra, die die drei Welten heranzieht.

3.9
sphuṭākārau karau kṛtvā tarjanyāvaṅkuśākṛtī |
parivartakrameṇaiva madhyage tadadhogate || 9 ||
Man öffne die Hände und krümme die Zeigefinger wie Treibstacheln. Durch wechselweises Verschränken [bringe man sie] in die Mitte und nach unten.

3.10
krameṇa devi tenaiva kaniṣṭhānāmikādayaḥ |
saṃyojya niviḍāḥ sarvā aṅguṣṭhāvagradeśataḥ || 10 ||
In derselben Reihenfolge, Göttin, verbinde man kleine Finger, Ringfinger und weitere fest miteinander; die Daumen liegen an den Spitzen.

3.11
mudreyaṃ parameśāni sarvāveśakarī smṛtā |
saṃmukhau tu karau kṛtvā madhyamāmadhyage'nuje || 11 ||
Diese Mudra gilt als die alles Eindringen Bewirkende, höchste Herrin. Man halte die Hände einander zugewandt; die kleinen Finger liegen zwischen den Mittelfingern,

3.12
anāmike tu sarale tadbahistarjanīdvayam |
daṇḍākārau tatrāṅguṣṭhau madhyamā nakhadeśagā || 12 ||
... die Ringfinger gerade und außerhalb davon die beiden Zeigefinger; die Daumen seien stabförmig, die Mittelfinger an deren Nagelbereich.

3.13
mudraiṣonmādinī nāmnā kledinī sarvayoṣitām |
asyāstvanāmikāyugmamadhaḥ kṛtvāṅkuśākṛti || 13 ||
Diese Mudra heißt Unmadini; sie befeuchtet alle Frauen. Wenn man dabei die beiden Ringfinger nach unten wie Treibstacheln formt,

3.14
tarjanyāvapi tenaiva krameṇa viniyojayet |
iyaṃ mahāṅkuśā vidyā sarvakāmārthasādhakī || 14 ||
... und auch die Zeigefinger ebenso anordnet, [entsteht] diese Mahankusha-Vidya, die sämtliche Wünsche und Ziele verwirklicht.

3.15
savyaṃ dakṣiṇadeśaṃ tu dakṣiṇaṃ savyadeśataḥ |
bāhuṃ kṛtvā mahādevi hastau saṃparivartya ca || 15 ||
Man lege den linken Arm nach rechts und den rechten nach links, große Göttin, und drehe die Hände gegeneinander,

3.16
kaniṣṭhānāmike devi yuktvā tena krameṇa tu |
tarjanībhyāṃ samākrānte sarvordhvamapi madhyame || 16 ||
... verbinde dann die kleinen Finger und Ringfinger in dieser Reihenfolge, ebenso die ganz oben befindlichen Mittelfinger. Die Zeigefinger liegen darüber.

3.17
aṅguṣṭhau tu maheśāni kārayetsaralāvapi |
iyaṃ sā khecarī nāmnā mudrā sarvottamā priye || 17 ||
Die Daumen mache man ebenfalls gerade, große Herrin. Dies ist die Khechari genannte höchste Mudra, Geliebte.

3.18
racitaiva mahādevi sarvatejopahāriṇī |
baddhayaivaitayā devi dṛśyate sādhakottamaḥ || 18 ||
Schon gebildet, zieht sie alle Strahlkraft an sich. Ist sie gebunden, erscheint der vorzügliche Übende, Göttin,

3.19
sarvayoginivṛndaistu jvalatpāvakasannibhaḥ |
śākinīḍākinīvṛndai rākiṇīlākinīgaṇaiḥ || 19 ||
... allen Scharen der Yoginis wie loderndes Feuer. Von den Scharen der Shakinis und Dakinis, der Rakinis und Lakinis,

3.20
kākinīhākinībhistu dhyāteyaṃ parameśvari |
etayā jñātayā devi yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ || 20 ||
... sowie von den Kakinis und Hakinis wird sie meditiert, höchste Herrin. Wer diese [Mudra] kennt, ist den Yoginis lieb.

3.21
ataḥ samayamudreyaṃ sarvāsāṃ parikīrtitā |
prayato'prayato vāpi śucau deśe'thavāśucau || 21 ||
Deshalb wird sie als die Samaya-Mudra aller bezeichnet. Gesammelt oder ungesammelt, an einem reinen oder unreinen Ort,

3.22
utthito vopaviṣṭo vā caṅkramanniścalo'thavā |
ucchiṣṭo vā śucirbhūtvā bhuñjāno maithune rataḥ || 22 ||
... stehend oder sitzend, gehend oder unbewegt, mit Speiseresten [verunreinigt] oder gereinigt, essend oder im Liebesakt, [kann man sie binden].

3.23
mudrāyā madhyamāṅgulyau parivartya krameṇa tu |
pārthivaṃ sthānakaṃ yuktvā sadyaḥ khecaratāṃ vrajet || 23 ||
Wenn man die Mittelfinger der Mudra in entsprechender Folge gegeneinander dreht und die erdbezogene Stellung einnimmt, erlangt man sogleich das Khechara-Sein. [Die Körperstellung erklärt erst der Kommentar näher.]

3.24
parivartya karau spaṣṭāvardhacandrākṛtī priye |
tarjanyaṅguṣṭhayugalaṃ yugapadbhāvayettataḥ || 24 ||
Man drehe die Hände deutlich in Halbmondform, Geliebte, und bilde dann zugleich das Paar aus Zeigefingern und Daumen.

3.25
adhaḥkaniṣṭhāvaṣṭabdhe madhyame viniyojayet |
tathaiva kuṭile yojya sarvādhastādanāmike || 25 ||
Die Mittelfinger bringe man darunter, durch die kleinen Finger abgestützt; ebenso ordne man die gekrümmten Ringfinger ganz unten an.

3.26
bījamudreyamacirātsarvasiddhipravartakī |
madhyame kuṭile kṛtvā tarjanyuparisaṃsthite || 26 ||
Diese Bija-Mudra bringt rasch alle Vollkommenheiten hervor. Man krümme die Mittelfinger und lege sie über die Zeigefinger,

3.27
anāmikāmadhyagate tathaivahi kaniṣṭhike |
sarvā ekatra saṃyojyā aṅguṣṭhaparipīḍitāḥ 27 ||
... ebenso die kleinen Finger zwischen die Ringfinger; alle sind zusammenzufügen und durch die Daumen festzuhalten. [Vor „27“ fehlt in der Vorlage der übliche Doppelstrich; die Nummer selbst ist vorhanden.]

3.28
eṣā tu prathamā mudrā yonimudreti saṃsmṛtā |
etā mudrā maheśāni tripurāyā mayoditāḥ || 28 ||
Diese vornehmste Mudra wird Yoni-Mudra genannt. Diese Mudras Tripuras habe ich dir erklärt, große Herrin.

Unnummerierter Schluss-Halbvers
pūjākāle prayoktavyā yathānukramayogataḥ |
Zur Zeit der Verehrung sind sie in der entsprechenden Reihenfolge anzuwenden.

Kolophon des Kommentars
iti śrīmadrājānakajayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe tṛtīyaḥ paṭalaḥ || 3 ||
Damit endet das 3. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Begleitvideo: 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev

Shiva wird im Zusammenhang mit Shakti betrachtet (4.6–4.11). Allgemeine Illustration.

Kapitel 4: Shiva, Shakti und Mantra

caturthaḥ paṭalaḥ |
Viertes Kapitel.

Die Göttin spricht
[śrīdevy uvāca]
Die erhabene Göttin sprach.

4.1
bhagavansarvamākhyātaṃ mudrāṇāṃ jñānamuttamam |
vadedānīṃ mahādevyā ekaikākṣarasādhanam || 1 ||
Erhabener, du hast das vorzügliche Wissen um die Mudras vollständig erklärt. Sage nun, wie jede einzelne Silbe der großen Göttin verwirklicht wird,

4.2
mahājñānaprabhāvaṃ ca vyāptiṃ sthānodbhavaṃ layam |
sthūlasūkṣmavibhāgena śarīre parameśvara || 2 ||
... [erkläre] die Macht des großen Wissens, seine Durchdringung, seinen Bestand, Ursprung und seine Auflösung, nach grober und feiner Form im Körper, höchster Herr. [„sthānodbhavam“ kann auch auf den Ort des Hervorgehens bezogen werden.]

Bhairava spricht
[śrībhairava uvāca]
Der erhabene Bhairava sprach.

4.3
śṛṇu devi mahājñānaṃ sarvajñānottaraṃ param |
yenānuṣṭhitamātreṇa bhavābdhau na nimajjati || 3 ||
Höre, Göttin, das große, höchste Wissen, das alles Wissen übersteigt. Schon wenn man es ausübt, versinkt man nicht im Ozean des Werdens.

4.4
tripurā paramā śaktirādyā jātāditaḥ priye |
sthūlasūkṣmavibhāgena trailokyotpattimātṛkā || 4 ||
Tripura, die höchste, ursprüngliche Shakti, trat zu Anfang hervor, Geliebte. Nach grober und feiner Form unterschieden, ist sie die Mutter des Entstehens der drei Welten.

4.5
kavalīkṛtaniḥśeṣatattvagrāmasvarūpiṇī |
tasyāṃ pariṇatāyāṃ tu na kaścitpara iṣyate || 5 ||
Sie hat die Gestalt der restlos in sich aufgenommenen Gesamtheit aller Wirklichkeitsprinzipien. Wenn sie sich entfaltet hat, wird kein anderer Höchster anerkannt. [Jayaratha liest „tu“ auch im Sinn von „sogar“; der genaue Gegensatz bleibt auslegungsbedürftig.]

4.6
paro hi śaktirahitaḥ śaktaḥ kartuṃ na kiṃcana |
śaktastu parameśāni śaktyā yukto yadā bhavet || 6 ||
Denn ohne Shakti kann der Höchste überhaupt nichts tun. Er ist handlungsfähig, höchste Herrin, wenn er mit Shakti verbunden ist.

Anmerkung: Die Verneinung gehört zu „ohne Shakti“: Nicht Shakti, sondern der von ihr getrennt gedachte Höchste wird als handlungsunfähig beschrieben.

4.7
śaktyā vinā śive sūkṣme nāma dhāma na vidyate |
jñātenāpi maheśāni karma śarma na kiñcana || 7 ||
Ohne Shakti hat der feine Shiva weder einen Namen noch eine Erscheinungsstätte. Selbst wenn er erkannt ist, gibt es weder Handeln noch Wohlergehen, große Herrin.

4.8
dhyānāvaṣṭambhakāle tu na ratirna matiḥ sthitiḥ |
praviśya paramārgāntaḥ sūkṣmākārasvarūpiṇī || 8 ||
Beim Verweilen in der Meditation gibt es weder Freude noch Erkenntnis [noch] Beständigkeit. In das Innere des höchsten Weges eingetreten, nimmt sie feine Gestalt an, ...

Anmerkung: Der Kommentar bezieht den ersten Halbvers auf den zuvor behandelten Shiva, sofern er als von Shakti getrennt gedacht wird. Er erklärt, dass Freude und Erkennen sonst eine Beziehung zu einem unterschiedenen Gegenstand voraussetzen. Der Vers ist daher kein allgemeines Urteil, Meditation mache freud- oder erkenntnislos. Vor sthitiḥ steht im Grundtext kein drittes na; [noch] kennzeichnet die aus dem Zusammenhang erschlossene Fortführung der Verneinung. Mit „praviśya“ beginnt die Beschreibung der Shakti, die in 4.9 weitergeht.

4.9
kavalīkṛtaniḥśeṣabījādyāṅkuratāṃ gatā |
vāmā śikhā tato jyeṣṭhā śṛṅgāṭākāratāṃ gatā || 9 ||
... sie, die Anfängliche, die sämtliche Keime in sich aufgenommen hat und zum Keimtrieb geworden ist: Vama, die Flamme; dann Jyeshtha, die die Gestalt eines dreifachen Gipfels annimmt, ...

4.10
raudrī tu parameśāni jagadgrasanarūpiṇī |
evaṃ sā paramā śaktirekaiva parameśvarī || 10 ||
... und Raudri, höchste Herrin, deren Gestalt das Verschlingen der Welt ist. So ist jene höchste Shakti die eine höchste Herrin.

4.11
tripurā trividhā devī brahmaviṣṇvīśarūpiṇī |
jñānaśaktiḥ kriyāśaktiricchāśaktyātmikā priye || 11 ||
Tripura ist die dreifache Göttin in den Gestalten Brahmas, Vishnus und Ishas. Sie ist die Kraft des Erkennens, die Kraft des Handelns und ihrem Wesen nach die Kraft des Wollens, Geliebte.

4.12
trailokyaṃ saṃsṛjati - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - asmāt tripurā parikīrtitā |
yadollasati śṛṅgāṭapīṭhātkuṭilarūpiṇī || 12 ||
Sie erschafft die drei Welten; deshalb heißt sie Tripura. Wenn sie aus dem dreigipfligen Sitz in gewundener Gestalt aufleuchtet …

4.13
śivārkamaṇḍalaṃ bhittvā drāvayantīndumaṇḍalam |
tadudbhavāmṛtasyandamadirānandananditā || 13 ||
... durchbricht sie den Shiva-Sonnenkreis und lässt den Mondkreis schmelzen, beglückt von der berauschenden Wonne des daraus strömenden Nektars.

4.14
kulayoṣitkulaṃ tyaktvā paraṃ puruṣameti sā |
nirlakṣaṇaṃ nirguṇaṃ ca kularūpavivarjitam || 14 ||
Als Frau des Kula verlässt sie das Kula und gelangt zum höchsten Purusha. Dieser ist ohne Kennzeichen, ohne Eigenschaften und frei von der Gestalt des Kula.

4.15
tataḥ svacchandarūpā tu paribhramya jagatpunaḥ |
tena cāreṇa saṃtuṣṭā punarekākinī satī || 15 ||
Dann wandert sie, frei in ihrer Gestalt, wiederum durch die Welt; durch dieses Wandern befriedigt, ist sie wieder allein ...

4.16
ramate - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - seyamavyaktā tripurā vyaktimāgatā |
tattvatrayavinirdiṣṭā varṇaśaktitrayātmikā || 16 ||
... und erfreut sich. Diese unoffenbare Tripura ist offenbar geworden, durch die drei Wirklichkeitsprinzipien bestimmt und aus den drei Lautkräften bestehend.

4.17
vāgīśvarī jñānaśaktirvāgbhavā mokṣarūpiṇī |
kāmarājā kāmakalā kāmarūpā kriyātmikā || 17 ||
Vagishvari ist Erkenntniskraft, Vagbhava und Gestalt der Befreiung; Kamaraja ist Kamakala, von der Gestalt des Begehrens und dem Wesen des Handelns.

4.18
śaktibījā parā śaktiricchaiva viṣarūpiṇī |
evaṃ devī tryakṣarā tu mahātripurasundarī || 18 ||
Die Shakti-Keimsilbe ist die höchste Shakti, das Wollen selbst, von der Gestalt des Giftes. So ist die Göttin Mahatripurasundari dreisilbig. [„Gift“ übersetzt viṣa wörtlich; es ist hier zugleich eine technische Zuordnung, keine Aussage, Shakti sei moralisch böse.]

4.19
pāramparyeṇa vijñātā bhavabandhavimocinī |
saṃsmṛtā pāpaharaṇī japtā mṛtyuvināśinī || 19 ||
Wenn sie durch die Überlieferung erkannt wird, befreit sie aus der Bindung des Werdens. Die Erinnerung an sie nimmt Verfehlungen hinweg; ihre Rezitation vernichtet den Tod.

4.20
pūjitā duḥkhadāridryavyādhidaurbhāgyaghātakī |
hutā vighnaughaśamanī dhyātā sarvārthasādhakī || 20 ||
Verehrt, vernichtet sie Leiden, Armut, Krankheit und Unglück; im Feueropfer dargebracht, besänftigt sie die Hindernisschar; meditiert, verwirklicht sie alle Ziele.

4.21
etasyāḥ śṛṇu deveśi bījatritayasādhanam |
dhavalāmbarasaṃvīto dhavalāmbaramadhyagaḥ || 21 ||
Höre die Verwirklichung ihrer drei Keimsilben, Herrin der Götter. In weiße Gewänder gehüllt und inmitten weißen Tuches,

4.22
pūjayeddhavalaiḥ puṣpairbrahmacaryarato naraḥ |
dhavalaireva naivedyairdadhikṣīraudanādibhiḥ || 22 ||
... verehre ein der Enthaltsamkeit ergebener Mensch mit weißen Blumen und weißen Speisegaben wie Dickmilch, Milch und gekochtem Reis,

4.23
saṃkalpadhavalairvāpi - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - yathākāmaṃ yathā labhet |
saṃpūjya parameśāni dhyāyedvāgīśvarīṃ parām || 23 ||
… Oder er stellt sich die Gaben im Geist weiß vor, je nach Wunsch und Verfügbarkeit. Nach der Verehrung meditiert er über die höchste Vagishvari …

4.24
bījarūpāmullasantīṃ cidānandaprabodhinīm |
brahmagranthiṃ vinirbhidya jihvāgre dīparūpiṇīm || 24 ||
... in Keimsilbengestalt aufstrahlend, Bewusstseinswonne erweckend, den Brahma-Knoten durchbrechend und als Leuchte an der Zungenspitze erscheinend.

4.25
cintayennaṣṭahṛdayo grāmyo mūrkho'tipātakī |
śaṭho'pi yaḥ pādamekaṃ suspaṣṭaṃ vaktumakṣamaḥ || 25 ||
Auch wer innerlich verloren, ungebildet, töricht, schwer fehlgehend oder betrügerisch ist und nicht einmal einen einzigen Versfuß deutlich aussprechen kann – wenn er [so] meditiert,

4.26
jaḍo mūko'pi durmedhā gataprajño'pi naṣṭadhīḥ |
so'pi saṃjāyate vāgmī vācaspatirivāparaḥ || 26 ||
... wird selbst ein träger, stummer, unverständiger Mensch, dem Einsicht fehlt oder dessen Verstand verloren ist, beredt wie ein zweiter Herr der Sprache.

4.27
satpaṇḍitaghaṭāṭopajetā'pratihataprabhaḥ |
ṣaṭtarkapadavākyārthaśabdālaṅkārasāravit || 27 ||
Er besiegt die mächtige Schar guter Gelehrter und strahlt ungehindert. Er kennt das Wesentliche der sechs Denksysteme, der Wörter und Sätze, ihrer Bedeutung und der sprachlichen Schmuckmittel.

