Shri Vidyarnava Tantra Deutsche Übersetzung Teil 1

Aus Yogawiki

Shri Vidyarnava Tantra – Deutsche Übersetzung, Teil 1

Umfang dieser Seite: Kapitel 1–12. Die markierten Quellenprobleme und Auslassungen gehören zum Editionsbefund.

Übersetzung der ersten zwölf Śvāsas einschließlich ihrer Zitatreihen, Kommentare, unnummerierten Fortsetzungen und Kolophone. Beschädigte oder mehrdeutige Stellen bleiben ausdrücklich gekennzeichnet. Kapitel 13 beginnt im zweiten Übersetzungsteil. Die Ausgabe reicht bis Kapitel 36; örtlich gekennzeichnete Textlücken und redaktionelle Ausnahmen bleiben bestehen.

Die ersten zwölf Kapitel legen das Fundament der Śrīvidyā: Lehrer und Schüler, die schöpferische Bedeutung der Laute, tägliche Verehrung und die Vorbereitung der Einweihung. Dabei wechselt die Darstellung zwischen Gebet, Lehre und genauer Ritualbeschreibung. Wer sich zunächst orientieren möchte, kann mit den Abschnitten über die Eigenschaften eines Gurus und eines Schülers beginnen und danach verfolgen, wie Sprache, Körper und Śrīcakra aufeinander bezogen werden.

Tripurasundari: die Göttin der Sri Vidya.

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Zur Ausgabe: Alle Textteile · 108 inspirierende Verse · Mantras und Formelregister

Deutsch: Teil 1 — IAST: Teil 1 — Devanagari: Teil 1 · Teil 2

1. Śvāsa

Die Göttin und die beiden Überlieferungswege

1.1 Möge sie euch beschützen: die Höchste, feiner als das Feinste, deren Gestalt wie tausend aufgehende Sonnen leuchtet; die einem Aufleuchten von Blitzen und dem Glanz unzähliger Monde gleicht und die drei Lichtstätten bewohnt. Sie verkörpert die Nityās, die ewigen Göttinnen. [Die anschließende Verbindung der drei Lichtkräfte mit den Mantragruppen Vāk, Kāma und Śakti sowie den Zahlenangaben ist in der Vorlage unsicher überliefert; dieser Teil des Verses lässt sich hier nicht zuverlässig übersetzen.]

1.2 Möge jene herrliche Madhumatī-Śakti, deren Wesen das Bewusstsein der Welt ist, stets vor mir gegenwärtig sein: Mālinī, deren Gestalt das ganze All umfasst.

1.3 Nachdem ich beide Lehrwege gründlich durchdacht habe, stelle ich sie gesondert dar, damit sie nicht miteinander vermischt werden. So mache ich das höchste Tantra bekannt, das den Namen Vidyārṇava trägt.

1.4 Die Einheit mit der großen Göttin Madhumatī wird Kādī genannt. Als Kālī-Lehrweg kennen die Tantra-Kundigen die Einheit mit Mālinī.

1.5–1.8 Die sechsunddreißig grundlegenden Konsonanten sind ihrem Wesen nach Shiva. Sie werden jeweils mit den sechzehn Vokalen verbunden und als „vollständiger Kreis“ bezeichnet. In sechsunddreißigfacher Vervielfältigung verkörpern sie die Siddha-, Kāla- und Nityā-Formen; sie sind neunfach, und durch die Unterschiede ihrer Durchdringung werden ihre Gestalten verdoppelt. Durch die wiederum verdoppelten Tattvas und die nochmals verdoppelten Yantras nimmt die Göttin entsprechend den jeweiligen Unterscheidungen verschiedene Gestalten an. Sie wird als diejenige bezeichnet, welche die Veden entfaltet. Die Göttin Madhumatī umfasst vollständig die sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien und verleiht die Frucht aller Mantras. Die Einheit mit ihr wird Kādī genannt.

Zur Lesung von 1.5–1.8: Die Verse setzen eine technische Buchstaben- und Zuordnungslehre voraus. Die genaue Gliederung von „Siddha-, Kāla- und Nityā-Formen“ bleibt aus dieser Stelle allein unsicher. Die Zahlen werden deshalb beibehalten, ohne daraus eine zusätzliche Berechnung oder Praxisanweisung abzuleiten.

1.9–1.10 Durch die Überlieferungen, die Samayas, die fünf Fünfergruppen, die heiligen Sitze und die Lehranschauungen wird sie gepriesen; ihre Scharen unterscheiden sich nach Entstehung, Erhaltung und Auflösung. Sie wird Mālinī genannt, und die Einheit mit ihr heißt Kālikā-Lehrweg. Wer beide Lehrwege gründlich erkennt, kann Shiva gleich werden.

Die Praxis in ihrer Überlieferung verstehen

1.11–1.14a Man soll Zeitordnung, Wirklichkeitsprinzipien, Lehrweg, Durchdringung, Überlieferung und die innere Vergegenwärtigung ihrer Glieder kennen; ebenso ihre groben, feinen und höchsten Nebenbestandteile, die Keimsilben, Kräfte, Laute und Erweiterungen. Die jeweilige Abfolge, Lebensführung, Entstehung und Verehrung soll man vom Guru und aus den Schriften lernen und sich den entsprechenden Handlungen unermüdlich widmen. Frei von Anfang, Mitte und Ende und zugleich mit Anfang, Mitte und Ende verbunden, die anfangslosen Prinzipien erforschend und mit abhängigen wie selbständigen Tantras vertraut, soll man die Göttin verehren. Andernfalls fällt auch das Ergebnis anders aus.

Zur Übersetzung: Die Aussage „frei von Anfang, Mitte und Ende und zugleich damit verbunden“ bleibt in ihrer spannungsvollen Form erhalten. Eine eindeutige Erklärung dieser Aussage ergibt sich aus den vorliegenden Versen allein nicht.

1.14b–1.15 Wer die höchste, segensreiche Göttin verehrt, ohne die Folge der Lehrer zu kennen, dessen Verehrung ist als fruchtlos anzusehen – wie eine Opfergabe, die in Asche gelegt wird. Deshalb soll man die Lehrerfolge sorgfältig bis zu ihrem Ursprung kennenlernen.

1.16 Nachdem man die Überlieferung aus dem Mund des Gurus kennengelernt hat, soll man sich ihrer täglich gewissenhaft erinnern, damit die Kraft des Mantras zur Entfaltung kommt.

1.17–1.19 Wer die Lehrerfolge für das Herabkommen der Vidyā, für ihren Empfang und für die Überlieferungsgemeinschaften kennt – im Weg des Ūrdhvāmnāya, im Kāmarāja-Weg, im Lopāmudrā-Weg und im allgemeinen Weg, ebenso bei der Einweihung in die Verehrung der fünf Gottheiten und bei den Mantras der fünf Überlieferungen –, wer außerdem die Regeln beider Lehrwege und ihre Vermischung sorgfältig kennt und die Göttin verehrt, der erlangt die ersehnte Frucht.

1.20a Wird die Verehrung anders ausgeführt, so gerät sie zu Abhicāra.

Erläuterung: Abhicāra bezeichnet hier eine schädigende oder gegen andere gerichtete rituelle Wirkung. Der Vers formuliert eine Warnung innerhalb der traditionellen Rituallehre; daraus folgt keine überprüfte Aussage über die Wirkung heutiger religiöser Praxis.

Mantras und Lehrer des Ūrdhvāmnāya

1.20b–1.22 Der Parāprāsāda-Mantra, die sechzehnsilbige Śrīvidyā, Kālikā und Dakṣiṇā, Mālinī, der Mantra des ehrwürdigen Gurus, Caraṇa, die neun Nāthas, die sechzehn grundlegenden Vidyās, die Vidyās der sechs Stützpunkte und die Bewusstseinsgöttinnen: Vierundsechzig große Mantras sind im Ūrdhvāmnāya überliefert.

Erläuterung: Vidyā bedeutet hier eine heilige Mantraform beziehungsweise die durch sie verehrte göttliche Kraft. Ūrdhvāmnāya bezeichnet die „obere Überlieferung“. „Caraṇa“ bleibt als technischer Ausdruck der Aufzählung unübersetzt; die Stelle schreibt die dazugehörige Formel nicht aus.

1.23 Durch die Erinnerung an diese kann ein Sterblicher augenblicklich Shiva gleich werden. Wer die Vollendung des Mantras erstrebt, soll auch die Lehrerfolge kennen.

1.24–1.25a Īśāna, Tatpuruṣa und danach Aghora, als Vierter Vāmadeva und als Fünfter Sadyojāta: Diese fünf bilden den göttlichen Überlieferungsstrom.

1.25b–1.26a Dann folgen Ādinātha, Annadinātha, Anāmaya, Anantānandanātha und Cidābhāsa. Diese fünf bilden den Strom der Vollendeten.

1.26b–1.28 Der Erste ist Pareśvara, der Zweite Viśveśvara, danach Haṃseśvara, Saṃvartteśvara, Dvīpeśvara und Navātmeśvara. Diese sechs werden als menschlicher Überlieferungsstrom bezeichnet. Sie sind als die Kula-Gurus zu verstehen, die auf dem Kula-Weg gehen.

1.29–1.30 Sie haben Schüler des Kula-Weges, kennen die Bedeutung der Kula-Mantras, sitzen auf dem Kula-Sitz und sind den Kula-Tantras hingegeben. Durch die Kula-Umarmung verbunden, haben sie alle Dunkelheit abgelegt. Sie sind eingetaucht in die Freude am Geschmack des großen Rasa und mit Kula vereint.

Erläuterung: Kula bezeichnet hier den besonderen tantrischen Überlieferungs- und Praxiszusammenhang. „Umarmung“ und „Rasa“ gehören zu dessen vielschichtiger Sprache. Die Verse werden nicht stillschweigend in allgemeine Meditationsbilder umgedeutet.

1.31 Sie haben zehn Hände und fünf Gesichter, tragen einen Schmuck aus Schädelgirlanden und leuchten wie tausend aufgehende Sonnen. Ihr inneres Organ strahlt in seiner Fülle.

1.32 Sie tragen Schwert, Schild, Schädelschale, Dreizack, Keule, Khaṭvāṅga-Stab, Pfeil und Bogen; außerdem zeigen sie die Gesten des Segenspendens und der Furchtlosigkeit.

1.33–1.34a Im vierten Nachtabschnitt soll man sie sorgfältig in der mächtigen Kuṇḍalinī betrachten, unterhalb des Visarga, in einem Bereich, der wie roter Lacksaft leuchtet, damit die Vidyā zur Vollendung gelangt.

1.34b–1.35 Für einen Übenden, der sich diese Kula-Gurus nicht sorgfältig vergegenwärtigt, sind Verehrung, Mantrawiederholung, rituelles Bad, Gaben und die weiteren Handlungen vergeblich. Man soll über diese im Ūrdhvāmnāya genannten Kula-Gurus meditieren.

Weitere Lehrerfolgen der Vidyā

1.36–1.38a Prajñā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva, Icchā, Jñānā, Kriyā, Kuṇḍalī, Mātṛkā und Parā: Diese elf bilden den göttlichen Überlieferungsstrom. Danach folgen Ādinātha, Parā, Acintyanātha, Acintyā, Avyakta, Avyaktikā, Kuleśvara und Kuleśī. Diese acht bilden den Strom der Vollendeten.

1.38b–1.44 Dann folgen Tūṣṇīśa und Siddhā, Mitra und Kubjā, Gagana und Āṭulī, Candragarbha und Vālibhāgī, Mukta und Mahilā, Lalita und Śaṅkhā, Śrīkaṇṭha und Śrīkaṇṭhā, Pareśvara und Pareśvarī, Kumāra und Sahajā, Ratna und Jñānadevī, Brahmā und Nādinī, Ajeśvara und Mahilā, Pratiṣṭha und Sahajā, Śiva und Pratimā, Cidānanda und Sahajā, Śrīkaṇṭha und Ānandavidyā, Śiva und Sahajā, Soma und Sahajā, Saṃvit und Sahajā, Vibudha und Vibudhā, Bhairava und Bhairavī, Ānanda und Nandinī; danach einer namens Kāmeśvara sowie Kāmeśvara, Kamala und Sahajā. Der Text bezeichnet ihre Zahl als zweimal vierundzwanzig.

Zur Lesung: Die letzten Namen und ihre Paarzuordnung in 1.44 sind nicht eindeutig überliefert; die doppelte Nennung Kāmeśvaras bleibt sichtbar. Die Zahl wird nicht durch ergänzte Namen ausgeglichen.

1.45 Diese werden als menschlicher Überlieferungsstrom bezeichnet. Ihre lotosgleichen Hände zeigen die Gesten des Segenspendens und der Furchtlosigkeit. Als Lehrer des Herabkommens der Vidyā sollen sie im Himmelslotos rituell vergegenwärtigt werden.

1.46–1.48 Dies sind die Lehrer der Vidyā im Śāmbhava-Weg. Vyomātītā, Vyomeśī, Vyomagā, Vyomacāriṇī und Vyomasthā werden als die fünf göttlichen Mütter des göttlichen Stromes genannt. Unmanā, Samanā, Vyāpikā, Śakti, Dhvani, Dhvanimātrā, Anāhatā, Bindu und ein weiterer, mit dem Wort Ākāśa verbundener Bindu bilden den neunfachen Strom der Vollendeten.

Zur Lesung: Die Segmentierung von dhvanimātrānāhatā und der Ausdruck binduścākāśaśabdāntaḥ in 1.48 sind unsicher. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Benennungen wieder, ohne einen fehlenden Namen zu erfinden.

1.49–1.50 Paramātman, Śāmbhava, Cinmudra, Vāgbhava, Līla, Sambhrama, Citprasanna und Viśva werden als menschlicher Überlieferungsstrom bezeichnet. Der Text nennt dafür die Zahl neun. Dies sind die Lehrer der Vidyā und des Ūrdhvāmnāya-Weges.

Zur Zählung: In der erhaltenen Aufzählung stehen acht Namen; die überlieferte Angabe „neun“ wird nicht stillschweigend geändert.

1.51 Wer Ṣoḍaśī verehrt, soll diese in der Folge von neun Reihen verehren. Hinter der Göttin soll nach Viśva die eigene Lehrerfolge verehrt werden.

Die Überlieferung bis zu Shankaracharya

1.52–1.54 Kapila, Atri, Vasiṣṭha, Sanaka, Sanandana, Bhṛgu, Sanatsujāta, Vāmadeva, Nārada, Gautama, Śunaka, Śakti, Mārkaṇḍeya, Kauśika, Parāśara, Śuka, Aṅgiras, Kaṇva, Jābāli, Bharadvāja und Vedavyāsa; danach Īśāna, Ramaṇa, Kapardī und Bhūdhara.

1.55–1.57 Subhaṭa, Jalaja, Bhūteśa, Parama, Vijaya, Bharata, Padmeśa, Subhaga, Viśuddha, Samara, Kaivalya, Gaṇeśvara, Supādya, Vibudha, Yoga, Vijñāna, Anaṅga, Vibhrama, Dāmodara, Cidābhāsa, Cinmaya, Kalādhara, Vīreśvara, Mandāra, Tridaśa, Sāgara und Mṛḍa.

1.58–1.60a Harṣa, Siṃha, Gauḍa, Vīra, Aghora, Dhruva, Divākara, Cakradhara, Pramatheśa, Caturbhuja, Ānandabhairava, Dhīra, Gauḍa, Pāvaka, Parāśarya, Satyanidhi, Rāmacandra, Govinda und Śaṅkarācārya: Die Zahl wird mit einundsiebzig angegeben.

1.60b–1.63 Śaṅkarācārya hatte vierzehn Schüler von festem Entschluss. Ihr Wesen war der Göttin zugewandt; sie waren standhaft und fähig, zurückzuhalten und Gnade zu gewähren. Śaṅkara, Padmapāda, Bodha, Gīrvāṇa und Ānandatīrtha werden als die fünf Mönche genannt. Sundara, Viṣṇuśarman, Lakṣmaṇa, Mallikārjuna, Trivikrama, Śrīdhara, Kapardī, Keśava und Dāmodara waren als Hausväter bekannt. [Die ausdrücklich ausgeschriebene Zahlenangabe am Ende von 1.63 ist in der Vorlage beschädigt.]

1.64 [Der Vers ist lückenhaft.] Er spricht von der Leitung von Maṭhas, Pīṭhas und Upapīṭhas, von abschließender Einweihung und von der Durchführung der letzten Riten unter der Bezeichnung Śaṅkara. Der Zusammenhang der beschädigten Satzteile lässt sich nicht zuverlässig wiederherstellen.

1.65–1.67 Bekannt ist die Schülernachfolge Śaṅkaras, dessen Wesen göttlich ist. Für Padmapāda werden sechs Schüler genannt: [Der Beginn der Namensreihe ist beschädigt.] Paripāvaka, Nirvāṇa, Gīrdhana, Cidānanda und Śivottama sind lesbar. In abgeschiedenen Einsiedeleien lebend, standhaft, schweigsam und frei von Neid, ziehen die jeweiligen Schülerfolgen durch die Welt. Bodha hat viele verschiedene Schüler im Land Kerala.

1.68–1.69 Gīrvāṇendras Schüler heißt Vidvadgīrvāṇa; dessen Schüler ist Vibudhendra, und Vibudhas Schüler heißt Sudhīndra. Dessen Schüler ist Mantragīrvāṇa; danach folgen verschiedene Menschen. Die Schüler des Ānandatīrtha sind Hausväter auf Erden.

1.70–1.71a Sie kennen die Überlieferung der zu verehrenden Pādukās und Pīṭhas. Sundarācāryas verschiedene Schüler sind Leiter von Pīṭhas, Mönche und Hausväter; alle gehören dem Sundara-Pīṭha an.

Der Verfasser und die Gabe der Göttin

1.71b–1.73 Śrī Viṣṇuśarmans Schüler ist der gelehrte Pragalbhācārya. Ich bin dessen Schüler. Als dieses von mir verfasste Werk vollendet war, erschien die Welterhalterin Mahāmāyā vor mir. Sie sprach: „Mein Kind, wähle die Gabe, die du dir wünschst.“ Darauf antwortete ich: „Mutter, in diesem hervorragenden Werk, das ich geschaffen habe …“

1.74–1.75 „… mögen jene Übenden, die seine Lehrerfolge und Mantras betrachten, mich als Guru vergegenwärtigen und auch ohne Einweihung voller Hingabe rezitieren, eine überaus große Vollendung erlangen. Das wünsche ich mir.“ Sehr erfreut sprach die Gottheit: „So möge es geschehen.“

1.76 Nachdem sie diese Gabe freudig gewährt hatte, verschwand sie. Deshalb wird die Göttin gewiss schon durch die Kenntnis der Lehrerfolge erfreut.

Zum Verständnis: Dies ist die Gnadenerzählung des Werkes selbst. Sie beschreibt eine besondere Beziehung zwischen der Göttin, dem Verfasser und den Lesern. Sie ist nicht ohne Weiteres eine allgemeine Aussage, dass jede tantrische Einweihung entbehrlich sei.

Lakshmana, der König und die Entstehung des Werkes

1.77–1.78 Lakṣmaṇadeśika war ein Schüler des Weltenlehrers Śaṅkara. Durch Askese, Wissen und Glanz wurde er in der Welt bekannt. Er hatte den vierten Bewusstseinszustand erreicht, war frei von Verlangen und wanderte über die Erde. Dabei gelangte er in die Hauptstadt Prauḍhadevas.

1.79–1.80 Prauḍha schenkte ihm eine Wohnung, Schmuck, Nahrung und Diener. Eines Tages, als Lakṣmaṇa in der Versammlung des Königs saß, brachten Kaufleute verschiedene Gegenstände und Stoffe aus einem anderen Land als Geschenke für den König mit. [Die Verbform für „brachten/darbrachten“ ist in der Vorlage als unsicher markiert.]

1.81–1.82 Der König schenkte Lakṣmaṇa viele dieser Stoffe. Der vortreffliche Lehrer nahm sie in sein Haus mit, errichtete im Opferbecken sorgfältig das Feuer nach der vorgeschriebenen Weise und opferte die Stoffe. Sein Wesen war der Göttin hingegeben; aus Hingabe handelte er.

1.83–1.85 Als Prauḍhadeva davon hörte, dachte er darüber anders und sagte: „Ich werde die Stoffe wieder schenken; zuvor will ich ihren Wert sorgfältig feststellen.“ Mit diesen Worten wurde ein Bote zu Lakṣmaṇa gesandt, um die Stoffe zu holen. Da geriet dieser in Zorn und verfluchte den König: „Prauḍha, der sich den Besitz eines Brahmanen aneignet, soll ohne Nachkommenschaft sein!“ Dann bat er die Göttin um die Stoffe und gab sie zurück. [Die Formulierung des Bittens an die Göttin ist im Sanskrit beschädigt.]

1.86–1.87 Danach verließ er die Stadt und ging nach Süden. Prauḍha war nun tief beunruhigt. Er suchte den Aufenthaltsort Lakṣmaṇas auf und bat ihn: „Herr, sei mir gnädig!“ Der Brahmane wurde freundlich gestimmt und sprach diese gewichtigen Worte.

1.88–1.89 „König, wisse: Mein Wort bleibt in der Welt nicht ohne Wirkung. Dennoch bin ich durch deine Hingabe erfreut und sage dir: Du wirst ein Kind haben; doch das Glück daran wirst du nicht erleben.“ Als der König dies hörte, kehrte er erfreut in seine Stadt zurück.

1.90 Nach einiger Zeit starb König Prauḍhadeva, während seine Gemahlin schwanger war.

1.91–1.95 Darauf wurde mir auf Bitten der Untertanen die Last der Regierung übertragen. [Die Verbform ist in der Vorlage unsicher.] Mit einem gewaltigen Vermögen – der Text nennt „tausend Sonnen-Koṭis“ – errichtete ich die überaus wunderbare Stadt Śrīvidyānagara, die im Glanz des Śrīcakra erstrahlte. Als Prauḍhadevas Sohn das zur Herrschaft geeignete Alter erreicht hatte, setzte ich diesen König Ambadeva auf den Thron. Auf seinen Auftrag hin baten mich in seiner Versammlung Gelehrte, die nach lauterer Erkenntnis strebten. Nachdem ich sorgfältig die Zustimmung der Mutter erlangt hatte, untersuchte ich verschiedene Tantras und die Yāmalas umfassend, durchdachte beide Lehrwege und verfasste freudig das Werk Vidyārṇava zum Wohl der Menschen.

Zur Lesung und Einordnung: Die verschlüsselte Größenangabe in 1.91 wird nicht in eine moderne Geldsumme umgerechnet. Die Einzelheiten dieser Entstehungserzählung sind Aussagen des Werkes; eine unabhängige historische Bestätigung wird hier nicht behauptet.

1.96–1.97 Die Schüler Mallikārjunas leben im Vindhya-Gebiet, die Schüler Trivikramas im Gebiet von Śrī Jagannātha. Śrīdharas Schüler leben in Gauḍa, Mithilā und Baṅgāla; Kapardins Schüler sind in den Gegenden von Kāśī und Ayodhyā bekannt.

1.98–1.100 „Außerhalb von Śrī Śaṅkara gibt es in der Welt keine andere Überlieferung“, erklärt der Text. Im Kādī-Śakti-Lehrweg sind vier Werke berühmt: das schwer zugängliche Tantrarāja, das Mātṛkārṇava, das Tripurārṇava und das Yoginīhṛdaya. Auch im Kālī-Śakti-Lehrweg sind andere Werke auf Erden bekannt. Durch die gründliche Erkenntnis beider Lehrwege wird der Mensch selbst zu Shiva.

Einordnung: Der Anspruch, es gebe keine andere Überlieferung außerhalb Śaṅkaras, ist eine traditionsbezogene Selbstaussage. Er ist keine neutrale Beschreibung sämtlicher indischer Überlieferungen.

1.101–1.103a Wer Vollendung wünscht, soll dies deshalb sorgfältig verstehen und bewahren. Der Ūrdhvāmnāya gründet auf der Anerkennung beider Lehrwege. Der vortreffliche Übende soll jeweils das verwirklichen, was der Guru ihm im Einklang mit einem bestimmten Lehrweg gezeigt hat. Er soll die Lehrwege nicht vermischen; andernfalls wird die Vollendung behindert.

Kamaraja- und Lopamudra-Überlieferungen

1.103b–1.107a Wer im Kālī-Lehrweg die Kāmarāja-Vidyā verehrt, soll deren besondere Lehrerfolge kennen: Prahlādānandanātha, Sanakānanda, Vasiṣṭhānandanātha, Kumārānanda, Krodhānanda, Śukānanda, Dhyānānanda, Bodhānanda und Surānanda. Diese neun heißen Kula-Gurus. Alle haben zwei Augen und zwei Arme; ihre lotosgleichen Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Die Mantrakundigen sollen sie zur zuvor genannten Zeit und am zuvor genannten Ort meditieren.

1.107b–1.109 Cidrūpa, Cinmaya und Cicchakti heißen die göttlichen Lehrer; Prabodha, Subodha und Ananta die vollendeten; Sudhāman, Trimūrti und Jhiṇṭīśa die menschlichen. Ihre Namen enden auf Ānandanātha. Vorangestellt werden Dhruva und die drei Tārās; es folgt „Ich verehre die Pādukā“. Der Text nennt diese Mantras siebzehnsilbig.

1.110a Die Śaiva-Form ist die Siebzehnte und ewig; die Mantras haben siebzehn Silben. [Der knappe Zusammenhang dieser Aussage bleibt in der Vorlage unklar.]

1.110b–1.114 Zuerst Paraprakāśa, dann Paraśiva, Paraśakti, Kauleśa, Śukradevī, Kuleśvara und als Siebte Kāmeśvarī: Diese sieben bilden den göttlichen Strom. Bhoga, Klinna, Samaya und Sahaja sind die vier Vollendeten. Gagana, Viśva, Vimala, Madana, Bhuvana, Nīla, Svātman und Priya sind die acht menschlichen Lehrer, deren Gestalt das All umfasst. Man soll sie hinter der Göttin in neun Reihen verehren. Danach soll der Verständige die geliebte Lehrerfolge verehren.

1.115–1.119 Von Kapila bis Vyāsa werden einundzwanzig genannt. Danach folgen Karuṇa, Varuṇa, Vijaya, Samara, Guṇa, Bala, Viśvambhara, Satya, Priya, Śrīdhara, Śārada, Sakaleśa, Vilāsa, Nityeśa, Viśva, Puruṣa, Govinda, Vibudha, Siṃha, Vīra, Soma, Divākara, Acala, Vāgbhavā, Nāda, Mohana, Sulabha, Śiva, Mṛtyuñjaya, Vāsudeva, Śaraṇa, Sanandana, Ākāśa, Gopriya, Harṣa, Bharga, Kāma, Mahīdhara, Īśāna, Gaṇapa, Śrīman, Kapāla, Bhairava und Diva; außerdem die sieben von Gauḍa bis Śaṅkara.

1.120–1.121 Einundsiebzig Lehrer werden gezählt, deren Wesen Shiva ist. Wenn der Übende die Folge ihrer Schüler kennt und sich nach der Unterweisung seines eigenen Gurus bei Verehrung, Wasserspende, Feueropfer, Japa und besonders beim Nyāsa an sie erinnert, erlangt er zweifellos Vollendung.

1.122–1.125a Wer Vollendung wünscht und die entsprechende Vidyā verehrt, soll nach dem Kālī-Lehrweg auch die Lehrerfolge Lopās kennen. Śrīvidyānandanātha, Paraśambhu und Paramātman bilden den göttlichen Strom. Svaprakāśa, Bhagīratha und Virūpākṣa bilden den Strom der Vollendeten. Jñānānanda, Acalānandanātha und Yogānanda sind die menschlichen Lehrer. Diese Kula-Gurus soll man am zuvor genannten Ort vergegenwärtigen.

1.125b–1.128 Kumuda, Kamala und Subhoja heißen die göttlichen Lehrer; Ātreya, Bhārgava und Gautama die vollendeten; Śaunaka, Vasuda und Suratha die menschlichen. Die Namen enden auf Ānandanātha und beginnen mit den drei Tārās. Nach „Ich verehre die Pādukā“ soll das Wort „namaḥ“ hinzugefügt werden. Alle diese Mantras werden als neunzehnsilbig und ihrem Wesen nach vaiṣṇavisch bezeichnet. Die Lehrer des Herabkommens der Vidyā haben zweifellos die Gestalt Shivas.

1.129–1.132 Als Erster wird Paramaśiva genannt, danach Kāmeśvarī, Divyaugha, Mahaugha, Sarva, Prajñā und Prakāśaka. Diese sieben bilden den göttlichen Strom. Divya, Citra, Kaivalya, Anudevī und Mahodaya sind die fünf Vollendeten. Cidānanda, Viśvaśaktyānandanātha, Ramānanda, Kamalānandanātha, Manohara, Svātmānanda und Pratibha sind die sieben menschlichen Lehrer.

1.133–1.134 Diese Einweihungslehrer soll man in neun Reihen verehren. Nach Pratibha folgen Kapila, Agastya, Anasūyā, Atri und Lopāmudrā; von Vasiṣṭha bis Vyāsa wird die Zahl neunzehn genannt.

1.135–1.138 Āditya, Mahādeva, Vāgānanda, Vāmadeva, Ratīdeva, Ananta, Yoga, Dharādhava, Suhasta, Satyasaṅgha, Brahmānanda, Bhairava, Dattānanda, Kuntīśa, Cidghana, Soma, Gaura, Tripureśa, Mahābāhu, Akrodhana, Śivāmbikā, Vidyānanda, Guṇānanda, Gaurīśa, Vibudha, Hara, Bhūteśa, Somanātha, Sarvajña, Sarasa und Hari; außerdem die sieben von Gauḍa bis Śaṅkara.

1.139 Die vortrefflichen Lehrer geben die Zahl der Gurus mit vierundsechzig an. Durch die Erinnerung an diese wird die Göttin gewiss sehr erfreut.

1.140 Nachdem die Verehrer die Lehrerfolge der Vidyās kennengelernt haben, die von Manu und anderen verehrt wurden, sollen sie die jeweilige Mahāvidyā rezitieren.

Weitere Reihen im Kālī- und Kādī-Lehrweg

1.141–1.142 Mahādeva, Parāmbā und Kūrmeśa gehören zur göttlichen Reihe; Sadyojāta, Kumāra und Bhūteśa zur Reihe der Vollendeten. Priyānanda, Līna und Aghora sind hier die menschlichen Lehrer. Diese auf dem Kula-Weg Gehenden soll man zur zuvor angegebenen Zeit und am zuvor angegebenen Ort erinnern.

1.143–1.144 Pūrṇeśa, Śaṅkara und Pragalbha heißen die göttlichen Lehrer; Bhautika, Tridaśa und Parama die vollendeten; Vidyeśa, Vāsava und Yatīśa die menschlichen. Diese Lehrer des Herabkommens der Vidyā soll man im Himmelslotos erinnern.

1.145–1.148 Zuerst Paraprakāśa, dann Paravimarśaka, Kāmeśvarī, Mokṣa, Amṛta, Puruṣa und Aghora: Diese sieben bilden den göttlichen Strom und haben die Gestalt Shivas. Danach werden Prakāma und Sadānanda im hervorragenden Strom der Vollendeten genannt; der Text gibt die Zahl der Vollendeten mit vier an. Dann folgen Uttara, Parama, Sarvajña, Sarvasiddha, Govinda und Śaṅkara. Der menschliche Strom wird mit sieben Lehrern angegeben. Dies ist die Lehrerfolge bei der Einweihung; man soll sie hinter der Göttin in neun Reihen verehren.

Zur Zählung: In 1.146–1.148 stimmt die Zahl der lesbaren Namen nicht eindeutig mit den genannten Gruppenzahlen überein. Unbelegte Namen werden nicht ergänzt; auch die Zuordnung von Uttara und Parama ist deshalb prüfbedürftig.

1.149–1.151 Nach Śaṅkara soll man voller Hingabe den Kreis der eigenen Lehrerfolge verehren: einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Pareśa, Vidyeśa, Tripura, Vijaya, Hara, Kāmeśa, Tripurānta, Puruṣa, Parama, Hari, Gālava, Mudgara, Śauri, Paramātman, Dhaneśvara, Dhanañjaya, Bhāskara, Bhallāṭa und Vibhāvasu.

1.152–1.154 Jīvanātha, Gorakṣa, Matsyanātha, Sadāśiva, Gurubhakta, Jitakrodha, Bodhānanda, Sureśvara, Bhairava, Saccidānanda, Kṛtīśa, Karuṇākara, Śrīkara, Vedamūrti, Sarveśa, Durlabha, Vaśin, Nāgadeva, Kṣamānātha, Bhāveśa, Keśava, Nandīśa, Gaṇapa, Vīra, Durjñeya, Mihira und Priya.

1.155–1.157 Dazu kommen die zuvor genannten sieben von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese vierundsiebzig Lehrer schenken den Verehrern zweifellos durch Erinnerung und Verehrung Vollendung. Nun zu den drei Arten der Vidyā im Kādī-Lehrweg: Der Verständige soll die drei Lehrerreihen im Zusammenhang mit Kula, dem Herabkommen der Vidyā und der Einweihung kennen und sie zur Vollendung der Vidyā verehren. [Die Verbindung vidyāvatārārṇa in 1.157 ist nicht eindeutig.]

1.158–1.160 Sarvajña, Īśāna und Bhūteśa heißen die göttlichen Lehrer; Divya, Sarva und Bhavya die vollendeten, jeweils mit vorangestelltem Śrī. Praśasta, Prakāma und Sudhāman sind die menschlichen Lehrer. Sie haben vier Arme und drei Augen, tragen rote Girlanden und Gewänder. Ihre lotosgleichen Hände halten Gebetskette und Buch und zeigen Furchtlosigkeit und Segen. Dies sind die Kula-Gurus, die dort in dieser Weise erinnert werden sollen.

1.161–1.162 Prakāśa, Vimarśa und Ānanda gehören zum göttlichen Strom; Jñāna, Satya und Pūrṇa zu den Vollendeten, jeweils mit vorangestelltem Śrī. Svabhāva, Pratibha und Subhaga gelten als die menschlichen Lehrer. Diese Lehrer des Herabkommens der Vidyā soll man zur Vollendung meditieren und verehren.

1.163–1.165 Uddyota, Prabhāva und Kuleśa sind die göttlichen Lehrer; Bhairava, Gaṇapa und Kumāra die vollendeten; Udbhaṭa, Vāgbhaṭa und Kamana die menschlichen. Alle werden von je drei Silben durchdrungen [die genaue Zuordnung bleibt hier offen]; vorangestellt werden die Māyā- und Śrī-Keimsilben. Die Namen enden auf Ānandanātha. Bei der Verehrung wird „Ich verehre die Pādukā“ gesprochen, bei der Wasserspende „Ich erquicke die Pādukā“.

1.166–1.167 Bei der Besprengung wird entsprechend „Ich besprenge“ verwendet. Beim zur Verehrung gehörenden Feueropfer heißt es „Ich verehre“, gefolgt von „der Schönen des Feuers“; bei der Wasserspende „Ich erquicke“, gefolgt von „der Geliebten des Feuers“, bei der Besprengung „Ich besprenge“, gefolgt von „der Liebsten des Feuers“. So ist die Reihenfolge.

Erläuterung: „Die Schöne/Geliebte des Feuers“ sind verschlüsselte Bezeichnungen der Opferformel. Die Übersetzung erhält diese Benennungsweise; sie stellt daraus keine zusätzlich erschlossene Rezitationsformel her.

1.168–1.170 Diese Einweihungslehrer soll man in neun Reihen verehren. Nach Kamana folgen die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Avyaya, Viśeṣa, Saṃgraha, Devala, Prakāṇḍa, Gahana, Durlabha, Durjaya, Viśveśa, Udaya, Tvarita, Sundara, Bharata, Dhiṣaṇa, Śrīkaṇṭha und Śaṅkara.

1.171–1.173 Anala, Vāsava, Sunetra, Subhaga, Vīreśa, Viraha, Klinneśa, Vijaya, Karṣaka, Pragalbha, Vinaya, Varada, Śāntana, Citraka, Adbhuta, Nipuṇa, Vipula, Vimala, Someśa, Kuśala, Sumantra, Sutantra, Vidyeśa und Vinata.

1.174–1.176 Vibhava, Vardhana, Anindya, Supriya, Sāraṅga, Vāruṇa, Satyecchu, Arihan, Vāgyata, Kāmana, Vāṅmaya, Sukṛta, Viśākha, Maṃjula, Kāmeśa und Vāgbhava; dazu die sieben von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese Lehrer werden als vierundachtzig gezählt.

1.177 Durch die Erinnerung an diese kann ein Sterblicher augenblicklich Shiva gleich werden. Diese gelten überall im Kādī-Śakti-Lehrweg als die Lehrer.

1.178–1.181 Im Kālī-Lehrweg unterscheiden sich die Lehrer entsprechend den verschiedenen Mantras vielfach. Auf den östlichen, südlichen, westlichen und mittleren Thronen befinden sich die zweiunddreißig Formen von Bālā bis Bhairavī; ferner die sechzehn Nityās, die sechs Darśanas, die fünf Fünfergruppen, die Vidyās der vier Samayas, die Kräfte der neun Umhüllungen und die bei der vollständigen Mantrarezitation genannten Vidyās, die Kräfte des Śrīcakra. Nachdem man die Lehrerfolge kennengelernt hat, soll man sie sorgfältig verehren. Die neun Kula-Gurus beginnen mit Prahlādānandanātha.

1.182–1.183 Samaya, Kakkuṭa und Pradhāna heißen die göttlichen Lehrer; Budheśa, Kuthara und Bhārgava die vollendeten; Kandala, Tapana und Adīna die menschlichen. Dies sind die neun Lehrer des Herabkommens der Vidyā.

1.184–1.187 Paraprakāśa, Parameśāna, Paraśiva, Kāmeśvarī, Mokṣa, Kāma und Amṛta sind die sieben göttlichen Lehrer. Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Vāmadeva und Sadyojāta sind die fünf Vollendeten. Uttara, Parama, Sarvajña, Sarva, Siddha, Govinda und Śaṅkara sind die sieben menschlichen Lehrer. Diese Einweihungslehrer sind besonders zu verehren.

1.188–1.190 Die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Gaṇeśa, Kumāra, Vikrama, Vijaya, Rantideva, Sudeva, Bhoja, Rāma, Guṇa, Bhairava, Bhramaṇa, Ramaṇa, Vimala, Vainateya, Vāsava, Anala, Saṅgharṣaṇa, Vīrabhadra, Viśāla, Vidyādhara und Viśārada.

1.191–1.194 Vaiśvānara, Yajñeśa, Mahīdhara, Kulāntaka, Ananta, Varada, Kāma, Jālandhara, Śaiva, Sadāśiva, Bhadra, Rudra, Kandarpa, Suvrata, Satyavrata, Satyanidhi, Bodha, Maudgalya und Īśāna; außerdem die sieben von Gauḍapāda bis Śaṅkara. Diese achtundsechzig sind bei der Verehrung im Anschluss an den menschlichen Strom zu berücksichtigen. Nachdem man die Lehrerfolge kennt, soll man mit Hingabe verehren. Dies ist die Lehrerfolge der Göttinnen des östlichen und der entsprechenden weiteren Überlieferungswege.

Die südliche Überlieferung

1.195–1.197 Ebenso sollen diejenigen, welche die Gottheiten des südlichen Überlieferungsweges verehren, zur jeweiligen Vollendung die Lehrerfolge des jeweiligen Mantras kennen. Tāraka, Rucaka und Bhadraka gehören zum göttlichen Strom; Amara, Satyaga und Bhāsvara zu den Vollendeten; Amṛta und Bodhapūrṇa werden als menschliche Kula-Lehrer genannt. Man soll sie zur entsprechenden Zeit, am entsprechenden Ort und in dem jeweiligen Glanz betrachten.

Zur Zählung: Die menschliche Gruppe in 1.197 enthält nur zwei ausdrücklich genannte Namen. Ein dritter wird nicht ergänzt.

1.198–1.199 Pradīpa, Prabhāsa und Pragalbha heißen die göttlichen Lehrer; Prabhāva, Vinaya und Kumuda die vollendeten; Cidābhāsa, Cidrūpa und Prakāma die menschlichen. Dies sind die auf Erden schwer zu findenden Lehrer des Herabkommens der Vidyā.

1.200–1.203 Prabhāva, Ādinātha, Vimala, Samaya und Śiva sind die fünf göttlichen Lehrer. Nirvāṇa, Gaṇapa, Hara, Paraśambhu und Cidaṃśa sind die fünf Vollendeten. Kurunātha, Viśuddhi, Kuśala, Kuntaśekhara, Suḍimbha, Sundara und Keśa sind die sieben menschlichen Lehrer. Diese Folge der Einweihungslehrer soll hinter der Göttin besonders sorgfältig in neun Reihen verehrt werden, um die eigene Vollendung zu erlangen. Vāk, Māyā, Kamalā und die Bezeichnung Siddhaguru stehen bei diesen am Anfang.

1.204–1.206 Die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Vīrabhadra, Mahāsena, Girīśa, Guṇavardhana, Vāṅmaya, Varada, Vīra, Subhavya, Nandin, Nāyaka, Vijaya, Viśva, Vinata, Vīreśa, Girinandana, Pramada, Vyaya, Yoga, Nityānanda, Guṇātiga, Guṇānanda, Guṇārāma, Niroha, Nirmala und Vibhu.

1.207–1.209 Subhaga, Nirvikalpa, Mahākāra, Acala, Aruṇa, Tūṇīśa, Tvarita, Dharma, Nirākāra, Nirindriya, Haṃseśvara, Ruci, Grīva, Droṇa, Viśvambhara, Bala, Sudakṣiṇa, Virūpākṣa, Gurubhakta und Gurupriya; dazu die sieben von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese werden als dreiundsiebzig gezählt und gehören bei der Verehrung zum menschlichen Strom.

1.210 Durch ihre Verehrung werden die Göttinnen der südlichen Überlieferung erfreut. Deshalb sollen die vortrefflichen Gurus zur Vollendung der Vidyā verehrt werden.

Die westliche Überlieferung

1.211 Nachdem man die Lehrerfolge der Göttinnen der westlichen Überlieferung vom Guru oder aus den Schriften kennengelernt hat, soll man ihre Verehrung zur Vollendung ausführen.

1.212–1.213a Bhairava, Bhairavī, Mahādeva, Gaṇeśvara, Virūpākṣa, Mahāsena, Vīrabhadra, Dhanādhipa und Bodha: Die Namen enden auf Ānandanātha; dies sind die Kula-Gurus.

1.213b–1.215a Aghora, Ghora und Ghoraghoratara bilden den göttlichen Strom. Śarva, Sarva und Rudra gehören zu den Vollendeten. Hāṃkāra, Hīṃkāra und Hūṃkāra sind die menschlichen Lehrer. Diese Lehrer des Herabkommens der Vidyā gewähren Vollendung.

1.215b–1.218 Īśa, Tatpuruṣa, Aghora, Vāmadeva und Sadyojāta sind die fünf göttlichen Lehrer. Samārasa, Bhūteśa, Lalita, Svastha und Kauleśa heißen die Vollendeten. Ālasya, Prabhānanda, Rāgiṇī, Vaktrarāgiṇī, Atīta, Kubja und Kulakauleśvara sind die sieben menschlichen Einweihungslehrer. Man soll sie hinter der Göttin in neun Reihen verehren.

1.219–1.221 Nach Kulakauleśvara soll man die eigene Lehrerfolge verehren: die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Ananta, Śaṅkara, Piṅgala, Karālaka, Siddha, Ratna, Śiva, Mehī, Samaya, Khageśvara, Bhadra, Kūrma, Ghora, Gopa, Mīna, Kaulika, Tīvra, Ḍāmara, Rāma, Kāma und Śākinī.

1.222–1.224 Mahāmāya, Mahānanda, Ādhāreśa, Cakraka, Kurura, Samaya, Śrīśa, Kubjikā, Kuladīpikā, Śiveśa, Śarvarī, Dharmin, Kāmin, Kāmakalā und Śiva; dazu die sieben von Gīḍa bis Śaṅkara [die Vorlage liest hier gīḍādi, wohl eine unsichere Form des sonst genannten Gauḍa]. Vierundsechzig vollendungsspendende Lehrer werden gezählt. Danach soll man die eigene Lehrerfolge kennenlernen und mit Hingabe verehren.

Die nördliche Überlieferung

1.225–1.227 Man soll die Göttinnen der nördlichen Überlieferung ehrfürchtig verehren und dazu besonders sorgfältig ihre Lehrer kennen. Als Kula-Gurus gelten die zuvor genannten, beginnend mit Prahlādānandanātha. Uḍḍīśa, Kuleśa und Pūrṇeśa sind die göttlichen Lehrer; Kāmeśvara, Śrīkaṇṭha und Śaṅkara die vollendeten; Ananta, Piṅgala und Nāda die menschlichen.

1.228–1.230 Diese Lehrer des Herabkommens der Vidyā gewähren, wenn sie verehrt werden, Vollendung. Mahādeva, Mahādeva, Tripura und Bhairava werden als göttlicher Strom genannt. Danach Brahmānanda, Pūrṇadeva, Advitīya, Calacitta, Calācala, Kumāra, Krodhana, Varada, Smaradīpana, Māyā und Māyāvatī: Diese werden als Strom der Vollendeten bezeichnet.

Zur Lesung: Die doppelte Nennung Mahādevas in 1.228 steht so in der Vorlage und bleibt erhalten.

1.231–1.233 Vimala, Kuśala, Bhīmasena, Sudhākara, Mīna, Gorakṣaka, Bhojadeva, Prajāpati, Mūladeva, Ratīdeva, Vighneśvara, Hutāśana, Samayānanda und Santoṣa bilden den menschlichen Strom. Man soll sie hinter der Göttin in neun Reihen verehren. Nach Santoṣānanda soll die Lehrerfolge verehrt werden. [Der letzte Name erscheint in 1.232 als Santoṣa, hier erweitert als Santoṣānanda.]

1.234–1.236 Die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Śambara, Hṛdaya, Bhoga, Nābhasa, Kaulika, Dhara, Abhaya, Śambara, Bhadra, Mahāghora, Manomaya, Bhairava, Śavara, Kāla, Mata, Brahmā, Mahākula, Vāhana, Khecara, Vyoma, Śvasana, Jvalana, Aja, Īśa, Tāta, Kulātīta, Vāyu, Saṃhāra und Kauṭila.

1.237–1.239 Virodha, Parama, Goptṛ, Ṣaṭcakra, Parama, Para, Mukta, Jñāna, Kula, Satya, Vargāja, Mantravigraha, Svacchanda, Bhairava, Bhīma, Varṇāḍhya, Śabda und Śabdaja; dazu die sieben von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese sechsundsiebzig Lehrer gewähren Vollendung. Durch die Erinnerung an sie wird der Sterbliche zweifellos Shiva gleich.

Die eigene Lehrerfolge kennen

1.240–1.242a Man soll die mit Śaṅkara beginnende Lehrerfolge kennenlernen und mit Hingabe verehren, sowohl bei der Verehrung der fünf Gottheiten als auch bei der gesonderten Verehrung einer Gottheit. Zu den Mantras Gaṇeśas und der anderen Gottheiten soll man jeweils die zugehörige Lehrerfolge kennen. Wer die geistige Familie der Gurus nicht kennt, hat seinen Weg verloren. Ist der Weg verloren, bringen Mantra und Vidyā nicht die entsprechende Frucht.

1.242b–1.244 Wo unter den Gurus und ihren Schülern keine ununterbrochene Folge besteht, bleiben Mantras und Vidyās zweifellos ohne Frucht. Kennt ein Schüler nicht wenigstens zwanzig, neun, sieben oder drei Personen seiner Lehrerlinie, so gilt seine Verbindung zur Überlieferung als verloren. Die überaus segensreiche Lehrerlinie soll höher geschätzt werden als die eigene Abstammung.

1.245–1.246 Der Mantrageber soll höher geschätzt werden als der leibliche Vater; er ist Maheśvara. Deshalb soll die Lehrerfolge überall gekannt und verehrt werden. Zuerst soll der Mantrageber als höchster Guru erkannt werden; der Parāpara-Guru ist Śakti und der Parameṣṭhi-Guru ist Shiva.

1.247–1.250 In allen Mantras und Vidyās ist sie selbst in der Gestalt der Urnatur gegenwärtig; danach folgt die Gestalt des Puruṣa und dann die Lehrerfolge. So sind die Lehrer aller Mantras Anteile Shivas, besonders Shiva-Hingegebene, allwissend und Vollendung schenkend. Sie sind die Lehrer der Shiva zugehörigen Vidyās. Für die Gaṇeśa-Verehrer gilt Gaṇeśa als Herr der Einweihung; für die Viṣṇu-Verehrer ist es Viṣṇu selbst, für die Sonnenverehrer Sūrya.

1.251a Überall sollen die Lehrer den göttlichen Strom, den Strom der Vollendeten und den menschlichen Strom kennen.

Lehrerfolgen der Ganesha-Verehrung

1.251b–1.254a Gaṇeśvara, Gaṇakrīḍa, Vikaṭa, Vighnanāyaka, Durmukha, Sumukha, Buddha, Vighnarāja und Gaṇādhipa sind die Kula-Gurus; man soll sie in dem entsprechenden Glanz betrachten. Surānanda, Pramoda, Heramba, Mahotkaṭa, Śaṅkara, Lambakarṇa, Meghanāda, Mahābala und Gaṇaṃjaya sind die neun Lehrer, welche diese Vidyās herabbringen.

1.254b–1.257 Vināyaka, Virūpākṣa, Buddha, Śūra und Varaprada sind die fünf göttlichen Lehrer. Vijaya, Durjaya, Jaya, Kavīśvara, Brahmaṇya und Nidhīśa heißen die Vollendeten. Gajādhirāja, Duḥkhāri, Sadyojāta, Mukhāvaha, Paramātman, Sarvabhūtātman, Mahānāda, Śubhānana und Bālacandra bilden den neunfachen menschlichen Strom. Dies sind die Einweihungslehrer; wenn sie verehrt werden, schenken sie Vollendung.

1.258–1.260 Nach Bālacandra soll die Lehrerfolge verehrt werden: die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa; danach Gaṇaka, Subhaga, Nitya, Nityālamba, Śāśvata, Pūrṇānanda, Parānanda, Subhakta, Padmalocana, Kāmapāla, Budha, Śreṣṭha, Gajavaktra, Gaṇapriya, Bhūteśa, Bālalīla, Kumāra, Bodhana und Hara.

1.261–1.263 Satyalīla, Sulīla, Vikaṭa, Dhūmravarṇaka, Nandipriya, Nandihāsa, Devīputra, Dhaneśvara, Viśvambhara, Viśālākṣa, Vighnahartṛ, Vināyaka, Kūṣmāṇḍeśa, Kapardī, Śiva, Kāla und Mahīdhara; dazu die zuvor genannten sieben von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese dreiundsechzig Lehrer schenken Vollendung.

1.264 Wenn sie täglich verehrt und erinnert werden, gewähren sie alle gewünschten Früchte. Ihre Formeln beginnen mit den Keimsilben von Śrī, Māyā und Smara und enden mit „siddhācārya“ und „namaḥ“.

Lehrerfolgen der Vishnu-Verehrung

1.265–1.266 Ebenso sollen zur Vollendung der vaiṣṇavischen Mantras die Lehrer gekannt werden: Prahlāda, Vasiṣṭha, Puṇḍarīka, Parāśara, Śuka, Śaunaka, Nārada, Dālbhya und Vyāsa. Diese neun werden als Kula-Gurus genannt.

1.267–1.268 Sarasvatī, Vināyaka, Śuka, Sumantu, Jaimini, Vaiśampāyana, Nārada, Puṇḍarīka und Sucela sind die neun Lehrer des Herabkommens der Vidyā. Sie sollen zur Vollendung meditiert und verehrt werden.

1.269–1.270 Mahādeva, Mahādevī, Parameṣṭhin, Samīraṇa, Varuṇa, Vāmadeva, Kaśyapa, Aṅgiras und Ṛtu sind die Einweihungslehrer. Man soll sie in neun Reihen verehren. Danach kommen die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa.

1.271–1.272 Nṛsiṃha, Vāmana, Satya, Bala, Bāla, Dhanurdhara, Śaṅkhin, Cakrin, Halin, Khaḍgin, Musalin, Ramaṇa, Ajita, Puruṣa, Bhūdhara, Viśva, Govinda, Govivardhana, Gopīśvara, Jitakrodha, Mīna und Mīnaketana.

1.273–1.275 Manohara, Sātvata, Keśava, Acyuta, Vāmana, Narasiṃha, Avyaya, Viṣṇu, Nārāyaṇa, Mahīdhara, Cidaṃśa, Citprakāśa, Mādhava, Madhusūdana, Puruṣottama, Padmākṣa, Ghanaśyāma und Dharādhava; dazu die sieben zuvor genannten von Gauḍa bis Śaṅkara. Diese achtundsechzig Lehrer schenken Vollendung.

1.276–1.277a Durch die Erinnerung an sie gelangen die Mantras augenblicklich zur Vollendung. Ihre Formeln beginnen mit der Manmatha-Keimsilbe und enden mit „śrīpādebhyo namaḥ“, „Verehrung den ehrwürdigen Füßen“, oder mit „ācāryapādebhyo namaḥ“, „Verehrung den Füßen des Lehrers“.

Lehrerfolgen der Shiva-Verehrung

1.277b–1.280a Zur Vollendung der śaivischen Mantras und Vidyās soll man die jeweilige Lehrerfolge kennenlernen und sie verehren; andernfalls schenkt sie keine Frucht. Viśveśvara, Bhagavān, Mahādeva, Triyambaka, Tripurānta, Kālāgnirudra, Kāla, Sarveśvara, Nīlakaṇṭha, Dikpati und Sadāśiva sind die elf Kula-Gurus.

1.280b–1.282a Vīrabhadra, Gaṇādhyakṣa, Śūlāyudha, Śiva, Īśāna, Pramathādhīśa, Nandin, Bhṛṅgin, Pracaṇḍaka, Mahiṣa und Madanārāti bilden die elf Lehrer des Herabkommens der Vidyās. Sie schenken Vollendung.

1.282b–1.285 Aghora, Atha-Ghora [die Worttrennung ist unsicher], Ghoraghoratara, Sarva, Sarva, Rudra, Tatpuruṣa, Mahādeva, Virūpākṣa, Sadyojāta und Bhava bilden den elffachen göttlichen Strom. Bhavodbhava, Vināyaka, Caṇḍīśa, Vāmadeva, Śaṅkara, Viśvanāyaka, Jyeṣṭha, Śreṣṭha, Kāla, Bhūteśa und Pramatheśvara bilden den elffachen Strom der Vollendeten.

Zur Lesung: Die Vorlage hat zweimal sarvaḥ. Die Wiederholung wird beibehalten; eine mögliche Unterscheidung von Sarva und Śarva ist hier nicht stillschweigend eingesetzt.

1.286–1.288 Kalavikaraṇa, Balavikaraṇa, Balapramathana, Sarvabhūtadamana, Manonmana, Ugra, Bhīma, Paśupati, Nīlagrīva, Trilocana und Vīreśvara sind die elf menschlichen Lehrer. Die Lehrer sollen sie zur Vollendung der Vidyā sorgfältig verehren. Dies sind die Einweihungslehrer; nach Vīreśa folgt die weitere Lehrerfolge.

1.289–1.291 Die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa soll man kennen; danach Kāmeśa, Kālakaṇṭha, Kālaghna, Kālarūpadhṛk, Kāmāntaka, Viśālākṣa, Vīrabhadra, Vināyaka, Śūlāyudha, Girīśa, Kailāsa, Vāṅmaya, Hara, Budheśa, Amareśa, Caṇḍīśvara, Kumāraka, Maheśvara, Mahādeva, Viśvanātha und Prajāpati.

1.292–1.294 Ātmeśvara, Saṃvarta, Krameśa, Prakāśana, Lalita, Sparśa, Bhūteśa, Ānanda, Prabheśvara, Rāgeśa, Karāleśa, Siddheśa, Samayeśvara, Jñānānanda, Priyānanda, Kalānanda, Amṛteśvara, Guhyeśvara, Cidānanda, Kuleśa, Caṇḍa und Kaulika; dazu die sieben zuvor genannten von Gauḍa bis Śaṅkara.

1.295–1.296a Einundsiebzig Lehrer werden gezählt, die Vollendung gewähren. Ihre Formeln beginnen mit Prāsāda und enden mit „ārādhyacaraṇebhyo namaḥ“, „Verehrung den verehrungswürdigen Füßen“. Täglich verehrt und erinnert, verleihen sie Mantravollendung.

Lehrerfolgen der Sonnenverehrung

1.296b–1.298 Ebenso sollen die Sonnen-Gottheiten verehrt werden, nachdem man die Lehrerfolge kennengelernt hat. Mihira, Sugupta und Prabheśa heißen die göttlichen Lehrer; Aruṇa, Marīci und Mayūkha die vollendeten; Kātyāyana, Ghṛṇīśa und Mārtaṇḍa die menschlichen. Diese machtvollen Kula-Gurus sollen meditiert werden.

1.299–1.300a Vedātman, Bhāskara und Bradhna sind die göttlichen Lehrer; Bhāsvat, Prabhākara, Nārāyaṇa und Kapardī werden bei den Vollendeten genannt; Arka, Trayīmaya und Īśāna als menschliche Lehrer des Herabkommens der Vidyā.

Zur Gliederung: Die Zuordnung in 1.299 ist gedrängt; die überlieferte Liste ergibt hier vier Namen im Strom der Vollendeten. Sie wird nicht auf drei gekürzt.

1.300b–1.302 Ānanda, Samaya, Vimala, Jñānadīpana, Cidghana, Somanātha, Savitṛ, Poṣaṇa, Aruṇa, Maheśa, Vijaya, Bhūteśa und Devabhāga sind die dreizehn Einweihungslehrer. Die Verständigen sollen sie sorgfältig in neun Reihen verehren.

1.303–1.305 Nach Devabhāga folgen die einundzwanzig von Kapila bis Vyāsa. Danach Jaimini, Sumantu, Jñānavardhana, Cidānanda, Cidābhāsa, Cinmaya, der yogakundige Guru, Satyavrata, Cidrūpa, Bhairava, Ambaranāyaka, Viśveśvara, Mitrakara, Śubhaṃkara, Divākara, Gaṇeśvara, Mārtaṇḍabhairava, Dyumaṇi und Ravi.

1.306–1.308 Trivikrama, Vāsudeva, Śaṃkara, Ravilocana, Puṇḍarīka, Rameśa, Guṇārāma, Dhaneśvara, Devendra, Gopanātha, Puruṣa, Mahāśaya, Ācāryasiṃha, Govinda, Vedajña und Mitravindaka; dazu die von Gauḍa bis Śaṃkara. Die Zahl wird mit vierundsechzig angegeben. Durch die Erinnerung an diese gelangen die Sonnenmantras augenblicklich zur Vollendung.

1.309 Nachdem man die eigenen Gurus von Śaṃkara an kennengelernt hat, soll man sie voller Hingabe verehren. Alle diese Formeln beginnen mit Māyā und enden mit „pādukābhyo namaḥ“, „Verehrung den Pādukās“.

1.310 Die vollendungsspendenden Lehrer, die für die nördliche Überlieferung genannt wurden, gelten auch für die „untere“ Überlieferung, bis hin zu Bhairava.

Die Göttinnen der verschiedenen Überlieferungswege

1.311–1.313a Śrīvidyā mit ihren verschiedenen Formen, Bālā, Tripurā, Bhagamālā, Nityaklinnā, Svayaṃvarā, Madhumatī, Unmanī, Bheḍā, Śārikā, Surasundarī, Aśvārūḍhā, Mahāmāyā, Kurukullā, Sureśvarī, Bhuvaneśī und Annapūrṇā sind die herrschenden Gottheiten der östlichen Überlieferung.

1.313b–1.315 Bagalā, die Formen von Vaśinī, Tvaritā, Phaladā, Vārāhī mit ihren verschiedenen Formen, Bhoginī mit ihren verschiedenen Formen, Kāmeśvarī, Bheruṇḍā, Vajreśī, Vahnivāsinī, Śivadūtī, Vicitrā, Vijayā, Sarvamaṅgalā, Mahiṣārdī und Mahālakṣmī sind die Gottheiten der südlichen Überlieferung.

1.316–1.317 Die Göttin Mahāsarasvatī, Vāgvādinī, Nīlapatākā, Bhairavī mit ihren verschiedenen Formen, Cāmuṇḍā, Raktacāmuṇḍā, die zehn Gottheiten beginnend mit Brāhmī, Pratyaṅgirā und Bhavānī sind die Gottheiten der westlichen Überlieferung.

1.318–1.319 Kālikā mit ihren verschiedenen Formen, Tārā mit ihren verschiedenen Formen, Mātaṅgī, Bhairavī, Chinnā und Dhūmāvatī werden der nördlichen Überlieferung zugeordnet; sie gewähren ihre Frucht in kurzer Zeit. Die Vidyās beginnend mit Nāgaśakti gehören zur unteren Überlieferung.

1.320–1.321 Man soll ihre jeweiligen Unterscheidungen kennen und die entsprechende Lehrerfolge verehren. Im Kālī-Śakti-Lehrweg soll man zu den genannten Festzeiten ehrfürchtig das Maṇḍala der Lehrer auf dem Boden anlegen und die Lehrerfolge mit höchster Hingabe verehren, damit die Überlieferung zur vollen Entfaltung gelangt.

1.322–1.324a Ohne Überlieferungszusammenhang schenken die Gottheiten keine Frucht. Wenn jemand aus Verblendung oder Unwissenheit die Überlieferung nicht kennt und dennoch einen Mantra weitergibt, eine Gottheit verehrt, eine Wasserspende, ein Feueropfer oder die vorbereitende Mantraübung ausführt, so gerät dies nach Aussage des Textes gewiss zu Abhicāra.

Das Shri Yantra als Sinnbild geordneter Verehrung.

Das Gurumandala im Kālī-Lehrweg

Historischer Ritualtext: Die folgenden Verse beschreiben ein überlieferungsgebundenes Ritual. Verschlüsselte Mantrabezeichnungen werden als solche übersetzt. Fehlende Silben werden nicht zu einer vermeintlich vollständigen Formel ergänzt.

1.324b–1.326a Zuerst kommt der Kreis Gaṇapatis, außerhalb davon der Bhairava-Kreis. Außerhalb dieses liegt der Vaṭuka-Kreis, außerhalb davon der Siddha-Kreis. Darüber liegt der Caraṇa genannte Kreis, danach der Śāmbhava-Kreis und darüber der Mālinī-Kreis. So besteht das Ganze aus sieben Kreisen.

1.326b–1.328a Zuerst wird ein Dreieck gesetzt, außerhalb davon ein weiteres Dreieck und außerhalb davon nochmals ein Dreieck. Darum wird eine neuneckige Figur angeordnet, darum ein achtblättriger Lotos und darum drei Ringe. Außen werden drei Quadrate angeordnet; darin soll der Verständige verehren.

1.328b–1.331 Praṇava, Vāgbhava, Māyā, Kamalā, Khecarī und die Prāsāda-Parā-Keimsilbe werden erschlossen; danach Śiva und Śakti sowie Saṃvarta, Mahākāla, Śakra, Wasser, Feuer und Wind. Der letzte Laut wird mit Arghīśa und der Mondsichel verbunden. Darauf wird der Name des ehrwürdigen Gurus mit der Endung Ānandanātha gebildet. Nach „śrīpādukā“ spricht man „pūjayāmi namaḥ“. Mit diesem König der Mantras soll der ehrwürdige Guru in der Mitte verehrt werden.

Zur Lesung: Die Ausdrücke für Gottheiten, Elemente und Lautbestandteile dienen hier der verschlüsselten Mantrabildung. Besonders die Verbindung tatprāsādaparābījam in 1.329 ist nicht eindeutig; eine ausgeschriebene Gesamtformel wird deshalb nicht ergänzt.

1.332–1.333 In diesem Mantra soll der Lehrer Parā an den Anfang setzen und an der Stelle des Lehrernamens den Namen seiner Gemahlin einsetzen. Nach den Wörtern Devī, Ambā und Śrī folgt „pādukāṃ pūjayāmi“. Mit dieser auf „namaḥ“ endenden Vidyā soll die Gefährtin links vom Nātha verehrt werden.

1.334–1.337 In den drei Dreiecksspitzen, vor sich beginnend, soll die Dreiergruppe der Lehrer mit Śrīnātha am Anfang verehrt werden. Neben dem Herrn des Śrīcakra wird die Gottheit verehrt, die dem Kreis vorsteht: Gaṇanātha. Danach wird die zweite Umhüllung verehrt: zuerst Kāmarūpa, dann Jālandhara und als Drittes Pūrṇagiri, jeweils in den drei vor einem liegenden Dreiecksspitzen. In der Mitte liegt Uḍyāṇa mit den noch zu beschreibenden Besonderheiten. Dort soll der vortreffliche Übende Bhairava mit dem zugehörigen Mantra verehren; als Herr des zweiten Kreises befindet er sich rechts von Kāmākhyā.

1.338–1.341 Vaṭuka, Yoginī und Kṣetrapāla werden mit ihren jeweiligen Mantras in den drei vor einem liegenden Spitzen verehrt. Rechts vom Ersten wird Vaṭuka als Herr des Kreises verehrt. In der neuneckigen Figur sollen dann, vor einem beginnend und nach rechts umlaufend, die Lehrer des Herabkommens der Vidyā zur eigenen Vollendung verehrt werden. Rechts vom Ersten spricht man „siddhebhyo namaḥ“ und verehrt voller Hingabe den Siddha als vorstehende Gottheit des Kreises. Danach soll der Verständige auf dem achtblättrigen Lotos, wiederum vor sich beginnend, die acht Dūtīs verehren.

1.342–1.343 Rechts und links von der ersten Dūtī wird das rote und das weiße Füßepaar mit dem jeweiligen Mantra verehrt. Danach folgt auf den drei Ringen, in Reihen und entgegen dem Uhrzeigersinn, zur eigenen Vollendung das Maṇḍala der Vīreśas. [Die Vorlage verbindet die Zahlenangabe hundertsechsundsiebzig mit pañcavīreśa, „fünf Vīreśas“. Wie diese beiden Angaben genau zusammengehören, bleibt hier unsicher.]

1.344–1.346 Zuerst werden die sechs zuvor genannten Keimsilben und der Anfangslaut zweimal gesprochen; danach folgen „rūpavīreśa“ und „pādukāṃ pūjayāmi“. So sind die entsprechenden Mantras für die Verehrung bezeichnet. Im ersten Ring stehen die Vokale, im zweiten die Verschlusslaute und im dritten die durchdringenden Laute. Vor einem im mittleren Ring soll der Śāmbhava mit seinem Mantra sorgfältig und voller Hingabe verehrt werden.

1.347–1.350 Im siebten, dem Mālinī-Kreis, der aus drei Quadraten besteht, soll man auf der ersten Linie die acht Mütter beginnend mit Brahmāṇī verehren. Auf der zweiten, in fünf Abschnitte geteilten Linie verehrt der Übende die fünf Elemente mit ihren jeweiligen Mantras; sie sind jeweils von vierundzwanzig Lautgottheiten umgeben. Auf der dritten Linie folgen Indra und die weiteren [Hüter], außerhalb ihre Waffen. Vor sich verehrt der vortreffliche Übende mit ihrer Vidyā voller Hingabe Mālinī, deren Gestalt das All ist. Außerhalb davon liegt die Pīṭhikā, die Basis.

1.351–1.352 Mit jemandem, der so verehrt, ist die Göttin gewiss zufrieden. Bei einem geradzahligen Mondtag und einem entsprechenden Mondhaus, an einem Freitag oder Dienstag, soll man das Gurumaṇḍala nachts voller Hingabe zur eigenen Vollendung verehren. [Die genaue kalendarische Verbindung von same tithau samarkṣāṇām ist in der Vorlage unsicher.]

1.353–1.354 Wer das Gurumaṇḍala im Kula-Zusammenhang mit Hingabe verehrt, gilt als vortrefflicher Lehrer; die Einweihung von ihm ist unübertrefflich. Er besitzt die Überlieferung, er ist Guru, er trägt die Gestalt der Göttin. Von ihm wird die Einweihung als segensreich bezeichnet; andernfalls bleibt sie fruchtlos. Der Text sagt sogar: Ein solcher anderer Guru zerstört den Schüler.

1.355–1.356 Deshalb sollen gute Übende es an den Kula-Mondtagen verehren. Sundarī, Sumukhī, Virūpā, Vimalā, Antarī, Badarī, Dūtarī und Puṣpabhadrikā sind die acht Namen der Dūtīs bei der Verehrung des Gurumaṇḍala.

1.357 Die Pīṭha-Śaktis, die bei der jeweils verehrten Mahāvidyā genannt werden, gelten auch als die Kräfte des Sitzes bei der Verehrung des Gurumaṇḍala.

1.358–1.359 Vāk, Māyā, Kamalā und Khecarī ohne Ṛddhi; danach wird Preta geschrieben und die Keimsilbe mit Nāda und Mond verbunden. Raudrī wird mit Ananta und Mond verbunden; Ananta mit Feuer und Mond; darauf folgen Nakulīśa und Māyā. So wird die höchste Mālinī-Vidyā bezeichnet.

Zur Lesung: Diese Lautchiffren sind nur teilweise eindeutig zuzuordnen. Die Übersetzung bewahrt ihre Namen und die ausdrücklich genannten Verbindungen. Sie beansprucht keine gesicherte Entschlüsselung zu einer rezitierbaren Mantraformel.

1.360–1.361 Bei der zuvor genannten Guru-Vidyā werden die sechs anfänglichen Keimsilben am Ende in umgekehrter Reihenfolge hinzugefügt. Dies gilt als der vortreffliche Śāmbhava. Das Geflecht der Mantras soll auf die noch zu beschreibende Weise verstanden werden. Nun wird die Verehrung des Gurumaṇḍala im Kādī-Lehrweg erklärt.

Das Gurumandala im Kādī-Lehrweg

1.362–1.363 Auf einem Sitz aus Śrīparṇī-Holz, auf einer Tafel oder auf einem ebenen, reinen, festen und ansprechenden Platz werden in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung je zehn Linien gezogen. Dadurch entsteht ein Maṇḍala mit einundachtzig Feldern.

1.364–1.365 In diesem ansprechenden Gitter gleichmäßig gezogener Linien beträgt der Abstand der Felder fünf Fingerbreiten. Durch je zwei weitere Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung entstehen innerhalb jedes Feldes neun kleine Felder.

1.366–1.368 In die neun kleinen Felder des mittleren Feldes werden, von der Mitte aus und dann im Osten beginnend, die neun Laute einzeln geschrieben. Dabei wird Nātha unter dem Namen Prakāśānanda angerufen, dem Māyā- und Śrī-Keimsilbe vorangehen. Ebenso wird in das östlich davon liegende Neunerfeld der zweite Nātha-Name geschrieben, und dann rechtsherum jeweils in das nächste Neunerfeld. So entstehen durch die Anordnung der Laute die neun Maṇḍalas der neun Nāthas.

1.369–1.371 Darin soll die Verehrung entsprechend dem Umlauf der Nāthas ausgeführt werden. Bei dem Nātha-Namen, der an dem betreffenden Tag an der Reihe ist, soll der Verständige beginnen. Mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Lichtern, Speisegaben, Betelgaben, Verneigungen und Hymnen soll er gesammelt verehren. Durch die innere Vergegenwärtigung der Einheit soll er die Nāthas immer wieder erfreuen.

1.372–1.374 Vor dem mittleren Nātha soll der Verständige den ehrwürdigen Guru verehren. In der Reihenfolge der Namen werden vor den neun [Nāthas] die neun verehrt. Außen soll der Kundige den Lehrerkreis beginnend mit Shiva in einer Reihe nach rechts umlaufend mit Hingabe verehren. So soll er an den Festzeiten achtsam nachts verehren und dabei gesammelt „pādukāṃ pūjayāmi“ sprechen.

1.375–1.376 An den Vollmondfesten werden in denselben Feldern durch je drei Linien sechzehn kleine Felder angelegt. Die sechzehn Silben werden wie zuvor geschrieben, und die Verehrung wird wie zuvor vollzogen. So sollen die Übenden verehren, solange der Guru lebt.

1.377–1.379 Wenn er verstorben ist, wird das Wort Nātha weggelassen und durch Śiva ersetzt. Von jemandem, der so regelmäßig und besonders an den dafür bestimmten Tagen verehrt, wird die Einweihung als segensreich bezeichnet; andernfalls als unsegensreich. Diejenigen, welche die volle Weihe erhalten haben, sollen in den Feldern Lotosblüten anlegen und darauf die Verehrung ausführen, außer an den Vollmondfesten. An diesen werden sie wie zuvor sechzehnfach angeordnet. [Die Vorlage liest in 1.379 viśrātavyā; die genaue Verbform ist unsicher.]

1.380–1.381 Das Gurumaṇḍala soll mit den fünf Duftstoffen Candra, Sandelholz, Safran, Uśīra und Moschus angelegt werden. Am Ende der Verehrung soll man sich diese Paste voller Hingabe auf die Stirn auftragen, um Wohlstand, Sieg, Vollendung, langes Leben und Gesundheit zu erlangen.

Erläuterung: Candra ist hier der traditionelle Stoffname in einer Duftstoffliste. Die versprochenen Wirkungen werden als Aussagen des Ritualtextes wiedergegeben.

1.382 Zu Beginn und Ende der Verehrung soll der Verständige den Guru-Hymnus rezitieren, ebenso zu den drei Tagesübergängen und gesammelt in der Nacht, um Vollendung zu erlangen.

Swami Sivananda – Inspiration für heutige Yoga-Aspiranten.

Video zur Vertiefung: Guru

Ein heutiger Yoga-Vidya-Vortrag zum Thema; keine Rezitation oder Übersetzung des historischen Textes.

Ein Hymnus an den Guru

1.383 Verehrung dir, ehrwürdiger Herr, Shiva in der Gestalt des Gurus! Damit das Herabkommen der Vidyā zur Vollendung gelange, hast du viele Gestalten angenommen.

1.384 Verehrung dir, dem Neuen, dem Neunfachgestaltigen, dessen einziges Wesen die höchste Wirklichkeit ist; dir, der als Mensch die ganze Dunkelheit des Nichtwissens durchbricht, dir, der reines, dichtes Bewusstsein ist.

1.385 Verehrung dir, dem Freien, dem höchsten Selbst, dessen Gestalt aus Mitgefühl entstanden ist; dir, der sich von seinen hingegebenen, aufrichtigen Verehrern abhängig macht und ihnen in heilsamer Gestalt begegnet.

1.386 Du bist die Unterscheidungskraft der Unterscheidenden, die Selbstbesinnung der Betrachtenden, das Leuchten der Leuchtenden und das Wissen der Erkennenden.

1.387 Vor dir, zu beiden Seiten, hinter dir, über und unter dir verneige ich mich. Nimm für immer meinen eigenen Geist als deinen Sitz ein.

1.388–1.389 Diesen Hymnus soll man täglich sorgfältig zur Vollendung der Vidyā rezitieren. Im Kreis der Göttin enden die Namen auf Śakti, im Gurumaṇḍala auf Nātha und nach dem Tod des Gurus auf Śiva. Dreifach ist so die Stellung der Gurus. Dieses Gurumaṇḍala wird als die fortlaufende Überlieferung bezeichnet.

1.390–1.391 Durch gründliche Kenntnis dieser fortlaufenden Lehrerfolge wird die Überlieferung fest. Ist sie gefestigt, so steht auch die verehrte Gottheit in diesem Überlieferungszusammenhang; dadurch gelangen Vidyās und Mantras augenblicklich zur Vollendung. Bei der vorbereitenden Mantrapraxis soll das Gurumaṇḍala stets verehrt werden.

1.392 Die Überlieferung gründlich kennen und sich der Kraft des Mantras erinnern: Wie könnte jemand ein wirklicher Übender sein, wenn er diese beiden nicht kennt?

1.393–1.394 Für den vortrefflichen Übenden werden zur Bestätigung der Überlieferung drei Namen genannt, die der Reihe nach mit dem Regelmäßigen, dem Anlassbezogenen und dem Wunschbezogenen sowie mit Zeit und Abfolge verbunden sind. Diese soll man sorgfältig kennen, auch die entsprechenden Namen des ehrwürdigen Gurus.

Zur Lesung: Der Satzbau und die Zuordnung von nitya, naimittika und kāmya zu den drei Namen sind hier nicht hinreichend klar. Die Übersetzung gibt den erkennbaren Zusammenhang wieder, ohne die drei Namen zu erfinden.

1.395 und unnummerierte Fortsetzung Nachdem man so die fortlaufende Überlieferung kennengelernt hat, soll man sie den eigenen Schülern mitteilen. Wer stets die Einheit von Guru, eigenem Selbst, Gottheit und Mantralauten vergegenwärtigt und sich bemüht, die Weisung zu befolgen, wird ein hervorragender Schüler genannt.

Besondere Tage und das Verhältnis von Lehrer und Schüler

Zur Verszählung: Nach 1.395 beginnt die Zählung in der Sanskritvorlage mehrfach neu. Die folgenden Stellen werden deshalb mit Abschnittsbezeichnung und der jeweiligen Originalnummer angegeben. „TR“ bezeichnet den mit dem Tantrarāja eingeführten Abschnitt; „KG“, „KS“, „KU“ und „KP“ die anschließend ausdrücklich auf das Kulārṇava bezogenen Abschnitte über Guru, geeignete Schüler, ungeeignete Schüler und Pādukā. Diese Kürzel dienen nur der eindeutigen Zuordnung innerhalb dieser Übersetzung.

Einleitende Prosa zu TR: Die besonderen Tage für die Verehrung des Gurumaṇḍala werden im Tantrarāja genannt.

TR 1–2 Der Geburtstag des Gurus, der Tag des Empfangs der Vidyā, der eigene Geburtstag, der Tag der Durchdringung durch den Nātha, der Tag des Zusammentreffens der drei Silben und der Vollmondtag: Diese sechs Festzeiten sind bestimmt; zusammen mit dem Neumond sind es sieben.

TR, unnummerierter Schluss zu 2: An diesen Tagen soll man monatlich oder jährlich die Verehrung ausführen.

TR 3 Nun werde ich zum Wohl der Übenden die im entsprechenden Tantra beschriebenen Eigenschaften von Guru und Schüler im Kādī-Lehrweg darlegen.

TR 4 Als Guru gilt jemand, der schön, freundlich, klar und zugänglich ist, viele Mantras kennt, frei von Zweifel ist, Zweifel beseitigt und nichts für sich erwartet.

TR 5 Schönheit bedeutet Unanstößigkeit der Erscheinung. Freundlichkeit bedeutet, das Gespräch mit einem Lächeln zu beginnen. Klarheit bedeutet ein aufrichtiges, nicht verschlagenes Herz.

TR 6 Zugänglichkeit bedeutet Freiheit von Hochmut. Genügsamkeit und breite Kenntnis der Tantras [werden ebenfalls genannt]. Freiheit von Zweifel besteht in der Erkenntnis der Wirklichkeit; die Beseitigung von Zweifel darin, diese dem Schüler zu vermitteln.

TR 7 Erwartungsfreiheit bedeutet, nicht nach Reichtum zu verlangen; Guru-Sein bedeutet, zum Wohl des anderen zu sprechen. Einen solchen soll man als Guru erkennen. Ein anderer bringt dem Schüler Leid.

TR 8–9 Ein Schüler soll die ersten vier genannten Eigenschaften besitzen, vertrauensvoll und von beständigem Entschluss sein, nicht gierig, körperlich standfest, überlegt handelnd und Herr seiner Sinne. Er soll gläubig sein und eine feste Überzeugung hinsichtlich Guru, Mantra und Gottheit besitzen. Ein solcher ist als Schüler geeignet; ein anderer bereitet dem Guru Leid.

TR 10–11 Wenn der Guru spricht, soll der Schüler ehrfürchtig antworten: „Sei gnädig, Herr und Gott“, und: „So sei es.“ Er soll sich verneigen, sich an seine Seite setzen und mit seiner Erlaubnis gehen. Auf seinen Gesichtsausdruck achtend soll er dienen und Aufgetragenes ehrfürchtig ausführen.

TR 12–14 In seiner Gegenwart soll er nicht lügen und nicht viel schwätzen. Begierde, Zorn, Gier, Überheblichkeit, spöttisches Lachen, Schmeichelei, Unbeständigkeit, verschlagene Handlungen, Jammern, das Aufnehmen und Gewähren von Darlehen sowie Kauf und Verkauf von Gegenständen soll ein Schüler, der gedeihen möchte, im Umgang mit dem Guru niemals betreiben. Denn der Guru ist unmittelbar Shiva; man soll ihn preisen, sich vor ihm verneigen und ihn verehren.

TR 15 Wie die Hingabe zur Gottheit, so sei sie zum Mantra; wie zum Mantra, so zum Guru; wie zum Guru, so zum eigenen Selbst. So ist die Folge der Hingabe, Geliebte.

TR 16 Am Geburtstag des Gurus soll man ehrfürchtig ein Fest feiern: eine besondere Verehrung, Speisung der Yogis und Verehrung seiner Füße.

TR 17–18 Wenn der Guru [von höherem Bewusstsein] durchdrungen, verstorben oder weit entfernt ist, soll man bei einem Älteren und den entsprechenden anderen Personen die Verehrung ausführen. Am selben Ort erfolgt sie täglich; bei räumlicher Entfernung richtet sie sich nach der Zahl der Yojanas. Von einem an steigt [der Abstand der Besuche] entsprechend bis zu sechs; bei sechs Yojanas wird das Jahr genannt. Bei noch größerer Entfernung besteht der Dienst darin, seine Weisung zu befolgen.

Zur Lesung: Die Zuordnung von Entfernung und Besuchsabstand in TR 17–18 ist im vorliegenden Text nicht eindeutig. Die Übersetzung ergänzt deshalb keinen verbindlichen Kalender.

TR 19 Sein Sitz, sein Bett, sein Gewand, sein Schmuck, seine Sandalen, sein Schatten, seine Gemahlin und anderes, das er berührt hat, sollen ehrfürchtig behandelt werden.

TR 20–21 Im selben Dorf soll man ohne seine Erlaubnis keine gesonderte Verehrung ausführen. Kommt der Verehrungswürdige während der Zeremonie, soll man sich verneigen und ihm den Stand mitteilen. Wird gesagt: „Vollende den Rest“, so soll man dies tun; andernfalls soll man seiner Weisung folgen. Auch er soll das Verbleibende mit festem Geist vollenden. [Die grammatische Form ityu(ktvā? ktaḥ) und damit der Sprecherbezug sind in der Vorlage unsicher.]

TR 22 Wenn der verehrungswürdige Guru während oder am Ende der Verehrung eintrifft, soll man ihm sagen: „Es ist vollzogen.“ Ihm gegenüber soll man nicht schweigen.

TR 23–24 Man soll den Guru nicht für einen bloßen Sterblichen halten. Wer das tut, erlangt nach dieser Lehre weder durch Mantras noch durch Gottesverehrung Vollendung. Man soll ihn mit seinem Mantra in der beschriebenen Weise verehren, nachdem man die Verehrung im entsprechenden Textabschnitt gründlich verstanden hat, und sich ganz der Hingabe zuwenden.

TR 25 So sind zum Wohl der Übenden die Eigenschaften von Guru und Schüler nach der Vorschrift des entsprechenden Tantra beschrieben. [Die Schlusszeile liest kālomate, während TR 3 kādimate hat. Der Widerspruch der Lehrwegbezeichnung wird nicht stillschweigend aufgelöst.]

Die Eigenschaften des Gurus nach dem Kulārṇava

Einleitende Prosa zu KG: Im entsprechenden Tantra, dem Kulārṇava, heißt es:

KG 1–2 Höchste Herrin, der ehrwürdige Guru trägt reine Kleidung und ist ansprechend. Er besitzt alle [günstigen] Kennzeichen und ist an allen Gliedern wohlgestaltet. Er kennt die Wahrheit und Bedeutung aller Āgamas und die Regeln aller Mantras. Seine Erscheinung zieht die Welt an; wie eine Gottheit erfreut er den Blick.

KG 3–4 Er ist freundlich, zugänglich und klar, im Inneren rein und frei von Zweifel. Er versteht Andeutungen, Ausdruck und Bewegungen und hält schlechte Menschen fern. Innerlich ist er gesammelt, während sein Blick nach außen gerichtet bleibt. Er ist allwissend und kennt Ort und Zeit. Seine Weisung erfüllt sich; er kennt die drei Zeiten und ist fähig, zurückzuhalten und Gnade zu gewähren.

KG 5–6 Er kennt Veden und Vedāṅgas, ist friedvoll und ganz dem Mitgefühl mit allen Lebewesen hingegeben. Die Bewegung seiner Sinne steht unter seiner Herrschaft; er vermag die sechs inneren Feinde zu überwinden. Er nimmt eine hervorragende Stellung ein, ist tiefgründig und kennt den Unterschied zwischen geeigneten und ungeeigneten Empfängern. Er ist frei vom Besitzenwollen, stets zufrieden, jenseits der Gegensatzpaare und von unbegrenzter Kraft.

KG 7–8 Er ist liebevoll zu aufrichtigen Verehrern, standhaft und mitfühlend; seine Worte beginnen mit einem Lächeln. Er liebt die Hingegebenen, begegnet allen gleich, ist barmherzig und leitet die Schüler an. Der Guru ist im Höchsten gefestigt, weise und der Verehrung von Frauen zugewandt. Er widmet sich den untadeligen täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Ritualhandlungen.

KG 9–10 Er ist nicht habgierig und verletzt nicht; er ist parteinehmend [so die Vorlage: pakṣapātī] und verständig, reich an Mitteln und Wissen und mit Mantras und Yantras umfassend vertraut. Er ist frei von absichtsvollen Entwürfen und schwankenden Vorstellungen und setzt die erkannte Bedeutung um. Tadel und Lob sind ihm gleich; er ist schweigsam, erwartungsfrei und fähig zu leiten.

Zur Lesung: „Parteinehmend“ in KG 9 steht in Spannung zur Gleichbehandlung in KG 7. Eine mögliche fehlerhafte Überlieferung ist zu prüfen; die Negation wird nicht ohne Beleg ergänzt.

Unnummerierter Abschluss zu KG: Mit diesen und ähnlichen Eigenschaften wird der ehrwürdige Guru beschrieben, Geliebte. So enden die Kennzeichen des ehrwürdigen Gurus. Nun folgen die Kennzeichen eines guten Schülers.

Die Eigenschaften eines geeigneten Schülers

KS 1–2 Herrin des Kula, ein guter Schüler soll alle [günstigen] Kennzeichen besitzen, mit den Übungen beginnend bei innerer Ruhe vertraut und von guten Eigenschaften und gutem Charakter geprägt sein. Körper und zugehörige Glieder sollen rein sein; er soll rechtschaffen, im Geist rein, entschlossen und von gutem Verhalten sein, erfüllt von Vertrauen und Hingabe.

KS 3–4 Er ist dankbar, scheut Unrecht, wird von guten und aufrichtigen Menschen geachtet, besitzt Glauben, ist freigebig und dem Wohl aller Wesen zugewandt. Er ist vertrauenswürdig und bescheiden, in Geldangelegenheiten ohne Täuschung, mutig und fähig, auch Schwieriges zu vollbringen; er besitzt Kraft und Ausstrahlung.

KS 5–6 Er handelt unterstützend, ist aufmerksam und urteilsfähig. Er spricht wohltuend, wahrhaftig, maßvoll und freundlich und ist frei von Verleumdung. Er erfasst eine Bedeutung, wenn sie einmal erklärt wird, ist geschickt und besitzt einen weiten Verstand. [Der zweite Halbvers von KS 6 über Haus, Lager, Sitz und Schoß ist in seiner Wortverbindung unsicher; eine verlässliche Satzübersetzung lässt sich daraus nicht gewinnen.]

KS 7–8 Er handelt nach Überlegung, ist mutig und frei von geistiger Kleinheit, in allen Aufgaben geschickt, standhaft und allen hilfreich. Eigennutz und Herabsetzung anderer liegen ihm fern. Er ist freundlich, Geliebte, beherrscht seine Sinne, ist zufrieden und verständig und lebt in Brahmacarya.

KS 9–10 Er hat seelische Bedrängnis, Krankheit und Unbeständigkeit abgelegt und ist frei von unheilsamem Verdacht und Furcht. Er widmet sich gern der Meditation über den Guru, seinem Lob, den Erzählungen über ihn, dem Dienst und der Verehrung. Er ist Guru und Gottheit hingegeben und der Verehrung der Kāminī zugewandt. Stets hält er sich in der Nähe des Gurus auf und erfreut ihn.

KS 11–12 Mit Wort, Geist und Handlung ist er stets bereit, für den Guru tätig zu sein. Er befolgt dessen Weisung, Göttin, und macht seinen Ruhm bekannt. Er erkennt die Worte des Gurus als maßgeblich an, widmet sich seinem Dienst, achtet auf seine Absicht und handelt mit Überlegung, Herrin des Kula.

KS 13–14 In der Nähe des Gurus ist er frei von Verlegenheit, Selbstüberhebung und Stolz. Nach dessen Besitz verlangt er nicht; er wünscht dessen Gnade und das, was daraus erwächst. Er liebt Erzählungen über den Kula-Dharma sowie Yogis, Yoginīs und Kaulikas. Er widmet sich der Kula-Verehrung und geht auf dem Weg der Befreiung.

Unnummerierter Abschluss zu KS: Einen Schüler mit diesen und ähnlichen Eigenschaften soll der Guru annehmen.

Die Eigenschaften eines ungeeigneten Schülers

Einleitende Prosa zu KU: Nun die Kennzeichen eines ungeeigneten Schülers im Kulārṇava.

Historische Einordnung: Die folgende Liste verbindet nachvollziehbare Forderungen nach Wahrhaftigkeit und Rücksicht mit vormodernen Ausschlüssen aufgrund von Herkunft, Körpermerkmalen oder Krankheit. Sie werden als Aussagen des historischen Textes übersetzt und sind keine heutigen Maßstäbe für den Wert oder die spirituelle Eignung eines Menschen.

KU 1–2 [Der Guru soll einen Schüler meiden,] der aus einer als schlecht bezeichneten Familie stammt, schlecht handelt, ohne Tugenden und ohne ansprechende Gestalt ist; der bereits Schüler eines anderen, ein Häretiker, ein Betrüger oder jemand ist, der sich auf seine Gelehrsamkeit etwas einbildet; dessen Glieder fehlen, überzählig oder verändert sind; der körperlich beeinträchtigt, gelähmt, blind, gehörlos, unrein oder von Krankheit geplagt ist.

KU 3–4 Der durch Speisereste verunreinigt ist, ein unfreundliches Gesicht hat, sich nach Belieben kleidet, ein Lebemann, unangemessen gewitzt, von schlechtem Verhalten und verschlagen ist und einen furchteinflößenden Blick hat; der Schlaf, Trägheit, Benommenheit, Glücksspiel und anderen Lastern hingegeben ist und sich ständig hinter Türen, Wänden oder Säulen verbirgt.

KU 5–6 Der mit leeren Händen kommt, kleinlich und ohne Hingabe zum Guru ist, beständig widerspricht [die Lesung kimekavādin ist unsicher], starrsinnig ist, andere herumkommandiert, unstet und falsch ist; der im Umgang mit Geld und Frauen unlauter ist, Verbote und Vorschriften missachtet, Geheimnisse verrät und die Angelegenheiten der Göttin behindert.

KU 7–8 Der sich heuchlerisch wie Katze oder Reiher verhält, ständig nach Schwachstellen sucht, täuscht, undankbar ist und heimlich Schaden zufügt; der Vertrauen bricht, sich gegen die Gottheit wendet, Unrecht tut, unzuverlässig und tadelnswert ist und schädliche Erfolge erstrebt.

KU 9–10 Der gewalttätig angreift, sich fremdes Gut aneignen will, verwerflich ist und falsch Zeugnis ablegt; der überall bettelt, Göttin, und jeder Anziehung nachläuft; der der Unwahrheit anhängt, unablässig über derbe und weltliche Dinge redet, falsch urteilt, mit schlechten Argumenten streitet und den Streit liebt.

KU 11–12 Der grundlos beschuldigt, selbst verwirrt ist und andere verwirrt, Worte verdreht, hinter dem Rücken schlecht spricht und ins Gesicht freundlich redet; der harte Worte gebraucht, Wissen stiehlt, sich selbst lobt, die Vorzüge anderer nicht erträgt, das Gute fürchtet und von Bedrängnis und Zorn erfüllt ist.

KU 13–14 Der ein Cārvāka ist, schlechte Menschen zu Freunden hat und von der ganzen Welt getadelt wird; der verleumdet, anderen Leid zufügt und allen Lebewesen Angst macht; der stets von seinem eigenen Leiden spricht, Freunde verrät, Brüder betrügt, nur Zunge und Geschlechtstrieb folgt, Göttin, stiehlt und sich tierhaft verhält.

Erläuterung: Die Nennung der Cārvāka-Lehre ist Teil der religiösen Abgrenzung des zitierten Textes.

KU 15–16 Der ohne Anlass Hass, Spott, Bedrängnis und Zorn hervorruft, übermäßig scherzt und durch seinen Spott die empfindlichsten Stellen anderer trifft; der lüstern und schamlos ist, anderen wahrheitswidrig schlechtes Verhalten nachsagt und von Missgunst, Rausch des Hochmuts, Neid, Heuchelei und Ichüberhebung erfüllt ist. [Die Verbindung atihāsyasukarmāṇam in KU 15 ist nicht vollständig klar.]

KU 17–18 Der von Eifersucht, Verleumdung, Härte, Geiz, Zorn und Stolz bestimmt wird, unbeständig, leidend, verhasst, unfähig und ohne Wahrheitserkenntnis ist; dessen Geist unzufrieden, stumpf und sorgenvoll ist; der von Verlangen und Gier erfüllt, bedrückt und unzufrieden ist und alle anbettelt.

KU 19–20 Der zu viel isst, heuchelt, täuscht und verschlagen ist, Geliebte; dem Hingabe, Vertrauen, Mitgefühl, Frieden und rechtschaffenes Verhalten fehlen; der Mutter, Vater, Guru, Weise und große Menschen verspottet, sich vor den Kula-Substanzen ekelt und auf seinen Dienst am Guru stolz ist.

KU 21 Der von Frauen gehasst wird, die Überlieferungsvereinbarungen gebrochen hat und vom Guru verflucht wurde, Herrin des Kula: Einen Schüler mit diesen und ähnlichen Mängeln soll der Guru zurückweisen.

KU 22–23 Nimmt er ihn aus Zuneigung oder Gier dennoch an und weiht ihn ein, trifft nach Aussage des Textes der Fluch der Gottheit den Guru zusammen mit seinem Schüler. Deshalb soll er einen solchen Schüler keinesfalls annehmen. Nimmt er ihn aus Verblendung an, wird der Guru von dessen Verfehlungen erfasst.

KU 24 Wie die Verfehlung eines Ministers den König und die der Ehefrau den Ehemann trifft, so kann auch eine vom Schüler begangene Verfehlung den Guru berühren.

KU 25 und unnummerierte Fortsetzung Für alle gesellschaftlichen Gruppen und Lebensstände führt rechtes Verhalten zu einem guten Ziel. Der Guru soll den Schüler dreimal über das Verhalten belehren, Herrin des Kula. Nimmt der Schüler es dann nicht an, liegt die Verfehlung nicht beim Guru.

Abschließende Prosa zu KU: So enden die Eigenschaften von Guru und Schüler.

Die Größe der Guru-Pādukā

Einleitende Prosa zu KP: Nun die Größe der ehrwürdigen Guru-Pādukā im Kulārṇava.

KP 1 Wie die Fäden eines Fangnetzes in dessen grundlegender Schlinge zusammengefasst sind, so ruht das Wissen des Kula-Āgama in der Pādukā.

KP 2–3 Die Erinnerung an die ehrwürdige Pādukā steht höher als unzählige große Gaben, unzählige große Gelübde und unzählige große Opfer. Sie steht höher als millionenfache Mantrarezitation, millionenfaches Eintauchen an heiligen Pilgerorten und millionenfache Verehrung der Götter, Göttin.

KP 4 Wird ihrer gedacht, so schützt die Pādukā bei schwerer Krankheit, großem Unheil, tiefem Leid und großer Furcht, bei schwerer Not und schwerer Verfehlung.

KP 5 Wer die ehrwürdige Pādukā stets auf der Zungenspitze trägt, Geliebte, der hat damit studiert, gehört, erkannt, gegeben, geopfert und verehrt.

KP 6 Wer die ehrwürdige Pādukā auch nur einmal voller Hingabe rezitiert, Göttin, wird von allen Verfehlungen frei und gelangt zum höchsten Ziel.

KP 7 Wer sich voller Hingabe an die Pādukā erinnert, ob rein oder unrein, erlangt mühelos Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa: rechtes Leben, Lebensunterhalt und Wohlstand, Erfüllung und Befreiung.

KP 8 In welche Richtung auch immer die Lotosfüße des ehrwürdigen Herrn erstrahlen – in diese Richtung soll man sich jeden Tag voller Hingabe verneigen, Geliebte.

KP 9 Kein Mantra steht höher als die Pādukā, keine Gottheit höher als der ehrwürdige Guru. Kein Weg steht höher als der Śākta-Weg und kein Verdienst höher als die Kula-Verehrung.

KP 10 Die Gestalt des Gurus ist die Wurzel der Meditation. Die Füße des Gurus sind die Wurzel der Verehrung. Das Wort des Gurus ist die Wurzel der heiligen Lehre. Die Gnade des Gurus ist die Wurzel der Befreiung.

KP 11 Alle spirituellen Handlungen in dieser Welt wurzeln im Guru, Herrin des Kula. Deshalb sollen die von Hingabe Erfüllten dem Guru stets dienen, um Vollendung zu erlangen.

KP 12 Bedrängnis, Angst, Leid, Verblendung, Kummer und Verwirrung bestehen so lange, bis man beim ehrwürdigen Guru Zuflucht nimmt, der seine Verehrer liebt.

KP 13 So lange wandert man, von allem Leid befleckt, im Saṃsāra, bis man den ehrwürdigen Guru in Shivas Gestalt voller Hingabe verehrt.

KP 14 Der große Baum der höchsten Wirklichkeit trägt die Früchte aller Vollendungen; sein schöner Stamm ist der Mantra. Seine Wurzel ist die Gnade des Gurus.

KP 15 Damit der Guru zufrieden, freundlich und zum Gewähren bereit den Mantra gibt, soll man ihn mit Hingabe, Besitz und Lebenskraft sorgfältig erfreuen.

KP 16 Wenn der vortreffliche Lehrer sein eigenes Selbst Shiva darbringt, wird der Schüler befreit; danach gibt es für ihn keine Wiedergeburt mehr.

KP 17 Der Schüler soll ihn so lange verehren, bis er ganz erfreut ist. Ist der Guru erfreut, schwinden die Verfehlungen des Schülers augenblicklich.

KP 18 Was die Verehrer, die von der ihnen erwiesenen Achtung leben, sich nicht einmal im Geist wünschen, all das bringen die Herren, die ihre Verehrer lieben, zur Erfüllung. [Die Formulierung mānānujīvikāḥ ist in diesem Vers unsicher; die Übersetzung bleibt entsprechend vorläufig.]

KP 19 Ist der Guru erfreut, so gewähren auch Brahmā, Viṣṇu, Maheśāna, die Gottheiten, Weisen und Yogis erfreut ihre Gnade; daran besteht nach dem Text kein Zweifel.

KP 20 Wer von einem mitfühlenden Guru unterwiesen wird, den seine Hingabe erfreut hat, wird als Schüler vom Karma befreit und geeignet sowohl für Erfüllung als auch für Befreiung.

KP 21 Auch der Schüler soll die Unterweisung empfangen, wenn der Guru erfreut ist. Deshalb soll er mit Geist, Wort, Körper und Handlung das tun, was dem Guru lieb ist.

KP 22 Wenn der erfreute Guru irgendwo zu jemandem sagt: „Du bist befreit“, so wird auch dieser befreit, Geliebte.

KP 23 Oder ich löse, Herrin, in der Gestalt des Gurus durch einen von der Weltentfaltung freien Glanz die Fesseln des gebundenen Wesens.

KP 24 Nicht der Kenner der vier Veden ist mir lieb, sondern mein Verehrer, selbst wenn er ein Śvapaca ist. Ihm soll gegeben und von ihm empfangen werden; er ist ebenso zu verehren wie ich.

KP 25 Auch ein Brahmane oder ein mit Vorzügen Ausgestatteter wird ohne Hingabe nicht gepriesen. Ein Mleccha oder jemand ohne solche Vorzüge aber, der Hingabe besitzt, ragt hervor.

Erläuterung: Śvapaca und Mleccha sind hier traditionelle, gesellschaftlich abwertende Fremdbezeichnungen. Der Gedankengang des Textes setzt gerade die Hingabe über solche Rangzuweisungen: Gelehrsamkeit oder hohe Herkunft allein entscheiden nicht über spirituelle Nähe.

KP 26 Bei jemandem ohne Hingabe zum Guru bleiben Askese, Wissen, Gelübde und Kula-Zugehörigkeit fruchtlos, Herrin des Kula. Sie dienen dann nur dazu, den Menschen zu gefallen.

KP 27 Hat das Feuer der Guru-Hingabe den Makel einer als niedrig angesehenen Geburt verbrannt, so ist selbst ein Śvapaca der Verehrung durch die Götter würdig; ein Ungläubiger dagegen nicht, auch wenn er gelehrt ist.

KP 28 Was bedarf derjenige noch der Ziele Dharma, Artha und Kāma? Die Befreiung liegt bereits in seiner Hand, Göttin, wenn seine Hingabe zum ehrwürdigen Guru in jeder Hinsicht stets fest ist.

Schlussformel des ersten Śvāsa

Damit endet der erste Śvāsa des Tantra namens Vidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, dem Schüler Śrīpragalbhācāryas, in der Schülerfolge von Śrīviṣṇuśarmācārya, dem ehrwürdigen Śrīśaṅkarācārya und dem großen, verehrungswürdigen Lehrer Śrīgovindācārya.

Überleitung der Vorlage: Nun [folgt der nächste Abschnitt] im Śrīvidyārṇava Tantra.

Swami Sivanandas Zimmer in Rishikesh: Erinnerung an einen spirituellen Lehrer.

Video zur Vertiefung: Tripurasundari

Ein heutiger Yoga-Vidya-Vortrag zum Thema; keine Rezitation oder Übersetzung des historischen Textes.

2. Śvāsa

Der zweite Śvāsa führt die Betrachtung der Hingabe zum Guru fort. Zunächst beschreibt er innere Verbundenheit, danach zahlreiche Regeln des Zusammenlebens und der rituellen Ehrerbietung. Die folgenden Aussagen sind die Übersetzung einer historischen, stark hierarchischen Überlieferung. Ihre Forderungen nach Gehorsam, Selbstaufgabe und Bestrafung sind keine heutigen Handlungsempfehlungen; sie werden nicht in eine freundlichere Aussage umgeschrieben.

Bearbeiteter Umfang dieses Śvāsa: Eingangsabschnitt 2.1–2.99 einschließlich unnummeriertem Schluss. Anschließend sind die Kulārṇava-Reihe zum Samayācāra (S 1–44) und die Prayogasāra-Reihe (P 1–41) einschließlich ihrer unnummerierten Fortsetzungen übersetzt. Der folgende Abschnitt aus dem Nāradapañcarātra steht noch aus.

Hingabe, Vertrauen und Erkenntnis

Einleitende Prosa: Weiter heißt es:

2.1 „Er ist Shiva in der Gestalt des Gurus, der mir Erfüllung und Befreiung schenkt.“ Wer sich so voller Hingabe erinnert, für den ist Vollendung nicht fern.

2.2 Wer höchste Hingabe zur Gottheit und ebenso zum Guru besitzt, dem werden diese dargelegten Bedeutungen offenbar, Herrin des Kula.

2.3 Wie die Hingabe zu Nārāyaṇa, Mahādeva, Mutter und Vater und dem König ist, so soll sie auch zum eigenen Guru sein, Göttin.

2.4 Den ehrwürdigen Guru und seine Gemahlin soll man als Eltern betrachten, als Lakṣmī und Nārāyaṇa, als Vāṇī und Dhātṛ, als Girijā und Shiva.

2.5 Auf die Weise, wie durch Hingabe zum Guru alle Vollendungen erlangt werden, Göttin, werden sie nicht durch Opfer, Gaben, Askese, Pilgerfahrten, Gelübde und Ähnliches erlangt, Geliebte.

2.6 In dem Maß, wie die unbeirrbare Hingabe zum ehrwürdigen Guru wächst, wächst auch die unmittelbare Erkenntnis des Übenden, Herrin des Kula.

2.7 Wozu brauchen jene, die dem wahren Guru aufrichtig dienen und hingegeben sind, große Mühen an Pilgerorten oder Gelübde, die den Körper auszehren, Herrin der Götter?

2.8 Die Frucht, die durch große körperliche Mühe oder Askese erreicht wird, erlangt man, Göttin, durch den Dienst am Guru auf leichte Weise.

2.9 Für jene, die Erfüllung und Befreiung wünschen oder die Stellung Brahmās, Viṣṇus und Īśas erstreben, gibt es allein die Hingabe zum Guru, Göttin, keinen anderen Weg – so bezeichnet es der Text als Aussage der heiligen Überlieferung.

2.10 Hingabe verbrennt augenblicklich alles Unheil und die großen Verfehlungen, wie Feuer einen Haufen Baumwolle verbrennt.

2.11 Verehrung diesem Vertrauen, das alle Vollendungen gewährt und durch das Lehm, Holz und Stein die ungeschmälerte Frucht hervorbringen.

2.12 In diesem aufrichtigen Kula-Weg wird weder eine bestimmte Yogaübung noch Askese oder eine bestimmte Verehrungsfolge [als das Entscheidende] bezeichnet. Allein die Hingabe ragt hervor.

2.13 In dieser ganzen Welt, die unmittelbar vom Guru erfüllt ist, Göttin – welcher Ort wäre für die Hingegebenen kein heiliger Ort? Wo würde ihr Mantra nicht zur Vollendung gelangen?

2.14–2.15 Wer im Guru nur einen Menschen, im Mantra nur Buchstaben und im Götterbild nur Stein sieht, gelangt nach dieser Lehre in die Hölle. Man soll den Guru nicht als bloßen Sterblichen ansehen. Tut man es doch, erlangt man weder durch Mantras noch durch Gottesverehrung Vollendung.

2.16 Wer den ehrwürdigen Guru zusammen mit gewöhnlichen Menschen nennt oder an ihn in gleicher Weise denkt, dessen gesamtes Verdienst wird nach dem Text zur Verfehlung, Geliebte.

2.17 Mutter und Vater, die Ursache der Geburt, sollen sorgfältig verehrt werden. Besonders verehrungswürdig ist der Guru, der zeigt, was Dharma und was Adharma ist.

2.18 Der Guru ist Vater, der Guru ist Mutter, der Guru ist Gottheit, der Guru ist das Ziel. Ist Shiva erzürnt, ist der Guru der Retter; ist der Guru erzürnt, gibt es keinen.

Dienst und Verantwortung im historischen Schülerideal

2.19–2.20 Mit Wort, Geist, Körper und Handlung soll man zum Wohl des Gurus tätig sein. Wer ihm schadet, wird nach dieser Aussage als Wurm im Kot geboren. Diejenigen, die den ehrwürdigen Guru hinsichtlich Körper, Besitz und Lebenskraft täuschen, werden als die niedrigsten Menschen bezeichnet; sie gelangen in den Zustand von Würmern, Insekten und Nachtfaltern.

2.21 Das Verlassen des Gurus führt nach dem Text zum Tod, das Aufgeben des Mantras zu Armut. Wer Guru und Mantra zugleich aufgibt, gelangt in die Raurava-Hölle.

2.22 Um des Gurus willen soll man den Körper erhalten und Besitz erwerben. Für seine Aufgabe soll man sogar das eigene Leben aufgeben.

2.23 Ein hartes Wort des Gurus soll man als Segen auffassen, Geliebte; auch wenn man von ihm geschlagen wird, soll man es als Gnade betrachten.

2.24 Alles, was zum Genuss geeignet ist, soll man dem Guru darbringen. Danach soll man es mit dem Gedanken genießen, es sei das von ihm Übriggelassene, Herrin des Kula.

2.25 Vor dem Guru soll man keine Askese ausführen, keine Fasten- oder anderen Gelübde, keine Pilgerfahrt unternehmen und nicht zur eigenen Reinigung baden.

2.26–2.27 Man soll dem Guru keine Aufträge geben und ihn nicht mit einem bloßen „du“ anreden. Ein Schüler, der gedeihen möchte, soll mit den Gurus weder Darlehen aufnehmen noch gewähren und keine Gegenstände kaufen oder verkaufen. Er soll mit Ungläubigen weder disputieren noch überhaupt ein Gespräch führen, Herrin.

2.28–2.30 Sieht er solche Menschen von Weitem, soll er fortgehen und sich nicht mit ihnen zusammensetzen. Wer in Gegenwart des Gurus jemand anderen verehrt, Mutter, gelangt nach dem Text in eine schreckliche Hölle; die Verehrung bleibt fruchtlos. Auf dem Kopf, der die Lotosfüße des Gurus trägt, soll er keine Last tragen. Auf dessen Befehl jedoch soll er es tun, denn der Guru gilt als in seiner Weisung gegenwärtig. Was er anderswo über Mantras, Āgamas und Ähnliches hört, soll er ihm mitteilen.

2.31–2.32 Mit Erlaubnis des Gurus soll er es annehmen und das von ihm nicht Gewünschte meiden. Die geheime Bedeutung der eigenen Schriften soll er nicht jedem beliebigen Menschen mitteilen. Tut er es doch, ist er zweifellos von den Überlieferungsvereinbarungen abgefallen. Stets soll er die Nichtzweiheit vergegenwärtigen, aber im Umgang mit dem Guru keine unterschiedslose Gleichstellung beanspruchen.

2.33–2.34 Allen Wesen soll er wie sich selbst Gutes tun, Herrin des Kula. Vierfach ist der Dienst: durch das eigene Selbst, den Aufenthaltsort, den Körper und eine aufrichtige innere Haltung. Durch diesen Dienst soll der Schüler den Guru erfreuen, Göttin. Bei jedem Schritt erlangt er nach dem Text zweifellos die Frucht eines Pferdeopfers.

2.35–2.37 Wer ganz dem Dienst an Guru, Gottheit und großen Seelen zugewandt ist: Allein der Dienst am Guru bringt ihm dessen Gnade. Ist dieser Dienst mit Hingabe verbunden, gewährt er alle gewünschten Früchte. Alle Verfehlungen schwinden, die Verdienste wachsen, und alle Aufgaben gelingen durch den Dienst am Guru, Geliebte. Was dem eigenen Wohl dient, soll man ihm nicht vorenthalten.

2.38–2.40a Das Verdienst dessen, der Guru und Gottheit verehrt, lässt sich nicht zählen. Was man voller Hingabe und entsprechend den eigenen Mitteln für den Guru tut, mag klein oder groß sein: Das Verdienst des Reichen und des Armen ist gleich. Selbst wenn ein Schüler sein ganzes Eigentum gibt, erlangt er ohne Hingabe keine Frucht. Die Hingabe ist die entscheidende Ursache.

Besitz, Loyalität und die Sprache religiöser Sanktionen

2.40b–2.42 Einen Gegenstand, den der Guru begehrt, soll man nicht selbst genießen. Besteht unbedingt ein Wunsch danach, darf man ihn mit seiner Erlaubnis gebrauchen. Wer aus Gier oder Verblendung vom Besitz des Gurus auch nur im Umfang eines halben Sesamkorns oder der Hälfte davon lebt, wird nach dem Text in einundzwanzig Höllen gequält. Wer selbst das Geringste vom Besitz des Gurus ungegeben an sich nimmt …

2.43–2.44a … wird als Tier geboren und von Fleischfressern gefressen, Geliebte. Für den Gefallenen und Niedrigen, der den Besitz des Gurus begehrt oder mit dessen Frau verkehren will, gibt es nach dieser Aussage keine Sühne.

2.44b–2.46 Eine Weisung zu brechen, Besitz an sich zu nehmen oder so zu handeln, dass es dem Guru missfällt, wird als Verrat am Guru bezeichnet; wer es tut, gilt als schuldig. Auch den eigenen Besitz soll man nicht verwenden, ohne es dem Guru mitzuteilen. Wer dies ohne Mitteilung tut, wird mit einem Brahmanenmörder gleichgesetzt. Wer den Sitz des Gurus, die Überlieferung oder ihren Dharma zerstört …

2.47–2.48a … soll nach der Forderung des Textes von den Gurus ausgeschlossen, bestraft und getötet werden. Keine Vernichtung gleiche dem Zorn des Gurus, keine Verfehlung dem Verrat am Guru, kein Tod der Schmähung des Gurus und kein Unglück dem Handeln gegen ihn.

Einordnung: Hier spricht der Text in der Sprache absoluter Loyalität und harter religiöser Sanktionen. Die Forderung nach Tötung ist Teil der historischen Aussage und wird ausdrücklich nicht als zulässige heutige Handlung vertreten.

2.48b–2.50 Ein Mensch könnte überleben, selbst wenn er ins Feuer gelangt, Gift getrunken hat oder bereits in der Hand des Todes ist – nicht aber, wenn er sich am Guru vergeht. Wo der ehrwürdige Guru geschmäht wird, soll man sich beide Ohren verschließen und sofort so weit fortgehen, dass man es nicht mehr hört. Danach soll man den Namen des Gurus wiederholen; dies gilt als Gegenmittel gegen das Gehörte.

2.51–2.52 Freunde und Vertraute des Gurus, Dienerinnen und Diener und die anderen zu ihm Gehörenden soll man nicht verachten. Auch die sichtbaren Überlieferungsformen, Veden, Śāstras und Āgamas soll man nicht schmähen. Die Pādukā des ehrwürdigen Gurus ist der Schmuck; die Erinnerung an seinen Namen ist Japa. Das Ausführen seiner Weisung ist die Aufgabe; sein Dienst ist Verehrung.

Ehrerbietung im Haus des Gurus

2.53–2.55a Wer die Wohnung des Lehrers betreten möchte, soll ruhig im Geist und von großer Hingabe erfüllt sein. Er soll Fächer, Sandalen, Schirm, Wedel, Fahrzeug und Ähnliches, Betel und auffällige Kleidung ablegen und langsam eintreten. Sieht er Fahrzeug, Sandalen, Schirm, Sitz, Duftstoffe und Ähnliches des Gurus, soll er sich verneigen und sie nicht zum eigenen Genuss verwenden.

2.55b–2.59 Füße waschen, baden, sich einölen, die Zähne reinigen, urinieren, spucken, sich rasieren, schlafen, sexuell verkehren, in Vīrāsana sitzen, schlecht reden, [eigenmächtig] Platz nehmen, lachen oder weinen, die Haare lösen, einen Turban oder ein Obergewand tragen, nackt sein, die Beine ausstrecken, streiten, zanken, verleumden, Geliebte, den Körper verdrehen, auf dem Körper trommeln, die Hände zusammenschlagen oder schütteln, Glücksspiel, Hahnenkämpfe, Ringkämpfe und Ähnliches: All dies soll man an den Sitzen, heiligen Orten und Āśramas von Gurus, Yogis und großen Vollendeten nicht tun. Wer es aus Verblendung doch tut, zieht nach dem Text den Fluch der Gottheit auf sich.

2.60 Ohne Einladung soll man vor dem Guru stehen bleiben und nicht nach eigenem Belieben eintreten. Man soll auf seinen Gesichtsausdruck achten, ihm dienen und ausführen, was er sagt.

2.61–2.62 Bei Aufgaben für den Guru, ob ausdrücklich genannt oder nicht, soll man nicht nachlässig sein, Geliebte. Was der Guru sagt, ob gut oder schlecht, soll man ohne Bedenken ausführen. Ob beim Zurückhalten oder beim Gewähren von Gnade: Der Guru ist die Ursache von allem. Alles, was seinem Mund entstammt, wird als heilige Lehre bezeichnet.

2.63–2.64 Kann man eine Aufgabe für den Guru selbst ausführen, soll man keinen anderen schicken, Geliebte. Bei einer großen Aufgabe soll man sie zusammen mit darauf ausgerichteten Helfern und voller Hingabe erfüllen. Beim Gehen, Stehen, Schlafen, Wachen, Sprechen, Opfern und Verehren soll man allein der Weisung des Gurus folgen und innerlich auf ihn ausgerichtet sein.

2.65–2.67 Auf Herkunft, Wissen, Reichtum und Ähnliches soll man sich nichts einbilden. Der Schüler soll in Gegenwart des ehrwürdigen Gurus stets dienen, bescheiden und voller Hingabe, ohne dessen Schatten und Platz zu übertreten [die Wendung ist knapp und nicht ganz eindeutig]. Vor dem Guru soll er stehen, Göttin, bereit, dessen Aufgaben zu erfüllen. Ob es um eigene oder fremde Angelegenheiten geht: Den Willen des Gurus beachtend, soll er sich demütig an dessen Seite stellen und mit bedecktem Mund maßvoll sprechen.

2.68–2.70 Wenn jemand törichterweise etwas allgemein Verbotenes in Gegenwart des wahren Gurus tut, vervielfacht sich nach dem Text die Verfehlung millionenfach. Wer dessen Worte, ob angenehm oder unangenehm, unbeachtet und abgewandt hört, gelangt in die Raurava-Hölle. Wer vor dem Guru lügt, erwirbt dieselbe Schuld wie durch das Töten einer Kuh oder eines Brahmanen.

2.71–2.73 Den ehrwürdigen Guru soll man niemals verlassen, wenn er an einen anderen Ort zieht, in finanzieller Not oder in schwieriger Lage ist; nur auf seine Weisung soll man gehen, Geliebte. Wenn der Guru unten steht, soll man sich nicht oberhalb von ihm aufhalten, nicht vor ihm hergehen und sich nicht setzen, während er steht. Den Schatten der Śakti, des Gurus und der Gottheit soll man nicht übertreten, den eigenen Schatten nicht auf sie fallen lassen und in Gegenwart des Gurus nicht schlafen.

2.74–2.76 Sprechen, Lesen, Singen, Essen, Schlafen und Ähnliches soll man nicht ohne Anweisung und nicht ohne vorausgehende Verneigung tun. Der Text steigert den Gehorsamsanspruch bis zu der Aussage: „Man würde selbst hundert Brahmanentötungen ausführen, wenn man die Weisung des Gurus befolgt; ohne dessen Weisung soll der Schüler nicht einmal atmen.“ Alles soll man nach seiner Weisung tun, doch seine Frau nicht umarmen, Geliebte. Mit Hingabe soll man sich verneigen und mit zusammengelegten Händen aufstehen.

Verneigung, Rangfolge und Besuche

2.77–2.80 Aus dem Haus des Gurus soll man nach der Verneigung rückwärts hinausgehen. Man soll nicht auf demselben Sitz wie der Guru oder ihm Gleichgestellte sitzen und in Gegenwart von Gottheit und Guru nicht [eigenmächtig] Platz nehmen. Dem Guru gebührt der Löwenthron, den Älteren ein hervorragender Sitz, den Jüngeren der für sie bestimmte Sitz und den übrigen ein gleichartiger Sitz. Auch wer reich an Herkunft, Wissen oder Besitz ist, soll sich beim Anblick des Gurus aus der Ferne lang auf den Boden niederwerfen und ihn dreimal rechtsherum umschreiten. Danach folgen drei, sechs oder zwölf Verneigungen; bei Älteren und den entsprechenden anderen jeweils eine.

2.81–2.83 Sind der eigene Guru und dessen Guru zusammen, soll man zuerst den höheren Guru grüßen. Danach soll man sich vor dem eigenen Guru verneigen; dieser soll eine [ihm zuerst geltende] Verneigung in Gegenwart seines Gurus verhindern. In Gegenwart des höheren Gurus soll der Schüler den eigenen Guru innerlich grüßen. Jede Gottheit und selbst einen Grashalm soll man mit dem Bewusstsein verehren, darin den Guru zu sehen. Ein Bild aus Metall oder Lehm soll man nicht bloß unter dem Gedanken an die Gottheit verehren. Dem Guru gelten drei Verneigungen, den Älteren eine.

2.84–2.86a Den Verehrungswürdigen gilt entsprechend die Geste zusammengelegter Hände, anderen ein Gruß mit Worten. Vor Gottheiten, Gurus, Kula-Lehrern, an Erkenntnis Gereiften, an Askese Reichen, an Wissen Überlegenen und Menschen, die ihre Aufgabe erfüllen, soll man sich verneigen, Herrin des Kula. Dagegen soll man sich nach dem Text nicht vor jemandem verneigen, der von Frauen gehasst, von Gurus verflucht, ein Häretiker, gefallen, falsch, von schlechtem Handeln, undankbar oder ohne Zugehörigkeit zu einem Lebensstand ist.

2.86b–2.88 Wer im selben Haus wohnt und isst, ohne den Guru zu unterrichten, hat nach dieser Aussage Unreines gegessen und wird nach dem Tod als Schwein geboren. Ein Schüler im selben Dorf soll den Guru zu den drei Tagesübergängen grüßen. Wer einen Krośa entfernt wohnt, soll ihn täglich voller Hingabe grüßen. Bei einem halben Yojana soll der Schüler ihn an den fünf Festzeiten grüßen.

2.89–2.90 Von einem bis zu zwölf Yojanas Entfernung soll man nach so vielen Monaten zum Guru gehen, wie die Zahl der Yojanas beträgt, und sich verneigen. Ein Schüler in einem entfernten Land soll voller Hingabe zu ihm kommen. Wer sehr weit entfernt lebt, soll gehen, wenn der Wunsch dazu entsteht.

2.91–2.92 Zum König, zur Gottheit und zum Guru soll man nicht mit leeren Händen kommen. Früchte, Blumen, Gewänder und Ähnliches soll man nach den eigenen Möglichkeiten darbringen. Wer sich nicht so verhält, wird nach dem Text zu einem Brahmarākṣasa. Die Śakti des Gurus, sein Sohn und der ältere Bruder gelten dem Guru gleich.

2.93–2.95 Die Jüngeren soll man wie sich selbst betrachten, die Hüter des Kula wie Söhne. Dem Lehrer der Gemeinschaft, Herrin der Götter, den Älteren und Jüngeren des Gurus und den Mitgliedern seiner geistigen Familie soll man Ehrerbietung wie dem eigenen Guru erweisen. Der eigene Ältere, der Ältere der Einweihungsfolge, der Ältere im Kula und der Ältere des Gurus: So werden vier Arten von Älteren genannt. [Der letzte Halbvers von 2.95 über die Begrüßung und die Rangfolge ist in seinem Bezug unsicher.]

2.96–2.98 Guru und Kula-Älterem sollen nach Vorschrift Verneigung und die entsprechenden Ehren erwiesen werden. Gegenüber Vater, Mutter und allen anderen verehrungswürdigen Verwandten können Aufstehen und Verneigung zunächst [etwaige] Verfehlungen mindern. Wenn man aber das eigene Selbst in der Gestalt des Ācārya offenbar macht, werden solche Gesten nach dieser Lehre zum Fehler, Geliebte. Wer selbst zum Herrn geworden ist und sich vor gebundenen Wesen verneigt …

2.99 und unnummerierte Fortsetzung … wird als besonders gebundenes Wesen bezeichnet und zieht den Fluch der Gottheit auf sich. Wer durch die Ordnung der Pādukā den Rang des Gurus erreicht hat, soll wie ein Guru angesehen werden; von den Älteren ist ihm jedoch keine Verneigung geschuldet, Geliebte.

Abschließende Prosa: So endet die Darstellung der Größe der Pādukā und der dazugehörigen Verhaltensregeln. Nun folgt der Samayācāra, das Verhalten nach den Überlieferungsvereinbarungen. Dazu heißt es im ehrwürdigen Kulārṇava …

Samayācāra nach dem Kulārṇava

Zur Verszählung: Die Vorlage beginnt hier erneut bei 2-1. Die Bezeichnung „S“ unterscheidet diese 44 Verse zum Samayācāra, dem Verhalten nach den Vereinbarungen der Überlieferung, von der vorherigen Zählung.

S 1 Den ehrwürdigen Guru, die Kula-Schriften und alle verehrungswürdigen Orte soll man, Göttin, nach einer hingebungsvollen Verneigung mit vorangestelltem „Śrī“ nennen.

S 2 Meine Lehrerfolge reicht von Brahmā bis zum Grasbüschel; ich bin der Schüler aller. Wer auf Erden wäre für mich nicht verehrungswürdig?

S 3 Außer zur Zeit der Mantrarezitation soll man den Guru nicht mit seinem persönlichen Namen anreden, Geliebte. Im Gespräch und bei einer Erklärung soll man „Śrīnātha“, „Deva“ oder „Svāmin“ sagen.

S 4 Die Pādukā des ehrwürdigen Gurus, die Mudrā, den Grundmantra und die eigene Pādukā soll man, Herrin der Götter, außer einem Schüler niemandem beliebig mitteilen.

S 5 Lehrerfolge, Āgama, Überlieferung, Mantra, Verhalten und Ähnliches, Geliebte: Alles, was aus dem Mund des Gurus empfangen wird, trägt Frucht; anders nicht.

S 6 Ein Buch, das auf der ehrwürdigen Lehre beruht, soll man täglich voller Hingabe wie eine Gottheit verehren, Geliebte. [Die Vorlage fährt fort: „Man lege es in die Hand eines Paśu.“ Eine verneinende Partikel fehlt im vorliegenden Text; die Aussage steht in Spannung zu den folgenden Abgrenzungen und bleibt als unsichere Lesung gekennzeichnet.]

S 7–8 Den Kula-Schriften soll man sich wie der eigenen Gemahlin zuwenden, Pārvatī; die Schriften der Paśus soll man wie die Gemahlin eines anderen meiden. Wie Milch in einem Behälter aus Hundehaut für die höchsten Zweimalgeborenen nicht trinkbar ist, so sollen Kaulikas die religiöse Lehre nicht aus dem Mund eines Paśu hören.

Erläuterung: Paśu bezeichnet hier in abgrenzender tantrischer Sprache einen als gebunden oder uneingeweiht geltenden Menschen. Die Übersetzung übernimmt damit keine Abwertung anderer Menschen oder Traditionen.

S 9–10 Wer den Kula-Weg hört und wer ihn der Schrift entsprechend darlegt, beide gelangen unmittelbar zur Gemeinschaft der Yoginīs und Vīras. Wer hier dem Kula-Dharma kein Vertrauen schenkt, Herrin des Kula, kehrt nach dem Text bis zur Auflösung der Welt nicht aus der Hölle zurück.

S 11–S 12a Fünffach werden die Frauen des Gurus unterschieden: die angetraute, die unterhaltene, die aus Zuneigung verbundene, die gegen Bezahlung gewonnene [die Lesung schwankt zwischen mūle und mūlye] und die auch nur einmal aus Verlangen zu ihm gekommene. Gegenüber den Frauen des Gurus dürfen keine Grenzen überschritten werden; sie sind wie der Guru zu verehren.

S 12b–S 15a Eine schwarz gekleidete, dunkelhäutige, junge, schlankleibige, ansprechende Frau in der Jugendblüte soll man mit dem Gedanken an die Gottheit verehren. Rohes Fleisch, einen Krug mit berauschendem Getränk, einen brünstigen Elefanten, einen Träger der Kennzeichen eines Vollendeten, einen Mango- und einen Aśoka-Baum, ein spielendes Mädchen, einen alleinstehenden Baum, eine Verbrennungsstätte, eine Gruppe von Frauen oder eine rot gekleidete Frau soll man beim Anblick voller Hingabe grüßen.

S 15b–S 18 Guru, Śakti, Sohn, Ältere, Jüngere und Kula-Lehrer, die Kula-Anschauung und ihre Schriften, die Kula-Substanzen und Kaulikas, Ermutigende, Hinweisende, Erklärende, Zeigende, Unterrichtende und zum Verständnis Führende, Yogis, Yoginīs und vollendete Menschen, Mädchen, Knaben, Nackte und auch eine verwirrte Frau soll man nicht schmähen, verabscheuen, verspotten oder verachten. Zu keinem Kula-Yogi soll man unangenehm oder unwahr sprechen.

S 19 Eine Frau des Kula soll man nicht als „hässlich“ oder „zu dunkel“ bezeichnen. Bei den Hingegebenen und Vīras soll man nicht nachforschen, was sie getan oder unterlassen haben.

S 20 Eine nackte, verwirrte oder mit entblößten Brüsten dastehende Frau soll man nicht anstarren. Tagsüber soll man keinen Geschlechtsverkehr ausüben und nicht auf die Genitalien einer Frau blicken.

S 21 Jede Frau in der Welt stammt aus dem Kreis der göttlichen Mütter. Werden Grenzen gegenüber Frauen überschritten, erzürnen die Kula-Yoginīs.

S 22 Selbst eine Frau, die hundert Verfehlungen begangen hätte, soll man nicht einmal mit einer Blume schlagen. Man soll nicht ihre Fehler aufzählen, sondern ihre guten Eigenschaften bekannt machen.

S 23–S 25 In den Kula-Bäumen wohnen stets Kula-Yoginīs. Von ihren Blättern soll man nicht essen, besonders nicht von Arka-Blättern. Unter Kula-Bäumen soll man nicht schlafen und ihnen keinen Schaden zufügen. Bei ihrem Anblick soll man sich voller Hingabe verneigen und sie niemals fällen. Als die neun Kula-Bäume gelten Śleṣmāntaka, Karañja, Akṣa, Nimba, Aśvattha, Kadamba, Bilva, Vaṭa und Udumbara.

S 26–S 28 Wer Gottheit, Guru, Schriften und das Verhalten der Vollendeten verspottet, Wissen stiehlt oder den Guru verrät, wird nach dem Text zu einem Brahmarākṣasa. Wer aus Verblendung den Guru missachtet, Vīras schmäht und die Kula-Schriften bezweifelt, wird ebenso zu einem Brahmarākṣasa. Wer jemanden nicht als Guru anerkennt, der ihm auch nur eine Silbe gegeben hat, wird nach hundert Hundewiedergeburten als Caṇḍāla geboren.

S 29 Der Verständige soll den Guru bekannt machen, den Mantra aber nicht offenlegen. Durch das Nichtbekanntmachen [des Gurus] und das Bekanntmachen [des Mantras] schwinden Wohlstand und Lebensdauer.

S 30–S 34 Wer sich auf den Kula-Dharma beruft, aber das entsprechende Verhalten nicht bewahrt und nach Belieben handelt, begeht nach dem Text eine schwere Verfehlung, Geliebte. Ihn treffen Not, Unheil, Krankheiten, Armut, Streit und [bhagam: hier unklare Lesung], der Zorn der Yoginīs und Stolpern bei jedem Schritt. Er verliert seine Würde, geht zugrunde, verliert seine Ausstrahlung, leidet schwer, wird getadelt und von allen gehasst, ist verwirrt und ohne Gemeinschaft. Er zieht von Land zu Land, und seine Unternehmungen scheitern fortwährend. Auch dort fressen ihn die Śākinīs, die Hüterinnen des Kula-Weges; denn früher habe ich selbst ihnen diese Gabe gewährt. Deshalb soll man sich entsprechend verhalten, Göttin, und den Yoginīs lieb werden.

S 35–S 36 Durch gutes Verhalten erlangen Kaulikas Göttlichkeit und die Gemeinschaft der Yoginīs und Vīras; durch das Gegenteil gelangen sie ins Tierdasein. Fehlen die Einweihungsriten, werden die Worte des Gurus missachtet oder die Verhaltensregeln übertreten, so fällt der Kaulika, Göttin.

S 37–S 39 Bei Fehlern in regelmäßigen, anlassbezogenen oder wunschbezogenen Handlungen, bei Versäumnissen hinsichtlich Mantra und Tantra, bei ungeeigneter Gemeinschaft mit Paśus, bei Vermischung von Mantras, bei Verfehlungen hinsichtlich Geheimhaltung oder Offenlegung, wissentlich oder unwissentlich begangen, Geliebte, soll der Guru das Gewicht der Schuld sorgfältig abwägen. Unter Berücksichtigung von Ort, Zeit, Alter und Vermögen soll er nach Vorschrift eine Sühne bestimmen, die von den Verfehlungen reinigt.

S 40–S 41 Der Schüler soll die ihm genannte Sühne ausführen. Oder er erinnere sich des Gurunamens und wiederhole ihn zur Reinigung von allen Verfehlungen. Wie die Verunreinigung des Goldes im Feuer gereinigt wird, so soll die Unreinheit schlechten Verhaltens durch das Feuer der Sühne verbrannt werden.

S 42–S 44 Wozu hier viele Worte? Höre das Geheimnis, Pārvatī: Für alle gesellschaftlichen Gruppen und Lebensstände führt rechtes Verhalten zu einem guten Ziel. Dreimal soll der Guru das Verhalten erklären, Herrin des Kula. Nimmt der Schüler es dann nicht an, liegt die Verfehlung nicht beim Guru. Wie die Verfehlung des Ministers den König und die der Ehefrau den Ehemann trifft, so erreicht die Verfehlung des Schülers zweifellos den Guru, Geliebte.

Weitere Verhaltensregeln aus dem Prayogasāra

Einleitende Prosa: Im Prayogasāra heißt es. Die Zählung beginnt wiederum neu; „P“ bezeichnet diesen Abschnitt.

P 1 An einem Ort der Gottheit, am Sitz des Gurus, auf einer Verbrennungsstätte oder an einer Wegkreuzung soll man Sandalen, [eigenmächtiges] Sitzen, Stuhlgang, Urinieren, Geschlechtsverkehr und Ähnliches vermeiden.

P 2 Gottheit, Guru, Gurusitz, heiligen Bezirk, dessen Gottheiten, Vollendete und die Wohnstätten der Vollendeten soll man mit vorangestelltem „Śrī“ nennen.

P 3 Eine berauschte Frau, eine Frau aus einer gesellschaftlich ausgeschlossenen Gruppe, ein Mädchen, eine menstruierende Frau, eine Frau mit hängenden Brüsten, eine Frau von als unschön empfundener Gestalt, mit gelöstem Haar oder voller Liebesverlangen soll man nicht schmähen.

P 4 Man soll nicht auf die Genitalien eines Mädchens, auf sich paarende Tiere oder auf eine nackte Frau beziehungsweise eine Frau mit entblößten Brüsten starren. Fremden Besitz und die Gemahlin eines anderen soll man meiden.

P 5 Gegenüber Getreide, Kuh, Guru, Brahmane, Feuer, heiligem Wissen, Schatzkammer und Haus soll man die Füße nicht ausstrecken und diese Dinge auch nicht überschreiten.

P 6 Trägheit, Hochmut, Verblendung, Hinterlist, Verleumdung, Streit, Missgunst, Selbstüberhebung und Herabsetzung anderer soll man meiden.

P 7 Menschen mit religiösen Kennzeichen, Gelübdetreue und Brahmanen, Veden, Vedāṅgas und Saṃhitās, Purāṇas, Āgamas, Lehrschriften und Ritualtexte soll man nicht schmähen.

P 8–P 11a Joch, Stößel, Stein, Strick, Herd, Mörser, Worfelkorb, Besen, Stab, Fahne, Vaiḍūrya-Edelstein, Waffe, Krug, Wedel, Schirm, Spiegel, Schmuck und andere zum Gebrauch geeignete Dinge sowie Gegenstände der Yogapraxis, Dinge an großen heiligen Stätten oder im Tempel, als göttlich bezeichnete Gegenstände und von Wesen besetzte Dinge: Diese soll man niemals überschreiten oder mit dem Fuß berühren.

P 11b–P 13a Einer Gruppe, die in der Welt verhasst ist, zügellos umherzieht oder anderen Gewalt antut, soll man sich niemals anschließen. Gaben soll man nicht annehmen, um sich selbst Genuss zu verschaffen. Zur Verehrung von Gottheit und Guru aber darf man sich sorgfältig um Mittel bemühen.

P 13b–P 14a Stets soll man Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, gute Umgangsformen, Gleichmut, Standhaftigkeit, Geduld, Mitgefühl, Unanhaftung und die göttliche Kraft bewahren.

P 14b–P 16 Unter dem Schatten von Vibhītaka, Arka, Karañja und Snuhi soll man keinen Schutz suchen; ebenso [soll man den Schatten] von Säulen, Lampen, Menschen und anderen Lebewesen [meiden]. Wasser von Nagelspitzen, aus ausgeschütteltem Haar, von Badegewändern und aus [entsprechenden] Gefäßen sowie aufgewirbelten Staub von Eseln, Hunden und Ziegen soll man nicht berühren. Die ursächliche Gottheit und die von ihr geschaffene Lehre soll man nicht schmähen.

P 17–P 19 Auch Guru und Übende soll man nicht schmähen und den Schatten eines Liṅga nicht überschreiten. Abgelegte Opfergaben soll man weder essen noch überschreiten; ein in Shiva Eingeweihter darf sie essen. Die Weisung des Gurus soll man nicht übertreten und ihm nicht widersprechen. Tag und Nacht soll man seine Weisung wie ein Diener befolgen. Unwahre, unheilsame, ausschweifende und unangenehme Rede soll man meiden, ebenso Trägheit und besonders Begierde und Zorn.

P 20 [Die Vorlage lautet:] „Man spreche vor dem Guru irgendwann mit unbedecktem Mund.“ Man soll sich auf Reichtum, Getreidebesitz, Lebensstand und Ähnliches nichts einbilden.

Zur Lesung: Die erste Vershälfte enthält keine Verneinung, obwohl die entsprechende Regel im Eingangsabschnitt des Śvāsa das Bedecken des Mundes nennt. Dieser Widerspruch wird nicht durch eine unbelegte Ergänzung behoben.

P 21 Besitz des Gurus, den dieser nicht gegeben hat, darf man niemals gebrauchen. Was er gegeben hat, soll man als Gnadengabe annehmen, niemals aus Gier.

P 22–P 24 In Gegenwart des Gurus soll man die unterschiedslose Gleichstellung und eine gesonderte Gottesverehrung unterlassen. Sandalen, Yogaband und die anderen Kennzeichen des Gurus soll man ehrfürchtig behandeln, nicht überschreiten und nicht mit den Füßen berühren; stets soll man sich davor verneigen. Auf einem Lager liegen, die Beine ausstrecken, den Körper verdrehen und spielerisches Benehmen soll man in Gegenwart des Gurus unterlassen. Beim Kommen und Gehen soll man sich vor der Guru-Pādukā verneigen.

P 25–P 27 Auch den Schatten des Gurus soll man nicht überschreiten und nicht vor ihm hergehen. Aus seinem Haus soll man nach der Verneigung rückwärts hinausgehen. Vor dem Guru soll man weder die eigene Macht zeigen noch Schüler um sich sammeln, sich nicht überheben und nicht auffällig auftreten. In Gegenwart des höheren Gurus soll der Verständige sich nicht vor dem eigenen Guru verneigen; sieht dieser den Schüler dazu ansetzen, soll er ihn daran hindern.

P 28–P 30 Man soll den Guru nicht bedrängen oder ihm Vorwürfe machen und ihn nicht mit einem bloßen „du“ anreden. Schirme, Schuhe, Gewänder und Ähnliches, die ein anderer, auch ein Eingeweihter, benutzt hat, soll man nicht verwenden. Bei Mangel oder in einer Notlage liegt kein Fehler vor, wenn sie gewaschen sind. Bei Gegenständen von im eigenen Kula Eingeweihten und von Ācāryas liegt in der Verwendung kein Fehler. [Die Schlusswendung taddattādāhṛtādapi (?) ist bereits in der Vorlage als unsicher markiert; wie „gegeben“ und „genommen“ hier verbunden sind, bleibt offen.]

P 31–P 32a Speise und anderes, das durch Mantra verwendet oder geweiht wurde und aus dem Heiligtum der Göttin stammt, soll man ehrfürchtig auf dem Kopf tragen. Danach soll man es ins Wasser geben, sodass es nicht auf die Erde fällt.

P 32b–P 34 Auch in Not und bei einem Missgeschick soll man keinen Eid beim Namen des Gurus oder Gottes schwören. Geschieht es aus Unachtsamkeit dennoch, soll man sorgfältig erfüllen, worauf der Eid gerichtet war, und danach Verehrung, Japa und Feueropfer vollziehen. Wird die Aufgabe, für die der Eid geschworen wurde, nicht erfüllt, so besteht die Sühne, Göttin, in tausend Wiederholungen des eigenen Mantras.

P 35 Man soll keine Worte sprechen, die Menschen aufwühlen, sie an empfindlichen Stellen verletzen oder ihre innere und äußere Ruhe erschüttern.

P 36 Auch wenn eine Kleidung schön und strahlend ist und dem eigenen Herzen sehr gefällt, soll man sie nicht tragen, wenn sie den Hass der Menschen hervorruft.

P 37–P 39 Ein Eingeweihter, der die hier beschriebenen Verhaltensweisen für dieses und das nächste Leben ehrfürchtig beachtet, gelangt zum Frieden. Mit lauterer Absicht soll man besonders Frauen die Überlieferungsvereinbarungen mitteilen. Durch deren Einhaltung entsteht bald Vollendung. Wer in ihnen feststeht, dem wendet sich der Mantra stets zu; ihm werden alle Vollendungen bis hin zur Befreiung zuteil.

P 40–P 41 und unnummerierte Fortsetzung Bei den Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen, Sonnen- und Mondfinsternissen, am achten Mondtag und zu Vollmond wird anlassbezogenes Japa ausgeführt. Es soll dreimal so umfangreich wie das tägliche sein; auch Verehrung soll stattfinden. Gaben, Feueropfer und Verehrung sollen mit rechtmäßig erworbenen Mitteln ausgeführt werden. Geschieht dies nicht, fällt man nach dem Text, Herrin, selbst wenn man mit Hingabe handelt.

Abschließende Prosa: So endet der Samayācāra.

Lehrerwahl und unterschiedliche Aussagen zur Einweihungsberechtigung

Die folgenden Zitate vertreten teilweise gegensätzliche Auffassungen über Herkunft, Geschlecht und Lebensstand. Ihre Rangordnungen werden als historische Aussagen übersetzt. Auch die beschriebenen gewaltsamen Lehrerprüfungen sind keine Empfehlung für heutige Beziehungen. Die Kürzel vor den Verszahlen unterscheiden die jeweils neu beginnenden Zitatreihen; sie gehören nicht zum Sanskritoriginal.

Nāradapañcarātra (NP 1–NP 7): Ein Brahmane, der alle Zeiten kennt, soll allen die Gnade der Einweihung gewähren. Fehlt ein solcher, bester Zweimalgeborener, so kann ein Kṣatriya dies für Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras tun, wenn er friedvollen Geistes, von Gott erfüllt, innerlich geläutert, umfassend wissend, schriftkundig, guten Handlungen ergeben, mit den drei Vollendungen ausgestattet und zum Ācārya geweiht ist. Fehlt auch ein solcher Kṣatriya als Guru, soll ein entsprechender Vaiśya den beiden verbleibenden Gruppen die Einweihung gewähren. Ein Śūdra soll Gnadeneinweihung und Weihe stets von einem ebenso beschaffenen Angehörigen seiner eigenen Gruppe erhalten. Ist jedoch ein Guru einer höheren Gruppe vorhanden oder als solcher bekannt, im eigenen Land oder anderswo, soll derjenige, der Heil erstrebt, nicht anders verfahren. Wer bei dessen Vorhandensein die Ordnung umkehrt, gehe hier und jenseits zugrunde; deshalb soll man nach der Schrift handeln. [Vers 4 enthält eine ausdrücklich unsichere Lesung. Der letzte Halbvers von NP 7 lautet dem Wortlaut nach, ein Kṣatriya, Vaiśya oder Śūdra „solle in umgekehrter Rangfolge einweihen“. Das widerspricht dem vorangehenden Verbot; eine möglicherweise fehlende Verneinung wird hier nicht stillschweigend ergänzt.]

NP 8–NP 10: Vielesser, Zauderer, nach Sinnesgegenständen Gierige, Menschen, die an streitender Beweisführung hängen, Böswillige, Wortzänker und Verächter guter Eigenschaften werden genannt; ebenso Haarlose, übermäßig Behaarte, Anhänger eines verachteten Lebensstandes, Menschen mit schwarzen Zähnen, dunklen Lippen und übelriechendem Atem. Ein mit solchen ungünstigen Kennzeichen ausgestatteter Ācārya, der an der Annahme vieler Geschenke hängt, sei zu beurteilen, selbst wenn er Īśvara selbst wäre. [Das abschließende śrīvahāvahaḥ ist unklar; die genaue abschließende Bewertung lässt sich nicht zuverlässig übersetzen. Körpermerkmale werden hier historisch als Ausschlussgründe aufgeführt.]

Jñānonnayana (JN 1): Ein vom Vater, vom Großvater mütterlicherseits, vom jüngeren leiblichen Bruder oder von jemandem aus dem Lager eines Feindes erhaltener Mantra sei kraftlos.

JN 2–JN 3 und unnummerierte Fortsetzung: Ein Haushälter, der Genuss und Befreiung erstrebt, soll, große Herrin, die Mantraeinweihung nicht von Bettelasketen, Waldeinsiedlern oder Brahmacārins empfangen. Denn die besitzlosen Asketen haben ihre Opferfeuer aufgegeben und vollziehen die entsprechenden Riten nicht mehr; ebenso verhalte es sich mit den Waldeinsiedlern, während die Brahmacārins diese Voraussetzungen noch nicht vollständig erfüllen. Deshalb komme ihnen nach dieser Aussage keine Befugnis zur Erteilung der Einweihung zu, große Herrin.

Bhairavītantra (BT 1 und unnummerierte Fortsetzung): Ein asketisch lebender, wahrhaftiger Haushälter mit gefestigtem Geist wird genannt. Ein Haushälter, der Genuss und Befreiung erstrebt, soll bei der Einweihung, Geliebte, weder einen entsagenden Asketen noch einen Vaikhānasa-Waldeinsiedler noch einen Brahmacārin als Guru wählen. [Der erste Halbvers ist syntaktisch knapp; die positive Eignung des dort genannten Haushälters ergibt sich aus dem Zusammenhang.]

Wechselseitige Prüfung von Guru und Schüler

Einleitende Prosa: Über die Prüfung von Guru und Schüler heißt es im Kulārṇava:

GP 1–GP 4: Aus Einsicht oder auch aus Mitgefühl soll der Guru den Schüler sorgfältig ein Jahr, ein halbes Jahr oder ein Vierteljahr prüfen. Höhergestellte soll er mit niedrigen Aufgaben, Niedriggestellte mit hohen Aufgaben betrauen; er soll Hingabe von Leben und Besitz und anderes verlangen und leichte wie schwierige Befehle erteilen. Wiederholt soll er mit Worten, die empfindliche Punkte treffen, mit Täuschungen, grausamen Handlungen, Parteilichkeit und Gleichgültigkeit prüfen. Wer beschimpft oder geschlagen wird und dennoch nicht verzagt, soll stets freudig denken: „Der Guru erweist mir Gnade.“ [Hier beschreibt die Quelle ausdrücklich demütigende und gewaltsame Prüfungen; ihre Darstellung begründet keine heutige Pflicht, Misshandlung zu dulden.]

GP 5–GP 6: Wenn Menschen beim Erinnern an den verehrten Guru, beim Preisen, beim Anblick, bei der Verneigung, beim Dienst, beim Herbeirufen oder Aussenden Freude, Zittern, Haarsträuben und Veränderungen von Stimme, Augen und anderem erfahren, gelten sie hier als geeignet für Einweihung und entsprechende Weihehandlungen, Geliebte.

GP 7–GP 8: Auch der Schüler soll den Guru anhand dieser Kennzeichen prüfen: anhand von Freude und anderem, von Japa, Lobgesängen, Meditation, Feueropfer und Verehrung. Erst wenn er dessen Fähigkeit zur Unterweisung in Erkenntnis, dessen Mantravollendung und dessen Fähigkeit, Verständnis zu wecken, erkannt hat, soll er Schüler werden, Herrin; andernfalls nicht.

Überleitung: Im selben Werk werden geringere, mittlere und höchste Schüler unterschieden.

GP 9–GP 12: Je nachdem, ob sich ihre Hingabe am Anfang, in der Mitte oder am Ende entfaltet, werden Schüler als gering, mittel oder hervorragend bezeichnet. Wer am Anfang, bei der Einweihung, Hingabe zeigt, sie danach jedoch verliert, heißt einer mit anfänglicher Hingabe. Wer zur Zeit der Einweihung noch ohne Erkenntnis und erfahrungsgetragenes Wissen ist, dessen geistige Trägheit jedoch durch Hingabe vernichtet wird, gilt als in der Mitte geeignet. Wer zunächst ohne Hingabe ist, in der Mitte hingebungsvoll sein mag oder auch nicht, am Ende jedoch große Hingabe besitzt, gilt als am Ende geeignet.

Śāradā (ŚZ 1 und unnummerierte Fortsetzung): Ein Brahmane wird nach einem Jahr geeignet, ein Kṣatriya nach zweien, ein Vaiśya nach drei und ein Śūdra nach vier Jahren. Wer dem Guru aufmerksam dient, soll dann für Einweihung, Opfer, Gelübde und andere Handlungen angenommen werden.

Einander widersprechende Stimmen über den Zugang zu Mantras

Einleitende Prosa: Hier werden Aussagen angeführt, nach denen Śūdras keine Berechtigung zu Mantras besitzen; so im Mahākapilapañcarātra:

MK 1–MK 4: Ein dem Veda entstammender Mantra besteht nicht unter Ausschluss des vedischen Praṇava. Deshalb gilt der Veda als höchster Mantra, und der Āgama wird als Glied des Veda bezeichnet. Alle Handlungen wie Unterwerfung und Anziehung, die sichtbare und unsichtbare Früchte verleihen, werden im Kali-Zeitalter durch den Veda, durch Planetenopfer und anderes verwirklicht. Ohne Veda gibt es keine Opfer, und ohne Opfer gibt es keine Veden. Deshalb ist der Veda der höchste Mantra; ein vom Veda getrennter Mantra gilt nicht als solcher. Für Śūdras bestehe keine Berechtigung zum Mantra: Das sei die oberste Regel. Weil ihnen der Mantra fehle, seien alle ihre Handlungen ohne Mantra vorgeschrieben.

Śātātapasaṃhitā (ŚS 1): So viele Silben von Mantras man einem Śūdra vermittelt, so viele Tötungen eines Brahmanen lade man auf sich; dies habe Prajāpati selbst gesagt.

Überleitung: Andernorts wird jedoch auch das Fehlen eines solchen Verbotes überliefert.

Bhaviṣya (BH 1): Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, die rein und unbefleckt sind, soll man Mantras geben; nicht jedoch Menschen, deren religiöse Pflichten vermischt sind.

Yoginītantra (YT 2): Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, deren Absicht bei der Verehrung rein ist und die sich der Verehrung von Guru, Gottheit und Zweimalgeborenen widmen, besitzen die Berechtigung. [Die Vorlage führt diese zweite Aussage unter der Nummer 2 und benennt ihre Quelle erst anschließend.]

Padmapurāṇa (PP 1–PP 3): Für Brahmanen und die nachfolgenden Gruppen wird die vedische oder gemischte Verfahrensweise vorgeschrieben; die tantrische wird auch für den den Brahmanen ergebenen Śūdra genannt. Auch Śūdras sollen Vishnu vertrauensvoll nach dem im eigenen Āgama gelehrten Verfahren verehren, indem sie den Herrn im Herzen vergegenwärtigen. Auch Frauen besitzen die Berechtigung zur Verehrung Viṣṇus und zu anderen entsprechenden Handlungen, wenn sie dem Wohlgefallen ihres Ehemannes ergeben sind: Dies wird als ewige Überlieferung bezeichnet.

Erläuternde Prosa: „Dem Ehemann lieb“ bezieht sich auf Frauen, deren Ehemann lebt. „Im Herzen vergegenwärtigend“ soll auf Frauen bezogen werden, deren Ehemann gestorben ist. [Das Wort pati kann „Herr“ oder „Ehemann“ bedeuten; der Kommentar deutet die betreffende Wendung auf den verstorbenen Ehemann.]

Tantrarāja (TV 1–TV 2 und unnummerierte Fortsetzung): Für die Zweimalgeborenen werden die vom Veda gelehrten Saṃskāras genannt. Bei jedem dieser Riten sollen sie die vorgeschriebene Handlung mit der Vidyā vollziehen. Überall sollen sie die gebotene Handlung unter Erinnerung an die Vidyā ausführen. Dadurch wird gewiss bei allem das Einswerden mit ihr erreicht. Auch bei den anderen Herkunftsgruppen soll man das Verfahren mit der Vidyā vollziehen.

Bhaviṣyottara (BO 1): Eine tugendhafte, von ihrem Ehemann getrennte und selbstständig gewordene Frau soll Mantras empfangen, wenn sie dazu fähig ist. [Die abschließende Wendung samartrī tada (va ? nu)jñayā ist beschädigt; ob und wessen Zustimmung zusätzlich verlangt wird, bleibt hier offen.]

Anschließender Vers (BO 2): Jede Götterverehrung und ähnliche Handlung, die ohne die eigenen religiösen Pflichten vollzogen wird, stürzt augenblicklich zusammen wie ein Palast aus Sand. [Zwischen dieser und der folgenden Zitatreihe steht in der Vorlage iti kulārṇave; die Quellenabgrenzung wird hier nicht durch eine stillschweigende Umstellung vereinheitlicht.]

Kulārṇava, anschließende Reihe (KA 1): Bei einer Witwe ist die Anweisung des Sohnes, bei einem Mädchen die Erlaubnis des Vaters, bei einer Ehefrau die Erlaubnis des Ehemannes maßgeblich. Eine Frau besitze nicht aus sich selbst die Berechtigung.

Anschließender Vers, mit Schlussverweis auf das Rudrayāmala (KA 2): Dieser auf namaḥ endende Mantra bringt Frauen und Śūdras Heil. Wenn man dies weiß, Mahāsena, soll man sogar Caṇḍālas einweihen.

Erläuternde Prosa: Gemeint ist der Prāsāda-Mantra. Weiter heißt es:

Weitere Zitatreihe (RB 1–RB 3 und unnummerierte Fortsetzung): Śūdras, die sich besonders reinen Gelübden widmen, religiös leben und Zweimalgeborenen dienen, ihrem Ehemann treue Frauen und Menschen aus Verbindungen unterschiedlicher Herkunftsgruppen, in beiden Rangrichtungen, ja alle bis hin zu den Caṇḍālas sind hier berechtigt, wenn sie den Pflichten ihrer Herkunft folgen und dem Herrn aller ergeben sind. Allen soll die Unterweisung entsprechend ihrer jeweiligen Gruppe gegeben werden. Einen vedischen Mantra sollen Śūdras und Frauen niemals rezitieren. Die Kundigen lehren für sie einen auf namaḥ endenden Śiva- oder Viṣṇu-Mantra.

Yājñavalkya (YV 1): Gibt ein Zweimalgeborener einem Śūdra einen mit svāhā und Praṇava verbundenen Mantra, so gehe der Śūdra in die Hölle, während der Brahmane selbst zum Śūdra werde.

Yāmala (YA 1): Eignung, Hingabe und gute Eigenschaften soll man der Reihenfolge nach bei den Herkunftsgruppen einschließlich der gemischten Gruppen ein, zwei, drei, vier oder fünf Jahre prüfen.

Die symbolischen Herkunftsklassen der Mantras

Kulārṇava (MV 1): Auch ein Mantra kann Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya oder Śūdra sein. Er soll in der absteigenden Rangfolge weitergegeben werden, bisweilen jedoch auch in umgekehrter Folge.

Vāmakeśvara (VM 1): Die Mantras werden als Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras sowie als Angehörige der Paurastya-Gruppe bezeichnet und den Herkunftsgruppen einschließlich ihrer Mischungen zugeordnet. [Die Vorlage spricht dabei von „vier Arten“, führt aber zusätzlich paurastya auf; diese Spannung bleibt erhalten.]

Sautrāmaṇītantra (ST 1–ST 2 und unnummerierte Fortsetzung): Das Māyā-Bīja gilt als Brahmane, das Śrī-Bīja als Kṣatriya, das Kāma-Bīja als Vaiśya und das Vāgbhava-Bīja als Śūdra. Ein Mantra ohne diese vier Bījas wird Paurastya genannt. Für Brahmanen werden vier Bījas, für Kṣatriyas drei, für Vaiśyas zwei und für Śūdras eines genannt.

Kulamūlāvatāra – die verehrte Göttin spricht (KM 1–KM 2): Zum Wohl der Übenden möchte ich hören, wie sich die Praxis in den Traditionen der Śakti, Śivas, der Sonne, Gaṇeśas und Viṣṇus für Brahmanen, Kṣatriyas und die übrigen Herkunftsgruppen, besonders auch für die gemischten, unterscheidet. Welche Mantras gehören jeweils zu welchen? Erkläre diese Unterscheidung, Śaṅkara.

Īśvara spricht (KM 3–KM 4): Die Mantras von Umāmaheśvara, Dakṣiṇāmūrti, Aghora, Hayagrīva, Varāha, ferner der achtsilbige Mantra, der mit Praṇava beginnende Vāsudeva-Mantra und der Lakṣmīnārāyaṇa-Mantra sollen den ersten drei Herkunftsgruppen gegeben werden, niemals einer anderen.

KM 5: Der Pāśupata-, Nārasiṃha- und Sudarśana-Mantra sollen den ersten beiden Herkunftsgruppen gegeben werden, niemals den beiden anderen.

KM 6–KM 7: Alle Agni- und Sūrya-Mantras sowie die mit Tāra beginnenden Ghṛṇi-Mantras sollen den ersten drei Herkunftsgruppen gegeben werden. Der Anuṣṭubh-Mantra, die Śakti-Mantras sowie die Mantras der Vindhyanivāsinī und der Nīlasarasvatī sollen der ersten Herkunftsgruppe gegeben werden. [Tāra ist hier ein überlieferter Mantracodename; die Quelle schreibt die vollständigen Formeln an dieser Stelle nicht aus.]

KM 8: Mātaṅgī, Ugratārā, Kālikā, Śyāmalā, Chinnamastā und Bālā sollen allen Herkunftsgruppen gegeben werden.

KM 9: Der mit Tāra beginnende Gaṇeśa-Mantra und der Haridrā genannte Mantra sollen nur den ersten drei Herkunftsgruppen gegeben werden; sie gelten als Spender aller Vollendungen.

KM 10: Die Mantras Tripurās und die Mantras Vaṭukas und weiterer Gottheiten sollen allen Herkunftsgruppen gegeben werden, insbesondere Frauen.

KM 11–KM 13: Māyā, Lakṣmī, Praṇava, Vāgbhava und ein weiteres Bīja werden genannt; ein mit diesen Bījas verbundener Mantra soll der ersten Herkunftsgruppe gegeben werden. Māyā, Lakṣmī und Vāgbhava werden auch für Kṣatriyas genannt; Lakṣmī und Vāgbhava für Vaiśyas. Für Śūdras werden Vāgbhava und ein weiteres Bīja angegeben. Für gemischte Herkunftsgruppen werden mit Hṛd und anderem sowie mit huṃ und phaṭ verbundene Formen empfohlen. [Die knappe Schlussformulierung mit wiederholtem ādi lässt die genaue Anordnung offen. Es wird daraus keine neue Mantraformel hergestellt.]

Mantra und Vidyā, Feuer und Mond

Kulaprakāśatantra (KPm 1): Alle Mantras entstehen aus den Unterschieden der fünfzig Laute. Nach der Unterscheidung von Mantra und Vidyā werden sie in zwei Arten eingeteilt.

KPm 2–KPm 3: Weibliche Mantras enden mit der „Gemahlin des Feuers“, also Svāhā; neutrale enden mit Hṛdaya, der hier als Mantracodename verwendeten Herzformel. Die übrigen werden männlich genannt. Weibliche Mantras werden für Befriedungsriten, neutrale für Entzweiung und Schadenszauber, männliche für Unterwerfung und Vertreibung eingesetzt. [Diese rituellen Zuordnungen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben.]

KPm 4 und unnummerierte Fortsetzung: Alle Mantras haben das Wesen von Feuer und Soma. Solche, in denen Repha, Oṃ und der Raumlaut vorherrschen, sind feurig und gehören zu heftigen Handlungen. Die vorwiegend vom Mondnektar geprägten sind mondhaft und werden für friedvolle Handlungen genannt.

Nārāyaṇīya (NY 1): Ein Mantra, in dem das Ende von Tāra, Feuer und Raum vorherrschen, gilt als feurig; der übrige als mondhaft. Beide werden entsprechend für heftige beziehungsweise friedvolle Handlungen empfohlen. [Die Angaben sind verschlüsselte Lautbezeichnungen; eine vollständige Entschlüsselung wird hier nicht ergänzt.]

NY 2: Ein feuriger Mantra wird gewöhnlich mondhaft, wenn ihm am Ende namaḥ hinzugefügt wird. Entsprechend ist die Veränderung eines mondhaften Mantras durch Hinzufügung von phaṭ zu verstehen. [Die zweite Vershälfte benennt das Ergebnis nicht ausdrücklich; die Gegenüberstellung legt „feurig“ nahe.]

NY 3–NY 4: Wenn der Atem in Piṅgalā strömt, sind die feuerartigen Mantras erwacht. Wenn er in Iḍā strömt, erwachen die mondartigen. Wenn der Atem durch Piṅgalā und Iḍā geht, sind alle erwacht. Im erwachten Zustand tragen alle Mantras für die Übenden Frucht, Umā.

Bṛhannārāyaṇīya (BN 1–BN 2 und unnummerierte Fortsetzung): Ein schlafender oder eben erst erwachter Mantra verleiht keine Vollendung. Beim feurigen Mantra ist die Zeit des Schlafes die des links fließenden Atems, die des Wachens die des rechts fließenden; beim mondhaften Mantra ist es umgekehrt. Als Zeit des vollständigen Erwachens beider soll man den Atemfluss auf beiden Seiten erkennen. Zur Schlafenszeit des Mantras bringt dessen Wiederholung ungünstige Früchte.

Śivayāmala (SY 1 und unnummerierte Fortsetzung): Man soll die anfänglichen Laute bis einschließlich la, mit Bindu versehen, sorgfältig umschließen; danach dieselben mit Visarga und kṣa für sich rezitieren. Auf diese Weise rezitiert, sei der Mantra erwacht und verleihe rasch Vollendung. [Die Anweisung zur Umschließung ist verkürzt; auch das anschließende japtopadidṛścet ist beschädigt. Die genaue Folge und Bedingung lässt sich daraus nicht verlässlich bestimmen.]

Mantrafehler: überlieferte Bezeichnungen und Definitionen

Einleitung (MD-E 1 und unnummerierte Fortsetzung): Nun werde ich zum Wohl der Übenden die im Kālī-Lehrsystem genannte Gesamtheit der Mantrafehler und ihre Behebung darstellen, unterschieden nach äußeren und inneren Gesichtspunkten und entsprechend den Aussagen der jeweiligen Tantras.

Überleitung: Dazu heißt es in der Śāradā:

MD 1–MD 7: Mantras mit Fehlern wie dem „Abgeschnittensein“ beschützen den Übenden nicht. Genannt werden: abgeschnitten, blockiert, kraftlos, abgewandt, taub, augenlos, festgenagelt, erstarrt, verbrannt, erschreckt, verängstigt, befleckt, zurückgewiesen, gespalten, tief schlafend, berauscht und verwirrt, ohnmächtig, der Wirkkraft beraubt, mangelhaft, zerstört, kindlich, knabenhaft, jugendlich, erwachsen, alt, schwertartig, samenlos, ohne Vollendung, träge, verdichtet, ohne Teile, ohne Stärke, schielend, ohne Keimsilbe, verraucht, umschlungen, verblendet, hungernd, übermütig, gliederlos, überaus zornig, überaus grausam, beschämt, ruhigen Geistes, vom eigenen Platz abgekommen, beeinträchtigt, überaltert, ohne Zuneigung und bedrängt. Ihre Kennzeichen werde ich erklären. [Die Lesung bei „träge, verdichtet“ in MD 4 ist in der Vorlage unsicher; diese Bezeichnungen werden in den nachfolgenden Definitionen ausdrücklich bestätigt. Die anthropomorphen Namen sind technische Kategorien dieser Überlieferung.]

MD 8–MD 9a: Ein Mantra heißt „abgeschnitten“, wenn an seinem Anfang, in seiner Mitte oder an seinem Ende das Wind-Bīja erscheint, verbunden oder unverbunden, mit einem Vokal versehen, dreifach, vierfach oder fünffach.

MD 9b–MD 10a: Ein Mantra, der an Anfang, Mitte und Ende mit einem Paar von Erd-Bījas gekennzeichnet ist, gilt als „blockiert“ und verleiht weder Genuss noch Befreiung.

MD 10b–MD 12a: Ein Mantra ohne Māyā-, Tritattva-, Śrī-Bīja und Rāva wird „kraftlos“ genannt. Fehlen in seiner Mitte das Kāma-Bīja, am Anfang Māyā und am Ende Aṅkuśa, heißt er „abgewandt“.

MD 12b–MD 13: Fehlt an Anfang, Ende oder Mitte ha mit Bindu oder Indu, wird der Mantra „taub“ genannt. Ein fünfsilbiger Mantra ohne Repha, Sonne und Mond gilt als „augenlos“ und bringe Leid, Kummer und Krankheit. [Die Lautnamen werden im nachfolgenden Quellenkommentar erklärt.]

MD 14–MD 15a: Fehlen an Anfang, Mitte und Ende Haṃsa, Prāsāda und Vāgbhava, ferner ha mit Bindu, Jīva, Rāva, Catuṣkala, Māyā und das Wort namāmi, so heißt der Mantra „festgenagelt“. [Die genaue Verbindung der Alternativen ist im knappen Grundvers nicht eindeutig; der Kommentar entfaltet eine abweichende Lautanalyse.]

MD 15b–MD 16a: Sind Astra und Purandara einmal in der Mitte und zweimal am Ende vorhanden, heißt der Mantra „erstarrt“ und hemmt die Vollendung.

MD 16b–MD 17a: Ein Mantrakenner soll einen Mantra „verbrannt“ nennen, wenn an seinem Kopf siebenfach das mit Wind verbundene Feuer erscheint.

MD 17b–MD 18: Erscheint Astra mit Abständen von zwei, drei, sechs oder acht Silben, heißt der Mantra „erschreckt“. Fehlen an seinem Anfang Praṇava, Śiva oder Śakti, wird er „verängstigt“ genannt.

MD 19: Ein Mantra, an dessen Anfang, Mitte und Ende vier ma-Laute auftreten, heißt „befleckt“; ein Mantrakenner soll ihn meiden.

MD 20: Steht in der Mitte da oder Krodha und am Ende zweimal Astra, heißt der Mantra „zurückgewiesen“.

MD 21: Ein Mantra mit zweimal Oṃ am Anfang, Vaṣaṭ am Ende und Astra in der Mitte heißt „gespalten“; die Kundigen sollen ihn bei Vollendungspraktiken meiden. [Der Kommentar bezieht die Zweizahl auch auf Astra.]

MD 22–MD 24a: Ein dreisilbiger Mantra ohne Haṃsa wird „tief schlafend“ genannt. Ein Mantra oder eine Vidyā von siebzehn Silben mit fünf phaṭ am Anfang heißt „berauscht und verwirrt“. Steht die entsprechende Astra-Folge in der Mitte, heißt er „ohnmächtig“; steht sie an der Schlussstelle, wird er „der Wirkkraft beraubt“ genannt. [Der Grundtext nennt hier siebzehn Silben; der nachfolgende Kommentar deutet die Wendung ausdrücklich als achtzehn. Die Differenz bleibt sichtbar.]

MD 24b–MD 26a: Ein achtzehnsilbiger Mantra mit vier Astra-Lauten an Anfang, Mitte und Ende gilt als „mangelhaft“. Ein neunzehnsilbiger Mantra, der mit Tāra, Hṛllekhā und Aṅkuśa-Bīja verbunden ist, wird „zerstört“ genannt.

MD 26b–MD 28: Ein siebensilbiger Mantra heißt „Kind“, ein achtsilbiger „Knabe“, ein sechzehnsilbiger „Jugendlicher“ und ein vierzigsilbiger „Erwachsener“. Ein Mantra mit dreißig, vierundsechzig, hundert oder vierhundert Silben wird „alt“ genannt. Ein neunsilbiger mit Dhruva verbundener Mantra heißt „schwertartig“. [Der Kommentar liest die vierte Zahl nicht als vierhundert, sondern als hundertvier.]

MD 29–MD 30a: Fehlen am Ende Hṛdaya, in der Mitte der Kopf-Mantra, Śikhā und Varma, ferner Vauṣaṭ und Phaṭ, oder fehlen die Laute Śivas und Śaktis, heißt der Mantra „samenlos“. [Die Verteilung der Formeln wird im Kommentar anders gegliedert.]

MD 30b–MD 32a: Ein Mantra, in dem an diesen Stellen sechsmal phaṭ erscheint, ist „ohne Vollendung“. Ein zehnsilbiger heißt „träge“, ein einsilbiger „verdichtet“ und auch „ohne Teile“. Ein zweisilbiger ist „ohne Stärke“, ein viersilbiger „schielend“.

MD 32b–MD 34: Ein sechssilbiger ist „ohne Keimsilbe“. Ein Mantra von sechseinhalb oder zwölfeinhalb Silben gilt als „verraucht“ und wird getadelt; entsprechend auch einer mit dreieinhalb Bījas. Ein Mantra von einundzwanzig, zwanzig oder dreißig Silben heißt „umschlungen“; ein zweiundzwanzigsilbiger „verblendet“. [Die Zuordnung des dreieinhalbsilbigen Falls folgt der ausdrücklichen Erklärung im nachfolgenden Kommentar.]

MD 35–MD 36: Ein vierundzwanzig- oder siebenundzwanzigsilbiger Mantra heißt „hungernd“. Ein Mantra mit vierundzwanzig, elf, fünfundzwanzig oder dreiundzwanzig Silben wird „übermütig“ genannt.

MD 37–MD 39: Ein Mantra mit sechsundzwanzig, sechsunddreißig oder neunundzwanzig Silben heißt „gliederlos“. Einer mit achtundzwanzig oder einunddreißig Silben heißt „überaus zornig“ und wird für alle Handlungen getadelt. Einer mit dreißig oder dreiunddreißig Silben heißt „überaus grausam“ und wird ebenfalls für alle Handlungen getadelt.

MD 40–MD 42a: Mantras von vierzig bis dreiundsechzig Silben heißen „beschämt“. Fünfundsechzigsilbige heißen „ruhigen Geistes“. Von fünfundsechzig bis neunundneunzig Silben werden sie von den Kundigen als „vom eigenen Platz abgekommen“ bezeichnet. [Die überlappende Grenze bei fünfundsechzig steht so im Grundtext; der Kommentar nennt später auch sechsundsechzig als Anfang.]

MD 42b–MD 44a: Dreizehn- und fünfzehnsilbige Mantras heißen „beeinträchtigt“. Bei hundert, hundertfünfzig, zweihundert, zweiundneunzig oder einer weniger sowie dreihundert Silben werden Mantras „ohne Zuneigung“ genannt. [Dies ist zunächst die Zahlenfolge des Verses; der Kommentar verbindet „zweihundert“ mit den nachfolgenden Zahlen und erhält zweihundertzweiundneunzig und zweihunderteinundneunzig.]

MD 44b–MD 45: Von vierhundert bis tausend Silben heißt ein Mantra „überaltert“ und soll von den Kundigen bei Anwendungen stets gemieden werden. Mantras mit mehr als tausend Silben sind Daṇḍakas und werden „bedrängt“ genannt.

MD 46–MD 47 und unnummerierte Fortsetzung: Mantras von zweitausend Silben, in hundert Abschnitte geteilt, soll man als Lobgesänge erkennen. Wie die Mantras hier beschrieben sind, so sollen Mantrakenner bei Handlungen, die bestimmte Wünsche erfüllen sollen, auch die Vidyās verstehen. Wer in Unwissenheit einen Mantra verehrt, ohne diese Fehler zu kennen, erlangt nach dieser Aussage auch in Hunderten von Millionen Weltaltern keine Vollendung.

Der überlieferte Kommentar zu den Mantrafehlern

Vorbemerkung des Verfassers: Nun wird die Bedeutung dieser Verse niedergeschrieben, wie sie aus dem Mund des verehrten Lehrers verstanden wurde.

Zu MD 8–MD 9a, „abgeschnitten“: „Am Anfang, in der Mitte und am Ende“ sind zusammenfassende Ortsangaben. Das Wind-Bīja ist ya; nach der Überlieferung wird hier auch das Māyā-Bīja verstanden. Denn im Śaivāgama heißt es: „Die Namen des Māyā-Bījas sind Mālinī, Śivavallarī, Vātāvartiphalā, Vāṇībīja, Śakti und Kuṇḍalī.“ „Verbunden“ heißt beim Wind-Bīja: mit einem anderen Laut verbunden; „unverbunden“: ohne diesen. Beim Māyā-Bīja bedeutet die Vokalverbindung die Verbindung mit einem langen Vokal.

Im Lakṣasāgara heißt es: „Ein Mantra, an dessen Anfang, Mitte oder Ende das mit einem Vokal verbundene Wind-Bīja beziehungsweise Ekavīra vierfach, fünffach oder zweifach erscheint, heißt gespalten.“ Das Wind-Bīja ist ya, Ekavīra ist hraḥ. Die Verbindung mit langen Vokalen wird durch die Folge hrāṁ hrīṃ hrūṃ hraiṃ hrauṃ hraḥ erläutert. Als Beispiel führt die Quelle die folgende eingeschobene Bīja-Folge an: aghorebhyo'tha hrāṁ ghorebhyo hrīṃ ghoraghoratarebhyo hrūṃ sarvataḥ sarvaśarvebhyo hraiṃ namaste rudrarūpebhyaḥ hrauṃ. [Das Beispiel wird in der überlieferten Gestalt erhalten; es ist keine neu zusammengestellte Praxisformel.]

Zu MD 9b–MD 10a, „blockiert“: Das Erd-Bīja ist la. Zwar sagt der Grundtext, an jeder der drei Stellen stehe ein Paar; nach einer anderen Tantraaussage soll jedoch am Anfang und Ende je ein Paar und in der Mitte eine Dreiergruppe verstanden werden. So im Lakṣasāgara: „Zweifach vorn, dreifach in der Mitte und wieder zweifach am Ende, Geliebte: Ist ein Mantra so mit Vajrin verbunden, heißt er blockiert.“ Vajrin ist la. Auch im Piṅgalāmata wird das Indra-Bīja in derselben Verteilung genannt und der Mantra „blockiert“ genannt.

Zu MD 10b–MD 11a, „kraftlos“: Māyā ist das Bīja Bhuvaneśvarīs; Tritattva ist Praṇava oder huṃ; Rāva ist phreṃ. Nicht alle gemeinsam sind erforderlich. Ein anderes Tantra sagt: „Fehlen Māyā-Bīja, Tritattva und Rāva oder Śrīgṛha, so wird der Mantra kraftlos genannt.“ Im Piṅgalāmata heißt es: „Wo Māyā-Bīja oder Tritattva oder Śrīgṛha nicht vorhanden ist, heißt der Mantra kraftlos; er schädigt die Fähigkeit des Mantraübenden.“

Zu MD 11b–MD 12a, „abgewandt“: „Mund“ bedeutet Anfang, „Kopf“ Ende; die Verbindung ist zusammenfassend. Der Lakṣasāgara erläutert: „Wo in der Mitte das Kāmakalā-Bīja, am Anfang Māyā und am Ende Aṅkuśa fehlen, ist der Mantra abgewandt.“ Entsprechend sagt das Piṅgalāmata, ein solcher Mantra werde bei allen Handlungen getadelt.

Zu MD 12b, „taub“: Indu bezeichnet sa, ebenfalls mit Bindu. Es wird nicht verlangt, dass der betreffende Laut an allen drei Stellen vorkommt. Der Lakṣasāgara sagt: „Wo am Anfang, am Ende oder in der Mitte der mit Śūnya und Bindu verbundene Laut oder das Jīva-Bīja nicht vorhanden ist, gilt der Mantra als taub.“ [Die genaue erste Lautverbindung bleibt in diesem Zitat verkürzt.]

Zu MD 13, „augenlos“: Arka ist ha, Indu ist sa; die Vorlage zeigt beim zweiten Namen eine unsichere Lesung. Feuer, Sonne und Mond sind die Augen der Gottheit und gelten deshalb auch als Augen der Mantras. Im Piṅgalāmata heißt es: „Ein fünfsilbiger Mantra ohne Feuer, Mond und Sonne gilt als augenlos; er bringt Leid, Kummer und Furcht.“

Zu MD 14–MD 15a, „festgenagelt“: Haṃsa bezeichnet seine eigene Lautgestalt; Prāsāda ist hauṃ, Vāgbhava aiṃ, Jīva sa. Die Erklärung verbindet Jīva mit ha, au und Bindu und nennt das Bīja in der überlieferten Schreibweise shauṃ. Im Piṅgalāmata heißt es: „Wenn Ātman, mit dem achten Vokal verbunden, auf Jīva ruhend und mit Bindu versehen, nicht erscheint, oder Catuṣphala; wenn Prāsāda, Vāgbhava, Haṃsa oder Māyā an Anfang, Mitte oder Ende erscheint, nennt man dies festgenagelt.“ [Die zweite Hälfte des Zitats enthält in der Vorlage keine Verneinung und steht damit in Spannung zur Definition; sie wird hier nicht ergänzt.]

Ātman ist ha. Dass o der achte Vokal heißt, beruht auf der Zusammenzählung kurzer und langer Vokale, wie im Akaḍama-Cakra. Rāva ist phreṃ, Catuṣkala ist hūṃ. [Der Kommentar nennt o, seine vorausgehende Lautbildung jedoch au; auch diese Differenz bleibt sichtbar.]

Zu MD 15b–MD 16a, „erstarrt“: „Am Kopf“ bedeutet am Ende. Die Aussage soll hier nicht lediglich ihrem unmittelbaren Wortlaut nach verstanden werden: Gemeint sei ein la in der Mitte und zweimal la am Ende. Alternativ sei ein phaṭ in der Mitte und zweimal oder dreimal phaṭ am Ende gemeint. Das Piṅgalāmata sagt: „Wenn das Śakti-Bīja einmal in der Mitte und zweimal am Schluss steht, nennen die Mantrakundigen den Mantra erstarrt.“ Anderswo heißt es: „Wo am Ende des Mantras das große Astra zweimal, dreimal oder sechsmal erscheint, hat Śiva den Mantra erstarrt genannt.“ Nach dem Grundvers soll auch die Stellung in der Mitte berücksichtigt werden.

Zu MD 16b–MD 17a, „verbrannt“: Feuer ist Repha, also ra, Wind ist ya. Hier bedeutet „am Kopf“ am Anfang. Im Piṅgalāmata heißt es: „Wo der Feuerlaut durch sieben am Anfang stehende Wind-Bījas entzündet wird, nennt man den Mantra durch Māyā verbrannt.“

Zu MD 17b–MD 18, „erschreckt“ und „verängstigt“: Astra bezeichnet phaṭ, das jeweils durch die genannte Silbenzahl getrennt erscheint. „Mund“ heißt Anfang; Śiva ist ha, Śakti sa. Für den zweiten Fehler wird auch die Bezeichnung „ohne Mātṛkā“ verwendet. Das Piṅgalāmata sagt: „Einen Mantra, an dessen Anfang Śiva, Śakti und Oṃ fehlen, nennt man ohne Mātṛkā; er verleiht mangelhafte Vollendung.“

Zu MD 19, „befleckt“: An den drei Stellen zusammen erscheinen vier ma. Ein anderes Tantra sagt: „Wenn an Anfang, Mitte und Ende vierfach ma erscheint, hat Maheśa den Mantra befleckt genannt.“ Der Lakṣasāgara nennt dagegen ein dreifaches ma an Anfang, Mitte und Spitze. Diese beiden Beschreibungen gelten als Alternativen.

Zu MD 20, „zurückgewiesen“: Krodha ist das Bīja huṁ; „am Kopf“ bedeutet am Ende. Da und Krodha sind Alternativen. Gemeint ist in der Mitte entweder da oder huṁ, am Ende zweimal phaṭ. Das Piṅgalāmata bestätigt genau diese Verteilung. Ein weiteres Zitat lautet: „In dessen Mitte da und im Herzen das Krodha-Bīja steht, und an dessen Ende zweimal phaṭ erscheint, der ist zurückgewiesen.“ Das „und“ ist hier im Sinn einer Alternative zu verstehen.

Zu MD 21, „gespalten“: Am Anfang steht Oṃ, am Ende Vaṣaṭ, in der Mitte Astra; die Zweizahl wird auch auf dieses bezogen. Das Piṅgalāmata sagt: „Zwei Astra-Mantras in der Mitte, Vaṣaṭ am Ende und am Anfang A, U und M: Ein solcher Mantra heißt gespalten.“ Astra wird hier als hraḥ erläutert; A, U und M bilden Oṃ. [Diese Erklärung unterscheidet sich von der sonstigen Gleichsetzung Astras mit phaṭ.]

Zu MD 22a, „tief schlafend“: Gemeint ist ein aus drei Lauten bestehender Mantra ohne die beiden Laute von haṃsa. Das Bhairavītantra bestätigt: „Ein dreisilbiger Mantra ohne Haṃsa gilt als tief schlafend; er nimmt jede Frucht der Vollendung.“

Zu MD 22b–MD 23a, „berauscht und verwirrt“: „Sieben, zusätzlich und zehn“ wird als achtzehn Silben erklärt. Die fünf phaṭ stehen am Anfang. Im Lakṣasāgara heißt es: „Eine Vidyā oder ein Mantra von achtzehn Lauten, dem fünf phaṭ vorausgehen, heißt berauscht und verwirrt.“ Das Piṅgalāmata nennt entsprechend eine Vidyā oder einen Mantra mit mehr als siebzehn Silben und fünf vorangestellten phaṭ. Beide Merkmale zusammen begründen hier den Fehler.

Zu MD 23b–MD 24a, „ohnmächtig“ und „der Wirkkraft beraubt“: Die Fünfzahl ist auf beide Fälle zu beziehen. Virāmasthāna wird in der Vorlage als eine Stelle innerhalb des Mantras erläutert. Das Piṅgalāmata sagt: „Ein Mantra, dessen Mitte und Ende den Astra-Mantra enthalten, ist von Śambhu als von verminderter Wirkkraft bezeichnet worden; er verleiht keine Vollendung.“ [Die Erläuterung der Schlussstelle als mantrāntargata, „im Mantra befindlich“, bleibt terminologisch knapp.]

Zu MD 24b–MD 25a, „mangelhaft“: Die vier Astra-Lautfolgen sind insgesamt über Anfang, Mitte und Ende verteilt. Die Angabe „achtzehnsilbig“ gehört dazu. In einem anderen Tantra heißt derselbe Fehler „verängstigt“: „Einen achtzehnsilbigen Mantra, der an Anfang, Ende und Mitte vierfach mit Astra verbunden ist, nannte Bhairava verängstigt.“

Zu MD 25b–MD 26a, „zerstört“: Tāra ist Praṇava. Einige erklären Tāra hier als phreṃ; dagegen wird der Widerspruch zu anderen Texten angeführt. Das Bhairavītantra sagt: „Einen neunzehnsilbigen Mantra mit Praṇava, Mahāmāyā und Aṅkuśa nennt man zerstört.“ Auch das Piṅgalāmata nennt einen neunzehnsilbigen Mantra mit Māyā, Oṃ und Aṅkuśa. [Vor diesem Zitat steht zusätzlich die isolierte Wendung „wenn er achtzehnsilbig ist“; ihre Verbindung bleibt in der Vorlage ungeklärt.] Wieder müssen die beiden Merkmale zusammen vorliegen.

Zu MD 26b–MD 28a, die Altersbezeichnungen: „Vierzig Schriftzeichen“ bedeutet vierzig Laute. Das Bhairavītantra bestätigt: sieben Silben „Kind“, acht „Knabe“, vierzig „Erwachsener“ und sechzehn „Jugendlicher“. Die Verbindung catuḥśatākṣara wird hier als „hundert plus vier Silben“ erläutert. Dazu heißt es im Bhairavītantra: „Dreißig, hundert, vierundsechzig oder hundertvier Silben: Dies heißt alt.“

Zu MD 28b, „schwertartig“: Dhruva ist Praṇava. Gemeint ist ein mit Praṇava verbundener neunsilbiger Mantra. Das Bhairavītantra nennt ihn „schwertartig“ und, mit Dhruva verbunden, „todbringend“.

Zu MD 29–MD 30a, „samenlos“: Hṛdaya ist namaḥ, der Kopf-Mantra ist svāhā; beide fehlen am Ende. Śikhā ist vaṣaṭ, Varma ist huṃ; alternativ werden vauṣaṭ und phaṭ genannt. Śiva ist ha, Śakti sa. Fehlt das jeweilige Paar in der Mitte, ist der Mantra nach dieser Erläuterung „leblos“. Das Bhairavītantra nennt denselben Zustand „samenlos“: „Wo Herz und Kopf am Ende, Śikhā und Schutz in der Mitte, beziehungsweise Auge und Astra oder die Laute Śivas und Śaktis nicht vorhanden sind, heißt der Mantra samenlos und wird für alle Handlungen getadelt.“

Zu MD 30b–MD 31a, „ohne Vollendung“: Warum heißt es „an diesen Stellen“ im Plural, obwohl zuvor nur zwei Stellen genannt wurden? Der Einwand ist berechtigt. Der Verfasser setzt jedoch voraus, dass andere Tantras auch am Anfang einen entsprechenden Fehler nennen. So der Lakṣasāgara: „Samenlos heißt ein Mantra, dem am Anfang Oṃ fehlt.“ Deshalb sind hier Anfang, Mitte und Ende gemeint. Insgesamt sind sechs phaṭ über diese drei Stellen verteilt.

Zu MD 31b–MD 32a, kurze Mantras: „Eine Zehnerreihe von Silben“ bedeutet zehn Silben; das Bhairavītantra nennt einen solchen Mantra „träge“. Kūṭa bezeichnet ein aus mehreren Lauten bestehendes Bīja, das dennoch als eine einzige Silbe gilt und „ohne Teile“ genannt wird. Zweilautig heißt „ohne Stärke“, also kraftlos; vierlautig „schielend“. Das Piṅgalāmata präzisiert: „Ohne Dhruva und mit vier oder sechs Bījas gilt er als schielend.“

Zu MD 32b–MD 34, weitere Silbenzahlen: „Ohne Keimsilbe“ bedeutet ohne Oṃ und entsprechende Bījas. Die halben Silben bei sechseinhalb und zwölfeinhalb werden durch einen abschließenden Konsonanten erklärt; entsprechend auch dreieinhalb Bījas. Diese Fälle heißen „verraucht“. Der Lakṣasāgara bestätigt die Zahlen sechseinhalb, zwölfeinhalb und dreieinhalb. Die Aussagen über einundzwanzig und zweiundzwanzig Silben werden als unmittelbar verständlich bezeichnet.

Zu MD 35–MD 39: Die Aussagen über „hungernd“ und die erneute Nennung von vierundzwanzig beim „übermütigen“ Mantra seien klar, ebenso sechsundzwanzig und die folgenden Angaben. Triṃśadekonavarṇa bedeutet neunundzwanzig Laute, wie das Bhairavītantra bestätigt. Der Lakṣasāgara nennt zusätzlich als vierte gliederlose Form einen achtunddreißigsilbigen Mantra. Auch die Aussagen über achtundzwanzig und die anschließenden Zahlen werden ohne weitere Erklärung übernommen.

Zu MD 40–MD 42a: Von vierzig bis dreiundsechzig steigt die Zahl jeweils um eine Silbe; dies ergibt vierundzwanzig Arten „beschämter“ Mantras. Die Aussage über fünfundsechzig Silben sei klar. Die „vom eigenen Platz abgekommenen“ Mantras werden hier zunächst erneut als bei fünfundsechzig beginnend erläutert.

Zu MD 42b–MD 44a: Die Aussage über dreizehn Silben sei klar. „Zweihundert“ und „zweiundneunzig“ bezeichnen zusammen eine einzige Form: zweihundertzweiundneunzig. „Eine weniger“ bezeichnet zweihunderteinundneunzig. Damit ergeben sich fünf Formen „ohne Zuneigung“: hundert, hundertfünfzig, zweihundertzweiundneunzig, zweihunderteinundneunzig und dreihundert Silben. Einige trennen dagegen zweihundert, zweiundneunzig und einundneunzig als eigene Formen. Das sei unpassend, weil Mantras von sechsundsechzig bis neunundneunzig bereits als „vom eigenen Platz abgekommen“ beschrieben wurden. Deshalb werde hier auf eine Silbenzahl von mehr als hundert abgestellt. [Die Zusammenfassung nennt zugleich den hundert Silben umfassenden Fall; die begriffliche Unschärfe und die wechselnde Untergrenze bleiben erhalten.]

Zu MD 44b–MD 47: Die Aussage über vierhundert und mehr sei leicht verständlich. Die Daṇḍakas, die die Form von Lobgesängen haben, heißen „bedrängt“. Ebenso wie die Mantras sind auch die Vidyās mit solchen Fehlern zu verstehen. Das Bhairavītantra sagt: „Wie die Mantras, so sollen die hervorragenden Lehrer auch die in den verschiedenen Tantras beschriebenen Vidyās nach ihren jeweiligen Unterteilungen verstehen.“

Schlussbemerkung des Kommentars: Weil ausdrücklich von „Handlungen zur Erfüllung bestimmter Wünsche“ die Rede ist, scheint es, dass diese Fehler bei der Mantrawiederholung derjenigen, die ohne persönliches Verlangen üben, kein Hindernis darstellen.

Innere Reinigung des Mantras

Śāradā, unnummeriertes Zitat: Man soll die durch solche Fehler beeinträchtigten Mantras mit dem eigenen Selbst verbinden und sie bei angehaltenem Atem und gebundener Yoni-Mudrā reinigen.

Überleitung: Die Kennzeichen der Yoni-Mudrā werden im Bhairavī-Kapitel des Rudrayāmala erklärt. Die folgende Passage beschreibt einen historischen esoterischen Yoga mit Körperverschlüssen, Atemanhalten und innerer Visualisierung; sie ist keine angeleitete Übungseinheit.

Rudrayāmala, unnummeriertes Zitat: Das nach Westen gerichtete Liṅga wird als in der Yoni befindlich bezeichnet. Der Herzknoten ist die Stätte Brahmās; Svayambhū bezeichnet die linke Seite. Ein weiteres befindet sich im Zwischenraum, das höchste im Bewusstseinsknoten. Der große Lotuswald wird Yogasitz genannt. Es ist Bindu-förmig, von der Gestalt Brahmans; dort liegt der Trägerkreis der Suṣumṇā. [Der Vergleich mit der kugelförmigen Kadamba-Blüte und die anschließende Wendung iveṣadvaktraṃ (?) sind beschädigt; ihre genaue Bedeutung bleibt offen.]

Die Wirklichkeitsprinzipien von Erde an sind die Ausdrucksformen der Mantras. Das Bindu-Prinzip namens „Fülle“ liegt zwischen den beiden Bogen. Darüber liegt das Nāda genannte Prinzip, sodann Uḍyāna. Śakti ist Kāmarūpa, das Akula heißt Śiva, Geliebte. Der große tausendblättrige Lotus ist von roten Staubfäden geschmückt. Wer dort verweilt, erlangt das Herabregnen roter Bindu-Tropfen. [Der grammatische Anschluss des zuletzt genannten Vorgangs bleibt verkürzt.]

Durch den Yoga deiner Durchdringung soll man den Geist mit seiner eigenen Grundlage verbinden. Zwischen After und Geschlechtsorgan liegt die Yoni; sie wird zusammengezogen und gebunden. Man vergegenwärtigt darin Kāma, rot wie die Bandhūka-Blüte, gleich dem lodernden Feuer der Zeitenvernichtung und strahlend wie Millionen Blitze. Darüber liegt eine feine Flammenspitze, die höchste Kalā im Bindu. Man soll sich das eigene Selbst als mit ihr vereint vorstellen.

Sie geht auf dem Brahman-Weg empor und durchdringt dabei nacheinander die Liṅgas. Der im Visarga befindliche Nektar hat das Wesen höchster Glückseligkeit; sie lässt seinen roten Glanz in Strömen herabregnen. Nachdem sie den göttlichen Kula-Nektar getrunken hat, tritt sie wieder in Kula ein. Wieder geht sie zu Akula, durch die Verbindung mit dem Maß, nicht anders. Diese wird in diesem Tantra als Prāṇa bezeichnet, höchste Herrin. Wenn der Prāṇa eintritt, wird dieser Vorgang Uddhāta genannt. [Die Zusammenhänge zwischen Maß, Prāṇa und Uddhāta sind im Wortlaut knapp und teilweise sprachlich beschädigt.]

Wer dies Tag für Tag übt, werde gewiss von Alter, Tod, Leid und der Bindung an das Werden frei. Die ganze Schöpfung, von den sprossenden Wesen an, entfaltet sich in dieser Yoni und löst sich wieder in ihr auf, vom Zeitenfeuer bis zu Śiva. Durch die wiederholte Übung der Yoni-Mudrā wird der dir zugehörige Verschluss beschrieben.

Erläuternde Prosa des Verfassers: Der Guru sitzt in Siddhāsana. Mit der linken Ferse drückt er den Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan zusammen; darüber bringt er den rechten Fuß so an, dass die Zehenspitzen sich berühren beziehungsweise gegeneinander drücken, und drückt mit der rechten Ferse auf die Wurzel des Geschlechtsorgans. [Die genaue Fußstellung ist in der vorliegenden Formulierung nicht eindeutig.] Mit festem Körper zieht er den After zusammen, führt den Apāna empor und bringt den angehaltenen Prāṇa und Apāna zusammen.

Mit gesammeltem Geist vergegenwärtigt er den zu vervollkommnenden Mantra, dessen Fehler erkannt wurde, im höchsten Selbst: im Bewusstseinswesen der Kuṇḍalinī im Mūlādhāra. Die einzelnen Mantralaute führt er auf dem Weg der Suṣumṇā durch die sechs Cakras Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūraka, Anāhata, Viśuddha und Ājñā zum Brahmarandhra. Dann führt er sie in umgekehrter Folge durch Ājñā, Viśuddha, Anāhata, Maṇipūraka und Svādhiṣṭhāna zum Mūlādhāra zurück. Nach vorausgehendem Ṛṣi-Nyāsa und den weiteren Nyāsas wiederholt er den jeweiligen Mantra mit dieser Vorstellung eintausendachtmal. Dies ist der innere Mantra-Saṃskāra.

Die zehn äußeren Mantra-Saṃskāras

Überleitung: Nun folgen die zehn reinigenden Bearbeitungen, die als äußere Handlungen die Mantrafehler beseitigen sollen. In der Śāradā heißt es:

Unnummerierte Grundverse: Zehn Saṃskāras der Mantras werden gelehrt, die Vollendung verleihen: Geburt, Belebung, Schlagen, Erwecken, Begießen, Läuterung, Kräftigung, Sättigung, Entzünden und Geheimhaltung.

Das Herauslösen der Mantras aus der Mātṛkā heißt „Geburt“. Der Verständige soll die Mantralaute, jeweils durch Praṇava getrennt, wiederholen; dies nennen die Kenner des Mantrawesens „Belebung“. Nachdem der Mantra auf Birkenrinde geschrieben wurde, soll der Mantraübende jeden Laut mit Sandelwasser und dem Windlaut schlagen; dies heißt „Schlagen“. Er soll den Mantra schreiben und mit Karavīra-Blüten entsprechend der Anzahl der Mantralaute unter Verwendung des auf ya folgenden Lautes schlagen; dies heißt „Erwecken“.

Nach dem im eigenen Tantra gelehrten Verfahren soll er den Mantra zu dessen Reinigung mit Aśvattha-Blättern entsprechend der Zahl seiner Laute begießen. Er soll ihn im Geist vergegenwärtigen und mit dem Lichtmantra seine drei Unreinheiten verbrennen; dies heißt „Läuterung“. Als Lichtmantra gilt die Verbindung von Tāra, Raum, Feuer, Manu und Daṇḍin.

Das Besprengen jedes einzelnen Lautes mit Kuśa-Wasser, das durch den betreffenden Mantra besprochen wurde, heißt „Kräftigung“. Das Sättigen mit Wasser und Mantra in einem Gefäß heißt „Sättigung“. Die Verbindung des Mantras mit Tāra, Māyā und Ramā heißt „Entzünden“. Den wiederholten Mantra zu hüten und nicht offenzulegen heißt „Geheimhaltung“. Diese zehn Saṃskāras werden in allen Tantras geheimgehalten. Wer sie nach der Überlieferung vollzieht, erlangt das Ersehnte.

Kommentar zur Geburt, Janana: Auf einem Śrīparṇa-Holzbrett oder einem Sitz aus Sandelholz und ähnlichem zeichnet man mit Kuṅkuma das später erklärte Fünf-Elemente-Cakra und darin in der vorgesehenen Reihenfolge die Mātṛkā von a bis kṣa. Man ruft Mātṛkā-Sarasvatī herbei, verehrt sie und wiederholt die Mātṛkā hundertachtmal. Daraus löst man die Vokale, Konsonanten, Bindu-, Visarga- und verbundenen Laute des gewünschten Mantras einzeln heraus, fügt sie zusammen und bringt so den durch die Unterweisung des eigenen Gurus bekannten Mantra hervor.

Kommentar zur Belebung, Jīvana: Jeden Laut des zuvor herausgelösten Mantras umschließt man mit Praṇava und wiederholt ihn hundertachtmal. Die Quelle erläutert dies an namaḥ śivāya mit der geschriebenen Folge oṃ naṁ oṃ maṁḥ oṃ und setzt mit „und so weiter“ fort. [Die ungewöhnliche Schreibweise wird bewahrt; eine bereinigte vollständige Folge wird nicht erfunden.]

Kommentar zum Schlagen, Tāḍana: Der Mantra wird mit Kuṅkuma und ähnlichen Stoffen auf Birkenrinde geschrieben. Mit Sandelwasser wird jeder Laut hundertmal berührt beziehungsweise geschlagen, während das Wind-Bīja yaṃ gesprochen wird.

Kommentar zum Erwecken, Bodhana: Man schreibt den Mantra wie zuvor auf die Unterlage, nimmt so viele Karavīra-Blüten, wie er Laute besitzt, und schlägt jeden Laut mit ihnen hundertmal unter Aussprechen des Feuer-Bījas raṃ.

Kommentar zum Begießen, Abhiṣeka: Mit Kuṅkuma, Gorocanā und ähnlichen Stoffen zeichnet man einen achtblättrigen Lotus. In seinem Zentrum wird der Ritus mit Mālatī-Knospen entsprechend der Zahl der Mantralaute oder mit einer einzigen Knospe vollzogen. Mit jedem einzelnen Blatt und duftendem Wasser wird hundertachtmal begossen, begleitet von der Formel: „Ich begieße den betreffenden Mantra, namaḥ.“ [Der Satz zum Beschreiben des Lotuszentrums ist elliptisch; die genaue Rolle von Schreibstoffen und Knospen bleibt unklar.]

Kommentar zur Läuterung, Vimalīkaraṇa: Im eigenen Mūlādhāra vergegenwärtigt man im Feuerkreis den Lichtmantra und darüber den zu reinigenden Mantra. Durch den Glanz des Lichtmantras verbrennt man geistig, jeweils einzeln und wiederholt, die drei Unreinheiten: die der Begrenztheit, der Handlung und der Māyā. Der Text nennt sie auch angeboren, hinzugekommen und Māyā. Danach betrachtet man den Mantra als frei von ihnen. Der Lichtmantra wird so erläutert: Tāra ist Praṇava, Raum ist ha, Feuer ist ra, Manu ist au, Daṇḍin ist Anusvāra.

Kommentar zur Kräftigung, Āpyāyana: Man schreibt den Mantra wie zuvor mit Kuṅkuma auf die Unterlage. Ein Kupfergefäß oder ähnliches wird mit reinem, durch Kampfer und andere Stoffe beduftetem Wasser gefüllt. Dieses wird mit dem geschriebenen Mantra hundertachtmal besprochen. Unter Wiederholung desselben Mantras besprengt man jeden Laut mit Kuśa-Gras dreimal mit den Wassertropfen.

Kommentar zur Sättigung, Tarpaṇa: Der Mantra wird in ein Kupfergefäß oder ähnliches geschrieben. In ein weiteres Gefäß kommt reines, etwa mit Kampfer beduftetes Wasser. Man spricht den Mantra und fügt an: „Ich sättige den betreffenden Mantra, namaḥ.“ Dabei bringt man mit den zusammengelegten Händen hundertachtmal Wasser über dem geschriebenen Mantra dar.

Kommentar zum Entzünden, Dīpana: Tāra ist Praṇava, Māyā das Bhuvaneśvarī-Bīja, Ramā das Śrī-Bīja. Die Verbindung geschieht am Anfang: Man setzt den zu vollziehenden Mantra hinter diese drei Bījas und wiederholt die Verbindung hundertachtmal. Die Bedeutung des folgenden Verses über Geheimhaltung ist klar. Damit enden die zehn Saṃskāras.

Mantrafehler im Kādī-Lehrweg

Überleitung: Nun werde ich zum Wohl der Übenden die im Kādī-Lehrsystem genannte Gesamtheit der Mantrafehler erklären, damit sie behoben werden können.

Tantrarāja, unnummerierte Grundverse: Der Guru soll die Mantrafehler erkennen und der Reihe nach beheben. Andernfalls richtet er gewiss binnen kurzem seinen Schüler zugrunde. Höre deshalb gesammelt von ihrer Behebung, Göttin; ihre Verfahren werde ich bei den Yogas wahrheitsgemäß erklären.

Ein „sechsohriger“ Mantra ist verbrannt; durch Wiederholung mit Zusätzen wird er erschreckt. Ohne das vorgeschriebene Verfahren empfangen, ist er „gebrüllt“. Mantras in feindlichen Feldern sind Feinde. Solche mit überwiegend kurzen Silben sind Kinder, solche mit langen Silben Alte. Durch ein Übermaß an Handlungen werden sie überwältigt; ohne Stärke sind sie nicht tragfähig.

Unvollständige Mantras heißen abgeschnitten, mit Nasallauten versehene erstarrt. Bei Anwendung zur falschen Zeit und bei Wiederholung in der Schlafenszeit treten weitere Fehler auf. Durch Ablesen und durch andere Laute werden Mantras beeinträchtigt beziehungsweise festgenagelt. Ohne Lautverbindung sind sie blockiert, mit feindlichen Lauten verbunden leidend. Durch Wiederholung nur eines Teils sind sie zerbrochen, ohne Umhüllung gliederlos. Von einem Unvollendeten gelehrt, gelten sie als von verminderter Wirkkraft.

Durch ständige Anwendung werden sie stumpf, durch übermäßige Verzögerung gequält. Durch Reden beim Japa werden sie zornig, zusammen mit anderen Mantras getrübt. Durch Wiederholung in Vernachlässigung, Bedrängnis oder widerwilliger Gesinnung werden sie missachtet. Diese fünfundzwanzig Fehler soll der Guru besänftigen. [Einige Bezeichnungen sind im Grundvers ausgelassen und werden erst im folgenden Kommentar ergänzt.]

Der selbstbeherrschte Guru soll den Schüler schützen, indem er ihm beides vermittelt: das Binden der Yoni-Mudrā und die Verbindung der Mantras mit ihrer Wirkkraft. Dies ist das maßgebliche Kennzeichen des Gurus: Er soll Anfang und Ende erkennen lassen. Laute ohne Anfang und Ende gleichen Herbstwolken. Deshalb soll er von Anfang an das jeweilige Ich-Prinzip lehren; durch Erkenntnis dieses Ich-Prinzips wird der Mensch mir gleich. Durch die seit anfangsloser Zeit vollendete Verbindung mit Anfang und Ende der Mātṛkā wird Wesenseinheit erreicht. Erkenne sie als Verkörperung der Bedeutung aller Mantras.

Kommentar zu den Mantrafehlern des Kādī-Lehrwegs

„Verbrannt“: Die Bedeutung sei klar. Alternativ ist ein Mantra gemeint, der an Anfang, Mitte und Ende insgesamt sechs Kūrca-Bījas enthält. Der Tripurārṇava erklärt (KT 1–KT 2): „Je zwei Kūrca-Bījas am Anfang, in der Mitte und am Ende: Ein solcher Mantra ist sechsohrig und heißt verbrannt. Für die Wiederholenden hemmt er die Vollendung und soll von allen Kundigen gemieden werden.“ Karṇa bedeutet hier Kūrca-Bīja. Dasselbe Werk nennt als Namen von hūṃ: Kūrca, Māyā, Sarasvatī, Jala, Nīra, Karṇa, Taṭa und Kūla.

„Erschreckt“ (KT-Z 1): „Durch Wiederholung mit Zusätzen“ bedeutet durch zusätzliche Laute im Mantra. Der Tripurārṇava sagt: „Werden an Anfang, Ende oder Mitte zusätzliche Laute eingefügt, heißt der Mantra erschreckt und bringt den Wiederholenden Unheil.“

Einwand aus demselben Werk (KT-Z 2–KT-Z 4): „Nachdem der Kundige drei Jahre lang die heilsame Lopāmudrā-Vidyā wiederholt hat, soll er Haṃsa an den Anfang des Mantras setzen und ihn wiederholen. Nach weiteren drei Jahren soll er es auch an den Anfang des mittleren Abschnitts setzen, nach nochmals drei Jahren auch an den Anfang des Śakti-Abschnitts. Wer die Vidyā so verehrt, erlangt zunehmend ihre Frucht. Andernfalls vernichtet die Vidyā den Übenden, daran besteht kein Zweifel.“ Obwohl dies der vorherigen Aussage zu widersprechen scheint, soll das Verbot als Verbot einer bereits von Anfang an vorgenommenen Lautergänzung verstanden werden.

„Gebrüllt“: Ein Mantra, der ohne das in der Schrift vorgeschriebene Unterweisungsverfahren empfangen wurde. Der Tripurārṇava sagt: „Ein von Unverständigen aus Verblendung oder Gier unter Missachtung des Verfahrens gegebener Mantra heißt gebrüllt und ist stets getadelt.“

„Feinde“, „Kinder“ und „Alte“: Feinde stehen in den feindlichen Feldern des betreffenden Cakras. Kinder besitzen überwiegend kurze, Alte überwiegend lange Silben. Die Kennzeichen kurzer und langer Silben sind im Mātṛkā-Śvāsa zu suchen.

„Überwältigt“ (KT-N 1–KT-N 3): Dies entsteht durch ein Übermaß an Handlungen. Der Tripurārṇava sagt: „Wer die Vorschrift seines eigenen Tantras aufgibt, wissentlich oder aus Unzufriedenheit, auch aufgrund einer Weisung seines Gurus oder aus einer Täuschung über Vollendung, und Japa, Sättigung, Feueropfer, Verehrung und Besprengung immer wieder übermäßig ausführt, dessen Mantra wird überwältigt und getadelt. Er gibt ihm selbst in Hunderten von Millionen Weltaltern keine Frucht. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt nach dem eigenen Tantra verfahren.“ [Die Satzfügung über die Weisung des Gurus ist verkürzt; sie wird nicht aus dem Zitat entfernt.]

„Nicht tragfähig“: Ein ohne Einhaltung der Regeln wiederholter Mantra. Der Tripurārṇava bestätigt: „Durch Brechen der Regel wird der Mantra nicht tragfähig.“

„Ohne Stärke“ (KT-S 1–KT-S 2 und unnummerierte Fortsetzung): Gemeint ist das Fehlen des Puraścaraṇa. Der Tripurārṇava sagt: „Wie ein Körperwesen ohne Kraft zu keiner Handlung fähig ist, so wird ein Mantra ohne Puraścaraṇa beschrieben. Durch tägliche und anlassbezogene Handlungen und vorbereitende Verehrung gewinnt der Mantra Stärke, wie ein König durch Dienst. Mit dieser Stärke ausgestattet gleicht er einer wunscherfüllenden Ranke.“

„Abgeschnitten“ (KT-A 1): Gemeint ist das Fehlen von Vokalen, Lauten oder Pallavas, den ergänzenden Mantra-Endungen. Der Tripurārṇava sagt: „Durch Weglassen der Pallavas, der Vokale oder der Laute wird ein Mantra unvollständig und heißt abgeschnitten.“

Trailokyaḍāmaratantra (TD 1–TD 6): Nyāsa ist der Pallava der Mantras, Praṇava ihr Kopf. Mit Kopf und Pallava versehen, trägt der Mantra eine wunscherfüllende Frucht. Ohne Nyāsa ist er stumm, ohne Sitz schlafend, ohne Pallava nackt. Ohne Kopf heißt er tot, ohne Guru vergeblich. Einem Böswilligen gegeben, ist er erschlagen; mit überzähligen Lauten kraftlos. In seinem Inneren mit einem fremden Bīja durchsetzt, heißt er festgenagelt. Hört ein anderer seine Wiederholung, heißt er leer. Ohne Ṛṣi, Gottheit und Versmaß ist er eine Schlange. Ein so beschaffener Mantra – stumm, schlafend, tot, nackt, kraftlos, vergeblich, erschlagen, schlangenhaft, festgenagelt oder leer – trägt keine Frucht. Wer seine Vollendung erstrebt, soll ihn in diesem Zustand sorgfältig vermeiden.

TD 7–TD 10a: Die Endung namaḥ wird für Befriedung, Gedeihen und Verneigung genannt; svāhā für Unterwerfung, Anziehung und Feueropfer. Mit vauṣaṭ als Pallava fördert der Mantra Gedeihen und anderes. Mit huṃ wird er Tötungsriten zugeordnet, wobei Brahmanen ausgenommen werden, ferner der Mantraverehrung und der Vernichtung schrecklicher Furcht. Die Endung vaṣaṭ wird als Vernichter der Schar der Mahākāla-Geister beziehungsweise ergreifenden Mächte bezeichnet. Mit phaṭ wird der Mantra Zerschneiden, Vertreibung und Durchbohren zugeordnet. [Dies sind historische Zuordnungen der Quelle, keine Handlungsaufforderungen.]

TD 10b–TD 11 und unnummerierte Fortsetzung: Sowohl aus dem Veda als auch aus dem Āgama stammende Mantras haben Oṃ am Anfang. Der Āgama-Mantra besitzt einen Pallava, der vedische nicht. Ein aus dem Veda stammender Mantra wird ohne Pallava wiederholt. Er heißt deshalb nicht nackt, denn er ist in Herrlichkeit gekleidet.

„Erstarrt“: Mit einem Nasallaut verbunden. Die Kennzeichen von Nasalierung und Nichtnasalierung sind im Mātṛkā-Śvāsa zu suchen. Der Tripurārṇava bestätigt diese Definition.

„Zur falschen Zeit angewandt“ (KT-K 1): Als Fehlerbezeichnung ist „berauscht“ zu ergänzen. Im Tripurārṇava heißt es: „Zur Zeit des passenden Atemflusses und beim Eintreten von Ṛṇa wird er angewandt. Wird er zu einer anderen Zeit angewandt, heißt der Mantra berauscht.“ [Die Wendung ṛṇaprāpta wird hier als Fachausdruck bewahrt.] Die Kennzeichen der geeigneten Zeit werden im Śvāsa über wunschgerichtete Handlungen erklärt.

„Nicht erwacht“ (KT-W 1): Dies entsteht durch Japa zur Schlafenszeit. Der Tripurārṇava sagt: „Bei links fließendem Atem ist die Schlafenszeit, bei rechts fließendem die Wachzeit. Wird der Mantra zur Schlafenszeit wiederholt, bleibt er unerwacht und vernichtet den Übenden.“

„Beim Ablesen“ (KT-L 1 und unnummerierte Fortsetzung): Zu ergänzen ist die Bezeichnung „zornig“. Der Tripurārṇava sagt: „Wer als ungeeigneter Übender einen in einem Buch geschriebenen Mantra sieht und ihn wiederholt, dessen Lebensdauer, Ansehen, Ruhm und Wohlstand gehen zugrunde. Durch Japa vom Blatt wird der Mantra zornig und vernichtet den Übenden.“ [Der Grundvers hat padeṣu, der Kommentar liest beziehungsweise erläutert patreṣu, „auf Blättern“.]

„Durch andere Laute festgenagelt“ (YH 1–YH 2 und unnummerierte Fortsetzung): Statt des als Kīlaka vorgesehenen Lautes wird ein anderer eingesetzt. Im Yoginīhṛdaya heißt es: „Am Anfang des Mantras steht das Bīja, in seiner Mitte das Kīlaka, an seinem Ende die Śakti. Wird anstelle des als Kīlaka bestimmten Lautes der davor- oder danachstehende Laut eingesetzt, so ist der Mantra durch einen fremden Laut festgenagelt und hemmt die Vollendung.“

„Blockiert“, „leidend“, „zerbrochen“: Ohne Sandhi, die regelgemäße Lautverbindung, ist der Mantra blockiert und wird nach dem Yoginīhṛdaya bei allen Handlungen getadelt. Mit feindlichen Lauten verbunden ist er leidend, wie der Tripurārṇava erklärt. Wiederholt man nur einen Teil, ist er zerbrochen; dasselbe Werk spricht vom Weglassen von Lauten.

„Gliederlos“: „Unumhüllt“ heißt ohne Kavaca und entsprechende Texte. Das Yoginīhṛdaya sagt: „Ohne die Rezitation von Gliedern, Nebengliedern, Schutztext und Lobgesang wird der Mantra unumhüllt genannt und verleiht keine Vollendung.“

„Von verminderter Wirkkraft“: Gemeint ist ein von einem Unvollendeten gelehrter Mantra. Das Yoginītantra sagt: „Durch die zweite Weihe erlangt der Mantra Vollständigkeit. Andernfalls ist er von verminderter Wirkkraft und von allen Handlungen ausgeschlossen.“

„Stumpf“: Dies entsteht durch ständige Verwendung für wunschgerichtete Zwecke. Der Tripurārṇava sagt: „Mantras, die Menschen ständig anwenden, ohne die jeweils zugehörige Befriedung zu vollziehen, werden stumpf. Deshalb soll man Befriedung vollziehen.“ Der Kommentar versteht darunter zehntausend Wiederholungen des Wurzelmantras zusammen mit zehntausend Wiederholungen der Sāvitrī. Das Verfahren soll im Kapitel über Anwendungen erklärt werden.

„Gequält“ (AZ 1–AZ 3): Dies entsteht durch übermäßiges Dehnen, wenn eine lange Silbe überlang oder eine kurze lang ausgesprochen wird. Ein anderes Tantra erklärt: „Eine kurze Silbe hat eine Zeiteinheit, eine lange zwei, eine überlange drei. Wird eine lange kurz, eine überlange lang, eine lange überlang oder eine kurze lang ausgesprochen, wird der Mantra dadurch gequält. Ein solcher Mantra hemmt die Vollendung.“

„Zornig“: Dies entsteht durch Reden während des Japa. Der Tripurārṇava sagt: „Wer den Mantra ohne Schweigen wiederholt, dessen Japa wird von Rākṣasas ergriffen. Auch der Mantra wird zornig und verleiht keine Vollendung.“

„Mit anderen Mantras getrübt“: Der Wurzelmantra wird mit Mantras anderer Gottheiten zusammen wiederholt. Das Yoginīhṛdaya sagt: „Man soll keinen anderen Mantra aufnehmen, keine andere Gottheit, keinen anderen Zweck und keine andere Praxis hinzunehmen. Dann trägt der Mantra rasch die Frucht einer Wunschkuh. Mit diesen vier Fremdem verbunden, heißt er befleckt.“

„Missachtet“: Vernachlässigung richtet sich gegen Mantra, Guru oder Gottheit. „Zustand“ wird als Bedrängnis erklärt. Widerwilliges Japa liegt vor, wenn jemand nach Empfang eines Mantras infolge unsichtbarer Ursachen Leid erfährt, denkt: „Warum habe ich diesen Mantra überhaupt angenommen?“, und dennoch in dieser Haltung weiterrezitiert. Der Tripurārṇava sagt: „Wenn Mantra, Guru oder Gottheit vernachlässigt werden oder aufgrund des Zustandes und widerwilliger Gesinnung, heißt der Mantra missachtet.“

Schluss des Kommentars: Durch Binden der Yoni-Mudrā sollen alle Fehler vergehen. Das zuvor gelehrte Verfahren ist beiden Lehrsystemen gemeinsam; bei den äußeren Saṃskāras besteht ein Unterschied. Die Verbindung mit Anfang und Ende der Mātṛkā betrifft jeden einzelnen Laut.

Die Zuordnung von Mantra und Übendem

Einleitende Prosa: Nun folgt das Verfahren zur Abstimmung von Mantra und Übendem. Im Tantrarāja heißt es:

Tantrarāja (TM 1–TM 5): Bei den Mantras der Nityās und Tripurās sind die Aṃśaka-Zuordnungen und ähnliche Prüfungen nicht zu berücksichtigen. Dennoch wird hier einiges zur Vollendung von Schadensriten und anderen Anwendungen erklärt. Bei den mit Aśvinī beginnenden Sternzuordnungen soll man die ersten Laute zu vieren anordnen, Bindu, Visarga und den letzten Laut ausnehmen; Bindu und Visarga sind überall vertreten. Vom Anfangslaut des Mantras und dem Anfangsbuchstaben des Namens aus soll man zählen. Liegt der betreffende Anfangslaut an sechster, achter oder zwölfter Stelle, soll man den Mantra für den Feind nicht als günstig bezeichnen. Bei den anderen Tierkreis- und Sternzuordnungen sind die siebte, fünfte und dritte Stelle für Gnadengewährung maßgeblich. Auch der Name der betreffenden Person ist durch Aṃśaka und die weiteren Zuordnungen zu prüfen. Dies ist vorgeschrieben, weil die Betreffenden ohne Erkenntnis der Wirklichkeit sind. [Der Grundvers verbindet Tierkreis- und Nakṣatra-Schema sehr knapp; der folgende Kommentar unterscheidet beide.]

Kommentar: Für sämtliche Nityā- und Tripurā-Mantras sind solche Zuordnungsprüfungen bei täglichen und anlassbezogenen Riten nicht nötig, bei wunschgerichteten Handlungen jedoch zu beachten. Im Tierkreis-Cakra sollen unter Auslassung von Bindu, Visarga und des letzten Lautes jeweils vier Laute eingetragen werden. Im Nakṣatra-Cakra werden Bindu und Visarga überall berücksichtigt und jeweils drei Grundlaute eingetragen.

Mātṛkārṇava über das Tierkreis-Cakra (MC 1–MC 4): Man zieht Linien nach Osten, Westen, Süden und Norden und ordnet an den Eckbereichen weitere Linien an. Dadurch entstehen zwölf Felder. In diese schreibt man von Osten aus rechtsläufig jeweils vier Laute, unter Auslassung von Bindu, Visarga und sa. So werden achtundvierzig Laute verteilt, höchste Herrin. In derselben Reihenfolge ordnet man die zwölf Tierkreiszeichen von Widder an zu. So entsteht das Tierkreis-Cakra, anhand dessen der Übende prüfen soll. [Die Linienanweisung ist verkürzt; eine geometrisch eindeutige neue Zeichnung wird daraus nicht abgeleitet.]

Dasselbe Werk über das Nakṣatra-Cakra (MC 5–MC 8): Man zeichnet auf die zuvor beschriebene Weise ein Cakra aus zwölf Feldern. Von Osten an setzt man in jedes Feld der Reihe nach drei Laute: die Madhumatī genannte Göttin in Gestalt der sechsunddreißig Konsonanten. Dazu kommen dieselben Laute mit Bindu und mit Visarga. So entstehen in jedem Feld neun Laute. Die siebenundzwanzig Nakṣatras besitzen hundertacht Viertel. Entsprechend den neun Unterteilungen jedes Tierkreiszeichens soll der Übende im großen, Nakṣatra genannten Cakra prüfen.

