Shri Vidyarnava Tantra Deutsche Übersetzung Teil 2

Aus Yogawiki

Shri Vidyarnava Tantra – Deutsche Übersetzung, Teil 2

Umfang dieser Seite: Kapitel 13–18. Die markierten Quellenprobleme und Auslassungen gehören zum Editionsbefund.

Übersetzung der Kapitel 13–18 bis zum Ende des Pūrvārdha. Die sexualrituellen Passagen in Kapitel 18 ab der entsprechend markierten Altersangabe bis zum Ende des Śakti-Śodhana sind ausdrücklich nur nichtgrafisch zusammengefasst; für diese Ausnahme wird keine vollständige wörtliche Übersetzung beansprucht. Beschädigte oder mehrdeutige Lesungen bleiben örtlich gekennzeichnet; alle 36 Kapitel sind unter Bewahrung der bezeichneten Einschränkungen bearbeitet.

Die Kapitel 13–18 führen von der Einweihung zur regelmäßigen Übung. Weihe, Tagespraxis, Puraścaraṇa und innere Verehrung bilden unterschiedliche Schritte eines überlieferten Weges. Besonders aufschlussreich ist die Frage, wie der Text äußere Handlungen mit innerer Ausrichtung verbindet. Die Bezeichnung einer Praxis und die jeweils zitierte Quelle verdienen dabei ebenso viel Aufmerksamkeit wie ihre einzelnen Regeln.

Shiva und Shakti als moderne Bildbegleitung zur Lehre von Bewusstsein und Kraft.

Navigation

Zur Ausgabe: Alle Textteile · 108 inspirierende Verse · Mantras und Formelregister

Deutsch: Teil 2 — IAST: Teil 1 · Teil 2 — Devanagari: Teil 2 · Teil 3

13. Śvāsa

Der Einweihungstag und die sechs Wege

Im Uttaratantra:

13.UT.1 Bei Tagesanbruch stehen [die Opferpriester] auf und opfern erneut tausendachtmal Sesam mit Ghee unter dem zur Vollendung zu bringenden Mantra.

13.UT.2 Oder man opfere hundertachtmal mit den Stoffen, die die jeweilige Vorschrift nennt. Der beste Mantra-Kenner lasse den gebadeten Schüler Pañcagavya trinken.

13.UT.3 Er führe ihn zur Feuergrube und schaue ihn mit göttlichem Blick an. Aus dem Herzlotus des Schülers verbinde er dessen Bewusstsein mit seinem eigenen Selbst. [Die Trankanweisung gehört zum historischen Einweihungsritual; die folgende Bewusstseinsverbindung beschreibt die innere Vorstellung des Gurus.]

13.UT.4 Danach reinige der Ācārya der Reihe nach den sechsfachen Weg: Kalā, Tattva, Bhuvana, Laut, Wort und Mantra.

13.UT.5 Dies sind die sechs Adhvans; ihre Kennzeichen werden erklärt. Die fünf Kalās, beginnend mit Nivṛtti, bilden den Kalā-Weg.

13.UT.6 Je nach śivaitischen und anderen Offenbarungslehren unterscheiden sich die Tattva-Wege in vielfältigen Reihen. Zunächst werden die sechsunddreißig śivaitischen Tattvas genannt.

13.UT.7 Śiva, Śakti, Sadāśiva und Vidyā heißen rein. Sieben sind rein-unrein …

13.UT.8 … Māyā, Vidyā, Kalā, Rāga, Kāla, Niyati und Puruṣa. Die unreinen sind Prakṛti, Buddhi, Ahaṃkṛti …

13.UT.9 … Manas, die zehn Sinnes- und Handlungsorgane, die Tanmātras und die fünf Elemente. Dies nennen die Mantra-Kenner die sechsunddreißig śivaitischen Tattvas. [Die Aufzählung schreibt bei den reinen Tattvas nur vier Namen aus; zusammen mit sieben und vierundzwanzig ergeben sich damit 35. Das in anderen Aufzählungen erwartbare Īśvara-Tattva wird hier nicht stillschweigend eingefügt. Vidyā steht sowohl in der reinen als auch in der gemischten Gruppe und bezeichnet dort nicht ohne Weiteres dasselbe.]

13.UT.10 Nun werden die zweiunddreißig vaiṣṇavischen Tattvas genannt: Jīva, Prāṇa, Buddhi und Manas …

13.UT.11 … die zehn Organe, die Tanmātras, die fünf Elemente, der Herzlotus, die drei Lichtkräfte …

13.UT.12 … und die vier, beginnend mit Vāsudeva. Die solaren Tattvas werden genannt: die fünf Elemente, Tanmātras, Organe, Manas, Ahaṃkāra und Buddhi …

13.UT.13 … sowie Pradhāna. Die Tattvas der Śakti sind zehn: die fünf Kalās, beginnend mit Nivṛtti, danach die Bindu-Kalā …

13.UT.14 … Nāda, Śakti, Sadāśiva und Śiva. Für die dreigliedrige Prakṛti kennen die Tantra-Kundigen sieben Tattvas …

13.UT.15 … Ātman, Vidyā und Śiva, dieselben in umgekehrter Folge und Sarvatattva, das Gesamttattva. So werden die Tattva-Wege von den Lehrern genannt.

Sämtliche Welten zusammen werden Bhuvana-Weg genannt. [Die Vorlage setzt einen Teil der Verse 13–14 in Klammern. Die unterschiedlichen Systeme werden nebeneinander überliefert.]

Welten, Laute, Wörter und Mantras

Bhuvanas sind Welten. Im Kulārṇava:

13.KA.1 Atala, Vitala, Sutala, Mahātala, Rasātala und danach Talātala werden genannt.

13.KA.2 Pātāla, Bhūr, Bhuvar, Svar, Mahar, Jana, Tapas und Satyaloka: Dies sind die Welten der Reihe nach.

13.KA.3 Die Laute vom ersten bis kṣa heißen Lautweg. Der Wortweg besteht aus Lautgruppen, der Mantraweg aus einer Zusammenstellung von Wörtern.

13.KA.4 Man vergegenwärtige diese Wege am Schüler: an Füßen, Andhu, Nabel, Herz, Stirn und Scheitel. Mit dem Kūrca berühre der Guru den Schüler und opfere in seiner eigenen Feuergrube …

13.KA.5 … jeweils acht Gaben von mit Ghee benetztem Sesam, mit dem Mantra, der mit Tāra beginnt, den jeweiligen Weg nennt und auf „śodhayāmi svāhā“ endet: „Oṃ, ich reinige hier den genannten Weg, svāhā.“ [Andhu wird in der vorangehenden Rituallehre als Geschlechtsbereich, nach anderer Auslegung als After erklärt.]

Im Kulārṇava:

13.KS.1 Für Śūdras und Menschen aus gemischten Geburtsgruppen ist die Reinigung der Adhvans nicht vorgeschrieben. Ihre Befreiung von Verfehlungen vollziehe man durch Gabe des Fußwassers und weitere Handlungen. [Dies gibt die historische soziale Ausschlussregel der Quelle wieder, nicht eine heutige Bewertung der Würde oder spirituellen Befähigung von Menschen.]

Auflösung und erneute Entfaltung

13.AS.1 Nachdem der beste Guru die sechs Adhvans der Reihe nach bis zu Śiva aufgelöst hat, lasse er sie durch die Schöpfungsordnung wieder entstehen, einschließlich der bis Śiva reichenden Folge.

13.AS.2 Der führende Lehrer schaue den Schüler mit göttlichem Blick an und setze dessen in ihm [dem Guru] befindliches Bewusstsein wieder in den Schüler ein.

13.AS.3 Danach opfere der beste Lehrer mit den Mahāvyāhṛtis und bringe für die Glieder und weiteren Umhüllungen erneut Ghee-Gaben dar.

13.AS.4 [Der erste Mantra besteht aus] „bhūr“, danach „agnaye“ und „pṛthivyai“. [Der zweite aus] „bhuvaḥ“, „vāyave“ und „antarikṣāya“.

13.AS.5 [Der dritte aus] „svar“, „ādityāya“ und „dive“. [Der vierte beginnt mit] „bhūr bhuvaḥ svaḥ“, danach „candramase“ und „nakṣatrebhyaḥ“ …

13.AS.6 … dann spreche man „digbhyaḥ“. Dies ist der vierte Mantra. Die Mahāvyāhṛti-Mantras sind mit „mahate“ verbunden und enden auf Svāhā.

Das Wort mahate, „dem Großen“, gehört zu allen vier mit Bhūr und den weiteren Ausrufen beginnenden Formeln; Dviṭha ist der Svāhā-Ruf. Der Sinn der Zuordnungen: Erde – Agni und Erde; Zwischenraum – Vāyu und Luftraum; Himmel – Āditya und Himmelswelt; alle drei Bereiche – Mond, Mondhäuser und Richtungen, jeweils mit dem Bezug auf das Große.

Die Darbringung aller Handlungen an Brahman

13.AS.7 Der verständige Mantra-Kenner opfere acht Gaben reinen Ghees mit dem Brahmārpaṇa-Mantra, um alle karmischen Bindungen abzuschneiden.

13.AS.8–13.AS.11 Man spreche zunächst „itaḥ“, danach „pūrvam“, ferner Prāṇa, Buddhi, Leib, Dharma und Zuständigkeit; sodann „im Wachen, Traum und Tiefschlaf, in meinen Zuständen, durch Denken, Sprechen und Handeln, durch Hände, Füße, Bauch und Geschlechtsorgan; was erinnert, was gesagt und was getan worden ist: All dies möge eine Darbringung an Brahman sein, svāhā“. So wird der vorzügliche Brahmārpaṇa-Mantra bezeichnet. Danach bringe der Mantra-Kenner mit dem Opferlöffel und dem Wurzelmantra eine volle Opfergabe dar. [Die Verse geben die Formel gliedweise an; der syntaktische Anschluss der einleitenden Wörter zu Prāṇa, Buddhi, Leib und Dharma ist in dieser Fassung unsicher. „itaḥ pūrvam“ bedeutet „vor diesem Zeitpunkt/bisher“. Die Übersetzung bildet keine darüber hinaus ergänzte Rezitationsfassung.]

Der Kommentar kündigt an: Der Brahmārpaṇa-Mantra wird im Abschnitt über die praktische Durchführung deutlicher ausgeführt.

Im Kapilapañcarātra:

13.KP.1 Nach ordnungsgemäßer Verehrung opfere der Verständige erneut: „Zum Ausgleich dessen, was zu wenig oder zu viel war, gebe ich Sesam mit Ghee.“

13.KP.2 Nachdem man die Viṣṇu-Keimsilbe ausgesprochen hat, folge „sāṅgaṃ kuru kuru svāhā“ – „Mache es mitsamt seinen Gliedern vollständig, svāhā“. Der von Ya an vorwärts gezählte achte Laut, verbunden mit dem sechsten und vorletzten Vokal …

… und mit Praṇava versehen, heißt Viṣṇu-Bīja. Der Kommentar erklärt: Der achte Laut von Ya an ist Ha, der sechste Vokal Ū, der vorletzte Laut Bindu. [Gemeint ist somit hūṃ mit vorangestelltem oṃ; die verschlüsselte Lautanweisung bleibt als solche kenntlich.]

Die volle Opfergabe

Im Śaivāgama:

13.SA.1 Nachdem man das Feuer unter dem Namen Mṛḍa eingesetzt und verehrt hat, spreche man gesammelt: „Tausendstrahliger, von großem Glanz, dir sei Verehrung, Träger vieler Gestalten!

13.SA.2 Dir, der alles verzehrt, überallhin geht und läutert, sei Verehrung. Du bist der Gewaltige und vollziehst gewaltige Taten; du vernichtest das Furchtbare. Ich verneige mich vor dir.

13.SA.3 Du bist Viṣṇu und Hüter der Welt; gewähre mir hier Frieden.“ Man fülle den Opferlöffel mit Ghee und lege darüber eine Blüte mit nach unten gerichtetem Gesicht …

13.SA.4 … lege einen Opferlöffel über den Opferlöffel und gebe dort eine Blüte hin. Mit beiden zu einer Schale geschlossenen Händen, in der Art einer Muschel …

13.SA.5 … fasse man sie, stehe auf und halte die beiden aneinandergelegt quer am Nabel. Gesammelt bringe man mit dem Mantra „pūrṇā darvi“ und dem Wurzelmantra …

… drei volle Opfergaben dar, die nach der Verheißung alle Wünsche erfüllen. Der Kommentar erläutert: Die Blütengabe liegt über der Sruc. [Der Vers verwendet hier zweimal Sruc; das folgende Zitat unterscheidet den größeren Opferlöffel Sruc vom Schöpflöffel Sruva. Die Instrumentennamen werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.]

Dazu heißt es in der Vāyavīyasaṃhitā:

13.VS.1 Danach fülle man die Sruc mit dem vom Homa übrigen Ghee, lege an ihre Spitze eine Blüte und bedecke sie mit dem nach unten gerichteten Sruva …

13.VS.2 … zusammen mit Darbha-Gras. Darauf opfere man mit zusammengelegten Händen einen fortlaufenden Guss, begleitet vom Japa des Wurzelmantras, der auf Vauṣaṭ endet.

Der Kommentar: „pūrṇā darvi“ gehört beim vedischen Homa zu einer bestimmten Veda-Schule. [Der Tantra-Vollzug erfolgt] mit dem auf Vauṣaṭ endenden Wurzelmantra. Denn es heißt dort: „Beim Homa steht der Svāhā-Ruf, bei der vollen Gabe dagegen Vauṣaṭ.“

13.HP.1 Nach den Speisegaben bringe man mit der Sruc drei volle Opfergaben dar, mit dem auf Vauṣaṭ endenden vaiṣṇavischen Mantra, [gerichtet] an den Höchsten der Götter. So die Aussage des Hayaśīrṣapañcarātra.

Für den Fall fehlenden Ghees sagt das Nāradapañcarātra:

13.NP.1 Fehlt Ghee, so fülle man [den Löffel] mit dem Opferstoff. Darauf gebe man Ghee und darüber eine Blüte und Weiteres. [Die Vorschrift setzt trotz des anfänglich genannten Fehlens offenbar noch eine kleine Ghee-Menge für die Auflage voraus; die Spannung bleibt sichtbar.]

Für die volle Gabe beim Devī-Homa:

13.DH.1 Der Mantra-Kenner fülle den Sruva mit Ghee und damit die Sruc. Darüber lege er den Sruva nach unten gerichtet und stehe auf.

13.DH.2 Mit aufrechtem Leib lege er das untere Ende beider Löffel am Nabelansatz an, spreche den mit Namaḥ endenden Wurzelmantra und setze den linken Fuß vor …

… dann bringe er die vollen Opfergaben dar, mit der Vorstellung des höchsten unsterblichen Nektars.

In der Gaṇeśvaraparāmarśinī:

13.GP.1 „Oṃ! O Feuer, du große Kraft, die alle Ritualhandlungen vollendet: Sei auch dann ehrerbietig gegenwärtig, wenn eine weitere Handlung ansteht.“ Mit diesem Mantra bete man und entlasse das Feuer.

Die Gottheit im Krug und die abschließende Gabe

Im Uttaratantra:

13.UK.1 Der Mantra-Kenner verehre [die Gottheit] erneut mit Duftstoffen und Weiterem unter dem Wurzelmantra. Dann entlasse der Ācārya sie aus der Feuergrube und setze sie in den Krug ein.

13.UK.2 Dort verehre er sie vorschriftsgemäß samt Gliedern und Umhüllungen. Mit den sieben Vyāhṛtis und für die Feuerzungen und Weiteres bringe er der Reihe nach je eine Opfergabe dar …

… und umsprenge das Feuer mit Wasser.

Im Kapilapañcarātra:

13.PG.1 Danach entlasse man Brahmā. Der Guru gebe dem dafür ausgewählten Brahmanen ein aus zweiunddreißig Pala Kupfer gefertigtes Kupfergefäß …

13.PG.2 … gefüllt mit Reis, zusammen mit Gold und einer Entlohnung. Die Kundigen nennen es „volles Gefäß“, Pūrṇapātra.

Besprengung und Übertragung des Mantras

Im Uttaratantra:

13.MU.1 [Der Anfang fehlt in der Vorlage.] … der Mantra-Kenner vereinige [das nicht mehr sicher erkennbare Objekt] mit seinem eigenen Selbst. Danach werfe er die rings ausgelegten Gräser ins Feuer, die Umfassungsstäbe jedoch nicht.

13.MU.2 Bei täglichen und anlassbezogenen Handlungen dagegen werfe der beste Lehrer auch diese hinein. Mit einem Tuch und dem Augenmantra verbinde er die Augen des Schülers …

13.MU.3 … nehme ihn bei der Feuergrube an der Hand und führe ihn zum Maṇḍala. Er fülle die zusammengelegten Hände des Schülers mit Blüten und lasse [die Gabe] am Krug niederfallen …

13.MU.4 … nachdem er den Wurzelmantra gesprochen hat, zur Freude der Gottheit. Der Guru nehme die Augenbinde ab und lasse ihn auf einer Kuśa-Unterlage Platz nehmen.

13.MU.5–13.MU.6 Danach lasse der beste Guru den Schüler diesen Mantra sprechen: „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Finsternis des Nichtwissens Erblindeten das Auge mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe geöffnet hat.“ Anschließend vollziehe er nach der Verehrungsordnung die Auflösung und erneute Entstehung des Schülers.

13.MU.7 Er bringe sämtliche im Mantra-Ritual genannten Nyāsas am Leib des Schülers an und verehre mit den fünf Gaben die im Krug gegenwärtige erwählte Gottheit.

13.MU.8 Nach dem im Tantra angegebenen Weg vollziehe er dort die Sakalīkṛti, die Ausstattung mit allen Gliedern. Danach lasse er den geschmückten Schüler im Inneren des Maṇḍalas sitzen.

13.MU.9 Der Guru lege die an der Krugöffnung befindlichen Zweige heiliger Bäume auf den Kopf des Schülers. Unter fünfartigen Klängen und Segensworten der Brahmanen …

13.MU.10–13.MU.11 … besprenge er den ruhig sitzenden, gesammelten Schüler mit dem Krugwasser. In derselben Weise, wie der Krug zuvor mit den den Lauten verbundenen Wassern als Nektarsäften gefüllt wurde, vollziehe er die Weihebesprengung des Schülers, damit dieser bald Wohlergehen erlange. [Die Lautzuordnung verweist auf die zuvor erläuterte Weihe des Wassers.]

13.MU.12 Dann nehme der beste Lehrer das vorher verehrte Karaka-Gefäß in seiner Astra-Gestalt und besprenge den Schüler zu dessen Schutz mit seinem Wasser.

13.MU.13 Mit dem übrigen Wasser lasse der Guru den Schüler Ācamana vollziehen. Er vergegenwärtige ihn in der Gestalt dieser Gottheit und vollziehe seine Sakalīkṛti.

13.MU.14 Auf Anweisung des Gurus lege der Schüler zwei reine, schöne Kleidungsstücke an, vollziehe Ācamana und setze sich schweigend in seine Nähe.

13.MU.15–13.MU.16 Der Guru verehre die im Schüler gegenwärtige Gottheit und vergegenwärtige die Einheit beider. Dem bescheidenen Schüler spreche der kundige Guru den Mantra dreimal ins rechte Ohr: einem Brahmanen unter vorausgehender Wassergabe, anderen in eben dieser Weise [ohne ausdrücklich vorgeschaltete Wassergabe]. [Die folgende Prosa untersucht und problematisiert diese Unterscheidung selbst.]

Agastya:

13.AG.1 Der Guru stelle sich vor, wie die aus eigenem Licht bestehende Vidyā hinübergeht. Der Schüler stelle sich vor, dass sie bei ihm angekommen ist, insbesondere mit dem Gedanken: „Ich bin gesegnet.“

Antwort des Schülers und Verehrung des Gurus

Ferner:

13.SG.1 Der Schüler wiederhole den vom Guru mitgeteilten Mantra hundertachtmal, achtundzwanzigmal oder achtmal.

13.SG.2 Der Schüler vergegenwärtige die Einheit von Guru, Gottheit, Selbst und Mantra. Der hingebungsvolle Übende verneige sich wiederholt vor dem Erhabenen.

13.SG.3–13.SG.4 In Verehrungshandlungen gelten die achtgliedrige und die fünfgliedrige Verneigung. Mit Händen, Füßen, Knien, Brust, Kopf, Blick, Wort und Geist heißt sie achtgliedrig; mit Händen, Knien, Kopf, Wort und Einsicht heißt sie fünfgliedrig.

13.SG.5 Nachdem der Schüler dies vergegenwärtigt hat, erfülle er unverzüglich die Anweisung des Ācārya. Den Opferpriestern gebe er achtungsvoll Schmuck und Kleidung.

13.SG.6 Erfreut durch die Segensworte der Zweimalgeborenen, gebe der Schüler dem Guru in der Haltung einer Darbringung an den Herrn nach Überlegung die Hälfte [seines Vermögens], die Hälfte davon …

13.SG.7 … oder ein Zehntel, ohne Unaufrichtigkeit in Vermögensdingen. Sein Geist sei stets dem Guru anvertraut, auf ihn gerichtet und ihm hingegeben …

… und der beste Übende trage den Staub von dessen Lotusfüßen als Schmuck.

Im Tantrarāja:

13.TR.1 Dem Guru, dem sichtbar gegenwärtigen Śiva, gebe man die Ehrengabe: den ganzen Besitz, die Hälfte oder die Hälfte davon, nach seiner Anweisung.

13.TR.2 Wie sollte sonst die Übertragung seiner Kraft geschehen? [Die Gabe umfasse] Elefanten, Pferde, Büffelkühe, Schafe, Vieh, Dienerinnen beziehungsweise Sklavinnen und Land …

13.TR.3 … Gold, Schmuck, Kleidung, ein Haus und andere gewünschte Dinge. Auch den eigenen Leib, das eigene Selbst und die Lebenskräfte gebe man entsprechend der eigenen Fähigkeit und Hingabe.

Historischer Zusammenhang: Die Vermögensforderungen und die Einordnung abhängiger Menschen unter die übertragbaren Güter gehören zum sozialen und religiösen Anspruch dieser Quelle. Ihre Übersetzung ist keine Aufforderung, Menschen zu verschenken, den eigenen Besitz abzutreten oder persönliche Selbstbestimmung aufzugeben.

Ferner:

13.BH.1 Danach bewirte man die Brahmanen mit vielerlei essbaren, leckbaren, saugbaren und weiteren Speisen und gebe anschließend reichliche Entlohnung. Damit ist hier die zusammenhängende Einweihung durch Handlungen dargestellt.

Die Wassergabe ist keine ausschließliche Besitzübertragung

Der Kommentar erörtert die Worte „unter vorausgehender Wassergabe“: Sie scheinen eine Schenkung des Mantras wie bei einer Kuh oder bei Gold zu bezeichnen. Eine Schenkung besteht normalerweise darin, dass man den eigenen Besitzanspruch aufgibt und einem anderen ordnungsgemäß Eigentum zuweist. Doch nirgends findet sich eine Aussage oder Überlieferung, dass ein Guru nach der Mitteilung eines Mantras an einen Schüler diesen Mantra selbst nicht mehr wiederholen oder verehren dürfe oder ihn keinem anderen mehr mitteilen dürfe.

Man müsste daher sagen, die Wassergabe sei eine sinnbildliche Handlung. Warum sollte sie dann nicht für Menschen aller vier Varṇas gleichermaßen gelten? Bei der Einweihung bestehe insoweit kein Unterschied, und die Wassergabe sei ja sinnbildlich. Folglich sei die Wassergabe selbst die Form der Mantra-Mitteilung. Dass dabei einem anderen eine Berechtigung zugewiesen wird, ohne die eigene ganz aufzugeben, könne dem Fall der Kanyādāna vergleichbar sein. Damit lasse man diese Erörterung ruhen. [Kanyādāna ist hier der historische Rechts- und Ritualvergleich mit der „Übergabe der Tochter“ bei der Eheschließung. Die letzte Sanskritwendung enthält eine schwerfällige doppelte Verneinung; ihre Deutung als Fortbestehen der eigenen Berechtigung folgt dem ausdrücklich vorangehenden Argument.]

Einweihung durch Laute und Kalās

13.DF.1 Nun werde ich die anschließend genannte Einweihung durch Laute vorschriftsgemäß erklären. Die Laute werden als aus Puruṣa und Prakṛti bestehend bezeichnet.

13.DF.2 Auch der Leib ist von den Lehrern hier als so beschaffen erklärt worden. Deshalb setze der beste Lehrer die Laute im Leib des Schülers ein.

13.DF.3 In umgekehrter Reihenfolge löse er die an ihren jeweiligen Orten befindlichen Laute auf. Durch die Befähigung des führenden Lehrers und auf Anweisung dessen, der die Gottheit verkörpert …

13.DF.4 … wird der Schüler zur Gestalt der Gottheit; seine Tattvas sind dann aufgelöst. Darauf verbinde man das Bewusstsein des Schülers mit dem höchsten Selbst.

13.DF.5 Dann lasse man jene Laute wieder entstehen und setze sie in den Leib des Schülers ein. In der Schöpfungsfolge setze man auch dessen Bewusstsein wieder dort ein.

13.DF.6 Der Schüler wird zur Gestalt der Gottheit, zum Wesen ewiger Freude. Damit ist die erkenntnisgebende Einweihung durch Laute erklärt, der die Verleihung aller Vollendungen zugeschrieben wird.

13.DF.7 Nun wird die Einweihung durch Kalās genannt, welche Göttlichkeit verleiht. Die fünf den Elementen zugeordneten Kalās beginnen mit Nivṛtti.

13.DF.8 Diese durchdringe der Verständige der Reihe nach im aus Elementen bestehenden Leib des Schülers. Vom Fuß bis zum Knie liegt die Kalā Nivṛtti.

13.DF.9 Von den Knien bis zum Nabel wird die Kalā Pratiṣṭhā genannt; vom Nabel bis zur Kehle liegt die Kalā Vidyā.

13.DF.10 Von der Kehle bis zur Stirn liegt Śānti, von der Stirn bis zum Scheitel Śāntyatītā.

13.DF.11 Der Kundige vollziehe die Durchdringung in nicht regelrechter beziehungsweise umgekehrter Folge, von einem Ort zum anderen, auf Geheiß des Herrn. Dies heißt Kalā-Einweihung. [Die Lesung ayathākramataḥ lautet wörtlich „nicht der Reihenfolge entsprechend“; die genaue Bewegungsfolge wird hier nicht weiter aufgelöst.]

Die Einweihung durch Durchdringung

13.DF.12–13.DF.14 Nun wird die vom Daseinskreislauf befreiende Einweihung durch Durchdringung erklärt. Im vierblättrigen Mūlādhāra des Schülers, in der als Dreieck bezeichneten Höhlung, verbunden mit den drei Lichtstätten, vergegenwärtige der Verständige die dreifach gewundene Göttin: von der Gestalt eines Blitzbündels, unmittelbar aus Mahādeva bestehend, reine Erkenntnis, feiner als das Feinste, die sechs Cakras durchdringend.

13.DF.15 Sie bewegt sich göttlich auf dem Weg der Suṣumnā zur Wohnstatt Śivas. Die auf den Blättern befindlichen Laute von Va bis Sa sammle er im Lotusgeborenen [Brahmā].

13.DF.16 Ihn verbinde der Guru mit dem sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna-Lotus, dessen Blätter die Lautreihe von Ba bis La tragen, und vollziehe dort die Durchdringung.

13.DF.17 Diese Laute führe er in Viṣṇu zusammen; Viṣṇu durchdringe er im zehnblättrigen Nabellotus, der mit den Lauten von Ḍa bis Pha versehen ist.

13.DF.18 Die Laute verbinde er mit Rudra; diesen Rudra durchdringe er im Herzlotus mit den Lautblättern von Ka bis Ṭha, [weiterführend] in Īśvara. [Der Vers zieht den Übergang zu Īśvara bereits in diesen Satz hinein.]

13.DF.19 Die Laute sammle er in diesem [Īśvara] und diesen im Kehllotus. Im Lotus mit sechzehn Blättern verbinde er sorgfältig die Vokale …

13.DF.20 … mit Sadāśiva. Im zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen, der Ha und Kṣa trägt, vollziehe der Lehrer deren Durchdringung.

13.DF.21 Ha und Kṣa sammle er in Bindu, diesen in Kalā, Kalā in Nāda und Nāda wiederum in Nādānta.

13.DF.22 Nādānta [führe er] in Unmanī, Unmanī in Viṣuvaktra; Viṣuvaktra löse der Lehrer selbst in seinem eigenen Mund auf. [Viṣuvaktra bleibt als technische und hier nicht näher erklärte Bezeichnung erhalten; die Stelle wird nicht durch eine vermutete andere Lesung ersetzt.]

13.DF.23–13.DF.24 So führe er sich selbst zusammen mit der Śakti bis zu Paraśiva. Unter der Macht der Lehrerweisung fällt der Schüler, dessen Nichtwissen verbrannt ist, zu Boden; er hat Erkenntnis erlangt und wird allwissend. Er wird Sadāśiva selbst: „Dies ist wahr, daran besteht kein Zweifel.“

13.DF.25 Damit habe ich die segensreiche, erkenntnisgebende Einweihung durch Durchdringung erklärt. So sind die vier heilbringenden Einweihungen richtig bezeichnet worden. [Der Abschnitt beschreibt den Anspruch und die innere Dramaturgie des Rituals. Ein Zusammenbrechen ist keine hieraus abzuleitende Übung oder ein verlässlicher Beleg für Erkenntnis.]

Berührung, Wort, Blick und ununterbrochene Überlieferung

Im ehrwürdigen Kulārṇava:

13.KD.1 Nachdem er in der Hand Śivas Stadt vergegenwärtigt hat, berühre der Guru unter Wiederholung von Wurzelmantra, Gliedermantras und Mālinī den Leib des Schülers. Dies ist die Berührungseinweihung. [Die Zusammensetzung mūlāṅgamālinī lässt die genaue Gliederung der genannten Rezitationen offen.]

13.KD.2 Den Geist im Tattva sammelnd, spreche er die miteinander verbundenen Mantras, erfüllt vom höchsten Tattva. Dies heißt Worteinweihung.

13.KD.3 Mit geschlossenen Augen und klarem Geist meditiere der Guru über das höchste Tattva; dann schaue er den Schüler aufmerksam an. Dies ist die Blickeinweihung, Geliebte.

13.KD.4 Entsteht durch den bloßen Blick des Gurus, durch sein Sprechen oder seine Berührung unmittelbar Erkenntnis, so gilt dies als Śāmbhavī-Einweihung.

13.KD.5 Sie ist im Zusammenhang mit Lehrentscheidungen, dem Sinn der Schriften und der Überlieferung zu verstehen. Mantras, die ohne diese [Grundlagen] mitgeteilt werden, bleiben nämlich ohne Frucht. [Der syntaktische Übergang im Sanskrit ist verkürzt.]

13.KD.6 Die Götter preisen gerade denjenigen, der die Lehrerfolge fortführt, Guru, Mantra und Āgama kennt und die verbindliche Lebensordnung bewahrt.

13.KD.7 Auch ein entsagender Guru soll auf Śivas Geheiß um der Befähigung des Schülers willen dies eine Zeit lang ausführen und es dann einem guten Schüler übergeben.

13.KD.8 Wer diese Befugnis erhalten hat, dessen Vereinigung gilt unmittelbar dem höchsten Śiva; daraus folgt ewige Befreiung. So lautet Śaṅkaras Wort.

13.KD.9 Deshalb halte der Guru mit aller Sorgfalt die von Paraśiva selbst verkündete Überlieferung stets ununterbrochen, Geliebte.

13.KD.10 Um Genuss und Befreiung zu erlangen, prüfe der Guru vorschriftsgemäß und teile erst danach den Mantra mit; andernfalls bleibe dieser ohne Frucht.

13.KD.11 Wer auf unrechtmäßige Weise gibt und wer auf unrechtmäßige Weise empfängt: Über beide, den Geber und den Empfänger, kommt, o Göttin, der Fluch des Kula.

13.KD.12 Guru und Schüler, die aus Verblendung ohne gegenseitige Prüfung Unterweisung geben und empfangen, gelangen beide zum Zustand eines Piśāca.

13.KD.13 Wer eine nicht schriftgemäße Unterweisung empfängt und wer sie erteilt, beide erleben die einundzwanzig furchtbaren Höllen.

13.KD.14 Wer in verwirrtem Geist ohne vorherige Saṃskāras unterweist, setzt den Mantra wie Reissamen in Sand.

13.KD.15 [Der Versanfang anahaṃ ist beschädigt.] Die Erkenntnis der Wirklichkeit bleibt [in dem nicht sicher lesbaren Bezug] niemals bestehen. Deshalb soll man erst nach Prüfung sprechen; andernfalls bleibt es fruchtlos.

13.KD.16 Das Wissen, das einem guten, besonders hingebungsvollen Schüler mitgeteilt wird, führt ihn zu jener Wirklichkeit – wie [aus] der Milch der Kuh Ghee [gewonnen wird]. [Der Vergleich ist im überlieferten Satzbau holprig.]

13.KD.17 Wer aus Verlangen nach Geld, Furcht, Gier oder ähnlichen Beweggründen einen Ungeeigneten einweiht, zieht den Fluch der Gottheit auf sich, und das Getane wird verdorben.

Zum Anspruch der Quelle: Die Drohungen mit Fluch, Geisterexistenz und Höllen unterstreichen hier die Verbindlichkeit der überlieferten Einweihungsordnung. Die gegenseitige Prüfung wird ausdrücklich von beiden Seiten verlangt; die Warnung vor geldgetriebener Einweihung richtet sich an den Lehrer.

Die vollständige Weihebesprengung

Nun wird die Vorschrift für den Pūrṇābhiṣeka niedergeschrieben. Im Uttaratantra:

13.PA.1–13.PA.2 Ich werde die vollständige, den Übenden Segen bringende Weihebesprengung erklären. Ohne sie erlangt der Übende weder vollständige Erkenntnis noch den Stand eines Ācārya noch das ersehnte gute Ziel. Deshalb unterweise der Guru den ihm lieben Schüler und vollziehe an ihm die Weihebesprengung.

13.PA.3 In einer überaus schönen Halle fertige man ein großes Cakra an und stelle in dessen Mitte einen Krug auf, gefüllt mit einer Khārī Wasser.

13.PA.4 Auf die anderen Blätter stelle man vorschriftsgemäß Krüge mit Edelsteinen, Gewändern und Gold. Dann rufe man die erwählte Gottheit herbei …

13.PA.5 … und verehre sie in der Mitte, in den übrigen [Krügen] die Gottheiten ihrer Glieder und Umhüllungen. Unter dem Geburtsmondhaus des Schülers besprenge man ihn wie zuvor mit diesen [Wassern].

Dies ist die vollständige Weihebesprengung, der die Erfüllung der Wünsche des Übenden zugeschrieben wird.

Das Maß der Khārī wird im Skandapurāṇa erklärt:

13.KM.1 Zwei Pala bilden ein Prasṛta; das Doppelte davon gilt als Kuḍava. Vier Kuḍava bilden ein Prastha, vier Prastha ein Āḍhaka.

13.KM.2 Das Vierfache davon ist ein Droṇa; zwei Droṇa heißen Kumbha, acht solche Kumbha eine Khārī. [Die zweite Vershälfte endet in der Vorlage mit einer Lückenmarkierung. Die überlieferte Maßfolge wird ohne Umrechnung in moderne Liter bewahrt.]

Die Durchführung der Einweihung: Vorbereitung und Wahl des Gurus

Nun folgt die Durchführung der Einweihung. Nach Abwägung der genannten Voraussetzungen wähle man einen vorgeschriebenen Zeitpunkt. Am Tag vor der Einweihung bade der Schüler morgens, vollziehe seine täglichen Handlungen und schmücke sich. Unter dem Klang von fünf Arten von Instrumenten und den Segenssprüchen der Brahmanen gehe er mit lieben Freunden selbst zum Haus des Gurus, verneige sich vorschriftsgemäß und vollziehe auf dessen Weisung zunächst Prāṇāyāma.

Mit Kuśa-Gras in der Hand und dem Gesicht nach Osten oder Norden fasse er den Entschluss:

„Oṃ. Heute, im genannten Monat, während die Sonne im genannten Tierkreiszeichen steht, in der genannten Mondhälfte und am genannten Mondtag, bin ich der dem genannten Gotra Angehörende – als Brahmane mit dem Namen … Śarman, als Kṣatriya … Varman, als Vaiśya … Gupta, als Śūdra … Dāsa. Im Wunsch nach der Vollendung der vier menschlichen Lebensziele werde ich den genannten Mantra empfangen.“ [Die Namensendungen werden entsprechend der historischen Varṇa-Zuordnung des Textes wiedergegeben.]

Mit den in den maßgeblichen Quellen genannten Madhuparka-Bestandteilen verehre er den ehrwürdigen Guru nach der Vorschrift seiner eigenen Veda-Schule. Er lege vor ihm die Gaben für die förmliche Wahl bereit: ein gewaschenes Obergewand, ein Bedeckungstuch, einen goldenen Fingerring, Ohrschmuck, eine goldene heilige Schnur, Halsketten, Oberarm- und Armschmuck sowie weitere Schmuckstücke, Schirm, Fliegenwedel, ein Paar Schuhe, Bett, Liegestatt und Bettdecke. [Die zusammengesetzte Lesung bei Liegestatt und Decke ist unregelmäßig; der Sachzusammenhang bleibt erkennbar.]

Wie zuvor nenne er den Tag, die eigene Abstammungsgruppe und den nach der jeweiligen Varṇa vorgeschriebenen Namen. Dann erkläre er: „Im Wunsch nach der Vollendung der vier menschlichen Lebensziele und um den genannten Mantra zu empfangen, wähle ich dich, den dem genannten Gotra Angehörenden, der die genannte Schule des genannten Veda studiert, mit diesen meinen Kräften entsprechenden Wahlgaben als Guru.“ Er verneige sich zu dessen Füßen und überreiche die Gaben.

Wenn der Guru antwortet: „Ich bin gewählt“, sage der Schüler mit zusammengelegten Händen: „Guru, vollziehe die Handlung wie vorgeschrieben.“ Der Guru antworte: „Ich werde sie vollziehen.“ Nach dieser Wahl des Gurus wähle der Schüler mit dessen Zustimmung acht Brahmanen als Opferpriester: Kenner der Veden und Vedāṅgas, Verehrer ihrer erwählten Gottheit. Er verwende dazu dieselben zuvor für die Guru-Wahl beschriebenen Gaben. Bei der Ausführung mit vier Feuergruben sind lediglich vier Opferpriester erforderlich.

Eintritt in die Halle

Der so vom Schüler gewählte Guru vollziehe seine täglichen Handlungen und schmücke sich. Begleitet von den fünf Instrumentalklängen, Brahmanen und Freunden gehe er zusammen mit dem Schüler zum Hallentor. Dort vollziehe er die später beschriebene Torverehrung, entferne störende Wesen und trete in die Halle ein.

Er besprenge das Innere mit Pañcagavya und Arghya-Wasser und vollziehe die vier später beschriebenen Saṃskāras, beginnend mit dem rituellen Anschauen. Die Halle werde mit Sandelholz, Agaru und Kampfer durchräuchert. Sandelholz, Senf, Dūrvā, Asche, ungebrochene Reiskörner und gerösteter Reis werden siebenmal mit dem Astra-Mantra besprochen und im Inneren ausgestreut. Mit einem Kuśa-Büschel fege er sie unter dem Astra-Mantra zusammen und lege sie in der Nordostecke ab.

Er lasse die Brahmanen die Verkündigung des glückverheißenden Tages sprechen und vollziehe die Verehrung des Vāstupuruṣa und die weiteren Handlungen. Nach Einholung von Bhairavas Zustimmung breite er auf der Vedi [die vorgesehene Unterlage] aus und verehre sie in der später beschriebenen Weise. Dort sitze er nach Osten gewandt und fertige vor sich auf der ebenen Altarfläche das Sarvatobhadra-Maṇḍala an.

Das Sarvatobhadra-Maṇḍala im praktischen Ablauf

Je siebzehn Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung bilden ein quadratisches Maṇḍala aus zweihundertsechsundfünfzig Feldern. Die sechsunddreißig mittleren Felder werden zu einer Fläche vereinigt. Ringsum lösche man die Trennlinien einer Feldreihe und bilde daraus den Pīṭha. Außerhalb davon vereinige man in allen vier Richtungen je zwei Reihen zu einem Umgang.

Am Platz des mittleren Lotus lasse man ringsum einen zwölften Anteil frei und zeichne um denselben Mittelpunkt drei Kreise mit gleichem Zwischenabstand. In der Mitte liege die Karṇikā, der Samenkern. Der darauf folgende Kreisring bilde den Bereich der Staubfäden. Diesen teile man sechzehnfach. Von diesen Markierungen aus konstruiere man nach der vom Guru gelehrten Methode sechzehn Halbmonde, unter Verwendung des Abstandes zwischen dem zweiten und dritten Kreis als Schnurmaß. So entstehen acht Blätter.

Im außerhalb des dritten Kreises freigelassenen Anteil zeichne man vom Mittelpunkt aus einen weiteren Kreis und bilde nach der Lehrerweisung die Blattspitzen. An der Wurzel jedes Blattes sollen zwei Staubfäden sichtbar sein. So werde der Lotus angefertigt. [Die geometrische Anweisung setzt die erläuterte Zeichenmethode voraus; der „zwölfte Anteil“ wird nicht eigenmächtig in ein anderes Maß umgedeutet.]

In den vier Ecken des quadratischen, aus einer Reihe bestehenden Pīṭhas außerhalb des Lotus bilde man aus je drei Feldern seine Füße. Die übrigen verbundenen Felder bilden seinen Körper. Die beiden weiter außen liegenden Feldreihen werden von inneren Trennlinien gereinigt.

In der nächstfolgenden Reihe vereinige man in der Mitte jeder der vier Seiten jeweils zwei Felder. In der äußersten Reihe lösche man in jeder Richtung die Grenzen von vier Feldern: So entstehen vier Tore. An beiden Seiten eines jeden Tores verbinde man drei Felder der inneren und ein Feld der äußeren Reihe zu einer Śobhā, einer Zierform. Daneben verbinde man jeweils ein inneres und drei äußere Felder zur Upaśobhā, der Nebenzierform. Aus den jeweils sechs verbleibenden Feldern bilde man die vier Ecken.

Das so angefertigte Maṇḍala wird mit fünf Farbpulvern ausgeschmückt: Lotusmitte, Staubfäden, Blätter und Blattspitzen, Pīṭha, Umgänge, Tore, Zierformen, Nebenzierformen und Ecken. Die fünf Pulver sind: Kurkumapulver als Gelb, Reismehl als Weiß, Pulver der Färberdistelblüten als Rot, verbranntes Reismehl als Schwarz und Pulver aus Bilva-Blättern als Dunkelgrün.

Farben, Verehrungsgegenstände und innere Vorbereitung

Alle Begrenzungslinien sollen aus weißem Pulver, einen Aṅgula hoch und breit, ausgeführt werden. Lotusmitte und Staubfäden fülle man gelb, die Blätter weiß und die Blattzwischenräume dunkelgrün. Als andere Ausführung: Mitte gelb, Staubfäden gelb und rot, Blätter rot und Zwischenräume schwarz.

Das Innere des Pīṭhas fülle man gelb oder schwarz, seine Füße rot und seinen Körper weiß. In den vier Umgängen gestalte man mit verschiedenfarbigen Pulvern Wunschgewächse, geschmückt mit Knospen, Blüten, jungen Trieben und Früchten. Die vier Tore werden weiß, die Torzierformen rot, die Nebenzierformen gelb und die Ecken schwarz. Außen ziehe man drei Linien aus weißem, rotem und schwarzem Pulver, jeweils mit einem Aṅgula Abstand.

Nach Herstellung des Sarvatobhadra-Maṇḍalas entzünde man rings um die Vedi Lichter, stelle die später beschriebenen Verehrungsstoffe bereit und weihe sie. Schirm, zwei Fliegenwedel, Spiegel, Fächer und Weiteres werden an ihren jeweiligen Plätzen angeordnet.

Nach Verehrung des Gurus und der weiteren [Lehrer beziehungsweise Gottheiten] vollziehe man die Reinigung der Hände, dreimaliges Klatschen, Bindung der Richtungen, drei Feuerumwallungen, Reinigung der Elemente, Einsetzung der Lebenskräfte, Mātṛkā-Nyāsa, Yogapīṭha-Nyāsa und Wurzelmantra-Nyāsa. Es folgen Mudrās, Meditation über die erwählte Gottheit und geistige Verehrung; anschließend Vaiśvadeva, Wiederholung und Darbringung des Wurzelmantras, Aufstellung des Arghya, Selbstverehrung, inneres Feueropfer sowie erneute Wiederholung und Darbringung des Wurzelmantras.

Mit „Verehrung dem Sarvatobhadra-Maṇḍala“ verehre man das Maṇḍala durch Duftstoffe und die übrigen fünf Gaben, besprenge es mit Arghya-Wasser und vollziehe dort die später beschriebene Pīṭha-Verehrung.

Aufstellung des Hauptkruges

Die Lotusmitte fülle man mit unenthülstem Reis. Darauf lege man enthülsten Reis, Kuśa und Dūrvā sowie einen Kūrca aus siebenundzwanzig Kuśa-Halmen, dessen Spitzen zusammengefasst und mit dem Brahmā-Knoten verbunden sind. Auf dem Reishaufen verehre man in der später beschriebenen Weise das Feuermaṇḍala und die Feuer-Kalās.

Unter Aussprache von Praṇava stelle man dort einen Krug aus Gold oder einem anderen vorgesehenen Stoff auf. Er ist ganz mit dreifach gelegtem Faden umwunden und mit Sandelholz, Agaru und Kampfer durchräuchert. Man gebe Gold und die neun Edelsteine hinein: Puṣparāga, Nīla, Vaidūrya, Koralle, Perle, Smaragd, Diamant, Gomeda und Padmarāga. [Die traditionellen Edelsteinbezeichnungen werden dort beibehalten, wo eine eindeutige heutige mineralogische Zuordnung aus dieser Stelle nicht hervorgeht.]

Über dem Krug lege man einen Kūrca der zuvor beschriebenen Art an, verbunden mit Duftstoff, ungebrochenen Reiskörnern und Dūrvā. Nach der rückläufigen Mātṛkā-Reihe, beginnend mit „kṣaṃ, laṃ“, wiederhole man dreimal den Wurzelmantra und vergegenwärtige die Einheit des eigenen Selbst, des Kruges und des Yogapīṭhas.

Man fülle den Krug mit den später beschriebenen Abkochungen der den fünfzig Lauten zugeordneten Heilpflanzen; mit Abkochungen von Aśvattha, [einem in der Zusammensetzung undeutlichen Glied], Udumbara, Plakṣa und Vaṭa; mit Abkochung von Palāśa-Rinde oder mit Wasser heiliger Orte, das mit Kampfer, Sandelholz, Moschus und Safran parfümiert wurde. [Die Lesung aśvatthayodumbaraplakṣavaṭa ist im Übergang nach Aśvattha beschädigt; eine zusätzliche Pflanzenbezeichnung wird nicht erfunden.]

Vor sich stelle man in der später beschriebenen Weise eine Muschel auf und fülle sie mit Wasser derselben Art wie den Krug. Darin vermische man die acht Duftstoffe. Man rufe die später genannten Feuer-, Sonnen- und Mond-Kalās herbei, setze für jede gesondert die Lebenskräfte ein und verehre sie. Auch die einundfünfzig aus Praṇava entstandenen Kalās, die beim Kalā-Mātṛkā-Nyāsa genannt wurden, sind zu verehren.

Die fünf vedischen Formeln bei der Kalā-Verehrung

Zuerst rufe man die zehn mit Sṛṣṭi beginnenden Kalās herbei, die aus A und Brahmā entstanden sind und zu den Ka- und Ca-Lautgruppen gehören. Für den Vers „haṃsaḥ śuciṣat“ vergegenwärtige man Vāmadeva als Seher, Jagatī als Versmaß und Sūrya als Gottheit. Dann spreche man die Formel mit folgendem Sinn:

„Oṃ. Der Schwan, im Reinen weilend; der Vasu, im Zwischenraum weilend; der Opferpriester, am Altar weilend; der Gast, im Hause weilend; bei den Menschen weilend, im Vorzüglichen weilend, in der Wahrheit weilend, im Himmelsraum weilend; aus den Wassern geboren, aus den Kühen beziehungsweise Lichtstrahlen geboren, aus der Wahrheit geboren, aus dem Berg geboren: die große Wahrheit.“ [Der E-Text hat an einzelnen Stellen abweichende Wortformen wie nṛpad und ādrijā; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Sinn der hier zitierten vedischen Formel, ohne eine korrigierte Sanskritfassung auszugeben.]

Mit „Verehrung Brahmā“ verehre man ihn. Im zuvor genannten Mantra zur Einsetzung der Lebenskräfte ersetze man das Wort „mein“ durch „der mit Sṛṣṭi beginnenden [Kalās]“. Dann verehre man die zehn Kalās, beginnend mit „Oṃ kaṃ, Verehrung Sṛṣṭi“.

Nun rufe man die zehn mit Jarā beginnenden Kalās herbei, die aus U und Viṣṇu entstanden sind und zu den Ṭa- und Ta-Lautgruppen gehören. Für „pra tad viṣṇuḥ“ gelten Dīrghatamas als Seher, Triṣṭubh als Versmaß und Viṣṇu als Gottheit. Die Formel lautet ihrem Sinn nach:

„Oṃ. Viṣṇu wird um seiner Heldenkraft willen gepriesen, wie ein furchtbares Wildtier, das umherstreift und auf den Bergen steht. In seinen drei weiten Schritten wohnen alle Welten.“

Mit „Verehrung Viṣṇu“ verehre man ihn, setze wie zuvor die Lebenskräfte der zehn Kalās ein und verehre sie, beginnend mit „Oṃ ṭaṃ, Verehrung Jarā“.

Danach rufe man die zehn mit Tīkṣṇā beginnenden Kalās herbei, entstanden aus M und Rudra und zu den Pa- und Ya-Lautgruppen gehörig. Bei „tryambakam“ vergegenwärtige man nach dieser Quelle Vasiṣṭha als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß und Tryambaka-Rudra als Gottheit. [Die Zuschreibungen werden so wiedergegeben, wie sie hier stehen.]

„Oṃ. Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.“

Nach diesem Spruch verehre man Rudra mit „Verehrung Rudra“, setze die Lebenskräfte der Kalās ein und verehre sie, beginnend mit „Oṃ paṃ, Verehrung Tīkṣṇā“.

Dann rufe man die fünf mit Pītā beginnenden Kalās herbei, die aus Īśvara und Bindu sowie den fünf Lauten von Ṣa bis Kṣa entstanden sind. Nach Vergegenwärtigung von Seher und den übrigen Zuordnungen spreche man die Gāyatrī und verehre Īśvara mit „Verehrung Īśvara“. Die Lebenskräfte der fünf Kalās werden eingesetzt; ihre Verehrung beginnt mit „Oṃ ṣaṃ, Verehrung Pītā“. [Die Gāyatrī wird an dieser Stelle nur genannt, nicht ausgeschrieben.]

Darauf rufe man die sechzehn mit Nivṛtti beginnenden, den Vokalen entsprungenen Kalās herbei, entstanden aus Nāda und Sadāśiva. Für „viṣṇur yoniṃ kalpayatu“ nennt die Quelle Tvaṣṭṛ, den Gestalter des Embryos, als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß und Viṣṇu als Gottheit. Dann spreche man:

„Oṃ. Viṣṇu bereite den Mutterschoß; Tvaṣṭṛ forme die Gestalten. Prajāpati gieße [den Samen] ein; Dhātṛ lege dir den Embryo ein.“

Mit „Verehrung Sadāśiva“ verehre man ihn, setze die Lebenskräfte dieser Kalās ein und verehre die sechzehn, beginnend mit „Aṃ, Verehrung Nivṛtti“. [Die Fortpflanzungssprache gehört zum übernommenen vedischen Spruch innerhalb der Wasserweihe. Sie wird nicht als Aussage über eine medizinische Wirkung aufgefasst.]

So werden vierundneunzig Gottheiten in der Muschel verehrt. Das aus allen Kalās bestehend vorgestellte Muschelwasser wird unter dem Wurzelmantra dem Krugwasser hinzugefügt.

Blätter, Früchte und die Krüge der Himmelsrichtungen

Junge Zweige von Aśvattha, Panasa und Mango werden mit einer Indravāruṇī-Ranke umwunden und in der Vorstellung des Wunschbaumes in den Krug gelegt. Darüber stelle man ein zum Krug passendes Gefäß, gefüllt mit Reis und versehen mit einer Kokosnuss, die als Frucht des Wunschbaumes vorgestellt wird. Zwei Seidengewänder werden um den Krug gewickelt. Damit ist die Aufstellung des Hauptkruges auf der Vedi vollzogen.

Bei den Torbögen im Osten und den weiteren Richtungen stelle man je einen Krug nach demselben Verfahren auf einen Reishaufen, im zuvor genannten Maṇḍala oder auf achtblättrigen Lotussen. Im östlichen Krug verehre man Dhruva, im südlichen Dharā, im westlichen Vākpati und im nördlichen Vighneśa.

Ebenso stelle man Krüge in den vier Zwischenrichtungen auf: Im Südosten verehre man Amṛta, im Südwesten Durjaya, im Nordwesten Siddhārtha und im Nordosten Maṅgala. In den Krügen der acht Richtungen rufe man außerdem die mit Indra beginnenden Welthüter herbei und verehre jeden mit seinem vedischen Mantra.

Außerhalb der Krüge verehre man in den acht Richtungen, mit Osten beginnend, die Richtungselefanten: Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda, Añjana, Puṣpadanta, Sarvabhauma und Supratīka. [Die Vorlage schreibt bei Puṇḍarīka puṇrīka; der Name ist als solcher erkennbar.]

Verehrung im Hauptkrug und vorbereitendes Feueropfer

Der Guru kehre zur Vedi zurück, setze sich auf seinen Sitz und vollziehe dreimal Prāṇāyāma mit seinem erwählten Mantra. Nach den Zuordnungen von Seher und Weiterem sowie den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsas führe er die Gesamtheit der vorgesehenen Nyāsas aus. Er meditiere über die Gottheit und verehre sie mit geistigen Gaben.

Im Hauptkrug stelle er sich nach der später beschriebenen Weise ihre Gestalt vor, rufe dort die erwählte Gottheit herbei und verehre sie samt Gliedern und Umhüllungen mit den sechzehn Gaben, entsprechend der jeweils zugehörigen Ritualvorschrift.

Südlich der Vedi fertige man aus Sand ein ebenes quadratisches Sthaṇḍila von einer Hasta Länge und Breite und von der Höhe eines Daumengliedes. Darauf werde nach der späteren Vorschrift des täglichen Homa das Feuer eingesetzt. Man koche Caru, rufe dort die Gottheit herbei, verehre sie und opfere nach der täglichen Homa-Vorschrift von diesem Caru mit Ghee.

Erneut verehre man die Gottheit und vereinige sie mit ihrer Gestalt im Krug. Auch das Feuer werde verehrt und entlassen. Es folgen Bali für alle Wesen und die besonderen Gaben der jeweiligen Ritualvorschrift. Der Gottheit bringe man nach der täglichen Verehrungsordnung das abschließende Trinkwasser und die weiteren Gaben bis zum Schwenken des Lichtes dar.

Nach dreimaligem Prāṇāyāma, Seher-Zuordnung und Hand- sowie sechsgliedrigem Nyāsa wiederhole man den Wurzelmantra tausendachtmal und bringe den Japa in der später beschriebenen Weise der Gottheit dar.

Das Astra-Gefäß und die Feuergrube des Lehrers

Auf dem zuvor in der Nordostecke der Halle gesammelten Haufen ausgestreuter Stoffe stelle man ein wassergefülltes Karaka-Gefäß auf, das Gold enthält und in zwei Gewänder gehüllt ist. Darin meditiere man über die Astra-Gottheit: löwengestaltig, in der rechten und linken Hand Schwert und Schild tragend, furchtbar anzusehen und nach Westen gewandt.

Stehend verehre man sie mit Duft und den weiteren fünf Gaben, verneige sich und hebe das Gefäß mit beiden Händen auf. Man gehe damit im Uhrzeigersinn innerhalb der Halle umher und stelle es wieder an seinen Platz. Sitzend verehre man die Astra-Gottheit erneut mit den fünf Gaben unter dem Astra-Mantra.

Danach setze der Guru das Feuer in der bereits angefertigten Ācārya-Feuergrube zwischen Osten und Nordosten ein.

Die achtzehn Weihen der Feuergrube

Zuerst bestreiche man die Feuergrube mit Kuhdung. In ihrer Nähe bereite und verehre man nach der täglichen Verehrungsordnung den eigenen Sitz und setze sich nach Norden oder Osten gewandt. Mit dem Wurzelmantra vollziehe man Prāṇāyāma, die Zuordnung von Seher und Weiterem, den Hand-Nyāsa und den sechsgliedrigen Nyāsa. Man meditiere über die Gottheit, verehre sie geistig, wiederhole den Wurzelmantra nach Kräften, bringe den Japa dar und verneige sich vor dem ehrwürdigen Guru. Dann folgen die Weihen der Grube.

Man schaue die Grube mit dem Wurzelmantra an, besprenge sie mit dem Astra-Mantra, schlage sie damit dreimal mit Kuśa-Gras und übergieße sie mit dem Kavaca-Mantra. Unter Astra grabe man ein wenig in ihrer Mitte, nehme die Erde mit Daumen und Ringfinger heraus und werfe sie nach außen. Unter dem Herzmantra fülle man die Vertiefung mit reiner Erde, ebne sie unter Astra, benetze sie unter Kavaca mit Wasser und klopfe sie unter Astra mit einem Holz oder einem anderen geeigneten Gegenstand fest.

Unter Kavaca fege man die Grube mit Kuśa-Gras und bestreiche sie mit Kuhdungwasser. Unter demselben Mantra vergegenwärtige man sie als die achtunddreißig Kalās von Feuer, Sonne und Mond. Ebenfalls unter Kavaca umwinde man jede der drei Leisten dreimal mit dreifach gelegtem Faden.

Dann verehre man die Grube mit den Gaben vom Sitz bis zum Licht, jeweils unter Nennung ihrer Form im Dativ und mit Namaḥ: „Oṃ, der genannten Feuergrube sei dieser Sitz dargebracht, Verehrung“, und entsprechend weiter. Zuerst werde so die quadratische oder jeweils vorliegende Grubenform verehrt, danach ebenso der Nabel. Die drei Leisten verehre man mit dem Herzmantra und stelle sich die Grube unter Astra diamantfest vor.

Mit dem Herzmantra bilde man aus Kuśa-Gras an den vier Seiten vier Wege für das Spiel der Feuerflammen. Unter Kavaca bedecke man sämtliche Grubenwände mit Kuśa-Halmen, deren Spitzen unversehrt und die mit Astra besprochen sind. Damit vollziehe man das hier Akṣapāṭana genannte Verfahren. So sind die achtzehn Saṃskāras auszuführen. Wer dazu nicht imstande ist, weihe die Grube nur mit den ersten vier.

Linien, Yogapīṭha und göttliches Paar

Unter dem Herz- oder Astra-Mantra ziehe man mit der Wurzel eines Kuśa-Halms jeweils drei Linien: im Süden, in der Mitte und im Norden nach Osten gerichtet; im Westen, in der Mitte und im Osten nach Norden gerichtet. Man besprenge sie unter Praṇava. Auf den ostwärts gerichteten Linien verehre man im Süden Viṣṇu, in der Mitte Rudra und im Norden Indra. Auf den nordwärts gerichteten Linien verehre man im Westen Brahmā, in der Mitte Sūrya und im Osten Soma, jeweils mit „Verehrung …“.

Dort verehre man nach der später beschriebenen Folge den Yogapīṭha von Maṇḍūka bis zum höchsten Tattva. Auf den Staubfäden des Lotus verehre man, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn und zuletzt in der Mitte: Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā, jeweils mit Oṃ und Namaḥ.

Mit „Hrīṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“ lege man eine Handvoll Blüten in die Mitte. Dort rufe man Bhuvaneśvarī mit ihrem Mantra herbei und vollziehe mit den jeweiligen Mudrās die Handlungen von der Herbeirufung bis zur Paramīkaraṇa. Man verehre sie mit den sechzehn Gaben, beginnend mit dem Sitz. Dann meditiere man dort über Śrī Śiva und verehre ihn ebenso unter dem Wurzelmantra.

Man stelle sich die Göttin nach ihrem Bad am Ende der Menstruation und den Gott von Verlangen erfüllt vor. [Diese Vorstellung des göttlichen Paares bildet den sexuellen Bildzusammenhang der folgenden Feuergeburt.]

Das Herbeibringen und innere Verbinden des Feuers

Feuer, das mittels eines Sonnensteins oder eines anderen vorgesehenen Verfahrens, durch Reibhölzer oder aus dem Haus eines vedakundigen Brahmanen gewonnen wurde, werde unter Astra in ein Gefäß aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff gelegt; ein Tongefäß muss neu sein. Unter Kavaca bedecke man es mit einem zweiten Gefäß derselben Art.

Eine Jungfrau oder eine verheiratete Frau, deren Gatte lebt, bringe es herbei; der Guru nehme es entgegen. Unter Astra entnehme er eine glühende Kohle als den Anteil des Fleischverzehrers und lege sie in der Südwestecke ab. Den für die Gottheiten bestimmten Anteil schaue er unter dem Wurzelmantra an, besprenge und berühre ihn mit Kuśa unter Astra und übergieße ihn unter Kavaca.

Dann führe er in der inneren Vorstellung Feuer aus dem Bindu herbei, der im Feuermaṇḍala seines eigenen Mūlādhāra liegt, das höchste Selbst verkörpert und aus Agni und Soma besteht. Zusammen mit dem Verdauungsfeuer im Maṇipūra führe er es durch die Suṣumnā und durch die Nasenöffnung nach außen. Während er das Feuer-Bīja Raṃ ausspricht, verbinde er das Feuerbewusstsein mit dem vor ihm im Gefäß stehenden Feuer.

Er vergegenwärtige die Einheit von Verdauungsfeuer, Bindu-Feuer und äußerem Feuer, bespreche es mit Praṇava, mache es unter Vaṃ und der Dhenu-Mudrā zu Nektar, schütze es mit Astra und verhülle es mit Kavaca. Mit „Oṃ raṃ, Verehrung dem Feuer“ verehre er es mit Duft und weiteren Gaben.

Auf den Knien nehme er das Gefäß mit beiden Händen, führe es dreimal im Uhrzeigersinn über die Grube und stelle sich das Feuer als Śivas Samen im Schoß der Göttin vor. Unter Praṇava setze er es, sich zugewandt, in die Mitte der Grube. In der Vorstellung der Vereinigung des göttlichen Paares gebe er Gott und Göttin Wasser zum Ācamana.

Er spreche: „Oṃ, Citpiṅgala! Schlage, schlage; koche, koche; brenne, brenne; Allwissender, erteile die Weisung, svāhā!“ [Der Abschluss sarvajñājñāpaya ist eng zusammengezogen; die syntaktische Gliederung bleibt unsicher.] Mit dem Mund blase er das Feuer an, entfache es mit Kuśa und ordne Hölzer an. Stehend und mit zusammengelegten Händen spreche er:

„Oṃ. Ich verehre das entflammte Feuer, Jātavedas, den Verzehrer der Opfergabe: goldfarben, makellos, hell brennend, nach allen Seiten gewandt.“ [Die Quelle beschreibt ein historisches Feuerverfahren; die Übersetzung gibt dessen Ablauf wieder.]

Die Feuer-Nyāsas am Leib des Lehrers

Nach dieser Verehrung des brennenden Feuers vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem später beschriebenen Feuer-Mantra. Dann setze man ein: am Kopf „Verehrung dem Seher Bhṛgu“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“, am Herzen „Verehrung der Gottheit Agni“, im verborgenen Bereich „Verehrung dem Bīja Raṃ“, an den Füßen „Verehrung der Kraft Svāhā“. Mit zusammengelegten Händen sage man: „Anwendung beim Feueropfer als Glied der Einweihung.“

Die sieben Feuerzungen werden mit ihren Lautformeln eingesetzt: am Geschlechtsorgan Sarayūṃ – Hiraṇyā; am After Ṣarayūṃ – Kanakā; am Kopf Śarayūṃ – Raktā; am Mund Varayūṃ – Kṛṣṇā; an der Nase Larayūṃ – Suprabhā; an beiden Augen Rarayūṃ – Raktā; am ganzen Leib Yarayūṃ – Bahurūpā, jeweils mit Namaḥ. [Die Quelle nennt in dieser Reihe zweimal Raktā; bei der späteren Verehrung steht an sechster Stelle Atiraktā. Ebenso wechselt Suprabhā später zu Prabhā. Diese Unterschiede werden erhalten.]

Es folgen die sechs Glieder: „Oṃ, dem Tausendstrahligen – dem Herzen – Namaḥ; dem von Heil Erfüllten – dem Kopf – Svāhā; dem sich erhebenden Puruṣa – dem Scheitelhaar – Vaṣaṭ; dem vom Rauch Durchdrungenen – der Schutzhülle – Huṃ; dem Siebenzungen – den drei Augen – Vauṣaṭ; dem Bogenträger – der Waffe – Phaṭ.“

Die acht Gestalten werden mit „Verehrung Agni …“ eingesetzt: am Kopf Jātavedas; an der linken Schulter Saptajihva; an der linken Seite Havyavāhana; an der linken Hüfte Aśvodaraja; am Geschlechtsorgan Vaiśvānara; an der rechten Hüfte Kaumāratejas; an der rechten Seite Viśvamukha; an der rechten Schulter Devamukha.

Man meditiere über das eigene Selbst als Feuer und zeige die Siebenzungen-Mudrā.

Bereitstellen und Reinigen der Geräte

Nördlich der Grube lege man auf eine Kuśa-Unterlage die Geräte mit der Öffnung nach unten: Opfer- und Schöpflöffel, Besprengungsgefäße, Ghee-Schale, Caru-Topf, drei Umfassungsstäbe, ein Bündel aus fünf Brennhölzern und ein Kuśa-Büschel mit abgeschnittenen Wurzeln und erhaltenen Spitzen. [Die Vorlage schreibt an dieser Stelle zunächst zweimal Sruva; im folgenden Text werden Sruc und Sruva unterschieden.]

Auch die Bali-Stoffe wie Dickmilch und ungebrochene Reiskörner sowie Duftstoffe, Blüten und weitere Verehrungsgaben werden an ihren jeweiligen Orten angeordnet. Nach dem Anschauen und der Besprengung mit nach unten gerichteter Hand, die das Pavitra hält, drehe man die zunächst umgestülpten Löffel und anderen Geräte um. [Die zusammengesetzte Verfahrensbezeichnung im E-Text ist unregelmäßig.]

Man wasche das Praṇītā-Gefäß, stelle es vor sich auf Kuśa, fülle es mit reinem Wasser und gebe Duftstoffe und ungebrochene Reiskörner hinein. Auf das Wasser lege man nach Norden gerichtet ein Pavitra aus zwei Kuśa-Halmen mit unversehrten Spitzen, eine Spanne lang und in der Mitte mit einem Brahmā-Knoten verbunden.

Mit Daumen und Ringfinger beider Hände halte man das Pavitra an Wurzel und Spitze. Unter dem Astra-Mantra schöpfe beziehungsweise schleudere man mit seiner Mitte dreimal Wasser aus dem Gefäß. So vollziehe man das Utpavana, die läuternde Wasserbewegung. Man gebe etwas Ghee hinein, hebe das Gefäß mit beiden Händen bis zum Kopf und stelle es nördlich der Grube auf Kuśa. Darüber lege man Darbha mit ostwärts gerichteten Spitzen.

Nach Aufstellung dieses Gefäßes wasche man das Besprengungsgefäß und fülle es mit reinem Wasser. Mit einem weiteren Gefäß übertrage man etwas Praṇītā-Wasser hinein. Mit diesem Wasser besprenge man unter dem Wurzelmantra sämtliche Gefäße, Opferstoffe und Verehrungsgegenstände. Damit ist die Bereitstellung der Stoffe vollzogen.

Grasauslegung und Umfassungsstäbe

Mit dem Besprengungswasser umsprenge man das Feuer. Mit vier Darbha-[Bündeln] ohne inneren Trieb beginne man die Grasauslegung im Osten: Dort weisen die Spitzen nach Norden, die Auslegung reicht vom Nordosten bis zum Südosten. Im Süden liegen die Spitzen nach Osten und bedecken die Wurzeln der östlichen Auslegung. Im Westen weisen die Spitzen nach Norden; die Wurzeln bedecken die Wurzeln der südlichen Auslegung. Im Norden weisen die Spitzen nach Osten; dabei werden die Spitzen der westlichen und östlichen Auslegung entsprechend überdeckt. [Die letzte räumliche Verknüpfung ist im Sanskrit gedrängt formuliert.]

Von den drei Umfassungsstäben lege man den dicksten im Westen mit der Spitze nach Norden. Den nächstdünneren lege man im Süden mit der Spitze nach Osten, sodass sein Wurzelende über dem Wurzelende des westlichen Stabes liegt. Den dünnsten lege man im Norden mit der Spitze nach Osten; sein Wurzelende liegt über der Spitze des westlichen Stabes. Die drei Stäbe liegen auf der Grasauslegung über der mittleren Leiste der Feuergrube.

An der westlichen Seite sind Grasauslegung und Umfassungsstab im Zwischenraum zwischen Yoni-Kanal und oberer Leiste anzuordnen. Am westlichen Stab verehre man Brahmā, am südlichen Viṣṇu und am nördlichen Rudra, jeweils mit Oṃ und Namaḥ.

Die Wahl des überwachenden Brahman-Priesters

Man rufe einen in die eigene erwählte Gottheit eingeweihten Brahmanen und lasse ihn südlich der Feuergrube auf einem Kuśa-Sitz Platz nehmen. Mit Kleidung, Schmuck und Weiterem wähle man ihn und spreche:

„Ich, … Śarman aus dem genannten Gotra, wähle dich, … Śarman aus dem genannten Gotra, der die genannte Schule des genannten Veda studiert, als Brahman-Priester, damit du bei dem Feueropfer, das zu meiner erwählten Einweihung gehört, über das Getane und Nichtgetane wachst.“

Dann verehre man ihn mit Duft und weiteren Gaben. Ist kein Brahmane verfügbar, verehre man stattdessen eine Kuśa-Figur. Unter dem Feuer-Mantra stelle und weihe man die Gefäße für Arghya, Fußwasser, Ācamana und Madhuparka.

Der Verehrungssitz des Feuers

In der Mitte der Feuergrube vergegenwärtige man den Verehrungssitz des Feuers als achtblättrigen Lotus mit Staubfäden und einem Sechseck in seiner Mitte, umgeben von drei Quadraten mit vier Toren. Dort verehre man wie zuvor den Yogapīṭha von Maṇḍūka bis zum höchsten Tattva.

Auf den Staubfäden der acht Blätter, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn und zuletzt in der Mitte, verehre man die neun Kräfte: Pītā, Śvetā, Aruṇā, Kṛṣṇā, Dhūmrā, Tīvrā, Visphuliṅginī, Rucirā und Jvālinī, jeweils mit „Verehrung …“. Mit „Raṃ, Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte“ verehre man den ganzen Pīṭha. In seiner Mitte meditiere man über das Feuer:

13.FD.1 „Ich preise Vahni, der in seinen Händen die Geste der Gewährung, das Svastika, die Śakti und die Geste der Furchtlosigkeit trägt; auf einem Lotus befindlich, dreiäugig, zinnoberfarben, mit goldenen Schmuckstücken, sein Haupt mit verfilzten Haaren geschmückt.“ [Śakti kann hier die Waffe, den Speer, bezeichnen; Svastika bleibt entsprechend der Vorlage benannt.]

Man zeige die Siebenzungen-Mudrā und verehre Agni dreimal mit einer Handvoll Blüten und der Formel: „Oṃ, Vaiśvānara, Jātavedas, Rotäugiger, vollende alle Handlungen, svāhā; Verehrung Agni.“

Gaben an das Feuer und seine Umhüllungen

Erneut spreche man den Feuer-Mantra und bringe die Gaben dar: „Agni, dieser Sitz sei dir, Namaḥ“; „Agni, dies ist dein Arghya, Svāhā“; „Dies ist dein Fußwasser, Namaḥ“; „Dies ist dein Wasser zum Ācamana, Svadhā“; „Dies ist dein Madhuparka, Svadhā“; „Dies ist dein erneutes Ācamana, Svadhā“; „Dies ist dein Bad, Namaḥ“.

Die Gaben von Arghya bis zum Bad werden in einem gesonderten Gefäß außerhalb der Leiste dargebracht, unter Vergegenwärtigung der jeweils angesprochenen Glieder des Feuers – Füße, Mund, Kopf und ganzer Leib. Nach erneutem Ācamana gebe man das Gewand ins Feuer selbst, darauf wieder Ācamana und die heilige Schnur. Erneutes Ācamana werde außen dargebracht; Duftstoff und Blüten dagegen unmittelbar im Feuer. So werden unter dem Feuer-Mantra die Gaben vom Sitz bis zu den Blüten vollzogen.

An den sechs Ecken und zuletzt in der Mitte verehre man die Feuerzungen, vor der Gottheit beginnend: Sarayūṃ – Hiraṇyā; Ṣarayūṃ – Kanakā; Śarayūṃ – Raktā; Varayūṃ – Kṛṣṇā; Larayūṃ – Prabhā; Rarayūṃ – Atiraktā; Yarayūṃ – Bahurūpā, jeweils mit Namaḥ.

Auf den Staubfäden des achtblättrigen Lotus verehre man die sechs Glieder in den genannten Zwischenrichtungen, vor der Gottheit und den zugehörigen Richtungen: Sahasrārcis mit dem Herzen, Svastipūrṇa mit dem Kopf, Uttiṣṭhapuruṣa mit dem Scheitelhaar, Dhūmavyāpin mit der Schutzhülle, Saptajihva mit den drei Augen und Dhanurdhara mit der Waffe. Die zugehörigen Schlusslaute sind Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Huṃ, Vauṣaṭ und Phaṭ; bei dieser äußeren Verehrung fügt die Vorlage den weiteren Namaḥ-Ruf hinzu.

Auf den acht Blättern verehre man, vor der Gottheit beginnend im Uhrzeigersinn, Agnis acht Gestalten: Jātavedas, Saptajihva, Havyavāhana, Aśvodaraja, Vaiśvānara, Kaumāratejas, Viśvamukha und Devamukha. Im äußeren Quadrat verehre man Indra und die weiteren Welthüter mit ihren Waffen.

Erneut verehre man das Feuer mit seinem Mantra, bringe Räucherwerk, Licht und weitere Gaben dar, gebe die Speisegabe frei und lege sie ins Feuer. Wie zuvor folgt Wasser zum Ācamana.

Die Weihe der Löffel und des Ghees

Man erhitze Sruc und Sruva im Feuer, nach Osten und mit der Öffnung nach unten gerichtet. Ihre Spitzen reinige man mit Kuśa-Spitzen, ihre Mitte mit den mittleren Halmteilen und ihre unteren Enden mit den Wurzelteilen, insgesamt dreimal. Die benutzten Halme werfe man ins Feuer und lege die Löffel rechts von sich auf Kuśa.

Die Ghee-Schale wasche man unter Astra und stelle sie vor sich auf Kuśa. Darüber lege man nach Norden gerichtet ein spannenlanges Pavitra aus zwei Kuśa-Halmen, mit einem Brahmā-Knoten in der Mitte. Reines Kuhghee aus einem anderen Gefäß, frei von schlechtem Geruch und weiteren Mängeln, werde mit den vier Weihen vom Anschauen an gereinigt, unter Vaṃ und Dhenu-Mudrā zu Nektar gemacht und achtmal mit dem Wurzelmantra besprochen. Dann gebe man es in die Ghee-Schale.

Man entnehme der Grube glühende Kohlen und lege sie außerhalb der Leiste im Nordwesten auf den Boden. Unter dem Herzmantra stelle man die Ghee-Schale darauf. Zwei Kuśa-Halme werden entzündet und unter dem Herzmantra ins Ghee gegeben; der Rest kommt ins Feuer. Zwei weitere brennende Darbha-Halme führe man unter Kavaca um die Ghee-Schale; den verbrannten Rest gebe man ins Feuer. Wieder entzünde man Kuśa, halte es unter dem Herzmantra dem Ghee entgegen und werfe den Rest ins Feuer.

Man hebe die Schale ab, führe sie im Uhrzeigersinn um die Grube und stelle sie vor sich auf Kuśa. Die außen liegenden Kohlen kommen zurück in die Grube. Man berühre Wasser, fasse mit Daumen und Ringfinger beider Hände Wurzel und Spitze des Pavitra und läutere unter dem Mantra das Ghee mit dessen Mitte. Unter dem Herzmantra bewege man das Ghee auf diese Weise dreimal auf sich zu.

Das Pavitra werde mit der Spitze nach Osten in die Mitte der Schale gelegt, sodass zwei Bereiche entstehen. Rechts vergegenwärtige man die helle, links die dunkle Mondhälfte; ferner links Iḍā, rechts Piṅgalā und in der Mitte Suṣumnā.