4.28
vātorddhūtasamudrormimālātulyairupanyaset |
sukumāratarasphārarītyalaṅkārapūrvakaiḥ || 28 ||
Er trägt [seine Gedanken] vor wie Reihen windbewegter Meereswellen, mit besonders zarten, weit entfalteten Stilformen und Schmuckmitteln,

4.29
padagumphairmahākāvyakartā deveśi jāyate |
vedavedāntasiddhāntavedāṅgajñānapāragaḥ || 29 ||
... durch kunstvolle Wortverbindungen schafft er große Dichtungen. Er beherrscht das Wissen der Veden, des Vedanta, der Lehrsysteme und der Vedangas,

4.30
jyotiḥśāstretihāsādimīmāṃsāsmṛtivākyavit |
purāṇarasavādādigāruḍānekamantravit || 30 ||
... kennt die Aussagen der Gestirnskunde, der Überlieferungserzählungen, der Mimamsa und Smriti; er kennt Puranas, Alchemie und zahlreiche Garuda-Mantras,

4.31
pātālaśāstravijñānabhūtatantrārthatattvavit |
vicitracitrakarmādiśilpānekavicakṣaṇaḥ || 31 ||
… Er versteht die Lehre von der Unterwelt und den wirklichen Sinn der Geister-Tantras. In vielen Künsten, darunter den verschiedenen Formen der Malerei, ist er bewandert.

4.32
mahāvyākaraṇodāraśabdasaṃskṛtasarvagīḥ |
sarvabhāṣārutajñānasamastalipikarmavit || 32 ||
Seine gesamte Rede folgt den erhabenen Sprachregeln der großen Grammatik. Er versteht alle Sprachen und Lautäußerungen und kennt sämtliche Schriftverfahren.

Anmerkung: Die im E-Text auffällige Folge sarvabhāpā wurde am Haupttext der Druckseite 111 als sarvabhāṣā („alle Sprachen“) erkannt und in beiden Schriftfassungen berichtigt.

4.33
nānāśāstrārthaśilpādivedavedāṅgaviśrutaḥ |
sarvavāṅmayavettā ca sarvajño devi jāyate * || 33 ||
Berühmt für die Bedeutung verschiedener Lehrwerke, für Künste, Veden und Vedangas, wird er Kenner aller Literatur und allwissend, Göttin. [„śastra“ steht in der Vorlage; die Übersetzung als Lehrwerke setzt die naheliegende Lesedeutung śāstra voraus.]

Anmerkung: Auf Druck S. 111 lautet der Beginn nānāśāstrārtha („Bedeutungen der verschiedenen Lehrschriften“), nicht nānāśastrārtha. Die Vokallänge ist in beiden Schriftfassungen berichtigt. Der Stern verweist im Druck auf einen zusätzlichen Vers des Zeugen ग; dieser ist eine Apparatergänzung, kein Bestandteil des hier übersetzten Haupttextes. Der Befund ist im Arbeitsarchiv dokumentiert.

4.34
yadā kāmakalārūpā madanāṅkurāgocare |
taruṇāruṇabimbārkakiraṇābhā maheśvari || 34 ||
Wenn [die Göttin] in Gestalt der Kamakala am Ort des Keimtriebes des Liebesgottes [erscheint], wie die Strahlen der jungen roten Sonnenscheibe,

4.35
sphuraddīpaśikhākārā bindudhārāpravarṣiṇī |
samastabhuvanābhogakavalīkṛtajīvitā || 35 ||
… als flackernde Flamme, die Ströme von Tropfen regnen lässt und die Lebenskraft der ganzen Weite der Welten in sich aufnimmt …

4.36
mahāsvamahimākrāntidhvastāhaṅkṛtibhūmikā |
krameṇa ca tato'naṅgaparyantātprollasantyapi || 36 ||
... durch das Übergreifen ihrer eigenen großen Macht den Bereich der Ichbildung auflösend, von dort schrittweise bis zum Körperlosen aufstrahlend,

4.37
śarīrānaṅgaparyantamekaikamubhayātmikā |
tato bhavati deveśi sarvaśṛṅgāramāninām || 37 ||
... bis zur Grenze von Körper und Körperlosem, in jedem einzelnen [Bereich] von beider Wesen – dann wird der Übende unter allen, die stolz auf ihre Liebeskunst sind,

4.38
rāgiṇāṃ sādhako devi bādhako madanādhikaḥ |
taddṛṣṭipathagā nārī surī vā yadivāsurī || 38 ||
... den Leidenschaftlichen überlegen und übertrifft den Liebesgott. Eine Frau, die in seinen Blickbereich kommt, sei sie eine Göttin oder Asura-Frau,

4.39
vidyādharī kinnarī vā yakṣanāgāṅganāthavā |
pracaṇḍatarabhūpālakanyakāḥ siddhakanyakāḥ || 39 ||
... eine Vidyadhari, Kinnari, Yaksha- oder Naga-Frau, die Tochter eines überaus mächtigen Königs oder eine Siddha-Tochter,

4.40
jvalanmaṇḍaladuṣprekṣyamadanottaptamānasāḥ |
klinnāḥ pracalitāṅgyastu vimūḍhā madavihvalāḥ || 40 ||
... wird im Herzen vom Liebesfeuer erhitzt, dessen lodernder Kreis kaum anzusehen ist. Sie wird feucht, ihre Glieder bewegen sich, sie ist betäubt und von Erregung überwältigt,

4.41
niveditātmasarvasvā jāyante vaśagāḥ priye |
calajjalendusadṛśī bālārkakiraṇāruṇā || 41 ||
... und gibt sich mit allem Eigenen hin und gerät unter seine Gewalt, Geliebte. Dem Mond auf bewegtem Wasser gleich, rot wie die Strahlen der jungen Sonne,

4.42
cintitā yoṣitāṃ yonau saṃkṣobhayati tatkṣaṇāt |
saiva sindūravarṇābhā hṛdaye cintitā satī || 42 ||
... im Geschlecht der Frauen vorgestellt, erregt [die Kraft] sie sogleich. Dieselbe, von Sindura-roter Erscheinung, im Herzen vorgestellt,

4.43
saṃmohonmādanāveśacittākarṣakarī smṛtā |
niyojitāthavā mūrdhni varṣantī raktabindavaḥ || 43 ||
... gilt als Verursacherin von Verblendung, Raserei, Eintritt und Anziehung des Denkens. Oder auf dem Scheitel angeordnet und rote Tropfen regnend,

Anmerkung: Die Form „raktabindavaḥ“ ist bereits Gegenstand von Jayarathas Kommentar. Er nennt sie eine besondere Textform und erläutert den Sinn mit einem erwarteten Akkusativ. Sie wurde deshalb nicht als bloßer OCR-Fehler korrigiert.

4.44
dhāraṇāsaṃprayogeṇa karoti vivaśaṃ jagat |
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi prayogaṃ bhuvi durlabham || 44 ||
... macht sie durch die Anwendung der Konzentration die Welt willenlos. Nun werde ich eine andere, in der Welt schwer zugängliche Anwendung erklären,

4.45
yena vijñātamātreṇa sādhako madanāyate |
kāmasthaṃ kāmamadhyasthaṃ kāmodarapuṭīkṛtam || 45 ||
... durch deren bloße Kenntnis der Übende zum Liebesgott wird: Im Kama befindlich, in der Mitte von Kama befindlich, im Innern von Kama eingeschlossen,

Anmerkung: Die Kāma-Chiffre läuft über 4.45–4.46. Jayaratha bietet sowohl eine Körper- und Atemauslegung als auch eine Yantra-Auslegung. Beide werden nicht zu einer einzigen vermeintlichen Wortbedeutung vermischt. Die folgende Übersetzung bewahrt zunächst die wiederholte Chiffrensprache des Grundtextes.

4.46
kāmena sādhayetkāmaṃ kāmaṃ kāmeṣu nikṣipet |
kāmena kāmitaṃ kṛtvā kāmasthaḥ kṣobhayejjagat || 46 ||
... verwirkliche man Kama durch Kama und lege Kama in die Kamas. Mit Kama begehrt gemacht, im Kama befindlich, errege man die Welt. [„Kama“ bezeichnet hier mehrere Lautformen und rituelle Bezugspunkte. Die fünf Lautformen sind anhand des Kommentars erläutert; die gesamte räumliche und körperliche Deutung bleibt vorläufig.]

Anmerkung: In Jayarathas Yantra-Auslegung stehen die fünf Kāmas für hrīṃ, klīṃ, zwei e-Laute, vlaṃ und strīṃ. Die ersten beiden und der fünfte beruhen auf bestimmten Vorgänger- beziehungsweise Abstandsschritten in der Lautreihe; die Punktmarkierung ist durch eine zusätzliche Kommentarregel begründet. Die vierte Form lautet auf Druck S. 117 vlaṃ (व्लं), elektronisch dagegen blaṃ. Bei der fünften bestätigt der Druck den langen Vokal ī, wo der E-Text einmal i schreibt. Die einzelnen Lautoperationen sind im Arbeitsarchiv nachvollzogen. Die wechselnden Körper-, Orts- und Zeichnungsbezüge der gesamten Passage sind damit noch nicht vollständig geklärt.

4.47
śaktibījasvarūpāṃ tu sṛṣṭyā saṃhṛtisīmayā |
sṛṣṭisaṃhāraparyantaṃ śarīre paricintayet || 47 ||
[Die Göttin] in der Gestalt der Shakti-Keimsilbe betrachte man im Körper gemäß der Schöpfung bis zur Grenze der Auflösung, bis zu den Grenzen von Schöpfung und Auflösung.

4.48
yato bhavati deveśi vainateya ivāparaḥ |
nāgānāṃ darśanādeva jaḍīkaraṇakārakaḥ || 48 ||
Dadurch wird man wie ein zweiter Sohn Vinatas [Garuda], Herrin der Götter, und lässt die Nagas schon beim Anblick erstarren.

4.49
dāhināmamṛtāsāradhīradhārādharopamaḥ |
sthirakṛtrimaśaṅkākhyaviṣopaviṣanāśakaḥ || 49 ||
Für die von Brennen Geplagten wird man wie eine mächtige Regenwolke mit Nektarstrom, ein Vernichter von Giften und Nebengiften, die als unbeweglich, künstlich oder eingebildet bezeichnet werden. [Die historische Giftklassifikation wird nicht medizinisch modernisiert.]

4.50
duṣṭavyādhigrahānekaḍākinīrūpikāgaṇaḥ |
bhūtapretapiśācaughaistrinetra iva dṛśyate || 50 ||
Von schlimmen Krankheiten und Ergreifern, zahlreichen Gruppen von Dakinis und Rupikas sowie Scharen von Bhutas, Pretas und Pishachas wird er wie der Dreiäugige [Shiva] gesehen. [Die Kasusform „gaṇaḥ“ stimmt nicht glatt zum Instrumental des Folgesatzes; vorläufige syntaktische Angleichung nur im Deutschen.]

4.51
athavā yena vidyeyaṃ paripūrṇā vicintyate |
nābhimaṇḍalahṛtpadmamukhamaṇḍalamadhyagā || 51 ||
Oder wer diese Vidya vollständig betrachtet, in der Nabelregion, im Herzlotus und im Bereich des Mundes befindlich,

4.52
kevalaiva maheśāni padmarāgasamaprabhā |
tasyāṣṭaguṇamaiśvaryamacirātsaṃpravartate || 52 ||
... ganz allein, von rubingleichem Glanz, höchste Herrin – bei ihm entfaltet sich bald achtfache Herrschaft.

4.53
manasā saṃsmaratyasyā yadā nāmāpi sādhakaḥ |
tadaiva mātṛcakrasya vidito bhavati priye || 53 ||
Schon wenn der Übende nur ihren Namen innerlich erinnert, wird er dem Kreis der Muttergöttinnen bekannt, Geliebte.

4.54
yadaiva japate vidyāṃ mahātripurasundarīm |
tadaiva mātṛcakrājñā saṃkrāmatyasya vigrahe || 54 ||
Sobald er die Vidya Mahatripurasundari rezitiert, geht die Weisungsgewalt des Mutterkreises in seinen Leib über.

4.55
sarvāsāṃ sarvasaṃsthānāṃ yoginīnāṃ bhavetpriyaḥ |
putravatparameśāni dhyānādeva hi sādhakaḥ || 55 ||
Allen Yoginis in allen ihren Erscheinungsweisen wird der Übende allein durch Meditation lieb wie ein Sohn, höchste Herrin.

4.56
yadā tu parameśāni paripūrṇāṃ prapūjayet |
prayacchanti tadaivāsya khecaryaḥ siddhimuttamām || 56 ||
Wenn er aber die [Vidya] vollständig verehrt, höchste Herrin, schenken ihm die Khecharis höchste Vollkommenheit.

4.57
catuṣṣaṣṭiryataḥ koṭyo yoginīnāṃ mahaujasām |
cakrametatsamāśritya saṃsthitā vīravandite || 57 ||
Denn vierundsechzig Kotis [640 Millionen] machtvoller Yoginis haben in diesem Chakra ihren Aufenthalt, du von Helden Verehrte.

4.58
ādeḥ saṃbandhini pade madhye bījāṣṭakaṃ bahiḥ |
kalā dhyātvāṅganānaṅge jāyate'naṅgavatpriye || 58 ||
Wenn man [die Vidya] an dem zum Anfang gehörenden Ort in der Mitte, außen die acht Keimsilben und die Kräfte im Ananga [der Yoni] einer Frau meditiert, wird man dem Körperlosen [Liebesgott] gleich, Geliebte. [Die Anordnung folgt Jayarathas Erklärung; eine vollständige Rekonstruktion des Diagramms steht aus.]

Anmerkung: Jayaratha bezieht den „Anfang“ auf Vagbhava und beschreibt dessen Platztausch mit Kamaraja in der Mitte. bahiḥ („außen“) gehört nach seiner Erklärung bereits zum bījāṣṭaka, den acht Keimsilben der Vashini-Göttinnen; hinzu kommen die sechzehn Vokalkräfte. Die vorige deutsche Fassung hatte die acht Keimsilben unzutreffend in die Mitte gesetzt. „Ananga der Frau“ erklärt er als Yoni. Die Körperstelle und die sexuelle Zielrichtung werden damit kenntlich; eine vollständige graphische Rekonstruktion wurde nicht erstellt.

4.58 (zweites Vorkommen)
karaśuddhyādividyānāmekaikaṃ parameśvari |
rudrayāmalatantre tu karma proktaṃ mayā purā || 58 ||
Die einzelnen Anwendungen der Mantras zur Reinigung der Hände und der weiteren Mantras habe ich bereits im Rudrayamala Tantra erklärt, höchste Herrin.

Anmerkung: Die Nummer 58 kommt in der Quelle unmittelbar nacheinander zweimal vor. Die zweite Stelle ist ein eigenständiger Vers und wird nicht ausgelassen oder als 59 umnummeriert. Beide Nummern 58 wurden auch auf Druck S. 121 bestätigt.

4.59
mādanairmadano bhūtvā pāśāṅkuśadhanuḥśaraiḥ |
kṣobhayetsvargabhūlokapātālatalayoṣitaḥ || 59 ||
Mit den zu Madana gehörenden [Mantras] zum Liebesgott geworden, errege man mit Schlinge, Treibstachel, Bogen und Pfeilen die Frauen des Himmels, der Erde und der Unterwelt.

4.60
tathaiva śāktairdeveśi tripurīkṛtavigrahaḥ |
sādhayeddevagandharvasiddhavidyādharānapi || 60 ||
Ebenso verwirkliche man mit den Shakti-[Mantras], den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht, [Macht über] Götter, Gandharvas, Siddhas und Vidyadharas.

4.61
tatra śāktā mahāvajraprastārajanitāḥ śarāḥ |
mādanāstvādiparataḥ sarvādhaḥsthā niyojitāḥ || 61 ||
Dabei entstehen die Shakti-Pfeile aus dem großen Vajra-Prastara [einer Lautanordnung]. Die zu Madana gehörenden [Pfeile] aber sind die ganz unten stehenden [Lautkräfte], die nach dem Anfang [ha] angeordnet werden.

Anmerkung: Jayaratha erklärt die zweite Vershälfte ausdrücklich als ha gefolgt von den vier Halbvokalen ya, ra, la, va. Sie bezeichnen hier die untersten Elementkräfte. Sein Kommentar zu 4.63 ergänzt die Punktmarkierung: haṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ. Diese Folge ist anhand seiner Erläuterung nachvollzogen. Die Herleitung sämtlicher Shakti-Pfeile aus der Vajra-Lauttafel in der ersten Vershälfte bleibt davon zu unterscheiden und ist nicht vollständig rekonstruiert.

4.62
ādyantago mahāpāśaḥ pauruṣeyaḥ prakīrtitaḥ |
rudraśaktiḥ kuṇḍalākhyā māyā strīpāśa ucyate || 62 ||
Der auf den Anfang [a] folgende [Laut ā] wird als die große männliche Schlinge bezeichnet. Rudras Shakti, die Kundala genannte Maya [hier der Vokal ī], heißt die weibliche Schlinge.

Anmerkung: Jayaratha erklärt den männlichen Laut als ā, den weiblichen als den vierten Vokal ī. Maya meint hier ausdrücklich nicht die sonst häufig mit diesem Namen bezeichnete vierteilige Keimsilbe. Mit der im Kommentar zu 4.63 vorgeschriebenen Punktmarkierung lauten die Formen āṃ und īṃ. Die eigentümliche Zerlegung von kuṇḍalākhyā über zwei i-Laute ist seine Kommentarauslegung, keine gewöhnliche Wortübersetzung.

4.63
turīyamaruṇāvargāddvitīyamapi pārvati |
strīpuṃskodaṇḍayugalaṃ kāmāgnivyāpako'ṅkuśaḥ || 63 ||
Der vierte und der zweite Laut der Aruna-Gruppe [dha und tha], Parvati, bilden das Paar des weiblichen und männlichen Bogens. Kama, Feuer und der Durchdringende [k, r und o] bilden den Treibstachel.

Anmerkung: Die Aruna-Gruppe ist nach 1.62 die ta-Reihe: ta, tha, da, dha, na. Deren vierter und zweiter Laut sind dha und tha. Mit der von Jayaratha aus dem Mantrakontext ergänzten Punktmarkierung ergeben sich daraus dhaṃ und thaṃ; sein nachfolgendes Zitat führt das Paar in umgekehrter Reihenfolge an. k + r + o + ṃ ergibt kroṃ. Diese einzelnen Operationen sind nachvollzogen; sie beweisen keine vollständige Entschlüsselung aller Mantrapassagen des Tantra.

4.64
mudrā yāstripurāyāstu devi siddhyaṣṭakānvitāḥ |
tā eva sarvacakreṣu pūjākāle prapūjayet || 64 ||
Tripuras Mudras, die mit den acht Vollkommenheiten verbunden sind, verehre man bei der Puja in sämtlichen Chakras.