Yoginīhṛdaya (YM 1–YM 2): Im Kādī-Lehrsystem wird Madhumatī als Gestalt der sechsunddreißig Konsonanten bezeichnet, Mālinī als aus fünfzig Lauten bestehend. Im Kālī-Lehrsystem bestehen beide aus fünfzig Lauten. In der jeweiligen Lehre werden ihre entsprechenden Anfänge so dargestellt, Herrin der Götter. [Die Wortform für „beide“ ist in der Vorlage als unsicher markiert.]

Kommentar zur Zählung: Im zwölfteiligen Tierkreis- oder Stern-Cakra zählt man rechtsläufig vom Feld des Mantra-Anfangslauts bis zum Feld des Namensanfangs; alternativ umgekehrt. Ergibt sich dabei die sechste, achte oder zwölfte Stelle, gilt der Mantra für die betreffende Person als schädlich und damit für einen gegen sie gerichteten Schadensritus als geeignet. Ergibt sich die siebte, fünfte oder dritte Stelle, gilt er als für Gnadengewährung geeignet. [Dies beschreibt das historische divinatorische System des Textes; die Zuordnung ist keine belegte Wirkungsaussage.]

Das Siddhāri-Cakra

Grundtext (SC 1–SC 4): Durch je fünf Linien in den Richtungen Osten–Westen und Süden–Norden entstehen sechzehn Felder. Man schreibt die Laute der Reihe nach hinein und gliedert die Felder in Vierergruppen. Den ersten Laut setzt man in das erste Feld der ersten Gruppe, den zweiten in das erste Feld der zweiten Gruppe, die weiteren entsprechend. In jedes betreffende Feld trägt man dann den jeweils fünften folgenden Laut ein. So setzt man die Eintragung in den vier Gruppen bis kṣa fort. Vom Feld, in dem der Anfangsbuchstabe des eigenen Namens steht, beginnt die Zählung.

SC 5–SC 7: Man zählt die Kategorien Siddha und die folgenden, bis man den Anfangslaut des Mantras erreicht. Siddha–Siddha wird durch Japa vollendet; Siddha–Sādhya durch die doppelte Wiederholung. Siddha–Susiddha wird schon durch den Empfang vollendet; Siddha–Ari vernichtet Angehörige der eigenen Sippe. Sādhya–Siddha wird durch große Mühe vollendet; Sādhya–Sādhya verursacht großes Leid. Sādhya–Susiddha wird durch Verehrung vollendet, Śāṅkarī. Sādhya–Ari tötet die Tochter und soll deshalb gemieden werden.

SC 8–SC 9: Susiddha–Siddha gewährt schon durch Studium die gewünschte Frucht. Die folgende Vershälfte nennt erneut Susiddha–Siddha und spricht von Japa und anderen Mitteln zur Vollendung. [Die Wiederholung desselben Kategorienamens und der Anschluss yato'nyathā sind unklar; ein vermutetes Susiddha–Sādhya wird nicht als gesicherter Text eingesetzt.] Bei Susiddha–Susiddha wurde die Anstrengung bereits in einem früheren Leben vollbracht. Deshalb soll man diesen Mantra zur Erlangung aller Vollendungen einsetzen.

SC 10–SC 11 und unnummerierte Fortsetzung: Beim Schadensritus gilt die Zuordnung entsprechend für den Feind; kehrt sie sich gegen einen selbst, vernichtet Susiddha–Ari gewiss die gesamte eigene Sippe. Ari–Siddha tötet den Sohn, Ari–Sādhya die Ehefrau; Ari–Susiddha vernichtet die Familie. Ari–Ari ist schon durch seinen Empfang für den Empfänger selbst tödlich. Dies wird als sicher behauptet.

Kommentar: Die Bedeutung sei klar.

Die Prüfung von Schuld und Guthaben

Tantrarāja (ṚD 1–ṚD 2): Vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Anfangslaut des Mantras soll man zählen, das Ergebnis verdreifachen und durch die Vokale teilen. Die andere Berechnung erfolgt umgekehrt. Derjenige mit dem größeren Ergebnis gilt als Schuldner. Ist der Mantra Schuldner, ist er ausgezeichnet. Ist man selbst Schuldner, soll man den Mantra meiden, weil die Schuld bereits zuvor bestand. [Die Vorlage nennt den Divisor verkürzt als „Vokale“; eine konkrete Zahl wird hier nicht ohne weitere Textgrundlage eingesetzt.]

Kommentar: Die Zählung kann innerhalb der fünfziglautigen Mātṛkā, innerhalb der sechsunddreißig Konsonanten oder innerhalb der Mātṛkā des vollständigen Lautkreises geprüft werden. Der Tripurārṇava sagt: „Bei der großen Göttin Madhumatī ist die Schuldprüfung besonders ausgezeichnet; im Kālī-Lehrsystem wird bei Mālinī die Aṃśaka-Prüfung empfohlen.“ Madhumatī besteht aus sechsunddreißig Konsonanten, Mahāmadhumatī aus den Lauten des vollständigen Kreises, Mālinī aus fünfzig Lauten.

Anschließende Erklärung (ṚV 1–ṚV 4): „Erkläre mir, wie Mantras und Übende zu Schuldnern werden.“ Wenn frühere Übung wegen einer Verfehlung keine Frucht brachte und nach deren Tilgung zur Zeit des möglichen Fruchterwerbs der Körper verging, ist der Mantra Schuldner. Der aus dem früheren Leben stammende Mantra führt dann schon durch seinen Empfang zur Vollendung. Hat dagegen ein Mensch von einem Guru, dessen Mantra vollendet ist, einen Mantra empfangen, Vollendung erlangt und die mit ihm verbundenen Genüsse erfahren, missachtet ihn aber im Rausch des Wohlstandes, so gilt dieser Mensch als Schuldner des Mantras. Dessen Verehrung ist vorrangig. Deshalb soll die Schuldprüfung von allen sorgfältig vorgenommen werden. [Die Erzählung über die frühere Übung ist syntaktisch gedrängt; „Schuld“ bezeichnet hier ein religiöses Verhältnis über mehrere Leben.]

Das Nakṣatra-Cakra im Kālī-Lehrsystem

Überleitung: Nun folgt die Abstimmung von Mantra und Übendem im Kālī-Lehrsystem, zunächst das Nakṣatra-Cakra. Das Rudrayāmala überliefert dazu eine Merkhilfe:

rājyalābhopakārāya prārabhyāvikharaḥ kurūn | gopālān kukuṭīprāyān phullāvityuditā lipiḥ ||

[Die Zeile dient nach dem anschließenden Kommentar als codierte Buchstaben- und Zahlenhilfe. Ihr teilweise unklarer Wortlaut wird erhalten; eine vermeintliche zusammenhängende deutsche Aussage würde ihre Funktion verfälschen.]

Verfahren nach dem Kommentar: Vier von Süden nach Norden und zehn von Osten nach Westen verlaufende Linien bilden siebenundzwanzig Felder. Für die Zahlencodierung gelten neun Laute ab ka, neun ab ṭa, fünf ab pa und acht ab ya. Nach diesem Schlüssel trägt man die Laute vom ersten Feld der obersten Reihe an zeilenweise ein. Ebenso trägt man die siebenundzwanzig Nakṣatras von Aśvinī an ein.

Man bestimmt das Feld des Namensanfangs des Übenden, den dortigen Zahlencode und das zugehörige Nakṣatra. Dieses wird als sein Geburtsnakṣatra angenommen. Von dort zählt man bis zum Feld des Mantra-Anfangslauts und bestimmt das Nakṣatra des Mantras. Sodann zählt man vom Nakṣatra des Übenden zu dem des Mantras die neun Kategorien zyklisch durch.

Kulārṇava, unnummeriertes Zitat: Vom Anfangslaut des Namens bis zum Anfangslaut des Mantras zählen: Geburt, Wohlstand, Gefahr, Wohlergehen, Hindernis, Verwirklichung, Tötung, Freundschaft und höchste Freundschaft; danach wieder von Geburt an. [Die Bezeichnung der fünften Kategorie ist in der Vorlage als prayariḥ entstellt; „Hindernis“ ist eine kontextuelle Wiedergabe, keine gesicherte Lesung.]

Ergebnisse nach dem Kulārṇava (NK 1–NK 2): Die Geburtsstelle bringt Tod, die dritte Stelle Verlust der Lebensdauer, die fünfte Tod; die siebte gilt als tödlich. Die zweite, vierte, sechste und neunte gelten als günstig. Nachdem der weitblickende Lehrer diese Ergebnisse erkannt hat, soll er den Mantra geben. [Zur achten Kategorie, zuvor „Freundschaft“, nennt dieses Zitat keine eigene Ergebnisangabe.]

Die drei Gruppen der Nakṣatras

Kulamūlāvatāra (NG 1): Aśvinī, Mṛgaśīrṣa, Puṣya, Punarvasu, Hasta, Svāti, Anurādhā, Revatī und Viṣṇu gehören zur göttlichen Gruppe.

NG 2: Bharaṇī, Rohiṇī, Ārdrā, Pūrvā und Uttarā [Phalgunī], Pūrvāṣāḍhā, Uttarāṣāḍhā, Pūrvābhādrapadā und Uttarābhādrapadā gehören zur menschlichen Gruppe.

NG 3: Kṛttikā, Ahi, Maghā, Citrā, Viśākhā, Jyeṣṭhā, Mūla, Dhaniṣṭhā und Śatabhiṣā gehören zur Rākṣasa-Gruppe, Geliebte.

Kommentar: „Viṣṇu“ bezeichnet das Nakṣatra Śravaṇa; „göttlich“ bedeutet die Göttergruppe. Der Visarga ist aus metrischen Gründen ausgelassen.

Rudrayāmala: Innerhalb derselben Gruppe ist die Übereinstimmung ausgezeichnet, zwischen göttlicher und menschlicher mittelmäßig, zwischen Rākṣasa- und göttlicher gering. Zwischen menschlicher und Rākṣasa-Gruppe wird Tod angegeben.

Das Tierkreis-Cakra und seine Ergebnisse

Kulārṇava (RC 1): Die Laute werden nach der Merkfolge vālaṃ gauraṃ khuraṃ śoṇaṃ śamīśobhā auf die Tierkreiszeichen verteilt; bei Jungfrau werden die mit śa beginnenden genannt. [Die Wörter fungieren als Code und werden deshalb nicht zu einer erfundenen Bildaussage übersetzt.]

Kommentar zur Konstruktion: Der Lautschlüssel wurde bereits erläutert. Man zeichnet das Cakra so, dass in der Mitte ein Viereck und durch zusätzliche Linien an den vier äußeren Ecken insgesamt zwölf Felder entstehen. Von Osten aus trägt man rechtsläufig die Laute ein. Für Jungfrau nennt die Vorlage die Folge aṃśaḥśaṣasahalakṣa. [Diese gedrängte Zeichenfolge ist nicht eindeutig segmentiert; eine vermeintlich fehlerfreie Verteilung wird hier nicht hergestellt.] In die zwölf Felder schreibt man die Zahlen eins bis zwölf und ordnet ihnen die Tierkreiszeichen von Widder an zu.

Unnummeriertes Zitat: Vom Anfangslaut des Namens bis zum Anfangslaut des Mantras zählt man: Aszendent, Besitz, Geschwister, Verwandtschaft, Kinder, Feinde, Ehepartner, Tod, Dharma, Tätigkeit, Einkünfte und Ausgaben. Dies sind die zwölf Stellen des Tierkreises.

Lakṣasāgara über die Ergebnisse: Die erste, fünfte und neunte Stelle gelten als gute Verwandte. Die zehnte, zweite und sechste sind Diener. Steht der Mantra an den mit Rudra, Feuer und Svara bezeichneten Stellen, gilt er als nährend. An zwölfter, achter und der durch Śruti bezeichneten Stelle gilt er als tödlich. [Die Quelle verwendet im letzten Teil Zahlenwörter in symbolischer Form; ihre vollständige Entschlüsselung wird hier nicht ohne gesicherte Zuordnung ergänzt.]

Die Herkunftsklassen der Tierkreiszeichen: Krebs, Skorpion und Fische gelten als Brahmanen; Löwe, Schütze und Widder als Kṣatriyas; Waage, Wassermann und Zwillinge als Vaiśyas; Jungfrau, Stier und Steinbock als Śūdras. [Die Vorlage enthält in der letzten Gruppe zusätzlich aja, „Ziege/Widder“; ob eine Doppelbezeichnung oder ein Textfehler vorliegt, bleibt offen.]

Das Fünf-Elemente-Cakra

Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā (PE 1–PE 2 und unnummerierte Fortsetzung): Die Laute werden den fünf Elementen folgendermaßen zugeordnet. Die Tabelle trennt die im Sanskrit häufig zusammengeschriebenen Lautnamen, ohne beschädigte Stellen zu verbergen.

Element Überlieferte Lautfolge
Erde u, ū, o, ga, ja, ḍa, da, ba, la; anschließend erneut la. Die Doppelung steht in der Vorlage.
Wasser ṛ, ṝ, au, gha, jha, ḍha, dha, bha, va, sa.
Feuer i, ī, ai, kha, cha, ṭha, tha, pha, ra, kṣa.
Wind a, ā, e, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya; anschließend va. Der letzte Laut steht so in der Vorlage.
Raum ḷ, ḹ, aṃ, ṅa, ña, ṇa, na, ma, śa, ha.

Kulārṇava (EF 1–EF 2): Erde und Wasser sind befreundet; ebenso heißt es wörtlich „Wind und Wind“. Feuer und Erde sowie Wasser und Wind stehen in einem gewöhnlichen beziehungsweise neutralen Verhältnis. Bei der gegenteiligen Verbindung besteht Feindschaft; das verbleibende Element ist überall Freund. Wo gegenseitig feindliche Mantras zusammentreffen, soll man einen solchen Mantra meiden: Er bringe Verderben, Herrin des Kula. [Die verdächtige Doppelung anilānilayoḥ wird nicht stillschweigend in „Feuer und Wind“ geändert.]

Das zwölfteilige Cakra für Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari

Kulamūlāvatāra (DZ 1–DZ 2): In das zwölfspeichige Cakra schreibt man die Laute vom Anfang bis ha, unter Auslassung von Kūṭa und Ṣaṇḍa, von Osten bis zur Īśvara-Richtung. Von Osten an schreibt man ebenso die Zahlen eins bis zwölf. So werden die vier Klassen Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari deutlich. [Welche Laute hier unter Kūṭa und Ṣaṇḍa auszunehmen sind, wird in dieser Passage nicht weiter ausgeführt.]

Ergebnisse, unnummeriertes Zitat: Die neunte, erste und fünfte Stelle sind Siddha; die sechste, zehnte und zweite Sādhya; die durch Weise, Rudra und Feuer bezeichneten, also siebte, elfte und dritte, Susiddha; die vierte, achte und zwölfte Ari, feindlich. Nachdem er dies erkannt hat, soll der weitblickende Lehrer den Mantra geben, Schöne. Die Ergebnisse sind entsprechend den beim Siddhāri-Cakra genannten zu verstehen.

Kolophon: Damit endet der zweite Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler Śrī Pragalbhācāryas, Schüler Śrī Viṣṇuśarmācāryas, Schüler Śrī Bhagavacchaṅkarācāryas, Schüler des hochverehrten großen Lehrers Śrī Govindācārya. [Das Kolophon reiht die Lehrerbezeichnungen aneinander; die Namen werden als überlieferte Traditionsfolge bewahrt.]

3. Śvāsa

Das sechzehnteilige Cakra

Einleitende Prosa: Nun folgt das sechzehnteilige Cakra. Im Kulamūlāvatāra heißt es:

Kulamūlāvatāra (C16 1 und unnummerierte Fortsetzung): Man teilt eine quadratische Fläche in sechzehn Felder und ordnet darin die Mātṛkā von a bis kṣa an. Der Verständige soll in der Nordostecke beginnen und rechtsläufig bis zur Nordwestecke schreiben.

Lakṣmīkulārṇava (LC 1): In die durch die Zahlencodes eins, drei, Rudra, neun, Augen, Paar, Sonne, Zehnerreihe, sechs, Nāga, sechzehn, vierzehn und fünf bezeichneten Felder, ferner in die Felder der Weisen und Mondtage und in das verbleibende Feld soll man der Reihe nach jeweils so viele Laute Ambikās schreiben, wie es Feuer gibt. [Die Zahlencodes bezeichnen hier überwiegend bekannte Zahlenwerte, doch die vollständige fehlerfreie Feldfolge ist aus der vorliegenden Zeile nicht gesichert. Die Vorlage schreibt ṣaṇāga gedrängt; eine neue Tabelle wird deshalb nicht als sicher ausgegeben.]

LC 2: Ein Siddha-Mantra wird mit der Zeit vollendet; ein Sādhya-Mantra mag vollendet werden oder auch nicht. Ein Susiddha-Mantra wird augenblicklich vollendet; ein feindlicher Mantra schneidet die Wurzel ab.

Weitere Aussagen zur Eignung eines Mantras

Bhairavītantra (BC 1–BC 2): Ein verständiger Mensch soll einen Mantra sorgfältig prüfen und meiden, wenn er überwiegend Laute enthält, denen ungünstige Mondstationen, Tierkreiszeichen, Elemente oder andere Zuordnungen entsprechen. Bei der Einteilung in Siddha, Sādhya und die übrigen Klassen, besonders bei der Mantraerteilung, soll man den gebräuchlichen Namen nehmen: den Namen, durch dessen Ruf der Mensch selbst aus tiefem Schlaf erwachen würde.

BC 3–BC 4: Ist der Mantra am Anfang und am Ende Siddha, verleiht er die Frucht aller Vollendungen. Ist er an beiden Stellen Sādhya, gilt er als schwer zu vollenden. Ist er an beiden Stellen Susiddha, wird er rasch vollendet. Ist er an beiden Stellen feindlich, vernichtet er den Übenden.

BC 5–BC 7: Ist er am Anfang Siddha und am Ende Sādhya, wird er durch die doppelte Wiederholung vollendet. Ist er am Anfang Sādhya und am Ende Susiddha, wird er auf dem vorgeschriebenen Weg vollendet. Beginnt er mit Susiddha und endet mit Sādhya, verlangt er die vierfache Wiederholung. Ist er an Anfang und Ende Siddha, in der Mitte jedoch Sādhya, oder an Anfang und Ende Sādhya, in der Mitte jedoch Siddha, werden beide durch vermehrtes Japa vollendet.

BC 8–BC 10: Beginnt ein Mantra mit Siddha und endet mit Susiddha, wird er für den Übenden schon durch das Hören vollendet, daran besteht kein Zweifel. Ein von Siddha oder Susiddha umgebener Sādhya-Mantra wird nach Aussage der besten Mantrakenner rasch vollendet. Ist ein feindlicher Mantra von Siddha oder Susiddha umgeben, gilt er nicht als feindlich, wird jedoch nur mit Mühe vollendet.

BC 11–BC 13: Ist Siddha oder Susiddha von Sādhya umgeben, wird der Mantra nur mit sehr großer Mühe vollendet. Siddha und Susiddha, die von einem Feind umgeben sind, soll man meiden; ein durch Feindschaft beeinträchtigter Mantra soll keinesfalls angenommen werden. Einsichtige Lehrer sollen Mantras mit wenigen Fehlern und vielen guten Eigenschaften geben. Nachdem man die Felder von Siddha und den übrigen Kategorien erkannt hat, entsteht Vollendung. [Die Folgen sind Aussagen der historischen Ritualkunde.]

Mantras, bei denen diese Prüfung entfällt

BC 14–BC 15: Bei einem einsilbigen Mantra, einem Kūṭa, einem hervorragenden Tripurā-Mantra, bei einem von einer Frau oder im Traum gegebenen Mantra soll man Siddha und die übrigen Kategorien nicht prüfen. Ebenso wenig bei den Mantras Nṛsiṃhas, der Sonne und Varāhas, bei Prāsāda, Praṇava und Mantras mit zusammengefassten Lauten.

BC 16–BC 18: Ausgenommen werden ferner der dreisilbige, mit Pāśa beginnende Mantra, der Tripurā-Mantra, Caṇḍanāyaka, die Sonnenmantras, Mṛtyuñjaya, Śakti- und Śiva-Mantras sowie der Mantra des Sohnes Vinatās. Auch die Viṣṇu- und Nṛsiṃha-Mantras sind von der Prüfung nach Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari ausgenommen. Bei Praṇava, dem dreisilbigen Mantra, Māyā, Vyomavyāpin, dem sechssilbigen und sämtlichen Mālā-Mantras soll man diese Kategorien ebenfalls nicht prüfen.

Ratnasāgara (RS 1–RS 2): Bei Haṃsa, dem acht- und dem fünfsilbigen Mantra sowie bei Mantras aus einem, zwei, drei oder weiteren Bījas soll man Siddha und die übrigen Kategorien nicht prüfen. Ebenso sind Nṛsiṃha, Sonne, Varāha, Kālikā, Siddhakālikā, Śyāmalā und Caṇḍī davon ausgenommen.

Rudrayāmala (RY 1): Bei Aghora, bei einem Mālā-Mantra und bei einem neutralen Mantra soll man diese Kategorien nicht prüfen, Herrin der Götter, Pārvatī.

Kulamūlāvatāra (KT 1): Für einen im Traum gelehrten Mantra gibt es hier kein besonderes Verfahren und keine besondere Handlung. Man soll die angegebene Gottheit meditieren und den Mantra wiederholen; dies bringe Heil.

Agastyasaṃhitā (AS 1): Höre, bester der Weisen: Bei sämtlichen Rāma-Mantras soll man Siddha und die übrigen Kategorien nicht prüfen, weil dieser König der Mantras hinüberführt.

Siddhāntaśekhara (SS 1–SS 3): Bei Mantras mit einer, drei, fünf, sieben, neun, elf oder zweiunddreißig Silben soll diese Prüfung nicht vorgenommen werden. Auch buddhistische, jainistische, Gopāla- und Viṣṇu-Mantras sind von der Unterscheidung nach Siddha, Sādhya, Susiddha und Ari ausgenommen. Vyomavyāpin, der sechssilbige Mantra, Mātṛkā, Haravallabhā und der Bahurūpa genannte Mantra gelten als fünf allgemein zugängliche Formen.

Das sechsblättrige Cakra

Kulamūlāvatāra (C6 1–C6 3): Man zeichnet einen sechsblättrigen Lotus und schreibt von Osten an die Laute von a beginnend einzeln auf die Blätter, unter Auslassung von Ṣaṇḍa und Kūṭa. Vom Ort des Anfangslautes des eigenen Namens aus soll man prüfen. An erster Stelle wird Wohlstand angegeben, an zweiter Verlust des Wohlstandes, an dritter Beständigkeit, an vierter Streit mit Verwandten, an fünfter Unsicherheit und an sechster vollständiger Untergang.

Das Cakra für Schuld und Guthaben

Kulamūlāvatāra, unnummerierter Merkvers: Die Laute des zu verwirklichenden Mantras und die Laute des Übenden werden mit den jeweils in Zahlencodes genannten Werten vervielfacht. Aus dem Namen beziehungsweise dem Akaṭhava-Cakra wird der nach Teilung durch acht verbleibende Rest ermittelt. Der größere der beiden Reste bestimmt Schuld beziehungsweise Guthaben. [Die Zahlencodefolge des Merkverses ist stellenweise beschädigt; die folgende Prosa nennt die Werte ausdrücklich.]

Erläuternde Prosa: Sieben Linien von Süden nach Norden und zwölf Linien von Osten nach Westen erzeugen sechsundsechzig Felder. In die elf Felder der obersten Reihe schreibt man von links nach rechts die Zahlen 14, 27, 2, 12, 15, 6, 4, 3, 5, 8 und 9. In die zweite Reihe setzt man a, i, u, ṛ, ḷ, e, ai, o, au, aṃ, aḥ. In die darunterliegenden Reihen werden die Konsonanten gruppenweise eingetragen. Die Vorlage nennt zuerst ka bis ṭa, dann u bis pha und schließlich va bis ha. [Die beiden zuletzt genannten Anfänge passen nicht zu einer fortlaufenden Konsonantenreihe und sind wahrscheinlich beschädigt; sie werden nicht unbemerkt berichtigt.]

In die unterste Reihe kommen die Zahlen 10, 1, 7, 4, 8, 3, 7, 5, 4, 6 und 3. So wird das Akaṭhava-Cakra hergestellt und zur Prüfung verwendet. Man zerlegt den gewünschten Mantra in Vokale, Konsonanten, Bindu und Visarga und multipliziert jeden Laut mit dem ihm zugeordneten oberen Zahlenwert. Die Summe wird durch acht geteilt; der Rest wird gesondert festgehalten. Von den Resten für Mantra und Übenden gilt der größere als Schuldnerwert. Ist der Mantra Schuldner, wird er angenommen. Ist der Übende gegenüber dem Mantra Schuldner, soll der Mantra gemieden werden. [Die entsprechende Verwendung der unteren Zahlenreihe für den Namen wird durch das Schema nahegelegt, in der anschließenden Rechenprosa jedoch nicht erneut vollständig ausgeschrieben.]

Mātṛkā: die göttliche Gestalt der Laute

Überleitung: Nun wird im Zusammenhang mit Śrīvidyā die Mātṛkā erklärt.

M 1–M 2: Nun werde ich die Weltenträgerin Mātṛkā beschreiben, deren Gestalt die Mantras sind, um das Herauslösen der Mantras, Nyāsa, Verehrung und Japa für die Übenden zu erleichtern, besonders im Kālī-Lehrsystem. Aus den fünf Unterscheidungen Tāras gehen die den fünfzig Lauten zugehörigen Kalās hervor.

M 3–M 4: Die aus den Vokalen hervorgehenden Kalās heißen Vivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti, Indhikā, Dīpikā, Recikā, Mocikā, Parā, Sūkṣmā, Asūkṣmā, Amṛtā, Jñānā, Mṛtā, Āpyāyinī, Vyāpinī, Vyomarūpā und Anantā. [Die Folge enthält in dieser Lesung mehr Namen als die gewöhnlich angesetzten sechzehn Vokale; insbesondere die Worttrennung in sūkṣmā'sūkṣmā'mṛtā bleibt zu prüfen.]

M 5: Sṛṣṭi, Ṛddhi, Smṛti, Medhā, Kānti, Lakṣmī, Dyuti, Sthirā, Sthiti und Siddhi gehören der Reihe nach zu den Lautgruppen mit ka und ca.

M 6–M 7a: Jarā, Pālinī, Śānti, Aiśvaryā, Rati, Kāmikā, Varadā, Hlādinī, Prīti und Dīrghā gehören der Reihe nach zu den Gruppen mit ṭa und ta.

M 7b–M 9a: Tīkṣṇā, Raudrī, Bhayā, Nidrā, Tandrī, Kṣut, Krodhinī, Kriyā, Utkārī und Mṛtyu gehören der Reihe nach zu den Gruppen mit pa und ya. Die Kalās der abschließenden Lautgruppe heißen Pītā, Śvetā, Aruṇā, Asitā und Anantā. So werden die aus den fünfzig Lauten hervorgehenden Kräfte genannt.

Die Kräfte von Mond, Sonne und Feuer

M 9b–M 10: Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Rati, Dhṛti, Śaśinī, Candrikā, Jyotsnā, Kānti, Śrī, Prīti, Aṅgadā, Pūrṇā und Pūrṇāmṛtā sind die aus den Vokalen hervorgehenden, Wünsche erfüllenden Kalās.

M 11–M 12a: Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī, Śuci, Suṣumṇā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā sind die zwölf sonnenhaften, Wohlstand verleihenden Kalās. Ihre Lautzuordnung beginnt mit ka und bha und reicht bis ṭha und ḍa. [Die Vorlage nennt hier Lautpaare in verkürzter Form; eine vollständige Zuordnungstabelle wird daraus nicht ergänzt.]

M 12b–M 14a: Dhūmrārci, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī, Suśrī, Surūpā, Kapilā, Havyavahā und Kavyavahā sind die Dharma verleihenden Kalās der zehn mit ya beginnenden Laute. In der Gestalt von Mond, Sonne und Feuer verleihen diese Kräfte den Übenden Frucht.

Rudras und ihre Śaktis als Lautgestalten

M 14b–M 16a: Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣma, Trimūrti, Amareśvara, Arghīśa, Bhārabhūti, Tithīśa, Sthāṇuka, Hara, Jhiṇṭīśa, Bhautika, Sadyojāta, Anugraheśvara, Akrūra und Mahāsena sind die sechzehn Gestalten der Vokale.

M 16b–M 20a: Danach folgen Krodhīśa, Caṇḍīśa, Pañcāntaka, Śivottama, Ekarudra, Kūrma, Ekanetra, Caturānana, Ajeśa, Sarva, Saumeśa, Lāṅgali, Dāruka, Ardhanārīśvara, Umākānta, Āṣāḍhi, Daṇḍin, Adri, Mīna, Meṣa, Lohita, Śikhin, Chagalāṇḍa, Dviraṇḍa, Mahākāla, Kapālin, Bhujaṅgeśa, Pinākin, Khaḍgīśa, Baka, Śveta, Bhṛgu, Nakulī, Śiva und Saṃvartaka. [Die Namen werden nach der vorliegenden Lesung bewahrt; die Zahl der Namen passt nicht ohne Weiteres zu einer eindeutigen Einzellautzuordnung.]

M 20b–M 23a: Pūrṇodarī, Virajā, Śālmalī, Lolākṣī, Vartulākṣī, Dīrghaghoṇā, Sudīrghamukhī, Gomukhī, Dīrghajihvā, Kuṇḍodarī, Ūrdhvakeśī, Vikṛtamukhī, Jvālāmukhī, Ulkāmukhī, Śrīmukhī und Vidyāmukhī sind die zu den Vokalen gehörenden Śaktis der Rudras.

M 23b–M 28: Danach folgen Mahākālī, Sarasvatī, Sarvasiddhi, Gaurī, Trailokyavidyā, Mantraśakti, Ātmaśakti, Bhūtamātā, Lambodarī, Drāviṇī, Nāgarī, Khecarī, Mañjarī, Rūpiṇī, Vīriṇī, Kākodarī, Pūtanā, Bhadrakālī, Yoginī, Śaṅkhinī, Garjinī, Kālarātri, Kurdinī, Kapardinī, Vajrikā, Jayā, Sumukhī, Revatī, Mādhavī, Vāruṇī, Vāyavī, Rakṣovidāriṇī, Sahajā, Lakṣmī, Vyāpinī und Mahāmāyā. Dies sind der Reihe nach die Śaktis der Rudras. [Einzelne Namen und Worttrennungen, insbesondere bei Bhadrakālī und Kurdinī, sind in der Vorlage unsicher.]

M 29–M 30a: Die Rudras werden rot vergegenwärtigt, mit Dreizack und Schädelschale. Ihre Śaktis sitzen auf den Sitzen der Rudras; ihre Gestalten sind zinnoberrot. Ihre lotosgleichen Hände tragen rote Wasserlilien und Schädelschalen.

Viṣṇus und ihre Śaktis als Lautgestalten

M 30b–M 32: Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha sind der Reihe nach die Gestalten der Vokale.

M 33–M 36a: Danach folgen Cakrin, Gadin, Śārṅgin, Khaḍgin, Śaṅkhin, Halin, Musalin, Śūladhṛt, Pāśin, Aṅkuśin, Mukunda, Nandaja, Nandin, Nara, Narakajit, Hari, Kṛṣṇa, Satya, Sāttvata, Śauri, Śūra, Janārdana, Bhūdhara, Viśvamūrti, Vaikuṇṭha, Puruṣottama, Balin, Bālānuja, Bāla, Vṛṣaghna, Vṛṣabha, Haṃsa, Varāha, Vimala und Nṛsiṃha. Dies sind die Gestalten der Konsonanten. [Auch hier bleibt die gegenüber der erwarteten Lautzahl abweichende Namensfolge unverändert.]

M 36b–M 37: Kīrti, Kānti, Tuṣṭi, Puṣṭi, Dhṛti, Śānti, Kriyā, Dayā, Medhā, Harṣā, Śraddhā, Lajjā, Lakṣmī, Sarasvatī, Prīti und Rati sind die entsprechenden Kräfte in ihrer Reihenfolge.

M 38–M 40: Jayā, Durgā, Prabhā, Satyā, Caṇḍā, Vāṇī, Vilāsinī, Vijayā, Virajā, Viśvā, Vinadā, Sunadā, Smṛti, Ṛddhi, Samṛddhi, Śuddhi, Bhukti, Buddhi, Mati, Kṣamā, Ramā, Umā, Kledinī, Klinnā, Vasudā, Vasudhā, Parā, Pārāyaṇā, Sūkṣmā, Sandhyā, Prajñā, Prabhā, Niśā, Amoghā und Vidyutā sind die den mit ka beginnenden Lauten zugeordneten Kräfte Haris.

M 41–M 42a: Keśava und die übrigen sind dunkelblau; in ihren Händen glänzen Muschelhorn und Diskus. Die Śaktis sitzen mit lächelnden Gesichtern auf dem Schoß ihrer Geliebten. Ihre Glieder gleichen einem Band von Blitzen; ihre Hände tragen den Lotus und zeigen Furchtlosigkeit.

Die Sonne und ihre fünfzig Kräfte

M 42b–M 44a: Ravi, Prabhākara, Bhāsvat, Dyumaṇi, Pūṣan, Bhaga, Āditya, Arka, Vedamūrti, Karmasākṣin, Divākara, Mitra, [ein in ayaṃmoṣṇaraśmiḥ beschädigter Name], Uṣṇaraśmi, Dvādaśātman und Vibhākara sind die Gestalten der Vokale. [Die Trennung in der genannten beschädigten Verbindung ist vorläufig; ein vermuteter Name wird nicht eingesetzt.]

M 44b–M 47: Sūra, Sūrya, Vibhāvasu, Ahaskara, Aruṇa, Vradhna, Bhāsvat, Saptaturaṅgama, Haridaśva, Grahādhīśa, Mārtaṇḍa, Bhānu, Avyaya, Vikartana, Sahasrāṃśu, Mihira, Mitra, Māṭhara, Karmasākṣin, Jagannetra, Taraṇi, Padminīpriya, Caṇḍāṃśu, Piṅgala, Daṇḍa, Gabhasti, Ghṛṇi, Aṃśumat, Pradyotana, Jagaccakṣus, Tapana, Lokabāndhava, Haṃsa, Tamopahantṛ und Trayīmūrti sind die weiteren Gestalten.

M 48–M 53: Die fünfzig Śaktis der Sonne werden aufgezählt: Vidyā, [die anschließende Verbindung hopuṣṭayaḥ ist nicht sicher auflösbar], Prajñā, Sinīvālī, Kuhū, Rudravīryā, Prabhā, Ānandā, Poṣaṇī, Ṛddhidā, Śubhā, Kālarātri, Mahārātri, Bhadrakālī, Kapālinī, Vikṛti, Daṇḍinī, Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī, Niśumbhaśumbhamathanī, Mahiṣāsuramardinī, Indrāṇī, Śaṅkarārdhaśarīriṇī, Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī, Pālinī, Ambikā, Hāriṇī, Samṛddhi, Vṛddhi, Piṅgalākṣī, Viśālākṣī, Māyā, Saṃjñā, Vasundharā, Śraddhā, Svāhā, Sudhā, Bhikṣā, Devakī, Kamalāsanā, Trilokadhātrī, Sāvitrī, Gāyatrī, Tridaśeśvarī, Surūpā und Bahurūpā. [Die Quelle nennt ausdrücklich fünfzig; wegen der beschädigten Anfangsfolge lässt sich die vollständige Einzelzählung hier nicht sichern.]

Die Kāma-Mātṛkā

M 54–M 60a: Kāmeśa, Kāmada, Kānta, Kāntimat, Kāmaga, Kāmācāra, Kāmin, Kāmuka, Kāmavardhana, Vāma, Rāma, Ramaṇa, Ratinātha, Ratipriya, Rātrinātha, Ramākānta, Ramamāṇa, Niśācara, Nandaka, Nandana, Nandin, Nandayitṛ, Pañcabāṇa, Ratisakha, Puṣpadhanvan, Mahādhanu, Bhrāmaṇa, Bhramaṇa, Bhramamāṇa, Bhrama, Bhrānta, Bhrāmaka, Bhṛṅga, Bhrāntacāra, Bhramāvaha, Mohana, Mohaka, Moha, Mohavardhana, Madana, Manmatha, Mātaṅga, Bhṛṅganāyaka, Gāyaka, Gītin, Nartaka, Khelaka, Unmatta, Mattaka, Vilāsin und Lobhavardhana werden als Gestalten Kāmas in der mit a beginnenden Lautgesamtheit genannt. [Die vorliegende Folge ergibt bei dieser Worttrennung einundfünfzig Namen; sie wird nicht zur Anpassung an eine erwartete Zahl gekürzt.]

M 60b–M 67: Seine Śaktis sind Rati, Prīti, Kāminī, Mohinī, Kamalā, Suvilāsinī, Kalpalatā, Śyāmā, Śucismitā, Vismitā, Viśālākṣī, Lelihānā, Digambarā, Vāmā, Kubjikā, Kāntā, Nityā, Kulyā, Bhoginī, Kāmadā, Sulocanā, Sulāpinī, Mardinī, Kalahapriyā, Varākṣī, Sumukhī, Nalinī, Jaṭinī, Pālinī, Śivā, Mugdhā, Ramā, Bhramā, Lolā, Cañcalā, Dīrghajihvā, Ratipriyā, Lolākṣī, Bhaṅginī, Pāṭalā, Madanā, Mālā, Haṃsinī, Viśvatomukhī, Jagadānandinī, Ramaṇī, Kānti, Kalaṅkaghnī, Vṛkodarī, Meghaśyāmā und Lobhavardhanī.

M 68–M 69: Man soll die Kāma-Gestalten in der Farbe von Granatapfelblüten vergegenwärtigen, mit ihren Śaktis auf dem linken Schoß, Blumenpfeilen und Zuckerrohrbogen. Die Śaktis sind wie Kuṅkuma gefärbt und mit allen Schmuckstücken geschmückt. Man meditiert sie mit blauen Wasserlilien in den Händen, fähig, die drei Welten anzuziehen.

Die Tripurā-Mātṛkā

TP 1–TP 3a: Kāminī, Modinī, Madanonmādinī, Drāviṇī, Khecarī, Ghaṇṭikā, Kalāvatī, Kledinī, Śivadūtī, Subhagā, Bhagā, Vidyeśī, Mahālakṣmī, Kaulinī und Sureśvarī heißen die Kräfte der Vokale. [In der vorliegenden Reihe sind nur fünfzehn Namen eindeutig erkennbar.]

TP 3b–TP 8: Danach folgen Kulamālinī, Vyāpinī, Bhagā, Vāgīśī, Vaṣaṭkārī, Piṅgalā, Bhagasarpiṇī, Sundarī, Nīlapatākā, Tripurā, Siddheśvarī, Amoghā, Ratnamālinī, Maṅgalā, Bhagamālā, Nityā, Raudrī, Vyomeśvarī, Ambikā, Aṭṭahāsā, Āpyāyinī, Vajreśī, Kṣobhiṇī, Śāmbhavī, Stambhinī, Anāmā, Raktā, Śuklā, Aparājitā, Saṃvartikā, Vimalā, Aghorā, Ghorā, Bimbādibhairavī und Sarvākarṣiṇikā. Diese werden als fünfzig Gestalten der fünfzig Laute bezeichnet. [Die Verbindung bimbādibhairavī wird in ihrer überlieferten Form bewahrt.]

Die Gaṇeśa-Mātṛkā

GM 1–GM 7a: Vighneśvara, Vighnarāja, Vināyaka, Śivottama, Vighnakṛt, Vighnahartṛ, Vighnarāj, Gaṇanāyaka, Ekadanta, Dvidanta, Gajavaktra, Nirañjana, Kapardin, Dīrghavaktra, Śaṃkukarṇa, Vṛṣadhvaja, Gaṇanātha, Gajendra, Śūrpakarṇa, Trilocana, Lambodara, Mahānāda, Caturmūrti, Sadāśiva, Āmoda, Durmukha, Sumukha, Pramodaka, Ekapāda, Dvijihva, Śūra, Vīra, Ṣaṇmukha, Varada, Vāmadeva, Vakratuṇḍa, Dviraṇḍaka, Senānin, Grāmaṇin, Matta, Vimatta, Mattavāhana, Jaṭin, Muṇḍin, Khaḍgin, Vareṇya, Vṛṣaketana, Bhakṣyapriya, Meghanāda, Gaṇapa und Gaṇeśvara werden hier als die fünfzig Gestalten Gaṇapas bezeichnet. [Die vorliegende Liste ergibt einundfünfzig Namen; außerdem ist āmodau grammatisch auffällig.]

GM 7b–GM 12 und unnummerierte Fortsetzung: Die Śaktis Gaṇeśas heißen Śrī, Hrī, Tuṣṭi, Śānti, Puṣṭi, Sarasvatī, Rati, Medhā, Kānti, Kāminī, Mohinī, Jaṭā, Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Surasā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Jayinī, Satyā, Vighneśī, Svarūpiṇī, Kāmadā, Madvihvalā, Vikaṭā, Dhūmrā, Bhūti, Bhūmi, Satī, Ramā, Mānuṣī, Makaradhvajā, Vikarṇā, Bhrukuṭī, Lajjā, Ghoṇā, Dhanurdharā, Yāminī, Rātri, Candrikā, Śaśiprabhā, Lolā, Cañcalākṣī, Ṛddhi, Durbhagā, Subhagā, Śivā, Durgā, Kālikā, Alakajihvikā und Vighnahāriṇikā. [Die letzten Namen sind in der Vorlage zusammengeschrieben; ihre Trennung bleibt vorläufig.]

Die Yoginī-Mātṛkā

YM 1–YM 2: Amṛtā, Karṣiṇī, Indrāṇī, Īśānī, Umā, Ūrdhvakeśinī, Ṛddhidā, Ṝṣā, Ḷkārā, Ḹṣikā, Ekapādā, Aiśvaryā, Okārā, Auṣadhātmikā, Ambikā und Akṣarātmā sind die Kräfte in ihrer Reihenfolge. [Die ungewöhnlichen Namen Ṝṣā, Ḷkārā und Ḹṣikā entsprechen hier der Lautreihe und werden nicht normalisiert. Die Vorlage schreibt am Schluss surāṇām, „der Götter“, wo der Zusammenhang Vokalkräfte erwarten lässt.]

YM 3–YM 7: Danach folgen Kālarātri, Khātītā, Gāyatrī, Ghaṇṭādhāriṇikā, Ṅārṇātmikā, Cāmuṇḍā, Chāyā, Jayā, Jhaṅkāriṇī, Ñārṇātmikā, Ṭaṅkahastā, Ṭhaṅkāriṇī, Ḍāmarī, Ḍhaṅkārī, Ṇaṅkārī, Tāmasī, Sthānadevī, Dākṣāyaṇī, Dhātrī, Nandikā, Pārvatī, Phaṭkārī, Bandhinī, Bhadrakālikā, Mahāmāyā, Yaśasvinī, Ramā, Lamboṣṭhikā, Varadā, Śaśinī, Ṣaṇḍā, Sarasvatī, Haṃsavatī und Kṣamāvatī.

Die Pīṭha-Mātṛkā: heilige Stätten als Lautgestalten

PM 1–PM 8: Kāmarūpa, Kāśīka, Nepāla, Pauṇḍavardhana, Purasthira, Kānyakubja, Pūrṇagiri, Arbuda, Āmrātakeśvara, Ekāmra, Trisrotas, Kāmakoṭa, Kailāsa, Bhṛgupattana, Kedāra, Candranagara, Śrīpura, Oṅkāra, Jālandhara, Mālava, Kulānta, Devikoṭaka, Gokarṇa, Māruteśa, Aṭṭahāsa, Viraja, Rājageha, Mahāpatha, Kolha, Melāpura, Kauleśvara, Jayantikā, Ujjayinī, Caritra, Kṣīraka, Hastināpura, Uḍḍīśa, Prayāga, Paṣṭhīśa, Māyānagara, Jaleśvara, Malaya, Mahīpīṭha, Śrīśaila, Merupīṭhaka, Girivara, Mahendra, Vāmana, Hiraṇyaka, Mahālakṣmīpura, Uḍyāna und das große Pīṭha Chāyācchatra werden den fünfzig Lauten zugeordnet. [Mehrere Ortsnamen und Worttrennungen sind unsicher; besonders kolhamelāpura kann auch anders gegliedert werden. Die überlieferte Gesamtheit wird nicht künstlich auf fünfzig Einträge gekürzt.]

Die Mātṛkā mit Kāmākarṣiṇī und den weiteren Anziehungskräften

AK 1–AK 4: Der Reihe nach gehören zu den sechzehn Vokalen: Kāmākarṣiṇikā, die das Verlangen anzieht; Buddhyākarṣiṇikā, die die Einsicht anzieht; Ahaṅkārākarṣiṇī, die das Ichgefühl anzieht; Śabdākarṣiṇikā, Sparśākarṣiṇikā, Rūpākarṣiṇikā, Rasākarṣiṇikā und Gandhākarṣiṇikā, die Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Duft anziehen; Cittākarṣiṇikā und Dhairyākarṣiṇikā, die Geist und Festigkeit anziehen; Smṛtyākarṣiṇikā, Nāmākarṣiṇikā, Bījākarṣiṇikā, Ātmākarṣiṇikā, Amṛtākarṣiṇikā und Śarīrākarṣiṇī, die Erinnerung, Namen, Keim, Selbst, Nektar und Körper anziehen.

AK 5–AK 8a: Es folgen Sarvasaṃkṣobhiṇī, die alles bewegt; Sarvavidrāviṇī, die alles vertreibt beziehungsweise auflöst; Sarvākarṣiṇikā, die alles anzieht; Sarvāhlādinikā, die alles erfreut; Sarvasaṃmohinī, die alles bezaubert; Sarvastambhinī, die alles anhält; Sarvajṛmbhiṇī, die alles entfaltet; Sarvavaśaṅkārī, die alles ihrem Einfluss unterstellt; Sarvarañjanikā, die alles erfreut; Sarvonmādanakārī, die alles in Ekstase versetzt; Sarvārthasādhinī, die alle Ziele verwirklicht; Sarvasaṃpatprapūrā, die allen Wohlstand erfüllt; Sarvamantramayī, die aus allen Mantras besteht; Sarvadvandvakṣayaṅkārī, die alle Gegensatzpaare auflöst.

AK 8b–AK 10: Danach Sarvasiddhipradā, die alle Vollendungen gibt; Sarvasaṃpatpradā, die allen Wohlstand gibt; Sarvapriyakarī, die alles liebenswert macht; Sarvamaṅgalakārī, die alles Heil bewirkt; Sarvakāmapradā, die alle Wünsche erfüllt; Sarvaduḥkhavimocinī, die von allem Leid befreit; Sarvamṛtyupraśamanī, die jeden Tod besänftigt; Sarvavighnanivāriṇī, die alle Hindernisse abwehrt; Sarvāṅgasundarī, die an allen Gliedern Schöne; Sarvasaubhāgyadā, die alles Glück verleiht.

AK 11–AK 12 und unnummerierte Fortsetzung: Schließlich Sarvajñā, die Allwissende; Sarvaśakti, die alle Kraft ist; Sarvaiśvaryaphalapradā, die die Frucht aller Herrlichkeit gibt; Sarvajñānamayī, die aus aller Erkenntnis besteht; Sarvavyādhivināśinī, die alle Krankheiten vernichtet; Sarvādhārasvarūpā, deren Wesen die Grundlage von allem ist; Sarvapāpaharā, die alle Verfehlung hinwegnimmt; Sarvānandamayī, die aus aller Glückseligkeit besteht; Sarvarakṣāsvarūpiṇī, deren Gestalt aller Schutz ist; Sarvepsitaphalapradā, die jede ersehnte Frucht gibt. [Die Bedeutungen erläutern die Gottesnamen und behaupten keine medizinischen Wirkungen.]

Die Drei-Kräfte- oder Prapañca-Mātṛkā

Einleitung: Jedem Laut gehören hier zwei Namen zu.

PR 1–PR 6a: Die Namen beginnen: Prapañcarūpā, Gestalt der Weltentfaltung, und Śrī; Dvīparūpā, Gestalt der Inseln, und Māyā; Abdhirūpiṇī, Gestalt des Ozeans, und Kamalā; Girirūpā, Gestalt der Berge, und Viṣṇuvallabhā; Pattanarūpā, Gestalt der Städte, und Padmadhāriṇī; Pīṭharūpā, Gestalt der heiligen Sitze, und die Tochter des Ozeans; Kṣetrarūpiṇī, Gestalt der heiligen Bezirke, und Lokamātā; Vanarūpā, Gestalt der Wälder, und Kamalavāsinī; Āśramarūpā, Gestalt der Einsiedeleien, und Indirā; Guhārūpā, Gestalt der Höhlen, und Māyā; Nadīrūpā, Gestalt der Flüsse, und Ramā. Danach nennt die Quelle Caturarūpā und eine beschädigte Verbindung padmodbhijjasvarūpiṇī, ferner Nārāyaṇapriyā, Svedajarūpiṇī, Gestalt der aus Feuchtigkeit geborenen Wesen, Siddhalakṣmī, Aṇḍajarūpiṇī, Gestalt der eiergeborenen Wesen, und jarāmṛjasvarūpā, gefolgt von Mahālakṣmī. [Hier ist die Paarfolge gestört; die wohl auf sprossende und lebend geborene Wesen bezogenen Wörter werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Reihe rekonstruiert.]

PR 6b–PR 13: Es folgen die Zeitgestalten: Lava und Āryā, Truṭi und Umā, Kalā und Caṇḍikā, Kāṣṭhā und Durgikā, Nimeṣa, der Augenblick, und Śivā, Atemzug und Aparṇā, Ghaṭikā und Ambikā, Muhūrta und Satī, Tageswache und Īśvarī, Tag und Śāmbhavī, Dämmerung und Īśānī, Nacht und Pārvatī, Mondtag und Maṅgalā, Wochentag und Dākṣāyaṇī, Mondstation und Haimavatī, Yoga und Mahāmāyā, Karaṇa und Māheśvarī, Monatshälfte und Mṛḍānī, Monat und Rudrāṇī, Mond und Śarvāṇī, Jahreszeit und Parameśvarī, Sonnenhalbjahr und Kālī, Jahr und Kātyāyanī, Weltalter und die weiteren großen Zeiträume zusammen mit Gaurī, schließlich Weltauflösung und Bhavānī.

PR 14–PR 18: Dann folgen die Gestalt der fünf Elemente und Brāhmī, die Gestalt der fünf feinen Sinnesqualitäten und Vāgīśvarī, die Gestalt der Handlungsorgane und Vāṇī, die Gestalt der Erkenntnisorgane und Sāvitrī, die Gestalt des Lebensatems und Sarasvatī, die Gestalt der drei Guṇas und Gāyatrī, die Gestalt des inneren Organs und Vākpradā, die Gestalt der drei Bewusstseinszustände und Śāradā, die Gestalt der sieben Körperbestandteile und Bhāratī, die Gestalt der drei Doṣas und Vidyātmikā. Diese heißt Prapañca-Mātṛkā und gilt als Spenderin aller Vollendungen.

Die Kālī-Mātṛkā

KM 1–KM 2: Kālī, Kapālinī, Kullā, Kurukullā, Virodhinī, Vipracittā, Ugrā, Ugraprabhā, Dīptā, Nīlā, Ghanā, Balākā, Mātrā, Mudrā, Mitā und Brāhmī heißen die sechzehn Vokalkräfte.

KM 3–KM 8: Nārāyaṇī, Māheśī, Cāmuṇḍā, Kaumārī, Pañcamī, Aparājitā, Vārāhī, Nārasiṃhī, Bhairavī, Mahadādibhairavī, Siṃhabhairavī, Dhūmrābhairavī, Bhīmabhairavī, Unmattabhairavī, Vaśīkaraṇabhairavī, Mohanādibhairavī, Aindrī, Āgneyī, Yāmyā, Rākṣasī, Vāruṇī, Vāyavī, Kauverī, Īśānī, Brahmāṇī, Vaiṣṇavī, Vajriṇī, Śaktinī, Daṇḍinī, Khaḍginī, Pāśinī, Aṅkuśinī, Gadinī, Śūlinī, Mālinī und Cakriṇī werden als Konsonantenkräfte genannt. [Die mit ādi gebildeten Bhairavī-Namen bleiben der Vorlage entsprechend erhalten.]

Die Tārā-Mātṛkā

Einleitung: Die Überschrift nennt dreiundsechzig Laute.

TĀ 1–TĀ 3: Kuleśī, Kulanandā, Vāgīśī, Bhairavī, Umā, Śrī, Śāntikā, Caṇḍā, Dhūmrā, Kālī und Kapālinī. [Hier folgt eine in der Quelle durch Sternchen markierte Lücke.] Danach Karālinī, Vāgvādinī, Nakulī, Bhadrakālī, Śaśiprabhā, Pratyaṅgirā, Siddhalakṣmī, Amṛteśī, Caṇḍikā, Khecarī, Bhūcarī, Siddhā, Kāmākṣī, Hiṅgulā und Vasā.

TĀ 4–TĀ 7: Jayā, Vijayā, Ajitā, Nityā, Aparājitā, Vilāsinī, Ghorā, Citrā, Mugdhā, Dhaneśvarī, Someśvarī, Mahācaṇḍā, Vidyā, Haṃsī, Vināyikā, Vedagarbhā, Bhīmā, Ugrā, Vaidyā, Sadgati, Ugreśvarī, Candragarbhā, Jyotsnā, Satyā, Yaśovatī, Kulikā, Kāminī, Kāmyā, Jñānavatī, Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī und Hākinī. Der Schluss nennt vierundsechzig Vollendung verleihende Śaktis. [Die abweichenden Zahlen der Überschrift und des Schlusses sowie die Lücke bleiben offen.]

Die Ṣoḍaśī-Mātṛkā

ṢM 1–ṢM 3: Kāmeśī, Bhagamālā, Nityaklinnā, Bheruṇḍā, Vahnivāsinī, Vajreśī, Śivādūtī, Tvaritā, Kulasundarī, Nityā, Nīlapatākā, Vijayā, Sarvamaṅgalā, Jvālāmālinī, Citrā und Mahātripurasundarī heißen die Vokalkräfte der Ṣoḍaśī-Mātṛkā.

ṢM 4–ṢM 7 und unnummerierte Fortsetzung: Grasinī, Priyavādinī, Karālī, Kapālinī, Śivā, Ghoṣā, Daṃṣṭrā, Vīrā, Umā, Vākpradā, Nārāyaṇī, Mohinī, Prajñā, Śikhivāhinī, Bhīṣaṇā, Vāyuvegā, Bhīmā, Vināyikā, Pūrṇā, Śakti, Kaṅkālī, Kurdinī, Kālikā, Dīpanī, Jayantinī, Pāvinī, Lambinī, Saṃhāriṇī, Chāgalī, Pūtanā, Modikā, Paraśakti, Ambā, Icchāśakti und Mahākālī heißen die Konsonantenkräfte. [Die gedrängte Verbindung vīromā wird vorläufig als Vīrā und Umā getrennt.]

Die Bhuvaneśī-Mātṛkā

BM 1–BM 2: Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā, Maṅgalā, Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī, Hākinī und Yākinī sind die Vokalkräfte.

BM 3–BM 6 und unnummerierte Fortsetzung: Maṅgalā, Mahākālī, Kuṇḍalī, Kulasundarī, Kapālī, Kamalāvatī, Cāmuṇḍā, Meruvāsinī, Bhuvaneśī, Sarasvatī, Kapilā, Kulamālinī, Vināyikā, Jayā, Nandā, Mahālakṣmī, Bhairavī, Brahmāṇī, Jvālāvalī, Liṅgaprabhā, Muṇḍinī, Mahāvegā, Udbhavā, Vaiṣṇavī, Śivā, Mahāmāyā, Cakrāṅgī, Ekapādā, Kauverī, Maṇḍalī, Vārāhī, Jalandharī, Kāmākhyā und Kāmamadhyasthā sind die Konsonantenkräfte, Herrin der Götter.

Die Bhairavī-Mātṛkā

BH 1–BH 3: Tripurā, Tripureśī, Tripurasundarī, Tripurādivāsinī, Tripurāśrī, Tripurāmālinī, Tripurasiddhā, Tripurāmbā, Mahātripurabhairavī, Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī und Cāmuṇḍā sind die Vokalkräfte. [tripurādyā vāsinī wird hier vorläufig als zusammengesetzter Name gelesen; die Worttrennung ist nicht gesichert.]

BH 4–BH 7 und unnummerierte Fortsetzung: Viśālā, Viśālākṣī, Nirmalā, Malavarjitā, Kālī, Kālakalpā, Kālarātri, Niśācarī, Ūrdhvakeśī, Muktakeśī, Vīrā, Mahābhayā, Jayadā, Māninī, Māyā, Pracaṇḍā, Bindumālinī, Virūpā, Virūpākṣī, Khaṭvāṅgī, Viśvarūpiṇī, Raudrī, Māyā, Pretākṣī, Phetkārī, Bhayanādinī, Dhūmrākṣī, Yoginī, Ghorā, Viśvarūpā, Bhayaṅkarī, Bhairavī, Bhīṣaṇīyā, Lamboṣṭhī und Mahābalā heißen der Reihe nach die besonderen Konsonantenkräfte.

Shiva und Shakti als heutige Begleitung zur Lehre von Laut und göttlicher Kraft.

Die Chinnamastā-Mātṛkā

CH 1–CH 2a: Lakṣmī, Lajjā, Śivā, Māyā, Vāṇī, Brāhmī, Vaiṣṇavī, Raudrī, Īśvarī, Jayā, Padmā, Varṇinī, Ḍākinī, Karālī, Vikarālī und Ghorā sind die Vokalkräfte.

CH 2b–CH 6: Kālī, Khaḍginī, Caṇḍā, Bhairavī, Piṅgalā, Indrāṇī, Phaṭkārī, Hāriṇī, Yoginī, Prakāśinī, Vajriṇī, Sitā, Pītā, Ramā, Digambarī, Mahāghorā, Muktakeśī, Cidāśrayā, Cāmuṇḍā, Chinnamastā, Bhīmā, Hūṅkāriṇī, Sitā, Padmānanā, Padmagarbhā, Puṣpaṇī, Cāruhāsinī, Vijayā, Maṅgalā, Kānti, Mālinī, Tāriṇī, Mahodarī, Asthimālā und Nāgayajñopavītinī werden als die alle Wünsche erfüllenden Konsonantenkräfte genannt.

Die Dhūmāvatī-Mātṛkā

DH 1–DH 3a: Dhūmāvatī, Dhūmanetrā, Dharmaṭī, Markaṭī, Ghorarūpā, Lamboṣṭhī, Śyāmā, Śyāmamukhī, Śivā, Kākadhvajā, Koṭarākṣī, Dhūmā, Dhūmāndhakāriṇī, Muktakeśī, Mahāghorā und Lambapayodharā heißen die alle Vollendungen verleihenden Vokalkräfte.

DH 3b–DH 7: Koṭarā, Koṭarākṣī, Ūrdhvakeśī, Digambarī, Tamisrā, Tāmasī, Ugrā, Vivarṇā, Malināmbarā, Lambastanī, Viraladvijā, Dīrghā, Kṛśodarī, Vidhavā, Śūrpahastā, Rūkṣā, Rūkṣaśirodharā, Calahastā, Cañcalākṣī, Jaṭilā, Kuṭilaikṣaṇā, Kṣudhāturā, Pipāsārtā, Tīkṣṇā, Raudrā, Bhayānakā, Utkārī, Krodhinī, Mṛtyu, Kriyā, Ripuvimardinī, Satvarā, Kākajaṅghā, Śmaśānālayavāsinī und Mahākālī heißen die vollendeten Konsonantenkräfte.

Die Bagalā-Mātṛkā

BG 1–BG 3a: Bagalā, Stambhinī, Jambhinī, Mohinī, Vaśyā, Calā, Acalā, Durddharā, Kalmaga, Dhīrā, Kalpanā, Kālakarṣiṇī, Bhrāmakā, Mandagamanā, Bhoginī und Yoginī sind die sechzehn Vollendung verleihenden Vokalgestalten. [Der Name kalmaga steht so in der Vorlage und bleibt unsicher.]

BG 3b–BG 7: Bhagāmbā, Bhagamālā, Bhagavāhā, Bhagodarī, Bhaginī, Bhagajihvā, Bhagasthā, Bhagasarpiṇī, Bhagalolā, Bhagākṣī, Śivā, Bhaganipātinī, Jayā, Vijayā, Dhātrī, Ajitā, Aparājitā, Jambhinī, Stambhinī, Mohinī, Ākarṣiṇī, Umā, Rambhiṇī, Jṛmbhaṇī, Kīlinī, Vaśinī, Rambhā, Māheśvarī, Maṅgalā, Rūpiṇī, Pītā, Pītāmbarā, Bhavyā, Surūpā und Bahubhāṣiṇī heißen die Vollendung verleihenden Konsonantenkräfte.

Die Mātaṅgī-Mātṛkā

MT 1–MT 3a: Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Śānti, Śraddhā, Vāgīśvarī, Kriyā, Lakṣmī, Sṛṣṭi, Mohinī, Prathamā, Bhāvinī, Vidyullatā, Cicchakti, Sundarānandā und Nāgabuddhi sind die sechzehn Vokalkräfte, die vollständige Verwirklichung verleihen.

MT 3b–MT 7 und unnummerierte Fortsetzung: Sarasvatī, Rati, Prīti, Kīrti, Kānti, Puṣṭi, Tuṣṭi, Ramā, Manmathā, Makaradhvajā, Madanā, Puṣpacāpā, Drāviṇī, Śoṣiṇī, Bandhinī, Mohinī, Vaśyā, Ākarṣiṇī, Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Mahocchuṣmā, Karālikā, Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, erneut Anaṅgamadanā, Anaṅgavegā, Anaṅgādisambhavā, Anaṅgabhuvanapālā, Anaṅgaśaśirekhikā, Manobhavā, Mātaṅgī und Kāmā sind die Konsonantenkräfte. [Die Wiederholung von Anaṅgamadanā wird nicht gestrichen.]

Die Lakṣmī-Mātṛkā

LM 1–LM 2: Prakṛti, Vikṛti, Vidyā, Sarvabhūtādibhāvanā, Śraddhā, Vibhūti, Surabhi, Vākpradā, Kamalātmikā, Padmālayā, Śacī, Padmā, Śuddhi, Svāhā, Svadhā und Dhanyā heißen die sechzehn Vokalkräfte.

LM 3–LM 6 und unnummerierte Fortsetzung: Hiraṇyā, Lakṣmī, Nityapuṣṭā, Vibhāvarī, Aditi, Diti, Dīptā, Vasudhā, Karuṇā, Dharmanilayā, Padmākṣī, Bhūtadhāriṇī, Padmaprabhā, Vedamātā, Padmahastā, Padmodbhavā, Padmamukhī, Padmasundarikā, Padmanābhapriyā, Padmagandhinī, Padminī, Ramā, Padmamālādharā, Padmā, Suprasannā, Priyā, Kānti, erneut Priyā, Kamalā, Anaghā, Harivallabhā, Amoghā, Amṛtā, Divyā und Aśokā sind die Konsonantenkräfte.

Die Kāmeśvarī-Mātṛkā

KE 1–KE 3a: Kāmeśvarī, Mahāmāyā, Vāgīśī, Brahmasaṃjñitā, Akṣarā, Trimātrā, Tripadā, Triguṇātmikā, Surasiddhagaṇādhyakṣā, Gaṇamātā, Gaṇeśvarī, Caṇḍikā, Caṇḍamuṇḍā, Cāmuṇḍī, Daṃṣṭriṇī und Iṣṭadā heißen die alle Vollendungen gebenden Vokalkräfte.

KE 3b–KE 6 und unnummerierte Fortsetzung: Viśvambharā, Viśvayoni, Viśvamātā, Vasupradā, Svāhā, Svadhā, Tuṣṭi, Ṛddhi, Gāyatrī, Gogaṇā, Khagā, Vedamātā, Variṣṭhā, Suprabhā, Siddhavāhinī, Ādityahṛdayā, Candrā, Candrabhāvānumaṇḍalā, Jyotsnā, Hiraṇmayī, Bhavyā, Bhavaduḥkhabhayāpahā, Śivatattvā, Śivā, Śāntā, Śāntidā, Śāntarūpiṇī, Saubhāgyadā, Śubhā, Gaurī, Umā, Haimavatī, Priyā und Dakṣā heißen der Reihe nach die Konsonantenkräfte. [Die Verbindung candrabhāvānumaṇḍalā ist unsicher und wird nicht weiter aufgeteilt.]

Die Bhagamālinī-Mātṛkā

BGM 1–BGM 2: Bhagamālī, Bhagā, Bhāgyā, Bhaginī, Bhagodarī, Guhyā, Dākṣāyaṇī, Kanyā, Dakṣayajñavināśinī, Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Sudīptā, Lelihānā und Karālā sind die Vokalkräfte.

BGM 3–BGM 6: Ākāśanilayā, Brāhmī, Bālā, Brahmacāriṇī, Brahmāsyāsyaratā, Prahvī, Sāvitrī, Brahmapūjitā, Prajñā, Mātā, Parā, Buddhi, Viśvamātā, Śāśvatī, Maitrī, Kātyāyanī, Durgā, Durgasantāriṇī, Parā, Mūlaprakṛti, Īśānā, Puṃspradhāneśvareśvarī, Āpyāyanī, Pāvanī, Pavitrā, Maṅgalā, Yamā, Jyotiṣmitī, Saṃhariṇī, Sṛṣṭisthityantakāriṇī, Aghorā und Ghorarūpā sind die Konsonantenkräfte. [Der ungewöhnliche Name brahmāsyāsyaratā ist in der Vorlage unklar und wird unverändert bewahrt.]

Die Nityaklinnā-Mātṛkā

NK 1–NK 2: Nityaklinnā, Nityamadadravā, Umā, Viśvarūpiṇī, Yogeśvarī, Yogagamyā, Yogamātā, Vasundharā, Dhanyā, Dhaneśvarī, Dhānyā, Ratnadā, Paśuvardhinī, Kūṣmāṇḍī, Dāruṇī und Caṇḍī sind der Reihe nach die Vokalkräfte. [Die Verbindung nityamadadravomā wird vorläufig in zwei Namen getrennt.]

NK 3–NK 6: Ghorā, Ghorasvarūpā, Mātṛkā, Mādhavī, Daśā, Ekākṣarā, Viśvamūrti, Viśvā, Viśveśvarī, Dhruvā, Śarvā, Kṣamādi, Bhūtātmā, Bhūtidā, Bhūtivardhinī, Bhūteśvarapriyā, Bhūti, Bhūtamālā, Yauvanī, Vaidehī, Pūjitā, Sītā, Māyāvī, Bhavavāhinī, Sattvasthā, Sattvanilayā, Sattvāsattvacikīrṣaṇā, Viśvasthā, Niśvanilayā, Śrīphalā, Śrīniketanā, Śrī, Śaśāṅkadharā und Nandā sind die Konsonantenkräfte. [Insbesondere kṣamādi und niśvanilayā bleiben als unsichere Quellenformen erhalten.]

Die Bheruṇḍā-Mātṛkā

BE 1–BE 6: Bheruṇḍā, Bhairavī, Sādhvī, Natākhyā, Anantasambhavā, Triguṇī, Ghoṣiṇī, Ghoṣā, Lakṣmī, Puṣṭā, Śubhālayā, Dharmodayā, Dharmabuddhi, Dharmādharmapuṭadvayā, Jyeṣṭhā, Yamas Schwester, Cailā, Kauśeyavāsinī, Bhramaṇā, Bhrāmiṇī, Bhrāmyā, Bhramā, Jñānāpahāriṇī, Māhendrī, Vāruṇī, Saumyā, Kauverī, Havyavāhinī, Vāyavī, Nairṛtī, Īśānī, Lokapālaikarūpiṇī, Mohinī, Mohajananī, Smṛtivṛttāntabādhinī, Yakṣāṇāṃ Jananī, die Mutter der Yakṣas, Yakṣī, Siddhi, Vaiśravaṇālayā, Medhā, Śraddhā, Dhṛti, Prajñā, Sarvadevanamaskṛtā, Āśā, Vāñchā, Nirīhā, Icchā und Bhūtānuvartinī werden der Reihe nach als Kräfte der einundfünfzig Laute bezeichnet. [Die überlieferte Liste lässt diese Gesamtzahl bei der vorliegenden Worttrennung nicht sicher erreichen.]

Die Vahnivāsinī-Mātṛkā

VV 1–VV 6 und unnummerierte Fortsetzung: Vahnivāsinikā, Vahninilayā, Vahnirūpiṇī, Yajñavidyā, Mahāvidyā, Brahmavidyā, Guhālayā, Bhūteśvarī, Brahmadhātrī, Vimalā, Kanakaprabhā, Virūpākṣā, Viśālākṣī, Hiraṇyākṣī, Śatānanā, Tryakṣā, Kāmalā, Vidyā, Siddhavidyā, Dharādhipā, Devamātā, Diti, Puṇyā, Danu, Kadrū, Suparṇikā, Apāṃnidhi, Mahāvegā, Mahormi, Varuṇālayā, Iṣṭā, Tuṣṭikarī, Chāyā, Sāmagā, Rucirā, Parā, Ṛgyajuḥsāmavilayā, Vedotpatti, Stutipriyā, Pradyumnadayitā, Sādhvī, Sukhasaubhāgyasiddhidā, Sarvakāmapradā, Bhadrā, Subhadrā, Sarvamaṅgalā, Dhāminī, Dhamanī, Mādhvī, Madhukaiṭabhamardinī, Bāṇaprahariṇī und Bāṇā. Die Schlusszeile bezeichnet sie als Konsonantenkräfte; eine gesonderte Grenze nach den Vokalgestalten ist hier nicht angegeben.

Die Vajreśvarī-Mātṛkā

VJ 1–VJ 7: Mahāvajreśvarī, Nityā, Vidhisthā, Cāruhāsinī, Uṣā, Aniruddhapatnī, Revatī, Raivatātmajā, Halāyudhapriyā, Māyā, Gokulā, Gokulālayā, Kṛṣṇānujā, Kṛṣṇarajā, Nandasya Duhitā, Nandas Tochter, Sutā, Kaṃsavidrāviṇī, Kruddhā, Siddhacāraṇasevitā, Gokṣīrāṅgā, Dhṛtavatī, Bhavyā, Gopajanapriyā, Śākambharī, Siddhavidyā, Vṛddhā, Siddhikarī, Kriyā, Dāvāgni, Viśvarūpā, Viśveśī, Ditisambhavā, Ādhāracakranilayā, Dvāraśālāvagāhinī, Sūkṣmā, Sūkṣmatarā, Sthūlā, Saprapañcā, Nirāmayā, Niṣprapañcā, Kriyātītā, Kriyārūpā, Phalapradā, Prāṇākhyā, Mantramātā, Somasūryāmṛtapradā, Chandaḥkhyātā, Cidrūpā, Paramānandadāyinī und Nirānandā werden als einundfünfzig Śaktis bezeichnet. [Die Gesamtzahl ist auch hier nicht durch eine Kürzung oder Ergänzung der Namen angeglichen.]

Die Śivādūtī-Mātṛkā

ŚD 1–ŚD 6 und unnummerierte Fortsetzung: Śivādūtī, Sunandā, Ānandinī, Viṣapadminī, Pātālakhaṇḍamadhyasthā, Hṛllekhā, Vanakhecarī, Kalā, Saptadaśī, Śuddhā, Pūrṇacandranibhānanā, Ātmajyoti, Svayaṃjyoti, Agnijyoti, Anāhatā, Prāṇaśakti, Kriyāśakti, Icchāśakti, Sukhāvahā, Jñānaśakti, Sukhānandā, Vedinī, Mahimā, Prabhā, Ṛju, Yajñā, Yajñasāmnī, Sāmasvaravinodinī, Gīti, Sāmadhvani, Srotā, Huṃkṛti, Sāmavedinī, Adhvarā, Girijā, Kṣudrā, Nigrahānugrahātmikā, Purāṇī, Śilpijananī, Itihāsāvabodhinī, Vedikā, Yajñajananī, Mahāvedi, Sadakṣiṇā, Ānvīkṣikī, Trayī, Vārtā und Gorakṣā werden als einundfünfzig, alle Wünsche erfüllende Śaktis aufgezählt. [Die Zahlenabweichung bleibt offen.]

Die Tvaritā-Mātṛkā

TV 1–TV 2: Tvaritā, Totulā, Dhātrī, Kirātī, Kṛṣi, Vāṇijī, Sarveśvarī, Dhruvā, Sarvā, Sarvajñānasamudbhavā, Trimātrī, Tripurā, Sarvākārā, Meyā, Brahmāṇī und Śāntikarakā heißen die Vokalkräfte.

TV 3–TV 7: Kaumārī, Viśvajananī, Śūlahastā, Maheśvarī, Kiṅkarī, Śaktihastā, Dakṣayajñavināśinī, Varāyudhā, Śaṃkharavā, Vaiṣṇavī, Avyaktirūpiṇī, Varāhamūrti, Vārāhī, Nṛsiṃhā, Siṃhavikramā, Sahasrākṣī, Surāḍhyā, Sarvapāpāpahā, Śivā, Śivadūtī, Ghoraravā, Kṣuripāśāsidhāriṇī, Vikarālī, Mahākālī, Kāpālī, Pāpahāriṇī, Mahālakṣmī, Mahākukṣi, Yoginī, Vṛndavandinī, Ṣaṭcakrī, Cakraniyalā, Cakragā und Yonirūpiṇī heißen die Konsonantenkräfte. [cakraniyalā steht so in der Vorlage; die naheliegende Umstellung zu cakranilayā bleibt eine Vermutung.]

Die Kulasundarī-Mātṛkā

KS 1–KS 6: Bālā, Umā, Bhairavī, Śāntā, Tripurā, Tripureśvarī, Ahiṃsā, Timiraghnī, Bhāsvarā, Sūryamaṇḍalā, Varāyudhā, Varārohā, Vareṇyā, Viṣṇuvallabhā, Śruti, Nirantarā, Vedyā, Siddhi, Sarvārthasādhinī, Pañcapañcātmikā, Guhyā, Gonivāsā, Godhanā, Sāṃdhyayogodbhāvā, Śakti, Mātrā, Kāṣṭhā, Kalātmikā, Pīyūṣā, Vājijihvā, Rasādhārā, Iraṃmadā, Vidyucchataghnī, Siṃhākṣī, Ekapiṅgāṅkitā, Kapālī, Vedyā, Vetālī, Bhūtasaṃghanamaskṛtā, Spṛṣṭā, Spṛṣṭapadā, Bhāvā, Vibhavā, Deśabhāṣiṇī, Sarvārambhā, Nirārambhā, Ārambhā, Bhāvavāhinī, Bhāratī und Bhāsvarā werden genannt. Bei Ekapiṅgāṅkitā steht ergänzend „stets“. Der Schluss bezeichnet die Folge als Konsonantenkräfte, ohne zuvor eine ausdrückliche Trennung nach Vokalen vorzunehmen.

Die Nityā-Mātṛkā

NI 1–NI 2: Nityā, Bhairavī, Sūkṣmā, Pracaṇḍā, Sadgatipradā, Priyā, Śuddhā, Śuṣkā, Raktāṅgī, Raktalocanā, Khaṭvāṅgadhāriṇī, Śaṅkhā, Kaṅkālā, Kālavarhiṇī, Himaghnayanā und Vṛttā heißen die Vokalkräfte. [Die beiden Namen Kālavarhiṇī und Himaghnayanā sind in der vorliegenden Lesung auffällig und bleiben ungeklärt.]

NI 3–NI 9: Bhūtanāthā, Bhūtabhāvyā, Durvṛttajanasampadā, Puṇyotsavā, Puṇyagandhā, Puṇyapāpavivekinī, Digvāsā, Kṣaumavasanā, Ekavastrā, Jaṭādharā, Kapālamālinī, Ghaṇṭādharā, Dhanurdharā, Ṭaṅkahastā, Calā, Brāhmī, Hākinī, Śākinī, Ramā, Brahmāṇḍapālitamukhā, Viṣṇumāyā, Caturbhujā, Aṣṭādaśabhujā, Bhīmā, Vicitrā, Citrarūpiṇī, Padmāsanā, Padmavahā, Sphuratkānti, Śubhāvahā, Mauninī, Maulinī, Mānyā, Mānadā, Mānavardhinī, Jagatpriyā, Viṣṇugarbhā, Maṅgalā, Maṅgalapriyā, Bhūti, Bhūtikarī, Bhāgyā, Bhogīndraśayanā, Mitā, Taptavāmīkarī, Kṛtyā, Āryā, Vaṃśavivardhinī, Aghaughaśoṣaṇī, Śrāvī und Kṛttāntā. Diese Kräfte verleihen alle Vollendungen. [Die abschließende Zahlform ekapañcādaśadarṇānām ist beschädigt. Die sehr lange Folge wird vollständig bewahrt, ohne eine passende Gesamtzahl zu erfinden.]

Die Nīlapatākā-Mātṛkā

NP 1–NP 3a: Nīlapatākā, Nīlā, Māyā, Jagatpriyā, Sahasravajrā, Padmākṣī, Padminī, Śrī, Anuttamā, Divyakramā, Divyabhogā, Divyamālyānulepinī, Śuklācchavasanā, Saumyā und Sarvartukusumocitā sind die Vokalkräfte, die den Übenden das Ersehnte geben. [Die Liste nennt hier fünfzehn deutlich trennbare Namen.]

NP 3b–NP 8 und unnummerierte Fortsetzung: Sarvaiśvaryaguṇopetā, Praṇavāgrāgrasambhavā, Vyañjanā, Vyañjakā, Vyaktā, Sarvavarṇānuvartinī, Jaganmātā, Abhayakarī, Bhūtadhātrī, Sudurlabhā, Kāminī, Daṇḍinī, Daṇḍyā, Khaḍgamudgarapāṇinī, Śastrāstradarśinī, Bījā, Vibījā, Bījinī, Parā, Vācaspatipriyā, Dīkṣā, Parīkṣā, Śivasambhavā, Rājasī, Tāmasī, Satyā, Sattvodriktā, Vimohinī, Atītānāgatajñānā, Vartamānāpadeśinī, Āptopadeśinī, Saṃvit, Sattvabodhā, Dharādharā, Prakṛti, Vikṛti, Gaṅgā, Dhūrjaṭi, Vikṛtānanā, Yogipriyā, Yogigamyā, Yogidhyeyā, Parāparā, Vaiṣṇavī, Tripadī und Dṛṣṭarakṣayā sind die Kräfte der mit ka beginnenden Laute. [Einzelne Worttrennungen und die letzte Namensform bleiben unsicher.]

Die Vijayā-Mātṛkā

VI 1–VI 2a: Vijayā, Jayadā, Jaitrī, Ajitā, Vāmalocanā, Pratiṣṭhā, Antaḥsthitā, Mātā, Jinā, Māyā, Kulodbhavā, Kṛśāṅgī, Vāyavī, Kṣāmā, Kṣāmakhaṇḍā und Trilocanā sind die Vokalkräfte.

VI 2b–VI 6 und unnummerierte Fortsetzung: Kāmā, Kāmeśvarī, Ramā, Kāmyā, Kāmapriyā, erneut Kāmā, Kāmacāravihāriṇī, Tuccharāṅgī, Nirālasyā, Nīrujā, Rujanāśinī, Viśalyarakaraṇī, Śreṣṭhā, Mṛtasañjīvanī, Parā, Sandhinī, Cakranamitā, Candrarekhā, Suvarṇikā, Ratnamālāgrilokasthā, Śaśāṅkāvayavāṅkitā, Tārātītā, Tārayantī, Bhūrī, Bhūriprabhā, Svarā, Kṣetrajñā, Bhūriśuddhā, Mantrahuṅkārarūpiṇī, Jyotirjñānā, Grahagati und Sarvaprāṇabhṛtāṃ Varā, die Beste aller Lebewesen, heißen die den mit ka beginnenden Lauten zugehörigen, das Ersehnte verwirklichenden Kräfte. [Die Verbindungen viśalyarakaraṇī und ratnamālāgrilokasthā sind auffällig und werden ohne spekulative Glättung bewahrt.]

Die Sarvamaṅgalā-Mātṛkā

SM 1–SM 2: Sarvamaṅgalikā, Bhavyā, Maṅgalā, Maṅgalaprabhā, Kānti, Śrī, Prīti, Acalā, Jyotsnā, Vilāsinī, Varadā, Vārijā, Vyagrā, Cāravī, Vāstudevatā und Anantaśakti sind der Reihe nach die Vokalkräfte.

SM 3–SM 7: Kāmikā, Śakti, Atulā, Sarvajñā, Jñānadāyinī, Yukti, Suyukti, Ānyavīkṣī, Kukṣibodhā, Madālasā, Brahmavidyā, Prabhā, Veśyā, Mahāyantrā, Pravāhiṇī, Dhyānā, Dhyeyā, Dhyānagamyā, Yoginī, Yogasiddhidā, Akṣarā, Akṣarasantānā, Brahmavidyā, Śivapradā, Pañcabrahmātmikā, Rudravidyā, Vedyasvarūpiṇī, Pañcatattvātmikā, Vidyā, Tripurā, Bījatattvagā, Sarvabījātmikā, Siddhi, Ajñānopādhigāminī, Kalpāntadahanajvālā, Sadvṛtti und Vyālabhūṣaṇā sind die das Ersehnte verleihenden Kräfte der mit ka beginnenden Laute. [Die Form ānyavīkṣī bleibt entsprechend der Vorlage stehen.]

Die Jvālāmālinī-Mātṛkā

JM 1–JM 3a: Jvālinī, Mahājvālā, Jvālāmālā, Mahojjvalā, Dvibhujā, Saumyavadanā, Jñānapustakadhāriṇī, Kapardinī, Kṛtābhyāsā, Brahmāṇī, Svātmavedinī, Ātmajñānāmṛtā, Nandā, Nandinī und Romaharṣiṇī sind die Vokalkräfte. [Die Worttrennung der Vorlage kṛtābhyā sā wird hier als Kṛtābhyāsā gelesen; die Zahl der Namen bleibt dabei fünfzehn.]

JM 3b–JM 6 und unnummerierte Fortsetzung: Kānti, Kālī, Dyuti, Mati, Viṣayecchā, Viśvagarbhā, Ādhārī, Sarvabhāvinī, Kātyāyanī, Kālayātā, Kuṭilā, Animeṣikī, Nāḍī, Muhūrta, Ahorātri, Truṭi, Kālavibhedinī, Somasūryāgnimadhyasthā, Māyātītā, Sunirmalā, Kevalā, Niṣkalā, Śuddhā, Vyāpinī, Vyomavigrahā, Svacchandabhairavī, Vyomā, Vyomātītā, Paresthitā, Stuti, Stavyā, Nuti, Pūjyā, Pūjārhā und Pūjakapriyā heißen die Kräfte der mit ka beginnenden Konsonanten.

Die Vicitrā-Mātṛkā

VC 1–VC 2: Vicitrā, Citravasanā, Citriṇī, Citrabhūṣaṇā, Anulomā, Apasandhi, Madhyamā, Anāmikātmikā, Tejovatī, Padmagarbhā, Mandarekhā, Ghṛṇāvali, Viduṣī, Maulinī, Vyaktā und Sukeśī sind die Vokalkräfte. [Die Verbindung madhyamānāmikātmika ist hier vorläufig geteilt.]

VC 3–VC 6: Somapā, Somasaṅkāśā, Vetālī, Tālasaṃjñikā, Somapriyā, Somavatī, Mantrapūtā, Yajikriyā, Mṛṇālī, Ṛkpradā, Śukti, Vindhyādriśikharasthitā, Gadinī, Cakriṇī, Bimbā, Raktoṣṭhī, Cāruhāsinī, Vāgbhavā, Cārujā, Raktā, Suprasādā, Sulocanā, Kauśikī, Kandarā, Ghoṇā, Kakudmī, Kāmalocanā, Kāmotsavā, Kāmacārā, Akāmā, Pūjitā, Parā, Tattvāvalokā und Purajidrājñī sind die Kräfte der mit ka beginnenden Laute.

Die Durgā-Mātṛkā

DU 1–DU 2: Durgā, Kauśikī, Ugrā, Caṇḍā, Māheśvarī, Śivā, Viśveśvarī, Jagaddhātrī, Sthitisaṃhārakāriṇī, Yoganidrā, Bhagavatī, Devī, Svāhā, Svadhā, Sudhā, Sṛṣṭi und Āhuti werden der Reihe nach als Vokalkräfte genannt. [Die Folge enthält in dieser Trennung siebzehn Namen.]

DU 3–DU 5: Kalā, Māyā, Ramā, Jyeṣṭhā, Stuti, Puṣṭi, Sthiti, Gati, Rati, Prīti, Dhṛti, Nīti, Vibhūti, Bhṛti, Unnati, Kṣiti, Kṣānti, Kṣati, Kānti, Śānti, Klānti, Mahādyuti, Kṣut, Pipāsā, Spṛhā, Lajjā, Nidrā, Mudrā, Cidātmikā, Girijā, Bhāratī, Lakṣmī, Śacī, Saṃjñā und Vibhāvarī sind die alle Vollendungen verleihenden Kräfte der mit ka beginnenden Laute.

Die Sarasvatī-Mātṛkā

SA 1–SA 2: Sarasvatī, Mantraśakti, Vedamātā, Jaganmayī, Mānasī, Haṃsagā, Haṃsī, Sarāgā, Kṣemakāriṇī, Akṣayā, Vijayā, Prīti, Lomaśā, Lomahāriṇī, Vijñānadehā und Saṃmūḍhā sind der Reihe nach die Vokalkräfte.

SA 3–SA 6 und unnummerierte Fortsetzung: Kāmadā, Kāminī, Kāntā, Parameṣṭhī, Nibhotamā, Puṇyānubandhā, Śreyaskā, Dayāsārānukampinī, Catuḥstanā, Pañcayajñā, Surabhi, Surapūjitā, Viśvāsajīvinī, Viśvā, Kāmadhenu, Svakāmadā, Avidyā, Duhitā, Kāntā, Kapilā, Malavarjitā, Suśīlā, Jīvavatsā, Śīlavatsā, Suvatsalā, Nandinī, Jayadā, Ajeyā, Durjayā, Duḥkhahāriṇī, Svastidā, Svastikṛt, Svastisvarūpā und Svastidakṣiṇā sind die weißfarbigen, Heil verleihenden Konsonantenkräfte. [Die Lesung nibhotamā ist unklar.]

Die Vārāhī-Mātṛkā

VA 1–VA 2a: Vārāhī, Bhadriṇī, Bhadrā, Vātālī, Kolavaktrakā, Jṛmbhiṇī, Stambhinī, Viśvā, Jambhinī, Mohinī, Śubhā, Rundhinī, Vaśinī, Śakti, Ramā und Umā sind die Vokalkräfte.

VA 2b–VA 5 und unnummerierte Fortsetzung: Khaḍginī, Śūlinī, Ghorā, Śaṅkhinī, Gadinī, Cakriṇī, Vajriṇī, Pāśinī, Aṅkuśinī, Śivā, Cāpinī, Bhavabandhaghnī, Jayadā, Jayadāyinī, Mahāghorā, Mahābhīmā, Bhairavī, Cāruhāsinī, Padminī, Bāṇinī, Ugrā, Musalinī, Aparājitā, Jayapradā, Jayā, Jaitrī, Ripuhā, Bhayavarjitā, Abhayā, Māninī, Potrī, Kiṭinī, Daṃṣṭriṇī, Ramā und Akṣayā sind die Vollendung verleihenden Kräfte der mit ka beginnenden Laute.

Die Trimūrti-Mātṛkā

TRM 1–TRM 3a: Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha sind der Reihe nach die Gestalten der Vokale.

TRM 3b–TRM 5: Akṣaraśakti, Ādyā, Iṣṭadā, Īśānā, Ugrā, Ūrdhvanayanā, Ṛddhi, Rūpiṇī, Luptā, Lūnadoṣā, Ekakalāpikā, Aiṃkāriṇī, Oghavatī, Aurvakanyā, Añjanaprabhā und Asthitālādharā sind die Vokalkräfte. [aiṃ steht in der Vorlage in Klammern; der letzte Name bleibt unklar.]

TRM 6–TRM 7: Bhava, Śarva, Rudra, Paśupati, Ugra, Mahādeva, Bhīma, Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta und Vāmadeva sind die Gestalten der mit ka und bha beginnenden Lautpaare.

TRM 8–TRM 10a: Karabhadrā, Khagabalā, Garimādiphalapradā, Ghorapadā, Paṅktimāsā, Candrārdhadhāriṇī, Chandomayī, Jagatsthānā, Jhāṃkṛti, Jñānaprabhā, Ṭaṅkaḍhakkadharā und Ṣṭhaṃkṛtiḍāmarī heißen die zwölf Kräfte dieser Laute. [Die letzten Lautverbindungen und die Klammerformen jhāṃ und ṣṭhaṃ sind unsicher; eine exakte neue Zuordnung wird daraus nicht abgeleitet.]

TRM 10b–TRM 11: Brahmā, Yajñapati, Vedhas, Parameṣṭhin, Pitāmaha, Vidhātṛ, Viriñci, Sraṣṭṛ, Caturānana und Hiraṇyagarbha sind die zehn Gestalten der mit ya beginnenden Laute.

TRM 12–TRM 13: Yakṣiṇī, Rañjinī, Lakṣmī, Vajriṇī, Śaśidhāriṇī, Ṣaḍādhārālayā, Sarvanāyikā, Hasitānanā, Lalitā und Kṣamā sind deren zehn Kräfte. So wird die Trimūrti-Mātṛkā gelehrt, die als Spenderin aller Vollendungen gilt.

Die Kāmakalā-Mātṛkā der Vokale

KK 1–KK 2 und unnummerierte Fortsetzung: Śraddhā, Prīti, Rati, Dhṛti, Kānti, Manoramā, Manoharā, Manorathā, Madanonmādinī, Mohinī, Śaṃkhinī, Śoṣiṇī, Vaśaṅkārī, Śiñjinī und Subhagā heißen die sechzehn gewünschten Erfolg verleihenden Kalās Kāmas, die zu den Vokalen gehören. [Die Vorlage nennt nur fünfzehn klar erkennbare Namen.]

Die Somakalā-Mātṛkā

SO 1–SO 2: Pūpā, Iddhā, Sumanasā, Rati, Prīti, Dhṛti, Ṛddhi, Saumyā, Marīci, Aṃśumālinī, Śaśinī, Aṅgirā, Chāyā, Saṃpūrṇamaṇḍalā, Tuṣṭi und Amṛtā heißen die mit den Vokalen verbundenen Kalās des Mondes. [Der erste Name pūpā ist auffällig; er wird nicht stillschweigend zu pūṣā geändert.]

Die Aparājitā- beziehungsweise Pratyaṅgirā-Mātṛkā

AP 1–AP 3a: Pratyaṅgirā, Siṃhamukhī, Jvālāmukhī, Śivā, Vaiṣṇavī, Nārasiṃhī, Trimātrā, Śāṅkarī, Parā, Ardhamātrā, Bhagavatī, Śūlinī, Śumbhamardinī, Śaśāṅkadhāriṇī, Bhīṣikā und Kapālinī heißen die Vokalkräfte; sie tragen Dreizack und Schädelschale.

AP 3b–AP 6 und unnummerierte Fortsetzung: Ugrā, Vīrā, Mahājvālā, Hākinī, Viśvarūpiṇī, Stutyā, Jvalinī, Lakṣmī, Tamisrā, Sarvatomukhī, Vareṇyā, Totulā, Mukhyā, Vātītā, Nṛmuṇḍamālā, Siṃhī, Hantrī, Bhīmā, Khaṇḍinī, Tāriṇī, Bhayadā, Drāviṇī, Mṛtyurūpiṇī, Utkārī, Mṛtyuhariṇī, Unnatā, Natipriyā, Mālinī, Ñārṇarūpā, Haṃsinī, Śikhaṇḍinī, Kuṇḍinī und Kṣāntirūpā sind der Reihe nach die Kräfte der mit ka beginnenden Laute. [Vor Utkārī und Unnatā steht in der Vorlage jeweils ein auffälliges ty-; die Namensanfänge bleiben insoweit unsicher.]

Die Bhavānī-Mātṛkā

BV 1–BV 2: Bhavānī, Anantā, Śarabhī, Cakriṇī, Karuṇākarā, Ekamātrā, Dvimātrā, Trimātrā, Aparā, Jayā, Ardhamātrā, Parā, Sūkṣmā, Ṣaṭpadā, Manasvinī und Niṣkalā sind die Wohlstand und Dharma verleihenden Vokalkräfte.

BV 3–BV 8: Svacchandānandasandohā, Vyomākārā, Nirūpitā, Gadyapadyātmikā, Sarvālaṅkārasaṃyutā, Sādhubandhapadanyāsā, Sarvoktighaṭanāvalī, Ṣaṭtarkakarkaśākārā, Sarvatarkavivarjitā, Ādityavarṇā, Avarṇā, Tāmasī, Pararūpiṇī, Brahmāṇī, Brahmasantānā, Vedavāgvādinī, Īśvarī, Purāṇanyāyamīmāṃsā, Dharmaśāstrāṅgamiśritā, Vedā, Vedavatī, Sarvā, Haṃsavidyādhidevatā, Viśveśvarī, Jagaddhātrī, Viśvanirmāṇakāriṇī, Vedikā, Vedarūpā, Kālikā, Kālarūpiṇī, Nārāyaṇī, Mahādevī, Sarvasattvapravartikā und Hiraṇyavarṇarūpā sind der Reihe nach die Konsonantenkräfte. Der Schluss nennt diese Folge Durgā- beziehungsweise Bhavānī-Mātṛkā.

Die Khecarī-Mātṛkā

KH 1–KH 3a: Khecarī, Śakti, Atulā, Vyomāmbā, Vyomarūpiṇī, Vyomasthā, Vyomarūpā, Vyomātītā, Jaganmayī, Śāmbhavī, Śambhuvanitā, Śaraṇārtiprabhedinī, Jaganmātā, Jagaddhātrī, Paravidyā und Sumaṅgalā sind die von der Bindung an das Werden befreienden Vokalkräfte.

KH 3b–KH 6 und unnummerierte Fortsetzung: Parā, Parāyaṇā, Bhavyā, Mālinī, Madavihvalā, Vidyā, Sūkṣmā, Prabhā, Sandhyā, Jaganmāyā, Jagatkriyā, Niśācarī, Jayā, Māyā, Ameyā, Mohavivardhinī, Mohanī, Rañjinī, Vaśyā, Avarā, Mātṛsvarūpiṇī, Vedavidyā, Mahāvidyā, Yajñavidyā, Yamāntakī, Sukhinī, Sukhadā, Bhogyā, Bhoginī, Daṇḍinī, Ramā, Viśāradā, Viśālākṣī, Hlādinī und Akṣayā sind die dem Übenden die ersehnte Frucht gebenden Konsonantenkräfte.

Die Cāmuṇḍā-Mātṛkā

CM 1–CM 2: Cāmuṇḍā, Caṇḍikā, Caṇḍā, Caṇḍamuṇḍavināśinī, Nārāyaṇī, Bhadrakālī, Virajā, Viśvamātṛkā, Ajitā, Bhārgavī, Saumyā, Durgā, Durgatināśinī, Āpyāyanī, Caṇḍaghaṇṭā und Māyā heißen die Vokalkräfte.

CM 3–CM 6: Kamalā, Khaṅginī, Gadinī, Ghaṇṭikā, Parā, Caritrā, Chatriṇī, Jaṅghā, Jhaṅkārī, Jayadā, Ṭaṅkahastā, Ṭhaṅkārī, Ḍāmarī, Ḍhakkikā, Śivā, Tamopahantrī, Sthāneśī, Dayārūpā, Dhanapradā, Navyā, Parā, Phaṭkārī, Bandhinī, Bhayavarjitā, Mahāmāyā, Yogīṣī, Raṅkiṇī, Lambakeśinī, Varadā, Śākinī, Ṣaṇḍā, Sarveśī, Halinī, Lalitā und Kṣāmodarī sind die Konsonantenkräfte.

CM 7: Nachdem der Verständige die reine Mātṛkā im Nyāsa aufgelegt hat, soll er, wenn er ein Verehrer Caṇḍās ist, die Mātṛkā zusammen mit den Cāmuṇḍā-Kräften auflegen.

Die Parā-Mātṛkā

PA 1–PA 2a: Parā, Parāyaṇā, Sūkṣmā, Viśvā, Dākṣāyaṇī, Jayā, Vijayā, Mānadā, Dakṣā, Yoginī, erneut Mānadā, Rati, Kaumārī, Pārvatī, Durgā und Māninī sind die Vokalkräfte.

PA 2b–PA 5 und unnummerierte Fortsetzung: Kalāvatī, Karuṇā, Kāminī, Kāntidāyinī, Khātītā, Khecarī, Gamyā, Gāruḍī, Ghanagarjinī, Cāruhāsā, Capalā, Jagaddhātrī, Jayā, Ramā, Viśvoddhārā, Viśvamayī, Viśālākṣī, Viśokinī, Varadā, Vāsukī, Bālā, Parameṣṭhinutā, Dhṛti, Bhāsvarā, Bhāvagamyā, Āryā, Bhānumaṇḍalavartinī, Phaṭkārī, Lāsinī, Tārā, Hāriṇī, Havyavāhinī, Hlādinī, Kledinī und Klinnā sind die Konsonantenkräfte. [Die Namen von Phaṭkārī bis Havyavāhinī stehen bereits in der Sanskritvorlage in Klammern.]

Die Kurukullā-Mātṛkā

KU 1–KU 3a: Kurukullā, Kuraṅgākṣī, Viṣahantrī, Viṣāpahā, Viśveśvarī, Viśālākṣī, Gāruḍī, Gajagāminī, Vinatā, Viśvajananī, Viśvākhyā, Viśvamātṛkā, Rājasī, Tāmasī, Sattvā und Raṇatkāñcīvibhūṣaṇā sind die Reichtum, Dharma und Glück verleihenden Vokalkräfte.

KU 3b–KU 7: Kalyāṇī, Kamalā, Kāntā, Sauparṇī, Tārkṣyaśaktinī, Nāgahantrī, Nāgamātā, Nāginī, Nagajā, Priyā, Nalinī, Nandinī, Bhavyā, Sadāpuṣpavatī, Śivā, Madadravā, Madavatī, Mādinī, Manmathālasā, Mohinī, Murajaprītā, Munimānasavāsinī, Potasthā, Purajitkāntā, Potaśakti, Purapriyā, Digambarā, Diti, Saumyā, Dineśī, Dīnavallabhā, Dayāvatī, Damaprītā, Dāruṇī und Lokadhāriṇī sind die dem Übenden die ersehnte Frucht verleihenden Konsonantenkräfte.

Die Pañcadaśī- beziehungsweise Sundarī-Mātṛkā

P15 1–P15 2: Sundarī, Subhagā, Bhavyā, Mahāmāyā, Manonmanī, Tripurā, Vaśinī, Bālā, Mahātripuradevatā, Mahākāmakalā, Śreṣṭhā, Nīlā, Nīlasarasvatī, Viśveśī, Vijayā und Saumyā sind die Vokalkräfte.

P15 3–P15 7 und unnummerierte Fortsetzung: Kaulinī, Kulamārgasthā, Kulāntakanivāsinī, Sarvavidyeśvarī, Sarvamantreśvarī, Sarvavāgīśvarī, Siddhā, Sarvasiddheśvarī, Jayā, Sarvavīreśvarī, Vīrā, Sarvapīṭheśvarī, Śivā, Bhairavī, Bhāvanātītā, Bhāvagamyā, Maheśvarī, Mahāvidyā, Mahājaitrī, Mahātripurasundarī, Kālī, Kātyāyanī, Durgā, Vaiṣṇavī, Viṣṇuvallabhā, Yoginī, Yogamārgasthā, Ṣaṭcakrapuravāsinī, Vimalā, Viśvanilayā, Viśvākhyā, Viśvavigrahā, Śaśinī, Śāradā und Candramaṇḍalamadhyagā sind die Vollendung verleihenden Konsonantenkräfte.

Die Mātṛkā mit Mālinī und den weiteren Kräften

ML 1–ML 3a: Mālinī, Nādinī, Grasinī, Priyadarśinī, Nivṛtti, Supratiṣṭhā, Vidyā, Śānti, Cāmuṇḍā, Guhyaśakti, Vajriṇī, Karālinī, Kapālinī, Śivā, Jñānaśakti und Kriyā sind die Erkenntnis und Befreiung verleihenden Vokalkräfte.

ML 3b–ML 7: Gāyatrī, Icchā, Sāvitrī, Dehinī, Muṇḍamālinī, Phaṭkārī, Vaṣaṭkārī, Svadhā, Svāhā, Āhutipriyā, Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Brahmāṇī, Brahmavādinī, Jayā, Vedamayī, Durgā, Jayantī, Raktadantikā, Jagajjaitrī, Caitanyamayī, Viśvaprabodhinī, Kṣamā, Śānti, Dayā, Nidrā, Rudraśakti, Parāyaṇā, Huṃkārī, Khecarī, Māyā, Viśvayoni, Trayīmayī und Saṃsārabhayahantrī sind die Konsonantenkräfte. Diese Mātṛkās sollen von den in die Mantras der oberen Überlieferung Eingeweihten im Nyāsa aufgelegt werden.

Die Fünf-Elemente-Mātṛkā

Śāradā (PE 1 und unnummerierte Fortsetzung): Die fünfzig Schriftlaute haben der Reihe nach das Wesen von Wind, Feuer, Erde, Wasser und Raum. Die fünf kurzen Vokale, die fünf langen, die durch Lautverbindung entstehenden bis zum Bindu sowie die mit ka beginnenden Laute werden jeweils zu Fünfergruppen geordnet; die abschließenden Laute ṣa, kṣa, la, sa, ha werden entsprechend hinzugenommen. [Die Zuordnung ist im Grundvers verkürzt.]

Tantrarāja (ET 1–ET 2a): Fünf Reihen werden genannt, deren Wesen Lebensatem, Feuer, Erde, Wasser und Raum ist. Der Visarga, der auch Māyā und Śakti heißt, ist der Herr in Gestalt der fünf Elemente. Da er das Wesen Śivas besitzt, ist seine Anordnung hier nicht auf eine einzige Stelle beschränkt.

ET 2b–ET 3a: Vāta, Marut, Cara, Prāṇa, Vāyu, Nāda, Raya, Javin, Vyāpta und Sparśa sind der Reihe nach die Namen der windartigen Laute.

ET 3b–ET 4a: Agni, Vahni, Śuci, Tejas, Prabhā, Dāva, Śikhin, Dyuti, Dāha und Grāsa sind die Namen der feuerartigen Laute.

ET 4b–ET 5a: Dharā, Kṣmā, Bhū, Sthirā, Jyā, Ku, Gotrā, Bhūmi, Rasā und Ilā sind der Reihe nach die Namen der erdhaften Laute.

ET 5b–ET 6a: Jala, Vāri, Vana, Vās, Ka, Pāthas, Toya, Rasa, Ambu und Hṛt sind der Reihe nach die Namen der wasserartigen Laute.

ET 6b und unnummerierte Fortsetzung: Vibhu, Kha, erneut Kha, Dyu, Abhra, Vyoma, Śūnya, Nabhas, Viyat und Haṃsa sind der Reihe nach die Namen der raumartigen Laute. [Die Doppelung von kha wird bewahrt.]

Die Bhūtalipi-Mātṛkā

Siddhasārasvata (BL 1–BL 3a): Nun werde ich die großen Mantras Sarasvatīs erklären, die gute Wünsche erfüllen. Als Erster wird der Bhūtalipi genannte Mantra gelehrt, Geliebte. Im großen Sārasvata-Tantra ist er geheimgehalten und sehr schwer zu erlangen. Die Weisen empfingen ihn von Viṣṇu und erlangten durch ihn alle ersehnte Frucht, Göttin. Wozu viele Worte?

BL 3b–BL 6a: Die erste Gruppe bilden die fünf kurzen Vokale. Die zweite besteht aus vier mit Śiva beginnenden Lauten. Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde bilden die dritte. Danach entstehen fünf Gruppen, indem in jeder Konsonantenklasse zuerst der letzte, dann der erste, zweite, vorletzte und dritte Laut genommen wird. Die neunte Gruppe wird durch die Codierungen Vānta, Śānta und Bhṛgu bezeichnet. Der aus neun Gruppen bestehende Mantra umfasst zweiundvierzig Silben. [Die Codierungen werden hier erhalten; wo keine eindeutige Entschlüsselung vorliegt, wird keine vollständige Rezitationsformel zusammengestellt.]

BL 6b–BL 8: Die erste der Gruppen wird mit Śrīkaṇṭha, oberer Lippe und Raum verbunden. Die letzten Laute der Gruppen werden mit Vānta verbunden; so werden sie der Reihe nach genannt. Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde gelten in dieser Reihenfolge als die Laute der Gruppen. Der zweiten Gruppe fehlt die Erde, der letzten fehlen Wasser und Erde. Die Gottheiten aller neun Gruppen werden der Reihe nach erklärt. [Der Wortlaut ist stark verkürzt und setzt einen Lautschlüssel voraus.]

BL 9: Genannt werden Viriñci, Viṣṇu, Rudra, die beiden Aśvins, Prajāpati, die Weltenhüter sowie Kriyā und die weiteren Śaktis. [Die Zusammenfassung der Gruppen lässt eine eindeutige Zuweisung aller neun Positionen an dieser Stelle offen.]

Die Mātṛkā mit dreiundsechzig Lauten

Mātṛkārṇava (L63 1–L63 3): Nach der Lehre Śambhus gibt es dreiundsechzig oder vierundsechzig Laute. Für Prākṛt und Sanskrit wurden sie von Svayambhū selbst gelehrt: einundzwanzig Vokale, fünfundzwanzig Verschlusslaute, die acht mit ya beginnenden Laute und vier Yamas. Hinzu kommen Anusvāra, Visarga, die beiden von einem nachfolgenden Laut abhängigen Ka- und Pa-Formen sowie der Duḥspṛṣṭa genannte ḷ-Laut; außerdem wird dessen überlange Form genannt. [Die Ka- und Pa-Formen sind phonetische Sonderzeichen. Die letzten Angaben erklären die alternative Gesamtzahl; die Vorlage formuliert die überlange Form knapp.]

Die Śāmbhavī-Mātṛkā

Einleitende Prosa: Diesen Nyāsa sollen die in die obere Überlieferung Eingeweihten vollziehen.

ŚM 1–ŚM 2: Śāmbhavī, Tāmasī, Māyā, Mahāmāyā, Śivottamā, Ūrdhvakeśī, Virūpākṣī, Khecarī, Śivavallabhā, Kuṇḍodarī, Lolākṣī, Viṣṇumāyā, Mahodarī, Lamboṣṭhī, Vyomarūpā und Vibhvī sind die Vokalkräfte.

ŚM 3–ŚM 6: Kānti, Śraddhā, Rati, Prīti, Ambarā, Prāṇarūpiṇī, Śuci, Kṣiti, Bhuvanā, Dyuti, Śrī, Paramā, Ramā, Rājasī, Grasinī, Caṇḍā, Rākṣasī, Viśāradā, Vāgvādinī, Jayā, Bhīmā, Śivā, Śaṅkaravallabhā, Sandhyā, Prajñā, Prabhā, Jyotsnā, Vinadā, Viśvarūpiṇī, Asthimālādharā, Pañcavaktrā, Ugrā, Kṣobhiṇī, Mati und Vyāpinī gelten der Reihe nach als die Kräfte der mit ka beginnenden Laute für die im Śāmbhava-Verfahren eingeweihten Übenden, große Herrin.

ŚM 7: Diese Śāmbhavī-Mātṛkā verleiht alle ersehnten Früchte. Zuerst soll man sie im Nyāsa auflegen und danach die Strahlenfolge auflegen.

Die Kālarātri-Mātṛkā

KR 1–KR 3a: Kālarātri, Mahārātri, Kaṭukā, Subhagā, Śivā, Mohinī, Moharātri, Vidyā, Kaṭukapatrikā, Ātharvaṇasya Duhitā, die Tochter Ātharvaṇas, Rañjinī, Viśvamohinī, Mohanāstrā, Moharūpā, Saubhāgyā und Mohavardhinī sind die Vokalkräfte, die das Ersehnte der Übenden bewirken.

KR 3b–KR 7: Kāminī, Kamanaprītā, Drāviṇī, Kṣobhiṇī, Parā, Madanonmādinī, Manmathā, Manonmanī, Manasvinī, Manovāsinī, Aruṇā, Madanotsavā, Mādinī, Madasantānā, Mañjuvāṇī, Manoharā, Manoramā, Priyā, Kāntā, Mañjughoṣā, Madapriyā, Kāmavardhanikā, Dāruṇā, Damanapriyā, Daṇḍinī, Viśvanaṭinī, Nalinī, Viśvamālinī, Hāvā, Bhāvā, Bhāvagamyā, Bhāvātītā, Vinodinī, Pañcabāṇā und Parotsāhā sind der Reihe nach die Kräfte der mit ka beginnenden Laute.

Kolophon: Damit endet der dritte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler Śrī Pragalbhācāryas, Schüler Śrī Viṣṇuśarmācāryas, Schüler Śrī Bhagavacchaṅkarācāryas, Schüler des hochverehrten großen Lehrers Śrī Govindācārya.

4. Śvāsa

Die Strahlenfolge Tripurās im Kālī-Lehrsystem

4.1–4.3 Nun werde ich die in allen Tantras geheimgehaltene Herrlichkeit der Mātṛkā erklären. Wer sie aus der Überlieferung versteht, wird frei von Zweifel und kann durch Kenntnis ihrer Strahlen die Mantras selbst herauslösen. Deshalb sollen die Verständigen zuerst die Strahlenfolge der Mātṛkā kennenlernen. Wer ohne diese Kenntnis einen Mantra herauslösen will, gleicht jemandem, der einen im Dunkeln liegenden Gegenstand zu sehen sucht.

4.4–4.6 Deshalb soll der Übende mit aller Sorgfalt vom Guru oder aus der Schrift das Verfahren gründlich kennenlernen und frei von Zweifel die Gestalt des Mantras verstehen, damit dessen Wirkkraft sich entfaltet. Durch das Erwachen dieser Kraft werde Vollendung mühelos erreicht. Wer einen Mantra verehrt, ohne seine Wirkkraft zu kennen, erlange dagegen selbst in Tausenden von Millionen Weltaltern keine Mantravollendung.

4.7–4.9 Die Strahlen der Laute sind als Atemzüge zu verstehen. In vollständiger Gestalt beträgt ihre Zahl einundzwanzigtausendsechshundert; in unvollständiger Gestalt wird sie verdoppelt. Nach äußerer und innerer Verbindung werden die Atemzüge zweifach genannt. Die halben Formen unterscheiden sich als Sonne und Mond, als heftig und sanft sowie als Piṅgalā und Iḍā. [Die Zahl 21.600 ergibt sich aus der Verbindung von „dreimal sieben Tausend“ und „sechshundert zusätzlich“.]

4.10–4.12 Sie befinden sich in sechs Cakras: im Mūlādhāra, im Nabellotus, im Svādhiṣṭhāna, im Anāhata, im Viśuddha und zwischen den Augenbrauen. Jedem Cakra werden dreitausendsechshundert zugeteilt. Mūlādhāra ist der Ort der Erde, Svādhiṣṭhāna der des Feuers, Maṇipūra der des Wassers, Anāhata der des Windes, Viśuddha der des Raumes und Ājñā der des Geistes. [Die Elementzuordnung wird so wiedergegeben, wie sie hier steht.]

4.13–4.15a Im Mūlādhāra liegt ein großer Lotus mit vier Blättern. In deren Mitte stehen die vier Laute von va bis sa. Jedem Laut gehören neunhundert Strahlen an. Die erdhaften Strahlen sind bei diesen Lauten der Reihe nach mit je vierzehn zu verstehen.

4.15b–4.20 Im zehnblättrigen Maṇipūra mit den Lauten von ḍa bis pha werden zweiundfünfzig Wasserstrahlen verteilt. Im sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna mit den Lauten von ba bis la werden zweiundsechzig Feuerstrahlen verteilt. Im zwölfblättrigen Anāhata mit den Lauten von ka bis ṭha sind es vierundfünfzig Windstrahlen. Im sechzehnblättrigen Viśuddha mit den sechzehn Vokalen sind es zweiundsiebzig Raumstrahlen. Im höchsten zweiblättrigen Ājñā mit ha und kṣa sind es vierundsechzig geistige Strahlen. Zusammen ergeben sich in den sechs Grundlagen dreihundertsechzig Strahlen.

4.21–4.23a Die jedem einzelnen Laut zugehörigen Strahlen werden nach den sechs Arten, Erde und den übrigen, unterschieden. Sie heißen gemischte Strahlen. Ihre Namen werde ich nun nennen. Im vierblättrigen Grundlotus werden sechsundfünfzig erdhafte Strahlen, von Osten an, als heilbringend beschrieben. [Der Text spricht dabei auch von sechsundfünfzig „Blättern“; diese zweite Zahl gehört zur ausgeweiteten Strahlenanordnung.]

Die erdhaften Strahlen

4.23b–4.25 Die Paare heißen Tripurasundarī und Tripurasundara, Hṛdayadevī und Hṛdayadeva, Śirodevī und Śirodeva, Śikhādevī und Śikhādeva, Kavacadevī und Kavacadeva, Netradevī und Netradeva, Astradevī und Astradeva. [Die Quelle bildet einige Namen ausdrücklich durch den Zusatz „mit Tripurā beginnend“ und entsprechende Angaben; hier werden diese Namensverbindungen zusammengeschrieben.]

4.26–4.28 Danach Kāmeśvarī und Kāmeśa, Bhagamālinī und Bhagamālin, Nityaklinnā und Nityaklinna, Bheruṇḍā und Bheruṇḍa, Vahnivāsinī und Vahnivāsin, Mahāvajreśvarī und Vajreśvara, Śivādūtī und Śivādūta, Tvaritā und Tvarita, Kulasundarī und Kulasundara.

4.29–4.31 Nityā und Nitya, Nīlapatākā und Nīlapatāka, Vijayā und Vijaya, Sarvamaṅgalā und Sarvamaṅgala, Jvālāmālinikā und Jvālāmālin, Citrā und Citra, Mahānityā und Mahānitya; danach folgt Parameśī.

4.32–4.34a Dazu Parameśa; ferner Mitreśamayī und Mitreśa, Ṣaṣṭhīśamayī und Ṣaṣṭhī, Uḍḍīśamayī und die in der Vorlage als uḍḍīśamavaḥ geschriebene männliche Form, Caryānāthamayī und Caryānāthamaya. Diese erdhaften Strahlen geben den Übenden das Ersehnte. [Die männlichen Namensformen stimmen nicht überall genau mit den weiblichen überein; die beschädigte Uḍḍīśa-Form bleibt ungeklärt.]

Die Wasserstrahlen

4.34b–4.38 Im Nabelbereich, im zehnblättrigen Lotus mit seiner zweiundfünfzigteiligen Entfaltung, werden der Reihe nach zweiundfünfzig Wasserstrahlen genannt: Lopāmudrāmayī und Lopāmudrāmaya, Agastyamayī und Agastyamaya, Kālatāpanamayī und Kālatāpanamaya – die männliche Form wird als sechste bezeichnet –, Dharmācāryamayī und Dharmācāryamaya, Muktakeśvaramayī und Muktakeśvaramaya, Dīpakalānāthamayī und Dīpakalānāthamaya.

4.39–4.42 Viṣṇudevamayī und Viṣṇudevamaya; danach nennt die Vorlage Prabhākaradevamaya, Tejomayī und Tejodevamaya, Manodevamayī und Manodevamaya, Kalyāṇadevamayī und Kalyāṇadevamaya, Ratnadevamayī und Ratnadevamaya, Vāsudevamayī und Vāsudevamaya, Rāmānandamayī und Rāmānandamaya. [Eine weibliche Prabhākara-Form ist hier nicht ausdrücklich überliefert; tetodeva wird im Zusammenhang als Tejodeva verstanden.]

4.43–4.47 Aṇimāsiddhi und Aṇimāsiddha, Laghimāsiddhi und Laghimāsiddha, Mahimāsiddhi und Mahimāsiddha, Īśitvasiddhi und Īśitvasiddha, Vaśitvasiddhi und Vaśitvasiddha, Prākāmyasiddhi und Prākāmyasiddha, Bhuktisiddhi und Bhuktisiddha, Icchāsiddhi und Icchāsiddha, Prāptisiddhi und Prāptisiddha, Sarvakāmasiddhi und Sarvakāmasiddha; ferner Brāhmī und Brahmā, Māheśvarī und Māheśa. Diese sind als Wasserstrahlen zu verstehen.

Die Feuerstrahlen

4.48–4.50a Im sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna, das sich hier zweiundsechzigfach entfaltet, werden von Osten an die Feuerstrahlen genannt: Kaumārī und Kumāra, Vaiṣṇavī und Viṣṇu, Vārāhī und Varāha, Māhendrī und Mahendra, Cāmuṇḍā und Cāmuṇḍa, Mahālakṣmī und Mahālakṣma.

4.50b–4.54 Sarvasaṃkṣobhaṇī und Sarvasaṃkṣobhaṇa, Sarvavidrāvaṇī und Sarvavidrāvaṇa, Sarvākarṣaṇikā und Sarvākarṣaṇaka, Sarvavaśaṃkarī und Sarvavaśaṃkara, Sarvonmādanikā und Sarvonmādanaka, Sarvamahāṅkuśā und Sarvamahāṅkuśa, Sarvakhecarī und Sarvakhecara, Sarvabījā und Sarvabīja, Sarvayoni in weiblicher und männlicher Form, Trikhaṇḍā und Trikhaṇḍa.

4.55–4.57 Die Herrin und der Herr des Trailokyamohana-Cakras, Prakaṭayoginī und Prakaṭayogin, Kāmākarṣaṇikā und Kāmākarṣaṇaka, Buddhyākarṣaṇikā und Buddhyākarṣaṇaka, Ahaṅkārākarṣaṇī und Ahaṅkārākarṣaṇa; danach folgt Śabdākarṣaṇikā.

4.58–4.62a Dazu Śabdākarṣaṇaka; danach Sparśākarṣaṇikā und Sparśākarṣaṇaka, Rūpākarṣaṇikā und Rūpākarṣaṇaka, Rasākarṣaṇikā und Rasākarṣaṇaka, Gandhākarṣaṇikā und Gandhākarṣaṇaka, Cittākarṣaṇikā und Cittākarṣaṇaka, Dhairyākarṣaṇikā und Dhairyākarṣaṇaka, Smṛtyākarṣaṇikā und Smṛtyākarṣaṇaka, Nāmākarṣaṇikā und Nāmākarṣaṇaka, Bījākarṣaṇikā und Bījākarṣaṇaka.

Die Windstrahlen

4.62b–4.66a Im zwölfblättrigen Anāhata mit seiner vierundfünfzigteiligen Entfaltung werden von Osten an die Windstrahlen genannt: Ātmākarṣaṇikā und Ātmākarṣaṇaka, Amṛtākarṣaṇī und Amṛtākarṣaṇa, Śarīrākarṣaṇī und Śarīrākarṣaṇa, die Herrin und der Herr des Sarvāśāparipūra-Cakras; danach Guptayoginī.

4.66b–4.69 Dazu Guptayogin; dann Anaṅgakusumā und Anaṅgakusuma, Anaṅgamekhalā und Anaṅgamekhala, Anaṅgamadanā und Anaṅgamadana, Anaṅgamadanāturā und Anaṅgamadanātura, Anaṅgarekhā und Anaṅgarekha, Anaṅgaveginī und Anaṅgavegin, Anaṅgāṅkuśā und Anaṅgāṅkuśa, Anaṅgamālinī und Anaṅgamālin.

4.70–4.73 Die Herrin und der Herr des Sarvasaṃkṣobhaṇa-Cakras, Guptatarayoginī und Guptatarayogin, Sarvasaṃkṣobhaṇī und Sarvasaṃkṣobhaṇa, Sarvavidrāvaṇī und Sarvavidrāvaṇa, Sarvākarṣaṇikā und Sarvākarṣaṇaka, Sarvāhlādanikā und Sarvāhlādanaka, Sarvasaṃmohanī und Sarvasaṃmohana; danach Sarvastambhanī.

4.74–4.76 Dazu Sarvastambhanaka; danach Sarvajṛmbhaṇikā und Sarvajṛmbhaṇaka, Sarvavaśaṃkarī und Sarvavaśaṃkara, Sarvarañjanī und Sarvarañjana, Sarvonmādanikā und Sarvonmādana, Sarvārthasādhanī und Sarvārthasādhana, Sarvasaṃpattipūraṇī und Sarvasaṃpattipūraṇa.

Die Raumstrahlen

4.77–4.80 Im sechzehnblättrigen Halslotus mit seiner zweiundsiebzigteiligen Entfaltung werden von Osten an die Raumstrahlen genannt: Sarvamantramayī und Sarvamantramaya, Sarvadvandvakṣayakarī und Sarvadvandvakṣayaṅkara, die Herrin und der Herr des Sarvasaubhāgyadāya-Cakras, Sampradāyayoginī und Sampradāyayogin, Sarvasiddhipradā und Sarvasiddhiprada; danach Sarvasaṃpatpradā.

4.81–4.85a Dazu Sarvasaṃpatprada; dann Sarvapriyakarī und Sarvapriyakara, Sarvamaṅgalakāriṇī und Sarvamaṅgalakārin, Sarvakāmapradā und Sarvakāmaprada, Sarvaduḥkhavimocanī und Sarvaduḥkhavimocana, Sarvamṛtyupraśamanī und Sarvamṛtyupraśamana, Sarvavighnanivāraṇī und Sarvavighnanivāraṇa, Sarvāṅgasundarī und Sarvāṅgasundara, Sarvasaubhāgyadāyinī und Sarvasaubhāgyadāyaka.

4.85b–4.88 Die Herrin und der Herr des Sarvārthasādhaka-Cakras, Kulottīrṇayoginī und Kulottīrṇayogin, Sarvajñā und Sarvajña, Sarvaśaktipradā und Sarvaśaktiprada, Sarvaiśvaryapradā und Sarvaiśvaryaprada, Sarvajñānamayī und Sarvajñānamaya, Sarvavyādhivināśinī und Sarvavyādhivināśa; danach Sarvādhārasvarūpiṇī.

4.89–4.92 Dazu Sarvādhārasvarūpa; danach Sarvapāpaharā und Sarvapāpahara, Sarvānandamayī und Sarvānandamaya, Sarvarakṣāsvarūpiṇī und Sarvarakṣāsvarūpa, Sarvepsitaphalapradā und Sarvepsitaphalaprada, die Herrin und der Herr des Sarvarakṣākara-Cakras, Nigarbhayoginī und Nigarbhayogin, Vaśinī und Vaśin; danach Kāmeśvarī.

4.93–4.94a Dazu Kāmeśvara; dann Modinī und Modin, Vimalā und Vimala, Aruṇā und Aruṇa, Jayinī und Jayin, Sarveśvarī und Sarveśa, Kaulinī und Kaulika.

Die geistigen Strahlen im Ājñā-Cakra

4.94b–4.97 Im zweiblättrigen Ājñā-Lotus mit seiner vierundsechzigteiligen Entfaltung werden die geistigen Strahlen genannt: die Herrin und der Herr des Sarvarāgahara-Cakras, Rahasyayoginī und Rahasyayogin, Bāṇinī und Bāṇin, Cāpinī und Cāpin, Pāśinī und Pāśika, Aṅkuśinī und Aṅkuśin, Mahākāmeśvarī und Mahākāmeśvara; danach Mahāvajreśvarī. [Die Vorlage schreibt hier rāga, Verlangen, nicht roga, Krankheit.]

4.98–4.101 Dazu Mahāvajreśvara; danach Bhagamālinī und Bhagamālin, Mahātripurasundarī und Mahātripurasundara, die Herrin und der Herr des Sarvasiddhiprada-Cakras, Atirahasyayoginī und Atirahasyayogin, Śrībhaṭṭāraka als weiblich und männlich bezeichnete Gestalt, die Herrin und der Herr des Sarvānandamaya-Cakras; anschließend beginnt die Bezeichnung Parāpararahasya.

4.102–4.105 Parāpararahasyayoginī und Parāpararahasyayogin, Tripurā und Tripura, Tripureśvarī und Tripureśvara, Tripurasundarī und Tripurasundara, Tripuravāsinī und Tripuravāsaka, Tripurāśrī und die ebenfalls mit Śrī bezeichnete männliche Gestalt, Tripuramālinī und Tripuramālin, Tripurasiddhā und Tripurasiddha, Tripurāmbā und Tripurāmba, Mahātripurasundarī und Mahātripurasundara; danach Mahāmāheśvarī. [Das Tripureśvarī-Paar steht bereits in der Quelle in Klammern.]

4.106–4.109 Dazu Mahāmāheśvara; danach Mahārājñī und Mahārāja, Mahāśakti und Mahāśakta, Mahāguptā und Mahāgupta, Mahājñaptā und Mahājñapta, Mahāmahānandā und Mahāmahānanda, Mahāspandā und Mahāmahāspanda, Mahāśayā und Mahāmahāśaya. So sind die Strahlen hier zu verstehen. Die aufsteigende Folge wurde erklärt; nun werde ich die absteigende Folge nennen. [Die Verteilung der wiederholten Vorsilbe mahā ist im Schluss dieser Reihe uneinheitlich und teilweise verkürzt; die Namensformen werden nicht künstlich vereinheitlicht.]

Abstieg, Grundzahl und gemischte Strahlen

4.110–4.112 Danach werden die Paare der fünfzehn Laute der Lopā-Vidyā genannt. Durch Verbindung der neun Laute Navātmeśvaras mit den sechzehn Vokalen entstehen hundertvierundvierzig Paare. Hinzu kommen die Paare der Kalās der fünf Brahmans, der drei göttlichen Gestalten und der Lichtkräfte sowie die Paare der aus Tāra hervorgehenden Kalās. [Die Lesung vor rottha ist in der Vorlage unsicher.]

4.113–4.116 Die übrigen Kalās neben den aus Navātmeśvaras Lauten hervorgehenden betragen dreihundertsechzig. An den Übergängen werden die Paare des Navātmeśvara-Mantras im Kommen und Gehen berücksichtigt. Ferner werden siebenhundertzwanzig und zwanzigtausendsiebenhundertsechsunddreißig Kāla-Nityās genannt. Als Grundzahl werden einundzwanzigtausendsechshundert angegeben. Im Kula-Āgama heißen diese Strahlen Atemzüge. Sonne und Mond sind aus der verdoppelten Grundzahl zu verstehen. [Wie die zuvor genannten Teilzahlen genau miteinander verrechnet werden, ist in diesen Versen nicht vollständig ausgeführt.]

4.117–4.120a Die gemischten Strahlen ergeben sich aus der Grundzahl nach Wegnahme eines Bindu. Unterhalb des Mūlādhāra, in den tausendblättrigen Bereichen und ebenso im Brahmarandhra leuchten tausend Strahlen. An den sechs Übergängen, unten und oben, werden die Zahlen dreißig und zwanzig genannt. Als eigene Strahlen gelten neunzehntausendvierhundertvierzig, als gemischte zweitausendeinhundertsechzig. Sie sind entsprechend auf die Bereiche verteilt zu verstehen. [„Wegnahme eines Bindu“ bezeichnet hier im Zahlenzusammenhang offenbar die Verringerung um eine Dezimalstelle; die räumliche Verteilung bleibt im Wortlaut knapp.]

Die sechs Strahlenanteile der einzelnen Laute

4.120b–4.123 Die Reihenfolge lautet: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Geist. Für a werden dreieinhalb, dreieinviertel, vier weniger ein Achtel, dreieinhalb weniger ein Achtel, viereinhalb und vier angegeben. Dieselbe Folge gilt für die mit i beginnenden Vokale.

4.124–4.143 Jedem Vokal gehören insgesamt zweiundzwanzigeinhalb gemischte Strahlen zu. Für die Konsonanten nennt der Text die folgende Verteilung. Zahlenwörter wie „Veden“, „Elemente“ und „Meere“ sind hier als vier beziehungsweise fünf wiedergegeben; unklare Zuordnungen bleiben vermerkt.

Verse Laut oder Lautgruppe Erde Wasser Feuer Wind Raum Geist
4.121–4.124 Vokale 3½ 3¼ 3⅞ 3⅜ 4½ 4
4.124–4.125 ka; ebenso kha 4½ 4¾ 5 4½ 6 5¼
4.125–4.126 Pañcāntaka; ebenso gha 5 4¼ 5 4½ 6 5¼
4.127–4.128 in der Vorlage ḍa; ebenso ca und cha 4½ 4¼ 5½ 4½ 6 5¼
4.128–4.129 ja 5 4¼ 5 4½ 6 5¼
4.129–4.130 jha 4½ 4¼ 5 4½ 5¾ 6
4.130 ña, ṭa und ṭha wie ja 5 4¼ 5 4½ 6 5¼
4.131–4.132 ḍa; ebenso ḍha, ṇa und ta 5¾ 5¼ 6½ 5 7 6½
4.132–4.133 tha; ebenso da, dha und na 5½ 5¼ 6 5¾ 7 6½
4.134 pa; ebenso pha 5½ 5 6 5½ 8 6
4.135 ba 10 8½ 10 9 12 10½
4.136 bha 9½ 9 10 9 12 10½
4.137 ma 9½ 8 11 9 12 10½
4.138 ya 9 8½ 10 9 12 11½
4.139 ra 9 8½ 11 9 12 10½
4.140 la 10 8½ 10 9 12 10½
4.141–4.142 va; anschließend wird auf śa, ṣa und sa verwiesen 14 Viśvedevāḥ 15½ Viśva und ein Halb 18 16
4.142–4.143 ha; ebenso kṣa 28 26 31 37 36 32

Anmerkungen zur Tabelle: Pañcāntaka ist ein Lautcodename; seine Entschlüsselung wird hier nicht zusätzlich festgelegt. Die Nennung von ḍa in 4.128 passt nicht zur umgebenden Lautfolge und wiederholt sich in 4.131 mit anderen Werten. Bei va sind die Zahlencodes Viśvedevāḥ und Viśva im vorliegenden Zusammenhang nicht eindeutig genug, um sie ohne weiteren Beleg zu ersetzen. Die Wendung über śa, ṣa, sa ist ebenfalls verkürzt. Einige Zeilensummen weichen von den anschließend angegebenen Gruppensummen ab; die Einzelwerte werden deshalb nicht rechnerisch verändert.

4.144–4.145a Durch vollständige Kenntnis der gemischten und der eigenen Strahlen kann man die höchste Herrlichkeit der Lautgesamtheit erkennen. Daran besteht kein Zweifel: Es ist wahr, wahr und nicht anders.

Grundstrahlen, gemischte und eigene Strahlen

4.145b–4.147 Für die zwölf mit ka beginnenden Laute werden jeweils dreißig gemischte Strahlen angegeben, für die zehn mit ḍa beginnenden jeweils sechsunddreißig, für die mit ba beginnende Gruppe sechzig, für die vier mit va beginnenden neunzig und für ha und kṣa jeweils hundertachtzig. [Die Zahl der ba-Gruppe ist zunächst unsicher überliefert; 4.153 nennt ausdrücklich sechs.]

4.148–4.157 Die ausführliche Aufstellung lautet:

Lautgruppe Grundstrahlen je Laut Gemischte Strahlen je Laut Eigene Strahlen je Laut laut Vorlage
Vokale von a an 225 22½ 202½
ka bis ṭha, zwölf Laute 300 30 270
ḍa bis pha, zehn Laute 360 36 264
ba bis la, sechs Laute 600 60 540
va bis sa, vier Laute 900 90 810
ha und kṣa 1.800 180 1.630

Textabweichungen: Für die zehn mit ḍa beginnenden Laute ergibt die Subtraktion 324, während 4.153 ausdrücklich 264 nennt. Bei ha und kṣa ergibt sie 1.620, während 4.157 1.630 nennt. Diese Differenzen werden offengelegt und nicht durch stillschweigende Korrekturen beseitigt.

4.158–4.160 Insgesamt werden 336 erdhafte, 312 wasserhafte, 372 feurige, 324 windhafte, 432 raumhafte und 384 geistige Strahlen genannt.

4.161–4.162 Durch diese Kenntnis der Strahlenfolge werde man unmittelbar Paraśiva. Nichts in der Welt offenbare die Wirkkraft des Mantras auf höhere Weise. Diese Lehre sei geheimer als das Geheime und nicht beliebig weiterzugeben. Bei ungehöriger Weitergabe gehe Vollendung verloren: So lautet die Anweisung des höchsten Herrn.

4.163–4.165 Überwiegend erdhafte Mantras werden dem Stillstellen zugeordnet, überwiegend wasserhafte der Befriedung. Feuer- und raumbetonte Mantras werden für rituelle Einwirkung und Unterwerfung, windbetonte für Vertreibung empfohlen. Vorwiegend geistige Mantras verleihen nach dem Text Befreiung. Ist die Kuṇḍalī-Śakti erwacht, gelangen auch die Mantras zum Erwachen. [Die rituellen Zuordnungen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben.]

4.166–4.168 Hat man das Verfahren vom Guru oder aus der Schrift richtig erkannt und den Strahlen-Nyāsa in aufsteigender und absteigender Folge vollzogen, so werden die Mantras nach dieser Aussage augenblicklich vollendet. Wer sich ohne Strahlen-Nyāsa um die Mantrakraft bemüht, erlangt dagegen selbst in Hunderten von Millionen Weltaltern keine Vollendung. So sind im Kālī-Lehrsystem die Vollendung verleihenden Strahlen beschrieben.

Abschließende Prosa: Damit endet die Darstellung der Śrīvidyā-Strahlen im Kālī-Lehrsystem.

Die Strahlen im Kādī-Lehrsystem

KĀ 1–KĀ 4: Nun werde ich die Strahlen in den sechs Cakras nach dem Kādī-Lehrsystem genau erklären. Sieben erdhafte Laute werden zunächst ohne Vokal betrachtet. Mit den kurzen Vokalen verbunden ergeben sie fünfunddreißig Formen, mit den langen siebzig. Jeweils ohne Zusatz, mit Bindu und mit Visarga werden daraus dreihundertfünfzehn. Die fünf zugehörigen Vokale werden mit Udātta-, Anudātta- und Svarita-Akzent fünfzehnfach; wiederum ohne Zusatz, mit Bindu und mit Visarga ergeben sie fünfundvierzig. Zusammen sind es dreihundertsechzig.

KĀ 5–KĀ 6: So sollen die besten Lehrer die gemischten Strahlen im Mūlādhāra, dem Erdort, verstehen. Entsprechend werden die Strahlen im Maṇipūra als Wasserort, im Svādhiṣṭhāna als Feuerort, im Anāhata als Windort und im Viśuddha als Raumort beschrieben.

KĀ 7–KĀ 9: Im Ājñā-Cakra, dem Geistesort, werden die drei Laute ha, la, kṣa genannt. Mit kurzen und langen Vokalen verbunden ergeben sie fünfundvierzig Formen; mit und ohne Nasalierung neunzig. Jeweils rein, mit Bindu, mit Visarga und mit beiden ergeben sie dreihundertsechzig Strahlen.

KĀ 10–KĀ 15: Die sechs Arten der Strahlen, Erde und die übrigen, werden den Lautgruppen anteilig zugewiesen: jedem Vokal zweiundzwanzigeinhalb; jedem der zwölf mit ka beginnenden Laute dreißig; jedem der zehn mit ḍa beginnenden sechsunddreißig; jedem der sechs mit ba beginnenden sechzig; jedem der vier mit va beginnenden neunzig; ha und kṣa jeweils hundertachtzig.

KĀ 16–KĀ 18: So entfalten sich in jedem Cakra zweitausendeinhundertsechzig gemischte Strahlen, zusammen zwölftausendneunhundertsechzig. An den sechs Übergängen, unten und oben, werden weitere achttausendsechshundertvierzig genannt, Ambikā.

KĀ 19–KĀ 20 und unnummerierte Fortsetzung: Danach steht die bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehene Anweisung, zweitausendeinhundertsechzig abzuziehen. Als vollständige Grundzahl werden dreiundvierzigtausendzweihundert Strahlen genannt. Die eigenen Strahlen sind anteilig zu erkennen; die gemischten wurden zuvor erklärt. Die eine Hälfte hat Sonnengestalt, die andere Mondgestalt. [Die Subtraktionsanweisung lässt sich mit den unmittelbar genannten Summen nicht eindeutig verbinden; eine fehlende Rechenstufe wird nicht erfunden.]

Eine weitere Überlieferung zur Strahlenverteilung

Einleitung: In einem anderen Tantra heißt es:

AT 1–AT 2: Im Halsbereich besitzen jeweils drei zu einem Element gehörende Vokale insgesamt dreihundert Strahlen dieses Elements. Für die anderen werden jeweils fünf genannt. Beim Visarga werden dreihundert geistige Strahlen angegeben, für die übrigen jeweils vierzehn. [Die knappe Gruppenbeziehung wird hier nicht zu einer weitergehenden Tabelle ergänzt.]

AT 3–AT 7: Unter den mit ka beginnenden Lauten werden den Windlauten jeweils hundertfünf Windstrahlen zugeteilt, den anderen neun jeweils fünf. Ebenso erhalten die drei Feuerlaute jeweils hundertfünf Feuerstrahlen, die übrigen neun jeweils fünf. Die beiden Erdlaute erhalten jeweils hundertfünfundzwanzig Erdstrahlen; für die übrigen nennt der Text elf Laute mit jeweils zehn. Entsprechend gilt dies für die beiden Wasserlaute und die beiden Raumlaute: jeweils hundertfünfundzwanzig Strahlen des eigenen Elements, bei den übrigen jeweils zehn. [Die Nennung von elf übrigen Lauten passt nicht zur zuvor genannten Zwölfergruppe und bleibt als Textabweichung sichtbar.]

AT 8–AT 11: Bei den zehn Lauten von ḍa bis pha erhalten die jeweils zwei Laute eines Elements je hundertfünfzig Strahlen dieses Elements, die übrigen acht jeweils zwölfeinhalb. Bei den sechs Lauten von ba bis la erhalten die beiden Erdlaute je hundertsechzig Erdstrahlen, die übrigen jeweils zehn, du von Helden Verehrte. Bei den weiteren, mit bha beginnenden Elementlauten sollen die besten Lehrer jeweils dreihundert Strahlen des entsprechenden Elements erkennen.

AT 12–AT 14a: Den übrigen drei Lauten gehören jeweils zwanzig. Bei den vier mit va beginnenden Lauten werden den beiden Wasserlauten hundertfünfzig Wasserstrahlen zugeteilt, den übrigen jeweils zwanzig. Für den zweiten werden hundertfünfzig, für die übrigen die verkürzte Zahlenverbindung saptatrikrama genannt; diese betrifft die Raumstrahlen. Beim dritten gilt Entsprechendes für die Windstrahlen. [Die Angabe saptatrikrama ist unklar; sie wird nicht durch eine vermutete Zahl ersetzt.]

AT 14b–AT 16: Für ha werden dreihundert Raumstrahlen, für kṣa sechzig genannt. Bei den Feuerstrahlen ist es umgekehrt: dreihundert für kṣa, sechzig für ha. Die übrigen Anteile sind gleich. So ist die Strahlenfolge zum Wohl der Übenden erklärt.

AT 17–AT 18: Man soll sie sorgfältig geheimhalten wie den eigenen Intimbereich, Pārvatī. Sie soll weder einem Nichtschüler noch einem Menschen ohne Hingabe gegeben werden. Bei solcher Weitergabe gehe Vollendung verloren: So lautet die Anweisung des höchsten Herrn. Wer sie vom Guru oder aus der Schrift erkennt, werde unmittelbar Paraśiva.

Mond, Sonne, Feuer und die Wirkkraft des Mantras

AT 19–AT 21: Sechzehn Vokale, fünfundzwanzig Verschlusslaute und zehn durchdringende Laute werden genannt. Sie haben das Wesen von Mond, Sonne und Feuer, von den drei Guṇas und verleihen der Reihe nach Wunscherfüllung, Wohlstand und Dharma. Sie verkörpern die drei Wirklichkeitsprinzipien und die drei Welten Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ, die drei göttlichen Gestalten und deren Schaffen, Erhalten und Auflösen, die drei Lichtstätten sowie Anfang, Mitte und Ende.

AT 22–AT 24: Ihre Herrlichkeit werde ich erklären; höre gesammelt, Göttin. Man betrachtet ihre waagerechten, aufwärts- und abwärtsgerichteten Stellungen, Aufstieg und Abstieg, Gesamtheit und Einzelheit, umgekehrte und natürliche Reihenfolge, die drei Zustände sowie Durchdrungenes und Durchdringendes. Die Lichtkräfte in Gestalt der Śaktis werden durch Verflechtung der Laute verbunden, wobei Kuṇḍalinī die fadenartige Verbindung bildet.

AT 25–AT 29: Achtunddreißig Kalās sind als Verwirklicher der Mantrakraft zu erkennen. Den Vokalen gehören jeweils sechzehn Mondkalās, den Verschlusslauten außer ma jeweils sechs Sonnenkalās und den durchdringenden Lauten jeweils zehn Feuerkalās. Beim Aufstieg und beim Abstieg werden entsprechende Teilzahlen genannt. Die Sonnenkalās gelten in beiden Richtungen als in ihrer Natur verbleibend, die Mond- und Feuerkalās als darüber hinausgehend. Für ma werden in beiden Richtungen sechsundsiebzig Kalās angegeben; anschließend nennt der Text achtundzwanzig beim Aufstieg und ebenso beim Abstieg. Diese heißen eigene Kalās und verkörpern den vollständigen Kreis. [Die Lesung arghasaṃkhyā in AT 27 sowie die Verbindung der Zahlen in AT 28–29 bleiben unklar.]

AT 30–AT 31: Durch das rechte Gelingen der Betrachtung ihres Wesens soll man gesammelt den Mantra eintausendachtmal, hundertachtmal oder achtundzwanzigmal wiederholen. So wird er mit Wirkkraft erfüllt und gelangt nach dem Text mühelos zur Vollendung.

AT 32–AT 36: Die eigenen Kalās wurden erklärt; höre nun die gemischten, Geliebte. Für achtundzwanzig Laute werden jeweils achtunddreißig genannt. Die zwölf Sonnenlaute sind die Paare von ka und bha bis ṭha und ḍa; zum Mond gehören die sechzehn Vokale, zum Feuer die zehn mit ya beginnenden Laute. Als gemischte Kalās von Mond, Sonne und Feuer werden eintausendvierhundertvierundvierzig angegeben. Die unvermischten entsprechen dem vollständigen Kreis. Für sämtliche Kalās nennt die Quelle anschließend die gedrängte Zahlform sahasre dve ca viṃśatiḥ. Für ma werden eintausendvierhundertvierundvierzig gemischte Kalās genannt. [„Achtundzwanzig“ in AT 32 steht neben einer anschließenden Aufzählung von achtunddreißig Lauten; die unklare Gesamtsumme wird nicht auf eine vermeintlich passende Zahl berichtigt.]

AT 37–AT 39: Die kurzen Vokale gelten als männlich, die langen als weiblich; die mittlere Vierergruppe der Vokale als neutral. Unter den Konsonanten gelten einige als männlich, andere als weiblich oder neutral; zugleich besitzen sie beide Aspekte. Ma allein wird als Puruṣa, als Sadāśiva bezeichnet: Bindu-förmig, das Selbst von allem und überall stets Zeuge.

Die Raumlaute

AT 40–AT 44a: Höre das Wesen der Raumlaute, Pārvatī. Ha ist der höchste Raum, Bindu-förmiger Sadāśiva: ohne Guṇas, makellos, rein, ewig und unbefleckt, Puruṣa jenseits der Guṇas. Ma ist der mit Guṇas verbundene Puruṣa. Śa ist wasserhafter Raum, jenseits des Klanges und unbefleckt. Na ist Leere und windhafter Raum. Ṇa ist mit Erde verbundener Raum; ebenso wird ña beschrieben. Ṅa hat Windwesen. Die Raumvokale ḷ und ḹ gehen aus Erde und Feuer hervor.

Die Windlaute

AT 44b–AT 49: Höre das Wesen der Windlaute, höchste Herrin. Ya ist Wind ohne Guṇas, Śiva als Lebensatem. Ṣa ist zum Einzelwesen gewordener Wind, dessen Wesen das Leben ist. Pa ist feuerhafter Wind mit dem Wesen der Berührung. Ta ist raumhafter Wind, der in allen Gegenständen und Wirklichkeitsprinzipien gegenwärtig ist. Ṭa ist erdhafter Wind in der Gestalt des Stillstellens. Ca ist feuerhafter Wind, der sanfte Maheśvara. Ka ist raumhafter Wind, der alle Welten bezaubert. E ist Rudra, höchster raumhafter Wind. Ā ist Klanggestalt und feuerhafter Wind. A ist Wind mit Guṇas, der unvergängliche Schatz der Lichtkräfte.

Die Feuerlaute

AT 50–AT 55: Nun erkläre ich das Wesen der Feuerlaute; höre, Pārvatī. Repha, ra, ist das höchste ungeteilte Bewusstsein aller Bījas, der reine Feuerlaut zur Läuterung. Kṣa durchdringt den Wind und wird hier als mit Guṇas verbundener Windlaut bezeichnet. Pha ist ein Feuerlaut von Raumgestalt, höher als das Höchste. Tha ist raumgestaltiges Feuer mit offenbarer Gestalt. Ṭha ist mondgestaltiges Feuer und wasserhaft. Cha ist wasserhaftes Feuer, das alles stillstellt. Kha durchdringt den Wind und ist ein höchster Lichtlaut. Ai ist windgestaltiges Feuer, das die Bedeutung aller Mantras belebt. I ist Feuer aus den drei Lichtkräften und ein Śakti-Laut. Ī ist windgestaltiges Feuer und das höchste Wesen aller Bījas.

Die Erdlaute

AT 56–AT 58: Höre gesammelt das Wesen der Erdlaute, Geliebte. Der erste Erdlaut ist ohne Guṇas, höchst und unvergänglich; die Vorlage bietet dafür die unsichere Lesung sa beziehungsweise la. Der folgende, ebenfalls unsicher als la geschriebene Erdlaut ist mit Guṇas verbunden und windhaft. Ba ist nektargestaltige Erde, höchst und unvergänglich. Da ist feuerhafter Śambhu, ein Erdlaut und großer Herr. Ḍa ist ein Erdlaut. [Danach steht in der Vorlage eine ausdrücklich durch Punkte markierte Lücke.]

AT 59–AT 61a: Ja ist nektarhaft und ein Nektar spendender Erdlaut. Ga ist windgestaltige Erde und bewirkt Zurückhaltung. O ist raumgestaltige Erde, höher als das Höchste. Ū ist feuerhafter Śambhu, ein Erdlaut in Weltgestalt. U ist windgestaltige Erde, höchst und alles durchdringend.

Die Wasserlaute

AT 61b–AT 66: Nun erkläre ich das Wesen der Wasserlaute; höre, große Herrin. Va ist das Nektar-Bīja, der höchste Śiva ohne Guṇas. Sa ist mondgestaltig, ein Śakti-Laut in Wassergestalt. Bha ist erdhafter Wasserlaut, höchster Śiva. Dha ist raumhafter Wasserlaut, Maheśvara. Ḍha ist erdhafter, die Welt durchdringender Wasserlaut. Jha ist windhafter Wasserlaut, unvergänglicher Puruṣa. Gha ist windgestaltiger Wasserlaut, der große Herr. Au ist raumgestaltiger, den Raum durchdringender Wasserlaut. Ṛ und ṝ sind feuerhafte Wasserlaute in Śivas Gestalt. So ist dir die Herrlichkeit der Mātṛkā-Laute erklärt, höchste Herrin.

AT 67–AT 68 und unnummerierte Fortsetzung: Die Ordnung der drei Lichtkräfte wurde dir in Lautgestalt erläutert. Erkenne in der beständigen inneren Vergegenwärtigung der Mantras in dieser Gestalt das Offenbarwerden ihrer Wirkkraft, das in allen Mantras verborgen ist. Der Mantraübende soll gesammelt rezitieren und sich dieser Kraft erinnern. Nach kurzer Zeit entstehe Mantravollendung.

Die lebendige Kraft des Mantras

Tantrarāja (MV 1–MV 3): Höre von der Wirkkraft des Mantras, Einsichtsvolle. Ich erkläre den Ort des Glücks, durch dessen Erkenntnis ein Mensch schon zu Lebzeiten befreit werden kann. Die drei Guṇas werden als Ursache der Lichtkräfte in Gestalt der Śaktis und der Weltentfaltung bezeichnet. Das rechte Gelingen der vertieften Betrachtung dieses Wesens heißt rechte Beschaffenheit. Dies wird Mantravīrya genannt, die Wirkkraft und das Leben der Mantras.

MV 4–MV 6: Eine gestörte Beschaffenheit entsteht durch Mitteilung an Ungeeignete, ständige rituelle Anwendung, Verehrung zur falschen Zeit, Zweifel, Missachtung des Gurus, Verfehlung, verbotenes Verhalten, Feindschaft gegen die Gottheit, fortwährende Verleumdung, Unbeständigkeit, fehlende Überlieferung, Unwissenheit und die gleichzeitige Hinwendung zu vielerlei Praktiken. Dasjenige, wodurch die rechte Beschaffenheit entsteht, wurde zuvor Wirkkraft genannt.

Kuṇḍalinī und die achtunddreißig Kalās

Uttaratantra (UV 1–UV 4): Zum Wohl der Übenden werde ich die Mantrakraft erklären. Ohne ihre Kenntnis werden die Mantras nach dem Text bewusstlos. Die Göttin erstreckt sich von der Wurzel bis zum Brahmarandhra und leuchtet wie Millionen Sonnen, Blitze und Monde. Sie bewirkt Entstehung, Erhaltung und Ende der Welt, ist die Bewusstseinskraft der Erkenntnis, besitzt die Gestalt der achtunddreißig Kalās und besteht aus allen Mantras. Sie ist höchst, göttlich und von allen Lichtkräften erfüllt; sie entfaltet den höchsten Nektar, wohnt auf dem Weg der sechs Cakras und stützt sich auf die sechs Räume.

UV 5–UV 9: Der hervorragende Übende meditiert sie lange, vergegenwärtigt die sechs Cakras und darin die Gesamtheit der achtunddreißig Lotusorte. Die in den Lotussen befindlichen Laute betrachtet er als auf den Faden der Kuṇḍalinī aufgereiht und als aus den drei Lichtkräften bestehend. Er erinnert sich an die Kalās von Sonne, Feuer und Mond, unterschieden nach Kommen und Gehen, waagerechter und aufwärtsgerichteter Bewegung, den fünf Zuständen, unten und oben, Gesamtheit und Einzelheit. Besonders bei den sechs rituellen Handlungsarten verbindet er den Wurzelmantra nach den Verfahren der Verflechtung und der weiteren Verbindungen mit den Lauten der drei Lichtkräfte, wiederholt ihn und vergegenwärtigt ihn jeweils mit den Lauten der einzelnen Cakras.

UV 10–UV 14: Danach soll der Verständige im Brahma-Kaṅkāla die Folge der Cakras meditieren: zuerst Ādhāracakra, danach Kuladīpa, Vajracakra, Svādhiṣṭhāna, Raudra, Karālacakra, Gahvara, Vidyāpada, Trimukha, Tripada, Kāladaṇḍaka, Jhaṅkāracakra, Kāloṅgāra, Karaṅkaka, Dīpaka, Kṣobhaka, Jhambhaka, Ānanda, Kalikā, Maṇipūraka, Lākula, Kālabhedana, Mahotsāha und das höchste Mādaka genannte Feld, bis zum Anāhata. Die Zahl wird durch chandas bezeichnet. [Einige Namen und ihre Trennung sind unsicher; die symbolische Zahl wird nicht ohne gesicherte Zuordnung ersetzt. Brahma-Kaṅkāla bezeichnet hier einen inneren Gesamtzusammenhang, den die Passage nicht näher erklärt.]

UV 15–UV 16: Danach folgen Vaiṣṇavacakra, Ṣaṇmukha, Ṣaṭpada, Viśuddha, Lambikānta, Lambikāsthāna, Inducakra, Binducakra, Nāda, Nādānta, Śakticakra und Sahasrāra: diese zwölf.

UV 17–UV 18: So lautet die Cakra-Folge der achtunddreißig Kalā-Orte, Geliebte. Vom Ādhāra an gehören zehn Cakras zum Feuer, die folgenden zwölf zur Sonne und die darüberliegenden sechzehn zum Mond, Herrin der Götter. [Die vorangehende Namensreihe ergibt bei naheliegender Trennung nicht durchgehend eine eindeutige Zuordnung zu dieser Gesamtzahl.]

UV 19–UV 20: In sämtlichen Zuständen der großen Kuṇḍalinī-Śakti können alle Kalās allein durch die innere Vergegenwärtigung feurig, sonnenhaft oder mondhaft werden, Śivā. [UV 19 ist in der Quelle nur als „19“ nummeriert.]

UV 21–UV 25: Drei Feuerformen, drei Sonnenformen und drei Mondformen ergeben neun Unterscheidungen. Durch die Verbindung von zweien im Feuer mit Sonne beziehungsweise Mond und durch die umgekehrten Verbindungen werden zwölf Formen genannt. Danach nennt der Text Folgen wie Feuer–Sonne–Mond, Mond–Sonne–Feuer, Sonne–Mond–Feuer und Feuer–Mond–Sonne. Durch natürliche und umgekehrte Reihenfolge werden achtzehn, durch Vermischung neun weitere Unterscheidungen angegeben; insgesamt achtundvierzig. Mit diesen werden die Verflechtung und die weiteren Verbindungen des Wurzelmantras erklärt. [Die Quelle wiederholt in UV 23 zwei Reihenfolgen und markiert den Vers selbst mit einem Fragezeichen. Die vollständige kombinatorische Herleitung bleibt deshalb offen.]

UV 26: Alle Mantras erhalten so nach dieser Aussage schon durch einmaliges Aussprechen Wirkkraft, große Herrin. Wahrlich, wahrlich, daran bestehe kein Zweifel.

Weitere Formen der Vergegenwärtigung

UV 27–UV 28: Höre eine andere Form der Mantrakraft, Geliebte. Die aus achtunddreißig Kalās bestehende Kette verwirklicht alle Ziele. Man setzt ma als Meru, den hervorgehobenen Ausgangs- beziehungsweise Wendepunkt, und wiederholt den Mantra entsprechend den achtunddreißig Stellen. So werde er vollendet. [Die genaue Zählanweisung ekasyaikasya saṃkhyāṅkam ist in der Vorlage mit Fragezeichen versehen und bleibt ungeklärt.]

UV 29–UV 32a: Höre eine weitere Form. Vāgbhava ist Brahmās Bīja, Śrī das Bīja Viṣṇus, Māyā dasjenige Rudras. Diese drei Bījas bestehen aus den drei Lichtkräften und den drei Guṇas. Man verbindet sie jeweils mit dem Anfang der Kalās der drei göttlichen Gestalten und wiederholt den Mantra wie zuvor mit den unterschiedlichen Formen der Verflechtung. Dies heißt Mantrakraft; wahrlich, wahrlich, so sei es.

UV 32b–UV 35: Höre eine weitere Form. Ha heißt Sonne; die Sonne ist feuerhaft, Geliebte. Sa heißt Mond, und au besitzt Mondgestalt. Bindu ist der Raum und trägt die gleiche Gestalt von allem, Göttin. Man stellt das Bīja den Prāṇa-Dūtīs jeweils voran und wiederholt es tausendmal, entsprechend den Formen der Verflechtung und den weiteren Verbindungen. So werde der Mantra unter Beseitigung aller Fehler kraftvoll. [Die Bezeichnung Prāṇa-Dūtī und die genaue Anordnung werden hier vorausgesetzt; daraus wird keine ergänzte Formel gebildet.]

UV 36: Die vierfach erklärte Entfaltung der Mantrakraft soll sorgfältig geheimgehalten werden wie der eigene Intimbereich, Pārvatī.

UV 37–UV 39 und unnummerierte Fortsetzung: Höre noch eine andere Form, Einsichtsvolle. Man vergegenwärtigt aufmerksam die Gestalt des verehrten Gurus, wie sie zur Zeit der eigenen Einweihung bei dessen Gnadenerweisung erschien. Im Raum-Cakra, in dem sich der höchste Nektar entfaltet, wiederholt man den Mantra tausendmal mit der Kette der Mātṛkā-Laute. Durch die Gnade des Gurus wird der Mantra kraftvoll. Dieses Verfahren ist leicht zugänglich und doch in den drei Welten schwer zu erlangen.

Mātṛkā als Mutter der Welt

Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā (DM 1): Nun werde ich Mātṛkā, die Mutter der Welt, erklären, große Herrin: die Gottheit, deren Glieder die Laute von a bis kṣa sind.

Uttaratantra (UN 1–UN 3): Nun wird das rechte Verfahren der Mātṛkā beschrieben, das alles Leid besänftigt und alle Erkenntnis entzündet. Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Sarasvatī die Gottheit, von allen Göttern verehrt und von untadeligem Glanz. Die Konsonanten sind ihre Bījas, die Vokale ihre Kräfte. Ihr Hervortreten als bestimmte Lautgestalt ist das Kīlaka.

Kommentar: Die für sich nicht aussprechbaren Konsonanten werden durch Verbindung mit Vokalen aussprechbar. Dieses Offenbarwerden ist das Kīlaka. Denn im selben Werk heißt es: „Die nicht aussprechbaren Konsonanten werden durch die Kraft offenbar.“

Die Reinigung der Hände

Siddhasārasvatatantra (HN 1–HN 2): Auf rechter Handfläche, Handrücken, Handwurzel und den Fingern vom Daumen bis zum kleinen Finger, danach links vom kleinen Finger bis zur Handfläche sollen die sechzehn Vokale ohne Zusatz aufgelegt werden. Die Folge, die an der rechten Handfläche endet, heißt Auflösung. [Der Übergang zwischen der zuerst genannten Folge und ihrer Umkehr ist im Wortlaut verkürzt.]

HN 3: Von der rechten bis zur linken Handfläche werden die mit Visarga verbundenen Vokale aufgelegt. Dies heißt Schöpfung.

HN 4–HN 5: Die acht Vokale von ḷ an, verbunden mit Bindu und Visarga, werden vom linken kleinen Finger bis zur linken Handfläche aufgelegt. Von der rechten Handfläche bis zum rechten kleinen Finger werden die Vokale von a bis ṝ aufgelegt. Dies heißt Erhaltungs-Nyāsa.

HN 6–HN 9: Auf den fünf Fingern der linken Hand, vom kleinen Finger beginnend, werden die Laute von ta bis śa einzeln auf die Fingerglieder gelegt. Rechts werden vom Daumen bis zum kleinen Finger die Laute von ka bis ṇa in der Erhaltungsfolge aufgelegt. Die fünf mit ha beginnenden Laute werden gleichzeitig auf beide Hände, vom Daumen an, als durchdringende Kräfte gelegt. Nach dieser Handreinigung durch die Mātṛkā-Laute werden die sechs Glieder nach dem noch zu erklärenden Verfahren aufgelegt.

Die sechs Glieder und das Meditationsbild

Bhairavītantra (AN 1–AN 2 und Fortsetzung): Der beste Lehrer legt ihre sechs Glieder auf. Die ka-Gruppe steht zwischen aṃ und āṃ, die ca-Gruppe zwischen iṃ und īṃ, die ṭa-Gruppe zwischen uṃ und ūṃ, die ta-Gruppe zwischen eṃ und aiṃ, die pa-Gruppe zwischen oṃ und auṃ. Zwischen Anusvāra und Visarga stehen die ya- und śa-Gruppen mit la und kṣa. Sie werden mit den zugehörigen Endformeln aufgelegt. [Die erste Reihe ist in der Vorlage gedrängt geschrieben; die Segmentierung folgt der erkennbaren Parallelstruktur.]

Anschließendes Meditationsbild (DY 1): Ich verehre die erhabene Göttin auf dem Lotussitz. Ihr Scheitel trägt die Mondsichel; sie hat drei Augen. Ihre Glieder sind der Reihe nach von den fünfzig Lauten durchdrungen. Sie leuchtet wie Herbstmond und Jasminblüte und trägt die Fülle ihrer Brüste. Mit ihren Lotushänden zeigt sie die Gabe des Segens und hält Gebetskette, nektargefüllten Krug und heiliges Buch.

DY 2: Zuerst legt der Mantrakenner die Lautreihe von a bis kṣa innerlich in den sechs Grundlagen auf, danach äußerlich auf den Körper.

Dakṣiṇāmūrti (IN 1–IN 2 und Fortsetzung): In den sechzehnblättrigen Halslotus werden die Vokale, in den zwölfblättrigen Herzlotus die entsprechenden zwölf Laute gelegt. In den zehnblättrigen Nabellotus kommen zehn, in den sechsblättrigen Lotus an der Wurzel des Geschlechtsorgans sechs, in den vierblättrigen Grundlotus vier Laute. Zwischen die Augenbrauen, in den zweiblättrigen Lotus, kommen ha und kṣa. So vollzieht man die innere Mātṛkā-Auflegung.

Uttaratantra (AU 1–AU 3): Äußerlich legt man die Laute auf Kopf, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen und Zähne sowie Scheitel und Mund. Danach folgen Gelenke und Enden beider Arme und Beine, die Seiten, Rücken, Nabel und Bauch. Es folgen Herz, rechte Armwurzel, Nacken beziehungsweise Schulterhöhe und linke Armwurzel, sodann vom Herzen aus beide Hände, beide Füße, Bauch und Gesicht. [Einige Körperbezeichnungen sind verkürzt; die Einzelzuordnung aller Laute wird hier nicht ausgeschrieben.]

Der Sitz der Göttin und seine Verehrung

AU 4–AU 5 und Fortsetzung: Man zeichnet das Zentrum mit der durch die Lautcodes bezeichneten Verbindung, die Vokalpaare in die Staubfäden, die acht Lautgruppen auf die Blätter und einen umgebenden Erdkreis mit den vorgeschriebenen Lauten in den Hauptrichtungen und Ecken. Auf diesem mit neun Kräften versehenen Sitz verehrt man die Göttin. Die Sitzkräfte Bhāratīs heißen Medhā, Prajñā, Prabhā, Vidyā, Dhī, Dhṛti, Smṛti, Buddhi und Vidyeśvarī. [Die Codierung der zentralen Lautverbindung in AU 4 ist nicht eindeutig lesbar.]

Siddhasārasvata (SP 1): Nach dem Bīja und „Sarvaśakti“ spricht man „Kamalāsana“ in der Dativform und fügt namaḥ hinzu. Dies gilt als Mantra des Sitzes.

Kommentar: Das Bīja steht in der Mitte des Yantras.

SP 2–SP 4: Zuerst verehrt man die Glieder und die weiteren Bestandteile, danach die Vokalpaare, die acht Gruppen und deren Kräfte in ihrer Reihenfolge. Diese sind jasminweiß und tragen Bogen und Vidyā in ihren beiden Händen. Genannt werden Vyāpinī, Pālinī, Yuktā, Pāvanī, Kledinī, Dhāriṇī, Mālinī, Ṣaṣṭhī, Haṃsinī und Śāntinī. Danach verehrt man Brāhmī und die weiteren Göttinnen. [Die Worttrennung der Namensfolge ist unsicher; yuktā und ṣaṣṭhī könnten auch anders mit dem Satz verbunden sein.]

SP 5–SP 7: Dann verehrt der Verständige die Weltenhüter und ihre Waffen. Nach dem Netz der Nyāsas wiederholt der Mantrakenner den Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit reinem Sesam, vermischt mit den drei süßen Stoffen, dargebracht; danach folgen gesammelt Sättigung und die weiteren Handlungen. Ist der Mantra so vollendet, führt der Übende mit vorheriger Erlaubnis des Gurus die gewünschten Anwendungen aus.

Der Ring aus drei Metallen

SP 8: Gold, Silber und Kupfer im Verhältnis fünfundzwanzig zu sechzehn zu zehn ergeben einen wohlgefertigten, Wünsche erfüllenden Rucaka.

Kommentar: Varga bedeutet hier fünfundzwanzig, Diś zehn; Rucaka bedeutet Ring.

SP 9–SP 11 und Fortsetzung: Nach eintausendacht Wiederholungen und entsprechendem Feueropfer mit Ghee wird der Ring mit dem Opferghee benetzt. Für die Weihe legt man ihn in ein Gefäß und verehrt darin Mātṛkā mit ihren Gliedern und Umkreisen. Der Guru übergibt den Ring dem geweihten Schüler. Wer ihn trägt, soll nach der Quelle von ergreifenden Mächten, kleineren schädlichen Einwirkungen, Räubern, Seuchen und kriechenden Tieren frei sein, lange leben und siegreich werden.

Mantratantraprakāśa (MR 1–MR 3): Laute und drei Metalle haben Mond-, Sonnen- und Feuerwesen: Silber ist Mond, Gold Sonne, Kupfer Feuer. Die Metallanteile entsprechen den Zahlen der Vokal- und weiteren Lautgruppen. Daraus fertigt man einen Ring, dessen Bestandteile verbunden, aber nicht miteinander vermischt sind. Man berührt ihn, wiederholt den Mantra etwas mehr als tausendmal und opfert danach entsprechend oft Ghee, dessen Tropfen auf ihn fallen sollen.

Überlieferte Anwendungen der Mātṛkā

Die folgenden Aussagen geben historische Ritual- und Heilvorstellungen wieder. Ihre behaupteten Wirkungen sind keine medizinisch geprüften Behandlungen.

Uttaratantra (WA 1): Wer zu Tagesbeginn Wasser trinkt, über dem diese Mātṛkā dreimal wiederholt wurde, soll nach einem Jahr selbst als zuvor Stummer die Fähigkeit zur Dichtung erlangen.

Kommentar: Nach der morgendlichen Sandhyā nimmt man Wasser in die Hand, vergegenwärtigt darin das Mātṛkā-Yantra und wiederholt die Laute von a bis kṣa. Man betrachtet das Wasser als Nektar und die Sarasvatī-Nāḍī vom Mūlādhāra bis zur Zungenspitze als Flamme. In der Vorstellung eines inneren Opfers wird das Wasser getrunken. Tägliches Vollziehen soll vier Arten von Gelehrsamkeit hervorbringen: Reden, Erklären, Erörtern und Dichten, dazu Selbsterkenntnis. Dies nennt der Kommentar den höchsten geheimen Sinn.

Weitere unnummerierte Anweisung und Kommentar: Ghee wird mit Brāhmī-Saft, Vacā und Milch gekocht. Gemeint ist Kuhghee; die drei zugesetzten Stoffe werden zu gleichen Teilen genommen.

WA 2–WA 3 und Fortsetzung: Nach zehntausend Wiederholungen der Mātṛkā soll der Verzehr dieses Ghee Dichtkunst verleihen. Ein Gefäß wird mit Wasser gefüllt, das mit den den Lauten zugeordneten Pflanzen in Berührung war. Der Kommentar erklärt payas hier ausdrücklich als Wasser. Nach tausend Wiederholungen wird die betreffende Person damit besprengt. Ihr werden Einsicht, Wohlstand, Ruhm, langes Leben und Dichtkunst zugesprochen; einer kinderlosen Frau die Geburt eines mit vielen guten Eigenschaften versehenen Sohnes.

Das Mātṛkā-Yantra

Tantrarāja (YT 1–YT 3 und Fortsetzung): Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit zwei umgebenden Kreisen und einer Erdfassung. In die Mitte kommt die Lautverbindung aus Haṃsa, Hṛd, Vana und Śakti. Die Vokale schreibt man in die Staubfäden, die Lautgruppen zu je fünf auf die Blätter; Dāva und Ambu in die Neben- und Hauptrichtungen. Dazu kommen fünf weitere, bei den Vokalen nicht nochmals gezählte Formen. Die Doppelzuordnung entsteht durch den Unterschied zwischen Verbindung mit und ohne Konsonanten. Die Fünferfolge wird durch Wind, Feuer, Erde, Raum und Śakti bezeichnet.

Kommentar: Haṃsa ist ha, Hṛd sa, Vana au, Śakti Visarga. Dāva ist ṭha, Ambu va. Wind ist a, Feuer i, Erde u, Raum Anusvāra, Śakti Visarga. Man schreibt wie zuvor die zentrale Lautverbindung und die übrigen Laute. Auf das sechste Blatt kommt ya ra la va śa, auf das siebte ṣa sa ha la kṣa, auf das achte a i u aṃ aḥ. In die viereckige Fassung kommen va und ṭa. [Der Kommentar nennt zuerst ṭha, zuletzt ṭa; die Differenz bleibt erhalten.]

Weitere Verse (YW 1–YW 3): Man setzt den betreffenden Namen in die Mitte des Yantras und verwendet es entsprechend. Morgens vergegenwärtigt man es auf dem Kopf innerhalb der Mondscheibe als Träger allen Wohlergehens. Durch Weihe, Tragen, Verehrung eines metallenen Yantras oder seine Aufstellung im Haus und an anderen Orten soll es alle Ziele verwirklichen. Sämtliche darin gegenwärtigen Gottheiten schenken den Übenden Gegenwart und Frucht.

Ausführlicher Kommentar: Zur Morgendämmerung betrachtet man das Yantra mit dem Namen der gewünschten Person oder des angestrebten Gegenstandes im Mondkreis, im Zentrum des tausendblättrigen Lotus am Brahmarandhra. Alternativ zeichnet man es mit Zinnober auf den Boden, stellt nach dem früheren Verfahren ein Gefäß darauf, füllt dieses mit dem Absud der Lautpflanzen, verehrt die Göttin und vollzieht die Besprengung. Weitere genannte Formen sind das Tragen eines auf Birkenrinde gezeichneten Yantras, die Verehrung auf einem goldenen oder andersmetallenen Yantra und das Eingraben eines kupfernen Yantras im Hausbereich.

Bei der Einsetzung eines Gottheitenkreises graviert man das Yantra auf eine Platte aus Gold, Silber, Kupfer oder einem anderen Metall. In die Mitte schreibt man den Namen der jeweiligen Gottheit im Vokativ und „Sei gegenwärtig“. Nach der Belebung und Verehrung der Göttin wiederholt man die Mātṛkā hunderttausendmal und berührt dabei das Yantra. Dann setzt man es wohlverehrt in den Boden ein und stellt darüber das gewünschte Götterbild auf. So soll die Gottheit in diesem Bild besonders gegenwärtig werden und dem Stifter das Ersehnte verleihen. Auch bei den verschiedenen Nyāsa-Formen dieser Mātṛkā sollen Verehrung und Praxis nach dem erläuterten Verfahren erfolgen.

Schöpfung, Erhaltung und Auflösung im Nyāsa

Uttaratantra (SE 1–SE 2 und Fortsetzung): Mit Bindu versehen legt man die Mātṛkā in der Auflösungsfolge auf; Seher und die übrigen Zuordnungen sowie die sechs Glieder bleiben wie zuvor. Mit Visarga versehen wird sie in der Schöpfungsfolge aufgelegt. Für Erhaltung wird sie mit Bindu und Visarga verbunden und in der Folge von ḍa bis ṭha aufgelegt. Die zuvor genannten Zuordnungen gelten auch hier. [Das Wort vilokataḥ bei der Auflösungsfolge ist unklar; eine vermutete Lesung „rückwärts“ wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

Kulārṇava (LS 1): Für entsagende Asketen und Waldeinsiedler soll der Nyāsa mit Auflösung, für Haushälter mit Erhaltung und für Brahmacārins mit Schöpfung enden, Herrin des Kula.

Weitere Formen der Mātṛkā-Auflegung

Uttaratantra (PY 1–PY 3a): Danach legt man die Mātṛkā mit den aus Praṇava entstandenen Kalās auf: jeweils mit dem Laut beginnend, mit namaḥ endend und mit Dhruva verbunden. Prajāpati ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Sarasvatī in Kalā-Gestalt die Gottheit. Die Glieder werden mit den durch kurze und lange Vokalpaare verbundenen Dhruva-Formen gebildet.

PY 3b–PY 5: Man legt sie mit Keśava und den weiteren Gestalten auf, Kāma voranstellend und Hṛd hinzufügend. Die mit ya beginnenden Laute werden mit den Körperbestandteilen sowie mit Prāṇa, Śakti, Selbst und Gestalt verbunden. Sādhyanārāyaṇa ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Lakṣmīnārāyaṇa die Gottheit. Die sechs Glieder entstehen wie zuvor aus den Lautgruppen und Kāma mit den sechs langen Vokalen.

PY 6–PY 8a: Danach folgt die mit Tārtīya verbundene, auf Hṛd endende und mit Rudra beginnende Auflegung. Die ya-Laute werden wiederum mit Körperbestandteilen, Prāṇa, Śakti und Selbst verbunden. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Ardhanārīśvara die Gottheit. Für die sechs Glieder verbindet man Tārtīya mit den sechs langen Vokalen und den jeweiligen Gruppen. [Tārtīya ist hier eine vorausgesetzte Lautcodierung.]

PY 8b–PY 10a: Der hervorragende Übende legt die mit Māyā beginnende Mātṛkā auf. Śakti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Mātṛkā-Bhuvaneśvarī als Ursprung der Welten die Gottheit. Die sechs Glieder werden wie zuvor mit den Lautgruppen und Māyā mit sechs langen Vokalen gebildet.

PY 10b–PY 11: Dann folgt die mit Śrī verbundene Mātṛkā. Bhṛgu ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß. Die sechs Glieder werden durch die Lautgruppen zusammen mit dem Śrī-Bīja und den sechs langen Vokalen gebildet.

PY 12–PY 14a: Man legt die Mātṛkā mit dem Kāma-Bīja auf, Lotusäugige. Saṃmohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Saṃmohinī beziehungsweise Viśvamohinī die Gottheit. Die Glieder werden mit den Lautgruppen und Kāma mit langen Vokalen gebildet. Danach legt man die Mātṛkā verbunden mit Māyā, Lakṣmī und Smara auf, Geliebte.

Prapañcayāga: die Weltentfaltung als Opfergabe

PY 14b–PY 18: Nun wird das Genuss und Befreiung verleihende Prapañcayāga erklärt, das aus fünf Mantras besteht und alle Vollendungen und Güter gewährt. Zuerst meditiert man Mahāgaṇapati mit Seher, Versmaß, Gottheit, Glieder-Nyāsa und Umkreis und wiederholt seinen Mantra achtmal. Das Gaṇapati-Bīja mit seinen Zuordnungen wird vierundvierzigmal wiederholt, danach der Gaṇapati-Mantra einmal, sodann der vedische und der Mālā-Mantra viermal mit den entsprechenden Zuordnungen. Anschließend legt man die Mātṛkā wie zuvor dreifach auf.

PY 19–PY 22: Mit den sieben Lautgruppen, beginnend mit den Vokalen, legt man die sieben Planeten auf Mund, beide Arme, beide Beine, Bauch und Herz. Der Prapañcayāga-Mantra wird als achtsilbig beschrieben und aus Tāra, Māyā, haṃsa, so'haṃ und svāhā gebildet. Sein Seher ist Brahmā, sein Versmaß die Paramā genannte Gāyatrī. Die Gottheit ist das höchste, aus Bewusstsein bestehende Licht: ewig, alles durchdringend und unbefleckt, wie es am Ende der Veden erkannt wird.

PY 23–PY 25: Mit den fünf Mantras in umgekehrter Reihenfolge, zusammen mit den Hari- und Hara-Lauten, die wie zuvor an den Enden der Lautgruppen stehen, und mit Tāra, Māyā und den weiteren Bestandteilen bildet der Mantrakenner die sechs Glieder samt ihren Endformeln. Nach Vedādi und Māyā fügt er die vorgeschriebenen Laute der Reihe nach ein, spricht den übrigen Mantra und vollzieht gesammelt das Feueropfer. Dieses alle Fülle verleihende Opfer heißt Prapañcayāga. [Die Lesung dattvādīn ist knapp und nicht eindeutig; eine vollständige Lautfolge wird nicht rekonstruiert.]

PY 26–PY 28a: Der erste Mantra beginnt mit a und endet mit Śānta, der zweite mit ha und ebenfalls mit Śānta. Der dritte wird aus sa, a und Bindu erklärt; mit Visarga statt Bindu verkörpert er die sechs Sinne. Der vierte besteht aus sa, o, ha, a und Bindu.

PY 28b–PY 30: Brahmā wird wegen des umfassenden Gebrauchs als Seher genannt. Das Wort Paramā bezeichnet das Höchste. Gāyatrī heißt das Versmaß, weil es den Singenden schützt. Weil kein Lichtglanz darüber hinausreicht, wird die Gottheit durch das Wort „höchst“ als höchstes Licht bezeichnet.

PY 31–PY 32: Sva bezeichnet Himmel und auch Selbst. Hā bezeichnet Aufgeben und auch Bewegung. Die allseitig durchdringende Folge der Lichtkräfte, die das Wesen von Himmel und Selbst ist, wird durch svāhā bezeichnet; in sie wird die Gabe dargebracht.

PY 33–PY 35a: Das Wort sa bezeichnet das alles durchdringende Lichtwesen, aham das Selbst. Daraus ergibt sich ihre Einheit im Mantra So’ham. In ha soll man „ich“ erkennen; sa bezeichnet das Bewusstsein, das alle Gegenstände erhellt, wahr, allgegenwärtig und unberührt. So wird der Haṃsa-Mantra erklärt.

PY 35b–PY 38: Das Māyā-Bīja bezeichnet das Wesen der beweglichen und unbeweglichen Welt, das aus den Guṇas besteht und alle Welten hervorbringt. Die drei Bījas von a bis ma, die den Guṇas entsprechen, machen das wahre Wesen des Seins offenbar: Dies heißt die Bedeutung des Praṇava. Die Wurzel hṛ bedeutet Wegnehmen; das Licht nimmt dem Mantraübenden das Unerwünschte. Dies wird durch die Hari- und Hara-Laute bezeichnet. Der Prapañcayāga-Mantra ist der ursprüngliche Grund der Weltentfaltung.

PY 39–PY 41a: Prapañcayāga bezeichnet auch den damit vollzogenen Nyāsa. Das Opfer ist zweifach: mit den Gliederlauten und mit Stoffen im Feuer. Der Verfahrenskundige verbindet die Laute von a an wie zuvor mit dem achtsilbigen Mantra und legt sie an den für Mātṛkā genannten Stellen auf. Der innerlich gereinigte Übende vollzieht dies täglich fünfzigmal.

PY 41b–PY 44a: Alle Laute gelten als Gestalten der äußeren Erkenntnisorgane. Da jedes Sinnesorgan einen entsprechenden Bereich der Welt erfasst, durchdringen die Laute die Welt. Das höchste göttliche Licht ist das Brahman-Feuer. Das Opfer, das die Brahman erkennenden Mantraübenden mit lichtgestaltigen Mantras darin vollziehen, gilt als Darbringung an Brahman: Die Opferstoffe selbst haben Brahmans Wesen.

PY 44b–PY 47: Der Körper ist durch die Unterschiede der Laute gegliedert, dem Zerfall ausgesetzt, von Haut umhüllt, mit Blut gefüllt und aus Fett, Mark und Knochen zusammengesetzt; er ist vergänglich. Wer ihn im vollkommen klaren, alles durchdringenden und unbefleckten Brahman-Feuer darbringt, ist ein innerlich gereinigter, erfüllter Mantraübender. Er gilt als berechtigt zu aller Mantrawiederholung, Meditation und Verehrung und als Empfänger ihrer Frucht. [Im Zusammenhang des inneren Opfers bezeichnet die Darbringung des Körpers die geistige Hingabe, keine körperliche Selbstverletzung.]

PY 48–PY 51: Zehn Nyāsa-Formen werden genannt: die reine Mātṛkā; die mit Bindu; die mit Kalās; die mit Keśava und den weiteren Gestalten; die mit Śrīkaṇṭha und den weiteren Gestalten; die mit Māyā-Bīja; die mit Lakṣmī beginnende; die mit Kāma-Bīja beginnende; die mit den drei Bījas verbundene; und die mit Prapañcayāga verbundene. Alle verleihen nach dem Text das Ersehnte und gelten für sämtliche Mantras. Als hervorragend gilt Prapañcayāga: erkenntnis- und gedeihenspendend, Fülle schaffend und besonders die Verstrickung durch ergreifende Mächte, schädliche Einwirkungen und Unwissenheit beseitigend.

Das äußere Prapañcayāga-Feueropfer

PY 52–PY 57: Nun werde ich genau erklären, wie das Feueropfer vollzogen wird, welche Stoffe verwendet werden und welche Früchte ihnen zugeschrieben werden. Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren bis zum Abschluss der Gaṇapati-Verehrung opfert man Ghee und anschließend eine Gabe mit dem Prapañcayāga-Mantra. Als acht Stoffe werden genannt: Brennhölzer von Vaṭa, Udumbara, Parpaṭī und Pippala sowie Sesam, weißer Senf, Opferspeise und Ghee. Der Kommentar erklärt Parpaṭī als Plakṣa. Wer damit hunderttausend oder halb so viele Opfergaben darbringt, soll gewünschte Lebensfreuden erfahren und am Lebensende die von Weisen ersehnte Befreiung erlangen.

PY 58–PY 60: Vierhundert, zweihundert oder hundert Gaben werden gegen Bedrängnis durch Diebe, Feinde, ergreifende Mächte, Krankheiten, Schlangen und Rākṣasas genannt. Nach dem Gewicht der Störung soll die Opferzahl erhöht werden. Zwölftausend Gaben mit den acht Stoffen, deren doppelte oder vierfache Zahl, sollen Besessenheit und Fieber sowie ähnliche Leiden beseitigen. [Dies sind historische Wirkungszuschreibungen.]

PY 61–PY 64: Wer Japa und Verehrung entgegen der vorgeschriebenen Reihenfolge vollzieht, könne nach dem Text Erinnerung verlieren; tausend Gaben mit den acht Stoffen sollen ihn wiederherstellen. Je zweitausend Gaben werden gegen Anfälle, Vergesslichkeit und Fluchfolgen genannt. Hunderttausend Gaben der acht Stoffe, mit den drei süßen Stoffen vermischt, sollen eine solche Fülle hervorbringen, dass selbst Indras Reichtum gering erscheine.

PY 65–PY 67: Hunderttausend oder fünfzigtausend Gaben der acht Stoffe mit den drei süßen Stoffen sollen innerhalb von drei Jahren die drei Welten unter den Einfluss des Übenden bringen. Die Zahl der Gaben wird nach Bedeutung des angestrebten Ergebnisses vermindert oder erhöht.

PY 68–PY 70a: Hunderttausend Gaben reinen Sesams sollen große Verfehlungen auflösen, ebenso viele Lotusgaben großen Wohlstand bewirken. Opferspeise wird mit Gedeihen, Gerste mit Ruhm, Mālatī-Blüten und Meersalz mit Beeinflussung verbunden.

PY 70b–PY 74a: Der Text beschreibt ferner eine Figur aus fein gemahlenem Śāli-Reis und den drei süßen Stoffen. Nach ihrer Verehrung wird beim Berühren der Figur der Belebungsmantra hundertachtmal wiederholt. Anschließend wird die Figur geteilt und nachts mit gesammeltem Geist geopfert. Sieben Nächte dieses Ritus sollen einen Mann oder eine Frau unter den Einfluss des Ausführenden bringen. Einer Figur aus Meersalz wird dieselbe Wirkung zugeschrieben. [Der historische Zwangsritus wird hier dokumentiert; er ist keine Empfehlung für den Umgang mit Menschen.]

PY 74b–PY 78: Ein mit den Lautpflanzen und Pañcagavya zubereitetes Gefäß wird auf eine Feuerstelle gesetzt und erhitzt. Wenn darin Feuer hervortritt, werden hundertacht Gaben Ghee geopfert. Die entstandene Asche wird nach ebenso vielen Mantrawiederholungen aufgenommen. Essen, Auftragen auf den Körper, Verwenden als Stirnzeichen und Tragen auf dem Kopf werden als Anwendungen genannt. Die Quelle schreibt ihnen Schutz vor Geistern, Gift und Krankheiten sowie Einfluss, Wohlstand, Glück und Sieg zu. [Die Beschreibung historischer Stoffanwendungen ist keine Einnahme- oder Behandlungsempfehlung.]

PY 79–PY 80: Bei einem Opfer von tausend Gaben soll der Verständige dem Guru ein Pala oder ein halbes Pala guten Goldes geben. Wie die Götter vom Wunschbaum die ersehnte Frucht erlangen, so soll der Übende durch Prapañcayāga das Gewünschte empfangen.

Prāṇāgnihotra im Kālī-Lehrsystem

Einleitende Prosa: Nun folgt das im Kālī-Lehrsystem erklärte Feueropfer des Lebensatems für Verehrer der Mātṛkā-Vidyā und anderer Vidyās.

PG 1–PG 4: Ich werde das alle Vollendungen verleihende Prāṇāgnihotra erklären, zum Wohl aller Menschen und besonders der Mantraübenden. Mit gereinigtem Körper sitzt man in Padmāsana auf einem geeigneten Sitz, nach Osten gewandt, mit heiterem und gefestigtem Geist. Man vergegenwärtigt Mūlādhāra als Dreieck, dessen Mitte von ha des Bhuvaneśvarī-Bījas als Sattva geprägt ist, das vom linken Augenlaut als Rajas und von Repha als Tamas umgeben ist. Die Ecken weisen nach Osten, Südwesten und Nordwesten. [Die Lautauflösung wird im nachfolgenden Kommentar ausdrücklich erklärt.]

PG 5–PG 7: Darin vergegenwärtigt der Mantrakenner fünf gleichmäßig angeordnete Feuerstätten: in der Mitte, im Osten, Westen, Norden und Süden. Sie brennen stets zur Verwirklichung des angestrebten Werkes. In dieser Reihenfolge heißen sie Āvasathya, Sabhya, Āhavanīya, Anvāhārya und Gārhapatya.

PG 8–PG 10: Aus dem unbefleckten, erkenntnisgestaltigen Ursprung von Glanz und Flamme, aus der ursprünglichen Natur und dem im Dvādaśānta verweilenden höchsten Selbst, dem Opfernden aller Laute, strömt die Mātṛkā als Nektarfluss hervor. Der Lehrer trennt sie im Geist in einzelne Laute und opfert diese in umgekehrter Reihenfolge in die lodernden Feuerstätten. [Die Verbindung der Bezeichnungen in PG 8–9 ist gedrängt; der Kommentar entfaltet sie als Bewusstseins- und Klangursprung.]

PG 11–PG 15: Die fünf mit kṣa beginnenden Laute gleichen Smaragd. Die fünf mit śa beginnenden bis ya gleichen Gomeda. Die Gruppe von ma an ist blau, die von na an korallenrot, die von ṇa an diamantglänzend. Die bis ca reichende Gruppe glänzt wie Puṣparāga, die bis ka reichende wie Vaiḍūrya. Acht Vokale gleichen Perlen, die folgenden Rubinen. So werden neun edelsteingestaltige Gruppen genannt. Ihre Herrscher und zugleich Gottheiten der Edelsteine sind Ketu, der Mondverschlinger, Manda, Vākpati, Budha, Bhārgava, Bhauma, Candra und Bhāskara.

PG 16–PG 17: Wer dieses Opfer täglich mit fünfzig Darbringungen vollzieht, soll in den drei Welten geachtet werden, reich an Gold, Gewändern und anderen Gütern, glücklich und von günstiger Entwicklung. Nun werde ich erklären, welche Laute wo geopfert werden.

PG 18–PG 20: In Āvasathya opfert man zehn Laute: Saṃvartaka, den von dort rückwärts sechsten, die Endlaute der fünf Konsonantenklassen, den sechzehnten Vokal, Jhiṇṭīśa und Arghīśa. In Sabhya opfert man Dharā, den als Vālīturīya bezeichneten Laut, die vierten Laute der Konsonantenklassen, Mastaka, Hara und Amareśa.

PG 21–PG 23: In Āhavanīya opfert man Nakulīśa, den von dort sechsten Laut, die dritten Laute der Klassen, Sadyānta, Sthāṇuka und den linken Augenlaut. In Anvāhārya opfert man den siebten und den zweiten von ya aus gezählten Laut, die zweiten Laute der Klassen, Bhautikānta, Tithīśa und Sūkṣma.

PG 24–PG 25: In Gārhapatya opfert man den sechsten vom Windlaut aus gezählten Laut, den Windlaut selbst, die fünf Klassenanfänge von pa an, Adhara, Kriyā und Nārāyaṇa. So wurde das Lautopfer der Reihe nach erklärt.

PG 26–PG 29: Danach opfert man mit dem Raum die Gesamtheit des Klanges in Āvasathya; mit dem Wind dessen Eigenschaft in die östliche Feuerstätte; mit dem Feuer die Gestalt in die westliche; mit Wasser die Gesamtheit des Geschmacks in die nördliche; mit Erde alle Düfte in die südliche. Tag und Nacht soll man so, verbunden mit den Mātṛkā-Lauten, in die Feuerstätten opfern, deren Flammen dem Feuer der Weltauflösung gleichen.

PG 30–PG 31 und unnummerierte Fortsetzung: So werde das eigene Wesen zu ewig reinem Bewusstsein und höchster Glückseligkeit. Nachdem man das Opfer von Dhruva und Māyā an bis zur Ajapā fünfzigfach und ebenso den Nyāsa nach Vorschrift vollzogen hat, werde der Mantraübende schon zu Lebzeiten befreit und langlebig. Sein Glanz gleiche der Sonne; wie Śambhu sei er schöpferisch und auflösend.

Kommentar zum inneren Lautopfer

Der Übende sitzt nach Osten gewandt in Padmāsana auf einer weichen Unterlage. Im Mūlādhāra wird das dreieckige Feuerfeld betrachtet: ha des Bhuvaneśvarī-Bījas verkörpert Sattva in der Mitte, ī, der linke Augenlaut, Rajas in der Umfassung, und ra Tamas in der weiteren Umhüllung. Die Ecken weisen nach Osten, Südwesten und Nordwesten. In Mitte, Osten, Westen, Norden und Süden liegen die fünf flammenden Feuerstätten Āvasathya, Sabhya, Āhavanīya, Anvāhārya und Gārhapatya.

Die Laute werden als aus dem im Dvādaśānta befindlichen, unbegrenzten Bewusstsein hervorgehend verstanden. Dieses ist Grund aller Lichtoffenbarung, ursprüngliche Natur und Śabdabrahman, die Klangwirklichkeit, aus der alle Laute entstehen. In die Flammen der inneren Feuerstätten werden die nektarhaften, edelsteinfarbenen Laute geistig dargebracht. Die Planeten gelten dabei als die Gottheiten der Edelsteine.

Der Kommentar löst die Lautcodes folgendermaßen auf:

Feuerstätte Zehn zugeordnete Laute nach der Kommentarlesung
Āvasathya kṣa, śa, ma, na, ṇa, ña, ṅa, aḥ, e, ha
Sabhya la, va, bha, dha, ḍha, jha, gha, aṃ, ḹ, u
Āhavanīya ha, la, ba, da, ḍa, ja, ga, au, ḷ, ī
Anvāhārya sa, ra, pha, tha, ṭha, cha, kha, o, ṝ, i
Gārhapatya ṣa, ya, pa, ta, ṭa, ca, ka, ai, ṛ, ā

Textbefund: Der Kommentar nennt für Arghīśa ausdrücklich ha, wodurch dieser Laut doppelt erscheint; auch la erscheint in zwei Reihen. Die Liste wird nicht unbemerkt zu einem fehlerfreien Alphabet umgebaut. Die Anvāhārya-Reihe steht bereits in der Vorlage in Klammern.

Das Verfahren wird an der Folge oṃ hrīṃ kṣaṃ haṃsaḥ so'haṃ svāhā erläutert. Jeder Laut wird entsprechend in der jeweiligen Feuerstätte geistig dargebracht: zuerst kṣa in Āvasathya, la in Sabhya, ha in Āhavanīya, sa in Anvāhārya und ṣa in Gārhapatya; danach geht man in derselben Reihenfolge mit den weiteren Lauten bis a fort. Der verbleibende Visarga ist aufgrund der Überlieferung „aḥ ist Brahman“ als Brahman-Gestalt zu betrachten. [Auch dieser Schluss lässt sich nicht restlos mit allen zuvor gegebenen Eintragungen vereinbaren; die Quellenfassung bleibt sichtbar.]

Die Mahlzeit als Opfer des Lebensatems

Einleitende Prosa: Für so übende Menschen wird nun das beim Essen zu vollziehende Prāṇāgnihotra erklärt.

Uttaratantra (BM 1–BM 2): Wer täglich nach diesem Verfahren isst, betrachtet die Feuerstätten von Gārhapatya an als die Lebenswinde von Prāṇa an. Die Namen der Feuerstätten und der Lebenswinde werden jeweils im Lokativ gebildet.

BM 3–BM 6a: Dazu kommen der Reihe nach die Farbbezeichnungen Gold, Raum, Rot, Schwarz und helles Leuchten. Danach spricht man „die Reinen, die Läuternden“, ferner die Wendungen über das Entfalten des Feuers und das Versorgen des Selbst. Es folgen die Richtungen aufwärts, abwärts, seitwärts, erneut aufwärts sowie abwärts und seitwärts; anschließend wird auch die gleichmäßige Bewegung genannt. Mit „mögen sie gehen“ und der Feuer-Gemahlin als Endung werden die fünf Mantras gebildet. [Die Richtungsfolge ist im Grundvers gedrängt; der Kommentar schreibt die fünf Anrufungen ausdrücklich aus.]

BM 6b–BM 9: Danach spricht man: „Ich bin Vaiśvānara geworden; ich opfere Nahrung, die vierfache, und verdaue sie auf diese Weise nach dem Verfahren“, mit svāhā am Ende. Mit zuvor geheiligter Speise vollzieht man ehrfürchtig das Opfer und isst schweigend bis zur Sättigung. Danach trinkt man Wasser aus der Hand mit dem bei amṛta beginnenden Mantra und vollzieht die vorgeschriebene Mundreinigung.

BM 10–BM 12: Vom Mūlādhāra bis zum Dvādaśānta vergegenwärtigt man das die Welt durchdringende eigene Selbst, ohne den Geist auf anderes zu richten: in seiner Natur ruhend, heilvoll, friedlich, ohne Anfang und Ende, höchst und durch die reine Opfergabe gesättigt. So nimmt der Mantraübende die mit fließendem Nektar und den fünfzig Lauten benetzte Nahrung als Opfergabe zu sich, während in ihm die fünf Feuer leuchten.

BM 13: Wer morgens und abends Prāṇāgnihotra vollzieht, „erfährt irgendwann das Leid des Aufenthalts im Mutterleib“, lautet der vorliegende Wortlaut. [Im Zusammenhang wird offenbar eine Befreiungszusage erwartet, doch die dafür nötige Verneinung fehlt. Sie wird nicht als überlieferter Text ausgegeben.]

Kommentar zu den fünf Speisegaben

Die fünf Anrufungen werden so erklärt:

  • Im Gārhapatya, im Prāṇa: Die goldfarbenen, reinen, läuternden Kräfte mögen das Feuer entfalten, das Selbst versorgen und aufwärts gehen, svāhā.
  • Im Anvāhārya, im Apāna: Die raumfarbenen, reinen, läuternden Kräfte mögen das Feuer entfalten, das Selbst versorgen und abwärts gehen, svāhā.
  • Im Āhavanīya, im Vyāna: Die roten, reinen, läuternden Kräfte mögen das Feuer entfalten, das Selbst versorgen und seitwärts gehen, svāhā.
  • Im Sabhya, im Udāna: Die schwarzen, reinen, läuternden Kräfte mögen das Feuer entfalten, das Selbst versorgen und aufwärts gehen, svāhā.
  • Im Āvasathya, im Samāna: Die hell leuchtenden, reinen, läuternden Kräfte mögen das Feuer entfalten, das Selbst versorgen und abwärts sowie seitwärts gehen, svāhā.

Nach diesen fünf Gaben werden die Feuerstätten und Lebenswinde gemeinsam angerufen. Man betrachtet sie in Süden, Norden, Westen, Osten und Mitte und spricht die zusammenfassende Anrufung der goldenen, raumfarbenen, roten, schwarzen und hell leuchtenden Kräfte. „Ich bin Vaiśvānara geworden und opfere die vierfache Nahrung; so verdaue ich sie. Mögen die Kräfte aufwärts, abwärts, seitwärts und gleichmäßig gehen, svāhā.“ Dabei wird eine größere Gabe als zuvor dargebracht. Anschließend isst man bis zur Sättigung in der Vorstellung des inneren Opfers. Mit amṛtāpidhānamasi, „Du bist die Bedeckung aus Nektar“, wird Wasser aus der Hand getrunken; danach folgt die Mundreinigung.

Der Kommentar beschreibt als Frucht die Betrachtung des Visarga in Gestalt zweier aus ma hervorgehender Mondscheiben, die vom Nektarstrom des Welt-Bindu benetzt sind. Die beiden Punkte leuchten durch Feuer- und Mondkraft und werden vom Nektarstrom aus sa erfüllt. Durch die Nāḍīs erfüllt dieser das ganze eigene Körperfeld. Damit verbindet der Text die Behauptung, alle Krankheiten würden abgewehrt. [Dies ist eine historische religiöse Wirkungszuschreibung.]

Prāṇāgnihotra im Kādī-Lehrsystem

Tantrarāja (KP 1–KP 2): Höre nun von der Vollendung durch die feinen, „höchst“ genannten Opfer, Geliebte. Im Feuer des eigenen Mūlādhāra, das vor Kuṇḍalinī liegt, opfert man die Weltentfaltung in ihrer Gestalt als Bezeichnetes und Bezeichnendes. Durch dieses Opfer werde man uns beiden gleich, Göttin.

KP 3–KP 4: „Erkläre mir jetzt genau dieses Verfahren, einsichtsvoller Śambhu: die Stätte des Feuers in der Grundlage, die Lage Kuṇḍalinīs, ihre Gestalt und ihr ganzes Wirken, Herr.“ – „Höre, ich werde dir das Verfahren nun ausführlich erklären.“

KP 5–KP 7: Dies ist die höchste Lehre des Prāṇāgnihotra, von der in den drei Veden gesprochen wird. Wer sie erkennt, gelangt nach dieser Aussage nicht wieder in den Mutterleib. Sie verlangt weder Aufwand noch mühsame Anstrengung und ist von anderem unabhängig. Sie ist eine Stätte, an der die Bedrängnis des Geistes zur Ruhe kommt, frei von aller Befleckung, im eigenen Innern und voller Glück. Durch Erkenntnis von Bewusstsein und Erkennbarem umfasst sie die ganze Welt. Alles hier noch nicht Ausgeführte wird im sechsunddreißigsten Kapitel deutlich erklärt.

KP 8–KP 10: Hier werde ich einiges davon darstellen. Im Zentrum des Mūlādhāra befindet sich das Feuer, im Herzen aller Lebewesen die Sonne und im Kopf unterhalb des Brahmarandhra der Mond. Die drei Abschnitte der ursprünglichen Nityā haben das Wesen dieser drei Lichtkräfte. Ihre Einheit soll im Geist vergegenwärtigt werden. [Die Wendung nityānityodite in KP 8 ist unsicher und wird nicht zu einer zusätzlichen Zeitangabe ausgelegt.]

KP 11–KP 12: Durch Kommen und Gehen und durch ihr wechselseitig hervorgebrachtes Licht werden die drei Lichtkräfte entzündet. Nachdem man sie erkannt hat, betrachtet man den Geist als mit ihnen eins und frei von begrifflicher Unterscheidung. Dies ist das wunderbare Opfer.

KP 13–KP 17: Von den drei zuvor erklärten Lautarten wird jeweils eine von den beiden anderen umschlossen und so dargebracht. Die Vokale werden mit den Sonnen- und Herzlauten verbunden, mit Tāra und huṃ versehen und mit unbewegtem Geist im Feuer am Mundweg Kuṇḍalinīs geopfert. Ebenso werden die Mondlaute von Feuer und Sonne umschlossen, die Feuerlaute von Mond und Sonne sowie von Sonne und Mond; die Sonnenlaute von Mond und Feuer sowie von Feuer und Mond. Auch in umgekehrter Folge werden die sechzehn Laute dargebracht. So wird das Opfer mit den beschriebenen Lauten zwölffach gelehrt. [Die Anordnung wird im Text knapp vorausgesetzt; hier werden keine fehlenden Lautketten ergänzt.]

KP 18–KP 19: Mit den Lauten wird zugleich die Gesamtheit dessen dargebracht, was sie bezeichnen. Dieses Ganze besitzt das Wesen der drei Lichtkräfte; auch unsere eigene Gestalt ist von diesem Wesen. Unsere weiteren Gestalten nehmen wir aus freiem Willen an. Ebenso sind die Körper der anderen Gottheiten durch Willen bestimmte Gestalten.

Kolophon: Damit endet der vierte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler Śrī Pragalbhācāryas, Schüler Śrī Viṣṇuśarmācāryas, Schüler Śrī Bhagavacchaṅkarācāryas, Schüler des hochverehrten großen Lehrers Śrī Govindācārya.

5. Śvāsa

Die Bhūtalipi im Lehrsystem der Kālī

Nun folgt das Herauslösen der Mantras nach dem Kālī-Lehrsystem, zunächst die Bhūtalipi, die Schrift der Elemente. Dazu heißt es im Siddhasārasvatatantra:

5.BL.1–5.BL.2 Nun werde ich die äußerst geheimzuhaltende, überaus schwer zugängliche Bhūtalipi erklären, die im großen Sārasvatatantra verborgen und höchst vollendungsspendend ist. Die Weisen empfingen sie von Viṣṇu und erlangten durch sie alles ersehnte Glück. Was bedarf es darüber vieler Worte, o Göttin?

5.BL.3–5.BL.5 Als erste Gruppe werden die fünf kurzen Vokale genannt; als zweite, o Göttin, die vier mit Śiva beginnenden Buchstaben. Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde bilden die dritte. Mit den letzten, ersten, zweiten, vorletzten und dritten Lauten der Lautklassen entstehen der Reihe nach fünf weitere Gruppen. Die neunte wird durch die mit vānta, śānta und Bhṛgu bezeichneten Laute gebildet. Der Mantra besteht aus neun Gruppen und zweiundvierzig Buchstaben. [Die Bezeichnungen sind überlieferte Lautcodes; eine unsichere Auflösung wird hier nicht als feststehender Mantra ausgegeben.]

5.BL.6–5.BL.7 Die erste der Gruppen verbindet die Klassenendlaute der Reihe nach mit den als Śrīkaṇṭha, Oberlippe und Raum bezeichneten Lauten sowie mit vānta. Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde gelten der Reihe nach als die Laute der Gruppen. Der zweiten Gruppe fehlt die Erde; der letzten fehlen Wasser und Erde. [Die knappe Konstruktion des Verses 6 lässt die genaue Verteilung der genannten Zusätze nicht zweifelsfrei erkennen.]

5.BL.8–5.BL.10 Die Gottheiten der neun Gruppen werden der Reihe nach genannt: Viriñci, Viṣṇu, Rudra, die beiden Aśvins, Prajāpati, die Welthüter und die mit Kriyā beginnenden Kräfte. Der Seher ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß Gāyatrī; die von der Welt verehrte Sarasvatī ist die Gottheit dieses Mantras. Mit den sechs beim Raum beginnenden Gruppen, versehen mit den jeweiligen Jāti-Endungen, wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen. [Der Schluss von Vers 10 ist in der Vorlage bereits mit einer Lesungsfrage versehen.]

5.BL.11–5.BL.14 Nun wird das Auflegen der neun Laute der ersten beiden Gruppen beschrieben. Der Verständige lege die Vokale der Reihe nach an Grundlage, Svādhiṣṭhāna, Nabel, Herz und Kehle sowie an Bindu, Nāda, Śakti und Śiva auf. Die mit ha beginnenden Laute der dritten Gruppe lege er an die fünf Gesichter, beginnend mit dem oberen. Die fünf folgenden Lautgruppen verteile er auf die folgenden Stellen: Spitzen, Ansätze und mittlere Bereiche der Arme und Beine, auf Bauch, beide Seiten, Nabel und Rücken. Die Laute der verbleibenden Gruppe lege er an den verborgenen Bereich, das Herz und die Brauen auf. [Die Aufzählung der Gliedmaßen enthält die unklare Form cāpamūlāgrakeṣu; ihre genaue Unterteilung bleibt offen.]

5.BL.15–5.BL.16 Beim Schöpfungsnyāsa enden die Laute mit Visarga; beim Erhaltungsnyāsa mit Bindu und Visarga. Das Auflegen erfolgt nach der Folge: erster, zweiter, vorletzter, letzter und mittlerer. Für die Schöpfung lege man sie in fortlaufender Ordnung auf, für die Rücknahme mit Bindu verbunden. Nun werde ich seine von den Weisen verehrte Meditation erklären, o Herrin der Götter. [Welche Unterfolge die zweite Hälfte von Vers 15 genau regelt, wird in der knappen Vorlage nicht weiter erläutert.]

Der Baum der Laute und die Göttin der Sprache

5.BL.17–5.BL.23 Die Verständigen sprechen von einem ewigen, aus den Elementen bestehenden göttlichen Baum. Bewusstsein ist sein Same; Bindu und Nāda heißen seine Wurzeln. Seine aus Erdenlauten bestehenden Astgruppen entfalten sich nach allen Richtungen. Mit dem Laub der Wasserlaute bedeckt er die drei Welten. Seine Sprosse aus Feuerlauten erstrahlen wie Edelsteinsprosse. Mit Blüten, die durch Windlaute geschmückt sind, lässt er die Schönheit seines eigenen Leibes leuchten; unter den Früchten aus Raumlauten neigt er sich, o Ambikā. Er ist die ewige Zuflucht aller Wesen und überströmt die höchste Göttin Vāgīśvarī mit dem Honig des höchsten Unsterblichkeitstranks. Seine durch Nigama und Āgama gestaltete Höhe ist herrlich. Er besteht aus Śiva und Śakti; die drei Welten suchen Zuflucht in seinem Schatten. Scharen großer Weiser haben, indem sie sich ihm anvertrauten, das Ersehnte erlangt. Am Fuß dieses Baumes der Elementlaute, im Lotus der Buchstaben, vergegenwärtige man sich die Göttin Vāgīśvarī, die alle erwünschten Früchte gewährt.

5.BL.24 Man meditiere über die Göttin: hell wie eine Jasminblüte, mit vollen, kruggleichen Brüsten und einer schönen Mondsichel auf dem Haupt. In ihren Lotushänden trägt sie die Gebärde der Wunschgewährung, Gebetskette, Buch und eine menschliche Schädelkappe. Vom Rausch des süßen Trankes ist sie bewegt, ihre beiden Augen schimmern; ihr Leib besteht aus Schriftzeichen und besitzt die Schönheit erblühter Jugend. [Die Vorlage liest am Schluss lipimayatatuṃ, eine beschädigte Form, die hier als „deren Leib aus Schriftzeichen besteht“ verstanden wird.]

5.BL.25–5.BL.27 So meditiere der Übende täglich mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Göttin im Herzen und verehre sie auf dem bei der Mātṛkā beschriebenen Sitz. Im Buchstabenlotus bilde er durch den Wurzelmantra ihre Gestalt, rufe darin Vāgīśī herbei und verehre sie samt ihren Umkreisen. Zuerst verehre der Mantrakenner wie zuvor die Glieder in den Staubfäden, danach auf den vier Blättern Ambikā und die anschließend genannten Göttinnen.

5.BL.28–5.BL.31 Diese vier sind Ambikā, Vāgbhavā, Durgā und Śrī. Danach verehre er auf dem achtblättrigen Lotus die Mütter. Auf dem äußeren sechzehnblättrigen Lotus verehre er die folgenden sechzehn Kräfte: Karālī, Vikarālī, als dritte Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Īśā, Lakṣmī, Śruti, Smṛti, Dhṛti, Śraddhā, Medhā, Mati, Kānti und als sechzehnte Āryā. Sie tragen Schwert und Schild, sind dunkel, haben lächelnde Gesichter und sind mit allen Schmuckstücken geziert. [Die Trennung Śrī, Durgā, Īśā folgt der geforderten Gesamtzahl; die Vorlage schreibt śrīdurgeśā zusammen.]

5.BL.32–5.BL.36a Ferner: Vidyā, Hī, Puṣṭi, Prajñā, Sinīvālī, Kuhū, Rudravīryā, Prabhā, Nandā, Pūṣā, Ṛddhidā, Śubhā, Kālarātri, Mahārātri, Bhadrakālī, Kapālinī, Vikṛti, Daṇḍinī, Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī, Niśumbhaśumbhamathinī, Mahiṣāsuramardinī, Indrāṇī, Rudrāṇī, Śaṅkarārdhaśarīriṇī, Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī, Pālinī, Ambikā und Hāriṇī. Diese zweiunddreißig Kräfte sind weiß, haben Gesichter von Piśāca-Geistern, tragen Räder in den Händen und sollen mit schönen Schmuckstücken verehrt werden. [Der Anfang vidyāhīpuṣṭayaḥ ist auffällig; „Hī“ gibt den tatsächlich überlieferten Bestandteil wieder, ohne ihn stillschweigend zu „Hrī“ zu verbessern. Die Zusammenschreibung von Niśumbhaśumbhamathinī bleibt erhalten.]

5.BL.36b–5.BL.44 Sodann werden genannt: Piṅgalākṣī, Viśālākṣī, Samṛddhi, Vṛddhi, Śraddhā, Svāhā, Svadhā, Bhikṣā, Māyā, Saṃjñā, Vasundharā, Trilokadhātrī, Sāvitrī, Gāyatrī, Tridaśeśvarī, Surūpā, Bahurūpā, Skandamātā, Tatpriyā, Vimalā, Vipulā, Aruṇī und nochmals Aruṇī; Prakṛti, Vikṛti, Sṛṣṭi, Sthiti, Saṃhṛti, Sandhyā, Mati, Sati, Haṃsī, Mardikā, Paradevatā, Devamātā, Bhagavatī, Devakī, Kamalāsanā, Trimukhī, Saptamukhī, Surāsuravimardinī, Lamboṣṭhī, Ūrdhvakeśī, Bahuśīrṣā, Vṛkodarī, Ratharekhā, Śaśirekhā, Gaganarekhā, Pavanavegā, Bhuvanapālā, Madanāturā, Anaṅgā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgakusumā, Viśvarūpā, Asurabhayaṅkarī, Akṣobhyā, Satyavādinī, Vajrarūpā, Śucivratā, Varadā und Vāgīśā. Sie werden als vierundsechzig bezeichnet. [Die überlieferte Liste ergibt bei dieser Worttrennung nur dreiundsechzig Namen. „Aruṇī“ erscheint zweimal; sati und mardikā werden nicht ohne Beleg verbessert. Eine fehlende Göttin wird nicht ergänzt.]

5.BL.45–5.BL.47 Alle tragen Bogen und Pfeile, haben Flammenzungen, hervorstehende Fangzähne und aufgerichtetes Haar. Ihr Sinn ist zum Kampf entschlossen; sie erstrahlen in allem Schmuck und sollen sorgfältig verehrt werden. Danach verehre man die Welthüter und außerhalb davon ihre Waffen. So verehre der Verständige die Bhūtalipi als Trägerin der Welt. Mit der Herrschaft über die Sprache reich begabt, werde er selbst von den Göttern geehrt.

Rituelle Vollendung und elementbezogene Yantras

5.BL.48–5.BL.49 Nach empfangener Einweihung vollziehe der Übende den Nyāsa und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Danach bringe er ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer mit reinem Sesam dar, der mit den drei süßen Stoffen bestrichen ist. Nach den zuvor beschriebenen Handlungen vom Trankopfer bis zur Verehrung der Zweimalgeborenen vollziehe der Mantrakenner die auf besondere Wünsche gerichteten Riten nach der Unterweisung seines Gurus.

5.BL.50–5.BL.52a Durch zehntausend Opfer mit Lotusblüten würden Könige gefügig. Ein Opfer mit blauen Wasserlilien bringe bald große Fülle. Wenn der Übende mit den Blüten des Brahmabaumes opfere, werde er innerhalb eines Jahres zum Ersten unter bedeutenden Dichtern. Durch ein Opfer mit Senfkörnern und Salz könne er Frauen gefügig machen. [Diese Aussagen dokumentieren historische Wirksamkeits- und Beherrschungsansprüche; sie sind keine Empfehlung, andere Menschen zu manipulieren.]

5.BL.52b–5.BL.55 Welchen Mantra man mit dieser Bhūtalipi umschließt und hundertmal in vorwärts- und rückwärtslaufender Ordnung verehrt, der werde wirksam. Man führe die höchste Kuṇḍalinī, deren Schönheit einer schlafenden Giftschlange gleicht, durch den mittleren Weg zur höchsten Stätte und überströme sie vom Scheitel bis zur Wurzel der Reihe nach mit dem höchsten Unsterblichkeitstrank. Diese Vereinigung gilt den Yogins als Vollendung spendender Yoga. Wessen Körper durch diesen Nyāsa geweiht ist, dessen Glanz gleiche der Sonne. Wer die besonderen Yantras kennt, möge damit die auf einzelne Wünsche gerichteten Riten vollziehen.

5.BL.56 In die Mitte des Raum-Yantras gehört folgender codiert beschriebener Mantra: Raum mit Bindu, wiederum Raum mit Śiva, dazu „dem Wissenden“, mit der Hṛd-Endung. Auf die Blätter schreibe man die Raumlaute sowie die mit dem Namen des Zieles verbundenen Laute, umschlossen von Raum; den verbleibenden Laut auf das letzte Blatt. Von einem Kreis umgeben und mit Sandelholz und Harz gezeichnet, werde dieses Raum-Yantra als Gift beseitigend bezeichnet. [Der Sanskrittext bietet eine Mantracodierung, keine vollständig ausgeschriebene sichere Rezitationsform. Die behauptete Giftwirkung ist keine medizinische Behandlungsempfehlung.]

5.BL.57 Beim Wind-Yantra stehen zwei Windlaute, verbunden mit den Augenlauten sowie mit den als Virati und Nati bezeichneten Endungen; das Wort Kopeśa soll im Dativ stehen. Dies gehört in die Mitte. Auf die Blätter kommen die Windlaute, von Wind umschlossen; der letzte auf das letzte Blatt. Auf einem Palmblatt und innerhalb einer Windfigur angebracht, unter Svātī und beim Aufgang Mandas, solle das Yantra einen Feind vertreiben; an dessen Tür vergraben, werde ihm tödliche Wirkung zugeschrieben. [Der genaue Mantra bleibt wegen der gedrängten Codierung unsicher; die Wiedergabe beschreibt einen historischen Schädigungsritus.]

5.BL.58 Beim Feuer-Yantra werden zwei Feuerlaute der Reihe nach mit den als Gehör, Zahn und Mond bezeichneten Lauten und den zugehörigen Endungen verbunden. Es folgen die in der Vorlage unklar geschriebenen Bestandteile rauroḥ saphalaṇatiḥ. Dieser Mantra gehört in die Lotusmitte; auf die Blätter kommen Feuerlaute, von Feuer umschlossen, und an den Rand der letzte Laut samt den das Ziel stärkenden Lauten. Auf einem als bhujadala bezeichneten Blatt, in einer Feuerfigur, an günstigem Wochentag und unter günstigem Stern mit Lack und Safran gezeichnet, solle es Schutz bewirken. [Bhujadala dürfte beschädigt sein; eine sichere Materialangabe lässt sich daraus nicht gewinnen.]

5.BL.59 Beim Wasser-Yantra steht in der Mitte ein Paar Wasserlaute mit Nase, Anusvāra und Bindu; dazu Vidhu im Dativ und die Verneigung vor Vidhubhu. Auf die Blätter kommen die Wasserlaute, umschlossen von den in der Vorlage als su?va unsicher überlieferten Lauten und verbunden mit den als śiśubandhu bezeichneten Lauten. Die Figur wird mit einer Wasserumfriedung versehen und Varuṇa-Yantra genannt. [Die überlieferte Lesungsfrage bleibt offen; weder Lautfolge noch der Ausdruck śiśubandhu werden hier frei ergänzt.]

5.BL.51b [nach 5.BL.59] Beim Erd-Yantra schreibe man die als Wange und Ananta bezeichneten Laute mit Bindu; die als ja und ga bezeichneten Laute stehen zwischen den beiden Wangenlauten. In der Mitte folgen die unklaren Angaben lvante ke und die Hṛd-Endung. Danach werden auf die Blätter die Erdlaute bis zum Erdlaut geschrieben, von ku umschlossen und mit den Lauten des Verehrenden verbunden. Mit einer Erdumfriedung, beim Aufgang von Indra und Saumya, auf Birkenrinde mit roter Erde gezeichnet und in guter Erde angebracht, solle das Erd-Yantra Stillstellung bewirken. [Die Vorlage zählt diesen letzten Vers erneut als „5-51“, nicht als 5-60. Die doppelte Nummer bleibt sichtbar; mehrere Mantracodes sind nicht sicher aufzulösen.]

Damit endet der Abschnitt über die Bhūtalipi.

Die Gruppen der Śrīvidyā im Kālī-Lehrsystem

5.SV.1–5.SV.2 Die fünf Throne, die fünf Fünfergruppen, die Vidyās der sechs Heiligtümer, die fünf Überlieferungsströme, die Vidyās der vier Samayas und die Gesamtheit der Śrīvidyā sollen besonders erkannt werden, damit die Vergegenwärtigung des göttlichen Wesens gelingt.

5.SV.3–5.SV.5a Sampatpradābhairavī, Caitanyabhairavī, eine zweite, alle Vollendung gewährende Caitanyabhairavī, Kāmeśvarībhairavī und Bālā bilden die fünf Gottheiten des östlichen Thrones. Bei Nyāsa, Feueropfer und Verehrung vergegenwärtige der Übende sie für jede Art der Vollendung. [Die zweimalige Caitanyabhairavī steht so in der Vorlage.]

5.SV.5b–5.SV.9 Aghorabhairavī, Mahābhairavī, Lalitābhairavī, Kāmeśībhairavī und Raktanetrābhairavī befinden sich auf dem südlichen Thron. Ṣaṭkūṭābhairavī, Nityabhairavī, Mṛtasañjīvanī, Mṛtyuñjayaparā und Vajraprastāriṇī befinden sich auf dem westlichen Thron. Bhuvaneśībhairavī, Kamaleśībhairavī, Kauleśībhairavī, Ḍāmarabhairavī und Kāminībhairavī befinden sich auf dem nördlichen Thron.

5.SV.10–5.SV.11a Die erste Sundarī, die zweite Sundarī, die dritte Sundarī, die vierte Sundarī und die fünfte Sundarī befinden sich auf dem oberen Thron.

5.SV.11b–5.SV.15 und Fortsetzung Als die fünf Lakṣmīs werden Śrīvidyā, Lakṣmī, Mahālakṣmī, Triśakti und Sarvasāmrājyā genannt. Die fünf Schatzkammern heißen Śrīvidyā, Paraṃjyotis, Paraniṣkalaśāmbhavī, Ajapā und Mātṛkā. Die fünf wunscherfüllenden Ranken sind Śrīvidyā, Tvaritā, Pārijāteśvarī, Trikūṭā und Pañcabāṇeśī. Die fünf wunscherfüllenden Kühe heißen der Reihe nach Śrīvidyā, Amṛtapīṭheśī, Sudhā, Sūrāmṛteśvarī und Annapūrṇā. Als die fünf Juwelen gelten Śrīvidyā, Siddhalakṣmī, Mātaṅgī, Bhuvaneśvarī und Vārāhī. [Die Trennung von sudhāsūramṛteśvarī folgt der angekündigten Fünferzahl; die Vorlage schreibt die Bestandteile zusammen.]

Das Herauslösen der Guru-Pādukā-Mantras

Nun folgt das Herauslösen der Mantras, zuerst der Guru-Pādukā, der ehrwürdigen Sandalen beziehungsweise Fußzeichen des Lehrers.