Die ersten Ghee-Gaben

Mit dem Sruva nehme man unter dem Herzmantra Ghee aus dem rechten Bereich und opfere mit „Agni, svāhā“ in das rechte Auge des Feuers. Danach erkläre man: „Dies ist für Agni, nicht mein.“ Ebenso nehme man links Ghee und opfere mit „Soma, svāhā“ in das linke Auge: „Dies ist für Soma, nicht mein.“

Aus der Mitte nehme man Ghee und opfere mit „Oṃ, Agni und Soma, svāhā“ in das Stirnauge: „Dies ist für Agni und Soma, nicht mein.“ Noch einmal nehme man rechts Ghee und opfere mit „Agni Sviṣṭakṛt, svāhā“ in den Mund: „Dies ist für Agni Sviṣṭakṛt, nicht mein.“ Sviṣṭakṛt bezeichnet hier Agni als den, der das Opfer recht vollzogen macht.

Es folgen: „Oṃ bhūḥ, svāhā – dies ist für Agni, nicht mein“; „Oṃ bhuvaḥ, svāhā – dies ist für Vāyu, nicht mein“; „Oṃ svaḥ, svāhā – dies ist für Sūrya, nicht mein“; „Oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ, svāhā – dies ist für Prajāpati, nicht mein“.

Mit dem Feuer-Mantra „Oṃ, Vaiśvānara, Jātavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollende alle Handlungen, svāhā“ opfere man dreimal und erkläre danach jeweils: „Dies ist für Agni, nicht mein.“ [Die Vorlage hat hier die unregelmäßige Form sādhya statt der sonst verwendeten Befehlsform; der erkennbare Sinn bleibt wiedergegeben.]

Empfängnis, Geburt und weitere Lebensweihen des Feuers

Mit „Oṃ, ich vollziehe Agnis Empfängnisweihe, svāhā“ sowie entsprechend mit der Puṃsavana- und der Sīmantonnayana-Formel bringe man für jede Handlung acht Ghee-Gaben dar. Dann meditiere man über das aus Vāgīśvara geborene Feuer in der zuvor beschriebenen Gestalt und opfere achtmal zur Geburtsweihe.

Man vollziehe das Durchtrennen der Nabelschnur des Feuers und die Reinigung der Geburtsunreinheit. Acht weitere Gaben gelten seiner Namensgebung; man gebe ihm den Namen Śivāgni.

Für jede der folgenden Weihen opfere man ebenfalls achtmal Ghee mit „Oṃ, ich vollziehe … für das Feuer, svāhā“: erstes Hinausführen, erste feste Nahrung, erstes Haarscheren, Einführung in das Studium, Mahānāmnī, Mahāvrata, Aupaniṣada, Godāna, Abschluss der Lehrzeit und Eheschließung. [Die Namen der besonderen Studienweihen bleiben erhalten; Godāna steht hier innerhalb der Lebensweihen und wird nicht ohne Weiteres als bloße Kuhschenkung übersetzt.]

Nach Vollzug der Weihen von der Empfängnis bis zur Eheschließung verehre und entlasse man die Eltern des Feuers, Gott und Göttin, wie zuvor. Fünf Brennhölzer, an Wurzel und Spitze mit Ghee benetzt, bringe man schweigend zusammen mit beiden Händen im Feuer dar.

Gaben an Zungen, Glieder, Gestalten und Welthüter

Je eine Gabe gilt den sieben Feuerzungen, mit den Lauten Sarayūṃ, Ṣarayūṃ, Śarayūṃ, Varayūṃ, Larayūṃ, Rarayūṃ und Yarayūṃ sowie den Namen Hiraṇyā, Kanakā, Raktā, Kṛṣṇā, Suprabhā, Atiraktā und Bahurūpā, jeweils mit Oṃ und Svāhā.

Je eine Gabe gilt den sechs Gliedern: Sahasrārcis – Herz; Svastipūrṇa – Kopf; Uttiṣṭhapuruṣa – Scheitelhaar; Dhūmavyāpin – Schutzhülle; Saptajihva – drei Augen; Dhanurdhara – Waffe. Ebenso den acht Gestalten Agnis: Jātavedas, Saptajihva, Havyavāhana, Aśvodara, Vaiśvānara, Kaumāratejas, Viśvamukha und Devamukha. [Hier steht Aśvodara, während zuvor Aśvodaraja genannt wurde.]

Dann opfere man je einmal mit den jeweiligen Namen: „Oṃ laṃ, Indra, svāhā – dies ist für Indra, nicht mein“, entsprechend für Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Vāyu, Kubera, Īśāna, Brahmā und Ananta sowie für Vajra, Śakti, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Keule, Dreizack, Lotus und Diskus. Überall folge die ausdrückliche Zuweisung an den genannten Empfänger unter Aufgabe des eigenen Anspruchs.

Mit dem Sruva gebe man viermal Ghee in die Sruc und lege ihn mit der Öffnung nach unten über deren Mündung. Man stehe auf und opfere mit der Sruc unter dem zuvor genannten Feuer-Mantra, wobei Svāhā durch Vauṣaṭ ersetzt wird. Danach setze man sich wieder.

Das zehnfach gegliederte Mahāgaṇapati-Opfer

Es folgen zehn Gaben mit dem schrittweise erweiterten Mahāgaṇapati-Mantra. Die Vorlage nennt die Stufen ausdrücklich:

  • Oṃ svāhā.
  • Oṃ śrīṃ svāhā.
  • Oṃ śrī hrīṃ svāhā. [So die dritte Stufe ohne Bindu nach Śrī in dieser Vorlage.]
  • Oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ svāhā.
  • Oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ svāhā.
  • Oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ svāhā.
  • Dieselbe Lautfolge mit „gaṇapataye“, „für Gaṇapati“.
  • Dazu „varavarada“, „du vorzüglicher Gewährer von Gaben“.
  • Dazu „sarvajanaṃ me“, „alle Menschen für mich“.
  • Schließlich „vaśamānaya“, „bringe unter [meine] Gewalt“, und Svāhā.

Mit dem vollständigen Mantra „Oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye varavarada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā“ bringe man vier Ghee-Gaben dar. Die Quelle bezeichnet ihn dabei als samastavyasta, zusammengefasst und gegliedert. [Die vollständige Formel wird hier aus der Vorlage belegt; ihre auf Beherrschung anderer gerichtete Bitte wird weder verschwiegen noch als heutige Übung empfohlen.]

Damit endet die Vorschrift zur Einsetzung des Feuers.

Zubereitung und Verteilung des Caru

Nach Einsetzung des Feuers wasche man unter Astra ein neues Gefäß aus Kupfer oder einem anderen geeigneten Stoff. Unter Wiederholung von Astra gebe man fünfzehn Prasṛti Reis hinein, dreimal gewaschen und achtmal mit dem Wurzelmantra besprochen. Man gebe so viel Kuhmilch hinzu, wie zum Garen erforderlich ist, und bedecke die Öffnung unter Kavaca mit einem gewaschenen Gefäß.

Wenn die Milch durch die Hitze aufsteigt, rühre der nach Osten gewandte Guru mit dem Rührgerät im Uhrzeigersinn und nach oben, den Wurzelmantra im Gedächtnis. Ist der Caru gar, gebe er unter dem Wurzelmantra mit dem Sruva Ghee hinzu. Unter Kavaca nehme er den Topf vom Feuer und stelle den Caru auf eine mit Astra besprochene Kuśa-Unterlage.

Er teile ihn in drei Teile und bringe einen davon der Gottheit im Krug dar. Rings um die Halle stelle er die beim Keimsaatritual vorbereiteten Saatgefäße sowie mit Ghee gefüllte Lampen aus Teig auf.

Dann begebe er sich zur Feuergrube, setze sich auf seinen Sitz und stelle mit dem Wurzelmantra die später beschriebenen Arghya- und weiteren Gefäße auf. Im Mund des Feuers in der Mitte der Grube vergegenwärtige er das Verehrungscakra, verehre den Pīṭha von Maṇḍūka bis zu dessen abschließendem Mantra, rufe die Gottheit herbei und verehre sie samt Gliedern und Umhüllungen mit allen Gaben.

Wie bei der Verehrung des Feuers werden die Gaben von Arghya bis zum Bad außerhalb der Grube in einem gesonderten Gefäß für die Gottheit dargebracht; alles Weitere in der Grube selbst.

Vereinigung von Feuer und Gottheit; Beteiligung der Opferpriester

Unter dem Wurzelmantra opfere man fünfundzwanzigmal Ghee, um die Münder von Feuer und Gottheit zu vereinigen. Die Einheit von eigenem Selbst, Feuer und Gottheit vergegenwärtigend, opfere man unter demselben Mantra elfmal Ghee zur Verbindung der Nāḍīs. Dann folgt je eine Gabe für die sechs Glieder und die Umhüllungsgottheiten.

Ein Drittel des zuvor bereiteten Caru wird in neun Anteile geteilt. Mit einem davon opfere der Guru unter dem Wurzelmantra fünfundzwanzigmal. Die Feuergruben in den mit Osten beginnenden Richtungen haben die Opferpriester inzwischen mit den achtzehn zuvor genannten Saṃskāras geweiht. Der Guru entnehme seiner eigenen Grube jeweils Feuer und lege es in diese Gruben.

Die Opferpriester entfachen das Feuer in ihrer jeweiligen Grube nach der genannten Vorschrift, verehren es und erfreuen es mit Umsprengung, Grasauslegung, Einsetzen der Umfassungsstäbe und weiteren Handlungen. Im hell brennenden Feuer rufen sie nach der täglichen Verehrungsordnung ihrer erwählten Gottheit den Gott herbei und verehren ihn mit den Gaben bis zum Betel.

Nach Vereinigung der Münder, Verbindung der Nāḍīs und Opfer für Glieder und Umhüllungen opfern sie jeder in seiner Grube fünfundzwanzigmal unter dem Wurzelmantra von dem mit Ghee vermischten Milchreis, den der Guru ihnen zugeteilt hat.

Bali für Tierkreiszeichen und Planeten

Nun ordne der Guru die Tierkreiszeichen in den vier Umgängen des Sarvatobhadra-Maṇḍalas an: im Osten Widder und Stier, im Südosten Zwillinge, im Süden Krebs und Löwe, im Südwesten Jungfrau, im Westen Waage und Skorpion, im Nordwesten Schütze, im Norden Steinbock und Wassermann, im Nordosten Fische.

An diesen Plätzen bringe er mit dem vom Opfer übrigen Milchreis Bali dar: für die planetarischen Herren der Zeichen, für die Mondhäuser und für die Karaṇas.

An den Plätzen von Widder und Skorpion lautet die Formel: „Kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ, dem Mars, dem Herrn der Zeichen Widder und Skorpion, diese Milchreisgabe mit Duft und Blüten … Verehrung.“ [Die erste Formelfassung hat hier das auffällige Wort aṅkuśa, Elefantenstachel; die abschließende ausgeschriebene Fassung derselben Reihe nennt stattdessen Akṣata, ungebrochene Reiskörner. Der Unterschied wird nicht stillschweigend beseitigt.]

Entsprechend gelten die fünf Laute ab Ca für Venus, den Herrn von Stier und Waage; die fünf ab Ṭa für Merkur, den Herrn von Zwillingen und Jungfrau; die zehn ab Ya für den Mond, den Herrn des Krebses; die sechzehn ab A für die Sonne, den Herrn des Löwen; die fünf ab Ta für Jupiter, den Herrn von Schütze und Fischen; die fünf ab Pa für Saturn, den Herrn von Steinbock und Wassermann. Die letzte Formel lautet ausgeschrieben: „Diese Milchreisgabe mit Duft, Blüten und ungebrochenen Reiskörnern, Verehrung.“

Bali für Mondhäuser und Karaṇas

Danach bringe man an den mit Widder beginnenden Plätzen die Gabe für die zugehörigen Mondhausgottheiten und für alle bei Tag und Nacht umhergehenden Wesen dar. Für Widder werden Aśvinī, Bharaṇī und ein Viertel von Kṛttikā genannt. Für Stier folgen drei Viertel von Kṛttikā, Rohiṇī und die erste Hälfte von Mṛgaśiras. Für Zwillinge folgen die zweite Hälfte von Mṛgaśiras, Ārdrā und drei Viertel von Punarvasu.

Die jeweiligen Formeln beginnen mit der Benennung der als Teil des Zeichens geltenden Mondhausgottheiten und der Wesen und enden wie zuvor mit der Darbringung der Milchreisgabe. Die Quelle sagt ausdrücklich, dass die weiteren Formeln entsprechend zu erschließen sind; sie schreibt sie hier nicht aus.

Zwischen Fischen und Widder bringe man Bali für Bava dar; zwischen Stier und Zwillingen für Bālava; zwischen Zwillingen und Krebs für Kaulava; zwischen Löwe und Jungfrau für Taitila; zwischen Jungfrau und Waage für Gara; zwischen Skorpion und Schütze für Vaṇij; zwischen Schütze und Steinbock für Viṣṭi. Jeweils wird die mit Duft, ungebrochenem Reis und Blüten versehene Milchreisgabe unter Nennung des Karaṇa dargebracht.

Nach der Überlieferung erhalten Planeten, die zwei Zeichen beherrschen, ihre Bali-Gabe an beiden Zeichenplätzen.

Der Abschluss des Vortages

Der Guru bringe der Gottheit im Krug nach der später beschriebenen Weise das abschließende Trinkwasser und die weiteren Gaben bis zum Lichtschwenken dar, preise sie, verneige sich und bitte um Verzeihung.

Den dritten Teil des Caru esse er gemeinsam mit dem Schüler. Beide vollziehen Ācamana. Dem Schüler, an dem durch den sechsgliedrigen Nyāsa die Sakalīkṛti vorgenommen wurde, gebe der Guru ein spannenlanges Zahnreinigungshölzchen, achtmal mit dem vorgeschriebenen Herzmantra besprochen.

Der Schüler reinige damit die Zähne, wasche das Hölzchen, werfe es vor sich hin, vollziehe Ācamana und komme wieder zum Guru. Dieser schütze ihn durch das Binden des Scheitelhaars unter dem Wurzelmantra. In jener Nacht lege sich der Guru mit ihm auf eine Kuśa-Unterlage auf der Vedi. Dies ist der Adhivāsa, die vorbereitende Nachtwache beziehungsweise rituelle Übernachtung.

Unterschiede nach Überlieferung und Lehrsystem

Bei Einweihungen in die Gottheiten des Ūrdhvāmnāya und der weiteren Überlieferungsrichtungen haben die Opferpriester die jeweiligen Mantra-Opfer und Gottheitenverehrungen in der zugehörigen Reihenfolge auszuführen. Die Verehrung der neun Planeten wird nach der Überlieferung gesondert auf der Vedi in der Nordostecke vollzogen, entweder mit den im Āgama genannten oder mit vedischen Mantras.

Bei der als „über viele Tage mit der fünf- und sechsgipfligen Vidyā gereinigt“ beschriebenen Ordnung gilt gerade der dort genannte Ablauf der Einweihung als angemessen, weil andere Mantras dort nicht als zusätzliche Glieder genannt werden. [Die Lesung pañcapaṣaṭkūṭa ist beschädigt; die Gegenüberstellung einer fünf- und einer sechsgliedrigen Vidyā bleibt eine vorsichtige Deutung des erkennbaren Wortbestands.]

Bei der Einweihung in die Hauptvidyās, die zu den sechs Lehrsystemen gehören, sollen Opferpriester und in die gemeinsame Verpflichtung Eingeweihte Homa, Japa und Verehrung mit den Mantras vollziehen, die in den jeweiligen Lehrsystemen als Glieder bezeichnet sind. Auch der Guru soll die Unterweisung in dieser vollständigen Form mit Haupt- und Nebengliedern geben.

Die Vorschrift für den Pūrṇābhiṣeka wird später im zugehörigen Abschnitt erläutert. Wo die Unterweisung vom vedischen Lehrsystem bestimmt ist, sind die Besonderheiten nach Śruti und Smṛti zu verstehen; im Übrigen besteht Übereinstimmung.

Die anfängliche Hallenverehrung bei der vedischen Einweihung

Nun folgt bei der Einweihung nach dem vedischen Lehrsystem die Verehrung der Halle, beginnend mit Gaṇādhipa. Zuerst die Gaṇeśa-Verehrung: Der Auftraggeber setze sich auf seinen Sitz, vollziehe Ācamana und dreimal Prāṇāyāma, nehme Kuśa und ungebrochenen Reis in die Hand und fasse den Entschluss.

Nach Nennung von Tag, Monat, Mondhälfte und Weiterem spreche er: „Zur Beseitigung von Hindernissen bei der bevorstehenden Einweihung in den Mantra der genannten Gottheit werde ich Gaṇapati verehren.“ Mit dem Mantra, der „gaṇānāṃ tvā“ beginnt, verehre er Gaṇapati durch die sechzehn Gaben von der Herbeirufung an. Mit zusammengelegten Händen bete er:

13.VG.1 „Du mit gekrümmtem Rüssel und großem Leib, dessen Glanz zehn Millionen Sonnen gleicht: O Gott, mache alle meine Vorhaben stets frei von Hindernissen.“

Er lasse sagen: „Möge die Verehrung zur Vollständigkeit gelangen“, und entlasse [die herbeigerufene Gottheit].

Die Mütter und die glückverheißenden Handlungen

Auf Haufen ungebrochenen Reises auf dem Pīṭha verehre man die sechzehn mit Gaurī beginnenden Mütter und die sieben mit Brāhmī beginnenden Mütter. Sie werden genannt:

13.VM.1 Gaurī, Padmā, Medhā, Sāvitrī, Vijayā, Jayā, Devasenā, Svadhā, Svāhā, die Mütter und die Weltenmütter …

13.VM.2 … Dhṛti, Tuṣṭi, Puṣṭi und die eigene Familiengottheit; [in der Siebenergruppe] Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī und Vaiṣṇavī …

… sowie Vārāhī, Indrāṇī und Cāmuṇḍā: die sieben Mütter. [Die als sechzehn bezeichnete erste Reihe enthält in der vorliegenden Aufzählung bei eigenständiger Zählung von „Mütter“ und „Weltenmütter“ nur fünfzehn Positionen. Ein fehlender Name wird nicht ergänzt.]

Zur Verehrung stelle man die Gegenstände bereit, setze sich nach Osten gewandt, nehme Kuśa, Gerste und Sesam und fasse nach Nennung von Zeit und Ort den Entschluss: „Als Glied der bevorstehenden Mantra-Einweihung werde ich die sechzehn Mütter von Gaurī an und die sieben Mütter von Brāhmī an verehren.“

Mit ungebrochenem Reis rufe man: „Oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ, Gaurī, komm hierher, bleibe hier.“ Man setze sie mit dem Mantra der eigenen Veda-Schule ein und bringe mit „Verehrung Gaurī, dies ist der Sitz“ und den weiteren Formeln die Gaben dar. Jede wird einzeln verehrt, in der nach Norden fortschreitenden Anordnung und jeweils nach Art der Gabe. Ebenso verfahre man mit Brāhmī und den weiteren Müttern.

Werden die Mütter als gemeinsame Gottheitengruppe aufgefasst, nenne man zunächst jede beim Namen und dann „den mit Gaurī beginnenden [Müttern]“; anschließend verehre man sie gemeinsam. Dasselbe gilt für Brāhmī und ihre Gruppe.

Nach eigenem Brauch ziehe man mit Ghee fünf oder sieben an der Wand haftende Linien beziehungsweise Güsse unter „vasoḥ pavitram asi“. Einige schreiben auch deren Verehrung vor. Dann folgen die Friedensrezitation und, nach entsprechendem Entschluss und eigenem Brauch, das in der eigenen Veda-Schule beschriebene Vṛddhiśrāddha, die glückverheißende Ahnenhandlung.

Bei der Verkündigung des glückverheißenden Tages knie man auf dem Boden und lasse drei Brahmanen die Bitte hören: „Die Ehrwürdigen mögen den glückverheißenden Tag verkünden.“ Sie antworten dreimal: „Ein glückverheißender Tag.“ Dreimal folgt: „Oṃ, die Ehrwürdigen mögen Heil sprechen“, mit der dreimaligen Antwort „Oṃ, Heil“. Dreimal folgt: „Oṃ, die Ehrwürdigen mögen Gedeihen sprechen“, mit der Antwort „Oṃ, möget ihr gedeihen“.

Wahl von Lehrer, Opferpriestern und Torhütern

Außerhalb der Halle im Westen setze sich der Auftraggeber auf eine bestrichene Fläche nach Osten gewandt, vollziehe Ācamana und Prāṇāyāma und erkläre nach Nennung von Zeit und Ort: „Zur Durchführung der Mantra-Einweihung der genannten Gottheit werde ich Ācārya und Opferpriester wählen.“

Er lasse den Ācārya nach Norden gewandt sitzen und statte ihn mit weißem Gewand, goldenen Ohrringen, heiliger Schnur, Oberarm- und Halsschmuck aus. Mit zusammengelegten Händen bitte er: „Sei mein Guru bei der Erteilung der Einweihung.“ Dieser antworte: „Ich will es sein.“

Unter Nennung der Pravara-Ahnen, der Gotras, der Veda-Schule und beider Namen spreche der Schüler: „Mit diesen Duftstoffen, Blüten, Reiskörnern, Betel, Goldschmuck, Fingerringen und Gewändern wähle ich dich als Guru zur Erteilung der Einweihung in den genannten Mantra.“ Der Lehrer antworte: „Ich bin gewählt.“

Entsprechend wähle man einen Brahmanen für das Gāyatrī-Opfer in der östlichen Grube und sieben weitere für die Gruben im Südosten, Süden, Südwesten, Westen, Nordwesten, Norden und Nordosten. So sind es neun Brahmanen [einschließlich des Ācārya].

Für die Bewachung des Osttores wähle man zwei Ṛgveda-Kenner, für das Südtor zwei Yajurveda-Kenner, für das Westtor zwei Sāma-Sänger und für das Nordtor zwei Atharvaveda-Kenner: insgesamt acht, jeden gesondert. Die Wahlformel ist wie zuvor. Ebenso wähle man einen Pustakācārya, einen für das Buch beziehungsweise den Text zuständigen Lehrer. Diese Torhüter sind allen Lehrsystemen gemeinsam.

Der Eintritt der Ritualgemeinschaft

Der Ācārya trage ein weißes Gewand, weiße Girlanden und Salbe. Mit seiner Frau, dem Schüler und den Opferpriestern umschreite er unter glückverheißenden Klängen und der Rezitation von „bhadraṃ karṇebhiḥ“ und weiteren Mantras die Halle, einen gefüllten Krug in den Händen.

Er trete durch das Westtor ein, setze sich im westlichen Innenbereich, vollziehe Ācamana und Prāṇāyāma, vergegenwärtige Ort und Zeit und fasse den Entschluss: „Als Glied der bevorstehenden Erteilung der Einweihung werde ich heute Gaṇeśa verehren und die Gottheiten der Halle einsetzen.“ Nach Gaṇeśas Verehrung mit sechzehn Gaben streue er weißen Senf im ganzen Halleninneren aus.

Dabei werden folgende abwehrende Mantras gesprochen:

13.VA.1 „Jedes Wesen, das hier beständig diesen Ort aufgesucht hat, möge diesen Platz verlassen und dorthin gehen, wo es [sonst] weilt.“

13.VA.2 „Wesen und Piśācas mögen nach allen Richtungen fortgehen. Ohne Feindschaft gegen irgendjemanden beginne ich die Brahman-Handlung.“

Mit Pañcagavya und Kuśa besprenge man überall unter den Versen, die „śuci vo havyā“ und „āpo hi ṣṭhā“ beginnen. Dann wiederhole man mit zusammengelegten Händen die beiden unter „svastyayana“ und „tārkṣya“ angeführten Mantras. [Diese vedischen Rezitationen sind hier lediglich durch ihre Anfänge bezeichnet; ihr vollständiger Wortlaut wird nicht hinzuerfunden.]

Die vier Torbögen und ihre Krüge

Eine Hasta außerhalb des östlichen Hallentores stelle man einen Torbogen aus Vaṭa oder Aśvattha auf, mit dem Namen Sudṛḍha oder Suśobhana und dem Zeichen der Muschel. Dazu dient der Mantraanfang „agnim īḷe purohitam“. Man verehre ihn mit seinem Namen, bestreiche ihn mit Sandelholz und Weiterem und ordne ihm Rāhu und Bṛhaspati zu. Dort ist ein Krug aufzustellen.

Dabei berühre man unter „mahī dyauḥ“ die Erde und bete; unter „oṣadhayaḥ sam“ streue man Gerste aus. Unter „ā kalaśeṣu“ oder „ā jighra kalaśam“ stelle man den Krug hin und fülle ihn unter „imaṃ me gaṅge“ mit Wasser. Es folgen Duftstoff unter „gandhadvārām“, die Gesamtheit der vorgesehenen Heilpflanzen unter „yā oṣadhīḥ“, Gerste unter „oṣadhayaḥ sam“, Dūrvā unter „kāṇḍāt kāṇḍāt“, fünf Blattzweige unter „aśvatthe vo“, fünf Erden unter „śyonā pṛthivi“, Früchte unter „yāḥ phalinīḥ“, fünf Edelsteine unter „sa hi ratnāni“ und Gold unter „hiraṇyarūpam“.

Unter „yuvā suvāsā“ umwinde man die Öffnung mit einem Gewand und rotem Faden. Unter „pūrṇā darvi“ lege man oben eine mit Getreide gefüllte Schale auf. Dort rufe und verehre man Dhruva. [Die Quelle führt die vedischen Mantras hier nur mit ihren Anfangsworten an; diese bleiben als Verweise erkennbar.]

Im Süden stelle man einen Torbogen aus Udumbara auf, Subhadra oder Vikaṭa genannt und mit einem Diskus bezeichnet, unter „iṣe tvorje tvā“. Man verehre und bestreiche ihn wie zuvor und ordne ihm Sonne und Mars zu. Im dort ebenso aufgestellten Krug rufe und verehre man Dharā.

Im Westen stelle man einen Torbogen aus Plakṣa oder Udumbara auf, Suhotra oder Suprabha genannt, mit einem Lotus bezeichnet, unter „śaṃ no devīḥ“. Nach Verehrung und Bestreichung ordne man ihm Venus und Merkur zu. Im Krug rufe und verehre man Vākpati.

Im Norden stelle man einen Torbogen aus Vaṭa, Aśvattha oder Palāśa auf, Pūrṇasukarman oder Subhīma genannt und mit einer Keule bezeichnet, unter „agna ā yāhi“. Nach Verehrung und Bestreichung ordne man ihm Mond, Ketu und Saturn zu. Im Krug rufe und verehre man Vighneśa. [Die nördliche Namensfolge ist in der Vorlage zusammengezogen; ihre genaue Worttrennung bleibt unsicher.]

Osten: Ṛgveda und Indra

An den beiden Pfosten des Osttores stelle man zwei mit Dickmilch und ungebrochenem Reis geschmückte Krüge auf, mit den vorigen Mantras, die für jeden Krug wiederholt werden. Man setze und verehre dort die beiden Airāvata-Krüge. Dann wende man sich an die beiden Ṛgveda-kundigen Opferpriester:

13.RO.1 „Der Ṛgveda ist lotusblättrig-äugig, dem Gāyatrī-Maß zugehörig, mit Soma als Gottheit, aus Atris Gotra. O bester Brahmane, vollziehe beim Opfer die Friedensrezitation.“ [Die grammatisch unregelmäßige Form gāyatryaḥ bleibt als überlieferte Zuordnung zum Gāyatrī-Maß verstanden.]

Jeden verehre man mit Duft und Weiterem unter „agnim īḷe“. Danach:

13.IO.1 „Komm, komm, von allen Unsterblichen, Siddhas und Sādhyas Gepriesener, Blitzkeilträger und Herr der Götter! Von der Schar der Apsaras befächelt, beschütze unser Opfer, Erhabener; dir sei Verehrung.“

Mit „O Indra, komm hierher, bleibe hier“ rufe man Indra samt Gliedern, Gefolge, Waffen und Kraft in den Torkrug. Unter „trātāram indram“ verehre man ihn. Unter „āśuḥ śiśānaḥ“ errichte man gelbes Banner und gelbe Fahnen an fünf Hasta langen Stangen. Auch „indraṃ vo viśvatas pari“ wird als Mantra genannt.

Man meditiere über den tausendäugigen Indra auf dem mächtigen Airāvata, mit gelber Krone und Ohrringen, rechts den Vajra und links den Lotus haltend.

13.ID.1 „Indra, der höchste Götterherr, mit dem Blitzkeil in der Hand, von großer Kraft, Gott und Herr der hundert Opfer: Ihm sei stets wieder und wieder Verehrung.“

Man verneige sich und spreche: „Indra samt Gliedern, Gefolge, Waffen und Kraft bringe ich diese Gabe von Māṣa[-Reis] dar.“ Damit gebe man Bali. [Die Vorlage setzt bhakta, gekochten Reis beziehungsweise Speise, hier in Klammern ein; später heißt die Gabe regelmäßig Māṣabhakta.]

Südosten: Agni

Nach Ācamana gehe man zum Südosten, stelle wie zuvor einen Krug auf und verehre Puṇḍarīka und Amṛta. Dann:

13.AO.1 „Komm, komm, Vaiśvānara, Träger der Opfergaben, ringsum von vorzüglichen Weisen verehrt! Mit der lichtvollen Schar der Welten beschütze mein Opfer, Seher; dir sei Verehrung.“

Mit „O Agni, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Gliedern, Gefolge, Waffen und Kraft in den Krug. Unter „tvaṃ no agne“ verehre man ihn mit Duft und Weiterem; unter „agniṃ dūtam“ errichte man rotes Banner und rote Fahne an fünf Hasta langer Stange.

Man meditiere über Agni auf einem Ziegenbock, rot, mit heiliger Schnur, in rechter und linker Hand [Gegenstände, deren erster hier unvollständig benannt ist] und einen roten Wasserkrug haltend. [Die Lesung dhṛtaraktakamaṇḍaluṃ benennt die beiden Handattribute nicht eindeutig.]

13.AD.1 „Der feurige Puruṣa ist rot, aus allen Göttern bestehend und unvergänglich; Rauch ist sein Banner, ungeboren ist er, der Aufseher. Ihm sei stets wieder und wieder Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Agni samt den genannten Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Süden: Yajurveda und Yama

Nach Ācamana gehe man nach Süden, stelle wie zuvor zwei Krüge an die Torpfosten und setze und verehre dort den Elefanten Vāmana. Die beiden Yajurveda-kundigen Opferpriester bitte man einzeln:

13.YV.1 „Der Yajurveda ist mit dem Blick eines Scheuen versehen, dem Triṣṭubh-Maß zugehörig, mit Viṣṇu als Gottheit, aus Kaśyapas Geschlecht. O bester Brahmane, vollziehe beim Opfer die Friedensrezitation.“ [Die auffällige Charakterisierung kātarākṣa wird nicht durch eine vermutete andere Lesung ersetzt.]

Man verehre sie mit Duft und Weiterem unter „iṣe tvorje tvā“. Danach:

13.YO.1 „Komm, komm, Sohn Vivasvats, König des Dharma, von allen Unsterblichen verehrt, Verkörperung des Dharma! Herr über Gutes und Schlechtes, Freude und Trauer, beschütze unser Opfer zum Heil; dir sei Verehrung.“

Mit „O Yama, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt den genannten Gliedern herbei und verehre ihn unter „yamāya somam“. Unter „āyaṃ gauḥ“ errichte man schwarzes Banner und schwarze Fahne an fünf Hasta langer Stange.

Man meditiere über Yama auf dem Büffel, rechts den Stab, links die Schlinge haltend, wie ein Haufen schwarzer Augensalbe, mit feurigen Augen.

13.YD.1 „Den auf einem großen Büffel Sitzenden, mit dem Stab in der Hand, von großer Kraft, rufe ich in dieses Opfer. Möge meine Verehrung angenommen werden.“

Nach Verneigung bringe man Yama samt seinen Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Südwesten: Nirṛti

Nach Ācamana stelle man im Südwesten wie zuvor einen Krug auf und verehre den Elefanten Kumuda sowie Durjaya.

13.NO.1 „Komm, komm, du Führer der Rākṣasa-Schar, mit den großen Gruppen von Vetālas und Piśācas! Beschütze mein Opfer, [du Herr der] Piśācas; du bist Herr der Welt, Erhabener, dir sei Verehrung.“ [Die Anrede piśācanāya ist verkürzt oder beschädigt.]

Mit „O Nirṛti, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „mo ṣu ṇaḥ“ oder „asunvantam“. Unter dem zuerst genannten Spruch errichte man blaues Banner und blaue Fahne an fünf Hasta langer Stange. Man meditiere über Nirṛti, auf einem Menschen sitzend, mit Schwert in der Hand, blau und mit blauem Schmuck.

13.ND.1–13.ND.2 „Auf einem Menschen sitzend, großleibig, mit Schwert in der Hand, von großer Kraft, blau, von Rākṣasa-Scharen umgeben und mit blauem Schmuck geziert: Nirṛti, den Schwertträger und alleinigen Herrn aller Welten, rufe ich in dieses Opfer. Möge meine Verehrung angenommen werden.“

Nach Verneigung bringe man Nirṛti samt seinen Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Westen: Sāmaveda und Varuṇa

Nach Ācamana stelle man am Westtor wie zuvor je einen Krug an den Pfosten auf und verehre dort den Richtungselefanten Añjana. Die beiden Sāmaveda-kundigen Opferpriester bitte man:

13.SV.1 „Der Sāmaveda ist gelbbraunäugig, dem Jagatī-Maß zugehörig, mit Śakra als Gottheit, aus Bharadvājas Geschlecht. O bester Brahmane, vollziehe beim Opfer die Friedensrezitation.“

Unter „agna ā yāhi“ verehre man sie mit Duft und Weiterem. Danach:

13.VO.1 „Komm, komm, mit den Scharen der Wasserwesen und Meere, Parjanya, mit den Apsaras! Von Vidyādharas, Indra und den Unsterblichen besungen, beschütze uns, Erhabener; dir sei Verehrung.“ [Parjanya steht hier in der Varuṇa-Anrufung; die Zuordnung wird beibehalten.]

Mit „O Varuṇa, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „tat tvā yāmi“. Unter „imaṃ me varuṇa“ errichte man weißes Banner und weiße Fahne. Man meditiere über Varuṇa auf dem Makara, mit Schlinge in der Hand, weiß und gekrönt.

13.VD.1 „Varuṇa, mit der Schlinge in der Hand, den Herrn und Hort der Wasser, rufe ich in dieses Opfer. Varuṇa sei wieder und wieder Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Varuṇa samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Nordwesten: Vāyu

Nach Ācamana stelle man im Nordwesten wie zuvor den Krug auf und verehre Puṣpadanta und Siddhārtha.

13.WO.1 „Komm, komm, zum Schutz meines Opfers, auf einer Antilope sitzend, mit den Scharen der Siddhas! Herr der Lebenskräfte, Gefährte [des hier Kālakavi Genannten], nimm die Verehrung an, Erhabener; dir sei Verehrung.“ [Die Lesung kālakaveḥ bleibt ungeklärt.]

Mit „O Vāyu, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „tava vāyav ṛtaspate“. Unter „vāyo śatam“ errichte man rauchfarbenes Banner und rauchfarbene Fahne. Man meditiere über Vāyu auf einer Antilope, in rechter und linker Hand ein buntes Gewand beziehungsweise eine Fahne haltend. [Die Verknüpfung von Gewand und Handattributen ist im Sanskrit gedrängt.]

13.WD.1 „Vāyu, der sich im Raum bewegt, den reinigenden Wind mit schnellem Gefährt, rufe ich in dieses Opfer. Möge diese Verehrung angenommen werden.“

13.WD.2 „Gestaltlos ist er und von großer Kraft; [die folgende Bestimmung seiner Bewegung am Himmel ist in paśudṛṣṭagati unklar]. Vor diesem verehrungswürdigen Vāyu verneige ich mich in der Welt.“

Nach Verneigung bringe man Vāyu samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Norden: Atharvaveda, Soma und Kubera

Nach Ācamana stelle man am Nordtor wie zuvor zwei Krüge an den Torpfosten auf und setze und verehre den Richtungselefanten Sārvabhauma. [Sein Name ist in der Vorlage mit einer Unsicherheitsmarkierung versehen.] Die beiden Atharvaveda-kundigen Opferpriester bitte man:

13.AV.1 „Der Atharvaveda ist großäugig, dem Anuṣṭubh-Maß zugehörig, mit Guru als Gottheit, Vaiśampāyana [zugeordnet]. O bester Brahmane, vollziehe beim Opfer die Friedensrezitation.“

Unter „śaṃ no devīḥ“ verehre man sie. Danach:

13.SO.1 „Komm, komm, Herr der Yakṣas! Beschütze das Opfer zusammen mit der Schar der Mondhäuser. Mit allen Heilpflanzen und den Ahnen nimm die Verehrung an, Erhabener; dir sei Verehrung.“

Mit „O Soma, komm hierher, bleibe hier“ rufe man Soma samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „somo dhenum“ oder „vayaṃ soma“. Unter „āpyāyasva“ errichte man grün- beziehungsweise weißfarbiges Banner und Fahne.

Dann meditiere man über Kubera: in einem von Menschen begleiteten Himmelsfahrzeug sitzend, prächtig mit Ohrringen, Halskette und Oberarmschmuck, rechts die Geste der Gewährung und links eine Keule, gekrönt, großbäuchig, großleibig und grünfarben.

13.SD.1 „Inmitten aller Mondhäuser steht Soma als König. Diesem Gott Soma, dem Herrn der Mondhäuser, sei Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Soma samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar. [Die Passage wechselt ausdrücklich zwischen Yakṣa-Herr, Soma und Kubera. Diese Zusammenstellung wird nicht zu einer einheitlichen Gottheitenbeschreibung geglättet.]

Nordosten: Īśāna

Nach Ācamana stelle man im Nordosten wie zuvor den Krug auf und verehre Supratīka und Maṅgala.

13.EO.1 „Komm, komm zu uns, Herr des Alls, Träger von Dreizack und Khaṭvāṅga, mit deiner eigenen Schar! Herr der Welt und des Opfers, nimm zur Vollendung des Opfers die Verehrung an, Erhabener; dir sei Verehrung.“

Mit „O Īśāna, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „tam īśānam“. Unter „abhi tvā deva savitaḥ“ errichte man weißes oder vielfarbiges Banner und Fahne. Man meditiere über Īśāna auf dem Stier, rechts die Geste der Gewährung, links den Dreizack, dreiäugig und weiß.

13.ED.1 „Auf dem Rücken eines Stieres sitzend, mit dem Dreizack in der Hand und dreiäugig: Ihn rufe ich in dieses Opfer. Möge meine Verehrung angenommen werden.“

13.ED.2 „Herr über alles, großer Gott, Īśāna, weißer Herr, Dreizackträger und Ungewöhnlichäugiger: Ihm sei stets wieder und wieder Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Īśāna samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Die untere Richtung: Ananta

Nach Ācamana richte man sich zwischen Nordosten und Osten nach unten:

13.AN.1 „Komm, komm, Träger der Unterwelt, Herr der Unsterblichen, von Nāga-Frauen und Kinnaras besungen! Mit den Scharen der Yakṣas, Schlangenherrscher und Götterwelten, Ananta, beschütze unser Opfer.“

Mit „O Ananta, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „āyaṃ gauḥ“. Unter demselben Mantra errichte man wolkenfarbenes beziehungsweise weißes Banner und Fahne.

13.AB.1 „Auf dem Ananta-Lager sitzend, von sieben Schlangenhauben geschmückt, in der oberen und unteren rechten Hand Lotus und Muschel …“

… in den beiden linken Händen oben und unten Diskus und Keule: So meditiere man über den blauen Ananta. [Die Benennung „auf dem Ananta-Lager“ steht so in der Ananta-Meditation der Quelle.]

13.AP.1 „Der in Anantas Gestalt das Weltenei mit allem Beweglichen und Unbeweglichen wie eine Blume auf seinem Haupt trägt: Ihm sei stets wieder und wieder Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Ananta samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Die obere Richtung: Brahmā

Nach Ācamana richte man sich zwischen Westen und Südwesten nach oben:

13.BO.1 „Komm, komm, Herr über alles, mit der Welt des Götterherrn und mit den Ahnengottheiten! Du bist der Schöpfer aller, von unermesslicher Macht. Tritt in unser Opfer ein, stets zum Heil.“

Mit „O Brahmā, komm hierher, bleibe hier“ rufe man ihn samt Begleitgliedern herbei und verehre ihn unter „brahma jajñānam“. Unter demselben Spruch errichte man rotes Banner und rote Fahne.

Man meditiere über Brahmā: In den beiden rechten Händen oben und unten trägt er Gebetskette und Kuśa-Büschel, in den beiden linken Schöpflöffel und Wasserkrug; viergesichtig, bärtig, mit verfilztem Haar, großbäuchig und rot.

13.BD.1 „Der Lotusgeborene, viergestaltig, Wohnstatt der Veden, Urvater, Aufseher des Opfers und Viergesichtiger: Ihm sei stets wieder und wieder Verehrung.“

Nach Verneigung bringe man Brahmā samt Begleitgliedern die Māṣabhakta-Gabe dar.

Das große Banner und die Bitte um umfassenden Schutz

In der Mitte der Halle errichte man unter „indrasya vṛṣṇaḥ“ eine große vielfarbige Fahne an einer besonders hohen, mit Fliegenwedeln und Glöckchen versehenen Stange, oder an einer zehn beziehungsweise sechzehn Hasta langen Stange. Das Tuch ist zehn Hasta lang und drei Hasta breit oder fünf Hasta lang und eine Hasta breit. Dort ist auch Brahmā unter „brahma jajñānam“ zu verehren.

An den sechzehn Säulen der Halle spreche man „Verehrung allen Göttern“, an den Querhölzern beziehungsweise Bambusteilen „Verehrung den Kinnaras“. Dann bestreiche man im Osten ein Stück Boden, setze sich und bete:

13.SB.1 „Alle Wesen in den drei Welten, feststehende und bewegliche, mögen mich zusammen mit Brahmā, Viṣṇu und Śiva beschützen.

13.SB.2 Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen, Seher, Menschen, Kühe und Göttermütter …

13.SB.3 … mögen alle freudig mein Opfer schützen. Brahmā, Viṣṇu und Rudra sowie die Feldhüter mit ihren Scharen …“

… mögen die Halle beschützen und die störenden Mächte überall vernichten.

Einzeln verehre man die feststehenden und die beweglichen Wesen der drei Welten, Brahmā, Viṣṇu, Śiva, Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas, Schlangen, Seher, Menschen, Kühe und Göttermütter, jeweils mit Namaḥ. Mit denselben Formeln bringe man ihnen auf dieser Bodenfläche die mit Blüten und Weiterem versehene Māṣabhakta-Gabe dar.

Vedi, Baldachin und Feuer der vedischen Ausführung

Der Ācārya und die Opferpriester waschen Hände und Füße, vollziehen Ācamana und betreten die Halle durch das zuvor benutzte Tor. Westlich des Südtores setze sich der Ācārya, vollziehe Ācamana und sage: „Brahmanen, führt die vorgeschriebene Handlung aus.“

Der Guru streue Blüten auf die große Vedi und befestige darüber einen fünffarbigen, mit Früchten und Blüten geschmückten Baldachin von der Größe der Vedi. Ebenso verfahre er über der Planeten-Vedi und zeichne das Sarvatobhadra. Bei der Pūrṇābhiṣeka-Einweihung zeichne er auf der neun Hasta messenden mittleren Vedi das Śrīcakra oder das Cakra der jeweiligen erwählten Gottheit.

13.CM.1 „Bei der Weihebesprengung [verwende man] ein Śrīcakra von neun oder drei Hasta; bei der täglichen Verehrung auf dem Sthaṇḍila wird eines von einer Hasta empfohlen.“ So der Tantrarāja.

In diesem Fall liegen die Planeten-Vedi und die Vedi des Sarvatobhadra im Nordosten, die Vedi des Gurumaṇḍalas im Nordwesten, die Vedi der Paarverehrung im Südosten und die Vedi der Verehrung der jeweiligen Tages-Nityā beim Vāstu-Maṇḍala. So die Überlieferung.

Der Ācārya setze zu diesem Zeitpunkt das Feuer in seiner Grube nach der Vorschrift seines eigenen Gṛhya-Rituals ein. Ebenso setzen die Opferpriester in den übrigen Gruben das Feuer nach ihrer jeweiligen Veda-Schule ein. Der Guru bleibt Aufseher aller Handlungen.

Nach Einsetzung der Feuer fasse er auf der Planeten-Vedi und beim Sarvatobhadra unter Nennung von Zeit und Ort den Entschluss: „Als Glied der Einweihungserteilung werde ich die Hallengottheiten einsetzen.“ Dann setze er Brahmā und die weiteren Gottheiten ein.

Die nummerierten Einsetzungen im Sarvatobhadra

Die folgende Liste gibt Ort, Gottheit, Mantraanfang und die von der Vorlage genannten Zuordnungen wieder. Die kurzen Formeln sind überwiegend Verweise auf vedische Verse. Die Anwendung lautet jeweils „bei Einsetzung und Verehrung“ der betreffenden Gottheit. Die Nummern stehen im Sanskrit hier zwischen einfachen, nicht doppelten Versstrichen.

13.MG.1 In der Mitte Brahmā: „brahma jajñānam“; Seher Gautama Vāmadeva, Gottheit Brahmā, Maß Triṣṭubh. Die Formel beginnt mit Oṃ.

13.MG.2 Im Norden Soma. [Weitere Zuordnungen fehlen an dieser nummerierten Stelle.]

13.MG.3 „Oṃ abhi tvā deva savitaḥ“. [Die Quelle gibt hier nur diesen Mantraanfang; Ort und Gottheit werden in diesem Eintrag nicht ausdrücklich genannt.]

13.MG.4 Im Osten Indra: „indraṃ vo“; Madhucchandas, Indra, Gāyatrī.

13.MG.5 Im Südosten Agni: „agniṃ dūtaṃ vṛṇīmahe“; Medhātithi aus Kaṇvas Geschlecht, Agni, Gāyatrī.

13.MG.6 Im Süden Yama: „yamāya somam“; Yama Vaivasvata, Yama, Anuṣṭubh.

13.MG.7 Im Südwesten Nirṛti: „mo ṣu ṇaḥ“; Ghora Kāṇva, Nirṛti, Gāyatrī.

13.MG.8 Im Westen Varuṇa: „tat tvā yāmi“; Śunaḥśepa, Varuṇa, Triṣṭubh.

13.MG.9 Im Nordwesten Vāyu: „vāyo śatam“; Gautama Vāmadeva, Vāyu, Anuṣṭubh.

13.MG.10 Zwischen Vāyu und Soma die acht Vasus: der undeutlich überlieferte Anfang „jmayā atra“; Vasiṣṭha Maitrāvaruṇi, die Vasus, Triṣṭubh.

13.MG.11 Zwischen Soma und Īśāna die elf Rudras: „ā rudrāsaḥ“; Śyāvāśva, die elf Rudras, Jagatī.

13.MG.12 Zwischen Īśāna und Indra die zwölf Ādityas: „tyān nu kṣatriyān“; die Seherangabe ist als „sāṃmado (matsyo) mage“ unsicher überliefert; zwölf Ādityas, Gāyatrī.

13.MG.13 Zwischen Indra und Agni die beiden Aśvins: „aśvinā“; Gautama Rāhūgaṇa, die Aśvins, Uṣṇih.

13.MG.14 Zwischen Agni und Yama die Allgötter mit den Ahnen: „omāsaḥ“; Madhucchandas, die Allgötter, Gāyatrī.

13.MG.15 Zwischen Yama und Nirṛti die sieben Yakṣas: „abhi tyam“; Vāmadeva, sieben Yakṣas, das hier als Prakṛti bezeichnete Maß. Die anschließend ausgeschriebene Formel ist beschädigt. Sicher erkennbarer Sinn: „Ich preise jenen Gott Savitṛ, dessen Entschluss weise und dessen Antrieb wahr ist“, verbunden mit Hinweisen auf Kostbarkeit, geliebte Einsicht, aufwärts leuchtenden Gedanken und den goldhändigen, trefflich beschließenden [Gott]. [Die Folge oṇyo … matikaviṃ matim … priyā svaḥ erlaubt keine verlässliche vollständige Satzübersetzung. Die Lücke bleibt offen.]

13.MG.16 Zwischen Nirṛti und Varuṇa die Bhūtas und Nāgas: „āyaṃ gauḥ“; Sārparājñī, die Schlangen, Gāyatrī.

13.MG.17 Zwischen Varuṇa und Vāyu Gandharvas und Apsaras: „oṃ apsarasāṃ gandharvāṇām“; Etaśa Ṛṣyaśṛṅga [so die zusammengesetzte Seherangabe], Gandharvas und Apsaras, Anuṣṭubh.

13.MG.18 Zwischen Brahmā und Soma Skanda, Nandīśvara, Śūla und Mahākāla. Für „kumāraṃ mātā“ werden Kumāra als Seher, Skanda als Gottheit und Triṣṭubh als Maß genannt.

13.MG.19 Anschließend „ṛṣabhaṃ mā“; Ṛṣabha Vairāja [als Seher], Anuṣṭubh. [Die Quelle ordnet diesen zweiten Spruch den zuvor genannten Gestalten nicht einzeln eindeutig zu und bietet eine beschädigte Zusammenziehung bei der Maßangabe.]

13.MG.20 Zwischen Brahmā und Īśāna Dakṣa und die weiteren [Gottheiten]; alternativ wird ein „Siebeneck“ genannt. „Oṃ aditir hy ajaniṣṭa“; Lokya Bṛhaspati, Dakṣa, Anuṣṭubh. [Der Anschluss von Aditi und der Ortsalternative ist in der Vorlage nicht eindeutig.]

13.MG.21 Zwischen Brahmā und Indra Durgā und Viṣṇu. Für Durgā: „oṃ tām agnivarṇām“; Saubhari, Durgā, Triṣṭubh.

13.MG.22 Für Viṣṇu: „oṃ idaṃ viṣṇuḥ“; Medhātithi Kāṇva, Gāyatrī.

13.MG.23 Zwischen Brahmā und Südosten Svadhā: „udīratām avara“; Śaṅkha, Svadhā, Triṣṭubh.

13.MG.24 „Zwischen Brahmā und …“ [die zweite Ortsangabe fehlt]: Viṣṇu, Tod und Krankheit. „paraṃ mṛtyo“; der Sehername ist als saṅkasuka unsicher überliefert; Tod und Krankheit, Triṣṭubh.

13.MG.25 Zwischen Brahmā und Nirṛti Gaṇapati: „gaṇānāṃ tvā“; Gṛtsamada, Gaṇapati, Jagatī.

13.MG.26 Zwischen Brahmā und Varuṇa die Wasser: „śaṃ no“; Ambarīṣa Sindhudvīpa [so die Seherangabe], die Wasser, Gāyatrī.

13.MG.27 Zwischen Brahmā und Vāyu die Maruts: „maruto yasya“; Gautama Rāhūgaṇa, Maruts, Gāyatrī.

13.MG.28 Zu Brahmās Füßen unter der Lotusmitte die Erde: „śyonā“; Medhātithi, Erde, Gāyatrī.

13.MG.29 Dort auch die Flüsse, beginnend mit Gaṅgā: „imaṃ me“; Sindhukṣit Praiyamedha, Gaṅgā, Yamunā und Sarasvatī, Jagatī.

13.MG.30 Dort auch die sieben Meere. Die Formel bittet wiederholt: „Von jeder Stätte, o König Varuṇa, löse uns hier los.“ Ferner: „Wenn wir bei den unverletzlichen Wassern, o Varuṇa, schwören, dann löse uns davon los.“ [Der folgende Teil mayi vāyo moṣadhīr hisīr … viśvavyacā ist beschädigt; einzelne Bezüge auf Pflanzen und das Alldurchdringende sind erkennbar, aber kein sicherer vollständiger Satz. Auch dieser Teil endet mit der Bitte an Varuṇa um Loslösung.]

Äußere Kreise des Maṇḍalas

Darüber verehre man Meru mit seinem Namen. Außen bei Soma und den folgenden [Richtungsgottheiten] verehre man der Reihe nach die Waffen: Keule, Dreizack, Blitzkeil, Śakti-Speer, Schwert, Schlinge und Elefantenstachel. [Die Liste schreibt sieben Waffen aus; ein achter Eintrag wird nicht ergänzt.]

Weiter außen, im Norden beginnend: Gautama, Bharadvāja, Viśvāmitra, Kaśyapa, Jamadagni, Vasiṣṭha, Atri und Arundhatī, insgesamt acht. Die „8“ am Ende dieser Reihe ist eine Mengenangabe, keine zusätzliche Versnummer.

Noch weiter außen, im Osten beginnend, die acht Kräfte: Aindrī, Kaumārī, Brāhmī, Vārāhī, Cāmuṇḍā, Vaiṣṇavī, Māheśvarī und Vaināyakī. Man setze sie mit ihren jeweiligen Mantras ein und verehre sie einzeln oder gemeinsam.

Die fünfundachtzig Gottheiten des Planeten-Pīṭhas

Nach dem Herbeiführen des Feuers setze man auf der dafür bestimmten Vedi die mit den Planeten beginnenden fünfundachtzig Gottheiten ein. Dazu erkläre man nach Zeit- und Ortsangabe: „Bei der Handlung der Einweihungserteilung werde ich die Planeten und die weiteren Gottheiten des Pīṭhas einsetzen.“ [Die Zahl fünfundachtzig ist die Angabe der Quelle; die folgenden Gruppenlisten werden nicht durch Ergänzungen an diese Zahl angepasst.]

Für Praṇava gelten Parabrahman als Seher, Paramātman als Gottheit und Devī-Gāyatrī als Maß. Für die drei Vyāhṛtis nennt der Text der Reihe nach Jamadagni, Bharadvāja und Bhṛgu als Seher, Agni, Vāyu und Sūrya als Gottheiten sowie Devī-Gāyatrī, Devī-Uṣṇih und Devī-Bṛhatī als Metren. Ihre Anwendung gilt der Herbeirufung der Sonne und der weiteren Planeten.

Die Formel jeder Einsetzung verbindet den angegebenen vedischen Mantraanfang mit „Oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ“, der Herkunfts- und Gotra-Anrede sowie „Komm hierher, bleibe hier“. Die folgenden Angaben sind überlieferte rituelle Zuordnungen.

13.NG.1 – Sonne. In der Mitte des vorderen Pīṭhas, in einem runden Maṇḍala von zwölf Aṅgula, mit dem Gesicht nach Osten. Rote Blüten und ungebrochener Reis. Mantra „ā kṛṣṇena“; Seher Hiraṇyastūpa, Gottheit Savitṛ, Maß Triṣṭubh. „Aus dem Land Kaliṅga hervorgegangen, zum Gotra Kaśyapas gehörend, Sūrya, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.2 – Mond. Im Südosten, in einem quadratischen Maṇḍala von vierundzwanzig Aṅgula, nach Osten gewandt. Weiße Blüten und Reis. „āpyāyasva“; Gautama, Soma, Gāyatrī. „Am Ufer der Yamunā hervorgegangen, zum Gotra Atris gehörend, Soma, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.3 – Mars. Im Süden, in einem dreieckigen Maṇḍala von drei Aṅgula, nach Süden gewandt. Rote Blüten und Reis. „agnir mūrdhā“; Virūpa Āṅgirasa, Aṅgāraka, Gāyatrī. „Aus der Sarasvatī hervorgegangen, zum Gotra Bharadvājas gehörend, Bhauma, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.4 – Merkur. Im Nordosten, in einem pfeilförmigen Maṇḍala von vier Aṅgula, nach Norden gewandt. Gelbe Blüten und Reis. „udbudhyadhvam“; Budha Saumya, Budha, Triṣṭubh. „Aus dem Land Magadha hervorgegangen, zum Gotra Atris gehörend, Budha, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.5 – Jupiter. Im Norden, in einem länglichen rechteckigen Maṇḍala von sechs Aṅgula, nach Norden gewandt. Gelbe Blüten und Reis. „bṛhaspate 'ti yad“; Gṛtsamada, Bṛhaspati, Triṣṭubh. „Aus dem Land Sindhu hervorgegangen, zum Gotra Aṅgiras’ gehörend, Bṛhaspati, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.6 – Venus. Im Osten, in einem fünfeckigen Maṇḍala von neun Aṅgula, nach Osten gewandt. Weiße Blüten und Reis. „śukraḥ śuśukvān“; Pārāśara, Śukra, Dvipadā Virāṭ. „Aus dem Land Bhojarāṭ hervorgegangen, zum Gotra Bhṛgus gehörend, Śukra, komm hierher, bleibe hier.“ [Die geographische Form wird nach der Vorlage beibehalten.]

13.NG.7 – Saturn. Im Westen, in einem bogenförmigen Maṇḍala, nach Westen gewandt. Die Maßangabe vor Aṅgula ist als hy beschädigt; eine Zahl lässt sich daraus nicht zuverlässig gewinnen. Schwarze Blüten und Reis. „śam agniḥ“; der Sehername lautet in der Vorlage Iriṃbiṭhi, Gottheit Śanaiścara, Maß Uṣṇih. „Aus dem Land Saurāṣṭra hervorgegangen, zum Gotra Kaśyapas gehörend, Śani, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.8 – Rāhu. In einem schwarzen, worfelförmigen Maṇḍala, nach Süden gewandt. [Die Standort-Richtung wird in diesem Eintrag nicht ausdrücklich genannt.] Rauchfarbene Blüten und Reis. „kayā naḥ“; Vāmadeva, Rāhu, Gāyatrī. „Aus dem östlichen Land hervorgegangen, zum Gotra Pāṭali gehörend, Rāhu, komm hierher, bleibe hier.“

13.NG.9 – Ketus. Im Nordwesten, in einem fahnenförmigen Maṇḍala, nach Süden gewandt. Schwarze Blüten und Reis. „ketuṃ kṛṇvan“; Madhucchandas, die Ketus, Gāyatrī. „Aus dem mittleren Land hervorgegangen, zum Gotra Jaiminis gehörend, Ketus, kommt hierher, bleibt hier.“ [Die Quelle verwendet hier ausdrücklich den Plural.]

Die übergeordneten Gottheiten rechts der Planeten

Mit weißen Blüten und ungebrochenem Reis setze man rechts der mit Sūrya beginnenden Planeten jeweils ihre Adhidevatā ein. Die Angabe der rituellen Anwendung ist überall hinzuzufügen; jede Herbeirufung wird mit den Vyāhṛtis und der Bitte „Komm hierher, bleibe hier“ verbunden.

13.AGd.1 Īśvara: „tryambakam“; Seher Vasiṣṭha, Gottheit Rudra, Maß Anuṣṭubh.

13.AGd.2 Umā rechts von Soma: „gaurīr mimāya“; Dīrghatamas, Umā, Jagatī.

13.AGd.3 Skanda: „yad akrandaḥ“; Dīrghatamas, Skanda, Triṣṭubh.

13.AGd.4 Viṣṇu: „viṣṇo“; Dīrghatamas, Viṣṇu, Triṣṭubh.

13.AGd.5 Brahmā: „brahma jajñānam“; Gautama Vāmadeva, Brahmā, Triṣṭubh.

13.AGd.6 Indra: „indraṃ vo“; Madhucchandas, Indra, Gāyatrī.

13.AGd.7 Yama: „yamāya somam“; Yama, Yama, Anuṣṭubh.

13.AGd.8 [Der Gottheitsname ist hier nicht ausgeschrieben.] „mo ṣu ṇaḥ“; Ghora Kāṇva, Gāyatrī. [Der Mantra ist im vorangegangenen Abschnitt Nirṛti zugeordnet; die Auslassung in dieser Liste bleibt kenntlich.]

13.AGd.9 Citragupta: „uṣo vājam“; Praskaṇva, Citragupta, Bṛhatī.

Die ergänzenden Gottheiten links der Planeten

Ebenso setze man mit weißen Blüten und Reis links der Planeten die Pratyadhidevatās ein, nach dem jeweiligen Mantra mit den Vyāhṛtis und „Komm hierher, bleibe hier“.

13.PGd.1 Agni: „agniṃ dūtam“; Medhātithi Kāṇva, Agni, Gāyatrī.

13.PGd.2 Die Wasser: „apsu“; Medhātithi, die Wasser, Anuṣṭubh.

13.PGd.3 Die Erde: „syonā“; Medhātithi, Erde, Gāyatrī.

13.PGd.4 Viṣṇu: „idaṃ viṣṇuḥ“; Medhātithi, Viṣṇu, Gāyatrī.

13.PGd.5 Indra: „indra śreṣṭhāni“; Gṛtsamada, Indra, Triṣṭubh.

13.PGd.6 Indrāṇī: „indrāṇī“; Vṛṣākapi, Indrāṇī, Paṅkti.

13.PGd.7 Prajāpati: „prajāpate na hi“; Hiraṇyagarbha, Prajāpati, Triṣṭubh.

13.PGd.8 Die Schlangen: „āyaṃ gauḥ“; Sārparājñī, die Schlangen, Gāyatrī.

13.PGd.9 Brahmā: „brahma jajñānam“; Gautama Vāmadeva, Brahmā, Triṣṭubh.

Fünf weitere Einsetzungen

Mit weißen Blüten und Reis folgen die fünf mit Vināyaka beginnenden Gottheiten:

13.EG.1 Vināyaka [links] von Rāhu: „gaṇānāṃ tvā“; Gṛtsamada, Gaṇapati, Jagatī. [Die Ortsangabe „links“ ist in der Vorlage eingeklammert.]

13.EG.2 Durgā nördlich von Śani: „jātavedase“; Kaśyapa, Durgā, Triṣṭubh.

13.EG.3 Vāyu nördlich der Sonne: „tava vāyav ṛtaspate“; Āṅgirasa, Vāyu, Gāyatrī. Der Kommentar sagt: Diese Mantras werden von den Angehörigen der Überlieferung rezitiert.

13.EG.4 Ākāśa rechts von Rāhu: „ādityapratnasya“ [so der zusammengezogene Mantraanfang]; Vatsa, Ākāśa, Gāyatrī.

13.EG.5 Die beiden Aśvins rechts von Ketu: „eṣo uṣā“; Praskaṇva, die Aśvins, Gāyatrī. Die Bitte steht im Dual: „Aśvins, kommt hierher, bleibt hier.“

Welthüter im Planeten-Pīṭha

13.LP.1 Im Osten Indra: „indraṃ viśvā“; Jetṛ Mādhucchandasa, Indra, Anuṣṭubh. „Indra, komm hierher, bleibe hier.“ Entsprechend ist bei den folgenden Gottheiten zu verfahren.

13.LP.2 Agni: „agniḥ“; Medhātithi, Agni, Gāyatrī.

13.LP.3 Yama: „yamāya somam“; Yama, Yama, Anuṣṭubh.

13.LP.4 Nirṛti: „mo ṣu ṇaḥ“; Ghora Kāṇva, Nirṛti, Gāyatrī.

13.LP.5 Varuṇa: „tvaṃ no agne“; Vāmadeva, Varuṇa, Triṣṭubh. [So die Mantrazuordnung der Quelle.]

13.LP.6 Vāyu: „tava vāyo“; Vyaśvya [so die Seherlesung], Vāyu, Gāyatrī.

13.LP.7 Soma: „somo dhenum“; Gautama, Soma, Triṣṭubh.

13.LP.8 Īśāna: „tam īśānam“; Gautama; die Gottheitsangabe nennt Soma und Īśāna; Maß Gāyatrī. [Die doppelte Bezeichnung wird nicht vereinheitlicht.]

13.LP.9 Ananta zwischen Nordosten und Osten: „sahasraśīrṣaḥ“; Nārāyaṇa, Ananta, Anuṣṭubh.

13.LP.10 Brahmā: „brahma jajñānam“; Gautama Vāmadeva, Brahmā, Triṣṭubh.

13.LP.12 Brahmā zwischen Südwesten und Westen. [Die Quelle springt von 10 auf 12; eine Nummer 11 wird nicht ergänzt. Der Ortszusatz ist gesondert nummeriert.]

Danach im Norden Kṣetrapāla: „kṣetrasya“; Vāmadeva, Kṣetrapāla, Anuṣṭubh. Ferner Vāstoṣpati: „vāstoṣpate“; Vasiṣṭha, Vāstoṣpati, Triṣṭubh.

13.GA.1 „Dein Leib ist der Klang des Sāman, du bist das Gefährt des Höchsten. Stets nimmst du Gift und Verfehlung hinweg; deshalb gewähre mir Frieden.“ Mit diesem Spruch rufe man im Norden Garuḍa herbei. [Die Heil- und Läuterungsaussage wird als Gebetsinhalt der Quelle wiedergegeben.]

Schlangen, Zeitglieder und Weltbereiche

Vor der Sonne setze man Śeṣa ein, vor Soma Vāsuki, vor Mars Takṣaka, nördlich von Merkur Kārkoṭaka, vor Jupiter Padmaka, westlich von Saturn Śaṅkhapāla, vor Rāhu Kambala und vor Ketu Kulika.

Östlich des Pīṭhas: die sieben Mondhäuser von Aśvinī an, die sieben Yogas von Viṣkambha an, die Karaṇas Bava und Bālava, die sieben Kontinente und den Ṛgveda. Südlich: die sieben Mondhäuser von Puṣya an, die sieben Yogas von Dhṛti an, Kaulava und Taitila, die sieben Meere und den Yajurveda.

Westlich: die sieben Mondhäuser von Svātī an, die sieben Yogas von Vajra an, Gara und Vaṇij, die sieben Unterwelten und den Sāmaveda. Nördlich: die sieben Mondhäuser von Abhijit an, die sechs Yogas von Sādhya an, Viṣṭi, die sieben Welten von Bhūr an und den Atharvaveda. Im Nordwesten Dhruva und die sieben Seher. [Die Mondhausreihe schließt hier Abhijit ausdrücklich ein.]

Nach verfügbarem Platz folgen: die sieben Flüsse von Gaṅgā an, die sieben Hauptgebirge, acht Vasus, zwölf Ādityas, elf Rudras, neunundvierzig Maruts, sechzehn Mütter, sechs Jahreszeiten, zwölf Monate, zwei Sonnenhalbjahre, fünfzehn Mondtage, sechzig Jahre, Nāgas, Schlangen, Yakṣas, Gandharvas, Vidyādharas, Apsaras, Rākṣasas, Bhūtas und Menschen.

Nordöstlich der Vedi stelle man einen Krug auf, rufe dort Varuṇa herbei und verehre ihn. Die Besprechung des Kruges lautet:

Gebet zum Krug als Träger der göttlichen Gegenwart

13.KG.1 „An der Mündung des Kruges ist Viṣṇu, an seinem Hals hat Rudra seinen Sitz. An seinem Grund steht Brahmā; in der Mitte werden die Scharen der Mütter vergegenwärtigt.

13.KG.2 In seinem Bauch sind die sieben Meere und die Erde mit ihren sieben Kontinenten, der Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und Atharvaveda …

13.KG.3 … alle mit ihren Gliedern im Krug gegenwärtig. Hier sind Gāyatrī, Sāvitrī, Śānti und Puṣṭikarī …

13.KG.4 … sie mögen herbeikommen und die Verfehlungen des Auftraggebers schwinden lassen. Als Götter und Dānavas miteinander handelten und das große Meer gequirlt wurde …

13.KG.5 … da entstandest du, o Krug, von Viṣṇu selbst gehalten. In deinem Wasser sind alle heiligen Badeplätze; alle Götter sind in dir gegenwärtig.

13.KG.6 In dir weilen die Wesen, in dir sind die Lebenskräfte gegründet. Du selbst bist Śiva, du bist Viṣṇu und Prajāpati.

13.KG.7 Ādityas, Vasus, Rudras und Allgötter mit den Ahnen – sie alle, die Wunschfrüchte gewähren, weilen in dir.

13.KG.8 Durch deine Gnade wünsche ich dieses Opfer auszuführen, du aus dem Wasser Entstandener. Sei mir gegenwärtig, o Gott, und bleibe stets gnädig.“

Dann weihe man den mit Früchten, Blüten und Girlanden geschmückten Baldachin, dessen Gottheit Bṛhaspati ist, mit „Dies ist für die Sonne und die weiteren [Gottheiten], nicht mein“, und befestige ihn über der Planeten-Vedi. So vollziehe man die vedisch beschriebene Einsetzung der Halle und die zugehörigen Handlungen. Alles Weitere erfolgt nach der zuvor erläuterten Vorschrift.

Der Morgen der Einweihung

Guru und Schüler stehen am Morgen auf und vollziehen die erforderlichen Handlungen. Der Guru gebe dem Schüler das vorgeschriebene spannenlange Zahnreinigungshölzchen, diesmal siebenmal mit dem Wurzelmantra besprochen, und lasse ihn die Zähne reinigen. Der Schüler wasche es anschließend und werfe es vor sich auf ein quadratisches Sthaṇḍila von einer Hasta.

Der Guru prüfe seine Lage. Die daraus abgeleiteten günstigen und ungünstigen Ergebnisse wurden zuvor bei den Belegstellen behandelt; die Sühnehandlungen sollen später erläutert werden. Dann bade der Schüler, vollziehe seine morgendlichen Handlungen, schmücke sich, verneige sich vor dem Guru und setze sich auf dessen Weisung neben ihn.

Guru und Opferpriester verehren in ihren jeweiligen Gruben die Gottheit samt Gliedern und Umhüllungen. Sie opfern tausendacht- oder hundertachtmal Sesam mit Ghee oder die Stoffe, die das jeweilige Ritual für das Puraścaraṇa-Homa nennt.

Der Guru lasse den Schüler – mit Ausnahme des Śūdra – Pañcagavya trinken, führe ihn zur Grube und schaue ihn mit göttlichem Blick an. Nach dem Verfahren der Elementereinigung führe er in der inneren Vorstellung den Jīvātman aus dessen Herzlotus durch die Brahmarandhra-Öffnung aus dem Leib heraus und verbinde ihn durch Yogakraft und die vom Lehrer vermittelte Methode mit sich selbst. Dann reinige er die sechs Adhvans des Schülers. [Die soziale Ausnahme ist Teil der historischen Ritualregel; die Quelle schreibt hier unregelmäßig sūdravyatiriktam.]

Die Tattva-Reihen in der praktischen Anordnung

An den Füßen des Schülers vergegenwärtige man den Kalā-Weg aus Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Śāntyatītā.

Bei śivaitischer Einweihung meditiere man im Geschlechtsbereich über den Tattva-Weg aus den sechsunddreißig Prinzipien: Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Māyā, Kalā, Vidyā, Kāla, Rāga, Niyati, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṃkāra, Buddhi, Manas; Gehör, Tastsinn, Sehsinn, Geschmack und Geruch; Sprechen, Greifen, Gehen, Ausscheiden und Zeugungsorgan; Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Duft; Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde. [Anders als die frühere Versliste dieses Kapitels nennt diese Prosafassung Īśvara ausdrücklich und erreicht damit die angekündigten sechsunddreißig.]

Bei vaiṣṇavischer Einweihung gelten Jīva, Prāṇa, Einsicht, Manas, die zehn Organe, die Tanmātras, die fünf Elemente, der Herzlotus, die drei Lichtkräfte und die vier mit Vāsudeva beginnenden Gestalten. Die zehn Organe sind die zuvor genannten Erkenntnisorgane vom Gehör an und die Handlungsorgane vom Sprechen an. Die Tanmātras beginnen mit Klang, die Elemente mit Raum. Die drei Lichtkräfte sind Mond, Sonne und Feuer; die vier Gestalten heißen Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha.

Bei solarer Einweihung: Elemente, Tanmātras, Organe, Manas, Garva, Buddhi, Dhī und Pradhāna. Die zehn Organe unterscheiden sich in Erkenntnis- und Handlungsorgane; Garva ist Ahaṃkāra, Pradhāna das Prakṛti-Tattva. [Buddhi und Dhī stehen hier beide in der Aufzählung, obwohl sie semantisch eng zusammengehören. Die frühere solare Reihe enthielt diese Doppelung nicht; sie wird nicht stillschweigend gestrichen.]

Bei Śakti-Einweihung: die fünf Kalās von Nivṛtti an, Bindu, Nāda, Śakti, Sadāśiva und Śiva, insgesamt zehn Tattvas. Bei Tripada-Einweihung: Ātman, Vidyā, Śiva, dieselben in umgekehrter Folge als Śiva, Vidyā, Ātman sowie Sarvatattva, insgesamt sieben. [Die Vorlage setzt den Übergang zwischen Śakti- und Tripada-Einweihung teilweise in Klammern.]

So vergegenwärtige man bei der jeweiligen Einweihung den zugehörigen Weg. Bei Gaṇapati-Einweihung sind dieselben Tattvas wie bei der śivaitischen Einweihung zu verstehen.

Die sechs Wege im Schüler auflösen und wieder entfalten

Am Nabel des Schülers vergegenwärtige man den Weg der vierzehn Welten: Atala, Vitala, Sutala, Mahātala, Talātala, Rasātala, Pātāla, Bhūr, Bhuvar, Svar, Mahar, Jana, Tapas und Satya. Am Herzen den Lautweg vom ersten Laut bis Kṣa; an der Stirn den aus Lautgruppen bestehenden Wortweg. [Diese beiden Sätze stehen in der Vorlage in Klammern.] Am Kopf den aus Wortzusammenstellungen bestehenden Mantraweg in Gestalt des Wurzelmantras.

Nachdem der Guru so die sechs Wege im Schülerleib vergegenwärtigt hat, berühre er ihn mit dem Kūrca und opfere in seiner eigenen Grube jeweils achtmal mit Ghee benetzten Sesam:

„Oṃ, ich reinige den Kalā-Weg des genannten Schülers, svāhā.“ Er stelle sich vor, wie dieser in den Tattva-Weg eingeht. „Oṃ, ich reinige den Tattva-Weg des genannten Schülers, svāhā.“ Dieser geht in den Weltenweg ein. „Oṃ, ich reinige den Weltenweg des genannten Schülers, svāhā.“ Dieser geht in den Lautweg ein.

„Oṃ, ich reinige den Lautweg des genannten Schülers, svāhā.“ Dieser geht in den Wortweg ein. „Oṃ, ich reinige den Wortweg des genannten Schülers, svāhā.“ Dieser geht in den Mantraweg ein. „Oṃ, ich reinige den Mantraweg des genannten Schülers, svāhā.“ Dieser löst sich in Paraśiva an der Brahmarandhra-Öffnung auf.

In umgekehrter Folge lasse er aus Paramaśiva den Mantraweg, daraus den Wortweg, daraus den Lautweg, dann Weltenweg, Tattva-Weg und Kalā-Weg entstehen und setze jeden an seinen Platz. Er schaue den Schüler mit göttlichem Blick an und führe das im Guru befindliche Schülerbewusstsein nach der bei der Herbeirufung beschriebenen Methode über dessen Brahmarandhra wieder in den Herzlotus zurück. [Der letzte räumliche Satzanschluss ist in der Vorlage gedrängt; beide genannten Orte bleiben berücksichtigt.]

Für Śūdras und Menschen gemischter Geburtsgruppen ist diese Reinigung der Adhvans nach der Quelle nicht auszuführen; sie werden durch Darreichung des Fußwassers gereinigt. [Damit wiederholt der praktische Ablauf die zuvor zitierte historische Ausschlussregel.]

Die vier großen Weltenrufe und Brahmārpaṇa

Wie zuvor bringe man jeder Glieder- und Umhüllungsgottheit der erwählten Gottheit eine Ghee-Gabe dar. Danach opfere man viermal:

  • „Oṃ bhūr: Agni, der Erde und dem Großen, svāhā.“
  • „Oṃ bhuvaḥ: Vāyu, dem Zwischenraum und dem Großen, svāhā.“
  • „Oṃ svar: Āditya, der Himmelswelt und dem Großen, svāhā.“
  • „Oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ: dem Mond, den Mondhäusern, den Richtungen und dem Großen, svāhā.“

Dann folgen acht Ghee-Gaben mit dem nun zusammenhängend ausgeschriebenen Brahmārpaṇa-Mantra:

„Was bisher im Wirkungsbereich von Lebenskraft, Einsicht, Leib und Dharma in den Zuständen des Wachens, Träumens und Tiefschlafs durch Denken, Sprechen und Handeln, mit Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan erinnert, gesprochen oder getan worden ist: All dies möge eine Darbringung an Brahman sein, svāhā.“ [Die Verbindung prāṇabuddhidehadharmādhikārataḥ erlaubt mehrere eng verwandte syntaktische Gliederungen; „Wirkungsbereich“ gibt hier den Bezug von Adhikāra vorsichtig wieder.]

Vollendung des Einweihungs-Homa

13.FA.1 „Oṃ. Tausendstrahliger, von großem Glanz, dir sei Verehrung, Träger vieler Gestalten! Dir, der alles verzehrt, überallhin geht und läutert, sei Verehrung.

13.FA.2 Du bist der Gewaltige und vollziehst furchtbare Taten; du vernichtest das Furchtbare. Dir sei Verehrung. Du bist Viṣṇu und Hüter der Welt; gewähre mir hier Frieden.“

Nach diesem Gebet verehre man Agni wie zuvor mit seinem Mantra. Man opfere Sesam mit der Formel: „Zum Ausgleich dessen, was zu wenig oder zu viel war, gebe ich Sesam mit Ghee. Oṃ hūṃ, mache es mit seinen Gliedern vollständig, svāhā.“

Man fülle die Sruc mit Ghee, lege darüber eine Blüte und den nach unten gerichteten Löffel, fasse die Geräte mit muschelartig geschlossenen Händen, stehe auf und halte ihre unteren Enden am Nabel. Mit dem auf Vauṣaṭ endenden Mantra bringe man drei volle Gaben dar. [Auch hier schwankt die Vorlage bei den Namen Sruc und Sruva; die Anordnung entspricht dem zuvor erläuterten Verfahren.]

