Hamsa Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen

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In der '''Hamsa Upanishad''' führt ein Weiser namens Sanatkumara ein Zwiegespräch mit Gautama, seinem Schüler, in welchem Kundalini Yoga erklärt wird.
Die '''Hamsa Upanishad''' ([[Sanskrit]]: ''f''.) ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Die Hamsa Upanishad gehört zum [[Atharvaveda]] und wird außerdem den [[Yoga Upanishaden]] zugeordnet. Ein [[Weise]]r namens [[Sanatkumara]] führt ein Zwiegespräch mit [[Gautama]], seinem Schüler, in welchem [[Kundalini Yoga]] erklärt wird.
== Einleitung ==
 
[[Datei:Schwan Hamsa.JPG|thumb]]
 
Die '''Hamsa Upanishad''' (Sanskrit: ''Haṃsopaniṣad'') gehört zu den [[Yoga Upanishaden]] und wird dem [[Shukla Yajurveda]], auch dem Atharva Veda, zugeordnet. Sie ist eine wichtige Quellenschrift des [[Hamsa Yoga]], der [[Ajapa Japa|Ajapa Gayatri]], des [[Kundalini Yoga]] und des [[Nada Yoga]]. Im Mittelpunkt steht der [[Hamsa]], der Schwan oder die Wildgans, als Symbol des [[Atman]]. Wie Feuer im Holz und Öl im Sesamsamen verborgen sind, so ist das höchste Selbst in allen Wesen gegenwärtig.
 
Hamsa ist zugleich das natürliche Atemmantra. Jeder Atemzug wiederholt nach der Yogatradition ''haṃ-sa'' beziehungsweise ''so'ham'' – „Ich bin Das“. Die Upanishad spricht von 21.600 Atemzügen während eines Tages und einer Nacht. Durch bewusste Wahrnehmung wird aus dem unwillkürlichen Atem die [[Ajapa Japa|Ajapa]], eine Mantrawiederholung, die scheinbar von selbst geschieht und den Menschen fortwährend an seine Einheit mit [[Brahman]] erinnert.
 
Die Schrift beschreibt außerdem, wie [[Prana]] durch die [[Chakra]]s vom [[Muladhara Chakra]] bis zum [[Brahmarandhra]] geführt wird. Im achtblättrigen Herzlotus wird Hamsa als lichtvoller [[Paramahamsa]] meditiert. Wachzustand, Traum und Tiefschlaf werden verschiedenen Teilen des Lotus zugeordnet; jenseits davon liegen [[Turiya]] und schließlich [[Turiyatita]], wenn Hamsa im inneren [[Nada]] aufgeht.
 
Zehn Formen des inneren Klanges führen nach der traditionellen Darstellung von feinen Chini-Lauten über Glocke, Muschelhorn, Flöte und Trommeln bis zum Donnerklang. Doch auch Nada ist nicht das Endziel. Wenn Vorstellungen, Wünsche und Gegensätze zur Ruhe kommen, offenbart sich [[Sadashiva]] als reines, selbstleuchtendes Bewusstsein. Für heutige Aspiranten liegt die besondere Kraft der Hamsa Upanishad in ihrer einfachen Grundbotschaft: Der Atem selbst kann zum Weg der Meditation und Selbsterkenntnis werden. Fortgeschrittene Atem- und Kundalini-Praktiken sollten dagegen nur schrittweise und unter kompetenter Anleitung ausgeführt werden.
 
== Hamsa Upanishad – Sanskrit Text, deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Übersetzung ==
 
''Die drei ersten Abschnitte sind im Sanskrit ausdrücklich als Verse 1–3 nummeriert. Die anschließenden Überschriften bilden die längeren Prosapassagen sinngemäß ab, ohne neue Verszahlen in den Sanskrittext einzufügen.''
 
'''Einleitungsvers Hamsa Upanishad'''
 
haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |<br>
tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||<br>
 
'''Ich bin jenes reine Licht, das nur Brahman ist: grundloser Grund dessen, worin die in der Hamsa Upanishad gelehrte Folge der Nada-Klänge zur Ruhe kommt.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': haṃsa-ākhya-upaniṣat-prokta – in der Hamsa genannten Upanishad gelehrt; nāda-āliḥ – Reihe der [[Nada]]-Klänge; yatra viśramet – worin sie zur Ruhe kommt; tat-ādhāram – deren Grundlage; nirādhāram – selbst ohne Grundlage; brahma-mātram – Brahman allein; aham – ich; mahaḥ – das Licht.
 
'''Shanti Mantra'''
 
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |<br>
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
 
'''Om. Jenes ist vollständig, dieses ist vollständig. Aus dem Vollständigen geht das Vollständige hervor. Nimmt man vom Vollständigen das Vollständige, bleibt allein das Vollständige. Om. Frieden, Frieden, Frieden.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': pūrṇam adaḥ – jenes ist vollständig; pūrṇam idam – dieses ist vollständig; pūrṇāt pūrṇam udacyate – aus dem Vollständigen geht das Vollständige hervor; pūrṇasya pūrṇam ādāya – vom Vollständigen das Vollständige nehmend; pūrṇam eva avaśiṣyate – bleibt allein das Vollständige; śāntiḥ – Frieden ([[Shanti]]).
 
'''1. Vers Hamsa Upanishad – Gautamas Frage'''
 
gautama uvāca |<br>
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |<br>
brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1 ||<br>
 
'''Gautama sprach: O Erhabener, du kennst alle Dharmas und bist in allen Lehrschriften bewandert. Durch welches Mittel entsteht das Erwachen zur Brahmavidya?'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': gautama uvāca – [[Gautama]] sprach; bhagavan – o Erhabener; sarva-dharma-jña – Kenner aller [[Dharma]]s; sarva-śāstra-viśārada – in allen [[Shastra]]s bewandert; brahma-vidyā-prabodhaḥ – Erwachen zur [[Brahmavidya]]; kena upāyena – durch welches Mittel; jāyate – entsteht.
 
'''2. Vers Hamsa Upanishad – Sanatkumaras Antwort'''
 
sanatkumāra uvāca |<br>
vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |<br>
pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śṛṇu gautama tanmama || 2 ||<br>
 
'''Sanatkumara sprach: Höre, o Gautama, von mir jene Wahrheit, die Parvati lehrte, nachdem sie alle Veden erwogen und die Auffassung Pinakins, Shivas, erkannt hatte.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': sanatkumāraḥ uvāca – [[Sanatkumara]] sprach; vicārya – erwogen habend; sarva-vedeṣu – in allen [[Veda]]s; matam jñātvā – die Auffassung erkannt habend; pinākinaḥ – Pinakins, des Bogenträgers [[Shiva]]; pārvatyā kathitam – von [[Parvati]] gelehrt; tattvam – Wahrheit, Prinzip ([[Tattva]]); śṛṇu – höre; gautama – o Gautama; tat mama – dies von mir.
 
'''3. Vers Hamsa Upanishad – Die geheime Hamsa-Lehre'''
 
anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |<br>
haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3 ||<br>
 
'''Diese unaussprechliche, verborgene Lehre gleicht einem Schatz der Yogis. Sie entfaltet das Wesen des Hamsa und schenkt als Frucht Erfüllung und Befreiung.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': anākhyeyam – unaussprechlich; idam guhyam – diese geheime Lehre; yoginām – der Yogis; kośa-saṃnibham – einem Schatz gleich; haṃsasya – des [[Hamsa]]; ākṛti-vistāram – Entfaltung seiner Gestalt und Natur; bhukti-mukti-phala-pradam – als Frucht Wohlergehen und [[Mukti]] gewährend.
 
'''Lehrabschnitt 4 – Voraussetzungen der Hamsa Vidya'''
 
atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |<br>
brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |<br>
haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||<br>
 
'''Nun werden wir die Erkenntnis von Hamsa und Paramahamsa erklären. Sie ist für einen Brahmacharin bestimmt, der friedvoll, selbstbeherrscht und seinem Guru hingegeben ist. Wer beständig über „Hamsa, Hamsa“ meditiert, erkennt: Hamsa durchdringt alle Körper und ist in ihnen gegenwärtig.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': atha – nun; haṃsa-paramahaṃsa-nirṇayam – die Erkenntnis von [[Hamsa]] und [[Paramahamsa]]; vyākhyāsyāmaḥ – werden wir erklären; brahmacāriṇe – für den [[Brahmachari]]; śāntāya – für den Friedvollen; dāntāya – für den Selbstbeherrschten; guru-bhaktāya – für den dem [[Guru]] Hingegebenen; haṃsa-haṃsa iti – „Hamsa, Hamsa“; sadā dhyāyan – beständig meditierend; sarveṣu deheṣu – in allen Körpern; vyāpya vartate – durchdringend gegenwärtig ist.
 
'''Lehrabschnitt 5 – Hamsa durchdringt alle Wesen'''
 
yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvā mṛtyumatyeti |<br>
 
'''Wie Feuer im Holz und Öl in den Sesamsamen verborgen ist, so ist Hamsa in allen Wesen gegenwärtig. Wer ihn so erkennt, überschreitet den Tod.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': yathā – wie; agniḥ kāṣṭheṣu – Feuer im Holz ([[Agni]]); tileṣu tailam iva – wie Öl in Sesamsamen; tam viditvā – ihn erkannt habend; mṛtyum atyeti – überschreitet den Tod.
 
'''Lehrabschnitt 6 – Aufstieg des Prana durch die Chakras'''
 
gudamavaṣṭabhya ādhārādvāyumutthāpya svādhiṣṭhānaṃ triḥ pradakṣiṇīkṛtya |<br>
maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya viśuddhau prāṇānnirudhya |<br>
ājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |<br>
 
'''Nachdem der Yogi den Beckenboden fest gemacht hat, führe er den Lebenshauch vom Muladhara empor, umkreise dreimal das Svadhishthana, gelange zum Manipura, überschreite das Anahata und halte den Prana im Vishuddha. Dann meditiere er über Ajna und das Brahmarandhra und verweile beständig in der Erkenntnis: „Ich bin das aus drei Matras bestehende Om.“'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': gudam avaṣṭabhya – den Beckenboden beziehungsweise Anus festigend; ādhārāt – vom [[Muladhara Chakra|Muladhara]]; vāyum utthāpya – den Lebenshauch emporführend ([[Vayu]]); svādhiṣṭhānam – [[Svadhishthana Chakra]]; triḥ pradakṣiṇī-kṛtya – dreimal umkreisend; maṇipūrakam gatvā – zum [[Manipura Chakra]] gelangend; anāhatam atikramya – [[Anahata Chakra]] überschreitend; viśuddhau prāṇān nirudhya – den [[Prana]] im [[Vishuddha Chakra]] zurückhaltend; ājñām anudhyāyan – über [[Ajna Chakra]] meditierend; brahmarandhram dhyāyan – über das [[Brahmarandhra]] meditierend; tri-mātraḥ aham – ich bin das aus drei [[Matra]]s Bestehende.
 
'''Lehrabschnitt 7 – Nada als reines Brahman'''
 
atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśam |<br>
sa vai brahma paramātmetyucyate || 1 ||<br>
 
'''Darauf meditiere er über den Nada, der sich vom Muladhara bis zum Brahmarandhra erstreckt und reinem Kristall gleicht. Dieser wird wahrlich Brahman und Paramatman genannt.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': atha u – darauf; nādam – über den inneren Klang ([[Nada]]); ādhārāt – vom Muladhara; brahmarandhra-paryantam – bis zum Brahmarandhra; śuddha-sphaṭika-saṅkāśam – reinem Kristall gleich; saḥ vai – dieser wahrlich; brahma – [[Brahman]]; paramātmā – [[Paramatman]]; iti ucyate – so wird er genannt.
 
'''Lehrabschnitt 8 – Rishi, Metrum, Gottheit und Mantra'''
 
atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso devatā |<br>
ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ | so'hamiti kīlakam |<br>
 
'''Für diese Praxis ist Hamsa der Rishi, Avyakta Gayatri das Metrum und Paramahamsa die Gottheit. Aham – in anderen Rezensionen Haṃ – ist das Bija; Sa ist die Shakti und So’ham das Kilaka, der festigende Schlüssel des Mantras.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': haṃsaḥ ṛṣiḥ – Hamsa ist der Seher ([[Rishi]]); avyaktā gāyatrī chandaḥ – die unmanifestierte [[Gayatri]] ist das Metrum; paramahaṃsaḥ devatā – Paramahamsa ist die Gottheit ([[Devata]]); aham iti bījam – Aham ist der Samenlaut, Lesart anderer Rezensionen: Haṃ ([[Bija]]); sa iti śaktiḥ – Sa ist die [[Shakti]]; so'ham iti kīlakam – [[Soham]] ist das Kilaka, der Schlüssel oder Keil.
 
'''Lehrabschnitt 9 – Die Ajapa Gayatri und 21.600 Atemzüge'''
 
ṣaṭ saṅkhyayā ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |<br>
sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ pracodayāditi |<br>
agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ | hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ |<br>
 
'''In Tag und Nacht werden 21.600 Hamsa-Atemzüge gezählt. Die Anrufung richtet sich an Surya, Soma, den Makellosen und den Erscheinungslosen: „Möge das körperlose, subtile Wesen uns erleuchten.“ Mit „Vaushat für Agni und Soma“ werden Anganyasa und Karanyasa, beginnend beim Herzen, vollzogen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': ahaḥ-rātrayoḥ – während Tag und Nacht; ekaviṃśati-sahasrāṇi ṣaṭ śatāni adhikāni – einundzwanzigtausend und weitere sechshundert, 21.600; sūryāya – für [[Surya]]; somāya – für [[Soma]]; nirañjanāya – für den Makellosen; nirābhāsāya – für den Erscheinungslosen; tanu sūkṣmam pracodayāt – möge das körperlose, subtile Wesen erleuchten; agnīṣomābhyām vauṣaṭ – Vaushat für Agni und Soma; aṅga-nyāsa-kara-nyāsau – [[Anganyasa]] und [[Karanyasa]].
 
'''Lehrabschnitt 10 – Hamsa im achtblättrigen Herzlotus'''
 
evaṃ kṛtvā hṛdaye aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet |<br>
agnīṣomau pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukham |<br>
rudro rudrāṇī caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |<br>
paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ |<br>
eṣo'sau paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |<br>
 
'''Nach diesem Vollzug meditiere man im achtblättrigen Herzlotus über den Atman als Hamsa. Agni und Soma sind seine Flügel, Omkara ist sein Kopf und Bindu wird mit Auge und Antlitz verbunden. Rudra und Rudrani sind seine Füße; weitere Glieder werden Kala und Agni zugeordnet. Der überlieferte Wortlaut der folgenden Gliederzuordnung ist in den Rezensionen unsicher. Dieser Paramahamsa leuchtet wie Millionen Sonnen und durchdringt das gesamte All.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': hṛdaye aṣṭa-dale – im achtblättrigen Lotus des Herzens; haṃsa-ātmānam dhyāyet – über den Atman als Hamsa meditieren; agnīṣomau pakṣau – [[Agni]] und Soma sind die Flügel; oṃkāraḥ śiraḥ – [[Omkara]] ist der Kopf; binduḥ – [[Bindu]]; netram – Auge; mukham – Antlitz; rudra-rudrāṇī caraṇau – Rudra und Rudrani sind die Füße; kālaḥ ca agniḥ ca – [[Kala]] und Agni; eṣaḥ paramahaṃsaḥ – dieser Paramahamsa; bhānu-koṭi-pratīkāśaḥ – Millionen Sonnen gleich; yena idam vyāptam – durch den dieses All durchdrungen ist. Hinweis: Der mittlere Sanskritsatz ist textkritisch unsicher.
 
'''Lehrabschnitt 11 – Die acht Blätter und ihre Neigungen'''
 
tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati |<br>
pūrvadale puṇye matirāgneye nidrālasyādayo bhavanti |<br>
yāmye krūre matirnairṛte pāpe manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā |<br>
vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye ratiprītiḥ |<br>
īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyam |<br>
 
'''Seine Bewegung im Herzlotus zeigt sich achtfach. Im östlichen Blatt richtet sich der Geist auf verdienstvolle Handlungen, im südöstlichen entstehen Schlaf und Trägheit, im südlichen Grausamkeit und im südwestlichen Neigung zu unheilsamem Tun. Im westlichen liegt spielerische Sinnesfreude, im nordwestlichen der Drang zum Gehen und Handeln, im nördlichen sinnliche Zuneigung und im nordöstlichen das Streben nach Besitz. In der Mitte entsteht Vairagya.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': tasya aṣṭadhā vṛttiḥ – seine achtfache Bewegung ([[Vritti]]); pūrva-dale – im östlichen Blatt; puṇye matiḥ – Neigung zum Verdienstvollen; āgneye – im Südosten; nidrā-ālasya – Schlaf und Trägheit; yāmye – im Süden; krūre matiḥ – Neigung zur Grausamkeit; nairṛte – im Südwesten; pāpe manīṣā – Gedanke an Unheilsames; vāruṇyām – im Westen; krīḍā – Spiel; vāyavye – im Nordwesten; gamana-ādau buddhiḥ – Drang zum Gehen und Handeln; saumye – im Norden; rati-prītiḥ – sinnliche Zuneigung; īśāne – im Nordosten; dravya-ādānam – Streben nach Besitz; madhye – in der Mitte; vairāgyam – [[Vairagya]].
 
'''Lehrabschnitt 12 – Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und Turiyatita'''
 
kesare jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ |<br>
padmatyāge turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā turīyātītam |<br>
unmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate |<br>
 
'''In den Staubfäden des Lotus liegt der Wachzustand, in seinem inneren Fruchtboden der Traum und in seinem Keim der Tiefschlaf. Verlässt das Bewusstsein den Lotus, wird Turiya erfahren. Wenn Hamsa im Nada aufgeht, wird der Zustand jenseits von Turiya erreicht. Dies heißt Unmana beziehungsweise Unmani und Abschluss der Ajapa-Praxis.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': kesare – im Staubfaden; jāgrat-avasthā – Wachzustand ([[Jagrat]]); karṇikāyām – im Fruchtboden des Lotus; svapnam – Traumzustand ([[Svapna]]); liṅge – im Keim beziehungsweise feinen Zeichen; suṣuptiḥ – [[Sushupti]], Tiefschlaf; padma-tyāge – beim Verlassen des Lotus; turīyam – [[Turiya]]; haṃsaḥ nāde līnaḥ – Hamsa im Nada aufgelöst; turīya-atītam – jenseits von Turiya ([[Turiyatita]]); unmananam – Zustand jenseits des Denkens ([[Unmani]]); ajapa-upasaṃhāram – Abschluss der [[Ajapa Japa|Ajapa]]-Praxis.
 