5.GP.1–5.GP.3a Der erste Laut entsteht durch die als Śiva, Mond, Feuer, Arghīśa und Bindu bezeichneten Bestandteile. Das zweite Bīja wird aus Raum, Mond, Saṃvarta, Mahākāla, Erde, Wasser, Wind, Feuer, Ananta und Bindu herausgelöst. Dasselbe, verbunden mit dem linken Ohr, bildet das dritte Bīja; verbunden mit takṣanetra bildet es das vierte. [Die Lautcodes werden als solche wiedergegeben. Besonders takṣanetra ist nicht sicher zu deuten.]

5.GP.3b–5.GP.6 Darauf folgen die Wörter śrīpara, pāvaka, sarva, ārādhya, sarvaguru, nātha, sarvaguruguru, śrīguru und nātha, danach das Feuer und das dritte Bīja. Es folgen die ersten vier Bījas und die Wörter śrīśaṃbhuguru. Dann spricht man das erste zweimal, die drei vom zweiten an, das erste und das dritte. Dies wird die umfangreiche Pādukā genannt. Am Anfang werden die fünf Tārās gesetzt; sie gilt als Mittel zur Erfüllung aller Ziele.

5.GP.7–5.GP.8 Mit dem Khecarībīja heißt sie die mittlere Pādukā. Mit drei Tārās verbunden wird sie die kurze Pādukā genannt. Die drei Tārās, danach „Śrī-[Name]-Ānandanātha“ und „Ich verehre die ehrwürdige Pādukā“ bilden eine weitere, noch kürzere Form. [Das Verhältnis dieser knappen Beschreibung zu den nachfolgenden ausgeschriebenen Formen ist nicht durchgehend eindeutig.]

Ausgeschriebene Formen. Die folgenden Klangfolgen stehen in der Quelle. Bījas besitzen hier keine gewöhnliche deutsche Wortbedeutung. Die Lesungsfragen in eckigen Klammern und die auffälligen Schreibungen werden beibehalten. Amuka bedeutet „der betreffende“ und ist ein Platzhalter für einen Namen; pūjayāmi bedeutet „ich verehre“. Die Anrufungen gelten dem höchsten läuternden Guru, dem von allen verehrten Herrn der Gurus, dem Guru der Gurus und Śambhu als Guru; die weiteren Formen beziehen auch die Śakti des jeweiligen Lehrers ein.

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasauḥ hasrūṁ hasakṣamalavayarāṁ hasakṣamalavayarūṁ hasakṣamalavaya [rīṃ ? riṃ] śrīparapāvaka sarvārādhyasarvagurunātha sarvaguruguruśrīgurunātha raṃhasakṣamalavayarūṁ | hasrūṁ hasakṣamalavayarāṃ hasakṣamalavayarūṁ hasakṣamalavaya [rīṃ ? riṃ] śrīśambhuguru hasrūṃ hasrūṃ hasakṣamalavayarāṃ hasakṣamalavayarūṁ hasakṣamalavaya [rīṃ ? riṃ] hasrūṁ hasakṣamalavayarūṁ iti sthūlapādukā ||

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ hasauṁ shakṣamalavayarūṁ shakṣamalavayarūṁ hasrauḥ sahakṣamalavayarauḥ hasrauḥ śrīparapāvaka sarvārādhyasarvagurunātha sarvagurusvayaṃguru śrīgurunātha raṁ hasakṣamalavayarūṁ hasauṁ sahakṣamalavayarīṃ sahakṣamalavayarūṁ sahalakṣamavayarāṁ śrīśambhuguruhasrauṃ sahakṣamalavayarūṁ śrī-amukānandanāthāmukaśaktidevyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi iti madhyamapādukā ||

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasauḥ hasakṣamalavarayūṁ śrī-amukānandanātha oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ sahakhaphreṃ shauḥ sahakṣamalavarayīṃ amukadevyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi iti laghupādukā || oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ amukānandanāthāmukaśaktyambāśrīpādukāṃ pūjayāmi iti laghutarapādukā || oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ śrī-amukānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi - iti sāmānyapādukā ||

5.GM.1–5.GM.3 Nach dem Erwachen zur Brahma-Muhūrta vergegenwärtige man sich mit ruhigem Geist und unbewegtem Körper, kundig auf dem Yogaweg, die Guru-Pādukā. Als Seher ihres Mantras gilt Brahmā, als Versmaß die mit Nicṛd beginnende Gāyatrī. Anfang und Ende sind Bīja und Śakti, die Mitte ist der Kīlaka. Die Verwendung zielt auf Befreiung; damit ist der Ṛṣi-Nyāsa angegeben.

5.GM.4–5.GM.6 Am Morgen denke man, seinen Namen voranstellend, an den friedvollen Guru auf einem weißen Lotus über dem Kopf: zweiäugig, zweiarmig, mit den Gebärden der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Er gleicht zehntausend Monden und strahlt wie Millionen Sonnen; er trägt weiße Gewänder, weiße Girlanden und weiße Salben. Auf seinem linken Schenkel sitzt die rote, einen Lotus tragende Śakti und umarmt ihn. So vergegenwärtige man sich den Guru, der sich in Glückseligkeit erfreut.

Meditation über die Gurus der drei Ströme, 5.GO.1. Mit gesammeltem Sinn verehre man die Reihe der Gurus: Sie zeigt mit den Händen die Bewusstseinsgebärde und trägt eine mit süßem Trank gefüllte menschliche Schädelkappe. Sie leuchtet wie geschmolzenes Gold, trägt rote Blumen, rote Salben und Gewänder. Ihr Seitenblick ist voller Mitgefühl; ihre Augen sind rot, ihre Flechten vielfarbig. Die Scharen der Vollendeten umgeben sie.

Verneigung vor dem Guru, 5.GN.1. Verehrung jenem ehrwürdigen Guru, der mir, blind durch die Finsternis des Nichtwissens, mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe die Augen geöffnet hat.

5.GN.2 Verehrung jenem ehrwürdigen Guru, der jene Stätte gezeigt hat, die als ungeteilte Ganzheit alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt.

5.GN.3 Der Guru ist Brahmā, der Guru ist Viṣṇu, der Guru ist der Gott Maheśvara. Der Guru ist Schöpfer und Auflöser. Dem Guru sei wieder und wieder Verehrung.

Der Kuṇḍalinī-Mantra und seine Meditation

5.KM.1–5.KM.4 Vāgbhava, Bhuvaneśī und das Śrībīja bilden den dreisilbigen Mantra der Kuṇḍalinī, dem große Vollendung zugeschrieben wird. Als Seher wird Śakti genannt, als Versmaß Gāyatrī; die Gottheit ist die bewusste Kuṇḍalī-Kraft. Vāgbhava ist das Bīja, das Śrībīja ist die Śakti und Hṛllekhā der Kīlaka. Die in allen Āgamas Kundigen bestimmen seine Verwendung zur Betrachtung der Kuṇḍalinī. Durch zweimaliges Durchlaufen der drei Bījas entsteht der sechsgliedrige Nyāsa.

5.KM.5–5.KM.8 Höre aufmerksam die Meditation über Kuṇḍalī. Im Dreieck des Mūlādhāra, das wie Millionen Sonnen leuchtet, ruht sie in Gestalt einer schlafenden Schlange, dreieinhalbmal gewunden. Sie ist fein wie die Granne eines Wildreiskorns und strahlt wie Millionen Blitze. Sie leuchtet wie Millionen Sonnen und ist kühl wie Millionen Monde. Die Göttin besteht aus Śiva und Śakti und ist in der Windung eines Muschelhorns angeordnet. Auf dem Yogaweg vergegenwärtige man sich, wie sie in Gestalt des Bījas hrīṃ durch den mittleren Weg der Suṣumnā bis zu Paraśiva gelangt.

5.KM.9 Man meditiere über die höchste Ambikā: Ihr Leib ist zinnoberrot, sie besitzt drei Augen; auf ihrer Rubinkrone erstrahlt der Herr der Sterne. Ihr Gesicht lächelt, ihre Brüste sind voll. In den Händen hält sie einen mit Juwelen gefüllten Edelsteinbecher und einen roten Lotus. Sie ist sanft; ihr linker Fuß ruht auf einem Edelsteinkrug.

Die Meditation über den Kula-Guru wurde bereits zuvor beschrieben. Nun folgt der Lobpreis der Kuṇḍalī aus der Śāradā.

Lobpreis der Kuṇḍalinī

5.KS.1 Man vergegenwärtige sich Kuṇḍalī, die an der Wurzel einer erwachten königlichen Schlange gleicht, in die Suṣumnā eintritt, die Reihe der Grundlagen rasch durchbricht und wie ein aufleuchtender Blitz strahlt. Mit den Strömen göttlichen Nektars, die aus dem Mondkreis im Himmelslotus fließen, ehrt sie ihren Gemahl und kehrt in ihr eigenes Haus zurück.

5.KS.2 Die Śakti Kuṇḍalinī, Mutter von allem, tritt aus ihrer Grundlage hervor. Sie nimmt den ewigen, unendlichen, nichtzweifachen Haṃsa an der Hand und gelangt zur Wohnung Śambhus. Nachdem sie mit ihm höchstes Glück erfahren hat, kehrt sie, leuchtend wie Millionen Sonnen, in ihre eigene Wohnstatt zurück. Über diese die Welt bezaubernde Göttin soll man meditieren.

5.KS.3 Die Śakti Kuṇḍalinī, deren Leib die drei Guṇas umfasst und die einer Blitzranke gleicht, bringt das unoffenbare, herrlich strahlende höchste Abbild zur Wohnstatt Śivas. Sie schaut den Zerstörer der Städte, der in der Wurzel des Glückseligkeitsnektars weilt und wie Millionen Monde und Sonnen leuchtet; dann kehrt die erhabene Göttin in ihr eigenes Haus zurück. Über sie, die in ihren Eigenschaften makellos ist, soll man meditieren.

5.KS.4 Wir verehren die höchste Gottheit, die auf dem mittleren Weg über die Klangfülle hinausgeht, welche aus der Erschütterung durch das Zusammentreffen der beiden Winde entsteht. Im Licht steigt sie auf, hell wie Millionen Blitze, tiefrot wie frischer Hibiskus und Zinnober. Sie besteht aus dichtem Glückseligkeitsnektar und hat Paraśiva erreicht.

5.KS.5 Möge die freudige Kuṇḍalī, die auf ihren Hin- und Rückwegen behände ist, die Früchte des Yoga entfalten. Sie ist die Wunschkuh des Kula und für ihre Verehrer eine Ranke, die das Ersehnte gewährt.

5.KS.6 Man meditiere über die aus Bewusstsein bestehende Gottheit: Sie wohnt im Śakti-Bindu der Grundlage, ist fein wie eine Wildreisgranne und besteht aus ewiger Glückseligkeit. Nachdem sie die sechs Lotusse auf rechte Weise mit herabströmenden, Erkenntnis erweckenden Regenschauern höchsten Nektars getränkt hat, erhebt sie sich in der Mitte des Bogens. Ihre Schönheit gleicht einer strahlenden Bandhujīva-Blüte.

5.KS.7 Mit klarem Geist meditiere man über die erhabene Göttin, die im Sonnenkreis des Herzlotus wohnt, geschmeidig wie eine Blitzranke. Mit dem roten Licht der jungen Sonne vertreibt sie die Finsternis. Sie geht zu dem höchsten, Nāda genannten, halbmondförmig gekrümmten Prinzip. Sie ist Bewusstsein, ewig, die Gestalt der Laute und die alles durchdringende Macht des Lichtes.

5.KS.8 Mit völlig unzerstreutem Geist meditiere man über die bewusstseinsvolle Ambikā an der Stirn. Sie wetteifert mit dem Vollmond und leuchtet wie eine Kette aus Reif. Mit unermesslichem Nektar überströmt sie den Gott und erfüllt den Leib mit Freude. Sie ist die Mutter der Laute und steht da, nachdem sie mit deren Gestalt das All durchdrungen hat. [Die Vorlage liest an dieser Stelle das auffällige samvāpya; „durchdrungen“ gibt den erkennbaren Sinnzusammenhang wieder.]

5.KS.9 Möge uns heute die Göttin der Sprache ungeschmälerte Fülle schenken: Sāvitrī, die an Wurzel, Stirn und Herz in Gestalt der Laute erstrahlt; die große Herrin, deren Mitte sich unter der Last ihrer vollen, hohen Brüste neigt. In jedem Cakra ist ihr Leib reichlich mit herabfließendem Nektar getränkt.

5.KS.10 Möge Kuṇḍalinī, die Gefährtin Śivas, euch Heil entfalten. Durch Handlungen, beginnend mit dem Verschluss der Grundlage, erhoben, verehrt sie mit Nektar Śiva, den Samen der drei Wohnstätten.

5.KS.11 Aus ihrer eigenen Wohnstatt erhebt sich spielerisch die Göttin Kuṇḍalī. Auf jedem Abschnitt des Weges bringt sie die Lotusse schön zum Erblühen. Sie leuchtet wie die junge Sonne; möge sie mit dem Nektar aus Śivas Wohnstatt das eigene Licht entzünden.

5.KS.12 Möge Śambhus Gefährtin unermessliche Fülle schenken. Sie gleicht einer Masse von Zinnober und trägt die Mondsichel als Schmuck. Ihr Gesicht erstrahlt durch drei von Glückseligkeit erfüllte Augen; sie neigt sich unter der Last ihrer hohen, vollen Brüste. Sie ist das Wirkungsgefüge des körperlosen Liebesgottes.

5.KS.13 Möge die höchste Gottheit in den Herzen der drei Welten Freude schenken. Sie durchbricht die sechs Cakras, die der Reihe nach von vier, sechs, zehn, zwölf, sechzehn und zwei Lauten umgeben sind, beginnend mit den jeweils ersten Lauten und endend mit sa, samt kṣa und ha. Dort wohnen Ḍākinī und die übrigen Kräfte; Brahmā und die übrigen Gottheiten sind ihnen zugeordnet. [Die Blattzahlen werden in der Vorlage durch Zahlwörter wie „Meere“, „Richtungen“, „Sonne“, „Kalās“ und „Augen“ verschlüsselt; die knappe Angabe zu Anfang und Ende der Lautreihen wird nicht zu einer unbelegten Einzelverteilung erweitert.]

5.KS.14 Ich vergegenwärtige mir die heilvolle Göttin: Ihr Leib ist mit Windungen der Guṇas geschmückt. Rasch tritt sie aus der Grundlage hervor, durchbricht die Lotusse und ist machtvoll durch das Erwachen dichter, bewusstseinsvoller Glückseligkeit. Sie entfaltet sich durch den Nektarstrom, den der Mond des erschütterten festen Kreises ausgießt, und hat die Gestalt eines mächtigen Blitzes.

5.KS.15–5.KS.16 Im Dreieck des Mūlādhāra, das im Licht der jungen Sonne erstrahlt, vergegenwärtige man sich Kāma: Er bewegt sich dort und leuchtet wie Millionen junger Sonnen, Weltbrandfeuer und alter Monde. Er ist schön wie tausend Blitzgirlanden und wie die leuchtende Bandhujīva-Blüte. Er ist der von den drei Guṇas erfasste Bindu, die einzige Ursache des Entstehens und Vergehens der Welt. Über ihm erstrahlt sie, deren Leib wie eine Menge heller Blitze leuchtet. Entlang der Suṣumnā steigt sie bis zum Mondkreis der Stirn empor. Sie ist reines Bewusstsein, von feiner Gestalt, Ursprung der Welt und nur der inneren Vergegenwärtigung zugänglich. Als unvergleichliche Wurzel aller Wohnstätten leuchtet sie auf. Der Vers endet mit der Angabe eines durch hūṃ erhobenen Brustbereichs. [Das Satzgefüge am Ende ist unsicher; die Angabe wird nicht zu einer zusätzlichen Atemtechnik ausgestaltet.]

5.KS.17 Langsam wird sie in das Innere des abwärtsgerichteten roten tausendblättrigen Lotus geführt. Dort strömt aus dem Honig des vollen Mondkreises ein Strom von Nektar. Nachdem der hingegebene Übende den mantrahaften Nektar getrunken hat, kehre sie als dessen Ausfluss wieder in die eigene Wohnstatt ein; erneut steige sie empor, trinke und kehre zurück. [Die grammatische Verbindung von raktaḥ, „hingegeben/rot“, ist in der Vorlage nicht eindeutig.]

5.KS.18 Wer dies täglich im eigenen Inneren übt – die folgende Angabe bījaśa ist beschädigt –, überwinde Verfehlung, Alter, vorzeitigen Tod und Krankheit. Er lebe lange, mit tiefschwarzem Haar, als wäre der Liebesgott selbst leibhaftig erschienen. [Dies sind traditionelle Wirkversprechen, keine gesicherten Gesundheitswirkungen.]

Damit endet der Lobpreis der Kuṇḍalinī.

Die Betrachtung der Mūlavidyā und ihrer drei Mantragruppen

5.MV.1–5.MV.3 und Fortsetzung Als Seher der fünfzehnsilbigen Vidyā gilt der unwandelbare Dakṣiṇāmūrti, als Versmaß Paṅkti. Die Gottheit ist die ehrwürdige Mahātripurasundarī, deren Wesen das höchste Brahman ist. Vāgbhava ist das Bīja; die dritte Gruppe ist die Śakti, die mittlere Gruppe der Kīlaka. Ihre Verwendung bestimmen die in allen Āgamas Kundigen zur Erlangung der vier Lebensziele. Durch zweimaliges Durchlaufen der drei Gruppen vollziehe man die sechs Glieder. [Die Vorlage liest beim Ausdruck für die dritte Gruppe tārtoyam, eine beschädigte Form.]

5.MV.4 Möge Śambhus Gefährtin unermessliche Fülle schenken: zinnoberrot, mit der Mondsichel geschmückt, ihr Gesicht schön durch drei von Glückseligkeit erfüllte Augen, unter ihren hohen, vollen Brüsten geneigt, Wirkungsgefüge des körperlosen Liebesgottes. [Dieser Vers wiederholt 5.KS.12.]

5.KT.1–5.KT.4 und Fortsetzung Der Verständige vergegenwärtige sich die Vāgbhava-Gruppe im Mūlādhāra. Ihr Seher ist Brahmā, ihr Versmaß Gāyatrī und ihre Gottheit Vāgadhīśvarī. Der erste Laut ist das Bīja, der letzte die Śakti, die drei mittleren sind der Kīlaka. Die Verwendung zielt auf Vollendung der Sprache. Mit den Namen „Gestalt der Sprache Brahmās“, „Gestalt der Sprache Viṣṇus“, „Gestalt der Sprache Rudras“, „Gestalt der höchsten Sprache“, „Gestalt der Sprache Śivas“ und „Gestalt aller Sprache“, jeweils im Dativ und mit Vāgbhava beginnend, vollziehe der Übende den sechsgliedrigen Nyāsa.

5.KT.5 Ich verehre die lächelnde, dreiäugige Göttin der Sprache, die Sprachfülle, Glück und Wohlstand schenkt. Sie ist weiß, trägt reine Salben, Girlanden und Gewänder und strahlt mit der Mondsichel. In ihren Lotushänden zeigt sie die Lehrgebärde und hält Gebetskette, einen nektargefüllten Krug und die Vidyā. Sie sitzt auf einem Lotus und neigt sich unter ihren Brüsten.

5.KT.6–5.KT.8 Im Herzen vergegenwärtige der Verständige sich die Kāmarāja-Gruppe. Ihr Seher heißt Sammohana, das Versmaß ist Gāyatrī, die Gottheit Kāmeśī. Der erste Laut ist das Bīja, Hṛllekhā die Śakti und die vier mittleren Laute der Kīlaka. Die in allen Āgamas Kundigen bestimmen ihre Verwendung zur Vollendung des Gefügigmachens. [Die Satzstellung über zwei Verse ist gedrängt; die Zuordnung folgt ihrem Zusammenhang.]

5.KT.9–5.KT.11 Man spreche die fünf Bījas mit den Anrufungen: drāṃ, dem erschütternden Pfeil; drīṃ, dem schmelzen lassenden Pfeil; klīṃ, dem anziehenden Pfeil; blūṃ, dem gefügig machenden Pfeil; saḥ, dem berauschenden Pfeil. Danach spreche man „allen Pfeilen“. Mit diesen sechs Mantras, die mit der Kāma-Gruppe beginnen und mit namaḥ enden, lege man die sechs Glieder auf.

5.KT.12 Man meditiere über die Mutter von allem, die wie Millionen junger Sonnen leuchtet. In ihren Lotushänden hält sie eine Kristallgebetskette, einen Zuckerrohrbogen, die fünf Pfeile des Liebesgottes und die Vidyā. Sie besitzt drei Augen und trägt den jungen Mond als Kopfschmuck.

5.KT.13–5.KT.17 und Fortsetzung Im Ājñācakra vergegenwärtige sich der vortreffliche Übende die Śakti-Gruppe. Ihr Seher ist Śiva, das Versmaß Paṅkti und die Gottheit Ādiśakti. Ihr Bīja ist saḥ, die Śakti Hṛllekhā und der Kīlaka die beiden mittleren Laute. Ihre Verwendung zielt auf die vier Lebensziele. Die folgenden Kräfte werden jeweils im Dativ angerufen: Allwissenheit, ewige Erfülltheit, anfangsloses Erwachen, Freiheit, ewige Unvermindertheit und Unendlichkeit beziehungsweise ursprüngliche Kraft. Mit diesen Mantras, die der Reihe nach mit der Śakti-Gruppe beginnen und mit den Jāti-Endungen versehen sind, lege man die sechs Glieder auf; dann meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Göttin. [Die letzte Benennung anantatādiśakti lässt mehrere Worttrennungen zu.]

5.KT.18 Ich suche Zuflucht bei Tripurasundarī, der Gefährtin des Dreiäugigen. Sie weilt inmitten des Kadambawaldes, im Inneren eines goldenen Pavillons. Sie wohnt in den sechs Lotussen und ist für Götter und Vollendete wie ein Blitz. Ihr Glanz entfaltet sich wie eine Hibiskusblüte; der reine Mond ist ihr Kronjuwel.

Die Betrachtung der Nichtverschiedenheit

5.AB.1 Man vergegenwärtige sich die Brahmavidyā von der Wurzel bis zur Öffnung des Scheitels und stelle sich den eigenen Körper von der Fülle ihres Lichtes durchdrungen vor.

5.AB.2 Ich bin die Göttin und kein anderer. Ich bin wahrlich Brahman, ohne Anteil an Trauer. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit; meine Natur ist ewig frei.

5.AB.3 Du bist ich, und ich bin du; dein Leib ist reines Bewusstsein. Möge durch die Kraft des Gebotes der Unterschied zwischen uns beiden vergehen, o Göttin.

5.AB.4 Ich habe das furchtbare Werden überquert; nichts bleibt mir zu tun. Dennoch, Mutter, gib mir den Auftrag, dir wohl zu dienen.

5.AB.5 Nachdem ich dich mit einem im Samādhi ruhenden Geist als Bewohnerin der neun Grundlagen betrachtet habe, werde ich morgens aufstehen und dir zuliebe den Weg des Weltlebens weitergehen.

5.AB.6 Ich suche Zuflucht bei der linken Hälfte des großen Herrn, deren Fußspangen lieblich klingen: bei der Wurzel der Welt, die zugleich die Wurzel aller Worte ist.

Lobpreis der Hauptgottheit

5.ST.1 Mutter, was wurde im Herzen der hingebungsvollen Menschen nicht alles bewirkt durch den Dienst zu Füßen deines Fußlotus – durch Dienste wie nektargefüllte Regenschauer des Heils, wie glückverheißende Leuchten bei der freien Wahl durch Lakṣmī?

5.ST.2 Nur dies, Mutter, ist begehrenswert: Bei der Verneigung vor dir, wenn Tränen die Augen verhüllen, die Nähe deiner Gestalt zu erfahren, die dem aufgehenden roten Lotus gleicht und von höchstem Nektar überströmt ist.

5.ST.3 Wie viele gibt es, Brahmā und andere, die Anteil an Herrschaft haben und doch in jedem Weltalter von der Auflösung überwältigt werden? Nur derjenige, Mutter, besitzt bleibende Vollendung, der sich auch nur einmal vor deinen Füßen verneigt. [Die Form sukṛt der Vorlage wird hier im Zusammenhang als „einmal“ verstanden; sie ist auffällig.]

5.ST.4 Tripurasundarī, wer auch nur einmal deinen Seitenblick empfängt, dessen Schönheit von Mitgefühl erblüht, wird durch Hingabe an dich lieblich wie der Liebesgott und bezaubert die jungen Frauen in den drei Welten.

5.ST.5 Mutter, Bewohnerin des Dreiecks, dreifache, dreiäugige Göttin: Die Veden verkünden hrīṃ als deinen Namen. Wer sich dessen erinnert, lässt die Furcht vor Yamas Dienern und den übrigen Schrecken zurück und erfreut sich mit den Welthütern im Nandana-Garten.

5.ST.6 Wie könnte die Gewalt des Giftes, das die Kehle des Städtezerstörers erfüllt, vernichtend werden? Denn, Mutter, deine Hälfte seines Leibes, stets nektarüberströmt und kühl, dient ja seiner Beruhigung.

5.ST.7 Die Verneigung vor deinen Lotusfüßen, Göttin, bringt Allwissenheit und Redegewandtheit in der Versammlung hervor. Sie gewährt außerdem eine strahlende Krone, einen glänzenden Sonnenschirm, zwei Wedel und ein großes Reich.

5.ST.8 Tripurasundarī, Mutter, schaue mit deinen Seitenblicken auf mich, den Schutzlosen. Sie gleichen Wunschbäumen im Gewähren des Ersehnten und Ozeanen des Mitgefühls. Mein Herz ist allein dir hingegeben, mein Blick auf dich gerichtet.

5.ST.9 Andere richten ihren Geist auf andere und verehren geringe Gottheiten. Ich aber erinnere mich im Herzen allein an dich, Göttin. Dich allein preise ich; du allein bist meine Zuflucht in der Welt. [Die abwertende Gegenüberstellung gehört zur ausschließlichen Hingabe dieses Hymnus.]

5.ST.10 Auch wenn es viele Ziele für deine Blicke gibt, Tripurasundarī, schaue doch irgendwie auf mich. Gewiss ist niemals ein Mensch geboren worden, wird keiner geboren und wird keiner geboren werden, der ebenso sehr wie ich einzig deines Mitgefühls bedarf. [Die Vorlage liest bhayāpi; der Vergleichssinn ist erkennbar, die genaue Lesung unsicher.]

5.ST.11 Was wäre hier schwer erreichbar für Menschen, die täglich hrīṃ hrīṃ wiederholen, o Bewohnerin Tripurās? Lakṣmī selbst, die honigsüße, dient ihnen, die mit Girlanden, Kronen und brünstigen Elefanten geehrt werden.

5.ST.12 Lotusäugige Mutter, mögen die Verneigungen vor dir, die Fülle hervorbringen, alle Sinne erfreuen, königliche Herrschaft verleihen und die Menge der Verfehlungen beseitigen, unablässig mich erfüllen, keinen anderen.

5.ST.13 Wenn der Gott mit der zerbrochenen Axt, der höchste Bhairava, beim Ende des Weltalters seinen Auflösungstanz vollzieht, triumphiert allein deine Gestalt als Zeugin: mit Schlinge, Stachelstock, Zuckerrohrbogen und Blumenpfeilen.

5.ST.14 Mutter, möge dieses dein höchstes Licht stets gegenwärtig sein: tiefrot von reichlicher Safranpaste, mit strahlender Krone und Mondsichel geschmückt, in der Mitte des Dreiecks aufgehend und von höchstem Nektar benetzt.

5.ST.15 Dein Ort ist hrīṃ, ebenso deine Gestalt und dein Name, schöne Göttin, die du im Lotus wohnst. Durch dein Licht wandelt sich die ursprüngliche Wurzel der Welt. Möge es die Verbindung mit der Lotusvereinigung entfalten. [Der letzte Ausdruck sarasīruhasaṅgama bleibt in dieser Vorlage mehrdeutig; eine glattere Deutung wäre nicht textlich gesichert.]

Unnummerierter Schlussvers nach 5.ST.15. Mutter, wer als Mantrakenner täglich vor dir diesen Hymnus wiederholt, der durch den großen, von dreimal hrīṃ umschlossenen Mantra entflammt ist, dem würden die Könige der Erde gefügig. Lakṣmī bleibe bei ihm; seine Rede sei wach und reich an makellosen Aussprüchen, sein Leib von langer Dauer. [Ein nummerierter Vers 16 steht in der Vorlage nicht.]

Damit endet der Lobpreis.

Bitte an die Erde, 5.ST.17. Göttin, deren Gürtel das Meer und deren Brüste die Berge sind, Gemahlin Viṣṇus: Ich verneige mich vor dir. Verzeihe mir die Berührung durch meine Füße.

Reinigung, Mundpflege und Bad

Reinigung, 5.R.1. In den Dämmerungszeiten und tagsüber richte man sich bei der Ausscheidung nach Norden, nachts dagegen nach Süden, und trage die heilige Schnur in Nivīta-Stellung. Die Verrichtung soll außerhalb des Wassers geschehen. Danach verwende man Erde einmal am Geschlechtsorgan, fünfmal am After, zehnmal an der Hand und siebenmal an beiden Händen. Dies gilt für den Hausvater; beim Gelübdeübenden, Waldbewohner und Asketen steigen die Zahlen auf das Doppelte und entsprechend weiter. Nachts gilt die Hälfte. [Es handelt sich um historische Reinheitsregeln.]

5.KA.1–5.KA.2 und Fortsetzung Als Seher des Śrīkāma-Mantras gilt Sammohana, als Versmaß Gāyatrī, als Gottheit Śrīkāma. Kāmarāja ist das Bīja, namaḥ die Śakti, „dem von allen Menschen Geliebten“ der Kīlaka. Mit Kāmarāja in den sechs langen Vokalformen lege man die sechs Glieder auf.

5.KA.3 Ich verehre den Hibiskusroten, mit Edelsteinschmuck reich Gezierten, dessen Banner einen Fisch trägt. Sein Leib ist schön gesalbt; in den Lotushänden hält er Stachelstock, Zuckerrohrbogen, Blumenpfeile und Schlinge.

5.KA.4–5.KA.5 Nach dieser Meditation spreche man das Kāma-Bīja und „dem Liebesgott, dem von allen Menschen Geliebten“, gefolgt von der Hṛd-Endung. So wird der Kāma-Mantra angegeben. Mit ihm bespreche man das Zahnputzhölzchen achtmal, reinige die Zähne und spüle den Mund.

5.KA.6 Danach vergegenwärtige man sich Śrīvidyā an der Scheitelöffnung und vollziehe die Mundspülung mit den vier großen Lakṣmī-Mantras.

5.KA.7–5.KA.9 Am Ufer angekommen, nehme man rituell Wasser zu sich und fasse achtsam den Entschluss: „Überaus Scharfer, Großleibiger, dem Weltendfeuer Gleicher, Bhairava, dir sei Verehrung. Gewähre mir die Erlaubnis.“ In Erinnerung an Bhairavas Zustimmung vollziehe man zuerst das vedische Bad, danach das tantrische gemäß dem im Mantra beschriebenen Weg. Man vergegenwärtige sich das Śrīcakra im Wasser und ziehe die heiligen Wasserstätten aus dem Sonnenkreis herbei.

5.KA.10 „O Sonne, die heiligen Wasserstätten des Welteies wurden von deinen Strahlen berührt. Kraft dieser Wahrheit gib mir, o Gott, o Tagesschöpfer, das heilige Wasser.“ [Der überlieferte Ausdruck brahmāṇḍorada ist beschädigt.]

5.KA.11–5.KA.12 Mit der Stachelstock-Mudrā ziehe man die heiligen Wasser herbei und vereinige sie. Man meditiere über die Göttin in Gestalt der Gaṅgā, wiederhole den Wurzelmantra und übergieße den eigenen Kopf siebenmal mit der Kumbha-Mudrā, begleitet von den Ṛg-Versen, die mit Jātavedas beginnen, und dem Wurzelmantra.

5.KA.13–5.KA.14 Man vereinige die Göttin mit dem eigenen Herzen und entlasse die heiligen Wasser an ihren Ort. Am Ufer bringe man das Trankopfer dar: „Das Wasser habe ich durch die Unreinheit meines Körpers verunreinigt. Zur Reinigung von dieser Verfehlung sättige ich Yakṣman.“ Danach nehme man zwei reine Gewänder.

Damit endet das Bad. Nun folgt das Anlegen der heiligen Asche.

5.KA.15 und Fortsetzung Man lege Asche in die Hand, bespreche sie mit den fünf Tārās, mit den bei „Feuer“ beginnenden Mantras und mit den Īśāna-Mantras. Danach trage der Mantrakenner sie allein mit der Mūlavidyā auf.

Damit endet das Anlegen der Asche. Nach der vedischen Sandhyā vollziehe man die tantrische Sandhyā.

Die tantrische Sandhyā

5.TS.1–5.TS.3 Der Mantra lautet nach seiner Wortanordnung: maṇidhāriṇi vajriṇi mahāpratisare rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā – „Juwelenträgerin, Vajraträgerin, große Beschützerin, beschütze, beschütze!“ Mit ihm binde der Verständige den Haarschopf. Gesammelt vollziehe er mit den drei Mantragruppen dreimal das rituelle Trinken; die Endungen nennen die drei Prinzipien: „dem Vidyā-Prinzip“, „dem Śiva-Prinzip“, „dem Māyā-Prinzip“, jeweils mit svāhā.

5.TS.4–5.TS.6 Nach Atemregulierung und Entschluss vergegenwärtige man sich vor sich im Wasser das Śrīcakra. Wie zuvor rufe man durch die Mudrā die heiligen Wasser aus der Sonne herbei und zeige die Anrufungs- und weiteren Mudrās. Man nehme Wasser in die rechte Hand, bedecke es mit der linken und bespreche es einmal der Reihe nach mit den Lauten der fünf Elemente.

5.TS.7–5.TS.9 Man gieße das Wasser in die linke Hand und reinige mit den Vokalen den Kopf durch die von ihrem Rücken abfließenden Tropfen. Dann nehme man Wasser in die rechte Hand, bespreche es mit der Mūlavidyā sowie den Verschlusslauten von ka bis ma, jeweils mit svāhā, und trinke es. Erneut gieße man Wasser in die rechte Hand, bespreche es wie zuvor, lege es in die linke und reinige sich mit den aus ihrem Rücken austretenden Tropfen.

5.TS.10–5.TS.11 Dies geschieht mit den durchdringenden Lauten von ya bis kṣa. Dann ziehe man das Wasser durch Iḍā nach innen und wasche damit die Befleckung des Körpers aus. Durch den Piṅgalā-Weg gebe man das nun schwarz vorgestellte Wasser wieder aus und schleudere es unter Aussprache des Astra-Mantras auf einen flammenden Vajrastein. [Die Beschreibung verbindet das äußere Wasser mit einer inneren Reinigungsvergegenwärtigung.]

5.TS.12–5.TS.14 Danach wasche man beide Hände, vollziehe Ācamana, nehme Wasser in die gefalteten Hände, erhebe sich und werfe es mit der Gāyatrī der Sonne entgegen. Nach drei solchen Arghya-Gaben setze man sich und sättige die Göttinnen der Umkreise des Śrīcakra in der vorgeschriebenen Weise. Mit fünfundzwanzig Wiederholungen des Wurzelmantras sättige man die eigene erwählte Gottheit, vollziehe Ācamana und dreimal Atemregulierung mit der Gāyatrī.

5.TS.15–5.TS.17 Der Seher der Gāyatrī ist Brahmā, ihr Versmaß Gāyatrī und ihre Gottheit Gāyatrī. Durch zweimaliges Durchlaufen ihrer drei Versglieder lege man die sechs Glieder auf. Dann meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Göttin: Sie trägt eine Krone voller strahlender Edelsteine und die leuchtende Mondsichel, glänzt wie frisch erhitztes Gold und hat die Gestalt des Sonnenkreises. Sie hält Schlinge und Stachelstock und zeigt Furchtlosigkeit und Wunschgewährung.

Drei Tageszeiten nach dem Kulārṇava

5.KU.1–5.KU.4a Morgens verehre man die Sandhyā zur Verwirklichung von Dharma, Wunsch und Wohlstand. Im Wurzel-Lotus mit den Lauten va bis sa meditiere man über das rote Bīja hrīṃ, von Licht umhüllt. Man führe es nach außen und vergegenwärtige es im Sonnenkreis als die rote, dreiäugige, vierarmige Göttin. Inmitten des Feuerkreises besitzt sie die Gestalt eines jungen Mädchens und trägt Buch und Gebetskette; sie zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Über die Mutter, die der jungen Sonne gleicht, meditiere man so und wiederhole den Mantra.

5.KU.4b–5.KU.6 Mittags meditiere man im Anāhata-Lotus mit den Lauten ka bis ṭha über das weiße Bīja hrīṃ und führe es wie zuvor nach außen. Die Göttin befindet sich inmitten des Sonnenkreises, ist dreiäugig, weiß und in voller Jugend. Sie trägt Rad, Muschel, Lotus und Keule. So meditiere man über Jyeṣṭhā und wiederhole den Mantra.

5.KU.7–5.KU.9 Abends meditiere man im zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen, mit ha und kṣa, über das schwarze Bīja hrīṃ und führe es wie zuvor nach außen. Im Mondkreis steht die schwarze, vierarmige Göttin. Sie zeigt Furchtlosigkeit und trägt Dreizack und Schädelgefäß; dazu kommt die drohende Zeigefingergeste. Mit drei Augen und vielfältigem Schmuck vergegenwärtige man sich die vielgestaltige Raudrī und wiederhole den Mantra. [Die Vorlage verteilt die Attribute nur knapp auf die linken und rechten Hände.]

5.KU.10–5.KU.12 Man spreche die acht Bījas, dann die Vāgbhava-Gruppe und „Wir erkennen Vāgīśvarī“; danach die Kāma-Gruppe und „Wir meditieren über Kāmeśvarī“; danach die Śakti-Gruppe und „Möge jene Śakti uns anregen“. Man spreche die fünf Bījas. So wird diese Gāyatrī angegeben. Danach wiederhole man die Mūlavidyā und bringe sie mit der bei guhyāti beginnenden Formel dar.

Damit endet die Sandhyā-Ordnung. Die kurze Sandhyā wird in einem anderen Tantra so beschrieben: „Am Abend, Morgen und Mittag meditiere man über die Göttin und wiederhole den Mantra.“ Die dreimalige Sandhyā gilt damit als erforderlich.

Versäumte Sandhyā und Eintritt in den Verehrungsraum

Im Kulārṇava heißt es ferner:

5.VS.1–5.VS.3 Die Sandhyā soll nicht ausgelassen werden; so lautet Śambhus Gebot. Ein Eingeweihter ohne Sandhyā erlangt nicht die Frucht der Einweihung. Wer sie nicht vollzieht, gilt als abgefallen und soll zur Zeit der nächsten Sandhyā zehnmal die Sautrakaṇṭakī-Vidyā wiederholen. Nach dem sechsgliedrigen Mantra meditiere er über Sautrakaṇṭakī, die höchste Herrin mit sechs Gesichtern, zwölf Armen und drei Augen.

5.VS.4–5.VS.5 Oberhalb der Kehle ist sie weiß, unterhalb der Kehle gelb und von der Hüfte bis zu den Füßen blau. Man vergegenwärtige sie als Sechzehnjährige mit rotem Leib, in aller Pracht geschmückt. Sie ist von Gold- und Edelsteinglanz umgeben; die anschließende Angabe maṇḍitābhiḥ (li) sahasrikām ist beschädigt und nicht sicher zu übersetzen. [Die rote Gesamtfarbe und die vorherigen regionalen Farben stehen nebeneinander in der Quelle.]

5.VS.6–5.VS.8 Sie befreit von allen Verfehlungen und sitzt auf einem roten Löwenthron. Darüber befindet sich ein weißer Lotus mit weißen Staubfäden; darauf sitzt die Göttin, geschmückt mit den Eigenschaften der drei Abschnitte. Ihre Edelsteinkrone erstrahlt; sie ist göttlich, ununterbrochen gegenwärtig und von Nāda erfüllt. Die große Göttin hat ein lächelndes Gesicht und geht zum südlichen Aufgang, zur großen Samaya-Verehrung und stets zum ungeteilten Zustand. [Die letzten Richtungs- und Zustandsangaben sind im Original sehr knapp und bleiben deutungsbedürftig.]

5.VS.9–5.VS.11 Nach den fünf Praṇavas und Vāgbhava folgen die Wörter paraduṣkara, karmacchedanakāri, aghore, varade, vicce, māyā, trailokyarūpe, sahasraparivartinī, mātṛgaṇe, dann hasrūṃ und die fünf Praṇavas. Man wiederhole diesen Mantra zur Aufhebung der als schwer bezeichneten Verfehlung einer versäumten Sandhyā. [Die sinntragenden Anrufungen nennen das Abschneiden schwerer Handlungen, die Nichtfurchtbare, die Wunschgewährende, die Gestalt der drei Welten und die Mütterschar. Die uneinheitlichen Kasusformen werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Rezitationsfassung geglättet.]

5.VS.12 und Fortsetzung Nach zehn Wiederholungen wiederhole man vorschriftsmäßig den Wurzelmantra. Selbst zu Licht geworden, mit der Mūlavidyā im Herzen, nehme man Wasser für die Verehrung und betrete den Opferpavillon.

Im Jñānārṇava heißt es:

5.JA.1–5.JA.3 und Fortsetzung Der Verehrende trägt festlichen Schmuck; sein Leib ist mit Kampfer, Safran und reichlichem Moschus gesalbt und von Kuṅkuma gerötet. [Das letzte Wort von Vers 1 ist in der Quelle ausdrücklich beschädigt.] Er ist mit neun Arten von Edelsteinen geschmückt, trägt rote Gewänder, sein Mund ist vom Betel gerötet und sein Geist von Liebesfreude erfüllt. Er betrete das Verehrungshaus, das mit Lacksaft bemalt, von vielfältigem Räucherwerk erfüllt und voller Blumen ist. Der Boden ist mit Kuhdung bestrichen und mit schönen Blumen geziert.

In der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā heißt es:

5.DM.1–5.DM.2 Nun begebe man sich zum Verehrungshaus, das mit Schmuck versehen, durch vielerlei Bilder schön und am Boden mit Kuhdung bestrichen ist. Oben strahlt ein Blumenbaldachin; Räucherduft erfüllt den Raum. Reihen von Lampen machen ihn lieblich, verstreute Blüten lassen ihn leuchten.

Damit ist der Verehrungspavillon beschrieben.

5.DM.3–5.DM.5 und Fortsetzung Der Lehrer besprenge den Sitz mit Wasser unter dem Mantra oṃ vajrodake huṃ phaṭ svāhā und nehme darauf Platz. Dann wasche er Hände und Füße mit dem Mantra, der Praṇava, Māyā und die folgenden Worte verbindet: „Reine, stille alle Verfehlungen und beseitige jegliche gedankliche Unterscheidung, hūṃ.“ Mit oṃ hrīṃ svāhā vollziehe er dreimal Ācamana, nehme im Hof Platz und führe die Sonnenverehrung vorschriftsmäßig aus.

Im Kulārṇava: „Nach Osten gewandt, im östlichen Hof, verehre man Mārtaṇḍabhairava.“

Die Verehrung der Bewusstseinssonne

Im Śambhunirṇaya heißt es:

5.SN.1–5.SN.3 Diese Sonnenverehrung wird zur Vollendung der vier Überlieferungslinien beschrieben. Mit diesem Verständnis nehme man zur Verehrung der Bewusstseinssonne auf einem bequemen Sitz Platz, im Westen nach Osten gewandt, auf ebenem, glattem Boden. Links steht das allgemeine Arghya. Man spreche die fünf Praṇavas und vollziehe das Herausbilden des Maṇḍalas. Die Figur ist fünf Finger breit, viereckig, mit einem Sechseck und einer aufwärtslaufenden Linie. [Die Vorlage enthält bereits die Lesungsalternative maṇḍaloccā (ddhā) raṇaṃ.]

5.SN.4–5.SN.6 und Fortsetzung Darauf stelle man ein durch den Astra-Mantra gereinigtes Gefäß samt Unterlage und fülle es mit Wasser. Unterlage, Gefäß und Wasser werden mit den Bījas von Feuer, Sonne und Mond und mit der entsprechenden inneren Vergegenwärtigung bereitet. Mit dem zweiten Praṇava, in den sechs langen Vokalformen, vollziehe der Lehrer den Gliedernyāsa und stelle das Muschelhorn auf. Vor sich errichte er mit der Hand der jeweils fließenden Atemseite, mit Moschus, Sandelholz und anderem, das Sonnenmaṇḍala unter dem folgenden Mantra.

Eingefügter Mantra, in der Quelle erneut „5-5“. Die sinntragende Anrufung lautet: „Du birgst Mond, Sonne und Feuer; erstrahle, erstrahle! Bewirke die Erlangung von Dharma, Wohlstand, Wunsch und Befreiung! Offenbare die große Khecarī-Mudrā! Auf Śambhus Gebot gib den vier Überlieferungsströmen Vollendung, Fähigkeit und Weiteres!“ Die folgenden Klangwörter bleiben unübersetzt. Vollständige überlieferte Form:

aiṃhrīṃśrīṃ hasakhaphreṃ hasauḥ candrasūryāgnigarbhaṃ sphurasphura dharmārthakāmamokṣalābhaṃ kurukuru mahākhecarīmudrāṃ prakaṭayaprakaṭaya śāmbhavājñayā caturanvayānāṃ siddhisāmarthyādi dadadada kicakica kilakila phreṃ maṇḍalabrahmāṇḍamaṇḍala hasrūṃ mahācaṇḍaśive sahaphreṃ ||

5.SN.7–5.SN.8 und Fortsetzung Mit diesem Mantra verehre man das Maṇḍala mit Kreis, achtblättrigem Lotus und Viereck und stelle es vor sich. Der Verständige zeichne die Figuren für allgemeines und besonderes Arghya. Rechts errichte er für das Sonnen-Arghya ein viereckiges Maṇḍala, stelle darauf die Unterlage und verehre sie mit: aiṃ pātrāsādanāya namaḥ aiṃ – „Verehrung dem Aufstellen des Gefäßes“. Das mit dem Astra-Mantra gewaschene und beräucherte Gefäß werde daraufgestellt: klīṃ. [Auch diese eingeschobene Anweisung trägt in der Vorlage die Nummer „5-5“.]

5.SN.9–5.SN.10 Mit reinem Wasser und dem Bīja hauṃ, verbunden mit den sechs langen Vokalen, verehre man das Arghya. Man füge acht Duftstoffe hinzu, verehre mit roten Blumen, bestimme mit dem Astra-Mantra den Schutz und vergegenwärtige das eigene Selbst.

5.SN.11–5.SN.12 In der Mitte des achtblättrigen Lotus meditiere man über Ananta in Gestalt eines liegenden Leichnams und verehre ihn mit aṃ anantāya namaḥ aṃ – „Verehrung Ananta“. Man vergegenwärtige sich den weißen Herrn der Schlangen, der seinen Leib zum Ruhebett und seine drei Hauben zum Schirm gemacht hat, und verehre ihn. Danach verehre man der Reihe nach die Ecken von Feuer, Īśāna, Nirṛti und Wind.

Die zugehörigen Formeln rufen Prabandhanātha, die dreifache Gestalt, den Verehrungswürdigen und das höchste Glück an:

hūṃhūṃphreṃ prabandhanāthāya hūṃhūṃhaṃ | yaṃraṃlaṃ trimūrtaye | yaṃ ārādhyāya yaṃ | haṃ paramasukhāya haṃ | haṃ

5.SN.13 und Fortsetzung Man vergegenwärtige sich im kleinen inneren Raum das rote Bīja hrīṃ, führe es durch die fließende Atemöffnung nach außen und rufe es auf den aus Ananta gebildeten Leichnamsitz. In Gestalt dieses Bījas meditiere man über Mārtaṇḍabhairava.

5.SN.14–5.SN.17 Er ist rot, von kräftigem Leib, mit sechs Gesichtern, aufgerichtetem Haar und zwölf Armen. Schlangen, Knochen und Edelsteine schmücken ihn. Er ist zornig, mit erhobenem Glied, von flammenden Strahlen erfüllt; er trägt ein Tigerfell und eine Schädelgirlande. Huṃ huṃ ausstoßend, vernichtet er die großen Verschlinger. Seine Hände tragen Dreizack, Klinge, Rad, Schwert und Stachelstock und zeigen Wunschgewährung; hinzu kommen Drohgebärde, Aśoka, Keule, Bogen, Schlinge und Furchtlosigkeit. Der Übende zeige die Anrufungs- und übrigen Mudrās und verehre ihn. [Klinge und Schwert werden beide genannt; aśoka wird ohne unbelegten Austausch als Attribut beibehalten.]

5.SN.18–5.SN.19 Mit hrām und den folgenden Formen vollziehe man den Gliedernyāsa an Mārtaṇḍabhairava und bringe dann eine Handvoll Blumen samt Arghya und Mantra dar:

hrauṃ hasrauḥ śrīkulamārtaṇḍabhairavāya hrauṃ hasrauḥ ||

Danach besprenge man sich, wiederhole erneut den Mantra und werfe eine Handvoll Blumen für Savitṛ, den Zeugen von allem. Der Blumenopfermantra lautet:

hasrauḥ kṣrauṃ hasrauḥ phaṭ khaphreṃ bhāṃ phaṭ hasrauḥ kṣoṃ hasrauḥ phaṭ khaphreṃbhāṃ |

5.SN.20–5.SN.21 Man bilde die Dreizack- und Drohfinger-Mudrās sowie die dreifach bezeichnete und die Hirsch-Mudrā und zeige sie mit den Fingern. Auf den acht Blättern von Osten an und in der Mitte verehre man die neun Kräfte und auch die Bhairavas, deren heftiger Glanz mit Dreizack und Drohfinger dargestellt wird. [Der genaue Bezug des maskulinen Ausdrucks caṇḍarociṣam ist im Satzgefüge unsicher.]

Die Kräfte werden mit ihren Bījas angerufen:

jūṃ jvālāyai jūṃ | kṣāṃ mitrīśāyai kṣāṃ | huṃphaṭ caṇḍālinyai huṃphaṭ | sauḥ bhīṣaṇāyai sauḥ | aiṃ nārasiṃhāyai aiṃ | hrīṃ kamalādevyai hrīṃ | phreṃ mārtaṇḍāyai phreṃ | phreṃ kapālinyai phreṃ | sauḥ kaulinyai sauḥ ||

Dies sind Jvālā, Mitrīśā, Caṇḍālinī, Bhīṣaṇā, Nārasiṃhā, Kamalādevī, Mārtaṇḍā, Kapālinī und Kaulinī. Danach die Bhairava-Mantras: phreṃ caṇḍāya phreṃ, ebenso für Viśveśa, Mahādeva, Mahākāla, Gabhastīśa, Caṇḍeśa, Taijasa und Mārtaṇḍa. [Vor dieser Liste steht in der Vorlage ein abgebrochenes „5-“ ohne Versnummer.]

5.SN.22–5.SN.24 Man bilde die Khecarī-Mudrā, vollziehe die als Auflösungs- und Genussglieder bezeichneten Schritte sowie hrām und die folgenden Formen und verehre mit Dūrvā-Gras, roten Blüten, Räucherwerk, Licht und Speisegabe. Den Arghya-Mantra wiederhole man nach Vermögen und bringe damit auch die Wiederholung dar. In den zuvor genannten Arghya-Mantra füge man ein: „Bewusstseinssonne im Herzlotus, brenne, brenne“, gefolgt von kaha kahātmānam. [Diese Schlussfolge ist nicht sicher zu deuten und wird nicht korrigiert.]

5.SN.25–5.SN.26 und Fortsetzung Nach der Darbringung von Arghya, Speise und Licht-Arghya zeichne man links außerhalb ein viereckiges Maṇḍala. In einem Gefäß mit Unterlage verehre der Lehrer dort vorschriftsmäßig Paśumārtaṇḍabhairava mit dessen eigenem Mantra und übergebe ihm sämtliche zurückbleibenden Opfergaben:

hrāṃhrīṃsaḥ paśumārtaṇḍabhairavāya |

Damit endet die Sonnenverehrung.

Meditation über den Verehrungspavillon

5.SN.27–5.SN.32 Nun folgt die Verehrung des Pavillons, zunächst seine Meditation. Im Nektarmeer, auf der Juweleninsel, vergegenwärtige man sich den Nandana-Wald. Er ist geschmückt mit Campaka, Aśoka, Punnāga, Pāṭala, Lavaṅga, Mālatī, Bilva, Devadāru und Nameru; mit schön blühenden Wunschbäumen wie Mandāra und Pārijāta; mit Sandelholz, Karṇikāra, Mātuluṅga, Vañjula, Granatapfel, Lakuca, Aṅkāla, Betelpalmen und Kurubaka. Bananenstauden, Kunda, Mandāra und Kokospalmen schmücken ihn, ebenso andere Baumgruppen voller duftender Blüten. Mālatī, Mallikā, Jātī, Ketaka, hundertblättrige Blumen, Pārantī, Tulasī, Nandyāvarta und Damanaka erstrahlen mit Blüten aller Jahreszeiten. Sanfter Wind verteilt ihren Duft in alle Richtungen. [Die seltenen Pflanzennamen werden ohne unsichere botanische Gleichsetzung beibehalten.]

5.SN.33–5.SN.38 In seiner Mitte erhebt sich der Berg Meru, dessen Wesen höchstes Licht ist. Dort liegt ein großer See, geschmückt mit immer blühenden Kumuda, Utpala und Paṅkaja, mit duftenden Wasserblumen, Kahlāra und frischen Kuvalaya. Schwäne, Sārasas, Kāraṇḍas, Bienen, Cakravāka-Vögel und weitere laut rufende Vögel beleben ihn. Auf einer reizenden Sandbank in seiner Mitte vergegenwärtige man sich den großen Wunschbaum, rings von Pārijāta umgeben. Er steht in einem Nīpa-Hain, blüht mit vielerlei Blumen und trägt Früchte aus vielfältigen Edelsteinen. Die drei Welten ruhen in seinem Schatten. Sein Edelsteinglanz rötet den Boden; aufgehende Sonne und Mond erhellen den Horizont. Die sechs Jahreszeiten dienen ihm; unablässig mehrt er die Freude.

5.SN.39–5.SN.44 Immer wieder überströmt er den Pavillon mit Honig, der höchster Nektar heißt. Unter ihm liegt eine große, ganz aus Rubinen gebildete Plattform, von diamantener Umfriedung erhellt und hundert Yojanas weit. In ihrer Mitte stelle man sich den leuchtenden Pavillon mit Juwelenboden vor: hell wie die aufgehende Sonne und kühl wie der Mond, mit vier Toren und goldener Umfriedung, mit acht edelsteingeschmückten Türflügeln. Hohe Tortürme und Torbögen bestehen aus neun Arten von Edelsteinen. Reihen von Fahnen hängen an goldenen Stangen; Säulenreihen sind mit neun Edelsteinarten besetzt. Lichtkreise mit tausend Lampen leuchten; Fenster aus geläutertem Gold machen ihn schön.

5.SN.45–5.SN.48 Er ist mit vielfarbigen Stoffen und goldenen Spitzen, mit Wimpeln und Glöckchengirlanden geschmückt. Reihen goldener Krüge und vielfältige Bilder zieren ihn. Weite Baldachine aus Gold, mit Edelsteinen besetzt, mit Girlanden aus Rubinen, Edelsteinen, Katzenaugensteinen und Gold, dazwischen verbundenen, reizenden Juwelen und vielfältigen Farben, verschönern den Raum. Sein goldener Boden, mit allen Edelsteinen besetzt, strahlt.

5.SN.49–5.SN.52 Den Boden schmücken Ketakī, Mālatī, Jātī, Campaka, Utpala, Kesara, Mallikā, Tulasī, Yūthī, Nandyāvarta, Kadamba und weitere Blüten. Ebenen mit Edelsteintreppen sind angelegt. Candra, Safran, Moschus, Mṛganābhi, Tamāla, Sandelholz, Aguru und Kampfer erfüllen die Himmelsrichtungen. Blumenketten und Perlenreihen machen den Raum lieblich; Kampferlampen und Rubinlampen leuchten. [Der Name candra wird hier innerhalb der Duftstoffliste ohne sichere botanische Festlegung beibehalten.]

5.SN.53–5.SN.56 Wunschbäume begrenzen ihn, innen befindet sich eine Edelsteinplattform. Auf einem Juwelenthron ist das ehrwürdige Śrīcakra angebracht. Dort thront Mahātripurasundarī selbst. Ihre beiden Lotusfüße werden von Indra und den übrigen Götterscharen, von Brahmā, Viṣṇu, Śiva, von vielen Yoginī-Scharen und den Waffengottheiten verehrt. Der Pavillon erfüllt alle Wünsche und den Wunsch nach Befreiung, wird von Wellen gesammelten Nektars bewegt und ist von vielerlei Räucherduft erfüllt. So vergegenwärtige ihn sich der Verständige.

5.SN.57 Man stelle sich selbst mit unzerstreutem Geist in diesem Pavillon vor, ausgestattet mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften, und erkenne: „Ich bin Bhairava.“

Damit endet die Meditation über den ehrwürdigen Pavillon.

Die Verehrung der Tore

Unnummerierter Kommentar. Der Übende tritt durch das Osttor der goldenen Umfriedung ein und geht, rechtsherum umschreitend, zum Westtor des Juwelenpavillons. Von dort umschreitet er den Pavillon rechtsherum, tritt durch dessen Westtor ein und verehrt die Göttin. In dieser Ordnung geschieht auch die Torverehrung. Ist eine Umfriedung vorhanden, beginnt er an deren Tor; fehlt sie, am Westtor des Verehrungspavillons. Fehlt auch ein Pavillon, steht er an einer geeigneten Stelle im westlichen Teil des mit Kuhdung bestrichenen Verehrungsplatzes. Er bereitet das allgemeine Arghya, stellt sich die beschriebenen Bereiche vor und verehrt sie der Reihe nach.

Im Nektarmeer, das zehn Millionen Yojanas weit ist, liegt eine ebenso lange und breite, höchst wunderbare Insel aus neun Edelsteinarten, strahlend wie tausend Sonnen. In ihrem mittleren Drittel liegt der Nandana-Garten namens Madanonmādana, voller Blumenranken, mit einem Kadambawald im Inneren. In dessen mittlerem Drittel steht der ehrwürdige Pavillon, hell wie zehn Millionen Sonnen, von leuchtender goldener Umfriedung umgeben, mit duftenden Torbögen und Toren, mit vielen Edelsteinen geschmückt. Ringsum drängen sich Indra und die anderen, die zum Dienst gekommen sind. Nach dieser Vergegenwärtigung besprenge man ihn mit dem Wasser des allgemeinen Arghya und verehre ihn der Reihe nach mit Blumen und Wasser.

Die folgenden Anrufungen bedeuten jeweils „Verehrung …“: dem Nektarmeer, der Insel aus neun Edelsteinarten, dem Nandana-Garten und der goldenen Umfriedung. [Die Vorlage stellt diesen und vielen folgenden Formeln die Ziffer „4“ voran; sie wird hier als Kürzungszeichen der Vorlage verstanden und nicht ohne Beleg zu einer Klangfolge erweitert. Die häufige Kürzung pā0 steht im Kontext für die Pādukā-Verehrung.]

An den südlichen und nördlichen Türpfosten sowie oben und unten verehre man: gāṃ, die Pādukā Gaṇeśas; kṣāṃ, die Pādukā Kṣetrapālas; dvāṃ, die Pādukā der Dvāraśrī; deṃ, die Pādukā der Dehalīśrī. Die ausgeschriebene Schlussformel lautet jeweils „Ich verehre die Pādukā“.

Mit dem rechten Fuß voran trete man ein und verehre innen in den acht Richtungen, beginnend im Osten, die Welthüter von Indra an. Danach verehre man im westlichen Bereich Tiraskaraṇī, die Verhüllende. Dazu zeichne man Kreis, Dreieck und Viereck und meditiere:

„Auf einem blauen Pferd reitet die herrlich leuchtende Göttin, reich geschmückt mit blauen Gewändern, Schmuck und Girlanden. Mit dem Schleier des Schlafes verhüllt sie die Welten. Mit dem Schwert als Waffe möge die Erhabene uns beschützen.“

Mit Duft, ungebrochenen Reiskörnern und Blumen verehre man sie unter der Formel: aiṃ namo bhagavati māheśvari paśujanamanuścakṣustiraskaraṇaṃ kurukuru svāhā – „Verehrung dir, erhabene Māheśvarī; verhülle den Blick der gebundenen Menschen, bewirke es!“ [Der Teil manuścakṣus ist auffällig und lässt die genaue Fassung der Bitte unsicher.]

Danach verehre man mit „Verehrung dem Kadambawald“ und „Verehrung dem ehrwürdigen Juwelenpavillon“ diese beiden Bereiche und anschließend dessen Torgottheiten.

Westtor. Mit sauḥ astrāya phaṭ besprenge man das Westtor. Am oberen Querbalken verehre man Mahālakṣmī mit māṃ, links Sarasvatī mit sāṃ, in der Mitte Durgā mit duṃ sowie Dvāraśrī mit dvāṃ. An rechtem und linkem Pfosten: śaṃ, „Verehrung Śaṅkhanidhi und Vasudhārā“, sowie „Verehrung Padmanidhi und Vasumatī“. Darüber rechts Vighneśa mit gaṃ, links Kṣetreśa mit kṣaṃ; wiederum darüber rechts Gaṅgā mit gāṃ, links Yamunā mit yāṃ; darüber rechts Dhātṛ mit dhāṃ, links Vidhātṛ mit viṃ. Unten an der Schwelle Dehalī mit deṃ und Varuṇa mit vāṃ. Bei den genannten Einzelgottheiten gilt die Pādukā-Verehrung, bei Dhātṛ und Vidhātṛ die namaḥ-Formel.

Nordtor. Man begebe sich zum Nordtor und verehre am oberen Querbalken Vaṭukanātha mit vaṃ und Dvāraśrī mit dvāṃ. Danach verehre man wie zuvor Śaṅkhanidhi und Vasudhārā und die weiteren Gottheiten bis Dehalī. Vor der Schwelle verehre man Kubera mit kuṃ.

Osttor. Am oberen Querbalken des Osttors verehre man Kṣetrapāla mit kṣauṃ, südlich Vighnanātha mit viṃ. Dann, von der eigenen linken Seite aus, vor der rechten und linken Seite Kṣetrapālas, Mahālakṣmī, Sarasvatī und Dvāraśrī. Danach verehre man wie zuvor die Paare Śaṅkhanidhi und Padmanidhi und die weiteren bis zur Schwelle. Vor der Schwelle verehre man Indranātha mit lāṃ.

Südtor. Nach dem Besprengen verehre man am oberen Querbalken Gaṇanātha mit glauṃ und Dvāraśrī mit dvāṃ. An rechtem und linkem Pfosten verehre man zuerst die Paare um Kāmadeva und Vasanta. Darüber folgen die Paare um Śaṅkhanidhi und Padmanidhi und alle weiteren bis zur Schwelle. Vor der Schwelle verehre man Yamanātha mit yāṃ.

Danach gehe man wieder zum Westtor, trete mit dem linken Fuß voran in dessen Torbogen und verehre die Gottheiten auf den zum Juwelenpavillon gerichteten Podesten. Zuerst verehre man mit raṃ ratnasopānāya namaḥ die Edelsteintreppe. Dann meditiere man über die Gottheiten darüber und verehre sie: vor dem Westtor rechts Sarasvatī mit sāṃ, links Mahālakṣmī mit māṃ; zwischen ihnen oben, unten und vorn Gaurī und die nachfolgenden bis zum menschlichen Überlieferungsstrom. Die Reihe lautet: gauṃ, Gaurī; loṃ, Lokadhātrī; vāṃ, Vāgīśvarī; der göttliche Strom, der Strom der Vollendeten und der menschliche Strom. Alle werden durch ihre ehrwürdige Pādukā verehrt.

Am Nordtor folgen entsprechend Māyā und Durgā sowie Gaurī und die Reihe bis zum menschlichen Strom; am Osttor Bhadrakālī und Svasti mit derselben Reihe; am Südtor Svāhā und Śubhaṅkarī mit derselben Reihe. Dann kehre man zum Westtor zurück und vergegenwärtige sich:

„Ich nehme Zuflucht zum Westtor, zum großen Tempel Bhavānīs, außen von Indra und den anderen bewacht und von höchster Herrlichkeit erfüllt.“

Mit „Verehrung dem Westtor, dem Juwelenpavillon“ verehre man den Pavillon. Nach dreimaligem Klatschen öffne man das Tor. Mit der Anwendung des Nārāca-Astra werfe man Senfkörner, ungebrochene Reiskörner und Blumen hinein und spreche:

„Āṃ, weichen sollen jene Wesen, die auf der Erde verweilen. Die Wesen, die Hindernisse bereiten, sollen auf Śivas Gebot vergehen.“ Der Abschluss lautet hraḥ astrāya phaṭ. [Davor steht in der Vorlage ein abgebrochenes „5-“ ohne Nummer.]

Durch Zurücknehmen der linken Körperseite gebe man den hinausgehenden Hindernisscharen den Weg frei. An der Schwelle wiederhole man innerlich die Mūlavidyā oder den Astra-Mantra und vertreibe die drei Arten der Hindernisse: die irdischen durch dreimaliges Aufstampfen mit der linken Ferse, die im Luftraum durch dreimaliges Klatschen und die himmlischen durch den göttlichen Blick. Dann spreche man:

„Oṃ, die trügerisch handelnden Wesen auf der Erde, im Zwischenraum und in der himmlischen Welt sollen auf Śivas Gebot vergehen.“

Mit dem linken Fuß voran überschreite man die Schwelle und trete in den Pavillon. „Schweigend, innerlich rein, die Göttin im Herzen berührend, mit nicht nach außen gerichtetem Geist, betrete der Yogin den Verehrungsplatz.“ Damit endet die Torverehrung. Kann man nicht zu jedem Tor gehen, bleibt man am Westtor, stellt sich die jeweiligen Tore vor und verehrt sie. Manche beschränken die Verehrung auf das Westtor.

Meditationen über die Torgottheiten

5.TG.1 Man verehre Padmā: lotusfarben, lotusäugig, im Lotus wohnend, mit vier leuchtenden Händen, die zwei Lotusse sowie Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigen.

5.TG.2 Möge die Göttin Bhāratī in mir erstrahlen, Trägerin von Gebetskette und Buch, hell wie der Vollmond, aus allem Wissen bestehend.

5.TG.3 Möge die jugendliche Durgā mit lockigem Haar, mit Muschel und Rad in den Händen, auf dem Löwen reitend, meine Bedrängnisse vernichten.

5.TG.4 Dvāraśrī leuchtet wie erhitztes Gold und trägt göttlichen Edelsteinschmuck. Sie sitzt auf einem erhöhten Lotus; ihre Lotushände zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit.

5.TG.5–5.TG.7 Das Paar glänzt wie Perle und Rubin; seine Lotusgesichter lächeln leicht. Beide umarmen einander und tragen Muschel und Lotus. Auf ihren Häuptern befinden sich zwei Muscheln, aus denen Edelsteinregen strömt. Sie sitzen auf Muschelsitzen und erfüllen die Wünsche der Welt. Man verehre den beleibten Muschelschatz Śaṅkhanidhi und die vollbrüstige Vasudhārā; links davon Padmanidhi mit seiner Geliebten.

5.TG.8–5.TG.9 Das zweite Paar ist zinnoberrot, von Armen umschlungen, mit rotem Lotus und Wasserlilie versehen. Auf ihren Häuptern befinden sich zwei Lotusse, aus denen Edelsteinregen strömt. Sie sitzen auf Lotussitzen und erfüllen die Wünsche der Welt: der beleibte Padmanidhi und die schlanke Vasumatī.

5.TG.10 Ich verehre den aus dem Geist Geborenen, lieblich und Rati lieb, mit dem roten Glanz der Palāśa-Blüte, mit einem Bogen aus hellem Zuckerrohr und Blumenpfeilen.

5.TG.11 Ich nehme Zuflucht zu Vasanta, dem Frühling, der Prīti lieb ist, wie der Vollmond leuchtet und im Nandana-Garten in beständigem Fest wohnt.

5.TG.12 Ich verehre den heldenhaften Vighneśvara, elefantengesichtig und dreiäugig, rot und beleibt, mit Schlinge, Stachelstock und rotem Lotus in den Händen.

5.TG.13 Ich verehre Kṣetreśa, der Feinde vernichtet: schwarz, scharf und dreiäugig, mit Schädelgefäß und Dreizack in den beiden Händen.

5.TG.14 Ich verehre Gaṅgā, die sanfte, wie Millionen Monde leuchtende, mit den Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit: den Strom aus dem Fußwasser der großen Göttin.

5.TG.15 Ich verehre Kālindī, den dunkelleibigen Strom, der aus der linken Fußhälfte der höchsten Göttin hervorgeht, mit den Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit.

5.TG.16 Ich verehre Dhātṛ, den Träger der Welten, schwarz, auf Garuḍa reitend, mit Muschel, Rad, Keule und Lotus.

5.TG.17 Ich verehre Vidhātṛ, rot, auf einem roten Lotus, auf dem Schwan reitend, mit Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Wasserkrug und Gebetskette.

5.TG.18 Unten verehre ich Dehalī, auf einem Löwen reitend, dunkel, Schwert und Schild tragend, nach Westen blickend und die Ihren schützend.

5.TG.19 Ich verehre Varuṇa, hell wie der Vollmond, mit Schlinge und Furchtlosigkeit, auf einem Makara reitend, die Gottheit am Fuß des ehrwürdigen Tores. Damit endet die Gruppe des Westtors.

5.TG.20 Es triumphiert Vaṭukanātha, den Übenden Vollendung schenkend: mit Schädelgefäß in der Hand, Ohrringen und Stab, dunkel wie junge Finsternis, mit einer Schlange als heiliger Schnur. Er beseitigt die Hindernisse bei Opfer und Samaya-Verehrung.

5.TG.21 Möge Kubera schützen, rauchfarben, mit Keule, auf einem Menschen reitend, Herr des Reichtums und Hüter des nördlichen Tores der höchsten Göttin.

5.TG.22 Ich verehre stets Kṣetrapāla, den mächtigen: mit schlangenbewegten Flechten, drei Augen, dunkel wie ein Berg aus schwarzer Augensalbe. In seinen Armen trägt er Schädelgefäß und das als bhāla überlieferte Attribut; rote Girlanden, Gewänder und Salben lassen ihn leuchten. Glocken und Schellen seines Gürtels mischen ihren Klang mit seinem furchtbaren dhāṃ-Ruf. Weiße Schlangen bilden seine Ohrringe. [Das Attribut bhāla ist unsicher; eine Korrektur zu „Dreizack“ wird nicht ungekennzeichnet vorgenommen.]

5.TG.23 Der Weiße mit Elefantengesicht trägt in seinen vier Armen Axt, Stoßzahn, Schlinge und Dreizack und sitzt auf einer Maus.

5.TG.24 Möge Śakra schützen, der gelbe Hüter des Osttors der höchsten Göttin, tausendäugig, den Vajra in der Hand, mit Airāvata als Zeichen.

5.TG.25–5.TG.28a Man meditiere über den dunklen, vierarmigen, unbekleideten Gaṇeśa. Mit den oberen linken und rechten Armen trägt er Schlinge und Stachelstock; in der unteren rechten Hand hält er eine mit süßem Trank gefüllte Schädelkappe. Mit der linken Hand berührt er das Liebesheiligtum der roten Göttin, die auf seiner linken Seite sitzt. Sie führt mit der rechten Hand sein Glied in ihre eigene Yoni und hält mit der linken einen Lotus; mit dem Rüssel riecht er an ihrer Yoni. Nach dieser Meditation verehre man ihn. [Dies ist eine ausdrücklich sexuelle Darstellung der historischen Ritualikonographie.]

5.TG.28b und Fortsetzung Man vergegenwärtige sich Yama, den Herrn des Südtores, dunkel wie eine Masse schwarzer Augensalbe, auf einem Büffel reitend, mit dem Stab in seinem kräftigen Arm.

Die Gottheiten auf den Podesten

5.PD.1 Man vergegenwärtige sich die ganz weiße, dreiäugige Sarasvatī, mit Gebetskette, Buch, Furchtlosigkeit und Wunschgewährung in ihren Händen.

5.PD.2 Mahālakṣmī ist dreiäugig, ihr Leib hell wie gereinigtes Gold; ihre vier Hände erstrahlen mit zwei Lotussen, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit.

5.PD.3 Ich verehre die Mutter Gaurī, rot leuchtend, dreiäugig, in roten Gewändern strahlend, mit Schlinge, Stachelstock, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit.

5.PD.4 Ich verneige mich vor der Mutter Lokadhātrī, goldglänzend, mit göttlichen Edelsteinen am Leib, die Verneigung, Wasserlilie, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigt. [Das erste Attribut nati bleibt als überlieferte Gestenangabe erhalten.]

5.PD.5 Ich verehre Vāgīśvarī: weiß, in weißen Gewändern, mit weißem Schmuck, Girlanden und Salben; ihre Hände tragen zwei Lotusse, Wunschgewährung und Spiegel.

5.PD.6 Unablässig vergegenwärtige ich mir die dreiäugige Māyā, Wurzel des Zustands des Werdens, deren Leib wie eine dichte Wolkenmasse leuchtet. Ihre Hände zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit und tragen Stachelstock, Schlinge und Dreizack.

5.PD.7 Ich verehre Durgā, die Bedrängnis beseitigt: dreiäugig, einem Dūrvā-Blatt gleichend, mit Muschel, Rad, Bogen und Pfeilen.

5.PD.8 Ich verneige mich vor Bhadrakālī, dunkel wie zerstoßene schwarze Augensalbe, mit Schädelgefäß, Schild, Schwert und Dreizack in den Händen.

5.PD.9 Man vergegenwärtige sich die höchste Göttin Svasti, die Heil bewirkt, dreiäugig und wie der Mond leuchtend. Ihre Hände tragen die Śakti-Waffe und zeigen Svastika-Mudrā und Furchtlosigkeit. [Die Aufteilung der zusammengesetzten Gestenangabe bleibt knapp.]

5.PD.10 Ich verehre Svāhā, von den Götterscharen verehrt, mit lächelndem Gesicht, rot, dreiäugig und in roten Gewändern. Ihre Hände tragen zwei rote Wasserlilien und zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit.

5.PD.11 Möge Śubhaṅkarī Heil wirken. Ihre vier Hände tragen Reisähre, Wunschranke, Śārṅga-Bogen und Pfeil; ihr Glanz gleicht flammendem Gold.

Damit enden die Meditationen.

Sitz, Erdgebet und Schutz der Richtungen

Unnummerierte Fortsetzung. In der Mitte des Maṇḍalas verehre man Brahmā und den Herrn des Hauses, im Südwesten den Vāstupuruṣa, jeweils mit namaḥ. Mit oṃ rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā – „Beschütze, beschütze!“ – besprenge man die Erde. Dann bespreche man sie mit oṃ pavitravajrabhūme rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā – „Reine Vajra-Erde, beschütze, beschütze!“ Unter āḥ surekhe vajrarekhe huṃ phaṭ svāhā – „Schöne Linie, Vajra-Linie!“ – zeichne man auf den Boden und breite darüber den Sitz aus.

Man verehre Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva in den vier Richtungen von Osten an und in der Mitte. Darüber stelle man sich ein Dreieck vor und verehre an seinen drei Ecken und in seiner Mitte die Sitze Kāmarūpa, Pūrṇagiri, Jālandhara und Oḍyāna. Mit hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ verehre man den Lotussitz der tragenden Kraft. Auf ihm sitze man nach Osten oder Norden gewandt. Wahlweise stelle man sich das Mātṛkā-Maṇḍala vor und nehme darauf Platz. Dann bete man zur Erde:

„Oṃ, Erde, die Welten werden von dir getragen, und du, Göttin, wirst von Viṣṇu getragen. Trage auch mich, Göttin, und mache den Sitz rein. Mache auch mich rein, Trägerin. Ich verneige mich vor dir, Herrin der Götter.“

Für die Erdformel wird Merupṛṣṭha als Seher genannt, Sutala als Versmaß und die in der Vorlage als kṛmoṃ geschriebene Gottheitsangabe; ihre Verwendung betrifft den Sitz. [Die Gottheitsangabe ist beschädigt beziehungsweise nicht sicher lesbar.] Für den Praṇava ist Brahmā der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Paramātman die Gottheit; die Verwendung betrifft die Atemregulierung.

Nach dreimaliger Atemregulierung verehre man am Kopf Dīpanātha; am rechten Arm Gaṇapati mit gaṃ und dem bei gaṇānāṃ tvā beginnenden Vers; links Durgā mit duṃ und oṃ jātavedase; am rechten Knie Kṣetrapāla mit kṣaṃ und oṃ kṣetrasya patinā vayam; am linken Knie Sarasvatī mit saṃ und praṇo devī sarasvatī. Die vedischen Verse stehen hier nur als Anfänge, nicht ausgeschrieben. Danach verneige man sich vor den ehrwürdigen Gurus, den Paramagurus und den Parameṣṭhigurus.

„Mit Fersenstößen, Händeklatschen und erhobenem Gesicht vertreibe der Verständige die Hindernisse in Unterwelt, Erde und Himmel.“ Nach dieser Hindernisbeseitigung reinige man die Hände: Mit dem genannten Pāśupata-Astra berühre und streiche man mit der rechten Hand die linke Handfläche zweimal, vom Handgelenk aus; die rechte Hand streiche man auf demselben Weg einmal ab.

Dann binde man die Richtungen. Als Beispiel: laṃ indrāya namaḥ – „Verehrung Indra. Ich binde Indras Richtung mit dem Rad. Verehrung dem Rad, svāhā.“ Dazu die Gāyatrī: „Oṃ, wir erkennen Sudarśana, wir meditieren über die große Flamme; möge das Rad uns anregen.“ Die Vorlage fügt die Wiederholungsangabe „3“ hinzu. Danach:

„Ich verneige mich vor dem grimmigen, heldenhaften großen Viṣṇu, der flammend nach allen Seiten blickt: Nṛsiṃha, dem Furchtbaren und Heilvollen, dem Tod des Todes.“

Nachdem so die zehn Richtungen gebunden sind, errichte man mit Wasser drei Feuerumfriedungen. Die Formeln lauten:

raṃ agniprākārāya namaḥ – „Verehrung der Feuerumfriedung.“

sahasrāra huṃ phaṭ sudarśanāgniprākārāya namaḥ – „Tausendspeichiger, Verehrung der Sudarśana-Feuerumfriedung.“

oṃ hrīṃ sphura sphura prasphura prasphura ghora ghoratara tanurūpa caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa kaha kaha vama vama bandhaya bandhaya ghātaya ghātaya huṃ phaṭ aghorāgniprākārāya namaḥ – „Erstrahle, erstrahle ganz; Furchtbarer, noch Furchtbarerer, Leibgestalt!“, gefolgt von lautmalerischen Rufen, „speie, binde, schlage“ und der Verehrung der Aghora-Feuerumfriedung.

5.SC.1–5.SC.2 Nach der dreifachen Feuerumfriedung wiederhole man die Samaya-Vidyās von Gaṇeśa, Pañcamī, Durgā, Vighna, Śarabha, Aghora und Sudarśana zur Beruhigung der Hindernisse. Nachdem man so zuerst den Schutz geschaffen hat, vollziehe man die Reinigung der Elemente. Die betreffenden Mantras sind im Abschnitt über das Herauslösen der Mantras nachzusehen.

Die Bereitstellung der Opfergaben

In einem anderen Tantra:

5.OG.1–5.OG.2 und Fortsetzung Der Lehrer stelle die Verehrungsgegenstände rechts auf, links einen schönen Krug, gefüllt mit wohlriechendem Wasser. Dahinter stelle er ein Gefäß zum Waschen der Hände. Ringsum stelle er schöne, mit geklärter Butter brennende Lampen auf, außerdem Spiegel, Yakschweifwedel, Sonnenschirm und einen reizenden Palmfächer.

Im Kulacūḍāmaṇi:

5.KC.1–5.KC.3 und Fortsetzung Der Herr des Kula bereite vielfältige Blumen und Duftstoffe, mit Kampfer, Jāti und Räucherwerk duftende Stoffe beziehungsweise Duftpulver, Betel, die für die Gottheit bestimmten Gaben, Räucherwerk, Lampen, allen Schmuck, Verzierungen und Gewänder vor. Er reinige sie mit Wasser, über dem der Wurzelmantra wiederholt wurde, und stelle alles zu seiner Rechten auf; links stelle er das Arghya. Die Kula-Gaben befinden sich westlich der Gottheit. [Die Verbindung vāsitaṃ paṭavāsitam ist sprachlich gedrängt; die möglichen Bedeutungen werden sichtbar belassen.]

Ferner reinige man die Blumen und weiteren Gaben mit:

oṃ puṣpaketurājārhate sarvagatāya samyak saṃbaddhāya oṃ puṣpe puṣpe mahāpuṣpe supuṣpe puṣpasaṃbhave puṣpāvacāyasaṃkīrṇaṃ huṃ phaṭ svāhā.

Die Formel ruft den blumenbannertragenden, königlichen, verehrungswürdigen, alldurchdringenden und recht verbundenen an und nennt „Blume, große Blume, schöne Blume, aus Blumen Hervorgegangene“ sowie das beim Blumenpflücken Vermischte. [Der Wortlaut ist ungewöhnlich; keine standardisierte Ersatzform wird eingesetzt.]

Mit der Hand auf dem Herzen vollziehe man den Selbstschutz unter oṃ rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā. Nach dreimaliger Atemregulierung mit dem Praṇava beginne man die Reinigung der Elemente.

Die Reinigung der Elemente: Rücknahme in das Bewusstsein

5.KC.4 Die Reinigung der Elemente, die die Gestalt des Körpers angenommen haben, durch ihre Verbindung mit dem unwandelbaren Brahman heißt Bhūtaśuddhi.

5.KC.5 Gesammelt vereinige man auf dem Weg der Suṣumnā das eigene Selbst mit dem höchsten Selbst, nach dem mit Yoga verbundenen Verfahren und mit dem Bewusstseinsmantra.

Kommentar. „Mit dem Bewusstseinsmantra“ bedeutet: mit dem Mantra des höchsten Selbst. Dieser lautet oṃ hrīṃ haṃsaḥ sohaṃ svāhā. Man vergegenwärtige sich die zuvor genannten sechs Cakras von Mūlādhāra an und den im Herz-Cakra befindlichen individuellen Ātman samt Geist. Die Formel lautet:

„Auf dem Weg der Suṣumnā vereinige ich die Kula-Kuṇḍalinī samt dem individuellen Selbst mit der Stätte des höchsten Śiva an der Scheitelöffnung, svāhā. Diesen subtilen Leib reinige ich, svāhā.“

Der individuelle Ātman wird mit dem Stab des Geistes angestoßen. Durch das Bīja huṃ, den zusammengezogenen unteren Wind und die dadurch vermehrte Hitze des unteren Feuers wird Kuṇḍalinī erweckt. [Die Vorlage liest hier jārayitvā; die gemeinte Bewegung ist aus dem Zusammenhang erschlossen.] Durch den mittleren Weg der Citrā genannten Nāḍī innerhalb der Suṣumnā, die sechs Cakras der Reihe nach durchbrechend, wird sie mit den zugehörigen Orten, Lauten und Gottheiten im Yoga der Rücknahme geführt. Man stelle sie sich aufgelöst in Paramaśiva vor, der im Mondkreis in der Mitte des tausendblättrigen Lotus an der Scheitelöffnung weilt.

Danach werden die Bereiche der Reihe nach zurückgenommen. Die Ich-Formeln bedeuten jeweils „Ich lasse … in … eingehen“. Die technisch bezeichneten Uddhāta-Anwendungen bleiben als Quellenbegriffe erhalten:

Bereich Gestalt, Gottheit und Kalā Bīja und Rücknahme
Füße bis Knie: Erde Gelb, viereckig; Brahmā; Nivṛtti laṃ; durch fünf Uddhātas ins Wasser
Knie bis Geschlechtsorgan: Wasser Weiß, halbmondförmig und mit Lotuszeichen; Viṣṇu; Pratiṣṭhā vaṃ; durch vier Uddhātas ins Feuer
Geschlechtsorgan bis Nabel: Feuer Rot, dreieckig; Rudra; Vidyā raṃ; durch drei Uddhātas in den Wind
Nabel bis Herz: Wind Rauchfarben, sechseckig, mit sechs Punkten; Īśvara; Śānti yaṃ; durch zwei Uddhātas in den Raum
Herz bis Kehle: Raum Klar, kreisförmig; Sadāśiva; Śāntyatītā haṃ; durch einen Uddhāta in den Ahaṃkāra
Kehle bis zwischen die Brauen: Ichbildung Dreifarbig, stabförmig; Ādiśiva; alle Kalās haṃsaḥ; durch alle Uddhātas ins Mahat-Prinzip
Brauenmitte bis Stirn: Mahat Weiß, halbmondförmig; in der Vorlage āndaśiva; Gestalt der Kalā sohaṃ; durch einen halben Uddhāta in die Prakṛti
Stirn bis Haarscheitel: Prakṛti Farbe der jungen Sonne, Yoni-Gestalt; Ānandaśiva; Gestalt der Kalā haṃ; durch den ursprünglichen Uddhāta in Puruṣa
Haarscheitel bis Scheitelöffnung: Puruṣa Hell entflammt, Liṅga-Gestalt; Bewusstsein als Gottheit; ohne Kalās Nāda-Laut als Bīja und höchster Bindu; durch die als niruddhāta bezeichnete Anwendung in die Bewusstseinskraft
Scheitelöffnung: Bewusstseinskraft Kampferweiß, tausendfach, mit Glückseligkeit als Gottheit, formloses Wesen hrīṃ; durch die Meditation der Rücknahme als dichtes Bewusstsein und Glückseligkeit, als höchstes Brahman und Śiva vergegenwärtigt

[Die auffällige Gottheitsform āndaśiva wird nicht stillschweigend ergänzt; auch die ungewöhnlichen Bezeichnungen der letzten Uddhāta-Schritte bleiben erhalten.]

Die zusammenfassende Formel lautet:

„Oṃ, die beiden Leiber, den groben und den feinen, deren Gestalt die entfaltete Welt und deren Wesen sämtliche Prinzipien sind – Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung, Klang; Geruchsorgan, Geschmacksorgan, Auge, Haut, Gehör; Füße, Geschlechtsorgan, Ausscheidungsorgan, Hände, Sprache; Gehen, Lust, Ausscheiden, Ergreifen, Sprechen; Ichbildung, Geist, Unterscheidungsvermögen, inneres Bewusstseinsfeld; Unterscheiden, Entwerfen, Entscheiden und Feststellen; individuelles und höchstes Selbst –, vereinige ich in der Ordnung der Rücknahme: Erde mit Wasser, Wasser mit Feuer, Feuer mit Wind, Wind mit Raum, Raum mit Ichbildung, Ichbildung mit Mahat, Mahat mit Prakṛti, Prakṛti mit Puruṣa und Puruṣa mit Paramaśiva, svāhā. Diesen groben Leib reinige ich, svāhā.“

So lasse man sämtliche groben und feinen Prinzipien samt ihren Orten, Lauten, Wirkungen, Ursachen, Gottheiten, Haupt- und Nebengliedern der Reihe nach in ihre jeweiligen Ursachen eingehen. Man stelle sie sich samenhaft in Paramaśiva im tausendblättrigen Lotus aufgelöst vor. Paramaśiva wird als Bewusstseinskraft und dichte Glückseligkeit vergegenwärtigt. Mit klarem Geist und allen zurückgenommenen Sinnen erlangt der Yogin die Frucht der Verehrung: das stets gegenwärtige, ewig aufgehende, handlungslose Sein. So verweile er einen Augenblick als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Dies ist die Ordnung der Rücknahme.

Die Vergegenwärtigung des personifizierten Unheils

5.PP.1–5.PP.3 Man vergegenwärtige sich links im Bauch die Person des Unheils, schwarz wie Ruß. Ihr Kopf ist die Tötung eines Brahmanen, ihre beiden Arme der Goldraub, ihr Herz das Trinken berauschenden Alkohols und ihre Hüften der Verkehr mit dem Bett des Gurus. Ihre beiden Füße sind die Gemeinschaft mit solchen Tätern; Haupt- und Nebenglieder bestehen aus Verfehlungen, ihre Haare aus geringeren Verfehlungen. Bart und Augen sind rot; sie trägt Schwert und Schild und ist grausam. So stelle man sich das Unheil vor. [Die Aufzählung folgt der historischen brahmanischen Einteilung schwerer Verfehlungen; „Bett des Gurus“ bezeichnet den sexuellen Übergriff auf dessen Eheverbindung.]

Unnummerierte Fortsetzung. Die folgenden Atem- und Visualisierungsvorgaben werden als historische Ritualbeschreibung übersetzt, nicht als Anleitung zur eigenständigen Atemretention. Zahlenabweichungen bleiben sichtbar.

Mit yaṃ spricht man: „Lass den Leib des Unheils vertrocknen, vertrocknen; ich lasse ihn vertrocknen, svāhā.“ Während das rauchfarbene Bīja yaṃ sechzehnmal wiederholt wird, wird durch das linke Nasenloch eingeatmet. Bei vierundsechzig Wiederholungen und angehaltenem Atem stellt man sich vor, wie der große Wind aus dem Herzen und dem Sechseck die Unheilsperson austrocknet. Mit zweiundzwanzig Wiederholungen wird durch das rechte Nasenloch ausgeatmet. [Hier steht tatsächlich zweiundzwanzig; die folgenden entsprechenden Schritte nennen zweiunddreißig. Die Form für das rechte Nasenloch ist in der Vorlage selbst mit einem Fragezeichen versehen.]

Mit raṃ spricht man: „Verbrenne den vertrockneten Leib des Unheils, verbrenne ihn; ich verbrenne ihn, svāhā.“ Beim sechzehnmaligen Wiederholen des roten Feuerbījas wird durch Piṅgalā eingeatmet. Bei vierundsechzig Wiederholungen und Atemstillstand stellt man sich vor, wie das große Feuer aus dem Nabel und dem Dreieck die Unheilsperson verbrennt. Mit zweiunddreißig Wiederholungen wird durch Iḍā ausgeatmet.

Mit ṭaṃ spricht man: „Rege den Mondkreis an, rege ihn an; ich rege ihn an, svāhā.“ Das weiße Mondbīja wird beim Einatmen durch Iḍā sechzehnmal wiederholt. Bei vierundsechzig Wiederholungen und Atemstillstand vergegenwärtigt man es in der Mitte des Tausendblättrigen, mit einer Fülle großen Nektars gefüllt und die Welt erfreuend. Bei zweiunddreißig Wiederholungen wird durch Piṅgalā ausgeatmet.

Mit vaṃ spricht man: „Lass höchsten Nektar regnen, lass ihn regnen; ich lasse ihn regnen, svāhā.“ Das weiße Varuṇa-Bīja wird beim Einatmen durch Piṅgalā sechzehnmal wiederholt. Bei vierundsechzig Wiederholungen und Atemstillstand stellt man sich vor, wie aus dem Mondkreis ein großer Regen hervorgeht, dessen Wesen die Mātṛkā ist, und wie er den Ort der Knochen und der Verbrennung überflutet. Bei zweiunddreißig Wiederholungen wird durch Iḍā ausgeatmet.

Mit laṃ spricht man: „Bringe den Leib hervor, bringe ihn hervor; ich bringe ihn hervor, svāhā.“ Das gelbe Erdbīja wird beim Einatmen durch Iḍā sechzehnmal wiederholt; bei vierundsechzig Wiederholungen und Atemstillstand folgt die Schöpfungsformel.

Die Neubildung des Leibes

„Oṃ, ich bringe die beiden Leiber, den groben und den feinen, hervor. Ihre Gestalt ist die entfaltete Welt, ihr Wesen sind sämtliche Prinzipien: höchstes Selbst, individuelles Selbst, inneres Bewusstseinsfeld, Unterscheidungsvermögen, Geist und Ichbildung; Feststellung, Entscheidung, Entwurf und Unterscheidung; Sprechen, Ergreifen, Ausscheiden, Lust und Gehen; Sprache, Hände, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan und Füße; Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruchsorgan; Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch; Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde.

In der Ordnung der Schöpfung entsteht aus den voneinander unterschiedenen Paramaśiva und Bewusstseinskraft durch die als Nichtentstehung bezeichnete Anwendung Puruṣa; aus Puruṣa durch die ursprüngliche Entstehung Prakṛti; aus Prakṛti durch die halbe Entstehung Mahat; aus Mahat durch die gesamte Entstehung der Raum; aus dem Raum durch zweifache Entstehung Wind; aus Wind durch dreifache Entstehung Feuer; aus Feuer durch vierfache Entstehung Wasser; aus Wasser durch fünffache Entstehung Erde; aus Erde bringe ich durch sechsfache Entstehung [den Leib] hervor, svāhā.“

[Die Schöpfungsfolge nennt zwischen Mahat und Raum keinen gesonderten Ahaṃkāra-Schritt, obwohl dieser in der Rücknahme vorkam. Diese Auslassung wird nicht ergänzt. Der Gegenstand des letzten Hervorbringens ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]

Sämtliche groben und feinen Prinzipien werden so mit ihren Orten, Lauten, Ursachen, Wirkungen, Gottheiten, Haupt- und Nebengliedern aus Paraśiva und der Bewusstseinskraft, jeweils aus ihren eigenen Ursachen, wieder hervorgebracht. Man stelle sich vor, wie die große Erde, von den Füßen und dem Viereck aufsteigend, den neu entstandenen, reinen und zur Verehrung geeigneten Leib stützt. Alle Prinzipien werden wieder an ihre eigenen Orte gesetzt.

Die Vorlage fährt fort: Bei zweiunddreißig Wiederholungen desselben Bījas laṃ wird durch Piṅgalā eingeatmet; bei vierundsechzig Wiederholungen wird durch Iḍā ausgeatmet. „So entstehen sechs Atemregulierungen.“ [Dieser Schluss weicht vom vorher mehrfach verwendeten Verhältnis 16:64:32 ab und enthält keine entsprechend klare dritte Phase. Die Zahlen und die Aussage „sechs“ bleiben erhalten; eine praktische Normalisierung wird nicht vorgenommen.]

„Man führe das Selbst vom höchsten Selbst zum Herzlotus und vollziehe dann mit dem Mantra des Haṃsa-Gottes den Nyāsa und die übrigen Schritte.“ [Der Sanskritwortlaut verwendet bei hṛdayāmbhojāt auffällig einen Ablativ; die Zielrichtung zum Herzen folgt der ausdrücklichen Schlussanweisung des Kommentars.]

Die Formel lautet:

oṃ haṃsaḥ so'haṃ avatarāvatara śivapadāt jīvapadena suṣumnāvartmanā mūlaśṛṅgāṭam ullasollasa jvala jvala prajvala prajvala oṃ haṃsaḥ so'haṃ.

Ihr Wortsinn: „Oṃ, Haṃsa, ich bin Das. Steige herab, steige herab, von Śivas Stätte im Zustand des individuellen Selbst, auf dem Weg der Suṣumnā zur Wurzelkreuzung. Erstrahle, flamme, leuchte auf. Oṃ, Haṃsa, ich bin Das.“

Die Bewusstseinskraft in Gestalt Kuṇḍalinīs wird zusammen mit dem individuellen Selbst im Yoga der Schöpfung, mit Orten, Lauten und Gottheiten, durch den mittleren Weg der Citrā-Nāḍī innerhalb der Suṣumnā geführt. In der Folge der sechs Cakras bringt man sie von der Scheitelöffnung zum Mūlādhāra und lässt sie dort ruhen. Vom Mūlādhāra her vergegenwärtigt man das individuelle Selbst im Herzen. Damit endet die Bhūtaśuddhi.

Die Einsetzung der Lebenskraft

Nun folgt die Prāṇapratiṣṭhā. Für den ehrwürdigen Mantra der Einsetzung der Lebenskraft sind Brahmā, Viṣṇu und Rudra die Seher; Ṛg, Yajus und Sāman sind die Versmaße; die Lebenskraft in Gestalt des Bewusstseins ist die Gottheit. Oṃ ist das Bīja, hrīṃ die Śakti, kroṃ der Kīlaka. Die Verwendung betrifft die Einsetzung der Lebenskräfte. Nach dem Nyāsa an den jeweiligen Stellen folgen die Handformeln; ihre Schlusswörter bedeuten „Verehrung den beiden …“, jeweils in der angegebenen Wesensgestalt:

Lautfolge Wesensgestalt Handstelle
aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde Beide Daumen
iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch Beide Zeigefinger
uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruchsorgan Beide Mittelfinger
eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan Beide Ringfinger
oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ Sprechen, Ergreifen, Ausscheiden, Lust und Gehen Beide kleinen Finger
aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ Inneres Bewusstseinsfeld, Unterscheidungsvermögen, Geist und Ichbildung Handflächen und Handrücken

Mit denselben Formeln, versehen mit den Jāti-Endungen, werden die sechs Glieder geweiht. Danach: āṃ namaḥ vom Nabel bis zu den Füßen; hrīṃ namaḥ vom Herzen bis zum Nabel; kroṃ namaḥ vom Kopf bis zum Herzen.

Die weiteren Anrufungen lauten jeweils „Verehrung dem Wesen von …“: yaṃ, Haut; raṃ, Blut; laṃ, Fleisch; vaṃ, Fett; śaṃ, Knochen; ṣaṃ, Mark; saṃ, Samen; haṃ, Lebenshauch; laṃ, individuelles Selbst; kṣaṃ, höchstes Selbst. [Das zweimalige laṃ steht so in der Vorlage.]

Nach diesem Nyāsa meditiere man über die Lebenskraft:

5.PR.1 Ich verneige mich vor der roten, dreiäugigen Göttin, die auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer sitzt. In ihren Lotushänden trägt sie Schlinge, Stachelstock, das als avi überlieferte Attribut, Zuckerrohrbogen, Pfeile, Dreizack und Schädelgefäß. [Die Form pāśāṃkuśāvikṣu ist unsicher gegliedert; ein zusätzliches Attribut wird deshalb nicht stillschweigend weggelassen oder durch eine andere Waffe ersetzt.]

Nach dieser Meditation lege man mit der Erkenntnismudrā die Hand auf das Herz und spreche dreimal die folgende Formel:

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hoṃ so'haṃ haṃsaḥ śrīmanmahātripurasundaryāḥ prāṇā iha prāṇāḥ 30 jīva iha sthitā 30 sarvendriyāṇi 30 vāṅmanaścakṣustvakśrotraghrāṇaprāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu svāhā.

Der Wortsinn: „Die Lebenskräfte der ehrwürdigen Mahātripurasundarī seien hier als Lebenskräfte; das individuelle Leben sei hier anwesend; alle Sinne sowie Sprache, Geist, Auge, Haut, Gehör, Geruch und Lebenshauch mögen hierherkommen und lange in Wohlbefinden verweilen, svāhā.“ [Die dreimalige Ziffernfolge „30“ steht in der Vorlage zwischen den Gliedern; ihre genaue Kürzungsfunktion wird nicht durch eine erfundene Wiederholungsform ersetzt. Auch hoṃ wird nicht zu einem anderen Bīja normalisiert.]

Mit oṃ āṃ haṃsaḥ vergegenwärtige man sich den Leib fest als ganz aus Glückseligkeit bestehend. Man betrachte das eigene Selbst als die Hauptgottheit, innen wie außen gegenwärtig. Damit endet die Einsetzung der Lebenskraft.

Kolophon. Damit endet der fünfte Śvāsa im Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, in der Schülerfolge des ehrwürdigen großen Lehrers Govindācārya, des verehrten Śaṅkarācārya, Viṣṇuśarmācāryas und Pragalbhācāryas. [Die Vorlage schreibt den Verfassernamen hier beschädigt als śrīvidyāraṇyati.]

6. Śvāsa

Die Mātṛkā als Weihe des Körpers

Nun folgt der Mātṛkā-Nyāsa. Danach vollziehe man sorgfältig den Nyāsa als schützende Bekleidung des Körpers.

6.MA.1 Zehn Mātṛkā-Formen werden genannt: die innere und die äußere, die mit Kalās verbundene, die mit Śrīkaṇṭha und Viṣṇu verbundenen, die jeweils mit Lajjā, Ramā und Kāma verbundenen, die bezaubernde und die Weltverehrung. [Lajjā und Ramā bezeichnen hier die entsprechenden Göttinnen- beziehungsweise Bīja-Zuordnungen.]

6.MA.2–6.MA.4 und Fortsetzung Zwei Fingerbreit über dem After, an der feinen Öffnung der Suṣumnā, liegt ein goldglänzender Lotus mit den vier Lauten von va an. Dort ruht die äußerst feine Kula-Kuṇḍalinī, Lichtgestalt, einer Blitzranke gleich. Man führe sie aufwärts durch die sechs Cakras. Im Mond des Dvādaśānta vergegenwärtige man sich die zuvor beschriebene Mātṛkā-Schar, weiß wie frische Butter, vom Glanz Kuṇḍalinīs zum Schmelzen gebracht. Ihr Licht leite man in die gefalteten Hände und vollziehe den Mātṛkā-Nyāsa.

Reinigung der Hände. Zunächst lege man die ersten sechs Vokale von a an der Reihe nach auf Handflächen, Handrücken und ihre Durchdringung auf. Die übrigen zehn Vokale lege man auf die zehn Finger. Unter Aussprache der Mātṛkā von a bis kṣa reinige man die Hände. Genannt werden Unterarm, Handgelenk, Ellbogen, Handfläche, Handrücken und Fingerspitzen. Damit endet die Mātṛkā-Handreinigung.

Die innere Mātṛkā

Dreimal vollziehe man die Atemregulierung: Einatmung mit den Vokalen, Atemstillstand mit den Verschlusslauten, Ausatmung mit den durchdringenden Lauten. Für die innere Mātṛkā ist Brahmā der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Śrīmātṛkāsarasvatī die Gottheit; die Konsonanten sind die Bījas, die Vokale die Kräfte, jātāvyakti der Kīlaka. Die Verwendung gilt dem Nyāsa zur Reinigung des eigenen Körpers. Nach diesen Zuordnungen lege man wie zuvor die sechs Glieder auf, beginnend mit aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāya namaḥ – „Verehrung dem Herzen“. Dann meditiere man.

In der Saṃhitā heißt es:

6.IM.1–6.IM.3 Ich werde dir nun, große Herrin, die Mātṛkā erklären, die Mutter der Welt, deren Glieder die Laute von a bis kṣa sind. Brahmā ist der Seher ihres Mantras, Gāyatrī sein Versmaß, Mātṛkā die Gottheit. Die Konsonanten sind die Bījas, die Vokale die Kräfte und jātāvyakti der Kīlaka. Die für sich unaussprechlichen Konsonanten werden durch die Kraft offenbar. [Der Ausdruck jātāvyakti ist auffällig und wird nicht durch eine gesicherte Ersatzlesung ausgegeben.]

6.IM.4–6.IM.6 Ohne Śakti, o feine Śivā, gibt es weder Namen noch Erscheinungsort. Die Konsonanten besitzen für sich keine verwirklichte Gestalt; der Kraft zugewandt beginnen sie aufzuleuchten, werden aussprechbar und als Laute offenbar. Unter Auslassung von ṛ ṝ ḷ ḹ stelle man die sechs Gruppen zwischen die sechs Vokalpaare; die siebente, mit Krodha verbunden, werde am Ende angefügt. So lege man die sechs Glieder auf. [Die Formulierung über Zu- und Abwendung ist in Vers 4 gedrängt; die Aufgliederung der letzten Lautgruppe bleibt wie im Original knapp.]

6.IM.7–6.IM.8 und Fortsetzung In den sechzehnblättrigen Lotus der Kehle lege man die Vokale, in den zwölfblättrigen Herzlotus die zugehörigen Laute. In den zehnblättrigen Nabellotus lege man zehn Laute, in den sechsblättrigen Lotus am Geschlechtsorgan sechs und in den vierblättrigen Grundlotus vier. In den zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen lege man ha und kṣa. So geschieht der innere Mātṛkā-Nyāsa.

Aus einem anderen Tantra, 6.IA.1. Ich verneige mich vor der Lautgestalt in sämtlichen Lotusblättern: an Grundlage, Geschlechtsorgan, Nabel, Herz, Gaumenwurzel und Stirn; mit vier, sechs, zehn, zwölf, sechzehn und zwei Blättern; mit den Lauten va bis sa, ba bis la, ḍa bis pha, ka bis ṭha, den Vokalen im Kehlbereich und haṃ kṣaṃ, verbunden mit ihrem Prinzip und Sinn. [Die Vorlage zählt Orte und Blattzahlen in verschränkter Reihenfolge auf; die Zuordnung folgt der unmittelbar vorausgehenden Erklärung.]

Nach dieser Meditation lege man die Laute auf. Damit endet die innere Mātṛkā.

Die äußere Mātṛkā

Nach dem Ṛṣi-Nyāsa und den übrigen Zuordnungen wie zuvor meditiere man:

6.ÄM.1–6.ÄM.3 und Fortsetzung Die Göttin ist reich an Lautgestalt; die Vokale bilden ihr Gesicht, die ka- und ca-Gruppen ihre schönen Arme, die ṭa- und ta-Gruppen ihre Lotusfüße. Die pa-Gruppe bildet ihre schönen Seiten und ihren schlanken Bauch; die mit ya und śa beginnenden Gruppen schmücken ihren Leib mit vollen, hohen Brüsten. Sie besitzt breite Hüften, helle Augen und eine schmale Mitte, trägt weiße Girlanden und Salben und ist mit Gebetskette und Krug geschmückt. Ihre schöne Hand ist als cintālikhita beschrieben; sie gewährt alles Ersehnte. [Die letzte Handangabe ist nicht sicher zu deuten.]

6.ÄN.1–6.ÄN.2a Die sechzehn Vokale lege man an Scheitelöffnung, Gesichtsumkreis, beide Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen und Lippen, beide Zahnreihen sowie Kopf und Mund auf. [Die Scheitel- und Kopfangaben überschneiden sich sprachlich; die Reihenfolge wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.]

6.ÄN.2b–6.ÄN.4 Danach lege man die Laute der Reihe nach an die Gelenke und Spitzen von Armen und Beinen, an beide Seiten, Rücken, Nabel und Bauch. Den Lauten von ya an entsprechen Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen sowie Lebenshauch, individuelles und höchstes Selbst. Als diese Wesenheiten sollen sie aufgelegt werden.

6.ÄN.5–6.ÄN.6 Man lege sie an Herz und Armansätze, an die hintere Kehle und beide Achseln sowie vom Herzen aus an Hände und Füße, Bauch und Gesicht. So ist sie die Gestalt des inneren Körpers. Durch diesen Nyāsa-Yoga wird der Mantrakenner selbst zur Lautgestalt.

Damit endet die äußere Mātṛkā.

Schöpfung, Erhaltung und Rücknahme

Schöpfungs-Mātṛkā, unnummeriert. Nach dem Auflegen der einfachen Mātṛkā lege der verständige Brahmacārin die mit Visarga verbundene Form auf, die Schöpfung heißt.

Erhaltungs-Mātṛkā, unnummeriert. Nach der einfachen Mātṛkā lege ein im Hausstand lebender Übender die Erhaltungsform auf: mit Visarga und Bindu, beginnend bei ḍa.

Meditation, 6.EM.1. Man meditiere über die zinnoberglänzende, dreiäugige Göttin mit unermesslichem Schmuck. Sie trägt Vidyā, Gebetskette, Gazelle und die in der Vorlage als pītavarān geschriebene Attributfolge. An ihrer Seite steht die goldglänzende Erhabene mit Buch und Buchstabengirlande in den Lotushänden. [Die Attributfolge ist beschädigt und wird nicht frei vervollständigt.]

Danach lege man die mit Bindu und Visarga verbundenen Laute von ḍa bis ṭha an ihren jeweiligen Stellen auf, beginnend mit ḍaṃḥ namaḥ. Damit endet die Erhaltungs-Mātṛkā.

Rücknahme-Mātṛkā, unnummeriert. Nach der einfachen Mātṛkā lege ein Waldbewohner oder Entsagter die mit Bindu verbundene Mātṛkā in umgekehrter Ordnung auf.

Meditation, 6.RM.1. Verneigt euch vor der dreiäugigen Herrin der Laute, die in ihren Händen Gebetskette, Gazellenjunges, erhobene Axt und Vidyā trägt. Sie trägt den Halbmond auf dem Haupt, ist rot, wohnt im Lotus und neigt sich unter der Last ihrer Brüste.

Mit kṣaṃ namaḥ beginnend lege man die binduverbundenen Laute rückwärts an ihre jeweiligen Stellen auf. Damit endet die Rücknahme-Mātṛkā.

Kalās, Śiva und Viṣṇu in der Mātṛkā

6.KM.1–6.KM.3 und Fortsetzung Nach der einfachen Mātṛkā lege der Verehrer des Tārā beziehungsweise Praṇava die mit den Kräften seiner Teile verbundene Mātṛkā auf. Prajāpati ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Kalāsarasvatī die Gottheit. Oṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti, die Kalās sind der Kīlaka. Mit den langen Vokalen zwischen zwei Praṇavas, unter Ausschluss der als ṣaṇḍha bezeichneten Vokale, lege man die sechs Glieder auf und meditiere über die höchste Śivā.

Meditation, 6.KD.1. Ich verneige mich vor Śāradā, hell wie der volle Mond, unter ihren Brüsten geneigt. Ihre fünf dreiäugigen Gesichter leuchten wie Perle, Blitz, Wolke, Kristall und frischer Hibiskus. In ihren Händen trägt sie Lotus, Rad, Schnur, Gazelle, Buch, Buchstabengirlande, Axt, nochmals Axt, Schädelgefäß, Muschel und einen goldenen Krug voll leuchtenden Nektars. [Die zweimalige Axt steht so in der Vorlage.]

Man lege die Kalās an den Mātṛkā-Stellen auf, beginnend mit oṃ aṃ nivṛttikalāyai namaḥ – „Verehrung der Nivṛtti-Kalā“. Damit endet die Kalā-Mātṛkā.

6.SK.1a–6.SK.1b, 6.SK.3–6.SK.4 Nach der einfachen Mātṛkā lege der Śiva-Verehrer die mit Śrīkaṇṭha und den zugehörigen Kräften verbundene Form auf. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Ardhanārīśvara die Gottheit. Hasauṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti, Śiva-Śakti der Kīlaka. Mit dem Bīja in den sechs langen Vokalformen vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa. Wir nehmen stets Zuflucht zu der dreiäugigen Gestalt des halb mit Ambikā vereinigten Herrn: rot wie Bandhūka und golden, mit Gebetskette, Schlinge, Stachelstock und Wunschgewährung in den Armen, mit der Mondsichel geschmückt. [Die Vorlage nummeriert die ersten beiden Verse beide mit 6-1; danach folgen 6-3 und 6-4.]

Der Nyāsa beginnt mit hasauṃ aṃ śrīkaṇṭhāya pūrṇodaryai namaḥ – „Verehrung Śrīkaṇṭha und Pūrṇodarī“. Damit endet die Śrīkaṇṭha-Mātṛkā.

6.KE.1–6.KE.3 und Fortsetzung Nach der einfachen Mātṛkā lege der Viṣṇu-Verehrer die mit Keśava und den zugehörigen Kräften verbundene Form auf. Prajāpati ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, der mit Lakṣmī zur Hälfte vereinigte Hari die Gottheit. Das Kāma-Bīja ist das Bīja, namaḥ die Śakti, Viṣṇu-Lakṣmī der Kīlaka; die Verwendung gilt wie zuvor. Mit Kāmarāja in den sechs langen Vokalformen lege man die sechs Glieder auf.

Meditation, 6.KD.1b. Möge euch die vereinigte Gestalt des Lotusäugigen und Lakṣmīs schützen: Sie trägt Lotus, Keule, Muschel, Rad, Vidyā, Lotus, Spiegel und goldenen Krug. Sie schimmert wie Wolke und Blitz, besitzt links eine hohe Brust und trägt reichen Schmuck. Aus dem Verlangen nach Umarmung sind beide zu einer Gestalt geworden.

Der Nyāsa beginnt mit klīṃ śrīṃ aṃ keśavāya kīrtyai namaḥ – „Verehrung Keśava und Kīrti“. Damit endet die Keśava-Mātṛkā.

Die Mātṛkā-Formen der Göttinnen

Bhuvaneśvarī, 6.BH.1–6.BH.4. Nach der einfachen Mātṛkā lege ihr Verehrer die Mātṛkā mit vorangestelltem Bhuvaneśī-Bīja auf. Śakti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, die von den Göttern verehrte Bhuvaneśī-Mātṛkā die Gottheit. Hrīṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti, die ursprüngliche Prakṛti der Kīlaka. Mit den sechs langen Formen von Māyā vollziehe man die sechs Glieder. Möge die dreiäugige Weltherrin euch Glück schenken: auf einem Lotus sitzend, wie Millionen aufgehender Sonnen leuchtend, mit hohen, vollen Brüsten, geschmückt mit Mondsichel, Krone, Halsketten, Gürtel und Fußspangen. In ihren Lotushänden trägt sie Gebetskette, Schlinge, Stachelstock und Buch. Der Nyāsa beginnt mit hrīṃ aṃ namaḥ.

Lakṣmī, 6.BH.5–6.BH.7 und Fortsetzung. Nach der einfachen Mātṛkā lege ihr Verehrer die mit Lakṣmīs Bīja verbundene Mātṛkā auf. Bhṛgu ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Lakṣmī-Mātṛkā die Gottheit; śrīṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti, Prakṛti der Kīlaka. Mit dem Lakṣmībīja in den sechs langen Vokalformen lege man die sechs Glieder auf. Man meditiere über die Weltherrin: strahlend wie eine Blitzgirlande, von vier schneeberggleichen Elefanten mit Nektarkrügen übergossen, die ihre Rüssel hochhalten. Sie trägt Gebetskette, zwei Lotusse und Buch, strahlt mit Edelsteinen und neigt sich unter ihren Brüsten. Der Nyāsa beginnt mit śrīṃ aṃ namāḥ. [Die auffällige Endung namāḥ steht in der Vorlage.]

Kāmeśvarī, 6.KĀ.1–6.KĀ.3 und Fortsetzung. Nach der einfachen Mātṛkā lege ihr Verehrer die mit dem Kāma-Bīja verbundene Mātṛkā auf. Sammohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Kāmeśvarī die Gottheit. Klīṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti; eine eindeutige eigene Angabe zum Kīlaka fehlt. Mit den sechs langen Formen des Kāma-Bījas vollziehe man die sechs Glieder. Man meditiere über die dreiäugige Mutter von allem, leuchtend wie Millionen junger Sonnen, mit Kristallgebetskette, Zuckerrohrbogen, den fünf Pfeilen des Liebesgottes und Vidyā in ihren Lotushänden, den jungen Mond als Kopfschmuck tragend. Der Nyāsa beginnt mit klīṃ aṃ namaḥ.

Sammohanī, 6.SM.1–6.SM.3 und Fortsetzung. Nach der einfachen Mātṛkā lege der Tripurā-Verehrer die mit Śakti, Śrī und Kāma verbundene Form auf. Sammohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Sammohanī die Gottheit. Klīṃ ist das Bīja, hrīṃ die Śakti, śrīṃ der Kīlaka. Durch zweimaliges Durchlaufen der drei Bījas vollziehe man die sechs Glieder. Ich meditiere über die rote, dreiäugige Sammohanī mit jungem Mond auf dem Haupt, unter ihren Brüsten belastet; ihre Hände tragen Gebetskette, Zuckerrohrbogen, Schlinge, zwei Lotusse, Stachelstock, Pfeile und ein neues Buch. Der Nyāsa beginnt mit hrīṃ śrīṃ klīṃ aṃ namaḥ.

Die Weltverehrung wurde bereits zuvor ausführlich erklärt. Damit sind die zehn Mātṛkā-Formen behandelt, die als allgemeine Formen genannt werden.

Die Mātṛkā als Glied der Śrīvidyā

Wort des Durvāsas, 6.DU.1. Göttin, wer seinen reinen eigenen Leib mit den sechs Nyāsas von Gaṇeśa, Planeten, Gestirnen, großen Yoginīs, Tierkreiszeichen und heiligen Sitzen weiht, mit den ehrwürdigen Mātṛkā-Lauten und ihren vielen Kalās, mit den acht Sprachgöttinnen, den Paaren von Śrīkaṇṭha an, Keśava und den übrigen und mit den sechsunddreißig Prinzipien von Erde an – und sich dann dich vergegenwärtigt –, der ist du selbst.

Kommentar. Die Überlieferung wird als vierfach bezeichnet: Laut-Mātṛkā, Kalā-Mātṛkā, Gestalt-Mātṛkā und Mātṛkā der Weltverehrung. Der Laut-Mātṛkā-Nyāsa ist seinerseits zehnfach und bildet ein Glied der Śrīvidyā.

6.DU.2 Wer den Nyāsa kennt und vollzieht – rein, mit Bindu, mit Visarga, von Hṛllekhā begleitet, von Bālā umschlossen, ebenso von Parā, mit Śrīvidyā geschmückt, aufsteigend und absteigend sowie mit den beiden Haṃsa-Formen –, der ist selbst Schöpfer, Erhalter und Auflöser aller Welten.

Die von Bālā, Parā und Śrīvidyā umschlossenen Formen

Bālā, 6.BĀ.1–6.BĀ.3. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Paṅkti das Versmaß, die aus Lauten bestehende Bālā die Gottheit. Vāgbhava ist das Bīja, das dritte Bīja die Śakti, Kāmarāja der Kīlaka. Die Verwendung gilt dem Nyāsa als Glied der Śrīvidyā. Mit zweimaliger Wiederholung der drei Bālā-Bījas vollziehe man die sechs Glieder.

6.BĀ.4–6.BĀ.5 Im Lautlotus meditiere man über die Erhabene, die aus dem Mūlādhāra aufsteigt: geschmückt mit Perlenkrone, Ohrringen, Armreifen, Edelsteinhalsband, Ketten und Fingerringen, mit leuchtenden Spangen, Gürtel und klingenden Fußreifen. Rubinschmuck ziert ihren Bauch und ihre vollen Brüste; sie trägt die Mondsichel. Von der oberen rechten Hand an hält sie Schlinge, Stachelstock, Buch und Gebetskette. Ihr freundliches Gesicht gleicht dem Vollmond und leuchtet mit drei Augen. Leib, Girlanden, Salben und Gewänder sind hell wie Mond und Milch. Sie ist die Gottheit der Sprachgöttinnen; durch ihre fünfzig Schriftzeichen entfaltet sich die ganze Welt.

Der Nyāsa beginnt mit oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ klīṃ sauḥ aṃ sauḥ klīṃ aiṃ. Damit endet die von Bālā umschlossene Mātṛkā.

Parā, 6.PA.1–6.PA.2 und Fortsetzung. Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Parāsarasvatī-Mātṛkā die Gottheit. Mit Parā in den sechs langen Vokalformen vollziehe man die sechs Glieder. „Ich verneige mich vor der höchsten Kalā, hell wie der fleckenlose Mond, dreiäugig, mit Mondsichel; ihre Arme leuchten mit Mudrā und Buch.“ Der Nyāsa beginnt in der Vorlage mit sau aṃ sauḥ. [Das erste sau ist ohne Visarga überliefert.]

Śrīvidyā, 6.ŚV.1a und Fortsetzung. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Paṅkti das Versmaß, Mahātripurasundarī in Mātṛkā-Gestalt die Gottheit. Durch zweimaliges Durchlaufen der drei Gruppen vollziehe man die sechs Glieder.

Meditation, 6.ŚV.1b. Ich nehme Zuflucht zur Herrin, über die ich meditiere: rot leuchtend, dreiäugig, mit Edelsteinkrone und schönen Juwelenohrringen. Ihre Lotushände erstrahlen mit Schlinge, Stachelstock, Liebesbogen und Pfeilen. Eine Perlenkette rollt über ihre hohen, vollen Brüste und lässt ihren Leib leuchten. Sie sitzt im Lotus und trägt rote Gewänder.

Man lege die Mūlavidyā, aṃ und die Verneigung am Kopf und entsprechend weiter auf. Die Vorlage kürzt mit 4 mūlaṃ aṃ namāḥ ab; die Ziffer und die auffällige Endung werden nicht zu einer unbelegten vollständigen Formel erweitert.

Haṃsa und Paramahaṃsa

Haṃsa, 6.HA.1a und Fortsetzung. Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, die große Göttin Hara-Gaurī-Mātṛkā die Gottheit. Mit hasa in den sechs langen Vokalformen vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa.

Meditation, 6.HA.1b. Möge euch die Gestalt des halb mit Ambikā vereinigten Herrn schützen, Wurzel der Welt, sanft und feurig zugleich: wie aufgehende Sonne und aufblitzender Blitz, dreiäugig, mit Mondsichel, von göttlichem Schmuck aus neuen Edelsteinen geziert. Die Lotushände tragen Schlinge und Axt und zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung.

Der Nyāsa beginnt mit der Quellenkürzung 4 haṃsaḥ aṃ namaḥ am Kopf und geht entsprechend weiter.

Paramahaṃsa, 6.PH.1–6.PH.2 und Fortsetzung. Paramahaṃsa ist der Seher, Virāṭ das Versmaß; die Gottheit besteht aus Bewusstsein und hat das Wesen des höchsten Selbst. Mit den Lautgruppen zwischen zwei Praṇavas vollziehe man die sechs Glieder. Man meditiere über die klare, dreiäugige Mutter von allem: Ihre Lautgestalt entfaltet sich durch den ehrwürdigen Mantra des höchsten Selbst. Ihr Weg liegt jenseits der Erkenntnismittel und wird doch innerlich erkannt. Sie trägt Vidyā, Gebetskette und Krug und zeigt eine Mudrā.

Der Nyāsa beginnt mit 4 so'haṃ kṣaṃ namaḥ und legt die Laute rückwärts an ihren jeweiligen Stellen auf. Damit endet die Paramahaṃsa-Mātṛkā.

Die Kalā-Nyāsas

Nun folgt der fünffache Kalā-Nyāsa: die aus dem Praṇava hervorgehenden Kalās, Kāmakalā, Somakalā, Trimūrtikalā und die achtunddreißig Kalās. Die letzte Form ist zweifach: achtunddreißig Licht-Kalās und achtunddreißig Śiva-Kalās. Der Nyāsa der aus dem Praṇava hervorgehenden Kalās wurde bereits erklärt; hier folgt seine besondere Ausgestaltung.

6.KL.1 Die Kalās werden zusammen mit Praṇava und dem jeweils zugehörigen Laut, mit der Endung namaḥ, aufgelegt. An diesen Stellen lege man die Kräfte der Mātṛkā auf.

Aus den fünf Gliederungen des Praṇava entstehen die Kalās in den fünfzig Lauten. Nach dem Nyāsa der jeweiligen Lautgruppe werden ihre Kräfte so meditiert:

Vokale, 6.KV.1. Durch Sadāśiva aus Nāda hervorgegangen, leuchten sie weiß. Ihre Lotushände tragen Gebetskette, Buch, Schnur und Schädelgefäß.

Ka- und Ca-Gruppe, 6.KB.1. Durch Brahmā aus dem Laut a hervorgegangen, leuchten sie wie erhitztes Gold. Ihre Lotushände tragen Gebetskette, Lotus und Wassergefäß und zeigen Furchtlosigkeit.

Ṭa- und Ta-Gruppe, 6.KW.1. Durch Viṣṇu aus dem Laut u hervorgegangen, gleichen sie einem Tamāla-Blatt. Ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung und tragen Muschel und Rad.

Pa- und Ya-Gruppe, 6.KR.1. Durch Rudra aus dem Laut ma hervorgegangen, leuchten sie wie der Herbstmond. Sie zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung und tragen Dreizack und Schädelgefäß.

Ṣa-Gruppe, 6.KI.1. Durch Īśvara aus Bindu hervorgegangen, gleichen sie einer Hibiskusblüte. Sie zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung und tragen Gazelle und Axt.

So sollen sie meditiert werden. Die besondere Verehrung ist im Abschnitt über die Aufstellung der Gefäße nachzusehen.

Die achtunddreißig Licht-Kalās

Die Vokalkräfte lege man der Reihe nach auf, beginnend mit 4 aṃ amṛtāyai namaḥ – „Verehrung Amṛtā“ – am Kopf. Danach folgen die Gelenke und Enden der Gliedmaßen:

Bereich Überlieferter Anfang Überliefertes Ende
Rechter Arm 4 kaṃ bhaṃ tapinyai namaḥ – Tapinī ṅaṃ naṃ jvālinyai namaḥ – Jvālinī
Linker Arm 4 caṃ dhaṃ rucyai namaḥ – Ruci aṃ ṇaṃ bodhinyai namaḥ – Bodhinī
Rechtes Bein 4 ṭaṃ ḍhaṃ dhāriṇyai namaḥ – Dhāriṇī 4 laṃ jvalinyai namaḥ – Jvalinī
Linkes Bein 4 vaṃ jvālinyai namaḥ – Jvālinī 4 haṃ kapilāyai namaḥ – Kapilā

Die übrigen beiden Kalās werden am Kopf und den ganzen Leib durchdringend aufgelegt. Damit endet der Nyāsa der achtunddreißig Licht-Kalās. [Die Quelle nennt für die Gliedmaßen ausdrücklich nur Anfang und Ende; die dazwischenliegenden Formeln werden nicht frei ergänzt. Die auffällige Lautfolge aṃ ṇaṃ und die unterschiedlichen Formen Jvalinī/Jvālinī bleiben erhalten.]

Weitere Kalā-Nyāsas werden später erklärt. Nach Auffassung des ehrwürdigen Ācārya folgt darauf die Weltverehrung; sie ist in der zuvor beschriebenen Weise zu verstehen. Ihre Frucht wird so angegeben:

6.PY.1 Nachdem der Mensch dieses aus Lauten bestehende Feueropfer vollzogen hat, besitzt er einen göttlichen Leib. Dann wiederhole er sämtliche Mantras und erlange dadurch Vollendung.

6.PY.2 Wer als Mantrakenner die Ordnung der Weltverehrung vollzieht, hat sein Werk getan. Alle Mantras leuchten für ihn auf und entfalten ihre Kraft. Er wird als einer bezeichnet, der stets das Selbst verehrt.

6.PY.3 Ein gewöhnliches Agnihotra kommt nicht einmal einem winzigen, nochmals geteilten Zehnmillionstel dieses Opfers gleich. Wer so handelt, erlangt Befreiung, an welchem Ort sein Körper auch fallen mag. [Die starke Rangordnung gehört zum Lob dieses inneren Opfers.]

Im Prapañcasāra, nach der Quellenangabe Kapitel 7, Vers 51:

Unnummeriertes Zitat. Die zehn gesondert beschriebenen Nyāsas – rein, mit Bindu, mit Kalās, mit Keśava und den übrigen, mit Śrīkaṇṭha und den übrigen, jeweils mit Śakti, Kamalā und Māra und bis zur Brahman-Verehrung reichend – sind Wunschbäume der Entschlüsse auf dem Weg zur Vollendung des Übenden. [Die gedrängte Aufzählung nennt nicht jede der zehn Formen nochmals einzeln.]

6.PS.2 Besonders die Weltverehrung ist ein Feuer für die vielfältigen Nöte und den entfalteten Saṃsāra. Denen, die sie pflegen, erschließt sie mühelos das Höchste und Ewige und offenbart stets dessen Sinn.

6.PS.3–6.PS.4 Nachdem der Mantrakenner die Mutter der Welt vorschriftsmäßig auf den Körper aufgelegt hat, wiederhole er Mantras, verehre die Gottheiten und opfere mit ungeteilter Aufmerksamkeit im Feuer. „Göttlich geworden, verehre man die Götter; als Nichtgöttlicher verehre man keinen Gott.“ So spricht nach Aussage des Textes die Śruti selbst. Deshalb soll der Verständige zuerst den Nyāsa vollziehen.

6.PS.5–6.PS.6 Wer, vom Schutzpanzer des Nyāsa umhüllt, den Mantra wiederholt, vor dem fliehen die Hindernisse wie Elefanten beim Anblick eines Löwen. Wer dagegen unverständig ohne die Nyāsas den Mantra wiederholt, wird von allen Hindernissen bedrängt wie ein Gazellenjunges von Tigern.

Damit enden die Mātṛkā-Nyāsas.

Die sechsunddreißig Tattvas im Körper

Nun folgt der Nyāsa der sechsunddreißig Prinzipien. Die Anfangsformel lautet 4 kṣaṃ pṛthivītattvavyāpikāyai śrīmahātripurasundaryai namaḥ – „Verehrung der ehrwürdigen Mahātripurasundarī, die das Erdprinzip durchdringt“ – an beiden Füßen. Es folgt entsprechend laṃ für das Wasserprinzip am Geschlechtsorgan. Die Laute werden in umgekehrter Ordnung weitergeführt; die jeweilige Formel gilt der Göttin als Durchdringerin des genannten Prinzips.

Prinzip Stelle
Erde Beide Füße
Wasser Geschlechtsorgan
Feuer Herz
Wind Mund
Raum Kopf
Geruch Beide Füße
Geschmack Geschlechtsorgan
Gestalt Herz
Berührung Mund
Klang Kopf
Geschlechtsorgan Geschlechtsorgan
Ausscheidungsorgan After
Füße Beide Füße
Hände Beide Hände
Sprache Mund
Geruchsorgan Beide Nasenseiten
Zunge Zunge
Auge Beide Augen
Haut Ganzer Körper
Gehör Beide Ohren
Manas, Geist Herz
Ahaṃkāra, Ichbildung Herz
Buddhi, Unterscheidungsvermögen Herz
Prakṛti, ursprüngliche Natur Ganzer Körper
Puruṣa, bewusstes Selbst Ganzer Körper
Rāga, begrenzendes Verlangen Herz
Vidyā, begrenztes Wissen Herz
Kalā, begrenzte Handlungskraft Herz
Niyati, Begrenzung und Ordnung Ganzer Körper
Kāla, Zeit Ganzer Körper
Māyā Herz
Śuddhavidyā, reines Wissen Herz
Īśvara Herz
Sadāśiva Hals
Śakti Mūlādhāra
Śiva Sahasrāra

Damit endet der Nyāsa der sechsunddreißig Tattvas.

Prāṇāyāma und die Berechtigung zur Verehrung

6.PR.1 Nach diesen Handlungen wird man zur Wiederholung des Mantras der höchsten Gottheit und zu den weiteren Vollzügen befähigt. Die Atemregulierung soll mit eben dem Mantra geschehen, den man wiederholen möchte.

Kommentar. Ferner heißt es: „Nach solcher Atemregulierung lege man den Yogasitz auf den Körper auf.“ Deshalb vollziehe man mit der Mūlavidyā dreimal Prāṇāyāma und danach den Yogapīṭha-Nyāsa. Nun wird die Atemregulierung genauer unterschieden. Der Prāṇa reicht nach dieser Lehre zwölf Fingerbreit über den Körper hinaus. Āyāma bezeichnet hier seine Begrenzung: Er wird auf die Ausdehnung des Körpers oder darunter zurückgeführt. Deshalb spricht der Text von der Beherrschung des Windes. [Die folgenden Atemmaße und Wirkversprechen werden als historische Lehre übersetzt. Sie sind keine individuell angepasste Übungsanleitung.]

Im Tripurāsārasamuccaya:

6.PR.2–6.PR.3 Der Körper wird von den Verständigen mit sechsundneunzig eigenen Fingerbreiten bemessen. Der von den Yoga-Kundigen Prāṇa genannte Wind reicht zwölf Fingerbreit über ihn hinaus. Wer durch beständige Übung diesen Atem auf die Körperausdehnung oder darunter zurückführt, gilt den Verständigen auf Erden als verehrungswürdig und als vortrefflicher Yoga-Kenner.

Kommentar. Prāṇāyāma besteht aus den drei Gliedern Einatmung, Anhalten und Ausatmung. Im eigentlichen Sinn bezeichnet das Wort hier das Anhalten; die beiden anderen dienen seiner Unterstützung.

Jñānārṇava, 6.JÑ.1. Das Halten der Nasenöffnungen mit kleinem Finger, Ringfinger und Daumen, ohne Zeige- und Mittelfinger, soll als Prāṇāyāma verstanden werden.

Es wird zwischen begleitetem und selbständigem Kumbhaka unterschieden. Die begleitete Form kennt wiederum zwei Ordnungen: mit der Ausatmung oder mit der Einatmung beginnend.

Yogaśāstra, 6.YA.1–6.YA.2. Prāṇāyāma wird nach Ausatmung, Einatmung und Anhalten dreifach genannt; Kumbhaka gilt als begleitet oder selbständig. Beim begleiteten Anhalten folgt nach der Ausatmung eine langsame Einatmung. Bis die selbständige Form gelingt, übe man die begleitete.

Prapañcasāra, unnummeriert. Die Regulierung des Windes ist nach Ausatmung, Einatmung und Anhalten dreifach. Man entlasse den Wind durch die rechte Nāḍī, nehme ihn durch die linke auf und lasse ihn in der mittleren ruhen. Die Maße werden in dieser Reihenfolge als sechzehn, deren Doppeltes und vierundsechzig Mātrās angegeben.

Kommentar. „Nāḍī“ bezieht sich auf rechts, links und Mitte: Iḍā liegt links, Suṣumnā in der Körpermitte, Piṅgalā auf der anderen Seite. „Das Doppelte“ bedeutet zweimal sechzehn. Nun folgt die mit der Einatmung beginnende Ordnung im Samuccaya.

6.SA.1–6.SA.2 Durch den Mondweg fülle man den Bauch langsam und aufmerksam mit Wind, ohne Schläfrigkeit, den Geist an die Wurzel des Zeitfeuers gerichtet. Das Einatmungsmaß wird als vikāramātrā bezeichnet. Danach halte man den eingeatmeten Wind mit festem Geist vierundsechzig Mātrās an und entlasse ihn langsam durch den Sonnenweg während der Hälfte dieser Zahl. [Die erste Zahlenangabe ist nicht ausgeschrieben; ihre übliche Auflösung wird hier nicht stillschweigend eingesetzt.]

Die Auslegung des Vāmakeśvara-Tantra

6.VĀ.1–6.VĀ.3 Man vergegenwärtige Einatmung, Anhalten und Ausatmung. Nach innerer Sammlung im Mūlādhāra nehme der sinnesbeherrschte Tattva-Kenner den Wind langsam auf und fülle den Körper nach seinem Vermögen. Dann halte er den Wind an, mit dem Geist im Licht. Während des Anhaltens betrachte der Verständige die heilvolle, befreiende Vidyā. Anschließend entlasse er den Wind so, wie er seiner Natur nach hinausgeht.

6.VĀ.4–6.VĀ.6 und Fortsetzung Mit dem Wind führe der Mantrakenner das im Körper befindliche Tamas hinaus. Links atme er ein, rechts aus. Das Anhalten übe er mit der als māhendra bezeichneten Gleichmäßigkeit. Durch den Yoga des Kumbhaka werde höchste Vollendung erlangt. Der Übende bestimme das Maß nach Vermögen, wie es den Kennern der Prinzipien entspricht: nach Kraft den Wind aufnehmen, nach Kraft anhalten und naturgemäß wieder entlassen. Daraus entstehe Vollendung. [Die letzte Sanskritformulierung ist grammatisch auffällig; der anschließende Kommentar erläutert sie als naturgemäße Ausatmung.]

Kommentar. Für diese Vidyā beschreibt das Nityātantra ausdrücklich die mit der Einatmung beginnende Folge. Die mit der Ausatmung beginnende Folge ist allgemeiner Art; Prapañcasāra und andere Texte lehren sie im Anschluss an die Śruti auch für Vaiṣṇavas und andere. Die Śruti wird zitiert: „Drei Atemregulierungen werden genannt: Ausatmung, Einatmung und Anhalten.“ Manche weisen die ausatmungsbeginnende Folge den bereits im Atem Geübten zu. Andere Tantras kennen auch die einatmungsbeginnende Folge allgemein. Beide sind somit grundsätzlich möglich; hier hebt Maheśvara die einatmungsbeginnende hervor.

Bei der Aufnahme des Windes heißt die Handlung Pūraka, beim Festhalten Kumbhaka, beim Entlassen Recaka. Ein weiterer Ausspruch erklärt: „Das Füllen des Bauches mit Wind von außen ist Pūraka; sein Festhalten wie in einem gefüllten Krug ist Kumbhaka; das Auslassen aus dem Bauch nach außen heißt Recaka.“

Dakṣiṇāmūrti, 6.DP.1. Mit dem Wurzelmantra fülle man links den Bauch, halte den Atem und entlasse ihn rechts; dies wird mit der dreifachen Wiederholung verbunden. [Die knappe Formulierung lässt das genaue Verhältnis der Wiederholung zu den Atemgliedern offen.]

Jñānārṇava: „Auf dem Sitz richtig sitzend, fülle man links den Bauch.“ Tantrarāja: „Durch die linke Nasenöffnung fülle man sich mit dem nektarhaften [Atem]; des Wassers gedenkend entlasse man danach den Wind rechts.“

Tantrarāja, 6.TR.1. Den Geist im Mūlādhāra gesammelt, nehme man den Wind von der Wurzel her auf, führe ihn in den Nāḍī-Kreis und lasse ihn durch alle Körperglieder ziehen.

Kommentar. „Auflösung im Mūlādhāra“ bedeutet die Sammlung beziehungsweise Auflösung des Geistes; dadurch wird auch der Wind dort gesammelt. „Nach Wunsch“ heißt, den von Natur ein- und ausgehenden Wind entsprechend dem eigenen Vermögen heranzuziehen. „Den Geist im Licht“ bedeutet, dass der Geist im höchsten Selbst ruht. Man hält den Atem als das selbstleuchtende höchste Selbst an, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.

Die Frage, ob innerhalb der drei Atemglieder über die Vidyā meditiert wird, beantwortet der Satz „Beim Kumbhaka betrachte man die Vidyā“. Vidyā ist befreiungsdienliches Wissen und hier Śrīvidyā. Deshalb heißt sie „heilvoll und befreiend“. Beim Anhalten stelle man sich die Mūlavidyā von der Wurzel bis zur Scheitelöffnung vor: die feine Meditation über Śrīvidyā. Bei der mit innerem Inhalt erfüllten Atemregulierung gilt dies für die Atemglieder; fehlt die Fähigkeit dazu, zumindest für das Anhalten.

Die Ausatmung soll naturgemäß sein, ohne ein gewaltsames Zuviel oder Zuwenig. Unangemessene Übung führt nach dem Text zu Störungen.

Gorakṣaśataka, 6.GO.1–6.GO.4 und Fortsetzung. Angemessen nehme man den Wind auf, angemessen halte man ihn, angemessen entlasse man ihn; so erlange man Vollendung. Wie Löwe, Elefant und Tiger nur langsam gebändigt werden, so auch der eigene Atem; anders gefährdet er den Übenden. Richtige Atemregulierung wird als Krankheiten beseitigend gerühmt, falsche Übung als Ursache von Krankheiten. Schluckauf, Atembeschwerden, Husten sowie Kopf-, Ohren- und Augenschmerzen und weitere Erkrankungen werden als Folgen falscher Atemregulierung genannt. Deshalb soll sie auf dem von der Lehre gewiesenen Weg erfolgen.

Kommentar. Beim Ausatmen vergegenwärtige man, dass Tamas zusammen mit dem Wind den Körper verlässt. Die erste Atemrunde beginnt links. In der zweiten und den weiteren geraden Runden beginnt die Einatmung rechts. Dazu heißt es:

6.WE.1 Durch dieselbe Seite, durch die man ausgeatmet hat, atme man ein, halte dann an und atme durch die andere Seite aus: langsam, immer wieder.

Atem, Geist und Reinigung der Nāḍīs

Im Yogaśāstra:

6.YN.1–6.YN.3 Auf festem Sitz übe der beherrschte Yogin, der bekömmlich und maßvoll isst, Prāṇāyāma nach der Unterweisung seines Gurus. Bewegt sich der Wind, bewegt sich der Geist; wird der Wind still, wird die Sammlung fest. Der Yogin gewinnt Beständigkeit; deshalb wird der Wind gebunden. Solange der Wind im Körper weilt, heißt es Leben; sein Ausgehen heißt Tod. Deshalb soll er gebunden werden.

6.YN.4–6.YN.6 Solange die Nāḍīs von Unreinheit erfüllt sind, gelangt der Wind nicht in die Mitte. Wie könnten dann Unmanī, der Zustand jenseits des gewöhnlichen Denkens, und die Vollendung eintreten? Erst wenn der verunreinigte Nāḍī-Kreis gereinigt ist, wird der Yogin zur Sammlung des Prāṇa fähig. Deshalb übe er täglich mit sattvigem Geist, damit die Unreinheiten an der Suṣumnā austrocknen.

6.YN.7–6.YN.10 Im gebundenen Lotussitz atme der Yogin durch den Mondweg ein, halte nach Vermögen an und atme durch den Sonnenweg aus. Dann nehme er durch den Sonnenweg langsam Wind in den Bauch auf, halte vorschriftsmäßig an und atme durch den Mondweg aus. Durch dieselbe Seite, durch die er ausatmete, atme er wieder ein; er halte ohne gewaltsame Hemmung an und entlasse den Wind langsam durch die andere Seite, ohne Hast. Wer so regelmäßig zwischen Iḍā und Piṅgalā wechselt, dessen Nāḍīs würden nach drei Monaten gereinigt.

Tripurāsāra, 6.TP.1. Danach vollziehe man die umgekehrte Folge, und dann wieder deren Umkehrung. Auf diese Weise beherrsche der wohlgesinnte Übende den Wind beständig.

Kommentar. Das zuvor genannte höchste Ergebnis des Kumbhaka bezieht sich auf den selbständigen Kumbhaka. Die festen Zahlen werden für bereits gut geschulten Atem genannt. Beim ersten Üben lässt der Text ausdrücklich Spielraum. Anfänger dürfen unter dem genannten Maß bleiben, mittlere Übende das genannte Maß anwenden und Fortgeschrittene darüber hinausgehen: So erläutert der Kommentar „nach Vermögen“.

Was eine Mātrā bezeichnet

Nārada, 6.NĀ.1. Die Zeit, in der die eigene Hand das Knie umkreist, heißt eine Mātrā; sie wird mit dem Maß eines eigenen Atemzuges verglichen.

Phetkāriṇītantra, 6.PF.1. Wenn man das Knie weder schnell noch langsam rechtsherum umkreist und mit den Fingern schnippt, heißt dies eine Mātrā.

Kātyāyanītantra, 6.KY.1. Die Zeit, in der der Daumen den Mittelfinger von der Wurzel bis zur Spitze drückt, nennen die Verständigen eine Mātrā; sie dient dem im Yoga Erstrebten.

Kommentar. Entscheidend sei jedoch die Aussprache des jeweiligen Mantras als Maß.

Gautamīya, 6.GA.1. Man atme rechts aus, dann links ein und wiederhole den Mantra zweiunddreißigmal. Dies wird Prāṇāyāma genannt.

Kommentar. Die Wiederholung erfolgt nach der Einatmung beim Anhalten. Dies gilt für die ausatmungsbeginnende Auffassung; dort finden Wiederholung und Meditation nur beim Anhalten statt.

Dakṣiṇāmūrtikalpa, 6.DK.1. Nachdem Prāṇa und Apāna ausgeglichen und das Anhalten richtig vollzogen wurden, meditiere man mit gesammeltem Geist über mich, der ich im Herzlotus sitze.

Agastyasaṃhitā, 6.AG.1. Nachdem der Verständige die Lebenswinde nach Vermögen gebunden hat, wiederhole er den Mantra im Geist und meditiere immer wieder über Rāma in der zuvor beschriebenen Weise.

Kommentar. Während des Anhaltens wird über Rāma meditiert und der Mantra nach Vermögen wiederholt. Vaiṣṇavas schließen daraus: Wo kein besonderes Maß genannt ist, gilt die eigene Fähigkeit. Diese Auslegungsregel wird auch auf andere Stellen übertragen. So wird im Vāmakeśvara-Tantra für Śrīvidyā die Betrachtung der befreienden Vidyā beim Anhalten vorgeschrieben.

Genauer ergibt sich daraus: Beim selbständigen Kumbhaka der mit innerem Inhalt erfüllten Atemregulierung finden Japa und Meditation beim Anhalten statt. Beim begleiteten Kumbhaka können sie bei genügender Fähigkeit alle drei Glieder begleiten; andernfalls sind sie zumindest beim Anhalten erforderlich. Verwendet werden Mūlavidyā, Bālā oder, falls dies nicht möglich ist, der Praṇava. Das Phetkārīya sagt: „Dreimal vollziehe man Atemregulierung mit dem Wurzelmantra oder mit Praṇava.“

Für Menschen, denen die Aussprache des Praṇava untersagt wird, nennt der Text an dessen Stelle auṃ mit dreieinhalb Mātrās.

Kālikāpurāṇa, 6.KP.1. Der vierzehnte Vokal, dreieinhalb Mātrās genannt, mit Nāda und Bindu, wird als Brücke für Śūdras bezeichnet. [Dies dokumentiert eine historische, an soziale Zugehörigkeit gebundene Beschränkung der Mantraaussprache.]

Unterschiedliche Maße und der selbständige Kumbhaka

Kommentar. Für geschulten Atem nennt der Tripurāsāra die bereits beschriebene Zählung. Der Tantrarāja bietet eine andere.

Tantrarāja, 6.TZ.1. Nach gründlicher Schulung nehme man den Atem in zweiunddreißig Mātrās auf, halte ihn vierundsechzig Mātrās an und entlasse ihn während eines Viertels davon.

Dies sei die Auffassung des Śrīkādī-Lehrweges; zwischen beiden Auffassungen bestehe eine Wahl. Bei mangelnder Fähigkeit gilt das allgemeinere Maß des Phetkārīyatantra:

6.PZ.1 und Fortsetzung Das Anhalten geschieht während zwölf Mātrās, die Ausatmung während deren doppelter Zahl. So vollziehe man drei Atemregulierungen, jede aus drei Gliedern bestehend. [Das Einatmungsmaß wird in diesem Zitat nicht eigens genannt.]

Ist auch dies nicht möglich, gilt das Subhagodayā: „Dreimal vollziehe man Atemregulierung, dabei die Vidyā im Herzen erinnernd.“ Dessen Verfahrenskommentar erklärt: rechts einatmen mit einer Wiederholung des Wurzelmantras, anhalten mit vier Wiederholungen, links ausatmen mit zwei Wiederholungen; dies dreimal. Der Verfasser erwägt, dass der Beginn rechts eine gerade Runde betrifft, da ungerade Runden links beginnen. Er fügt jedoch ausdrücklich hinzu: Es könnte auch eine eigene Lehrmeinung sein; „wir wissen es nicht“. Bei noch geringerer Fähigkeit bleibt die knappe Vorgabe aus Jñānārṇava und Dakṣiṇāmūrti mit ihrer dreifachen Wiederholung. Damit endet der begleitete Kumbhaka.

Im Yogaśāstra zum selbständigen Kumbhaka:

6.KEV.1–6.KEV.3 Das Halten des Windes im Mund unter Weglassen von Aus- und Einatmung wird selbständiger Kumbhaka genannt. Ist er ohne Aus- und Einatmung vollendet, sei in den drei Welten nichts unerreichbar. Wer dadurch den Wind nach Belieben halten kann, erlangt den Zustand des Rājayoga.

6.KEV.4–6.KEV.6 Ohne Haṭhayoga gelingt Rājayoga nicht, ohne Rājayoga auch Haṭhayoga nicht. Deshalb übe man beide bis zur Vollendung gemeinsam. Am Ende der Ausatmung nach dem Anhalten lasse man den Geist ohne Stütze ruhen; durch solche Übung gelange man zum Rājayoga. Durch Kumbhaka erwacht Kuṇḍalinī; dadurch wird die Suṣumnā frei und die Vollendung des Haṭha entsteht.

Kommentar. Ha wird als Sonne, ṭha als Mond erklärt: rechts und links, Piṅgalā und Iḍā. Die Vereinigung des Prāṇa durch sie im Mūlādhāra und den weiteren Bereichen heißt Haṭhayoga. Der Kommentar verbindet die Atemregulierung mit Rājayoga und dem Weg durch die sechs Cakras in der Suṣumnā zur Einheit von Śiva und Śakti.

Tantrarāja, 6.YL.1. Zittern, Aufrichten der Körperhaare, Glückseligkeit, Reinheit, Festigkeit, Leichtigkeit sowie Schönheit und Leuchten gelten als Merkmale eines im Yoga Vollendeten.

Yogaśāstra, 6.HL.1. Schlankheit, ein heiteres Gesicht, klarer innerer Klang, reine Augen, Gesundheit, Beherrschung des Bindu und Entfachung des Feuers werden als Zeichen der Nāḍī-Reinigung und Haṭha-Vollendung genannt.

Damit ist der selbständige Kumbhaka erklärt.

Mit Mantra und Meditation erfüllte Atemregulierung

Kommentar. Prāṇāyāma wird als Sagarbha und Vigarbha unterschieden, wie auch das Rudrayāmala ausdrücklich sagt.

Yoginītantra, 6.YG.1. Diese Atemregulierung gilt als alle Verfehlungen vernichtend. Ohne inneren Inhalt heißt sie Vigarbha; mit innerem Inhalt wird ihr hundertfache Frucht zugeschrieben. Ohne Japa und Meditation nennen die großen, dem Yoga hingegebenen Weisen sie „ohne Inhalt“; mit beiden verbunden „mit Inhalt“.

Im Tantrarāja werden wiederum drei Stufen unterschieden:

6.TD.1–6.TD.3 Bei der höchsten Atemregulierung werden Leichtigkeit, Abheben vom Boden und Befriedung des Geistes genannt; bei der niedrigen vermehrtes Schwitzen am ganzen Körper, bei der mittleren Zittern aller Glieder. Durch fortgesetzte Übung und Zeit könnten auch daraus die höchsten Eigenschaften entstehen. Deshalb übe man regelmäßig morgens und abends.

Tripurāsāra, 6.TF.1–6.TF.2. Wer als reiner, beherrschter Zweimalgeborener täglich morgens und abends sechzehn mit Praṇava verbundene Atemregulierungen vollzieht, werde innerhalb eines Monats selbst von der Verfehlung der Tötung einer Leibesfrucht gereinigt: Wie Feuer verbrennen sie die Baumwolle der Verfehlungen. Nach sechs Monaten schützen sie nach dem Vers vor den aus früheren Geburten angesammelten Verfehlungen; nach einem Jahr offenbaren sie die eine Brahman-Stätte, die Acyuta heißt. [Die Deutung von bhrūṇapraharaṇa als Tötung einer Leibesfrucht folgt dem Wortlaut; historische Verwendungen des Begriffs können weiter gefasst sein.]

Yogaśāstra, 6.YF.1–6.YF.4 Morgens, mittags, abends und um Mitternacht übe man Kumbhaka und steigere sich langsam bis achtzig. Bei geringer Stufe entsteht Bewegung, bei mittlerer Zittern; bei höchster Atembindung wird im Lotussitz wiederholtes Sich-Erheben beschrieben. Mit dem durch Anstrengung entstandenen Schweiß reibe man den Körper; dadurch entstünden Festigkeit und Leichtigkeit. Zu Beginn wird Nahrung mit Milch und geklärter Butter gelobt; bei gefestigter Übung gelte diese Einschränkung nicht in gleichem Maß.

Zusammenfassender Kommentar. Im Lotussitz mit geschlossenen Augen und im Mūlādhāra gesammeltem Geist wiederhole man den Wurzelmantra oder die entsprechende Formel. Der Text beschreibt Einatmung links während sechzehn Mātrās, Führung zum Mūlādhāra, Verschluss der Nasenöffnungen mit Daumen, kleinem Finger und Ringfinger, Anhalten während vierundsechzig Mātrās und langsame Ausatmung rechts während zweiunddreißig Mātrās. Dies ist eine Runde. Die nächste beginnt rechts und endet links. Wechselnd werden nach Fähigkeit zwanzig, sechzehn, zwölf, sechs, drei oder zwei Runden genannt. Das Śāradātilaka fasst zusammen: „Durch schrittweise Vermehrung der Mātrās auf zwölf und sechzehn.“

Nach Auffassung des Kommentars begründet Prāṇāyāma die Befähigung zu den rituellen Handlungen; sein Auslassen wird getadelt.

Agastyasaṃhitā, 6.AF.1. Was ohne Atemregulierung getan wird, gilt als vergeblich. Deshalb sollen Menschen, die Heil erstreben, sie sorgfältig vollziehen.

Daher wird Prāṇāyāma ebenso wie die Bhūtaśuddhi als erforderlicher Teil dieser Verehrung verstanden. Damit endet die beiden Lehrsystemen gemeinsame Erklärung der Atemregulierung.

Der eigene Körper als Yogapīṭha

Nun folgt der Yogapīṭha-Nyāsa. Man stelle sich den eigenen Körper als heiligen Yogasitz vor: Die beiden Schultern und Oberschenkel bilden seine vier Füße; Mund, Nabel und beide Seiten seine vier Rahmenteile. Dann werden die folgenden Ebenen aufgelegt. Die Formeln enden jeweils mit „Verehrung …“; die in der Quelle vorangestellte Ziffer „4“ wird weiterhin als Quellenkürzung behandelt.

Im Mūlādhāra verehre man den großleibigen roten Maṇḍūka. Darüber, bis zum Svādhiṣṭhāna, Kālāgnirudra: fünfgesichtig und zehnarmig, mit roter linker und schwarzer rechter Seite. Darüber, bis zum Nabel, die ursprüngliche Prakṛti, schön wie eine Bandhūka-Blüte. Darüber, bis zum Herzen, die tragende Kraft: hell wie der Herbstmond, zwei Lotusse tragend.

Im Herzen folgen Kūrma, Ananta, Varāha, die Erde und das Nektarmeer. Unter Aussprache der gesamten Mātṛkā verehre man die Insel aus neun Edelsteinarten, die in neun Bereiche gegliedert ist. In diesen Bereichen, von Nordosten an bis zur Mitte, werden die Edelsteine mit den Lautgruppen verehrt:

Lautgruppe nach Quellenkürzung Edelstein
aṃ, 16 Puṣparāga
kaṃ, 5 Blauer Edelstein
caṃ, 5 Vaiḍūrya
ṭaṃ, 5 Koralle
taṃ, 5 Perle
paṃ, 5 Smaragd
yaṃ, 4 Diamant
śaṃ, 4 Gomeda
laṃ kṣaṃ Padmarāga

Dort verehre man den goldenen Berg; darüber den Nandana-Garten, in dessen Mitte den Wunschgarten und die Jahreszeiten von Frühling an. Westlich verehre man die Pferde der Sinne, östlich die Elefanten der Sinnesgegenstände, danach den Boden aus vielfältigen Edelsteinen.

Von Westen an bis zur Mitte werden in rückläufiger Ordnung die ehrwürdigen Pādukās der folgenden Herrinnen verehrt: Kālacakreśvarī, Mudrācakreśvarī, Mātṛkācakreśvarī, Ratnacakreśvarī, Deśacakreśvarī, Gurucakreśvarī, Tattvacakreśvarī, Grahacakreśvarī und Mūrticakreśvarī. Dann verehre man den Umkreis des ursächlichen Wassers und den Rubin-Pavillon.

In dessen Ecken von Südwesten an und in der Mitte verehre man die Śaktis in Gestalt von Raum, Zeit, Gestalt und Klang; in der Mitte die Śakti als Saṃgītayoginī. In ihrer Mitte wird die Śakti verehrt, deren Gestalt der gesamte Kreis verborgener und offenbarer Yoginīs ist. Dann folgen in der Mitte die Wunschbäume, darunter die Edelsteinplattform, darüber der weiße Sonnenschirm und darunter der Juwelenthron.

Dies alles lege man im Lotus des Geistes auf, bestimme die jeweiligen Orte und vergegenwärtige den eigenen Körper als Juwelenthron. Nun werden dessen Gottheiten aufgelegt:

Stelle Gottheit des Thronfußes
Rechte Schulter Dharma, rot, in Gestalt eines Stieres
Linke Schulter Jñāna, dunkel, in Gestalt eines Löwen
Linker Oberschenkel Vairāgya, gelb, in Gestalt eines Wesens beziehungsweise Geistes
Rechter Oberschenkel Aiśvarya, saphirfarben, in Gestalt eines Elefanten

Den Rahmen bilden Adharma am Mund, Ajñāna an der linken Seite, Avairāgya am Nabel und Anaiśvarya an der rechten Seite. In der Mitte werden Māyā und Vidyā aufgelegt. Darüber folgen die Wurzelknolle der Glückseligkeit, der Stängel des Bewusstseins, die aus Prakṛti bestehenden Blätter, die aus ihren Wandlungen bestehenden Staubfäden und die Lotusmitte, deren Wesen sämtliche Prinzipien sind und die die Samen der fünfzig Laute enthält.

Darin verehre man: aṃ, den Sonnenkreis; uṃ, den Mondkreis; maṃ, den Feuerkreis; saṃ, Sattva; raṃ, Rajas; taṃ, Tamas; āṃ, das Selbst; aṃ, das innere Selbst; paṃ, das höchste Selbst; hrīṃ, das Erkenntnisselbst. Darüber, in den vier Richtungen von Osten an und in der Mitte, verehre man die Wesenheiten des Erkenntnis-, Māyā-, Kalā-, Vidyā- und höchsten Prinzips.

In die Staubfäden, in den acht Richtungen von Osten an und in der Mitte, lege man die neun Kräfte des tragenden Sitzes des Śrīcakra: Dūtaryambā, Sundaryambā, Sumukhyambā, Virūpāmbā, Vimalāmbā, Antaryambā, Vadaryambā und Purandaryambā; in die Lotusmitte Puṣpamardanyambā. Man meditiere sie rot, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigend. [Die Namensformen Dūtarī, Antarī und Vadarī werden nach der vorliegenden Schreibweise belassen.]

Darüber lege man den Thronmantra klīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ auf: „Verehrung dem Lotussitz sämtlicher Kräfte.“ Man vergegenwärtige sich darauf das Śrīcakra und vollziehe den den ganzen Leib durchdringenden Nyāsa mit der Mūlavidyā und der Verehrung der Śrīcakra-Pādukās aller offenbaren, verborgenen, noch verborgeneren, überlieferten, Kula-, Kaula-, innerlich verborgenen, geheimen, überaus geheimen und höchst-geheimen Yoginīs. [Die Vorlage verbindet die Bezeichnungen zu einem langen Kompositum; einzelne Gruppengrenzen bleiben uneindeutig.]

Im Herzen vergegenwärtige man sich ein Dreieck. In seine Mitte lege man die folgende Quellenformel auf:

4 mūlaṃ oṃ hrauṃ klīṃ bhagavati blūṃ nityākāmeśvari strīṃ sarvasattvavaśaṅkari saḥ tripurabhairavi aiṃ vicce hrīṃśrā śrīmahātripurasundaryambāśrī0.

Die Wortanrufungen bedeuten: „Erhabene, ewige Kāmeśvarī, die alle Wesen gefügig macht, Tripurabhairavī, ehrwürdige Mutter Mahātripurasundarī.“ [Die Endfolge hrīṃśrā ist auffällig; die Quellenkürzungen werden nicht frei ausgeschrieben.] Danach lege man die Mūlavidyā, mit Praṇava beginnend und mit namaḥ endend, auf.

Die drei Städte und die Kräfte des Śrīcakra

Man stelle sich das Śrīcakra als die drei Städte vor und lege sie aufsteigend, den ganzen Körper durchdringend, auf:

  • Mit der Vāgbhava-Gruppe: „Verehrung der ersten Stadt, deren Wesen Viereck, sechzehnblättriger und achtblättriger Lotus und deren Gestalt der Körper ist.“
  • Mit der Kāmarāja-Gruppe: „Verehrung der zweiten Stadt, deren Wesen die Vierzehneck- und die beiden Zehneck-Figuren und deren Gestalt Buddhi ist.“
  • Mit der Śakti-Gruppe: „Verehrung der dritten Stadt, deren Wesen Achteck, Dreieck und Binducakra und deren Gestalt Prāṇa ist.“
  • „Verehrung den drei Städten des Śrīcakra, deren Wesen sämtliche Dreiheiten sind, beginnend mit Willenskraft, Erkenntniskraft und Handlungskraft.“

Die drei Ecken des Herzdreiecks, von der vorderen an, werden ebenfalls als die drei Städte und als die drei Vāgbhava-Gruppen vergegenwärtigt. Dort lege man die drei Gruppen jeweils mit Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende auf.

Dann vollziehe man den durchdringenden Nyāsa mit der Verehrung von Nāda, Bindu, Kalā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Vāmā, Viṣaghnī, Dūtarī und Sarvānandā als den Kräften der neun Kreise des Śrīcakra, beginnend mit dem die drei Welten bezaubernden Kreis.

In die Staubfäden des Herzlotus lege man die neun Kräfte des Kāmeśvarī-Sitzes: Mohinī, Kṣobhiṇī, Vaśinī, Stambhinī, Ākarṣiṇī, Drāviṇī, Āhlādinī und Klinnā; in die Mitte Kledinī. Jede erhält die Verneigung mit namaḥ.

In der Mitte des Dreiecks spreche man die Bālā-Mūlavidyā und die fünfzehnsilbige Vidyā und verehre den roten dreieckigen Sitz Oḍḍiyāna. An der vorderen Ecke verehre man mit den beiden Vāgbhava-Gruppen von Bālā und Mūlavidyā den gelben viereckigen Sitz Kāmarūpa. Rechts verehre man mit den beiden Kāmarāja-Gruppen den weißen halbmondförmigen Sitz Jālandhara. Links verehre man mit den beiden Śakti-Bījas den rauchfarbenen kreisförmigen, mit sechs Punkten versehenen Sitz Pūrṇagiri. So werden die vier heiligen Sitze aufgelegt. [Eine isolierte Seitenzahl „100)“ in der Vorlage gehört nicht zum Ritualtext.]

Die fünf Leichnamsitze und die sechs weiteren Sitze

Im Bindubereich werden von der südöstlichen Ecke an die fünf Leichnamsitze aufgelegt:

Klangfolge Verehrung
lāṃ hlāṃ Brahmā, Herr der Erde, und sein Leichnamsitz
vāṃ hrīṃ Viṣṇu, Herr der Wasser, und sein Leichnamsitz
rāṃ hūṃ Rudra, Herr des Feuers, und sein Leichnamsitz
yāṃ hrauṃ Īśvara, Herr des Windes, und sein Leichnamsitz
hsauṃ Der fünfgesichtige Sadāśiva, Herr des Raumes, auf dem großen Leichnam-Lotussitz

Darüber, in der Mitte des roten Lotus, befinden sich auf einem sechseckigen Sitz mit eingeschlossenem Viereck sechs Sitze. Die Formeln enden jeweils mit „Verehrung dem …“:

Klangfolge Sitz
aṃ āṃ sauḥ Nektarmeersitz Tripurās
aiṃ klīṃ sauḥ Boot-Lotussitz Tripureśvarīs
hrīṃ klīṃ sauḥ Selbstsitz der Göttin Tripurasundarī
haiṃ hvalīṃ hsauḥ All-Cakra-Sitz Tripuravāsinīs
hsaiṃ hsaklīṃ hasauḥ All-Mantra-Sitz Tripurāśrīs
hrīṃ klīṃ bleṃ Sitz der zu Verwirklichenden und Vollendeten Tripuramālinīs

[Die unterschiedlichen und teilweise auffälligen Bīja-Schreibungen werden nach der Quelle beibehalten.]

In das mittlere Viereck lege man die vier Sitze mit ihren vier Thronformen auf:

Nordosten. Mit den beiden Vāgbhava-Gruppen: im Feuerkreis, in Kāmagiri, mit Mitreśanātha als Wesen, über den Wachzustand herrschend, als Willenskraft und als Kraft Rudras die Göttin Kāmeśvarī; dazu hrīṃ klīṃ sauḥ und die Verehrung des Selbstsitzes der Göttin Tripurasundarī.

Nordwesten. Mit den beiden Kāmarāja-Gruppen: im Sonnenkreis, im Sitz Jālandhara, mit Ṣaṣṭheśanātha als Wesen, über den Traumzustand herrschend, als Erkenntniskraft und Kraft Viṣṇus die ehrwürdige Vajreśvarī; dazu haiṃ hklīṃ hsauḥ und die Verehrung des All-Cakra-Sitzes Tripuravāsinīs.

Südwesten. Mit den beiden Śakti-Gruppen: im Mondkreis, im Sitz Pūrṇagiri, mit Uḍḍīśanātha als Wesen, über den Tiefschlaf herrschend, als Handlungskraft und Kraft Brahmās die ehrwürdige Bhagamālinī; dazu hsaiṃ hsaklīṃ hsauḥ und die Verehrung des All-Mantra-Sitzes Tripurāśrīs.

Südosten. Mit den beiden vollständigen Vidyās: im Brahman-Kreis, im Sitz Mahoḍyāna, mit Śrīcaryānātha als Wesen, über Turīya und Turīyātīta herrschend, als Kraft des höchsten Brahman die ehrwürdige Tripurasundarī; dazu hrīṃ klīṃ bleṃ und die Verehrung des Sitzes der zu Verwirklichenden und Vollendeten Tripuramālinīs.

Mitte. Mit aiṃ klīṃ sauḥ und der als ka0 15 abgekürzten fünfzehnsilbigen Vidyā verehre man den All-Mantra-Sitz Mahātripurasundarīs.

Danach vollziehe man unter der Quellenangabe aṃ 51 den durchdringenden Nyāsa: „Verehrung dem Yogapīṭha-Sitz Mahātripurasundarīs, dessen Wesen Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Māyā, Zeit, Niyati, Kalā, Vidyā, Rāga, Puruṣa, Prakṛti, Buddhi, Ahaṃkāra, Manas, Haut, Auge, Gehör, Zunge, Geruchsorgan, Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan, Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch, Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde sind.“ [Die Ziffer 51 wird als Quellenangabe bewahrt, nicht mit der vorher genannten Fünfzigzahl vereinheitlicht.]

Unter Aussprache der Mūlavidyā verehre man Mahātripurasundarīs ehrwürdige Pādukā und lege die eigene erwählte Gottheit ins Herz, in den großen, aus dem eigenen Körper und den sechsunddreißig Prinzipien bestehenden Yogasitz. „Auf dem körperhaften Sitz vergegenwärtige man sich die höchste Gottheit.“ Damit endet der Yogapīṭha-Nyāsa.

Die Ordnung der Mantra-Nyāsas

Śāradā, 6.MN.1. Nachdem der Körper durch den Mātṛkā-Nyāsa auf dem Weg von Rücknahme und Schöpfung geweiht wurde, vollziehe man den Mantra-Nyāsa, damit die Vergegenwärtigung der Gottheit gelingt.

Kommentar. „Danach“ wird hier als „nach dem Mantra-Nyāsa“ erklärt. Mantra-Nyāsa bezeichnet den zum verehrten Mantra gehörenden Nyāsa. [Die Erläuterung des Wortes „danach“ wirkt im Zusammenhang zirkulär; sie bleibt als überlieferter Kommentar sichtbar.]

In der Vaiśampāyanasaṃhitā:

6.VS.1–6.VS.3 Danach vollziehe man für den verehrten Mantra die Nyāsas von Seher und weiteren Zuordnungen an. Wer Vollendung erstrebt, hat die jeweils zu diesem Mantra gehörenden Nyāsas auszuführen. Selbst mit einem vollendeten Mantra bewirkte Wiederholung, Trankopfer, Feueropfer und Verehrung brächten ohne Gliedernyāsa und die weiteren Schritte keine Frucht. Wer sämtliche Nyāsas auf seinen eigenen Körper legt, dem würden die drei Welten gefügig; Verfehlungen beruhigten sich sogleich, Dämonen und Schlangen erschräken.

6.VS.4–6.VS.6 Zuerst werden Seher und die weiteren Zuordnungen aufgelegt, danach Hände und Glieder, dann die einzelnen Mantralaute und anschließend seine Wörter. Es folgen die besonderen Nyāsas, welche das jeweilige Ritualwerk nennt. Danach lege der Mantrakenner die binduverbundenen Mātṛkā-Laute, vom Mantra umschlossen, nach dem Weg der Lehre auf. Es folgen nochmals Seher-, Glieder- und Handnyāsa; danach zeige man die Mudrās. [Die Form atharpyaṅga der Vorlage ist beschädigt; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Aufzählungszusammenhang.]

Weiteres Zitat zur Śrīvidyā, 6.VS.7. Genannt werden die innere, reine, schöpfende, erhaltende und auflösende Mātṛkā, die mit den aus Tārā entstandenen Kalās, mit Śrīkaṇṭha und den übrigen sowie mit den durch Viṣṇu erfreuten Gestalten verbundene; ferner die durch einzelne und vereinigte Bījas von Śakti, Lakṣmī und dem geistgeborenen Liebesgott gestalteten Laute. Es folgen die Selbstverehrung, der Schweigende, die sechsfache Form, Kāma, wiederum die sechsfache Form, die neunfache Vergegenwärtigung sowie die als mantragup sarvamantrāḥ überlieferte Schlussfolge. [Der letzte Teil ist gedrängt und teilweise unklar; seine Ordnung wird nicht durch frei ergänzte Ritualnamen vervollständigt.]

Kommentar. In dieser Vidyā werden drei Hauptgruppen unterschieden: Ṣoḍhā-Nyāsa, Śrīcakra-Nyāsa und die mit Handreinigung beginnenden Nyāsas. Der sechsfache Nyāsa besitzt eine frühere und eine spätere Form. Die frühere betrifft alle Überlieferungsströme, die spätere den oberen Überlieferungsstrom. Der Śrīcakra-Nyāsa ist nach Rücknahme, Schöpfung und Erhaltung dreifach. Die mit Handreinigung beginnende Gruppe umfasst viele Formen, auch die Reihen von Śrīkaṇṭha sowie von Rati und Kāma.

Für die hier betrachteten Anlässe ergeben sich vier erforderliche Gruppen: der sechsfache Nyāsa, der Śrīcakra-Nyāsa der Rücknahme, derjenige der Schöpfung und die mit Handreinigung beginnenden Nyāsas. Bei Japa ist die Erhaltungsform in der Handreinigungsgruppe enthalten; bei der Verehrung wird sie unter der Rücknahmeform mitverstanden. So erläutert der Kommentar die Auffassung des Yoginīhṛdaya.

Yoginīhṛdaya, 6.YH.1–6.YH.3. O von den Helden Verehrte, der Übende soll zur raschen Vollendung diese vier Nyāsas ausführen: den sechsfachen, den mit Aṇimā beginnenden, den mit der Hauptgöttin beginnenden und den mit Handreinigung beginnenden. Sie werden morgens, bei Verehrung, Feueropfer oder Mantrawiederholung jeweils ihrem Anlass entsprechend verwendet. Bei der Verehrung kann der vortreffliche Übende auch alle zusammen vollziehen.

Der frühere sechsfache Nyāsa

Yoginīhṛdaya, 6.SN.1–6.SN.3. Göttin, die Nyāsas sollen mit dem sechsfachen Nyāsa beginnen. Der erste erfolgt mit Gaṇeśa-Gestalten, der zweite mit Planeten, der dritte mit Mondstationen, der vierte mit Yoginīs, der fünfte mit Tierkreiszeichen und der sechste mit heiligen Sitzen. Dieser sechsfache Nyāsa gilt überall als unüberwindlich. Wessen Leib auf diese Weise geweiht wurde, sei von allen Yogins zu verehren.

6.SN.4–6.SN.5 Für ihn gebe es in den Welten keinen Menschen, auch nicht Vater oder Mutter, den er zu verehren hätte; vielmehr sei er von allen zu verehren und selbst der höchste Herr. Verneige er sich vor jemandem ohne diesen sechsfachen Nyāsa, so treffe diesen bald der Tod und er gelange in die Hölle. [Die Verse formulieren einen ausschließlichen rituellen Ranganspruch und eine Drohung der historischen Quelle; sie begründen keine heutige Abwertung anderer Menschen. Der grammatische Bezug von „diesen“ ist nicht völlig eindeutig.]

Jñānārṇava, 6.GN.1–6.GN.3. Danach vollziehe man den sechsfachen Nyāsa, durch den man Gestalt des Welteies, Gestalt des Virāṭ, Wesen der Laute und unmittelbar Śiva werde. Der erste Nyāsa mit Gaṇeśas beseitige alle Hindernisse. Man vergegenwärtige sie wie die junge Sonne leuchtend, elefantengesichtig, dreiäugig, mit Schlinge, Stachelstock, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit, mit ihren Śaktis vereint. Wie beim Mātṛkā-Nyāsa lege man sie auf.

Die Quelle nennt drei Fassungen der Verneigung: aṃ śrīvighneśvarābhyāṃ namaḥ, ferner vighneśvarāya śriyai namaḥ und vighneśvaraśrībhyāṃ namaḥ. Sie beziehen sich auf Vighneśvara und Śrī, getrennt oder als Paar. Die Gaṇeśas und ihre Kräfte sind im Mātṛkā-Śvāsa nachzusehen. Damit endet der Gaṇeśa-Nyāsa.

Die Planeten im Körper

Im Jñānārṇava heißt es, danach sei der Planeten-Nyāsa auszuführen.

6.GR.1 Man vergegenwärtige die Farben: rot, weiß, rot, dunkel, gelb, blass, rauchfarben, schwarz, rauchfarben und nochmals rauchfarben. [Für die neun Planeten erscheinen hier zehn Farbangaben; die doppelte Schlussangabe wird nicht stillschweigend gestrichen.]

6.GR.2–6.GR.5a Die Planeten von der Sonne an besitzen wunscherfüllende beziehungsweise nach Wunsch angenommene Gestalten und sind mit allem Schmuck versehen. Man lege sie mit den folgenden Lautgruppen auf:

Planet Lautgruppe Körperstelle
Sonne Vokale Herz
Mond Ya-Gruppe Zwischen den Brauen
Mars Ka-Gruppe Drei Augen
Merkur Ṭa-Gruppe Herz
Jupiter Ta-Gruppe Oberhalb des Herzens
Venus Ca-Gruppe Kehle
Saturn Pa-Gruppe Nabel
Rāhu Śa-Gruppe Mund
Ketu la und kṣa Beide Füße

6.GR.5b–6.GR.7 Die zugehörigen Paare sind Sūrya und Reṇukā, Soma und Amṛtā, Maṅgala und Dhāmā, Budha und Jñānarūpā, Guru und Yaśasvinī, Bhṛgu und Śāṅkarī, Śani und Śakti, Rāhu und Kṛṣṇā sowie Ketu und Dhūmrā. Den Namen der Kräfte wird Ambā, „Mutter“, angefügt. Die Anwendung erfolgt wie zuvor.

Die Mondstationen im Körper

6.NK.1–6.NK.4a Nun vollziehe man den glückspendenden Nyāsa der Mondstationen. Von Aśvinī an stelle man sie sich wie flammendes Weltendfeuer vor, mit allem Schmuck, mit verehrend gefalteten Händen sowie mit Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Die ersten Lautzuteilungen werden als zwei, zwei, zwei, für Rohiṇī zweimal zwei, danach eins, eins, zwei und eins bis Puṣya angegeben. Die Orte sind der Reihe nach Stirn, beide Augen, linkes und rechtes Ohr, beide Nasenseiten und Kehle. [Die acht Orte und die Gruppenfolge entsprechen den ersten acht Mondstationen; die Quelle schreibt hier nur Aśvinī, Rohiṇī und Puṣya ausdrücklich aus.]

6.NK.4b–6.NK.14 Danach werden folgende Mondstationen aufgelegt:

Mondstation Laute Stelle
Sarpaka, die Schlangenstation kha ga Rechte Schulter
Maghā gha ṅa Andere Schulter
Pūrvaphālgunī ca Rechter Ellbogen
Uttaraphālgunī cha ja Linker Ellbogen
Hasta jha ña Handgelenk; rechts aus der folgenden Gegenüberstellung erschlossen
Citrā ṭa ṭha Linkes Handgelenk
Svātī ḍa Rechte Hand
Viśākhā ḍha ṇa Linke Hand
Anurādhā ta tha da Nabel
Jyeṣṭhā dha Rechte Hüfte
Mūla na pa pha Linke Hüfte
Pūrvāṣāḍhā ba Rechter Oberschenkel
Uttarāṣāḍhā bha Linker Oberschenkel
Śravaṇa ma Rechtes Knie
Dhaniṣṭhā ya ra Linkes Knie
Śatabhiṣā la Rechter Unterschenkel
Pūrvabhādrapadā va śa Linker Unterschenkel
Uttarabhādrapadā ṣa sa ha Rechter Fuß
Revatī kṣa, Bindu und Visarga Linke Fußsohle

Danach beginne man den Yoginī-Nyāsa. Die Meditation über die Mondstationen entspricht der eingangs beschriebenen feurigen Gestalt. Damit endet der Nakṣatra-Nyāsa.

Die Yoginīs der Cakras

Ein anderes Tantra beschreibt:

Ḍākinī, 6.YO.1–6.YO.2. Im sechzehnblättrigen Viśuddha vergegenwärtige sich der Verständige Ḍākinī, die Gottheit des Hautgewebes, zur Verwirklichung aller Wünsche. Sie ist rot, mit drei roten Augen und einem Gesicht, furchterregend für die gebundenen Menschen. Sie trägt Dreizack und Khaṭvāṅga, links Schild und einen mit berauschendem Trank gefüllten Becher. Sie ist äußerst heftig, mit grimmigen Fangzähnen, und zermalmt die Feindesschar. Sie liebt Milchspeise. An der Kehle weilt sie, umgeben von Amṛtā und den übrigen Kräften.

6.YO.3–6.YO.8 Der Mantra wird schrittweise aus folgenden Bestandteilen gebildet: ḍāṃ ḍīṃ ḍūṃ ḍaiṃ ḍoṃ ḍauṃ, dann ḍamale, vare, yūṃ, der Name Ḍākinī und zweimal „beschütze mich“. Es folgen „Göttin, die alle Wesen gefügig macht“, zweimal „komm“, „diese Verehrung“ und zweimal „nimm an“. Danach Vāgbhava, „furchtbare Göttin“, Māyā-Bīja, der mit Visarga verbundene Bhṛgu-Laut, „höchst Furchtbare“, hūṃ, „von furchtbarer Gestalt“, zweimal „komm her“, namaḥ, „Cāmuṇḍā“, die Lautfolge ḍarala, danach kasa haiṃ, „ehrwürdige Mahātripurasundarī, Göttin, Wunschgewährende“, mit vicce als Ende. Es folgen die Vokale und „im Viśuddha-Sitz weilende, reine Ḍākinī“ sowie „Ich verehre die ehrwürdige Pādukā des Gottes Viśuddhanātha“. Mit Daumen und Ringfinger lege man dies in die Lotusmitte auf. [Die Quelle bietet eine verschlüsselte Bauanweisung, keine zweifelsfrei ausgeschriebene Rezitationsfassung. Die auffälligen Lautfolgen und der Wechsel von Wort- und Bīja-Angaben bleiben deshalb sichtbar.]

6.YO.9–6.YO.12 Auf die sechzehn Blätter von Osten an lege man der Reihe nach die Kräfte mit ihrem jeweiligen Anfangslaut: Amṛtā, Ākarṣiṇī, Indrāṇī, Īśānī, Umā, Ūrdhvakeśinī, Ṛddhidā, Ṝṣā, Ḷkārā, Ḹṣā, Ekapadā, Aiśvaryātmikā, Oṃkāriṇī, Auṣadhātmikā, Ambikā und Akṣarātmikā. Bei Nyāsa, Verehrung und Meditation besitzen sie dieselbe Gestalt, dieselben Waffen und weiteren Merkmale wie Ḍākinī. [Die seltenen Namensformen folgen der Lautreihe der Vorlage.]

Rākiṇī, 6.YO.13–6.YO.15. Im zwölfblättrigen Anāhata meditiere der Übende zur Vollendung über Rākiṇī, die im Blutgewebe wohnt, in der Lotusmitte. Sie ist dunkel, trägt Dreizack, Lotus, Ḍamaru und scharfes Rad. Sie hat zwei Gesichter und drei rote Augen; zusammengezogene Brauen und der Glanz ihrer zusammengebissenen Zähne lassen sie aufleuchten. Als Göttin der Götter weilt sie im Herzlotus und herrscht über das Blutgewebe. Sie liebt reine Speise und freut sich im Rausch des süßen Trankes. Ihr Mantra wird wie zuvor gebildet, mit den jeweils eigenen Lauten, Ortsnamen und Schlusswörtern, und in die Lotusmitte aufgelegt.

6.YO.16–6.YO.19 Auf die zwölf Blätter von Osten an lege man mit ihren Anfangslauten Kālarātrī, Khātītā, Gāyatrī, Ghaṇṭādhāriṇikā, Ṅārṇātmikā, Cāmuṇḍā, Chāyā, Jayā, Jhaṅkāriṇī, Ñārṇātmikā, Ṭaṅkahastā und Ṭhaṅkāriṇī. Bei Nyāsa, Verehrung und Meditation besitzen diese Kräfte Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Rākiṇīs.

Lākinī, 6.YO.20–6.YO.21. Im zehnblättrigen Maṇipūra meditiere man zur Vollendung über die im Fleischgewebe wohnende Lākinī. Sie ist schwarz, mit drei Gesichtern und drei Augen, mit Fangzähnen und furchtbarer Gestalt. Rechts und links trägt sie Vajra, Speer, Stab und Muschel und zeigt Furchtlosigkeit und Wunschgewährung. In der Mitte des zehnblättrigen Nabellotus weilt sie; ihr Herz verlangt nach Speise mit Rohzucker.

6.YO.22–6.YO.24 Nach dem Mantra wie zuvor lege man auf die zehn Blätter Ḍāmarī, Ḍhaṅkāriṇī, Ṇakāriṇī, Tāmasī, Sthānadevī, Dākṣāyaṇī, Dhātrī, Nandā, Pārvatī und Phaṭkāriṇī. Bei Nyāsa, Verehrung und Meditation besitzen sie Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Lākinīs.

Kākinī, 6.YO.25–6.YO.26. Im sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna meditiere der Verständige über Kākinī mit ihrem Gefolge, die Göttin des Fettgewebes. Sie ist gelb, mit vier Gesichtern und drei Augen; sie trägt Dreizack, Schnur und Schädelgefäß und zeigt Furchtlosigkeit. Der anschließende Ausdruck āttavargām ist nicht eindeutig aufzulösen. Sie freut sich am Rausch des als ali bezeichneten Trankes, ist von Bandhinī und den weiteren Kräften umgeben, liebt Joghurtspeise und gewährt erwünschte Früchte.

6.YO.27–6.YO.28 Auf die sechs Blätter lege man wie zuvor Bandhinī, Bhadrakālī, Mahāmāyā, Yaśasvinī, Ramā und Lamboṣṭhī. Bei Nyāsa, Verehrung und Meditation besitzen sie Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Kākinīs.

Śākinī, 6.YO.29–6.YO.30. Im vierblättrigen Mūlādhāra vergegenwärtige man sich in der Lotusmitte Śākinī mit ihrem Gefolge, die im Knochengewebe wohnt. Die Göttin hat die Gestalt des Lichtes, fünf Gesichter, je drei leuchtende Augen und mächtige Fangzähne. Ihre Lotushände tragen Bogen, Stachelstock und Buch und zeigen die Erkenntnisgebärde. Sie versetzt alle gebundenen Menschen in Erregung, liebt Mungbohnenspeise und freut sich im Rausch des süßen Trankes.

6.YO.31–6.YO.32 Auf die vier Blätter von Osten an lege man Varadā, Śaśinī, Ṣaṇḍā und Sarasvatī. Bei Nyāsa, Verehrung und Meditation besitzen sie Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Śākinīs.

Hākinī, 6.YO.33–6.YO.34. Im zweiblättrigen Ājñā-Lotus meditiere man über die Gottheit des Markgewebes und lege ihren Mantra in die Mitte. Zwischen den Brauen, im feinen zweiblättrigen Bindu-Lotus, weilt die weiße Hākinī. Ihre Lotushände zeigen die Erkenntnisgebärde und tragen Ḍamaru, Gebetskette und Schädelgefäß. Sie ist sechsgesichtig, mit drei schönen Augen, von Haṃsavatī und der weiteren Kraft begleitet. Sie liebt Kurkuma-Speise und wird von allen Göttern verehrt.

6.YO.35–6.YO.36 Auf die beiden Blätter lege man mit den jeweiligen Anfangslauten „Verehrung Haṃsavatī“ und „Verehrung Kṣamāvatī“. Beide Kräfte besitzen bei Nyāsa, Verehrung und Meditation Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Hākinīs.

Yākinī, 6.YO.37–6.YO.38. In der Mitte des Tausendblättrigen an der Scheitelöffnung meditiere man über die heilvolle, im Samengewebe wohnende Yākinī mit ihren Umkreisen. Im Lotus des Raumes im Kopf, der sämtliche Blätter umfasst, ist sie Bhairavī: von Yakṣiṇīs umgeben, in ihren Händen alle Waffen, in sämtlichen Farben, als Gesamtheit der Yoginīs von Ḍākinī an. Sie besitzt alle Gesichter, bewirkt alles Glück und hat das Wesen sämtlicher Körpergewebe. Sie liebt alle Speisen und erfreut sich an Paraśiva. Über diese Allgestaltige soll man meditieren.

6.YO.39 und Fortsetzung Ihren Mantra lege man wie zuvor auf, ringsum Amṛtā und die übrigen Kräfte. Diese besitzen bei Nyāsa, Verehrung und Meditation Gestalt, Waffen und weitere Merkmale Yākinīs. Damit endet der Yoginī-Nyāsa.

Die Tierkreiszeichen im Körper

6.RĀ.1–6.RĀ.2 Nach der Atemregulierung mit dem Wurzelmantra meditiere man über die Tierkreiszeichen. Ihre Farben werden der Reihe nach als rot, weiß, grün, blass, bunt, hell, gelbbraun, fahlbraun, dunkelbraun, gescheckt, rötlich und rauchfarben beschrieben.

6.RĀ.3–6.RĀ.7 und Fortsetzung Die Zeichen werden mit den Lauten beziehungsweise Lautgruppen aufgelegt:

Zeichen Lautzuordnung Stelle
Widder Erste vier Vokale von a an Rechter Knöchel
Stier Nächstes Paar Rechtes Knie
Zwillinge Nächste vier Rechter Hoden
Krebs Nächstes Paar Rechte Bauchseite
Löwe Nächstes Paar Rechte Schulter
Jungfrau Anusvāra, Visarga und Śa-Gruppe Rechte Kopfhälfte
Waage Ka-Gruppe Linke Kopfhälfte
Skorpion Ca-Gruppe Linke Schulter
Schütze Ṭa-Gruppe Linke Bauchseite
Steinbock Ta-Gruppe Linker Hoden
Wassermann Pa-Gruppe Linkes Knie
Fische Ya-Gruppe und kṣa Linker Knöchel

[Die rechte beziehungsweise linke Seite der nicht erneut ausdrücklich bezeichneten Orte folgt dem Verlauf der Aufzählung.]

6.RĀ.8–6.RĀ.10 Die fünf Winde Prāṇa, Apāna, Udāna, Vyāna und Samāna entsprechen den fünf Zeichen vom Widder bis zum Löwen. Nāga, Kūrma, Kṛkala, Devadatta und Dhanañjaya entsprechen den fünf Zeichen von der Jungfrau an. Individuelles Selbst und höchstes Selbst werden als Wassermann und Fische bezeichnet. Zur Vollendung sollen Mantrakenner diese Sonnenzeichen auflegen. Damit endet der Tierkreis-Nyāsa.

Die heiligen Sitze und die Kāma-Rati-Mātṛkā

6.PĪ.1–6.PĪ.2 Nun lege man vorschriftsmäßig die heiligen Sitze auf, die alles umfassen. Man vergegenwärtige sie in der wiederholten Farbfolge weiß, schwarz, rot, dunkel, grün und gelb an den fünfzig Stellen, zur Verwirklichung aller Wünsche.

Die Reihenfolge von Kāmarūpa, dem großen heiligen Sitz, an ist aus der bereits beschriebenen Pīṭha-Mātṛkā zu entnehmen. Damit endet der Pīṭha-Nyāsa und der frühere sechsfache Nyāsa.

Kāma-Rati, 6.KR.1–6.KR.3. Nach der einfachen Mātṛkā lege der Verehrer Kāmas die mit Kāma und seinen Kräften verbundene Mātṛkā auf. Sammohana ist der Seher, Jagatī das Versmaß; die ehrwürdigen Kāma-Kräfte sind die Gottheiten. Klīṃ ist das Bīja, namaḥ die Śakti, Mātṛkā der Kīlaka. Mit dem Kāma-Bīja in den sechs langen Vokalformen vollziehe man die sechs Glieder.

6.KR.4–6.KR.5 Die Kāma-Gestalten leuchten wie Granatapfelblüten, mit ihrer Śakti an der linken Seite, mit Blumenpfeilen und Zuckerrohrbogen. Ihre Kräfte sind kuṅkumafarben, mit allem Schmuck versehen und tragen blaue Wasserlilien; ihnen wird die Fähigkeit zugeschrieben, die drei Welten anzuziehen.

Nach dieser Meditation lege man sie in der bereits beschriebenen Kāma-Rati-Mātṛkā-Reihenfolge auf. Der Anfang lautet in der Quelle 4 aṃ kāmāya ratyaiḥ – für Kāma und Rati. [Die Schlussform ratyaiḥ ist auffällig und wird nicht stillschweigend verbessert.]

Der Śrīcakra-Nyāsa

Anderes Tantra, 6.CA.1–6.CA.2. Nach dem sechsfachen Nyāsa lege man Kāma, Rati und die weiteren Gestalten auf. Danach soll der Śrīcakra-Nyāsa zur Erlangung des Śiva-Zustands vollzogen werden. Höre, Geliebte, den höchsten, den Leib reinigenden Cakra-Nyāsa der ehrwürdigen Tripurasundarī, der noch niemandem mitgeteilt wurde.

Śrīrudrayāmala, 6.CR.1. Zuerst betrachte man den eigenen Körper als Gestalt des Śrīcakra, frei von der Erscheinung als Haut und den übrigen Körperbestandteilen, leuchtend wie flammendes Weltendfeuer.

6.CN.1–6.CN.3 Nachdem Seher, Versmaß und Gottheit erinnert wurden, vollziehe man den Nyāsa. Mit Bālā in vorwärts- und rückwärtslaufender Ordnung entstehen die sechs Glieder. Im Bewusstseinsraum des Dvādaśānta meditiere man über den Guru, dessen Wesen Śiva und Śakti ist und der aus höchstem Licht besteht, zur Erlangung von Lebensfülle und Befreiung. „Stets verneige ich mich vor dem ehrwürdigen Guru: Glückseligkeit, Freude spendend, heiter, Erkenntnisgestalt, im eigenen Wesen ruhend; verehrungswürdiger Herr der Yogins und Arzt gegen die Krankheit des Werdens.“

6.CN.4–6.CN.7 Man lege Gaṇeśa auf das linke Knie, Kṣetrapāla auf die linke Schulter, die Yoginī auf das rechte Knie und Vaṭukabhairava auf die Schulter. Danach folgen Śakra an der rechten Fußspitze und die Welthüter Feuer, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Wind, Kubera und Īśāna entlang der rechten und linken Körperseite; Brahmā an der Scheitelöffnung und Ananta im Mūlādhāra. [Die Verse 5–6 sind in ihrer Zuordnung von Feuer und Yama gestört. Der anschließende Schutzgesang nennt ausdrücklich Feuer am rechten Knie und Yama an der rechten Seite. Die vorausgehende beschädigte Reihenfolge wird hier nicht als widerspruchsfreie Einzelzuordnung ausgegeben.]

6.CN.8–6.CN.10 und Fortsetzung Mit „Verehrung der ersten Linie des Vierecks“ lege man diese den ganzen Bereich durchdringend auf: an rechte Schulter und Rücken, Handspitze, Gesäß, Fußspitzen und Zehen, dann an linke Zehen, Gesäß, Handspitze und Schulterhöhe sowie an den Bereich von Haarschopf und Rücken. In den Zwischenräumen lege man die Siddhis auf. Danach folge „Verehrung der mittleren Linie des Vierecks“; an ihren acht Stellen werden Brāhmāṇī und die übrigen Mütter aufgelegt. [Die gedrängte Aufzählung der ersten Linie wird im folgenden Schutzgesang genauer entfaltet.]

Der Schutzgesang des Śrīcakra-Nyāsa

Im Śrīrudrayāmala:

6.CK.1–6.CK.2 Pārvatī fragte Śiva, der auf dem Gipfel des Kailāsa saß: „Gott Śaṅkara, lehre mich den Schutzgesang des Śrīcakra-Nyāsa.“ Śaṅkara sprach: „Gut hast du gefragt, Göttin, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welten. Ich werde ihn dir deutlich erklären.“

6.CK.3–6.CK.4 Zuerst stelle man sich den eigenen Körper als Śrīcakra vor, frei von der Erscheinung als Haut und den übrigen Bestandteilen, leuchtend wie flammendes Weltendfeuer. Im Bewusstseinsraum des Dvādaśānta meditiere man über den aus Śiva und Śakti bestehenden Guru als höchstes Licht, zur Erlangung von Lebensfülle und Befreiung.

6.CK.5–6.CK.8a Gaṇeśa schütze das Knie, Kṣetranāyaka die linke Schulter; die Yoginīs die rechte [Kniegegend], Vaṭukabhairava die Schulter. Indra schütze meine rechte Fußspitze, Feuer das rechte Knie, Yama die rechte Seite, Nirṛti meine rechte Schulter. Varuṇa schütze die linke Schulter, Wind die linke Seite, der Reichtumsherr das linke Knie, Īśvara die linke Fußspitze. Brahmā schütze die Scheitelöffnung, Ananta den Mūlādhāra. [Vers 5 enthält bereits in der Quelle Lesungsfragen und Ergänzungen; die fehlende Knieangabe folgt dem vorangehenden Nyāsa.]

6.CK.8b–6.CK.10a Mit „Verehrung der ersten Linie des Vierecks“ lege man den Kreis durchdringend auf und bringe eine Handvoll Blumen dar. Mögen Aṇimā und die übrigen Siddhis gnädig sein: rubingleich, auf dem als nidhivāhana bezeichneten Träger reitend, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit in den Lotushänden.

6.CK.10b–6.CK.12 Aṇimā schütze die Rückseite meiner rechten Schulter, Laghimā die Handspitze, Mahimā die rechte Gesäßhälfte, Īśitva die rechte Fußspitze. Vaśitva schütze den linken Fuß, Prākāmya die andere Gesäßhälfte, Icchāsiddhi die linke Schulter, Bhuktisiddhi die linke Handspitze, Rasasiddhi meinen Kopf und Mokṣadā dessen Rückseite.

6.CK.13–6.CK.15 Mit „Verehrung der mittleren Linie des Vierecks“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Brāhmāṇī schütze beide großen Zehen, Māheśī die rechte Seite, Kaumārī den Kopf, Vaiṣṇavī die linke Seite, Vārāhī das linke Knie, Indrāṇī das rechte Knie, Cāmuṇḍā die rechte Schulter und Mahālakṣmī die linke.

6.CK.16–6.CK.17 Mit „Verehrung der inneren Linie des Vierecks“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die Mudrā-Göttinnen gnädig sein, Wunschgewährung und Furchtlosigkeit in ihren Lotushänden, zur Begnadung der Verehrer und zur Freude der Gottheit.

6.CK.18–6.CK.21a Sarvasaṃkṣobhiṇī schütze beide großen Zehen, Sarvavidrāviṇī meine rechte Seite, Ākarṣiṇī den Kopf, Vaśaṅkarī die linke Seite, Unmādinī das linke Knie, Mahāṅkuśā das rechte Knie. Khecarī schütze die als savya bezeichnete Schulter, Bījamudrikā die linke Schulter, Trikhaṇḍā den Dvādaśānta und Yoni beide großen Zehen. Tripurā, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze die Mitte meines Herzens. [Die Schulterangabe savya bedeutet gewöhnlich links; neben dem folgenden vāma entsteht daher eine auffällige Doppelung. Sie wird nicht stillschweigend zu „rechts“ geändert.]

6.CK.21b–6.CK.23a Mit „Verehrung dem sechzehnblättrigen Kreis, der alle Hoffnungen erfüllt“, im Dativ, vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die Kalā-Göttinnen gnädig sein: mit erhobener Schlinge und Stachelstock, roten Leibern und Gewändern, mit allem Schmuck.

6.CK.23b–6.CK.30a Die Schutzbitten gelten folgenden Stellen:

Göttin Geschützte Stelle
Kāmākarṣiṇī Hinter dem rechten Ohr
Buddhyākarṣiṇī Rechte Schulter
Ahaṅkārākarṣiṇī Rechter Ellbogen
Śabdākarṣiṇī Rechter Handrücken
Sparśākarṣiṇī Rechter Oberschenkel
Rūpākarṣiṇī Rechtes Knie
Rasākarṣiṇī Rechter Knöchel
Gandhākarṣiṇī Rechte Fußsohle
Cittākarṣiṇī Linke Fußsohle
Dhairyākarṣiṇī Bereich vom Fuß bis zum linken Knöchel
Smṛtyākarṣiṇī Linkes Knie
Nāmākarṣiṇī Linker Oberschenkel
Bījākarṣiṇī Linker Handrücken
Ātmākarṣiṇī Linker Ellbogen
Amṛtākarṣiṇī Linke Schulter
Śarīrākarṣiṇī Linkes Ohr

Tripureśvarī, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze die Mitte des Herzens.

6.CK.30b–6.CK.32a Mit „Verehrung dem alles erschütternden Kreis“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen Anaṅgakusumā und die übrigen Göttinnen gnädig sein: mit roten Obergewändern, geflochtenem Haar – die Vorlage hat hier das auffällige jagatkeśa –, mit Pfeil und Bogen in den Händen.

6.CK.32b–6.CK.36 Anaṅgakusumā schütze stets meine rechte Schläfe, Anaṅgamekhalā das rechte Knie, Anaṅgamadanā den rechten Oberschenkel, Anaṅgamadanāturā den inneren Knöchelbereich. Anaṅgarekhā schütze links den inneren Knöchelbereich, Anaṅgaveginī den Oberschenkel, Anaṅgāṅkuśā das linke Knie und Anaṅgamālinī unablässig die linke Schläfe. Sundarī, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze mein inneres Herz.

6.CK.37–6.CK.38 Mit „Verehrung dem alles Glück gewährenden Kreis“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die Śakti-Göttinnen gnädig sein, Pfeil und Bogen tragend, mit allem Schmuck versehen und wie Vaiḍūrya-Edelsteine leuchtend.

6.CK.39–6.CK.45a Die Schutzbitten lauten:

Göttin Geschützte Stelle
Sarvasaṃkṣobhiṇī Stirn
Sarvavidrāviṇī Ende der Stirn
Sarvākarṣiṇī Rechte Wange
Sarvāhlādakarī Äußerer Bereich der rechten Schulter
Sarvasammohanī Rechte Flanke
Sarvasaṃstambhinī Rückseite des rechten Oberschenkels
Sarvajṛmbhiṇī Rechter Unterschenkelbereich
Sarvavaśaṅkarī Linker Unterschenkelbereich
Sarvarañjinī Linker vorderer beziehungsweise hinterer Bereich; die Verbindung vāmapūrvaṃ pṛṣṭham ist widersprüchlich
Sarvonmādanakāriṇī Gesamter Seitenbereich
Sarvārthasādhinī Linker Schulterbereich
Sarvasampatprapūraṇī Linke Wange
Sarvamantramayī Linke Stirnhälfte
Sarvadvandvakṣayaṅkarī Die als dvārakūpa bezeichnete Vertiefung; genaue Körperstelle unklar

Tripuravāsinī, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze mein Herz.

6.CK.45b–6.CK.47a Mit „Verehrung dem alle Ziele verwirklichenden Kreis“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die zehn Göttinnen, die alle Vollendung gewähren, gnädig sein: hell wie Kunda-, Mandāra-Blüten und Girlanden, mit Wunschgewährung und Furchtlosigkeit in den Lotushänden.

6.CK.47b–6.CK.52 Sarvasiddhipradā schütze den rechten Augenwinkel, Sarvasampatpradā die Nasenwurzel, Sarvapriyaṅkarī den linken Augenwinkel, Sarvamaṅgalakāriṇī den Bauch mit seiner Ecke. Sarvakāmapradā schütze den nordwestlichen Bauchbereich, Sarvaduḥkhavimocanī die Innenseite des linken Knies, Sarvamṛtyupraśamanī die Innenseite des rechten Knies, Sarvavighnanivāriṇī den Apāna-Bereich. Sarvāṅgasundarī schütze den südwestlichen Bauchbereich, Sarvasaubhāgyadāyinī den südöstlichen. Tripurāśrī, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze die Herzmitte. [Die erste Bauch-Ecke wird in der Quelle nicht näher bezeichnet.]

6.CK.53–6.CK.54 Mit „Verehrung dem alles schützenden Kreis“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die kristallgleichen Göttinnen des inneren Zehnecks, Buch und Gebetskette in den Händen, mir stets gnädig sein.

6.CK.55–6.CK.58 Sarvajñā und Sarvaśakti schützen rechts Nasenöffnung und Mundwinkel; Sarvaiśvaryapradā und Jñānamayī Brust und Hoden. Sarvavyādhivināśinī schütze stets die Dammnaht, Sarvādhārasvarūpiṇī den linken Hoden; Sarvapāpaharā und Ānandamayī links Brust und Mundwinkel. Sarvarakṣāsvarūpiṇī schütze die linke Nasenöffnung, Sarvepsitaphalapradā die Nasenspitze. Tripuramālinī, mit Siddhi und Mudrā verbunden, schütze den Herzlotus. [Die Seitenangaben für die gepaarten Brust- und Hodenstellen ergeben sich aus der Abfolge des Textes.]

6.CK.59–6.CK.60 Mit „Verehrung dem achtseitigen, alle Krankheiten beseitigenden Kreis“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Mögen die Sprachgöttinnen uns gnädig sein, mit zinnoberfarbenen und goldenen Gewändern, Buch und Gebetskette tragend und Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigend.

6.CK.61–6.CK.63a Vaśinī schütze stets die rechte Kinnhälfte, Kāmeśvarī die rechte Kehle, Modinī die rechte Herzseite, Vimalā die rechte Nabelseite, Aruṇā die linke Nabelseite, Jayinī die linke Herzseite, Sarveśvarī die linke Kehle und Kaulinī das linke Kinn. Siddhā Tripurā schütze den Herzlotus.

6.CK.63b–6.CK.65a Mit „Verehrung dem inneren Kreis, der alle Vollendung gewährt“ vollziehe man den durchdringenden Nyāsa und das Blumenopfer. Die Pfeile, Bogen, Schlingen und Stachelstöcke Kāmas und Kāmeśvarīs mögen der Reihe nach das Viereck rings um das Dreieck im Herzen schützen.

6.CK.65b–6.CK.69 Die sechzehn Nityās von Kāmeśvarī an mögen die über dem Herzen strahlende, große Befreiung gewährende Yoni schützen. Kāmeśvarī, wunschgewährende Kraft Rudras, in Kāmarūpa wohnend, schütze deren vordere Ecke. Die Dharma gewährende Kraft Viṣṇus, in Jālandhara wohnend, schütze stets die rechte Ecke. Die Wohlstand gewährende Kraft Brahmās, in Pūrṇaśaila wohnend, die glückliche Bhagamālinī, schütze die linke Ecke. Tripurāmbā schütze mit Siddhi und Mudrā die Mitte der Yoni.

6.CK.70–6.CK.73 Mahātripurasundarī, in Oḍyāna wohnend, Gestalt des höchsten Brahman, sitzt auf einem durch die Gottheiten der fünf Śrīs, Schatzkammern, Wunschbäume, Wunschkühe und Juwelen geschmückten Sitz. Sie ist in allen Lehransichten gegenwärtig, wird von den sechs Gliedergöttinnen gepriesen und von den vier Samayas verehrt. Als Mutter großen Glücks und Spenderin großer Befreiung schütze sie das Herz zwischen den Armen. Diese Göttin ist die Herrin des Cakra, mit Siddhi und Mudrā verbunden. Als Tripurabhairavī schütze sie mich von den Füßen bis zum Kopf.

6.CK.74 und Fortsetzung Dies ist der geheime, alle Wünsche erfüllende Schutzgesang. Nach Aussprache der Turīya-Vidyā, deren Wesen höchstes Brahman ist, folgt die Verehrung der ehrwürdigen Pādukā der unbenennbaren Erscheinung, die im höchsten Bindu-Cakra wohnt, als Kraft Mahātripurās jenseits von Leere und Nichtleere: „Ich verehre, ich sättige, Verehrung.“ Dort verehre man auch die neun Cakra-Herrinnen. Die Quelle gibt anschließend die Klangfolge an:

ka e ī la hrīṃ hasakahalahrīṃ sakalahrīṃ.

Danach folgt erneut die Verehrung der Pādukā der unbenennbaren Erscheinung im höchsten Bindu-Cakra, mit der Bezeichnung Tripurā und Leere/Nichtleere. [Die beiden langen Benennungen sind nicht wortgleich: Die erste enthält ausdrücklich śūnyāśūnyavarjita, „frei von Leere und Nichtleere“, die zweite śūnyāśūnya ohne varjita. Diese Differenz bleibt erhalten.] Nach dem Nyāsa zeige man die eigene Mudrā.

6.CK.75–6.CK.78 und Fortsetzung Was niemandem mitgeteilt wurde, ist nun offenbart. Wer dies mit festem Geist auf seinen Körper legt, verlässt nach dem Text den menschlichen Zustand und gelangt unmittelbar zum Śiva-Zustand. Wer es zu den drei Tageszeiten vergegenwärtigt, dem erscheint die gesamte Yoginī-Schar leuchtend in allen Gliedern. Bhūtas, Pretas, Piśācas und andere könnten ihn nicht bedrängen. Frei von den drei Leiden bewege er sich wie ein Vollendeter durch die Welt. Wo ein Yogin dies erinnert, werde die Erde ringsum bis zu zwölf Yojanas zu einem heiligen Feld.

Damit endet im Śrīrudrayāmala der Schutzgesang des Śrīcakra-Nyāsa; damit ist der Śrīcakra-Nyāsa der Rücknahme abgeschlossen.

Der Śrīcakra-Nyāsa in der Schöpfungsordnung

Nun folgt die Schöpfungsordnung, von der Hauptgöttin bis zu Aṇimā. Im Yoginīhṛdaya heißt es:

6.SCH.1–6.SCH.3 Wiederum lege man den Nyāsa von der Hauptgöttin bis zu Aṇimā auf. Im Dreieck des Kopfes lege man von vorn an Kāmeśvarī und die weiteren auf. Die Pfeile gehören an die Augen, die Bogen an die Brauen, die beiden Schlingen an die Ohren und die beiden Stachelstöcke an die Nasenspitze, jeweils rechts beginnend. Die acht Sprachgöttinnen lege man wie eine Girlande um den Kopf auf; die Cakras sind vom Bindu-Cakra an aufzulegen.

6.SCH.4–6.SCH.5 Weitere Stellen sind die Augenwurzel, der äußere Augenwinkel, Vorder- und Rückseite des Ohres, der untere und der übrige Teil des Haarschopfbereichs, die Rückseite des anderen Ohres, dessen Wurzel, der andere äußere Augenwinkel und dessen innere Wurzel. An der Kehle lege man Sarvasiddhipradā und die weiteren rechtsherum auf.

6.SCH.6–6.SCH.7 Im Herzen folgen wie zuvor die Kräfte des vierzehnseitigen Kreises. An den Nabel gehört der achtblättrige Lotus. Die ersten vier Kräfte werden an Wirbelsäule, linker Seite, Bauch und anderer Seite aufgelegt; die weiteren vier in den Zwischenräumen, beginnend zwischen Wirbelsäule und linker Seite.

6.SCH.8–6.SCH.11 und Fortsetzung Im Svādhiṣṭhāna lege man von der eigenen Vorderseite bis zur rechten Seite auf. Im Mūlādhāra lege der vortreffliche Übende die zehn Mudrās auf: vorn, seitlich, hinten, links, in den Zwischenräumen sowie oben und unten. Ohne oben und unten folgen am rechten Unterschenkel die acht Mütter von Brāhmāṇī an. Am linken Unterschenkel lege man, links beginnend, die acht Siddhis auf, die übrigen beiden an die Fußsohlen. Dieser Nyāsa geht aus seiner Ursache hervor wie ein Licht, das an einem anderen Licht entzündet wird. Nach solchem Auflegen betrachte man alles als vom eigenen Selbst unverschieden.

Erläuterung der Schöpfungsordnung

Kommentar. Nachdem die Rücknahme des großen Cakra in zusammengefasster Gestalt erklärt wurde, wird nun die Schöpfungsfolge beschrieben. Im vorgestellten Kopfdreieck werden die drei Bīja-Göttinnen von Kāmeśvarī an aufgelegt. „Von vorn an“ bezieht sich auf die Vorderseite des Kopfes; das Dreieck wird also zur Stirn hin ausgerichtet. Entsprechend dem Aufbau des Śrīcakra werden die Linien bis zum Achteck vorgestellt.

Je nach Bezugsrichtung können die Ecken als vorn oder als Westen, Südosten und Nordosten benannt werden. Bei der ersten Deutung bedeutet „von vorn“ eine rechtsläufige, bei der zweiten eine gegenläufige Folge. Daraus ergibt sich die im Tantrarāja genannte Anordnung von Westen an gegen den Umlaufsinn. Manche wollen Yoginīhṛdaya und Tantrarāja auf diese Weise vereinigen. Andere ziehen die beiden früheren Auffassungen im Zusammenhang mit der Catuḥśatī heran. Der Verfasser hält die letztere Auslegung für angemessen, weil dieser Text den Sinn der früheren Catuḥśatī erschließt. [Die verschiedenen Richtungsbezüge werden als Auslegungsvarianten belassen.]

Die fünf Pfeile sind zweifach, als Pfeile Śivas und Śaktis. An das rechte Auge gehören Kāmeśvaras Pfeile, an das linke Kāmeśvarīs Pfeile; an die rechte Braue sein Bogen, an die linke ihr Bogen; an das rechte Ohr seine Schlinge, an das linke ihre Schlinge; an die Spitze der rechten Nasenöffnung sein Stachelstock, an diejenige der linken ihr Stachelstock.

Obwohl die Waffen im Śrīcakra zwischen Dreieck und Achteck stehen und dort wie zuvor aufgelegt werden könnten, gilt hier nach dem Gebot Īśvaras ihre Nähe zu den Vokalgestalten als ausschlaggebend. Entsprechend werden auch die sechzehn Nityās als Vokalgestalten an den zugehörigen Vokalstellen aufgelegt. Hinter dem Ort des Śrīvidyā-Nyāsa werden die Guru-Reihen an ihrem eigenen Platz aufgelegt; danach folgt der Kreis der sechzehn Nityās. Dies ist die Schöpfungsordnung; sonst gilt die zuvor erklärte Folge.

Jñānārṇava, 6.JN.1–6.JN.2 und Fortsetzung. Śrīvidyā befindet sich an der Scheitelöffnung, dahinter die Gurus in ihrer Reihenfolge. Danach lege man die Tithi-Nityās, verbunden mit den Mātṛkā-Vokalen, wie die Mātṛkā im Gesicht auf, o Spenderin allen Glücks. Beim Laut aḥ vergegenwärtige man Śrīvidyā als Mutter der Welt und lege die Nityā wie den entsprechenden Vokal auf, o Lotusäugige.

Kommentar. Dieser Nyāsa gehört zur Schöpfungsordnung des Śrīcakra und kann auch für sich betrachtet werden. Die „Girlande um den Kopf“ bezeichnet die acht Sprachgöttinnen an den acht Ecken, von der oberen Stirnecke an rechtsherum, entsprechend der Anordnung des Yoginī-Cakra am Kopf.

Zum Bindu-Cakra erklärt der Kommentar: Zuerst wird der große Bindu-Kreis, ganz aus Glückseligkeit bestehend, aufgelegt, danach Dreieck und weitere Kreise. Der Bindu wird nicht zuerst eigens beschrieben, weil er das Dreieck bestimmt und in dessen Mitte liegt; ohne ihn ist das Dreieck hier nicht denkbar. Man stelle sich also zunächst das Kopfdreieck vor, verehre in seiner Mitte durchdringend den Kreis aller Glückseligkeit, betrachte diese Mitte als Bindu und lege dort die Hauptgöttin auf. Dann folgen Dreieck und weitere Kreise. Manche stellen zuerst einen für sich stehenden Bindu-Kreis und außen darum das Dreieck vor; der Kommentar bezweifelt, dass diese Reihenfolge dem Yoginīhṛdaya entspricht.

Die zehn Kräfte des inneren Zehnecks, von Sarvajñā an, werden im Cakra-Verlauf an zehn Stellen aufgelegt: innere Wurzel und äußerer Winkel des rechten Auges, vorderer beziehungsweise mittlerer und hinterer Bereich des rechten Ohres, die beiden Teile des Haarschopfbereichs, Rückseite und mittlerer Bereich des linken Ohres, äußerer Winkel und innere Wurzel des linken Auges. Für die beiden Stellen beim Haarschopf werden zwei Deutungen überliefert: hintere und vordere Hälfte des Kopfbereichs oder rechte und linke Hälfte der Vertiefung beziehungsweise Naht unterhalb des Haarschopfes am Nacken. Der Kommentar weist auf eine Schwierigkeit der ersten Gliederung hin, ohne die Alternative völlig glatt aufzulösen.

Die zehn Göttinnen des äußeren Zehnecks, von Sarvasiddhipradā an, werden am Viśuddha aufgelegt. Man stelle seinen sechzehnblättrigen Vokallotus aufwärts gerichtet vor und beginne am vorderen Blatt rechtsherum. Das vordere Blatt liegt dabei in der Kehlgrube. Der innere Kehlumkreis wird durch einen entsprechenden äußeren Nyāsa um die Kehle dargestellt.

Die vierzehn Kräfte von Sarvasaṃkṣobhiṇī an werden im zwölfblättrigen Anāhata-Herzlotus ebenfalls vom vorderen Blatt an rechtsherum aufgelegt. [Die unterschiedliche Zahl von Kräften und Lotusblättern wird von der Vorlage nicht eigens aufgelöst.]

Für den achtblättrigen Kreis wird an der Nabelebene ein eigener achtblättriger Lotus vorgestellt, dessen innerer Umkreis äußerlich um den Körper gelegt wird. Hinten an der Wirbelsäule liegt das westliche Blatt, links das nördliche, am Bauch das östliche und rechts das südliche. Die ersten vier Kräfte von Anaṅgakusumā an werden von Westen an gegenläufig verteilt. Die weiteren vier, von Anaṅgarekhā an, liegen in den Zwischenrichtungen: zwischen Rücken und linker Seite, zwischen linker Seite und Bauch, zwischen Bauch und rechter Seite sowie zwischen rechter Seite und Rücken; entsprechend Nordwesten, Nordosten, Südosten und Südwesten.

Für den sechzehnblättrigen Kreis wird der sechsgliedrige Svādhiṣṭhāna-Lotus an der Wurzel des Geschlechtsorgans verwendet. Von der Vorderseite an bis zum südöstlichen Blatt werden die ersten fünf Kräfte von Kāmākarṣiṇī an aufgelegt; auf das sechste Blatt kommt Śarīrākarṣiṇī, die sechzehnte Kraft. So entsteht die Anordnung um das Geschlechtsorgan. [Die dazwischenliegenden zehn Kräfte werden in dieser Kommentaranweisung nicht eigens genannt; sie werden hier nicht ergänzt.]

Die innere Vierecklinie des die drei Welten bezaubernden Cakra liegt im vierblättrigen Mūlādhāra. Auf die vier Richtungsblätter, vorn, rechts, hinten und links, werden die ersten vier Mudrās von Sarvasaṃkṣobhiṇī an rechtsherum aufgelegt. Der Kommentar erklärt ausdrücklich, dass savya hier „rechts“ bedeutet, und beruft sich darauf, dass das Wort für beide Seiten vorkommen kann. An den vier Blattübergängen Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten folgen die vier Mudrās von Unmādinī an. Oben zwischen Indra und Īśāna sowie unten zwischen Nirṛti und Varuṇa werden Khecarī und Yoni aufgelegt; so entstehen zehn Mudrās.

Für die mittlere Vierecklinie werden wie am Mūlādhāra die ersten vier Mütter in den vier Richtungen, die weiteren vier von Vārāhī an in den Zwischenrichtungen aufgelegt. Oben und unten entfallen, weil es acht Mütter sind. Die äußere Vierecklinie wird am linken Unterschenkel angeordnet: vier Siddhis in den Haupt-, vier in den Zwischenrichtungen, rechtsherum. Die übrigen beiden Siddhis werden an die Fußsohlen gelegt. Der Ausdruck „aus der Ursache hervorgegangen“ meint den Kreis aller Glückseligkeit als Ursprung. Am Schluss wird über alles als unverschieden vom eigenen Selbst meditiert.

Abschließende Ortsreihe, 6.SO.1–6.SO.2 und Fortsetzung. Zwischen den Brauen, im Herzen, am Nabel, im Svādhiṣṭhāna, Mūlādhāra, an beiden Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen lege der vortreffliche Übende, innerlich in Tripurā gesammelt, die Herrinnen der Kreise vom Bindu an der Reihe nach auf. Danach vollziehe er mit dem jeweiligen Darbringungsmantra des Cakra den durchdringenden Nyāsa.

Damit endet die Erklärung des Śrīcakra-Nyāsa in der Schöpfungsordnung.

Der Śrīcakra-Nyāsa in der Erhaltungsordnung

Im Yoginīhṛdaya:

6.ST.1–6.ST.2 Danach vollziehe der Verständige die mit Handreinigung beginnenden Nyāsas, nachdem er die Vidyā an Kopf, verborgenem Bereich, Herz, den drei Augen, beiden Ohren, Mund, Armen, Rücken, Knie und Nabel aufgelegt hat.

Kommentar. Zuerst geschieht der Vidyā-Nyāsa an den genannten Stellen, danach die mit Handreinigung beginnende Folge. Weil Cakra und Cakra-Herrin sich wie Träger und Getragenes verhalten, sind beide aufzulegen. Der Nyāsa beginnt hier mit den Vidyās der Cakra-Herrinnen; dadurch ergibt sich der Charakter der Erhaltung.

6.ORD.1 Die Schöpfung reicht von der Neun-Yoni-Gestalt bis zur Erde; die Rücknahme dagegen von der Erde bis zur Neun-Yoni-Gestalt. So lautet die Entscheidung der Lehre.

Die neun Vidyās, 6.NV.1–6.NV.4. Die erste reinigt die Hände, die zweite schützt das eigene Selbst. Die dritte Göttin befindet sich auf dem Selbstsitz, die nächste auf dem Cakra-Sitz, danach folgt die auf dem All-Mantra-Sitz. Die sechste befindet sich auf dem Sitz der zu Verwirklichenden und Vollendeten. Die höchste Göttin aus Māyā und Lakṣmī wird als siebente, als Gestalt-Vidyā, genannt. Die achte ist die herbeirufende Mudrā, die neunte die höchste Bhairavī, bekannt als Mūlavidyā, welche die drei Welten gefügig macht. Diese neun Formen sollen bei der Verehrung sorgfältig verwendet werden.

6.NV.5–6.NV.7 Der Übende lege sie der Reihe nach an Fußspitzen, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, After und Spitze des Geschlechtsorgans auf. Auf die Grundlage lege er die Gestalt, auf diese die Herbeirufende; mit dem Wurzelmantra werde der ganze Bereich durchdrungen. An den zuvor genannten Stellen von Akula an stelle man sich die neun Cakras mit ihren Herrinnen vor.

6.NV.8–6.NV.11 Ihre Namen lauten in der Reihenfolge: Tripurā, Tripureśvarī, Tripurasundarī, Tripuravāsinī, Tripurāśrī, Tripuramālinī, Tripurāsiddhi, Tripurāmbikā und als neunte Mahātripurasundarī. Man verehre sie in den zuvor beschriebenen neun Cakras.