Man verehre die Gottheit, entlasse sie aus dem Feuer und lasse sie in den Krug eingehen. Unter den Formeln für Vyāhṛtis, Feuerzungen, Glieder und Gestalten bringe man je eine Ghee-Gabe dar. Wie zuvor umsprenge man das Feuer mit dem Besprengungswasser und bete:

13.FE.1 „O Feuer, du große Kraft, die alle Wünsche verwirklicht: Sei auch dann ehrerbietig gegenwärtig, wenn eine weitere Handlung ansteht.“ [Die frühere Fassung dieses Gebetes sagte „alle Ritualhandlungen“; hier steht ausdrücklich „alle Wünsche“.]

Mit der Saṃhāra-Mudrā entlasse man das Feuer in das eigene Selbst. Die Umfassungsstäbe und die ausgelegten Gräser werfe man schweigend ins Feuer. [Dies weicht von der früher zitierten Beschränkung bezüglich der Umfassungsstäbe ab.]

Das Praṇītā-Gefäß werde entlassen und vor dem Ausführenden auf Kuśa gestellt. Mit „Oṃ, Verehrung der östlichen Richtung“ und entsprechend für Süden, Westen, Norden und oben versprenge man sein Wasser in die jeweilige Richtung. Mit „Verehrung der unteren Richtung“ gieße man Wasser auf den Boden. Mit dem auf den Boden gelangten Wasser besprenge man sich und den Schüler mittels Kuśa.

Nach Entlassung des Praṇītā-Gefäßes entlasse man Brahmā und lasse dem Brahmanen am Brahman-Platz das volle Gefäß zusammen mit Gold geben. Damit ist das Homa als Glied der Einweihung beschrieben. Die Beschaffenheit des vollen Gefäßes wurde im Einweihungsabschnitt erklärt.

Öffnen der Augen und Vorbereitung der Weihebesprengung

Unter dem Augenmantra verbinde der Guru die Augen des Schülers mit einem neuen Stoffband, nehme ihn an der Hand und führe ihn zum Krug. Gemeinsam füllen sie dessen zusammengelegte Hände mit Blüten; während der Guru selbst den Wurzelmantra spricht, lasse er den Schüler die Blütengabe der im Krug gegenwärtigen Gottheit darbringen.

Dann löse er die Augenbinde, lasse den Schüler auf Kuśa sitzen und diesen Mantra sprechen:

13.GU.1 „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Finsternis des Nichtwissens Erblindeten das Auge mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe geöffnet hat.“

Die Gottheit im Krug werde mit Gliedern, Umhüllungen und allen Gaben verehrt. Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren der Elementereinigung vergegenwärtige, reinige und erneuere der Guru den Schülerleib. [An dieser Stelle steht saṃsmṛtya, „vergegenwärtigt habend“, wo der Zusammenhang zuvor auch von Auflösung sprach; diese wird nicht als vermeintlich sichere Lesung eingesetzt.]

Er vollziehe am Schüler sämtliche Nyāsas des Wurzelmantras, beginnend mit den Seher-Zuordnungen, und verehre die Kruggottheit erneut mit den fünf Gaben. Er stelle sich vor, dass die Hallen- und Torgottheiten, die Welthüter, die Glieder- und Umhüllungsgottheiten sowie die vier Āyatana-Gottheiten von Gaṇeśa an samt ihren eigenen Gliedern und Umhüllungen in die Hauptgottheit eingehen.

Durch den sechsgliedrigen Nyāsa vollziehe er deren Sakalīkṛti und stelle sie sich als Licht vor. Das zu diesem Licht gewordene Krugwasser vergegenwärtige er als Parabrahman.

Abhiṣeka und die dreimalige Mitteilung des Mantras

Den geschmückten Schüler lasse man nahe der Vedi, im Osten, Nordosten oder Norden, auf einem Bhadrapīṭha innerhalb eines Sarvatobhadra- oder anderen vorgesehenen Maṇḍalas nach Osten gewandt sitzen.

Unter dem Klang der fünf Instrumentarten hebe der Guru den Krug auf. Seine Mango- und weiteren Blattzweige lege er als Zweige des Wunschbaumes auf das Haupt des Schülers. Zusammen mit den Opferpriestern und anderen Brahmanen, die Veden rezitieren, besprenge er den nach Osten sitzenden Schüler mit dem Wurzelmantra und der rückläufigen Mātṛkā; der Guru selbst steht dabei nach Norden gewandt.

Dann nehme er das zuvor verehrte Astra-Gefäß, besprenge den Schüler mit dessen Wasser und lasse ihn mit dem übrigen Wasser Ācamana vollziehen. Den als Gottheit vorgestellten Schüler versehe er wie zuvor mit dem sechsgliedrigen Nyāsa, lasse ihn zwei reine neue Gewänder anlegen, Ācamana vollziehen und neben sich sitzen.

Die in den Schülerleib eingegangene Gottheit verehre er an diesem Leib mit Duft und den übrigen fünf Gaben. Die Einheit von Schüler und Gottheit vergegenwärtigend, spreche er dem fügsamen Schüler dreimal den ehrwürdigen Wurzelmantra ins rechte Ohr. Voraus gehen die Mantras der vier Āyatana-Gottheiten von Gaṇeśa an; bei einer Gaṇeśa-Einweihung beginnen sie mit Sūrya. Die Reihenfolge folgt der Verehrung der jeweiligen Glieder.

Ist der Schüler Brahmane, gebe der Guru ihm als Form der Mantra-Mitteilung Wasser in die Hand; den anderen spreche er den Mantra auf die genannte Weise [ohne diese ausdrückliche Wassergabe]. [Die frühere Erörterung zur Bedeutung und sozialen Beschränkung der Wassergabe bleibt zu beachten.]

Der Schüler vollziehe Seher-Zuordnung, Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa, wiederhole den vom Guru mitgeteilten Mantra hundertacht-, achtundzwanzig- oder achtmal und bringe den Japa dar. Er vergegenwärtige die Einheit von Guru, Mantra und Gottheit, verneige sich häufig achtgliedrig vor dem Guru und danach fünfgliedrig. Die Kennzeichen beider Verneigungen wurden zuvor bei den Belegstellen genannt.

Anschließend gebe er Guru und Opferpriestern die dort vorgeschriebene Dakṣiṇā. Damit ist die Einweihung durch Handlungen dargestellt.

Vereinfachte Ausführungen bei begrenzten Möglichkeiten

Kann die Einweihung durch Handlungen nicht in dieser Ausführlichkeit vollzogen werden, errichte man die zuvor beschriebene kleinere Halle, zeichne wie zuvor das Maṇḍala auf der Vedi und stelle den Krug auf. Ist die Wahl mehrerer Opferpriester nicht möglich, fertige der Guru allein eine quadratische Feuergrube, vollziehe darin die Einsetzung des Feuers und alle weiteren Handlungen und erteile nach der genannten Weihebesprengung die Einweihung.

Ist auch der Bau einer Halle nicht möglich, zeichne man an einem geeigneten Ort das Maṇḍala oder das Verehrungscakra der jeweiligen Gottheit. Ist selbst das nicht möglich, fertige man nach der zuvor genannten Vorschrift ein Sthaṇḍila an, setze darauf das Feuer ein, vollziehe Homa und die weiteren Handlungen, besprenge den Schüler und teile den Mantra mit.

Günstige und ungünstige Zeichen des Feuers

Nun werden Farbe und weitere Kennzeichen des Feuers erklärt. Die folgenden Aussagen gehören zur historischen Deutung ritueller Vorzeichen; sie beschreiben keine gesicherten Vorhersagen über Gesundheit, Besitz oder politische Ereignisse.

Im Nāradapañcarātra:

13.FZ.1 Glanz, Gerüche, Klänge, Gestalten, Entfaltungen und Flammenspitzen des Feuers sollen für die Vollendung der Handlung erkannt werden.

13.FZ.2 Als vorzüglich gilt das Feuer mit dem Glanz des Padmarāga, leuchtend wie Lacksaft. Von den Kundigen gepriesen wird es in der Farbe der jungen Sonne und wie eine Hibiskusblüte.

13.FZ.6 Vorzüglich ist es auch wie das rote Indragopaka-Insekt, blutfarben, einem Regenbogen gleich oder wie Färberdistel. [Die Vorlage springt von 2 auf 6; es werden keine fehlenden Verse ergänzt.]

Hiermit wird das Feuer nach den Farben roter Blüten beschrieben.

Geruch und Klang

13.FG.1 Ein Feuer, das nach wohlriechenden Stoffen und nach Ghee duftet, gilt als sehr günstig. Lotusduft soll langes Leben geben, ebenso Bilva-Duft, du Gelübdetreuer.

13.FG.2 Ein Duft wie Nāga, Campaka, Punnāga, Pāṭalī, Yūthikā, Lotus, blauer Lotus, Kahlāra, Ghee und Guggulu …

… gilt als günstiger Geruch des Feuers.

Zum Klang:

13.FK.1 Ein Feuerklang wie Wolkendonner, Laute, Pfau oder Mṛdaṅga soll dem Opfernden Vollendung bringen; andersartiger Klang dagegen Misserfolg.

Im Śāradātilaka wird ergänzt: Ein Klang wie große Trommel, Regenwolke oder mächtiger Elefant gilt als günstig.

Formen und Flammenspitzen

13.FO.1 Eine runde Gestalt, o bester Brahmane, oder eine wie Fahne, Fliegenwedel, Himmelsfahrzeug, Pferd, Palast oder Stier …

13.FO.2 … ferner eine wie Schwan oder Pfau gilt als vollendungsbringend. Ein Feuer von solcher Gestalt soll unverzüglich Vollendung bewirken.

13.FO.3 Die Gestalten anderer, mit Fangzähnen versehener Tiere werden beim Homa nicht gepriesen. Wenn die genannten günstigen Gestalten von Augenblick zu Augenblick …

… ineinander übergehen, gilt das Feuer als vollendungsbringend.

Zu den Flammenspitzen:

13.FS.1 Ungerade Zahlen von Flammenspitzen, drei und weitere, gelten als günstig. Kurze, unterschiedlich hoch aufragende und lange Flammen werden als vollendungsbringend bezeichnet. [Die Zusammensetzung hrasvonnatā erlaubt die Bedeutung „niedrig und hoch“ beziehungsweise „kurz aufragend“.]

Im Śāradātilaka:

13.SF.1 Flammenspitzen, die sich nach rechts wenden, nicht zittern und einem Schirm gleichen, sollen dem Auftraggeber und besonders auch dem Reich Heil bringen.

Im Nāradapañcarātra:

13.NF.1 Wer Vollendung wünscht, soll in einem hell brennenden, leckenden, rauchlosen Feuer opfern, das die guten Eigenschaften besitzt, erfreulich ist und Zufriedenheit hervorruft.

13.NF.2 Ein sanft glänzendes, rechtswirbelndes Feuer mit angenehmem Klang gilt stets als günstig, wenn es frei von den übrigen Mängeln ist.

Missbilligte Feuerzeichen

13.UF.1 Ein Feuer von geringem Glanz, rau, voller Funken und mit vom Rauch verschluckten Flammen soll keine Vollendung geben.

13.UF.2 Schlecht riechendes, [in der Lesung avalīḍha nicht näher bestimmtes], weiß-schwarzes Feuer, das am Boden entlangkratzt, soll Niederlage bringen.

Im Śāradātilaka:

13.US.1 Schwarze Feuerfarbe soll den Auftraggeber vernichten, weiße rasch das Reich; [ungünstig ist auch] ein Klang wie der Ruf einer Krähe …

13.US.2 … oder eines Esels: Solcher Feuerklang soll alles zerstören. Fauliger Geruch des Opferfeuers soll dem Opfernden Leid bringen.

13.US.3 Eine abgerissene und zurückgebogene Flammenspitze soll Tod und Vermögensverlust bewirken; Rauch wie Papageienflügel oder von Taubenfarbe …

… soll bald Pferden und Kühen Schaden bringen.

Im Tantrasāra:

13.UTs.1 Ein Laut wie der von Eseln, Kamelen, Büffeln und anderen solchen Tieren gilt nicht als vollendungsbringend, ebenso wenig ein raues Knistern und eine linksgerichtete Bewegung.

13.UTs.2 Feuer, das am Boden kratzt oder seine Flamme nach unten richtet, wird in dieser Lehre des höchsten Herrn nicht gebilligt, o bester Weiser.

Für derartige Mängel nennt das Kulaprakāśatantra eine Sühne:

13.PF.1 Bei solchen Mängeln opfere der Lehrer zur Sühne fünfundzwanzig Gaben Ghee mit dem Wurzelmantra.

Der Kommentar präzisiert: fünfundzwanzig für jeden einzelnen Mangel.

Sāttvische, rājasische und tāmasische Feuerzungen

Nun die Unterscheidung der Feuerzungen nach Sattva, Rajas und Tamas. Die mit Hiraṇyā beginnenden sāttvischen Zungen für das Einweihungs-Homa und friedensstiftende Homa wurden bereits genannt. Für wunscherfüllende Opfer wie Vaśya nennt der Kulamūlāvatāra rājasische Zungen:

13.RJ.1 Die rājasischen heißen Padmarāgā, Suvarṇā, Bhadralohitā, als vierte Lohitā, ferner Śvetā, Dhūminī und Karālikā.

Ebendort die tāmasischen:

13.TJ.1 [Der Versanfang ist durch Sternchen als Lücke markiert.] … die tāmasischen: Viśvamūrtikā, Sphuliṅginī, Dhūmravarṇā und als vierte Manojavā.

13.TJ.2 Die fünfte heißt Lohitā, danach wird Karālī genannt und als siebte Kālī. Nach der Verschiedenheit der Handlungen sind sie zu kennen …

… der Reihe nach bei Opferhandlungen, wunscherfüllendem Homa und grausamem Homa. [Der abschließende Zuordnungssatz nennt drei Handlungsklassen; die genaue Rückbindung an die zuvor behandelten Guṇa-Gruppen wird nicht weiter ausgeführt.]

Die Gottheiten der sieben Zungen

Im Kulaprakāśatantra:

13.JG.2a Die übergeordneten Gottheiten der Zungen sind Götter, Ahnen, Gandharvas, Yakṣas, Nāgas, Piśācas und Rākṣasas.

13.JG.2b Auf den Zungen der Götter und der weiteren [Gruppen] opfere man zur Vollendung der Handlung. Zufriedengestellt sollen die Götter die gewünschte höchste Vollendung gewähren. [Beide Strophen tragen in der Vorlage die Nummer 2.]

Die Zungen des Feuers haben zumeist ein Aussehen, das ihrem jeweiligen Namen entspricht.

Im Uttaratantra:

13.FH.1 Bei Brennholzopfern meditiere der Lehrer über Vaiśvānara stehend, bei Ghee-Opfern liegend und bei den übrigen Handlungen sitzend.

Zunge, Augen, Ohren und Kopf des Feuers

Beim Homa soll man die Zunge, den Kopf, die Ohren und die weiteren Bereiche des Feuers unterscheiden und nur auf der Zunge opfern. So im Mahākapilapañcarātra und im Rāhukalpa:

13.FAq.1 Zur Vollendung aller Handlungen opfere man auf seiner Zunge. Der beste Lehrer soll Augen, Ohren und die weiteren Bereiche kennen, wenn er opfert.

13.FAq.2 Eine Gabe im Ohr des Feuers soll Gefahr durch Krankheit hervorrufen, eine in der Nase großes Leid, eine in den Augen Vernichtung.

13.FAq.3 Eine Gabe im Haar soll Armut bringen; deshalb opfere man auf den Zungen. Wo Holz ist, dort sind die Ohren; wo Rauch ist, dort die Nase.

13.FAq.4 Wo es nur wenig brennt, ist das Auge; wo Asche ist, der Kopf. Wo das Feuer hell aufflammt, werden die Zungen genannt.

Im Śāradātilaka:

13.SAq.1 Bei allen Handlungen opfere der Verständige in den Mund des Feuers. Beim Ohr-Opfer entsteht [nach der hier widersprüchlichen Lesung] „Krankheitsfreiheit“; beim Auge wird Blindheit genannt. [Die Vorlage hat avyādhi, Krankheitsfreiheit, während Zusammenhang und Parallelstelle eine Krankheit erwarten lassen. Die Negation wird nicht stillschweigend gestrichen.]

13.SAq.2 In der Nase [soll die Gabe] geistigen Schmerz, am Kopf Vermögensverlust bewirken. Rauchiges Feuer wird Kopf genannt, rauchloses Auge.

13.SAq.3 Schmal brennendes Feuer ist das Ohr; Holz die Nase. Wo Feuer wie reiner Bergkristall entsteht …

… dort ist sein Ursprung beziehungsweise seine Wurzel im Maß von vier Aṅgula zu erkennen. [Diese zweite Körperzuordnung unterscheidet sich deutlich von der vorhergehenden und bleibt als eigene Quellenfassung erhalten.]

Hölzer für Opfer- und Schöpflöffel

Im Uttaratantra:

13.LH.1 Sruc und Sruva werden aus Śiṃśapā, Aśvattha, Śrīparṇī, Khadira, Mango, den beiden Sandelholzarten, Devadāru, Vikaṅkata und Śamī …

13.LH.2 … Bilva, Udumbara, Palāśa, Nāgakesara, Bakula, Aśoka, Punnāga, Plakṣa, Nyagrodha oder Campaka gefertigt.

Im Śāradātilaka:

13.LM.1 Der Kundige nehme eines der Hölzer Śrīparṇī, Śiṃśapā oder eines Milchsaftbaumes. Ein Stück von einer Hasta teile er in sechsunddreißig Teile.

13.LM.2 Zwanzig Teile bilden den Stiel, acht die Vedi, einen der Hals und sieben die Mündung.

13.LM.3 Die Breite des Halses beträgt ein Drittel der Vedi. Die Spitze ist so breit wie der Hals. In der Mündung ist ein Kanal anzulegen …

13.LM.4 … in der Stärke des kleinen Fingers, damit das Ghee ausfließen kann. In der Mitte der Vedi ist eine Karṇikā von einem Teil anzufertigen.

13.LM.5 Außerhalb davon gestalte man in einem Teil den Nabellotus. Seine Vertiefung beträgt drei Teile; außen folgt ein Kreis von einem halben Teil.

13.LM.6 Ringsum bilde man in einem Teil acht Blätter. Mündung und Vedi erhalten umlaufend eine Leiste von einem halben Teil.

13.LM.7 Am unteren und oberen Stielende liegen Kumbha-Verdickungen von drei beziehungsweise vier Aṅgula. Das Paar der Gaṇḍīs hat zwei Teile; [daran schließt] die Angabe der Stieldicke an. [Die Lesung gibt da(ga)ṇḍī als Variante und lässt die Zuordnung des letzten Maßes nicht völlig eindeutig erkennen.]

13.LM.8 Die Rückseite der Vedi soll in sechs Teilen schildkrötenförmig sein. Man forme den Kopf eines Schwans, Elefanten oder Ebers …

13.LM.9 … an der Rückseite ihrer Mündung. Damit ist das Kennzeichen [des großen Löffels] erklärt. Den Sruva fertige man mit vierundzwanzig der Teile der Sruc an. [Im Übergang erscheint bereits sruvaḥ; die Bauanweisung unterscheidet anschließend wieder beide Geräte.]

13.LM.10 Zweiundzwanzig Teile gelten als Stiellänge dieses Löffels, vier als Umfang; sein Kopf nimmt ein Karṣa Ghee auf.

13.LM.11 In zwei Teilen höhle man ihn wie den Abdruck eines Wildtieres im Schlamm aus. An Stielwurzel und -spitze sei eine mit Armreifenform geschmückte Gaṇḍī.

Der Kommentar versteht das Gaṇḍī-Paar als reifenförmig, weil der Text selbst von reifenartigem Schmuck spricht und auch die Vāyavīyasaṃhitā erklärt: „Die Gaṇḍī soll einem Armreifen gleichen.“ An anderer Stelle bedeutet Gaṇḍī eine Kumbha-Verdickung; dort ist gerade diese erforderlich.

Die Vāyavīyasaṃhitā gestattet auch metallene Sruc und Sruva. Fehlen beide Geräte, sagt der Kumbhasambhava:

13.LB.1 „Aus unversehrten Palāśa-Blättern, o Weiser, fertige man ansehnliche Sruc und Sruva; bei einem verkürzten Homa auch aus Aśvattha-Blättern.“

Die ausführliche Herstellung der Sruc

Nun wird die Herstellung beschrieben. Man nehme ein nicht ausgetrocknetes, unverletztes, nicht zersplittertes und nicht von Holzwürmern oder anderen Schädlingen verdorbenes, gleichmäßig vierkantiges Holzstück. Es soll dicker und länger als das endgültige Maß sein. Als Hölzer nennt diese Liste Śiṃśapā, Aśvattha, Śrīparṇī, Khadira, Mango, Sandelholz, rotes Sandelholz, Devadāru, Vikaṅkata, Śamī, Palāśa, Udumbara, Bilva, Panasa, Bakula, Aśoka, Nāgakesara, Punnāga, Campaka und Vaṭa.

Ein Maß von vierundzwanzig, nach der Faust bestimmten Aṅgula werde in sechsunddreißig Teile geteilt. Zwanzig Teile teile man für den Stiel ab. [Die Vorlage hat hier daṇḍārdham, wörtlich „Stielhälfte“; zur zuvor genannten Maßfolge passt „Stiel“, doch die abweichende Lesung bleibt vermerkt.] Von den übrigen sechzehn Teilen sind acht für die Mündung und acht für die quadratische Vedi bestimmt.

Man markiere die Mitte der Vedi und ziehe darum einen Kreis mit einem halben Teil als Schnurmaß. Außen folge ein weiterer Kreis im Maß eines Teils. Der Zwischenraum werde drei Teile tief ausgehöhlt, wobei in der Mitte eine runde Karṇikā stehen bleibt. Darum ziehe man wiederum einen Kreis im Maß eines halben Teils und außerhalb einen weiteren im Maß eines Teils; zwischen diesen gestalte man acht Blätter. Im äußeren Bereich von einem halben Teil bilde man einen gleichmäßigen oder verzierten Rand.

Im vorn verbleibenden Teil schneide man seitlich von der Vedi je ein Drittel weg, sodass in der Mitte der Hals von einem Teil entsteht. Die verbleibende, sieben Teile lange Spitze sei etwas höher als der Hals, so breit wie dieser, oben eben und nach unten allmählich schmaler. Auch an der Mündung bilde man eine Leiste wie an der Vedi.

Unterhalb des Halses fertige man eine kanalartige, einen Teil tiefe und für den kleinen Finger zugängliche Höhlung an, ohne zunächst die Mündungsleiste zu durchbrechen. Mit einem erhitzten Eisenstab durchbohre man Hals und Vedi-Rand so, dass Ghee aus der mittleren Höhlung in den Kanal der Mündung gelangen kann. Ebenso durchbohre man vorn die Mündungsleiste zum Ausfluss, wiederum in einer für den kleinen Finger zugänglichen Weite.

Die Rückseite der Vedi gestalte man schildkrötenförmig, in der Mitte etwas abgeflacht, sodass das Gerät ruhig auf dem Boden steht. Die Rückseite der Mündung werde in der Mitte leicht vertieft. Unter der Ausflussöffnung bilde man den erhöhten Teil ansprechend als Schwanen-, Elefanten- oder Eberkopf.

Am oberen Stielende gestalte man in einem Teil drei oder vier reifenartige Zierformen. Darunter bilde man aus vier halben Teilen einen nach oben gerichteten, an Mündung, Hals, Mitte und Grund schön gestalteten [Kumbha-Körper]. Unter diesem folgen in einem Teil erneut Reifen. Die mittlere Stielstrecke werde gleichmäßig rund und neun Teile lang; darin sei eine sechs Teile lange, zum Umwinden mit Faden geeignete Stelle. Dann folgen wieder Reifen in einem Teil, ein nach oben gerichteter Kumbha aus drei halben Teilen und zuletzt weitere Reifen in einem Teil. [Die Maße und die gedrängte Verbindung von Halbteilen und Längen werden nach dem Text wiedergegeben; daraus wird kein eigenständig harmonisierter Bauplan abgeleitet.]

Die Herstellung des Sruva und Ersatzgeräte

Der Sruva werde vierundzwanzig der sechsunddreißig Sruc-Teile lang und gleichmäßig rund angefertigt, mit einem verdickten runden Kopf von zwei Teilen. Seine Vertiefung gleiche einem Wildtiertritt im Schlamm und fasse ein Karṣa.

Darunter folgen in einem Teil Reifen, in vier halben Teilen ein Kumbha, dann wieder Reifen in einem Teil. Es folgt eine elf Teile lange Strecke mit einem vier Teile langen Bereich, der zum Umwinden mit Faden geeignet ist. Danach fertige man in einem Teil Reifen, aus drei Teilen einen Kumbha und in einem weiteren Teil nochmals Reifen. So wird der Sruva hergestellt.

Beide Geräte können ebenso aus Gold, Silber oder Kupfer gefertigt werden. Fehlt ein Sruva, verwende man beim Homa zwei mittlere Palāśa-Blätter oder zwei Pippala-Blätter. Auch die Blätter erhalten dieselben Weihen wie Sruc und Sruva.

Die Mengen der Opferstoffe

Im Śāradātilaka:

13.OM.1 Beim Homa gilt für Ghee ein Karṣa, für Milch eine Śukti. Die fünf Kuhprodukte werden von den Verständigen in demselben Maß angegeben.

13.OM.2 Honig in demselben Maß; Milchreis wird mit einem Akṣa bemessen. Dickmilch beträgt ein Prasṛti, gerösteter Reis eine Handvoll. [Die Wortverbindung madhudugdhānnam ist gedrängt; die anschließende Erklärung aus dem Uttaratantra bestätigt das Akṣa-Maß für Pāyasa.]

13.OM.3 Gepresste Reisflocken haben dasselbe Maß, ebenso geröstetes Mehl. Rohzucker beträgt ein halbes Pala, ebenso kristalliner Zucker.

13.OM.4 Caru beträgt einen halben Bissen; Zuckerrohr reicht bis zum nächsten Knoten. Blätter, Blüten und Kuchen sind jeweils einzeln darzubringen.

13.OM.5 Bananen und Orangen werden als je eine Frucht gerechnet. Die Zitronatzitrone wird viergeteilt, die Jackfrucht in zehn Teile geschnitten.

13.OM.6 Kokosnüsse werden nach den Kundigen achtgeteilt, die Bilva-Frucht dreigeteilt und die Kapittha-Frucht halbiert.

13.OM.7 Die Gurkenfrucht ist beim Homa in drei Teile geteilt; andere Früchte bleiben ungeteilt. Brennhölzer sind zehn Aṅgula lang.

13.OM.8 Drei Dūrvā-Halme werden genannt; Guḍūcī ist vier Aṅgula lang. Unenthülster Reis, Mungbohnen, Māṣa-Bohnen und Gerste betragen jeweils eine Handvoll.

13.OM.9 Enthülster Reis die Hälfte davon, Kodrava eine Handvoll. Weizen und roter Kalama-Reis sind im Maß einer Handvoll vorgeschrieben.

13.OM.10 Sesam beträgt eine kleine Handhöhlung, Senf dasselbe Maß. Salz beträgt eine Śukti, Pfeffer zwanzig Körner.

13.OM.11 Pura beträgt das Maß einer Badara-Frucht, Rāmaṭha ebenso; Sandelholz, Agaru, Kampfer, Moschus und Safran …

… werden von den Lehrern im Maß eines Tamarindensamens angegeben. [Der Vers schreibt bei Badara unregelmäßig varada; der Kommentar erklärt ausdrücklich das Badara-Maß.]

Im Uttaratantra steht: „Pāyasa entspricht einem Akṣa.“ Zum Karṣa heißt es dort: Ein Māṣa sind zehn Guñjā; sechzehn Māṣa heißen Karṣa. Dasselbe Mengenmaß gilt auch für Öl.

Eine Śukti sind zwei Karṣa; ein Prasṛti zwei Pala; eine Handvoll ein Pala; ein halbes Pala zwei Karṣa; ein halber Bissen achtzig Raktikā. [Die historischen Einheiten werden ohne moderne Gewichtsangaben bewahrt.]

Weitere Namen und Erläuterungen der Maße

Im Kulamūlāvatāra:

13.MA.1 Zehn Guñjā bilden einen Māṣa, vier Māṣa einen Śāṇa. Zwei Śāṇa heißen Ghaṭaka, Kola, Badara und [unsicher] Ikṣaṇa.

13.MA.2 Zwei davon heißen Pāṇitala, Karṣa, Suvarṇa, Kavalagraha, Picu und Biḍālapadaka; Tinduka und Akṣa sind das Doppelte davon. [Die syntaktische Gliederung dieser dicht gereihten Maßnamen wird durch die folgende Erläuterung gestützt; die Quelle bleibt in einzelnen Übergängen schwierig.]

13.MA.3 Śukti ist als aṣṭātmikā, „achtfach beschaffen“, bezeichnet; zwei davon sind Pala, Bilvacaturthikā, Muṣṭi, Āmra und Praguñja. Zwei Pala heißen Prasṛti. [Worauf sich „achtfach“ hier bezieht, wird an dieser Stelle nicht erläutert.]

Der Kommentar erklärt: Mātuluṅga ist Bījapūra, die Zitronatzitrone; Urvāruka ist Karkaṭī, die Gurke. „Die Hälfte davon“ beim enthülsten Reis bedeutet eine Śukti. „Eine Handhöhlung“ heißt das Maß der Handfläche, also ein Karṣa. Akṣa entspricht zwei Karṣa. Pura ist Guggulu; das Badara-Maß beträgt achtzig Guñjā. Rāmaṭha ist Hiṅgu, Asafoetida.

Im Nāradapañcarātra heißt es: Von Wurzeln nehme man ein Drittelstück, kleine Wurzeln in ihrer natürlichen Größe. Ebenso im Śaivāgama: Wurzeln werden dreigeteilt, feine auf diese Weise [ganz] geopfert. Der Kommentar erläutert: „ganz“, also unzerteilt. Von Knollen nehme man ein Achtel, von Ranken zwei Aṅgula.

Geeignete und ungeeignete Brennhölzer

Im Nāradapañcarātra:

13.BHn.1 Ein Brennholz soll eine Spanne lang und gleichmäßig geschnitten sein. Zersplitterte, gespaltene, zu kurze, krumme, zu dicke, zu dünne, zweigeteilte …

13.BHn.2 … von Würmern angefressene, zu lange und entrindete Stücke sind zu meiden. Zersplittertes Holz soll die Lebensdauer verkürzen, gespaltenes Krankheit hervorrufen.

13.BHn.3 Bei zu kurzem Holz wird Tod behauptet, krummes gilt als Hindernis bringend; zu dickes soll Glück nehmen, zu dünnes Schwund bewirken.

13.BHn.4 Zweigeteiltes soll Augenleiden, von Insekten angefressenes Vermögensverlust, zu langes Feindschaft und entrindetes Lebensverlust hervorrufen. [Diese Folgen sind rituelle Vorzeichendeutungen der Quelle.]

13.BHn.5 Milchsaft führende Brennhölzer, weder zu groß noch zu klein, sollen alle Wünsche erfüllen. Mit feuchter Rinde, gleichmäßig geschnitten und fingerartig rund …

13.BHn.6 … solches Holz opfere der Verständige und erlange große Fülle. So sind Brennhölzer für Śrauta-, Smārta- und tantrische Handlungen beschrieben. [Das Wort jarjharya in der Dickenangabe des vorigen Verses bleibt unklar.]

In der Vāyavīyasaṃhitā:

13.BV.1 Sie bestehen aus Palāśa oder anderem opfergeeignetem Holz, sind zwölf Aṅgula lang, nicht krumm, nicht von selbst ausgetrocknet, mit Rinde, unverletzt und gleichmäßig.

13.BV.2 Auch zehn Aṅgula sind vorgeschrieben, bei der Dicke eines kleinen Fingers; oder eine Spanne Länge. Was von diesen geeigneten Formen verfügbar ist, darf geopfert werden.

Die Durchführung der Lauteinweihung

Für diejenigen, die die Einweihung durch Handlungen nicht ausführen können, werden nun Lauteinweihung und weitere Verfahren beschrieben.

Man setze die aus Puruṣa und Prakṛti bestehenden Mātṛkā-Laute von A bis Kṣa vorschriftsgemäß in den ebenfalls aus Puruṣa und Prakṛti bestehenden Schülerleib ein. Dann löse man sie in der Auflösungsfolge wieder auf:

„Den von der Kopfregion bis zum Herzen befindlichen Laut Kṣa löse ich in den bis zum Nabel reichenden Laut La auf. Den vom Herzen bis zum Nabel befindlichen Laut La löse ich in den vom Herzen bis zu den Zehenspitzen des linken Fußes befindlichen Laut Ha auf. Ha löse ich in den vom Herzen bis zu den Zehenspitzen des rechten Fußes befindlichen Laut Sa auf. Sa löse ich in den vom Herzen bis zu den Fingerspitzen der linken Hand befindlichen Laut Ṣa auf. Ṣa löse ich in den vom Herzen bis zu den Fingerspitzen der rechten Hand befindlichen Laut Śa auf.“

Entsprechend fahre man fort: „Śa löse ich in Va auf“, und so weiter, bis zu: „Den im Gesichtskreis befindlichen Laut Ā löse ich in den am Kopf befindlichen Laut A auf.“ [Die Zwischenfolge wird in der Quelle durch „und so weiter“ abgekürzt; sie wird hier nicht als angeblich vollständig ausgeschriebene Liste ergänzt.]

Nach Auflösung der Laute verbinde man das Bewusstsein des Schülers mitsamt der Gesamtheit seiner Tattvas mit dem höchsten Selbst. Man stelle sich den Schüler mit aufgelöster Tattva-Gesamtheit, frei von jeder Trübung und mit göttlichem Leib vor.

Aus dem höchsten Selbst lasse man die Laute A bis Kṣa wieder entstehen und setze sie nach der später beschriebenen Schöpfungs-Nyāsa-Folge in den Schülerleib ein. Sein Bewusstsein samt den Tattvas werde wieder mit ihm verbunden; dann erteile man die Unterweisung nach der genannten Vorschrift. Dies ist die Lauteinweihung.

Die Durchführung der Kalā-Einweihung

Im Schülerleib vergegenwärtige man Nivṛtti von den Fußsohlen bis zu den Knien, Pratiṣṭhā von den Knien bis zum Nabel, Vidyā vom Nabel bis zur Kehle, Śānti von der Kehle bis zur Stirn und Śāntyatītā von der Stirn bis zum Brahmarandhra.

Dann spreche man: „Nivṛtti löse ich in Pratiṣṭhā auf; Pratiṣṭhā in Vidyā; Vidyā in Śānti; [Śānti] in Śāntyatītā.“ [Beim letzten Übergang lässt die Vorlage den erneut erforderlichen Namen Śānti aus; er ist hier als grammatisch erschlossene Ergänzung gekennzeichnet.]

Nach dieser schrittweisen Auflösung und Durchdringung lasse man die letzte Kalā im höchsten Selbst aufgehen. Wie zuvor reinige und erneuere man den Schülerleib. Aus dem höchsten Selbst lasse man in der Schöpfungsfolge Śāntyatītā, dann Śānti, Vidyā, Pratiṣṭhā und Nivṛtti entstehen und setze sie an den jeweiligen Orten im Schülerleib ein. Es folgen Unterweisung und weitere Handlungen.

Oder man weihe den Schüler mit den achtunddreißig Kalās in der entsprechend erläuterten Auflösungs- und Schöpfungs-Nyāsa-Folge und erteile die Einweihung. Dies ist die Kalā-Einweihung.

Berührungs-, Wort- und Blickeinweihung

Bei der Berührungseinweihung meditiert der Guru in seiner eigenen Handfläche über seinen Guru als Śiva. Während er die Wurzelvidyā, die sechs Glieder und die Mātṛkā wiederholt, legt er seine rechte Hand auf den Kopf des Schülers und unterweist ihn. Dies ist die Berührungseinweihung.

Bei der Worteinweihung richtet der Guru seinen Geist auf Śiva als höchstes Bewusstsein. Er meditiert über alle daraus hervorgegangenen Mantras und teilt sie dem Schüler mit, ganz darauf gesammelt. Dies ist die Worteinweihung.

Bei der Blickeinweihung schließt der Guru die Augen und meditiert über die Gottheit als höchstes Selbst. Mit klarem, heiterem Geist schaut er den Schüler mit göttlichem Blick an und erteilt die Mantra-Unterweisung. Dies ist die Blickeinweihung.

Diese zuletzt genannten drei Einweihungen soll ein die Wirklichkeit kennender Guru entsagenden Schülern erteilen. Für Frauen schreibt die Quelle dagegen ausschließlich die Worteinweihung vor. [Diese Einschränkung wird als historische Geschlechterregel des Textes wiedergegeben, nicht als heutiger Maßstab spiritueller Befähigung.]

Die Durchführung der durchdringenden Einweihung

Der Guru meditiere im Mūlādhāra des Schülers, im Dreieck inmitten des vierblättrigen Lotus, über Kuṇḍalinī in der zuvor genannten Gestalt. Die vier auf den Blättern befindlichen Laute von Va bis Sa löse er in dem dort sitzenden Lotusgeborenen auf. Brahmā verbinde er mit Viṣṇu im darüber befindlichen sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna-Lotus und vollziehe die Durchdringung.

Die sechs Laute auf dessen Blättern verbinde er mit Viṣṇu. [Die Vorlage schreibt hier „von Va bis La“, obwohl die frühere Versfassung die Sechserreihe mit Ba begann; die Abweichung bleibt gekennzeichnet.] Viṣṇu führe er in das darüber am Nabel befindliche zehnteilige Maṇipūra und verbinde ihn mitsamt den zehn Blattlauten von Ḍa bis Pha mit Rudra in dessen Mitte, unter Vollzug der Durchdringung.

Rudra führe er in den Anāhata genannten Herzlotus mit zwölf Blättern und den zwölf Lauten von Ka bis Ṭha. Zusammen mit diesen Lauten verbinde er ihn mit Īśvara in dessen Mitte und durchdringe ihn. Īśvara führe er in das Viśuddha-Cakra an der Kehle, den sechzehnblättrigen Lotus mit den sechzehn Vokalen. Zusammen mit den Vokalen verbinde er Īśvara mit Sadāśiva in dessen Mitte und vollziehe die Durchdringung.

Sadāśiva führe er in das Ājñā-Cakra, den zweiblättrigen Lotus zwischen den Brauen. Mitsamt den beiden Blattlauten Ha und Kṣa verbinde er ihn mit Bindu in der Mitte und durchdringe ihn. Bindu gehe in die darüber befindliche Kalā ein, diese in Nāda, dieser in Nādānta, dieser in Unmanī, diese in Viṣucakra und Viṣucakra in den Mund des Gurus.

So verbinde und durchdringe er jedes nachfolgende Glied und schließlich Kuṇḍalinī zusammen mit dem Jīvātman in Paraśiva. [Hier steht Viṣucakra; die frühere Versfassung hatte Viṣuvaktra. Beide technischen Lesungen werden als solche erhalten.]

Nach diesem Vollzug fällt der Schüler, dessen Bindung an den Daseinskreislauf auf Weisung des Gurus durchschnitten ist, unmittelbar bewusstlos zu Boden. [Dies ist die Darstellung der Quelle; Bewusstlosigkeit wird damit nicht zu einem verlässlichen spirituellen Erkenntniszeichen.]

Der Guru lasse Kuṇḍalinī aus Paraśiva in der umgekehrten Auflösungsfolge wieder entstehen. Alles zuvor Aufgelöste werde nach der Schöpfungsfolge in den Schülerleib zurückgeführt, jede Gottheit in ihr Cakra. Den Jīva setze er in das Herz, Kuṇḍalinī in den Mūlādhāra ein und erteile Unterweisung und Weiteres.

Darauf, so die Verheißung, entsteht göttliche Erkenntnis, und der Schüler wird Sadāśiva, Kenner von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Dies ist die Vedha-Einweihung.

Die Ācāryas sagen, dass im Kali-Zeitalter ein zur Vedha-Einweihung befähigter Guru und ein dafür geeigneter Schüler zumeist schwer zu finden sind. Aus Anlass des Zusammenhangs wurde sie dennoch hier niedergeschrieben. Möge es Heil sein.

Die zweite Weihe: Pūrṇābhiṣeka

Schülern, die auf diese Weise eingeweiht sind, aufrichtige Hingabe besitzen und vom Guru sowie aus den Schriften alle Geheimnisse und ihren höchsten Sinn gelernt haben, soll der Guru die zweite, Pūrṇābhiṣeka genannte Weihebesprengung erteilen.

In der zuvor beschriebenen Halle zeichne man auf der Vedi das später erläuterte große Verehrungscakra. Wie zuvor fülle man Lotusmitte, Blätter, Staubfäden, Ecken und weitere Bereiche mit den fünf Farbpulvern. [Die Vorlage hat hier die fehlerhafte Zusammenziehung pañcajobhiḥ; der Bezug auf die zuvor genannten fünf Pulver ist im Zusammenhang erkennbar.]

In der Mitte stelle man nach der genannten Vorschrift einen mit einer Khārī Wasser gefüllten Krug auf. Auf den übrigen Blättern, in den Ecken, Quadraten und sämtlichen Verehrungsplätzen der Umhüllungsgottheiten stelle man Krüge mit je zwei Prastha Wasser auf.

Im mittleren Krug rufe man die Hauptgottheit herbei und verehre sie mit den sechzehn Gaben. In den anderen Krügen verehre man ebenso ihre Glieder- und Umhüllungsgottheiten. Unter dem Geburtsmondhaus des Schülers vollziehe man nach der Einweihungsvorschrift die vollständige Besprengung, begleitet von den fünf Instrumentalklängen und zusammen mit Brahmanen, die der erwählten Gottheit hingegeben sind.

Der Schüler verneige sich wie zuvor vor dem ehrwürdigen Guru, gebe ihm Dakṣiṇā und die weiteren Gaben und erfreue die Brahmanen durch reichliche Entlohnung. Dies ist die Vorschrift des Pūrṇābhiṣeka.

13.KPā.1 „Wenn ein Übender ohne vollständige Weihebesprengung stirbt, gelangt er zum Piśāca-Zustand und gerät in die Hölle.“

Aufgrund dieser Aussage des Kulārṇava erklärt der Kommentar diese Weihebesprengung für erforderlich. [Die Drohung ist ein religiöser Geltungsanspruch der zitierten Überlieferung; sie wird nicht als Tatsachenaussage über das Schicksal Verstorbener übernommen.]

Kolophon des dreizehnten Śvāsa

Damit endet der dreizehnte Śvāsa des ehrwürdigen, Vidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrīvidyāraṇyayati, dem Schüler Śrīpraglabhācāryas, dieser Schüler Śrīviṣṇuśarmācāryas, dieser Schüler des ehrwürdigen Bhagavacchaṅkarācārya, dieser Schüler des hochverehrten großen Lehrers Śrīgovindācārya.

Editorische Anmerkung: Die Zahl 13 bezeichnet hier das Kapitel und wird nicht als zusätzliche Versnummer gezählt. Die anschließend in der bereitgestellten Kapiteldatei verbliebenen Wörter „Nun / im Śrīvidyārṇavatantra“ leiten den nächsten Textabschnitt ein und sind keine weitere Strophe dieses Kapitels.

14. Śvāsa

Die vollständige Weihe im Kādī-Lehrweg

Nun die Vorschrift des Pūrṇābhiṣeka im Kādī-Lehrweg. Im ehrwürdigen Tantrarāja [Quellenverweis der Vorlage: zweiter Abschnitt, Vers 52]:

14.TR.1 Den Schüler, der die genannten Kennzeichen besitzt und durch rechte Lebensführung ausgezeichnet ist, reinige man über viele Tage mit den fünf- und sechsgliedrigen Vidyās.

14.TR.2 Man besprenge ihn mit den Krügen und lasse ihn im Śrīcakra Platz nehmen. Im Grundzentrum, im Herzen und am Scheitel vergegenwärtige man das Cakra von seiner Mitte aus.

14.TR.3 Aus dem eigenen Herzen rufe man [die Gottheit] herbei, setze sie ein und verehre sie zusammen mit den Nyāsas. Mit erfülltem Geist und als Verkörperung der Göttin wiederhole man die Vidyā dreimal in sein Ohr.

14.TR.4 Die Einheit der Wirklichkeit von Gottheit, Guru, Mantra und eigenem Selbst freudig vergegenwärtigend, wiederhole [der Schüler die Vidyā] hundertmal vor ihm und bleibe drei Tage in seiner Nähe.

14.TR.5 Andernfalls kehre die wandernde Kraft zum Guru zurück, daran bestehe kein Zweifel. Deshalb bleibe er nahe bei ihm und vollziehe seine Verehrung und die aufgetragenen Handlungen.

14.TR.6 Denn er soll die Wesenseinheit seines eigenen Selbst mit dem Guru, dessen Wesen der Mantra ist, erlangen. Von da an sei er ihm auch hinsichtlich Vermögen und Weiterem anvertraut.

14.TR.7 Nachdem er so die zweifache Weihebesprengung empfangen hat, vollziehe er auf dessen Weisung die Handlungen der Gunstgewährung und weitere. Auf diese Weise werde Vollendung möglich, nicht anders. [Die Abhängigkeitsforderungen und die Aussage über eine zurückkehrende Kraft sind Ansprüche dieser Einweihungslehre.]

14.TR.8 Man fertige das Cakra an, stelle in dessen mittlere Yoni einen Krug, fülle ihn mit Abkochungswasser, besprenge [den Schüler] und teile ihm den Mantra mit.

14.TR.9 Dem hingebungsvollen Schüler, der dem überlieferten Verhalten seiner Abfolge treu ist, erteile man die zweite Weihebesprengung, damit sein Wesen als Göttin vollendet werde.

14.TR.10 Man fertige ein großes Cakra an, zeichne in jede Yoni sechzehn Dreiecke und stelle in der Mitte einen Krug auf.

14.TR.11 Er bestehe aus Gold, Silber, Kupfer, Glas oder Ton und sei mit einer Khārī des beschriebenen Wassers gefüllt, das mit den den Lauten zugehörigen Heilpflanzen [bereitet wurde].

14.TR.12 Man gebe die neun Edelsteine, verschiedene Getreidearten, Gold und Kupfer hinein und umhülle ihn mit zwei Gewändern …

14.TR.13 … roten Gewändern, [versehe ihn] mit Sandelholz sowie Mango-, Panasa- und Aśvattha-Zweigen, die mit Śatakratu-Ranke gebunden sind, und mit einer Mātuluṅga-Frucht …

14.TR.14 … und bedecke ihn damit. In die übrigen [Plätze] stelle man jeweils weitere Krüge. Die Zahlen werden der Reihe nach als „anderthalbtausend, sechsunddreißig, fünf“ genannt. [Die Gliederung dieser Zahlengruppe ist in der vorliegenden Fassung nicht eindeutig genug, um ohne weiteren Beleg eine einzige Gesamtzahl oder mehrere Ausführungen festzulegen.]

14.TR.15 In der Mitte des Cakras bereite man gutes Wasser und die weiteren [Erfordernisse], rufe [die Gottheit] herbei, verehre sie und wiederhole am Vortag die Mantras der Nityās, deren Wesen die Zeit ist.

14.TR.16 Unter dem Geburtsmondhaus stehe man morgens auf und verehre dort die eigene Nityā. Danach wiederhole man [den Mantra] tausendmal und vollziehe Homa ringsum.

14.TR.17 Unter Hörnern, Kāhala-Trompeten, Muscheln und weiteren Instrumenten, Gesang und Tanz, mit freudigen Yoginī-Scharen und den die Gottheiten verkörpernden …

14.TR.18 … ausgewählten und gut verehrten [Mitwirkenden] vollziehe der Guru selbst die Besprengung, mit jedem einzelnen [Krug]. Er erkläre dem Schüler seine eigene Überlieferungsfolge; von da an soll auch dieser sie …

14.TR.19 … in ununterbrochener Wiederkehr ausführen. Wird sie unterbrochen, wiederhole man die Vidyā tausendmal, verbunden mit einer Weihebesprengung.

14.TR.20 Oder man stelle dort sechsundneunzig Krüge auf, rufe in ihnen die Kräfte herbei, verehre sie und vollziehe damit die Weihebesprengung.

14.TR.21 Oder man bereite am Geburtstag einen einzigen Krug und vollziehe die Besprengung. So führe man die anlassbezogenen und die regelmäßigen Handlungen ohne Unterbrechung aus.

Die schrittweise Unterweisung im Mātṛkārṇava

14.MA.1 Dem Schüler teile man die Vidyās mit: die fünfzehn Nityās sowie die drei-, vier- und fünfgliedrigen …

14.MA.2 … die sechs-, sieben-, acht- und neungliedrigen, die zehn-, elf- und zwölfgliedrigen …

14.MA.3 … ferner die dreizehn-, vierzehn-, fünfzehn- und sechzehngliedrigen.

14.MA.4 Ebenso die Vidyās der Haupt- und Nebenglieder, die Umhüllungsgottheiten, die Pañcāyatana-Vidyās und die Gesamtheit der Nyāsas.

14.MA.5 Alle reinen, unreinen und gemischten [Formen] teile man der Reihe nach mit. Der Schüler wiederhole die in der Überlieferungsfolge empfangenen Vidyās in der entsprechenden Ordnung.

14.MA.6 Er lebe stets dem Dienst am Guru zugewandt und bewahre dessen Weisung. Dem hingebungsvollen [Schüler], der die Folge der großen Vidyās empfangen hat …

14.MA.7 … erteile man die zweite Weihebesprengung zur Vollendung seines Wesens als Göttin. Der Kundige lasse nach der früher beschriebenen Vorschrift eine Halle errichten …

14.MA.8 … eine Halle von hundertvierundzwanzig Hasta. An einem guten Tag, unter günstigem Mondhaus, in günstigem Muhūrta und bei günstigem Aufgang … [Die ungewöhnlich große Maßzahl wird so wiedergegeben, wie sie in dieser Versfassung steht.]

14.MA.9 … verehre man zuerst Gaṇeśa unter den fünf Instrumentalklängen und vollziehe wie zuvor die Verkündigung des glückverheißenden Tages.

14.MA.10 Ebenso die Verehrung der Mütter und das Vṛddhiśrāddha; danach verehre man die Brahmanen unter vorausgehenden Heilssprüchen.

14.MA.11 Mit Goldschmuck und Gewändern wähle der Kundige den ehrwürdigen Guru; auf dessen Weisung weitere Brahmanen mit Gold und Kleidung.

14.MA.12 Einen Pustakācārya, acht Opferpriester, neun Brahmanen und acht Torhüter …

14.MA.13 … ferner vier reine Gelübde wahrende Brahmanen für die Friedensrezitation. Diese Verehrer der eigenen Vidyā [wähle beziehungsweise ehre man] hingebungsvoll mit goldenen, edelsteinbesetzten Fingerringen. [Die genannte Neunergruppe wird in diesem Vers nicht eindeutig zur Achtergruppe der Opferpriester abgegrenzt.]

Die Anordnung der Cakras und Krüge

14.MA.14 Mit Zustimmung der Brahmanen zeichne der verständige Guru auf der mittleren Vedi nach der vom ehrwürdigen Lehrer vermittelten Weise ein ansprechendes Cakra mit gleichmäßig geführten Schnurlinien.

14.MA.15 Jede Linie fülle er sorgfältig mit rotem Reis. In den siebenundsiebzig Ecken beziehungsweise Yonis, in jeder einzelnen Yoni …

14.MA.16 … gestalte er mit Dreiergruppen von Schnurlinien jeweils sechzehn [Dreiecke]. Überall stelle der Kundige Krüge auf Haufen von unenthülstem Reis. [Die gedrängte Zeichenanweisung enthält zweimal die Sechzehnerangabe; ihr Wortlaut wird nicht zu einer zusätzlichen rechnerischen Konstruktion erweitert.]

14.MA.17 In die Mitte der mittleren Yoni stelle man einen Krug mit einer Khārī Wasser; an die anderen Plätze Krüge von einem Prastha Fassungsvermögen.

14.MA.18 An den Plätzen von Kāmeśī und den weiteren [Göttinnen] für jede sechzehn; an den Plätzen der acht Waffen für jede Waffe sechzehn.

14.MA.19 An den Plätzen der Siddhis und Mudrās jeweils sechzehn; an jeder Seite der Göttin je einen und hinter ihr drei Krüge.

14.MA.20 Sie sind mit Gold, Edelsteinen, Früchten, zwei Gewändern und Blattzweigen geschmückt. Das Gurumaṇḍala gestalte man zwischen Sechseck und achtblättrigem Lotus.

14.MA.21 Zwischen Lotus und Achteck das Maṇḍala der Herren der Mondtage; im Nordosten das Planeten-Maṇḍala und das Sarvatobhadra-Maṇḍala.

14.MA.22 Das Maṇḍala der Wochentagsherren liege zwischen Achteck und Ācārya-Feuergrube; zwischen Südosten und Osten gestalte man das Mondhaus-Maṇḍala.

14.MA.23 Zwischen Yoni und Halbmond das vorzügliche Nityā-Maṇḍala; zwischen Süden und Südwesten [einen Platz] zur Verehrung der Nityā des betreffenden Tages.

Der Kommentar ergänzt das im Satz mitzudenkende Prädikat: „Man gestalte ein Maṇḍala.“

14.MA.24 Im Südwesten fertige der Kundige das Maṇḍala zur Vāstu-Verehrung an; zwischen Kreis und Dreieck das Maṇḍala der Dhātu-Gottheiten.

14.MA.25 Zwischen Sechseck und Kreis das Maṇḍala der Paare; im Südosten für Kurukullā, im Nordwesten für Vārāhī.

Die Maṇḍalas für Śeṣikā und die Bali-Göttinnen liegen jeweils dazwischen. Der Kommentar: Die Verehrungsfolge des Gurumaṇḍalas und des Sarvatobhadra-Maṇḍalas wurde bereits erläutert.

Die Maṇḍalas der neun Planeten

Nun die Verehrung der neun Planeten und der zugehörigen Gottheiten. Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis der Vorlage: Abschnitt 28, Vers 72]:

14.GM.1 Weil die Gestalt der Planeten aus der Mātṛkā-Vidyā besteht, werde ich das Maṇḍala ihrer Lichtstätten für ihre Verehrung erklären. [Das Wort für „Gestalt“ ist in der Vorlage verdoppelt.]

14.GM.2 Das Maṇḍala des Mondes besteht aus den Sudhā-Vokalen; das der Sonne hat die Gestalt der Sudhā-Konsonanten. Weil die übrigen aus diesen bestehen …

14.GM.3 … erkläre ich dir ihre Maṇḍalas durch die jeweiligen Laute. Bei der Verehrung der neun gehört dazu ein aus diesen bestehendes neunfaches Maṇḍala.

14.GM.4 Bei gesonderter Verehrung von Mond und Sonne sind deren jeweilige Maṇḍalas zu verehren. Höre die heilbringende Reihenfolge, Herrin der Götter.

14.GM.5 Auf einer Fläche von drei Hasta erzeuge man durch vier in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung gespannte Linien neun Felder.

14.GM.6 Im mittleren und im östlichen Feld bilde man deutlich jeweils drei Kreise. In ihrer Mitte spanne man quer und längs je zwei Linien …

14.GM.7 … und teile damit die Mitte neunfach. Vom Nordosten an schreibe man der Reihe nach die acht mit Vāta beginnenden Svaras, in die Mitte Praṇava mit Nabhas. [Vāta und Nabhas sind hier technische Lautbezeichnungen; ihre vollständige Auflösung wird vom Kommentar erst für die praktische Durchführung angekündigt.]

14.GM.8 In die Kreisringe schreibe man die Mātṛkā mit Vokalen und Nabhas. Dort verehre man die Sonne mit ihren zwölf genannten Namen …

14.GM.9 … jeweils mit Praṇava am Anfang und Namaḥ am Ende, wie bei der Sonne überall und stets. Für Soma verbinde man den Anfangslaut mit seinem eigenen [Lautglied] und verehre ihn damit.

14.GM.10 Unter seinem Namen schreibe man dort die acht mit Bindu versehenen Vokale und die Mātṛkā, verbunden mit den sechzehn Vokalen nach ihrer jeweiligen Verbindung …

14.GM.11 … zwischen die Kreise; auch ins mittlere Feld schreibe man ihn, verbunden mit Dāha, Vahni und seinem eigenen [Glied], und verehre ihn in diesem Maṇḍala …

14.GM.12 … Soma nach der genannten Reihenfolge und zu den genannten Zeiten, mit Zucker, Milch, Milchreis und weiteren Gaben.

14.GM.13 In den übrigen sieben Feldern bilde man ebenso je drei Kreise und schreibe den Anfangslaut der jeweiligen Gruppe sowie die mit Vokalen verbundene Mātṛkā …

14.GM.14 … und gestalte die Mitte entsprechend. In diesen [Feldern] schreibe man der Reihe nach die Laute der jeweiligen Gruppe zusammen mit den dreilautigen Namens-[Formeln].

14.GM.15 In die Mitte schreibe man den Anfangslaut der jeweiligen Gruppe, in Praṇava eingeschlossen. In den so angefertigten neun [Maṇḍalas] verehre man die neun Planeten.

14.GM.16 Vom Südosten bis zum Nordosten ringsum schreibe man die dreilautigen Namen im Dativ und verehre sie damit.

14.GM.17 Mars, Merkur, Saturn, Jupiter, Rāhu, Venus und Ketu: Mit diesen [Formeln] erfolgt überall die Verehrung, wo kein besonderer Mantra angegeben ist.

14.GM.18 So sind die Maṇḍalas der neun Planeten erklärt. Werden die Planeten in ihren jeweiligen Maṇḍalas verehrt, sollen sie dem Verehrenden Gunst erweisen.

Besondere Sonnen- und Mondmaṇḍalas

14.GM.19 Höre, Pārvatī, das Maṇḍala für die Verehrung von Sonne und Mond an ihren beiden Wochentagen, bei Neumond und Vollmond und wenn sie in ihren Erhöhungsstellungen stehen.

14.GM.20 Man zeichne zwei Kreise und darin mit je neun quer- und längsgerichteten Linien ein Feld aus einundachtzig Stellen. [Bei gewöhnlicher Zählung der Begrenzungslinien ergeben neun Linien keine neun mal neun Felder; die Angabe wird ohne stillschweigende geometrische Korrektur erhalten.]

14.GM.21 Vom nordöstlichen Feld aus nach innen fortschreitend schreibe man die achtzig Amṛta-Laute bis Mā; in die Mitte das mit Dāva verbundene [Lautglied] …

14.GM.22 … zwischen die Kreise die Mātṛkā, mit jenen fünf verflochten. Auf diesem Bild verehre man Soma. [Die verschlüsselten Lautbezeichnungen und ihr genauer Anschluss bleiben hier offen; der Kommentar verweist auf die folgende praktische Erklärung.]

14.GM.23 Das Mondbild zeichne man mit Kampfer und Sandelholz; das Sonnenbild mit einem der Stoffe rotes Sandelholz, Zinnober oder roter Ocker.

14.GM.24 Auf dem angefertigten Bild verehre man [die Sonne] in der genannten Gestalt. Innerhalb zweier Kreise ziehe man gleichmäßig quer- und längsgerichtete Linien …

14.GM.25 … neunzehn, und schreibe in die Zwischenräume wie zuvor die mit Prāṇa beginnenden, auf Namaḥ endenden [Formeln], verbunden mit den jeweils eigenen Lautgliedern und Vokalen.

14.GM.26 Zwischen die Kreise schreibe man die Schriftreihe, verflochten mit jenen fünfundzwanzig Lauten, den mit Bhānta verbundenen Vokalen und den zehn Vahni-Lauten …

14.GM.27 … deutlich gestaltet, bei drei Hasta Länge und Breite. In ihrer Mitte rufe man Bhānu herbei und verehre ihn wie zuvor, o Herrin.

14.GM.28 Auf einem mit Kalk beziehungsweise hellem Verputz bereiteten Pīṭha, auf dem Boden oder auf einer śikhātala genannten Fläche, ganz eben und unbedeckt, fertige man die Bildformen an und verehre sie. [Die genaue bauliche Bedeutung von śikhātala ist an dieser Stelle nicht gesichert.]

14.GM.29 So ist in diesem Tantra die Planetenverehrung allgemein erklärt. Wo keine besondere Anweisung steht, verehre man sie nach dieser Ordnung.

Der Kommentar kündigt an: Der Sinn dieser Angaben wird bei der praktischen Durchführung erklärt. Die Verehrung des Vāstu-Maṇḍalas wurde bereits gezeigt.

Die Gottheiten der Wochentage

Im Piṅgalāmata:

14.WT.1 Höre, Göttin, ich werde die Gottheiten der Wochentage, Mondtage und Mondhäuser erklären. Am Sonntag Sonne und Śiva, am Montag Soma und Ambikā.

14.WT.2 Am Dienstag Maṅgala und Guha; am folgenden [Mittwoch] Budha und Viṣṇu; am nächsten [Donnerstag] Guru und der Viergesichtige; am Freitag Śukra und Purandara.

Am Samstag [Dhane]śvara und Kāla. So werden die Herren der Wochentage genannt. [Die Vorlage bietet beim Mittwoch „śuddha (budho)“ und beim Samstag die Klammerlesung „(dhane)śvara“. Der Kommentar erklärt die beiden Ausdrücke „am folgenden“ als Mittwoch und Donnerstag.]

Die Gottheiten der Mondtage und Mondhäuser

14.TN.1 Brahmā, Vidhātṛ, Viṣṇu, Yama, der Kühlstrahlige [Mond], Guru, Indra, die Vasus, Nāgas, Dharma, Śiva und Divākara [Sonne] …

14.TN.2 … Manmatha, Kali und die Allgötter sind die Herren der Mondtage. Bei Neumond, o Göttin, sind die Ahnen mit allen Gaben zu verehren.

14.TN.3 Die beiden Aśvins, Yama, Feuer, Brahmā, Mond, Śiva, Aditi, Guru, die Schlangen, die Ahnen, Bhaga, Aryaman und der Tagesherr …

14.TN.4 … Tvaṣṭṛ, Vāyu, dann Indra und Agni gemeinsam, Mitra, Indra, Geliebte, Nirṛti, die Wasser, die Allgötter, Prajāpati …

14.TN.5 … Viṣṇu, die Vasus, Varuṇa, Aja Ekapād, Ahirbudhnya und Pūṣan: Dies sind die genannten Mondhausgottheiten.

14.TN.6 An ihren jeweiligen Tagen verehre man sie, o Herrin, mit allen Gaben und ihren Namen, denen Praṇava vorausgeht und die im Dativ mit Namaḥ enden.

Der Kommentar erläutert: „Indra und Agni“ sind die beiden Gottheiten eines einzigen Mondhauses, denn die Śruti nennt Viśākhā als Indra und Agni zugehörig. Uttarāṣāḍhā gehört den Allgöttern, Śravaṇa Viṣṇu. Der dazwischen genannte Prajāpati gehört zu Abhijit; dies ist nach der Sternkunde zu verstehen. [Damit zählt diese Reihe achtundzwanzig Mondhäuser einschließlich Abhijit.]

Die Nityā des jeweiligen Tages

Nun die Vorschrift zur Verehrung der Nityā des betreffenden Tages. Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis der Vorlage: Abschnitt 25, Vers 78]:

14.NT.1 Höre auch die Glieder dieser Nityā-Vidyās, Geliebte. Mit den jeweils verdoppelten Lauten bilde man die sechs Glieder an Händen und Körper.

14.NT.2 Nach Einsetzung der beschriebenen Mātṛkā wiederhole man die Vidyās einzeln. Man stelle sich die Göttinnen rot vor, mit roten Gewändern, rotem Schmuck, roten Girlanden und Salben …

14.NT.3 … mit Schlinge, Elefantenstachel, Zuckerrohrbogen und Blütenpfeilen. Die Kräfte ihrer fünf Umhüllungen vergegenwärtige man in ähnlicher Gestalt.

14.NT.4 Man bilde zwei Quadrate, geschmückt mit zwei Toren, und in der Mitte einen achtblättrigen Lotus. In der neunfachen Yoni-[Anordnung] verehre man sie.

14.NT.5 In der mittleren Yoni die Gliederumhüllung, im Zwischenraum die Waffen-Umhüllungen, dahinter die Lehrerreihe; in den acht Ecken der Reihe nach …

14.NT.6 … und ebenso auf den äußeren Blättern verehre man mit rückläufigen Lauten, verbunden mit Rūpiṇī-Śakti sowie Māyā und der Siebensilbigen.

14.NT.7 Die Kräfte von Brāhmī an verehre man außen in den beiden Quadraten. Ihre Bali-Gabe vollziehe man mit Kurukullā …

… allein durch die siebensilbige [Vidyā], während man ihre beschriebene Gestalt im Geist vergegenwärtigt.

Vorbereitung und Zeichnung des Nityā-Cakras

Zur Durchführung: Nach den morgendlichen Handlungen bis einschließlich Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Vidyā der Tages-Nityā. Am Kopf setze man „Hrīṃ śrīṃ, Verehrung dem Seher Dakṣiṇāmūrti“ ein, am Mund „Verehrung dem Versmaß Paṅkti“, am Herzen „Verehrung der Gottheit Kālanityā“.

Auch an den sechs Gliedern vom Herzen an vollziehe man den Nyāsa. Man meditiere entsprechend der Beschreibung „rot, mit rotem Gewand“ und vollziehe die geistige Verehrung.

Vor sich zeichne man mit Safran oder einem anderen vorgesehenen Stoff auf eine Gold- oder entsprechende Platte einen achtblättrigen Lotus mit Staubfäden. In seiner Mitte bilde man das Neun-Yoni-Cakra; außerhalb des Lotus zwei voneinander abgesetzte Quadrate mit Toren im Osten und Westen. In die mittlere Yoni schreibe man die drei Laute der Vidyā der Tages-Nityā.

Die Platte stelle man auf einen Pīṭha aus Śrīparṇī oder einem anderen geeigneten Holz vor sich. Unter der Vidyā der Tages-Nityā bringe man eine Handvoll Blüten dar, stelle Tattvārghya und die weiteren Gefäße auf, vollziehe Selbstverehrung und Śrīcakra-Pīṭha-Verehrung. Dann folgen die Gaben von der Herbeirufung bis zu den Blüten und die Layāṅga-Verehrung. Man zeige die Yoni-Mudrā und die vier mit der Schlinge beginnenden Mudrās.

Glieder, Waffen und Lehrerreihen

In der mittleren Yoni verehre man die sechs Glieder wie zuvor: in den vier Zwischenrichtungen, vor der Göttin und an den zugehörigen Richtungsplätzen. Außerhalb der mittleren Yoni, in den Zwischenräumen innerhalb der acht Ecken, verehre man die vier Waffen.

Hinter der Göttin, im Yoni-Innen- beziehungsweise Zwischenraum, vergegenwärtige man drei Linien für die drei Lehrerreihen. Auf der ersten verehre man die drei Gurus von Prakāśānanda an, auf der mittleren die drei von Śrījñānānandanātha an, auf der dritten die drei von Svabhāvānanda an. [Die übrigen Namen werden an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.]

Die sechzehn Lautkräfte und der Abschluss

In den acht Yonis beginne man vor der Göttin und gehe gegen den Uhrzeigersinn weiter. Den mittleren Laut der Tages-Nityā-Vidyā verbinde man mit den sechzehn Vokalen und stelle das Māyā-Bīja voran.

Mit dem ersten so gebildeten Laut verehre man: „Ich verehre die Pādukā der Rūpiṇī-Śakti [dieser Lautgestalt]“, dann entsprechend mit dem zweiten und weiter, bis die acht Kräfte in den Yonis verehrt sind. Auf den acht Lotusblättern verehre man gegen den Uhrzeigersinn die Kräfte der übrigen acht Laute.

Im äußeren quadratischen Umgang verehre man, wieder gegen den Uhrzeigersinn und mit vorangestelltem Māyā-Bīja, die acht Kräfte von Brāhmī an. Es folgen Welthüterverehrung und die weiteren Gaben bis zur Speise. Mit der siebensilbigen Kurukullā-Vidyā bringe man Bali dar und schließe alles ab. Damit ist die Verehrung der Tages-Nityā beschrieben.

Die sechs Dhātu-Göttinnen von Ḍākinī an

Nun die Verehrung der sechs Gottheiten der körperlichen Grundstoffe, beginnend mit Ḍākinī. Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis der Vorlage: Abschnitt 16, Vers 72]:

14.DH.16 Auf dem Boden bilde man sieben Sechsecke in der genannten Richtungsfolge. In der Mitte verehre man Nityānityā mit Duft und weiteren Gaben. [Die erste Strophe trägt in dieser Fassung die Nummer 16; danach beginnt die Zählung bei 2.]

14.DH.2 Ringsum in den sechs Sechsecken verehre man der Reihe nach jene Sechsergruppe; auch außen verehre man sie wie zuvor mit den angegebenen Lauten.

14.DH.3 Ebenso sind bei allen sechs in ihren Sechsecken ihre Kräfte [zu verehren]: sechsunddreißig, die der jeweiligen Göttin in Gestalt, Waffen und Weiterem gleichen.

14.DH.4 Wie zuvor [werden] fünf [Gruppen] mit A vorangestellt, von Ka bis Ma [gebildet]; bei den übrigen verehre man mit den Lauten unter Auslassung von Ya, Va, La und Kṣa. [Der erste Halbvers verbindet svarāṇāṃ pañca und apūrvāḥ gedrängt. Die nachfolgende praktische Liste zeigt sechs Gruppen mit A als erstem Glied; sie erlaubt keine stillschweigende Korrektur des Verswortlauts.]

14.DH.5 Die Verehrung dieser Cakras und Kräfte in umgekehrter Reihenfolge heißt Nigraha und ist auf das Unglück von Feinden gerichtet. [Dies bezeichnet eine feindschädigende Ritualabsicht der Quelle; sie wird nicht als heutige Praxis empfohlen.]

Konstruktion des siebenfachen Sechseck-Cakras

Zur Durchführung: Auf einer mit Kuhdung bestrichenen Vedi, dem Blick der nicht entsprechend Eingeweihten entzogen, vollziehe man die Verehrung des Sitzes und die weiteren Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa. [Die Quelle verwendet für die ausgeschlossenen Betrachter den technischen Begriff paśu.] Nach der Vorschrift für Nityānityā vollziehe man Prāṇāyāma und die weiteren Vorbereitungen bis zur geistigen Verehrung.

Vor sich markiere man einen Punkt und ziehe darum einen Kreis mit einem Schnurmaß von vierundzwanzig Aṅgula. Durch seine Mitte spanne man die Ost-West-Brahmaschnur. Mit der halben Länge dieser Schnur trage man von ihrem östlichen und westlichen Ende aus je eine südliche und eine nördliche Markierung am Kreis ab, insgesamt vier.

Zwischen den entsprechenden Markierungen spanne man zwei Nord-Süd-Schnüre. Von beiden Enden der westlichen Querschnur ziehe man Linien zum östlichen Ende der Brahmaschnur, von beiden Enden der östlichen Querschnur zum westlichen Ende. Dadurch entsteht ein Sechseck.

Zusätzlich spanne man Brahmaschnüre vom Südosten zum Nordwesten und vom Nordosten zum Südwesten. Jede der nun drei Mittelschnüre werde gedrittelt und markiert. An den Drittelpunkten in Westen, Nordwesten, Nordosten, Osten, Südosten und Südwesten sowie in der Mitte zeichne man mit dem jeweils halben Schnurmaß insgesamt sieben Kreise.

Man teile jede der drei Brahmaschnüre in vierundzwanzig Teile. Vom Mittelpunkt des mittleren Kreises aus setze man in den sechs äußeren Kreisen Markierungen beim jeweils zehnten Teil auf der zugehörigen Brahmaschnur. Ebenso setze man vom Zentrum aus eine Markierung beim zehnten Teil auf der Linie zum südöstlichen Kreis. Vom Zwischenraum zwischen südöstlichem und mittlerem Kreis aus verfahre man entsprechend am nordwestlichen Kreis; ebenso jeweils mit zwei Markierungen an den Kreisen im Nordosten und Südwesten.

Auch auf der Ost-West-Brahmaschnur markiere man vom westlichen und östlichen Ende aus jeweils den zehnten Teil. In allen sieben Kreisen ziehe man durch die jeweiligen Markierungen zwei Querlinien und fertige darin nach der zuvor erläuterten Methode je ein Sechseck an. In jedem Sechseck zeichne man Kreise in der Mitte und in den sechs Dreiecken. Dann lösche man die Hilfsschnüre. [Die mehrfachen Bezugnahmen auf Halblängen, Drittelpunkte und Zehntelteile werden nach der Vorlage bewahrt; diese Übersetzung behauptet keine unabhängig geprüfte maßstäbliche Rekonstruktion.]

Die Göttin in der Mitte

In die Mitte des so gewonnenen Verehrungscakras gebe man eine Handvoll Blüten unter der Nityānityā-Vidyā. Mit der Nityā-Vidyā vollziehe man die Aufstellung des Arghya und die weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung.

Im mittleren Sechseck führe man die Pīṭha-Verehrung und die Gaben bis zu den Blüten nach der Nityānityā-Vorschrift aus. Dort verehre man zunächst die sechs von Ḍākinī an in der angegebenen Weise. Man gebe Räucherwerk und Licht, bringe die später genannten sechs Speisen dar sowie Betel und alle weiteren Gaben.

Ḍākinī im Südwesten

In der Mitte des rauchfarbenen südwestlichen Sechsecks rufe man Ḍākinī herbei. Man meditiere über sie rauchfarben, mit derselben Zahl von Gesichtern und Armen wie Nityā. Mit den sechs Gliedermantras, beginnend mit Ḍāṃ und Ḍīṃ, verbunden mit den jeweiligen Schlussrufen, vollziehe man ihre Sakalīkṛti und setze die Lebenskräfte ein.

Entsprechend verfahre man später bei Rākiṇī und den anderen: ihre Anfangslaute werden mit den sechs langen Vokalen und den Schlussrufen verbunden, um Sakalīkṛti und Prāṇapratiṣṭhā auszuführen.

Ḍākinī wird dem Verehrenden zugewandt vorgestellt und mit den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten verehrt. Ihre sechs Umhüllungskräfte erhalten die Formel „Hrīṃ āṃ …, ich verehre die Pādukā der [jeweiligen Laut-]Śakti“: im Südwesten Aṃ, im Nordwesten Kaṃ, im Osten Khaṃ, im Südosten Gaṃ, im Nordosten Ghaṃ und im Westen Ṅaṃ.

Man gebe Räucherwerk und Licht, bringe Milchreis dar und erfreue sie durch die weiteren Gaben vom Betel bis zur Verneigung. [Die Speise ist in der Vorlage unregelmäßig als yāyasānna geschrieben; gemeint ist erkennbar Pāyasa.]

Rākiṇī im Nordwesten

Im zinnoberfarbenen nordwestlichen Sechseck rufe man Rākiṇī herbei und meditiere über sie zinnoberfarben, mit Gesichtern und Armen wie Nityānityā. Nach den Gaben bis zu den Blüten verehre man an ihren sechs Eckplätzen – links vorn, rechts vorn, hinten links und rechts sowie vor ihr [die gedrängte Ortsreihe bleibt nicht ganz eindeutig] – die Kräfte Aṃ, Caṃ, Chaṃ, Jaṃ, Jhaṃ und Ñaṃ, jeweils mit der genannten Hrīṃ-Āṃ-Pādukā-Formel.

Nach Räucherwerk und Licht bringe man Reis mit Rohzucker dar; Betel und die übrigen Gaben erfolgen wie zuvor.

Lākinī im Osten und Kākinī im Südosten

Im blauen östlichen Sechseck rufe man Lākinī herbei und meditiere über sie blau, mit den zuvor angegebenen Gesichtern und Armen. Nach den Gaben bis zu den Blüten verehre man in den sechs Ecken die Kräfte Aṃ, Ṭaṃ, Ṭhaṃ, Ḍaṃ, Ḍhaṃ und Ṇaṃ mit derselben Formel. Nach Räucherwerk und Licht bringe man Reis mit Mungbohnen dar. Das Weitere geschieht wie zuvor.

Im südöstlichen Sechseck von der Farbe der aufgehenden Sonne rufe man Kākinī in derselben Farbe herbei. Meditation und Verehrung erfolgen wie zuvor. Ihre sechs Kräfte lauten Aṃ, Taṃ, Thaṃ, Daṃ, Dhaṃ und Naṃ. Nach deren Verehrung bringe man die Speise dar und vollziehe den übrigen Ablauf. [Diese Prosastelle nennt die Speiseart für Kākinī nicht ausdrücklich; sie wird hier nicht aus Vermutung ergänzt.]

Śākinī im Nordosten und Hākinī im Westen

Im goldfarbenen nordöstlichen Sechseck rufe man Śākinī herbei und meditiere über sie goldfarben. Nach den Gaben bis zu den Blüten folgen die sechs Kräfte Aṃ, Paṃ, Phaṃ, Baṃ, Bhaṃ und Maṃ. Man bringe mit Sesam vermischten Reis dar und vollziehe alles Weitere wie zuvor.

Im weißen westlichen Sechseck rufe man Hākinī herbei und meditiere über sie weiß, mit den zuvor angegebenen Armen und weiteren Merkmalen. Nach den Gaben bis zu den Blüten verehre man Aṃ, Raṃ, Śaṃ, Ṣaṃ, Saṃ und Haṃ. Nach Räucherwerk und Licht bringe man reinen Reis dar; Betel und weitere Gaben folgen wie zuvor.

Danach verehre man Nityā erneut mit ihrer Vidyā, gebe Räucherwerk und Licht und erfreue sie mit Preisung und Verneigung. Ḍākinī und die übrigen mit ihren Umhüllungen lasse man in sie eingehen, sie wiederum in das eigene Herz. Mit ihr wesenseins, bewege man sich glücklich im Leben.

