Hamsa Upanishad

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Die Hamsa Upanishad (Sanskrit: f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Hamsa Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Yoga Upanishaden zugeordnet. Ein Weiser namens Sanatkumara führt ein Zwiegespräch mit Gautama, seinem Schüler, in welchem Kundalini Yoga erklärt wird.

Schwan Hamsa.JPG

Hamsa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 815 - 819.

Einleitung

Diese, auch im Oupnekhat als Hensnad (d. i. Hamsanada) enthaltene Upanishad gehört, wie schon ihre Stellung in den Sammlungen Colebrookes und Narayanas, noch mehr aber ihr Inhalt zeigt, einer späteren Entwicklungsstufe als die bisher behandelten Yoga Upanishaden an. Die Aufstellung der Worte Hamsa Hamsa als Mantraraja (Spruchkönig, d. h. als ein durch die ganze Upanishad sich hindurchziehender Leitspruch) und die Art, wie an demselben Anfang, Mitte und Ende (Vijam, Kilaka, Sakti) unterschieden und die Auftragung des Spruches als Diagramm gelehrt wird, lassen unsere Upanishad in nächster Verwandtschaft mit dem Gedankenkreise von Nrisinhatapaniya und Ramatapaniya erscheinen.

Als Grundgedanke kann man bezeichnen, daß der Hamsa (die individuelle Seele) durch Meditation des Lautes Om und namentlich seines Nachhalls zum Paramahamsa (der höchsten Seele) wird.

Der Hauptinhalt ist folgender. Die Paragrapheneinteilung rührt von uns her, da die in der Kalkuttaer und den beiden Punaer Ausgaben (mit Narayanas und Samkaranandas Kommentar) widersprechend und unzweckmäßig sind.

1. Einleitung. Die Verse zu Eingang sowie die am Schluß fehlen in Samkaranandas Rezension.

2. Die individuelle Seele wird, durch Zusammenfassung der Laute des Ausatmens (Ham) und Einatmens (Sa), als Hamsa bezeichnet.

3. Ähnlich wie die Kshurika Upanishad ein sukzessives Sichloslösen von den einzelnen Gliedern, lehrt unsere Upanishad ein Emporsteigen durch die sechs mystischen, am Körper unterschiedenen Kreise bis hinauf zum Brahmarandhram. Dieses Aussteigen wird bewerkstelligt durch Meditation der Silbe Om und besonders ihres Nachhalls.

4. Das in Tag und Nacht durch das Atemholen des (fünffachen) Prana 21606-mal wiederholte Hamsa Hamsa erscheint als Hymnus (als der Mantraraja), dessen Dichter, Metrum und Gottheit bestimmt, und an welchem Bijam (Keim, Anfangssilbe), Kilaka (Stamm, Mittelsilben) und Sakti (Kraft, Schlußsilbe) unterschieden werden.

5. Dieser Spruchkönig, welcher als solcher sechs "Glieder" (Herz, Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge und Waffe) hat (vgl. Nrisinhap. 2,2. Ramap. 61), wird unter bestimmten (aus dem Kommentar zu ergänzenden) Anrufungen dieser Glieder als Diagramm (vermutlich um dasselbe als Amulett zu tragen) niedergeschrieben (die nähere Art der Ausführung wird nicht angegeben) und außerdem noch, wie es scheint, auf den Händen aufgetragen.

6. Symbolische Ausdeutung des, als Hamsa (Schwan) in Vogelgestalt aufgefaßten, individuellen Atman.

7. Identität des Hamsa und Paramahamsa (des individuellen und höchsten Atman).

8. Schilderung des noch nicht zum Paramahamsa erhobenen Hamsa.

9. Einswerden desselben mit dem Paramahamsa.

10. Auf zehn Arten kann der Nachhall hervorgebracht werden (vgl. Chand. 2,22. Maitr. 6,22, oben S. 95. 346); die zehnte derselben wird zur Übung empfohlen. Anders die nachfolgenden Verse.

11. Schwinden des Manas und Einswerdung mit dem höchsten Atman.

Der Zusammenhang läßt als denkbar erscheinen, daß diejenigen Abschnitte, welche diese Upanishad so viel moderner als die übrigen Yoga Upanishaden erscheinen lassen (namentlich 3-5) auf späterer Einschiebung beruhen.

Die Hamsa Upanishad

1. Gautama sprach:

Des Brahmanwissens Aufweckung,
Die aller Pflichten kundig ist,
Aller Lehrbücher Sinn einschließt,
Wodurch, o Herr, wird die bewirkt?

Sanatsujata sprach:

Alle Veden durchdacht habend
Und erfaßt habend ihren Sinn,
Siva der Parvati vortrug
Die Wahrheit; — sie vernimm von mir.
Unsagbar und verhüllt gleichsam,
Ist der Yogins Geheimnis sie;
Die dem Hamsa den Weg auslegt,
Freude schenkt und Erlösungsfrucht.

Nunmehr wollen wir über den Hamsa und Paramahamsa das Genaue mitteilen für den Brahmanschüler, welcher beruhigt, bezähmt und dem Lehrer ergeben ist.

2. Mit dem Laute ham-sa ham-sa [aushauchend und einhauchend] weilt er [der Odem] immerfort in allen Leibern, sie ganz erfüllend, wie das Feuer in dem Brennholz oder das Öl in den Sesamkörnern. Wer ihn erkennt, der verfällt nicht dem Tode.

