Yoga Kundalini Upanishad
Die Yoga Kundalini Upanishad gehört zu den wichtigsten Yoga Upanishaden und wird traditionell dem Krishna Yajurveda zugeordnet. In drei Kapiteln verbindet sie die Praxis des Hatha Yoga mit der Erkenntnislehre der Upanishaden. Ihr zentrales Thema ist die Kundalini, die als im unteren Bereich des feinstofflichen Körpers ruhende Shakti beschrieben wird. Durch eine vorbereitende Lebensführung, Asana, Pranayama, Bandha, Khechari Mudra, Meditation und Guru-Unterweisung soll sie in die Sushumna eintreten und zu den höheren Bewusstseinszentren aufsteigen.
Das erste Kapitel erklärt die enge Verbindung zwischen Geist und Lebenshauch. Es behandelt maßvolle Ernährung, Padmasana und Vajrasana, vier Formen des Kumbhaka sowie Mula Bandha, Uddiyana Bandha und Jalandhara Bandha. Der Aufstieg der Kundalini durch die Granthis und Chakras führt zur Vereinigung von Shakti und Shiva. Das zweite Kapitel ist vor allem Khechari Vidya und der Bedeutung persönlicher Unterweisung gewidmet. Das dritte Kapitel verbindet die Lehre von Prana und Chakras mit Vedanta, der Frage „Wer bin ich?“, der Erkenntnis des inneren Zeugen und der Befreiung als Jivanmukta.
Die wahrscheinlich spätmittelalterliche Schrift steht in enger Beziehung zum Praxis- und Ideenfeld von Amritasiddhi, Goraksha Shataka, Goraksha Paddhati, Yoga Bija und Hatha Yoga Pradipika. Zugleich teilt sie viele Themen mit der Yoga Tattva Upanishad, der Yoga Shikha Upanishad und weiteren Yoga Upanishaden. Im Unterschied zum älteren Yoga Sutra des Patanjali beschreibt sie die Sammlung des Geistes ausdrücklich durch das feinstoffliche System von Prana, Nadi, Chakra und Kundalini. Ihr Ziel bleibt jedoch nicht eine außergewöhnliche Energieerfahrung, sondern die unmittelbare Erkenntnis der Einheit von Atman und Brahman.
Für heutige Yoga-Aspiranten ist besonders die Verbindung von regelmäßiger Praxis, maßvoller Lebensweise, innerer Sammlung und Selbsterkenntnis bedeutsam. Die Schrift sollte zugleich historisch und verantwortungsvoll gelesen werden. Einige ihrer Anweisungen – vor allem die im zweiten Kapitel beschriebene operative Verlängerung der Zunge – sind riskante vormoderne Spezialpraktiken und keine Empfehlung zum eigenständigen Ausprobieren. Die bleibende Botschaft der Upanishad liegt in der allmählichen Läuterung von Atem und Geist sowie in der Erkenntnis des unveränderlichen Selbst.
Yoga Kundalini Upanishad – Übersetzung
IAST, deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Übersetzung
Die Worterklärungen folgen den Verszeilen und fassen eng verbundene Sanskrit-Komposita sowie syntaktische Gruppen zusammen.
Hinweis: Die im zweiten Kapitel beschriebenen Eingriffe an der Zunge und andere intensive Praktiken sind historische Anweisungen für fortgeschrittene Yogis. Sie sollen nicht ohne unmittelbare Führung einer dafür qualifizierten Lehrperson ausgeführt werden.
EinleitungsVers Yoga Kundalini Upanishad
yogakuṇḍalyupaniṣadyogasiddhihṛdāsanam |
nirviśeṣabrahmatattvaṃ svamātramiti cintaye ||
Ich meditiere über das eigene, unterschiedslose Wesen Brahmans, das den innersten Sitz der yogischen Vollendung bildet und von der Yoga Kundalini Upanishad gelehrt wird.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yogakuṇḍalyupaniṣat – die Yoga Kundalini Upanishad; yoga-siddhi – yogische Vollendung (Siddhi); hṛd-āsanam – Sitz im Herzen; nirviśeṣa-brahma-tattvam – das unterschiedslose Wesen Brahmans (Brahman, Tattva); sva-mātram – das eigene Wesen allein; iti cintaye – so meditiere ich.
Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Möge er uns beide beschützen; möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; saha nau avatu – möge er uns beide beschützen; saha nau bhunaktu – möge er uns beide nähren; saha vīryaṃ karavāvahai – mögen wir gemeinsam kraftvoll wirken; tejasvinau adhītam astu – möge das von uns Gelernte lichtvoll sein; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden (Shanti).
Erstes Kapitel
1.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
hariḥ oṃ || hetudvayaṃ hi cittasya vāsanā ca samīraṇaḥ |
tayorvinaṣṭa ekasmiṃstaddvāvapi vinaśyataḥ || 1 ||
Der Geist hat zwei Ursachen: die Vasanas, die im Geist gespeicherten Neigungen, und den Lebenshauch. Wird eine von beiden überwunden, kommen beide zur Ruhe.
Wort-für-Wort-Übersetzung: hetu-dvayam – zwei Ursachen; hi – wahrlich; cittasya – des Geistes (Chitta); vāsanā – gespeicherte Neigung, Prägung (Vasana); ca – und; samīraṇaḥ – Lebenshauch; tayoḥ – von diesen beiden; vinaṣṭe ekasmin – wenn eine überwunden ist; tat dvau api – dann auch beide; vinaśyataḥ – kommen zur Ruhe, vergehen.
1.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tayorādau samīrasya jayaṃ kuryānnaraḥ sadā |
mitāhāraścāsanaṃ ca śaktiścālastṛtīyakaḥ || 2 ||
Von diesen beiden soll der Mensch zuerst den Lebenshauch beherrschen. Dazu dienen maßvolle Ernährung, die Körperhaltung und als Drittes Shakti Chalana, das Bewegen der inneren Kraft.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tayoḥ ādau – von diesen beiden zuerst; samīrasya jayam – Beherrschung des Lebenshauches; kuryāt naraḥ sadā – soll der Mensch beständig vollziehen; mita-āhāraḥ – maßvolle Ernährung (Mitahara); ca āsanam – und eine Sitzhaltung (Asana); śakti-cālaḥ – das Bewegen der Shakti (Shakti); tṛtīyakaḥ – als Drittes.
1.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
eteṣāṃ lakṣaṇaṃ vakṣye śṛṇu gautama sādaram |
susnigdhamadhurāhāraścaturthāṃśavivarjitaḥ || 3 ||
Ich werde dir ihre Kennzeichen erklären. Höre aufmerksam zu, o Gautama: Die Nahrung soll wohltuend, nahrhaft und süß sein, während ein Viertel des Magens frei bleibt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: eteṣām lakṣaṇam – ihre Kennzeichen; vakṣye – werde ich erklären; śṛṇu – höre; gautama – o Gautama; sa-ādaram – aufmerksam, mit Achtung; su-snigdha-madhura-āhāraḥ – wohltuende, nahrhafte und süße Nahrung; caturtha-aṃśa-vivarjitaḥ – wobei ein Viertel frei gelassen wird.
1.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
bhujyate śivasamprītyai mitāhāraḥ sa ucyate |
āsanaṃ dvividhaṃ proktaṃ padmaṃ vajrāsanaṃ tathā || 4 ||
Wird die Nahrung zur Freude Shivas eingenommen, nennt man dies maßvolle Ernährung. Zwei Sitzhaltungen werden gelehrt: Padmasana und Vajrasana.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bhujyate – wird gegessen; śiva-samprītyai – zur Freude Shivas (Shiva); mita-āhāraḥ – maßvolle Ernährung (Mitahara); saḥ ucyate – so wird sie genannt; āsanam dvi-vidham – zwei Arten von Sitzhaltungen (Asana); proktam – werden gelehrt; padmam – Padmasana (Padmasana); vajrāsanam tathā – und ebenso Vajrasana (Vajrasana).
1.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ūrvorupari ceddhatte ubhe pādatale yathā |
padmāsanaṃ bhavedetatsarvapāpapraṇāśanam || 5 ||
Wer beide Fußsohlen auf die jeweils gegenüberliegenden Oberschenkel legt, übt Padmasana, den Lotussitz, der alle Verfehlungen auflöst.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ūrvoḥ upari – auf den beiden Oberschenkeln; cet dhatte – wenn man legt; ubhe pāda-tale – beide Fußsohlen; yathā – in der entsprechenden Weise; padmāsanam bhavet etat – dies ist Padmasana (Padmasana); sarva-pāpa-praṇāśanam – alle Verfehlungen auflösend.
1.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
vāmāṅghrimūlakandādho hyanyaṃ tadupari kṣipet |
samagrīvaśiraḥkāyo vajrāsanamitīritam || 6 ||
Man lege die linke Ferse unter den Wurzelbereich und die andere darüber und halte Hals, Kopf und Rumpf aufrecht. Dies wird Vajrasana genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vāma-aṅghri-mūla-kanda-adhaḥ – unter den Wurzelbereich mit der linken Ferse; hi anyam tat-upari kṣipet – die andere darüber legen; sama-grīva-śiraḥ-kāyaḥ – Hals, Kopf und Rumpf aufrecht; vajrāsanam iti īritam – dies wird Vajrasana genannt (Vajrasana).
1.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kuṇḍalyeva bhavecchaktistāṃ tu sañcālayedbudhaḥ |
svasthānādābhruvormadhyaṃ śakticālanamucyate || 7 ||
Diese Shakti ist Kundalini. Der Weise soll sie von ihrem eigenen Sitz bis zur Mitte zwischen den Augenbrauen führen; das wird Shakti Chalana genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṇḍalī eva bhavet śaktiḥ – diese Shakti ist Kundalini (Kundalini, Shakti); tām tu sañcālayet budhaḥ – der Weise soll sie bewegen; sva-sthānāt – von ihrem eigenen Sitz; ā-bhruvoḥ madhyam – bis zur Mitte zwischen den Augenbrauen; śakti-cālanam ucyate – dies wird Shakti Chalana genannt.
1.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tatsādhane dvayaṃ mukhyaṃ sarasvatyāstu cālanam |
prāṇarodhamathābhyāsādṛjvī kuṇḍalinī bhavet || 8 ||
Für diese Praxis sind vor allem zwei Dinge nötig: das Bewegen der Saraswati und das Anhalten des Prana. Durch beharrliches Üben richtet sich die gewundene Kundalini auf.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-sādhane – bei dieser Praxis (Sadhana); dvayam mukhyam – sind zwei Dinge wesentlich; sarasvatyāḥ tu cālanam – das Bewegen der Saraswati (Saraswati); prāṇa-rodham – das Anhalten des Prana (Prana); atha abhyāsāt – darauf durch Übung (Abhyasa); ṛjvī kuṇḍalinī bhavet – richtet sich Kundalini auf (Kundalini).
1.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tayorādau sarasvatyāścālanaṃ kathayāmi te |
arundhatyeva kathitā purāvidbhiḥ sarasvatī || 9 ||
Von diesen beiden erkläre ich dir zuerst das Bewegen der Saraswati. Die Kenner früherer Zeiten bezeichneten Saraswati auch als Arundhati.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tayorādau sarasvatyāścālanaṃ kathayāmi te – Von diesen beiden erkläre ich dir zuerst das Bewegen der Saraswati (Saraswati); arundhatyeva kathitā purāvidbhiḥ sarasvatī – Die Kenner früherer Zeiten bezeichneten Saraswati auch als Arundhati (Saraswati).
1.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yasyāḥ sañcālanenaiva svayaṃ calati kuṇḍalī |
iḍāyāṃ vahati prāṇe baddhvā padmāsanaṃ dṛḍham || 10 ||
Allein durch ihr Bewegen setzt sich Kundalini von selbst in Bewegung. Wenn Prana durch Ida strömt, soll der Yogi fest im Lotussitz sitzen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yasyāḥ sañcālanenaiva svayaṃ calati kuṇḍalī – Allein durch ihr Bewegen setzt sich Kundalini von selbst in Bewegung (Kundalini); iḍāyāṃ vahati prāṇe baddhvā padmāsanaṃ dṛḍham – Wenn Prana durch Ida strömt, soll der Yogi fest im Lotussitz sitzen (Ida, Asana, Padmasana).
1.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
dvādaśāṅguladairghyaṃ ca ambaraṃ caturaṅgulam |
vistīrya tena tannāḍīṃ veṣṭayitvā tataḥ sudhīḥ || 11 ||
Ein zwölf Fingerbreiten langes und vier Fingerbreiten breites Tuch soll ausgebreitet und um den betreffenden Nadi-Bereich gelegt werden; so verfährt der Verständige.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dvādaśāṅguladairghyaṃ ca ambaraṃ caturaṅgulam – Ein zwölf Fingerbreiten langes und vier Fingerbreiten breites Tuch soll ausgebreitet und um den betreffenden Nadi-Bereich gelegt werden; vistīrya tena tannāḍīṃ veṣṭayitvā tataḥ sudhīḥ – so verfährt der Verständige (Nadi).
1.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
aṅguṣṭhatarjanībhyāṃ tu hastābhyāṃ dhārayeddhṛḍham |
svaśaktyā cālayedvāme dakṣiṇena punaḥpunaḥ || 12 ||
Er soll ihn mit Daumen und Zeigefingern beider Hände festhalten und mit eigener Kraft immer wieder nach links und nach rechts bewegen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aṅguṣṭhatarjanībhyāṃ tu hastābhyāṃ dhārayeddhṛḍham – Er soll ihn mit Daumen und Zeigefingern beider Hände festhalten und; svaśaktyā cālayedvāme dakṣiṇena punaḥpunaḥ – mit eigener Kraft immer wieder nach links und nach rechts bewegen.
1.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
muhūrtadvayaparyantaṃ nirbhayāccālayetsudhīḥ |
ūrdhvamākarṣayetkiñcitsuṣumnāṃ kuṇḍalīgatām || 13 ||
Der Verständige soll dies zwei Muhurtas lang furchtlos ausführen und Kundalini, die zur Sushumna gelangt ist, ein wenig nach oben ziehen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: muhūrtadvayaparyantaṃ nirbhayāccālayetsudhīḥ – Der Verständige soll dies zwei Muhurtas lang furchtlos ausführen und; ūrdhvamākarṣayetkiñcitsuṣumnāṃ kuṇḍalīgatām – Kundalini, die zur Sushumna gelangt ist, ein wenig nach oben ziehen (Kundalini, Sushumna).
1.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tena kuṇḍalinī tasyāḥ suṣumnāyā mukhaṃ vrajet |
jahāti tasmātprāṇo'yaṃ suṣumnāṃ vrajati svataḥ || 14 ||
Dadurch gelangt Kundalini an die Öffnung der Sushumna. Prana verlässt seinen bisherigen Weg und tritt von selbst in die Sushumna ein.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tena kuṇḍalinī tasyāḥ suṣumnāyā mukhaṃ vrajet – Dadurch gelangt Kundalini an die Öffnung der Sushumna (Kundalini, Sushumna); jahāti tasmātprāṇo'yaṃ suṣumnāṃ vrajati svataḥ – Prana verlässt seinen bisherigen Weg und tritt von selbst in die Sushumna ein (Sushumna).
1.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tunde tu tānaṃ kuryācca kaṇṭhasaṅkocane kṛte |
sarasvatyāṃ cālanena vakṣasaścordhvago marut || 15 ||
Bei zusammengezogenem Hals soll der Bauchbereich gedehnt werden. Durch das Bewegen der Saraswati steigt der Lebenshauch über die Brust hinaus nach oben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tunde tu tānaṃ kuryācca kaṇṭhasaṅkocane kṛte – Bei zusammengezogenem Hals soll der Bauchbereich gedehnt werden; sarasvatyāṃ cālanena vakṣasaścordhvago marut – Durch das Bewegen der Saraswati steigt der Lebenshauch über die Brust hinaus nach oben (Saraswati).
1.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
sūryeṇa recayedvāyuṃ sarasvatyāstu cālane |
kaṇṭhasaṅkocanaṃ kṛtvā vakṣasaścordhvago marut || 16 ||
Beim Bewegen der Saraswati soll man durch den Sonnen-Nadi ausatmen. Wird der Hals zusammengezogen, steigt der Lebenshauch aus dem Brustraum empor.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sūryeṇa recayedvāyuṃ sarasvatyāstu cālane – Beim Bewegen der Saraswati soll man durch den Sonnen-Nadi ausatmen (Saraswati, Surya); kaṇṭhasaṅkocanaṃ kṛtvā vakṣasaścordhvago marut – Wird der Hals zusammengezogen, steigt der Lebenshauch aus dem Brustraum empor.
1.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasmātsañcālayennityaṃ śabdagarbhāṃ sarasvatīm |
yasyāḥ sañcālanenaiva yogī rogaiḥ pramucyate || 17 ||
Darum soll der Yogi die klangtragende Saraswati täglich bewegen. Allein durch ihr Bewegen wird er von Krankheiten befreit.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmātsañcālayennityaṃ śabdagarbhāṃ sarasvatīm – Darum soll der Yogi die klangtragende Saraswati täglich bewegen (Saraswati); yasyāḥ sañcālanenaiva yogī rogaiḥ pramucyate – Allein durch ihr Bewegen wird er von Krankheiten befreit.
1.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
gulmaṃ jalodaraḥ plīhā ye cānye tundamadhyagāḥ |
sarve te śakticālena rogā naśyanti niścayam || 18 ||
Gulma, Wassersucht, Milzleiden und andere Erkrankungen im Bauchraum werden durch Shakti Chalana zweifellos beseitigt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: gulmaṃ jalodaraḥ plīhā ye cānye tundamadhyagāḥ – Gulma Wassersucht; sarve te śakticālena rogā naśyanti niścayam – Milzleiden und andere Erkrankungen im Bauchraum werden durch Shakti Chalana zweifellos beseitigt (Shakti).
1.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prāṇarodhamathedānīṃ pravakṣyāmi samāsataḥ |
prāṇaśca dahano vāyurāyāmaḥ kumbhakaḥ smṛtaḥ || 19 ||
Nun erkläre ich kurz das Anhalten des Prana. Prana ist der im Körper wirkende, feurige Lebenshauch; seine Regulierung und Zurückhaltung wird Kumbhaka genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇarodhamathedānīṃ pravakṣyāmi samāsataḥ – Nun erkläre ich kurz das Anhalten des Prana. Prana ist der im Körper wirkende, feurige Lebenshauch (Prana); prāṇaśca dahano vāyurāyāmaḥ kumbhakaḥ smṛtaḥ – seine Regulierung und Zurückhaltung wird Kumbhaka genannt (Prana, Kumbhaka).
1.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
sa eva dvividhaḥ proktaḥ sahitaḥ kevalastathā |
yāvatkevalasiddhiḥ syāttāvatsahitamabhyaset || 20 ||
Kumbhaka wird als zweifach gelehrt: Sahita, mit Ein- und Ausatmung verbunden, und Kevala, das reine Atemanhalten. Bis Kevala verwirklicht ist, soll man Sahita üben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sa eva dvividhaḥ proktaḥ sahitaḥ kevalastathā – Kumbhaka wird als zweifach gelehrt: Sahita, mit Ein- und Ausatmung verbunden, und Kevala, das reine Atemanhalten; yāvatkevalasiddhiḥ syāttāvatsahitamabhyaset – Bis Kevala verwirklicht ist, soll man Sahita üben.
1.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
sūryojjāyī śītalī ca bhastrī caiva caturthikā |
bhedaireva samaṃ kumbho yaḥ syātsahitakumbhakaḥ || 21 ||
Surya Bhedana, Ujjayi, Shitali und Bhastrika sind die vier Formen. Kumbhaka in Verbindung mit diesen vier Varianten heißt Sahita Kumbhaka.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sūryojjāyī śītalī ca bhastrī caiva caturthikā – Surya Bhedana Ujjayi (Surya, Shitali, Bhastrika); bhedaireva samaṃ kumbho yaḥ syātsahitakumbhakaḥ – Shitali und Bhastrika sind die vier Formen. Kumbhaka in Verbindung mit diesen vier Varianten heißt Sahita Kumbhaka (Kumbhaka).
1.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
pavitre nirjane deśe śarkarādivivarjite |
dhanuḥpramāṇaparyante śītāgnijalavarjite || 22 ||
Man übe an einem reinen, abgeschiedenen Ort, der frei von Steinen und ähnlichen Hindernissen und im Umkreis einer Bogenlänge vor Kälte, Feuer und Wasser geschützt ist.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pavitre nirjane deśe śarkarādivivarjite – Man übe an einem reinen, abgeschiedenen Ort, der frei von Steinen und ähnlichen Hindernissen und im Umkreis einer Bogenlänge vor Kälte; dhanuḥpramāṇaparyante śītāgnijalavarjite – Feuer und Wasser geschützt ist.
1.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
pavitre nātyuccanīce hyāsane sukhade sukhe |
baddhapadmāsanaṃ kṛtvā sarasvatyāstu cālanam || 23 ||
Auf einem reinen, angenehmen Sitz, der weder zu hoch noch zu niedrig ist, nehme man den festen Lotussitz ein und beginne mit dem Bewegen der Saraswati.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pavitre nātyuccanīce hyāsane sukhade sukhe – Auf einem reinen, angenehmen Sitz, der weder zu hoch noch zu niedrig ist; baddhapadmāsanaṃ kṛtvā sarasvatyāstu cālanam – nehme man den festen Lotussitz ein und beginne mit dem Bewegen der Saraswati (Saraswati, Asana, Padmasana).
1.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
dakṣanāḍyā samākṛṣya bahiṣṭhaṃ pavanaṃ śanaiḥ |
yatheṣṭaṃ pūrayedvāyuṃ recayediḍayā tataḥ || 24 ||
Durch den rechten Nadi ziehe man den äußeren Atem langsam ein, fülle sich nach Vermögen mit Luft und atme anschließend durch Ida aus.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dakṣanāḍyā samākṛṣya bahiṣṭhaṃ pavanaṃ śanaiḥ – Durch den rechten Nadi ziehe man den äußeren Atem langsam ein, fülle (Nadi); yatheṣṭaṃ pūrayedvāyuṃ recayediḍayā tataḥ – sich nach Vermögen mit Luft und atme anschließend durch Ida aus.
1.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kapālaśodhane vāpi recayetpavanaṃ śanaiḥ |
catuṣkaṃ vātadoṣaṃ tu kṛmidoṣaṃ nihanti ca || 25 ||
Auch zur Reinigung des Kopfes soll man den Atem langsam ausströmen lassen. Diese Praxis beseitigt die vier Arten von Vata-Störungen und auch Störungen durch Würmer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kapālaśodhane vāpi recayetpavanaṃ śanaiḥ – Auch zur Reinigung des Kopfes soll man den Atem langsam ausströmen lassen; catuṣkaṃ vātadoṣaṃ tu kṛmidoṣaṃ nihanti ca – Diese Praxis beseitigt die vier Arten von Vata-Störungen und auch Störungen durch Würmer.
1.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
punaḥ punaridaṃ kāryaṃ sūryabhedamudāhṛtam |
mukhaṃ saṃyamya nāḍibhyāmākṛṣya pavanaṃ śanaiḥ || 26 ||
Dies soll immer wieder ausgeführt werden und wird Surya Bhedana genannt. Für Ujjayi schließt man den Mund und zieht den Atem langsam durch beide Nasenwege ein.
Wort-für-Wort-Übersetzung: punaḥ punaridaṃ kāryaṃ sūryabhedamudāhṛtam – Dies soll immer wieder ausgeführt werden und wird Surya Bhedana genannt (Surya); mukhaṃ saṃyamya nāḍibhyāmākṛṣya pavanaṃ śanaiḥ – Für Ujjayi schließt man den Mund und zieht den Atem langsam durch beide Nasenwege ein (Nadi).
1.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yathā lagati kaṇṭhāttu hṛdayāvadhi sasvanam |
pūrvavatkumbhayetprāṇaṃ recayediḍayā tataḥ || 27 ||
Der Atem soll vom Hals bis zum Herzen hörbar werden. Dann halte man Prana wie zuvor an und atme anschließend durch Ida aus.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā lagati kaṇṭhāttu hṛdayāvadhi sasvanam – Der Atem soll vom Hals bis zum Herzen hörbar werden; pūrvavatkumbhayetprāṇaṃ recayediḍayā tataḥ – Dann halte man Prana wie zuvor an und atme anschließend durch Ida aus (Prana).
1.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śīrṣoditānalaharaṃ galaśleṣmaharaṃ param |
sarvarogaharaṃ puṇyaṃ dehānalavivardhanam || 28 ||
Dies beseitigt aufsteigende Hitze im Kopf und besonders den Schleim im Hals, wirkt Krankheiten entgegen, reinigt den Körper und stärkt das innere Feuer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śīrṣoditānalaharaṃ galaśleṣmaharaṃ param – Dies beseitigt aufsteigende Hitze im Kopf und besonders den Schleim im Hals; sarvarogaharaṃ puṇyaṃ dehānalavivardhanam – wirkt Krankheiten entgegen, reinigt den Körper und stärkt das innere Feuer.
1.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
nāḍījalodaraṃ dhātugatadoṣavināśanam |
gacchatastiṣṭhataḥ kāryamujjāyyākhyaṃ tu kumbhakam || 29 ||
Es beseitigt Störungen der Nadis, Wassersucht und Verunreinigungen der Körperbestandteile. Dieses Kumbhaka heißt Ujjayi und kann auch im Gehen oder Stehen geübt werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: nāḍījalodaraṃ dhātugatadoṣavināśanam – Es beseitigt Störungen der Nadis Wassersucht und Verunreinigungen der Körperbestandteile (Nadi); gacchatastiṣṭhataḥ kāryamujjāyyākhyaṃ tu kumbhakam – Dieses Kumbhaka heißt Ujjayi und kann auch im Gehen oder Stehen geübt werden (Kumbhaka, Ujjayi).
1.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jihvayā vāyumākṛṣya pūrvavatkumbhakādanu |
śanaistu ghrāṇarandhrābhyāṃ recayedanilaṃ sudhīḥ || 30 ||
Bei Shitali zieht der Verständige die Luft durch die Zunge ein, hält sie wie zuvor an und atmet anschließend langsam durch beide Nasenöffnungen aus.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jihvayā vāyumākṛṣya pūrvavatkumbhakādanu – Bei Shitali zieht der Verständige die Luft durch die Zunge ein, hält; śanaistu ghrāṇarandhrābhyāṃ recayedanilaṃ sudhīḥ – sie wie zuvor an und atmet anschließend langsam durch beide Nasenöffnungen aus.
1.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
gulmaplīhādikāndoṣānkṣayaṃ pittaṃ jvaraṃ tṛṣām |
viṣāṇi śītalī nāma kumbhako'yaṃ nihanti ca || 31 ||
Dieses Kumbhaka heißt Shitali. Es wirkt Gulma, Milzleiden, Auszehrung, überschüssigem Pitta, Fieber, Durst und Giften entgegen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: gulmaplīhādikāndoṣānkṣayaṃ pittaṃ jvaraṃ tṛṣām – Dieses Kumbhaka heißt Shitali. Es wirkt Gulma Milzleiden; viṣāṇi śītalī nāma kumbhako'yaṃ nihanti ca – Auszehrung, überschüssigem Pitta Fieber Durst und Giften entgegen (Shitali).
1.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tataḥ padmāsanaṃ baddhvā samagrīvodaraḥ sudhīḥ |
mukhaṃ saṃyamya yatnena prāṇaṃ ghrāṇena recayet || 32 ||
Dann setze sich der Verständige in den Lotussitz, halte Hals und Bauch aufrecht, schließe den Mund und bewege den Atem sorgfältig durch die Nase.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ padmāsanaṃ baddhvā samagrīvodaraḥ sudhīḥ – Dann setze sich der Verständige in den Lotussitz, halte Hals und Bauch (Asana, Padmasana); mukhaṃ saṃyamya yatnena prāṇaṃ ghrāṇena recayet – aufrecht, schließe den Mund und bewege den Atem sorgfältig durch die Nase (Prana).