Die Verehrung der fünfzig Paare

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis der Vorlage: Abschnitt 16, Vers 95]:

14.MP.1 Mit den Lauten vom ersten bis Kṣa, wie zuvor mit Rūpiṇī-Śakti verbunden, mit den beiden Bījas beginnend und mit der siebensilbigen [Formel] endend, insgesamt fünfzehnlautig …

14.MP.2 … sind die fünfzig Kräfte mit fünfzig Kṣetrapālas zu verehren. Für diese werden die beiden Bījas und die Laute mit „Rūpa-Kṣetreśa“ verbunden …

14.MP.3 … und mit der siebensilbigen [Formel] ergänzt; die Mantras haben fünfzehn Laute. In einem Feldplan von vierundsechzig Stellen schreibe man in die vier mittleren Felder zusammen mit der Tagesvidyā …

14.MP.4 … den eigenen Wunsch. In den [übrigen] Feldern verehre man die Paare entsprechend der Ghaṭikā-Folge, zwischen Hṛd und Māyā befindlich. [Die technischen Lautbezeichnungen sind hier verkürzt; der folgende Kommentar erläutert die Anordnung.]

14.MP.5 Werden die fünfzig Paare den Ghaṭikās der Tage entsprechend verbunden, soll man nach einem Maṇḍala und einem halben Monat das Gewünschte erlangen. [maṇḍalamāsārdhāt lässt die Abgrenzung der Zeitangaben nicht sicher erkennen; es wird keine feste moderne Tageszahl daraus errechnet.]

14.MP.6 Durch tägliche Herbeirufung und Verehrung dieser [Kräfte] in jenem Cakra wird nach der Verheißung stets die Erfüllung aller Wünsche erreicht.

Die Erklärung des vierundsechzigfeldrigen Cakras

Der Kommentar erläutert diese sechs Verse: An einem geeigneten Ort spanne man wie zuvor neun gleichmäßig beabstandete Linien in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung. So entsteht ein quadratisches Cakra mit vierundsechzig Feldern. Die vier mittleren Felder werden vereinigt. Dort schreibe man die Laute der Tages-Nityā so, dass die eigene Bitte in ihrer Mitte steht.

Dann beginne man mit dem rechten der beiden mittleren Felder der unten liegenden äußeren Reihe und schreite im Uhrzeigersinn in einer ununterbrochenen, nach außen führenden Folge bis zum unteren Feld der linken Reihe fort. In die sechzig Felder schreibe man die fünfzig Mātṛkā-Laute, beginnend mit dem beim Tagesaufgang geltenden Laut, versehen mit Visarga und in das Bīja Hrīṃ eingeschlossen. In die übrigen zehn Felder schreibe man nochmals die zehn mit dem Aufgangslaut beginnenden Laute.

In derselben geschriebenen Folge verehre man zu den sechzig Ghaṭikās jeweils das zugehörige Paar mit den sechzehn Gaben. So soll die entsprechende Frucht erlangt werden.

Die Formeln für die fünfzig Śaktis beginnen: „Hrīṃ śrīṃ aṃ, ich verehre die Pādukā der Aṃ-Rūpiṇī-Śakti“, und werden entsprechend mit den weiteren Lauten fortgeführt. Für die fünfzig Kṣetreśas: „Hrīṃ śrīṃ aṃ, ich verehre die Pādukā des Aṃ-Rūpa-Kṣetreśa“, und entsprechend weiter.

Auf diese Weise verehre man die sechzig zeitlich zugeordneten Paare in ihrer Folge einzeln. [Die Zeitbestimmung am Satzende ist als ekaikaśaḥstha (?) vilambena unsicher überliefert. Die sechzig Positionen widersprechen der Grundzahl fünfzig nicht: Zehn Lautpaare werden ausdrücklich nochmals verwendet.]

Der Kommentar begründet die Verehrung zu jeder Ghaṭikā damit, dass sie jeweils auf die betreffende Wunschhandlung bezogen ist. Damit endet die Verehrung der fünfzig Paare.

Kāmeśvarī unter den fünfzehn Nityās

Nun die Verehrung der fünfzehn Nityās von Kāmeśvarī an. Zur Kāmeśvarī-Nityā sagt der ehrwürdige Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 7, Vers 1]:

14.KN.1 Höre nun der Wahrheit gemäß von Kāmeśvarī, die unter den sechzehn Nityās als zweite genannt wird und alle Wünsche erfüllt …

… von ihrem Tattva-Nyāsa, den unterschiedlichen Meditationen, ihren Kräften und ihrer Verehrung. [Die Zählung „zweite unter sechzehn“ gehört zur erweiterten Nityā-Ordnung und wird nicht zu „erste“ geändert.]

Die Entfaltung ihres Mantras

Im selben Werk [Verweis: 3.6]:

14.KM.1 Śuci, mit seinem eigenen [Lautglied] verbunden, ist der erste; Lalitā der zweite. Danach Śūnya mit Agni, Raya mit Vyāpta.

14.KM.2 Prāṇa mit Rasa und Agni; das Śūnya-Paar mit Cara; Nabhas, Gotrā, dann diese erneut, mit Dāha verbunden.

14.KM.3 Ambu mit Cara, und Hṛd mit Vana und Śakti. Dies ist die elflautige, Wünsche gewährende Kāmeśvarī-Nityā. [Diese Verse verwenden verschlüsselte Lautnamen; ihre sichere ausgeschriebene Form wird unmittelbar im Kommentar gegeben. Die Benennungen werden nicht durch zusätzliche Vermutungen ersetzt.]

Die Vorlage schreibt den Mantra aus: „aiṃ sakalahrīṃ nityaklinne madadrave sauḥ“, und setzt die Zahl 11 hinzu. Der ansprechbare Wortsinn von nityaklinne madadrave lautet etwa: „Du immer Feuchte, in Verzückung Zerfließende.“ Die Bījas bleiben als Lautgestalten erhalten. [Die technische Zählung als elf ist in der Quelle vorgegeben; ihre spätere Nyāsa-Gliederung behandelt sakalahrīṃ als eine zusammengehörige Einheit.]

Im Tripurārṇava, in der Vorlage eingeklammert:

14.KR.1 Als Seher wird Saṃmohana genannt, als Versmaß Triṣṭubh. Gottheit ist Kāmeśvarī, das Bīja heißt Brahma-Bīja.

Die Kraft wird Kāmakalā genannt, der Riegel ist das Dharā-Bīja.

Nyāsa und Meditation nach dem Tantrarāja

14.KT.1 Mit den Lauten der Wurzelvidyā bilde man der Reihe nach die sechs Glieder: mit einem das Herz, mit ebenso viel den Kopf, danach zwei [Glieder] aus jeweils zwei [Lauten] …

14.KT.2 … mit vier die Augen und mit einem die Waffe. An den beiden [Augen], den Ohren, den beiden Nasenöffnungen, Zunge, Herz, Nabel und verborgenem Bereich … [Für die ersten beiden Stellen hat die Vorlage die auffällige Lesung dik; die folgende praktische Fassung nennt ausdrücklich die Augen.]

14.KT.3 … sowie durchdringend am ganzen Leib vom Scheitel bis zu den Fußspitzen setze man anschließend die Vidyā-Laute ein.

14.KT.4 Mit der Gesamtheit vollziehe man die Durchdringung nach der genannten Reihenfolge. Nun werde ich die für die regelmäßige Verehrung angegebene Meditation erklären …

14.KT.5 … durch die die Göttin, sehr erfreut, mühelos das Erwünschte gewährt: Sie gleicht zehn Millionen jungen Sonnen und erstrahlt mit einer Krone aus Rubinen …

14.KT.6 … geschmückt mit Halsketten, Halsschmuck, Gürteln, Fingerringen, Fußreifen und Weiterem; sie trägt rote Gewänder und leuchtet mit rotem Schmuck.

14.KT.7 Sie hat sechs Arme, drei Augen und die Mondsichel am Haupt. Sie weilt in [einem Cakra aus] fünf und acht [Blättern], einem Paar sechzehnblättriger [Kreise], Sechseck und Quadrat.

14.KT.8 Ihr Gesicht strahlt mit sanftem Lächeln, ihr Blick ist von Mitgefühl beziehungsweise Scham sanft verlangsamt. Sie trägt Schlinge, Elefantenstachel, Zuckerrohrbogen, Blütenpfeil … [Die Vorlage bietet hier ausdrücklich die unsicheren Alternativen dayā? lajjā.]

14.KT.9 … ein mit Nektar gefülltes Edelsteingefäß und die Geste der Gewährung in ihren Händen. So meditiere man über die Göttin und verehre sie bei der regelmäßigen Verehrung zur Vollendung.

14.KT.10 Für die besonderen Anwendungen werde ich die jeweiligen Meditationen an ihrer Stelle erklären. Madana und Unmādana, dann Dīpana und Mohana …

14.KT.11 … und Śoṣaṇa heißen die fünf zuvor genannten Pfeile. [Die acht Kräfte heißen] Kusumā, Mekhalā, Madanā, Madanāturā …

14.KT.12 … sämtlich mit Anaṅga vorangestellt; als fünfte Madaveginī, dann Bhuvanapālā, danach Śaśirekhā …

14.KT.13 … und Gaganarekhā. Sie werden auf den acht Blättern verehrt. [Auf den sechzehn Blättern:] Śraddhā, Prīti, Rati, Dhṛti, Kānti, Manoramā …

14.KT.14 … Manoharā und die als achte genannte Göttin Manorathā; danach Madanā, Unmādinī, Mohinī, Śaṅkhinī …

14.KT.15 … Śoṣiṇī, Vaśaṅkārī, Śiñjinī und Subhagā. Sechzehn werden genannt, mit den Vokalen verbunden, von lieblich anzusehender Schönheit. [Die genaue Worttrennung der Schlusswendung priyadarśinikāntikāḥ ist unsicher; die folgende praktische Liste bestätigt sechzehn Namen.]

14.KT.16 Jede wird auf einem der sechzehn Blätter verehrt. [Die Mond-Kalās heißen:] Pūṣā, Iddhā, Sumanasā, Rati, Prīti und Dhṛti …

14.KT.17 … Ṛddhi, Saumyā, Marīci, Aṃśumālinī, Śaśinī, Aṅgirā, Chāyā und Sampūrṇamaṇḍalā …

14.KT.18 … sowie Tuṣṭi und Amṛtā. Dies sind die mit Vokalen verbundenen Kalās des Mondes; man verehre sie der Reihe nach auf den sechzehn Blättern.

14.KT.19 Außen an den Sechseckecken verehre man ebenso Ḍākinī und die weiteren; außen im Quadrat die Welthüter, in entsprechender [göttlicher] Gestalt.

14.KT.20 Vaṭuka, Gaṇapati, Durgā und Kṣetreśa verehre man ringsum an den vom Südosten beginnenden Ecken, mit ihren Namen zwischen dem Anfang der Vidyā und der siebensilbigen [Formel] …

14.KT.21 … und bringe ihnen Bali mit den genannten Duftstoffen und weiteren Gaben dar. Dann verehre man die Segensreiche mit ihrer Glieder- und Hauptvidyā, nachdem man Arghya bereitet hat …

14.KT.22 … mit den zuvor genannten Gaben und Verfahren. Danach vollziehe man Homa mit schönen roten Blüten, die mit Ghee oder süßen Stoffen benetzt sind …

… und mit Reis und weiteren [Speisen]; dann schließe man wie zuvor ab.

Die praktische Vorbereitung der Kāmeśvarī-Verehrung

Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit Kāmeśvarīs Vidyā. Es folgen die Einsetzungen: am Kopf Saṃmohana als Seher, am Mund Triṣṭubh als Maß, am Herzen Kāmeśvarī als Gottheit, im verborgenen Bereich Kaṃ als Bīja, an den Füßen Ī als Kraft, am Nabel Laṃ als Riegel, jeweils mit Namaḥ.

Mit zusammengelegten Händen erkläre man die Anwendung: „Zur Erlangung der Frucht der von mir auszuführenden zweiten Einweihung, Pūrṇābhiṣeka genannt.“

Die sechs Glieder lauten: Aiṃ – Herz – Namaḥ; Sakalahrīṃ – Kopf – Svāhā; Nitya – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Klinne – Schutzhülle – Huṃ; Madadrave – drei Augen – Vauṣaṭ; Sauḥ – Waffe – Phaṭ.

Die einzelnen Einsetzungen sind: rechtes Auge Aiṃ; linkes Auge Sakalahrīṃ; rechtes Ohr Ni; linkes Ohr Tya; rechte Nasenöffnung Kli; linke Nasenöffnung Nne; Zunge Ma; Herz Da; Nabel Dra; verborgener Bereich Ve; am ganzen Leib durchdringend Sauḥ, jeweils mit dem angegebenen Verehrungsruf.

Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man mit Safran oder einem anderen vorgesehenen Stoff auf eine Gold- oder entsprechende Platte einen fünfblättrigen Lotus, außen einen achtblättrigen, außen einen sechzehnblättrigen, darum ein Sechseck und darum ein Quadrat mit vier Toren. [Die Versbeschreibung nannte ein Paar sechzehnblättriger Bereiche; die Prosazeichnung nennt nur einen Lotus und verwendet später seine Blattspitzen als weiteren Verehrungsbereich.]

Man stelle das Cakra auf einen Pīṭha aus Sandelholz oder einem geeigneten anderen Stoff vor sich, bringe unter der Kāmeśvarī-Vidyā eine Handvoll Blüten dar, stelle Arghya und die weiteren Gefäße auf, vollziehe Selbst- und Pīṭha-Verehrung und vergegenwärtige mit der Vidyā die Gestalt der Göttin. Es folgen Herbeirufung und die Gaben bis zu den Blüten sowie die Verehrung bis zur Laya-Handlung.

Pfeile und acht Anaṅga-Kräfte

Auf den Staubfäden des fünfblättrigen Lotus verehre man die sechs Glieder an den zuvor genannten Zwischen- und Richtungsplätzen. Hinter der Göttin, zwischen fünf- und achtblättrigem Lotus, verehre man wie bei der Tages-Nityā die dort genannten Gurus.

Auf den fünf Blättern, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, verehre man mit Hrīṃ Śrīṃ vorangestellt: Drāṃ – Madana-Pfeil; Drīṃ – Unmādana-Pfeil; Klīṃ – Dīpana-Pfeil; Blūṃ – Mohana-Pfeil; Saḥ – Śoṣaṇa-Pfeil, jeweils mit Namaḥ.

Auf den acht äußeren Blättern folgen in derselben Richtung die Pādukās von Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, Anaṅgamadaveginī, Anaṅgabhuvanapālā, Anaṅgaśaśirekhā und Anaṅgagaganarekhā. Jede Formel beginnt mit Hrīṃ Śrīṃ und lautet „Ich verehre die Pādukā …, Namaḥ“.

Sechzehn Kräfte und sechzehn Mond-Kalās

Auf den sechzehn Blättern verehre man mit derselben Pādukā-Formel und den folgenden Lauten:

  • Aṃ – Śraddhā; Āṃ – Prīti; Iṃ – Rati; Īṃ – Dhṛti.
  • Uṃ – Kānti; Ūṃ – Manoramā; Ṛṃ – Manoharā; Ṝṃ – Manorathā.
  • Ḷṃ – Madanā; Ḹṃ – Unmādinī; Eṃ – Mohinī; Aiṃ – Śānti beziehungsweise Śaṅkhinī.
  • Oṃ – Śoṣiṇī; Auṃ – Vaśaṅkarī; Aṃ – Śiñjinī; Aḥ – Subhagā.

Die Alternative Śānti/Śaṅkhinī ist in der Vorlage selbst markiert. Die beiden Aṃ-Positionen gehören zur dortigen Vokalreihe und werden nicht zusammengelegt.

An den äußeren Spitzen der sechzehn Blätter folgen:

  • Aṃ – Pūṣā; Āṃ – Iddhā; Iṃ – Sumanasā; Iṃ – Rati.
  • Uṃ – Prīti; Ūṃ – Dhṛti; Ṛṃ – Ṛddhi; Ṝ – Saumyā.
  • Ḷ – Marīci; Ḹṃ – Aṃśumālinī; Eṃ – Śaśinī; Aiṃ – Aṅgirā.
  • Oṃ – Chāyā; Auṃ – Sampūrṇamaṇḍalā; Aṃ – Tuṣṭi; Aḥ – Amṛtā.

[Die Prosavorlage setzt bei Rati erneut kurzes Iṃ statt des in der regulären Reihe erwartbaren Īṃ und lässt bei Ṝ und Ḷ den Bindu aus. Diese Lesungen bleiben hier sichtbar.]

Äußerer Schutzkreis und Abschluss

An den Sechseckecken verehre man mit Hrīṃ Śrīṃ Aiṃ und der Pādukā-Formel: rechts vorn Ḍākinī, links vorn Rākiṇī, hinten Lākinī, hinten links Kākinī, hinten rechts Śākinī und vor der Göttin Hākinī.

Außerhalb des Sechsecks, innerhalb des Quadrats: im Südosten Vaṭuka mit Aiṃ, im Südwesten Gaṇapati mit Gaṃ, im Nordwesten Durgā mit Aiṃ, im Nordosten Kṣetreśa mit Aiṃ Kṣaṃ; die zuvor angegebenen Anfangs-Bījas und die Pādukā-Formel gelten entsprechend.

Im äußeren Quadrat beginne man hinter der Göttin und verehre in den zehn Richtungen die Welthüter und ihre Waffen, mit Śakti an den jeweiligen Namen angeschlossen: etwa Hrīṃ Śrīṃ Aiṃ Laṃ – Indra-Śakti; Hrīṃ Śrīṃ Aiṃ Raṃ – Agni-Śakti; entsprechend weiter. [Die übrigen Formeln werden hier nur durch den Verweis auf die bekannte Reihe bezeichnet.]

Nach Räucherwerk, Licht und Speise bringe man Kurukullā-Bali und die Gaben für Vaṭuka, Gaṇapati, Durgā und Kṣetreśa dar. Es folgen Japa und der übrige Abschluss.

Bei sämtlichen fünfzehn Nityās ist zu Beginn der Verehrung Bali für alle Wesen, am Ende Kurukullā-Bali mit der siebensilbigen Vidyā darzubringen. Damit endet die Verehrung der Kāmeśvarī-Nityā.

Bhagamālinī-Nityā und ihr Mantra

Nun die Verehrung der Bhagamālinī-Nityā. Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 8]:

14.BM.1 Höre, Göttin: Ich werde nun Bhagamālinī, die dritte unter den sechzehn Nityās, der Reihe nach mit ihren Gliedern und Umhüllungen erklären.

14.BM.2 Ihre Glieder, ihre Meditation, die Gottheiten ihrer Umhüllungen, die Folge ihrer Verehrung und ebenso die Entfaltung des Mantras. [Die Nummer 2 ist in der Vorlage nicht regulär abgeschlossen; unmittelbar schließt ein Quellenverweis auf 3.9 an. Sie wird trotzdem als eigene nummerierte Einheit berücksichtigt.]

Die folgenden Verse verschlüsseln die Mantragestalt durch technische Lautnamen. Diese werden als solche erhalten; die anschließend ausgeschriebene Formel dient als lesbarer Bezug.

14.BM.3 Der Anfang ist der Anfang Kāmeśvarīs; dann Rasa, Sthirā, Rasā mit Dharā und Cara, danach Sthirā und wiederum Rasa.

14.BM.4 Sthirā und Śūnya mit Agni, danach Rasa; Sthirā mit Bhū, Gotrā mit Dāha, Agni, Rasa und Sthirā.

14.BM.5 Nabhas mit Marut, Rasā mit Cara; danach Rasa, sodann Sthirā mit Marut.

14.BM.6 Ambu und Haṃsa mit Cara, dann Rasa mit Sthirā; Sthirā mit Dharā, Haṃsa mit Vyāpta und Cara.

14.BM.7 Rasa, Sthirā, dann Vyāpta mit Bhū, Śūnya mit Agni; Rasa, Sthirā mit Agni, Śūnya, Marut mit Javi.

14.BM.8 Raya, Śūnya mit Agni, Hṛd, Dāha mit Ambu; danach Rasa, Sthirā, Ambu, Viyat mit seinem eigenen [Lautglied] und Prāṇa.

14.BM.9 Dāha mit Agni, Rasa, dann Sthirā; Kṣmā mit Dāha, Javi mit Cara; danach von der dritten [Einheit] der vorigen Vidyā an der Reihe nach …

14.BM.10 … vier Laute; danach Rasa und Sthirā, Hṛd mit Ambu, Dāha mit Kṣmā, Javi mit Cara und Hṛd.

14.BM.11 Dāha mit Ambu und Marut, Vyoman mit Agni, Rasa; Sthirā mit Marut, Śūnya mit Agni, Nabhas und Cara.

14.BM.12 Haṃsa mit Vyāpta und Marut; Śūnya, Vyāpta, dann Ambu; Dāha, Gotrā mit Cara, ebenso Dāha und Raya.

14.BM.13 Hṛd mit Dharā, Dāha und Raya mit Cara; Rasa, Sthirā, dann Prāṇa mit Rasā und Agni.

14.BM.14 Das Śūnya-Paar mit Cara, danach das zuvor [genannte Glied]; sodann das Śūnya-Paar und Gotrā mit Dāha, Cara mit Ambu.

14.BM.15 Prāṇa mit Rasā und Cara, Gotrā, danach Vyāpta; Gotrā mit Dāha und Marut, dann Ambu und Vyāpta.

14.BM.16 Vāta, Nabhas mit Bhū, Vā mit Cara; Rasa, Sthirā mit Ambu und Agni, das Vāyu-Paar mit Cara.

14.BM.17 Grāsa mit Dharā, danach Rasa mit Śakti; Grāsa mit Bhū, Göttin, Rasa, Vyāpta, dann Hṛd.

14.BM.18 Ambu mit Dāha, danach Hṛd; Raya mit Ambu und Marut, Śūnya allein, Segensreiche, Rasa und Sthirā mit Cara.

14.BM.19 Viyat mit Ambu, Dāha mit Agni, Śuci mit seinem eigenen [Lautglied]; Bhūmi, Rasā und Kṣmā mit ihren eigenen [Gliedern]: fünf stehen jeweils durch eines getrennt.

14.BM.20 Die dazwischenliegenden fünf Bījas sind mit ihren eigenen [Gliedern] verbunden. Der Reihe nach sind es Jyā mit Cara, Rasa und Bhū mit Nabhas …

14.BM.21 … dann zweimal Haṃsa mit Cara. Danach Prāṇa mit Rasā und Agni, das Śūnya-Paar mit Cara, Hṛd und Dāha mit Ambu und Marut.

14.BM.22 Danach Vyoman mit Agni, Rasa und Sthirā mit Marut, Śūnya mit Agni; Nabhas mit Cara, Geliebte. [Die Vorlage schreibt hier namaḥ kuryāt, wodurch auch „man vollziehe Namaḥ“ lesbar wird. Die genaue Lautanweisung bleibt an dieser Stelle unsicher.]

14.BM.23 Danach Ambu, dann Viyat; Nabhas mit Marut, Śūnya und Vyāpta mit Hṛd, Raya, Dāha, dem eigenen [Glied] und Vahni.

14.BM.24 Haṃsa ist mit Dāha, Ambu, Rasā, Cara und dem eigenen [Glied] verbunden. Als letztes wird Haṃsa mit Dāha, Vahni und dem eigenen [Glied] genannt.

Diese Bhagamālinī-Nityā besteht nach der Quelle aus hundertfünfunddreißig Lauten.

Die ausgeschriebene Formel und ihr Sinn

Der Kommentar schreibt die Formel aus:

„aiṃ bhagabhuge bhaginī bhagodari bhagamāle bhagāvahe bhagaguhye bhagayoni bhaganipātini sarvabhagavaśaṅkari bhagarūpe nitmaklinne bhagasvarūpe sarvāṇi bhagāni me hyānaya varade rete surete bhagaklinne klinnadrave kledaya drāvaya amoghe bhagavicce kṣubha kṣobhaya sarvasattvān bhageśvari aiṃ blūṃ jaṃ blūṃ bheṃ blūṃ moṃ blūṃ heṃ blūṃ heṃ klinne sarvāṇi bhagāni me vaśamānaya strīṃ hrableṃ hrīṃ“.

Zum Wortsinn: Bhaga verbindet hier Bedeutungen von Glück, Anteil und weiblicher Geschlechts- beziehungsweise Zeugungskraft. Der Mantra verwendet diese Mehrdeutigkeit in einer erotisch geprägten Göttinnenanrufung. Ein sicherer deutscher Sinn, unter Beibehaltung der beschädigten Stellen, lautet:

„Aiṃ. Du, die Bhaga genießt; Bhaginī, an Bhaga Anteilhabende; du mit Bhaga im Innern, du mit Bhaga als Girlande, du Bhaga Herbeiführende, du im Geheimnis des Bhaga, du Bhaga-Schoß, du in Bhaga Eintretende, du alle Bhagas unterwerfende Kraft, du Bhaga-Gestalt, [wohl: immer] Feuchte, du Wesen des Bhaga: Führe mir alle Bhagas herbei, du Gaben Gewährende, du Zeugungskraft, du gute Zeugungskraft, von Bhaga Befeuchtete, feucht Zerfließende: Befeuchte, bringe zum Zerfließen! Unfehlbare, [unklare Anrede bhagavicce], rege dich, versetze alle Wesen in Erregung, Herrin des Bhaga. [Es folgt die ausgeschriebene Bīja-Reihe.] Du Feuchte, bringe alle Bhagas unter meine Gewalt. Strīṃ hrableṃ hrīṃ.“

Die Lesung nitmaklinne ist beschädigt; nityaklinne liegt im Zusammenhang nahe, wird aber nicht unmarkiert als sicherer Wortlaut eingesetzt. Auch bhagavicce bleibt offen. Die auf Unterwerfung und Erregung anderer gerichteten Bitten werden als Inhalt der Quelle übersetzt, nicht als heutige Handlungsanleitung.

Im Tripurārṇava:

14.BR.1 Der Seher heißt Subhaga, das Versmaß Gāyatrī. Gottheit ist diese [Bhagamālinī], das Bīja hat die Gestalt Harableṃ, Geliebte.

Śrī-Bīja ist die Kraft; das letzte [Bīja] ist der Riegel, höchste Herrin. Damit ist Bhagamālinī-Nityā bezeichnet. [Die ausgeschriebene Gesamtformel hatte hrableṃ, die Bīja-Angabe hier harableṃ; die Abweichung bleibt erhalten.]

Bhagamālinīs Gestalt und ihre Kräfte

Im Tantrarāja [Verweis: 8.3]:

14.BT.1 Die Glieder werden mit den Mantra-Lauten gebildet: mit dem ersten das Herz, dann mit vier der Kopf, mit drei das Scheitelhaar.

14.BT.2 Mit dreimal vier die übrigen Glieder, so die sechs der Reihe nach. [Man meditiere über sie] rötlich, mit rötlichem Schmuck, schön und mit sanft lächelndem Gesicht …

14.BT.3 … dreiäugig, sechsarmig, auf einem Lotus sitzend. In ihren linken Händen hält sie Kahlāra-Blüte, Schlinge und Zuckerrohrbogen …

14.BT.4 … in den rechten Lotus, Elefantenstachel und Blütenpfeil. Sie ist von Kräften gleicher Art umgeben, ihren eigenen Wesensgestalten …

14.BT.5 … sowie weiteren, aus Lauten entstandenen Kräften, deren Wesen Liebesverlangen, Verzückung und Rausch ist. Mit den hundertfünfunddreißig Lauten verbinde man die fünflautige Wendung „Rūpiṇī-Śakti“ …

14.BT.6 … und die siebensilbige [Verehrungsformel] und verehre entsprechend viele Kräfte. [Weitere Kräfte heißen:] Madanā, Mohinī, Lolā, Bhañjanī, Udyamā und Śubhā …

14.BT.7 … Hlādinī, Drāviṇī, Prīti, Rati, Raktā, Manoramā, Sarvonmādā, Sarvasukhā, Sabhaṅgā und Abhitodyamā …

14.BT.8 … Analpā, Vyaktavibhavā, Vividhavigrahā und Kṣobhavigrahā. Zusammen werden diese Kräfte als hundertfünfundfünfzig bezeichnet. [Die letzte Namensfolge ist im Vers stark zusammengezogen; die praktische Liste unterscheidet zwei abschließende Namen. Dort stehen außerdem Bhañjinī, Abhaṅgā und Vyaktivibhavā statt der hier gelesenen Formen.]

14.BT.9 Von ihnen umgeben verehre man die Göttin zur Erlangung des Gewünschten. Höre nun, Göttin, die alle Ziele gewährende Folge der Verehrung …

14.BT.10 … durch die nach der Verheißung die ganze bewegliche und unbewegliche Welt beherrschbar werde. Man bilde zwei Quadrate und ein Tor im Westen.

14.BT.11 Darin zeichne man einen fünfblättrigen Lotus, in dessen Mitte zwei Yonis. Durch Querlinien in ihrem Innern …

14.BT.12 … bilde man Yonis in der genannten Zahl. Von vorn beginnend und rückläufig schreitend setze man die Kräfte darin ein und verehre sie.

14.BT.13 In der Mitte zeichne man zwei Kreise und darin durch zwanzig Linien ebenso viele Yonis. Dort verehre man Madanā und die weiteren.

14.BT.14 Im Kreiszwischenraum ringsum verehre man der Reihe nach die sechs Glieder. In dessen Mitte rufe man Bhagamālā in der beschriebenen Gestalt herbei …

14.BT.15 … und verehre sie mit Einsetzung und den weiteren Gaben. Arghya werde mit den Gliedermantras und dem Wurzelmantra bereitet; mit dem Wurzelmantra besprenge man.

14.BT.16 An den beiden Seiten des Tores verehre man Rāga- und Dveṣa-Śakti, die Kräfte von Zuneigung und Abneigung, sowie Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch wie zuvor.

14.BT.17 Zwischen den inneren Kreisen verehre man die sechs Glieder; innerhalb davon bei Bhagamālā Madanā und die weiteren Kräfte.

14.BT.18 Rings um die mittlere Göttin verehre man auch ihre Waffen; danach die Göttin mit den sechzehn genannten Gaben.

14.BT.19 Mit dem Anfangslaut vollziehe man die beiden Bali-Gaben; täglich wiederhole man vor der Göttin hundertachtmal [den Mantra].

14.BT.20 Nach der zuvor beschriebenen Vorbereitung des Feuers vollziehe man Homa mit einem Zehntel [der Japa-Zahl]. Man vereinige sie wie zuvor im Bindu und verehre sie erneut mit dem Wurzelmantra …

14.BT.21 … dann entlasse man sie in der genannten Weise in das eigene Selbst, große Herrin. Als Göttin soll der Verehrende die Welt, Männer, Frauen und Herrscher unter seine Gewalt bringen. [Der abschließende Beherrschungsanspruch wird als Aussage der Quelle erhalten.]

Nyāsa und Meditation in der praktischen Ausführung

Nach Sitzverehrung und den weiteren Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Wurzelvidyā. Die Zuordnungen lauten: am Kopf Subhaga als Seher, am Mund Gāyatrī als Maß, am Herzen Śrībhagamālinī-Nityā als Gottheit, im verborgenen Bereich Harableṃ als Bīja, an den Füßen Śrīṃ als Kraft und am Nabel Hrīṃ als Riegel.

Mit zusammengelegten Händen spreche man: „Anwendung beim Japa zur Erfüllung meines Wunsches.“ Dann vollziehe man Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa mit: Oṃ – Herz – Namaḥ; Oṃ bhagasubhage – Kopf – Svāhā; Oṃ bhaginī – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Oṃ bhagodari – Schutzhülle – Huṃ; Oṃ bhagamāle – drei Augen – Vauṣaṭ; Oṃ bhagāvahe – Waffe – Phaṭ.

[Diese praktische Nyāsa-Fassung beginnt ausdrücklich mit Oṃ und verwendet bhagasubhage, während der ausgeschriebene Hauptmantra mit Aiṃ und bhagabhuge begann. Die Unterschiede werden nicht stillschweigend ausgeglichen.]

Wie zuvor setze man die Wurzelvidyā durchdringend am ganzen Leib ein, meditiere über die als „rötlich“ beschriebene Gestalt und vollziehe die geistige Verehrung.

Zeichnung der hundertfünfunddreißig äußeren Dreiecke

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran und weiteren vorgesehenen Stoffen zwei Quadrate, die innen und außen einen gleichmäßigen Umgang von vier Aṅgula Breite bilden. In der Mitte der Westseite liege das Tor. Innerhalb des Quadrats zeichne man einen fünfblättrigen Lotus mit zwei Kreisen in seiner Mitte.

In der Lotusmitte zeichne man eine gleichseitige Yoni, deren Spitzen den mittleren Kreis deutlich berühren. Jede ihrer drei Seiten teile man in vierundzwanzig Teile, also mit dreiundzwanzig Markierungen. Ringsum lasse man einen Teil frei und zeichne innen eine weitere gleichseitige Yoni. Jede ihrer Seiten teile man in einundzwanzig Teile mit zwanzig Markierungen.

Zwischen den äußeren und inneren Markierungen ziehe man der Reihe nach von Zeichen zu Zeichen je Seite fünfundvierzig Querlinien. So entstehen nach der Quelle hundertfünfunddreißig Dreiecke mit Spitzen an den äußeren und inneren Linien. [Die Konstruktion wird als Anweisung der Vorlage wiedergegeben; die Formulierung zur Zahl der verbindenden Linien ist nicht eigenständig geometrisch korrigiert.]

Die zwanzig inneren Dreiecke

Innerhalb zeichne man einen Kreis, der die drei Seiten des Dreiecks berührt. Darin folge ein weiterer mit einem Schnurmaß von einem Fünftel seines Durchmessers; innerhalb davon nochmals ein Kreis mit einem Anteil Abstand.

Zum Durchmesser der vorigen Kreise addiere man dessen sechzehnten Teil, verdreifache dieses Maß und teile das Ergebnis in zehn Teile. Mit jeweils einem Teil als Maß setze man ringsum auf beiden Kreisen je zehn Markierungen. Man verbinde die Zeichen abwechselnd außen und innen, im Gomūtrikā genannten Zickzack-Verfahren, mit zwanzig Querlinien. So entstehen nach dem Text zwanzig Dreiecke, deren Spitzen die äußeren und inneren Kreise berühren.

Das fertige Verehrungscakra stelle man wie zuvor vor sich, vergegenwärtige mit der Bhagamālinī-Vidyā die Gestalt der Göttin und vollziehe Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten.

Die Verehrung im fertigen Cakra

Hinter der Göttin innerhalb des Kreises verehre man wie zuvor die drei Guru-Reihen von Prakāśānanda an. Im Zwischenraum der beiden Kreise in der Mitte des fünfblättrigen Lotus verehre man die sechs Glieder an den genannten Zwischen- und Richtungsplätzen.

Links und rechts des Tores verehre man mit „Oṃ aiṃ, ich verehre die Pādukā …“ Rāga-Śakti und Dveṣa-Śakti. Zwischen den beiden Yonis in der Lotusmitte verehre man die hundertfünfunddreißig Kräfte.

In den zwanzig Dreiecken zwischen den inneren Kreisen beginne man vor der Göttin und schreite gegen den Uhrzeigersinn fort. Mit derselben Oṃ-Aiṃ-Pādukā-Formel verehre man: Madanā, Mohinī, Lolā, Bhañjinī, Udyamā, Śubhā, Hlādinī, Drāviṇī, Prīti, Rati, Raktā, Manoramā, Sarvonmādā, Sarvasukhā, Abhaṅgā, Abhitodyamā, Analpā, Vyaktivibhavā, Vividhavigrahā und Kṣobhavigrahā.

Den inneren Kreisumgang teile man durch Linien in sechs Abschnitte. Vor der Göttin beginnend verehre man darin mit Oṃ Aiṃ und Namaḥ den Zuckerrohrbogen, die Schlinge, die Kahlāra-Blüte, den Lotus, den Elefantenstachel und die Blütenpfeile.

Nach Verehrung des inneren Kreisumgangs vollziehe man Räucherwerk, Licht und den gesamten weiteren Abschluss wie zuvor. Damit endet die Verehrung der Bhagamālinī-Nityā.

Nityaklinnā-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 9, Vers 1]:

14.NK.1 Höre nun, Pārvatī, von der vierten unter den sechzehn Nityās, Nityaklinnā genannt. Ihr Mantra wurde bereits erklärt.

Seine Entfaltung wird ebendort angegeben [Verweis: 3.32]:

14.NM.1 Als Erstes wird Haṃsa mit Dāha, Vahni und dem eigenen [Lautglied] genannt. Es folgen acht Laute Kāmeśvarīs von deren drittem an.

14.NM.2 Hṛd und Ambu mit Marut, sowie Haṃsa mit Marut: So wird die elflautige Nityaklinnā-Nityā erklärt.

Weiter angekündigt werden ihre Glieder, Meditation, Kräfte und die Verehrung mit diesen Kräften. Die im folgenden Nyāsa ausdrücklich angegebenen Glieder ergeben die Formel „hrīṃ nityaklinne madadrave svāhā“: „Hrīṃ, du immer Feuchte, in Verzückung Zerfließende, svāhā.“

Im Tripurārṇava:

14.NR.1 Seher ist Brahmā, Versmaß Virāṭ. Als Gottheit wird Nityaklinnā genannt, die höchste Frau, die zum Zerfließen bringt.

Das erste [Mantraglied] ist das Bīja, die Gattin des Feuers [Svāhā] die Kraft, Nne gilt als Riegel.

Nyāsa und Erscheinung

Im Tantrarāja [Verweis: 9.3]:

14.NV.1 Mit dem ersten Mantra-Laut wird das Herz gebildet; danach mit jeweils zwei, zwei, zwei, zwei und zwei …

14.NV.2 … die übrigen Glieder. Man setze sie der Reihe nach an beiden Händen ein. Wo in diesem Tantra die sechs Glieder genannt sind, sollen sie an beiden Händen …

14.NV.3 … aufwärts von der Daumenwurzel bis zur Spitze des kleinen Fingers eingesetzt werden; das übrige an beiden Handflächen. An Herz, beiden Augen, Ohren und Nasenöffnungen …

14.NV.4 … Haut, Geschlechtsorgan, After und Füßen setze man die Laute ein. [Man meditiere über sie] rötlich, mit rötlichem Schmuck und rötlichem Gewand …

14.NV.5 … mit roten Girlanden und Salben, schön lächelndem Lotusgesicht, dessen drei Augen leuchten, und mit Wasserperlen auf der Stirn … [Die Vorlage hat dharmāmbu; im Bildzusammenhang liegen Schweißperlen nahe, doch die dafür erwartete Lesung gharmāmbu wird nicht stillschweigend eingesetzt.]

14.NV.6 … strahlend, mit einem in ihrer Krone leuchtenden Halbmond. In ihren vier Armen trägt sie Schlinge, Elefantenstachel, Trinkgefäß …

14.NV.7 … und die Geste der Furchtlosigkeit. Sie sitzt in einem Lotus und ist von Verzückung gelöst. So meditiere man über Nityaklinnā-Nityā und verehre sie mit ihren eigenen Kräften.

14.NV.8 Kṣobhiṇī, Mohinī und Lolā sind die Kräfte an den Dreiecksecken. Nityā, Nirañjanā, Klinnā, Kledinī, Madanāturā …

14.NV.9 … Madadravā, Drāviṇī und Draviṇā liegen auf den acht Blättern. Madābilā, Maṅgalā, Manmathārtā und Manasvinī …

14.NV.10 … Mohā, Āmodā, Mānamayī, Māyā, Mandā und Manovatī sind im Quadrat zu verehren; ihre Augen sind vom Rausch gerötet und beweglich.

14.NV.11 Sie haben dieselbe Gestalt, Farbe, Arme und Waffen wie die Nityā in der Mitte. Man bilde zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen …

14.NV.12 … darin einen achtblättrigen Lotus, in dessen Mitte ein Dreieck. Arghya werde mit den sechs Gliedern und dem Wurzelmantra bereitet; nach Osten gewandt verehre man sie.

14.NV.13 Im Quadrat, von Westen bis Südwesten, verehre man die zehn [Kräfte] an den Torseiten, Ecken und Richtungsplätzen.

14.NV.14 Auf den acht inneren Blättern verehre man die acht Kräfte im Westen beginnend und nach rechts fortschreitend. Im inneren Dreieck …

14.NV.15 … verehre man die drei Kräfte von der vorderen Spitze aus im Uhrzeigersinn nach der genannten Vorschrift. Innerhalb der Yoni in der Lotusmitte, im Nordwesten, Nordosten, Südosten …

14.NV.16 … Südwesten, vor [der Göttin] und an den zugehörigen Richtungsstellen verehre man die sechs Glieder der Reihe nach. Danach verehre man Nityaklinnā …

14.NV.17 … mit den genannten Gaben und bringe Bali wie zuvor dar. Vor ihr wiederhole man die Vidyā tausend- oder hundertmal.

14.NV.18 Dann verehre man die Segensreiche und vollziehe Homa nach der genannten Ordnung mit gheegetränkter Speise, Ghee oder duftenden Blüten …

14.NV.19 … in der zuvor angegebenen Zahl. Nach Verehrung der Göttin entlasse man sie wie zuvor in das eigene Selbst und schließe ab …

… vollziehe Nyāsa, wiederhole die beiden Preisgesänge und bewege sich in Wesenseinheit mit ihr.

Die praktische Verehrung

Nach Sitzverehrung und den weiteren Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Nityaklinnā-Vidyā. Die Einsetzungen lauten: am Kopf Brahmā als Seher, am Mund Virāṭ als Maß, am Herzen Śrīnityaklinnā-Nityā als Gottheit, im verborgenen Bereich das Bīja, an den Füßen Svāhā als Kraft, am Nabel Nne als Riegel. [Das Bīja ist hier als rhrīṃ fehlerhaft geschrieben; die folgenden Glieder setzen Hrīṃ eindeutig ein.]

Mit zusammengelegten Händen spreche man: „Anwendung zur Erfüllung aller meiner Wünsche.“ Die sechs Glieder lauten: Hrīṃ – Herz – Namaḥ; Nitya – Kopf – Svāhā; Klinne – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Mada – Schutzhülle – Huṃ; Drave – drei Augen – Vauṣaṭ; Svāhā – Waffe – Phaṭ. Damit werden Hand- und Körper-Nyāsa vollzogen.

Die einzelnen Laute werden eingesetzt: Hrīṃ am Herzen; Niṃ am rechten, Tyaṃ am linken Auge; Kliṃ am rechten, Nneṃ am linken Ohr; Maṃ an der rechten, Daṃ an der linken Nasenöffnung; Draṃ an der Haut; Veṃ am Geschlechtsorgan; Svāṃ am After; Hāṃ an den Füßen, jeweils mit Namaḥ. Mit der gesamten Wurzelvidyā vollziehe man wie zuvor die Durchdringung.

Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man mit Safran und den weiteren vorgesehenen Stoffen auf eine Gold- oder entsprechende Platte zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen, darin den achtblättrigen Lotus und in dessen Mitte ein Dreieck mit dem Verehrenden zugewandter Spitze.

Man stelle es wie zuvor vor sich und verehre es. Nach Aufstellung des Arghya und den weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha. Mit der Nityaklinnā-Vidyā vergegenwärtige man ihre Gestalt und vollziehe Herbeirufung und die Gaben bis zu den Blüten. Innerhalb der Ecken verehre man rings um die Göttin die sechs Glieder. Außerhalb davon hinter ihr die drei Guru-Reihen von Prakāśānanda an.

Im Quadrat beginne man vor der Göttin: südlich des Tores Madābilā, nördlich Maṅgalā, dann im Uhrzeigersinn Manmathārtā, Manasvinī, Mohā, Āmodā, Mānamayī, Māyā, Mandā und Manovatī. Die Formel lautet jeweils „Oṃ hrīṃ śrīṃ, ich verehre die Pādukā …, Namaḥ“.

Im inneren Dreieck verehre man von der Spitze vor der Göttin aus im Uhrzeigersinn Kṣobhiṇī, Mohinī und Lolā. [Die acht Blattkräfte sind im vorangehenden Versabschnitt ausdrücklich vorgeschrieben; diese kürzere Prosafassung wiederholt ihre Verehrung nicht eigens.]

Erneut verehre man Nityaklinnā in der Mitte mit ihrer Vidyā, vollziehe Räucherwerk, Licht und den gesamten weiteren Ablauf und schließe wie zuvor ab. Damit endet die Verehrung der Nityaklinnā-Nityā.

Bheruṇḍā-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 10, Vers 1]:

14.BN.1 Höre, Verständige, die vorschriftsgemäße Ordnung Bheruṇḍās, die als fünfte unter den sechzehn Nityās genannt wird.

Die Entfaltung ihres Mantras steht im dritten Abschnitt; nun [werden] Glieder, Umhüllungsgottheiten und Verehrungsfolge [behandelt]. Zur Entfaltung des Mantras [Verweis: 3.35]:

14.BU.1 Zuerst Bhū mit dem eigenen [Lautglied]; Prāṇa mit Dāha und jenem; Rasa mit Dāha und jenem; Prāṇa mit Dāha, Vana und dem eigenen [Glied].

14.BU.2 Ka mit Dāha und jenem; Prabhā mit Dāha und jenem; Jyā mit Dāha und jenem; zuletzt die beiden abschließenden [Laute] Nityaklinnās.

Dies ist die neunlautige Bheruṇḍā-Nityā, der die Gewährung aller Vollendungen zugeschrieben wird. Die Vorlage schreibt aus: „oṃ kroṃ bhroṃ kroṃ jhroṃ chroṃ jroṃ svāhā“. [Es handelt sich überwiegend um Bījas; eine frei erfundene Wortübersetzung dieser Lautfolge wäre nicht angemessen.]

Im Tripurārṇava:

14.BRq.1 Der Seher ist Mahāviṣṇu, das Versmaß Gāyatrī. Gottheit ist diese [Bheruṇḍā], Schöngestaltige; das dritte [Mantraglied] heißt Bīja.

Die Gattin des Feuers [Svāhā] ist die Kraft, der Elefantenstachel [als Lautbezeichnung] der Riegel.

Glieder, Lautorte und Umhüllungen

Im Tantrarāja [Verweis: 10.4]:

14.BVq.1 Mit den sechs [Lauten] zwischen dem ersten und den beiden letzten bilde man die sechs Glieder. An Brahmarandhra, Ājñā, Mund, Kehle, Herz, Nabel, Grundzentrum und beiden Füßen …

14.BVq.2 … setze man die neun Mantra-Laute nach vorherigem Mātṛkā-Nyāsa ein. Höre nun, Pārvatī, ihre Umhüllungskräfte und ihre Meditation.

14.BVq.3 In der äußeren Umhüllung verehre man Brāhmī und die weiteren [Mütter] sowie die Kräfte der Weltzeitalter. Auf den acht inneren Blättern Vijayā, Vimalā, Śubhā …

14.BVq.4 … Viśvā, Vibhūti, Vinatā, Vividhā und Vimalā. An den acht inneren Ecken Kamalā und Kāminī …

14.BVq.5 … Kirātī, Kīrti, Kurdinī, Kulasundarī, Kalyāṇī und Kākakolā nach der angegebenen Ordnung.

14.BVq.6 Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī und Hākinī verehre man der Reihe nach an den sechs Ecken.

14.BVq.7 Die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns verehre man an den drei Ecken; in den Zwischenräumen des Achtecks die acht Waffen.

14.BVq.8 Man zeichne zwei Quadrate mit vier Toren, darin einen achtblättrigen Lotus, weiter innen zwei Kreise …

14.BVq.9 … ein Achteck aus einem Paar Bhūpuras, ebenfalls mit einem Kreis; darin bilde man eine entsprechende sechseckige Gestalt … [Die Verbindung von Achteck und Bhūpura-Paar ist im Vers unklar; die Prosafassung gibt eine einfachere Folge einzelner Formen.]

14.BVq.10 … und darin eine entsprechende Yoni. In deren Mitte verehre man Bheruṇḍā, die fünfte Nityā, umgeben von den genannten Kräften.

14.BVq.11 Arghya werde mit den sechs Gliedern und dem Wurzelmantra bereitet; man verehre sie nach Osten gewandt. Am Anfang und am Ende bringe man Bali mit der sechzehnlautigen [Formel] dar.

14.BVq.12 Nun werde ich die alle Ziele verwirklichende Meditation der Göttin und ihrer Umhüllungskräfte erklären; höre die Reihenfolge, Pārvatī.

14.BVq.13 Ihr Leib gleicht glühendem Gold, sie besitzt drei Augen, ihr Gesicht ist mit einem schönen Lächeln versehen, sie trägt göttlichen Schmuck …

14.BVq.14 … Ohrgehänge, Halsketten, Oberarmschmuck und Edelsteinbüschel; überaus schön mit Gürtel, Fußreifen, Ringen und weiteren Schmuckstücken.

14.BVq.15 In den Händen trägt sie Schlinge, Elefantenstachel, Schild, Schwert, [Keule], Blitzkeil, Bogen und Pfeile; bei der Verehrung sitzt sie, zu anderen Zeiten steht sie. [Die Verslesung sadāvajra benennt die Keule nicht sicher; erst die folgende praktische Waffenliste nennt Gadā ausdrücklich.]

14.BVq.16 Die Kräfte gleichen ihr in Gestalt, Glanz und Waffen; ebenso verehre man sie ringsum. Ihr Gesicht ist stets lächelnd und freundlich.

14.BVq.17 So verehre man die Göttin, von ihren Umhüllungen umgeben, und bringe am Anfang und Ende Bali nach der zuvor beschriebenen Vorschrift dar.

Die praktische Nyāsa-Folge

Nach Sitzverehrung und den weiteren Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Bheruṇḍā-Vidyā. Es folgen die Einsetzungen: am Kopf Mahāviṣṇu als Seher, am Mund Gāyatrī als Maß, am Herzen Śrībheruṇḍā-Nityā als Gottheit, im verborgenen Bereich Bhrāṃ als Bīja, an den Füßen Svāhā als Kraft und am Nabel Kroṃ als Riegel. [Die Bīja-Angabe hat hier Bhrāṃ; der ausgeschriebene Mantra und der folgende Kopf-Nyāsa haben Bhroṃ.]

Die Anwendung lautet: „Zur Erfüllung aller meiner Wünsche.“ Die sechs Glieder sind Kroṃ – Herz – Namaḥ; Bhroṃ – Kopf – Svāhā; Kroṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Jhroṃ – Schutzhülle – Huṃ; Chroṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Jroṃ – Waffe – Phaṭ.

Die neun einzelnen Einsetzungen mit Namaḥ: Oṃ am Brahmarandhra, Kroṃ im Ājñā, Bhroṃ am Mund, Kroṃ an der Kehle, Jhroṃ am Herzen, Chroṃ am Nabel, Jroṃ im Mūlādhāra, Svāṃ am rechten und Hāṃ am linken Fuß. Danach folgen die durchdringende Einsetzung, die Meditation über ihren goldglühenden Leib und die geistige Verehrung.

Cakra und äußere Kräfte

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran und Weiterem zwei Quadrate mit vier Toren, darin einen achtblättrigen Lotus, darin einen Kreis, darin ein Achteck, wiederum einen Kreis, dann ein Sechseck, darin einen Kreis und in dessen Mitte eine Yoni als Dreieck mit zugewandter Spitze.

Man stelle es wie zuvor auf und vollziehe Arghya-Aufstellung und die weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung. Nach Verehrung des Bhuvaneśvarī-Pīṭhas folgen Herbeirufung bis zur Einsetzung der Lebenskräfte, Yoni-Mudrā und die Gaben vom Sitz bis zu den Blüten. Innerhalb der Yoni verehre man rings um die Göttin die sechs Glieder; zwischen Yoni und Kreis hinter ihr die drei Guru-Reihen.

An den Seiten des Quadratpaares verehre man Brāhmī und Māheśvarī; an den Seiten des Westtores Kaumārī und Vaiṣṇavī; nördlich und südlich des Osttores Vārāhī und Indrāṇī; an den Seiten des Südtores Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. Jeweils gilt die Pādukā-Verehrungsformel. [Für das erste Paar nennt der Satz kein Tor ausdrücklich.]

An den Quadratecken verehre man die Weltzeitalterkräfte: im Nordwesten Kṛtayuga, im Nordosten Tretāyuga, im Südosten Dvāparayuga und im Südwesten Kaliyuga.

Auf den acht Lotusblättern, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Vijayā, Vimalā, Śubhā, Viśvā, Vibhūti, Vinatā, Vividhā und Vimanā. [Der letzte Name unterscheidet sich von der zweiten Vimalā der Versliste.]

An den acht inneren Ecken: Kamalā, Kāminī, Kirātī, Kīrti, Kurdinī, Kulasundarī, Kalyāṇī und Kālakolā. [Die Versliste hatte Kākakolā.]

Innere Kräfte und Waffen

An den sechs inneren Ecken: links vorn Ḍākinī, rechts vorn Rākiṇī, hinten Lākinī, hinten links Kākinī, hinten rechts Śākinī und vor der Göttin Hākinī. Im Dreieck verehre man vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn Icchā-Śakti, Jñāna-Śakti und Kriyā-Śakti, die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns.

Zwischen Acht- und Sechseck stelle man vier Plätze von rechts vorn bis rechts hinten vor. Dort verehre man Pfeile, Schwert, Elefantenstachel und Schlinge, entsprechend den rechten Händen von unten nach oben. Vier weitere Plätze reichen von hinten links nach vorn links: dort Keule, Schild, Bogen und Blitzkeil.

Wie zuvor verehre man die Welthüter und ihre Waffen, danach erneut die Nityā in der Mitte mit ihrer Vidyā. Räucherwerk und alle weiteren Gaben und Abschlusshandlungen folgen wie zuvor. Damit endet die Verehrung der Bheruṇḍā-Nityā. [Der Schluss schreibt den Namen verkürzt Heruṇḍā.]

Vahnivāsinī-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 11, Vers 1]:

14.VN.1 Die Vidyā Vahnivāsinīs, die als sechste unter den sechzehn Nityās genannt wird, wurde bereits als neunlautig erklärt.

Nun [folgen] ihre Glieder, ihr Laut-Nyāsa, ihre Meditation und die Verehrung mit ihren Kräften.

Ebendort zur Mantraentfaltung [Verweis: 3.28]:

14.VM.1 Der Anfang Bheruṇḍās ist hier der erste; danach der Anfang Nityaklinnās. Dann Ambu, Śūnya mit Haṃsa und Agni, Ambu mit Marut.

14.VM.2 Hṛd mit Agni, Śūnya mit Vyāpta und Śuci; Śūnya, Nabhas mit Śakti: So wird diese neunlautige [Formel] erklärt. [Auch hier bietet die Vorlage im letzten Halbvers namaḥ; die unmittelbar ausgeschriebene Formel klärt den Abschluss.]

Diese Nityā Vahnivāsinī, die alles verschlingt, soll alle Ziele gewähren. Der Mantra lautet: „oṃ hrīṃ vahnivāsinyai namaḥ“ – „Oṃ hrīṃ, Verehrung der im Feuer Wohnenden.“

Im Tripurārṇava:

14.VR.1 Seher ist Vasiṣṭha, Versmaß Gāyatrī, Gottheit diese [Vahnivāsinī]. Anfang und Ende bilden Bīja und Kraft; der mittlere [Teil] ist der Riegel. [Die Maßangabe ist in der Vorlage als agāyatrī unregelmäßig verbunden; die praktische Fassung nennt Gāyatrī.]

Nyāsa und die achtarmige Gestalt

Im Tantrarāja [Verweis: 11.3]:

14.VT.1 Das zweite Bīja der Vidyā verbinde man mit den langen Vokalen, auf Māyā endend; mit den sechs [Formen] vollziehe man die Glieder an Händen und Körper.

14.VT.2 Die neun Laute der Vidyā setze man an den neun Körperöffnungen ein; mit der Gesamtheit vollziehe man die Durchdringung, damit sich das eigene Wesen als Göttin vollende.

14.VT.3 Bei allen Vidyās ist der durchdringende Nyāsa auszuführen. Dadurch werde der Übende mit der jeweiligen [Gottheit] wesenseins; dadurch entstehen ihm die Vollendungen …

14.VT.4 … bald durch die Gnade der Göttinnen. Zuerst vollziehe man bei allen den sechsgliedrigen Mātṛkā-Nyāsa und den Mātṛkā-Nyāsa selbst …

14.VT.5 … danach den jeweils an jener Stelle beschriebenen Nyāsa. Bei Lalitā ist dies durch die acht Lautgruppen erläutert …

14.VT.6 … deshalb wurde für sie kein einzelbuchstabenweiser Nyāsa eigens erklärt. [Man meditiere über Vahnivāsinī] wie glühendes Gold, schön in frischer Jugend …

14.VT.7 … mit lieblich lächelndem Lotusgesicht, drei leuchtenden Augen, acht Armen und strahlendem Rubinschmuck.

14.VT.8 Die Strahlen ihrer Padmarāga-Krone röten den umgebenden Raum. Sie trägt gelbe Seide, rote Fußreifen und einen roten Gürtel …

14.VT.9 … und glänzt mit Büschelschmuck aus Edelsteinen und Perlen. Roten Lotus, Muschel, Zuckerrohrbogen und Vollmondscheibe …

14.VT.10 … hält sie in den linken Händen; Kahlāra-Blüte, goldenes Horngefäß, Blütenpfeil und Zitronatzitrone in den rechten.

14.VT.11 Ringsum ist sie von Kräften umgeben, die ihr gleichen. So meditiere man über Vahnivāsinī, deren Gestalt die Welt ist, und verehre sie.

14.VT.12 Jvālinī, Visphuliṅginī, Maṅgalā, Sumanoharā, Kanakā, Kitavā, Viśvā und Vividhā sind die Kräfte.

14.VT.13 Sie werden an den acht Ecken vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn verehrt. Auf den zwölf Blättern verehre man die zwölf Tierkreiszeichen-Kräfte …

14.VT.14 … mit ihren Namen zwischen Māyā und der siebensilbigen [Formel]. [Weitere Kräfte heißen] Ghasmarā, Sarvabhakṣā, Viśvā und Vividhodbhavā …

14.VT.15 … Citrarūpā, Niḥsapannā, Nirātaṅkā, Pāvanī, Acintyavaibhavā und als zehnte Raktā. [Die spätere Prosaliste hat Niḥsapatnā, „ohne Rivalin“, statt Niḥsapannā.]

14.VT.16 Als Bali-Göttin wird [sie] mit der an Kurukullā ansetzenden Vidyā bezeichnet. Wo bei einer Bali-Handlung keine Gottheit genannt ist …

14.VT.17 … bestimme man sie, mit der siebensilbigen [Formel] verbunden, als Bali-Gottheit. Innerhalb zweier Kreise bilde man die Neun-Yoni-Anordnung, außen einen Lotus …

14.VT.18 … mit zwölf Blättern; darum zwei Kreise und außen zwei Quadrate mit zwei Toren …

… im Osten und Westen. In diesem Cakra verehre man die Göttin. [Der Rückbezug der Bali-Göttin in den Versen 16–17 ist grammatisch verkürzt; die Regel wird nicht um einen zusätzlichen Namen ergänzt.]

Die praktische Lautanordnung

Nach Sitzverehrung und den weiteren Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Vahnivāsinī-Vidyā. Es folgen die Einsetzungen: Vasiṣṭha als Seher am Kopf, Gāyatrī als Maß am Mund, Vahnivāsinī-Nityā als Gottheit am Herzen, „[Oṃ] Hrīṃ“ als Bīja im verborgenen Bereich, Namaḥ als Kraft an den Füßen und Vahnivāsinyai als Riegel am Nabel. [Oṃ ist in der Vorlage eingeklammert; diese Bīja-Zuordnung ist gegenüber „Anfang und Ende“ im zitierten Vers nicht völlig eindeutig.]

Die Anwendung lautet „zur Erfüllung aller meiner Wünsche“. Mit dem zweiten Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa.

Die einzelnen Einsetzungen mit Namaḥ lauten: Oṃ am rechten Auge, Hrīṃ am linken, Vaṃ am rechten Ohr, Hriṃ am linken, Vāṃ an der rechten Nasenöffnung, Siṃ an der linken, Nyaiṃ am Mund, Naṃ am Geschlechtsorgan und Maṃḥ am After. [Die Vorlage schreibt beim linken Ohr hriṃ, wo die Zerlegung von Vahni eher hniṃ erwarten ließe, sowie am Schluss maṃḥ. Diese Lautabweichungen werden nicht unmarkiert korrigiert.]

Mit dem Wurzelmantra vollziehe man die Durchdringung; es folgen Meditation über den goldglühenden Leib und geistige Verehrung.

Cakra, acht Kräfte und zwölf Tierkreiszeichen

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran einen zwölfblättrigen Lotus. In dessen Mitte bilde man zwei Kreise und darin wie zuvor das Neun-Yoni-Cakra. Außen um den Lotus folgen zwei Kreise und zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen.

Nach Aufstellung und Verehrung, Arghya-Bereitung und Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha. Mit der Vahnivāsinī-Vidyā stelle man sich die Gestalt vor und vollziehe Herbeirufung und die weiteren Gaben. Zwischen äußerem und innerem Kreis verehre man die sechs Glieder wie zuvor.

An den acht Ecken, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Jvālinī, Visphuliṅginī, Maṅgalā, Manoharā, Kanakā, Kitavā, Viśvā und Vividhā. [Hier steht Manoharā statt Sumanoharā.] Für jede gilt die Pādukā-Verehrungsformel.

Auf den zwölf Blättern folgen in derselben Richtung die Kräfte von Widder, Stier, Zwillingen, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fischen. Die Quelle bezeichnet Skorpion hier als Kīṭa und Schütze als Cāpa, „Bogen“.

Die zehn äußeren Kräfte

Im Quadrat beginne man südlich des Tores vor der Göttin und schreite im Uhrzeigersinn fort: Ghasmarā, Sarvabhakṣā, Viśvā, Vividhodbhavā und Citrarūpā werden an den beiden Seiten des Westtores, im Nordwesten, Norden und Nordosten verehrt. [Der erste Name ist in der Prosa als dyasmarā beschädigt; Ghasmarā ist durch die vorausgehende Versliste belegt.]

An der Nord- und Südseite des Osttores, im Südosten, Süden und Südwesten folgen Niḥsapatnā, Nirātaṅkā, Pāvanī, Acintyavaibhavā und Raktā. [Die räumliche Kurzbeschreibung des Beginns und die folgende Platzaufzählung sind in der Vorlage nicht völlig glatt verbunden.]

Außerhalb davon verehre man wie zuvor die Welthüter und ihre Waffen. Räucherwerk, Licht und der gesamte Abschluss folgen in der schon beschriebenen Weise. Damit endet die Verehrung der Vahnivāsinī-Nityā.

Mahāvajreśvarī-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 12]:

14.VJ.1 Höre die alle Ziele verwirklichende Ordnung derjenigen, die als siebte unter den sechzehn Nityās genannt wird.

14.VJ.2 Ihre zwölflautige Vidyā wurde bereits erklärt; nun [folgen] ihre Glieder, der Laut-Nyāsa, die Meditation und die Verehrung mit den Kräften.

Zur Mantraentfaltung [Verweis: 3.41]:

14.VE.1 Der zweite [Laut] Vahnivāsinīs, der vierte und fünfte Nityaklinnās, der Anfang Bhagamālās und der zweite Bheruṇḍās …

14.VE.2 … dann Nityaklinnās zweiter, dritter, sechster, siebter, achter und neunter, danach wieder der Anfang dieser [Formel].

Dies heißt die zwölflautige Mahāvajreśvarī-Nityā. Ausgeschrieben: „hrīṃ klinne aiṃ kroṃ nityamadadrave hrīṃ“. Der Wortsinn der Anrede ist etwa: „Hrīṃ, du Feuchte; aiṃ kroṃ, du in ewiger Verzückung Zerfließende, hrīṃ.“

Im Tripurārṇava wird Brahmā als Seher genannt, Gāyatrī als Versmaß und Parameśvarī als Gottheit. Der Kommentar erklärt Parameśvarī hier als Vajreśvarī. Anfang und Ende sind Bīja und Kraft; Vāgbhava [Aiṃ] ist der Riegel.

Gestalt im Boot auf dem roten Meer

Im Tantrarāja [Verweis: 12.4]:

14.VAq.1 Zwei, je eines, dann zwei, zwei und zwei [Mantraglieder], in Māyā eingeschlossen, bilden der Reihe nach die sechs Glieder.

14.VAq.2 [Mit den zehn Mantra-Lauten, jeweils von Śakti umschlossen, vollziehe man den Nyāsa] an beiden Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Mund, Brust, Nabel und verborgenem Bereich. [Der erste Halbvers steht in der Vorlage in Klammern.]

14.VAq.3 [Man meditiere über sie] rot, mit rotem Gewand, roten Duftstoffen, Girlanden und Schmuck, vierarmig, dreiäugig, mit strahlender Rubinkrone.

14.VAq.4 Sie hält Schlinge, Elefantenstachel, Zuckerrohrbogen und einen Granatapfel-[Blüten-]Pfeil in ihren Armen. Mit Augen, die durch Mitgefühl und Verzückung ganz kühl sind …

14.VAq.5 … schaut sie den Übenden an. In der Mitte des Cakras aus Dreieck, Sechseck, Lotus und Bhūpura sitzt sie angenehm, ihr Lotusgesicht lächelt.

14.VAq.6 Umgeben von Kräften ihres eigenen Wesens sitzt sie auf einem Löwenthron inmitten eines Bootes. Ringsum sind die Kräfte in schaukelnden Booten …

14.VAq.7 … und mit ihnen erfreut sie sich stets am Hin- und Herfahren und weiteren Spielen. So stelle man sich die rötliche Herrin des Mantras im Meer vor.

14.VAq.8 Im Dreieck liegen Icchā-, Jñāna- und Kriyā-Śakti, im Sechseck Ḍākinī und die weiteren. Auf den zwölf Lotusblättern …

14.VAq.9 … Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī und Madanāvatī …

14.VAq.10 … Mekhalā, Drāviṇī und Vegavatī, die zwölf Kräfte. Höre danach, Ambikā, die Kräfte auf den sechzehn Blättern. [Die Versliste nennt nur elf Namen; die spätere praktische Liste fügt Madanā hinzu.]

14.VAq.11 Kamalā, Kāminī, Kalpā, Kalā, Kalitā, Kautukā, Kirātā, Kālā, Kadanā, Kauśikī und Kambuvāhinī …

14.VAq.12 … Kātarā, Kapaṭā, Kīrti, Kumārī und Kuṃkumā. Höre nun der Reihe nach die Kräfte im Quadrat.

14.VAq.13 Bhañjinī, Veginī, Bhogā, Capalā, Peśalā, Satī, Rati, Śraddhā, Bhogalolā, Madā, Unmattā und Manasvinī …

14.VAq.14 … an Richtungsplätzen, Torseiten und Ecken. Diese zwölf [Kräfte] der großen Göttin verehre man rings um das Quadrat. [Die Trennung von madonmatte als Madā und Unmattā ergibt hier zwölf Namen; die praktische Liste weicht davon ab.]

14.VAq.15 Nach Bereitung des Arghya mit Gliedern und Wurzelmantra verehre man die Göttin in der beschriebenen Gestalt; [zuvor] das rote Meer, das goldene Boot und den Löwenthron.

14.VAq.16 Dort das Cakra, dann die Göttin, wie zuvor herbeigerufen, mit ihren Kräften. Ihre Namen werden zwischen Māyā und die siebensilbige [Verehrungsformel] gestellt.

14.VAq.17 Anschließend bringe man Bali mit der zuvor genannten siebensilbigen Kurukullā-Vidyā dar und vollziehe Homa nach der Vorschrift.

14.VAq.18 Man opfere rote, mit Ghee benetzte Blüten oder Ghee und schließe wie zuvor ab. So ist dir die Verehrung erklärt worden.

Die praktische Nyāsa-Folge

Nach den bekannten Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Die Zuordnungen lauten: am Kopf Brahmā als Seher, am Mund Gāyatrī als Maß, am Herzen Vajreśvarī-Nityā als Gottheit, im verborgenen Bereich Hrīṃ als Bīja, an den Füßen Hrīṃ als Kraft, am Nabel Aiṃ als Riegel. Die Anwendung gilt der Erfüllung aller eigenen Wünsche.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet: Hrīṃ klinne – Herz – Namaḥ; Aiṃ – Kopf – Svāhā; Kroṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Nitya – Schutzhülle – Huṃ; Mada – drei Augen – Vauṣaṭ; Drave hrīṃ – Waffe – Phaṭ.

Mit Hrīṃ vor und nach dem jeweiligen Laut sowie Namaḥ setze man ein: Klīṃ am rechten Auge, Nneṃ am linken; Aiṃ am rechten Ohr, Kroṃ am linken; Trīṃ an der rechten Nasenöffnung, Tyaṃ an der linken; Maṃ am Mund, Daṃ an der Brust, Draṃ am Nabel, Veṃ am Geschlechtsorgan. [Die Vorlage hat hier Trīṃ statt des nach der Mantrazerlegung erwartbaren Niṃ und langes Klīṃ; diese Lesungen bleiben kenntlich.]

Es folgen die Durchdringung mit dem Gesamtmantra, die Meditation über die rote Göttin und die geistige Verehrung.

Cakra und Verehrungssitz

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran und Weiterem die Yoni als Dreieck mit zugewandter Spitze; außen einen zwölfblättrigen Lotus, darum einen sechzehnblättrigen und außen zwei Quadrate mit vier Toren. [Diese Prosazeichnung nennt das Sechseck der Versbeschreibung nicht ausdrücklich.]

Nach Aufstellung, Verehrung, Arghya-Bereitung und Selbstverehrung verehre man beim Bhuvaneśvarī-Pīṭha zunächst die Folge von Maṇḍūka bis zur Erde. Danach „Verehrung dem roten Meer“, „Verehrung dem goldenen Boot“ und „Verehrung dem Edelstein-Löwenthron“. Anschließend folgen Dharma und die weiteren Pīṭha-Glieder bis zum abschließenden Mantra.

Dort vergegenwärtige man mit der Wurzelvidyā die Gestalt der Göttin, vollziehe Herbeirufung und die Gaben bis zu den Blüten und verehre im Dreieck die sechs Glieder. Zwischen den Dreiecken hinter der Göttin verehre man die drei Guru-Reihen. [Ein zweites Dreieck war in dieser knappen Zeichenanweisung nicht ausdrücklich beschrieben.]

Die Kräfte in der praktischen Liste

In der inneren [Dreiecksanordnung] verehre man vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn die Pādukās von Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, Madanā, Madanāturā, Nirañjanā, Rāgavatī, Madanāvatī, Mekhalā, Drāviṇī und Vegavatī. Die Formeln beginnen mit Hrīṃ, bei Madanā steht abweichend Hrauṃ. [Die Versfassung ordnete diese zwölf Kräfte den zwölf Lotusblättern zu; die Prosa sagt hier antartrikoṇe.]

Auf den äußeren sechzehn Blättern folgen Kamalā, Kāminī, Kalpā, Kalā, Kalitā, Kautukā, Kirātā, Kālā, Kadanā, Kauśikī, Kambuvāhinī, Kātarā, Kapaṭā, Kīrti, Kumārī und Kuṃkumā.

Im Quadrat, an den Seiten der vier Tore, beginnend südlich des Westtores und im Uhrzeigersinn: Bhañjinī, Veginī, Bhogā, Capalā, Peśalā, Satī, Rati, Śraddhā und Prīti. An den vier Ecken vom Nordwesten im Uhrzeigersinn bis zum Südwesten: Bhogalolā, Madanā, Unmattā und Manasvinī.

[Damit nennt diese Prosafassung dreizehn äußere Kräfte statt der angekündigten zwölf und neun Namen für die acht Torseiten. Prīti kommt gegenüber der Versliste hinzu; Madanā steht hier statt Madā. Die Abweichungen werden nicht durch Streichungen harmonisiert.]

Die Verehrung der Welthüter und der übrige Abschluss erfolgen wie zuvor. Damit endet die Verehrung der Vajreśvarī-Nityā.

Śivādūtī-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 13]:

14.SDq.1 Höre, Verständige, die Ordnung der als achte unter den sechzehn Nityās bezeichneten [Göttin], die die ersehnte Frucht gewährt.

14.SDq.2 Die Vidyā wurde bereits entfaltet; nun [folgen] Nyāsa, Umhüllungskräfte, Meditation und Verehrung.

Ebendort [Verweis: 3.44]:

14.SM.1 Das letzte [Bīja] Vajreśvarīs ist der Anfang; dann Viyat mit Agni, Ambu mit Marut, Gotrā mit Kṣmā.

14.SM.2 Danach Raya mit Vyāpta und Śuci; zuletzt die beiden abschließenden Laute Vahnivāsinīs. So wird die Dūtī-Nityā erklärt.

Ausgeschrieben: „hrīṃ śivādūtyai namaḥ“ – „Hrīṃ, Verehrung Śivādūtī.“ Der Tripurārṇava nennt Rudra als Seher, Gāyatrī als Versmaß und Śivā als Gottheit; der Kommentar erklärt hier Śivādūtī. Anfang und Ende sind Bīja und Kraft, der mittlere Teil ist der Riegel.

Ihre Umhüllungskräfte

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: 13.5]:

14.SVq.1 Mit dem Anfang der Vidyā bilde man wie zuvor die sechs Glieder. Mit den davon umschlossenen Lauten vollziehe man den Nyāsa an den fünf [Sinnesbereichen] vom Gehör an.

14.SVq.2 Den sechsten setze man im Geist ein; mit der ganzen Vidyā vollziehe man die Durchdringung. Arghya ist wie zuvor angegeben. Höre ihre Kräfte, Pārvatī.

14.SVq.3 Vihvalā, Ākarṣiṇī, Lolā, Nityā, Vana beziehungsweise Madana und Mālinī, Vinodā, Kautukā, Puṇyā und Purāṇā liegen im Quadrat. [Die Vorlage bietet vana(madana)mālinī; die praktische Liste trennt Madanā und Mālinī.]

14.SVq.4 Vāgīśī, Varadā, Viśvā, Vinadā, Vighnakāriṇī, Vīrā, Vighnaharā und Vidyā sind die acht [Lotus-]Kräfte des Yantras.

14.SVq.5 Sumukhī, Sundarī, Sārā, Sumanā, Sarasvatī, Samayā, Sarvagā und Vidyā heißen die acht Kräfte des Achtecks.

14.SVq.6 Im Sechseck Ḍākinī und die weiteren; alle vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn. Sie haben Gestalt, Farbe und Waffen wie die Hauptgöttin. [Bei „Waffen“ gibt die Vorlage selbst eine Lesungskorrektur an.]

14.SVq.7 Śivā, Vāṇī, Dūrasiddhā, [die unsicher gelesene] Tyaivigrahavatī, Nādā und Manonmanī verehre man ringsum auf den sechs Blättern.

14.SVq.8 Im Dreieck die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns. In der Mitte verehre man die achte, segensreiche Göttin, von Waffen umgeben.

14.SVq.9 Höre, Verständige, ihre Meditation. Obwohl die ganze Welt aus ihr besteht, wird zum Schutz ihrer Verehrer eine höchste Gestalt vorgestellt … [Die Lesung im Ausdruck für den Schutz der Verehrer ist beschädigt, der Sinnzusammenhang aber erkennbar.]

14.SVq.10 … mit dem Glanz der Mittagssonne im Hochsommer, mit einer Krone aus neun Edelsteinen, dreiäugig und in rötlichem Gewand.

14.SVq.11 Ihr Körperglanz leuchtet zusammen mit vielfältigem Schmuck; sie lächelt rein, hat acht Arme und wird von großen Sehern gepriesen.

14.SVq.12 In den linken Händen hält sie Schlinge, Schild, Keule und Edelsteinbecher, in den rechten Elefantenstachel, Schwert, Axt und Lotus.

14.SVq.13 Sie ist bereit, den Übenden das Erwünschte zu geben. So meditiere man über Dūtī, die verkehrtes Handeln vernichtende Göttin, und verehre sie.

14.SVq.14 Zwei Kreise, außen ein Dreieck und dessen Doppelung, ein sechsblättriger Lotus; [ferner Sechseck, Achteck und achtblättriger Lotus] … [Der zweite Halbvers steht in der Vorlage in Klammern.]

14.SVq.15 … und Bhūpuras wie bei Vahnivāsinī: In ihrer Mitte rufe man Śivā herbei und verehre sie sowie die nach der früheren Vorschrift angeordneten Kräfte.

Nach Japa, Homa und Verneigung entlasse man sie in das eigene Selbst.

Die praktische Einsetzung und Zeichnung

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Die Zuordnungen: Rudra als Seher am Kopf, Gāyatrī als Maß am Mund, Śrīśivādūtī-Nityā am Herzen, Hrīṃ als Bīja im verborgenen Bereich, Namaḥ als Kraft an den Füßen und Śivādūtyai als Riegel am Nabel. Die Anwendung gilt der Erfüllung des eigenen Wunsches.

Mit den Formen von Hrāṃ Hrīṃ an vollziehe man Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa. Die Einzellaut-Einsetzungen, jeweils zwischen Hrīṃ und Hrīṃ und mit Namaḥ, sind: Śiṃ an beiden Ohren, Vāṃ am ganzen Leib, Dūṃ an beiden Augen, Tyaiṃ an der Zunge, Naṃ an beiden Nasenöffnungen und Maṃḥ im Geist. [Die letzte Lautform steht so in der Vorlage.]