6.NV.12 So erscheint die eine ursprüngliche Śakti während der Verehrung neunfach, o Pārvatī; ihr wird zugeschrieben, Alter und Tod zu überwinden.

Die neun inneren Orte

Kommentar. Zuerst meditiere man über die Orte von Akula an. Dann stelle man sich die Cakras vom die drei Welten bezaubernden Kreis an mit ihren jeweiligen Mantras vor und lege sie durch innere Vergegenwärtigung und entsprechende äußere Berührung auf. Darin werden die neun Cakra-Herrinnen aufgelegt. Erneut betrachte man jeden Kreis als von seiner Herrin bewohnt:

Innerer Ort Cakra des Śrīcakra Herrin
Akula namens Viṣu: tausendblättriger Lotus an der Wurzel der Suṣumnā Die drei Welten bezaubernd Tripurā
Feuer-Grundlage: vierblättriger Mūlādhāra Alle Hoffnungen erfüllend Tripureśvarī
Śakti-Ort: sechsblättriger Svādhiṣṭhāna Alles erschütternd Tripurasundarī
Nabel: zehnblättriger Lotus Alles Glück gewährend Tripuravāsinī
Anāhata: zwölfblättriger Lotus Alle Ziele verwirklichend Tripurāśrī
Viśuddha: sechzehnblättriger Lotus Alles schützend Tripuramālinī
Spitze der Lambikā: achtblättriger Lotus Alle Krankheiten beseitigend Tripurāsiddhā
Zwischen den Brauen: zweiblättriger Lotus Alle Vollendung gewährend Tripurāmbā
Mond beziehungsweise Bindu an der Stirn Alle Glückseligkeit bewirkend Mahātripurasundarī

Yoginīhṛdaya, 6.IO.1 und Fortsetzung. Genannt werden Akula namens Viṣu, Śakti-Ort, Feuer-Ort, Nabel, Anāhata, Viśuddha, Lambikā-Spitze, Brauenmitte und Mond.

Kommentar. Als Kula wird ein sechsblättriger Lotus unterhalb des Mūlādhāra bezeichnet. Einen Fingerbreit darunter liegt ein achtblättriger Lotus, wiederum einen Fingerbreit darunter der rote tausendblättrige Lotus. Akula ist das vom Kula Verschiedene, hier ausdrücklich der rote Tausendblättrige an der Wurzel der Suṣumnā.

Warum wird nicht auch der Achtblättrige als Akula verwendet, da er ebenfalls vom sechsblättrigen Kula verschieden ist? Die Antwort liegt in der näheren Bezeichnung Viṣu: Gemeint ist nur das so benannte Akula, nicht alles, was außerhalb von Kula liegt. Viṣu bezeichnet das Durchdringende, den Tausendblättrigen; die dort befindliche Suṣumnā durchdringt die dreißig in ihr liegenden Lotusse. Deshalb ist hier nicht der achtblättrige Lotus gemeint.

Die Wörter „Śakti-Ort“ und „Feuer-Ort“ werden im zitierten Vers für die Zuordnung umgestellt: zuerst Feuer, dann Śakti. Dies entspreche der Cakra-Reihenfolge; die abweichende Wortstellung erklärt der Kommentar mit Maheśvaras freiem Willen. Feuer ist Mūlādhāra als Träger des Feuerkreises. Śakti ist Hṛllekhā; weil sie darüber liegt, wird Svādhiṣṭhāna als Śakti-Ort bezeichnet.

Nabel meint Maṇipūra, Anāhata den Herzlotus, Viśuddha den Kehllotus, Lambikā-Spitze den achtblättrigen Lotus oberhalb der Kehle an der Gaumenwurzel, Brauenmitte den zweiblättrigen Ājñā-Lotus und Mond den Stirn-Bindu. Dazu wird zitiert: „Lampenförmig, eine halbe Mātrā, an der Stirn kreisrund.“ Eine Mātrā ist die Sprechdauer eines kurzen Vokals; eine halbe Mātrā ist deren Hälfte. Damit sind Gestalt, Aussprachedauer und Ort des Bindu angegeben: lampenförmig, mit halber Mātrā, kreisrund angeordnet an der Stirn oberhalb der Brauen.

Die inneren Lotusse nach dem Svacchandasaṃgraha

6.SV.1–6.SV.4 Unterhalb und oberhalb der Suṣumnā befinden sich zwei tausendblättrige Lotusse, rot und weiß, mit den Kräften auf ihren tausend Blättern. Sie sind aufwärts beziehungsweise abwärts gerichtet, mit Lotusmitte und Staubfäden versehen, Gestalten der Śakti, heilvoll als Kula und Akula. Diese beiden Lotusse bestehen ewig und unwandelbar. Zwischen ihnen liegen innerhalb der Suṣumnā die Lotusse der dreißig Grundlagen, Śakti-Gestalt und Śiva-Gestalt, die eigene Wohnstatt Śarvāṇīs. Ihre Formen und Reihenfolge werden nun erklärt.

6.SV.5–6.SV.8 Der Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan wird als fünf Fingerbreit hoch, einen Fingerbreit beim After und in der Mitte zwei Fingerbreit ausgedehnt beschrieben. [Die räumliche Konstruktion des Verses ist gedrängt und nicht eindeutig.] An seiner Wurzel liegt die große dreieckige Yoni; in ihrer Mitte befindet sich die Suṣumnā. An deren Wurzel liegt unten ein tausendblättriger Lotus mit Mitte und Staubfäden, feurig und rot leuchtend, mit Kräften auf den Blättern und auf jedem Staubfaden. In der Mitte seiner Karṇikā wohnt die Kula-Göttin.

6.SV.9–6.SV.12 Einen Fingerbreit über diesem Lotus, inmitten der Suṣumnā, liegt ein achtblättriger Lotus mit acht Knoten. Er ist rot, mit eigener Lotusmitte und roten Staubfäden geschmückt; an den Knotenspitzen wird eine dreifache Erhebung genannt. Ihn umgeben die als „acht Bhairavas von Brāhmāṇī an“ bezeichneten Gestalten sowie die Kräfte der Lautgruppen an den Knoten der acht Blätter und weitere verbundene Kräfte. In seiner Mitte wird er von der Kaula-Śakti bedient. Einen Fingerbreit darüber liegt der sechsblättrige Kula-Lotus. [Die Verbindung weiblicher Namen wie Brāhmāṇī mit der Bezeichnung „Bhairavas“ steht so in der Quelle.]

6.SV.13–6.SV.16 Der Grundlotus ist gelb, vierblättrig, mit schönen Staubfäden und abwärts gerichtet. In seiner Mitte wird Kuṇḍalinī im Svayambhū vergegenwärtigt, von Varadā und den übrigen Kräften umgeben. Dieser Lotus gehört der Erde an. Darunter liegt ein anderer, feuriger Lotus; die Kräfte in seiner Mitte sind ungeteilt und gleichen einer Masse von Blitzen. Darüber liegt in der Lotusmitte der Feuerkreis; darüber der Pūrṇa-Sitz und darüber Śākinī. [Die verschachtelten Ortsangaben werden nicht zu einem vereinfachten modernen Cakra-Schema umgestellt.]

6.SV.17–6.SV.20 Zweieinhalb Fingerbreit über dem Grundlotus liegt ein feuriger achtblättriger Lotus mit gelber Mitte. Darin wohnt Hṛllekhā, von Anaṅga und den weiteren bedient. Zwei Fingerbreit darüber liegt der wasserhafte, sechsseitige Svādhiṣṭhāna. Man vergegenwärtige darin Kākinī, umgeben von Bandhinī und den weiteren Kräften. Acht Fingerbreit darüber, am Nabel, liegt der schöne zehnblättrige Maṇipūra; Lākinī wohnt in seiner Mitte, umgeben von Ḍāmarī und den übrigen.

6.SV.21–6.SV.24 Vierzehn Fingerbreit über Maṇipūra liegt der zwölfblättrige Anāhata mit Rākiṇī in der Mitte, umgeben von Kālarātrī und den anderen Kräften auf den Blättern. Im mittleren Sonnenkreis befindet sich der als Nādoḍyāna bezeichnete Sitz. Einen Fingerbreit darüber liegt der sechzehnblättrige Viśuddha mit Ḍākinī in der Mitte und Amṛtā und den weiteren bis zur abschließenden Lautkraft auf den äußeren Blättern. Darüber liegt der Mondkreis. Vier Fingerbreit oberhalb der Kehle liegt Lambikā. [Die ungewöhnlich kurze Distanz zwischen Herz- und Kehllotus wird nach der Vorlage beibehalten.]

6.SV.25–6.SV.26 Dort liegt der achtblättrige Lotus, umgeben von Rasikā und den übrigen. Das Ājñācakra ist der zweiblättrige Lotus mit ha und kṣa: seitlich Haṃsavatī und Kṣamā, in der Mitte Hākinī. Darüber liegt an der Stirn der kreisförmige Umkreis des Bindu.

6.SV.27–6.SV.30 und Fortsetzung Er leuchtet wie Millionen Sonnen, überaus hell und von großer Herrlichkeit. In seiner Mitte liegt ein Lotus, dessen Ausdehnung mit hundert Millionen Yojanas angegeben wird. Auf seiner Mitte sitzt der Herr Śāntyatīteśvara, fünfgesichtig und zehnarmig, wie eine Menge von Blitzen. Rings um Śāntyatīta stehen der Reihe nach Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā und Śānti. Links sitzt Śāntyatītā Manonmanī. Alle besitzen fünf Gesichter und zehn Arme und tragen den Mond als Schmuck. So ist das Bindu-Prinzip beschrieben, von Hunderten von Koṭis und Arbudas umgeben. [Die letzte große Zahlenfolge nennt hier keine eindeutige Einheit.]

Damit endet die Erklärung des Śrīcakra-Nyāsa der Erhaltung.

Kolophon. Damit endet der sechste Śvāsa im Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati in der Schülerfolge des ehrwürdigen großen Lehrers Govindācārya, des verehrten Śaṅkarācārya, Viṣṇuśarmācāryas und Pragalbhācāryas.

7. Śvāsa

Die drei Glieder des Śrīcakra-Nyāsa

Der Śrīcakra-Nyāsa der Erhaltung besteht nach der festgestellten Lehre aus drei Gliedern: Vidyā, Cakra und Cakra-Herrin. Zuerst reinige man nach der Überlieferung die Hände mit der Handreinigungs-Vidyā und vollziehe mit der Selbstschutz-Vidyā den Schutz des eigenen Selbst. Dann vergegenwärtige man die Göttin als vom eigenen Selbst unverschieden.

Tantrarāja, 7.TD.1. Ich vergegenwärtige Bhavānī als mein eigenes Ich: rot leuchtend, mit Augen, in denen Mitgefühl wogt, Schlinge, Stachelstock, Blumenpfeile und Bogen tragend; von den Strahlen der Kräfte von Aṇimā an umgeben.

Nach dieser Betrachtung beginne man den Śrīcakra-Nyāsa. Beim Vidyā-Nyāsa werden zuerst die Mūlavidyā und ihre Gruppen beziehungsweise Laute getrennt und zusammen aufgelegt.

Gruppen-Nyāsa, 7.KŪ.1. Man lege an Kopf, verborgenem Bereich und Herz, an rechtem und linkem Auge, an Ohren und Armen, Rücken, Knien und Nabel auf. Damit endet der Kūṭa-Nyāsa.

Laut-Nyāsa, unnummeriert. Die fünfzehn Laute werden an Kopf, verborgenem Bereich, Herz, den Augen, Ohren und Mund, an Armen, Rücken, Knien und Nabel aufgelegt. Damit endet der Akṣara-Nyāsa.

Nyāsa der vollständigen Vidyā, 7.VI.1. An den fünfzehn Stellen von Kopf an lege der Verständige die Mūlavidyā jeweils gesondert auf, der Reihe nach mit den drei Tārās beginnend. Damit endet der Vidyā-Nyāsa.

Vidyās der neun Cakra-Herrinnen, 7.NV.1 und Fortsetzung. An Füßen, Unterschenkeln, Knien, Oberschenkeln, den Seiten des Afters, Gesäß, Spitze des Geschlechtsorgans, Grundlage und Mūlādhāra werden sie aufgelegt. Dies heißt Vidyā-Nyāsa der neun Cakra-Herrinnen. [Grundlage und Mūlādhāra stehen in der Vorlage nebeneinander; sie werden hier nicht ohne Erläuterung gleichgesetzt und zusammengezogen.]

Die neun Cakras, 7.NC.1 und Fortsetzung. An Scheitelöffnung, Grundlage, Svādhiṣṭhāna, Nabel, Anāhata, Viśuddha, Lambikā, zwischen den Brauen und am Bindu-Ort lege man die neun Cakras der Reihe nach auf. [Der erste Ort ist hier ausdrücklich die Scheitelöffnung; im vorausgehenden Kapitel begann eine verwandte Folge beim unteren Akula-Lotus.]

Die neun Cakra-Herrinnen, 7.CH.1–7.CH.3. Unter Aussprache ihrer Vidyās lege man in die neun Cakras Tripurā, Tripureśvarī, Tripurasundarī, Tripuravāsinī, als fünfte Tripurāśrī, als sechste Tripuramālinī, als siebente Tripurāsiddhā, als achte Tripurāmbā und als neunte die große Göttin Mahātripurasundarī auf. Damit endet die Darstellung des Śrīcakra-Nyāsa der Erhaltung.

Der sechsgliedrige Schutz und die jugendlichen Kräfte

Schutz-Nyāsa, 7.RA.1. Man spreche die drei Tārās, danach Bālā, „Verehrung, Tripurasundarī“ und zweimal „beschütze mich“. Damit werden die sechs Glieder aufgelegt.

7.ṢA.1–7.ṢA.2 Mit zweimaligem Durchlaufen der drei Bālā-Bījas vollziehe der Übende die sechs Glieder; dies heißt Bīja-Ṣaḍaṅga-Nyāsa. Mit zweimaligem Durchlaufen der drei Gruppen vollziehe man die sechs Glieder der fünfzehnsilbigen Mūlavidyā.

7.ṢA.3 Für die sechzehnsilbige Śrīvidyā wird der sechsgliedrige Nyāsa mit fünf Bījas beziehungsweise den sechs Gliedern und der Zahlenfolge fünf, drei, eins, eins, eins, eins beschrieben. [Die gedrängte Verbindung von Zahlen, Bījas und Gliedern lässt sich aus diesem Vers allein nicht eindeutig auflösen; daraus wird keine erfundene vollständige Rezitationsfolge gebildet.]

7.ṢA.4–7.ṢA.5 Die sechs jugendlichen Kräfte heißen Allwissenheit, ewige Erfülltheit, anfangsloses Erwachen, Freiheit, ewig unverminderte Kraft und unendliche Kraft. Ihre Namen stehen im Dativ und erhalten jeweils ein Bālā-Bīja vorangestellt. Dieser Nyāsa wird zur Verwirklichung aller Ziele beschrieben.

7.ṢA.6 und Fortsetzung Zuerst steht jeweils eine Mantragruppe, danach „ehrwürdige Mahātripurasundarī“ und die mit „Wohnstatt der Kraft der Allwissenheit“ beginnende Formel, wie zuvor erklärt. Dieser Nyāsa der sechs jugendlichen Kräfte entzündet die Mūlavidyā. [Die Vorlage schreibt sarvajñatāśatidhāmne; „Kraft“ folgt dem erkennbaren Zusammenhang, die Wortform ist beschädigt.] Eine andere Form verwendet Māyā in den sechs langen Vokalformen und weitere entsprechende Verbindungen.

Meditation, 7.JU.1. Die jugendlichen Gestalten der ehrwürdigen Göttin der Götter leuchten wie Jasmin, Mond, Blau, Schwarz, Gelb und Rot. Ihre schönen Hände zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Sie sind reich an Anmut, spielerischer Schönheit und voller Jugend.

Der vollständige Śrīvidyā-Nyāsa

Im Jñānārṇava:

7.PŪ.1–7.PŪ.2 Nun werde ich, große Herrin, den höchsten Śrīvidyā-Nyāsa erklären. An der Scheitelöffnung vergegenwärtige man sich die vollständige Vidyā, rot leuchtend, sechzehnsilbig, Nektar verströmend und großes Glück gewährend. Danach bewege man an der linken Schulter den Glück gewährenden Finger kreisend.

7.PŪ.3–7.PŪ.4 Die Mudrā, welche die Zunge des Feindes ergreift, lege man an den Fußansatz. Erneut lege man die vollständige Vidyā oberhalb der Kehle auf und danach den ganzen Körper durchdringend. Am Ende dieses Durchdringens zeige man die Yoni-Mudrā vor dem Gesicht und verneige sich.

7.PŪ.5–7.PŪ.6 Dieser vollständige Śrīvidyā-Nyāsa wird als Glück vermehrend bezeichnet. Man lege an der Scheitelöffnung und am Handgelenk auf, setze den Ringfinger an die Stirn und erinnere die sechzehnsilbige Vidyā. Dieser Sammohana genannte Nyāsa gilt als Erregung bewirkend.

7.PŪ.7–7.PŪ.9 Während man die drei Welten rot vorstellt und Śrīvidyā im Geist erinnert, lege man der Reihe nach an Füßen, Unterschenkeln, Knien, Hüften, an der als andhu bezeichneten Vertiefung und am Rücken auf; ferner an Nabel, Seiten, Brüsten, Schultern, Ohren, Scheitelöffnung und Gesicht, dann am Ohrbereich und an der Hand. Dies ist der große Nyāsa der Rücknahme mit den sechzehn Bījas in ihrer Reihenfolge. [Die Ortsreihe ist gegenüber der Zahl sechzehn nicht eindeutig gegliedert; andhu wird nicht zu einer unbelegten bestimmten Körperstelle präzisiert.]

7.PŪ.10 Durch die Nyāsas der sechzehnsilbigen Śrīvidyā werde man zum Herrn der Welt. Für die Schöpfung lege man die Mātṛkā wie zuvor auf.

Kommentar. Da die sechzehnsilbige Vidyā viele Formen besitzt, soll jeder nur die Laute derjenigen Form auflegen, in die er eingeweiht wurde.

Die Vorlage fügt in eckigen Klammern hinzu: In diesem Werk wird auch die Verehrungsordnung des Śrītantrarāja behandelt. Dort habe der erhabene Śambhu die fünfzehnsilbige Vidyā herausgelöst; deshalb wird zunächst deren Mantraentfaltung erklärt. Ihre besondere Verehrung werde später dargestellt. Als hauptsächliche vedische Überlieferung dieser Śrīvidyā wird der Ṛgveda genannt. Im fünften Maṇḍala, 5.47.4, werde der Mantra aus der mit catvāra īṃ vibhrati kṣemayante beginnenden Stelle erschlossen. Ferner werde ihr Wurzelmantra in einer Upaniṣad der Śaunaka-Tradition des Atharvaveda entfaltet; hier solle dieser Zusammenhang verdeutlicht werden. [Dies gibt die Quellenbehauptung des Kommentars wieder; die vedische Stelle wird nicht als wörtlich ausgeschriebener Śrīvidyā-Mantra ausgegeben.]

Nun wird die Entfaltung der sechzehn Laute gezeigt.

Śiva, Śakti und die Entfaltung des Mantras

Im Śrījñānārṇava:

7.JA.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: „Gott, du hast Tripurā in vielerlei Formen offenbart. Erkläre nun, Śaṅkara, was du mit ihrer Dreifachheit meinst.“

7.JA.2–7.JA.3 Īśvara sprach: „Makellose, ich erkläre dir das Wesen des höchsten Brahman, verbunden mit Nāda, Bindu und Kalā, aus Śiva und Śakti bestehend. Śiva durchdringt das All und bleibt darin gegenwärtig. Zuvor wurde sie durch ihre Eigenschaften beschrieben; nun höre ihr Wesen als Śiva und Śakti.“

7.JA.4–7.JA.7 Von a bis sa reicht die unwandelbare Mātṛkā-Śakti; ha allein wird Śiva genannt. Durch Anfangs- und Endlaut wird der Sinn von Haṃsa und Kalā erschlossen. Was immer durch die Mātṛkā-Laute ausgedrückt wird, das alles bin ich, Īśvara. Ha hat die Gestalt der Leere und ist stets unwandelbar; sa hat die Gestalt der Śakti, bezeichnet das Höchste und trägt die Schöpfung in sich. Weil sie Ursache des Hervorgehens ist, heißt sie Śakti. Durch Yoga wird das eigene Selbst mit dem Wort So’ham, „Ich bin Das“, offenbar. [Die Verbindung tadāhaṃsakalārthadaḥ in Vers 5 ist sprachlich gedrängt; ihre genaue Aufgliederung bleibt offen.]

7.JA.8–7.JA.10 Aus der Verbindung der drei Bindus erscheint Mahātripurasundarī. Als Nāda ist die Göttin die Gestalt der Hälfte von ha. Weil ha Śiva ist, ist die große Śakti seine Körperhälfte und die halbe Gestalt dieses Lautes. Deshalb wird die große Vidyā Mahātripurasundarī als Nityā, die Ewige, bezeichnet: Bewusstseinskraft und höchste Gottheit.

7.JA.11–7.JA.13 Durch die Gnade des ehrwürdigen Gurus mit Überlieferung und Kula verbunden, erhebe sich der vortreffliche Mantrakenner am Morgen und erinnere den Guru mit seinen Namen. Nach Sandhyā, Bad und den weiteren Handlungen kleide er sich festlich, mit Kampfer, Safran und anderen Duftstoffen, reichlich mit Moschus gesalbt und von Kuṅkuma gerötet, mit neun Edelsteinarten geschmückt und in roten Gewändern strahlend. [Die isolierte Angabe „śrīvi0 15“ zwischen den Versen ist eine technische Quellenzeile, kein Teil des Verses.]

7.JA.14–7.JA.16 Den Mund vom Betel gerötet, den Geist von Liebesfreude erfüllt, begebe er sich zum Verehrungspavillon: mit Lackmalerei geziert, von vielerlei Räucherduft erfüllt, mit Blumen geschmückt, mit Kuhdung bestrichen und mit einem schönen Blumenbaldachin versehen. Auf einem angenehmen, weichen und feinen Sitz nehme er Platz und vollziehe das Herauslösen des Mantras zur Verwirklichung seiner Aufgaben.

7.JA.17–7.JA.18 Zuerst spreche man Vāgbhava, als zweites das Kāma-Bīja und als drittes das Bīja der Kumārī: dies ist Tripurā, die erste, die Hände reinigende Vidyā. Kumārī ist die zweite, Tripureśī, o große Herrin.

7.JA.19–7.JA.20 Ersetzt man den ersten Bestandteil Tripureśīs durch Bhuvaneśī, erkennt man darin die Sitz-Vidyā. Mit Tripureśī werden die sechs Glieder gebildet. Die aus drei Bījas bestehende Tripureśī, jeweils mit ha verbunden, ist Tripuravāsinī auf dem Cakra-Sitz.

7.JA.21–7.JA.23 Werden in Tripureśī Vāgbhava und Kāmarāja mit Śiva und Mond verbunden und das dritte Bīja mit Śiva, entsteht Tripurāśrī auf dem All-Mantra-Sitz. Ersetzt man bei der Göttin des Selbstsitzes das dritte Bīja durch die als balemātmaka überlieferte Klanggestalt, entsteht die auf dem Sitz der zu Verwirklichenden und Vollendeten wohnende Tripuramālinī. [Die letzte Klangangabe ist unsicher; sie wird nicht in eine vermeintlich gesicherte Bīja-Schreibung umgewandelt.]

7.JA.24 Bei Sampatpradā Bhairavī entferne man im dritten Bīja den Bindu und setze dort Visarga ein, o Schöne unter den Göttern.

Die neun Laute des Meru

7.JA.25–7.JA.26 Höre nun die Mūlavidyā, Erhabene: von allen Āgamas verehrt, von allen Lehransichten geachtet, unwandelbare Bewusstseinskraft. Erde, Mond, Śiva, Māyā, Śakti, die in der Vorlage als kṛṣṇādhvamādanam verbundene Angabe, Halbmond und Bindu werden als der neunlautige Meru bezeichnet. [Die gedrängte Wortfolge erlaubt für sich keine zweifelsfreie Trennung aller neun Lautcodes; die folgenden Verse entfalten ihre Zuordnungen.]

7.JA.27–7.JA.29 Die Mantras Mahātripurasundarīs gehen aus diesem Meru hervor. Aus la erscheint die Erdgöttin mit Bergen, Wäldern und Hainen, mit fünfzig heiligen Sitzen und allen heiligen Wasserstätten. Aus sa erscheint sie als Mond, Sterne, Planeten und Tierkreiszeichen. Aus ha, durch die Verbindung mit Śiva, weilt sie im Raumkreis. Aus ī erscheint sie als Gestalt des Alls, als großes Turīya.

7.JA.30–7.JA.32 Aus e erscheint die Kraft Viṣṇus, der Erhaltung der Welt hingegeben. Aus ra ist sie mit Feuerlicht verbunden und hat die Gestalt höchsten Lichtes. Aus ka ist sie wunschgewährend, Wunschgestalt, aufleuchtend und unwandelbar. Durch den Halbmond heißt sie Schoß der Welt. Durch den Bindu, dessen Gestalt Śiva und Leere ist, ist sie Zeugin. Mit ihr besteht überall die Durchdringung als unbewegliches Wesen.

7.JA.33–7.JA.34 Durch diesen Meru in Gestalt des höchsten Brahman und durch diese neun Laute entsteht der Tripurā-Mantra. Anders komme er nicht zustande. Auch das Śrīcakra hat die Gestalt des Meru, daran bestehe kein Zweifel.

Die Laute und die Kreise des Śrīcakra

7.JA.35–7.JA.37 La ist der Same der Erde und bezeichnet daher die Erde. Sa ist der Mond mit seinen sechzehn Kalās; daraus entsteht der sechzehnblättrige Kreis. Ha wird Śiva genannt, der stets acht Gestalten besitzt; daraus entsteht der achtblättrige Kreis. Ī ist die höchste Mahāmāyā, welche die vierzehn Welten erhält; daraus entsteht der vierzehnseitige Kreis. [Die letzte Bezeichnung lautet in der Vorlage śakrakoṇa und wird aus der ausdrücklich genannten Vierzehnzahl verstanden.]

7.JA.38–7.JA.40 Die eine Śakti weilt an zehn Orten und bringt die drei Welten hervor. Sie heißt Schoß der Welt und besitzt die zehn Gestalten Viṣṇus. Aus ra entfaltet sich das unwandelbare Licht, das den Kreis durchdringt; daraus der Zehneck-Kreis. Feuer mit zehn Kalās bringt diesen Kreis hervor. Aus ka erscheinen die als mādana bezeichnete Kraft und Śiva in achtfacher Gestalt.

7.JA.41–7.JA.42 und Fortsetzung Dadurch wird der Kreis mit acht Yonis gezeichnet. Die halbe Mātrā bringt die Guṇas hervor und besitzt die Gestalt der Unterscheidung; deshalb ist ihre Yoni dreieckig. Durch den Bindu entsteht der Bindu-Kreis. Er ist die Gestalt Kāmeśvaras und die Grundlage des Alls. So geht das Śrīcakra aus den Lauten der Śrīvidyā hervor.

Die fünfundzwanzig Verehrer und ihre Vidyās

In einem anderen Tantra:

7.UP.1–7.UP.2 Manu, Candra, Kubera, Lopāmudrā, Kāmarāja, Agastya, Nandi, Sūrya, Viṣṇu, Skanda, Śiva und Durvāsas gelten als die zwölf Verehrer der großen Göttin. Ferner Śakra, der in der Vorlage cotmanī genannte Name, und Varuṇa,

Unnummerierte Fortsetzung Dharmarāja, Anala, Nāgarāja, Vāyu, Budha, Īśāna, Rati und Nārāyaṇa,

7.UP.4 und Fortsetzung Brahmā und Jīva: dies sind dreizehn weitere Verehrer der großen Göttin. Die Unterschiede der von diesen insgesamt fünfundzwanzig Verehrern verehrten Mantras werde ich dir, große Herrin, kurz erklären. [Die Vorlage hat keine ausdrückliche Versnummer 3. Der Name cotmanī lässt sich hier nicht sicher bestimmen.]

Im Jñānārṇava:

7.KM.1–7.KM.3 Höre, Göttin, ich werde das als Kāmeśvarī geltende Bīja erklären. Sakalā und Bhuvaneśānī bilden das höchste Kāmeśī-Bīja. Mit ihm erkläre ich die sämtlichen Vidyās im Einzelnen. Der vierte Laut, innerhalb der Śakti und inmitten von Kalā, o Schönäugige, bildet das mit fünf Lauten ausgestattete Vāgbhava. Nun wird Kāmarāja erklärt: das Mādana, mit Śiva und Mond beginnend und mit Śiva endend, o Fischäugige,

Unnummerierte Fortsetzung hat eine vierlautige Gestalt; die höchste Tripurā ist dreilautig. [Dies sind Lautcodes der Vorlage; die gedrängte Stellung von śaktyantas und kalāmadhye wird nicht zu einer eigenständig rekonstruierten Formel erweitert.]

Der Kommentar erläutert: Das Śakti-Kūṭa hat die Gestalt des zuvor herausgelösten Kāmeśī-Bījas.

7.KM.5–7.KM.6 und Fortsetzung Die Göttin besteht aus allen heiligen Wasserstätten und hat die Gestalt aller Gottheiten. Sie ist das Wesen der allgegenwärtigen Zeugin, ewig und höchste Gestalt aller Ursprünge. Als Bewusstsein besteht sie aus allem Wissen und hat die Gestalt aller Weisheit. Sie besteht unmittelbar aus allen Gottheiten und ist die Schöne allen Glücks. Durch ihre Verehrung wurde Kāma an allen Gliedern schön, o Herrin der Götter.

Dies ist die von Kāmarāja verehrte Śrīvidyā. Weiter heißt es:

7.MV.1 Die Göttin sprach: „Herr der Götter, Schöner, erkläre ihre Unterschiede. Von wem jeweils wurde sie verehrt? Lege dies deutlich dar, Śaṅkara.“

7.MV.2 und Fortsetzung Īśvara sprach: „Höre, Göttin, ich erkläre die höchste, Lopāmudrā genannte Vidyā. Entfernt man aus der Kāmarāja genannten Vidyā Śakti und den vierten Laut und stattet ihren Anfang mit Śiva und Mond aus, wird Lopāmudrā offenbar.“

Der Kommentar: Im Vāgbhava der Kāmarāja-Vidyā werden e und ī entfernt und am Anfang ha und sa eingesetzt. Das Übrige bleibt gleich. Weiter:

7.MV.3 Die von Agastya verehrte Vidyā erschüttert die drei Welten. Diese Vidyā ist eben die von Kāmarāja verehrte, daran besteht kein Zweifel.

Als von Lopāmudrā verehrte Śrīvidyā steht ausdrücklich: hasakalahrīṃ hasakahalahrīṃ sakalahrīṃ. Den Unterschied zwischen diesen beiden werden wir später erklären. [Die Zuordnung Agastyas an dieser Stelle steht neben einer später ausdrücklich abweichenden Agastya-Form; beide Aussagen bleiben erhalten.]

7.MV.4–7.MV.5 und Fortsetzung Dieses Paar von Vidyās, Gütige, ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Ausgehend vom Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā erkläre ich ihr Herauslösen: Man setze Śiva zwischen Śakti und Mādana; beim Vāgbhava [ist diese Einfügung vorzunehmen]. Das Kāmarāja-Kūṭa beginne mit Śiva, das dritte mit dem Mond. Diese Vidyā wird von Manu verehrt. [Die syntaktische Verbindung der Lautanweisung ist in der Vorlage gedrängt; maßgeblich bleibt die dort ausgeschriebene Folge.]

Die von Manu verehrte Śrīvidyā: kaha-e-ī-lahrīṃ haka-e-ī-lahrīṃ saka-e-ī-lahrīṃ.

7.MV.6 und Fortsetzung Vāgbhava beginne mit sa-ha, Göttin; Mādana beginne mit dem Mond und enthalte Śiva in seiner Mitte. Das Kāma-Bīja und das Śakti-Bīja werden mit dem Anfang ha-sa bezeichnet. Diese von Candra verehrte Vidyā schenkt als Frucht Genuss und Befreiung. [Die Verteilung der Lautcodes ist nicht vollständig eindeutig; die folgende Formel wird unverändert wiedergegeben.]

Die von Candra verehrte Śrīvidyā: sahaka-e-ī-lahrīṃ sahakaha-e-ī-lahrīṃ sahaka-e-ī-lahrīṃ.

7.MV.7 und Fortsetzung Erkenne Vāgbhava als mit ha-sa beginnend. Mādana beginne mit Śiva und enthalte sa-ha in seiner Mitte. Höre nun das Dritte beim Kāma-Bīja, Pārvatī: das mit ha-sa beginnende Śakti-Bīja wird von Kubera verehrt. [Die Lautanweisung und die nachfolgende ausgeschriebene Formel passen nicht durchweg bruchlos zusammen.]

Die von Kubera verehrte Vidyā: hasaka-e-ī-lahrīṃ sahakaha-e-ī-lahrīṃ sahaka-e-ī-lahrīṃ.

7.MV.8 und Fortsetzung Höre vom dritten Teil der Kāmarāja genannten Vidyā, Pārvatī. Das Śakti-Bīja beginne mit sa-ha; dies ist die von Agastya verehrte Vidyā.

Die von Agastya verehrte Śrīvidyā: ka-e-ī-lahrīṃ hasakahalahrīṃ hasasakalahrīṃ. Weiter heißt es: „Lopāmudrā ist durch ihre Macht unmittelbar von der Gestalt des Brahman.“ Dies bedeutet, dass diese Vidyā auch von Lopāmudrā verehrt wurde. Somit ist dies die zweite von Lopāmudrā verehrte Śrīvidyā. [Auch hier ist die angegebene Anfangsfolge nicht ohne Weiteres mit der ausgeschriebenen Form gleichzusetzen.]

7.MV.9 und Fortsetzung Entferne im Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā Mādana und füge dort den Mond ein. Entferne danach den Mond aus dem Kāmarāja-Kūṭa und setze ihn an dessen Anfang. Diese Vidyā wird von Nandi verehrt.

Die von Nandi verehrte Śrīvidyā: sa-e-ī-lahrīṃ sahakahalahrīṃ sakalahrīṃ.

7.MV.Zusatz 4 Dieses sechslautige Kāmarāja, Gütige, bezaubert alle. Das mit dem Mond beginnende Śakti-Bīja, Schöne, gewährt alle Siddhis. [Die Vorlage setzt hier erneut die Nummer 4; sie wird nicht in die laufende Reihe eingeglättet. Wirkungsangaben sind Aussagen des zitierten Ritualtextes.]

7.MV.10 und Fortsetzung Entferne im dritten Teil der Kāmarāja genannten Vidyā die im Śakti-Bīja stehende Erde und setze sie dort unter den Mond, Göttin. Dies ist die von Indra verehrte Vidyā, deren Frucht Genuss und Befreiung ist.

Die von Indra verehrte Śrīvidyā: ka-e-ī-lahrīṃ hasakahalahrīṃ salakahrīṃ.

7.MV.11–7.MV.12 Entferne im Kāmarāja der zweiten Lopāmudrā genannten Vidyā Bhṛgu und setze ihn selbst an den Anfang. Der vierte [Laut] sei ohne Śiva; im dritten [Kūṭa] ist Śiva mit Śakra verbunden. Dies ist die von Sūrya verehrte Tripurā-Vidyā, Schöne. [Die Lautcodes bleiben als solche erhalten; die knappe Angabe śakragaḥ ist nicht sicher aufzulösen.]

Die von Sūrya verehrte Śrīvidyā: ka-e-ī-lahrīṃ sahakalahrīṃ sahasakahahrīṃ.

7.MV.13–7.MV.14 und Fortsetzung Höre, Göttin, ich erkläre die viergliedrige Śaṅkarī. Schreibe die zweite Lopāmudrā auf, Schöne unter den Göttern, und schreibe dieselbe nochmals. Entferne dabei die im vierten und fünften [Teil] stehende Bhuvaneśānī und sprich sie in einer einzigen Äußerung aus. Dies ist die aus vier Kūṭas bestehende, von Śaṅkara verehrte Mahāvidyā.

Die von Śiva verehrte Śrīvidyā steht in der Vorlage: ka-e-ī-lahrīṃ hasakahalahrīṃ sahasakalahrīṃ ka-e-īla hsakahalasahasakalahrīṃ. [Die auffällige Folge hsak… wird nicht stillschweigend ergänzt.]

7.MV.15 Schreibe nochmals Lopāmudrā auf, Göttin, und danach die Nandikeśvara-Vidyā. So entsteht die aus sechs Kūṭas bestehende Vaiṣṇavī.

Gemeint ist die zweite Lopāmudrā. Die sechsgliedrige, von Viṣṇu verehrte Śrīvidyā: ka-e-ī-lahrīṃ hasakahalahrīṃ sahasakalahrīṃ sa-e-ī-lahrīṃ sahakahalahrīṃ sakalahrīṃ.

7.MV.16–7.MV.17 Verdoppele die Bhuvaneśānī, die in den drei Kūṭas der Kāmarāja genannten Vidyā steht, Schönangesichtige. Ohne Bindu und ohne Nāda wird sie zur von Durvāsas verehrten. Durvāsas verehrte einst, Göttin, die höchste, von Teilen freie Göttin.

Die von Durvāsas verehrte Śrīvidyā steht als: ka-e-ī-lahrīṃ hrīṃ, hasakahalahrīṃhrīṃ, sakalahrīṃhrīṃ. [Die ausgeschriebenen hrīṃ enthalten weiterhin den Bindu; dies widerspricht der unmittelbar vorangehenden Anweisung und bleibt ungeklärt.]

Dies sind die zwölf Unterschiede. Die weiteren dreizehn Vidyās werden später herausgelöst. [Die vorausgehende Namensliste nennt Skanda, die ausgeführten Varianten hier dagegen Indra. Eine passende Skanda-Form wird deshalb nicht ergänzt.]

Mantraformen und Bewusstseinszustände

Nun wird das Verfahren zur Entfaltung der sechzehnlautigen Vidyā erklärt. Im Jñānārṇava:

7.ZU.1–7.ZU.2 Höre, Herrin der Götter: Sie wird auf vierfache Weise erklärt. Weil du das Herz entzückst, wird die auf Erden schwer erlangbare [Vidyā] dargelegt. Der Endlaut des Mondes und der Endlaut Varuṇas, jeweils mit dem Anfang Śakras verbunden, ausgestattet mit linkem Auge, Bindu und Nāda, sind mit der Kalā der Weltmutter verbunden.

7.ZU.3–7.ZU.4 Man füge sie am Anfang der Vidyā ein, Göttin: so hat sie unmittelbar die Gestalt des Wachseins. Entstehung, Erwachen, Erkenntnis und das Abwenden des Geistes sind die vier Kalās des Wachzustandes. Das Wachsein wird dem Sattva-Guṇa zugeordnet und ist ausschließlich die Gestalt der Śakti.

7.ZU.5 Alle dreigliedrigen Formen werden fünfgliedrig, Gütige. Die Vaiṣṇavī hat acht Kūṭas, die Śāṅkarī sechs.

Der Kommentar erklärt: Der Endlaut des Mondes ist ha, der Endlaut Varuṇas śa, der Anfang Śakras ra und das linke Auge ī. Mit Bindu und Nāda ergeben sich die beiden Bījas hrīṃ śrīṃ. Beginnen die zuvor genannten Vidyās mit dem Māyā-Bīja, haben sie die Gestalt des Entstehens. Setzt man das Māyā-Bīja an den Anfang jedes Kūṭa, haben sie die Gestalt des Erwachens. Setzt man das Śrī-Bīja an den Anfang der Kūṭas, haben sie die Gestalt des Abwendens des Geistes; am Anfang der ganzen Vidyā ergibt es die Gestalt der Erkenntnis. Diese Unterschiede entsprechen dem Wachsein. So heißt es im Svacchandasaṃgraha:

7.SV.1–7.SV.2 Vidyās mit dem Lajjā-Bīja am Anfang gelten als Formen des Entstehens; beginnen ihre Kūṭas mit dem Lajjā-Bīja, gelten sie als Formen des Erwachens. Entsprechend ergeben sich durch Verbindung mit dem Śrī-Bīja die Formen von Erkenntnis und Abwendung. So wird die Śrīvidyā in der Gestalt des Wachseins vierfach erklärt. [Lajjā bezeichnet hier wie Māyā das entsprechende Bīja.]

7.SV.3 Dann bestehen alle diese Formen aus vier Kūṭas, die Vaiṣṇavī aus sieben und die Śāṅkarī aus fünf. [Diese Zählung weicht ausdrücklich von den zuvor genannten fünf, acht und sechs Kūṭas ab. Die Ausgabe entscheidet den Widerspruch nicht durch Änderung einer der Reihen.]

7.SV.4–7.SV.5 Mahāvidyās mit zwei Bījas am Anfang gelten als Formen des Traumes. Beginnen sie mit Māyā und Lakṣmī, haben sie die Gestalt des Verlangens. Beginnen ihre einzelnen Kūṭas mit dem Bīja-Paar, gelten sie als Formen der Verwirrung. Mit Ramā und Māyā am Anfang haben sie die Gestalt des Nachdenkens;

7.SV.6–7.SV.7 werden diese den Kūṭas verbunden, haben sie die Gestalt der Erinnerung. Dies sind ihre Unterschiede, große Herrin. Sie besitzen fünf Kūṭas, die Vaiṣṇavī acht und die Śāṅkarī sechs: damit ist der Traumzustand erklärt. Durch Hinzufügung des Veda-Anfangs zu dem Bīja-Paar werden alle

7.SV.8–7.SV.9 und Fortsetzung zu Formen des Tiefschlafs. Der Tiefschlaf hat die Gestalt Śivas. Tod, Vergessen, Ohnmacht und der von Tamas umhüllte Schlaf gelten als seine vier Kalās, höchste Herrin. Mit Tāra und Māyā beginnend oder mit Māyā und Tāra beginnend entstehen die vier Unterschiede des Tiefschlafs in Gestalt dieser Kalās, große Herrin.

Hiermit sind nach dem Kommentar die Anfangsfolgen Tāra–Māyā–Ramā, Māyā–Tāra–Ramā, Tāra–Ramā–Māyā und Ramā–Tāra–Māyā gemeint. Auf diese Weise ergeben sich für die zwölf Vidyās insgesamt einhundertvierundvierzig Unterschiede. [Die Zuordnungen von Tod und Ohnmacht gehören zur Symbolik des Textes; sie sind keine Anleitung, solche Zustände herbeizuführen.]

Im Jñānārṇava:

7.TU.1–7.TU.2 Mit dem Anfang der Veden geschmückt, Göttin, besteht sie stets aus Śiva und Śakti. Dann besitzen alle Formen sechs Kūṭas, höchste Herrin, die Vaiṣṇavī neun und die Śāṅkarī sieben. Schon durch ihre Erinnerung werde die Welt mit Freude erfüllt.

7.TU.3–7.TU.4 Drei Formen wurden erklärt. Höre nun von der Mahāvidyā, Geliebte, durch deren Erkenntnis allein Brahman unmittelbar offenbar wird, daran besteht kein Zweifel. Am Anfang des Tiefschlafs und am Ende des Wachseins ist sie allein durch das Aufleuchten des Bewusstseins gekennzeichnet. Als das, was von den Zuständen übrig bleibt, ist sie Turīya, höchste Herrin.

7.TU.5–7.TU.6 Frei von Sein und Nichtsein heißt sie jenseits der Guṇas. Losgelöstheit, Verlangen nach Befreiung, Samādhi, ein makelloser Geist und die Unterscheidung von Wirklichem und Unwirklichem sind ihre Kalās. Schreibe das erste Bīja-Paar, Gütige, in umgekehrter Reihenfolge auf,

7.TU.7–7.TU.8 und löse danach die übrigen heraus, höchste Herrin. Kumārī Tripureśvarī ist nach innen gewandt, Schöne. Mit diesen fünf Bījas umschlossen soll man die sechsgliedrige Vidyā verehren, höchste Herrin. Diese Vidyā ist die sechzehnlautige.

7.TU.9 Alle dreigliedrigen Formen werden sechzehnlautig, Gütige; die Vaiṣṇavī besitzt neunzehn Laute und die Śaivī siebzehn.

Der Kommentar erklärt: Das erste Bīja-Paar besteht aus Māyā und Ramā. Seine umgekehrte Reihenfolge bedeutet: zuerst Ramā, danach Māyā. Bei der Kumārī wird das innen, in ihrer Mitte befindliche Kāma-Bīja an den „Mund“, das heißt an den Anfang, gestellt. Mit diesen fünf Bījas wird die sechs- oder neungliedrige Vidyā wie mit einer Hülle umschlossen. Gemeint ist eine Umschließung in vorwärts und rückwärts laufender Reihenfolge.

Die Umschließung der Ṣoḍaśī

Auch im Gāndharva:

7.GĀ.1–7.GĀ.3 und Fortsetzung Man löse das Ramā-Bīja heraus und füge das Māyā-Bīja hinzu. Man schreibe das Kāma-Bīja, danach das Vāg-Bīja und den Mond, verbunden mit dem vierzehnten Vokal und zwei Bindus. Dann löse man Praṇava, Bhuvaneśānī und Ramā heraus, große Herrin, und danach die fünfzehnlautige Vidyā. Schreibt man das zuvor genannte Gruppe von fünf Bījas in umgekehrter Reihenfolge auf, bildet man eine Umschließung. Diese Vidyā besitzt zweimal acht Kūṭas.

Im Yoginītantra:

7.YO.1 Śrī-Bīja, Māyā, Smara, Yoni und Śakti; Tāra, Māyā und Kamalā; dann die Vidyā und die mit Śakti beginnende Bīja-Reihe in umgekehrter Folge: dies ist die von Śiva gelehrte Śrīṣoḍaśī.

Im Rudrayāmala:

7.RY.1 und Fortsetzung Śrī, Māyā, Madana, Vāṇī, Parā, Tāra, Śivapriyā, Haripriyā und die dreigliedrige Vidyā; dann Parā, Vāṇī, Manobhava, Māyā und Lakṣmī: dies ist die große, sechzehnlautige Śrīvidyā.

Auch im Dakṣiṇāmūrti:

7.DM.1–7.DM.2 Der Einsichtige schreibe das erste Paar der zweiten [Form] in umgekehrter Folge. Dann schreibe er Bālā, nachdem er sie nach innen gewandt hat. Danach schreibe er Tāra, Māyā, Lakṣmī und die drei Kūṭas. Mit der bei Bālā beginnenden [Folge] bilde er die Umschließung der Ramā genannten Vidyā, höchste Herrin.

Der Kommentar: Durch die zuvor genannte Kalā, die fünf mit Śakti beginnenden Kalās, wird die Ramā genannte, mit Praṇava beginnende sechsgliedrige Vidyā umschlossen. Auch die Lesart „Umā genannt“ hat denselben Sinn. Einige lesen jedoch bālayā anstelle von kalayā und parameśvarīm und erklären eine Umschließung durch die nach innen gewandte Bālā. Sie deuten „Ramā genannt“ als śrīṃ und Parameśvarī als hrīṃ und setzen deshalb im hinteren Teil klīṃ aiṃ sauḥ śrīṃ hrīṃ. Nach dem Verfasser beruht dies auf einem Missverständnis des Wortes saṃpuṭa, „Umschließung“. [Der Kommentar erörtert Lesarten, die mit dem unmittelbar vorangehenden Zitat nicht in allen Einzelheiten übereinstimmen.]

Im Navaranteśvara [Titelgestalt der Vorlage]:

7.SP.1 Zuerst spreche man den Mantra, danach den Namen dessen, worauf die Handlung gerichtet ist, und am Ende nochmals den Mantra in umgekehrter Folge. Dies gilt als Saṃpuṭa.

Die andere Auslegung passt somit nach dem Verfasser nicht zur Definition von Saṃpuṭa und widerspricht allen Tantras. Entsprechend heißt es im Śrīkrama:

7.ŚK.1 und Fortsetzung Setze Śrī, Māyā, Madana, Yoni und Parā an den Anfang. Dann den Anfang der Veden, Bhuvaneśānī, Śrī-Bīja und die drei Kūṭas. Umschließe die sechsgliedrige [Vidyā] mit den ersten fünf Lauten.

Im Māyātantra:

7.MĀ.1 Lakṣmī, Parā, Madana, Yoni und Śakti; Tāra, Parā und Kamalā; dann die Mūlavidyā und die mit Śakti beginnende Reihe in umgekehrter Folge: so ist der erhabene Mantrakönig der höchsten Göttin gelehrt.

Damit verwirft der Verfasser die Ansicht, die Umschließung erfolge [auf beiden Seiten] mit den fünf Bījas in derselben vorwärts laufenden Ordnung. Auch in der Śruti heißt es: „Ramā, Māyā, Tāra, Parā, Lakṣmī, Kumārikā; die Vidyā, die umgekehrte Bālā, Śrī und Parā.“ Vyastā bedeutet hierbei „umgekehrt“. Auch Kumārī ist als nach innen gewandt zu verstehen. Die drei mit Tāra beginnenden Bījas schließen sich an Kumārikā an, weil die Aussage einen zusammenhängenden Satz bildet [und, wie der eingeklammerte Zusatz sagt, aufgrund der Traipurī-Śruti]. Dort lautet die zusammenfassende Folge: Śrī und Māyā, die mit ihrem mittleren Bīja beginnende Bālikā, Tāra, Māyā, Śrī, die Vidyā und zuletzt die fünf mit Parā beginnenden Bījas. Bei der Lesart „Śrī und Parā“ ist somit nicht nur Bālā umzukehren, sondern auch Śrī und Parā. Oder die Stelle nennt lediglich die sechzehn Bījas der Vidyā, ohne damit eine Reihenfolge festzulegen. Damit wird auch die Auffassung verworfen, die Folge laute: Śrī, Māyā, Tāra, Māyā, Bālā, die drei Kūṭas, umgekehrte Bālā, Ramā, Māyā. [Die Vorlage selbst enthält Klammerzusätze und eine eng gefügte Argumentation über Reihenfolge und Aufzählung.]

Im Kulāmṛta:

7.KA.1–7.KA.3 Man setze das Śrī-Bīja, das Śakti-Bīja, das Kāma-Bīja, Vāgbhava und das im Inneren der Bālā befindliche Bīja; danach Praṇava, Śakti-Bīja, Ramā und die Vidyā, höchste Herrin: Lopā oder Kāmarāja oder eine andere dreigliedrige Form. Danach setze man die ersten fünf Bījas, Schöne, ausdrücklich in umgekehrter Folge. Dies ist die höchste Ṣoḍaśī.

Im Yāmala:

7.YĀ.1 Lakṣmī, Parā, Madana, Vāgbhava und Śakti-Bīja; Tāra, Bhūti, Kamalā und die genannte Vidyā; die drei Kūṭas sowie die in umgekehrter Folge angefügte [Reihe]: dies ist die in den Āgamas wohlbekannte erhabene sechzehnlautige Vidyā.

Der Kommentar erläutert: Gemeint sind die drei mit Kāma beginnenden Bestandteile der Bālā; das verbindende „und“ schließt Ramā und Māyā ein. Im Nibandha:

7.NI.1 Der Endlaut von Sānta, mit Śiva voran und dem siebten [Laut] verbunden, mit dem Ende von Sūkṣma und asta verbunden; die Göttin, der rechte Arm, Śakra und das Auge; Kāma, mit Kalā gekennzeichnet; der nach oben gerichtete Endlaut der Zähne, mit Jīva und Zahn verbunden, und der übrige, mit dem Mund verbundene [Laut]: so wird die Fünfergruppe der Bījas erklärt, die alle Ziele verwirklichen soll. [Mehrere Lautcodes und ihre syntaktische Gliederung sind unsicher. Die Stelle erlaubt hier keine zuverlässige Rekonstruktion einer zusätzlichen Rezitationsformel.]

7.NI.2 und unnummerierter Schluss Danach spreche man den Anfang der Veden, die Dreifachheit der Guṇas und Ramā, sodann die von Kāma verehrte Vidyā oder Lopā. Anschließend folge wiederum die frühere Fünfergruppe in umgekehrter Ordnung. Dies ist Śrīparamā, die Höchste über das Höchste hinaus, die alle Ziele verwirklicht, das Innerste der Essenz, die glückverheißende Ursache des Entstehens aller Welten. Sie hat die Gestalt des ehrwürdigen Brahman, besteht aus allen Eigenschaften und ist zugleich eigenschaftslos und frei von Entfaltung. Unmittelbar erfüllt sie Wünsche; von Scharen der Götter und Weisen verehrt, ist sie von der Gestalt der Glückseligkeit.

Lob und Geheimhaltung der sechzehnlautigen Vidyā

Im Jñānārṇava:

7.LO.1–7.LO.3 Selbst mit tausendmal zehn Millionen Mündern und hundertmal zehn Millionen Zungen könnte ich die sechzehnlautige Śrīvidyā nicht beschreiben. Vaikharī, die ausgesprochene Rede, vermag ihre Eigenschaften nicht zu schildern, weil sie an das Ausdrückbare gebunden ist. Die Wirklichkeit ist ohne Laut; Parā ist dort die Ursache. Paśyantī wird stumm, Madhyamā bleibt in der Mitte. Denn sie ist die Gestalt der Brahmavidyā und gewährt Genuss und Befreiung.

7.LO.4–7.LO.5 Zehn Millionen Vājapeya-Opfer, tausend Aśvamedha-Opfer, die Umwanderung der Erde und fünfunddreißig Millionen Pilgerfahrten zu Kāśī und anderen heiligen Orten können einer einzigen Äußerung nicht gleichkommen, Herrin der Götter. Darüber brauche man nicht zu zweifeln.

7.LO.6–7.LO.7 Schon durch eine einzige Äußerung, Tochter des Berges — um wie viel mehr [offenbart sich] das reine Brahman! Die sechzehnlautige Mahāvidyā soll niemals öffentlich enthüllt werden. Du sollst sie, Gütige, wie deine eigene Yoni verborgen halten, Pārvatī. Diese Ṣoḍaśī ist streng geheim; aus Zuneigung habe ich sie dir offenbart, Göttin. [Die erste Hälfte von Vers 6 ist elliptisch; die Ergänzung in Klammern verdeutlicht nur den erschließbaren Zusammenhang.]

7.LO.8 Selbst das Liebste möge man hingeben — Sohn, Ehefrau, Vermögen und anderes; ein Königreich möge man hingeben, den eigenen Kopf möge man hingeben, aber nicht die sechzehnlautige Vidyā. [Dies ist die extreme Geheimhaltungsrhetorik des Quellentextes, keine heutige Handlungsanweisung oder Verfügung über andere Menschen.]

Weitere Formen der großen Vidyā

Im Siddhayāmala wird Ṣoḍaśī auf andere Weise erklärt:

7.SI.1–7.SI.2 Kāma, Māyā, Ramā, Bālā, die drei Kūṭas, Strī, Bhaga und Aṅkuśa, Kālī, Kāmakalā und Kūrca; vor allem steht Praṇava, Geliebte. Dies ist die in den drei Welten bekannte Śrīmahāṣoḍaśī, die durch Erkenntnis den Tod überwindende Vidyā, vor der sich alle Überlieferungsrichtungen verneigen.

7.SI.3–7.SI.4 Siebenhunderttausend Mahāvidyās werden in den Tantras und anderen Schriften genannt, Geliebte. Unter ihnen gibt es streng verborgene Vidyās als ihre innerste Essenz. Wozu viele Worte? Deren Essenz ist Ṣoḍaśī, die dir, große Göttin, auf deine wiederholte Frage hin offenbart wurde.

Die ausgeschriebene Folge lautet: oṃ klīṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ klīṃ sauḥ ka e ī la hrīṃ hasakahalahrīṃ sakalahrīṃ strīṃ aiṃ kroṃ krīṃ klīṃ hūṃ.

Im Rudrayāmala:

7.SD.1 Wird am Ende des Śakti-Kūṭa der Lopā das Haṃsa-Bīja hinzugefügt, entsteht die siebzehnlautige Vidyā, unmittelbar die Gestalt der Erkenntnis.

hasakalahrīṃ sahakahalahrīṃ sakalahrīṃ haṃsaḥ.

7.SE.1 und Fortsetzung Fügt man im Vāgbhava der Lopāmudrā nach der Erde Śiva hinzu oder setzt sa an den Anfang von Kāmarāja, wird Lopā sechzehnlautig. Eine ihr gleiche Vidyā findet sich nicht im Meer der Vidyās.

Die Vorlage gibt zwei Ṣoḍaśī-Formen: hasakalahahrīṃ, hasakahalahrīṃ, sakalahrīṃ sowie hasakalahrīṃ, sahasakahalahrīṃ, sakalahrīṃ.

An derselben Stelle:

7.AN.1 Durch Einfügung Anantas nach ka im Vāgbhava des Mantrakönigs entsteht die glückverheißende sechzehnlautige Mahāvidyā, die aus der Einheit von Bewusstsein und Brahman besteht.

hasaka-ālahrīṃ hasakahalahrīṃ sakalahrīṃ.

7.LS.1–7.LS.2 Man füge im Vāgbhava der Lopā nach Śakra das Śiva-Bīja ein und ebenso im Śakti-Bīja. So wird Lopā siebzehnlautig. Schon durch ihre Erinnerung werde man Śiva, Herr der acht Siddhis beginnend mit Aṇimā und gleichsam Indra auf Erden.

Die siebzehnlautige Lopā: hasakalahahrīṃ, hasakahalahrīṃ, sakalahahrīṃ.

Dort auch die achtzehnlautige Form:

7.LA.1–7.LA.2 Man füge Adhara, mit Bindu verbunden, am Anfang des Vāgbhava ein, Mādana am Anfang des Kāma-Bījas und am Anfang des dritten [Kūṭa], große Herrin, Bhṛgu, mit Visarga und Manu verbunden. Dies ist die auf Erden schwer erlangbare achtzehnlautige Śrīvidyā. [Die Zuordnung der hier verwendeten Lautcodes bleibt durch die folgende Formel belegt; manu wird nicht eigenmächtig geändert.]

7.LA.3–7.LA.5 und Fortsetzung Durch die Gnade des ehrwürdigen Guru verleiht sie, die Ewige, Vollendung. Nachdem man Lopāmudrā neunhunderttausendmal wiederholt hat, große Herrin, soll man anschließend die achtzehnlautige Vidyā verehren. Andernfalls, so der Text, treffe einen ein Fluch und das eigene Kula gehe zugrunde. Die Vidyā gewährt alles Heilsame, vernichtet alle Hindernisse, verleiht alles Glück und bewirkt alles Günstige. Eine ihr gleiche Vidyā sei in den drei Welten äußerst schwer zu finden. [Die Fluchandrohung gehört zur historischen Einweihungsrhetorik.]

Die achtzehnlautige Lopā: aiṃhasakalahrīṃ, klīṃhasakahalahrīṃ, sauḥsakalahrīṃ.

Weiter:

7.KAṬ.1–7.KAṬ.3 Bei der Kāmarāja genannten Vidyā setze man Vāgbhava an den Anfang des Vāgbhava-Kūṭa, Bhuvaneśī vor Kāmarāja und das Śrī-Bīja vor Śakti. Auch diese gilt als achtzehnlautig: Sie gewährt alle Siddhis, unmittelbar Genuss und Befreiung und die Ziele des menschlichen Lebens. Eine ihr gleiche Vidyā findet sich nicht im Meer der Vidyās. Keine gibt es, keine, nochmals keine; Wahrheit, Wahrheit spreche ich.

Die achtzehnlautige Kāmarāja-Form: aiṃ ka-e-ī-lahrīṃ, hrīṃ hasakahalahrīṃ, śrīṃsakalahrīṃ.

Weiter:

7.PA.1–7.PA.2 Man löse zuerst Praṇava heraus, dann Kulasundarī, den Kāma-Laut, den Śakti-Laut, Purandara und Hara. Danach Bhuvaneśī, die umgekehrte Bālikā, Praṇava mit Visarga und wiederum Kulasundarī.

7.PA.3–7.PA.4 Man löse das Vāgbhava der Lopā heraus, danach die umgekehrte Bālikā, Praṇava mit Visarga und Kulasundarī. In die Mitte des Śakti-Kūṭa setze man ha, Śivā; dann die umgekehrte Bālikā und den Brahman-Laut mit Visarga.

7.PA.5 und Fortsetzung Dies ist die höchste Śrīvidyā, die allein Befreiung schenkt. Was ließe sich auf Erden durch hunderttausend Wiederholungen nicht vollenden? Schon durch ihre Erinnerung werde man Śiva, anders nicht.

Als Paramāvidyā steht ausdrücklich: oṃ aiṃ klīṃ soḥ ka-elahahrīṃsauḥ klīṃ aiṃ oṃḥ aiṃ klīṃ sauḥ hasakalahrīṃ sauḥ klīṃ aiṃ śroṃḥ aiṃ klīṃ sauḥ sakahalahrīṃ sauḥ klīṃ aiṃ oṃḥ. [Die auffälligen Schreibungen soḥ, ka-ela… und śroṃḥ werden als Lesungen der Vorlage bewahrt; ihre Übereinstimmung mit den Lautanweisungen ist nicht gesichert.]

Im Śrīkrama:

7.BR.1–7.BR.2 Höre diese Vidyā, Herrin der Götter: Kāma, mit Indra verbunden, mit dem vierten Vokal und den Unterschieden von Nāda, Bindu und Kalā verbunden. Dies ist die Mahāśrīsundarī-Vidyā, Mahātripurasundarī. In ka ist alles entstanden; es gewährt Wünsche und Befreiung.

7.BR.3–7.BR.4 In la liegt alle Herrschaft, in ī das Gewähren allen Glücks. So bilden diese drei Bījas, Göttin, die zusammengefasste Essenz der Vidyās. Mit ihnen verbinde man Vāgbhava, Kāmarāja und Śakti. Als ein einziger Laut ist sie allein Brahmavidyā genannt.

kala-īṃ: so die Brahmavidyā.

Der Kuloḍḍīśa erklärt die Besonderheit von Kāmarāja und Lopāmudrā:

7.KU.1 Sundarī gilt als sechsfach, wenn Śrī, Parā, Vāgbhava, Īśvarī, Tāra oder Manmatha jeweils an ihrem Anfang stehen.

Am Anfang dieser beiden [Vidyās] können Kāma–Māyā–Śrī oder Māyā–Śrī–Kāma stehen; so gibt es auch eine dreifache achtzehnlautige Form. Dazu:

7.DR.1 Zuerst Kāma, Māyā und Ramā; oder Māyā, Lakṣmī und Smara; oder Ramā, Māyā und Kāma: so ist die achtzehnlautige dreifach.

Auch Bhagavadācārya hat dies mit den Worten dargelegt: „Smara, Yoni und Lakṣmī, diese drei, am Anfang deines Mantras.“ [Die Zuschreibung und der Wortlaut werden nach der Vorlage wiedergegeben.]

Śakti-Formen und weitere Lautentfaltungen

Die Śakti-Kāmarāja-Form wird im Śrīkrama erklärt:

7.ŚA.1–7.ŚA.2 und Fortsetzung Māyā-Bīja, danach Jhiṇṭhi, Kāma, Śakra und der Raum, der Reihe nach, mit Feuer und Mond gekennzeichnet, höchste Herrin: dies ist das Vāgbhava-Kūṭa. Kāmarāja bleibt wie zuvor, ebenso das Śakti-Bīja. So wird diese Sundarī gelehrt: die Vollendung gewährende Vidyā, welche die drei Welten in ihren Bann zieht.

Auch hier gilt die zuvor genannte Bīja-Verbindung. Māyā bezeichnet ī, Jhiṇṭhi e. [Der Abschluss von Vers 2 ist in der Vorlage typographisch unvollständig; seine Nummer 2 steht dennoch da.] Weiter wird Śakti erklärt:

7.ŚB.1 und Fortsetzung Dieses Bhaga, danach Māyā, Brahmā, Śakra und Hara, verbunden mit Feuer und linkem Auge und mit Nāda und Bindu geschmückt: dies wird als Vāgbhava bezeichnet; Kāma und Śakti bleiben wie zuvor.

Bhaga bezeichnet e. Auch hier gilt die zuvor genannte Bīja-Verbindung. Dazu die Besonderheit:

7.ŚC.1–7.ŚC.2 Fügt man das Brahma-Bīja in die drei Kūṭas ein, Schönangesichtige, heißt die Göttin beim ersten Sundarī, beim zweiten Brahmasundarī und beim Śakti-Kūṭa Anantasundarī, große Herrin. So wurde die sechzehnlautige Vidyā entsprechend unterschiedlichen Lehrmeinungen dargestellt.

Eine weitere Mantraform:

7.ŚD.1 Am Ende der drei Kūṭas steht das Haṃsa-Bīja, mit Bindu und Visarga geschmückt. So ist Śrī mit dem Lebenshauch verbunden und zerstört Armut und Leid.

Die Śakti-Lopāmudrā:

7.ŚE.1–7.ŚE.2 Śakti, Maheśa, Kāma, danach das Indra-Bīja und Mahāmāyā: aus Zuneigung zu dir wird dies erklärt. Die Kāma und Śakti genannten Lautgruppen bleiben wie zuvor, in ihrer von Hemmnissen gelösten Gestalt. So wird die große Śakti-Vidyā mit der westlichen Überlieferungsrichtung verbunden.

Śakti bezeichnet sa. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā. Auch hier gilt die zuvor genannte Bīja-Verbindung.

7.ŚF.1–7.ŚF.2 Das Śiva-Bīja, Śakti, Soma, Mādana und Purandara, verbunden mit Raum und Feuer, dem vierten Vokal und Bindu. Kāmarāja und Śakti-Bīja löse man wie zuvor heraus. Diese Vidyā, große Herrin, lässt sich nicht erschöpfend beschreiben.

Śakti bezeichnet sa, Soma ebenfalls sa. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā. Auch hier gilt die zuvor genannte Bīja-Verbindung.

7.ŚG.1–7.ŚG.2 Śiva, Śakti und Bhuvaneśānī bilden das höchste Vāgbhava-Bīja. Kāma, Raum und Mahāmāyā folgen, Herrin der Götter; dann Soma, Raum und Mahāmāyā. So wird die neunlautige erklärt. Dies ist Rudraśakti, Göttin, verbunden mit der östlichen Überlieferungsrichtung.

In einem anderen Tantra:

7.EL.1–7.EL.2 Mādana, Gotrabhid und der als sānta bezeichnete Endlaut, mit ra, linkem Auge und Mond, Nāda und Bindu verbunden, werden genannt, höchste Herrin. Brahmā, Himmel, Śakra, Nakulīśa und Feuer: mit Māyā, Bindu und Nāda löse man daraus Kāmarāja heraus.

7.EL.3–7.EL.4 Śakti, Mādana, Śakra und Hara, mit Feuer, Mond und Māyā, von Bindu und Nāda durchdrungen: so wird der wünschegewährende Mantra erklärt. Dies ist die elflautige Vidyā, große Herrin, die Feinde vernichtende und Vollendung gewährende Göttin Mahātripurasundarī. [Solche Wirkungen werden hier als Aussagen der Quelle übersetzt.]

7.EL.5 und Fortsetzung Mādana, der Fünfgesichtige, Lohitā, Rudrayoginī, Purandara und Mahāmāyā bilden das höchste Vāgbhava-Bīja. Kāma und Śakti löse man wie zuvor heraus, Göttin, als Sundarī.

Lohitā bezeichnet kṣa, Rudrayoginī ma. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā.

7.BH.1 und Fortsetzung Bhṛgvīśa, Himmel, der Endlaut von ha, Kāla, Indra und Maheśvara, verbunden mit linkem Auge, Feuer und Mond: dies ist Vāgbhava, höchste Herrin. Kāmarāja und Śakti-Kūṭa spreche man wie zuvor.

Bhṛgvīśa bezeichnet sa, der Endlaut von ha ist kṣa, Kāla ist ma. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei der Kāmarāja-Vidyā.

7.VIṆ.1 und Fortsetzung Viṣṇu und Īśa, danach der Endlaut von ha, Kāleśa, Erde und anschließend Bhuvaneśī: so ist dir Vāgbhava erklärt. Kāmarāja und Śakti-Kūṭa sind wie zuvor gelehrt, Geliebte.

Viṣṇu–Īśa bezeichnet ha mit a, Kāleśa bezeichnet ma. Die Saubhāgya-Vidyā wird im Śrīkrama erklärt:

7.SAU.1–7.SAU.3 Ich werde Saubhāgya, die glückverheißende Form, erklären; höre mit gesammeltem Geist, Geliebte. Śakti, Svayambhū, Śambhu, Śakra und Bhuvaneśvarī; dann Śiva, Mādana, Rudra, Indra und Mahāmāyā; Kāma, Śiva, Brahmā, Indra und Bhuvaneśvarī: dies ist die höchste Vidyā, die ihren Verehrern Glück aufgehen lässt. Steht am Ende der drei Kūṭas das Haṃsa-Bīja, wird sie siebzehnlautig.

7.SAU.4–7.SAU.6 Vāg-Bīja, Vijayā, Māyā, Brahmā, Śakra und Pārvatī; Mānmātha, Śiva und Śakti, Mādana, Hara, Indra und Mahāmāyā; danach Śakti und Manu mit Visarga, Candra, Prajāpati, Śakra und Mahāmāyā: dies ist die achtzehnlautige Vidyā Mahātripurasundarī. Wird ganz am Ende Haṃsa angefügt, wird sie zwanziglautig.

Sprache, Schöpfung, Erhaltung, Auflösung und die Namenlose

7.FÜ.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: „Sprache, Schöpfung, Erhaltung, Auflösung und die Namenlose: Erkläre diese fünf Sundarīs, Herr und Gott, wenn du mir geneigt bist.“

7.BHĀ.1 und Fortsetzung Īśvara sprach: „Śiva, Mādana, Indra, Śakti und Bhuvaneśvarī; Brahmā, Śiva, Indra, Śakti und die höchste Mahāmāyā; Mādana, Indra, Śakti, Śiva und am Ende Mahāmāyā.“

Śakti bedeutet sa. Dies ist Bhāṣā, die Sprache: hakalasahrīṃ kahalasahrīṃ kalasahahrīṃ.

7.SṚ.1 und Fortsetzung Śiva, Candra, Kāma, Śakra und Bhuvaneśvarī; Śiva, Indra, Kāma, Rudra, Candra und Parameśvarī; Śakti, Kāma, Indra und die höchste Mahāmāyā.

hasakalahrīṃ halakahasahrīṃ sakalahrīṃ: dies ist Sṛṣṭi, die Schöpfung.

7.ST.1 und Fortsetzung Śiva und Indra, Kāma und Śakti, danach die höchste Mahāmāyā; Kāma, Candra, Maheśa, Indra, Śakti und Pārvatī; Brahmā, Maheśvara, Śakti, Śakra und Bhuvaneśvarī.

halakasahrīṃ kasahalasahrīṃ kahasalahrīṃ: dies ist Sthiti, die Erhaltung.

7.SAṂ.1 und Fortsetzung Śiva und Indra, Kāma und Śakti, danach die höchste Bhuvaneśvarī; Śiva und Śakti, Mādana und Indra, Śiva mit Feuer, Mond und Māyā; Śiva, nochmals Śiva sowie ka-la-ha, geschmückt mit Feuer, Māyā und Mond.

halakasahrīṃ hasakalahrīṃ hahakalahrīṃ: dies ist Saṃhṛti, die Auflösung. [Die erklärende Lautfolge und die ausgeschriebene Formel stimmen nicht in jedem Laut offensichtlich überein.]

7.NIR.1–7.NIR.2 Śakra, Brahmā, Mond-Bīja und die höchste Mahāmāyā: damit ist Vāgbhava erklärt. Höre nun Kāmarāja: Śakti, Śiva, Mādana, Indra und die höchste Parameśvarī; Śiva, Śakti, Soma, die Leere, Brahmā und Maheśvarī.

Die Leere bezeichnet ha. lakasahrīṃ sahakalahrīṃ hasasahakahrīṃ: dies ist Nirākhyā, die Namenlose.

Svapnāvatī und Madhumatī

7.FR.1 Die Göttin sprach: „Erkläre mir Svapnāvatī und Madhumatī, Herr. Jetzt möchte ich davon hören, wenn du mir Gnade erweist.“

7.SVA.1–7.SVA.2 Īśvara sprach: „Śiva, Mādana, Śakra, Śakti und Bhuvaneśvarī; Maheśa, Brahmā, Haṃsa, Indra und Bhuvaneśvarī; Maheśa, Śakti, Kāma, Purandara und Raum, verbunden mit Feuer und der Māyā-Kalā, geschmückt mit Nāda und Bindu.“

Haṃsa bezeichnet ha, Māyā-Kalā bezeichnet ī. Die Formel lautet: hakalasahrīṃ, hakahasahrīṃ, hasakalahrīṃ.

7.MAD.1–7.MAD.2 Diese ist als Svapnāvatī bekannt, mit Kalās wie die fünfzehnlautige [Vidyā]. Brahmā, Maheśa, Indra, Śakti und Bhuvaneśvarī; Brahmā, Raum, Wind, Śakra und die höchste Bhuvaneśvarī; Mādana, Soma, Candra, Śakra und Bhuvaneśvarī.

Wind bezeichnet ya. Die Formel lautet: kahalasahrīṃ kahayalahrīṃ kasasalahrīṃ.

7.MAH.1–7.MAH.2 und Fortsetzung Diese heißt Madhumatī und wird in allen Lehrschriften verborgen gehalten. Die Vāmakeśvara-Vidyā wird in der Folge ihrer drei Kūṭas gelehrt. Zusammen mit den drei Kūṭas der Saubhāgya und den fünf Kūṭas der Pañcamī besteht Tripurās Mahāvidyā aus elf Kūṭas. Als Essenz der Essenz wird sie die elflautige Vidyā genannt. [Die Vorlage verwendet hier sowohl „elf Kūṭas“ als auch „elf Laute“; beides wird nicht stillschweigend gleichgesetzt. Die technische Zeile „śrīvi0 16“ gehört nicht zum Versbestand.]

Pañcamī und ihre sechsunddreißig Formen

Nun Pañcamī:

7.PÑ.1 Man löse Kāma mit Viṣṇu, Göttin, Śakti, Māyā und Indra sowie danach Mahāmāyā als Vāgbhava-Bīja heraus.

Viṣṇu bezeichnet a, Śakti e, Māyā ī.

7.PÑK.1–7.PÑK.2 und Fortsetzung Danach Raum und Mond, ka und la, Nakulī und Feuer, verbunden mit dem Māyā-Vokal und ausgestattet mit Nāda, Bindu und Kalā: dies ist das erste, äußerst schwer erlangbare Kāmarāja-Kūṭa. Raum mit Viṣṇu, Kāma, Haṃsa, Śakra und anschließend Mahāmāyā: dies heißt Svapnāvatī.

Haṃsa bezeichnet ha. Dies ist das zweite Kāmarāja-Kūṭa.

7.PÑM.1 Mādana, das Śiva-Bīja, danach das Wind-Bīja, das Indra-Bīja und anschließend Mahāmāyā löse man heraus.

Dies ist das dritte [mittlere Kūṭa], Madhumatī.

7.PÑŚ.1–7.PÑŚ.2 und Fortsetzung Man füge Śiva-Bīja, Kāma, Indra und Devī zusammen und löse danach Mahāmāyā als Śakti-Kūṭa heraus. Das erste Kūṭa ist Vāgbhava, Göttin, das fünfte Śakti. Die drei mittleren Kūṭas bilden das herzerfreuende Kāmarāja. So ist die Pañcamī-Vidyā erklärt, die Glück in den drei Welten aufgehen lässt.

Devī bezeichnet sa.

7.PÑV.1–7.PÑV.2 und Fortsetzung Īśvara sprach: „Höre, hochbegnadete Göttin, vom schwer erlangbaren Śakti-Kūṭa. Das erste Kūṭa ist Vāgbhava, Kāmarāja umfasst drei Kūṭas. Aus Zuneigung zu dir erkläre ich das Śakti-Kūṭa besonders: Jīva, Prāṇa, große Göttin, danach Mādana, dann das Indra-Bīja und als fünftes Bhuvaneśī.“

So lautet eine weitere Form des Śakti-Kūṭa. Jīva bezeichnet sa, Prāṇa ha.

7.PÑS.1 und Fortsetzung Oder man nehme das Vāgbhava der Saubhāgya, Herrin der Götter, die drei Kāmarāja-Kūṭas und das Śakti-Bīja — beziehungsweise Śakti-Kūṭa — wie zuvor. So ist Pañcamī, die höchste Herrin, als Śakti [Lesart: „gelehrt“] genannt, große Göttin.

Das bedeutet: Man lasse ihr eigenes Vāgbhava-Kūṭa weg und setze an dessen Stelle das erste Kūṭa der Saubhāgya.

7.PÑA.1 Oder das mit dem linken Auge beginnende Kūṭa, oder das mit [Vāgbhava beziehungsweise Bhaga] beginnende Kūṭa: die Feinde vernichtende, Vollendung gewährende Vidyā ist frei von allen Mängeln. [Die Vorlage gibt die unsichere Folge vā (gbhavāṃ?bhagā)di ausdrücklich mit Klammer und Fragezeichen wieder.]

Bhaga bezeichnet e. Durch die Unterschiede von Vāgbhava und Śakti-Kūṭa ergibt sich Pañcamī somit achtfach. Im Yāmala:

7.PÑY.1 Die höchste Pañcamī-Vidyā ist zweifach und besitzt fünfmal fünf Laute; in der Mitte sind es sechs Laute, Śakti ist vierlautig.

Mit „sechs“ ist das mittlere Kūṭa der Kāmarāja-Vidyā gemeint, mit „Śakti-Kūṭa“ deren Śakti-Kūṭa. Aufgrund der Unterschiede im Vāgbhava-Kūṭa ist diese Form vierfach; zusammen ergibt sich Zwölffachheit. Für diese achtfach und vierfach angeordneten Formen wird das dritte Kāmarāja-Kūṭa an derselben Stelle so erklärt:

7.PÑT.1 und Fortsetzung Man vergegenwärtige das Kāma-Bīja, große Herrin, danach das Śiva-Bīja, darunter das Haṃsa-Bīja und das Indra-Bīja, danach Mahāmāyā: dies ist das äußerst schwer erlangbare Kūṭa.

Auch diese Form ist wie zuvor achtfach, die andere vierfach. Im Tattvabodha heißt es entsprechend: „Kāma, Raum, Parā und Śakra, von der Gestalt dessen, was die Anordnung schafft.“ Parā bezeichnet sa; die Gestalt dessen, was die Anordnung schafft, ist Mahāmāyā. Ebenso im Tantra:

7.PÑC.1 und Fortsetzung Man schreibe das Kāma-Bīja, große Herrin, danach das Śambhu-Bīja, darunter das Mond-Bīja, danach das Erd-Bīja und am Ende Mahāmāyā: dies ist das äußerst schwer erlangbare Kūṭa.

Diese Form ist wie zuvor achtfach, die andere vierfach. Damit hat Pañcamī sechsunddreißig Formen. [Die unterschiedlichen Angaben zur Lautzahl werden mitsamt den Erklärungen des Kommentars bewahrt.]

Der Lebenshauch der Vidyās

Im Śrīkrama:

7.PR.1–7.PR.2 Höre den Lebenshauch dieser Vidyās, Schönangesichtige. Setze Ramā, Māyā und das Haṃsa-Bīja an den Anfang von Vāgbhava. An das Ende von Śakti setze Haṃsa, Māyā und Ramā, große Göttin. Mit diesen verbunden soll man die Vidyā wiederholen, Herrin der Götter.

Die Wiederholung erfolgt nur siebenmal, wie aus der Dīpinī hervorgeht. Mit „dieser Vidyās“ sind die zuvor aus dem Śrīkrama genannten Śrīvidyās gemeint. Bei Pañcamī gilt folgende Besonderheit:

7.PRA.1–7.PRA.2 Man setze Ramā, Māyā und das Haṃsa-Bīja an den Anfang von Vāgbhava und Haṃsa, Māyā und Ramā an das Ende von Śakti. Bei den drei Kāmarāja-Teilen, Göttin, [nehme man] ka, mit Śakra, Māyā, Bindu und Īśvara verbunden, strahlend wie zehn Millionen Sonnen.

7.PRA.3–7.PRA.4 Dies setze man an den Anfang des ersten Kāma-Kūṭa. Der Endlaut von va, mit Feuer und linkem Auge, Nāda und Bindu verbunden, wird als Śrī-Bīja bezeichnet. Nachdem man Sundarī ausgesprochen hat, wiederhole man das zweite Kāmarāja.

7.PRA.5–7.PRA.6 und Fortsetzung Raum, verbunden mit Feuer und linkem Auge, Nāda und Bindu, wird Māyā-Bīja genannt. Dieses Bīja gleicht flammendem Feuer und [nach der unsicheren Lesung śuddhahāṭakaguñjanam] reinem Gold mit einem summenden Klang. Man meditiere es unmittelbar in der aus Kula und Akula bestehenden Mitte, große Herrin. Dann wiederhole man auch Madhumatī, die als Frucht alle Wünsche gewährt.

Dīpinī, die entzündende Vidyā

Nun Dīpinī:

7.DĪ.1 Tāra, Lakṣmī, Vāg-Bīja, Mānmātha und Bhuvaneśvarī: Nach ihrer Wiederholung löse man das Vāgbhava genannte [Kūṭa] heraus.

7.DĪ.2 Praṇava, Bhuvaneśānī, Ramā, Kāma und Vāgbhava: danach wiederhole man das die drei Welten erschütternde Kāmarāja.

7.DĪ.3 Oṃkāra, Vāg-Bīja, Ramā, Manmatha und Māyā: damit wiederhole man gesammelt Svapnāvatī, große Göttin.

7.DĪ.4–7.DĪ.5 und Fortsetzung Praṇava, Adhara, Kāma, Ramā und Bhuvaneśvarī: danach wiederhole man Madhumatī. Dann Māyā, Śrī und Kūrca-Bīja, mit Praṇava voran und vom Haṃsa-Bīja umschlossen. Nach dem Aussprechen dieser Bīja-Folge wiederhole man das Śakti-Kūṭa. Dies ist die Dīpinī-Vidyā, deren Gestalt der Lebenshauch der Ajapā ist.

Die Regel der Wiederholung:

7.JP.1 und Fortsetzung Am Anfang und am Ende wiederhole man sie jeweils siebenmal in der gegebenen Reihenfolge. Auch für Kāmarāja und die übrigen Vidyās vollziehe man die Dīpinī: bei Vāgbhava, Kāmarāja und Śakti-Kūṭa, Herrin der Götter.

Die Reihenfolge ist folgende: Die Dīpinī bei Vāgbhava und Śakti-Kūṭa ist wie bei Pañcamī zu verstehen. Beim Kāmarāja-Kūṭa dagegen stehen Praṇava, Bhuvaneśānī, Ramā, Kāma und Vāgbhava. Das Wort Dīpinī bezieht sich auf sämtliche Kūṭas. Über Saubhāgya und die übrigen Vidyās heißt es im Yoginīhṛdaya:

7.YH.1–7.YH.2 und Fortsetzung Nach der Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten entfaltet sie sich in siebenunddreißig Teile. In dieser siebenunddreißigfachen Entfaltung hat sie die Gestalt der sechsunddreißig Tattvas und zugleich ein Wesen jenseits der Tattvas. So soll diese Vidyā stets vergegenwärtigt werden. Die Zehnergruppe Śrīkaṇṭhas bezeichnet entsprechend das Unmanifestierte; als Lebenshauch besteht, Göttin, der elfte, höchste [Bestandteil].

Der Kommentar rechnet: Im ersten Kūṭa der Saubhāgya und entsprechender Vidyās stehen vier a und ein ī, also fünf Vokale, sowie sechs Konsonanten. Im zweiten Kūṭa ergeben Vokale und Konsonanten dreizehn, im dritten neun: zusammen dreiunddreißig Laute. Dazu kommen drei Bindus in den drei Kūṭas und ein gemeinsamer Nāda; zusammen siebenunddreißig. Ohne Nāda hat sie also die Gestalt der sechsunddreißig Tattvas; mit Nāda heißt sie „jenseits der Tattvas“. Ihrem Wesen nach ist sie stets jenseits der Tattvas.

Weitere Lehrer-Mantras der Śrīvidyā

Nun die Entfaltung weiterer Formen der Śrīvidyā:

7.UN.1 und Fortsetzung Man schreibe das Vāgbhava der Kāmarāja-Vidyā, danach Śiva, Kāma, Hara, Indra und Bhuvaneśī, dann das Vāgbhava-Kūṭa der Lopā. Dies ist Unmanī, die alles Gewünschte gewährt.

Die Unmanī-Śrīvidyā: ka-e-ī-lahrīṃ, hakahalahrīṃ, hasakalahrīṃ.

7.VAR.1 und Fortsetzung Man schreibe das Vāgbhava der Kāmarāja-Vidyā, danach das Kāmarāja der Unmanī; dann Candra und Haṃsa, Mādana, Erde und Bhuvaneśānī. Diese wird von Varuṇa verehrt.

Erde bezeichnet la. Die von Varuṇa verehrte Śrīvidyā: ka-e-īlahrīṃ, hakahalahrīṃ, sahakalahrīṃ.

7.DH.1 und Fortsetzung Śakti steht zwischen zwei Mādana-Lauten, danach Indra und Bhuvaneśvarī. Mādana steht zwischen zwei Śiva-Lauten, danach Māyā; das dritte [Kūṭa] ist das Varuṇas. Diese von Dharmarāja verehrte Vidyā gewährt als Frucht Genuss und Befreiung.

ka-ekalahrīṃ, hakahahrīṃ, sahakalahrīṃ: die von Dharmarāja verehrte Śrīvidyā.

7.VAH.1–7.VAH.2 Candra steht zwischen zwei Mādana-Lauten, danach Indra und Bhuvaneśvarī. Śiva, Candra, Indra, Madana, Erde und Bhuvaneśvarī; dann Candra, Mādana, Śakra, Feuer, Indra und Bhuvaneśvarī. Diese von Vahni verehrte Vidyā schenkt Genuss und Befreiung.

kasakalahrīṃ, hasalakalahrīṃ, sakalaralahrīṃ: die von Vahni verehrte Śrīvidyā.

7.NĀG.1 und Fortsetzung Man spreche das Vāgbhava der Lopā und ihr Kāmarāja; dann löse man sa-ka-la, Feuer, Erde und Bhuvaneśī heraus. Diese wird von Nāgarāja verehrt und gewährt Dharma, Kāma, Artha und Mokṣa.

hasakalahrīṃ, hasakahalahrīṃ, sakalaralahrīṃ: die von Nāgarāja verehrte Śrīvidyā.

7.VĀY.1–7.VĀY.2 Mādana, Śakti, Feuer, Erde, Feuer und Sureśvarī; Śiva, Mādana, Erde, ra-ha-la und Bhuvaneśvarī; Candra, Feuer, Mādana, Indra, Feuer und Bhuvaneśvarī. Dies ist die von Vāyu verehrte Vidyā, welche die vier Lebensziele gewährt.

ka-eralarahrīṃ, hakalarahalahrīṃ, sarakalarahrīṃ: die von Vāyu verehrte Śrīvidyā.

7.BUD.1–7.BUD.2 Mādana, Śakti, der vierte [Vokal], Feuer, Indra und Bhuvaneśvarī; Śiva, Mādana, Sonne, Indra, Feuer und Bhuvaneśvarī; Candra, Sonne, ka-la, Feuer und Bhuvaneśī löse man heraus. Diese von Budha verehrte Vidyā gewährt Genuss und Befreiung.

ka-e-īralahrīṃ, hakahalarahrīṃ, salakalarahrīṃ: die von Budha verehrte Śrīvidyā. [Der nachfolgende Prosasatz schreibt bodhopāsitā, während der Vers budhopāsitā hat.]

7.ĪŚ.1–7.ĪŚ.2 Mādana, Śiva, Indra und danach Bhuvaneśī; Śiva, Mādana, Erde, Śiva, zweimal Indra, Feuer und Māyā; dann löse man das Śakti-Kūṭa des Kāmarāja heraus. Die von Īśāna verehrte Vidyā gewährt die acht Siddhis beginnend mit Aṇimā.

kahalahrīṃ, hakalahalalarahrīṃ, sakalahrīṃ: die von Īśāna verehrte Śrīvidyā.

Unsicherer, unnummerierter Einschub Die Vorlage setzt Gedankenstriche und ein Fragezeichen vor die eingeklammerte Angabe: ka-e-īlahrīṃ hasakahalahrīṃ sakalahrīṃ — „Dies ist die von Rati verehrte Śrīvidyā.“ Diese unsichere Zuordnung wird nicht als unbeschädigter Vers ausgegeben.

7.NĀR.1 Die Kāmarāja genannte Vidyā in vorwärts und rückwärts laufender Folge ist die von Nārāyaṇa verehrte sechsgliedrige Form, auf Erden schwer zu erlangen.

ka-e-īlahrīṃ, hasakahalahrīṃ, sakalahrīṃ, sakalahrīṃ, hasakahalahrīṃ, ka-e-īlahrīṃ: die von Nārāyaṇa verehrte Śrīvidyā. [Umgekehrt ist hier die Reihenfolge der Kūṭas.]

7.BRA.1 und Fortsetzung Man löse das Vāgbhava der Kāmarāja genannten Vidyā heraus; dann Śiva, Mādana, Sonne, Mond, Feuer und Bhuvaneśvarī; danach das Vāgbhava der Lopā. Diese wird von Brahmā verehrt.

ka-e-īlahrīṃ, hakahasarahrīṃ, hasakalahrīṃ: die von Brahmā verehrte Śrīvidyā.

7.JĪ.1 Man löse das Vāgbhava der Lopā heraus, dann das Kāmarāja Brahmās und nochmals das Vāgbhava-Kūṭa der Lopā. Diese wird von Jīva verehrt.

hasakalahrīṃ, hakahasarahrīṃ, hasakalahrīṃ: die von Jīva verehrte Śrīvidyā.

Die fünf Kalās des Turīya und das darüber Hinausgehende

7.TK.1–7.TK.2 Die fünfzehnlautige Vidyā mit Māyā am Anfang wird hier als Gestalt des Wachseins gelehrt. Beginnt sie mit Māyā- und Śrī-Bīja, hat sie die Gestalt des Traumes. Mit Tāra, Māyā und Ramā am Anfang hat sie die Gestalt des Tiefschlafs. Die große sechzehnlautige Śrīvidyā dagegen heißt Turīya.

7.TK.3–7.TK.4 Losgelöstheit, Verlangen nach Befreiung, Samādhi, ein makelloser Geist und die Unterscheidung von Wirklichem und Unwirklichem sind die Kalās des Turīya. Die mit Tāra beginnende Ṣoḍaśī ist die Gestalt der Losgelöstheit; die mit Māyā beginnende die Gestalt des Verlangens nach Befreiung.

7.TK.5–7.TK.6 Die mit Kāma beginnende sechzehnlautige ist die Gestalt des Samādhi; die mit Ramā beginnende Ṣoḍaśī die Gestalt der Lauterkeit des Geistes. Die mit Vāgbhava beginnende ist die Gestalt der Unterscheidung von Wirklichem und Unwirklichem. So ist die sechzehnlautige fünfgeteilt und in den drei Welten schwer zu erlangen.

7.TK.7–7.TK.8 Die mit Parā beginnende Ṣoḍaśī-Vidyā heißt Turyātīta, jenseits des Vierten. Die Tantra-Kundigen sollen die Unterschiede nach dem zuvor erklärten Verfahren verstehen. Nach Reinheit und Unreinheit werden zwei Formen gelehrt; dazu kommen die aus beidem zusammengesetzten und die gemischten Formen.

7.TK.9–7.TK.10 und Fortsetzung Die vorwärts geordneten Vidyās gelten als rein, die rückwärts entstandenen als unrein. Die aus beidem bestehenden sind rein-und-unrein; durch vertauschte, durcheinandergebrachte Reihenfolge entstehen die gemischten. So sollen die vortrefflichen Lehrer die Vidyā als vierfach erkennen. Damit sind dir die Unterschiede der Mahāvidyā vollständig erklärt, Śivā. [„Rein“ und „unrein“ bezeichnen hier die im Text beschriebenen Mantraordnungen.]

Hier endet die Darstellung der Unterschiede der Śrīvidyā.

Die Vidyās der fünf Throne: Bālā auf dem östlichen Thron

Nun folgen die Vidyās der fünf Throne. Zuerst die Vidyā des östlichen Thrones und unter diesen zunächst Bālā. Im Śrījñānārṇava:

7.BĀ.1 Īśvara sprach: „Tripurā ist dreifach, Göttin. Höre zuerst von Bālā: Wer sie erkennt, Göttin, strahlt unmittelbar wie der Lehrer der Götter.“

7.BĀ.2–7.BĀ.3 Man spreche den Sonnenvokal, dessen Wesen Bindu, Nāda und Kalā ist; dann den Endlaut der Vokale, auf der Erde stehend, mit dem vierten Vokal, Bindu, Nāda und Kalā verbunden; dann den unwandelbaren Bhṛgu mit Visarga und dem Śakra-Vokal. Diese Vidyā gilt als dreilautig.

7.BĀ.4 Sie schenkt eine Fülle von Worten wie die wogenden Wellen der Gaṅgā, erzeugt großes Glück und verleiht die hohe Gabe Sarasvatīs.

Die Formel lautet: aiṃ klīṃ sauḥ.

7.BĀ.5–7.BĀ.7 Ihr Ṛṣi ist der unwandelbare Dakṣiṇāmūrti, große Herrin. Weil er verehrungswürdig ist, setze man ihn auf den Kopf; das Versmaß Paṅkti auf den Mund, Geliebte, und Bālātripurā Parameśvarī als Gottheit auf das Herz. Vāgbhava ist ihr Bīja, das dritte [Bīja] ihre Śakti, Kāmarāja ihr Kīlaka. So ist der Nyāsa der Versmaß-Zuordnungen erklärt. Vom Nabel bis zu den Füßen, vom Hals bis zum Nabel,

7.BĀ.8–7.BĀ.9 und vom Scheitel bis zum Hals setze man die drei Laute der Reihe nach. Je eines auf die linke Handfläche, auf die rechte Handfläche und auf die beiden zur Hülle zusammengelegten Hände: so setze man die drei Bījas der Vidyā, Geliebte. Danach setze man die fünf Pfeile der Reihe nach auf die Finger,

7.BĀ.10–7.BĀ.13 vom Daumen bis zum kleinen Finger, höchste Herrin. Man schreibe zweimal den Endlaut von tha, jeweils mit Feuer verbunden, einmal mit dem Mundkreis, einmal mit dem linken Auge geschmückt: dies sind die ersten beiden Pfeile. Mādana, auf der Erde stehend, mit dem vierten Vokal, Bindu und Nāda; der Endlaut von pha, verbunden mit Śakra und dem linken Ohr, mit Bindu und Nāda; schließlich der Mond mit Visarga, Geliebte. Dies sind die fünf Pfeile; höre ihre Namen, Pārvatī.

7.BĀ.14 Der Erschütternde, der zum Schmelzen Bringende, Göttin, der Anziehende, der Unterwerfende und der Berauschende heißen sie der Reihe nach, höchste Herrin.

7.BĀ.15–7.BĀ.17 Ebenso sind die Kāmas zu erkennen; höre ihre Bījas: Parā-Bīja, der mittlere Pfeil, Vāgbhava, der vierte Pfeil und Strī-Bīja, der Reihe nach, Geliebte. Höre die Namen der fünf Kāmas: Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und als fünfter Mīnaketu.

7.BĀ.18 und Fortsetzung Nachdem man diese eingesetzt hat, folgt der Hand-Nyāsa. Mit zweimaliger Wiederholung der Mūlavidyā [setze man sie] auf sämtliche Finger und die Handflächen. Danach setze man die Mātṛkā entsprechend der Ordnung der sechs Glieder.

Der Kommentar erläutert: Nach dem Sechsglieder-Nyāsa vollziehe man die sechs Mātṛkā-Glieder, den inneren Mātṛkā-Nyāsa und den äußeren Mātṛkā-Nyāsa. Weiter:

7.BĀ.19–7.BĀ.20 Nachdem man so meditiert hat, vollziehe man den Vidyā-Nyāsa, Herrin der Götter. Mit den drei Bījas der Reihe nach lege man den Schutz des Körpers an. Zuerst setze man sie an den Händen auf Handgelenk, Handfläche und Fingerspitzen, rechts und links; danach auf rechten Ellbogen und Hand,

7.BĀ.21–7.BĀ.22 und wiederum rechts und links, ebenso auf die Füße; danach an das Ende des Nāda, auf Herz und Liṅga, Göttin. An diesen Körpergliedern vollziehe man den Nyāsa in der Reihenfolge der Auflösung; die Vidyā selbst sollst du in der Schöpfungsfolge verstehen, höchste Herrin. [Die Körperfolge ist sprachlich unregelmäßig und wird nicht zu einer frei ergänzten Übungsabfolge geglättet.]

7.BĀ.23–7.BĀ.25 Danach setze man die als neun Yonis gekennzeichnete Ordnung: auf beide Ohren und Kinn, auf beide Schläfen und den Mundbereich, auf beide Augen und Nase, auf beide Arme und Herz, auf beide Ellbogen und Bauch, auf Knie und Unterschenkel, auf beide Füße und den verborgenen Bereich, auf Seiten, Hände, beide Brüste und Hals. So vollziehe man den Neun-Yoni-Nyāsa, der aus den drei Bījas besteht. [Bei „Ellbogen“ ist die als karpūrayoḥ überlieferte Form aus dem Körperzusammenhang verstanden; die Gruppierung der letzten Körperstellen bleibt uneindeutig.]

7.BĀ.26 und unnummerierte Fortsetzung Vollziehe die sechs Glieder durch zweimalige Wiederholung, Göttin, in der Zahlenfolge drei, zwei, eins, zehn, drei, zwei, Tochter des Berges. Setze wiederum Pfeile und Kāmas auf die Finger und der Reihe nach auf Stirn, Hals, Herz, Nabel und Mūlādhāra. Nachdem man mit dem Wurzelmantra die Durchdringung vollzogen hat, übe man Prāṇāyāma. [Die anschließende Strophe trägt in der Vorlage keine Nummer 27. Die Zahl zehn in Vers 26 wird als überlieferte Angabe bewahrt.]

Der Kommentar: Nach drei Prāṇāyāmas vollziehe man Ṛṣi-Nyāsa, Hand-Nyāsa und Sechsglieder-Nyāsa; dann meditiere man:

7.BĀ.28–7.BĀ.30 und Fortsetzung Man meditiere die Göttin inmitten des Kadamba-Waldes, im Inneren eines großen Wunschbaumhains, in einem Juwelenpavillon. Im Schatten eines Perlen-Schirmes sitzt sie auf einem Juwelenthron. Sie trägt eine Krone aus unschätzbaren Edelsteinen und juwelenbesetzte Ohrringe, Halsketten und Halsschmuck mit kostbaren Steinen und leuchtende Armreifen. Links hält sie das Buch und zeigt die Geste der Furchtlosigkeit, rechts hält sie die Gebetskette und ist dem Gewähren von Gaben zugewandt: die Göttliche, welche die hohe Gabe Sarasvatīs verleiht.

So weit Bālā.

Die weiteren Bhairavīs des östlichen Thrones

Nun Saṃpatpradā Bhairavī. Im Śrījñānārṇava:

7.SPB.1 Īśvara sprach: „Wie die ehrwürdige Tripurā Bālā, so ist auch Tripurabhairavī. Höre von ihrer Saṃpatpradā, Wohlstand gewährenden Form, du mit lauterem Geist.“

7.SPB.2–7.SPB.4 Śiva und Candra, auf Feuer stehend, danach Vāgbhava; dann Kāmarāja, Göttin, mit Śiva und Candra, am Ende des Erd-Bījas mit Feuer verbunden. Höre das dritte, Schöne: In das Śakti-Bīja der Kumārī füge Śiva und Feuer ein, entferne Visarga und setze Bindu, Tripureśānī. Dies ist die Göttin Tripurābhairavī, große Fülle gewährend, Geliebte.

hasraiṃ, hasakalarīṃ, hassrauṃ.

7.SPB.5 Eine ihr gleiche Vidyā ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Durch zweimalige Wiederholung des Wurzelmantras wird der Sechsglieder-Nyāsa vollzogen.

Die Meditation:

7.SPB.6 Ich verehre die sanft lächelnde Göttin, leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen, in roter Seide, mit einer Kette aus Köpfen und blutbestrichenen Brüsten. In ihren Lotushänden trägt sie Gebetskette und Buch und zeigt Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Drei Augen erstrahlen in ihrem herrlichen Lotusgesicht; ihre Krone trägt die Mondsichel.

So weit Saṃpatpradā Bhairavī. Nun Caitanyabhairavī, im Śrījñānārṇava:

7.CB.1–7.CB.3 Höre, Göttin, ich erkläre die auf dem östlichen Thron Sitzende. Man spreche Vāgbhava-Bīja mit Jīva und Prāṇa. Sa-ka-la und Bhuvaneśānī bilden das zweite Bīja. Jīva und Prāṇa, auf Feuer stehend, mit dem Śakra-Vokal und Visarga: dies ist die große Göttin, die Vidyā als Mutter der drei Welten, die drei Welten bezaubernd, deren Selbst das Bewusstsein des höchsten Brahman ist.

shaiṃ, sakalahrīṃ, shrauḥ. Diese beginnt mit sa. [Die ungewöhnliche Konsonantenfolge sh steht so in der IAST-Vorlage und ist hier keine nachträgliche Umschrift von ś.] Ṛṣi und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Die Meditation:

7.CBD.1–7.CBD.2 und Fortsetzung Man meditiere sie leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen, mit vielerlei Schmuck, einer Mondsichel über der Krone und roten Gewändern. Die Ewige trägt Schlinge und Stachelstock, links eine Schädelschale; sie strahlt mit Gabengewährung und Furchtlosigkeit und besitzt volle, hohe, krugförmige Brüste. So meditiere und verehre man die Göttin auf dem Thron der Toten [Lesart: auf dem östlichen Thron].

So weit Caitanyabhairavī. Nun die zweite Caitanyabhairavī, im Śrījñānārṇava:

7.CBZ.1 und Fortsetzung Man nehme die ersten beiden Bījas eben dieser Vidyā; danach „nityaklinne madadrave“, höchste Herrin, und das dritte Bīja derselben. [Die zusätzliche Angabe rudrāṇā ist hier nicht sicher aufzulösen.]

shaiṃ sakalahrīṃ nityaklinne madadrave shrauḥ. Die Worte bedeuten annähernd: „O ewig Feuchte, im Rausch Dahinschmelzende.“ Ṛṣi und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor. Die Meditation:

7.CBZ.D1 Man meditiere Caitanyabhairavī, rot, mit Schlinge, Stachelstock und Schädelschale, mit einer Kette aus Köpfen, sitzend auf dem Thron der fünf Toten.

So weit die zweite Caitanyabhairavī. Nun Kāmeśvarī Bhairavī, im Śrījñānārṇava:

7.KB.1–7.KB.2 Śiva und Candra, das Ende von Mādana, der Endlaut von pa, verbunden mit Feuer, durch Śakti unterschieden und mit Bindu, Nāda und Kalā versehen: dies ist Vāgbhava, Geliebte. Dazu das Kāmarāja der Saṃpatpradā Bhairavī sowie das Bīja Sadāśivas und des großen Thrones. [Die gedrängten Lautcodes werden nicht eigenständig in eine geglättete Formel zurückübersetzt.]

hasakhaphreṃ, hasakalarīṃ, hasauṃ. Ṛṣi und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor.

7.KBD.1–7.KBD.3 und Fortsetzung Ich erkläre ihre Meditation, welche die Last der Feinde abschneidet: strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, mit der Mondsichel als Kopfschmuck, dreiäugig, mit vielerlei Schmuck, alle Feinde vernichtend. Sie trägt eine Kette aus blutströmenden Köpfen und rote Gewänder. Der Reihe nach hält sie Dreizack, Ḍamaru-Trommel, Schwert, Schild, Pināka-Bogen, Pfeile, Schlinge und Stachelstock sowie Buch und Gebetskette; sie sitzt auf einem Leichenthron. [Die drastischen Bilder sind Bestandteile der historischen Gottheitsikonographie.]

So weit Kāmeśvarī Bhairavī und die Gottheiten des östlichen Thrones.

Die Bhairavīs des südlichen Thrones

Nun die Gottheiten des südlichen Thrones. Zuerst Aghorabhairavī:

7.AG.1–7.AG.2 und Fortsetzung Die Gestalt der Aghora-Vidyā tilgt schweres Unrecht: Nach „aghore“ steht Vāgbhava, nach „ghore“ Bhuvaneśvarī; dann „sarvataḥ śarvasarvebhyo ghoraghoratare“, Ramā, „namaste’stu rudrarūpebhyo“ und die beiden Bījas der Göttin. Diese Vidyā wird als dreiunddreißiglautig gelehrt, Geliebte.

aghore aiṃ ghore hrīṃ sarvataḥ śarvasarvebhyo ghoraghoratare śrīṃ namaste’stu rudrarūpebhyaḥ klīṃsauḥ. Der sprachliche Teil wendet sich an die nichtschreckliche, schreckliche und überaus schreckliche Gestalt und grüßt die Rudra-Gestalten. [Die ungewöhnliche Verbindung śarvasarvebhyo bleibt erhalten.] Ṛṣi-Nyāsa, Sechsglieder-Nyāsa und Meditation gelten wie zuvor. So weit Aghorabhairavī.

Nun Mahābhairavī:

7.MB.1–7.MB.2 und Fortsetzung Īśvara sprach: „Śiva und Candra, auf Feuer stehend, mit Vāgbhava, Nāda und Bindu verbunden, bilden das erste Bīja. Das Vāgbhava-Kūṭa der Lopā bildet das zweite. Śiva und Candra, auf Feuer stehend, mit dem Manu-Vokal, Bindu, Nāda und Kalā verbunden, bilden das dritte.“

hasraiṃ hasakalahrīṃ hasrauṃ.

7.MBD.1 Der Ṛṣi-Nyāsa und die übrigen Zuordnungen gelten wie zuvor. Die Körperglieder bilde man mit dem mittleren Kūṭa, verbunden mit den sechs langen Vokalen.

7.MBD.2–7.MBD.3 [Man meditiere sie] leuchtend wie tausend kupferrote Sonnen, mit glänzendem Mond im verfilzten Haar und einer Krone, deren Edelsteine und Perlen vielfarbig erstrahlen; geschmückt mit einer Kette aus Köpfen, an denen frisches Blut haftet, mit drei herrlichen Augen und einem Gesicht wie der Vollmond.

7.MBD.4–7.MBD.5 Perlenketten glänzen über ihren vollen, hohen, krugförmigen Brüsten. Sie trägt rote Gewänder und ist berauscht von Jugend. Links hält sie Buch und Furchtlosigkeitsgeste, rechts Gebetskette und Gabengewährung: die Ewige, auf dem Sitz des großen Toten ruhend.

So weit Mahābhairavī. Nun Lalitābhairavī:

7.LB.1 Man löse das Māyā-Bīja, danach Kāmarāja und das Preta-Bīja heraus. So entsteht die dreilautige Vidyā.

hrīṃ klīṃ hsrauṃ.

7.LBD.1–7.LBD.3 und Fortsetzung Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind wie zuvor; die Gliederhandlung erfolgt mit dem ersten Bīja. Man meditiere die Göttin strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, mit leuchtender Rubinkrone, mit Juwelenohrringen, Perlenschnüren, Brustschmuck und Armreifen, mit schönen Juwelenfußringen, roten Gewändern und roter Salbung. Sie hält Schlinge, Stachelstock, Buch und Gebetskette. Dem kindlichen Spiel hingegeben, trägt sie die Gestalt einer Kumārī und ist an allen Gliedern schön. So meditiere man sie, um jegliche Fülle zu erlangen.

So weit Lalitābhairavī. Nun Kāmeśvarībhairavī: Durch Kāmarāja wird die schöne Kāmeśvarībhairavī gebildet: klīṃ.

7.KBS.1–7.KBS.2 Ihr Ṛṣi heißt Kāmadevī, ihr Versmaß Gāyatrī, ihre Gottheit Kāmeśvarī. Mit dem Bīja wird die Gliederhandlung vollzogen. Man erinnere sie dem Hibiskusblütenrot gleich, Bogen und Pfeile tragend, von vielerlei Schmuck verschönt und die drei Welten bezaubernd. [Die feminine Form kāmadevī als Ṛṣi-Bezeichnung steht so in der Vorlage.]

So weit Kāmeśvarībhairavī. Nun Raktanetrābhairavī:

7.RB.1 und Fortsetzung Candra, mit Vāgbhava verbunden, ist das erste Bīja. Sa-ka-la mit Feuer und Māyā ist das zweite. Als drittes wird das dritte Bīja Bālās herausgelöst.

saiṃ, sakalarīṃ, sauḥ.

7.RBD.1 Ihr Ṛṣi und die übrigen Zuordnungen sind dieselben wie bei Kumārī, höchste Herrin. Mit dem Mond-Bīja und den sechs langen Vokalen wird der Sechsglieder-Nyāsa erklärt.

7.RBD.2–7.RBD.4 [Man meditiere sie] leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen, mit strahlender Rubinkrone, Juwelenohrringen, Perlenschnüren, Brustschmuck und Armreifen; mit schönen Juwelenfußringen, roten Gewändern und roter Salbung. Sie trägt Schlinge, Stachelstock, Buch und Gebetskette; in berauschter, voller Jugend, mit vollen, hohen, festen Brüsten, breiten Hüften, schmaler Taille und schönen Augen, deren Ränder rot sind.

So weit Raktanetrābhairavī und die Gottheiten des südlichen Thrones.

Die Gottheiten des westlichen Thrones

Nun die Gottheiten des westlichen Thrones, zuerst Ṣaṭkūṭā Bhairavī:

7.ṢB.1 Śiva und Candra, Mādana, Erde, Feuer und Ḍāmara, verbunden mit Vāk, Śānti und Manu: so werden die drei Bījas erklärt.

hasakalaraḍaiṃ, hasakalaraḍīṃ, hasakalaraḍauḥ.

7.ṢBD.1–7.ṢBD.3 Man setze Ṛṣi und die übrigen Zuordnungen wie zuvor ein und vollziehe durch zweimalige Wiederholung die sechs Glieder. Man meditiere Bhairavī, die Göttin mit dem Glanz der jungen Sonne, rot wie Hibiskus, schön mit ihrer Kette aus Köpfen, in einem Gewand wie die junge Sonne. Ihre vollen, hohen Brüste gleichen goldenen Krügen; sie trägt Schlinge, Stachelstock, Buch und Gebetskette und sitzt auf einem Totenthron.

So weit Ṣaṭkūṭā Bhairavī. Nun Nityābhairavī:

7.NB.1 Kehrt man die [Konsonantenfolge der] Ṣaṭkūṭā Bhairavī um, heißt sie Nityābhairavī, welche die Früchte der vier Lebensziele gewährt.

ḍaralakasahaiṃ, ḍaralakasahīṃ, ḍaralakasahauḥ.

7.NBD.1–7.NBD.2 Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind wie zuvor. Ich erkläre ihre Meditation: Man vergegenwärtige die glückverheißende Göttin auf fünf Köpfen sitzend, mit einer Kette aus Köpfen geschmückt, leuchtend wie zehntausend kupferrote Sonnen, mit Juwelenschmuck, Schlinge und Stachelstock, Furchtlosigkeit und Gabengewährung.

So weit Nityābhairavī. Nun Mṛtasañjīvanī:

7.MṚ.1 und Fortsetzung Man spreche Māyā und das Wort „haṃsaḥ“, danach „sañjīvani“, „jūṃ“, „jīvaṃ“, „prāṇa“, „granthiṃ“ und zweimal „kuru“. Mit „svāhā“ am Ende wird diese höchste Vidyā Mṛtasañjīvanī, die Tote belebende, genannt.

hrīṃhaṃsaḥ saṃjīvani sūṃjīvaṃ prāṇagranthiṃ kuru kuru svāhā. [Der Vers hat jūṃ, die ausgeschriebene Formel dagegen sūṃ. Die behauptete Wiederbelebung ist eine rituelle Wirkungszuschreibung des Textes.]

7.MṚN.1–7.MṚN.3 Śukra heißt ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß und Mṛtasañjīvanī ihre Gottheit. Māyā-Bīja ist ihr Bīja, Svāhā ihre Śakti, Haṃsa ihr Kīlaka. Als Anwendung wird die Belebung der Toten genannt. Die sechs Glieder vollziehe man mit den Gruppen drei, vier, eins, sechs und den anschließend als caturdikakena überlieferten Zahlen. [Die letzte Zahlenverbindung ist unsicher; eine zweifelsfreie Sechserfolge wird nicht ergänzt.]

In der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā:

7.SAÑ.1–7.SAÑ.3 und Fortsetzung Īśvara sprach: „Göttin, mit meinem westlichen Gesicht wiederhole ich noch heute die vier Vidyās, unmittelbare Gestalten unsterblicher Glückseligkeit, auf dem großen Thron. Höre darunter Sañjīvanī: Man schreibe das Śakti-Bīja, dann Śiva und Candra, der Reihe nach mit Anusvāra und Visarga geschmückt, Geliebte. Dann schreibe man ‘sañjīvani’, ‘jūṃ’, ‘jīvaṃ’ und die Verbindung mit ‘prāṇagranthi’; dreimal das Wort ‘kuru’, ‘sauḥ sauḥ’ und die Gattin des Feuers.“

Die Vidyā gilt als zwanziglautig. Die ausgeschriebene Formel lautet: hrīṃhaṃsaḥ saṃjīvanijūṃ haṃsaḥ kurukurukuru sauḥsauḥ svāhā. [Die ausgeschriebene Folge weicht von der Lautanweisung im Vers ab; beide bleiben erhalten.]

7.SAÑN.1–7.SAÑN.3 Śukra heißt der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Sañjīvanī die Gottheit; das Anfangsbīja ist ihre Śakti. Mit vier, drei, fünf, fünf, vier und drei [Lauten] setze man die sechs Glieder der Reihe nach. Man meditiere die Höchste kampferhell, in mit Diamanten und Perlen geschmückter Gewandung, die Erkenntnisgeste und die Gebetskette tragend.

So weit Mṛtasañjīvanī. Nun Mṛtyuñjayaparā:

7.MJ.1–7.MJ.3 Nun erkläre ich die höchste Mṛtyuñjayaparā, große Herrin. Man setze zweimal „vada“ und „vādani“ um „vāk“ herum, Geliebte; dann Vāgbhava, gekennzeichnet durch hasra, „klinne“, „kledini“, „mahākṣobhaṃ“ und zweimal „kuru“. Śiva, Candra, Kalā und Feuer, mit linkem Auge, Bindu und Nāda versehen; dann Tāra-Bīja, „mokṣaṃ“, zweimal „kuru“ und haṃsra, mit dem Śakra-Vokal und Visarga.

vadavadavāgvādini hasaiṃ, klinne kledini mahākṣobhaṃ kuru kuru hasrīṃ, oṃ mokṣaṃ kuru kuru hasauḥ. Der sprachliche Teil lautet annähernd: „Sprich, sprich, du Sprecherin der Rede; du Feuchte, Befeuchtende, bewirke große Erschütterung; bewirke Befreiung.“ [Auch hier weichen einzelne Lautcodes von der ausgeschriebenen Formel ab.]

7.MJN.1–7.MJN.2 Dies ist die Sañjīvanī-Göttin. Ihr Ṛṣi ist Śiva, ihr Versmaß Gāyatrī, ihre Gottheit Bhairavī. Das erste Kūṭa ist ihr Bīja, das mittlere ihr Kīlaka, das letzte ihre Śakti; unmittelbar vernichtet sie nach dem Text den Tod.

7.MJN.3–7.MJN.4 Mit neun, Śakra und acht Lauten setze man die sechs Glieder. Man meditiere und rufe die Göttin inmitten des Kadamba-Waldes an. Links trägt sie das Buch, rechts die Gebetskette: weiß wie die Kunda-Blüte meditiere man die höchste Kumārī. [Die Zahlenangabe ist als Lautgruppierung überliefert; die genaue Verdopplung wird hier nicht erklärt.]

So weit Mṛtyuñjayaparā. Nun Vajraprastāriṇī:

7.VP.1 Īśvara sprach: „Man schreibe Parā, ‘klinne’, Vāgbhava und den Laut kroṃ; dann ‘nityamada’, anschließend ‘drave’ und Māyā.“

hrīṃklinne aiṃkroṃ nityamadadrave hrīṃ. Der sprachliche Teil ruft die Feuchte, in beständigem Rausch Dahinschmelzende an.

7.VPN.1–7.VPN.3 Diese Vajreśī besitzt zwölf Laute. Brahmā ist der Ṛṣi dieses vortrefflichen Mantras, Virāṭ sein Versmaß, Vajreśī seine Gottheit. Das fünfte und das vierte [Glied] sind der Reihe nach Bīja und Śakti, das dritte ihr Kīlaka. Danach vollziehe man den Glieder-Nyāsa. Unter Auslassung des ersten und letzten Bījas bilde man die sechs Glieder aus zwei, eins, eins, zwei, zwei und drei [Lauten].

7.VPN.4–7.VPN.6 und Fortsetzung Man meditiere und rufe die Göttin im Kadamba-Wald an: rot, mit schöner Mondsichelkrone und herrlichem Schmuck; drei Augen strahlen in ihrem jugendlichen Stolz. Sie steht auf dem großen Yantra eines Bootes, das auf einem Meer aus Blut schwimmt. Sie trägt Granatapfel, Pfeile, Schlinge, Stachelstock, Bogen und Schädelschale, rote Girlanden und rote Salbung. Man erinnere die tiefrote Göttin und verehre sie mit den rituellen Darbringungen.

So weit Vajraprastāriṇī und die Gottheiten des westlichen Thrones.

Die Gottheiten des nördlichen Thrones

Nun die Gottheiten des nördlichen Thrones, zuerst Bhuvaneśvarībhairavī.

Textlücke Vor dem ersten überlieferten Vers stehen in der Vorlage eine Strichreihe und ein Fragezeichen; der fehlende Wortlaut wird nicht ergänzt.

7.BHUV.1 Man spreche das Vāgbhava der Lopā und löse das Preta-Bīja heraus. Setzt man ra unter Śiva, entsteht Bhuvaneśī Bhairavī.

hasraiṃ, hasakalahrīṃ, hrasauṃ.

7.BHUV.2–7.BHUV.4 Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind diejenigen der Kumārī; die Gliederhandlung erfolgt mit dem ersten Bīja. Ich nehme Zuflucht zu der glückverheißenden Göttin, rot wie Hibiskus und leuchtend wie Granatapfelblüten, mit der Mondsichel im Haarknoten, dreiäugig, in roten Gewändern, schön mit vielerlei Schmuck und mit vollen, hohen, festen Brüsten. Sie sitzt auf einem Totensitz, trägt eine Kette aus Köpfen, Schlinge und Stachelstock und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit. [Die Ṛṣi-Zuordnung hat in der Vorlage die auffällige Form akumāryā; hier aus dem wiederkehrenden Zusammenhang als Kumārī verstanden.]

So weit Bhuvaneśībhairavī. Nun Kamaleśvarībhairavī: Wird Bhuvaneśī mit dem Mond am Anfang versehen, entsteht Kamaleśī.

sahaiṃ, sahakalahrīṃ, sahauṃ. Alles Weitere gilt wie bei Bhuvaneśībhairavī. So weit Kamaleśībhairavī.

Nun Siddhakauleśabhairavī:

7.SKB.1 hasraiṃ hasrīṃ hasrauḥ: dies ist Siddhakauleśabhairavī. Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind die der Kumārī; ich erkläre dir ihre Meditation.

7.SKB.2–7.SKB.4 und Fortsetzung Man meditiere sie leuchtend wie tausend kupferrote Sonnen, dreiäugig, mit einem schönen Mondgesicht, einer von Mondsichel und Juwelen strahlenden Krone, schmaler Taille und vollen Hüften. Ihre Gewandung glänzt von Edelsteinen, ihr Schmuck ist rot; in berauschter, voller Jugend besitzt sie volle, hohe, feste Brüste. Ihr Körper ist mit einer blutbestrichenen Kette aus Köpfen und herrlichem Schmuck geziert. Links trägt sie Buch und Furchtlosigkeitsgeste, rechts Gebetskette und Gabengewährung; sie sitzt auf dem Totenthron.

So weit Siddhakauleśabhairavī. Nun Ḍāmarabhairavī:

7.ḌB.1–7.ḌB.2 Īśvara sprach: „Mit meinem nördlichen Gesicht wiederhole ich noch heute, Herrin der Götter, die auf dem großen Thron ruhende Bhairavī Ḍāmareśvarī. Man entferne aus dem Kāma-Kūṭa der zuvor genannten Bhairavī Parā und Śivā; dann spreche man die Vidyā, die Herrin des großen Thrones.“

hasaiṃ, haklīṃ, hasauḥ.

7.ḌBD.1–7.ḌBD.3 Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind wie zuvor. Ihre Meditation erkläre ich dir: Man erinnere sie stets rot wie die Bandhūka-Blüte, auf fünf Köpfen wohnend, mit einer von Mondsichel und Juwelen strahlenden Krone und einer Kette aus Köpfen; dreiäugig, in roten Gewändern, mit vollen, hohen, festen Brüsten. Sie hält der Reihe nach Buch, Gebetskette, Gabengewährung und Furchtlosigkeit und wird in der nördlichen Überlieferung verehrt.

So weit Ḍāmarabhairavī. Nun Kāminībhairavī:

7.KĀM.1 Man löse Saṃpatpradā Bhairavī unter Weglassung des Feuers heraus. So entsteht Kāminībhairavī, auch Bhayavidhvaṃsinī, die Furchtvernichterin, genannt.

hasaiṃ, hasaklīṃ hasauṃ.

7.KĀMD.1–7.KĀMD.2 Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind wie zuvor. Ihre Meditation erkläre ich dir: Man vergegenwärtige die höchste Bhairavī leuchtend wie zehntausend kupferrote Sonnen, geschmückt mit Juwelen, Schlinge und Stachelstock tragend, Furchtlosigkeit und Gabengewährung zeigend; auf einer Leiche sitzend, herrlich mit ihrer Kette aus Köpfen.

So weit Kāminībhairavī und die Gottheiten des nördlichen Thrones.

Die fünf Sundarīs des oberen Thrones

Nun die Gottheiten des oberen Thrones, zuerst die erste Sundarī:

7.OS.1–7.OS.3 Īśvara sprach: „Mit meinem Īśāna-Gesicht wiederhole ich noch heute diese fünf Vidyās, Göttin, die in den drei Welten schwer zu erlangen sind. Vāgbhava, mit Śiva verbunden, bildet das Vāgbhava-Kūṭa. Höre den mittleren Teil: Nach ha-ka-la schreibe man das Śiva-Bīja, verbunden mit ra, linkem Auge und Bindu. Das dritte [Bīja] besteht aus ha-sa, Anugraha und Visarga. Dies ist die erste Sundarī-Vidyā, Geliebte.“

haiṃ, hakalahrīṃ, hasauḥ: die erste Sundarī. [Die technische Zeile „śrīvi0 17“ ist kein Werkvers.]

Nun die zweite Sundarī:

7.OSZ.1 und Fortsetzung Der Mantrakenner wiederhole die mit a-ha-sa beginnenden Formen, verbunden mit Sonnenvokal, viertem Vokal und Manu-Vokal. Die letzte besitzt Visarga, die ersten beiden bestehen aus Bindu, Nāda und Kalā. Dies heißt die zweite Sundarī, Herrin der Götter.

ahasaiṃ, ahasīṃ, ahasauḥ.

Nun die dritte Sundarī:

7.OSD.1–7.OSD.2 und Fortsetzung Vāgbhava allein bildet das Vāgbhava-Kūṭa. Höre den mittleren Teil: Man verbinde hasa-ehasahasra mit Vāgbhava; dann drei ha, ka-la und Hṛllekhā. Höre das Śakti-Kūṭa, Geliebte: vier Śiva-Bījas, ra, Anugraha und Visarga. So entsteht die dritte, vierlautige Sundarī, Herrin der Götter.

aiṃ, hasa-ehasahasraiṃ hahahakalahrīṃ, hahahaharauḥ.

Nun die vierte Sundarī:

7.OSV.1–7.OSV.2 Nach ka-la stehen zweimal Śiva und dreimal Jīva, Śivā. Man fasse dies mit Parā zusammen und spreche dieses Kūṭa in dreifacher Gestalt, bei Vāgbhava, Kāmarāja und Śakti-Bīja. Dies heißt die vierte Sundarī, welche Genuss und Befreiung gewährt.

Die Vorlage schreibt: kalahahasasasahraiṃ(hrīṃ), kalahahasasasahrīṃ, kalahahasasasasahrauḥ (hrīṃ). [Die eingeklammerten Alternativen und die unterschiedliche Zahl der sa-Laute bleiben erhalten.]

Nun die fünfte Sundarī:

7.OSF.1–7.OSF.2 Jīva, zweimal Śiva, Jīva, Erde, kṣa, Śiva und Mond bilden den ersten Teil. Der mittlere verbindet ha-sa mit Erde, kṣa, ha und Mond. Der letzte wird mit ha-sa-la-kṣa, Mond, ha, Mond und Raum geschmückt. Im Tripureśī-Mantra ergibt sich so die fünfte Sundarī.

sahahasalakṣahasaiṃ, hasahasalakṣahasīṃ, hasalakṣasahasahauḥ.

7.OSA.1 Man meditiere diese höchste Fünfergruppe wie Saṃpatpradā Bhairavī. Ṛṣi-Zuordnungen und Verehrung sind wie bei Tripureśī zu verstehen, nicht anders.

So weit die Vidyās des oberen Thrones. Hier endet die Darstellung der Vidyās der fünf Throne.

Die fünf Fünfergruppen: die fünf Lakṣmīs

Nun die Gruppe der fünf Fünfergruppen. Zuerst die fünf Lakṣmīs, darunter zuerst Śrīvidyālakṣmī:

7.ŚL.1 und Fortsetzung Der Kenner des Verfahrens spreche die sechzehnlautige Mahāvidyā und dann: „Ich verehre die Pādukā der alle Glücksgüter hervorbringenden [Göttin], die auf einem von Scharen großer Lakṣmī-Herrscherinnen geschmückten Sitz ruht.“

So weit Śrīvidyālakṣmī. Nun die einsilbige Lakṣmī:

7.ELK.1 Der Endlaut Varuṇas, auf Feuer stehend, mit dem langen Augenlaut, Bindu und Nāda verbunden, wird Lakṣmī-Mantra genannt.

śrīṃ.

7.ELK.2–7.ELK.3 Bhṛgu ist ihr Ṛṣi, Nicṛt ihr Versmaß, Śrī ihre Gottheit, Geliebte. Śa und der vierte [Vokal] sind Bīja und Śakti, ra heißt Kīlaka. Mit ihrem Bīja und den sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Glieder. Dann meditiere man die schöne Śrī, vor der sich alle Gottheiten verneigen.

7.ELK.4–7.ELK.6 und Fortsetzung Sie leuchtet wie geschmolzenes Gold und trägt göttlichen Juwelenschmuck. Zwei Elefanten, hell wie weiße Wolken, übergießen sie immer wieder mit Nektar und Flüssigkeiten aus Perlen und Edelsteinen. Ihre Krone ist mit Juwelen besetzt; sie trägt reine Seide und Salbung. Der Einsichtige erinnere die Lotusäugige, die Padmanābha im Herzen meditiert. So meditiere er und wiederhole [den Mantra] der Göttin: vierarmig, schönäugig, zwei Lotusse tragend, mit Gabengewährung und Furchtlosigkeit strahlend.

So weit Lakṣmī. Nun Mahālakṣmī:

7.MLK.1–7.MLK.2 und Fortsetzung Man spreche zuerst Praṇava, dann den als harīm bezeichneten Laut, von Śrī umschlossen; danach „kamale kamalāye prasīda“. Man füge Erde in die Mitte von „lāye“ ein, an der als Rudra bezeichneten Stelle. Dann „prasīda“ und die vorigen Bījas als Umschließung. Mit „Mahālakṣmī“ und dem Herzabschluss besteht der Mantra aus achtundzwanzig Lauten. [Die gedrängte Wortbildungsanweisung erschließt sich aus der anschließend ausgeschriebenen Folge.]

oṃ śrīṃ hrīṃ śrīṃ kamale kamalālaye prasīda prasīda śrīṃ hrīṃ śrīṃ oṃ mahālakṣmyai namaḥ.

Der sprachliche Sinn: „O Lotusgöttin, im Lotus Wohnende, sei gnädig, sei gnädig. Verehrung der großen Lakṣmī.“

7.MLKN.1–7.MLKN.2 Dakṣa Prajāpati ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Lakṣmī die Gottheit; [der Text erwähnt hier] das Herz. Das zweite und das dritte [Bīja] sind Bīja und Śakti, Praṇava ist Kīlaka, Göttin. Danach vollziehe man den Glieder-Nyāsa.

7.MLKN.3–7.MLKN.5 und Fortsetzung Der gesammelte Mantrakenner setze die Glieder wie zuvor. [Er meditiere die Höchste,] ein von Juwelen glänzendes Schatzgefäß, zwei goldene Lotusse und einen vorn mit Edelsteinreihen strahlenden Spiegel tragend; vierarmig, mit funkelnden Juwelenfußringen und leuchtender Krone, mit Halsschmuck, Oberarmreifen, Halsketten, Armreifen und Juwelenohrringen. Sie sitzt auf einem Lotussitz, stets von Dūtīs umgeben, mit weißer Salbung und weißen Gewändern, von großen himmlischen Frauen verehrt.

Nachdem man so meditiert hat, verehre man die Göttin. So weit Mahālakṣmī. Nun Triśaktilakṣmī:

7.TL.1 Man schreibe Śrī-Bīja, Parā-Bīja und Kāma-Bīja. Dies ist Triśakti, Herrin der Götter, in den drei Welten schwer zu erlangen.

śrīṃhrīṃklīṃ.

7.TLN.1–7.TLN.2 Brahmā ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Triśakti die Gottheit. Durch zweimalige Wiederholung verehre man die Glieder. [Die erste Hälfte von Vers 2 fehlt in der Vorlage und ist mit Fragezeichen und Sternen markiert.] Man meditiere die alles Gedeihen gewährende Göttin auf einem von frischem Gold glänzenden Boden, in einem Pavillon mit Juwelenmosaik,

7.TLN.3–7.TLN.4 inmitten eines großen Wunschbaumhains, auf einem herrlichen Juwelenthron und schönem Lotussitz, mit Juwelenfußringen, einer von Edelsteinen funkelnden Krone, Juwelenohrringen und vielerlei Schmuckkreisen aus unschätzbaren Edelsteinen.

7.TLN.5–7.TLN.6 und Fortsetzung Sechsarmig, mit einem Mondgesicht, trägt sie zwei Lotusse, Schlinge, Stachelstock, Bogen und Pfeile. Dūtīs umgeben sie mit schönen Fliegenwedeln, Juwelenspiegeln, goldenen Betelgefäßen und Schmuckkästchen in den Händen. Sie strahlt wie geschmolzenes Gold.

So weit Triśaktilakṣmī. Nun Sarvasāmrājyalakṣmī:

7.SSL.1–7.SSL.2 und Fortsetzung Nun erkläre ich die Gottheit aller Herrschaft, große Herrin. Durch ihre Verehrung wurde Viṣṇu selbst der Gemahl Lakṣmīs. Candra, Īśa, Mādana, Erde, Īśa, Feuer und der lange Augenlaut, verbunden mit der als vidhvakrūreśvarī überlieferten Angabe: dies ist die Vaiṣṇavī-Vidyā, Geliebte. Man umschließe sie mit dem Śrī-Bīja; sie gewährt jegliche Herrschaft. [Die zuletzt genannte Lautangabe ist unsicher.]

śrīṃsahakalahrīṃśrīṃ.

7.SSLN.1–7.SSLN.2 Hari ist der Ṛṣi dieses vortrefflichen Mantras, Gāyatrī sein Versmaß, Mohanī Lakṣmī, die große Herrschaft gewährt, seine Gottheit. Das Kūṭa wird Bīja genannt, das Śrī-Bīja Śakti. Durch Unterscheidung mit den ersten sechs Vokalen vollziehe man die sechs Glieder.

7.SSLN.3 und Fortsetzung Man meditiere sie wie eine Flachsblüte, mit Juwelenschmuck. In sechs Händen trägt sie Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, Śārṅga-Bogen und Pfeile; die beiden anderen zeigen Gabengewährung und Furchtlosigkeit. So meditiere man die Achtarmige.

So weit Sarvasāmrājyalakṣmī und die fünf Lakṣmīs.

Die fünf Kośa-Vidyās

Nun die fünf Kośa-Vidyās. Zuerst Śrīvidyākośeśvarī: oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ, danach der Wurzelmantra [in der Quelle nur als mūlam bezeichnet].

7.KO.1 „Ich verehre die Pādukā der alle Glücksgüter hervorbringenden [Göttin], die auf einem von der Schar der großen Kośa-Herrscherinnen geschmückten Sitz ruht.“

So weit Śrīvidyākośeśvarī.

7.KOJ.1–7.KOJ.2 Höre nun die vier weiteren Śrīkośa-Vidyās, Pārvatī. Durch ihre Erkenntnis allein gibt es keine Wiedergeburt mehr. Śrīvidyā, Parajyotis, Paraniṣkaladevatā, Ajapā und Mātṛkā werden als die fünf Kośas bezeichnet.

7.KOJ.3 Man spreche zuerst Praṇava, schreibe Parā und das Wort „haṃsaḥ“, danach „so’ham“ und den Kopfabschluss. Dies wird als achtlautig erklärt.

oṃ hrīṃ haṃsaḥso’haṃ svāhā.

7.KOJ.4–7.KOJ.6 Brahmā ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, die unmittelbar aus höchstem Licht bestehende Göttin die Gottheit. Praṇava und das letzte [Glied] sind Bīja und Śakti, das Übrige ist Kīlaka. Svāhā bildet das Herz, So’ham den Kopf, Haṃsaḥ die Haarlocke. Mit Māyā [bilde man] den Panzer, mit Tāra-Bīja die drei Augen; mit dem ganzen Mantra in der Schöpfungsordnung die Waffe. [Die Wendung sṛṣṭyānmantreṇa ist sprachlich beschädigt; die Schöpfungsordnung ist eine vorsichtige Auslegung.]

Die Meditation wird bei der Durchführung des Prapañcayāga ausgeführt. So weit Parajyotis-Kośeśvarī. Nun Paraniṣkaladevatā-Kośeśvarī:

7.PN.1–7.PN.3 Nun erkläre ich die höchste, teilelose Gottheit, große Herrin. Schon durch ihre Erinnerung werde der Körper [der beschädigten Wendung zufolge] zu Bewusstsein und Glückseligkeit. Mit Anugraha beginnend und von der Gestalt von Bindu, Nāda und Kalā ist diese höchste teilelose Göttin die Gestalt des höchsten Brahman. Sie trägt weiße Gewänder, weiße Girlanden und weiße Salbung, zeigt die Erkenntnisgeste und wird von Scharen großer Yogis verehrt.

„Sie ist zu meditieren“ ist hier zu ergänzen.

7.PN.4–7.PN.5 und Fortsetzung Brahmā ist der Ṛṣi dieses Mantras, Gāyatrī sein Versmaß, Brahman selbst seine Gottheit. A und ū sind der Reihe nach Bīja und Śakti, ma ist Kīlaka. Sie gewährt Befreiung und Erkenntnis. Man setze [den Mantra] zwischen die Vokalpaare und lasse die vier ṛ ṝ ḷ ḹ weg; so vollziehe man die sechs Glieder, Herrin der Götter. [Die einzelnen Formen werden hier nicht ausgeschrieben.]

So weit Paraniṣkaladevatā. Nun Ajapākośeśvarī:

7.AJ.1–7.AJ.3 Die Verehrung der Ajapā erkläre ich dir, makellose Göttin. Durch ihre Erkenntnis allein ist der Lehrer das höchste Brahman. Täglich wiederholt der Mensch das Wort „haṃsaḥ“, höchste Herrin; durch Verblendung gebunden erkennt er es nicht und findet keine Befreiung. Wird es durch die Gnade des ehrwürdigen Gurus erkannt und als Ein- und Ausatmen wiederholt, dann endet die Bindung.

7.AJ.4–7.AJ.6 Beim Ein- und Ausatmen erklingen die beiden Laute „haṃ-sa“. Deshalb heißt der Lebenshauch Haṃsa und besteht als Gestalt des Selbst. Sechzig Atemzüge bilden einen Prāṇa, sechzig solcher eine Nāḍikā; sechzig Nāḍīs einen Tag samt Nacht: so die Zählung des Ajapā-Mantras. Einundzwanzigtausendsechshundertmal wiederholt das Lebewesen täglich die höchste, aus Schwingung und Glückseligkeit bestehende [Göttin]. [Vers 5 trägt in der Vorlage selbst ein Fragezeichen. Seine Zeiteinteilung ergibt rechnerisch nicht die in Vers 6 genannte Gesamtzahl; sie wird nicht als präzise Atemmessung ausgegeben.]

7.AJ.7–7.AJ.8 Die Geburt ist der Beginn dieser Wiederholung, der Tod ihre Darbringung. Ohne absichtliches Wiederholen geschieht dem Mantrakenner die Wiederholung. Deshalb heißt sie Ajapā, „Nicht-Rezitation“, welche die Fessel des Werdens durchtrennt. Durch die Gnade des Gurus erlangt man sie, Göttin, nicht anders, Geliebte.

7.AJ.9–7.AJ.11 Diese tägliche Wiederholung bringe man der Reihe nach Gaṇeśa, Brahmā, Viṣṇu, Hara, dem individuellen Selbst, dem höchsten Selbst und dem Guru dar: sechshundert, sechstausend, nochmals sechstausend, nochmals sechstausend, tausend, tausend und nochmals tausend. [Die Sanskritreihe nennt die Sechstausender sprachlich gedrängt; die sieben Empfänger und die Gesamtzahl 21.600 machen die Zuordnung nachvollziehbar.]

7.AJ.12–7.AJ.15 Nachdem man diese natürliche, aus Tag und Nacht hervorgegangene Wiederholung dargebracht hat, vollziehe man den Nyāsa, verständige Göttin. Haṃsa ist der Ṛṣi; das Versmaß heißt Avyakta-Gāyatrī. Die Gottheit ist Paramahaṃsa, haṃ das Bīja, saḥ die Śakti, So’ham das Kīlaka und Praṇava die Wirklichkeit selbst. Nāda ist der Ort, Weiß die Farbe, Udātta der Ton. Seine Anwendung dient der Befreiung; so erkenne es, Pārvatī.

7.AJ.16–7.AJ.19 Danach vollziehe man den Sechsglieder-Nyāsa zur Reinigung des Körpers. Man setze der Reihe nach Sūrya, Soma, Nirañjana und Nirābhāsa in den Dativ und mit Svāhā als Abschluss, bis zum Panzer. Danach erinnere man das Wort Ananta; man spreche die vier Laute von „tanusūkṣma“, den Dativabschluss und „pracodayāt“. Mit Svāhā am Ende [bildet dies] die Augen. „Avyakta“ vor „Prabodhātman“, mit Dativ und der Gattin des Feuers als Abschluss, heißt die Waffe. [Die Lautgliederung im Augen-Mantra ist nicht eindeutig; eine ausgeschriebene Gesamtformel wird nicht ergänzt.]

7.AJ.20–7.AJ.22 und Fortsetzung Die beiden Flügel dieses Haṃsa sind Nigama und Āgama oder Feuer und Mond. Tāra ist sein Kopf, die drei Bindus [bilden] Haarlocke und Augen; Nāda ruht im Mund. Śiva und Śakti bilden sein Fußpaar, Kāla und Agni die beiden Seiten. Dieser Paramahaṃsa ist alldurchdringend und leuchtend. Wie zehn Millionen Sonnen strahlt er aus eigenem Licht. Dieser Haṃsa hat die Gestalt der Auflösung und offenbart Unterscheidung. Die Ajapā genannte Gāyatrī ist in den drei Welten schwer zu erlangen.

So weit Ajapākośeśvarī. Mātṛkā wurde bereits zuvor ausführlich erklärt. Damit sind die fünf Kośa-Gottheiten behandelt.

Die fünf Wunschlianen

Nun die fünf Kalpalatās, Wunschlianen:

7.KL.1–7.KL.2 Ich erkläre die Kalpalatā-Vidyās, große Herrin, Geliebte. Schon durch ihre Erkenntnis fliehen große Gefahren. Śrīvidyā, Pārijāteśī, Pañcakāmeśvarī, die Göttin Pañcabāṇeśvarī und Kumārī werden als die fünf genannt.

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ, danach der Wurzelmantra [in der Vorlage abgekürzt], und: „Ich verehre die ehrwürdige Pādukā der Śrīvidyā-Kalpalatā, die alles Glück hervorbringt und auf einem von der Schar der großen Kalpalatā-Herrscherinnen geschmückten Sitz ruht.“ So weit Śrīvidyākalpalateśvarī.

Nun Pārijāteśvarī:

7.PĀR.1 und Fortsetzung Der Mantrakenner schreibe das Vāgbhava-Bīja der Saṃpatpradā Bhairavī und umschließe es mit Tāra und Parā. Mit „sarasvatyai“ und dem Herzabschluss wird dieser Mantra als elflautig erklärt.

oṃ hrīṃ hsraiṃ hrīṃ oṃ sarasvatyai namaḥ: „Verehrung der Sarasvatī.“

7.PĀR.2–7.PĀR.3 Dakṣiṇāmūrti ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Pārijāteśvarī Vāṇī die Gottheit. Das dritte und das zweite [Bīja] sind Bīja und Śakti, Tāra das Kīlaka, höchste Herrin; [die Vidyā] gewährt die hohe Gabe Sarasvatīs.

7.PĀR.4–7.PĀR.5 Mit dem Bīja, unterschieden durch die sechs langen Vokale, vollziehe man die Glieder. [Man meditiere sie] auf einem Haṃsa reitend, weiß wie glänzende Perlen, in hellen Gewändern, mit reinem Lächeln, dem Mond auf dem Haupt und mit Diamanten und Perlen geschmückt; Buch, Vīṇā, Nektarkrug und Gebetskette tragend.

So weit Pārijāteśvarī. Nun Pañcabāṇeśvarī:

7.PB.1 und Fortsetzung Nun erkläre ich die glückverheißende Pañcabāṇeśvarī, große Herrin. Die Pfeile wurden innerhalb der Darstellung des Tripureśī-Mantras genannt. Aus eben diesen fünf Pfeilen entsteht die fünflautige Vidyā.

drāṃdrīṃklīṃblūṃsaḥ.

7.PB.2–7.PB.4 Madana ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß. Bīja und weitere Zuordnungen gelten wie bei Kāmeśvarī; diese Herrin ist die Gottheit. Mit den fünf Pfeilen einzeln und gemeinsam vollziehe man die Glieder. [Man meditiere sie] strahlend wie die aufgehende Sonne, mit vielerlei Schmuck, in Gewand und Salbung rot wie die Bandhūka-Blüte; ihre beiden Arme glänzen mit Zuckerrohrbogen und Blumenpfeilen.

So weit Pañcabāṇeśvarī. Nun Pañcakāmeśvarī:

7.PK.1–7.PK.3 Nun erkläre ich die Weltmutter, Herrin der fünf Kāmas. Aus den zuvor genannten fünf Kāmas entsteht Pañcakāmeśvarī. Saṃmohana ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß, Kāmadā ihre Gottheit. [Es folgen] Bīja, Śakti und Kīlaka, das letzte [Glied]; der Mantrakenner setze mit diesen einzeln und gemeinsam die Glieder wie zuvor. Es folgen die beiden Nyāsas von Kāmas und Pfeilen. [Die Zuordnung von Bīja, Śakti und Kīlaka ist in Vers 2–3 nicht vollständig eindeutig.]

7.PK.4 und Fortsetzung [Man meditiere sie] rot, mit roter Seide, Salbung und Schmuck, Schlinge, Stachelstock, Bogen, Pfeile, Buch und Gebetskette sowie Gabengewährung und Furchtlosigkeit tragend, die drei Welten in ihren Bann ziehend.

So weit Pañcakāmeśvarī. Nun Kumārī:

7.KUM.1–7.KUM.2 Nun erkläre ich Kumārī, die Weltmutter, große Herrin, die erhabene Kāmeśvarī, fähig, die drei Welten anzuziehen. Der Einsichtige nehme das Vāgbhava der Tripureśānī heraus und setze es zwischen Kāma und Śakti. So entsteht diese dreilautige Vidyā.

klīṃ aiṃ sauḥ.

7.KUM.3 Ṛṣi und weitere Zuordnungen gelten wie bei Tripureśī. Das erste und letzte Bīja sind der Reihe nach Bīja und Śakti, das mittlere Kīlaka. Sie übt große Anziehung aus.

Die sechs Glieder werden durch zweimalige Wiederholung gebildet. Weiter:

7.KUM.4–7.KUM.5 Man vergegenwärtige sie stets strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, mit herrlichem Rubinschmuck, mit von Edelsteinen glänzender Seide und vielerlei Zierde. Sie trägt Zuckerrohrbogen, Pfeile, Buch und Gebetskette und zieht alle Könige in ihren Bann.

So weit die fünf Kalpalatā-Vidyās.

Die fünf Kāmadughā-Vidyās

Nun die fünf wunscherfüllenden Kāmadughās:

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ, danach der Wurzelmantra und: „Ich verehre die ehrwürdige Pādukā der Śrīvidyā-Kāmadughā, die alles Glück hervorbringt und auf einem von der Schar der großen Kāmadughā-Herrscherinnen geschmückten Sitz ruht.“ So weit Śrīvidyākāmadughā. [Die Titelverbindung hat in der Vorlage einmal kāladughā statt kāmadughā.]

hrīṃ haṃsaḥ sañjīvani jūṃjīvaṃ prāṇagranthisthaṃ kurukuru saḥ svāhā. Ṛṣi, Nyāsa und Meditation wurden bereits erklärt. So weit Amṛtapīṭheśvarī. Der sprachliche Teil ruft die Belebende an und spricht vom im Knoten des Lebenshauchs befindlichen Leben; die Bījas erhalten keine erfundene Wortübersetzung.

Nun Amṛteśvarī: aiṃ blūṃ oṃ jūṃsaḥ amṛte amṛtodbhave amṛteśvari amṛtavarṣiṇi amṛtaṃ srāvaya srāvaya svāhā. „O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Herrin des Nektars, Nektar Regnende, lasse Nektar strömen, strömen.“ Ṛṣi, Versmaß, Nyāsa und weitere Zuordnungen gelten wie zuvor.

7.AM.1 „Bhavānī, ich meditiere dich als Amṛteśvarī zur Stillung des Werdens, die Bewegliches und Unbewegliches mit Strömen unsterblicher Nektarstrahlen sättigt.“

So [heißt sie] Sudhāsūḥ, Nektar hervorbringend. [Ob dieser kurze Übergang eine eigenständige vierte Form oder eine weitere Bezeichnung der vorigen ist, bleibt im Textbestand offen; eine fehlende Formel wird nicht ergänzt.]

Nun Annapūrṇā:

7.AP.1–7.AP.2 und Fortsetzung Man spreche die aus Śiva, Feuer, linkem Auge, Bindu, Nāda und Kalā bestehende [Hṛllekhā], das Paar Śrī und Kāma, den Herzabschluss und „bhagavati“. Dann schreibe man die vier Laute „māheśvarī“, die vier Laute „annapūrṇe“ und die Gattin des Feuers. Mit Tāra am Anfang gilt der Mantra als zwanziglautig.

oṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Dieser Mantra beginnt mit Praṇava. „Verehrung, erhabene große Herrin, Annapūrṇā, Fülle der Nahrung.“

7.AP.3–7.AP.4 Brahmā ist der Ṛṣi dieses Mantras, Uṣṇih sein Versmaß, die Göttin Annapūrṇeśvarī seine Gottheit. Die drei mit Hṛllekhā beginnenden Bījas gelten als Bīja, Śakti und Kīlaka. Mit Māyā und den sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Glieder.

7.AP.5–7.AP.6 und Fortsetzung [Man meditiere sie] strahlend wie die aufgehende Sonne, in leuchtenden bunten Gewändern, mit dem Mond als Kopfschmuck, dem Geben von Nahrung hingegeben und mit Edelsteinen geschmückt. Unter der Fülle ihrer goldenen Krügen gleichen Brüste neigt sich ihr Körper; sie erfreut sich an Rudras Tāṇḍava-Tanz. Die zweiarmige höchste Herrin strahlt mit Gabengewährung und Furchtlosigkeit und ist stets dem Speisen anderer hingegeben.

So weit Annapūrṇeśvarī und die fünf Kāmadughā-Vidyās.

Die fünf Ratneśvarī-Vidyās

Nun die fünf Juwelenherrscherinnen, zuerst Śrīvidyāratneśvarī. Die Vorlage setzt „4“, dann den Verweis auf den Wurzelmantra und die Verehrungsformel: „Ich verehre die ehrwürdige Pādukā der Śrīvidyāratneśvarī, die alles Glück hervorbringt und auf einem von der Schar der großen Ratneśvarīs geschmückten Sitz ruht.“ [Die isolierte „4“ wird nicht als Mantrasilbe aufgelöst.] So weit Śrīvidyāratneśvarī.

Nun Siddhalakṣmīratneśvarī. Die folgende lange Formel verbindet Bījas, Anrufungen und drastische Feindvernichtungswünsche. Sie wird als historischer Ritualtext übersetzt.

oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ phreṃ phreṃ khphreṃ aiṃ kṣamarīṃ mahācaṇḍatejaḥ saṅkarṣiṇi kālimanthāne hrīṃsaḥ svāhā | khaphreṃ hrīṃ śrīṃ sarvasiddhiyogini hasakhaphreṃ hrīṃ śrīṃ nityoditāye sakalakulacakranāyikāyai bhagavatyai caṇḍikapālinyai hrīṃ śrīṃhūṃ khphreṃ hrīṃ hrūṃ haphreṃkṣyai kroṃ klīṃsaḥ khaphavayareṃ paramahaṃsi nivārṇamārgade devi viṣamopaplavapraśamani sakaladuritāriṣṭakleśadamani sarvāpadambhodhitāriṇi sakalaśatrupramathini devi āgaccha āgaccha hasa hasa bala bala nararudhirāntravasābhakṣiṇi mama śatrūn mardaya mardaya khāhi khāhi triśūlena bhindhi bhindhi chindi chindi khaḍgena tāḍaya ṭāḍaya chedaya chedaya vadakavalahrīṃ hasakṣamalavarayūṃ hasakṣamalavarayīṃ sahakṣamalavarayīṃ mama sakalamanorathān sādhaya sādhaya parama kāruṇike devi bhagavati mahābhairavarūpadhāriṇi tridaśavaranamite mahāmantramātaḥ praṇatajanavatsale devi mahātikālanāśini hrīṃ prasīda madanāturāṃ kuru kuru surāsurakanyakāṃ hrīṃ śrīṃ kroṃ phaṭ ṭhaḥṭhaḥ sahakhaphreṃ phreṃphreṃ mahāratneśvarīvṛndamaṇḍitāsanasaṃsthitasarvasaubhāgyajananī- śrīsiddhamahālakṣmī-śrīpādukāṃ pūjayāmī

Der sprachliche Teil lautet: „Du, die große wilde Glut heranzieht, im Kālī-Quirl [unsichere Wendung kālimanthāne]; Yoginī aller Vollendungen, stets Aufgegangene, Herrin aller Kula-Kreise, erhabene Caṇḍikapālinī! Höchste Haṃsī, Göttin, die den Weg zum Nirvāṇa gewährt [Vorlage: nivārṇa], die gefährliche Bedrängnisse beruhigt, alle Verfehlungen, Unheil und Qualen bezwingt, über das Meer aller Gefahren hinüberführt und sämtliche Feinde zerschlägt! Göttin, komm, komm, lache, lache, sei stark, sei stark [bala bala ist sprachlich unsicher], du Verzehrerin von Menschenblut, Eingeweiden und Fett! Zermalme meine Feinde, zermalme sie; friss, friss! Durchbohre sie mit dem Dreizack, durchbohre sie; schneide, schneide; schlage mit dem Schwert, schlage; zertrenne, zertrenne! Verwirkliche alle meine Herzenswünsche, verwirkliche sie, höchst Mitfühlende, Göttin, Erhabene, die Mahābhairavas Gestalt trägt, vor der sich die besten Götter verneigen, Mutter der großen Mantras, liebevoll zu denen, die sich vor dir neigen, Vernichterin der großen übermächtigen Zeit! Sei gnädig; mache eine Götter- oder Asura-Tochter von Liebesverlangen bedrängt, mache es! Ich verehre die ehrwürdige Pādukā der Śrīsiddhamahālakṣmī, die alles Glück hervorbringt und auf einem von der Schar der großen Ratneśvarīs geschmückten Sitz ruht.“ [Die gewaltsamen und sexuell zwingenden Wünsche sind Quellenaussagen; sie sind keine heutige Praxisempfehlung. Unsichere Lautgruppen innerhalb der Formel bleiben unübersetzt.]

So weit Siddhalakṣmī. Nun Mātaṅgīratneśvarī:

7.MĀT.1–7.MĀT.2 Nun erkläre ich Mātaṅgī, die Juwelengottheit. Vāgbhava, Kāmarāja und Bhṛgu mit Visarga und Anugraha; dann wiederum das erste [Bīja], Parā, Śrī-Bīja, Tāra und „namo bhagavati“.

7.MĀT.3–7.MĀT.4 Dann „mātaṅgīśvari“, „sarva“, „jana“ und „manohari“; „sarvarājavaśaṅkari“, dann „sarvamukha“ und „rañjini“; anschließend „sarvastrī“, „puruṣa“, „vaśaṅkari“ und „sarvaduṣṭa“.

7.MĀT.5–7.MĀT.6 Nach „mṛga“ schreibe man „vaśa[ṅkari]“, danach „sarvaloka“, „vaśa“ und „kari“, Tochter des Berges. Dann Parā, Śrī, Kāma-Bīja und Vāgbhava. Dreiundsiebzig Laute bilden Mātaṅgīs Gestalt, Geliebte.

aiṃ klīṃ sauḥ aiṃhrīṃśrīṃ oṃ namo bhagavati mātaṅgīśvari sarvajanamanohari sarvarājavaśaṅkari sarvamukharañjini sarvastrīpuruṣavaśaṅkari sarvaduṣṭamṛgavaśaṅkari sarvalokavaśaṅkari hrīṃśrīṃklīṃ aiṃ.

Der sprachliche Sinn: „Verehrung, erhabene Mātaṅgī-Herrin, die alle Menschen bezaubert, alle Könige in ihren Bann zieht, jedes Gesicht erfreut, alle Frauen und Männer, alle gefährlichen Tiere und alle Welten in ihren Bann zieht.“

7.MĀT.7–7.MĀT.9 Sie ist die Königin der Mātaṅga-Vidyās und gewährt Befreiung und Verwirklichung der Ziele. Der erhabene Mataṅga ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß. Mātaṅgī Parameśvarī, deren Gestalt Nāda ist, ist die Gottheit. Kāma-Bīja und Vāgbhava sind Bīja und Śakti, das dritte ist Kīlaka. Danach vollziehe man die sechs Glieder mit zweimaliger Wiederholung der ersten drei Bījas.

7.MĀT.10–7.MĀT.11 und Fortsetzung Man meditiere Mātaṅgī in Seide, den rechten Fuß auf einen Lotus gesetzt. Ihre Ohrringe schwingen im Gefallen am klingenden Ton der Vīṇā. Schön durch den Glanz ihrer Zahnreihe, glückverheißend und an allen Gliedern schön, trägt sie eine Girlande aus Kadamba-Blüten und ist dem Vīṇā-Spiel hingegeben. Dunkel von Körperfarbe, mit Muschelschalenarmreifen, meditiere man sie zur Verwirklichung aller Ziele.

So weit Mātaṅgīratneśvarī. Nun Bhuvaneśvarīratneśvarī: Sie wurde bereits zuvor ausführlich erklärt.

Nun Vārāhīratneśvarī, in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā:

7.VĀR.1–7.VĀR.2 Ich erkläre die fünfte Herrin der Juwelen-Vidyās; höre, Geliebte. Schon durch ihre Erinnerung werde dieser Wind still. Man spreche Vāgbhava-Bīja und danach das erdbezogene Bīja, mit Kehle, Anugraha, Bindu und Nāda geschmückt.

7.VĀR.3–7.VĀR.5 Wiederum das erste Bīja, „namo bhagavati“, zweimal „vārtāli“, zweimal „vārāhi“, zweimal „vārāhamukhi“, ohne Lautverschmelzung. Dann „andhe andhini“ mit dem Herzabschluss, siebenlautig; „rundhe rundhini“, „jambhe jambhini“, „mohe mohini“ und „stambhe stambhini“, jeweils mit dem Herzabschluss.

7.VĀR.6–7.VĀR.8 Danach „sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ“, dann „sarvavākcittacakṣurmukhagatijihvāstambhaṃ“, zweimal „kuru“, „śīghraṃ vaśyaṃ“ und zweimal „kuru“. Erneut Vāgbhava und das Erdbīja, viermal ṭha, Panzer, Waffe und die Geliebte des Feuers bilden den Schluss. So ergeben sich einhundertvierzehn Mantralaute.

aiṃ glauṃ aiṃ namobhagavati vārtāli vārtāli vārāhi vārāhi vārāhamukhi vārāhamukhi andhe andhini namaḥ, rundhe rundhini namaḥ, jambhe jambhini namaḥ, mohi mohini namaḥ, stambhe stambhini namaḥ, sarvaduṣṭapraduṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarvavākcittacakṣurmukhagatijihvāstambhaṃ kuru kuru śīghraṃ vaśyaṃ kuru kuru aiṃ glauṃ ṭhaṭhaṭhaṭha huṃ phaṭ svāhā — nach der Vorlage 114 Laute.

Der sprachliche Sinn: „Verehrung, erhabene Vārtālī, Vārāhī, Ebergesichtige! Verehrung der Blindmachenden, Hemmenden, Überwältigenden, Verblendenden und Erstarrenden! Bewirke Stillstand aller Rede, Gedanken, Augen, Münder, Bewegung und Zungen aller Bösen und Verderbten; bringe sie rasch in deine Gewalt.“ [Auch dies ist eine historische Bindungsformel.]

7.VĀR.9–7.VĀR.11 Der Nyāsa wird mit vierundvierzig Wörtern gelehrt. Wie beim Mātṛkā-Nyāsa setze der Mantrakenner zehn Wörter auf das Gesicht, zwanzig Wort- beziehungsweise Lautgruppen auf die Gelenke und Enden der Arme und Beine und je eines auf die beiden Seiten. Auf diese Weise vollziehe der Einsichtige den Nyāsa wie bei Mātṛkā. Danach folgen die sechs Glieder zur Reinigung des Körpers. [Die Aufzählung nennt hier nicht ausdrücklich alle 44 Orte.]

7.VĀR.12–7.VĀR.13 Das Wortpaar Vārtālī bildet das Herz; das Paar Vārāhī wird als Kopfmantra erklärt; das Paar Vārāhamukhi bildet die Haarlocke. Danach folgen sieben Laute für den Panzer und sieben für die Augen. [Ein gesonderter Waffenabschnitt fehlt an dieser Stelle.]

7.VĀR.14–7.VĀR.17 und unnummerierter Rest [Man meditiere] die Weltmutter, in einem Lotus wohnend, der wie das frische Morgenrot leuchtet. Sie strahlt im großen Glanz eines Saphirs, trägt Kadamba- und Kopf-Girlanden sowie neun Arten von Juwelen. Ihre herrliche Krone besteht aus unschätzbaren Edelsteinen. Sie trägt ein seidenes Hüftgewand und schönen Korallenschmuck. Ihre vier Arme glänzen mit Pflug, Keule, Gabengewährung und Furchtlosigkeit. Braunäugig, mit schöner Taille, vollen Hüften, dem Glanz eines blauen Lotus und festen, vollen Brüsten, besitzt sie ein Ebergesicht. [Der anschließende Wortlaut fehlt und ist in der Vorlage durch Sterne markiert.]

So weit Vārāhīratneśvarī. Hier endet die Gruppe der fünf Fünfergruppen.

Die sechzehn Nityās: Kāmeśvarī und Bhagamālinī

Nun die Darstellung der sechzehn Nityās:

7.NK.1–7.NK.4 Ich erkläre die große Darstellung der Nityās, große Herrin. Es gibt viele bedeutende Formen Kāmeśvarīs, Pārvatī. Darunter wird nun die auf Erden schwer erlangbare Kāmeśvarī-Nityā genannt. Man spreche Tripureśī, danach Tāra und den Herzabschluss, das Wort „kāmeśvari“, „icchākāmaphalaprade“, „sarvasattvavaśaṅkari“, „sarvajagatkṣobhakare“, zweimal „hūṃ“, die Pfeile und Tripureśvarī in umgekehrter Reihenfolge. Diese Vidyā hat sechsunddreißig Laute [die Vorlage setzt selbst ein Fragezeichen].

aiṃ klīṃ sauḥ oṃ namaḥ (hṛt) kāmeśvarīcchākāmaphalaprade sarvasattvavaśaṅkari sarvajagatkṣobhakare hūṃ hūṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sauḥ klīṃ aiṃ.

„Verehrung, Kāmeśvarī, die Willen und Verlangen ihre Frucht gewährt, alle Wesen in ihren Bann zieht und die ganze Welt erschüttert.“ Die Klammer hṛt ist eine Erläuterung des Herzabschlusses in der Vorlage.

7.NK.5 Mit zweimaliger Wiederholung der ersten drei Bestandteile bilde man die sechs Glieder. Ṛṣi, Meditation, Yantra und Verehrung gelten wie bei Kāmeśvarī.

So weit Kāmeśvarī-Nityā. Nun Bhagamālinī-Nityā:

7.NBM.1–7.NBM.2 Ich erkläre die Vidyā Śrībhagamālinī, große Herrin. Vāgbhava, dann „bhaga“, „bhuge“ und wieder Vāgbhava; nach „bhagini“ Vāgbhava, nach „bhagodari“ Vāgbhava; nach „bhagaklinne“ Vāgbhava; vor „bhagāvahe“ Vāgbhava.

7.NBM.3–7.NBM.4 Nach „bhagaguhye“ Vāgbhava, nach „bhagayoni“ Vāgbhava; dann „bhagani“, „pātani“ und Vāgbhava; „bhagasarvavadi“, Vāgbhava, „bhagavaśaṅkari“, Vāgbhava, „bhagarūpe“, [Vāgbhava], „bhaganitye“ und Vāgbhava. [Die ungewöhnlichen Wortteilungen werden als solche bewahrt.]

7.NBM.5–7.NBM.6 „Bhagaklinne“, Vāgbhava, „bhagasvarūpe“, „sarvabhagāni me hyānaya“ und Vāgbhava; „bhagaklinnadrave“, „bhagaṃ kledaya“, „bhagaṃ drāvaya“, „bhagāmoghe“, dann „bhaga“

7.NBM.7–7.NBM.8 und „vicce“, „bhagaṃ kṣobhaya“, „sarvasattvān bhageśvari“; Vāgbhava, „bhagablūṃ“, Vāgbhava, „bhagajaṃ“; Vāgbhava, „bhagablūṃ“, Vāgbhava, „bhagarbhe“; Vāgbhava, „bhagablūṃ“, Vāgbhava, „bhagamoṃ“.

7.NBM.9–7.NBM.10 „Bhagaklinne“, „sarvāṇi bhagāni me“; Vāgbhava, „bhagablūṃ“, Vāgbhava, „bhagaheṃ“; nochmals Vāgbhava, „bhagablūṃ“, Vāgbhava, „bhagaheṃ“; „bhagaklinne“, „sarvāṇi bhagāni me“.

7.NBM.11–7.NBM.13 Dann „vaśamānaya“, Bhaga und den fünften Manmatha [Lautcode]; zwischen beziehungsweise nach „bhaga“ schreibe man die als harablem bezeichnete Lautgestalt. Nach „bhaga“ [steht nach der unsicheren Lesung „der fünfte“ oder „der erste“] Kāma, danach Bhagamālinī im Dativ. Diese Vidyā zieht die drei Welten in ihren Bann. Mit zweihundertvierundzwanzig Lauten ausgestattet ist diese Nityā Bhagamālā, welche die gewünschte Frucht verwirklicht.

Der Kommentar nennt das Herauslösen des Mantras leicht. [Tatsächlich enthält die vorliegende Fassung Wiederholungen, beschädigte Wörter und ausdrücklich fragliche Lesarten. Deshalb wird daraus hier keine vermeintlich gesicherte vollständige Rezitationsformel zusammengesetzt. Bhaga kann Glück, Anteil und in diesem Zusammenhang das weibliche Geschlechtsorgan bezeichnen. Der sprachliche Teil ruft unter anderem die „Bhaga tragende“, „im Bhaga verborgene“, „ewige“ und „feuchte“ Göttin an und fordert Befeuchten, Schmelzen, Erschüttern und das Heranführen beziehungsweise Unterwerfen aller Bhagas und Wesen. Einzelne beschädigte Anrufungen sind nicht zuverlässig übersetzbar.]

7.NBM.14–7.NBM.15 Subhaga ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß, sie selbst die Gottheit; die harablem genannte Gestalt ist ihr Bīja, Strī-Bīja ihre Śakti, blūṃ ihr Kīlaka. Der Lehrer setze die Glieder mit den sechs langen Vokalen ein.

7.NBM.16–7.NBM.17 und Fortsetzung Kāma-Nyāsa und Pfeil-Nyāsa vollziehe man wie zuvor. [Man meditiere] die Weltmutter im Kadamba-Wald, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit vielerlei Schmuck und fähig, die drei Welten anzuziehen. Sie trägt Schlinge, Stachelstock, Buch und den als taulikīnakhalekhanī überlieferten Schreibgegenstand [genaue Lesung unsicher] sowie Gabengewährung und Furchtlosigkeit.

So weit Bhagamālinī.

Nityaklinnā, Bheruṇḍā und Vahnivāsinī

Nun Nityaklinnā:

7.NN.1 Man spreche Bhuvaneśī, „nityaklinne madadrave“ und die Gattin des Feuers. Dies ist die äußerst mächtige elflautige Vidyā.

hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā: „O ewig Feuchte, im Rausch Dahinschmelzende.“

7.NN.2–7.NN.4 Der vortreffliche Lehrer setze die sechs Glieder der Reihe nach mit einem, zwei, zwei, zwei, zwei und zwei [Lauten] ein. Man erinnere die Ewige rot, in rotem Gewand, mit Mondschmuck und drei Augen, mit schweißglänzendem Gesicht und stark rollenden Augen, mit Juwelenschmuck. Sie trägt Schlinge, Stachelstock, Schädelschale und die große Furcht vertreibende Geste und erstrahlt auf einem Lotussitz.

So weit Nityaklinnā-Nityā. Nun Bheruṇḍā:

7.NBH.1–7.NBH.2 und Fortsetzung Ich erkläre Bheruṇḍā, die höchste Herrin. Man spreche die bheḥ-Gestalt und umgebe sie mit zwei Stachelstock-Bījas. Die ca-Lautklasse ohne ihren letzten Laut werde vierfach mit ra, Anugraha, Mond und Bindu versehen; all dies stehe zwischen Tāra und Svāhā. Dieser zehnlautige Mantra, Herrin der Götter, gilt als großes Gegengift.

oṃ kroṃbheḥkroṃ crauṃ chrauṃ jrauṃ jhrauṃ svāhā. [Die Entgiftungswirkung ist eine Behauptung des Ritualtextes, kein medizinischer Nachweis.]

7.NBH.3–7.NBH.4 Mahāviṣṇu ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Parāśakti die Gottheit. Das dritte [Glied] heißt Bīja, die Gattin des Feuers Śakti, der Stachelstock Kīlaka. Mit dem Bīja und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

7.NBH.5–7.NBH.6 und Fortsetzung [Man meditiere sie] leuchtend wie zehn Millionen Monde, Nektarströme vergießend, blaukehlig, dreiäugig und mit vielerlei Schmuck. Sie glänzt wie ein Saphir, schön auf einem Pfau reitend, trägt Schlinge, Stachelstock, Schädelschale, Messer, Gabengewährung und Furchtlosigkeit; goldgefasste Gāruḍa-Armreifen schmücken sie.

So weit Bheruṇḍā-Nityā. Nun Vahnivāsinī-Nityā:

7.NVĀ.1 und Fortsetzung Höre, Göttin, ich erkläre Vahnivāsinī-Nityā. Man schreibe Parā, dann „vahnivāsinyai namaḥ“. Dieser achtlautige Mantra gewährt die menschlichen Lebensziele.

hrīṃ vahnivāsinyai namaḥ: „Verehrung der im Feuer Wohnenden.“

7.NVĀ.2–7.NVĀ.4 Vasiṣṭha ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß. Anfang und Ende sind Bīja und Śakti, die Mitte Kīlaka. Durch zweimalige Wiederholung der drei Wörter setze man die Glieder. Man meditiere sie goldglänzend, mit vielerlei Schmuck, Schlinge, Stachelstock, Svastika und Speer sowie Gabengewährung und Furchtlosigkeit tragend; mit Juwelenkrone, die Finsternis der drei Welten vertreibend.

So weit Vahnivāsinī-Nityā.

Mahāvajreśvarī, Śivadūtī und Tvaritā

Nun Mahāvajreśvarī-Nityā. [Der Name steht in der Vorlage mehrfach als mahā[vidye?vajre]śvarī, also mit unsicherer Lesart.]

7.NMV.1 und lückenhafte Fortsetzung Ich erkläre die höchste Mahāvajreśvarī, große Herrin. Man schreibe Nityaklinnā mit Tāra am Anfang; nach Hṛllekhā die kroṃ-Gestalt und das Mond-Bīja mit Visarga. Die Vidyā ist vierzehnlautig. [Der folgende Wortlaut fehlt.]

oṃ hrīṃkroṃsaḥ nityaklinne madadrave svāhā.

7.NMV.2–7.NMV.3 [Vers 2 beginnt mit einer Lücke.] Brahmā heißt der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Parameśvarī die Gottheit. Anfang und Ende sind Bīja und Śakti, Hṛllekhā ist Kīlaka. Mit vier, zwei, zwei,

7.NMV.4–7.NMV.5 und Fortsetzung zwei, zwei und zwei [Lauten] setze der Lehrer die Glieder. Man meditiere die Ewige rot wie Hibiskus, in roter Seide, mit Rubinen und vielerlei Schmuck, Schlinge und Stachelstock tragend, schwankend vom Nektartrank aus der Schädelschale und Furchtlosigkeit zeigend.

So weit Mahāvajreśvarī-Nityā. Nun Śivadūtī-Nityā:

7.NŚ.1 und Fortsetzung Ich erkläre Dūtī, die die drei Welten anzuziehen vermag. Man spreche Bhuvaneśī und schreibe „śivadūtyai namaḥ“. Diese siebenlautige Śivadūtī ist die Herrin der drei Welten.

hrīṃ śivadūtyai namaḥ: „Verehrung der Botin Śivas.“

7.NŚ.2–7.NŚ.3 und Fortsetzung Rudra ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī ihr Versmaß, Śivā ihre Gottheit. Anfang und Ende sind Bīja und Śakti, die Mitte Kīlaka. Durch zweimalige Wiederholung der drei Vidyā-Teile setze man die Glieder. Man vergegenwärtige die Ewige grün wie Dūrvā-Gras, dreiäugig, auf einem großen Löwen sitzend, Muschelhorn, Diskus, Pfeil, Bogen, Stachelstock, Schlinge, Gabengewährung und Furchtlosigkeit tragend.

So weit Śivadūtī-Nityā. Nun Tvaritā-Nityā:

7.NT.1–7.NT.2 Ich erkläre Tvaritā, welche Vollendung gewährt. Man schreibe Tāra, Parā, den Panzer und „khecachekṣaḥ“; dann strīṃ hūṃ, kṣe, Parā und die Waffe. Diese zwölflautige Tvaritā gewährt Genuss und Befreiung.

oṃ hrīṃ hūṃ khecachekṣaḥ strīhūṃkṣehrīṃ phaṭ. [Die ausgeschriebene Folge hat strī ohne Anusvāra, während die Lautanweisung strīṃ nennt.]

7.NT.3–7.NT.5a Īśa ist der Ṛṣi, Virāṭ das Versmaß und sie selbst die Gottheit, Pārvatī. Panzer, Strī- und Śakti-Bīja werden als Bīja, Śakti und Kīlaka bezeichnet. Das Paar „cache“ [steht bei] Herz und Kopf, das Paar „chekṣaḥ“ bei der Haarlocke, „kṣaḥstrī“ beim Panzer; dann das Paar „strīṃhūṃ“. „Hūṃkṣe“ setze man auf die Augen, „kṣephaṭ“ wird als Waffe erklärt. [Die Vorlage enthält mehr Paarangaben als eindeutig zugeordnete Glieder; die Zuordnung wird nicht durch Weglassen einer Folge geglättet.]

7.NT.5b–7.NT.7 [Man meditiere sie] dunkel von Körperfarbe, schön mit roten Lotus-Händen und -Füßen. Schlangen der Śūdra-Klasse bilden ihre Fußringe; ihre Hauben tragen Edelsteinschmuck [die Wortform phaṭāranta ist unsicher]. Sie trägt goldene Gewänder und Goldschmuck; ein Paar Vaiśya-Schlangen bildet ihren Gürtel. Schlank in der Mitte, mit vollen, runden Brüsten, zeigt sie Gabengewährung und Furchtlosigkeit; Armreifen und Oberarmschmuck aus Pfauenfedern verschönern sie.

7.NT.8–7.NT.9 und Fortsetzung Rot mit Guñjā-Samen [geschmückt], trägt sie Königs-Schlangen als Oberarmreifen und roten Schmuck; Brahmanen-Schlangen bilden ihren glänzenden Ohrschmuck. Ihre Augen sind rot vor Rausch. Im dunklen, gelockten Haarknoten trägt sie Waldblumen. Als Kirāta-Frau erstrahlt sie in einer mit Pfauenfedern versehenen Behausung; auf ihrem glänzenden Thron voller Würde erinnere man die Furchtvernichterin. [Die sozialen Klassen bezeichnen hier Schlangentypen innerhalb der historischen Bildbeschreibung.]

So weit Tvaritā-Nityā.

Kulasundarī, Nityā und Nīlapatākā

Nun Kulasundarī:

7.NKS.1 und Fortsetzung Ich erkläre die ehrwürdige Kulasundarī-Vidyā, große Herrin. Die Bālā genannte Tripureśānī auf dem östlichen Thron, von Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und anderen verehrt, ist Kulasundarī.

So weit Kulasundarī. Nun Nityā-Nityā:

7.NNIT.1 und Fortsetzung Ich erkläre die höchste Nityā, welche die menschlichen Lebensziele gewährt. Man spreche Tripureśī, dann die Nityā genannte Bhairavī, dreimal huṃ und die Pfeile. Diese Vidyā wird hier auch neunlautig genannt.

aiṃklīṃsauḥ hasakalaraḍaiḥ hasakalaraḍīṃ hasakalaraḍauḥ huṃhuṃhuṃdrāṃdrīṃklīṃblūṃsaḥ. Alles Weitere gilt wie bei Tripureśī. [Die Zahl neun und die Bezeichnung der eingefügten Bhairavī passen nicht ohne Weiteres zur ausgeschriebenen Folge. Auch ḍaiḥ bleibt als Lesung der Vorlage erhalten.]

So weit Nityā. Nun Nīlapatākā:

7.NNP.1–7.NNP.4 und Fortsetzung Ich erkläre Nīlapatākinī-Vidyā, große Herrin. Man spreche Tāra, das Herzwort und Kāmeśvarī, dann „kāmāṅkuśe“, „kāmapatākike“, „bhagavati nīlapatāke bhagavati“, den Herzmantra, „astu me paramaguhye“, dreimal hrīṃ, „madane madanadehe trailokyamāveśaya“, Panzer, Waffe und die Geliebte des Feuers. Die Göttin Nīlapatākinī besitzt nach der überlieferten, sprachlich auffälligen Angabe ṣaṣṭavarṇā [möglicherweise: sechzig] Laute.

oṃ hṛtkāmeśvari kāmāṃkuśe kāmapatākike bhagavati nīlapatāke bhagavati namo’stu me paramaguhye hrīṃhrīṃhrīṃ madane madanadehe trailokyamāveśaya huṃphaṭ svāhā.

„O Kāmeśvarī, Stachelstock des Verlangens, Banner des Verlangens, erhabene Blaue Bannerträgerin, Verehrung sei dir, höchst Verborgene, Berauschende, mit dem Körper des Liebesverlangens: erfülle die drei Welten mit deiner Gegenwart.“ [Das einleitende hṛt kann ein nicht aufgelöster Formelcode sein. Die technische Zeile „śrīvi0 18“ wird nicht als Werktext übersetzt.]

7.NNPD.1–7.NNPD.2 Man meditiere die höchste Herrin rot, in prächtiger roter Seide, mit vielerlei Edelsteinen, mit einem saphirblau glänzenden Banner, auf einem Lotus stehend. Sie trägt den mit dem Halsschmuck Kāmas verbundenen Stachelstock [unsichere Verbindung kāmagraveya] sowie Gabengewährung und Furchtlosigkeit und vermag die drei Welten anzuziehen.

So weit Nīlapatākā-Nityā.

Vijayā und Sarvamaṅgalā

Nun Vijayā-Nityā:

7.NVI.1 und Fortsetzung Ich erkläre die höchste Vidyā Vijayā, welche stets Sieg gewährt. Śiva, Candra, kha, der Endlaut von pa, Feuer und der Rudra-Vokal, mit Bindu, Nāda und Kalā verbunden; danach schreibe man „vijayāyai namaḥ“.

hasakhaphreṃ vijayāyai namaḥ: „Verehrung der Siegreichen.“

7.NVI.2–7.NVI.3 Śiva ist ihr Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, sie selbst die Gottheit. Das Bīja, der Herzabschluss und die mittleren Laute sind Bīja, Śakti und Kīlaka. Mit dem Bīja, unterschieden durch die sechs langen Vokale, bilde man die sechs Glieder. [Man meditiere sie] mit einem Gesicht und zehn Armen, eine Schlange als heilige Schnur tragend,

7.NVI.4–7.NVI.6 mit durch Fangzähne schrecklichem Gesicht und einer Menschenkette geschmückt, nur noch Haut und Knochen, strahlend wie ein Feuerberg. Sie trägt ein Tigerfell und sitzt erhaben auf einer großen Leiche. Schon durch Erinnerung im Kampf gewährt sie ihren Verehrern Sieg. Man erinnere Vijayā, Dreizack, Schlange, Axt, Schwert, Stachelstock, Glocke, zwei Donnerkeile, Schlinge, Feuer und Furchtlosigkeit tragend. [Die Liste nennt bei dieser Aufgliederung mehr Attribute als die zuvor genannten zehn Arme; die Zählung bleibt offen.]

So weit Vijayā-Nityā. Nun Sarvamaṅgalā:

7.NSM.1 und Fortsetzung Ich erkläre die Nityā Sarvamaṅgalā, große Herrin. Jīva, mit Varuṇa und Tāra verbunden, danach „sarvamaṅgalā“ im Dativ und der Herzabschluss: so ist Sarvamaṅgalā neunlautig.

svoṃ sarvamaṅgalāyai namaḥ: „Verehrung der ganz Glückverheißenden.“

7.NSMD.1 [Die Ṛṣi-Angabe ist als ṛṣiśchando beschädigt.] Gāyatrī wird als Versmaß genannt. Durch zweimalige Wiederholung der drei Teile der Vidyā bilde man die sechs Glieder.

7.NSMD.2–7.NSMD.3 Man erinnere die das Glück Mehrende, schön auf einem weißen Lotus sitzend, leuchtend wie Mond und Kunda-Blüten, von großer Heiterkeit, mondgesichtig, mit vielerlei Edelsteinen und unzähligen Perlen geschmückt; Nektarflüssigkeit verströmend und mit Gabengewährung und Furchtlosigkeit strahlend.

So weit Sarvamaṅgalā.

Jvālāmālinī und Vicitrā

Nun Jvālāmālinī:

7.NJM.1–7.NJM.3 und Fortsetzung Ich erkläre Jvālāmālā, welche stets die Lebensziele gewährt. Man spreche Oṃkāra, „namo bhagavati jvālāmālini devi sarvabhūtasaṃhārakārike jātavedasi jvalanti“, zweimal „jvala“, zweimal „prajvala“, dreimal [Lesart: zweimal] huṃ, zweimal Feuer, Panzer und Waffe. Sie wird mit vierzig und acht Lauten bezeichnet [die genaue Aufteilung bleibt in der knappen Aussage offen].

oṃ namo bhagavati jvālāmālinī devi sarvabhūtasaṃhārakārike jātavedasi jvalanti jvala jvala prajvala prajvala huṃ huṃ rarahuṃ phaṭ.

„Verehrung, erhabene flammenbekränzte Göttin, die alle Wesen auflöst, allwissendes Feuer, Flammende: brenne, brenne, lodere auf, lodere auf!“

7.NJMD.1–7.NJMD.2 Ra und die Waffe sind Bīja und Śakti, der Panzer ist Kīlaka, Geliebte. Mit den durch Sonne, Sonne, Pfeil, Berg, acht und Veda bezeichneten Zahlen [zwölf, zwölf, fünf, sieben, acht und vier] setze man die Glieder ein und umschließe sie jeweils paarweise mit dem Feuerlaut. [Die Zahlenwerte sind die gebräuchliche Deutung der hier verwendeten Zahlwörter; die Vorlage schreibt die Gruppen zusammengeschlossen.]

7.NJMD.2b–7.NJMD.3 und Fortsetzung Man erinnere und verehre die schreckliche Flammenbekränzte, glänzend wie ein aufleuchtender Blitz, mit Goldschmuck, erhaben auf einem großen Thron. Sie trägt Diskus und Muschelhorn, Schwert und Schild, Dreizack und Ḍamaru-Trommel, Trinkschale und Gabengewährung.

So weit Jvālāmālinī-Nityā. Nun Vicitrā-Nityā:

7.NVC.1 und Fortsetzung Ich erkläre Vicitrā, die Weltmutter, große Göttin. Schon durch ihre Erinnerung fliehen große Gefahren. Man schreibe den Mantra aus Cakra, Anugraha, Bindu und Mond.

cakauṃ.

7.NVCD.1–7.NVCD.2 Brahmā ist der Ṛṣi dieses Mantras, Gāyatrī das Versmaß, Vicitrā die Gottheit. Ka wird bei Bīja und Kīlaka genannt; Tārarāja ist die Śakti, welche die Lebensziele gewährt. [Die Zuordnung von Bīja und Kīlaka ist syntaktisch nicht eindeutig.] Der Lehrer vollziehe die Glieder mit den sechs langen Vokalen.

7.NVCD.3 und Fortsetzung Sie ist hell von Körperfarbe, gewährt stets Erkenntnis, trägt bunte Gewänder, vielfarbigen Stirnschmuck und leuchtende bunte Blumen. Sie strahlt mit Gabengewährung und Furchtlosigkeit und trägt bisweilen vielerlei Edelsteine.

So weit Vicitrā-Nityā. Damit enden die sechzehn Nityās. [Die vorliegende Reihe führt fünfzehn einzelne Namen auf. Die Überschrift und Schlussformel „sechzehn“ werden bewahrt; eine zusätzliche Nityā wird nicht stillschweigend eingefügt.]

Kolophon des siebten Śvāsa Hier endet der siebte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati, Schüler Śrīpragalbhācāryas, der Schüler Śrīviṣṇuśarmācāryas war, des Schülers Śrībhagavatśaṅkarācāryas, des Schülers des hochverehrten großen Lehrers Śrīgovindācārya. [Dies ist die Zuschreibung des überlieferten Kolophons.]

8. Śvāsa

Die Vidyās der religiösen Heiligtümer

Nun die Āyatana-Vidyā:

8.ĀY.1 und Fortsetzung Die brahmanische, vaiṣṇavische, solare, buddhistische und śivaitische Lehransicht sind der Reihe nach Osten, Süden, Westen, Norden und oben zugeordnet. Dies sind die fünf Heiligtümer; rückwärtig beziehungsweise darüber liegt das śāktische. [Die letzte Ortsangabe pṛṣṭhe … tadūrdhvataḥ bleibt räumlich mehrdeutig.]

Darunter zuerst die Brahmagāyatrī der brahmanischen Lehransicht als Vidyā des östlichen Heiligtums:

8.BG.1–8.BG.2 und Fortsetzung Nun erkläre ich die Gāyatrī, deren Gestalt die Wirklichkeit und die drei Veden sind. Durch sie wird Brahman offenbar, gekennzeichnet durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Zuerst Praṇava, dann die sieben Vyāhṛtis; die mit „tat“ beginnende, aus vierundzwanzig Lauten bestehende Gāyatrī mit ihrem Kopfabschluss. Dieser Mantra wird als die aus allen Veden gewonnene Essenz bezeichnet.

So weit die brahmanische Lehransicht. [Der vollständige Wortlaut der Gāyatrī und ihrer Erweiterungen wird hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.]

Nun die Vidyā des südlichen Heiligtums der vaiṣṇavischen Lehransicht: Ṛṣi des Śrīnārāyaṇa-Mantras ist Sādhyanārāyaṇa, Versmaß Gāyatrī, Gottheit Śrīmahāviṣṇu. Oṃ ist Bīja, namaḥ Śakti, nārāyaṇāya Kīlaka. Seine Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Der Sechsglieder-Nyāsa lautet: oṃ kruddholkāya namaḥ, dann die in der Vorlage abgekürzt wiedergegebenen Anrufungen maholkāya, vīrolkāya, dyulkāya, caṇḍolkāya, sahasrolkāya. Sie richten sich an die zornige, große, heldenhafte, himmlische, wilde und tausendfache Feuererscheinung. Die Meditation:

8.VD.1 Ich verehre den Träger des Alls, der unaufhörlich wie zehn Millionen aufgehende Sonnen strahlt. Er trägt Muschelhorn, Keule, Lotus und Diskus. Indirā und Vasumatī verschönern seine beiden Seiten. Krone, Oberarmreifen, Halskette und Ohrringe schmücken ihn; er trägt ein gelbes Gewand, strahlt durch das Kaustubha-Juwel und zeigt auf seiner Brust das leuchtende Śrīvatsa-Zeichen.

oṃ namo nārāyaṇāya: „Verehrung dem Nārāyaṇa.“ So weit die Vidyā des südlichen Heiligtums der vaiṣṇavischen Lehransicht.

Nun die Vidyā des westlichen Heiligtums der solaren Lehransicht: Ṛṣi des Śrīsūrya-Mantras ist Devabhāga, Versmaß Gāyatrī, Gottheit Śrīāditya. Oṃ ist Bīja, Āditya Śakti, Ghṛṇi Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Die sechs Gliedermantras lauten: oṃ satyatejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā, brahmatejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā, viṣṇutejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā, rudratejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā, agnitejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā, sarvatejojvālāmāline huṃphaṭsvāhā. Sie rufen den mit Flammenkränzen des Glanzes von Wahrheit, Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Feuer und allem Glanz Geschmückten an. Die Meditation:

8.SD.2 Ich preise den Herrn des Tages, der zwei rote Lotusse, Furchtlosigkeit und Gabengewährung in den Händen trägt; mit Oberarmreifen, Halsketten, Armreifen und Ohrringen reich geschmückt, mit einer Rubinkrone, rot wie die Bandhūka-Blüte und mit drei strahlenden Augen.

oṃ ghṛṇiḥsūrya ādityom: so die ausgeschriebene Sonnenformel. [Die auffällige Endschreibung ādityom bleibt erhalten.] Damit endet die Vidyā des westlichen Heiligtums der solaren Lehransicht.

Nun die Vidyā des nördlichen Heiligtums der buddhistischen Lehransicht: Buddha ist Ṛṣi des Śrībauddha-Mantras, Triṣṭubh sein Versmaß, Śrībauddha seine Gottheit. Oṃ ist Bīja, svāhā Śakti, hrīṃ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Der Sechsglieder-Nyāsa besteht aus oṃ, hrīṃ, tāraya, tāraya, svāhā und der gesamten Formel oṃ hrīṃ tāraya tāraya svāhā. Der sprachliche Teil bedeutet: „Führe hinüber, führe hinüber.“ Die Meditation:

8.BD.1 Ich verneige mich vor Buddha, dem ursprünglichen Grund, der einst, um die alten Asuras zu besiegen, eine durch besondere Zeichen gekennzeichnete Erscheinung annahm und eine unfehlbare Lehrschrift schuf. [Die Form pīṭharacihnaveṣam ist beschädigt beziehungsweise unsicher. Dies ist die Darstellung Buddhas in der vorliegenden tantrischen Quelle, keine allgemeine Darstellung buddhistischer Lehre.]

oṃ hrīṃ tārayatāraya svāhā: so die Vidyā des nördlichen Heiligtums der buddhistischen Lehransicht.

Nun die Vidyā des oberen Heiligtums der śivaitischen Lehransicht: Vāmadeva ist Ṛṣi des Śrīśiva-Mantras, Paṅkti sein Versmaß, Paramaśiva seine Gottheit [Vorlage: paramaśivāṃ]. Oṃ ist Bīja, namaḥ Śakti, śivāya Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Der Sechsglieder-Nyāsa ruft, teilweise abgekürzt, den Allwissenden, den ewig Zufriedenen, den von anfangsloser Erkenntnis Erfüllten, den Unabhängigen, den mit niemals schwindender Kraft und den mit ewig unbegrenzter Kraft an. Die Meditation:

8.ŚD.1 Verehrung sei Śambhu, der zum unbeweglichen Grund geworden ist, dessen Selbst das unsterbliche Licht-Liṅga ist, der die Gestalt von vier Erscheinungsformen trägt und dessen Glieder leuchten. [Die Vorlage hat bhāsitāṅga, „mit leuchtenden Gliedern“; eine mögliche Lesart „mit Asche bestrichen“ wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

So weit die Vidyā des oberen Heiligtums der śivaitischen Lehransicht. Die Vidyā der Śakti-Lehransicht ist die Hauptvidyā selbst. Einige nennen dafür Bhuvaneśvarī; ihr Verfahren wurde bereits zuvor erklärt. Damit enden die Āyatana-Vidyās.

Die vier Samaya-Vidyās

Nun die Samaya-Vidyās:

8.SAM.1 aiṃklīṃsauḥ oṃ namaḥ (hṛt) kāmeśvari icchākāmaphalaprade sarvasattvavaśaṅkari sajarvagatkṣobhakari (raṃ) hūṃhūṃhūṃdrāṃdrīṃklīṃblūṃsaḥ sauḥ klīṃ aiṃ.

Der sprachliche Teil: „Verehrung, Kāmeśvarī, die Willen und Verlangen ihre Frucht gewährt, alle Wesen in ihren Bann zieht und die ganze Welt erschüttert.“ [Die entstellte Folge sajarvagat steht so in der Vorlage; die Bedeutung ist aus der Parallele im vorigen Kapitel erschlossen. Klammern werden bewahrt.]

8.SAM.2 aiṃ hrīṃ sarvakāmārthasādhini vajreśvari vajrapade vajrapañjaramadhyagate hrīṃ klinne aiṃkroṃ nityamadadrave hrīṃ vajranityāyai namaḥ.

„Verehrung der Vajranityā: Du verwirklichst alle Wünsche und Ziele, Vajreśvarī, im Vajra-Stand, inmitten des Vajra-Gitters, Feuchte, in beständigem Rausch Dahinschmelzende.“

8.SAM.3 Danach die Bhagamālinī-Vidyā. [Die Formel wird hier nur durch Verweis bezeichnet.]

8.SAM.4 klīṃ bhagavati blūṃ nitye kāmeśvari hrīṃ sarvasattvavaśaṅkari saḥ tripurabhairavī aiṃ vicce klīṃ mahātripurasundaryai namaḥ.

„Erhabene, Ewige, Kāmeśvarī, alle Wesen in ihren Bann Ziehende, Tripurabhairavī: Verehrung der großen Tripurasundarī.“ Die Bījas einschließlich vicce werden nicht durch erfundene Wortbedeutungen ersetzt.

Damit enden die vier Samaya-Vidyās.

Die Vidyās der fünf Überlieferungsrichtungen

Nun der Nyāsa der Āmnāya-Vidyās:

8.ĀM.1 und Fortsetzung Durch die fünf Gesichter hat Śiva die fünf Āmnāya-Gottheiten gelehrt, der Reihe nach für Osten, Süden, Westen, Norden und oben. Erhaben auf fünf Thronen gewähren sie die Früchte aller Wünsche.

Zuerst Unmanī, die Vidyā der östlichen Überlieferung: Dakṣiṇāmūrti ist der Ṛṣi, Paṅkti das Versmaß, Śrīunmanī die Gottheit. Hsrīṃ ist Bīja, kalahrīṃ Śakti, shrīṃ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā. Zweimalige Wiederholung bildet die sechs Glieder; die Meditation ist wie bei Saṃpatpradā Bhairavī.

Die ausgeschriebene Formel lautet: hsrīṃ shrīṃśrīṃkalahrīṃ. So weit Unmanī, die östliche Āmnāya-Vidyā. [Die Konsonantenfolgen hs und sh bleiben als Quellenschreibungen erhalten.]

Nun die südliche Āmnāya-Vidyā Bhoginī: Dakṣiṇāmūrti ist Ṛṣi, Paṅkti Versmaß, Bhoginī Gottheit. Aiṃ ist Bīja, sraiṃ Śakti, klīṃ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā. Als sechs Glieder stehen aiṃ klinne, klīṃ, madadrave kule hsauḥ; die Meditation ist wie bei Aghorabhairavī. Die Formel lautet aiṃ klinne klīṃ madadrave kule hsauḥ, mit der Anrufung der Feuchten, im Rausch Dahinschmelzenden, im Kula. [Die sichtbare Interpunktion gliedert nicht eindeutig sechs Teile; sraiṃ aus der Śakti-Zuordnung erscheint zudem nicht in der ausgeschriebenen Formel.]

Nun die westliche Āmnāya-Vidyā Kubjikā: Rudra ist Ṛṣi, Gāyatrī Versmaß, Kubjikā Gottheit. Hasauḥ ist Bīja, hasakhaphreṃ Śakti, hasūṃ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Als sechs Glieder wird die folgende Folge angegeben: aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasauḥ oṃ namo bhagavati hasakhaphreṃ kubjikā hasrāṃhasrūṃ aghore ghore aghoramukhi chrāṃ chrīṃ kiṇikiṇi vicce hasauḥ hasakhaphreṃ śrīṃ hrīṃ aiṃ. Der sprachliche Teil grüßt die erhabene Kubjikā als Nichtschreckliche, Schreckliche und Nichtschrecklichgesichtige; kiṇikiṇi wird als Klangfolge bewahrt. Die Meditation ist wie bei Ṣaṭkūṭā Bhairavī. Damit endet Kubjikā, die westliche Āmnāya-Vidyā.

Nun Kālikā, die nördliche Āmnāya-Vidyā: Bhairava ist Ṛṣi, Uṣṇih Versmaß, Śrīkālikā Gottheit. Khaphreṃ ist Bīja, Īśvarī Śakti, Mahācaṇḍayoga Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā. Der Sechsglieder-Nyāsa beginnt mit khaphrāṃ khaphrīṃ [die übrigen Formen sind hier nicht ausgeschrieben]. Die Meditation ist wie bei Bhuvaneśvarībhairavī. Die Formel lautet khaphreṃ mahācaṇḍayogeśvari: „O Herrin des großen, wilden Yoga.“ So weit Kālikā, die nördliche Āmnāya-Vidyā.

Nun die Ordnung der oberen Überlieferung. Hier steht der Parāprāsāda-Mantra; als sein Glied vollziehe man den großen sechsfachen Nyāsa. Auch für diesen besteht keine Berechtigung, wenn Kāmarati-Nyāsa, innere Kāmakalā, äußere Kāmakalā, Mahāśakti-Nyāsa, Nyāsa der sechzehnlautigen Wurzelvidyā und der achtunddreißig Kalās nicht vollzogen werden. Diese Nyāsas werden später erklärt. Jetzt folgt der große sechsfache Nyāsa, darin zuerst der Nyāsa der achtunddreißig Kalās.

Der Nyāsa der achtunddreißig Kalās

8.KA.1–8.KA.3 Der Lehrer setze Īśāna und die folgenden [Formen] auf den Scheitel und auf die Finger beginnend mit dem Daumen: Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Vāmadeva und Sadyojāta. Als ihre Bījas kennt man den Raumlaut, verbunden mit den fünf kurzen Vokalen in umgekehrter Reihenfolge, jeweils mit Oṃ am Anfang. Mit den entsprechenden Fingern setze man die mit ihrem jeweiligen Bīja beginnenden Formen nochmals der Reihe nach auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und Füße.

8.KA.4–8.KA.6 [Man setze sie] auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Der vortreffliche Lehrer setze die mit Īśāna beginnenden Ṛcs der Reihe nach auf Daumen bis kleinen Finger; erneut auf Scheitel, Gesicht, Herzlotus, verborgenen Bereich und Füße und auf die Gesichter beginnend oben. Danach bilde man die Glieder. Man spreche die fünf Tāras und „sarvajñāya“ für das Herz.

8.KA.7–8.KA.10 Dann „amṛtetejomālinī“, „tṛptāya“ und „brahmaśirase“ für das Kopfglied; „jvalitaśikhiśikhāya“ und „anādibodhāya“ für die Haarlocke; „vajriṇe vajrahastāya svatantrāya“ für den Panzer. Nach Vergegenwärtigung von sauṃ bauṃ haum folgt „aluptaśaktaye“ für die Augen. Ślīṃ paśu huṃ phaṭ und „anantaśaktaye“ bezeichnen die Waffe. So vollziehe man gesammelt die sechs Glieder. Danach setze der Kundige die achtunddreißig Kalās auf den Körper. [Einzelne Formen sind syntaktisch unregelmäßig; die später folgende ausgeschriebene Prosafassung hat zusätzliche Wörter.]

8.KA.11–8.KA.14 Die fünf Kalās Īśānas setze man der Reihe nach auf die fünf Gesichter im Osten, Süden, Westen, Norden und in der Mitte. Die erste ist Śaśinī, verbunden mit „īśānaḥ sarvavidyānām“; danach Aṅgadā mit „īśvaraḥ sarvabhūtānām“. Nach „brahmādhipati“ und „brahmaṇo’dhipatiḥ“ steht als dritte Brahmeṣṭadā. Mit „śivo me astu“ wird als vierte Marīci genannt; auf „sadāśivom“ folgt Aṃśumālinī. Alle [Kalā-Anrufungen] beginnen mit Praṇava und enden mit Namaḥ.

8.KA.15–8.KA.18a Danach setze man die vier Kalās des Puruṣa auf die Gesichter in Osten, Westen, Süden und Norden. „Tatpuruṣāya vidmahe“ gehört zu Śānti; „mahādevāya dhīmahi“ zur zweiten, Vidyā; „tan no rudraḥ“ zur dritten, Pratiṣṭhā; „pracodayāt“ zu Nivṛtti. Alle beginnen mit Praṇava und enden mit Namaḥ.

8.KA.18b–8.KA.22 Auf Herz, Hals, beide Schultern, Nabel, Bauch, Rücken und Brust setze der Mantrakenner nach der Regel die acht Kalās Aghoras. „Aghorebhyaḥ“ gehört zur ersten, Tamā; „atha ghorebhyaḥ“ zu Mohā; „ghora“ zur dritten, Kṣamā; „ghoratarebhyaḥ“ zu Nidrā; „sarvataḥ śarva“ zur fünften, Vyādhi; „sarvebhyaḥ“ zur sechsten, Mṛtyu; „namaste astu“ zur siebten, Kṣudhā; „rudrarūpebhyaḥ“ zu Tṛṣṇikā. [Die Namen umfassen Dunkelheit, Verblendung, Schlaf, Krankheit, Tod, Hunger und Durst als Mächte des Systems.]

8.KA.23–8.KA.26 Die Kalās Vāmadevas setze man auf den verborgenen Bereich, Liṅga, beide Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Gesäßhälften, auf Taille und beide Seiten. „Vāmadevāya namaḥ“ gehört zur ersten, Rajā; „jyeṣṭhāya namaḥ“ zur zweiten, Rakṣā; „rudrāya namaḥ“ zur dritten, Rati; „kālāya namaḥ“ zu Mālinī. Als fünfte wird Kāmyā genannt; mit „vikaraṇāya namaḥ“ die sechste, Saṃyaminī. [Für Kāmyā fehlt hier eine eindeutige eigene Wortzuordnung.]

8.KA.27–8.KA.29 Balakriyā wird genannt; mit „balavikaraṇāya namaḥ“ die achte, Vṛddhi. Nach „bala“ steht die Kalā [ohne sicher erkennbaren Namen]; auf „pramathanāya namaḥ“ folgt Rātri. „Sarvabhūtadamanāya namaḥ“ gehört zu Bhrāmiṇī. Nach „mano“ nennen die Tantra-Kundigen Mohinī als zwölfte, und mit „unmanāya namaḥ“ Jvarā als dreizehnte. [Die Vorlage ist hier lückenhaft beziehungsweise gedrängt; die Nummerierung wird nicht durch frei ergänzte Namen vervollständigt.]

8.KA.30–8.KA.34 Alle beginnen mit Praṇava, stehen im Dativ und enden mit Namaḥ. Die acht aus Sadyojāta hervorgehenden Kalās setze der Mantrakenner der Reihe nach auf Fußsohlen, Handflächen, Nase, Scheitel und beide Arme. „Sadyojātaṃ prapadyāmi“ gehört zur ersten, Siddhi; „sadyojātāya vai namaḥ“ zu Ṛddhi; „bhave“ zur dritten, Dyuti; „abhave“ zur vierten, Lakṣmī; „anādibhave“ zur fünften, Medhā; „bhavasva mām“ zur sechsten, Prajñā; „bhava“ zu Prabhā; „udbhavāya namaḥ“ zur achten, Sudhā.

8.KA.35–8.KA.37 und Fortsetzung Alle Kalās beginnen mit Praṇava, stehen im Dativ und enden mit Namaḥ. Damit sind die achtunddreißig Kalās mit den vorausgehenden Worten der fünf Brahman-Formen erklärt. Wessen Körper so durch Nyāsa geordnet ist, der werde selbst Gaṅgādhara. Ananta, Mond, Bhuvana, Bindu und das Bindu-Paar [bilden] den Śrīprāsādaparā-Mantra, der Genuss und Befreiung gewährt. Der Parāprāsāda-Mantra beginnt dagegen mit sa, Kuleśvarī. Weil er die Gestalt von Licht und Glückseligkeit besitzt, gewährt er unmittelbar Frucht.

Der Kommentar: Ananta und Mond bezeichnen Nāda und Bindu, Bhuvana au, Bindu ha, das Bindu-Paar sa. So ergibt sich hasauṃ. Beginnt dies mit sa, ergibt sich shauṃ. An einigen Stellen werden beide Bījas mit Visarga herausgelöst. [Die ungewöhnliche Schreibung shauṃ wird als Folge von s und h der Vorlage bewahrt.]

8.PP.1–8.PP.2 und Fortsetzung Paraśambhu heißt der Ṛṣi, Gāyatrī das Versmaß, Ardhanārīśvara die Gottheit. Mit dem Bīja und sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Glieder. Wer Vollendung wünscht, vollziehe gesammelt als Glied dieser Praxis den Mahāṣoḍhā genannten Nyāsa, dem der sechsgeteilte Glieder-Nyāsa vorausgeht.

Im Kulārṇava:

8.KUL.1 Man vollziehe den sechsgeteilten Glieder-Nyāsa auf die zuvor erklärte Weise, Kuleśānī; danach gesammelt den großen sechsfachen Nyāsa.

Hier bedeutet der Glieder-Nyāsa den zuvor erklärten Nyāsa der achtunddreißig Kalās. Andere verstehen darunter nur den Nyāsa der fünf Brahman-Formen.

8.MṢ.1–8.MṢ.2 Für diesen Mahāṣoḍhā-Nyāsa wird Brahmā als Ṛṣi genannt, Jagatī als Versmaß und der Herr Ardhanārīśvara als Gottheit. Die Kenner aller Āgamas erklären seine Anwendung als Glied der Śrīvidyā.

Nun der Glieder-Nyāsa. Auf beide Daumen: oṃ aiṃhrīṃśrīṃhasauṃ shauṃ hauṃ īśānāya namaḥ. Auf die Zeigefinger: [vorangestellte Gruppe, in der Vorlage mit „5“ abgekürzt] heṃ tatpuruṣāya namaḥ; auf die Mittelfinger huṃ aghorāya namaḥ; auf die Ringfinger hiṃ vāmadevāya namaḥ; auf die kleinen Finger haṃ sadyojātāya namaḥ. So setze man sie der Reihe nach auf Scheitel, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und Füße sowie auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Wiederum auf Daumen bis kleinen Finger, nochmals auf Scheitel, Gesicht, Herzlotus, verborgenen Bereich und Füße und erneut auf die Gesichter beginnend oben.

Danach folgt der Sechsglieder-Nyāsa mit hasāṃ hasīṃ und den weiteren [nicht ausgeschriebenen] Formen, anschließend ebenso mit shāṃ shīṃ. Dann stehen, jeweils mit der als „5“ abgekürzten Anfangsgruppe: „sarvajñāya“; „amṛtetejomālinī nityatṛptāya“; „brahmaśirase svāhā jvalitaśikhiśikhāyānādibodhāya“; „vajriṇe vajrahastāyasvatantrāya“; sauṃbauṃhauṃ mit „nityamaluptaśaktaye“; śrīṃślīṃpaśuhuṃphaṭ mit „nityamanantaśaktaye“. Diese sechs Gliedermantras setze man auf Daumen bis Handflächen und auf Herz und die übrigen sechs Körperglieder. Danach setze man die achtunddreißig Kalās auf die zuvor erklärte Weise und meditiere. Die Meditation wird später erklärt.

Der große sechsfache Nyāsa: Welt, Welträume und Gestalten

Nun der Mahāṣoḍhā-Nyāsa:

8.MA.1 Prapañca, Bhuvana, Mūrti, Mantra, Gottheiten und Mütter: Dieser große sechsfache Nyāsa ist der höchste unter allen Nyāsas.

Zuerst der Prapañca-Nyāsa, die Vergegenwärtigung der entfalteten Welt: oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ hasauḥshauḥ aṃ prapañcarūpāyai śriye namaḥ, „Verehrung der Śrī, deren Gestalt die entfaltete Welt ist“. Die weiteren Anwendungen sind nach dem zuvor erklärten Verfahren zu verstehen. So weit der Prapañca-Nyāsa. Im Kulārṇava:

8.PR.1 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra füge man „sakalaprapañcasvarūpāyai parāmbādevyai namo’stu“ an und vollziehe damit die Durchdringung.

Der Kommentar erläutert: Mit der abgekürzt wiedergegebenen Anfangsgruppe und dem Wurzelmantra lautet die Anrufung: „Verehrung sei der höchsten Muttergöttin, deren Wesen die gesamte entfaltete Welt ist.“ Damit wird der durchdringende Nyāsa vollzogen. Weiter:

8.BH.1–8.BH.2 und Fortsetzung So geschieht der Prapañca-Nyāsa; nun wird der Bhuvana-Nyāsa erklärt. Nach den drei Tāras und der Wurzelvidyā stehen aṃ āṃ iṃ, Atala, „loka“, „nilaya“, „śatakoṭi“, „guhya“ und die weiteren Wörter, Yoginī, Wurzelgottheit und „yuta“, dann „ādhāraśaktyambādevyai“ und der Herzabschluss. Dies setze man auf die Füße.

Die ausgeschriebene Form lautet mit der abgekürzten Anfangsgruppe: aṃ-āṃ-iṃ atalalokanilayaśatakoṭiguhyādyayoginīmūladevatāyutādhāraśaktyambādevyai namaḥ. Ihr Sinn: „Verehrung der Muttergöttin Ādhāraśakti, verbunden mit den Wurzelgottheiten der hundert Koṭis der mit Guhyā beginnenden Yoginīs, die in der Atala-Welt wohnen.“

8.BH.3–8.BH.15 Die folgenden Stellen setzen jeweils die vorige Formel entsprechend fort; nur Laute, Welt, Gottheitenbezeichnungen und Körperort wechseln. Die Übersetzung bewahrt diese wiederholte Anweisung „das Übrige wie zuvor“:

Vers Lautgruppe und Welt Weitere Bezeichnungen der Vorlage Körperort
8.BH.3 īṃ uṃ ūṃ, Vitala guhya, śata; das Übrige wie zuvor Fußknöchel
8.BH.4 ṛṃ ṛṃ ḷṃ, Sutala paramaguhya, acintya; das Übrige wie zuvor Unterschenkel
8.BH.5 ḹṃ eṃ aiṃ, Mahātala mahāghya, tantra; das Übrige wie zuvor Knie
8.BH.6 oṃ auṃ, Talātala paramaguhya, svādhiṣṭhāna; das Übrige wie zuvor Oberschenkel
8.BH.7 aṃ aḥ, Rasātala rahasya, jñāna; das Übrige wie zuvor Verborgener Bereich
8.BH.8 ka-Lautklasse, Pātāla rahasyatara, Kriyā; das Übrige wie zuvor Mūlādhāra
8.BH.9 ca-Lautklasse, Bhū atirahasya, ŚrīḌākinī; das Übrige wie zuvor Svādhiṣṭhāna
8.BH.10 ṭa-Lautklasse, Bhuvar mahārahasya, Rākiṇī; das Übrige wie zuvor Nabelbereich
8.BH.11 ta-Lautklasse, Svarga paramarahasya, Lākinī; das Übrige wie zuvor Herz
8.BH.12 pa-Lautklasse, [Mahar] gupta, Kākinī; das Übrige wie zuvor Gaumenwurzel
8.BH.13 ya-Gruppe, Jana guptatara, Śrīśākinī; das Übrige wie zuvor Ājñā
8.BH.14 śa-Gruppe, Tapas atigupta, Śrīhākinī; das Übrige wie zuvor Stirn
8.BH.15 laṃ kṣaḥ, Satya mahāgupta, Yākinī; das Übrige wie zuvor Brahmarandhra

[Die Tabelle ist eine vollständige Übertragung der wiederholten Anweisungen, keine zusätzliche Ritualrekonstruktion. Guhya und rahasya bedeuten geheim, gupta verborgen; ihre Steigerungen bezeichnen größere oder höchste Verborgenheit. Acintya heißt undenkbar, jñāna Erkenntnis, kriyā Handlung. Die doppelte kurze ṛ-Schreibung in Vers 4, mahāghya in Vers 5 und die gedrängte Weltangabe mahāgupta in Vers 12 bleiben unsicher.]

8.BH.16 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man „caturdaśabhuvanādhipāyai śrīparāmbādevyai“ und den Herzabschluss: „Verehrung der ehrwürdigen höchsten Muttergöttin, Herrin der vierzehn Welten.“ Damit vollziehe man die Durchdringung.

8.BH.17–8.BH.20 Nach dem Bhuvana-Nyāsa vollziehe man den Mūrti-Nyāsa. Die [Viṣṇu-]Gestalten heißen Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha. [Die zugeordneten Śaktis stehen in einer gedrängten Reihe:] Akṣarā, Ādyā, Iṣṭadā, Īśānā, Ugrā, Ūrdhvanayanā, Ṛddhi, Rupiṇī, Luptā, Lūnadoṣā, Ekanāyikā, Aikāriṇī, Oghavatī, Sarvakāmā, Añjanaprabhā,

8.BH.21–8.BH.22 und Asthimālādharā. Dies sind die Vokalgottheiten. [Die Wortgrenzen der Śakti-Liste sind zum Teil erschlossen; die Vorlage hat unter anderem akṣarādyeṣṭadeśāno und rupiṇī.] Danach Bhava, Śarva, Rudra, Paśupati, Ugra, Mahādeva, Bhīma, Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta und Vāmadeva.

8.BH.23–8.BH.25a Karabhadrā, Khagabalā, Garimādiphalapradā, Dharmapraśamanī, Paṅktināsā, Candrārdhadhāriṇī, Chandomayī, Jagatsthānā, Jharattārā, Jñānānādā, Ṭaṅkaḍhakkādharā und Ṭhaṅkāraḍāmarī: dies sind die Gottheiten der als kabhādi bis ṭhaḍānta bezeichneten Laute. [Die Grenzen der Namensreihe und die Lautbereichsangabe sind beschädigt; die Wiedergabe ist keine gesicherte alphabetische Neuordnung.]

8.BH.25b–8.BH.28 Brahmā, Prajāpati, Vedhas, Parameṣṭhī, Pitāmaha, Vidhātṛ, Viriñca, Sraṣṭṛ, Caturānana und Hiraṇyagarbha werden der Reihe nach als die Brahmā-Gestalten genannt. Yakṣiṇī, Rañjanī, Lakṣmī, Vajriṇī, Śaktidhāriṇī, Ṣaḍādhārālayā, Sarvanāyikā, Hasitānanā, Lalitā und Kṣamā sind die Gottheiten der mit ya beginnenden Gruppe.

8.BH.28b–8.BH.30 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra füge man die mit den Vokalen beginnenden Laute und ihre Śaktis im Dativ mit Namaḥ an. Man setze sie auf Kopf und Gesicht, Schultern, Seiten, Bauch, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße, von rechts bis links, höchste Herrin.

8.BH.30b–8.BH.32 Die als kabhādi bis ṭhaḍānta bezeichneten Laute setze der Mantrakenner mit ihren Śaktis auf Füße, Seiten, Arme, Hals und die fünf Gesichter. Brahmā und die folgenden, mit ya und den weiteren Lauten sowie ihren Śaktis verbunden, setze man auf die zehn Grundlagen. Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man „śrītrimūrtyātmikāyai parāmbādevyai namaḥ“: „Verehrung der höchsten Muttergöttin, deren Selbst die drei Gestalten sind.“ So vollziehe man die Durchdringung.

Der Nyāsa der Mantras

8.BH.33–8.BH.34 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra folgen aṃ āṃ iṃ, „ein Lakh Koṭis von Unterschieden“ und die Gesamtheit der mit Praṇava beginnenden einlautigen Mantras. Man spreche „der herrschenden Gottheit aller dieser Mantras, der alle Früchte gewährenden Muttergöttin Ekakūṭeśvarī: Verehrung“.

Der Kommentar erklärt: Nach dem Mūrti-Nyāsa wird hier das Verfahren des Mantra-Nyāsa dargestellt. Die Anwendung lautet: oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ hsauḥ shauḥ aṃ āṃ iṃ ekalakṣakoṭibhedapraṇavādyekākṣarātmakākhilamantrādhidevatāyai sakalaphalapradāyai ekakūṭeśvaryambādevyai namaḥ. Dies setze man auf Mūlādhāra. [Ein Lakh bezeichnet 100.000, eine Koṭi 10.000.000; der Text verwendet ihre Verbindung als außerordentlich große traditionelle Mengenangabe.]

8.BH.35–8.BH.42a Die folgenden Mantragruppen führen dieses Muster fort. Das Übrige gilt jeweils wie zuvor; die in der Tabelle genannten Zahlen beziehen sich auf die fortgesetzte Lakh-Koṭi-Reihe:

Vers Anfangslaute Zahl und Anfang der Mantragruppe
8.BH.35a īṃ uṃ ūṃ Zweigliedrige, mit Haṃsa beginnende Gruppe; die Zahl ist im Vers nicht erneut ausgesprochen
8.BH.35b ṛ ṝṃ ḷṃ Dreigliedrige, mit Feuer beginnende Gruppe; die Zahl ist im Vers nicht erneut ausgesprochen
8.BH.36a ḹṃ eṃ aiṃ Vier Lakh; mit Candra beginnend
8.BH.36b oṃ auṃ aṃ maḥ Fünf Lakh; mit Sūrya beginnend
8.BH.37a kaṃ khaṃ gaṃ Sechs Lakh; mit Skanda beginnend
8.BH.37b ghaṃ ṅaṃ caṃ Sieben Lakh; mit Gaṇeśa beginnend
8.BH.38a chaṃ jaṃ jhaṃ Acht Lakh; mit Vaṭuka beginnend
8.BH.38b ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ Neun Lakh; mit Brahmā beginnend
8.BH.39a ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ Zehn Lakh; mit Viṣṇu beginnend
8.BH.39b taṃ thaṃ daṃ Elf Lakh; mit Rudra beginnend
8.BH.40a dhaṃ naṃ paṃ Zwölf Lakh; mit Vāṇī beginnend
8.BH.40b, in Klammern phaṃ baṃ bhaṃ Dreizehn Lakh; mit Lakṣmī beginnend
8.BH.41a maṃ yaṃ raṃ Vierzehn Lakh; mit Gaurī beginnend
8.BH.41b laṃ vaṃ śaṃ Fünfzehn Lakh; mit Durgā beginnend
8.BH.42a ṣaṃ saṃ haṃ Sechzehn Lakh; mit der Tripurā-Gruppe beginnend

[Die viergliedrige Lautfolge oṃ auṃ aṃ maḥ in Vers 36 und die ungleichmäßige Anusvāra-Schreibung werden nicht in ein regelmäßiges Dreierschema gezwungen.]

8.BH.42b–8.BH.43 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man die gesamte Mātṛkā und die Anrufung der höchsten Muttergöttin als Herrscherin aller Mantras; mit dem Herzabschluss vollziehe man die Durchdringung.

8.BH.44–8.BH.45 Die Einsetzungen erfolgen an Grundlage, Liṅga, Nabel, Herz, Hals, Ājñā, Mond und dem darüber liegenden [Ort], Nirodhikā, Halbmond, Bindu und Kalā-Ort, an den mit Unmanī beginnenden Gesichtern beziehungsweise Stellen, bei Nāda und Nādānta sowie im Bereich des Dhruva-Kreises, Herrin des Kula. [Die gedrängte Liste lässt sich hier nicht widerspruchsfrei auf exakt sechzehn Einzelorte verteilen; deshalb wird keine zusätzliche Zuordnungstabelle erfunden.]

8.BH.46 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra füge man „sarvamantrātmikāyai parādevyai“ und den Abschluss wie zuvor an: „Verehrung der höchsten Göttin, deren Selbst alle Mantras sind.“ Damit vollziehe man die Durchdringung.

So weit der Mantra-Nyāsa.

Der Nyāsa der Gottheiten

8.BH.47–8.BH.48 Nachdem man so den Mantra-Nyāsa vollzogen hat, folgt der Gottheiten-Nyāsa. Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man aṃ āṃ, „sahasrakoṭiyoginīkulasevitāyai nivṛttyambādevyai namaḥ“: „Verehrung der Muttergöttin Nivṛtti, die von tausend Koṭis von Yoginī-Familien verehrt wird.“

Die ausgeschriebene Anwendung beginnt mit oṃ aiṃhrīṃśrīṃhsauḥshauḥ und setzt die genannte Verehrung fort. [Die im Vers angegebenen Vokale fehlen in dieser ausgeschriebenen Prosafassung.]