4.65
ataḥ pradhānavidyeyaṃ tripurā parameśvarī |
naitasyāḥ sadṛśī kācidvidyā deveśi vidyate || 65 ||
Deshalb ist diese Vidya, Tripura, die höchste Herrin, die vorzüglichste. Keine andere Vidya kommt ihr gleich, Herrin der Götter.

4.66
etāmeva purārādhya vidyāṃ tripurabhairavīm |
trailokyamohanaṃ rūpamakāṣīdbhagavānhariḥ || 66 ||
Nachdem er früher eben diese Vidya Tripurabhairavi verehrt hatte, nahm der erhabene Hari die Gestalt an, welche die drei Welten bezaubert.

4.67
kāmadevo'pi deveśi mahātripurasundarīm |
samārādhyābhavalloke sarvasaubhāgyasundaraḥ || 67 ||
Auch der Liebesgott wurde, nachdem er Mahatripurasundari verehrt hatte, in der Welt durch alles Glück schön.

4.68
mayāpi yadvratasthena kriyate'dyāpi sundari |
japyaṃ trisandhyametasyāstadetatpadasiddhaye || 68 ||
Auch ich wiederhole diese Vidya noch heute zu den drei Tagesübergängen und wahre dabei mein Gelübde, Schöne, um eben diese Stellung zu verwirklichen.

4.69
madhyaprapūjanāddevi jāyate vākpatirnaraḥ |
tathaivāparakandarpo vāhyamadhyāntare'rcanāt || 69 ||
Durch Verehrung der Mitte wird ein Mensch zum Herrn der Rede. Verehrt er den Bereich zwischen dem Äußeren und der Mitte, wird er ebenso zu einem weiteren Liebesgott.

4.70
sarveṇa sarvadā sarvadevīyuktena pārvati |
sādhayetkhecarīsiddhimaṇimādiguṇānvitām || 70 ||
Mit dem ganzen [Chakra], stets mit sämtlichen Göttinnen verbunden, Parvati, verwirkliche man die Khechari-Vollkommenheit, ausgestattet mit Eigenschaften wie Anima [Kleinwerden].

Kolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmañjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe caturthaḥ paṭalaḥ || 4 ||
Damit endet das 4. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Kapitel 5: Innere Verehrung, Japa und Feueropfer

pañcamaḥ paṭalaḥ
Fünftes Kapitel.

Die Göttin spricht
[śrīdevy uvāca]
Die erhabene Göttin sprach.

5.1
sarvameva tvayā proktaṃ tripurājñānamuttamam |
kāmatattvaṃ viṣajñānaṃ mokṣatattvaṃ trayaṃ tathā || 1 ||
Du hast das gesamte höchste Wissen über Tripura erklärt: das Prinzip des Begehrens, das Wissen um Gift und das Prinzip der Befreiung, ebenso die Dreiheit [als Ganzes].

5.2
idānīṃ japahomābhyāṃ vidhānaṃ vada śaṅkara |
yenānuṣṭhitamātreṇa mandabhāgyo'pi siddhyati || 2 ||
Erkläre nun, Shankara, das Verfahren mit Japa und Feueropfer, durch dessen bloße Ausübung selbst ein wenig Begünstigter Vollendung erlangt.

Bhairava spricht
[śrībhairava uvāca]
Der erhabene Bhairava sprach.

5.3
śṛṇu devi pravakṣyāmi tripurāmantrasādhanam |
japahomavidhānaṃ tu samīhitaphalapradam || 3 ||
Höre, Göttin. Ich werde dir die Verwirklichung des Tripura-Mantra erklären: das Verfahren von Japa und Feueropfer, das die ersehnte Frucht schenkt.

5.4
cakramabhyarcya vidhivatsakalaṃ parameśvari |
madhyaṃ vā kevalaṃ devi vāhyamadhyagataṃ tu vā || 4 ||
Nachdem man das gesamte Chakra vorschriftsgemäß verehrt hat oder allein die Mitte oder die mit dem Äußeren verbundene Mitte, höchste Herrin,

5.5
tadagre saṃsthito mantrī sahasraṃ yadi vā japet |
vratasthaḥ parameśāni tato'nantaphalaṃ labhet || 5 ||
... bleibe der Mantraübende davor und rezitiere etwa tausendmal; sein Gelübde wahrend, erlange er dadurch unendliche Frucht.

5.6
dhyātvā vā hṛdgataṃ cakraṃ tatrasthāṃ parameśvarīm |
pūrvoktadhyānayogena saṃcintya japamārabhet || 6 ||
Oder er meditiere über das Chakra im Herzen und die höchste Herrin darin. Er betrachte sie in der zuvor beschriebenen Weise und beginne mit Japa.

5.7
nigadenopāṃśunā vā mānasenāpi suvrate |
pūrvoktanyāsasaṃnaddho mudrāsaṃnaddhavigrahaḥ || 7 ||
[Er rezitiere] hörbar, leise oder auch im Geist, du Gelübdetreue. Dabei ist er durch den beschriebenen Nyasa gerüstet, sein Körper durch die Mudra.

5.8
muktāhāramayīṃ sphītavaiḍūryamaṇisaṃbhavām |
putrajīvakapadmākṣarudrākṣasphaṭikodbhavām || 8 ||
[Er verwende eine Gebetskette] aus Perlen, prächtigen Vaidurya-Edelsteinen, Putrajivaka-Samen, Lotussamen, Rudraksha oder Kristall,

5.9
prabālapadmarāgādiraktacandananirmitām |
kuṅkumāgurukarpūramṛganābhivibhūṣitām || 9 ||
... aus Koralle, Rubin und anderem oder aus rotem Sandelholz. Die Kette ist mit Safran, Agaru, Kampfer und Moschus geschmückt.

5.10
akṣamālāṃ samāhṛtya tripurīkṛtavigrahaḥ |
lakṣamātraṃ japeddevi mahāpāpaiḥ pramucyate || 10 ||
Nachdem er die Gebetskette genommen und den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht hat, rezitiere er hunderttausendmal; [so heißt es,] er wird von schweren Verfehlungen frei.

5.11
lakṣadvayena pāpāni saptajanmakṛtānyapi |
nāśayet tripurā devī sādhakasya na saṃśayaḥ || 11 ||
Durch zweihunderttausend [Wiederholungen] vernichtet die Göttin Tripura die Verfehlungen des Übenden, selbst die aus sieben Geburten; daran besteht kein Zweifel.

5.12
japtvā lakṣatrayaṃ mantrī prayato mantravigrahaḥ |
pātakaṃ nāśayedāśu saptajanmasahasrajam || 12 ||
Nach dreihunderttausend Wiederholungen vernichte der gesammelte Mantraübende, dessen Leib Mantra geworden ist, rasch die aus siebentausend Geburten stammende Verfehlung.

5.13
japtvā vidyāṃ caturlakṣaṃ mahāvāgīśvaro bhavet |
pañcalakṣāccādaridraḥ sākṣādvaiśravaṇāyate || 13 ||
Nach vierhunderttausend Wiederholungen der Vidya werde er ein großer Herr der Sprache. Nach fünfhunderttausend werde er frei von Armut, wie Vaishravana [Kubera] selbst.

5.14
japtvā ṣaḍlakṣametasyā mahāvidyādhareśvaraḥ |
japtvaiva sapta lakṣāṇi khecarīmelakaṃ vrajet || 14 ||
Nach sechshunderttausend Wiederholungen werde er ein großer Herr der Vidyadharas. Nach siebenhunderttausend gelange er zur Begegnung mit den Khecharis.

5.15
aṣṭalakṣapramāṇaṃ tu japtvā vidyāṃ maheśvari |
aṇimādyaṣṭasiddhīśo jāyate devapūjitaḥ || 15 ||
Nach achthunderttausend Wiederholungen der Vidya werde er zum Herrn der acht Vollkommenheiten wie Anima, von den Göttern verehrt, große Herrin.

5.16
navalakṣapramāṇaṃ tu japtvā tripurasundarīm |
vidhivajjāyate mantrī rudramūrtirivāparaḥ || 16 ||
Nach neunhunderttausend vorschriftsgemäßen Wiederholungen [der Vidya] Tripurasundari werde der Mantraübende wie eine weitere Gestalt Rudras,

5.17
kartā hartā svayaṃ gauri loke'pratihataprabhaḥ |
nityapramudito vīraḥ svacchandagatirīśvaraḥ || 17 ||
... selbst Schöpfer und Vernichter, Gauri, in der Welt von ungehinderter Macht, ein stets hocherfreuter Held, ein Herr, der sich frei bewegt.

5.18
nigadena yadājaptaṃ lakṣaṃ copāṃśunā kṛtam |
mānasena maheśāni koṭijāpaphalaṃ labhet || 18 ||
Was hörbar rezitiert wird, [bringt die entsprechende Frucht]; leise vollzogen [bringt es die Frucht von] hunderttausend, geistig [vollzogen] die Frucht von zehn Millionen Wiederholungen, große Herrin. [Die Vergleichsmaßstäbe sind nach Jayarathas Erklärung ergänzt; der Grundtext formuliert verkürzt.]

Anmerkung: Die Steigerung der Japa-Frucht ist eine Aussage der historischen Quelle. Sie begründet kein empirisches Verhältnis zwischen lautem, leisem und geistigem Rezitieren.

5.19
yatra vā kutraciddeśe liṅgaṃ vai paścimāmukham |
svayaṃbhu vāṇaliṅgaṃ vā itaradvāpi suvrate || 19 ||
Wo immer sich ein nach Westen gerichtetes Shiva-Linga befindet, sei es selbst entstanden, ein Bana-Linga oder ein anderes, du deinem Gelübde Treue,

5.20
tatra sthitvā japellakṣaṃ tripurīkṛtavigrahaḥ |
tato bhavati deveśi tralokyakṣobhako naraḥ || 20 ||
... bleibe man dort und rezitiere hunderttausendmal, den Leib zu Tripuras Gestalt gemacht. Dadurch wird ein Mensch zum Erreger der drei Welten, Herrin der Götter.

5.21
evaṃ japaṃ yathāśakti kṛtvādau sādhakottamaḥ |
homaṃ kuryāddaśāṃśena - - - - - - - - - - - - - - - - - ||
- - - - - - - - - - - - - kusumairbrahmavṛkṣajaiḥ || 21 ||
Nachdem der vorzügliche Übende zunächst nach Kräften Japa vollzogen hat, führe er ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels [der Wiederholungen] aus, mit Blüten des Brahma-Baumes,

5.22
kusumbhakusumairvāpi trimadhvaktairyathāvidhi |
tato bhavati vidyeyaṃ mahāvighnaughaghātakī || 22 ||
... oder mit Saflorblüten, vorschriftsgemäß mit den drei süßen [Stoffen] bestrichen. Dadurch wird diese Vidya zur Vernichterin der großen Hindernisschar,

5.23
sarvakāmapradā devi bhuktimuktiphalapradā |
yonikuṇḍe bhagāṅke vā vartule vārdhacandrake || 23 ||
... zur Gewährerin aller Wünsche und der Früchte Genuss und Befreiung, Göttin. [Das Opfer erfolge] in einer Yoni-Grube, einer mit dem Bhaga-Zeichen, einer runden oder halbmondförmigen,

5.24
navatrikoṇacakre vā caturaśre'ṣṭapatrake |
yonikuṇḍe bhavedvāgmī bhagāṅke kṛṣṭiruttamā || 24 ||
... in einer mit neun Dreiecken, einer Chakra-förmigen, einer viereckigen oder achtblättrigen. In der Yoni-Grube werde man beredt; in der mit dem Bhaga-Zeichen [ergebe sich] vorzügliche Heranziehung.

Anmerkung: „navatrikoṇacakre“ wird mit Jayaratha als Aufzählung zweier Grubenformen verstanden: Neun-Dreieck-Form und Chakra-Form. So ergeben sich zusammen mit 5.23 acht Formen; 5.27 erläutert das Chakra als achteckig.

5.25
vartule tu bhavellakṣmīrardhacandre trayaṃ labhet |
navatrikoṇakuṇḍe tu khecaratvaṃ prapadyate || 25 ||
In der runden [Grube entstehe] Wohlstand; in der halbmondförmigen erlange man alle drei [zuvor genannten Früchte]. In der Neun-Dreieck-Grube erlange man das Wandeln im Luftraum.

5.26
caturaśre bhavecchāntirlakṣmīḥ puṣṭirarogatā |
padmāṅke sarvasaṃpattiracirādeva jāyate || 26 ||
In der viereckigen [Grube entstehen] Frieden, Wohlstand, Gedeihen und Freiheit von Krankheit. In der lotusförmigen entsteht rasch aller Erfolg.

5.27
cakre'ṣṭakoṇe subhage samīhitaphalaṃ labhet |
mallikāmālatījātīpuṣpairājyapariplutaiḥ || 27 ||
Im achteckigen Chakra erlange man die ersehnte Frucht, Glückliche. Durch mit geklärter Butter übergossene Mallika-, Malati- und Jati-Blüten,

5.28
hutairbhavati vāgīśo mūko'pi parameśvari |
karavīrajapāpuṣpāṇyājyayuktāni pārvati || 28 ||
... als Opfer dargebracht, wird selbst ein Stummer zum Herrn der Sprache, höchste Herrin. Karavira- und Hibiskusblüten mit geklärter Butter, Parvati,

5.29
hutvākarṣayate mantrī khabhūpātālayoṣitaḥ |
candrakastūrikāmiśraṃ kṛtvā kuṅkumamīśvari || 29 ||
... geopfert, [lassen] den Mantraübenden Frauen aus Himmel, Erde und Unterwelt heranziehen. Nachdem man Safran mit Kampfer und Moschus vermischt hat,

5.30
hutvā kandarpasaubhāgyātsa saubhāgyādhiko bhavet |
caṇpakaṃ pāṭalādīni hutvā vai śriyamāpnuyāt || 30 ||
... werde man durch dessen Opfer glücklicher als der Liebesgott in seinem Glück. Durch Opfer von Champaka, Patala und anderem erlange man Wohlstand.

5.31
śrīkhaṇḍamaguruṃ vāpi karpūraṃ purasaṃyutam |
hutvā purapurandhrīṇāṃ devi vikṣobhako bhavet || 31 ||
Durch Opfer von Sandelholz oder Agaru, Kampfer mit Pura [Harz], werde man, Göttin, zum Erreger der Frauen der Städte.

5.32
hutvā palaṃ trimadhvaktaṃ kṛtvā smṛtvā maheśvarīm |
khecaro jāyate devi gatvā naktaṃ catuṣpathe || 32 ||
Nachdem man nachts an eine Kreuzung gegangen ist, Fleisch mit den drei süßen [Stoffen] bestrichen und unter Erinnerung an die große Herrin geopfert hat, wird man zum Khechara, Göttin.

Anmerkung: Pala hat neben einer Maßbedeutung auch die lexikalisch belegte Bedeutung „Fleisch“ (Monier-Williams, Sanskrit-English Dictionary, S. 609). Diese ist hier im Opferkontext gewählt. Jayaratha erläutert die Satzreihenfolge, nennt aber keinen Zahlenwert und keine Umrechnung eines Gewichts; eine solche Mengenangabe wird daher nicht ergänzt.

5.33
tadā dadhimadhukṣīramiśrāṃllājānmaheśvari |
hutvā na vādhyate rogaiḥ kālamṛtyubhayādibhiḥ || 33 ||
Durch ein Opfer von Puffreis, vermischt mit Dickmilch, Honig und Milch, werde man dann nicht von Krankheiten, der Furcht vor Zeit und Tod und weiteren [Bedrängnissen] bedrängt, große Herrin.

Kolophon des Kommentars
iti śrīrājānakaśrīmajjayarathaviracite śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇe pañcamaḥ paṭalaḥ || 5 ||
Damit endet das 5. Kapitel in dem von Rajanaka Shri Jayaratha verfassten Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata.

Anhang: Abweichende Versfassung der bisherigen Auswahl

Die neun folgenden Verse besitzen ihre eigene Zählung. Sie sind keine zusätzlich an den Grundtext anzuhängenden Kapitelverse. Unterschiede betreffen sowohl die Versgrenzen als auch Wörter, Göttinnennamen und die zusätzliche Bitte in Auswahl 1.25. Die Lesung dieser älteren Auswahl bleibt an einzelnen Stellen vorläufig.

Auswahl 1.13
śrīdevy uvāca |
bhagavan sarvamantrāśca bhavatā me prakāśitāḥ |
catuḥṣaṣṭiśca tantrāṇi mātṛṇāmuttamāni ca || 1.13 ||
Erhabener, du hast mir alle Mantras offenbart und die vierundsechzig vorzüglichen Tantras der Muttergöttinnen.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.13.

Auswahl 1.23
bhavatoktāni me deva sarvajñānamayāni ca |
nityāḥ ṣoḍaśa deveśa sūcitā na prakāśitāḥ || 1.23 ||
[Diese Schriften] hast du mir, o Gott, gelehrt, und sie sind von umfassendem Wissen erfüllt. Die sechzehn Nityas jedoch, Herr der Götter, wurden angedeutet, aber nicht ausführlich erklärt.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.22.

Auswahl 1.24
idānīṃ śrotumicchāmi tāsāṃ nāmāni śaṅkara |
ekaikaṃ cakrapūjāṃ ca paripūrṇāṃ samantataḥ || 1.24 ||
Jetzt möchte ich, o Shankara, ihre Namen einzeln hören und die Verehrung des Chakra, vollständig nach allen Seiten hin.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.23.

Auswahl 1.25
anekadevatānāmamantramudrāgaṇe saha |
kathayasva prasādena yadi tuṣṭo'si me prabho || 1.25 ||
Erkläre [dies] zusammen mit der Schar der Namen, Mantras und Mudras der zahlreichen Gottheiten, aus Gnade, wenn du mir gewogen bist, o Herr.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.24a; zusätzlicher Halbvers.

Anmerkung: Der erste Halbvers steht hier mit der auffälligen Form gaṇe saha; der Sinn der Verbindung ist vorläufig wiedergegeben. Die Bitte „Erkläre [dies] aus Gnade, wenn du mir gewogen bist, o Herr“ hat im fortlaufenden Text 1.24 keinen entsprechenden zweiten Halbvers.

Auswahl 1.26
śrībhairava uvāca |
śṛṇu devi mahājñānaṃ nityāṣoḍaśikārṇavam |
na kasyacinmayākhyātaṃ sarvatantreṣu gopitam || 1.26 ||
Höre, o Göttin, den Nitya Shodashikarnava, der großes Wissen enthält: Von mir wurde er niemandem verkündet; in allen Tantras ist er verborgen gehalten.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.24b–1.25a.

Auswahl 1.27
tatrādau prathamā nityā mahātripurasundarī |
tataḥ kāmeśvarī nityā nityā ca bhagamālinī || 1.27 ||
Dabei ist am Anfang die erste Nitya Mahatripurasundari. Danach [folgen] die Nitya Kameshvari und die Nitya Bhagamalini.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.25b–1.26a.