Nach Durchdringung mit der gesamten Vidyā, der Meditation über ihren mittagssonnengleichen Glanz und geistiger Verehrung zeichne man auf einer Gold- oder entsprechenden Platte mit Safran einen sechsblättrigen Lotus, darin einen Kreis [Variante: zwei Kreise], in der Mitte ein Dreieck mit zugewandter Spitze [und darin nach einem eingeklammerten Zusatz nochmals zwei Kreise]. Außerhalb des Lotus folgen Sechseck, Achteck, achtblättriger Lotus und ein Quadrat mit Toren im Osten und Westen.

Nach Aufstellung, Arghya und Selbstverehrung vergegenwärtige man mit dem Wurzelmantra die Gestalt und vollziehe Herbeirufung und die Gaben bis zu den Blüten. Im Dreieck verehre man die sechs Glieder, zwischen Dreieck und Kreis die drei Guru-Reihen.

Die Verehrungsfolge der Kräfte und Waffen

Im Quadrat, südlich des Tores vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Vihvalā, Ākarṣiṇī, Lolā, Nityā, Madanā, Mālinī, Vinodā, Kautukā, Puṇyā und Purāṇā, jeweils mit der Pādukā-Verehrungsformel.

Auf den acht Blättern: Vāgīśī, Varadā, Viśvā, Vinadā, Vighnakāriṇī, Vīrā, Vighnaharā und Vidyā. Im Achteck: Sumukhī, Sundarī, Sārā, Sumanā, Sarasvatī, Samayā, Sarvagā und Siddhā. [Die Versliste nannte als letzte Vidyā statt Siddhā.]

Im Sechseck vor der Göttin beginnend: Hākinī, Śākinī, Kākinī, Lākinī, Rākiṇī und Ḍākinī. Auf den sechs Blättern: Śivā, Vāṇī, Dūrasiddhā, Tyaivigrahavatī, Nādā und Manonmanī. [Der unklare vierte Name steht auch in der praktischen Liste in derselben auffälligen Form.]

Im inneren Dreieck verehre man vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn Icchā-, Jñāna- und Kriyā-Śakti. Zwischen dem inneren Dreieck und den Kreisen stelle man die Waffenplätze entsprechend den Händen von rechts unten bis links unten vor und verehre Lotus, Axt, Schwert, Elefantenstachel, Edelsteinbecher, Keule, Schild und Schlinge.

Erneut verehre man die Göttin in der Mitte und schließe mit Räucherwerk, Licht und den weiteren Handlungen wie zuvor ab. Damit endet die Verehrung der Śivādūtī-Nityā.

Tvaritā-Nityā, die schnell Handelnde

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 14]:

14.TV.1 Die zwölflautige Tvaritā-Vidyā, die als neunte unter den sechzehn Nityās bezeichnet wird, wurde bereits genannt.

14.TV.2 Höre, Verständige, ihre Ordnung samt Homa, Yantra und Weiterem, durch die der Mantra-Kenner nach der Verheißung wie der Liebesgott die Erde in Erregung versetzt.

Zur Entfaltung des Mantras [Verweis: 3.47]:

14.TM.1 Zuerst der Anfang Vahnivāsinīs, danach der Anfang Dūtīs; Haṃsa mit Dharā und dem eigenen [Lautglied], Tejas mit Cara.

14.TM.2 Vāyu, Prabhā mit Cara, Grāsa mit Śakti; Vahni mit Hṛd, Raya und Dāha ist der achte, Geliebte.

14.TM.3 Haṃsa mit Kṣmā und dem eigenen [Glied], Grāsa mit Cara, der zweite [Laut] und Dyuti mit Nāda: Dies ist die zwölflautige Tvaritā-Nityā.

Die Vorlage schreibt aus: „oṃ hrīṃ huṃ khe ca che kṣaḥ strī hūṃ kṣe hrīṃ phaṭ“. [Die Formel besteht aus Bījas und Lautgliedern; die beiden Huṃ/Hūṃ-Formen und das zunächst ohne Bindu geschriebene Strī bleiben nach der Vorlage unterschieden.]

Im Tripurārṇava:

14.TRq.1 Seher ist Sauri, Versmaß Virāṭ, Gottheit diese [Tvaritā], Pārvatī. Kavaca und Strī bilden Kraft und Bīja; Kṣe heißt Riegel. [Der Satz nennt Kraft und Bīja in dieser Reihenfolge; die praktische Fassung setzt später Oṃ als Bīja und Huṃ als Kraft ein.]

Damit ist Tvaritā-Nityā bezeichnet.

Nyāsa, Schlangenschmuck und Pfauenfedern

Im Tantrarāja [Verweis: 14.3]:

14.TT.1 Aus den sieben Lauten vom vierten der Vidyā an bilde man der Reihe nach die sechs Glieder an Händen und Körper mit jeweils zwei Lauten.

14.TT.2 An Kopf, Stirn, Kehle, Herz, Nabel und Grundzentrum sowie an beiden Oberschenkeln, Knien und Unterschenkeln …

14.TT.3 … und beiden Füßen setze man die zehn Mantra-Laute ein: die übrigen Laute, zwischen dem zweiten und dem vorletzten [eingeschlossen] …

14.TT.4 … beginnend mit Tāra. Höre ihre Meditation, Kräfte und Verehrung: dunkel, von schöner Gestalt und in frischer Jugend erstrahlend …

14.TT.5 … glänzend mit Schmuck aus acht Nāgas, je zwei zusammen, als Ohrgehänge, Armschmuck, Gürtel und Fußreifen …

14.TT.6 … von furchtbarer Gestalt, den Gruppen Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra zugeordnet. Sie trägt ein Gewand aus jungen Blättern; mit schönen, aus Pfauenfedern gefertigten …

14.TT.7 … Reifen sind ihre Arme geschmückt. Sie glänzt mit einer Rubinkrone, trägt einen Kopfschmuck aus Pfauenfedern und einen Schirm und ein Banner aus diesen Federn.

14.TT.8 Ihre Brust schmückt eine Kette aus Guñjā-Samen, ihre Brüste sind mit Safran gezeichnet. Sie ist dreiäugig, schön von Gesicht und lächelt sanft mit ihrem Lotusantlitz.

14.TT.9 Ihre vier Arme erstrahlen mit Schlinge, Elefantenstachel, Gewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste. So meditiere man über die Göttin Totulā und verehre sie, von Kräften umgeben. [Totulā ist die hier verwendete Benennung.]

14.TT.10 Vor ihr steht Phaṭkārī, deren Hände mit Pfeil und Bogen leuchten. Bei Gunst und Fruchtgewährung für die Übenden ist [die Göttin] schnell …

14.TT.11 … deshalb habe ich sie Tvaritā, „die Schnelle“, genannt, diese neunte Kraft. Schwarz, mit Keule in der Hand, mit rauem, aufwärts stehendem Haar …

14.TT.12 … ist ihr Kiṅkara-Diener, der vor ihr zur Erreichung aller Ziele verehrt wird. An den beiden Torseiten sind die Kräfte Jayā und Vijayā zu verehren …

14.TT.13 … ihr ähnlich, mit goldenen Stäben in ihren bewegten Lotushänden. Huṃkārī, Khecarī, Caṇḍā, Chedinī, Kṣepiṇī …

14.TT.14 … Strīkārī, Hūṃkārī und Kṣemakarī, den Welthütern entsprechend: Diese Kräfte der Mantra-Laute sind auf den acht Lotusblättern zu verehren.

14.TT.15 Durch ihre tägliche Verehrung soll ein Mann unter Frauen dem Liebesgott gleichen. Höre die Verehrungsvorschrift Tvaritās, große Herrin. [Dies ist eine Anziehungswirkung, die der Quelle zufolge versprochen wird.]

Der Verehrungsaufbau

14.TT.16 Nach Bereitung des Arghya wie zuvor [vergegenwärtige man] die Herrin auf einem schönen goldenen Sitz mit acht Löwenfüßen. Man bilde zwei Bhūpuras …

14.TT.17 … mit einem Tor im Westen, darin zwei Kreise und darin einen achtblättrigen Lotus. Dort [verehrte man] die höchste Segensreiche …

14.TT.18 … nach ihrer Herbeirufung wie zuvor, ringsum von Kräften umgeben. Nach Zeigen der Mudrās verehre man sie wie beschrieben.

14.TT.19 An der Spitze des vorderen Blattes beziehungsweise in der Kreismitte verehre man die beiden zuvor genannten [Gestalten]. Dem Kiṅkara bringe man vor der Göttin die zuvor genannten Gaben dar …

14.TT.20 … hingebungsvoll, während er in einem Maṇḍala mit ihm gleichen Gefährten vorgestellt wird. Nach dieser Verehrung wiederhole man vor ihr die Vidyā tausendmal …

… oder hundertmal, vollziehe Homa und schließe die Verehrung wie zuvor ab.

Die praktische Mantra-Einsetzung

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Tvaritā-Vidyā. Die Zuordnungen lauten: Sauri als Seher am Kopf, Virāṭ als Maß am Mund, Tvaritā-Nityā als Gottheit am Herzen, Oṃ als Bīja im verborgenen Bereich, Huṃ als Kraft an den Füßen und Kṣe als Riegel am Nabel. Die Anwendung gilt der Erfüllung des eigenen Wunsches.

Die sechs Glieder werden durch überlappende Lautpaare gebildet: Oṃ khe ca – Herz – Namaḥ; Ca che – Kopf – Svāhā; Che kṣaḥ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Kṣaḥ strī – Schutzhülle – Huṃ; Strī hūṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Hūṃ kṣe – Waffe – Phaṭ.

Jeweils mit Hrīṃ vor und nach dem Laut und mit Namaḥ setze man ein: Oṃ am Kopf, Huṃ an der Stirn, Khe an der Kehle, Ca am Herzen, Che am Nabel, Kṣaḥ im Mūlādhāra, Strīṃ an beiden Oberschenkeln, Hūṃ an beiden Knien, Kṣe an beiden Unterschenkeln, Phaṭ an beiden Füßen. [Hier erscheint Strīṃ mit Bindu, während die ausgeschriebene Hauptformel Strī hatte.]

Mit der gesamten Vidyā vollziehe man die Durchdringung; Meditation und geistige Verehrung folgen.

Die praktische Verehrung im Cakra

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran zwei Quadrate mit dem westlichen Tor und darin einen achtblättrigen Lotus mit zwei Kreisen. Nach Aufstellung und Verehrung, Arghya-Bereitung und Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśī-Pīṭha, vergegenwärtige die Gestalt mit der Wurzelvidyā und vollziehe Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten.

In der Lotusmitte verehre man die sechs Glieder und die drei Guru-Reihen. Dann in den beiden Umgängen zwischen den äußeren drei Kreisen: außerhalb der Spitze des vorderen Blattes Phaṭkārī, im äußeren Umgang unmittelbar vor der Göttin Kiṅkara. [Die praktische Ortsbeschreibung nennt drei Kreise, die vorherige Zeichnung zwei; der Unterschied bleibt erhalten.]

An den Torseiten Jayā und Vijayā; auf den acht Blättern Huṃkāra, Khecarī, Caṇḍā, Chedinī, Kṣepiṇī, Strīkārī, Hūṃkārī und Kṣemakarī, jeweils mit der Pādukā-Formel. [Der Satz zu den Torseiten und den ersten beiden Blattkräften steht in der Vorlage in Klammern; die erste Kraft ist hier als Huṃkāra statt Huṃkārī geschrieben.]

Welthüterverehrung und der gesamte weitere Abschluss erfolgen wie zuvor. Nach dem Kurukullā-Bali bringe man auch Kiṅkara vor der Göttin Bali aus Reis und den weiteren Speisen dar. Damit endet die Verehrung der Tvaritā-Nityā.

Kulasundarī-Nityā

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 15]:

14.KS.1 Höre die Verehrungsvorschrift Kulasundarīs, die als zehnte unter den sechzehn Nityās genannt wird und deren Vidyā bereits erklärt wurde …

… ihre Meditation, ihren Nyāsa, ihre Kräfte und deren Verehrung.

Zur Mantraentfaltung [Verweis: 3.51]:

14.KU.1 Śuci mit dem eigenen [Lautglied] ist der erste; Prāṇa mit Rasā, Vahni und dem eigenen [Glied] der zweite; der nächste [besteht aus] Vana, Hṛd und Śakti.

So wird die dreilautige Kulasundarī-Nityā bezeichnet. Die Formel lautet: „aiṃ klīṃ sauḥ“.

Im Tripurārṇava:

14.KRk.1 Der Seher ist Dakṣiṇāmūrti, [„ich“, so der überlieferte Wortlaut]; man setze ihn am Kopf ein. Als Versmaß ist Paṅkti zu erkennen und am Mund einzusetzen; die Gottheit …

14.KRk.2 … die höchste Herrin Kulasundarī setze man im Herzen ein. Vāgbhava heißt das Bīja, das dritte [Mantraglied] die Kraft.

Kāma-Bīja ist der Riegel; die Anwendung gilt den menschlichen Lebenszielen.

Die drei Bījas in Anfang, Mitte und Abschluss

Im Tantrarāja [Verweis: 15.12]:

14.KTq.1 Mit den drei genannten Wurzellauten bilde man die sechs Glieder, bei Verehrung und Japa der Reihe nach am Anfang, in der Mitte und am Ende.

14.KTq.2 Mit jedem der drei Bījas, verbunden mit den langen Vokalen, vollziehe man vorschriftsgemäß den Nyāsa an Händen, Körpergliedern und Gesichtern.

14.KTq.3 Mit den Namen des oberen, östlichen, südlichen, nördlichen, westlichen und anderen [Gesichts], zwischen Śuci und dem Verehrungsruf, [setze man sie] an den entsprechenden Orten ein.

14.KTq.4 Eine [Dreierfolge] im Grundzentrum, am Brahmarandhra und Herzen; die zweite an den drei Augen; die dritte an den Ohren und am Kinn; die vierte an den Nasenöffnungen und am Gaumen.

14.KTq.5 Die fünfte an [den Schultern] und am Nabel; ferner an beiden Oberschenkeln, Händen und Füßen von Wurzel über Mitte bis Spitze. So vollziehe man mit den Wurzellauten den neunfachen Nyāsa. [Die Schulterlesung ist im Vers als Variante beschädigt, durch die praktische Fassung aber belegt. Die spätere Aufzählung der Gliedmaßen ist ausführlicher und nicht ohne Weiteres auf genau neun Gruppen zu reduzieren.]

Die sechs Gesichter und zwölf Arme

14.KTq.6 [Man meditiere über sie] rot, von Scharen roter Kräfte bedient, mit roten Gewändern, Schmuck, Girlanden und Salben, mit sechs Lotusgesichtern …

14.KTq.7 … jedes dreiäugig und mit schönem Lächeln; strahlend mit einer Rubinkrone aus unschätzbaren Edelsteinen.

14.KTq.8 Ohrgehänge, Halsketten, Armschmuck, Gürtel und Fußreifen leuchten; ihre Brust strahlt mit Edelsteinbüscheln, sie ist segensreich …

14.KTq.9 … ganz dem Mitgefühl und der Freude zugewandt, auf einem roten Lotus sitzend, zwölfarmig, Herrin aller und Wesen aller Sprache.

14.KTq.10 In ihren rechten Händen hält sie eine Korallengebetskette, Lotus, edelsteinernen Wasserkrug, einen mit Edelsteinen gefüllten Becher, eine Zitronatzitrone und die Lehrgeste …

14.KTq.11 … in den linken Buch, roten Lotus, goldenen Schreibstift, Edelsteinkette, Muschel und die Gewährungsgeste.

14.KTq.12 Ringsum wird sie von Göttern, Gandharvas, Kinnaras, Yakṣas, Rākṣasas, göttlichen Sehern, Siddhas, Vidyādharas und weiteren Wesen gepriesen.

14.KTq.13 So meditiere man über sie und verehre sie täglich zur Erlangung von Sprachvermögen, Wohlstand und Schönheit. Allein für Sprachvollendung stelle man sie weiß vor, für Wohlstand goldglänzend …

14.KTq.14 … rauchfarben für Feindschaft zwischen Gegnern, Tod und Niederhaltung, blau zur Stummmachung, jeweils entsprechend dem Ziel. [Die schädigenden Anwendungen werden als historische Ritualziele der Quelle wiedergegeben, nicht als Empfehlungen.]

Die sprachbezogenen Kräfte und das Cakra

14.KTq.15 Bhāṣā, Sarasvatī, Vāṇī, Saṃskṛtā, Prākṛtā, Aparā, Bahurūpā, Citrarūpā, Ramyā, Ānandā und Kautukā …

14.KTq.16 … so werden elf genannt; man verehre sie in den neun Yonis. Außen auf dem achtblättrigen Lotus Brāhmī und die weiteren Kräfte.

14.KTq.17 Im Quadrat verehre man die Welthüter in Śakti-Gestalt: Indra, Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Anila [Vāyu] und Soma …

14.KTq.18 … Īśāna, Ananta und Vidhi [Brahmā], in den acht Richtungen von Osten an sowie unten und oben. Ihre Namen erhalten Śakti als Schlussglied und werden wie zuvor zur Erlangung aller Vollendungen verwendet.

14.KTq.19 Man zeichne zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen, darin einen achtblättrigen Lotus zwischen zwei Kreisen …

14.KTq.20 … und das Neun-Yoni-Cakra nach den Teilungen vier, drei, fünf und vier. Dort rufe man sie herbei und verehre sie wie zuvor.

14.KTq.21 Von den elf Kräften verehre man die beiden letzten seitlich der mittleren Yoni; ebenso die beiden letzten Welthüterkräfte an den beiden Toren.

14.KTq.22 Dies ist die Besonderheit; die übrige Verehrung ist allgemein bekannt, Ambikā. Am Ende bringe man Bali mit der siebensilbigen Kurukullā-Vidyā dar.

So vollziehe man die tägliche Verehrung und das tägliche Homa mit Ghee.

Die praktische Glieder- und Gesichterfolge

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Die Zuordnungen: Dakṣiṇāmūrti am Kopf als Seher, Paṅkti am Mund als Maß, Kulasundarī-Nityā am Herzen als Gottheit, Aiṃ im verborgenen Bereich als Bīja, Sauḥ an den Füßen als Kraft, Klīṃ am Nabel als Riegel. Die Anwendung lautet: „Zur Vollendung der vier menschlichen Lebensziele.“

Am Anfang von Verehrung und Japa setze man an Händen und Körpergliedern ein: Āṃ – Herz – Namaḥ; Īṃ – Kopf – Svāhā; Ūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Aiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Auṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Aḥ – Waffe – Phaṭ.

Die Gesichter werden mit Aiṃ vorangestellt und Namaḥ am Schluss eingesetzt: Āṃ – oberes Gesicht am Kopf; Īṃ – östliches Gesicht am Mund; Ūṃ – südliches Gesicht am rechten Ohr; Aiṃ – nördliches Gesicht am linken Ohr; Auṃ – westliches Gesicht unterhalb des Scheitelhaars; Aḥ – anderes Gesicht am Kinn.

In der Mitte der Verehrung, zu Beginn der Umhüllungsverehrung, wird das mittlere Bīja mit den sechs langen Vokalen verbunden, beginnend mit Klāṃ und Klīṃ. Am Ende wird entsprechend das letzte Bīja verwendet, beginnend mit Sāṃ und Sīṃ. Dasselbe gilt für Mitte und Ende des Japa. Die Mitte des Japa ist nach der Hälfte der vorgesehenen Wiederholungszahl erreicht.

Die Einsetzung der Dreierfolge im Körper

Nach dem Gesichter-Nyāsa der ersten Gruppe setze man Aiṃ im Grundzentrum, Klīṃ am Brahmarandhra und Sauḥ am Herzen ein. Dann jeweils dieselbe Dreierfolge:

  • rechtes Auge, linkes Auge, Stirnauge;
  • rechtes Ohr, linkes Ohr, Kinn;
  • rechte Nasenöffnung, linke Nasenöffnung, Gaumen;
  • rechte Schulter, linke Schulter, Nabel;
  • Wurzel, Mitte und Spitze des rechten Arms;
  • Wurzel, Mitte und Spitze des linken Arms;
  • Wurzel, Mitte und Spitze des rechten Oberschenkels;
  • Wurzel, Mitte und Spitze des linken Oberschenkels.

Entsprechend verfahre man auch an beiden Händen und Füßen. Danach vollziehe man die Durchdringung mit der ganzen Vidyā. Nach der Überlieferung erfolgen dieser als neunfach bezeichnete Nyāsa und die Durchdringung auch in Mitte und Abschluss von Verehrung und Japa nach dem Gesichter-Nyāsa mit dem mittleren beziehungsweise letzten Bīja. [Die ausdrückliche zusätzliche Nennung von Händen und Füßen bleibt trotz der Neunerbezeichnung erhalten.]

Pīṭha und Verehrung der elf Kräfte

Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man auf eine Gold- oder entsprechende Platte einen achtblättrigen Lotus mit dem Neun-Yoni-Cakra in der Mitte, außen zwei Kreise und zwei Quadrate mit Toren im Osten und Westen. Nach Aufstellung, Arghya-Bereitung und Selbstverehrung verehre man den Pīṭha von Maṇḍūka bis Jñānātman.

Auf den Staubfäden des achtblättrigen Lotus verehre man zwölf Kräfte: Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Ambikā, Icchā, Jñānā, Kriyā, Kulikā, Citrā, Viṣadhnī, Dūtaryā und Ānandā, jeweils mit Namaḥ. [Die Namen Viṣadhnī und Dūtaryā sind in dieser Form auffällig; sie werden nicht durch vermutete andere Namen ersetzt.]

Mit „Hasauṃ, Verehrung dem Lotussitz des Sadāśiva-Mahāpreta“ verehre man den gesamten Pīṭha. Man vergegenwärtige die Göttin mit ihrer Vidyā und vollziehe Herbeirufung bis zur Einsetzung der Lebenskräfte. Mit den genannten Gesichter-Nyāsa-Formeln verehre man ihre sechs Gesichter; es folgen Sitz und weitere Gaben.

An der vorderen Spitze des Dreiecks verehre man Bhāṣā. In den acht Yonis, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Sarasvatī, Vāṇī, Saṃskṛtā, Prākṛtā, Parā, Bahurūpā, Citrarūpā und Ramyā. [Die Versliste hatte Aparā; die Prosa ausdrücklich Parā.]

In der inneren Yoni hinter der Göttin rechts Ānandā, links Kautukā. Auf den acht Blättern Brāhmī und die weiteren. Im Quadrat verehre man die Welthüter als Kräfte, etwa mit „Indra-Śakti-Pādukā“, ebenso ihre Waffen in Śakti-Gestalt. Nach Räucherwerk und den übrigen Handlungen schließe man wie zuvor ab. Damit endet die Verehrung der Kulasundarī-Nityā.

Nityānityā, die den Leib der Wesen erhält

Im ehrwürdigen Tantrarāja [Verweis: Abschnitt 16]:

14.NN.1 Höre, Verständige, von Nityānityā, die als elfte unter den sechzehn Nityās genannt wird. Von ihr hängt diese Welt ab.

14.NN.2 Die Vidyā wurde zuvor entfaltet; hier wird ihre Ordnung erklärt. Sie bewirkt das Bestehen der Körper aller Wesen …

… [es folgen] Nyāsa und Meditation, die Kräfte, die Verehrung mit ihnen und die Praxis.

Zur Mantraentfaltung [Verweis: 3.53]:

14.NU.1 Haṃsa, verbunden mit Hṛd, Prāṇa, Rasā, Dāha und Kur, wird nach der Überlieferung mit der Vidyā Kulasundarīs verbunden.

Die Formel wird ausgeschrieben: „hasakalaraḍaiṃ hasakalaraḍīṃ hasakalaraḍauḥ“. Im Tripurārṇava heißt es: „Nityānityā ist Bālā.“ Weil Bālā und Nityānityā hier als nicht verschieden gelten, sind Hand- und sechsgliedriger Nyāsa, Arghya und die weiteren Handlungen wie bei Bālā zu verstehen.

Die Gestalt mit sechs Gesichtern und zwölf Armen

Im Tantrarāja [Verweis: 16.4]:

14.NTq.1 Mit Haṃsa und Hṛd, verbunden mit den langen Vokalen, bilde man die sechs Glieder. Zwischen den Brauen, an Kehle, Herz, Nabel, verborgenem Bereich und Grundzentrum …

14.NTq.2 … setze man der Reihe nach die mit Bindu versehenen Vidyā-Laute ein. Mit der gesamten [Vidyā] vollziehe man vorschriftsgemäß die Durchdringung.

14.NTq.3 Zur Erlangung aller Fülle meditiere man über die Segensreiche als Wesen von allem: wie die Scheibe der aufgehenden Sonne, mit strahlender Rubinkrone …

14.NTq.4 … mit Padmarāga-Schmuck und rötlichem Gewand, leuchtend mit sechs schön lächelnden Lotusgesichtern …

14.NTq.5 … jedes dreiäugig, mit zwölf Armen. Schlinge, Gebetskette, Zuckerrohrbogen, Schild und Dreizack …

14.NTq.6 … sowie die Geste der Gewährung hält sie links; Elefantenstachel, Buch, Blütenpfeil, Schwert, Schädelschale und Furchtlosigkeitsgeste …

14.NTq.7 … trägt sie rechts. Über sie meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Höre ihre unendlichen Kräfte, die ich dir erklären werde.

Die fünfhundertsechsundsiebzig Lautkräfte

14.NTq.8 [Es sind] die Kraftscharen Lalitās. Die beiden Bījas, danach der Reihe nach die Laute des vollständigen Maṇḍalas, am Ende mit „Śakti“ verbunden …

14.NTq.9 … und mit der siebensilbigen [Formel] ergänzt, ergeben zwölflautige Vidyās. Von diesen fünfhundertsechsundsiebzig [Kräften] umgeben verehre man die Segensreiche.

14.NTq.10 An den Sechseckecken verehre man Ḍākinī und die weiteren der Reihe nach im Südwesten, Nordwesten, Osten, Südosten, Nordosten und Westen.

14.NTq.11 Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Śākinī und Hākinī gleichen in ihrer Gestalt der Hauptgöttin.

14.NTq.12 Ihre Waffen ringsum verehre man als Kräfte, mit ihren Kronen vor ihr geneigt, nach Vollzug von Nyāsa und [Arghya-]Bereitung, in der angegebenen Reihenfolge. [Die Vorlage hat im letzten Ausdruck ardha statt eines eindeutigen arghya; die Deutung folgt dem Ritualzusammenhang.]

14.NTq.13 Man vollziehe das Homa mit den beiden Sesamarten und wiederhole die Vidyā wie angegeben. Außerhalb des Sechsecks bilde man einen Lotus mit einundfünfzig Blättern …

14.NTq.14 … und verehre die Göttin in der Mitte, auch auf diesen [Blättern] von den Kräften umgeben. Mit Lotussen von zwei, vier, sechs … [die anschließende Blattzahlfolge ist beschädigt] … zwölf und acht …

14.NTq.15 … die das Sechseck umgeben, verehre man sie in der als verkürzt bezeichneten Form. Außen bilde man zwei Quadrate mit vier Toren.

14.NTq.16 An deren Pfosten verehre man zwanzig Kräfte: sechzehn, Brāhmī und die weiteren sowie die Welthüter, an den Toren …

… und Ananta, Brahmā, Niyati und Kāla als Kräfte in den Zwischenrichtungen. [Die praktische Erklärung unterscheidet eine große Anordnung mit 576 Kräften, eine mit 51 und eine mit insgesamt 50 Blattkräften. Die beschädigte Zahlenreihe des Verses wird nicht aus diesen Varianten unmarkiert rekonstruiert.]

Die praktische Einsetzung

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Nityānityā-Vidyā. Die Zuordnungen lauten: Dakṣiṇāmūrti als Seher am Kopf, Paṅkti als Maß am Mund, Nityānityā als Gottheit am Herzen, Aiṃ als Bīja im verborgenen Bereich, Oṃ als Kraft an den Füßen und Īṃ als Riegel am Nabel. [Diese Angaben werden nach der Prosavorlage wiedergegeben; sie werden nicht an eine andere Bālā-Fassung angepasst.]

Die Anwendung gilt der Erfüllung aller eigenen Wünsche. Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet: Hsāṃ – Herz – Namaḥ; Hsīṃ – Kopf – Svāhā; Hsūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Hsaiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Hsauṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Hsaḥ – Waffe – Phaṭ.

Die Einzellaut-Einsetzung: Haṃ zwischen den Brauen, Saṃ an der Kehle, Kaṃ am Herzen, Laṃ am Nabel, Raṃ im verborgenen Bereich, Ḍaṃ im Mūlādhāra, jeweils mit Namaḥ. Es folgen Durchdringung mit der ganzen Vidyā, die Meditation über den Glanz der aufgehenden Sonne und geistige Verehrung.

Große und kleinere Anordnungen der Lautkräfte

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran ein Sechseck mit einem Kreis in seiner Mitte. Außen darum sechsunddreißig Lotusse zu je sechzehn Blättern oder achtzehn Lotusse zu je zweiunddreißig Blättern; außen zwei Quadrate mit vier Toren. [Beide großen Varianten ergeben 576 Blattstellen.]

Nach Aufstellung, Arghya-Bereitung und Selbstverehrung verehre man den Kulasundarī-Pīṭha, vergegenwärtige mit dem Wurzelmantra die Gestalt und vollziehe Herbeirufung und die Gaben bis zu den Blüten. In der Mitte rings um die Göttin verehre man die sechs Glieder, hinter ihr zwischen Sechseck und Kreis die drei Guru-Reihen.

An den Sechseckecken: im Südwesten Ḍākinī, im Nordwesten Rākiṇī, im Osten Lākinī, im Südosten Kākinī, im Nordosten Śākinī und im Westen Hākinī.

Auf dem äußeren sechzehnblättrigen Lotus verehre man vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn die sechzehn Lautkräfte, mit A-Śakti beginnend. Ebenso auf den übrigen Lotussen jeweils sechzehn, nach den zuvor genannten Lauten des vollständigen Maṇḍalas. [Die Vorlage bietet bei der Anzahl der Lautgruppen die Variante „fünf(sechs)unddreißig“; die große Anordnung ist zuvor als sechsunddreißig Lotusse angegeben.] Bei der Ausführung mit achtzehn Lotussen werden auf jedem zweiunddreißig Kräfte verehrt.

Als andere Ausführung bilde man außerhalb des Sechsecks einen einundfünfzigblättrigen Lotus und verehre darauf vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn einundfünfzig Lautkräfte.

Die weitere verkürzte Ausführung besteht aus sechs konzentrischen Lotussen: zuerst sechzehn Blätter, außen zwölf, dann zehn, sechs, vier und zwei. Auf den sechzehn Blättern die Vokalkräfte; auf zwölf die Laute Ka bis Ṭha; auf zehn Ḍa bis Pha; auf sechs die Reihe bis La; auf vier Va bis Sa; auf den zwei Ha und Kṣa. Insgesamt sind dies fünfzig Kräfte. [Die Sechserreihe ist im E-Text als „Va bis La“ geschrieben, obwohl die entsprechende Reihe zuvor mit Ba begann. Die Fünfziger- und Einundfünfzigerform werden nicht gleichgesetzt.]

Äußerer Kreis und zwölf Waffenkräfte

Nach einer dieser großen, mittleren oder kleinen Ausführungen verehre man im Osten beginnend an jedem Tor jeweils zwei der acht Welthüterkräfte von Indra bis Īśāna. An den vier Ecken vom Nordwesten im Uhrzeigersinn bis Südwesten: Ananta-Śakti, Brahma-Śakti, Niyati-Śakti und Kāla-Śakti. [Die Versfassung nannte zusätzlich Brāhmī und die weiteren Mütter; diese praktische Kurzfolge wiederholt ihre acht Einsetzungen nicht.]

Zwischen Sechseck und innerem Kreis stelle man zwölf Plätze vor und verehre die Kräfte von Furchtlosigkeitsgeste, Schädelschale, Schwert, Pfeil, Buch, Elefantenstachel, Schlinge, Gebetskette, Zuckerrohrbogen, Schild, Dreizack und Gewährungsgeste, jeweils mit der Pādukā-Formel.

Erneut verehre man die Göttin in der Mitte mit ihrer Vidyā und schließe mit Räucherwerk und allen weiteren Handlungen ab. Damit endet die Verehrung der Nityānityā.

Nīlapatākā: die Göttin mit dem blauen Banner

Nun die Ordnung der Verehrung von Nīlapatākā. Der Tantrarāja, Kapitel 17, lehrt:

14.NP.1 Nun [folgt] die Ordnung der Nīlapatākā, die unter den sechzehn Nityās als zwölfte genannt wird und alle Vollkommenheiten gewährt:

die Reihenfolge der Einsetzungen, die Meditation, die Kräfte und ihre vollständige Verehrung.

Entfaltung des Mantras

Derselbe Text, 3.56:

14.NPM.1 Der vorletzte [Laut] der Tvaritā soll der erste sein; [dann] Dyuti, mit Dāha, Cara und dem eigenen [Laut] verbunden; Hṛd, mit Dāha, Kṣmā und dem eigenen verbunden; danach der fünfte [Laut] der Vajreśī …

14.NPM.2 … Marut mit seinem eigenen [Laut]; dann werden der mittlere und der erste [Laut] der zehnten [Nityā] der Reihe nach genannt; Bhūmi mit Rasa, Kṣmā und dem eigenen [Laut]; dann, vom sechsten [Laut] der Vajreśī an …

14.NPM.3 … sechs Silben der Reihe nach; anschließend der dritte [Laut] der Tvaritā, Dyuti mit Dāha, Cara und dem eigenen [Laut], danach der erste [Laut] dieser [Vidyā].

Dies ist die Nityā namens Nīlapatākā, deren Mantra siebzehn Silben hat. [Die symbolischen Lautbezeichnungen bleiben als technische Namen stehen. Die Vorlage klammert einen Teil der Verse 1–2 ein.]

Die ausdrücklich ausgeschriebene Formel lautet: hrīṃ phreṃ srūṃ oṃ āṃ klīṃ aiṃ blūṃ nityamadadrave huṃ phreṃ hrīṃ. Die Bījas sind Lautformeln; nityamadadrave bezeichnet das immerwährende Schmelzen oder Fließen des Rausches.

Im Tripurārṇava:

14.NPR.1 Sammohana ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, die Nityā namens Nīlapatākā die Gottheit des Mantras. Hrīṃ ist sein Bīja, Hrīṃ auch seine Kraft.

Das Kāma-Bīja [Klīṃ] ist der Riegel.

Einsetzung und Meditation

Der Tantrarāja, 17.5:

14.NPT.1 Man vollziehe der Reihe nach die sechs Glieder mit den Lauten der Wurzel-Vidyā, in den angegebenen Gruppen von zwei, vier, sechs und drei Lauten … [Die knappe Zahlenfolge ist nicht eindeutig; die konkrete Prosafassung folgt unten.]

14.NPT.2 An den beiden Ohren, den beiden Augen, den beiden Nasenöffnungen, am Sprachorgan, an Kehle und Herz, am Nabel, am Wurzelstützpunkt und an den je drei Beingelenken …

14.NPT.3 … setze man die siebzehn Mantrasilben der Reihe nach ein. Mit dem ganzen Mantra vollziehe man vorschriftsmäßig die Durchdringung.

14.NPT.4 Man meditiere über sie, saphirblau, mit einer strahlenden Edelsteinkrone geschmückt, mit fünf Gesichtern und drei Augen, in ein rotes Gewand gekleidet;

14.NPT.5 mit zehn Händen, mit vorwiegend aus glänzenden Perlen bestehendem Schmuck; ihr Leib ist mit Edelsteinbüscheln besetzt, ihr Gesicht lächelt anmutig.

14.NPT.6 In ihren geschmückten linken Händen hält sie Schlinge, Banner, Lederschild und Śārṅga-Bogen und zeigt die Gewährungsgeste;

14.NPT.7 in ihren rechten Händen Elefantenstachel, Speer, Schwert und Pfeil sowie die Furchtlosigkeitsgeste. Sie sitzt auf einem Lotussitz.

14.NPT.8 Bei der Nityā-Verehrung meditiere man über diese Göttin, umgeben von Scharen ihrer Kräfte, die ihr an Gestalt, Farbe, Kleidung, Gesichtern, Händen, Waffen und Schmuck gleichen.

14.NPT.9 [Man bilde] Dreieck und Sechseck, darum einen achtblättrigen Lotus, außen eine acht- oder sechzehneckige Gestalt, Kreise und zwei äußere Einfriedungen … [Die geometrische Wortfolge enthält die Variante dvya(a)ṣṭāra und ist beschädigt; sie lässt keine zweifelsfreie Gesamtzeichnung zu.]

14.NPT.10 … mit vier Toren in den Himmelsrichtungen und mit Torpfosten. Dort verehre man die segensreiche Göttin, umgeben von den Scharen ihrer Kräfte.

14.NPT.11 [In der Vorlage eingeklammert:] In den drei Ecken verehre man Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft; von vorn beginnend im Uhrzeigersinn die fünf Umhüllungen.

14.NPT.12 In den sechs Ecken verehre man ringsum der Reihe nach Ḍākinī und die weiteren; auf den acht Blättern Brāhmī und die weiteren; ebenso außen in den Ecken …

14.NPT.13 … die zuvor bei Nityānityā und den anderen genannten Kräfte. Man bringe die beiden Bali-Gaben dar und beende die Verehrung wie zuvor.

14.NPT.14 Überall vollziehe man das tägliche Homa mit gekochtem Reis und Ghee oder mit Sesam und Reiskörnern, wenn kein anderes Opfermaterial angegeben ist.

Praktische Einsetzung der siebzehn Laute

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Nīlapatākā-Vidyā. Es folgen die Einsetzungen mit Namaḥ: am Kopf Sammohana als Seher; am Mund Gāyatrī als Versmaß; am Herzen Nīlapatākā-Nityā als Gottheit; im verborgenen Bereich Hrīṃ als Bīja; an den Füßen Hrīṃ als Kraft; am Nabel Klīṃ als Riegel. Mit gefalteten Händen spreche man die Widmung: „Die Anwendung dient der Verwirklichung meines ersehnten Ziels.“

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet nach der Prosavorlage: Hrīṃ Phreṃ – Herz – Namaḥ; Srūṃ Oṃ Āṃ Klīṃ – Kopf – Svāhā; Aiṃ Blūṃ Nityamada – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Dra – Schutzhülle – Huṃ; Ve – drei Augen – Vauṣaṭ; Huṃ – Waffe – Phaṭ. [Die letzten beiden Bījas Phreṃ Hrīṃ der Gesamtformel erscheinen in dieser Gliederliste nicht; sie werden hier nicht stillschweigend ergänzt.]

Die Einzellaut-Einsetzung erfolgt jeweils mit Namaḥ: Hrīṃ am rechten Ohr, Phreṃ am linken; Srūṃ am rechten Auge, Oṃ am linken; Āṃ an der rechten Nasenöffnung, Klīṃ an der linken; Aiṃ am Mund, Blūṃ an der Kehle, Niṃ am Herzen, Tyaṃ am Nabel, Maṃ im Mūlādhāra; Daṃ am rechten Oberschenkelansatz, Draṃ am rechten Knie, Veṃ am rechten Knöchel; Huṃ am linken Oberschenkelansatz, Phreṃ am linken Knie, Hrīṃ am linken Knöchel. Mit dem Wurzelmantra vollziehe man die Durchdringung, danach Meditation und geistige Verehrung.

Maṇḍala, Kräfte und Abschluss

Auf eine Platte aus Gold oder entsprechendem Material zeichne man mit Safran zwei Quadrate mit vier Toren, darin zwei Kreise, darin einen achtblättrigen Lotus, darin ein Sechseck und darin ein Dreieck. Man stelle das Verehrungs-Cakra vor sich auf und verehre es. Nach Arghya-Bereitung und den weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha. Mit der Nīlapatākā-Vidyā vergegenwärtige man dort ihre Gestalt und vollziehe Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten.

Im Inneren des Dreiecks verehre man die sechs Glieder; zwischen Dreieck und Sechseck die drei Guru-Reihen. Ebenfalls zwischen Dreieck und Sechseck verehre man mit Namaḥ die zehn Kräfte: Furchtlosigkeitsgeste, Pfeil, Schwert, Speer, Elefantenstachel, Schlinge, Banner, Lederschild, Śārṅga-Bogen und Gewährungsgeste.

An der vorderen Dreiecksecke beginnend im Uhrzeigersinn verehre man mit der Pādukā-Formel Icchā-Śakti, Jñāna-Śakti und Kriyā-Śakti. In den sechs Ecken, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Hākinī, Śākinī, Kākinī, Lākinī, Rākiṇī und Ḍākinī. Auf den acht Blättern ebenso die acht Mütter, beginnend mit Brāhmī.

In den acht Ecken, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Sumukhī [in der Vorlage eingeklammert], Sundarī, Sārā, Sumanā, Sarasvatī, Samayā, Sarvagā und Siddhā. [Die vorausgehende Prosabeschreibung der Zeichnung nennt dieses Achteck nicht eigens; der Unterschied zur Verehrungsfolge bleibt sichtbar.]

Im äußeren Quadrat verehre man, rechts vom vorderen Tor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Vihvalā, Ākarṣiṇī, Lolā, Nityā, Madanā, Mālinī, Vinodā, Kautukā, Puṇyā und Purāṇā.

An den Seiten der vier äußeren Tore verehre man, rechts vom vorderen Tor beginnend, je zwei der acht Welthüterkräfte von Indra bis Īśāna. An den vier Ecken, beginnend im Südosten: Ananta-, Brahma-, Niyati- und Kāla-Śakti. Die Waffen, beginnend mit Vajra, verehre man wie zuvor in Gestalt ihrer Kräfte. Erneut verehre man in der Mitte Nīlapatākā-Nityā mit ihrer Vidyā und schließe mit Räucherwerk und allen weiteren Handlungen wie zuvor. Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Vijayā: die siegreiche Nityā

Nun die Verehrungsordnung der Vijayā-Nityā. Der Tantrarāja, Kapitel 18:

14.VI.1 Höre nun, du Weise, die Ordnung jener, die unter den sechzehn Nityās als dreizehnte genannt wird. Ihre Vidyā wurde dir zuvor erklärt:

ihre Glieder, die Einsetzung der Laute, ihre Meditation und ihre Verehrung gemeinsam mit den Kräften.

Derselbe Text, 3.61:

14.VIM.1 Rasa, Nabhas [die vorliegende Schreibung lautet namas], ferner Dāha, das durchdrungene Kṣmā, dem Vana vorausgeht, mit dem eigenen [Laut] verbunden: dies gilt als die einsilbige Nityā Vijayā.

Die Vorlage schreibt den zusammengesetzten Laut: bhamaraya-u-auṃ. [Die Bezeichnung „einsilbig“ folgt der tantrischen Behandlung als zusammengehöriges Bīja; aus der ungewöhnlichen Schreibweise wird keine ungesicherte Aussprache abgeleitet.]

Der Tripurārṇava: Ihr Seher ist Ahi, ihr Versmaß Gāyatrī, die Gottheit sie selbst, das heißt Vijayā.

Einsetzung, Gestalt und Verehrung

Der Tantrarāja, 18.3:

14.VIT.1 Mit den Konsonanten der Vidyā, verbunden mit langen Vokalen, bilde man die ersten vier [Glieder], mit den übrigen beiden die letzten zwei. So vollziehe man die sechs Glieder an Händen und Körper.

14.VIT.2 An den Erkenntnissinnen, beginnend mit dem Gehör, und am Geist setze man die Laute der Reihe nach, mit Bindu versehen, ein. Das Übrige geschehe wie zuvor.

14.VIT.3 [Man meditiere über sie] mit fünf Gesichtern und zehn Armen, in jedem Gesicht drei Augen, geschmückt mit einer Mondsichel in ihrer strahlenden Krone;

14.VIT.4 mit allem Schmuck versehen, leuchtend in gelbem Gewand, ihr Körperglanz der Scheibe der aufgehenden Sonne gleich, mit einem reinen Lächeln.

14.VIT.5 In ihren linken Händen hält sie Muschelhorn, Schlinge, Schild, Bogen und Kahlāra-Wasserlilie; in den rechten Diskus, Elefantenstachel, Schwert, Pfeil und Zitronatzitrone …

14.VIT.6 … bei [bestimmten] Anwendungen von furchterregender Erscheinung. [Eingeklammert:] Bei der Verehrung jedoch überaus sanft, auf einem Löwen sitzend.

14.VIT.7 Im Kampf ist sie ringsum von Kräften umgeben, die auf Tigern reiten. Bei der Verehrung und bei anderen Anwendungen sitzt sie bequem.

14.VIT.8 Auch die Kräfte sitzen bei der Verehrung bequem. Alle gleichen der Göttin hinsichtlich Gestalt, Gesichtern, Händen und Waffen.

14.VIT.9 Man bilde zwei Quadrate, geschmückt mit vier Toren und acht Torpfosten, und verehre dort wie zuvor.

14.VIT.10 Darin bilde man zwei Kreise, darin ein Achteck, darin einen Lotus mit sechzehn Blättern;

14.VIT.11 darin ebenso einen achtblättrigen Lotus. Man rufe sie dort herbei und verehre sie mit den gebührenden Gaben, umgeben von den jeweiligen Kräften.

14.VIT.12 Das tägliche Homa vollziehe man mit gekochtem Reis und Ghee oder mit Sesam und Reiskörnern. Man bringe die beiden Bali-Gaben dar und beende die Verehrung.

14.VIT.13 Die fünfzehn Nityās außer Lalitā sind Herrinnen der Mondtage. Ihre Kronen glänzen mit einem Mondstück; jene [Lalitā] selbst ist stets dessen Wesen.

Die Erklärung hierzu: Kāmeśvarī und die übrigen fünfzehn Nityās verkörpern die fünfzehn Mondtage als die fünfzehn zunehmenden und abnehmenden Mond-Kalās; deshalb tragen sie die Mondsichel. Lalitā hingegen ist die unvergängliche Mond-Kalā, welche die Ursache dieser Kalās bildet; deshalb trägt sie diese nicht [als ein von ihr getrenntes Zeichen].

14.VIT.14 Die Kräfte ihrer Umhüllungen, die ihr an Gestalt und Waffen gleichen, verehre man mit ihren Namen zwischen Māyā[-Bīja] und der siebensilbigen [Formel].

14.VIT.15 Sie alle verehre man an ihren Plätzen von vorn beginnend im Uhrzeigersinn. Höre ihre Namen der Reihe nach; ich werde sie ordnungsgemäß nennen.

14.VIT.16 Im Quadrat erfolgt die Verehrung wie bei Nityānityā beschrieben. Brāhmī und die weiteren sowie die Welthüter stehen als sechzehn an den Toren.

14.VIT.17 [Die Verse 17 und der erste Teil von 18 stehen in Klammern:] In den inneren acht Ecken verehre man in den genannten Gestalten Jayā, Vijayā, Durgā, Bhadrā und Bhadrakarī …

14.VIT.18 … Kṣemā, Kṣemaṅkarī und Nityā, hingebungsvoll in den acht Ecken. Darin, auf den sechzehn Blättern, verehre man ringsum die sechzehn …

14.VIT.19 … Kräfte mit Duft, Blüten und weiteren Gaben, erfüllt von Hingabe: Vidārikā, Viśvamayī, Viśvā, Viśvavibhañjikā …

14.VIT.20 … Vīrā, Vikṣobhiṇī, Vidyā, Vinodā, Añcitavigrahā, Vītaśokā, Viṣagrīvā, Vipulā und Vijayapradā …

14.VIT.21 … Vibhavā, Vividhā und Viprā, ausgestattet mit den beschriebenen Gestalten. Darin verehre man auf den acht Blättern ringsum acht Kräfte …

14.VIT.22 … in der angegebenen Reihenfolge mit Duft und weiteren Gaben, selbstbeherrscht und mit hingebungsvollem Herzen [das Wort nach bhakti ist im E-Text gestört]: Manoharā, Maṅgalā, Madotsiktā, Manasvinī …

14.VIT.23 … Māninī, Madhurā, Māyā und Mohinī, in den genannten Gestalten. Wer so selbstbeherrscht durch Verehrung, Japa, Meditation, Homa und innere Hinwendung …

… täglich die Göttin verehrt, der wird in jeder Hinsicht glücklich sein. [Dies ist die Heilsverheißung des Textes.]

Die praktische Verehrungsfolge

Nach den Vorbereitungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Vijayā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Ahi als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Vijayā-Nityā als Gottheit am Herzen ein.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa: Bhāṃ – Herz – Namaḥ; Mīṃ – Kopf – Svāhā; Rūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Yaiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Uṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Auṃ – Waffe – Phaṭ.

Die Einsetzung der Sinneslaute erfolgt jeweils mit Namaḥ: Bhaṃ an den Ohren, Maṃ am ganzen Körper, Raṃ an den Augen, Yaṃ an der Zunge, Uṃ an der Nase, Auṃ im Geist. Es folgen die Durchdringung mit der Vijayā-Vidyā und die Handlungen von der Meditation bis zur geistigen Verehrung.

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran zwei Quadrate mit vier Toren, darin zwei Kreise, darin ein Achteck, darin einen sechzehnblättrigen und darin einen achtblättrigen Lotus. Man stelle dieses Verehrungs-Cakra vor sich auf und verehre es. Nach Arghya-Bereitung und den Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man wie zuvor den Bhuvaneśvarī-Pīṭha, vergegenwärtige darin mit der Vijayā-Vidyā ihre Gestalt und vollziehe Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten. Es folgen die sechs Glieder und die drei Guru-Reihen.

An den vier Toren des Quadrats verehre man rechts vom vorderen Tor der Göttin beginnend bis zu dessen linker Seite je zwei der acht Welthüterkräfte, von Indra bis Īśāna. An den vier Ecken, vom Nordwesten bis zum Südwesten im Uhrzeigersinn, verehre man Ananta-, Brahma-, Niyati- und Kāla-Śakti. [Die Verse nennen zusätzlich Brāhmī und die weiteren Mütter; die praktische Kurzfolge wiederholt deren Einsetzungen nicht.]

In den acht Ecken, von der vorderen Ecke der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, verehre man mit der Pādukā-Formel: Jayā, Vijayā, Durgā, Bhadrā, Bhadrakarī, Kṣemā, Kṣemaṅkarī und Nityā.

Auf den sechzehn Blättern: Vidārikā, Viśvamayī, Viśvā, Viśvabhañjikā, Vīrā, Vikṣobhiṇī, Vidyā, Vinodā, Añcitavigrahā, Vītaśokā, Viṣagrīvā, Vipulā, Vijayapradā, Vibhavā, Vividhā und Viprā. [Die Verse lesen Viśvavibhañjikā, die Prosa Viśvabhañjikā. Die Zusammenschreibung vinodāñcitavigrahām wird durch die ausdrücklich getrennten Namen der Prosa als Vinodā und Añcitavigrahā erläutert.]

Auf den acht Blättern: Manoharā, Maṅgalā, Madotsiktā, Manasvinī, Māninī, Madhurā, Māyā und Mohinī.

Auf dem Fruchtboden des achtblättrigen Lotus verehre man mit Namaḥ: Zitronatzitrone, Pfeile, Schwert, Elefantenstachel, Diskus, Muschelhorn, Schlinge, Schild, Bogen und Kahlāra-Wasserlilie. Danach verehre man erneut in der Mitte Vijayā-Nityā mit ihrer Vidyā und vollende mit Räucherwerk und allem Weiteren wie zuvor. Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Sarvamaṅgalā: die in allem Segensreiche

Nun die Verehrungsordnung der Sarvamaṅgalā. Der Tantrarāja, Kapitel 19:

14.SA.1 Diejenige, die unter den sechzehn Nityās als vierzehnte genannt wurde, ist Sarvamaṅgalā; ihre Vidyā ist als einsilbig erklärt.

14.SA.2 [Nun folgen] Einsetzungsfolge, Meditationsordnung, die Kräfte in den Umhüllungen, Verehrungsfolge, Sādhana, Anwendung und die weiteren Angaben der Reihe nach.

Derselbe Text, 3.63:

14.SU.1 Der eigene [Laut], verbunden mit Hṛd, Ambu und Vana, ist die Nityā Sarvamaṅgalā. Durch diese Einsilbige wird der Vollendete augenblicklich zu einem Himmelswanderer.

Die Formel lautet svauṃ. [Das Himmelswandern ist eine traditionelle Siddhi-Verheißung.] Im Tripurārṇava wird, mit der Anrede „große Herrin“, Gāyatrī als Versmaß genannt und sie selbst als Gottheit, das heißt Sarvamaṅgalā. [Die Angabe zum Seher ist an dieser Stelle unvollständig; die spätere Prosa nennt Candra.]

Gestalt und Umhüllungen

Der Tantrarāja, 19.3:

14.ST.1 Mit dem Laut der Wurzel-Vidyā, durch die langen Vokale unterschieden, vollziehe man die sechs Glieder; diese sechs vokalisch unterschiedenen Formen [setze man an den sechs Stellen] bis zum Geist ein.

14.ST.2 [Man meditiere über sie] goldfarben, anmutig, mit Perlen und Rubinen geschmückt, mit einer Rubinkrone und zwei Augen, in denen sich höchste Barmherzigkeit bewegt;

14.ST.3 mit zwei Armen, bequem auf dem Lotus sitzend, der von acht, sechzehn und zweimal sechzehn Blättern sowie zwei äußeren Einfriedungen mit vier Toren umgeben ist.

14.ST.4 In ihrer rechten Lotushand hält sie eine Zitronatzitrone; mit ihrer linken gewährt sie ihren Verehrern Reichtum und weitere Gaben.

14.ST.5 Ringsum umgeben von Kräften, die ihr gleichen, begleitet von sechsundsiebzig weiteren, aus den Lauten hervorgegangenen [Kräften] …

14.ST.6 … bei besonderen Anwendungen; sonst, bei der täglichen Verehrung, mit den dafür genannten Kräften. Höre, Herrin der Götter, welche Kräfte ihre täglichen Umhüllungen bilden.

14.ST.7 Auf dem achtblättrigen [Lotus] verehre man Bhadrā, Bhavānī, Bhavyā, Viśālākṣī, Śucismitā, Kuṃkumā, Kamalā und Kalpā.

14.ST.8 Kalā, Pūraṇī, Nityā, Amṛtā, Jīvitā, Dayā, Aśokā, Amalā, Pūrṇā, Puṇyā, Bhāgyā und Udyatā …

14.ST.9 … Vivekā, Vibhavā, Viśvā und Vinatā verehre man auf den zweimal acht Blättern ringsum im Uhrzeigersinn.

14.ST.10 Kāminī, Khecarī, Sarvā, Purāṇā, Parameśvarī, Gaurī, Śivā, Ameyā, Vimalā, Vijayā und Parā …

14.ST.11 … Pavitrā, Padminī, Vidyā, Viśveśī, Śivavallabhā, Aśeṣarūpā, Ānandā, Ambujākṣī und Aninditā …

14.ST.12 … Varadā, Vākpradā, Vāṇī, Vividhā, Vedavigrahā, Vandyā, Vāgīśvarī, Satyā, Saṃyatā [der E-Text bietet hier eine unsichere Lesung] und Sarasvatī …

14.ST.13 … Nirmalā und Nādarūpā verehre man auf den zweimal sechzehn Blättern wie zuvor mit Duft und den weiteren Gaben; ihre Namen entsprechen jeweils ihrer Bedeutung.

14.ST.14 Die Kräfte Brāhmī und die weiteren sowie die als Welthüter bezeichneten verehre man an den Toren; in den vier Richtungen, mit Westen beginnend, die vier von der beschriebenen Gestalt …

14.ST.165 … Ananta, Brahmā, Niyati und Kāla in den Zwischenrichtungen. Man vollziehe die beiden Bali-Gaben und das Homa und beende wie zuvor.

[Die Vorlage hat anstelle der zu erwartenden Versnummer 15 tatsächlich „165“; diese Quellennummer bleibt kenntlich.] Täglich vollziehe man vor ihr tausend Mantrawiederholungen.

Praktischer Nyāsa und Zeichnung

Nach dem Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Sarvamaṅgalā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Candra als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Sarvamaṅgalā-Nityā als Gottheit am Herzen ein. Mit gefalteten Händen widme man die Anwendung der Erfüllung aller eigenen ersehnten Ziele.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet: Svāṃ – Herz – Namaḥ; Svīṃ – Kopf – Svāhā; Svūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Svaiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Svauṃ – drei Augen – Vauṣaṭ; Svaḥ – Waffe – Phaṭ.

Danach setze man mit Namaḥ Svāṃ an den Ohren [die Vorlage schreibt hier fehlerhaft śrītrayoḥ], Svīṃ am ganzen Körper, Svūṃ an den Augen, Svaiṃ an der Zunge, Svauṃ an der Nase und Svaḥ im Geist ein. Man vollziehe mit der vollständigen Vidyā die Durchdringung, danach Meditation und geistige Verehrung.

Auf eine Gold- oder entsprechende Platte zeichne man mit Safran zwei Quadrate mit vier Toren, darin einen zweiunddreißigblättrigen, darin einen sechzehnblättrigen und darin einen achtblättrigen Lotus. Man stelle das Verehrungs-Cakra vor sich auf und verehre es. Nach den Handlungen von Arghya bis zur Selbstverehrung vergegenwärtige man auf dem Bhuvaneśvarī-Pīṭha mit der Sarvamaṅgalā-Vidyā ihre Gestalt. Nach Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten verehre man die sechs Glieder und die drei Guru-Reihen.

Auf dem Fruchtboden, rechts und links von der Göttin, verehre man mit Namaḥ Bījapūra, die Zitronatzitrone, und Khaḍga, das Schwert. [Das Schwert der Prosafassung unterscheidet sich von der gebenden linken Hand der Meditation; die Abweichung wird nicht harmonisiert.]

Die Blätter und der äußere Kreis

Auf den acht Blättern verehre man mit der Pādukā-Formel: Bhadrā, Bhavānī, Bhavyā, Viśālākṣī, Śucismitā, Kuṃkumā, Kamalā und Kalpā.

Auf den sechzehn Blättern: Kalā, Pūraṇī, Nityā, Amṛtā, Jīvitā, Dayā, Aśokā, Amalā, Pūrṇā, Puṇyā, Bhāgyā, Udyatā, Vivekā, Vibhavā, Viśvā und Vinatā.

Auf den zweiunddreißig Blättern: Kāminī, Khecarī, Āryā, Purāṇā, Parameśvarī, Gaurī, Śivā, Ameyā, Vimalā, Vijayā, Parā, Pavitrā, Padminī, Vidyā, Viśveśī, Śivavallabhā, Aśeṣarūpā, Ānandā, Ambujākṣī, Aninditā, Varadā, Vākpradā, Vāṇī, Vividhā, Vedavigrahā, Vandyā, Vāgīśvarī, Satyā, Saṃyatā, Sarasvatī, Nirmalā und Nādarūpā. [An dritter Stelle lesen die Verse Sarvā, die Prosa Āryā; Saṃyatā ist die klare Prosalesung zur zuvor unsicheren Versstelle.]

An den Seiten der vier Tore des Quadrats verehre man, rechts vom vorderen Tor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, je zwei der acht Kräfte Brāhmī und der weiteren Mütter. Vom Osttor beginnend verehre man in der Richtungsfolge die acht Welthüterkräfte von Indra bis Īśāna. In den vier Ecken, vom Nordwesten bis zum Südwesten im Uhrzeigersinn, verehre man Ananta-, Brahma-, Niyati- und Kāla-Śakti. Erneut verehre man in der Mitte die Göttin mit der Sarvamaṅgalā-Vidyā und schließe wie zuvor ab. Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Jvālāmālinī: die mit dem Flammenkranz

Nun die Verehrungsordnung der Jvālāmālinī-Nityā. Der Tantrarāja, Kapitel 20:

14.JV.1 Höre nun, du Weise, die Ordnung jener, die unter den sechzehn Nityās als fünfzehnte genannt wird: Jvālāmālinī,

ihre Einsetzung, ihre Meditation, ihre Kräfte, ihre Verehrung und ihr Sādhana.

Symbolische Entfaltung der Vidyā

Derselbe Text, 3.64:

14.JM.1 Bhū, Śūnya, mit Nabhas verbundenes Bhū, Rasa und Sthira-Ambu; Raya mit Agni verbunden, Jyā-Ambu, Rasā mit Marut und Marut;

14.JM.2 Nabhas mit Marut verbunden, Rasā und Śūnya mit Agni verbunden; Gotrā mit Cara; Ambu und ebenso der vorausgehende Laut;

14.JM.3 Asva-Agni, Hṛd mit Dāha-Ambu, Rasa-Kṣmā-Raya-Hṛd mit dem eigenen [Laut]; Haṃsa mit Marut, Dāha und Prāṇa mit Marut;

14.JM.4 Dāha mit Agni, Prāṇa-Cara, Jyā mit Marut, Raya mit Cara, Ambu, Gotrā, Hṛd mit Agni, Jyā-Ambu-Rasā mit dem eigenen [Laut];

14.JM.5 Raya mit Agni, Jyā-Ambu-Rasā, diese beiden nochmals; dann Javī mit Dāha, beide zweimal; Haṃsa mit Dāha, Marut und dem eigenen [Laut];

14.JM.6 Haṃsa mit Dāha, Vahni und dem eigenen [Laut], und derselbe mit Dāha, Kṣmā und dem eigenen; darauf sieben Dāha[-Laute], dann fünf [Laute] dieser [Vidyā], beginnend mit dem achten;

14.JM.7 danach der unter dem vorletzten [Laut] der Nīlapatākā stehende; der letzte der Tvaritā und der achte und neunte der Bheruṇḍā.

Diese Nityā Jvālāmālā wird als dreiundsechzigsilbig bezeichnet. [Die technische Lautverschlüsselung wird in ihrer Reihenfolge bewahrt; unsichere Komposita wie asvāgnī werden nicht als gesicherte Lautwerte ausgegeben. Die Formel selbst steht ausdrücklich in der Vorlage.]

oṃ namo bhagavati jvālāmālinī devadevi sarvabhūtasaṃhārakārike jātavedasi jvalanti jvala jvala prajvala prajvala hrāṃ hrīṃ hrūṃ ra ra ra ra ra ra ra jvālāmālini huṃ phaṭ svāhā

Sinngemäß: „Oṃ, Verehrung dir, erhabene Jvālāmālinī, Göttin der Götter, die du die Auflösung aller Wesen bewirkst, Jātavedas, du Flammende: Flamme, flamme! Entflamme, entflamme!“ Es folgen die Bījas, sieben Ra-Laute, die erneute Anrufung Jvālāmālinī und Huṃ Phaṭ Svāhā. [Die Schreibungen jvālāmālinī und jvālāmālini folgen ihren jeweiligen Stellen im E-Text.]

Der Tripurārṇava:

14.JR.1 Kaśyapa ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, sie selbst die Gottheit. Repha und Astra sind Bīja und Kraft; Kavaca ist der Riegel, Geliebte.

„Sie selbst“ bedeutet Jvālāmālinī. [Die folgende Prosa erläutert Repha als Raṃ, Astra als Phaṭ und Kavaca als Huṃ.]

Meditation und Verehrungskreis

Der Tantrarāja, 20.3:

14.JT.1 Mit den Lauten des Wurzelmantras vom Anfang an, in Gruppen von einem, zwei, vier, fünf, vier und zehn Lauten, vollziehe man die sechs Glieder an Händen und Körper.

14.JT.2 [Man meditiere über sie] wie loderndes Feuer, strahlend mit einer Rubinkrone, mit sechs Gesichtern und zwölf Armen, mit allem Schmuck versehen;

14.JT.3 in ihren Lotushänden Schlinge und Elefantenstachel, Schild und Schwert, Bogen und Pfeile, Keule und [einen weiteren Gegenstand; gadādharau ist an dieser Stelle unklar], Dreizack und Feuer, Gewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste haltend;

14.JT.4 ringsum von Kräften umgeben, die ihr gleichen, ihre Lotusgesichter von anmutigem Lächeln erhellt, mit drei Augen versehen.

14.JT.5 Nachdem man so meditiert hat, verehre man sie täglich mit den genannten Gaben. Man bilde zwei Quadrate mit vier Toren …

14.JT.6 … und Torpfosten, einen achtblättrigen Lotus, darin ein Achteck [die Wortfolge aṣṭāṣṭake ist auffällig], dann ein Sechseck und in der Mitte ein Dreieck; darin verehre man die segensreiche Göttin.

14.JT.7 Im Dreieck verehre man der Reihe nach Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft, im Sechseck Ḍākinī und die weiteren, im Achteck Ghasmarā und die weiteren:

14.JT.8 Ghasmarā, Viśvakavalā, Lolākṣī, Lolajihvikā, Sarvabhakṣā, Sahasrākṣī, Niḥsaṅgā und Saṃhṛtipriyā.

14.JT.9 Auf dem äußeren achtblättrigen [Lotus] verehre man im Uhrzeigersinn diese [weiteren Kräfte]: Acintyā, Aprameyā, Pūrṇarūpā, Durāsadā …

14.JT.10 … Sarvā, Saṃsiddhirūpā, Pāvanā und Ekarūpiṇī. An den äußeren Toren und Ecken verehre man die zuvor genannten.

14.JT.11 Nachdem man wie zuvor die Verehrung vollzogen hat, verehre man sie in dem beschriebenen Cakra in der angegebenen Folge bis zu Bali, Homa und dem Abschluss. So ist es vollständig erklärt.

Praktische Einsetzungen und Kräfte

Nach dem Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Jvālāmālinī-Vidyā. Die Einsetzungen mit Namaḥ: Kaśyapa als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund, Jvālāmālinī-Nityā als Gottheit am Herzen, Raṃ als Bīja im verborgenen Bereich, Phaṭ als Kraft an den Füßen, Huṃ als Riegel am Nabel. Mit gefalteten Händen widme man die Anwendung der Erfüllung des eigenen ersehnten Ziels.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa: Oṃ – Herz – Namaḥ; Namaḥ – Kopf – Svāhā; Bhagavati – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Jvālāmālini – Schutzhülle – Huṃ; Devadevi – drei Augen – Vauṣaṭ; Bhūtasaṃhārakārike – Waffe – Phaṭ. [Die sechste Gruppe steht hier ohne das sarva des vollständigen Mantras.]

Mit dem Wurzelmantra vollziehe man die Durchdringung, meditiere und vollziehe die geistige Verehrung. Man zeichne vor sich mit Sandel und entsprechenden Mitteln das Verehrungs-Yantra, stelle es auf und verehre es. Nach Arghya-Bereitung und den weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha. Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige man die Gestalt, vollziehe Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten, dann die sechs Glieder und die drei Guru-Reihen.

Zwischen Dreieck und Sechseck verehre man mit Namaḥ: Furchtlosigkeitsgeste, Feuer, Muschelhorn, Pfeile, Schwert, Elefantenstachel, Schlinge, Schild, Bogen, Keule, Dreizack und Gewährungsgeste. [Die Prosa nennt ausdrücklich das Muschelhorn; der entsprechende Gegenstand war in der Versbeschreibung unklar.]

Im Dreieck verehre man mit der Pādukā-Formel Icchā-Śakti, Jñāna-Śakti und Kriyā-Śakti. Im Sechseck: Ḍākinī an der linken vorderen Ecke der Göttin; Rākiṇī rechts vorn; Lākinī hinten; Kākinī links hinten; Śākinī rechts hinten; Hākinī an der vorderen Ecke.

Im Achteck: Ghasmarā, Viśvakavalā, Lolākṣī, Lolajihvikā, Sarvabhakṣā, Sahasrākṣī, Niḥsaṅgā und Saṃhṛtipriyā. Auf den acht Blättern: Acintyā, Aprameyā, Pūrṇarūpā, Durāsadā, Sarvā, Saṃsiddhirūpā, Pāvanā und Ekarūpiṇī.

An den Seiten der vier Tore des Quadrats verehre man, rechts vom vorderen Tor der Göttin beginnend bis zur anderen Seite, je zwei der acht Kräfte Brāhmī und der weiteren Mütter. Erneut verehre man in der Mitte die Göttin mit der Jvālāmālinī-Vidyā und schließe mit Räucherwerk und allem Weiteren wie zuvor ab. Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Citrā: die vielfarbige Nityā

Nun die Verehrungsordnung der Citrā-Nityā. Der Tantrarāja, Kapitel 21:

14.CI.1 Höre nun, Śivā, die Ordnung der Citrā, die unter den sechzehn Nityās als sechzehnte genannt wird und alle Ziele zur Erfüllung führt.

14.CI.2 Ihre Vidyā wurde bereits erklärt; [nun folgen] die Einsetzung ihrer Glieder, Meditation, Kräfte, Verehrung, Sādhana und dessen Früchte.

Derselbe Text, 3.72: Durch Vāyu, Prāṇa, Vana und den eigenen [Laut] entsteht Citrā als zweisilbige [Vidyā]. Die folgende Kurzform ist in der Vorlage carkau; die praktische Erklärung unten verwendet ausdrücklich cakauṃ. [Die abweichenden Schreibungen bleiben kenntlich.]

Im Tripurārṇava: Brahmā ist der Seher dieses Mantras, Gāyatrī wird als Versmaß genannt, Vicitrā als Gottheit.

Meditation und gemeinsamer Ursprung der Nityās

Der Tantrarāja, 21.4:

14.CT.1 Mit dem anfänglichen Vāyu[-Laut] der Vidyā, der Reihe nach mit den langen Vokalen verbunden, vollziehe man die sechs Glieder wie zuvor. Mit der Vidyā setze man die Mātṛkā ein.

14.CT.2 [Man meditiere über sie] im Glanz der aufgehenden Sonnenscheibe, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, mit einer Krone aus den neun Edelsteinen, leuchtend in einem vielfarbigen Seidengewand;

14.CT.3 vierarmig, dreiäugig, mit einem von reinem Lächeln strahlenden Gesicht, als ewige Nityā, deren Wesen alle Freude ist und die alles Ersehnte gewährt;

14.CT.4 in ihren vier Armen Schlinge und Elefantenstachel sowie Gewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste haltend, in der neunfachen Yoni auf dem Fruchtboden des Lotus der Maṅgalā gegenwärtig.

14.CT.5 Ihre Verehrung in diesem Cakra geschieht ebenso mit dessen Kräften. In der neunfachen Yoni verehre man Brāhmī und die weiteren, verbunden mit den acht Lautgruppen.

14.CT.6 Von den Ecken der Mitte aus verehre man Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft; rings um die Göttin, nahe ihren Armen, ihre Waffen.

14.CT.7 Bei allen Nityās verehre man hinter der Göttin ihren jeweiligen Herrn, in der entsprechenden Gestalt und mit dem jeweiligen Mantra, nach der Vorschrift.

14.CT.8 Die Verehrung des Guru-Maṇḍalas und die weiteren [gemeinsamen Handlungen] gelten für alle Nityās; denn sie sind aus dem Ausströmen der Ursprünglichen hervorgegangen.

Praktische Einsetzung und Verehrung

Nach dem Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Citrā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Brahmā als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Citrā als Gottheit am Herzen ein.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet nach der Vorlage: Caḥ – Herz – Namaḥ; Cīṃ – Kopf – Svāhā; Cūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Caiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Cauṃ – beide Augen – Vauṣaṭ; Cāṃ – Waffe – Phaṭ. [Diese Folge weicht an Anfang und Ende von der üblichen Reihe mit Cāṃ und Caḥ ab; auch nennt sie zwei Augen gegenüber den drei Augen der Meditation. Die überlieferte Folge wird nicht stillschweigend vertauscht.]

Die Mātṛkā setze man ein, beginnend mit Cakauṃ Aṃ Namaḥ und endend mit Cakauṃ Kṣaṃ Namaḥ. Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man auf eine Gold- oder entsprechende Platte mit Safran zwei Quadrate mit vier Toren, darin einen zweiunddreißigblättrigen Lotus, darin einen achtblättrigen Lotus und darin die neunfache Yoni. [Die Zeichnung nennt hier keinen sechzehnblättrigen Lotus, obwohl die anschließende Kräfteverehrung auf Sarvamaṅgalā zurückverweist.]

Man stelle das Verehrungs-Cakra vor sich auf und verehre es. Nach Arghya-Bereitung und den weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha und vergegenwärtige darin mit der Citrā-Vidyā ihre Gestalt. Nach Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten verehre man zwischen Dreieck und Achteck die drei Guru-Reihen.

Ebenfalls zwischen Dreieck und Achteck, an vier Stellen rechts und links, verehre man mit Namaḥ: Furchtlosigkeitsgeste, Elefantenstachel, Schlinge und Gewährungsgeste. Im inneren Dreieck verehre man, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft.

In den acht [äußeren] Yonis verehre man mit den Lautgruppen und der Pādukā-Formel: Brāhmī mit Aṃ und den sechzehn [Vokalen]; Māheśvarī mit Kaṃ und der Fünfergruppe; Kaumārī mit Caṃ und fünf; Vaiṣṇavī mit Ṭaṃ und fünf; Vārāhī mit Taṃ und fünf; Indrāṇī mit Paṃ und fünf; Cāmuṇḍā mit Yaṃ und fünf; Mahālakṣmī mit Śaṃ und fünf. [Die letzten beiden Fünferangaben werden nach der Quelle wiedergegeben; sie ergeben nicht ohne Weiteres die sonst übliche Verteilung der fünfzig Alphabetlaute.]

Auf den acht Blättern und den weiteren Plätzen verehre man die bei Sarvamaṅgalā genannten Kräfte und beende alles in derselben Weise. Damit endet die Verehrungsordnung der Citrā-Nityā.

Kurukullā: die Gottheit der Bali-Gabe

Nun die Verehrungsordnung der Kurukullā. Der Tantrarāja [die Einleitung nennt Kapitel 20; die nachfolgenden Zitate Kapitel 22]:

14.KUA.1 Diejenige, die als Bali-Gottheit der sechzehn Nityās genannt wird, ist Kurukullā; ihre Vidyā ist ein fünfundzwanzigsilbiges Mantra.

Derselbe Text, 3.89:

14.KMA.1 Prāṇa und Dāha, mit Dharā verbunden, nochmals der erste; Rasa mit Marut; das Durchdrungene mit Marut und Śakti; Bhū mit dem eigenen [Laut]; danach drei …

14.KMA.2 … an deren Anfang ein Rasā-Paar, mit Cara verbunden; danach Haṃsa, mit Dāha, Vahni und Śakti verbunden;

14.KMA.3 zweimal Nabhas, Hṛd mit Dāha-Ambu, Jyā, Śūnya mit dem eigenen [Laut]; danach Ambu mit Viyat, Nabhas mit Marut, Geliebte;

14.KMA.4 Śūnya durchdrungen von Bhū, Haṃsa, der frühere und der letzte: daraus entstehen drei Mantras. Fünf Laute vom sechsten an, mit den beiden letzten, werden als das erste bezeichnet;

14.KMA.5 elf Laute mit den beiden letzten werden als das zweite genannt; das dritte hat fünfundzwanzig Laute. So sind die Mantras der Reihe nach erklärt.

[Die symbolischen Lautnamen werden bewahrt. Die unmittelbar folgenden ausgeschriebenen Formeln und Silbenangaben stimmen nicht durchweg miteinander überein.]

14.KFA.1 oṃ kurukulle svāhā – die als siebensilbig bezeichnete [Vidyā]: „Oṃ, Kurukullā, Svāhā.“

14.KFA.2 oṃ kurukulle hrīḥ svāhā – die in der Vorlage als dreizehnsilbig bezeichnete [Vidyā] der Kurukullā. [Die ausgeschriebene kurze Formel erklärt diese Zahl nicht; fehlende Silben werden nicht erfunden.]

14.KFA.3 oṃ kurukulle hrīḥ mama sarvajanaṃ vaśamānaya hrīṃ svāhā – die als fünfundzwanzigsilbig bezeichnete [Vidyā] der Kurukullā. Sinngemäß: „Oṃ, Kurukullā, Hrīḥ, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, Hrīṃ, Svāhā.“ [Der historische Text benennt hier ein Ziel der Beherrschung anderer; die Wiedergabe ist keine Empfehlung, deren Selbstbestimmung zu übergehen.]

Derselbe Text, 22.2:

14.KDA.1 Dieselbe Vidyā wurde dort nach ihrer Anzahl als dreigeteilt erklärt: die erste mit sieben, die weitere mit dreizehn …

14.KDA.2 … die dritte mit fünfundzwanzig Lauten. Durch alle diese drei Vidyā-Gestalten gewährt sie das Ersehnte.

Der Tripurārṇava: Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Paṅkti wird als Versmaß genannt, Kurukullā ist die Gottheit.

Die Edelsteininsel und das Schiff

Der Tantrarāja, 22.4:

14.KTA.1 Auf der Insel aus neun Edelsteinen, inmitten der Meere aus Zuckerrohrsaft, berauschendem Getränk, Ghee und Milch, verehre man Lalitā, die sich am immerwährenden Spiel erfreut.

14.KTA.2 An ihrem Ufer verehre man die Göttin Pañcamī als Hüterin des Ufers; ringsum auf diesen Meeren die auf einem Edelsteinschiff Fahrende.

14.KTA.3 Mit ihrer Erlaubnis verehre man das Edelsteinschiff mit dessen eigenem Namen; ebenso das Bali-Cakra, und in dessen Mitte verehre man [die Göttin].

14.KTA.4 Man bilde ein Quadrat mit Toren im Osten und Westen und darin einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden.

14.KTA.5 Auf dem Fruchtboden bilde man schön die neunfache Yoni und verehre [darin]. Mit Bālā vollziehe man die sechs Glieder und bereite auch das Arghya.

14.KTA.6 Mit der Trikhaṇḍā-Mudrā und dem ersten Wurzelmantra rufe man sie herbei. Nachdem man so meditiert hat, [verehre man] die Göttin mit ihrem Gefolge der Reihe nach mit Duft und weiteren Gaben.

14.KTA.7 Man vergegenwärtige sie mit aufgelöstem Haar, nackt, rot, als Verkörperung der Freude, in ihren Händen Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel haltend.

