Karmendriya

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Gewahr sein, dessen was ist
Karmendriya (Sanskrit: कर्मेन्द्रिय karmendriya n.) wörtl.: "Organ (Indriya) der Handlung" (Karman); Handlungsorgan, Tatorgan; Handlungsvermögen, Tatvermögen: die Fähigkeit oder das Vermögen (Indriya im Sinne von Shakti), eine bestimmte Handlung (Sprechen, Gehen, Greifen, Ausscheiden und sich Fortpflanzen) mittels der dazu bestimmten Körperteile und -organe auszuführen.

Karmendriya bezeichnet die fünf Handlungsorgane Mund (Mukha), Hände (Hasta), Füße (Pada), Ausscheidungs- (Payu) und Fortpflanzungsorgane (Upastha) bzw. die deren Funktionen zugrundeliegenden Fähigkeiten oder Vermögen. Die Karmendriyas sind Teil des Pranamaya Kosha innerhalb des Astralkörpers.

Sukadev über Karma Indriya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Karma Indriya

Frau Indien Besen.jpg

Karma Indriya – Handlungsorgan. Karma Indriya wird auch geschrieben, Karmendriya. Karma heißt in diesem Kontext Handlung, Indriya heißt Sinnesorgan. Und nach den Sandhi-Regeln des Sanskrit-Alphabetes ist es so, wenn auf ein "a" ein "i" folgt, dann wird "a" und "i" zu "e", deshalb Karmendriya. Aber häufig, wenn man Karmendriya ins Deutsche oder auch ins Englische übersetzt, sagt man Karma Indriya, das ist dann leichter verständlich.

Es gibt zehn Indriyas bestehend aus den fünf Jnana Indriyas, die Sinne des Wissens, auch Jnanendriyas genannt, und den fünf Karma Indriyas, die Handlungsorgane. Die fünf Jnana Indriyas sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Und dazu passend die fünf Handlungsorgane und das sind die Füße für das Gehen, die Hände für das Greifen und das Bewegen, das Verändern, dann gibt es die Ausscheidungsorgane, die Geschlechtsorgane und es gibt den Mund für die Kommunikation. Die Karma Indriyas stehen für die fünf Dinge, die du in diesem Universum machen kannst: Du kannst durch die Gegend gehen, das geht mit den Füßen, das geht natürlich auch mit Rollstuhl und mit Fahrrad und es geht mit Auto und Flugzeug. Aber im Grunde genommen, du gehst durch die Gegend, du bewegst dich, das ist die eine Karma Indriya.

Das Zweite sind die Karma Indriyas sind die Hände, mit den Händen tust du etwas, du bewirkst etwas in dieser Welt. So sind die Hände die zweiten Karma Indriyas. Und auch wenn du eine Bohrmaschine hast, einen Hammer hast oder einen Bagger bedienst, im Grunde genommen nutzt du immer deine Karma Indriyas der Hände. Als drittes der Mund als dritte Karma Indriya, mit dem du sprichst und du kommunizierst. Du kannst auch kommunizieren über Tastaturen, über Smartphone, du kannst kommunizieren über Video, wie ich es im Anschluss an diesen Text mache. Ich kommuniziere zwar über diese Zeilen hier, aber es wurde vorher aufgenommen und das steht nun im Internet und dann kannst du das anschließend auch im Video hören und sehen. Die Kommunikation ist also das Dritte der Sinne.

Dann als viertes die Geschlechtsorgane und damit folglich Fortpflanzung und Sexualität. Und als fünftes dann Ausscheidungsorgane, was heißt, der Mensch schafft auch Müll. Die ursprünglichen Ausscheidungen des Menschen sind natürlich Dünger für andere Tiere. Aber heutzutage gelingt dem Menschen, auch allen möglichen Müll zu produzieren. Also, die fünf Karma Indriyas stehen für die fünf Arten von Tätigkeiten, die der Mensch machen kann. Mehr macht er eigentlich nicht. Er bewegt sich durch die Welt, er verändert Sachen, er kommuniziert, er pflanzt sich fort und schafft Müll. Das sind also die fünf Karma Indriyas, die fünf Handlungsorgane.

Wenn du mehr wissen willst über die Indriyas und letztlich auch über Vedanta-Philosophie, dann schaue nach auf www.yoga-vidya.de. Denn gerade im Vedanta wie auch im Sankhya spielen die Indriyas eine besondere Rolle und es ist auch hilfreich, über die Indriyas Bescheid zu wissen, um sich so von ihnen zu lösen. Also, Karma Indriyas – Handlungsorgane.