'''Lehrabschnitt 13 – Hamsa, Geist und die zehn Nada-Klänge'''
 
evaṃ sarvaṃ haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate |<br>
sa eva japakoṭyā nādamanubhavati | evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate |<br>
ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ | ghaṇṭānādastṛtīyaḥ |<br>
śaṅkhanādaścaturthaḥ | pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ |<br>
saptamo veṇunādaḥ | aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ | daśamo meghanādaḥ |<br>
navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |<br>
 
'''Alles steht unter der Kraft des Hamsa; deshalb wird auch der Geist als Hamsa betrachtet. Durch sehr lange Mantrapraxis erfährt der Yogi den Nada. Dieser erscheint in zehn Formen: zuerst Chini, zweitens Chinchini, drittens Glockenklang, viertens Muschelhorn, fünftens der Klang eines Saiteninstruments, sechstens Zimbeln, siebtens Flöte, achtens Mridanga, neuntens Bheri und zehntens Donnerwolken. Der Yogi soll die neunte Stufe hinter sich lassen und sich auf die zehnte ausrichten.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': sarvam haṃsa-vaśāt – alles unter der Kraft des Hamsa; manaḥ haṃsaḥ vicāryate – der Geist wird als Hamsa betrachtet; japa-koṭyā – durch millionenfache Wiederholung ([[Japa]]); nādam anubhavati – erfährt den Nada; nādaḥ daśa-vidhaḥ – zehnfacher Nada; ciṇī – Chini; ciñciṇī – Chinchini; ghaṇṭā-nādaḥ – Glockenklang; śaṅkha-nādaḥ – Muschelhorn; tantrī-nādaḥ – Saitenklang; tāla-nādaḥ – Zimbelklang; veṇu-nādaḥ – Flötenklang; mṛdaṅga-nādaḥ – [[Mridanga]]; bherī-nādaḥ – große Trommel; megha-nādaḥ – Donnerwolke; navamam parityajya – die neunte hinter sich lassend; daśamam eva abhyaset – allein die zehnte üben.
 
'''Lehrabschnitt 14 – Wirkungen der ersten vier Nada-Stufen'''
 
prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam |<br>
tṛtīye khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||<br>
 
'''Auf der ersten Stufe wird im Körper ein Chinchini-artiges Kribbeln erfahren, auf der zweiten ein Gefühl, als würden die Glieder erschüttert. Auf der dritten entsteht eine durchdringende Empfindung, auf der vierten erzittert der Kopf.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': prathame – auf der ersten Stufe; ciñciṇī-gātram – Chinchini-Empfindung im Körper; dvitīye – auf der zweiten; gātra-bhañjanam – Erschütterung der Glieder; tṛtīye – auf der dritten; khedanam yāti – gelangt zu einer durchdringenden oder bedrängenden Empfindung; caturthe – auf der vierten; kampate śiraḥ – der Kopf erzittert.
 
'''Lehrabschnitt 15 – Wirkungen der fünften bis achten Nada-Stufe'''
 
pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam |<br>
saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||<br>
 
'''Auf der fünften Stufe beginnt der Gaumen zu fließen, auf der sechsten wird Amrita erfahren, auf der siebten entsteht verborgenes Wissen und auf der achten wird die höchste Sprache, Paravak, vernommen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': pañcame – auf der fünften; sravate tālu – der Gaumen sondert Flüssigkeit ab; ṣaṣṭhe – auf der sechsten; amṛta-niṣevaṇam – Erfahren beziehungsweise Kosten von [[Amrita]]; saptame – auf der siebten; gūḍha-vijñānam – verborgenes Wissen; parā vācā – höchste Sprache ([[Para Vak]]); aṣṭame – auf der achten.
 
'''Lehrabschnitt 16 – Wirkungen der neunten und zehnten Nada-Stufe'''
 
adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam |<br>
daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||<br>
 
'''Auf der neunten Stufe wird der Körper unsichtbar und ein reines göttliches Auge entsteht, so lautet die traditionelle Aussage. Auf der zehnten wird in der unmittelbaren Gegenwart des Brahman-Atman das höchste Brahman verwirklicht.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': adṛśyam navame deham – auf der neunten Stufe der unsichtbare Körper; divyam cakṣuḥ – göttliches Auge; amalam – rein; daśame – auf der zehnten; paramam brahma – höchstes [[Brahman]]; bhavet – wird, verwirklicht sich; brahma-ātma-saṃnidhau – in der unmittelbaren Gegenwart des Brahman-Atman.
 
'''Lehrabschnitt 17 – Auflösung des Geistes und Offenbarung Sadashivas'''
 
tasminmano vilīyate | manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe |<br>
sadāśivaḥ śaktyātmā sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||<br>
iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2 ||<br>
 
'''In ihm löst sich der Geist auf. Wenn im Geist Sankalpa und Vikalpa vergangen und Verdienst wie Schuld verbrannt sind, offenbart sich Sadashiva: seinem Wesen nach Shakti, überall gegenwärtig, selbstleuchtend, rein, erwacht, ewig, makellos und friedvoll. So lautet die Verkündigung des Veda, die Verkündigung des Veda.'''
 
'''Wort-für-Wort-Übersetzung''': tasmin manaḥ vilīyate – in ihm löst sich der Geist auf; saṅkalpa-vikalpe dagdhe – wenn Willensbildung und unterscheidendes Vorstellen verbrannt sind ([[Sankalpa]], [[Vikalpa]]); puṇya-pāpe – Verdienst und Schuld; sadāśivaḥ – [[Sadashiva]]; śakti-ātmā – seinem Wesen nach Shakti; sarvatra avasthitaḥ – überall gegenwärtig; svayaṃ-jyotiḥ – selbstleuchtend; śuddhaḥ – rein; buddhaḥ – erwacht; nityaḥ – ewig; nirañjanaḥ – makellos; śāntaḥ – friedvoll; prakāśate – offenbart sich; veda-pravacanam – Verkündigung des Veda.
 
'''Abschluss''': iti haṃsopaniṣatsamāptā – Damit ist die Hamsa Upanishad beendet.<br>
 
== Hamsa Upanishad – Hintergrund, Inhalt und Bedeutung ==
 
=== Name und Stellung unter den Yoga Upanishaden ===
 
Die '''Hamsa Upanishad''' (Sanskrit: ''Haṃsopaniṣad'', हंसोपनिषत्) gehört zu den [[Yoga Upanishaden]] und wird traditionell dem [[Shukla Yajurveda]] zugeordnet. Im [[Muktika Upanishad|Muktika-Kanon]] steht sie an 15. Stelle. Sie ist eine wichtige Quellenschrift für [[Hamsa Yoga]], [[Ajapa Japa]], [[Kundalini Yoga]] und [[Nada Yoga]].
 
''Haṃsa'' bezeichnet einen Schwan oder eine Wildgans und ist in der indischen Spiritualität ein Symbol des [[Atman]], des reinen Selbst. Der Vogel bewegt sich zwischen Himmel, Wasser und Erde und steht deshalb für das Bewusstsein, das alle Daseinsebenen durchdringt, ohne an eine von ihnen gebunden zu sein. In späterer spiritueller Deutung besitzt der Hamsa außerdem die Fähigkeit, Milch vom Wasser zu trennen: Er symbolisiert damit [[Viveka]], die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen.
 
Im Atemmantra erhält der Name eine weitere Bedeutung. Der Atem wird als fortwährende Wiederholung von ''haṃ-sa'' oder in umgekehrter Wahrnehmung von ''so'ham'' verstanden: „Ich bin Das.“ Der natürliche Atem selbst wird zum Mantra und erinnert den Menschen ununterbrochen an die Einheit von individuellem Selbst und höchster Wirklichkeit.
 
=== Textgestalt, Gliederung und abweichende Ausgaben ===
 
Die Hamsa Upanishad ist kein regelmäßig gegliedertes Werk mit einer durchgehenden Verszählung. Die verwendete Sanskritausgabe enthält drei nummerierte Einleitungsverse. Danach folgen zwei große Hauptabschnitte, die überwiegend in Prosa abgefasst sind und einzelne metrische Verse enthalten. Der erste Hauptabschnitt endet mit der Ziffer 1, der gesamte folgende Lehrkomplex mit der Ziffer 2.
 
Moderne Darstellungen teilen den Text gelegentlich in elf Kapitel oder in eine größere Zahl fortlaufender Abschnitte. Solche Einteilungen erleichtern das Lesen, gehören aber nicht notwendig zum Sanskrittext. In der hier erstellten Wiki-Fassung werden die echten Nummern 1–3 bewahrt und die Prosa lediglich durch ausdrücklich als redaktionell gekennzeichnete Lehrabschnitte gegliedert.
 
Zwischen der sogenannten Calcutta- und Poona-Rezension bestehen Unterschiede in Wortlaut, Gliederung und einzelnen Zuordnungen. Besonders der Abschnitt über die Gestalt des Hamsa im Herzlotus ist textkritisch unsicher. Auch die Reihenfolge der achten und neunten Nada-Stufe sowie die Lesart ''aham'' oder ''haṃ'' als Bija schwanken. Eine verantwortliche Übersetzung sollte diese Schwierigkeiten sichtbar machen, statt aus einer einzigen modernen Deutung einen scheinbar völlig eindeutigen Sanskrittext zu konstruieren.
 
=== Datierung und historischer Hintergrund ===
 
Die genaue Entstehungszeit ist unbekannt. Wegen der Verbindung von Chakra-Aufstieg, Nyasa, Bija, Shakti, Ajapa Gayatri, innerem Nada und Turiyatita gehört die heute überlieferte Gestalt wahrscheinlich zu den späteren Yoga Upanishaden. Sie dürfte im mittelalterlichen tantrisch-yogischen Milieu gewachsen sein. Eine pauschale Datierung aller Bestandteile in dasselbe Jahrhundert wäre jedoch unsicher, da der Text ältere Motive aufgreift und verschiedene Lehrstücke miteinander verbindet.
 
Spätestens im 17. Jahrhundert war die Schrift bekannt: In der unter Dara Shikoh angefertigten persischen Upanishaden-Sammlung erscheint sie als ''Hensnad'' beziehungsweise Hamsa-Nada. Die Verbindung von Atem, Mantra und Selbst ist wesentlich älter als die vorliegende Textfassung. Hamsa als kosmischer Vogel und Symbol des Selbst findet sich bereits in älterer vedischer und upanishadischer Literatur; die konkrete Verbindung mit Chakras, Nyasa und zehn inneren Klängen zeigt dagegen eine entwickelte tantrische Yogatradition.
 
===Lehren der Hamsa Upanishad===
 
''' Das Lehrgespräch zwischen Gautama und Sanatkumara '''
 
Die Schrift beginnt mit einer Frage [[Gautama]]s an [[Sanatkumara]]: Durch welches Mittel erwacht [[Brahmavidya]], die Erkenntnis Brahmans? Sanatkumara erklärt, die Lehre gehe auf [[Parvati]] zurück, die alle Dharmas erwogen und die Auffassung [[Shiva]]s erkannt habe. Damit wird die Hamsa Vidya zugleich in einen upanishadischen Lehrer-Schüler-Rahmen und in eine shivaitisch-shaktische Offenbarungstradition gestellt.
 
Die Lehre wird als geheim und als Schatz der Yogis bezeichnet. Sie soll einem friedvollen, selbstbeherrschten, dem Guru hingegebenen Brahmacharin vermittelt werden. Historisch verweist diese Geheimhaltung auf persönliche Einweihung und auf den Schutz fortgeschrittener Praktiken. Für die Gegenwart kann sie als Forderung nach Reife, ethischer Vorbereitung, kompetenter Anleitung und verantwortungsvoller Vermittlung verstanden werden.
 
''' Hamsa und Paramahamsa '''
 
Hamsa bezeichnet im Text sowohl die individuelle Lebens- und Atemkraft als auch den Atman, der alle Körper durchdringt. Wie Feuer im Holz und Öl im Sesamsamen verborgen sind, so ist das Selbst in allen Wesen gegenwärtig. Wer es erkennt, überschreitet den Tod – nicht notwendig als Fortdauer des Körpers, sondern als Erkenntnis des unsterblichen Bewusstseins jenseits von Geburt und Sterben.
 
''Paramahaṃsa'', der höchste Hamsa, ist das vollkommen freie Selbst. Der Titel wurde später auch zur Bezeichnung großer verwirklichter Meister und Entsagter. In der Upanishad ist Paramahamsa kein äußerer Rang, sondern die höchste Wirklichkeit, die wie Millionen Sonnen leuchtet und das ganze Universum durchdringt.
 
''' Hamsa, Soham und Ajapa Gayatri '''
 
Das Herzstück der Lehre ist die [[Ajapa Japa|Ajapa Gayatri]], das „ungeübte“ oder ohne willentliche Wiederholung geschehende Mantra. Jeder Atemzug trägt nach der Tradition den Klang Hamsa beziehungsweise Soham. Der Text nennt 21.600 Atemzüge während eines Tages und einer Nacht. Diese Zahl beruht auf einer traditionellen durchschnittlichen Atemrechnung und ist als symbolisch-praktische Angabe zu verstehen, nicht als für jeden Menschen physiologisch identischer Wert.
 
Die Mantra-Zuordnung nennt Hamsa als Rishi, Avyakta Gayatri als Metrum und Paramahamsa als Devata. Aham beziehungsweise Haṃ ist das Bija, Sa die Shakti und [[Soham]] das Kilaka. In dieser kurzen Formel verbinden sich Ich-Bewusstsein, das göttliche „Das“, Atem und die Erkenntnis „Ich bin Das“.
 
Ajapa bedeutet nicht Untätigkeit. Der Atem wiederholt das Mantra von selbst, doch der Aspirant muss lernen, es bewusst wahrzunehmen. Aus unbewusstem Atmen wird eine beständige Erinnerung an den Atman. So kann das ganze Leben zur Meditation werden: beim Einatmen, Ausatmen, Gehen, Arbeiten und Ruhen.
 
''' Aufstieg des Prana durch die Chakras '''
 
Die Upanishad beschreibt eine fortgeschrittene innere Praxis. Der Beckenboden wird gefestigt und der [[Prana]] vom [[Muladhara Chakra]] über [[Svadhishthana Chakra]], [[Manipura Chakra]], [[Anahata Chakra]], [[Vishuddha Chakra]] und [[Ajna Chakra]] zum [[Brahmarandhra]] geführt. Der Yogi meditiert: „Ich bin das aus drei Matras bestehende Om.“ Der Nada erscheint vom Muladhara bis zum Scheitel wie reiner Kristall und wird als Brahman und Paramatman erkannt.
 
Diese Passage verbindet Kundalini Yoga mit Om-Meditation und nichtdualer Erkenntnis. Der Aufstieg ist nicht nur eine Bewegung subtiler Energie, sondern eine zunehmende Entidentifikation von Körper, Emotionen und Denken. Jede Stufe führt tiefer zur Erkenntnis des formlosen Selbst.
 
Die Übung soll nicht als bloße Visualisierung einer anatomischen Wirbelsäule missverstanden werden. Chakras, Prana und Brahmarandhra gehören zur feinstofflichen Erfahrungs- und Symbolsprache des Yoga. Sie sind nicht identisch mit Nervengeflechten oder endokrinen Drüsen, auch wenn moderne Deutungen gelegentlich Parallelen ziehen.
 
''' Der achtblättrige Herzlotus '''
 
Hamsa wird im achtblättrigen Lotus des Herzens meditiert. Agni und Soma bilden seine Flügel, Omkara seinen Kopf; Bindu, Rudra, Rudrani, Kala und Agni werden weiteren Gliedern zugeordnet. Der genaue Wortlaut ist in diesem Abschnitt teilweise verderbt oder zwischen den Rezensionen verschieden. Sicher ist die Grundidee: Der kosmische Hamsa wird im menschlichen Herzen gegenwärtig erfahren.
 
Den acht Blättern werden unterschiedliche psychische Neigungen zugeordnet: verdienstvolles Handeln, Schlaf und Trägheit, Grausamkeit, unheilsames Tun, Spiel und Sinnesfreude, Bewegungsdrang, sinnliche Zuneigung und Besitzstreben. In der Mitte liegt [[Vairagya]], die Freiheit von Anhaftung. Der Herzlotus ist damit auch eine Landkarte des Geistes. Die Aufmerksamkeit bewegt sich zwischen verschiedenen Impulsen; in der Mitte findet sie Loslösung und innere Ruhe.
 
''' Die vier Bewusstseinszustände und Turiyatita '''
 
Der Text ordnet [[Jagrat]], den Wachzustand, den Staubfäden des Lotus zu, [[Svapna]], den Traum, seinem Fruchtboden und [[Sushupti]], den Tiefschlaf, seinem Keim. Wenn das Bewusstsein den Lotus überschreitet, wird [[Turiya]], der vierte Zustand, erfahren. Geht Hamsa im Nada auf, wird [[Turiyatita]], das Jenseits des Vierten, erreicht.
 
Diese Lehre erinnert an die [[Mandukya Upanishad]], setzt aber einen anderen Akzent. Die Mandukya Upanishad analysiert Om und die vier Bewusstseinszustände philosophisch; die Hamsa Upanishad verbindet sie mit Atem, Herzlotus, Chakras und Nada. Der Zustand jenseits des gewöhnlichen Denkens heißt [[Unmani]]. Dort endet die willentliche Ajapa-Praxis, weil Atemmantra, Meditierender und Ziel nicht mehr als getrennt erfahren werden.
 
''' Die zehn Formen des inneren Nada '''
 
Die Hamsa Upanishad nennt zehn innere Klänge:
 
* Chini,
* Chinchini,
* Glocke,
* Muschelhorn,
* Saiteninstrument,
* Zimbeln,
* Flöte,
* Mridanga,
* Bheri oder große Trommel,
* Donnerwolke.
 