8.BH.49–8.BH.61a Für die folgenden Einsetzungen wird jeweils „das Übrige wie zuvor“ angeordnet. Es wechseln Lautpaar, verehrende Wesenfamilie und Muttergöttin:

Vers Laute Wesenfamilie Muttergöttin
8.BH.49a iṃ īṃ Yoginīs Pratiṣṭhā
8.BH.49b uṃ ūṃ Asketen Vidyā
8.BH.50a ṛṃ ṝṃ Die Friedvollen Śānti
8.BH.50b ḷṃ ḹṃ Munis Śāntyatītā
8.BH.51a eṃ aiṃ Götter Hṛllekhā
8.BH.51b oṃ auṃ Rākṣasas Gaganā
8.BH.52a aṃ aḥ Vidyādharas Raktā
8.BH.52b kaṃ khaṃ Siddhas Mahocchuṣmā
8.BH.53a gaṃ ghaṃ Sādhyas Karālā
8.BH.53b ṅaṃ caṃ Apsarasen Jayā
8.BH.54a chaṃ jaṃ Gandharvas Vijayā
8.BH.54b jhaṃ ñaṃ Guhyakas Ajitā
8.BH.55a ṭaṃ ṭhaṃ Yakṣas Aparājitā
8.BH.55b ḍaṃ ḍhaṃ Kinnaras Vāmāmbā
8.BH.56a ṇaṃ taṃ Schlangenwesen Jyeṣṭhā
8.BH.56b thaṃ daṃ Ahnen Raudryambā
8.BH.57a dhaṃ naṃ Gaṇeśas Māyā
8.BH.57b paṃ phaṃ Bhairavas [Vorlage: bhaivara] Kuṇḍalī
8.BH.58a baṃ bhaṃ Vaṭukas Kālī
8.BH.58b maṃ yaṃ Kṣetra-[Wächter] Kālarātrī
8.BH.59a raṃ laṃ Pramathas Bhagavatī
8.BH.59b vaṃ śaṃ Brahmā-Gestalten Sarveśvaryambā
8.BH.60a ṣaṃ saṃ Viṣṇu-Gestalten Sarvajñā
8.BH.60b haṃ laṃ Rudra-Gestalten Sarvakartrī
8.BH.61a kṣaṃ Bewegliches und Unbewegliches Śakti

8.BH.61b–8.BH.62 Man setze sie der Reihe nach auf Großzehen, Fußknöchel, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel, Taille, Seiten, Brüste, Achseln, Hände, Schultern, Ohren und Kopf, beginnend rechts und bis zur linken Seite, Herrin des Kula.

8.BH.63–8.BH.64 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man die gesamte Mātṛkā und „samastadevatādhipāyai śrīparāmbikādevyai namaḥ“: „Verehrung der ehrwürdigen höchsten Muttergöttin, Herrin aller Gottheiten.“ Damit vollziehe man die Durchdringung. So erfolgt der Gottheiten-Nyāsa; nun wird der Mütter-Nyāsa erklärt.

Der Mütter-Nyāsa

8.BH.65–8.BH.67 Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man die ka-Lautklasse und „anantakoṭibhūcarīkulasahitāyai“: „verbunden mit unzähligen Koṭis der Familien der auf der Erde Wandelnden“. Nach āṃ kṣāṃ folge „maṅgalāmbādevyai namaḥ“, danach mit derselben Lautgruppe „brahmāṇyambādevyai“. Dann „anantakoṭibhūtakulasahitāya“, „verbunden mit unzähligen Koṭis von Bhūta-Familien“, aṃ kṣaṃ und „maṅgalanāthāya“; erneut aṃ kṣaṃ und „asitāṅga-

8.BH.68–8.BH.69 bhairavanāthāya namaḥ“. Für die ca-Lautklasse stehen Khecarīs, mīlāṃ, Carcikā und Maheśvarī, Vetālas sowie der Abschluss „nāthāya namaḥ“. Das Übrige spreche man wie zuvor. [Die entsprechende männliche Namensfolge ist in dieser Reihe nicht vollständig ausgeschrieben.]

8.BH.70 Für die ṭa-Lautklasse: Pātālacarīs, mūṃ hāṃ, Yogeśvarī und Kaumārī, Piśācas, mūhāṃ, Yogeśa und Caṇḍa. [Die auffällige letzte Bīja-Schreibung wird nicht korrigiert.]

8.BH.71 Für die ta-Lautklasse: Dikcarīs, ṝ sāṃ, Harasiddhā und Vaiṣṇavī, Apasmāras, Harasiddhi und Krodha; das Übrige wie zuvor.

8.BH.73 Für die pa-Lautklasse: Giricarīs, aiṃ śāṃ, Kilikilā und Indrāṇī, Vaṭukas, eṃ śaṃ, Kilikila und Kapālin.

8.BH.75–8.BH.77 Nach der śa-Lautgruppe: Vanacarīs, auṃ vāṃ, Kālarātrī und Cāmuṇḍā, Pretas, āvaṃ, Kālarātra und Bhīṣaṇa sowie Saṃhārabhairava; das Übrige wie zuvor. Nach den drei Tāras und dem Wurzelmantra spreche man „mātṛbhairavādhipāyai parādevyai namaḥ“: „Verehrung der höchsten Göttin, Herrin der Mütter und Bhairavas.“ Damit vollziehe man die Durchdringung. Den Mütter-Nyāsa setze man auf die acht Grundlagen. [Die Vorlage springt von 71 zu 73 und von 73 zu 75. Es fehlen somit die nummerierten Stellen 72 und 74; die unvollständige Gruppenfolge wird nicht ergänzt.]

Meditation auf Ardhanārīśvara und den Guru

8.BH.78–8.BH.80 Nachdem der Körper so durch Nyāsa geordnet ist, meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit den Gott: im Meer des Nektars, auf einer lieblichen goldenen Insel, im Wald der Wunschbäume, in einem Pavillon aus neuen Rubinen. Auf einem herrlichen Thron aus neun Arten von Juwelen steht ein Lotus; darin sitzt er innerhalb eines Dreiecks, leuchtend wie Mond und Sonne. Seine eine Hälfte ist Ambikā; der Schmuck ist entsprechend geteilt.

8.BH.81–8.BH.83 Er besitzt die Anmut von zehn Millionen Liebesgöttern und ist stets sechzehnjährig. Sein Lotusgesicht lächelt sanft; er ist dreiäugig und trägt den Mond auf dem Haupt. Göttliche Gewänder, Girlanden, Salbungen und Schmuckstücke zieren ihn. In den Händen trägt er Trinkschale, Bewusstseinsgeste, Dreizack und Buch sowie Vidyā und Vollendung [die genaue Attributzuordnung ist gedrängt]. Gesicht und Blick sind von beständiger Glückseligkeit erfüllt; sämtliche im großen sechsfachen Nyāsa genannten Gottheiten dienen ihm.

8.BH.84–8.BH.85 So meditiere man im Lotus des Herzens den glückverheißenden Ardhanārīśvara. Oder man erinnere ihn in männlicher Gestalt, Göttin, oder vergegenwärtige die weibliche Gestalt. Oder man meditiere das Teilelose, gekennzeichnet durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit; als Gesamtheit allen Lichtes, dessen Gestalt Bewegliches und Unbewegliches ist.

8.BH.86 und Fortsetzung Danach zeige man die zehn Mudrās, höchste Herrin: Yoni, Liṅga, Surabhi, die vier Waffen-Mudrās, Vanamālā, Nabho-Mudrā und Mahāmudrā, der Reihe nach.

Danach meditiere man auf dem Kopf den ehrwürdigen Guru:

8.GU.1 Man erinnere den Guru, indem man seinen Namen voranstellt: im tausendblättrigen Lotus auf dem Kopf, mit dem vollen Glanz der kühlen Mondstrahlen, mit Lotushänden der Gabengewährung und Furchtlosigkeit, reinen Düften, Blumen und Gewändern; mit heiterem Gesicht und Blick, die Gestalt aller Gottheiten tragend, auf Haṃsa ruhend.

Die dem großen sechsfachen Nyāsa zugeschriebenen Früchte

Im Śrīkulārṇava:

8.PH.1–8.PH.2 Wird dieser Nyāsa vollzogen, Göttin, so werde der Mantrakenner unmittelbar Paraśiva, fähig zu Zügelung und Begnadung; daran bestehe kein Zweifel. Wer den großen sechsfachen Nyāsa täglich vollzieht, vor dem verneigen sich alle Gottheiten; auch ich verneige mich vor ihm, ohne Zweifel.

8.PH.3–8.PH.4 Wo ein Mantrakenner diesen Nyāsa vollzieht, gilt das Gebiet ringsum auf zehn Yojanas als göttlicher heiliger Bezirk. Wohin ein Mensch nach diesem Nyāsa geht, dort seien Glück, Sieg, Gewinn, Ehre und Tatkraft, Geliebte.

8.PH.5 Wer den mit dem großen sechsfachen Nyāsa Geweihten [nach der unsicheren Verbindung nodvīkṣya yo’bhivandate: nicht angemessen beachtet oder verehrt], erleide bald den Tod, selbst wenn Śiva sein Beschützer wäre. [Der Wortlaut ist widersprüchlich beziehungsweise beschädigt; die Drohung wird als historische Quellenaussage bewahrt, nicht als gültige Sanktion behauptet.]

8.PH.6–8.PH.8 Wer diesen „Vajra-Gitter“ genannten Nyāsa vollzieht, den wagen die wilden Bhūtas, Vetālas, Götter, Rākṣasas, Grahas und anderen Wesen, die in Himmel, Zwischenraum, Erde, Bergen, Wasser und Wäldern wohnen, aus Furcht nicht anzublicken. Brahmā, Viṣṇu, Śiva und alle Götter, Ṛṣis und großen Munis vollziehen diesen Nyāsa.

8.PH.9–8.PH.11 Wozu viele Worte, Göttin? Einem guten Schüler soll man ihn offenbaren. Wer ihn im Verborgenen vollzieht, erlangt unvergängliche Vollendung. Für die Verwirklichung des Gottheitszustandes gebe es in der Welt nichts Höheres: wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel. Der Eintritt in die obere Überlieferung, die Vergegenwärtigung des Parāprāsāda und die Kenntnis des Mahāṣoḍhā seien nicht die Frucht geringer Askese.

Damit endet der große sechsfache Nyāsa.

Turīyavidyā und die Verehrung der Füße

Nun die Turīyavidyā. Sie ist die höchste Ṣoḍaśī:

sauḥśrīṃhrīṃklīṃ-aiṃsauḥ oṃ hrīṃśrīṃ ka-e-īlahasakahalasakalahrīṃ sauḥ-aiṃklīṃhrīṃśrīṃsauḥ.

Nun die Caraṇa-Vidyās:

8.PH.12–8.PH.13a Praṇava, die drei Tāras, „haṃsaḥ śivaḥ hsauḥ“, So’ham, die Turīyavidyā, danach „cidānandajyotir aham“: „Ich bin das Licht von Bewusstsein und Glückseligkeit.“ Dies wird als die erste Form genannt.

8.PH.13b–8.PH.14a Man spreche alles wie zuvor, dann „saccidānandajyotir aham“: „Ich bin das Licht von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.“ Dies wird als die zweite Form genannt.

8.PH.14b–8.PH.15 Wiederum spreche man das Vorige und dann „aham evāsmi“: „Ich allein bin.“ Dies gilt als die dritte. So ist die Dreiergruppe der Caraṇas erklärt. Mit der Saṃghaṭṭa-Mudrā setze der vortreffliche Lehrer sie auf den Scheitel.

Nun Śambhu-Caraṇa:

8.PH.16–8.PH.17 und Fortsetzung Praṇava, die drei Tāras, Praṇava, „yo’ham asmi“, „aham asmi“, „brahmāham asmi“, So’ham; danach „svacchaprakāśaparipūrṇaparāparamahāprakāśapūrṇānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi“. [Man setze dies] auf den Scheitel.

Der Sinn der sprachlichen Folge: „Der ich bin; ich bin; ich bin Brahman; ich bin Das. Ich verehre die ehrwürdige Pādukā des Herrn vollkommener Glückseligkeit, des reinen Lichtes, ganz erfüllt vom großen Licht des Höheren und Niederen.“ Der Kommentar ergänzt „man setze“ als zugehöriges Tätigkeitswort. So weit Śambhu-Caraṇa.

Die fünf Mütter wurden bereits ausführlich erklärt. Die neun Nāthas beginnend mit Unmanākāśa, die neun Nāthas beginnend mit Ātmānanda und die Reihenfolge der eigenen Überlieferung wurden ebenfalls zuvor genannt.

Die sechzehn Wurzelvidyās

Nun die sechzehn Mūlavidyās. Die eingeklammerten Zahlen bezeichnen die im Text markierten Formen; die Verszählung läuft daneben fort. Die Anweisungen nennen teilweise nur Lautcodes und Verweise, keine vollständig ausgeschriebenen Rezitationsformeln.

8.MV.1–8.MV.2 — (1) Praṇava und die drei Tāras; danach „svaccha“, „prakāśaparipūrṇa“, „parāparamahā“, „siddhividyākulayogi“, Māyā-Bīja, „kule“ und „yoginīmūlavidyāśrīpādukāṃ pūjayāmi“. Der sprachliche Sinn ist die Verehrung der ehrwürdigen Pādukā der Yoginī-Wurzelvidyā, in Verbindung mit reinem, vollkommenem Licht und den vollendeten Vidyās des Kula. [Die lang zusammengesetzte Anrufung ist syntaktisch gedrängt.]

8.MV.3–8.MV.4a — (2) Śrīprāsādaparā-Bīja, „svātmānaṃ bodhaya bodhaya“, Parāprāsāda-Bīja, „śrīprāsādaparāmbe mūlavidyāśrīpādukāṃ pūjayāmi“: „Erwecke, erwecke das eigene Selbst; ich verehre die ehrwürdige Pādukā der Wurzelvidyā, o Śrīprāsādaparā-Mutter.“

8.MV.4b–8.MV.6a — (3) Praṇava und die drei Tāras, Vāgbhava, Makaradhvaja, „klinne kledini mahāmadadrave“, zweimal Kāmarāja, zweimal „mohaya“, Kāmarāja, Herzabschluss und die Gattin des Feuers. Diese Vidyā heißt Atirahasyātiyoginī. Ihr sprachlicher Teil ruft die Feuchte, Befeuchtende, in großem Rausch Dahinschmelzende an und fordert „bezaubere, bezaubere“.

8.MV.6b–8.MV.7 — (4) Praṇava und die drei Tāras, Haṃsaḥ, „svacchānandaparama“, nochmals „haṃsaḥ“, „paramātmane svāhā hsau hsau“. Dies ist die Śāmbhavī-Wurzelvidyā. Der sprachliche Teil bezieht sich auf reine höchste Glückseligkeit und das höchste Selbst. [Die Schlussfolge hsau hsau wird wie überliefert bewahrt.]

8.MV.8–8.MV.10a — (5) Praṇava und die drei Tāras, Māyā, „nityaṃ sphuratt… caitanyānandamayi mahābinduvyāpakamātṛsvarūpiṇi“, wiederum Praṇava und die drei Tāras und die als mīm überlieferte Schlussangabe: Dies nennen die Kundigen Hṛllekhā-Wurzelvidyā. Ihr sprachlicher Teil ruft die aus stets aufleuchtendem Bewusstsein und Glückseligkeit bestehende, den großen Bindu durchdringende Muttergestalt an. [Der Übergang sphuratteti | tmacaitanya und mīmiyaṃ sind beschädigt; eine gesicherte Formel lässt sich daraus nicht herstellen.]

8.MV.10b–8.MV.12a — (6) Praṇava und die drei Tāras, „svacchaprakāśātmike“, Māyā, „kulamahāmālinīvākkulagarbhamātṛke“, Bhuvaneśvarī, „samayavimale“ und Śrī-Bīja. Diese heißt Samayavimala-Wurzelvidyā. Sie ruft die an, deren Selbst reines Licht ist, die große Mālinī des Kula, die Mutter der im Kula geborgenen Rede, die im Samaya Lautere. [Die Trennung der langen mittleren Anrufung bleibt interpretierend.]

8.MV.12b–8.MV.14 — (7) Tāra und die drei Tāras, Haṃsaḥ, „nityaprakāśātmike kulakuṇḍalini ājñāsiddhe mahābhairavi ātmānaṃ bodhaya bodhaya ambe bhagavati“, Māyā und huṃ. Diese ist die Parabodhinī-Wurzelvidyā. „Du, deren Selbst ewiges Licht ist, Kula-Kuṇḍalinī, in deiner Weisung Vollendete, große Bhairavī, erwecke, erwecke das Selbst, Mutter, Erhabene.“

8.MV.15 — (8) Tāra, die drei Tāras, nochmals Tāra und „mokṣaṃ“, „Befreiung“: Dies wird als Kulapañcākṣarī-Wurzelvidyā bezeichnet.

8.MV.16 — (9) Nach Tāra und den drei Tāras folgt die fünfzehnlautige Lopā. Dies ist die Caitanyatripurā-Wurzelvidyā, höchste Herrin.

8.MV.17–8.MV.19 — (10) Tāra und die drei Tāras, Vāgbhava-Bīja, „śuddhasūkṣmanirākāranirvikalpaparabrahmasvarūpiṇi“, klīṃ, „parānandaśakti“ und das dritte Bīja Bālās. Dies nennen die Kenner aller Āgamas Śāmbhavānandanāthānuttarakaulinī-Wurzelvidyā. Der sprachliche Teil ruft die Gestalt des reinen, feinen, formlosen und unterschiedslosen höchsten Brahman sowie die Kraft höchster Glückseligkeit an.

8.MV.20–8.MV.21a — (11) Tāra und die drei Tāras, „haṃsaḥ so’ham“, „svacchānanda“, „paramahaṃsaparamātmane“ und die Geliebte des Feuers. Dies ist die Gurūttamavimarśinī-Wurzelvidyā. Sie verbindet „Ich bin Das“ mit reiner Glückseligkeit, höchstem Haṃsa und höchstem Selbst. [Die Verbindung svacchāntananda der Vorlage ist unsicher.]

8.MV.21b–8.MV.23a — (12) Tāra und die drei Tāras, „anāmākhya“, „vyomātīta“, „nātha“, „parāpara“, wiederum „vyomātīta“ und „vyomeśvaryambā“. Dies ist die Anāmākhyā-Wurzelvidyā, höchste Herrin. Die Bezeichnungen verweisen auf das Namenlose, das über den Raum Hinausgehende, den Herrn des Höheren und Niederen und die Mutter als Herrin des Raumes. [Die erste Namensangabe ist im Vers als apnāmākhya entstellt.]

8.MV.23b–8.MV.24a — (13) Tāra und die drei Tāras, Vāṇī und die Bījas iṃ īṃ uṃ: Dies heißt Saṃketasāra-Wurzelvidyā, große Herrin.

8.MV.24b–8.MV.26a — (14) Tāra und die drei Tāras, Māyā, „bhagavati vicce vāgvādini“, Kāmarāja, „mahāhrada mahāmātaṅgini“, Vāṇī, „klinne“ und blūṃ strīṃ. Dies ist die mit Anuttarā bezeichnete Vāgvādinī-Vidyā. Sie ruft die erhabene Sprecherin der Rede, die große Mātaṅgī und Feuchte an; mahāhrada, „großer See“, bleibt in seiner hier unsicheren Verbindung erhalten.

8.MV.26b–8.MV.27 — (15) Tāra und die drei Tāras, Prāsādaparā, Khecarī, der mittlere Teil der Saṃpatpradā und wiederum Śrīprāsādaparā: Dies wird Anuttaraśāṅkarī-Wurzelvidyā genannt.

8.MV.28 und Fortsetzung — (16) Man spreche die Turīyavidyā und löse die mit „sarvānandamaya“, „aus aller Glückseligkeit bestehend“, beginnende [Folge] heraus. Dies ist die Mahātripurasundarī-Wurzelvidyā, höchste Herrin, welche die gewünschte Frucht gewährt. [Die fortgesetzte Formel wird hier nicht vollständig ausgeschrieben.]

Damit enden die sechzehn Vidyās.

Die Vidyās der sechs Grundlagen

Nun die Ṣaḍādhāra-Vidyās. Zuerst der Parameśvara-Mantra:

8.PAR.1 und Fortsetzung Man löse die fünf Tāras heraus, danach sarahasrauṃ, Vāgbhava und phreṃ. Dies gilt als Pareśvara-Mantra. Man setze ihn in die Mitte des Fruchtbodens der Ājñā.

So weit der Parameśvara-Mantra. Nun der Viśveśvara-Mantra:

8.VIŚ.1 Man spreche die fünf Tāras, hasrūṃ, Vāgbhava, „kubjike“ und phreṃ. In Viśuddha [setze man] den großen Vicceśvara-Mantra. [Die Überschrift hat Viśveśvara, Vers und Schluss haben Vicceśvara.]

So weit der Vicceśvara-Mantra. Nun der Haṃseśvara-Mantra:

8.HAṂ.1 und Fortsetzung Man spreche die fünf Tāras, hasraiṃ, Vāgbhava, „kubjikāyai“, hsaphraṃ und vicce. Der große Haṃseśvara-Mantra befindet sich am Anāhata-Ort.

So weit der Haṃseśvara-Mantra. Nun der Saṃvarteśa-Mantra:

8.SAṂ.1 Nach den fünf Tāras löse man hrāṃ hrīṃ hrūṃ hrīṃ, hasroṃ kṣrāṃ kṣrīṃ, nochmals kṣrīṃ und zweimal kiṇi heraus.

8.SAṂ.2 Danach hasaphrāṃ hasaphram, hasphrīṃ vicce hrauṃ, zweimal hasa, hasaphreṃ hasakṣamalavayarūṃ und Praṇava.

8.SAṂ.3 Man spreche hasakṣamalavān, yarāṃ, hasa, kṣamalān vayarūṃ und dasselbe Bīja mit dem linken Augenlaut. [Die Endungen in …vān und …lān sowie die genaue Zusammenziehung der Lautfolge sind unsicher.]

8.SAṂ.4 Danach Vāgbhava, hasrīṃ hasrūṃ hasrāṃ, hrīṃ hraṃ hrāṃ hlāṃ, Vāṇī und „nitye bhagavati“.

8.SAṂ.5 Dann hasaphraṃ, „kuleśvari“, hrāṃ hrūṃ hlīṃ hlāṃ hvīṃ huṃ, hyehauṃ ṅañaṇanān me, kṣrāṃ kṣrīṃ kṣrūṃ kṣra.

8.SAṂ.6 Dann kṣraṃ śrī phaṭ hsrauṃ phreṃ, „aghoramukhi“, „kubjikāyai“, chrāṃ chraṃ chrīṃ und „ghore“.

8.SAṂ.7 und Fortsetzung Dann „aghore“, die Lautcodes Wind, Feuer und Indra, vaṃ saṃ haṃ, zweimal kiṇi, zweimal mahākiṇi und vicce. Dies ist der große Saṃvarteśa-Mantra. Die vortrefflichen Übenden setzen ihn in das große Svādhiṣṭhāna-Cakra. [Die sprachlichen Anrufungen wenden sich an die Ewige, Erhabene, Herrin des Kula, Nichtschrecklichgesichtige, Kubjikā, Schreckliche und Nichtschreckliche. Wegen der beschädigten Bīja-Folgen wird keine vereinheitlichte Rezitationsfassung hergestellt.]

So weit der Saṃvarteśvara-Mantra. Nun der Dvīpeśvara-Mantra:

8.DV.1–8.DV.2 Man spreche die fünf Tāras, hasaphrūṃ, Vāgbhava, „rigaṭini“, „piṅgaṭini“ und vicce. Dies wird als Dvīpeśa-Mantra erklärt, Schönangesichtige. Die vortrefflichen Übenden setzen ihn in das Maṇipūra-Cakra. [Die beiden Anrufungen sind in dieser Schreibweise nicht sicher zu übersetzen.]

So weit der Dvīpeśvara-Mantra. Nun der Navātmeśvara-Mantra:

8.NA.1–8.NA.2 und Fortsetzung Man spreche die fünf Tāras, sahakṣamalavarayūṃ, „namo bhagavati“, das Bīja hasphreṃ, „kubjikāyai“, hrāṃ hrūṃ hrīṃ, ḍñaṇanme, „aghoramukhi“, chrāṃ chrūṃ chrīṃ, zweimal kiṇi, nochmals zweimal kiṇi und vicce. Dies ist der Navātmeśvara-Mantra im Wurzellotus. [Die Folge ḍñaṇanme bleibt als unsichere Quellenschreibung stehen.]

So weit der Navātmeśvara-Mantra und die Śāmbhava-Mantras der sechs Überlieferungszweige.

Meditation auf den Herrn der sechs Überlieferungen

8.ṢD.1–8.ṢD.3 Der Guru strahlt wie tausend Sonnen und trägt großen Glanz: der ehrwürdige Herr der sechs Überlieferungen, Paraśambhu, ungeboren und unwandelbar. Seine sechs Gesichter besitzen sechs Dreiergruppen leuchtender Augen. Um die Hüften trägt er ein Leopardenfell, dazu eine große Kette aus Köpfen. Vielerlei Knochen, Edelsteine und Girlanden aus Pārijāta-Blüten umgeben ihn. [Die Angabe brahmanābhikajāṅguṣṭha zu Brahmā, Nabel, Lotus und Großzehe ist beschädigt und nicht zuverlässig zu übersetzen.] Sein Gesicht ist durch Fangzähne weit geöffnet.

8.ṢD.4–8.ṢD.5 Mit buntem Schmuck versehen, allwissend, löst er die Fesseln der gebundenen Wesen. Sein großer Körper trägt Dreizack, Schwert, Pfeil, Speer, Stachelstock und Gabengewährung. In den Lotushänden hält er Schädelschale, Schild [Vorlage: phala, hier im Waffenzusammenhang verstanden], Bogen, Diskus, Schlinge und Furchtlosigkeit. Von Göttern umgeben spielt er auf dem Totenfeld, jenseits von Mānasa.

8.ṢD.6 und Fortsetzung Entsprechend meditiere man die höchste Herrin, schön mit der Fülle ihrer Brüste. Nach dieser Meditation und vollständigen Verehrung übe man nochmals die beiden Wurzelvidyās, bringe sie dar und erinnere die beiden Caraṇas.

Die Strahlenfolge wurde bereits ausführlich erklärt. Weitere Mantraformen der oberen Überlieferung werden später genannt.

Fünf Samaya-Vidyās nach einer anderen Überlieferung

Nun die Samaya-Vidyās in einem anderen Tantra:

8.FS.1 Śrīvidyā, Bagalā, Kālarātri, Jayadurgā und Chinnamastā werden als die fünf Samayās genannt.

Śrīvidyā wurde bereits erklärt. Nun Bagalā: Nārada ist Ṛṣi des Śrībagalāmukhī-Mantras, Jagatī sein Versmaß, Śrībagalāmukhī seine Gottheit. Hrīṃ ist Bīja, svāhā Śakti, „kīlaya“ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Die sechs Gliedermantras sind: oṃ hrīṃ; „bagalāmukhi“; „sarvaduṣṭānāṃ“; „vācaṃ mukhaṃ padaṃ stambhaya“; „jihvāṃ kīlaya“; „buddhiṃ vināśya hrī oṃ svāhā“. Sie enthalten die nachfolgend übersetzte Stillstellungsformel. Die Meditation:

8.BAG.1 Ich verehre die Göttin inmitten des Nektarmeeres, im Juwelenpavillon auf einem Edelsteinaltar, auf einem Thron sitzend. Sie ist ganz gelb; gelbe Gewänder, Schmuckstücke und Girlanden zieren ihren Körper. Sie hält einen Hammer und die Zunge des Feindes.

oṃ hrīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ padaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hrīṃ oṃ svāha.

„O Bagalāmukhī, stelle Rede, Mund und Schritt aller Bösen still, hefte ihre Zunge fest und vernichte ihre Einsicht.“ [Dies ist eine historische Stillstellungsformel, keine Empfehlung, anderen Menschen zu schaden.]

So weit Bagalāmukhī. Nun Kālarātri: Bhairava ist Ṛṣi, Anuṣṭubh Versmaß, Śrīkālarātri Gottheit. Hrīṃ ist Bīja, svāhā Śakti, hūṃ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā. Mit dem Māyā-Bīja und den sechs langen Vokalen folgt der Sechsglieder-Nyāsa. Die Meditation:

8.KĀL.1–8.KĀL.2 und Fortsetzung Man vergegenwärtige Kālarātri wie die tiefrote Sonne, in berauschter Jugend, vierarmig, dreiäugig, furchterregend und mit dem Mond auf dem Haupt. Sie sitzt auf einem Totensitz und gewährt ihren Verehrern alle Wünsche. Rechts trägt sie Furchtlosigkeit und Schlinge, links die Welt [Vorlage: bhuvana] und einen roten Stab.

aiṃhrīṃklīṃśrīṃkāleśvari sarvajanamanohāri sarvamukhastambhini sarvarājavaśaṅkari sarvaduṣṭanirdalini sarvastrīpuruṣākarṣiṇi bandiśṛṅkhalāṃstroṭayatroṭaya sarvaśatrūñjambhaya jambhaya dveṣaṃ nirdalaya nirdalaya sarvaṃ stambhaya stambhaya uccāṭaya uccāṭaya sarvavaśyaṃ kuru kuru sarvakālarātrikāmini gaṇeśvari huṃ phaṭ svāhā.

„O Herrin der Zeit, die alle Menschen bezaubert, jeden Mund stillstellt, alle Könige in ihren Bann zieht, alle Bösen zerschlägt und alle Frauen und Männer anzieht: Zerreiße, zerreiße die Ketten der Gefangenschaft; überwältige, überwältige alle Feinde; zerschlage, zerschlage den Hass; stelle alles still, stelle es still; vertreibe, vertreibe; bringe alles in deine Gewalt. Du Kālarātri-Kāminī, Herrin der Scharen!“ [Die Verbindung sarvakālarātrikāmini bleibt mehrdeutig.]

So weit Kālarātri. Nun Jayadurgā: Nārada ist Ṛṣi, Gāyatrī Versmaß, Jayadurgā Gottheit. Oṃ ist Bīja, svāhā Śakti, „rakṣiṇi“ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā. Die sechs Gliedermantras sind oṃ, „durge“, „durge“, „rakṣaṇi“, svāhā und die ganze Formel oṃ durge durge rakṣiṇi svāhā. [Die unterschiedliche Vokalschreibung von rakṣaṇi und rakṣiṇi bleibt sichtbar.] Die Meditation:

8.JD.1 Man meditiere Durgā, die Siegreiche: blutrot, durch ihre Seitenblicke den Feindscharen Furcht einflößend, mit der Mondsichel auf dem Haupt. Dreiäugig trägt sie Muschelhorn, Diskus, Schwert und Dreizack. Sie reitet auf dem Rücken eines Löwen und erfüllt die ganzen drei Welten mit ihrem Glanz, von den Göttern umgeben und von Vollendung Suchenden verehrt.

oṃ durge durge rakṣiṇi svāhā: „O Durgā, Durgā, Beschützerin.“ So weit Jayadurgā.

Nun Chinnamastā: Bhairava ist Ṛṣi des Triśakti-Mantras, Samrāṭ sein Versmaß, Śrīvajravairocanī seine Gottheit. Hrīṃ ist Bīja, svāhā Śakti, phaṭ Kīlaka. Die Anwendung erfolgt als Glied der Śrīvidyā.

Die sechs Gliedermantras lauten: oṃ āṃ khaḍgāya svāhā, oṃ īṃ sukhaḍgāya svāhā, oṃ ūṃ śrīṃvirājāya svāhā, oṃ aiṃ pāśāya svāhā, oṃ auṃ aṃkuśāya svāyā, oṃ aḥ asurāntakāya svāhā. Sie gelten Schwert, schönem Schwert, dem strahlend Herrlichen, Schlinge, Stachelstock und Asura-Vernichter. [Die fünfte Formel hat in der Vorlage svāyā statt svāhā.]

Die Meditation:

8.CHI.1–8.CHI.2 Man meditiere im eigenen Nabel einen reinen, entfalteten weißen Lotus. In seinem Inneren liegt die Scheibe des feurig Strahlenden, rot wie Hibiskus und eine frische Bandhūka-Blüte, geschmückt mit einem Yoni-Kreis, dessen Linien Rajas, Sattva und Tamas sind.

8.CHI.3–8.CHI.4 In seiner Mitte die große Göttin, strahlend wie zehn Millionen Sonnen: Chinnamastā hält ihren eigenen abgetrennten Kopf in der linken Hand. Furchterregend, mit geöffnetem Mund und leckender wilder Zunge, trinkt sie den Blutstrom, der aus ihrem eigenen Hals hervortritt.

8.CHI.5–8.CHI.6 Ihr Haar ist aufgelöst und mit vielerlei Blumen versehen; rechts trägt sie das Schneidemesser. Eine Kette aus Köpfen schmückt sie. Nackt, sehr schrecklich, steht sie in der Pratyālīḍha-Stellung, trägt eine Knochenkette und eine Schlange als heilige Schnur. [Dies ist eine ikonographische Meditation des Quellentextes, keine Anweisung zur körperlichen Nachahmung.]

8.CHI.7–8.CHI.8 und Fortsetzung Einige Mantrakenner meditieren sie auf Rati und Kāma stehend beziehungsweise sitzend, stets sechzehnjährig, mit vollen, hohen Brüsten. Rati und Manobhava werden in umgekehrter Liebesvereinigung vergegenwärtigt. Die Göttin ruht auf der Yoni-Mudrā und einem ungewöhnlichen Sitz, links und rechts von Varṇinī und Ḍākinī begleitet. [Die jugendliche Altersangabe ist Teil des historischen Gottheitsbildes; die Liebesvereinigung betrifft das darunter dargestellte Götterpaar.]

śrīṃklīṃhrīṃ aiṃ vajravairocanīye hrīṃhrīṃphaṭsvāhā — die Anrufung richtet sich an Vajravairocanī. So weit Chinnamastā und die Samaya-Vidyās.

Die Gāyatrīs der Śrīcakra-Gottheiten

8.GĀ.1 Nachdem man die Gāyatrī ausgesprochen hat, soll man die jeweiligen Gottheiten der Umhüllungskreise sorgfältig verehren, um alle Wünsche und Ziele zu verwirklichen.

Aufgrund dieser Aussage werden nun die Gāyatrīs der Śrīcakra-Gottheiten genannt. Die folgenden Kennzeichnungen GY.001 und so weiter sind redaktionelle Fundstellen, keine in der Quelle stehenden Versnummern. Die wiederkehrenden Schlusszeichen „3“ und einmal „6“ werden nicht in erfundene Versnummern oder Wiederholungsanweisungen umgedeutet. Die gemeinsame Form wird bei jeder Anrufung vollständig übersetzt; darin enthaltene Heilungs-, Unterwerfungs- und Wirkungsbezeichnungen sind Namen und Aussagen des Ritualtextes.

Gāyatrīs für Begleitgottheiten und Richtungswächter

8.GY.001 Oṃ. Mögen wir den höchsten Puruṣa erkennen. Wir meditieren über den mit gekrümmtem Rüssel. Möge der Stoßzahntragende uns anregen.

8.GY.002 Mögen wir den aus Gefahren Rettenden erkennen. Wir meditieren über Vaṭukeśvara. Möge der Held uns anregen.

8.GY.003 Oṃ. Mögen wir den Nacktgewandeten erkennen. Wir meditieren über den Schädelschale Tragenden. Möge Kṣetrapāla uns anregen.

8.GY.004 Oṃ. Mögen wir die Alldurchdringende erkennen. Wir meditieren über die Vielgestaltige. Möge die Yoginī uns anregen.

8.GY.005 Oṃ. Mögen wir den König der Götter erkennen. Wir meditieren über den Vajra-Träger. Möge Śakra uns anregen.

8.GY.006 Mögen wir das Auge Rudras erkennen. Wir meditieren über den Speerträger. Möge das Feuer uns anregen.

8.GY.007 Oṃ. Mögen wir den Sohn Vivasvats erkennen. Wir meditieren über den Stabträger. Möge Yama uns anregen.

8.GY.008 Oṃ. Mögen wir den in der Nacht Wandelnden erkennen. Wir meditieren über den Schwertträger. Möge Nirṛti uns anregen.

8.GY.009 Mögen wir den mit reinen Händen erkennen. Wir meditieren über den Schlingenträger. Möge Varuṇa uns anregen. [Die technische Seitenangabe gehört nicht zur Anrufung.]

8.GY.010 Mögen wir den Lebenshauch aller erkennen. Wir meditieren über den Stabträger. Möge Vāyu uns anregen.

8.GY.011 Mögen wir den Herrn der Yakṣas erkennen. Wir meditieren über den Keulenträger. Möge der Yakṣa uns anregen.

8.GY.012 Mögen wir den Herrn aller erkennen. Wir meditieren über den Dreizackträger. Möge Rudra uns anregen.

8.GY.013 Mögen wir den Viergesichtigen erkennen. Wir meditieren über den, dessen Mund die Veden sind. Möge Brahmā uns anregen.

8.GY.014 Mögen wir den in Pātāla Wohnenden erkennen. Wir meditieren über den Tausendgesichtigen. Möge Ananta uns anregen.

Gāyatrīs der Waffen und Zeichen

8.GY.015 Mögen wir den mit hundert Spitzen erkennen. Wir meditieren über den großen Vajra. Möge der Vajra uns anregen.

8.GY.016 Mögen wir den mit scharfer Spitze erkennen. Wir meditieren über den mit langem Schaft. Möge der Speer uns anregen.

8.GY.017 Mögen wir den Feindvernichter erkennen. Wir meditieren über den Langgestreckten. Möge der Stab uns anregen.

8.GY.018 Mögen wir den Scharfschneidigen erkennen. Wir meditieren über den aus den drei Gestalten Bestehenden. Möge das Schwert uns anregen.

8.GY.019 Mögen wir den die Welt Heranziehenden erkennen. Wir meditieren über die große Schlinge. Möge die Schlinge uns anregen.

8.GY.020 Mögen wir den Unterwerfenden erkennen. Wir meditieren über den großen Stachelstock. Möge der Stachelstock uns anregen.

8.GY.021 Mögen wir die aus Eisen Bestehende erkennen. Wir meditieren über die Langgestreckte. Möge die Keule uns anregen.

8.GY.022 Mögen wir den mit scharfer Spitze erkennen. Wir meditieren über den Großgestaltigen. Möge der Dreizack uns anregen.

8.GY.023 Mögen wir den Wohnort Ramās erkennen. Wir meditieren über den Tausendblättrigen. Möge der Lotus uns anregen.

8.GY.024 Mögen wir Sudarśana erkennen. Wir meditieren über den mit großer Flamme. Möge der Diskus uns anregen.

Gāyatrīs der Siddhis

8.GY.025 Mögen wir die Aṇimā-Vollendung erkennen. Wir meditieren über jene, die Gabengewährung und Furchtlosigkeit in den Händen zeigt. Möge die Siddhi uns anregen.

8.GY.026 Mögen wir die Laghimā-Vollendung erkennen. Wir meditieren über jene, die den Schatz als Fahrzeug besitzt. Möge Laghimā uns anregen. [Die Vorlage verbindet „laghimāsiddhyai“ unmittelbar mit „vidmahe“ ohne Wortabstand.]

8.GY.027 Mögen wir die Mahimā-Vollendung erkennen. Wir meditieren über die große Vollendung. Möge Mahimā uns anregen.

8.GY.028 Mögen wir die Vollendung der Herrschaft erkennen. Wir meditieren über die Weltdurchdringende. Möge die Siddhi uns anregen.

8.GY.029 Mögen wir die Vollendung des In-den-Bann-Ziehens erkennen. Wir meditieren über die Rotfarbige. Möge die Siddhi uns anregen.

8.GY.030 Mögen wir die Vollendung ungehinderter Wunscherfüllung erkennen. Wir meditieren über jene, die den Schatz als Fahrzeug besitzt. Möge die Siddhi uns anregen. [Die Wortform „prākāmyasiddhyi“ ist grammatisch auffällig.]

8.GY.031 Mögen wir die Vollendung des Willens erkennen. Wir meditieren über die Lotusträgerin. Möge die Siddhi uns anregen.

8.GY.032 Mögen wir die Vollendung des Genusses erkennen. Wir meditieren über die große Vollendung. Möge die Siddhi uns anregen.

8.GY.033 Mögen wir die Rasa-Vollendung erkennen. Wir meditieren über die ihren Verehrern Liebevolle. Möge die Siddhi uns anregen. [„Rasa“ kann hier Saft, Essenz oder eine entsprechende Vollendung bezeichnen; die besondere Bedeutung bleibt offen.]

8.GY.034 Mögen wir die Vollendung der Befreiung erkennen. Wir meditieren über die überaus Makellose. Möge die Siddhi uns anregen.

Gāyatrīs der Mütter

8.GY.035 Mögen wir die Kraft Brahmās erkennen. Wir meditieren über die Gelbfarbige. Möge Brāhmī uns anregen.

8.GY.036 Mögen wir die Weißfarbige erkennen. Wir meditieren über die Dreizackträgerin. Möge Māheśvarī uns anregen.

8.GY.037 Mögen wir die auf dem Pfau Reitende erkennen. Wir meditieren über die Speerträgerin. Möge Kaumārī uns anregen.

8.GY.038 Mögen wir die Dunkelfarbige erkennen. Wir meditieren über die Diskusträgerin. Möge Vaiṣṇavī uns anregen.

8.GY.039 Mögen wir die Dunkle erkennen. Wir meditieren über die Pflugträgerin. Möge Vārāhī uns anregen.

8.GY.040 Mögen wir die Dunkelfarbige erkennen. Wir meditieren über die Vajra-Trägerin. Möge Aindrī uns anregen.

8.GY.041 Mögen wir die Schwarzfarbige erkennen. Wir meditieren über die Dreizackträgerin. Möge Cāmuṇḍā uns anregen.

8.GY.042 Mögen wir die Gelbfarbige erkennen. Wir meditieren über die Lotusträgerin. Möge Lakṣmī uns anregen.

Gāyatrīs der Mudrās

8.GY.043 Mögen wir die alles Erschütternde erkennen. Wir meditieren über jene, die Gabengewährung in der Hand hält. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.044 Mögen wir die alles zum Schmelzen Bringende erkennen. Wir meditieren über die große Schmelzende. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.045 Mögen wir die alles Anziehende erkennen. Wir meditieren über die große Mudrā. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.046 Mögen wir die alles in ihren Bann Ziehende erkennen. Wir meditieren über die große Macht der Unterwerfung. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.047 Mögen wir die alles Berauschende erkennen. Wir meditieren über Mahāmāyā. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.048 Mögen wir die große Stachelstock-Göttin erkennen. Wir meditieren über die Rotfarbige. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.049 Mögen wir die überall im Raum Wandelnde erkennen. Wir meditieren über die Himmelsfarbige. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.050 Mögen wir die von der Gestalt des Bījas erkennen. Wir meditieren über das große Bīja. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.051 Mögen wir die große Yoni erkennen. Wir meditieren über die Weltmutter. Möge die Mudrā uns anregen.

8.GY.052 Mögen wir die Dreigeteilte erkennen. Wir meditieren über die ihrem Wesen nach Dreifache. Möge die Mudrā uns anregen.

Gāyatrīs der sechzehn anziehenden Kalās

8.GY.053 Mögen wir die das Verlangen Anziehende erkennen. Wir meditieren über die Rotgewandete. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.054 Mögen wir die die Einsicht Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Einsicht Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.055 Mögen wir die das Ichbewusstsein Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Wirklichkeit Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.056 Mögen wir die den Klang Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus allen Klängen Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.057 Mögen wir die Berührung Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Berührung Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.058 Mögen wir die Gestalt Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Gestalt Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.059 Mögen wir die Geschmack Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Geschmack Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.060 Mögen wir die Duft Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Duft Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.061 Mögen wir die den Geist Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Geist Bestehende. Möge die Kalā uns anregen. [Die Vorlage hat „citākarṣiṇī“ neben „cittātmikā“; die Übersetzung „Geist“ folgt dem Zusammenhang.]

8.GY.062 Mögen wir die Standhaftigkeit Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Standhaftigkeit Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.063 Mögen wir die Erinnerung Anziehende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Erinnerung. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.064 Mögen wir die Namen Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Namen Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.065 Mögen wir die Bījas Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Bījas Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.066 Mögen wir die das Selbst Anziehende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Selbst. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.067 Mögen wir die Nektar Anziehende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Nektars. Möge die Kalā uns anregen.

8.GY.068 Mögen wir die den Körper Anziehende erkennen. Wir meditieren über die aus Körper Bestehende. Möge die Kalā uns anregen.

Gāyatrīs der Gottheiten des achtblättrigen Lotus

8.GY.069 Mögen wir Anaṅgakusumā erkennen. Wir meditieren über jene, die ein rotes Obergewand trägt. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.070 Mögen wir Anaṅgamekhalā erkennen. Wir meditieren über die Schlingenträgerin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.071 Mögen wir Anaṅgamadanā erkennen. Wir meditieren über die Pfeilträgerin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.072 Mögen wir Anaṅgamadanāturā erkennen. Wir meditieren über die Bogenträgerin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.073 Mögen wir Anaṅgarekhā erkennen. Wir meditieren über die Langhaarige. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.074 Mögen wir Anaṅgaveginī erkennen. Wir meditieren über die Stachelstockträgerin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.075 Mögen wir Anaṅgāṅkuśā erkennen. Wir meditieren über die ewig Befeuchtende. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.076 Mögen wir Anaṅgamālinī erkennen. Wir meditieren über die überaus Heitere. Möge die Göttin uns anregen.

Gāyatrīs des Vierzehneck-Kreises

8.GY.077 Mögen wir die alles Erschütternde erkennen. Wir meditieren über die Pfeilträgerin. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.078 Mögen wir die alles zum Schmelzen Bringende erkennen. Wir meditieren über die Bogenträgerin. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.079 Mögen wir die alles Fortziehende erkennen. Wir meditieren über die Rotfarbige. Möge die Śakti uns anregen. [Hier steht „sarvavikarṣiṇī“, nicht die häufigere Form ohne „vi“.]

8.GY.080 Mögen wir die alles Erfreuende erkennen. Wir meditieren über die Weltdurchdringende. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.081 Mögen wir die alles Bezaubernde erkennen. Wir meditieren über die Weltbezaubernde. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.082 Mögen wir die alles Stillstellende erkennen. Wir meditieren über die Weltstillstellende. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.083 Mögen wir die alles sich Weiten Lassende erkennen. Wir meditieren über die Welterfreuende. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.084 — unvollständig Mögen wir die alles in ihren Bann Ziehende erkennen. [Danach steht in der Vorlage nur eine mit Fragezeichen markierte Lücke. Meditationsteil und Schlussanrufung fehlen.]

8.GY.085 Mögen wir die alles Erfreuende erkennen. Wir meditieren über die Vaiḍūrya-Farbige. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.086 Mögen wir die alles Berauschende erkennen. Wir meditieren über die Māyā der Welt. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.087 Mögen wir die alle Ziele Verwirklichende erkennen. Wir meditieren über die Gewährerin der Lebensziele. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.088 Mögen wir die alle Fülle Vollendende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Fülle. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.089 Mögen wir die aus allen Mantras Bestehende erkennen. Wir meditieren über die Mutter der Mantras. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.090 Mögen wir die alle Gegensatzpaare Auflösende erkennen. Wir meditieren über die aus Kalā Bestehende. Möge die Śakti uns anregen.

Gāyatrīs des äußeren Zehneck-Kreises

8.GY.091 Mögen wir die alle Vollendungen Gewährende erkennen. Wir meditieren über die Weißfarbige. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.092 Mögen wir die alle Fülle Gewährende erkennen. Wir meditieren über Mahālakṣmī. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.093 Mögen wir die alles Unliebsame Bewirkende [unsichere Lesung] erkennen. Wir meditieren über die Kunda-Blütenfarbige. Möge die Göttin uns anregen. [Die Vorlage hat „sarvāpriyaṃkarī“, wörtlich die alles Unliebsame Bewirkende. Eine mögliche Lesung „sarvapriyaṃkarī“, die alles Liebenswerte Bewirkende, wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

8.GY.094 Mögen wir die alles Glückverheißende Bewirkende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Glückverheißenden. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.095 Mögen wir die alle Wünsche Gewährende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Wunschliane. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.096 Mögen wir die von allem Leid Befreiende erkennen. Wir meditieren über die Freude Gewährende. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.097 Mögen wir die allen Tod Stillende erkennen. Wir meditieren über die alles Belebende. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.098 Mögen wir die alle Hindernisse Abwendende erkennen. Wir meditieren über die alle Wünsche Umfassende. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.099 Mögen wir die an allen Gliedern Schöne erkennen. Wir meditieren über den Ursprung der Welt. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.100 Mögen wir die alles Glück Gewährende erkennen. Wir meditieren über die Weltmutter. Möge die Göttin uns anregen.

Gāyatrīs des inneren Zehneck-Kreises

8.GY.101 Mögen wir die Allwissende erkennen. Wir meditieren über Mahāmāyā. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.102 Mögen wir die Gesamtheit aller Kraft erkennen. Wir meditieren über die große Kraft. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.103 Mögen wir die alle Herrschaft Gewährende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Herrschaft. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.104 Mögen wir die aus allem Wissen Bestehende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Erkenntnis. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.105 Mögen wir die alle Krankheiten Vernichtende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Heilmittels. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.106 Mögen wir die Gestalt aller Grundlagen erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Grundlage. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.107 Mögen wir die alles Unrecht Tilgende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt aller heiligen Wasserstätten. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.108 Mögen wir die aus aller Glückseligkeit Bestehende erkennen. Wir meditieren über die große Glückseligkeit. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.109 Mögen wir die Gestalt allen Schutzes erkennen. Wir meditieren über die alles Schützende. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.110 Mögen wir die alle gewünschten Früchte Gewährende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt der Frucht. Möge die Göttin uns anregen.

Gāyatrīs des Achteck-Kreises

8.GY.111 Mögen wir die Göttin Vaśinī erkennen. Wir meditieren über die Buchträgerin. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.112 Mögen wir Kāmeśvarī erkennen. Wir meditieren über die Göttin der Rede. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.113 Mögen wir die Göttin Modinī erkennen. Wir meditieren über die große Vāṇī. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.114 Mögen wir die Göttin Vimalā erkennen. Wir meditieren über die Kettenträgerin. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.115 Mögen wir Aruṇā, die Göttin der Rede erkennen. Wir meditieren über die Weißfarbige. Möge die Rede uns anregen. [Der Name Aruṇā und die ausdrückliche Weißfärbung stehen so nebeneinander.]

8.GY.116 Mögen wir die Göttin Jayinī erkennen. Wir meditieren über die große Herrin der Rede. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.117 Mögen wir Sarveśvarī erkennen. Wir meditieren über die Herrin aller Rede. Möge die Rede uns anregen.

8.GY.118 Mögen wir die Göttin Kaulinī erkennen. Wir meditieren über die auf dem Kula-Weg Wandelnde. Möge die Rede uns anregen.

Gāyatrīs der Zwischenkreise und Dreiecksspitzen

8.GY.119 Mögen wir die große Vāṇinī [Lesung unsicher] erkennen. Wir meditieren über die aus Blumen Bestehende. Möge die Pfeilgöttin uns anregen. [Die erste Bezeichnung lautet „mahāvāṇinī“, während der Schluss die Pfeilgöttin nennt; die Abweichung bleibt offen.]

8.GY.120 Mögen wir die Blumenbogen-Trägerin erkennen. Wir meditieren über die aus Zuckerrohr Bestehende. Möge die Bogengöttin uns anregen.

8.GY.121 Mögen wir die Blumenschlingen-Trägerin erkennen. Wir meditieren über die Schlingen Zerschneidende. Möge die Schlingenträgerin uns anregen.

8.GY.122 Mögen wir die Stachelstock-Göttin erkennen. Wir meditieren über die aus Blumen Bestehende. Möge der Stachelstock uns anregen.

8.GY.123 Mögen wir die in Kāmarūpa Wohnende erkennen. Wir meditieren über Rudras Kraft. Möge Kāmeśvarī uns anregen.

8.GY.124 Mögen wir die in Jālandhara Stehende erkennen. Wir meditieren über Viṣṇus Kraft. Möge Vajreśvarī uns anregen.

8.GY.125 Mögen wir die am Pūrṇa-Pīṭha Stehende erkennen. Wir meditieren über Brahmās Kraft. Möge Bhagamālinī uns anregen.

Gāyatrīs der Cakra-Herrscherinnen

8.GY.126 Mögen wir die Göttin Tripurā erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.127 Mögen wir Tripureśvarī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.128 Mögen wir Tripurasundarī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.129 Mögen wir Tripurāśrī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.130 Mögen wir Tripuramālinī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.131 Mögen wir Tripuravāsinī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.132 Mögen wir Tripurāsiddhā erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.133 Mögen wir Tripurāmbā erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

8.GY.134 Mögen wir Mahātripurasundarī erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Feuchte uns anregen.

Gāyatrīs der sechzehn Nityās

8.GY.135 Mögen wir Kāmeśvarī erkennen. Wir meditieren über die ewig Feuchte. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.136 Mögen wir Bhagamālinī erkennen. Wir meditieren über die alles in ihren Bann Ziehende. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.137 Mögen wir die ewig Feuchte erkennen. Wir meditieren über die in ewigem Rausch Dahinschmelzende. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.138 Mögen wir Bheruṇḍā erkennen. Wir meditieren über die Gift Beseitigende. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.139 Mögen wir die im Feuer Wohnende erkennen. Wir meditieren über die Vollendung Gewährende. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.140 Mögen wir Mahāvajreśvarī erkennen. Wir meditieren über Vajranityā. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.141 Mögen wir Śivas Botin erkennen. Wir meditieren über die Glückverheißendes Bewirkende. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.142 Mögen wir Tvaritā erkennen. Wir meditieren über die große Ewige. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.143 Mögen wir Vāgīśvarī [Lesart: Kulasundarī] erkennen. Wir meditieren über Kāmeśvarī. Möge die Śakti uns anregen.

8.GY.144 Mögen wir Nityābhairavī erkennen. Wir meditieren über Nityānityā. Möge die Yoginī uns anregen.

8.GY.145 Mögen wir Nīlapatākā erkennen. Wir meditieren über die große Ewige. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.146 Mögen wir die Göttin Vijayā erkennen. Wir meditieren über die große Ewige. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.147 Mögen wir Sarvamaṅgalā erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Mondes. Möge die Ewige uns anregen.

8.GY.148 Mögen wir Jvālāmālinī erkennen. Wir meditieren über die große Flamme. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.149 Mögen wir Vicitrā erkennen. Wir meditieren über die große Ewige. Möge die Göttin uns anregen.

Als sechzehnte steht in Klammern lediglich der Verweis „Lalitā-Gāyatrī“. Damit enden die Gāyatrīs der sechzehn Nityās; eine nicht ausgeschriebene Formel wird nicht ergänzt.

Gāyatrīs der sechs Lehransichten

Die Brahmagāyatrī wird als bereits eindeutig bezeichnet; ihr Wortlaut wird hier nicht nochmals ausgeschrieben.

8.GY.150 Mögen wir Nārāyaṇa erkennen. Wir meditieren über Vāsudeva. Möge Viṣṇu uns anregen.

8.GY.151 Mögen wir Āditya erkennen. Wir meditieren über Mārtaṇḍa. Möge Sūrya uns anregen. [„ādityāva“ wird als beschädigte Form von Āditya verstanden.]

Die Śiva-Gāyatrī wurde bereits zuvor gezeigt.

8.GY.152 Mögen wir den großen Vollendeten erkennen. Wir meditieren über den Allwissenden. Möge Buddha uns anregen.

8.GY.153 Mögen wir die alles Bezaubernde erkennen. Wir meditieren über die Weltmutter. Möge die Śakti uns anregen.

Gāyatrīs der Samaya-Vidyās

8.GY.154 Mögen wir Sarvonmanī erkennen. Wir meditieren über die Weltmutter. Möge die Göttin uns anregen.

So weit der östliche Samaya.

8.GY.155 Mögen wir die Mutter Bagalā erkennen. Wir meditieren über die Brahmāstra-Vidyā. Möge die Stillstellende uns anregen.

So weit der südliche Samaya.

8.GY.156 Mögen wir Kālarātri erkennen. Wir meditieren über die Herrin der Zeit. Möge die Bezaubernde uns anregen.

So weit der westliche Samaya.

Andere Tantras nennen Jayadurgā, Kubjikā, Pratyaṅgirā und Durgā als Gottheiten des westlichen Samaya. Dazu die folgenden vier Anrufungen:

8.GY.157 Mögen wir Nārāyaṇī erkennen. Wir meditieren über Durgā. Möge Gaurī uns anregen.

8.GY.158 Mögen wir Kubjikā erkennen. Wir meditieren über jene, die eine Kette aus menschlichen Eingeweiden trägt. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.159 Mögen wir die Unbesiegte erkennen. Wir meditieren über Pratyaṅgirā. Möge die Wilde uns anregen.

8.GY.160 Mögen wir die große Göttin erkennen. Wir meditieren über Durgā. Möge die Göttin uns anregen.

Damit enden die Gāyatrīs der Gottheiten des westlichen Samaya.

Nun die Gāyatrīs der nördlichen Samayās.

8.GY.161 Mögen wir Vajravairocinī erkennen. Wir meditieren über Chinnamastā. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.162 Mögen wir Kālikā erkennen. Wir meditieren über die auf dem Verbrennungsplatz Wohnende. Möge die Schreckliche uns anregen.

8.GY.163 Mögen wir Tārā erkennen. Wir meditieren über Chinnamastā. Möge die Göttin uns anregen.

So weit die Tārā-Gāyatrī. [Die Zuordnung zu Chinnamastā ist die Lesung der Vorlage und wird nicht durch eine vertrautere Tārā-Formel ersetzt.]

Gāyatrīs der fünf Lakṣmīs

Die Gāyatrīs der Āmnāya-Vidyās sind als hierin enthalten zu verstehen. Nun die fünf Fünfergruppen.

8.GY.164 Mögen wir Śrīvidyā erkennen. Wir meditieren über die große Śrī. Möge Śrī uns anregen.

8.GY.165 Mögen wir die Göttin Lakṣmī erkennen. Wir meditieren über die Göttin Śrī. Möge Śrī uns anregen.

8.GY.166 Mögen wir Mahālakṣmī erkennen. Wir meditieren über die große Śrī. Möge Śrī uns anregen.

8.GY.167 Mögen wir Triśaktilakṣmī erkennen. Wir meditieren über Mahābhairavī. Möge Śrī uns anregen.

8.GY.168 Mögen wir Sāmrājyalakṣmī erkennen. Wir meditieren über die Sieg Bewirkende. Möge Śrī uns anregen.

Gāyatrīs der fünf Kośas

8.GY.169 Mögen wir Śrīvidyā erkennen. Wir meditieren über die große Kośa-Herrscherin. Möge die Kośa-Göttin uns anregen.

8.GY.170 Mögen wir das höchste Licht erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Praṇava. Möge die Kośa-Göttin uns anregen.

8.GY.171 Mögen wir die höchste Teilelose erkennen. Wir meditieren über die höchste Śāmbhavī. Möge die Kośa-Göttin uns anregen.

8.GY.172 Mögen wir Ajapā erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Haṃsa. Möge die Kośa-Göttin uns anregen.

8.GY.173 Mögen wir Mātṛkā erkennen. Wir meditieren über die Herrin der Rede. Möge die Kośa-Göttin uns anregen.

Gāyatrīs der fünf Wunschlianen

8.GY.174 Mögen wir Śrīvidyā erkennen. Wir meditieren über die Herrin der Wunschlianen. Möge die Wunschliane uns anregen.

Die Tvaritā-Gāyatrī wurde bereits zuvor genannt. Im Svacchandasaṃgraha folgt diese Fassung:

8.GY.175 Mögen wir die Göttin Tvaritā erkennen. Wir meditieren über die große Göttin. Möge die Wunschliane uns anregen.

8.GY.176 Mögen wir Pārijāteśvarī erkennen. Wir meditieren über die Wünsche Gewährende. Möge die Wunschliane uns anregen.

8.GY.177 Mögen wir die Dreigliedrige erkennen. Wir meditieren über die Weltmutter. Möge die Wunschliane uns anregen.

8.GY.178 Mögen wir die Herrin der fünf Pfeile erkennen. Wir meditieren über die alles Erschütternde. Möge die Wunschliane uns anregen.

Gāyatrīs der fünf Kāmadughās

8.GY.179 Mögen wir Śrīvidyā erkennen. Wir meditieren über die Herrin der Wunscherfüllung. Möge die Wunscherfüllende uns anregen.

8.GY.180 Mögen wir die Herrin des Nektarsitzes erkennen. Wir meditieren über die Herrin des Nektars. Möge die Wunscherfüllende uns anregen.

8.GY.181 Mögen wir die Nektar Hervorbringende erkennen. Wir meditieren über die Gestalt des Nektars. Möge die Wunscherfüllende uns anregen.

8.GY.182 Mögen wir die Herrin des Nektars erkennen. Wir meditieren über die Welt Erleuchtende. Möge die Wunscherfüllende uns anregen.

8.GY.183 Mögen wir Annapūrṇā erkennen. Wir meditieren über die alles Belebende. Möge die Wunscherfüllende uns anregen.

Gāyatrīs der fünf Juwelen-Vidyās

8.GY.184 Mögen wir Śrīvidyā erkennen. Wir meditieren über die Juwelenherrin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.185 Mögen wir Siddhalakṣmī erkennen. Wir meditieren über die Juwelenherrin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.186 Mögen wir Mātaṅgī erkennen. Wir meditieren über die Juwelenherrin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.187 Mögen wir Bhuvaneśvarī erkennen. Wir meditieren über die Juwelenherrin. Möge die Göttin uns anregen.

8.GY.188 Mögen wir Vārāhī erkennen. Wir meditieren über die Juwelenherrin. Möge die Göttin uns anregen.

Damit enden die Gāyatrīs der fünf Fünfergruppen.

Die drei Gestalten des Śrīcakra

Nun wird die Herstellung des Śrīcakra erklärt:

8.CA.1–8.CA.3 Die räumliche Anlage des Śrīcakra wird dreifach genannt, Herrin: Meru, Kailāsa und Bhū. Das Meru-Yantra gilt als wesensgleich mit den Nityās, die Kailāsa-Anlage mit Mātṛkā, die höchste Bhū-Anlage mit Vaśinī und den zugehörigen Göttinnen. Das Meru-Cakra gehört zur Schöpfungsfolge, Kailāsa ist der halbe Meru,

8.CA.4–8.CA.6 und wird der Auflösung zugeordnet; die Bhū-Anlage der Erhaltung. Jedes einzelne Cakra besitzt nach Schöpfung und den weiteren Ordnungen wiederum drei Formen. Die Auflösung gilt als Kaulika, die Schöpfungsfolge als Samaya; die Erhaltungsfolge wird als rein bezeichnet, höchst geheim. Am Meru-Cakra gibt es keine Verehrung in der Auflösungsfolge.

8.CA.7–8.CA.8 und Fortsetzung Es soll sorgfältig in der Schöpfungsfolge verehrt werden. Für Kailāsa wird die Auflösungsverehrung vorgeschrieben, für die Bhū-Anlage stets die Erhaltungsverehrung. Die Erhaltungsfolge gehört dem Haushalter, die Auflösung dem Waldeinsiedler und Entsagten, die Entstehung dem Brahmacārin; für Frauen und Śūdras gilt die gewünschte [Ordnung]. [Dies sind die sozialen und rituellen Zuordnungen der Quelle.]

Im Śrīrudrayāmala:

8.YM.1 und Fortsetzung Der Yogi fertige das Yantra mit Kuṅkuma und Sindūra auf Gold, Silber, Kupfer, Kristall oder Koralle an. In diesem Cakra verehren die vortrefflichen [Übenden] die Göttin nach dem genannten Verfahren.

Im Śrītantrarāja:

8.TR.1 und Fortsetzung Man fertige das Cakra auf einem Edelstein, Gold, Silber, Kupfer oder Stein an, stelle es auf und verehre es, um Glück, Schönheit, Ruhm, Nachkommen, Vermögen, Gesundheit und weitere Ziele zu erlangen.

„Stein“ bedeutet hier Gaṇḍakī-Stein. Im Dakṣiṇāmūrti heißt es entsprechend: „Auf einem aus der Gaṇḍakī stammenden Stein, auf Gold, Silber oder Kupfer.“

Im Ratnasāgara:

8.RS.1 Auf Gold [gilt es] lebenslang, auf Silber zweiundzwanzig Jahre, auf Kupfer zwölf und auf Birkenrinde die Hälfte davon.

An anderer Stelle:

8.AN.1 Auf Kupfer zwölf Jahre, auf Kristall und ähnlichen Materialien stets. Unter diesen gilt Kristall als alle Vollendungen gewährend.

Im Lakṣasāgara:

8.LS.1–8.LS.3 Ein mit Sindūra-Pulver auf dem Boden gezeichnetes Yantra gewährt alle Wünsche; aus Gold gefertigt zieht es alle Könige in seinen Bann. Ein silbernes Yantra gewährt Lebensdauer, Gesundheit und Wünsche; ein kupfernes gilt als alle Herrschaft verleihend. Ein aus Smaragd gefertigtes vernichtet alle Feinde; eines aus drei Metallen gilt als alle Vollendungen bewirkend.

8.LS.4 Die Göttin sprach: „Wie wird das Yantra aus drei Metallen gefertigt, Maheśvara? Sage es mir aus Gnade, wenn ich dir lieb bin.“

8.LS.5–8.LS.7 Īśvara sprach: „Aus zehn Teilen Gold, sechzehn Teilen Silber und zwölf Teilen Kupfer fertige man einen schönen Sockel. Darauf lasse man das Śrīcakra herstellen. Es gilt als Frieden und Gedeihen gewährend, alle Feinde abwehrend, Lebensdauer und Gesundheit hervorbringend, Schönheit und Fülle verleihend. Höre die drei Arten des Cakra: Bhū-Anlage und halber Meru …“ [Die dritte Form folgt erst in der weiteren Beschreibung.]

8.LS.8–8.LS.11 und Fortsetzung Für die in Pātāla Wohnenden ist die Anlage mit vertieften Linien bestimmt; die mit erhabenen Linien ist Mahāśānti für die Bewohner der Menschenwelt. Für die Bewohner der Himmelswelten heißt sie Meru. Vom Bhūpura bis zum Bindu steigt alles der Reihe nach an: dies nenne ich Meru-Gestalt. Die als samordhvarekhānavaka beschriebene Anlage heißt die mit erhabenen Linien [die genaue Höhenordnung bleibt unsicher]. Die Verbindung vertiefter Linien heißt Bhū-Anlage. Aus Zuneigung habe ich dir das Grundwesen des Yantras offenbart. Du sollst es stets wie deine eigene Yoni verborgen halten, Gütige.

Im Śrītantrarāja:

8.TRH.1–8.TRH.2 und Fortsetzung Steigen die neun Kreise vom Quadrat bis zur Mitte jeweils höher an, ergibt sich [die widersprüchliche Angabe] Tod und Vermögen. Bei einem Anstieg in Dreiergruppen erhält man Kinderlosigkeit und Glück. Ein Anstieg in der Ordnung eins, zwei, sechs dient Glück und Ruhm. Sind alle neun gleich hoch, dient dies der Verwirklichung aller gewünschten Ziele. [Die problematische Verbindung nidhanaṃ dhanam bleibt als Textproblem sichtbar.]

Im Kulamūlāvatāra:

8.KM.1–8.KM.3 und Fortsetzung Bei schrittweiser Erhöhung, Göttin, folgt auf Vermögensgewinn der Tod. Sind im Bhūcakra der sechzehnteilige und der achtteilige Kreis eben, das Übrige aber erhöht, bringt dies Vermögen und Kinderlosigkeit. Ist das Quadrat eben und steigen die Teile vom sechzehnteiligen Kreis bis zum Bindu gegeneinander an, dient dies Glück und Ruhm. Sind vom Quadrat bis zum Bindu alle Linien gleich hoch, dient dies Glück, Ruhm, Gesundheit und Unsterblichkeit. [Die Wirkungszuschreibungen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben.]

Im Tantrarāja:

8.TRM.1–8.TRM.2 Blei, Bronze und dergleichen bewirken das Gegenteil des zuvor Gesagten. Man soll [das Yantra] niemals auf Brett, Stoff oder Wand aufstellen. Geschieht dies aus Verblendung, Habgier oder Unwissenheit, so entwurzele es Familie, Vermögen und Nachkommen vollständig.

Im Lakṣasāgara heißt es: „Auf Zinn, Blei oder Eisen soll es niemals gefertigt werden.“ [Spätere Zitate erlauben teilweise andere Trägermaterialien; diese Überlieferungsunterschiede werden nicht vereinheitlicht.]

Maße und Aufbau des Verehrungssockels

Im Kulamūlāvatāra:

8.KMP.1–8.KMP.2 Der schöne Verehrungssockel soll von Osten nach Westen und von Süden nach Norden drei Aṅgulas breit sein und ein Pala wiegen. Man mache ihn rundum quadratisch und ein halbes Gerstenkorn hoch. Auf diesem Sockel lasse man das Śrīcakra herstellen.

Im Sautrāmaṇītantra:

8.ST.1–8.ST.2 Eine gerade Linie bedeutet Glück, eine krumme Linie Armut. Die Breite sei drei Aṅgulas, die Höhe ein halbes Gerstenkorn. Dies gilt für Gold und Silber; für Kupfer die zuvor genannte Zahl, bei Rubinen und ähnlichen Materialien nach Wunsch.

Ein Pala entspricht nach dem Kommentar dreihundertzwanzig Guñjās. Das Aṅgula-Maß wird im Mahākapilapañcarātra erklärt:

8.MKP.1 Acht quer nebeneinandergelegte Gerstenkörner bilden ein Mānāntara-Aṅgula; oder drei der Länge nach gelegte Reiskörner ergeben dieses Maß.

Weiter heißt es: „Die Vorschriften für Altar, Sockel, Sänfte, Wagen und dergleichen sollen mit dem Mānāntara-Aṅgula ausgeführt werden, mit keinem anderen Maß.“ Weil das Śrīcakra als Pīṭha bezeichnet wird, ist seine Größe daher mit diesem Maß zu verstehen.

Die drei Kreise vom Bindu bis zum Achteck entsprechen der Auflösung; die beiden Zehnecke und das Vierzehneck der Erhaltung; die drei darüber beziehungsweise außerhalb liegenden Kreise vom achtblättrigen Lotus bis zum Bhūpura der Schöpfung. Im Rudrayāmala:

8.RYC.1 Bindu, Dreieck, Achteck, zwei Zehnecke, Vierzehneck, achtblättriger und sechzehnblättriger Lotus, drei Kreislinien und drei Erdhäuser: Dies wird als das Śrīcakra der höchsten Gottheit erklärt.

Im Subhagodaya:

8.SUB.1 Aus vier Śiva-Cakras und fünf Śakti-Cakras ist das Śrīcakra als aus Śiva und Śakti bestehend zu erkennen: der Leib der beiden.

Im Śrībhūtabhairava:

8.BB.1 Wer darin Staubfäden zeichnet, große Herrin, dem fügen die Bhairavas mit ihren Yoginīs Gewalt zu.

Aufgrund dieser Aussage werden hier keine Staubfäden gezeichnet. Im Svacchandasaṃgraha: „Man fertige auf dem vorbereiteten Boden ein sehr schönes Yantra von einer Hasta an.“ Im Tantrarāja:

8.TRG.1 und Fortsetzung Für die Weihe ist das Śrīcakra neun oder drei Hastas groß; auf dem Boden für die tägliche Verehrung wird eine Hasta empfohlen. Bei einer Herstellung aus Edelsteinen und ähnlichen Materialien ist das Maß dem Wunsch überlassen.

Weiter:

8.TRF.1–8.TRF.3 Man fülle das Śrīcakra auf dem Boden mit rotem Pulver aus. Alle Hindernisse verschwänden und das Gewünschte werde erlangt. Zehn Teile Gold, zwanzig Teile Kupfer und sechsfach [Lesart: sechzehn Teile] Silber bilden die glückverheißende Drei-Metall-Mischung. Wer in diesem Cakra verehrt, erlangt Glück und werde bald Herr der acht Siddhis beginnend mit Aṇimā. [Der Kupferanteil unterscheidet sich von den zwölf Teilen des vorigen Zitats; auch die Silberangabe ist unsicher.]

8.TRF.4–8.TRF.6a Ein Yantra aus Koralle, Rubin, Saphir, Vaiḍūrya, Kristall oder Smaragd gewähre sicher Vermögen, Kinder, Ehepartner und Ruhm. Kupfer gewährt Schönheit, Gold Feindvernichtung, Silber Wohlergehen, Kristall alle Vollendungen.

8.TRF.6b–8.TRF.8 Bei einem Yantra, das abgeschlagen, gerissen, zerbrochen, abhandengekommen beziehungsweise aus seiner Lage geraten, ohne das richtige Maß, verbrannt, von einem ungeeigneten Tier berührt, auf unreinen Boden gefallen, mit einem anderen Mantra verehrt oder durch die Berührung eines sozial Ausgestoßenen verunreinigt ist, nehmen die Himmlischen in keinem dieser zehn Fälle ihren Sitz. [Die letzte Ausschlussregel ist eine historische Reinheitsvorstellung des Textes.]

8.TRF.8b–8.TRF.9 und Fortsetzung Ist das Yantra verbrannt, gesprungen oder von einem Dieb geraubt, faste man einen Tag aufmerksam, wiederhole die Vidyā hunderttausendmal, verbunden mit Homa und Tarpaṇa, erfreue den Guru durch aufrichtige Hingabe und speise Brahmanen. Einige verstehen unter der hier genannten Zahl stattdessen zehntausend.

8.YB.1–8.YB.2 Wer ein Yantra mit ausgelöschten Zeichen oder Beschädigungen wie Rissen töricht zerbricht, dem sei der Tod gewiss. Deshalb gebe man es, Göttin, in den König der heiligen Wasserstätten, in die Gaṅgā oder einen anderen großen Fluss oder ins Meer; andernfalls erfahre man Leid. [Dies ist die historische Entsorgungs- und Sühnevorschrift der Quelle.]

Das Zeichnen des Śrīcakra

In der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā:

8.DC.1–8.DC.2 Auf einem roten Sitz sitzend vollziehe man die Entfaltung des Yantras. Man zeichne eine weit ausgedehnte Śakti [ein abwärts gerichtetes Dreieck], auf der eine weitere Śakti sitzt, und umschließe sie mit Feuer [einem aufwärts gerichteten Dreieck], entsprechend der Durchschneidung der Verbindungen. Die Linien zu Feuer, Īśa, Asura und Wind [Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten] erweitere und verbinde man.

8.DC.3–8.DC.4 So entstehen die beiden Zehnecke, Göttin. Der Einsichtige ziehe die Linien der vier mittleren Winkel so, dass durch ihre Verbindungsstellen das Vierzehneck entsteht. Die Einheit der gleichmäßig geformten Dreiecke und Śaktis sei für die Augen angenehm.

8.DC.5–8.DC.6 und Fortsetzung Schön durch seine Verbindungen und mit geraden Linien entfaltet, werde außen ein achtblättriger Lotus ohne Staubfäden gezeichnet, danach ebenso ein herrlicher sechzehnblättriger Lotus, wohlgerundet. Anschließend zeichne man das Erdhaus, schön mit vier Toren, und lege eine Blume hinein.

8.DP.1–8.DP.3 Der Einsichtige zeichne den Verehrungssockel auf kāśmīra, auf Spiegel oder Birkenrinde mit einem goldenen Stift und einer Mischung aus Safran und Kampfer. Auf einer Metallplatte zeichne man mit Sindūra-Pulver vermischt; oder auf dem Boden mit schönen Linien in Kuṅkuma beziehungsweise Sindūra, um alle Ziele zu verwirklichen. [Die Materialbezeichnung kāśmīra ist in dieser Aufzählung nicht eindeutig.]

8.DP.3b–8.DP.6 Dieses Cakra ist in der Mitte mit einem Bindu geschmückt. Dann folgen Dreieck, Achteck, Zehneck, nochmals Zehneck und Vierzehneck: dies ist der mittlere Cakra-Bereich. Vom Bindu bis zum Achteck liegt die innerste Mitte, Herrin der Götter; [das Dreiecksgefüge] umfasst dreiundvierzig Bhagas. Achtblättriger Lotus, sechzehnblättriger Lotus und Quadrat folgen der Reihe nach. Dieses neunfache Gebilde ist durch neun Yonis gekennzeichnet.

Im Jñānārṇava:

8.JC.1–8.JC.3 Auch das Śrīcakra hat die Gestalt des Meru, daran besteht kein Zweifel. La ist das Erd-Bīja; daraus wird das Erdhaus erklärt [die Vorlage hat hier das beschädigte Wort tatrovāpura]. Sa ist der Mond mit sechzehn Kalās; daraus der sechzehnblättrige Lotus. Ha heißt Śiva, der acht Gestalten besitzt; daraus der achtblättrige Lotus. Ī ist Mahāmāyā,

8.JC.4–8.JC.6 welche die vierzehn Welten erhält; daraus entsteht der Vierzehneck-Kreis. Die eine Śakti steht an zehn Orten und bringt die drei Welten hervor; als Weltursprung besitzt sie die zehn Gestalten Viṣṇus. Aus ra entfaltet sie sich, das Cakra durchdringend, als die höchste Zehneck-Gestalt, als unvergängliches Licht. Feuer mit seinen zehn Kalās lässt den Zehneck-Kreis entstehen.

8.JC.7–8.JC.9 Aus ka erscheinen Mādana und Śiva in achtfacher Gestalt; seine Yoni wird im Cakra mit acht Yonis gekennzeichnet. Die halbe Mātrā erzeugt die Guṇas und ist von der Gestalt der Unterscheidung; daraus die dreieckige Yoni. Aus dem Bindu entsteht das Bindu-Cakra. Dies ist die Gestalt Kāmeśvaras, die Grundlage des Alls. Das Śrīcakra geht aus den Lauten der Śrīvidyā hervor, Schöne.

8.JC.10–8.JC.13 Nach Osten gewandt sitzend zeichne man den König der Cakras auf ebenem, geeignetem Boden mit Sindūra- oder Kuṅkuma-Pulver. Die Linien seien gerade, augenfreundlich und an ihren Schnittstellen gleichmäßig. Oder man fertige eine Platte aus Gold, Silber, Kupfer, Edelstein oder Metall, lege sie auf ein Brett aus rotem Sandelholz und zeichne mit einem goldenen Stift, mit Rocanā, Kuṅkuma, Moschus, Sandel und Kampfer.

8.JC.14–8.JC.16 Von Īśāna [Nordosten] bis Agni [Südosten] zeichne man eine gerade Linie. Von deren beiden Enden ziehe der Lehrer zwei Linien und vereinige sie im Westen: dies ist eine höchste Śakti in Dreiecksgestalt. Darüber zeichne man wiederum ein Dreieck; so sind zwei Śaktis genannt. An der Spitze der ersten Śakti zeichne man eine Linie wie einen Messstab,

8.JC.17–8.JC.18 die zu Wind- und Rākṣasa-Ecke [Nordwesten und Südwesten] läuft. Entsprechend den Schnittstellen der beiden Śaktis ziehe man von den Winkeln zwei Linien und lasse ihre Spitzen im Osten zusammentreffen. Dies ist der nach Osten gerichtete Feuerkreis, von Helden Verehrte.

8.JC.19–8.JC.22 So sind es schließlich drei. Höre weiter: Von den Īśa- und Agni-Winkeln der ersten Śakti erweitere man die östliche Linie; ebenso vom westlichen Feuer aus die nach Westen gehende Linie zwischen Wind- und Rākṣasa-Winkel. Man verbinde sie gemäß der Durchschneidung der Śaktis mit der zur Yoni-Spitze im Osten laufenden Linie, jeweils von Süden und Norden. Dann verbinde man die beiden in der Yoni befindlichen Linien nach Westen mit den Winkelspitzen. So entsteht ein Zehneck. [Die syntaktisch beschädigte Folge tarā rekhe verhindert eine vollständig eindeutige geometrische Rekonstruktion allein aus diesem Wortlaut.]

8.JC.23–8.JC.25 Ebenso entsteht das zweite Zehneck. Man erweitere die Linien von Īśāna und Agni zu den Spitzen der vorderen Yoni und verbinde sie nach Westen. Dann erweitere man die Linien der Wind- und Rākṣasa-Winkelspitzen und verbinde sie an der westlichen Spitze mit der nach Osten gerichteten [Linie]. Eine schöne, zur vorderen Winkelspitze reichende Spitze füge man an,

8.JC.26–8.JC.29 sodass Śakti entsteht. In den Zehnecken lasse man vier Winkel aus und ziehe zwischen ihren Enden die mittlere Linie: zwei auf der Südseite und ebenso auf der Nordseite. Im Sechseck verbinde man Yoni und Feuer nach der Ordnung ihrer Schnittstellen; so entsteht das Vierzehneck. Die durch die Mitte der Zwischenräume gehende Linie füge man in ihrer richtigen Gestalt an, sodass eine gerade und überaus schöne Form entsteht. [Die Ausgabe übersetzt die Zeichenanweisungen; sie behauptet damit keine praktisch geprüfte Konstruktionsanleitung.]

8.JC.30–8.JC.31 Fünf Śakti-Spitzen weisen einem entgegen, vier Feuer-Spitzen nach Osten. Bindu, Dreieck und Achteck bilden nach den Cakra-Unterschieden den inneren Kreis. Die beiden Zehnecke und der mit vierzehn Yonis bezeichnete Kreis gehören zum äußeren mittleren Bereich.

8.JC.32–8.JC.33 Dieses Cakra gewährt alles Glück, alle Herrschaft und vernichtet alle Bedrängnisse. Es erfüllt mit vielen Pferden, Rubinen und Gold, gewährt große Befreiung und verleiht der Rede Entfaltung.

8.JC.34–8.JC.37 Außen füge einen Kreis hinzu, dem Vollmond gleich, Lotusäugige, und den schönen achtblättrigen Lotus. Danach zeichne den sechzehnblättrigen Lotus und das Quadrat mit vier Toren. Vierundsechzig Koṭis von Yoginīs ehren in diesem überaus leuchtenden Cakra den Übenden besonders. Das Quadrat sei zur Vollendung mit den Mātṛkā-Lauten geschmückt, glänzend wie aus Perlen und Rubinen gefertigt.

Die neun Kreise und die sechs Wege

8.JC.38–8.JC.40 [Das Quadrat] heißt „die drei Welten bezaubernd“ und gewährt die Früchte des Wunschbaums. Der sechzehnteilige Kreis hat die Gestalt der Mondscheibe und ist der Ort seiner Kalās. Er heißt „alle Hoffnungen erfüllend“ und gleicht herabströmendem Nektarregen. Der achtblättrige Lotus ist rot wie Hibiskus, heißt „alles erschütternd“ und erfüllt alle Wünsche. Diese drei bilden das Wohlstand gewährende Schöpfungs-Cakra.

8.JC.41–8.JC.44 Mit den Göttinnen der östlichen und weiteren Überlieferungen geschmückt gewährt es alle Siddhis. Das Vierzehneck leuchtet wie Granatapfelblüten und gewährt unendliche Frucht und alles Glück. Das Zehneck glänzt wie geschmolzenes Gold beziehungsweise Sindūra und heißt „alle Ziele verwirklichend“; es erfüllt die Gedanken des Geistes. Das zweite Zehneck ist hibiskusrot, heißt „allen Schutz gewährend“ und besteht aus großer Erkenntnis. Diese drei bilden das Glück gewährende Erhaltungs-Cakra.

8.JC.45–8.JC.48 Es wird in der südlichen Überlieferung verehrt und gewährt die gewünschte Frucht. Das Achteck ist rot wie die Strahlen der jungen Sonne und klar wie ein Rubin; es beseitigt nach dem Text alle Krankheiten. [Das Dreieck] leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen und wie die Bandhūka-Blüte; es heißt „alle Vollendungen gewährend“, ist der Ort seiner Kalās und Ursache allen Entstehens, stets Erhaltung verleihend. Das Bindu-Cakra heißt „aus aller Glückseligkeit bestehend“, besteht aus Sadāśiva und ist der Herr der Cakras.

8.JC.49 Dieses Auflösungs-Cakra besteht stets aus Brahman. Es wird in der westlichen Überlieferung verehrt; die Dreiergruppe auch in der nördlichen. [Der genaue Rückbezug von trayam ist gedrängt.]

8.JC.50–8.JC.51 In diesem Cakra befinden sich die sechs Wege, von Helden Verehrte. Auf den Cakra-Blättern liegt der Wortweg; in den Unterschieden ihrer Verbindungsstellen der Weltenweg. Den Lautweg in Gestalt der Mātṛkā erkläre ich dir, Makellose.

8.JC.52–8.JC.54 Die acht Mātṛkā-Gruppen stehen in den Richtungen und [bei] den Siddhis; erkenne das Erdquadrat als daraus bestehend. Der sechzehnteilige Kreis besteht aus Kalās. Auf dem achtblättrigen Lotus liegen die mit ka beginnenden Gruppen bis kṣa in Haupt- und Zwischenrichtungen. Die vierzehn Laute von ka bis ḍha stehen in den vierzehn Winkeln; die zehn Laute von ṇa bis bha im Zehneck und die von ma bis kṣa im zweiten Zehneck.

8.JC.55–8.JC.56 Die acht Gruppen stehen im Achteck. Im Dreieck liegen die mit a, ka und tha beginnenden Reihen, das Paar ha-kṣa in der Mitte. Damit ist der Lautweg in Gestalt des Mātṛkā-Sitzes erklärt. Das Cakra ist gemäß seiner Grundlage mit den sechsunddreißig Tattvas erfüllt.

8.JC.57–8.JC.58 und Fortsetzung Der Kalā-Weg ist mit den fünf Thronen verbunden, indem er das Cakra erhält. Bālā, mit Bhairavī verbunden, und Mahātripurabhairavī, [sowie die Reihe] von Tripurā bis Ambikā, entfalten sich das Cakra durchdringend. Dies wird gewiss als Mantraweg bezeichnet, Geliebte. So vergegenwärtige man das Śrīcakra, lauter durch die sechs Wege. [Die letzte Zusammenstellung ist sprachlich gedrängt; der Tattva-Weg wurde unmittelbar zuvor durch die sechsunddreißig Tattvas bezeichnet.]

Weitere Konstruktionsfolgen

Im Subhagodaya:

8.SUK.1–8.SUK.2 Die quadratische Bodenfläche sei sechsundneunzig Aṅgulas lang. Man teile sie zunächst vierfach in jeweils vierundzwanzig Aṅgulas. Bei den durch Guhas Gesichter, Geschmäcker, Glieder, Feuer, Veden, Feuer, drei, Pfeile und Jahreszeiten bezeichneten [Maßen] tilge man an beiden Enden die entsprechenden Abschnitte. [Die Zahlcodes ergeben bei gewöhnlicher Deutung sechs, sechs, sechs, drei, vier, drei, drei, fünf, sechs; die konkrete Bezugslinie wird hier nicht eindeutig erklärt.]

8.SUK.3–8.SUK.4 Bei der Sonne [nehme man] drei, beim Mond vier, beim Sohn des Mondes eine Kalā, bei Jīva achtzehn, bei Śukra die Vokale, bei Rāhu fünf und bei Ketu drei. Während der Bildung der fünf Śaktis und vier Feuer setze man das Linienpaar als Śani von der Sonne aus in den Erdkreis. [Die als Planeten bezeichneten Bezugspunkte werden im erhaltenen Wortlaut nicht eigens definiert; die Maßanweisung bleibt daher teilweise unbestimmt.]

8.SUK.5–8.SUK.6 Über Ketu liege der Kreis, [bezeichnet als] Sohn der Erde; man führe von Rāhu zur Sonne, vom Mond zu Ketu, von Kavi zum Mond, von Budha zu Rāhu, von Guru zu Kuja, von Ketu zu Budha und von Ravi zu Śauri. So entstehen sechs Cakras. Außen zeichne man die drei weiteren Kreise mit jeweils acht Aṅgulas.

8.SUK.7–8.SUK.10 und Fortsetzung Den achtblättrigen Lotus, den sechzehnblättrigen Lotus und die drei Erdhäuser: Hier zeichne der Kundige der Reihe nach von der mittleren Yoni aus querlaufende Linien ringsum, eineinhalbfach und doppelt, dreimal. [Die folgende Angabe sampradāyaviśeṣaṇa kṣamā viśvakalāśraye ist nicht zuverlässig zusammenhängend übersetzbar; sie verweist auf Besonderheiten der Überlieferung.] In die Mitte zeichne man drei Kreise von der Gestalt der drei Guṇas. Dies heißt der König der Cakras, mit dem Bindu in der Mitte, großes Glück hervorbringend und Genuss und Befreiung gewährend. Man zeichne ihn mit Sindūra-Pulver auf den Boden und verehre ihn; oder auf eine Gold-, Silber- oder andere Platte, die auf einem Sockel liegt.

Der Kommentar: Diese Entfaltung folgt der Erhaltungsordnung. Dakṣiṇāmūrti und Jñānārṇava haben die Entfaltung nach der Schöpfungsordnung gezeigt. Die Entfaltung nach der Auflösungsordnung steht im Śrītantrarāja:

8.TRA.1–8.TRA.2 In einem vollkommen gleichmäßigen Quadrat erzeuge man mit dem Zirkel einen Kreis. Man beseitige die quer durch die Mitte laufende Schnur und lege neun Schnüre quer ein; zwei davon berühren den Kreis mit beiden Enden. Von deren Enden aus und von den Enden der mittleren Schnur bilde man der Reihe nach

8.TRA.3–8.TRA.4 vier Schnüre; so entstehe ein Sechseck, das zu drei und sieben reicht. Von zwei und acht ausgehend bilde man zwischen neun und eins vier Schnüre entsprechend den vier Marma-Punkten. Von den Spitzen der neunten und ersten bis zur vierten und siebten

8.TRA.5–8.TRA.7 bilde man vier Schnüre, welche acht Marma-Punkte durchschneiden. Danach ziehe man von den beiden Enden der vierten und sechsten ausgehend vier Schnüre zur achten und zweiten, entsprechend den vier Marma-Punkten. Von den beiden Enden der fünften aus bilde man zwei Schnüre zur dritten, auf zwei Marmas gestützt. Man entferne die mittlere Brahma-Schnur; so entsteht das höchste Cakra. [Die Zahlen beziehen sich auf die zuvor eingelegten Schnüre beziehungsweise ihre Bezugspunkte; eine zeichnerische Validierung dieser Überlieferungsfassung wird hier nicht behauptet.]

8.TRA.8–8.TRA.10 und Fortsetzung Außen fertige man einen achtblättrigen Lotus und einen mit doppelt so vielen Blättern, mit sechs Kreisen; dann ein Quadrat aus acht Schnüren, mit Toren im Osten und Westen. Im Süden und Norden bilde man entsprechend zwei Stellen aus je drei Linien. Mit vier schrägen Schnüren teile man diese an den Ecken jeweils zweifach und bilde die vier Bereiche, höchste Herrin. Dieses Verehrungscakra Lalitās ist der Reihe nach von einem guten Guru zu erlernen.

Auch die Ācāryas haben gesagt:

8.ĀC.1 Mit den vier Śrīkaṇṭhas und den fünf deutlich unterschiedenen jungen Śiva-Gemahlinnen, mit diesen neun Grundursachen, haben sich die Winkel deiner Wohnstätte zu vierundvierzig entfaltet, zusammen mit acht Blättern, sechzehn Teilen, drei Kreisringen und drei Linien. [Die hier genannte Vierundvierzigzahl steht neben der zuvor genannten Dreiundvierzigzahl; sie wird nicht vereinheitlicht.]

Die neun Grundursachen und der menschliche Körper

Der Kommentar erläutert: „Mit vier“ bedeutet mit den durch die Zahl vier bezeichneten Śrīkaṇṭhas. Śrīkaṇṭha ist Hara, der das als śrī bezeichnete Gift im Hals trägt. Auch die entsprechenden Winkel heißen Śrīkaṇṭhas, weil sie aus seinem Wesen bestehen. „Mit den jungen Śiva-Gemahlinnen“ bedeutet mit den Śaktis, den aus Śakti bestehenden [Dreiecken]; „fünf“ bezeichnet ihre Zahl. Das Wort „auch“ hebt die Unterscheidung hervor, „deutlich unterschieden“ ihre ausgeprägte Verschiedenheit.

Diese besondere Unterscheidung besteht nach dem Kommentar darin, dass zwischen Śiva- und Śakti-Cakras der Bindu-Bereich vorhanden ist [die Form vaindavamānava ist beschädigt]. Dies ist beim Zeichnen der fünf Cakras in der Schöpfungsordnung nach der Samaya-Lehre zu verstehen. Beim Zeichnen des Neun-Yoni-Cakras in der Auflösungsordnung nach der Kaula-Lehre zeigt sich die Unterscheidung durch die nach oben und unten gerichteten Formen. So stehen beide jeweils gesondert.

„Von Śambhu“ ist ein Ablativ; mit Śambhu sind die vier Śrīkaṇṭhas bezeichnet. „Mit neun“ meint die Zahl neun; „auch“ nimmt die anschließend genannte Vielheit hinzu. „Grundursachen“ bedeutet die ursprünglichen Ursachen der Weltentfaltung; deshalb werden sie Yonis genannt. Die neun Yonis haben die Gestalt von neun Dhātus. Im Kāmika heißt es: „Haut, Blut, Fleisch, Fett und Knochen haben Śakti als Ursprung; Mark, Samen, Lebenshauch und Lebenssubstanz haben Śiva als Ursprung. Dieser Körper aus neun Dhātus geht aus neun Yonis hervor.“

Weil die Lebenssubstanz Grundlage des Lebens ist, wird Ojas als Jīva-Dhātu bezeichnet. Der Kommentar führt Vāgbhaṭṭa an: „Die beste geklärte Essenz der Dhātus, von Rajas bis zum Samen, die Grundlage des Lebens, ist Ojas.“ [Die Zitatform und Zuschreibung werden nach dieser Vorlage wiedergegeben; raja-ādi ist auffällig.] Der zehnte Dhātu ist die eine höchste Śakti, seine Herrscherin. Die zehnte Yoni ist der Bindu-Ort; sie ist die Herrscherin dieses Körpers.

8.PB.1–8.PB.2 So entstand der Körperkosmos, und daraus entfaltete sich der Weltkosmos. Fünf [Prinzipien] gehören Śakti, die mit Māyā beginnenden Śiva: Māyā, Śuddhavidyā, Maheśvara und Sadāśiva. Die fünfundzwanzig Tattvas sind darin eingeschlossen. [Die knappe Zuordnung nennt hier keine vollständig ausgeführte Tattva-Tabelle.]

Mit „diese“ sind die elf Sinnes- und Handlungsvermögen sowie die subtilen Elemente beginnend mit Klang gemeint. „Erkenne diese Welt des Beweglichen und Unbeweglichen als aus Śiva und Śakti bestehend.“ Beweglich bezeichnet hier den Körperkosmos, unbeweglich den Weltkosmos. Die Anrede an die Göttin wird so erklärt: Mit vier Śrīkaṇṭhas und den von Śambhu unterschiedenen fünf Śiva-Gemahlinnen, den neun Grundursachen, entfalten sich die vierundvierzig [Winkel].

Dabei ist zu bedenken: In diesem Cakra gibt es achtundzwanzig Marma-Stellen und vierundzwanzig Verbindungsstellen. Der Einwand lautet: Wie können es achtundzwanzig Marmas sein, wenn doch nur vierundzwanzig genannt werden?

8.MAR.1 Der Treffpunkt zweier Linien heißt Sandhi, Verbindung. Den Treffpunkt dreier Linien nennen die Marma-Kundigen Marma.

Auch wenn bei den Śiva-Cakras — achtblättriger Lotus, sechzehnteiliger Kreis, drei Gürtel und drei Bhūpuras — keine Treffpunkte dreier Linien vorliegen, gilt für sie aufgrund ausdrücklicher Überlieferung die Bezeichnung Marma. In der Candrajñānavidyā heißt es:

8.CJ.1 Vierzehneck, zwei Zehnecke, Achteck und vier Kreise: achtundzwanzig Marmas und vierundzwanzig Sandhis. [Die Kreise werden durch die vorherige Erklärung zu den Marmas hinzugerechnet.]

Feuer, Mond und das Licht der Göttin

Im Rudrayāmala:

8.RUL.1–8.RUL.2 Die Pṛśni genannten Munis und die weiteren [Weisen] stützen sich alle auf das Cakra und dienen der Cakra-Vidyā, die von Göttern und Gandharvas verehrt wird. Das Cakra besteht aus Feuer und Mond; die Welt besteht aus Feuer und Mond. In das Feuer ist die Sonne eingeschlossen, daher gilt [das Ganze] als aus Feuer und Mond bestehend.

8.RUL.3–8.RUL.5 und Fortsetzung Das dreigeteilte Mātṛkā-Cakra besteht aus Mond, Sonne und Feuer. Dreieck und Bindu gehören dem Mond, das Achteck ist gemischt; das Vierzehneck gehört dem Feuer und das Quadrat der Sonne. Durch seine Gnade gedeihen Indra und die übrigen, die acht Vasus und die Marut-Scharen. Alle, die in dieser Welt Fülle erlangt haben, dienen Tripurās Cakra. Die drei Städte des Cakras bestehen aus Mond, Sonne und Feuer. Das Cakra ist Mahālakṣmīs Stadt; dort wohnt Śiva mit ihr.

Im Bhairavayāmala, in der Candrajñānavidyā, sprach Maheśvara zu Gaurī:

8.BYL.1–8.BYL.3 „Gut, gut hast du gefragt, Hochbegnadete, Schöne der drei Welten! Diese Erkenntnis ist geheimer als geheim und wurde nirgends offenbart. Die Kalā-Vidyā, die höchste Śakti, hat die Gestalt des Śrīcakras. In seiner Mitte liegt der Bindu-Ort; dort wohnt Parameśvarī, mit Sadāśiva verbunden und über alle Wesen hinausgehend. Das Cakra Tripurasundarīs hat die Gestalt des Weltkosmos.

8.BYL.4–8.BYL.6 Es besteht aus den fünf Elementen, den subtilen Elementen, den Sinnesvermögen und dem Geistprinzip sowie den mit Māyā beginnenden Tattvas. Der Bindu liegt jenseits der Tattvas. In ihm wohnt die Göttin, welche Entstehung, Erhaltung und Auflösung der Welt bewirkt, mit Sadāśiva verbunden: die höchste Herrin jenseits der Tattvas, lichtgestaltig und von herrlicher Form.

8.BYL.7–8.BYL.10 Aus ihrem Leib gehen Strahlen hervor: tausend, zweitausend, hunderttausend, Koṭis, Arbudas — ihre äußerste Zahl ist nicht zu bestimmen. Indem es in dieses [Licht] eingeht, strahlt das Bewegliche und Unbewegliche der Welt. Durch den Glanz dieser Göttin leuchtet alles. Nichts, was ihres Wesens entbehrt, wird offenbar. Ohne das Bewusstsein dieser bewusstseinsgestaltigen Śiva-Śakti verfällt die bewegliche und unbewegliche Welt gewiss in Blindheit.

8.BYL.11–8.BYL.13 Unter den unendlich vielen Koṭis dieser Strahlen sind dreihundertsechzig, Śivā, die den Weltkosmos als Mond, Sonne und Feuer durchdringen: einhundertacht des Feuers, einhundertsechzehn der Sonne und einhundertsechsunddreißig des Mondes. Sie erhellen Weltkosmos und Körperkosmos: am Tag die Sonne, in der Nacht der Mond und in den Dämmerungen das Feuer.

8.BYL.15 Indem sie die Zeit erhellen, sind diese drei selbst von der Gestalt der Zeit. Dreihundertsechzig Tage bilden ein Jahr. [Eine Nummer 14 fehlt in der Vorlage; die Zeile über die Zeit steht unmittelbar vor der Nummer 15.]

8.BYL.16a Der große Gott als Wesen des Jahres wird Prajāpati genannt. Prajāpati, der Schöpfer der Welt, erschafft die Munis beginnend mit Marīci,

8.BYL.16b diese Weltenhüter, die alle Beschützer der Welt sind. Die Auflösung hängt von Hara ab, die Entstehung wird von Bhava bewirkt. [Die Vorlage vergibt die Nummer 16 zweimal.]

8.BYL.17 Der Schutz ist Mṛḍa zugeordnet. Śiva ist von Parameśānī zu Schöpfung, Erhaltung und Auflösung eingesetzt. So nimmt die Welt ihren Lauf.“

Der Kommentar: Mit „indem es in dieses eingeht“ und den folgenden Worten wird der Sinn der Śruti ausgedrückt: „Ihm, dem Leuchtenden, leuchtet alles nach; durch seinen Glanz leuchtet dies alles.“

Kolophon des achten Śvāsa Hier endet der achte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati, Schüler Śrīpragalbhācāryas, des Schülers Śrīviṣṇuśarmācāryas, des Schülers Śrībhagavatśaṅkarācāryas, des Schülers des hochverehrten großen Lehrers Śrīgovindācārya. [Dies ist die Zuschreibung des überlieferten Kolophons. Die danach stehenden isolierten Wörter „atha śrīvidyārṇavatantre“ sind ein technischer Anschlusskopf.]

9. Śvāsa

Besonderheiten der Cakra-Verehrung

Mit der Aussage „Das Meru-Yantra gilt als wesensgleich mit den Nityās“ wurde zuvor der Beleg für seine Verehrung in der Schöpfungsfolge gegeben. Das bedeutet: Die Verehrung von der Mitte bis zu Aṇimā und den weiteren [äußeren Gottheiten] ist die Schöpfungsverehrung. „Von der Mitte“ meint: beginnend mit den sechzehn Nityās. Deshalb besteht das Schöpfungs-Cakra aus dem Wesen der sechzehn Nityās; das Auflösungs-Cakra aus Mātṛkā und das Erhaltungs-Cakra aus Vaśinī und den zugehörigen Göttinnen.

Nachdem man so den König der Cakras entfaltet hat, bringe man mit der Gesamtvidyā eine Handvoll Blumen dar. Oder man stelle ein aus Metall, Edelstein oder anderem Material gefertigtes [Cakra] vor sich auf einen Sockel aus Śrīparṇī oder ähnlichem Holz und lege eine Blume darauf. Die Gesamtvidyā besteht aus Praṇava, den drei Tāras und dem Wurzelmantra, gefolgt von: „Ich verehre die Pādukā des Śrīcakras, verbunden mit sämtlichen offenen, verborgenen, stärker verborgenen, der Überlieferung angehörigen, Kula-, Kaula-, innerlich verborgenen, geheimen, höchst geheimen und höher-niederen geheimen Yoginīs. Verehrung.“ [Die Gruppennamen stehen in der Vorlage dicht zusammengesetzt; ihre Trennung ist teilweise aus dem Zusammenhang erschlossen.]

Die zuvor erklärte Cakra-Entfaltung ist beiden Lehrmeinungen gemeinsam. Die Kādi-Lehre nennt allerdings im Quadrat nur zwei Tore, im Osten und Westen. Für die Verehrer der Lopāmudrā gilt die im Bhairavayāmala genannte Besonderheit:

9.LO.1–9.LO.2 Die Verehrer Lopāmudrās schreiben in die Mitte des Bindu des genannten Śrīcakras das Preta-Bīja. In den außerhalb davon liegenden Dreiecken sollen im Osten, Süden und Norden drei Tore angelegt werden, wie die Tore des Bhūpura.

9.LO.3–9.LO.5 Außerhalb des Vierzehnecks, an den Spitzen der acht Blätter, fertige man Knoten und acht Dreizacke an. Die Knoten werden von zwei Praṇavas umschlossen. An den Knoten beginnend im Osten verehre man die acht Bhairavas; vor ihnen der Reihe nach die zehn genannten Vaṭukas und auf den Dreizacken die acht Bhairavīs.

9.LO.6–9.LO.8 In den drei Kreisringen verehre man die Yoginīs, die in Bhūr, Bhuvar und Svar wohnen. Ihre Anrufungen lauten: „Wieder und wieder Verehrung den Yoginīs, die in Pātāla wohnen! Wieder und wieder Verehrung den Yoginīs, die in der Bhūr-Welt wohnen! Wieder und wieder Verehrung den Yoginīs, die in der Bhuvar-Welt wohnen!“ [In Klammern folgt:] „Wieder und wieder Verehrung den Yoginīs, die in der Svar-Welt wohnen!“

Die Besonderheit besteht somit in ihrer Verehrung in den drei Kreisringen. [Der Text nennt einschließlich der eingeklammerten Ergänzung vier Weltgruppen für drei Ringe; die Zuordnung bleibt offen.] Nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sowie nach der räumlichen Anlage gibt es viele weitere Unterschiede des Śrīcakras; diese werden später erklärt. Hier war nur eine Zusammenfassung gegeben.

Die Bedeutung der Ritualgefäße

Nun wird das Verfahren zum Aufstellen der Gefäße beschrieben. Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man mit Kuṅkuma oder ähnlichen Mitteln das Verehrungs-Yantra auf eine Gold- oder andere Platte, stelle es vor sich auf, verehre es und ordne dann die Gefäße an. Die Gefäße werden für diese Verehrung außerordentlich geschätzt. Im Rudrayāmala heißt es:

9.RP.1–9.RP.2 und Fortsetzung Wer die Einsetzung ohne Gefäß vollzieht, dessen gesamte Opferhandlung wird fruchtlos und raubt Fahrzeuge und anderes Vermögen. Fehlt die Bali-Gabe, entsteht Hunger; fehlt Duft, Unglück; fehlt Räucherwerk, Unruhe; fehlt Kleidung, Vermögensverlust. Fehlt der Schirm, wird der Schirm [die Herrschaft] geraubt; ohne Baldachin werde man ein Reiher. [Die letzte Aussage lautet bako bhavet und bleibt in ihrer Bedeutung ungeklärt.]

Der Kommentar ergänzt: Bei „Baldachin“, auch „Vimāna“, ist „wenn er fehlt“ mitzudenken.

9.RP.3–9.RP.5 Fehlt der Altar, gehen Stadt und Siedlung zugrunde; fehlen die Krüge, gehen Angehörige zugrunde, Tochter des Berges. [Der Kommentar ergänzt ausdrücklich „bei fehlenden Krügen“.] Fehlen die Torbögen, werden Verwandte und Angehörige getroffen. Ohne Dakṣiṇā ist alles vergeblich. Fehlt die Mantravidyā, geht selbst eine sonst vollständige Handlung zugrunde. Mit Gefäß und Mantra verbunden beseitigt sie alle Mängel. [Diese Sanktionsvorstellungen werden als Aussagen des historischen Ritualtextes übersetzt.]

An anderer Stelle:

9.EP.1–9.EP.2 Man soll nicht nur ein einziges Gefäß verwenden, selbst wenn man unmittelbar Maheśvara wäre. Die Mantras wenden sich ab, bei jedem Schritt entstehen Gefahren. In dieser Welt werde man arm, danach gelange man in die Hölle. Ohne Unterlage droht Fall beziehungsweise Verlust, und die Gottheiten werden nicht zufriedengestellt.

Aufgrund solcher Tantra-Aussagen werden nun Gefäße, Unterlagen, Maße, Reinigung und weitere Fragen behandelt. Im Tantrarāja heißt es: „In einem Gefäß aus einem der drei Metalle, aus Glas oder Ton wird Arghya bereitet.“ Die drei Metalle sind Gold, Silber und Kupfer. Im Bhairavītantra:

9.BT.1 Ein Gefäß aus Gold, Glas oder Silber, aus Perlmutter, Schädel oder dem von Viśvāmitra Hervorgebrachten gewährt Wünsche. Gold dient dem Glück; Kristall [wird genannt, seine besondere Wirkung ist sprachlich nicht eindeutig angeschlossen]; Silber gewährt Freude, Kokosnuss die Verwirklichung des Gewünschten, Schädel gewiss Vollendung, Perlmutter Befreiung.

Im Kulārṇava:

9.KP.1 und Fortsetzung Aus Gold, Silber, Stein, Kupfer, Schädel, Flaschenkürbis, Ton, Kokosnuss, Muschelhorn, Perlmuschel oder einem heiligen Baum fertige man ein schönes, gut bearbeitetes, glückverheißendes Gefäß.

Im Bhairavayāmala:

9.BYP.1–9.BYP.3 und Fortsetzung Ein Silbergefäß gilt als höchstes unter den höchsten. Kokosnuss ist mittlere höchste Qualität, Glas die niedrigste höchste Qualität. Gold gilt als höchste mittlere Qualität, Silber als mittlere mittlere Qualität; Kupfer und Ähnliches als niedrigste mittlere Qualität. Bilva-Holz ist höchste niedrige Qualität, Brahmavṛkṣa-Holz mittlere niedrige Qualität, Ton die niedrigste. [Silber wird in dieser Rangfolge zweimal verschiedenen Stufen zugeordnet; die Vorlage wird nicht durch eine vermutete andere Materialbezeichnung korrigiert.]

Das Kokosnussgefäß

Im Mahāhārakatantra:

9.NK.1–9.NK.2 Höre, Göttin, ich erkläre das glückverheißende Kokosnuss-Verfahren. Einst wurde das Gefäß vom weisen Viśvāmitra geschaffen. Die Viśvāmitra-Schale ist das höchste aller Gefäße. Wer darin verehrt, erlangt die acht Siddhis.

9.NK.3–9.NK.4 Schon durch ihren Anblick erhebe der Haushalter einundzwanzig Familienlinien, ohne Zweifel. Durch den Anblick des Kokosnussgefäßes verschwänden alle Verfehlungen, selbst Brahmanentötung und Vertrauensbruch.

9.NK.5–9.NK.7 Wer während einer Sonnenfinsternis zehn Millionen Töchter [in Heirat] und Hunderte Goldgaben verschenkt, dessen Verdienst werde durch eine Arghya-Gabe aus Kokosnuss um das Zehnmillionenfache übertroffen. Ist dieses Gefäß nicht verfügbar, verehre man mit anderen Gefäßen. Beim Anblick des Arghya-Gefäßes tanzen Brahmā und die anderen Gottheiten sowie alle Yoginīs; erfreut gewähren sie Vollendung. [Die Töchtergabe und Verdienstrechnung gehören zur historischen Lob- und Sozialvorstellung der Quelle.]

Im Devīpurāṇa:

9.DP.1 und Fortsetzung Gefäße aus Gold, Silber, Holz, Ton, Stein und Edelsteinen, mit glückverheißenden Linien versehen, [dienen] Arghya, Speisegabe und Verehrung; für Bali-Gaben soll man sie nicht bestimmen. [Der knappe Satz stellt diese Verwendungszwecke gegenüber; andere Quellen geben abweichende Regeln.]

Form, Größe und Unterlagen der Gefäße

Im Śivarahasya:

9.ŚR.1–9.ŚR.3 Durch ein Goldgefäß werden alle gewünschten Ziele erreicht, Umā. Wer Arghya aus Silber darbringt, erlangt Lebensdauer, Herrschaft und Söhne; aus Kupfer Glück, aus Ton Dharma. Ist alles andere nicht verfügbar, [nehme man] ein eigenhändig geformtes Tongefäß. Sitz und Arghya-Gefäß dürfen nicht zerbrochen aufgestellt werden. Kupfer gilt überall wie Gold, beim Arghya-Gefäß sogar als höherwertig.

9.ŚR.4–9.ŚR.5 Die Gefäßunterlagen fertige man ebenso vortrefflich wie die Gefäße. Bali- und Homa-Handlungen gelingen nicht ohne Gefäß. Ein Gefäß von sechsunddreißig Aṅgulas gilt als höchstes; das mittlere ist um ein Drittel kleiner, das geringste misst zwölf Aṅgulas.

9.ŚR.6–9.ŚR.8 Ein Gefäß von weniger als acht Aṅgulas soll niemals angefertigt werden. Gefäße können die Gestalt einer Nabelhöhlung, eines Lotus, Muschelhorns oder blauen Lotus besitzen. Man fertige sie entsprechend den Formen der jeweiligen Elemente und ihrer Kreise, um die damit genannten Früchte zu erlangen. Wie die Gestalt des Gefäßes, so soll auch die Unterlage sein.

Im Devīyāmala:

9.DY.1–9.DY.2 Für Unterwerfung und Anziehung nehme man Goldgefäße; für Befriedung und Gedeihen Silber. Für Tötung und Vertreibung Eisen, für alle Stillstellungshandlungen besonders Ton. [Dies sind die Zuordnungen des historischen Ritualsystems.]

9.DY.3–9.DY.5 Ein aus dem Pulver der zu den Mantralauten gehörenden Pflanzen geformtes Gefäß gilt als vortrefflich. Wer damit die Gottheit durch Tarpaṇa erfreut, erlange innerhalb von sechs Monaten Mantravollendung. Ebenso vortrefflich ist ein Gefäß aus dem Baum des zu den Mantralauten gehörenden Mondhauses. Mit diesem höchsten Gefäß erfreue man die höchste Gottheit; ebenso entstehe Mantravollendung.

9.DY.6–9.DY.8 Diese beiden Gefäße sollen niemals öffentlich erklärt werden. Das aus der Yoni des Mantra-Mondhauses hervorgegangene Gefäß gilt als allerhöchstes. Es zieht fremde Vollendungen herbei; Tarpaṇa mit ihm beruhigt fremde Schadenrituale und vollendet die eigenen Mantras. Gefäße aus Lautpflanzen, Mondhäusern und Yonis soll man aus dem Mund des Gurus kennenlernen und in das Verehrungsverfahren einfügen. [Die Pflanzen und ihre konkrete Verarbeitung werden hier nicht genannt.]

9.DY.9 Für alle Handlungen verwende man das Viśvāmitra-Gefäß, du mit guten Gelübden. Ein Holzgefäß ist bei der Mantraverehrung zu verstehen. [Die letzte Angabe steht neben der zuvor als Viśvāmitra-Gefäß erklärten Kokosnussschale; die Zuordnung wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.]

Die Anordnung der Gefäße

Im Kulārṇava:

9.KA.1–9.KA.2 Zuerst Krug und Muschelhorn, dann Śrī-Gefäß, Śakti-Gefäß, Guru-Gefäß, Genuss-Gefäß und Bali-Gefäß, der Reihe nach. Diese Fünfergruppe stelle man von der eigenen linken Vorderseite aus auf. [Die Fünferzahl bezieht sich auf die fünf nach Krug und Muschelhorn genannten Gefäße.]

9.KA.2b–9.KA.4 Aṅga-, Vīra-, Guhya- und Yoginī-Gefäß sowie die Gefäße für einen selbst, Gaṇanātha, Vaṭuka und Kṣetrapāla ergeben mit dem Besprengungsgefäß neun. Hinter der Göttin stelle man vier Dūtī-Gefäße auf. Diese achtzehn Gefäße erfreuen die Göttin. [Die achtzehn ergibt sich aus fünf, neun und vier; Krug und Muschelhorn bleiben in dieser Zählung gesondert.]

9.KA.5 Allgemeines und besonderes Arghya stelle man ordnungsgemäß unterhalb der ersten Reihe auf, zwischen den Gefäßen für einen selbst und Śrī beziehungsweise an der als vakra bezeichneten Stelle, höchste Herrin. [Die Ortsverbindung ātmaśrīvakramadhyataḥ ist nicht eindeutig.]

Allgemeines Arghya und die fünf Grundgefäße

Im Bhaviṣyapurāṇa wird das allgemeine Arghya beschrieben:

9.BP.1 Mit Rot, Bilva, ungebrochenen Reiskörnern, Blumen, Joghurt, Dūrvā, Kuśa und Sesam wird dieses allgemeine Arghya für alle Gottheiten erklärt.

„Rot“ bedeutet hier Kuṅkuma.

9.BP.2–9.BP.4 Für Śrītripurasundarī dient das Muschelhorn als allgemeines [Arghya-Gefäß]; bei den übrigen Gottheiten gilt ein anderes allgemeines Gefäß [die Wendung cācyadīśvari ist beschädigt]. Darunter stelle der Einsichtige die fünf mit Arghya beginnenden Gefäße: Arghya im Nordwesten, Fußwaschwasser im Südwesten, Badekrug im Südosten, Mundspülwasser im Nordosten und Madhuparka in der Mitte. So ist die Gefäßordnung erklärt.

9.BP.5–9.BP.6 und Fortsetzung Wasser, Milch, Kuśa-Spitzen, ungebrochene Körner, Joghurt, Reis, Sahā, weißer Senf, Dūrvā, Kuṅkuma, Rocanā und Kurkuma bilden das zwölfteilige Arghya der Göttin der Götter. Weißer Senf, Kuṅkuma, Dūrvā, Kuṣṭha, Lāmañjaka und Kampfer werden als die sechs Zutaten des Fußwaschwassers genannt. [Sahā, Kuṣṭha und Lāmañjaka werden als Pflanzennamen der Vorlage bewahrt.]

Im Sārasaṃgraha: „Das beste Fußwaschwasser besteht aus Wasser mit Śyāmāka, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā.“ Weiter:

9.SS.1–9.SS.3 Phala, Kaccora, Kampfer, Kuṣṭha, Kardamom und Uśīra gelten als die sechs Stoffe des Mundspülwassers. Für Madhuparka nennen die Weisen Ghee, Honig und Joghurt. Fehlt Joghurt, nehme man Milch; fehlt Honig, Jaggery. Für Ghee gibt es keinen Ersatz; man verwende dort Wasser. Mit den acht Duftstoffen vermischt bereite man das Badewasser sorgfältig zu. [Die Pflanzengruppe am Anfang ist in der Vorlage zusammengeschrieben; ihre genaue Trennung ist nicht durchgehend gesichert.]

9.SS.4–9.SS.8 Für Milch, Joghurt, Ghee, Zucker und Honig gibt es fünf einzelne Gefäße, dazu eines für Pañcāmṛta: sechs besondere Gefäße. Ein siebtes enthält nochmals Mundspülwasser, das achte lauwarmes Wasser, das neunte den Stoff zum Einreiben, das zehnte reines Wasser. Diese zehn sind in solarer, śivaitischer, vaiṣṇavischer und gāṇapatya Verehrung Hauptgefäße, in der śāktischen zusätzliche Gefäße. Die fünf mit Arghya beginnenden Gefäße stelle der Einsichtige dreifach auf. Für erneutes Mundspülwasser werden zwei Gefäße genannt. Bei der Verehrung der fünf Heiligtümer steht die Fünfergruppe fünfmal.

Welches Gefäß welcher Verehrung dient

9.SS.9–9.SS.11 Den besonderen Umhüllungskreis erfreue man mit besonderem Arghya, den allgemeinen mit allgemeinem Arghya. Die Göttinnen werden mit dem Nektar im Śrī-Gefäß verehrt, die Śaktis aus dem Śakti-Gefäß und die Gurus aus dem Guru-Gefäß. Die vierundsechzig Yoginīs und die Yoginīs der neun Umhüllungen erfreue man mit dem Wasser des Yoginī-Gefäßes.

9.SS.12–9.SS.14 Weitere Genussgaben bereite man im Genuss-Gefäß. Mit dem Bhairava-Gefäß erfreue man die Bhairavas, mit dem Vaṭuka-Gefäß die Vaṭukas. Mit dem Bali-Gefäß vollziehe man die Darbringung der Bali-Gaben und erfreue Vārāhī, Kurukullā und die übrigen Bali-Göttinnen. [Der Kommentar erklärt: „und die übrigen“ schließt die Bali-Gabe für die neun Durgās ein.] Auch die Bali-Gaben für die fünf Elemente, für alle Wesen und für Rājarājeśvara vollziehe man damit.

9.SS.15–9.SS.18 Die Vīras erfreue man mit dem Vīra-Gefäß, die verborgenen Yoginīs mit dem Nektar des Guhya-Gefäßes. Das Genussglied [vollziehe man] mit dem Genuss-Gefäß, das Auflösungsglied mit dem Aṅga-Gefäß. Die Ordnung der oberen Überlieferung und die Verehrung der Śrīvidyā-Schar erfreue man hingebungsvoll mit besonderem Arghya. Inneres Opfer, Selbstverehrung und innere Feuerdarbringung vollziehe der vortreffliche Lehrer mit dem Wasser des eigenen Ātma-Gefäßes. Beim Dūtī-Opfer sind die vier Dūtī-Gefäße zu verwenden.

9.SS.19–9.SS.21 Zur Vergegenwärtigung des wahren Kula-Wesens stelle der Einsichtige fünf, sechs, sieben, acht oder neun Śakti-Gefäße auf. Abgeschlagene, gesprungene, verbrannte, zu kleine, unschöne, unreine, aus der Hand gefallene oder von einem Tier berührte Gefäße meide man. Man wasche sie stets mit reinem saurem Wasser und stelle sie auf. Die Gefäße und insbesondere ihre Stoffe dürfen nicht miteinander vermischt werden.

9.SS.22–9.SS.25 Die Gurus der oberen Überlieferung und den Strahlenkreis erfreue man mit besonderem Arghya, mit keinem anderen Gefäß. Die übrigen Guru-Gruppen mit dem Guru-Gefäß. Ist ein bestimmtes Gefäß nicht vorhanden, verwende man Wasser aus dem Besprengungsgefäß. Gesamt- und Einzelverehrung erfolgen mit Muschelwasser. Die Bali-Gabe für Kṣetrapāla mit dessen Gefäß, die für Gaṇeśa mit dem Gaṇanātha-Gefäß. Die Bali-Gabe für die mittlere Göttin bringe man mit dem Śrī-Gefäß dar.

Weitere Bali-, Duft- und Wasserkannen

9.SS.26–9.SS.29 Höre die Gefäße als Unterlagen der Bali-Gaben, besonders für die Śrīvidyā-Verehrung: eines für den ehrwürdigen Guru, eines für Vārāhī, drei für Kurukullā, vier für Vaṭuka und die übrigen, fünf für die fünf Elemente, eines für die Gabe an alle Wesen, eines für Rājarājeśvara, eines für die Göttin und eines für die neun Durgās, mit Räucherwerk, Licht und Speise verbunden. Diese achtzehn Gefäße beseitigen alle Hindernisse.

9.SS.30 Eine Fünfergruppe von Gefäßen wird zur Reinigung der vollendeten Substanz genannt; ein weiteres Gefäß für die Herstellung beziehungsweise Zusammenstellung der Verehrungsstoffe.

Denn im Yoginītantra heißt es: „Mit Moschus, Agaru, Kampfer, den aus Kuṇḍa und Gola entstandenen [Stoffen], den als jāṅgalaguḍa bezeichneten Zutaten, zusammen mit Sandelpaste und Svayambhū-Blume …“ [Die Stoffliste ist gedrängt und teilweise mehrdeutig; kuṇḍa, gola und svayambhūkusuma bleiben als technische Ritualbezeichnungen stehen. Der hier zitierte Satz ist unvollständig.]

9.SS.31–9.SS.33 Weitere schöne Gefäße stelle man für Genussgaben, insbesondere Düfte und Ähnliches, auf und verehre sie. Für die Arghya-Gabe an Mārtaṇḍa nehme man ein großes Arghya-Gefäß, das einen Prastha Wasser fasst, sowie ein Tarpaṇa-Gefäß. Für die Verehrung der Tore und weiterer [Orte] dient ein allgemeines Gefäß; dieses bildet bei der Sonnenverehrung das allgemeine Arghya.

9.SS.34–9.SS.35 Vier Krüge, mit Deckeln und Schöpfkellen, in Seidengewänder gehüllt und mit großen Unterlagen versehen, werden mit reinem Wasser, Nektar, Milch und Samaya-Nektar gefüllt. Man stelle sie von der eigenen linken Vorderseite aus auf, an der rechten Seite der Göttin.

Der Krug mit reinem Wasser

Im Matsyapurāṇa:

9.MP.1 [Der Anfang des Verses fehlt.] … mit Joghurt und ungebrochenen Körnern, mit fünf Edelsteinen und fünf Arten von Blättern versehen.

Die fünf Blattarten sind:

9.MP.2–9.MP.4 Junge Blätter von Mango, Aśvattha, Vaṭa, Plakṣa und Uḍumbara. Man stelle einen unbeschädigten Krug auf und setze Varuṇa darin ein, alle Flüsse beginnend mit Gaṅgā, die Meere und Seen. Erde von Elefanten- und Pferdeplätzen, Fahrwegen, Ameisenhügeln, Zusammenflüssen, Wasserbecken und Rinderplätzen bringe man herbei, mit allen Heilpflanzen verbunden. Der den Dharma kennende Opferherr lege sie für das Bad darin bereit.

9.MP.5 „Alle Meere, Flüsse, Seen, Ströme und Wasserbecken mögen herbeikommen und die Verfehlungen des Opferherrn tilgen.“

Im Rudrayāmala:

9.RK.1–9.RK.2 und Fortsetzung Wer Glück begehrt, lege sorgfältig die glückverheißenden, den Bestand des Landes fördernden Stoffe hinein: Gold, Ghee, Weizen, Dūrvā und Rocanā. Diese fünf gebe man in alle Krüge, in die Gefäße für besonderes Arghya und insbesondere in die Śrī-Gefäße, um Glück, Ruhm, Gesundheit, Söhne, Lebensdauer und Sieg zu erlangen.

Im Devīpurāṇa:

9.DK.1 und Fortsetzung Agni, Brahmā, Bhavānī, der Elefantengesichtige, die große Schlange, Skanda, die Sonne, die Mütterscharen, die Richtungswächter und die neun Planeten: Diese verehre man jeweils in eigenen Krügen nach der Vorschrift. [Das Zitat endet ohne weiteren Hauptsatz.]

Im Gautamīya:

9.GK.1–9.GK.2 und Fortsetzung Nach dem eigenen Vermögen nehme man einen Krug aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, sechsunddreißig Aṅgulas breit und hoch; oder sechzehn beziehungsweise zwölf, jedoch nicht kleiner. Für Arghya seien es drei Gefäße, ebenso drei für Fußwaschwasser und entsprechend gesonderte Gefäße für Mundspülwasser.

Im Bhairavītantra:

9.BA.1–9.BA.2 Wer achtteiliges Arghya bereitet und der Göttin auf dem Haupt darbringt, werde zehntausend Jahre in Durgās Welt geehrt. Wasser, Milch, Kuśa-Spitzen, Joghurt, Ghee, Reis, Sesam und weißer Senf heißen achtteiliges Arghya.

9.BA.3–9.BA.5 und Fortsetzung Wer der Göttin ordnungsgemäß Arghya aus einem Holzgefäß darbringt, erlangt die Frucht eines Agniṣṭoma-Opfers. Kupfer gewährt die Frucht des Puṇḍarīka-Opfers, Silber die des Viṣṇu-Opfers. Arghya aus Silber verleiht Lebensdauer, Herrschaft und Glück; aus Gold viel Gold. Mit einem Goldgefäß erlange man alle gewünschten Ziele, Weiser.

Im Bhairavayāmala:

9.NI.1 Zwei Gefäße für Nirmālyavāsinī stehen in Śivas Richtung [Nordosten]. Bei der Verehrung der fünf Heiligtümer verwende man zehn Gefäße.

Weitere Opfergefäße und die Unterlage der Muschel

Im Bhairavītantra:

9.BAL.1–9.BAL.2 Für Bali-Gaben von Ziegen und anderen [Opfertieren] stelle man neun Gefäße auf: fünf Bali-Gefäße, eines für Blut, ein weiteres für Fleischstücke, eine Unterlage für den Kopf und eines für gekochtes Fleisch. [Die zweite Vershälfte fehlt in der Vorlage. Dies ist die Beschreibung eines historischen Tieropferrituals.]

Im Rudrayāmala:

9.KUM.1 Bei der Kumārī-Verehrung sind die fünf mit Arghya beginnenden Gefäße sorgfältig gesondert aufzustellen, wenn man eigene Vollendung wünscht.

Im Vārāhītantra:

9.VT.1–9.VT.4 Bei der Verehrung eines Ehepaares, verheirateter Frauen, der Yoginīs, der fünfzig Paare, der Kālanityā, der Dhātu-Gottheiten, des Guru-Kreises, der Tagesherren, der Wochentagsherren, der Mondhaus-Gottheiten, der Lautpflanzen, der Gebetskette, des Buches und des Feuers sind die fünf mit Arghya beginnenden Gefäße jeweils gesondert bereitzustellen.

Im Kuṇḍaprakāśa:

9.HO.1–9.HO.2 Beim Homa gibt es zehn Hauptgefäße: zwei Ghee-Töpfe, zwei Töpfe für die gekochte Opfergabe, Praṇītā und Prokṣaṇī [Wassergefäße], Sruk und Sruva [die beiden Opferlöffel], ein volles Gefäß und eines für die Homa-Stoffe. Dies sind die Hauptgefäße … [Der Schluss fehlt.]

Im Nāradīya:

9.NM.1 und Fortsetzung Vor der Gottheit, links vor sich, zeichne der Übende mit Sandelwasser auf den Boden ein Dreieck, außen von einem Kreis und einem Quadrat umgeben, unter Verwendung der Fisch-Mudrā.

Im Sārasaṃgraha:

9.SM.1–9.SM.3 Links vor sich auf der mit Duft bestrichenen Fläche zeichne man mit der Fisch-Mudrā ein Dreieck, von Kreis und Quadrat umschlossen. Mit dem Mantra „Verehrung dem Arghya-Kreis der Gottheit“ verehre man es mit Duft. Die Glieder verehre man an den Ecken des Quadrats und vor sich, die Waffe in den Richtungen. Dann setze man die mit dem Wurzelmantra gewaschene Muschelunterlage auf: „Ich stelle die Unterlage der Muschel auf.“

9.SM.4–9.SM.5 Man löse Kāla mit Bindu und ebenso den Schlangenherrscher heraus; dann „vahnimaṇḍalāya dharmapradadaśakalātmane namaḥ“: „Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind.“ Mit Duft und weiteren Gaben verehre man ihn, danach die zehn Kalās des Feuers im Uhrzeigersinn.

Im Kulārṇava:

9.KUĀ.1–9.KUĀ.2 Ohne Unterlage droht Fall beziehungsweise Verlust, und die Mütter werden nicht zufriedengestellt. Deshalb bereite man die Unterlage vorschriftsgemäß. Sie kann drei, sechs oder vier Füße haben oder schön kreisrund sein.

Dies sind allgemeine Aussagen; die Besonderheiten wurden bereits genannt. Im Rudrayāmala:

9.FK.2 und Fortsetzung Dhūmrārcis, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī, Suśrī, Svarūpā, Kapilā, Havyavahā und Kavyavahā sind als die zehn Kalās des Feuers zu erkennen; sie gelten als Dharma gewährend. [Die Reihe trägt in diesem Zitat nur die Nummer 2.]

Die Muschel als Sonnengefäß und ihr Wasser als Mondnektar

Im Sārasaṃgraha:

9.SP.1–9.SP.3 Die mit dem Waffenmantra gewaschene Muschel setze man darauf und verehre sie. Ihr Maß sei eine Spanne, ihre Höhe vier Aṅgulas. Mit „Ich stelle das Arghya-Gefäß auf“ setze man sie ein; dann spreche man „aham“, „arthapradāya“, „dvādaśakalātmane“ und „arghyapātrāya“ mit dem Herzabschluss: „Verehrung dem Arghya-Gefäß, dessen Wesen zwölf, Wohlstand gewährende Kalās sind.“ Danach verehre man die Kalās der Sonne. [Das isolierte aham steht so in der Vorlage; die vollständige Formel wird nicht rekonstruiert.]

Im Yāmala:

9.SK.1 und Fortsetzung Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī, Ruci, Suṣumnā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā: Diese zwölf Kalās der Sonne, die Wohlstand gewähren, sind zu verehren.

Im Sārasaṃgraha:

9.AP.1 und Fortsetzung Danach mit nektargleichem Wasser, während man nach dem Wurzelmantra die Mātṛkā rückwärts spricht, verehre der Verehrer dort mit dem folgenden Mantra. Nachdem er „Ich fülle das Arghya-Gefäß“ gesagt hat, fülle er es ganz.

Im Śāradātilaka:

9.ŚT.1 [Der Anfang fehlt.] … mit Wasser, das aus dem vom Bindu herabfließenden Nektar besteht und mit duftenden Blumen versehen ist, verehre man es vorschriftsgemäß.

Bindu bedeutet hier die Mitte zwischen den Augenbrauen, weil dort der Mondkreis vorhanden ist. Im Sārasaṃgraha:

9.MK.1 und Fortsetzung Ohr und Mond, jeweils mit Bindu, danach „kāmapradaṣoḍaśakalātmane namaḥ“: „Verehrung dem, dessen Wesen die sechzehn wünschegewährenden Kalās sind.“ Mit Duft und Blumen verehre man die sechzehn Kalās.

Der Kommentar: Ohr bezeichnet u, Mond sa, Bindu den Anusvāra; daraus ergibt sich uṁ saṁ. Im Yāmala:

9.MO.1–9.MO.2 Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Rati, Dhṛti, Śaśinī, Candrikā, Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti, Aṅgadā, Pūrṇā und Pūrṇāmṛtā: Die in den Vokalen stehenden Kalās gewähren Wünsche und wohnen im Mondkreis. [Der weitere Schluss von Vers 2 fehlt.]

Anrufung, Besprengung und ergänzende Zutaten

Im Sārasaṃgraha:

9.ŚA.1–9.ŚA.2 Man rufe die heiligen Wasserstätten wie zuvor herbei, verbinde sie dort mit dem Wurzelmantra, lege mit dem Augenmantra eine Blume ein und zeige mit dem Haarlocken-Mantra die Gālinī-Mudrā. Mit der Dhenu genannten Mudrā und dem Nektar-Bīja verwandle der Übende [das Wasser] nach der Vorschrift in Nektar.

9.ŚA.3–9.ŚA.5 und Fortsetzung Der Lehrer meditiere darin die erwählte Gottheit, vergegenwärtige sie vollständig durch den Glieder-Nyāsa und sichere die zehn Richtungen mit dem Waffenmantra. Mit dem Augenmantra betrachte er [das Gefäß], halte es mit der Muschel-Mudrā fest [Lesart: verhülle es] und entzünde es mit der Yoni-Mudrā. Dort verehre er die erwählte Gottheit mit Duft, Blumen und weiteren Gaben sowie ihre sechs Glieder. Achtmal spreche er darüber den Wurzelmantra und bedecke danach das Arghya mit der Fisch-Mudrā.

Im Nāradīya: „Die Betrachtung erfolgt mit dem Augenmantra, andernfalls mit dem Wurzelmantra.“ Der Kommentar versteht Letzteres auf eine fünfgliedrige Form bezogen, weil dort der Augenmantra fehlt. Auch hier bedeuten die Wörter Herz und so weiter jeweils die entsprechenden Gliedermantras. Bei „mit dem Panzer verhüllen“ ist die zugehörige Mudrā mitzudenken. Im Sārasaṃgraha heißt es: „Man gebe etwas Wasser aus dieser Muschel in das Krugwasser.“

Im Śāradātilaka:

9.ŚTP.1 und Fortsetzung Nördlich des Arghya stelle man Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Madhuparka der Reihe nach in Dreiecken auf. Jedes Gefäß bespreche man achtmal mit dem Mantra.

Im Uttaratantra: „Man gebe es aus einem Bronze-, Gold- oder weißen Gefäß.“ „Weiß“ bedeutet Silber. Im Vārāhapurāṇa:

9.MAD.1 Die höchste, jenseitige Stätte wird „Madhu“ genannt. Weil sie dadurch erlangt wird, heißt dies stets Madhuparka.

Im Śāradātilaka:

9.PRO.1 Rechts stelle man das Besprengungsgefäß auf, fülle es mit Wasser und gebe etwas Arghya-Wasser hinein.

Im Nāradapañcarātra: „Danach stelle man ein Gefäß für das erneute Mundspülwasser auf.“ Im Prapañcasāra:

9.PRA.1 Duft, Blumen, ungebrochene Körner, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā werden der Reihe nach als die acht Arghya-Stoffe genannt.

Ungebrochene Körner bedeutet Reis. Im Nāradapañcarātra wird Viṣṇus Arghya so erklärt: „Weißer Senf, Sesam, Dūrvā, Gerste, Sesam und Reis, verbunden mit Wasser, Milch und Ghee, heißen Arghya.“ [Sesam erscheint in der Vorlage zweimal.]

Siddhārtha bedeutet Senf; Dūrvā soll drei Blätter besitzen. Denn Somaśambhu sagt: „Dreiblättrige Dūrvā wird für die Arghya-Handlung empfohlen.“ Im Prapañcasāra: „Fußwaschwasser wird mit Śyāmāka, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā bereitet; Mundspülwasser mit Jātī, Nelken und Kakkola.“

Jātī bedeutet hier Muskatnuss. Die Agastyasaṃhitā sagt: „Auch in das Mundspülgefäß gebe man Muskatnuss, Weiser.“ Muskatnuss und die übrigen Stoffe sollen pulverisiert hinzugefügt werden, entsprechend dem Phetkāriṇītantra: „Nach vorschriftsgemäßem Zerkleinern gebe man sie in das Mundspülwasser.“ Im Liṅgapurāṇa:

9.LP.1–9.LP.3 und Fortsetzung Kuśa-Spitzen, ungebrochene Körner, Gerste, Reis, Sesam, Ghee, Senf, Blumen und Asche kommen in das Arghya-Gefäß. Kuśa, Blumen, Gerste, Reis, Bahumūla, Tamāla und Asche gebe man mit Praṇava in das Besprengungsgefäß. Uśīra und Sandel bereite man im Fußwaschwasser; Muskatnuss, Kakkola, Kampfer, Bahumūla und Tamāla pulverisiere man und gebe sie vorschriftsgemäß in das Mundspülwasser.

Bahumūla ist Dūrvā:

9.DŪ.1 „Die tausendfach höchste Göttin, mit hundert Wurzeln und hundert Sprossen — Dūrvā, die böse Träume vernichtet — möge all mein Unrecht hinwegnehmen.“

„Hundert“ bezeichnet hier eine große Zahl. Im Prapañcasāra heißt es: „Das erneute Mundspülwasser wird mit reinem Wasser bereitet.“ Aus dem Wort „rein“ wird verstanden, dass Muskatnuss und Ähnliches hier nicht hineingehören. Fehlen Arghya-Stoffe, sagt Śaunaka: „An ihrer Stelle gebe man Blumen und Ähnliches hinein und vergegenwärtige jeweils die entsprechende Bedeutung.“ Im Mantratantraprakāśa: „Fehlen die Stoffe, gebe man reine gewaschene Reiskörner.“ Asche wird nur bei der Śiva-Verehrung verwendet. Ersatzstoffe und ihre Belegstellen für die als ādrācāra beziehungsweise „beim Fehlen der ursprünglichen [Stoffe]“ gelesene Situation werden bei der Anwendung erklärt.

Die praktische Aufstellung des Wasserkruges

Nun das Verfahren zur Bereitstellung der Gefäße. Zuerst wird die Aufstellung des Kruges mit reinem Wasser beschrieben. Nach dem Kālī-Lehrweg stellt man zunächst die Muschel auf, danach den Krug. Im Kulārṇava heißt es:

9.KLS.1 und Fortsetzung Links von der Muschel soll der Krug aufgestellt werden. Auf dem Maṇḍala stelle man einen Krug aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton auf; jedenfalls keinen aus Eisen.

Im Kādi-Lehrweg gilt dagegen: zuerst der Krug, dann die Muschel. Bei der Einweihung ist die umgekehrte Ordnung zu beachten. Man verfahre hierin nach der Unterweisung des Guru.

Links von sich zeichne man ein Maṇḍala aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat und besprenge es mit dem Pāśupata-Waffenmantra. Im Dreieck verehre man mit „oṃ hrīṃ ādhāraśaktaye namaḥ“ – „Verehrung der tragenden Kraft“; im Sechseck mit „oṃ akhaṇḍamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem ungeteilten Kreis“; im Kreis mit „oṃ sūryamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem Sonnenkreis“; im Quadrat mit „oṃ sarvatovyāpakamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem alles durchdringenden Kreis“.

In den Ecken beziehungsweise Figuren verehre man die heiligen Sitze: im Dreieck Kāmarūpa, im Sechseck Pūrṇagiri, im Kreis Jālandhara und im Quadrat Uḍiyāna, jeweils mit „Verehrung dem …-Pīṭha“. Im Sechseck verehre man die sechs Glieder der Wurzelvidyā, in den drei Dreiecksecken ihre drei Kūṭas und in der Mitte die vollständige Wurzelvidyā. Anschließend verehre man alle vier Maṇḍalas mit den Kūṭas einzeln und zusammen.

Man wasche eine Unterlage aus Gold oder einem anderen geeigneten Material mit dem Pāśupata-Waffenmantra, stelle sie auf das Maṇḍala und verehre sie mit:

„oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ maṃ dharmapradadaśakalātmane vahnimaṇḍalāya śrīparadevatāyāḥ kalaśādhārāya namaḥ“ – „Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind, der Unterlage des Kruges der erhabenen höchsten Gottheit.“

Darauf verehre man die zehn Feuerkalās kreisförmig. Die Vorlage setzt vor die einzelnen Formeln das Kürzel „4“:

  • yaṃ – Verehrung der Dhūmrārcis, der Rauchflammigen.
  • raṃ – Verehrung der Ūṣmā, der Hitze.
  • laṃ – Verehrung der Jvalinī, der Brennenden.
  • vaṃ – Verehrung der Jvālinī, der Flammenden.
  • śaṃ – Verehrung der Visphuliṅginī, der Funken Sprühenden.
  • ṣaṃ – Verehrung der Suśrī, der herrlich Schönen.
  • saṃ – Verehrung der Surūpā, der Schöngeformten. [Hier Surūpā; die zuvor angeführte Namensreihe hat eine abweichende Lesung.]
  • haṃ – Verehrung der Kapilā, der Rotbraunen.
  • laṃ – Verehrung der Havyavahā, die das Götteropfer trägt.
  • kṣaṃ – Verehrung der Kavyavahā, die das Ahnenopfer trägt.

Man meditiere: „Die Feuerkalās sind rot; ihre Hände gewähren Furchtlosigkeit und das Erwünschte. Sie schenken Dharma.“ Mit „Kalās des Feuers, kommt hierher, kommt!“ rufe man sie der Reihe nach herbei. Dann vollziehe man ihre Prāṇapratiṣṭhā mit der entsprechenden Vidyā, in der anstelle des Wortes „dieses“ die Feuerkalās eingesetzt werden: „Die Lebenskräfte der Feuerkalās seien hier die Lebenskräfte …“

Auf die Unterlage stelle man einen wohlgestalteten Krug aus Gold oder anderem geeigneten Material, dessen Hals mit rotem Stoff umwunden und dessen Oberfläche mit rotem Sandel bestrichen ist, nachdem er mit dem Pāśupata-Waffenmantra gewaschen wurde. Mit dem Formelanfang „4 aṃ“ verehre man: „Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Wohlstand gewährenden Kalās sind, dem Krug der erhabenen höchsten Gottheit.“ Kreisförmig verehre man die zwölf Sonnenkalās, jeweils mit dem vorangestellten Kürzel „4“ und abschließendem „namaḥ“:

  • kaṃ bhaṃ – Tapinī, die Wärmende.
  • khaṃ baṃ – Tāpinī, die Erhitzende.
  • gaṃ phaṃ – Dhūmrā, die Rauchfarbene.
  • ghaṃ paṃ – Marīci, der Lichtstrahl.
  • ṅaṃ naṃ – Jvālinī, die Flammende.
  • caṃ dhaṃ – Ruci, der Glanz.
  • chaṃ daṃ – Suṣumnā.
  • jaṃ thaṃ – Bhogadā, die Genuss Gewährende.
  • jhaṃ taṃ – Viśvā, die Allumfassende.
  • aṃ ṇaṃ – Bodhinī, die Erweckende. [So die Vorlage; das sonst zu erwartende erste Konsonantenzeichen ist hier nicht gesichert.]
  • ṭaṃ ḍhaṃ – Dhāriṇī, die Tragende.
  • ṭhaṃ ḍaṃ – Kṣamā, Geduld beziehungsweise Tragfähigkeit.

Man meditiere: „Die Sonnenkalās sind gelb; ihre Hände gewähren Furchtlosigkeit und das Erwünschte. Sie schenken Wohlstand.“ Ihre Prāṇapratiṣṭhā vollziehe man wie zuvor. Während man die Wurzelvidyā zusammen mit der rückwärts angeordneten Mātṛkā spricht, fülle man reines Wasser ein. Mit dem Formelanfang „4 uṃ“ verehre man: „Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Verlangen erfüllenden Kalās sind, dem Nektar im Krug der erhabenen höchsten Gottheit.“

Kreisförmig verehre man die sechzehn Mondkalās; auch hier steht in der Vorlage jeweils „4“ vor dem Laut und „namaḥ“ nach dem Namen:

  • aṃ – Amṛtā, die Unsterbliche beziehungsweise der Nektar.
  • āṃ – Mānadā, die Ehre Gewährende.
  • iṃ – Pūṣā, die Nährende.
  • īṃ – Tuṣṭi, Zufriedenheit.
  • uṃ – Puṣṭi, Gedeihen.
  • ūṃ – Rati, Freude und Liebeslust.
  • ṛṃ – Dhṛti, Festigkeit.
  • ṝṃ – Śaśinī, die Mondhafte.
  • ḷṃ – Candrikā, Mondlicht.
  • ḹṃ – Kānti, Schönheit und Glanz.
  • eṃ – Jyotsnā, Mondschein.
  • aiṃ – Śrī, Glück und Herrlichkeit.
  • oṃ – Prīti, liebevolle Freude.
  • auṃ – Aṅgadā, die Schmuck Gewährende.
  • aṃ – Pūrṇā, die Volle.
  • aḥ – Pūrṇāmṛtā, die Fülle des Nektars.

Man meditiere: „Die Mondkalās sind weiß; ihre Hände gewähren Furchtlosigkeit und das Erwünschte. Sie erfüllen Verlangen.“ Ihre Prāṇapratiṣṭhā vollziehe man wie zuvor.

In den Krug gebe man ferner „adhibindu“ [unsichere Lesung; möglicherweise ist ein Tropfen Dickmilch gemeint], ungebrochene Reiskörner und Erde von Elefanten- und Pferdeplätzen, einer Straße, einem Ameisenhügel, einem Zusammenfluss, einem See und einem Kuhstall; außerdem Gold, Kuhbutterschmalz, Weizen, Dūrvā, Rocanā und die Gesamtheit der vorgesehenen Kräuter. Im Wasser verehre man, jeweils mit dem Kürzel „4“ und „namaḥ“: Agni, Brahmā, Bhavānī, Gajavaktra, Mahoraga, Skanda, Bhānu, die Scharen der Mütter, die Hüter der Himmelsrichtungen und die neun Grahas. Man gebe die acht Duftstoffe hinein und verehre Varuṇa mit „4 vaṃ varuṇāya namaḥ“ und fünf Darbringungen.

9.WA.1 Alle Meere, Flüsse, Teiche, Ströme und Seen sollen herbeikommen und das Unheil des Opferherrn tilgen.

Mit „kroṃ“ und der Elefantenhaken-Mudrā ziehe man die heiligen Wasserstätten herbei.

9.FL.1 O Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī und Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī: Seid in diesem Wasser gegenwärtig!

So rufe man sie herbei und zeige die Mudrās von der Herbeirufung bis zur Paramīkaraṇa-Mudrā. Man blicke mit dem Wurzelmantra auf das Wasser, besprenge es mit dem Waffenmantra, berühre beziehungsweise schlage es damit dreimal mit Kuśa, umhülle es mit dem Panzer-Mantra und verwandle es mit „vaṃ“ und der Kuh-Mudrā in Nektar. In die Krugöffnung lege man fünf Zweige mit jungen Blättern.

9.KW.1 In der Öffnung des Kruges ist Viṣṇu, an seinem Hals Rudra. An seiner Basis steht Brahmā, in seiner Mitte befinden sich die Scharen der Mütter.

9.KW.2 und Fortsetzung In seinem Bauch sind sämtliche Meere und die Erde mit ihren sieben Kontinenten. Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und Atharvaveda samt allen ihren Gliedern haben im Krug ihren Aufenthalt genommen.

Nachdem man so meditiert hat, stelle man eine Deckelschale samt Schöpfgerät darauf und bedecke alles mit feinem Stoff. Dies ist das Verfahren zur Aufstellung des Kruges mit reinem Wasser. Die Aufstellung des Milchkruges ist entsprechend auszuführen.

Die Reinigung der fünf Ritualstoffe

[Die folgende Passage beschreibt historische Kaula-Rituale, darunter sexuelle Ritualstoffe und berauschende Zubereitungen. Ihre Vorschriften werden als Textinhalt übersetzt; sie sind keine Empfehlung zur heutigen Durchführung. Verschleiernde Fachausdrücke der Vorlage bleiben kenntlich.]

Dann nehme man die vier Dūtī-Gefäße, gehe zum Kula-Haus und vollziehe dort vorschriftsgemäß die Verehrung der Dūtī [der weiblichen Ritualpartnerin]. Den dabei entstandenen, Kuṇḍa und Gola genannten Stoff gebe man im Verborgenen jeweils in ein eigenes Gefäß, bringe ihn herbei und stelle ihn vor sich auf. Ebenso stelle man dort die ersten vier [Ritualstoffe] in vier gesonderten Gefäßen auf. Dann vollziehe man die Weihe der fünf Stoffe in den fünf Gefäßen. [Die Verbindung zwischen den zuvor genannten vier Dūtī-Gefäßen und dieser Fünferzählung wird hier nicht näher erklärt.]

Zunächst die Weihe des ersten Stoffes:

9.FS.1 Nur eines ist das höchste Brahman, beständig, das Grobe und das Feine umfassend. Durch dieses vernichte ich an dir die aus Kaca entstandene Schuld der Brahmanentötung. [Anspielung auf eine Flucherzählung; der Vers erläutert sie nicht.]

9.FS.2 O Göttin, aus dem Sonnenkreis hervorgegangen, in Varuṇas Wohnstatt entstanden, deren Wesen der Amā-Keimlaut ist: Mögest du von Śukras Fluch frei werden!

9.FS.3 Wenn der Praṇava, der Keim der Veden, von Brahmans Seligkeit erfüllt ist, dann möge durch diese Wahrheit, o meine Göttin, die Schuld der Brahmanentötung schwinden.

Darüber rezitiere man zehnmal: „oṃ 4 vāṃ vīṃ vūṃ vaiṃ vauṃ vaḥ brahmaśāpavimocikāyai sudhādevyai namaḥ“ – „Verehrung der Nektargöttin, die von Brahmās Fluch befreit.“ Ebenfalls zehnmal: „4 hrīṃ śrīṃ krāṃ krīṃ krūṃ kraiṃ krauṃ kraḥ brahmaśāpaṃ vimocaya amṛtaṃ (srāvaya srāvaya) svāhā“ – „Löse Brahmās Fluch; lass Nektar strömen, strömen; svāhā!“ [Die Klammern stehen bereits in der Vorlage.] Danach rezitiere man die Wurzelvidyā achtmal darüber. Dies ist die Reinigung des ersten Stoffes.

Nun die Reinigung des zweiten Stoffes. „4 oṃ“ und der vedische Spruch: „Viṣṇu wird wegen seiner Heldenkraft gepriesen, wie ein furchtbares wildes Tier, das umherstreift und auf den Bergen weilt; in seinen drei weiten Schritten wohnen sämtliche Welten.“ [Der Anfang ist als „prātadviṣṇuḥ“ überliefert und sprachlich beschädigt.] Dazu: „4 oṃ – Wir möchten jenen Puruṣa erkennen; über den großen Gott meditieren wir. Möge Rudra uns anregen!“ Diese Formeln rezitiere man zehnmal über dem Stoff, danach auch die Wurzelvidyā zehnmal. Dies ist die zweite Reinigung.

Nun die Reinigung des dritten Stoffes. „4 oṃ – Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod frei werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Man rezitiere dies zehnmal über dem Stoff und ebenso zehnmal das Wurzelmantra. Dies ist die dritte Reinigung.

Nun die Reinigung des vierten Stoffes:

9.MUD.1 und Fortsetzung Ein glückverheißender, kreisförmiger Kṛsara [gekochtes Getreidegericht], der einer Mondscheibe gleicht, sowie ein ansprechender Caru, mit Zucker und weiteren Zutaten versehen: Dies wird bei der Verehrung der Gottheit „Mudrā“ genannt.

Seine Reinigung erfolgt mit „4 oṃ“ und den beiden vedischen Sprüchen: „Auf Viṣṇus höchste Stätte schauen die Weisen allezeit, wie auf ein im Himmel weit geöffnetes Auge. Die begeisterten, wachsamen Weisen lassen sie erstrahlen: Viṣṇus höchste Stätte.“ Diese rezitiere man zehnmal darüber und anschließend auch die Wurzelvidyā zehnmal. Dies ist die vierte Reinigung.

Nun die Reinigung des fünften Stoffes: „4 oṃ amṛte amṛtodbhave amṛtavarṣiṇi śukraśāpaṃ pramocaya amṛtaṃ srāvaya srāvaya amṛtaṃ kuru kuru svāhā“ – „O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Nektar Regnende: Löse Śukras Fluch! Lass Nektar strömen, strömen; mache [dies] zu Nektar, mache es dazu; svāhā!“ Man rezitiere dies zehnmal darüber und auch die Wurzelvidyā zehnmal. Dies ist die fünfte Reinigung.

Nachdem die fünf Stoffe auf diese allgemeine Weise gereinigt worden sind, gebe man sie in die Krüge und anderen Gefäße und reinige sie ein zweites Mal in besonderer Weise. Am Ende der Göttinnenverehrung, zur Zeit der Selbsthingabe, reinige man sie ein drittes Mal und vollziehe die Selbsthingabe. Dies ist aus dem Mund des Śrīguru zu erfahren.

Im Kulārṇava heißt es:

9.DR.1 und Fortsetzung Āsava [vergorenes Getränk], Palala [Fleisch], Fisch, Mudrā [die genannte Speise] und das aus Gola Hervorgegangene: Diese fünf Stoffe soll man dreifach reinigen. Anders werden sie nicht rein, o Göttin; andernfalls zieht man das genannte [Übel] auf sich.

Der Kommentar erklärt: Unterbleibt die dreifache Reinigung, so trifft einen der in Śruti, Smṛti, Purāṇa und weiteren Schriften bezeichnete Makel, der aus dem Umgang mit diesen fünf Stoffen erwächst. Das Verfahren des Dūtī-Opfers ist in der Sthūlapaddhati und entsprechenden Handbüchern nachzulesen. Die Reinigung des Svayambhū-Stoffes ist wie die des aus Gola entstandenen Stoffes zu verstehen.

Saṃvit und die Aufstellung des Vijayā-Kruges

Nun die Reinigung der Samayā. Im Kulārṇava:

9.SAM.1 und Fortsetzung Von Saṃvit und Āsava ist Saṃvit das gewichtigere. Die besten Übenden sollen Saṃvit am Beginn der Verehrung verwenden. Die große Verehrung ist von denen zu vollziehen, die fest zu ihrer Durchführung entschlossen sind.

Dieser Ritus soll von den Angehörigen des Kula zu Beginn jeder Verehrung ausgeführt werden. Anderswo heißt es: „Ohne Wonne kommt es zum Abfall; die Gottheiten werden nicht zufriedengestellt.“

Sie [die hier Saṃvit beziehungsweise Samayā genannte Zubereitung oder Pflanze] ist vierfach: Brāhmaṇī, Kṣatriyā, Vaiśyā und Śūdrā, unterschieden durch weiße, rote, gelbe und schwarze Blüten. [Der Text überträgt hier die historischen Varṇa-Namen auf Ritualstoffklassen. Eine sichere botanische Bestimmung wird an dieser Stelle nicht gegeben.] Ihre Reinigungen lauten:

9.SB.1 O Saṃvit, aus Brahman hervorgegangen, Tochter Brahmans, allezeit Makellose: Werde zur Befriedigung der Bhairavas stets rein!

Man rezitiere darüber zehnmal „oṃ brāhmayai namaḥ svāhā“ – „Verehrung der Brāhmī; svāhā!“ – und das Wurzelmantra achtmal. Dies ist die Reinigung der Brāhmī.

9.SKṢ.1 O Göttin, die den Grund der Vollendung schafft und die Erkenntnis der Wurzel erweckt, die Fürstensöhne unter ihre Gewalt bringt und dem Feind einen Dreizack an die Kehle setzt!

Man rezitiere zehnmal „aiṃ kṣatriyāyai namaḥ svāhā“ – „Verehrung der Kṣatriyā; svāhā!“ – und die Wurzelvidyā achtmal. Dies ist die Reinigung der Kṣatriyā. [Die Feindüberwältigung gehört zur historischen Beschwörungssprache des Verses.]

9.SV.1 O [Flamme, deren] Brennstoff das Nichtwissen ist, o Feuer beziehungsweise Spitze der Erkenntnis, du Gestalt der Erkenntnis: Nimm die mit Wonne beginnende Darbringung an und gewähre mir rechte Erkenntnis! [Die Verbindungen „dīpāgre“ und „jñānāgre“ sind sprachlich unsicher; die Bildfolge ist nur teilweise eindeutig.]

Man rezitiere zehnmal „hrīṃ vaiśyāyai namaḥ svāhā“ – „Verehrung der Vaiśyā; svāhā!“ – und die Wurzelvidyā achtmal. Dies ist die Reinigung der Vaiśyā.

9.SŚ.1 Ich verneige mich, ich verneige mich vor dir, die du den Weg des Yoga zeigst. O Mutter, Siegerin über die drei Welten: Gewähre die Frucht des Samādhi!

Man rezitiere zehnmal „śrīṃ śūdrāyai namaḥ svāhā“ – „Verehrung der Śūdrā; svāhā!“ – und die Wurzelvidyā achtmal. Damit endet die Reinigung dieser vierten Art. [Die Schlussbezeichnung ist in der Vorlage als „śudddhāśuddhiḥ“ beschädigt.]

Das gemeinsame Reinigungsverfahren für alle lautet: Mit dem Wurzelmantra darauf blicken, mit dem Waffenmantra besprengen, mit demselben dreimal mittels Kuśa, Dūrvā oder Ähnlichem berühren beziehungsweise schlagen, mit dem Panzer-Mantra umhüllen und mit „vaṃ“ in Nektar verwandeln. Darüber rezitiere man zehnmal: „4 oṃ amṛte amṛtodbhave amṛtavarṣiṇi amṛtamākarṣaya tvaṃ siddhiṃ dehi svāhā“ – „O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Nektar Regnende: Ziehe Nektar herbei; gewähre du Vollendung; svāhā!“ Die Wurzelvidyā rezitiere man achtmal.

Darüber zeige man die zehn Mudrās, beginnend mit der Herbeirufung. Wie beim Krug mit reinem Wasser stelle man den Krug auf und fülle ihn mit Vijayā-Nektar. Die Verehrung der Kreise und Kalās und alle übrigen Schritte vollziehe man entsprechend der Aufstellung des Wasserkruges.

Nachdem die Richtungen gebunden und dreimaliges Fingerschnippen und Händeklatschen vollzogen worden sind, vertreibe man durch Fersenstampfen, Händeklatschen und emporgerichtetes Gesicht die Hindernisse aus Unterwelt, Erde und Himmel. Mit dem Wurzelmantra bringe man am Brahmarandhra siebenmal Tarpaṇa dar. Den Śrīguru in der Mitte des Fruchtbodens des tausendblättrigen Lotus befriedige man dreimal mit der Saṅketavidyā und der Gurupādukāvidyā, an deren Ende „Ich bringe den heiligen Sandalen des Guru Tarpaṇa dar“ steht. Dann bringe man der Wurzelgöttin mit der Tattva-Mudrā dreimal Tarpaṇa dar, indem man an das Wurzelmantra „Ich bringe der erhabenen höchsten Gottheit Tarpaṇa dar“ anschließt.

Man spreche den mit „4“, dem Wurzelmantra und „aiṃ“ beginnenden Spruch: „Sprich, sprich, o Göttin der Rede! Werde auf meiner Zungenspitze beständig gegenwärtig, du, die alle Wesen unter ihren Einfluss bringt; svāhā!“ Dabei nehme man Vijayā-Nektar aus dem Krug in ein anderes Gefäß und trinke selbst davon. Man bedecke den Krug mit einer Schale samt Schöpfgerät und das Ganze mit feinem Stoff. Dies ist die Vorschrift zur Aufstellung des Vijayā-Kruges.

Die ausdrücklich genannten Ersatzstoffe

Nun die Ersatzstoffe. Im Kulārṇava:

9.ERS.1 Fehlt der erste [Stoff], so verbinde man Vaṭaka [ein zubereitetes Kügelchen oder Küchlein; hier nicht näher bestimmt] mit Wasser und vollziehe damit die Verehrung. Der Kundige kann auch Vaṭaka mit Buttermilch nehmen.

9.ERS.2 Mit Buttermilch, die mit Rohrzucker vermischt ist, oder mit der Honig enthaltenden [Zubereitung], oder mit Sauvīra [einem vergorenen Getränk] vollziehe man dieses Werk; man lasse es nicht ausfallen. [Der genaue Bezug von „tena vā madhubhājinā“ bleibt unsicher.]

9.ERS.3 Fehlt der zweite [Stoff], so lege man Knoblauch, frischen oder getrockneten Ingwer bereit und verehre die Göttin. Andernfalls bleibt [die Verehrung nach dieser Vorschrift] ohne Frucht.

Im Vīratantra:

9.EV.1 und Fortsetzung Salz, frischer Ingwer, Ölkuchen, Weizen und Urdbohnen – diese fünf – sowie Knoblauch gelten, o große Göttin, als Ersatz für den zweiten [Stoff]. Fehlt der dritte oder ein weiterer, so verwende man eben dies.

Der Kommentar bestimmt jedoch: Für den vierten gibt es keinen Ersatz. Als Ersatz für den fünften bringe man eine Aparājitā-Blüte und eine Hayāri-Blüte herbei. Man fülle die Aparājitā-Blüte mit Sandel und weiteren Stoffen und verbinde die Hayāri-Blüte damit. Beide betrachte man als Vereinigung von Shiva und Shakti, stelle sich das Entstehen des Kula-Stoffes vor und rezitiere darüber die eigene Vidyā nach Vermögen. Dann gebe man beide Blüten in das besondere Arghya. Auch andere Ersatzstoffe, etwa Milch, sind entsprechend der jeweiligen Berechtigung zu berücksichtigen. [Die Pflanzennamen werden als Quellennamen bewahrt; daraus folgt keine Empfehlung zu ihrem Verzehr.]

Allgemeines Arghya im Kālī-Lehrweg

Nun die Aufstellung des allgemeinen Arghya nach dem Kālī-Lehrweg. Links vor sich zeichne man ein Maṇḍala aus Dreieck, Kreis und Quadrat, je nach vorhandenen Mitteln mit Sandel, anderem geeignetem Stoff, Pulver oder Wasser. Man besprenge es mit dem Pāśupata-Waffenmantra. In der Dreiecksmitte verehre man mit „oṃ hrīṃ ādhāraśaktaye namaḥ“ die tragende Kraft; entsprechend verehre man die drei Ecken, den Kreis und das Quadrat mit den Formeln: „oṃ akhaṇḍamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem ungeteilten Kreis“; „oṃ pūrṇamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem vollkommenen Kreis“; „oṃ sarvatovyāpakamaṇḍalāya namaḥ“ – „Verehrung dem alles durchdringenden Kreis“.

Eine Unterlage aus Gold oder anderem geeigneten Material wasche man mit dem Pāśupata-Waffenmantra, stelle sie auf das Maṇḍala und verehre sie mit dem Anfang „maṃ“: „Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind, der Muschelunterlage der erhabenen höchsten Gottheit.“ Man betrachte die Unterlage als Feuer. Dann wasche man die Muschel ebenfalls mit dem Pāśupata-Waffenmantra, stelle sie auf die Unterlage und verehre sie mit dem Anfang „aṃ“: „Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Wohlstand gewährenden Kalās sind, dem Muschelgefäß der erhabenen höchsten Gottheit.“ Man betrachte die Muschel als Sonne.

Während man die rückläufige Mātṛkā zusammen mit der Wurzelvidyā und der Vidyā der Tages-Nityā spricht, fülle man die Muschel zu drei Vierteln mit reinem Wasser; ein Viertel lasse man für die besondere Ergänzung frei. Dann verehre man im Wasser mit dem Anfang „oṃ“: „Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Verlangen erfüllenden Kalās sind, dem Nektar in der Muschel der erhabenen höchsten Gottheit.“ [Hier lautet der überlieferte Anfang „oṃ“.] Man betrachte das Wasser als Mond.

In das Muschelwasser gebe man duftende Blüten, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, weißen Senf, Dickmilch, Dūrvā und die übrigen vorgesehenen Zutaten. Man spreche: „Welche heiligen Wasserstätten auf Erden von deinen Strahlenhänden berührt werden, o Sonne: Durch diese Wahrheit gewähre mir heiliges Wasser, o Gott, o Lichtspender des Tages!“ Mit der Elefantenhaken-Mudrā ziehe man die Tīrthas aus dem Sonnenkreis herbei und setze sie in das Muschelwasser ein. Mit dem bereits genannten „O Gaṅgā und Yamunā …“ rufe man sie an, zeige die zehn mit der Herbeirufung beginnenden Mudrās und verehre sie mit fünf Darbringungen.

Mit „vaṣaṭ“ zeige man die Gālinī-Mudrā, mit „vauṣaṭ“ blicke man auf das Wasser, mit „huṃ“ umhülle man es. Die sechs Glieder der Wurzelvidyā verehre man in den Ecken des Feuers, des Īśāna, des Asura und des Windes [Südost, Nordost, Südwest, Nordwest], in der Mitte und in den Hauptrichtungen. Entsprechend zeige man die sechs Glieder-Mudrās. Man tauche den rechten Daumen ins Wasser, bedecke es mit der Fisch-Mudrā und rezitiere, während man das Wasser berührt, die Wurzelvidyā achtmal. Mit der Pfeil-Mudrā und dem Pāśupata-Waffenmantra schütze man es, mit „vaṃ“ und der Kuh-Mudrā mache man es zu Nektar. Mit „aiṃ“ zeige man die Yoni-Mudrā, mit „śrīṃ“ die Muschel-Mudrā, mit „phaṭ“ die Cakra-Mudrā und mit „hrīṃ“ die Paramīkaraṇa-Mudrā. Man betrachte das Wasser als lichtdurchdrungen. Damit endet die Aufstellung der Muschel.

Die besonderen Mantras der übrigen Gefäße

Die Aufstellung des Hauptkruges sowie des allgemeinen und des besonderen Gefäßes nach dem Kādi-Lehrweg werde ich weiter unten beschreiben; auch die Aufstellung des Śrī-Gefäßes wird noch erklärt. Die Aufstellung des Śakti-Gefäßes und der übrigen Gefäße entspricht der des allgemeinen Gefäßes. Der Unterschied besteht darin, dass man einen Tropfen des besonderen Arghya hinzufügt und jeweils das zugehörige Mantra zehnmal rezitiert.

Das Śakti-Gefäß weihe man mit Bālā, das Guru-Gefäß mit der Gurupādukāvidyā und das Bhoga-Gefäß mit der Samaṣṭividyā. Sämtliche Bali-Gefäße weihe man mit den Mantras ihrer jeweiligen Gottheiten. Das Aṅga-Gefäß weihe man mit den Mantras der sechs jugendlichen Gliedgöttinnen, das Vīra-Gefäß mit Kāmarāja, das geheime Gefäß mit Vāgbhava und das Yoginī-Gefäß mit den Vidyās der neun Cakra-Herrscherinnen, jeweils einmal. Das eigene Gefäß weihe man mit dem achtlautigen Ātman-Mantra, das Sprenggefäß mit den sechs Gliedmantras der Wurzelvidyā und die vier Dūtī-Gefäße ausschließlich mit Bālā. [Die einleitende Zehnzahl und die spätere Bestimmung „jeweils einmal“ stehen beide im Text.]

Dazu heißt es im Śrīkulārṇava:

9.GW.1 O schön Gewachsene: Der Verständige bedecke das Śakti-Gefäß mit der rechten Hand und rezitiere darüber zehnmal [die Vidyā der] Kumārī Tripureśvarī.

9.GW.2 Ebenso [weihe er], o Śivā, das Guru-Gefäß mit der Pādukāvidyā und, o Göttin, das Bhoga-Gefäß mit der Samaṣṭividyā.

9.GW.3 Mit den Mantras der Bali-Göttinnen [weihe er] ihre Gefäße, o Herrin der Götter; mit den Mantras der sechs jugendlichen Gliedgöttinnen das Aṅga-Gefäß, jeweils einmal.

9.GW.4 Das Vīra-Gefäß [weihe er] mit Kāmarāja, o große Göttin von gutem Gelübde; das geheime Gefäß mit dem Keimlaut der Kuṇḍanī, o höchste Herrin. [„kuṇḍanyā“ ist die Lesung der Vorlage; ihre genaue Identifikation bleibt offen.]

9.GW.5 Mit den neun Cakra-Herrscherinnen [weihe er] das Yoginī-Gefäß, o Mutter, und mit dem achtlautigen Ātman-Mantra das eigene Gefäß, o große Herrin.

9.GW.6 Mit den sechs Gliedmantras der Vidyā [weihe er] das Sprenggefäß, o Berggeborene; nur mit Kumārī die vier Dūtī-Gefäße, o große Herrin.

So sind die entsprechenden Belegstellen in den einzelnen Tantras zu verstehen. Ebenso erfolgt die Mantraweihe der fünf mit Arghya beginnenden Gefäße mit den Mantras, die ihre jeweiligen Gottheiten verkörpern. Vorschriften wie „Man bereite das Arghya mit den sechs Gliedern und dem Wurzelmantra und verehre vorschriftsgemäß“ gelten für eine verkürzte Verehrung.

Deren Ablauf ist folgender: Wie zuvor zeichne man das Maṇḍala, verehre es mit ungebrochenen Reiskörnern und stelle die gewaschene Unterlage darauf. Man betrachte sie als Feuer. Darauf stelle man das mit dem Waffenmantra gewaschene Arghya-Gefäß und die weiteren Gefäße. Das Gefäß betrachte man als Sonne und verehre es. Während man die rückläufige Mātṛkā zusammen mit der Wurzelvidyā spricht, fülle man Wasser ein, betrachte dieses als Mond und verehre es.

In die fünf Gefäße gebe man der Reihe nach die fünf zuvor getrennt gereinigten Stoffe. Mit den sechs Gliedmantras verehre man zehnmal mittels ungebrochener Reiskörner in den Richtungen Feuer, Īśāna, Asura und Wind, in der Mitte und in den Hauptrichtungen. Bei Śrīvidyā rezitiere man das dritte Kūṭa zehnmal, bei anderen Gottheiten deren jeweilige Mantras. Man betrachte das Wasser als Licht. Dies ist die verkürzte Gefäßbereitstellung im Kādi-Lehrweg.

9.KURZ.1 Mit dem dritten Kūṭa der Vidyā und den sechs Gliedern der Wurzelgöttin bereite man das Arghya durch zehnfache Rezitation und Verehrung und verehre es.

So lautet die Aussage des Kādi-Lehrwegs. Tatsächlich ist dies eine Vorschrift für einen Notfall. Bei der regulären Hauptverehrung ist die Notfallform unerwünscht; dort ist die Hauptform vorzuziehen.

Bei der Kumārī-Verehrung werden die fünf mit Arghya beginnenden Gefäße ausschließlich mit Bālā geweiht; bei der Verehrung der Gebetskette mit Prāsāda; bei den den Lauten zugeordneten Kräutern mit den Mantras der fünf Elemente. Bei der Pañcāyatana-Verehrung weiht man die jeweiligen Gefäße mit den jeweiligen Mantras; bei der Verehrung der fünfzig Paare mit der Mātṛkā; bei den Dhātu-Gottheiten mit Bhairavī; bei den Kālanityās mit der Vidyā der jeweiligen Tages-Nityā; beim Buch wiederum mit Prāsāda; beim Feuer mit dessen eigenem Mantra. Bei der Verehrung von Ehepaaren, verheirateten Frauen und Yoginīs erfolgt die Mantraweihe mit Bālā.

Auch Schöpfgeräte und Deckel werden mit dem Pāśupata-Waffenmantra gewaschen und dabei geweiht. Gefäße für Speisegaben und andere zum Genuss bestimmte Dinge werden mit jenem Waffenmantra gewaschen und geweiht, das unter den sechs Gliedmantras des Wurzelmantras der jeweiligen Gottheit genannt ist. Dies alles ist durch Guru und Schrift zu lernen und bei der Verehrung anzuwenden.

Für Gefäße aus menschlichem [Material], „Vaiśvāmitra“, aus dem Pulver der Lautkräuter, aus den zu Mantras und Mondhäusern gehörenden Bäumen sowie aus den entsprechenden Ursprüngen gilt die zuvor beschriebene verkürzte Weihe. [Das lange Materialkompositum der Vorlage ist nicht in allen Gliedern eindeutig.] Bei ihnen besteht kein Anlass zu einer Vielzahl von Weihen.

Bereits zubereitete Ritualstoffe müssen täglich geweiht werden. Ein an einem anderen Tag geweihter Stoff ist für die Verehrung des heutigen Tages nicht erwünscht. Für eine bereits gereinigte Svayambhū-Blüte ist dagegen an einem späteren Tag keine erneute Weihe vorgesehen. Im Kulārṇava heißt es:

9.TG.1 Nachdem der Lehrer die Svayambhū-Blüte gründlich gereinigt hat, gebe er sie bei der Verehrung der Göttin unter [innerer] Vereinigung hinzu. [Der Bezug von „tena“ und „saṃmīlanena“ ist knapp und mehrdeutig.]

9.TG.2 und Fortsetzung Dadurch erfreut, gewährt die große Göttin alle Vollendungen. Die übrigen zubereiteten Stoffe soll der Kundige jeden Tag reinigen. Was an einem Tag gereinigt wurde, gilt an einem anderen Tag als ungeeignet.

Dies bedeutet: Abgesehen von der Svayambhū-Blüte sind bei der täglichen Verehrung nur neu [bereitete beziehungsweise gereinigte] Ritualstoffe empfohlen.

Reinigung der Stoffe zum Zeichnen des Yantra

Nun die Reinigung des Stoffes zum Zeichnen des Yantra. Moschus, Aguru, Kampfer, der aus Kuṇḍa und Gola hervorgegangene Stoff, Safran, Rohrzucker, Sandel und Svayambhū-Blüte – diese acht Stoffe stelle man in einem Gefäß zusammen und weihe sie siebenmal mit den Vidyās Amṛteśvarī und Dīpinī. [Die Achtzahl steht ausdrücklich im Text; die Gruppierung des zusammengesetzten Ritualstoffes ist entsprechend zu lesen.] Im Bhairavītantra:

9.YZ.1 Moschus, Aguru, Kampfer, aus Gola Entstandenes, Jāṅgala [hier nicht sicher identifiziert], Rohrzucker, das aus Malaya Stammende [Sandel] und Svayambhū-Blüte, o große Göttin …

9.YZ.2 und Fortsetzung … verbinde man alles an einem Ort. Mit Dīpinī und der Nektarvidyā weihe man es, jeweils siebenmal, indem man die Hand darauflegt. Dadurch wird der Stoff rein; mit diesem Stoff soll man zeichnen.

Der aus Gola entstandene Stoff und die Svayambhū-Blüte sind dabei bereits zuvor wie beschrieben in einem anderen Gefäß zu reinigen.

Aufstellung des Hauptkruges im Kālī-Lehrweg

Nun die Aufstellung des Kruges und der übrigen Gefäße nach dem Kālī-Lehrweg. Links vor sich zeichne und verehre man ein Maṇḍala entsprechend dem noch zu beschreibenden Maṇḍala des besonderen Arghya. Darauf stelle man die nach der folgenden Vorschrift gereinigte Unterlage und verehre sie entsprechend.

Der aus Gold oder anderem geeigneten Material gefertigte Krug wird mit Räucherduft versehen, mit der linken Hand unter „huṃ huṃ brahmāṇḍacaṣakāya svāhā“ – „Dem Trinkgefäß des Welteneies, svāhā!“ – gewaschen und mit der Saṃdīpinīvidyā „aiṃ sandīpini jvālāmālini hrīṃ“ – „O Entflammende, Flammenbekränzte!“ – und der Yoni-Mudrā entflammt. Mit dem Panzer-Mantra wird er umhüllt. Man setzt die fünf Mantras „oṃ namaḥ, hrīṃ namaḥ, kṣaṃ namaḥ, haṃ namaḥ, saḥ namaḥ“ ein und stellt ihn mit „oṃ 3 – Ich stelle den großen Krug der Śrīmahātripurasundarī auf“ an seinen Platz. [„3“ und „4“ werden in diesen Anweisungen als Formelabkürzungen der Quelle bewahrt, nicht als Rezitationszahlen gelesen.]

Wie beim anschließend zu beschreibenden besonderen Arghya-Gefäß verehre man ihn bis einschließlich der Sonnenkalās. Nach der noch zu erklärenden Vorschrift fülle man die mit Kampfer und weiteren Stoffen duftend gemachte Flüssigkeit ein und gebe Lotus und die übrigen Zutaten hinein. [Die Folge „paryuṣitaparisrutāpayaḥ“ ist hinsichtlich Lagerung, Gärung beziehungsweise Milch oder Wasser mehrdeutig; eine eindeutige Stoffanweisung lässt sich daraus hier nicht gewinnen.] Im Inneren stelle man sich das später beim besonderen Arghya erläuterte Maṇḍala vor und verehre es bis einschließlich der Mondkalās.

Um dessen Quadrat herum verehre man, von der eigenen Vorderseite beginnend im Uhrzeigersinn, die folgenden Gestalten. Die Formeln beginnen jeweils mit „oṃ 3“, führen den angegebenen Laut und Namen und enden mit „huṃ phaṭ svāhā namaḥ“:

  • hsakhapreṃ – den Pathika-Gottheiten, den Gottheiten der Reisenden beziehungsweise Wege.
  • hsakhaphreṃ – Grāmacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī des Dorfes.
  • hasakhaphreṃ – Krodhacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī des Zorns.
  • hasakhaphreṃ – Dṛṣṭicaṇḍālinī, der Caṇḍālinī des Blickes.
  • hasakhaphreṃ – Sparśacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī der Berührung.
  • hsakhaphreṃ – Sṛṣṭicaṇḍālinī, der Caṇḍālinī der Schöpfung.
  • hsakhaphreṃ – Ghaṭacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī des Kruges.
  • hsakhaphreṃ – Tapanavedhacaṇḍālinī. [Der zusammengesetzte Name ist nicht sicher zu deuten.]
  • hsakhaphreṃ – Nindācaṇḍālinī, der Caṇḍālinī der Schmähung; die Vorlage fügt „(ṣa)“ als unklare Variante ein.
  • hsakhaphreṃ – Sarvajanadṛṣṭisparśacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī des Blickes und der Berührung aller Menschen.
  • hsakhaphreṃ – Paśupāśacaṇḍālinī, der Caṇḍālinī der Fesseln des gebundenen Wesens.

So beseitige man die zehn Fehler. [Die Reihe enthält die Pathika-Gottheiten und zehn Caṇḍālinī-Anrufungen.] In der Mitte des Ritualstoffes verehre man mit: „oṃ 3 kāṃ kīṃ kūṃ kaiṃ kauṃ kaḥ vikāraśoṣiṇi asya vikārān hana hana svāhā“ – „O du, die Veränderungen austrocknet: Vernichte, vernichte seine Veränderungen beziehungsweise Verunreinigungen; svāhā!“

Im Kulārṇava heißt es:

9.VED.1–9.VED.2 Mit den fünf ersten Versen, die mit „svādiṣṭhayā“ beginnen, mit den drei „viṣṇur yoniṃ“, mit den drei „tribhiṣ ṭvam“, mit den beiden „imaṃ me“, ferner mit dem einen „tā mandasānā“ und dem einen „śroṇām ekam“ löse man Śukras Fluch. [Einige Wörter der metrischen Einleitung sind beschädigt; die folgende Aufzählung verdeutlicht die beabsichtigte Zusammenstellung.]

Gemäß dieser Aussage des Kulārṇava weihe man [den Stoff] mit jedem der genannten fünfzehn Mantras einmal. Die Mantras werden als Ṛgveda-Texte angeführt:

9.RS.1 Fließe, Soma, in süßestem, berauschendstem Strom, gepresst, damit Indra dich trinke!

9.RS.2 Der Dämonenvernichter, der alle Menschen im Blick hat, hat sich in den mit Metall bearbeiteten Schoß, auf seinen Sitz aus Holz, niedergelassen.

9.RS.3 Schaffe weiten Raum, sei der freigebigste, der stärkste Vernichter des Vṛtra; führe den Reichtum der Gabenreichen herbei!

9.RS.4 Ströme mit deinem Saft zur Labung der großen Götter, hin zu Kraft und Ruhm!

9.RS.5 Zu dir kommen wir Tag für Tag mit eben diesem Anliegen. O Indu, auf dich richten sich unsere Hoffnungen. [Quellenangabe der Vorlage: Ṛgveda 9.1.1–5.]

9.RG.1 Viṣṇu bereite den Mutterschoß, Tvaṣṭṛ forme die Gestalten, Prajāpati gieße ein, Dhātṛ lege die Leibesfrucht in dich!

9.RG.2 Lege die Leibesfrucht hinein, Sinīvālī; lege die Leibesfrucht hinein, Sarasvatī! Die beiden göttlichen Aśvins mit Lotuskränzen mögen die Leibesfrucht in dich legen.

9.RG.3 Jene Leibesfrucht, welche die Aśvins mit den goldenen Reibhölzern hervorquirlen, rufen wir für dich herbei, damit sie im zehnten Monat geboren werde. [Quellenangabe der Vorlage: Ṛgveda 10.184.1–3.]

9.RRE.1 Mit deinen drei höchsten Wohnstätten, o göttlicher Savitṛ, o Soma, und mit deinen Kräften, Agni, reinige uns!

9.RRE.2 Die göttlichen Wesen mögen mich reinigen; die Vasus mögen mich durch Einsicht reinigen. Alle Götter, reinigt mich; Jātavedas, reinige mich!

9.RRE.3 Schwelle an und ströme, Soma, mit allen deinen Schösslingen beziehungsweise Strahlen: die höchste Opfergabe für die Götter! [Die Vorlage gibt nach dieser Dreiergruppe „9.67.6–28“ an; diese ungewöhnliche Stellenangabe wird hier nicht stillschweigend berichtigt.]

9.RFL.1 Gaṅgā, Yamunā, Sarasvatī, Śutudrī: Nehmt zusammen mit Paruṣṇī diesen meinen Lobgesang an! Asiknī, Marudvṛdhā, Vitastā, Ārjīkīyā: Höre zusammen mit Suṣomā! [Quellenangabe der Vorlage: 10.75.5.]

9.RFL.2 Wo der weiße und der dunkle Fluss zusammenkommen, steigen die dort Badenden zum Himmel empor; jene Standhaften, die dort ihren Leib verlassen, erlangen Unsterblichkeit. [Die Wörter „tarāplutāso vivam“ sind beschädigt; die Übersetzung dieses Satzglieds bleibt vorläufig. Die Vorlage weist den Vers als „10.40.13“ aus; die Zuordnung ist hier nicht bestätigt.]

9.RFL.3 Ihr beiden, die ihr euch im Haus des Menschen erfreut: Gebt dem nach Gütern Strebenden Reichtum samt tüchtigen Nachkommen. Schafft eine gut zu durchquerende Furt, ihr Herren des Glücks; beseitigt das Hindernis auf dem Weg und die üble Gesinnung!

9.RFL.4 Einer trieb … Wasser … die Kuh; einer gestaltet … den Monat …; einer brachte bis zum Sonnenuntergang den Dung fort. Womit halfen die Eltern ihren Söhnen? [Dieser Rätselvers ist in mehreren Wörtern so beschädigt, dass keine zusammenhängende verlässliche Übersetzung möglich ist. Er beginnt in der Vorlage mit „śroṇāmekamudakaṃ gāmavājati“; auch ihre Stellenangabe „1 |16 | 1 | 10“ bleibt ungeklärt.]

Nachdem man so geweiht hat, rezitiere man achtmal die Vidyā:

„oṃ 3 hrāṃ hrīṃ hūṃ vūṃ hraiṃ hrauṃ hraḥ – O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Herrin des Nektars, Nektar Regnende, deren Wesen Nektar ist: Lass Nektar strömen, strömen! Befreie, befreie den Nektar von Śukras Fluch! Verehrung der Befreierin! oṃ 3 jūṃ saḥ svāhā.“ [Die Lautfolge „hūṃ vūṃ“ und die Form „amṛtādbhave“ werden nach der Vorlage bewahrt.]

In den vier Richtungen des Quadrats verehre man, von vorne beginnend im Uhrzeigersinn, jeweils mit „oṃ 3 … namaḥ“: Siddhā, die Vollendete; Raktā, die Rote; Śuklā, die Weiße; Utpalā, die Lotusgöttin. Im mittleren Dreieck stelle man sich die Gestalt des besonderen Arghya vor, die noch beschrieben wird.

Mit „oṃ 3 hasakṣamalavarayūṃ ānandabhairavāya vauṣaṭ“ verehre man Ānandabhairava: „Ich verehre die heiligen Sandalen Ānandabhairavas und bringe ihnen Tarpaṇa dar; Verehrung!“ Mit „oṃ 3 sahakṣamalavarayīṃ ānandabhairavyai vaṣaṭ“ entsprechend Ānandabhairavī. In gleicher Weise folgen die übrigen Paare; die Quelle kürzt ihre Schlussformeln ab:

  • Surānandabhairava und Surānandabhairavī.
  • Amṛtānandabhairava und Amṛtānandabhairavī.
  • Taruṇānandabhairava und Taruṇānandabhairavī.
  • Unmanānandabhairava und Unmanānandabhairavī.
  • Jñānānandabhairava und Jñānānandabhairavī.
  • Muktyānandabhairava und Muktyānandabhairavī.
  • Paramānandabhairava und Paramānandabhairavī.
  • Kālabhairava und Kālabhairavī.

Diese neun Bhairava-Paare verehre man in der Mitte und in den Richtungen und bringe ihnen Tarpaṇa dar. Mit der Wurzelvidyā und der Blick-Mudrā schaue man darauf, besprenge mit dem Waffenmantra, berühre beziehungsweise schlage dreimal mit Kuśa unter dem Waffenmantra und benetze mit dem Panzer-Mantra.

Man rieche daran und stelle sich vor, dass [das Wasser beziehungsweise seine Essenz] durch das linke Nasenloch eintritt, zum Brahmarandhra gelangt und sich dort mit dem Meer des höchsten Nektars im Mondkreis des Bewusstseins vereinigt. Ganz davon erfüllt, tritt es durch die Öffnung bei den Vorderzähnen und auf dem Weg der Augen wieder hervor. [Die genaue Verbindung dieser beiden Austrittsangaben bleibt in der knappen Vorlage offen.] Mit der Saṃrodhana-Mudrā halte man es zurück, umhülle es mit dem Panzer-Mantra und der Umhüllungs-Mudrā, mache es mit „vaṃ“ und der Kuh-Mudrā zu Nektar und mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zum Höchsten. Darin meditiere man über die Göttin, verehre sie mit Duft, Blüten und weiteren Gaben und weihe mit der Wurzelvidyā achtmal.

Dann spreche man: „oṃ 3 – Verehrung, o erhabene Māheśvarī, deren Gestalt das Vāruṇī-Wasser ist, die den aufwärtsgerichteten Bindu ergreift, o Mahālakṣmīśvarī in der höchsten Stätte, im höchsten Raum Erstrahlende, die Mond, Sonne und Feuer verzehrt! Komm, komm; tritt ein, tritt ein; nimm deinen Genussstoff, nimm ihn; svāhā!“ Mit einem Stück des zweiten [Ritualstoffes], zwischen linkem Daumen und Ringfinger gehalten, nehme man einen Tropfen aus dem Krug und werfe ihn nach oben.

Die Krugöffnung bedecke man mit einem anderen Gefäß. Das Schöpfgefäß lege man in die linke Hand und verehre darin vier Śaktis, jeweils mit „oṃ 3 … namaḥ“: Amoghā, die Unfehlbare; Sūkṣmā, die Feine; Ānandā, die Wonne; Śānti, der Frieden. Dann stelle man es auf den Deckel des Kruges. So ist die Aufstellung des Kruges vollzogen.

Allgemeines Arghya neben dem Hauptkrug

Rechts vom Krug zeichne man mit reinem Wasser auf den mit Sandel und anderen Stoffen bestrichenen Boden ein Maṇḍala aus Quadrat, Kreis und Dreieck. Dabei spreche man die drei Tāras auf dem Weg des gerade tätigen Nasenlochs. [Die Atemanweisung ist in dieser knappen Form überliefert.] Die Dreiecksmitte verehre man mit der Wurzelvidyā, der Praṇava und die drei Tāras vorangehen und „namaḥ“ folgt; die drei Ecken, von vorne beginnend im Uhrzeigersinn, mit den drei Kūṭas.

An den Ecken des Quadrats in Südost, Nordost, Südwest und Nordwest verehre man die vier mit dem Herzen beginnenden Glieder, in der Mitte das Auge, in den vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten, die Waffe: so mit den sechs Gliedmantras. Man stelle die mit dem Wurzelmantra gewaschene Unterlage darauf. Nach „oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ“ und dem ersten Kūṭa spreche man: „raṃ – Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind, der Unterlage des allgemeinen Arghya der erhabenen höchsten Gottheit.“

[Die Vorlage klammert die folgende Anweisung ein:] Man verehre dort die zehn Feuerkalās auf die noch zu beschreibende Weise, stelle das mit dem Waffenmantra gewaschene Gefäß darauf und spreche nach „oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ“ und dem zweiten Kūṭa: „aṃ – Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Wohlstand gewährenden Kalās sind, dem allgemeinen Arghya-Gefäß der erhabenen höchsten Gottheit.“

Dann verehre man die zwölf Sonnenkalās auf die noch zu beschreibende Weise. Mit reinem, durch Duftstoffe wohlriechend gemachtem Wasser fülle man das Gefäß, wobei man nach Praṇava, den drei Tāras und der Wurzelvidyā die rückläufige Mātṛkā spricht. Nach „oṃ 3“ und dem dritten Kūṭa verehre man: „oṃ – Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Verlangen erfüllenden Kalās sind, dem Nektar des allgemeinen Arghya der erhabenen höchsten Gottheit.“ Die sechzehn Mondkalās verehre man entsprechend der folgenden Erklärung.

Wie zuvor rufe man aus dem Sonnenkreis die heiligen Wasserstätten herbei, gebe einen Tropfen des Krugnektars hinzu und lege mit dem Wurzelmantra Duft, Blüten und weitere Gaben hinein. Wie zuvor verehre man mit den sechs Gliedmantras. Mit dem Mantra des neungliedrigen Paares „hasakṣamalavarayūṃ sahakṣamalavarayīṃ“ weihe man dreimal, ebenso dreimal mit dem Mantra des Varuṇa-Paares „hasauṃ varuṇāya namaḥ, shauṃ vāruṇīdevyai namaḥ“ – „Verehrung dem Varuṇa; Verehrung der Göttin Vāruṇī“. Mit dem Wurzelmantra weihe man achtmal und zeige die Kuh- und die Yoni-Mudrā. Damit ist das allgemeine Arghya bereitet. [Die ungewöhnliche Zeichenfolge „shauṃ“ wird nach der Vorlage bewahrt.]

Das Maṇḍala des besonderen Arghya

In seiner Nähe bestreiche man den Boden mit Wasser des allgemeinen Arghya, gemischt mit Yakṣakardama und anderen Duftstoffen. Man bilde dort ein Maṇḍala aus Quadrat, Kreis, Sechseck und Dreieck unter Verwendung des fließenden Atems und der nach oben gerichteten Nasenöffnungen. [Die genaue Ausführung von „vahacchvāsordhvapuṭābhyām“ ist nicht eindeutig.] Mit der zur Muschel-Mudrā geformten linken Hand stütze man das Maṇḍala. In die Mitte seines Dreiecks zeichne man die Kāmakalā als das mit Bindu versehene Vierte.

Man verehre das Maṇḍala mit „oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ – Verehrung dem Unterlagen-Maṇḍala des besonderen Arghya der erhabenen höchsten Gottheit“. Die Dreiecksmitte verehre man mit „4“, dem Wurzelmantra und abschließendem „namaḥ“. In der vorderen Ecke verehre man mit „4“, dem ersten Kūṭa und „namaḥ“, links entsprechend mit dem zweiten, rechts mit dem dritten. So verehre man das Dreieck im Uhrzeigersinn.

In den Ecken des Sechsecks verehre man von vorne beginnend im Uhrzeigersinn durch zweimalige Wiederholung der drei Wurzel-Kūṭas. Im Quadrat verehre man wie zuvor die sechs Glieder. In seinen vier Richtungen und in der Mitte verehre man von vorne beginnend im Uhrzeigersinn die fünf Juwelen:

  • „4 glūṃ gaganaratnāya namaḥ“ – Verehrung dem Juwel des Himmelsraums.
  • „4 slūṃ svargaratnāya namaḥ“ – Verehrung dem Juwel der Himmelswelt.
  • „4 mlūṃ martyaratnāya namaḥ“ – Verehrung dem Juwel der Menschenwelt.
  • „4 plūṃ pātālaratnāya namaḥ“ – Verehrung dem Juwel der Unterwelt.
  • „4 nlūṃ nāgaratnāya namaḥ“ – Verehrung dem Juwel der Nāgas.

In den sechs Ecken verehre man erneut, von vorne beginnend im Uhrzeigersinn, die beim Nyāsa genannten sechs Sitze. In Quadrat, Kreis, Sechseck und Dreieck verehre man die vier Pīṭhas: Kāmarūpa, Jālandhara, Pūrṇagiri und Uḍyāna, jeweils mit „4 … pīṭhāya namaḥ“. [Diese Zuordnung folgt der hiesigen Reihenfolge; sie wird nicht an die frühere Gefäßanweisung angeglichen.]

Wer die Śāmbhava-Einweihung besitzt, verehre im Quadrat in den vier Richtungen und in der Mitte mit den fünf Praṇavas, jeweils von den fünf Praṇavas umschlossen. Das erste ausgeschriebene Beispiel lautet:

„aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakhaphreṃ hasauḥ aiṃ hasauḥ hasakhaphreṃ śrīṃ hrīṃ aiṃ namaḥ“.

Ebenso folgen, in der abgekürzten Schreibweise der Vorlage: „5 hrīṃ 5 namaḥ“, „5 śrīṃ 5 namaḥ“, „5 hasakhaphreṃ 5 namaḥ“, „5 hasauḥ 5 namaḥ“. Danach verehre man das gesamte Maṇḍala mit dem Wurzelmantra und: „Verehrung dem Arghya-Maṇḍala aus den vier Pīṭhas der erhabenen höchsten Gottheit, die alle Kräfte in sich enthält.“

Man nehme die mit dem Wurzelmantra gewaschene Unterlage und stelle sie mit „4 – Ich stelle die Unterlage des besonderen Arghya der erhabenen höchsten Gottheit auf“ auf das Maṇḍala. Nach „4“ und dem ersten Kūṭa verehre man: „maṃ – Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind, der Unterlage des besonderen Arghya-Gefäßes der erhabenen höchsten Gottheit.“

Feuer-, Sonnen- und Mondkalās im besonderen Arghya

Auf der Unterlage rufe man die zehn Feuerkalās herbei: „Ihr zehn Kalās, beginnend mit Dhūmrārcis: Kommt hierher, kommt!“ Man vollziehe ihre Prāṇapratiṣṭhā mit dem bereits genannten Mantra, wobei man anstelle des Wortes „meine“ die Wendung „der mit Dhūmrārcis beginnenden [Kalās]“ einsetzt. Während der Rezitation berühre man die Unterlage. Dann verehre man jeweils mit „4“, dem Laut und „namaḥ“:

  • yaṃ – Dhūmrārcis, die Rauchflammige.
  • raṃ – Uṣmā, die Hitze.
  • laṃ – Jvalinī, die Brennende.
  • vaṃ – Jvālinī, die Flammende.
  • śaṃ – Visphuliṅginī, die Funken Sprühende.
  • ṣaṃ – Suśrī, die herrlich Schöne.
  • saṃ – Surūpā, die Schöngeformte.
  • haṃ – Kapilā, die Rotbraune.
  • laṃ – Havyavāhā, die das Götteropfer trägt.
  • kṣaṃ – Kavyavāhā, die das Ahnenopfer trägt.

Ein aus Gold oder anderem geeigneten Material gefertigtes Gefäß wasche man mit dem Waffenmantra und stelle es mit „4 – Ich stelle das besondere Arghya-Gefäß der erhabenen höchsten Gottheit auf; Verehrung“ darauf. Nach „4“ und dem zweiten Kūṭa verehre man in der Gefäßmitte: „aṃ – Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Wohlstand gewährenden Kalās sind, dem besonderen Arghya-Gefäß der erhabenen höchsten Gottheit.“

Man stelle sich das zuvor genannte Maṇḍala vor, verehre es wie zuvor bis einschließlich der fünf Juwelen und ehre es ebenso mit den fünf Praṇavas. Die zwölf Sonnenkalās rufe man wie zuvor herbei, vollziehe unter Voranstellung ihrer Namen ihre Prāṇapratiṣṭhā und verehre sie kreisförmig im Uhrzeigersinn. Die Formeln haben wiederum den Anfang „4“ und den Schluss „namaḥ“:

  • kaṃ bhaṃ – Tapinī.
  • khaṃ baṃ – Tāpinī.
  • gaṃ phaṃ – Dhūmrā.
  • ghaṃ paṃ – Marīci.
  • ṅaṃ naṃ – Jvālinī.
  • caṃ dhaṃ – Ruci.
  • chaṃ daṃ – Suṣumnā; vor dieser Formel fehlt hier das sonst verwendete Kürzel „4“.
  • jaṃ thaṃ – Bhogadā.
  • jhaṃ taṃ – Viśvā.
  • ñaṃ ṇa – Bodhinī; so die hiesige Lautschreibung.
  • ṭaḍhaṃ – Dhāriṇī; so die ungetrennte Schreibung der Vorlage.
  • ṭhaṃ ḍaṃ – Kṣamā.

Mit dem Schöpfgefäß entnehme man dem Krug Wasser und fülle das Arghya-Gefäß damit, während man nach der Wurzelvidyā die rückläufige Mātṛkā spricht. Man gebe Lotus und weitere Zutaten hinein. Mit „aiṃ“ rühre man das Wasser mittels einer zwischen Daumen und Ringfinger gehaltenen Blüte um und entferne diese Blüte. Mit „klīṃ“ lege man eine andere Blüte hinein, die mit der Paste der acht Duftstoffe – Sandel, Aguru, Kampfer, Cora, Kuṃkuma, Rocanā, Jaṭāmāṃsī und Śilārasa – oder mit Sandelpaste und Ähnlichem versehen ist.

Mit „sauḥ“ blicke man unter der Gālinī-Mudrā darauf. Nach „4“ und dem dritten Kūṭa verehre man im Wasser: „oṃ – Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Verlangen erfüllenden Kalās sind, dem Nektar des besonderen Arghya der erhabenen höchsten Gottheit.“ Man stelle sich darin das bereits beschriebene Maṇḍala vor und verehre es wie zuvor bis einschließlich der fünf Juwelen. Wer die Śāmbhava-Einweihung besitzt, verehre ebenso mit den fünf Praṇavas.

Dann rufe man die sechzehn Mondkalās wie zuvor herbei und vollziehe unter Voranstellung ihrer Namen ihre Prāṇapratiṣṭhā. Von der eigenen Vorderseite beginnend verehre man sie kreisförmig im Uhrzeigersinn, jeweils mit „4“, dem Laut und „namaḥ“; die Vorlage kürzt die wiederholten Formelenden ab:

  • aṃ – Amṛtā, Nektar und Unsterblichkeit.
  • āṃ – Mānadā, die Ehre Gewährende.
  • iṃ – Pūṣā, die Nährende.
  • īṃ – Tuṣṭi, Zufriedenheit.
  • uṃ – Puṣṭi, Gedeihen.
  • ūṃ – Rati, Freude und Liebeslust.
  • ṛṃ – Dhṛti, Festigkeit.
  • ṝṃ – Śaśinī, die Mondhafte.
  • ḷṃ – Candrikā, Mondlicht.
  • ḹṃ – Kānti, Glanz und Schönheit.
  • eṃ – Jyotsnā, Mondschein.
  • aiṃ – Śrī, Glück und Herrlichkeit.
  • oṃ – Prīti, liebevolle Freude.
  • auṃ – Aṅgadā, die Schmuck Gewährende.
  • aṃ – Pūrṇā, die Volle.
  • aḥ – Pūrṇāmṛtā, die Fülle des Nektars.

Innere Vereinigung mit dem Nektar des Bewusstseins

Das mittlere Dreieck des verehrten Maṇḍala stelle man sich als die drei mit a, ka und tha beginnenden Linien vor. In seinen drei Ecken stehen die drei Kūṭas der Wurzelvidyā; im mittleren Bindu die Kāmakalā. An ihren beiden Seiten stehen ha und kṣa mit Bindu, hinter ihr la und an ihren Seiten die Laute haṃ und saḥ.

Man forme die Yoni-Mudrā, die Blüten und ungebrochene Reiskörner umschließt. Auf die vom Guru gelehrte Weise erwecke man Kuṇḍalinī aus dem Mūlādhāra und führe sie auf dem Weg der Suṣumnā durch die sechs Cakras. [Die folgende Formulierung verbindet diese innere Bewegung mit dem großen Gefäß, das von den sämtlichen Essenzen des Bewusstseins-Mondkreises am Brahmarandhra erfüllt ist; ihre Satzfügung ist verkürzt.]

„Bringe den Nektarsaft herbei! aiṃ plūṃ glauṃ jūṃ saḥ – O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Herrin des Nektars, Nektar Regnende: Lass Nektar strömen, strömen; svāhā!“ Mit diesem Spruch verbinde man durch das Einwerfen von Blüten und Reiskörnern jenen Nektarstrom mit dem Arghya-Nektar. Mit „vaṃ“ zeige man die Kuh-Mudrā.

Mit dem achtlautigen Ātman-Mantra „oṃ hrīṃ haṃsaḥ so'haṃ svāhā“ weihe man dreimal. Dann spreche man es erneut und verehre im Wasser: „Ich verehre die heiligen Sandalen der Kraft des Selbst.“ Mit Praṇava weihe man erneut dreimal und verehre mit „haṃsaḥ“ die heiligen Sandalen der Ajapā-Śakti. Mit der Mātṛkā ohne Bindu weihe man dreimal, spreche sie erneut und verehre im Wasser die heiligen Sandalen der Mātṛkāsarasvatī.

Mit dem dritten Kūṭa der Wurzelvidyā weihe man zehnmal, spreche es erneut und verehre im Wasser die heiligen Sandalen der Tripurāmṛteśvarī. Mit den beiden Ānandabhairava-Paarvidyās „4 hasakṣamalavarayūṃ sahakṣamalavarayīṃ“ weihe man dreimal. Mit „4 hasakṣamalavarayūṃ ānandabhairavāya vauṣaṭ“ verehre man dreimal: „Ich verehre die heiligen Sandalen Ānandabhairavas und bringe ihnen Tarpaṇa dar; Verehrung!“ Mit „4 sahakṣamalavarayīṃ sudhādevyai vaṣaṭ“ verehre man entsprechend Sudhādevī, die Nektargöttin, und bringe ihr Tarpaṇa dar.

Mit den beiden Vidyās des Varuṇa-Paares „hasauṃ varuṇāya namaḥ, shauṃ vāruṇodevyai namaḥ“ weihe man dreimal; dann spreche man sie, mit „4“ beginnend, einzeln erneut und verehre die heiligen Sandalen Varuṇas und Vāruṇīdevīs mit Tarpaṇa. [Die Vorlage wechselt hier zwischen den Schreibungen Vāruṇodevī und Vāruṇīdevī.]

Mit Bālā und mit den noch zu nennenden Mantras der sechzehn Nityās weihe man jeweils einmal. Mit der Tages-Nityāvidyā und mit der Vidyā der jeweiligen Tithi-Nityā weihe man gesondert jeweils dreimal. Wer in den Ūrdhvāmnāya eingeweiht ist, weihe dreimal mit den Mantras Prāsādaparā und Parāprasāda, „hasauḥ“ und „shauḥ“.

Wer die Caraṇa-Einweihung und die entsprechenden weiteren Einweihungen besitzt, weihe mit Caraṇa- und Kulayoginīvidyā jeweils dreimal. Wer in die Anuttaraparāvidyā „sauḥ“ eingeweiht ist, weihe damit dreimal. Wer den zuvor genannten Abhiṣeka empfangen hat, weihe mit der Kāmakalāvidyā dreimal. Wer die Śāmbhava-Einweihung der sechs Überlieferungszweige besitzt, weihe mit deren Vidyās dreimal. Danach weihe man dreimal mit den noch zu nennenden Mantras der fünf Elemente. [Der Text bindet diese zusätzlichen Formeln ausdrücklich an die entsprechende Einweihung.]

Die weiteren Kalā-Gruppen und ihre vedischen Anrufungen

Man rufe im Wasser die zehn mit Sṛṣṭi beginnenden Kalās herbei und vollziehe wie zuvor unter Nennung ihrer Namen ihre Prāṇapratiṣṭhā. Für den folgenden Vers ist Vāmadeva der Ṛṣi, Jagatī das Versmaß und Sūrya die Gottheit:

„oṃ – Der Haṃsa, der im Reinen wohnt; der Vasu, der im Luftraum wohnt; der Opferpriester am Altar; der Gast im Haus; der bei den Menschen, beim Vortrefflichen, in der Ordnung und im Himmelsraum wohnt; aus den Wassern geboren, aus der Erde beziehungsweise den Kühen geboren, aus der Wahrheit geboren, aus dem Berg geboren: die große Wahrheit.“ [Einige Formen dieses vedischen Zitats sind in der Vorlage beschädigt; die Bedeutung von „gojā“ ist mehrdeutig.]

Mit diesem Vers weihe man einmal, spreche ihn erneut und verehre im Wasser mit „Verehrung dem Brahmā“. Beginnend mit „4 kaṃ sṛṣṭyai namaḥ“ – „Verehrung der Schöpfung“ – verehre man die Kalās der ka- und ca-Lautgruppen so, wie es zuvor beim Kalāmātṛkānyāsa angegeben wurde.

Dann rufe man die zehn mit Jarā beginnenden Kalās der ṭa- und ta-Lautgruppen herbei und vollziehe wie zuvor ihre Prāṇapratiṣṭhā. Einmal weihe man mit dem Vers: „oṃ – Viṣṇu wird wegen seiner Heldenkraft gepriesen, wie ein furchtbares wildes Tier, das umherstreift und auf den Bergen weilt; in seinen drei weiten Schritten wohnen sämtliche Welten.“ Man spreche den Vers erneut, verehre mit „Verehrung dem Viṣṇu“ und verehre die Kalās, beginnend mit „ṭaṃ jarāyai namaḥ“ – „Verehrung dem Altern“.

Darauf rufe man die mit Tīkṣṇā beginnenden Kalās der pa- und ya-Lautgruppen herbei und vollziehe wie zuvor ihre Prāṇapratiṣṭhā. Für „tryambakam“ ist Vasiṣṭha der Ṛṣi, Anuṣṭubh das Versmaß und Tryambakarudra die Gottheit:

„oṃ – Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod frei werden, nicht von der Unsterblichkeit.“

Damit weihe man, spreche es erneut, verehre mit „Verehrung dem Rudra“ und verehre die Kalās, beginnend mit „paṃ tīkṣṇāyai namaḥ“ – „Verehrung der Scharfen“.

Dann rufe man die fünf mit Pītā beginnenden Kalās herbei, die aus den fünf Lauten von sa bis kṣa hervorgehen, vollziehe wie zuvor ihre Prāṇapratiṣṭhā und weihe mit der Gāyatrī. Man spreche sie erneut, verehre mit „Verehrung dem Īśvara“ und verehre die Kalās, beginnend mit „ṣaṃ pātāyai namaḥ“. [„sa“, „Pītā“ und „pātā“ sind so überliefert; die Laut- und Namensabweichungen dieser Fünfergruppe bleiben offen.]

Danach rufe man die aus den Vokalen hervorgehenden, mit Nivṛtti beginnenden Kalās herbei und vollziehe wie zuvor ihre Prāṇapratiṣṭhā. Für den Mantra „viṣṇur yoniṃ kalpayatu“ ist Tvaṣṭṛ, der Bildner der Leibesfrucht, der Ṛṣi, Anuṣṭubh das Versmaß und Śrīviṣṇu die Gottheit; seine Anwendung dient der Freude Sadāśivas:

„Viṣṇu bereite den Mutterschoß, Tvaṣṭṛ forme die Gestalten, Prajāpati gieße ein, Dhātṛ lege die Leibesfrucht in dich!“

Damit weihe man, spreche ihn erneut und verehre im Wasser mit „Verehrung dem Sadāśiva“. Die Kalās verehre man beginnend mit „aṃ nivṛttyai namaḥ“ – „Verehrung der Rückwendung“. Mit der Mātṛkā weihe man zweimal, spreche sie erneut und verehre die heiligen Sandalen der Mātṛkāsarasvatī.

Anrufung der ungeteilten Wonne und der Göttin

Mit „4 aiṃ“ spreche man dreimal:

„O du, die ungeteilte, einheitliche Wonne hervorbringt, ganz aus höchstem Nektar bestehend, deren Gestalt Akula ist: Bewirke hier das freie Aufleuchten!“ [Die Wortfolge „sphuraṇāmatra“ ist grammatisch unsicher; der Sinn ist vorläufig wiedergegeben.]

Mit „klīṃ“ spreche man ebenfalls dreimal:

„O Höchste, deren Gestalt der in Akula ruhende Nektar ist, die Vollendung und Erkenntnis hervorbringt, du von durchfeuchteter Gestalt: Lege Unsterblichkeit in diesen Stoff!“

Mit „sauḥ“ spreche man dreimal:

„Indem du durch deine Gestalt Einheit des Wesens schenkst, o du, deren Gestalt eben dieses ist: Werde zum höchsten Nektar und bewirke in mir das Aufleuchten des Bewusstseins!“ [Die Vorlage trennt „parā mṛtākāre“; die Lesung als „höchster Nektar“ bleibt deshalb vorläufig.]

Mit der Amṛteśvarīvidyā weihe man viermal: „aiṃ plūṃ hrauṃ jūṃ saḥ – O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Herrin des Nektars, Nektar Regnende: Lass Nektar strömen, strömen; svāhā!“ Dann spreche man sie erneut und verehre die heiligen Sandalen der Amṛteśvarī einmal.

Mit der Dīpinīvidyā weihe man fünfmal: „aiṃ – Sprich, sprich, o Göttin der Rede! aiṃ klīṃ – O Feuchte, Durchfeuchtende: Durchfeuchte, durchfeuchte; bewirke große Erschütterung, bewirke sie! klīṃ sauḥ – Bewirke Befreiung, bewirke sie! sauḥ hsauḥ.“ Danach rezitiere man die Wurzelvidyā achtmal.

In der Mitte stelle man sich ein Quadrat mit westlichem Tor vor. An dessen rechter und linker Seite verehre man Kulavaṭukanātha und seine geliebte Muttergöttin mit der Formel der heiligen Sandalen. Im Inneren verehre man die sechs Sitze wie zuvor. Im Bindu in der Mitte des inneren Dreiecks, in der Kāmakalā, rufe man die Göttin auf die noch zu beschreibende Weise herbei und meditiere über sie. Mit dem sechsfachen Gliedernyāsa mache man ihre Gestalt vollständig, verehre sie mit Duft und weiteren Gaben und verehre an ihrem Leib die Layāṅgas gemäß der noch folgenden Vorschrift.

Man verehre die Tithi-Nityā, die sechzehn Nityās, die drei Guru-Reihen und die sechs jugendlichen Gliedgöttinnen. Mit dem noch zu nennenden Samaṣṭiyoginī-Mantra bringe man dreimal oder einmal eine Handvoll Blüten dar. Man opfere Räucherwerk und Licht und zeige die achtzehn Mudrās:

Yoni, Dhenu, Mahāyoni, Triśikhā, Padma, Saṃkṣobha, Drāvaṇa, Ākarṣa, Vaśya, Unmāda, Mahāṅkuśā, Khecarī, Bīja, Yoni, Pāśa, Aṅkuśa, Dhanus und Bāṇa – also Schoß, Kuh, großer Schoß, Dreispitze, Lotus, Erschütterung, Verflüssigung, Heranziehung, Unterwerfung, Ekstase beziehungsweise Verwirrung, großer Elefantenhaken, Himmelsgängerin, Keim, Schoß, Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und Pfeil. [Yoni erscheint in der überlieferten Reihe zweimal.] Mit der Gruß-Mudrā verneige man sich.

Wer nicht imstande ist, dies alles auszuführen, vollziehe entweder die Mantraweihe oder die Verehrung. Wer auch dazu nicht imstande ist, führe den Ablauf bis zur Verehrung mit dem achtlautigen Ātman-Mantra aus, verehre das Ānandabhairava-Paar und bringe ihm Tarpaṇa dar. Dann setze man mit der Verehrung der mit Sṛṣṭi beginnenden Kalās wieder ein und beende den übrigen Ablauf wie beschrieben. Dies ist die Vorschrift zur Aufstellung des besonderen Arghya.

Śrī-Gefäß, Fußwaschwasser, Mundspülwasser und weitere Gefäße

Jenseits davon stelle man nach derselben Vorschrift ein weiteres Gefäß auf, das Śrī-Gefäß genannt wird. Daraus bringe man den Gottheiten der Umhüllungen, mit Ausnahme der Wurzelgöttin, Tarpaṇa dar. Die Hingabe der Verehrung und die weiteren Handlungen sowie das Tarpaṇa für die Wurzelgöttin erfolgen allein mit dem besonderen Arghya. Die Darbringung der Verehrung und die Arghya-Gabe für die ersten drei Umhüllungen bis einschließlich der mit Anaṅgakusumā beginnenden Gruppe vollziehe man dagegen mit Wasser des allgemeinen Arghya. Dies ist die Aufstellung des Śrī-Gefäßes.

Darunter stelle man anschließend in einer Reihe die Gefäße für Fußwaschwasser, Mundspülwasser und Madhuparka auf: Die ersten beiden fülle man mit reinem Wasser, das dritte mit dem Madhuparka-Stoff. In jedes gebe man etwas Wasser des besonderen Arghya und weihe jedes gesondert achtmal mit der Wurzelvidyā. Für Madhuparka ist ein Bronzegefäß empfohlen, oder ein anderes Gefäß außer einem aus Kupfer; man bedecke es mit einem weiteren Gefäß.

In das allgemeine Arghya gebe man Duft, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. In das Fußwaschgefäß gebe man die acht Stoffe Śyāmāka, Reis, Dūrvā, Lotus, Aparājitā-Blüte, Uśīra und Rocanā. [Die Vorlage nennt ausdrücklich acht, ihre überlieferte Wortfolge lässt aber nur sieben sicher getrennte Zutaten erkennen.] In das Mundspülgefäß gebe man Pulver von Muskatnuss, Gewürznelke und Kakkola. Fehlen die genannten Stoffe, so gebe man Reis hinein und vergegenwärtige jeweils die Bedeutung des fehlenden Stoffes.

In das Madhuparka-Gefäß gebe man Dickmilch, Honig und Ghee und weihe es mit einem Tropfen des besonderen Arghya. Fehlen Dickmilch und die übrigen Stoffe, so fülle man es allein mit Wasser und vergegenwärtige ihre Bedeutung. Rechts vor sich stelle man nach derselben Vorschrift ein weiteres Gefäß für das erneute Mundspülen auf. Besteht auch hierzu keine Möglichkeit, so gebe man die drei mit Fußwaschwasser beginnenden Darbringungen in ein einziges Gefäß.

Nach dem vom eigenen Guru erlernten Anwendungsverfahren stelle man jenseits des Sprenggefäßes vier Gefäße nach der Vorschrift des allgemeinen Arghya auf: Guru-Gefäß, Śakti-Gefäß, Vaṭuka-Gefäß und eigenes Gefäß. Mit der Gurupādukāvidyā weihe man das Guru-Gefäß, mit Bālā das Śakti-Gefäß, mit Vaṭukas Mantra sein Gefäß und mit dem achtlautigen Ātman-Mantra das eigene Gefäß, jedes mit dem zugehörigen Mantra achtmal.

Wasser aus dem Sprenggefäß entnehme man mit einem anderen Gefäß und besprenge sich mit den folgenden Formeln:

  • Nach „oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ“ und dem ersten Kūṭa: „Verehrung dem, dessen Wesen das Ātmatattva ist.“
  • Nach „4 klīṃ“ und dem zweiten Kūṭa: „Verehrung dem, dessen Wesen das Vidyātattva ist.“
  • Nach „4 sauḥ“ und dem dritten Kūṭa: „Verehrung dem, dessen Wesen das Śivatattva ist.“
  • Nach „4 aiṃ klīṃ sauḥ“ und dem vollständigen Wurzelmantra: „Verehrung dem, dessen Wesen sämtliche Tattvas sind.“

Erneut besprenge man mit dem Wurzelmantra den Opferplatz, die Ritualgeräte und das Śrīcakra. Über allen Dingen zeige man die Kuh-Mudrā. Damit endet die Aufstellung der mit Arghya beginnenden Gefäße. Ist die Aufstellung eines eigenen Śrī-Gefäßes nicht möglich, vollziehe man die dafür genannten Verehrungen allein mit dem besonderen Arghya.

Die zusammengefasste Gefäßbereitstellung

Nun eine zusammengefasste Vorschrift zur Bereitstellung der Gefäße. Links von sich zeichne man mit Sandel oder einem anderen geeigneten Stoff ein Maṇḍala aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat. Darin verehre man die Gestalt der vier Pīṭhas. Mit „4 maṃ“ verehre man: „Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Dharma gewährenden Kalās sind, der Krugunterlage der erhabenen höchsten Gottheit.“ Darüber verehre man wie zuvor die zehn mit Dhūmrārcis beginnenden Kalās, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn.

Man stelle den mit dem Waffenmantra gewaschenen und gut durchräucherten Krug darauf und verehre mit „4 aṃ“: „Verehrung dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Wohlstand gewährenden Kalās sind, dem Kruggefäß der erhabenen höchsten Gottheit.“ Am Krug verehre man, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn, die zwölf mit Tapinī beginnenden Kalās.

Je nach Berechtigung fülle man Milch, Ghee, Honig oder Āsava ein: den zuvor in gesonderten Gefäßen samt seinen zugehörigen Bestandteilen geweihten Stoff. Dabei spreche man mit der Wurzelvidyā die rückwärts und die vorwärts angeordnete Mātṛkā. Darin verehre man die sechs jugendlichen Gliedgöttinnen, die drei Guru-Reihen, die sechzehn Nityās, die Tages-Nityā und die Ratneśvarīs.

Mit „4 oṃ“ verehre man: „Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Verlangen erfüllenden Kalās sind, dem Nektar im Krug der erhabenen höchsten Gottheit.“ Im Osten beginnend im Uhrzeigersinn verehre man die sechzehn mit Amṛtā beginnenden Kalās. Diesen Nektar betrachte man als ganz vom höchsten Brahman erfüllt. Man bedecke den Krug mit einer Deckelschale samt Schöpfgerät und mit feinem Stoff. Dies ist die Aufstellung des Kruges. Auch die übrigen Gefäße stelle man nach dem hier beschriebenen Verfahren mit ihren jeweiligen Mantras auf. Damit endet die Zusammenfassung.

Kolophon des neunten Śvāsa

Hier endet der neunte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, Schüler des Śrīpragalbhācārya, Schüler des Śrīviṣṇuśarmācārya, Schüler des Śrībhagavacchaṅkarācārya, Schüler des verehrungswürdigen großen Lehrers Śrīgovindācārya. [Die anschließende Kapitelzahl 9 bezeichnet den Śvāsa und wird nicht als zusätzlicher Vers gezählt. Die technische Überleitung zur nächsten Textdatei gehört nicht zum Übersetzungstext.]

10. Śvāsa

Ātmapūjā: die Verehrung im eigenen Leib

Nun die Ātmapūjā. Vor sich stelle man auf einem dreieckigen Maṇḍala ein Gefäß mit Unterlage auf, fülle es mit Wasser aus dem Krug und gebe einen Tropfen des besonderen Arghya hinein. Den eigenen Körper schmücke man mit Sandel und anderen Stoffen und meditiere über sich selbst als Gestalt der erwählten Gottheit. Nachdem man Guru, Gaṇapati und die höchste Gottheit gegrüßt hat, meditiere man wie zuvor über Kuṇḍalinī vom Mūlādhāra bis zum Brahmarandhra. Man vergegenwärtige die Wurzelvidyā als ihre Gestalt und den eigenen Leib als durch ihr Licht in die Gestalt der erwählten Gottheit verwandelt. So vollziehe man die Selbstverehrung.