14.KTA.8 Die äußeren Göttinnen gleichen ihr an Waffen, Gestalt und Farbe; nach der Menstruation gebadet, mit erregten oder pulsierenden Yonis, ihre Augen von immerwährender Freude gerötet. [Die körperliche Bildsprache gehört zur historischen Ritualikonographie.]

14.KTA.9 Mit Hṛllekhā vollziehe man die Handlungen vom Einsetzen an. Danach besteige man mit ihrer Erlaubnis [das Schiff] und verehre Bhrāmiṇī und Drāviṇī.

14.KTA.10 Vom Westtor und dessen rechtem Pfosten beginnend verehre man Sonne, Mond, Mondtag, Wochentag, Yoga, Mondhaus und Karaṇa …

[Unnummerierte, offenbar zur ausgelassenen Nummer 11 gehörende Fortsetzung:] … ferner die Pakṣa[-Kraft] und den Monat [beide Wörter sind in der Versvorlage mit unsicheren Alternativen versehen], an den Pfosten des Osttors; verbunden mit den Kräften in Gestalt von Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde …

14.KTA.12 … verehre man wie zuvor Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, ferner Lebensatem, Einsicht und Kraft auf den acht Blättern.

14.KTA.13 In den äußeren und inneren Ecken verehre man die acht Göttinnen der Rede; danach ringsum Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel.

14.KTA.14 Nachdem man in den Ecken des mittleren Dreiecks die Kräfte als Wille, Erkenntnis und Handlung verehrt hat, verehre man in dessen Mitte den Sitz des Bewusstseins.

14.KTA.15 Danach verehre man sie mit dem fünfundzwanzigsilbigen Wurzelmantra. Mit ihrer Erlaubnis gelange man dann, vom Schiff umhergeführt, zur Insel …

14.KTA.16 … erreiche den westlichen Puṣparāga[-Bereich, den gelben Edelsteinbezirk] und steige der Reihe nach aus. Während der Umfahrt in den Richtungen verehre man dort jeweils diese [Meere]:

14.KTA.17 die Meere aus Zuckerrohrsaft, berauschendem Getränk, Ghee und Milch, von Westen aus in umgekehrter Reihenfolge, zunächst mit ihren auf Namaḥ endenden Namen, Duft und Blüten.

14.KTA.18 „Die aus neun Edelsteinen bestehende Insel“ und das Weitere wurden zuvor genannt. Eine solche Verehrung erfreut die Göttin Lalitā.

14.KTA.19 Weil die Göttin auf diese Weise dem Verehrer rasch viele ersehnte Wünsche gewährt, soll man sie so verehren, Herrin.

14.KTA.20 Kurukullā unter den Göttinnen verehre man auf dem Schiff mit dem fünfundzwanzigsilbigen Wurzelmantra. Am Ende der Verehrung, höchste Herrin, …

14.KTA.21 … ist die Bali-Gabe für die Göttin mit der Vidyā der Tārā-Śakti vorgeschrieben. Höre sie, Geliebte; ich spreche die zehnsilbige Tārā-Vidyā:

14.KTA.22 Bhū mit dem eigenen [Laut] und Marut, Raya, Dāha mit Cara, Raya mit Dharā; danach ein Raya-Paar mit Marut.

14.KTA.23 Deren dritter [Laut] sei der sechste, der vierte der siebte, Geliebte; der sechste sei als der achte zu verstehen; Hṛd mit Ambu und Marut …

… und Haṃsa mit Marut: So ist die zehnsilbige Vidyā erklärt.

Die Formel lautet oṃ tāre tutāre ture svāhā. [Die Vorlage schreibt tutāre; sie wird hier nicht nach einer anderen Tārā-Überlieferung verändert.]

Meditation über Tārā

14.TAA.1 Mit dieser Vidyā bringe man ihre Bali-Gabe dar, höchste Herrin. Höre, du Weise, die Meditation über die Göttin, welche alle Bedrängnisse durchschneidet.

14.TAA.2 Durch die Erinnerung an sie, so heißt es, entsteht nirgends im Wasser eine Gefahr. [Man vergegenwärtige sie] dunkel, dreiäugig, zweiarmig, Gewährungsgeste und Lotus …

14.TAA.3 … haltend, umgeben von vielfarbigen und vielgestaltigen Kräften, mit lächelndem Gesicht, mit roten Perlen geschmückt;

ihr Paar Lotusfüße ruht auf edelsteinbesetzten Fußschuhen. [Die Aussage über Gefahren im Wasser ist eine traditionelle Schutzverheißung.]

Beginn der praktischen Kurukullā-Verehrung

Auf dem Boden der Plattform zeichne man mit Sandel oder Zinnober einen achtblättrigen Lotus, dessen Fruchtboden die neunfache Yoni enthält; außen zwei Quadrate mit je einem Ost- und Westtor. Nach Herstellung dieses Cakra vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Kurukullā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Dakṣiṇāmūrti als Seher am Kopf, Paṅkti als Versmaß am Mund und Śrīkurukullā als Gottheit am Herzen ein. Mit gefalteten Händen spreche man: „Die Anwendung gilt der nun zu vollziehenden Bali-Gabe.“

Mit den drei Bālā-Bījas vollziehe man den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa wie bei der Wurzel-Vidyā, mit der Kurukullā-Vidyā die Durchdringung; man meditiere nach „mit aufgelöstem Haar“. Nach geistiger Verehrung und den Handlungen vom Aufstellen des Besprengungsgefäßes bis zur Selbstverehrung verehre man wie bei der Śrīcakra-Pūjā die Reihe von Maṇḍūka bis Pṛthivī, ebenso von Westen aus in umgekehrter Richtung Zuckerrohrsaft, berauschendes Getränk, Ghee und Milch.

Am Ufer des Zuckerrohrsaftmeeres, an der südwestlichen Ecke der Insel, spreche man die Vārāhī-Vidyā und verehre mit der Pādukā-Formel Vārāhī, die der Hauptgöttin zugewandt sitzt. Mit ihrer Erlaubnis verehre man das Edelsteinschiff: Hrīṃ Ratnapotāya Namaḥ. Darauf verehre man nach der Śrīcakra-Folge die Reihe vom Edelsteinthron bis zur Manonmanī-Śakti.

In der Mitte verehre man mit Saṃvidāsanāya Namaḥ den Puruṣa als Gemahl der Göttin. Dort rufe man sie mit der fünfundzwanzigsilbigen Kurukullā-Vidyā und der Trikhaṇḍā-Mudrā herbei. Mit Hrīḥ zeige man die Mudrās vom Einsetzen bis zur höchsten Vergegenwärtigung, vollziehe die Belebung ihrer Gegenwart und zeige die vier Mudrās, beginnend mit der Schlinge.

Nach den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten bitte man: „Śrīkurukullā, erteile mir die Erlaubnis zur Verehrung deines Gefolges.“ Mit ihrer Erlaubnis besteige der Sādhaka selbst das Edelsteinschiff. An dessen östlichem und westlichem Ende verehre er mit Hrīṃ und der Pādukā-Formel Bhrāmiṇī und Drāviṇī.

Vom rechten Pfosten des Westtors beginnend verehre man neun Kräfte im Uhrzeigersinn, jeweils mit Hrīḥ und der Pādukā-Formel: am rechten Pfosten des Westtors die Kraft in Gestalt der Sonne, an der Nordwestecke die Kraft in Gestalt des Mondes.

[Hier wird die praktische Folge in der Vorlage unterbrochen. Es folgen erneut die letzten vier Citrā-Verse, deren praktische Erklärung und der Anfang der Kurukullā-Verehrung. Diese Wiederholung wird unten als zweites Textvorkommen wiedergegeben.]

Wiederholter Citrā-Schluss in der Vorlage

[Die folgenden vier Verse und die praktische Citrā-Erklärung stehen hier ein zweites Mal. Die Kennung CTR unterscheidet sie vom ersten Vorkommen. Kleine Schreibfehler der Wiederholung ändern den übersetzbaren Sinn nicht; die doppelte Wortsetzung „Lotus, Lotus“ in der Zeichnungsbeschreibung wird als solche vermerkt.]

14.CTR.5 Ihre Verehrung in diesem Cakra geschieht ebenso mit dessen Kräften. In der neunfachen Yoni verehre man Brāhmī und die weiteren, verbunden mit den acht Lautgruppen.

14.CTR.6 Von den Ecken der Mitte aus verehre man Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft; rings um die Göttin, nahe ihren Armen, ihre Waffen.

14.CTR.7 Bei allen Nityās verehre man hinter der Göttin ihren jeweiligen Herrn, in der entsprechenden Gestalt und mit dem jeweiligen Mantra, nach der Vorschrift.

14.CTR.8 Die Verehrung des Guru-Maṇḍalas und die weiteren [gemeinsamen Handlungen] gelten für alle Nityās; denn sie sind aus dem Ausströmen der Ursprünglichen hervorgegangen.

Praktische Einsetzung und Verehrung

Nach dem Yogapīṭha-Nyāsa vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Citrā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Brahmā als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Citrā als Gottheit am Herzen ein.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa lautet nach der Vorlage: Caḥ – Herz – Namaḥ; Cīṃ – Kopf – Svāhā; Cūṃ – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; Caiṃ – Schutzhülle – Huṃ; Cauṃ – beide Augen – Vauṣaṭ; Cāṃ – Waffe – Phaṭ. [Diese Folge weicht an Anfang und Ende von der üblichen Reihe mit Cāṃ und Caḥ ab; auch nennt sie zwei Augen gegenüber den drei Augen der Meditation. Die überlieferte Folge wird nicht stillschweigend vertauscht.]

Die Mātṛkā setze man ein, beginnend mit Cakauṃ Aṃ Namaḥ und endend mit Cakauṃ Kṣaṃ Namaḥ. Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichne man auf eine Gold- oder entsprechende Platte mit Safran zwei Quadrate mit vier Toren, darin einen zweiunddreißigblättrigen Lotus, darin einen achtblättrigen Lotus und darin die neunfache Yoni. [Die Zeichnung nennt hier keinen sechzehnblättrigen Lotus, obwohl die anschließende Kräfteverehrung auf Sarvamaṅgalā zurückverweist.]

Man stelle das Verehrungs-Cakra vor sich auf und verehre es. Nach Arghya-Bereitung und den weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung verehre man den Bhuvaneśvarī-Pīṭha und vergegenwärtige darin mit der Citrā-Vidyā ihre Gestalt. Nach Herbeirufung und Gaben bis zu den Blüten verehre man zwischen Dreieck und Achteck die drei Guru-Reihen.

Ebenfalls zwischen Dreieck und Achteck, an vier Stellen rechts und links, verehre man mit Namaḥ: Furchtlosigkeitsgeste, Elefantenstachel, Schlinge und Gewährungsgeste. Im inneren Dreieck verehre man, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft.

In den acht [äußeren] Yonis verehre man mit den Lautgruppen und der Pādukā-Formel: Brāhmī mit Aṃ und den sechzehn [Vokalen]; Māheśvarī mit Kaṃ und der Fünfergruppe; Kaumārī mit Caṃ und fünf; Vaiṣṇavī mit Ṭaṃ und fünf; Vārāhī mit Taṃ und fünf; Indrāṇī mit Paṃ und fünf; Cāmuṇḍā mit Yaṃ und fünf; Mahālakṣmī mit Śaṃ und fünf. [Die letzten beiden Fünferangaben werden nach der Quelle wiedergegeben; sie ergeben nicht ohne Weiteres die sonst übliche Verteilung der fünfzig Alphabetlaute.]

Auf den acht Blättern und den weiteren Plätzen verehre man die bei Sarvamaṅgalā genannten Kräfte und beende alles in derselben Weise. Damit endet die Verehrungsordnung der Citrā-Nityā.

Kurukullā: zweites Vorkommen in der Vorlage

Nun die Verehrungsordnung der Kurukullā. Der Tantrarāja [die Einleitung nennt Kapitel 20; die nachfolgenden Zitate Kapitel 22]:

14.KUB.1 Diejenige, die als Bali-Gottheit der sechzehn Nityās genannt wird, ist Kurukullā; ihre Vidyā ist ein fünfundzwanzigsilbiges Mantra.

Derselbe Text, 3.89:

14.KMB.1 Prāṇa und Dāha, mit Dharā verbunden, nochmals der erste; Rasa mit Marut; das Durchdrungene mit Marut und Śakti; Bhū mit dem eigenen [Laut]; danach drei …

14.KMB.2 … an deren Anfang ein Rasā-Paar, mit Cara verbunden; danach Haṃsa, mit Dāha, Vahni und Śakti verbunden;

14.KMB.3 zweimal Nabhas, Hṛd mit Dāha-Ambu, Jyā, Śūnya mit dem eigenen [Laut]; danach Ambu mit Viyat, Nabhas mit Marut, Geliebte;

14.KMB.4 Śūnya durchdrungen von Bhū, Haṃsa, der frühere und der letzte: daraus entstehen drei Mantras. Fünf Laute vom sechsten an, mit den beiden letzten, werden als das erste bezeichnet;

14.KMB.5 elf Laute mit den beiden letzten werden als das zweite genannt; das dritte hat fünfundzwanzig Laute. So sind die Mantras der Reihe nach erklärt.

[Die symbolischen Lautnamen werden bewahrt. Die unmittelbar folgenden ausgeschriebenen Formeln und Silbenangaben stimmen nicht durchweg miteinander überein.]

14.KFB.1 oṃ kurukulle svāhā – die als siebensilbig bezeichnete [Vidyā]: „Oṃ, Kurukullā, Svāhā.“

14.KFB.2 oṃ kurukulle hrīḥ svāhā – die in der Vorlage als dreizehnsilbig bezeichnete [Vidyā] der Kurukullā. [Die ausgeschriebene kurze Formel erklärt diese Zahl nicht; fehlende Silben werden nicht erfunden.]

14.KFB.3 oṃ kurukulle hrīḥ mama sarvajanaṃ vaśamānaya hrīṃ svāhā – die als fünfundzwanzigsilbig bezeichnete [Vidyā] der Kurukullā. Sinngemäß: „Oṃ, Kurukullā, Hrīḥ, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, Hrīṃ, Svāhā.“ [Der historische Text benennt hier ein Ziel der Beherrschung anderer; die Wiedergabe ist keine Empfehlung, deren Selbstbestimmung zu übergehen.]

Derselbe Text, 22.2:

14.KDB.1 Dieselbe Vidyā wurde dort nach ihrer Anzahl als dreigeteilt erklärt: die erste mit sieben, die weitere mit dreizehn …

14.KDB.2 … die dritte mit fünfundzwanzig Lauten. Durch alle diese drei Vidyā-Gestalten gewährt sie das Ersehnte.

Der Tripurārṇava: Dakṣiṇāmūrti ist der Seher, Paṅkti wird als Versmaß genannt, Kurukullā ist die Gottheit.

Die Edelsteininsel und das Schiff

Der Tantrarāja, 22.4:

14.KTB.1 Auf der Insel aus neun Edelsteinen, inmitten der Meere aus Zuckerrohrsaft, berauschendem Getränk, Ghee und Milch, verehre man Lalitā, die sich am immerwährenden Spiel erfreut.

14.KTB.2 An ihrem Ufer verehre man die Göttin Pañcamī als Hüterin des Ufers; ringsum auf diesen Meeren die auf einem Edelsteinschiff Fahrende.

14.KTB.3 Mit ihrer Erlaubnis verehre man das Edelsteinschiff mit dessen eigenem Namen; ebenso das Bali-Cakra, und in dessen Mitte verehre man [die Göttin].

14.KTB.4 Man bilde ein Quadrat mit Toren im Osten und Westen und darin einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden.

14.KTB.5 Auf dem Fruchtboden bilde man schön die neunfache Yoni und verehre [darin]. Mit Bālā vollziehe man die sechs Glieder und bereite auch das Arghya.

14.KTB.6 Mit der Trikhaṇḍā-Mudrā und dem ersten Wurzelmantra rufe man sie herbei. Nachdem man so meditiert hat, [verehre man] die Göttin mit ihrem Gefolge der Reihe nach mit Duft und weiteren Gaben.

14.KTB.7 Man vergegenwärtige sie mit aufgelöstem Haar, nackt, rot, als Verkörperung der Freude, in ihren Händen Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel haltend.

14.KTB.8 Die äußeren Göttinnen gleichen ihr an Waffen, Gestalt und Farbe; nach der Menstruation gebadet, mit erregten oder pulsierenden Yonis, ihre Augen von immerwährender Freude gerötet. [Die körperliche Bildsprache gehört zur historischen Ritualikonographie.]

14.KTB.9 Mit Hṛllekhā vollziehe man die Handlungen vom Einsetzen an. Danach besteige man mit ihrer Erlaubnis [das Schiff] und verehre Bhrāmiṇī und Drāviṇī.

14.KTB.10 Vom Westtor und dessen rechtem Pfosten beginnend verehre man Sonne, Mond, Mondtag, Wochentag, Yoga, Mondhaus und Karaṇa …

[Unnummerierte, offenbar zur ausgelassenen Nummer 11 gehörende Fortsetzung:] … ferner die Pakṣa[-Kraft] und den Monat [beide Wörter sind in der Versvorlage mit unsicheren Alternativen versehen], an den Pfosten des Osttors; verbunden mit den Kräften in Gestalt von Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde …

14.KTB.12 … verehre man wie zuvor Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch, ferner Lebensatem, Einsicht und Kraft auf den acht Blättern.

14.KTB.13 In den äußeren und inneren Ecken verehre man die acht Göttinnen der Rede; danach ringsum Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel.

14.KTB.14 Nachdem man in den Ecken des mittleren Dreiecks die Kräfte als Wille, Erkenntnis und Handlung verehrt hat, verehre man in dessen Mitte den Sitz des Bewusstseins.

14.KTB.15 Danach verehre man sie mit dem fünfundzwanzigsilbigen Wurzelmantra. Mit ihrer Erlaubnis gelange man dann, vom Schiff umhergeführt, zur Insel …

14.KTB.16 … erreiche den westlichen Puṣparāga[-Bereich, den gelben Edelsteinbezirk] und steige der Reihe nach aus. Während der Umfahrt in den Richtungen verehre man dort jeweils diese [Meere]:

14.KTB.17 die Meere aus Zuckerrohrsaft, berauschendem Getränk, Ghee und Milch, von Westen aus in umgekehrter Reihenfolge, zunächst mit ihren auf Namaḥ endenden Namen, Duft und Blüten.

14.KTB.18 „Die aus neun Edelsteinen bestehende Insel“ und das Weitere wurden zuvor genannt. Eine solche Verehrung erfreut die Göttin Lalitā.

14.KTB.19 Weil die Göttin auf diese Weise dem Verehrer rasch viele ersehnte Wünsche gewährt, soll man sie so verehren, Herrin.

14.KTB.20 Kurukullā unter den Göttinnen verehre man auf dem Schiff mit dem fünfundzwanzigsilbigen Wurzelmantra. Am Ende der Verehrung, höchste Herrin, …

14.KTB.21 … ist die Bali-Gabe für die Göttin mit der Vidyā der Tārā-Śakti vorgeschrieben. Höre sie, Geliebte; ich spreche die zehnsilbige Tārā-Vidyā:

14.KTB.22 Bhū mit dem eigenen [Laut] und Marut, Raya, Dāha mit Cara, Raya mit Dharā; danach ein Raya-Paar mit Marut.

14.KTB.23 Deren dritter [Laut] sei der sechste, der vierte der siebte, Geliebte; der sechste sei als der achte zu verstehen; Hṛd mit Ambu und Marut …

… und Haṃsa mit Marut: So ist die zehnsilbige Vidyā erklärt.

Die Formel lautet oṃ tāre tutāre ture svāhā. [Die Vorlage schreibt tutāre; sie wird hier nicht nach einer anderen Tārā-Überlieferung verändert.]

Meditation über Tārā

14.TAB.1 Mit dieser Vidyā bringe man ihre Bali-Gabe dar, höchste Herrin. Höre, du Weise, die Meditation über die Göttin, welche alle Bedrängnisse durchschneidet.

14.TAB.2 Durch die Erinnerung an sie, so heißt es, entsteht nirgends im Wasser eine Gefahr. [Man vergegenwärtige sie] dunkel, dreiäugig, zweiarmig, Gewährungsgeste und Lotus …

14.TAB.3 … haltend, umgeben von vielfarbigen und vielgestaltigen Kräften, mit lächelndem Gesicht, mit roten Perlen geschmückt;

ihr Paar Lotusfüße ruht auf edelsteinbesetzten Fußschuhen. [Die Aussage über Gefahren im Wasser ist eine traditionelle Schutzverheißung.]

Beginn der praktischen Kurukullā-Verehrung

Auf dem Boden der Plattform zeichne man mit Sandel oder Zinnober einen achtblättrigen Lotus, dessen Fruchtboden die neunfache Yoni enthält; außen zwei Quadrate mit je einem Ost- und Westtor. Nach Herstellung dieses Cakra vollziehe man dreimal Prāṇāyāma mit der Kurukullā-Vidyā. Mit Namaḥ setze man Dakṣiṇāmūrti als Seher am Kopf, Paṅkti als Versmaß am Mund und Śrīkurukullā als Gottheit am Herzen ein. Mit gefalteten Händen spreche man: „Die Anwendung gilt der nun zu vollziehenden Bali-Gabe.“

Mit den drei Bālā-Bījas vollziehe man den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa wie bei der Wurzel-Vidyā, mit der Kurukullā-Vidyā die Durchdringung; man meditiere nach „mit aufgelöstem Haar“. Nach geistiger Verehrung und den Handlungen vom Aufstellen des Besprengungsgefäßes bis zur Selbstverehrung verehre man wie bei der Śrīcakra-Pūjā die Reihe von Maṇḍūka bis Pṛthivī, ebenso von Westen aus in umgekehrter Richtung Zuckerrohrsaft, berauschendes Getränk, Ghee und Milch.

Am Ufer des Zuckerrohrsaftmeeres, an der südwestlichen Ecke der Insel, spreche man die Vārāhī-Vidyā und verehre mit der Pādukā-Formel Vārāhī, die der Hauptgöttin zugewandt sitzt. Mit ihrer Erlaubnis verehre man das Edelsteinschiff: Hrīṃ Ratnapotāya Namaḥ. Darauf verehre man nach der Śrīcakra-Folge die Reihe vom Edelsteinthron bis zur Manonmanī-Śakti.

In der Mitte verehre man mit Saṃvidāsanāya Namaḥ den Puruṣa als Gemahl der Göttin. Dort rufe man sie mit der fünfundzwanzigsilbigen Kurukullā-Vidyā und der Trikhaṇḍā-Mudrā herbei. Mit Hrīḥ zeige man die Mudrās vom Einsetzen bis zur höchsten Vergegenwärtigung, vollziehe die Belebung ihrer Gegenwart und zeige die vier Mudrās, beginnend mit der Schlinge.

Nach den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten bitte man: „Śrīkurukullā, erteile mir die Erlaubnis zur Verehrung deines Gefolges.“ Mit ihrer Erlaubnis besteige der Sādhaka selbst das Edelsteinschiff. An dessen östlichem und westlichem Ende verehre er mit Hrīṃ und der Pādukā-Formel Bhrāmiṇī und Drāviṇī.

Vom rechten Pfosten des Westtors beginnend verehre man neun Kräfte im Uhrzeigersinn, jeweils mit Hrīḥ und der Pādukā-Formel: am rechten Pfosten des Westtors die Kraft in Gestalt der Sonne, an der Nordwestecke die Kraft in Gestalt des Mondes.

Die Folge setzt sich nun fort: im Norden die Mondtagskraft; im Nordosten die Wochentagskraft; am nördlichen Pfosten des Osttors die Yoga-Kraft; am südlichen Pfosten die Mondhauskraft; im Südosten die Karaṇa-Kraft; im Süden die Kraft der Monatshälfte; im Südwesten die Monatskraft.

Danach verehre man auf den acht Blättern, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, die Kräfte in Gestalt von Raum und Klang, Luft und Berührung, Feuer und sichtbarer Gestalt, Wasser und Geschmack, Erde und Geruch, ferner Lebensatem, Einsicht und Kraft. [Die ersten fünf Blattplätze sind als Element-Sinnes-Paare verstanden; so entsprechen die dreizehn genannten Namen acht Blattplätzen.]

In den acht inneren Yonis verehre man, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, die acht Redegöttinnen, beginnend mit Vaśinī. Außerhalb der innersten Yoni verehre man die Kräfte von Pfeilen, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel. In der mittleren Yoni verehre man, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn, die Kräfte in Gestalt von Wille, Erkenntnis und Handlung.

In der Mitte verehre man erneut den Bewusstseinssitz und darauf Kurukullā mit der fünfundzwanzigsilbigen Vidyā, Duft und weiteren Gaben. Man bringe Räucherwerk und Licht dar, vollende alle übrigen Handlungen und bringe mit dem Mantra Oṃ Tāre Tutāre Ture Svāhā die Bali-Gabe als Bestandteil der Kurukullā-Verehrung dar. Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Vārāhī als Begleitgöttin der Nityās

Nun die Verehrungsordnung der Vārāhī. Der Tantrarāja, Kapitel 23:

14.VAR.1 Nun [folgt] Pañcamī, die ein Glied der sechzehn Nityās bildet. Ihre zweifache [Form] wurde zuvor erklärt; [nun folgen] ihre Glieder und ihre Verehrung.

14.VAR.2 Ich werde das Sādhana dessen, dessen Mantra vollendet ist, mit Anwendungen, Meditationen, Verehrungen, Homas und Yantras erklären, zur Verwirklichung aller ersehnten Ziele.

Lautentfaltung des langen Vārāhī-Mantras

Derselbe Text, 3.73:

14.VAM.1 Śuci mit dem eigenen [Laut], dann Śūnya, Nabhas, Bhū, Rasa, Sthirā und Ambu; danach Raya mit Agni, ferner Ambu und Raya mit Marut;

14.VAM.2 Agni mit Ilā verbunden; diese nochmals; Ambu mit Marut, Dāha mit Marut, Haṃsa mit Agni; diese drei nochmals;

14.VAM.3 Ambu und Dāha mit Marut verbunden, Haṃsa mit Dharā, Nabhas, Tejas mit Agni; fünf [Laute]; Vāta mit dem eigenen [Laut];

14.VAM.4 Toya mit Cara, diesem vorausgehend Toya mit Agni; dann Śūnya mit durchdrungenem Śuci, Śūnya mit Śakti und Nabhas;

14.VAM.5 Dāha mit Dharā und dem eigenen [Laut], Toya mit Cara, dem dies vorausgeht; danach die nachstehend genannte Vierergruppe;

14.VAM.6 Jyā mit dem eigenen [Laut], Rasa mit Cara, der diesem vorausgehende; Rasa mit Agni; nochmals die genannte Vierergruppe, daraus zuletzt drei;

14.VAM.7 Nabhas mit Bhū und Cara, Haṃsa, der diesem vorausgehende; Haṃsa mit Agni, die vorangehenden drei, Hṛdaya mit dem eigenen [Laut];

14.VAM.8 Rasa mit Cara, der diesem vorausgehende und Rasa mit Agni; danach die genannten drei, Vāta mit Dharā und Nabhas, Geliebte;

14.VAM.9 Prāṇa mit dem eigenen [Laut], danach Hṛdaya mit dem eigenen, das durchdrungene Rasa; diese drei; danach Hṛd mit Dāha und Ambu;

14.VAM.10 Gotrā mit Dharā, Sparśa mit Nāda, Javī mit Dāha; der jeweils vorausgehende und wieder der vorausgehende, mit Marut verbunden;

14.VAM.11 Śūnya mit Marut und dem eigenen [Laut], Hṛd mit Dāha und Ambu, Cara; Sparśa mit Marut und dem eigenen [Laut], Hṛd mit Dāha und Ambu;

14.VAM.12 Jyā-Agni mit dem eigenen [Laut], Haṃsa; ferner Ambu mit Marut, Hṛdaya mit dem eigenen [Laut] und Rasa mit dem eigenen;

14.VAM.13 Prāṇa und Dāha mit Dharā, beide nochmals mit Vahni; Viyat; Vār mit Dāha und Ambu; Viyat mit dem Durchdrungenen und dem eigenen [Laut];

14.VAM.14 die zuvor zweimal genannten Laute, Śuci mit dem eigenen [Laut], Sthirā, Rasā mit Vana und dem eigenen; dāvau [unklare Lautangabe der Vorlage]; Haṃsa mit Dharā und dem eigenen;

14.VAM.15 danach Dyuti mit Nāda, Hṛd-Ambu mit Marut und Haṃsa mit Marut. Die Vidyā hat hundertzehn Laute.

[Die verschlüsselten Lautbezeichnungen und Rückverweise bleiben erhalten; beschädigte Stellen werden nicht durch eine scheinbar gesicherte Entschlüsselung ersetzt.]

Die Vorlage schreibt die Formel aus:

aiṃ namo bhagavati vāttāli vāttāli vārāhi vārāhi vārāhimukhi vārāhimukhi andhe andhinyai namaḥ rundhe rundhinyai namaḥ jambhe jambhinyai namaḥ mohe mohinyai namaḥ stambhe stambhinyai namaḥ amukaṃ stambhya stambhaya sarvaduṣṭapraṣṭānāṃ sarveṣāṃ sarvajihvāstambhaṃ kuru kuru śīghravaśyaṃ kuru aiṃ ṭhalauṃ ṭhaṭha huṃ phaṭ svāhā

Sinngemäß: „Aiṃ, Verehrung der Erhabenen! Vāttālī, Vāttālī! Vārāhī, Vārāhī! Ebergesichtige, Ebergesichtige! Verblendende, Verehrung der Verblendenden! Hemmende, Verehrung der Hemmenden! Lähmende, Verehrung der Lähmenden! Betörende, Verehrung der Betörenden! Stillstellende, Verehrung der Stillstellenden! Stelle jene bestimmte Person still, lähme sie; bewirke, bewirke das Stillstellen aller Zungen aller Übelgesinnten [das Kompositum sarvaduṣṭapraṣṭānām ist unsicher]; bewirke rasche Unterwerfung.“ Es folgen Aiṃ Ṭhalauṃ Ṭhaṭha Huṃ Phaṭ Svāhā. Die Quelle gibt die Lautzahl 110 an. [Dies ist eine historische Zwangs- und Abwehrformel, keine Empfehlung zur Schädigung oder Beherrschung anderer.]

Der Tripurārṇava nennt Dakṣiṇāmūrti als Seher und Gāyatrī als Versmaß.

Cakra und Kräfte

Der Tantrarāja, 23.3:

14.VAT.1 Man bilde die Glieder mit den Mantralauten in Gruppen von sieben, zweimal sechs, zehn, sieben und sieben, verbunden mit den jeweiligen Schlussformeln. [Der Vers benennt in dieser knappen Zählung nicht eindeutig alle sechs Gruppen; die Prosa gibt die konkrete Folge.]

14.VAT.2 Man bilde ein Cakra mit Dreieck, Kreis, Sechseck und zwei Kreisen, rufe sie dort mit ihrem eigenen Namen herbei und verehre sie.

14.VAT.3 Nachdem man sie mit der hundertzehnsilbigen Vārāhī-Vidyā ganz in der Mitte verehrt hat, Geliebte, [verehre man] von der linken, rechten und vorderen Ecke aus …

14.VAT.4 … Krodhinī, Stambhinī und Caṇḍoccaṇḍā mit ihren eigenen Namen, verbunden mit dem Anfangs-Bīja und dem abschließenden Prāṇa[-Laut; die genaue Formel ergibt sich aus der Prosa].

14.VAT.5 In den sechs Ecken verehre man Brāhmī und die weiteren, von vorn nach links; im Kreis Mahālakṣmī, in der Mitte Pañcamī.

Nachdem man die Bali-Gabe mit dem sechzehnsilbigen [Mantra] dargebracht hat, verehre man sie mit den Gaben. [Das sechzehnsilbige Mantra wird an dieser Stelle nur durch Verweis genannt.]

Praktischer Nyāsa und Meditation

Auf der Plattform bilde man ein Maṇḍala aus Dreieck, Sechseck, zwei Kreisen und Quadrat. Dreimal vollziehe man Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra. Mit Namaḥ setze man Dakṣiṇāmūrti als Seher am Kopf, Gāyatrī als Versmaß am Mund und Śrīvārāhī als Gottheit am Herzen ein. Mit gefalteten Händen widme man die Anwendung der Erfüllung des eigenen ersehnten Ziels.

Der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa: Aiṃ Namo Bhagavati – Herz – Namaḥ; zweimal Vāttali – Kopf – Svāhā; zweimal Vārāhi – Scheitelhaar – Vaṣaṭ; zweimal Varāhamukhi – Schutzhülle – Huṃ; Andhe Andhinyai Namaḥ – drei Augen – Vauṣaṭ; Rundhe Rundhinyai Namaḥ – Waffe – Phaṭ. [Die Namensformen Vāttali und Varāhamukhi folgen hier der Prosafassung; sie weichen von der ausgeschriebenen langen Formel ab.]

Man meditiere:

14.VAD.1 Über die Göttin mit dem Ebergesicht, dem Glanz glühenden Goldes gleich, bis zum Hals von weiblicher Gestalt, mit flammendem, gelbbraunem Haar;

14.VAD.2 dreiäugig und achthändig, Diskus, Muschelhorn, Elefantenstachel, Schlinge, Stößel und Pflug sowie Furchtlosigkeits- und Gewährungsgeste …

… haltend, bequem auf Garuḍas Schulter sitzend.

Nach dieser Meditation und der geistigen Verehrung vollziehe man Arghya-Bereitung und die weiteren Handlungen bis zur Selbstverehrung. Man verehre den Bhuvaneśvarī-Pīṭha, vergegenwärtige mit dem Wurzelmantra ihre Gestalt und rufe sie mit ihrer Vidyā herbei. Die Handlungen vom Herbeirufen bis zur höchsten Vergegenwärtigung vollziehe man mit der jeweils zugehörigen Mudrā.

Nach den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten verehre man im Dreieck: an der linken Ecke Kroṃ Krodhinyai Namaḥ; an der rechten Staṃ Stambhinyai Namaḥ; vorn Kṣoṃ Kroṃ Caṇḍoccaṇḍāyai Namaḥ.

In den sechs Ecken, vor der Göttin beginnend im Uhrzeigersinn: Āṃ Brāhmī, Īṃ Māheśvarī, Ūṃ Kaumārī, Ṝṃ Vaiṣṇavī, Ḹṃ Vārāhī und Aiṃ Indrāṇī, jeweils mit Namaḥ. [Die Versfassung gab „nach links“ an; die Prosa ausdrücklich den Uhrzeigersinn.] In den beiden äußeren Kreisen, vor der Göttin: Auṃ Cāmuṇḍā und Aḥ Mahālakṣmī, jeweils mit Namaḥ.

Im Quadrat verehre man Indra und die weiteren, außerhalb davon Vajra und die weiteren Waffen. Erneut verehre man in der Mitte die Göttin mit ihrer Vidyā und schließe mit Räucherwerk und allem Weiteren wie zuvor ab. Damit endet die Verehrungsordnung der Vārāhī.

Die praktische Verehrung der Wochentagsherren

Auf der betreffenden Plattform bilde man ein sechseckiges Maṇḍala. Nachdem man mit dem Wurzelmantra den Atem geordnet hat, fasse man den Entschluss: „Als Bestandteil des bevorstehenden Pūrṇābhiṣeka werde ich die Herren der Wochentage verehren.“

In der Mitte des Sechsecks rufe man das Herrscherpaar des gegenwärtigen Wochentags herbei und verehre es mit den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten. Die Paare der nachfolgenden Wochentage verehre man der Reihe nach zu zweit in den sechs Ecken, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn. Man bringe Räucherwerk und alle weiteren Gaben dar und beende wie zuvor.

Die Wochentagsherren sind:

  • Sonntag: Sūrya und Śiva.
  • Montag: Soma und Ambikā.
  • Dienstag: Bhauma und Kumāra.
  • Mittwoch: Brahmā und Budha.
  • Donnerstag: Bṛhaspati und Viṣṇu.
  • Freitag: Śukra und Ramā.
  • Samstag: Kubera und Sauri.

Damit endet ihre Verehrungsordnung.

Die praktische Verehrung der Mondtagsherren

Auf der betreffenden Plattform zeichne man ein vierzehneckiges Maṇḍala. Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra fasse man den Entschluss: „Als Bestandteil des bevorstehenden Pūrṇābhiṣeka werde ich die Herren der Mondtage verehren.“ In der Mitte rufe man die Gottheit des jeweiligen Mondtags herbei und verehre sie mit den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten. In den vierzehn Ecken verehre man die Herren der nachfolgenden Mondtage, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn. Nach Räucherwerk und den weiteren Gaben beende man wie zuvor.

Die Mondtagsherren sind:

  • Pratipad, erster Mondtag: Agni.
  • Dvitīyā, zweiter: die beiden Aśvins.
  • Tṛtīyā, dritter: Umā.
  • Caturthī, vierter: Vighnarāja.
  • Pañcamī, fünfter: die Schlange.
  • Ṣaṣṭhī, sechster: Ṣaṇmukha.
  • Saptamī, siebter: Ravi.
  • Aṣṭamī, achter: die Mütter.
  • Navamī, neunter: Durgā.
  • Daśamī, zehnter: die Himmelsrichtungen.
  • Ekādaśī, elfter: Dhanada [der E-Text schreibt ghanada].
  • Dvādaśī, zwölfter: Keśava.
  • Trayodaśī, dreizehnter: Yama.
  • Caturdaśī, vierzehnter: Hara.
  • Pañcadaśī, fünfzehnter [Vollmond]: Candra.
  • Amāvāsyā, Neumond: die Ahnen.

Damit endet die Folge der Mondtagsverehrung. [Die Liste unterscheidet Voll- und Neumond; die Zeichnung ist auf die fünfzehn Tage der jeweiligen Monatshälfte ausgerichtet.]

Die praktische Verehrung der Mondhausgottheiten

Auf der betreffenden Plattform bilde man ein Verehrungs-Cakra mit siebenundzwanzig Ecken. Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra fasse man den mit „Heute, hier …“ beginnenden Entschluss: „Als Bestandteil des bevorstehenden Pūrṇābhiṣeka werde ich die Herren der Mondhäuser verehren.“ In der Mitte verehre man den Herrn des am betreffenden Tag gegenwärtigen Mondhauses mit den Gaben vom Sitz bis zu den Blüten. Auf den siebenundzwanzig Mondhausplätzen verehre man, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die genannten Mondhausherren der Reihe nach. Nach Räucherwerk, Licht und den weiteren Gaben beende man wie zuvor.

Die Zuordnungen lauten:

  • Aśvinī: die beiden Aśvins.
  • Bharaṇī: Yama.
  • Kṛttikā: Agni.
  • Rohiṇī: Dhātṛ.
  • Mṛgaśiras: Candra.
  • Ārdrā: Śiva.
  • Punarvasu: Aditi.
  • Puṣya: Guru.
  • Āśleṣā: die Schlange.
  • Maghā: die Ahnen.
  • Pūrvā [Phalgunī]: Aryaman.
  • Uttarā [Phalgunī]: Bhaga.
  • Hasta: Sūrya.
  • Citrā: Tvaṣṭṛ.
  • Svāti: Māruta.
  • Viśākhā: Indra und Agni.
  • Anurādhā: Mitra.
  • Jyeṣṭhā: Indra.
  • Mūla: Nirṛti.
  • Pūrvāṣāḍhā: Wasser.
  • Uttarāṣāḍhā: die Viśvedevās.
  • Abhijit: Prajāpati.
  • Śravaṇa: Hari.
  • Dhaniṣṭhā: die Vasus [die Vorlage schreibt ghaniṣṭhā].
  • Śatabhiṣaj: Varuṇa.
  • Pūrvābhādrapadā: Ajaikapād.
  • Uttarābhādrapadā: Ahirbudhnya.
  • Revatī: Pūṣan.

Damit endet ihre Verehrungsordnung. [Die Liste enthält durch Abhijit achtundzwanzig Namen. Dem steht die Anweisung zu siebenundzwanzig äußeren Plätzen und einem Mittelpunkt gegenüber; die Verteilung wird im Text nicht weiter aufgelöst.]

Die praktische Verehrung der neun Planeten

Nun die Ordnung der Navagraha-Verehrung. Auf einer Plattform von drei Hasta Länge und Breite lege man in Ost-West- und Süd-Nord-Richtung je vier Schnüre, sodass ein Cakra aus neun gleich großen Feldern entsteht. In den Bereichen aller Felder zeichne man jeweils drei Kreise; in deren Mitte bilde man durch je zwei Schnüre wiederum neun Felder.

Im mittleren Maṇḍala schreibe man in die acht Richtungsfelder, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die acht Vokale aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ. In das Mittelfeld schreibe man moṃ. In den inneren der beiden Zwischenräume zwischen den drei Kreisen schreibe man maṃ māṃ miṃ mīṃ muṃ mūṃ mṛṃ mṝṃ meṃ maiṃ moṃ mauṃ maṃ maḥ; in den äußeren Zwischenraum die Mātṛkā von Aṃ, Āṃ bis Kṣaḥ. Dort verehre man Bhāskara, die Sonne. [Die überlieferte Ma-Reihe umfasst hier vierzehn ausgeschriebene Formen und wiederholt Maṃ; sie wird nicht unmarkiert auf sechzehn erweitert.]

Im östlichen Neunfelder-Maṇḍala schreibe man in die Mitte soṃ somāya namaḥ und hrīṃ. In die acht äußeren Felder, im Osten beginnend, schreibe man ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ. In den inneren Kreiszwischenraum schreibe man Ha mit den sechzehn Vokalen, beginnend Haṃ, Hāṃ; außen die Mātṛkā mit Bindu. Dort verehre man Soma.

Im südöstlichen Maṇḍala schreibe man in das Mittelfeld Ka, in dessen Innerem der Praṇava steht. In die acht äußeren Felder schreibe man die fünf Laute der Ka-Gruppe und Maṅgala [die Quelle bezeichnet die so gebildete Reihe als acht Laute]. Im inneren Zwischenraum Ka mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. Dort verehre man Bhauma, Mars [im E-Text mauma].

Im südlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Ca mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder die fünf Laute der Ca-Gruppe und Budhāya. Im inneren Zwischenraum Ca mit den sechzehn Vokalen, beginnend Caṃ, Cāṃ; außen die Mātṛkā. Dort verehre man Budha.

Im südwestlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Ṭa mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die fünf Laute der Ṭa-Gruppe und Sauraye. Im inneren Zwischenraum Ṭa mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. In der Mitte verehre man Śanaiścara mit den sechzehn Gaben.

Im westlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Ta mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder die fünf Laute der Ta-Gruppe und Gurave. Im inneren Zwischenraum Ta mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. Dort verehre man Guru mit den sechzehn Gaben.

Im nordwestlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Pa mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die fünf Laute der Pa-Gruppe und Śukrāya. Im inneren Zwischenraum Pa mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. Dort verehre man Śukra mit den sechzehn Gaben.

Im nördlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Ya mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die mit yaṃ 5 bezeichnete Fünferreihe und Rāhave. Im inneren Zwischenraum Ya mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. Dort verehre man Rāhu mit den sechzehn Gaben. [Die hier geforderte Fünferreihe ab Ya wird nicht eigens ausgeschrieben.]

Im nordöstlichen Maṇḍala schreibe man in die Mitte Ṣa mit dem Praṇava im Inneren. In die acht äußeren Felder, vor sich beginnend im Uhrzeigersinn, die mit ṣaṃ 5 bezeichnete Fünferreihe und Ketave. Im inneren Zwischenraum Ṣa mit den sechzehn Vokalen, im äußeren die Mātṛkā. Dort verehre man Ketu mit den sechzehn Gaben. [Auch die Fünferreihe ab Ṣa ist nicht ausgeschrieben; ihre genaue Zusammensetzung bleibt offen.]

Damit endet die Ordnung der Neunplanetenverehrung.

Kolophon des vierzehnten Śvāsa

So endet der vierzehnte Śvāsa des Śrīvidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati, dem Schüler Śrīpragalbhācāryas, des Schülers Śrīviṣṇuśarmācāryas, des Schülers Śrībhagavacchaṅkarācāryas, des Schülers des verehrungswürdigen großen Lehrers Śrīgovindācārya.

[Die Kapitelnummer 14 im Kolophon zählt nicht als weiterer Vers. Die anschließenden Wörter „Nun im Śrīvidyārṇava-Tantra“ leiten zum folgenden Kapitel über.]

15. Śvāsa

Erwachen, Guru-Gedenken und Lob der Tripurasundarī

Nun erhebe sich der vorzügliche Lehrer morgens beim Erwachen, indem er sein eigenes Selbst als Tripurā vergegenwärtigt und die Füße des Herrn in Lichtgestalt an der Scheitelöffnung vorstellt; sein Leib sei durch Nyāsa bereitet. So der Tantrarāja, 5.17. „Durch Nyāsa bereitet“ bedeutet: am Körper die noch zu beschreibenden Einsetzungen der Handreinigung, der sechs Glieder, der vier Sitze und der acht Redegottheiten vollzogen.

Nach dem Lob mit den Versen „Verehrung dir, Herr, Erhabener …“ wiederhole man nach Vermögen das Guru-Mantra: hrīṃ śrīṃ hasakṣamalavayarūṃ amukānandanātha hrīṃ śrīṃ sahakṣamalavayarīṃ amukadevyambāpādukāṃ pūjayāmi. Das bedeutet: „Ich verehre die Pādukās des [mit seinem Namen eingesetzten] Ānandanātha und der [mit ihrem Namen eingesetzten] Devyambā“, verbunden mit den angegebenen Bījas. [Die zweite Hrīṃ-Schreibung ist in der Vorlage verkürzt hriṃ; amuka markiert den einzusetzenden Namen.]

Man verfolge innerlich den Aufstieg der Kuṇḍalinī vom Wurzelzentrum bis zum Scheitel, vergegenwärtige das eigene Selbst als Tripurā und rezitiere das im Tripurārṇava genannte Lob:

15.ML.1 Am Morgen verneige ich mich vor den Lotusfüßen der Mutter der Welten, der erhabenen Tripurasundarī, der ewigen Mutter der Welten.

15.ML.2 Am Morgen verneige ich mich vor den Lotusfüßen Tripurasundarīs, die ihren Verehrern gnädig ist und vor der sich Hara und die anderen verneigen.

15.ML.3 Durch sie vollziehen Hari, Hara und Viriñci die Schöpfung und die weiteren [Welttätigkeiten]. [In der Vorlage eingeklammert:] Am Morgen verneige ich mich vor den Lotusfüßen Tripurasundarīs.

15.ML.4 Das Wasser, mit dem ihre Füße verehrt werden, strahlt als Gaṅgā auf dem Haupt Maheśvaras. Am Morgen verneige ich mich vor ihr, die Schlinge, Elefantenstachel, Pfeil und Schlinge in den Händen hält. [Die Vorlage wiederholt „Schlinge“; ein möglicherweise gemeinter Bogen wird nicht unmarkiert eingesetzt.]

15.ML.5 Am Morgen verneige ich mich vor den Lotusfüßen der erhabenen Tripurasundarī, die der aufgehenden Sonne gleicht und durch die diese Welt erstrahlt.

15.ML.6 Durch die Gnade jener Tripurasundarī kehrt [etwas oder jemand] zurück oder kommt zur Ruhe … [der Satzanschluss ist unvollständig]. Wer diese fünf Verse jeden Morgen rezitiert, …

… dem möge die erhabene Tripurasundarī ihre eigene Stätte gewähren. [Die Zählung reicht bis 6; „fünf Verse“ bezeichnet hier offenbar den eigentlichen Lobteil vor der Schlussverheißung.]

Bali, Reinigung und Vorbereitung der Sandhyā

Nach diesem Lob und der Verabschiedung vergegenwärtige man die weiblichen Gottheiten in verschiedenen Farben, mit verschiedenen Waffen, Gestalten, Fahrzeugen und Schmuck. Sie sind allgegenwärtig, gewähren alles und verleihen durch die Bali-Gabe alle Vollkommenheiten, so der Tantrarāja, 5.18. [Das anschließende Verbindungswort der Vorlage ist als unsicher markiert.]

Vor sich stelle man auf einem Untersatz ein mit Speisen, Beilagen, Blüten und Wasser gefülltes Gefäß. Mit dem als sechzehnsilbig bezeichneten Mantra oṃ hrīṃ sarvavighnakṛdbhyaḥ sarvabhūtebhyo hrūṃ svāhā bringe man die Bali-Gabe dar: „Oṃ Hrīṃ, allen Hinderniswirkenden, allen Wesen, Hrūṃ Svāhā.“ Zuvor klatsche man dreimal in die Hände; beide Fäuste, eine oben und eine unten, mit ausgestreckten Zeigefingern bilden die Mudrā des Zeigens der den Gottheiten dargebrachten Bali-Stoffe.

Nach den notwendigen Verrichtungen reinige man die Zähne mit Klīṃ Kāmadevāya Sarvajanapriyāya Namaḥ: „Verehrung Kāmadeva, der allen Menschen lieb ist.“ Mit der Wurzel-Vidyā und der Vidyā der Tages-Nityā vollziehe man Mundwaschung, Bad und Tilaka. Nach der vedischen Sandhyā vollziehe man die tantrische. Dreimal nehme man rituell Wasser zu sich und vollziehe Prāṇāyāma.

Der Tantrarāja, 5.32, erklärt: An Wurzelzentrum, Herz und Scheitelöffnung vergegenwärtige man die drei Abschnitte der Vidyā als rot; durch ihren Glanz werde auch der eigene Leib rot vorgestellt. Man atme durch die linke Nasenöffnung ein, den Atem als Nektar vergegenwärtigend, und durch die rechte wieder aus, wobei Ambu und Marut erinnert werden. Danach nennt der Text zweiunddreißig Mātrās für das Einatmen, vierundsechzig für das Anhalten und ein Viertel davon für das Ausatmen (27.68). Der Reihe nach werden drei, sechs, zwölf, sechzehn oder zwanzig Prāṇāyāmas genannt. [Dies ist die historische Atemvorschrift des Textes; ihre Zahlen sind keine allgemeine Übungsempfehlung.]

Mit Aṃ Āṃ Sauḥ vollziehe man die Handreinigung. Der Nyāsa verwendet jeweils Aiṃ Klīṃ Sauḥ: Herz – Namaḥ an den Daumen; Kopf – Svāhā an den Zeigefingern; Scheitelhaar – Vaṣaṭ an den Mittelfingern; Schutzhülle – Huṃ an den Ringfingern; drei Augen – Vauṣaṭ an den kleinen Fingern; Waffe – Phaṭ an Handflächen und Handrücken. Danach dieselben sechs Formeln an Herz, Kopf, Scheitelhaar, Schutzhülle und drei Augen; die Waffenformel wird nach dreimaligem Klatschen mit geöffneten Handflächen und hörbarem Zusammenführen von Zeigefinger und Daumen in Haupt- und Zwischenrichtungen, oben, unten und in der Mitte eingesetzt. Sie wird als hindernisbeseitigende Waffe verstanden. Nach diesem sechsgliedrigen Nyāsa vollziehe man die Sandhyā-Verehrung.

Die vier Zeiten der Sandhyā

Im Tantrarāja:

15.SR.1 Mit den Nāthas, den Tattvas und den Nityās [meditiere man über] die Kālanityā mit ihrer Vidyā, im Wurzelzentrum, im Herzen und am Kopf, in Feuer, Sonne und Mond.

15.SR.2 So meditierend wiederhole man [die Vidyā] zu den drei Sandhyās. Zur Reinigung des Körpers setze man dann Konsonanten und Vokale mit ihren Gruppen an den Mātṛkā-Stellen ein.

Die nähere Unterscheidung im Tripurārṇava:

15.SV.1 Die Sandhyā ist als vierfach zu erkennen: als Mädchen, im jugendlichen Alter, als Reife und als Ungeteilte, Göttin. [Die Wortverbindung kaumārayauvanā fasst Jugendstufen zusammen; die Quelle kündigt vier Formen an.]

15.SV.2 Am Morgen gilt die große Göttin als Vāgīśvarī-Vidyā, mittags als Kāmeśvarī, abends als Purabhairavī;

… um Mitternacht ist die große Göttin als Tripurasundarī zu erkennen.

Wasserreinigung und die drei Wirklichkeitsprinzipien

Man verwandle das Wasser vor sich mit der Dhenu-Mudrā in Nektar und bespräche es achtmal mit dem Wurzelmantra. Mit Kuśa-Halmen besprenge man den eigenen Kopf für jeden mit Bindu versehenen Mātṛkā-Laut von A bis Kṣa; danach dreimal mit der Wurzel-Vidyā. In der Sonnenscheibe meditiere man über die Göttin in der beschriebenen Gestalt.

Man nehme Wasser in die rechte Hand, bespräche es siebenmal mit Laṃ Vaṃ Raṃ Yaṃ Haṃ und dreimal mit dem Wurzelmantra. Mit Daumen und Ringfinger besprenge man den eigenen Kopf mit Wassertropfen und der Wurzel-Vidyā. Das übrige Wasser gebe man in die linke Hand und stelle es als Licht vor: Durch Iḍā eingezogen, wasche es alle im Körper befindliche Befleckung ab und trete schwarz gefärbt durch Piṅgalā wieder aus.

Man gebe das Wasser wieder in die rechte Hand, stelle links von sich einen flammenden Vajra-Felsen vor und schleudere es mit der Pāśupata-Waffe oṃ ślīṃ paśu huṃ phaṭ auf diesen vorgestellten Felsen. Danach wasche man die Hände. Erneut nehme man mit der Wurzel-Vidyā Wasser und stelle es als eins geworden mit dem höchsten Nektar im tausendblättrigen Lotus vor, der durch die Nāḍī fließt. [Die anschließende Passage über das Hervortreten durch Zahnzwischenraum und Augenweg ist dunkel; diese Körperwege werden in der Vorlage ausdrücklich genannt.]

Man gebe dieses Wasser in die linke Hand und besprenge damit dreimal den Kopf, mit Amṛtamālini Svāhā: „Der mit Nektar Bekränzten, Svāhā.“ Beim rituellen Wassernehmen spreche man, jeweils mit Hrīṃ Śrīṃ und dem entsprechenden Vidyā-Abschnitt:

  • Erster Kūṭa: „Ich reinige das Ātma-Tattva, Svāhā.“
  • Zweiter Kūṭa: „Ich reinige das Vidyā-Tattva, Svāhā.“
  • Dritter Kūṭa: „Ich reinige das Śiva-Tattva, Svāhā.“
  • Gesamte Vidyā: „Ich reinige alle Tattvas, Svāhā.“

Danach nehme man mit beiden Händen Wasser, erhebe sich [das Wort ist in der Vorlage gestört] und bringe dreimal Arghya dar: mit erstem Kūṭa Vāgīśvaryai Vidmahe, mit zweitem Kāmeśvaryai Dhīmahi, mit drittem Tannaḥ Śaktiḥ Pracodayāt: „Wir erkennen die Herrin der Rede; wir meditieren über die Herrin des Begehrens; möge jene Kraft uns anregen.“ Es folgen drei Arghya-Gaben an die Sonne mit Hrāṃ Hrīṃ Saḥ Sūrya Eṣa Te ’rghaḥ Svāhā: „Sonne, dies ist deine Ehrengabe.“ Dreimal erquicke man die Göttin mit der Wurzel-Vidyā und dreimal die Sonne mit Hrāṃ Hrīṃ Saḥ Sūryaṃ Tarpayāmi Namaḥ.

Vāgīśvarī im Feuerkreis

Im Mūlādhāra vergegenwärtige man den ersten Kūṭa, strahlend wie Millionen Blitze und vom Wurzelzentrum bis zum Brahmarandhra reichend. Sein Licht steige auf dem Weg der Suṣumnā zum Scheitel, trete durch den Nasenweg hervor und werde im Feuerkreis des Raumes herbeigerufen. Über die daraus hervorgegangene Vāgīśvarī meditiere man:

15.VD.1 Gelb, in gelbem Gewand, mit gelben Kränzen, Schmuck und Salbung, strahlend wie Millionen Blitze, als Mädchen, leuchtend mit der Gebetskette;

15.VD.2 mit Buch und Lotus in ihren Lotushänden, auf dem Feuersitz ruhend, als Vāgbhavā, aus Vāgbhava hervorgegangen, dreiäugig und lächelnd.

Nachdem man sie so im Feuerkreis des Raumes vergegenwärtigt hat, verehre man sie mit Duft und weiteren Gaben, mit dem ersten Kūṭa und „Ich verehre die Pādukās der Tripurā-Vāgīśvarī“. Mit der Vāgbhava-Gāyatrī und „Ich bereite Tripurā-Vāgīśvarī Arghya, Svāhā“ erhebe man dreimal die wassergefüllten Hände. Mit dem ersten Kūṭa und „Ich erquicke die Pādukās der Tripurā-Vāgīśvarī“ vollziehe man dreimal Tarpaṇa.

Nach der Verneigung vor dem Guru vollziehe man den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa wie zuvor. An den Mātṛkā-Stellen setze man die Laute ein, mit Praṇava, den drei Tāras, der Wurzel-Vidyā, der Vidyā der Tages-Nityā und Haṃsaḥ, beginnend mit Aṃ Namaḥ. Nach Wiederholung der genannten Gāyatrī nach Vermögen wiederhole man die Vāgbhava-Gāyatrī: aiṃ tripurādevyai vidmahe vāgīśvaryai dhīmahi tannaḥ śaktiḥ pracodayāt: „Aiṃ, wir erkennen die Göttin Tripurā; wir meditieren über die Herrin der Rede; möge jene Kraft uns anregen.“ Danach wiederhole man morgens die Wurzel-Vidyā in folgender Betrachtung:

15.MD.1 Morgens [vergegenwärtige man] im Lotus des Mūlādhāra, im Feuerkreis, jene Nityā als Sprach-Bīja, strahlend wie ein Geflecht von Blitzen;

15.MD.2 ihre Hände glänzen mit Blütenpfeilen, Zuckerrohrbogen, Schlinge und Elefantenstachel; aus eigenem Willen nimmt sie Gestalt an, ihr Wesen bilden die Laute der Yuga-Nityās;

15.MD.3 sie ist von der Ghaṭikā-Umhüllung umgeben. Ringsum [vergegenwärtige man] mit gefalteten Händen oder mit Erkenntnis- und Gewährungsgeste, der Verehrung Vāgbhavas hingegeben, …

… die neun Nāthas im Yoni-Maṇḍala des Wurzellotus.

Die neun Nāthas und der morgendliche Abschluss

Bei allen vier Sandhyās wiederhole man die Wurzel-Vidyā in Gestalt der neun Nāthas. Die gemeinsame Einleitung lautet Hrīṃ Śrīṃ, Wurzel-Vidyā, Vidyā der Tages-Nityā und Haṃsaḥ; danach folgen die jeweilige Lautgruppe, Hrīṃ Śrīṃ und die Pādukā-Formel der Śrīmahātripurasundarī in der genannten Freude-Gestalt:

  • Aṃ Āṃ Iṃ Īṃ Uṃ Ūṃ Ṛṃ Ṝṃ: Prakāśānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude des Leuchtens ist.
  • Ḷṃ Ḹṃ Eṃ Aiṃ Oṃ Auṃ Aṃ Aḥ: Vimarśānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der bewussten Selbstbeziehung ist.
  • Kaṃ Khaṃ Gaṃ Ghaṃ Ṅaṃ: Ānandānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der Freude ist.
  • Caṃ Chaṃ Jaṃ Jhaṃ Ñaṃ: Jñānānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der Erkenntnis ist.
  • Ṭaṃ Ṭhaṃ Ḍaṃ Ḍhaṃ Ṇaṃ: Satyānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der Wahrheit ist.
  • Taṃ Thaṃ Daṃ Dhaṃ Naṃ: Pūrṇānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der Fülle ist.
  • Paṃ Phaṃ Baṃ Bhaṃ Maṃ: Svabhāvānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude des eigenen Wesens ist.
  • Yaṃ Raṃ Laṃ Vaṃ Śaṃ: Pratibhānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude der unmittelbaren Einsicht ist.
  • Ṣaṃ Saṃ Haṃ Kṣaṃ: Subhagānandarūpiṇī, deren Gestalt die Freude des Glückverheißenden ist.

Danach wiederhole man nach Vermögen die Vidyā der jeweiligen Tages-Nityā. Dies ist der Kālanityā-Japa. Vom Wurzelzentrum bis zum Scheitel meditiere man über die Wurzel-Vidyā im Glanz tausender aufgehender Sonnen und wiederhole sie hundertachtmal. Im äußeren Feuerkreis des Raumes vergegenwärtige man Vāgbhaveśvarī in der beschriebenen Gestalt und wiederhole morgens den Vāgbhava-Kūṭa hundertachtmal. Nach Prāṇāyāma und den weiteren vorbereitenden Handlungen bringe man den vollzogenen Japa der Göttin dar, verneige sich und preise sie. Aus Sonnen- und Feuerkreis führe man die Hauptgöttin und Vāgbhaveśvarī in Herz und Wurzelzentrum zurück und verneige sich vor dem Guru. Damit endet die morgendliche Sandhyā.

Über die Guru-Meditation bei den Ritualhandlungen sagt das Rudrayāmala: „In der Gestalt, in der man den Guru bei der Einweihung während seiner Gunstgewährung an einen selbst gesehen hat, vergegenwärtige man ihn und vollziehe die tägliche Praxis.“ Dies gilt für die Stellen außer dem besonderen morgendlichen Gedenken.

Die Verbindlichkeit der Morgen-Sandhyā im Text

15.SP.1 Diese Morgen-Sandhyā, Herrin, soll der Mantrin täglich bei allen Handlungen stets vollziehen, damit die Mantravollendung gedeihe.

15.SP.2 Wer die Morgen-Sandhyā verlässt und Gottheitsverehrung ausführt, gilt als unrein, von schlechtem Verhalten und von allen Ritualhandlungen ausgeschlossen.

15.SP.3 Wer ohne Morgen-Sandhyā Gottheitsverehrung und anderes ausführt und Homas vollzieht, große Herrin, wird ein Höllenbewohner.

15.SP.4 Wer ohne Morgen-Sandhyā Homa oder Tarpaṇa vollzieht, Śivā, … [die Wortfolge ist gestört]; der Brahmane, der sie ohne Grund verlässt, werde gewiss ein Hund …

15.SP.5 … oder ein Piśāca, Göttin, selbst wenn er die Veden und ihre Hilfswissenschaften vollständig kennt. Unter allen Sandhyās ist die Morgen-Sandhyā die gewichtigste.

Deshalb soll ein Brahmane sie nicht aufgeben; wer sie aufgibt, gelangt in die Hölle. Aufgrund dieses Wortes des Tripurārṇava, so die anschließende Erklärung, ist sie unbedingt zu vollziehen; dies sei Śivas Wort. [Die Drohungen spiegeln den historischen Geltungsanspruch dieser Ritualordnung; sie sind keine Feststellung über das Schicksal heutiger Leser.]

Ghaṭikā-Pārāyaṇa: die fortlaufende Rezitation nach Zeitabschnitten

Nun vollziehe man als Ghaṭikā-Pārāyaṇa sechzig Japa-Einheiten. Diese ergeben innerhalb von fünf Tagen sechs Umläufe der Mātṛkā. Der Tantrarāja, 25.12:

15.GP.1 Vom Sonnenaufgang an, der Reihe der Ghaṭikās folgend, [erscheinen] die fünfzig Mātṛkā-Laute einzeln, einer nach dem anderen, in wiederkehrendem Umlauf.

Die Erklärung: Bei Sonnenaufgang geht A auf. Von der zweiten bis zur fünfzigsten Ghaṭikā gehen Ā bis Kṣa, ohne den Visarga-Vokal, jeweils zu Beginn ihres Zeitabschnitts auf. Von der einundfünfzigsten Ghaṭikā an erscheinen in den übrigen zehn Abschnitten A bis Ḹ. Am zweiten Tag geht bei Sonnenaufgang E auf; danach die neununddreißig Laute von Ai an und zwanzig von A an. Am dritten Tag geht Ca auf; danach folgen die neunundfünfzig Laute von Cha bis Kṣa und [in der Vorlage ergänzt] A bis Ṇa. Am vierten Tag geht Ta auf; danach Tha bis Kṣa und A bis Ma, zusammen neunundfünfzig Laute. Am fünften Tag geht Ya auf; danach die Reihe bis Kṣa und [ergänzt] nochmals A bis Kṣa, zusammen neunundfünfzig Laute. So entstehen in fünf Tagen sechs Mātṛkā-Umläufe.

[Diese Erklärung wird nach der Vorlage wiedergegeben. Die Zahlen hängen von ihrer besonderen Alphabetzählung ab. Am fünften Tag schreibt sie in der Fortsetzung nochmals Ya statt eindeutig beim Folgelaut anzusetzen; die später folgende praktische Reihe enthält außerdem eine Abweichung Ta/Ṭa.]

Für die Durchführung werden die als fünfzig bezeichneten Laute von A bis Kṣa ohne Visarga in fünf Gruppen zu je zehn eingeteilt. Mit ihnen vollziehe man den sechzigfachen Japa. Jede Einheit beginnt mit den vorangestellten Bījas, der Wurzel-Vidyā, der Tages-Nityā-Vidyā und Haṃsaḥ; es folgt der jeweilige Laut mit Namaḥ.

Am ersten Tag beginne man mit Aṃ, rezitiere die fünf Gruppen bis Kṣa und wiederhole die erste Gruppe von A bis Ḹ: sechzig Einheiten. Am zweiten Tag beginne man mit Eṃ, rezitiere vier Gruppen bis Kṣa und wiederhole die erste und zweite Gruppe: sechzig. Am dritten Tag beginne man mit Caṃ, rezitiere drei Gruppen bis Kṣa und dann wieder drei Gruppen von A bis Ṇa: sechzig. Am vierten Tag nennt die eingeklammerte praktische Fassung Ṭaṃ als Anfang, dann zwei Gruppen bis Kṣa und vier Gruppen von A bis Ma: sechzig. [Dies weicht vom zuvor genannten Ta ab; Ṭa wird nicht unbemerkt zu Ta berichtigt.] Am fünften Tag beginne man mit Yaṃ, rezitiere die letzte Gruppe bis Kṣa und anschließend sämtliche fünfzig Laute von A bis Kṣa: sechzig.

Damit sind sechs Umläufe vollzogen. Am jeweils sechsten Tag beginne man wieder mit A und führe die Ghaṭikā-Pārāyaṇa-Rezitation ununterbrochen in dieser Weise fort. Für die Bestimmung des Beginns zur gegenwärtigen Zeit soll der Sādhaka nach der astronomisch-astrologischen Tageszählung die vergangenen Tage des Kaliyuga bis zum eigenen Anfangstag berechnen. Nach Division durch fünf bestimmt der verbleibende Tagesrest den bei Sonnenaufgang gegenwärtigen Laut. An einem Tag mit A als Aufgangslaut beginne man die genannte Folge. Diese Ghaṭikā-Pārāyaṇa-Rezitation ist morgens zu vollziehen.

Die Sandhyā am Mittag

Von Prāṇāyāma bis zum Sonnen-Tarpaṇa verfahre man wie morgens; danach vollziehe man die Bīja-Sandhyā. Mittags meditiere man im Anāhata-Cakra über den Kāmarāja-Kūṭa der Wurzel-Vidyā als rot. Sein Licht führe man durch die Suṣumnā und den Nasenweg hinaus, rufe es in der Sonnenscheibe herbei und meditiere über die daraus hervorgegangene Kāmeśvarī:

15.KD.1 Vergegenwärtigt euch Kāmeśvarī, rot, reich geschmückt mit tiefrotem Gewand und Schmuck, Schlinge und Elefantenstachel sowie Furchtlosigkeits- und Gewährungsgeste haltend, mit reinem Lächeln, in voller Jugendkraft und mit drei Augen.

Mit dem Kāmarāja-Kūṭa und der Pādukā-Formel der Śrītripurā-Kāmeśvarī verehre man sie dreimal. Nach der Kāmarāja-Kūṭa-Gāyatrī und „Ich bereite Śrītripurā-Kāmeśvarī Arghya, Svāhā“ erhebe man dreimal die wassergefüllten Hände. Mit dem Kāmarāja-Kūṭa und „Ich erquicke die Pādukās der Śrītripurā-Kāmeśvarī“ vollziehe man dreimal Tarpaṇa.

Nach Prāṇāyāma und den weiteren Vorbereitungen setze man wie zuvor die Mātṛkā ein. Nach der Turīya-Vidyā-Gāyatrī wiederhole man nach Vermögen die Kāma-Kūṭa-Gāyatrī: klīṃ tripurādevyai vidmahe kāmeśvaryai dhīmahi tannaḥ klinnā pracodayāt: „Klīṃ, wir erkennen die Göttin Tripurā; wir meditieren über Kāmeśvarī; möge jene Klinnā uns anregen.“ [Klinnā, „die Benetzte oder Erweichte“, bleibt als Gottesbezeichnung kenntlich.]

Danach wiederhole man die Wurzel-Vidyā in Gestalt der sechsunddreißig Tattvas:

15.KT.1 Mittags vergegenwärtige man die Göttin als Kāmarāja auf dem Fruchtboden des Herzlotus, in der Sonnenscheibe, strahlend wie Millionen Sonnen;

15.KT.2 mit Blütenpfeilen, Zuckerrohrbogen, Schlinge und Elefantenstachel versehen, ringsum von den sechsunddreißig Tattva-Kräften, beginnend mit Ātman, …

15.KT.3 … umgeben, die rote Kränze, Gewänder, Salbungen und Schmuck tragen. Ihr Wesen bilden die Yuga-Nityā-Laute; die Ghaṭikās bilden ihre Umhüllung.

15.KT.4 Jene [Kräfte] im Herzlotus tragen Blütenpfeile und Zuckerrohrbogen, haben rote Leiber und sind der Verehrung Kāmarājas hingegeben.

Die sechsunddreißig Tattvas in der Mittagsrezitation

Nach dieser Meditation folgt jeweils die gemeinsame Einleitung mit den vorangestellten Bījas, Wurzel-Vidyā, Tages-Nityā-Vidyā und Haṃsaḥ. Daran schließen sich die unten genannten Laute und die Verehrung der Pādukās der Śrīmahātripurasundarī als Verkörperung des jeweiligen Tattva an:

  • Die sechzehn Vokale von Aṃ an: Śiva-Tattva.
  • Kaṃ: Śakti; Khaṃ: Sadāśiva; Gaṃ: Īśvara; Ghaṃ: Śuddhavidyā.
  • Ṅaṃ: Māyā; Caṃ: Kalā; Chaṃ: Vidyā; Jaṃ: Rāga; Jhaṃ: Kāla; Aṃ: Niyati. [Die Vorlage schreibt bei Niyati Aṃ, nicht den in der Alphabetfolge zu erwartenden Ñaṃ.]
  • Ṭaṃ: Puruṣa; Ṭhaṃ: Prakṛti; Ḍaṃ: Ahaṃkāra; Ḍhaṃ: Buddhi; Ṇaṃ: Manas.
  • Taṃ: Gehör; Thaṃ: Tastsinn; Daṃ: Sehen; Dhaṃ: Zunge; Naṃ: Geruchssinn.
  • Paṃ: Sprache; Phaṃ: Hand; Baṃ: Fuß; Bhaṃ: Ausscheidungsorgan; Maṃ: Fortpflanzungsorgan.
  • Yaṃ: Klang; Raṃ: Berührung; Laṃ: sichtbare Gestalt; Vaṃ: Geschmack; Śaṃ: Geruch.
  • Ṣaṃ: Raum; Saṃ: Luft; Haṃ: Feuer; Laṃ: Wasser; Kṣaṃ: Erde. [Die zweimalige Form Laṃ steht so im E-Text.]

Nach der Wurzel-Vidyā in Verbindung mit den sechsunddreißig Tattvas wiederhole man die Kālanityā-Vidyā hundertachtmal. Im Herzlotus vergegenwärtige man den Kāmarāja-Kūṭa, strahlend wie Millionen junger Sonnen, dessen Strahlenbündel vom Herzen bis zum Wurzelzentrum reichen. Diesen Kūṭa wiederhole man hundertachtmal. Nach Prāṇāyāma und den weiteren Handlungen bringe man den Japa dar, verneige sich und führe die Hauptgöttin Kāmeśvarī in das Herz zurück. Damit endet die Mittagssandhyā.

Die Sandhyā am Abend

Von Prāṇāyāma bis zum Sonnen-Tarpaṇa verfahre man wie zuvor und vollziehe danach die Bīja-Sandhyā. Abends verehre man im Mondkreis des Ājñā-Cakra, das als Ha-Kṣa bezeichnet wird, mit dem dritten Kūṭa der Wurzel-Vidyā dreimal die Pādukās der Tripurā-Amṛteśvarī mit Duft und weiteren Gaben. Mit der noch zu nennenden Gāyatrī dieses Kūṭa und „Ich bereite Śrītripurā-Amṛteśvarī Arghya, Svāhā“ bringe man dreimal Arghya dar; mit dem dritten Kūṭa und „Ich erquicke Śrītripurā-Amṛteśvarī“ dreimal Tarpaṇa.

Nach Prāṇāyāma und Wiederholung der Turīya-Vidyā-Gāyatrī wie zuvor wiederhole man achtundzwanzigmal die Śakti-Kūṭa-Gāyatrī: sauḥ tripurādevyai vidmahe śaktikāmeśvaryai dhīmahi tanno ’mṛtā pracodayāt: „Sauḥ, wir erkennen die Göttin Tripurā; wir meditieren über Śakti-Kāmeśvarī; möge jene Unsterbliche uns anregen.“ Danach wiederhole man die Wurzel-Vidyā als die sechzehn Nityās:

15.AD.1 Abends [vergegenwärtige man] im Mond des Ājñā-Lotus die Göttin, mondgleich leuchtend, als Śakti-Bīja, mit Bogen, Pfeilen, Schlinge und Elefantenstachel versehen;

15.AD.2 ihr Wesen bilden die Yuga-Nityā-Laute, die Ghaṭikās ihre Umhüllung. Man vergegenwärtige die erhabene Göttin, von den Nityās umgeben.

15.AD.3 Die sechzehn Nityās, mit Buch und Gebetskette, mit lächelnden Gesichtern, vergegenwärtige man abends im Ājñā[-Cakra].

Die sechzehn Nityās in der Abendrezitation

Die folgende Liste ist bereits in der Quelle von 1 bis 16 nummeriert. Jede Formel beginnt mit den vorangestellten Bījas, Wurzel-Vidyā, Tages-Nityā-Vidyā und Haṃsaḥ, dann der jeweils ausdrücklich genannten Vidyā. Es folgen der Vokal und „Ich verehre die Pādukās der Śrīmahātripurasundarī in Gestalt dieser Nityā, Namaḥ“.

15.AN.1 Kāmeśvarī-Vidyā; Aṃ; als Kāmeśvarī-Nityā.

15.AN.2 Bhagamālinī-Vidyā; Āṃ; als Bhagamālinī-Nityā.

15.AN.3 Nityaklinnā-Vidyā; Iṃ; als Nityaklinnā-Nityā.

15.AN.4 Bheruṇḍā-Vidyā; Īṃ; als Bheruṇḍā-Nityā.

15.AN.5 Vahnivāsinī-Vidyā; Uṃ; als Vahnivāsinī-Nityā.

15.AN.6 Vajreśvarī-Vidyā; Ūṃ; als Vajreśvarī-Nityā.

15.AN.7 Śivādūtī-Vidyā; Ṛṃ; als Śivādūtī-Nityā.

15.AN.8 Tvaritā-Vidyā; Ṝṃ; als Tvaritā-Nityā.

15.AN.9 Kulasundarī-Vidyā; Ḷṃ; als Kulasundarī-Nityā.

15.AN.10 Nityānityā-Vidyā; Ḹṃ; als Nityānityā.

15.AN.11 Nīlapatākā-Vidyā; Eṃ; als Nīlapatākā-Nityā.

15.AN.12 Vijayā-Vidyā; Aiṃ; als Vijayā-Nityā.

15.AN.13 Sarvamaṅgalā-Vidyā; Oṃ; als Sarvamaṅgalā-Nityā.

15.AN.14 Jvālāmālinī-Vidyā; Auṃ; als Jvālāmālinī-Nityā.

15.AN.15 Vicitrā-Nityā-Vidyā; Aṃ; als Vicitrā-Nityā.

15.AN.16 Die fünfzehnsilbige Vidyā [die Vorlage schreibt fehlerhaft pañcadaśovidyā]; Aḥ; als Śrīmahātripurasundarī-Nityā.

Nach dieser Rezitation in Gestalt der sechzehn Nityās und der Kālanityā-Vidyā wie zuvor vergegenwärtige man den dritten Kūṭa zwischen Brauenmitte und Scheitel, strahlend wie Millionen Herbstmonde, und wiederhole ihn hundertachtmal. Nach Prāṇāyāma bringe man den Japa dar, preise die Göttin und verneige sich. Die Hauptgöttin aus der Sonnenscheibe und Amṛteśvarī führe man in Herz und Brauenmitte zurück. Damit endet die Abendsandhyā.

Die vierte Sandhyā um Mitternacht

Um Mitternacht verehre man die vierte, Turīya-Sandhyā. Die vorbereitenden Handlungen von Prāṇāyāma bis zum rituellen Wassernehmen geschehen wie zuvor, jedoch ohne die Meditation der Göttin in der Sonnenscheibe. Im tausendblättrigen Lotus vergegenwärtige man den vierten Kūṭa als die dreizehn Laute der Wurzel-Vidyā [so die vorliegende Zahlenangabe], glänzend wie Rubin. Man führe ihn durch den Nasenweg hinaus und rufe ihn jenseits des Sternenkreises im höchsten Raum herbei.