1.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yathā lagati kaṇṭhāttu kapāle sasvanaṃ tataḥ |
vegena pūrayetkiñcidhṛtpadmāvadhi mārutam || 33 ||
Der Atem soll zwischen Hals und Schädel hörbar werden; dann fülle man den Brustraum zügig bis zum Herzlotus mit Luft.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā lagati kaṇṭhāttu kapāle sasvanaṃ tataḥ – Der Atem soll zwischen Hals und Schädel hörbar werden; vegena pūrayetkiñcidhṛtpadmāvadhi mārutam – dann fülle man den Brustraum zügig bis zum Herzlotus mit Luft.
1.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
punarvirecayettadvatpūrayecca punaḥ punaḥ |
yathaiva lohakārāṇāṃ bhastrā vegena cālyate || 34 ||
Man atme auf dieselbe Weise wieder aus und dann immer wieder ein. Der Atem soll bewegt werden wie der Blasebalg eines Schmiedes.
Wort-für-Wort-Übersetzung: punarvirecayettadvatpūrayecca punaḥ punaḥ – Man atme auf dieselbe Weise wieder aus und dann immer wieder ein; yathaiva lohakārāṇāṃ bhastrā vegena cālyate – Der Atem soll bewegt werden wie der Blasebalg eines Schmiedes (Bhastrika).
1.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tathaiva svaśarīrasthaṃ cālayetpavanaṃ śanaiḥ |
yathā śramo bhaveddehe tathā sūryeṇa pūrayet || 35 ||
Ebenso soll man den Atem im eigenen Körper gleichmäßig bewegen. Wenn Ermüdung eintritt, soll man durch den Sonnen-Nadi einatmen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tathaiva svaśarīrasthaṃ cālayetpavanaṃ śanaiḥ – Ebenso soll man den Atem im eigenen Körper gleichmäßig bewegen; yathā śramo bhaveddehe tathā sūryeṇa pūrayet – Wenn Ermüdung eintritt, soll man durch den Sonnen-Nadi einatmen (Surya).
1.36. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yathodaraṃ bhavetpūrṇaṃ pavanena tathā laghu |
dhārayannāsikāmadhyaṃ tarjanībhyāṃ vinā dṛḍham || 36 ||
Ist der Bauch leicht und vollständig mit Luft gefüllt, verschließe man die Nasenöffnungen fest mit den Fingern, wobei die Zeigefinger nicht benutzt werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yathodaraṃ bhavetpūrṇaṃ pavanena tathā laghu – Ist der Bauch leicht und vollständig mit Luft gefüllt, verschließe man die; dhārayannāsikāmadhyaṃ tarjanībhyāṃ vinā dṛḍham – Nasenöffnungen fest mit den Fingern, wobei die Zeigefinger nicht benutzt werden.
1.37. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kumbhakaṃ pūrvavatkṛtvā receyediḍayānilam |
kaṇṭhotthitānalaharaṃ śarīrāgnivivardhanam || 37 ||
Nach dem Kumbhaka wie zuvor atme man durch Ida aus. Dies beseitigt aufsteigende Hitze im Hals und verstärkt das Verdauungs- und Körperfeuer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kumbhakaṃ pūrvavatkṛtvā receyediḍayānilam – Nach dem Kumbhaka wie zuvor atme man durch Ida aus (Kumbhaka); kaṇṭhotthitānalaharaṃ śarīrāgnivivardhanam – Dies beseitigt aufsteigende Hitze im Hals und verstärkt das Verdauungs- und Körperfeuer.
1.38. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kuṇḍalībodhakaṃ puṇyaṃ pāpaghnaṃ śubhadaṃ sukham |
brahmanāḍīmukhāntasthakaphādyargalanāśanam || 38 ||
Diese heilsame Praxis erweckt Kundalini, löst Verfehlungen, bringt Glück und Wohlbefinden und entfernt Schleim und andere Sperren an der Öffnung der Brahma Nadi.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṇḍalībodhakaṃ puṇyaṃ pāpaghnaṃ śubhadaṃ sukham – Diese heilsame Praxis erweckt Kundalini, löst Verfehlungen, bringt Glück und Wohlbefinden und (Kundalini); brahmanāḍīmukhāntasthakaphādyargalanāśanam – entfernt Schleim und andere Sperren an der Öffnung der Brahma Nadi (Nadi, Brahman).
1.39. Vers Yoga Kundalini Upanishad
guṇatrayasamudbhūtagranthitrayavibhedakam |
viśeṣeṇaiva kartavyaṃ bhastrākhyaṃ kumbhakaṃ tvidam || 39 ||
Sie durchdringt die drei Granthis, die mit den drei Gunas verbunden sind. Dieses als Bhastrika bekannte Kumbhaka soll mit besonderer Sorgfalt geübt werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: guṇatrayasamudbhūtagranthitrayavibhedakam – Sie durchdringt die drei Granthis, die mit den drei Gunas verbunden sind (Granthi); viśeṣeṇaiva kartavyaṃ bhastrākhyaṃ kumbhakaṃ tvidam – Dieses als Bhastrika bekannte Kumbhaka soll mit besonderer Sorgfalt geübt werden (Kumbhaka, Bhastrika).
1.40. Vers Yoga Kundalini Upanishad
caturṇāmapi bhedānāṃ kumbhake samupasthite |
bandhatrayamidaṃ kāryaṃ yogibhirvītakalmaṣaiḥ || 40 ||
Bei allen vier Formen des Kumbhaka sollen die von Verfehlungen freien Yogis die drei Bandhas anwenden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: caturṇāmapi bhedānāṃ kumbhake samupasthite – Bei allen vier Formen des Kumbhaka sollen die; bandhatrayamidaṃ kāryaṃ yogibhirvītakalmaṣaiḥ – von Verfehlungen freien Yogis die drei Bandhas anwenden (Bandha).
1.41. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prathamo mūlabandhastu dvitīyoḍḍīyaṇābhidhaḥ |
jālandharastṛtīyastu teṣāṃ lakṣaṇamucyate || 41 ||
Der erste ist Mula Bandha, der zweite heißt Uddiyana Bandha und der dritte Jalandhara Bandha. Nun werden ihre Kennzeichen erklärt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prathamo mūlabandhastu dvitīyoḍḍīyaṇābhidhaḥ – Der erste ist Mula Bandha, der zweite heißt Uddiyana Bandha und der dritte Jalandhara Bandha (Bandha, Mula Bandha); jālandharastṛtīyastu teṣāṃ lakṣaṇamucyate – Nun werden ihre Kennzeichen erklärt (Jalandhara Bandha).
1.42. Vers Yoga Kundalini Upanishad
adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt |
ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate || 42 ||
Durch das Zusammenziehen wird Apana, dessen Bewegung nach unten gerichtet ist, kraftvoll nach oben geführt. Dies wird Mula Bandha genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt – Durch das Zusammenziehen wird Apana, dessen Bewegung nach unten gerichtet ist, kraftvoll nach oben geführt (Apana); ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate – Dies wird Mula Bandha genannt.
1.43. Vers Yoga Kundalini Upanishad
apāne cordhvage yāte samprāpte vahnimaṇḍale |
tato'nalaśikhā dīrghā vardhate vāyunāhatā || 43 ||
Wenn Apana aufwärtssteigt und den Bereich des inneren Feuers erreicht, wächst dessen Flamme, vom Lebenshauch angefacht, mächtig empor.
Wort-für-Wort-Übersetzung: apāne cordhvage yāte samprāpte vahnimaṇḍale – Wenn Apana aufwärtssteigt und den Bereich des inneren Feuers; tato'nalaśikhā dīrghā vardhate vāyunāhatā – erreicht, wächst dessen Flamme, vom Lebenshauch angefacht, mächtig empor.
1.44. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tato yātau vahnyapānau prāṇamuṣṇasvarūpakam |
tenātyantapradīptena jvalano dehajastathā || 44 ||
Dann vereinigen sich Feuer und Apana mit dem heißen Prana. Durch dieses außerordentlich entfachte Feuer verstärkt sich auch das Feuer im Körper.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tato yātau vahnyapānau prāṇamuṣṇasvarūpakam – Dann vereinigen sich Feuer und Apana mit dem heißen Prana (Prana, Apana); tenātyantapradīptena jvalano dehajastathā – Durch dieses außerordentlich entfachte Feuer verstärkt sich auch das Feuer im Körper.
1.45. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tena kuṇḍalinī suptā santaptā samprabudhyate |
daṇḍāhatabhujaṅgīva niḥśvasya ṛjutāṃ vrajet || 45 ||
Von dieser Hitze erwärmt, erwacht die schlafende Kundalini. Zischend richtet sie sich auf wie eine Schlange, die mit einem Stock berührt wurde.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tena kuṇḍalinī suptā santaptā samprabudhyate – Von dieser Hitze erwärmt, erwacht die schlafende Kundalini (Kundalini); daṇḍāhatabhujaṅgīva niḥśvasya ṛjutāṃ vrajet – Zischend richtet sie sich auf wie eine Schlange, die mit einem Stock berührt wurde.
1.46. Vers Yoga Kundalini Upanishad
bilapraveśato yatra brahmanāḍyantaraṃ vrajet |
tasmānnityaṃ mūlabandhaḥ kartavyo yogibhiḥ sadā || 46 ||
Sie tritt in die Öffnung ein und gelangt in das Innere der Brahma Nadi. Darum sollen Yogis Mula Bandha beständig und täglich üben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bilapraveśato yatra brahmanāḍyantaraṃ vrajet – Sie tritt in die Öffnung ein und gelangt in das Innere der Brahma Nadi (Nadi, Brahman); tasmānnityaṃ mūlabandhaḥ kartavyo yogibhiḥ sadā – Darum sollen Yogis Mula Bandha beständig und täglich üben (Bandha, Mula Bandha).
1.47. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kumbhakānte recakādau kartavyastūḍḍiyāṇakaḥ |
bandho yena suṣumnāyāṃ prāṇastūḍḍīyate yataḥ || 47 ||
Uddiyana soll am Ende des Kumbhaka und zu Beginn des Ausatmens ausgeführt werden. Durch diesen Bandha fliegt Prana in der Sushumna empor.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kumbhakānte recakādau kartavyastūḍḍiyāṇakaḥ – Uddiyana soll am Ende des Kumbhaka und zu Beginn des Ausatmens ausgeführt werden; bandho yena suṣumnāyāṃ prāṇastūḍḍīyate yataḥ – Durch diesen Bandha fliegt Prana in der Sushumna empor (Prana, Sushumna).
1.48. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasmāduḍḍīyaṇākhyo'yaṃ yogibhiḥ samudāhṛtaḥ |
sati vajrāsane pādau karābhyāṃ dhārayeddṛḍham || 48 ||
Weil Prana dabei emporfliegt, nennen Yogis ihn Uddiyana. Im Vajrasana sitzend soll man die Füße mit beiden Händen festhalten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāduḍḍīyaṇākhyo'yaṃ yogibhiḥ samudāhṛtaḥ – Weil Prana dabei emporfliegt, nennen Yogis ihn Uddiyana (Uddiyana Bandha); sati vajrāsane pādau karābhyāṃ dhārayeddṛḍham – Im Vajrasana sitzend soll man die Füße mit beiden Händen festhalten.
1.49. Vers Yoga Kundalini Upanishad
gulphadeśasamīpe ca kandaṃ tatra prapīḍayet |
paścimaṃ tānamudare dhārayed-hṛdaye gale || 49 ||
Nahe bei den Knöcheln soll der Kanda-Bereich gedrückt werden. Die rückwärtige Dehnung wird über den Bauch zum Herzen und zum Hals hin aufrechterhalten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: gulphadeśasamīpe ca kandaṃ tatra prapīḍayet – Nahe bei den Knöcheln soll der Kanda-Bereich gedrückt werden; paścimaṃ tānamudare dhārayed-hṛdaye gale – Die rückwärtige Dehnung wird über den Bauch zum Herzen und zum Hals hin aufrechterhalten.
1.50. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śanaiḥ śanairyadā prāṇastundasandhiṃ nigacchati |
tundadoṣaṃ vinirdhūya kartavyaṃ satataṃ śanaiḥ || 50 ||
Wenn Prana allmählich die Verbindung im Bauchraum erreicht, beseitigt es dortige Störungen. Daher soll diese Übung stets langsam und behutsam ausgeführt werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śanaiḥ śanairyadā prāṇastundasandhiṃ nigacchati – Wenn Prana allmählich die Verbindung im Bauchraum erreicht, beseitigt es dortige Störungen (Prana); tundadoṣaṃ vinirdhūya kartavyaṃ satataṃ śanaiḥ – Daher soll diese Übung stets langsam und behutsam ausgeführt werden.
1.51. Vers Yoga Kundalini Upanishad
pūrakānte tu kartavyo bandho jālandharābhidhaḥ |
kaṇṭhasaṅkocarūpo'sau vāyumārganirodhakaḥ || 51 ||
Am Ende der Einatmung ist Jalandhara Bandha auszuführen. Er besteht im Zusammenziehen des Halses und verschließt den Weg des Lebenshauches.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrakānte tu kartavyo bandho jālandharābhidhaḥ – Am Ende der Einatmung ist Jalandhara Bandha auszuführen; kaṇṭhasaṅkocarūpo'sau vāyumārganirodhakaḥ – Er besteht im Zusammenziehen des Halses und verschließt den Weg des Lebenshauches.
1.52. Vers Yoga Kundalini Upanishad
adhastātkuñcanenāśu kaṇṭhasaṅkocane kṛte |
madhye paścimatānena syātprāṇo brahmanāḍigaḥ || 52 ||
Durch die untere Kontraktion, das Zusammenziehen des Halses und die rückwärtige Dehnung in der Mitte gelangt Prana in die Brahma Nadi.
Wort-für-Wort-Übersetzung: adhastātkuñcanenāśu kaṇṭhasaṅkocane kṛte – Durch die untere Kontraktion, das Zusammenziehen des Halses und die; madhye paścimatānena syātprāṇo brahmanāḍigaḥ – rückwärtige Dehnung in der Mitte gelangt Prana in die Brahma Nadi (Nadi, Brahman).
1.53. Vers Yoga Kundalini Upanishad
pūrvoktena krameṇaiva samyagāsanamāsthitaḥ |
cālanaṃ tu sarasvatyāḥ kṛtvā prāṇaṃ nirodhayet || 53 ||
Nachdem man in der zuvor beschriebenen Weise eine stabile Sitzhaltung eingenommen und Saraswati bewegt hat, soll man Prana anhalten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pūrvoktena krameṇaiva samyagāsanamāsthitaḥ – Nachdem man in der zuvor beschriebenen Weise eine stabile Sitzhaltung (Asana); cālanaṃ tu sarasvatyāḥ kṛtvā prāṇaṃ nirodhayet – eingenommen und Saraswati bewegt hat, soll man Prana anhalten (Prana, Saraswati).
1.54. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prathame divase kāryaṃ kumbhakānāṃ catuṣṭayam |
pratyekaṃ daśasaṅkhyākaṃ dvitīye pañcabhistathā || 54 ||
Am ersten Tag sollen vier Runden von Kumbhaka ausgeführt werden, jede zehnmal; am zweiten Tag wird die Zahl jeweils um fünf erhöht.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prathame divase kāryaṃ kumbhakānāṃ catuṣṭayam – Am ersten Tag sollen vier Runden von Kumbhaka ausgeführt werden, jede zehnmal; pratyekaṃ daśasaṅkhyākaṃ dvitīye pañcabhistathā – am zweiten Tag wird die Zahl jeweils um fünf erhöht.
1.55. Vers Yoga Kundalini Upanishad
viśatyalaṃ tṛtīye'hni pañcavṛddhyā dine dine |
kartavyaḥ kumbhako nityaṃ bandhatrayasamanvitaḥ || 55 ||
Am dritten Tag sind zwanzig Wiederholungen angemessen. Danach wird täglich um fünf gesteigert; Kumbhaka soll stets mit den drei Bandhas verbunden sein.
Wort-für-Wort-Übersetzung: viśatyalaṃ tṛtīye'hni pañcavṛddhyā dine dine – Am dritten Tag sind zwanzig Wiederholungen angemessen. Danach wird täglich um fünf gesteigert; kartavyaḥ kumbhako nityaṃ bandhatrayasamanvitaḥ – Kumbhaka soll stets mit den drei Bandhas verbunden sein (Bandha).
1.56. Vers Yoga Kundalini Upanishad
divā suptirniśāyāṃ tu jāgarādatimaithunāt |
bahusaṅkramaṇaṃ nityaṃ rodhānmūtrapurīṣayoḥ || 56 ||
Tagschlaf, nächtliches Wachbleiben, übermäßiger Geschlechtsverkehr, zu vieles Umhergehen sowie das Zurückhalten von Urin und Stuhl sind zu vermeiden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: divā suptirniśāyāṃ tu jāgarādatimaithunāt – Tagschlaf, nächtliches Wachbleiben, übermäßiger Geschlechtsverkehr, zu vieles Umhergehen sowie; bahusaṅkramaṇaṃ nityaṃ rodhānmūtrapurīṣayoḥ – das Zurückhalten von Urin und Stuhl sind zu vermeiden.
1.57. Vers Yoga Kundalini Upanishad
viṣamāśanadoṣācca prayāsaprāṇacintanāt |
śīghramutpadyate rogaḥ stambhayedyadi saṃyamī || 57 ||
Auch unregelmäßige oder ungeeignete Ernährung, Überanstrengung und zwanghaftes Beschäftigen mit dem Atem können rasch Krankheit hervorrufen, wenn der Übende den Atem gewaltsam anhält.
Wort-für-Wort-Übersetzung: viṣamāśanadoṣācca prayāsaprāṇacintanāt – Auch unregelmäßige oder ungeeignete Ernährung (Prana); śīghramutpadyate rogaḥ stambhayedyadi saṃyamī – Überanstrengung und zwanghaftes Beschäftigen mit dem Atem können rasch Krankheit hervorrufen, wenn der Übende den Atem gewaltsam anhält.
1.58. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yogābhyāsena me roga utpanna iti kathyate |
tato'bhyāsaṃ tyajedevaṃ prathamaṃ vighna ucyate || 58 ||
Wenn jemand meint: ‚Durch meine Yogapraxis ist diese Krankheit entstanden‘ und deshalb die Praxis aufgibt, wird dies als das erste Hindernis bezeichnet.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yogābhyāsena me roga utpanna iti kathyate – Wenn jemand meint; tato'bhyāsaṃ tyajedevaṃ prathamaṃ vighna ucyate – ‚Durch meine Yogapraxis ist diese Krankheit entstanden‘ und deshalb die Praxis aufgibt, wird dies als das erste Hindernis bezeichnet.
1.59. Vers Yoga Kundalini Upanishad
dvitīyaṃ saṃśayākhyaṃ ca tṛtīyaṃ ca pramattatā |
ālasyākhyaṃ caturthaṃ ca nidrārūpaṃ tu pañcamam || 59 ||
Das zweite Hindernis heißt Zweifel, das dritte Unachtsamkeit, das vierte Trägheit und das fünfte übermäßiger Schlaf.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dvitīyaṃ saṃśayākhyaṃ ca tṛtīyaṃ ca pramattatā – Das zweite Hindernis heißt Zweifel, das dritte Unachtsamkeit; ālasyākhyaṃ caturthaṃ ca nidrārūpaṃ tu pañcamam – das vierte Trägheit und das fünfte übermäßiger Schlaf.
1.60. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ṣaṣṭhaṃ tu viratirbhrāntiḥ saptamaṃ parikīrtitam |
viṣamaṃ cāṣṭamaṃ caiva anākhyaṃ navamaṃ smṛtam || 60 ||
Das sechste ist das Aufgeben der Praxis, das siebte Verwirrung, das achte ein ungeordneter oder falscher Übungsweg und das neunte ein schwer bestimmbares inneres Hindernis.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaṣṭhaṃ tu viratirbhrāntiḥ saptamaṃ parikīrtitam – Das sechste ist das Aufgeben der Praxis, das siebte Verwirrung, das achte; viṣamaṃ cāṣṭamaṃ caiva anākhyaṃ navamaṃ smṛtam – ein ungeordneter oder falscher Übungsweg und das neunte ein schwer bestimmbares inneres Hindernis.
1.61. Vers Yoga Kundalini Upanishad
alabdhiryogatattvasya daśamaṃ procyate budhaiḥ |
ityetadvighnadaśakaṃ vicāreṇa tyajedbudhaḥ || 61 ||
Als zehntes nennen die Weisen das Nichterlangen der yogischen Wirklichkeit. Der Verständige soll diese zehn Hindernisse durch sorgfältige Prüfung überwinden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: alabdhiryogatattvasya daśamaṃ procyate budhaiḥ – Als zehntes nennen die Weisen das Nichterlangen der yogischen Wirklichkeit; ityetadvighnadaśakaṃ vicāreṇa tyajedbudhaḥ – Der Verständige soll diese zehn Hindernisse durch sorgfältige Prüfung überwinden.
1.62. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prāṇābhyāsastataḥ kāryo nityaṃ sattvasthayā dhiyā |
suṣumnā līyate cittaṃ tathā vāyuḥ pradhāvati || 62 ||
Danach soll die Atemübung täglich mit einem im Sattva gegründeten Geist ausgeführt werden. Das Denken löst sich in der Sushumna auf, und der Lebenshauch strömt kraftvoll durch sie.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇābhyāsastataḥ kāryo nityaṃ sattvasthayā dhiyā – Danach soll die Atemübung täglich mit einem im Sattva gegründeten Geist ausgeführt werden; suṣumnā līyate cittaṃ tathā vāyuḥ pradhāvati – Das Denken löst sich in der Sushumna auf, und der Lebenshauch strömt kraftvoll durch sie (Chitta, Sushumna).
1.63. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śuṣke male tu yogī ca syādgatiścalitā tataḥ |
adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt || 63 ||
Wenn die Unreinheiten ausgetrocknet sind, wird die Bewegung des Yogis frei. Dann führt er das nach unten gerichtete Apana kraftvoll nach oben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śuṣke male tu yogī ca syādgatiścalitā tataḥ – Wenn die Unreinheiten ausgetrocknet sind, wird die Bewegung des Yogis frei; adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt – Dann führt er das nach unten gerichtete Apana kraftvoll nach oben (Apana).
1.64. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate |
apānaścordhvago bhūtvā vahninā saha gacchati || 64 ||
Diese durch Zusammenziehen bewirkte Aufwärtsführung heißt Mula Bandha. Apana steigt empor und bewegt sich gemeinsam mit dem inneren Feuer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate – Diese durch Zusammenziehen bewirkte Aufwärtsführung heißt Mula Bandha; apānaścordhvago bhūtvā vahninā saha gacchati – Apana steigt empor und bewegt sich gemeinsam mit dem inneren Feuer (Apana).
1.65. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prāṇasthānaṃ tato vahniḥ prāṇāpānau ca satvaram |
militvā kuṇḍalīṃ yāti prasuptā kuṇḍalākṛtiḥ || 65 ||
Das Feuer gelangt zum Sitz des Prana; Prana und Apana vereinigen sich rasch und erreichen die schlafende, ringförmig zusammengerollte Kundalini.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇasthānaṃ tato vahniḥ prāṇāpānau ca satvaram – Das Feuer gelangt zum Sitz des Prana (Prana); militvā kuṇḍalīṃ yāti prasuptā kuṇḍalākṛtiḥ – Prana und Apana vereinigen sich rasch und erreichen die schlafende, ringförmig zusammengerollte Kundalini (Kundalini).
1.66. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tenāgninā ca santaptā pavanenaiva cālitā |
prasārya svaśarīraṃ tu suṣumnā vadanāntare || 66 ||
Vom Feuer erhitzt und vom Lebenshauch bewegt, streckt Kundalini ihren Körper aus und tritt in die Öffnung der Sushumna ein.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tenāgninā ca santaptā pavanenaiva cālitā – Vom Feuer erhitzt und vom Lebenshauch bewegt, streckt Kundalini ihren; prasārya svaśarīraṃ tu suṣumnā vadanāntare – Körper aus und tritt in die Öffnung der Sushumna ein (Sushumna).
1.67. Vers Yoga Kundalini Upanishad
brahmagranthiṃ tato bhittvā rajoguṇasamudbhavam |
suṣumnā vadane śīghraṃ vidyullekheva saṃsphuret || 67 ||
Dann durchbricht sie den aus Rajas entstandenen Brahma Granthi und leuchtet an der Öffnung der Sushumna wie ein Blitz auf.
Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmagranthiṃ tato bhittvā rajoguṇasamudbhavam – Dann durchbricht sie den aus Rajas entstandenen Brahma Granthi und (Brahman, Granthi); suṣumnā vadane śīghraṃ vidyullekheva saṃsphuret – leuchtet an der Öffnung der Sushumna wie ein Blitz auf (Sushumna).
1.68. Vers Yoga Kundalini Upanishad
viṣṇugranthiṃ prayātyuccaiḥ satvaraṃ hṛdi saṃsthitā |
ūrdhvaṃ gacchati yaccāste rudragranthiṃ tadudbhavam || 68 ||
Rasch steigt sie zum Vishnu Granthi im Herzen empor; weiter nach oben gehend durchdringt sie den dort befindlichen Rudra Granthi.
Wort-für-Wort-Übersetzung: viṣṇugranthiṃ prayātyuccaiḥ satvaraṃ hṛdi saṃsthitā – Rasch steigt sie zum Vishnu Granthi im Herzen empor (Granthi); ūrdhvaṃ gacchati yaccāste rudragranthiṃ tadudbhavam – weiter nach oben gehend durchdringt sie den dort befindlichen Rudra Granthi (Granthi).
1.69. Vers Yoga Kundalini Upanishad
bhruvormadhye tu saṃbhidya yāti śītāṃśumaṇḍalam |
anāhatākhyaṃ yaccakraṃ dalaiḥ ṣoḍaśabhiryutam || 69 ||
Nachdem sie den Bereich zwischen den Augenbrauen durchdrungen hat, gelangt sie in die Sphäre des Mondes und zu dem Anahata genannten, mit sechzehn Blütenblättern versehenen Chakra.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bhruvormadhye tu saṃbhidya yāti śītāṃśumaṇḍalam – Nachdem sie den Bereich zwischen den Augenbrauen durchdrungen hat, gelangt sie in die; anāhatākhyaṃ yaccakraṃ dalaiḥ ṣoḍaśabhiryutam – Sphäre des Mondes und zu dem Anahata genannten, mit sechzehn Blütenblättern versehenen Chakra (Chakra).
1.70. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tatra śītāṃśusañjātaṃ dravaṃ śoṣayati svayam |
calite prāṇavegena raktaṃ pītaṃ ravergrahāt || 70 ||
Dort nimmt sie von selbst die aus dem Mond hervorgegangene Flüssigkeit auf. Durch die Kraft des bewegten Prana wird das vom Sonnenprinzip erfasste Lebenselixier verwandelt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra śītāṃśusañjātaṃ dravaṃ śoṣayati svayam – Dort nimmt sie von selbst die aus dem Mond hervorgegangene Flüssigkeit auf; calite prāṇavegena raktaṃ pītaṃ ravergrahāt – Durch die Kraft des bewegten Prana wird das vom Sonnenprinzip erfasste Lebenselixier verwandelt (Prana).
1.71. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yātenducakraṃ yatrāste śuddhaśleṣmadravātmakam |
tatra siktaṃ grasatyuṣṇaṃ kathaṃ śītasvabhāvakam || 71 ||
Wenn es zum Mondchakra gelangt, ist es rein und von kühler, weißlicher Beschaffenheit. Wie könnte das Erhitzte dort das seinem Wesen nach Kühle verschlingen?
Wort-für-Wort-Übersetzung: yātenducakraṃ yatrāste śuddhaśleṣmadravātmakam – Wenn es zum Mondchakra gelangt, ist es rein und von kühler, weißlicher Beschaffenheit (Chakra, Atman); tatra siktaṃ grasatyuṣṇaṃ kathaṃ śītasvabhāvakam – Wie könnte das Erhitzte dort das seinem Wesen nach Kühle verschlingen?.