Einzelne Rezensionen vertauschen die achte und neunte Stufe. Entscheidend ist nicht die starre akustische Reihenfolge, sondern die zunehmende Vertiefung der Aufmerksamkeit. Der Yogi soll die vorletzte Stufe überschreiten und sich auf den zehnten Nada ausrichten. Dort löst sich der Geist auf und Brahman wird erkannt.
 
Der Text ordnet den zehn Klängen körperliche und geistige Wirkungen zu: Kribbeln, Erschütterungen, Kopfbewegung, Flüssigkeit am Gaumen, Amrita-Erfahrung, verborgenes Wissen, Wahrnehmung der Para Vak, Unsichtbarkeit und göttliche Schau. Solche Aussagen spiegeln die Erfahrungs- und Siddhi-Lehren vormoderner Yogatraditionen. Sie sind nicht als wissenschaftlich gesicherte oder für jeden Übenden reproduzierbare Wirkungen zu formulieren.
 
''' Nada, Auflösung des Geistes und Sadashiva '''
 
Der höchste Nada ist nicht einfach ein besonders lauter innerer Ton. Er führt zur Auflösung von [[Sankalpa]] und [[Vikalpa]], von Wollen, Vorstellen und begrifflicher Unterscheidung. Verdienst und Schuld verlieren ihre bindende Kraft. Dann offenbart sich [[Sadashiva]] als selbstleuchtendes, reines, ewiges, makelloses und friedvolles Bewusstsein.
 
Die Hamsa Upanishad verbindet damit shivaitische und vedantische Sprache. Das höchste Bewusstsein heißt Sadashiva, Shakti-Atman, Brahman und Paramatman. Diese Ausdrücke bezeichnen keine miteinander konkurrierenden Ziele, sondern verschiedene Zugänge zu derselben allgegenwärtigen Wirklichkeit.
 
=== Verhältnis zu anderen Yoga Upanishaden und Hatha-Texten ===
 
Die Lehre der Hamsa Upanishad steht der [[Dhyanabindu Upanishad]], [[Nada Bindu Upanishad]], [[Amritanada Upanishad]], [[Yoga Chudamani Upanishad]], [[Yoga Kundalini Upanishad]] und [[Pashupatabrahma Upanishad]] nahe. Wiederkehrende Themen sind Hamsa und Soham, Prana, Chakras, Bindu, Nada, Unmani und die Erkenntnis des Atman.
 
Die [[Hatha Yoga Pradipika]] beschreibt im vierten Kapitel ausführlich Nada-Anusandhana und die Auflösung des Geistes. Auch in den Traditionen der Nath Yogis spielen Ajapa Japa, Soham, Kundalini und der innere Klang eine wichtige Rolle. Direkte literarische Abhängigkeiten lassen sich nicht aus jedem gemeinsamen Begriff ableiten; die Texte gehören jedoch erkennbar zu einem gemeinsamen vormodernen Überlieferungsraum.
 
===Bedeutung der Hamsa Upanishad===
 
''' Bedeutung für die frühere Yogapraxis '''
 
Historisch zeigt die Schrift einen Yoga, in dem Atem, Mantra, subtiler Körper, Gottessymbolik und Selbsterkenntnis nicht getrennt wurden. Die natürliche Atmung galt als unablässige spirituelle Praxis. Fortgeschrittene Techniken wurden in einer Guru-Schüler-Beziehung vermittelt und mit Brahmacharya, innerer Ruhe, Selbstbeherrschung und Hingabe an den Guru verbunden.
 
Der menschliche Körper erscheint als heiliger Mikrokosmos. Chakras, Herzlotus, Sonne, Mond, Shiva, Shakti und Nada sind in ihm gegenwärtig. Befreiung verlangt deshalb nicht die Flucht an einen anderen Ort, sondern die Erkenntnis dessen, was im eigenen Atem und Bewusstsein schon immer wirkt.
 
''' Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten '''
 
Für moderne Aspiranten ist besonders die Ajapa-Lehre wertvoll. Sie macht Meditation einfach und allgegenwärtig: Der Atem ist immer da. Man kann ihn wahrnehmen, ohne ihn gewaltsam zu verändern, und innerlich mit Soham verbinden. Dadurch werden Mantra und Achtsamkeit Teil des Alltags.
 
Aus der Schrift lassen sich folgende praktische Grundsätze ableiten:
 
* Beobachte zunächst den natürlichen Atem, ohne ihn zu erzwingen.
* Verbinde das Ein- und Ausatmen behutsam mit [[Soham]] oder Hamsa.
* Lass die Mantrawiederholung mit der Zeit feiner und müheloser werden.
* Verstehe Chakra- und Nada-Erfahrungen als Hilfen zur Sammlung, nicht als Statussymbole.
* Miss Fortschritt an Ruhe, Selbstbeherrschung, Mitgefühl und nachlassender Anhaftung.
* Verbinde Atemmeditation mit Jnana Yoga: Frage, wer den Atem und alle Bewusstseinszustände wahrnimmt.
* Übe intensive Bandhas, Atemanhalten und das gewaltsame Lenken des Prana nur unter qualifizierter persönlicher Anleitung.
 
Dauerhafte Ohrgeräusche, Hörverlust, Schwindel oder belastende akustische Wahrnehmungen sollten nicht automatisch als spiritueller Nada verstanden werden. Sie bedürfen gegebenenfalls einer fachärztlichen Abklärung. Die in der Upanishad genannten außergewöhnlichen körperlichen Wirkungen und Siddhis sind traditionelle Aussagen, keine medizinischen oder naturwissenschaftlichen Garantien.
 
''' Bedeutung für Yogalehrer und Yoga-Meister '''
 
Für [[Yogalehrer]] zeigt die Hamsa Upanishad, wie eine einfache Atemwahrnehmung in einen umfassenden spirituellen Weg eingebettet werden kann. Soham-Meditation kann auch Anfängern zugänglich sein; die energetischen Techniken des Chakra-Aufstiegs gehören dagegen in eine fortgeschrittene, sorgfältig begleitete Praxis.
 
Ein Yoga-Meister soll zwischen natürlicher Ajapa, bewusstem Japa, Pranayama, Kundalini-Lenkung und Nada-Meditation unterscheiden können. Er soll Erfahrungen nicht suggerieren und Schüler nicht dazu bringen, körperliche Symptome spirituell umzudeuten. Die alte Forderung nach Geheimhaltung wird heute am besten als Auftrag zu ethischer, reifer und individuell angepasster Vermittlung verstanden.
 
Der Meister führt den Schüler nicht zur Abhängigkeit von außergewöhnlichen Zuständen. Er hilft ihm, im Atem die Gegenwart des Selbst zu entdecken. Wenn „Soham – Ich bin Das“ nicht nur wiederholt, sondern verwirklicht wird, führt Hamsa Yoga über alle Techniken hinaus.
 
''' Die bleibende Bedeutung der Hamsa Upanishad '''
 
Die Hamsa Upanishad verbindet eine der schlichtesten Yogaübungen mit einer weitreichenden spirituellen Vision. Jeder Atemzug kann zur Erinnerung an das Göttliche werden. Der Hamsa bewegt sich durch die Chakras, ruht im Herzlotus, geht im Nada auf und erkennt sich als Paramahamsa, als das höchste Selbst.
 
Ihre Botschaft ist bis heute lebendig: Das Mantra muss nicht von außen hinzugefügt werden. Das Leben selbst wiederholt es. Wer bewusst ein- und ausatmet, kann in jedem Augenblick hören: Soham – ich bin Das. Die Vollendung liegt dort, wo Atem, Klang, Geist und getrenntes Ich in der Stille des selbstleuchtenden Bewusstseins zur Ruhe kommen.
 
== Hamsa Upanishad Vollständiger Sanskrittext in Devanagari und IAST==
 
''Die [[Hamsa Upanishad]] gehört zu den [[Yoga Upanishaden]] des [[Shukla Yajurveda]]. Sie besteht aus drei nummerierten Einleitungsversen und zwei großen, überwiegend prosaischen Hauptabschnitten. Die Überschriften „Lehrabschnitt 4–17“ sind eine redaktionelle Sinngliederung; sie stellen keine zusätzliche Sanskrit-Verszählung dar. Offensichtliche Schreibfehler der elektronischen Vorlage wurden behutsam normalisiert; textkritisch unsichere Stellen bleiben kenntlich.''
 
'''Einleitungsvers Hamsa Upanishad'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
तदाधारं निराधारं ब्रह्ममात्रमहं महः ॥<br>
 
haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |<br>
tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||<br>
 
'''Shanti Mantra'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
''In der Sanskritquelle mit „oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ“ abgekürzt; hier vollständig wiedergegeben.''
ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।<br>
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
 
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |<br>
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
 
'''1.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
गौतम उवाच ।<br>
भगवन्सर्वधर्मज्ञ सर्वशास्त्रविशारद ।<br>
ब्रह्मविद्याप्रबोधो हि केनोपायेन जायते ॥ १ ॥<br>
 
gautama uvāca |<br>
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |<br>
brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1 ||<br>
 
'''2.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
सनत्कुमार उवाच ।<br>
विचार्य सर्ववेदेषु मतं ज्ञात्वा पिनाकिनः ।<br>
पार्वत्या कथितं तत्त्वं शृणु गौतम तन्मम ॥ २ ॥<br>
 
sanatkumāra uvāca |<br>
vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |<br>
pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śṛṇu gautama tanmama || 2 ||<br>
 
'''3.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
अनाख्येयमिदं गुह्यं योगिनां कोशसंनिभम् ।<br>
हंसस्याकृतिविस्तारं भुक्तिमुक्तिफलप्रदम् ॥ ३ ॥<br>
 
anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |<br>
haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3 ||<br>
 
'''4.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
अथ हंसपरमहंसनिर्णयं व्याख्यास्यामः ।<br>
ब्रह्मचारिणे शान्ताय दान्ताय गुरुभक्ताय ।<br>
हंसहंसेति सदा ध्यायन्सर्वेषु देहेषु व्याप्य वर्तते ॥<br>
 
atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |<br>
brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |<br>
haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||<br>
 
'''5.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
यथा ह्यग्निः काष्ठेषु तिलेषु तैलमिव तं विदित्वा मृत्युमत्येति ।<br>
 
yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvā mṛtyumatyeti |<br>
 
'''6.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
गुदमवष्टभ्य आधाराद्वायुमुत्थाप्य स्वाधिष्ठानं त्रिः प्रदक्षिणीकृत्य ।<br>
मणिपूरकं च गत्वा अनाहतमतिक्रम्य विशुद्धौ प्राणान्निरुध्य ।<br>
आज्ञामनुध्यायन्ब्रह्मरन्ध्रं ध्यायन् त्रिमात्रोऽहमित्येवं सर्वदा ध्यायन् ।<br>
 
gudamavaṣṭabhya ādhārādvāyumutthāpya svādhiṣṭhānaṃ triḥ pradakṣiṇīkṛtya |<br>
maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya viśuddhau prāṇānnirudhya |<br>
ājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |<br>
 
'''7.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
अथो नादमाधाराद्ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं शुद्धस्फटिकसङ्काशम् ।<br>
स वै ब्रह्म परमात्मेत्युच्यते ॥ १ ॥<br>
 
atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśam |<br>
sa vai brahma paramātmetyucyate || 1 ||<br>
 
'''8.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
अथ हंस ऋषिः । अव्यक्ता गायत्री छन्दः । परमहंसो देवता ।<br>
अहमिति बीजम् । स इति शक्तिः । सोऽहमिति कीलकम् ।<br>
 
atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso devatā |<br>
ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ | so'hamiti kīlakam |<br>
 
'''9.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
षट् सङ्ख्यया अहोरात्रयोरेकविंशतिसहस्राणि षट् शतान्यधिकानि भवन्ति ।<br>
सूर्याय सोमाय निरञ्जनाय निराभासाय तनु सूक्ष्मं प्रचोदयादिति ।<br>
अग्नीषोमाभ्यां वौषट् । हृदयाद्यङ्गन्यासकरन्यासौ भवतः ।<br>
 
ṣaṭ saṅkhyayā ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |<br>
sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ pracodayāditi |<br>
agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ | hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ |<br>
 
'''10.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
एवं कृत्वा हृदये अष्टदले हंसात्मानं ध्यायेत् ।<br>
अग्नीषोमौ पक्षावोङ्कारः शिरो बिन्दुस्तु नेत्रं मुखम् ।<br>
रुद्रो रुद्राणी चरणौ बाहू कालश्चाग्निश्चोभे पार्श्वे भवतः ।<br>
पश्यत्यनागारश्च शिष्टोभयपार्श्वे भवतः ।<br>
एषोऽसौ परमहंसो भानुकोटिप्रतीकाशः । येनेदं व्याप्तम् ।<br>
 
evaṃ kṛtvā hṛdaye aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet |<br>
agnīṣomau pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukham |<br>
rudro rudrāṇī caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |<br>
paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ |<br>
eṣo'sau paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |<br>
 
'''11. '''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
तस्याष्टधा वृत्तिर्भवति ।<br>
पूर्वदले पुण्ये मतिराग्नेये निद्रालस्यादयो भवन्ति ।<br>
याम्ये क्रूरे मतिर्नैरृते पापे मनीषा वारुण्यां क्रीडा ।<br>
वायव्ये गमनादौ बुद्धिः सौम्ये रतिप्रीतिः ।<br>
ईशाने द्रव्यादानं मध्ये वैराग्यम् ।<br>
 
tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati |<br>
pūrvadale puṇye matirāgneye nidrālasyādayo bhavanti |<br>
yāmye krūre matirnairṛte pāpe manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā |<br>
vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye ratiprītiḥ |<br>
īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyam |<br>
 
'''12. '''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
केसरे जाग्रदवस्था कर्णिकायां स्वप्नं लिङ्गे सुषुप्तिः ।<br>
पद्मत्यागे तुरीयं यदा हंसो नादे लीनो भवति तदा तुरीयातीतम् ।<br>
उन्मननमजपोपसंहारमित्यभिधीयते ।<br>
 
kesare jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ |<br>
padmatyāge turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā turīyātītam |<br>
unmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate |<br>
 
'''13.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
एवं सर्वं हंसवशात्तस्मान्मनो हंसो विचार्यते ।<br>
स एव जपकोट्या नादमनुभवति । एवं सर्वं हंसवशान्नादो दशविधो जायते ।<br>
चिणीति प्रथमः । चिञ्चिणीति द्वितीयः । घण्टानादस्तृतीयः ।<br>
शङ्खनादश्चतुर्थः । पञ्चमतन्त्रीनादः । षष्ठस्तालनादः ।<br>
सप्तमो वेणुनादः । अष्टमो मृदङ्गनादः । नवमो भेरीनादः । दशमो मेघनादः ।<br>
नवमं परित्यज्य दशममेवाभ्यसेत् ।<br>
 
evaṃ sarvaṃ haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate |<br>
sa eva japakoṭyā nādamanubhavati | evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate |<br>
ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ | ghaṇṭānādastṛtīyaḥ |<br>
śaṅkhanādaścaturthaḥ | pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ |<br>
saptamo veṇunādaḥ | aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ | daśamo meghanādaḥ |<br>
navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |<br>
 
'''14.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
प्रथमे चिञ्चिणीगात्रं द्वितीये गात्रभञ्जनम् ।<br>
तृतीये खेदनं याति चतुर्थे कम्पते शिरः ॥<br>
 
prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam |<br>
tṛtīye khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||<br>
 
'''15.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
पञ्चमे स्रवते तालु षष्ठेऽमृतनिषेवणम् ।<br>
सप्तमे गूढविज्ञानं परा वाचा तथाष्टमे ॥<br>
 
pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam |<br>
saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||<br>
 
'''16.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
अदृश्यं नवमे देहं दिव्यं चक्षुस्तथामलम् ।<br>
दशमे परमं ब्रह्म भवेद्ब्रह्मात्मसंनिधौ ॥<br>
 
adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam |<br>
daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||<br>
 
'''17.'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
तस्मिन्मनो विलीयते । मनसि सङ्कल्पविकल्पे दग्धे पुण्यपापे ।<br>
सदाशिवः शक्त्यात्मा सर्वत्रावस्थितः स्वयंज्योतिः शुद्धो बुद्धो नित्यो निरञ्जनः शान्तः प्रकाशत इति ॥<br>
इति वेदप्रवचनं वेदप्रवचनम् ॥ २ ॥<br>
 
tasminmano vilīyate | manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe |<br>
sadāśivaḥ śaktyātmā sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||<br>
iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2 ||<br>
 
'''Shanti Mantra'''<br>
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।<br>
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥<br>
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br>
 
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |<br>
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||<br>
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br>
 
इति हंसोपनिषत्समाप्ता ॥<br>
iti haṃsopaniṣatsamāptā ||<br>
 
'''Damit ist die Hamsa Upanishad beendet.'''
 
==Hamsa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen==
'''Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 815 - 819.'''
 
===Einleitung===
Diese, auch im Oupnekhat als Hensnad (d. i. Hamsanada) enthaltene [[Upanishad]] gehört, wie schon ihre Stellung in den Sammlungen Colebrookes und Narayanas, noch mehr aber ihr Inhalt zeigt, einer späteren Entwicklungsstufe als die bisher behandelten [[Yoga Upanishaden]] an. Die Aufstellung der Worte [[Hamsa]] Hamsa als Mantraraja (Spruchkönig, d. h. als ein durch die ganze Upanishad sich hindurchziehender Leitspruch) und die Art, wie an demselben Anfang, Mitte und Ende ([[Vija]]m, [[Kilaka]], [[Sakti]]) unterschieden und die Auftragung des Spruches als Diagramm gelehrt wird, lassen unsere Upanishad in nächster Verwandtschaft mit dem Gedankenkreise von [[Nrisinhatapaniya]] und [[Ramatapaniya]] erscheinen.
 
Als Grundgedanke kann man bezeichnen, daß der Hamsa (die individuelle [[Seele]]) durch [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/meditation/ Meditation] des Lautes [[Om]] und namentlich seines Nachhalls zum [[Paramahamsa]] (der höchsten Seele) wird.
 
Der Hauptinhalt ist folgender. Die Paragrapheneinteilung rührt von uns her, da die in der [[Kalkutta]]er und den beiden [[Puna]]er Ausgaben (mit Narayanas und Samkaranandas Kommentar) widersprechend und unzweckmäßig sind.
 