Nach der zuvor beschriebenen Weise des Yogapīṭhanyāsa stelle man sich den eigenen Leib als Yogapīṭha vor. Auf dem Fruchtboden des Herzlotus vergegenwärtige man die höchste Gottheit auf dem Śrīcakra. In der noch zu beschreibenden Reihenfolge verehre man sie mit sechzehn Darbringungen. Fünf Blütenhände bringe man am eigenen Leib dar, opfere Räucherwerk und Licht und vollziehe das innere Feueropfer.

Im Mūlādhāra stelle man sich eine dreieckige Feuergrube vor. In ihrer Mitte ist das Kāla-Feuer, zugleich das Kāma-Feuer: Es brennt durch den Brennstoff der eingeprägten Neigungen und wird von den fünf Lebenswinden, beginnend mit Prāṇa, angefacht. Man vergegenwärtige diesen Kreis des Bewusstseinsfeuers als von der höchsten Gottheit in Gestalt der Kuṇḍalinī bewohnt.

Nach Praṇava, den drei Tāras und der Wurzelvidyā spreche man:

„Im Feuer des Selbst, das von den Opfergaben Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich mit dem Geist als Opferkelle auf dem Weg der Suṣumnā beständig die Tätigkeiten der Sinne. Dies opfere ich; svāhā!“

Mit sieben Wiederholungen opfere man die sieben Gaben: Verdienst, Verfehlung, das zu Tuende, das nicht zu Tuende, Vorsatz, unterscheidende Vorstellung und Dharma. [Die Siebenerreihe ist so aus dem Kompositum der Vorlage erschlossen; Dharma steht zusätzlich zu dem vorausgehenden Gegensatzpaar.]

Dann spreche man nach Praṇava, den drei Tāras und der Wurzelvidyā:

„Mit den beiden Händen des Leuchtens und des Sich-selbst-Erfassens halte ich die Opferkelle Unmanī. In das vollkommene Feuer opfere ich das Fett der Kalās von Dharma und Adharma. Adharma opfere ich; svāhā!“

So bringe man die vollständige Opfergabe dar. Nachdem die gesamte Weltentfaltung zurückgenommen ist, verweile der Übende einige Augenblicke als das ungeteilte Brahman. Dann meditiere er wieder über sich als Göttin, verneige sich vor den heiligen Sandalen des Guru und meditiere am Kopf über Annapūrṇā. Ihre Vidyā rezitiere er nach Vermögen und bringe die Rezitation dar.

Nach Prāṇāyāma, den mit dem Ṛṣi beginnenden Einsetzungen sowie Hand- und sechsfachem Gliedernyāsa rezitiere man die Wurzelvidyā hundertachtmal, bringe die Rezitation dar, preise und verneige sich. Damit endet die Ātmapūjā.

Śaktiśodhana im historischen Kaula-Ritual

Nun die Reinigung beziehungsweise Weihe der Śakti. [Śakti bezeichnet in diesem Abschnitt auch die weibliche Ritualpartnerin. Die folgende sachliche Übersetzung dokumentiert einen historischen Sexualritus und seine religiösen Deutungen. Sie ist keine Anleitung zu dessen heutiger Ausführung.]

Im Bhāvacūḍāmaṇi heißt es:

10.BC.1 Aus der Verbindung mit einer nicht eingeweihten Kula-[Partnerin] entsteht Verlust der Vollendung. Mit Gewalt oder mit beharrlicher Mühe soll man den Abhiṣeka vollziehen. [„balāt“ kann hier Zwang bezeichnen. Diese historische Formulierung wird nicht als Zustimmung zu einem Eingriff ohne Einwilligung übernommen.]

10.BC.2–10.BC.3 Zuerst spreche man Bālā, dann „tripurāyai“, darauf „namaḥ“, dann „imāṃ śaktiṃ“. Nach „pavitraṃ kuru“ folgen „mama śaktiṃ kuru priye“ und die Gattin des Feuers [svāhā]. Dies ist der Reinigungsmantra, o Herrin der Götter.

Der Wortsinn lautet: „Verehrung der Tripurā! Mache diese Śakti rein; mache sie zu meiner Śakti, o Geliebte; svāhā!“ In ihr Ohr spreche man den Māyā-Keimlaut mit dem Bewusstsein der Nichtverschiedenheit. Damit endet die Śakti-Reinigung. Den gereinigten Stoff gebe man anschließend in das Arghya. Auch im Śrīcakra-Ablauf ist der zuvor gereinigte Stoff nur im Verborgenen hinzuzufügen.

Im Svatantra:

10.SVT.1–10.SVT.2 und Fortsetzung Der gesammelte, kundige Übende gebe den Arghya-Stoff in das Arghya-Gefäß: den aus Kuṇḍa und Gola hervorgegangenen Stoff sowie die Svayambhū-Blüte. Wer damit Arghya darbringt, o große Göttin, wird Herr aller Vollendungen. Durch die Arghya-Gabe mit Nektar wird er den Yoginīs lieb; mit dem Wasser, das den Pīṭha gewaschen hat, wird er ein großer Yogin, o Göttin.

Im Bhairavatantra:

10.BHT.1 Für die Śāktas gibt es hinsichtlich Glück und Befreiung nichts über dem fünften [Ritualstoff]. Schon allein durch die fünften [Darbringungen] wird der Übende vollendet.

Ferner:

10.PAR.1–10.PAR.2 Man verehre das Lager und in seiner Mitte Maṇḍūka, Kālāgnirudra, die tragende Kraft, die Schildkröte und Ananta; ferner Varāha, die Erde, die Lotuswurzel, den schönen Stiel, die Staubfäden, den Lotus, den Fruchtboden und den Kreis.

10.PAR.3 Man verehre Dharma, Losgelöstheit, Herrschermacht und Erkenntnis sowie Unwissenheit, Machtlosigkeit, fehlende Losgelöstheit und Adharma.

10.PAR.4 Ebenso verehre man das aus Erkenntnis und Vidyā Bestehende und das Selbst. Man bringe Duft, Blüten, ungebrochene Reiskörner und weitere Gaben dar und lege sie dort nieder. [Die Form „ātmanaścāpi“ ist grammatisch nicht eindeutig.]

10.PAR.5–10.PAR.6 Darauf setze man die Kula-[Partnerin] und vollziehe die Verehrung. Gesammelt verehre man an ihr die fünf Kāmas. Mit duftenden Blüten und Formeln, die mit oṃ beginnen und auf namaḥ enden, verehre man die vier Richtungen, dann den Kula-Herrscher.

10.PAR.7 und Fortsetzung Man setze Vāgbhava, Kāmarāja, den Strī-Keimlaut, Kāmarāja und den Laut blūṃ ein und gewinne daraus die [Formel der] tragenden Kraft. Dort zeichne man mit Zinnober und anderen Stoffen ein Dreieck, o schön Angesichtige. [Die knappe Mantra-Ableitung wird nicht zu einer ungesicherten vollständigen Formel ergänzt.]

Im Uttaratantra:

10.UM.1 Der Übende zeichne auf ihrem Scheitel ein Dreieck und den Mantra; in dessen Mitte verehre er den großen Leichensitz und danach Bālā.

Man verehre mit „hsauṃ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ – „Verehrung dem Lotussitz aus dem großen Leichnam Sadāśivas.“ Im Kulārṇava:

10.KK.1 und Fortsetzung Gaṇeśa, den Kula-Vorsteher, Durgā, Lakṣmī und Sarasvatī verehre man in den Dreiecken, o Geliebte; danach Vasanta und Madana an den Brüsten und den Mond an ihrem Gesicht. [Fünf Gottheiten werden hier mit „den Dreiecken“ verbunden; die genauere Verteilung folgt in der nächsten Zitatstelle.]

Im Uttaratantra:

10.UK.1 Am Scheitel verehre man Gaṇeśa, am Haaransatz den Kula-Vorsteher, auf der Stirn Durgā, an den Brauen Lakṣmī und auf der Zunge Sarasvatī.

Im Jñānārṇava:

10.JK.1 Vom rechten Fuß bis zum Scheitel und links vom Scheitel bis zum Fuß verehre man sämtliche Kalās von Kāma und Soma, o Schöne.

Die mit Śraddhā, Prīti und Rati beginnenden [Kalās] sind im Mātṛkā-Śvāsa nachzusehen. Im Uttaratantra heißt es: „So sind sie mit den Vokalen zu verehren, um sämtliche Handlungsziele zu vollenden.“ Im Lalitātantra:

10.LN.1 In ihrer Yoni sind drei strömende Nāḍīs zu erkennen: die eine ist die Mondbahn, eine andere die Sonnenbahn …

10.LN.2 … und die dritte gilt als Feuerbahn. Der Übende verehre sie. Aus der Mondbahn strömt Wasser, aus der Sonnenbahn die „Blüte“ …

10.LN.3 … und aus der Feuerbahn der „Same“. Man verehre sie mit ihren Namen, denen die mit Vāgbhava beginnenden [Keimlaute] vorangehen und namaḥ folgt, mit ganz heiterem Geist. [Dies ist eine tantrische Körpersymbolik; „Blüte“ und „Same“ sind zugleich verschleiernde Stoffbezeichnungen.]

Im Uttaratantra:

10.BM.1 Im mit rotem Sandel bestrichenen „Haus Madanas“ [der Yoni] verehre man, indem man nach den drei Tāras den Bhagamālā-Mantra spricht.

10.BM.2 und unnummerierte Formel „aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ jūṃ blūṃ“, dann „klinne“, danach „sarvāṇi bhagāni vaśamānaya me“, schließlich „strīṃ hrīṃ klīṃ blūṃ bhagamālinyai namaḥ“. Der Wortsinn: „O Feuchte: Bringe alle Bhagas [Yonis beziehungsweise schöpferischen Kräfte] unter meinen Einfluss. Verehrung der Bhagamālinī!“ [Bereits die Vorlage markiert den Übergang nach „klinne“ mit einem Fragezeichen.]

10.BM.3 Mit dem Mantra „aiṃ hrīṃ śrīṃ“ verehre man sie mit Duft und weiteren Gaben. Auch hier gibt es keine Herbeirufung und keinen Jīvanyāsa, o große Herrin.

10.BM.4 Wer nach dieser Vorschrift die erwählte Göttin mit sechzehn Darbringungen verehrt, wird Herr aller Vollendungen.

10.BM.5 Danach verehre man den eigenen Śiva mit Duft, Blüten und weiteren Gaben, mit dem Wurzelmantra und anschließend „oṃ namo śivāya“.

10.BM.6 und Fortsetzung Man verehre mit den als Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta und weiteren benannten [Mantras], danach Tāra und Śāntyatītā an seinem Leib. Nach dem Sprechen der vollständigen Vidyā verehre man das Dreieck. [„Tāra“ steht hier so in der Vorlage; der genaue Bezug ist nicht ausgeführt.]

Im Uttaratantra:

10.UN.1–10.UN.2 Der Übende verehre dort Avadhūteśvarī, Kubjā, Kāmākhyā, Samayā, Vajreśvarī, Kālikā, Dikcaravāsinī, Mahācaṇḍeśvarī und Tārā. Dann erlange man ihre Erlaubnis und gebe Betel.

10.UN.3–10.UN.4 Mit der „Elefantenrüssel“ genannten Mudrā führe man dort Śiva ein [rituelle Bezeichnung für die sexuelle Vereinigung] und spreche: „Im Feuer des Selbst, das von den Opfergaben Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich mit dem Geist als Opferkelle auf dem Weg der Suṣumnā beständig die Tätigkeiten der Sinne.“ Dieser große Mantra mit svāhā am Ende wird für den Beginn genannt.

10.UN.5 Während der Vereinigung mit der Frau rezitiere man danach dreimal die Bhuvaneśvarīvidyā. „Mit den Händen des Leuchtens und des Raumes halte ich die Opferkelle Unmanī …“

10.UN.6 „… und opfere in das Feuer die mit dem Fett der Kalās von Dharma und Adharma gefüllte [Kelle].“ Dieser große Mantra mit svāhā am Ende wird für die Abgabe des Samens genannt. [Hier steht „prakāśākāśa“, Leuchten und Raum; die frühere innere Opferformel hatte eine andere Lesung.]

Im Jñānārṇava:

10.JV.1 Die Vereinigung von Śiva und Śakti ist selbst Yoga, ohne Zweifel. Der ausgestoßene Laut ist Mantragestalt, das Sprechen wird zum Lobpreis.

10.JV.2 und Fortsetzung Die Umarmung ist Moschus, der Kuss Kampfer. Kratz- und Bissspuren und Ähnliches gelten als die verschiedenen Blüten. Die sexuelle Vereinigung verstehe als Tarpaṇa, die Abgabe des Samens als Entlassung [der Gottheit].

Im Kulārṇava:

10.NB.1 und Fortsetzung Umarmung, Kuss, Berührung der Brüste, Anblick und Berührung der Yoni, die Veränderung beziehungsweise Erregung, die Reibung des Liṅga, das Eindringen und das Einsetzen der Śakti: Diese neun Blüten soll man verehren. [Die Vorlage ist bei „vikāraṃ (so)“ unsicher; die genaue Abgrenzung der neun Handlungen bleibt offen.]

Im Yāmala:

10.YV.1 Aus der Vereinigung entsteht Glück, gekennzeichnet durch höchste Wonne. Den schwer zu erlangenden Kula-Nektar soll der Mensch sorgsam aufnehmen.

10.YV.2 Durch diesen göttlichen Nektar werden alle zufriedengestellt. Was der Mantrakenner begehrt, das vollendet sich sogleich. [Dies ist das Wirkversprechen des zitierten Textes.]

Im Jñānārṇava:

10.JD.1–10.JD.2 Man reinige den Kula-Stoff, der aus Śiva und Śakti besteht, o Geliebte, und gebe ihn unter der Rezitation „Der Samen-Nektar ist das höchste Brahman“ hinzu, o Schöne. Mit dem Nektar des Arghya-Gefäßes verehre man sorgfältig, frei von unterscheidender Vorstellung und stets makellos, den Śrīvidyā-Ablauf; so werde man vom höchsten Brahman erfüllt.

10.JD.3 Diese Erkenntnis habe ich dir als schönen Wesenskern erklärt, o schön Angesichtige. Wer dagegen beständig unterscheidende Zweifel hegt, wird der Verfehlung teilhaftig.

10.JD.4 Ein von Bedenken beherrschter Mantrakenner wird [dem] gleich, der das Lager des Guru aufsucht. Deshalb, o schön Gewachsene, sei man stets frei von solchen Vorstellungen. [Die historische Drohung setzt Zweifel an diesem Ritus mit einem schweren traditionellen Vergehen gleich; sie ist keine allgemeine Forderung, eigene Bedenken zu unterdrücken.]

Im Kulārṇava:

10.KN.1 Der Kundige nehme den Kula-Nektar und gebe ihn in das Arghya. Mit diesem Arghya verehre er und vollende den übrigen Ablauf.

Der gereinigte Stoff trägt den Namen Kula-Nektar. Der Reinigungsmantra lautet nach dem Śrīkrama:

10.ŚKR.1–10.ŚKR.2 „oṃ amṛte amṛtodbhave amṛtavarṣiṇi priye“, dann das Wort „devi“, dann „śukraśāpaṃ pramocaya“; danach „amṛtaṃ“, zweimal „srāvaya“, erneut „amṛtaṃ“ und zweimal „kuru“, dann „svāhā“. Damit erfolgt die Reinigung des Śukra, o Geliebte.

Der Wortsinn: „O Unsterbliche, aus Nektar Entstandene, Nektar Regnende, Geliebte, Göttin: Löse Śukras Fluch! Lass Nektar strömen, strömen; mache [dies] zu Nektar, mache es dazu; svāhā!“ [Śukra bezeichnet je nach Bezug den Namen des Fluchenden beziehungsweise den Samen.]

10.ŚKR.3 Mit weißen, ungebrochenen Reiskörnern, mit duftenden Blüten und den Arghya-Stoffen verehre man die Göttin in der Yoni, o Herrin der Götter.

Im Uttaratantra:

10.UR.1 Der Kula-Übende verehre sie mit Räucherwerk, Lichtern und verschiedenen Speisegaben; danach nehme er selbst ihre Überreste zu sich.

Im Śivāgama:

10.ŚA.1 Wer ohne Unterscheidung vor dem Cakra die Überreste der Śakti trinkt, gelangt in eine schreckliche Hölle und fällt gewiss vom Kula-Weg ab.

10.ŚA.2 Deshalb trinke der Kundige die Überreste der Śakti erst nach sorgfältiger Prüfung. Der Vīra erzeuge Wonne und trinke das Tattva ohne Verwirrung. [Die Spannung zur vorherigen Verurteilung von Zweifeln bleibt im Text stehen.]

Damit ist die Śakti-Reinigung in Kürze beschrieben. Die Einzelheiten werden später bei der Vorschrift zur Durchführung erklärt.

Die praktische Verehrung des Yogapīṭha

Nun die Verehrung des Pīṭha in ihrer praktischen Form. Man besprenge das Śrīcakra mit Arghya-Wasser. Links von sich auf dem Pīṭha spreche man nach „4“ die Gurupādukāvidyā und verehre mit „Ich verehre die heiligen Sandalen des Śrī-[Name]-ānandanātha“. Rechts verehre man mit „gaṃ“ die heiligen Sandalen Gaṇapatis.

Ganz unten beginnend und immer weiter aufsteigend vergegenwärtige man die sieben Unterwelten, beginnend mit Atala, und die darüberliegenden Bereiche. Mit „4 … namaḥ“, „Verehrung …“, verehre man die folgende Reihe; die Vorlage kürzt die wiederholten Enden ab:

  • Maṇḍūka, den Frosch.
  • Kālāgnirudra, Rudra als Zeit- und Vernichtungsfeuer.
  • Mūlaprakṛti, die Urnatur.
  • Ādhāraśakti, die tragende Kraft.
  • Kūrma, die Schildkröte.
  • Varāha, den Eber.
  • Ananta, den Unendlichen.
  • Pṛthivī, die Erde.
  • Amṛtāmbhonidhi, das Nektarmeer.
  • Ratnadvīpa, die Juweleninsel.
  • Nānāvṛkṣamahodyāna, den großen Garten mit vielerlei Bäumen.
  • Kalpavṛkṣavāṭikā, den Garten der Wunschbäume.
  • Haricandanavāṭikā, den Garten der Haricandana-Bäume.
  • Mandāravāṭikā, den Mandāra-Garten.
  • Pārijātavāṭikā, den Pārijāta-Garten.
  • Puṣparāgaratnaprākāra, die Mauer aus Puṣparāga-Edelsteinen.
  • Padmarāgaratnaprākāra, die Mauer aus Padmarāga-Edelsteinen.
  • Gomedaratnaprākāra, die Mauer aus Gomeda-Edelsteinen.
  • Indranīlaratnaprākāra, die Mauer aus Indranīla-Edelsteinen.
  • Vajraratnaprākāra, die Diamantmauer.
  • Vaidūryaratnaprākāra, die Mauer aus Vaidūrya-Edelsteinen.
  • Māṇikyamaṇḍapa, die Rubinhalle.
  • Sahasrastambhamaṇḍapa, die Halle mit tausend Säulen.
  • Amṛtavāpikā, das Nektarbecken.
  • Ānandavāpikā, das Becken der Wonne.
  • Vimarśavāpikā, das Becken des Sich-selbst-Erfassens.
  • Bālātapodgāra, das Hervorbrechen des jungen Sonnenlichts.
  • Candrikodgāra, das Hervorbrechen des Mondlichts.
  • Mahāśṛṅgāraparikhā, den Graben der großen Liebesschönheit.
  • Mahāpadmāṭavī, den großen Lotuswald.
  • Cintāmaṇigṛharāja, den königlichen Palast aus Wunscherfüllungsjuwelen.
  • Pūrvāmnāyapūrvadvāra, das östliche Tor der östlichen Überlieferung.
  • Dakṣiṇāmnāyadakṣiṇadvāra, das südliche Tor der südlichen Überlieferung.
  • Paścimāmnāyapaścimadvāra, das westliche Tor der westlichen Überlieferung.
  • Uttarāmnāyottaradvāra, das nördliche Tor der nördlichen Überlieferung.
  • Ratnadvīpavalaya, den Ring der Juweleninsel.
  • Mahāsiṃhāsana, den großen Löwenthron.

Den großen Löwenthron stelle man sich als aus fünf Pretas bestehend vor. Seine vier Füße in den vier Ecken, beginnend im Nordwesten, sind Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Īśvara: gelb, dunkel, rot und weiß leuchtend, vierarmig und sitzend. Auf ihren Schultern liegt Sadāśiva auf dem Rücken, den Kopf nach Norden gerichtet, von Mondglanz. So meditiere und verehre man:

  • Nordwesten: „4 lāṃ – Verehrung dem Brahmā, dem Herrn der Erde“; Verehrung der heiligen Sandalen des Brahmā-Preta-Sitzes.
  • Nordosten: „4 vāṃ – Verehrung dem Viṣṇu, dem Herrn des Wassers“; Verehrung der heiligen Sandalen des Viṣṇu-Preta-Sitzes. [Die Vorlage schreibt den Übergang als „vāmapāmadhipataye“.]
  • Südosten: „4 rāṃ – Verehrung dem Rudra, dem Herrn des Feuers“; Verehrung der heiligen Sandalen des Rudra-Preta-Sitzes.
  • Südwesten: „4 yāṃ – Verehrung dem Īśvara, dem Herrn des Windes“; Verehrung der heiligen Sandalen des Īśvara-Preta-Sitzes.
  • Mitte: „4 hsauḥ – Verehrung dem Sadāśiva, dem Herrn des Raumes“; Verehrung der heiligen Sandalen des großen Sadāśiva-Preta-Sitzes.

Nachdem der Sitz der fünf Pretas verehrt ist, verehre man in seinen vier Ecken, beginnend im Nordwesten, die Vierergruppe mit Dharma; in den vier Richtungen, beginnend im Westen, im Uhrzeigersinn die Vierergruppe mit Adharma. In der Mitte verehre man Māyā und Vidyā. Darüber verehre man mit „Verehrung dem Ananta, der mit fünfhundert Hauben erstrahlt“.

In der Mitte oben stelle man sich einen achtblättrigen Lotus als Sitz Kāmeśvarīs vor. Mit „Verehrung dem Lotus“ beginnend verehre man bis zum höchsten Tattva. An den Staubfäden der acht Blätter und in der Mitte verehre man die neun mit Mohinī beginnenden Śaktis, die beim Yogapīṭhanyāsa genannt wurden. Mit dem dort angegebenen Pīṭha-Mantra verehre man den ganzen Sitz.

Darüber vergegenwärtige man das Śrīcakra. Mit „4“ und dem mit „samastaprakaṭa“ beginnenden Samaṣṭiyoginī-Mantra verehre man das ganze Cakra. Im Bindu-Kreis verehre man dreimal mit der vollständigen Vidyā:

„4 [Wurzelmantra] oṃ hrauṃ klīṃ aiṃ bhagavati blūṃ nityākāmeśvari strīṃ sarvasattvavaśaṅkari saḥ tripurabhairavi phreṃ vicce hrīṃ śrīṃ“ – „O Erhabene, ewige Kāmeśvarī, die alle Wesen unter ihren Einfluss bringt, o Tripurabhairavī!“ – mit der anschließenden Formel zur Verehrung der heiligen Sandalen der Mutter Śrīmahātripurasundarī. [Die Lautfolge „vicce“ wird nach der Vorlage bewahrt.]

Erneut verehre man dreimal mit dem Wurzelmantra und meditiere über das Śrīcakra als die drei Städte. Im ersten Kreis aus den drei Quadraten, dem sechzehnblättrigen und dem achtblättrigen Lotus spreche man nach „4“ das erste Kūṭa und „Verehrung dem, dessen Wesen der Leib ist“. Im mittleren Kreis aus dem Vierzehneck und den beiden Zehnecken spreche man nach „4“ das zweite Kūṭa und „Verehrung dem, dessen Wesen die Erkenntniskraft ist“. Im inneren Kreis aus Achteck, Dreieck und Bindu spreche man nach „4“ das dritte Kūṭa und „Verehrung dem, dessen Wesen der Lebensatem ist“.

Innerhalb des äußeren Drittels verehre man wiederum seine äußere, mittlere und innere Gliederung mit den drei Kūṭas in der genannten Reihenfolge. Ebenso verfahre man bei den drei mittleren und den drei inneren Kreisen. In den drei Ecken des Dreiecks und in seiner Mitte verehre man die vier Pīṭhas. Im Bindu-Kreis, im großen Uḍyāna-Pīṭha, verehre man mit „Verehrung dem goldenen tausendblättrigen Lotus“.

In den Bereichen von Quadrat und zwei Lotussen sowie Vierzehneck, beiden Zehnecken, Achteck, Dreieck und Bindu verehre man die sechs Sitze. [Die knappe Zuordnung setzt die früher erklärte Gruppierung voraus.] Dann verehre man die neun Śaktis mit der Formel der heiligen Sandalen, jeweils mit „4“:

  • Im Quadrat Nādaśakti.
  • Im sechzehnblättrigen Lotus Binduśakti.
  • Im achtblättrigen Lotus Kalaśāśakti.
  • Im Vierzehneck Jyeṣṭhāśakti.
  • Im äußeren Zehneck Raudrīśakti.
  • Im inneren Zehneck Vāmaśakti.
  • Im Achteck Vibadhnīśakti.
  • Im Dreieck Dūtarīśakti.
  • Im Bindu Sarvānandāśakti.

[Die teils ungewöhnlichen Namensformen Kalaśā, Vibadhnī und Dūtarī sind hier nach der Vorlage wiedergegeben.] Man betrachte das Śrīcakra als die sechsunddreißig Tattvas und verehre den ganzen Sitz mit einer Handvoll Blüten. Die Formel beginnt mit „4 aṃ 50“ und lautet dem Sinn nach:

„Verehrung dem Yogapīṭha der Śrīmahātripurasundarī, dessen Wesen Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Māyā, Kalā, Vidyā, Rāga, Kāla, Niyati, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṃkāra, Buddhi, Manas, Gehör, Tastsinn, Gesichtssinn, Zunge, Geruchssinn, Rede, Hände, Ausscheidungsorgan, Zeugungsorgan, Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch, Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind.“ [Die Formel kündigt sechsunddreißig Tattvas an, zählt in der vorliegenden Fassung jedoch nur fünfunddreißig ausdrücklich auf; das sonst übliche Bewegungsorgan fehlt. „50“ steht als Lautreihen-Abkürzung in der Quelle.]

Dann lege man in der Mitte darüber eine Blüte nieder mit „Ich bereite ein Blütenpolster“. Mit „4 hrīṃ śrīṃ – Ich vergegenwärtige für Mahātripurasundarī die Gestalt von oṃ-Kāmeśvara und Kāmeśvarī, ganz aus umfassendem Bewusstsein und Wonne“ werfe man Blüten und weitere Gaben hin und vergegenwärtige die in der Meditation beschriebene Gestalt. Man zeige die Mudrā zum Erheben der Śakti, spreche das Wurzelmantra und verehre die vorgestellte Gestalt mit „Verehrung der höchsten Gestalt von Kāmeśvara und Kāmeśvarī“. Damit endet die Yogapīṭha-Verehrung.

Meditation über Mahātripurasundarī

Nun die Śrīcakra-Verehrung. Zunächst meditiere man im eigenen Herzlotus über das Śrīcakra und in seiner Mitte über die Göttin.

10.DH.1 Nun werde ich die Meditation lehren, die selbst von den Göttern gepflegt wird: [Man meditiere über] die lotusgleiche Göttin, rot wie die Strahlen der jungen Sonne …

10.DH.2 … leuchtend wie eine Hibiskusblüte, einer Granatapfelblüte ähnlich, strahlend wie ein Rubin, dem Inneren des Kuṃkuma gleich …

10.DH.3 … geschmückt mit dem funkelnden Rubin ihrer Krone und einem Netz von Glöckchen; ihre lockigen Haarspitzen gleichen einem Schwarm dunkler Bienen.

10.DH.4 Ihr Lotusgesicht gleicht der frischen Morgenröte; das weiche Band ihrer Stirn ist sanft wie ein Halbmond gebogen.

10.DH.5 Ihre geschwungenen Brauen gleichen dem Bogen Pināka. Die Augen der höchsten Herrin bewegen sich spielerisch, von freudiger Wonne belebt.

10.DH.6 Ihre goldenen Ohrringe glänzen in einem Geflecht aufblitzender Strahlen; die schöne Rundung ihrer Wangen übertrifft die Nektarscheibe des Mondes.

10.DH.7 Ihre Nase ist deutlich geformt, wie nach Viśvakarmans Maßschnur geschaffen. Ihre Lippen sind rot wie Kupfer, Koralle und die Bimba-Frucht; sie gleichen Nektar. [Die Schlussform ist in der Vorlage leicht beschädigt.]

10.DH.8 Ihre Zahnreihe glänzt wie Granatapfelkerne und Diamanten; ihre Zunge leuchtet wie eine Juwelenlampe, und sie spricht süß. [Die Vorlage bietet für die Lampe die Varianten „dvi(dī)pa“.]

10.DH.9 Die Süße ihres Lächelns übertrifft den Ozean süßen Geschmacks. Ihr Kinn strahlt mit unvergleichlicher Schönheit.

10.DH.10 Die große Göttin hat einen Hals wie eine Muschel. Ihre Arme sind anmutig wie Lotusstängel, geschmückt und beschwert von Juwelenarmreifen und Oberarmspangen.

10.DH.11 Ihre weichen Lotushände gleichen roten Lotusblättern. Das Licht ihrer Fingernägel breitet sich über den Himmelsraum aus.

10.DH.12 Ihre erhobenen Brüste sind mit einer Ranke aus Perlenketten geschmückt; ihre schöne Leibesmitte trägt drei Hautfalten.

10.DH.13 Ihr Nabel ist wie ein Wirbel im Fluss der Anmut. Ihre Hüften tragen einen Gürtel aus unschätzbaren Juwelen.

10.DH.14 Ihre runden Hüften sind [gleich] einem Elefanten, die Haarlinie ist sein vorzüglicher Haken. Ihre Oberschenkel sind weich und anmutig wie Bananenstämme. [Das erste Bild ist in einem dichten Kompositum überliefert; die Beziehung von Elefant und Haken bleibt bildhaft.]

10.DH.15 Ihre beiden Unterschenkel gleichen anmutigen Bananenstämmen. Ihre Knöchel sind verborgen, die gewölbten Vorderfüße übertreffen die Schildkröte.

10.DH.16 Ihre mit Fußringen glänzenden Lotusfüße sind überaus reizvoll. Die Juwelen an den Häuptern Brahmās und Viṣṇus reiben sich an ihnen [beim Verneigen].

10.DH.17 An ihren schlanken, langen Zehen erstrahlen die Nagelmonde. Ihr Lächeln verbreitet einen Glanz wie hundert Monde.

10.DH.18 Ihre Röte übertrifft Zinnober, Hibiskus und Granatapfelblüten. Sie trägt rote Gewänder und hebt Schlinge und Elefantenhaken in ihren Händen.

10.DH.19 Sie sitzt auf einer Juwelenblüte und ist mit rotem Schmuck geschmückt. Sie hat vier Arme und drei Augen und trägt den Bogen mit den fünf Pfeilen.

10.DH.20 Ihr Mund ist mit Betel gefüllt, dem Kampferstücke beigemischt sind. Ihre Gestalt ist rot von stark duftendem Moschus und Kuṃkuma.

10.DH.21 Sie ist reich mit allem Schmuck der Liebesschönheit bekleidet, mit sämtlichen Zierden geschmückt; sie bringt der Welt Freude und erfreut die Welt.

10.DH.22a Sie zieht die Welt an, verkörpert die Ursache der Welt, besteht aus allen Mantras und ist die Schönheit allen Glücks.

10.DH.22b Sie ist ganz von allem Glücksglanz erfüllt, die Ewige, von höchster Wonne erfreut. So meditiere man über die höchste Herrin Mahātripurasundarī. [Die Vorlage nummeriert beide letzten Strophen mit 22; a und b unterscheiden die doppelte Nummer, ohne eine neue Originalzahl zu erfinden.]

Inneres Opfer und Herbeirufung

Nachdem man so in der Erkenntnis der eigenen Einheit [mit der Göttin] meditiert hat, bringe man mit der Wurzelvidyā am Kopf eine Handvoll Blüten dar. Erneut stelle man sich im Herzlotus die Erhabene in der beschriebenen Gestalt mit ihren Gliedgottheiten und Umhüllungen vor. Man verehre sie mit geistigen Darbringungen und bringe ihr Speise dar. Zur Zeit des Mahles vollziehe man das innere Vaiśvadeva-Opfer.

Im Mūlādhāra meditiere man über eine viereckige Feuergrube, deren vier Seiten aus Ātman, Antarātman, Paramātman und Jñānātman gebildet sind und in der das Kuṇḍalinī-Feuer hell brennt. Darin meditiere man über die Gottheit und opfere in ihren Mund nach der Wurzelvidyā: „Ich opfere das Ichbewusstsein; svāhā!“ Entsprechend opfere man einzeln Ichhaftigkeit, Unwahrheit, Verleumdung, Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid. Der Geist dient als Schöpflöffel, verbunden mit der Opferkelle Suṣumnā.

Erneut stelle man sich im Herzlotus die Göttin als eine vor, die gespeist hat, und ehre sie mit allen nachfolgenden Darbringungen, beginnend mit dem Wasser nach dem Essen. Man rezitiere die Wurzelvidyā nach Vermögen, bringe die Rezitation dar und vollziehe mit ihr den umfassenden Nyāsa.

Man nehme mit beiden Händen Blüten, stelle sie sich als Mātṛkā-Lotus vor und forme die Trikhaṇḍā-Mudrā. Im königlichen Śrīcakra des Herzens meditiere man über die Göttin in der beschriebenen Gestalt samt ihrem Gefolge und lasse sie zu Licht werden. Durch Anwendung der inneren Mudrā erhebe man Kuṇḍalinī aus dem Mūlādhāra. Mit ihr führe man die im Herzen aufleuchtende Göttin aus Licht auf dem Weg durch die sechs Cakras und durch die Suṣumnā zum Brahmarandhra. Durch Vereinigung mit dem höchsten Licht ruhe man einen Augenblick im großen Nektarmeer und erfahre das Glück der Wesenseinheit von Śiva und Śakti.

Man spreche den Herbeirufungsmantra, beginnend mit „4 hasraiṃ hasakalahrīṃ hasrauḥ namaḥ śrīmahātripurasundari“:

„O du, die im großen Lotuswald wohnt, deren Gestalt die Wonne des Ursprungs ist, Mutter, dem Wohl aller Wesen zugewandt: Komm, komm, höchste Herrin! Komm, komm, Herrin der Göttergötter, Tripurā, von den Göttern verehrt, die du den höchsten Nektar liebst: Werde rasch gegenwärtig zur Vollendung! O Herrin der Götter, durch Hingabe leicht zu erreichen, mit deinem Gefolge vereint: Solange ich dich verehre, bleibe fest gegenwärtig!“

Auf dem Weg des gerade tätigen Nasenlochs führe man dieses Licht in die Blütenhände, die mit der Trikhaṇḍā-Mudrā geformt sind. Dann setze man es am Brahmarandhra auf dem Haupt jener Gestalt ein, die im Śrīpīṭha vergegenwärtigt worden ist. Man meditiere über Mahātripurasundarī auf Kāmeśvaras Schoß, mit ihren Umhüllungen und allen Gliedern.

Nach dem Wurzelmantra spreche man „Śrīmahātripurasundarī, bleibe hier, bleibe!“ und setze sie mit der Aufstellungs-Mudrā ein. Entsprechend: „Sei hier gegenwärtig, sei gegenwärtig!“ mit der Gegenwärtigkeits-Mudrā; „Bleibe fest gebunden, bleibe fest gebunden!“ mit der Festhalte-Mudrā; „Wende dich mir zu, wende dich mir zu!“ mit der zugehörigen Mudrā; „Sei umhüllt, sei umhüllt!“ mit der Umhüllungs-Mudrā.

Durch den sechsfachen Gliedernyāsa am Leib der Göttin vervollständige man ihre Gestalt. Mit der Kuh-Mudrā und dem Übergießen durch einen Nektarstrom mache man sie zu Nektar; mit der großen Mudrā mache man sie zum Höchsten. So zeige man die neun mit der Herbeirufung beginnenden Mudrās.

Dann spreche man die Wurzelvidyā, die zuvor genannte Dīpinīvidyā und die Mātṛkā von a bis kṣa. Mit dem Wurzelmantra besprenge man die Göttin dreimal. Mit der Jīvanyāsavidyā „4 śrīṃ hrīṃ klīṃ haṃ gaṇapakālike sauḥ sakalahrīṃ klīṃ hrīṃ krīṃ śrīṃ“ setze man das Lebensprinzip im Herzlotus der Göttin ein und vollziehe die Prāṇapratiṣṭhā. [Der Name „gaṇapakālike“ ist nach der Vorlage bewahrt.] Während man ihr Herz berührt, spreche man den bereits genannten Prāṇapratiṣṭhā-Mantra dreimal oder einmal.

Mudrās, Tarpaṇa und die ersten Darbringungen

Danach zeige man die neun Mudrās Saṃkṣobha, Drāvaṇa, Ākarṣa, Vaśya, Unmāda, Mahāṅkuśā, Khecarī, Bīja und Yoni. Jeder Mudrā geht der entsprechende Keimlaut voran: drāṃ, drīṃ, klīṃ, blūṃ, saḥ, kroṃ, hasakhaphreṃ, hsauṃ und aiṃ.

Mit „āṃ hrīṃ“ zeige man die Schlingen-Mudrā, mit „kroṃ kroṃ“ die Elefantenhaken-Mudrā, mit „ghaṃ ghaṃ“ die Bogen-Mudrā. Mit den zehn Keimlauten „drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ sāṃ“ zeige man die Pfeil-Mudrā.

Nach „4“ und dem Wurzelmantra verehre man: „Ich verehre die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī.“ Erneut spreche man „4“, das Wurzelmantra und „Ich bringe den heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī Tarpaṇa dar“. Mit Daumen und Ringfinger der linken Hand bringe man Tropfen des besonderen Arghya zum Lotusmund der höchsten Gottheit dar: nach Vermögen mindestens dreimal, bis zu eintausendachtmal. Dann vollziehe man die sechzehn mit dem Sitz beginnenden Darbringungen.

Nach der Wurzelvidyā spreche man: „Erhabene Śrīmahātripurasundarī, ich bereite dir diesen Sitz. Nimm hier Platz!“ Man stelle einen Sitz aus Holz, Blumen, Fell, Stoff, Metall oder einem anderen geeigneten Material vor und setze ihn links von der Göttin nieder. Man zeige die Löwenthron- und Lotus-Mudrā, verneige sich und bringe mit der Gebets-Mudrā dar: „haṃ haṃ haṃ – Nimm dies, dies; svāhā!“ [Die Vorlage schreibt an dieser Stelle „syāhā“.] Mit dem Wurzelmantra bringe man eine Handvoll Blüten dar.

Nach der Wurzelvidyā heiße man Śrīmahātripurasundarī willkommen und frage nach ihrem Wohlergehen. Man zeige die Willkommens- und Wohlergehens-Mudrā und bringe mit dem Wurzelmantra Blüten dar.

Mit dem Wurzelmantra und „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Arghya; svāhā“ gebe man etwas aus dem allgemeinen Arghya entnommenes Wasser an ihren Kopf. Mit der Darbringungsformel biete man es an, zeige die Arghya-Mudrā und bringe Blüten dar.

Aus dem Fußwaschgefäß entnehme man Wasser und gebe es mit „4“, dem Wurzelmantra und „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Fußwaschwasser; namaḥ“ an ihre Füße. Wie zuvor bringe man es dar, zeige die Fußwasch-Mudrā und bringe Blüten dar.

Entsprechend gebe man Mundspülwasser mit „Ich bereite Mundspülwasser; sudhā“ an ihren Mund, danach Madhuparka mit „Ich bereite Madhuparka; sudhā“. Man zeige die zugehörigen Mudrās. Aus dem Gefäß für das erneute Mundspülen gebe man wie zuvor reines Wasser an ihren Mund. Dann bringe man Juwelensandalen herbei.

Bad und Gewänder der Göttin

„Ziehe die aus Juwelen gefertigten Sandalen an, Mutter Tripurā! Komm zum Baden in die Badehalle, die in Śakras Richtung [im Osten] liegt!“

Mit dieser Bitte lege man ihr die Juwelensandalen an, führe sie zur Badehalle, kleide sie in ein Badegewand und lasse sie auf einem goldenen Sitz Platz nehmen. Wie zuvor gebe man Arghya, Fußwaschwasser und Mundspülwasser. Nach „4“ und dem Wurzelmantra spreche man: „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich das Bad; namaḥ.“

Man bereite duftendes Öl, Āmalaka und die übrigen Badezutaten und bringe sie wie zuvor dar. Wie bei der Bedienung eines großen Königs vollziehe man Einölen, Einreiben und Haarpflege. Mit warmem Wasser lasse man ein reinigendes Bad durchführen. Unter vedischen und purāṇischen Mantras bade man sie mit Pañcagavya und Pañcāmṛta, danach erneut mit reinem Wasser. Mit Zuckerrohrsaft, Kokoswasser, Säften von Jackfrucht, Mango und verschiedenen anderen Früchten, mit Kampfer und weiteren Stoffen duftend gemacht, bade man sie; danach übergieße man sie erneut mit Wasser.

Himmlische Frauen sollen sie aus goldenen und anderen Krügen mit Wassern aus verschiedenen heiligen Stätten baden. Wie zuvor bringe man mit dem Wurzelmantra Blüten dar, zeige die Bade-Mudrā und bereite Mundspülwasser. Zum Trocknen von Haar und Leib reiche man ein Tuch und lasse das Wasser abtropfen.

Zwei kostbare, mit verschiedenen Juwelen besetzte Seidengewänder besprenge man mit „vaṃ“, weihe sie mit dem Wurzelmantra und verehre sie mit „Verehrung den beiden Gewändern, deren Gottheit Bṛhaspati ist“. Mit „4“, dem Wurzelmantra und „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich die beiden Gewänder; namaḥ“ kleide man sie ein. Man zeige die Gewand-Mudrā, bringe erneut Mundspülwasser und Blüten dar.

Eine Halsschnur aus Seidenfaden oder Gold und anderem geeigneten Material verehre man mit „Verehrung der Halsschnur, deren Gottheit Viṣṇu ist“, bringe sie der Göttin dar und zeige die Upavīta-Mudrā. Mit dem Wurzelmantra wende man sich an Śrīmahātripurasundarī:

„Ziehe die aus Juwelen gefertigten Sandalen an, Mutter Tripurā! Komm in die reine Schmuckhalle im Süden!“

Die Schmuckgaben und die Rückkehr zur Opferhalle

Man führe sie zur Schmuckhalle und lasse sie auf dem Löwenthron Platz nehmen. Den Schmuck lege man vor ihr nieder, besprenge ihn mit „vaṃ“, weihe ihn mit dem Wurzelmantra und verehre mit „Verehrung den Schmuckstücken, deren Gottheit Viṣṇu ist“. Mit dem Wurzelmantra und „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Krone und weitere Schmuckstücke; namaḥ“ bringe man sie zunächst gemeinsam dar. Dann einzeln: „Ich bereite die Krone; namaḥ“, und entsprechend die folgenden Stücke:

Krone; Stirnschmuck; Ohrfüllschmuck; Halskette; Halskragen; Kāṅgulīyaka [nicht sicher bestimmt]; herabhängender Schmuck; Juwelenschnur; Buchstaben- beziehungsweise Perlenreihe; Ohrgehänge; Seitenschmuck; Nagelglanzschmuck; Fingerring; am Hals hängende Halb-Kette; leichtes hängendes Schmuckstück; Aṅgada; Keyūra [Armschmuckformen]; Armreif; Armumwicklung; Haarscheitelschmuck; Wangenschmuck; Brauenschmuck; Nabelschmuck; Juwelengirlande; Edelsteingürtel; Kette; Zahnschmuck; Karṇaka [Ohrschmuck]; Juwel am Gewandbund; Knieschmuck; Zehenring; Fußringbüschel; Fußreif; Haṃsaka [Fußschmuck]; kleine Glöckchen und Gesichtszier.

[Der Text nennt insgesamt vierzig Stücke, doch die Trennung einiger zusammengesetzter Namen ist unsicher; die Ausgabe ergänzt keine fehlenden Namen.] Mit diesen und weiteren Schmuckformen für Frauen, etwa Scheiteljuwel und Tāṭaṅka-Ohrschmuck, schmücke man sie. Wie zuvor bringe man alles mit dem Darbringungsmantra dar, opfere Blüten und zeige die Schmuck-Mudrā. Man bringe die Juwelensandalen und bitte nach „4“ und dem Wurzelmantra:

„O Śrīmahātripurasundarī: Besteige das Paar Sandalen und komm mit deinem Gefolge zur Opferhalle, während die fünf Arten von Instrumenten voranschreiten!“

Mit den Śaktis, die Schirm, Fliegenwedel und verschiedene weitere Geräte tragen, führe man sie zur Opferhalle. Die Erhabene lasse man auf Kāmeśvaras Schoß Platz nehmen und die Gottheiten ihres Gefolges an ihren jeweiligen Orten. Dann meditiere man über Tripurasundarī, die auf dem Śrīcakra sitzt, nach der bereits genannten Beschreibung und bringe mit dem Wurzelmantra eine Handvoll Blüten dar.

Duft, Blüten, Räucherwerk und Licht

Die fünf Duftstoffe, darunter Sandel, Aguru und Moschus, oder einen der fünf Arten von Duft – pulverisiert, gerieben, durch Erhitzen gewonnen, durch Pressen gewonnen oder aus einem tierischen Körperteil stammend – besprenge man wie zuvor. Mit „Verehrung dem Duft, dessen Gottheit Viṣṇu ist“ verehre man ihn. Nach „4“ und dem Wurzelmantra spreche man: „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Duft.“ Man reiche ihn dar, biete ihn wie zuvor an, zeige die Duft-Mudrā und bringe eine Handvoll Blüten dar.

Verschiedene wohlriechende und schön geformte Blüten bringe man herbei, besprenge sie und verehre sie mit „Verehrung den Blüten, deren Gottheit Vanaspati ist“. Nach „4“ und dem Wurzelmantra spreche man: „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Blüten; vauṣaṭ.“ Man bringe sie dar, zeige die Blüten-Mudrā und opfere eine Handvoll Blüten.

In einem Räuchergefäß bringe man Räucherwerk herbei, besprenge es und mache es durch die Kuh-Mudrā zu Nektar. Mit „klīṃ surabhitejase svāhā“ – „Dem duftenden Feuer, svāhā!“ – gebe man die zehnteilige Räuchermischung oder Guggulu, vermischt mit Zucker und Ghee, hinein. Man verehre das Räucherwerk mit „Verehrung dem Räucherwerk, dessen Gottheit der Gandharva ist“. Nach „4“ und dem Wurzelmantra spreche man:

„Aus dem Saft der Bäume hervorgegangen, reich an Duft, ein vorzüglicher Wohlgeruch, von allen Göttern zu riechen: Dieses Räucherwerk möge angenommen werden!“

„Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Räucherwerk; namaḥ.“ So bringe man es dar und zeige die Räucher-Mudrā. Links lege man die Glocke hin, besprenge sie mit dem Waffenmantra, mache sie mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und verehre sie wiederum mit dem Waffenmantra mittels Duft und weiterer Gaben. Mit dem Glockenmantra „oṃ jagat dhvanimantramātaḥ svāhā“ weihe man sie: „O Mutter des Klang-Mantras der Welt, svāhā!“ [Die Worttrennung dieser Anrufung ist unsicher.]

Mit der linken Hand läute man die Glocke, mit der rechten bewege man das Räuchergefäß und bringe den Rauch in tiefer Höhe dar. Dann stelle man das Gefäß links von der Göttin ab.

Die Lampenschale fülle man mit Kuh-Ghee und lege einen Docht mit Kampfer hinein. Mit „hrīṃ“ entzünde man ihn, mache die Lampe mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und verehre sie mit „Verehrung der Lampe, deren Gottheit Viṣṇu ist“. Nach „4“ und dem Wurzelmantra spreche man:

„Die große Lampe leuchtet aus sich selbst und vertreibt überall die Finsternis. Dieses Licht, außen und innen, möge angenommen werden!“

„Für die heiligen Sandalen der Śrītripurasundarī bereite ich Licht; namaḥ.“ Man bringe es dar, zeige die Lampen-Mudrā und biete es wie zuvor an. Unter Glockenläuten zeige man das Licht in erhobener Stellung und stelle das Gefäß rechts von der Göttin ab.

Die Weihe der Speisegabe

Vor der Göttin zeichne man mit Wasser ein viereckiges Maṇḍala. Darauf stelle man mit einer Unterlage ein goldenes oder anderes geeignetes Gefäß, gefüllt mit verschiedenen Beilagen, den sechs Geschmacksrichtungen und den fünf Arten von Speisegaben. Mit dem Wurzelmantra blicke man darauf, besprenge es mit dem Waffenmantra, berühre beziehungsweise schlage es damit dreimal mit Kuśa und benetze es mit dem Panzer-Mantra.

Man besprenge erneut mit Wasser, das siebenmal mit „oṃ jūṃ saḥ vauṣaṭ“ geweiht wurde, und zeige mit dem Waffenmantra die Cakra-Mudrā. Mit der nach unten gerichteten linken Hand berühre man die Speise und rezitiere siebenmal „yaṃ“, um ihre Fehler auszutrocknen. Mit der nach unten gerichteten rechten Hand berühre man sie und rezitiere siebenmal den Feuerkeim „raṃ“, um ihre Fehler zu verbrennen. Mit der nach unten gerichteten linken Hand berühre man sie und weihe siebenmal mit „vaṃ“, um sie zu Nektar zu machen.

Mit dem Wurzelmantra besprenge man sie durch Tropfen des besonderen Arghya und verehre mit „Verehrung der Speisegabe, deren Gottheit Viṣṇu ist“. Man schütze sie mit dem Waffenmantra, weihe sie siebenmal mit dem Wurzelmantra und mache sie mit der Kāmadhenuvidyā und der Kuh-Mudrā zu Nektar:

„oṃ klīṃ kāmadughe amoghe varade vicce sphura sphura śrīṃ śrīṃ śrīṃ“ – „O Wunscherfüllende, Unfehlbare, Gaben Gewährende: Leuchte auf, leuchte auf!“ [„vicce“ ist als überlieferter Mantralaut bewahrt.] Mit der großen Mudrā mache man sie zum Höchsten; diese Anweisung steht in der Vorlage in Klammern.

Wie zuvor gebe man der Göttin Fußwaschwasser und Mundspülwasser und verehre sie mit der Wurzelvidyā. In einem anderen Gefäß mache man Wasser zu Nektar, nehme etwas in die hohle Hand und berühre mit dem linken Daumen das Speisegefäß. Nach dem Wurzelmantra spreche man:

„Für die heiligen Sandalen der erhabenen Śrīmahātripurasundarī, mit ihren Gliedern, Waffen und ihrem Gefolge, deren Wesen alles umfasst, bereite ich Speise; namaḥ.“

Das Wasser aus der hohlen Hand gebe man über die Speise. Mit gefalteten Händen spreche man das Wurzelmantra und:

„O Śrīmahātripurasundarī: Nimm diese göttliche, wohlbereitete höchste Speise im goldenen Gefäß an, o höchste Herrin: fünffach und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen!“

Mit dem zuvor genannten Mantra bringe man sie dar. In einem anderen Gefäß mache man Wasser zu Nektar, gebe etwas davon in die rechte Hand der Göttin und lasse sie mit „kroṃ amṛtopastaraṇamasi svāhā“ – „Du bist die Unterlage aus Nektar; svāhā!“ – davon trinken.

Die fünf Lebensatemgaben und die vier Tattva-Gaben

Mit der linken Hand zeige man die Bissen-Mudrā, die einem aufgeblühten Lotus gleicht, mit der rechten die fünf mit Prāṇa beginnenden Mudrās:

  • „4 aiṃ oṃ prāṇāya svāhā“ – „Dem Prāṇa, svāhā!“ Dabei berühre der Daumen kleinen Finger und Ringfinger.
  • „4 klīṃ oṃ apānāya svāhā“ – „Dem Apāna, svāhā!“ Dabei berühre der Daumen Zeige- und Mittelfinger.
  • „4 sauḥ oṃ vyānāya svāhā“ – „Dem Vyāna, svāhā!“ Dabei berühre der Daumen Ring- und Mittelfinger.
  • „4 aiṃ klīṃ udānāya svāhā“ – „Dem Udāna, svāhā!“ Dabei berühre der Daumen Ring-, Mittel- und Zeigefinger.
  • „4 aiṃ klīṃ sauḥ samānāya svāhā“ – „Dem Samāna, svāhā!“ Dabei berühre der Daumen alle Finger.

Unter diesen fünf Mudrās lasse man die Göttin fünf Bissen annehmen. Mit gefalteten Händen spreche man die Wurzelvidyā und „aiṃ – Möge Śrīmahātripurasundarī, die das Ātmatattva durchdringt, zufrieden sein!“ Erneut folge die Wurzelvidyā und „klīṃ“ für die das Vidyātattva Durchdringende, dann die Wurzelvidyā und „sauḥ“ für die das Śivatattva Durchdringende, schließlich die Wurzelvidyā und „aiṃ klīṃ sauḥ“ für die sämtliche Tattvas Durchdringende. [Vor der dritten Formel steht in der Vorlage zusätzlich das Kürzel „3“.] Mit diesen Tattvas lasse man vier Bissen annehmen.

Mit gefalteten Händen spreche man die Wurzelvidyā, zeige mit beiden Händen die Speise-Mudrā und spreche nach „4“, dem Wurzelmantra und der Anrede Śrīmahātripurasundarī:

„Im Gefäß des Bewusstseins bringe ich dir, o Göttin mit deinem Gefolge, die wahre Opfergabe dar, verbunden mit den vielen verschiedenen Speisen des Glücks. Nimm sie an!“

Mit diesem Mantra bringe man Blüten dar und biete die gesamte Speise der Göttin samt Gefolge im Bewusstsein der Wesenseinheit an.

Das Mahl der Göttin und die nachfolgenden Gaben

Wasser in einem goldenen oder anderen geeigneten Gefäß, mit Kampfer und weiteren Stoffen duftend gemacht, verwandle man durch die Kuh-Mudrā in Nektar. Nach „4“, dem Wurzelmantra und der Anrede Śrīmahātripurasundarī spreche man:

„Verehrung dir, Herrin der Göttergötter! Nimm das höchste Wasser an, das alle zufriedenstellt: keinem anderen zuvor dargebracht, rein, in seinem natürlichen Zustand, angenehm kühl, ganz erfüllt von Nektarwonne.“

Man bringe der Göttin das Wasser dar und umgebe unter dem Waffenmantra den Speiseplatz mit einem Vorhang. Während man die Glocke läutet, meditiere man über die speisende höchste Gottheit:

„Umgeben von Brahmā, Īśa und den anderen, die ringsum freudig beisammensitzen, von Freundinnen mit klingenden Haarwedeln befächelt, scherzend, spielend und lachend, die mit ihr in der Reihe Speisenden erheiternd, genießt sie, das Spiel des Bewusstseins, die sechs Geschmacksrichtungen aus einem goldenen Gefäß.“

Nach dieser Meditation rezitiere man die Wurzelvidyā zehnmal und bringe die Rezitation dar. Man vergegenwärtige die Göttin als gesättigt und zufrieden. Wasser in einem anderen Gefäß mache man mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und gebe mit „oṃ amṛtāpidhānamasi svāhā“ – „Du bist die Bedeckung aus Nektar; svāhā!“ – das Wasser nach dem Essen in ihre Hand. Man stelle sich vor, dass sie davon getrunken hat.

Die Speisegabe, deren Essenz [von der Göttin] aufgenommen wurde, entferne man und stelle sie nach Südwesten. Mit dem Waffenmantra reinige man ihren bisherigen Platz durch Wasser aus dem Sprenggefäß. Der Göttin gebe man Wasser zum Waschen von Händen und Mund, duftendes Pulver zum Einreiben der Hände, Wasser zum Ausspülen des Mundes, Kampferstücke zur Zahnreinigung, erneut Mundspülwasser, Wasser zum Waschen der Füße und Ācamana-Wasser.

Man bringe Betel herbei, vermischt mit Kampfer und weiteren Duftstoffen, besprenge ihn und verehre ihn mit „Verehrung dem Betel, dessen Gottheit Vanaspati ist“. Nach dem Wurzelmantra spreche man: „Für die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī bereite ich Betel; namaḥ.“ Nach „4“, dem Wurzelmantra und der Anrede Śrīmahātripurasundarī spreche man:

„Nimm den gereinigten, duftenden Betel an, reich versehen mit Tamāla-Blättern, Kampfer und Arekanuss!“

Mit „oṃ haṃ haṃ haṃ – Nimm dies, dies, dies; svāhā!“ bringe man den Betel dar. Mit der Yoni-Mudrā verneige man sich und verehre nach dem Wurzelmantra: „Ich verehre die heiligen Sandalen der Śrīmahātripurasundarī.“ Man vollziehe die Verehrung auf die noch zu beschreibende Weise. Mit „klīṃ“ forme man die Gruß-Mudrā, zeige sie mit dem Wurzelmantra, verneige sich und löse sie mit „huṃ“.

Wer dem Śākta-Weg folgt, verehre am Leib der Göttin mit Duft, Blüten und ungebrochenen Reiskörnern an den Stellen der reinen Mātṛkā. Dabei werden die Mātṛkā-Laute vorwärts und rückwärts verwendet und vom Wurzelmantra umschlossen. Auch die sechs Glieder verehre man am Leib der Göttin. Nachdem so die Layāṅga-Verehrung vollzogen ist, zeige man die mit Saṃkṣobhaṇī beginnenden Mudrās, bringe mit der linken Hand dreimal Tarpaṇa durch Tropfen des besonderen Arghya dar und beginne die Verehrung der Umhüllungen.

Layāṅga, Bhogāṅga und gemeinsame Verehrung

Zur Layāṅga-Verehrung heißt es in einem anderen Tantra:

10.LA.1–10.LA.2 Mit den Mātṛkā-Lauten zusammen mit dem Wurzelmantra, vorwärts und rückwärts angeordnet, verehre der Kundige zuerst an den jeweiligen Stellen des Göttinnenleibes mit Blüten, die mit Duftwasser benetzt sind; dann verehre er mit den sechs Gliedern. Dies heißt Layāṅga und gewährt die Vollendung des Gottheitsbewusstseins.

10.LA.3 Die Umhüllung der sechs Glieder verehre man im Cakra nach der im Ritualhandbuch genannten Vorschrift. Dies heißt Bhogāṅga und erfreut die Gottheit.

Die Layāṅga- und Bhogāṅga-Verehrung ist notwendig, denn im Jñānārṇava steht: „Das Layāṅga vergegenwärtige man am Leib der Göttin, o höchste Herrin.“ Beide Formen werden von beiden Lehrwegen anerkannt. Einen Unterschied bei der Gottheitsreinigung erklärt der Kulārṇava:

10.DŚK.1 Mit dem Wurzelmantra, mit Dīpinī und Mālinī sowie mit Arghya-Wasser besprenge man dreimal. Dies wird Gottheitsreinigung genannt.

Dies gilt für den Kālī-Lehrweg. Für den Kādi-Lehrweg heißt es dagegen im Tripurārṇava:

10.DŚT.1 Mit dem Wurzelmantra, mit Dīpinī und mit … Arghya-Tropfen besprenge man dreimal. Dies wird Gottheitsreinigung genannt. [Das Wort vor „Arghya-Tropfen“ ist in der Vorlage als „madhu(parkā ? matyā)“ unsicher überliefert; weder Madhuparka noch Madhumatī wird hier als gesicherte Lesung eingesetzt.]

Hier sind sowohl Gesamtverehrung als auch Einzelverehrung auszuführen. Im Svacchandasaṃgraha heißt es:

10.SV.1 Wer Vollendung wünscht, soll zu Beginn die Gesamtverehrung und am Ende die Einzelverehrung vollziehen, die die Gottheit erfreut.

10.SV.2 Sämtliche Gottheiten der Umhüllungen sind Strahlen der großen Göttin. Wie in einem klaren Spiegel sind sie im Yantra widergespiegelt.

10.SV.3 Die Verehrung der widergespiegelten Gottheiten auf dem in der Schrift genannten Weg wird Gesamtverehrung genannt. Nun wird die Einzelverehrung erklärt.

10.SV.4 [Bei] der Verehrung der Strahlen der großen Göttin [spreche man]: „Die hier verehrten Gottheiten mögen, in den Leib der Śrīsundarī eingegangen, alles Glück bringen.“

10.SV.5 und Fortsetzung Nachdem der Lehrer so gesprochen hat, stelle er sich die Yantra-Gottheiten als in den Leib der Göttin eingegangen und dort als die ursprünglichen Gestalten vor. An ihren jeweiligen Stellen am Leib der Göttin verehre er sie mit Blüten. Dies heißt Einzelverehrung.

Zu Beginn der Umhüllungsverehrung spreche man nach „4“ und dem Wurzelmantra:

„O höchste Göttin, ganz aus Bewusstsein bestehend, die du die Speise des höchsten Nektars liebst: Gib mir, o Herrin der Götter, die Erlaubnis, dein Gefolge zu verehren!“

Man bringe eine Handvoll Blüten dar und beginne die Verehrung der Umhüllungen. So lautet die Überlieferung.

Die Vidyās und die Erlaubnis zur Umhüllungsverehrung

10.NY.1–10.NY.2 Man spreche die drei Tāras, Dhruva [Praṇava], Māyā, „haṃsaḥ so'haṃ“, Śucipriyā [svāhā] und „Ich verehre die heiligen Sandalen der Sarvasaubhāgyajananī“. Mit diesem auf namaḥ endenden Mantra bringe man der Göttin drei Handvoll Blüten dar. Man zeige die Yoni-Mudrā und bitte:

10.NY.3 „O Göttin, die aus allen Mantras besteht und von allen Göttern verehrt wird: Gib mir, o Herrin der Götter, die Erlaubnis, dein Gefolge zu verehren!“

10.NY.4–10.NY.5a Nach dieser Bitte stelle man sich sämtliche Gottheiten der Umhüllungen als Strahlen vor, die aus dem Leib der Göttin hervorgehen wie Funken aus dem Feuer und auf ihren Befehl an ihren jeweiligen Orten stehen.

10.NY.5b–10.NY.8a Manu, Candra, Kubera, Lopāmudrā, Kāmarāja, Agastya, Nandin, Sūrya, Viṣṇu, Skanda, Śiva, Durvāsas, Śakra, Unmanī, Varuṇa, Dharmarāja, Anala, Nāgarāja, Vāyu, Budha, Īśāna, Rati, Nārāyaṇa, Brahmā und Jīva: Dies sind die fünfundzwanzig Verehrer der großen Göttin.

10.NY.8b–10.NY.10 Die von ihnen verehrten Vidyās des Wachens, Träumens, Tiefschlafs und des Vierten sind in diesem Bindu-Kreis sorgfältig mit dem Nektar des besonderen Arghya zu verehren. Der Reihe nach spreche man [jede Vidyā], von den drei Tāras umschlossen, und danach: „Ich verehre die heiligen Sandalen der von [Name] verehrten Śrīvidyā; namaḥ.“ Man verehre mit fünf Darbringungen.

10.NY.11 Die Kundigen sollen sie sich rot vorstellen, Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und Pfeile tragend, alles Glück gewährend.

10.NY.12 Man zeige die Yoni-Mudrā, die alles Glück und Redekraft gewährt. Nach dieser Reihenfolge verehre man die Schar der Vidyās.

10.NY.13 Die aus der Verehrung der Vidyā-Schar bestehende Pūjā bringe man mit Blütenhänden der großen Göttin dar; Tarpaṇa und die weiteren Handlungen vollziehe man entsprechend.

Die Mondtagesgöttinnen

10.NY.14–10.NY.15 Zu diesem Zeitpunkt, o Göttin, verehre man die Tithi-Nityās. Man vergegenwärtige das große Dreieck und verteile sie der Reihe nach auf seine südliche, östliche und nördliche Linie, jeweils fünf auf jede der drei Linien, o Berggeborene, beginnend mit dem ersten Mondtag bis zum Vollmond.

10.NY.16–10.NY.17 Wer jede Nityā verehrt, wird großen Glückes teilhaftig. In der dunklen Monatshälfte verehre man von Vicitrā bis Kāmeśvarī in umgekehrter Folge bis zum Neumond, entsprechend dem schrittweisen Zunehmen und Abnehmen. [Die Formulierung verbindet beide Mondhälften in verkürzter Weise.] Der Reihe nach verehre man die Nityās von Kāmeśvarī bis Vicitrā.

10.NY.18–10.NY.19 Mit den fünf Darbringungen, beginnend mit Duft, und mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß spreche man ihre jeweilige Vidyā, umschlossen von den drei Tāras. Dann: „Ich verehre die heiligen Sandalen der [Name]-Nityā; namaḥ.“ Diese Reihenfolge gilt überall, o große Göttin.

10.NY.20–10.NY.22 Kāmeśvarī, die große Nityā; danach Bhagamālinī; Nityaklinnā, die große Nityā; Bheruṇḍā; Vahnivāsinī; Mahāvajreśvarī; Śivadūtī; Tvaritā; Kulasundarī; Nityā; Nīlapatākā; Vijayā; Sarvamaṅgalā; Jvālāmālinī; Citrā; Tripurasundarī. [„Mahānityā“ steht hier als Beiname; die zuvor genannte Vicitrā erscheint in dieser Liste als Citrā.]

Meditationsgestalten der Nityās

10.NY.23–10.NY.24 Rot, mit rotem Seidengewand, roter Körperpaste und rotem Schmuck, Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und Pfeile, Buch und Gebetskette tragend, Gaben und Furchtlosigkeit gewährend, die drei Welten unter ihren Einfluss bringend: So meditiere man über Kāmeśvarī, die Einfluss, Glück und Redekraft schenkt.

10.NY.25–10.NY.27a Inmitten eines Kadamba-Waldes, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit vielfältigem Schmuck ausgestattet, fähig, die drei Welten anzuziehen; Schlinge, Elefantenhaken, Buch und einen Schreibstift bei der Schreibunterlage tragend, Gaben und Furchtlosigkeit gewährend, die Mutter der Welt: So meditiere der Kundige über die große Göttin Bhagamālā. [„taulikāgatalekhinī“ ist nicht völlig eindeutig.]

10.NY.27b–10.NY.29a Rot, mit rotem Gewand, den Mond als Scheitelschmuck tragend, dreiäugig, mit schweißbenetztem Gesicht und von Rausch bewegten Augen, ganz von Juwelen erfüllt; Schlinge, Elefantenhaken, Schädelschale und die große Furcht vertreibende [Geste] tragend: So vergegenwärtige man sich Nityaklinnā auf dem Lotussitz.

10.NY.29b–10.NY.31 Strahlend wie zehn Millionen Monde, Nektarflüssigkeit verströmend, mit blauem Hals und drei Augen, mit vielerlei Schmuck geschmückt, im Glanz des Indranīla funkelnd, herrlich auf ihrem Pfauenfahrzeug; Schlinge, Elefantenhaken, Schädelschale, Dolch und die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit tragend: So stelle man sich die Göttin Bheruṇḍā vor, die Gift vernichtet. [Die Giftvernichtung ist ein Attribut der Meditation, keine Behandlungsanweisung.]

10.NY.32–10.NY.33a Wie geschmolzenes Gold strahlend, mit vielerlei Zierden geschmückt, Schlinge, Elefantenhaken, Svastika, Speer und die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit tragend, mit einer Juwelenkrone: So meditiere man über die Göttin Vahnivāsinī.

10.NY.33b–10.NY.35a Wie eine Hibiskusblüte leuchtend, mit rotem Gewand, Rubinschmuck und mancherlei Zierden geschmückt, Schlinge und Elefantenhaken tragend, bewegt vom Genuss des Nektars in der Schädelschale, Furchtlosigkeit gewährend: So meditiere man über die höchste Mahāvajreśvarī.

10.NY.35b–10.NY.36 Von der Farbe des Dūrvā-Grases, dreiäugig, auf einem großen Löwenthron sitzend, Muschel, Wurfscheibe, Bogen, Pfeile, Elefantenhaken, Schlinge und die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit tragend: So stelle man sich die höchste, glückverheißende Nityā Śivadūtī vor.

10.NY.37 Von dunkler Gestalt, mit schönen roten Lotushänden und Lotusfüßen, mit Fußringen aus Vṛṣala-Schlangen, geschmückt mit Juwelen auf deren Hauben …

10.NY.38 … in Blätter gekleidet und mit Blättern geschmückt, mit einem Gürtel aus einem Paar Vaiśya-Schlangen, mit schlanker Mitte und zwei vollen, runden Brüsten, Gaben und Furchtlosigkeit …

10.NY.39 … gewährend, glänzend wie Pfauenfedern, geschmückt mit Armreifen und Armspangen, rot von Guñjā-[Samen], mit Oberarmschmuck aus königlichen Schlangen und mit Juwelen geschmückt …

10.NY.40 … mit Ohrschmuck aus glänzenden Dvija-Schlangen, mit berauschten roten Augen, mit dunklem lockigem Haarknoten und schönen Blüten, als Trägerin der Schädelschale …

10.NY.41 … in der Gestalt einer Kirāta-Frau, mit einer reich mit Pfauenfedern versehenen Wohnstatt beziehungsweise Standarte, stolz auf einem strahlenden Löwenthron: So vergegenwärtige sich der Kundige Tvaritā. [Die Schlangen werden hier mit historischen Varṇa-Bezeichnungen klassifiziert; „niketana“ im Schlussvers bleibt mehrdeutig.]

10.NY.42–10.NY.43 Man meditiere über die Göttin, die große Herrin, inmitten eines Kadamba-Waldes, in einer Juwelenhalle im großen Wunschbaumwald. Im Schatten eines Perlenschirms sitzt sie auf einem Juwelenthron, mit einer Krone aus unschätzbaren Juwelen und Juwelenohrringen …

10.NY.44–10.NY.45 … mit Halskette, Halskragen und kostbaren Edelsteinen geschmückt, mit funkelnden Armreifen, Diamant- und Perlenschmuck, in weißem Leinen; ihre roten Lotusfüße sind schön durch diamantene Fußringe, ihr Leib durch reine duftende Salbung, leuchtend durch Kampferstücke …

10.NY.46–10.NY.47a … links Buch und Furchtlosigkeitsgeste, rechts Gebetskette und die Geste des Gewährens tragend, göttlich, große Beredsamkeit verleihend: So meditiere man über die große Nityā, die Götterherrin Kulasundarī.

10.NY.47b [Hier markiert die Vorlage eine fehlende Vershälfte durch eine Strichlinie und ein Fragezeichen. Eine Übersetzung des fehlenden Textes ist nicht möglich.]

10.NY.48a So stelle sich der beste Lehrer Nityā vor, o große Göttin. [Die vorausgehende Beschreibung dieser Nityā ist in der markierten Lücke nicht erhalten.]

10.NY.48b–10.NY.50a Mit weißem Gewand und weißem Sitz, lieblich, glänzend wie Mond und Kunda-Blüten, ganz heiter, mit Mondgesicht, mit verschiedenen Juwelen und unzähligen Perlen geschmückt, Nektarflüssigkeit verströmend, herrlich mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit: So vergegenwärtige man Nīlapatākikā.

10.NY.50b [Hier folgt in der Vorlage erneut eine Strichlinie mit Fragezeichen. Die Beschreibungen der zuvor aufgezählten Vijayā und Sarvamaṅgalā sind in dieser überlieferten Reihe nicht eindeutig erhalten; sie werden nicht ergänzt.]

10.NY.51–10.NY.53a Man meditiere über die Göttin, die große Nityā, mit goldenem Schmuck und goldenem Gewand, glänzend wie aufleuchtende Blitze, stolz auf einem großen Löwenthron: die furchterregende Jvālāmālā. Sie trägt Wurfscheibe, Muschel, Schwert, Schild, Dreizack, Trommel, Trinkgefäß und die Geste des Gewährens und vernichtet Feinde.

10.NY.53b–10.NY.54 Weiß von Gestalt, Erkenntnis schenkend, die Ewige, mit buntem Gewand, buntem Stirnzeichen, mannigfaltig mit Kuṃkuma erstrahlend, herrlich mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit, bisweilen verschiedene Waffen tragend [ist Citrā beziehungsweise Vicitrā]. [Der Name wird hier nicht eindeutig als eigener Satzbestandteil ausgeschrieben; die Zuordnung folgt ihrer Stelle in der zuvor gegebenen Reihe.]

10.NY.55 Leuchtend wie die Scheibe der jungen Sonne, vierarmig und dreiäugig, Schlinge, Elefantenhaken, Pfeile und Bogen tragend, glückverheißend, zum Heil [ist Tripurasundarī zu meditieren].

Damit enden die Meditationen über die sechzehn Nityās. [Die erhaltene Fassung enthält die ausdrücklich markierten Lücken.]

Die Verehrung der Guru-Reihen

10.GP.1 Zu diesem Zeitpunkt, o Göttin, verehre der Kundige die Gurus. Zwischen dem östlichen [Bereich] und dem mittleren Dreieck verehre er die drei Guru-Reihen. [Die genaue Raumangabe ist verkürzt.]

10.GP.2 Den eigenen Guru verehre man mit dem Guru-Mantra und seinem Namen. Mit Daumen und Mittelfinger bringe man den Gurus vollständig Tarpaṇa dar.

10.GP.3–10.GP.4 Die Namen der Gurus enden der Reihe nach auf Ānandanātha, diejenigen ihrer Śaktis auf Ambā. Man verehre die Gurus, die Parama-Gurus, die Parāpara-Gurus und die Parameṣṭhi-Gurus, ferner die Guru-Śaktis und dann die heiligen Sandalen des Guru.

10.GP.5a So verehre man sie im Allgemeinen mit Wasser aus dem Guru-Gefäß.

10.GP.5b–10.GP.7a Ādiśivanātha, Jñānāmbā, Sadāśiva, Icchāmbā, Īśvara, Ambikā, Rudra, Raudrī, Viṣṇu, Jyeṣṭhā, Brahmā und Vāmā heißen die Parā-[Gurus] des göttlichen Stromes; sie sind „von der Zahl der Rudras“. [Die Reihe nennt zwölf Namen, während die traditionelle Rudra-Zahl elf beträgt.]

10.GP.7b–10.GP.9a Sanaka, Sanandana, Sanātana, Sanatkumāra, Sanatsujāta, Vibhu, Dattātreya, Rocana, Vāmadeva, Vyāsa und Śuka heißen die Gurus des Siddha-Stromes, die als Parāpara bezeichnet werden. [Die Vorlage schreibt Sanatkumāra an dieser Stelle fehlerhaft als „sanatkukāra“.]

10.GP.9b–10.GP.10 Nṛsiṃha, Maheśvara, Bhāskara, Mahāśiva und Sadāśiva gehören dem menschlichen Strom an und heißen Aparā, o große Herrin. Dies sind die allgemeinen Gurus. Danach verehre man die mit Śrīnātha beginnenden.

10.GP.11–10.GP.12a Paraprakāśa, Paraśiva, Paraśakti, Kauleśa, Śukladevī, Kuleśvara und Kāmeśvarī bilden der Reihe nach den göttlichen Strom und heißen Parā-Gurus. [Die Verbindung nach Paraprakāśa ist als „abhiśaśca“ beschädigt; ein weiterer Name lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.]

10.GP.12b–10.GP.13a Bhoga, Klinna, Samaya und Sahaja, vier an der Zahl, bilden den Siddha-Strom und heißen Parāpara.

10.GP.13b–10.GP.14 Gagana, Viśva, Vimala, Madana, Bhuvana, Līla, Ātman und Priya bilden den menschlichen Strom und heißen Aparā. Danach folgen die eigenen [Gurus]. Dies sind die hier genannten Gurus der Kāmarāja-Vidyā.

10.GP.15–10.GP.16 Für Schüler, denen die Guru-[Folge] unbekannt ist, werden die Gurus der Reihe nach so angesprochen: „Verehrung den Gurus“, danach „Verehrung den Sandalen“. Ebenso verehre man die Parama-, Parāpara- und Parameṣṭhin-Lehrer und danach die eigenen Gurus, o höchste Herrin.

10.GP.17–10.GP.18a Paramādiśiva, Kāmeśvaryambikā, Divyaugha, Mahaugha, Sarva, Prajñādevī und Prakāśa werden als göttlicher Strom bezeichnet.

10.GP.18b–10.GP.19 Lopāmudrā, Prabhā, Māyā, Divya, Citra, Kaivalyānandanātha, Devyātmānandanātha und Mahodaya bilden den Siddha-Strom. Danach folgt auch Cidānanda …

10.GP.20–10.GP.21 … Ṛddhyambā, Viśva, Śaktyambā, Ramā, Kamala, Para, Manohara, Ātman und Pramita: Diese werden der Reihe nach als menschlicher Strom genannt. Es sind die Gurus der Lopāmudrā-Vidyā; danach folgen die eigenen Gurus.

10.GP.22–10.GP.23a Paraprakāśa, [Para-]Vimarśa, Kāmeśvarī, Mokṣa, Amṛta, Puruṣa und Aghora bilden den göttlichen Strom. [„parādikaḥ“ kann den Namensbestandteil Para anzeigen; die genaue Gliederung bleibt offen.]

10.GP.23b–10.GP.24a Prakāma, Sadguru, Siddhaugha und Uttama werden als die vier des Siddha-Stromes genannt, o große Herrin.

10.GP.24b–10.GP.25 Danach Uttama, Para, Sarvajña, Sarva, Siddhaka, Govinda und Śaṅkara: Diese werden als menschlicher Strom genannt. Es sind Gurus der Śrīvidyā selbst; danach folgt die eigene Guru-Reihe. [Uttama steht in beiden aufeinanderfolgenden Gruppen; die Wiederholung bleibt erhalten.]

10.GP.26–10.GP.27 Diese sämtlichen Gurus gelten im Bereich der Turīyā. Ihre beiden Hände zeigen die Erkenntnis-Mudrā und halten eine mit Nektar gefüllte Schädelschale. Sie sind rot und tragen auf dem Kopf eine Fülle verfilzter Haare. Mit fünf Darbringungen und der Saṃghaṭṭa-Mudrā verehre man sie.

Überlieferungsrichtungen und Lehransichten

10.GP.28 Nachdem die Guru-Reihe verehrt ist, verehre man die Gottheiten der Überlieferungsrichtungen im Achteck, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß.

10.GP.29–10.GP.30 Im Osten verehre man Unmanī, die Herrin der östlichen Überlieferung; im Süden Bhoginī, die Herrin der südlichen; im Westen Kubjikā, die Herrin der westlichen; im Norden Kālikā, die Herrin der nördlichen.

10.GP.31–10.GP.32a [Ferner verehre man] Mahātripurasundarī als Herrin der oberen Überlieferung. Sie sind rot und glückverheißend, ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen Schlinge und Elefantenhaken. Mit fünf Darbringungen verehre man sie und zeige die Yoni-Mudrā.

10.GP.32b–10.GP.33 Nach der Verehrung der Überlieferungsrichtungen verehre man die Āyatanas. Im inneren Zehneck, im Osten beginnend, verehre man mit Nektar aus dem Guru-Gefäß Gāyatrī der brahmanischen Lehransicht als Gottheit des östlichen Āyatana …

10.GP.34 … Nārāyaṇa der vaiṣṇavischen Lehransicht als Gottheit des südlichen Āyatana und Sūrya der solaren Lehransicht als Herrn des westlichen Āyatana …

10.GP.35 … Buddha der buddhistischen Lehransicht als Herrn des nördlichen Āyatana und Śiva, den Herrn der śivaitischen Lehransicht, im oberen Āyatana.

10.GP.36 Im Bindu-Kreis verehre man die Parā genannte Śakti als Herrin der śāktischen Lehransicht des oberen Āyatana. So stelle man sich die Gottheiten vor:

10.GP.37 Rot, die Hände Gaben und Furchtlosigkeit gewährend, mit zwei Händen ihre jeweiligen Waffen tragend. Mit fünf Darbringungen ehre man sie und zeige die Liṅga-Mudrā. [Die Quelle integriert diese Lehransichten in ihren eigenen Verehrungsrahmen.]

Fünf Juwelen und fünf Wunschlianen

10.GP.38–10.GP.39 Nach der Āyatana-Verehrung verehre man die fünf Juwelen im äußeren Zehneck, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß: Śrīvidyā, Siddhalakṣmī, Mātaṅgī, Bhuvaneśvarī und Vārāhī heißen die fünf Juwelen, o große Göttin.

10.GP.40–10.GP.41 Am Verehrungsort der Śrīvidyā im königlichen Cakra [stelle man sie sich] auf einem Sitz vor, der von der Schar der großen Ratneśvarīs geschmückt ist. Mit „Ich verehre die heiligen Sandalen der Sarvasaubhāgyajananī“ verehre man dort und zeige die Yoni-Mudrā. [Die Satzverbindung des ersten Verses ist unvollständig.]

10.GP.42 Sie sind rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und in zwei Händen ihre eigenen Waffen. Nach den fünf Juwelen verehre man die fünf Wunschlianen.

10.GP.43–10.GP.44 Im Vierzehneck, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß: Śrīvidyā, Tvaritā, Pārijāteśvarī, Trikūṭā und Pañcabāṇeśī gelten als die fünf Wunschlianen. Sie sind rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und in zwei Händen ihre eigenen Waffen.

Die fünf Throne

10.GP.45 Nach der Verehrung der Lianen verehre man die fünf Throne im achtblättrigen Lotus, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß.

10.GP.46–10.GP.47 Bālā, Sampatpradā, Caitanyā, die zweite Caitanyarūpā, Kāmeśī und Unmanī verehre man der Reihe nach im Osten; danach den Brahmā genannten Thron. [Die Vorlage beginnt vor Vers 47 eine Klammer, die erst in Vers 48 endet; die beiden Caitanya-Namen bleiben in ihrer überlieferten Form stehen.]

10.GP.48–10.GP.49 Aghorabhairavī, Mahābhairavī, Lalitābhairavī, Kāmeśībhairavī, Raktanetrā und Bhoginī, danach den Viṣṇu-Thron, verehre man im Süden zur Erlangung von Glück.

10.GP.50–10.GP.51 Ṣaṭkūṭābhairavī, Nityābhairavī, Mṛtasañjīvinī, Mṛtyuñjayaparā, Vajraprastāriṇī und Kubjikā sowie den Rudra-Thron verehre man der Reihe nach im Westen, o Göttin.

10.GP.52–10.GP.53 Am nördlichen Thron verehre der Kundige Bhuvaneśvarī, Kamaleśībhairavī, Siddhakauleśabhairavī, Ḍāmarabhairavī, Kāminībhairavī, Kālikā und den Īśvara genannten Thron.

10.GP.54–10.GP.56 In der Mitte des Bindu befinden sich auf dem oberen Thron die erste, zweite, dritte, vierte und fünfte Sundarī sowie Mahātripurasundarī. Danach verehre man den Sadāśiva genannten Thron, o Herrin der Götter. Sie sind rot und glückverheißend; ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen Schlinge und Elefantenhaken.

Fünf Hüllen, fünf Lakṣmīs und fünf Wunscherfüllerinnen

10.GP.57–10.GP.58 Nach der Thronverehrung folgt die Verehrung der fünf Hüllen im sechzehnblättrigen Bereich, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß. Śrīvidyā, Parajyotis, Paraniṣkalaśāmbhavī, Ajapā und Mātṛkā heißen die fünf Hüllen.

10.GP.59–10.GP.60 Danach verehre man zur Erlangung aller Fülle die fünf Lakṣmīs im Quadrat, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß: Śrīvidyā, Lakṣmī, Mahālakṣmī, Triśakti und Sarvasāmrājyā.

10.GP.61 Sie sind rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und in zwei Händen ihre eigenen Waffen. Nach den fünf Lakṣmīs verehre man die fünf Kāmadughās, die Wunscherfüllerinnen.

10.GP.62–10.GP.63 Im Schöpfungskreis, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß: Śrīvidyā, Amṛtapīṭheśī, Sudhā, Sūrāmṛteśvarī und Annapūrṇā heißen der Reihe nach die fünf Kāmadughās. Sie sind rot und tragen Schlinge, Elefantenhaken, Nektarschale und Krug. [Die Trennung „sudhāsūramṛteśvarī“ in der Vorlage ist nicht sicher; die fünfgliedrige Lesung bleibt vorläufig.]

Samayās und die sechs Glieder

10.GP.64–10.GP.65 Nach den Wunscherfüllerinnen verehre man die fünf Samayās im Erhaltungskreis, im Osten beginnend, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß: Bagalā, Kālarātri, Jayadurgā und die Göttin Vajravairocanī werden als die fünf Samayās genannt. [Die erhaltene Reihe nennt nur vier Namen; ein fünfter wird nicht ergänzt.]

10.GP.66–10.GP.67 Sie sind rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und in zwei Händen ihre eigenen Waffen. Nach ihrer Verehrung verehre man die Umhüllung der sechs Glieder im Rücknahmekreis: in den Ecken des Feuers, des Īśāna, des Asura und des Windes, in der Bindu-Mitte und in den vier Richtungen, mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß.

10.GP.68–10.GP.69 In der Mitte und in den Richtungen verehre man der Reihe nach zur Vollendung aller Ziele: Sarvajñā, Nityatṛptā, Anādiprabodhinī, Svatantrā, Mahāśakti, Nityāluptā und Nityānantā. So werden sie auch bei den sechs Bhogāṅgas genannt. [Die überlieferte Worttrennung ergibt sieben Namen; möglicherweise sind Teile zusammengesetzter Namen auseinandergetreten. Die Sechserordnung wird nicht durch stillschweigende Streichung hergestellt.]

10.GP.70 Sie leuchten schneeweiß, kristallklar, dunkel, blau, schwarz und rot. Ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit; sie sind weibliche Gestalten von hervorragender Erscheinung.

10.GP.71 Dies sind, o große Göttin, die besonderen Umhüllungen. Für die Verehrer der Turīyā sind sie notwendig.

10.GP.72 Bei den Kūṭa-Vidyās [gelten] die jeweils zugehörigen Gurus und Glieder. Nun [folgt] hier die mittlere Anordnung mit ihren neun Umhüllungen, o Mutter. [Der Übergang „madhyavidhānīśe“ ist sprachlich beschädigt.]

10.GP.73 Höre, o geliebte Göttin, von den mittleren Umhüllungen. Auch diese sind für die Verehrer der Turīyā notwendig.

Pfeile, Kāmas, Redeformen und Bewusstseinszustände

10.GP.74–10.GP.75 Zu beiden Seiten des Achtecks und davor verehre man mit Nektartropfen aus dem allgemeinen Gefäß: im Norden den Erschütterungs- und den Verflüssigungspfeil, im Süden den Anziehungs- und den Unterwerfungspfeil, vorne den Verzauberungspfeil. Man stelle sich die Pfeilgottheiten so vor:

10.GP.76 Rot, Gaben und Furchtlosigkeit gewährend, Elefantenhaken, Pfeile und Bogen tragend. Im inneren Zehneck, an den Seiten und vorne …

10.GP.77–10.GP.78 … verehre man wie die Pfeile die fünf Kāmas: Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Mīnaketu. Sie sind rot, gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen die fünf Pfeile und den Bogen.

10.GP.79–10.GP.80 Im äußeren Zehneck verehre man wie die Kāmas die sechs Redeformen mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß: Līnā Vāk, Aparā, Parā, Madhyamā Vāk, Paśyantī und Vaikharī. Sie sind weiß, zeigen die Erkenntnis- und Furchtlosigkeitsgeste und halten Vīṇā und Buch. [„Līnā Vāk“ wird entsprechend der angekündigten Sechszahl als zusammengehörige Bezeichnung gelesen.]

10.GP.81–10.GP.83a Im Vierzehneck, an beiden Seiten, vorne und in der Bindu-Mitte, verehre man mit Tropfen des allgemeinen Nektars die vier Zustände zur Vollendung aller Ziele: Wachen, Träumen, Tiefschlaf und Turīya. Sie sind rot und glückverheißend, gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen Schlinge und Elefantenhaken.

Die dienenden Śaktis und ihre Gaben

10.GP.83b–10.GP.86a Am Kreis an der Wurzel des achtblättrigen Lotus verehre man als Umfassung mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß die mit Vāmā beginnenden Gottheiten: Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Ambikā, Icchā, Jñānā, Kriyā, Kubjikā, Bibhvī, Citrā, Viṣaghnikā, Bhūcarī, Khecarī, Jayā, Vijayā, Nandā und Sunandā. [Die Vorlage schreibt den letzten Namen „sundandā“.]

10.GP.86b–10.GP.87a Die mit Vāmā beginnenden Śaktis an diesem Kreis sind göttlich geschmückt, rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und sind dem Gewähren von Gaben zugewandt.

10.GP.87b–10.GP.88 [Die eigenen Śaktis tragen] einen Perlenschirm, Fliegenwedel schön wie das Mondlicht des Herbstes, ein Paar mit Uśīra versehene Fächer in der Gestalt von Mond und Sonne, einen goldenen Spiegel, dessen Rand von Perlenschnüren glänzt, und einen kleinen Sitz …

10.GP.89 … eine Schmuckschatulle, einen mit „Mond“ [Kampfer] gefüllten Behälter und ein Betelkästchen, das von neun Juwelenarten erstrahlt …

10.GP.90 … ein Gefäß mit Kuṃkuma-Pulver, reich an Kampfer und Moschus, einen goldenen Becher, einen Nektarkrug und einen Kamaṇḍalu …

10.GP.91–10.GP.92a … ein Juwelengefäß voll Girlanden aus Mallikā, Mālatī, Jātī und hundertblättrigen Blüten, einen Kamm aus Elfenbein und ein Stäbchen für Augenschminke. So tragen die eigenen Śaktis diese Dinge.

Die Strahlen und die äußeren Yoginī-Kreise

10.GP.92b–10.GP.96a Danach vollziehe man am Wurzelkreis des sechzehnblättrigen Lotus als Umfassung die Verehrung der Strahlen mit dem allgemeinen Nektar. Die Strahlenschar wird genannt: Bhāva, Cit, Māyā, Nātha, Icchā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Sthiti, Mukti, Bhukti, Sat, Asat, Sadasadātmikā, Kriyā, Ātman, Jñāna, Loka, Deva, Veda, Saṃvit, Janma, Spanda, Nispanda, Kuṇḍalī, Śabda, Varṇa, Svara, Varga, Saṃyoga, Mantra, Bhairava und Bhūtaraśmi.

[Die dichten Komposita sind nicht überall sicher zu trennen; die Vorlage markiert „bhuktiśa“ selbst mit einem Fragezeichen. Der Bedeutungsbereich umfasst Sein, Bewusstsein, Māyā, Herrschaft, Wille, Zufriedenheit, Gedeihen, Bestand, Befreiung, Genuss, Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit, Handeln, Selbst, Erkenntnis, Welt, Gottheit, Veda, Geburt, Schwingung und Ruhe, Kuṇḍalī, Klang, Laut, Vokal, Lautgruppe, Verbindung, Mantra, Bhairava und Elementstrahl.]

10.GP.96b–10.GP.97a Die mit Bhāva beginnenden Strahlen am Wurzelkreis des sechzehnblättrigen Lotus sind rot und glückverheißend; sie tragen Schlinge, Elefantenhaken, Nektarkrug und Trinkgefäß.

10.GP.97b–10.GP.99 Im ersten Kreis außerhalb des sechzehnblättrigen Lotus verehre man als Umfassung mit dem allgemeinen Nektar die Yoginīs: Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī, Hākinī und Yākinī. Dort befinden sich die mit Ḍākinī beginnenden Yoginīs.

10.GP.100 und 10.MU.1a Sie tragen Schlinge, Elefantenhaken, Schädelschale und Schwert, haben Leichname als Fahrzeuge und sind mit Schädelgirlanden versehen. Ihre Lotusgesichter sind durch Fangzähne furchterregend; sie sind viergesichtig, rot, von schrecklicher Gestalt und durch Rausch erregt. [Nach 100 beginnt die Nummerierung der Vorlage erneut bei 1; die neue Zitatreihe erhält das Kürzel MU.]

10.MU.1b–10.MU.3 Im mittleren Kreis verehre man als Umfassung mit dem allgemeinen Nektar die Bhairavīs: Bhairavī, Mahābhairavī, Siṃhabhairavī, Dhūmrabhairavī, Bhīmabhairavī, Unmanabhairavī, Vaśīkaraṇabhairavī und Mohanabhairavī. [Die Verbindung „bhīmādyonmana“ ist beschädigt; die Trennung der beiden mittleren Namen bleibt vorläufig.]

10.MU.4–10.MU.5a Die mit Bhairavī beginnenden Gestalten im mittleren äußeren Kreis des sechzehnblättrigen Lotus sind schrecklich, tragen Schlinge, Elefantenhaken, Schädelschale und Dreizack. Sie sind rot, mit Schädelgirlanden geschmückt, haben furchtbare Fangzähne und Leichname als Sitze.

10.MU.5b–10.MU.7 Danach verehre man mit dem allgemeinen Nektar die zehn Bhairavas: Heruka, Vetāla, Tripurāntaka, Agnijihva, Kālānta, Karāla, Ekapādaka, Bhīmarūpa, Acala und Hāṭakeśvara. Diese zehn mit Heruka beginnenden befinden sich im äußersten Kreis des sechzehnblättrigen Lotus.

10.MU.8 Die Bhairavas haben Gesichter mit furchtbaren Fangzähnen, tragen Dreizack und Axt, sind dunkel wie Wolken, sitzen auf Leichnamen und halten Schädelschale und Stab.

10.MU.9 Damit ist die Verehrung der sogenannten mittleren Umhüllungen erklärt. Höre nun, o große Göttin: Ich werde die Verehrung der neun Umhüllungen lehren.

Die neun Umhüllungen und die erste Umhüllung

10.MU.10–10.MU.11 Dieses Cakra, o große Herrin, erstrahlt in der Mitte mit dem Bindu. Danach folgen Dreieck, Achteck, Zehneck, ein weiteres Zehneck und Vierzehneck. Dies ist der mittlere Cakra-Bereich, o Geliebte; vom Bindu bis zum Achteck liegt das Innerste.

10.MU.12–10.MU.13 Es ist mit vierzig und drei Bhagas [Dreiecken] versehen, o Pārvatī; der Reihe nach folgen der achtblättrige Lotus, der sechzehnblättrige Lotus und das Quadrat. Das Ganze hat die Gestalt der Bhagas und ist durch neun Yonis gekennzeichnet. Vierundsechzig Koṭis [640 Millionen] machtvoller Yoginīs …

10.MU.14 … ehren in diesem Cakra den Übenden in besonderer Weise. Ohne Unterweisung des Guru dagegen verzehren sie den Übenden. [Die Drohung gehört zur religiösen Sprache der Quelle.]

10.MU.15 Im Trailokyamohana-Cakra, das die drei Welten bezaubert, verehre man an der äußeren Linie mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß die Siddhi-Gottheiten.

10.MU.16–10.MU.18 An der inneren Linie des Quadrats, im Westen beginnend, an den Toren, an den Ecken beginnend mit der Windecke, unten und oben, verehre man im Uhrzeigersinn zur Vollendung aller Ziele: Aṇimā, Mahimā, Laghimā, Garimā, Īśitva, Vaśitva, Prākāmya, Bhukti, Icchā, Prāpti, Sarvakāmā und Mokṣasiddhi. [Äußere und innere Linie werden in den beiden aufeinanderfolgenden Anweisungen verschieden bezeichnet; die zwölf Namen bleiben erhalten.]

Die Namen bezeichnen Kleinheit, Größe, Leichtigkeit, Schwere, Herrschaft, Einfluss, ungehinderte Wunscherfüllung, Genuss, Wille, Erlangen, sämtliche Wünsche und die Vollendung der Befreiung.

10.MU.19–10.MU.20a Sie strahlen wie frisch erhitztes Gold, sind glückverheißend und tragen Schlinge und Elefantenhaken sowie ein Paar Lotusse. Den Übenden schenken sie kostbaren Schmuck, Juwelen, Gold und Schätze.

10.MU.20b–10.MU.21 An der mittleren Linie des Trailokyamohana-Cakras befinden sich die fünfzig Pīṭha-Gottheiten. Sie leuchten wie erhitztes Jāmbūnada-Gold; ihre Hände tragen Schlinge und Elefantenhaken und gewähren Furchtlosigkeit und Gaben. Sie gehören zu den offenbar erscheinenden Gestalten.

10.MU.22–10.MU.23 Nachdem diese verehrt sind, verehre man wie die Siddhis die mit Brāhmī beginnenden Mütter, an den Toren beginnend im Osten und an den Ecken beginnend mit der Feuerecke: Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Aindrī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī.

10.MU.24 Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmatta, Kapālin, Bhīṣaṇa und Saṃhāra sind die acht Bhairavas.

10.MU.25–10.MU.26 Kāmarūpa, Malaya, Kauhla, Kulāntaka, Cohāra, Jālandhara, Uḍyāna und Devikoṭṭa werden als die acht Pīṭhas genannt. Die Mütter sitzen auf dem Schoß der Bhairavas, mit lächelnden Gesichtern und von Rausch entspannt. [Kauhla und Cohāra stehen so in der Vorlage.]

10.MU.27–10.MU.28 Die mit Brāhmī beginnenden göttlichen Mütter sind offenbarte, glückverheißende Yoginīs. Alle tragen Schlinge und Elefantenhaken; der Reihe nach stelle man sie sich ferner mit Vidyā [hier möglicherweise einem Symbol der Erkenntnis], Dreizack, Speer, Wurfscheibe, Keule, Vajra, Vaidūrya-Girlande, Lotus und der Geste des Gewährens vor. [Die Verteilung der dicht aneinandergereihten Attribute auf die acht Mütter ist nicht vollständig eindeutig.]

10.MU.29–10.MU.30a Die mit Asitāṅga beginnenden Bhairavas wohnen in den acht Pīṭhas. Sie tragen Dreizack, Schädelschale, Leichnam und kleine Trommel, sind mit Elefantenhaut bekleidet, furchterregend und durch lockiges Haar geschmückt.

10.MU.30b–10.MU.31a Die acht Pīṭha-Gottheiten tragen Schlinge und Elefantenhaken und gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. Sie leuchten wie Jāmbūnada-Gold und sind offenbarte, glückverheißende Yoginīs.

10.MU.31b–10.MU.34 Auf der dritten Linie verehre man sorgfältig wie die Siddhis die Mudrā-Göttinnen: Sarvasaṃkṣobhiṇī, Sarvavidrāviṇī, Sarvākarṣaṇikā, Sarvavaśīkāriṇikā, Sarvonmādinikā, Sarvamahāṅkuśā, Sarvakhecarikā, Sarvabījamudrā, Sarvayoni und Sarvatrikhaṇḍā. Sie verkörpern die allumfassenden Kräfte des Erschütterns, Verflüssigens, Anziehens, Unterwerfens, der Ekstase, des großen Hakens, des Ganges im Himmelsraum, des Keimes, des Schoßes und der Dreiteilung.

10.MU.35–10.MU.36a Diese mit Sarvasaṃkṣobhiṇī beginnenden Mudrās haben sanfte Gestalten, tragen sämtlich Schlinge und Elefantenhaken und zeigen ihre jeweiligen Mudrās. Sie leuchten wie erhitztes Gold und sind offenbarte, glückverheißende Yoginīs.

10.MU.36b–10.MU.37a Die Gottheiten der vier mit Kāmarūpa beginnenden Pīṭhas und die weiteren offenbarten Gottheiten sind rot; ihre Hände tragen Schlinge, Elefantenhaken und Lotus und zeigen Furchtlosigkeit.

10.MU.37b–10.MU.38 Vor Aṇimāsiddhi verehre man die Cakra-Herrscherin Tripurā mit fünf Darbringungen und zeige die erste Mudrā. „Diese offenbarten Yoginīs, die im Quadrat …“

10.MU.39–10.MU.40 „… des Trailokyamohana-Cakras stehen, mit ihren Mudrās, Waffen, Fahrzeugen, Gefolgen und Siddhis, mit Haupt- und Nebengliedern, seien mit sämtlichen Darbringungen verehrt und durch Tarpaṇa befriedigt!“ So spreche man und gebe dort Wasser hin.

10.MU.41 „Gewähre mir die ersehnte Vollendung, o Tripurā, von den Göttern verehrt! Mit Hingabe bringe ich dir die Verehrung der ersten Umhüllung dar.“

10.MU.42 Nachdem man dies gesprochen hat, bringe man der großen Göttin eine Handvoll Blüten dar. Damit ist dir, o Glückverheißende, die Verehrung der ersten Umhüllung erklärt.

Die zweite Umhüllung: der sechzehnblättrige Lotus

10.MU.43–10.MU.44a Nun werde ich die Verehrung der zweiten Umhüllung erklären, o große Herrin. Auf den sechzehn Blättern verehre man die mit Kāmākarṣiṇikā beginnenden [Göttinnen] mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß, im Westen beginnend.

10.MU.44b–10.MU.48 Kāmākarṣiṇikā, die Begehren anzieht; Buddhyākarṣiṇikā, die Erkenntniskraft anzieht; Ahaṅkārākarṣiṇī, die Ichbewusstsein anzieht; Śabdākarṣiṇikā, die Klang anzieht; Sparśākarṣiṇikā, die Berührung anzieht; Rūpākarṣiṇikā, die Gestalt anzieht; Rasākarṣiṇikā, die Geschmack anzieht; Gandhākarṣiṇikā, die Duft anzieht; Cittākarṣiṇikā, die das Gemüt anzieht; Dhairyākarṣiṇikā, die Standhaftigkeit anzieht; Smṛtyākarṣiṇikā, die Erinnerung anzieht; Nāmākarṣiṇikā, die Namen anzieht; Bījākarṣiṇikā, die den Keim anzieht; Amṛtākarṣiṇikā, die Nektar anzieht; Ātmākarṣiṇikā, die das Selbst anzieht; Śarīrākarṣiṇī, die den Leib anzieht. Sie befinden sich auf den sechzehn Blättern des Sarvāśāpūraka-Cakras, das alle Hoffnungen erfüllt.

10.MU.49 Die mit Kāmākarṣiṇikā beginnenden Yoginīs heißen Guptā, „verborgen“. Sie sind die Gestalten der sechzehn Kalās und wohnen inmitten des Mondkreises.

10.MU.50 Ihre Laute sind die Vokale; sie sind rot und ihre Leiber verströmen Nektar. Sie tragen Schlinge, Elefantenhaken und einen mit Nektar gefüllten Kāśmarī-Krug … [Der Schluss „ghaṭadānandāḥ“ ist bereits in der Vorlage als fraglich markiert; die genaue weitere Aussage bleibt offen.]

10.MU.51 Vor Kāmākarṣiṇikā verehre man die Cakra-Herrscherin Tripureśī und zeige zum Glück die Vidrāviṇī-Mudrā.

10.MU.52 Mit „Diese verborgenen Yoginīs im Sarvāśāpūraka-Cakra, mit ihren Mudrās …“ [und der zuvor angegebenen Fortsetzung] bringe man der Göttin eine Handvoll Blüten dar.

10.MU.53–10.MU.54a „Gewähre mir die ersehnte Vollendung, o Tripurā, von den Göttern verehrt! Mit Hingabe bringe ich dir die Verehrung der zweiten Umhüllung dar.“ So spreche man und bringe der Götterherrin Blüten dar.

Die dritte Umhüllung: der achtblättrige Lotus

10.MU.54b–10.MU.55 Im Sarvasaṃkṣobhaṇa-Cakra, das alles erschüttert und sich in acht Blättern entfaltet, verehre man mit dem allgemeinen Nektar die mit Anaṅgakusumā beginnenden [Göttinnen]: auf den Blättern in den Hauptrichtungen beginnend im Osten und in den Zwischenrichtungen beginnend im Südosten.

10.MU.56–10.MU.57 Anaṅgakusumā, die Blüte des körperlosen Liebesgottes; Anaṅgamekhalā, sein Gürtel; Anaṅgamadanā, seine Liebeserregung; Anaṅgamadanāturā, die davon Ergriffene; Anaṅgarekhā, seine Linie; Anaṅgaveginī, seine Bewegung; Anaṅgāṅkuśā, sein Elefantenhaken; Anaṅgamālinī, seine Bekränzte. Sie leuchten wie Bandhūka-Blüten.

10.MU.58–10.MU.59a Sie sind glückverheißend und tragen Schlinge, Elefantenhaken, glänzende Kunda-Blüten und blaue Lotusse. Vor Anaṅgakusumā verehre man die Cakra-Herrscherin Tripurasundarī und zeige danach die Sarvākarṣiṇikā-Mudrā.

10.MU.59b–10.MU.60 Der Mantrakenner spreche „Diese noch verborgeneren Yoginīs im Sarvasaṃkṣobhaṇa-Cakra, mit ihren Mudrās …“ und bringe der Göttin eine Handvoll Blüten dar, ferner mit dem zuvor genannten „Gewähre mir die ersehnte Vollendung …“. [Die Quelle verweist hier auf die bereits ausgeschriebenen Darbringungsformeln.]

Die vierte Umhüllung: der Vierzehneck-Kreis

10.MU.61–10.MU.62a Im Vierzehneck-Kreis namens Sarvasaubhāgyada, „alles Glück gewährend“, verehre man mit Wasser aus dem allgemeinen Gefäß, im Westen beginnend gegen den Uhrzeigersinn, die mit Sarvasaṃkṣobhiṇī beginnenden Śaktis, o Geliebte.

10.MU.62b–10.MU.65 Sarvasaṃkṣobhiṇī, die alles erschüttert; Sarvavidrāviṇī, die alles verflüssigt; Sarvākarṣiṇī, die alles anzieht; Sarvāhlādinī, die alles erfreut; Sarvasammohinī, die alles bezaubert; Sarvastambhinī, die alles zum Stillstand bringt; Sarvajṛmbhiṇī, die alles sich öffnen lässt; Sarvavaśaṅkarī, die alles unter ihren Einfluss bringt; Sarvārtharañjinī, die alle Anliegen erfreut; Sarvonmādinī, die alles in Ekstase versetzt; Sarvārthasādhinī, die sämtliche Ziele verwirklicht; Sarvasampattipūraṇī, die alle Fülle vollendet; Sarvamantramayī, die aus allen Mantras besteht; Sarvadvandvakṣayaṅkarī, die sämtliche Gegensatzpaare aufhebt.

10.MU.66–10.MU.68a Die mit Sarvasaṃkṣobhiṇī beginnenden Yoginīs im Sarvasaubhāgyada-Cakra heißen Sampradāya, „Überlieferung“. Sie sind mit allem Schmuck versehen, rot wie Indragopa-Insekten, voller stolzer, berauschter Jugendkraft. Sie tragen Schlinge, Elefantenhaken, Spiegel und ein mit Nektar gefülltes Trinkgefäß, sind in jeder Hinsicht schön und gewähren den Übenden das Ersehnte.

10.MU.68b–10.MU.70a Vor Sarvasaṃkṣobhiṇī verehre der Kundige Tripuravāsinī und zeige die Sarvavaśyakarī-Mudrā. Danach spreche man in der entsprechenden Folge „Diese Sampradāya-Yoginīs …“ und bringe der Göttin Blüten dar.

Die fünfte Umhüllung: das äußere Zehneck

10.MU.70b–10.MU.71 Im äußeren Zehneck-Kreis Sarvārthasādhaka, „alle Ziele verwirklichend“, verehre man wie zuvor mit dem allgemeinen Nektar die mit Sarvasiddhipradā beginnenden [Göttinnen]: Sarvasiddhipradā, die alle Vollendungen schenkt; Sarvasampatpradā, die allen Wohlstand schenkt …

10.MU.72 … Sarvapriyaṅkarī, die alles liebenswert macht; Sarvamaṅgalakāriṇī, die alles Glückverheißende bewirkt; Sarvakāmapradā, die sämtliche Wünsche erfüllt; Sarvaduḥkhavimocinī, die von allem Leid befreit …

10.MU.73 … Sarvamṛtyupraśamanī, die jeden Tod befriedet; Sarvavighnavināśinī, die sämtliche Hindernisse vernichtet; Sarvāṅgasundarī, die an allen Gliedern schön ist; Sarvasaubhāgyadāyinī, die alles Glück schenkt.

10.MU.74–10.MU.75 Die mit Sarvasiddhipradā beginnenden höchsten Yoginīs im Sarvārthasādhaka-Cakra heißen Kulakaulā und erfüllen sämtliche Wünsche. Sie leuchten wie Hibiskusblüten, sind mit funkelnden Juwelen geschmückt, von großer, tiefer Glücksschönheit, mit vollen, runden, festen Brüsten.

10.MU.76–10.MU.77a In Juwelenschatullen bewahren sie den von den Übenden gewünschten Schmuck. Mit lächelnden Gesichtern tragen sie Lampen aus verschiedenen Juwelen; alle halten Schlinge und Elefantenhaken und sind dem Verschenken von Juwelen zugewandt.

10.MU.77b–10.MU.79a Vor Sarvasiddhipradā verehre man die Cakra-Herrscherin Tripurā. Danach zeige der Kundige die Sarvonmādinī-Mudrā. Wie zuvor spreche man „Diese Kulakaulā genannten Yoginīs …“ und bringe der Göttin Blüten dar. Dann verehre man die sechste Umhüllung.

Die sechste Umhüllung: das innere Zehneck

10.MU.79b–10.MU.80 Im inneren Zehneck-Kreis Sarvarakṣākara, „allen Schutz gewährend“, verehre man mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß, im Westen beginnend: Sarvajñā, die Allwissende; Sarvaśakti, die sämtliche Kraft ist; Sarvaiśvaryapradā, die alle Herrschermacht schenkt …

10.MU.81 … Sarvajñānamayī, die aus aller Erkenntnis besteht; Sarvavyādhivināśinī, die alle Krankheiten vernichtet; Sarvādhārasvarūpā, deren Gestalt die Grundlage von allem ist; Sarvapāpaharā, die alles Unrecht hinwegnimmt …

10.MU.82 … Sarvānandamayī, die von aller Wonne erfüllt ist; Sarvarakṣāsvarūpiṇī, deren Gestalt sämtlicher Schutz ist; und Sarvepsitaphalapradā, die alle ersehnten Früchte gewährt. Sorgfältig sind sie zu verehren. [Die heilbezogenen Namen sind religiöse Anrufungen und keine Zusicherung medizinischer Wirkungen.]

10.MU.83–10.MU.84 Die mit Sarvajñā beginnenden Yoginīs im Sarvarakṣākara-Cakra heißen Nigarbhā. Sie gewähren Heil, haben den Glanz lodernden Feuers, strahlen wie tausend aufgehende Sonnen und tragen Perlenschmuck. Ihre Hände halten Schlinge und Axt und zeigen Erkenntnis-Mudrā und die Geste des Gewährens.

10.MU.85 Vor Sarvajñā verehre man Tripuramālinī und zeige der Göttin die Sarvamahāṅkuśā-Mudrā.

10.MU.86 Mit „Diese Nigarbhā-Yoginīs im Sarvarakṣākara-Cakra, mit ihren Mudrās …“ und der entsprechenden Fortsetzung bringe man eine Handvoll Blüten dar.

Die siebte Umhüllung: der Achteck-Kreis

10.MU.87–10.MU.88 Im achtwinkligen Sarvarogahara-Cakra, „alle Krankheiten hinwegnehmend“, verehre man mit Tropfen des allgemeinen [Arghya], im Westen beginnend, der Reihe nach die mit Vaśinī beginnenden [Göttinnen]: Vaśinī, Kāmeśvarī, Modinī, Vimalā, Aruṇā, Jayinī, Sarveśvarī und Kaulinī, die Herrinnen der Rede.

10.MU.89–10.MU.91a Im Sarvarogahara-Cakra heißen sie Rahasyā, „geheim“. Die Yoginīs gewähren Heil und erfüllen Wünsche. Sie leuchten wie Granatapfelblüten, tragen rote Gewänder und rote Duftsalbung, sind mit vielerlei Schmuck versehen und halten den Bogen mit den fünf Pfeilen, ein Buch und die Geste des Gewährens. Diese schenken Redekraft.

10.MU.91b–10.MU.93a Vor Vaśinī verehre man die Cakra-Herrscherin Tripurasiddhā und zeige zum Glück die Sarvakhecarī-Mudrā. Mit „Diese geheimen Yoginīs …“ und „Gewähre mir die ersehnte Vollendung …“ bringe man der Göttin eine Handvoll Blüten dar.

Die achte Umhüllung: Waffen und Dreiecksgöttinnen

10.MU.93b–10.MU.95 Im Zwischenraum des großen Cakras namens Sarvasiddhiprada, „alle Vollendungen gewährend“, verehre man mit Nektar aus dem allgemeinen Gefäß die Waffengottheiten Kāmeśvaras und Kāmeśvarīs: die öffnenden beziehungsweise zum Gähnen bringenden Pfeilgottheiten, die bezaubernden Bogengöttinnen, die unterwerfenden Schlingengöttinnen und die zum Stillstand bringenden Elefantenhaken-Gottheiten.

10.MU.96–10.MU.97 Danach verehre man mit Nektar aus dem Śrī-Gefäß im Dreieck, vor sich beginnend: Im Vāgbhava genannten Sonnenkreis und im Kāmarūpa-Pīṭha [befindet sich] Kāmeśī, die alle Vollendungen gewährt. Sie ist ihrem Wesen nach Mitreśanātha, herrscht über das Wachen und ist mit Rudras Selbst-Kraft verbunden. [Die Nummer 96 ist in der Vorlage nur mit abschließenden Strichen versehen; sie wird dennoch als eigene nummerierte Einheit berücksichtigt.]

10.MU.98–10.MU.99a Im Kāmarāja genannten Mondkreis, im Pūrṇagiri-Pīṭha, [befindet sich] die große Göttin Vajreśvarī. Sie ist ihrem Wesen nach Oḍḍīśanātha, herrscht über den Traum und wird als Viṣṇus Kraft bezeichnet.

10.MU.99b–10.MU.101a Im dritten Winkel, im Śakti genannten Feuerkreis, im Jālandhara-Pīṭha, [befindet sich] die Göttin Śrībhagamālinī. Sie ist ihrem Wesen nach Ṣaṣṭheśanātha, herrscht über den Tiefschlaf und wird als Brahmās Selbst-Kraft bezeichnet.

10.MU.101b–10.MU.103a In der Mitte des Bindu, wo sich die drei Kūṭas entfalten, im gesamten Raumkreis und im Uḍyāna genannten Pīṭha, [befindet sich] Śrīmahātripurasundarī. Sie ist ihrem Wesen nach Caryānātha, herrscht über Turīya und ist die Selbst-Kraft des höchsten Brahman.

10.MU.103b–10.MU.104 Die Vollendung gewährenden Yoginīs im Sarvasiddhiprada-Cakra heißen Atirahasyā, „höchst geheim“: die acht Waffengottheiten und die drei mit Kāmeśvarī beginnenden [Göttinnen], die in den drei Winkeln erstrahlen.

10.MU.105–10.MU.106 Die acht Waffengöttinnen sind von jugendlich berauschter Gestalt, rot, wie Blitzranken, mit üppigen Blüten versehen und im Glanz der neun Juwelenarten prächtig. Der Reihe nach tragen sie ihre jeweiligen Waffen, die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit sowie eine Nektarschale; sie bringen Glück.

10.MU.107–10.MU.108 Kāmeśvarī ist weiß, mit weißen Girlanden und weißer Salbung, mit funkelndem Perlenschmuck und vielerlei Zierden geschmückt. Sie trägt Buch und Gebetskette und zeigt die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Sie steht im vorderen Winkel und heißt Rudras Kraft.

10.MU.109–10.MU.110 Vajreśvarī gleicht Kuṃkuma und trägt funkelnden Juwelenschmuck. Ihr Gewand gleicht der jungen Sonne; ihre dunklen Augen reichen [bildhaft] bis an die Ohren. Sie ist herrlich mit Zuckerrohrbogen, Blütenpfeilen und den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Die Göttin steht im rechten Winkel und gilt als Viṣṇus Kraft.

10.MU.111–10.MU.113a Bhagamālā strahlt wie frisch erhitztes Gold, ist überaus schön und mit Schmuck aus unschätzbaren Juwelen versehen. Als Herrin der Welt trägt sie in ihren Lotushänden Schlinge, Elefantenhaken, Erkenntnis-Mudrā und die Geste des Gewährens. Sie ist Brahmās Kraft, die große Herrin, die die drei Leiden abschneidet. Im nördlichen Winkel steht die Göttin, die die Früchte sämtlicher Wünsche gewährt.

10.MU.113b–10.MU.115a Vor Kāmeśī verehre man die Cakra-Herrscherin Tripurāmbā mit fünf Darbringungen und zeige die Bīja-Mudrā. Wie zuvor mit „Diese höchst geheimen Yoginīs …“ bringe man der Göttin eine Handvoll Blüten dar, o große Herrin.

Die neunte Umhüllung: der Bindu der allumfassenden Wonne

10.MU.115b–10.MU.117a Im Bindu-Kreis namens Sarvānandamaya, „ganz von Wonne erfüllt“, verehre man mit Nektar aus dem Śrī-Gefäß, im Westen beginnend, entsprechend der Folge der drei Kūṭas sorgfältig Rati, Prati und Manobhavā. [„prati“ ist die überlieferte Form; die mögliche Lesung Prīti wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

10.MU.117b–10.MU.120 [Man verehre] die erhabene Tripurasundarī sowie Sarvamantreśvarī, Herrin aller Mantras; Sarvacakreśvarī, Herrin aller Cakras; Sarvatantreśvarī, Herrin aller Tantras; Sarvayogeśvarī, Herrin allen Yoga; Sarvabhogeśvarī, Herrin allen Genusses; Sarvavīreśvarī, Herrin aller Vīras; Sarvapīṭheśvarī, Herrin aller heiligen Sitze; Sarvavāgīśvarī, Herrin aller Rede; Sarvavidyeśvarī, Herrin aller Vidyās; Sarvasiddheśvarī, Herrin aller Vollendungen; Sarvalokeśvarī, Herrin aller Welten; erneut Sarvayogeśvarī; [Textlücke] und erneut Sarvacakreśvarī. [Die Wiederholungen und die durch Striche gekennzeichnete Lücke in Vers 120 stehen so in der Vorlage.]

10.MU.121 Im höchsten Sarvānandamaya-Cakra, das über den Bereich der Worte hinausgeht, heißen die zuvor genannten Yoginīs Parāpararahasyā, „Geheimnis des Höchsten und Nichthöchsten“.

10.MU.122–10.MU.123 Sie strahlen wie tausend aufgehende Sonnen, sind mit mancherlei Schmuck geschmückt, tragen sämtlich Schlinge und Elefantenhaken und zeigen Erkenntnis-Mudrā und Furchtlosigkeit. Ihre Jugend ist voll entfaltet; sie haben volle, runde, feste Brüste. Sämtliche Gottheiten stelle man sich Śrīvidyā zugewandt vor.

10.MU.124 Auch Śrīvidyā vergegenwärtige man als allen zugewandt. Oder man betrachte sämtliche Strahlen als Gestalt der Göttin.

10.MU.125–10.MU.126 und Fortsetzung Im Śrīcakra, o höchste Herrin, [erscheinen sie] jeweils ihrer eigenen Gestalt entsprechend nach ihrem Tantra. Vor Rati verehre man die Cakra-Herrscherin Mahātripurabhairavī und zeige danach die Sarvayoni-Mudrā. Mit „Die Parāpararahasyā genannten Yoginīs …“ bringe man der Göttin eine Handvoll Blüten dar und vollziehe Tarpaṇa jeweils dreimal.

Kolophon des zehnten Śvāsa

Hier endet der zehnte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, Schüler des Śrīpragalbhācārya, Schüler des Śrīviṣṇuśarmācārya, Schüler des Śrībhagavacchaṅkarācārya, Schüler des verehrungswürdigen großen Lehrers Śrīgovindācārya. [Die Kapitelnummer 10 wird nicht als zusätzlicher Vers gezählt; die technische Überleitung zur nächsten Datei wird ausgelassen.]

11. Śvāsa

Die Umhüllungen der oberen Überlieferung

Nun die Umhüllungen des Ūrdhvāmnāya. Im Kulārṇava heißt es:

11.KU.1–11.KU.2 und Fortsetzung Nachdem man die neun Umhüllungen verehrt und der Göttin Tarpaṇa dargebracht hat, verehre man Śiva samt seinen Gliedern und Umhüllungen mit sechzehn Darbringungen, mit dem Wurzelmantra, Duft, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben. Auch das gesamte beim großen sechsfachen [Nyāsa] genannte Gefolge verehre man, o Śāmbhavī, jeweils mit seinem Namen, dem Praṇava vorangeht und namaḥ folgt.

Im Uttaratantra:

11.UT.1–11.UT.2 Den höchsten Śiva, der im Bindu als Sitzgestalt gegenwärtig ist, verehre man mit dem Parāprāsāda-Mantra oder mit der Turīyāvidyā, mit sechzehn Darbringungen. Dreimal bringe man Tarpaṇa dar, mit Nektar aus dem Guru-Gefäß oder mit Tropfen aus dem Śrī-Gefäß.

11.UT.3–11.UT.4a Man spreche die fünf Praṇavas, dann die mit „aus Śiva und Śakti bestehend“ beginnende [Bezeichnung] und „Ich bringe den heiligen Sandalen des Paramādiśiva Tarpaṇa dar“. Zehnmal vollziehe man Tarpaṇa und zeige die genannten zehn Mudrās.

11.UT.4b–11.UT.5 Im Bindu-Kreis, in den vier Richtungen beginnend im Osten und in der Mitte, verehre man mit Nektar aus dem Guru-Gefäß die Umhüllung der sechs Glieder, mit den Wurzelformeln von Īśa, Tatpuruṣa, Aghora, Vāma, Sadya und den weiteren [zugehörigen Formen].

11.UT.6 Nach der Verehrung der sechs Glieder verehre man die Ruhe-Caraṇas von Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Śambhu und Parā. [„viśrānticaraṇa“ bezeichnet hier überlieferte Stufen beziehungsweise Füße; die genaue Zuordnung wird vorausgesetzt.]

11.UT.7 Die mit Ādinātha beginnenden Gurus des göttlichen, des Siddha- und des menschlichen Stromes sind sorgfältig zu verehren, um alle Wünsche und Ziele zu vollenden.

11.UT.8–11.UT.10a An den acht Knotenpunkten der Verbindungen des Achtecks, jeweils paarweise an den beiden Seiten, verehre man mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß die sechzehn mit Kulayoginī beginnenden Wurzelvidyās. Sie sind rot, tragen Schlinge und Elefantenhaken und gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. Man verehre sie und bringe ihnen Tarpaṇa dar.

11.UT.10b–11.UT.11 Im inneren Zehneck, in den vier Richtungen sowie oben und unten, verehre man mit Nektartropfen aus dem Śrī-Gefäß die Vidyās der sechs Grundlagen. Im äußeren Zehneck verehre man die Kalās Īśānas, im Vierzehneck diejenigen des Puruṣa.

11.UT.12 Die Kalās Aghoras verehre man an den Knoten des achtblättrigen Lotus; die Kalās Vāmadevas im sechzehnblättrigen Lotus.

11.UT.13–11.UT.14 Die Kalās Sadyojātas verehre man im Bhūpura. Dann verehre man in den Zwischenräumen und Staubfäden des Śrīcakras, beim Quadrat beginnend, mit Tropfen des allgemeinen Arghya sämtliche beim großen sechsfachen [Nyāsa] genannten Gottheiten.

11.UT.15 und Fortsetzung Die sechs Śāmbhava-Strahlen werden im Bindu-Kreis verehrt. Nachdem man so die Verehrung vollzogen hat, verehre man [die Göttin], vollständig mit allen Umhüllungen, mit sechzehn Darbringungen. Danach … [Der Anschluss erfolgt durch das folgende Zitat.]

In der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā:

11.DA.1 Der höchsten Śakti bringe man Speise mit den sechs Geschmacksrichtungen dar, durch Kāmadhenu gereinigt, und Betel mit Kampfer.

11.DA.2 und Fortsetzung Man vollziehe das tägliche Feueropfer nach der zuvor genannten Vorschrift, o Geliebte, rezitiere nach Vermögen und preise die höchste Herrin, die Glücksgöttin, auch mit den beiden Anfangsstrophen.

Diese beiden Anfangsstrophen lauten:

11.AN.1–11.AN.2 Um Glück zu erlangen, verneige ich mich vor der höchsten Stätte des Brahman: dem Herzen des erhabenen Śrī-Schatzes, aus den fünf Thronen bestehend, der Frucht der Wunschlianen, mit dem schönen Aufglanz der Juwelenkräfte; sie erfreut die vier Āyatanas, wohnt im Schatz der vier Überlieferungszweige und ist von ewiger Wonne erfüllt.

Ferner:

11.AN.3 Auf eine Schale aus Gold, Silber, Bronze oder anderem geeigneten Material zeichne man mit Duftpaste einen achtblättrigen Lotus. In seiner Mitte setze man einen Culuka [kleinen Becher beziehungsweise eine hohle Form] oder eine Mudrā ein. [„Mudrā“ kann hier einen Ritualgegenstand oder eine Speise bezeichnen; die genaue Ausführung bleibt offen.]

11.AN.4 und Fortsetzung Auf den acht Blättern [und in der Mitte] stelle man neun mit Ghee gefüllte Lampen auf. Mit den Ratnavidyās schwenke man sie dreimal, nachdem man sie am Kopf gehalten hat. Am Ende vergegenwärtige man die Göttin mit dem Wurzelmantra, damit sämtliche Hindernisse zur Ruhe kommen.

Die Ratneśvarīvidyā und die Lichtgabe

Die Ratnavidyā wird im Jñānārṇava so angegeben:

11.RV.1 und Fortsetzung Ga und sa, danach pa, ma und na, der Reihe nach auf Indra stehend, mit dem linken Ohr geschmückt und mit Bindu auf dem Haupt: Von Ramā umschlossen ist dies die neunlautige Ratneśī. [Die verschlüsselten Lautbezeichnungen werden durch die anschließend ausgeschriebene Formel erläutert.]

„śrīṃ hrīṃ glūṃ slūṃ plūṃ mlūṃ nlūṃ hrīṃ śrīṃ“.

Im Svacchandasaṃgraha:

11.RS.1 Pradyotana wird als Ṛṣi genannt, Triṣṭubh als Versmaß, Ratneśvarī als Gottheit; der Māyā-Keimlaut ist der Keim.

11.RS.2 und Fortsetzung Der Śrī-Keimlaut ist die Śakti, glūṃ gilt als Kīlaka. Die Anwendung betrifft das Leuchten aus sich selbst, o Herrin der Götter. Mit Māyā und den langen [Vokalformen] setze man die sechs Glieder ein.

„Im Geist vergegenwärtige ich Ratneśvarī, deren Leib mit Juwelen geschmückt ist, die eine Rubinkrone trägt und wie die junge Sonne leuchtet. In ihren Händen trägt sie neun Juwelenlampen; sie erstrahlt.“

Ferner:

11.AR.1 „O Göttin, neungestaltige, mit sämtlichen Cakras und Cakra-Herrscherinnen vereinte: Nimm diese Lichtgabe von mir an, o Göttin, zu meiner Vollendung!“ [Die Vorlage bietet beim Wort Ārātrika eine unsichere Schreibung.]

11.AR.2 Der Übende knie auf dem Boden und bilde nach Wunsch ein Maṇḍala, mit dem strömenden [Atem der] Nasenöffnung und beiden Händen entsprechend der Bildung des Maṇḍala. [Die technische Satzfügung ist nicht eindeutig.]

11.AR.3–11.AR.4a Im Quadrat verehre man den Raumkreis in dieser Reihenfolge: Tāra, Bhuvaneśānī, das mit „allgegenwärtig“ beginnende Maṇḍala [im Dativ] und das Herz-Mantra Vāgbhava. Der Mantra hat die Zahl der Sonnen [zwölf] an Lauten. [Die verschlüsselte Herleitung bleibt ohne sichere vollständige Rekonstruktion.]

11.AR.4b–11.AR.6 Ein Gefäß mit Unterlage, mit einem Anteil von Speise und Wasser gefüllt und mit Blüten verehrt, stelle man dort auf. Mit dem Kalā-Laut bringe man Bali dar. Man spreche Tāra, Parā, „sarvavighnakṛdbhyaḥ“, „sarvabhūtebhyaḥ“, „huṃ“ und die Gattin des Feuers [svāhā]: „Allen Hindernisverursachern, allen Wesen …“ Durch dreimaliges Sprechen erfolgt die Bali-Gabe. Die zuvor beschriebene Bali-Darbringung vollziehe man zur Befriedung der Hindernisse.

11.AR.7 Die vierfache Bali-Darbringung ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Danach befriedige man Kumārīs [rituell verehrte Mädchen] oder mit dieser Tripureśī … [Der zweite Satzteil ist elliptisch überliefert; sein Bezug bleibt offen.]

11.AR.8–11.AR.9 Der beste Mantrakenner vergegenwärtige die Strahlen der höchsten Herrin und verbinde durch die Gnade des Guru das höchste Bewusstsein, die Herrin des Śakti-Kreises der Khecarī, mit dem eigenen Selbst in der Tiefe der Erkenntnis. In der Śiva-Ecke [Nordosten] lege man für die Lehrer die verbliebenen Gaben nieder, zur Vollendung.

11.AR.10 Danach [reiche] der Guru-Mantrakenner dem Guru das Arghya-Gefäß, o Göttin. Mit dem Namen-Mantra des eigenen [Guru] bringe man nach der Unterweisung Tarpaṇa dar.

11.AR.11 Auf dem linken Weg, o Herrin der Götter, rein und die Tattva-Mudrā haltend, bringe man [das Gefäß] wieder auf die Unterlage. [Der anschließende Ausdruck „ācāre dīpalakṣaṇam“ – etwa „im Verfahren die Kennzeichnung der Lampe“ – ist nicht zuverlässig in den Satz einzuordnen.]

11.AR.12 Was sich in der Mitte der Lichtgabe befindet, nehme man mit dem Wurzelmantra zu sich. Mit Kapālinī oder mit ihr [der genannten Kraft beziehungsweise Formel] hebe man das Gefäß an. [Der Bezug bleibt unsicher.]

11.AR.13 Den zweiten [Stoff] nehme man rechts, in Verbindung mit dem Tattva, o Pārvatī. Durch die Verbindung mit den drei Tattvas befriedige man die im eigenen Inneren Wohnende.

11.AR.14 Das erste ist als Brahman-Gestalt zu erkennen; das zweite …; das dritte als Īśa-Gestalt, von den besten Weisen. [Für das zweite steht „sarvamantravit“, „Kenner aller Mantras“; eine eindeutige parallele Zuordnung ist damit nicht erhalten.]

11.AR.15 Nachdem man mit den fünf Mudrās etwas Freude beziehungsweise Erhebung bewirkt hat, o höchste Herrin, werde man auf Befehl des Śrīguru selbst zu Śrītripurā.

11.AR.16–11.AR.17 Sämtliche Gefäße stelle man mit der Öffnung nach unten in das Feuer. Nachdem man das dort Befindliche mit dem Mantra herangezogen und den „śiṣikā“-Gestalten ungebrochene Reiskörner und Weiteres gegeben hat, werde man glücklich, ohne Zweifel. Auch das Unschätzbare soll man erkennen; durch Laute habe ich es erklärt. [Die Feueranweisung und das Wort „śiṣikā“ stehen so in der knappen, teilweise beschädigten Vorlage.]

11.AR.18 Nach der „alākṣara“-Regel und durch das Mondlicht, o Geliebte, sollst du dies geheim halten, wie die Schwangerschaft einer Mutter von einem Liebhaber. [Die erste technische Wendung bleibt ungeklärt; der drastische Vergleich ist derjenige der Quelle.]

Die praktische Vorschrift für das tägliche Feueropfer werden wir im Abschnitt über die Einweihung erläutern.

Rezitation, Opfergaben und überlieferte Wirkversprechen

Ferner heißt es in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā:

11.DS.1 Höre, o Göttin: Gesammelt werde ich das Yantra der Vidyā erklären. Der Lehrer vernichtet [dadurch] innerhalb eines Monats die Verfehlungen aus tausend Geburten.

11.DS.2–11.DS.3 Man verehre mit aus Gold gefertigten, mit Juwelen besetzten Campaka-Blüten, o Geliebte. So werde man stets zum Träger höchster Befehlsgewalt. Man vernichte alle Verfehlungen, selbst jene aus zehn Millionen Geburten, erlange die vom Meer umgürtete Erde und wachse an Glück.

11.DS.4 Wer die Göttin täglich mit aus Silber gefertigten Campaka-Blüten verehrt, wird verständig und überall siegreich, o Göttin.

11.DS.5–11.DS.7a Bei einem nach Westen gerichteten Liṅga, auch an einem Ort ohne Stier [Nandin], oder bei einem Svayambhū- beziehungsweise Bāṇa-[Liṅga], an einem Śiva-Heiligtum, halte man sich auf und rezitiere den Mantra. Der Kundige verwende eine Gebetskette aus Korallen, Perlen, Rudrākṣa, Lotussamen, Bergkristall oder eine schöne Kette aus Rubin, Padmarāga und weiteren Edelsteinen.

11.DS.7b–11.DS.8 Nach nur hunderttausend Rezitationen treten hindernisstiftende Bhūcarīs auf. Wird er auch durch sie nicht im Geringsten erschüttert, so vollziehe der reine, kundige Übende nach fester Regel dreihunderttausend Rezitationen.

11.DS.9 Der Verständige rezitiere im Geist, mit hörbarer Stimme oder flüsternd. Das geistige Sprechen schenkt die Frucht von zehn Millionen Rezitationen, o Göttin.

11.DS.10 Das flüsternde Sprechen ist hundertfach [wirksam gegenüber] dem hörbaren. Durch das hörbare werde man ein „mukhapātra“, nach dem Befehl des Śrīguru, o Geliebte. [Die Bezeichnung „mukhapātra“ ist hier nicht sicher zu verstehen.]

11.DS.11 Das Feueropfer soll ein Zehntel davon ausmachen, mit Blüten des Brahma-Baums; man opfere Kusumbha-Blüten, mit den drei süßen Stoffen getränkt.

11.DS.12 Die eine Vidyā, die alle Vidyās verkörpert, wird vollendet. [Man opfere] in einer Yoni-Feuergrube, einer Bhaga-förmigen, einer runden oder halbmondförmigen …

11.DS.13–11.DS.14 … oder in einem Neun-Dreiecks-Cakra, einem Quadrat oder Achteck. In der Yoni-Grube [erlange man] Herrschaft über die Rede, in der Bhaga-[Form] Anziehung. Die runde [Grube] schenkt Glücksglanz; beim Halbmond entstehen die drei [Ergebnisse, hier nicht näher bestimmt]. Im Neun-Dreieck [erlange man] die große Khecarī-Vollendung.

11.DS.15 Im Quadrat entsteht stets jede Art von Heil. Im Achteck [entstehen] Befriedung, Gedeihen, Glück und Gesundheit.

11.DS.16 In der Lotusform vollende man die zehn Siddhis, ohne Zweifel. Durch Mallikā und Mālatī, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, [werde man] Herr der Rede.

11.DS.17–11.DS.18a Durch Karavīra- und [Jāyā- oder Japā-]Blüten mit Ghee [bewirke man] die Unterwerfung von Frauen in den drei Welten. Kampfer, Kuṃkuma und Moschus mische man; so werde man mit Liebe und Glück gesegnet. [Der zweite Blütenname ist in der Vorlage ausdrücklich unsicher. Diese Aussagen sind historische Zwangs- und Wirkversprechen des Textes.]

11.DS.18b–11.DS.19 Man opfere mit schönen Campaka- und Pāṭala-Blüten, mit Mangos und anderen Früchten. Innerhalb von sieben Tagen oder einem Monat gelange Lakṣmī zum Mantrakenner. [Weiter] opfere man Sandel, Aguru, Kampfer und Guggulu, o Göttin …

11.DS.20 … dann geraten sämtliche schönen Frauen der Stadt unter seinen Einfluss. Wenn man an einer Wegkreuzung eine mit den drei süßen Stoffen bestrichene Frucht opfert, [erlange man] den Gang im Himmelsraum.

11.DS.21–11.DS.22 Wer Dickmilch, Milch, Honig, Ghee und Puffreis opfert, wird nicht der Zeit [des Todes] teilhaftig. Oder man rezitiere die Vidyā gesammelt neunhunderttausendmal und vollziehe das Feueropfer mit einem Zehntel nach der zuvor beschriebenen Vorschrift. So bringe man die Bewohner von Himmel, Erde und Unterwelt unter seine Macht.

11.DS.23 Mit Senfsamen und Salz erschüttere man diese Erde. Durch hundertacht Opfergaben mit Dickmilch vernichte man den Tod zur bestimmten Zeit.

11.DS.24 Für langes Leben opfere man achthundertmal mit Ghee und Milch. Mit Honig, Ghee und Guggulu bringe man den König der Könige unter seinen Einfluss.

11.DS.25–11.DS.26a Gesundheit [erlange man] durch hundertacht Feueropfergaben mit Ghee und Dūrvā. Wer hunderttausendmal rote Karavīra-Blüten, mit Honig und Ghee bestrichen und mit Guggulu verbunden, opfert, bringe zwanzig Könige unter seinen Einfluss.

11.DS.26b–11.DS.27a Mit honigbestrichenen Karavīra-Blüten bringe man den König samt seinem Gefolge unter seinen Einfluss. Innerhalb von sieben Nächten verehre man wie zuvor mit „Mond“ [Kampfer], zusammen mit Ghee. [Der genaue Anschluss dieses zweiten Satzes ist knapp.]

[Die vorstehenden Heil-, Unsterblichkeits- und Zwangsversprechen werden als historische Aussagen übersetzt. Die genannten Opferstoffe, darunter Karavīra, werden damit nicht zur heutigen Anwendung empfohlen.]

11.DS.27b–11.DS.29a Durch Verehrung oder Feueropfer mit Pāṭala, Yūthikā, Kunda, hundertblättrigen Blüten, Jātī, Mālatī, Navavallī, Mallikā, Lotus und Kiṃśuka, gemischt oder ungemischt, erlange man alles Glück und werde wegen seiner Erkenntniskraft als Herr der Rede bezeichnet.

11.DS.29b–11.DS.30a Durch Mucukunda, Bilva-Blätter, Früchte, dunkle Lotusse, Nāgara und Rājacampa entstehen die acht Siddhis.

11.DS.30b–11.DS.31 Mit Kokosnüssen, Datteln, Trauben und guten Mangofrüchten [vollende] der Übende durch das Feueropfer das im Geist vorgestellte Werk. Durch Verehrung und Feueropfer erfreue man Śrīvidyā.

11.DS.32–11.DS.33a Man verstreue Caru [gekochte Opferspeise] ringsum, vollziehe Kumārī-Verehrung und die weiteren Handlungen, bringe das zuvor beschriebene Bali dar und stelle der Reihe nach den Guru zufrieden. Man verehre auch verheiratete Frauen und gebe guten Menschen reichlich Vermögen.

Die in der Quelle genannten Maße der Opfergaben

11.DS.33b–11.DS.35 Beim Feueropfer verwende man eine ganze Blüte, einen Kuṣmāṇḍa-Kürbis dagegen in vielen Teilen. Mit ganzen inneren Teilen der Kokosnuss [opfere man] das dem Geist Angenehme; ebenso mit einer ganzen Mangofrucht und einer Badara-Frucht. Bei der Jackfrucht opfere man die im Fruchtinneren befindlichen, sichtbar gemachten Fruchtteile. Jambū-Früchte und Trauben opfere man ganz. [Einige Maß- und Bezugswörter sind in diesen Versen knapp oder beschädigt.]

11.DS.36 Eine Bananenfrucht [opfere man] in einem angemessenen Teil; wenn sie klein ist, ungeteilt. Eine kleine Frucht soll ganz bleiben. Moschus, Kuṃkuma und „Mond“ [Kampfer] …

11.DS.37 … opfere man im Maß eines Guñjā-[Samens], o Göttin. Von Sesam und Senf opfere man hundert [Körner]. Ebenso Salz; Puffreis opfere der Kundige handvollweise. [Ob „ebenso“ beim Salz auf die Zahl oder das zuvor genannte kleine Maß zurückverweist, bleibt offen.]

11.DS.38 Reis beziehungsweise Speise opfere man im Maß eines Bissens; ebenso die gekochten Speisen. „Pūrṇa“ [unklarer Stoffname] im Maß einer halben Arekanuss; Sandel in der Größe einer Arekanuss …

11.DS.39 … ebenso Aguru, reichlich und so, dass es den Geist erfreut. Bei Dickmilch und Milch opfere man stets das Vierfache dieses Maßes. [Die genaue Beziehung der Mengen ist nicht vollständig eindeutig.]

11.DS.40 Das Maß sämtlicher Opfergaben, o Göttin, soll dem Geist angenehm sein. Nun werde ich die Verehrung der Feuergrube erklären, die große Hindernisse vernichtet.

Die Feuergrube und ihr heiliger Sitz

11.DS.41 Die Feuergrube grabe man vierundzwanzig Fingerbreiten weit und [entsprechend] tief aus und gestalte sie überall ansprechend.

11.DS.42–11.DS.43 Sie sei viereckig und für jedes Auge schön. Rundum lasse man jeweils eine Fingerbreite frei und bilde drei schöne Umfassungsstufen. Ihre Höhen betragen zwölf, acht und vier Fingerbreiten; alle drei sind vier Fingerbreiten breit, o höchste Herrin.

11.DS.44–11.DS.45 Im Westen der Grube gestalte man eine wohlgeformte Yoni, zwölf Fingerbreiten in der einen und acht in der anderen Ausdehnung, in der Mitte sechs Fingerbreiten, zwei Fingerbreiten hoch und ansprechend. Damit sind dir die Kennzeichen der viereckigen [Grube] erklärt, o Schöne. [Die Vorlage verwendet für beide ersten Maße Wörter für Ausdehnung, ohne Länge und Breite eindeutig zu unterscheiden.]

11.DS.46 Was bei anderen [Grubenformen] von diesem Maß abweicht, ist entsprechend anzuwenden. Nach diesem Maß gestalte der Kundige sämtliche Feuergruben.

11.DS.47 Auf der mit Kuhmistwasser bestrichenen Fläche ziehe man je drei Linien von Osten nach Westen und von Süden nach Norden.

11.DS.48–11.DS.49 Man besprenge mit Praṇava und bereite in der Mitte den Opferplatz. Dort streue man Śarkarā [hier Sand beziehungsweise feinen Kies; das Wort kann auch Zucker bedeuten], zeichne ein Dreieck und seine Umfassung, außen einen achtblättrigen Lotus und danach den Erdkreis. Schicht für Schicht verehre man dort den Pīṭha.

11.DS.50–11.DS.51 Maṇḍūka, Rudra mit dem vorangestellten Kālāgni, die tragende Kraft, Kūrma, Ananta, Varāha, die Erde, die Wurzelknolle, den Stiel, den Lotus, den Fruchtboden, die Blätter und die Staubfäden verehre man an ihren jeweiligen Stellen.

11.DS.52 In den Richtungen des Pīṭha verehre man Dharma, Erkenntnis, Losgelöstheit und Herrschermacht; in seinen Ecken Adharma und die übrigen [Gegenkräfte].

11.DS.53–11.DS.54 Erneut verehre man mit Tāra und bereite den Opfersitz. In der Mitte meditiere man über die fruchtbare Veda-Mutter, mit … [„vedamasyakām“, beschädigt], vom Puruṣa eingenommen. In ihrer Yoni [stelle man sich das Feuer] eingeschlossen vor. Das Feuer bewege man in der Grube im Kreis und lege etwas Glut beiseite.

11.DS.55–11.DS.56 Mit dem Waffenmantra vertreibe der Kundige sämtliche störenden Wesen. Dann entzünde man das Feuer durch Übertragung des Erkenntnisfeuers, nach dem Gleichnis, dass eine Lampe an einer anderen entzündet wird. Der Mantrakenner führe das überallhin leuchtende Feuer auf dem Atemweg und durch den Yoni-Weg hinein.

11.DS.57 In der Mitte des Dreiecks der Feuergrube reinige man dort den Reinen [Agni], zuerst mit den Vyāhṛtis, danach der Reihe nach mit dem Feuermantra.

11.DS.58 Mit dem Mantra bitte man: „citpiṅgala, hana hana, daha daha, paca paca, sarvajña, jñāpaya, svāhā“ – „O rotgoldenes Bewusstseinsfeuer: Vernichte, vernichte; verbrenne, verbrenne; gare, gare! O Allwissender, bringe zur Erkenntnis; svāhā!“ [Die Trennung am Ende von „sarvajñājñāpaya“ bleibt vorläufig.]

11.DS.59 „Ich verehre das entflammte Feuer, Jātavedas, den Opferverzehrer, goldfarben, makellos, hell brennend, dessen Angesicht überallhin gewandt ist.“

Die sieben Feuerzungen und die acht Feuergestalten

11.DS.60–11.DS.61a Nach dieser Verehrung setze man die Zungen und Glieder ein. Sa, ṣa, śa, va, la, ra und ya, mit den jeweils genannten Vokalen, Bindu und Nāda versehen, werden als die sieben Zungenlaute bezeichnet. [Die Vokalanweisung „ramasvasvarayā(rayaṣaṣṭhasvarā)“ ist in der Vorlage beschädigt; eine sichere vollständige Lautreihe lässt sich daraus nicht bilden.]

11.DS.61b–11.DS.62 Padmarāgā, Suvarṇā, als dritte Bhadralohitā, ferner Lohitā, Śvetā, Dhūminī und Karālikā: Diese verbinde man der Reihe nach mit den Keimlauten und setze sie ein, o höchste Herrin.

11.DS.63 Der Reihe nach an … [„pal“, unklar], Liṅga, After, Scheitel, Mund, Nase und Auge. Götter, Ahnen, Gandharvas, Yakṣas und Schlangen …

11.DS.64–11.DS.65 … Piśācas und Rākṣasas sind an den sieben [Zungen] zu vergegenwärtigen. Mit den [Namen] Sahasrārcis, Svastipūrṇa, Uttiṣṭhapuruṣa, Dhūmavyāpin, Saptajihva und Dhanurdhara, im Dativ und mit dem Herz-[Schluss namaḥ], setze man die sechs Glieder ein. Danach setze man die acht Gestalten ein.

11.DS.66–11.DS.68a Jātavedas, Saptajihva, Havyavāhana, als vierter Aśvodaya, dann Vaiśvānara, als sechster Kaumāratejas, Viśva und Devamukha: Diese Feuergestalten sind sämtlich im Dativ der Reihe nach am Scheitel, an Schulter, Seite, Hüfte, Vertiefung, Hüfte, Seite und Schulter einzusetzen. [„aśvodayaiḥ“ ist unsicher überliefert; die achtgliedrige Trennung der Schlussnamen bleibt vorläufig.]

11.DS.68b–11.DS.70 Nachdem der Leib so durch Nyāsa geordnet ist, besprenge man ringsum mit Arghya-Wasser, lege Darbha in die Richtungen und besprenge erneut. [Der Feuermantra lautet:] „Vaiśvānara, Jātavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollbringe sämtliche Werke; svāhā.“ Praṇava steht am Anfang; ebenso [wird] Citpiṅgala [verwendet].

11.DS.71–11.DS.72a Mit diesem [Mantra] verehre man das Feuer, danach die Zungen in der Mitte und in den sechs Ecken, dann die Glieder. Die Gestalten verehre man auf den acht Blättern, die Richtungshüter auf dem Erdkreis.

11.DS.72b–11.DS.74a Erneut rezitiere man [den Mantra] Vaiśvānaras und vergegenwärtige ihn: dreiäugig, rot leuchtend, in weißem Gewand, mit Juwelenschmuck, auf einem Lotus sitzend. Seine Hände zeigen die Geste des Gewährens, tragen Speer und Svastika und gewähren Furchtlosigkeit. Er ist mit vielen goldenen Girlanden geschmückt.

Gefäße, Darbringungen und die Göttin im Feuer

11.DS.74b–11.DS.76 Zur Reinigung besprenge man die Gefäße mit Arghya-Wasser, richte alle mit der Öffnung nach oben und stelle sie an ihren jeweiligen Platz. In Praṇītā und Prokṣaṇī gebe man Wasser, in die Sthālī Ghee, in die übrigen Gefäße die übrigen Opferstoffe. In Sruk und Sruva, in das Gefäß und in das Ghee lege man eine Blüte. [Die letzte Gefäßzuordnung ist knapp formuliert.]

11.DS.77–11.DS.78 Die Sthālī versehe man mit dem vorherigen [Stoff] beziehungsweise mit Räucherwerk und räuchere ringsum, o Geliebte. [Die Vorlage bietet „pūrvā(dhūpā)“.] Alle Umfassungsstufen und die Feuergrube umgebe man in drei Reihen mit Lampengirlanden. Dann opfere man mit den Vyāhṛtis. Nachdem Brahmā im Süden verehrt ist, opfere man mit dem Vaiśvānara-Mantra.

11.DS.79–11.DS.80 Zur Vollendung vergegenwärtige man die mit der Empfängnisweihe beginnenden Saṃskāras. Nach der Verehrung in dieser Weise stelle man sich darin das Śrīcakra vor. In seinem Inneren rufe man Mahātripurasundarī samt sämtlichen Cakras und Cakra-Herrscherinnen herbei und vollziehe dann das Feueropfer.

11.DS.81–11.DS.82 Zunächst [opfere man] zehn Ghee-Gaben. Danach opfere man in der Reihenfolge der Verehrung sämtlichen Cakras, Cakra-Herrscherinnen und den mit Prakaṭā beginnenden Yoginīs jeweils eine Ghee-Gabe. Dann opfere man der schönen höchsten [Göttin] mit den zuvor genannten guten Stoffen.

11.DS.83 Ein Opfer in Padmarāgā gewährt alle Vollendungen; [in] Rudraraktā und Suvarṇā dient es dem Erlangen sämtlicher Wunschfrüchte. [Rudraraktā weicht von der zuvor genannten Zungenreihe ab und wird nicht mit ihr vereinheitlicht.]

11.DS.84 In Lohitā entsteht Befriedung und der Reihe nach Stillstellung; in Dhūminī Vertreibung und in Karālinī Tötung. [Die Zuordnung der beiden ersten Ergebnisse ist verkürzt. Vertreibung und Tötung sind hier historische magische Zweckangaben.]

11.DS.85 Damit ist dir die göttliche, vorzügliche Kennzeichnung des Feueropfers erklärt. Wird es so vollzogen, kommt die Schar der Hindernisse zur Ruhe; nicht anders, o schön Gestaltete.

Das Kūrmacakra und die Bestimmung des Ortes

11.DS.86–11.DS.87 Am Ort der Lampe vollziehe man Rezitation und Feueropfer. Man zeichne acht Felder und vergegenwärtige die Schildkröte in der Mitte. Die Vokale schreibe man paarweise, im Osten beginnend; ebenso die sieben mit ka beginnenden Lautgruppen.

11.DS.88 Im achten [Feld] setze man die Gruppe la–kṣa ein. Dies ist das Kūrmacakra. Wo der Laut des Ortes steht, dort ist Vollendung, o Göttin, ohne Zweifel.

11.DS.89 Der Ortslaut gilt als Mund; die beiden seitlichen [Felder] als Hände. Dort ist die Frucht leer. Die beiden mittleren Felder bringen Tod.

11.DS.90–11.DS.91 Diese sind der Bauch der Schildkröte; die beiden hinteren [Felder] sind die Füße und bewirken Krankheit und Verlust. Zwischen ihnen liegt der Schwanz: Er bringt Armut und Leiden. Deshalb nehme man seinen Platz am Mund. Nur dort ist nach dem Befehl des Śrīguru Vollendung, nicht anderswo, o Geliebte. [Diese Wirkzuordnungen gehören zum traditionellen Diagrammverfahren.]

11.DS.92 Man bestimme so das Land, den Ort, die Stadt oder das Dorf. Schon für den Standort der Lampe ist dies auszuführen; um wie viel mehr beim Feueropfer! [Die Satzfügung des Schlusses ist verkürzt.]

Cakra-Anwendungen nach dem Svacchandasaṃgraha

[Der folgende Abschnitt dokumentiert historische magische Anwendungen, darunter Beeinflussung, sexuelle Anziehung, Feindschädigung und Heilversprechen. Die sachliche Übersetzung gibt die Behauptungen der Quelle wieder, ohne ihre Wirksamkeit zu bestätigen.]

Im Svacchandasaṃgraha:

11.SC.1 Nachdem man das königliche Cakra mit Zinnoberpulver gezeichnet hat, verehre man es mit Blüten und ungebrochenen Reiskörnern, die mit Svayambhū-Blüte bestrichen sind, o Geliebte.

11.SC.2–11.SC.3 Mit den Gāyatrīs der Göttinnen der neun Umhüllungen [verehre man] ringsum. Nach dem vollständigen Sprechen der jeweiligen Gāyatrī folge „[Name], bringe unter meinen Einfluss“ und der jeweilige Pallava [Mantra-Anhang]. Danach: „Ich verehre die heiligen Sandalen der [Name]-Göttin.“

11.SC.4 So erlange der Mantrakenner bei Anziehung, Verzauberung, Stillstellung und Vertreibung innerhalb von sieben Tagen das Gewünschte.

Der Kommentar erläutert: An einem abgeschiedenen Ort zeichne man das königliche Cakra mit Zinnober oder anderen roten Stoffen. Nach der Aufstellung des Arghya, der Selbstverehrung und den übrigen Vorbereitungen vollziehe man die beschriebene Pīṭha-Verehrung. Die Umhüllungen verehre man mit ungebrochenen Reiskörnern oder Blüten, die mit Svayambhū-Blüte versehen sind.

Bei Unterwerfung spricht man die drei Tāras und die jeweilige Gāyatrī, danach: „O [Name]-Göttin, bringe [Name der Zielperson] unter meinen Einfluss“, oder „Mache [die Person] mir gefügig, mache sie gefügig; vauṣaṭ“, gefolgt von „Ich verehre die heiligen Sandalen der [Name]-Göttin“. So wird in jeder Umhüllung jede Göttin verehrt. Bei Anziehung heißt es „Ziehe [Name] herbei, ziehe herbei“. Entsprechend sind die Formeln bei Stillstellung und den anderen Anwendungen anzupassen. So ist der Sinn.

Ferner:

11.BH.1 In den mit Mūlādhāra beginnenden Cakras stelle man sich jeweils das Śrīcakra vor; die Gottheiten darin seien von den Strahlen der Laute des jeweiligen Elements umgeben.

„Mit den erdzugehörigen [Strahlen] bewirke man Stillstellung“ und die übrigen Ergebnisse sind nach der früheren Erklärung zu verstehen.

Weitere Anwendungen nach der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā

11.CP.1 Nun werde ich die Praxis des königlichen Cakras erklären. Höre die Reihenfolge der Anwendungen der auf diese Weise vollendeten Vidyā.

11.CP.2–11.CP.3 Man zeichne das Cakra mit Zinnoberpulver und vergegenwärtige darin ein schönes Abbild der Zielperson, mit ihrem Namen eingezeichnet, augenblicklich entflammt. Die [gemeinte Frau] kommt dann bezaubert, frei von Furcht und unter Aufgabe ihrer Scham herbei, o Göttin. Nun wird eine weitere [Anwendung] erklärt, o Geliebte. [Die Satzfügung zwischen Abbild und Person ist verkürzt.]

11.CP.4–11.CP.5 Der Mantrakenner, in dessen Mitte befindlich, stelle sich selbst und die Zielperson als rot leuchtend vor, schön durch Glück. Mit roten Darbringungen und unter einer Mudrā verehre er; wessen Namen er dabei vollständig [einsetzt], der wird sein Diener.

11.CP.6 Man schreibe die Namenslaute einer ungesehenen Frau in die Mitte des Cakras. Mit der Yoni-Mudrā kommt es zu rascher Anziehung. [Die Vorlage schreibt „svarṇān“; die Lesung als Namenslaute bleibt vorläufig.]

11.CP.7–11.CP.8a [Dies betrifft] eine Göttertochter, Königstochter oder Nāga-Tochter. Aus Gorocanā, Kuṃkuma und einem gleichen Anteil Sandel [bilde man] nach hundertacht Wiederholungen ein Stirnzeichen, das alle bezaubert.

11.CP.8b–11.CP.9 Wem man zuvor besprochene Blüten, Früchte, Wasser, Speise, Duft, Gewand, Schmuck oder Betel sendet, der …; eine Frau wird schon durch den Anblick zu seiner Dienerin, o Geliebte. [Der Satz wechselt in der Quelle zwischen allgemeiner und weiblicher Zielperson.]

11.CP.10–11.CP.11 Einen Monat lang verehre man mit roten Karavīra-Blüten, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, und denke dabei an die bezeichnete Frau. So verehre man die rot leuchtende große Göttin. In einem mit Zinnober gezeichneten Cakra bezaubere man augenblicklich einen König.

11.CP.12–11.CP.13a Selbst Rambhā, die in den drei Welten schwer zu erlangen ist, ziehe man rasch herbei. Das Cakra zeichne man mit „cittāṅgāra“ [unsichere Lesung, möglicherweise Scheiterhaufenkohle] und roter Flüssigkeit. Am Arm oder anderswo angebunden vernichtet es augenblicklich Fieber.

11.CP.13b–11.CP.14 Mit den Säften von Arka und Nimba zeichne man mit einem Arka-Schreibstift. In Kuhurin gelegt, bewirkt es augenblicklich Entzweiung. Nachts räuchere man Sandel oder trage dann ein Gewand …

11.CP.15a … nach hundertacht Wiederholungen bezaubere man die drei Welten. [Der Übergang von Räucherung, Gewand und Wiederholungszahl ist unklar.]

11.CP.15b–11.CP.17 Auf mit Kuhmist bestrichenem Boden zeichne man mit Rocanā eine schöne Gestalt und stelle sie sich mit reichem Schmuck vor. An Stirn, Kehle, Herz, Nabel und Zeugungsbereich setze man den Geburtsnamen ein, verschränkt mit der großen Vidyā, deren Ende der Elefantenhaken [Keimlaut] bildet. In sämtliche Gelenke schreibe man das Kāmakūṭa.

11.CP.18–11.CP.20a Der Zielperson zugewandt, den Leib durch Śrīvidyānyāsa geordnet, rezitiere man die Vidyā achthundertmal mit dem Keimlaut und der Mudrā Kṣobhiṇīs. Man verbinde sie mit dem „Haus Kāmas“, das aus Mond- und Sonnenkalās besteht. Dann komme die „Schönste der drei Welten“ genannte [Frau] augenblicklich bezaubert herbei, voller Zuneigung, ganz klar und von den Pfeilen Kāmas getroffen.

11.CP.20b–11.CP.21 Oder der Mantrakenner umgebe das Cakra außen mit der Mātṛkā, verehre es vollständig und trage die vollständige Vidyā. Dann ist er von keinem Übeltäter, Tiger und anderen [Gefahren] zu töten, ohne Zweifel.

11.CP.22–11.CP.23a Mit Sandel, Aguru, Moschus, Kampfer und Kuṃkuma schreibe man der Reihe nach den eigenen Namen und wie zuvor die Mātṛkā. Dadurch erlangt der Übende Freiheit von Alter und Tod, ohne Zweifel.

11.CP.23b–11.CP.24 Auf dieselbe Weise zeichne man das Cakra mit Rocanā, Aguru und Kuṃkuma; die Laute der Zielperson seien mit den Lauten des Übenden verschränkt. So wird der Mantrakenner zum Bezauberer der drei Welten, ohne Zweifel.

11.CP.25–11.CP.27a Jeden einzelnen Laut des Namens der Zielperson verschränke man mit dem Kāmakūṭa im Dreieck und umgebe es außen mit der Mātṛkā. In Gold eingeschlossen trage man es im Haarschopf oder an einem anderen Ort. Die Welthüter, Könige und Übeltäter in den drei Welten geraten sämtlich unter seinen Einfluss; ebenso [werden] die mit Sannipāta beginnenden Fieber [bezogen]. [Das Prädikat für den Fiebernachsatz ist nicht eigens ausgeführt.]

11.CP.27b–11.CP.28 Nach demselben Verfahren verschränke man den Namen einer Stadt und lege [das Cakra] an einer Wegkreuzung, in der Mitte und der Reihe nach in den Richtungen beginnend im Osten nieder. Glück kommt zu ihm, und Könige sind stets seine Diener.

11.CP.29–11.CP.30 Sechs Monate lang stelle man sich beständig die Erde mit Beweglichem und Unbeweglichem im Cakra als aufleuchtendes, brennendes Licht vor. Dadurch wird man in der Welt gewiss schön wie Kandarpa; mit dem Blick zieht man die Menschen an und vernichtet Gift und Fieber.

11.CP.31–11.CP.32a Ebenso nimmt man Gift hinweg und bewirkt durch den Blick Besessenheit beziehungsweise Ergriffenheit. Nachts verehre man ein mit Zinnober gezeichnetes [Cakra] mit einspitzigem Geist. Dadurch bewirkt man Anziehung aus weiter Ferne, selbst aus hundert Yojanas Entfernung.

11.CP.32b–11.CP.33 Wenn man [das Cakra] vollständig in den Haupt- und Zwischenrichtungen der Reihe nach verehrt, dann wird diese Welt gefügig; nicht anders. Auf Birkenrinde zeichne man das Cakra mit Rocanā, Aguru und Kuṃkuma …

11.CP.34–11.CP.35a … verschränke es mit dem eigenen Namen oder [mit der Bezeichnung] des Landes, unter unterschiedlicher Umschließung. Das Maṇḍala … [„viṣamasthāna“, unklar] lege man auf den Boden oder trage es. Dann erschüttert der Mantrakenner augenblicklich die Stadt.

11.CP.35b–11.CP.37 Unmatta-Saft, Lacksaft, Arka-Milchsaft, Kuṃkuma, Rocanā, Moschus und Alakta verbinde man und zeichne [das Cakra] für die genannte Person. Besteht für sie Gefahr durch Diebe, Tiger, Grahas, Krankheit, Feinde, Löwen, Schlangen oder Pferde, so bezaubert es augenblicklich alle. [Die Quelle nennt hier teils problematische Pflanzenstoffe; die Stoffliste wird ausschließlich dokumentiert.]

11.CP.38–11.CP.39a Mit Rocanā und Kuṃkuma zeichne der Kundige die in der Mitte und auf beiden Seiten des Dreiecks befindliche [Vidyā], darunter mit dem Namen der Zielperson versehen. Man trage dieses Cakra; nach sieben Tagen werde [die Zielperson] zum Diener. [Das Bezugswort des ersten Satzes ist nicht ausdrücklich vorhanden.]

11.CP.39b–11.CP.40 Mit gelbem Stoff zeichne man die Vidyā in das Cakra, darunter den Namen der Zielperson, und lege es im Osten nieder. Dadurch werden selbst Brahmā, Jīva [Bṛhaspati] und der Allwissende stumm.

11.CP.41 Nach demselben Verfahren zeichne man es mit Nīlī-Saft. Nach Süden gewandt verbrenne der Mantrakenner es im Feuer und verbrenne [dadurch] die Feinde.

11.CP.42 Man zeichne mit Büffel- und Pferdemist und Kuhurin und lege es in Āranāla [ein saures Gärgetränk]; sogleich entstehe Entzweiung.

11.CP.43–11.CP.44a Den Namen der Zielperson schreibe man in die Mitte, mit einer Krähenfeder; mit Rocanā-Stoffen zeichne man [das Cakra] so, dass es im freien Raum sichtbar ist. So vertreibe man rasch Feinde. Dies heißt gewaltsame Vertreibung. [Die genaue Aufhängung beziehungsweise Stellung wird nicht eindeutig beschrieben.]

11.CP.44b–11.CP.46a Mit Mahānīlī-Saft, Rocanā, Milch und Lacksaft zeichne man das Cakra und bringe die vier Varṇas unter seinen Einfluss. Nach diesem Verfahren lege man es ins Wasser. Durch Baden in und Trinken von diesem Wasser erlange man großes Glück, ohne Zweifel. [Dies ist eine historische Verwendungsanweisung, keine Empfehlung zum Kontakt mit oder Trinken von Farb- und Pflanzenzubereitungen.]

11.CP.46b–11.CP.48a Im Osten verehre man ein gelbes Cakra: Es stelle alle Streitredner still. Im Norden macht ein mit Zinnober gezeichnetes Cakra die Menschen gefügig. Im Westen verehre man ein mit rotem Ocker gezeichnetes Cakra: Dann werden dem Mantrakenner Gottheiten gefügig, um wie viel mehr Frauen, o Geliebte.

11.CP.48b–11.CP.50a Ebenso verehre man nach Süden gewandt ein schwarzes Cakra: Der Zielperson entstehen Verlust ihrer Mantrakraft und besonders der Tod. Zu den Zwischenrichtungen gewandt, beginnend mit der Feuerecke, bewirke man der Reihe nach Stillstellung, Entzweiung, Krankheit und Vertreibung.

11.CP.50b–11.CP.52a Ein mit Rocanā gezeichnetes [Cakra], in Milch gelegt, bewirkt gewaltsame Unterwerfung. Im Feuer verbrannt, vernichtet es alle Feinde; in Kuhurin gelegt, vertreibt es den Feind. Mit demselben Cakra entsteht auch Entzweiung, o höchste Herrin.

11.CP.52b–11.CP.54a An einer menschenleeren Wegkreuzung zeichne man das Cakra mit Zinnober und schreibe die gesamte Mātṛkā von außen bis zur Mitte. Nachts verehre man es der Reihe nach im Kula-Verfahren. Der Übende wird zum Khecara, o Göttin, ohne Zweifel.

11.CP.54b–11.CP.56 In der Nacht des vierzehnten Mondtages verehre man gesammelt auf dem Rudra-Boden [der Verbrennungsstätte]. Nach sechs Monaten werde man wie ein zweiter Rudra. Augensalbe, Höhlenzugang, Siddhi, Kügelchen, Sandalen und Augensalbe, Schwert, Vetāla-Glück, Yakṣiṇī, dienstbarer Geist und weitere [magische Errungenschaften] erlangt der Mantrakenner, alles Vollendung Hervorbringende. [Die Augensalbe erscheint in der überlieferten Aufzählung zweimal.]

11.CP.57–11.CP.58a An jedem vierzehnten und jedem achten Mondtag, gesammelt, einundzwanzig Nächte lang, nachts auf einem Leichnam im Wasser befindlich, verehre man ebenso das Śrīcakra. Dann wird der Übende von den Göttern verehrt. [Die Verbindung der Mondtagsregel mit den einundzwanzig Nächten bleibt verkürzt.]

11.CP.58b–11.CP.59 Mit den männlichen [Formen von] Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und Pfeilen werde man zu Kāma und zum Entführer beziehungsweise Anzieher der Frauen von Himmel, Erde und Unterwelt; so entsteht große Anziehung. [Die Vorlage hat bei „Himmel und Erde“ eine eingeklammerte Lesungsvariante.]

11.CP.60 Mit den entsprechenden Waffen Kāmeśvarīs, selbst als Göttin, [bewirke man] in den drei Welten die Anziehung von Männern; Könige werden Diener, o Geliebte.

11.CP.61–11.CP.62 Damit ist die Kāmakalā-Meditation entsprechend der Verschiedenheit der Keimlaute erklärt. Durch die Verehrung Vāgbhavas entstehen Erkenntnis und Beredsamkeit. Mit weißem Schmuck und Gewand und mit weißen Blüten verehre man; so erfolgt die Vāgbhava-Verehrung, o Göttin.

11.CP.63–11.CP.65 Höre nun, Pārvatī, die Macht der Kāmakalā. Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Mahākāma sind die zuvor genannten fünf Kāmas. Kāma befinde sich inmitten Manmathas, im Haus Kandarpas; darin eingeschlossen Mīnaketu, mit Mahākāmeśa am Haupt. Mit diesem Kāma-Prinzip bezaubere man die Erde. [Mīnaketu erscheint in der Anordnung, obwohl die unmittelbar vorausgehende Fünferliste Makaradhvaja und Mahākāma nennt; die Abweichung bleibt bestehen.]

11.CP.66–11.CP.67 und Fortsetzung [Man betrachte] die von der Wurzel ausgehende Schöpfung und Rücknahme, feiner als eine Lotusfaser. Daher [ist] die Kuṇḍalinī-Kraft im Śaktikūṭa, o große Herrin. Die Göttin Tripurā mit den drei Kūṭas gewährt alle Vollendungen. Vierundsechzig Koṭis [640 Millionen] machtvoller Yoginīs wohnen in diesem Cakra und gewähren den Guten stets Vollendung. [Der erste Satz ist elliptisch und bleibt vorläufig übersetzt.]

Śrīvidyā in Verbindung mit vedischen Mantras

Nun werden Śrīvidyā-Mantras hergeleitet, die mit verschiedenen vedischen Mantras verbunden sind. Im Svacchandasaṃgraha:

11.VM.1–11.VM.3 Man setze Praṇava, Kamalā, Māyā, den Kāma-Laut und den Gaṇapati-Laut, danach das Vāgbhavakūṭa und „yad adya kac ca vṛtrahan“, dann das große Kāmarājakūṭa und „udagā abhi sūrya“, das Śaktikūṭa und „sarvaṃ tad indra te vaśe“. Danach folge Gaṇapati im Dativ, „vara“, „varada“, „sarvajanaṃ me vaśamānaya“ und das doppelte ṭha [svāhā].

11.VM.4 Dies ist der Mantra des Herrn der Scharen. Er schenkt alle Herrschermacht, bringt alle Menschen unter Einfluss und gewährt langes Leben, Gesundheit und Vollendung.

11.VM.5–11.VM.6 und Fortsetzung Den Mahāgaṇapati-Mantra, den Triṣṭubh-Mantra an Jātavedas, die erste Hälfte des Saṃvāda-Sūkta und danach dessen zweite Hälfte schreibe man der Reihe nach. Es werden vier Abschnitte genannt, in welche die drei Kūṭas eingefügt sind. Wer täglich nach Vermögen besonders [diese Verbindung] rezitiert, [erlangt] Bezauberung der Welt, Einfluss, Glanz, Glück und Gedeihen.

Der Kommentar erklärt die Herleitung durch die folgenden Formeln. [Die drei wiederkehrenden Lautgruppen werden hier vollständig in IAST bewahrt: „ka-e-īlahrīṃ“, „hasakahalahrīṃ“ und „sakalahrīṃ“. Der deutsche Text zwischen ihnen gibt den Sinn der jeweiligen vedischen Teile wieder. Beschädigte vedische Wortformen werden nicht durch eine neu konstruierte Sanskritfassung ersetzt.]

„oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ; ka-e-īlahrīṃ – Was heute auch immer, o Vṛtra-Bezwinger – hasakahalahrīṃ – unter der aufgehenden Sonne [ist] – sakalahrīṃ – all dies steht unter deiner Macht, Indra. Gaṇapati, Vorzüglicher, Gaben Gewährender: Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss; svāhā!“ [Die beiden ersten vedischen Satzteile sind in der Vorlage als „yaddyakacca“ und „udagā abhisūryaṃ“ unregelmäßig überliefert.]

„ka-e-īlahrīṃ – Für Jātavedas wollen wir Soma pressen. Er verbrennt die Güter dessen, der uns feindlich ist. Agni möge uns über alle Schwierigkeiten führen, wie ein Schiff über den Strom, über das Unheil hinaus. – hasakahalahrīṃ – Du wirst entzündet, o kraftvoller Agni, zu allen [Zwecken]; am Ort der Iḷā wirst du entzündet: Bringe uns Güter! Geht zusammen, sprecht miteinander, eure Gedanken sollen einander verstehen, so wie die Götter einst in gemeinsamem Verständnis ihren Anteil empfingen. – sakalahrīṃ.“

„Gemeinsam sei euer Spruch, gemeinsam die Versammlung, gemeinsam der Geist samt dem Denken. Einen gemeinsamen Spruch spreche ich zu euch; mit einer gemeinsamen Opfergabe opfere ich für euch. Gemeinsam sei eure Absicht, gemeinsam seien eure Herzen, gemeinsam sei euer Geist, damit ihr gut miteinander lebt.“

Dies ist die Herleitung. [Die Vorlage stellt die gemeinsame Schlussgruppe ohne weiteres ausgeschriebenes Kūṭa dar; diese Verteilung bleibt erhalten.]

11.WE.1 Wer Sundarī innerhalb des mit „bhadraṃ no abhi“ beginnenden Mantras rezitiert, wird auf Erden an Vermögen reich wie Kubera.

Der Sinn der verbundenen Formel ist:

„Wehe uns günstigen Sinn zu – ka-e-īlahrīṃ – zur Kraft der Maruts; svāhā – hasakahalahrīṃ – Indra herrscht über das All – sakalahrīṃ – sei uns heilbringend, den Zweifüßern und den Vierfüßern.“

Fünf Sprüche zur göttlichen Rede

11.SP.1 „yad vāk“, „devīm“, „catvāri“ und die beiden „sasarparī“: Diese fünf Ṛcs werden als Verleiher großer Beredsamkeit genannt.

Der Kommentar schreibt die fünf Verbindungen aus:

11.SPR.1 „Was die Rede spricht, die unbewussten [Dinge] … – ka-e-īlahrīṃ – als Königin der Götter nahm sie ihren Sitz ein, die Freudige – hasakahalahrīṃ – sie molk vier Nährkräfte, Milchströme – sakalahrīṃ – wohin ist ihr Höchstes gegangen?“ [Anfang und Schluss sind in der Vorlage beschädigt; besonders „vavasvidasyāḥ“ lässt sich nicht sicher auflösen.]

11.SPR.2 „Die Götter brachten die Göttin Rede hervor – ka-e-īlahrīṃ – die Wesen in ihren vielfältigen Gestalten sprechen sie – hasakahalahrīṃ – sie, die freundliche, möge uns Nahrung und Kraft melken – sakalahrīṃ – die Kuh Rede möge, gut gepriesen, zu uns kommen.“ [Die Vorlage hat am Anfang „devīḥ“ statt einer eindeutigen Form für „Götter“.]

11.SPR.3 „Vier sind die abgemessenen Stufen der Rede – ka-e-īlahrīṃ – die weisen Brahmanen kennen sie – hasakahalahrīṃ – drei sind im Verborgenen niedergelegt und bewegen sich nicht – sakalahrīṃ – das vierte der Rede sprechen die Menschen.“

11.SPR.4 „Sasarparī, die Unverstand vertreibt – ka-e-īlahrīṃ – brüllte mächtig, von Jamadagni gegeben – hasakahalahrīṃ – die Tochter der Sonne breitete aus – sakalahrīṃ – unsterblichen, nicht alternden Ruhm unter den Göttern.“ [Der Beginn ist als „sasarparamatiṃ“ beschädigt.]

11.SPR.5 „Sasarparī möge ihnen rasch bringen – ka-e-īlahrīṃ – hohen Ruhm unter den fünf Menschengruppen – hasakahalahrīṃ – die beflügelte, neues Leben schenkende – sakalahrīṃ – welche mir die Palasti-Jamadagnis gegeben haben.“ [Mehrere Wortformen sind unsicher; die im Sanskrit stehende „3“ bei „pakṣyā3“ ist eine Längen- beziehungsweise Rezitationsmarkierung und keine dreifache Wiederholungsanweisung.]

Dies sind die fünf Mantras.

Erinnerung, Erkenntniskraft und Wohlstand

Ferner:

11.ME.1–11.ME.2 und Fortsetzung Die drei [Sprüche] „yac chandasām“, „śarīraṃ me“ und „yo devānām“ rezitiere man jeweils unermüdlich, Sundarī in ihrem Inneren. Der Mensch wird verständig, bewahrt das Gehörte, ist frei von Krankheit und spricht freundlich; er ist gelehrt, Verfasser von Lehrschriften, vergisst die gehörten Veden und Āgamas nicht und wird gewiss allwissend. [Dies sind die traditionellen Früchte der Rezitation.]

Der Kommentar erläutert:

11.MEM.1 „Der Stier der Versmaße, vielgestaltig – ka-e-īlahrīṃ – der aus den Versmaßen und dem Unsterblichen hervorgegangen ist – hasakahalahrīṃ – jener Indra möge mich mit Erkenntniskraft erfüllen – sakalahrīṃ – o Gott, möge ich zum Bewahrer des Unsterblichen werden.“

11.MEM.2 „Mein Leib sei kräftig – ka-e-īlahrīṃ – meine Zunge ganz voll Süße – hasakahalahrīṃ – Wunsch und Absicht des Geistes – sakalahrīṃ – und die Wahrheit der Rede mögen wir erlangen.“

11.MEM.3 „Der unter den Göttern zuerst im Anfang [war] – ka-e-īlahrīṃ – Rudra, der Herr des Alls, mit den großen Sehern – hasakahalahrīṃ – seht den entstehenden Hiraṇyagarbha – sakalahrīṃ – jener Gott möge uns mit heilvoller Erinnerung verbinden.“ [Der zweite und dritte Teil sind grammatisch uneinheitlich überliefert; eine geglättete Sanskritrekonstruktion wird nicht vorausgesetzt.]

Dies sind die drei Mantras. Ferner:

11.FU.1 „evā pitre“, „yūyam asmān“ und „evendrāgnī“ bilden drei [Sprüche], „tvaṃ soma pra“ den vierten und „prajāpate“ den fünften.

11.FU.2–11.FU.3 Wer Sundarī im Inneren dieser fünf Ṛcs jeweils gesondert rezitiert, zieht gewiss schöne Fülle herbei: reich an Geld, Getreide, Land, Kindern, Kühen, Elefanten, Pferden, Schafen, Büffeln, Ernten, Schmuck und Weiterem, bis zu Söhnen und Enkeln fortbestehend.

Der Kommentar erklärt:

11.FUL.1 „So wollen wir dem Vater, dem Allgott, dem Kraftvollen – ka-e-īlahrīṃ – mit Opfern, Verneigung und Gaben dienen – hasakahalahrīṃ – Bṛhaspati, reich an guten Nachkommen und Helden – sakalahrīṃ – mögen wir Herren der Güter sein.“

11.FUL.2 „Führt uns zu Besserem – ka-e-īlahrīṃ – aus Bedrängnissen heraus, Maruts, uns Preisende – hasakahalahrīṃ – nehmt unsere Opfergabe an, ihr Verehrungswürdigen – sakalahrīṃ – mögen wir Herren der Güter sein.“

11.FUL.3 „So, Indra und Agni, nachdem ihr vom Gepressten getrunken habt – ka-e-īlahrīṃ – gewinnt uns sämtliche Güter – hasakahalahrīṃ – dies mögen uns Mitra und Varuṇa gewähren – sakalahrīṃ – Aditi, der Strom, die Erde und der Himmel.“

11.FUL.4 „Du, Soma, bist durch Einsicht erkennend – ka-e-īlahrīṃ – du führst uns den geradesten Weg – hasakahalahrīṃ – unter deiner Führung haben unsere Väter, o Indu – sakalahrīṃ – als Weise unter den Göttern Kostbares erlangt.“

11.FUL.5 „Prajāpati, kein anderer als du – ka-e-īlahrīṃ – hat all diese gewordenen Wesen umfasst – hasakahalahrīṃ – was wir beim Opfern an dich begehren, das werde uns zuteil – sakalahrīṃ – mögen wir Herren der Güter sein.“

Dies sind die fünf Mantras.

Lakṣmī-Anrufungen

11.LK.1 und Fortsetzung Wer Sundarī im Inneren der mit „yā lakṣmīḥ“ und „aśvadāyi“ beginnenden [Sprüche] verehrt, bei dem erfreut sich Ramā beständig; sie erfüllt [sein Haus] mit Vermögen, Getreide, Reichtümern, Pferden, Kühen und Weiterem.

Der Sinn der beiden verbundenen Formeln ist:

„Jene Lakṣmī, die aus dem Meer hervorgegangen ist – ka-e-īlahrīṃ – die Wohlstandskuh, reich an Gütern [die Wortfolge ist beschädigt] – hasakahalahrīṃ – Padmā, die Göttin allen Reichtums – sakalahrīṃ – möge stets unser Haus lieben.“

„Pferde Gewährende, Kühe Gewährende – ka-e-īlahrīṃ – Vermögen Gewährende, an Vermögen Reiche – hasakahalahrīṃ – die Göttin möge mir Vermögen zuwenden – sakalahrīṃ – zur Erfüllung sämtlicher Wünsche und Ziele.“

Dies sind die beiden Mantras.

Verbindung mit Puruṣasūkta und Śrīsūkta

11.SU.1 Wer [Sundarī] mit den vier Versgliedern der Mantras aus dem Sūkta mit der Kalā-Zahl und dem Sūkta mit der Tithi-Zahl umschließt und rezitiert: Dessen Früchte werden wir deutlich erklären.

Der Kommentar: Das Sūkta mit der Kalā-Zahl [sechzehn] ist das im Yajurveda bekannte Puruṣasūkta, beginnend mit „sahasraśīrṣa“. Das Sūkta mit der Tithi-Zahl [fünfzehn] ist das im Ṛgveda bekannte Śrīsūkta, beginnend mit „hiraṇyavarṇā“. [Dies ist die Einordnung der zitierten Quelle.] Die Umschließung wird so vorgeführt:

„Tausend Häupter hat der Puruṣa – ka-e-īlahrīṃ – tausend Augen, tausend Füße – hasakahalahrīṃ – nachdem er die Erde von allen Seiten umfasst hat – sakalahrīṃ – ragt er zehn Fingerbreiten darüber hinaus.“

„Der Puruṣa ist all dies – ka-e-īlahrīṃ – was war und was sein wird – hasakahalahrīṃ – und er ist Herr der Unsterblichkeit – sakalahrīṃ – [auch dessen,] was durch Nahrung emporwächst.“

„So groß ist seine Herrlichkeit – ka-e-īlahrīṃ – doch größer als dies ist der Puruṣa – hasakahalahrīṃ – ein Viertel von ihm sind sämtliche Wesen – sakalahrīṃ – drei Viertel von ihm sind das Unsterbliche im Himmel.“

„Mit drei Vierteln erhob sich der Puruṣa nach oben – ka-e-īlahrīṃ – ein Viertel von ihm wurde hier erneut – hasakahalahrīṃ – von dort schritt er über alles hinaus – sakalahrīṃ – über das Essende und das Nichtessende.“

„Aus ihm entstand Virāj – ka-e-īlahrīṃ – aus Virāj der Puruṣa – hasakahalahrīṃ – geboren, überragte er – sakalahrīṃ – die Erde hinten und vorne.“

„Als die Götter mit dem Puruṣa als Opfergabe – ka-e-īlahrīṃ – das Opfer ausbreiteten – hasakahalahrīṃ – war der Frühling sein Ghee – sakalahrīṃ – der Sommer sein Brennholz, der Herbst seine Opfergabe.“

In dieser Reihenfolge bilde man mit den Versgliedern der sechzehn Mantras die Umschließung und rezitiere. [Die Vorlage schreibt hier nur diese sechs Beispiele aus und verweist für die übrigen auf die entsprechende Fortsetzung.]

Mit den Versgliedern des Puruṣasūkta ist die Lopā-Vidyā zu umschließen, mit denen des Śrīsūkta die Kāmarāja-Vidyā. Im Kulārṇava heißt es:

11.KS.1 Der Kundige rezitiere Lopāmbā, mit den Puruṣa-[Sprüchen] umschlossen; die Kāmarāja genannte [Vidyā] rezitiere er sorgfältig mit den Śrīsūkta-[Sprüchen].

„Puruṣa“ bedeutet hier die Versglieder der Mantras des Puruṣasūkta, „Śrīsūkta“ diejenigen des Śrīsūkta. Entsprechend lautet das Beispiel:

„Die Goldfarbene, die Hirschgleiche – ka-e-īlahrīṃ – mit einer Girlande aus Gold und Silber – hasakahalahrīṃ – die Mondhafte, goldene Lakṣmī – sakalahrīṃ – bringe mir herbei, Jātavedas!“

So rezitiere man jeden [Mantra] der Reihe nach. [Die beispielhaft ausgeschriebenen Kūṭas stehen so in der Quelle; sie werden nicht an die vorangehende Lopā-/Kāmarāja-Zuordnung angeglichen.]

Die den einzelnen Sprüchen zugeschriebenen Früchte

11.KS.2 Durch den ersten [Mantra entsteht] das Erlangen eines Kindes, durch den zweiten wird man Mutter eines lebenden Kindes; durch den dritten und vierten schwindet der Makel der Unfruchtbarkeit.

11.KS.3–11.KS.4 Durch den fünften und sechsten erlange man einen langlebigen Sohn, durch den siebten Festigkeit der Schwangerschaft, durch den achten eine leichte Geburt. Durch den neunten vernichte man Schwangerschaftsstörungen, durch den zehnten und den folgenden Menstruationsstörungen.

11.KS.5 und Fortsetzung Durch den zwölften werden Geburtsstörungen bei einem Mädchen beseitigt und es entsteht männliche Nachkommenschaft. Durch die vier folgenden schwinden gewiss sämtliche in der Schwangerschaft entstandenen Störungen, ohne Zweifel. [Die Verbindung von „kanyāyāḥ“ und männlicher Nachkommenschaft ist mehrdeutig. Die ganze Reihe enthält historische Fruchtbarkeits- und Heilversprechen, keine medizinischen Aussagen dieser Ausgabe.]

Nun die Früchte des Śrīsūkta:

11.SF.1 Durch den ersten [Mantra] erlangt man Reichtum, durch den zweiten Vieh, durch den dritten Getreide, durch den vierten Land.

11.SF.2 Durch den fünften Diener, durch den sechsten großen Ruhm, durch den siebten königliche Ehrung, durch den achten feste Standhaftigkeit.

11.SF.3 Durch den neunten erlangt man Pferde, durch den zehnten Elefanten, durch den elften Gewänder, durch den zwölften Söhne.

11.SF.4 Durch den dreizehnten Juwelen, durch den vierzehnten großen Mantra ertragreiche Erde, durch den fünfzehnten Glücksglanz.

11.SF.5–11.SF.6 Ebenso verbinde man [die Vidyā] mit Rudra-Mantras und vollende die jeweiligen Handlungen. Wird die gesamte Schar der Śrīvidyās auf diese Weise umschlossen, so entstehen eine Million und fünfzigtausend [1.050.000 Verbindungen]. Nachdem man deren Reihenfolge vom Guru oder aus der Schrift erkannt hat …

11.SF.7 … wende man sie unermüdlich bei den jeweiligen Handlungen an. Die Einweihung in die sechzehnlautige [Vidyā] geschieht in den Formen der sechs Lehransichten.

11.SF.8 Zunächst werde ich vorschriftsgemäß die Reihenfolge der Śākta-Einweihung erklären. Der Kundige lasse eine Halle von vierundzwanzig Ellen errichten. [Die Quelle klammert den Übergang von den sechs Lehransichten zur Śākta-Einweihung ein.]

11.SF.9–11.SF.10 Neun Feuergruben lege man an: viereckige, Yoni-förmige, halbmondförmige, dreieckige, runde, sechseckige, lotusförmige oder achteckige. Die Lehrergrube liege zwischen Īśāna und Indra [Nordosten und Osten].

11.SF.11 Zweieinhalb Ellen lasse man frei und gestalte sie innerhalb der erhöhten Fläche; für die anderen Gruben lasse man jeweils eine Elle frei. [Die genaue Bezugnahme des ersten Abstands auf Grube und Plattform ist verkürzt.]

Die Kennzeichen der Feuergruben werden wir später erklären.

Mantragruppen für verschiedene Einweihungswege

Im Śrīkulārṇava:

11.EW.1–11.EW.2a Höre, o Göttin: Besonders für die Vaiṣṇavas werde ich die Mantras der Opferpriester erklären, die bei der Einweihung in die sechzehnlautige [Vidyā], bei Rezitation und Feueropfer der Reihe nach an den acht Feuergruben verwendet werden. Höre, o Weise.

11.EW.2b–11.EW.3 Nārāyaṇa, Vāsudeva, Varāha, der Viṣṇu-[Mantra], Śrīkaṇṭha, Nārasiṃha, Gopāla und der Kṛṣṇa-[Mantra] sind mit der fünfzehnlautigen [Vidyā] bei Rezitation und Feueropfer zu verbinden, o Pārvatī. [Der fünfte Name lautet hier Śrīkaṇṭha; der später ausführlich erklärte Mantra heißt Śrīkara.]

11.EW.4 Im vedischen [Verfahren verwende man] insbesondere Gāyatrī, die Veda-Mutter, die fünf Ṛcs an Jātavedas sowie die Sūktas der Devī und Lakṣmī.

11.EW.5–11.EW.6a Im śivaitischen [Verfahren] der Reihe nach den fünflautigen Śiva-Mantra, Aghora, Śarabha, Prāsāda oder Pāśupata, den Dakṣiṇāmūrti genannten [Mantra], Mṛtyuñjaya und den zehnlautigen [Mantra], o höchste Herrin. [Die Gruppierung um „vā“ ist nicht eindeutig.]

11.EW.6b–11.EW.7a Im solaren [Verfahren] den Ghṛṇi-Mantra, den sechslautigen, den vierlautigen, den dreilautigen, den sechzehnlautigen, den zwölflautigen, einen sechslautigen und den Ajapā genannten [Mantra]. [„veda“ wird hier als Zahlwort für vier gelesen.]

11.EW.7b–11.EW.8a Im śāktischen [Verfahren] den Bālā-Mantra, Bhairavī, Tripurā, Vāsinī, Siddhā, Mālinī, Tripurābhairavī und Tripurāmbā. [Die Namensglieder werden in der Quelle teilweise ohne eindeutige Wortgrenzen aneinandergereiht.]

11.EW.8b–11.EW.9 Im buddhistischen [Verfahren] Padmāvatī, Ugratārā, Ekajaṭā, Tārā, Nīlasarasvatī, Mātaṅgī, Sumukhī und Caṇḍamātaṅginī. [Dies ist die historische Zuordnung dieses Tantra.]

11.EW.10 Nach der Ordnung der oberen Überlieferung [verbinde man] jeweils zwei Vidyās, ebenso die sechzehn Wurzelvidyās, bei der Einweihung in den Mantra des Śrīguru.

11.EW.11–11.EW.12a Die drei Ruhe-Caraṇas – weiß, gemischt und rot –, die beiden Caraṇa-Vidyās Śambhus, die Parāprasāda heißen, die aus den fünf Brahmans bestehenden Mantras und die achtunddreißig Kalās in dreifacher Weise [sind entsprechend einzubeziehen].

11.EW.12b–11.EW.14a Im Gāṇapatya-[Verfahren] den einlautigen [Mantra], Mahāgaṇapati, den Kṣipra genannten Gaṇeśa, Vakratuṇḍa, Lakṣmīgaṇapati, Herambagaṇapa, den Vīrya genannten Gaṇapa und Śaktigaṇeśvara. [„Vīrya“ ist die hiesige Lesung.]

11.EW.14b–11.EW.15a Bei Dakṣiṇākālikā den einlautigen und den dreilautigen [Mantra], Siddhakālī, den sechslautigen, den vierzehn- und den achtlautigen sowie zwei zehnlautige [Mantras].

11.EW.15b–11.EW.16 Bei Tārā die sechzehnlautige [Form] und die acht Tārās ohne den Anfangslaut. Bei Bhuvaneśī die dreilautige [Form], von Śrī, Vāk, Kāma und Parā umschlossen, dreifach, und ebenso Tripuṭā. [Die Beziehung zwischen Viererreihe und „dreifach“ ist im Wortlaut nicht aufgeklärt.]

11.EW.17–11.EW.18a Bei der fünfzehnlautigen [Vidyā] insbesondere die Formen mit drei, vier, fünf, sechs, sieben und als fünfte mit acht Kūṭas; die Nityā-Pañcadaśīs stehen zueinander im Verhältnis von Glied und Gliedträger. [Die Aufzählung der Kūṭa-Zahlen und die Bezeichnung „fünfte“ passen in der erhaltenen Fassung nicht zusammen.]

11.EW.18b–11.EW.20a Ebenso [stehen] Pītāmbarā und die acht Vārāhīs bei der Einweihung zueinander. Bei Durgā [werden genannt] Mahiṣārdinī, Śūlinī, Vanadurgikā, Jayā, Navārṇā, die aus Śānti, Agni und Lavaṇa bestehende [Form] sowie Atidurgā. [Die genaue Gliederung der zusammengesetzten Namensreihe bleibt offen.]

11.EW.20b–11.EW.21 Danach bei Gāyatrī, entsprechend den Unterschieden der fünf Āyatanas, im solaren, śāktischen, vaiṣṇavischen, śivaitischen und gāṇapatya Weg die zuvor genannten führenden Mantras. In der vaiṣṇavischen Achtergruppe lasse man den eigenen achtzehnlautigen [Mantra] aus …

11.EW.22 … und füge Turīyā und die Veda-Mutter ein, o höchste Herrin. Im śivaitischen [Verfahren] lasse man Pāśupata aus und setze dort den Tryambaka-[Mantra] ein.

11.EW.23 Im solaren [Verfahren] lasse man den achtlautigen aus und verwende den mit „udyan“ beginnenden. Im gāṇapatya [Verfahren verwende man] „gaṇānāṃ tvā“ unter Auslassung des Ucchiṣṭagaṇeśvara. [Die letzte Konstruktion ist verkürzt.]

11.EW.24–11.EW.25 Im śāktischen [Verfahren] verbinde man wie zuvor bei Einweihung, Feueropfer, Rezitation und besonders Verehrung. Auch diese Āyatanas stehen gegenseitig im Verhältnis von Glied und Gliedträger. Im Śākta-[Weg] werde ich es genau erklären: Die Cakra-Herrscherinnen sind genannt; auch bei der Unterweisung in die sechs Śāmbhava-[Vidyās] gilt diese gegenseitige Beziehung.

11.EW.26–11.EW.27 Der dreilautige, der vierlautige und dann der einlautige [Mantra], Siddhalakṣmī, Rājyalakṣmī oder drei weitere Varianten, verbunden mit einer weiteren [Form], stehen hier wiederum gegenseitig als Glied und Gliedträger. Bei anderen Vidyās und Mantras [gilt es] entsprechend ihren jeweiligen Unterschieden.

11.EW.28–11.EW.29a Bei der jeweiligen Handlung ist diese Gliedbeziehung festzulegen. Besonders bei der Pañcāyatana-Einweihung und -Verehrung werde ich sie erklären. Höre aufmerksam, o Göttin.

11.EW.29b–11.EW.30 Man verbinde die sechzehnlautige [Vidyā] mit dem Mahāgaṇeśa-Mantra, dem Ghṛṇi-Mantra, dem Parāprāsāda-Mantra und dem Lakṣmīnārāyaṇa-Mantra bei Einweihung, Rezitation und Verehrung.

11.EW.31–11.EW.32 Für Dakṣiṇākālikā ist es ebenso erklärt. Für Tārā und Chinnamastā wird hier eine Besonderheit genannt: Mārtaṇḍabhairava, Mañjughoṣa, Ucchiṣṭagaṇanātha und der junge Mukunda [werden zugeordnet].

11.EW.33–11.EW.35 und Fortsetzung Bei der großen Göttin Bhuvaneśī [gelten] sämtliche zugehörigen vaiṣṇavischen, gāṇapatya, solaren und besonders śivaitischen [Mantras]. Für Bhairavī, Bagalā, Caṇḍā, Mātaṅgī und Aparājitā ist bei Einweihung, Rezitation, Feueropfer und Verehrung in den Pañcāyatana-Tantras eine Ordnung wie bei Tārā genannt. Durgā und Mahālakṣmī [folgen] derjenigen Bhuvaneśīs. Die übrigen sind von den besten Lehrern entsprechend der Überlieferung anzuwenden.

Der gemeinsame Bezug auf das höchste Prinzip

Im Kādi-Lehrweg, im Śrītantrarāja, heißt es:

11.TR.1–11.TR.3 Die sämtlichen sechs-, acht- und zwölflautigen vaiṣṇavischen Mantras bezeichnen den Sinn des höchsten Prinzips und sind darin nicht verschieden. Ebenso [verhält es sich] mit der Lalitāvidyā, dem dreigestaltigen Prāsāda, der Parā und der Gāyatrī in der genannten Form, mit den Vyāhṛtis, den großen Aussprüchen, dem höchsten Selbst und Ajapā sowie mit Praṇava: Durch ihre Verbindung mit derselben Wirklichkeit besitzen sie jeweils deren Wesen. [Stellenangabe der Vorlage: 26.46.]

Die Reihenfolge von Sampradāya und Āmnāya werden wir später erklären.

Ṛṣi-Nyāsa und Meditationen der vaiṣṇavischen Mantras

Nun die Einsetzungen von Ṛṣi und weiteren Gliedern sowie die Meditationen zu den genannten Mantras, beginnend mit Nārāyaṇa, nach anderen Tantras. [Die Quelle ergänzt in Klammern: bei der Umhüllungsverehrung der Śrīvidyā im Śrīcakra.]

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf setze man ein: „Verehrung dem Ṛṣi Sādhyanārāyaṇa“; am Mund: „Verehrung dem göttlichen Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīparamātman“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient meinem gewünschten Ziel.“ Mit dem Wurzelmantra vollziehe man den umfassenden Nyāsa an den Händen.

An den Fingern und den mit dem Herzen beginnenden Körperstellen setze man die folgenden Mantras ein:

  • „kroddholkāya svāhā; hṛdayāya namaḥ“ – Dem Feuerbrand des Zorns, svāhā; dem Herzen Verehrung.
  • „maholkāya svāhā; śirase svāhā“ – Dem großen Feuerbrand, svāhā; dem Kopf svāhā.
  • „vorolkāya svāhā; śikhāyai vaṣaṭ“ – [„vorolkāya“ ist unsicher], svāhā; dem Haarschopf vaṣaṭ.
  • „dyulkāya svāhā; kavacāya huṃ“ – Dem himmlischen Feuerbrand, svāhā; dem Schutzpanzer huṃ.
  • „sahasrolkāya svāhā; astrāya phaṭ“ – Dem tausendfachen Feuerbrand, svāhā; der Waffe phaṭ.

Danach meditiere man:

11.NA.1 Im Herzen verehre ich den Träger des Śārṅga-Bogens in gelbem Gewand. In seinen Händen trägt er Wurfscheibe, Muschel, Keule und Lotus. Sein Glanz leuchtet wie die Sonne; seine Seiten sind durch Śrī und Dharaṇī geschmückt. Er trägt eine Krone, das Śrīvatsa-Zeichen, Kaustubha und großen Brustschmuck; Armspangen und Ketten strahlen, leuchtende Ohrringe schmücken ihn.

Nach dieser Meditation rezitiere man den achtlautigen Mantra „oṃ namo nārāyaṇāya“ – „Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa.“

Vāsudeva

Nun der Vāsudeva-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Prajāpati“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīvāsudeva“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Wunsches.“ Mit dem Wurzelmantra vollziehe man den umfassenden Nyāsa an den Händen.

Die Einsetzungen lauten: „oṃ – dem Herzen namaḥ“; „namo – dem Kopf svāhā“; „bhagavate – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „vāsudevāya – dem Schutzpanzer huṃ“; „namo bhagavate vāsudevāya – der Waffe phaṭ“. [Die Wörter ergeben die Verehrung des erhabenen Vāsudeva.]

11.VA.1 Gesammelt vergegenwärtige man Vāsudeva im Herzen: inmitten des Milchmeeres, auf einer von himmlischen Frauen bedienten Insel.

11.VA.2 Dort stelle man sich einen Wald vor, in dem alle Jahreszeiten gegenwärtig sind, und in seiner Mitte einen göttlichen Wunschbaum von wunderbarem Anblick.

11.VA.3 Unter ihm [ist] ein Juwelenthron und ein Lotus von makellosem Glanz, leuchtend im Lichtschein des herbstlichen Vollmonds.

11.VA.4 Darauf stelle man sich den lächelnden Gott Vāsudeva vor, weiß wie Kunda-Blüten und Mond, mit Keule, Wurfscheibe, Lotus und Muschel in seinen Händen.

11.VA.5 Durch den Glanz von zehntausend Monden bezaubert er die drei Welten. Seine Arme strahlen mit Keyūra- und Aṅgada-Schmuck; er trägt Juwelenzierden.

11.VA.6 Er trägt das Śrīvatsa-Zeichen, eine funkelnde Juwelenkrone und Kaustubha. Seine schönen, weiten Augen sind rötlich wie Lotusblätter.

11.VA.7 Seine Wangen leuchten durch die Ohrringe; er trägt gelbe Gewänder. Sein muschelgleicher Hals glänzt mit Halskragen und Kette; er trägt schöne Armreife.

11.VA.8–11.VA.9 Auf seiner breiten Brust erstrahlt eine Girlande aufgeblühter Waldblumen. Ihm dienen die großen Weisen, beginnend mit Sanaka, die nach Erkenntnis der Wahrheit verlangen, die Nachkommen Ditis und Aditis, Scharen von Gandharvas, Vidyādharas und großen Schlangen. [Die Verbindung vor „vidyādharāḥ“ ist beschädigt.]

Nachdem man so meditiert hat, vollziehe man Rezitation und die weiteren Handlungen.

Varāha

Nun der Varāha-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Bhārgava“; am Mund: „Verehrung dem Anuṣṭubh-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīvarāha“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung all meiner Wünsche.“

Die fünf Gliedmantras setze man so ein: „Dem Einhörnigen – dem Herzen namaḥ“; „Dem Feuerbrand des Raumes – dem Kopf svāhā“; „Dem Herrn des Feuers – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „Dem Allgestaltigen – dem Schutzpanzer huṃ“; „Dem Großhauerigen – der Waffe phaṭ“. Danach meditiere man:

11.VR.1 Von den Knien bis zu den Füßen gleicht er Gold; vom Nabel bis zu den Knien ist er mondweiß; von der Kehle bis … [„dhadantam“, beschädigt] hat er Feuerglanz; vom Kopf bis zur Kehle gleicht er dem Mond; vom Scheitel bis zum Himmel ist er mondgleich und schön. [Die Körperzonen sind in der erhaltenen Fassung teilweise widersprüchlich beziehungsweise unvollständig bezeichnet.]

11.VR.2 In seinen Händen trägt er Wurfscheibe, Muschel, Schwert, Schild, Keule, Speer und die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Sein vorzüglicher einzelner Hauer erstrahlt dadurch, dass er die alles ertragende Erde trägt. Den ursprünglichen Varāha verehre ich unablässig in meinem Geist.

Nach dieser Meditation ist der folgende Mantra anzuwenden:

„oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvarpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā“ – „Oṃ, Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Bhūr, Bhuvaḥ und Svar! Gib mir Herrschaft über die Erde, veranlasse ihre Gewährung; svāhā!“

Viṣṇu als Bhogavāmana

Nun [der Mantra] Viṣṇus. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Kapila“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrībhogavāmana“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient dem Erlangen all meiner Wünsche.“

Die sechs Gliedmantras setze man ein: „oṃ namo – dem Herzen namaḥ“; „bhagavate – dem Kopf svāhā“; „viṣṇave – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „surapataye – dem Schutzpanzer huṃ“; „mahābalāya – den beiden Augen vauṣaṭ“; „svāhā – der Waffe phaṭ“.

11.BV.1 Blau von Farbe, vierarmig, Muschel, Wurfscheibe, Keule und Lotus tragend: Dieser Bhogavāmana gibt den Hingebungsvollen alle Genüsse.

Nach dieser Meditation [rezitiere man]: „oṃ namo bhagavate viṣṇave surapataye mahābalāya svāhā“ – „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Viṣṇu, dem Herrn der Götter, dem überaus Kraftvollen; svāhā!“ [Die Quelle schreibt in der Schlussformel „viṣṇve“.]

Śrīkara

Nun der Śrīkara-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Vāmadeva“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīkara“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient dem Erlangen all meiner Wünsche.“

Die Einsetzungen lauten:

  • „uṃ bhīṣaya bhīṣaya huṃ – dem Herzen namaḥ“: Erschrecke, erschrecke!
  • „ttiṃ trāsaya trāsaya huṃ – dem Kopf svāhā“: Versetze in Furcht, versetze in Furcht! [„ttiṃ“ steht so in der Vorlage.]
  • „ṣṭhaṃ mardaya mardaya huṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“: Zermalme, zermalme!
  • „śrīṃ pradhvaṃsaya huṃ – dem Schutzpanzer huṃ“: Vernichte!
  • „kaṃ rakṣaya rakṣaya huṃ – der Waffe phaṭ“: Schütze, schütze!

Danach setze man „raṃ“ an den Augen, „svāṃ“ am Bauch und „hāṃ“ am Rücken ein und meditiere:

11.ŚK.1–11.ŚK.2 Im Herzlotus stelle man sich Viṣṇu als Śrīkara vor. Im Milchmeer, das von bewegten Wogen schäumt und mit Wellenreihen versehen ist, liegt eine glückverheißende weiße Insel, mit goldenen Flächen und vielerlei Juwelen geschmückt.

11.ŚK.3 Dort stelle man sich einen Wald vor, in dem alle Jahreszeiten gegenwärtig sind, einen vortrefflichen Ort, an dem Scharen von Wunschbäumen die Sonnenhitze abhalten.

11.ŚK.4 Er ist erfüllt vom lieblichen Summen der Bienenschwärme; seine jungen Blätter bewegen sich, und Blütenstaub erfüllt ihn wie aufsteigender feiner Reif. [Die Verbindung „puṣpavajraparāga“ ist nicht vollständig eindeutig.]

11.ŚK.5–11.ŚK.6 An den Juwelenblüten goldener Bäume erscheint der bewegliche Glanz von Saphiren wie das Umherschweifen von Bienenschwärmen. Dort erfreuen sich Apsaras mit Göttern, die Großzügigkeit, Schönheit, Herrlichkeit, Glück und weitere Vorzüge besitzen.

11.ŚK.7–11.ŚK.8 [Die Apsaras] sind schön von Gestalt, lieblich und zart. Ihre Gesichter leuchten durch die Strahlen ihrer Zähne im sanften Lächeln; sie sind anmutig, übertreffen den Mondglanz und haben vom Rausch bewegte Augen. [Die folgende Verbindung von rufenden Kuckucksmännchen und Götterscharen ist syntaktisch beschädigt.]

11.ŚK.9–11.ŚK.10 Ihre Liebe ist erwacht; von der Fülle ihrer Brüste und Hüften bewegen sich die herrlichen [Frauen] langsam. Solche Apsaras spielen dort mit den Unsterblichen. [Der Ort ist] wie der Heerführer Kāmas, wie das Haus der Waldschönheit …

11.ŚK.11–11.ŚK.13 … wie die Geburtsstätte der Jahreszeiten. Unter dem Wunschbaum, auf einer reinen goldgepflasterten, durch große Juwelen schönen Fläche, [leuchtet] der aus neun Juwelenarten bestehende Bruder Indirās [der Mond] kühl mit seinen Strahlen. Bei einem wie die aufgehende Sonne strahlenden Sitz und auf dem für seine Heldenkraft berühmten König der Vögel … [Die räumliche Satzverknüpfung ist in der Vorlage nicht durchgehend eindeutig.]

11.ŚK.14 … sitzt er, glänzend wie reines geschmolzenes Gold, geschmückt mit schönen Makara-Ohrringen, deren Juwelen strahlen.

11.ŚK.15 Das Juwel seiner Krone erhellt den Kreis der Richtungen; er trägt schönen Schmuck und ein makelloses weißes Stirnzeichen, das wie ein Mondstück leuchtet.

11.ŚK.16–11.ŚK.17 Seine schönen Brauen sind lebhaft bewegt, seine Wangen glänzen [im Licht] der Krone. Sein Mondgesicht ist durch Lächeln verschönt; seine Wangenflächen leuchten. Seine schönen Lippen erstrahlen im Licht seiner Zahnreihe, rot wie eine reife Bimba-Frucht und wie ein schönes rotes Lotusblatt.

11.ŚK.18 Seine weiten rötlichen Augen sind mit schönen Wimpern versehen. Sein Hals glänzt im Strahlenmeer der Juwelen seiner großen Halskette.

11.ŚK.19 Hari trägt Arme, die durch göttliche Juwelenarmspangen leuchten. Mit ihnen hält er Keule, Lotus, Muschel und Wurfscheibe.

11.ŚK.20–11.ŚK.21 Seine Brust ist breit wie ein Tor, Wohnstatt Kamalās und im Lichtstrom Kaustubhas erhellt, die Wohnstatt der drei Welten. [Darunter zeigt sich] der mit drei Falten geschmückte Bauch, von der Haarlinie erstrahlend …

11.ŚK.22 … und die schöne Hüftpartie mit dem Glanz gelber Seide und einem funkelnden Juwelengürtel.

11.ŚK.23 Seine vollen, schönen Oberschenkel gleichen Pfeilköchern; die beiden Unterschenkel sind anmutig und glänzen wie ein Pfauenhals.

11.ŚK.24 Seine Füße gleichen roten Lotussen; ihre Wölbung übertrifft die Schildkröte. Die Fußsohlen sind mit Banner und Lotus gekennzeichnet und haben einen Glanz wie „Hasenblut“. [Der ungewöhnliche Farbvergleich „śaśarakta“ steht so in der Vorlage.]

11.ŚK.25 Stets wird er von Ramā umarmt, die einen schönen roten Lotus in der Hand hält, und auch von Kṣamā [der Erdgöttin]; er ist mit frischen Rubinen geschmückt.

11.ŚK.26 Sämtliche Glieder erstrahlen im Glanz frischer Jugend. Götter, Asuras, Seher und Apsaras-Scharen dienen ihm.

11.ŚK.27 Über ihm ist ein Baldachin wie die Scheibe des Vollmonds; Fliegenwedel glänzen in den Lotushänden himmlischer Frauen.

11.ŚK.28 Die Vaijayantī-Girlande bewegt sich an ihm wie eine Blitzranke. Scharen von Yakṣas, Vidyādharas, Cāraṇas und weiteren [Wesen] dienen ihm.

Nach dieser Meditation ist „uttiṣṭha śrīkara svāhā“ – „Erhebe dich, Śrīkara; svāhā!“ – als Mantra einzusetzen, [in Klammern:] in die sechzehnlautige [Vidyā].

Nṛsiṃha

Nun der Nṛsiṃha-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“; am Mund: „Verehrung dem Anuṣṭubh-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīnṛsiṃha“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung all meiner Wünsche.“

Man setze ein: „ugraṃ vīraṃ – dem Herzen namaḥ“; „mahāviṣṇuṃ – dem Kopf svāhā“; „jvalantaṃ sarvato mukhaṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „nṛsiṃhaṃ bhīṣaṇaṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „bhadraṃ mṛtyumṛtyuṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „namāmyaham – der Waffe phaṭ“. [Den zusammenhängenden Wortsinn gibt die abschließende Mantraübersetzung wieder.] Dann meditiere man:

11.NṚ.1 Ich verehre Nṛsiṃha, dessen Arme auf den Knien ruhen, den Dreiäugigen, an dessen Armen Wurfscheibe und Muschel erstrahlen. Mit feuerähnlichem Glanz hat er den Dämon verschlungen; Fangzähne schmücken sein Haupt, und seine gespaltene Zunge leuchtet mächtig.

Nach dieser Meditation ist der Mantra anzuwenden: „Vor dem Furchtbaren, dem Helden, dem großen Viṣṇu, dem Leuchtenden, dessen Gesicht überallhin gewandt ist, vor Nṛsiṃha, dem Schrecklichen und Heilbringenden, dem Tod des Todes, verneige ich mich.“

Gopāla

Nun der Gopāla-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Nārada“; am Mund: „Verehrung dem Virāṭ-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīkṛṣṇa“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim klīṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti svāhā“; am ganzen Leib: „Verehrung Kṛṣṇas als Prakṛti“; am Herzen: „Verehrung Śrīdurgās als herrschender Gottheit“. [Diese unterschiedlichen Gottheitszuordnungen stehen sämtlich in der Quelle.]

Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Wunsches.“ Mit dem Wurzelmantra vollziehe man den umfassenden Nyāsa an den Händen. Dann setze man die als sechs Gliedmantras bezeichneten Formeln ein:

  • „ācakrāya svāhā – dem Herzen namaḥ“.
  • „vicakrāya svāhā – dem Kopf svāhā“.
  • „sucakrāya svāhā – dem Haarschopf vaṣaṭ“.
  • „trailokyarakṣaṇacakrāya svāhā – dem Schutzpanzer huṃ“: der die drei Welten schützenden Wurfscheibe.
  • „asurāntacakrāya svāhā – der Waffe phaṭ“: der den Asuras ein Ende setzenden Wurfscheibe.

[Die Vorlage nennt sechs Glieder, führt hier aber nur fünf Formeln aus.] Man meditiere:

11.GO.1 und Fortsetzung Mit Lotushänden, die Muschel, Wurfscheibe, Bogen, gute Pfeile, Schnur und Gewand halten, nimmt er mit beiden Händen die Flöte und spielt voller Freude. Über Kṛṣṇa im Sonnenkreis meditiere man zur Erlangung der erwünschten Frucht. [Die Beziehung von „guṇa“ und „aṃśuka“ zu den Handattributen ist nicht völlig eindeutig.]

Nach dieser Meditation ist der Mantra anzuwenden: „klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā“ – „Klīṃ, Kṛṣṇa, Govinda, dem Geliebten der Gopīs, svāhā!“

Kṛṣṇa

Nun der Kṛṣṇa-Mantra. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Nārada“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīkṛṣṇa“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim klīṃ“, und entsprechend die weiteren Einsetzungen. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Wunsches.“

Die sechs Gliedmantras lauten: „Dem, dessen Wesen vollkommene Erkenntnis ist – dem Herzen namaḥ“; „Dem, dessen Wesen vollkommene Herrschermacht ist – dem Kopf svāhā“; „Dem, dessen Wesen vollkommener Glanz ist – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „Dem, dessen Wesen vollkommene Wonne ist – dem Schutzpanzer huṃ“; „Dem, dessen Wesen vollkommenes Licht ist – den beiden Augen vauṣaṭ“; „Dem, dessen Wesen vollkommene Kraft ist – der Waffe phaṭ“. Man meditiere:

11.KṚ.1 Man meditiere über ihn, der einem grünen Juwel gleicht, den einen Verehrungswürdigen der Welt, den Wesenskern der Schönheit. In seinen Armen trägt er Wurfscheibe und Muschel und die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. Er ist unbesiegt, mit Ramā sowie mit Bhaiṣmī und Satyā vereint, alles gewährend, der Herr Indirās. [Die Namensverbindung „saramaṃ“ ist knapp; Ramā ist hier als Begleiterin gelesen.]

Nach dieser Meditation ist „klīṃ kṛṣṇāya namaḥ“ – „Klīṃ, Verehrung dem Kṛṣṇa“ – anzuwenden.

Die acht ausdrücklich ausgeschriebenen Verbindungen

Die Verbindung mit den Kūṭas erfolgt so. [Die abweichenden Folgen „hasakalahrīṃ“ und „hasakahalahrīṃ“ werden jeweils nach der Vorlage beibehalten.]

11.VY.1 „oṃ hasakalahrīṃ namo hasakahalahrīṃ nārāyaṇāya sakalahrīṃ“ – „Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa“, mit den eingefügten Kūṭas.

11.VY.2 „oṃ hasakalahrīṃ namo hasakalahrīṃ bhagavate sakala hrīṃ vāsudevāya“ – „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva“, mit den eingefügten Kūṭas. [Das zweite Kūṭa steht hier ohne zusätzliches ha.]

11.VY.3 „Oṃ, Verehrung dem Erhabenen – hasakalahrīṃ – in Varāha-Gestalt – hasakahalahrīṃ – dem Herrn von Bhūr, Bhuvaḥ und Svar – sakalahrīṃ – gib mir Herrschaft über die Erde, veranlasse ihre Gewährung; svāhā!“

11.VY.4 „Oṃ, Verehrung dem Erhabenen – hasakalahrīṃ – dem Viṣṇu – hasakahalahrīṃ – dem Herrn der Götter – sakalahrīṃ – dem überaus Kraftvollen; svāhā!“

11.VY.5 „Erhebe dich – hasakalahrīṃ – Śrīkara – hasakalahrīṃ – svāhā – sakalahrīṃ.“ [Auch hier ist das zweite Kūṭa wie das erste geschrieben.]

11.VY.6 „Vor dem Furchtbaren, dem Helden, dem großen Viṣṇu – hasakalahrīṃ – dem Leuchtenden, dessen Gesicht überallhin gewandt ist – hasakahalahrīṃ – Nṛsiṃha, dem Schrecklichen und Heilbringenden – sakalahrīṃ – dem Tod des Todes, verneige ich mich.“

11.VY.7 „Klīṃ, dem Kṛṣṇa – hasakalahrīṃ – dem Govinda – hasakahalahrīṃ – dem Geliebten der Gopīs – sakalahrīṃ – svāhā.“

11.VY.8 „klīṃ hasakalahrīṃ kṛṣṇāya hasakahalahrīṃ namaḥ sakalahrīṃ“ – „Klīṃ, Verehrung dem Kṛṣṇa“, mit den eingefügten Kūṭas.

So ist die Verbindung zu verstehen.

Gāyatrī im vedischen Lehrweg

Nun werden die Mantras der vedischen Lehransicht genannt. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Für den Śrīgāyatrī-Mantra setze man am Kopf ein: „Verehrung dem Ṛṣi Viśvāmitra“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīparamātman“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Wunsches.“

Die sechs Gliedmantras setze man so ein:

  • „tat savitur“ – dem, dessen Wesen Brahmā ist; dem Herzen namaḥ.
  • „vareṇyaṃ“ – dem, dessen Wesen Viṣṇu ist; dem Kopf svāhā.
  • „bhargo devasya“ – dem, dessen Wesen Rudra ist; dem Haarschopf vaṣaṭ.
  • „dhīmahi“ – dem, dessen Wesen Īśvara ist; dem Schutzpanzer huṃ.
  • „dhiyo yo naḥ“ – dem, dessen Wesen Sadāśiva ist; den drei Augen vauṣaṭ.
  • „pracodayāt“ – dem, dessen Wesen das höchste Selbst ist; der Waffe phaṭ.

Danach meditiere man:

11.GĀ.1 Ich verehre Gāyatrī mit ihren jeweils dreiäugigen Gesichtern von Perlen-, Korallen-, Gold-, Blau- und Weißglanz. Sie trägt eine Juwelenkrone mit dem Mond; ihr Wesen sind die Laute, die den Sinn der Tattvas ausdrücken. Ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen Elefantenhaken, Dreizack, Schädelschale, Schlinge, Muschel, Wurfscheibe und ein Paar Lotusse. [Die dichte Attributreihe wird nach der Vorlage wiedergegeben; ihre Handzahl wird dort nicht eigens erklärt.]

Nach dieser Meditation [rezitiere man]: „Jenes erwählenswerte [Licht] Savitṛs – hasakalahrīṃ – den göttlichen Glanz meditieren wir – hasakahalahrīṃ – unsere Einsichten möge er – sakalahrīṃ – anregen.“

Jātavedas und Durgā

Nun der Mantra „jātavedase“. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Kaśyapa, dem Sohn Marīcis“; am Mund: „Verehrung dem Triṣṭubh-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrījātavedas-Agni, Durgā“. [Die Vorlage verbindet hier beide Gottheitsbezeichnungen.] Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Wunsches.“

Die sechs Gliedmantras lauten: „jātavedase sunavāma – dem Herzen namaḥ“; „somam arātīyato – dem Kopf svāhā“; „nidahāti vedaḥ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „sa naḥ parṣad ati – dem Schutzpanzer huṃ“; „durgāṇi viśvā nāveva – den drei Augen vauṣaṭ“; „sindhuṃ duritāty agniḥ – der Waffe phaṭ“. Den zusammenhängenden Sinn gibt die abschließende Formel. Man meditiere:

11.JA.1 Man vergegenwärtige Durgā, strahlend wie eine Blitzgirlande, auf den Schultern des Löwen stehend, furchterregend, von jungen Frauen bedient, deren Hände mit Schwert und Schild glänzen. Ihre Hände tragen Wurfscheibe, Keule, Schwert, Schild, Pfeile, Bogen und Schlinge und zeigen den drohenden Zeigefinger. Sie besteht aus Feuer, trägt den Mond und hat drei Augen.