Auswahl 1.28
nityaklinnābhidhā nityā bheruṇḍā vahnivāsinī |
mahāvidyeśvarī dūtī tvaritā kulasundarī || 1.28 ||
[Es folgen] die Nitya namens Nityaklinna, Bherunda, Vahnivasini, Mahavidyeshvari, Duti, Tvarita und Kulasundari.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.26b–1.27a.

Auswahl 1.29
nityā nīlapatākā ca vijayā sarvamaṅgalā |
jvālāmālinikā citretyevaṃ nityāstu ṣoḍaśa || 1.29 ||
[Es folgen] Nitya, Nilapataka, Vijaya, Sarvamangala, Jvalamalinika und Chitra. So sind es sechzehn Nityas.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.27b–1.28a.

Auswahl 1.30
śṛṇu devi mahānityāmādau tripurasundarīm |
yayā vijñātayā gauri jagatkṣobhaḥ prajāyate || 1.30 ||
Höre, o Göttin, zuerst von der großen Nitya Tripurasundari. Wenn sie erkannt ist, o Gauri, entsteht eine Erregung der Welt.

Entsprechung im fortlaufenden Text: 1.28b–1.29a.

Anhang: Jayarathas Rahmensprüche und Schlussstücke

Diese Sprüche und Schlussbemerkungen gehören zu Jayarathas Kommentar. Sie sind von den nummerierten Versen des Tantra getrennt. Die drei Eingangssprüche stehen vor dem ersten Grundtextvers; die Schlussstücke folgen auf das fünfte Kapitel.

Eingang des Kommentars 1
svasvāmibhāvaparijṛmbhaṇasāracakra-
cakreśvarīmayatayā navadhā svarūpam |
ābhāsayantyaghanude tripurāstu sarva-
sarvātmakatvakalanena nijākṣarāṇām || 1 ||
Tripura möge das Unheil vertreiben! Durch die Vergegenwärtigung, dass jeder ihrer eigenen Laute alles in sich umfasst, lässt sie ihre Gestalt neunfach als Chakras und deren Herrinnen erscheinen. Deren Wesen ist die Entfaltung des Verhältnisses von Eigenem und dessen Herrin. [Die genaue Beziehung der Glieder des ersten Kompositums bleibt auslegungsbedürftig. „aghanude“ wurde nach Druck S. 1 berichtigt; die Berichtigung steht nun übereinstimmend in IAST und Devanagari.]

Eingang des Kommentars 2
jayanti paramādvaitavijñānāmṛtanirbharāḥ |
pūrve śrīdīpikācāryapramukhā guravo mama || 2 ||
Es triumphieren meine früheren Lehrer, an ihrer Spitze der erhabene Dipikacharya, erfüllt vom Nektar der Erkenntnis höchster Nichtzweiheit.

Eingang des Kommentars 3
parakṛtakukalpanāmayatimirāndhyāpohanāya manāk |
śrīvāmakeśvarīmatamuddyotayituṃ mamodyamo'dyāyam || 3 ||
Mein heutiges Bemühen ist es, die Shri Vamakeshvarimata ein wenig zu erhellen und so die Blindheit zu beseitigen, deren Dunkel aus den verfehlten Deutungen anderer besteht.

Schluss des Kommentars 1
uccityoccitya niyataṃ kutaścana kutaścana |
yathāgurumukhaṃ kaiścidetadvyākṛtamalpakam || 1 ||
Immer wieder hier und dort zusammentragend, haben manche dies nach der mündlichen Lehre des Guru nur in geringem Umfang erklärt. [Druck S. 140 hat uccityoccitya, ohne den zusätzlichen Anusvara des E-Textes.]

Schluss des Kommentars 2
sarvataḥkaṣṭaduḥśliṣṭamliṣṭaśabdārthavartmanā |
kena tāvannimittena kairapyetadvivecitam || 2 ||
Von manchen wurde dies auf einem Weg schwieriger, schlecht verbundener Wörter und Bedeutungen erläutert – aus welchem Anlass eigentlich? [Der erste Halbvers enthält die auffällige Folge „duḥśliṣṭamliṣṭa“; seine genaue Lesung und Gliederung sind nicht gesichert. Diese Übertragung bleibt eine Annäherung, keine vollständige Klärung.]

Schluss des Kommentars 3
pitṛpitāmahakalpitakalpanā-
rasamahodadhimātrakadāśayā |
vivṛtamapyaparairna yathārthatāṃ
śrutabahiṣkṛtabuddhitayā gatam || 3 ||
Obwohl andere es erläutert haben, gelangte [ihre Erklärung] nicht zum wirklichen Sinn, weil ihr Denken die Überlieferung ausschließt. [Der vorangehende erste Halbvers bleibt syntaktisch ungeklärt. Sicher erkennbar sind pitṛpitāmaha, „Väter und Großväter“, kalpitakalpanā, „ersonnene Vorstellungen beziehungsweise Deutungen“, sowie rasamahodadhi, der Titel „Ozean des Geschmacks“, und mātra, „bloß, allein“. Der Zusammenhang mit kadāśayā ist nicht sicher herstellbar. Eine vollständige Satzübersetzung dieses Halbverses bleibt ausstehend.]

Übergang
ataḥ
Daher:

Schluss des Kommentars 4
śrīmadguruvarādevamavadhārya yathārthataḥ |
mayā jayarathenaivaṃ kiṃcidetatprapañcitam ||
tatkṣaṇasyāvaghātavyamatra sadbhiravajñayā |
avicāryaiva vaktavyo na doṣo na guṇaḥ punaḥ || 4 ||
Nachdem ich so vom erhabenen Lehrer den wirklichen Sinn vernommen habe, habe ich, Jayaratha, dies ein wenig entfaltet. […] Ohne Prüfung soll man weder einen Fehler noch einen Vorzug aussprechen. [Die dritte Zeile ist weiterhin nicht zuverlässig als ganzer Satz übersetzbar. Erkennbar sind atra, „hier“, sadbhiḥ, „von verständigen beziehungsweise rechtschaffenen Menschen“, und avajñayā, „mit Geringschätzung“. Ihr Verhältnis zum gestörten Anfang der Zeile ist offen; insbesondere wird keine fehlende Verneinung ergänzt. Die Nummer 4 umfasst in der Vorlage vier Zeilen. Ihr erster Halbvers wurde nach Druck S. 140 berichtigt.]

Gesamtkolophon des Kommentars
iti rājānakaśrīmajjayarathaviracitaṃ śrīvāmakeśvarīmatavivaraṇaṃ saṃpūrṇam ||
Vollständig ist der Kommentar zur Shri Vamakeshvarimata, verfasst von Rajanaka Shri Jayaratha. [Der Name wurde nach Druck S. 141 berichtigt; der E-Text hat „jagaratha“.]

Sanskrit in Devanagari

Überlieferter Sanskrittitel
अथ
श्रीवामकेश्वरीमतम्
श्रीमद्राजानकजयरथविरचितविवरणोपेतम् |

Die kosmische Sprache der Schrift verbindet Mantra und Universum. Allgemeine Illustration.

Devanagari: Kapitel 1

प्रथमः पटलः |

1.1
गणेशग्रहनक्षत्रयोगिनीराशिरूपिणीम् |
देवीं मन्त्रमयीं नौमि मातृकां पीठरूपिणीम् || १ ||

1.2
प्रणमामि महादेवीं मातृकां परमेश्वरीम् |
कालहल्लोहलोल्लोलकलनाशमकारिणीम् || २ ||

1.3
यदक्षरैकमात्रेऽपि संसिद्धे स्पर्धते नरः |
रवितार्क्ष्येन्दुकन्दर्पशङ्करानलविष्णुभिः || ३ ||

1.4
यदक्षरशशिज्योत्स्नामण्डितं भुवनत्रयम् |
वन्दे सर्वेश्वरीं देवीं महाश्रीसिद्धमातृकाम् || ४ ||

1.5
यदक्षरमहासूत्रप्रोतमेतज्जगत्त्रयम् |
ब्रह्माण्डादिकटाहान्तं वन्दे तां सिद्धमातृकाम् || ५ ||

1.6
यदेकादशमाधारबीजकोणत्रयोद्भवम् |
ब्रह्माण्डादिकटाहान्तं जगदद्यापि दृश्यते || ६ ||

1.7
अकचादिटतोन्नद्धपयशाक्षरवर्गिणीम् |
ज्येष्ठाङ्गबाहुहृत्पृष्ठकटिपादनिवासिनीम् || ७ ||

1.8
तामिकाराक्षरोद्धारसाराधारां परापराम् |
प्रणमामि महादेवीं परमानन्दरूपिणीम् || ८ ||

1.9
अद्यापि यस्या जानन्ति न मनागपि देवताः |
केयं कस्मात् क्व केनेति स्वरूपारूपभावनाम् || ९ ||

1.10
वन्दे तामहमक्षय्यक्षकाराक्षररूपिणीम् |
देवीं कुलकलोल्लोलप्रोल्लसन्तीं परौलिजाम् || १० ||

1.11
वर्गानुक्रमयोगेन यस्या मात्रष्टकं स्थितम् |
वन्दे तामष्टवर्गोत्थमहासिद्ध्यष्टकेश्वरीम् || ११ ||

1.12
कामपूर्णजकाराख्यश्रीपीठान्तर्निवासिनीम् |
चतुराज्ञाकोशभूतां नौमि श्रीत्रिपुरामहम् || १२ ||

[श्रीदेव्युवाच ।]

1.13
भगवन्सर्वमन्त्राश्च भवता मे प्रकाशिताः |
चतुष्षष्टिस्तु तन्त्राणि मातृणामुत्तमानि तु || १३ ||

1.14
महामाया शम्बरं च योगिनी जालशम्बरम् |
तत्त्वशम्बरकं देवं भैरवाष्टकमेव च || १४ ||

1.15
बहुरूपाष्टकं ज्ञानं यामलाष्टकमेव च |
चन्द्रज्ञानं वासुकिं च महासंमोहनं तथा || १५ ||

1.16
महोच्छुष्मं महादेव वाथुलं च नयोत्तरम् |
हृद्भेदं मातृभेदं च गुह्यतन्त्रं च कामिकम् || १६ ||

1.17
कालपादं कालसारं तथान्यत् कुब्जिकामतम् |
नयोत्तरं च वीणाद्यं त्रोतुलं भ्रातुलोत्तरम् || १७ ||

1.18
पञ्चामृतं रूपभेदं भूतोड्डामरमेव च |
कुलसारं कुलोड्डीशं कुलचूडामणिं तथा || १८ ||

1.19
सर्वज्ञानोत्तरं देव महापिचुमतं तथा |
महालक्ष्मीमतं देव सिद्धयोगीश्वरीमतम् || १९ ||

1.20
कुरूपिकामतं देव रूपिकामतमेव च |
सर्ववीरमतं देव विमलामतमेव च || २० ||

1.21
अरुणेशं मोदनेशं विशुद्धेश्वरमेव च |
एवमेतानि शास्त्राणि तथान्यान्यपि कोटिशः || २१ ||

1.22
भवतोक्तानि मे देव सर्वज्ञानमयानि च |
विद्याः षोडश देवेश सूचिता न प्रकाशिताः || २२ ||

1.23
इदानीं श्रोतुमिच्छामि तासां नामानि शङ्कर |
एकैकचक्रपूजां च परिपूर्णां समन्ततः || २३ ||

1.24
अनेकदेवतानाममन्त्रमुद्रागणैः सह |
[श्रीभैरव उवाच – Bhairava spricht]
शृणु देवि महाज्ञानं विद्याषोडशकार्ण-वम् || २४ ||

1.25
न कस्यचिन्मयाख्यातं सर्वतन्त्रेषु गोपितम् |
तत्रादौ प्रथमा नित्या महात्रिपुरसुन्दरी || २५ ||

1.26
ततः कामेश्वरी नित्या नित्या च भगमालिनी |
नित्यक्लिन्नापि हि तथा भेरुण्डा वह्निवासिनी || २६ ||

1.27
महाविद्येश्वरी दूती त्वरिता कुलसुन्दरी |
नित्या नीलपताका च विजया सर्वमङ्गला || २७ ||

1.28
ज्वालामालिविचित्रा चेत्येवं नित्यास्तु षोडश |
शृणु देवि महानित्यामादौ त्रिपुरसुन्दरीम् || २८ ||

1.29
यया विज्ञातया देवि जगत्क्षोभः प्रजायते |
शक्त्या शक्तिं विनिर्भिद्य भूयो वह्निपुरेण तु || २९ ||

1.30
संपुटीकृत्य सर्वोर्ध्वशक्तिं विस्तारयेदधः |
तथैव वह्निचक्रेण तामेवोर्ध्वं विभेदयेत् || ३० ||

1.31
तत ऊर्ध्वस्थितां शक्तिमूर्ध्वं विस्तारयेत् क्रमात् |
पुनराद्यं वह्निचक्रमधो विस्तार्य सुन्दरि || ३१ ||

1.32
ग्रन्थिभेदक्रमेणैव शक्तिमाद्यां विभेदयेत् |
तथा सर्वोर्ध्ववह्न्यन्तशक्तिं विस्तारयेदधः || ३२ ||

1.33
तामादिचक्राधःशक्त्या वह्निनोर्ध्वं विभेदयेत् |
पुनः पूर्ववदेवाद्यां शक्तिं विस्तार्य भेदयेत् || ३३ ||

1.34
ऊर्ध्ववह्निम् - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - अधोवह्निमध्ये वह्निविवर्जितम् |
विस्तार्य भेदयेच्छक्तिमधस्तादूर्ध्ववह्निना || ३४ ||

1.35
अतो मध्यादिशक्त्यूर्ध्वशक्तिं विस्तारयेदध. |
तथैव संपुटीकुर्यात् सर्वं चक्रं सुरेश्वरि || ३५ ||

1.36
तां च तेन महेशानि वह्निचक्रेण भेदयेत् |
ग्रन्थिभेदक्रमेणाधः सर्वोर्ध्वात्सर्वबाह्यतः || ३६ ||

1.37
मध्योर्ध्वशक्तिपर्यन्तम् - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - आदिशक्त्यवधिप्रिये |
ततो बाह्यस्थशक्त्यन्तःशक्तिमूर्ध्वं विकासयेत् || ३७ ||

1.38
सर्वोर्ध्ववह्न्यधोवह्निपर्यन्तं वीरवन्दिते |
तथा विस्तारयेच्छक्तिमाद्यामप्यूर्ध्वमीश्वरि || ३८ ||

1.39
तया विभेदयेद्वह्निचक्रं सर्वोर्ध्वसंस्थितम् |
सर्वोर्ध्ववह्न्यधोभागग्रन्थिपर्यन्ततः प्रिये || ३९ ||

1.40
विस्तार्य वाह्यशक्तिं तु सर्वाधस्ताद्विभेदयेत् | *
ततः सृष्ट्या महाचक्रं प्रथमं तु हुताशनम् || ४० ||

1.41
मध्ये तु द्वितयं स्थित्या संहारं पञ्चमं च यत् |
एवमेतन्महाचक्रं महाश्रीत्रिपुरामयम् || ४१ ||

1.42
क्लेदनं द्रावणं चैव क्षोभणं मोहनं तथा |
आकर्षणं महादेवि जम्भनं स्तम्भनं तथा || ४२ ||

1.43
व्याधिदारिद्र्यशमनं सर्वदुर्नीतिनाशनम् |
शान्तिपुष्टिधनारोग्यमन्त्रसिद्धिकरं परम् || ४३ ||

[Zur berichtigten Lesung siehe die Anmerkung bei IAST 1.43.]

1.44
भोगदं मोक्षदं चैव खेचरत्वप्रवर्तकम् |
सर्वरक्षाकरं देवि सर्वानन्दकरं तथा || ४४ ||

1.45
सर्वकर्मकरं चापि सर्वकार्यार्थसाधकम् |
सर्वावेशकरं देवि सर्ववेधकरं पुनः || ४५ ||

1.46
सर्वतत्त्वकरं देवि सर्वाज्ञानिलयं तथा |
सर्वर्द्धिसंयुतं चैव सर्वश्रेयस्करं परम् || ४६ ||

1.47
सर्वमन्त्रमयं देवि सर्वतीर्थमयं पुनः |
सर्वव्रतमयं चैव सर्वामृतमयं तथा || ४७ ||

1.48
सर्वदुःखप्रशनं सर्वशोकनिवारणम् |
सर्वोन्मादकरं देवि सर्वयोगीश्वरीमयम् || ४८ ||

1.49
सर्वपीठमयं देवि सर्वज्ञानमयं प्रिये |
सर्वदेवमयं देवि सर्वाह्लादनकारकम् || ४९ ||

1.50
सर्वदौर्भाग्यशमनं सर्वविघ्ननिवारणम् |
सर्वसिद्धिकरं चक्रं सर्वाशापरिपूरकम् || ५० ||

1.51
रौद्राभिचारकोच्चण्डपरमन्त्रौघभक्षकम् |
परसिद्ध्याकर्षणं च पराज्ञाकर्षणं तथा || ५१ ||

1.52
परसैन्यस्तम्भकं च परविज्ञानमोहनम् |
परवक्त्रस्तम्भकं च शस्त्रस्तम्भनकं परम् || ५२ ||

1.53
महाचमत्कारकरं महाभुक्तिप्रवर्तकम् | *
महावश्यकरं देवि महासौभाग्यदायकम् || ५३ ||

1.54
महाज्वरहरं देवि महाविषहरं परम् |
महामृत्युप्रशमनं महाभयविनाशनम् || ५४ ||

1.55
महापुरक्षोभकरं महासुखशुभप्रदम् |
महालक्ष्मीमयं देवि महामङ्गल्यदायकम् || ५५ ||

1.56
महाप्रभावसंयुक्तं महापातकनाशनम् |
एवमेतस्य चक्रस्य प्रभावो वर्णितुं मया || ५६ ||

1.57
न शक्यते महादेवि कल्पकोटिशतैरपि |
एतद्वाह्यगतं पद्ममष्टपत्रं समालिखेत् || ५७ ||

1.58
तद्बाह्यतोऽपि देवेशि षोडशारं तथैवच |
परिवेशसमायुक्तं चतुर्द्वारोपशोभितम् || ५८ ||

1.59
संस्थिता तु महाचक्रे महात्रिपुरसुन्दरी |
शृणु देवि यथा सा तु पूज्यते साधकोत्तमैः || ५९ ||

1.60
वर्गानुक्रमयोगेन देवताष्टकसंयुता |
अवर्गः प्रथमो देवि वशिनी तत्र देवता || ६० ||

1.61
तत्परस्तु कवर्गो यस्तत्र कामेश्वरी स्थिता |
मोदिनी तु चवर्गस्था टवर्गे विमला तथा || ६१ ||