1. Einleitung. Die Verse zu Eingang sowie die am Schluß fehlen in Samkaranandas Rezension.
 
2. Die individuelle Seele wird, durch Zusammenfassung der Laute des Ausatmens ([[Ham]]) und Einatmens (Sa), als Hamsa bezeichnet.
 
3. Ähnlich wie die [[Kshurika Upanishad]] ein sukzessives Sichloslösen von den einzelnen Gliedern, lehrt unsere Upanishad ein Emporsteigen durch die sechs mystischen, am [[Körper]] unterschiedenen Kreise bis hinauf zum [[Brahmarandhra]]m. Dieses Aussteigen wird bewerkstelligt durch [[Meditation]] der Silbe Om und besonders ihres Nachhalls.
 
4. Das in Tag und Nacht durch das Atemholen des (fünffachen) [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana] 21606-mal wiederholte Hamsa Hamsa erscheint als Hymnus (als der Mantraraja), dessen Dichter, Metrum und [[Gottheit]] bestimmt, und an welchem [[Bija]]m (Keim, Anfangssilbe), Kilaka (Stamm, Mittelsilben) und Sakti (Kraft, Schlußsilbe) unterschieden werden.
 
5. Dieser Spruchkönig, welcher als solcher sechs "Glieder" ([[Herz]], Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge und Waffe) hat (vgl. Nrisinhap. 2,2. Ramap. 61), wird unter bestimmten (aus dem Kommentar zu ergänzenden) Anrufungen dieser Glieder als Diagramm (vermutlich um dasselbe als [[Amulett]] zu tragen) niedergeschrieben (die nähere Art der Ausführung wird nicht angegeben) und außerdem noch, wie es scheint, auf den [[Hand|Händen]] aufgetragen.
 
6. Symbolische Ausdeutung des, als Hamsa ([[Schwan]]) in Vogelgestalt aufgefaßten, individuellen [[Atman]].
 
7. Identität des Hamsa und Paramahamsa (des individuellen und höchsten Atman).
 
8. Schilderung des noch nicht zum Paramahamsa erhobenen Hamsa.
 
9. Einswerden desselben mit dem Paramahamsa.
 
10. Auf zehn Arten kann der Nachhall hervorgebracht werden (vgl. Chand. 2,22. Maitr. 6,22, oben S. 95. 346); die zehnte derselben wird zur Übung empfohlen. Anders die nachfolgenden Verse.
 
11. Schwinden des [[Manas]] und Einswerdung mit dem höchsten Atman.
 
Der Zusammenhang läßt als denkbar erscheinen, daß diejenigen Abschnitte, welche diese Upanishad so viel moderner als die übrigen Yoga Upanishaden erscheinen lassen (namentlich 3-5) auf späterer Einschiebung beruhen.
 
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===Die Hamsa Upanishad===
1. [[Gautama]] sprach:
:Des [[Brahman]]wissens Aufweckung,
:Die aller Pflichten kundig ist,
:Aller Lehrbücher Sinn einschließt,
:Wodurch, o Herr, wird die bewirkt?
[[Sanatsujata]] sprach:
:Alle [[Veden]] durchdacht habend
:Und erfaßt habend ihren Sinn,
:[[Siva]] der [[Parvati]] vortrug
:Die [[Wahrheit]]; — sie vernimm von mir.
 
:Unsagbar und verhüllt gleichsam,
:Ist der [[Yogin]]s Geheimnis sie;
:Die dem Hamsa den [[Weg]] auslegt,
:[[Freude]] schenkt und [[Erlösung]]sfrucht.
 
Nunmehr wollen wir über den Hamsa und Paramahamsa das Genaue mitteilen für den Brahman[[schüler]], welcher beruhigt, bezähmt und dem [[Lehrer]] ergeben ist.
 
2. Mit dem Laute ham-sa ham-sa [aushauchend und einhauchend] weilt er [der Odem] immerfort in allen [[Körper|Leibern]], sie ganz erfüllend, wie das [[Feuer]] in dem Brennholz oder das [[Öl]] in den Sesamkörnern. Wer ihn erkennt, der verfällt nicht dem [[Tod]]e.
 
3. Die Afteröffnung verschließend, soll man den Wind von dem Unterleibskreis ([[Adhara]]) in die Höhe treiben, indem man dabei den Sexualkreis ([[Svadhishthana]]m) dreimal nach rechts umfährt, zu dem Nabelkreis ([[Manipuraka]]m) aufsteigen, den Herzkreis ([[Anahata]]m) überschreiten, im Halskreis ([[Visuddhi]]) die Lebenshauche anhalten, den Zwischenbrauenkreis ([[Ajna]]) überdenken, die Brahmanöffnung meditieren und dabei allezeit das Wort "ich bin der aus den drei Moren bestehende [Omlaut]", dazu auch, vom Unterleibskreis an bis zur Brahma-nöffnung hin, den Nachhall überdenken, welcher einem reinen [[Bergkristall]] gleicht, denn er ist es, welcher [[Brahman]], der höchste [[Atman]], genannt wird.
 
4. Bei diesem Spruch [nämlich Hamsa Hamsa ] ist der Dichter der Hamsa, das Metrum die Pankti<ref>Die Punaer Ausgabe liest: "die unoffenbare [[Gayatri]]".</ref>, die [[Gottheit]] der Paramahamsa, das Wort [[Ham]] der Keim (die Anfangssilbe), Sa die [[Kraft]] (die Schlußsilbe), Soham der Stamm (die zwischenliegenden Silben). Es sind aber ihrer [der ham-sa, d. h. Aus- und Einatmungen] in Tag und Nacht einundzwanzigtausendsechshundert und sechs.'<ref>Über diese Zahl vgl. oben S. 656.</ref>
 
5. Mit den Worten: "der [[Sonne]] (Om Suryaya Hridayaya Namah), dem [[Mond]] (Om Somaya Sirase Svaha), dem Fleckenlosen (Om Niranjanaya Sikhayai Vashat), dem Glanzlosen (Om Nirabhasaya Kavacaya Hum), [[Tanu]] [[Sukshma]] (Om Tanusukshma Netratrayaya Vaushat) und [[Pracodayat]] (Om Pracodayad Astraya Phat)" und dem [jedesmaligen] Zusatz: "dem [[Agni]] und [[Soma]] Vaushat", werden die Gliedersprüche an [https://www.yoga-vidya.de/seminarsuche/herz Herz] usw. [Herz, Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge, und Waffe des Spruchkönigs] aufgetragen [als Diagramm] und auch auf die Hände aufgetragen.
 
6. Nachdem dies geschehen, soll man im [[Herz]]en in der [dort befindlichen] achtblätterigen [Lotosblume] das Wesen des Hamsa überdenken. [Als Hamsa, Schwan, denkt man ihn in Vogelgestalt:] Agni und Soma sind seine Flügel, der Om-Laut sein Kopf, der [[Anusvara]]-Kreis sein Auge [oder auch] sein Mund; [[Rudra]] und [[Rudrani]] seine Füße und Arme, [[Kala]] und Agni seine beiden Seiten [rechts und links], "erschaut" und "heimatlos" sind die beiden übrigen Seiten [oben und unten].
 
7. Und dieser [Hamsa, d. h. die individuelle Seele] ist jener Paramahamsa [die höchste Seele], welcher leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und diese ganze [[Welt]] durchzieht.
 
8. Sein Verhalten aber [sofern er in der achtblättrigen Lotosblume des Herzens weilt] ist ein achtfaches; an dem östlichen Lotosblatt ist sein Sinn auf heiliges Werk gerichtet, an dem südöstlichen überkommen ihn [[Schlaf]] und Schlaffheit, an dem südlichen ist sein Sinn grausam, an dem südwestlichen trachtet er nach Bösem, an dem westlichen nach Spiel, an dem nordwestlichen steht sein Verlangen nach Gehen und dergleichen, an dem nördlichen begehrt er nach Liebeslust, an dem nordöstlichen nach Erwerb von Gütern. In der Mitte herrscht die [[Entsagung]], an den Staubfäden der Zustand des [[Wachen]]s, an der Samenkapsel der Schlaf, an dem Stengel der [[Tiefschlaf]], wo die Lotosblume nach oben aufhört das [[Turiya]]m.
 
9. Wenn aber der Hamsa in dem Nachhall hingeschwunden ist, dann tritt das ein, was Turiya-erhaben, Undenken, Abschluß im Nichtmurmeln heißt. Dies alles geschieht um des Hamsa willen. Darum wird das [[Manas]] laufen gelassen; er aber [der Verehrer] genießt in zehn Millionen Murmelungen den Nachhall. Dies alles geschieht um des Hamsa willen.
 
10. Der Nachhall aber kann zehnfach hervorgebracht werden: der erste klingt wie [[Cini]], der zweite wie [[Cincini]], der dritte wie Glockenton, der vierte wie Muschelblasen, der fünfte wie Saitenspiel, der sechste wie Händeklatschen, der siebente wie Flötenton, der achte wie Trommelschall, der neunte wie Paukenschlag, der zehnte wie Donnerhall. Den neunten [und die vorhergehenden] meide man und übe den zehnten nur allein.
 
[[Datei:Yogananda2.jpg|thumb|Paramahamsa Yogananda]]
 
:Beim ersten Cincini nachmacht
:Sein Leib, beim zweiten krümmt er ihn,
:Beim dritten wird er sehr müde,
:Beim vierten schüttelt er den [[Kopf]],
:Beim fünften fließt ihm sein [[Gaumen]],
:Beim sechsten trinkt er [[Amrita]]m,
:Beim siebten wird Geheimwissen
:Beim achten ihm der Rede Kunst,
:Beim neunten Unsichtbarmachung
:Und hellsehender Götterblick,
:Beim zehnten wird er zum Brahman, -
:Brahman und Atman werden eins.
 
11. In ihm schwindet das Manas, und in dem Manas werden [[Wunsch]] und [[Zweifel]], Gutes und Böses verbrannt. Er aber, ewig selig, kraftdurchdrungen, allgegenwärtig, leuchtet durch sein eigenes [[Licht]] als rein, weise, ewig, fleckenlos und beruhigt.
 
Om! Das ist [[Veda]]-Erklärung, - Veda-Erklärung!
 
===Fußnoten===
<references/>
 
==Hamsa Upanishad Text auf [[IAST]]==
 
haṃsopaniṣat
 
:haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |<br>
:tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||
 
:oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ ||
 
:gautama uvāca |<br>
:bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |<br>
:brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1||
 
:sanatkumāra uvāca |<br>
:vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |<br>
:pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śa‍्ṛṇu gautama tanmama || 2||
 
:anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |<br>
:haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3||
 
:atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |<br>
:brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |<br>
:haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||
 
:yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvāmṛtyumatyeti |<br>
:gudamavaṣṭabhyādhārādvāyumutthāpyasvādhiṣṭhāṃ triḥpradikṣiṇīkṛtya maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya
:viśuddhauprāṇānnirudhyājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan
:trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |
:atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśaṃ
:sa vai brahma paramātmetyucyate || 1||
 
:atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso
:devatā | ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ |<br>
:so'hamiti kīlakam | ṣaṭ saṅkhyayā
:ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |<br>
:sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ
:pracodayāditi agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ
:hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ | evaṃ kṛtvā hṛdaye
:aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet | agnīṣomau
:pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukhaṃ rudro rudrāṇī
:caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |<br>
:paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ | eṣo'sau
:paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |<br>
:tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati | pūrvadale puṇye matiḥ āgneye
:nidrālasyādayo bhavanti yāmye krūre matiḥ nairṛte pāpe
:manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye
:ratiprītiḥ īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyaṃ kesare
:jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ padmatyāge
:turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā
:turyātītamunmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate | evaṃ sarvaṃ
:haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate | sa eva japakoṭyā
:nādamanubhavati evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate| ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ |<br>
:ghaṇṭānādastṛtīyaḥ | śaṅkhanādaścaturthaḥ |<br>
:pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ | saptamo veṇunādaḥ| aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ |<br>
:daśamo meghanādaḥ | navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |<br>
:prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam | tṛtīye
:khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||
 
:pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam | saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||
 
:adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam | daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||
 
:tasminmano vilīyate manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe sadāśivaḥ śaktyātmā
:sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho
:buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||
 
:iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2||
 
:oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ ||
 
:iti haṃsopaniṣatsamāptā ||
 
==Hamsa Upanishad Text auf [[Devanagari]]==
 
हंसोपनिषत्
 
:हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।<br>
:तदाधारं निराधारं ब्रह्ममात्रमहं महः ॥
 
:ॐ पूर्णमद इति शान्तिः ॥
 
:गौतम उवाच ।<br>
:भगवन्सर्वधर्मज्ञ सर्वशास्त्रविशारद ।<br>
:ब्रह्मविद्याप्रबोधो हि केनोपायेन जायते ॥ १॥
 
:सनत्कुमार उवाच ।<br>
:विचार्य सर्ववेदेषु मतं ज्ञात्वा पिनाकिनः ।<br>
:पार्वत्या कथितं तत्त्वं श‍ृणु गौतम तन्मम ॥ २॥
 
:अनाख्येयमिदं गुह्यं योगिनां कोशसंनिभम् ।<br>
:हंसस्याकृतिविस्तारं भुक्तिमुक्तिफलप्रदम् ॥ ३॥
 
:अथ हंसपरमहंसनिर्णयं व्याख्यास्यामः ।<br>
:ब्रह्मचारिणे शान्ताय दान्ताय गुरुभक्ताय ।<br>
:हंसहंसेति सदा ध्यायन्सर्वेषु देहेषु व्याप्य वर्तते ॥
 
:यथा ह्यग्निः काष्ठेषु तिलेषु तैलमिव तं विदित्वामृत्युमत्येति ।<br>
:गुदमवष्टभ्याधाराद्वायुमुत्थाप्यस्वाधिष्ठां त्रिःप्रदिक्षिणीकृत्य मणिपूरकं च गत्वा अनाहतमतिक्रम्य
:विशुद्धौप्राणान्निरुध्याज्ञामनुध्यायन्ब्रह्मरन्ध्रं ध्यायन्
:त्रिमात्रोऽहमित्येवं सर्वदा ध्यायन् ।
:अथो नादमाधाराद्ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं शुद्धस्फटिकसङ्काशं
:स वै ब्रह्म परमात्मेत्युच्यते ॥ १॥
 
:अथ हंस ऋषिः । अव्यक्ता गायत्री छन्दः । परमहंसो
:देवता । अहमिति बीजम् । स इति शक्तिः ।<br>
:सोऽहमिति कीलकम् । षट् सङ्ख्यया
:अहोरात्रयोरेकविंशतिसहस्राणि षट् शतान्यधिकानि भवन्ति ।<br>
:सूर्याय सोमाय निरञ्जनाय निराभासाय तनु सूक्ष्मं
:प्रचोदयादिति अग्नीषोमाभ्यां वौषट्
:हृदयाद्यङ्गन्यासकरन्यासौ भवतः । एवं कृत्वा हृदये
:अष्टदले हंसात्मानं ध्यायेत् । अग्नीषोमौ
:पक्षावोङ्कारः शिरो बिन्दुस्तु नेत्रं मुखं रुद्रो रुद्राणी
:चरणौ बाहू कालश्चाग्निश्चोभे पार्श्वे भवतः ।<br>
:पश्यत्यनागारश्च शिष्टोभयपार्श्वे भवतः । एषोऽसौ
:परमहंसो भानुकोटिप्रतीकाशः । येनेदं व्याप्तम् ।<br>
:तस्याष्टधा वृत्तिर्भवति । पूर्वदले पुण्ये मतिः आग्नेये
:निद्रालस्यादयो भवन्ति याम्ये क्रूरे मतिः नैरृते पापे
:मनीषा वारुण्यां क्रीडा वायव्ये गमनादौ बुद्धिः सौम्ये
:रतिप्रीतिः ईशाने द्रव्यादानं मध्ये वैराग्यं केसरे
:जाग्रदवस्था कर्णिकायां स्वप्नं लिङ्गे सुषुप्तिः पद्मत्यागे
:तुरीयं यदा हंसो नादे लीनो भवति तदा
:तुर्यातीतमुन्मननमजपोपसंहारमित्यभिधीयते । एवं सर्वं
:हंसवशात्तस्मान्मनो हंसो विचार्यते । स एव जपकोट्या
:नादमनुभवति एवं सर्वं हंसवशान्नादो दशविधो जायते। चिणीति प्रथमः । चिञ्चिणीति द्वितीयः ।<br>
:घण्टानादस्तृतीयः । शङ्खनादश्चतुर्थः ।<br>
:पञ्चमतन्त्रीनादः । षष्ठस्तालनादः । सप्तमो वेणुनादः। अष्टमो मृदङ्गनादः । नवमो भेरीनादः ।<br>
:दशमो मेघनादः । नवमं परित्यज्य दशममेवाभ्यसेत् ।<br>
:प्रथमे चिञ्चिणीगात्रं द्वितीये गात्रभञ्जनम् । तृतीये
:खेदनं याति चतुर्थे कम्पते शिरः ॥
 
:पञ्चमे स्रवते तालु षष्ठेऽमृतनिषेवणम् । सप्तमे गूढविज्ञानं परा वाचा तथाष्टमे ॥
 
:अदृश्यं नवमे देहं दिव्यं चक्षुस्तथामलम् । दशमे परमं ब्रह्म भवेद्ब्रह्मात्मसंनिधौ ॥
 
:तस्मिन्मनो विलीयते मनसि सङ्कल्पविकल्पे दग्धे पुण्यपापे सदाशिवः शक्त्यात्मा सर्वत्रावस्थितः स्वयंज्योतिः शुद्धो
:बुद्धो नित्यो निरञ्जनः शान्तः प्रकाशत इति ॥
 
:इति वेदप्रवचनं वेदप्रवचनम् ॥ २॥
 
:ॐ पूर्णमद इति शान्तिः ॥
 
:इति हंसोपनिषत्समाप्ता ॥
 
 
[[Datei:Spenden-Logo_Yoga-Wiki.jpg|link=https://www.yoga-vidya.de/service/spenden/]]
 