Swami Sivananda über die Karma Indriyas bzw. Karmendriyas

Eine Beschreibung dieser Organe ist hier nicht fehl am Platz. Ein Karma Yogi sollte genau informiert sein über die Natur und die Funktion dieser Indriyas. Vak (Sprachorgan), Pani (Hände), Pada (Füße), Upashtam (Fortpflanzungsorgan) und Payu oder Guda (Anus, Ausscheidungsorgan) sind die fünf Handlungsorgane. Die wirklichen Indriyas befinden sich im Astralkörper (Linga Sharira). Sie sind feinstofflich: Sie haben im Gehirn (Nervenzentrum) ihre Entsprechung. Was man von außen sieht – Mund, Hände, Füße, Geschlechtsteile und Anus sind bloße Bahya Karanas (externe Werkzeuge). Die Karma Indriyas befinden sich in der Vitalhülle des Astralkörpers - Pranamaya Kosha.

Die Karma Indriyas sind die fünf Soldaten. Der Oberbefehlshaber ist der Verstand. Der Verstand delegiert Arbeit an diese Soldaten, wenn er sinnliche Gegenstände zu seiner Befriedigung wünscht. Der Verstand arbeitet in Einheit mit dieses fünf Organen. Der Verstand ist der Anführer. Diese fünf Organe sind seine Assistenten. Diese Karma Indriyas führen die Befehle ihres Chefs (Verstand) sofort aus. Die Karma Indriyas können nicht unabhängig von der gesunden Kooperationsbereitschaft des Verstandes arbeiten. In Wahrheit agiert der Verstand durch diese Organe. Der Verstand der in allen Handlungen wirklich plant, arrangiert und vorschlägt. Während man schläft bekommen diese Indriyas im Verstand zeitweise Laya (Verschmelzen, Auflösen) (Involution). In Samadhi (überbewusster Zustand) werden sie vom Verstand absorbiert.

Die Karmendriyas aus dem Rajas Element der Tanmatras

Die Karma Indriyas entstammen dem rajasigen Element der Tanmatra. Sie werden durch Prana bewegt. Ohne Prana können sie sich keine Millimeter bewegen. Jivatma (individuelle Seele) (individuelle Seele), eine Abbildung von Chaitanya (absolutes Bewusstsein) im Spiegel des Verstandes, ist ein ständiger Begleiter des Verstandes. Er ist es, der die Früchte der Handlungen, Freude oder Schmerz erntet.

Bhagavad Gita und Karmendriyas

In der Bhagavad Gita steht: „Erfahre von Mir, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, diese fünf Ursachen für das Ausführen von Handlungen, wie sie im System der Sankhyas dargestellt werden. Der Sitz (der Körper), der Handelnde, die einzelnen Sinne, die verschiedenen Funktionen und auch die herrschende Gottheit, als fünfte. Jede Handlung, die ein Mensch mit seinem Körper, seiner Sprache oder seinem Geist ausführt – sei sie recht oder das Gegenteil – diese fünf Karmendriyas sind die Ursache dafür. (Kap. XVIII-13,14,15)

„Da dies nun so ist, sieht der Mensch nicht, der das isolierte Selbst als Handelnden sieht, und sein Verstand ist irregeführt.(Kap. XVIII-16)

„Wer frei ist von Ich-Gedanken und wessen Verstehen nicht (von Gut oder Böse gefärbt ist, tötet nicht und ist auch nicht (durch Handlung) gebunden, auch nicht wenn er diese Menschen tötet,“ sagt Gott. Krishna ist bekannt als Nitya Brahmachari (ewiges Zölibat) obwohl er mit Radha, Rukmini, Satyabhama usw. lebte und Kinder hatte. Er ging völlig in Seinem eigenen Svarupa Nirguna (ohne Eigenschaften) auf. Deswegen wurde Er "Nitya Brahmachari" genannt. Durvasa aß bei einem Fest sehr viele Speisen und verkündete seinen Schülern: „Ich habe nichts gegessen. Ich bin Nitya Upavasi (jemand, der immer fastet). Teile dies dem Fluss Yamuna mit, und er wird euch alle durchlassen. Ihr könnt den Fluss ohne Boot überqueren.“ Tiruvalluvar, ein Weiser aus Südindien gab seiner Frau die gleichen Anweisungen, einen Fluss so zu überqueren wie Durvasa es tat. Sie war völlig überrascht, als sie sah, dass der Fluss sich teilte, als sie die Worte ihres Ehemanns sprach. Der Zustand von Jnanis ist unbeschreibbar und unverständlich.