1.62
अरुणा तु तवर्गस्था पवर्गे जयिनी स्थिता |
सर्वेश्वरी यवर्गे तु शवर्गे कौलिनीति च || ६२ ||

1.63
एता वर्गाष्टके देवि अष्टावेवहि देवताः |
अर्चिताः पुरुषस्याशु प्रकुर्वन्ति वशं जगत् || ६३ ||

1.64
उद्धरेत्प्रथमं रेफं तदधः कुटिलान्तगम् |
तदप्यवनिबीजस्थं षष्ठस्वरसमन्वितम् || ६४ ||

1.65
ऊर्ध्वमर्धेन्दुबिन्द्वाढ्यं कारयेत्परमेश्वरि |
एतत्तद्वशिनीबीजं योगिनीनां मुखे स्थितम् || ६५ ||

1.66
द्वितीयवर्गात्प्रथममैन्द्रारूढं महेश्वरि |
अधस्तान्नाभसं बीजमाग्नेयस्थं समुद्धरेत् || ६६ ||

1.67
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्दुखण्डेन्द्वलङ्कृतम् |
एतत्कामेश्वरीबीजं त्रैलोक्यक्षोभकारकम् || ६७ ||

1.68
अरुणापञ्चमस्याधो वारुणं विनियोजयेत् |
तदधोऽपीन्द्रबीजं तु सर्वोर्ध्वभिपरं प्रिये || ६८ ||

1.69
एतत्तन्मोदिनीबीजं सर्वतत्त्ववशङ्करम् |
वायव्यमिन्द्रबीजस्थं षष्ठस्वरसमन्वितम् || ६९ ||

1.70
अर्धेन्दुमस्तकाक्रान्तं बिन्दुना परिभूषितम् |
एतत्ते कथितं देवि विमलाबीजमुत्तमम् || ७० ||

1.71
सर्वपापक्षयकरं सर्वोपद्रवनाशनम् |
जकारं कालमारूढं तदधो ज्वलनाक्षरम् || ७१ ||

1.72
चतुर्थस्वरसंभिन्नं बिन्दुनादसमन्वितम् |
एतत्तदरुणाबीजमरुणं सर्वमोहनम् || ७२ ||

1.73
शिवबीजं तदादिस्थमधस्तादैन्द्रवारुणौ |
वायव्यमुपरोद्भिन्नं संयोज्य परमेश्वरि || ७३ ||

1.74
जयिनीबीजमेवेदं नादबिन्दुविभूषितम् |
उद्धरेन्मोदिनीवर्गचतुर्थं परमेश्वरि || ७४ ||

1.75
अधः कालाग्निवायव्यान् क्रमेण विनियोजयेत् |
दीर्घायुर्बीजसंयुक्तान्यथानुक्रमयोगतः || ७५ ||

1.76
उपरीश्वरबिन्द्वन्तानेकत्र सुरसुन्दरि |
एतत्सर्वेश्वरीबीजं सर्वत्रैवापराजितम् || ७६ ||

1.77
कौलिनीपञ्चमं देवि कालबीजोपरिस्थितम् |
सर्वाधस्तादपि तथा वह्निबीजं नियोजयेत् || ७७ ||

1.78
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्द्विन्दुसमलङ्कृतम् |
एतद्बीजवरं भद्रे कौलिनीरूपमास्थितम् || ७८ ||

1.79
एवमेतानि बीजानि क्रमादष्टौ महेश्वरि |
कथितानि महादेवि - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - शृणु विद्याङ्गरूपिणीः || ७९ ||

1.80
करशुद्धिकरीं विद्यां तथाङ्गन्याससंस्थिताम् |
आत्मासनगतां चापि तथा चक्रासनस्थिताम् || ८० ||

1.81
सर्वमन्त्रासनगतां साध्यसिद्धासनस्थिताम् |
देव्यावाहनविद्यां च - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - -मूलविद्यामपि प्रिये || ८१ ||

1.82
वाग्भवं प्रथमं देवि कामराजं द्वितीयकम् |
शान्तान्तं कादिसंयुक्तमैकारान्तान्तयोजितम् || ८२ ||

1.83
एषा विद्या महेशानि करशुद्धिकरी स्मृता |
ए-ओमध्यगतं बीजं वाग्विधानाय केवलम् || ८३ ||

1.84
रुद्रयामलतन्त्रे तु निर्दिष्टं परमाक्षरम् |
मादनं शक्रसंयुक्तं चतुर्थस्वरसंयुतम् || ८४ ||

1.85
ऊर्ध्वमर्धेन्दुबिन्द्वाढ्यम् - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - आद्यन्ते तत्परं पुनः |
शान्तान्तं कादिसंयुक्तमैकारान्तान्तयोजितम् || ८५ ||

1.86
एषा विद्या महाविद्या योगिनीनां महोदया |
कुलविद्या महेशानि सर्वकार्यार्थसाधकी || ८६ ||

1.87
अनया विद्यया गौरि रक्षामात्मनि कारयेत् |
एतस्या एव विद्यायाः शिवमायाग्निबिन्दुमत् || ८७ ||

1.88
बीजमादिपदे युक्त्वां कार्यात्मासनरूपिणी |
पुनर्विद्याद्यमस्योर्ध्वमन्तरन्तं शिवान्वितम् || ८८ ||

1.89
त्रैलोक्यमोहनीयं सा विद्या चक्रासनस्थिता |
पुनराद्यां महाविद्यां शिवचन्द्रसमन्विताम् || ८९ ||

1.90
कृत्वा कामप्रदा विद्या सर्वमन्त्रासनस्थिता |
देव्यात्मासनविद्यायाः पूर्वोक्ताया यथाक्रमम् || ९० ||

1.91
अन्तदेशे तोयबिन्दुशक्रशक्तीरनुक्रमात् |
संयोज्य परमेशानि साकमर्धेन्दुना ततः || ९१ ||

1.92
केवलाक्षरभेदेन विद्या साध्यासनस्थिता |
हंससोमसमारूढामाद्यामग्न्यासनस्थिताम् || ९२ ||

1.93
सर्वार्थसाधकी विद्या देव्यावाहनकर्मणि |
एवमेता महाविद्या देवि सर्वार्थसिद्धिदाः || ९३ ||

1.94
महात्रिपुरसुन्दर्यां मूलविद्यां शृणु प्रिये |
मादनं तदधः शक्तिस्तदधो बिन्दुमालिनी || ९४ ||

1.95
ऐन्द्रमाकाशबीजस्थमधस्ताज्ज्वलनाक्षरम् |
मायाबिन्द्वीश्वरयुता सर्वोपरि नियोजिता || ९५ ||

1.96
अयं स वाग्भवो देवि वागीशत्वप्रवर्तकः |
शिवबीजं त्रिधा युङ्क्त्वा सृष्टिस्थितिलयक्रमैः || ९६ ||

1.97
द्वयमाद्येन रहितमाद्याधो मदनाक्षरम् |
पुनः स्थितिशिवाधस्तादिन्द्रबीजं नियोजयेत् || ९७ ||

1.98
तथा लयशिवाधोऽपि ज्वलनं च महेश्वरि |
चतुर्थस्वरसंयुक्तं बिन्दुखण्डेन्द्वलङ्कृतम् || ९८ ||

1.99
एवमेतन्महाबीजं कामराजं महोदयम् |
मायाबीजं महेशानि मादनं शक्रसंयुतम् || ९९ ||

1.100
चन्द्रबीजं केवलं तु विनियोज्यं वरानने |
त्यक्त्वा सृष्टिक्रमं देवि प्रागुच्चारक्रमेण तु || १०० ||

1.101
संहारक्रमयोगेन शक्तिबीजं समुद्धरेत् |
एवमेषा महाविद्या महात्रिपुरसुन्दरी || १०१ ||

1.102
संस्मृतैव महादेवि त्रैलोक्यवशकारिणी |
एतयैतस्य चक्रस्य साधकोऽर्चनमारभेत् || १०२ ||

1.103
कुङ्कुमारुणदेहस्तु वस्त्रारुणविभूषितः |
ताम्बूलपूरितमुखो धूपामोदसुगन्धितः * || १०३ ||

1.104
कर्पूरक्षोददिग्धाङ्गो रक्ताभरणमण्डितः |
रक्तपुष्पावृतो मौनी रक्तगन्धानुलेपनः || १०४ ||

1.105
रक्तासनोपविष्टस्तु लाक्षारुणगृहस्थितिः |
सर्वशृङ्गारवेशाढ्यस्त्रिपुरीकृतविग्रहः || १०५ ||

1.106
मनःसंकल्परक्तो वा साधकः स्थिरमानसः |
भूप्रदेशे समे शुद्धे गोमयेनोपलेपिते || १०६ ||

1.107
पुष्पप्रकरसंकीर्णे धूपामोदसुगन्धिते |
सिन्दूररजसा देवि कुङ्कुमेनाथवा पुनः || १०७ ||

1.108
आलिखेत्प्रथमं चक्रं समरेखं मनोरमम् |
समत्रिकोणशक्त्यग्रं सश्रीकमतिसुन्दरम् || १०८ || *

1.109
ध्यात्वा पुरत्रयं देवि बीजत्रयसमन्वितम् |
सर्वाद्यविद्यया देवि करशुद्धिं तु कारयेत् || १०९ ||

1.110
तत आत्मासनं दद्याच्चक्रासनमथेश्वरि |
सर्वमन्त्रासनं देवि साध्यसिद्धासनं तथा || ११० ||

1.111
ततो रक्षां प्रकुर्वीत पूर्वोक्तकुलविद्यया |
षडङ्गन्यासयोगेन नमस्कारनियुक्तया || १११ ||

1.112
शिखाललाटभ्रूमध्यकण्ठहृन्नाभिगोचरे |
आधारेऽप्यूहकं यावन्न्यासमष्टभिराचरेत् || ११२ ||

1.113
ततः पद्मनिभां देवीं बालार्ककिरणारुणाम् |
जपाकुसुमसङ्काशां दाडिमीकुसुमोपमाम् || ११३ ||

1.114
पद्मरागप्रतीकाशां कुङ्कुमोदकसंनिभाम् |
स्फुरन्मुकुटमाणिक्यकिङ्किणीजालमण्डिताम् || ११४ ||

1.115
कालालिकुलसंकाशकुटिलालकपल्लवाम् |
प्रत्यग्रारुणसंकाशवदनाम्भोजमण्डलाम् || ११५ ||

1.116
किंचिदर्धेन्दुकुटिलललाटमृदुपट्टिकाम् |
पिनाकिधनुराकारसुभ्रुवं परमेश्वरीम् || ११६ ||

1.117
आनन्दमुदितोल्लोललीलान्दोलितलोचनाम् |
स्फुरन्मयूखसंघातविततस्वर्णकुण्डलाम् || ११७ ||

1.118
सुगण्डमण्डलाभोगजितेन्द्वमृतमण्डलाम् |
विश्वकर्मादिनिर्माणसूत्रसुस्पष्टनासिकाम् || ११८ ||

1.119
ताम्रविद्रुमबिम्बाभरक्तोष्ठीममृतोपमाम् |
स्मितमाधुर्यविजितमाधुर्यरसगोचराम् || ११९ ||

1.120
अनौपम्यगुणोपेतचिबुकोद्देशशोभिताम् |
कम्बुग्रीवां विशालाक्षीं मृणालललितैर्भुजैः || १२० ||

1.121
रक्तोत्पलसमाकारसुकुमारकराम्बुजाम् |
कराम्बुजनखद्योतवितानितनभस्तलाम् || १२१ ||

1.122
मुक्ताहारलतोपेतसमुन्नतपयोधराम् |
त्रिवलीबलनायुक्तमध्यदेशसुशोभिताम् || १२२ ||

1.123
लावण्यसरिदावताकारनाभिविभूषिताम् |
अनर्घरत्नघटितकाञ्चीयुक्तनितम्बिनीम् || १२३ ||

1.124
नितम्बबिम्बद्विरदरोमराज्यपराङ्कुशाम् |
कदलीललितस्तम्भसुकुमारोरुमीश्वरीम् || १२४ ||

1.125
लावण्यकदलीतुल्यजङ्घायुगलमण्डिताम् | *
नमद्ब्रह्मशिरोरत्ननिर्घृष्टचरणाम्बुजाम् || १२५ ||

1.126
शीतांशुशतसंकाशकान्तिसन्तानहासिनीम् |
लौहित्यजितसिन्दूरजपादाडिमरागिणीम् || १२६ ||

1.127
रक्तवस्त्रपरीधानां पाशाङ्कुशकरोद्यताम् |
रक्तपद्मनिविष्टां तु रक्ताभरणमण्डिताम् || १२७ ||

1.128
चतुर्भुजां त्रिनेत्रां तु पञ्चबाणधनुर्धराम् |
कर्पूरशकलोन्मिश्रताम्बूलापूरिताननाम् || १२८ || *

1.129
महामृगमदोद्दामकुङ्कुमारुणविग्रहाम् |
सर्वशृङ्गारवेशाढ्यां सर्वालङ्कारभूषिताम् || १२९ ||

1.130
जगदाह्लादजननीं जगद्रञ्जनकारिकाम् |
जगदाकर्षणकरीं जगत्कारणरूपिणीम् || १३० ||

1.131
सर्वमन्त्रमयीं देवीं सर्वसौभाग्यसुन्दरीम् |
सर्वलक्ष्मीमयीं नित्यां परमानन्दनन्दिताम् || १३१ ||

1.132
महात्रिपुरमुद्रां तु स्मृत्वावाहनरूपया |
विद्ययावाह्य सुभगे नमस्कारनियुक्तया || १३२ ||

1.133
पूर्वोक्तया साधकेन्द्रो महात्रिपुरसुन्दरीम् |
चक्रमध्ये तु संचिन्त्य - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - ततः पूजनमारभेत् || १३३ ||

1.134
शिवाग्निबिन्दवो देवि दिनकृद्वह्निबिन्दवः |
युगपत्क्रमरूपेण योजनीया महेश्वरि || १३४ ||

1.135
मायार्धेन्दुसमायुक्तं बीजयुग्मं यदुत्थितम् |
मायालक्ष्मीमयं तेन पूज्यास्तत्राष्ट मातरः || १३५ || *

1.136
ब्रह्मणी पश्चिमद्वारे माहेश्वर्यपि चोत्तरे |
पूर्वे चैव तथेन्द्राणी कौमारी दक्षिणे तथा || १३६ ||

1.137
वैष्णव्यपिच वायव्ये वाराहीमीशदिग्गताम् |
चामुण्डां देवि चाग्नेये महालक्ष्मीं तु नैर्-ऋते || १३७ ||

1.138
कामाकर्षणरूपा च बुद्ध्याकर्षस्वरूपिणी |
अहङ्काराकर्षिणी च शब्दाकर्षस्वरूपिणी || १३८ ||

1.139
स्पर्शाकर्षणरूपा च रूपाकर्षणकारिणी |
रसाकर्षकरी देवी गन्धाकर्षकरी तथा || १३९ ||

1.140
चित्ताकर्षणरूपा च धैर्याकर्षस्वरूपिणी |
स्मृत्याकर्षणरूपा च नामाकर्षणकारिणी || १४० ||

1.141
बीजाकर्षणरूपान्या आत्माकर्षस्वरूपिणी |
अमृतस्याकर्षणी च शरीराकर्षणी परा || १४१ ||

1.142
षोडशारे महादेवि वाममार्गेण पूजयेत् |
मायालक्ष्मीकलाभिस्तु कलाषोडशकं त्विदम् || १४२ ||

1.143
अनङ्गकुसुमां पूर्वे दक्षिणेऽनङ्गमङ्गलाम् |
पश्चिमेऽनङ्गमथनामुत्तरे मदनोत्तराम् || १४३ ||

1.144
अनङ्गलेखामाग्नेये नैर्-ऋतेऽनङ्गवासिनीम् |
अनङ्गाङ्कुशां वायव्य ईशानेऽनङ्गमालिनीम् || १४४ ||

1.145
सर्वसंक्षोभिणी शक्तिः सर्वविद्रावणी तथा |
सर्वाकर्षकरी चान्या सर्वाह्लादकरी तथा || १४५ ||

1.146
सर्वसंमोहनी शक्तिः सर्वस्तम्भनरूपिणी |
सर्वजम्भनरूपा तु सर्वतो वशकारिणी || १४६ ||

1.147
सर्वरञ्जनशक्तिश्च सर्वोन्मादस्वरूपिणी |
सर्वार्थसाधकी शक्तिः सर्वाशापरिपूरकी || १४७ ||

1.148
सर्वमन्त्रमयी देवी सर्वद्वन्द्वक्षयङ्करी |
वामावर्तक्रमेणैव पश्चिमादेव दक्षिणम् || १४८ ||

1.149
गृहीत्वा पूजयेदेता देवीस्त्रिभुवनेश्वरीः |
सर्वसिद्धिप्रदा शक्तिः सर्वसंपत्प्रदा तथा || १४९ ||

1.150
सर्वप्रियङ्करी चापि सर्वमङ्गलकारिणी |
सर्वकामप्रदा देवी सर्वदुःखविमोचिनी || १५० ||

1.151
सर्वमृत्युप्रशमनी सर्वविघ्नविनाशिनी |
सर्वाङ्गसुन्दरी देवी सर्वसौभाग्यकारिणी || १५१ ||

1.152
तथैव देवदेवेशि पुनरेवाद्यविद्यया |
द्वितीयावरणे देवि देवीदशकमर्चयेत् || १५२ ||

1.153
सर्वज्ञा सर्वशक्तिश्च सर्वैश्वर्यप्रदायिनी |
सर्वज्ञानमयी देवी सर्वव्याधिविनाशिनी || १५३ ||

1.154
सर्वाधारस्वरूपा तु सर्वपापहरी तथा |
सर्वानन्दमयी देवी सर्वरक्षास्वरूपिणी || १५४ ||

1.155
पुनरेव महेशानि सर्वेप्सितफलप्रदा |
दशमी देवता ख्याताः स्वनामसदृशोदयाः || १५५ ||

1.156
एवमेता महादेवीर्देवि सर्वार्थसिद्धिदाः |
पूर्वोक्तेन विधानेन तृतीयावरणेऽर्चयेत् || १५६ ||

1.157
आद्यचक्रे महेशानि शृणु पूजां यथाक्रमम् |
एकैकं देवतानाम पूर्वोक्तं बीजसंयुतम् || १५७ ||

1.158
अधस्ताद्देवदेवेशि वाममार्गेण पूजयेत् |
यावद्दक्षिणमार्गं तु रक्तपुष्पैर्महेश्वरि || १५८ ||

1.159
पश्चिमोत्तरपूर्वादिदक्षिणानुक्रमेण तु |
चक्रमध्ये चतुष्कं तु क्रमेण परिपूजयेत् || १५९ ||