1.72. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tathaiva rabhasā śuklaṃ candrarūpaṃ hi tapyate |
ūrdhvaṃ pravahati kṣubdhā tadaivaṃ bhramatetarām || 72 ||
Gleichwohl wird die weiße, mondartige Essenz durch die heftige Bewegung erwärmt. Aufgewühlt strömt Kundalini weiter nach oben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tathaiva rabhasā śuklaṃ candrarūpaṃ hi tapyate – Gleichwohl wird die weiße, mondartige Essenz durch die heftige Bewegung erwärmt; ūrdhvaṃ pravahati kṣubdhā tadaivaṃ bhramatetarām – Aufgewühlt strömt Kundalini weiter nach oben.
1.73. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasyāsvādavaśāccittaṃ bahiṣṭhaṃ viṣayeṣu yat |
tadeva paramaṃ bhuktvā svasthaḥ svātmarato yuvā || 73 ||
Der Geist, der aufgrund des Geschmacks dieser Essenz zuvor nach außen zu den Sinnesobjekten lief, kostet nun das Höchste, wird in sich gefestigt und erfreut sich am eigenen Selbst.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasyāsvādavaśāccittaṃ bahiṣṭhaṃ viṣayeṣu yat – Der Geist, der aufgrund des Geschmacks dieser Essenz zuvor nach außen zu den Sinnesobjekten (Chitta); tadeva paramaṃ bhuktvā svasthaḥ svātmarato yuvā – lief, kostet nun das Höchste, wird in sich gefestigt und erfreut sich am eigenen Selbst (Atman).
1.74. Vers Yoga Kundalini Upanishad
prakṛtyaṣṭakarūpaṃ ca sthānaṃ gacchati kuṇḍalī |
kroḍīkṛtya śivaṃ yāti kroḍīkṛtya vilīyate || 74 ||
Kundalini erreicht den Bereich der achtfachen Prakriti, umschließt Shiva und geht zu ihm ein; ihn umschließend löst sie sich in ihm auf.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prakṛtyaṣṭakarūpaṃ ca sthānaṃ gacchati kuṇḍalī – Kundalini erreicht den Bereich der achtfachen Prakriti, umschließt Shiva und geht zu ihm ein (Kundalini); kroḍīkṛtya śivaṃ yāti kroḍīkṛtya vilīyate – ihn umschließend löst sie sich in ihm auf (Shiva).
1.75. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ityadhordhvarajaḥ śuklaṃ śive tadanu mārutaḥ |
prāṇāpānau samau yāti sadā jātau tathaiva ca || 75 ||
So steigt die rot-weiße Lebensessenz zusammen mit dem Lebenshauch zu Shiva empor. Prana und Apana, die fortwährend wirken, kommen ins Gleichgewicht.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ityadhordhvarajaḥ śuklaṃ śive tadanu mārutaḥ – So steigt die rot-weiße Lebensessenz zusammen mit dem Lebenshauch zu Shiva empor; prāṇāpānau samau yāti sadā jātau tathaiva ca – Prana und Apana, die fortwährend wirken, kommen ins Gleichgewicht.
1.76. Vers Yoga Kundalini Upanishad
bhūte'lpe cāpyanalpe vā vācake tvativardhate |
dhavayatyakhilā vātā agnimūṣāhiraṇyavat || 76 ||
In allem Seienden, im Kleinen wie im Großen, im Benennbaren wie im Unaussprechlichen, wirken die Lebenshauche – wie Feuer, das Gold im Schmelztiegel läutert.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūte'lpe cāpyanalpe vā vācake tvativardhate – In allem Seienden, im Kleinen wie im Großen, im Benennbaren wie im; dhavayatyakhilā vātā agnimūṣāhiraṇyavat – Unaussprechlichen, wirken die Lebenshauche – wie Feuer, das Gold im Schmelztiegel läutert.
1.77. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ādhibhautikadehaṃ tu ādhidaivikavigrahe |
deho'tivimalaṃ yāti cātivāhikatāmiyāt || 77 ||
Der aus den Elementen bestehende Körper wird in eine göttliche Gestalt verwandelt. Er wird überaus rein und gelangt in einen feinstofflichen Zustand.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ādhibhautikadehaṃ tu ādhidaivikavigrahe – Der aus den Elementen bestehende Körper wird in eine göttliche Gestalt verwandelt; deho'tivimalaṃ yāti cātivāhikatāmiyāt – Er wird überaus rein und gelangt in einen feinstofflichen Zustand.
1.78. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jāḍyabhāvavinirmuktamamalaṃ cinmayātmakam |
tasyātivāhikaṃ mukhyaṃ sarveṣāṃ tu madātmakam || 78 ||
Frei von Trägheit wird dieser Körper makellos und seinem Wesen nach bewusstseinsvoll. Der feinstoffliche Zustand tritt hervor und ist von der Natur des höchsten Selbst.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jāḍyabhāvavinirmuktamamalaṃ cinmayātmakam – Frei von Trägheit wird dieser Körper makellos und seinem Wesen nach bewusstseinsvoll (Atman); tasyātivāhikaṃ mukhyaṃ sarveṣāṃ tu madātmakam – Der feinstoffliche Zustand tritt hervor und ist von der Natur des höchsten Selbst (Atman).
1.79. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jāyābhavavinirmuktiḥ kālarūpasya vibhramaḥ |
iti taṃ svasvarūpā hi matī rajjubhujaṅgavat || 79 ||
Die Vorstellung von Entstehung und Befreiung und die Verwirrung durch die Gestalt der Zeit beruhen letztlich auf Täuschung – wie die vermeintliche Schlange im Seil.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jāyābhavavinirmuktiḥ kālarūpasya vibhramaḥ – Die Vorstellung von Entstehung und Befreiung und die Verwirrung durch die Gestalt; iti taṃ svasvarūpā hi matī rajjubhujaṅgavat – der Zeit beruhen letztlich auf Täuschung – wie die vermeintliche Schlange im Seil.
1.80. Vers Yoga Kundalini Upanishad
mṛṣaivodeti sakalaṃ mṛṣaiva pravilīyate |
raupyabuddhiḥ śuktikāyāṃ strīpuṃsorbhramato yathā || 80 ||
Alles Erscheinende taucht nur scheinbar auf und löst sich nur scheinbar wieder auf. Auch die Unterscheidung von Frau und Mann gleicht der Einbildung von Silber im Perlmutt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: mṛṣaivodeti sakalaṃ mṛṣaiva pravilīyate – Alles Erscheinende taucht nur scheinbar auf und löst sich nur scheinbar wieder auf; raupyabuddhiḥ śuktikāyāṃ strīpuṃsorbhramato yathā – Auch die Unterscheidung von Frau und Mann gleicht der Einbildung von Silber im Perlmutt.
1.81. Vers Yoga Kundalini Upanishad
piṇḍabrahmāṇḍayoraikyaṃ liṅgasūtrātmanorapi |
svāpāvyākṛtayoraikyaṃ svaprakāśacidātmanoḥ || 81 ||
Mikrokosmos und Makrokosmos sind eins; ebenso der feinstoffliche Leib und Sutratman, der unmanifestierte Zustand und sein kosmisches Gegenstück sowie das selbstleuchtende Bewusstseins-Selbst.
Wort-für-Wort-Übersetzung: piṇḍabrahmāṇḍayoraikyaṃ liṅgasūtrātmanorapi – Mikrokosmos und Makrokosmos sind eins (Atman); svāpāvyākṛtayoraikyaṃ svaprakāśacidātmanoḥ – ebenso der feinstoffliche Leib und Sutratman, der unmanifestierte Zustand und sein kosmisches Gegenstück sowie das selbstleuchtende Bewusstseins-Selbst (Atman).
1.82. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śaktiḥ kuṇḍalinī nāma bisatantunibhā śubhā |
mūlakandaṃ phaṇāgreṇa dṛṣṭvā kamalakandavat || 82 ||
Die Shakti namens Kundalini ist leuchtend und fein wie eine Faser des Lotusstängels. Mit der Spitze ihres Schlangenkopfes liegt sie am Wurzel-Kanda wie an der Knolle eines Lotus.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śaktiḥ kuṇḍalinī nāma bisatantunibhā śubhā – Die Shakti namens Kundalini ist leuchtend und fein wie eine Faser des Lotusstängels (Kundalini, Shakti); mūlakandaṃ phaṇāgreṇa dṛṣṭvā kamalakandavat – Mit der Spitze ihres Schlangenkopfes liegt sie am Wurzel-Kanda wie an der Knolle eines Lotus.
1.83. Vers Yoga Kundalini Upanishad
mukhena pucchaṃ saṃgṛhya brahmarandhrasamanvitā |
padmāsanagataḥ svastho gudamākuñcya sādhakaḥ || 83 ||
Mit dem Maul den eigenen Schwanz ergreifend, steht sie in Beziehung zum Brahmarandhra. Der Übende sitze ruhig im Lotussitz und ziehe den Beckenboden zusammen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: mukhena pucchaṃ saṃgṛhya brahmarandhrasamanvitā – Mit dem Maul den eigenen Schwanz ergreifend, steht sie in Beziehung zum Brahmarandhra (Brahman); padmāsanagataḥ svastho gudamākuñcya sādhakaḥ – Der Übende sitze ruhig im Lotussitz und ziehe den Beckenboden zusammen (Asana, Padmasana).
1.84. Vers Yoga Kundalini Upanishad
vāyumūrdhvagataṃ kurvankumbhakāviṣṭamānasaḥ |
vāyvāghātavaśādagniḥ svādhiṣṭhānagato jvalan || 84 ||
Mit aufwärtsgerichtetem Lebenshauch und einem im Kumbhaka gesammelten Geist entfacht er durch den Druck des Atems das im Svadhishthana befindliche Feuer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vāyumūrdhvagataṃ kurvankumbhakāviṣṭamānasaḥ – Mit aufwärtsgerichtetem Lebenshauch und einem im Kumbhaka gesammelten Geist entfacht; vāyvāghātavaśādagniḥ svādhiṣṭhānagato jvalan – er durch den Druck des Atems das im Svadhishthana befindliche Feuer (Svadhishthana Chakra).
1.85. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jvalanāghātapavanāghātorūnnidrito'hirāṭ |
brahmagranthiṃ tato bhittvā viṣṇugranthiṃ bhinattyataḥ || 85 ||
Durch den Anstoß des Feuers und des Lebenshauches erwacht die königliche Schlange. Sie durchbricht zuerst den Brahma Granthi und danach den Vishnu Granthi.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jvalanāghātapavanāghātorūnnidrito'hirāṭ – Durch den Anstoß des Feuers und des Lebenshauches erwacht die königliche Schlange; brahmagranthiṃ tato bhittvā viṣṇugranthiṃ bhinattyataḥ – Sie durchbricht zuerst den Brahma Granthi und danach den Vishnu Granthi (Brahman, Granthi).
1.86. Vers Yoga Kundalini Upanishad
rudragranthiṃ ca bhittvaiva kamalāni bhinatti ṣaṭ |
sahasrakamale śaktiḥ śivena saha modate || 86 ||
Dann durchdringt sie den Rudra Granthi und die sechs Lotusse. Im tausendblättrigen Lotus erfreut sich Shakti gemeinsam mit Shiva.
Wort-für-Wort-Übersetzung: rudragranthiṃ ca bhittvaiva kamalāni bhinatti ṣaṭ – Dann durchdringt sie den Rudra Granthi und die sechs Lotusse (Granthi); sahasrakamale śaktiḥ śivena saha modate – Im tausendblättrigen Lotus erfreut sich Shakti gemeinsam mit Shiva (Shakti, Sahasrara Chakra).
1.87. Vers Yoga Kundalini Upanishad
saivāvasthā parā jñeyā saiva nirvṛtikāriṇī iti ||
Dieser Zustand ist als der höchste zu erkennen; er allein führt zur vollkommenen Befreiung.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sā eva avasthā – eben dieser Zustand; parā jñeyā – ist als der höchste zu erkennen; sā eva – eben dieser; nirvṛti-kāriṇī – führt zur vollkommenen Befreiung.
Zweites Kapitel
2.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
athāhaṃ sampravakṣyāmi vidyāṃ khecarisaṃjñikām |
yathā vijñānavānasyā loke'sminnajaro'maraḥ || 1 ||
Nun werde ich die Khechari genannte Wissenschaft erklären. Wer sie wirklich erkennt, wird in dieser Welt von Altern und Tod frei.
Wort-für-Wort-Übersetzung: athāhaṃ sampravakṣyāmi vidyāṃ khecarisaṃjñikām – Nun werde ich die Khechari genannte Wissenschaft erklären (Khechari Mudra); yathā vijñānavānasyā loke'sminnajaro'maraḥ – Wer sie wirklich erkennt, wird in dieser Welt von Altern und Tod frei.
2.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
mṛtyuvyādhijarāgrasto dṛṣṭvā vidyāmimāṃ mune |
buddhiṃ dṛḍhatarāṃ kṛtvā khecarīṃ tu samabhyaset || 2 ||
Wer von Tod, Krankheit und Alter bedrängt wird, soll, nachdem er diese Lehre kennengelernt hat, seinen Entschluss festigen und Khechari üben, o Weiser.
Wort-für-Wort-Übersetzung: mṛtyuvyādhijarāgrasto dṛṣṭvā vidyāmimāṃ mune – Wer von Tod; buddhiṃ dṛḍhatarāṃ kṛtvā khecarīṃ tu samabhyaset – Krankheit und Alter bedrängt wird, soll, nachdem er diese Lehre kennengelernt hat, seinen Entschluss festigen und Khechari üben, o Weiser (Khechari Mudra).
2.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jarāmṛtyugadaghno yaḥ khecarīṃ vetti bhūtale |
granthataścārthataścaiva tadabhyāsaprayogataḥ || 3 ||
Wer Khechari auf Erden sowohl aus den Schriften und ihrer Bedeutung als auch aus eigener Praxis kennt, überwindet Alter, Tod und Krankheit.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jarāmṛtyugadaghno yaḥ khecarīṃ vetti bhūtale – Wer Khechari auf Erden sowohl aus den Schriften und ihrer Bedeutung als auch aus eigener Praxis kennt, überwindet Alter (Khechari Mudra); granthataścārthataścaiva tadabhyāsaprayogataḥ – Tod und Krankheit.
2.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
taṃ mune sarvabhāvena guruṃ matvā samāśrayet |
durlabhā khecarī vidyā tadabhyāso'pi durlabhaḥ || 4 ||
Einen solchen Menschen soll der Weise mit ganzem Herzen als Guru annehmen und bei ihm Zuflucht suchen. Denn die Khechari-Wissenschaft und auch ihre Praxis sind schwer zu erlangen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: taṃ mune sarvabhāvena guruṃ matvā samāśrayet – Einen solchen Menschen soll der Weise mit ganzem Herzen als Guru annehmen und bei ihm Zuflucht suchen (Guru); durlabhā khecarī vidyā tadabhyāso'pi durlabhaḥ – Denn die Khechari-Wissenschaft und auch ihre Praxis sind schwer zu erlangen (Khechari Mudra).
2.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
abhyāsaṃ melanaṃ caiva yugapannaiva sidhyati |
abhyāsamātraniratā na vindante ha melanam || 5 ||
Praxis und Melana, die innere Verbindung oder Einweihung, werden nicht gleichzeitig vollendet. Wer sich nur auf die äußere Praxis beschränkt, findet Melana nicht.
Wort-für-Wort-Übersetzung: abhyāsaṃ melanaṃ caiva yugapannaiva sidhyati – Praxis und Melana, die innere Verbindung oder Einweihung, werden nicht gleichzeitig vollendet; abhyāsamātraniratā na vindante ha melanam – Wer sich nur auf die äußere Praxis beschränkt, findet Melana nicht.
2.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
abhyāsaṃ labhate brahmañjanmajanmāntare kvacit |
melanaṃ tu janmanāṃ śatānte'pi na labhyate || 6 ||
Die eigentliche Praxis wird vielleicht erst nach vielen Geburten erlangt, o Brahmane; Melana aber kann selbst nach hundert Geburten unerreichbar bleiben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: abhyāsaṃ labhate brahmañjanmajanmāntare kvacit – Die eigentliche Praxis wird vielleicht erst nach vielen Geburten erlangt, o Brahmane (Brahman); melanaṃ tu janmanāṃ śatānte'pi na labhyate – Melana aber kann selbst nach hundert Geburten unerreichbar bleiben.
2.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
abhyāsaṃ bahujanmānte kṛtvā tadbhāvasādhitam |
melanaṃ labhate kaścidyogī janmāntare kvacit || 7 ||
Nachdem die Praxis über viele Geburten gereift ist, erlangt bisweilen ein Yogi in einer späteren Geburt Melana als Frucht dieser Reifung.
Wort-für-Wort-Übersetzung: abhyāsaṃ bahujanmānte kṛtvā tadbhāvasādhitam – Nachdem die Praxis über viele Geburten gereift ist, erlangt bisweilen; melanaṃ labhate kaścidyogī janmāntare kvacit – ein Yogi in einer späteren Geburt Melana als Frucht dieser Reifung.
2.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yadā tu melanaṃ yogī labhate guruvaktrataḥ |
tadā tatsiddhimāpnoti yaduktā śāstrasantatau || 8 ||
Wenn der Yogi Melana unmittelbar aus dem Mund des Gurus empfängt, erreicht er jene Vollendung, die in der Überlieferung der Schriften beschrieben wird.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yadā tu melanaṃ yogī labhate guruvaktrataḥ – Wenn der Yogi Melana unmittelbar aus dem Mund des Gurus empfängt, erreicht (Guru); tadā tatsiddhimāpnoti yaduktā śāstrasantatau – er jene Vollendung, die in der Überlieferung der Schriften beschrieben wird.
2.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
granthataścārthataścaiva melanaṃ labhate yadā |
tadā śivatvamāpnoti nirmuktaḥ sarvasaṃsṛteḥ || 9 ||
Wenn er Melana sowohl dem Text als auch seiner Bedeutung nach verwirklicht, erlangt er den Zustand Shivas und wird von allem Kreislauf der Wiedergeburten frei.
Wort-für-Wort-Übersetzung: granthataścārthataścaiva melanaṃ labhate yadā – Wenn er Melana sowohl dem Text als auch seiner Bedeutung nach verwirklicht; tadā śivatvamāpnoti nirmuktaḥ sarvasaṃsṛteḥ – erlangt er den Zustand Shivas und wird von allem Kreislauf der Wiedergeburten frei (Shiva).
2.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śāstraṃ vināpi saṃboddhuṃ guravo'pi na śaknuyuḥ |
tasmātsudurlabhataraṃ labhyaṃ śāstramidaṃ mune || 10 ||
Selbst Gurus können diese Lehre ohne die maßgebliche Schrift nicht vollständig darlegen. Darum ist diese Schrift, o Weiser, außerordentlich schwer zu finden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śāstraṃ vināpi saṃboddhuṃ guravo'pi na śaknuyuḥ – Selbst Gurus können diese Lehre ohne die maßgebliche Schrift nicht vollständig darlegen; tasmātsudurlabhataraṃ labhyaṃ śāstramidaṃ mune – Darum ist diese Schrift, o Weiser, außerordentlich schwer zu finden.
2.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yāvanna labhyate śāstraṃ tāvadgāṃ paryaṭedyatiḥ |
yadā saṃlabhyate śāstraṃ tadā siddhiḥ kare sthitā || 11 ||
Solange der Entsagende die Schrift nicht gefunden hat, soll er die Erde durchwandern. Wird sie erlangt, liegt die Vollendung gleichsam in seiner Hand.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yāvanna labhyate śāstraṃ tāvadgāṃ paryaṭedyatiḥ – Solange der Entsagende die Schrift nicht gefunden hat, soll er die Erde durchwandern; yadā saṃlabhyate śāstraṃ tadā siddhiḥ kare sthitā – Wird sie erlangt, liegt die Vollendung gleichsam in seiner Hand.
2.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
na śāstreṇa vinā siddhirdṛṣṭā caiva jagattraye |
tasmānmelanadātāraṃ śāstradātāramacyutam || 12 ||
In den drei Welten ist keine Vollendung ohne diese Lehre bekannt. Darum soll man den unfehlbaren Geber von Melana und Übermittler der Schrift aufsuchen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: na śāstreṇa vinā siddhirdṛṣṭā caiva jagattraye – In den drei Welten ist keine Vollendung ohne diese Lehre bekannt; tasmānmelanadātāraṃ śāstradātāramacyutam – Darum soll man den unfehlbaren Geber von Melana und Übermittler der Schrift aufsuchen.
2.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tadabhyāsapradātāraṃ śivaṃ matvā samāśrayet |
labdhvā śāstramidaṃ mahyamanyeṣāṃ na prakāśayet || 13 ||
Denjenigen, der die Praxis vermittelt, soll man als Shiva ansehen und bei ihm Zuflucht nehmen. Hat man diese Lehre empfangen, soll man sie nicht wahllos anderen offenbaren.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tadabhyāsapradātāraṃ śivaṃ matvā samāśrayet – Denjenigen, der die Praxis vermittelt, soll man als Shiva ansehen und bei ihm Zuflucht nehmen (Shiva); labdhvā śāstramidaṃ mahyamanyeṣāṃ na prakāśayet – Hat man diese Lehre empfangen, soll man sie nicht wahllos anderen offenbaren.
2.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasmātsarvaprayatnena gopanīyaṃ vijānatā |
yatrāste ca gururbrahmandivyayogapradāyakaḥ || 14 ||
Der Wissende soll sie daher mit aller Sorgfalt bewahren. Er soll dorthin gehen, wo ein Guru lebt, der den göttlichen Yoga übermitteln kann.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmātsarvaprayatnena gopanīyaṃ vijānatā – Der Wissende soll sie daher mit aller Sorgfalt bewahren; yatrāste ca gururbrahmandivyayogapradāyakaḥ – Er soll dorthin gehen, wo ein Guru lebt, der den göttlichen Yoga übermitteln kann (Brahman, Guru).
2.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tatra gatvā ca tenoktavidyāṃ saṃgṛhya khecarīm |
tenoktaḥ samyagabhyāsaṃ kuryādādāvatandritaḥ || 15 ||
Dort soll er die vom Guru gelehrte Khechari-Wissenschaft empfangen und die angewiesene Praxis von Anfang an aufmerksam und ohne Trägheit ausführen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra gatvā ca tenoktavidyāṃ saṃgṛhya khecarīm – Dort soll er die vom Guru gelehrte Khechari-Wissenschaft empfangen und (Khechari Mudra); tenoktaḥ samyagabhyāsaṃ kuryādādāvatandritaḥ – die angewiesene Praxis von Anfang an aufmerksam und ohne Trägheit ausführen.
2.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
anayā vidyayā yogī khecarīsiddhibhāgbhavet |
khecaryā khecarīṃ yuñjankhecarībījapūrayā || 16 ||
Durch diese Lehre wird der Yogi an der Vollendung von Khechari teilhaben. Er verbindet Khechari mit der inneren Khechari-Kraft, erfüllt vom Bija der Khechari.
Wort-für-Wort-Übersetzung: anayā vidyayā yogī khecarīsiddhibhāgbhavet – Durch diese Lehre wird der Yogi an der Vollendung von Khechari teilhaben (Khechari Mudra); khecaryā khecarīṃ yuñjankhecarībījapūrayā – Er verbindet Khechari mit der inneren Khechari-Kraft, erfüllt vom Bija der Khechari (Khechari Mudra).
2.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
khecarādhipatirbhūtvā khecareṣu sadā vaset |
khecarāvasathaṃ vahnimambumaṇḍalabhūṣitam || 17 ||
So wird er zum Herrn der im Raum Wirkenden und verweilt stets unter ihnen. Das Khechari-Bija wird als Feuer beschrieben, das vom Kreis des Wassers umgeben ist.
Wort-für-Wort-Übersetzung: khecarādhipatirbhūtvā khecareṣu sadā vaset – So wird er zum Herrn der im Raum Wirkenden und verweilt stets unter ihnen (Khechari Mudra); khecarāvasathaṃ vahnimambumaṇḍalabhūṣitam – Das Khechari-Bija wird als Feuer beschrieben, das vom Kreis des Wassers umgeben ist (Khechari Mudra).
2.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ākhyātaṃ khecarībījaṃ tena yogaḥ prasidhyati |
somāṃśanavakaṃ varṇaṃ pratilomena coddharet || 18 ||
Dieses Bija wird als Wohnort der Khecharas bezeichnet; durch es gelangt Yoga zur Vollendung. Die neunte Silbe des Mondanteils soll in umgekehrter Reihenfolge gewonnen werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ākhyātaṃ khecarībījaṃ tena yogaḥ prasidhyati – Dieses Bija wird als Wohnort der Khecharas bezeichnet; durch es gelangt Yoga zur Vollendung (Khechari Mudra); somāṃśanavakaṃ varṇaṃ pratilomena coddharet – Die neunte Silbe des Mondanteils soll in umgekehrter Reihenfolge gewonnen werden.
2.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasmāttryaṃśakamākhyātamakṣaraṃ candrarūpakam |
tasmādapyaṣṭamaṃ varṇaṃ vilomena paraṃ mune || 19 ||
Daraus wird die dreiteilige, mondgestaltige Silbe gebildet. Danach soll, o Weiser, auch die achte Silbe in umgekehrter Ordnung genommen werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāttryaṃśakamākhyātamakṣaraṃ candrarūpakam – Daraus wird die dreiteilige, mondgestaltige Silbe gebildet; tasmādapyaṣṭamaṃ varṇaṃ vilomena paraṃ mune – Danach soll, o Weiser, auch die achte Silbe in umgekehrter Ordnung genommen werden.
2.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tathā tatparamaṃ viddhi tadādirapi pañcamī |
indośca bahubhinne ca kūṭo'yaṃ parikīrtitaḥ || 20 ||
Erkenne dies als das Höchste; sein Anfang ist außerdem die fünfte Silbe. In den vielfach geteilten Mondphasen wird diese geheime Silbenverbindung gelehrt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tathā tatparamaṃ viddhi tadādirapi pañcamī – Erkenne dies als das Höchste; sein Anfang ist außerdem die fünfte Silbe; indośca bahubhinne ca kūṭo'yaṃ parikīrtitaḥ – In den vielfach geteilten Mondphasen wird diese geheime Silbenverbindung gelehrt.
2.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
gurūpadeśalabhyaṃ ca sarvayogaprasiddhidam |
yattasya dehajā māyā niruddhakaraṇāśrayā || 21 ||
Sie kann nur durch die Unterweisung des Gurus erlangt werden und führt zur Vollendung aller Yogawege. Durch sie wird die körpergeborene Maya, die auf den gefesselten Sinneskräften beruht, gehemmt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: gurūpadeśalabhyaṃ ca sarvayogaprasiddhidam – Sie kann nur durch die Unterweisung des Gurus erlangt werden und führt zur Vollendung aller Yogawege; yattasya dehajā māyā niruddhakaraṇāśrayā – Durch sie wird die körpergeborene Maya, die auf den gefesselten Sinneskräften beruht, gehemmt.
2.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
svapne'pi na labhettasya nityaṃ dvādaśajapyataḥ |
ya imāṃ pañca lakṣāṇi japedapi suyantritaḥ || 22 ||
Wer das Mantra täglich zwölfmal rezitiert, wird von dieser Maya nicht einmal im Traum ergriffen. Wer es gesammelt fünfhunderttausendmal wiederholt,
Wort-für-Wort-Übersetzung: svapne'pi na labhettasya nityaṃ dvādaśajapyataḥ – Wer das Mantra täglich zwölfmal rezitiert, wird von dieser Maya nicht einmal im Traum ergriffen; ya imāṃ pañca lakṣāṇi japedapi suyantritaḥ – Wer es gesammelt fünfhunderttausendmal wiederholt,.
2.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasya śrīkhecarīsiddhiḥ svayameva pravartate |
naśyanti sarvavighnāni prasīdanti ca devatāḥ || 23 ||
bei dem entfaltet sich die erhabene Khechari-Vollendung von selbst. Alle Hindernisse verschwinden, und die Gottheiten werden ihm wohlgesinnt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya śrīkhecarīsiddhiḥ svayameva pravartate – bei dem entfaltet sich die erhabene Khechari-Vollendung von selbst (Khechari Mudra); naśyanti sarvavighnāni prasīdanti ca devatāḥ – Alle Hindernisse verschwinden, und die Gottheiten werden ihm wohlgesinnt.