Die vorherrschenden Gottheiten der Karmendriyas

Die vorherrschende Gottheit des Vak Indriya ist Agni (Feuer); die der Hand ist Indra (König der Götter); die der Füße ist Upendra oder Vishnu (Erhalter der Schöpfung); die der Upastham ist Prajapata und die von Payu (Anus) ist Mrityu (Sterben). In der Gita steht wieder: „Erkenntnis, das zu Erkennende und Erkennender sind der dreifache Handlungsimpuls; Organ, Handlung und Handelnder sind die dreifache Handlungsgrundlage.“ (Kap. XVIII-18)

Nyaya Philosophie und Karmendriyas

Hatha Yoga hilft zum Kultivieren des Körpers

In der Nyaya Philosophie findet man die Begriffe Jnana, Iccha und Prayatna. Jnana meint das Wissen um die Gegenstände. Iccha bedeutet Wunsch. Unter Prayatna versteht man die Anstrengung, die Wünsche zu erfüllen. Zunächst erkennt Jiva (Individuum) die Gegenstände. Anschließend entsteht der Wunsch im Geist, die Gegenstände zur Freude zu erhalten. Dann setzt er alles daran, die Gegenstände zu erlangen. Der Wunsch ist die treibende Kraft, die den Geist zur Handlung treibt. Der Mensch sinniert und denkt an die Gegenstände, die ihm die Sinne übermitteln. Dann entwickelt er Verhaftung an diese. Aus der Verhaftung erwächst der Wunsch. Der Gedanke ist wie Brennstoff. Der Wunsch ist wie ein Feuer. Wenn du Sankalpas stoppen kannst, wird das Feuer der Wünsche von selbst erlöschen, ebenso wie eine Lampe erlischt, wenn der Nachschub an Ghee oder Öl versiegt.

Zuerst ziehen einen die Gegenstände an. Dann kommt die Bindung. Selbst wenn die Anziehung erlischt, bleibt die verlangende Sehnsucht weiterhin bestehen. Dies ist Trishna Tantu (Gefahr des Verlangens). Dann gibt es noch die Vorliebe für Gegenstände. Diese auszulöschen ist sogar noch schwerer. Zerstöre zuerst die Verhaftung. Dann wird das Verlangen und die Vorliebe langsam erlöschen.

Die drei Impulsarten und die Karmendriyas

Beherrsche Deine Sinnesorgane oder die Sinne beherrschen Dich

Es gibt drei Impulsarten, nämlich der Impuls des Denkens, der der Rede und der der Handlung. Ein Karma Yogi sollte nicht impulsiv sein. Er darf sich nicht von Emotionen überwältigen lassen. Er muss die auftauchenden, brodelnden Emotionen und Impulse beruhigen. Er muss die Gefühle reinigen. Dann kann er erst wirklich solide Arbeit hervorbringen. Er muss alle unnötigen, wertlosen oder überflüssigen Gedanken zerstören. Das lädt seine Energiereserve auf. Dies bewahrt seine Energie. Die Energie wird mit wertlosen Gedanken verschwendet.

Energie wird auch verschwendet mit bloßem Geschwätz und weltlichem Getratsche. Ein Karma Yogi sollte Mauna (Schweigen) für täglich zwei Stunden und Sonn- und Feiertags für sechs Stunden einhalten. Mauna zerstört den Impuls des Sprechens. Wer Mauna einhält kann maßvoll seine Worte während des Sprechens einsetzen. Er kann Ärger und Falschheit kontrollieren. Er wird friedlich. Er wird einen starken Willen haben. Manche Menschen sprechen wie Maschinen mit einer gewaltigen Geschwindigkeit ohne Punkt und Komma.

Die größte Strafe für solche Menschen ist es, sie drei Tage lang schweigen zu lassen. Dies stürzt sie in große Qual. Wer viel spricht, denkt und tut wenig. Er ist ein ruheloser Mensch. Das Sprachorgan lenkt den Geist sehr stark ab. Die Sprache zu kontrollieren bedeutet, den Geist zu kontrollieren. Ein scharfes Schwert ist in der Zunge. Ein hartes Wort oder ein zarter Verweis bricht eine lange bestehende Freundschaft und endet im Kampf und tatsächlichem Blutvergießen. Die Ruhelosigkeit der Welt beruht auf zu viel Gespräch, Getratsche, Lästern und Sensationslust. Die Damen sind gesprächiger. Sie zerstören die friedliche Atmosphäre ihrer Häuser. Wenn alle Menschen auf der Welt täglich zwei Stunden Mauna praktizieren, wird dies zweifellos den Weltfrieden beträchtlich vorantreiben.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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