1.160
कामबाणान्महेशानि धनुस्तत्पाशमेव च |
जम्भमोहवशस्तम्भपदैः सहितमङ्कुशम् || १६० ||

1.161
सर्वमध्यत्रिकोणेऽपि पूजयेन्मूलविद्यया |
केवलाक्षरभेदेन समस्तव्यस्तयेश्वरि || १६१ ||

1.162
कामेश्वरीमग्रकोणे वज्रेशीं दक्षिणे तथा |
वामेऽपि भगमालां तु मध्ये त्रिपुरसुन्दरीम् || १६२ ||

1.163
एवं पूजाविधानं तु कृत्वादौ साधकोत्तमः |
धूपगन्धादिनैवेद्यतर्पणानि निवेदयेत् || १६३ ||

1.164
संक्षोभद्रावणाकर्षावेशोन्मादमहाङ्कुशाः |
खेचरीबीजरूपादियोनिमुद्रास्त्वनुक्रमात् || १६४ ||

1.165
विरच्य साधकेन्द्रस्तु ध्यानं कुर्यात्समाहितः |
बिन्दुं संकल्प्य वक्त्रं तु तदधस्तात्कुचद्वयम् || १६५ ||

1.166
तदधः सपरार्द्धं च चिन्तयेत्तदधोमुखम् |
एवं कामकलारूपमक्षरं यत्समुत्थितम् || १६६ ||

1.167
कामादिविषमोक्षाणामालयं परमं ध्रुवम् |
तदेव तत्त्वप्रवरं निजदेहं विचिन्तयेत् || १६७ ||

1.168
ध्यात्वा चक्रेण सहितां ततस्त्रिपुरसुन्दरीम् |
स्वमुद्रया साधकेन्द्रः क्षमस्वेति विसर्जयेत् || १६८ ||

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे प्रथमः पटलः || १ ||

Devanagari: Kapitel 2

द्वितीयः पटलः |

2.1
यत्रानेन विधानेन साधकेन प्रपूज्यते |
देशे वा नगरे ग्रामे जगत्क्षोभः प्रजायते || १ ||

2.2
ज्वलत्कामाग्निसन्तापप्रतापोत्तप्तमानसाः |
पिपीलिकास्थिन्यायेन दूरादायान्ति योषितः || २ ||

2.3
मन्त्रसंमूढहृदयाः स्फुरज्जघनमण्डलाः |
तद्दर्शनान्महादेवि जायन्ते सर्वयोषितः || ३ ||

2.4
जप्ते लक्षैकमात्रे तु क्षुभ्यन्ते भूतलेऽङ्गनाः |
यदि न क्षुभ्यतीत्थं हि साधकस्य मनो मनाक् || ४ ||

2.5
संक्षुभ्यन्ति ततः सर्वाः पाताले नागकन्यकाः |
तासामपि यदा नासौ क्षोभं याति मनागपि || ५ ||

2.6
ततः स्वर्गनिवासिन्यो विद्रवन्ति सुराङ्गनाः |
एवं लक्षत्रयं जप्त्वा व्रतस्थः साधकोत्तमः || ६ ||

2.7
संक्षोभयति देवेशि त्रैलोक्यं सचराचरम् |
लिखित्वा विपुलं चक्रं तन्मध्ये प्रतिमां यदि || ७ ||

2.8
नाम्ना लिखति संयुक्तां ज्वलन्तीं चिन्तयेत्ततः |
शतयोजनमात्रस्था त्वदृष्टापि च या भवेत् || ८ ||

2.9
भयलज्जाविनिर्मुक्ता साप्यायाति विमोहिता |
तन्मध्यगोऽथवा भूत्वा मन्त्रं संचिन्तयेद्यदा || ९ ||

2.10
सर्वमात्मानमरुणं साध्यमप्यरुणीकृतम् |
ततः संजायते देवि सर्वसौभाग्यसुन्दरः || १० ||

2.11
वल्लभः सर्वलोकस्य साधकः परमेश्वरि |
सर्वरक्तोपचारैस्तु पूज्यते मुद्रया युतम् || ११ ||

2.12
यस्य नाम्नैव संयुक्तं स भवेद्दासवद्वशी |
अदृष्टायास्तु संयोज्यं नाम चक्रस्य मध्यगम् || १२ ||

2.13
विरच्य योनिमुद्रां तु तामाकर्षयति क्षणात् |
यक्षिणीं चाथ गन्धर्वीं किन्नरीं वासुरेश्वरीम् || १३ ||

2.14
सिद्धकन्यां नागकन्यां देवकन्यां च खेचरीम् |
विद्याधरीमप्सरसमृषिकन्यामथोर्वशीम् || १४ ||

2.15
मदनोद्भवविक्षोभझरज्जघनलम्बिकाम् |
महाकामकलाध्यानात्क्षोभयेत्सर्वयोषितः || १५ ||

[Zur berichtigten Lesung siehe die Anmerkung bei IAST 2.15.]

2.16
रोचनाकुङ्कुमाभ्यां च समभागं च चन्दनम् |
अष्टोत्तरशतं जप्त्वा तिलकं कारयेद्बुधः || १६ ||

2.17
ततो यमीक्षते वक्ति संस्पृशेच्चिन्तयेच्च यम् |
अर्थेन च शरीरेण सोऽवश्यं याति दासताम् || १७ ||

2.18
तथा पुष्पं फलं गन्धं पानं वस्त्रं महेश्वरि |
शतमष्टोत्तरं जप्त्वा यस्याः संप्रेर्यते स्त्रियाः || १८ ||

2.19
सद्यः आकर्षयेत्साध्वीं विमूढहृदयां सतीम् |
हठाकृष्टिरियं भद्रे न क्वचित्प्रतिहन्यते || १९ ||

2.20
लिखेद्रोचनयैकान्ते प्रतिमामवनीतले |
सुरूपां चारुशृङ्गारवेशाभरणमण्डिताम् || २० ||

2.21
तद्भालतलहृनाभिजन्ममण्डलयोजिताम् |
जन्मनाममहाविद्यामङ्कुशेन विदर्भिताम् || २१ ||

2.22
सर्वाङ्गसन्धिसंलीनमालिख्य मदनाक्षरम् |
तदाशाभिमुखो भूत्वा त्रिपुरीकृतविग्रहः || २२ ||

2.23
बद्ध्वा तु क्षोभिणीं मुद्रां विद्यामष्टोत्तरं जपेत् |
नियोज्य दहनागारे चन्द्रसूर्यकलालये || २३ ||

2.24
ततो विह्वलितापाङ्गामनङ्गशरपीडिताम् |
प्रोच्छलन्मदकल्लोलप्रचलज्जघनस्थलाम् || २४ ||

2.25
शक्तिचक्रोच्छलच्छक्तिवलनाकवलीकृताम् |
दूरीकृतस्वचारित्रभयलज्जानयाङ्कुशाम् || २५ ||

2.26
आकृष्टहृदयां नष्टधैर्यामुत्तीर्णजीविताम् |
वप्रप्राकारनिविडनदीयन्त्रसुरक्षिताम् || २६ ||

2.27
नवानुरागसन्धानवेपमानहृदम्बुजाम् |
मनोधिकमहामन्त्रवेगेनापहृतांशुकाम् || २७ ||

2.28
विमूढामिव विक्षुब्धामिवाप्लुष्टामिव स्रुताम् |
लिखितामिव निःसंज्ञामिव प्रमथितामिव || २८ ||

2.29
दलितामिव संभ्रान्तामिवोत्त्रासमितामिव |
गलितामिव संभिन्नामिवाकुलितमानसाम् * || २९ ||

2.30
भ्रमन्मन्त्रानिलोद्भ्रान्तपत्राकारां नभस्तले |
भ्रमन्तीमानयेन्नारीं योजनानां शतादपि || ३० ||

2.31
अथवा मातृकां सर्वां लिखित्वा चक्रबाह्यतः |
धारयेद्बाहुमूले यस्त्वबध्यः सर्वजन्तुषु || ३१ ||

2.32
तथैव हि महेशानि स्वसंज्ञाक्रमयोगतः |
चन्दनागुरुकर्पूरैरजरामरतां लभेत् || ३२ ||

2.33
एतदेव विधानेन रोचनागुरुकुङ्कुमैः |
लिखितं चक्रयोगेन यस्मिंस्तस्मिन्नपि स्थितम् || ३३ ||

2.34
साध्यनाम स्वनाम्ना तु चक्रस्यान्तर्विदर्भितम् |
करोति सकलं लोकमचिरात्पादवर्तिनम् || ३४ ||

2.35
मध्यं गतेन बीजेन महाकामकलात्मना |
एकमेकमवष्टभ्य साध्यनामाक्षरं प्रिये || ३५ ||

2.36
बहिरप्यखिलैरेव वेष्टयेन्मातृकाक्षरैः |
हेममध्यगतां कृत्वा धारयेद्वामके भुजे || ३६ ||

2.37
शिखायामथवा वस्त्रे धारयेद्यत्र तत्र वा |
करोति दासभूतं हि त्रैलोक्यं सचराचरम् || ३७ ||

2.38
संमोहयति राजानं वाजिनं दुष्टकुञ्जरम् |
चौरं केसरिणं सर्पं परमन्त्रमहाग्रहम् || ३८ ||

[Zur berichtigten Lesung siehe die Anmerkung bei IAST 2.38.]

2.39
शत्रुं वज्राशनिं शस्त्रं डाकिनीं शाकिनीं तथा |
भूतप्रेतपिशाचांश्च धारिता चक्ररूपिणी || ३९ ||

2.40
तेन चक्रेण सन्दर्भ्य पुराणां नाम सुन्दरि |
मध्ये चतुष्पथे वापि चतुर्दिक्षु निधापयेत् || ४० ||

2.41
महाहल्लोहेलो देवि ततो लोकस्य जायते |
योषितां च विशेषेण त्वदृष्टानामपीश्वरि || ४१ ||

2.42
एतन्मध्यगतां पृथ्वीं सशैलवनकाननाम् |
चतुःसमुद्रपर्यन्तां ज्वलन्तीं चापि चिन्तयेत् || ४२ ||

2.43
षण्मासध्यानयोगेन जायते मदनोपमः |
दृष्ट्यैवाकर्षयेल्लोकं दृष्ट्यैव कुरुते वशम् || ४३ ||

2.44
दृष्ट्या क्षोभयते नारीं दृष्ट्या संहरते विषम् * |
दृष्ट्या करोति चावेशं दृष्ट्या सर्वविमोहनम् || ४४ ||

2.45
दृष्ट्या चातुर्थिकादींश्च नाशयेदचिराज्ज्वरान् |
एतत्प्रपूजितं रात्रौ सिन्दूरेण विचित्रितम् || ४५ ||

2.46
करोति महदाकर्षं सुदूरादपि योषिताम् |
सर्वदिक्षु विदिक्ष्वेवं यथा देवी प्रपूज्यते || ४६ ||

2.47
दिगनुक्रमयोगेन तदा सर्वं जगद्वशे |
भूर्जपत्रे समालिख्य रोचनागुरुकुङ्कुमैः || ४७ ||

2.48
संदर्भयेत्तस्य मध्ये नगरं वाथवा परम् |
विपुलं देशमथवा विषयं मण्डलं च वा || ४८ ||

2.49
स्वनामदर्भितं कृत्वा - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - यदि भूमौ निधापयेत् |
धारयेदथवा हस्ते कण्ठे वा भुजमूलतः || ४९ ||

2.50
शिखायामथवा वस्त्रे यत्र तत्र स्थितं च वा |
चक्रमेतन्महाभागे पुरक्षोभणमुत्तममम् || ५० ||

2.51
अर्कक्षीरं कुङ्कुमं च धत्तूरकरसं तथा |
रोचनालक्तकं लाक्षारसं मृगमदोत्कटम् || ५१ ||

2.52
एकीकृत्य चक्रमेतल्लिख्यते यस्य संज्ञया |
तस्य चोरग्रहव्याधिरिपुसिंहाहिवाजिनाम् || ५२ ||

2.53
यक्षराक्षसभूतौघशाकिनीदुष्टचेतसाम् |
लूतादिगर्दभज्वाला तथा शीतलिकोद्भवम् || ५३ ||

2.54
भयं न विद्यते - - - - - - - - - - |
- - - - - - तस्य परमन्त्राभिचारकम् |
नित्यसंधारणाच्चापि कालमृत्युयमादयः || ५४ ||

2.55
न शक्ता हिंसितुं सम्यग्रोमैकमपि सर्वदा |
अथवा मध्यगां देवीं त्रिकोणोभयगां तथा || ५५ ||

2.56
अधस्तान्नामसंयुक्तां रोचनाकुङ्कुमाङ्किताम् |
कुर्याद्यस्तु च सप्ताहाद्दासवत्किङ्करो भवेत् || ५६ ||

2.57
पीतद्रव्येण वालिख्य धारयेदिन्द्रदिग्गताम् |
नाम्ना सर्वज्ञभूतोऽपि मूको भवति तत्क्षणाम् || ५७ ||

2.58
महानीलरसेनापि नाम संयोज्य पूर्ववत् |
दक्षिणाभिमुखो वह्नौ दग्ध्वा तं मारयेत्क्षणात् || ५८ ||

2.59
महिषाश्वपुरीषाभ्यां गोमूत्रेण समङ्कितम् |
क्षिप्त्वारनालमध्यस्थं विद्विष्टः सर्वजन्तुषु || ५९ ||

2.60
युक्त्वा रोचनया नाम काकपक्षस्य मध्यगम् |
लम्बमानं तदाकाशे उच्चाटनकरं परम् || ६० ||

2.61
दुग्धलाक्षारोचनादिमहानीलरसादिभिः |
लिखित्वा धारयेद्देवि चातुर्वर्ण्यं वशं नयेत् || ६१ ||

2.62
एतदेव विधानेन जलमध्ये यदा क्षिपेत् |
सौभाग्यमतुलं तस्य स्नानपानान्न संशयः || ६२ ||

2.63
एतन्मध्यगतां देवि नगरीं वा वराङ्गनाम् |
सप्ताहात्क्षोभयेत्सत्यं ज्वलमानां विचिन्त्य ताम् || ६३ ||

2.64
महापातकयुक्तात्मा यदि देवि प्रपूजयेत् |
शमीदूर्वाङ्कुराश्वत्थपल्लवैरथवार्कजैः || ६४ ||

2.65
मासेन हन्ति कलुषं सप्तजन्मकृतं नरः |
लिखित्वा पीतवर्णं तु चक्रमेतद्यदार्चयेत् || ६५ ||

2.66
पूर्वाशाभिमुखो भूत्वा स्तम्भयेत्सर्ववादिनः |
सिन्दूररेणुलिखितं पूजयेदुत्तरामुखः || ६६ ||

2.67
यदा तदास्य वशगो लोको भवति सर्वदा |
चक्रं गैरिकमालिख्य पूजयेत्पश्चिमामुखः || ६७ ||

2.68
स च सर्वाङ्गनाकर्षवश्यक्षोभकरो भवेत् |
दक्षिणाभिमुखो भूत्वा कृष्णवर्णं यदार्चयेत् || ६८ ||

2.69
यस्य नाम्ना तस्य नित्यं मन्त्रहानिस्तु जायते |
तद्वद्दिगन्तरालेषु पूजितं परमेश्वरि || ६९ ||

2.70
स्तम्भविद्वेषणव्याधिशत्रूच्चाटनकारकम् |
रोचनालिखितं देवि दुग्धमध्ये वशङ्करम् || ७० ||

2.71
क्षिप्तं गोमूत्रमध्ये वा शत्रूच्चाटनकारकम् |
तक्रमध्यगतं चक्रं विद्वेषणकरं परम् || ७१ ||

2.72
ज्वलज्ज्वलनमध्यस्थं सर्वशत्रुविनाशनम् |
अथवा देवदेवेशि यदेकान्ते चतुष्पथम् || ७२ ||

2.73
तत्समीपे लिखेच्चक्रं सिन्दूरेण महाप्रभम् |
सर्वबाह्यत आरभ्य यावन्मध्यं महेश्वरि || ७३ ||

2.74
अकारादिक्षकारान्तां मातृकां तत्र विन्यसेत् |
पूजयेद्रात्रिसमये कुलाचारक्रमेण यः || ७४ ||

2.75
तत्क्षणात् महेशानि साधकः खेचरो भवेत् |
पूजयित्वा महादेवि तद्वदेकतरो गिरौ || ७५ ||

2.76
अजरामरतां सम्यग्लभते नात्र संशयः |
महाभूतदिने वापि श्मशाने यदि पूजयेत् || ७६ ||

2.77
पूर्ववन्निशि देवेशि साधकः स्थिरमानसः |
पादुकाखड्गवेतालसिद्धक्रव्यमनःशिला || ७७ ||

2.78
अञ्जनं विवरं चैव चेटकं यक्षिणीं तथा |
यत्किंचित्सिद्धिनिचयं विद्यते भुवनत्रये || ७८ ||

Unnummerierter Schluss-Halbvers
तत्सर्वमेव सहसा साधयेत्साधकोत्तमः |

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे द्वितीयः पटलः || २ ||

Devanagari: Kapitel 3

तृतीयः पटलः

[श्रीदेव्युवाच ।]

3.1
भगवंस्त्रिपुरामुद्राः सूचिता न प्रकाशिताः |
कथं विरचनं तासां क्रियते वद शङ्करः || १ ||

[श्रीभैरव उवाच ।]

3.2
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि मुद्राः सर्वार्थसिद्धिदाः |
याभिर्विरचिताभिस्तु संमुखा त्रिपुरा भवेत् || २ ||

3.3
परिवर्त्य करौ स्पष्टावङ्गुष्ठौ कारयेत्समौ |
अनामान्तर्गते कृत्वा तर्जन्यौ कुटिलाकृती || ३ ||

3.4
कनिष्ठिके नियुञ्जीत निजस्थाने महेश्वरि |
त्रिखण्डैषा महामुद्रा त्रिपुराह्वानकर्मणि || ४ ||

3.5
मध्यमामध्यगे कृत्वा कनिष्ठेऽङ्गुष्ठरोधिते |
तर्जन्यौ दण्डवत्कृत्वा मध्यमोपर्यनामिका || ५ ||

3.6
एषा तु प्रथमा मुद्रा सर्वसंक्षोभकारिणी |
एतस्या एव मुद्राया मध्यमे सरले यदा || ६ ||

3.7
क्रियेते परमेशानि सर्वविद्राविणी स्मृता |
मध्यमातर्जनीभ्यां तु कनिष्ठानामिके समे || ७ ||

3.8
अङ्कुशाकाररूपाभ्यां मध्यगे परमेश्वरि |
इयमाकर्षिणी मुद्रा त्रैलोक्याकर्षकारिणी || ८ ||

3.9
स्फुटाकारौ करौ कृत्वा तर्जन्यावङ्कुशाकृती |
परिवर्तक्रमेणैव मध्यगे तदधोगते || ९ ||