Über die daraus hervorgehende erhabene Göttin meditiere man in der beschriebenen Gestalt. Mit dem vierten Kūṭa und „Ich bereite den Pādukās der Śrīmahātripurasundarī Arghya, Svāhā“ bringe man dreimal Arghya dar. Mit demselben Kūṭa und „Ich erquicke die Pādukās der Śrīmahātripurasundarī“ vollziehe man dreimal Tarpaṇa.

Nach Prāṇāyāma und den weiteren Vorbereitungen wiederhole man die zuvor genannte Turīya-Gāyatrī nach Vermögen und die Kālanityā-Vidyā hundertachtmal. Nach erneuten vorbereitenden Handlungen bringe man den Japa dar, preise die Göttin und führe sie aus dem höchsten Raum auf den Fruchtboden des tausendblättrigen Lotus zurück. Man meditiere über das eigene Selbst als Kāmakalā. Damit endet die vierte Sandhyā.

Vereinfachung und Nachholen einer versäumten Sandhyā

Die Verehrung dieser vier Sandhyās wird für die Verehrer dieser Vidyā als notwendig erklärt. Bei Unvermögen soll die Mitternachtssandhyā wenigstens als Meditation vollzogen werden. Ist sie unterblieben, wiederhole man am folgenden Tag zur Wiedergutmachung die Wurzel-Vidyā hundertachtmal; danach sei man wieder zur Ritualhandlung berechtigt. So lautet die Śiva zugeschriebene Vorschrift.

Der Tantrarāja sagt: „Bei Unterlassung von Bad, Sandhyā oder Verehrung wiederhole man hundertachtmal [die Wurzel-Vidyā].“ Ferner:

15.SN.1 Die Sandhyā darf nicht unterlassen werden; so lautet Śambhus Weisung. Ein Eingeweihter ohne Sandhyā genießt die Frucht der Einweihung nicht.

Deshalb, so die Erklärung, sollen die Sādhakas alle vier Sandhyās vollziehen. Wird eine aus Nachlässigkeit versäumt, vollziehe man zur nächsten Sandhyā nach der genannten Wiedergutmachung zunächst die frühere und dann die gegenwärtige Handlung. Im Tripurārṇava:

15.SNq.1 Wer eine Sandhyā versäumt hat, vollziehe bei einer anderen zunächst die Handlung der früheren und dann gesammelt die Handlung der nachfolgenden Sandhyā.

Tägliches Tarpaṇa und vereinfachte Formen

Nach der Sandhyā-Verehrung vollziehe man Tarpaṇa für die Ahnen und die weiteren [Empfänger]. Nach dreimaligem Prāṇāyāma und der Einsetzung des Sehers und der weiteren Zuordnungen rufe man wie zuvor im Wasser vor sich die heilige Wasserstätte herbei. Mit Vaṃ und der Dhenu-Mudrā verwandle man es in Nektar und bespräche es achtmal mit dem Wurzelmantra.

Darin vergegenwärtige man das Śrīcakra und rufe in dessen Mitte nach der noch zu erklärenden Pīṭha-Verehrung die Göttin herbei. Im Wasser verehre man sie mit den sechzehn Gaben und nach der folgenden Vorschrift die Gottheiten ihrer Glieder und Umhüllungen. Mit der Wurzel-Vidyā und „Ich erquicke die Pādukās der Śrīmahātripurasundarī“ bringe man nach Vermögen hundertachtmal, halb so oft oder achtundzwanzigmal das heilige Wasser dar, als höchsten Nektar in ihrem Lotusmund vorgestellt. Die Umhüllungsgottheiten erquicke man in ihrer Reihenfolge mit jeweils einer Handvoll Wasser und ihren Verehrungsmantras, wobei „ich verehre“ durch „ich erquicke“ ersetzt wird.

Bei Unvermögen verehre man die Hauptgöttin in einem Dreiecksmaṇḍala mit Kreis und Quadrat, mit Waffen und den Kräften der Dreiecksumhüllung, begleitet von der Vierergruppe ab Vaṭuka, den sechs Glieder[-Göttinnen], den drei Guru-Reihen und siebzehn Nityās. [Die zusammengesetzte Angabe zu den sechs Gliedern und yuvatī ist knapp und wird nicht zu einer zusätzlichen Liste ausgebaut.] Ist auch dies nicht möglich, meditiere man im vorbereiteten Wasser über die Göttin, verehre sie und bringe nur ihr Tarpaṇa dar. Damit endet die tägliche Tarpaṇa-Vorschrift.

Der Lehrer und die Vorbereitung des Weihekrugs

Der Tantrarāja, 5.19, beschreibt [den Verehrenden]: mit rotem Duftstoff und Gewand, mit Kranz und rotem Schmuck, heiteren Geistes, den Mund von Kampfer duftend, den Körper gesalbt; im Lotussitz, nach Osten gewandt, den Atem ordnend und gesammelt.

Ein solcher vorzüglicher Lehrer bringe wie zuvor mit dem sechzehnsilbigen Mantra allen Wesen Bali dar, um Hindernisse zu befrieden. Am Scheitel verehre er die Nāthas mit neun Gaben: Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht, Speise, Betel, Verehrung, Lob und Selbsthingabe [bei der letzten Bezeichnung bietet die Vorlage eine schwankende Lesung]. Er vergegenwärtige seinen eigenen Herrn als in jenem aufgegangen und das eigene Selbst als dessen Wesen. Danach vollziehe er mit dessen Erlaubnis die drei Nyāsas am Leib des Schülers.

Nach Meditation und geistiger Verehrung stelle er auf dem Untersatz des mittleren Krugs den Feuerkreis mit seinen zehn Kalās vor. An den jeweiligen Kalā-Stellen vergegenwärtige er nach der zuvor genannten Ordnung die achtunddreißig śivaitischen Kalās und die achtunddreißig Gestalt-Kalās des Mahāṣoḍhā. Alle stelle er als Einheit vor. Den Krug bestreiche er mit den acht Śakti-Duftstoffen, bedecke ihn mit zwei Seidengewändern, lege Frucht, fünf Blattsprosse und die weiteren Gegenstände darauf und umwinde ihn mit Blütenkränzen. Darüber vergegenwärtige und verehre er das Śrīcakra. Nach Selbstverehrung mit dem achtsilbigen Ātma-Mantra beginne er die Pīṭha-Verehrung.

Die Insel der neun Edelsteine

Zunächst gelange man [in der rituellen Vorstellung] zum westlichen Zuckerrohrsaftmeer. In dessen westlichem Winkel verehre man Pañcamī als Uferhüterin mit den sechzehn Gaben nach der genannten Ordnung. Mit ihrer Erlaubnis gelange man zum Edelsteinschiff im nordwestlichen Bereich des Meeres und vollziehe die Kurukullā-Verehrung, beginnend mit Hrīḥ Ratnapotāya Namaḥ.

Mit ihrer Erlaubnis umfahre man die Edelsteininsel in umgekehrter Richtung und verehre mit Hrīṃ Śrīṃ und Namaḥ: im Westen das Zuckerrohrsaftmeer, im Süden das Meer des berauschenden Getränks, im Osten das Ghee-Meer, im Norden das Milchmeer. Westlich der Insel lege man eine Blüte nieder, gelange zum Puṣpadaṇḍa [die Orts- oder Gegenstandsbezeichnung ist hier nicht erläutert] und steige mit ihrer Erlaubnis aus.

Man vergegenwärtige die wunderbare Insel aus neun Edelsteinen, eine Koṭi Yojanas lang und breit, von ebenso großen Bergen umgeben, strahlend wie tausend Sonnen. Mit Hrīṃ Śrīṃ und den einundfünfzig Lauten von Aṃ an verehre man die in neun Bereiche gegliederte Edelsteininsel; dort ebenso den Garten der Wunschbäume.

Man vergegenwärtige die sechs Jahreszeiten als der Göttin zugewandt und verehre sie mit „Verehrung den sechs Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling“. Im Westen vergegenwärtige und verehre man die Sinnesorgane als Pferde, im Osten die Sinnesgegenstände als Elefanten, jeweils der Göttin zugewandt.

Von Westen aus in umgekehrter Richtung bis zur Mitte verehre man die neun Edelsteine: im Westen Puṣpa[-Ratna; die Vorlage verkürzt die Bezeichnung], im Südwesten Nīla, im Süden Vaidūrya, im Südosten Koralle, im Osten Perle, im Nordosten Smaragd, im Norden Diamant, im Nordwesten Gomeda und in der Mitte Padmarāga, jeweils mit den vorangestellten Bījas und Namaḥ.

In derselben Folge verehre man die Pādukās der neun Cakra-Herrinnen als der Göttin zugewandte Kräfte. Die Quelle nennt ihre Formen als Zeit, Mudrā, Mātṛkā, Edelstein, Ort, Guru, Tattva, Planet und Gestalt. Danach verehre man den umgebenden Wasserbereich des Mitgefühls.

In dessen Mitte vergegenwärtige man einen Rubin-Pavillon, der ein Drittel der Edelsteininsel einnimmt und wie Millionen Sonnen strahlt. Außerhalb des Pavillons verehre man von Westen aus in umgekehrter Folge die Pādukās von Kāla-Cakreśvarī, Mudrā-Cakreśvarī, Mātṛkā-Cakreśvarī und Ratna-Cakreśvarī. An den Ecken, vom Südwesten aus in umgekehrter Folge, die der Göttin zugewandten Kräfte in Gestalt von Ort, Zeit, Form und Śakti [die Vorlage bietet bei Letzterem auch die auf śabda, Laut, deutende Alternative].

Im Pavillon vergegenwärtige man die Musik-Yoginīs, der Göttin zugewandt und beidseits in Reihen sitzend, und verehre ihre Pādukās. Im Umkreis des Thrones vergegenwärtige man die ebenfalls der Göttin zugewandten Kräfte und verehre die Pādukās des gesamten Kreises der verborgenen, offenbaren und vollendeten Yoginīs. Damit endet die Pīṭha-Verehrung.

Bereitung des Arghya

Man stelle vor sich auf einem Untersatz ein Gefäß aus einem der drei Metalle, Glas oder Ton auf und fülle es mit Wasser. Untersatz, Gefäß und Wasser stelle man als Feuer, Sonne und Mond vor, als die drei Abschnitte der Vidyā und als die achtunddreißig Kalās. In das Wasser gebe man der Reihe nach Rocanā, Kampfer, Safran und wenig Moschus, als Verkörperungen der Elemente, beginnend mit Erde, vorgestellt. [Die Viererreihe der Stoffe und der allgemeine Elemente-Verweis werden nach der Quelle bewahrt.]

Mit dem dritten [Kūṭa] zeige man Dhenu- und Yoni-Mudrā und vergegenwärtige dort das Śrīcakra. An Nordwest-, Südwest-, Nordost- und Südostecke, in der Mitte und an den vier Richtungen vom Westen aus in der angegebenen Folge verehre man jeweils zehnmal mit den sechsgliedrigen Mantras. [Die gedrängte Ortsangabe nennt mehr Stellen als sechs; ihre Verteilung ist in diesem Satz nicht eindeutig.]

Mit den sechzehn Nityā-Vidyās verehre man jeweils einmal, mit dem dritten [Kūṭa] zehnmal und mit der Tages-Nityā dreimal, verbunden mit Rezitation. Mit diesem Arghya-Wasser und der Vidyā besprenge man sich selbst und sämtliche Verehrungsgeräte. Nach Bereitung des Arghya vollziehe man die Nyāsas.

Vier Sitze, sechs Glieder und Durchdringung

Nach der genannten Atemordnung vollziehe man mit Aṃ Āṃ Sauḥ die Handreinigung, indem die Rückseiten der linken und rechten Hand einander bestreichen. Es folgen die vier Sitze:

  • An den Füßen: Hrīṃ Klīṃ Sauḥ, „Verehrung dem Selbst-Sitz der Göttin“.
  • An den Unterschenkeln: Haiṃ Hklīṃ Hsauḥ, „Verehrung dem Cakra-Sitz“.
  • An den Knien: Hsaiṃ Hsaklīṃ Hsauḥ, „Verehrung dem Sitz aller Mantras“.
  • Am Geschlechtsorgan: Hrīṃ Klīṃ Bleṃ, „Verehrung dem Sitz des zu Vollbringenden und des Vollendeten“.

[Die ungewöhnlichen Bīja-Schreibungen folgen der vorliegenden Prosafassung.] Mit der Kulasundarī-Vidyā vollziehe man zweimal den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa und wie zuvor die Einsetzung der acht Redegottheiten, beginnend mit Vaśinī. Mit dem Anfang der Wurzel-Vidyā durchdringe man vom Scheitel bis zum Herzen, mit ihrem weiteren Teil vom Herzen bis zu den Fußspitzen, mit ihrem Ende von den Fußspitzen bis zum Herzen, jeweils mit zusammengelegten Händen. [Die Bezeichnung des ersten Teilmantras ist im E-Text mit einer Korrekturalternative versehen.] Damit enden die Nyāsas.

Herbeirufung und Meditation der Lalitā

Über dem Krug vergegenwärtige man das im eigenen Tantra beschriebene Śrīyantra. Im Bindu bilde man mit Hrīṃ Śrīṃ Sauḥ und der Mudrā des Erhebens der Śakti die Gestalt. Mit hsraiṃ hsakalarīṃ hsrauḥ namaḥ [die Vorlage bietet auch ssrauḥ] forme man die Trikhaṇḍā-Mudrā, in deren Innerem eine Blüte liegt. Mit der Tripurā-Mudrā vergegenwärtige man Wurzelzentrum, Herz und Kopf als Feuer, Sonne und Mond. Die Göttin als diese drei Lichter führe man aus dem eigenen Inneren durch den Nasenweg herbei, rufe sie in der gebildeten Gestalt an und meditiere über sie mit ihren Umhüllungen:

15.LD.1 Man vergegenwärtige Lalitā, rot, in ihren Händen Pfeile, Bogen, Schlinge und Elefantenstachel haltend, auf Kāmarājas Schoß ruhend, freudig;

15.LD.2 mit Halsketten, Halsschmuck, Edelsteinringen und Fußreifen versehen, mit vielfarbigen Büscheln aus den neun Edelsteinen geschmückt;

15.LD.3 strahlend mit Armreifen, Oberarmspangen und Edelsteinringen, göttlich, ein göttliches Gewand tragend;

15.LD.4 mit reinem Lächeln, erfreut vom Gesang der Śakti-Scharen, deren sie lauscht; durch den Genuss des angeborenen Nektars oder Rausches als Freudengestalt hervorgegangen;

15.LD.5 die Sādhakas durch ihre von Mitgefühl und Rausch erfüllten Seitenblicke beschützend; ringsum mit vielfältigem Schmuck, dunklen Yakschweifwedeln und weiteren [Ausstattungen] …

15.LD.6 … geschmückte Elefanten und ebenso ausgestattete Pferde betrachtend, die ihr die Kräfte vorführen, ringsum von Festfreude umgeben;

15.LD.7 bedient von unermesslich freigebigen Nityās, die ihr gleichen. Weil die Kräfte aus dem freudigen Entfalten der Hauptgöttin in der Mitte bestehen, …

15.LD.8 … sei die Meditation der Kräfte der neun Umhüllungen der Meditation der Göttin gleich. Außer dem Sitz auf Kāmas Schoß entsprechen Schmuck, Farbe, Waffen und alles Weitere …

… bei sämtlichen Cakra-Gottheiten ihr, höchste Herrin. So der Tantrarāja, 4.65.

Gaben, Guru-Reihen und Mondtags-Nityās

Mit dem dritten [Kūṭa] zeige man die vier Mudrās Sthāpanī, Sannirodhinī, Avaguṇṭhanī und Sannidhāpanī, danach die neun Mudrās von Sarvasaṃkṣobhiṇī an und die vier Waffen-Mudrās. Dann verehre man die Göttin mit den Gaben.

Mit dem dritten [Kūṭa] und der Tages-Nityā bringt man nach Tantrarāja 5.3 dar: Fußwasser, Arghya, Wasser zum Mundspülen, Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht, Speise, erneut Wasser zum Mundspülen, Betel, Verehrung, Lob, Tarpaṇa und Verneigung. [Die Quelle bezeichnet die Folge als sechzehn Gaben, obwohl die Aufzählung bei getrennter Zählung aller genannten Handlungen mehr Positionen ergibt.] Man spreche der Reihe nach etwa: „Ich bereite den Pādukās der Śrīmahātripurasundarī Fußwasser.“ Verwendet werden Honig, Milch, Kokoswasser, Früchte und weitere Gaben. Besondere Abschlüsse lauten bei Arghya Svāhā, beim Mundspülwasser Svadhā, bei den Blüten Vauṣaṭ.

Mit der Erlaubnis der Göttin vollziehe man die Verehrung ihres Gefolges. Hinter ihr, außerhalb des Dreiecks im Zwischenraum, verehre man die neun Nāthas in drei Reihen, von ihrer linken bis zu ihrer rechten Seite sitzend und ihr zugewandt, in Göttinnengestalt. Die Reihen heißen göttlich, vollendet und menschlich. Die Verehrung beginnt mit Hrīṃ Śrīṃ und „Ich verehre die Pādukās der Prakāśānanda-Śakti“ und setzt sich in der genannten Folge fort.

Danach verehre man in der Gestalt der Göttin die fünfzehn Mondtags-Nityās, die mit ihr eins sind und ihre Gestalt tragen. Mit Hrīṃ Śrīṃ, der Kāmeśvarī-Nityā-Vidyā und „Ich verehre die Pādukās der Kāmeśvarī-Nityā“ beginne man; entsprechend folgen die übrigen Mondtags-Nityās.

Die neun Umhüllungen des Śrīcakra

Nun folgt die Āvaraṇa-Verehrung. Die unten abgekürzten Namensreihen verwenden jeweils die vorangestellten Bījas und die Pādukā-Formel „Ich verehre die Pādukās …“. Die Nummern 1–9 stehen in der Quelle am Ende der jeweiligen Umhüllung; hier kennzeichnen sie den ganzen zugehörigen Abschnitt.

Erste Umhüllung: Trailokyamohana

15.AV.1 Im Quadrat, am Pfosten des Westtors beginnend, verehre man die zehn Siddhis: Aṇimā, Laghimā, Mahimā, Īśitva, Vaśitva, Prākāmya, Bhukti, Icchā, Rasa und Sarvakāmā.

Es folgen die acht Mütter: Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī.

[Die folgende Reihe steht in der Quelle in Klammern:] Drāṃ – Sarvasaṃkṣobhiṇī-Mudrā; Drīṃ – Sarvavidrāviṇī-Mudrā; Klīṃ – Sarvākarṣiṇī-Mudrā; Blūṃ – Sarvavaśaṅkaraṇī-Mudrā; Saḥ – Sarvonmādinī-Mudrā; Kroṃ – Sarvamahāṅkuśā-Mudrā; Hasraiṃ Hasakalarīṃ Hasarauḥ – Trikhaṇḍā-Mudrā; Hasakhaphreṃ – Khecarī-Mudrā; Hsauṃ – Bīja-Mudrā; Aiṃ – Mahāyoni-Mudrā.

Vor Aṇimā-Siddhi verehre man mit dem Wurzelmantra Tripurā-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man die Verehrung dar: „Mögen diese offenbaren Yoginīs im die drei Welten bezaubernden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Drāṃ zeige man die Sarvasaṃkṣobhiṇī-Mudrā. Damit endet die erste Umhüllung.

Zweite Umhüllung: Sarvāśāparipūraka

15.AV.2 Auf dem sechzehnblättrigen Lotus, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man die Nityā-Kalās:

  • Aṃ – Kāmākarṣiṇī; Āṃ – Buddhyākarṣiṇī; Iṃ – Ahaṃkārākarṣiṇī; Īṃ – Śabdākarṣiṇī.
  • Uṃ – Sparśākarṣiṇī; Ūṃ – Rūpākarṣiṇī; Ṛṃ – Rasākarṣiṇī; Ṝṃ – Gandhākarṣiṇī.
  • Ḷṃ – Cittākarṣiṇī; Ḹṃ – Dhairyākarṣiṇī; Eṃ – Smṛtyākarṣiṇī; Aiṃ – Nāmākarṣiṇī.
  • Oṃ – Bījākarṣiṇī; Auṃ – Ātmākarṣiṇī; Aṃ – Amṛtākarṣiṇī; Aḥ – Śarīrākarṣiṇī.

Vor Kāmākarṣiṇī verehre man mit dem Wurzelmantra Tripureśvarī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese verborgenen Yoginīs im alle Hoffnungen erfüllenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Drīṃ zeige man die Sarvavidrāviṇī-Mudrā. Damit endet die zweite Umhüllung.

Dritte Umhüllung: Sarvasaṃkṣobhaṇa

15.AV.3 Auf dem achtblättrigen Lotus, in den Richtungen vom Osten an, verehre man: Anaṅgakusumā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, Anaṅgarekhā, Anaṅgaveginī [der Name ist typographisch gestört], Anaṅgāṅkuśā und Anaṅgamālinī.

Vor Anaṅgakusumā verehre man mit dem Wurzelmantra Tripurasundarī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese noch verborgeneren Yoginīs im alles bewegenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Klīṃ zeige man die Sarvākarṣiṇī-Mudrā. Damit endet die dritte Umhüllung.

Vierte Umhüllung: Sarvasaubhāgyada

15.AV.4 Im vierzehneckigen Kreis, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man die Kräfte: Sarvasaṃkṣobhiṇī, Sarvavidrāviṇī, Sarvākarṣiṇī, Sarvāhlādinī, Sarvasammohinī, Sarvastambhinī, Sarvajṛmbhiṇī, Sarvavaśaṅkarī, Sarvarañjinī, Sarvonmādinī, Sarvārthasādhinī, Sarvasampatprapūraṇī, Sarvamantramayī und Sarvadvandvakṣayaṅkarī.

Vor Sarvasaṃkṣobhiṇī verehre man mit dem Wurzelmantra Tripuravāsinī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese Yoginīs der Überlieferung im alles Glück gewährenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Blūṃ zeige man die Sarvavaśaṅkaraṇī-Mudrā. Damit endet die vierte Umhüllung.

Fünfte Umhüllung: Sarvārthasādhaka

15.AV.5 Im äußeren Zehneck, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man die Göttinnen: Sarvasiddhipradā, Sarvasampatpradā, Sarvapriyaṅkarī, Sarvamaṅgalakāriṇī, Sarvakāmapradā, Sarvaduḥkhavimocinī, Sarvamṛtyupraśamanī, Sarvavighnanivāriṇī, Sarvāṅgasundarī und Sarvasaubhāgyadāyinī.

Vor Sarvasiddhipradā verehre man mit dem Wurzelmantra Tripurāśrī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese Kula-Kaula-Yoginīs im alle Ziele vollbringenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Saḥ zeige man die Sarvonmādinī-Mudrā. Damit endet die fünfte Umhüllung.

Sechste Umhüllung: Sarvarakṣākara

15.AV.6 Im inneren Zehneck, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man die Kräfte: Sarvajñā, Sarvaśakti, Sarvaiśvaryapradā, Sarvajñānamayī, Sarvavyādhivināśinī, Sarvādhārasvarūpā, Sarvapāpaharā, Sarvānandamayī, Sarvarakṣāsvarūpiṇī und Sarvepsitaphalapradā.

Vor Sarvajñā verehre man mit dem Wurzelmantra Tripuramālinī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese innersten Yoginīs [Quellenform nigarbha] im allumfassenden Schutz gewährenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Kroṃ zeige man die Mahāṅkuśā-Mudrā. Damit endet die sechste Umhüllung.

Siebte Umhüllung: Sarvarogahara

15.AV.7 Im Achteck, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man die acht Redegottheiten mit ihren in der Vorlage ausgeschriebenen Lauten:

  • Aṃ und die sechzehn [Vokale], Blūṃ – Vaśinī.
  • Kalahrīṃ – Kāmeśvarī.
  • Nblūṃ – Modinī.
  • Blūṃ – Vimalā.
  • Jmrīṃ – Aruṇā.
  • Hasalavayūṃ – Jayinī.
  • Jhamarayūṃ – Sarveśvarī.
  • Kṣmrīṃ – Kaulinī.

[Die ungewöhnlichen Konsonantenverbindungen bleiben nach der Vorlage erhalten; sie werden nicht ohne weiteren Beleg in geläufigere Bījas umgeschrieben.]

Vor Vaśinī verehre man mit dem Wurzelmantra Tripurasiddhā-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Mögen diese geheimen Yoginīs im alle Krankheiten entfernenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Hasakhaphreṃ zeige man die Sarvakhecarī-Mudrā. Damit endet die siebte Umhüllung. [Die Heilbedeutung ist Teil des überlieferten Cakra-Namens, keine medizinische Wirksamkeitsaussage.]

Achte Umhüllung: Waffen und inneres Dreieck

15.AV.8 Im Zwischenraum nahe den Armen der Göttin, an Nordwest-, Südwest-, Südost- und Nordostecke, verehre man:

hrīṃ śrīṃ yāṃ rā lāṃ vāṃ sāṃ drāṃ drīṃ klīṃ blūṃ saḥ sarvajambhanebhyaḥ kāmeśvarakāmeśvarībāṇebhyo namaḥ: „Verehrung den alles lähmenden Pfeilen Kāmeśvaras und Kāmeśvarīs.“ [Die Vorlage schreibt in der Lautfolge rā ohne eigenen Bindu.]

hrīṃ śrīṃ thaṃ ghaṃ sarvamohanakāmeśvarīdhanurbhyāṃ namaḥ: „Verehrung den beiden alles bezaubernden Bogen …“ [Der Doppelausdruck nennt in dieser Fassung nur Kāmeśvarī; die sonst parallele Nennung Kāmeśvaras fehlt.]

hrīṃ śrīṃ hrīṃ āṃ sarvavaśaṅkarakāmeśvarakāmeśvarīpāśābhyāṃ namaḥ: „Verehrung den alles unter Einfluss bringenden Schlingen Kāmeśvaras und Kāmeśvarīs.“

hrīṃ śrīṃ kroṃ kroṃ sarvastambhanakāmeśvarakāmeśvaryakuśābhyāṃ namaḥ: „Verehrung den alles stillstellenden Elefantenstacheln Kāmeśvaras und Kāmeśvarīs.“ [Die Wortform für Elefantenstachel ist im E-Text verkürzt.]

Im Dreieck, vor der Göttin beginnend nach links, verehre man: mit dem Vāgbhava-Kūṭa Kāmeśvarī am Kāma-Pīṭha; mit dem Kāmarāja-Kūṭa Vajreśvarī am Pūrṇagiri-Pīṭha; mit dem Śakti-Kūṭa Bhagamālinī am Jālandhara-Pīṭha.

Vor Kāmeśvarī verehre man mit dem Wurzelmantra Tripurāmbā-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man mit dem Wurzelmantra dar: „Mögen diese höheren und niederen geheimen Yoginīs im alle Vollkommenheiten gewährenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Hsauṃ zeige man die Bīja-Mudrā. Damit endet die achte Umhüllung.

Neunte Umhüllung: der Bindu

15.AV.9 Am Bindu verehre man mit dem Wurzelmantra Śrīmahātripurasundarī am Uḍyāna-Pīṭha und danach Mahātripurasundarī-Cakreśvarī-Nityā. In ihre linke Hand bringe man dar: „Möge diese überaus geheime Yoginī im ganz aus Freude bestehenden Cakra die Verehrung annehmen.“ Mit Aiṃ zeige man die Sarvamahāyoni-Mudrā. Damit endet die neunte Umhüllung.

Die Einheit von Gottheit, Guru, Mantra und Selbst

Erneut verehre man die Göttin zur freudigen Vollendung mit den sechzehn Gaben und zeige die Mudrās, beginnend mit Saṃkṣobhaṇī. Mit der inneren Betrachtung, welche die Einheit von Gottheit, Guru und eigenem Selbst verwirklichen soll, wiederhole man das Wurzelmantra zehnmal.

Diese Betrachtung wird so erklärt: Die drei Abschnitte der Wurzel-Vidyā enden jeweils mit dem vierten Vokal [der Text schreibt hier tuya, offenbar für turya]. Dessen drei Bindus stelle man sich vor. Mit dem oberen Bindu vergegenwärtige man das Gesicht der Göttin, mit den beiden darunter ihre Brüste, mit der übrigen halben Mātrā alle weiteren Glieder. Die Gottheit sei Mantra, auch der Guru sei Mantra; das eigene Selbst sei alles. Die Betrachtung dieser drei als Mantra und als dreifache Wirklichkeit führt so zur Betrachtung der Einheit von allem.

Das eigene Selbst als Göttin erinnernd, verehre man in sich die fünfzehn Nityās mit ihren jeweiligen Vidyās und dann sich selbst mit den Mantras der fünf Elemente. Die Lautgruppen werden in der Vorlage folgendermaßen zusammengeschrieben; sie werden hier mit ihren technischen Namen bewahrt:

  • A Ā und ekacaṭatapayaṣa – Verehrung der Pādukās der Prāṇa-Śakti.
  • I Ī und aikhachaṭhathapharakṣa – der Agni-Śakti.
  • U Ū und ogajaḍadabala – der Bhūmi-Śakti.
  • Ṛ Ṝ und aughajhaḍhadhabhavasa – der Ambu-Śakti.
  • Ḷ Ḹ Aṃ und ṅa ñaṇanamaśaha – der Sva-Śakti [so die vorliegende Bezeichnung; die genaue Worttrennung bleibt unsicher].

Mit dem achtsilbigen Ātma-Mantra oṃ hrīṃ haṃsaḥ so ’haṃ svāhā verehre man das eigene Selbst und vollziehe in sich die ausführliche Opferbetrachtung. Von Anfang bis Ende forme man die im eigenen Tantra angegebene Yoni-Mudrā und verbinde sich mit der Wirkkraft des Mantras. Mit der genannten inneren Betrachtung und der im eigenen Tantra erklärten Mantrabedeutung wiederhole man mit der dort vorgeschriebenen Gebetskette das Wurzelmantra tausendmal, hundertmal oder in der für diesen Tag vorgesehenen Zahl.

Nach einiger Zeit in der Śaktyutthāpana-Mudrā bringe man mit dem Wurzelmantra eine Handvoll Blüten dar und verehre die Göttin. Danach vollziehe man das tägliche Homa.

Tägliches Homa und die Krüge der vollständigen Weihe

In der Feuergrube des Ācārya ziehe man mit Kuśa-Halmen und Arghya-Wasser unter dem dritten [Kūṭa] und der Tages-Nityā je vier Linien nach Osten und Norden. Im mittleren Feld setze man mit diesen beiden [Formeln] das Feuer ein. Mit „Verehrung den Fleischverzehrenden“ entferne man ein Glutstück nach Süden. Mit den beiden Formeln bewege man [das Feuer] im Uhrzeigersinn, besprenge ringsum mit Wasser und breite in den vier Richtungen Kuśa-Halme mit den Spitzen nach Osten und Norden aus.

Man entfache das Feuer, zeige die Jvālinī-Mudrā, stelle es als Göttin vor und verehre es mit Hrīṃ Śrīṃ Agnaye Namaḥ. Danach verehre man seine Zungen mit den jeweiligen Mantras, beginnend Hrīṃ Śrīṃ Hiraṇyāyai Namaḥ. Im rechten Gesicht erinnere man Hiraṇyā, Kanakā und Raktā, im linken Suprabhā, Atiraktā und Bahurūpā. In jede opfere man der Reihe nach neun Ghee-Gaben. [Die Quelle nennt hier sechs Zungennamen; eine siebte wird nicht ergänzt.]

Nach Gaben mit dem dritten [Kūṭa] und der Tages-Nityā erinnere man die Bahurūpā-Zunge und opfere darin nach der Verehrungsfolge, mit einer der Mudrās Mṛgī, Haṃsī oder Sūkarī und einem der Stoffe gekochter Reis, Milchreis, Sesam oder Reiskörner. Es folgen Gaben mit der Tages-Nityā, dem achtsilbigen Ātma-Mantra und den Elementmantras. Mit dem Wurzelmantra opfere man tausend Gaben und wiederhole es ebenso oft.

Die Opferpriester nehmen Feuer aus der Grube des Ācārya, entzünden damit ihre acht vorbereiteten Gruben, opfern mit den zuvor genannten Mantras und vollziehen Japa entsprechend der Zahl ihrer Opfergaben. Die Rezitatoren der Friedenssprüche und die Torhüter lesen den Nityā-Kavaca [die Vorlage schreibt nityākacana]. Die Verehrung der Halle wurde bereits erklärt.

Danach verehrt der Guru in den sechzehn Krügen des mittleren Dreiecks Lalitā im ganz in der Mitte stehenden Krug und die fünfzehn Nityās in den übrigen fünfzehn. Ebenso ist die Verehrungsfolge an allen in sechzehn unterteilten Stellen zu verstehen. Genannt werden die beiden Wege zwischen den drei Quadratlinien, die Plätze der zehn Siddhis, der acht Mütter, die sechzehn Blätter, die acht Waffenplätze sowie die zweiundvierzig Dreiecke der vier Kreise mit vierzehn, zehn, zehn und acht Ecken.

Die anschließende Passage nennt fünfundneunzig Stellen und die Dreiecke der Gottheitsverehrung im Achteck. Auf jeder der drei Seiten eines Dreiecks werden je drei gleichmäßig verteilte Zeichen gesetzt; neun quer verlaufende Linien verbinden diese Zeichen und unterteilen das Dreieck in sechzehn. Danach nennt der Text sechsundneunzig umfassende Dreiecke und „anderthalbtausend und fünfunddreißig“ kleinere Dreiecke beziehungsweise Krüge. [Die Zahlen 95, 96 und 1.535 werden nach der Vorlage erhalten; 96 mal 16 ergäbe 1.536. Ein möglicherweise ausgenommener Mittelplatz wird hier nicht ohne eindeutigen Satzbeleg vorausgesetzt.]

Die entsprechend aufgestellten Krüge sind mit Wasser gefüllt, mit je zwei Gewändern umhüllt und enthalten fünf Edelsteine, fünf Blattsprosse, sieben Erdarten, Sandel und Blüten. Man rufe die Gottheiten herbei und verehre sie mit allen Gaben. Den mittleren Krug berührend, verehre man die noch zu erklärenden zwanzigtausendsiebenhundertsechsunddreißig Kālanityā-Vidyās.

Zeit, Tattvas und das vollständige Lautmaṇḍala

Der Tantrarāja, 25.1:

15.KN.1 Nun werde ich die Zeitgestalt der sechzehn Nityās durch die Laute, welche die sechsunddreißig Tattvas verkörpern, durch die daraus hervorgegangenen Mantras und Yantras der Reihe nach …

15.KN.2 … erklären, ebenso Anwendungen, welche verschiedene ersehnte Ziele erfüllen. Durch deren Erkenntnis und unterschiedliche Verehrung gelangen die aus Lauten bestehenden Mantras zur Vollendung.

[Unnummerierter Vers zwischen 2 und 4:] Die sechzehn Vokale seien die Nityās; die Laute von Ka bis Kṣa mit Vokalen sind die sechsunddreißig Tattvas. Die Gruppen verkörpern die neun Nāthas.

Die Erklärung: A, das die sechzehn Vokale umfasst, wird hier selbst als eine konsonantische Grundstelle behandelt. Zusammen mit den fünfunddreißig Konsonanten von Ka an entstehen sechsunddreißig Grundstellen als die sechsunddreißig Tattvas. Nun folgt die Gruppenteilung der einundfünfzig Laute:

15.KN.4 Bei den Vokalen bilden jeweils acht eine Gruppe, danach jeweils fünf. Für die Mütter bilden dagegen alle Vokale eine Gruppe; das Folgende bleibt wie zuvor.

Die sechzehn Vokale bilden also zwei Achtergruppen, die fünfunddreißig Konsonanten von Ka an sieben Fünfergruppen: neun Gruppen für die neun Nāthas. Für Brāhmī und die weiteren acht Mütter bilden die sechzehn Vokale eine einzige Gruppe; mit den sieben Konsonantengruppen ergeben sich acht Gruppen.

Nun die Lautfolge des vollständigen Maṇḍalas:

15.KN.5 Durch Verbindung der Nityās mit den Tattvas beträgt die Zahl der Laute fünfhundertsechsundsiebzig; nach ebenso vielen Jahren ist die Vollständigkeit erreicht.

Die sechzehn Nityā-Vokale werden mit den sechsunddreißig Tattva-Grundstellen verbunden: 16 mal 36 ergibt 576. Für A entstehen A, Ā, I, Ī, U, Ū, Ṛ, Ṝ, Ḷ, Ḹ, E, Ai, O, Au, Aṃ und Aḥ. Für Ka entstehen Ka, Kā, Ki, Kī, Ku, Kū, Kṛ, Kṝ, Kḷ, Kḹ, Ke, Kai, Ko, Kau, Kaṃ und Kaḥ. Ebenso werden die übrigen Laute von Kha bis Kṣa mit den sechzehn Vokalen verbunden. Die 576 Formen heißen das vollständige Maṇḍala.

15.KN.6 Der Umlauf der vollständigen Zeit trägt den Namen Yuga-Paryāya. Dreitausend Umläufe werden als die Dauer des Kṛtayuga angegeben.

15.KN.7 Durch Verminderung um jeweils ein Viertel davon entstehen Tretā und die weiteren [Yugas]. Mit Māyā, Dharā, Agni, Vāta und dem eigenen [Laut] werden die Yuga-Laute von Kṛta an bezeichnet.

15.KN.8 Mit den Tageslauten verbunden schreibe man sie in die mittlere Yoni. Beim Einsetzen in die Tageslaute stehen die Vokale als Bindus der Reihe nach …

15.KN.9 … an linker, oberer und rechter Seite, jeweils fünf. Die jeweiligen Yuga-Laute sind an ihrer Stelle in eigener Gestalt angeordnet.

15.KN.10 Bei den Konsonanten sind sie überall eng mit dem eigenen [Laut] verbunden. Bei allen Yantra-Anordnungen, Einsetzungen, Verehrungen und Gunstgewährungen …

15.KN.11 … bei Hemmung, Anlage eines Bauplatzes und Grundsteinlegung bewirken sie das gewünschte Gelingen. Vom Sonnenaufgang an, der Reihe der Ghaṭikās folgend, …

15.KN.12 … erscheinen die fünfzig Mātṛkā-Laute einzeln im Umlauf. In fünf Tagen werden sechs Umläufe erklärt.

15.KN.13 So bewegt sich die Zeit vom Anfang des Yuga an als Laut. In die Yoni zeichne man ein Dreieck und darin eine weitere Yoni.

15.KN.14 In diese schreibe man die Laute der Paryāya-Nityā-Reihe; außen den Yuga-Laut, in die Mitte mit dem Ghaṭikā-Laut. Dort …

15.KN.15 … verehre der Verehrende täglich die sechzehn Nityās, Herrin der Götter. Die höchste Ausführung geschieht Tag für Tag, die mittlere an jedem Parvan …

15.KN.16 … die geringere einmal im Monat; über einen Monat hinaus [führt Unterlassung nach dieser Lehre zu] fehlender Berechtigung. Die Laute des vollständigen Maṇḍalas stehen jeweils an erster Stelle, vom Anfang an der Reihe nach.

15.KN.17 Die sechsunddreißig Tattva-Laute bilden deren zweite [Stelle], der Reihe nach mit Marut; an dritter steht überall Vahni. So bestehen die Vidyās aus drei Lauten.

15.KN.18 Diese Tripurā[-Vidyās], Quellen aller Vollkommenheiten, wurden der Reihe nach erklärt. Man schreibe sie in ein Buch, stelle dieses auf einen Pīṭha und verehre es.

15.KN.19 Wo dies geschieht, sollen Krankheit, Unglück, planetare Bedrängnis, Hungersnot, Feinde, Geister, vorzeitiger Tod, Schadenszauber und Ähnliches in Stadt und Umgebung nicht auftreten.

15.KN.20 Dem, der täglich verehrt, sollen die ersehnten Ziele gelingen. Zwanzigtausend, siebenhundert und sechsunddreißig …

15.KN.21 … ist ihre genannte Zahl; ihr Umlauf soll die entsprechenden Ziele erlangen lassen. Bei Stillstellung und den weiteren Anwendungen verkörpern die Laute die jeweils entsprechenden Gestalten, Waffen und Fahrzeuge.

15.KN.22 Durch den mit diesen verflochtenen Japa gelangen die aus Lauten bestehenden Mantras zur Vollendung. Der Nātha-Umlauf im Mantra-Bestand umfasst zweitausenddreihundert …

15.KN.23 … und vier; der Tattva-Umlauf wird mit der Zahl des vollständigen Maṇḍalas erklärt, der Nityā-Umlauf mit tausend …

… zweihundert und sechsundneunzig. So ist alles erklärt. [Danach stehen in der Vorlage Lückensterne. Die Zahlen lauten 2.304, 576 und 1.296; die vorausgehenden Schutz- und Erfolgsaussagen sind traditionelle Verheißungen.]

Aufbau der 20.736 dreigliedrigen Vidyās

Dies werde später ausführlicher erklärt, heißt es im Kommentar. Gegenwärtig geht es um die Besprechung des Weihekrugs mit 20.736 Kālanityā-Vidyās. Diese sind im Tripurārṇava und weiteren Werken erklärt und auch im Tantrarāja angedeutet. Seine Angaben werden hier entfaltet.

Die sechsunddreißig Tattva-Laute von A bis Kṣa ergeben mit je sechzehn Nityā-Vokalen die 576 Formen des vollständigen Maṇḍalas. Jede einzelne davon bildet den ersten Laut von sechsunddreißig Vidyās. Alle diese ersten Laute heißen Vāgbhava. Die sechsunddreißig Tattva-Laute bilden, mit Ā verbunden, der Reihe nach wiederholt den zweiten Laut, der Kāmarāja genannt wird. Ī bildet bei sämtlichen Vidyās den dritten Laut, den Śakti-Kūṭa. [Damit ergibt sich die angegebene Gesamtzahl 576 mal 36 = 20.736.]

Nun werden diese Vidyās in der Reihenfolge der vollständigen Rezitation erklärt. Der Sādhaka vollziehe dreimal Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra und fasse den mit „Heute, hier …“ beginnenden Entschluss: „Bei der bevorstehenden Handlung des Pūrṇābhiṣeka werde ich den vollen Krug mit den 20.736 Kālanityā-Vidyās besprechen.“

An sechsunddreißig Körperstellen, beginnend mit Kopf und rechtem Oberarmansatz, vergegenwärtige man jeweils einen sechzehnblättrigen Lotus. Die sechsunddreißig Tattva-Laute von A bis Kṣa werden jeweils mit den sechzehn Vokalen vorgestellt. In die Mitte setze man die erste Form, auf die Blätter vom Osten an die sechzehn Vokalformen des jeweiligen Lautes, beginnend mit dieser ersten Form.

Nach dieser Einsetzung des vollständigen Lautmaṇḍalas vollziehe man erneut dreimal Prāṇāyāma mit der verbundenen Nityā- und Wurzel-Vidyā. Die Einsetzungen mit Namaḥ lauten: Dakṣiṇāmūrti als Seher am Kopf, Paṅkti als Versmaß am Mund, Śrīmahātripurasundarī in Gestalt der Kālanityā-Vidyā als Gottheit am Herzen. Mit gefalteten Händen erkläre man die Anwendung zur Besprechung des vollen Krugs.

Mit den drei Lauten der jeweiligen Tages-Nityā-Vidyā vollziehe man in zweimaligem Umlauf den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa, danach den genannten Vier-Sitze-Nyāsa und die Einsetzung der acht Redegottheiten. Im Herzen meditiere man über Kālanityā: rot, in rotem Gewand, mit roten Kränzen, Schmuck und Salbung, mit Schlinge, Elefantenstachel, Zuckerrohrbogen und Blütenpfeilen.

Nach der noch zu erklärenden Ordnung vergegenwärtige man im Herzen das Śrīcakra inmitten des Zeit-Cakra. Darin meditiere man über die Göttin mit ihren Umhüllungen, umgeben von den Kālanityā-Vidyās, verehre sie mit geistigen Gaben und beginne den Kālanityā-Japa.

Die vorbereitenden Aṅga-Vidyās

Zunächst werden die im Tripurārṇava genannten Glieder-Vidyās erklärt. Die erste Formel beginnt mit Oṃ, der Wurzel-Vidyā und der Tages-Nityā-Vidyā; es folgt Ahsauḥ und Haṃsaḥ. Entsprechend werden die folgenden Formen verbunden:

Ahsauḥ; Āhsauḥ; Ihsauḥ; Īhsauḥ; Uhsauḥ; Ūhsauḥ; Ṛhsauḥ; Ṝhsauḥ; Ḷhsauḥ; Ḹhsauḥ; Ehsauḥ; Aihsauḥ; Ohsauḥ; Auhsauḥ; Aṃhsauḥ; Aḥhasauḥ. Danach ebenso die Laute von Ka bis Kṣa. [Die letzte Vokalform schreibt die Vorlage ausdrücklich mit hasauḥ; die Konsonantenformen werden nur durch „ebenso“ angewiesen und nicht einzeln ausgeschrieben.]

Nachdem man die Wurzel-Vidyā mit diesen einundfünfzig Vidyās wiederholt hat, wiederhole man die Wurzel-Vidyā allein dreimal. Danach einmal die Dīpinī-Vidyā:

aiṃ vada vada vāgvādini aiṃ klīṃ klinne kledini kledaya kledaya mahākṣobhaṃ kuru kuru klīṃ sauḥ mokṣaṃ kuru kuru sauḥ hsauḥ

Sinngemäß: „Aiṃ, sprich, sprich, Göttin der Rede! Aiṃ Klīṃ, Benetzte, Benetzende, benetze, benetze; bewirke, bewirke große Erschütterung! Klīṃ Sauḥ, bewirke, bewirke Befreiung! Sauḥ Hsauḥ.“ [Zwischen den letzten Bījas steht in der Vorlage ein auffälliger Doppelpunkt; er wird nicht als gesicherter zusätzlicher Laut behandelt.]

Nach einmaliger Wiederholung der zuvor genannten Śrīguru-Pādukā-Vidyā wiederhole man die Wurzel-Vidyā mit vierzig weiteren Vidyās. Jede der folgenden Formen steht zwischen Wurzel-Vidyā und Haṃsaḥ; Bindestriche folgen der Trennung der Vorlage.

Erste Achterreihe

Ākṣāhasā-ī; Īlāhasā-ī; Ūhāhasā-ī; Ṛsāhasā-ī; Ḹpāhasā-ī; Aiśāhasā-ī; Auvāhasā-ī; Ālāhasā-ī.

Sechzehnerreihe

Ākṣā-ī; Akṣā-ī; Īlā-ī; Ilā-ī [in der Vorlage eingeklammert]; Ūhā-ī; Uhā-ī; Ṝṣā-ī; Ṛṣā-ī; Ḹsā-ī; Ḷsā-ī; Aiśā-ī; Eśā-ī; Ovā-ī; Ovā-ī; Aḥlā-ī; Aṃlā-ī. [Die zweimalige identische Form Ovā-ī wird nach der Vorlage erhalten.]

Zweite Achterreihe

Akā-ī; Ivā-ī; Uṭā-ī; Ṛtā-ī; Ḷpā-ī; Iyā-ī; Ośā-ī; Aṃlā-ī.

Dritte Achterreihe

Ākṣā-ī; Īlā-ī; Ūhā-ī; Ṝsā-ī; Ḹṣā-ī; Aiśā-ī; Auvā-ī; Aḥlā-ī.

[Die unterschiedlichen S-/Ṣ-Laute und die abweichenden Formen zwischen den Reihen werden nicht harmonisiert.] Nach diesen vierzig Formen wiederhole man die Wurzel-Vidyā mit den Kālanityā-Vidyās. Dieser Aṅga-Vidyā-Japa ist täglich am Anfang jeder der beiden Gruppen zu vollziehen.

Kālanityā-Japa: die ausgeschriebenen sechzehn Anfangsreihen

Nun folgt der Kālanityā-Japa. Vor jeder Lautform stehen die beiden Bījas und die Wurzel-Vidyā; Haṃsaḥ bildet den Abschluss. Die Quelle schreibt diese gemeinsame Rahmung zunächst bei jeder Form, später nur noch abgekürzt. Sie erklärt ausdrücklich, dass die beiden Bījas und die Wurzel-Vidyā überall zu verbinden sind. In den folgenden Reihen ist daher nur der wechselnde Lautkern ausgeschrieben. Nach jeder Reihe geht die Rezitation zur nächsten über.

[Die Reihen werden aus der vorliegenden Fassung übernommen. Bindestriche trennen die Glieder, ohne eine zusätzliche Übersetzung der Bījas vorzutäuschen. Wiederholte La-Formen und andere Abweichungen bleiben erhalten. Die sechzehn Reihen heißen im Text insgesamt 576; tatsächlich ist mindestens eine Formel nicht ausgeschrieben.]

A-Reihe

a-ā-ī | akā-ī | akhā-ī | agā-ī | aghā-ī | aṅā-ī | acā-ī | achā-ī | ajā-ī | ajhā-ī | añā-ī | aṭā-ī | aṭhā-ī | aḍā-ī | aḍhā-ī | aṇā-ī | atā-ī | athā-ī | adā-ī | adhā-ī | anā-ī | apā-ī | aphā-ī | abā-ī | abhā-ī | amā-ī | ayā-ī | arā-ī | alā-ī | avā-ī | aśā-ī | aṣā-ī | asā-ī | ahā-ī | alā-ī | akṣā-ī

Ā-Reihe

ā-ā-ī | ākā-ī | ākhā-ī | āgā-ī | āghā-ī | āṅā-ī | ācā-ī | āchā-ī | ājā-ī | ājhā-ī | āñā-ī | āṭā-ī | āṭhā-ī | āḍā-ī | āḍhā-ī | āṇā-ī | ātā-ī | āthā-ī | ādā-ī | ādhā-ī | ānā-ī | āpā-ī | āphā-ī | ābā-ī | ābhā-ī | āmā-ī | āyā-ī | ārā-ī | ālā-ī | āvā-ī | āśā-ī | āṣā-ī | āsā-ī | āhā-ī | ālā-ī | ākṣā-ī

I-Reihe

i-ā-ī | ikā-ī ikhā-ī | igā-ī | ighā-ī | iṅā-ī | icā-ī | ichā-ī | ijā-ī || ijhā-ī | iñā-ī | iṭā-ī | iṭhā-ī | iḍā-ī | iḍhā-ī | iṇā-ī | itā-ī | ithā-ī | idā-ī | idhā-ī | inā-ī | ipā-ī | iphā-ī | ibā-ī | ibhā-ī | imā-ī | iyā-ī | irā-ī | ilā-ī | ivā-ī | iśā-ī | iṣā-ī | īsā-ī | ihā-ī | ilā-ī | ikṣā-ī

[In der I-Reihe steht einmal Īsā-ī mit langem Anfangsvokal.]

Ī-Reihe

ī-ā-ī | īkā-ī | īkhā-ī | īgā-ī | īghā-ī | īṅā-ī | īcā-ī | īchā-ī | ījā-ī | ījhā-ī | īñā-ī | īṭā-ī | īṭhā-ī | īḍā-ī | īḍhā-ī | īṇā-ī | ītā-ī | īthā-ī | īdā-ī | īdhā-ī | īnā-ī | īpā-ī | īphā-ī | ībā-ī | ībhā-ī | īmā-ī | īyā-ī | īrā-ī | īlā-ī | īvā-ī | īśā-ī | īṣā-ī | īsā-ī | īhā-ī | īlā-ī | īkṣā-ī

U-Reihe

u-ā-ī | ukā-ī | ukhā-ī | ugā-ī | ughā-ī | uṅā-ī | ucā-ī | uchā-ī | ujā-ī | ujhā-ī | uñā-ī | uṭā-ī | uṭhā-ī | uḍā-ī | uḍhā-ī | uṇā-ī | utā-ī | uthā-ī | udā-ī | udhā-ī | unā-ī | upā-ī | uphā-ī | ubā-ī | ubhā-ī | umā-ī | uyā-ī | urā-ī | ulā-ī | uvā-ī | uśā-ī | uṣā-ī | usā-ī | uhā-ī | ulā-ī | ukṣa-ī

[Die letzte Form lautet Ukṣa-ī mit kurzem a.]

Ū-Reihe

ū-ā-ī | ūkā-ī | ūkhā-ī | ūgā-ī | ūghā-ī | ūṅā-ī | ūcā-ī | ūchā-ī | ūjā-ī | ūjhā-ī | ūñā-ī | ūṭā-ī | ūṭhā-ī | ūḍā-ī | ūḍhā-ī | ūṇā-ī | ūtā-ī | ūthā-ī | ūdā-ī | ūdhā-ī | ūnā-ī | ūpā-ī | ūphā-ī | ūbā-ī | ūbhā-ī | ūmā-ī | ūyā-ī | ūrā-ī | ūlā-ī | ūvā-ī | ūśā-ī | ūṣā-ī | ūsā-ī | ūhā-ī | ūlā-ī | ūkṣā-ī

Ṛ-Reihe

ṛ-ā-ī | ṛkā-ī | ṛkhā-ī | ṛgā-ī | ṛghā-ī | ṛṅgā-ī | ṛcā-ī | ṛchā-ī | ṛjā-ī | ṛjhā-ī | ṛñā-ī | ṛṭā-ī | ṛṭhā-ī | ṛḍā-ī | ṛḍhā-ī | ṛṇā-ī | ṛtā-ī | ṛthā-ī | ṛdā-ī | rdhā-ī | ṛnā-ī | ṛpā-ī | ṛphā-ī | ṛbā-ī | ṛbhā-ī | ṛmā-ī | ṛyā-ī | ṛrā-ī | ṛlā-ī | ṛvā-ī | ṛśā-ī | ṛṣā-ī | ṛsā-ī | ṛhā-ī | ṛlā-ī | ṛkṣā-ī

[Die Formen Ṛṅgā-ī und Rdhā-ī weichen in ihrer Schreibung von der regelmäßigen Folge ab.]

Ṝ-Reihe

ṝ-ā-ī | ṝkā-ī | ṝkhā-ī | ṝgā-ī | ṝghā-ī | ṝṅā-ī | ṝcā-ī | ṝchā-ī | ṝjā-ī | ṝjhā-ī | ṝñā-ī | ṝṭā-ī | ṝṭhā-ī | ṝḍā-ī | ṝḍhā-ī | ṝṇā-ī | ṝtā-ī | ṝthā-ī | ṝdā-ī | ṝdhā-ī | ṝnā-ī | ṝpā-ī | ṝphā-ī | ṝbā-ī | ṝbhā-ī | ṝmā-ī | ṝyā-ī | ṝrā-ī | ṝlā-ī | ṝvā-ī | ṝśā-ī | ṝṣā-ī | ṝsā-ī | ṝhā-ī | ṝlā-ī | ṝkṣā-ī

Ḷ-Reihe

ḷ-ā-ī | ḷkā-ī | ḷkhā-ī | ḷgā-ī | ḷghā-ī | ḷṅā-ī | ḷcā-ī | ḷchā-ī | ḷjā-ī | ḷjhā-ī | ḷñā-ī | ḷṭā-ī | ḷṭhā-ī | ḷḍā-ī | ḷḍhā-ī | ḷṇā-ī | ḷtā-ī | ḷthā-ī | ḷdā-ī | ḷdhā-ī | ḷnā-ī | ḷpā-ī | ḷphā-ī | ḷbā-ī | ḷbhā-ī | ḷmā-ī | ḷyā-ī | ḷrā-ī | ḷlā-ī | ḷvā-ī | ḷśā-ī | ḷṣā-ī | ḷsā-ī | ḷhā-ī | ḷlā-ī | ḷkṣā-ī

[Der Zeilenumbruch innerhalb von Ḷkā-ī ist zusammengezogen.]

Ḹ-Reihe

ḹ ā-ī | ḹkā-ī | ḹkhā-ī | ḹgā-ī | ḹghā-ī | ḹṅā-ī | ḹcā-ī | ḹchā-ī | ḹjā-ī | ḹjhā-ī | ḹñā-ī | ḹṭā-ī | ḹṭhā-ī | ḹḍā-ī | ḹḍhā-ī | ḹṇā-ī | ḹtā-ī | ḹthā-ī | ḹdā-ī | ḹdhā-ī | ḹnā-ī | ḹpā-ī | ḹphā-ī | ḹbā-ī | ḹbhā-ī | ḹmā-ī | ḹyā-ī | ḹrā-ī | ḹlā-ī | ḹvā-ī | ḹśā-ī | ḹṣā-ī | ḹsā-ī | ḹhā-ī | ḹlā-ī | ḹkṣā-ī

[Der Beginn lautet in der Vorlage Ḹ Ā-ī ohne ersten Bindestrich.]

E-Reihe

e-ā-ī | ekā-ī | ekhā-ī | egā-ī | eghā-ī | eṅgā-ī | ecā-ī | echā-ī | ejā-ī | ejhā-ī | eñā-ī | eṭā-ī | eṭhā-ī | eḍā-ī | eḍhā-ī | eṇā-ī | etā-ī | ethā-ī | edā-ī | edhā-ī | enā-ī | epā-ī | ephā-ī | ebā-ī | ebhā-ī | emā-ī | eyā-ī | erā-ī | elā-ī | evā-ī | eśā-ī | eṣā-ī | esā-ī | ehā-ī | elā-ī | ekṣā-ī

[Die Reihe enthält Eṅgā-ī mit zusätzlichem g.]

Ai-Reihe

ai-ā-ī | aikā-ī | aikhā-ī | aigā-ī | aighā-ī | aiṅā-ī | aicā-ī | aichā-ī | aijā-ī | aijhā-ī | aiñā-ī | aiṭā-ī | aiṭhā-ī | aiḍā-ī | aiḍhā-ī | aiṇā-ī | aitā-ī | aithā-ī | aidā-ī | aidhā-ī | ainā-ī | aipā-ī | aiphā-ī | aibā-ī | aibhā-ī | aimā-ī | aiyā-ī | airā-ī | ailā-ī | aivā-ī | aiśā-ī | aiṣā-ī | aisā-ī | aihā-ī | ailā-ī | aikṣā-ī

O-Reihe

o-ā-ī | okā-ī | okhā-ī | ogā-ī | oghā-ī | oṅā-ī | ocā-ī | ochā-ī | ojā-ī | ojhā-ī | oñā-ī | oṭā-ī | oṭhā-ī | oḍā-ī | oḍhā-ī | oṇā-ī | otā-ī | othā-ī | odāī | odhā-ī | onā-ī | opā-ī | ophā-ī | obā-ī | obhā-ī | omā-ī | oyā-ī | orā-ī | olā-ī | ovā-ī | ośā-ī | oṣā-ī | osā-ī | ohā-ī | olā-ī | okṣā-ī

[Odāī steht ohne Bindestrich.]

Au-Reihe

au-ā-ī | aukā-ī | aukhā-ī | augā-ī | aughā-ī | auṅā-ī | aucā-ī | auchā-ī | aujā-ī | auñā-ī | auṭā-ī | auṭhā-ī | auḍā-ī | auḍhā-ī | auṇā-ī | autā-ī | authā-ī | audā-ī | audhā-ī | aunā-ī | aupā-ī | auphā-ī | aubā-ī | aubhā-ī | aumā-ī | auyā-ī | aurā-ī | aulā-ī | auvā-ī | auśā-ī | auṣā-ī | ausā-ī | auhā-ī | aulā-ī | aukṣā-ī

[Zwischen Aujā-ī und Auñā-ī fehlt eine ausgeschriebene Jhā-Form; die Reihe enthält daher nur 35 statt 36 erkennbare Formen.]

Aṃ-Reihe

aṃ-ā-ī | aṃkāī | aṃkhā-ī aṃgā-ī | aṃghā-ī | aṃṅā-ī | aṃcā-ī | aṃchā-ī | aṃjā-ī | aṃjhā-ī | aṃñā-ī | aṃṭā-ī | aṃṭhā-ī | aṃḍā-ī | aṃḍhā-ī | aṃṇā-ī | aṃtā-ī | aṃthā-ī | aṃdāī | aṃdhā-ī | aṃnā-ī | aṃpā-ī | aṃphā-ī | aṃbā-ī | aṃbhā-ī | aṃmā-ī | aṃyā-ī | aṃrā-ī | aṃlā-ī | aṃbā-ī | aṃśā-ī | aṃṣā-ī | aṃsā-ī | aṃhā-ī | aṃlā-ī | aṃkṣā-ī

[Die Quelle schreibt Aṃkāī und Aṃdāī ohne Bindestrich; später steht erneut Aṃbā-ī an der Stelle, an der nach dem Schema eine Vā-Form zu erwarten wäre. Zwischen Aṃkhā-ī und Aṃgā-ī fehlt ein Trennstrich.]

Aḥ-Reihe

aḥ-ā-ī | aḥkā-ī | aḥkhā-ī | āgā-ī | aḥghā-ī | aḥṅā-ī | aḥcā-ī | aḥchā-ī | aḥjā-ī | aḥjhā-ī | aḥñā-ī | aḥṭā-ī | aḥṭhā-ī | aḥḍā-ī | aḥḍhā-ī | aḥṇā-ī | aḥtā-ī | aḥthā-ī | aḥdā-ī | aḥdhā-ī | aḥnā-ī | aḥpā-ī | aḥphā-ī | aḥbā-ī | aḥbhā-ī | aḥmā-ī | aḥyā-ī | aḥrā-ī | aḥlā-ī | aḥvā-ī | aḥśā-ī | aḥṣā-ī | aḥsā-ī | aḥhā-ī | aḥlā-ī | aḥkṣā-ī

[An der vierten Stelle steht Āgā-ī statt einer ausdrücklich mit Aḥ beginnenden Form.]

Yuga-Laut, Tageslaut und Umfang der Rezitation

Die Quelle erklärt die so gebildete Rezitation als 576 Wiederholungen. Bei dieser vollständigen Rezitation der Wurzel-Vidyā beginne man mit den 576 Vidyās, die aus dem Yuga-Laut des betreffenden Tages in seinen sechzehn Vokalformen entstehen. Danach wiederhole man die Wurzel-Vidyā mit ebenso vielen aus dem Tageslaut entstandenen Vidyās in der genannten Folge. Yuga-Laut und Tageslaut sind als erster und zweiter Laut der Vidyā des jeweiligen Tages zu verstehen.

Bei der aus dem Yuga-Laut gebildeten Rezitation gilt eine besondere Reihenfolge: Man beginnt mit dem Vokal, mit dem der Yuga-Laut im betreffenden Yuga verbunden ist. Für jeden Vokal rezitiert man sechsunddreißig Formen bis zur letzten Visarga-Vidyā. Danach beginnt man wieder beim ersten Vokal desselben Lautes und rezitiert bis zur letzten Vidyā des dem Anfangsvokal vorausgehenden Vokals. So entstehen 576 Wiederholungen der Wurzel-Vidyā.

[Die folgende Passage enthält eine ausdrückliche Textlücke: „Hier Yuga … eine aus sechsunddreißig Tagen bestehende Rezitation …“; auch die Vorlage markiert den Anschluss als unsicher.] Von den 576 Lauten des vollständigen Maṇḍalas wird jeder in einem jeweiligen Yuga zum Yuga-Laut. All dies soll man von Guru und Lehrtext gründlich verstehen und danach die vollständige Rezitation ausführen.

So ergeben sich 1.152 Wiederholungen. Der Aṅga-Vidyā-Japa mit der Wurzel-Vidyā umfasst am Anfang jeder Gruppe einundneunzig Wiederholungen, für die beiden Gruppen also 182. Die Wurzel-Vidyā allein wird an vier Stellen jeweils dreimal wiederholt, zusammen zwölfmal. Die Quelle nennt als Gesamtsumme ausdrücklich 1.046. [Diese Summe stimmt nicht mit den unmittelbar zuvor genannten Zahlen überein: 1.152 + 182 + 12 ergibt 1.346. Die abweichende Quellensumme wird deshalb nicht unmarkiert berichtigt.]

Nach der vorgeschriebenen Rezitation wiederhole man die Wurzel-Vidyā allein dreimal, die zuvor genannte Dīpinī-Vidyā einmal und die Guru-Pādukā-Vidyā einmal. Danach einmal die Uttīrṇa-Vidyā ḍaralakasahaiṃ hasakalaḍīṃ sahakalaraḍau namaḥ [die letzte Form steht in der Vorlage ohne Bindu] und mit gefalteten Händen einmal die Bitt-Vidyā: mama sakalamanorathān sādhaya sādhaya tubhyaṃ namaḥ, „Verwirkliche, verwirkliche alle meine Herzenswünsche; Verehrung dir.“ Dies gilt für das Ende beider Gruppen.

Der Aṅga-Vidyā-Japa und die weiteren Wiederholungen des Wurzelmantras werden bei der vollständigen Rezitation besonders empfohlen. Bei der Krugbesprechung und vergleichbaren Handlungen sind dagegen nur die Kālanityās zu wiederholen, weil dort von Tagen, Wochentagen, Monatshälften und weiteren [Zeitmaßen] gesprochen wird. Bei einer Durchführung über viele Tage gelten die ausführlichen Ergänzungen ebenfalls als vorzüglich; bei einer auf drei oder vier Tage begrenzten Ausführung sind nach der Überlieferung nur die [Kālanityās] vorgesehen.

Am Ende einer Gruppe rezitiere man das folgende Lob und beginne danach die zweite Gruppe. Im Tripurārṇava:

15.BH.1 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, die in den Müttern und Bhairavas gegenwärtig ist, [verbunden] mit Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Sonne, Mond und Opferherrn sowie den … Yuga-Vokalen. [Die Verbindung yaṣṭṭaprāyayugasvaraiḥ ist beschädigt; der ganze zweite Bezug bleibt unsicher.]

15.BH.2 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, deren Gestalt die acht Lautgruppen von Ka an und die Gesamtheit der Achtergruppen umfasst, umgeben von acht Kräften.

15.BH.3 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, die durch [Verbindung] der sechzehn Vokale mit den sechsunddreißig höheren und niederen [Grundstellen] in den sechsunddreißig Tattvas gegenwärtig ist.

15.BH.4 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, die in den Śiva-Mond-Kalās der sechsunddreißig Tattvas einzusetzen ist und das Innere der mit Ka beginnenden Tattvas bildet. [Die syntaktische Verbindung ist im Vers gedrängt.]

15.BH.5 Ich verehre die höchste Göttin Tripurabhairavī, die alles verkörpert und die vielfältigen Mond-Kalās durch die beiden Bestimmungen Ā und Ī beziehungsweise Māyā trägt. [Die Wortfolge ā-imāyādvayopādhi lässt die genaue Zuordnung offen.]

15.BH.6 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, die in den sechs Wegen, im Körper und in der Yoni gegenwärtig ist, als Kuṇḍalinī der drei Maṇḍalas, über die drei Liṅgas hinausreichend.

15.BH.7 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī als ursprüngliches inneres Bewusstsein, [verbunden] mit Svayambhū, Herz, Bāṇa, Brauen und Kāma … [die räumliche Zuordnung und der Schluss des ersten Halbverses sind nicht sicher erschließbar].

15.BH.8 Ich verehre die Göttin Tripurabhairavī, die höchste Handlungskraft, die Herrin des Alls, deren Namen und Gestalten in den Lauten enthalten sind. [Die Vorlage schreibt im Kompositum āśiṣa; ein Sinn „sämtliche Namen und Gestalten“ ist wahrscheinlich, aber nicht wortgetreu gesichert.]

Dieses Lob ist am Ende einer Gruppe von den Gesammelten zu rezitieren. [Danach stehen Lückensterne in der Vorlage.]

Nach dem Lob vollziehe man wie zuvor dreimal Prāṇāyāma und bringe der Göttin den Japa dar: „Du Hüterin des überaus Geheimen, nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Möge mir, Göttin, durch deine Gnade die in dir ruhende Vollendung zuteilwerden.“ Danach beginne man die Rezitation der zweiten Gruppe.

Die mit Ka beginnende zweite Gruppe

Die zweite Gruppe beginnt mit Wurzel-Vidyā, Tages-Nityā-Vidyā, ka-ā-ī und Haṃsaḥ; so gilt die gemeinsame Rahmung überall. Die erste Reihe lautet:

ka-ā-ī | kakā-ī | kakhā-ī | kagā-ī | kaghā-ī | kaṅā-ī | kacā-ī | kachā-ī | kajā-ī | kajhā-ī | kañā-ī | kaṭā-ī | kaṭhā-ī | kaḍā-ī | kaḍhā-ī | kaṇā-ī | katā-ī | kathā-ī | kadā-ī | kadhā-ī | kanā-ī | kapā-ī | kaphā-ī | kabā-ī | kabhā-ī | kamā-ī | kayā-ī | karā-ī | kalā-ī | kavā-ī | kaśā-ī | kaṣā-ī | kasā-ī | kahā-ī | kalā-ī | kakṣā-ī

Danach rezitiere man jeweils mit Haṃsaḥ die folgenden Anfangs- und Endfolgen; die Zwischenformen werden in der Quelle nur durch „und so weiter“ bezeichnet:

  • Kā-ā-ī bis Kākṣā-ī.
  • Ki-ā-ī bis Kikṣā-ī.
  • Kī ā-ī bis Kikṣā-ī [am Ende kurzer statt langer i-Laut].
  • Kū ā-ī bis Kukṣā-ī [langer ū-Laut am Anfang, kurzer u-Laut am Ende].
  • Kū ā-ī bis Kūkṣā-ī.
  • Kṛ ā-ī bis Kṛkṣā-ī.
  • Kṛ ā-ī bis Kṝkṣā-ī [kurzer ṛ-Laut am Anfang, langer am Ende].
  • Kḷ ā-ī bis Kḷkṣā-ī.
  • Kḷ ā-ī bis Kḹkṣā-ī [kurzer ḷ-Laut am Anfang, langer am Ende].
  • Ke ā-ī bis Kekṣā-ī.
  • Kai-ā-ī bis Kaikṣā-ī.
  • Ko-ā-ī bis Kokṣā-ī.
  • Kau ā-ī bis Kaukṣā-ī.
  • Kaṃ-ā-ī bis Kaṃkṣā-ī.
  • Kaḥ ā-ī bis Kaḥkṣā-ī.

[Die genannten Abweichungen bleiben als Lesungen der Vorlage erkennbar; die beabsichtigte sechzehnfache Vokalordnung ist zuvor erklärt.]

Die übrigen Grundlautgruppen

Wie zuvor folgen die nachstehenden Gruppen, für die die Quelle jeweils 576 nennt. Sie gibt wiederum nur Anfang und Ende an:

  • Kha ā-ī bis Khaḥkṣā-ī: 576.
  • Ga-ā-ī bis Gaḥkṣā-ī: 576.
  • Gha ā-ī bis Ghaḥkṣā-ī: 576.
  • Ṅa-ā-ī bis Ṅaḥkṣā-ī: 576.
  • Ca ā-ī bis Caḥkṣā-ī: 576.
  • Cha-ā-ī bis Chaḥkṣā-ī: 576.
  • Ja ā-ī bis Jaḥkṣā-ī: 576.
  • Jha ā-ī bis Jhaḥkṣā-ī: 576.
  • A ā-ī bis Aḥkṣā-ī: 576. [An der Stelle der Ña-Gruppe liest die Vorlage A.]
  • Ṭa ā-ī bis Ṭaḥkṣā-ī: 576.
  • Ṭha ā-ī bis Ṭhaḥkṣā-ī: 576.
  • Ḍa ā-ī bis Ḍaḥkṣā-ī: 576.
  • Ḍha ā-ī bis Ḍhaḥkṣā-ī: 576.
  • Ṇa ā-ī bis Ṇaḥkṣā-ī: 576.
  • Ta ā-ī bis Taḥkṣā-ī: 576.
  • Tha ā-ī bis Thaḥkṣā-ī: 576.
  • Da ā-ī bis Daḥkṣā-ī: 576.
  • Dha ā-ī bis Dhaḥkṣā-ī: 576.
  • Na ā-ī bis Naḥkṣā-ī: 576.
  • Pa ā-ī bis Paḥkṣā-ī: 576.
  • Pha ā-ī bis Phaḥkṣā-ī: 576.
  • Ba ā-ī bis Baḥkṣā-ī: 576.
  • Bha ā-ī bis Bhaḥkṣā-ī: 576.
  • Ma ā-ī bis Maḥkṣā-ī: 576.
  • Ya ā-ī bis Yaḥkṣā-ī: 576.
  • Ra ā-ī bis Raḥkṣā-ī: 576.
  • La ā-ī bis Laḥkṣā-ī: 576.
  • Va ā-ī bis Vaḥkṣā-ī: 576.
  • Śa ā-ī bis Śaḥ kṣā-ī: 576.
  • Ṣa ā-ī bis Ṣaḥkṣā-ī: 576.
  • Sa ā-ī bis Saḥkṣā-ī: 576.
  • Ha ā-ī bis Haḥkṣā-ī: 576.
  • La ā-ī bis Laḥkṣā-ī: 576. [Die zweite La-Schreibung ist in der Vorlage nicht durch ein besonderes Zeichen unterschieden.]
  • Kṣa ā-ī bis Kṣaḥkṣā-ī: 576.

Fünf Zeitpläne für die vollständige Rezitation

Bei dieser vollständigen Rezitation gibt es fünf Arten des Umlaufs. Der Tantrarāja, 25.96:

15.KP.1 Wer die als Nityās gepriesenen Vidyās einmal im Lauf eines Tages, einer Woche, einer Monatshälfte, eines Monats oder von sechsunddreißig Tagen rezitiert, …

15.KP.2 … erlangt der Reihe nach Lebensdauer, Gesundheit, Herrschaft, Sieg und das Gewünschte. Durch sie wird Lalitā in ihrer Überlieferungsfolge gegenwärtig.

15.KP.3 Für einen vollständigen Umlauf an einem Tag gilt: Man beginne mittags und beende um Mitternacht.

15.KP.4 Bei einmaliger Rezitation innerhalb einer Woche rezitiere der Mantrin am ersten Tag, Sonntag, die erste Gruppe Vaśinīs und die zweite Kāmeśvarīs;

15.KP.5 nach diesen beiden Gruppen wiederhole der Verständige an den sechs Tagen von Montag an jeweils eine Gruppe, beginnend mit Modinī.

15.KP.6 Bei einmaliger Rezitation innerhalb einer Monatshälfte wiederhole man an den Mondtagen vom ersten an täglich die Vidyās zweier Reihen.

15.KP.7 Am fünften, zehnten und fünfzehnten, den vollen [Mondtagen], rezitiere der Verständige der Reihe nach die Vidyās von vier Reihen.

15.KP.8 So vollendet der Wissende sie im Monat durch tägliche [Rezitation]. Keine andere Vidyā in den Welten ist diesen gleich. [Die Monatsangabe folgt auf den Plan einer Monatshälfte; die genaue Verteilung wird in diesen Versen nicht weiter getrennt erläutert.]

15.KP.9 Deshalb verwirkliche man durch diese Mittel alles Ersehnte. Was auch immer das eigene Ziel sei: Das Schwer-Vollbringbare werde leicht.

15.KP.10 Durch Japa, Tarpaṇa, Homa, Verehrung und Besprengung verwirkliche es der Beständige. Nach fünfzig hingebungsvollen Umläufen der Vidyās …

15.KP.11 … werde er von Fesseln, schweren Bedrängnissen und grausamer Gefangenschaft durch Feinde befreit. Nach hundert Umläufen [erlangen die Verehrenden] die Fülle von Wissen, Besitz und Herrlichkeit …

15.KP.12 … selbst Unfruchtbare erlangen Söhne mit allen guten Eigenschaften. Nach hundertfünfzig hingebungsvollen Umläufen …

15.KP.13 … finden sie mühelos eine an Eigenschaften, Schönheit und Weiterem reiche Gattin; nach ebenso vielen Umläufen ein Mädchen einen Gatten mit allen guten Eigenschaften.

15.KP.14 Sie erlangen Söhne, Enkel und weitere [Nachkommen], gedeihen und sind mit Wohlstand versehen. Nach zweihundert Umläufen werde man gewiss von Armut befreit.

15.KP.15 Nach dreihundert sei man reich an Land und Ernte, nach vierhundert wohlhabend, nach fünfhundert ein Landesherr, nach sechshundert ein König.

15.KP.16 Nach siebenhundert verlasse Ramā, die Glücksgöttin, seine Familie nicht; nach achthundert werden alle Könige seine Diener.

15.KP.17 Nach neunhundert sei er unter Frauen wie Kandarpa, der Liebesgott. Nach neunhundertfacher Rezitation erlange er alle Wünsche.

Ihre vollständige Verehrung wird als alle Ziele erfüllend bezeichnet. [Danach stehen Lückensterne. Die Aussagen über Gesundheit, Fruchtbarkeit, Macht und Wohlstand sind historische Ritualverheißungen, keine überprüften Wirkungszusagen.]

Erläuterung und Rückkehr zum Weihekrug

Der Kommentar erklärt die schwierigen Wörter: Die ersten zweieinhalb Verse seien klar. „Ein Umlauf“ bedeutet, die Wurzel-Vidyā mit sämtlichen 20.736 Kālanityā-Vidyās ebenso oft in der vorgeschriebenen Weise zu rezitieren; dies könne täglich geschehen. Bei der Wochenfolge von Sonntag bis Samstag gelten die zuvor genannten Gruppen Vaśinīs und der weiteren. Varga, Paṅkti und Yoni sind hier gleichbedeutende Bezeichnungen für die Gruppen beziehungsweise Reihen. Seka bedeutet Abhiṣeka; „beständig“ meint jemanden von unbeweglicher Hingabe.

Der durch die Verse ab „fünfzig“ erläuterte wunschorientierte Japa betrifft nur die Kālanityā-Vidyās selbst. Diese Ordnung ist von Guru und Lehrtext zu verstehen. Wie das Zeit-Cakra gezeichnet wird, soll später erklärt werden.