==Siehe auch==
*[[Yoga Upanishaden]]
*[[Mantra]]
*[[Sadhana]]
*[[Upanishad]]
*[[Veden]]
*[[Mahavakya]]
*[[Hinduismus]]
*[[Yoga]]
*[[Vedanta]]
*[[Vedanta Schulen]]
*[[Erkenntnis]]
*[[Meditation]]


==Literatur==
==Literatur==
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/hansa.html Sanskrit Documents: Hamsa Upanishad] – Sanskrittext der verwendeten Fassung.
* G. Srinivasa Ayyangar: ''The Yoga Upanishads''. Adyar Library, Madras 1938, S. 492–501: [https://archive.org/details/TheYogaUpanishads Digitalisat].
* K. Narayanasvami Aiyar: ''Thirty Minor Upanishads''. Madras 1914, S. 211–215: [https://www.wisdomlib.org/hinduism/book/thirty-minor-upanishads/d/doc217057.html englische Übersetzung].
* Paul Deussen: ''Sechzig Upanishad's des Veda'', Leipzig 1897, S. 717–721.
* Svātmārāma: ''Hatha Yoga Pradipika'', viertes Kapitel.
*[https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/krishnananda/upanishaden/ Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda]
*[https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/andere-autoren/upanishaden/ Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p597_Das-Kronjuwel-der-Unterscheidung-von-Shri-Shankaracharya/ Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002 ]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p484_Vedanta-----Der-Ozean-der-Weisheit/&XTCsid=a793ba3e94d6e68c68e3244b0615a13f Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit]
*Wilfried Huchzermeyer: ''Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur.'' (edition-sawitri.de)  ISBN 3-931172-22-8
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p848_Das-Yoga-Lexikon/ ''Das Yoga-Lexikon'' von Huchzermeyer, Wilfried]  
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p848_Das-Yoga-Lexikon/ ''Das Yoga-Lexikon'' von Huchzermeyer, Wilfried]  
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
==Weblinks==
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veden aus „Göttliche Erkenntnis“  von Swami Sivananda]
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_upanishaden.html Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p38_Klassische-Upanishaden/ Buch: Klassische Upanishaden - die 11 wichtigsten Upanishaden in der Übersetzung von Paul Deussen]
*https://sanskritdocuments.org
==Seminare==
===[https://https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/yoga-und-meditation-intensiv-praxis/ Yoga und Meditation Intensiv-Praxis]===
<rss max=2>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/yoga-und-meditation-intensiv-praxis/rssfeed.xml</rss>
===[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Indische Schriften]===
<rss max=2>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/rssfeed.xml</rss>
==Multimedia==
'''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas'''
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'''Jnana Yoga und Vedanta Einführung'''
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'''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden'''
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'''111 Geschichten aus den Upanishaden'''
{{#widget:Audio|url=https://jkv3wg.podcaster.de/download/111_Geschichten_aus_den_Upanischaden.mp3}}


[[Kategorie:Kundalini Yoga]]
[[Kategorie:Upanishaden]]
[[Kategorie:Upanishaden]]
[[Kategorie:Glossar]]
[[Kategorie:Schriften]]
[[Kategorie:Hinduismus]]
[[Kategorie:Vedanta]]
[[Kategorie:Sanskrit]]
[[Kategorie:Sanskrit]]
{{dnf}}
[[Kategorie:Indische Philosophie]]
{{strf}}
[[Kategorie:Deussen Upanishaden]]
[[Kategorie:Yoga Upanishaden]]
[[Kategorie:Kundalini Yoga]]
[[Kategorie:Nada Yoga]]

Aktuelle Version vom 27. August 2026, 16:13 Uhr

Die Hamsa Upanishad (Sanskrit: f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Hamsa Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Yoga Upanishaden zugeordnet. Ein Weiser namens Sanatkumara führt ein Zwiegespräch mit Gautama, seinem Schüler, in welchem Kundalini Yoga erklärt wird.

Einleitung

Die Hamsa Upanishad (Sanskrit: Haṃsopaniṣad) gehört zu den Yoga Upanishaden und wird dem Shukla Yajurveda, auch dem Atharva Veda, zugeordnet. Sie ist eine wichtige Quellenschrift des Hamsa Yoga, der Ajapa Gayatri, des Kundalini Yoga und des Nada Yoga. Im Mittelpunkt steht der Hamsa, der Schwan oder die Wildgans, als Symbol des Atman. Wie Feuer im Holz und Öl im Sesamsamen verborgen sind, so ist das höchste Selbst in allen Wesen gegenwärtig.

Hamsa ist zugleich das natürliche Atemmantra. Jeder Atemzug wiederholt nach der Yogatradition haṃ-sa beziehungsweise so'ham – „Ich bin Das“. Die Upanishad spricht von 21.600 Atemzügen während eines Tages und einer Nacht. Durch bewusste Wahrnehmung wird aus dem unwillkürlichen Atem die Ajapa, eine Mantrawiederholung, die scheinbar von selbst geschieht und den Menschen fortwährend an seine Einheit mit Brahman erinnert.

Die Schrift beschreibt außerdem, wie Prana durch die Chakras vom Muladhara Chakra bis zum Brahmarandhra geführt wird. Im achtblättrigen Herzlotus wird Hamsa als lichtvoller Paramahamsa meditiert. Wachzustand, Traum und Tiefschlaf werden verschiedenen Teilen des Lotus zugeordnet; jenseits davon liegen Turiya und schließlich Turiyatita, wenn Hamsa im inneren Nada aufgeht.

Zehn Formen des inneren Klanges führen nach der traditionellen Darstellung von feinen Chini-Lauten über Glocke, Muschelhorn, Flöte und Trommeln bis zum Donnerklang. Doch auch Nada ist nicht das Endziel. Wenn Vorstellungen, Wünsche und Gegensätze zur Ruhe kommen, offenbart sich Sadashiva als reines, selbstleuchtendes Bewusstsein. Für heutige Aspiranten liegt die besondere Kraft der Hamsa Upanishad in ihrer einfachen Grundbotschaft: Der Atem selbst kann zum Weg der Meditation und Selbsterkenntnis werden. Fortgeschrittene Atem- und Kundalini-Praktiken sollten dagegen nur schrittweise und unter kompetenter Anleitung ausgeführt werden.

Hamsa Upanishad – Sanskrit Text, deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Übersetzung

Die drei ersten Abschnitte sind im Sanskrit ausdrücklich als Verse 1–3 nummeriert. Die anschließenden Überschriften bilden die längeren Prosapassagen sinngemäß ab, ohne neue Verszahlen in den Sanskrittext einzufügen.

Einleitungsvers Hamsa Upanishad

haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |
tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||

Ich bin jenes reine Licht, das nur Brahman ist: grundloser Grund dessen, worin die in der Hamsa Upanishad gelehrte Folge der Nada-Klänge zur Ruhe kommt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: haṃsa-ākhya-upaniṣat-prokta – in der Hamsa genannten Upanishad gelehrt; nāda-āliḥ – Reihe der Nada-Klänge; yatra viśramet – worin sie zur Ruhe kommt; tat-ādhāram – deren Grundlage; nirādhāram – selbst ohne Grundlage; brahma-mātram – Brahman allein; aham – ich; mahaḥ – das Licht.

Shanti Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Jenes ist vollständig, dieses ist vollständig. Aus dem Vollständigen geht das Vollständige hervor. Nimmt man vom Vollständigen das Vollständige, bleibt allein das Vollständige. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrṇam adaḥ – jenes ist vollständig; pūrṇam idam – dieses ist vollständig; pūrṇāt pūrṇam udacyate – aus dem Vollständigen geht das Vollständige hervor; pūrṇasya pūrṇam ādāya – vom Vollständigen das Vollständige nehmend; pūrṇam eva avaśiṣyate – bleibt allein das Vollständige; śāntiḥ – Frieden (Shanti).

1. Vers Hamsa Upanishad – Gautamas Frage

gautama uvāca |
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |
brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1 ||

Gautama sprach: O Erhabener, du kennst alle Dharmas und bist in allen Lehrschriften bewandert. Durch welches Mittel entsteht das Erwachen zur Brahmavidya?

Wort-für-Wort-Übersetzung: gautama uvāca – Gautama sprach; bhagavan – o Erhabener; sarva-dharma-jña – Kenner aller Dharmas; sarva-śāstra-viśārada – in allen Shastras bewandert; brahma-vidyā-prabodhaḥ – Erwachen zur Brahmavidya; kena upāyena – durch welches Mittel; jāyate – entsteht.

2. Vers Hamsa Upanishad – Sanatkumaras Antwort

sanatkumāra uvāca |
vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |
pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śṛṇu gautama tanmama || 2 ||

Sanatkumara sprach: Höre, o Gautama, von mir jene Wahrheit, die Parvati lehrte, nachdem sie alle Veden erwogen und die Auffassung Pinakins, Shivas, erkannt hatte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sanatkumāraḥ uvāca – Sanatkumara sprach; vicārya – erwogen habend; sarva-vedeṣu – in allen Vedas; matam jñātvā – die Auffassung erkannt habend; pinākinaḥ – Pinakins, des Bogenträgers Shiva; pārvatyā kathitam – von Parvati gelehrt; tattvam – Wahrheit, Prinzip (Tattva); śṛṇu – höre; gautama – o Gautama; tat mama – dies von mir.

3. Vers Hamsa Upanishad – Die geheime Hamsa-Lehre

anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |
haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3 ||

Diese unaussprechliche, verborgene Lehre gleicht einem Schatz der Yogis. Sie entfaltet das Wesen des Hamsa und schenkt als Frucht Erfüllung und Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anākhyeyam – unaussprechlich; idam guhyam – diese geheime Lehre; yoginām – der Yogis; kośa-saṃnibham – einem Schatz gleich; haṃsasya – des Hamsa; ākṛti-vistāram – Entfaltung seiner Gestalt und Natur; bhukti-mukti-phala-pradam – als Frucht Wohlergehen und Mukti gewährend.

Lehrabschnitt 4 – Voraussetzungen der Hamsa Vidya

atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |
brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |
haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||

Nun werden wir die Erkenntnis von Hamsa und Paramahamsa erklären. Sie ist für einen Brahmacharin bestimmt, der friedvoll, selbstbeherrscht und seinem Guru hingegeben ist. Wer beständig über „Hamsa, Hamsa“ meditiert, erkennt: Hamsa durchdringt alle Körper und ist in ihnen gegenwärtig.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – nun; haṃsa-paramahaṃsa-nirṇayam – die Erkenntnis von Hamsa und Paramahamsa; vyākhyāsyāmaḥ – werden wir erklären; brahmacāriṇe – für den Brahmachari; śāntāya – für den Friedvollen; dāntāya – für den Selbstbeherrschten; guru-bhaktāya – für den dem Guru Hingegebenen; haṃsa-haṃsa iti – „Hamsa, Hamsa“; sadā dhyāyan – beständig meditierend; sarveṣu deheṣu – in allen Körpern; vyāpya vartate – durchdringend gegenwärtig ist.

Lehrabschnitt 5 – Hamsa durchdringt alle Wesen

yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvā mṛtyumatyeti |

Wie Feuer im Holz und Öl in den Sesamsamen verborgen ist, so ist Hamsa in allen Wesen gegenwärtig. Wer ihn so erkennt, überschreitet den Tod.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā – wie; agniḥ kāṣṭheṣu – Feuer im Holz (Agni); tileṣu tailam iva – wie Öl in Sesamsamen; tam viditvā – ihn erkannt habend; mṛtyum atyeti – überschreitet den Tod.

Lehrabschnitt 6 – Aufstieg des Prana durch die Chakras

gudamavaṣṭabhya ādhārādvāyumutthāpya svādhiṣṭhānaṃ triḥ pradakṣiṇīkṛtya |
maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya viśuddhau prāṇānnirudhya |
ājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |

Nachdem der Yogi den Beckenboden fest gemacht hat, führe er den Lebenshauch vom Muladhara empor, umkreise dreimal das Svadhishthana, gelange zum Manipura, überschreite das Anahata und halte den Prana im Vishuddha. Dann meditiere er über Ajna und das Brahmarandhra und verweile beständig in der Erkenntnis: „Ich bin das aus drei Matras bestehende Om.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: gudam avaṣṭabhya – den Beckenboden beziehungsweise Anus festigend; ādhārāt – vom Muladhara; vāyum utthāpya – den Lebenshauch emporführend (Vayu); svādhiṣṭhānam – Svadhishthana Chakra; triḥ pradakṣiṇī-kṛtya – dreimal umkreisend; maṇipūrakam gatvā – zum Manipura Chakra gelangend; anāhatam atikramya – Anahata Chakra überschreitend; viśuddhau prāṇān nirudhya – den Prana im Vishuddha Chakra zurückhaltend; ājñām anudhyāyan – über Ajna Chakra meditierend; brahmarandhram dhyāyan – über das Brahmarandhra meditierend; tri-mātraḥ aham – ich bin das aus drei Matras Bestehende.

Lehrabschnitt 7 – Nada als reines Brahman

atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśam |
sa vai brahma paramātmetyucyate || 1 ||

Darauf meditiere er über den Nada, der sich vom Muladhara bis zum Brahmarandhra erstreckt und reinem Kristall gleicht. Dieser wird wahrlich Brahman und Paramatman genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha u – darauf; nādam – über den inneren Klang (Nada); ādhārāt – vom Muladhara; brahmarandhra-paryantam – bis zum Brahmarandhra; śuddha-sphaṭika-saṅkāśam – reinem Kristall gleich; saḥ vai – dieser wahrlich; brahma – Brahman; paramātmā – Paramatman; iti ucyate – so wird er genannt.

Lehrabschnitt 8 – Rishi, Metrum, Gottheit und Mantra

atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso devatā |
ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ | so'hamiti kīlakam |

Für diese Praxis ist Hamsa der Rishi, Avyakta Gayatri das Metrum und Paramahamsa die Gottheit. Aham – in anderen Rezensionen Haṃ – ist das Bija; Sa ist die Shakti und So’ham das Kilaka, der festigende Schlüssel des Mantras.

Wort-für-Wort-Übersetzung: haṃsaḥ ṛṣiḥ – Hamsa ist der Seher (Rishi); avyaktā gāyatrī chandaḥ – die unmanifestierte Gayatri ist das Metrum; paramahaṃsaḥ devatā – Paramahamsa ist die Gottheit (Devata); aham iti bījam – Aham ist der Samenlaut, Lesart anderer Rezensionen: Haṃ (Bija); sa iti śaktiḥ – Sa ist die Shakti; so'ham iti kīlakam – Soham ist das Kilaka, der Schlüssel oder Keil.

Lehrabschnitt 9 – Die Ajapa Gayatri und 21.600 Atemzüge

ṣaṭ saṅkhyayā ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |
sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ pracodayāditi |
agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ | hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ |

In Tag und Nacht werden 21.600 Hamsa-Atemzüge gezählt. Die Anrufung richtet sich an Surya, Soma, den Makellosen und den Erscheinungslosen: „Möge das körperlose, subtile Wesen uns erleuchten.“ Mit „Vaushat für Agni und Soma“ werden Anganyasa und Karanyasa, beginnend beim Herzen, vollzogen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahaḥ-rātrayoḥ – während Tag und Nacht; ekaviṃśati-sahasrāṇi ṣaṭ śatāni adhikāni – einundzwanzigtausend und weitere sechshundert, 21.600; sūryāya – für Surya; somāya – für Soma; nirañjanāya – für den Makellosen; nirābhāsāya – für den Erscheinungslosen; tanu sūkṣmam pracodayāt – möge das körperlose, subtile Wesen erleuchten; agnīṣomābhyām vauṣaṭ – Vaushat für Agni und Soma; aṅga-nyāsa-kara-nyāsau – Anganyasa und Karanyasa.

Lehrabschnitt 10 – Hamsa im achtblättrigen Herzlotus

evaṃ kṛtvā hṛdaye aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet |
agnīṣomau pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukham |
rudro rudrāṇī caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |
paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ |
eṣo'sau paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |

Nach diesem Vollzug meditiere man im achtblättrigen Herzlotus über den Atman als Hamsa. Agni und Soma sind seine Flügel, Omkara ist sein Kopf und Bindu wird mit Auge und Antlitz verbunden. Rudra und Rudrani sind seine Füße; weitere Glieder werden Kala und Agni zugeordnet. Der überlieferte Wortlaut der folgenden Gliederzuordnung ist in den Rezensionen unsicher. Dieser Paramahamsa leuchtet wie Millionen Sonnen und durchdringt das gesamte All.

Wort-für-Wort-Übersetzung: hṛdaye aṣṭa-dale – im achtblättrigen Lotus des Herzens; haṃsa-ātmānam dhyāyet – über den Atman als Hamsa meditieren; agnīṣomau pakṣau – Agni und Soma sind die Flügel; oṃkāraḥ śiraḥ – Omkara ist der Kopf; binduḥ – Bindu; netram – Auge; mukham – Antlitz; rudra-rudrāṇī caraṇau – Rudra und Rudrani sind die Füße; kālaḥ ca agniḥ ca – Kala und Agni; eṣaḥ paramahaṃsaḥ – dieser Paramahamsa; bhānu-koṭi-pratīkāśaḥ – Millionen Sonnen gleich; yena idam vyāptam – durch den dieses All durchdrungen ist. Hinweis: Der mittlere Sanskritsatz ist textkritisch unsicher.

Lehrabschnitt 11 – Die acht Blätter und ihre Neigungen

tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati |
pūrvadale puṇye matirāgneye nidrālasyādayo bhavanti |
yāmye krūre matirnairṛte pāpe manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā |
vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye ratiprītiḥ |
īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyam |

Seine Bewegung im Herzlotus zeigt sich achtfach. Im östlichen Blatt richtet sich der Geist auf verdienstvolle Handlungen, im südöstlichen entstehen Schlaf und Trägheit, im südlichen Grausamkeit und im südwestlichen Neigung zu unheilsamem Tun. Im westlichen liegt spielerische Sinnesfreude, im nordwestlichen der Drang zum Gehen und Handeln, im nördlichen sinnliche Zuneigung und im nordöstlichen das Streben nach Besitz. In der Mitte entsteht Vairagya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya aṣṭadhā vṛttiḥ – seine achtfache Bewegung (Vritti); pūrva-dale – im östlichen Blatt; puṇye matiḥ – Neigung zum Verdienstvollen; āgneye – im Südosten; nidrā-ālasya – Schlaf und Trägheit; yāmye – im Süden; krūre matiḥ – Neigung zur Grausamkeit; nairṛte – im Südwesten; pāpe manīṣā – Gedanke an Unheilsames; vāruṇyām – im Westen; krīḍā – Spiel; vāyavye – im Nordwesten; gamana-ādau buddhiḥ – Drang zum Gehen und Handeln; saumye – im Norden; rati-prītiḥ – sinnliche Zuneigung; īśāne – im Nordosten; dravya-ādānam – Streben nach Besitz; madhye – in der Mitte; vairāgyam – Vairagya.