Nach dieser Meditation [rezitiere man]: „Für Jātavedas wollen wir Soma pressen – hasakalahrīṃ – er verbrennt die Güter dessen, der uns feindlich ist – hasakahalahrīṃ – er möge uns über alle Schwierigkeiten führen, wie ein Schiff – sakalahrīṃ – über den Strom, Agni über das Unheil hinaus.“

Weitere Agni- und Durgā-Sprüche

Nun der Mantra „tām agnivarṇām“. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma und setze Ṛṣi und die übrigen Angaben wie zuvor ein. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Der Nyāsa lautet: „hrāṃ – dem Herzen namaḥ“; „hrīṃ – dem Kopf svāhā“; „hrūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „hraiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „hrauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „hraḥ – der Waffe phaṭ“. Man meditiere wie zuvor und rezitiere:

„Zu jener Feuerfarbenen, durch Tapas Leuchtenden – hasakalahrīṃ – zur Strahlenden, die sich den Früchten der Handlungen zuwendet – hasakahalahrīṃ – zur Göttin Durgā nehme ich Zuflucht – sakalahrīṃ – du führst gut hinüber; Verehrung deiner hinüberführenden Kraft.“

Nun die Anwendung des mit „agne“ beginnenden [Mantras]. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man Ṛṣi-Nyāsa, sechsfachen Gliedernyāsa und Meditation wie zuvor und rezitiere:

„Agni, führe du uns aufs Neue hinüber – hasakalahrīṃ – mit Heil über sämtliche Schwierigkeiten – hasakahalahrīṃ – sei uns eine weite, große Burg und Erde – sakalahrīṃ – zum Glück und Wohlergehen für Kind und Nachkommen.“

Nun die Anwendung von „viśvāni naḥ“. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Ṛṣi-, Hand- und sechsfachen Gliedernyāsa sowie Meditation vollziehe man wie zuvor und rezitiere:

„Über alle unsere Schwierigkeiten, Jātavedas – hasakalahrīṃ – wie über einen Strom mit einem Schiff führe uns über das Unheil hinaus – hasakahalahrīṃ – Agni, von uns mit Verneigung wie von Atri gepriesen – sakalahrīṃ – erkenne dich als Beschützer unserer Leiber.“ [Die Vorlage hat bei der Bitte um Hinüberführung die beschädigte Form „papiṃ“.]

Nun die Anwendung von „pṛtanājitam“. Nachdem die morgendlichen Handlungen bis einschließlich der Meditation ausgeführt sind, [rezitiere man]:

„Den Schlachtensieger, den Überwältigenden, den Furchtbaren – hasakalahrīṃ – Agni rufen wir von der höchsten Stätte herbei – hasakahalahrīṃ – er möge uns über sämtliche Schwierigkeiten führen – sakalahrīṃ – der Gott Agni von der Erde über das Unheil hinaus.“ [Das Wort „kṣāmat“ ist in diesem Schlusszusammenhang nicht vollständig eindeutig.]

Danach [folgen] das Śrīsūkta und das Devīsūkta, die im Ṛgveda bekannt sind. [Die Quelle nennt hier nur die Titel und schreibt ihre Texte nicht aus.]

Śivaitische Mantraverbindungen

Nun die śivaitische Anwendung. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Vāmadeva“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīsadāśiva“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras lauten: „Dem Allwissenden – dem Herzen namaḥ“; „Dem ewig Zufriedenen – dem Kopf svāhā“; „Dem anfangslos Erkennenden – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „Dem Unabhängigen – dem Schutzpanzer huṃ“; „Dem, dessen Kraft niemals schwindet – den drei Augen vauṣaṭ“; „Dem, dessen Kraft ewig unbegrenzt ist – der Waffe phaṭ“. Man meditiere:

11.ŚI.1–11.ŚI.2 Śambhu ist weiß wie der Schaum von Kuhmilch, strahlend wie ein Silberberg. Sein Haupt ist mit der Krone verfilzter Haare geschmückt, an der die schöne Mondsichel leuchtet. Er besitzt fünf Gesichter, jedes mit drei Augen; er trägt Tigerfell und Juwelenschmuck.

Danach rezitiere man: „hasakalahrīṃ oṃ hasakahalahrīṃ namaḥ sakalahrīṃ śivāya“ – „Oṃ, Verehrung dem Śiva“, mit den eingefügten Kūṭas.

Aghorāstra

Nun die Anwendung der Aghora-Waffe. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Aghora“; am Mund: „Verehrung dem Triṣṭubh-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīaghorarudra“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim hrīṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti hrūṃ“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras setze man so ein:

  • „hrīṃ sphura sphura – dem Herzen namaḥ“: Leuchte auf, leuchte auf!
  • „prasphura prasphura – dem Kopf svāhā“: Leuchte hervor, leuchte hervor!
  • „ghora ghoratara tanūrūpa – dem Haarschopf vaṣaṭ“: Furchtbarer, noch Furchtbarerer, von solcher Leibesgestalt!
  • „caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa – dem Schutzpanzer huṃ“: lautmalerische Feuer- beziehungsweise Schlaglaute.
  • „kaha kaha vama vama – den drei Augen vauṣaṭ“: „kaha kaha“, speie aus, speie aus!
  • „bandha bandha ghātaya ghātaya huṃ phaṭ – der Waffe phaṭ“: Binde, binde; schlage nieder, schlage nieder!

Danach meditiere man:

11.AG.1 Nachdem der Leib so durch Nyāsa geordnet ist, meditiere der Mantrakenner ohne Ablenkung über den Gott: dunkel wie eine Gewitterwolke, mit furchtbaren Fangzähnen und drei Augen.

11.AG.2–11.AG.3 Er trägt Schlangen als Schmuck, rote Gewänder und rote Salbung. In den rechten Händen, von oben beginnend, hält er Axt, Schwert, Pfeile und Dreizack; in den anderen Trommel, Schild, Bogen und menschliche Schädelschale, o Pārvatī.

11.AG.4 Bei wunscherfüllenden Handlungen stelle man ihn sich rot vor, bei schädigender Magie schwarz; zur Bezwingung und Befreiung von Grahas, Bhūtas und ähnlichen [Wesen] perlengleich.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ hrīṃ – Leuchte auf, leuchte auf; leuchte hervor, leuchte hervor, Furchtbarer, noch Furchtbarerer, von solcher Gestalt – hasakalahrīṃ – caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa kaha kaha – hasakahalahrīṃ – speie aus, speie aus; binde, binde – sakalahrīṃ – schlage nieder, schlage nieder; huṃ phaṭ.“ [Die aggressiven Anrufungen sind die historische Beschwörungssprache des Textes.]

Śarabha

Nun die Śarabha-Anwendung. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śarabhaśālva, dem König der Vögel“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Einsetzungen lauten: „oṃ namo bhagavate – dem Herzen namaḥ“; „śarabhaśālvāya – dem Kopf svāhā“; „pakṣirājāya – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „mama śatrūn nāśaya nāśaya – dem Schutzpanzer huṃ“; „huṃ phaṭ – den drei Augen vauṣaṭ“; „svāhā – der Waffe phaṭ“. Der Sinn ist: „Verehrung dem erhabenen Śarabhaśālva, dem König der Vögel; vernichte, vernichte meine Feinde!“ Die Meditation:

11.ŚAR.1 Achtfüßig, mit einem Vajra-Zeichen an den Flügelwurzeln, mit goldenen Flügelhöhen und goldenem Leib, von Rubinfarbe durchdrungen; sein Lotusgesicht glänzt mit der Öffnung des Schnabels …

11.ŚAR.2 … seine drei Augen erstrahlen im Licht von Sonne, Feuer und Mond und lassen Rubinlicht aufleuchten; sämtliche Haare glänzen wie dunkle Edelsteine, sein Haupt leuchtet mit einem Mondstück.

11.ŚAR.3 Sein mächtiger rotbrauner Haarknoten ist mit einem Paar Vipra-Schlangen gebunden. Die darin strömende Gaṅgā berührt sein Haupt; die nacheinander herabfallenden Tropfen gleichen schönen Girlanden. Vorne aufsteigende Schlangenbindungen formen Knoten der Mähne … [Die anschließende Verbindung von fünf Fingern, Schwanzknoten und einem hervortretenden Armpaar ist im sehr dichten Kompositum nicht sicher aufzulösen; das Bild endet mit dem Glanz schöner Girlanden.]

11.ŚAR.4 An seiner Hüfte ist ein Paar Vaiśya-Schlangenherrscher gebunden; Mond und Sonne [erscheinen] im Spiel des Glanzes. Der mächtige Glockenklang erfüllt die Herren der zehn Richtungen mit Unruhe; für die Feindesschar ist er der Tod. Über den Schultern bewegen sich schlingenförmig die Leiber von Schlangenherrschern der Vṛṣala-Klasse; ihr Zischen ist furchtbar, seine Hufe zerstoßen die alles tragende Erde. [Die Schlangenklassifikation verwendet historische Varṇa-Namen; einige Kompositumanschlüsse bleiben unsicher.]

11.ŚAR.5 Mit einspitzigem Geist meditiere man über Śarabha in Śālva-Gestalt, den Vogelförmigen, der die Feindesschar seiner Verehrer verzehrt.

Nachdem man über Śiva in Śarabha-Gestalt meditiert hat, rezitiere man: „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Śarabhaśālva – hasakalahrīṃ – dem König der Vögel – hasakahalahrīṃ – vernichte meine Feinde, vernichte sie – sakalahrīṃ – gha gha huṃ phaṭ svāhā.“

Prāsāda

Nun die Anwendung des Prāsāda-Mantras. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Vāmadeva“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīsadāśiva“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim haṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti oṃ“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung aller eigenen Wünsche.

Die sechs Gliedmantras lauten: „hāṃ – dem Herzen namaḥ“; „hīṃ – dem Kopf svāhā“; „hūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „haiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „hauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „haḥ – der Waffe phaṭ“. Man meditiere:

11.PR.1 Mein Kind, mit einspitzigem Geist meditiere im Herzen über den Gott: Sein Leib ist rot wie eine Fülle von Zinnober, sein Gesicht lächelt, er hat drei Augen.

11.PR.2 Sein Haupt schmückt die auf der Juwelenkrone leuchtende Mondsichel. In der oberen rechten Hand trägt er die Axt, in der unteren die Geste des Gewährens.

11.PR.3–11.PR.4 und Fortsetzung In der oberen linken Hand hält er ein Reh, die untere zeigt Furchtlosigkeit und ruht liebevoll an der vollen, runden, erhobenen Brust seiner Geliebten, die auf seinem linken Schoß sitzt und rechts einen roten Lotus hält. Er selbst sitzt auf einem roten Lotus, strahlt mit vielfältigem Schmuck und trägt göttliche Düfte, Girlanden und Gewänder. [Die Verknüpfung von Handgeste und Berührung ist in der Vorlage gedrängt.]

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ hauṃ hasakalahrīṃ hrīṃ hasakahalahrīṃ namaḥ sakalahrīṃ śivāya“ – „Oṃ hauṃ hrīṃ, Verehrung dem Śiva“, mit den eingefügten Kūṭas.

Pāśupatāstra

Nun die Anwendung der Pāśupata-Waffe. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Vāmadeva“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīpaśupati“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras lauten: „oṃ huṃ phaṭ – dem Herzen namaḥ“; „ślīṃ huṃ phaṭ – dem Kopf svāhā“; „pa huṃ phaṭ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „śu huṃ phaṭ – dem Schutzpanzer huṃ“; „huṃ huṃ phaṭ – den drei Augen vauṣaṭ“; „phaṭ huṃ phaṭ – der Waffe phaṭ“. Man meditiere:

11.PA.1 Der Mantrakenner meditiere gesammelt über Paśupati: fünfgesichtig, zehnarmig, jedes Gesicht mit drei Augen.

11.PA.2–11.PA.3 Sein Bart gleicht Feuerflammen, seine Fangzähne sind furchtbar. In den rechten Händen trägt der Erhabene, von oben beginnend, Schwert, Pfeile, Gebetskette, Speer und Axt. In den linken hält er Schild, Bogen, Wassergefäß, Dreizack und Brahmā-Stab.

11.PA.4 und Fortsetzung Er leuchtet wie die Mittagssonne, strahlt mit mancherlei Schmuck und ist mit Schlangenherrschern geziert. Man vergegenwärtige ihn zugleich wie eine Fülle von Bergkristall, friedvoll und allen Schutz gewährend. [Beide Farbbilder stehen in der Quelle.]

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ ślīṃ hasakalahrīṃ paśu hasakahalahrīṃ huṃ sakalahrīṃ phaṭ“. [„paśu“ ist hier ein eingefügtes Mantraglied; die Formel wird nicht zu einem anderen Wort ergänzt.]

Dakṣiṇāmūrti

Nun die Anwendung des Dakṣiṇāmūrti-Mantras. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Śuka“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīdakṣiṇāmūrti“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim oṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti hrīṃ“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches und reinige die Hände mit dem Wurzelmantra.

Die sechs Gliedmantras lauten:

  • „oṃ hrāṃ dakṣiṇāmūrtaye hrāṃ – dem Herzen namaḥ“: dem Dakṣiṇāmūrti.
  • „oṃ hrīṃ tubhyaṃ hrīṃ – dem Kopf svāhā“: dir.
  • „oṃ hrīṃ vaṭamūlanivāsine hrūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“: dem am Fuß des Banyanbaums Wohnenden.
  • „oṃ hrīṃ dhyānaikaniratāṅgāya hraiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“: dem ganz der Meditation Hingegebenen.
  • „oṃ hrīṃ namo rudrāya hrauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“: Verehrung dem Rudra.
  • „oṃ hrīṃ śambhave hraḥ – der Waffe phaṭ“: dem Śambhu.

11.DM.1 Ich verneige mich vor dem Herrn in der Gestalt Dakṣiṇāmūrtis, dem Lehrer der drei Welten. Nahe beim Banyanbaum sitzt er auf der Erde, den versammelten Weisen unmittelbar Erkenntnis schenkend, kundig darin, das Leid von Geburt und Tod abzuschneiden.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ hrīṃ – dir, Dakṣiṇāmūrti – hasakalahrīṃ – der du am Fuß des Banyanbaums wohnst – hasakahalahrīṃ – ganz der Meditation hingegeben – sakalahrīṃ – Verehrung dem Rudra, dem Śambhu; hrīṃ oṃ.“

Mṛtyuñjaya

Nun die Mṛtyuñjaya-Anwendung. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Kahola“; am Mund: „Verehrung dem Nicṛdgāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīmṛtyuñjaya“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim oṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti saḥ“; am Nabel: „Verehrung dem Kīlaka jūṃ“.

Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches und reinige die Hände mit dem Wurzelmantra. Die sechs Gliedmantras lauten: „sāṃ – dem Herzen namaḥ“; „sīṃ – dem Kopf svāhā“; „sūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „saiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „sauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „saḥ – der Waffe phaṭ“.

11.MṚ.1 Mein Kind, mit gesammeltem Geist meditiere lange über den Gott: reinem Bergkristall gleich, auf einem weißen Lotussitz.

11.MṚ.2 Sein gesamter Leib ist mit dem Nektar übergossen, der von dem Mondstück in seiner Haarkrone herabfließt. Seine Augen sind Sonne, Mond und Feuer.

11.MṚ.3 und Fortsetzung In der oberen rechten Hand trägt er die Erkenntnis-Mudrā, in der unteren die Gebetskette; oben links die Schlinge, unten den Veda. So stelle man sich den Gott vor, der die Furcht vor Tod und Krankheit hinwegnimmt.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ hasakalahrīṃ jūṃ hasakahalahrīṃ saḥ sakalahrīṃ“.

Der zehnlautige Śiva-Mantra

Nun die Anwendung des zehnlautigen [Mantras]. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“; am Mund: „Verehrung dem Virāṭ-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Sadāśiva“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras lauten: „oṃ – dem Herzen namaḥ“; „namaḥ – dem Kopf svāhā“; „bhagavate – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „rudrāya – dem Schutzpanzer huṃ“; „oṃ namo bhagavate – den drei Augen vauṣaṭ“; „rudrāya – der Waffe phaṭ“. Man meditiere:

11.DAŚ.1 Ich vergegenwärtige Maheśa, umgeben von göttlichen Genüssen, verehrt von Unsterblichen und den Söhnen Ditis. Er trägt die Hälfte des Leibes der Bergtochter, gleicht einem Bergkristall und hat Tigerfell als Obergewand; mit Leopardenfell bekleidet, mit der Mondsichel am Scheitel, blauhalsig, freudig, von den Kalās durchdrungen, trägt er rotbraunes verfilztes Haar.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ hasakalahrīṃ namo hasakahalahrīṃ bhagavate sakalahrīṃ rudrāya“ – „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Rudra“, mit den eingefügten Kūṭas.

Die solare Überlieferung: der Ghṛṇi-Mantra

Nun die Ordnung der Sonnenüberlieferung, zunächst die Anwendung des Ghṛṇi-Mantras. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Devabhāga“; am Mund: „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrīsūrya“. Mit gefalteten Händen erkläre man: „Die Anwendung besteht in der Rezitation zur Erfüllung meines Wunsches.“

Man setze die sechs Gliedmantras ein:

  • „satyatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – dem Herzen namaḥ“: Flammenjuwel des Wahrheitsglanzes.
  • „brahmatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – dem Kopf svāhā“: Flammenjuwel des Brahma-Glanzes.
  • „viṣṇutejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – dem Haarschopf vaṣaṭ“: Flammenjuwel des Viṣṇu-Glanzes.
  • „rudratejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – dem Schutzpanzer huṃ“: Flammenjuwel des Rudra-Glanzes.
  • „agnitejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – den drei Augen vauṣaṭ“: Flammenjuwel des Feuerglanzes.
  • „sarvatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā – der Waffe phaṭ“: Flammenjuwel allen Glanzes.

Danach meditiere man:

11.SG.1 Ich preise den Herrn des Tages: In seinen Händen hält er zwei rote Lotusse und zeigt die Gesten der Furchtlosigkeit und des Gebens. Er trägt Oberarmreifen, Halsketten, Armspangen und Ohrringe, eine Rubinkrone; er leuchtet wie eine Bandhūka-Blüte, seine drei Augen erstrahlen.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „ghṛṇiḥ hasakalahrīṃ sūrya hasakahalahrīṃ āditya sakalahrīṃ oṃ“ – die Sonnenbezeichnungen Ghṛṇi, Sūrya und Āditya mit den eingefügten Kūṭas.

Der sechslautige Sonnenmantra

Nun dessen Anwendung. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa setze man am Kopf „Verehrung dem Ṛṣi Brahmā“, am Mund „Verehrung dem Gāyatrī-Versmaß“ und am Herzen „Verehrung der Gottheit Śrīsavitṛ“ ein. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „sūkṣmarūpāya svāhā – dem Herzen namaḥ“, dem von feiner Gestalt; „sūkṣmatejase svāhā – dem Kopf svāhā“, dem von feinem Glanz; „sūkṣmākārāya svāhā – dem Haarschopf vaṣaṭ“, dem von feiner Erscheinung; „sūkṣmabālāya svāhā – dem Schutzpanzer huṃ“; „sūkṣmakāyāya svāhā – den drei Augen vauṣaṭ“, dem von feinem Leib; danach den Wurzelmantra mit „der Waffe phaṭ“. [Die Vorlage liest beim vierten Glied bāla, „jung/Kind“; eine beabsichtigte Lesung bala, „Kraft“, ist nicht gesichert.]

11.SṢ.1 Man meditiere über Ravi, der zwei rote Lotusse in den Händen hält und Segen und Furchtlosigkeit gewährt. Er leuchtet wie eine Bandhūka-Blüte, besitzt drei Augen und ist reich geschmückt.

Danach rezitiere man: „kha hasakalahrīṃ kho hasakahalahrīṃ lkāya sakalahrīṃ svāhā“. [Die durch Kūṭas unterbrochene Lautfolge „kha … kho … lkāya“ ist in dieser Gestalt überliefert.]

Der vierlautige Mantra: Bhuvaneśvarī in Sonnengestalt

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Brahmā, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Bhuvaneśvarī, die die Gestalt Śrīsūryas besitzt. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „oṃ – dem Herzen namaḥ“; „hrīṃ – dem Kopf svāhā“; „oṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „hrīṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „oṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „hrīṃ – der Waffe phaṭ“.

11.SV.1 Möge die Gestalt der Weltenherrin uns schützen! An ihrer Krone aus tausend strahlenden Juwelen leuchtet die Mondsichel. Ihre Lotushände tragen Elefantenhaken und Schlinge und zeigen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit. Ihre Brüste sind hoch; mit einem Glanz wie geschmolzenes Gold, Lotus, Hibiskus und Blitz erhellt sie das Weltall. [Die abschließende solare Bestimmung ārkamāśvaśiśiram ist in der vorliegenden Lesung nicht sicher aufzulösen.]

Danach rezitiere man: „oṃ hasakalahrīṃ hrīṃ hasakahalahrīṃ haṃ sakalahrīṃ saḥ“.

Der dreilautige Sonnenmantra

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Aja, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīsūrya. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Vom verborgenen Bereich bis zu den Füßen setze man „hāṃ namaḥ“ ein, vom Hals bis zum verborgenen Bereich „hīṃ namaḥ“, vom Scheitel bis zum Hals „saḥ namaḥ“. Danach vollziehe man den Hand- und Sechsgliednyāsa mit „hrāṃ hrīṃ hrūṃ hraiṃ hrauṃ hraḥ“ und meditiere:

11.ST.1 Wir vergegenwärtigen uns den Herrn des Tages: Er sitzt auf einem roten Lotus, besitzt drei Augen und reichen Schmuck. Seine Hände halten zwei rote Lotusse und gewähren das Ersehnte und Furchtlosigkeit. Sein Leib ist tiefrot; er ist schön von den Strahlen der Morgenröte umgeben und wird von allen Götterscharen verehrt.

Danach rezitiere man: „hrāṃ hasakalahrīṃ hrīṃ hasakahalahrīṃ saḥ sakalahrīṃ“.

Der sechzehnlautige Bhāskara-Mantra

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Brahmā, am Mund das Jagatī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrībhāskara. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „oṃ aiṃ – dem Herzen namaḥ“; „klāṃ klīṃ klūṃ – dem Kopf svāhā“; „hrāṃ hrīṃ hrūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „saḥ – dem Schutzpanzer huṃ“; „śrībhāskarāya – den drei Augen vauṣaṭ“; „svāhā – der Waffe phaṭ“.

11.SB.1 Er sitzt auf einem rubinbesetzten Wagen und trägt Edelsteinohrringe. Der mächtige Herr gewährt mit seinen Händen das Ersehnte und trägt Muschelhorn, Diskus und Lotus.

11.SB.2 Er trägt Krone, Gürtel und Panzer, hat einen schönen Leib und ist mit vielfältigen Juwelen versehen. Pferde in der Zahl der Ṛṣis [sieben] schmücken seinen Wagen.

11.SB.3 Mondhäuser, Planeten, Tierkreiszeichen und anderes dienen ihm, ebenso die Scharen der Weisen. Sāvitrī, Gāyatrī und Sarasvatī umgeben ihn in Schönheit.

Der Wissende meditiere über Bhāskara, umgeben von vielerlei Göttern.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „oṃ aiṃ hasakalahrīṃ klāṃ klīṃ klūṃ hasakahalahrīṃ hrāṃ hrīṃ hrūṃ saḥ sakalahrīṃ śrībhāskarāya svāhā“ – mit der Anrufung „dem erhabenen Lichtspender, svāhā“.

Der zwölflautige Āditya-Mantra

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Devabhāga, am Mund das Virāṭ-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīāditya. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erlangung des eigenen Wunsches.

Als Sechsgliedmantras nennt der Text „hrāṃ hrīṃ hrūṃ hraiṃ hraḥ“. [Es sind nur fünf Glieder ausgeschrieben; eine sechste Silbe wird hier nicht ergänzt.] Man meditiere wie zuvor und rezitiere: „oṃ āṃ hasakalahrīṃ hrīṃ śrīṃ ghṛṇiḥ hasakahalahrīṃ sūriya sakalahrīṃ āditya oṃ“. [Die Lautform sūriya bleibt gemäß der Vorlage erhalten.]

Der sechslautige Āditya-Mantra

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Brahmā, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīāditya. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erlangung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „oṃ – dem Herzen namaḥ“; „śrīṃ – dem Kopf svāhā“; „hrīṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „klīṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „glauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „hrāṃ – der Waffe phaṭ“. Nach der Meditation wie zuvor rezitiere man: „oṃ śrīṃ hasakalahrīṃ hrīṃ klīṃ hasakahalahrīṃ glauṃ sakalahrīṃ hrāṃ“.

Der achtlautige Ātman-Mantra

Nun dessen Anwendung. Nyāsa, Meditation und Weiteres sind bereits bei der Mātṛkā-Ordnung des Prapañcayāga beschrieben. Man rezitiere: „oṃ hrīṃ hasakalahrīṃ haṃsaḥ hasakahalahrīṃ so'haṃ sakalahrīṃ svāhā“. [Der Text verweist hier auf die frühere Darstellung und schreibt keine neue Meditation aus; so'ham bedeutet „Ich bin Er/Das“.]

Die Śākta-Überlieferung: Bālā

Nun die Ordnung der Śākta-Überlieferung, zunächst die Anwendung des Bālā-Mantras. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf: „Verehrung dem Ṛṣi Dakṣiṇāmūrti“; am Mund: „Verehrung dem Paṅkti-Versmaß“; am Herzen: „Verehrung der Gottheit Śrībālā“; im verborgenen Bereich: „Verehrung dem Keim aiṃ“; an den Füßen: „Verehrung der Śakti sauḥ“; am Nabel: „Verehrung dem Kīlaka klīṃ“. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „aiṃ – dem Herzen namaḥ“; „klīṃ – dem Kopf svāhā“; „sauḥ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „aiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „klīṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „sauḥ – der Waffe phaṭ“. Danach meditiere man:

11.BĀ.1 Ihr Haarknoten ist dunkelblau wie umherschwirrende Bienen und mit makellosen Blüten geschmückt. Am Scheitel leuchtet eine Perlenspur entlang des Haarscheitels.

11.BĀ.2 Ihre Stirn trägt ein Tilaka, verbunden mit dem Juwel der Perlenspur. Ihre Krone zeigt eine Mondsichel mit einem reinen Perlentropfen.

11.BĀ.3 Ihre drei Augen glänzen dunkelblau wie umherschwirrende Bienen. Die höchste Göttin trägt große Edelsteinohrringe, die wie die Sonne leuchten.

11.BĀ.4 Sie ist mit einer Perlenkette geschmückt, deren Glanz dem Śukra [Venus; auch „heller Glanz“] gleicht. Ihre Handgelenke strahlen durch Armreifen und weiteren Schmuck.

11.BĀ.5 Ihre jungen Hände und Füße gleichen Korallenranken. Ihr Gürtel besteht aus Diamanten, Vaidūrya-Steinen und Perlenreihen; ihr Licht ist makellos.

11.BĀ.6 Ihre Füße gleichen roten Lotusblättern. Perlengesetzte Fußreifen schmücken sie wie eine Reihe von Sternen.

11.BĀ.7 Mit einer linken Hand hält sie ein Buch, mit der anderen gewährt sie dem Sādhaka Furchtlosigkeit, o Schönangesichtige.

11.BĀ.8 Mit den beiden rechten Händen hält sie eine Gebetskette und zeigt die Segensgeste. So meditiere man über die Göttin, die Einfluss, Glück und Redekraft verleiht.

Man vergegenwärtige sie sich heiter und weiß wie Milch, Kunda-Blüten und Mond, o Geliebte.

Danach rezitiere man: „aiṃ hasakalahrīṃ klīṃ hasakahalahrīṃ sauḥ sakalahrīṃ“.

Tripurabhairavī

Nun die Anwendung Bhairavīs. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Dakṣiṇāmūrti, am Mund das Paṅkti-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrītripurabhairavī. Im verborgenen Bereich verehre man den Vāgbhavakūṭa als Keim, an den Füßen den Śaktikūṭa als Śakti, am Nabel den Kāmarājakūṭa als Kīlaka. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Durch zweimalige Wiederholung der drei Keime setze man die sechs Glieder ein und meditiere:

11.TB.1 Sie sitzt mitten auf dem Fruchtboden des roten Herzlotus, leuchtet wie eine Hibiskusblüte und trägt rote Gewänder und Schmuck.

11.TB.2 Ihr Lächeln wäscht die große Verblendung hinweg. Sie besitzt drei Augen und trägt den Mond auf dem Haupt. Sie ist die ganze Fülle der Schönheit der Welt, die Gestalt des Weltenmeeres.

11.TB.3–11.TB.4 Die Göttin ist süß durch ihre Glückseligkeit; ihre Augen bewegen sich im Rausch. Die große Göttin ist mit Köpfen geschmückt, die Brahmā, Abjanetra [Viṣṇu], Rudra, Īśa und Śiva heißen. Sie trägt eine Perlengebetskette; ein Buch schmückt ihre Hand, und sie zeigt die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.

Man meditiere über Tripurabhairavī, schön durch die rote Salbung ihres Leibes.

Danach rezitiere man: „hasakalaraiṃ hasakalahrīṃ hasakalarīṃ hasakahalahrīṃ hasauḥ sakalahrīṃ“.

Caitanyabhairavī

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma sowie Ṛṣi-, Hand- und Sechsgliednyāsa wie zuvor. Man meditiere:

11.CB.1 Sie leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen und trägt vielfältigen Schmuck. Über ihrer Krone erstrahlt die Mondsichel; sie ist in rote Gewänder gekleidet.

11.CB.2 Sie hält Schlinge und Elefantenhaken und trägt stets eine Schädelschale in der linken Hand. Ihre Hände zeigen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit; ihre Brüste sind voll und hoch.

Nach dieser Meditation verehre man die Göttin, die auf dem östlichen Löwenthron sitzt.

Man rezitiere: „sahaiṃ hasakalahrīṃ sakalahrīṃ hasakahalahrīṃ sahauḥ sakalahrīṃ“.

Kāmeśvarībhairavī

Die Handlungen vom morgendlichen Ritual bis zur Meditation vollziehe man wie zuvor. Dann rezitiere man: „sahraiṃ hasakalahrīṃ sakalahrīṃ hasakahalahrīṃ nityaklinne madadrave sakalahrīṃ sahrauḥ“. Die Anrufungen nityaklinne madadrave bedeuten „ewig Befeuchtete, im Rausch Dahinschmelzende“.

Nityābhairavī

Nun die Anwendung Bhairavīs. Die Handlungen vom morgendlichen Ritual bis zum Sechsgliednyāsa vollziehe man wie zuvor und meditiere:

11.NB.1 Sie leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen, trägt den Mond im Haarschopf und besitzt drei Augen. Vielfältiger Schmuck verleiht ihr Schönheit; sie zerschneidet sämtliche Feinde.

11.NB.2–11.NB.3 Sie trägt eine Reihe bluttriefender Köpfe und rote Gewänder. Der Reihe nach hält sie Dreizack, Trommel, Schwert, Schild, Pināka-Bogen, Pfeile, o Göttin, Schlinge und Elefantenhaken, Buch und Gebetskette. Ihr Löwenthron besteht aus einem Leichnam.

Nach dieser Meditation rezitiere man: „hasakhaphreṃ hasakalahrīṃ hasakalarīṃ hasakahalahrīṃ hsauṃ sakalahrīṃ“. So lautet die [Anwendung der] Nityābhairavī. [Die ungewöhnlichen Lautformen bleiben gemäß der Vorlage erhalten.]

Bhuvaneśvarībhairavī und weitere Formen

Die Handlungen vom morgendlichen Ritual bis zum Sechsgliednyāsa vollziehe man wie zuvor. Man meditiere:

11.BB.1 [Der Versanfang fehlt in der Vorlage.] Man meditiere über die vierarmige Göttin, die einer Hibiskusblüte gleicht und wie eine Granatapfelblüte leuchtet.

11.BB.2 Ihre Haarflechte trägt die Mondsichel. Sie besitzt drei Augen, trägt rote Gewänder und ist schön durch vielfältigen Schmuck; ihre Brüste sind voll und hoch.

11.BB.3 Sie sitzt auf einem Leichnam und trägt eine Kopfkette. Ich nehme Zuflucht zu der Heilvollen, die Schlinge und Elefantenhaken hält und Segen und Furchtlosigkeit gewährt.

Danach rezitiere man: „hasraiṃ hasakalahrīṃ hasakahalahrīṃ hrasauḥ sakalahrīṃ“.

Derselbe [Mantra] ist mit vorangestelltem sakala zu bilden: Dies ist eine andere Form der Bhuvaneśvarībhairavī. Beginnt Sampatpradā mit sa, ist sie Kauleśabhairavī. Lässt man bei Sampatpradā am Anfang und Ende den repha, den r-Laut, fort, ergibt sich Sakalasiddhidā Bhairavī. Ṛṣi und weitere Zuordnungen dieser Vidyās sind wie zuvor. [Die Vorlage gibt hier Ableitungsregeln statt vollständig ausgeschriebener zusätzlicher Mantras; die nicht ausgeschriebenen Formeln werden nicht rekonstruiert.]

Die als buddhistisch eingeordneten Gottheiten: Padmāvatī

Nun die Mantras der übergeordneten Gottheiten der buddhistischen Überlieferung. [Dies ist die Einteilung des vorliegenden Tantra; sie besagt nicht, dass alle nachfolgend genannten Göttinnen ausschließlich oder allgemein dem Buddhismus zugeordnet werden.]

Zunächst Padmāvatī. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Brahmā, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīpadmāvatī. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Man vollziehe den Sechsgliednyāsa mit „hrāṃ hrīṃ“ und so weiter und meditiere:

11.PV.1 Ich verehre Padmāvatī, die auf einem Lotus sitzt, wie frischer Kumkuma leuchtet und zwei rote Lotusse hält. Sie besitzt drei Augen, trägt Schmuck, ist rot und hat ein lotusgleiches Gesicht.

Danach rezitiere man: „hrīṃ hasakalahrīṃ padmāvatī hasakahalahrīṃ svāhā sakalahrīṃ“.

Ugratārā, Ekajaṭā, Tārā und Nīlasarasvatī

Denn es heißt: „Ugratārā, auch Ekajaṭā, Tārā und Nīlasarasvatī.“ Ihre Mantras sind:

  • Ugratārā: „aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ sauḥ huṃ ugratāre huṃ phaṭ“.
  • Ekajaṭā: „śrīṃ huṃ hrīṃ huṃ phaṭ“.
  • Tārā: „oṃ hrīṃ strīṃ hūṃ phaṭ“.
  • Nīlasarasvatī: „hrīṃ strīṃ hūṃ“.

Bei der Rezitation dieser vier verbinde man jeweils die drei Kūṭas der Pañcadaśī mit den dazwischenstehenden Keimsilben und rezitiere. [Der Text beschreibt die Verbindung, schreibt hier aber keine vier vollständigen erweiterten Formeln aus.]

Die Anwendung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Akṣobhya, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit der jeweils genannten Tārā. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung der Rezitation zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras:

  • „oṃ hrāṃ akhilavāgrūpiṇyai – dem Herzen namaḥ“: der Verkörperung der gesamten Sprache.
  • „oṃ hrīṃ akhaṇḍavāgrūpiṇyai – dem Kopf svāhā“: der Verkörperung der ungeteilten Sprache.
  • „oṃ hrūṃ brahmavāgrūpiṇyai – dem Haarschopf vaṣaṭ“: der Verkörperung der Brahma-Sprache.
  • „oṃ hraiṃ viṣṇuvāgrūpiṇyai – dem Schutzpanzer huṃ“: der Verkörperung der Viṣṇu-Sprache.
  • „oṃ hrauṃ rudravāgrūpiṇyai – den drei Augen vauṣaṭ“: der Verkörperung der Rudra-Sprache.
  • „oṃ hraḥ sarvavāgrūpiṇyai – der Waffe phaṭ“: der Verkörperung aller Sprache.

Danach meditiere man:

11.TĀ.1a Sie steht auf einem weißen Lotus, der inmitten der das Weltall erfüllenden Wasser leuchtet. Ihre Hände glänzen mit Schneidemesser, Schwert, Schädelschale und blauem Lotus; ihre Erscheinung ist blau. Hervorragende Schlangen schmücken ihren Leib als Gürtel, Ohrringe, Halskette, Armreifen, Oberarmreifen und Fußspangen. Ihre drei Augen sind rötlich.

11.TĀ.1b Man vergegenwärtige sich Tārā, die Mutter der drei Welten: Ihre einzelne Haarflechte ist rotbraun und furchtbar, ihre Zunge tritt hervor, Fangzähne machen ihr Gesicht schrecklich. Ein Tigerfell schmückt ihre Hüften, ein Gürtel aus weißen Knochen umgibt sie. Akṣobhya ziert ihr Haupt; ihr Lotusgesicht lächelt. Sie ruht auf dem Herzen eines Leichnams und besitzt feste Brüste.

So meditiere man. [Beide Verse tragen in der Vorlage die Nummer 1; die Zusätze a und b unterscheiden sie redaktionell.]

Mātaṅgī

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Dakṣiṇāmūrti, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīmātaṅgī. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung aller eigenen Wünsche.

Man setze die sechs Gliedmantras ein:

  • „aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ namo bhagavati śrīmātaṅgīśvari sarvajanamanohāri – dem Herzen namaḥ“: Verehrung, erhabene Herrin Mātaṅgī, die den Sinn aller Menschen gewinnt.
  • „sarvamukharāji sarvamukharañjini – dem Kopf svāhā“: die in allen Gesichtern erstrahlt und alle Gesichter erfreut. [Die Wortverbindung sarvamukharāji bleibt mehrdeutig.]
  • „sarvarājavaśaṅkari sarvastrīpuruṣavaśaṅkari – dem Haarschopf vaṣaṭ“: die alle Könige und alle Frauen und Männer unter Einfluss bringt.
  • „sarvaduṣṭamṛgavaśaṅkari sarvasattvavaśaṅkari – dem Schutzpanzer huṃ“: die alle wilden, schädlichen Tiere und alle Wesen unter Einfluss bringt.
  • „sarvalokam amukaṃ me vaśamānaya – den drei Augen vauṣaṭ“: Bringe alle Welt und den oder die jeweils Genannte unter meinen Einfluss.
  • „svāhā – der Waffe phaṭ“.

[Die auf Beherrschung gerichtete Sprache gehört zum historischen Mantra und wird nicht als Empfehlung für zwischenmenschliches Handeln verstanden.] Danach meditiere man:

11.MĀ.1 Nachdem der Leib auf diese Weise durch Nyāsa geordnet ist, vergegenwärtige man sich die Mantragottheit auf einer schönen Edelsteininsel mitten im Nektarmeer.

11.MĀ.2 Dort befindet sich eine aus Edelsteinen errichtete Halle, von goldenen Mauern umgeben, mit Kadamba- und Bilva-Bäumen am Eingang und von Wunschbäumen verschönert. [Die Verbindung kadambabilvakadvāri ist syntaktisch unsicher.]

11.MĀ.3 Inmitten des Altars, auf einem bequem bereiteten Edelstein-Löwenthron, o Herr, befindet sich ein großer achtblättriger Lotus, innen mit Staubfäden und Fruchtboden.

11.MĀ.4 In seiner Mitte ist ein Dreieck; außen folgen acht Blätter, dann sechzehn und außerhalb davon vier Blätter.

11.MĀ.5 Vier Ecken und vier Tore besitzt dieses vortreffliche Maṇḍala. In seiner Mitte sitzt sie bequem: dunkel von Farbe und mit reinem Lächeln.

11.MĀ.6 Eine Kadamba-Girlande ist ihr Schmuck; Götter und Asuras verehren sie. Haarlocken hängen herab, die Mondsichel ist ihr Ohr- beziehungsweise Hauptschmuck.

11.MĀ.7 Ein Tilaka zeichnet ihre Stirn; ihr Gesicht lächelt leicht. Ihre Stirn leuchtet lieblich durch ein wenig Schweiß.

11.MĀ.8 Eine feine Haarlinie ziert die Mitte zwischen den wellenartigen Bauchfalten. Sie trägt allen Schmuck und eine Perlenkette.

11.MĀ.9 Gürtel, mit vielfältigen Edelsteinen besetzt, schmücken sie, ebenso juwelenbesetzte Armreifen und Oberarmreifen.

11.MĀ.10 Die jugendliche Göttin besitzt zwei Arme; ihre Augen bewegen sich im Rausch. Ihre Brüste sind voll, rund und hoch.

11.MĀ.11 Sie trägt lange Ohrgehänge und Ohrschmuck. Mātaṅginī ist dunkelblau wie ein Tamāla-Baum, jung und vom berauschenden Getränk erfüllt.

11.MĀ.22 An ihren Seiten befinden sich Papagei und Sārikā-Vogel als Gestalten der vierundsechzig Künste. Sie leuchtet wie zehn Millionen junge Sonnen und gleicht einer Hibiskusblüte.

So, oder auch von gelber Farbe, meditiere man über die höchste Mātaṅginī. [Die Vorlage springt von Vers 11 zu Vers 22; daraus werden keine fehlenden Verse ergänzt. Auch die wechselnden Farbangaben bleiben erhalten.]

Danach rezitiere man: „aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ namo bhagavati śrīmātaṅgīśvari sarvajanamanohāri sarvamukharāji sarvamukharañjini hasakalahrīṃ sarvarājavaśaṅkari sarvastrīpuruṣavaśaṅkari hasakahalahrīṃ sarvaduṣṭamṛgavaśaṅkari sakalahrīṃ sarvalokam amukaṃ me vaśamānaya svāhā“. Die Bedeutung entspricht den zuvor übersetzten Anrufungen. [Die Wendung sarvasattvavaśaṅkari des Gliednyāsa fehlt in dieser ausgeschriebenen Gesamtformel.]

Sumukhī

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Tumburu, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīsumukhī. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „aiṃ hrīṃ śrīṃ – dem Herzen namaḥ“; „ucchiṣṭa – dem Kopf svāhā“; „cāṇḍāli – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „mātaṅgi – dem Schutzpanzer huṃ“; „sarvavaśaṅkari – den drei Augen vauṣaṭ“; „namaḥ – der Waffe phaṭ“. Die Anrufung bezieht sich auf Mātaṅgī als Ucchiṣṭa-Caṇḍālī, die mit Speiseresten und der rituell ausgegrenzten Caṇḍāla-Sphäre verbundene Göttin, „die alles unter Einfluss bringt“. Danach meditiere man:

11.SUM.1 Man vergegenwärtige sich die junge Göttin bei ihrer ersten Menstruation, mit Blutstropfen am blauen Gewand. Sie hält ein Gefäß mit berauschendem Getränk; ihre drei Augen bewegen sich im Rausch. Der Vers beschreibt ihre vollen Brüste, die dadurch bedingte Schwere ihrer Haltung und ein verrutschtes Obergewand. In ihrer Hand erscheint eine Vīṇā; sie trägt Ohrringe aus reinem Muschelmaterial. [Die Alters- und Körpermerkmale sind Bestandteile der historischen Ikonographie; galitacūrṇikā wird hier auf das verrutschte Kleidungsstück bezogen, dessen genaue Bezeichnung unsicher bleibt.]

Danach rezitiere man: „aiṃ hrīṃ śrīṃ hasakalahrīṃ ucchiṣṭacaṇḍālimātaṅgi hasakahalahrīṃ sarvavaśaṅkari sakalahrīṃ namaḥ svāhā“ – „Verehrung der Ucchiṣṭacaṇḍālī Mātaṅgī, die alles unter Einfluss bringt; svāhā“, mit den Keimsilben und Kūṭas.

Caṇḍamātaṅginī

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Dakṣiṇāmūrti, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīcaṇḍamātaṅginī. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Man setze die sechs Glieder mit dem Māyā-Bīja in seinen sechs Langvokalformen ein und meditiere:

11.CM.1 Man meditiere über Mātaṅgī: Ihre Füße sind von frischem rotem Lack feucht, ihr schwarzes Gewand leuchtet. Ihre Hände spielen die Vīṇā; ihre Brüste sind hoch. Sie trägt Reihen von Perlen und Korallen, hat eine schöne Gestalt und weiße Muschelohrringe. Ihre Lippen gleichen der Bimba-Frucht, sie lächelt. Lose Locken umgeben ihre Haarflechte, ihre Augen gleichen Lotussen; ihre dunkle Farbe gleicht der eines Papageis.

Danach rezitiere man: „hrīṃ namaḥ hasakalahrīṃ hili hili hasakahalahrīṃ caṇḍamātaṅginī sakalahrīṃ svāhā“ – Verehrung der wilden Mātaṅginī, mit den überlieferten Ruflauten und Kūṭas.

Die Gāṇapatya-Überlieferung: der einlautige Gaṇapati-Mantra

Nun die Mantras der übergeordneten Gottheiten der Gāṇapatya-Überlieferung. Zunächst die Anwendung des einlautigen Gaṇapati-Mantras. Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Nicṛt-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīvighneśvara. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung aller eigenen Wünsche.

Die sechs Gliedmantras:

  • „oṃ gaṇajayāya svāhā – dem Herzen namaḥ“: dem Sieger über die Scharen.
  • „ekadaṃṣṭrāya huṃ phaṭ – dem Kopf svāhā“: dem Einstoßzahnigen.
  • „acalakarṇine namaḥ – dem Haarschopf vaṣaṭ“: dem mit unbewegten Ohren.
  • „gajavaktrāya namo namaḥ – dem Schutzpanzer huṃ“: Verehrung, Verehrung dem Elefantengesichtigen.
  • „mahodarāya – den drei Augen vauṣaṭ“: dem Großbäuchigen.
  • „caṇḍāya huṃ phaṭ – der Waffe phaṭ“: dem Wilden.

Oder man vollziehe die sechs Glieder mit „gāṃ gīṃ“ und so weiter. Danach meditiere man:

11.GE.1 Möge Gaṇapati, der Herr der Hindernisse, zu eurem Gedeihen wirken! Er leuchtet rot, trägt den Mond auf dem Haupt und hält in seinen Lotushänden Elefantenhaken, Schlinge und Stoßzahn und zeigt die Segensgeste. Er hat ein Elefantengesicht und drei Augen; rote Salbung bedeckt seinen Leib. Sein mächtiger Rüssel trägt eine Zitronatzitrone, sein Bauch ist groß, seine Schläfen sind vom elefantentypischen Schläfensaft feucht. Schlangen sind sein Schmuck.

Danach rezitiere man: „gaṃ hasakalahrīṃ gaṃ hasakahalahrīṃ gaṃ sakalahrīṃ“.

Mahāgaṇapati

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Nicṛdgāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīgaṇapati, im verborgenen Bereich den Keim gaṃ, an den Füßen die Śakti hrīṃ. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „oṃ gāṃ – dem Herzen namaḥ“; „śrīṃ gīṃ – dem Kopf svāhā“; „hrīṃ gūṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „klīṃ gaiṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „glauṃ gauṃ – den drei Augen vauṣaṭ“; „gaṃ gaḥ – der Waffe phaṭ“.

11.GM.1 Ich verehre Mahāgaṇapati, der wie Hibiskus leuchtet, die Mondsichel trägt und mit drei Augen erstrahlt. In seinen Händen hält er Diskus, Lotus, Dreizack, Schlinge, Zuckerrohrbogen, roten Lotus, eine kräftige Keule, eine mit Reisspitzen versehene Zitronatzitrone, Stoßzahn und Krug. Seine Gefährtin, die in ihrer erhobenen Hand einen Lotus trägt, umarmt ihn. [Die dicht zusammengesetzte Aufzählung verbindet vrīhyagra und bījapūra; ob Reisspitzen und Frucht als getrennte Attribute gemeint sind, ist nicht sicher.]

Danach rezitiere man: „oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ hasakalahrīṃ gaṇapataye varavarada hasakahalahrīṃ sarvajanaṃ me vaśamānaya sakalahrīṃ svāhā“ – „Dem Gaṇapati, dem vortrefflichen Segensspender: Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss; svāhā“, mit den Keimen und Kūṭas. [Der auf Beherrschung gerichtete Wunsch wird als historische Mantraformel wiedergegeben.]

Kṣipragaṇapati

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Virāṭ-Versmaß, am Herzen die Gottheit Gaṇapati, der rasch Gunst gewährt. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Mit „gāṃ gīṃ“ und so weiter vollziehe man Hand- und Sechsgliednyāsa und meditiere:

11.GK.1 Ich verehre den zinnoberfarbenen, elefantengesichtigen Gott mit drei Augen, der Schlinge, Elefantenhaken und stets eine Schädelschale mit berauschendem Getränk trägt; die Mondsichel schmückt sein Haupt. Puṣṭi umarmt ihn: Eine ihrer Hände liegt an der Spitze seines Gliedes, ihre andere glänzt mit einem Lotus. Seine Hand ruht an ihrem Geschlecht; sein Rüssel leuchtet mit einem aufgenommenen Gefäß voller Reichtümer. [Der Vers beschreibt die rituelle Ikonographie des göttlichen Paares.]

Danach rezitiere man: „gaṃ hasakalahrīṃ kṣipraprasādanāya hasakahalahrīṃ namaḥ sakalahrīṃ“ – „Verehrung dem rasch Gunst Gewährenden“.

Vakratuṇḍa

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Bhārgava, am Mund das Anuṣṭubh-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīvakratuṇḍa. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erlangung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „va – dem Herzen namaḥ“; „kra – dem Kopf svāhā“; „tu – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „ṇḍā – dem Schutzpanzer huṃ“; „ya – den drei Augen vauṣaṭ“; „hūṃ – der Waffe phaṭ“.

11.GV.1 Man vergegenwärtige sich Vakratuṇḍa, dessen schöne Erscheinung mit dem Glanz eines tiefroten Edelsteins erstrahlt. In seinen sprossgleichen Händen hält er Schlinge und Elefantenhaken und zeigt Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung. Er besitzt drei Augen, trägt Juwelen, Girlanden und Gewänder und ruht in der sich öffnenden Schale eines Lotus. [Der Wortlaut der ersten Verszeile ist beschädigt; die genaue Bestimmung des Edelsteinglanzes bleibt unsicher.]

Danach rezitiere man: „hasakalahrīṃ vakratuṇḍāya hasakahalahrīṃ hūṃ sakalahrīṃ“ – dem mit gekrümmtem Rüssel.

Lakṣmīgaṇeśa

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Antaryāmin, am Mund das Nicṛdgāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīlakṣmīgaṇeśa. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches. Man setze die sechs Glieder mit „śrāṃ gāṃ“ und so weiter ein und meditiere:

11.GL.1 Möge Gaṇapa euch Glück bringen, der große Spender des Glücks! Er ist goldfarben, trägt gelbe Gewänder, hält in seinen Lotushänden Diskus, Muschelhorn und Stoßzahn und gewährt Furchtlosigkeit. Mit dem Rüssel trägt er einen goldenen Krug. Er sitzt auf einem Lotus und besitzt drei Augen. Die golden glänzende Lakṣmī ruht an seiner linken Seite; sie hält einen Lotus und umarmt ihn mit dem strahlenden rechten Arm.

Danach rezitiere man: „śrīṃ gaṃ saumyāya hasakalahrīṃ mahāgaṇapataye varavarada hasakahalahrīṃ sarvajanaṃ me vaśamānaya sakalahrīṃ svāhā“ – „Dem freundlichen Mahāgaṇapati, dem vortrefflichen Segensspender: Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss; svāhā“.

Heramba

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śrīheramba. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erlangung des eigenen Wunsches. Man setze die sechs Glieder mit „gāṃ gīṃ“ und so weiter ein und meditiere:

11.GH.1 Man vergegenwärtige sich Heramba mit fünf Elefantengesichtern in den Farben von Perle, Blitz, Wolke, Nektar und Safran. Seine Krone trägt den Mond; er reitet auf einem stolzen Löwen. Seine Hände tragen Dreizack, Elefantenhaken, Gebetskette, Hammer und menschliche Schädelschale; ferner erscheinen Axt, Modaka-Süßigkeit, Stoßzahn und die Gesten der Furchtlosigkeit und des Gebens. Er strahlt mit mächtigem Glanz. [Die Attributfolge und der abschließende Ausdruck sind im letzten Viertel des Verses sprachlich beschädigt; die Aufzählung wird nicht zu einer sicheren Handzahl ergänzt.]

Danach rezitiere man: „oṃ hasakalahrīṃ gūṃ hasakahalahrīṃ namaṃ sakalahrīṃ“. [Die Vorlage liest hier gūṃ und namaṃ; beide Formen bleiben unverändert.]

Virigaṇeśa

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Gāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Virivighneśvara. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung der Rezitation zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „viri viri – dem Herzen namaḥ“; „gaṇapati – dem Kopf svāhā“; „varavarada – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „sarvalokaṃ me – dem Schutzpanzer huṃ“; „vaśamānaya – den drei Augen vauṣaṭ“; „svāhā – der Waffe phaṭ“. Man meditiere wie zuvor, mit dem Vers „zinnoberfarben, elefantengesichtig …“.

Danach rezitiere man: „hrīṃ viri viri hasakalahrīṃ gaṇapati varavarada hasakahalahrīṃ sarvalokaṃ me vaśamānaya sakalahrīṃ svāhā“ – „Gaṇapati, vortrefflicher Segensspender, bringe alle Welt unter meinen Einfluss“, mit den überlieferten Ruflauten und Kūṭas.

Śaktigaṇeśa

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭhanyāsa vollziehe man mit dem Wurzelmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf verehre man den Ṛṣi Gaṇaka, am Mund das Nicṛdgāyatrī-Versmaß, am Herzen die Gottheit Śaktiśrīgaṇeśa. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Gliedmantras: „hrīṃ – dem Herzen namaḥ“; „gaṃ – dem Kopf svāhā“; „hrīṃ – dem Haarschopf vaṣaṭ“; „mahāgaṇapataye – dem Schutzpanzer hūṃ“; „svāhā – den drei Augen vauṣaṭ“; „hrīṃ gaṃ hrīṃ mahāgaṇapataye svāhā – der Waffe phaṭ“. Nach der Meditation wie zuvor rezitiere man: „hrīṃ gaṃ hrīṃ hasakalahrīṃ mahāgaṇapataye hasakahalahrīṃ svāhā sakalahrīṃ“ – dem großen Gaṇapati, mit den Keimen und Kūṭas.

Die sechzehn Wurzelvidyās der oberen Überlieferung

Bei der Unterweisung in der sechzehnlautigen Śrīvidyā nach der Ordnung der oberen Überlieferung sind bei den sechzehn Wurzelvidyās jeweils zwei Vidyās [der ergänzenden Überlieferungen] anzuwenden. Die Vidyās lauten:

„oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ sahakhaphreṃ sahauḥ sahakṣamalavarayīṃ hauṃ hrīṃ haṃsaḥ so'haṃ svāhā“.

Diese als „elf Keime“ bezeichnete Folge ist überall an den Anfang der Vidyā zu setzen. [Die Vorlage kennzeichnet die Wiederholung im Folgenden jeweils mit „11“. Die ausgeschriebene Folge enthält bei gewöhnlicher Worttrennung mehr als elf Elemente; ihre Zählweise wird nicht erläutert. „11“ ist hier eine Wiederholungsmarke, keine zu rezitierende Zahl.]

11.YV.1 [Vorangestellte Keimfolge.] „Aus sich selbst leuchtendes, vollkommenes großes Kula des Höchsten und Nichthöchsten; Siddhavidyā, große Kulayoginī, hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Kulayoginī.

11.YV.2 [Vorangestellte Keimfolge.] „hasauḥ – Erwecke, erwecke das eigene Selbst – hasauḥ, Prāsādaparāyoginī, hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Prāsādaparāyoginī.

11.YV.3 [Vorangestellte Keimfolge.] „aiṃ blūṃ – Befeuchtete, Befeuchtende, in Feuchtigkeit Zerfließende, befeuchte, befeuchte! klīṃ klīṃ – großer Rausch, betöre, betöre! klīṃ namaḥ svāhā.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Rahasyayoginī, der Yoginī des Geheimnisses.

11.YV.4 [Vorangestellte Keimfolge.] „Dem klaren, glückseligen höchsten Haṃsa, dem höchsten Selbst, svāhā; hasakṣyauṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Śāṃbhavīyoginī.

11.YV.5 [Vorangestellte Keimfolge.] „hrīṃ – Du bestehst aus der Glückseligkeit beständigen Aufleuchtens, du verkörperst die den großen Bindu durchdringende Mutter; hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Hṛllekhāyoginī.

11.YV.6 [Vorangestellte Keimfolge.] „Du, deren Wesen klares Leuchten ist, hrīṃ; große Girlandenträgerin des Kula, hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Samayavimalāyoginī.

11.YV.7 [Vorangestellte Keimfolge.] „haṃsaḥ – Du, deren Wesen ewiges Leuchten ist, Kulakuṇḍalinī, große Bhairavī, deren Gebot sich erfüllt: Erwecke, erwecke das Selbst, Mutter, Erhabene! hrīṃ huṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Parabodhinīyoginī, der Yoginī höchster Erweckung.

11.YV.8 [Vorangestellte Keimfolge.] „oṃ mokṣaṃ kuru“ – „Oṃ, bewirke Befreiung!“ Dies ist die fünflautige Wurzelvidyā der Yoginī.

11.YV.9 [Vorangestellte Keimfolge.] „hasaiṃ hasakalahrīṃ hasauḥ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Lopāmudrācaitanyatripurāyoginī.

11.YV.10 [Vorangestellte Keimfolge.] „aiṃ – Du verkörperst das reine, feine, gestaltlose, von gedanklichen Unterscheidungen freie höchste Brahman; klīṃ – Śakti, die aus höchster Glückseligkeit besteht; sauḥ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Anuttarakaulinīyoginī.

11.YV.11 [Vorangestellte Keimfolge.] „Dem klaren, glückseligen höchsten Haṃsa, dem höchsten Selbst, svāhā; hasrūṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Gurūttamavimarśinīyoginī.

11.YV.12 [Vorangestellte Keimfolge.] „Du jenseits des erscheinungslosen Raumes, jenseits des höheren und niederen Raumes, Herrin des Raumes, hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Anābhāsāyoginī. [Die Zusammensetzung des ersten Ausdrucks ist mehrdeutig; möglich ist auch die getrennte Anrufung „Erscheinungslose, jenseits des Raumes“.]

11.YV.13 [Vorangestellte Keimfolge.] „aiṃ iṃ īṃ ūṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Saṅketasāravidyāyoginī, der Yoginī der Vidyā vom Wesen der geheimen Zeichen.

11.YV.14 [Vorangestellte Keimfolge.] „hrīṃ vicce – Erhabene, Redeverleihende, großer See, große Māyā, Mataṅginī; aiṃ blūṃ raṃ strīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Anuttaravāgvādinīyoginī.

11.YV.15 [Vorangestellte Keimfolge.] „hasraiṃ hasrīṃ hasrauḥ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Anuttaravidyāyoginī.

11.YV.16 [Vorangestellte Keimfolge.] „hīṃ – Du im großen, aus aller Glückseligkeit bestehenden Bindu-Cakra, Verkörperung des höchsten Brahman, Kraft des höchsten Nektars, Herrin aller Mantras, aller Tantras, aller Yogins, allen Wissens und aller Pīṭhas, Mutterlautkraft der Weltentstehung; hrīṃ.“ Dies ist die Wurzelvidyā der Turīyāyoginī. [Am Anfang steht in der Vorlage hīṃ, am Ende hrīṃ.]

Ergänzende Vidyās und die Feuergruben der Überlieferungen

Im Uttaratantra heißt es:

11.UTD.1 Bei der Einweihung in die fünfte Überlieferung gelten die Gottheiten der vier Überlieferungen als ihre Glieder. Man übe jeweils zwei Vidyās.

11.UTD.2 Die beiden östlichen gehören zu Indra und Feuer, die beiden südlichen zu den südlichen Ecken, die beiden westlichen zu Schlingenträger und Wind; danach folgen die aus der nördlichen Richtung.

Der Sinn: Die fünfte Überlieferung ist die obere Überlieferung. Bei ihrer Einweihung sind mit den Gottheiten der vier Überlieferungen diejenigen des Ostens, Südens, Westens und Nordens gemeint. Von jeder Überlieferung sind zwei Vidyās anzuwenden. Die Richtungsverteilung lautet: In der östlichen und südöstlichen Feuergrube die beiden Vidyās der östlichen Überlieferung; in der südlichen und südwestlichen die der südlichen; im Westen und Nordwesten die der westlichen; im Norden und Nordosten die der nördlichen Überlieferung.

Im Śrīkulārṇava:

11.KUD.1 Für die östliche Feuergrube wird Bhairavī genannt, für die südöstliche Bhuvaneśvarī. In der südlichen wird Pītāmbarā oder Bhoginī gepriesen.

11.KUD.2 In der südwestlichen Vārāhī, im Westen Aparājitā, in der nordwestlichen Ecke Bhavānī; danach Śyāmā und Tārā [im Norden und Nordosten].

Ebenso heißt es:

11.FK.1 Bei der Anordnung mit fünf Feuergruben sind die Gottheiten der vier Samayas oder die Vidyās der vier Überlieferungen anzuwenden, o höchste Herrin.

Bei der Einweihung in die Śrīguruvidyā sind die Caraṇa- und weiteren Vidyās als Glieder einzusetzen; bei der Einweihung in Parāprāsāda die fünf Brahma-Mantras. Deren Aufteilung auf fünf beziehungsweise drei [Ritualstellen] wird mit der Wendung „die achtunddreißig Kalās dreifach“ erläutert: Die achtunddreißig Kalās der fünf Brahma-Mantras werden der Reihe nach in Gruppen von sechzehn, zwölf und zehn angewendet. [Die fünf beziehungsweise drei Bezugsstellen werden in diesem Satz nicht erneut ausgeschrieben.]

Anlässlich dessen wird die Einweihungsordnung anderer Vidyās mit „dakṣiṇa …“ und „ohne das erste …“ erläutert; der Text bezeichnet den Sinn als offenkundig. Bei Bhuvaneśvarī bedeutet der Ausdruck guṇārṇaka die Pāśāṅkuśabhuvaneśvarī; śrīḥ die mit Śrī geweihte Bhuvaneśvarī; vāk die von Vāgbhava eingeschlossene Bhuvaneśvarī. Hinzu kommen die von Kāmarāja und vom Parā-Bīja eingeschlossenen Formen. Die dreifache Tripuṭā bezeichnet Formen, die mit dem Śrī-Bīja, dem Kāma-Bīja oder dem Māyā-Bīja beginnen.

Bei der Pañcadaśī gibt es hier fünf Arten: Wachen, Traum, Tiefschlaf, den vierten Zustand und den jenseits des vierten. Bei der Wach-Vidyā ist die Wach-Vidyā, bei der Traum-Vidyā die Traum-Vidyā, bei der Tiefschlaf-Vidyā die Tiefschlaf-Vidyā, bei der Turīya-Vidyā die Turīya-Vidyā und bei der Turīyātīta-Vidyā die Turīyātīta-Vidyā anzuwenden. [Die Vorlage enthält beim Übergang von Wachen zu Traum eine eingeklammerte Wortwiederholung; die Zuordnung ist im übrigen Satz parallel gebaut.]

Mantragruppen der fünf Überlieferungen

Im Śrīkulārṇava heißt es:

11.KAM.1–11.KAM.2 Der Parāprāsāda-Mantra, Lakṣmīnārāyaṇa, der große Cidambara-Mantra, Śārabha in Vogelgestalt, die sechs Śāmbhava-[Mantras], Mahāmṛtyuñjaya, Lakṣmījanārdana und Lakṣmīvāsudeva …

11.KAM.3–11.KAM.4 … Rājarājeśvara, der fünfgesichtige Māruti, Mārtaṇḍabhairava, Mahāgaṇapati, Ucchiṣṭagaṇanātha, Vakratuṇḍa, die mit Śrī verbundenen Gāṇapatya-[Mantras] und Sītārāma …

11.KAM.5–11.KAM.6 … der Nṛsiṃha-Anuṣṭubh, die fünf Pfeile, die fünf Kāmas, o Götterherrin, ebenso die Jaina- und buddhistischen [Mantras]: Sie sind aus Śambhus oberem Gesicht hervorgegangen, o von den Vīras Verehrte. Die verschiedenen fünflautigen Śiva-Mantras, die als Prāsāda bezeichneten und die Śiva-[Formen] …

11.KAM.7–11.KAM.8 … die verschiedenen achtlautigen Viṣṇu-Mantras und die Vāsudeva genannten, bei Gaṇapati die Formen des einlautigen Mantras sowie der Ghṛṇi-Mantra werden der östlichen Überlieferung zugeordnet. Varāha, Tumburu, Haridrāgaṇapa, die Vaṭukas und Kṣetrapālas …

11.KAM.9–11.KAM.10 … die Śāstṛ-Mantras, die Nṛsiṃha genannten und die Harihara verkörpernden, die verschiedenen Śrīkṛṣṇa-Mantras und die Dadhivāmana genannten sind als südliche Überlieferung bekannt. Die verschiedenen Ucchiṣṭa-Mantras, die Puruṣottama genannten und die Mālāmantras …

11.KAM.11–11.KAM.12 … die verschiedenen Aghorarudra-Mantras und die buddhistischen Unterformen sind als westliche Überlieferung bekannt. Dakṣiṇāmūrti, die Mantras der Planeten, Weltenhüter und Caṇḍeśvaras, Vetālas, Ceṭakas und die Harihara verkörpernden …

11.KAM.3b … Vīrabhadra und Subrahmaṇya sowie die übrigen Söhne der Mütter sind als nördliche Überlieferung bekannt und verleihen ihre Früchte in kurzer Zeit. [Die Vorlage liest nach Vers 12 erneut 3; „3b“ kennzeichnet diese Wiederholung, ohne eine gesicherte 13 vorzutäuschen. Die Gruppen werden hier gemäß dem fortlaufenden Satz zugeordnet.]

Danach verehre man zum Wohlgefallen der erwählten Gottheit auch die Āyatanas.

Die Anordnung der fünf Gottheiten

Mit Āyatanas sind die vier [weiteren] Gottheitssitze gemeint. Sie sind Glieder der in der Mitte befindlichen eigenen erwählten Gottheit. Ihre Aufstellung wird ebendort erläutert:

11.PA.1–11.PA.2 Nun will ich die Einrichtung des Pañcāyatana erklären, die sich nach der jeweiligen Hingabe unterscheidet. Bhāsvat, Gaṇa, Śrīpati, Pārvatīśa; Vighneśvara, Arka, die Bergestochter und Hari; Kṛṣṇa, Ekadanta, die Bergeskönigstochter und Īśa; Māyā, Īśvara, der Elefantengesichtige, Bhāskara und Aja; Īśa, Vighnādhipa, Śakti und Kṛṣṇa: Man verehre sie in der Folge von Mitte und Feuerecke. [Diese beiden Namensverse sind in der Vorlage stark zusammengezogen und teilweise beschädigt. Die Aufteilung auf fünf vollständige Reihen lässt sich daraus allein nicht sicher herstellen; die folgenden Ratnasāgara-Verse geben die Zuordnung ausführlicher an.]

Im Ratnasāgara:

11.RP.1 Bei der Verehrung Śaṅkaras [stehen außen] Ravi, Vināyaka, Devī und Viṣṇu; bei der Verehrung Nārāyaṇas Gaṇeśa, Arka, Ambikā und Īśāna.

11.RP.2 Bei der Sonnenverehrung der Reihe nach Śiva, Vighna, Hari und Kātyāyanī; bei der Göttinnenverehrung Śiva, Vighna, Sūrya und Viṣṇu.

11.RP.3 Bei der Verehrung Vighneśvaras Śiva, Ravi, Bhavānī und Viṣṇu. In den Ecken, beginnend mit Südosten, sind sie gemäß dem Verhältnis von Gliedern und Hauptgottheit aufzustellen …

… und zu verehren, o große Herrin. Werden sie vertauscht, bringen sie stets Leid.

Bei jeder solchen Götterverehrung zeichne man das zur jeweiligen Verehrung gehörende Cakra, verehre zuvor nach der zugehörigen Ritualordnung den Pīṭha und dann die Pañcāyatana-Gottheiten. Andernfalls bleibe die Verehrung ohne Frucht. So heißt es im Kulārṇava:

11.YA.1 Wer die Durchdringung des Yantra durch die Gottheit, die selbst Yantragestalt besitzt, nicht kennt: Dessen Verehrung und alle weiteren Handlungen werden vergeblich, o Śāmbhavī.

11.YA.2 Das Yantra besteht aus Mantra, und die Gottheit ist Mantragestalt. Wird die Göttin im Yantra vollständig verehrt, zeigt sie sich sogleich gnädig.

11.YA.3 Weil es alles Leid zügelt, das aus Begierde, Zorn und anderen Fehlern entsteht, heißt es Yantra. In ihm verehrt, wird die Gottheit erfreut.

11.YA.4 Wie der Leib für das Lebewesen und das Öl für die Lampe, o Geliebte, so ist das Yantra für sämtliche Gottheiten begründet.

11.YA.5 Deshalb zeichne man das Yantra oder vergegenwärtige es sich meditativ und verehre, o Śivā. Nachdem man alles aus dem Mund des Gurus erfahren hat, vollziehe man die Verehrung nach der Vorschrift.

11.YA.6 Wer auf einem einzigen Pīṭha getrennte Verehrung ohne Yantra vollzieht und auch das Verhältnis von Gliedern und Hauptgottheit verwirft, zieht den Fluch der Gottheit auf sich.

11.YA.7 Auf einem einzigen Pīṭha, o Götterherrin, verehre man die Gottheiten jeweils in ihrem eigenen Yantra, mit ihren Umhüllungen und nach der jeweils zugehörigen Ordnung.

11.YA.8 Wer eine Gottheit herbeiruft und dann eine andere verehrt, dieser Mantrin mit unstetem Geist empfängt von beiden einen Fluch.

Im Kulaprakāśatantra:

11.KPZ.1–11.KPZ.2 Bei einem abgebrochenen, gesprungenen, verbrannten, verrückten, maßwidrigen, verstümmelten, von einem ungeeigneten Paśu berührten, auf unreinen Boden gefallenen, mit einem anderen Mantra verehrten oder durch Berührung eines Gefallenen verunreinigten [Verehrungsgegenstand] – in diesen zehn Fällen machen die Götter sich nicht gegenwärtig. [„Paśu“ und „Gefallener“ geben die historischen rituellen Ausgrenzungskategorien des Textes wieder.]

Rituell bestimmter Osten und Reihenfolge der Verehrung

Auch bei der Pañcāyatana-Verehrung bestimme man gemäß der Überlieferung zwischen verehrter Gottheit und Verehrendem den Osten. Dementsprechend bestimme man Südosten und die übrigen Richtungen und verehre die vier begleitenden Gottheiten. Dafür gilt dieselbe Begründung wie bei der Verehrung von Dharma und den anderen [Pīṭha-Kräften].

Einige meinen dagegen: Erst nach der Herbeirufung der Hauptgottheit werde für deren Umhüllungsverehrung vor der Gottheit ein Osten vorgestellt. Da die vier Begleitgottheiten schon zuvor zu verehren seien, sei diese Bestimmung hier unangebracht; man müsse sie vielmehr in den tatsächlich bestehenden südöstlichen und weiteren Himmelsrichtungen verehren. Der Verfasser weist dies zurück. Denn bei wunscherfüllender Verehrung heißt es im Brahmayāmala:

11.BYD.1 Nach Osten gewandt verehre man bei einem Ritual der Beeinflussung; nach Süden gewandt bei einem Tötungsritual, o Geliebte.

11.BYD.2 Nach Westen gewandt verehre man zur Erlangung von Reichtum, nach Norden gewandt bei einem Befriedungsritual.

Im Kulamūlāvatāra heißt es ferner: „Man verehre, der Feuer-, Rākṣasa-, Wind- oder Śambhu-Ecke zugewandt“ [Südosten, Südwesten, Nordwesten oder Nordosten]. Auch in vielen anderen Tantras findet sich dies. Würde man die tatsächlichen Himmelsrichtungen unveränderlich zugrunde legen, stünde die in der Nordostecke befindliche Gottheit je nach Ausrichtung einmal links, einmal rechts, einmal vor und einmal hinter der Hauptgottheit. Ihre Stellung wäre somit unbeständig. Deshalb ist hier eine Aufstellung nach den unveränderten äußeren Richtungen nicht möglich.

Die Verehrung der vier Begleitgottheiten erfolgt unmittelbar nach der Pīṭha-Verehrung der Hauptgottheit. Schon bei der Verehrung von Dharma und den anderen Kräften des Pīṭha werden Südosten und die übrigen Richtungen nach dem vorgestellten Osten bestimmt. Da die vier Gottheiten Glieder der Hauptgottheit sind und deren Gestalt bereits vorgestellt wurde, ist es angemessen, den Osten vor ihr zu bestimmen.

Andere berufen sich für tantrisch Eingeweihte auf das Nārāyaṇīya:

11.NP.1 „Steht Śambhu in der Mitte …“ Der Vers nennt für die verschiedenen Hauptgottheiten Hari, Sonne, Gaṇeśa, die Bergestochter beziehungsweise Ambikā sowie Śaṅkara und weitere Gottesnamen. „In Śaṅkaras Weg angeordnet gewähren sie Glück; vertauscht bringen sie Leid.“ [Die Namensfolge ist in der Vorlage an mehreren Stellen beschädigt und lässt sich nicht ohne Ergänzungen zu einer sicheren Zuordnungstabelle auflösen.]

Nach dieser Auffassung sollen tantrisch Eingeweihte die fünf Gottheiten, beginnend mit ihrer erwählten Gottheit, in der Mitte und in den Ecken, beginnend mit Nordosten, nach einem vorgestellten Osten aufstellen. Wer keine tantrische Einweihung besitzt und aufgrund des Bhaviṣyapurāṇa die Verehrung der fünf Gottheiten für verpflichtend hält, solle hingegen nach vedischer, smārtischer oder purāṇischer Vorschrift die Gottheiten in der Mitte und den tatsächlich bestehenden Ecken, beginnend mit Nordosten, aufstellen.

Der Verfasser nennt dies völlig unpassend: Wenn unter den fünf keine als eigene erwählte Gottheit vorgestellt werde, fehle die Hauptgottheit, und es gebe keinen Grund, gerade eine bestimmte in die Mitte zu setzen. Außerdem nennt der Purāṇasārasamuccaya eine Verehrungsfolge: „Ravi, Vināyaka, Viṣṇu, Caṇḍikā und als fünfter Īśa sind in dieser Reihenfolge zu verehren; die umgekehrte Folge bringt Gefahr.“ [Das zusammengeschriebene caṇḍikeśa wird hier nach der ausdrücklich genannten Fünfzahl in Caṇḍikā und Īśa aufgelöst.]

Bei der Pañcāyatana-Verehrung sollen die Verehrer der vier Gottheiten außer Gaṇeśa die Gottheiten nach der beschriebenen Ordnung aufstellen. Sie beginnen mit Gaṇeśa, verehren die vier äußeren Gottheiten in der sich rechtsherum ergebenden Folge und zuletzt in der Mitte ihre erwählte Gottheit. Gaṇeśa-Verehrer beginnen mit Sūrya, verehren die vier äußeren Gottheiten rechtsherum und danach Gaṇeśa. Dies ist die Lehre der Āgamas.

Einige sagen unter Berufung auf eine Smṛti, ein Göttinnenverehrer solle zuerst Sūrya, Gaṇeśa, Śiva und Viṣṇu und zuletzt Devī verehren. Der Verfasser hält dies für unpassend, weil die rechtsläufige Folge verloren ginge und eine ungeordnete Reihenfolge entstünde. Im Yoginītantra heißt es zur Göttinnenverehrung vielmehr: „Man rufe Gaṇeśa, Sūrya, Viṣṇu, Īśa und Durgā herbei und verehre sie.“ Ebenso im Bhairavītantra: „Zuerst verehre der Wissende den Gott Gaṇapati, dann Sūrya, Viṣṇu, Umāpati und Durgā.“ Dies sei die tantrische und durch die rechte Überlieferung begründete Lehre. Auch Verehrer anderer Gottheiten sollen entsprechend mit Gaṇeśa beginnen; die an einer Stelle erkannte Regel werde auf die anderen Fälle übertragen.

Diese Pañcāyatana-Verehrung sei verpflichtend. Im Bhaviṣyapurāṇa werde für ihre Unterlassung ein Nachteil genannt: „Wer Śiva, Bhāskara, Agni, Keśava und Kauśikī nicht im Geist verehrt, sinkt aus der Himmelswelt hinab.“ Gemeint sei: wer sie nicht einmal geistig verehrt. Mit Agni sei Gaṇeśa gemeint, denn im Bhaviṣyottarapurāṇa heißt es: „Wer Brahmā ist, wird Hari genannt; wer Hari ist, ist Maheśvara. Maheśvara gilt als Sūrya, Sūrya wird Pāvaka genannt. Pāvaka ist Kārttikeya, Kārttikeya ist Vināyaka.“ [Die Aussagen über Fluch, Gefahr und Abstieg geben die religiöse Argumentation der Quelle wieder.]

Bildgestalt und Verehrungsgrundlage

Nun rufe man die eigene erwählte Gottheit in die in der Mitte aufgestellte Gestalt herbei und verehre sie. Ihre Gestalt entspreche der jeweiligen Meditationsbeschreibung. Diese Gestalt ist auch in einem Śivaliṅga, einem Śālagrāma oder einer anderen Verehrungsgrundlage vorzustellen. Denn Śivaliṅgas können als Grundlage der Verehrung aller Gottheiten dienen; alle Gottheiten sind in ihnen verehrbar.

Im Rudrayāmala heißt es: „Man verehre sie im Liṅga, im Edelstein, im Krug und im Maṇḍala, ebenso im Śālagrāma und im Yantra oder Ähnlichem, mit dem Bewusstsein der jeweiligen Gottheit. Eine bloß auf dem Erdboden vollzogene Verehrung vernichtet Nachkommenschaft, Lebensdauer und Besitz.“ [Die letzte Aussage ist eine ritualtheologische Warnung der Quelle.] Somaśambhu sagt: „Im Śālagrāma-Stein verehre man mit dem Bewusstsein der jeweiligen Gottheit.“

Im Kulārṇava werden zehn Orte genannt: „Liṅga, vorbereiteter Opferplatz, Feuer, Sonne, Wand, Tuch, Maṇḍala, Tafel, Haupt und Herz. An diesen Orten, o Götterherrin, verehrt man den höchsten Śiva.“ „Śiva“ steht hier stellvertretend auch für die anderen Gottheiten. Mit „sie“ sind die fünf Pañcāyatana-Gottheiten gemeint; „Yantra und anderes“ schließt auch Bildnisse ein.

Im Trailokyasammohanatantra heißt es: „Haris Verehrung ist im Śālagrāma, Edelstein, Yantra, vorbereiteten Opferplatz oder in Bildnissen zu vollziehen, nicht auf bloßem Erdboden.“ Deshalb soll ein Bildnis entsprechend der jeweiligen Meditationsbeschreibung angefertigt werden.

Der Kapilapañcarātra sagt: „Das zu Hause verehrte Bildnis soll nach dem Mātrāṅgula-Maß zehn oder fünfzehn Fingerbreiten messen; ein größeres wird nicht empfohlen.“ Gemeint ist ein Bildnis von zehn oder fünfzehn Fingerbreiten. Ebenso im Hayagrīvapañcarātra: „Ein Bildnis Viṣṇus von zehn Fingerbreiten oder von der Zahl der Tithis [fünfzehn] ist von Hausvätern in ihren Häusern zu verehren.“ Nach der überlieferten Auslegung bedeutet das „oder“, dass die Höhe zwischen zehn und fünfzehn Fingerbreiten liegen darf. So verstehen die Vertreter der Überlieferung auch den vorigen Vers. Das Mātrāṅgula-Maß ist aus dem Abschnitt über den Bau der Halle zu ersehen.

Die Herstellung des Śivaliṅga

Im Śilpiśāstra wird die Herstellung so beschrieben:

11.LŚ.1 Von der Mitte des Liṅga-Kopfes bis zur Abflussrinne sei eine Messschnur gespannt. Entsprechend wird die Stärke von Liṅga und Abflussrinne angegeben.

11.LŚ.2 Auch bei Höhe und Sockel spricht man von fünf Schnurmaßen. Ein Śivaliṅga, das diesen fünf Schnurmaßen entspricht, soll verehrt werden …

… es gewährt Genuss und Befreiung, Besitz, Gesundheit und Glück. [Die knappe Fünfschnur-Regel nennt hier nicht alle geometrischen Bezugspunkte eindeutig; die folgende Darstellung beschreibt ein ausführlicheres Maßsystem. Die zugesprochenen Wirkungen sind religiöse Verheißungen des Textes.]

Im Kālottara wird die Herstellung so erläutert:

11.LKĀ.1 Zu Hause verehrt man ein Liṅga zwischen einer Fingerbreite und einer Handspanne. Im Tempel kann es größer sein und ist sorgfältig zu verehren.

11.LKĀ.2 Die Breite des Liṅga-Kopfes mache man gleich dem verehrten Teil [dessen Höhe]. Den Umfang mache man dreimal so groß; die Breite des Sockels entspreche diesem Umfang.

11.LKĀ.3 Die Höhe des Sockels mache man doppelt so groß wie den verehrten Teil. Er sei rund oder viereckig und besitze in der Mitte einen Hals.

11.LKĀ.4 Den Umfang des Halses mache man doppelt so groß wie den Umfang des Liṅga. Oberhalb und unterhalb versehe man ihn mit drei oder mit zwei gleichmäßig angeordneten Leisten.

11.LKĀ.5 Dann teile man die Breite des Liṅga-Kopfes in sechs Teile. Eine Leiste mache man einen Teil breit, die Vertiefung ebenso.

11.LKĀ.6 Die nach außen führende Abflussrinne mache man so lang wie das Liṅga. An der Wurzel sei ihre Breite ebenso groß, an der Spitze halb so groß.

11.LKĀ.7 In ihrer Mitte lege man entsprechend der Teilung einen Wasserweg an. Oder man mache die Rinne halb so lang wie der Sockel, gemäß Śrīśivas Anweisung.

11.LKĀ.8 Diese Kennzeichen wende man bei allen Edelstein-Liṅgas, besonders solchen mit Sockel, ebenso bei Liṅgas aus Metall und anderen Stoffen an.

Der Sinn: Nachdem man das gewünschte Liṅga hergestellt hat, mache man die Breite seines Kopfes gleich der Höhe seines verehrten Teils. Denn ein śivaitischer Āgama sagt: „Die Breite des Liṅga-Kopfes soll der Höhe des Liṅga entsprechen.“ Der Umfang, also die Dicke des Liṅga, wird so bestimmt, dass eine dreimal so lange Schnur wie die Kopfbreite darum herumreicht.

Die Breite des runden oder viereckigen Sockels entspreche dem Schnurmaß dieses Umfangs; seine Höhe sei doppelt so groß wie die Höhe des verehrten Liṅga-Teils. In der Mitte des Sockels forme man einen Hals von solcher Stärke, dass eine Schnur von der doppelten Länge des Liṅga-Umfangs ihn umfasst. Oberhalb und unterhalb des Halses lege man gleichmäßig drei oder zwei Leisten an.

Die Breite des Liṅga-Kopfes teile man in sechs Teile. Mit einem dieser Teile als Maß bilde man oben am äußeren Rand des Sockels eine Leiste; unmittelbar innerhalb davon eine ebenso breite Vertiefung. Die außerhalb des Sockels liegende Abflussrinne mache man so lang wie das Liṅga oder halb so lang wie das Sockelmaß. An ihrem Ansatz sei sie so breit wie ihr Längenmaß, an ihrer Spitze halb so breit.

In der Mitte dieser Rinne lege man vom Ansatz bis zur Spitze einen vertieften Wasserweg an, dessen Breite ein Drittel der Rinnenbreite beträgt. Die Rinne besitze Leisten wie der Sockel. Dies ist die allgemeine Vorschrift zur Herstellung von Śivaliṅgas aus Bergkristall und anderen besonderen Edelsteinen oder aus Stein und weiteren Stoffen. So endet die Beschreibung der Śivaliṅga-Herstellung. [Die Maßverhältnisse folgen dem Wortlaut und dessen eigenem Kommentar; es werden keine modernen technischen Korrekturen oder ergänzenden Konstruktionsmaße eingeführt.]

Kolophon des elften Śvāsa

Hier endet der elfte Śvāsa im Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, dem Schüler Śrīpragalbhācāryas, der Schüler Śrīviṣṇuśarmācāryas war, dieser Schüler Śrībhagavacchaṅkarācāryas, dieser Schüler des großen, verehrungswürdigen Lehrers Śrīgovindācārya.

12. Śvāsa

Stoffe und Herstellung des Śrīcakra

Nun die Herstellung des Śrīcakra. Im Śrīrudrayāmala heißt es:

12.RY.1 Danach soll der Yogin das Yantra mit Kumkuma und Sindūra herstellen, auf Gold, Silber, Kupfer, Bergkristall oder Koralle …

… und die Besten der Menschen sollen die Göttin im Cakra nach der beschriebenen Ordnung verehren.

Im Tantrarāja:

12.TR.1 Nachdem man das Cakra auf Edelstein, Gold, Silber, Kupfer oder Stein hergestellt hat, soll man es aufstellen und verehren …

… zur Erlangung von Glück, Schönheit, Ruhm, Nachkommenschaft, Besitz, Gesundheit und anderem.

Mit Stein ist Gaṇḍakī-Stein gemeint. Denn in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā heißt es: „Auf einem aus der Gaṇḍakī stammenden Stein, auf Gold, Silber oder Kupfer.“

Nun die unterschiedlichen Zeiträume der Verehrung je nach Material, im Ratnasāgara:

12.RS.1 Auf Gold lebenslang, auf Silber zweiundzwanzig [Jahre], o Geliebte; auf Kupfer zwölf Jahre, auf Birkenrinde halb so lange.

In einem anderen Tantra:

12.AT.1 Auf Kupfer zwölf Jahre, auf Bergkristall und Ähnlichem stets. Unter diesen gewährt das [Yantra] auf Bergkristall alle Vollendungen.

Im Lakṣasāgara:

12.LS.1 Auf dem Boden mit Sindūra-Pulver gezeichnet, erfüllt es alle Wünsche. Ein aus Gold geschaffenes Yantra bringt alle Könige unter Einfluss.

12.LS.2 Ein aus Silber geschaffenes Yantra verleiht Lebensdauer, Gesundheit und Schönheit; einem kupfernen wird die Verleihung aller Herrlichkeit zugeschrieben.

12.LS.3 Ein Yantra auf Bergkristall, o Göttin, verleiht das im Geist Erwünschte. Ein auf Rubin eingetragenes Yantra gilt als Spender von Königsherrschaft und Genuss. [Die Vorlage vermerkt beim Verb des Eintragens selbst eine unsichere Lesung.]

12.LS.4 Ein aus Gomedha-Stein geschaffenes Yantra verleiht alle Herrlichkeit; ein auf Smaragd angefertigtes vernichtet sämtliche Feinde.

Ein Yantra aus drei Metallen gilt als Bewirker aller Vollendungen. [Diese und die folgenden Erfolgs-, Heilungs- und Schadenszuschreibungen sind historische religiöse Verheißungen und keine festgestellten Wirkungen der Materialien.]

Die Göttin sprach:

12.DF.1 Wie soll ein Yantra aus drei Metallen hergestellt werden, o Maheśvara? Sage es mir aus Mitgefühl, wenn ich dir lieb bin.

Īśvara sprach:

12.IA.1 Aus zehn Teilen Gold, sechzehn Teilen Silber und zwölf Teilen Kupfer [„Teilen in der Zahl der Sonnen“] fertige man eine schöne Grundlage.

12.IA.2 Auf dieser Grundlage lasse man das Śrīcakra herstellen. Es wird als Frieden und Gedeihen spendend und als Vernichter aller Feinde bezeichnet …

… als Erzeuger von Lebensdauer und Gesundheit, als Spender von Schönheit und Gedeihen.

Erhabene, ebene und vertiefte Formen

Nun die dreifache Unterscheidung nach der räumlichen Ausführung des Cakra, ebendort:

12.PF.1 Dreifach ist dieses Cakra: als Bhūprastāra und als halber Meru … Für die Bewohner der Unterwelt, o Göttin, ist die Ausführung mit vertieften Linien bestimmt. [Die Aufzählung am Versanfang ist knapp und nicht glatt mit der folgenden Dreiteilung verbunden.]

12.PF.2 Die Ausführung mit erhöhten Linien, o große Herrin, ist für die Bewohner der Menschenwelt; das Meru genannte Yantra für die Bewohner der Himmelswelten und darüber.

12.PF.3 Vom äußeren Bhūpura bis zum Bindu-Bereich steigt alles stufenweise an, o höchste Herrin: Dies habe ich als Meru-Form bezeichnet.

12.PF.4 Neun gleich hohe, erhabene Linien werden als „erhöhte Linien“ bezeichnet. Die Verbindung vertiefter Linien habe ich Bhūprastāra genannt. [Die technische Wortverbindung am Anfang ist mehrdeutig; die spätere Erläuterung unterscheidet gleichmäßig erhöhte und stufenweise ansteigende Formen.]

12.PF.5 Aus Zuneigung habe ich dir die Gestalt des Königs der Yantras offenbart. Bewahre sie stets verborgen wie dein eigenes Geheimnis, o Glückbringende.

Nun die Wirkungen dieser drei Ausführungen und einer weiteren Form im Śrītantrarāja:

12.TPF.1 Wenn die neun Cakras, vom Viereck beginnend, bis zur Mitte nacheinander immer höher werden, [bringt] das Cakra Tod und Besitz. [Die knappe Verbindung nidhanaṃ dhanam nennt beides ohne eindeutige zeitliche Ordnung; das folgende Zitat erläutert „zuerst Besitz, dann Tod“.]

12.TPF.2 Bei einer Erhöhung in der Folge drei und zwei erlangt man Kinderlosigkeit und Glück. Eine Erhebung in der Folge eins, zwei und sechs dient Glück und Ruhm.

Sind alle neun gleich gestaltet, dient dies der Erfüllung aller gewünschten Ziele. [Die Zahlenfolgen werden in diesem Zitat nicht vollständig geometrisch erklärt; das nächste Zitat konkretisiert Gruppen gleich hoher und erhöhter Bereiche.]

Ebenso im Kulamūlāvatāra:

12.KPF.1 Bei stufenweiser Erhöhung, o Göttin, entsteht zuerst Besitzgewinn, danach Tod. Sind der Erdkreis, der Sechzehner- und der Achterkreis gleich hoch …

12.KPF.2 … und die übrigen erhöht, o Herrin, so gewährt dies Besitz, aber Kinderlosigkeit. Ist das Viereck eben, o Göttin, und der Bereich vom Sechzehnerkreis bis zum Bindu …

12.KPF.3 … stufenweise gegeneinander erhöht, so dient dies Glück und Ruhm. Sind vom Viereck bis zum Bindu alle Linien gleich …

… so dient dies Glück, Ruhm, Gesundheit und Unsterblichkeit.

Ungeeignete Grundlagen und Grundmaße

Über verbotene Metalle und andere ungeeignete Grundlagen für das Śrīcakra heißt es im Tantrarāja:

12.NG.1 Auf Blei, Bronze und Ähnlichem bewirkt es das Gegenteil der zuvor genannten Ergebnisse. Auf einer Tafel, einem Tuch oder einer Wand soll man es niemals aufstellen.

12.NG.2 Wird es aus Verblendung, Gier oder Unwissenheit doch dort aufgestellt, so vernichtet es Familie, Besitz und Nachkommenschaft vollständig. [Diese Vorschrift bezieht sich hier auf das Śrīcakra; sie wird nicht mit den im vorigen Kapitel allgemein genannten Verehrungsgrundlagen vereinheitlicht.]

Im Kulamūlāvatāra:

12.GM.1 Drei Fingerbreiten [„Fingerbreiten in der Zahl der Feuer“] breit in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung und ein Pala schwer soll die schöne Verehrungsgrundlage sein.

12.GM.2 Man mache sie ringsum viereckig und ein halbes Gerstenkorn hoch. Auf dieser Grundlage lasse man das Śrīcakra herstellen.

Im Sautrāmaṇītantra:

12.SAU.1 Gerade Linien bedeuten Glück, gekrümmte Linien Armut. Die Breite sei drei Fingerbreiten, die Höhe ein halbes Gerstenkorn.

Im Lakṣasāgara beginnt eine entsprechende Angabe mit „drei Fingerbreiten Gold …“. [Bereits die Vorlage kennzeichnet diesen Wortlaut als unsicher.] In der bisherigen Darstellung der Herstellung des Śrīcakra wurden die Unterschiede von Schöpfung und den weiteren Ordnungen noch nicht ausgeführt; nun folgen die Einzelheiten.

Schöpfung, Erhaltung und Auflösung im Śrīcakra

Im Uttaratantra:

12.US.1 Im Schöpfungs-Cakra wird die Verehrung nach der Schöpfungsordnung vorgeschrieben; im Erhaltungs-Cakra nach der Erhaltungsordnung, o höchste Herrin …

… und im Auflösungs-Cakra nach der Auflösungsordnung.

Hier ist das Śrīcakra dreifach nach Schöpfung, Erhaltung und Auflösung unterschieden. Im Mātṛkāsarvasva heißt es:

12.MS.1 Das Śrīcakra wird dreifach genannt: aus Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bestehend. Jedes ist durch ihre Verbindung wiederum sorgfältig als dreifach zu erkennen …

… so entstehen neun Grundunterschiede, deren weitere Unterarten vielfältig sind.

Drei sind Schöpfung–Schöpfung, Erhaltung–Erhaltung und Auflösung–Auflösung. Hinzu kommen Schöpfung–Erhaltung, Erhaltung–Schöpfung, Schöpfung–Auflösung, Auflösung–Schöpfung, Erhaltung–Auflösung und Auflösung–Erhaltung. Dies sind neun Unterschiede. „So sind es insgesamt zwölf Unterschiede“, fährt die Vorlage fort. [Die Aussage zählt offenbar die drei Grundformen nochmals hinzu; der Text erläutert diesen Wechsel zwischen neun Kombinationen und zwölf Formen nicht ausdrücklich.]

Die Unterscheidung wird ebendort erklärt:

12.MSF.1 Als Schöpfungs-Cakra gilt die Form, bei der die neun Cakras bis zur Mitte nacheinander höher werden. So sollen die besten Lehrer sie verstehen.

12.MSF.2 Als Schöpfung–Schöpfung gilt das Śrīcakra, bei dem ebenso jede einzelne Linie erhöht ist. Wenn auf ebener Grundlage neun gleichmäßig erhöhte Linien liegen …

12.MSF.3 … heißt dies mit breiten Linien Erhaltungs-Cakra, o große Herrin; mit feinen Linien ist es Erhaltung–Erhaltung, o Śivā.

Eine Form mit vertieften Linien gehört zur Auflösung; mit breiten [vertieften] Linien ist sie Auflösung–Auflösung.

Der Sinn: Feine, nach unten eingetiefte Linien bezeichnen die Auflösungsform, breite, nach unten eingetiefte Linien die Form Auflösung–Auflösung. Die Wendung „und Schöpfung–Erhaltung“ ist im Sinne von „hingegen Schöpfung–Erhaltung“ zu verstehen.

Die gemischten Formen und ihre Zuordnung

12.MIX.1 Das Yantra in Gestalt eines halben Meru ist als zweifach bekannt, o große Herrin. Wenn vom Viereck an die Hälfte stufenweise erhöht ist …

12.MIX.2 … und darüber die Linien gleich hoch sind, ist es Schöpfung–Erhaltung, o Śivā. Die umgekehrte Anordnung ergibt Erhaltung–Schöpfung.

12.MIX.3 Wenn, vom Viereck beginnend, drei Cakras stufenweise erhöht sind, darüber aber gleichmäßig vertiefte Linien liegen …

12.MIX.4 … ist dies die Form Schöpfung–Auflösung. Bei ihrer Umkehrung entsteht Auflösung–Schöpfung; so sollen die Verständigen es erkennen.

12.MIX.5 Ist die Hälfte mit vertieften Linien und die darüberliegende mit erhöhten Linien ausgeführt, heißt sie Auflösung–Erhaltung. Bei der Umkehrung …

12.MIX.6 … ist sie Erhaltung–Auflösung; so sollen die besten Lehrer sie erkennen. Das Cakra Erhaltung–Erhaltung wird für Hausväter empfohlen.

12.MIX.7 Es mehrt Lebensdauer, Ruhm, Besitz, Gesundheit, Söhne und Enkel. Mit dem Cakra Schöpfung–Erhaltung erlangt man Kinderlosigkeit und Glück.

12.MIX.8 Nach dem fünfzigsten Jahr verleiht es Söhne und Enkel. Das Yantra Erhaltung–Schöpfung mehrt Nachkommenschaft, Lebensdauer und Besitz.

12.MIX.9 Nach dem fünfzigsten Jahr bewirkt es den Untergang der Nachkommenschaft. Die anderen genannten Formen des Śrīcakra, o große Herrin …

… sind für Yatis, Vaikhānasas und insbesondere Varṇins [Asketen, Angehörige einer Waldasketen-Tradition und Keuschheitsübende] bestimmt. [Die Zuschreibung altersabhängiger Wirkungen wird aus der Quelle übernommen; sie ist keine gesicherte Aussage über Fruchtbarkeit oder Gesundheit.]

Ein überliefertes Yantra mit Mängeln

Im Uttaratantra:

12.ÜY.1 Ein Yantra auf einem schildkrötenrückenförmigen Grund soll nicht verehrt werden, wenn man Wohlergehen wünscht. Deshalb prüfe man sorgfältig und handle erst danach.

12.ÜY.2 Beim Schöpfungs-Cakra soll die Verehrung mit Schöpfung enden, o große Herrin; beim Erhaltungs-Cakra mit Erhaltung, beim Auflösungs-Cakra mit Auflösung.

12.ÜY.3–12.ÜY.4 Ist [ein Yantra] aber durch die Lehrerfolge, durch Vater und Bruder, vom ehrwürdigen Guru oder von älteren oder jüngeren Gurubrüdern übergeben worden, oder erhält der Sādhaka es durch günstiges Geschick, o Göttin, so verehre er darin mit einer Ordnung, die mit Erhaltung endet, o höchste Herrin …

… dann wird auch ein mangelhaftes Yantra als fruchtbringend bezeichnet, nicht anders, o Śivā.

Der Sinn: Erhält man durch Vater und Großvater, durch die Lehrerfolge, im Lauf der Zeit oder durch günstiges Geschick ein mangelhaftes Yantra, soll seine Verehrung zuerst nach der Auflösungsordnung, dann nach der Schöpfungsordnung und danach nach der Erhaltungsordnung erfolgen. So, heißt es, verleiht es eine gute Frucht.

Feuergruben und Halle für Einweihung und Vollweihe

Nun die Ordnung von Feuergrube und Halle als Bestandteilen der Einweihung und der Vollweihe. Um die zur Einweihung gehörende Halle anzulegen, muss man den Osten kennen. Deshalb wird zuerst erklärt, wie man ihn bestimmt. Im Divyasārasvatatantra heißt es:

12.DS.1 An einem klaren Tag bereite der Verständige auf ebenem Boden, an einem von Bäumen, Gebäuden und Ähnlichem freien Ort, einen glatten Haṃsapada [hier eine Ausgangsmarkierung] …

12.DS.2 … und beschreibe darum, von dieser Markierung ausgehend, einen Kreis von zwölf Fingerbreiten. In dessen Mitte stelle der Wissende …

12.DS.3 … einen geraden, runden Stab von zwölf Fingerbreiten Höhe, mit nadelfeiner Spitze und einem Fuß von sechs Fingerbreiten Umfang, von einem ausgezeichneten Handwerker …

12.DS.4 … sorgfältig angefertigt. Auf dem Kreis markiere man am Vor- und Nachmittag die beiden Stellen, an denen der Schatten der Stabspitze auftrifft.

12.DS.5 Eine durch diese beiden Zeichen geführte Schnur verläuft von Osten nach Westen. Mit einer Schnur von der [angegebenen] Kreislänge oder nach Wunsch größer …

12.DS.6 … zeichne man im Osten und Westen zwei einander überschneidende Kreise. Durch deren beide Schnittpunkte spanne man …

12.DS.7 … eine Schnur, deren Mitte die mittlere Markierung berührt: Sie verläuft von Süden nach Norden. Mit der Hälfte dieses Maßes setze man Zeichen in den Ecken …

… und durch Anlegen von acht Schnüren an diesen Zeichen entsteht ein gleichseitiges Viereck. [Die Maßverbindung in Vers 5 ist beschädigt; der anschließende Prosakommentar präzisiert die überlappenden Kreise.]

Erläuterung der Schattenmessung

An einem klaren Tag, wenn die Sonne nicht durch Wolken oder Ähnliches verdeckt ist, markiere man auf ebenem, nicht von Bäumen oder Gebäuden beschattetem Boden einen Punkt. Von diesem aus zeichne man nach allen Seiten mit zwölf Fingerbreiten Abstand einen Kreis.

In der Mitte befestige man einen von einem guten Handwerker gefertigten runden, geraden Stab: zwölf Fingerbreiten hoch, am Fuß sechs Fingerbreiten im Umfang, nach oben hin stetig schmaler werdend bis zu einer nadelfeinen Spitze. Die Mitte des Stabfußes soll genau über dem Kreismittelpunkt liegen.

Vormittags markiere man die Stelle, an der die Schattenspitze die westliche Kreislinie trifft; nachmittags die entsprechende Stelle auf der östlichen Kreislinie. Eine Schnur durch diese beiden Zeichen bestimmt die Ost-West-Linie.

Von beiden Zeichen aus beschreibe man zwei sich überschneidende Kreise. Ihr Radius sei jeweils nach Wunsch größer als die Hälfte des Abstands zwischen den Zeichen. Eine Schnur durch die nördlichen und südlichen Schnittpunkte dieser Kreise kreuzt die Mitte der Ost-West-Schnur und bestimmt die Süd-Nord-Linie.

Von den vier Endpunkten dieser beiden Richtungsachsen aus lege man mit gleich langen Schnüren nach den später angegebenen Maßen die vier Richtungen für Halle, Feuergrube und Ähnliches fest. Damit ist die gröbere Bestimmung des Ostens beschrieben.

Eine verfeinerte Richtungsbestimmung

Ein anderes Tantra beginnt mit „auf ganz ebenem Boden …“, beschreibt die Arbeit des ersten Tages wie zuvor und fährt fort:

12.FD.1 Auch an einem weiteren Tag, o Götterherrin, setze der Verständige auf dem Kreis wie zuvor zwei Zeichen dort, wo der Schatten …

12.FD.2 … eintritt und austritt, o höchste Herrin. Man bestimme ferner die Nāḍikās [Zeiteinheiten] zwischen dem Eintritt und Austritt des Schattens am vorigen Tag …

12.FD.3 … anhand des Schattens und der weiteren Zeitbestimmung. Den Abstand zwischen den Austrittszeichen der beiden Tage teile man nach Wunsch in vier oder weitere Teile …

12.FD.4 … und bringe dort Markierungen an, o Götterherrin. Diese festgelegten Teile multipliziere man sorgfältig mit den genannten Nāḍīs.

12.FD.5 Man teile durch sechzig. Um die so erhaltenen Anteile verschiebe man das östliche Ende der am vorigen Tag gelegten Ost-Schnur während des nördlichen Sonnenlaufs nach Norden …

12.FD.6 … während des südlichen Sonnenlaufs entsprechend nach Süden. So wird der Osten genau bestimmt, o höchste Herrin. [Die Zeit- und Teilungsangaben der Verse 2–4 sind sprachlich gedrängt; die Wiedergabe folgt dem Text, ohne daraus eine modern überprüfte Vermessungsformel abzuleiten.]

Das Abstecken des Vierecks

Nach dieser Bestimmung des Ostens verfahre man gemäß dem Śilpiśāstra:

12.VQ.1 An beiden Enden einer Schnur von der doppelten Länge des gewünschten Durchmessers mache man Schlingen. Bei der halben Durchmesserlänge setze man eine Stabmarke, bei anderthalb [solchen Bezugslängen] eine Zugmarke …

12.VQ.2 … lege die Schlingen an die Stäbe an den Enden der Ostlinie und ziehe an der Zugmarke. An der Stabmarke entsteht die nähere Hüftecke; ebenso nach Norden. Durch Vertauschen erhält man die beiden Schulterecken. [Die Kurzfassung ist mehrdeutig; der folgende Kommentar beschreibt die Markierung und das Vertauschen der Schnur genauer.]

So stecke man für die Halle ein gleichseitiges Viereck ab, dessen Breite und Länge das vorgesehene Maß übersteigen.

Der Sinn: Die Schnur sei doppelt so lang wie die gewünschte Breite der Halle oder Feuergrube und an beiden Enden mit Schlingen versehen. Von einer Schlinge aus markiere man nach der halben gewünschten Breite die Stelle für einen Stab; von dieser Marke aus nach einer weiteren halben Breite die Zugmarke.

Die Ost-West-Schnur lege man entsprechend dem Maß der Halle oder Feuergrube aus und schlage an ihren Enden Stäbe ein. Die Schlingen der zuvor beschriebenen Schnur lege man so um diese Stäbe, dass die Schlinge, von der aus die erste Halbbreite gemessen wurde, im Westen liegt. Man ziehe die Zugmarke nach Süden und setze an der Halbbreitenmarke den südlichen Hüft-Eckstab. Entsprechend verfahre man nördlich. Danach vertausche man die Schlingen und bestimme so die beiden Schulterecken. [„Hüfte“ und „Schulter“ sind die bildhaften Bezeichnungen des Textes für die Eckpaare.]

Bodenreinigung und Nivellierung

Nachdem das gleichseitige Viereck abgesteckt ist, erweitere man den vorgesehenen Bereich um ein Bāhu-Maß, grabe ihn entsprechend tief aus, entferne Hülsen, Kohle, Erdklumpen und ähnliche Bestandteile, fülle mit reiner Erde auf und verdichte sie.

12.NIV.1 Zwei gleichmäßig zugespitzte Stäbe seien an ihrem oberen gemeinsamen Ende mit einem Stift verbunden. Nahe den beiden anderen Enden bringe man einen querlaufenden Stab an und markiere dessen Mitte.

12.NIV.2 Den Querstab befestige man mit Stiften gleichmäßig an beiden Stäben. Vom gemeinsamen Ansatz der beiden hänge eine beschwerte Lotschnur herab, ohne den Boden zu berühren.

12.NIV.3 Stehen die beiden Füße auf dem Boden und weicht die Schnur von der Mittelmarke des Querstabs ab, so fülle man die betreffende Seite auf oder senke die andere entsprechend ab …

… bis die Schnur auf die Marke trifft. So wird der Boden eben.

Die Erläuterung: Zwei gleich dicke und gleich lange Stäbe werden an einem Ende mit einem Stift verbunden. Nahe ihren anderen Enden befestigt man einen passenden Querstab von der halben Länge und markiert seine Mitte. Die drei Stäbe bilden so ein langes Dreieck.

Vom gemeinsamen Ansatz der langen Stäbe lässt man eine Schnur mit einem kleinen Stein oder einem ähnlichen Gewicht herabhängen. Sie soll über die Mittelmarke des Querstabs laufen, ohne mit dem Gewicht den Boden zu berühren. Man setzt die beiden Stabfüße auf den Boden, hält das gemeinsame obere Ende und bewegt das Gerät vorsichtig. Wo die Schnur von der Mittelmarke abweicht, ist der Boden auf der betreffenden Seite tiefer und wird aufgefüllt; oder man gräbt die andere Seite ab. Überall richtet man den Boden so ein, dass die Schnur auf die Mittelmarke fällt.

Nachdem der Boden nach dieser im Śilpiśāstra beschriebenen Weise geebnet wurde, errichte man darauf eine Halle der höchsten, mittleren oder kleineren Größenklasse.

Größen und Ausstattung der Ritualhalle

Die Kennzeichen der Halle werden in einem anderen Tantra beschrieben:

12.MH.1 Bei königlichen Feueropfern und Weihen, bei Einweihungen, Schenkungen, Gelübden und ähnlichen Anlässen bestimme der Verständige die Richtungen nach dem Lauf der Sonne und lasse den glückverheißenden Tag ausrufen.

12.MH.2 Danach errichte man unter dem Klang der fünf [Instrumentengruppen] eine schöne Halle. Ihre Maße gelten als dreifach: groß, mittel und klein.

12.MH.3 Das höchste Maß beträgt hier sechzehn oder achtzehn Hastas [Ellen]. Einige nennen zwanzig Hastas als höchstes Maß.

12.MH.4 Das mittlere Maß beträgt zwölf oder vierzehn Hastas. Das kleinste geben die Weisen mit zehn Hastas an.

12.MH.5 Einige nennen ebenso neun, sieben oder fünf Hastas in Breite und Länge.

12.MH.6 Die schöne Halle besitze sechzehn Säulen und vier Tore. Die vier Tore in den Himmelsrichtungen seien zwei Hastas und acht Fingerbreiten …

12.MH.7 … [oder] zwei Hastas mit einer weiteren Fingerbreitenangabe, oder zwei Hastas [breit]. Dann teile man die Maßschnur der Halle in drei Teile. [Die mittlere Torbreite ist in sādhyāṃgula beschädigt; die erste und letzte Angabe sind lesbar.]

12.MH.8 Von Osten beginnend wird so der Mittelbereich zum Altar. Dieser sei aus Ziegeln oder Erde gefertigt und glatt wie ein Spiegel.

12.MH.9 An die Ecken des Altars setze man Säulen als Verkörperungen der Veden. Bei der großen Halle seien sie halb so hoch [wie deren Seitenmaß]; bei der mittleren und kleinen …

12.MH.10 … acht Hastas hoch. Ferner seien ringsum zwölf schöne, gerade Säulen von fünf Hastas mit ihren oberen Abschlüssen [aufzustellen].

12.MH.11 Vier stehen an den vier Ecken, acht an den Enden der Maßschnüre. Alle sechzehn sollen die Lehrer mit gleichmäßigen Zwischenräumen aufstellen.

12.MH.12 Der Lehrer grabe ein Fünftel ihrer Länge in den Boden ein. Von den Spitzen der vier mittleren Säulen aus führe man wiederum …

12.MH.13 … vier Hölzer so zusammen, dass ihre oberen Enden sich vereinigen. Dort befestige man einen schönen Kalaśa …

12.MH.14 … aus gutem Holz, von Handwerkern sorgfältig gefertigt, mit einem Kalaśa an seiner Spitze geschmückt. Dann bedecke man die Halle mit Bambus, Matten und Blättern. [Die doppelte Kalaśa-Nennung und die Lesung karadalaiḥ lassen die genaue Gestalt des Dachabschlusses beziehungsweise das Blattmaterial offen.]

12.MH.15 Außerhalb der Hallentore errichte man der Richtungsfolge nach je ein Paar Torpfosten aus Aśvattha-, Udumbara-, Plakṣa- und Vaṭa-Holz.

12.MH.16 Sie seien sieben, sechs oder fünf Hastas lang und wie zuvor in den Boden einzugraben. Ihre Breite wird mit zehn Fingerbreiten angegeben.

12.MH.17 Ihre Dicke betrage fünf Fingerbreiten; der Querschnitt sei ungleichseitig viereckig. Zwischen den beiden Torpfosten lege man ein Querholz.

12.MH.18 Bei zweieinhalb Hastas, [einer beschädigten Zwischenangabe] oder zwei Hastas [Höhe] setze man das östliche Tor mit dem Mantra „agnim īḷe …“ ein. [Die eingeklammerte Lesung pāda in der Vorlage macht die zweite Maßangabe unsicher.]

12.MH.19 Das südliche Tor setze man mit dem Mantra „iṣe tvā …“, das westliche mit „agna ā yāhi …“ ein.

12.MH.20 Das nördliche Tor setze man mit „śaṃ no devī …“ ein. Oben befestige man ein Banner, mit Glocke und Yakschweifwedel geschmückt. [Die Quelle nennt die vedischen Formeln nur durch ihre Anfangsworte.]

12.MH.21 Das Banner wird mit fünf Hastas angegeben, seine Stange mit zehn. Die Fahnen der Weltenhüter seien ein Bāhu lang …

12.MH.22 … zwölf Fingerbreiten breit und mit der Gestalt des jeweiligen Weltenhüters bezeichnet: gelb, rot, dunkel, rauchfarben, weiß, rauchfarben, schwarz und hell.

12.MH.23 Die Fahnen tragen die Zeichen ihrer Waffen sowie Blüten und Duftstoffe. Sie besitzen passende Stangen und werden mit dem jeweiligen Mantra aufgestellt.

12.MH.24 Die Halle sei von einem Baldachin geschmückt, weiß wie die Mondscheibe. Ihre Säulen sind mit feinem Tuch umwickelt; vielfältige Lampen und anderes schmücken sie.

12.MH.25 Die schönen Tore tragen Girlanden aus jungen Mangoblättern. Mit einer Schnur aus Darbha-Gras umgebe man die glückverheißende Halle.

Weitere Hallengrößen und Grundrisse

Im Uttaratantra:

12.UM.1 Eine Halle von hundertzwanzig Hastas gilt als die höchste; ebenso [werden Maße von] hundertacht oder hundert Hastas [genannt].

12.UM.2 Der Wissende lasse eine Halle von einundachtzig, zweiundsiebzig, sechzig oder achtundvierzig Hastas …

12.UM.3 … von sechsunddreißig, dreißig, siebenundzwanzig oder vierundzwanzig Hastas herstellen.

12.UM.4 Viereckig, rund, sechseckig, achteckig, dreieckig, wie ein achtblättriger Lotus, neuneckig oder zweieckig …

12.UM.5 … fünfeckig, siebeneckig, elfeckig [„mit Rudra-Ecken“], zwölfeckig, sechzehn-, achtzehn- oder zwanzigeckig …

12.UM.6 … vierundzwanzig-, siebenundzwanzig-, zweiunddreißig- oder sechsunddreißigeckig …

12.UM.7 … achtundvierzigeckig, fisch- oder bannerförmig, in Gestalt von Worfelkorb, Lanze, Schwert, Śṛṅgāṭa [einer horn- oder kreuzungsartigen Form], Bogen oder Hammer …

12.UM.8 … so sind dort die Hallen und insbesondere auch die Feuergruben bei Vollweihe, Einweihung, Besprengungsweihen und Befriedungsritualen herzustellen.

12.UM.9 Bei den jeweils wunscherfüllenden Anwendungen sollen die Lehrer die entsprechenden Feuergruben besonders sorgfältig herstellen und bei der jeweiligen Handlung unermüdlich sein.

So viele Hallenformen genannt wurden, so viele Formen der Feuergruben sind ebenfalls zu verstehen.

Nun die Herstellung dieser Hallen: Bei Vollweihen und ähnlichen Anlässen soll man die genannten Hallen mit Feuergruben von vierundzwanzig Hastas herstellen. Die höchste Hallenklasse ist vierfach: vierundzwanzig, zwanzig, achtzehn oder sechzehn Hastas. Die mittlere ist zweifach: vierzehn oder zwölf Hastas. Die kleinste ist vierfach: zehn, neun, sieben oder fünf Hastas, jeweils mit gleicher Länge und Breite. Bei diesen drei Klassen wähle man nach dem verfügbaren Platz eine Halle, in der Opferpriester, Mitwirkende und Versammelte bequem sitzen können.

Fingerbreiten, Ellen und körperbezogene Maße

Ein Hasta ist vierundzwanzig Fingerbreiten lang. Das Fingermaß wird im Mahākapilapañcarātra erklärt:

12.MA.1 In den Sonnenstrahlen, die durch ein Fenster fallen, schweben feinste Staubteilchen: die Trasareṇus.

12.MA.2 Ein Trasareṇu wird als achtmal so groß wie ein Paramāṇu bezeichnet. Acht davon heißen Keśa; acht Keśas ergeben eine Likṣā, acht Likṣās eine Yūkā.

12.MA.3 Acht davon ergeben ein Gerstenkorn, acht Gerstenkörner eine Fingerbreite. Dies ist die größte Fingerbreite; die mittlere beträgt sieben Gerstenkörner.

12.MA.4 Sechs Gerstenkörner ergeben die kleinste. Dies wird Mānāṅgula genannt. Acht quer nebeneinander gelegte Gerstenkörner bilden das Mānāntarāṅgula.

12.MA.5 Oder drei gerade aneinandergelegte Reiskörner ergeben dieses andere Maß. Das mittlere Glied des Mittelfingers an der rechten Hand des Ācārya …

12.MA.6 … also der Abstand zwischen dessen Gelenken, wird als Mānāṅgula bezeichnet. Bildet man mit den übrigen Fingern, ohne den Daumen, eine Faust …

12.MA.7 … und teilt sie in vier Teile, so gilt ein Teil als Muṣṭyaṅgula, Faustfingermaß. Teilt man eine beliebige menschliche Körperhöhe in zehn Teile …

12.MA.8 … und einen dieser Teile wiederum in zwölf, so ist einer davon eine Fingerbreite. Man erkenne sie als Dehalabdhāṅgula, das aus dem Körper gewonnene Fingermaß.

12.MA.9 Die Höhe eines Bildnisses beruht auf dem Mahāmānāṅgula. Dieses große Fingermaß wird hier Mātrāṅgula genannt.

12.MA.10 Mit eben diesem anderen Maß fertige man Tempelbauten und Ähnliches. Für Altäre, Sockel, Sänften, Wagen und Weiteres hingegen …

12.MA.11 … gilt ausschließlich das Mānāntarāṅgula, kein anderes Maß. Die Geräte des Opferdienstes fertige man mit dem Mānāṅgula.

12.MA.12 Die zum Feueropfer gehörenden Schöpfgefäße und anderen Geräte sowie die Feuergrube beruhen auf dem Muṣṭyaṅgula. Die Körperteile eines Bildnisses bestimme man mit dem Dehalabdhāṅgula.

Vierundzwanzig Fingerbreiten ergeben einen Hasta. [Die überlieferten Maßnamen und ihre teilweise überlappenden Definitionen werden beibehalten; sie werden nicht ohne Beleg in ein einziges Zentimetermaß umgerechnet.]

Mit Ācārya ist hier der Yajamāna, der Auftraggeber beziehungsweise Träger des Rituals, gemeint. Der Sinn entspricht der Aussage eines anderen Tantra: „Das Maß des Yajamāna soll zugrunde liegen“, und der Śāradā-Aussage: „der rechten Hand des Ausführenden“.

Im Uttaratantra folgt eine Besonderheit:

12.UK.1 In der größten Halle errichte man neun oder elf Feuergruben, in der mittleren vier, in der kleinsten eine.

Erläuterung des Hallenaufbaus

Nachdem man Hasta und die übrigen Maße aus den beschriebenen Fingermaßen bestimmt hat, errichte man die genannte Halle. Auf dem nach der erläuterten Weise geebneten Boden lasse man unter dem Klang der fünf Instrumentengruppen von Brāhmaṇas Segensworte sprechen. Man stecke ein gleichseitiges Viereck der vorgesehenen Breite ab und schlage an den vier Ecken Stäbe ein.

Die mittleren Ost-West- und Süd-Nord-Schnüre entferne man und teile das viereckige Feld erneut in neun Teile. An die vier äußeren Ecken kommen vier Säulen, an die acht Endpunkte der vier von Osten nach Westen beziehungsweise von Süden nach Norden verlaufenden Teilungslinien weitere acht: insgesamt zwölf äußere Säulen.

Diese seien weder zu dick noch zu dünn, gerade, unverletzt, aus derselben Holzart und wohlgerundet. Ihre Höhe betrage fünf Hastas; jeweils ein Fünftel werde in den Boden eingelassen. Ihre Stärke wird mit einem Drittel Hasta angegeben; über das Grundmaß hinaus besitze jede einen oberen Zapfen von einer kräftigen Handspanne Höhe. [Die Maßverbindung im Satz ist gedrängt; insbesondere die Zuordnung von Stärke, Übermaß und Zapfen bleibt nicht völlig eindeutig.]

An die vier Ecken des mittleren Teilfeldes setze man vier weitere Säulen derselben Holzart, etwas stärker als die äußeren. In der größten Halle seien sie halb so hoch wie das Hallenmaß, in den anderen Hallen acht Hastas hoch. Auch sie besitzen obere Zapfen und werden zu einem Fünftel in den Boden eingelassen. So entstehen insgesamt sechzehn Säulen.

Auf die zwölf äußeren und die vier mittleren Säulen lege man jeweils im Viereck gerade, unbeschädigte Querhölzer derselben Holzart. Handwerker versehen beide Enden mit Öffnungen, in welche die Säulenzapfen passen. Von den Spitzen der vier mittleren Säulen gehen vier Hölzer aus, deren obere Enden zusammenlaufen. Sie tragen einen Kalaśa aus derselben Holzart mit lotusförmig geschmückter Spitze.

Zwölf gerade Hölzer von passender Länge und Stärke erstrecken sich von den zwölf äußeren Säulen nach innen. Ihre unteren Enden sind auf deren Zapfen befestigt; ihre oberen Enden reichen an die Spitzen der vier mittleren Säulen beziehungsweise in die Mitte der vier inneren Querhölzer. Weitere Hölzer verstärken die Konstruktion nach Bedarf.

Man decke die Halle sorgfältig mit Kokosblättern oder Bambusmatten und schließe damit auch die vier Ecken vollständig. In den vier Richtungen besitze sie Tore mit Pfosten. Ihre Breite betrage bei der größten Halle zwei Hastas und acht Fingerbreiten, bei der mittleren zwei Hastas und vier Fingerbreiten, bei der kleinsten zwei Hastas. [Dieser Prosakommentar klärt die im vorigen Verszitat beschädigte mittlere Breitenangabe.]

Die vier Torbögen und ihre Mantras

Einen Hasta außerhalb des östlichen Hallentors stelle man ein Tor aus Aśvattha-Holz auf. Seine Pfosten seien bei der größten, mittleren und kleinsten Halle sieben, sechs beziehungsweise fünf Hastas hoch, zehn Fingerbreiten breit und fünf Fingerbreiten dick. Da Breite und Dicke verschieden sind, ist mit dem ungleichseitigen Viereck ein rechteckiger Querschnitt gemeint. Über das Maß hinaus besitze jeder Pfosten einen Zapfen von einer Handspanne Höhe.

Die beiden Pfosten stehen auf beiden Seiten des Eingangs. Ihr Abstand beträgt bei den drei Größenklassen zweieinhalb, zweieinviertel beziehungsweise zwei Hastas. Wie zuvor wird ein Fünftel in den Boden eingelassen. Dabei spricht man:

„Ich preise Agni, den vorangestellten Priester, den göttlichen Opferpriester des Opfers, den Hotṛ, den vorzüglichsten Spender von Schätzen.“ [Die Vorlage liest im letzten Wort ratnaghātamam; die Übersetzung folgt dem erkennbar gemeinten Sinn des zitierten Verses und kennzeichnet diese abweichende Lesung.]

Ein Querholz derselben Holzart, von gleicher Breite und Dicke und mit passenden Zapfenlöchern an beiden Enden, wird aufgelegt. Daran binde man eine Darbha-Girlande.

Ebenso errichte man am südlichen Eingang ein Tor aus Udumbara-Holz mit der Formel: „Dich für Nahrung, dich für Kraft! Ihr seid die Winde, ihr seid die Herankommenden. Der Gott Savitṛ treibe euch zur vortrefflichsten Handlung an.“ [Die Silbenverbindung sthopāyavaḥ ist in dieser Vorlage unsicher; der Sinn des mittleren Satzes bleibt entsprechend vorläufig.]

Am westlichen Eingang errichte man ein entsprechend gefertigtes Tor aus Plakṣa-Holz: „Agni, komm zum Genuss, gepriesen zur Darbringung der Opfergabe; setze dich als Hotṛ auf das Opfergras.“

Am nördlichen Eingang errichte man ein Tor aus Vaṭa-Holz: „Mögen die göttlichen Wasser uns zur Hilfe, zum Trinken und zum Heil gereichen; mögen sie uns Wohlergehen und Heil zufließen lassen.“ [Die überlieferte Form bhavanti wird als Teil des erkennbaren Wassersegens wiedergegeben.]

Zeichen über den Toren

In der Mitte der oberen Querhölzer bohre man Öffnungen. Darin befestige man je einen Einsatz aus der Holzart des betreffenden Tores. Bei den drei Hallengrößen sei er dreizehn, elf oder neun Fingerbreiten lang und ein Viertel so breit. In śivaitischer Verehrung habe er Dreizackgestalt, in vaiṣṇavischer Diskusgestalt.

Ferner werden Zeichen in der Größe eines Zwölftels des Torquerholzes genannt: der Richtungsfolge von Osten an Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus, je eines über jedem Tor. [Die Vorlage stellt die Dreizack-/Diskusregel und die Reihe der vier vaiṣṇavischen Zeichen unmittelbar nebeneinander; der folgende Kommentar erläutert unterschiedliche Ausführungen.]

Die Herstellung des Dreizacks beschreibt die Piṅgala-Lehre:

12.PI.1 Die Torpfosten sollen am oberen Abschluss mit einem Dreizack versehen werden. Seine Länge betrage neun Fingerbreiten, seine Breite ein Viertel davon.

12.PI.2 Die mittlere Spitze sei gerade, die beiden seitlichen leicht gekrümmt. So wird es für die kleine [Halle] angegeben; zwei Fingerbreiten lasse man ein.

Für die anderen vergrößere man [die Länge] jeweils um zwei Fingerbreiten, die Einlasstiefe jeweils um eine.

„Die kleine“ bedeutet die kleinste Halle, „die anderen“ die mittlere und größte. Viśa bezeichnet das Einlassen.

Im Vāstuśāstra:

12.VĀ.1 Am oberen Abschluss setze man in der Folge von Osten an Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus ein, aus dem jeweiligen Holz, im Maß eines Zwölftels.

Gemeint ist ein Zwölftel des Querholzes; „aus dem jeweiligen Holz“ bedeutet aus derselben Holzart wie das Tor. Somit ergeben sich bei der kleinsten Halle vier Fingerbreiten Höhe, bei der mittleren viereinhalb und bei der größten fünf.

Einige nennen Einsätze von einem Hasta Länge. Sie berufen sich auf ein anderes Tantra: „Dort sind Einsätze von einem Hasta aufzustellen, in vaiṣṇavischer Verehrung mit Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus bezeichnet, in śivaitischer dreizackförmig.“ Dann werden an den oberen Enden dieser langen Einsätze die Muschelhorn-, Diskus- oder Dreizackformen in den zuvor genannten Maßen gefertigt. Auch die Einlasstiefe bleibt wie beschrieben; der übrige Teil ist als Stange sichtbar.

Banner, Weltenhüter und Schmuck

Vor der Halle richte man ein Banner an einer zehn Hastas langen Bambusstange auf. Das Banner sei einen Hasta breit und fünf Hastas lang, reinweiß oder von der zur Gottheit passenden Farbe. Es trage das Bild des Reittiers der Mantragottheit und sei oben mit Glocken und anderem geschmückt.

In den zehn Richtungen befestige man die Fahnen der Weltenhüter an passenden Stangen. Jede sei ein Bāhu lang und zwölf Fingerbreiten breit, von der Farbe des jeweiligen Weltenhüters und mit dessen Reittier bezeichnet. Man verwende jeweils seinen vedischen Mantra.

Die Farben sind: für Indra gelb, für Feuer rotbraun, für Yama schwarz, für Nirṛti dunkel, für Varuṇa weiß, für Vāyu rauchfarben, für Soma rein beziehungsweise hell, für Īśāna weiß, für Brahmā rot und für Ananta weiß. [Diese ausführliche Liste umfasst zehn Richtungen und weicht von der vorangegangenen achtteiligen Farbreihe ab; beide Angaben bleiben erhalten.]

Nachdem die Halle so mit Fahnen geschmückt ist, versehe man das Innere mit einem reinweißen Baldachin und Blütengirlanden. Innen und außen umgebe man die Halle mit einer Willkommensgirlande aus Darbha-Schnur, in die Mango- und Aśvattha-Blätter eingeflochten sind. Die Säulen umwickle man mit feinem Tuch.

Der mittlere Altar

Im viereckigen Mittelbereich zwischen den vier inneren Säulen errichte man einen viereckigen Altar aus ungebrannten Ziegeln oder glatter Erde. Seine vier Seiten und seine Oberfläche seien glatt und eben wie ein Spiegel. Seine Höhe betrage ein Elftel, Neuntel, Siebtel, Fünftel, Viertel oder Drittel seiner Länge; alternativ einen Hasta.

So nennt ein anderes Tantra als Höhenmaße Anteile in den Zahlen Īśa, neun, sieben, Pfeile, Meere und drei [elf, neun, sieben, fünf, vier, drei]. Im Kapilapañcarātra:

12.KAV.1 Man forme ihn aus Ziegeln mit einer Höhe von einem Viertel, Drittel, Fünftel, Siebtel, Neuntel oder Elftel [seines Maßes].

Im Tantrarāja heißt es: „In der Mitte errichte man einen Altar von einem Hasta Höhe.“ In der Śāradā:

12.ŚM.1 An einem glückverheißenden Tag mit günstigen Mondhäusern, Planeten und Wochentagen, auf reinem Boden ohne Hülsen und Kohle …

12.ŚM.2 … lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen und errichte eine schöne Halle von fünf, sieben oder neun Hastas Innenmaß.

12.ŚM.3 Sie besitze sechzehn Säulen, darunter vier mittlere von acht Hastas Höhe; ringsum sind zwölf weitere aufzustellen.

12.ŚM.4 Diese seien fünf Hastas lang, ohne Löcher, gerade und schön. Ein Fünftel grabe der beste Tantra-Kenner in den Boden.

12.ŚM.5 Man bedecke die Halle ringsum mit Kokosblättern und Bambus. An den Toren stehen der Reihe nach Torbögen aus milchsaftführenden Bäumen.

12.ŚM.6 Die Höhe ihrer Pfosten beträgt jeweils sieben Hastas; ihr Umfang wird mit zehn Fingerbreiten angegeben. [Hier steht Umfang, während die frühere Beschreibung Breite und Dicke unterscheidet.]

12.ŚM.7 Das Querholz richte sich nach dem Abstand zwischen den Pfosten. In der Mitte des Torbogens setze man Dreizackzeichen von einem Hasta ein.

12.ŚM.8 In den Richtungen befestige man Banner in den Farben der Weltenhüter. Mit Baldachin, Darbha-Girlanden und anderem schmücke man die Halle.

12.ŚM.9 Im mittleren Drittel des Feldes errichte man für das Maṇḍala einen viereckigen Altar von einer Aratni [Ellenlänge] Höhe.

So endet die Vorschrift zur Herstellung der Halle.

Der Platzbedarf kleiner Hallen

Bei den kleinen Hallen ergibt sich jedoch ein Problem. Selbst in einer Halle von zehn Hastas hat der mittlere Altar eine Seitenlänge von mehr als drei Hastas, nämlich einem Drittel [des Hallenmaßes]. Zwischen Feuergrube und Altar bleiben auf beiden Seiten je zwei Padas. Die beiden Feuergruben einschließlich Hals und Leisten beanspruchen zusammen vier Hastas. Außen werden auf beiden Seiten zusammen zwei weitere Hastas zum Aufstellen der Krüge benötigt. Damit ist bereits der gesamte Hallenboden belegt; für Lehrer, Opferpriester und weitere Mitwirkende bleibt kein Sitzplatz.

Deshalb hält der Verfasser diese Anordnung in dieser Form nicht für zweckmäßig. Die kleinen Maße seien vielmehr auf Fälle zu beziehen, in denen man eine verkürzte Ausführung mit jeweils einer Feuergrube, einer Leiste und ähnlichen Vereinfachungen beabsichtigt. Für solche Anlässe erfüllen sie ihren Zweck.

Nachdem man die Halle hergestellt hat, errichte man darin von Osten an in den acht Richtungen acht Feuergruben: viereckig, yoniförmig, halbmondförmig, dreieckig, rund, sechseckig, lotusförmig und achteckig.

Die acht Feuergruben: erste Übersicht

Zuerst wird die Herstellung der viereckigen Feuergrube erläutert. In der Śāradā heißt es:

12.ŚK.1 In der zuvor beschriebenen Halle teile der Wissende das Feld außerhalb des Altars in drei Teile. Im mittleren Teil bestimme er, von Osten beginnend …

12.ŚK.2 … in den acht Richtungen schöne Feuergruben der Reihe nach: viereckig, yoniförmig, halbmondförmig, dreieckig und rund …

12.ŚK.3 … sechseckig, lotusförmig und achteckig. Dies sind ihre Namen. Die Feuergrube des Ācārya liege zwischen Gaurīpati und Mahendra [Nordosten und Osten].

12.ŚK.4 Ein Feld von einem Hasta stecke man wie zuvor mit Schnüren ab. Diese ringsum viereckige Feuergrube ist glückverheißend.

12.ŚK.5 Die Tantra-Kenner verstehen unter einem Hasta vierundzwanzig Fingerbreiten. Das viereckig abgesteckte Feld teile der Verständige in fünf Teile.

12.ŚK.6 Einen Teil trage man vorne an. Nach dem Maß der halben Hälfte der Ecke [einem Viertel der betreffenden Diagonale] beschreibe der Mantra-Kenner einen Bogen; ebenso einen weiteren …

12.ŚK.7 … und lege dann zwei Schnüre: So wird die Feuergrube yoniförmig. Das viereckige Feld teile man sodann in zehn Teile.

12.ŚK.8 Je einen Teil lasse der Tantra-Kenner oben und unten weg. Vorne lege man eine Sehnenschnur und beschreibe mit diesem Maß einen Bogen.

12.ŚK.9 So entsteht eine schöne halbmondförmige Feuergrube. Bei einem in vier Teile geteilten Feld trage man an beiden Seiten …

12.ŚK.10 … jeweils einen Teil an und setze nach diesem Maß vorne eine Markierung. Legt man darunter drei Schnüre, wird dies dreieckige Feuergrube genannt.

12.ŚK.11 Bei einem in achtzehn Teile geteilten Feld trage der Wissende einen Teil außen an und beschreibe mit diesem Maß einen Kreis: die vortreffliche runde Feuergrube.

12.ŚK.12 Man teile das Feld in acht Teile und trage an beiden Seiten der mittleren Schnur je einen Teil an. Mit diesem Maß, von der Mitte ausgehend …

12.ŚK.13 … bilde der beste Tantra-Kenner an den beiden Seiten vier fischförmige Schnittfiguren. Danach lege er sechs Schnüre: So entsteht die vortreffliche sechseckige Feuergrube.

12.ŚK.14 Das viereckige Feld teile man in achtzehn Teile, trage einen Teil außen an und beschreibe mit diesem Maß einen Kreis.

12.ŚK.15 Für Fruchtboden und weitere Teile bilde man drei weitere Kreise nach außen. Dies wird die augenerfreuende Lotusfeuergrube genannt.

12.ŚK.16 Das zuvor beschriebene Feld teile man in vierundzwanzig Teile. Einen Teil trage man außen an und bilde ein Viereck.

12.ŚK.17 An den Seiten des Vierecks markiere man nach dem Maß der halben Hälfte der Ecke [Diagonale] von den Ecken des äußeren Vierecks aus …

12.ŚK.18 … und lege entsprechend den Richtungen acht Schnüre. Dies nennen die Tantra-Kenner die achteckige Feuergrube. [Die Kurzregeln enthalten nicht überall eindeutige geometrische Bezugspunkte. Die nachfolgenden Erläuterungen werden deshalb vollständig mitgeführt; voneinander abweichende Teilungsangaben werden nicht vereinheitlicht.]

Absteckung der viereckigen Feuergrube

Im Śrītantrarāja [Quellenangabe der Vorlage: Kapitel 29, Vers 26]:

12.TQ.1 Man spanne eine Ost-West-Schnur und markiere ihre Mitte. Von dieser setze man nach Osten und Westen Zeichen im Abstand von zwölf Fingerbreiten.

12.TQ.2 Von den Endpunkten ausgehend bilde man nach dem Maß zur mittleren Markierung einen Haṃsapada [eine Schnittfigur]; ringsum lege man die Felder an.

12.TQ.3 Den überstehenden Teil entferne man und setze auch dort zwei Zeichen. Mit dem Maß der Ost-West-Zeichen, von diesen ausgehend …

12.TQ.4 … bilde man nach Süden und Norden Haṃsapadas. Durch sie spanne man eine Schnur und entferne auch dort nach dem genannten Maß den Überschuss.

Vier Schnüre ergeben so ein gleichseitiges Viereck.

Die Herstellung im Einzelnen: Östlich des Altars lasse man einen Hasta Boden frei, nach dem Muṣṭyaṅgula-Maß gemessen. Entsprechend den zuvor bestimmten Richtungen spanne man eine Ost-West-Schnur, markiere deren Mitte und davon ausgehend nach Osten und Westen je zwölf Muṣṭyaṅgulas. Die darüber hinausgehenden Teile entferne man.

Von den beiden Endzeichen aus beschreibe man zwei sich etwas überschneidende Kreise mit einem Radius, der etwas größer ist als die Hälfte der Schnur. Durch die nördliche und südliche Schnittfigur spanne man eine Süd-Nord-Schnur, die die Mitte der Ost-West-Brahmaschnur durchquert. Auch auf ihr markiere man vom Mittelpunkt aus je zwölf Fingerbreiten nach Süden und Norden und entferne den Überschuss.

Von den vier Endpunkten aus bestimme man mit zwölf Fingerbreiten die Schnittfiguren an den vier Ecken. Durch diese lege man zwei Ost-West- und zwei Süd-Nord-Schnüre: Insgesamt vier Schnüre bilden das Viereck. Darin grabe man eine gleichseitig viereckige Grube, deren Tiefe dem Maß der Ost-West-Brahmaschnur entspricht.

Die drei Leisten der viereckigen Feuergrube

Rings um die Grube lasse man einen Bodenstreifen von einem Vierundzwanzigstel des Grubenmaßes frei. Außerhalb davon bilde man eine zwölf Fingerbreiten breite und vier Fingerbreiten hohe Leiste. Darauf lasse man außen ringsum vier Fingerbreiten frei und bilde eine zweite, acht Fingerbreiten breite und vier Fingerbreiten hohe Leiste. Darauf lasse man wiederum außen vier Fingerbreiten frei und bilde eine dritte Leiste, vier Fingerbreiten breit und vier Fingerbreiten hoch.

So ergibt sich innen eine Leiste von zwölf Fingerbreiten Gesamthöhe und vier Fingerbreiten sichtbarer Breite, eine zweite von acht Fingerbreiten Höhe und vier Fingerbreiten Breite und eine dritte von vier Fingerbreiten Höhe und vier Fingerbreiten Breite.

Einige nennen dagegen für die erste Leiste vier Fingerbreiten Breite und neun Höhe, für die zweite drei Breite und fünf Höhe, für die dritte zwei Breite und zwei Höhe. Diese Maße seien auf den Fall zu beziehen, in dem die Gesamttiefe einschließlich der Leisten einen Hasta beträgt. Viśvakarman nennt dafür nämlich nur fünfzehn Fingerbreiten Grabungstiefe; deshalb sind darüber neun Fingerbreiten Erhöhung erforderlich.

Bei einer Grabungstiefe von einem Hasta hingegen gilt die Tantrarāja-Aussage: „Die Maße aller Leisten in Breite und Erhöhung bestimme man mit einer Handspanne, acht und deren Hälfte [vier Fingerbreiten].“ Im Prapañcasāra heißt es [Quellenangabe der Vorlage: 5.33]:

12.PSM.1 Die mit den Guṇas, beginnend mit Sattva, verbundenen Leisten sind der Reihe nach zwölf, acht und vier Fingerbreiten hoch und ringsum je vier Fingerbreiten breit; sie gelten als Spender aller Vollendungen.

Daher hält der Verfasser die zuvor erläuterte Ausführung [bei voller Grabungstiefe] für angemessen.

Yoni und Nabel der viereckigen Feuergrube

Außerhalb der äußersten Leiste forme man aus Erde einen viereckigen Sockel von vier Fingerbreiten Länge, Breite und Höhe. Darauf ruht der Ansatz einer Yoni-Ausführung: Sie wird zwölf Fingerbreiten lang beschrieben, verjüngt sich und besitzt einen durchbrochenen Kanal, der an die mittlere Leiste anschließt. Am Ansatz befinden sich zwei krugförmige Wölbungen, in der Mitte ein Garbha [Innenraum beziehungsweise vertiefter Bereich].

Die Yoni erstreckt sich über die oberste Leiste. Ihr Ansatz ist acht Fingerbreiten breit; von dort verengt sie sich an beiden Seiten bis zu einer Spitze von einer Fingerbreite. Ihre Länge beträgt zwölf Fingerbreiten, ihre Randhöhung eine Fingerbreite. Sie gleicht einem Aśvattha-Blatt, fällt vom Ansatz aus leicht ab, und ihre Spitze reicht etwas in die Grube hinein. [Die beiden aufeinanderfolgenden Längenangaben stehen in einer gedrängten Beschreibung von Träger und Yoni; die genaue Abgrenzung dieser Bauteile bleibt teilweise offen.]

Vom mittleren Haṃsapada der Grube aus zeichne man einen Kreis mit vier Fingerbreiten Abstand in jede Richtung, außen darum einen weiteren mit sechs Fingerbreiten Abstand. Man bestimme den Kreisbereich und den Fruchtboden; in dem Ringraum zwischen beiden Kreisen bilde man acht Blätter. So entsteht ein Nabel von sechs Fingerbreiten Höhe. Damit endet die Herstellung der viereckigen Feuergrube.

Die yoniförmige Feuergrube

Im Tantrarāja:

12.TY.1 Man verlängere die Brahmaschnur nach Osten um ein Fünftel ihres mittleren Maßes. Von der Mitte der beiden westlichen Teilfelder aus …

12.TY.2 … beschreibe man mit dem jeweiligen Eckmaß einen Bogen vom westlichen Ende bis zum nördlichen beziehungsweise südlichen Ende, o Geliebte.

12.TY.3 Von den beiden Endpunkten der mittleren Querschnur aus führe man zwei Schnüre bis zum Ende der verlängerten Brahmaschnur.

12.TY.4 Dies ist die yoniförmige Feuergrube, o Glückbringende, im in vier Teile gegliederten [Ausgangsfeld]. In eben diesem erläutere ich auch die anderen Feuergruben mit entsprechendem Maß.

12.TY.5 Der Bodenanteil, der beim Viereck auf einer Seite wegzulassen ist, erscheint bei den anderen Formen an anderer Stelle. So ergeben sich alle Feuergruben ringsum …

… entsprechend einem Gesamtmaß von sechsundneunzig Fingerbreiten. [Die knappe Aussage zur Maßgleichheit erklärt nicht eindeutig, ob in jedem Fall derselbe Umfang oder ein übergeordnetes Konstruktionsmaß gemeint ist.]

Die Herstellung im Einzelnen: Man bilde wie zuvor ein Viereck mit vier Teilfeldern. Dessen Brahmaschnur verlängere man nach Osten um ein Fünftel ihres Maßes. In den beiden westlichen Teilfeldern bestimme man jeweils durch die Diagonalen von Südwesten nach Nordosten und von Südosten nach Nordwesten den Mittelpunkt.

Vom Mittelpunkt des nordwestlichen Teilfeldes beschreibe man mit dem Abstand bis zur Ecke einen Bogen vom westlichen Ende der Ost-West-Brahmaschnur bis zum nördlichen Ende der mittleren Süd-Nord-Schnur. Entsprechend verfahre man im südwestlichen Teilfeld bis zum südlichen Ende der Querschnur. So entstehen zwei halbmondartige Rundungen.

Von den beiden Enden der mittleren Querschnur spanne man zwei Schnüre bis zum Ende der nach Osten verlängerten Brahmaschnur. Dadurch wird das yoniförmige Feld bestimmt. Außen lege man nach den genannten Maßen und derselben Methode zwei weitere yoniförmige Umrisse für Hals und Leisten an. Man grabe wie zuvor und forme auch Hals und Leisten yoniförmig.

Denn im Kulaprakāśa heißt es: „Wie die Gestalt der Feuergrube, so die Gestalt ihrer Leisten; so verfahre man bei allen Feuergruben.“

Die halbmondförmige Feuergrube

Im Tantrarāja:

12.TH.1 Oben und unten lasse man je ein Zehntel des mittleren Maßes weg. Mit einem Teil des verbleibenden Maßes beschreibe man von dessen Mitte aus einen Bogen …

… wodurch die Halbmondgestalt entsteht; so wird diese Feuergrube bezeichnet.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein Viereck, teile dessen Durchmessermaß in zehn Teile, lasse im Osten und Westen je einen Teil weg und setze zwei Markierungen. Durch das westliche Zeichen lege man eine Süd-Nord-Querschnur und verlängere sie über das Viereck hinaus nach beiden Seiten um je drei Teile.

Von dem so bestimmten westlichen Schnittpunkt der Brahmaschnur aus bilde man bis zu den beiden Endpunkten halbmondartige Umrisse. Vom Schnittpunkt der Brahmaschnur mit der Mitte der östlichen Linie beschreibe man mit einem Schnurmaß von acht Teilen einen Bogen; so entsteht die halbmondförmige Grube. [Der Wechsel der Bezugspunkte im Kommentar ist nicht vollständig eindeutig; die Angaben werden ohne geometrische Ergänzung wiedergegeben.]

Außen bilde man nach derselben Methode mit einer Fingerbreite und mit zwölf Fingerbreiten Abstand zwei weitere halbmondförmige Umrisse. Im zuerst gebildeten Feld grabe man einen Hasta tief. Außen lasse man den Halsbereich frei und fertige die Leisten wie zuvor.

Die dreieckige Feuergrube

Ebendort:

12.TD.1 Die westliche Schnur verlängere man an beiden Seiten jeweils um ein Sechstel des [Ausgangs-]Maßes. Legt man von ihren beiden Enden aus zwei Schnüre desselben Maßes …

… bis zum Ende der Brahmaschnur, so wird dies dreieckige Feuergrube genannt.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein Viereck und verlängere dessen Brahmaschnur nach Osten über das Feld hinaus. Das Durchmessermaß des Vierecks teile man in sechs Teile. Um je einen Teil verlängere man die westliche Querschnur an beiden Enden nach außen.

Von diesen beiden Endpunkten aus spanne man zwei Schnüre, die jeweils so lang sind wie die [verlängerte westliche] Schnur, bis zu ihrem Zusammentreffen auf der nach Osten verlängerten Brahmaschnur. So bestimmt man die dreieckige Feuergrube.

Außen bilde man nach derselben Methode mit dem angegebenen Einteil- und Zwölfteilmaß zwei weitere Dreiecke. Grube, Hals und Leisten fertige man wie zuvor. [Die Kurzangaben ein Teil und zwölf Teile werden hier nicht zu sicher bezeugten absoluten Fingermaßen umgeschrieben.]

Die runde Feuergrube

Ebendort:

12.TVR.1 Man verlängere das östliche Ende der Schnur um ein Achtzehntel des mittleren Maßes. Mit diesem Maß beschreibe man außerhalb der Querschnur …

… von der mittleren Markierung aus einen Kreis. So entsteht das runde Maṇḍala.

Die Herstellung: Man lege wie zuvor ein viereckiges Feld an und teile dessen mittleres Durchmessermaß in achtzehn Teile. Um einen davon verlängere man das östliche Ende der Brahmaschnur über das Viereck hinaus. Vom Mittelpunkt aus beschreibe man mit dem Abstand zum verlängerten Ende einen Kreis.

Außen darum zeichne man einen weiteren Kreis für den Hals, im Abstand eines Vierundzwanzigstels des Viereckmaßes. Noch weiter außen, mit zwölf Fingerbreiten Abstand, einen weiteren Kreis. Im zuerst gezogenen Kreis grabe man einen Hasta tief. Im zwölf Fingerbreiten breiten Ringraum außerhalb des Halskreises forme man wie zuvor die drei Leisten und die Yoni mit den weiteren Bestandteilen.

Einige behaupten, bei der runden Feuergrube gebe es keine Yoni. Das weist der Verfasser zurück: Die tantrische Lehre besage vielmehr, dass bei der yoniförmigen Grube eine zusätzliche Yoni und bei der lotusförmigen Grube ein zusätzlicher Nabel entfällt.

Die sechseckige Feuergrube

Ebendort:

12.TS.1 Man verlängere die Brahmaschnur um ein Sechzehntel des mittleren Maßes und beschreibe damit einen deutlichen Kreis.

12.TS.2 Auf diesem Kreis setze man mit der Hälfte des Kreisdurchmessers Markierungen. Legt man dort sechs Schnüre, entsteht die sechseckige Feuergrube.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein Viereck und teile dessen mittleres Maß in sechzehn Teile. Um einen davon verlängere man das östliche Ende der Brahmaschnur. Vom Mittelpunkt des Vierecks aus beschreibe man mit diesem Maß einen Kreis.

Mit der Hälfte des Durchmessers dieses Kreises trage man, vom südlichen Endpunkt der mittleren Querschnur beginnend, sechs Markierungen auf dem Kreis ab. Zwischen je zwei Markierungen spanne man eine Sehnenschnur: insgesamt sechs. Man entferne die außerhalb liegenden Kreisbögen und erhält das sechseckige Grubenfeld.

Außen bilde man nach derselben Methode im genannten Einteil- und Zwölfteilabstand zwei weitere Sechsecke. Grabung und weitere Bestandteile fertige man wie zuvor. [Die Sechzehntelregel dieses Zitats weicht von der Achtelregel der früheren Śāradā-Übersicht ab; beide Quellenaussagen bleiben erhalten.]

Die lotusförmige Feuergrube

Im Lakṣaṇasaṃgraha:

12.LP.1 Das viereckige Feld teile man in acht Teile, o Ambikā. Mit einem dieser Achtel beschreibe man vom Mittelpunkt aus mit dem Zirkel …

12.LP.2 … einen Kreis: Dies ist der Fruchtboden. Für die Staubfäden beschreibe man vom Mittelpunkt aus einen Kreis mit zwei Achteln.

12.LP.3 Mit dem dritten Achtel wird der mittlere Bereich der Blätter bestimmt. Das vierte ergibt durch die Kreisbewegung das dem Durchmesser entsprechende Feld.

12.LP.4 Man teile die Brahmaschnur in vierundzwanzig Teile, o Schönangesichtige. Einen dieser Teile nehme man und teile ihn wiederum in sechzehn.

12.LP.5 Man nehme einen Anteil von „fünf, acht“, vermindert um fünf Sechzehntel, und zeichne außen den fünften Kreis, o Śivā … [Die Zahlenverbindung pañcakam aṣṭakam ist nicht sicher aufzulösen; der folgende Kommentar gibt stattdessen ein Maß von sechseinhalb Gerstenkörnern an.]

12.LP.6 … von der Mitte aus mit dem gesamten Maß. Dieser gilt als Bereich der Blattspitzen. Danach zeichne man den Lotus nach der im Lehrtext beschriebenen Weise.

12.LP.7 Den Abstand zum äußeren Kreis trage man vom Rand des Staubfadenkreises aus ab. Mit entsprechend eingestelltem Zirkel, am Rand der Staubfäden angesetzt …

12.LP.8 … zeichne man nach der vom Guru gelehrten Methode sechzehn Halbmonde. Mit geübter Hand zeichne man daraus die Blattspitzen.

12.LP.9 Den Fruchtboden lasse man in einer seinem Durchmesser entsprechenden Höhe stehen; den verbleibenden Bereich und den Kreis der Staubfäden trage man ab …

12.LP.10 … und grabe innen entsprechend der Gestalt. Auch den Blattbereich grabe man so aus, dass die Blattformen richtig entstehen, o höchste Herrin.

Dies wird Lotusfeuergrube genannt.

Die Herstellung im Einzelnen: Man teile ein wie zuvor angelegtes Viereck in acht Teile. Vom Mittelpunkt aus beschreibe man mit einem Teil einen Kreis für den Fruchtboden, mit zwei Teilen einen Kreis für die Staubfäden, mit drei Teilen einen Kreis für den Blattbereich und mit vier Teilen einen weiteren Kreis. Noch weiter außen, sechseinhalb Gerstenkörner über das Viereckfeld hinaus, beschreibe man den fünften Kreis.

Den Zirkel stelle man auf den Abstand zwischen dem zweiten und fünften Kreis ein. Vom Rand des Staubfadenkreises aus bilde man sechzehn Halbmonde, deren beide Spitzen den äußersten Kreis berühren. So entstehen acht zugespitzte Blätter.

Den mittleren Fruchtbodenkreis lasse man stehen. Man grabe den Staubfadenkreis und den mittleren Blattkreis sorgfältig so aus, dass um den Fruchtboden die Staubfäden hervortreten. Zwischen dem vierten und fünften Kreis sollen die Blätter samt Spitzen entstehen. Nach der vom Guru gelehrten Methode grabe man so, dass der Raum beziehungsweise das Maß der Grabung dem der viereckigen Feuergrube nach Breite, Länge und Tiefe entspricht. Außen forme man Hals und Leisten ebenfalls lotusförmig. [Der Ausdruck kṣetraphala wird hier auf die Grabung bezogen; ob ausschließlich Fläche oder das durch die Tiefe bestimmte Volumen gemeint ist, wird sprachlich nicht sauber getrennt.]

Die achteckige Feuergrube

Im Tantrarāja:

12.TA.1 Mit einem Vierundzwanzigstel des mittleren Maßes nach außen bilde man wie zuvor ein Viereck. Mit der Hälfte des früheren Eckmaßes …

12.TA.2 … setze man von den Ecken aus ringsum acht Markierungen. Durch diese lege man acht Schnüre, o Śivā …

… und bilde so die achteckige Feuergrube.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein Viereck, teile dessen mittlere Schnur in vierundzwanzig Teile und verlängere die Schnurenden in jede Richtung um einen davon. Nach der beschriebenen Methode entsteht daraus ein äußeres Viereck.

Mit der Hälfte der Diagonalschnur des ursprünglichen Vierecks markiere man vom jeweils gegenüberliegenden Eckbezug aus auf den Linien des äußeren Vierecks je zwei Punkte, insgesamt acht. Von Punkt zu Punkt spanne man acht Schnüre. Entfernt man die darüber hinausliegenden Ecken, entsteht die achteckige Grube. [Der Bezug vyatyāsa beschreibt das wechselweise Ansetzen; eine genauere moderne Konstruktionszeichnung wird daraus hier nicht ergänzt.]

Danach fertige man Grabung, Hals und Leisten entsprechend. Bei der Einweihung sind diese acht Feuergruben herzustellen.

Die fünfeckige Feuergrube

Anlässlich dessen werden für wunscherfüllende Feueropfer auch die fünf- und siebeneckigen Gruben beschrieben. Zunächst die fünfeckige, ebendort:

12.TF.1 Man verlängere die Brahmaschnur um ein Siebtel des mittleren Maßes und beschreibe damit ringsum einen Kreis.

12.TF.2 Mit dem Maß von drei Teilen setze man auf diesem Kreis Markierungen und lege fünf Schnüre an. So entsteht die fünfeckige Feuergrube.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein Viereck und verlängere das östliche Ende seiner Brahmaschnur um ein Siebtel des mittleren Maßes. Vom mittleren Haṃsapada aus beschreibe man mit diesem Maß einen Kreis.

Die mittlere Schnur des ursprünglichen Vierecks teile man in vier Teile. Mit jeweils drei davon setze man, vom östlichen Ende der Brahmaschnur beginnend, fünf Markierungen auf dem Kreis. Zwischen diesen spanne man fünf Sehnenschnüre. Nach dem Entfernen der äußeren Kreisbögen entsteht das fünfeckige Grubenfeld.

Außen lege man entsprechend zwei weitere Fünfecke für Hals und Leisten an und fertige die Grabung und die übrigen Bestandteile.

Die siebeneckige Feuergrube

Ebendort:

12.TSI.1 Man verlängere die Brahmaschnur um ein Zehntel des mittleren Maßes und beschreibe damit einen Kreis.

12.TSI.2 Mit dreiunddreißig von vierundsechzig Teilen [des Ausgangsmaßes] setze man Markierungen auf dem Kreis und lege sieben Schnüre.

So entsteht die siebeneckige Feuergrube.

Die Herstellung: Man bilde wie zuvor ein gleichseitiges Viereck, teile dessen mittleres Maß in zehn Teile und verlängere die Brahmaschnur um einen davon nach außen. Vom mittleren Haṃsapada aus beschreibe man damit einen Kreis.

Das Maß der mittleren Schnur des ursprünglichen Vierecks teile man in vierundsechzig Teile. Mit dreiunddreißig davon setze man vom östlichen Ende der Brahmaschnur ausgehend sieben Markierungen auf dem Kreis. Zwischen je zwei Punkten spanne man eine Sehnenschnur, insgesamt sieben. Entfernt man die außerhalb liegenden Kreisbögen, entsteht die siebeneckige Feuergrube.

Damit endet die Herstellung der zehn Feuergrubenformen. [Die Zahlenregeln für die Vielecke werden quellengetreu wiedergegeben; daraus wird keine Behauptung ihrer exakten geometrischen Gleichmäßigkeit abgeleitet.]

Neun, vier oder eine Feuergrube

Bei der Einweihung errichte man die acht Feuergruben in den acht Richtungen von Osten an. Als neunte kommt eine viereckige Ācārya-Grube zwischen Indra und Īśāna, also zwischen Osten und Nordosten, hinzu. Insgesamt sind damit neun Feuergruben herzustellen.

Ist man zur Herstellung der acht nicht in der Lage, errichte man in den vier Hauptrichtungen von Osten an nur vier: viereckig, halbmondförmig, rund und lotusförmig. Ist auch dies nicht möglich, errichte man allein die viereckige Ācārya-Grube zwischen Osten und Nordosten.

Zugeschriebene Wirkungen der Grubenformen

Bei wunscherfüllenden Feueropfern werden den verschiedenen Grubenformen unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben. Im Kulaprakāśatantra:

12.KW.1 Im Viereck erfolge das Stillstellen; es bewirke auch alle Vollendungen. Die yoniförmige Grube verleihe Genüsse und Söhne, die halbmondförmige Glück.

12.KW.2 Einige wünschen [die Halbmondform] für Tötungsrituale. Die Dreiecksform erzeuge Feindschaft; einige nennen sie als Mittel zur Vernichtung von Gegnern. Die runde Form bewirke Frieden.

12.KW.3 Die Sechsecksform eigne sich besonders für Vertreibung, Tod und Spaltung. Die Weisen kennen die Lotusgrube als Regen oder Gedeihen spendend.

12.KW.4 Die Achtecksform diene der Befreiung, nach einigen auch der Krankheitsfreiheit. Die Fünfecksform diene der Abwehr schädigender Magie und der Vernichtung von Bhūtas …

… und mit Kenntnis der Siebenecksform vollziehe man wunscherfüllende Handlungen. [Die Satzverbindung zwischen Fünf- und Siebeneck ist gedrängt. Sämtliche Angaben beschreiben die historischen magischen und religiösen Zuordnungen der Quelle.]

Zuordnung nach Varṇa

Im Kulamūlāvatāra:

12.KV.1 Für die Varṇas werden von der ersten an der Reihe nach folgende Gruben genannt, o Śivā: viereckig, rund, halbmondförmig und dreieckig.

Oder für alle: Die viereckige Form ist bei der Einweihung die beste, o Śivā. [Die erste Zuordnung folgt der historischen Vier-Varṇa-Ordnung; der folgende Satz lässt ausdrücklich eine gemeinsame Form für alle zu.]

Tierkreiszeichen und Feuergruben um den Altar

Eine Besonderheit für die Anlage um den Altar nennt der Tantrarāja:

12.TZ.1 Acht oder vier Feuergruben, ihre Gestalt und Namen und die gesamte Herstellung werde ich dir nach der Vorschrift erklären, o Makellose.

12.TZ.2 An den Orten von Waage, Krebs, Widder und Steinbock, den vier beweglichen Zeichen, errichte man runde Feuergruben.

12.TZ.3 Bei Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann, den festen Zeichen, errichte man der Reihe nach viereckige Feuergruben.

12.TZ.4 Bei Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische, den doppelten Zeichen, errichte man bei glückverheißenden Handlungen yoniförmige Gruben.

12.TZ.5 Bei unheilvollen Handlungen errichte man in den beweglichen Zeichen Halbmondformen, in den festen Dreiecke, bei den übrigen vier …

… fünf-, sechs-, sieben- und achteckige Gruben.

Die Stellung der Tierkreiszeichen wird ebendort genannt:

12.ZR.1 Im Osten Widder und Stier, in der Feuerecke Zwillinge; im Süden Krebs und Löwe, in der Südwestecke Jungfrau.

12.ZR.2 Im Westen Waage und Skorpion, im Nordwesten Schütze; im Norden Steinbock und Wassermann, im Nordosten Fische.

Die Feuergrube als Leibgestalt

Im Prathamatantra wird die Gestalt der Feuergrube und ihre innere Bedeutung erläutert:

12.KL.1 Die Feuergrube ist der höchste Leib der Prakṛti. Vorn ist der Kopf, im Süden und Norden die Arme, die Grube ist der Bauch, im Westen …

… befinden sich Yoni und Füße. So wird es in allen Tantras beschrieben, o Śāmbhavī.

Die Grubengröße nach der Zahl der Opfergaben

Die Größe der Feuergrube unterscheidet sich nach der Zahl der Opfergaben. Im Lakṣasāgara:

12.HZ.1 Bei fünfzig Feueropfergaben sei die Grube einen Ratni groß; bei hundert einen Aratni. Bei tausend Opfergaben …

12.HZ.2 … vierundzwanzig Fingerbreiten, bei zehntausend zwei Hastas, bei hunderttausend vier Hastas, bei einer Million sechs Hastas.

Bei zehn Millionen Feueropfergaben errichte man eine Grube von acht Hastas, o große Herrin.

Eine andere Regel steht ebendort:

12.HZB.1 Von hunderttausend bis zu einer Million vermehre man [das Grubenmaß] entsprechend von einem Hasta bis zu zehn Hastas.

Bei zehn Millionen wird eine Grube von zehn Hastas empfohlen, o höchste Herrin.

Diese [zweite Regel] ist bei Feueropfern mit Blättern, Blüten oder ausschließlich Ghee zu verstehen, weil dabei eine übermäßige Ausdehnung keinen Zweck habe. [Die beiden Zahlenreihen werden nicht zu einer einheitlichen Vorschrift zusammengezogen.]

Flächenmaße und Wurzeln für größere Feuergruben

Die Flächenmaße der zwei Hasta und größer genannten Gruben werden im Lakṣasāgara in Fingermaß-Einheiten angegeben:

12.FL.1 So viele Flächeneinheiten ein Ein-Hasta-Feld enthält: Für die Zwei-Hasta-Grube wird deren Verdoppelung verlangt.

12.FL.2 Das Ein-Hasta-Feld enthält fünfhundertsechsundsiebzig Fingermaß-Flächeneinheiten. Deren Wurzel ist die Brahmaschnur …

12.FL.3 … von vierundzwanzig Fingerbreiten. Danach lege man nach der Vorschrift eintausendeinhundertzweiundfünfzig Flächeneinheiten zugrunde.

12.FL.4 Deren Wurzel beträgt, für die mittlere Schnur, viereinhalb Likṣās, vier Yūkās, sieben Gerstenkörner …

12.FL.5 … und dreiunddreißig Fingerbreiten. Eintausendsiebenhundertachtundzwanzig Flächeneinheiten …

12.FL.6 … werden als Maß des Drei-Hasta-Feldes angegeben. Dessen Wurzel beträgt einundvierzig Fingerbreiten, vier Gerstenkörner …

12.FL.7 … vier Yūkās und etwas weniger als vier Likṣās. Zweitausenddreihundertvier Flächeneinheiten …

12.FL.8 … werden als Maß der Vier-Hasta-Grube angegeben. Deren Wurzel beträgt achtundvierzig Fingerbreiten …

12.FL.9 … für die Brahmaschnur. Die Flächeneinheiten des Fünf-Hasta-Feldes betragen zweitausendachthundertachtzig; die Wurzel wird genannt …

12.FL.10 … [hier folgt keine eindeutig abgrenzbare Wurzelangabe für das Fünf-Hasta-Feld]. Dreitausendvierhundertsechsundfünfzig Flächeneinheiten: Deren Wurzel beträgt achtundfünfzig Fingerbreiten und sechs Gerstenkörner …

12.FL.11 … zwei Yūkās mit einem kleinen weiteren Bruchteil. Für die Sieben-Hasta-Grube werden viertausendzweiundzwanzig [Flächeneinheiten] genannt.

12.FL.12 Deren Wurzel, die Brahmaschnur, beträgt dreiundsechzig Fingerbreiten und vier Gerstenkörner. Sodann die Flächeneinheiten des Acht-Hasta-Feldes:

12.FL.13 Viertausendsechshundertacht. Siebenundsechzig Fingerbreiten und sieben Gerstenkörner …

12.FL.14 … etwas vermindert, sind dessen Wurzel. Bei neun Hastas erscheinen einundfünfzig Hunderter, vermehrt um vier …

12.FL.15 … und achtzig: Dies ist das Flächenmaß [5.184]. Seine Wurzel wird mit zweiundsiebzig Fingerbreiten angegeben.

12.FL.16 „Fünf Fingerbreiten“ [steht hier ohne sicheren Anschluss]. Für das Zehn-Hasta-Feld werden fünftausend, siebenhundert …

12.FL.17 … und sechzig [5.760 Flächeneinheiten] genannt. Seine Wurzel, die Brahmaschnur, bilde man mit fünfundsiebzig Fingerbreiten, sieben Gerstenkörnern …

12.FL.18 … und zwei weiteren Likṣās. So bestimme man sie. Mit größter Sorgfalt soll der Verständige die Feuergruben herstellen.

Die Herstellung der zwei Hasta und größer genannten Gruben ist schwierig, o Śivā.

[In dieser Tabelle bezeichnet „zwei Hasta“, „drei Hasta“ und so weiter ausdrücklich die Vervielfachung der Ausgangsfläche von 576 Einheiten, nicht die entsprechende Vervielfachung der Seitenlänge. Die Vorlage ist an mehreren Stellen beschädigt: Für fünf Hasta fehlt eine klar erkennbare Wurzelangabe; für sieben Hasta liest sie 4.022 statt der rechnerisch zu erwartenden 4.032; am Anfang von Vers 16 stehen isoliert „fünf Fingerbreiten“. Diese Stellen werden nicht stillschweigend berichtigt. Die angegebenen Wurzeln verwenden Näherungen und Bruchteile traditioneller Maße.]

„Mit größter Sorgfalt“ bedeutet: Man muss die zehn Maßabstufungen von Trasareṇu an richtig kennen, dann die Grube mit einer Tiefe entsprechend ihrer Breite und Länge ausheben und Hals, Leisten und weitere Bestandteile nach den genannten Maßen anfertigen. „Schwierig“ heißt, dass dies nur mit großer Sorgfalt zu vollbringen ist.

Die kleinen Maßeinheiten

Im Lakṣaṇasaṃgraha:

12.KM.1 Der feinste Staub, der im durch ein Gitter einfallenden Sonnenlicht sichtbar wird, wird Trasareṇu genannt, das erste der Maße.

12.KM.2 Ein Trasareṇu besteht aus acht Paramāṇus; acht Trasareṇus gelten als ein Rathareṇu.

12.KM.3 Acht Rathareṇus gelten den Wissenden als eine Haarspitze; acht Haarspitzen als eine Likṣā, acht Likṣās als eine Yūkā.

12.KM.4 Acht Yūkās ergeben ein Gerstenkorn, acht Gerstenkörner eine Fingerbreite. Ein Ratni wird mit einundzwanzig Fingergliedmaßen angegeben.

12.KM.5 Ein Kara, vermindert um einen Kalā-Anteil, wird Aratni genannt. Ein Hasta besteht aus vierundzwanzig Fingerbreiten. [Die Kurzbestimmung des Aratni und die Unterscheidung zwischen Ratni und Aratni werden hier nicht weiter aufgelöst. Die zusätzlichen Stufen Rathareṇu und Haarspitze unterscheiden diese Reihe von der früher zitierten Maßreihe des Mahākapilapañcarātra.]

Grabungstiefe und Leisten: die Belegstellen

Nun die Belegstellen dafür, dass die Grabungstiefe der Breite und Länge der Grube entsprechen soll, sowie für die Maße der Leisten. Im Prapañcasāra:

12.PGT.1 Mit einer Schnur von vierundzwanzig Fingerbreiten stecke man den Boden ab und grabe ebenso viele Fingerbreiten tief. Eine Fingerbreite lasse man frei; dann sind die Leisten herzustellen.

Die Śāradā sagt: „So groß die Breite der Grube, so groß wird die Grabungstiefe angegeben.“ Die Vāyavīyasaṃhitā: „So tief wie die Grube breit ist.“ Im Divyasārasvataprayogasāra:

12.DGT.1 Wie zuvor bilde man mit Schnüren ein Viereck aus vier Teilfeldern. Darin grabe man nach dem Hasta-Maß ebenso tief wie lang.

Die Gaṇeśvaraparāmarśinī nennt „vierundzwanzig Fingerbreiten Länge und ebenso viel Grabungstiefe“. Die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā sagt: „Man errichte eine Grube von vierundzwanzig Fingerbreiten Breite und Grabungstiefe.“ Deshalb gilt als Schlussfolgerung, dass die Grube ebenso tief auszuheben ist, wie sie breit und lang ist.

Die Gegenauffassung: Gesamttiefe einschließlich der Leisten

Einige verstehen dagegen einen Hasta als Gesamttiefe einschließlich der oberen Leisten. Sie berufen sich auf folgende Aussagen:

  • Im Homasāra: „Einen Hasta grabe man in der Breite und nach oben einschließlich der Leiste.“
  • Im Pratiṣṭhāsārasaṃgraha: „Nachdem man die Höhe der fünf beziehungsweise drei Leisten bestimmt hat, grabe man den Rest nach unten.“
  • Bei Viśvakarman: „Das Grubenmaß wird von der Breite her mit einem Kara angegeben; die Tiefe beträgt fünfzehn Fingerbreiten [in der Zahl der Tithis].“
  • Im Prathamatantra: „Die Grube nach dem eigenen Fingermaß in der Breite und nach oben einschließlich der Leiste.“
  • Im Siddhāntaśekhara: „Das Grubenmaß der Grabung gelte einschließlich der oberen Leiste.“

Der Verfasser hält dies nicht für überzeugend. Dann müsste die Grabungstiefe jeweils den Veränderungen der Leisten folgen. Im Yoginīhṛdaya heißt es aber: „Die Grabung ist gleich der Länge der Grube; sie gilt als deren Glied. Durch ihre unmittelbare Mitwirkung unterscheidet sie sich von Leisten und anderen Teilen.“

Die Grabung ist demnach ein unmittelbar mitwirkender Bestandteil, die Leiste ein mittelbar unterstützender. Deshalb sei es unangemessen, beide bei der Bemessung einfach zusammenzurechnen. Die zuvor begründete Auffassung sei maßgeblich.

Die Rechnung mit sechsundneunzig Fingerbreiten

Ferner heißt es im Śrītantrarāja:

12.TGM.1 Ein Drittel des Umfangs des mittleren Gliedes am Mittelfinger gilt hier und überall im Tantra als eine Fingerbreite.

12.TGM.2 Vier davon ergeben eine Faust, dreimal so viele eine Handspanne; aus dem Doppelten entsteht ein Aratni, aus dessen Doppeltem ein Hasta, o Śivā. [Die fortlaufenden Bezüge der Verdoppelungen sind nicht völlig eindeutig; die folgende Angabe setzt die Körperhöhe mit 96 Fingerbreiten an.]

12.TGM.3 Das Doppelte davon ergibt eine Armspanne; dieses Maß entspricht der Körperhöhe. Sie beträgt sechsundneunzig Fingerbreiten. Nach diesen Maßen sind die Feuergruben zu bestimmen.

Daraus folgert der Kommentar, dass die Grube ein zusammengesetztes Längen- und Breitenmaß von sechsundneunzig Fingerbreiten erfüllen müsse. Bei nur fünfzehn Fingerbreiten Grabungstiefe ergeben sich von der Grubenmitte bis zur Oberkante der Leiste zwölf, fünfzehn und neun Fingerbreiten: insgesamt sechsunddreißig. Für beide Seiten verdoppelt sind es zweiundsiebzig. Es fehlen also vierundzwanzig Fingerbreiten, ein Drittel dieses Maßes.

Bei einer Grabungstiefe von einem Hasta und einer Leistenhöhe von zwölf Fingerbreiten ergeben sich dagegen von der Mitte aus zwölf, vierundzwanzig und zwölf: insgesamt achtundvierzig; für beide Seiten verdoppelt sechsundneunzig. Damit ist die genannte Zahl vollständig. Deshalb sei die Ausführung mit einem Hasta Grabungstiefe und zwölf Fingerbreiten hoher Leiste vorzuziehen. [Der Kommentar rechnet hier einen Weg vom Grubenmittelpunkt über Tiefe und Randhöhe zusammen; die 96 sind nicht als einfache Seitenlänge des Grundrisses zu lesen.]

Ein Einwand lautet: Da auch der Hals von einer Fingerbreite Breite vorhanden sei, kämen auf beiden Seiten zusammen zwei Fingerbreiten hinzu; das Maß von sechsundneunzig stimme dann nicht. Die Antwort des Verfassers: Der Hals sei nicht unbedingt erforderlich. Deshalb werde er im Tantrarāja gar nicht genannt.

Darauf der weitere Einwand: Es werde doch ein Fehler beim Weglassen des Halses überliefert. Die Antwort: Ja; wegen des Widerspruchs zum Tantrarāja müsse diese Aussage jedoch auf zu geringe Leistenhöhe oder zu geringe Grabungstiefe bezogen werden.

Die Belege, welche die Grabung einschließlich der Leiste bemessen, seien folglich auf kleinere Gruben von Ratni-, Aratni- und ähnlichem Maß zu beziehen, bei denen fünfzig oder vergleichbar wenige Opfergaben vorgeschrieben sind. Dort bestehe kein Bedarf an größerer Grabungstiefe.

Andere Zahlen von Leisten

Es können auch fünf Leisten hergestellt werden. Denn der Lakṣaṇasaṃgraha nennt „sechs, fünf, Meere, drei und Flügel“ [6, 5, 4, 3, 2], der Siddhāntaśekhara entsprechend „sechs, Pfeile, Meere, Feuer und Augen“ als Maße der fünf Leisten.

In der Piṅgala-Lehre:

12.PLM.1 Zwei Leisten werden mit einem Sechstel und einem Achtel [des Grundmaßes] angegeben. Eine einzelne Leiste gilt als sechs Fingerbreiten hoch und breit.

Historische Warnungen vor fehlerhaften Feuergruben

Vasiṣṭha sagt:

12.VD.1 Eine zu kleine oder zu große Grube verursacht vielerlei Fehler. Wer Gutes wünscht, soll sie deshalb gründlich prüfen und richtig herstellen.

Die einzelnen Fehler nennt Viśvakarman:

12.VWD.1 Bei zu großer Grabungstiefe werde man krank, bei zu geringer gehe der Besitz an Kühen verloren. Eine schiefe Grube bringe Leid, eine unterbrochene Leiste Tod.

12.VWD.2 Ohne Leiste entstehe Trauer, bei übergroßer Leiste Verlust des Besitzes. Eine ohne Yoni gefertigte Grube werde als Ursache des Untergangs der Ehefrau bezeichnet.

Eine Grube ohne Hals werde als Ursache des Untergangs der Nachkommenschaft bezeichnet.

Im Kriyāsāgara:

12.KSD.1 Eine Grube mit zu kleinen oder zu großen Maßen, beschädigten Leisten oder ohne Schmuck bewirke den Untergang des Yajamāna.

Im Jayadrathayāmala:

12.JYD.1 Bei zu langer Maßschnur entstehe Feindschaft unter Freunden, bei zu kleinem Maß Armut; ohne Hals Sprachhemmung, bei zu geringer Grabungstiefe Misserfolg.

12.JYD.2 Bei zu großer Tiefe komme das Ergebnis den Asuras zugute; bei übergroßen Leisten entstünden Krankheiten, ohne Yoni Apasmṛti [Gedächtnisverlust beziehungsweise ein als Anfallsleiden bezeichnetes Geschehen].

Eine gesprungene Grube bringe Vertreibung, eine von Löchern durchsetzte öffentliche Missbilligung.

Da solche Beanstandungen überliefert werden, seien alle Feuergruben mit den beschriebenen Kennzeichen herzustellen. [Diese Aussagen sind historische rituelle Unglücks- und Krankheitszuschreibungen. Sie belegen keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den genannten Baufehlern und Krankheit, Tod oder familiären Verlusten.]

Der Hals der Feuergrube

Vasiṣṭha sagt: „Bei einer Grube von einem Kara betrage der Hals acht Gerstenkörner.“ Im Kālottara:

12.KH.1 Außerhalb der Grabung liegt der Hals von einer Fingerbreite; dies gilt für alle Feuergruben. Als Fingerbreite bestimme man ein Vierundzwanzigstel [des Grubenmaßes].

Die Yoni-Ausführung an der Feuergrube

In der Vāyavīyasaṃhitā:

12.VY.1 In der Mitte der Leiste, im Westen oder auch im Süden, fertige man eine schöne Yoni, leicht abgesenkt und allmählich mit einem Kanal versehen …

12.VY.2 … mit der Spitze zur Grube gewandt und die Leiste leicht berührend, mit zwei krugförmigen Wölbungen, einem Aśvattha-Blatt ähnlich.

Ebenso in der Vasiṣṭhasaṃhitā:

12.VSY.1 Die Yoni befinde sich in der Mitte und weise nach Osten. Sie sei acht Fingerbreiten breit und zwölf Fingerbreiten lang …

… hinten erhöht, wie die Lippe eines Elefanten geformt, mit einer Öffnung und in der Mitte erhöht.

„Mit einer Öffnung“ bedeutet in der Mitte. Denn im Trailokyasāra heißt es: „In der Mitte befindet sich die Aufnahme für das Ghee.“ Die Vertreter der Überlieferung erklären deshalb, in der Mitte der Yoni sei eine Vertiefung anzulegen.

Im Lakṣaṇasaṃgraha:

12.LY.1 Ihre Spitze reiche etwas in die Grube hinein; ihre Leiste sei nach einem Jina-Anteil [hier einem Vierundzwanzigstel] gefertigt. Für diese Leiste nehme man außen keinen zusätzlichen Boden in Anspruch, o Geliebte.

Nārada sagt: „Sie ist innerhalb des Yoni-Feldes anzulegen.“ Ferner: „Die Yoni sei ein Drittel der Grube breit, eine Fingerbreite hoch und eine halbe Grubenlänge lang.“ Im Trailokyasāra: „In der Länge zwölf Fingerbreiten [in der Zahl der Sonnen], in der Breite um ein Drittel des Kanals vermindert; sie ist eine Fingerbreite hoch.“

Gemeint sind acht Fingerbreiten Breite, da der Kanal zwölf Fingerbreiten lang ist. Auch im Svāyambhuva heißt es: „Die Yoni in der Mitte der Leiste ist eine halbe Grubenlänge lang und ein Drittel breit.“ Die Breite bezieht sich auf den Ansatz, da die Form einem Pippala-Blatt gleicht.

Bei zwei Hasta und größer genannten Gruben ist die Yoni entsprechend jeweils halb so lang wie die Grube, ein Drittel so breit und ein Vierundzwanzigstel so hoch.

Somaśambhu sagt:

12.SY.1 Ein Vierundzwanzigstel der jeweiligen Grube heißt Fingermaß. Nach dieser Einteilung sind Leisten, Hals und Nabel herzustellen.

Auch im Siddhāntaśekhara heißt es: „Ein Vierundzwanzigstel der Gruben gilt als Fingermaß.“ Ferner wird eine Yoni von zwölf Gliedmaßen Länge, sechs Fingerbreiten Breite und einer mit zwei Fingerbreiten beschriebenen Höhenabweichung genannt. [Die Formulierung unnatidvyaṃgulenonā ist beschädigt beziehungsweise mehrdeutig; der Kommentar behandelt sie als alternative Höhenangabe.]

Der Kommentar lässt somit die Wahl zwischen acht und sechs Fingerbreiten Breite sowie zwischen einer und zwei Fingerbreiten Höhe.

Die Ausrichtung der Yoni

Die Śāradā sagt: „Vor dem Opferpriester befindet sich darüber die Yoni, wie ein Aśvattha-Blatt.“ Deshalb sei sie überall nach der beschriebenen Weise vor dem Hotṛ anzubringen.

Bei der Anordnung mit vier Feuergruben wird sie an der viereckigen und halbmondförmigen Grube auf der südlichen Leiste angebracht, weil die beiden Opferpriester nach Norden blicken. Bei den beiden anderen Gruben liegt sie auf der westlichen Leiste, weil ihre Opferpriester nach Osten blicken.

Im Trailokyasāra:

12.YR.1 Bei der östlichen und südlichen [Grube] liegt sie im Süden, bei der westlichen und nördlichen im Westen. Auch bei der fünften Grube liegt die Yoni auf der Südseite.

Die fünfte ist die Ācārya-Grube. Für die größere Grubenanordnung sagt ein anderes Tantra: „Bei den östlichen, südöstlichen und südlichen Gruben weist die Yoni nach Norden; bei den übrigen nach Osten.“ Bei der neunten gilt die zuvor genannte Regel.

Einige schließen daraus, dass auch bei der yoniförmigen Grube eine zusätzliche Yoni anzufertigen sei. Dies weist der Verfasser zurück, denn Viśvakarman sagt: „Bei der Yonigrube lasse man die Yoni, bei der Lotusgrube den Nabel weg.“

Der Kanal

Der Tantrarāja beschreibt den Kanal: „Von der Mitte der äußersten Leiste ausgehend [errichte man] den eigenen Kanal von einer Handspanne.“ Mit der Mitte der äußeren Leiste sei der dort befindliche viereckige Sockel gemeint. So erläutert es auch der Verfasser des Manoramā-Kommentars.

Der ehrwürdige Lehrer sagt entsprechend: „Die Yoni liegt in der westlichen Richtung; ihr Kanal beginnt an einer viereckigen Stelle.“ Padmapādācārya erklärt dazu: „Außerhalb der drei Leisten bilde man einen Platz von vier Fingerbreiten Länge und Breite; dort ist der Kanal anzubringen.“ Eine Handspanne beträgt zwölf Fingerbreiten.

Im Prayogasāra hingegen:

12.PK.1 Westlich der Yoni liegt der Kanal, vier Fingerbreiten lang. Seine Breite nimmt der Reihe nach von drei über zwei auf eine Fingerbreite ab; seine Spitze soll schmaler werden.

Hier wird ein Kanal von vier Fingerbreiten genannt. Diese Ausführung ist auf den Fall kleiner Leisten von vier, sechs und ähnlichen Fingermaßen zu beziehen.

Der Nabel

Im Tantrarāja:

12.TN.1 Überall fertige man nach der Vorschrift in der Mitte der Feuergrube einen Nabel: einen schön gestalteten achtblättrigen Lotus.

12.TN.2 Den Fruchtboden und das Blatt bilde man mit vier Fingerbreiten; Breite und Höhe werden jeweils mit sechs [Fingerbreiten] angegeben. [Die knappe Verbindung der Einzel- und Gesamtmaße bleibt hier nicht vollständig eindeutig.]

In der Śāradā:

12.ŚN.1 Im Inneren der Feuergruben bilde man einen lotusgleichen Nabel oder eine Form entsprechend der jeweiligen Grube. Seine Maße werden genannt:

12.ŚN.2 Bei Gruben von Faust-, Aratni- und Ein-Hasta-Maß beträgt der Nabel in Höhe und Breite zwei, drei beziehungsweise vier Fingerbreiten. Bei den anderen Gruben vermehre man …

12.ŚN.3 … den Nabel jeweils um zwei Gerstenkörner, o Großgesinnter. Das Nabelfeld teile man in drei Teile und bilde daraus den Fruchtboden …

… mit den beiden äußeren Teilen forme man acht Blätter.

So sind die Kennzeichen des Nabels beschrieben; unter diesen Ausführungen sei eine ansprechende zu wählen. Der Text fügt eine sprachliche Bemerkung an: Das Wort nābhi kommt auch im Maskulinum vor. Er verweist auf eine lexikalische Wendung, welche die Bedeutungen Hitze beziehungsweise Glanz, Kṣatriya und Körperteil unterscheidet; beim Körperteil seien beide Genera möglich.

Die Verehrung des Baugrundes: Vāstupūjā

Im Śrītantrarāja:

12.VP.1 Einst gab es einen viereckig gestalteten Asura, der alles vernichtete. Zu seiner Tötung unternahmen alle Götter gemeinsam …

12.VP.2 … einen Angriff; doch durch einen gewährten Segen war er für sie unbesiegbar. Um ihn zu beseitigen, kamen sie zu mir und sprachen … [Die Verbindung āvayos ist in der Vorlage nicht sicher anzuschließen.]

12.VP.3 … „Sage uns jetzt, wie der Hochmut dieses Vāstupuruṣa gestillt werden kann. Sonst wird die ganze Welt von ihm bedrängt.“

12.VP.4 Darauf sagte ich: „Ihn zu töten ist kaum möglich. Man grabe ihn in die Erde ein und stelle auf seinem Leib …

12.VP.5 … beständig dreiundfünfzig [Gottheiten] auf, damit sie ihn niederhalten und unbeweglich machen. Wer ihre Verehrung verweigert, dessen vollbrachte …

12.VP.6 … guten Taten nehmen sie an sich und bewirken für ihn Übles. Wer sie deshalb jedes Jahr stets verehrt, für den …

… entsteht bald nur Gutes und niemals Unheil.“ [Die Erzählung begründet die Verehrung des Baugrundes innerhalb des religiösen Weltbildes der Quelle.]

Das Vāstu-Cakra und seine Gottheiten

Nun dessen Cakra und weitere Ordnung:

12.VC.1 Die Anordnung des Cakra wird richtig erklärt: Man ebne den Boden und forme ein schönes Viereck …

12.VC.2 … mit achtmal acht Feldern und Diagonalschnüren. Im mittleren, vier Felder umfassenden Bereich soll der Lehrer …

12.VC.3 … Brahmā verehren. In vier weiteren Bereichen von jeweils vier Feldern verehre er, rechtsherum von Osten beginnend …

12.VC.4 … Aryaka, Vivasvat, Mitra und Mahīdhara. In den halben Eckfeldern verehre der Mantrin jeweils eine [der folgenden Gottheiten] …

12.VC.5 … von der Feuer- bis zur Īśāna-Ecke der Reihe nach: Sāvitra, Savitṛ, Śakra, Indrajit, Rudra und dessen Bezwinger …

12.VC.6 … sowie Āpa und Āpavatsaka; so lauten ihre acht Namen. An den Seiten der halben Eckfelder verehre man, von Südosten bis Nordosten …

12.VC.7 … Śarva, Guha, Aryaman, Jambhaka, Pilipicchaka, Carakī, Vidārī und Pūtanā.

12.VC.8 Danach verehre man von Osten an je acht in jeder Richtung: Īśāna, Parjanya, Jayanta, Śakra und Bhāskara …

12.VC.9 … Satya, Vṛṣa und Antarikṣa befinden sich der Reihe nach in den östlichen Feldern. Agni, Pūṣan, Vitatha, Yama und Gṛharakṣaka …

12.VC.10 … Gandharva, Bhṛṅgarāja und Mṛga in den südlichen Feldern. Nirṛti, Dauvārika und Sugrīvaka …

12.VC.11 … Varuṇa, Puṣpadanta, Asura, Śoṣa und Roga sind der Reihe nach in den westlichen Feldern zu verehren.

12.VC.12 Vāyu, Nāga, Mukhya, Soma, Bhallāṭaka, Argala, Diti und Aditi …

12.VC.13 … werden als Gottheiten der nördlichen Felder genannt. Die Plätze der Gottheiten fülle man mit verschiedenfarbigen Pulvern.

12.VC.14 Mit Reis, Mungbohnen und Gerste, der Reihe nach mit Honig, Ghee und Milch benetzt, [bringe man] hundertacht oder achtundzwanzig …

12.VC.15 … [Opfergaben] für jede Gottheit mit ihren Mantras dar, ebenso mit Milchreis. Ihnen bringe man auch Bali aus Milchreis mit Beilagen dar …

… mit Zucker, Milch, Bananen, Kuchen und weiteren Zutaten.

[Die Vorlage setzt einen großen Teil der Richtungsnamen in Klammern. Die Namen Śakra/Indrajit im Vers erscheinen im folgenden Prosamantra als Śukra/Śakrajit; auch Sugrīvaka weicht dort zu Sugrāva ab. Die Unterschiede bleiben erhalten.]

Ausführung des Vāstu-Cakra

Nun werden die Anlage des Cakra und die Verehrung erklärt. In der Südwestecke der Halle errichte man einen sehr glatten, gleichseitig viereckigen Altar, einen Hasta breit und lang und eine Handspanne hoch.

Man ziehe je neun gleichmäßig beabstandete Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung, sodass vierundsechzig Felder entstehen. Dazu kommen zwei Diagonalen, eine von Nordwesten nach Südosten und eine von Südwesten nach Nordosten. So entsteht das Vāstu-Cakra.

Die vier mittleren Felder fasse man zusammen. Außen daran anschließend fasse man in jeder der vier Hauptrichtungen je vier Felder zu einem Bereich zusammen. Insgesamt bestimme man die Plätze der dreiundfünfzig Gottheiten und fülle sie sorgfältig mit den später genannten Farbpulvern aus, sodass eine schöne Gestaltung entsteht.

Mit einer Handvoll Blüten rufe man: „Ihr dreiundfünfzig Gottheiten, beginnend mit Brahmā, kommt hierher, kommt hierher!“ Man werfe die Blüten dar und rufe sie so herbei. Dann stelle man sie fest: „Ihr dreiundfünfzig Gottheiten, beginnend mit Brahmā, bleibt hier an eurem jeweiligen Platz, bleibt!“ Mit einer weiteren Blütengabe spreche man: „Dies ist der Sitz für Brahmā und die anderen.“

In der Mitte verehre man: „brahmaṇe namaḥ“ – Verehrung dem Brahmā. In den vier Hauptrichtungen, rechtsherum von Osten beginnend: „oṃ aryakāya namaḥ“, „oṃ vivasvate namaḥ“, „oṃ mitrāya namaḥ“, „oṃ mahīdharāya namaḥ“ – Verehrung dem Aryaka, Vivasvat, Mitra und Mahīdhara.

In den acht halben Feldern der vier Ecken, von Südosten rechtsherum bis Nordosten: „oṃ sāvitrāya namaḥ“, „oṃ savitre namaḥ“, „oṃ śukrāya namaḥ“, „oṃ śakrajite namaḥ“, „oṃ rudrāya namaḥ“, „oṃ rudrajite namaḥ“, „oṃ āpāya namaḥ“, „oṃ āpavatsakāya namaḥ“ – Verehrung dem Sāvitra, Savitṛ, Śukra, Śakrajit, Rudra, Rudrajit, Āpa und Āpavatsaka.

In den acht daran außen anschließenden Feldern neben den durch Diagonalen geteilten Eckfeldern verehre man von Südosten bis Nordosten: „oṃ śarvāya namaḥ“, „oṃ guhāya namaḥ“, „oṃ aryamṇe namaḥ“, „oṃ jambhakāya namaḥ“, „oṃ pilipicchakāya namaḥ“, „oṃ carikyai namaḥ“, „oṃ vidāryai namaḥ“, „oṃ pūtanāyai namaḥ“ – Verehrung dem Śarva, Guha, Aryaman, Jambhaka, Pilipicchaka, der Carikī, Vidārī und Pūtanā. [Auch Carakī/Carikī wechselt zwischen Vers und Prosa.]

In den vier äußeren Reihen folgen die jeweils acht Gottheiten. Die Anrufung besteht jedes Mal aus „oṃ“, dem nachstehend genannten Namen im Dativ und „namaḥ“, also „Verehrung …“:

  • Osten, von Nordosten nach Südosten: īśānāya, parjanyāya, jayantāya, śakrāya, bhāskarāya, satyāya, vṛṣāya, antarikṣāya – Īśāna, Parjanya, Jayanta, Śakra, Bhāskara, Satya, Vṛṣa und Antarikṣa.
  • Süden, von Südosten nach Südwesten: agnaye, pūṣṇe, vitathāya, yamāya, gṛharakṣakāya, gandharvāya, bhṛṅgarājāya, mṛgāya – Agni, Pūṣan, Vitatha, Yama, Gṛharakṣaka, Gandharva, Bhṛṅgarāja und Mṛga.
  • Westen, von Südwesten nach Nordwesten: nirṛtaye, dauvārikāya, sugrāvāya, varuṇāya, puṣpadantāya, asurāya, śoṣāya, rogāya – Nirṛti, Dauvārika, Sugrāva, Varuṇa, Puṣpadanta, Asura, Śoṣa und Roga.
  • Norden, von Nordwesten nach Nordosten: vāyave, nāgāya, mukhyāya, somāya, bhallāṭakāya, argalāya, dityai, adityai – Vāyu, Nāga, Mukhya, Soma, Bhallāṭaka, Argala, Diti und Aditi.

So verehre man die dreiundfünfzig Gottheiten mit Duftstoffen, Blüten und weiteren Gaben.

Feueropfer und Bali für die Vāstu-Gottheiten

Danach errichte man nach der später erläuterten Ordnung das Feuer in einer Grube oder auf einem vorbereiteten Opferplatz. Mit den Namensmantras der verehrten Gottheiten, die jetzt auf svāhā enden – „oṃ brahmaṇe svāhā“, „aryakāya svāhā“ und so weiter –, bringe man jeder Gottheit mit jedem einzelnen Stoff hundertacht oder achtundzwanzig Gaben dar: Reis, Gerste und Mungbohnen, mit Ghee, Honig und Milch benetzt, sowie Milchreis mit Ghee.

Danach bringe man jeder Gottheit auf ihrem Platz Bali dar, mit der Formel „oṃ brahmaṇe eṣa balir namaḥ“ – „Oṃ, dem Brahmā diese Bali-Gabe, Verehrung“ – und entsprechend den weiteren Namen. Die Gabe besteht aus Milchreis mit Sesam, Milch, Bananen, Kuchen und verschiedenen Beilagen. So endet die Ordnung der Vāstupūjā. [Das Verszitat nennt Zucker, der Prosakommentar hier Sesam; die Zutaten werden entsprechend der jeweiligen Stelle wiedergegeben.]

Zugeschriebene Früchte der Vāstupūjā

Im Tantrarāja werden ihre Früchte und die gegenteiligen Folgen der Unterlassung genannt:

12.VF.1 Jedes Jahr, wenn die Sonne im Löwen steht, vollziehe man am Vollmond im eigenen Haus die Vāstupūjā in einem Maṇḍala.

12.VF.2 Dann gebe es weder Kindestod noch Krankheit, Bhūtas, Pretas und dergleichen, weder Schlangenplage noch gegenseitigen Streit oder anderes Unheil.

12.VF.3 Mit Söhnen, Enkeln, Besitz, Gesundheit, Vieh und Dienerinnen reich versehen, lebe man in diesem Haus lange, gesund, siegreich und angesehen.

12.VF.4 In Königspalästen überall, ebenso im Haus der Königin, in den Häusern von Ratgebern, Ministern und Heerführern sowie in der Stadt …

12.VF.5 … vollziehe der Lehrer dies jedes Jahr zur Erlangung der genannten Ergebnisse. Andernfalls entstehe beständig Leid durch Ergebnisse, die das Gegenteil des Genannten sind. [Dies sind religiöse Schutz- und Wohlstandsverheißungen der Quelle, keine verlässlichen Aussagen zur Verhütung von Krankheit oder Tod.]

Keimsaat vor der Einweihung

In einem anderen Tantra:

12.AK.1 Sieben oder neun Tage vor dem Einweihungstag soll die Aussaat der Samen vollzogen werden; sie gewährt alle Wünsche.

12.AK.2 Nördlich der Halle, in einem anderen, gut abgeschlossenen Gebäude, lege man ein Maṇḍala an. Einige bestimmen seine Länge von Osten nach Westen …

12.AK.3 … andere Weise von Süden nach Norden. Darin befinden sich zwölf Felder, aus denen drei Plätze entstehen …

12.AK.4 … jeder aus vier Feldern. Man fülle die Felder mit gelbem, rotem, weißem und dunklem Pulver, von der Feuerecke an …

12.AK.5 … bis zur Īśāna-Ecke der Reihe nach. Dreifach sind die Gefäße: Die Viṣṇu zugeordneten Pālikās sind vierundzwanzig Fingerbreiten hoch.

12.AK.6 Die Brahmā zugeordneten sind fünfmündig und sechzehn Fingerbreiten hoch; die vier Śiva-Schalen zwölf Fingerbreiten [in der Zahl der Sonnen] hoch.

12.AK.7 Man wasche sie, umwickle sie mit Fäden und stelle sie von der Feuerecke an auf ihre Plätze, auf Reis, mit Duftstoffen und Darbha-Büscheln versehen.

12.AK.8 Man fülle die Gefäße mit Sand, Erde und getrocknetem Kuhdung. Unter Muschelhornklang, den fünf Instrumentengruppen und den Segensworten der Brāhmaṇas …

12.AK.9 … wasche man die Samen mit Milch und dem Keimlaut vaṃ, dann säe man sie aus. Genannt werden Priyaṅgu, Śyāmāka, Sesam, Senf und Reis …

12.AK.10 … Mungbohnen, Āḍhakī, Niṣpāva, Khanva und Māṣa. Der Guru besprenge sie mit Kurkuma und bedecke sie mit Tüchern. [Die Getreide- beziehungsweise Hülsenfruchtbezeichnung khanva erscheint im Kommentar als khalva; eine sichere botanische Gleichsetzung wird nicht vorgenommen.]

12.AK.11 Zu beiden Dämmerungszeiten und nachts bringe man bei allen drei Gefäßarten an sämtlichen sieben Tagen eine gute Bali-Gabe dar.

12.AK.12 Am ersten Tag den Bhūtas: Sesam, Puffreis mit Kurkuma, Joghurt, geröstetes Mehl und gekochte Speise; den Ahnen [am zweiten Tag] Sesam und Reiskörner.

12.AK.13 Am dritten Tag den Yakṣas Karambha mit Puffreis; am vierten den Nāgas [eine Gabe], mit Kokosnuss und Ghee benetzt …

12.AK.14 … aus geröstetem Mehlteig. Am fünften Tag Brahmā Lotussamen als Bali; am sechsten Śiva …

12.AK.15 … gekochte Speise mit Kuchen; am siebten Viṣṇu Reis mit Rohzucker. Wenn neun Nächte vorgesehen sind, bringe man an den beiden weiteren Tagen …

12.AK.16 … Viṣṇu der Reihe nach Milchreis und Kṛsara dar. Die Bali-Mantras bestehen aus den jeweiligen Namen mit vorangestelltem Praṇava und dem Herzabschluss [namaḥ].

Karambha ist Joghurt mit geröstetem Mehl. Padmākṣata meint Lotussamen. Kṛsara ist Reis, der zusammen mit Sesam und Mungbohnen gekocht wurde.

Das Maṇḍala der Aussaat

Neun oder sieben Tage vor der Einweihung errichte man nördlich der bereits gebauten Halle ein gut abgeschlossenes Haus. Auf ebenem, mit Kuhdung bestrichenem Boden ziehe man fünf Ost-West-Linien von je fünf Hastas Länge und elf Süd-Nord-Linien, jeweils mit einer Handspanne Abstand. So entsteht ein Maṇḍala mit vierzig Feldern, fünf Hastas lang und zweieinhalb Hastas breit.

Die nördlichen Felder fasse man zu Gängen zusammen. Zu beiden Seiten der mittleren Vierergruppe entferne man jeweils zwei Felder. Es bleiben drei Vierergruppen, insgesamt zwölf Felder. [Die Formulierung zur Zusammenfassung der äußeren Felder ist knapp; die Vorlage nennt ausdrücklich vierzig Ausgangsfelder und zwölf verbleibende Plätze.]

Je vier Felder bilden einen Platz für Brahmā, Viṣṇu und Rudra, von Westen über die Mitte nach Osten. In jeder Vierergruppe fülle man die Felder von Südosten bis Nordosten der Reihe nach mit gelbem, rotem, weißem und dunklem Pulver, ein Pulver je Feld.

In der mittleren Vierergruppe stelle man vier Viṣṇu-Pālikās auf, vierundzwanzig Fingerbreiten hoch und breit, von der Form einer Ḍamaru-Trommel. Um ihre Mitte wickle man weißen Faden zusammen mit Pippala-Blättern und jungen Mangoblättern.

In der westlichen Vierergruppe stehen vier Brahmā-Gefäße, ebenfalls trommelförmig, sechzehn Fingerbreiten hoch und breit. Ein guter Handwerker soll sie so fertigen, dass jedes Gefäß fünf Gefäße beziehungsweise Öffnungen in sich vereint. Auch sie erhalten Pippala- und weitere Blätter.

In der östlichen Vierergruppe stehen vier Śiva-Schalen, zwölf Fingerbreiten hoch und breit, ebenfalls mit den genannten Blättern versehen. Die zwölf gewaschenen Gefäße stellt man einzeln auf die zwölf Felder, auf Reishäufchen mit Duftstoffen, ungebrochenen Reiskörnern und Darbha-Büscheln. Man fülle sie mit Sand, Erde und getrocknetem Kuhdung.

Aussaat und tägliche Gaben

In einem neuen Gefäß aus Gold oder einem anderen Stoff oder in einem irdenen Gefäß mische man die zehn Samenarten Priyaṅgu, Śyāmāka, Sesam, Senf, Reis, Mungbohne, Āḍhakī, Niṣpāva, Khalva und Māṣa. Mit dem Nektar-Bīja vaṃ wasche man sie in Kuhmilch.

Unter Muschelhornklang und den fünf Instrumentengruppen säe man sie zuerst in die Brahmā-Gefäße, dann in die Viṣṇu-Gefäße, danach in die Śiva-Gefäße. Man besprenge sie mit Kurkumawasser und bedecke sie mit neuen Tüchern. An allen sieben Tagen bringe man morgens, abends und um Mitternacht Bali dar.

Am ersten Tag mische man Sesam, Puffreis, geröstetes Mehl und gekochten Reis mit Kurkumapulver und forme drei Portionen. Bei den drei Gefäßgruppen rufe man die Bhūtas herbei: „Alle Bhūtas, kommt hierher, bleibt hier!“ Man stelle sie fest und verehre sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben: „oṃ sarvabhūtebhyo namaḥ“ – Verehrung allen Bhūtas.

Die Bali-Speise verehre man: „Verehrung der Bali-Gabe für alle Bhūtas.“ Man nehme Wasser in die Handfläche und berühre mit der linken Hand das Bali-Gefäß. Mit „oṃ sarvabhūtebhya eṣa balir namaḥ“ – „Oṃ, allen Bhūtas diese Bali-Gabe, Verehrung“ – gieße man Wasser über das Gefäß und übergebe die Gabe.

So verfahre man bei der Viṣṇu-Gruppe und den vier Śiva-Gefäßen. Diese Ordnung gilt zu allen drei genannten Zeiten. Einige verlangen die Darbringung in den vier Richtungen des Maṇḍala; dabei solle man der Unterweisung des Gurus folgen.

Am zweiten Tag bringe man den Ahnen Sesam und Reiskörner nach derselben Ordnung zu allen drei Zeiten dar. Am vierten Tag den Nāgas einen Teig aus geröstetem Mehl, mit Kokoswasser benetzt; am fünften Brahmā Lotussamen; am sechsten Śiva Reis mit Kuchen; am siebten Viṣṇu Reis mit Rohzucker. [Der dritte Tag mit der Yakṣa-Gabe ist im vorigen Verszitat genannt, wird in dieser Prosareihe aber nicht wiederholt. Beim vierten Tag nennt der Vers Kokosnuss und Ghee, die Prosa Kokoswasser.]

Bei neun Nächten erhält Viṣṇu am achten Tag Milchreis und am neunten Kṛsara. Für alle Bali-Gaben gilt die am ersten Tag erklärte Ordnung; Verehrung und Übergabe erfolgen jeweils mit dem betreffenden Namen.

An jedem der neun Tage bringe man nach der Gabe für die Tagesgottheit auch den zehn Weltenhütern in ihren Richtungen Milchreis mit Ghee und Zucker dar, mit „oṃ indrāya eṣa balir …“ und den entsprechenden weiteren Namen. [Die Vorlage liest am Ende des Beispiels mamaḥ statt des zuvor verwendeten namaḥ; die Abweichung wird nicht als sichere neue Formel ausgegeben.]

So endet die Ordnung der Keimsaat.

Der Zeitpunkt der Einweihung: Monate

Nun die Zeit der Einweihung, zunächst die Monate. Im Manthānabhairavatantra:

12.MM.1 Eine Einweihung im Caitra bringe Leid, im Vaiśākha alle Vollendungen, im Jyaiṣṭha Tod, im Āṣāḍha den Untergang von Angehörigen.

12.MM.2 Im Śrāvaṇa verleihe sie den Menschen Wachstum, im Nabhasya [Bhādrapada] gelte sie als leidbringend. Im Āśvina entstehe jede Vollendung, im Kārttika Wissen.

12.MM.3 Im Mārgaśīrṣa bringe sie Gutes, im Pauṣa „Vernichtung der Wolken“ [die Vorlage liest megha; vermutlich ist hier ein beschädigtes medhā, Verstand, möglich]. Im Māgha erlange man Gold, im Phālguna alle Vollendungen.

In einem anderen Tantra:

12.AM.1 Im Madhu-Monat [Caitra] entstehe Leid, im Mādhava [Vaiśākha] eine Ansammlung von Juwelen; im Jyaiṣṭha Tod, im Āṣāḍha Untergang von Angehörigen.

12.AM.2 Im Śrāvaṇa gewiss Gedeihen, im Bhādrapada Verlust der Nachkommenschaft; im Āśvina in jeder Hinsicht Gutes.

12.AM.3 Im Kārttika Wissen, im Mārgaśīrṣa Glück, im Pauṣa Verlust des Wissens, im Māgha Zunahme der geistigen Kraft.

Auch im Phālguna entstehe Gedeihen; einen Schaltmonat soll man meiden.

[Es folgt eine ausdrücklich als beschädigt gekennzeichnete Stelle.] Aus dem Śivayāmala ist nur das Fragment erhalten: „Indem er den Mantra gibt, erlangt der Mantrin während sieben Geburten …“. Der Verfasser leitet daraus ab, der Monat Āśvina sei für die Einweihung trotz der zuvor genannten Zulässigkeit verboten. Die Mahābala-Caturdaśī wird als Śivarātri erklärt. [Der fehlende Teil des Zitats und sein genauer Anschluss lassen sich aus dieser Vorlage nicht ergänzen.]

In der Śrīkaṇṭhasaṃhitā:

12.ŚKM.1 Im Herbst und im Vaiśākha bringt die Einweihung die beste Frucht. Im Mārgaśīrṣa und Phālguna ist sie vorzüglich, im Jyaiṣṭha hingegen geringwertig.

12.ŚKM.2 Im Māgha bringt sie Gutes, im Āṣāḍha ist sie schlecht; im Śrāvaṇa spendet sie Freude, im Pauṣa und Bhādrapada wird sie getadelt.

[Die Zuordnungen von Erfolg, Krankheit oder Tod zu Kalendertagen sind Aussagen der historischen astrologischen Rituallehre. Widersprüche zwischen den zitierten Quellen bleiben sichtbar; die Übersetzung gibt keine heutigen Zeitwahl- oder Gesundheitsprognosen.]

Die helle und dunkle Monatshälfte

Im Jñānārṇava heißt es: „In der hellen Monatshälfte, an einem günstigen Mondtag und günstigen Wochentag, o Schönangesichtige, beginne man die Mantrapraxis und Weiteres.“

Im Kālottara: „Wer Befreiung wünscht, soll in der dunklen Monatshälfte, wer Land [bhūmi] wünscht, in der hellen die Einweihung vollziehen lassen, o große Göttin.“ [Die Vorlage liest bhūmikāma, „Land wünschend“; eine Angleichung an die häufige Gegenüberstellung von Befreiung und Genuss wird nicht vorgenommen.]

Im Śaivāgama:

12.ŚP.1 Der beste Lehrer vollziehe sie in der hellen oder dunklen Monatshälfte. In der hellen entstehe vollständiges Gedeihen, in der dunklen ein mittleres Ergebnis.

Günstige Mondhäuser

Im Cintāmaṇi:

12.CN.1 Aśvinī, Rohiṇī, Ārdrā, Puṣya, die drei Uttarā-Mondhäuser, Hasta, Citrā, Svātī, Maitra, Viśākhā und Dhaniṣṭhā …

… sowie Punarvasu und Revatī gelten bei der Einweihung als vorzüglich. Maitra ist Anurādhā.

Im Kāmadhenu:

12.KN.1 Rohiṇī, Mṛgaśīrṣa, Puṣya, Hasta, Svātī, Rādhā [Anurādhā], Revatī und die drei Uttarā-Mondhäuser …

… sind glückverheißende Mondhäuser für die Einweihung, o Schönangesichtige.

Die verbotenen nennt die Piṅgala-Lehre:

12.PN.1 Bei Kṛttikā entstehe seelische Qual, bei Bharaṇī großes Unglück; bei Pūrvā [hier wohl Pūrvaphālgunī] strafe der König, bei Maghā sei Tod vorherzusagen.

12.PN.2 Unter Mūla sei Streit zu erwarten, Jyeṣṭhā bringe Verlust, Pūrvāṣāḍhā Furcht und Śravaṇa vielerlei Krankheiten.

Śatabhiṣaj bringe Erschütterung, Bhādrapadā Leid. [Welche Bhādrapadā gemeint ist, wird hier nicht vollständig ausgeschrieben.]

Mondtage

12.TI.1 Vollmond, der fünfte, zweite, siebte, dreizehnte und zehnte Mondtag werden empfohlen und gelten als alle Wünsche erfüllend.

In der Śrīkaṇṭhasaṃhitā:

12.ŚT.1 Der zweite und siebte sind vorzüglich, der sechste wird überall getadelt. Auch am zwölften oder dreizehnten kann [die Einweihung] vollzogen werden.

Im Vijayamālinītantra:

12.VT.1 Der fünfte, elfte, siebte, dreizehnte und zehnte der hellen Monatshälfte sowie besonders der zwölfte [werden genannt].

Im Ratnasāgara:

12.RT.1 Der dritte ist stets zulässig, der sechste überall getadelt. Am siebten entstehe Besitzgewinn, am achten der Untergang des Gurus.

12.RT.2 Am neunten gehe das Vermögen verloren, der zehnte bringe Glück; am elften gewinne man Besitz und einen Stier.

12.RT.3 Am zwölften entstehe Besitzgewinn, am dreizehnten beständiger Aufstieg. Am vierzehnten werde der Schüler geschädigt; Vollmond verleihe Vollendung.

Bei Neumond gehe der Sohn zugrunde, der erste Mondtag vernichte Wachstum.

Mondtage einzelner Gottheiten

Im Kālottara:

12.DT.1 Für Brahmā wird Vollmond genannt, für den Diskusträger [Viṣṇu] der zwölfte, für Śiva der vierzehnte, für Vāc der dreizehnte.

12.DT.2 Für Śrī wird der zweite genannt, für Pārvatī der dritte, für Gaṇanātha der vierte, für die Sonne der siebte.

Wochentage

Im Mantrasadbhāva:

12.MW.1 Der Beginn der Mantrapraxis geschehe besonders am Sonntag, Freitag, Mittwoch und Donnerstag. Am Samstag drohe Tod, am Dienstag Verlust, am Montag bleibe alles fruchtlos. [Die Vorlage liest an der zweiten Stelle śukle; im Zusammenhang der Wochentage wird dies auf Śukra, Freitag, bezogen.]

Im Uttaratantra:

12.UW.1 Am Sonntag, Donnerstag, Mittwoch und Freitag ist es zu vollziehen, o höchste Herrin. In diesem Wissen gebe der Verständige den Mantra, o Schönhüftige.

Im Vijayamālinītantra:

12.VW.1 Am Sonntag erlange man Einsicht, am Freitag Besitz. Am Mittwoch bleibe man von Anklagen beziehungsweise Bedrängnis frei, am Donnerstag werde man mit Söhnen versehen.

12.VW.2 Samstag und Dienstag brächten Tod, Montag Unwissenheit. In diesem Wissen gebe der weitsichtige Lehrer die Einweihung, o Schönhüftige.

Günstige Yogas

In der Tantraratnāvalī:

12.YO.1 Die Yogas Prīti, Āyuṣmat, Saubhāgya, Śobhana, Sukarman, Dhṛti, Vṛddhi, Dhruva, Siddhi und Harṣaṇa …

… ferner Varīyas, Śiva, Siddha, Brahman und Aindra: sechzehn. [Ausgeschrieben sind fünfzehn Namen; ein sechzehnter wird nicht ergänzt. Gemeint sind astrologische Yogas der Kalenderrechnung, nicht Körperübungen.]

Vasiṣṭha nennt folgende Verbindungen:

12.NL.1 Pūrvāṣāḍhā mit dem ersten Mondtag, Kṛttikā mit dem fünften, Pūrvabhādrapadā mit dem sechsten, Rohiṇī mit dem zehnten …

12.NL.2 … das Schlangen-Mondhaus mit dem zwölften, das Aryaman-Mondhaus mit dem dreizehnten: Diese heißen Nakṣatralumpas und bringen selbst den Göttern Untergang.

Das Schlangen-Mondhaus ist Āśleṣā; das Aryaman-Mondhaus ist Uttaraphālgunī.

Karaṇas

Im Jyotiṣaśāstra:

12.KAR.1 Besonders bei der Einweihung werden günstige Karaṇas empfohlen. Śakuni und die weiteren [festen Karaṇas] sowie Viṣṭi soll man besonders meiden.

Mit „die weiteren“ sind Kiṃstughna, Catuṣpada und Nāga eingeschlossen. [Die Vorlage schreibt kistughna; die Bezeichnung wird hier als Kiṃstughna wiedergegeben.]

Der Aszendent

In einem anderen Tantra:

12.LA.1 Beginnt die Mantrapraxis unter Widder, bringe dies Besitz und Getreide. Unter Stier erleide man Tod, unter Zwillinge den Untergang der Nachkommenschaft.

12.LA.2 Unter Krebs entstehe jede Vollendung, unter Löwe „Vernichtung der Wolken“ [erneut die unsichere Lesung megha; möglicherweise statt medhā, geistige Kraft]. Jungfrau verleihe stets Glück, Waage alle Vollendungen.

12.LA.3 Skorpion verleihe alle Vollendungen, Schütze vernichte Wissen, Steinbock bringe Söhne, Wassermann Besitzfülle.

Fische bringe stets Leid; so sind die Früchte der Tierkreiszeichen, o Geliebte.

Im Rudrayāmala:

12.RL.1 Unter Fische, Löwe, Schütze und Stier entstehe Verlust. Widder bringe vollständiges Gedeihen, Jungfrau Juwelen.

12.RL.2 Waage bringe Besitz und Getreide, Skorpion alle Vollendungen, Steinbock Söhne, Wassermann reichen Viehbestand.

12.RL.3 Unter Zwillinge gehe Vieh verloren, Krebs verleihe Königsherrschaft. Mit Kenntnis dieser Früchte des Aszendenten gebe der weitsichtige Lehrer den Mantra.

12.RL.4 Fische, Stier, Schütze und Löwe als Aszendenten meide man. Jungfrau und die weiteren [günstigen Zeichen] bringen stets Glück, Gutes und alle Vollendungen.

Planetenstellungen zur Einweihung

Nun die günstigen und ungünstigen Ergebnisse der Planeten in bestimmten Häusern, vom Einweihungsaszendenten aus gerechnet:

12.PST.1 Ungünstige Planeten im dritten, sechsten und Gewinnhaus, günstige in Eck- und Dreieckshäusern sind bei der Einweihung günstig. Alle im Randhra-Haus vernichten alles.

Āya, das Gewinnhaus, ist das elfte. Die Häuser eins, vier, sieben und zehn heißen Eckhäuser; das fünfte und neunte Dreieckshäuser. Sonne, Saturn, Rāhu, Ketu, Mars, der mit ungünstigen Planeten verbundene Merkur und der schwache Mond gelten als ungünstig. Jupiter, Venus, der von ungünstigen Planeten freie Merkur und der volle Mond gelten als günstig. Randhra bezeichnet das achte Haus. „Alle“ meint alle neun Grahas.

Nun die Stellung des Mondes: Im Geburtszeichen sowie im dritten, sechsten, siebten, elften und zehnten Zeichen gilt der Mond als günstige Früchte verleihend. Im zweiten, zwölften, achten, fünften, vierten und neunten Zeichen gilt er als ungünstig. [Die Zahlen werden teils durch Zahlwörter wie Augen, Vasus, Veden und Grahas ausgedrückt. Diese Aussagen werden als historische astrologische Zuordnungen wiedergegeben.]

Tageszeiten und weitere Voraussetzungen

Im Śaivāgama:

12.ZE.1 Bei einem nach unten gerichteten günstigen Mondhaus, besonders bei günstigem Mondstand, und in der dunklen Monatshälfte unter Prüfung der Sternenkraft und des eigenen Namensanfangs [bestimme man die Zeit].

12.ZE.2 Der frühe Morgen verleihe Dharma, der Saṅgava [spätere Vormittag] Königsherrschaft, Mittag alle Vollendungen; am Abend entstehe [ein Ergebnis] von allen Seiten. [Der letzte Ausdruck bleibt unvollständig bestimmt.]

12.ZE.3 Die besten Lehrer verbieten die Nacht zur Mantraübertragung. Tagsüber vollziehe man alles; dies gilt als in höchstem Maße Vollendung bringend.

Die nach unten gerichteten Mondhäuser werden so genannt:

12.ADN.1 Mūla, das Feuer-Mondhaus [Kṛttikā], Maghā, das Zweigötter-Mondhaus [Viśākhā], Bharaṇī, das Schlangen-Mondhaus [Āśleṣā] und die drei Pūrvā-Mondhäuser: Diese neun heißen bei den Sternkundigen nach unten gerichtet. Unter ihnen gelingen Anlagen von Wasserbecken, Brunnen, Teichen, Gruben und Gräben, das Ausheben und Bergen von Schätzen, Niederlegen, Würfelspiel, Eintritt in Höhlen und der Beginn von Berechnungen.

Das Zweigötter-Mondhaus ist Viśākhā; denn die Śruti nennt Indra und Agni als dessen Gottheiten.

Besondere Einweihungszeiten und Ausnahmen

Im Jñānārṇava:

12.JZ.1 Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis beginne man die Mantrapraxis und Weiteres. Vom Zeitpunkt der Finsternis an gilt eine Frist von bis zu sieben Tagen.

12.JZ.2 Beim Pavitra-Fest, o Götterherrin, [folgt eine unklare Wendung: vāmam evāśubhe dine]. Bei Mond- und Sonnenfinsternis soll keine Erörterung der gewöhnlichen Zeitbedingungen stattfinden …

… ebenso an heiligen Tīrthas, in Kurukṣetra und an den vier Devī-Pīṭhas. [Der beschädigte Satzteil wird nicht in eine sichere zusätzliche Ausnahmeregel umformuliert.]

Im Ratnasāgara:

12.RZ.1 Wer an einem heiligen Tīrtha, bei Sonnen- oder Mondfinsternis, am Ananta- oder Vāmana-Fest eine Mantra-Einweihung vollzieht, soll Monate, Mondhäuser und Weiteres nicht eigens auf ihre Eignung prüfen.

Allerdings stehen im Cintāmaṇi und Kālikodbhava Aussagen, welche gerade die Sonnenfinsternis vorschreiben:

12.SFZ.1 Zur Zeit einer Sonnenfinsternis soll nichts anderes [an Zeitbedingungen] gesucht werden. Keine andere Zeit kommt ihr jemals gleich.