3. Die Afteröffnung verschließend, soll man den Wind von dem Unterleibskreis (Adhara) in die Höhe treiben, indem man dabei den Sexualkreis (Svadhishthanam) dreimal nach rechts umfährt, zu dem Nabelkreis (Manipurakam) aufsteigen, den Herzkreis (Anahatam) überschreiten, im Halskreis (Visuddhi) die Lebenshauche anhalten, den Zwischenbrauenkreis (Ajna) überdenken, die Brahmanöffnung meditieren und dabei allezeit das Wort "ich bin der aus den drei Moren bestehende [Omlaut]", dazu auch, vom Unterleibskreis an bis zur Brahma-nöffnung hin, den Nachhall überdenken, welcher einem reinen Bergkristall gleicht, denn er ist es, welcher Brahman, der höchste Atman, genannt wird.

4. Bei diesem Spruch [nämlich Hamsa Hamsa ] ist der Dichter der Hamsa, das Metrum die Pankti[1], die Gottheit der Paramahamsa, das Wort Ham der Keim (die Anfangssilbe), Sa die Kraft (die Schlußsilbe), Soham der Stamm (die zwischenliegenden Silben). Es sind aber ihrer [der ham-sa, d. h. Aus- und Einatmungen] in Tag und Nacht einundzwanzigtausendsechshundert und sechs.'[2]

5. Mit den Worten: "der Sonne (Om Suryaya Hridayaya Namah), dem Mond (Om Somaya Sirase Svaha), dem Fleckenlosen (Om Niranjanaya Sikhayai Vashat), dem Glanzlosen (Om Nirabhasaya Kavacaya Hum), Tanu Sukshma (Om Tanusukshma Netratrayaya Vaushat) und Pracodayat (Om Pracodayad Astraya Phat)" und dem [jedesmaligen] Zusatz: "dem Agni und Soma Vaushat", werden die Gliedersprüche an Herz usw. [Herz, Kopf, Haarlocke, Panzer, Dreiauge, und Waffe des Spruchkönigs] aufgetragen [als Diagramm] und auch auf die Hände aufgetragen.

6. Nachdem dies geschehen, soll man im Herzen in der [dort befindlichen] achtblätterigen [Lotosblume] das Wesen des Hamsa überdenken. [Als Hamsa, Schwan, denkt man ihn in Vogelgestalt:] Agni und Soma sind seine Flügel, der Om-Laut sein Kopf, der Anusvara-Kreis sein Auge [oder auch] sein Mund; Rudra und Rudrani seine Füße und Arme, Kala und Agni seine beiden Seiten [rechts und links], "erschaut" und "heimatlos" sind die beiden übrigen Seiten [oben und unten].

7. Und dieser [Hamsa, d. h. die individuelle Seele] ist jener Paramahamsa [die höchste Seele], welcher leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und diese ganze Welt durchzieht.

8. Sein Verhalten aber [sofern er in der achtblättrigen Lotosblume des Herzens weilt] ist ein achtfaches; an dem östlichen Lotosblatt ist sein Sinn auf heiliges Werk gerichtet, an dem südöstlichen überkommen ihn Schlaf und Schlaffheit, an dem südlichen ist sein Sinn grausam, an dem südwestlichen trachtet er nach Bösem, an dem westlichen nach Spiel, an dem nordwestlichen steht sein Verlangen nach Gehen und dergleichen, an dem nördlichen begehrt er nach Liebeslust, an dem nordöstlichen nach Erwerb von Gütern. In der Mitte herrscht die Entsagung, an den Staubfäden der Zustand des Wachens, an der Samenkapsel der Schlaf, an dem Stengel der Tiefschlaf, wo die Lotosblume nach oben aufhört das Turiyam.

9. Wenn aber der Hamsa in dem Nachhall hingeschwunden ist, dann tritt das ein, was Turiya-erhaben, Undenken, Abschluß im Nichtmurmeln heißt. Dies alles geschieht um des Hamsa willen. Darum wird das Manas laufen gelassen; er aber [der Verehrer] genießt in zehn Millionen Murmelungen den Nachhall. Dies alles geschieht um des Hamsa willen.

10. Der Nachhall aber kann zehnfach hervorgebracht werden: der erste klingt wie Cini, der zweite wie Cincini, der dritte wie Glockenton, der vierte wie Muschelblasen, der fünfte wie Saitenspiel, der sechste wie Händeklatschen, der siebente wie Flötenton, der achte wie Trommelschall, der neunte wie Paukenschlag, der zehnte wie Donnerhall. Den neunten [und die vorhergehenden] meide man und übe den zehnten nur allein.

Paramahamsa Yogananda
Beim ersten Cincini nachmacht
Sein Leib, beim zweiten krümmt er ihn,
Beim dritten wird er sehr müde,
Beim vierten schüttelt er den Kopf,
Beim fünften fließt ihm sein Gaumen,
Beim sechsten trinkt er Amritam,
Beim siebten wird Geheimwissen
Beim achten ihm der Rede Kunst,
Beim neunten Unsichtbarmachung
Und hellsehender Götterblick,
Beim zehnten wird er zum Brahman, -
Brahman und Atman werden eins.

11. In ihm schwindet das Manas, und in dem Manas werden Wunsch und Zweifel, Gutes und Böses verbrannt. Er aber, ewig selig, kraftdurchdrungen, allgegenwärtig, leuchtet durch sein eigenes Licht als rein, weise, ewig, fleckenlos und beruhigt.

Om! Das ist Veda-Erklärung, - Veda-Erklärung!

Fußnoten

  1. Die Punaer Ausgabe liest: "die unoffenbare Gayatri".
  2. Über diese Zahl vgl. oben S. 656.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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