3.10
क्रमेण देवि तेनैव कनिष्ठानामिकादयः |
संयोज्य निविडाः सर्वा अङ्गुष्ठावग्रदेशतः || १० ||

3.11
मुद्रेयं परमेशानि सर्वावेशकरी स्मृता |
संमुखौ तु करौ कृत्वा मध्यमामध्यगेऽनुजे || ११ ||

3.12
अनामिके तु सरले तद्बहिस्तर्जनीद्वयम् |
दण्डाकारौ तत्राङ्गुष्ठौ मध्यमा नखदेशगा || १२ ||

3.13
मुद्रैषोन्मादिनी नाम्ना क्लेदिनी सर्वयोषिताम् |
अस्यास्त्वनामिकायुग्ममधः कृत्वाङ्कुशाकृति || १३ ||

3.14
तर्जन्यावपि तेनैव क्रमेण विनियोजयेत् |
इयं महाङ्कुशा विद्या सर्वकामार्थसाधकी || १४ ||

3.15
सव्यं दक्षिणदेशं तु दक्षिणं सव्यदेशतः |
बाहुं कृत्वा महादेवि हस्तौ संपरिवर्त्य च || १५ ||

3.16
कनिष्ठानामिके देवि युक्त्वा तेन क्रमेण तु |
तर्जनीभ्यां समाक्रान्ते सर्वोर्ध्वमपि मध्यमे || १६ ||

3.17
अङ्गुष्ठौ तु महेशानि कारयेत्सरलावपि |
इयं सा खेचरी नाम्ना मुद्रा सर्वोत्तमा प्रिये || १७ ||

3.18
रचितैव महादेवि सर्वतेजोपहारिणी |
बद्धयैवैतया देवि दृश्यते साधकोत्तमः || १८ ||

3.19
सर्वयोगिनिवृन्दैस्तु ज्वलत्पावकसन्निभः |
शाकिनीडाकिनीवृन्दै राकिणीलाकिनीगणैः || १९ ||

3.20
काकिनीहाकिनीभिस्तु ध्यातेयं परमेश्वरि |
एतया ज्ञातया देवि योगिनीनां भवेत्प्रियः || २० ||

3.21
अतः समयमुद्रेयं सर्वासां परिकीर्तिता |
प्रयतोऽप्रयतो वापि शुचौ देशेऽथवाशुचौ || २१ ||

3.22
उत्थितो वोपविष्टो वा चङ्क्रमन्निश्चलोऽथवा |
उच्छिष्टो वा शुचिर्भूत्वा भुञ्जानो मैथुने रतः || २२ ||

3.23
मुद्राया मध्यमाङ्गुल्यौ परिवर्त्य क्रमेण तु |
पार्थिवं स्थानकं युक्त्वा सद्यः खेचरतां व्रजेत् || २३ ||

3.24
परिवर्त्य करौ स्पष्टावर्धचन्द्राकृती प्रिये |
तर्जन्यङ्गुष्ठयुगलं युगपद्भावयेत्ततः || २४ ||

3.25
अधःकनिष्ठावष्टब्धे मध्यमे विनियोजयेत् |
तथैव कुटिले योज्य सर्वाधस्तादनामिके || २५ ||

3.26
बीजमुद्रेयमचिरात्सर्वसिद्धिप्रवर्तकी |
मध्यमे कुटिले कृत्वा तर्जन्युपरिसंस्थिते || २६ ||

3.27
अनामिकामध्यगते तथैवहि कनिष्ठिके |
सर्वा एकत्र संयोज्या अङ्गुष्ठपरिपीडिताः २७ ||

3.28
एषा तु प्रथमा मुद्रा योनिमुद्रेति संस्मृता |
एता मुद्रा महेशानि त्रिपुराया मयोदिताः || २८ ||

Unnummerierter Schluss-Halbvers
पूजाकाले प्रयोक्तव्या यथानुक्रमयोगतः |

Kolophon des Kommentars
इति श्रीमद्राजानकजयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे तृतीयः पटलः || ३ ||

Räumliche Darstellung des Shri Yantra als allgemeine Illustration der Shri Vidya.

Devanagari: Kapitel 4

चतुर्थः पटलः |

[श्रीदेव्युवाच ।]

4.1
भगवन्सर्वमाख्यातं मुद्राणां ज्ञानमुत्तमम् |
वदेदानीं महादेव्या एकैकाक्षरसाधनम् || १ ||

4.2
महाज्ञानप्रभावं च व्याप्तिं स्थानोद्भवं लयम् |
स्थूलसूक्ष्मविभागेन शरीरे परमेश्वर || २ ||

[श्रीभैरव उवाच ।]

4.3
शृणु देवि महाज्ञानं सर्वज्ञानोत्तरं परम् |
येनानुष्ठितमात्रेण भवाब्धौ न निमज्जति || ३ ||

4.4
त्रिपुरा परमा शक्तिराद्या जातादितः प्रिये |
स्थूलसूक्ष्मविभागेन त्रैलोक्योत्पत्तिमातृका || ४ ||

4.5
कवलीकृतनिःशेषतत्त्वग्रामस्वरूपिणी |
तस्यां परिणतायां तु न कश्चित्पर इष्यते || ५ ||

4.6
परो हि शक्तिरहितः शक्तः कर्तुं न किंचन |
शक्तस्तु परमेशानि शक्त्या युक्तो यदा भवेत् || ६ ||

4.7
शक्त्या विना शिवे सूक्ष्मे नाम धाम न विद्यते |
ज्ञातेनापि महेशानि कर्म शर्म न किञ्चन || ७ ||

4.8
ध्यानावष्टम्भकाले तु न रतिर्न मतिः स्थितिः |
प्रविश्य परमार्गान्तः सूक्ष्माकारस्वरूपिणी || ८ ||

4.9
कवलीकृतनिःशेषबीजाद्याङ्कुरतां गता |
वामा शिखा ततो ज्येष्ठा शृङ्गाटाकारतां गता || ९ ||

4.10
रौद्री तु परमेशानि जगद्ग्रसनरूपिणी |
एवं सा परमा शक्तिरेकैव परमेश्वरी || १० ||

4.11
त्रिपुरा त्रिविधा देवी ब्रह्मविष्ण्वीशरूपिणी |
ज्ञानशक्तिः क्रियाशक्तिरिच्छाशक्त्यात्मिका प्रिये || ११ ||

4.12
त्रैलोक्यं संसृजति - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - अस्मात् त्रिपुरा परिकीर्तिता |
यदोल्लसति शृङ्गाटपीठात्कुटिलरूपिणी || १२ ||

4.13
शिवार्कमण्डलं भित्त्वा द्रावयन्तीन्दुमण्डलम् |
तदुद्भवामृतस्यन्दमदिरानन्दनन्दिता || १३ ||

4.14
कुलयोषित्कुलं त्यक्त्वा परं पुरुषमेति सा |
निर्लक्षणं निर्गुणं च कुलरूपविवर्जितम् || १४ ||

4.15
ततः स्वच्छन्दरूपा तु परिभ्रम्य जगत्पुनः |
तेन चारेण संतुष्टा पुनरेकाकिनी सती || १५ ||

4.16
रमते - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - सेयमव्यक्ता त्रिपुरा व्यक्तिमागता |
तत्त्वत्रयविनिर्दिष्टा वर्णशक्तित्रयात्मिका || १६ ||

4.17
वागीश्वरी ज्ञानशक्तिर्वाग्भवा मोक्षरूपिणी |
कामराजा कामकला कामरूपा क्रियात्मिका || १७ ||

4.18
शक्तिबीजा परा शक्तिरिच्छैव विषरूपिणी |
एवं देवी त्र्यक्षरा तु महात्रिपुरसुन्दरी || १८ ||

4.19
पारम्पर्येण विज्ञाता भवबन्धविमोचिनी |
संस्मृता पापहरणी जप्ता मृत्युविनाशिनी || १९ ||

4.20
पूजिता दुःखदारिद्र्यव्याधिदौर्भाग्यघातकी |
हुता विघ्नौघशमनी ध्याता सर्वार्थसाधकी || २० ||

4.21
एतस्याः शृणु देवेशि बीजत्रितयसाधनम् |
धवलाम्बरसंवीतो धवलाम्बरमध्यगः || २१ ||

4.22
पूजयेद्धवलैः पुष्पैर्ब्रह्मचर्यरतो नरः |
धवलैरेव नैवेद्यैर्दधिक्षीरौदनादिभिः || २२ ||

4.23
संकल्पधवलैर्वापि - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - |
- - - - - - - - - - - - - - - - - - यथाकामं यथा लभेत् |
संपूज्य परमेशानि ध्यायेद्वागीश्वरीं पराम् || २३ ||

4.24
बीजरूपामुल्लसन्तीं चिदानन्दप्रबोधिनीम् |
ब्रह्मग्रन्थिं विनिर्भिद्य जिह्वाग्रे दीपरूपिणीम् || २४ ||

4.25
चिन्तयेन्नष्टहृदयो ग्राम्यो मूर्खोऽतिपातकी |
शठोऽपि यः पादमेकं सुस्पष्टं वक्तुमक्षमः || २५ ||

4.26
जडो मूकोऽपि दुर्मेधा गतप्रज्ञोऽपि नष्टधीः |
सोऽपि संजायते वाग्मी वाचस्पतिरिवापरः || २६ ||

4.27
सत्पण्डितघटाटोपजेताऽप्रतिहतप्रभः |
षट्तर्कपदवाक्यार्थशब्दालङ्कारसारवित् || २७ ||

4.28
वातोर्द्धूतसमुद्रोर्मिमालातुल्यैरुपन्यसेत् |
सुकुमारतरस्फाररीत्यलङ्कारपूर्वकैः || २८ ||

4.29
पदगुम्फैर्महाकाव्यकर्ता देवेशि जायते |
वेदवेदान्तसिद्धान्तवेदाङ्गज्ञानपारगः || २९ ||

4.30
ज्योतिःशास्त्रेतिहासादिमीमांसास्मृतिवाक्यवित् |
पुराणरसवादादिगारुडानेकमन्त्रवित् || ३० ||

4.31
पातालशास्त्रविज्ञानभूततन्त्रार्थतत्त्ववित् |
विचित्रचित्रकर्मादिशिल्पानेकविचक्षणः || ३१ ||

4.32
महाव्याकरणोदारशब्दसंस्कृतसर्वगीः |
सर्वभाषारुतज्ञानसमस्तलिपिकर्मवित् || ३२ ||

[Zur berichtigten Lesung siehe die Anmerkung bei IAST 4.32.]

4.33
नानाशास्त्रार्थशिल्पादिवेदवेदाङ्गविश्रुतः |
सर्ववाङ्मयवेत्ता च सर्वज्ञो देवि जायते * || ३३ ||

[Zur berichtigten Lesung siehe die Anmerkung bei IAST 4.33.]

4.34
यदा कामकलारूपा मदनाङ्कुरागोचरे |
तरुणारुणबिम्बार्ककिरणाभा महेश्वरि || ३४ ||

4.35
स्फुरद्दीपशिखाकारा बिन्दुधाराप्रवर्षिणी |
समस्तभुवनाभोगकवलीकृतजीविता || ३५ ||

4.36
महास्वमहिमाक्रान्तिध्वस्ताहङ्कृतिभूमिका |
क्रमेण च ततोऽनङ्गपर्यन्तात्प्रोल्लसन्त्यपि || ३६ ||

4.37
शरीरानङ्गपर्यन्तमेकैकमुभयात्मिका |
ततो भवति देवेशि सर्वशृङ्गारमानिनाम् || ३७ ||

4.38
रागिणां साधको देवि बाधको मदनाधिकः |
तद्दृष्टिपथगा नारी सुरी वा यदिवासुरी || ३८ ||

4.39
विद्याधरी किन्नरी वा यक्षनागाङ्गनाथवा |
प्रचण्डतरभूपालकन्यकाः सिद्धकन्यकाः || ३९ ||

4.40
ज्वलन्मण्डलदुष्प्रेक्ष्यमदनोत्तप्तमानसाः |
क्लिन्नाः प्रचलिताङ्ग्यस्तु विमूढा मदविह्वलाः || ४० ||

4.41
निवेदितात्मसर्वस्वा जायन्ते वशगाः प्रिये |
चलज्जलेन्दुसदृशी बालार्ककिरणारुणा || ४१ ||

4.42
चिन्तिता योषितां योनौ संक्षोभयति तत्क्षणात् |
सैव सिन्दूरवर्णाभा हृदये चिन्तिता सती || ४२ ||

4.43
संमोहोन्मादनावेशचित्ताकर्षकरी स्मृता |
नियोजिताथवा मूर्ध्नि वर्षन्ती रक्तबिन्दवः || ४३ ||

4.44
धारणासंप्रयोगेण करोति विवशं जगत् |
अथान्यं संप्रवक्ष्यामि प्रयोगं भुवि दुर्लभम् || ४४ ||

4.45
येन विज्ञातमात्रेण साधको मदनायते |
कामस्थं काममध्यस्थं कामोदरपुटीकृतम् || ४५ ||

4.46
कामेन साधयेत्कामं कामं कामेषु निक्षिपेत् |
कामेन कामितं कृत्वा कामस्थः क्षोभयेज्जगत् || ४६ ||

4.47
शक्तिबीजस्वरूपां तु सृष्ट्या संहृतिसीमया |
सृष्टिसंहारपर्यन्तं शरीरे परिचिन्तयेत् || ४७ ||

4.48
यतो भवति देवेशि वैनतेय इवापरः |
नागानां दर्शनादेव जडीकरणकारकः || ४८ ||

4.49
दाहिनाममृतासारधीरधाराधरोपमः |
स्थिरकृत्रिमशङ्काख्यविषोपविषनाशकः || ४९ ||

4.50
दुष्टव्याधिग्रहानेकडाकिनीरूपिकागणः |
भूतप्रेतपिशाचौघैस्त्रिनेत्र इव दृश्यते || ५० ||

4.51
अथवा येन विद्येयं परिपूर्णा विचिन्त्यते |
नाभिमण्डलहृत्पद्ममुखमण्डलमध्यगा || ५१ ||

4.52
केवलैव महेशानि पद्मरागसमप्रभा |
तस्याष्टगुणमैश्वर्यमचिरात्संप्रवर्तते || ५२ ||

4.53
मनसा संस्मरत्यस्या यदा नामापि साधकः |
तदैव मातृचक्रस्य विदितो भवति प्रिये || ५३ ||

4.54
यदैव जपते विद्यां महात्रिपुरसुन्दरीम् |
तदैव मातृचक्राज्ञा संक्रामत्यस्य विग्रहे || ५४ ||

4.55
सर्वासां सर्वसंस्थानां योगिनीनां भवेत्प्रियः |
पुत्रवत्परमेशानि ध्यानादेव हि साधकः || ५५ ||

4.56
यदा तु परमेशानि परिपूर्णां प्रपूजयेत् |
प्रयच्छन्ति तदैवास्य खेचर्यः सिद्धिमुत्तमाम् || ५६ ||

4.57
चतुष्षष्टिर्यतः कोट्यो योगिनीनां महौजसाम् |
चक्रमेतत्समाश्रित्य संस्थिता वीरवन्दिते || ५७ ||

4.58
आदेः संबन्धिनि पदे मध्ये बीजाष्टकं बहिः |
कला ध्यात्वाङ्गनानङ्गे जायतेऽनङ्गवत्प्रिये || ५८ ||

4.58 (zweites Vorkommen)
करशुद्ध्यादिविद्यानामेकैकं परमेश्वरि |
रुद्रयामलतन्त्रे तु कर्म प्रोक्तं मया पुरा || ५८ ||

4.59
मादनैर्मदनो भूत्वा पाशाङ्कुशधनुःशरैः |
क्षोभयेत्स्वर्गभूलोकपातालतलयोषितः || ५९ ||

4.60
तथैव शाक्तैर्देवेशि त्रिपुरीकृतविग्रहः |
साधयेद्देवगन्धर्वसिद्धविद्याधरानपि || ६० ||

4.61
तत्र शाक्ता महावज्रप्रस्तारजनिताः शराः |
मादनास्त्वादिपरतः सर्वाधःस्था नियोजिताः || ६१ ||

4.62
आद्यन्तगो महापाशः पौरुषेयः प्रकीर्तितः |
रुद्रशक्तिः कुण्डलाख्या माया स्त्रीपाश उच्यते || ६२ ||

4.63
तुरीयमरुणावर्गाद्द्वितीयमपि पार्वति |
स्त्रीपुंस्कोदण्डयुगलं कामाग्निव्यापकोऽङ्कुशः || ६३ ||

4.64
मुद्रा यास्त्रिपुरायास्तु देवि सिद्ध्यष्टकान्विताः |
ता एव सर्वचक्रेषु पूजाकाले प्रपूजयेत् || ६४ ||

4.65
अतः प्रधानविद्येयं त्रिपुरा परमेश्वरी |
नैतस्याः सदृशी काचिद्विद्या देवेशि विद्यते || ६५ ||

4.66
एतामेव पुराराध्य विद्यां त्रिपुरभैरवीम् |
त्रैलोक्यमोहनं रूपमकाषीद्भगवान्हरिः || ६६ ||

4.67
कामदेवोऽपि देवेशि महात्रिपुरसुन्दरीम् |
समाराध्याभवल्लोके सर्वसौभाग्यसुन्दरः || ६७ ||

4.68
मयापि यद्व्रतस्थेन क्रियतेऽद्यापि सुन्दरि |
जप्यं त्रिसन्ध्यमेतस्यास्तदेतत्पदसिद्धये || ६८ ||

4.69
मध्यप्रपूजनाद्देवि जायते वाक्पतिर्नरः |
तथैवापरकन्दर्पो वाह्यमध्यान्तरेऽर्चनात् || ६९ ||

4.70
सर्वेण सर्वदा सर्वदेवीयुक्तेन पार्वति |
साधयेत्खेचरीसिद्धिमणिमादिगुणान्विताम् || ७० ||

Kolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमञ्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे चतुर्थः पटलः || ४ ||

Devanagari: Kapitel 5

पञ्चमः पटलः

[श्रीदेव्युवाच ।]

5.1
सर्वमेव त्वया प्रोक्तं त्रिपुराज्ञानमुत्तमम् |
कामतत्त्वं विषज्ञानं मोक्षतत्त्वं त्रयं तथा || १ ||

5.2
इदानीं जपहोमाभ्यां विधानं वद शङ्कर |
येनानुष्ठितमात्रेण मन्दभाग्योऽपि सिद्ध्यति || २ ||

[श्रीभैरव उवाच ।]

5.3
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि त्रिपुरामन्त्रसाधनम् |
जपहोमविधानं तु समीहितफलप्रदम् || ३ ||