12.SFZ.2 Alles, was dann vollzogen wird, verleiht unbegrenzte Frucht. Beim Sonnenfest [der Finsternis] gibt es keine Prüfung von Monat, Mondtag, Wochentag und Weiterem.

12.SFZ.3 Zu dieser Zeit gebe [der Guru] das Erwünschte, und der Mensch empfange es vom Guru. Die Vollendung des Mantras entstehe rasch, selbst ohne Übung.

Dagegen steht im Yoginītantra:

12.YFZ.1 Eine Einweihung bei Mondfinsternis, eine Einweihung durch Waldbewohner und die Einweihung durch den Vater [bringe] Armut während sieben Geburten. [Die Genitive bei Waldbewohnern und Vater lassen auch einen anderen Bezug zu; der Kontext behandelt unzulässige Bedingungen der Einweihung.]

So findet sich ein Verbot der Einweihung bei Mondfinsternis. Hinzu kommt das zuvor genannte Verbot der nächtlichen Mantraübertragung. Der Verfasser mahnt ferner: Auch die Sonnenfinsternis sei nicht uneingeschränkt empfehlenswert, da die zuvor angeführte Śivayāmala-Aussage Finsternisse allgemein verbiete.

Im Kālikodbhava heißt es jedoch:

12.KU.1 Bei Mond- und Sonnenfinsternis, an einem Tīrtha, einem Siddhi-Ort oder in einem Śiva-Heiligtum wird das bloße Mitteilen des Mantras als Upadeśa bezeichnet.

Daran schließt die Vorlage den Satz an, dies sei für Menschen, die ordnungsgemäß in andere Mantras eingeweiht wurden, „fehlerverursachend“ [doṣāvaha]. [Der Schluss ist im Verhältnis zum vorangehenden Zitat unklar; eine möglicherweise beabsichtigte verneinte Lesung wird nicht erfunden. Der Text unterscheidet ausdrücklich bloße Mitteilung beziehungsweise Unterweisung und förmliche Einweihung, löst aber hier nicht alle Spannungen zwischen seinen Zeitregeln auf.]

Die handlungsbezogene Einweihung

Nun die Kriyāvatī-Dīkṣā. Im Uttaratantra:

12.DI.1 Nun erkläre ich für den nach Mantras Verlangenden die Ordnung der Einweihungen, ohne die die Früchte sämtlicher Mantras nicht erlangt werden.

12.DI.2 Sie gewähren das Erlangen des Selbst und lassen auch die Verfehlungen schwinden. Deshalb nennen die Erforscher ihrer Wahrheit sie Dīkṣās. [Die Erklärung verbindet das Geben und das Schwindenlassen als traditionelle Deutung des Wortes.]

12.DI.3 Der Reihe nach werden vier genannt: die aus Handlungen bestehende, die aus Lauten bestehende, die aus Kalās bestehende und die durch Durchdringung erfolgende – vier glückverheißende, Wissen verleihende Einweihungen.

Die Wahl des Gurus

Im Pañcamīśvarītantra:

12.GW.1 Zuerst lasse man von Brāhmaṇas den glückverheißenden Tag mit Segensworten ausrufen. Unter dem Klang der fünf Instrumentengruppen und der Veden, von Freunden umgeben …

12.GW.2 … gehe der Schüler zum Haus des Gurus, verneige sich vor dessen Pādukās, überreiche die Gaben für die Wahl und wähle den Guru, nachdem er seinen Entschluss gefasst hat.

12.GW.3 Der vorzügliche Zweimalgeborene spreche: „Zum Empfang des genannten Mantras wähle ich dich als Guru.“

12.GW.4 So wähle der Schüler. Der Guru antworte: „Ich bin gewählt.“ Darauf sage der Schüler: „O Guru, vollziehe die angemessene Handlung.“

12.GW.5 Mit den Worten „Ich werde sie vollziehen“ gehe der Guru zusammen mit dem Schüler unter dem vorausgehenden Klang der fünf Instrumentengruppen zum Opferhaus.

12.GW.6 Nachdem der hingebungsvolle Schüler den glückverheißenden Tag hat ausrufen lassen, verehre er [den Guru] mit Halsketten, Ohrringen, Oberarmreifen, Ringen und Armspangen …

12.GW.7 … mit goldenen Opferschnüren, Madhuparka nach der Vorschrift, kostbaren Gewändern, Betel, Früchten, Blüten und Duftstoffen.

12.GW.8 Ohne seine Mittel zu verbergen, verehre und wähle er den Guru ordnungsgemäß. Ebenso verehre und wähle er die Opferpriester in der angegebenen Zahl. [Die soziale Bezeichnung und die kostbaren Gaben gehören zur historischen Ritualordnung dieser Quelle.]

Die Begrüßung mit Madhuparka

Im Ḍāmara wird die Madhuparka-Ordnung erläutert:

12.MP.1 Ich erkläre dir die Madhuparka-Ordnung richtig. Sitze aus dem Holz des Śrīparṇī-Baumes seien einen Hasta groß …

12.MP.2 … acht Fingerbreiten hoch und eben. Geflechte aus siebenundzwanzig Darbha-Halmen seien am Ende mit einem Knoten versehen.

12.MP.3 Dies ist das Kennzeichen der Sitzauflage bei allen Opferfeiern. Zum Waschen der Füße dienen kupferne Gefäße, gefüllt mit angenehm warmem Wasser.

12.MP.4 Muschelhörner zur Arghya-Darbringung, mit Duftstoffen, Blütenwasser und Dūrvā-Wasser versehen, sind jeweils gesondert aufzustellen.

12.MP.5 Ein Kamaṇḍalu aus gutem Kupfer sei mit Wasser zum Ācamana gefüllt. Bronzene, verschließbare Gefäße für Madhuparka seien mit Joghurt und den weiteren Zutaten gefüllt.

12.MP.6 Man beschaffe wertvolle Gaben, schönen Schmuck wie Ringe, Pfauenfeder-Schirme und Turbane.

12.MP.7 Auch mit Leder verzierte Pādukās bringe man herbei, ferner alles andere, was die Smṛti für die Madhuparka-Verehrung nennt.

12.MP.8 Wer dies vollzieht, erlangt eine Frucht, die der Ehrung in einem großen Opfer gleicht. Für andere Brāhmaṇas ist eine [bestimmte] Madhuparka-Verehrung überliefert …

12.MP.9 … dem Ācārya gebe der Hingebungsvolle aus Verehrung das Doppelte. Wo der Lehrer nur ebenso wie die anderen Zweimalgeborenen verehrt wird …

12.MP.10 … ist die Frucht des Opfers gering, wie der Ertrag des Bodens bei ausbleibendem Regen. Der führende Lehrer bade nach der Vorschrift und vollende seine täglichen Handlungen …

12.MP.11 … nehme Schweigen an, lege Schmuck an und gehe zum Opferhaus. Am Vortag lasse der Ācārya den Schüler auf einem ebenen Sitz Platz nehmen …

12.MP.12 … und gebe ihm ein mit dem Wurzelmantra besprochenes Zahnreinigungshölzchen. Nach dem Reinigen der Zähne verehre [der Schüler] es vor sich auf einem vorbereiteten Opferplatz von einem Hasta …

12.MP.13 … und viereckiger Gestalt. Danach prüfe der Guru [die Lage des Hölzchens]: Weist die Spitze nach Nordosten, entstehe Erkenntnis; nach Osten, vorzügliches Gedeihen.

12.MP.14 Nach Südosten bedeute seelische Qual, nach Süden Untergang von Angehörigen, nach Südwesten Todesfurcht, nach Westen Kummer.

12.MP.15 Nach Nordwesten bedeute Unruhe, nach Norden Glück. Fällt es an eine ungünstige Stelle, vollziehe man eine Sühnehandlung.

Die Sühnehandlung wird später im Abschnitt über Puraścaraṇa erklärt.

12.MP.16 Danach prüfe der beste Lehrer die Träume. Bei einem grausigen Traum gelte die Einweihung als gering, bei einem nicht grausigen als mittel …

… geht ihr ein vorzüglicher Traum voraus, gilt sie als die allerbeste.

Die Traumzeichen, die Weise ihrer Mitteilung und die Sühne bei einem schlechten Traum werden später im Puraścaraṇa-Abschnitt erklärt. [Hölzchenlage und Traumdeutung sind hier Bestandteile der historischen Vorzeichenlehre.]

Reinigung und Eintritt in die Halle

12.MP.17 Nach dieser Prüfung vollziehe der Guru die Verehrung. Er führe Ācamana aus und bereite das allgemeine Arghya.

12.MP.18 Mit dem Arghya-Wasser besprenge er und vollziehe die Torverehrung. Danach entferne der Lehrer die himmlischen Hindernisse durch seinen Blick …

12.MP.19 … die im Luftraum durch Astra-Wasser, die irdischen durch drei sorgfältige Fersenstöße.

12.MP.20 Er ziehe den Leib etwas zusammen, berühre den linken Torpfosten und lasse rechts einen Weg für die vertriebenen Bhūtas frei …

… dann trete er mit dem rechten Fuß voran in die Opferhalle ein.

Die Torverehrung wird noch erläutert. Der Eintritt mit dem rechten Fuß voran bezieht sich auf eine männliche Gottheit. Bei einer Śākta-Verehrung geht der linke Fuß voran, denn im Tripurārṇava heißt es: „Mit dem linken Fuß voran trete man in die Opferhalle ein.“

12.MP.21 In der Südwestrichtung verehre man Brahmā und den Herrn des Baugrundes. Nachdem der Opferplatz mit Arghya-Wasser und einem Kuhprodukt besprengt wurde …

12.MP.22 … vollziehe man die Reinigung durch Anschauen und weitere Handlungen bis hin zu den vier Toren: Mit dem Wurzelmantra schaue man hin, mit dem Astra-Mantra besprenge man.

12.MP.23 Mit dem Astra-Mantra vollziehe man das Schlagen, mit dem Kavaca-Mantra das Besprengen. Auf dem mit Sandel, Agaru und Kampfer geschmückten Platz verteile man die siebenmal mit dem Astra-Mantra besprochenen …

12.MP.24 … Stoffe: Sandel, weißen Senf, Dūrvā, Asche, ungebrochene Reiskörner und Kuśa, mit Wasser versehen. Der Mantrin streue diese Hindernisse abwehrenden Stoffe über das Maṇḍala.

12.MP.25 Mit einem Darbha-Büschel und dem Astra-Mantra fege er sie zusammen und lege sie im Nordosten als Sitz für die Vardhanī nieder.

12.MP.26 Nachdem er den glückverheißenden Tag hat ausrufen lassen und die Brāhmaṇas sorgfältig zufriedengestellt hat, zeichne er auf dem Altar das Sarvatobhadra-Maṇḍala.

Das Sarvatobhadra-Maṇḍala

12.MP.27 Nun will ich seine Kennzeichen gemäß den verschiedenen Tantras erklären. In der Mitte des mit Kuhdung bestrichenen Altars …

12.MP.28 … bilde der Lehrer nach der zuvor genannten Methode ein Viereck, in vier Felder gegliedert und mit Diagonalschnüren versehen.

12.MP.29 Innerhalb dieser vier Felder lege man vier Schnüre so, dass in den Mittelpunkten der Eckfelder fischförmige Schnittfiguren sichtbar werden.

12.MP.30 Zwei Schnüre verlaufen von Osten nach Westen, zwei von Norden nach Süden. Durch diese Fischfiguren lege der Mantra-Kenner vier Schnüre.

12.MP.31 Ebenso wieder von Osten nach Westen und von Süden nach Norden: Man bilde wie zuvor Fischfiguren und lege dort Schnüre an.

12.MP.32 So erweitere man die Schnurteilung, bis zweihundertsechsundfünfzig schöne Felder entstehen.

12.MP.33 In der Mitte bestimme man sechsunddreißig Felder für den Lotus. Außen darum bilde man mit einer Feldreihe den Pīṭha.

12.MP.34 Zwei weitere Reihen außen dienen der Ganganlage. Mit nochmals zwei Reihen bilde man nach der Vorschrift die Tore und ihren Schmuck …

12.MP.35 … die Nebenzier und die Ecken. Nun erkläre ich die Methode zum Zeichnen des Lotus.

Der mittlere Lotus

12.MP.36 Ein Zwölftel des für den Lotus vorgesehenen Bereiches lasse man frei. Darin zeichne man nach der Vorschrift drei Kreise.

12.MP.37 Mit dem innersten Kreis bestimme man den Fruchtboden, mit dem zweiten die Staubfäden, mit dem äußersten die Blätter; im freigelassenen Anteil liegen die Blattspitzen.

12.MP.38 Das Maß des mittleren Durchmessers des äußersten Kreises setze man an den Enden der Staubfäden an und zeichne seitlich Halbmonde …

12.MP.39 … lege an ihren Verbindungen Schnüre an und beschreibe nach dem Maß der Blattspitzen einen Kreis.

12.MP.40 Auf beiden Seiten der mittleren Schnur innerhalb des Kreises bilde der Vorschriftenkundige mit einem äußeren [Maß beziehungsweise Bezugspunkt] die Blattspitzen. [Die knappe Konstruktion lässt den Bezug von einem offen; keine zusätzliche Zirkelregel wird erfunden.]

12.MP.41 An den Blattansätzen bilde der Lehrer die Staubfäden jeweils paarweise. Dieser allgemeine Lotus wird überall in den Lehrtexten beschrieben.

Pīṭha, Gänge, Tore und Farben

12.MP.42 Mit je drei Feldern bilde man in den Ecken die Füße des Pīṭha; mit den übrigen Feldern dessen Körper.

12.MP.43 Die beiden Gangreihen fasse man sorgfältig zusammen und entferne die inneren Teilungslinien. Mit zwei Feldern und einem [weiteren] jeweils an beiden Seiten des Tores …

12.MP.44 … entsteht die Zier. Mit drei Feldern an einer Seite entsteht die Nebenzier; mit sechs Feldern bestimme man die Ecken. [Die örtliche Zuordnung von Doppel- und Einzelfeld ist im Vers gedrängt.]

12.MP.45 Man schmücke dieses Maṇḍala mit Pulvern in fünf Farben. Kurkumapulver ist gelb, Pulver aus Reiskörnern gilt als weiß.

12.MP.46 Rot wird aus Kusumbha [Färberdistel] gewonnen, schwarz nach den Weisen aus verbranntem Pulāka [Hülsen beziehungsweise Spreu], dunkelgrün aus Bilva-Blättern.

12.MP.47 Diese fünf Farben werden für das Einweihungsmaṇḍala genannt. Die weißen Linien seien in Höhe und Breite eine Fingerbreite. Tāra bedeutet hier Breite.

12.MP.48 Alle Grenzlinien des Maṇḍala sollen weiß sein. Den Fruchtboden fülle man mit gelbem Pulver.

12.MP.49 Die Staubfäden mit rotem, die Blätter mit weißem Pulver. Die Zwischenräume fülle der Mantra-Kenner mit dunklem Pulver.

12.MP.50 Oder er fülle den Fruchtboden ebenfalls gelb, die Staubfäden gelbrot und den Körper des Pīṭha weiß.

12.MP.51 Inmitten der vier Gänge bilde man ansprechende Wunschranken, mit Blättern, Wurzeln und Früchten geschmückt.

12.MP.52 Der kundige Guru färbe sie mit verschiedenfarbigen Pulvern. Die vier Tore fülle er mit weißem Pulver.

12.MP.53 Ihre Hauptzier rot, die Nebenzier gelb, die Ecken schwarz. Die drei äußeren Linien …

12.MP.54 … schmücke er der Reihe nach weiß, rot und schwarz. Dies ist das vorzügliche allgemeine Sarvatobhadra-Maṇḍala.

Eine Ausführung mit 144 Feldern

12.MP.55 Anlässlich dessen werden weitere Maṇḍalas erläutert. In dem zuvor beschriebenen Viereck lege man so viele Schnüre an …

12.MP.56 … bis hundertvierundvierzig Felder entstehen. In der Mitte bilde man mit sechsunddreißig Feldern einen schönen Lotus.

12.MP.57 Eine Reihe bildet den Pīṭha; ein Gang ist hier nicht vorgesehen. Die Torzier ist wie zuvor, Nebenzier gibt es hier nicht.

12.MP.58 Mit je sechs Feldern bilde man nach der beschriebenen Methode die Ecken. Alles andere gestalte man wie beim zuvor beschriebenen glückverheißenden Maṇḍala.

Eine Ausführung mit 64 Feldern

12.MP.59 Ein weiteres Maṇḍala: In einem schönen Viereck lege man der Reihe nach Schnüre an, bis insgesamt …

12.MP.60 … vierundsechzig Felder vorhanden sind. In der Mitte bilde man einen Lotus aus vier Feldern; ringsum …

12.MP.61 … vier Gänge, die bis zum Rand des Maṇḍala reichen. In den Vierergruppen der Hauptrichtungen bilde der beste Mantra-Kenner weitere Lotusse. [Der mittlere Teil der Passage ist in der Vorlage eingeklammert.]

12.MP.62 Die vier Vierergruppen in den Zwischenrichtungen teile der Verständige weiter, bis sechzehn Felder entstehen. Deren Linien entferne beziehungsweise vereinige er so …

12.MP.63 … dass die Gestalt von Svastikas hervortritt. Man fülle sie mit weißen, kurkumagelben, roten und blauen Pulvern.

12.MP.64 Die Svastikas und das Übrige bilde man wie zuvor. Dieses schöne Maṇḍala wird Navanābha, „neunnablig“, genannt. [Vor das Übrige steht in der Vorlage śatam, „hundert“, ohne sicheren Anschluss; daraus wird keine zusätzliche Hundertzahl von Svastikas abgeleitet.]

12.MP.65 Nach derselben beschriebenen Methode entsteht das vortreffliche Svastika genannte Maṇḍala mit fünf Lotussen, das alle gewünschten Früchte verleiht. [Die knappe Verbindung von Navanābha, Svastika und Pañcābja wird beibehalten; der Text grenzt hier keine vollständig neue Konstruktion aus.]

12.MP.66 Bei Einweihung, großer Schenkung, Götterverehrung, Gelübden und Ähnlichem fertige der Wissende eines dieser Maṇḍalas an.

Sitz und Vorbereitung des Gurus

12.MP.67 Nachdem der Guru eines der beschriebenen Maṇḍalas gezeichnet hat, setze er sich am Altar auf seinen Sitz, nach Osten gewandt.

12.MP.68 Im gebundenen Lotussitz, schweigend, mit aufrechtem Leib und beherrschten Sinnen, ordne der führende Lehrer die Verehrungsgeräte …

12.MP.69 … auf seiner rechten Seite. Links stelle er einen schönen Krug auf, gefüllt mit wohlriechendem Wasser; zum Händewaschen …

12.MP.70 … stelle er hinter sich ein Gefäß auf. Dann entzünde er schöne Lampen. Fächer, Spiegel, Schirm und Yakschweifwedel [stelle er] in die Richtungen.

12.MP.71 Alle diese Gegenstände weihe er nach der noch zu erläuternden Vorschrift. Nach der Reinigung der Hände vollziehe der Wissende dreimaliges Klatschen.

12.MP.72 Mit dem Pfeil- beziehungsweise Astra-Mantra binde der gesammelte Mantrin die Richtungen. Der daraus entstehende Lichtglanz schütze ihn von allen Seiten.

12.MP.73 Nach der Reinigung der Elemente vollziehe er die Einsetzung der Lebenskräfte; danach Nyāsa und weitere Handlungen mit beherrschtem Geist.

12.MP.74 Den Ṛṣi des Wurzelmantras setze der Lehrer am Scheitel ein, das Versmaß am Mund, die Gottheit am Herzen.

12.MP.75 Der Mantrin vollziehe nach der Vorschrift den Sechs- oder Fünfgliednyāsa. Bei einem Mantra mit fünf Gliedern entfällt das Augenglied.

12.MP.76 Bei einem Mantra ohne eigene Gliedformeln werden die Glieder aus eben diesem [Mantra] gebildet. Weitere Nyāsas vollziehe man nach der für den jeweiligen Mantra beschriebenen Weise.

12.MP.77 Im eigenen Leib stelle man den Yogapīṭha des eigenen Mantras vor. Auf diesem als Leib bestehenden Pīṭha meditiere man über die Mantragottheit.

12.MP.78 Nach dem Zeigen der Mudrās bereite man das vortreffliche Arghya. Rechts stelle man das mit Wasser gefüllte Besprengungsgefäß auf.

12.MP.79 Man gebe ein wenig Wasser aus dem Muschelhorn hinein; nördlich davon ordne der Mantra-Kenner Fußwasser, Ācamana-Wasser und Madhuparka an.

12.MP.80 Gesammelt besprenge er mit dem Wurzelmantra und dem Wasser des Besprengungsgefäßes sich selbst, das Maṇḍala und die übrigen Verehrungsgeräte.

Innere Verehrung und Vorbereitung des Krugplatzes

12.MP.81 Mit Duftstoffen, Blüten und weiteren Gaben verehre der beste Lehrer den Yogapīṭha im eigenen Leib nach der Nyāsa-Ordnung …

12.MP.82 … bis zum Abschluss der Pīṭha-Verehrung; dort verehre er seine erwählte Gottheit. Als mit der Gottheit identisch vollziehe er sodann fünf Blütengaben …

12.MP.83 … am Haupt, am Herzen, an der Grundlage, an den Füßen und am ganzen Leib. Er verehre mit Sandel und den übrigen Darbringungen, zunächst ohne Speisegabe.

12.MP.84 Das Übrige vollende er mit allen Darbringungen nach der vom Guru angewiesenen Handlung. Dies alles vollziehe er mit dem Wasser des Besprengungsgefäßes.

12.MP.85 Das darin befindliche Wasser gieße er aus und fülle das Gefäß wie zuvor neu. Mit Sandel und den weiteren Darbringungen verehre der Guru das Maṇḍala.

12.MP.86 Zuerst bedecke er den Fruchtboden mit unenthülstem Reis, dann mit enthülsten Reiskörnern. Darauf lege er Darbha-Gras und einen Kūrca zusammen mit ungebrochenen Reiskörnern.

12.MP.87 Siebenundzwanzig lange Kuśa-Halme mit abgeschnittenen Wurzeln und einem Brahmaknoten am oberen Ende heißen hier Kūrca.

12.MP.88 Man verehre von der Ādhāraśakti bis zum abschließenden Pīṭha-Mantra. Darauf [stelle man] einen fehlerfreien Krug aus Gold oder einem anderen Stoff …

12.MP.89 … außen ringsum mit einer dreifachen Schnur umwickelt und innen sorgfältig mit Sandel, Agaru und Kampfer ausgeräuchert.

12.MP.90 Der beste Lehrer stelle ihn unter Rezitation des Dhruva [oṃ] auf. In den Krug lege er neun Edelsteine, darüber einen Kūrca …

12.MP.91 … mit Dūrvā, Sandel und ungebrochenen Reiskörnern. [Als Edelsteine folgen:] Puṣpa, Nīla, Vaidūrya, Koralle und Perle …

12.MP.92 … dann Smaragd, Diamant, Gomedha, Padmarāga und Perlen: Diese Edelsteine [verwende] der beste Tantra-Kenner. [Die Quelle kündigt neun an, nennt bei gewöhnlicher Trennung zehn Positionen und wiederholt Perlen. Puṣpa kann ein verkürzter Steinname sein; die Liste wird nicht zu einer gesicherten Neunerreihe umgebaut.]

12.MP.93 Der Mantrin rezitiere geistig die Mātṛkā in der Folge von kṣa rückwärts bis zum Anfang und zuletzt den Wurzelmantra; dabei vergegenwärtige er die Einheit seines Selbst …

12.MP.94 … mit dem Krug und der jeweiligen Pīṭha-Gestalt. Danach fülle der beste Sādhaka ihn mit Abkochungen von fünfzig Heilpflanzen …

12.MP.95 … mit Abkochungen der Rinde milchsaftführender Bäume oder der Rinde des Brahma-Baumes oder mit gutem Wasser, das durch Duftpaste, Blüten und Weiteres aromatisiert ist.

12.MP.96 Mit solchen Abkochungen oder anderem Wasser fülle er das Muschelhorn und vermische darin die acht glückverheißenden Duftstoffe, denen die Verleihung allen Gedeihens zugeschrieben wird.

12.MP.97 Er rufe sämtliche Kalās herbei und verehre sie nach der Vorschrift. Das Muschelhornwasser, das die Gestalt der Kalā-Gottheiten angenommen hat, gieße er in den Krug.

Die acht Duftstoffe

12.MP.98 Sandel, Agaru, Kampfer, Kāśmīra, Rocanā, Sihlaka, Jaṭāmāṃsī und Saṭī bilden die aus der Śakti hervorgegangene Mischung …

… diese acht glückverheißenden, Einfluss gewährenden Duftstoffe verwende man bei Śakti-Mantras.

Kāśmīra ist Kumkuma, Sihlaka ist Śilārasa, Saṭī ist Kacora. Im Śāradātilaka heißt es dagegen: „Sandel, Agaru, Kampfer, Cora, Kumkuma, Rocanā, Jaṭāmāṃsī und Kapi gelten als die acht Duftstoffe der Śakti.“ [Die abweichenden Stoffnamen der beiden Listen bleiben erhalten; nicht eindeutig bestimmte Pflanzen werden nicht durch vermeintlich sichere moderne Artennamen ersetzt.]

12.VG.1 Hrīvera, Sandel, Kuṣṭha, Agaru, Kumkuma, Mura, Sevyaka und Jaṭāmāṃsī: Dies wird die vaiṣṇavische [Mischung] genannt.

Hrīvera ist Bālaka; Sevyaka ist Uśīra. Mura – die Vorlage schreibt an dieser Stelle sura – ist unter dem Namen Moraharī bekannt.

12.MU.1 Murā, Gandhavatī, Daityā, Gandhāḍhyā, Gandhamādinī, Surabhi, Bhūtagandhā, Kuṭhī und Gandhakuṭhī werden als Namen genannt …

… ebenso Ekāṅgī. Aus dieser lexikalischen Aussage folgt nach dem Kommentar, dass mit Mura Ekāṅgī gemeint ist; diese sei volkstümlich als Charvyur bekannt. [Die regionalen Pflanzennamen werden nach der Vorlage wiedergegeben.]

12.ŚG.1 Jala, Kāśmīra, Kuṣṭha, roter Sandel, Sandel, Tamāla, Agaru und Kampfer bilden die śivaitische Mischung aus acht Duftstoffen.

Jala ist Bālaka.

12.MP.99 Durch die Verbindung der acht Duftstoffe und durch die Befähigung des Lehrers wird das Wasser im Krug mit Śakti erfüllt, daran besteht [nach dem Text] kein Zweifel.

Die Kalās im geweihten Wasser

12.MP.100 Zuerst verehre man die zehn zum Feuer gehörenden Kalās, danach die zwölf Sonnen-Kalās.

12.MP.101 Danach verehre der beste Guru die sechzehn Mond-Kalās, ferner die fünfzig Kalās, die aus den Unterschieden von Veda und Weiterem hervorgegangen sind …

12.MP.102 … rufe sie der Reihe nach zur Gegenwart und verehre sie. Dazwischen sind auch diese fünf vedischen Verse zu verehren.

Die erste vedische Formel

12.MP.103 Man spreche den Ātman-Mantra, dann die Wortfolge śuciṣat, danach vasur, anta und den weiteren Mantrateil rikṣasat, dann ho …

12.MP.104 … dann tā, vediṣat, atithir, duroṇasat, sodann nṛṣat und vara …

12.MP.105 … dann sat, ṛtasat, vyomasat, abjā, go, danach jā, ṛtajā und adrijā …

12.MP.106 … den siebten Vokal, Āṣāḍhī mit Bindu und schließlich das Wort bṛhat. Dies ist der erste Mantra.

Der Ātman-Mantra ist haṃsaḥ, der siebte Vokal ṛ, Āṣāḍhī der Laut t. Die übrigen Wörter stehen für sich selbst. [Die Quelle zerlegt die Formel teilweise mitten im Wort. Erkennbar ist die Haṃsa-Strophe: „Der Haṃsa im Reinen, der Vasu im Luftraum, der Hotṛ am Altar, der Gast im Haus; in Menschen, im Vortrefflichen, in der Wahrheit und im Raum wohnend; aus Wasser, Rind beziehungsweise Erde, Wahrheit und Berg geboren: die große Wahrheit.“ Die Schreibweisen der zerlegten Elemente werden nicht als selbständige Mantravarianten ausgegeben.]

Die zweite vedische Formel

12.MP.107 Lohita mit Feuer, danach Pūtanā und Dvyantikā; dann ṣṇuḥ stavate, danach vīryeṇa und mṛ …

12.MP.108 … sodann go na bhīmaḥ, kucaraḥ, giriṣṭhāḥ, dann yasyoruṣu triṣu und vikramaṇeṣv adhi …

12.MP.109 … danach kṣiyanti, bhuvanāni, dann Mādhava auf Toya, schließlich der Laut vor va verbunden mit Toya und Śānti.

Dies ist der zweite Mantra; nun wird der dritte erklärt.

Die Entschlüsselung: Lohita ist pa, Feuer der r-Laut, zusammen pra; Pūtanā ist ta. Toya ist va, darauf Mādhava, i, ergibt vi. Der Laut vor va ist śa; Toya ist va, Śānti ā, zusammen śvā. Die übrigen Wörter stehen für sich selbst. [Der Ausdruck Dvyantikā wird im Kommentar nicht eigens erklärt. Erkennbar ist die Viṣṇu-Strophe: „Darum wird Viṣṇu wegen seiner Kraft gepriesen, wie ein furchtgebietendes Wildtier, umherstreifend, bergbewohnend; in dessen drei weiten Schritten alle Welten wohnen.“ Die beschädigte Wortzerlegung wird nicht zu einer behaupteten diplomatisch sicheren Gesamtformel geglättet.]

Die dritte vedische Formel

12.MP.110 Der Laut nach ṇa, Feuer und der Laut nach ma, verbunden mit der vorletzten Kalā; der dritte Laut nach pa, Caturmukha mit Halbmond, danach yajāmahe …

12.MP.111 … sodann sugandhiṃ, puṣṭi und vardhanam, danach urvārukam iva bandhanān mṛ …

… anschließend tyor mukṣīya und māmṛtāt.

Die Entschlüsselung: Nach ṇa steht ta, Feuer ist r, nach ma steht ya, die vorletzte Kalā ist Bindu; daraus wird tryaṃ. Der dritte Laut nach pa ist ba [die Vorlage schreibt im Kommentar vakāra, v-Laut]. Caturmukha ist ka, der Halbmond Bindu, daraus kaṃ. Die übrigen Wörter stehen für sich selbst.

[Erkennbar ist die Tryambaka- beziehungsweise Mṛtyuñjaya-Strophe: „Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Die abweichende Lautangabe des Kommentars bleibt gekennzeichnet.]

Die vierte und fünfte vedische Formel

12.MP.112 Die vierte ist der in der Welt weithin bekannte Gāyatrī-Mantra. [Der Text schreibt ihn hier nicht aus.] Für die nächste [Formel] nennt man Śālmalī auf Toya, verbunden mit Sahajā, dem Laut nach ḍha und Viṣṇu …

12.MP.113 … dazu Feuer allein; dann yoniṃ kalpa, yatu tvaṣṭā, danach rūpāṇi piṃśatu …

12.MP.114 … āsiñcatu prajā, anschließend patir dhātā, dann garbhaṃ dadhātu und Āṣāḍhī mit Padmanābha.

Dies sind die fünf vedischen Mantras; man verehre jeden von ihnen.

Die Entschlüsselung: Toya ist va, Śālmalī i, zusammen vi. Sahajā ist ṣa, nach ḍha steht ṇa, Viṣṇu ist der u-Laut: zusammen ṣṇu. Feuer allein ist der vokallose r-Laut. Āṣāḍhī ist ta, Padmanābha e, zusammen te.

[Die fünfte Formel lautet dem Sinn nach: „Viṣṇu bereite den Mutterschoß, Tvaṣṭṛ gestalte die Formen; Prajāpati gieße ein, Dhātṛ lege die Leibesfrucht in dich.“ Der Text verwendet hier einen vedischen Fortpflanzungssegen innerhalb seiner Kalā-Verehrung.]

Einsetzung und Verehrung der Kalā-Gruppen

12.MP.115 Zwischen die Kalās, die aus den fünf Unterscheidungen des Tāra [Praṇava] hervorgehen, [setze man diese Verse]. Zuerst rufe der Lehrer die Kalās herbei und mache sie gegenwärtig …

12.MP.116 … setze ihre Lebenskräfte ein und verehre sie mit Duftstoffen und Weiterem. Wo immer die Verehrung der Kalās vorgeschrieben wird, verfahre man so.

12.MP.117 Der Wissende verehre die Kalās aus den fünf Unterscheidungen des Tāra. Zuerst rufe er die zehn Kalās, beginnend mit Sṛṣṭi, herbei und mache sie gegenwärtig.

12.MP.118 Er rezitiere den Vers „haṃsaḥ śuciṣat …“ und verehre; nach dem Einsetzen der Lebenskräfte verehre er diese Kalās.

12.MP.119 Ebenso verehre der Verständige nach der Vorschrift die Gruppen, die mit Jarā, Tīkṣṇā, Pītā und Nivṛtti beginnen, nach der genannten Methode.

12.MP.120 A, U, M, Bindu, Nāda, Śakti und der Laut nach sa: Diese sieben werden als Unterscheidungen des Dhruva bezeichnet.

Die letzten beiden werden gesondert genannt. Śakti ist der s-Laut, der Laut nach sa ist ha. [Die zuvor genannten fünf Praṇava-Aspekte und die um zwei ergänzte Siebenerfolge werden nicht miteinander verwechselt.]

Blätter, Früchte und weitere Krüge

12.MP.121 Danach [versehe man den Krug] mit jungen Blättern von Mango, Jackfrucht und Pippala, mit einer Sutrāma-Ranke zusammengebunden, in der Vorstellung eines Wunschbaumes.

12.MP.122 Gesammelt vollziehe der Mantrin die Krugaufstellung. Danach nehme der führende Lehrer eine glückverheißende runde Auflage mit ungebrochenen Reiskörnern und Früchten …

12.MP.123 … und lege sie auf die Blätter. Der klarblickende Guru stelle sich diese als Früchte des Wunschbaumes vor.

12.MP.124 Danach umwickle er den Krug mit zwei Seidengewändern. Nachdem der beste Guru so den Hauptkrug auf dem Altar aufgestellt hat …

12.MP.125 … zeichne er nahe den Toren, von Osten beginnend, wie zuvor Maṇḍalas mit einem schönen achtblättrigen Lotus.

12.MP.126 Darauf stelle der Lehrer nach der zuvor genannten Vorschrift Krüge auf und verehre darin Dhruva, Dharā, Vākpati und Vighneśa.

12.MP.127 In den Ecken von Südosten an stelle er ebenfalls Krüge auf und verehre darin Amṛta, Durjaya, Siddhārtha und Maṅgala.

12.MP.128 Nach ihrer Verehrung in den Ecken, beginnend mit Südosten, verehre er Indra und die weiteren Weltenhüter in den acht Krügen von Osten an mit ihren vedischen Mantras.

12.MP.129 Erneut verehre er in den Krügen von Osten an die Richtungselefanten: Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda und Añjana …

12.MP.130 … Puṣpadanta, Sārvabhauma und Supratīka. Danach kehre der Guru zum Altar zurück und setze sich auf seinen eigenen Sitz.

Herbeirufung der erwählten Gottheit

12.MP.131 Mit dem Wurzelmantra stelle der beste Guru dort die Gestalt vor, rufe in diese Gestalt seine erwählte Gottheit und verehre sie.

12.MP.132 Den Wurzelmantra erinnernd, leite er das Bewusstsein richtig durch den Nāḍī-Weg nach außen, bis es an der Nasenspitze hervortritt.

12.MP.133 In den zur Blütengabe gefalteten Händen, im Mātṛkā-Lotus, [halte er] dieses Licht. Er erhebe es bis zum Haupt und rufe es dann in jene Gestalt herbei.

12.MP.134 Zuerst Feststellen, danach Gegenwärtigmachen, Festhalten, Vervollständigen und Verhüllen …

… dann Vernektarisieren und Höchstmachen, jedes mit seiner eigenen Mudrā. Der Kommentar erklärt: Durch das „und“ bei Festhalten ist auch das Zuwenden eingeschlossen.

12.MP.135 Diese Handlungen vollziehe man der Reihe nach und bereite danach die Darbringungen vom Sitz bis zu den Blüten.

12.MP.136 Ebenso die Glieder und Umhüllungen, die in der jeweiligen Mantraordnung beschrieben werden, zuletzt die Weltenhüter und ihre Waffen. So vollziehe man die Verehrung mit Räucherwerk, Licht und Speisegabe.

Im Prapañcasāra:

12.PAK.1 Nach der Speisedarbringung soll der Mantrin rings um das Maṇḍala der Reihe nach die Gefäße mit den glückverheißenden Keimlingen aufstellen.

Feueropfer und Abschlussgaben

12.MP.137 Südlich des Altars bereite man einen vortrefflichen Opferplatz, errichte und weihe dort das Feuer und vollziehe das Vaiśvadeva.

12.MP.138 Nachdem man mit den Vyāhṛtis samt vorangestelltem Praṇava geopfert hat, bringe der Wissende mit dem Wurzelmantra die mit Ghee versehene Opferspeise dar …

12.MP.139 … fünfundzwanzigmal. Danach opfere er erneut mit den Vyāhṛtis, verehre sie [die Gottheit] mit Sandel und Weiterem und verbinde sie mit der Gestalt auf dem Pīṭha.

12.MP.140 Nach der Verabschiedung des Feuers bringe er den Gefolgswesen mit dem übrigen Milchreis Bali dar, versehen mit Sandel, Blüten und ungebrochenen Reiskörnern.

12.MP.141 Danach entferne der Wissende die Speisegabe und reinige ihren Platz. Er verehre erneut mit fünf Darbringungen, zeige Schirm und Yakschweifwedel und gebe guten Betel.

Durch das „und“ bei Schirm sind auch Spiegel und Fächer eingeschlossen.

12.MP.142 Gesammelt rezitiere der Mantrin den Wurzelmantra tausendmal. Danach übergebe er diese Rezitation der Gottheit zum Gedeihen.

Die Astra-Gottheit im Schutzkrug

12.MP.143 Auf den zuvor im Nordosten abgelegten Streustoffen stelle man einen mit Wasser gefüllten Karaka auf, mit Gold und Tuch versehen.

12.MP.144 Darin verehre man die Astra-Gottheit: von schrecklicher Gestalt, nach Westen gewandt, Schwert und Schild tragend, auf einem Löwen sitzend.

12.MP.145 Man verehre sie stehend, nehme dann den Krug und gehe im Inneren rechtsherum, wobei man zu den Weltenhütern spricht: „Schützt!“

12.MP.146 Durch das aus dem Ausguss kommende Wasser vergegenwärtige man die Gottheit. Den Krug stelle man wieder an seinen Platz und verehre mit dem Phaṭ-Mantra. [Die Vorlage schreibt phaṇmantreṇa; der Bezug auf die Astra-Formel wird entsprechend dem Kontext verstanden.]

Bereitung der Opferspeise

12.MP.147 Der beste Mantra-Kenner setze sich wieder und verehre erneut die Astra-Gottheit mit Duftstoffen und Weiterem. Danach weihe er das Feuer sorgfältig und koche Caru mit Kuhmilch.

12.MP.148 In einem neuen Gefäß aus Kupfer oder anderem Material, mit dem Astra-Mantra gereinigt, [bereite er die Speise]. Die aus Śāli-Reis gewonnenen Körner bespreche er mit dem Wurzelmantra …

12.MP.149 … und gebe unter Rezitation des Astra-Mantras fünfzehn Prasṛtis [ein Hohlmaß] hinein. Mit einem gereinigten Gefäß bedecke er die Öffnung.

12.MP.150 Mit dem Huṃ-Mantra und dem Wurzelmantra koche der beste Guru, nach Osten gewandt. Wenn die Speise gar ist, übergieße er sie …

12.MP.151 … unter dem Wurzelmantra mit Ghee aus dem Opferlöffel. Mit dem Huṃ-Mantra nehme er sie vom Feuer und stelle sie auf einen mit dem Astra-Mantra besprochenen, mit Kuśa ausgelegten Platz. Dann teile er sie …

12.MP.152 … in drei Teile: Einen bringe er der Gottheit dar, einen weiteren im Feuer. Den Rest esse der Mantra-kundige Guru gemeinsam mit dem Schüler.

12.MP.153 Nach dem eigenen Ācamana hole er den Schüler herbei, der ebenfalls Ācamana vollzogen hat. Er gebe ihm das zuvor beschriebene Zahnreinigungshölzchen von einem Prādeśa Länge, mit dem Herzmantra besprochen.

Der Schüler reinige die Zähne, wasche das Hölzchen und lege es fort.

12.MP.154 Nachdem der Schüler Ācamana vollzogen hat, sichere der Mantrin ihn nach der Vorschrift durch das Binden seiner Haarlocke. In der Nacht schlafe er mit diesem Schüler auf einem Kuśa-Lager beim Altar. Dies heißt Adhivāsa, die vorbereitende Einlagerung beziehungsweise das rituelle Verweilen.

Gefäß und Beschaffenheit des Caru

„Kupfer und anderes“ schließt ein irdenes Gefäß ein. Kātyāyana nennt seine Kennzeichen:

12.CG.1 Ein Caru-Topf wird empfohlen, der in Breite und Höhe das Maß eines Brennholzstückes besitzt, fest ist und keine zu große Öffnung hat; er kann aus Ton oder Udumbara-Holz bestehen.

Das Brennholzmaß bedeutet ein Prādeśa, denn Kapila sagt: „Nicht größer und nicht kleiner als ein Prādeśa.“ Tithiprasṛti bedeutet fünfzehn Prasṛtis; śarāṇu bezeichnet den Astra-Mantra. Die Reiskörner sollen dreimal gewaschen sein. Gobhila sagt: „Dreimal gereinigte beziehungsweise enthülste Reiskörner wasche man für die Götter dreimal.“

Es folgt eine gedrängte Erläuterung zu geschickter beziehungsweise rechtsläufiger Handhabung und zum Garwerden. Danach soll die Speise für das Abnehmen der Opferportionen geeignet sein. [Die Wortverbindung kuśalo dakṣas tena śṛtam iva pradakṣiṇa ist nicht sicher aufzulösen.]

„Gar“ wird folgendermaßen bestimmt:

12.CB.1 Nach der eigenen Überlieferung zubereitet, gut durchgegart, unverbrannt, nicht hart, einwandfrei, nicht zu weich und nicht geschmacklos soll sie sein.

Auf die so beschaffene, mit Ghee versehene Speise bezieht sich die frühere Anweisung, sie mit dem Huṃ-Mantra vom Feuer zu nehmen. Wo hier „Huṃ-Mantra“ und Ähnliches steht, sind die in der jeweiligen Ritualordnung beschriebenen Kavaca-, Astra- und weiteren Mantras gemeint, nicht bloß die einzelnen Laute huṃ oder phaṭ.

Die Weihe der Feuergrube

Zur Errichtung des Feuers heißt es im Nāradapañcarātra:

12.NGS.1 Wenn die Weihehandlungen zu Beginn der Herstellung der Feuergrube nicht ausgeführt wurden, sind sie alle nach ihrer Fertigstellung der Reihe nach zu vollziehen.

Im Uttaratantra:

12.FS.1 Nun erkläre ich die Feueropferhandlung, die von allen Āgamas anerkannt wird. In der Feuergrube des Gurus, die durch Weihehandlungen nach der Vorschrift sorgfältig bereitet wurde …

12.FS.2 … diese werden von den Kennern aller Āgamas als achtzehn genannt: Mit dem Wurzelmantra schaue man sie an, mit dem Astra-Mantra besprenge man sie …

12.FS.3 … mit Kuśa schlage man sie unter dem Astra-Mantra an und besprenge sie mit dem Kavaca-Mantra. Mit dem Astra-Mantra erfolge das Graben, mit demselben das Herausheben.

12.FS.4 Das Auffüllen erfolge mit dem Herzmantra, das Einebnen mit Astra, das Begießen mit Kavaca, das Festklopfen mit Astra; mit dem Schutzmantra …

12.FS.5 … Ausfegen, Bestreichen, Vorstellen ihrer Kalā-Gestalt und Umlegen der dreifachen Schnur. Mit dem Namaḥ-Mantra fülle beziehungsweise verehre man [die Leisten].

12.FS.6a Mit Astra vollziehe man die Vajra-Festigung, mit Kuśa bilde man vier Wege, danach mit Kavaca die „Öffnung der Sinne“.

12.FS.6b Mit diesen genannten Weihen bereite der Lehrer die Feuergruben für das Homa; oder mit den vier zuerst genannten. [Die Vorlage zählt zweimal Vers 6.]

Erläuterung der einzelnen Weihehandlungen

Mit „Pfeil“ ist der zur jeweiligen Gliedfolge gehörende Astra-Mantra gemeint. Prokṣaṇa erfolgt mit den Spitzen der nach oben gerichteten Hand; abhyukṣaṇa ist das Begießen mit zur Faust geschlossener Hand. Herausheben meint das Entfernen ausgegrabener Erde, Auffüllen das Einbringen anderer Erde.

Im Nāradapañcarātra:

12.NER.1 Mit Daumen und Ringfinger nehme man an einer Stelle aus der Mitte der Grube Erde heraus; mit dem Herzmantra fülle man [die Stelle wieder auf].

Begießen ist dasselbe wie Abhyukṣaṇa. Mit „Waffe“ ist der Astra-Mantra gemeint. Der Ausdruck „mit dem Schutzmantra“ gehört zu den folgenden vier Handlungen. Somaśambhu sagt:

12.SGS.1 Ausfegen, Bestreichen, Vorstellen der Kalā-Gestalt und Umlegen der dreifachen Schnur geschehen mit dem Schutzmantra; das Begießen mit dem Herzmantra.

Die Kalā-Gestalt meint die Kalās von Mond, Sonne und Feuer. Dreifache Umschnürung bedeutet das Anlegen dreier Fäden. Die Verehrung mit dem Herzmantra bezieht sich auf die drei Leisten. Im Nāradapañcarātra:

12.NLM.1 Nachdem man außen und in der Mitte mit dem Praṇava verehrt hat, verehre man nach derselben Vorschrift den mondgleichen Nabel.

Bei der Verehrung der drei Leisten verwende man den Herzmantra.

Vajra-Festigung bedeutet die Vorstellung einer Festigkeit wie die des Vajra. Die vier Wege werden mit Kuśa in den vier Richtungen angelegt. Im Śāradātilaka heißt es: „Mit dem Schutzmantra vollziehe man Akṣapāṭana.“ Dessen Kennzeichen nennt der Nāradapañcarātra:

12.NAP.1 Mit Darbha-Halmen, deren Spitzen unversehrt sind und die mit dem Astra-Mantra besprochen wurden, schmücke man unter dem Schutzmantra sämtliche Wände der Grube.

So lautet die vortreffliche Grubenweihe namens Akṣapāṭana.

Die zuvor genannte „Öffnung der Sinne“ soll auf diese Weise vollzogen werden, da akṣa auch Sinnesorgan bedeutet. Einige verstehen darunter die Abwehr von Rākṣasas mit dem Huṃ-Laut; andere das Ausbreiten der Buchstaben vom ersten bis kṣa. Als Alternative wurde genannt, nur die vier ersten Handlungen auszuführen: Anschauen, Besprengen, Anschlagen und Begießen.

Linien und Gottheiten im Feuerplatz

Weiter heißt es: „Je dreimal ziehe man mit dem Herzmantra Linien mit Spitzen nach Osten und Norden.“ Die Form udagrā wird als udagagrā, nach Norden gerichtet, verstanden.

12.LG.1 Als Gottheiten der nach Osten gerichteten Linien gelten Viṣṇu, Īśa und Vāsava [Indra]; die der nach Norden gerichteten sind der Reihe nach Brahmā, Sūrya und Indu [Mond].

Auf die Frage, wo man beim Linienziehen beginnt und endet, antwortet das Sautrāmaṇītantra:

12.SLR.1 Die nach Osten gerichteten [Linien] zeichne man vom Süden beginnend bis in den Norden; die nach Norden gerichteten vom Westen beginnend bis zur östlichen Seite.

Prācīmūrdha heißt nach Osten gerichtet; die nach Norden gerichteten Linien enden in ihrer Anordnungsfolge im Osten.

Im Nāradapañcarātra:

12.NLR.1 Mit einem Darbha-Stängel und dem König der Astra-Mantras zeichne man sorgfältig auf dem Boden im Inneren der Grube, vom Süden beginnend …

12.NLR.2 … bis zum Norden drei gleichmäßige Linien, ebenso vom westlichen Bereich bis zur östlichen Grenze.

Hier besteht eine Wahl zwischen Herz- und Astra-Mantra. Ferner heißt es: „Oder zeichne man innerhalb eines Feuerpaares ein Feuerhaus beziehungsweise eine Feuerecke.“ Das Feuerpaar ist ein aus zwei Dreiecken bestehendes Sechseck, die Feuerecke ein Dreieck. Es besteht also die Wahl zwischen der Linienanordnung und der Sechsecksform.

Im Yāmala: „Ein von einem Sechseck umgebenes Dreieck zeichne man dort, o Göttin.“ Deshalb nennt der Nāradapañcarātra an anderer Stelle lediglich die Linien.

Im Śāradātilaka: „Nach dem Begießen mit dem Schutzmantra verehre man den Yogapīṭha mit dem Tāra.“ Im Sautrāmaṇītantra wird alternativ die Besprengung mit dem Vāgbhava-Mantra genannt. Das „oder“ bezieht sich auf die Alternative zum Praṇava. Man begießt mit Kuśa-Wasser, wie es auch das Yoginītantra ausdrückt.

Der Prapañcasāra nennt außerdem die Ordnung des Prāṇāgnihotra am Āvasathīya-Feuerplatz. Diese wird dort so zugeordnet: In Mitte, Osten, Westen, Norden und Süden liegen der Reihe nach die Feuerplätze Āvasathya, Sabhya, Āhavanīya, Anvāhārya und Gārhapatya.

Im Uttaratantra: „Nach der Besprengung mit dem Praṇava verehre man den Yogapīṭha.“ Die Yogapīṭha-Verehrung wird im Anwendungsteil erläutert.

Die Göttin im Feuerplatz und die Errichtung des Feuers

12.FE.1 Dort vergegenwärtige man sich die glückverheißende Śakti in ihrer fruchtbaren Zeit, von einer den Sinnen entzogenen Erscheinung, als Wesen des gesamten Weltalls.

12.FE.2 Zusammen mit Īśāna verehre man sie mit Duftstoffen und weiteren Gaben: die Śakti mit ihrem Śakti-Mantra, Īśāna mit dem Wurzelmantra.

12.FE.3 Nach dieser Verehrung bringe der Kenner des Wurzelmantras Feuer in einem Gefäß herbei, das durch einen Stein beziehungsweise Brennstein oder durch Reibhölzer erzeugt wurde oder aus dem Haus eines angesehenen Zweimalgeborenen stammt.

12.FE.4 Mit dem Astra-Mantra scheide man im Südwesten den fleischverzehrenden Anteil aus. Den göttlichen Anteil stelle der Wissende mit dem Wurzelmantra vor sich auf.

12.FE.5 Danach weihe er dieses Feuer mit Anschauen und den weiteren Weihehandlungen und rufe sorgfältig einen Lichtglanz von der Gestalt einer Lampenflamme herbei.

12.FE.6 Er vergegenwärtige sich die Einheit des irdischen Feuers mit dem Verdauungsfeuer und dem aus dem Bindu hervorgehenden Feuer; mit dem Feuer-Bīja verbinde er es mit Bewusstsein.

12.FE.7 Mit oṃ bespreche er es, vernektarisiere es durch die Dhenu-Mudrā, schütze es mit dem Astra-Mantra und verhülle es mit dem Kavaca-Mantra.

12.FE.8 Nach seiner Verehrung führe man es dreimal rechtsherum um die Feuergrube. Mit dem Praṇava [setze man es] in der eigenen Grube, sich selbst zugewandt …

12.FE.9 … in die Yoni der Göttin ein. Der Lehrer berühre dabei mit den Knien den Boden und vergegenwärtige sich das Feuer als Śivas Samen.

Danach bereite man für Göttin und Gott Ācamana-Wasser.

Vaiṣṇavische Deutung der Feuerentstehung

Für ein vaiṣṇavisches Opfer heißt es im Nāradapañcarātra:

12.NVF.1 Die Śakti des Nārāyaṇa ist von aufleuchtendem Wesen; sie hat Lakṣmīs Gestalt angenommen, ist unsterblich und belebt durch Nektar.

Im Kapilapañcarātra:

12.KVF.1 Danach vergegenwärtige man sich Kṛṣṇa, von Verlangen erfüllt, und Lakṣmī in ihrer fruchtbaren Zeit. Durch ihre Vereinigung entsteht das Feuer und gewinnt Bestand.

Auch Kumbhasambhava sagt:

12.AVF.1 Man vergegenwärtige sich die glückverheißende Lakṣmī in ihrer fruchtbaren Zeit und Nārāyaṇas Glanz; dort sei das Feuer durch ihre geschlechtliche Vereinigung entstanden. [Die Passage beschreibt die rituelle Vorstellung der Feuerentstehung als Vereinigung des göttlichen Paares.]

Das Gefäß und die Behandlung des Feuers

Mit „Gefäß“ ist ein kupfernes oder ähnliches Gefäß gemeint. Atri sagt:

12.AFG.1 In einem Kupfergefäß oder Ähnlichem, das mit einem anderen Gefäß bedeckt ist, bringe man das Feuer herbei, oder auch in einer entsprechenden Schale.

Das Bedecken erfolgt mit dem Kavaca-Mantra. In der Piṅgala-Lehre:

12.PFG.1 Mit Astra nehme man das Feuer auf, mit Kavaca bedecke man es. Den fleischverzehrenden Anteil werfe man mit Astra im Südwesten ab, o Pārvatī.

Im Nāradapañcarātra heißt es: „In einem metallenen, kupfernen oder neuen irdenen Gefäß.“ Da Kupfer eigens genannt ist, bezieht sich „metallen“ nach dem Grundsatz von allgemeiner und besonderer Bezeichnung auf die anderen Metalle.

Dementsprechend wird die im Sarasvatīsāra überlieferte Aussage ausgelegt:

12.SFG.1 In einer Schale, einem zerbrochenen Gefäß, einer Scherbe oder auf einem brennenden Holzstück bringe man das Feuer nicht herbei; dies bringe Krankheit, Verlust und Furcht.

Das Schalenverbot beziehe sich auf ein altes irdenes Gefäß, da die andere Quelle ausdrücklich ein neues zulasse.

Im Bhairavītantra heißt es: „So setze der Mantrin [das Feuer] in die Yoni ein, sich selbst zugewandt, mit dem Wurzelmantra.“ Es besteht hier also eine Wahl zwischen Praṇava und Wurzelmantra.

Zum Verdauungs- und Bindu-Feuer erläutert der Kommentar: Bindu ist das höchste Selbst. Weil dieses aus Feuer und Soma besteht, heißt das daraus hervorgehende Feuer baindava. Pārthiva bedeutet das irdische Feuer.

Das Vernektarisieren erfolgt mit dem Bīja vaṃ. Im Yoginītantra heißt es: „Danach vollziehe man das Vernektarisieren des Feuers mit dem Wasser-Bīja samt Bindu.“ Mit „Pfeil“ ist wiederum der Astra-Mantra gemeint.

Entzünden und Anrufung des Feuers

Im Uttaratantra:

12.FJ.1 Man spreche citpiṅgala, zweimal hana, zweimal paca, zweimal daha, sodann sarvajña, ājñāpaya und Dviṭha.

Nachdem man diesen Mantra gesprochen hat, lasse man das Feuer auflodern.

Dviṭha ist der Svāhā-Ruf. Der Sinn der Anrufung ist: „Citpiṅgala, schlage, schlage; koche, koche; verbrenne, verbrenne! Allwissender, gebiete! Svāhā.“ Im Prapañcasāra:

12.PAF.1 Ich verehre das entflammte Feuer, Jātavedas, den Verzehrer der Opfergabe, goldfarben, makellos, auflodernd und nach allen Seiten gewandt.

Mit diesem Mantra trete man dem entflammten Feuer verehrend gegenüber.

Sarvajña ist in der Erklärung als genanntes Wort im Akkusativ angeführt; im Mantra selbst steht die Anrede. Dafür wird die Dakṣiṇāmūrti-Aussage „sarvajñājñāpaya svāhā“ angeführt.

Man entfache mit Kuśa oder durch Blasen mit dem Mund. Denn Kumbhasambhava sagt: „Danach lasse man es mit Kuśa auflodern“, Kātyāyana: „Mit dem Mund allein blase man das Feuer an, denn aus dem Mund ist es hervorgegangen.“

Die sieben Feuerzungen im Nyāsa

Im Mantratantraprakāśa:

12.FZ.1 Danach setze man mit den Mantras die Zungen des Feuers im Leib ein, der Reihe nach an Geschlechtsorgan, After, Scheitel, Mund, Nase und Augen …

12.FZ.2 … sowie am ganzen Leib. Alle Zungen werden in drei Arten beschrieben. Hiraṇyā, Kanakā, Raktā, Kṛṣṇā und Suprabhā …

12.FZ.3 … Bahurūpā und Atiraktā sind die sieben sattvischen Zungen. [Ihre Bījas werden] mit Feuer, Īra, Arghi, Bindu und den Lauten von sa bis ya [gebildet].

Feuer ist der r-Laut, Īra ya, Arghi ū. Die genannte Reihenfolge diene allein der gemeinsamen Erschließung der Bījas. [Die zusammengezogene Lautvorschrift ist nicht eindeutig genug, um daraus sieben angeblich vollständig bezeugte neue Formeln auszuschreiben.]

Für den Nyāsa heißt es im Siddhāntaśekhara:

12.SFZ.1 An Geschlechtsorgan, After, Scheitel, Mund, Nase und Augen setze man der Reihe nach die Zungen bis Atiraktā ein; am ganzen Leib Bahurūpiṇī.

Deshalb werde Bahurūpā am ganzen Leib eingesetzt.

Glieder und acht Gestalten des Feuers

Im Prapañcasāra:

12.FA.1 Der Mantrin setze danach der Reihe nach die Glieder des Feuers ein: Sahasrārcis, Svastipūrṇa, Uttiṣṭhapuruṣa …

12.FA.2 … Dhūmavyāpin, Saptajihva und Dhanurdhara: So werden die Gliedmantras genannt. Danach setze er die acht Gestalten ein …

12.FA.3 … an Scheitel, Schulter, Seite, Hüfte, Andhu, Hüfte, Seite und Schulter, rechtsherum, wie vorgeschrieben.

12.FA.4 Jātavedas, Saptajihva, Havyavāhana, Aśvodaraja und Vaiśvānara …

12.FA.5 … Kaumāratejas, Viśvamukha und Devatāmukha sind die acht Gestalten des Feuers. Ihnen geht das Wort agnaye voraus …

… mit Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende.

Die Einsetzung erfolgt vom Kopf aus über die linke Schulter der Reihe nach bis zur rechten Schulter. Andhu bezeichnet das Geschlechtsorgan; einige verstehen darunter den After. Das Wort mukha ist jeweils auf Viśva und Devatā zu beziehen, denn im Śāradātilaka heißt es: „Kaumāratejas, Viśvamukha und Devatāmukha.“

Grasauslegung und Begrenzungshölzer

Im Uttaratantra:

12.FP.1 Danach besprenge man rechtsherum mit reinem Wasser über die Leisten und lege vier Darbha-Bündel aus …

12.FP.2 … der Richtungsfolge nach. In den Richtungen außer Osten lege der Selbstkundige Begrenzungshölzer nieder und verehre dort Brahmā, Viṣṇu und Īśa.

Die Darbha-Spitzen zeigen nach Osten und Norden. So sagt die Gaṇeśvaraparāmarśinī: „Mit nach Osten und Norden gerichteten Darbha-Halmen lege man um das Feuer aus“, und das Bhairavītantra entsprechend.

Bei einer Grube mit drei Leisten werden Grasauslegung und Begrenzungshölzer auf der mittleren Leiste angebracht. Im Yoginītantra:

12.YGP.1 Bei einer einzigen Leiste lege man unterhalb der Leiste aus, bei zweien auf der zweiten, bei dreien auf der mittleren.

Wie dies möglich sei, obwohl der Kanal an der westlichen Leiste anschließt, beantwortet das Uttaratantra:

12.UGP.1 Zwischen Kanal und Leiste schaffe der Wissende eine Öffnung zum Einsetzen des Begrenzungsholzes auf der mittleren Leiste.

Auf einem vorbereiteten Opferplatz lege man außerhalb des Sandbereiches auf dem Boden aus. Kātyāyana nennt als Begrenzungshölzer frische Hölzer derselben Baumart von einem Bāhu Länge, etwa Palāśa, Vaikaṅkata, Kāśmarya oder Bilva. Auch sie liegen auf dem Opferplatz außerhalb des Sandes.

Die Richtungen außer Osten sind Westen, Süden und Norden. Das mittlere [westliche] Holz ist das stärkste, das südliche dünner und länger, das nördliche am dünnsten und kürzesten. Im Westen zeigt die Spitze nach Norden, bei den beiden anderen nach Osten.

Praṇītā und Prokṣaṇī

Die Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā nennt das Paar Praṇītā und Prokṣaṇī, Wasser sowie Ghee. Ihre Aufstellung erläutert Kumbhasambhava:

12.KPG.1 Nachdem man nach der Vorschrift Prāṇāyāma vollzogen und mit weiterem Kuśa ausgelegt hat, verfahre man gemäß dem eigenen Gṛhya-Ritual, von Nordwesten ausgehend, o Weiser.

12.KPG.2 Der Mantra-Kenner stelle die Gefäße und das Brennholz nach der Vorschrift bereit, besprenge sie mit dem Pavitra und richte sie mit der Öffnung nach oben aus.

12.KPG.3 Er besprenge erneut, fülle ein Gefäß mit gutem Wasser, gebe ungebrochene Reiskörner und den Pavitra hinein, reinige es durch Filtern beziehungsweise Durchziehen und stelle es ab …

12.KPG.4 … im Norden. Dieses Gefäß nennen die Wissenden Praṇītā. Etwas von seinem Wasser gebe man in die Prokṣaṇī …

… und besprenge damit unter dem Wurzelmantra sämtliche Opfergeräte.

Im Uttaratantra heißt es: „Danach bereite man den Sitz des Feuers und verehre ihn.“ Sitz und Yogapīṭha werden im Anwendungsteil beschrieben.

Die Verehrung des Feuers im Maṇḍala

12.FVM.1 In den sechs Ecken und in der Mitte verehre man die Zungen, an den Staubfäden die Glieder, außen die acht Gestalten, danach in der Mitte das Feuer …

… nach der noch zu erläuternden Vorschrift mit Duftstoffen, Blüten und Weiterem.

Im Prapañcasāra:

12.PFV.1 In den sechs Ecken und in der Mitte [verehre man] mit den Zungenmantras, an den Staubfäden mit den Gliedmantras, danach außen mit den acht Gestalten der Reihe nach.

12.PFV.2 Danach verehre der Mantrin in der Mitte mit dem Feuermantra. Er spreche „vaiśvānara jātaveda“, dann „ihāvaha“ …

12.PFV.3 … „lohitākṣa“, „sarvakarmāṇi“ und schließlich „sādhaya“, mit dem Ruf an die Gemahlin des Feuers [svāhā] am Ende.

Alle Gottesbezeichnungen stehen im Mantra als Anrede. Der Sinn: „Vaiśvānara, Jātavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollbringe alle Handlungen; svāhā.“

12.PFV.4 Verehrt das Feuer: dreiäugig, mit einem roten Band um das Haupt, in reinweißen Gewändern, rot von Erscheinung, vielfältig geschmückt und auf einem Lotus sitzend. Seine Hände gewähren das Ersehnte, halten Śakti-Lanze und Svastika und zeigen Furchtlosigkeit. Eine Goldgirlande schmückt seine Schultern. [Die Vorlage hat im Ausdruck zum Kopfschmuck eine beschädigte Lesung.]

12.PFV.5 Die Zungen besitzen Flammenglanz, die Glieder sind mit Segens- und Furchtlosigkeitsgesten versehen; die Gestalten haben zwei erhobene Arme mit Śakti und Svastika.

Orte und Farben der Feuerzungen

Somaśambhu sagt:

12.SZF.1 In den Bereichen von Rudra, Indra, Feuer, Fleischverzehrer, Varuṇa und Wind stehen der Reihe nach die sechs Feuerzungen, beginnend mit Hiraṇyā.

In der Mitte Bahurūpā.

In der Gaṇeśvaraparāmarśinī:

12.GZF.1 In der Mitte und in den sechs Ecken verehre man die sieben Zungen. Hiraṇyā glänzt wie glühendes Gold und steht in der Richtung des Dreizackträgers [Nordosten].

12.GZF.2 Kanakā hat die Farbe von Vaidūrya und befindet sich im Osten. Raktā gleicht der jungen Sonne und steht im Südosten.

12.GZF.3 Kṛṣṇā gleicht einer Masse schwarzer Augensalbe und steht im Südwesten; Suprabhā gleicht Padmarāga und steht im Westen.

12.GZF.4 Atiraktā glänzt wie Hibiskus und steht im Nordwesten. Bahurūpā leuchtet ihrem Namen entsprechend vielfältig und befindet sich in Süden, Mitte und Norden.

Im Nāradapañcarātra:

12.NZF.1 Prabhā, Dīptā, Prakāśā, Marīci, Tāpinī, Karālā und Lelihā stehen so, dass sie die Feuergrube durchdringen.

12.NZF.2 Die ersten drei, beginnend mit Prabhā, befinden sich in Nordosten, Osten und Südosten; die nächsten drei, beginnend mit Marīci, in Südwesten, Westen und Nordwesten.

Die eine namens Lelihā befindet sich im Norden, in der Mitte und im Süden.

Prabhā und die weiteren seien andere Namen von Hiraṇyā und den übrigen. Oder es handle sich im vaiṣṇavischen Opfer um eigenständige Zungen.

In der Vāyavīyasaṃhitā:

12.VZF.1 Hiraṇyā ist die nordöstliche Zunge, Kanakā steht im Osten, Raktā im Südosten, Kṛṣṇā im Südwesten; eine weitere heißt Suprabhā.

Atiraktā ist die Wind-Zunge [Nordwesten]. Ihre Farben entsprechen den Namen. Eine weitere wird Aruṇā genannt. Die mittlere Zunge namens Bahurūpā besitzt drei Flammenspitzen; eine brennt rechts, eine andere links. [Die zusätzlichen unnummerierten Aussagen werden beibehalten; insbesondere Aruṇā wird nicht ohne Beleg als achtes Glied einer Siebenerreihe gezählt.]

Dies sind die sattvischen Zungen; die rajasischen und tamasischen werden noch erläutert.

Einige sagen dagegen: „In der Mitte der Grube ist Hiraṇyā bei rituellen Anwendungen vorzüglich; Kanakā bei Stillstellung, Raktā bei Feindschaftserzeugung …“

12.ZW.1 „… Kṛṣṇā wird für Tötungsrituale genannt, Suprabhā von den besten Wissenden für Befriedung.“

Atiraktā wird für Vertreibung genannt. [Diese Wirkungszuordnungen gehören zur historischen magischen Rituallehre.]

„Flammenglanz“ bezeichnet das Meditationsbild der Zungen. Der Prayogasāra sagt: „Alle Zungen sind ihrem Wesen nach von Flammenerscheinung.“ Die Gaṇeśvaraparāmarśinī ergänzt: „Sie sind von Flammenglanz umgeben und besitzen auch die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.“

Die Weihe des Ghee

Im Prapañcasāra:

12.PGH.1 Mit Ghee, das durch Abhidyotana und Uddyotana geweiht wurde, opfere man nach den Vyāhṛtis dreimal mit jenem Mantra.

Gemeint sind die beiden Weihen namens Abhidyotana und Uddyotana. Andere erkennen weitere Weihehandlungen an. Die Piṅgala-Lehre nennt achtzehn für die Feuergrube und je acht für Ghee, Sruc und Sruva. Im Uttaratantra:

12.GH.1 Man nehme die Ghee-Schale, besprenge sie mit dem Astra-Mantra und fülle Ghee hinein, das durch Anschauen und die weiteren Handlungen geweiht ist.

12.GH.2 Nordwestlich außerhalb [der Grube] lege man Glutstücke nieder und setze die Schale mit dem Herzmantra darauf. Dies heißt Erwärmen. Danach gebe man zwei Kuśa-Halme hinein …

12.GH.3 … die entzündet sind, [berühre damit] das Ghee und lege sie mit Ghee versehen ins Feuer. Die Reinigung geschieht mit zwei brennenden Darbha-Halmen.

12.GH.4 Mit dem Schutzmantra umkreise man das Ghee mit Licht und werfe die beiden Halme ins Feuer. Dies ist Abhidyotana; nun wird Uddyotana erläutert.

12.GH.5 Man entzünde Kuśa im Feuer und gebe ihn mit dem Herzmantra [in das Ghee und anschließend] ins Feuer. Danach nehme man das Ghee vom Feuer und werfe die Glutstücke in das Hauptfeuer zurück. [Die Kurzfassung lässt den Bezug einzelner Verben offen; der Kommentar erklärt den Kontakt der brennenden Halme mit dem Ghee.]

12.GH.6 Nach Berührung von Wasser vollziehe der Mantra-Kenner Utpavana. Mit dem Astra-Mantra nehme er zwei Kuśa-Halme von je einem Prādeśa …

12.GH.7 … zwischen Daumen und Ringfinger und reinige damit das Ghee. Danach führe er mit dem Herzmantra die beiden Halme zu sich hin durch das Ghee.

Dies heißt Saṃplavana. Sechs Weihehandlungen wurden genannt. [Die zuvor angeführte Piṅgala-Aussage nennt acht; der Text erläutert hier selbst sechs und setzt die vorbereitende Reinigung voraus.]

Über Ghee sagt die Piṅgala-Lehre:

12.GA.1 Ghee von der Kuh gilt als das beste, von der Büffelkuh als mittleres, von der Ziege als geringstes. Deshalb wird Kuhghee empfohlen.

Man fülle dieses durch Anschauen und Weiteres geweihte Ghee ein, bespreche es mit dem Wurzelmantra, vernektarisiere es mit der Dhenu-Mudrā und vollziehe danach die genannten Weihehandlungen.

Im Śaivāgama:

12.ŚGH.1 Man nehme Kuhghee, bespreche es mit dem Wurzelmantra, vergegenwärtige die eigene Gestalt als aus Brahman bestehend und erwärme es.

In der Vāyavīyasaṃhitā: „Man setze den Mantra in das Ghee ein und zeige die Dhenu genannte Mudrā.“ „Außerhalb“ meint außerhalb des Grubenbereiches. Die beiden brennenden Kuśa-Halme werden mit dem Herzmantra in das Ghee gegeben. Nīrājya bedeutet das Umkreisen mit den beiden Halmen.

Das anschließende Werfen der Darbha-Halme ins Feuer dient der geordneten Entsorgung des verwendeten Materials. Deshalb wird dafür kein eigener Mantra genannt. Sind die Halme zuvor verloren gegangen, entsteht durch das Unterlassen ihres Einwerfens kein Ritualfehler.

Daumen und Ringfinger sind die beider Hände. Utpavana geschieht zum Feuer hin. Im Śaivāgama:

12.ŚUT.1 Mit zwei Darbha-Halmen von einem Prādeśa, gehalten an den Spitzen von Daumen und Ringfinger, vollziehe man mit Astra das Durchziehen des Ghee in Richtung des Feuers.

In beiden Fällen dient das Einwerfen der Kuśa-Halme ins Feuer ihrer geordneten Entsorgung.

Weihe der Opferlöffel

Ebendort:

12.LW.1 Man nehme Sruc und Sruva, mit den Öffnungen nacheinander nach oben und unten, erwärme sie dreimal im Feuer und berühre sie mit Wurzel, Mitte und Spitze von Darbha.

12.LW.2 An ihrem Ansatz, ihrer Mitte und Spitze setze man der Reihe nach die drei Tattvas Ātman, Vidyā und Śiva mit den Bījas hrāṃ hrīṃ hrūṃ ein, o Geliebte.

12.LW.3 In der Sruc setze man mit dem Herzmantra Śakti ein, im Sruva Śambhu. Ihre Hälse seien mit dreifacher Schnur umwickelt, und sie werden mit Blüten und Weiterem verehrt.

Man lege sie rechts von sich auf Kuśa nieder.

Mit Wurzel, Mitte und Spitze der Darbha-Halme werden entsprechend Ansatz, Mitte und Spitze der beiden Löffel berührt. Nach dieser Berührung sagt das Uttaratantra:

12.ULW.1 Man nehme sie in die linke Hand und besprenge sie mit der rechten. Erneut erhitze man sie im Feuer und gebe die Kuśa-Halme ins Feuer.

Das erneute Erhitzen erfolgt dreimal. Die Piṅgala-Lehre:

12.PLW.1 Erneut erhitze man sie dreimal mit den Öffnungen nach unten und werfe die Kuśa-Halme ins Feuer. An Ansatz, Mitte und Spitze setze man der Reihe nach die Śaktis, beginnend mit Icchā, ein.

Diese Śaktis sind Wollen, Erkennen und Handeln: Icchā, Jñāna und Kriyā. [Die Vorlage schreibt beim dreimaligen Erhitzen triṃśaḥ; der Kommentar bestimmt ausdrücklich triśaḥ, dreimal.]

Die drei Nāḍīs im Ghee

Im Uttaratantra:

12.GN.1 Man lege zwei Kuśa-Halme von je einem Prādeśa, mit Knoten und unversehrten Spitzen, in das Ghee und stelle sich die beiden Monatshälften, die helle und die dunkle, vor.

12.GN.2 Links vergegenwärtige der Mantrin Iḍā, rechts Piṅgalā, in der Mitte Suṣumnā. Danach vollziehe er das Feueropfer.

Der Ausdruck „mit Knoten“ bezieht sich auf die beiden Kuśa-Halme.

Gaben an Augen und Mund des Feuers

12.FAU.1 Von der rechten Seite nehme man mit dem Sruva unter dem Herzmantra Ghee und opfere es in das rechte Auge des Feuers mit „agnaye svāhā“ – „dem Agni, svāhā“.

12.FAU.2 Von der linken Seite nehme der Lehrer Ghee und opfere es in das linke Auge des Feuers mit „somāya svāhā“ – „dem Soma, svāhā“.

12.FAU.3 Aus der Mitte nehme der Wissende Ghee unter dem Herzmantra und opfere in das Stirnauge des Feuers mit „agnīṣomābhyāṃ svāhā“ – „Agni und Soma, svāhā“.

12.FAU.4 Von der rechten Seite nehme der Guru Ghee unter dem Herzmantra und opfere in den Mund des Feuers mit „sviṣṭakṛte svāhā“ – „dem, der das Opfer wohl vollendet, svāhā“.

Überall gilt der Herzmantra für das Aufnehmen des Ghee. Im Śāradātilaka:

12.ŚVH.1 Mit den Vyāhṛtis samt Tāra opfere man erneut Ghee. Dreimal opfere der beste Lehrer mit dem Feuermantra.

Gemeint sind die drei Vyāhṛtis einzeln und gemeinsam.

Die Lebensweihen des Feuers

Im Prapañcasāra:

12.PSA.1 Die Handlungen für das Feuer von Garbhādhāna bis zur Hochzeit vollziehe man der Reihe nach mit dem Tāra und jeweils acht Ghee-Gaben.

Das Śāradātilaka nennt zunächst Garbhādhāna, Puṃsavana und Sīmantonnayana. In der Vāyavīyasaṃhitā:

12.VSA.1 Nachdem man das Feuer als in dieser Gestalt geboren vorgestellt hat, vollziehe man Jātakarman. Man entferne die Nabelschnur und reinige danach die Geburtsunreinheit.

12.VSA.2 Mit vorangehender Opfergabe gebe man ihm den Namen Śivāgni. Nach der Verabschiedung seiner Eltern vollziehe man Haarschnitt, Einführung und weitere Weihen …

… bis zur Hochzeit.

Śivāgni gilt für śivaitische Verehrung. In anderen Zusammenhängen lauten die Namen entsprechend Nārāyaṇāgni, Durgāgni und so weiter.

Im Uttaratantra:

12.USA.1 Garbhādhāna, Puṃsavana, Sīmantonnayana, Jātakarman, Namengebung und erstes Hinausführen …

12.USA.2 … erste feste Nahrung, Haarschnitt und Upanayana; danach das Mahānāmnī- und das mit Mahā beginnende Gelübde …

12.USA.3 … ferner das Aupaniṣada-Gelübde, Godāna, Rückkehr vom Studium und Hochzeit: Die Saṃskāras reichen bis zum Tod.

Bei grausamen Handlungen sind die Weihen bis zum Tod von den Lehrern auszuführen. [Die menschlichen Lebensriten werden hier symbolisch auf das als geboren vorgestellte Feuer übertragen. Die Namen Godāna und der Gelübde bleiben als Fachbegriffe erhalten.]

Der zugehörige Mantra wird im Nāradapañcarātra beschrieben:

12.NSA.1 Zuerst spreche man den Praṇava, dann den Namen der Handlung und „sampādayāmi svāhā“ – „ich vollziehe [sie], svāhā“. Dies ist die Regel für alle Handlungen.

Das Sautrāmaṇītantra nennt stattdessen Vāgbhava für die Riten bis zur Hochzeit. Zwischen beiden besteht eine Wahl. Im Uttaratantra heißt es, nach der Hochzeit solle der Mantra-Kenner das Feuer verehren und seine Eltern mit sich selbst verbinden. Dies ist nach der jeweiligen Überlieferung zu verstehen.

Weitere Opfergaben und ihre Mantras

12.FHG.1 Danach opfere man fünf Brennhölzer, die an beiden Enden mit Ghee benetzt sind. Mit den Mantras der Zungen, Glieder und acht Gestalten opfere man jeweils einmal Ghee.

In der Gaṇeśvaraparāmarśinī:

12.GHG.1 Danach opfere der scharfsinnige [Lehrer] jeweils einmal mit den Gliedmantras und den weiteren Formeln, der Reihe nach, mit svāhā am Ende des jeweiligen Namens.

Im Viṣṇudharmottara:

12.VHG.1 Der Verständige opfere mit einem Mantra, der mit oṃ beginnt und mit svāhā endet. Am Ende von svāhā gebe er die Gabe ins Feuer und meditiere über die Mantragottheit.

Auch die Śruti sagt: „Wenn man den Vaṣaṭ-Ruf vollziehen will, meditiere man im Geist über die Gottheit, für welche die Opfergabe genommen wurde.“ Ein Mantra, der bereits auf svāhā endet, soll nicht nochmals damit versehen werden.

Im Uttaratantra:

12.UGG.1 Viermal nehme man mit dem Sruva Ghee auf und gebe es in die Sruc. Mit dem Sruva bedecke man sie; dann opfere der Guru selbst stehend im Feuer …

… mit dem auf vauṣaṭ endenden Feuermantra zum Gedeihen.

Die Gaṇapati-Gaben

Im Prapañcasāra:

12.PGA.1 In der mittleren Zunge, deren Leib aus Flammenreihen besteht, opfere der Mantrin mit zehn Formeln, die mit Tāra beginnen und jeweils die vorangehenden Teile einschließen …

12.PGA.2 … zuerst zehn Gaben mit dem Gaṇapati-Mantra, danach viermal mit demselben vollständig.

12.PGA.3 Mit Ghee und dem zur Vollendung zu bringenden Mantra opfere der Verständige bei allen Feueropfern fünfundzwanzigmal, um das Feuer zufriedenzustellen.

Dies ist die beschriebene Regel für tantrische Feueropfer. Mit Gaṇapati-Mantra ist der Mahāgaṇeśa-Mantra gemeint.

In der Gaṇeśvaraparāmarśinī:

12.GGA.1 Mit dem Mahāgaṇeśa-Mantra, jeweils mit den vorangehenden Teilen verbunden, an den sechs mit Tāra beginnenden Keimen und den durch Pfeile, Sinnesorgane und Berge bezeichneten Lautgruppen …

… in zehn Teile geteilt und danach vollständig, opfere man, o Geliebte.

Der Mantra wird im Anwendungsteil ausgeschrieben. Pfeile bedeuten fünf, Karaṇas die fünf Sinnesorgane, Berge sieben. Die Worttrennung erfolgt nach bījaṣaṭka [sechs Keime] und den folgenden Gruppen. [Die Quelle gibt hier eine Teilungsregel, keine vollständig ausgeschriebene Zehnerfolge.]

Bei einem Caru-Feueropfer koche man jetzt die Opferspeise; ihre Zubereitung wurde bereits ausführlich beschrieben.

Vereinigung von Feuer und Gottheit

Im Uttaratantra:

12.FDG.1 Nachdem der Guru den Pīṭha der Gottheit im Feuer richtig verehrt hat, verehre er dort seine erwählte Gottheit in Feuergestalt.

12.FDG.2 Mit Ghee und dem zur Vollendung zu bringenden Mantra opfere er fünfundzwanzigmal in den Mund des Feuers. Dies gilt als Vereinigung der Münder [von Feuer und Gottheit]. [Die Vorlage vermerkt bei „Feuermund“ eine unsichere Lesung.]

12.FDG.3 Der Selbstkundige vergegenwärtige die Einheit von eigenem Selbst, Feuer und Gottheit und bringe elf Ghee-Gaben mit dem Wurzelmantra dar.

12.FDG.4 Dies wird von den besten Lehrern als Verbindung der Nāḍīs bezeichnet. Für die Glieder und die weiteren Umhüllungen opfere man jeweils eine Gabe.

12.FDG.5 Der Guru verteile das Feuer nach der Vorschrift auf alle Gruben in den Richtungen von Osten an, die auf die zuvor beschriebene Weise geweiht wurden.

12.FDG.6 Alle Opferpriester verehren die genannte Gottheit mit sämtlichen Umhüllungen durch Sandel und weitere Gaben und opfern danach mit dem Wurzelmantra …

… fünfundzwanzigmal Milchreis mit Ghee.

In der Vāyavīyasaṃhitā:

12.HG.1 Ghee opfere man mit dem Sruva, Brennholz mit der Hand, das Übrige mit der Sruc oder mit der Hand, jeweils dem Stoff entsprechend; gegebenenfalls durch das Ṛṣi-Tīrtha [den so bezeichneten Bereich der Hand].

Im Chandogapariśiṣṭa heißt es: „Die Opfergabe wird durch das göttliche Tīrtha dargebracht, in einem Feuer, das Glut und Flamme besitzt.“

12.HF.1 Wer in ein Feuer ohne Flamme und ohne Glut opfert, werde verdauungsschwach, krank und arm. [Dies ist die historische rituelle Warnung des Textes, keine medizinische Ursachenaussage.]

Bali für Mondhäuser, Tierkreiszeichen und weitere Mächte

Im Prapañcasāra:

12.PBA.1 Nach dem Feueropfer bringe der Lehrer im Maṇḍala der Reihe nach Bali für die Mondhäuser samt Wochentagen und Tierkreiszeichen dar.

12.PBA.2 Mit Achtung gebe er die Bali-Gabe, Duftstoffe, Blüten, Räucherwerk und Licht. Von den Mondhäusern, beginnend mit Aśvinī, bilden jeweils zwei und ein Viertel ein Tierkreiszeichen.

12.PBA.3 Zuerst nenne man das mit Widder und den weiteren Zeichen verbundene Mondhaus, dann „den Gottheiten“, sodann „den bei Tag und Nacht …

12.PBA.4 … Umhergehenden und allen Bhūtas, Verehrung“. So verfahre man bei jedem vollständig erfassten Tierkreiszeichen.

12.PBA.5 Ebenso gebe man dort den Herren der Tierkreiszeichen und den Planeten Bali. Den sieben Karaṇas bringe man sie zwischen Fische und Widder dar.

12.PBA.6 So wird diese zum Krugritual gehörende Bali beschrieben. Danach entferne man erneut die Speisegabe und verehre wie zuvor.

12.PBA.7 Nach der Darbringung von Mundduft und Weiterem preise der hingebungsvolle Sādhaka [die Gottheit] wieder angemessen und verneige sich.

Zwischen Fische und Widder bedeutet zwischen Nordosten und Osten. Ebenso im Tantrarāja:

12.TRZ.1 Im Osten stehen Widder und Stier, in der Feuerecke Zwillinge, im Süden Krebs und Löwe, im Südwesten Jungfrau.

12.TRZ.2 Im Westen Waage und Skorpion, im Nordwesten Schütze; im Norden Steinbock und Wassermann, im Nordosten Fische.

Kolophon des zwölften Śvāsa

Hier endet der zwölfte Śvāsa im Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, dem Schüler Śrīpragalbhācāryas, der Schüler Śrīviṣṇuśarmācāryas war, dieser Schüler Śrībhagavacchaṅkarācāryas, dieser Schüler des großen, verehrungswürdigen Lehrers Śrīgovindācārya.

Dieser Teil des Shri Vidyarnava Tantra in einfachen Worten

Die Praxis bekommt einen Zusammenhang

Der erste Śvāsa beginnt mit einer weiten Sicht: Die Göttin wird als Bewusstsein der Welt angerufen. Doch der Text bleibt nicht bei diesem großen Gedanken stehen. Er fragt, wie ein Mensch in einer bestimmten Überlieferung tatsächlich praktiziert. Dazu gehören ein Mantra, eine Form der Verehrung, ein Verständnis der verwendeten Symbole und eine Verbindung zu den Lehrern, die diesen Weg weitergeben.

Die beiden Lehrwege Kādī und Kālī werden bewusst unterschieden. Das bedeutet zunächst: Die Einzelheiten einer Praxis gehören zusammen. Was im einen Weg eine bestimmte Funktion hat, lässt sich nicht ohne Weiteres in einen anderen Zusammenhang übertragen. Für das Lesen braucht es daher zugleich Offenheit und Genauigkeit. Man muss nicht alles sofort verstehen; es hilft aber, eine offene Frage nicht vorschnell durch eine eigene Erklärung zu ersetzen.

Warum so viele Lehrernamen genannt werden

Die langen Namensfolgen können beim ersten Lesen ungewohnt wirken. Ihr Sinn liegt darin, die spirituelle Praxis in eine Folge des Empfangens und Weitergebens zu stellen. Der Übende beginnt nach dieser Sicht nicht allein. Hinter seiner Unterweisung stehen Menschen, verwirklichte Lehrer und göttliche Ursprünge. Deshalb unterscheidet der Text einen göttlichen, einen vollendeten und einen menschlichen Überlieferungsstrom.

Dabei werden verschiedene Aufgaben der Lehrer unterschieden: die Zugehörigkeit zum Kula, das Herabkommen der Vidyā und die Einweihung. Die Namenreihen sind daher nicht bloß austauschbare Listen. Sie gehören zu bestimmten Mantras und Verehrungswegen. Auch Gaṇeśa-, Viṣṇu-, Shiva- und Sonnenverehrung erhalten eigene Reihen. Der Text zeigt damit eine große Vielfalt, ordnet sie aber in sein eigenes Verständnis von Überlieferung ein.

Für heutige Leser kann daraus eine einfache Frage entstehen: Von wem habe ich gelernt, und was möchte ich selbst verantwortungsvoll weitergeben? Dankbarkeit wird konkret, wenn sie mit dem Bemühen verbunden ist, eine Lehre wirklich zu verstehen.

Hingabe und die Gnade der Göttin

Neben der genauen Ordnung steht die Erzählung von der Göttin, die dem Verfasser erscheint. Er erbittet eine besondere Gabe für diejenigen, die sein Werk mit Hingabe aufnehmen. Die Erzählung macht deutlich, dass der spirituelle Weg nach dieser Sicht nicht allein aus korrekten Handlungen besteht. Auch die innere Beziehung und die Gnade haben einen Platz.

Die Aussage bezieht sich auf einen bestimmten Zusammenhang. Sie ist kein allgemeiner Freibrief, jede rituelle Vorschrift zu übergehen. Dennoch gibt sie dem Kapitel eine warme Seite: Der Text möchte seine Leser erreichen und ihnen den Zugang zur Verehrung eröffnen. Die vielen Einzelheiten werden von der Hoffnung getragen, dass Menschen auf ihrem Weg Unterstützung finden.

Das Mandala als geordnete Vergegenwärtigung

Die Beschreibungen des Gurumaṇḍala ordnen die Lehrer, Kräfte und Gottheiten in Kreisen, Dreiecken und Feldern an. Räumliche Ordnung, Laut und innere Vorstellung greifen ineinander. Der Übende betrachtet die Überlieferung nicht nur als etwas Vergangenes. Er vergegenwärtigt sie in der Verehrung.

Diese historischen Rituale enthalten verschlüsselte Formeln und setzen Unterweisung voraus. Wer den Text studiert, muss daraus keine eigene Ritualanleitung machen. Man kann zunächst verstehen, welche Absicht die Beschreibungen verbindet: Der Geist soll sich sammeln, die Lehrerfolge soll bewusst werden, und die Verehrung soll von der Vorstellung innerer Einheit getragen sein. Der Guru-Hymnus bringt diese Bewegung in ein einfaches Bild: Der eigene Geist möge zum Sitz des Gurus werden.

Woran ein guter Lehrer erkannt wird

Die zitierten Texte verlangen vom Guru mehr als Gelehrsamkeit. Er soll klar, zugänglich, aufrichtig und mitfühlend sein. Er soll Zweifel lösen und zum Wohl des Schülers sprechen. Die Forderung, nicht nach dessen Reichtum zu verlangen, ist ebenso bedeutsam wie die Kenntnis von Mantras und Schriften.

Auch der Schüler trägt Verantwortung. Er soll wahrhaftig, aufmerksam, überlegt und hilfsbereit handeln. Ein guter Schüler wird als jemand beschrieben, der dem Wohl aller Wesen zugewandt ist und freundlich, maßvoll und wahr spricht. Solche Eigenschaften verbinden das Lernen mit dem alltäglichen Verhalten. Eine eindrucksvolle religiöse Handlung ersetzt nach diesem Bild keinen guten Charakter.

Zugleich enthält die Überlieferung Aussagen, die heute nicht übernommen werden sollten, etwa Ausschlüsse aufgrund von körperlichen Merkmalen oder Herkunft. Eine sorgfältige Lektüre nimmt diese Spannungen wahr. Sie muss weder die problematischen Stellen verschweigen noch daraus heutige Maßstäbe machen.

Die Pādukā als Zeichen der Verbindung

Am Ende wird die Pādukā gepriesen, die den Füßen beziehungsweise Sandalen des Gurus zugeordnete Verehrungsform. In ihr verdichtet sich die Beziehung zur Lehrerfolge. Der Text stellt diese Verbindung über die bloße Menge äußerer Leistungen: Viele Gaben, Gelübde oder Rezitationen sind nicht automatisch ein Ersatz für aufrichtige Hingabe.

Das Bild vom Baum fasst den Gedanken schön zusammen: Die höchste Wirklichkeit ist ein großer Baum; der Mantra bildet seinen Stamm, die Vollendungen seine Früchte, und die Gnade des Gurus seine Wurzel. Das Bild lädt dazu ein, die Quelle der eigenen Praxis nicht aus den Augen zu verlieren. Woraus schöpfe ich Vertrauen? Was nährt meine Übung? Und wachsen daraus mehr Klarheit, Güte und Beständigkeit?

Die Schlussverse setzen Hingabe über gesellschaftliches Ansehen. Hohe Herkunft oder Gelehrsamkeit allein entscheiden nach ihnen nicht über spirituelle Nähe. Damit endet das Kapitel mit einer inneren Ausrichtung: Entscheidend ist, dass die Beziehung zur Lehre das Herz erreicht und beständig wird.

Hingabe und Alltag im zweiten Śvāsa

Der Beginn des zweiten Śvāsa stellt Hingabe über die Menge äußerer Leistungen. Er sagt ausdrücklich, dass eine kleine Gabe eines armen Menschen denselben Wert haben kann wie eine große Gabe eines Reichen, wenn beide entsprechend ihren Möglichkeiten und mit Hingabe geben. Selbst die Hingabe des ganzen Besitzes bleibt dagegen ohne Frucht, wenn die innere Haltung fehlt. Hier wird der Blick von der äußeren Größe auf die Aufrichtigkeit gelenkt.

Daneben stehen sehr strenge Regeln für das Verhältnis zwischen Guru und Schüler. Einige gehen bis zur Forderung bedingungslosen Gehorsams und zu Drohungen mit religiösen Strafen. Solche Stellen gehören zum historischen Text. Sie sind weder ein Freibrief für Gewalt noch ein Grund, das eigene Gewissen auszuschalten. Schon der erste Śvāsa verlangt vom Guru Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Freiheit von Geldgier. Die verschiedenen Aussagen müssen in ihrer Spannung wahrgenommen werden.

Die Samayācāra-Abschnitte verbinden die Verehrung mit dem Verhalten im Alltag. Aufrichtig sprechen, anderen keine Angst machen, sie nicht an ihren empfindlichen Stellen verletzen und nicht aus Hochmut handeln: Solche Forderungen betreffen jede Begegnung. Besonders deutlich ist das Verbot, Frauen zu schlagen oder wegen ihres Aussehens zu schmähen. Auch Bäume werden als Orte der göttlichen Gegenwart geachtet und sollen nicht beschädigt werden.

Der Text kennt zugleich Fehler und Wege ihrer Bereinigung. Bei der Bestimmung einer Sühne sollen Ort, Zeit, Alter, Vermögen und das Gewicht einer Handlung berücksichtigt werden. Das verlangt genaue Unterscheidung. Die spirituelle Bedeutung der Regeln liegt dort, wo sie zu mehr Aufmerksamkeit, Wahrhaftigkeit und Rücksicht führen. Historische Abgrenzungen und Ausschlüsse müssen dabei als solche erkennbar bleiben.

Auch der Schüler prüft den Lehrer

Der zweite Śvāsa behandelt das Lernen als Beziehung, in der beide Seiten geprüft werden. Die historischen Prüfungen des Schülers enthalten demütigende und gewaltsame Forderungen. Zugleich sagt derselbe Zitatabschnitt ausdrücklich, dass der Schüler prüfen soll, ob der Lehrer Erkenntnis verständlich vermitteln kann und selbst über die beanspruchte Erfahrung verfügt. Die Fähigkeit, Verständnis zu wecken, ist ein eigenes Kriterium. Ein Anspruch auf Autorität allein genügt damit auch innerhalb dieser Überlieferung nicht.

Für heutige Leser ist diese Unterscheidung wesentlich. Spirituelles Vertrauen kann sich entwickeln, wenn Fragen möglich sind, Zusammenhänge erklärt werden und sich ein Lehrer verantwortlich verhält. Die Übersetzung hält die harten historischen Aussagen sichtbar; eine heutige Beziehung muss daraus keine Gewalt oder Unterwerfung übernehmen. Das im ersten Kapitel geforderte Mitgefühl bleibt eine wichtige Frage an die Lektüre des zweiten.

Zugang zur Praxis: mehrere Stimmen nebeneinander

Das Kapitel versammelt unterschiedliche Texte zur Einweihung. Einige beschränken die Weitergabe von Mantras streng nach Herkunft, Geschlecht und Lebensstand. Andere öffnen sie für alle vier Herkunftsgruppen, für Frauen und sogar für Menschen, die in der damaligen Rangordnung ausgegrenzt wurden. Wieder andere unterscheiden zwischen vedischen und tantrischen Formen oder zwischen verschiedenen Gottheiten und Mantras.

Diese Aussagen ergeben kein durchgehend einheitliches System. Das Werk zeigt vielmehr, wie seine Überlieferung mit verschiedenen Stimmen umgeht: Es zitiert, unterscheidet, erklärt und lässt Spannungen stehen. Wer aufmerksam liest, lernt deshalb auch, eine einzelne Aussage nicht vorschnell für die ganze Tradition sprechen zu lassen. In einer heutigen Betrachtung kann die Offenheit einzelner Stellen inspirieren, ohne die Ausschlüsse anderer Stellen zu verschweigen.

Was „Mantrafehler“ in diesem Kapitel bedeutet

Ein großer Teil des Kapitels beschreibt Mantras als schlafend, erwacht, kindlich, alt, abgeschnitten, kraftlos oder blockiert. Solche Wörter sind zunächst technische Namen. Manche beziehen sich auf Lautzahlen, andere auf bestimmte Laute und deren Stellung, wieder andere auf Aussprache, Überlieferung, rituelle Vorbereitung oder die Haltung beim Wiederholen. Das Kapitel spricht damit auf mehreren Ebenen zugleich.

Der ausführliche Kommentar macht sichtbar, dass schon die überlieferte Auslegung mit Schwierigkeiten ringt. Einmal wird eine Zahl anders verstanden als im Grundvers, ein anderes Mal erhält derselbe Fehler in einem anderen Tantra einen anderen Namen. Diese Differenzen sind kein Anlass, eine beliebige eigene Lösung einzusetzen. Sie zeigen, weshalb genaues Lesen und die Kenntnis des jeweiligen Zusammenhangs für diese Literatur wichtig sind.

Die vielen bedrohlichen Folgen, die der Text nennt, gehören zu seiner religiösen Deutung. Aus ihnen lässt sich keine nachgewiesene Gefahr einer bestimmten Silbenzahl ableiten. Für heutige Übende ist ein schlichterer Gedanke zugänglich: Eine vertraute Praxis gewinnt durch Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit und verständliche Unterweisung. Man muss aus den historischen Listen keinen neuen Grund zur Angst machen.

Reinigung als innere und äußere Arbeit

Der Text unterscheidet eine innere Reinigung und zehn äußere Bearbeitungen des Mantras. Die innere Beschreibung verbindet die Laute mit Kuṇḍalinī, Cakras und dem Weg der Suṣumṇā. Die äußeren Handlungen heißen unter anderem Geburt, Belebung, Erwecken, Läuterung, Kräftigung und Geheimhaltung. Der Mantra wird darin wie etwas Lebendiges behandelt, das empfangen, genährt und gehütet wird.

Diese Rituale setzen einen bestimmten Lehrzusammenhang voraus. Für das Verständnis ist zunächst ihre gemeinsame Absicht bedeutsam: Die Worte sollen nicht achtlos gebraucht werden. Klang, innere Vorstellung und Handlung sollen zusammenfinden. Eine heutige Anregung daraus kann sein, vor einem vertrauten Japa kurz innezuhalten, die Bedeutung der Praxis bewusst werden zu lassen und anschließend gesammelt zu üben. Das ist eine gegenwärtige Übertragung und keine verkürzte Durchführung der historischen Saṃskāras.

Die Grenzen wunschgerichteter Anwendung

Der Kommentar macht eine bemerkenswerte Einschränkung: Weil die Fehlerlehre ausdrücklich auf Handlungen zur Erfüllung bestimmter Wünsche bezogen wird, scheint sie für Menschen, die ohne persönliches Verlangen Japa üben, kein Hindernis zu sein. Auch bei den Nityā- und Tripurā-Mantras werden die aufwendigen Zuordnungsprüfungen für tägliche und anlassbezogene Verehrung nicht generell verlangt.

Damit eröffnet das Kapitel neben seiner technischen Strenge einen anderen Blick. Es unterscheidet zwischen der Verehrung als beständiger Beziehung und dem Versuch, durch ein Ritual ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Wer heute liest, kann sich fragen: Suche ich in meiner Praxis vor allem ein außergewöhnliches Resultat, oder möchte ich Sammlung, Hingabe und Klarheit vertiefen? Diese Frage lässt sich stellen, ohne die historischen Regeln zu verallgemeinern.

Die Cakras am Ende des Kapitels

Die abschließenden Cakras sind vor allem Zuordnungsschemata. Sie verbinden Buchstaben des Namens und des Mantras mit Tierkreiszeichen, Mondstationen, Elementen und Kategorien wie „vollendet“, „zu vollenden“ oder „feindlich“. Das Wort Cakra meint hier nicht durchgehend ein Energiezentrum des Körpers. Der jeweilige Zusammenhang entscheidet, ob ein innerer Ort oder eine beschriftete Anordnung gemeint ist.

Die Quelle schreibt diesen Schemata günstige und ungünstige Folgen zu. In der Übersetzung bleiben sie als historische Aussagen erkennbar. Beschädigte Lautfolgen werden nicht in scheinbar exakte Tabellen verwandelt. Gerade am Ende dieses Kapitels gehört zur Sorgfalt, auch Grenzen des Verstehens zu benennen. Der spirituelle Gewinn des Lesens muss nicht darin liegen, jede Zuordnung selbst anzuwenden. Er kann darin liegen, die Verbindung von Sprache, Aufmerksamkeit und religiöser Vorstellung genauer kennenzulernen.

Der dritte Śvāsa: Sprache als Gestalt göttlicher Kraft

Der dritte Śvāsa beginnt mit weiteren Regeln zur Zuordnung von Mantras. Dabei fällt auf, wie viele Ausnahmen er nennt. Für zahlreiche bekannte Mantraformen sollen die zuvor beschriebenen Prüfungen ausdrücklich entfallen. Das ist für die Lektüre wichtig: Ein ausführliches Verfahren ist nicht automatisch für jede Praxis vorgeschrieben. Der Text unterscheidet je nach Mantra und Überlieferung.

Danach öffnet sich ein weiter Raum von Namen und Bildern. Mātṛkā bezeichnet hier die Gesamtheit der Laute, die als göttliche Kräfte verstanden werden. Sprache erscheint als etwas, das Welt und Bewusstsein miteinander verbindet. Ein Laut kann in verschiedenen Verehrungszusammenhängen eine andere Gottheit oder Kraft verkörpern. Deshalb folgen so viele Listen aufeinander: Sie entfalten unterschiedliche Zugänge zu derselben Lautwelt.

Warum die Namen vollständig bewahrt werden

Die Namenreihen sind keine Sammlung austauschbarer Schmuckwörter. Sie gehören zu bestimmten Formen des Nyāsa, der rituellen Zuordnung von Lauten und Kräften zum Körper. Ihre Reihenfolge kann deshalb bedeutsam sein. In der Übersetzung bleiben auch Wiederholungen erhalten. Wo die Quelle eine bestimmte Zahl ankündigt, aber mehr oder weniger Namen überliefert, wird die Differenz genannt.

Manche Namen lassen sich leicht verstehen: Jñānaśakti ist Erkenntniskraft, Kriyāśakti Handlungskraft, Icchāśakti Willenskraft. Andere verweisen auf Geschichten, heilige Orte oder besondere Gestalten der Göttin. Bei wieder anderen ist schon die Lesung unsicher. Nicht alles muss beim ersten Lesen aufgelöst werden. Die Namen können zunächst zeigen, wie vielfältig die Tradition das Göttliche betrachtet: als friedvoll und machtvoll, als nährend und verwandelnd, als Sprache und als Stille jenseits der Worte.

Die Welt wird in die Verehrung einbezogen

Besonders anschaulich ist die Prapañca-Mātṛkā. Sie verbindet die Göttin mit Inseln, Meeren, Bergen, Städten, Wäldern und Flüssen. Danach folgen Zeiträume, vom Augenblick und Atemzug bis zu Weltaltern und Weltauflösung, sowie Elemente, Sinne, Lebensatem und Bewusstseinszustände. Die Verehrung umfasst damit die sichtbare Welt, das Erleben des Menschen und die Ordnung der Zeit.

Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Sicht dazu anregen, die eigene Übung nicht vom Leben abzutrennen. Aufmerksamkeit beim Atmen, ein wacher Blick für die Natur und ein verantwortlicher Umgang mit Sprache können an die Weite dieser Bilder erinnern. Das ist eine heutige Anregung; die historische Namensfolge selbst bleibt ein besonderer ritueller Text.

Viele Gottheiten und mehrere Überlieferungswege

Das Kapitel enthält nicht nur Reihen der Śrīvidyā-Göttinnen. Auch Śiva, Viṣṇu, die Sonne, Gaṇeśa, Sarasvatī und weitere Gottheiten erscheinen als Lautgestalten. Manche Reihen sind einzelnen Göttinnen wie Tripurasundarī, Kālī, Tārā oder Vārāhī zugeordnet. Andere verbinden mehrere göttliche Gestalten miteinander. Die Trimūrti-Mātṛkā ordnet etwa Viṣṇu-, Śiva- und Brahmā-Formen verschiedenen Lautgruppen zu.

Diese Vielfalt wird innerhalb bestimmter Lehrwege geordnet. Der Text fordert nicht dazu auf, alle Formen beliebig miteinander zu vermischen. Wer liest, kann zugleich die Gemeinsamkeit und die Verschiedenheit wahrnehmen: Überall ist von Laut und göttlicher Gegenwart die Rede, doch die Namen, Zuordnungen und Voraussetzungen wechseln.

Erkenntnis und Befreiung bleiben im Blick

Zwischen den vielen Namen begegnen immer wieder Kräfte, die Erkenntnis, Mitgefühl, Frieden und Befreiung verkörpern. Die Mālinī-Folge nennt ausdrücklich Vokalkräfte, die Erkenntnis und Befreiung verleihen. Andere Namen sprechen von der Befreiung aus der Bindung an das Werden oder von der Überwindung der Furcht vor dem Saṃsāra. So bleibt hinter der Fülle der Einzelheiten die Frage nach innerer Freiheit sichtbar.

Für das eigene Schriftstudium genügt es zunächst, einige solcher Namen bewusst zu betrachten. Was bedeutet Erkenntniskraft in meinem Lernen? Wie zeigt sich Mitgefühl im Sprechen? Wo kann eine Handlung aus größerer Klarheit entstehen? Solche Fragen machen die Lektüre zugänglich, ohne aus unsicheren Lautlisten neue Mantras zu bilden. Genauigkeit und Inspiration können einander unterstützen.

Der vierte Śvāsa: Klang, Atem und innere Verbindung

Der vierte Śvāsa verbindet die Laute der Mātṛkā mit Atem, Lichtkräften und Cakras. Sein Anfang gibt ein verständliches Bild: Wer einen Mantra ohne Kenntnis seines Zusammenhangs herauslösen möchte, gleicht einem Menschen, der im Dunkeln nach einem Gegenstand sucht. Unterweisung und Einsicht sollen Licht in diese Suche bringen. Der Text versteht Mantrapraxis deshalb als ein Zusammenwirken von Klang, Aufmerksamkeit und Erkenntnis.

Die beschriebenen Strahlen sind Teil einer religiösen Betrachtung des Atems und der Lautwelt. Ihre Zahlen, ihre Zuordnung zu Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Geist und ihre göttlichen Namen bilden eine innere Ordnung. Das Kapitel enthält mehrere Überlieferungen dieser Ordnung. Sie stimmen nicht in jedem Detail überein. Auch Rechenabweichungen gehören zum erhaltenen Text und werden in der Übersetzung sichtbar gemacht.

Mantravīrya: Was die Worte lebendig macht

Mantravīrya bedeutet hier die Wirkkraft oder das Leben des Mantras. Der Text verbindet sie besonders mit dem rechten Erkennen und Vergegenwärtigen seines Wesens. Es geht also nicht allein um die Zahl der Wiederholungen. Die Praxis soll vom Verständnis getragen sein. Die Laute werden als Kräfte betrachtet, die nicht von Bewusstsein und Welt getrennt sind.

Die Quelle nennt auch Bedingungen, die diese Verbindung stören: Unbeständigkeit, Missachtung, ungeregeltes Vermischen von Praktiken oder eine fehlende Unterweisung. Ihre zum Teil absoluten Drohungen gehören zur historischen Sprache des Werkes. Für heutige Leser kann ein zugänglicher Gedanke darin liegen, eine vertraute Praxis mit Geduld zu vertiefen. Eine einzelne Wiederholung mit wacher Aufmerksamkeit kann zum Anlass werden, Klang und Bedeutung neu wahrzunehmen, ohne ständig nach einer stärkeren Technik zu suchen.

Nyāsa: den Körper in die Verehrung einbeziehen

Beim Nyāsa werden Laute und göttliche Kräfte bestimmten Stellen des Körpers zugeordnet. Das Kapitel unterscheidet innere und äußere Auflegung und verbindet sie mit Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Der Körper erscheint dabei als Ort, an dem die Verehrung bewusst werden kann. Die Namen und Lautgruppen sollen nicht bloß vorgestellt, sondern in einen geordneten Zusammenhang gebracht werden.

Die Einzelheiten gehören zu den beschriebenen Ritualwegen. Eine heutige Betrachtung kann zunächst bei der Absicht bleiben: Körper und Geist sollen in der Praxis zusammenfinden. Wer bequem sitzt, den Körper freundlich wahrnimmt und einem vertrauten Mantra aufmerksam zuhört, kann diese Verbindung auf einfache Weise pflegen. Das ersetzt keinen historischen Nyāsa und braucht auch keine aus beschädigten Textstellen ergänzte Lautfolge.

Das Weltopfer als geistige Hingabe

Prapañcayāga bedeutet in diesem Kapitel eine Verehrung, die die ganze Weltentfaltung einbezieht. Der Text beschreibt äußere Feueropfer mit verschiedenen Stoffen, aber auch eine innere Darbringung. Laute, Wahrnehmungen und der vergängliche Körper werden geistig in das reine Bewusstseinsfeuer zurückgenommen. Das Bild richtet den Blick auf die Frage, woran das Ich festhält und was es als sein unveränderliches Wesen betrachtet.

Besonders nah an einer nichtdualen Betrachtung stehen die Erläuterungen von Haṃsa und So’ham. Das eine Wort bezeichnet das durchdringende Bewusstsein, das andere das eigene Selbst; ihre Einheit wird vergegenwärtigt. Die innere Darbringung meint hier keine Verletzung des Körpers. Sie beschreibt die Hingabe begrenzter Selbstvorstellungen an eine umfassendere Wirklichkeit.

Die Mahlzeit als bewusste Darbringung

Am Ende wird auch das Essen in den spirituellen Weg einbezogen. Die Lebenswinde werden als innere Feuer betrachtet, Nahrung als Opfergabe und das eigene Selbst als vom Mūlādhāra bis zum höchsten inneren Raum gegenwärtig. Die historischen Formeln ordnen Farben, Richtungen und Feuerstätten genau zu. Zugleich ist ihr allgemeiner Gedanke leicht zugänglich: Die alltägliche Aufnahme von Nahrung kann mit Sammlung und Dankbarkeit verbunden werden.

Eine einfache heutige Anregung ist, vor dem Essen einen stillen Moment einzulegen. Nimm wahr, dass Nahrung dich trägt und dass viele Bedingungen zu dieser Mahlzeit beigetragen haben. Iss aufmerksam und bemerke die Sättigung. Eine solche Haltung ist eine heutige Übertragung des Gedankens bewusster Darbringung; sie verlangt weder komplizierte Lautketten noch einen Eingriff in den natürlichen Atem.

Die drei Lichtkräfte als Bild innerer Einheit

Die abschließende Kādī-Lehre betrachtet Feuer in der Grundlage, Sonne im Herzen und Mond im Kopf. Ihre Einheit soll im Geist vergegenwärtigt werden. Der Text nennt die Ruhe des von Unterscheidungen entlasteten Geistes selbst ein wunderbares Opfer. Er beschreibt einen Weg, der im eigenen Innern zugänglich ist und äußeren Aufwand nicht voraussetzt.

Damit endet das Kapitel nach vielen technischen Einzelheiten bei einer schlichten inneren Richtung: Die Praxis soll Sammlung, Erkenntnis und Freiheit vertiefen. Zugleich bleiben die historischen Heilversprechen und Zwangsrituale von dieser heutigen Inspiration unterschieden. Ein sorgfältiges Schriftstudium kann sich von den Bildern berühren lassen und dennoch klar erkennen, welche Aussagen nicht zu gegenwärtigen Handlungsanweisungen werden sollten.

Der fünfte Śvāsa in einfachen Worten: die Welt als Raum der Verehrung

Der fünfte Śvāsa entfaltet einen vollständigen Weg vom Erwachen am Morgen bis zur inneren Einsetzung der Lebenskraft. Er beginnt mit den Lauten der Elemente, geht über die Verehrung des Gurus und die Betrachtung der Kuṇḍalinī zu den täglichen Reinigungen und Gebeten und führt schließlich in einen bis ins Einzelne ausgestalteten Verehrungsraum. Am Ende werden Körper und Welt innerlich in ihren Ursprung zurückgenommen und aus diesem Ursprung neu vergegenwärtigt. Die vielen Einzelschritte gehören zu dieser Gesamtbewegung.

Am Anfang steht die Bhūtalipi, die „Schrift der Elemente“. Laute werden hier als Kräfte von Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum betrachtet. Die fünf Elemente bezeichnen zugleich Körperlichkeit, Wahrnehmung und kosmische Ordnung. Deshalb können Buchstaben auf den Körper aufgelegt, in ein Yantra geschrieben oder als Zweige, Blätter, Blüten und Früchte eines Baumes geschaut werden. Der Körper, die Sprache und die Welt erscheinen als verschiedene Ausdrucksweisen derselben göttlichen Kraft.

Besonders anschaulich ist das Bild des Lautbaumes. Bewusstsein bildet seinen Samen, Bindu und Nāda seine Wurzeln. Die Erdlaute sind seine Äste, die Wasserlaute sein Laub, die Feuerlaute seine Sprosse, die Windlaute seine Blüten und die Raumlaute seine Früchte. Die drei Welten ruhen in seinem Schatten. An seinem Fuß sitzt die Göttin der Sprache. Dieses Bild bietet einen verständlichen Zugang zu einem ansonsten sehr technischen Abschnitt: Sprache wächst aus Bewusstsein und entfaltet sich zu einer vielfältigen Welt.

Die langen Göttinnenlisten stellen diese Vielfalt dar. Ihre Namen stehen für Gestalten, Kräfte, Tätigkeiten und Beziehungen. Ihre genaue Reihenfolge gehört zur jeweiligen Ritualüberlieferung. Die vorliegende Textfassung ist dabei nicht fehlerfrei: Eine als vierundsechzig angekündigte Liste liefert bei der verwendeten Worttrennung nur dreiundsechzig Namen. Einzelne Namen sind auffällig geschrieben oder doppelt vorhanden. Die Übersetzung zeigt diese Schwierigkeiten, damit die geistige Bedeutung nicht mit einer nur scheinbar gesicherten Textgestalt verwechselt wird.

Die Guru-Pādukā nimmt anschließend breiten Raum ein. Die Sandalen oder Fußzeichen stehen für die Verbindung zum Lehrer und zur Überlieferung. Der Text nennt umfangreiche, mittlere und kurze Mantraformen und schließt Meditationen und Verneigungen an. Besonders unmittelbar ist das Bild des Gurus, der mit der Salbe der Erkenntnis die durch Unwissenheit verschlossenen Augen öffnet. Erkenntnis wird als ein Geschehen verstanden, das den Blick verändert. Die Ehrung des Lehrers führt im Text zum göttlichen Ursprung der Lehre.

Die Kuṇḍalinī-Meditationen beschreiben den Aufstieg der Kraft durch den inneren Mittelweg und ihre Rückkehr. Häufige Bilder sind die ruhende Schlange, der Blitz, die aufgehende Sonne und der kühlende Mondnektar. Aufstieg und Rückkehr gehören zusammen: Die Kraft gelangt zu Śiva, erfährt Vereinigung und kehrt in ihre Wohnstatt zurück. Das Kapitel beschränkt sich also nicht auf ein Aufwärtsstreben. Es schildert auch das erneute Durchdringen der Körperbereiche mit dem erfahrenen Nektar. Die dabei genannten Gesundheits- und Langlebigkeitsversprechen bleiben Aussagen der historischen Quelle.

Die fünfzehnsilbige Vidyā wird in drei Gruppen betrachtet: Vāgbhava an der Wurzel, Kāmarāja im Herzen und Śakti im Ājñācakra. Jede Gruppe erhält einen Seher, ein Versmaß, eine Gottheit und eigene Zuordnungen. Für die Lektüre ist zunächst entscheidend, dass derselbe Grundmantra in mehreren Körperbereichen und Bedeutungszusammenhängen vergegenwärtigt wird. Seine Gestalt ist gegliedert; seine Teile sollen dennoch als zusammengehörig erfahren werden.

Daran schließt sich eine besonders konzentrierte Betrachtung der Nichtverschiedenheit an. Der Verehrende spricht: „Du bist ich, und ich bin du.“ Er betrachtet sich als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Unmittelbar danach bittet er die Mutter um ihren Auftrag zum Dienst. Der Text verbindet damit die Erfahrung innerer Freiheit mit dem Weitergehen im Alltag. Selbst nach der Aussage, das furchtbare Werden überquert zu haben, steht der Mensch morgens auf und folgt dem Weltleben der Göttin zuliebe. Dieser Übergang ist für heutige Leser besonders bedeutsam.

Der anschließende Hymnus spricht in der Sprache der Hingabe. Die Göttin wird um ihren Blick, um Nähe und Mitgefühl gebeten. Ihr Name hrīṃ, ihre Lotusfüße, ihre rote Gestalt und ihre Stellung als Zeugin des kosmischen Tanzes kehren wieder. Manche Verse versprechen Herrschaft, Reichtum oder das Bezaubern anderer Menschen. Andere richten sich ganz auf die Gegenwart der Göttin. Beides gehört zum historischen Text; die Übersetzung wahrt die Unterschiede und macht aus den Machtversprechen keine heutigen Handlungsziele.

Mit dem Gebet an die Erde wechselt die Aufmerksamkeit zu den gewöhnlichen Vollzügen des Tages. Der Boden wird als tragende Göttin angesprochen, deren Berührung durch die Füße um Verzeihung bittet. Mundpflege, Bad, Kleidung und Asche werden in den rituellen Zusammenhang aufgenommen. Die zugrunde liegenden Reinheitsvorschriften stammen aus einer anderen Lebenswelt. Verständlich bleibt das Anliegen, Handlungen bewusst zu beginnen und Körper, Umgebung und innere Ausrichtung aufeinander zu beziehen.

Die Sandhyā ordnet Morgen, Mittag und Abend. Die Göttin erscheint in verschiedenen Farben, Lebensaltern, Körperbereichen und Attributen. Der Text kennt eine ausführliche Form mit Wasser, Mantras und Gesten, nennt aber auch eine kurze Form: zu den drei Tageszeiten über die Göttin meditieren und den Mantra wiederholen. Für versäumte Verehrung beschreibt er eigene Wiederherstellungsriten. Darin zeigt sich die Bedeutung regelmäßiger Erinnerung innerhalb dieses Überlieferungsweges.

Die Sonnenverehrung richtet sich auf Mārtaṇḍabhairava und auf die Bewusstseinssonne. Äußere Sonne und inneres Licht werden miteinander verbunden. Gefäße, Duftstoffe, Blumen und Lichtgaben erhalten ihren Platz; auch die zurückbleibenden Opfergaben werden ausdrücklich zugeordnet. Der Verehrungsraum soll vollständig geordnet sein. Die folgende Meditation weitet ihn zu einer Juweleninsel im Nektarmeer aus: ein Garten voller Blüten, ein Wunschbaum, ein leuchtender Pavillon und in seiner Mitte die Göttin im Śrīcakra.

Die Tore dieses Pavillons werden einzeln verehrt. Ihre Gottheiten verkörpern Schutz, Wissen, Fülle und die unterschiedlichen Richtungen. Der Text berücksichtigt dabei praktische Grenzen: Wer nicht zu allen Toren gehen kann, darf am Westtor bleiben und sich die anderen Tore vorstellen. Ein äußerer Weg kann somit durch eine innere Vergegenwärtigung aufgenommen werden. Auch das Betreten des Raumes ist eine geistige Bewegung: Der Yogin tritt schweigend, mit der Göttin im Herzen und nach innen gerichtetem Geist ein.

Die abschließende Bhūtaśuddhi erklärt ihren eigenen Sinn sehr klar. Die Elemente, aus denen der Körper besteht, werden durch ihre Verbindung mit dem unwandelbaren Brahman gereinigt. Erde geht in Wasser ein, Wasser in Feuer und so weiter, bis alle Prinzipien in ihrem Ursprung ruhen. Diese Rücknahme umfasst auch Sinnesorgane, Handlungen, Denken und Ichbildung. Einen Augenblick soll der Verehrende als Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit verweilen. Danach werden die Prinzipien wieder hervorgebracht und an ihre Orte gesetzt.

Zwischen Rücknahme und Neubildung steht die drastische Personifikation des Unheils. Sie wird ausgetrocknet, verbrannt und von Nektar überflutet. Ihre Bestandteile folgen historischen Vorstellungen schwerer Verfehlungen. Die Atemzahlen der Quelle sind an mehreren Stellen widersprüchlich; sie bleiben gekennzeichnet. Die geistige Gesamtbewegung ist dennoch erkennbar: Der bisherige belastete Leib wird in der Vorstellung aufgegeben, und ein zur Verehrung geeigneter Leib wird neu angenommen.

Die Prāṇapratiṣṭhā beschließt das Kapitel. Die Lebenskraft, die Sinne, der Geist und die Körperbereiche sollen von der Gegenwart Mahātripurasundarīs erfüllt sein. Das eigene Selbst wird als die innen und außen gegenwärtige Hauptgottheit betrachtet. So führt der fünfte Śvāsa von der Schrift der Elemente bis zur beseelten Körperwelt: Der Raum der Verehrung ist schließlich auch der eigene Leib. Diese Aussage erschließt den Zusammenhang der vielen Rituale, ohne ihre überlieferten Einzelheiten oder ihre offenen Textstellen einzuebnen.

Der sechste Śvāsa in einfachen Worten

Der sechste Śvāsa vertieft den Gedanken, dass der eigene Leib zum Raum der Verehrung werden kann. Zuerst werden die Laute der Mātṛkā im Inneren und an äußeren Körperstellen vergegenwärtigt. Diese Laute gelten als Gestalten der göttlichen Kraft. Nyāsa bedeutet hier, die betreffenden Kräfte bewusst an ihren Orten gegenwärtig werden zu lassen. Der Körper wird dadurch als zusammengehöriges Ganzes betrachtet, dessen Glieder von Bewusstsein und göttlicher Gegenwart erfüllt sind.

Die verschiedenen Mātṛkā-Formen richten sich nach der verehrten Gottheit und dem jeweiligen Überlieferungsweg. Śiva und Śakti erscheinen in einer gemeinsamen Gestalt; ebenso Viṣṇu und Lakṣmī. Bhuvaneśvarī, Kāmeśvarī, Bālā und Parā erhalten jeweils eigene Meditationen. Viele Attribute kehren wieder: Buch, Gebetskette, Lotus, Schlinge, Stachelstock und die Gesten von Furchtlosigkeit und Wunschgewährung. Die Bilder verbinden Erkenntnis, Sammlung, Schönheit und Schutz.

Der Abschnitt über die Kalās betrachtet die Kräfte der Laute als Entfaltungen des Praṇava. Danach werden die sechsunddreißig Tattvas im Körper vergegenwärtigt. Die Reihe reicht von Erde und Sinneserfahrung über Manas, Buddhi und die Ichbildung bis zu Śakti und Śiva. Die Welt wird also nicht außerhalb des Übenden belassen. Ihre verschiedenen Ebenen werden im eigenen Erleben aufgesucht und in einen umfassenden Zusammenhang gestellt.

Besonders ausführlich behandelt das Kapitel Prāṇāyāma. Es sammelt unterschiedliche Lehrmeinungen, Atemfolgen und Zeitmaße. Der Verfasser unterscheidet zwischen begleitetem und selbständigem Kumbhaka sowie zwischen Atemregulierung mit und ohne Mantra und Meditation. Zugleich betont er wiederholt die eigene Fähigkeit, langsames Vorgehen und die Unterweisung durch den Guru. Unterschiedliche Zahlen werden nicht einfach zu einer einzigen allgemeingültigen Vorschrift zusammengezogen. An einer Stelle sagt der Kommentar ausdrücklich, dass er die Begründung einer abweichenden Reihenfolge nicht sicher kennt.

Für das Verständnis ist die Verbindung von Atem und Geist entscheidend. Bewegung des Atems und Bewegung des Geistes werden aufeinander bezogen. Während der Sammlung soll die Aufmerksamkeit im Licht des höchsten Selbst ruhen. Japa und Meditation geben der Atemregulierung ihren inneren Inhalt. Die historischen Intensivvorgaben und Wirkversprechen verlangen dabei eine andere Betrachtung als eine heutige, persönlich angepasste Yogapraxis.

Im Yogapīṭha-Nyāsa wird der eigene Körper zu einem vielschichtigen heiligen Sitz. Schultern und Oberschenkel bilden seine tragenden Füße; Dharma, Jñāna, Vairāgya und Aiśvarya werden mit ihnen verbunden. Darüber entfalten sich Nektarmeer, Juweleninsel, Garten, Pavillon und Thron. Diese Bilder nehmen den inneren Verehrungsraum des vorherigen Kapitels wieder auf. Was dort als Tempelwelt geschaut wurde, findet nun seinen Ort im eigenen Leib.

Die drei Städte des Śrīcakra werden mit Körper, Buddhi und Prāṇa verbunden. Die vier heiligen Sitze erhalten Zuordnungen zu Wachen, Träumen, Tiefschlaf sowie Turīya und dem darüber Hinausgehenden. So kann der Leser erkennen, worauf die vielen Einzelheiten zielen: Der ganze Mensch mit seinem Körper, seinen Erkenntniskräften und seinen Bewusstseinszuständen wird in die Verehrung einbezogen. Die Göttin wird schließlich im Herzen gegenwärtig gedacht.

Im weiteren Verlauf wird diese Verbindung von Körper und Welt durch den sechsfachen Nyāsa entfaltet. Gaṇeśa-Gestalten, Planeten, Mondstationen, Yoginīs, Tierkreiszeichen und heilige Sitze erhalten jeweils ihren Ort. Die Zuordnungen sind Bestandteil einer bestimmten Überlieferung; sie sollen nicht mit heutigen astronomischen oder anatomischen Beschreibungen gleichgesetzt werden. Ihre gemeinsame Absicht ist, den Menschen als Teil einer umfassenden heiligen Ordnung zu betrachten.

Die sieben Yoginīs verbinden Cakras mit Körpergeweben und jeweils eigenen Kräften. Ihre Darstellungen umfassen sanfte und furchtbare Züge, Waffen, Farben, Speisen und Namen. Die Übersetzung bewahrt diese Eigenheiten. Auch dort, wo Namen vertraut klingen, werden Unterschiede zu anderen Cakra-Darstellungen nicht eingeebnet. Gerade die Verbindung von Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen mit Göttinnen zeigt, wie umfassend der Leib in die Verehrung einbezogen wird.

Der lange Śrīcakra-Schutzgesang durchschreitet die Kreise des Yantras als Bereiche des eigenen Körpers. Immer wieder werden Hände, Füße, Herz, Sinne und weitere Stellen dem Schutz bestimmter Kräfte anvertraut. Im Zentrum steht Mahātripurasundarī; die äußeren und inneren Kreise gehören zu ihrer Gegenwart. Der Gesang verbindet Vertrauen und Hingabe mit historischen Macht- und Schutzversprechen. Seine Gebetsform lässt sich verstehen, ohne diese Versprechen als nachgewiesene Wirkungen aufzufassen.

Die Schöpfungsordnung bewegt sich vom Bindu und der Hauptgöttin zu den weiteren Kreisen. Der Text vergleicht dies mit einem Licht, das an einem anderen Licht entzündet wird. Dieses Bild macht die Bewegung besonders anschaulich: Vielfalt entfaltet sich aus einem Ursprung. Der lange Kommentar bespricht unterschiedliche Anordnungen und Richtungen und zeigt, dass die Überlieferung auch Fragen der Auslegung kennt. Nicht alle Körperstellen und Zahlen sind eindeutig; solche Stellen bleiben in der Übersetzung kenntlich.

Die Erhaltungsordnung verbindet schließlich jeden der neun Kreise mit seiner Herrin. Die eine ursprüngliche Śakti erscheint in neun Formen, von Tripurā bis Mahātripurasundarī. Die abschließende Beschreibung der inneren Lotusse ist umfangreicher als das heute oft verwendete Schema der sieben Cakras: Sie kennt zusätzliche Orte unterhalb der Grundlage und im Bereich von Gaumen und Stirn. Dadurch erhält das Kapitel einen eigenen, vielgestaltigen inneren Raum. Sein geistiger Abschluss liegt in der Betrachtung, dass die vergegenwärtigte göttliche Ordnung vom eigenen Selbst nicht verschieden ist.

Der siebte Śvāsa in einfachen Worten

Der siebte Śvāsa gehört zu den besonders umfangreichen Mantraabschnitten dieses Werkes. Er setzt die zuvor erklärte Vergegenwärtigung der Göttin im Körper fort und führt dann durch eine große Vielfalt von Śrīvidyā-Formen. Für heutige Leser kann diese Fülle zunächst verwirrend wirken. Derselbe Göttinnenname erscheint mehrfach, kurze Silbenfolgen werden verändert, und verschiedene zitierte Tantras zählen die Bestandteile nicht immer gleich. Das Kapitel ist deshalb am besten als Sammlung einer vielgestaltigen Überlieferung zu lesen. Es erklärt keine einzige, für alle Menschen gleiche Übungsfolge.

Ein roter Faden bleibt dennoch erkennbar: Der Text verbindet Körper, Klang, Welt und Bewusstsein. Ein Mantra ist für ihn nicht bloß ein Satz über eine Gottheit. Seine Laute, Glieder und Zwischenräume sollen die Gegenwart dieser Gottheit erschließen. Der Körper wird durch Nyāsa in diese Vorstellung einbezogen. Die Welt erscheint in Lauten und geometrischen Formen, und die alltäglichen Bewusstseinszustände werden zu Bildern unterschiedlicher Mantraordnungen. Wer die technischen Einzelheiten noch nicht versteht, kann zunächst diese Zusammenhänge wahrnehmen.

Śiva und Śakti: Bewusstsein und Entfaltung

Am Anfang stehen weitere Formen des Nyāsa. Der Text unterscheidet Vidyā, Cakra und Cakreśvarī: den Mantra, den zugehörigen Kreis und seine herrschende Göttin. Ihre Vergegenwärtigung soll zusammengehören. Danach fragt die Göttin, warum Tripurā als dreifach beschrieben wird. Die Antwort führt zu Śiva und Śakti, zu Nāda, Bindu und Kalā. Das sind keine voneinander unabhängigen Gegenstände. Sie bezeichnen unterschiedliche Weisen, in denen die höchste Wirklichkeit als Klang, Konzentrationspunkt und schöpferische Kraft gedacht wird.

Die Silben von Haṃsa und So’ham erhalten dabei eine besondere Bedeutung. So’ham bedeutet „Ich bin Das“. Im Zusammenhang dieses Kapitels ist dies eine Aussage über die Verbundenheit des eigenen Selbst mit der höchsten Wirklichkeit. Es geht um eine Erkenntnis, die der Text durch Yoga und die Überlieferung des Gurus erschlossen sieht. Aus dem bloßen Aussprechen einer deutschen Übersetzung folgt noch nicht die Verwirklichung dieser Erfahrung.

Die anschließende Meru-Lehre verbindet neun Laute mit kosmischen Kräften und mit dem Śrīcakra. Erde, Mond, Raum, Feuer und weitere Wirklichkeiten erscheinen als Entfaltungen der göttlichen Kraft. Auch die Kreise und Dreiecke des Yantras werden auf Laute zurückgeführt. Das Kapitel stellt damit eine Beziehung zwischen hörbarem Mantra und sichtbarem Yantra her. Für das Verständnis ist diese Grundidee wichtiger als eine vorschnelle Auflösung jeder beschädigten Lautangabe.

Verschiedene Lehrer, verschiedene Mantraformen

Das Werk nennt fünfundzwanzig Verehrer beziehungsweise Überlieferungsträger der Göttin. Darunter stehen bekannte Namen wie Manu, Candra, Kubera, Lopāmudrā, Agastya, Viṣṇu und Śiva. Ihnen werden unterschiedliche Formen der Śrīvidyā zugeordnet. Die Unterschiede können klein aussehen: ein Laut wird hinzugefügt, eine Lautgruppe umgestellt oder ein bestehender Teil verdoppelt. Innerhalb des Ritualsystems gelten solche Änderungen jedoch als bedeutsam.

Diese Passagen machen deutlich, weshalb die genaue Quellenarbeit wichtig ist. Mitunter sagt die Lautanweisung etwas anderes als die unmittelbar folgende ausgeschriebene Formel. Eine anfängliche Namensliste stimmt nicht vollständig mit den später erklärten Formen überein. Solche Abweichungen lassen sich nicht dadurch lösen, dass man die vertrauteste Formel einsetzt. Die Übersetzung bewahrt deshalb den überlieferten Wortlaut und kennzeichnet, wo eine sichere Entscheidung fehlt.

Für die persönliche Haltung lässt sich daraus eine sachliche Anregung gewinnen: Überlieferung verdient Aufmerksamkeit bis ins Einzelne. Zugleich braucht sie Urteilsvermögen. Das Kapitel selbst versammelt verschiedene Quellen und diskutiert konkurrierende Erklärungen. Es zeigt damit, dass die Beschäftigung mit einem Mantra auch sorgfältiges Lernen, Vergleichen und Verstehen umfasst.

Wachsein, Traum, Tiefschlaf und Turīya

Ein philosophisch besonders anregender Teil verbindet Mantraformen mit vier Bewusstseinszuständen. Wachsein wird unter anderem in Entstehen, Erwachen, Erkenntnis und Abwendung des Geistes gegliedert. Beim Traum nennt der Text Verlangen, Verwirrung, Nachdenken und Erinnerung. Tiefschlaf wird der Gestalt Śivas zugeordnet. Die dabei genannten Zustände Tod und Ohnmacht gehören zur traditionellen Symbolik; sie sind keine Übungsziele.

Turīya, „das Vierte“, wird anders beschrieben. Es ist das bloße Aufleuchten des Bewusstseins, das an den Übergängen der Zustände beziehungsweise als ihr bleibender Grund erkannt werden soll. Der Text nennt es frei von Sein und Nichtsein und jenseits der Guṇas. Als seine Kalās zählt er Losgelöstheit, Verlangen nach Befreiung, Samādhi, einen makellosen Geist und die Unterscheidung zwischen Wirklichem und Unwirklichem auf.

Hier lässt sich der spirituelle Anspruch des Kapitels besonders deutlich erkennen. Seine komplizierte Mantrasprache steht neben klassischen Voraussetzungen innerer Reifung. Sammlung allein genügt nicht; auch die Ausrichtung des Lebens, die Lauterkeit des Geistes und die Fähigkeit zur Unterscheidung zählen. Eine heutige, frei gewählte Vertiefung kann darin bestehen, diese fünf Begriffe langsam zu bedenken: Was bedeutet Losgelöstheit im eigenen Alltag? Woran zeigt sich der Wunsch nach Befreiung? Was macht den Geist klarer? Das ist eine moderne Reflexion über den Text, keine Ersatzform seiner Einweihungsrituale.

Ṣoḍaśī und die Bedeutung der Reihenfolge

Die sechzehnlautige Vidyā Ṣoḍaśī erhält großen Raum. Mehrere zitierte Werke erläutern, wie Bījas die Grundform umgeben. Der zentrale Begriff lautet Saṃpuṭa, Umschließung. Der Verfasser legt Wert darauf, dass die abschließende Folge in umgekehrter Ordnung erscheint. Er weist andere Auslegungen ausdrücklich zurück. Die Reihenfolge ist in diesem System also Teil der Bedeutung.

Die zugehörigen Lobverse sprechen in außerordentlich hohen Zahlen vom Wert einer einzigen Rezitation. Solche Aussagen drücken die überragende Stellung der Vidyā innerhalb dieser Tradition aus. Sie sind nicht als überprüfbare Rechnung über spirituelle Verdienste zu lesen. Ebenso gehört die extreme Geheimhaltungsrhetorik zum historischen Selbstverständnis des Ritualtextes. Ihre drastischen Forderungen werden in der Übersetzung bewahrt, aber nicht als heutige Anweisungen weitergegeben.

Danach folgen viele weitere Vidyās, darunter siebzehn- und achtzehnlautige Formen sowie Pañcamī mit ihren unterschiedlichen Kūṭas. Bei Pañcamī wird aus Varianten der einzelnen Teile ein System von sechsunddreißig Formen entwickelt. Dīpinī bezeichnet eine „entzündende“ oder belebende Formel, die am Anfang und Ende bestimmter Wiederholungen steht. Das Kapitel beschreibt damit nicht nur Mantras, sondern auch Beziehungen zwischen Mantras.

Die fünf Throne und die Vielfalt der Göttin

Ein weiterer großer Abschnitt ordnet Gottheiten fünf Thronen zu: Osten, Süden, Westen, Norden und oben. Am östlichen Thron steht zunächst Bālā. Ihre Meditation zeigt eine junge Göttin mit Buch und Gebetskette, mit Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Andere Bhairavī-Formen tragen Waffen, Schädelschalen und Kopfketten oder sitzen auf Toten. Wieder andere verbinden diese schrecklichen Attribute mit Schönheit, Schmuck und einem sanften Lächeln.

Die Gleichzeitigkeit freundlicher und furchterregender Bilder gehört zum Charakter des Kapitels. Sie sollte weder übergangen noch vollständig in unverbindliche Symbolsprache aufgelöst werden. Der historische Text beschreibt konkrete Ritualgottheiten mit konkreten Attributen. Eine heutige Betrachtung kann dennoch fragen, welche Themen diese Bilder berühren: Wissen, Schutz, Vergänglichkeit, Furcht, Fülle oder die Macht des Verlangens. Dabei bleibt diese Betrachtung als eigene Deutung von der eigentlichen Übersetzung getrennt.

Die Verweise „wie zuvor“ sind häufig. Sie zeigen, dass spätere Formen auf früher erklärten Zuordnungen beruhen. Der Leser muss also nicht jede ähnliche Passage als vollständig neues System verstehen. Dennoch sind kleine Unterschiede wichtig. Wo der Text eine Formel nur verweist, darf die Ausgabe nicht so tun, als stünde dort eine ausdrücklich ausgeschriebene neue Formel.

Die fünf Fünfergruppen

Nach den Thronen folgen fünf Gruppen zu jeweils fünf Göttinnen beziehungsweise Vidyās: Lakṣmī-Formen, Kośa-Vidyās, Wunschlianen, wunscherfüllende Kāmadughās und Juwelenherrscherinnen. Die Namen verbinden spirituelle Erkenntnis mit Fülle, Schutz und dem Gelingen menschlicher Vorhaben. Lakṣmī erscheint beispielsweise mit Lotussen, Schätzen, Schmuck und spendenden Gesten. Sarasvatī-nahe Formen tragen Buch und Vīṇā. Annapūrṇā ist dem Geben von Nahrung zugewandt.

Gerade Annapūrṇā bietet einen gut verständlichen Zugang. Ihre Größe zeigt sich im Speisen anderer. Eine heutige Praxisanregung kann deshalb ein bewusstes, dankbares Essen oder eine konkrete Gabe von Nahrung an Bedürftige sein. Diese Anregung stammt aus der Bedeutung ihres Bildes; sie ersetzt nicht den im Kapitel beschriebenen Mantra und Nyāsa.

Nicht alle Gruppen sind im erhaltenen Text gleich klar gegliedert. Bei den Kāmadughās bleibt beispielsweise offen, ob ein kurzer Übergang eine eigenständige Form benennt. Bei Vārāhī fehlt ein Stück der abschließenden Beschreibung. Auch die lange Siddhalakṣmī-Formel enthält Gewalt- und Unterwerfungswünsche. Eine verantwortliche Lektüre nimmt all dies als Bestandteil des historischen Werkes wahr, ohne jede Aussage zur eigenen Handlungsnorm zu machen.

Ajapā: der Atem als fortlaufende Erinnerung

Unter den Kośa-Vidyās nimmt Ajapā einen besonderen Platz ein. Das Wort bedeutet hier eine Wiederholung, die ohne absichtliches Rezitieren geschieht. Der Text hört im Atem Haṃsa und beschreibt das Leben selbst als ununterbrochenen Mantravollzug: Mit der Geburt beginnt er, mit dem Tod endet seine Darbringung. Entscheidend ist nach dem Text, dass dieser ohnehin stattfindende Vorgang durch die Gnade des Gurus bewusst erkannt wird.

Die angegebene tägliche Zahl lautet 21.600. Die vorgeschaltete Zeitrechnung der Vorlage passt jedoch rechnerisch nicht dazu. Für das Verständnis der Lehre muss diese Unstimmigkeit nicht verborgen werden. Ihr Kern liegt in der Vorstellung, dass der natürliche Lebensvorgang zum Träger bewusster Erinnerung werden kann. Der Atem wird nicht erst durch willentliche Anstrengung heilig gemacht; die Aufmerksamkeit entdeckt seine bereits gedachte Verbindung mit dem Selbst.

Eine sanfte heutige Annäherung kann darin bestehen, einige natürliche Atemzüge aufmerksam wahrzunehmen, ohne Atempausen zu erzwingen oder eine bestimmte Zahl erreichen zu wollen. Wer eine persönliche Mantrapraxis besitzt, kann sich dabei an deren eigene Unterweisung halten. Diese kleine Achtsamkeitsanregung ist von den ausführlichen Nyāsa- und Darbringungsregeln des Quellentextes zu unterscheiden.

Die Nityās und die Grenzen des erhaltenen Wortlauts

Den Schluss bildet die Reihe der Nityās, der „Ewigen“. Die einzelnen Formen verbinden Mantra, Ṛṣi, Versmaß, Gottheit, Nyāsa und Meditation. Einige Namen betonen Verlangen und Feuchtigkeit, andere Feuer, Schnelligkeit, Sieg, Glück oder die Vielfalt der Erscheinungen. Sarvamaṅgalā wird hell, heiter und nektarspendend geschildert; Jvālāmālinī dagegen als schreckliche Flammenbekränzte. Vicitrā erscheint mit bunten Gewändern, Blumen und der Gabe der Erkenntnis.

Obwohl die Überschrift und der Schluss sechzehn Nityās nennen, führt die erhaltene Reihe hier fünfzehn Einzelnamen auf. Mehrere Formeln weisen beschädigte Stellen auf. Die Ausgabe bewahrt deshalb die Zählung des Werkes und macht zugleich kenntlich, was tatsächlich vorhanden ist. Spirituelle Wertschätzung und genaue Textkritik können zusammengehören: Man muss eine Lücke nicht verdecken, um sich von einem erhaltenen Gedanken berühren zu lassen.

So vermittelt dieser Śvāsa sowohl die Fülle der Mantraüberlieferung als auch eine klare innere Frage: Wie verbinden sich Klang, Aufmerksamkeit, Erkenntnis und Hingabe? Die Antwort wird in vielen Formen gesucht. Für die heutige Lektüre können besonders die Lauterkeit des Geistes, die Unterscheidungskraft, die bewusste Wahrnehmung des Atems und die konkrete Bereitschaft zu geben tragfähige Zugänge eröffnen.

Der achte Śvāsa in einfachen Worten

Der achte Śvāsa führt die Mantravielfalt des vorigen Kapitels weiter und verbindet sie mit einer umfassenden Vorstellung des Śrīcakras. Sein Weg reicht von verschiedenen religiösen Lehransichten über den rituell vergegenwärtigten Körper bis zur Herstellung und Deutung des Yantras. Am Ende steht die Aussage, dass alles durch das Licht der Göttin offenbar wird. Die vielen Einzelheiten gehören damit zu einer gemeinsamen Frage: Wie kann eine begrenzte Form auf eine Wirklichkeit verweisen, die Körper, Welt und Bewusstsein umfasst?

Das Kapitel ist keine einfache Bau- oder Übungsanleitung. Es sammelt Aussagen aus mehreren Tantras und Kommentaren. Diese stimmen nicht in jedem Punkt überein. Manche Mantras sind nur durch Lautcodes bezeichnet; einige Zahlenreihen und Konstruktionsschritte sind beschädigt. Die Übersetzung macht diese Schwierigkeiten sichtbar. Wer das Kapitel zur spirituellen Orientierung liest, kann seine Grundgedanken erschließen, ohne die technischen Einzelheiten eigenständig als Ritual auszuführen.

Verschiedene Lehrwege innerhalb einer Śrīvidyā-Ordnung

Zu Beginn ordnet das Werk fünf religiöse Lehransichten bestimmten Heiligtümern beziehungsweise Richtungen zu: die brahmanische dem Osten, die vaiṣṇavische dem Süden, die solare dem Westen, die buddhistische dem Norden und die śivaitische dem oberen Bereich. Hinzu kommt die Śakti-Lehransicht. Die zugehörigen Mantras und Meditationen werden als Glieder der Śrīvidyā behandelt.

Das zeigt eine weit ausgreifende Aufnahme verschiedener Gottheiten und Überlieferungen. Es bedeutet jedoch nicht, dass das Kapitel alle Religionen aus ihrer eigenen Sicht gleich darstellt. Seine Ordnung bleibt eine Śrīvidyā-Ordnung. Besonders die Buddha-Meditation ist aus der Perspektive dieser Quelle formuliert. Eine aufmerksame Lektüre unterscheidet deshalb zwischen dem historischen Versuch, andere Lehrwege einzubeziehen, und einer sachlichen Darstellung dieser Lehrwege selbst.

Für heutige Leser kann darin ein Anlass liegen, die eigene Offenheit zu prüfen: Kann man andere Wege achten und zugleich ihre Unterschiede wahrnehmen? Eine solche Frage geht über den Ritualtext hinaus, knüpft aber an seine breite religiöse Bildwelt an. Sie braucht keine Behauptung, alle Traditionen seien in ihren Aussagen identisch.

Der Körper als Ort der Welt

Der große sechsfache Nyāsa bildet einen Schwerpunkt. Seine sechs Bereiche heißen Weltentfaltung, Welträume, Gottheitsgestalten, Mantras, Gottheiten und Mütter. Sie werden dem Körper zugeordnet. Die Füße, Gelenke, Sinnesbereiche und inneren Zentren erscheinen dadurch als Orte einer umfassenden sakralen Ordnung.

Das Ziel dieser Zuordnungen ist innerhalb des Textes eine Veränderung der Selbstwahrnehmung. Der Übende soll den Körper nicht ausschließlich als begrenztes persönliches Eigentum erleben, sondern als von göttlichen Kräften erfüllte Gestalt. Diese Sicht verbindet sich mit genauen Ritualregeln und der vorausgesetzten Unterweisung. Eine moderne, freie Körperachtsamkeit ist deshalb nicht einfach derselbe Nyāsa. Sie kann allenfalls eine behutsame Anregung daraus aufnehmen: dem eigenen Leib mit Aufmerksamkeit und Würde zu begegnen.

Die umfangreichen Laut- und Gottheitenlisten zeigen auch, wie eng Sprache und Körper zusammen gedacht werden. Ein Laut wird nicht nur gesprochen, sondern an einem Ort vergegenwärtigt. Eine Gottheit wird nicht nur von außen verehrt, sondern als wirksame Gegenwart im rituell geordneten Leib gedacht. Das Kapitel führt damit eine bereits in früheren Śvāsas angelegte Verbindung von Klang und Verkörperung weiter.

Ardhanārīśvara und die Freiheit der Vergegenwärtigung

Nach dem Nyāsa beschreibt der Text Ardhanārīśvara, die aus Śiva und Ambikā bestehende Gestalt. Sie sitzt auf einem Juwelenthron inmitten eines Nektarmeeres, geschmückt und von Gottheiten umgeben. Männliche und weibliche Gestalt werden zusammen geschaut. Das Bild verbindet die zuvor einzeln eingesetzten Kräfte in einer gemeinsamen Meditation.

Bemerkenswert ist die anschließend ausdrücklich genannte Wahl: Man kann die männliche Gestalt, die weibliche Gestalt oder das Teilelose meditieren. Letzteres wird durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit beschrieben und umfasst alles Bewegliche und Unbewegliche. Der Text kennt also bildhafte und formlose Zugänge innerhalb derselben Darstellung. Die Formen sollen auf eine Wirklichkeit hinweisen, die nicht auf eine einzelne Gestalt begrenzt bleibt.

Die Guru-Meditation folgt unmittelbar. Der Guru erscheint im tausendblättrigen Lotus, mit heiterem Gesicht und als Gestalt aller Gottheiten. Im historischen Zusammenhang unterstreicht dies die Bedeutung der Überlieferung. Für die heutige Lektüre ist dabei hilfreich, spirituelle Wertschätzung und eigenes Urteilsvermögen zusammenzuhalten. Die nachfolgenden übersteigerten Lob- und Drohaussagen bleiben Aussagen des Quellentextes und müssen nicht zu persönlichen Glaubenssätzen werden.

Wurzelvidyās und die Sprache des Erwachens

Die sechzehn Wurzelvidyās enthalten zahlreiche kurze Anrufungen, die sich um Licht, Bewusstsein und Selbsterkenntnis drehen. Mehrfach begegnet die Bitte „Erwecke das Selbst“. Andere nennen reine Glückseligkeit, das höchste Selbst, die namenlose Wirklichkeit oder das über den Raum Hinausgehende. Die Begriffe stehen in komplexen Mantraanweisungen, sind aber auch als geistige Orientierung verständlich.

Bei den Caraṇa-Vidyās lauten die Aussagen unter anderem: „Ich bin das Licht von Bewusstsein und Glückseligkeit“ und „Ich bin das Licht von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit“. Solche Sätze sind im Text in einen rituellen Zusammenhang eingebunden. Sie beschreiben nicht die Überlegenheit einer persönlichen Ich-Gestalt. Sie richten die Aufmerksamkeit auf eine Wirklichkeit, die über die gewöhnliche Selbstbeschreibung hinausweist.

Eine heutige Reflexion kann fragen, was im eigenen Erleben „Licht“ bedeutet: das Sichtbarwerden einer Sache, Klarheit über einen Gedanken oder die bewusste Gegenwart, in der Erfahrungen überhaupt erscheinen. Diese Betrachtung ist eine Auslegungshilfe; sie legt nicht fest, dass jeder technische Mantrabegriff auf dieselbe psychologische Erfahrung reduziert werden müsse.

Die Gāyatrīs: eine wiederkehrende Bewegung der Aufmerksamkeit

Ein großer Teil des Kapitels versammelt Gāyatrī-Anrufungen für Gottheiten, Waffen, Siddhis, Mudrās, Cakra-Kreise, Nityās und die fünf Fünfergruppen. Ihr wiederkehrender Aufbau lässt sich auf Deutsch so hören: „Mögen wir … erkennen. Wir meditieren über … Möge … uns anregen.“ Die erste Bezeichnung, die meditative Bestimmung und die abschließende Anrufung wechseln von Formel zu Formel.

Gerade die Wiederholung macht die jeweiligen Unterschiede sichtbar. Eine Göttin wird als Wissen, eine andere als Schutz, Fülle, Freude oder Befreiung angesprochen. Buch, Lotus, Pfeil und Stachelstock bezeichnen unterschiedliche Aspekte der Bildwelt. Die Ausgabe gibt diese Anrufungen deshalb einzeln wieder, statt sie zu einer allgemeinen Aussage über die Göttin zusammenzufassen.

Nicht alle Eigenschaften sind für heutige Leser gleichermaßen ansprechend. Einige Formeln wünschen Unterwerfung, Stillstellung oder Feindvernichtung; andere sprechen von der Beseitigung von Krankheit. Diese Bezeichnungen gehören zur historischen Ritualsprache. Sie sind weder medizinische Nachweise noch eine Aufforderung, andere Menschen zu beherrschen. Wer eine Anregung für die eigene Haltung sucht, kann bewusst bei Erkenntnis, Lauterkeit, Mitgefühl, Schutz und Befreiung verweilen.

Der erhaltene Abschnitt enthält 188 Anrufungsanfänge: 187 ausgeschriebene Formeln und eine ausdrücklich lückenhafte Stelle. Hinzu kommen bloße Verweise auf bekannte Formeln. Auch bei der Nityā-Reihe wird Lalitā nur als sechzehnte genannt, ohne hier eine vollständige Gāyatrī auszuschreiben. Das genaue Unterscheiden von vorhandenem Wortlaut und Verweis gehört zur Verlässlichkeit der Ausgabe.

Das Śrīcakra als sorgfältig gestaltete Form

Anschließend behandelt das Kapitel die Herstellung des Śrīcakras. Es unterscheidet Meru, Kailāsa und Bhū-Anlage und verbindet sie mit Schöpfung, Auflösung und Erhaltung. Auch Materialien, Größe und Höhenverhältnisse werden beschrieben. Gold, Silber, Kupfer, Kristall und verschiedene Edelsteine erscheinen in den zitierten Quellen. Die Linien sollen gerade, die Verbindungen gleichmäßig und die Gesamtform für die Augen angenehm sein.

Die Materialangaben sind nicht durchweg einheitlich. Die Drei-Metall-Mischung erhält beispielsweise unterschiedliche Kupferanteile. Eine Quelle lehnt bestimmte Unterlagen ab, während eine andere weitere Träger nennt. Auch die Wirkungszuschreibungen einzelner Materialien oder Höhenformen sind teilweise widersprüchlich. Eine gewissenhafte Übersetzung darf daraus keine einheitliche, vermeintlich geprüfte Herstellungsanweisung machen.

Für einen heutigen Zugang zur Betrachtung des Yantras ist dennoch ein einfacher Gedanke greifbar: Sorgfalt in der äußeren Form kann Aufmerksamkeit unterstützen. Eine klare Linie, ein ruhiger Blick und ein bewusst gewählter Gegenstand können Sammlung erleichtern. Daraus folgt jedoch nicht, dass ein bestimmtes Metall sicher Reichtum erzeugt oder ein Zeichenfehler ein Unglück verursacht. Solche Behauptungen gehören zur historischen Deutung der Quelle.

Schöpfung, Erhaltung und Auflösung

Das Kapitel ordnet die neun Cakra-Bereiche drei Gruppen zu. Die äußeren Bereiche — Erdquadrat, sechzehnblättriger und achtblättriger Lotus — stehen für Schöpfung. Vierzehneck und die beiden Zehnecke gehören zur Erhaltung. Achteck, Dreieck und Bindu werden der Auflösung zugeordnet. Diese drei Vorgänge bilden keine voneinander getrennten Welten; sie gehören zur einen Gestalt des Cakras.

Die Namen der Kreise beschreiben ihre jeweilige Bedeutung: Hoffnungen erfüllen, alle Ziele verwirklichen, Schutz gewähren, Vollendung schenken oder aus Glückseligkeit bestehen. Das Kapitel verbindet sie außerdem mit Lauten, Tattvas und den sechs Wegen. Es denkt das Yantra zugleich als sichtbare Ordnung, als Mantra-Gestalt und als Weltbild.

Eine heutige Betrachtung kann sich an den drei Vorgängen orientieren: Was entsteht gerade im eigenen Leben? Was braucht Pflege und Erhaltung? Was darf sich auflösen? Diese Fragen sind eine moderne Lebensreflexion. Sie werden nicht als wörtliche Erklärung der einzelnen geometrischen Konstruktionsschritte ausgegeben.

Körperkosmos und Weltkosmos

Im Kommentar zu den neun Grundursachen werden die Dreiecke mit Śiva und Śakti sowie mit den Bestandteilen des Körpers verbunden. Fünf Dhātus werden Śakti, vier Śiva zugeordnet. Der Bindu erscheint als ein darüber hinausgehender Mittelpunkt. Der Text denkt den kleinen Kosmos des Körpers und den großen Kosmos der Welt als miteinander verwandt.

Auch die Linienkreuzungen werden gedeutet. Zwei zusammentreffende Linien heißen Sandhi, drei zusammentreffende Linien Marma. Der Kommentar diskutiert ausdrücklich, wie seine Zahl der Marmas zustande kommt. Damit zeigt sich erneut: Die Überlieferung besteht nicht nur aus fertigen Aussagen, sondern auch aus Auslegung und dem Umgang mit Zählproblemen. Die nebeneinanderstehenden Dreiundvierzig- und Vierundvierzigzahlen werden deshalb in der Ausgabe nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Die 360 Strahlen

Am Schluss führt die Quelle zur Vorstellung des göttlichen Lichtes zurück. Aus der Göttin gehen unzählige Strahlen hervor. Unter diesen werden 360 besonders genannt: 108 des Feuers, 116 der Sonne und 136 des Mondes. Sie erhellen sowohl den Weltkosmos als auch den Körperkosmos. Sonne, Mond und Feuer werden mit Tag, Nacht und Dämmerung verbunden; gemeinsam stehen sie für die Zeit und das traditionelle Jahr von 360 Tagen.

Die Zahlen stehen hier in einer symbolischen Weltdeutung. Ihr spiritueller Schwerpunkt liegt in der Aussage, dass durch den Glanz der Göttin alles offenbar wird. Ohne das Bewusstsein der Śiva-Śakti, so der Text, verfiele die Welt in Dunkelheit. Der abschließende Kommentar verbindet dies mit dem Gedanken, dass alles dem einen Leuchtenden nachleuchtet.

Nach den vielen Namen, Lauten und Zeichenschritten kehrt das Kapitel damit zu einer einfachen Betrachtungsfrage zurück: Was macht Erfahrung überhaupt offenbar? Eine stille Pause, in der Sehen, Hören und Denken bewusst wahrgenommen werden, kann ein zeitgemäßer Zugang zu dieser Frage sein. Sie ersetzt keine Ritualunterweisung, lässt aber den Zusammenhang von Aufmerksamkeit und Erkenntnis im eigenen Alltag lebendig werden.

Der neunte Śvāsa in einfachen Worten

Ein Ritual erhält eine erkennbare Ordnung

Der neunte Śvāsa führt die zuvor entfaltete Welt des Śrīcakras in die konkrete Vorbereitung einer Verehrung weiter. Er beginnt mit Fragen zum Cakra und zu unterschiedlichen Lehrwegen. Dann richtet sich der Blick auf Gefäße, Unterlagen, Flüssigkeiten, Zutaten und die Mantras, durch die ihnen ihre Bedeutung gegeben wird. Das Kapitel ist deshalb über weite Strecken ein Ritualhandbuch. Vieles steht in unnummerierter Prosa; wer nur die nummerierten Verse liest, würde einen erheblichen Teil der Lehre übergehen.

Die Gefäße sind nicht austauschbar. Ein Gefäß dient dem ehrenden Empfang, ein anderes dem Fußwaschwasser, ein weiteres dem Mundspülen oder einer Speisegabe. Andere gehören zum Guru, zu Śakti, zu Yoginīs oder zu bestimmten Darbringungen. Der Text unterscheidet auch zwischen allgemeinem Arghya, besonderem Arghya und Śrī-Gefäß. Diese Namen bezeichnen unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Ablaufs.

Für das Verständnis hilft ein einfacher Gedanke: Jede Gabe erhält ihren eigenen Platz und ihre eigene Bedeutung. Dadurch wird Aufmerksamkeit geordnet. Die historische Vorschrift reicht allerdings viel weiter als eine allgemeine Achtsamkeitsübung. Sie setzt bestimmte Überlieferungen, Mantras und Berechtigungen voraus. Eine heutige kleine Dankbarkeitsübung kann von ihrer Sorgfalt lernen, ohne deshalb schon dieses Ritual zu sein.

Mehrere überlieferte Stimmen bleiben nebeneinander stehen

Das Werk zitiert zahlreiche Tantras, Purāṇas und Ritualhandbücher. Ihre Aussagen stimmen nicht immer überein. Es gibt verschiedene Materialien und Größen für Gefäße, verschiedene Zutatenlisten und verschiedene Reihenfolgen bei ihrer Aufstellung. Nach einer Anweisung steht zuerst die Muschel, nach einer anderen zuerst der Krug; bei der Einweihung kann wiederum eine abweichende Ordnung gelten.

Der Verfasser versucht nicht, jede Abweichung durch eine einzige allgemeine Regel zu beseitigen. Wiederholt verweist er auf den jeweiligen Lehrweg und auf die Unterweisung des Guru. Das ist für die Lektüre wesentlich: Die vielen Listen sind nicht ohne Weiteres zu einer einzigen Einkaufsliste oder Handlungskette zusammenzufügen. Sie gehören teilweise zu verschiedenen Zusammenhängen.

Auch die deutsche Ausgabe hält solche Unterschiede fest. Wo die Quelle acht Zutaten nennt, aber nur sieben eindeutig erkennen lässt, wird die fehlende achte nicht erfunden. Wo eine Lautfolge abweicht oder ein Vers beschädigt ist, bleibt die Unsicherheit an ihrer Stelle sichtbar. So lässt sich unterscheiden, was der Text tatsächlich überliefert und was eine spätere Erklärung erst vermuten müsste.

Unterlage, Gefäß und Wasser: Feuer, Sonne und Mond

Ein wiederkehrendes Grundbild ordnet die Unterlage dem Feuer, das Gefäß der Sonne und seinen Inhalt dem Mond zu. Das Feuer besitzt hier zehn Kalās, die Sonne zwölf und der Mond sechzehn. Kalās sind in diesem Zusammenhang einzelne Kräfte oder Erscheinungsweisen. Jede wird mit einem Namen und einer Lautform verehrt.

Die Feuerkalās werden rot vorgestellt und mit Dharma verbunden, also mit tragender Ordnung und rechtem Handeln. Die Sonnenkalās erscheinen gelb und gewähren Artha, Lebensunterhalt und Wohlstand. Die Mondkalās erscheinen weiß und erfüllen Kāma, Verlangen und Freude. Ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und das Gewähren des Erwünschten. Ein gewöhnlich erscheinendes Gefäß wird dadurch als Zusammenhang vieler göttlicher Kräfte betrachtet.

Die Namen der Mondkalās reichen von Nahrung, Zufriedenheit und Festigkeit bis zu Schönheit, Freude und Fülle. Sie erinnern daran, dass das Leben mehrere Formen des Gedeihens kennt. In der historischen Verehrung sind diese Namen genaue Bestandteile einer Mantraordnung. Für eine heutige Betrachtung können sie zugleich Fragen eröffnen: Was nährt mich? Was gibt mir Halt? Wann wird Freude ruhig und tragfähig?

Der Krug als Bild der ganzen Welt

In einer besonders anschaulichen Passage wohnt Viṣṇu an der Öffnung des Kruges, Rudra an seinem Hals und Brahmā an seiner Basis. Die göttlichen Mütter haben in seiner Mitte ihren Ort. In seinem Bauch befinden sich die Meere und die Erde mit ihren sieben Kontinenten; auch die vier Veden mit ihren Gliedern werden dort vergegenwärtigt.

Der Krug wird damit zum kleinen Bild des großen Kosmos. Die Aufzählung von Flüssen – Gaṅgā, Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī – holt die heiligen Wasserstätten in diesen einen Ort der Verehrung. Entfernung wird in der Meditation durch Gegenwart ersetzt. Was räumlich weit auseinanderliegt, wird in einer gemeinsamen Handlung angesprochen.

Eine zeitgemäße Anregung daraus ist Dankbarkeit für Wasser. Man kann vor einem Glas Wasser einen Augenblick innehalten und an seine Herkunft denken: Regen, Boden, Quellen und die Arbeit vieler Menschen. Das ist eine heutige Übertragung des Gedankens der Verbundenheit, keine Wiedergabe der vollständigen Krugweihe.

Reinigung betrifft im Text auch Bedeutung und Wahrnehmung

Das Kapitel beschreibt wiederholt Waschen, Besprengen, Anblicken, Umhüllen, Mantrarezitation und das Zeigen von Mudrās. Dabei geht es im historischen Ritual um die Verwandlung eines Stoffes in eine geeignete göttliche Darbringung. „Reinigung“ hat deshalb hier einen rituellen Sinn. Sie darf nicht mit einer naturwissenschaftlichen Aussage über Hygiene oder Stoffverträglichkeit verwechselt werden.

Die Verehrenden stellen sich das Wasser als Licht und als Nektar vor. Später verbinden sie den äußeren Arghya-Nektar mit einem inneren Nektarstrom aus dem Bewusstseins-Mondkreis. Das sichtbare Gefäß und die innere Vorstellung sollen zusammenwirken. Die Handlung wird weder nur als äußere Bewegung noch nur als Gedanke beschrieben; beide Seiten bilden im Text einen gemeinsamen Vorgang.

Dabei tritt der Gedanke des höchsten Brahman hervor. Gegen Ende soll der Nektar als ganz von Brahman erfüllt betrachtet werden. Die Vielzahl der einzelnen Weihen mündet in die Vorstellung einer umfassenden Wirklichkeit. Viele Namen und Gestalten führen so zu einer Betrachtung ihrer Einheit.

Historische Kaula-Stoffe und ihre Ersatzformen

Ein Teil des Kapitels behandelt die fünf Kaula-Ritualstoffe. Die Quelle nennt ein vergorenes Getränk, Fleisch, Fisch, eine als Mudrā bezeichnete Speise und einen mit Gola umschriebenen Stoff. Hinzu kommen Dūtī-Rituale und weitere verschlüsselte Stoffnamen. Diese Passagen gehören zum historischen Textbestand und werden nicht ausgelassen oder durch harmlose Begriffe ersetzt.

Zugleich nennt das Kapitel ausdrücklich Ersatzstoffe. Dazu gehören je nach Stelle Wasserzubereitungen, Buttermilch, Honig, Ingwer, Knoblauch und bestimmte Blüten. Welche Ersatzform gilt, hängt nach der Quelle vom Ritualzusammenhang und von der Berechtigung ab. Die Übersetzung bewahrt auch hier Widersprüche: Eine zitierte Regel kann Ersatz weiter zulassen, während der anschließende Kommentar ihn für einen bestimmten Stoff ausschließt.

Diese Darstellung bietet Einblick in eine historische Ritualwelt. Daraus folgt keine heutige Aufforderung, unbekannte Stoffe zu trinken, verschlüsselte Rezepte nachzubilden oder die beschriebenen sexuellen Rituale auszuführen. Der für eine allgemeine Yoga-Betrachtung zugängliche Gedanke ist die bewusste Hingabe: Eine Darbringung soll nicht gedankenlos erfolgen, sondern mit Verständnis für ihren Sinn und ihre Grenzen.

Vedische Sprüche innerhalb tantrischer Verehrung

Der Abschnitt zur Krugweihe fügt fünfzehn als vedisch bezeichnete Sprüche ein. Sie sprechen unter anderem von Soma, Reinigung, Flüssen und dem Entstehen einer Leibesfrucht. Später erscheinen weitere bekannte vedische Anrufungen: an Viṣṇu, an den Dreiäugigen und an die höchste Wahrheit. Das Werk verbindet diese Sprüche mit seiner eigenen Mantra- und Kalāordnung.

Manche Quellenangaben oder Wörter sind in der vorliegenden Textfassung beschädigt. Besonders ein Rätselvers bleibt ohne sichere Gesamtübersetzung. Diese Grenze gehört zum Arbeitsstand der Ausgabe. Die spirituelle Auslegung soll nicht dadurch glaubwürdiger wirken, dass unsichere Stellen verschwinden.

Die Verbindung vedischer und tantrischer Sprache zeigt, wie das Werk ältere Überlieferungen in seinen eigenen Ablauf aufnimmt. Derselbe Spruch erhält dadurch eine konkrete Aufgabe in einem größeren Ritualzusammenhang. Zum Verständnis genügt deshalb nicht immer seine isolierte Wortbedeutung; auch sein Platz im Ablauf ist wichtig.

Die Bitte um das Aufleuchten des Bewusstseins

Im letzten großen Abschnitt werden die Kräfte des Selbst, Ajapā, Mātṛkāsarasvatī, Tripurāmṛteśvarī und weitere Gottheiten verehrt. Die zusätzlichen Mantras hängen ausdrücklich von den jeweils empfangenen Einweihungen ab. Der Text setzt nicht voraus, dass jede Person unterschiedslos alle genannten Formeln verwendet.

Zwischen diesen Anweisungen stehen eindringliche Bitten: Die Göttin möge ungeteilte Wonne hervorbringen, Unsterblichkeit in den Stoff legen und im Verehrenden das Bewusstsein aufleuchten lassen. Das Ziel wird hier nicht allein als äußeres Gelingen beschrieben. Es betrifft die Weise, in der die Wirklichkeit erfahren wird.

Für heutige Yoga-Aspiranten kann gerade diese letzte Bitte einen stillen Zugang eröffnen: für einen Augenblick wahrnehmen, dass Gedanken, Empfindungen und Wahrnehmungen im Bewusstsein erscheinen. Dazu braucht es weder ein kompliziertes Gefäß noch eine erzwungene Atemtechnik. Diese gegenwärtige Betrachtung ist eine Anregung aus dem Sinnzusammenhang des Textes, keine verkürzte Einweihungspraxis.

Vollständige und verkürzte Formen

Am Ende unterscheidet die Quelle mehrere Möglichkeiten, wenn der ganze Ablauf nicht ausgeführt werden kann. Teilweise kann eine Mantraweihe an die Stelle einer ausführlichen Verehrung treten; teilweise wird ein kürzerer Ablauf mit bestimmten Wiedereinstiegspunkten genannt. Auch die Gefäße dürfen unter ausdrücklich genannten Bedingungen zusammengefasst werden.

Der Text hält dennoch an der Unterscheidung zwischen regulärer Hauptform und Notfallform fest. Vereinfachung bedeutet hier nicht beliebige Mischung. Sie folgt selbst einer überlieferten Ordnung. Das Kapitel schließt schließlich mit einer kurzen Zusammenfassung der Gefäßaufstellung: Feuer an der Unterlage, Sonne am Krug, Mond im Nektar – und am Ende die Betrachtung des Ganzen als vom höchsten Brahman erfüllt.

Der zehnte Śvāsa in einfachen Worten

Die Verehrung beginnt im eigenen Leib

Der zehnte Śvāsa beginnt mit Ātmapūjā, der Verehrung im eigenen Selbst. Die übende Person stellt sich den eigenen Leib als heiligen Sitz vor und vergegenwärtigt die erwählte Gottheit im Herzlotus. Der Körper wird dabei als Ort göttlicher Gegenwart betrachtet. Auch die Darbringungen erfolgen zunächst in dieser inneren Vorstellung.

Das folgende innere Feueropfer verwendet eine dichte Bildsprache. Eingeprägte Neigungen werden zum Brennstoff; der Geist dient als Opferkelle; die Tätigkeiten der Sinne werden dargebracht. Auch Verdienst und Verfehlung, Vorsätze und unterscheidende Vorstellungen kommen in dieses Feuer. Für einen Augenblick soll der Übende als ungeteiltes Brahman verweilen.

Diese Beschreibung meint eine bestimmte tantrische Meditation. Für die heutige Lektüre ist ihr Grundgedanke dennoch verständlich: Nicht nur äußere Dinge können dargebracht werden, sondern auch das Festhalten an den eigenen inneren Bewegungen. Man kann einen Gedanken wahrnehmen, ohne ihm sofort zu folgen. Man kann Ärger bemerken, ohne ihn weiter anzuheizen. Solche gegenwärtigen Anregungen greifen einen Sinn des inneren Opfers auf; sie ersetzen nicht den beschriebenen Einweihungsablauf.

Historische Sexualrituale werden als solche sichtbar

Auf die Selbstverehrung folgt ein Abschnitt über Śaktiśodhana. Śakti bezeichnet hier auch die weibliche Ritualpartnerin. Der Text beschreibt sexuelle Vereinigung und die dabei verwendeten Stoffe in religiösen Entsprechungen: Handlungen werden mit Opfergaben, Mantras und Tarpaṇa verbunden. Die Ausgabe gibt diese Inhalte sachlich wieder, weil sie zum tatsächlichen Textbestand gehören.

Die Passage enthält zugleich problematische Aussagen. Ein Zitat spricht bei der Einweihung von Zwang beziehungsweise Gewalt. Ein anderes setzt Zweifel an der Praxis mit schwerer Verfehlung gleich. Solche Formulierungen bleiben kenntlich und werden nicht als allgemeine spirituelle Empfehlungen übernommen. Historische Quellen können inspirierende und belastende Aussagen nebeneinander enthalten.

Bemerkenswert ist außerdem, dass ein späteres Zitat gerade sorgfältige Prüfung verlangt. Diese Spannung wird nicht aufgelöst, indem man eine der beiden Stimmen verschweigt. Das Werk sammelt verschiedene Überlieferungen. Ihre Aussagen bilden nicht in jeder Einzelheit eine widerspruchsfreie Lehre. Für heutige Leserinnen und Leser ist es sinnvoll, diese Unterschiede wahrzunehmen und das eigene Urteil zu behalten.

Der heilige Sitz wird zu einer ganzen Landschaft

Die anschließende Yogapīṭha-Verehrung entfaltet eine große innere Landschaft. Von den tragenden Mächten und der Erde führt sie zum Nektarmeer, zur Juweleninsel, zu Gärten, Edelsteinmauern und einem Palast. Dort erscheint der große Thron. Die vielen Namen beschreiben Stufen einer Vergegenwärtigung: Der Ort der Verehrung wird als geordneter Kosmos verstanden.

Im Bild des Fünf-Preta-Thrones tragen Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Īśvara den liegenden Sadāśiva. Diese ungewöhnliche Darstellung gehört zur śāktischen Bildsprache des Textes. Die männlichen Gottheiten bilden den Sitz der Göttin. Der Aufbau verbindet kosmische Mächte, Elemente und Bewusstseinsprinzipien.

Darauf wird das Śrīcakra als drei Städte beziehungsweise drei größere Bereiche betrachtet. Leib, Erkenntniskraft und Lebensatem erhalten ihre Zuordnung. Weitere Schichten verbinden die Zeichnung mit Śaktis, heiligen Sitzen und Tattvas. So führt die Betrachtung vom äußeren Raum zum Körper und weiter zu den Prinzipien der Erfahrung.

Die Quelle kündigt an einer Stelle sechsunddreißig Tattvas an, nennt in der erhaltenen Formel jedoch nur fünfunddreißig ausdrücklich. Die deutsche Ausgabe markiert das fehlende Glied. Der symbolische Zusammenhang lässt sich erklären, ohne den Wortlaut an dieser Stelle künstlich vollständig zu machen.

Schönheit als Meditationssprache

Die Meditation über Mahātripurasundarī beschreibt die Göttin in rotem Licht: Morgenröte, Hibiskus, Granatapfelblüte und Rubin dienen als Vergleiche. Krone, Haar, Augen, Schmuck, Hände und Füße werden einzeln vergegenwärtigt. Die Göttin trägt Schlinge, Elefantenhaken, Bogen und fünf Pfeile. Sie erscheint als Ursache der Welt und als Gestalt aller Mantras.

Die körperlichen Beschreibungen gehören zur traditionellen Dhyāna-Sprache. Sie geben der Sammlung ein anschauliches Gegenüber und verbinden es mit Freude, Anmut und göttlicher Macht. Am Ende der Strophen steht nicht nur Schönheit, sondern das Erfreuen der Welt und die höchste Wonne.

Wer sich heute mit dieser Passage beschäftigt, kann ihre Bilder zunächst einfach lesen und wirken lassen. Welche Farbe oder welches Bild bleibt gegenwärtig? Welche Empfindung entsteht beim Gedanken an eine Gegenwart, die der Welt Freude bringt? Das ist ein behutsamer Zugang über Aufmerksamkeit und Vorstellung. Die genaue rituelle Meditation hat darüber hinaus ihre eigenen überlieferten Voraussetzungen.

Vom Herzen in die Gestalt der Verehrung

Nach der inneren Meditation wird die Göttin als Licht vergegenwärtigt. Die Quelle beschreibt, wie dieses Licht aus dem eigenen Inneren in die zur Verehrung vorbereitete Gestalt gelangt. Blüten und Mudrās vermitteln den Übergang. Herbeirufung bedeutet hier daher nicht bloß, jemanden von weit her einzuladen: Die innere Gegenwart wird in einer äußeren Form sichtbar gemacht.

Die Herbeirufungsbitte spricht die Göttin als Mutter an, die dem Wohl aller Wesen zugewandt und durch Hingabe leicht erreichbar ist. Sie soll solange gegenwärtig bleiben, wie die Verehrung dauert. Danach folgen Gesten des Aufstellens, Gegenwärtigmachens, Umhüllens und Belebens. Das Ritual gibt der Beziehung einen Anfang und eine erkennbare Form.

Die technischen Beschreibungen von Kuṇḍalinī, Atemwegen und innerem Aufstieg sind Teil dieses besonderen Verfahrens. Für eine allgemeine heutige Betrachtung genügt es, die Bewegung von innerer Sammlung zu einer bewussten Handlung wahrzunehmen. Ein stiller Moment vor einer Gabe kann bereits helfen, dass die Handlung mit der eigenen Aufmerksamkeit verbunden bleibt.

Die Göttin wird als verehrter Gast empfangen

Ein großer Teil des Kapitels schildert die Darbringungen. Die Göttin erhält einen Sitz, einen Willkommensgruß, Arghya, Wasser für die Füße und den Mund sowie Madhuparka. Sie wird zum Bad geführt, in Gewänder gekleidet, geschmückt und wieder zur Opferhalle geleitet. Die Sprache erinnert an den Empfang einer königlichen Person.

Dabei wechseln äußere Gegenstände und vorgestellte Gaben. Der Text kann einen goldenen Krug, eine Juwelensandale oder eine himmlische Dienerin nennen. Die Verehrung entfaltet einen Raum der Großzügigkeit. Das Kostbare wird der Göttin zugedacht, und jede einzelne Gabe wird bewusst benannt.

Für eine heutige Anregung muss man diesen Aufwand nicht nachbilden. Der zugängliche Gedanke ist die Sorgfalt, mit der ein Gast empfangen wird: Platz schaffen, zuhören, Wasser anbieten, den anderen nicht nebenbei behandeln. Solche alltägliche Gastfreundschaft ist eine mögliche gegenwärtige Anwendung des Gedankens der ehrenden Zuwendung, keine Behauptung über die historische Durchführung des gesamten Ritus.

Duft, Licht und Nahrung werden bewusst dargebracht

Räucherwerk und Lampe erhalten eigene Anrufungen. Besonders die Lichtgabe verbindet äußeres und inneres Leuchten: Die Lampe soll Finsternis vertreiben und als Licht nach außen und innen angenommen werden. Danach folgt eine ausführliche Speisegabe mit verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Die fünf Lebenswinde erhalten jeweils einen Bissen. Weitere vier Gaben werden mit Ātmatattva, Vidyātattva, Śivatattva und sämtlichen Tattvas verbunden. Schließlich wird die Speise im „Gefäß des Bewusstseins“ dargebracht. Essen erscheint so als Vorgang, der Leib, Leben und Bewusstsein verbindet.

Die Göttin speist in einer heiteren Gesellschaft: mit Gefolge, Freundinnen, Scherzen und Lachen. Dieses Bild ist bemerkenswert neben den sehr genauen rituellen Vorschriften. Es zeigt Freude und Gemeinschaft. Nach dem Mahl folgen Wasser, Reinigung, Betel und weitere Ehrungen.

Eine einfache heutige Anregung ist, die erste Bewegung einer Mahlzeit aufmerksam zu erleben: den Geruch bemerken, die Herkunft der Nahrung würdigen und den ersten Bissen ohne Ablenkung essen. Das Kapitel selbst beschreibt jedoch eine Gottheitenverehrung; es wird dadurch nicht zu einer modernen Ernährungsanleitung umgedeutet.

Gesamtverehrung und Einzelverehrung

Der Text unterscheidet Layāṅga und Bhogāṅga. Bestimmte Kräfte werden am Leib der Göttin verehrt, andere in ihrem Cakra. Ebenso unterscheidet er Gesamtverehrung und Einzelverehrung. Die Gottheiten des Yantra werden als Strahlen der großen Göttin verstanden, die sich wie Bilder in einem klaren Spiegel zeigen.

Am Ende werden diese Gestalten wieder im Leib der Göttin vergegenwärtigt. Entfaltung und Rücknahme gehören zusammen. Die Vielfalt hat im Text einen gemeinsamen Ursprung. Dieser Gedanke hilft, die langen Namensreihen zu verstehen: Sie sind nicht bloß eine Sammlung voneinander unabhängiger Wesen, sondern unterschiedliche Erscheinungen einer umfassenden Gegenwart.

Vor der Verehrung des Gefolges bittet der Übende die Göttin ausdrücklich um Erlaubnis. Die Beziehung zur Mitte bleibt während der Bewegung durch die vielen Kreise erhalten. Das ist die innere Ordnung, welche die äußere Fülle der Namen zusammenhält.

Nityās, Gurus und verschiedene Lehrwege

Zuerst werden verschiedene überlieferte Vidyās und ihre Verehrer genannt. Danach folgen die Mondtagesgöttinnen, die Nityās. Ihre Reihe verbindet die Verehrung mit dem zunehmenden und abnehmenden Mond. Einzelne Meditationsgestalten sind in der Vorlage beschädigt oder fehlen; die Ausgabe ergänzt sie nicht aus freier Vorstellung.

Die Guru-Reihen verbinden die Praxis mit göttlichen, vollendeten und menschlichen Lehrern. Unterschiedliche Vidyās besitzen unterschiedliche Folgen. Wer die eigene vollständige Überlieferung nicht kennt, erhält im Text eine allgemeine Anrufungsform. Die persönliche Lehrerbeziehung steht somit in einem größeren Zusammenhang von Weitergabe.

Auch verschiedene Lehransichten werden einbezogen: Gāyatrī, Nārāyaṇa, Sūrya, Buddha, Śiva und Parāśakti erhalten jeweils einen Ort. Das ist eine Einordnung aus Sicht dieses Śrīvidyā-Werkes. Sie ersetzt keine Darstellung der Selbstverständnisse dieser Traditionen. Das Kapitel zeigt aber deutlich den Anspruch, viele Formen des religiösen Lebens in seinen eigenen Verehrungsraum aufzunehmen.

Die vielen Kreise und ihre unterschiedlichen Aufgaben

Vor der eigentlichen Neunerfolge beschreibt die Quelle besondere und mittlere Umhüllungen. Dazu gehören fünf Juwelen, fünf Wunschlianen, fünf Throne, Hüllen, Lakṣmīs und Wunscherfüllerinnen. Weitere Gruppen betreffen Pfeile, Liebesgottheiten, Redeformen, Bewusstseinszustände, dienende Śaktis und Strahlen. Nicht alle angekündigten Zahlen passen zu den erhaltenen Namen. Diese Stellen werden jeweils markiert.

Die eigentliche Verehrung der neun Umhüllungen führt dann vom äußeren Quadrat über Lotus- und Dreieckskreise zum Bindu. Jeder Bereich hat seine Gottheiten, seine Cakra-Herrscherin und eine zugehörige Mudrā. Wiederholt bittet der Übende um die ersehnte Vollendung und bringt die Verehrung der jeweiligen Umhüllung der Göttin dar.

Die Namen der Kreise sprechen von der Bezauberung der drei Welten, der Erfüllung von Hoffnungen, Erschütterung, Glück, Zielverwirklichung, Schutz, Überwindung von Krankheit, Vollendung und Wonne. Das sind religiöse Namen und Wirkversprechen der Quelle. Sie werden nicht als überprüfte äußere Wirkungen ausgegeben.

Wachen, Traum, Tiefschlaf und das Vierte

Im inneren Dreieck werden Kāmeśvarī, Vajreśvarī und Bhagamālinī mit Wachen, Traum und Tiefschlaf verbunden. Im Bindu erscheint Mahātripurasundarī als Kraft des höchsten Brahman und als Herrin des Vierten, Turīya. Zugleich stehen dort verschiedene Gurunamen, Pīṭhas und Mantragruppen. Das Kapitel verbindet mehrere Zuordnungssysteme an derselben inneren Mitte.

Die letzte Umhüllung heißt Sarvānandamaya: ganz von Wonne erfüllt. Sie wird als jenseits des Bereichs der Worte beschrieben. Alle Gottheiten sind Śrīvidyā zugewandt, und Śrīvidyā ist allen zugewandt. Alternativ soll man sämtliche Strahlen als Gestalt der Göttin betrachten.

Nach den vielen einzelnen Namen endet das Kapitel damit in einer Sicht der Zusammengehörigkeit. Für heutige Leserinnen und Leser kann dies eine Frage für die eigene Sammlung sein: Lässt sich die Vielfalt der Erfahrungen wahrnehmen, ohne die Gegenwart zu übersehen, in der sie erscheinen? Diese Betrachtung bleibt offen und still; sie braucht keine Behauptung, die beschriebenen rituellen Vollendungen bereits erlangt zu haben.

Der elfte Śvāsa in einfachen Worten

Der elfte Śvāsa führt die umfangreiche Ritualdarstellung weiter und verbindet mehrere große Themen. Er beginnt mit der oberen Überlieferung und dem Abschluss von Verehrungshandlungen, behandelt Rezitation und Feueropfer, beschreibt besondere Cakra-Anwendungen und entfaltet dann eine große Sammlung miteinander verbundener Mantras. Schließlich erklärt er die Verehrung der fünf Hauptgottheiten und die Herstellung eines Śivaliṅga. Das Kapitel ist daher sowohl eine Sammlung von Anrufungen als auch eine Erörterung der Ordnung, in der sie verstanden und verwendet werden sollen.

Die obere Überlieferung und der Abschluss der Verehrung

Die „obere Überlieferung“, Ūrdhvāmnāya, erscheint im Kapitel als ein Zusammenhang, in dem andere Überlieferungswege zusammengeführt werden. Ihre Stellung wird durch Śiva, die Weitergabe durch den Guru und bestimmte Wurzelvidyās begründet. Das bedeutet innerhalb des Textes nicht, dass alle Unterschiede zwischen den Wegen verschwinden. Vielmehr erhalten einzelne Mantras, Gottheiten und Ritualschritte bestimmte Plätze in einem größeren Ganzen.

Der Abschluss einer Verehrung wird ebenso sorgfältig behandelt wie ihr Beginn. Lichtdarbringung, weitere Opfergaben und das Zurücknehmen oder Auflösen zuvor vorgestellter Formen sind Teil einer geordneten Handlung. Die Lampen sind nicht bloß Schmuck. Ihr Licht gehört zur sichtbaren Anerkennung der verehrten Gegenwart. Die verwendeten Formeln verbinden diese äußere Handlung mit der inneren Aufmerksamkeit des Verehrenden.

Für heutige Leser kann daran auffallen, wie viel Bedeutung der Text dem Übergang aus der rituellen Handlung zurück in den gewöhnlichen Alltag gibt. Die Feier wird nicht einfach abgebrochen. Sie erhält einen bewussten Abschluss. Eine heutige, frei zugängliche Anregung kann darin bestehen, auch eine kurze Meditation mit einem Augenblick der Dankbarkeit und Sammlung zu beenden. Das ersetzt keine der im historischen Text beschriebenen Einweihungen oder Ritualordnungen.

Rezitation und Feueropfer

Beim Japa unterscheidet der Text verschiedene Weisen des Wiederholens. Dazu gehören hörbare beziehungsweise leise Formen und die innere, geistige Rezitation. Zahlenangaben ordnen bestimmte Vorhaben. Sie zeigen, dass die Praxis als längerfristiger Weg verstanden wird, nicht nur als ein einmaliges Aussprechen einer Formel. Zugleich muss man beachten, dass große Rezitationszahlen innerhalb eines religiösen Systems stehen; sie sind keine allgemein gültige Messgröße für die Qualität einer heutigen spirituellen Praxis.

Das Feueropfer wird mit großer Genauigkeit beschrieben. Feuergruben, ihre Maße und Abstufungen, unterschiedliche Feuerformen, die Zungen des Feuers und die zu verwendenden Stoffe erhalten eigene Zuordnungen. Der Text verbindet Materialien mit bestimmten erhofften Ergebnissen. Einige betreffen Wohlergehen oder Befriedung, andere Macht, Einfluss oder die Schädigung von Gegnern. Die Übersetzung gibt diese Unterschiede wieder, ohne aus der historischen Beschreibung eine praktische Empfehlung zu machen.

Die Feinheit der Vorschriften zeigt ein Grundmotiv des Werkes: Klang, Stoff, Form, Ort und innere Vorstellung sollen zusammenpassen. Ein Ritual wird nicht als beliebige Ansammlung eindrucksvoller Einzelheiten verstanden. Seine Bestandteile bilden nach Auffassung des Textes eine geordnete Beziehung. Auch das Kūrmacakra und weitere Cakra-Anwendungen gehören zu dieser Verbindung von räumlicher Ordnung und beabsichtigter Wirkung.

Wünsche, Macht und die Grenzen einer heutigen Übertragung

Ein erheblicher Teil des Kapitels spricht von gewünschten Wirkungen. Neben Erkenntnis und Befreiung finden sich Besitz, Sprache, Gesundheit, Nachkommenschaft, Anziehung und Herrschaft über andere. Manche Passagen enthalten aggressive Beschwörungen oder beziehen sich auf schädigende Magie. Diese Seiten des Textes sollten weder verschwiegen noch zu zeitlosen Empfehlungen umgedeutet werden.

Eine quellengetreue Lektüre unterscheidet deshalb zwischen drei Ebenen: dem Wortlaut einer historischen Anweisung, den religiösen Erwartungen ihrer Überlieferung und der Entscheidung heutiger Leser über ihr eigenes Handeln. Eine im Text ausgesprochene Heilungs- oder Erfolgsverheißung ist kein Nachweis ihrer Wirksamkeit. Die Anrufung, andere unter den eigenen Einfluss zu bringen, wird nicht dadurch zu einem angemessenen Umgang mit Menschen, dass sie in einem überlieferten Mantra steht.

Gerade diese Unterscheidung ermöglicht eine aufmerksame Lektüre. Man kann die symbolische Kraft, die religiöse Vorstellung und die dichterischen Bilder ernst nehmen, ohne jede damalige Zielsetzung zu übernehmen. Wo die Übersetzung problematische Wirkungsbehauptungen oder historische Ausgrenzungskategorien erläutert, dient dies dem Verständnis der Quelle.

Wie verschiedene Mantras miteinander verbunden werden

Der größte spätere Teil des Kapitels führt Mantras verschiedener Überlieferungen mit den drei Kūṭas der Śrīvidyā zusammen. Ein Kūṭa ist hier eine bestimmte Lautgruppe innerhalb der Vidyā. Solche Gruppen werden zwischen andere Bestandteile einer Anrufung eingefügt. Dadurch entsteht nach dem Verständnis des Werkes eine Verbindung zwischen dem jeweiligen Gottheitsmantra und der Śrīvidyā.

Diese Verbindung wird nicht nur für eine einzelne Gottheit beschrieben. Es folgen vedische, vaiṣṇavische, śivaitische, solare, Śākta- und weitere Gruppen. Dazu gehören etwa Nārāyaṇa, Varāha, Kṛṣṇa, Śiva, Sūrya, Bālā, Bhairavī, Tārā, Mātaṅgī und unterschiedliche Formen Gaṇapatis. Ihre besonderen Gestalten bleiben erkennbar. Das Kapitel führt sie in einen gemeinsamen rituellen Rahmen, ohne ihre Namen, Attribute und Meditationsbilder vollständig anzugleichen.

Die meisten Abschnitte folgen einem wiederkehrenden Aufbau. Zuerst werden die vorbereitenden Handlungen genannt. Dann folgen Ṛṣi, Versmaß und Gottheit des Mantras. Diese Zuordnungen werden durch Nyāsa am Körper vergegenwärtigt. Anschließend wird die Absicht ausgesprochen, es folgen Gliedmantras, ein Meditationsbild und die verbundene Rezitationsformel. Durch diesen Aufbau wird deutlich: Für den Text gehört ein Mantra zu einem ganzen Zusammenhang aus Herkunft, Körperbezug, Vorstellung und Verehrung.

Wo der Text nur auf eine frühere Meditation verweist, schreibt die Übersetzung keine neue aus. Wo er eine Ableitungsregel nennt, wird daraus nicht stillschweigend eine angeblich vollständig überlieferte Formel gemacht. Das ist besonders bei den vielen ähnlichen Lautfolgen wichtig. Kleine Unterschiede können zur Vorlage gehören; sie dürfen nicht allein deshalb vereinheitlicht werden, weil eine andere Form bekannter erscheint.

Meditationsbilder als Ausdruck göttlicher Eigenschaften

Die Meditationsverse sind reich an Farben, Pflanzen, Edelsteinen, Tieren, Gegenständen und Gesten. Eine rote Gottheit, eine weiße Gestalt oder ein dunkles Erscheinungsbild hat jeweils eine andere Wirkung auf die Vorstellung. Lotusse, Bücher, Gebetsketten, Waffen, Schlingen und Elefantenhaken sind nicht bloß eine dekorative Ausstattung. Sie machen Eigenschaften und Handlungsweisen der Gottheit sichtbar.

Viele Gestalten zeigen zugleich Segen und Furchtlosigkeit. Andere verbinden freundliche und erschreckende Merkmale. Tārā etwa erscheint mit schrecklichen Attributen und zugleich als lächelnde Mutter der drei Welten. Bhairavī kann Verblendung durch ihr Lächeln beseitigen und dennoch eine furchterregende Ikonographie tragen. Der Text lässt diese Spannungen stehen. Er zeichnet das Göttliche nicht ausschließlich als angenehm oder harmlos.

Auch körperliche und sexuelle Merkmale kommen in historischen Meditationsbildern vor. Die Übersetzung behandelt sie als Bestandteile der beschriebenen Ikonographie. Sie erweitert sie nicht zu eigenen erotischen Schilderungen und entfernt sie auch nicht aus dem Quellenzusammenhang. Für das Verständnis ist entscheidend, welche Gestalt der Text tatsächlich beschreibt und wo die Lesung unsicher bleibt.

Die sechzehn Yoginī-Wurzelvidyās

Die sechzehn Wurzelvidyās der oberen Überlieferung führen besonders deutlich zu den Themen Bewusstsein, Selbst, Licht und Befreiung. Mehrfach wird die Göttin als klares oder ewiges Leuchten angerufen. Andere Formeln bitten um Erweckung des Selbst oder sprechen vom höchsten Brahman, von Glückseligkeit und dem Raum jenseits begrenzter Erscheinungen. Die kurzen Anrufungen bilden so eine andere Seite desselben Kapitels als die zuvor beschriebenen äußeren Wirkungswünsche.

Zu den eindrücklichen Formulierungen gehört die Bitte: „Erwecke, erwecke das eigene Selbst.“ Ebenso knapp ist die Anrufung: „Oṃ, bewirke Befreiung!“ Solche Aussagen zeigen, dass der Text nicht nur äußere Ergebnisse im Blick hat. Er führt auch zur Frage, was das eigene Bewusstsein ist und wie begrenzte Identifikation überschritten werden kann.

Die Wurzelvidyās werden mit einer gemeinsamen vorangestellten Keimfolge verbunden. Die Vorlage bezeichnet diese als elf Keime, obwohl die ausgeschriebene Folge bei gewöhnlicher Trennung mehr Elemente enthält. Diese Unklarheit wird sichtbar gelassen. Das schützt davor, eine redaktionell zurechtgelegte Formel mit einer sicher bezeugten Überlieferung zu verwechseln.

Die fünf Gottheiten und die Hauptgottheit in der Mitte

Im Pañcāyatana werden fünf Gottheiten gemeinsam verehrt. Eine steht als erwählte Hauptgottheit in der Mitte, vier weitere werden ihr zugeordnet. Das Kapitel verwendet dafür das Verhältnis von Haupt und Gliedern. Es geht also nicht bloß um fünf voneinander unabhängige Bilder, sondern um ihre geordnete Beziehung zueinander.

Die zentrale Gottheit kann je nach Verehrungsweg wechseln. Auch die Aufstellung und die Reihenfolge der Verehrung werden entsprechend erläutert. Der Verfasser setzt sich ausführlich mit anderen Auffassungen auseinander. Dabei zeigt sich, dass die Tradition nicht nur fertige Regeln überliefert, sondern Regeln auch begründet, auslegt und gegen konkurrierende Auslegungen verteidigt.

Besonders ausführlich ist die Frage nach den Himmelsrichtungen. Der Text unterscheidet den tatsächlich vorhandenen Osten von einem Osten, der für die rituelle Beziehung zwischen Gottheit und Verehrendem bestimmt wird. Würde man bei wechselnder Ausrichtung nur die äußeren Richtungen verwenden, könnte eine Begleitgottheit einmal links, einmal rechts, vorne oder hinten zur Hauptgottheit stehen. Der Verfasser will dagegen die innere Ordnung der Beziehungen bewahren.

Yantra, Bild und innere Vorstellung

Das Yantra wird als aus Mantra bestehend beschrieben, die Gottheit als Mantragestalt. Der Text vergleicht die Bedeutung des Yantra für die Gottheit mit der des Körpers für das Lebewesen und des Öls für die Lampe. Diese Vergleiche verdeutlichen: Das gezeichnete Muster ist in diesem Verständnis ein Träger der Gegenwart und Verehrung.

Dabei lässt das Kapitel äußere Form und innere Vorstellung zusammenwirken. Ein Yantra kann gezeichnet oder meditativ vergegenwärtigt werden. Eine Gottheit kann in einem Bild, einem Liṅga, einem Śālagrāma oder einer anderen geeigneten Grundlage vorgestellt werden. Entscheidend ist nach der Auslegung des Textes das Bewusstsein der jeweils verehrten Gottheit, nicht nur der stoffliche Gegenstand.

Der Abschnitt nennt neben äußeren Orten auch Haupt und Herz als Orte der Verehrung. Das erinnert daran, dass die umfangreichen Vorschriften für Gegenstände und Aufstellungen die innere Vergegenwärtigung nicht ausschließen. Beide gehören zum selben religiösen Rahmen.

Maße, Quellen und ein bewusster Umgang mit Unsicherheit

Am Schluss stehen konkrete Angaben zu Bildgrößen und zur Herstellung des Śivaliṅga. Der Text unterscheidet häusliche Verehrung und Tempelgebrauch und nennt Maße für Kopf, Umfang, Sockel, Hals, Leisten und Wasserablauf. Ein längerer Kommentar erläutert die Verse nochmals. Er zeigt, wie eng hier religiöse Bedeutung, handwerkliche Form und Auslegung zusammengehören.

Die Übersetzung übernimmt diese Maßangaben, ohne daraus einen modernen Bauplan zu machen. Wo Bezugspunkte nicht eindeutig sind oder eine Lesung beschädigt ist, bleibt dies gekennzeichnet. Dasselbe gilt im gesamten Kapitel für doppelte Versnummern, Zahlensprünge und nicht vollständig ausgeschriebene Formeln. Vollständige Bearbeitung bedeutet hier, alle überlieferten Textteile zu berücksichtigen, nicht beschädigte Stellen durch erfundene Gewissheit zu ersetzen.

Für heutige Yoga-Aspiranten verbindet der elfte Śvāsa damit mehrere Anregungen: die eigene Praxis bewusst beginnen und abschließen, die Herkunft von Mantras beachten, Hingabe mit Verständnis verbinden und das Verhältnis zwischen äußerer Form und innerer Aufmerksamkeit untersuchen. Besonders die Anrufungen des klaren Bewusstseins und der Erweckung des Selbst können zum Nachdenken einladen. Die komplexen Einweihungs- und Ritualsysteme bleiben dabei als das erkennbar, was die Quelle beschreibt: bestimmte überlieferte Wege mit eigenen Voraussetzungen.

Der zwölfte Śvāsa in einfachen Worten

Der zwölfte Śvāsa beschreibt die Vorbereitung eines großen Einweihungsrituals. Sein Weg führt von der Herstellung des Śrīcakra über die Vermessung des Ortes und den Bau einer Halle bis zur Einrichtung von Feuergruben, Maṇḍalas und geweihten Krügen. Danach folgen die Vorbereitung von Guru und Schüler, die Weihe des Feuers und die Darbringung der Opfergaben. Das Kapitel zeigt, wie äußere Form, gemeinsames Handeln, Mantra und innere Vorstellung in dieser Überlieferung aufeinander bezogen werden.

Das Śrīcakra und seine Ausführungen

Zu Beginn werden Materialien genannt, auf denen das Śrīcakra hergestellt werden kann: etwa Gold, Silber, Kupfer, Bergkristall und weitere Steine. Der Text verbindet damit verschiedene Verehrungszeiträume und erhoffte Wirkungen. Er beschreibt auch eine Grundlage aus drei Metallen. Diese Angaben gehören zu seiner religiösen Stofflehre. Sie bedeuten nicht, dass der heutige Kauf eines bestimmten Materials die genannten Wirkungen zuverlässig herbeiführen würde.

Außer dem Stoff ist die räumliche Form wichtig. Manche Ausführungen haben gleich hohe Linien, andere vertiefte Linien, wieder andere steigen von außen zur Mitte stufenweise an. Das Kapitel verbindet diese Formen mit Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Durch ihre Kombination entstehen weitere Unterscheidungen. Die Texte, die der Verfasser anführt, stimmen dabei nicht in allen Zahlen und Bezeichnungen überein. Die Übersetzung hält diese Unterschiede fest.

Besonders bemerkenswert ist die Frage nach einem überlieferten Yantra, das Mängel besitzt. Der Text behandelt ein vom Guru oder aus der Familie empfangenes Yantra nicht einfach wie einen beliebigen fehlerhaften Gegenstand. Er nennt für diesen Fall eine Folge von Auflösung, Schöpfung und Erhaltung. So wird die Bedeutung einer empfangenen Überlieferung mit der Sorge um die richtige Form verbunden.

Den Ort bestimmen und den Boden bereiten

Bevor die Halle gebaut wird, muss ihre Ausrichtung feststehen. Dafür beschreibt der Text eine Schattenmessung: Ein gerader Stab wird in der Mitte eines Kreises aufgestellt. Die Stellen, an denen seine Schattenspitze vormittags und nachmittags den Kreis berührt, werden markiert. Daraus werden Ost-West- und Süd-Nord-Richtung bestimmt. Es folgen eine verfeinerte Messung und Regeln zum Abstecken eines Vierecks.

Auch das Einebnen des Bodens wird praktisch erklärt. Zwei verbundene Stäbe und ein Querstab bilden ein Dreieck; eine beschwerte Schnur zeigt an, ob die beiden Füße gleich hoch stehen. Der Boden wird entsprechend aufgefüllt oder abgetragen. Diese Abschnitte machen deutlich, dass das Werk nicht nur innere Meditation beschreibt. Es setzt ebenso sorgfältige handwerkliche Vorbereitung voraus.

Die Maßsysteme sind körperbezogen. Fingerbreite, Handspanne, Elle und Armspanne werden miteinander verbunden. Daneben stehen feinere Abstufungen über Gerstenkörner und noch kleinere Einheiten. Verschiedene Quellen verwenden nicht überall genau dieselben Definitionen. Deshalb werden die Angaben nicht ohne weiteren Beleg in ein einziges modernes Zentimetermaß verwandelt.

Die Halle als geordneter gemeinsamer Raum

Die Ritualhalle besitzt in einer häufig beschriebenen Ausführung sechzehn Säulen: vier höhere in der Mitte und zwölf außen. Vier Tore, unterschiedliche Hölzer, Banner, Blätter, Stoffe und Lampen gliedern und schmücken sie. Der mittlere Altar erhält einen eigenen Platz. Die Anordnung bezieht sich nicht nur auf die Hauptgottheit, sondern auch auf Richtungen, Weltenhüter und die beteiligten Menschen.

Der Text nennt große, mittlere und kleine Hallen und führt weitere Größen und Grundrisse an. Dabei bleibt er nicht bei einer schematischen Liste. Er prüft ausdrücklich, ob eine kleine Halle genügend Raum bietet: Wenn Altar, Feuergruben und Krüge bereits den Boden ausfüllen, können Lehrer, Opferpriester und andere Beteiligte nicht mehr bequem sitzen. Deshalb werden kleine Ausführungen auf verkürzte Ritualformen bezogen.

Diese Überlegung ist für das Verständnis des Kapitels wichtig. Vorschrift und praktische Durchführbarkeit werden miteinander verglichen. Nicht jede genannte Größe lässt sich mit jeder umfangreichen Ausstattung verbinden. Der Verfasser argumentiert und unterscheidet, statt alle Varianten wahllos zusammenzusetzen.

Die Formen der Feuergruben

Acht Feuergrubenformen gehören zur ausführlichen Einweihungsanordnung: Viereck, Yoni, Halbmond, Dreieck, Kreis, Sechseck, Lotus und Achteck. Dazu kommt eine eigene viereckige Grube des Lehrers. Für andere wunscherfüllende Handlungen werden zusätzlich Fünf- und Siebeneck erklärt. Ist die große Anordnung nicht möglich, nennt der Text auch vier Gruben oder eine einzelne Lehrergrube.

Zu jeder Form gehören Grabung, Randbereiche und Leisten. Die Umrisse werden mit Schnüren, Kreisen, Teilungen und Schnittpunkten bestimmt. Die Erläuterungen sind teilweise sehr genau, teilweise gedrängt oder in der Vorlage beschädigt. Die Übersetzung ergänzt deshalb keine vermeintlich sicheren geometrischen Schritte, wenn deren Grundlage fehlt.

Die Grubenformen erhalten außerdem unterschiedliche religiöse und magische Zuordnungen. Manche stehen für Befriedung, Wachstum oder Befreiung, andere für Beherrschung, Vertreibung oder schädigende Handlungen. Diese Zielsetzungen sind Teil der historischen Quelle. Ihre Wiedergabe bedeutet weder eine Empfehlung noch einen Nachweis der behaupteten Wirksamkeit.

Fläche, Tiefe und die Diskussion verschiedener Regeln

Ein besonders anspruchsvoller Abschnitt behandelt größere Feuergruben. Dort bedeutet die Bezeichnung „zwei Hasta“ nicht einfach eine doppelt so lange Seite, sondern die doppelte Ausgangsfläche. Die Seitenlänge wird daraus als Wurzel bestimmt. So entstehen Zahlen mit feinen Maßbruchteilen. In der Vorlage finden sich dabei fehlende oder abweichende Zahlen. Wo etwa eine Flächenzahl nicht zur zuvor genannten Rechenregel passt, wird dies örtlich vermerkt.

Ausführlich diskutiert der Verfasser, ob die Grabung allein so tief sein soll wie die Grube breit ist oder ob die Höhe der Randstufen in dieses Maß einzubeziehen ist. Er führt für beide Auffassungen Quellen an und begründet seine bevorzugte Auslegung. Andere Vorschriften bezieht er auf kleinere Gruben und geringere Opferzahlen. Auch hier entsteht die Ordnung durch Auslegung mehrerer Überlieferungen.

Yoni, Kanal und Nabel der Feuergrube werden danach gesondert beschrieben. Der Nabel kann als Lotus gestaltet sein. Bei einer bereits yoniförmigen Grube entfällt nach der vertretenen Auffassung eine zusätzliche Yoni, bei einer Lotusgrube ein zusätzlicher Nabel. Die Form des Ganzen und die Form seiner Teile sollen also zusammenpassen.

Die Verehrung des Baugrundes

Die Vāstupūjā wird mit einer Erzählung über den Vāstupuruṣa begründet. Ein bedrohliches Wesen wird von Gottheiten niedergehalten und erhält einen Platz in einer geordneten Verehrung. Das zugehörige Maṇḍala besteht aus vierundsechzig Ausgangsfeldern; darin werden dreiundfünfzig Gottheiten angeordnet. In der Mitte steht Brahmā, weitere Gottheiten verteilen sich auf Haupt- und Zwischenrichtungen sowie die äußeren Reihen.

Das Ritual umfasst Herbeirufung, Feststellung, Duft- und Blütengaben, Feueropfer und Bali. Unter Bali versteht der Text hier eine eigens zugewiesene Gabe an die betreffenden Wesen. Die Zutaten und Namen werden sorgfältig aufgezählt. Abweichungen zwischen Versen und Kommentar bleiben erkennbar.

Der Text verspricht dieser Verehrung Schutz und Wohlergehen und verbindet ihre Unterlassung mit Unheil. Solche Aussagen erklären die Bedeutung des Rituals innerhalb der Quelle. Sie sind keine verlässlichen Vorhersagen über Krankheit, Kindestod oder familiären Wohlstand. Eine heutige Lektüre kann die Aufmerksamkeit für einen gemeinsam genutzten Ort aufnehmen, ohne diese Wirkungsbehauptungen übernehmen zu müssen.

Keimsaat und vorbereitende Tage

Sieben oder neun Tage vor der Einweihung werden Samen ausgesät. In einem geschützten Raum stehen zwölf Gefäße, auf drei Gruppen für Brahmā, Viṣṇu und Śiva verteilt. Verschiedene Samen werden gewaschen, in vorbereitete Erde gegeben, mit Kurkumawasser besprengt und mit Tüchern bedeckt. An den folgenden Tagen erhalten bestimmte Gottheiten und Wesen zu festgelegten Zeiten Gaben.

Der Abschnitt bringt einen lebendigen zeitlichen Prozess in die Vorbereitung. Die Einweihung wird nicht erst im Augenblick der Mantraübertragung begonnen. Bereits das Säen, Pflegen, Warten und wiederholte Darbringen gehören zu ihrem Rahmen. Zugleich macht der Text deutlich, dass sich die ausführliche Ordnung über mehrere Tage erstreckt und viele Menschen, Gegenstände und Tätigkeiten umfasst.

Die Wahl des Zeitpunktes

Es folgen lange Reihen zu Monaten, Mondhälften, Mondhäusern, Mondtagen, Wochentagen, astrologischen Yogas, Karaṇas und Aszendenten. Mehrere Quellen nennen dafür unterschiedliche günstige und ungünstige Bedingungen. Auch Ausnahmen werden erörtert, etwa für heilige Orte oder Finsternisse. Gerade bei Finsternissen stehen zustimmende und ablehnende Aussagen nebeneinander.

Die Übersetzung vereinheitlicht diese Regeln nicht zu einem modernen Kalender. Sie zeigt vielmehr, welche Aussage aus welcher zitierten Überlieferung stammt und wo der Zusammenhang beschädigt ist. Ebenso bleibt die Unterscheidung zwischen bloßer Mitteilung eines Mantras und einer förmlichen Einweihung sichtbar. Der Text behandelt beides nicht automatisch als dasselbe.

Für heutige Leser ist deshalb Zurückhaltung gegenüber einfachen Schlussfolgerungen angebracht. Aus einer einzelnen günstigen oder ungünstigen Tagesangabe lässt sich weder der Wert eines Menschen noch der Erfolg seiner spirituellen Entwicklung ableiten. Die Angaben gehören zur historischen astrologischen Rituallehre des Werkes.

Guru, Schüler und die Einweihungsmaṇḍalas

Der Schüler wählt den Guru ausdrücklich, nennt den gewünschten Mantraempfang und bittet ihn, die zugehörige Handlung auszuführen. Der Guru nimmt die Aufgabe an. Die Begrüßung mit Madhuparka und weiteren Gaben stellt die Lehrerbeziehung in einen feierlichen sozialen Rahmen. Auch die beteiligten Opferpriester werden ausgewählt und geehrt.

Danach beschreibt der Text vorbereitende Prüfungen, den Eintritt in die Halle und ihre Reinigung. Die Form der Einweihung wird zugleich als eine Weise verstanden, Erkenntnis des Selbst zu geben und Verfehlungen schwinden zu lassen. Vier Einweihungsarten werden genannt: durch Handlungen, durch Laute, durch Kalās und durch Durchdringung.

Das Sarvatobhadra-Maṇḍala kann in einer großen Ausführung zweihundertsechsundfünfzig Felder besitzen. Ein mittlerer Lotus, ein Pīṭha, Gänge, Tore, Zierformen und farbige Begrenzungen bilden ein geordnetes Ganzes. Weitere Ausführungen haben hundertvierundvierzig oder vierundsechzig Felder. Die Farben werden aus bestimmten Stoffen gewonnen. Die räumliche Ordnung dient hier der Verehrung und inneren Vorstellung, nicht bloß einem schönen Muster.

Der Guru bereitet sich selbst und den Krug vor

Der Guru sitzt gesammelt und aufrecht, ordnet die Geräte und vollzieht Reinigungen und Nyāsas. Im eigenen Körper stellt er den Yogapīṭha und die Gottheit vor. Damit beginnt die Verehrung nicht erst beim äußeren Krug: Der eigene Leib und die innere Aufmerksamkeit werden zuvor in den rituellen Zusammenhang aufgenommen.

Der Krug erhält Schnüre, Duftstoffe, Wasser, Blätter, Früchte und weitere Bestandteile. Feuer-, Sonnen-, Mond- und andere Kalās werden herbeigerufen. Dazwischen stehen fünf vedische Formeln, die der Text teilweise durch verschlüsselte Lautbezeichnungen erklärt. Die Übersetzung unterscheidet dabei zwischen sicher erkennbarem Sinn, bloßem Verweis und beschädigter Lautanweisung.

Die Gottheit wird schließlich aus der inneren Vergegenwärtigung in die äußere Verehrungsgestalt gerufen. Das Kapitel beschreibt dies mit dem Bild eines Lichtes, das durch den Atem- beziehungsweise Nāḍī-Weg hervortritt und in der Blütengabe getragen wird. Innere und äußere Verehrung stehen dadurch in unmittelbarer Beziehung.

Feuer, Opferspeise und Lebensweihen

Die Opferspeise Caru wird sorgfältig zubereitet und geteilt: für die Gottheit, für das Feuer und für Guru und Schüler. Anschließend erläutert das Kapitel die Einrichtung und Weihe des Feuers ausführlicher. Die Feuergrube wird angesehen, besprengt, geordnet und symbolisch gefestigt. Auch die Geräte erhalten ihre eigene Weihe.

Das Feuer erscheint nicht bloß als physische Flamme. Es wird mit Verdauungsfeuer und innerem Bewusstseinsfeuer verbunden und als aus dem göttlichen Paar hervorgegangen vorgestellt. Seine sieben Zungen, Glieder und acht Gestalten werden verehrt. Verschiedene Quellen nennen dafür unterschiedliche Namen und Zuordnungen, die der Kommentar miteinander in Beziehung setzt.

Besonders anschaulich ist die Übertragung menschlicher Lebensweihen auf das Feuer. Es wird als empfangen, geboren, benannt und in weitere Lebensstufen geführt vorgestellt. Diese symbolische Biographie macht aus dem Feuer einen verehrten Träger der göttlichen Gegenwart. Entsprechend der verehrten Gottheit kann es etwa Śivāgni, Nārāyaṇāgni oder Durgāgni heißen.

Einheit im Vollzug und sorgfältiger Abschluss

Ghee, Opferlöffel und Brennhölzer werden in die geordnete Handlung einbezogen. Links, rechts und Mitte des Ghee entsprechen in der Vorstellung Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā. Gaben an Augen und Mund des Feuers verbinden diese innere Ordnung mit dem äußeren Opfer. Schließlich soll der Ausführende die Einheit von Selbst, Feuer und Gottheit vergegenwärtigen.

Das Kapitel endet mit Opfergaben für die Gottheit und ihre Umhüllungen sowie mit Bali für Mondhäuser, Tierkreiszeichen und weitere Mächte. Die Speisegabe wird entfernt, es folgen erneute Verehrung, Preisung und Verneigung. Wie bereits in früheren Kapiteln ist der Abschluss ein eigener Teil der Handlung.

Für heutige Yoga-Aspiranten eröffnet dieser Śvāsa vor allem einen Blick auf die Sorgfalt einer überlieferten Praxis: den Ort vorbereiten, Bedingungen klären, die Beteiligten achten, äußere Handlungen mit innerer Sammlung verbinden und bewusst abschließen. Die vielen historischen Bau-, Einweihungs- und Zeitwahlregeln bleiben als besondere Überlieferung erkennbar. Ihre verständliche Darstellung soll Orientierung im Text ermöglichen, ohne beschädigte Stellen zu erfinden oder aus den religiösen Verheißungen garantierte Wirkungen zu machen.

Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten

Eine heutige Anregung lässt sich daraus klar von den historischen Vorschriften unterscheiden: Erforsche die Herkunft deiner Praxis. Lerne ihre Begriffe, stelle Fragen und verbinde regelmäßiges Üben mit Verständnis. Vor einer vertrauten Meditation kannst du dich dankbar an Menschen erinnern, von denen du Aufrichtigkeit, Sammlung und Mitgefühl gelernt hast. Das ist eine einfache heutige Übung; sie ersetzt keine der im Tantra beschriebenen Einweihungen.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Übersetzt nach dem Muktabodha-E-Text M00217 in IAST; die entsprechende Devanagari-Datei liegt als Paralleltext vor. Alle 497 numerisch bezeichneten Einheiten des ersten Śvāsa einschließlich der neu beginnenden Zitatreihen sowie die unnummerierten Fortsetzungen und der Kolophon sind berücksichtigt. Vom zweiten Śvāsa sind alle 383 nummerierten Einheiten sowie die unnummerierten Zitate, Kommentare, Übergänge und der Kolophon bearbeitet. Der dritte Śvāsa ist mit allen 451 nummerierten Einheiten, seinen unnummerierten Fortsetzungen und seinem Kolophon bearbeitet. Der vierte Śvāsa ist mit 494 nummerierten Einheiten einschließlich der neu beginnenden Zitatreihen, der unnummerierten Kommentare und des Kolophons bearbeitet. Der fünfte Śvāsa ist mit 340 nummerierten Einträgen, sämtlichen unnummerierten Hymnenstrophen, Mantraerklärungen, Ritualkommentaren und dem Kolophon bearbeitet. Zwei dieser Einträge sind eingeschobene Mantra- beziehungsweise Prosapassagen, die in der Quelle erneut als 5-5 bezeichnet werden. Der sechste Śvāsa ist mit allen 386 nummerierten Einträgen, sämtlichen unnummerierten Kommentaren und dem Kolophon bearbeitet. Der siebte Śvāsa ist mit 583 nummerierten Einträgen, sämtlichen unnummerierten Fortsetzungen, Kommentaren und dem Kolophon bearbeitet. Der achte Śvāsa ist mit 387 nummerierten Einträgen, sämtlicher zugehöriger Prosa, den unnummerierten Gāyatrī-Anrufungen und dem Kolophon bearbeitet. Der neunte Śvāsa ist mit 194 nummerierten Einträgen, sämtlichen unnummerierten Ritualanweisungen, Formeln und dem Kolophon bearbeitet. Der zehnte Śvāsa ist mit 362 nummerierten Einträgen, sämtlicher unnummerierter Prosa, Formeln und dem Kolophon bearbeitet. Die unvollständig eröffnete Nummer 96 und die doppelte Dhyāna-Nummer 22 sind berücksichtigt. Der elfte Śvāsa ist mit 480 nummerierten Einträgen, sämtlicher unnummerierter Prosa, Formeln und Kolophon bearbeitet. Wiederholte Nummern und Zahlensprünge bleiben erhalten. Der zwölfte Śvāsa ist mit 617 nummerierten Einträgen, sämtlicher unnummerierter Prosa, Formeln und Kolophon bearbeitet. Wiederholte Nummern und abweichende Maßangaben bleiben erhalten. Insgesamt sind 5.174 nummerierte Einheiten berücksichtigt. Die Kapitelnummer im Kolophon wird nicht als zusätzlicher Vers gezählt. Die unsichere Passage in 1.1 ist ausdrücklich nicht rekonstruiert. Zusammengehörige Sätze werden bei Bedarf über Versgrenzen hinweg übersetzt; „a“ und „b“ unterscheiden die beiden Vershälften.

Die Sanskritvorlage nennt Śrīvidyāraṇyayati als Verfasser und Ram Chandra Kak sowie Harabhatta Shastri als Herausgeber. Muktabodha Indological Research Institute, E-Text unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; Vorlage unter CC BY-NC 4.0. Deutsche Übersetzung und Erläuterungen sind gegenüber dieser Vorlage neu hinzugefügt. Der gesamte Textbestand der ersten zwölf Śvāsas wurde bearbeitet. Beschädigte Stellen sind lokal gekennzeichnet; dort bleibt die Übersetzung ausdrücklich unvollständig. Alle 36 Śvāsas sind bis zum jeweiligen Kolophon bearbeitet. Die örtlich markierten Lücken und redaktionellen Ausnahmen begrenzen den Anspruch einer ungekürzten Vollübersetzung.

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Mit Verständnis und Hingabe lesen

Am Beginn des Weges steht eine Beziehung: zu einer Überlieferung, zu einem Lehrer und zur eigenen Bereitschaft zu lernen. Die in Kapitel 1 genannten Eigenschaften – Aufrichtigkeit, Mitgefühl, Maß und freundliche Rede – geben dieser Beziehung einen menschlichen Maßstab. Du kannst sie als Leitfragen mitnehmen, während sich die folgenden Kapitel immer genauer den Formen der Verehrung zuwenden.