Lehrabschnitt 12 – Wachen, Traum, Tiefschlaf, Turiya und Turiyatita

kesare jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ |
padmatyāge turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā turīyātītam |
unmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate |

In den Staubfäden des Lotus liegt der Wachzustand, in seinem inneren Fruchtboden der Traum und in seinem Keim der Tiefschlaf. Verlässt das Bewusstsein den Lotus, wird Turiya erfahren. Wenn Hamsa im Nada aufgeht, wird der Zustand jenseits von Turiya erreicht. Dies heißt Unmana beziehungsweise Unmani und Abschluss der Ajapa-Praxis.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kesare – im Staubfaden; jāgrat-avasthā – Wachzustand (Jagrat); karṇikāyām – im Fruchtboden des Lotus; svapnam – Traumzustand (Svapna); liṅge – im Keim beziehungsweise feinen Zeichen; suṣuptiḥ – Sushupti, Tiefschlaf; padma-tyāge – beim Verlassen des Lotus; turīyam – Turiya; haṃsaḥ nāde līnaḥ – Hamsa im Nada aufgelöst; turīya-atītam – jenseits von Turiya (Turiyatita); unmananam – Zustand jenseits des Denkens (Unmani); ajapa-upasaṃhāram – Abschluss der Ajapa-Praxis.

Lehrabschnitt 13 – Hamsa, Geist und die zehn Nada-Klänge

evaṃ sarvaṃ haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate |
sa eva japakoṭyā nādamanubhavati | evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate |
ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ | ghaṇṭānādastṛtīyaḥ |
śaṅkhanādaścaturthaḥ | pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ |
saptamo veṇunādaḥ | aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ | daśamo meghanādaḥ |
navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |

Alles steht unter der Kraft des Hamsa; deshalb wird auch der Geist als Hamsa betrachtet. Durch sehr lange Mantrapraxis erfährt der Yogi den Nada. Dieser erscheint in zehn Formen: zuerst Chini, zweitens Chinchini, drittens Glockenklang, viertens Muschelhorn, fünftens der Klang eines Saiteninstruments, sechstens Zimbeln, siebtens Flöte, achtens Mridanga, neuntens Bheri und zehntens Donnerwolken. Der Yogi soll die neunte Stufe hinter sich lassen und sich auf die zehnte ausrichten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvam haṃsa-vaśāt – alles unter der Kraft des Hamsa; manaḥ haṃsaḥ vicāryate – der Geist wird als Hamsa betrachtet; japa-koṭyā – durch millionenfache Wiederholung (Japa); nādam anubhavati – erfährt den Nada; nādaḥ daśa-vidhaḥ – zehnfacher Nada; ciṇī – Chini; ciñciṇī – Chinchini; ghaṇṭā-nādaḥ – Glockenklang; śaṅkha-nādaḥ – Muschelhorn; tantrī-nādaḥ – Saitenklang; tāla-nādaḥ – Zimbelklang; veṇu-nādaḥ – Flötenklang; mṛdaṅga-nādaḥ – Mridanga; bherī-nādaḥ – große Trommel; megha-nādaḥ – Donnerwolke; navamam parityajya – die neunte hinter sich lassend; daśamam eva abhyaset – allein die zehnte üben.

Lehrabschnitt 14 – Wirkungen der ersten vier Nada-Stufen

prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam |
tṛtīye khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||

Auf der ersten Stufe wird im Körper ein Chinchini-artiges Kribbeln erfahren, auf der zweiten ein Gefühl, als würden die Glieder erschüttert. Auf der dritten entsteht eine durchdringende Empfindung, auf der vierten erzittert der Kopf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prathame – auf der ersten Stufe; ciñciṇī-gātram – Chinchini-Empfindung im Körper; dvitīye – auf der zweiten; gātra-bhañjanam – Erschütterung der Glieder; tṛtīye – auf der dritten; khedanam yāti – gelangt zu einer durchdringenden oder bedrängenden Empfindung; caturthe – auf der vierten; kampate śiraḥ – der Kopf erzittert.

Lehrabschnitt 15 – Wirkungen der fünften bis achten Nada-Stufe

pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam |
saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||

Auf der fünften Stufe beginnt der Gaumen zu fließen, auf der sechsten wird Amrita erfahren, auf der siebten entsteht verborgenes Wissen und auf der achten wird die höchste Sprache, Paravak, vernommen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcame – auf der fünften; sravate tālu – der Gaumen sondert Flüssigkeit ab; ṣaṣṭhe – auf der sechsten; amṛta-niṣevaṇam – Erfahren beziehungsweise Kosten von Amrita; saptame – auf der siebten; gūḍha-vijñānam – verborgenes Wissen; parā vācā – höchste Sprache (Para Vak); aṣṭame – auf der achten.

Lehrabschnitt 16 – Wirkungen der neunten und zehnten Nada-Stufe

adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam |
daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||

Auf der neunten Stufe wird der Körper unsichtbar und ein reines göttliches Auge entsteht, so lautet die traditionelle Aussage. Auf der zehnten wird in der unmittelbaren Gegenwart des Brahman-Atman das höchste Brahman verwirklicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: adṛśyam navame deham – auf der neunten Stufe der unsichtbare Körper; divyam cakṣuḥ – göttliches Auge; amalam – rein; daśame – auf der zehnten; paramam brahma – höchstes Brahman; bhavet – wird, verwirklicht sich; brahma-ātma-saṃnidhau – in der unmittelbaren Gegenwart des Brahman-Atman.

Lehrabschnitt 17 – Auflösung des Geistes und Offenbarung Sadashivas

tasminmano vilīyate | manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe |
sadāśivaḥ śaktyātmā sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||
iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2 ||

In ihm löst sich der Geist auf. Wenn im Geist Sankalpa und Vikalpa vergangen und Verdienst wie Schuld verbrannt sind, offenbart sich Sadashiva: seinem Wesen nach Shakti, überall gegenwärtig, selbstleuchtend, rein, erwacht, ewig, makellos und friedvoll. So lautet die Verkündigung des Veda, die Verkündigung des Veda.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmin manaḥ vilīyate – in ihm löst sich der Geist auf; saṅkalpa-vikalpe dagdhe – wenn Willensbildung und unterscheidendes Vorstellen verbrannt sind (Sankalpa, Vikalpa); puṇya-pāpe – Verdienst und Schuld; sadāśivaḥ – Sadashiva; śakti-ātmā – seinem Wesen nach Shakti; sarvatra avasthitaḥ – überall gegenwärtig; svayaṃ-jyotiḥ – selbstleuchtend; śuddhaḥ – rein; buddhaḥ – erwacht; nityaḥ – ewig; nirañjanaḥ – makellos; śāntaḥ – friedvoll; prakāśate – offenbart sich; veda-pravacanam – Verkündigung des Veda.

Abschluss: iti haṃsopaniṣatsamāptā – Damit ist die Hamsa Upanishad beendet.

Hamsa Upanishad – Hintergrund, Inhalt und Bedeutung

Name und Stellung unter den Yoga Upanishaden

Die Hamsa Upanishad (Sanskrit: Haṃsopaniṣad, हंसोपनिषत्) gehört zu den Yoga Upanishaden und wird traditionell dem Shukla Yajurveda zugeordnet. Im Muktika-Kanon steht sie an 15. Stelle. Sie ist eine wichtige Quellenschrift für Hamsa Yoga, Ajapa Japa, Kundalini Yoga und Nada Yoga.

Haṃsa bezeichnet einen Schwan oder eine Wildgans und ist in der indischen Spiritualität ein Symbol des Atman, des reinen Selbst. Der Vogel bewegt sich zwischen Himmel, Wasser und Erde und steht deshalb für das Bewusstsein, das alle Daseinsebenen durchdringt, ohne an eine von ihnen gebunden zu sein. In späterer spiritueller Deutung besitzt der Hamsa außerdem die Fähigkeit, Milch vom Wasser zu trennen: Er symbolisiert damit Viveka, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen.

Im Atemmantra erhält der Name eine weitere Bedeutung. Der Atem wird als fortwährende Wiederholung von haṃ-sa oder in umgekehrter Wahrnehmung von so'ham verstanden: „Ich bin Das.“ Der natürliche Atem selbst wird zum Mantra und erinnert den Menschen ununterbrochen an die Einheit von individuellem Selbst und höchster Wirklichkeit.

Textgestalt, Gliederung und abweichende Ausgaben

Die Hamsa Upanishad ist kein regelmäßig gegliedertes Werk mit einer durchgehenden Verszählung. Die verwendete Sanskritausgabe enthält drei nummerierte Einleitungsverse. Danach folgen zwei große Hauptabschnitte, die überwiegend in Prosa abgefasst sind und einzelne metrische Verse enthalten. Der erste Hauptabschnitt endet mit der Ziffer 1, der gesamte folgende Lehrkomplex mit der Ziffer 2.

Moderne Darstellungen teilen den Text gelegentlich in elf Kapitel oder in eine größere Zahl fortlaufender Abschnitte. Solche Einteilungen erleichtern das Lesen, gehören aber nicht notwendig zum Sanskrittext. In der hier erstellten Wiki-Fassung werden die echten Nummern 1–3 bewahrt und die Prosa lediglich durch ausdrücklich als redaktionell gekennzeichnete Lehrabschnitte gegliedert.

Zwischen der sogenannten Calcutta- und Poona-Rezension bestehen Unterschiede in Wortlaut, Gliederung und einzelnen Zuordnungen. Besonders der Abschnitt über die Gestalt des Hamsa im Herzlotus ist textkritisch unsicher. Auch die Reihenfolge der achten und neunten Nada-Stufe sowie die Lesart aham oder haṃ als Bija schwanken. Eine verantwortliche Übersetzung sollte diese Schwierigkeiten sichtbar machen, statt aus einer einzigen modernen Deutung einen scheinbar völlig eindeutigen Sanskrittext zu konstruieren.

Datierung und historischer Hintergrund

Die genaue Entstehungszeit ist unbekannt. Wegen der Verbindung von Chakra-Aufstieg, Nyasa, Bija, Shakti, Ajapa Gayatri, innerem Nada und Turiyatita gehört die heute überlieferte Gestalt wahrscheinlich zu den späteren Yoga Upanishaden. Sie dürfte im mittelalterlichen tantrisch-yogischen Milieu gewachsen sein. Eine pauschale Datierung aller Bestandteile in dasselbe Jahrhundert wäre jedoch unsicher, da der Text ältere Motive aufgreift und verschiedene Lehrstücke miteinander verbindet.

Spätestens im 17. Jahrhundert war die Schrift bekannt: In der unter Dara Shikoh angefertigten persischen Upanishaden-Sammlung erscheint sie als Hensnad beziehungsweise Hamsa-Nada. Die Verbindung von Atem, Mantra und Selbst ist wesentlich älter als die vorliegende Textfassung. Hamsa als kosmischer Vogel und Symbol des Selbst findet sich bereits in älterer vedischer und upanishadischer Literatur; die konkrete Verbindung mit Chakras, Nyasa und zehn inneren Klängen zeigt dagegen eine entwickelte tantrische Yogatradition.

Lehren der Hamsa Upanishad

Das Lehrgespräch zwischen Gautama und Sanatkumara

Die Schrift beginnt mit einer Frage Gautamas an Sanatkumara: Durch welches Mittel erwacht Brahmavidya, die Erkenntnis Brahmans? Sanatkumara erklärt, die Lehre gehe auf Parvati zurück, die alle Dharmas erwogen und die Auffassung Shivas erkannt habe. Damit wird die Hamsa Vidya zugleich in einen upanishadischen Lehrer-Schüler-Rahmen und in eine shivaitisch-shaktische Offenbarungstradition gestellt.

Die Lehre wird als geheim und als Schatz der Yogis bezeichnet. Sie soll einem friedvollen, selbstbeherrschten, dem Guru hingegebenen Brahmacharin vermittelt werden. Historisch verweist diese Geheimhaltung auf persönliche Einweihung und auf den Schutz fortgeschrittener Praktiken. Für die Gegenwart kann sie als Forderung nach Reife, ethischer Vorbereitung, kompetenter Anleitung und verantwortungsvoller Vermittlung verstanden werden.

Hamsa und Paramahamsa

Hamsa bezeichnet im Text sowohl die individuelle Lebens- und Atemkraft als auch den Atman, der alle Körper durchdringt. Wie Feuer im Holz und Öl im Sesamsamen verborgen sind, so ist das Selbst in allen Wesen gegenwärtig. Wer es erkennt, überschreitet den Tod – nicht notwendig als Fortdauer des Körpers, sondern als Erkenntnis des unsterblichen Bewusstseins jenseits von Geburt und Sterben.

Paramahaṃsa, der höchste Hamsa, ist das vollkommen freie Selbst. Der Titel wurde später auch zur Bezeichnung großer verwirklichter Meister und Entsagter. In der Upanishad ist Paramahamsa kein äußerer Rang, sondern die höchste Wirklichkeit, die wie Millionen Sonnen leuchtet und das ganze Universum durchdringt.

Hamsa, Soham und Ajapa Gayatri

Das Herzstück der Lehre ist die Ajapa Gayatri, das „ungeübte“ oder ohne willentliche Wiederholung geschehende Mantra. Jeder Atemzug trägt nach der Tradition den Klang Hamsa beziehungsweise Soham. Der Text nennt 21.600 Atemzüge während eines Tages und einer Nacht. Diese Zahl beruht auf einer traditionellen durchschnittlichen Atemrechnung und ist als symbolisch-praktische Angabe zu verstehen, nicht als für jeden Menschen physiologisch identischer Wert.

Die Mantra-Zuordnung nennt Hamsa als Rishi, Avyakta Gayatri als Metrum und Paramahamsa als Devata. Aham beziehungsweise Haṃ ist das Bija, Sa die Shakti und Soham das Kilaka. In dieser kurzen Formel verbinden sich Ich-Bewusstsein, das göttliche „Das“, Atem und die Erkenntnis „Ich bin Das“.

Ajapa bedeutet nicht Untätigkeit. Der Atem wiederholt das Mantra von selbst, doch der Aspirant muss lernen, es bewusst wahrzunehmen. Aus unbewusstem Atmen wird eine beständige Erinnerung an den Atman. So kann das ganze Leben zur Meditation werden: beim Einatmen, Ausatmen, Gehen, Arbeiten und Ruhen.

Aufstieg des Prana durch die Chakras

Die Upanishad beschreibt eine fortgeschrittene innere Praxis. Der Beckenboden wird gefestigt und der Prana vom Muladhara Chakra über Svadhishthana Chakra, Manipura Chakra, Anahata Chakra, Vishuddha Chakra und Ajna Chakra zum Brahmarandhra geführt. Der Yogi meditiert: „Ich bin das aus drei Matras bestehende Om.“ Der Nada erscheint vom Muladhara bis zum Scheitel wie reiner Kristall und wird als Brahman und Paramatman erkannt.

Diese Passage verbindet Kundalini Yoga mit Om-Meditation und nichtdualer Erkenntnis. Der Aufstieg ist nicht nur eine Bewegung subtiler Energie, sondern eine zunehmende Entidentifikation von Körper, Emotionen und Denken. Jede Stufe führt tiefer zur Erkenntnis des formlosen Selbst.

Die Übung soll nicht als bloße Visualisierung einer anatomischen Wirbelsäule missverstanden werden. Chakras, Prana und Brahmarandhra gehören zur feinstofflichen Erfahrungs- und Symbolsprache des Yoga. Sie sind nicht identisch mit Nervengeflechten oder endokrinen Drüsen, auch wenn moderne Deutungen gelegentlich Parallelen ziehen.

Der achtblättrige Herzlotus

Hamsa wird im achtblättrigen Lotus des Herzens meditiert. Agni und Soma bilden seine Flügel, Omkara seinen Kopf; Bindu, Rudra, Rudrani, Kala und Agni werden weiteren Gliedern zugeordnet. Der genaue Wortlaut ist in diesem Abschnitt teilweise verderbt oder zwischen den Rezensionen verschieden. Sicher ist die Grundidee: Der kosmische Hamsa wird im menschlichen Herzen gegenwärtig erfahren.

Den acht Blättern werden unterschiedliche psychische Neigungen zugeordnet: verdienstvolles Handeln, Schlaf und Trägheit, Grausamkeit, unheilsames Tun, Spiel und Sinnesfreude, Bewegungsdrang, sinnliche Zuneigung und Besitzstreben. In der Mitte liegt Vairagya, die Freiheit von Anhaftung. Der Herzlotus ist damit auch eine Landkarte des Geistes. Die Aufmerksamkeit bewegt sich zwischen verschiedenen Impulsen; in der Mitte findet sie Loslösung und innere Ruhe.

Die vier Bewusstseinszustände und Turiyatita

Der Text ordnet Jagrat, den Wachzustand, den Staubfäden des Lotus zu, Svapna, den Traum, seinem Fruchtboden und Sushupti, den Tiefschlaf, seinem Keim. Wenn das Bewusstsein den Lotus überschreitet, wird Turiya, der vierte Zustand, erfahren. Geht Hamsa im Nada auf, wird Turiyatita, das Jenseits des Vierten, erreicht.

Diese Lehre erinnert an die Mandukya Upanishad, setzt aber einen anderen Akzent. Die Mandukya Upanishad analysiert Om und die vier Bewusstseinszustände philosophisch; die Hamsa Upanishad verbindet sie mit Atem, Herzlotus, Chakras und Nada. Der Zustand jenseits des gewöhnlichen Denkens heißt Unmani. Dort endet die willentliche Ajapa-Praxis, weil Atemmantra, Meditierender und Ziel nicht mehr als getrennt erfahren werden.