2.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
valīpalitanāśaśca bhaviṣyati na saṃśayaḥ |
evaṃ labdhvā mahāvidyāmabhyāsaṃ kārayettataḥ || 24 ||
Falten und Ergrauen werden vergehen – daran besteht kein Zweifel. Nachdem man diese große Wissenschaft empfangen hat, soll man ihre Praxis aufnehmen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: valīpalitanāśaśca bhaviṣyati na saṃśayaḥ – Falten und Ergrauen werden vergehen – daran besteht kein Zweifel; evaṃ labdhvā mahāvidyāmabhyāsaṃ kārayettataḥ – Nachdem man diese große Wissenschaft empfangen hat, soll man ihre Praxis aufnehmen.
2.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
anyathā kliśyate brahmanna siddhiḥ khecarīpathe |
yadabhyāsavidhau vidyāṃ na labhedyaḥ sudhāmayīm || 25 ||
Andernfalls müht man sich auf dem Weg der Khechari, ohne Vollendung zu erlangen, o Brahmane. Wer bei der Praxis die nektargleiche Lehre nicht erhalten hat,
Wort-für-Wort-Übersetzung: anyathā kliśyate brahmanna siddhiḥ khecarīpathe – Andernfalls müht man sich auf dem Weg der Khechari, ohne Vollendung zu erlangen, o Brahmane (Brahman, Khechari Mudra); yadabhyāsavidhau vidyāṃ na labhedyaḥ sudhāmayīm – Wer bei der Praxis die nektargleiche Lehre nicht erhalten hat,.
2.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tataḥ saṃmelakādau ca labdhvā vidyāṃ sadā japet |
nānyathā rahito brahmanna kiñcitsiddhibhāgbhavet || 26 ||
soll sie zu Beginn von Melana empfangen und beständig rezitieren. Ohne sie wird niemand auch nur an einem Teil der Vollendung Anteil haben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ saṃmelakādau ca labdhvā vidyāṃ sadā japet – soll sie zu Beginn von Melana empfangen und beständig rezitieren; nānyathā rahito brahmanna kiñcitsiddhibhāgbhavet – Ohne sie wird niemand auch nur an einem Teil der Vollendung Anteil haben (Brahman).
2.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yadidaṃ labhyate śāstraṃ tadā vidyāṃ samāśrayet |
tatastadoditāṃ siddhimāśu tāṃ labhate muniḥ || 27 ||
Sobald diese Lehre erlangt ist, soll man sich auf sie stützen und üben. Dann erreicht der Weise rasch die darin verkündete Vollendung.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yadidaṃ labhyate śāstraṃ tadā vidyāṃ samāśrayet – Sobald diese Lehre erlangt ist, soll man sich auf sie stützen und üben; tatastadoditāṃ siddhimāśu tāṃ labhate muniḥ – Dann erreicht der Weise rasch die darin verkündete Vollendung.
2.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tālumūlaṃ samutkṛṣya saptavāsaramātmavit |
svagurūktaprakāreṇa malaṃ sarvaṃ viśodhayet || 28 ||
Der Kenner des Selbst soll die Zunge an der Gaumenwurzel anheben und sie sieben Tage lang nach der vom eigenen Guru gelehrten Methode reinigen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tālumūlaṃ samutkṛṣya saptavāsaramātmavit – Der Kenner des Selbst soll die Zunge an der Gaumenwurzel anheben und (Atman); svagurūktaprakāreṇa malaṃ sarvaṃ viśodhayet – sie sieben Tage lang nach der vom eigenen Guru gelehrten Methode reinigen.
2.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
snuhipatranibhaṃ śastraṃ sutīkṣṇaṃ snigdhanirmalam |
samādāya tatastena romamātraṃ samucchinet || 29 ||
Dann soll er ein sehr scharfes, glattes und sauberes Instrument nehmen, das einem Blatt der Snuhi-Pflanze gleicht, und damit jeweils nur eine Haarbreite durchtrennen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: snuhipatranibhaṃ śastraṃ sutīkṣṇaṃ snigdhanirmalam – Dann soll er ein sehr scharfes, glattes und sauberes Instrument nehmen, das; samādāya tatastena romamātraṃ samucchinet – einem Blatt der Snuhi-Pflanze gleicht, und damit jeweils nur eine Haarbreite durchtrennen.
2.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
hitvā saindhavapathyābhyāṃ cūrṇitābhyāṃ prakarṣayet |
punaḥ saptadine prāpte romamātraṃ samucchinet || 30 ||
Die Stelle soll mit pulverisiertem Steinsalz und Pathya behandelt werden. Nach weiteren sieben Tagen wird wiederum nur eine Haarbreite durchtrennt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: hitvā saindhavapathyābhyāṃ cūrṇitābhyāṃ prakarṣayet – Die Stelle soll mit pulverisiertem Steinsalz und Pathya behandelt werden; punaḥ saptadine prāpte romamātraṃ samucchinet – Nach weiteren sieben Tagen wird wiederum nur eine Haarbreite durchtrennt.
2.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
evaṃ krameṇa ṣaṇmāsaṃ nityodyuktaḥ samācaret |
ṣaṇmāsādrasanāmūlaṃ sirābaddhaṃ praṇaśyati || 31 ||
So soll dies sechs Monate lang schrittweise und mit beständiger Sorgfalt ausgeführt werden. Nach sechs Monaten löst sich die Sehnenbindung an der Zungenwurzel.
Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ krameṇa ṣaṇmāsaṃ nityodyuktaḥ samācaret – So soll dies sechs Monate lang schrittweise und mit beständiger Sorgfalt ausgeführt werden; ṣaṇmāsādrasanāmūlaṃ sirābaddhaṃ praṇaśyati – Nach sechs Monaten löst sich die Sehnenbindung an der Zungenwurzel.
2.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
atha vāgīśvarīdhāma śiro vastreṇa veṣṭayet |
śanairutkarṣayedyogī kālavelāvidhānavit || 32 ||
Dann umhülle der Yogi, der die rechten Zeitabschnitte kennt, den Sitz der Sprachgöttin mit einem Tuch und ziehe die Zunge allmählich nach oben.
Wort-für-Wort-Übersetzung: atha vāgīśvarīdhāma śiro vastreṇa veṣṭayet – Dann umhülle der Yogi, der die rechten Zeitabschnitte kennt, den Sitz der; śanairutkarṣayedyogī kālavelāvidhānavit – Sprachgöttin mit einem Tuch und ziehe die Zunge allmählich nach oben.
2.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
punaḥ ṣaṇmāsamātreṇa nityaṃ saṅgharṣaṇānmune |
bhrūmadhyāvadhi cāpyeti tiryakkaṇabilāvadhiḥ || 33 ||
Nach weiteren sechs Monaten täglichen Dehnens reicht sie, o Weiser, bis zur Mitte der Augenbrauen und seitlich bis zur Öffnung der Ohren.
Wort-für-Wort-Übersetzung: punaḥ ṣaṇmāsamātreṇa nityaṃ saṅgharṣaṇānmune – Nach weiteren sechs Monaten täglichen Dehnens reicht sie, o Weiser, bis; bhrūmadhyāvadhi cāpyeti tiryakkaṇabilāvadhiḥ – zur Mitte der Augenbrauen und seitlich bis zur Öffnung der Ohren.
2.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
adhaśca cubukaṃ mūlaṃ prayāti kramacāritā |
punaḥ saṃvatsarāṇāṃ tu tṛtīyādeva līlayā || 34 ||
Durch schrittweise Übung reicht ihre Wurzel nach unten bis zum Kinn. Nach drei Jahren gelangt sie mühelos nach oben bis zum Haaransatz.
Wort-für-Wort-Übersetzung: adhaśca cubukaṃ mūlaṃ prayāti kramacāritā – Durch schrittweise Übung reicht ihre Wurzel nach unten bis zum Kinn; punaḥ saṃvatsarāṇāṃ tu tṛtīyādeva līlayā – Nach drei Jahren gelangt sie mühelos nach oben bis zum Haaransatz.
2.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
keśāntamūrdhvaṃ kramati tiryak śākhāvadhirmune |
adhastātkaṇṭhakūpāntaṃ punarvarṣatrayeṇa tu || 35 ||
Seitlich reicht sie bis zu den Verzweigungen und nach unten bis zur Kehlgrube. Nach weiteren drei Jahren
Wort-für-Wort-Übersetzung: keśāntamūrdhvaṃ kramati tiryak śākhāvadhirmune – Seitlich reicht sie bis zu den Verzweigungen und nach unten bis zur Kehlgrube; adhastātkaṇṭhakūpāntaṃ punarvarṣatrayeṇa tu – Nach weiteren drei Jahren.
2.36. Vers Yoga Kundalini Upanishad
brahmarandhraṃ samāvṛtya tiṣṭhedeva na saṃśayaḥ |
tiryak cūlitalaṃ yāti adhaḥ kaṇṭhabilāvadhi || 36 ||
bedeckt sie das Brahmarandhra und bleibt dort – daran besteht kein Zweifel. Seitlich gelangt sie zur Schädeldecke und nach unten bis zur Kehlöffnung.
Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmarandhraṃ samāvṛtya tiṣṭhedeva na saṃśayaḥ – bedeckt sie das Brahmarandhra und bleibt dort – daran besteht kein Zweifel (Brahman); tiryak cūlitalaṃ yāti adhaḥ kaṇṭhabilāvadhi – Seitlich gelangt sie zur Schädeldecke und nach unten bis zur Kehlöffnung.
2.37. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śanaiḥ śanairmastakācca mahāvajrakapāṭabhit |
pūrvaṃ bījayutā vidyā hyākhyātā yatidurlabhā || 37 ||
Allmählich öffnet sie vom Kopf aus die große, diamantgleiche Pforte. Die mit dem Bija verbundene, für Entsagende schwer erreichbare Lehre wurde zuvor erklärt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śanaiḥ śanairmastakācca mahāvajrakapāṭabhit – Allmählich öffnet sie vom Kopf aus die große, diamantgleiche Pforte; pūrvaṃ bījayutā vidyā hyākhyātā yatidurlabhā – Die mit dem Bija verbundene, für Entsagende schwer erreichbare Lehre wurde zuvor erklärt.
2.38. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasyāḥ ṣaḍaṅgaṃ kurvīta tayā ṣaṭsvarabhinnayā |
kuryādevaṃ karanyāsaṃ sarvasiddhyādihetave || 38 ||
Mit ihren sechs verschieden intonierten Lauten soll man ihre sechs Glieder vollziehen. Ebenso soll man Karanyasa ausführen, um die verschiedenen Vollendungen zu erlangen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasyāḥ ṣaḍaṅgaṃ kurvīta tayā ṣaṭsvarabhinnayā – Mit ihren sechs verschieden intonierten Lauten soll man ihre sechs Glieder vollziehen; kuryādevaṃ karanyāsaṃ sarvasiddhyādihetave – Ebenso soll man Karanyasa ausführen, um die verschiedenen Vollendungen zu erlangen.
2.39. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śanairevaṃ prakartavyamabhyāsaṃ yugapannahi |
yugapadvartate yasya śarīraṃ vilayaṃ vrajet || 39 ||
Diese Praxis muss langsam aufgebaut werden, niemals auf einmal. Wer sie plötzlich und gewaltsam ausführt, dessen Körper kann schweren Schaden nehmen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śanairevaṃ prakartavyamabhyāsaṃ yugapannahi – Diese Praxis muss langsam aufgebaut werden, niemals auf einmal; yugapadvartate yasya śarīraṃ vilayaṃ vrajet – Wer sie plötzlich und gewaltsam ausführt, dessen Körper kann schweren Schaden nehmen.
2.40. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasmācchanaiḥ śanaiḥ kāryamabhyāsaṃ munipuṅgava |
yadā ca bāhyamārgeṇa jihvā brahmabilaṃ vrajet || 40 ||
Darum soll die Übung ganz allmählich erfolgen, o bester der Weisen. Wenn die Zunge auf dem äußeren Weg zur Brahma-Öffnung gelangt,
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmācchanaiḥ śanaiḥ kāryamabhyāsaṃ munipuṅgava – Darum soll die Übung ganz allmählich erfolgen, o bester der Weisen; yadā ca bāhyamārgeṇa jihvā brahmabilaṃ vrajet – Wenn die Zunge auf dem äußeren Weg zur Brahma-Öffnung gelangt, (Brahman).
2.41. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tadā brahmārgalaṃ brahmandurbhedyaṃ tridaśairapi |
aṅgulyagreṇa saṃghṛṣya jihvāmātraṃ niveśayet || 41 ||
soll man die selbst für die Götter schwer zu öffnende Brahma-Sperre behutsam bewegen und die Zunge mit der Fingerspitze in die Öffnung führen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tadā brahmārgalaṃ brahmandurbhedyaṃ tridaśairapi – soll man die selbst für die Götter schwer zu öffnende Brahma-Sperre behutsam (Brahman); aṅgulyagreṇa saṃghṛṣya jihvāmātraṃ niveśayet – bewegen und die Zunge mit der Fingerspitze in die Öffnung führen.
2.42. Vers Yoga Kundalini Upanishad
evaṃ varṣatrayaṃ kṛtvā brahmadvāraṃ praviśyati |
brahmadvāre praviṣṭe tu samyaṅmathanamācaret || 42 ||
Nachdem dies drei Jahre lang geübt wurde, tritt die Zunge in das Brahma-Tor ein. Ist sie dort eingetreten, soll der Yogi das sogenannte Mathana, das innere Bewegen, richtig ausführen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ varṣatrayaṃ kṛtvā brahmadvāraṃ praviśyati – Nachdem dies drei Jahre lang geübt wurde, tritt die Zunge in das Brahma-Tor ein (Brahman); brahmadvāre praviṣṭe tu samyaṅmathanamācaret – Ist sie dort eingetreten, soll der Yogi das sogenannte Mathana, das innere Bewegen, richtig ausführen (Brahman).
2.43. Vers Yoga Kundalini Upanishad
mathanena vinā kecitsādhayanti vipaścitaḥ |
khecarīmantrasiddhasya sidhyate mathanaṃ vinā || 43 ||
Einige Einsichtige gelangen auch ohne Mathana zur Vollendung. Wer das Khechari-Mantra verwirklicht hat, erreicht die Vollendung ohne dieses Bewegen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: mathanena vinā kecitsādhayanti vipaścitaḥ – Einige Einsichtige gelangen auch ohne Mathana zur Vollendung; khecarīmantrasiddhasya sidhyate mathanaṃ vinā – Wer das Khechari-Mantra verwirklicht hat, erreicht die Vollendung ohne dieses Bewegen (Khechari Mudra).
2.44. Vers Yoga Kundalini Upanishad
japaṃ ca mathanaṃ caiva kṛtvā śīghraṃ phalaṃ labhet |
svarṇajāṃ raupyajāṃ vāpi lohajāṃ vā śalākikām || 44 ||
Wer Japa und Mathana miteinander verbindet, erlangt rasch die Frucht. Dafür wird ein feines Stäbchen aus Gold, Silber oder Eisen verwendet.
Wort-für-Wort-Übersetzung: japaṃ ca mathanaṃ caiva kṛtvā śīghraṃ phalaṃ labhet – Wer Japa und Mathana miteinander verbindet, erlangt rasch die Frucht. Dafür wird ein feines Stäbchen aus Gold; svarṇajāṃ raupyajāṃ vāpi lohajāṃ vā śalākikām – Silber oder Eisen verwendet.
2.45. Vers Yoga Kundalini Upanishad
niyojya nāsikārandhraṃ dugdhasiktena tantunā |
prāṇānnirudhya hṛdaye sukhamāsanamātmanaḥ || 45 ||
Es wird mit einem in Milch getränkten Faden am Nasenweg angewendet. Dabei hält der Yogi den Atem im Herzraum an und sitzt in einer für ihn angenehmen Haltung.
Wort-für-Wort-Übersetzung: niyojya nāsikārandhraṃ dugdhasiktena tantunā – Es wird mit einem in Milch getränkten Faden am Nasenweg angewendet; prāṇānnirudhya hṛdaye sukhamāsanamātmanaḥ – Dabei hält der Yogi den Atem im Herzraum an und sitzt in einer für ihn angenehmen Haltung (Asana, Atman).
2.46. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śanaiḥ sumathanaṃ kuryādbhrūmadhye nyasya cakṣuṣī |
ṣaṇmāsaṃ mathanāvasthā bhāvenaiva prajāyate || 46 ||
Mit zwischen den Augenbrauen gesammeltem Blick soll Mathana sehr langsam ausgeführt werden. Nach sechs Monaten stellt sich dieser Zustand schließlich von selbst ein.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śanaiḥ sumathanaṃ kuryādbhrūmadhye nyasya cakṣuṣī – Mit zwischen den Augenbrauen gesammeltem Blick soll Mathana sehr langsam ausgeführt werden; ṣaṇmāsaṃ mathanāvasthā bhāvenaiva prajāyate – Nach sechs Monaten stellt sich dieser Zustand schließlich von selbst ein.
2.47. Vers Yoga Kundalini Upanishad
yathā suṣuptirbālānāṃ yathā bhāvastathā bhavet |
na sadā mathanaṃ śastaṃ māse māse samācaret || 47 ||
Er wird so natürlich wie der Tiefschlaf eines Kindes. Mathana soll jedoch nicht ständig ausgeführt werden, sondern nur einmal im Monat.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā suṣuptirbālānāṃ yathā bhāvastathā bhavet – Er wird so natürlich wie der Tiefschlaf eines Kindes; na sadā mathanaṃ śastaṃ māse māse samācaret – Mathana soll jedoch nicht ständig ausgeführt werden, sondern nur einmal im Monat.
2.48. Vers Yoga Kundalini Upanishad
sadā rasanayā yogī mārgaṃ na parisaṃkramet |
evaṃ dvādaśavarṣānte saṃsiddhirbhavati dhruvā || 48 ||
Der Yogi soll die Zunge nicht unablässig auf diesem Weg kreisen lassen. Nach zwölf Jahren wird die Vollendung gewiss erreicht.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sadā rasanayā yogī mārgaṃ na parisaṃkramet – Der Yogi soll die Zunge nicht unablässig auf diesem Weg kreisen lassen; evaṃ dvādaśavarṣānte saṃsiddhirbhavati dhruvā – Nach zwölf Jahren wird die Vollendung gewiss erreicht.
2.49. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śarīre sakalaṃ viśvaṃ paśyatyātmāvibhedataḥ |
brahmāṇḍo'yaṃ mahāmārgo rājadantordhvakuṇḍalī || 49 || iti||
Dann sieht er das ganze Universum in seinem Körper als nicht verschieden vom Selbst. Dieser große Weg der aufwärtsgerichteten Kundalini durchdringt den Makrokosmos.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śarīre sakalaṃ viśvaṃ paśyatyātmāvibhedataḥ – Dann sieht er das ganze Universum in seinem Körper als nicht verschieden vom Selbst; brahmāṇḍo'yaṃ mahāmārgo rājadantordhvakuṇḍalī || 49 || iti – Dieser große Weg der aufwärtsgerichteten Kundalini durchdringt den Makrokosmos (Kundalini).
Drittes Kapitel
Melana Mantra und Beginn des dritten Kapitels
melanamanuḥ | hrīṃ bhaṃ saṃ paṃ phaṃ saṃ kṣam | padmaja uvāca |
Das Melana-Mantra lautet: hrīṃ bhaṃ saṃ paṃ phaṃ saṃ kṣam. Der Lotusgeborene sprach:
3.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
amāvāsyā ca pratipatpaurṇamāsī ca śaṅkara |
asyāḥ kā varṇyate saṃjñā etadākhyāhi tattvataḥ || 1 ||
Der Lotusgeborene sprach: O Shankara, wie ist die besondere Bedeutung von Neumond, erstem Mondtag und Vollmond in dieser Lehre zu verstehen? Erkläre mir dies der Wahrheit gemäß.
Wort-für-Wort-Übersetzung: amāvāsyā ca pratipatpaurṇamāsī ca śaṅkara – Der Lotusgeborene sprach: O Shankara, wie ist die besondere Bedeutung von Neumond, erstem Mondtag und Vollmond in dieser Lehre zu verstehen?; asyāḥ kā varṇyate saṃjñā etadākhyāhi tattvataḥ – Erkläre mir dies der Wahrheit gemäß.
3.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
pratipaddinato'kāle amāvāsyā tathaiva ca |
paurṇamāsyāṃ sthirīkuryātsa ca panthā hi nānyathā || 2 ||
Am ersten Tag der Mondhälfte sowie zur Zeit von Neumond und Vollmond soll die Praxis gefestigt werden. Dies ist der Weg; einen anderen gibt es nicht.
Wort-für-Wort-Übersetzung: pratipaddinato'kāle amāvāsyā tathaiva ca – Am ersten Tag der Mondhälfte sowie zur Zeit von Neumond und Vollmond soll die Praxis gefestigt werden. Dies ist der Weg; paurṇamāsyāṃ sthirīkuryātsa ca panthā hi nānyathā – einen anderen gibt es nicht.
3.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
kāmena viṣayākāṅkṣī viṣayātkāmamohitaḥ |
dvāveva santyajennityaṃ nirañjanamupāśrayet || 3 ||
Durch Begehren verlangt der Mensch nach Sinnesobjekten, und durch die Objekte wird sein Begehren weiter verblendet. Beides soll er beständig loslassen und beim makellosen Niranjana Zuflucht suchen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kāmena viṣayākāṅkṣī viṣayātkāmamohitaḥ – Durch Begehren verlangt der Mensch nach Sinnesobjekten, und durch die Objekte wird sein Begehren weiter verblendet; dvāveva santyajennityaṃ nirañjanamupāśrayet – Beides soll er beständig loslassen und beim makellosen Niranjana Zuflucht suchen.
3.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
aparaṃ santyajetsarvaṃ yadicchedātmano hitam |
śaktimadhye manaḥ kṛtvā manaḥ śakteśca madhyagam || 4 ||
Wer das Wohl des eigenen Selbst sucht, soll alles Übrige aufgeben. Er lasse den Geist in der Mitte der Shakti ruhen und Shakti in der Mitte des Geistes.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aparaṃ santyajetsarvaṃ yadicchedātmano hitam – Wer das Wohl des eigenen Selbst sucht, soll alles Übrige aufgeben (Atman); śaktimadhye manaḥ kṛtvā manaḥ śakteśca madhyagam – Er lasse den Geist in der Mitte der Shakti ruhen und Shakti in der Mitte des Geistes (Shakti).
3.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
manasā mana ālokya tattyajetparamaṃ padam |
mana eva hi binduśca utpattisthitikāraṇam || 5 ||
Mit dem Geist soll er den Geist selbst betrachten und schließlich auch diese höchste Stufe loslassen. Denn der Geist ist der Bindu und die Ursache von Entstehung und Fortbestand.
Wort-für-Wort-Übersetzung: manasā mana ālokya tattyajetparamaṃ padam – Mit dem Geist soll er den Geist selbst betrachten und schließlich auch diese höchste Stufe loslassen (Manas); mana eva hi binduśca utpattisthitikāraṇam – Denn der Geist ist der Bindu und die Ursache von Entstehung und Fortbestand (Bindu).
3.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
manasotpadyate binduryathā kṣīraṃ ghṛtātmakam |
na ca bandhanamadhyasthaṃ tadvai kāraṇamānasam || 6 ||
Aus dem Geist geht Bindu hervor, so wie Butterfett in der Milch enthalten ist. Dieser ursächliche Geist ist seinem wahren Wesen nach nicht in der Mitte der Bindung gefangen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: manasotpadyate binduryathā kṣīraṃ ghṛtātmakam – Aus dem Geist geht Bindu hervor, so wie Butterfett in der Milch enthalten ist (Atman, Manas, Bindu); na ca bandhanamadhyasthaṃ tadvai kāraṇamānasam – Dieser ursächliche Geist ist seinem wahren Wesen nach nicht in der Mitte der Bindung gefangen (Bandha).
3.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
candrārkamadhyamā śaktiryatrasthā tatra bandhanam |
jñātvā suṣumnāṃ tadbhedaṃ kṛtvā vāyuṃ ca madhyagam || 7 ||
Dort, wo Shakti zwischen Mond und Sonne weilt, befindet sich die Bindung. Hat man die Sushumna und ihr Durchdringen erkannt, soll man den Lebenshauch in ihre Mitte führen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: candrārkamadhyamā śaktiryatrasthā tatra bandhanam – Dort, wo Shakti zwischen Mond und Sonne weilt, befindet sich die Bindung (Shakti, Bandha); jñātvā suṣumnāṃ tadbhedaṃ kṛtvā vāyuṃ ca madhyagam – Hat man die Sushumna und ihr Durchdringen erkannt, soll man den Lebenshauch in ihre Mitte führen (Sushumna).
3.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
sthitvāsau baindavasthāne ghrāṇarandhre nirodhayet |
vāyuṃ binduṃ samākhyātaṃ sattvaṃ prakṛtimeva ca || 8 ||
Im Bereich des Bindu verweilend, soll man den Atem an den Nasenöffnungen anhalten. Lebenshauch und Bindu werden ebenso wie Sattva und Prakriti gelehrt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sthitvāsau baindavasthāne ghrāṇarandhre nirodhayet – Im Bereich des Bindu verweilend, soll man den Atem an den Nasenöffnungen anhalten; vāyuṃ binduṃ samākhyātaṃ sattvaṃ prakṛtimeva ca – Lebenshauch und Bindu werden ebenso wie Sattva und Prakriti gelehrt (Bindu).
3.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍalam |
mūlādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ maṇipūraṃ tṛtīyakam || 9 ||
Nachdem man die sechs Chakras erkannt hat, soll man in die Sphäre der Glückseligkeit eintreten: Muladhara, Svadhishthana und als drittes Manipura.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍalam – Nachdem man die sechs Chakras erkannt hat, soll man in die Sphäre der Glückseligkeit eintreten: Muladhara; mūlādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ maṇipūraṃ tṛtīyakam – Svadhishthana und als drittes Manipura (Muladhara Chakra, Svadhishthana Chakra, Manipura Chakra).
3.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
anāhataṃ viśuddhaṃ ca ājñācakraṃ ca ṣaṣṭhakam |
ādhāraṃ gudamityuktaṃ svādhiṣṭhānaṃ tu laiṅgikam || 10 ||
Dazu kommen Anahata, Vishuddha und als sechstes Ajna. Muladhara wird dem Beckenboden zugeordnet, Svadhishthana dem Bereich der Geschlechtsorgane.
Wort-für-Wort-Übersetzung: anāhataṃ viśuddhaṃ ca ājñācakraṃ ca ṣaṣṭhakam – Dazu kommen Anahata Vishuddha und als sechstes Ajna (Chakra, Anahata Chakra, Vishuddha Chakra, Ajna Chakra); ādhāraṃ gudamityuktaṃ svādhiṣṭhānaṃ tu laiṅgikam – Muladhara wird dem Beckenboden zugeordnet Svadhishthana dem Bereich der Geschlechtsorgane (Svadhishthana Chakra).
3.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
maṇipūraṃ nābhideśaṃ hṛdayasthamanāhatam |
viśuddhiḥ kaṇṭhamūle ca ājñācakraṃ ca mastakam || 11 ||
Manipura befindet sich in der Nabelgegend, Anahata im Herzen, Vishuddha an der Halswurzel und Ajna im Kopf beziehungsweise zwischen den Augenbrauen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: maṇipūraṃ nābhideśaṃ hṛdayasthamanāhatam – Manipura befindet sich in der Nabelgegend Anahata im Herzen (Manipura Chakra, Anahata Chakra); viśuddhiḥ kaṇṭhamūle ca ājñācakraṃ ca mastakam – Vishuddha an der Halswurzel und Ajna im Kopf beziehungsweise zwischen den Augenbrauen (Chakra, Vishuddha Chakra, Ajna Chakra).