5.4
चक्रमभ्यर्च्य विधिवत्सकलं परमेश्वरि |
मध्यं वा केवलं देवि वाह्यमध्यगतं तु वा || ४ ||

5.5
तदग्रे संस्थितो मन्त्री सहस्रं यदि वा जपेत् |
व्रतस्थः परमेशानि ततोऽनन्तफलं लभेत् || ५ ||

5.6
ध्यात्वा वा हृद्गतं चक्रं तत्रस्थां परमेश्वरीम् |
पूर्वोक्तध्यानयोगेन संचिन्त्य जपमारभेत् || ६ ||

5.7
निगदेनोपांशुना वा मानसेनापि सुव्रते |
पूर्वोक्तन्याससंनद्धो मुद्रासंनद्धविग्रहः || ७ ||

5.8
मुक्ताहारमयीं स्फीतवैडूर्यमणिसंभवाम् |
पुत्रजीवकपद्माक्षरुद्राक्षस्फटिकोद्भवाम् || ८ ||

5.9
प्रबालपद्मरागादिरक्तचन्दननिर्मिताम् |
कुङ्कुमागुरुकर्पूरमृगनाभिविभूषिताम् || ९ ||

5.10
अक्षमालां समाहृत्य त्रिपुरीकृतविग्रहः |
लक्षमात्रं जपेद्देवि महापापैः प्रमुच्यते || १० ||

5.11
लक्षद्वयेन पापानि सप्तजन्मकृतान्यपि |
नाशयेत् त्रिपुरा देवी साधकस्य न संशयः || ११ ||

5.12
जप्त्वा लक्षत्रयं मन्त्री प्रयतो मन्त्रविग्रहः |
पातकं नाशयेदाशु सप्तजन्मसहस्रजम् || १२ ||

5.13
जप्त्वा विद्यां चतुर्लक्षं महावागीश्वरो भवेत् |
पञ्चलक्षाच्चादरिद्रः साक्षाद्वैश्रवणायते || १३ ||

5.14
जप्त्वा षड्लक्षमेतस्या महाविद्याधरेश्वरः |
जप्त्वैव सप्त लक्षाणि खेचरीमेलकं व्रजेत् || १४ ||

5.15
अष्टलक्षप्रमाणं तु जप्त्वा विद्यां महेश्वरि |
अणिमाद्यष्टसिद्धीशो जायते देवपूजितः || १५ ||

5.16
नवलक्षप्रमाणं तु जप्त्वा त्रिपुरसुन्दरीम् |
विधिवज्जायते मन्त्री रुद्रमूर्तिरिवापरः || १६ ||

5.17
कर्ता हर्ता स्वयं गौरि लोकेऽप्रतिहतप्रभः |
नित्यप्रमुदितो वीरः स्वच्छन्दगतिरीश्वरः || १७ ||

5.18
निगदेन यदाजप्तं लक्षं चोपांशुना कृतम् |
मानसेन महेशानि कोटिजापफलं लभेत् || १८ ||

5.19
यत्र वा कुत्रचिद्देशे लिङ्गं वै पश्चिमामुखम् |
स्वयंभु वाणलिङ्गं वा इतरद्वापि सुव्रते || १९ ||

5.20
तत्र स्थित्वा जपेल्लक्षं त्रिपुरीकृतविग्रहः |
ततो भवति देवेशि त्रलोक्यक्षोभको नरः || २० ||

5.21
एवं जपं यथाशक्ति कृत्वादौ साधकोत्तमः |
होमं कुर्याद्दशांशेन - - - - - - - - - - - - - - - - - ||
- - - - - - - - - - - - - कुसुमैर्ब्रह्मवृक्षजैः || २१ ||

5.22
कुसुम्भकुसुमैर्वापि त्रिमध्वक्तैर्यथाविधि |
ततो भवति विद्येयं महाविघ्नौघघातकी || २२ ||

5.23
सर्वकामप्रदा देवि भुक्तिमुक्तिफलप्रदा |
योनिकुण्डे भगाङ्के वा वर्तुले वार्धचन्द्रके || २३ ||

5.24
नवत्रिकोणचक्रे वा चतुरश्रेऽष्टपत्रके |
योनिकुण्डे भवेद्वाग्मी भगाङ्के कृष्टिरुत्तमा || २४ ||

5.25
वर्तुले तु भवेल्लक्ष्मीरर्धचन्द्रे त्रयं लभेत् |
नवत्रिकोणकुण्डे तु खेचरत्वं प्रपद्यते || २५ ||

5.26
चतुरश्रे भवेच्छान्तिर्लक्ष्मीः पुष्टिररोगता |
पद्माङ्के सर्वसंपत्तिरचिरादेव जायते || २६ ||

5.27
चक्रेऽष्टकोणे सुभगे समीहितफलं लभेत् |
मल्लिकामालतीजातीपुष्पैराज्यपरिप्लुतैः || २७ ||

5.28
हुतैर्भवति वागीशो मूकोऽपि परमेश्वरि |
करवीरजपापुष्पाण्याज्ययुक्तानि पार्वति || २८ ||

5.29
हुत्वाकर्षयते मन्त्री खभूपातालयोषितः |
चन्द्रकस्तूरिकामिश्रं कृत्वा कुङ्कुममीश्वरि || २९ ||

5.30
हुत्वा कन्दर्पसौभाग्यात्स सौभाग्याधिको भवेत् |
चण्पकं पाटलादीनि हुत्वा वै श्रियमाप्नुयात् || ३० ||

5.31
श्रीखण्डमगुरुं वापि कर्पूरं पुरसंयुतम् |
हुत्वा पुरपुरन्ध्रीणां देवि विक्षोभको भवेत् || ३१ ||

5.32
हुत्वा पलं त्रिमध्वक्तं कृत्वा स्मृत्वा महेश्वरीम् |
खेचरो जायते देवि गत्वा नक्तं चतुष्पथे || ३२ ||

5.33
तदा दधिमधुक्षीरमिश्रांल्लाजान्महेश्वरि |
हुत्वा न वाध्यते रोगैः कालमृत्युभयादिभिः || ३३ ||

Kolophon des Kommentars
इति श्रीराजानकश्रीमज्जयरथविरचिते श्रीवामकेश्वरीमतविवरणे पञ्चमः पटलः || ५ ||

Begleitvideo: Chakra-Konzentration mit Pranayama am Ende

Devanagari: Abweichende Versfassung der bisherigen Auswahl

Auswahl 1.13
श्रीदेव्युवाच ।
भगवन् सर्वमन्त्राश्च भवता मे प्रकाशिताः ।
चतुःषष्टिश्च तन्त्राणि मातृणामुत्तमानि च ॥ 1.13 ॥

Auswahl 1.23
भवतोक्तानि मे देव सर्वज्ञानमयानि च ।
नित्याः षोडश देवेश सूचिता न प्रकाशिताः ॥ 1.23 ॥

Auswahl 1.24
इदानीं श्रोतुमिच्छामि तासां नामानि शङ्कर ।
एकैकं चक्रपूजां च परिपूर्णां समन्ततः ॥ 1.24 ॥

Auswahl 1.25
अनेकदेवतानाममन्त्रमुद्रागणे सह ।
कथयस्व प्रसादेन यदि तुष्टोऽसि मे प्रभो ॥ 1.25 ॥

Auswahl 1.26
श्रीभैरव उवाच ।
शृणु देवि महाज्ञानं नित्याषोडशिकार्णवम् ।
न कस्यचिन्मयाऽऽख्यातं सर्वतन्त्रेषु गोपितम् ॥ 1.26 ॥

Auswahl 1.27
तत्राऽऽदौ प्रथमा नित्या महात्रिपुरसुन्दरी ।
ततः कामेश्वरी नित्या नित्या च भगमालिनी ॥ 1.27 ॥

Auswahl 1.28
नित्यक्लिन्नाभिधा नित्या भेरुण्डा वह्निवासिनी ।
महाविद्येश्वरी दूती त्वरिता कुलसुन्दरी ॥ 1.28 ॥

Auswahl 1.29
नित्या नीलपताका च विजया सर्वमङ्गला ।
ज्वालामालिनिका चित्रेत्येवं नित्यास्तु षोडश ॥ 1.29 ॥

Auswahl 1.30
शृणु देवि महानित्यामादौ त्रिपुरसुन्दरीम् ।
यया विज्ञातया गौरि जगत्क्षोभः प्रजायते ॥ 1.30 ॥

Devanagari: Jayarathas Rahmensprüche und Schlussstücke

Eingang des Kommentars 1
स्वस्वामिभावपरिजृम्भणसारचक्र-
चक्रेश्वरीमयतया नवधा स्वरूपम् |
आभासयन्त्यघनुदे त्रिपुरास्तु सर्व-
सर्वात्मकत्वकलनेन निजाक्षराणाम् || १ ||

Eingang des Kommentars 2
जयन्ति परमाद्वैतविज्ञानामृतनिर्भराः |
पूर्वे श्रीदीपिकाचार्यप्रमुखा गुरवो मम || २ ||

Eingang des Kommentars 3
परकृतकुकल्पनामयतिमिरान्ध्यापोहनाय मनाक् |
श्रीवामकेश्वरीमतमुद्द्योतयितुं ममोद्यमोऽद्यायम् || ३ ||

Schluss des Kommentars 1
उच्चित्योच्चित्य नियतं कुतश्चन कुतश्चन |
यथागुरुमुखं कैश्चिदेतद्व्याकृतमल्पकम् || १ ||

Schluss des Kommentars 2
सर्वतःकष्टदुःश्लिष्टम्लिष्टशब्दार्थवर्त्मना |
केन तावन्निमित्तेन कैरप्येतद्विवेचितम् || २ ||

Schluss des Kommentars 3
पितृपितामहकल्पितकल्पना-
रसमहोदधिमात्रकदाशया |
विवृतमप्यपरैर्न यथार्थतां
श्रुतबहिष्कृतबुद्धितया गतम् || ३ ||

Übergang
अतः

Schluss des Kommentars 4
श्रीमद्गुरुवरादेवमवधार्य यथार्थतः |
मया जयरथेनैवं किंचिदेतत्प्रपञ्चितम् ||
तत्क्षणस्यावघातव्यमत्र सद्भिरवज्ञया |
अविचार्यैव वक्तव्यो न दोषो न गुणः पुनः || ४ ||

Gesamtkolophon des Kommentars
इति राजानकश्रीमज्जयरथविरचितं श्रीवामकेश्वरीमतविवरणं संपूर्णम् ||

Zentrale Themen des Nitya Shodashikarnava

Matrika: Laut und göttliche Gegenwart

Die ersten zwölf Verse verehren die Matrika. Die Ordnung der Laute wird als Gestalt der Göttin betrachtet; die Welt erscheint an ihrem Silbenfaden aufgereiht (1.5). Für die Lektüre ist dies eine religiöse Sicht auf Sprache. Ein Mantra ist in diesem Zusammenhang mehr als die Benennung einer Gottheit: Seine Lautgestalt gehört zu ihrer Vergegenwärtigung.

Diese Perspektive kann auch vertrautes Japa beleben. Wer ein Mantra wiederholt, kann auf seinen Klang, auf die eigene Aufmerksamkeit und auf die Stille zwischen den Wiederholungen achten. Das ist eine heutige Anregung. Die besonderen Lautanordnungen und Chiffren des Nitya Shodashikarnava benötigen darüber hinaus ihre eigene Erklärung.

Shri Chakra, Puja und innere Sammlung

Die Frage der Göttin in 1.22–1.24 verlangt eine vollständige Unterweisung: Namen, Mantras, Mudras und die Verehrung jedes einzelnen Chakra sollen zusammen erklärt werden. Chakra meint hier vor allem das Diagramm beziehungsweise den Gottheitenkreis. Es ist nicht an jeder Stelle gleichbedeutend mit einem der heute geläufigen sieben Körperchakras.

Die Meditation von 1.113–1.133 beschreibt Tripurasundari ausführlich in einer roten, leuchtenden Gestalt. Diese Anschaulichkeit gehört zur Sprache der Upasana, der verehrenden Hinwendung. Der Schluss der Verehrung bewahrt eine schlichte Geste der Demut: Mit einer Mudra und dem Wort „Vergib!“ wird die Göttin verabschiedet (1.168).

Das fünfte Kapitel nennt neben der äußeren Verehrung ausdrücklich eine innere Möglichkeit: Das Chakra und die höchste Herrin werden im Herzen betrachtet (5.6). Daran schließt Japa an. Der nächste Vers unterscheidet hörbare, leise und geistige Wiederholung (5.7). Die in 5.18 genannten großen Zahlen gehören zur traditionellen Darstellung ihrer Wirksamkeit; sie sind kein messbarer Erfolgsmaßstab für die eigene Meditation.

Shakti: die Kraft des Erkennens, Handelns und Wollens

In 4.6 heißt es, dass der Höchste ohne Shakti nichts tun kann. Mit ihr verbunden ist er handlungsfähig. Die Aussage hebt die göttliche Kraft hervor; sie stellt Shiva und Shakti in Beziehung zueinander. 4.11 nennt die Kraft des Erkennens, des Handelns und des Wollens. Das Nitya Shodashikarnava verbindet so die Verehrung der Göttin mit grundlegenden Kräften des Lebens.

Für die persönliche Betrachtung können daraus einfache Fragen entstehen: Was möchte ich erkennen? Aus welcher Absicht handle ich? Wie kann mein Tun bewusster werden? Diese Fragen sind eine heutige Antwort auf den Text, keine zusätzlich überlieferten Verse. Ebenso bleiben Ahimsa, das Nichtverletzen, und Satya, Wahrhaftigkeit, allgemeine yogische Maßstäbe; sie werden nicht nachträglich als ausdrückliche Leitsätze der historischen Zwangsrituale ausgegeben.

Beziehungen zu anderen Schriften

Das Yogini Hridaya entfaltet die Bedeutung von Chakra, Mantra und Puja in drei Kapiteln. Es ist der engste Vergleichstext innerhalb des Vamakeshvara-Zusammenhangs. Der Schwerpunkt auf äußerer Verehrung im Nitya Shodashikarnava und auf innerer Auslegung im Yogini Hridaya ist eine hilfreiche Orientierung; die Herzbetrachtung in 5.6 zeigt aber, dass sich beide Bereiche überschneiden.

Tripura Upanishad, Tripuratapini Upanishad und Bhavana Upanishad eröffnen weitere Zugänge zu Tripura, Mantra und der Betrachtung des Körpers. Shiva Sutra, Spandakarika und Pratyabhijnahridaya eignen sich für einen Vergleich zum Verhältnis von Bewusstsein und göttlicher Kraft. Solche Vergleiche werden besonders fruchtbar, wenn zunächst die Aussage jeder einzelnen Schrift verstanden wird. Ähnliche Begriffe allein beweisen keine direkte Textabhängigkeit.

Fünf Anregungen für die eigene Praxis

Meditation und innere Sammlung können das Studium des Nitya Shodashikarnava begleiten. Allgemeine Illustration einer heutigen Praxis.

Diese Anregungen sind einfache heutige Übungen. Sie vermitteln nicht die vollständige historische Ritualpraxis und ersetzen keine besondere Diksha, Einweihung, oder persönliche Unterweisung.

1. Mit einer klaren Frage lesen.
Lies 1.22–1.24. Die Göttin benennt genau, was sie noch verstehen möchte. Wähle für dein Swadhyaya ebenfalls eine Frage und lies einige wenige Verse aufmerksam. Halte anschließend fest, was klarer geworden ist und was du weiter erforschen möchtest.

2. Ein vertrautes Mantra bewusst wiederholen.
Nimm dir einige Minuten für ein Mantra, das du bereits kennst. Wiederhole es in einer dir vertrauten Weise und höre aufmerksam hin. Verweile danach einen Augenblick in Stille. Die Verbindung von innerer Betrachtung und Japa in 5.6–5.7 kann diese einfache Übung anregen.

3. Ein Yantra in Ruhe betrachten.
Betrachte ein Shri Yantra. Nimm Umfassung, Lotusblätter, Dreiecke und Mitte wahr, ohne schon jede Einzelheit deuten zu müssen. Lass den Blick anschließend zur Ruhe kommen. Diese Betrachtung unterscheidet sich von der genauen Konstruktion und rituellen Verehrung in Kapitel 1.

4. Vor der Meditation nach innen lauschen.
Setze dich bequem hin und lasse den Atem natürlich fließen. Richte deine Aufmerksamkeit für einige Augenblicke auf die Herzgegend, soweit dies angenehm ist. Du musst kein Bild und kein besonderes Gefühl erzeugen. 5.6 kann dich daran erinnern, der inneren Sammlung einen bewussten Platz zu geben.

5. Die Absicht hinter dem eigenen Handeln prüfen.
Betrachte 4.11 und frage dich, wie Erkennen, Wollen und Handeln bei dir zusammenwirken. Gerade die Machtansprüche des zweiten Kapitels geben Anlass, die eigene Motivation zu prüfen. Wähle eine konkrete Handlung, in der du anderen mit Achtung, Wahrhaftigkeit oder Hilfsbereitschaft begegnest, etwa durch aufmerksames Zuhören oder einen kleinen Dienst.

Begleitvideo: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev

Das Nitya Shodashikarnava kann ein Begleiter für aufmerksames Schriftstudium werden. Seine Bilder laden zur Hingabe ein, seine schwierigen Stellen zum genauen Hinsehen. Beides lässt sich zusammenbringen: einen Vers verstehen, seine Wirkung auf das eigene Denken wahrnehmen und eine passende Anregung achtsam im Alltag erproben.

Siehe auch

Literatur

  • Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Vāmakeśvarīmatam with the Commentary of Rājānaka Jayaratha. Kashmir Series of Texts and Studies, Band 66. Research Department, Jammu and Kashmir State, Srinagar 1945. Druck: Mercantile Press, Srinagar. Digitalisat.
  • Vrajavallabha Dviveda (Hrsg.): Nityāṣoḍaśikārṇava mit Shivanandas Ṛjuvimarśinī und Vidyanandas Artharatnāvalī. Sampurnanand Sanskrit University, Varanasi 1985. Digitalisat.
  • Kashinath Shastri Agashe (Hrsg.): Nitya Shodashika Arnava (Vama Keshwara Tantra) mit Bhaskararayas Setubandha. Anandashrama Sanskrit Series, Band 56, 1908. Digitalisat.
  • Shitala Prasad Upadhyaya (Hrsg.): Nitya Shodashika Arnava mit Bhaskararayas Setubandha. Digitale Sammlung im Internet Archive.
  • Muktabodha Indological Research Institute: Vāmakeśvarīmata with the commentary of Jayaratha, M00097. Transkription durch Mitarbeiter des Instituts unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski. Revision 0, 16. Oktober 2007. Muktabodha.
  • Cambridge University Library: Nityasodaṣikārṇava, Handschriftenbeschreibung MS Or.722.7.

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