Die zehn Formen des inneren Nada

Die Hamsa Upanishad nennt zehn innere Klänge:

  • Chini,
  • Chinchini,
  • Glocke,
  • Muschelhorn,
  • Saiteninstrument,
  • Zimbeln,
  • Flöte,
  • Mridanga,
  • Bheri oder große Trommel,
  • Donnerwolke.

Einzelne Rezensionen vertauschen die achte und neunte Stufe. Entscheidend ist nicht die starre akustische Reihenfolge, sondern die zunehmende Vertiefung der Aufmerksamkeit. Der Yogi soll die vorletzte Stufe überschreiten und sich auf den zehnten Nada ausrichten. Dort löst sich der Geist auf und Brahman wird erkannt.

Der Text ordnet den zehn Klängen körperliche und geistige Wirkungen zu: Kribbeln, Erschütterungen, Kopfbewegung, Flüssigkeit am Gaumen, Amrita-Erfahrung, verborgenes Wissen, Wahrnehmung der Para Vak, Unsichtbarkeit und göttliche Schau. Solche Aussagen spiegeln die Erfahrungs- und Siddhi-Lehren vormoderner Yogatraditionen. Sie sind nicht als wissenschaftlich gesicherte oder für jeden Übenden reproduzierbare Wirkungen zu formulieren.

Nada, Auflösung des Geistes und Sadashiva

Der höchste Nada ist nicht einfach ein besonders lauter innerer Ton. Er führt zur Auflösung von Sankalpa und Vikalpa, von Wollen, Vorstellen und begrifflicher Unterscheidung. Verdienst und Schuld verlieren ihre bindende Kraft. Dann offenbart sich Sadashiva als selbstleuchtendes, reines, ewiges, makelloses und friedvolles Bewusstsein.

Die Hamsa Upanishad verbindet damit shivaitische und vedantische Sprache. Das höchste Bewusstsein heißt Sadashiva, Shakti-Atman, Brahman und Paramatman. Diese Ausdrücke bezeichnen keine miteinander konkurrierenden Ziele, sondern verschiedene Zugänge zu derselben allgegenwärtigen Wirklichkeit.

Verhältnis zu anderen Yoga Upanishaden und Hatha-Texten

Die Lehre der Hamsa Upanishad steht der Dhyanabindu Upanishad, Nada Bindu Upanishad, Amritanada Upanishad, Yoga Chudamani Upanishad, Yoga Kundalini Upanishad und Pashupatabrahma Upanishad nahe. Wiederkehrende Themen sind Hamsa und Soham, Prana, Chakras, Bindu, Nada, Unmani und die Erkenntnis des Atman.

Die Hatha Yoga Pradipika beschreibt im vierten Kapitel ausführlich Nada-Anusandhana und die Auflösung des Geistes. Auch in den Traditionen der Nath Yogis spielen Ajapa Japa, Soham, Kundalini und der innere Klang eine wichtige Rolle. Direkte literarische Abhängigkeiten lassen sich nicht aus jedem gemeinsamen Begriff ableiten; die Texte gehören jedoch erkennbar zu einem gemeinsamen vormodernen Überlieferungsraum.

Bedeutung der Hamsa Upanishad

Bedeutung für die frühere Yogapraxis

Historisch zeigt die Schrift einen Yoga, in dem Atem, Mantra, subtiler Körper, Gottessymbolik und Selbsterkenntnis nicht getrennt wurden. Die natürliche Atmung galt als unablässige spirituelle Praxis. Fortgeschrittene Techniken wurden in einer Guru-Schüler-Beziehung vermittelt und mit Brahmacharya, innerer Ruhe, Selbstbeherrschung und Hingabe an den Guru verbunden.

Der menschliche Körper erscheint als heiliger Mikrokosmos. Chakras, Herzlotus, Sonne, Mond, Shiva, Shakti und Nada sind in ihm gegenwärtig. Befreiung verlangt deshalb nicht die Flucht an einen anderen Ort, sondern die Erkenntnis dessen, was im eigenen Atem und Bewusstsein schon immer wirkt.

Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten

Für moderne Aspiranten ist besonders die Ajapa-Lehre wertvoll. Sie macht Meditation einfach und allgegenwärtig: Der Atem ist immer da. Man kann ihn wahrnehmen, ohne ihn gewaltsam zu verändern, und innerlich mit Soham verbinden. Dadurch werden Mantra und Achtsamkeit Teil des Alltags.

Aus der Schrift lassen sich folgende praktische Grundsätze ableiten:

  • Beobachte zunächst den natürlichen Atem, ohne ihn zu erzwingen.
  • Verbinde das Ein- und Ausatmen behutsam mit Soham oder Hamsa.
  • Lass die Mantrawiederholung mit der Zeit feiner und müheloser werden.
  • Verstehe Chakra- und Nada-Erfahrungen als Hilfen zur Sammlung, nicht als Statussymbole.
  • Miss Fortschritt an Ruhe, Selbstbeherrschung, Mitgefühl und nachlassender Anhaftung.
  • Verbinde Atemmeditation mit Jnana Yoga: Frage, wer den Atem und alle Bewusstseinszustände wahrnimmt.
  • Übe intensive Bandhas, Atemanhalten und das gewaltsame Lenken des Prana nur unter qualifizierter persönlicher Anleitung.

Dauerhafte Ohrgeräusche, Hörverlust, Schwindel oder belastende akustische Wahrnehmungen sollten nicht automatisch als spiritueller Nada verstanden werden. Sie bedürfen gegebenenfalls einer fachärztlichen Abklärung. Die in der Upanishad genannten außergewöhnlichen körperlichen Wirkungen und Siddhis sind traditionelle Aussagen, keine medizinischen oder naturwissenschaftlichen Garantien.

Bedeutung für Yogalehrer und Yoga-Meister

Für Yogalehrer zeigt die Hamsa Upanishad, wie eine einfache Atemwahrnehmung in einen umfassenden spirituellen Weg eingebettet werden kann. Soham-Meditation kann auch Anfängern zugänglich sein; die energetischen Techniken des Chakra-Aufstiegs gehören dagegen in eine fortgeschrittene, sorgfältig begleitete Praxis.

Ein Yoga-Meister soll zwischen natürlicher Ajapa, bewusstem Japa, Pranayama, Kundalini-Lenkung und Nada-Meditation unterscheiden können. Er soll Erfahrungen nicht suggerieren und Schüler nicht dazu bringen, körperliche Symptome spirituell umzudeuten. Die alte Forderung nach Geheimhaltung wird heute am besten als Auftrag zu ethischer, reifer und individuell angepasster Vermittlung verstanden.

Der Meister führt den Schüler nicht zur Abhängigkeit von außergewöhnlichen Zuständen. Er hilft ihm, im Atem die Gegenwart des Selbst zu entdecken. Wenn „Soham – Ich bin Das“ nicht nur wiederholt, sondern verwirklicht wird, führt Hamsa Yoga über alle Techniken hinaus.

Die bleibende Bedeutung der Hamsa Upanishad

Die Hamsa Upanishad verbindet eine der schlichtesten Yogaübungen mit einer weitreichenden spirituellen Vision. Jeder Atemzug kann zur Erinnerung an das Göttliche werden. Der Hamsa bewegt sich durch die Chakras, ruht im Herzlotus, geht im Nada auf und erkennt sich als Paramahamsa, als das höchste Selbst.

Ihre Botschaft ist bis heute lebendig: Das Mantra muss nicht von außen hinzugefügt werden. Das Leben selbst wiederholt es. Wer bewusst ein- und ausatmet, kann in jedem Augenblick hören: Soham – ich bin Das. Die Vollendung liegt dort, wo Atem, Klang, Geist und getrenntes Ich in der Stille des selbstleuchtenden Bewusstseins zur Ruhe kommen.

Hamsa Upanishad Vollständiger Sanskrittext in Devanagari und IAST

Die Hamsa Upanishad gehört zu den Yoga Upanishaden des Shukla Yajurveda. Sie besteht aus drei nummerierten Einleitungsversen und zwei großen, überwiegend prosaischen Hauptabschnitten. Die Überschriften „Lehrabschnitt 4–17“ sind eine redaktionelle Sinngliederung; sie stellen keine zusätzliche Sanskrit-Verszählung dar. Offensichtliche Schreibfehler der elektronischen Vorlage wurden behutsam normalisiert; textkritisch unsichere Stellen bleiben kenntlich.

Einleitungsvers Hamsa Upanishad
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
तदाधारं निराधारं ब्रह्ममात्रमहं महः ॥

haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |
tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||

Shanti Mantra
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
In der Sanskritquelle mit „oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ“ abgekürzt; hier vollständig wiedergegeben. ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

1.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
गौतम उवाच ।
भगवन्सर्वधर्मज्ञ सर्वशास्त्रविशारद ।
ब्रह्मविद्याप्रबोधो हि केनोपायेन जायते ॥ १ ॥

gautama uvāca |
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |
brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1 ||

2.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
सनत्कुमार उवाच ।
विचार्य सर्ववेदेषु मतं ज्ञात्वा पिनाकिनः ।
पार्वत्या कथितं तत्त्वं शृणु गौतम तन्मम ॥ २ ॥

sanatkumāra uvāca |
vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |
pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śṛṇu gautama tanmama || 2 ||

3.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
अनाख्येयमिदं गुह्यं योगिनां कोशसंनिभम् ।
हंसस्याकृतिविस्तारं भुक्तिमुक्तिफलप्रदम् ॥ ३ ॥

anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |
haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3 ||

4.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
अथ हंसपरमहंसनिर्णयं व्याख्यास्यामः ।
ब्रह्मचारिणे शान्ताय दान्ताय गुरुभक्ताय ।
हंसहंसेति सदा ध्यायन्सर्वेषु देहेषु व्याप्य वर्तते ॥

atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |
brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |
haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||

5.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
यथा ह्यग्निः काष्ठेषु तिलेषु तैलमिव तं विदित्वा मृत्युमत्येति ।

yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvā mṛtyumatyeti |

6.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
गुदमवष्टभ्य आधाराद्वायुमुत्थाप्य स्वाधिष्ठानं त्रिः प्रदक्षिणीकृत्य ।
मणिपूरकं च गत्वा अनाहतमतिक्रम्य विशुद्धौ प्राणान्निरुध्य ।
आज्ञामनुध्यायन्ब्रह्मरन्ध्रं ध्यायन् त्रिमात्रोऽहमित्येवं सर्वदा ध्यायन् ।

gudamavaṣṭabhya ādhārādvāyumutthāpya svādhiṣṭhānaṃ triḥ pradakṣiṇīkṛtya |
maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya viśuddhau prāṇānnirudhya |
ājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |

7.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
अथो नादमाधाराद्ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं शुद्धस्फटिकसङ्काशम् ।
स वै ब्रह्म परमात्मेत्युच्यते ॥ १ ॥

atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśam |
sa vai brahma paramātmetyucyate || 1 ||

8.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
अथ हंस ऋषिः । अव्यक्ता गायत्री छन्दः । परमहंसो देवता ।
अहमिति बीजम् । स इति शक्तिः । सोऽहमिति कीलकम् ।

atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso devatā |
ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ | so'hamiti kīlakam |

9.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
षट् सङ्ख्यया अहोरात्रयोरेकविंशतिसहस्राणि षट् शतान्यधिकानि भवन्ति ।
सूर्याय सोमाय निरञ्जनाय निराभासाय तनु सूक्ष्मं प्रचोदयादिति ।
अग्नीषोमाभ्यां वौषट् । हृदयाद्यङ्गन्यासकरन्यासौ भवतः ।

ṣaṭ saṅkhyayā ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |
sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ pracodayāditi |
agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ | hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ |

10.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
एवं कृत्वा हृदये अष्टदले हंसात्मानं ध्यायेत् ।
अग्नीषोमौ पक्षावोङ्कारः शिरो बिन्दुस्तु नेत्रं मुखम् ।
रुद्रो रुद्राणी चरणौ बाहू कालश्चाग्निश्चोभे पार्श्वे भवतः ।
पश्यत्यनागारश्च शिष्टोभयपार्श्वे भवतः ।
एषोऽसौ परमहंसो भानुकोटिप्रतीकाशः । येनेदं व्याप्तम् ।

evaṃ kṛtvā hṛdaye aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet |
agnīṣomau pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukham |
rudro rudrāṇī caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |
paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ |
eṣo'sau paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |

11.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
तस्याष्टधा वृत्तिर्भवति ।
पूर्वदले पुण्ये मतिराग्नेये निद्रालस्यादयो भवन्ति ।
याम्ये क्रूरे मतिर्नैरृते पापे मनीषा वारुण्यां क्रीडा ।
वायव्ये गमनादौ बुद्धिः सौम्ये रतिप्रीतिः ।
ईशाने द्रव्यादानं मध्ये वैराग्यम् ।

tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati |
pūrvadale puṇye matirāgneye nidrālasyādayo bhavanti |
yāmye krūre matirnairṛte pāpe manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā |
vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye ratiprītiḥ |
īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyam |

12.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
केसरे जाग्रदवस्था कर्णिकायां स्वप्नं लिङ्गे सुषुप्तिः ।
पद्मत्यागे तुरीयं यदा हंसो नादे लीनो भवति तदा तुरीयातीतम् ।
उन्मननमजपोपसंहारमित्यभिधीयते ।

kesare jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ |
padmatyāge turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā turīyātītam |
unmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate |

13.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
एवं सर्वं हंसवशात्तस्मान्मनो हंसो विचार्यते ।
स एव जपकोट्या नादमनुभवति । एवं सर्वं हंसवशान्नादो दशविधो जायते ।
चिणीति प्रथमः । चिञ्चिणीति द्वितीयः । घण्टानादस्तृतीयः ।
शङ्खनादश्चतुर्थः । पञ्चमतन्त्रीनादः । षष्ठस्तालनादः ।
सप्तमो वेणुनादः । अष्टमो मृदङ्गनादः । नवमो भेरीनादः । दशमो मेघनादः ।
नवमं परित्यज्य दशममेवाभ्यसेत् ।

evaṃ sarvaṃ haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate |
sa eva japakoṭyā nādamanubhavati | evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate |
ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ | ghaṇṭānādastṛtīyaḥ |
śaṅkhanādaścaturthaḥ | pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ |
saptamo veṇunādaḥ | aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ | daśamo meghanādaḥ |
navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |

14.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
प्रथमे चिञ्चिणीगात्रं द्वितीये गात्रभञ्जनम् ।
तृतीये खेदनं याति चतुर्थे कम्पते शिरः ॥

prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam |
tṛtīye khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||

15.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
पञ्चमे स्रवते तालु षष्ठेऽमृतनिषेवणम् ।
सप्तमे गूढविज्ञानं परा वाचा तथाष्टमे ॥

pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam |
saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||

16.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
अदृश्यं नवमे देहं दिव्यं चक्षुस्तथामलम् ।
दशमे परमं ब्रह्म भवेद्ब्रह्मात्मसंनिधौ ॥

adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam |
daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||

17.
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
तस्मिन्मनो विलीयते । मनसि सङ्कल्पविकल्पे दग्धे पुण्यपापे ।
सदाशिवः शक्त्यात्मा सर्वत्रावस्थितः स्वयंज्योतिः शुद्धो बुद्धो नित्यो निरञ्जनः शान्तः प्रकाशत इति ॥
इति वेदप्रवचनं वेदप्रवचनम् ॥ २ ॥

tasminmano vilīyate | manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe |
sadāśivaḥ śaktyātmā sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||
iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2 ||

Shanti Mantra
हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

इति हंसोपनिषत्समाप्ता ॥
iti haṃsopaniṣatsamāptā ||

Damit ist die Hamsa Upanishad beendet.

Hamsa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 815 - 819.

Einleitung

Diese, auch im Oupnekhat als Hensnad (d. i. Hamsanada) enthaltene Upanishad gehört, wie schon ihre Stellung in den Sammlungen Colebrookes und Narayanas, noch mehr aber ihr Inhalt zeigt, einer späteren Entwicklungsstufe als die bisher behandelten Yoga Upanishaden an. Die Aufstellung der Worte Hamsa Hamsa als Mantraraja (Spruchkönig, d. h. als ein durch die ganze Upanishad sich hindurchziehender Leitspruch) und die Art, wie an demselben Anfang, Mitte und Ende (Vijam, Kilaka, Sakti) unterschieden und die Auftragung des Spruches als Diagramm gelehrt wird, lassen unsere Upanishad in nächster Verwandtschaft mit dem Gedankenkreise von Nrisinhatapaniya und Ramatapaniya erscheinen.

Als Grundgedanke kann man bezeichnen, daß der Hamsa (die individuelle Seele) durch Meditation des Lautes Om und namentlich seines Nachhalls zum Paramahamsa (der höchsten Seele) wird.

Der Hauptinhalt ist folgender. Die Paragrapheneinteilung rührt von uns her, da die in der Kalkuttaer und den beiden Punaer Ausgaben (mit Narayanas und Samkaranandas Kommentar) widersprechend und unzweckmäßig sind.

1. Einleitung. Die Verse zu Eingang sowie die am Schluß fehlen in Samkaranandas Rezension.

2. Die individuelle Seele wird, durch Zusammenfassung der Laute des Ausatmens (Ham) und Einatmens (Sa), als Hamsa bezeichnet.

3. Ähnlich wie die Kshurika Upanishad ein sukzessives Sichloslösen von den einzelnen Gliedern, lehrt unsere Upanishad ein Emporsteigen durch die sechs mystischen, am Körper unterschiedenen Kreise bis hinauf zum Brahmarandhram. Dieses Aussteigen wird bewerkstelligt durch Meditation der Silbe Om und besonders ihres Nachhalls.

4. Das in Tag und Nacht durch das Atemholen des (fünffachen) Prana 21606-mal wiederholte Hamsa Hamsa erscheint als Hymnus (als der Mantraraja), dessen Dichter, Metrum und Gottheit bestimmt, und an welchem Bijam (Keim, Anfangssilbe), Kilaka (Stamm, Mittelsilben) und Sakti (Kraft, Schlußsilbe) unterschieden werden.