3.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍale |
praviśedvāyumākṛṣya tayaivordhvaṃ niyojayet || 12 ||
Nachdem der Yogi die sechs Chakras erkannt hat, soll er in die Sphäre der Glückseligkeit eintreten, den Lebenshauch einziehen und ihn durch die zentrale Kraft nach oben führen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍale – Nachdem der Yogi die sechs Chakras erkannt hat, soll er in die Sphäre der; praviśedvāyumākṛṣya tayaivordhvaṃ niyojayet – Glückseligkeit eintreten, den Lebenshauch einziehen und ihn durch die zentrale Kraft nach oben führen.
3.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
evaṃ samabhyasedvāyuṃ sa brahmāṇḍamayo bhavet |
vāyuṃ binduṃ tathā cakraṃ cittaṃ caiva samabhyaset || 13 ||
Wer den Lebenshauch auf diese Weise übt, wird eins mit dem Makrokosmos. Lebenshauch, Bindu, Chakra und Geist sollen in der Praxis gemeistert werden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: evaṃ samabhyasedvāyuṃ sa brahmāṇḍamayo bhavet – Wer den Lebenshauch auf diese Weise übt, wird eins mit dem Makrokosmos. Lebenshauch; vāyuṃ binduṃ tathā cakraṃ cittaṃ caiva samabhyaset – Bindu Chakra und Geist sollen in der Praxis gemeistert werden (Chitta, Chakra, Bindu).
3.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
samādhimekena samamamṛtaṃ yānti yoginaḥ |
yathāgnirdārumadhyastho nottiṣṭhenmathanaṃ vinā || 14 ||
Durch Samadhi allein gelangen Yogis zum Nektar der Einheit. Wie das im Holz verborgene Feuer ohne Reibung nicht hervortritt,
Wort-für-Wort-Übersetzung: samādhimekena samamamṛtaṃ yānti yoginaḥ – Durch Samadhi allein gelangen Yogis zum Nektar der Einheit (Samadhi); yathāgnirdārumadhyastho nottiṣṭhenmathanaṃ vinā – Wie das im Holz verborgene Feuer ohne Reibung nicht hervortritt,.
3.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
vinā cābhyāsayogena jñānadīpastathā na hi |
ghaṭamadhyagato dīpo bāhye naiva prakāśate || 15 ||
so entzündet sich auch die Lampe der Erkenntnis nicht ohne beständige Yogapraxis. Eine Lampe, die sich im Inneren eines Gefäßes befindet, strahlt nicht nach außen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vinā cābhyāsayogena jñānadīpastathā na hi – so entzündet sich auch die Lampe der Erkenntnis nicht ohne beständige Yogapraxis; ghaṭamadhyagato dīpo bāhye naiva prakāśate – Eine Lampe, die sich im Inneren eines Gefäßes befindet, strahlt nicht nach außen.
3.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
bhinne tasminghaṭe caiva dīpajvālā ca bhāsate |
svakāyaṃ ghaṭamityuktaṃ yathā dīpo hi tatpadam || 16 ||
Wird das Gefäß zerbrochen, leuchtet seine Flamme offen hervor. Der eigene Körper wird als Gefäß bezeichnet, und das darin verborgene Licht ist jener höchste Zustand.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bhinne tasminghaṭe caiva dīpajvālā ca bhāsate – Wird das Gefäß zerbrochen, leuchtet seine Flamme offen hervor; svakāyaṃ ghaṭamityuktaṃ yathā dīpo hi tatpadam – Der eigene Körper wird als Gefäß bezeichnet, und das darin verborgene Licht ist jener höchste Zustand.
3.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
guruvākyasamābhinne brahmajñānaṃ sphuṭībhavet |
karṇadhāraṃ guruṃ prāpya kṛtvā sūkṣmaṃ taranti ca || 17 ||
Wird dieses Gefäß durch das Wort des Gurus geöffnet, tritt Brahma Jnana klar hervor. Wer den Guru als Steuermann gefunden hat, überquert auch den subtilen Übergang.
Wort-für-Wort-Übersetzung: guruvākyasamābhinne brahmajñānaṃ sphuṭībhavet – Wird dieses Gefäß durch das Wort des Gurus geöffnet, tritt Brahma Jnana klar hervor (Brahman, Guru); karṇadhāraṃ guruṃ prāpya kṛtvā sūkṣmaṃ taranti ca – Wer den Guru als Steuermann gefunden hat, überquert auch den subtilen Übergang (Guru).
3.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
abhyāsavāsanāśaktyā taranti bhavasāgaram |
parāyāmaṅkurībhūya paśyantāṃ dvidalīkṛtā || 18 ||
Durch die Kraft der in der Praxis gereiften Eindrücke überquert er den Ozean des Werdens. Die Sprache keimt auf der Stufe Para und entfaltet in Pashyanti zwei Blätter.
Wort-für-Wort-Übersetzung: abhyāsavāsanāśaktyā taranti bhavasāgaram – Durch die Kraft der in der Praxis gereiften Eindrücke überquert er den Ozean des Werdens (Vasana); parāyāmaṅkurībhūya paśyantāṃ dvidalīkṛtā – Die Sprache keimt auf der Stufe Para und entfaltet in Pashyanti zwei Blätter.
3.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
madhyamāyāṃ mukulitā vaikharyāṃ vikasīkṛtā |
pūrvaṃ yathoditā yā vāgvilomenāstagā bhavet || 19 ||
In Madhyama wird sie zur Knospe, in Vaikhari erblüht sie. Dieselbe Sprache, die sich so entfaltet hat, geht in umgekehrter Reihenfolge wieder in ihren Ursprung zurück.
Wort-für-Wort-Übersetzung: madhyamāyāṃ mukulitā vaikharyāṃ vikasīkṛtā – In Madhyama wird sie zur Knospe, in Vaikhari erblüht sie; pūrvaṃ yathoditā yā vāgvilomenāstagā bhavet – Dieselbe Sprache, die sich so entfaltet hat, geht in umgekehrter Reihenfolge wieder in ihren Ursprung zurück.
3.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
tasyā vācaḥ paro devaḥ kūṭastho vākprabodhakaḥ |
so'hamasmīti niścitya yaḥ sadā vartate pumān || 20 ||
Der höchste Herr dieser Sprache ist der unveränderliche Zeuge, der sie erhellt. Wer beständig in der Gewissheit lebt: ‚Er ist mein Selbst – Soham‘,
Wort-für-Wort-Übersetzung: tasyā vācaḥ paro devaḥ kūṭastho vākprabodhakaḥ – Der höchste Herr dieser Sprache ist der unveränderliche Zeuge, der sie erhellt. Wer beständig in der Gewissheit lebt; so'hamasmīti niścitya yaḥ sadā vartate pumān – ‚Er ist mein Selbst – Soham‘,.
3.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
śabdairuccāvacairnīcairbhāṣito'pi na lipyate |
viśvaśca taijasaścaiva prājñaśceti ca te trayaḥ || 21 ||
wird von hohen oder niedrigen, lobenden oder tadelnden Worten nicht berührt. Vishva, Taijasa und Prajna sind die drei Bewusstseinsweisen des Individuums.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śabdairuccāvacairnīcairbhāṣito'pi na lipyate – wird von hohen oder niedrigen, lobenden oder tadelnden Worten nicht berührt. Vishva; viśvaśca taijasaścaiva prājñaśceti ca te trayaḥ – Taijasa und Prajna sind die drei Bewusstseinsweisen des Individuums.
3.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
virāḍḍhiraṇyagarbhaśca īśvaraśceti te trayaḥ |
brahmāṇḍaṃ caiva piṇḍāṇḍaṃ lokā bhūrādayaḥ kramāt || 22 ||
Virat, Hiranyagarbha und Ishvara sind ihre drei kosmischen Entsprechungen. Ebenso werden Makrokosmos, Mikrokosmos und die Welten von Bhur an aufwärts unterschieden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: virāḍḍhiraṇyagarbhaśca īśvaraśceti te trayaḥ – Virat Hiranyagarbha und Ishvara sind ihre drei kosmischen Entsprechungen; brahmāṇḍaṃ caiva piṇḍāṇḍaṃ lokā bhūrādayaḥ kramāt – Ebenso werden Makrokosmos Mikrokosmos und die Welten von Bhur an aufwärts unterschieden.
3.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
svasvopādhilayādeva līyante pratyagātmani |
aṇḍaṃ jñānāgninā taptaṃ līyate kāraṇaiḥ saha || 23 ||
Wenn ihre jeweiligen begrenzenden Hüllen vergehen, lösen sie sich im innersten Selbst auf. Das vom Feuer der Erkenntnis erhitzte Welten-Ei geht zusammen mit seinen Ursachen unter.
Wort-für-Wort-Übersetzung: svasvopādhilayādeva līyante pratyagātmani – Wenn ihre jeweiligen begrenzenden Hüllen vergehen, lösen sie sich im innersten Selbst auf (Atman); aṇḍaṃ jñānāgninā taptaṃ līyate kāraṇaiḥ saha – Das vom Feuer der Erkenntnis erhitzte Welten-Ei geht zusammen mit seinen Ursachen unter.
3.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
paramātmani līnaṃ tatparaṃ brahmaiva jāyate |
tataḥ stimitagambhīraṃ na tejo na tamastatam || 24 ||
Im höchsten Selbst aufgelöst, wird es zum höchsten Brahman selbst. Dann bleibt ein stilles, unergründliches Sein, das weder Licht noch Finsternis ist.
Wort-für-Wort-Übersetzung: paramātmani līnaṃ tatparaṃ brahmaiva jāyate – Im höchsten Selbst aufgelöst, wird es zum höchsten Brahman selbst (Brahman, Atman); tataḥ stimitagambhīraṃ na tejo na tamastatam – Dann bleibt ein stilles, unergründliches Sein, das weder Licht noch Finsternis ist.
3.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
anākhyamanabhivyaktaṃ satkiñcidavaśiṣyate |
dhyātvā madhyasthamātmānaṃ kalaśāntaradīpavat || 25 ||
Unbenennbar und unmanifest bleibt ein reines Sein zurück. Man meditiere über das im Inneren gegenwärtige Selbst wie über eine Lampe in einem Gefäß.
Wort-für-Wort-Übersetzung: anākhyamanabhivyaktaṃ satkiñcidavaśiṣyate – Unbenennbar und unmanifest bleibt ein reines Sein zurück; dhyātvā madhyasthamātmānaṃ kalaśāntaradīpavat – Man meditiere über das im Inneren gegenwärtige Selbst wie über eine Lampe in einem Gefäß.
3.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
aṅguṣṭhamātramātmānamadhūmajyotirūpakam |
prakāśayantamantasthaṃ dhyāyetkūṭasthamavyayam || 26 ||
Das Selbst wird als daumengroßes, rauchloses Licht meditiert, das im Inneren erstrahlt – als unveränderlicher, unvergänglicher Zeuge.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aṅguṣṭhamātramātmānamadhūmajyotirūpakam – Das Selbst wird als daumengroßes, rauchloses Licht meditiert; prakāśayantamantasthaṃ dhyāyetkūṭasthamavyayam – das im Inneren erstrahlt – als unveränderlicher, unvergänglicher Zeuge.
3.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
vijñānātmā tathā dehe jāgratsvapnasuṣuptitaḥ |
māyayā mohitaḥ paścādbahujanmāntare punaḥ || 27 ||
Der im Körper wohnende erkennende Atman wird in Wachen, Traum und Tiefschlaf durch Maya getäuscht und wandert so durch viele Geburten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vijñānātmā tathā dehe jāgratsvapnasuṣuptitaḥ – Der im Körper wohnende erkennende Atman wird in Wachen; māyayā mohitaḥ paścādbahujanmāntare punaḥ – Traum und Tiefschlaf durch Maya getäuscht und wandert so durch viele Geburten.
3.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
satkarmaparipākāttu svavikāraṃ cikīrṣati |
ko'haṃ kathamayaṃ doṣaḥ saṃsārākhya upāgataḥ || 28 ||
Wenn heilsames Karma herangereift ist, beginnt er seinen eigenen Zustand zu suchen und fragt: ‚Wer bin ich? Wie ist dieser als Samsara bezeichnete Mangel über mich gekommen?‘
Wort-für-Wort-Übersetzung: satkarmaparipākāttu svavikāraṃ cikīrṣati – Wenn heilsames Karma herangereift ist, beginnt er seinen eigenen Zustand zu suchen und fragt: ‚Wer bin ich?; ko'haṃ kathamayaṃ doṣaḥ saṃsārākhya upāgataḥ – Wie ist dieser als Samsara bezeichnete Mangel über mich gekommen?‘.
3.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jāgratsvapne vyavaharantsuṣuptau kva gatirmama |
iti cintāparo bhūtvā svabhāsā ca viśeṣataḥ || 29 ||
‚Was geschieht mit mir im Tiefschlaf, während ich im Wachen und im Traum handle?‘ Indem er sich dieser Erforschung hingibt, wird sein eigenes Licht immer deutlicher.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jāgratsvapne vyavaharantsuṣuptau kva gatirmama – ‚Was geschieht mit mir im Tiefschlaf, während ich im Wachen und im Traum; iti cintāparo bhūtvā svabhāsā ca viśeṣataḥ – handle?‘ Indem er sich dieser Erforschung hingibt, wird sein eigenes Licht immer deutlicher.
3.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ajñānāttu cidābhāso bahistāpena tāpitaḥ |
dagdhaṃ bhavatyeva tadā tūlapiṇḍamivāgninā || 30 ||
Der durch Unwissenheit entstandene Widerschein des Bewusstseins wird dann nicht durch ein äußeres Feuer, sondern durch das innere Licht verbrannt – wie ein Baumwollballen im Feuer.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ajñānāttu cidābhāso bahistāpena tāpitaḥ – Der durch Unwissenheit entstandene Widerschein des Bewusstseins wird dann nicht durch ein äußeres; dagdhaṃ bhavatyeva tadā tūlapiṇḍamivāgninā – Feuer, sondern durch das innere Licht verbrannt – wie ein Baumwollballen im Feuer.
3.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
daharasthaḥ pratyagātmā naṣṭe jñāne tataḥ param |
vitato vyāpya vijñānaṃ dahatyeva kṣaṇena tu || 31 ||
Wenn das begrenzte Wissen vernichtet ist, entfaltet sich das im Herzraum wohnende innerste Selbst. Seine Erkenntniskraft breitet sich aus und verbrennt die Verhüllungen in einem Augenblick.
Wort-für-Wort-Übersetzung: daharasthaḥ pratyagātmā naṣṭe jñāne tataḥ param – Wenn das begrenzte Wissen vernichtet ist, entfaltet sich das im Herzraum wohnende innerste Selbst; vitato vyāpya vijñānaṃ dahatyeva kṣaṇena tu – Seine Erkenntniskraft breitet sich aus und verbrennt die Verhüllungen in einem Augenblick.
3.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
manomayajñānamayānsamyagdagdhvā krameṇa tu |
ghaṭasthadīpavacchaśvadantareva prakāśate || 32 ||
Nachdem die aus Geist und begrenztem Wissen bestehenden Hüllen der Reihe nach vollständig verbrannt sind, leuchtet das Selbst beständig im Inneren wie eine Lampe in einem Gefäß.
Wort-für-Wort-Übersetzung: manomayajñānamayānsamyagdagdhvā krameṇa tu – Nachdem die aus Geist und begrenztem Wissen bestehenden Hüllen der Reihe nach vollständig verbrannt; ghaṭasthadīpavacchaśvadantareva prakāśate – sind, leuchtet das Selbst beständig im Inneren wie eine Lampe in einem Gefäß.
3.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
dhyāyannāste muniścaivamāsupterāmṛtestu yaḥ |
jīvanmuktaḥ sa vijñeyaḥ sa dhanyaḥ kṛtakṛtyavān || 33 ||
Der Weise, der so bis zum Einschlafen und bis zum Tod in Meditation verweilt, ist als Jivanmukta zu erkennen. Er ist gesegnet und hat vollbracht, was zu vollbringen war.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dhyāyannāste muniścaivamāsupterāmṛtestu yaḥ – Der Weise, der so bis zum Einschlafen und bis zum Tod in Meditation verweilt, ist als Jivanmukta zu erkennen; jīvanmuktaḥ sa vijñeyaḥ sa dhanyaḥ kṛtakṛtyavān – Er ist gesegnet und hat vollbracht, was zu vollbringen war (Jivanmukta).
3.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
jīvanmuktapadaṃ tyaktvā svadehe kālasātkṛte |
viśatyadehamuktatvaṃ pavano'spandatāmiva || 34 ||
Wenn sein Körper der Zeit anheimfällt, lässt er selbst den Zustand des Jivanmukta zurück und geht in die körperlose Befreiung ein – wie der Wind in völlige Regungslosigkeit.
Wort-für-Wort-Übersetzung: jīvanmuktapadaṃ tyaktvā svadehe kālasātkṛte – Wenn sein Körper der Zeit anheimfällt, lässt er selbst den Zustand des Jivanmukta zurück (Jivanmukta); viśatyadehamuktatvaṃ pavano'spandatāmiva – und geht in die körperlose Befreiung ein – wie der Wind in völlige Regungslosigkeit.
3.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
aśabdamasparśamarūpamavyayaṃ
tathārasaṃ nityamagandhavacca yat |
anādyanantaṃ mahataḥ paraṃ dhruvaṃ
tadeva śiṣyatyamalaṃ nirāmayam || 35 || ityupaniṣat ||
Dann bleibt allein das Lautlose, Unberührbare, Formlose und Unvergängliche: ohne Geschmack und Geruch, ewig, anfangs- und endlos, höher als das Große, beständig, makellos und frei von allem Leiden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: a-śabdam – lautlos; a-sparśam – unberührbar; a-rūpam – formlos; a-vyayam – unvergänglich; tathā a-rasam – ebenso ohne Geschmack; nityam – ewig; a-gandhavat – ohne Geruch; yat – welches; anādi-anantam – anfangs- und endlos; mahataḥ param – höher als das Große; dhruvam – beständig; tat eva śiṣyati – dieses allein bleibt; a-malam – makellos; nir-āmayam – frei von Leiden.
Shanti Mantra
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||
Om. Möge er uns beide beschützen; möge er uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. Harih Om Tat Sat.
iti yogakuṇḍalinyupaniṣatsamāptā ||
Damit ist die Yoga Kundalini Upanishad beendet.
Sicherheitshinweis
Die Yoga Kundalini Upanishad beschreibt fortgeschrittene Atem-, Bandha-, Mudra- und Kundalini-Praktiken in der symbolischen und körperbezogenen Sprache ihrer Zeit. Besonders langes Kumbhaka, intensive Drucktechniken und die im zweiten Kapitel geschilderte operative Verlängerung der Zunge sind nicht für eigenständiges Experimentieren bestimmt. Für die heutige Praxis sind schrittweiser Aufbau, gesundheitliche Eignung und persönliche Anleitung entscheidend.
Yoga Kundalini Upanishad: Hintergrund, Lehre und Bedeutung
Die Yoga Kundalini Upanishad (Sanskrit: Yogakuṇḍalinī Upaniṣad, auch Yoga-Kuṇḍalī-Upaniṣad) gehört zu den bedeutenden Yoga Upanishaden. Sie verbindet die upanishadische Suche nach Atman und Brahman mit der körper- und atembezogenen Praxis des vormodernen Hatha Yoga. Ihr besonderes Thema ist die Erweckung und Aufwärtsführung der Kundalini durch die Sushumna, doch bleibt dieses Geschehen nicht Selbstzweck: Die Praxis soll den Geist sammeln, die scheinbare Trennung zwischen individuellem Selbst und höchster Wirklichkeit überwinden und schließlich zu Samadhi, Jivanmukti und endgültiger Befreiung führen.
Die Schrift ist deshalb mehr als ein Handbuch über Chakras oder eine Sammlung außergewöhnlicher Techniken. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen Lebensführung, Asana, Pranayama, Bandha, Mudra, Mantra, Guru-Unterweisung, Selbsterforschung und Vedanta her. Gerade diese Verbindung macht ihre historische Bedeutung aus und erklärt, warum sie auch für heutige Yoga-Aspiranten und Yoga-Meister interessant bleibt.
Name, Einordnung und Überlieferung
Der Name Kuṇḍalinī bezeichnet die als eingerollt oder gewunden vorgestellte Shakti, die im unteren Bereich des feinstofflichen Körpers ruht. Wird sie erweckt, tritt sie nach der Darstellung des Textes in die zentrale Bahn, die Sushumna, ein und steigt durch die inneren Zentren auf. Upaniṣad bezeichnet eine esoterische Erkenntnislehre, deren Ziel nicht bloß theoretisches Wissen, sondern unmittelbare Einsicht in das Selbst ist.
In der traditionellen Zuordnung gehört die Yoga Kundalini Upanishad zum Krishna Yajurveda. Im Kanon der 108 Upanishaden, den die Muktika Upanishad aufzählt, steht sie an 86. Stelle. Die hier zugrunde gelegte Langfassung umfasst drei Kapitel mit insgesamt 171 gezählten Versen: 87 Verse im ersten, 49 im zweiten und 35 im dritten Kapitel. Der Schluss-Halbvers des ersten Kapitels ist in der verwendeten Sanskrit-Ausgabe nicht eigens nummeriert; in dieser Wiki-Fassung wird er zur eindeutigen Referenz als Vers 1.87 gezählt.
Wie bei vielen späteren Upanishaden existieren unterschiedliche Drucke, Lesarten und Zählweisen. Schreibungen wie Yogakuṇḍalī, Yogakuṇḍalinī oder Yoga-Kuṇḍaly-Upaniṣad können daher nebeneinander auftreten. Eine Verszählung sollte stets zusammen mit der verwendeten Ausgabe genannt werden.
Datierung und historischer Kontext
Die Yoga Kundalini Upanishad gehört nicht zur ältesten vedischen Upanishaden-Schicht. Sprache, Terminologie und Praxisprogramm weisen sie als späte Yoga-Upanishad aus. In der Forschung wird ihre Entstehung beziehungsweise die Ausbildung ihrer heute überlieferten Gestalt häufig ungefähr in das 14. oder 15. Jahrhundert eingeordnet. Eine punktgenaue Datierung ist jedoch nicht möglich. Einzelne Lehrstücke können älter sein, während Redaktion, Zusammenstellung und spätere Überlieferung verschiedenen Zeiten angehören können.
Historisch steht der Text in einem Milieu, in dem sich asketische, tantrische, siddha- und nathayogische Verfahren mit vedantischer Befreiungslehre verbanden. Prana, Apana, Bindu, Nadi, Kundalini, Mudra und Bandha bilden hier keine von der Erkenntnis getrennte „Körpertechnik“. Der Körper wird vielmehr als Ort der Transformation verstanden. Über den Atem soll der Geist gesammelt, über die zentrale Bahn sollen die inneren Gegensätze vereinigt und durch Erkenntnis soll die Nichtverschiedenheit von Selbst und Brahman verwirklicht werden.
Aufbau der Yoga Kundalini Upanishad
Erstes Kapitel: Geist, Prana und Erweckung der Kundalini
Das erste Kapitel beginnt mit einer programmatischen Aussage: Der Geist wird durch zwei Kräfte bewegt, durch die Vasanas, also gespeicherte Neigungen, und durch den Lebenshauch. Kommt eine von beiden zur Ruhe, beruhigt sich auch die andere. Der Text setzt praktisch zunächst bei Prana an.
Als Grundlagen nennt er:
- Mitahara, eine maßvolle und bewusst eingenommene Ernährung,
- einen stabilen Sitz, besonders Padmasana und Vajrasana,
- Shakti Chalana, das Bewegen der inneren Kraft,
- die Reinigung beziehungsweise Bewegung der als Saraswati bezeichneten Nadi,
- und die Regulierung des Atems durch Kumbhaka.
Anschließend werden vier Formen des verbundenen oder Sahita Kumbhaka erklärt: Surya Bhedana, Ujjayi, Shitali und Bhastrika. Sie werden mit den drei Bandhas verbunden: Mula Bandha, Uddiyana Bandha und Jalandhara Bandha. Die dynamische Grundidee lautet, Apana nach oben und Prana in die zentrale Bahn zu führen. Durch die Vereinigung von Prana, Apana und innerem Feuer erwacht Kundalini und tritt in die Sushumna ein.
Bemerkenswert ist die ausführliche Warnung vor falscher Praxis. Der Text nennt ungeeignete Lebensgewohnheiten, Überanstrengung, Zweifel, Nachlässigkeit, Trägheit, übermäßigen Schlaf, Aufgabe der Übung und andere Hindernisse. Fortschritt soll allmählich erfolgen. Diese Betonung von Maß, Wiederholung und Behutsamkeit ist für das Verständnis der Schrift ebenso wichtig wie ihre spektakuläreren Bilder.
Im weiteren Verlauf durchdringt Kundalini die drei Granthis und steigt durch die inneren Zentren bis zum tausendblättrigen Lotus auf. Dort vereinigt sich Shakti mit Shiva. Die Sprache wechselt nun von der Übungserklärung zur nichtdualen Deutung: Mikrokosmos und Makrokosmos, individueller und kosmischer Lebenszusammenhang sowie Shakti und Shiva werden als letztlich nicht verschieden erkannt. Der höchste Zustand ist nicht nur ein energetisches Erlebnis, sondern Befreiung von der Täuschung der Getrenntheit.
Zweites Kapitel: Khechari Vidya, Guru und Melana
Das zweite Kapitel ist der Khechari Mudra beziehungsweise Khechari Vidya gewidmet. Der Text unterscheidet zwischen äußerer Praxis und Melana, einer inneren Verbindung, Reifung oder Einweihung. Schriftkenntnis allein genügt nicht; der Übende soll die Lehre von einem erfahrenen Guru empfangen und ihre Bedeutung durch Praxis verwirklichen. Zugleich wird die Unterweisung als geheim und schwer zugänglich dargestellt, ein typisches Merkmal vormoderner esoterischer Überlieferung.
Das Kapitel enthält Bija- und Mantra-Unterweisungen sowie sehr konkrete historische Anweisungen zur schrittweisen Verlängerung und Rückführung der Zunge. Solche Passagen sind für die Geschichte von Hatha Yoga außerordentlich wichtig, dürfen heute aber nicht als allgemeine Selbsthilfeanleitung gelesen werden. Insbesondere das wiederholte Einschneiden des Zungenbändchens birgt erhebliche Risiken wie Blutung, Infektion, Nervenverletzung und dauerhafte Funktionsstörungen. Der Text selbst betont zwar Langsamkeit und Guru-Führung; aus heutiger Sicht ist darüber hinaus medizinische Verantwortung unverzichtbar.
Der eigentliche Sinn von Khechari liegt im Text nicht in anatomischer Besonderheit. Sie soll den nach außen gehenden Strom der Sinne umkehren, den Geist im Inneren sammeln und den Zugang zum als Brahmarandhra bezeichneten höchsten Raum eröffnen. Am Ende des Kapitels wird der Körper zum Mikrokosmos: Der Yogi erkennt das ganze Universum im eigenen Leib als nicht verschieden vom Selbst.
Drittes Kapitel: Chakras, Sprache, Selbsterkenntnis und Befreiung
Das dritte Kapitel führt die praktische Lehre in eine deutlich vedantische Betrachtung. Nach einem Melana-Mantra werden die sechs Chakras Muladhara, Svadhishthana, Manipura, Anahata, Vishuddha und Ajna genannt und bestimmten Körperregionen zugeordnet. Prana, Bindu, Chakra und Geist sollen gesammelt und in die zentrale Bewegung einbezogen werden.
Danach verschiebt sich der Akzent. Ohne beständige Yogapraxis, so der Text, entzündet sich die Lampe der Erkenntnis nicht. Der Körper wird mit einem Gefäß verglichen, in dem ein Licht verborgen ist. Durch das Wort des Gurus wird das Gefäß geöffnet und Brahma Jnana, die Erkenntnis Brahmans, tritt hervor.