5. Dieser Spruchkönig, welcher als solcher sechs "Glieder" (Herz, Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge und Waffe) hat (vgl. Nrisinhap. 2,2. Ramap. 61), wird unter bestimmten (aus dem Kommentar zu ergänzenden) Anrufungen dieser Glieder als Diagramm (vermutlich um dasselbe als Amulett zu tragen) niedergeschrieben (die nähere Art der Ausführung wird nicht angegeben) und außerdem noch, wie es scheint, auf den Händen aufgetragen.

6. Symbolische Ausdeutung des, als Hamsa (Schwan) in Vogelgestalt aufgefaßten, individuellen Atman.

7. Identität des Hamsa und Paramahamsa (des individuellen und höchsten Atman).

8. Schilderung des noch nicht zum Paramahamsa erhobenen Hamsa.

9. Einswerden desselben mit dem Paramahamsa.

10. Auf zehn Arten kann der Nachhall hervorgebracht werden (vgl. Chand. 2,22. Maitr. 6,22, oben S. 95. 346); die zehnte derselben wird zur Übung empfohlen. Anders die nachfolgenden Verse.

11. Schwinden des Manas und Einswerdung mit dem höchsten Atman.

Der Zusammenhang läßt als denkbar erscheinen, daß diejenigen Abschnitte, welche diese Upanishad so viel moderner als die übrigen Yoga Upanishaden erscheinen lassen (namentlich 3-5) auf späterer Einschiebung beruhen.

Die Hamsa Upanishad

1. Gautama sprach:

Des Brahmanwissens Aufweckung,
Die aller Pflichten kundig ist,
Aller Lehrbücher Sinn einschließt,
Wodurch, o Herr, wird die bewirkt?

Sanatsujata sprach:

Alle Veden durchdacht habend
Und erfaßt habend ihren Sinn,
Siva der Parvati vortrug
Die Wahrheit; — sie vernimm von mir.
Unsagbar und verhüllt gleichsam,
Ist der Yogins Geheimnis sie;
Die dem Hamsa den Weg auslegt,
Freude schenkt und Erlösungsfrucht.

Nunmehr wollen wir über den Hamsa und Paramahamsa das Genaue mitteilen für den Brahmanschüler, welcher beruhigt, bezähmt und dem Lehrer ergeben ist.

2. Mit dem Laute ham-sa ham-sa [aushauchend und einhauchend] weilt er [der Odem] immerfort in allen Leibern, sie ganz erfüllend, wie das Feuer in dem Brennholz oder das Öl in den Sesamkörnern. Wer ihn erkennt, der verfällt nicht dem Tode.

3. Die Afteröffnung verschließend, soll man den Wind von dem Unterleibskreis (Adhara) in die Höhe treiben, indem man dabei den Sexualkreis (Svadhishthanam) dreimal nach rechts umfährt, zu dem Nabelkreis (Manipurakam) aufsteigen, den Herzkreis (Anahatam) überschreiten, im Halskreis (Visuddhi) die Lebenshauche anhalten, den Zwischenbrauenkreis (Ajna) überdenken, die Brahmanöffnung meditieren und dabei allezeit das Wort "ich bin der aus den drei Moren bestehende [Omlaut]", dazu auch, vom Unterleibskreis an bis zur Brahma-nöffnung hin, den Nachhall überdenken, welcher einem reinen Bergkristall gleicht, denn er ist es, welcher Brahman, der höchste Atman, genannt wird.

4. Bei diesem Spruch [nämlich Hamsa Hamsa ] ist der Dichter der Hamsa, das Metrum die Pankti[1], die Gottheit der Paramahamsa, das Wort Ham der Keim (die Anfangssilbe), Sa die Kraft (die Schlußsilbe), Soham der Stamm (die zwischenliegenden Silben). Es sind aber ihrer [der ham-sa, d. h. Aus- und Einatmungen] in Tag und Nacht einundzwanzigtausendsechshundert und sechs.'[2]

5. Mit den Worten: "der Sonne (Om Suryaya Hridayaya Namah), dem Mond (Om Somaya Sirase Svaha), dem Fleckenlosen (Om Niranjanaya Sikhayai Vashat), dem Glanzlosen (Om Nirabhasaya Kavacaya Hum), Tanu Sukshma (Om Tanusukshma Netratrayaya Vaushat) und Pracodayat (Om Pracodayad Astraya Phat)" und dem [jedesmaligen] Zusatz: "dem Agni und Soma Vaushat", werden die Gliedersprüche an Herz usw. [Herz, Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge, und Waffe des Spruchkönigs] aufgetragen [als Diagramm] und auch auf die Hände aufgetragen.

6. Nachdem dies geschehen, soll man im Herzen in der [dort befindlichen] achtblätterigen [Lotosblume] das Wesen des Hamsa überdenken. [Als Hamsa, Schwan, denkt man ihn in Vogelgestalt:] Agni und Soma sind seine Flügel, der Om-Laut sein Kopf, der Anusvara-Kreis sein Auge [oder auch] sein Mund; Rudra und Rudrani seine Füße und Arme, Kala und Agni seine beiden Seiten [rechts und links], "erschaut" und "heimatlos" sind die beiden übrigen Seiten [oben und unten].

7. Und dieser [Hamsa, d. h. die individuelle Seele] ist jener Paramahamsa [die höchste Seele], welcher leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und diese ganze Welt durchzieht.

8. Sein Verhalten aber [sofern er in der achtblättrigen Lotosblume des Herzens weilt] ist ein achtfaches; an dem östlichen Lotosblatt ist sein Sinn auf heiliges Werk gerichtet, an dem südöstlichen überkommen ihn Schlaf und Schlaffheit, an dem südlichen ist sein Sinn grausam, an dem südwestlichen trachtet er nach Bösem, an dem westlichen nach Spiel, an dem nordwestlichen steht sein Verlangen nach Gehen und dergleichen, an dem nördlichen begehrt er nach Liebeslust, an dem nordöstlichen nach Erwerb von Gütern. In der Mitte herrscht die Entsagung, an den Staubfäden der Zustand des Wachens, an der Samenkapsel der Schlaf, an dem Stengel der Tiefschlaf, wo die Lotosblume nach oben aufhört das Turiyam.

9. Wenn aber der Hamsa in dem Nachhall hingeschwunden ist, dann tritt das ein, was Turiya-erhaben, Undenken, Abschluß im Nichtmurmeln heißt. Dies alles geschieht um des Hamsa willen. Darum wird das Manas laufen gelassen; er aber [der Verehrer] genießt in zehn Millionen Murmelungen den Nachhall. Dies alles geschieht um des Hamsa willen.

10. Der Nachhall aber kann zehnfach hervorgebracht werden: der erste klingt wie Cini, der zweite wie Cincini, der dritte wie Glockenton, der vierte wie Muschelblasen, der fünfte wie Saitenspiel, der sechste wie Händeklatschen, der siebente wie Flötenton, der achte wie Trommelschall, der neunte wie Paukenschlag, der zehnte wie Donnerhall. Den neunten [und die vorhergehenden] meide man und übe den zehnten nur allein.

Paramahamsa Yogananda
Beim ersten Cincini nachmacht
Sein Leib, beim zweiten krümmt er ihn,
Beim dritten wird er sehr müde,
Beim vierten schüttelt er den Kopf,
Beim fünften fließt ihm sein Gaumen,
Beim sechsten trinkt er Amritam,
Beim siebten wird Geheimwissen
Beim achten ihm der Rede Kunst,
Beim neunten Unsichtbarmachung
Und hellsehender Götterblick,
Beim zehnten wird er zum Brahman, -
Brahman und Atman werden eins.

11. In ihm schwindet das Manas, und in dem Manas werden Wunsch und Zweifel, Gutes und Böses verbrannt. Er aber, ewig selig, kraftdurchdrungen, allgegenwärtig, leuchtet durch sein eigenes Licht als rein, weise, ewig, fleckenlos und beruhigt.

Om! Das ist Veda-Erklärung, - Veda-Erklärung!

Fußnoten

  1. Die Punaer Ausgabe liest: "die unoffenbare Gayatri".
  2. Über diese Zahl vgl. oben S. 656.

Hamsa Upanishad Text auf IAST

haṃsopaniṣat

haṃsākhyopaniṣatproktanādāliryatra viśramet |
tadādhāraṃ nirādhāraṃ brahmamātramahaṃ mahaḥ ||
oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ ||
gautama uvāca |
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada |
brahmavidyāprabodho hi kenopāyena jāyate || 1||
sanatkumāra uvāca |
vicārya sarvavedeṣu mataṃ jñātvā pinākinaḥ |
pārvatyā kathitaṃ tattvaṃ śa‍्ṛṇu gautama tanmama || 2||
anākhyeyamidaṃ guhyaṃ yogināṃ kośasaṃnibham |
haṃsasyākṛtivistāraṃ bhuktimuktiphalapradam || 3||
atha haṃsaparamahaṃsanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ |
brahmacāriṇe śāntāya dāntāya gurubhaktāya |
haṃsahaṃseti sadā dhyāyansarveṣu deheṣu vyāpya vartate ||
yathā hyagniḥ kāṣṭheṣu tileṣu tailamiva taṃ viditvāmṛtyumatyeti |
gudamavaṣṭabhyādhārādvāyumutthāpyasvādhiṣṭhāṃ triḥpradikṣiṇīkṛtya maṇipūrakaṃ ca gatvā anāhatamatikramya
viśuddhauprāṇānnirudhyājñāmanudhyāyanbrahmarandhraṃ dhyāyan
trimātro'hamityevaṃ sarvadā dhyāyan |
atho nādamādhārādbrahmarandhraparyantaṃ śuddhasphaṭikasaṅkāśaṃ
sa vai brahma paramātmetyucyate || 1||
atha haṃsa ṛṣiḥ | avyaktā gāyatrī chandaḥ | paramahaṃso
devatā | ahamiti bījam | sa iti śaktiḥ |
so'hamiti kīlakam | ṣaṭ saṅkhyayā
ahorātrayorekaviṃśatisahasrāṇi ṣaṭ śatānyadhikāni bhavanti |
sūryāya somāya nirañjanāya nirābhāsāya tanu sūkṣmaṃ
pracodayāditi agnīṣomābhyāṃ vauṣaṭ
hṛdayādyaṅganyāsakaranyāsau bhavataḥ | evaṃ kṛtvā hṛdaye
aṣṭadale haṃsātmānaṃ dhyāyet | agnīṣomau
pakṣāvoṅkāraḥ śiro bindustu netraṃ mukhaṃ rudro rudrāṇī
caraṇau bāhū kālaścāgniścobhe pārśve bhavataḥ |
paśyatyanāgāraśca śiṣṭobhayapārśve bhavataḥ | eṣo'sau
paramahaṃso bhānukoṭipratīkāśaḥ | yenedaṃ vyāptam |
tasyāṣṭadhā vṛttirbhavati | pūrvadale puṇye matiḥ āgneye
nidrālasyādayo bhavanti yāmye krūre matiḥ nairṛte pāpe
manīṣā vāruṇyāṃ krīḍā vāyavye gamanādau buddhiḥ saumye
ratiprītiḥ īśāne dravyādānaṃ madhye vairāgyaṃ kesare
jāgradavasthā karṇikāyāṃ svapnaṃ liṅge suṣuptiḥ padmatyāge
turīyaṃ yadā haṃso nāde līno bhavati tadā
turyātītamunmananamajapopasaṃhāramityabhidhīyate | evaṃ sarvaṃ
haṃsavaśāttasmānmano haṃso vicāryate | sa eva japakoṭyā
nādamanubhavati evaṃ sarvaṃ haṃsavaśānnādo daśavidho jāyate| ciṇīti prathamaḥ | ciñciṇīti dvitīyaḥ |
ghaṇṭānādastṛtīyaḥ | śaṅkhanādaścaturthaḥ |
pañcamatantrīnādaḥ | ṣaṣṭhastālanādaḥ | saptamo veṇunādaḥ| aṣṭamo mṛdaṅganādaḥ | navamo bherīnādaḥ |
daśamo meghanādaḥ | navamaṃ parityajya daśamamevābhyaset |
prathame ciñciṇīgātraṃ dvitīye gātrabhañjanam | tṛtīye
khedanaṃ yāti caturthe kampate śiraḥ ||
pañcame sravate tālu ṣaṣṭhe'mṛtaniṣevaṇam | saptame gūḍhavijñānaṃ parā vācā tathāṣṭame ||
adṛśyaṃ navame dehaṃ divyaṃ cakṣustathāmalam | daśame paramaṃ brahma bhavedbrahmātmasaṃnidhau ||
tasminmano vilīyate manasi saṅkalpavikalpe dagdhe puṇyapāpe sadāśivaḥ śaktyātmā
sarvatrāvasthitaḥ svayaṃjyotiḥ śuddho
buddho nityo nirañjanaḥ śāntaḥ prakāśata iti ||
iti vedapravacanaṃ vedapravacanam || 2||
oṃ pūrṇamada iti śāntiḥ ||
iti haṃsopaniṣatsamāptā ||

Hamsa Upanishad Text auf Devanagari

हंसोपनिषत्

हंसाख्योपनिषत्प्रोक्तनादालिर्यत्र विश्रमेत् ।
तदाधारं निराधारं ब्रह्ममात्रमहं महः ॥
ॐ पूर्णमद इति शान्तिः ॥
गौतम उवाच ।
भगवन्सर्वधर्मज्ञ सर्वशास्त्रविशारद ।
ब्रह्मविद्याप्रबोधो हि केनोपायेन जायते ॥ १॥
सनत्कुमार उवाच ।
विचार्य सर्ववेदेषु मतं ज्ञात्वा पिनाकिनः ।
पार्वत्या कथितं तत्त्वं श‍ृणु गौतम तन्मम ॥ २॥
अनाख्येयमिदं गुह्यं योगिनां कोशसंनिभम् ।
हंसस्याकृतिविस्तारं भुक्तिमुक्तिफलप्रदम् ॥ ३॥
अथ हंसपरमहंसनिर्णयं व्याख्यास्यामः ।
ब्रह्मचारिणे शान्ताय दान्ताय गुरुभक्ताय ।
हंसहंसेति सदा ध्यायन्सर्वेषु देहेषु व्याप्य वर्तते ॥
यथा ह्यग्निः काष्ठेषु तिलेषु तैलमिव तं विदित्वामृत्युमत्येति ।
गुदमवष्टभ्याधाराद्वायुमुत्थाप्यस्वाधिष्ठां त्रिःप्रदिक्षिणीकृत्य मणिपूरकं च गत्वा अनाहतमतिक्रम्य
विशुद्धौप्राणान्निरुध्याज्ञामनुध्यायन्ब्रह्मरन्ध्रं ध्यायन्
त्रिमात्रोऽहमित्येवं सर्वदा ध्यायन् ।
अथो नादमाधाराद्ब्रह्मरन्ध्रपर्यन्तं शुद्धस्फटिकसङ्काशं
स वै ब्रह्म परमात्मेत्युच्यते ॥ १॥
अथ हंस ऋषिः । अव्यक्ता गायत्री छन्दः । परमहंसो
देवता । अहमिति बीजम् । स इति शक्तिः ।
सोऽहमिति कीलकम् । षट् सङ्ख्यया
अहोरात्रयोरेकविंशतिसहस्राणि षट् शतान्यधिकानि भवन्ति ।
सूर्याय सोमाय निरञ्जनाय निराभासाय तनु सूक्ष्मं
प्रचोदयादिति अग्नीषोमाभ्यां वौषट्
हृदयाद्यङ्गन्यासकरन्यासौ भवतः । एवं कृत्वा हृदये
अष्टदले हंसात्मानं ध्यायेत् । अग्नीषोमौ
पक्षावोङ्कारः शिरो बिन्दुस्तु नेत्रं मुखं रुद्रो रुद्राणी
चरणौ बाहू कालश्चाग्निश्चोभे पार्श्वे भवतः ।
पश्यत्यनागारश्च शिष्टोभयपार्श्वे भवतः । एषोऽसौ
परमहंसो भानुकोटिप्रतीकाशः । येनेदं व्याप्तम् ।
तस्याष्टधा वृत्तिर्भवति । पूर्वदले पुण्ये मतिः आग्नेये
निद्रालस्यादयो भवन्ति याम्ये क्रूरे मतिः नैरृते पापे
मनीषा वारुण्यां क्रीडा वायव्ये गमनादौ बुद्धिः सौम्ये
रतिप्रीतिः ईशाने द्रव्यादानं मध्ये वैराग्यं केसरे
जाग्रदवस्था कर्णिकायां स्वप्नं लिङ्गे सुषुप्तिः पद्मत्यागे
तुरीयं यदा हंसो नादे लीनो भवति तदा
तुर्यातीतमुन्मननमजपोपसंहारमित्यभिधीयते । एवं सर्वं
हंसवशात्तस्मान्मनो हंसो विचार्यते । स एव जपकोट्या
नादमनुभवति एवं सर्वं हंसवशान्नादो दशविधो जायते। चिणीति प्रथमः । चिञ्चिणीति द्वितीयः ।
घण्टानादस्तृतीयः । शङ्खनादश्चतुर्थः ।
पञ्चमतन्त्रीनादः । षष्ठस्तालनादः । सप्तमो वेणुनादः। अष्टमो मृदङ्गनादः । नवमो भेरीनादः ।
दशमो मेघनादः । नवमं परित्यज्य दशममेवाभ्यसेत् ।
प्रथमे चिञ्चिणीगात्रं द्वितीये गात्रभञ्जनम् । तृतीये
खेदनं याति चतुर्थे कम्पते शिरः ॥
पञ्चमे स्रवते तालु षष्ठेऽमृतनिषेवणम् । सप्तमे गूढविज्ञानं परा वाचा तथाष्टमे ॥
अदृश्यं नवमे देहं दिव्यं चक्षुस्तथामलम् । दशमे परमं ब्रह्म भवेद्ब्रह्मात्मसंनिधौ ॥
तस्मिन्मनो विलीयते मनसि सङ्कल्पविकल्पे दग्धे पुण्यपापे सदाशिवः शक्त्यात्मा सर्वत्रावस्थितः स्वयंज्योतिः शुद्धो
बुद्धो नित्यो निरञ्जनः शान्तः प्रकाशत इति ॥
इति वेदप्रवचनं वेदप्रवचनम् ॥ २॥
ॐ पूर्णमद इति शान्तिः ॥
इति हंसोपनिषत्समाप्ता ॥


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Literatur

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