Auch die vier Ebenen der Sprache spielen eine Rolle: Para, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari. Sprache entfaltet sich von der feinsten zur hörbaren Form und kehrt in umgekehrter Richtung in ihren Ursprung zurück. Der unveränderliche Zeuge bleibt von allen Worten unberührt. Die Formel Soham – „Er bin ich“ – bezeichnet die Einsicht, dass das innerste Selbst nicht von der höchsten Wirklichkeit getrennt ist.
Die Schlussverse behandeln die drei gewöhnlichen Bewusstseinszustände Wachen, Traum und Tiefschlaf, die Frage „Wer bin ich?“, die Auflösung der begrenzenden Hüllen und das selbstleuchtende Bewusstsein. Wer in dieser Erkenntnis lebt, gilt als Jivanmukta, als zu Lebzeiten Befreiter. Nach dem Ende des Körpers geht er in die körperlose Befreiung ein. Übrig bleibt das lautlose, unberührbare, formlose, unveränderliche und leidfreie Brahman.
Zentrale Lehren der Yoga Kundalini Upanishad
Die Wechselwirkung von Geist und Atem
Die Aussage über die zwei Ursachen des Geistes gehört zu den wichtigsten Sätzen des Textes. Geist und Atem werden als wechselseitig verbunden betrachtet. Atemregulierung ist daher nicht nur eine physiologische Übung, und Meditation ist nicht nur ein gedanklicher Vorgang. Die Sammlung des Atems wirkt auf den Geist; die Klärung der Vasanas verändert ihrerseits die Atmung und den gesamten inneren Zustand.
Für die heutige Praxis lässt sich daraus ein nüchterner Grundsatz ableiten: Atem und Aufmerksamkeit sollten gemeinsam geschult werden. Daraus folgt jedoch nicht, dass lange Atemverhaltung oder starke Drucktechniken für jeden geeignet wären. Die praktische Intensität muss dem Menschen, seiner Erfahrung und seiner Gesundheit entsprechen.
Kundalini als Shakti und Erkenntnisweg
Kundalini wird im ersten Kapitel als schlafende, eingerollte Schlangenkraft beschrieben. Diese Bildsprache gehört zur feinstofflichen Anatomie des Tantra und Hatha Yoga. Sie ist weder mit einem einzelnen anatomischen Nerv noch mit einer messbaren physikalischen Energie gleichzusetzen. Innerhalb des Textes bezeichnet sie die wirksame Kraft, durch die verstreute Lebens- und Bewusstseinsprozesse gesammelt, die Granthis gelöst und die Trennung von Shakti und Shiva überwunden werden.
Die Erweckung der Kundalini ist deshalb nur dann vollständig verstanden, wenn man das dritte Kapitel mitliest. Das Ziel ist nicht der Erwerb außergewöhnlicher Empfindungen, sondern die Erkenntnis des unveränderlichen Zeugen und die Befreiung von Unwissenheit.
Der Körper als Mikrokosmos
Die Upanishad betrachtet den menschlichen Körper als Spiegel des Kosmos. Nadis, Chakras, Sonne, Mond, Feuer und Nektar sind Bestandteile einer inneren Kosmologie. Diese lässt sich rituell, meditativ, energetisch und philosophisch lesen. Der Übende soll die Welt nicht ablehnen, sondern ihre Kräfte im eigenen Dasein erkennen und in den Ursprung zurückführen.
Praxis und Erkenntnis gehören zusammen
Der Text vermeidet eine einfache Trennung zwischen Hatha Yoga und Jnana Yoga. Praxis bereitet die Erkenntnis vor und verkörpert sie; Erkenntnis bestimmt zugleich Ziel und richtige Ausrichtung der Praxis. Kumbhaka ohne Selbsterkenntnis wäre unvollständig, während bloße Theorie ohne beharrliche Übung nach dem Lampengleichnis nicht zum inneren Leuchten führt.
Verhältnis zu anderen Yoga-Schriften
Yoga Upanishaden
Mit der Yoga Tattva Upanishad, Yoga Shikha Upanishad, Yoga Chudamani Upanishad, Varaha Upanishad, Dhyana Bindu Upanishad und Nada Bindu Upanishad teilt die Yoga Kundalini Upanishad ein gemeinsames Themenfeld: Pranayama, Nadis, Bindu, Kundalini, Meditation, Samadhi und Befreiung. Die einzelnen Texte setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Die Yoga Tattva Upanishad ordnet verschiedene Yogawege und Entwicklungsstufen; die Yoga Shikha Upanishad entfaltet eine breitere Synthese von Mantra, Laya, Hatha und Raja Yoga; die Yoga Kundalini Upanishad konzentriert sich besonders auf die Verbindung von Prana-Kontrolle, Khechari und Kundalini-Aufstieg mit vedantischer Erkenntnis.
Diese Schriften sollten nicht wie Kapitel eines von Anfang an einheitlich geplanten Lehrbuchs gelesen werden. Sie stammen aus verwandten, aber nicht völlig identischen Überlieferungszusammenhängen und können sich in Terminologie, Chakra-Systemen und Praxisdetails unterscheiden.
Amritasiddhi
Die etwa ins 11. Jahrhundert datierte Amritasiddhi gehört zu den frühesten erhaltenen systematischen Quellen jener körper- und atembezogenen Praktiken, aus denen sich Hatha Yoga entwickelte. Sie arbeitet bereits intensiv mit Prana, Apana, Bindu, Sonne, Mond und dem Bewahren des Lebenselixiers. Die Yoga Kundalini Upanishad teilt viele dieser Grundmotive, verbindet sie aber stärker mit einer ausgearbeiteten Kundalini- und Chakra-Lehre sowie mit upanishadisch-vedantischer Sprache.
Eine unmittelbare literarische Abhängigkeit sollte nur dort behauptet werden, wo konkrete Textparallelen nachgewiesen sind. Historisch sinnvoller ist zunächst die Aussage, dass beide Texte Stationen einer sich wandelnden Praxis- und Begriffsgeschichte darstellen.
Goraksha Shataka und Goraksha Paddhati
Das Goraksha Shataka und die Goraksha Paddhati stehen der Nath- und Siddha-Tradition nahe und behandeln Asana, Pranayama, Nadis, Mudras, Bandhas und Kundalini. Besonders die zentrale Rolle der Sushumna, das Zusammenführen von Prana und Apana und die Erweckung der schlafenden Kraft verbinden diese Werke mit der Yoga Kundalini Upanishad.
Die Beziehung ist eher als gemeinsames Praxisfeld denn als einfache Abstammungslinie zu verstehen. Datierung und Gestalt der Goraksha-Texte sind selbst komplex, und unterschiedliche Rezensionen erschweren pauschale Aussagen darüber, welcher Text welchen direkt übernommen hat.
Yoga Bija
Das Yoga Bija verbindet ebenfalls Hatha-Praxis, Kundalini, den feinstofflichen Körper und Befreiung. Es ist als Dialog zwischen Shiva und Devi gestaltet und betont die Einheit verschiedener Yogaformen sowie die Transformation des Körpers. Die Yoga Kundalini Upanishad ist in ihrer Dreiteilung systematischer: Das erste Kapitel behandelt Atem und Kundalini, das zweite Khechari und das dritte die vedantische Vollendung. Beide Texte zeigen aber deutlich, dass vormoderner Hatha Yoga nicht auf Gymnastik reduziert werden kann.
Hatha Yoga Pradipika
Die im 15. Jahrhundert von Svatmarama zusammengestellte Hatha Yoga Pradipika bietet die bekannteste klassische Synthese des Hatha Yoga. Zahlreiche Themen überschneiden sich mit der Yoga Kundalini Upanishad: Mitahara, Padmasana, die vier genannten Kumbhakas, die drei Bandhas, Khechari Mudra, Sushumna, Kundalini und Samadhi.
Die Hatha Yoga Pradipika ordnet ihr Material in vier Unterweisungen zu Asana, Pranayama, Mudra und Samadhi und beruft sich ausdrücklich auf ältere Meister. Die Yoga Kundalini Upanishad trägt dagegen die literarische Form und den Befreiungshorizont einer Upanishad. Ob einzelne ähnliche Verse direkt voneinander übernommen oder aus gemeinsamen Quellen geschöpft wurden, muss jeweils textkritisch untersucht werden.
Shiva Samhita und Gheranda Samhita
Die Shiva Samhita entfaltet ein umfangreiches System von nichtdualer Philosophie, Nadis, Mudras, Pranayama, Chakras und Kundalini. Die später entstandene Gheranda Samhita präsentiert einen siebenfachen Yogaweg mit Reinigung, Asana, Mudra, Pratyahara, Pranayama, Dhyana und Samadhi. Im Vergleich zu diesen enzyklopädischeren Werken ist die Yoga Kundalini Upanishad kürzer und stärker auf eine bestimmte Transformationslogik konzentriert: Atembeherrschung, Erwachen der Kraft, Eintritt in die Sushumna, Khechari, Erkenntnis und Befreiung.
Yoga Sutra des Patanjali
Das Yoga Sutra des Patanjali ist wesentlich älter und verwendet nicht das später ausgearbeitete Kundalini- und Chakra-System dieser Upanishad. Dennoch bestehen wichtige sachliche Berührungspunkte. Beide Traditionen behandeln die Beruhigung des Geistes, beharrliche Übung, Hindernisse, Sammlung, Meditation und Samadhi. Patanjali analysiert diese Vorgänge vor allem im Rahmen von Chitta, Kleshas, Karma und Purusha; die Yoga Kundalini Upanishad beschreibt den Weg zusätzlich durch Prana, Nadis, Bandhas, Mudras und Shakti und deutet sein Ziel vedantisch als Erkenntnis der Einheit von Atman und Brahman.
Für eine integrale Lektüre können sich beide Texte ergänzen: Das Yoga Sutra schärft die ethische, psychologische und meditative Analyse; die Yoga Kundalini Upanishad zeigt, wie spätere Yogatraditionen Körper und Atem ausdrücklich in den Befreiungsweg einbezogen.
Bedeutung für die frühere Yoga-Praxis
Historisch bezeugt die Yoga Kundalini Upanishad eine Phase, in der Hatha-Techniken in den angesehenen Rahmen vedischer Offenbarung und upanishadischer Befreiungslehre aufgenommen wurden. Praktiken, die möglicherweise aus asketischen, tantrischen oder siddha-nathayogischen Milieus stammten, wurden so als Weg zur Brahman-Erkenntnis dargestellt.
Für vormoderne Yogis diente der Text wahrscheinlich weniger als allein ausreichendes Übungshandbuch denn als autoritative Zusammenfassung innerhalb einer Lehrer-Schüler-Überlieferung. Darauf weisen die wiederholte Betonung des Gurus, die Geheimhaltung und der Unterschied zwischen Textkenntnis und verwirklichter Praxis hin.
Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten
Auch ohne die extremen Techniken wörtlich zu übernehmen, vermittelt die Upanishad mehrere bleibende Einsichten:
- Ganzheitlichkeit: Ernährung, Lebensweise, Körperhaltung, Atem, Aufmerksamkeit und Erkenntnis beeinflussen einander.
- Schrittweiser Aufbau: Fortschritt entsteht durch regelmäßige und angemessene Übung, nicht durch Gewalt oder Sensationssuche.
- Geist und Atem: Die Beobachtung ihrer Wechselwirkung kann eine ruhige und klare Meditationspraxis fördern.
- Innere Ausrichtung: Kundalini-Erfahrungen gelten nicht als Trophäen; entscheidend ist die Abnahme von Bindung, Täuschung und Ich-Verengung.
- Selbsterforschung: Die Frage „Wer bin ich?“ verbindet die energetische Praxis mit der Erkenntnis des Zeugenbewusstseins.
- Integration: Ein authentischer Yogaweg endet nicht bei Körperbeherrschung, sondern soll sich in Klarheit, Freiheit und einem verantwortlichen Leben zeigen.
Die feinstoffliche Anatomie des Textes ist ein traditionelles Erfahrungs- und Deutungsmodell. Sie sollte nicht vorschnell mit moderner Anatomie, Endokrinologie oder Neurowissenschaft gleichgesetzt werden. Moderne psychologische oder physiologische Interpretationen können hilfreich sein, dürfen aber nicht so ausgegeben werden, als seien sie die eindeutige ursprüngliche Bedeutung des Sanskrittextes.
Bedeutung für Yoga-Meister und Lehrende
Für Yoga-Meister ist die Schrift in mehrfacher Hinsicht wichtig. Erstens zeigt sie, wie eng Hatha Yoga und Befreiungswissen historisch verbunden sind. Zweitens verlangt sie eine klare Unterscheidung zwischen Quellenstudium und praktischer Empfehlung. Lehrende sollten historische Anweisungen weder verschweigen noch unkritisch reproduzieren, sondern ihren Kontext, ihre Voraussetzungen und ihre Risiken erklären.
Drittens erinnert die Upanishad daran, dass fortgeschrittene Praxis individuell vermittelt wurde. Guru-Prinzip bedeutet in einem verantwortlichen modernen Umfeld nicht blinden Gehorsam, sondern überprüfbare Kompetenz, ethische Integrität, Transparenz über Grenzen und die Bereitschaft, bei gesundheitlichen Fragen medizinische Fachleute einzubeziehen.
Viertens kann der Text helfen, moderne Kundalini-Erzählungen zu differenzieren. Nicht jede intensive Empfindung ist ein Beweis spiritueller Verwirklichung. Traditionell gehören Sammlung, Erkenntnis, Freiheit von Bindung und stabile Integration zum Maßstab. Bei anhaltender Angst, Schlaflosigkeit, Desorientierung, Schmerzen oder anderen belastenden Symptomen ist eine Pause und gegebenenfalls professionelle medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll.
Heutige Gesamtbedeutung
Die Yoga Kundalini Upanishad ist ein Schlüsseltext für das Verständnis jener Entwicklung, in der der Körper zum bewussten Ort der Befreiungspraxis wurde. Sie bewahrt konkrete Hatha-Techniken, eine komplexe feinstoffliche Kosmologie und eine nichtduale Lehre vom Selbst in einem einzigen Werk. Ihre bleibende Botschaft lautet: Atem, Geist und Lebensweise müssen gesammelt werden, doch ihre Vollendung liegt in der Erkenntnis dessen, was niemals gebunden war.
Für den modernen Yoga ist die Schrift besonders wertvoll, wenn sie zugleich respektvoll und kritisch gelesen wird: respektvoll gegenüber ihrer spirituellen Tiefe, textkritisch gegenüber Varianten und Datierungsfragen, und verantwortungsvoll gegenüber den körperlichen und psychischen Grenzen heutiger Übender.
Textgrundlage und weiterführende Literatur
- Sanskrit Documents: Yogakuṇḍalinī Upaniṣad – Sanskrittext in Devanagari.
- K. Narayanasvami Aiyar: Yoga-Kundalini Upanishad – englische Übersetzung der gemeinfreien Ausgabe Thirty Minor Upanishads.
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
- T. R. Srinivasa Ayyangar: The Yoga Upanishads. Adyar Library, Madras.
- James Mallinson und Mark Singleton: Roots of Yoga. Penguin Classics, 2017.
- Jason Birch: Studien zur Geschichte und Entwicklung des Hatha Yoga.
- James Mallinson und Péter-Dániel Szántó: The Amṛtasiddhi and Amṛtasiddhimūla. Institut Français de Pondichéry / EFEO, 2021.
Hinweis zur vorliegenden Wiki-Fassung: Sanskrittext, IAST, Übersetzung und Worterklärungen wurden für die direkte Verwendung im deutschsprachigen Yoga Wiki redaktionell vereinheitlicht. Bei philologischen Detailfragen sind Handschriften und kritische Ausgaben heranzuziehen.
Yoga Kundalini Upanishad - Vollständige Langfassung mit 171 Versen in drei Kapiteln – Devanagari und IAST
Textzählung: 1.1–1.87, 2.1–2.49 und 3.1–3.35. Der abschließende Halbvers des ersten Kapitels steht in der verwendeten Textfassung ohne eigene Ziffer und wird hier als Vers 1.87 gezählt.
EinleitungsVers Yoga Kundalini Upanishad
योगकुण्डल्युपनिषद्योगसिद्धिहृदासनम् ।
निर्विशेषब्रह्मतत्त्वं स्वमात्रमिति चिन्तये ॥
yogakuṇḍalyupaniṣadyogasiddhihṛdāsanam |
nirviśeṣabrahmatattvaṃ svamātramiti cintaye ||
Shanti Mantra
ॐ सह नाववतु सह नौ भुनक्तु सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Erstes Kapitel
1.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
हरिः ॐ ॥ हेतुद्वयं हि चित्तस्य वासना च समीरणः ।
तयोर्विनष्ट एकस्मिंस्तद्द्वावपि विनश्यतः ॥ १ ॥
hariḥ oṃ || hetudvayaṃ hi cittasya vāsanā ca samīraṇaḥ |
tayorvinaṣṭa ekasmiṃstaddvāvapi vinaśyataḥ || 1 ||
1.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तयोरादौ समीरस्य जयं कुर्यान्नरः सदा ।
मिताहारश्चासनं च शक्तिश्चालस्तृतीयकः ॥ २ ॥
tayorādau samīrasya jayaṃ kuryānnaraḥ sadā |
mitāhāraścāsanaṃ ca śaktiścālastṛtīyakaḥ || 2 ||
1.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
एतेषां लक्षणं वक्ष्ये शृणु गौतम सादरम् ।
सुस्निग्धमधुराहारश्चतुर्थांशविवर्जितः ॥ ३ ॥
eteṣāṃ lakṣaṇaṃ vakṣye śṛṇu gautama sādaram |
susnigdhamadhurāhāraścaturthāṃśavivarjitaḥ || 3 ||
1.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
भुज्यते शिवसम्प्रीत्यै मिताहारः स उच्यते ।
आसनं द्विविधं प्रोक्तं पद्मं वज्रासनं तथा ॥ ४ ॥
bhujyate śivasamprītyai mitāhāraḥ sa ucyate |
āsanaṃ dvividhaṃ proktaṃ padmaṃ vajrāsanaṃ tathā || 4 ||
1.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ऊर्वोरुपरि चेद्धत्ते उभे पादतले यथा ।
पद्मासनं भवेदेतत्सर्वपापप्रणाशनम् ॥ ५ ॥
ūrvorupari ceddhatte ubhe pādatale yathā |
padmāsanaṃ bhavedetatsarvapāpapraṇāśanam || 5 ||
1.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
वामाङ्घ्रिमूलकन्दाधो ह्यन्यं तदुपरि क्षिपेत् ।
समग्रीवशिरःकायो वज्रासनमितीरितम् ॥ ६ ॥
vāmāṅghrimūlakandādho hyanyaṃ tadupari kṣipet |
samagrīvaśiraḥkāyo vajrāsanamitīritam || 6 ||
1.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कुण्डल्येव भवेच्छक्तिस्तां तु सञ्चालयेद्बुधः ।
स्वस्थानादाभ्रुवोर्मध्यं शक्तिचालनमुच्यते ॥ ७ ॥
kuṇḍalyeva bhavecchaktistāṃ tu sañcālayedbudhaḥ |
svasthānādābhruvormadhyaṃ śakticālanamucyate || 7 ||
1.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तत्साधने द्वयं मुख्यं सरस्वत्यास्तु चालनम् ।
प्राणरोधमथाभ्यासादृज्वी कुण्डलिनी भवेत् ॥ ८ ॥
tatsādhane dvayaṃ mukhyaṃ sarasvatyāstu cālanam |
prāṇarodhamathābhyāsādṛjvī kuṇḍalinī bhavet || 8 ||
1.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तयोरादौ सरस्वत्याश्चालनं कथयामि ते ।
अरुन्धत्येव कथिता पुराविद्भिः सरस्वती ॥ ९ ॥
tayorādau sarasvatyāścālanaṃ kathayāmi te |
arundhatyeva kathitā purāvidbhiḥ sarasvatī || 9 ||
1.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यस्याः सञ्चालनेनैव स्वयं चलति कुण्डली ।
इडायां वहति प्राणे बद्ध्वा पद्मासनं दृढम् ॥ १० ॥
yasyāḥ sañcālanenaiva svayaṃ calati kuṇḍalī |
iḍāyāṃ vahati prāṇe baddhvā padmāsanaṃ dṛḍham || 10 ||
1.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
द्वादशाङ्गुलदैर्घ्यं च अम्बरं चतुरङ्गुलम् ।
विस्तीर्य तेन तन्नाडीं वेष्टयित्वा ततः सुधीः ॥ ११ ॥
dvādaśāṅguladairghyaṃ ca ambaraṃ caturaṅgulam |
vistīrya tena tannāḍīṃ veṣṭayitvā tataḥ sudhīḥ || 11 ||
1.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अङ्गुष्ठतर्जनीभ्यां तु हस्ताभ्यां धारयेद्धृढम् ।
स्वशक्त्या चालयेद्वामे दक्षिणेन पुनःपुनः ॥ १२ ॥
aṅguṣṭhatarjanībhyāṃ tu hastābhyāṃ dhārayeddhṛḍham |
svaśaktyā cālayedvāme dakṣiṇena punaḥpunaḥ || 12 ||
1.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मुहूर्तद्वयपर्यन्तं निर्भयाच्चालयेत्सुधीः ।
ऊर्ध्वमाकर्षयेत्किञ्चित्सुषुम्नां कुण्डलीगताम् ॥ १३ ॥
muhūrtadvayaparyantaṃ nirbhayāccālayetsudhīḥ |
ūrdhvamākarṣayetkiñcitsuṣumnāṃ kuṇḍalīgatām || 13 ||
1.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तेन कुण्डलिनी तस्याः सुषुम्नाया मुखं व्रजेत् ।
जहाति तस्मात्प्राणोऽयं सुषुम्नां व्रजति स्वतः ॥ १४ ॥
tena kuṇḍalinī tasyāḥ suṣumnāyā mukhaṃ vrajet |
jahāti tasmātprāṇo'yaṃ suṣumnāṃ vrajati svataḥ || 14 ||
1.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तुन्दे तु तानं कुर्याच्च कण्ठसङ्कोचने कृते ।
सरस्वत्यां चालनेन वक्षसश्चोर्ध्वगो मरुत् ॥ १५ ॥
tunde tu tānaṃ kuryācca kaṇṭhasaṅkocane kṛte |
sarasvatyāṃ cālanena vakṣasaścordhvago marut || 15 ||
1.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
सूर्येण रेचयेद्वायुं सरस्वत्यास्तु चालने ।
कण्ठसङ्कोचनं कृत्वा वक्षसश्चोर्ध्वगो मरुत् ॥ १६ ॥
sūryeṇa recayedvāyuṃ sarasvatyāstu cālane |
kaṇṭhasaṅkocanaṃ kṛtvā vakṣasaścordhvago marut || 16 ||
1.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्मात्सञ्चालयेन्नित्यं शब्दगर्भां सरस्वतीम् ।
यस्याः सञ्चालनेनैव योगी रोगैः प्रमुच्यते ॥ १७ ॥
tasmātsañcālayennityaṃ śabdagarbhāṃ sarasvatīm |
yasyāḥ sañcālanenaiva yogī rogaiḥ pramucyate || 17 ||
1.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुल्मं जलोदरः प्लीहा ये चान्ये तुन्दमध्यगाः ।
सर्वे ते शक्तिचालेन रोगा नश्यन्ति निश्चयम् ॥ १८ ॥
gulmaṃ jalodaraḥ plīhā ye cānye tundamadhyagāḥ |
sarve te śakticālena rogā naśyanti niścayam || 18 ||
1.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्राणरोधमथेदानीं प्रवक्ष्यामि समासतः ।
प्राणश्च दहनो वायुरायामः कुम्भकः स्मृतः ॥ १९ ॥
prāṇarodhamathedānīṃ pravakṣyāmi samāsataḥ |
prāṇaśca dahano vāyurāyāmaḥ kumbhakaḥ smṛtaḥ || 19 ||
1.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
स एव द्विविधः प्रोक्तः सहितः केवलस्तथा ।
यावत्केवलसिद्धिः स्यात्तावत्सहितमभ्यसेत् ॥ २० ॥
sa eva dvividhaḥ proktaḥ sahitaḥ kevalastathā |
yāvatkevalasiddhiḥ syāttāvatsahitamabhyaset || 20 ||
1.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
सूर्योज्जायी शीतली च भस्त्री चैव चतुर्थिका ।
भेदैरेव समं कुम्भो यः स्यात्सहितकुम्भकः ॥ २१ ॥
sūryojjāyī śītalī ca bhastrī caiva caturthikā |
bhedaireva samaṃ kumbho yaḥ syātsahitakumbhakaḥ || 21 ||
1.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पवित्रे निर्जने देशे शर्करादिविवर्जिते ।
धनुःप्रमाणपर्यन्ते शीताग्निजलवर्जिते ॥ २२ ॥
pavitre nirjane deśe śarkarādivivarjite |
dhanuḥpramāṇaparyante śītāgnijalavarjite || 22 ||
1.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पवित्रे नात्युच्चनीचे ह्यासने सुखदे सुखे ।
बद्धपद्मासनं कृत्वा सरस्वत्यास्तु चालनम् ॥ २३ ॥
pavitre nātyuccanīce hyāsane sukhade sukhe |
baddhapadmāsanaṃ kṛtvā sarasvatyāstu cālanam || 23 ||
1.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
दक्षनाड्या समाकृष्य बहिष्ठं पवनं शनैः ।
यथेष्टं पूरयेद्वायुं रेचयेदिडया ततः ॥ २४ ॥
dakṣanāḍyā samākṛṣya bahiṣṭhaṃ pavanaṃ śanaiḥ |
yatheṣṭaṃ pūrayedvāyuṃ recayediḍayā tataḥ || 24 ||
1.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कपालशोधने वापि रेचयेत्पवनं शनैः ।
चतुष्कं वातदोषं तु कृमिदोषं निहन्ति च ॥ २५ ॥
kapālaśodhane vāpi recayetpavanaṃ śanaiḥ |
catuṣkaṃ vātadoṣaṃ tu kṛmidoṣaṃ nihanti ca || 25 ||
1.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पुनः पुनरिदं कार्यं सूर्यभेदमुदाहृतम् ।
मुखं संयम्य नाडिभ्यामाकृष्य पवनं शनैः ॥ २६ ॥
punaḥ punaridaṃ kāryaṃ sūryabhedamudāhṛtam |
mukhaṃ saṃyamya nāḍibhyāmākṛṣya pavanaṃ śanaiḥ || 26 ||
1.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यथा लगति कण्ठात्तु हृदयावधि सस्वनम् ।
पूर्ववत्कुम्भयेत्प्राणं रेचयेदिडया ततः ॥ २७ ॥
yathā lagati kaṇṭhāttu hṛdayāvadhi sasvanam |
pūrvavatkumbhayetprāṇaṃ recayediḍayā tataḥ || 27 ||
1.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शीर्षोदितानलहरं गलश्लेष्महरं परम् ।
सर्वरोगहरं पुण्यं देहानलविवर्धनम् ॥ २८ ॥
śīrṣoditānalaharaṃ galaśleṣmaharaṃ param |
sarvarogaharaṃ puṇyaṃ dehānalavivardhanam || 28 ||
1.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
नाडीजलोदरं धातुगतदोषविनाशनम् ।
गच्छतस्तिष्ठतः कार्यमुज्जाय्याख्यं तु कुम्भकम् ॥ २९ ॥
nāḍījalodaraṃ dhātugatadoṣavināśanam |
gacchatastiṣṭhataḥ kāryamujjāyyākhyaṃ tu kumbhakam || 29 ||
1.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जिह्वया वायुमाकृष्य पूर्ववत्कुम्भकादनु ।
शनैस्तु घ्राणरन्ध्राभ्यां रेचयेदनिलं सुधीः ॥ ३० ॥
jihvayā vāyumākṛṣya pūrvavatkumbhakādanu |
śanaistu ghrāṇarandhrābhyāṃ recayedanilaṃ sudhīḥ || 30 ||
1.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुल्मप्लीहादिकान्दोषान्क्षयं पित्तं ज्वरं तृषाम् ।
विषाणि शीतली नाम कुम्भकोऽयं निहन्ति च ॥ ३१ ॥
gulmaplīhādikāndoṣānkṣayaṃ pittaṃ jvaraṃ tṛṣām |
viṣāṇi śītalī nāma kumbhako'yaṃ nihanti ca || 31 ||
1.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ततः पद्मासनं बद्ध्वा समग्रीवोदरः सुधीः ।
मुखं संयम्य यत्नेन प्राणं घ्राणेन रेचयेत् ॥ ३२ ॥
tataḥ padmāsanaṃ baddhvā samagrīvodaraḥ sudhīḥ |
mukhaṃ saṃyamya yatnena prāṇaṃ ghrāṇena recayet || 32 ||
1.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यथा लगति कण्ठात्तु कपाले सस्वनं ततः ।
वेगेन पूरयेत्किञ्चिधृत्पद्मावधि मारुतम् ॥ ३३ ॥
yathā lagati kaṇṭhāttu kapāle sasvanaṃ tataḥ |
vegena pūrayetkiñcidhṛtpadmāvadhi mārutam || 33 ||
1.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पुनर्विरेचयेत्तद्वत्पूरयेच्च पुनः पुनः ।
यथैव लोहकाराणां भस्त्रा वेगेन चाल्यते ॥ ३४ ॥
punarvirecayettadvatpūrayecca punaḥ punaḥ |
yathaiva lohakārāṇāṃ bhastrā vegena cālyate || 34 ||
1.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तथैव स्वशरीरस्थं चालयेत्पवनं शनैः ।
यथा श्रमो भवेद्देहे तथा सूर्येण पूरयेत् ॥ ३५ ॥
tathaiva svaśarīrasthaṃ cālayetpavanaṃ śanaiḥ |
yathā śramo bhaveddehe tathā sūryeṇa pūrayet || 35 ||
1.36. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यथोदरं भवेत्पूर्णं पवनेन तथा लघु ।
धारयन्नासिकामध्यं तर्जनीभ्यां विना दृढम् ॥ ३६ ॥
yathodaraṃ bhavetpūrṇaṃ pavanena tathā laghu |
dhārayannāsikāmadhyaṃ tarjanībhyāṃ vinā dṛḍham || 36 ||
1.37. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कुम्भकं पूर्ववत्कृत्वा रेचेयेदिडयानिलम् ।
कण्ठोत्थितानलहरं शरीराग्निविवर्धनम् ॥ ३७ ॥
kumbhakaṃ pūrvavatkṛtvā receyediḍayānilam |
kaṇṭhotthitānalaharaṃ śarīrāgnivivardhanam || 37 ||
1.38. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कुण्डलीबोधकं पुण्यं पापघ्नं शुभदं सुखम् ।
ब्रह्मनाडीमुखान्तस्थकफाद्यर्गलनाशनम् ॥ ३८ ॥
kuṇḍalībodhakaṃ puṇyaṃ pāpaghnaṃ śubhadaṃ sukham |
brahmanāḍīmukhāntasthakaphādyargalanāśanam || 38 ||
1.39. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुणत्रयसमुद्भूतग्रन्थित्रयविभेदकम् ।
विशेषेणैव कर्तव्यं भस्त्राख्यं कुम्भकं त्विदम् ॥ ३९ ॥
guṇatrayasamudbhūtagranthitrayavibhedakam |
viśeṣeṇaiva kartavyaṃ bhastrākhyaṃ kumbhakaṃ tvidam || 39 ||
1.40. Vers Yoga Kundalini Upanishad
चतुर्णामपि भेदानां कुम्भके समुपस्थिते ।
बन्धत्रयमिदं कार्यं योगिभिर्वीतकल्मषैः ॥ ४० ॥
caturṇāmapi bhedānāṃ kumbhake samupasthite |
bandhatrayamidaṃ kāryaṃ yogibhirvītakalmaṣaiḥ || 40 ||
1.41. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्रथमो मूलबन्धस्तु द्वितीयोड्डीयणाभिधः ।
जालन्धरस्तृतीयस्तु तेषां लक्षणमुच्यते ॥ ४१ ॥
prathamo mūlabandhastu dvitīyoḍḍīyaṇābhidhaḥ |
jālandharastṛtīyastu teṣāṃ lakṣaṇamucyate || 41 ||
1.42. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अधोगतिमपानं वै ऊर्ध्वगं कुरुते बलात् ।
आकुञ्चनेन तं प्राहुर्मूलबन्धोऽयमुच्यते ॥ ४२ ॥
adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt |
ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate || 42 ||
1.43. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अपाने चोर्ध्वगे याते सम्प्राप्ते वह्निमण्डले ।
ततोऽनलशिखा दीर्घा वर्धते वायुनाऽऽहता ॥ ४३ ॥
apāne cordhvage yāte samprāpte vahnimaṇḍale |
tato'nalaśikhā dīrghā vardhate vāyunāhatā || 43 ||
1.44. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ततो यातौ वह्न्यपानौ प्राणमुष्णस्वरूपकम् ।
तेनात्यन्तप्रदीप्तेन ज्वलनो देहजस्तथा ॥ ४४ ॥
tato yātau vahnyapānau prāṇamuṣṇasvarūpakam |
tenātyantapradīptena jvalano dehajastathā || 44 ||
1.45. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तेन कुण्डलिनी सुप्ता सन्तप्ता सम्प्रबुध्यते ।
दण्डाहतभुजङ्गीव निःश्वस्य ऋजुतां व्रजेत् ॥ ४५ ॥
tena kuṇḍalinī suptā santaptā samprabudhyate |
daṇḍāhatabhujaṅgīva niḥśvasya ṛjutāṃ vrajet || 45 ||
1.46. Vers Yoga Kundalini Upanishad
बिलप्रवेशतो यत्र ब्रह्मनाड्यन्तरं व्रजेत् ।
तस्मान्नित्यं मूलबन्धः कर्तव्यो योगिभिः सदा ॥ ४६ ॥
bilapraveśato yatra brahmanāḍyantaraṃ vrajet |
tasmānnityaṃ mūlabandhaḥ kartavyo yogibhiḥ sadā || 46 ||
1.47. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कुम्भकान्ते रेचकादौ कर्तव्यस्तूड्डियाणकः ।
बन्धो येन सुषुम्नायां प्राणस्तूड्डीयते यतः ॥ ४७ ॥
kumbhakānte recakādau kartavyastūḍḍiyāṇakaḥ |
bandho yena suṣumnāyāṃ prāṇastūḍḍīyate yataḥ || 47 ||
1.48. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्मादुड्डीयणाख्योऽयं योगिभिः समुदाहृतः ।
सति वज्रासने पादौ कराभ्यां धारयेद्दृढम् ॥ ४८ ॥
tasmāduḍḍīyaṇākhyo'yaṃ yogibhiḥ samudāhṛtaḥ |
sati vajrāsane pādau karābhyāṃ dhārayeddṛḍham || 48 ||
1.49. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुल्फदेशसमीपे च कन्दं तत्र प्रपीडयेत् ।
पश्चिमं तानमुदरे धारयेद्-हृदये गले ॥ ४९ ॥
gulphadeśasamīpe ca kandaṃ tatra prapīḍayet |
paścimaṃ tānamudare dhārayed-hṛdaye gale || 49 ||
1.50. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शनैः शनैर्यदा प्राणस्तुन्दसन्धिं निगच्छति ।
तुन्ददोषं विनिर्धूय कर्तव्यं सततं शनैः ॥ ५० ॥
śanaiḥ śanairyadā prāṇastundasandhiṃ nigacchati |
tundadoṣaṃ vinirdhūya kartavyaṃ satataṃ śanaiḥ || 50 ||
1.51. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पूरकान्ते तु कर्तव्यो बन्धो जालन्धराभिधः ।
कण्ठसङ्कोचरूपोऽसौ वायुमार्गनिरोधकः ॥ ५१ ॥
pūrakānte tu kartavyo bandho jālandharābhidhaḥ |
kaṇṭhasaṅkocarūpo'sau vāyumārganirodhakaḥ || 51 ||
1.52. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अधस्तात्कुञ्चनेनाशु कण्ठसङ्कोचने कृते ।
मध्ये पश्चिमतानेन स्यात्प्राणो ब्रह्मनाडिगः ॥ ५२ ॥
adhastātkuñcanenāśu kaṇṭhasaṅkocane kṛte |
madhye paścimatānena syātprāṇo brahmanāḍigaḥ || 52 ||
1.53. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पूर्वोक्तेन क्रमेणैव सम्यगासनमास्थितः ।
चालनं तु सरस्वत्याः कृत्वा प्राणं निरोधयेत् ॥ ५३ ॥
pūrvoktena krameṇaiva samyagāsanamāsthitaḥ |
cālanaṃ tu sarasvatyāḥ kṛtvā prāṇaṃ nirodhayet || 53 ||
1.54. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्रथमे दिवसे कार्यं कुम्भकानां चतुष्टयम् ।
प्रत्येकं दशसङ्ख्याकं द्वितीये पञ्चभिस्तथा ॥ ५४ ॥
prathame divase kāryaṃ kumbhakānāṃ catuṣṭayam |
pratyekaṃ daśasaṅkhyākaṃ dvitīye pañcabhistathā || 54 ||
1.55. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विशत्यलं तृतीयेऽह्नि पञ्चवृद्ध्या दिने दिने ।
कर्तव्यः कुम्भको नित्यं बन्धत्रयसमन्वितः ॥ ५५ ॥
viśatyalaṃ tṛtīye'hni pañcavṛddhyā dine dine |
kartavyaḥ kumbhako nityaṃ bandhatrayasamanvitaḥ || 55 ||
1.56. Vers Yoga Kundalini Upanishad
दिवा सुप्तिर्निशायां तु जागरादतिमैथुनात् ।
बहुसङ्क्रमणं नित्यं रोधान्मूत्रपुरीषयोः ॥ ५६ ॥
divā suptirniśāyāṃ tu jāgarādatimaithunāt |
bahusaṅkramaṇaṃ nityaṃ rodhānmūtrapurīṣayoḥ || 56 ||
1.57. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विषमाशनदोषाच्च प्रयासप्राणचिन्तनात् ।
शीघ्रमुत्पद्यते रोगः स्तम्भयेद्यदि संयमी ॥ ५७ ॥
viṣamāśanadoṣācca prayāsaprāṇacintanāt |
śīghramutpadyate rogaḥ stambhayedyadi saṃyamī || 57 ||
1.58. Vers Yoga Kundalini Upanishad
योगाभ्यासेन मे रोग उत्पन्न इति कथ्यते ।
ततोऽभ्यासं त्यजेदेवं प्रथमं विघ्न उच्यते ॥ ५८ ॥
yogābhyāsena me roga utpanna iti kathyate |
tato'bhyāsaṃ tyajedevaṃ prathamaṃ vighna ucyate || 58 ||
1.59. Vers Yoga Kundalini Upanishad
द्वितीयं संशयाख्यं च तृतीयं च प्रमत्तता ।
आलस्याख्यं चतुर्थं च निद्रारूपं तु पञ्चमम् ॥ ५९ ॥
dvitīyaṃ saṃśayākhyaṃ ca tṛtīyaṃ ca pramattatā |
ālasyākhyaṃ caturthaṃ ca nidrārūpaṃ tu pañcamam || 59 ||
1.60. Vers Yoga Kundalini Upanishad
षष्ठं तु विरतिर्भ्रान्तिः सप्तमं परिकीर्तितम् ।
विषमं चाष्टमं चैव अनाख्यं नवमं स्मृतम् ॥ ६० ॥
ṣaṣṭhaṃ tu viratirbhrāntiḥ saptamaṃ parikīrtitam |
viṣamaṃ cāṣṭamaṃ caiva anākhyaṃ navamaṃ smṛtam || 60 ||
1.61. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अलब्धिर्योगतत्त्वस्य दशमं प्रोच्यते बुधैः ।
इत्येतद्विघ्नदशकं विचारेण त्यजेद्बुधः ॥ ६१ ॥
alabdhiryogatattvasya daśamaṃ procyate budhaiḥ |
ityetadvighnadaśakaṃ vicāreṇa tyajedbudhaḥ || 61 ||
1.62. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्राणाभ्यासस्ततः कार्यो नित्यं सत्त्वस्थया धिया ।
सुषुम्ना लीयते चित्तं तथा वायुः प्रधावति ॥ ६२ ॥
prāṇābhyāsastataḥ kāryo nityaṃ sattvasthayā dhiyā |
suṣumnā līyate cittaṃ tathā vāyuḥ pradhāvati || 62 ||
1.63. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शुष्के मले तु योगी च स्याद्गतिश्चलिता ततः ।
अधोगतिमपानं वै ऊर्ध्वगं कुरुते बलात् ॥ ६३ ॥
śuṣke male tu yogī ca syādgatiścalitā tataḥ |
adhogatimapānaṃ vai ūrdhvagaṃ kurute balāt || 63 ||
1.64. Vers Yoga Kundalini Upanishad
आकुञ्चनेन तं प्राहुर्मूलबन्धोऽयमुच्यते ।
अपानश्चोर्ध्वगो भूत्वा वह्निना सह गच्छति ॥ ६४ ॥
ākuñcanena taṃ prāhurmūlabandho'yamucyate |
apānaścordhvago bhūtvā vahninā saha gacchati || 64 ||
1.65. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्राणस्थानं ततो वह्निः प्राणापानौ च सत्वरम् ।
मिलित्वा कुण्डलीं याति प्रसुप्ता कुण्डलाकृतिः ॥ ६५ ॥
prāṇasthānaṃ tato vahniḥ prāṇāpānau ca satvaram |
militvā kuṇḍalīṃ yāti prasuptā kuṇḍalākṛtiḥ || 65 ||
1.66. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तेनाग्निना च सन्तप्ता पवनेनैव चालिता ।
प्रसार्य स्वशरीरं तु सुषुम्ना वदनान्तरे ॥ ६६ ॥
tenāgninā ca santaptā pavanenaiva cālitā |
prasārya svaśarīraṃ tu suṣumnā vadanāntare || 66 ||
1.67. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ब्रह्मग्रन्थिं ततो भित्त्वा रजोगुणसमुद्भवम् ।
सुषुम्ना वदने शीघ्रं विद्युल्लेखेव संस्फुरेत् ॥ ६७ ॥
brahmagranthiṃ tato bhittvā rajoguṇasamudbhavam |
suṣumnā vadane śīghraṃ vidyullekheva saṃsphuret || 67 ||
1.68. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विष्णुग्रन्थिं प्रयात्युच्चैः सत्वरं हृदि संस्थिता ।
ऊर्ध्वं गच्छति यच्चास्ते रुद्रग्रन्थिं तदुद्भवम् ॥ ६८ ॥
viṣṇugranthiṃ prayātyuccaiḥ satvaraṃ hṛdi saṃsthitā |
ūrdhvaṃ gacchati yaccāste rudragranthiṃ tadudbhavam || 68 ||
1.69. Vers Yoga Kundalini Upanishad
भ्रुवोर्मध्ये तु संभिद्य याति शीतांशुमण्डलम् ।
अनाहताख्यं यच्चक्रं दलैः षोडशभिर्युतम् ॥ ६९ ॥
bhruvormadhye tu saṃbhidya yāti śītāṃśumaṇḍalam |
anāhatākhyaṃ yaccakraṃ dalaiḥ ṣoḍaśabhiryutam || 69 ||
1.70. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तत्र शीतांशुसञ्जातं द्रवं शोषयति स्वयम् ।
चलिते प्राणवेगेन रक्तं पीतं रवेर्ग्रहात् ॥ ७० ॥
tatra śītāṃśusañjātaṃ dravaṃ śoṣayati svayam |
calite prāṇavegena raktaṃ pītaṃ ravergrahāt || 70 ||
1.71. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यातेन्दुचक्रं यत्रास्ते शुद्धश्लेष्मद्रवात्मकम् ।
तत्र सिक्तं ग्रसत्युष्णं कथं शीतस्वभावकम् ॥ ७१ ॥
yātenducakraṃ yatrāste śuddhaśleṣmadravātmakam |
tatra siktaṃ grasatyuṣṇaṃ kathaṃ śītasvabhāvakam || 71 ||
1.72. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तथैव रभसा शुक्लं चन्द्ररूपं हि तप्यते ।
ऊर्ध्वं प्रवहति क्षुब्धा तदैवं भ्रमतेतराम् ॥ ७२ ॥
tathaiva rabhasā śuklaṃ candrarūpaṃ hi tapyate |
ūrdhvaṃ pravahati kṣubdhā tadaivaṃ bhramatetarām || 72 ||
1.73. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्यास्वादवशाच्चित्तं बहिष्ठं विषयेषु यत् ।
तदेव परमं भुक्त्वा स्वस्थः स्वात्मरतो युवा ॥ ७३ ॥
tasyāsvādavaśāccittaṃ bahiṣṭhaṃ viṣayeṣu yat |
tadeva paramaṃ bhuktvā svasthaḥ svātmarato yuvā || 73 ||
1.74. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्रकृत्यष्टकरूपं च स्थानं गच्छति कुण्डली ।
क्रोडीकृत्य शिवं याति क्रोडीकृत्य विलीयते ॥ ७४ ॥
prakṛtyaṣṭakarūpaṃ ca sthānaṃ gacchati kuṇḍalī |
kroḍīkṛtya śivaṃ yāti kroḍīkṛtya vilīyate || 74 ||
1.75. Vers Yoga Kundalini Upanishad
इत्यधोर्ध्वरजः शुक्लं शिवे तदनु मारुतः ।
प्राणापानौ समौ याति सदा जातौ तथैव च ॥ ७५ ॥
ityadhordhvarajaḥ śuklaṃ śive tadanu mārutaḥ |
prāṇāpānau samau yāti sadā jātau tathaiva ca || 75 ||
1.76. Vers Yoga Kundalini Upanishad
भूतेऽल्पे चाप्यनल्पे वा वाचके त्वतिवर्धते ।
धवयत्यखिला वाता अग्निमूषाहिरण्यवत् ॥ ७६ ॥
bhūte'lpe cāpyanalpe vā vācake tvativardhate |
dhavayatyakhilā vātā agnimūṣāhiraṇyavat || 76 ||
1.77. Vers Yoga Kundalini Upanishad
आधिभौतिकदेहं तु आधिदैविकविग्रहे ।
देहोऽतिविमलं याति चातिवाहिकतामियात् ॥ ७७ ॥
ādhibhautikadehaṃ tu ādhidaivikavigrahe |
deho'tivimalaṃ yāti cātivāhikatāmiyāt || 77 ||
1.78. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जाड्यभावविनिर्मुक्तममलं चिन्मयात्मकम् ।
तस्यातिवाहिकं मुख्यं सर्वेषां तु मदात्मकम् ॥ ७८ ॥
jāḍyabhāvavinirmuktamamalaṃ cinmayātmakam |
tasyātivāhikaṃ mukhyaṃ sarveṣāṃ tu madātmakam || 78 ||
1.79. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जायाभवविनिर्मुक्तिः कालरूपस्य विभ्रमः ।
इति तं स्वस्वरूपा हि मती रज्जुभुजङ्गवत् ॥ ७९ ॥
jāyābhavavinirmuktiḥ kālarūpasya vibhramaḥ |
iti taṃ svasvarūpā hi matī rajjubhujaṅgavat || 79 ||
1.80. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मृषैवोदेति सकलं मृषैव प्रविलीयते ।
रौप्यबुद्धिः शुक्तिकायां स्त्रीपुंसोर्भ्रमतो यथा ॥ ८० ॥
mṛṣaivodeti sakalaṃ mṛṣaiva pravilīyate |
raupyabuddhiḥ śuktikāyāṃ strīpuṃsorbhramato yathā || 80 ||
1.81. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पिण्डब्रह्माण्डयोरैक्यं लिङ्गसूत्रात्मनोरपि ।
स्वापाव्याकृतयोरैक्यं स्वप्रकाशचिदात्मनोः ॥ ८१ ॥
piṇḍabrahmāṇḍayoraikyaṃ liṅgasūtrātmanorapi |
svāpāvyākṛtayoraikyaṃ svaprakāśacidātmanoḥ || 81 ||
1.82. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शक्तिः कुण्डलिनी नाम बिसतन्तुनिभा शुभा ।
मूलकन्दं फणाग्रेण दृष्ट्वा कमलकन्दवत् ॥ ८२ ॥
śaktiḥ kuṇḍalinī nāma bisatantunibhā śubhā |
mūlakandaṃ phaṇāgreṇa dṛṣṭvā kamalakandavat || 82 ||
1.83. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मुखेन पुच्छं संगृह्य ब्रह्मरन्ध्रसमन्विता ।
पद्मासनगतः स्वस्थो गुदमाकुञ्च्य साधकः ॥ ८३ ॥
mukhena pucchaṃ saṃgṛhya brahmarandhrasamanvitā |
padmāsanagataḥ svastho gudamākuñcya sādhakaḥ || 83 ||
1.84. Vers Yoga Kundalini Upanishad
वायुमूर्ध्वगतं कुर्वन्कुम्भकाविष्टमानसः ।
वाय्वाघातवशादग्निः स्वाधिष्ठानगतो ज्वलन् ॥ ८४ ॥
vāyumūrdhvagataṃ kurvankumbhakāviṣṭamānasaḥ |
vāyvāghātavaśādagniḥ svādhiṣṭhānagato jvalan || 84 ||
1.85. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ज्वलनाघातपवनाघातोरून्निद्रितोऽहिराट् ।
ब्रह्मग्रन्थिं ततो भित्त्वा विष्णुग्रन्थिं भिनत्त्यतः ॥ ८५ ॥
jvalanāghātapavanāghātorūnnidrito'hirāṭ |
brahmagranthiṃ tato bhittvā viṣṇugranthiṃ bhinattyataḥ || 85 ||
1.86. Vers Yoga Kundalini Upanishad
रुद्रग्रन्थिं च भित्त्वैव कमलानि भिनत्ति षट् ।
सहस्रकमले शक्तिः शिवेन सह मोदते ॥ ८६ ॥
rudragranthiṃ ca bhittvaiva kamalāni bhinatti ṣaṭ |
sahasrakamale śaktiḥ śivena saha modate || 86 ||
1.87. Vers Yoga Kundalini Upanishad
सैवावस्था परा ज्ञेया सैव निर्वृतिकारिणी इति ॥
saivāvasthā parā jñeyā saiva nirvṛtikāriṇī iti ||
Zweites Kapitel
2.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अथाहं सम्प्रवक्ष्यामि विद्यां खेचरिसंज्ञिकाम् ।
यथा विज्ञानवानस्या लोकेऽस्मिन्नजरोऽमरः ॥ १ ॥
athāhaṃ sampravakṣyāmi vidyāṃ khecarisaṃjñikām |
yathā vijñānavānasyā loke'sminnajaro'maraḥ || 1 ||
2.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मृत्युव्याधिजराग्रस्तो दृष्ट्वा विद्यामिमां मुने ।
बुद्धिं दृढतरां कृत्वा खेचरीं तु समभ्यसेत् ॥ २ ॥
mṛtyuvyādhijarāgrasto dṛṣṭvā vidyāmimāṃ mune |
buddhiṃ dṛḍhatarāṃ kṛtvā khecarīṃ tu samabhyaset || 2 ||
2.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जरामृत्युगदघ्नो यः खेचरीं वेत्ति भूतले ।
ग्रन्थतश्चार्थतश्चैव तदभ्यासप्रयोगतः ॥ ३ ॥
jarāmṛtyugadaghno yaḥ khecarīṃ vetti bhūtale |
granthataścārthataścaiva tadabhyāsaprayogataḥ || 3 ||
2.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तं मुने सर्वभावेन गुरुं मत्वा समाश्रयेत् ।
दुर्लभा खेचरी विद्या तदभ्यासोऽपि दुर्लभः ॥ ४ ॥
taṃ mune sarvabhāvena guruṃ matvā samāśrayet |
durlabhā khecarī vidyā tadabhyāso'pi durlabhaḥ || 4 ||
2.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अभ्यासं मेलनं चैव युगपन्नैव सिध्यति ।
अभ्यासमात्रनिरता न विन्दन्ते ह मेलनम् ॥ ५ ॥
abhyāsaṃ melanaṃ caiva yugapannaiva sidhyati |
abhyāsamātraniratā na vindante ha melanam || 5 ||
2.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अभ्यासं लभते ब्रह्मञ्जन्मजन्मान्तरे क्वचित् ।
मेलनं तु जन्मनां शतान्तेऽपि न लभ्यते ॥ ६ ॥
abhyāsaṃ labhate brahmañjanmajanmāntare kvacit |
melanaṃ tu janmanāṃ śatānte'pi na labhyate || 6 ||
2.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अभ्यासं बहुजन्मान्ते कृत्वा तद्भावसाधितम् ।
मेलनं लभते कश्चिद्योगी जन्मान्तरे क्वचित् ॥ ७ ॥
abhyāsaṃ bahujanmānte kṛtvā tadbhāvasādhitam |
melanaṃ labhate kaścidyogī janmāntare kvacit || 7 ||
2.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यदा तु मेलनं योगी लभते गुरुवक्त्रतः ।
तदा तत्सिद्धिमाप्नोति यदुक्ता शास्त्रसन्ततौ ॥ ८ ॥
yadā tu melanaṃ yogī labhate guruvaktrataḥ |
tadā tatsiddhimāpnoti yaduktā śāstrasantatau || 8 ||
2.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ग्रन्थतश्चार्थतश्चैव मेलनं लभते यदा ।
तदा शिवत्वमाप्नोति निर्मुक्तः सर्वसंसृतेः ॥ ९ ॥
granthataścārthataścaiva melanaṃ labhate yadā |
tadā śivatvamāpnoti nirmuktaḥ sarvasaṃsṛteḥ || 9 ||
2.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शास्त्रं विनापि संबोद्धुं गुरवोऽपि न शक्नुयुः ।
तस्मात्सुदुर्लभतरं लभ्यं शास्त्रमिदं मुने ॥ १० ॥
śāstraṃ vināpi saṃboddhuṃ guravo'pi na śaknuyuḥ |
tasmātsudurlabhataraṃ labhyaṃ śāstramidaṃ mune || 10 ||
2.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यावन्न लभ्यते शास्त्रं तावद्गां पर्यटेद्यतिः ।
यदा संलभ्यते शास्त्रं तदा सिद्धिः करे स्थिता ॥ ११ ॥
yāvanna labhyate śāstraṃ tāvadgāṃ paryaṭedyatiḥ |
yadā saṃlabhyate śāstraṃ tadā siddhiḥ kare sthitā || 11 ||
2.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
न शास्त्रेण विना सिद्धिर्दृष्टा चैव जगत्त्रये ।
तस्मान्मेलनदातारं शास्त्रदातारमच्युतम् ॥ १२ ॥
na śāstreṇa vinā siddhirdṛṣṭā caiva jagattraye |
tasmānmelanadātāraṃ śāstradātāramacyutam || 12 ||
2.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तदभ्यासप्रदातारं शिवं मत्वा समाश्रयेत् ।
लब्ध्वा शास्त्रमिदं मह्यमन्येषां न प्रकाशयेत् ॥ १३ ॥
tadabhyāsapradātāraṃ śivaṃ matvā samāśrayet |
labdhvā śāstramidaṃ mahyamanyeṣāṃ na prakāśayet || 13 ||
2.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्मात्सर्वप्रयत्नेन गोपनीयं विजानता ।
यत्रास्ते च गुरुर्ब्रह्मन्दिव्ययोगप्रदायकः ॥ १४ ॥
tasmātsarvaprayatnena gopanīyaṃ vijānatā |
yatrāste ca gururbrahmandivyayogapradāyakaḥ || 14 ||
2.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तत्र गत्वा च तेनोक्तविद्यां संगृह्य खेचरीम् ।
तेनोक्तः सम्यगभ्यासं कुर्यादादावतन्द्रितः ॥ १५ ॥
tatra gatvā ca tenoktavidyāṃ saṃgṛhya khecarīm |
tenoktaḥ samyagabhyāsaṃ kuryādādāvatandritaḥ || 15 ||
2.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अनया विद्यया योगी खेचरीसिद्धिभाग्भवेत् ।
खेचर्या खेचरीं युञ्जन्खेचरीबीजपूरया ॥ १६ ॥
anayā vidyayā yogī khecarīsiddhibhāgbhavet |
khecaryā khecarīṃ yuñjankhecarībījapūrayā || 16 ||
2.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
खेचराधिपतिर्भूत्वा खेचरेषु सदा वसेत् ।
खेचरावसथं वह्निमम्बुमण्डलभूषितम् ॥ १७ ॥
khecarādhipatirbhūtvā khecareṣu sadā vaset |
khecarāvasathaṃ vahnimambumaṇḍalabhūṣitam || 17 ||
2.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
आख्यातं खेचरीबीजं तेन योगः प्रसिध्यति ।
सोमांशनवकं वर्णं प्रतिलोमेन चोद्धरेत् ॥ १८ ॥
ākhyātaṃ khecarībījaṃ tena yogaḥ prasidhyati |
somāṃśanavakaṃ varṇaṃ pratilomena coddharet || 18 ||
2.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्मात्त्र्यंशकमाख्यातमक्षरं चन्द्ररूपकम् ।
तस्मादप्यष्टमं वर्णं विलोमेन परं मुने ॥ १९ ॥
tasmāttryaṃśakamākhyātamakṣaraṃ candrarūpakam |
tasmādapyaṣṭamaṃ varṇaṃ vilomena paraṃ mune || 19 ||
2.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तथा तत्परमं विद्धि तदादिरपि पञ्चमी ।
इन्दोश्च बहुभिन्ने च कूटोऽयं परिकीर्तितः ॥ २० ॥
tathā tatparamaṃ viddhi tadādirapi pañcamī |
indośca bahubhinne ca kūṭo'yaṃ parikīrtitaḥ || 20 ||
2.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुरूपदेशलभ्यं च सर्वयोगप्रसिद्धिदम् ।
यत्तस्य देहजा माया निरुद्धकरणाश्रया ॥ २१ ॥
gurūpadeśalabhyaṃ ca sarvayogaprasiddhidam |
yattasya dehajā māyā niruddhakaraṇāśrayā || 21 ||
2.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
स्वप्नेऽपि न लभेत्तस्य नित्यं द्वादशजप्यतः ।
य इमां पञ्च लक्षाणि जपेदपि सुयन्त्रितः ॥ २२ ॥
svapne'pi na labhettasya nityaṃ dvādaśajapyataḥ |
ya imāṃ pañca lakṣāṇi japedapi suyantritaḥ || 22 ||
2.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्य श्रीखेचरीसिद्धिः स्वयमेव प्रवर्तते ।
नश्यन्ति सर्वविघ्नानि प्रसीदन्ति च देवताः ॥ २३ ॥
tasya śrīkhecarīsiddhiḥ svayameva pravartate |
naśyanti sarvavighnāni prasīdanti ca devatāḥ || 23 ||
2.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
वलीपलितनाशश्च भविष्यति न संशयः ।
एवं लब्ध्वा महाविद्यामभ्यासं कारयेत्ततः ॥ २४ ॥
valīpalitanāśaśca bhaviṣyati na saṃśayaḥ |
evaṃ labdhvā mahāvidyāmabhyāsaṃ kārayettataḥ || 24 ||
2.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अन्यथा क्लिश्यते ब्रह्मन्न सिद्धिः खेचरीपथे ।
यदभ्यासविधौ विद्यां न लभेद्यः सुधामयीम् ॥ २५ ॥
anyathā kliśyate brahmanna siddhiḥ khecarīpathe |
yadabhyāsavidhau vidyāṃ na labhedyaḥ sudhāmayīm || 25 ||
2.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ततः संमेलकादौ च लब्ध्वा विद्यां सदा जपेत् ।
नान्यथा रहितो ब्रह्मन्न किञ्चित्सिद्धिभाग्भवेत् ॥ २६ ॥
tataḥ saṃmelakādau ca labdhvā vidyāṃ sadā japet |
nānyathā rahito brahmanna kiñcitsiddhibhāgbhavet || 26 ||
2.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यदिदं लभ्यते शास्त्रं तदा विद्यां समाश्रयेत् ।
ततस्तदोदितां सिद्धिमाशु तां लभते मुनिः ॥ २७ ॥
yadidaṃ labhyate śāstraṃ tadā vidyāṃ samāśrayet |
tatastadoditāṃ siddhimāśu tāṃ labhate muniḥ || 27 ||
2.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तालुमूलं समुत्कृष्य सप्तवासरमात्मवित् ।
स्वगुरूक्तप्रकारेण मलं सर्वं विशोधयेत् ॥ २८ ॥
tālumūlaṃ samutkṛṣya saptavāsaramātmavit |
svagurūktaprakāreṇa malaṃ sarvaṃ viśodhayet || 28 ||
2.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
स्नुहिपत्रनिभं शस्त्रं सुतीक्ष्णं स्निग्धनिर्मलम् ।
समादाय ततस्तेन रोममात्रं समुच्छिनेत् ॥ २९ ॥
snuhipatranibhaṃ śastraṃ sutīkṣṇaṃ snigdhanirmalam |
samādāya tatastena romamātraṃ samucchinet || 29 ||
2.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
हित्वा सैन्धवपथ्याभ्यां चूर्णिताभ्यां प्रकर्षयेत् ।
पुनः सप्तदिने प्राप्ते रोममात्रं समुच्छिनेत् ॥ ३० ॥
hitvā saindhavapathyābhyāṃ cūrṇitābhyāṃ prakarṣayet |
punaḥ saptadine prāpte romamātraṃ samucchinet || 30 ||
2.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
एवं क्रमेण षण्मासं नित्योद्युक्तः समाचरेत् ।
षण्मासाद्रसनामूलं सिराबद्धं प्रणश्यति ॥ ३१ ॥
evaṃ krameṇa ṣaṇmāsaṃ nityodyuktaḥ samācaret |
ṣaṇmāsādrasanāmūlaṃ sirābaddhaṃ praṇaśyati || 31 ||
2.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अथ वागीश्वरीधाम शिरो वस्त्रेण वेष्टयेत् ।
शनैरुत्कर्षयेद्योगी कालवेलाविधानवित् ॥ ३२ ॥
atha vāgīśvarīdhāma śiro vastreṇa veṣṭayet |
śanairutkarṣayedyogī kālavelāvidhānavit || 32 ||
2.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
पुनः षण्मासमात्रेण नित्यं सङ्घर्षणान्मुने ।
भ्रूमध्यावधि चाप्येति तिर्यक्कणबिलावधिः ॥ ३३ ॥
punaḥ ṣaṇmāsamātreṇa nityaṃ saṅgharṣaṇānmune |
bhrūmadhyāvadhi cāpyeti tiryakkaṇabilāvadhiḥ || 33 ||
2.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अधश्च चुबुकं मूलं प्रयाति क्रमचारिता ।
पुनः संवत्सराणां तु तृतीयादेव लीलया ॥ ३४ ॥
adhaśca cubukaṃ mūlaṃ prayāti kramacāritā |
punaḥ saṃvatsarāṇāṃ tu tṛtīyādeva līlayā || 34 ||
2.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
केशान्तमूर्ध्वं क्रमति तिर्यक् शाखावधिर्मुने ।
अधस्तात्कण्ठकूपान्तं पुनर्वर्षत्रयेण तु ॥ ३५ ॥
keśāntamūrdhvaṃ kramati tiryak śākhāvadhirmune |
adhastātkaṇṭhakūpāntaṃ punarvarṣatrayeṇa tu || 35 ||
2.36. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ब्रह्मरन्ध्रं समावृत्य तिष्ठेदेव न संशयः ।
तिर्यक् चूलितलं याति अधः कण्ठबिलावधि ॥ ३६ ॥
brahmarandhraṃ samāvṛtya tiṣṭhedeva na saṃśayaḥ |
tiryak cūlitalaṃ yāti adhaḥ kaṇṭhabilāvadhi || 36 ||
2.37. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शनैः शनैर्मस्तकाच्च महावज्रकपाटभित् ।
पूर्वं बीजयुता विद्या ह्याख्याता यतिदुर्लभा ॥ ३७ ॥
śanaiḥ śanairmastakācca mahāvajrakapāṭabhit |
pūrvaṃ bījayutā vidyā hyākhyātā yatidurlabhā || 37 ||
2.38. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्याः षडङ्गं कुर्वीत तया षट्स्वरभिन्नया ।
कुर्यादेवं करन्यासं सर्वसिद्ध्यादिहेतवे ॥ ३८ ॥
tasyāḥ ṣaḍaṅgaṃ kurvīta tayā ṣaṭsvarabhinnayā |
kuryādevaṃ karanyāsaṃ sarvasiddhyādihetave || 38 ||
2.39. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शनैरेवं प्रकर्तव्यमभ्यासं युगपन्नहि ।
युगपद्वर्तते यस्य शरीरं विलयं व्रजेत् ॥ ३९ ॥
śanairevaṃ prakartavyamabhyāsaṃ yugapannahi |
yugapadvartate yasya śarīraṃ vilayaṃ vrajet || 39 ||
2.40. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्माच्छनैः शनैः कार्यमभ्यासं मुनिपुङ्गव ।
यदा च बाह्यमार्गेण जिह्वा ब्रह्मबिलं व्रजेत् ॥ ४० ॥
tasmācchanaiḥ śanaiḥ kāryamabhyāsaṃ munipuṅgava |
yadā ca bāhyamārgeṇa jihvā brahmabilaṃ vrajet || 40 ||
2.41. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तदा ब्रह्मार्गलं ब्रह्मन्दुर्भेद्यं त्रिदशैरपि ।
अङ्गुल्यग्रेण संघृष्य जिह्वामात्रं निवेशयेत् ॥ ४१ ॥
tadā brahmārgalaṃ brahmandurbhedyaṃ tridaśairapi |
aṅgulyagreṇa saṃghṛṣya jihvāmātraṃ niveśayet || 41 ||
2.42. Vers Yoga Kundalini Upanishad
एवं वर्षत्रयं कृत्वा ब्रह्मद्वारं प्रविश्यति ।
ब्रह्मद्वारे प्रविष्टे तु सम्यङ्मथनमाचरेत् ॥ ४२ ॥
evaṃ varṣatrayaṃ kṛtvā brahmadvāraṃ praviśyati |
brahmadvāre praviṣṭe tu samyaṅmathanamācaret || 42 ||
2.43. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मथनेन विना केचित्साधयन्ति विपश्चितः ।
खेचरीमन्त्रसिद्धस्य सिध्यते मथनं विना ॥ ४३ ॥
mathanena vinā kecitsādhayanti vipaścitaḥ |
khecarīmantrasiddhasya sidhyate mathanaṃ vinā || 43 ||
2.44. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जपं च मथनं चैव कृत्वा शीघ्रं फलं लभेत् ।
स्वर्णजां रौप्यजां वापि लोहजां वा शलाकिकाम् ॥ ४४ ॥
japaṃ ca mathanaṃ caiva kṛtvā śīghraṃ phalaṃ labhet |
svarṇajāṃ raupyajāṃ vāpi lohajāṃ vā śalākikām || 44 ||
2.45. Vers Yoga Kundalini Upanishad
नियोज्य नासिकारन्ध्रं दुग्धसिक्तेन तन्तुना ।
प्राणान्निरुध्य हृदये सुखमासनमात्मनः ॥ ४५ ॥
niyojya nāsikārandhraṃ dugdhasiktena tantunā |
prāṇānnirudhya hṛdaye sukhamāsanamātmanaḥ || 45 ||
2.46. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शनैः सुमथनं कुर्याद्भ्रूमध्ये न्यस्य चक्षुषी ।
षण्मासं मथनावस्था भावेनैव प्रजायते ॥ ४६ ॥
śanaiḥ sumathanaṃ kuryādbhrūmadhye nyasya cakṣuṣī |
ṣaṇmāsaṃ mathanāvasthā bhāvenaiva prajāyate || 46 ||
2.47. Vers Yoga Kundalini Upanishad
यथा सुषुप्तिर्बालानां यथा भावस्तथा भवेत् ।
न सदा मथनं शस्तं मासे मासे समाचरेत् ॥ ४७ ॥
yathā suṣuptirbālānāṃ yathā bhāvastathā bhavet |
na sadā mathanaṃ śastaṃ māse māse samācaret || 47 ||
2.48. Vers Yoga Kundalini Upanishad
सदा रसनया योगी मार्गं न परिसंक्रमेत् ।
एवं द्वादशवर्षान्ते संसिद्धिर्भवति ध्रुवा ॥ ४८ ॥
sadā rasanayā yogī mārgaṃ na parisaṃkramet |
evaṃ dvādaśavarṣānte saṃsiddhirbhavati dhruvā || 48 ||
2.49. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शरीरे सकलं विश्वं पश्यत्यात्माविभेदतः ।
ब्रह्माण्डोऽयं महामार्गो राजदन्तोर्ध्वकुण्डली ॥ ४९ ॥ इति॥
śarīre sakalaṃ viśvaṃ paśyatyātmāvibhedataḥ |
brahmāṇḍo'yaṃ mahāmārgo rājadantordhvakuṇḍalī || 49 || iti||
Drittes Kapitel
Melana Mantra und Beginn des dritten Kapitels
मेलनमनुः । ह्रीं भं सं पं फं सं क्षम् । पद्मज उवाच ।
melanamanuḥ | hrīṃ bhaṃ saṃ paṃ phaṃ saṃ kṣam | padmaja uvāca |
3.1. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अमावास्या च प्रतिपत्पौर्णमासी च शङ्कर ।
अस्याः का वर्ण्यते संज्ञा एतदाख्याहि तत्त्वतः ॥ १ ॥
amāvāsyā ca pratipatpaurṇamāsī ca śaṅkara |
asyāḥ kā varṇyate saṃjñā etadākhyāhi tattvataḥ || 1 ||
3.2. Vers Yoga Kundalini Upanishad
प्रतिपद्दिनतोऽकाले अमावास्या तथैव च ।
पौर्णमास्यां स्थिरीकुर्यात्स च पन्था हि नान्यथा ॥ २ ॥
pratipaddinato'kāle amāvāsyā tathaiva ca |
paurṇamāsyāṃ sthirīkuryātsa ca panthā hi nānyathā || 2 ||
3.3. Vers Yoga Kundalini Upanishad
कामेन विषयाकाङ्क्षी विषयात्काममोहितः ।
द्वावेव सन्त्यजेन्नित्यं निरञ्जनमुपाश्रयेत् ॥ ३ ॥
kāmena viṣayākāṅkṣī viṣayātkāmamohitaḥ |
dvāveva santyajennityaṃ nirañjanamupāśrayet || 3 ||
3.4. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अपरं सन्त्यजेत्सर्वं यदिच्छेदात्मनो हितम् ।
शक्तिमध्ये मनः कृत्वा मनः शक्तेश्च मध्यगम् ॥ ४ ॥
aparaṃ santyajetsarvaṃ yadicchedātmano hitam |
śaktimadhye manaḥ kṛtvā manaḥ śakteśca madhyagam || 4 ||
3.5. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मनसा मन आलोक्य तत्त्यजेत्परमं पदम् ।
मन एव हि बिन्दुश्च उत्पत्तिस्थितिकारणम् ॥ ५ ॥
manasā mana ālokya tattyajetparamaṃ padam |
mana eva hi binduśca utpattisthitikāraṇam || 5 ||
3.6. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मनसोत्पद्यते बिन्दुर्यथा क्षीरं घृतात्मकम् ।
न च बन्धनमध्यस्थं तद्वै कारणमानसम् ॥ ६ ॥
manasotpadyate binduryathā kṣīraṃ ghṛtātmakam |
na ca bandhanamadhyasthaṃ tadvai kāraṇamānasam || 6 ||
3.7. Vers Yoga Kundalini Upanishad
चन्द्रार्कमध्यमा शक्तिर्यत्रस्था तत्र बन्धनम् ।
ज्ञात्वा सुषुम्नां तद्भेदं कृत्वा वायुं च मध्यगम् ॥ ७ ॥
candrārkamadhyamā śaktiryatrasthā tatra bandhanam |
jñātvā suṣumnāṃ tadbhedaṃ kṛtvā vāyuṃ ca madhyagam || 7 ||
3.8. Vers Yoga Kundalini Upanishad
स्थित्वासौ बैन्दवस्थाने घ्राणरन्ध्रे निरोधयेत् ।
वायुं बिन्दुं समाख्यातं सत्त्वं प्रकृतिमेव च ॥ ८ ॥
sthitvāsau baindavasthāne ghrāṇarandhre nirodhayet |
vāyuṃ binduṃ samākhyātaṃ sattvaṃ prakṛtimeva ca || 8 ||
3.9. Vers Yoga Kundalini Upanishad
षट् चक्राणि परिज्ञात्वा प्रविशेत्सुखमण्डलम् ।
मूलाधारं स्वाधिष्ठानं मणिपूरं तृतीयकम् ॥ ९ ॥
ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍalam |
mūlādhāraṃ svādhiṣṭhānaṃ maṇipūraṃ tṛtīyakam || 9 ||
3.10. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अनाहतं विशुद्धं च आज्ञाचक्रं च षष्ठकम् ।
आधारं गुदमित्युक्तं स्वाधिष्ठानं तु लैङ्गिकम् ॥ १० ॥
anāhataṃ viśuddhaṃ ca ājñācakraṃ ca ṣaṣṭhakam |
ādhāraṃ gudamityuktaṃ svādhiṣṭhānaṃ tu laiṅgikam || 10 ||
3.11. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मणिपूरं नाभिदेशं हृदयस्थमनाहतम् ।
विशुद्धिः कण्ठमूले च आज्ञाचक्रं च मस्तकम् ॥ ११ ॥
maṇipūraṃ nābhideśaṃ hṛdayasthamanāhatam |
viśuddhiḥ kaṇṭhamūle ca ājñācakraṃ ca mastakam || 11 ||
3.12. Vers Yoga Kundalini Upanishad
षट् चक्राणि परिज्ञात्वा प्रविशेत्सुखमण्डले ।
प्रविशेद्वायुमाकृष्य तयैवोर्ध्वं नियोजयेत् ॥ १२ ॥
ṣaṭ cakrāṇi parijñātvā praviśetsukhamaṇḍale |
praviśedvāyumākṛṣya tayaivordhvaṃ niyojayet || 12 ||
3.13. Vers Yoga Kundalini Upanishad
एवं समभ्यसेद्वायुं स ब्रह्माण्डमयो भवेत् ।
वायुं बिन्दुं तथा चक्रं चित्तं चैव समभ्यसेत् ॥ १३ ॥
evaṃ samabhyasedvāyuṃ sa brahmāṇḍamayo bhavet |
vāyuṃ binduṃ tathā cakraṃ cittaṃ caiva samabhyaset || 13 ||
3.14. Vers Yoga Kundalini Upanishad
समाधिमेकेन समममृतं यान्ति योगिनः ।
यथाग्निर्दारुमध्यस्थो नोत्तिष्ठेन्मथनं विना ॥ १४ ॥
samādhimekena samamamṛtaṃ yānti yoginaḥ |
yathāgnirdārumadhyastho nottiṣṭhenmathanaṃ vinā || 14 ||
3.15. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विना चाभ्यासयोगेन ज्ञानदीपस्तथा न हि ।
घटमध्यगतो दीपो बाह्ये नैव प्रकाशते ॥ १५ ॥
vinā cābhyāsayogena jñānadīpastathā na hi |
ghaṭamadhyagato dīpo bāhye naiva prakāśate || 15 ||
3.16. Vers Yoga Kundalini Upanishad
भिन्ने तस्मिन्घटे चैव दीपज्वाला च भासते ।
स्वकायं घटमित्युक्तं यथा दीपो हि तत्पदम् ॥ १६ ॥
bhinne tasminghaṭe caiva dīpajvālā ca bhāsate |
svakāyaṃ ghaṭamityuktaṃ yathā dīpo hi tatpadam || 16 ||
3.17. Vers Yoga Kundalini Upanishad
गुरुवाक्यसमाभिन्ने ब्रह्मज्ञानं स्फुटीभवेत् ।
कर्णधारं गुरुं प्राप्य कृत्वा सूक्ष्मं तरन्ति च ॥ १७ ॥
guruvākyasamābhinne brahmajñānaṃ sphuṭībhavet |
karṇadhāraṃ guruṃ prāpya kṛtvā sūkṣmaṃ taranti ca || 17 ||
3.18. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अभ्यासवासनाशक्त्या तरन्ति भवसागरम् ।
परायामङ्कुरीभूय पश्यन्तां द्विदलीकृता ॥ १८ ॥
abhyāsavāsanāśaktyā taranti bhavasāgaram |
parāyāmaṅkurībhūya paśyantāṃ dvidalīkṛtā || 18 ||
3.19. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मध्यमायां मुकुलिता वैखर्यां विकसीकृता ।
पूर्वं यथोदिता या वाग्विलोमेनास्तगा भवेत् ॥ १९ ॥
madhyamāyāṃ mukulitā vaikharyāṃ vikasīkṛtā |
pūrvaṃ yathoditā yā vāgvilomenāstagā bhavet || 19 ||
3.20. Vers Yoga Kundalini Upanishad
तस्या वाचः परो देवः कूटस्थो वाक्प्रबोधकः ।
सोऽहमस्मीति निश्चित्य यः सदा वर्तते पुमान् ॥ २० ॥
tasyā vācaḥ paro devaḥ kūṭastho vākprabodhakaḥ |
so'hamasmīti niścitya yaḥ sadā vartate pumān || 20 ||
3.21. Vers Yoga Kundalini Upanishad
शब्दैरुच्चावचैर्नीचैर्भाषितोऽपि न लिप्यते ।
विश्वश्च तैजसश्चैव प्राज्ञश्चेति च ते त्रयः ॥ २१ ॥
śabdairuccāvacairnīcairbhāṣito'pi na lipyate |
viśvaśca taijasaścaiva prājñaśceti ca te trayaḥ || 21 ||
3.22. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विराड्ढिरण्यगर्भश्च ईश्वरश्चेति ते त्रयः ।
ब्रह्माण्डं चैव पिण्डाण्डं लोका भूरादयः क्रमात् ॥ २२ ॥
virāḍḍhiraṇyagarbhaśca īśvaraśceti te trayaḥ |
brahmāṇḍaṃ caiva piṇḍāṇḍaṃ lokā bhūrādayaḥ kramāt || 22 ||
3.23. Vers Yoga Kundalini Upanishad
स्वस्वोपाधिलयादेव लीयन्ते प्रत्यगात्मनि ।
अण्डं ज्ञानाग्निना तप्तं लीयते कारणैः सह ॥ २३ ॥
svasvopādhilayādeva līyante pratyagātmani |
aṇḍaṃ jñānāgninā taptaṃ līyate kāraṇaiḥ saha || 23 ||
3.24. Vers Yoga Kundalini Upanishad
परमात्मनि लीनं तत्परं ब्रह्मैव जायते ।
ततः स्तिमितगम्भीरं न तेजो न तमस्ततम् ॥ २४ ॥
paramātmani līnaṃ tatparaṃ brahmaiva jāyate |
tataḥ stimitagambhīraṃ na tejo na tamastatam || 24 ||
3.25. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अनाख्यमनभिव्यक्तं सत्किञ्चिदवशिष्यते ।
ध्यात्वा मध्यस्थमात्मानं कलशान्तरदीपवत् ॥ २५ ॥
anākhyamanabhivyaktaṃ satkiñcidavaśiṣyate |
dhyātvā madhyasthamātmānaṃ kalaśāntaradīpavat || 25 ||
3.26. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अङ्गुष्ठमात्रमात्मानमधूमज्योतिरूपकम् ।
प्रकाशयन्तमन्तस्थं ध्यायेत्कूटस्थमव्ययम् ॥ २६ ॥
aṅguṣṭhamātramātmānamadhūmajyotirūpakam |
prakāśayantamantasthaṃ dhyāyetkūṭasthamavyayam || 26 ||
3.27. Vers Yoga Kundalini Upanishad
विज्ञानात्मा तथा देहे जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितः ।
मायया मोहितः पश्चाद्बहुजन्मान्तरे पुनः ॥ २७ ॥
vijñānātmā tathā dehe jāgratsvapnasuṣuptitaḥ |
māyayā mohitaḥ paścādbahujanmāntare punaḥ || 27 ||
3.28. Vers Yoga Kundalini Upanishad
सत्कर्मपरिपाकात्तु स्वविकारं चिकीर्षति ।
कोऽहं कथमयं दोषः संसाराख्य उपागतः ॥ २८ ॥
satkarmaparipākāttu svavikāraṃ cikīrṣati |
ko'haṃ kathamayaṃ doṣaḥ saṃsārākhya upāgataḥ || 28 ||
3.29. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जाग्रत्स्वप्ने व्यवहरन्त्सुषुप्तौ क्व गतिर्मम ।
इति चिन्तापरो भूत्वा स्वभासा च विशेषतः ॥ २९ ॥
jāgratsvapne vyavaharantsuṣuptau kva gatirmama |
iti cintāparo bhūtvā svabhāsā ca viśeṣataḥ || 29 ||
3.30. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अज्ञानात्तु चिदाभासो बहिस्तापेन तापितः ।
दग्धं भवत्येव तदा तूलपिण्डमिवाग्निना ॥ ३० ॥
ajñānāttu cidābhāso bahistāpena tāpitaḥ |
dagdhaṃ bhavatyeva tadā tūlapiṇḍamivāgninā || 30 ||
3.31. Vers Yoga Kundalini Upanishad
दहरस्थः प्रत्यगात्मा नष्टे ज्ञाने ततः परम् ।
विततो व्याप्य विज्ञानं दहत्येव क्षणेन तु ॥ ३१ ॥
daharasthaḥ pratyagātmā naṣṭe jñāne tataḥ param |
vitato vyāpya vijñānaṃ dahatyeva kṣaṇena tu || 31 ||
3.32. Vers Yoga Kundalini Upanishad
मनोमयज्ञानमयान्सम्यग्दग्ध्वा क्रमेण तु ।
घटस्थदीपवच्छश्वदन्तरेव प्रकाशते ॥ ३२ ॥
manomayajñānamayānsamyagdagdhvā krameṇa tu |
ghaṭasthadīpavacchaśvadantareva prakāśate || 32 ||
3.33. Vers Yoga Kundalini Upanishad
ध्यायन्नास्ते मुनिश्चैवमासुप्तेरामृतेस्तु यः ।
जीवन्मुक्तः स विज्ञेयः स धन्यः कृतकृत्यवान् ॥ ३३ ॥
dhyāyannāste muniścaivamāsupterāmṛtestu yaḥ |
jīvanmuktaḥ sa vijñeyaḥ sa dhanyaḥ kṛtakṛtyavān || 33 ||
3.34. Vers Yoga Kundalini Upanishad
जीवन्मुक्तपदं त्यक्त्वा स्वदेहे कालसात्कृते ।
विशत्यदेहमुक्तत्वं पवनोऽस्पन्दतामिव ॥ ३४ ॥
jīvanmuktapadaṃ tyaktvā svadehe kālasātkṛte |
viśatyadehamuktatvaṃ pavano'spandatāmiva || 34 ||
3.35. Vers Yoga Kundalini Upanishad
अशब्दमस्पर्शमरूपमव्ययं
तथारसं नित्यमगन्धवच्च यत् ।
अनाद्यनन्तं महतः परं ध्रुवं
तदेव शिष्यत्यमलं निरामयम् ॥ ३५ ॥ इत्युपनिषत् ॥
aśabdamasparśamarūpamavyayaṃ
tathārasaṃ nityamagandhavacca yat |
anādyanantaṃ mahataḥ paraṃ dhruvaṃ
tadeva śiṣyatyamalaṃ nirāmayam || 35 || ityupaniṣat ||
Shanti Mantra
ॐ सह नाववतु सह नौ भुनक्तु सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
हरिः ॐ तत्सत् ॥
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||
इति योगकुण्डलिन्युपनिषत्समाप्ता ॥
iti yogakuṇḍalinyupaniṣatsamāptā ||
Damit ist die Yoga Kundalini Upanishad beendet.