Nach der Krugbesprechung rufe man überall in den Sechzehnergruppen der Krüge Lalitā in der Mitte und die fünfzehn Nityās in den übrigen Krügen herbei und verehre sie mit den sechzehn Gaben. Danach kehre man zum mittleren Hauptkrug zurück, vollziehe die freudige Verehrung und bringe Ārātrika dar. Nach dem zuvor genannten Guru-Lob „Verehrung dir, Herr, Erhabener …“ rezitiere man die folgenden zwölf Verse.

Lob der Mātṛkā

Der Tantrarāja, 2.88:

15.MT.1 Ich preise die Göttin, die aus Mantras bestehende Mātṛkā, deren Gestalt Gaṇeśa, Planeten, Mondhäuser, Yoginīs und Tierkreiszeichen sind, die die Pīṭhas verkörpert.

15.MT.2 Ich verneige mich vor der großen Göttin, der Mātṛkā, der höchsten Herrin, die das Aufwallen und Wogen der Zeit und ihres verderblichen Giftes zur Ruhe bringt. [Das Kompositum kālahallohalollola ist in der Vorlage gestört.]

15.MT.3 Wenn auch nur ein einziger ihrer Laute vollkommen verwirklicht ist, wetteifert der Mensch mit Sonne, Garuḍa, Mond, Liebesgott, Śaṅkara, Feuer und Viṣṇu.

15.MT.4 Ich verehre die Göttin, die Herrin von allem, die vollendete Mātṛkā von großer Herrlichkeit, deren Laut-Mondlicht die drei Welten schmückt.

15.MT.5 Ich verehre jene Siddhi-Mātṛkā, auf deren großem Lautfaden diese drei Welten aufgereiht sind, vom Weltei bis zu seiner äußersten Schale.

15.MT.6 Die Welt vom Weltei bis zur Schale ist noch heute als aus dem elften Stützpunkt, dem Bīja und den drei Ecken hervorgegangen sichtbar … [Die Zuordnung dieser zusammengesetzten Begriffe bleibt im Vers knapp.]

15.MT.7 … jene, deren Lautgruppen A, Ka, Ca, Ṭa, Ta, Pa, Ya und Śa sind, die an Haupt oder Daumen [jyeṣṭha ist hier mehrdeutig], Gliedern, Armen, Herz, Rücken, Hüften und Füßen wohnt;

15.MT.8 vor ihr verneige ich mich, der großen Göttin von höchster Freudegestalt, der höheren und niederen, deren wesentliche Grundlage die Entfaltung des Ī-Lautes ist.

15.MT.9 Bis heute erkennen die Gottheiten nicht einmal im Geringsten ihre eigene und gestaltlose Wirklichkeit: „Wer ist sie? Woher? Wo? Durch wen?“

15.MT.10 Ich verehre jene Göttin, die den unvergänglichen Kṣa-Laut verkörpert, die im Wogen der Kula-Kalā hervorstrahlt … [der Schluss paraulijām ist beschädigt und nicht sicher übersetzbar].

15.MT.11 Ich verehre sie, in der durch die Verbindung der geordneten Lautgruppen die acht Mütter stehen, die Herrin der acht großen Vollkommenheiten, die aus den acht Gruppen hervorgehen.

15.MT.12 Ich preise Śrītripurā, die in den Pīṭhas namens Kāma, Pūrṇa, Ja und Śrī wohnt und den Schatz der vier Weisungen bildet. [Die Pīṭha-Namen stehen im Vers verkürzt.]

15.MT.13 Dieses Lob in zwölf Versen bewirkt alle Vollkommenheiten, denn es ist das Lob deiner ungeteilten Göttinnengestalt.

[Der dreizehnte nummerierte Vers ist die Schlussaussage über das zwölfversige Lob.] Danach rezitiere man den Nityā-Kavaca.

Nityā-Kavaca: Schutzgebet der Nityās

Der Tantrarāja, Kapitel 28, ab Vers 52:

15.NK.1 Zur Befreiung von allen Bedrängnissen, zur Erlangung aller Güter, zur Befriedung der Pein durch Bhūtas, Pretas, Piśācas und weitere [Wesen], zur Erlangung von Wohlergehen …

15.NK.2 … zur Vernichtung aller Krankheiten und zum Sieg im Kampf, in der Furcht vor Räubern, Löwen, Leoparden, Elefanten, wilden Rindern und Ähnlichem …

15.NK.3 … im Wald, in unzugänglichen Bergen, auf dem Weg, bei Hungersnot, bei Bedrängnis durch Wasser, Feuer und Wind, auf dem Meer und in Schiffsnot …

15.NK.4 … rezitiere man den Nityā-Kavaca einmal und überwinde all dies. Man lebe glücklich, frei von Gegensätzen und Feinden, mit beherrschten Sinnen.

15.NK.5 Höre, Göttin, diesen neunfachen Kavaca, den ich dir erklären werde und durch den auch ich in Kämpfen stets Götter und Dämonen besiege. [Die Bezeichnung „neunfach“ wird an dieser Stelle nicht weiter erläutert.]

15.NK.6 Lalitā schütze mich stets von allen Seiten, als Selbst von allem. Kāmeśī schütze mich vorn, Bhagamālā die nächste …

15.NK.7 … Richtung. Nityaklinnā schütze stets meine rechte Seite; Bheruṇḍā schütze stets meine [nächste] Richtung.

15.NK.8 Vahnivāsinī beschütze den westlichen Bereich; Mahāvajreśvarī schütze stets die folgende Richtung.

15.NK.9 Dūtī schütze stets meine linke Seite, Tvaritā die nächste Richtung; Kulasundarī schütze mich im Wirbelwind.

15.NK.10 Nityā schütze mich von oben, die Nityā namens Nīlapatākā stets von unten, Vijayā von allen Seiten.

15.NK.11 Sarvamaṅgalā wirke mir stets Gutes. Die Gestalt Jvālāmālinīs schütze Körper, Sinne, Geist und Lebenskräfte …

15.NK.12 … unablässig; Citrā schütze stets mein Bewusstsein. Vor Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Rausch …

15.NK.13 … vor Unrecht, Neid, Trauer und Zweifel, überall und stets, vor Erstarrung und dem Eifer zu unheilsamen Handlungen …

15.NK.14 … vor Unwahrheit, grausamen Gedanken, Gewalt und Diebstahl mögen sie mich stets schützen und den Wunsch nach heilsamen Handlungen in mir wecken.

15.NK.15 Die sechzehn Nityās mögen mich mit ihren Kräften auf Elefanten reitend schützen; ebenso auf Pferden reitend, überall und stets.

15.NK.16 Auf Löwen reitend mögen sie mich schützen, ebenso auf Tarakṣas [einem Raubtier, häufig als Hyäne verstanden]; auf Wagen mögen sie mich stets von allen Seiten im Kampf schützen.

15.NK.17 Auf Garuḍa reitend mögen sie mich schützen, ebenso im Luftraum wandelnd; auf der Erde gegenwärtig mögen sie mich überall und stets schützen.

15.NK.18 Mit den schrecklichen Waffen ihrer Kräfte mögen sie die Beschwerden durch Bhūtas, Pretas, Piśācas, Apasmāra, Schadenszauber und weitere [Bedrängnisse] vertreiben.

15.NK.19 Die unzähligen göttlichen Kräfte, auf Elefanten, Pferden, Leoparden, Löwen und Garuḍa reitend, mit allen Waffen, mögen mich überall und stets schützen.

15.NK.20 Wer den Nityā-Kavaca voller Kostbarkeiten morgens und abends rezitiert, soll niemals Unheil sehen oder dergleichen hören.

[Die Schutz- und Heilzusagen sind Gebets- und Verheißungssprache der Quelle. In den Versen 12–14 wird Schutz ausdrücklich auch als Abwendung von Gewalt, Unwahrheit und grausamen Gedanken erbeten.]

Bali-Gaben und die Nacht der Vorbereitung

Nach dem Nityā-Kavaca bete man gründlich und bringe Vaṭuka, den Yoginīs, Kṣetrapāla, Gaṇapati, allen Wesen, Kurukullā und Vārāhī in ihren jeweiligen Maṇḍalas mit ihren jeweiligen Mantras Bali-Gaben aus Speisen, Beilagen und weiteren Stoffen dar. Dort verbringe der Guru gemeinsam mit Schüler, Opferpriestern und Angehörigen der Überlieferung die Nacht in großer Festlichkeit. Damit endet die vorbereitende Adhivāsana-Ordnung.

Übersicht über die Tage der vollständigen Weihe

Die Reihenfolge wird nun zusammengefasst. Am ersten Tag setze man sich außerhalb der beschriebenen Halle an einer geeigneten, mit Kuhdung bestrichenen Stelle auf den eigenen Sitz. Nach der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man Gaṇeśa-Verehrung, Mātṛkā-Verehrung, Vṛddhi-Śrāddha, die Ausrufung des glückverheißenden Tages und die Wahl des Ācārya und der Opferpriester.

In der Halle vollziehe man die Entfernung störender Wesen und zeichne in ihrer Mitte ein großes, schönes Śrīcakra. Unter dem Klang der fünf Instrumentarten lege man mit Opferpriestern und Überlieferungsangehörigen rings um die mittlere Plattform die genannten Maṇḍalas, beginnend mit dem Guru-Maṇḍala, auf ihren jeweiligen Plattformen an. Nach der Weihe der Halle bringe man zuerst im Vāstu-Maṇḍala Bali und Verehrung dar. Im Guru-Maṇḍala, Sarvatobhadra-Maṇḍala und den weiteren setze man die Gottheiten ein und verehre sie. An den genannten Stellen des Śrīcakra stelle und schmücke man die vorgeschriebenen Krüge. Die Handlungen dieses Tages enden mit dem Einsetzen des Feuers in die Feuergruben.

Am zweiten Tag vollziehe man die Handlungen vom morgendlichen Erwachen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa und die tägliche Pflicht. Erneut verehre man die Gottheiten der Maṇḍalas. In den mittleren Krug des Śrīcakra rufe man die Göttin mit ihrem Gefolge herbei und verehre sie mit den sechzehn Gaben. Auch in den übrigen Krügen rufe und verehre man die sechzehn Nityās, beginnend mit Lalitā. Tägliches Homa, Japa und Nīrājana vollende man innerhalb zweier Praharas. Danach, von diesem Zeitpunkt bis Mitternacht, bespräche man den Krug mit den 20.736 Kālanityās ohne die Wurzel-Vidyā und verbringe die Vorbereitungsnacht nach der genannten Ordnung.

Am dritten Tag vollziehe man die tägliche Pflicht wie zuvor. Unter dem Geburtsmondhaus des Schülers verehre man im Krug die Göttin mit ihren Gliedern und Umhüllungen. Die Wurzel-Vidyā wiederhole man tausendachtmal oder hundertmal und opfere in den Feuergruben nach der Ordnung des täglichen Homa. Nach Abschluss der übrigen Verehrung erhebe der Guru selbst den Hauptkrug, gemeinsam mit den zuvor eingeladenen Śakti-Sādhakas, die Gottheiten verkörpern. Unter Hörnern, Kāhala-Trompeten, weiteren Instrumenten und Segensworten der Brahmanen vollziehe er die Besprengung nach der genannten Weise. Danach erheben die Śaktis und Überlieferungsangehörigen ihre Krüge und vollziehen ebenfalls die Besprengung.

Dem geschmückten Schüler erkläre man seine eigene Überlieferungsfolge: Tages-Nityā, Paryāya-Nityā, Aufgangslaut und Weiteres. Von nun an soll er die vom Guru erklärte Folge ohne Unterbrechung fortsetzen. Ist der Umlauf entgegen der Guru-Weisung unterbrochen, wiederhole er zur Wiedergutmachung die Wurzel-Vidyā tausendachtmal, verbunden mit einer Weihebesprengung. Für jeden versäumten Tag nennt der Text die drei Sandhyās, den sechzigfachen Japa, den Ghaṭikā-Japa und den hundertfachen Umlauf; danach setzt die reguläre Tagesfolge wieder ein.

Dem Guru gebe man nach der früheren Vorschrift das ganze Vermögen oder die Hälfte und weitere Güter. Opferpriester, Überlieferungsangehörige sowie Arme und Schutzlose erfreue man mit Gaben. Am vierten Tag vollziehe man im eigenen Haus mit Guru und Überlieferungsangehörigen eine große Verehrung. Brahmanen, Arme, Blinde und Bedürftige speise und erfreue man mit weiteren Gaben. Damit endet die vollständige Weihe. [Die Vermögensforderung ist eine historische Vorschrift dieses Textes, keine heutige Verpflichtung.]

Kleinere Ausführungen und das Maß Khārī

Kann man die ausführliche Unterteilung der Dreiecke in sechzehn nicht ausführen, zeichne man ein großes Śrīcakra und stelle in seinen genannten sechsundneunzig Dreiecken Krüge auf: im mittleren Dreieck einen großen Krug, in den anderen die übrigen. Nach der Āvaraṇa-Verehrung vollziehe man die Besprengung. Oder man stelle nur am Bindu des mittleren Dreiecks einen mit einer Khārī Wasser gefüllten Krug auf, verehre ihn und vollziehe die Besprengung.

Bei sechsundneunzig Krügen wird jeweils eine Gottheit der Umhüllungskräfte in einem Krug verehrt, die Hauptgöttin im Hauptkrug. Die zuletzt genannte Ausführung [mit nur einem Krug] gilt für den Fall mangelnder Fähigkeit. Damit endet die Pūrṇābhiṣeka-Vorschrift.

Das Bhaviṣyapurāṇa erklärt das Maß Khārī:

15.KH.1 Zwei Palas sind ein Prasṛta, das Doppelte gilt als Kuḍava. Vier Kuḍavas bilden einen Prastha, vier Prasthas einen Āḍhaka.

15.KH.2 Vier Āḍhakas nennen die Wissenden einen Droṇa; zwei Droṇas einen Kumbha oder Śūrpa, sechzehn Droṇas eine Khārī.

Zeichnung des Zeit-Cakra

Zunächst setze man irgendwo einen Bindu und zeichne darum einen Kreis mit einem Maß von sechs Aṅgulas. Außen zeichne man sechzehn weitere Kreise mit jeweils einem Aṅgula Abstand. Mit dem ersten Kreis zusammen ergeben sich siebzehn. Diese teile man mit sechsunddreißig Linien in sechsunddreißig Bahnen zu jeweils sechzehn Feldern.

In der vor einem liegenden ersten Bahn beginne man im äußersten Feld und schreibe nach innen fortschreitend die sechzehn Vokale. In die im Uhrzeigersinn folgende zweite Bahn schreibe man ebenso vom äußeren Feld nach innen Ka mit den sechzehn Vokalen, beginnend Ka, Kā, Ki, Kī. In der dritten Bahn entsprechend Kha, Khā, Khi, Khī; in der vierten Ga, Gā, Gi, Gī; in der fünften Gha, Ghā, Ghi, Ghī; in der sechsten Ṅa, Ṅā, Ṅi, Ṅī.

Es folgen jeweils sechzehn Vokalformen: in der siebten Bahn Ca, in der achten Cha, in der neunten Ja, in der zehnten Jha, in der elften Ña, in der zwölften Ṭa, in der dreizehnten Ṭha, in der vierzehnten Ḍa, in der fünfzehnten Ḍha, in der sechzehnten Ṇa, in der siebzehnten Ta, in der achtzehnten Tha, in der neunzehnten Da, in der zwanzigsten Dha, in der einundzwanzigsten Na, in der zweiundzwanzigsten Pa und in der dreiundzwanzigsten Pha. [Die Quelle schreibt bei diesen Reihen jeweils die ersten vier Vokalformen aus und verweist für den Rest auf die Sechzehnerfolge.]

Die übrigen Bahnen sind: 24 Ba, 25 Bha, 26 Ma, 27 Ya, 28 Ra, 29 La, 30 Va, 31 Śa, 32 Ṣa, 33 Sa, 34 Ha, 35 La und 36 Kṣa. [Auch hier unterscheidet die Vorlage die beiden La-Schreibungen nicht eigens.]

So schreibe man in die sechsunddreißig Bahnen die 576 Laute des vollständigen Maṇḍalas. Auf den Fruchtboden schreibe man ā-ī haṃsaḥ, als vier Laute bezeichnet. Außerhalb des äußersten Kreises zeichne man drei weitere Kreise, einen achtblättrigen Lotus mit Staubfäden und außen ein Quadrat. Alle Laute sind so zu schreiben, dass sie der Gottheit in der Mitte zugewandt sind. Damit endet die Zeichnungsvorschrift des Zeit-Cakra.

Die 576 Varianten des Zeit-Cakra

Dieses Cakra hat nach der Quelle 576 Varianten. Der Tantrarāja, Kapitel 25, Vers 29:

15.CK.1 Nun werden die Yantras in der genannten Zahl der Reihe nach erklärt: Kreis, Sechsunddreißigeck und ebenso Achtzehneck …

15.CK.2 … Zwölfeck, Neuneck, bei den Vokalen Achteck, Sechseck, Quadrat und Dreieck: Dies sind der Reihe nach neun Formen.

15.CK.3 Jede ist durch unterschiedliche Lautanordnung achtfach. Daraus entstehen zweiundsiebzig Varianten. Durch Unterschiede der Nityā-Laute …

15.CK.4 … wird jede wiederum achtfach; so ergibt sich die genannte Zahl. Aus der Anordnung des ersten, kreisförmigen [Yantra] erschließe man die übrigen.

15.CK.5 Mit einem Umlauf von sechs Aṅgulas ziehe man einen Kreis; danach wiederholt weitere, jeweils einen Aṅgula weiter außen.

15.CK.6 Wenn sie siebzehn geworden sind, teile man sie durch sechsunddreißig Speichen und setze darin die Laute vom Anfang an ein:

15.CK.7 vorwärts, rückwärts, außen und innen umschließend, außen und innen zurückkehrend, ferner zerstreut.

Die Erklärung unterscheidet acht Lautanordnungen: Anuloma, vorwärts; Viloma, rückwärts; Bāhya-Saṃpuṭa, äußere Umschließung; Ābhyantara-Saṃpuṭa, innere Umschließung; Bāhya-Parāvṛtti, äußere Rückkehr; Ābhyantara-Parāvṛtti, innere Rückkehr; Bāhya-Vyākīrṇa, äußere Zerstreuung; Ābhyantara-Vyākīrṇa, innere Zerstreuung.

15.CK.8 Auf den Fruchtboden schreibe man Marut und Vahni mit dem Namen und verbinde sie ringsum der Reihe nach mit den Lauten der äußeren Felder, wie zuvor erklärt.

15.CK.9 Bei den anderen ist eine Einteilung mit sechsunddreißig Speichen angegeben; im Achteck seien es sechzehn Speichen und sechsunddreißig Kreise, wie bei den übrigen [in entsprechender Anordnung]. [Die Gegenüberstellung der Maße bleibt in diesem knappen Vers nicht vollständig eindeutig.]

15.CK.10 Man zeichne dies auf ein Tuch, bilde außen einen achtblättrigen Lotus und schreibe auf dessen Blätter der Reihe nach die acht Redegöttinnen …

15.CK.11 … in den genannten Gestalten. Nach der vollständig erklärten Einweihung verehre man es täglich, um die bei der Buchverehrung genannten Vollkommenheiten zu erlangen.

15.CK.12 Wer beides vollzieht, in dessen Familie bleibt Ramā beständig; niemals soll in seiner Familie ein Verlust des Glücks eintreten.

15.CK.13 Einen großen Krug fülle man mit Abkochungswasser der den Lauten zugeordneten Pflanzen, rufe darin die Göttin herbei und verehre sie nachts vorschriftsmäßig.

15.CK.14 Nach Rezitation der Tattva-Vidyās der Nityās verehre man am folgenden Tag den Schüler, lasse ihn auf dem Sitz Platz nehmen und besprenge ihn hingebungsvoll.

Die Tattva-Nityās zählen hier 576, weil derselbe Text sagt: „Der Tattva-Umlauf hat die Zahl des vollständigen Maṇḍalas.“

15.CK.15 So vollziehe der Sādhaka [die Weihe] an Geburt, Anujanma und weiteren [Mondhausterminen] sowie an Vollmonden. Als Gabe sind ein Ring aus einem Karṣa Gold und eine Kuh genannt. [Die genaue Reichweite von janmānujanmādi bleibt als Fachbezeichnung erhalten.]

15.CK.16 Wer so ein Jahr ununterbrochen geweiht wird, werde ein Herrscher oder von einem solchen verehrt, daran bestehe kein Zweifel.

15.CK.17 Durch zwei Jahre Weihe werde Ramā in seinem Haus beständig; durch drei Jahre werde er kraft Vollendung ein Vidyādhara.

15.CK.18 Durch vier Jahre komme die Begegnung mit Khecarīs zustande; durch fünf Jahre erreiche er nicht den Tod, die Rückkehr in die fünf Elemente.

15.CK.19 Durch sechs Jahre werde er einem Welthüter gleich, durch sieben Jahre der Sonne gleich.

15.CK.20 Durch acht Jahre werde er dem Mond gleich, durch neun Jahre erlange er Gestaltgleichheit mit der Göttin.

15.CK.21 Zum Sieg vollziehe man einen Umlauf von sechsunddreißig oder einundfünfzig Vidyās durch Japa, Homa, Verehrung und Tarpaṇa auf rechte Weise.

15.CK.22 Dadurch besiege man alle Feinde und gedeihe wie die Sonne; ebenso [wirke die Folge] bei allen Unheilszeichen und bei Bedrängnissen durch Krankheiten und Weiteres …

15.CK.23 … zur Erfüllung des Gewünschten, zur Abwehr von Schadenszauber und auch zu dessen Hervorbringung. Sie gewähre alle Ziele.

15.CK.24 Auf den Speichen dieses Cakra beruhen die Bewegungen von Planeten, Mondhäusern und Weiterem. Auch die Erde erscheint in Gestalt dieser Speichenordnung.

15.CK.25 Deshalb besteht alles daraus. Durch seine Verehrung nach der Überlieferung werden alle Herzenswünsche erfüllt.

15.CK.26 Zuerst durchlaufe man die durch die Zeit bestimmte Folge, danach eine andere. Diese Ordnung gilt für Japa, Tarpaṇa, Homa, Verehrung und Besprengung.

15.CK.27 Erst nach ihrem Verständnis handle man; andernfalls ziehe man Unheil herbei. Bei Erzeugung von Schadenszauber, Zerschlagung von Feinden und Hemmung gilt die rückläufige Folge.

15.CK.28 Für alles Übrige gilt die jeweils durch die Zeit erreichte Folge. Für Einflussnahme und Schutz werden der Reihe nach die beiden umschließenden Formen genannt.

15.CK.29 Für Sieg über einen königlichen Feind ist die zurückkehrende Folge angegeben; ebenso für den Erwerb von Kühen, Land, Gold, Fahrzeugen und Weiterem.

15.CK.30 Bei Vertreibung gilt die zerstreute Folge; zu deren Befriedung verehre man in der [regulären] Folge. Götter und Dämonen verneigen sich vor dem, der diese Ordnung beherrscht.

15.CK.31 Von Feinden hervorgerufene Bedrängnisse und Schadenszauber gelangen nicht zu ihm; vielmehr kehren sie um und vernichten ihren Urheber.

15.CK.32 Wo ein solcher wohnt, ist ein heiliges Feld und ein Hain der Askese. Auf einem Verbrennungsplatz, einem Berg, in einer verlassenen Gegend, im Wald oder bei geringeren Bedrängnissen …

15.CK.33 … werde durch Einsetzung des Yantra-Königs eine große Siedlung entstehen. Mit dem eingesetzten gänzlich zerstreuten Cakra [könnte selbst] Amarāvatī …

15.CK.34 … vertrieben werden und dann, Göttin, nicht einmal von mir geschützt werden. Auf Stein oder einer Platte aus Kupfer, Silber oder Gold …

15.CK.35 … zeichne man [das Cakra] und vergrabe es in Dörfern, Reichen, Städten und Weiterem. Dort errichte man einen Tempel und setze das Cakra ein.

15.CK.36 In der Mitte seines Fruchtbodens bilde man ein Kultbild, um die Gegenwart zu verwirklichen. Zum Schutz eines Dorfes und ähnlicher Orte grabe man in der Mitte und in den acht Richtungen …

15.CK.37 … Gruben, befestige sie kräftig mit Steinen, rufe [die Gottheit] herbei, verehre sie und setze [das Cakra] mit der Wurzel-Vidyā darin ein.

15.CK.38 Man bedecke es mit Stein, errichte darüber einen festen Pīṭha und verehre täglich mit Duft, Blüten, Räucherwerk und weiteren Gaben.

15.CK.39 So verfahre man zu den drei Sandhyās; andernfalls gewähre es keine Vollendung. Bei den Homas [verwende man] überall die neun für die jeweilige Zeit genannten Feuergruben.

15.CK.40 Den Opferpriestern gebe man Gaben aus Gewändern, Land, Schmuck, Dienern, Kühen und Vermögen. Was auch immer man sich wünsche: Das Schwierige werde leicht.

[Dies sind historische Aussagen über rituelle Wirksamkeit, einschließlich unerfüllbarer Unsterblichkeitsversprechen und Anwendungen zur Schädigung. Sie werden als Quelleninhalt übersetzt. Die Nennung von Menschen unter den Gaben spiegelt damalige Abhängigkeitsverhältnisse und wird nicht als heutige Handlungsnorm übernommen.]

Berechnung von Tages- und Überlieferungs-Nityā

Der Kommentar erklärt: Unter den Yuga-Nityās gibt es die Zahl des vollständigen Maṇḍalas; ebenso bei den Tattva-Nityās. Der erste Laut der Vidyā eines Tages ist der Yuga-Laut, der zweite der Tattva-Laut.

Zur Ermittlung der Tages-Nityā berechne man nach der astronomisch-astrologischen Regel die seit dem Beginn des Kalpa vergangenen Tage. Nach Division durch die Zahl des vollständigen Maṇḍalas ergibt der Rest den ersten Laut; [in der Vorlage eingeklammert:] nach Division durch sechsunddreißig den zweiten. So entstehen die beiden Laute Vāgbhava und Kāmarāja. Als Śakti-Kūṭa ist bei allen Vidyās zuletzt Ī zu verbinden.

Ist so die Tages-Nityā bekannt, beginne man beim Vokal ihres ersten Lautes und durchlaufe die Vokalfolge wie zuvor. Daraus entstehen 576 Yuga-Nityā-Vidyās. Ebenso nehme man den zweiten Laut und verbinde ihn nach der genannten Weise zu 576 Tattva-Nityā-Vidyās. Tattva-Nityā und Tages-Nityā gelten hier als gleichbedeutend. Die 576 Formen heißen Vāgbhava, die sechsunddreißig Grundformen Kāmarāja.

Die Paryāya-Nityā wird anders berechnet: Man zählt die Tage seit dem Tag, an dem die verehrten Lehrerfüße ihre Einweihung empfingen. Nach Division durch 576 erhält man den ersten, nach Division durch sechsunddreißig den zweiten Laut; das dritte Bīja ist O. So entsteht die dreilautige Paryāya-Nityā-Vidyā. [Hier nennt die Vorlage ausdrücklich O im Unterschied zum zuvor genannten Ī.] Ihr erster Laut ist wiederum Yuga-Laut, ihr zweiter Tattva-Laut; daraus ergeben sich die zugehörigen Yuga- und Tages-Nityās.

Die genannten Zahlen sind: 20.736 Kālanityā-Vidyās; je 576 Yuga-Nityās, Tattva-Nityās, Tages-Nityā-Vidyās und Paryāya-Nityā-Vidyās. Beim Kālanityā-Japa ist die tägliche Zahl des Nātha-Umlaufs zu bestimmen; der Nityā-Umlauf umfasst täglich 1.296. Die Schlussbemerkung nennt für den Nityā-Umlauf dreizehn Tage. [Diese Zahl stimmt nicht mit 20.736 geteilt durch 1.296, also sechzehn, überein. Auch der vorausgehende Satz über die Tage des Nātha-Umlaufs ist verkürzt; keine fehlende Zahl wird erfunden.]

Damit endet die praktische Vorschrift des Pūrṇābhiṣeka im Kādī-Lehrweg.

Anlassbezogene Verehrung und besondere Festtage

Nun die Naimittika-Pūjā. Ein Eingeweihter, der die vollständige Weihe empfangen, Puraścaraṇa vollzogen und sich der täglichen Verehrung gewidmet hat, soll die anlassbezogene Verehrung ausführen. Die Puraścaraṇa-Vorschrift wird später erklärt. Der Tantrarāja, Kapitel 6, Vers 2:

15.NA.1 Tägliche, anlassbezogene und wunschorientierte Verehrung hängen jeweils von der vorhergehenden ab. Wer sie anders vollziehen will, bringt eine Folge von Bedrängnissen hervor.

15.NA.2 Die in der täglichen Verehrung gefestigten Vollendeten sollen die anlassbezogene Verehrung ausführen. Deshalb werde ich deren Ordnung von Caitra bis Phālguna erklären.

Eine große Verehrung an besonderen Tagen heißt Viśeṣa-Pūjā. Die nun von Caitra bis Phālguna beschriebene Monatsverehrung heißt Naimittika-Pūjā. Manche schließen die besondere Verehrung in die anlassbezogene ein. Diese soll nachts vollzogen werden. Der Kulārṇava sagt:

15.NKq.1 Die tägliche Verehrung vollziehe man tagsüber, die anlassbezogene nachts, wunschorientierte Handlungen zu beiden Zeiten: Dies ist die Entscheidung der Lehre.

Besondere Tage sind die im Tantrarāja und anderen Werken genannten: Geburtswochentag, Geburtsmondtag und Geburtsmondhaus von Guru, Parama-Guru und Parameṣṭhi-Guru; die eigenen entsprechenden Geburtstage; der Tag des Vidyā-Empfangs; der Todestag des Gurus; achter und vierzehnter Mondtag, Vollmond, Neumond, Sonnenübergänge und Yuga-Anfangstage; das Mondhaus Puṣya und Sonntag; Besuche von Pīṭhas und Upa-Pīṭhas; Ankunft des Lehrers; Begegnung mit Vīras und großen Yogis; Pilgerfahrt; Festtage bei Gelübden und Einweihungen; Besuch besonderer heiliger Orte und Gottheitsdarstellungen sowie das Zusammentreffen der drei Laute.

Letzteres bezeichnet einen Tag, an dem derselbe Laut als Tageslaut, Aufgangslaut und Yuga-Laut erscheint. Dies gilt als besonderes Fest. An solchen Tagen vollziehe man nach der täglichen Verehrung gemeinsam mit Śaktis und Überlieferungsangehörigen eine besondere Verehrung nach Kraft, Vertrauen, Zeit, Ort und Vermögen, ohne Geiz oder Täuschung hinsichtlich der Mittel, mit den genannten Stoffen und nach der Unterweisung des Gurus. Guru und Überlieferungsangehörige erfreue man nach der Vorschrift.

An Guru-Festtagen verehre man so viele Sādhakas, wie in der menschlichen Guru-Reihe genannt sind, unter den jeweiligen Guru-Namen mit allen Gaben und nach Vermögen mit Dakṣiṇā. Auch die Verehrung des Guru-Maṇḍalas ist an diesen Festen auszuführen.

Caitra: Damana und das Frühlingsfest

Der Tantrarāja, Kapitel 6, Vers 4:

15.JA.3 Im Caitra-Monat vollziehe man [die Verehrung] mit Damana-Pflanzen samt Wurzeln oder mit ihren Büscheln; in der Nacht des vierzehnten Tages der hellen Monatshälfte setze man sie mit der Vidyā ein.

15.JA.4 Am folgenden Tag verehre man mit ihnen nach der täglichen Pūjā. Am Vollmond dieses Monats vollziehe man das Frühlingsfest …

15.JA.5 … mit den zu dieser Zeit gewachsenen Blüten, Kampfer, Sandel und duftenden Stoffen samt Safran, als leuchtende Verehrung wie zuvor.

Die praktische Erklärung: Am Caitra-Vollmond verehre man mit Damana. Am dreizehnten Tag der hellen Monatshälfte gehe der Sādhaka nach der täglichen Pflicht gemeinsam mit anderen Sādhakas zur Damana-Pflanze und spreche sie mit dem Wurzelmantra an. Im Kālī-Lehrweg geschieht die Besprechung mit den vier zuvor genannten Kalpalatā-Vidyās.

Man spreche: „Oṃ, aus Śivas Gnade hervorgegangen, sei hier gegenwärtig. Für Śivas Werk sollst du herausgehoben und nach Śivas Weisung fortgebracht werden.“ An der Wurzel der Pflanze meditiere man über Kāmadeva und Rati nach der noch folgenden Mantra- und Gestaltordnung, verehre sie und kehre heim.

Am vierzehnten Tag gehe man nach der täglichen Pflicht mit den anderen erneut zur Pflanze, hebe sie mit dem Waffenmantra samt Wurzel aus, schneide mit einem Werkzeug die Büschel ab und bringe sie nach Hause. Man besprenge Damana mit der Formel aghore aiṃ oṃ ghore hrīṃ ghoratare śrīṃ sarvataḥ sarvaśarvebhyo namaste rudrarūpebhyaḥ hrīṃ śrīṃ: eine mit Bījas verbundene Verehrung der nichtschrecklichen, schrecklichen und noch schrecklicheren Rudra-Gestalten. [Die ungewöhnliche Wortfolge wird nach der Vorlage erhalten.]

Am Verehrungsort teile man die Pflanze in einem Gefäß in neun Teile und setze sie in die Mitte und die acht Richtungen. Nach Besprengung mit dem Herzmantra bestreiche man sie mit Sandel, Aguru, Kampfer, Safran und weiteren Pasten. Von der Mitte an im Uhrzeigersinn verehre man die neun Teile mit Haṃ Namaḥ, Saṃ Namaḥ, Kṣaṃ Namaḥ, Maṃ Namaḥ, Laṃ Namaḥ, Vaṃ Namaḥ, Raṃ Namaḥ, Yaṃ Namaḥ und Oṃ Namaḥ.

Mit der Waffenformel schütze man sie; mit beiden Händen forme man die Dreizack-Mudrā und bewege sie unter dem Schutzhüllenmantra über Damana. Mit einem neuen Gewand bedeckt stelle man die Pflanzen an einen geschützten Ort. So geschieht die vorbereitende Weihe in der Nacht des vierzehnten Tages.

Am Vollmond vollziehe man morgens Bad und tägliche Verehrung und bringe Damana mit den Überlieferungsangehörigen unter Segensworten zum Verehrungsort. War die Vorbereitung am Vortag nicht möglich, spreche man die Pflanze erst am Abend des vierzehnten Tages an und hole sie am Vollmond; oder man spreche und hole sie erst am Vollmond und vollziehe eine unmittelbare Vorbereitung nach derselben Ordnung.

Vor sich zeichne man mit Zinnober ein Navayoni-Cakra, umgeben von zwei Kreisen und Quadrat. In seinen neun Yonis stelle man auf Gerstenhaufen neun Krüge aus Gold oder entsprechendem Material auf, nach der im Einweihungsabschnitt erläuterten Weise; ersatzweise nur einen Krug in der mittleren Yoni. Von der Sitzverehrung bis zur Pīṭha-Verehrung verfahre man ausführlich oder verkürzt. Bei Pañcāyatana-Praxis verehre man Gaṇeśa und die weiteren mit Damana.

Kāmadeva, Rati, Prīti und Vasanta

Rechts von sich zeichne man das genannte Sarvatobhadra-Maṇḍala oder bei Unvermögen einen achtblättrigen Lotus mit Zinnober und weiteren Stoffen. In dessen Mitte stelle man mit fünf farbigen Pulvern einen Aśoka-Baum dar. Darunter, im Dreiecksmaṇḍala, vergegenwärtige man Kāmadeva als jungen, roten Gott, mit rotem Gewand, Schmuck, Kranz und Salbung, links und rechts von Rati und Prīti begleitet, mit Blütenpfeilen und Zuckerrohrbogen, in Gemeinschaft mit Vasanta.

Mit klīṃ kāmāya namaḥ und den fünf Gaben von Duft an verehre man Kāmadeva. [Die Vorlage setzt bei mehreren folgenden Mantras die technische Abkürzung „4“ voran, ohne deren vier Glieder hier auszuschreiben.]

Links von Kāma vergegenwärtige man Rati als hell, mit allem Schmuck, rotem Gewand und einem Lotus in der Hand. Mit śrīṃ śrīṃ kroṃ ratyai namaḥ verehre man sie mit fünf Gaben. Rechts von Kāma vergegenwärtige man Prīti als dunkel, mit Schmuck, rotem Gewand und Betel in der Hand. Mit śrīṃ śrīṃ śrīṃ kṣauṃ prītyai namaḥ verehre man sie mit fünf Gaben.

Vor Kāmadeva, inmitten eines Kadamba-Hains, vergegenwärtige man Vasanta, den Frühling: hell, links einen Nektarkrug, rechts einen Strauß verschiedener Blüten haltend, mit rotem Gewand, Schmuck, Kranz und Salbung. Mit vaṃ vasantāya namaḥ verehre man ihn mit fünf Gaben.

Erneut verehre man Kāmadeva in der Mitte mit einer Handvoll Blüten. An den Staubfäden des achtblättrigen Lotus, an Südost-, Nordost-, Südwest- und Nordwestecke sowie den genannten Richtungsstellen, verehre man die sechs Glieder, beginnend Klāṃ Hṛdayāya Namaḥ. Auf den acht Blättern, vorn beginnend im Uhrzeigersinn, die acht Kāma-Formen, jeweils mit Oṃ und Namaḥ: Kāma, Bhasmaśarīra, Anaṅga, Manmatha, Vasantasakha, Smara, Ikṣudhanurdhara und Puṣpabāṇa.

Im äußeren Quadrat verehre man die Welthüter und ihre Waffen. Erneut verehre man Kāmadeva mit seinem Mantra, bringe Räucherwerk, Licht und Weiteres dar, verneige sich und wiederhole nach Vermögen seine Gāyatrī: oṃ kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi tanno ’naṅgaḥ pracodayāt: „Oṃ, wir erkennen Kāmadeva; wir meditieren über den mit Blütenpfeilen; möge jener Körperlose uns anregen.“

Man bringe den Japa dar und verneige sich mit: „Verehrung dem mit Blütenpfeilen, der die Welt erfreut, Manmatha, dem Weltenbezwinger, der Rati und Prīti lieb ist.“

Verehrung der Hauptgöttin und Festabschluss

Mit der Wurzel-Vidyā vollziehe man die Einsetzung von Seher und weiteren Zuordnungen sowie Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa. Im mittleren Krug rufe man wie zuvor die Göttin herbei und verehre sie mit den sechzehn Gaben. In der genannten Folge verehre man mit Damana die Mondtags-Nityās und alle weiteren bis zu den Welthütern.

Man melde: „Herrin der Götter, Śivā, ich habe dich jetzt herbeigerufen. Alles zuvor zu seiner Zeit zu Vollziehende geschehe nach deiner Weisung.“ Erneut verehre man sie mit Duft und Blüten, bringe Räucherwerk und die weiteren Gaben bis zur Speise dar und vollziehe das anlassbezogene Homa nach der Ordnung des täglichen Homa.

Es folgen königliche Ehren, große Ārātrika und die Verehrung von Kumārīs, Suvāsinīs, Vaṭukas und den weiteren. Alle erfreue man mit Speisen, Gewändern, Schmuck, Dakṣiṇā und Betel, ebenso den eigenen Guru; bei dessen Abwesenheit einen Angehörigen seiner Familie oder einen anderen [geeigneten Vertreter]. Die Wurzel-Vidyā wiederhole man dreimal so oft wie beim täglichen Japa, bringe die Rezitation der Göttin dar, preise sie und verneige sich.

Man bitte: „Du Sechzehnsilbige, Mutter der Welt, die du die Frucht der ersehnten Ziele gewährst: Erfülle die Wünsche, Göttin, Kāmeśvarī, Herrin des Begehrens.“ Erneut verehre man Kāmadeva, Rati, Prīti und Vasanta mit ihren Mantras und Damana, bringe Räucherwerk, Licht und weitere Gaben dar und verabschiede Kāmadeva und Vasanta.

Mit einer Handvoll Blüten bete man: „Herrin der Cakras aller Kreise, deren Leib alle Vidyās sind, Göttin, Mutter, möge so nach deiner Weisung mein Ersehntes geschehen.“ Nach Blütengabe und Verabschiedung vollende man die Auflösung des Śrīpātra und alle übrigen Handlungen. Śaktis, Überlieferungsangehörige und weitere Brahmanen erfreue man mit reichen Gaben und Speisen. Damit endet die Damana-Darbringung.

Ist sie am Caitra-Vollmond nicht möglich, kann sie am achten, neunten oder vierzehnten Mondtag einer der beiden Monatshälften stattfinden. Ist sie im Caitra nicht möglich, vollziehe man sie an einem dieser Tage im Vaiśākha oder Jyaiṣṭha. Das Frühlingsfest selbst vollziehe man am Caitra-Vollmond mit Blüten der Jahreszeit, Sandel, Kampfer, Safran und Kahlāra-Wasserlilien.

Auch bei dieser anlassbezogenen Pūjā werden die Gaben in der Nacht zuvor in einem Gefäß vorbereitet, mit der Wurzel-Vidyā besprengt und mit Wurzelmantra und Tages-Nityā sowie Duft und weiteren Gaben verehrt. Am folgenden Tag bringe man sie nach der täglichen Pflicht in der besonderen Verehrung dar und verehre den eigenen Guru.

Vaiśākha, Jyaiṣṭha und Āṣāḍha

15.JA.6 Am Vollmond des Vaiśākha verehre man mit kaltem Wasser [die Versform himapuṣkara wird so vom Kommentar erläutert] oder mit kühlem Wasser, Kampfer, Moschus und Sandel.

Das bedeutet: nach vorbereitender Weihe wie zuvor besondere Verehrung mit kaltem Wasser oder mit kühlem Wasser, dem Kampfer, Moschus und Sandel beigemischt sind.

15.JA.7 Am Vollmond des Jyaiṣṭha verehre man die Göttin wie zuvor mit Bananen-, Panasa- und Mangofrüchten, zur Erlangung aller Vollkommenheiten.

Man vollziehe die besondere Verehrung, erfreue die Göttin mit einer großen Speisegabe aus diesen Früchten und verehre Guru und die weiteren.

15.JA.8 Am Vollmond des Āṣāḍha verehre man Śivā mit Sandel, verbunden mit Safran, Kardamom, Kakkola und Jātī.

Der Kommentar bezeichnet den Sinn dieses Verses als offenkundig.

Śrāvaṇa: die Pavitra-Fadenweihe

15.JA.9 Am Vollmond des Śrāvaṇa verehre man Śivā mit Pavitra-Fäden. Höre, Glückverheißende, ihre glückbringende Ordnung.

15.JA.10 Aus goldenen oder silbernen Fäden, aus Seide oder aus roten Baumwollfäden, neunfach verstärkt und rein, …

15.JA.11 … fertige man die Pavitras für alle Kräfte: sechzehn oder neun Aṅgulas lang, mit entsprechend vielen Strängen, Knoten und Weiterem.

15.JA.12 Oder man richte Länge und Weiteres nach der jeweiligen Zahl der Kräfte einer Umhüllung. Nach vorbereitender Weihe verehre man mit ihnen der Reihe nach.

15.JA.13 Beim Homa habe das Pavitra einen Strang und einen Knoten und das entsprechende Maß. Aus hundertacht Fäden fertige man das „Herabsteigen der Śakti“ …

15.JA.14 … und lasse es vom Baldachin bis zur Höhe des Verehrungssitzes herabhängen. Für Vārāhī, Kurukullā und die weiteren Kräfte gilt dieselbe Form wie für die Hauptkraft.

15.JA.15 Für sich selbst fertige man nach dem eigenen Körpermaß ein Pavitra mit der genannten Zahl. Für Schüler, die Überlieferungsfolge und Āgama kennen, gilt dasselbe.

15.JA.16 Für andere Yogis und Śaktis [fertige man] neun Stränge mit einem Knoten; für die Halle einen einzigen Faden nach dem Maß ihres Umfangs.

15.JA.17 Drei Pavitras mit je sechsundneunzig Strängen, Knoten und Aṅgulas fertige man und bringe sie der Göttin dar.

15.JA.18 Von den drei genannten Maßsystemen wähle man überall eines. Man vermische die Maße nicht; bei Vermischung komme Verderben zustande. [Dies ist die ritualinterne Warnung der Quelle.]

Zeit, Materialien und Maße

Die Erklärung: Am Śrāvaṇa-Vollmond vollziehe man das Auflegen der Pavitras. Die Monatsangabe ist zugleich ein allgemeiner Hinweis: Die Zeit des Pavitra-Festes reicht vom Sonnenübergang in Mithuna bis zum Übergang in Tulā. Geeignete Mondtage sind vierter, achter, neunter, vierzehnter und Vollmond, in den beiden Monatshälften, soweit zutreffend. Die späteren Möglichkeiten gelten jeweils als nachrangig.

Die Fäden können aus Gold, Silber, Kupfer, Seide, Trasarī[-Faser], Lotusfaser, Darbha, bhuja [unklarer Materialname], Śāṇa-Faser, Rindenstoff oder Baumwolle bestehen. Baumwolle werde von Suvāsinīs gesponnen, dreifach genommen und nochmals verdreifacht. Neun einzelne Fäden bilden damit einen Strang; aus der jeweils genannten Zahl solcher Stränge werden die Pavitras gebildet.

Man fertige sechzehn Aṅgulas lange Pavitras mit sechzehn Strängen und sechzehn Knoten oder neun Aṅgulas lange mit neun Strängen und Knoten. Oder man richte Aṅgulas, Stränge und Knoten nach der Zahl der Kräfte in der jeweiligen Umhüllung. Bei dieser dritten Möglichkeit erhält die Hauptgöttin sechzehn, die fünfzehn Nityās erhalten fünfzehn als Maßzahl. Vārāhī und Kurukullā erhalten dieselbe Form wie die Hauptgöttin; die Waffen acht; die drei Guru-Reihen die jeweilige Zahl ihrer Gurus oder neun.

So fertige man für sämtliche im Śrīcakra verehrten Gottheiten entsprechend viele Pavitras nach einem einzigen der genannten Systeme. Ein großes Pavitra mit hundertacht Strängen und Knoten reicht vom Baldachin bis zum Verehrungssitz. Für sich selbst und die in der Überlieferung kundigen Schüler nehme man die Länge von der Schulter bis zum Nabel, mit Strängen und Knoten gemäß dem gewählten System. Für gewöhnliche Yogis und Śaktis gelten neun Stränge mit einem Knoten; für die Halle ein einzelner Faden ohne Knoten, der ihren Umfang umschließt.

Beim nach den Umhüllungskräften berechneten System entsprechen die Pavitras für den Verehrenden und seine kundigen Schüler denen der Hauptgöttin. Die Knoten knüpfe man mit dem Mālā-Mantra oder dem Schutzhüllenmantra. Wie oft der Faden beim einzelnen Knoten herumgeführt wird, bleibt nach der Quelle frei.

Die vorbereitende Weihe der Fäden

Am Abend vor dem Auflegen bringe der Sādhaka nach der täglichen Pflicht gemeinsam mit den Überlieferungsangehörigen die Pavitras zum Verehrungsort. Dort zeichne man mit Zinnober ein Navayoni-Cakra, umgeben von Kreis und Quadrat. In einem Gefäß auf diesem Maṇḍala lege man die Pavitras nieder, bestrichen mit Pasten aus Gorocanā, Safran, rotem Sandel, Moschus und Kampfer, an den Knoten bunt mit Lack, rotem Ocker und Weiterem geschmückt.

Bei den Baumwoll-Pavitras verehre man auf den neun Einzelfäden jeweils eine Gottheit: Oṃkāra, Candra, Vahni, Nāga, Brahmā, Ravi, Guru, Sadāśiva und alle Gottheiten, jeweils mit Oṃ und Namaḥ. Man bespräche sie mit dem Kopfmantra, besprenge sie mit dem Herzmantra, schließe sie mit dem Waffenmantra ein und verehre darin die sechs Glieder der Wurzel-Vidyā sowie die sechzehn Nityās.

Man füge duftenden Safran, fünf Edelsteine und die als „alle Heilpflanzen“ bezeichnete Gruppe hinzu. Die Edelsteine sind Diamant, Perle, Nīla, Padmarāga und Smaragd. Die Pflanzengruppe nennt Sarṣapa, Kuṣṭha, Haridrā, Dāru, Lodhra, Musta, Uśīra, Priyaṅgu, Murā, Jaṭāmāṃsī und Śilīrā. [Die Abgrenzung der letzten Namen ist in der zusammengeschriebenen Vorlage nicht völlig eindeutig; die technischen Namen werden erhalten.] Man bedecke alles mit zwei neuen Gewändern. Damit ist die Vorbereitung vollzogen.

Auflegen, Darbringung und Abschluss

Am folgenden Tag betrete der Sādhaka nach der täglichen Pflicht mit den Überlieferungsangehörigen den Verehrungsort. Er schmücke die Halle mit Baldachin und Weiterem und lasse das große Pavitra namens Śaktyavatāra vom Baldachin bis zum Verehrungssitz herabhängen. Nach Sitzverehrung und Nyāsas stelle er wie zuvor den Krug auf, bereite Arghya und vollziehe Selbst- und Pīṭha-Verehrung. Bei Pañcāyatana-Praxis verehre er deren Gottheiten und ehre sie mit Pavitras.

Im Krug rufe er die Göttin herbei und verehre sie mit allen Gaben. Nach der täglichen Pūjā-Folge ehre er den ganzen Strahlenkreis der Gottheiten mit Pavitras. Er vollziehe das zugehörige Homa und das anlassbezogene Homa, erfreue den Guru und überreiche ihm ein Pavitra. Nach der Pūrṇāhuti bringe er dem Feuer ein Pavitra dar und lege mit Erlaubnis des Gurus selbst eines an.

Wie beim Damana-Fest erfreue er Śaktis und Überlieferungsangehörige mit Pavitras, Speisen, Betel und Dakṣiṇā. Nach dem anlassbezogenen Japa verabschiede er die Göttin und erfreue Brahmanen und die weiteren mit Speisen und reichlichen Gaben.

Wer all dies nicht vermag, fertige drei Pavitras mit je sechsundneunzig Aṅgulas Länge, Strängen und Knoten, stelle den Krug wie zuvor auf, bringe die drei der Göttin dar und vollende den Rest. Damit endet die Pavitra-Vorschrift.

Im Kālī-Lehrweg sagt die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā:

15.PK.1 Āṣāḍha ist der beste Monat, Śrāvaṇa der mittlere, Geliebte, Bhādrapada der geringere; [geeignet sind] die helle und die andere Monatshälfte.

15.PK.2 Vorrang hat die helle Monatshälfte, bei deren Nichtverfügbarkeit die dunkle. Am vierzehnten, achten oder Vollmondtag verehre man.

[Diese Monatsrangfolge steht neben der vorausgehenden Śrāvaṇa-Regel als ausdrücklich einem anderen Lehrweg zugeordnete Fassung.]

Bhādrapada und die Herbstverehrung im Āśvina

Der Tantrarāja, Kapitel 6, Vers 20:

15.HF.1 Am Vollmond des Bhādrapada verehre man die Göttin nach der zuvor genannten Ordnung mit Ketaka-Blüten.

Der Kommentar erklärt dies als besondere Verehrung mit vorbereitender Weihe der Ketaka-Blüten.

15.HF.2 Im Āśvina gilt besonders: Vom ersten Mondtag nach dem Ende des Neumonds an verehre man die Göttin mit Duft, Blüten und Gaben.

15.HF.3 Beim Homa steigere man die Zahl von hundert an; am Vollmond opfere man tausendsechshundert und vollziehe täglich auch Japa.

15.HF.4 Man rufe die Göttin in einem Mädchen herbei, verehre sie hingebungsvoll, vollziehe Homa, gebe Schmuck, Gewänder und Dakṣiṇā und verabschiede sie.

15.HF.5 So verehre man vom ersten an mit entsprechender Steigerung bis zum Vollmond, Geliebte. Dadurch werde der Wissende vollendet; [die Verehrung] mache den Verehrer zum König.

Die praktische Erklärung: An den fünfzehn Tagen vom ersten Tag der hellen Monatshälfte bis zum Vollmond vollziehe man nach der täglichen Pūjā die anlassbezogene Cakra-Verehrung. Japa und Homa umfassen am ersten Tag zweihundert, am zweiten dreihundert, am dritten vierhundert und steigen so bis zu je sechzehnhundert am Vollmond. [Dies präzisiert beziehungsweise verschiebt den im Vers als „von hundert an“ bezeichneten Anfang.]

Auch die Mädchenverehrung soll vom ersten Tag an zunehmen, sodass am Vollmond sechzehn Mädchen verehrt werden. [Bei einem Anfang mit einem Mädchen an fünfzehn Tagen ergäben sich fünfzehn; die Quelle nennt dennoch sechzehn.] Jeden Morgen lade man das jeweilige Mädchen ein. Nach Pūjā, Japa und Homa lasse man es gebadet und geschmückt auf einem weichen Sitz am Verehrungsort Platz nehmen, rufe nach der genannten Weise die Göttin in ihm herbei und verehre sie. Mit Gewand, Schmuck, Speise, Betel und Dakṣiṇā erfreue man es, verneige sich und verabschiede es. Bei mehreren Mädchen verfahre man mit jedem einzeln.

Navarātri und die neun Göttinnennamen

Im selben Monat kann die besondere Verehrung während der neun Nächte vom ersten bis zum neunten Mondtag stattfinden. Japa und Mädchenverehrung steigern sich jeweils vom ersten an. Die erste Altersregel nennt ein einjähriges Mädchen am ersten Tag, ein zweijähriges am zweiten und so weiter bis zu einem neunjährigen am neunten. An jedem Tag sollen auch die zuvor verehrten Mädchen einbezogen werden, sodass am neunten neun Mädchen im Alter von eins bis neun zusammenkommen.

Ihre Namen in dieser Ordnung sind: am ersten Tag Śuddhā, am zweiten Bālā, am dritten Lalitā, am vierten Mālinī, am fünften Vasundharā, am sechsten Sarasvatī, am siebten Ramā, am achten Gaurī, am neunten Durgā. Die Namensmantras beginnen jeweils mit Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ und enden mit Namaḥ, etwa Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ Śuddhāyai Namaḥ.

Daneben zitiert der Text das Skandapurāṇa:

15.KU.1 Ein einjähriges Mädchen soll man für die Verehrung ausnehmen, denn es empfindet noch keine Freude an Duft, Blüten, Früchten und weiteren [Gaben].

15.KU.2 Deshalb soll der vorzügliche Sādhaka nach dem genannten Verfahren Mädchen vom zweiten bis zum zehnten Lebensjahr verehren.

Aufgrund dieses Wortes nennt der Kommentar nun zwei bis zehn Jahre. [Die beiden Altersreihen werden als unterschiedliche Quellenaussagen erhalten.] Alternativ können während der neun Nächte junge erwachsene Suvāsinīs mit den genannten Merkmalen verehrt werden. Deren Göttinnennamen sind Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Mahocchuṣmā, Karālikā, Icchā, Jñānā, Kriyā und Durgā; auch hier folgen die Namensformeln auf die drei Tāras und enden mit Namaḥ.

Historische Auswahlregeln für die Verehrung

[Die folgenden Verse legen körperliche, soziale und geschlechtsbezogene Auswahlregeln fest. Sie werden als historische Kriterien wiedergegeben und sind keine Bewertung des Wertes oder der Würde eines Menschen.]

Der Kulārṇava über das zur Verehrung ausgewählte Mädchen:

15.KL.1 Man verehre sorgfältig ein gesundes, wohlgenährtes, schön gestaltetes Mädchen ohne Wunden, aus einer einheitlichen Abstammungslinie hervorgegangen.

Derselbe Text über Ausschlüsse:

15.KL.2 [Ausgenommen werden] eines mit fehlenden oder überzähligen Gliedmaßen, als schlecht geltend oder aus einer als sittenlos bezeichneten Familie, mit Geschwülsten, aufgesprungenen oder geschädigten Körperteilen und blutenden oder eiternden Wunden …

15.KL.3 … von Geburt blind, schielend oder einäugig, als unschön oder stark körperbehaart bezeichnet, krank oder von einer Dienerin geboren.

Das Skandapurāṇa unterscheidet ferner nach dem angestrebten Ergebnis:

15.KSq.1 Für alle Handlungen [verehre man] ein brahmanisches Mädchen, für Sieg eines aus königlichem Geschlecht, für Gewinn eines aus Vaiśya-, für Nachkommenschaft eines aus Śūdra-Abstammung;

… für grausame [Ritualzwecke] eines aus einer als Antyaja bezeichneten Gruppe, jeweils nach der Vorschrift. [Diese Zuordnungen spiegeln die Kastenvorstellungen der Quelle.]

Merkmale der Suvāsinī in der Quelle

Der Kulārṇava nennt als geeignete Merkmale:

15.SU.1 Schön gestaltet, jung erwachsen, friedlich, entgegenkommend, heiter, rein, frei von Zweifel, hingebungsvoll und mit der geheimen Lehre vertraut;

15.SU.2 nicht habgierig, von gutem Verhalten, mit lächelndem Gesicht und freundlicher Rede, Guru und Gottheit aufrichtig ergeben, guten Sinnes und der Kaula-Überlieferung zugewandt;

15.SU.3 ohne Neid, mit Verständnis für die Besonderheiten, eifrig in der Gottheitsverehrung, mit Mantra und Tantra vertraut und die überlieferte Verhaltensordnung wahrend;

15.SU.4 ansprechend und von gutem Lebenswandel: Dies ist eine Śakti mit günstigen Merkmalen. [Der weitere Halbvers ist durch Lückensterne ersetzt.]

Derselbe Text nennt als Ausschlussmerkmale:

15.SAq.1 Als schlecht, heftig, rau, hochmütig oder verachtenswert bezeichnet, ihre Familie schädigend, von schlechtem Verhalten, abhängig, ohne innere Haltung und überaus träge;

15.SAq.2 schlafsüchtig, unverständig, mit fehlenden Gliedmaßen, von Krankheit gepeinigt, übelriechend, leidend, unverständig, alt, geistig verwirrt oder Geheimnisse verratend;

15.SAq.3 falsch argumentierend, abfällig redend, schamlos, streitsüchtig, als missgestaltet bezeichnet, abseits des vorgeschriebenen Weges, zornig, gehbehindert, blind oder mit verändertem Gesicht.

Eine solche Śakti soll nach diesem Text vom Opfer ausgenommen werden, selbst wenn sie mit einem Mantra versehen ist. [Die abwertenden Zuschreibungen sind die Stimme der zitierten historischen Vorschrift.]

Verkürzte Navarātri-Ausführungen

Diese Neun-Nächte-Verehrung kann nach Vermögen in den hellen Monatshälften aller zwölf Monate von Caitra bis Phālguna stattfinden; oder in den vier Monaten Caitra, Āṣāḍha, Āśvina und Pauṣa; oder in Caitra und Āśvina; oder in einem davon. Bei Unvermögen zu neun Nächten sind sieben Nächte vom dritten bis zum neunten Mondtag, fünf Nächte vom fünften oder drei Nächte vom siebten möglich, jeweils mit Kumārī-Verehrung und den weiteren Handlungen. Es gibt zahlreiche weitere besondere Formen der anlassbezogenen Pūjā; sie sind von Guru und Lehrtext zu erfahren.

Kārttika: das Fest der Lichter

Der Tantrarāja, Kapitel 6, Vers 25:

15.WF.1 Am Vollmond des Kārttika verehre man mit Safran; nachts vollziehe man Homa mit kleinen, durch Ghee genährten Lichtern.

15.WF.2 Vor der Göttin stelle man mit der Vidyā sechzehn Lichter der Reihe nach auf; für jede Kraft ein einzelnes vor deren Platz.

15.WF.3 Oder man setze in einem Gefäß eines in die Mitte und neun darum und bringe es mit Blüten und der Wurzel-Vidyā dar.

Die Erklärung: Nach Safran-Verehrung am Kārttika-Vollmond setze man nachts Feuer in einer Grube oder auf einer Opferfläche ein. Mit kleinen Lampen aus Teig, mit Ghee gefüllt und mit kampferhaltigen Dochten entzündet, opfere man nach der täglichen Homa-Folge und bringe der Göttin mit Gliedern und Umhüllungen Lichter dar.

Auf ebenem Boden zeichne man mit Zinnober ein großes Śrīcakra, rufe die Göttin herbei und verehre sie. Im mittleren Bindu-Cakra stelle man vor der Hauptgöttin sechzehn brennende Lampen auf, geformt aus Gersten-, Weizen- oder anderem Mehl mit Zucker und Milch, mit kampferhaltigen Dochten und Ghee gefüllt. Mit dem Wurzelmantra bringe man sie dar. Für alle im Śrīcakra verehrten Gottheiten, von den Nityās an, stelle man je eine Lampe an ihrem Verehrungsplatz auf und bringe sie mit deren Mantra dar.

Bei Unvermögen zeichne man in einem Gefäß aus Gold oder entsprechendem Material ein Navayoni-Cakra oder einen achtblättrigen Lotus mit Safran. Darauf setze man neun Lampen: eine in die Mitte und acht auf die äußeren Yonis oder Blätter. Man verehre die Göttin und bringe sie dar. [Die Prosa nennt insgesamt neun Lampen, der Vers dagegen eine in der Mitte und neun ringsum; beide Angaben bleiben sichtbar.]

Mārgaśīrṣa bis Phālguna

15.WF.4 Am Vollmond des Mārgaśīrṣa bringe man Kokoswasser mit Kampfer dar und verehre vorschriftsmäßig mit Kuchen aus Māṣa-Mehl.

Man bereite Arghya mit kampferhaltigem Kokoswasser, verehre mit duftenden Blüten und weiteren Gaben und bringe Kuchen aus Māṣa-Mehl als Speise dar.

15.WF.5 Am Vollmond des Puṣya[-Monats, Pauṣa] verehre man mit Zucker oder Guḍa und bringe zur Erfüllung des Ersehnten Kuhmilch dar.

Die Erklärung nennt Zucker, bei dessen Fehlen Guḍa, und Kuhmilch als Gabe zur Erlangung des Gewünschten.

15.WF.6 Am Vollmond des Māgha verehre man mit weißem und anderem Sesam sowie Speisegaben aus Milch, Zucker, Kuchen und Weiterem.

Die Göttin mit ihren Umhüllungen wird mit weißem oder schwarzem Sesam verehrt; Zucker, Milch und Kuchen werden dargebracht.

15.WF.7 Am Vollmond des Phālguna verehre man zur Erlangung des Ersehnten mit Lotussen, goldenen und silbernen [Blüten], Mango-, Saugandhika- und Madhuka[-Blüten].

Die knappe Erklärung wiederholt die Verehrung mit Lotussen und Blüten aus Gold und Silber.

15.WF.8 An Tagundnachtgleichen, Sonnenwenden, Neumonden, Yuga-Anfängen und weiteren im Āgama genannten heiligen Zeiten vollziehe man besondere Verehrung.

Damit endet die anlassbezogene Pūjā.

Die vollständige Weihe im Kālī-Lehrweg

Nun die Pūrṇābhiṣeka-Vorschrift im Kālī-Lehrweg. Feuergruben, Halle und Plattform werden wie zuvor angelegt. Die Besonderheit: Die Halle misst siebenundzwanzig Hasta; in den acht Richtungen liegen die Feuergruben, in der Mitte eine Plattform von neun Hasta. Auf ihr zeichne man das Śrīcakra und vollziehe die Krugaufstellung und alles Weitere wie zuvor.

Nach den Morgenhandlungen bis zum Pīṭha-Nyāsa vollziehe der Guru den Mahāśakti-Nyāsa. Zunächst meditiere er über die Welt als leeren Raum ohne Stütze. Unter dem eigenen Sitz verehre er die Erde mit Hūṃ Pṛthivyai Namaḥ. Den Sitz mit der linken Hand berührend wiederhole er siebenmal das Bhuvaneśvarī-Bīja. Auf dem Sitz verehre er die sieben Kräfte Jayā, Vijayā, Jayantī, Ajitā, Aparājitā, Saṅgamā und Rambhā, jeweils mit der vorangestellten Viererformel [Quellenabkürzung „4“], Oṃ und Namaḥ.

Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra erkläre man: „Oṃ, dieses Mahāśakti-Nyāsa Seher ist Paraśiva, sein Versmaß Atijagatī, seine Gottheit Śrīparāśakti, sein Bīja Aiṃ, seine Kraft Śrīṃ, sein Riegel Sauḥ; die Anwendung gilt dem Mahāśakti-Nyāsa als Glied der Śrīvidyā.“ Nach Einsetzung dieser Zuordnungen vollziehe man zweimal den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa mit den drei Tāras.

Erste Laut-Einsetzungen

Die Einsetzungen erfolgen jeweils mit Namaḥ und den angegebenen vorangestellten Formeln:

  • Im Yoni-Bereich: Oṃ Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ.
  • Am Nabel: Hrāṃ Hīṃ Hrūṃ.
  • An den Fingerspitzen: Klāṃ Klīṃ Klūṃ.
  • Am Herzen: Hrāṃ Hrīṃ Hlūṃ.
  • An der Stirn: Sāṃ Sīṃ Sūṃ.
  • An den Ohren: Hāṃ Hīṃ Hūṃ.
  • An den Oberarmansätzen: Drāṃ Drīṃ Drūṃ.
  • Am Kinn [die Vorlage bietet bindu(cibu)ka]: Sauḥ Śrīṃ Kṣauṃ.
  • Am Brahmarandhra: Aiṃ Āṃ Sauḥ Aṃ.

Man vergegenwärtige A als Wurzel aller Laute von A bis Kṣa, fein in ihnen gegenwärtig wie Ghee in der Milch. Die übrigen Laute als aus ihm bestehend setze man an den folgenden Stellen ein. Am Gaumen: Aiṃ Īṃ Sauḥ Āṃ mit Namaḥ. Danach mit derselben abgekürzt bezeichneten Rahmung: Iṃ an der Nasenspitze; Īṃ hinter dem Geschlechtsorgan an der Naht oder am Licht-Liṅga im Mūlādhāra; Uṃ am After; Ūṃ am Rücken; Ṛṃ am Hüftgelenk; Ṝṃ am Ende des Hodensacks; Ḷṃ in der Rückenmitte; Ḹṃ am Zäpfchen; Eṃ am ganzen Körper.

Erneut setze man Aiṃ durch die innere Nyāsa-Vorstellung im ganzen Körper ein, in der Yoni mit den drei Linien um den Bindu. Die Vorlage erläutert:

15.MS.1 Yoni heißt diese Śakti, die das Weltei durchdringt. Sie lasse die Anhaftung im Körper aufgehen; Repha gilt als Bindu. [Die Verbindung von lepa, Repha und Bindu bleibt im Vers knapp.]

15.MS.2 Die große Śakti durchdringt das Gefüge der zweiundsiebzigtausend Nāḍī-Verzweigungen. Im Monatszyklus der Frauen …

15.MS.3 … wird das im Nāḍī-Kreis befindliche Blut durch den Yoni-Weg abgegeben; im zur Blüte gelangten Geschlechtsorgan erscheint die „Blüte“ nach Monat, Monatshälfte und weiterer Zeitfolge.

15.MS.4 Auch der Aiṃ-Laut ist selbst die Yoni; hier soll kein Zweifel bestehen. In ihr ist, Herrin der Götter, die dreiweltliche Wirklichkeit mit Beweglichem und Unbeweglichem eingesetzt.

[Die Verse verbinden traditionelle Körpervorstellungen, Menstruationssymbolik und Lautmetaphysik; sie sind keine moderne physiologische Beschreibung.]

Die vollständige Mātṛkā am Körper

Über den Sinn dieser Verse nachdenkend vergegenwärtige man die Auflösung in der großen Kāmakalā am Brahmarandhra. Mit der abgekürzt angegebenen gemeinsamen Rahmung und Namaḥ setze man ein: Oṃ am Brahmarandhra; Oṃ in der Mitte des Nāda; Aṃ am Ende des Nāda; Aḥ an der Kehle. [Die zweimalige Form Oṃ folgt der Vorlage.]

Die Konsonanten-Einsetzungen lauten:

  • Kaṃ am Herzen; Khaṃ am Kopf; Gaṃ an den Unterschenkeln; Ghaṃ an den Brüsten; Ṅaṃ am Nasenende.
  • Caṃ im Ājñā-Zentrum; Chaṃ an der linken Flanke; Jaṃ an der rechten; Jhaṃ an den Oberschenkelansätzen; Ñaṃ an den Zahnreihen.
  • Ṭaṃ an der Zungenspitze; Ṭhaṃ am Mund; Ḍaṃ an den Achseln; Ḍhaṃ an den Knochengelenken; Ṇaṃ im Geist.
  • Taṃ am Nabel; Thaṃ an der Stirn; Daṃ an den Ohröffnungen; Dhaṃ an den Wangen; Naṃ an den Augen.
  • Paṃ im weißen tausendblättrigen Lotus; Phaṃ im Herzlotus; Vaṃ an den Schultern; Bhaṃ zwischen den Brauen; Maṃ am Kieferansatz. [Die Quelle schreibt an der Stelle der Ba-Einsetzung Vaṃ.]
  • Yaṃ am Gaumenansatz; Raṃ zwischen Geschlechtsorgan und After; Laṃ an der Zunge; Vaṃ am ganzen Körper.
  • Śaṃ umhüllend von der linken zur rechten Kopfseite und bis zu den Fußsohlen; Ṣaṃ am Gaumenansatz; Saṃ am ganzen Körper; Haṃ am Brahmarandhra; Kṣaṃ an sämtlichen Fingern und Zehen.

In der zuvor genannten Kuṇḍalinī des Mūlādhāra setze man die gemeinsame Formel ein. Unter Rezitation der gesamten Mātṛkā führe man Kuṇḍalinī auf dem Weg der Suṣumnā durch die sechs Cakras zum Brahmarandhra und vergegenwärtige ihre Auflösung im höchsten Selbst Śiva auf dem Fruchtboden des dortigen Akula-Lotus mit tausend Blättern.

Lange Anrufung zum Schutz des eigenen Leibes

Mit der angegebenen Einleitung bete man:

„Schütze, schütze, Dreizackträgerin, Freude der drei Welten Gewährende! Tripurā, Göttin, schütze mich, Tripureśvarī! Schütze, schütze, große Göttin, diesen unseren Leib! Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ Hasaphreṃ Hsauḥ [Quellenzeichen ‚2‘] Hasaphreṃ Śrīṃ Hrīṃ Aiṃ Śrīṃ! Samayinī, du Schöne in der Freude des berauschenden Trankes, von sämtlichen Göttern und Dämonen verehrt, deren Lotusfüße von den Kronenkränzen der Schlangenkönige geschmückt sind, die das Drohen gewaltiger Zahnreihen abwehrt: Schütze, schütze meinen Körper, höchste Herrin! Hūṃ Phaṭ Svāhā!

Oṃ Bhūḥ Svāhā! Oṃ Bhuvaḥ Svāhā! Oṃ Sva Svāhā! Oṃ Bhūr Bhuvaḥ Svaḥ Svāhā! [Die dritte Formel steht in der Vorlage verkürzt mit Sva.] Mit einer Menschen-Darmgirlande geschmückte große Kaulinī, große Künderin Brahmans, die großen Reichtumsrausch hervorruft und großen Genuss gewährt: Mache, mache unseren Körper diamantfest! Töte, töte die Übeltäter; verschlinge, verschlinge die schlechten Herrscher; zerbrich, zerbrich den feindlichen Kreis! Siegbringende, im Himmel Wandelnde, Herrin der drei Welten! Yamalavarayūṃ Bhamalavarayūṃ Vamalavarayūṃ Śamalavarayūṃ! Śrībhairavī, gewähre Gnade, Svāhā!“

[Die Anrufung enthält drastische Ikonographie und historische Vernichtungsbitten. Sie wird quellengetreu wiedergegeben, ohne eine reale Gewalthandlung zu empfehlen. Schreibfehler wie krukuru und drjanān sind im deutschen Sinn als die erkennbaren Verben und Personenbezeichnungen wiedergegeben.]

15.AR.1 Tripureśvarī, die Göttin mit göttlichen Gliedern und göttlichem Selbst, die Genuss gewährt, schütze meine gesamte Kula-Gemeinschaft mit ihren Frauen.

15.AR.2 Schütze, schütze, große Göttin, höchste Herrin, in der Freude des berauschenden Trankes, meinen Körper von den Fußsohlen bis zum Haupt.

Nach diesem Selbstschutz erinnere man:

15.AR.3 Die große Göttin namens Tripurā gewährt die Früchte von Lebensgenuss und Befreiung. Nichts ist dem Guru gleich, kein Gott Śaṅkara gleich.

15.AR.4 Kein Yoga ist höher als Kaula, keine Vidyā der Tripurā-Vidyā gleich. Keine Erkenntnis ist höher als Frieden, kein Glück höher als Geduld.

15.AR.5 Kein Nyāsa gleicht dem Śakti-Nyāsa, keine Vidyā der Tripurā-Vidyā. In allen Lehrsystemen, besonders in den als abweichend bezeichneten …

… ist die große Göttin von göttlicher Gestalt überall [gegenwärtig], höchste Herrin.

Weitere Anrufungen und Verehrung des Mantra-Königs

Nach Erinnerung an die Größe von Mantra und Vidyā rezitiere man einmal: „Sie siegt, die auf Pīṭhas und Upa-Pīṭhas thront, in Himmel, Bergen, Welten und Gokula wohnt [die Ortsfolge wiederholt Himmel/Berg/Welt in gedrängter Form], mit den Kula-Kräften auf Erde und in Unterwelt gegenwärtig, Kula und Kaula durchdringend, die Herzen aller Menschen erfreuend. Sie vollbringe das von mir gedachte Werk. Die höchste Herrin reinige [als] hundertundeine Bhairavī [die Zahlenverbindung ist unsicher], auf dem Kreis des Begehrens ruhend, höchste Herrin der sieben Koṭis und tausend Mantras [auch diese Zahlengliederung ist nicht eindeutig].“

Danach:

„Aiṃ, Verehrung der Erhabenen! Im Dreieck, in der dreifachen Windung, mit dem großen Liṅga geschmückt, Schöpferin, Erhalterin und Auflöserin der drei Welten! Sahalahrīṃ, Freude des Liebesgottes Gewährende! Sahahrīṃ, Linie des Brahma-Stabes! Sahahrauṃ, als Bewusstsein mit Schlinge und Elefantenstachel geschmückt! Sprich, sprich, Göttin der Rede! Śrīṃ, Königreiche … Gewährende [die Wortfolge mūṣṭamahapālarājyaprade ist beschädigt]! Aiṃ Vaṃ, mit segenspendender, glückverheißender Hand, die alle Menschen erfreut! Klīṃ Klīṃ, im Kāmarāja-Bīja ruhend! Drāṃ Drīṃ Klīṃ Vlūṃ Saḥ, bewege, bewege, Bewegende! Hasauḥ Hasaḥ Hsauḥ, rühre auf, rühre auf, Furchtlosigkeit Gewährende! Vierarmige, Dreiäugige, auf dem Leichensitz Sich-Erhebende, mit großer Schädelgirlande geschmückt, mit dem Mond am Haupt, Tripurā, Genuss und Befreiung Gewährende!“

Es folgen oṃ aiṃ oṃ namaḥ siddhaṃ, die einundfünfzig Laute von Aṃ bis Kṣa und dieselben rückwärts bis A, danach die rückläufig geschriebene Folge ddhaṃsimaḥna oṃ aiṃ oṃ. Die Schlussbitte lautet: „Mutter aller Bījas, Śrīsamayinī, gewähre, gewähre meinen Herzenswunsch, Svāhā.“ [Die rückläufige Schreibweise wird nach der Quelle erhalten; die beiden Alphabete sind dort nur als Anfang und Umfang angegeben.]

Nach dieser Rezitation verehre man den Tripurā-Mantra mit aiṃ īṃ sauḥ śrīmantrarājāya namaḥ: „Verehrung dem erhabenen Mantra-König.“ Danach verehre man die dreizehn Vidyās mit den großen Tripurā-Namen.

Die dreizehn nummerierten Vidyās

15.TV.1 oṃ aiṃ sahau sahalahrīṃ sahahrauḥ aiṃ sahahrīṃ sahahūṃ kāmatripurāyai namaḥ – Verehrung Kāmatripurā.

15.TV.2 oṃ aiṃ hrīṃ klīṃ hasauḥ tripurabhairavyai namaḥ – Verehrung Tripurabhairavī.

15.TV.3 oṃ mit der Quellenabkürzung „3“, danach aiṃ hrīṃ saḥ vāktripurāyai namaḥ – Verehrung Vāktripurā.

15.TV.4 oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ sauḥ mahālakṣmyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Mahālakṣmī-Tripurā.

15.TV.5 oṃ aiṃ preṃ klīṃ mohinyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Mohinī-Tripurā.

15.TV.6 oṃ aiṃ klīṃ blūṃ strīṃ bhrāmarītripurāyai namaḥ – Verehrung Bhrāmarī-Tripurā.

15.TV.7 oṃ mit der Quellenabkürzung „3“, danach aiṃ hrīṃ śrīṃ preṃ hasauḥ trailokyasvāminyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Tripurā, der Herrin der drei Welten.

15.TV.8 oṃ aiṃ ḍāṃ ḍīṃ ḍūṃ ḍaiṃ ḍauṃ ḍaḥ haṃsyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Haṃsī-Tripurā.

15.TV.9 aiṃ aiṃ aiṃ sauḥ kaulikāyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Kaulikā-Tripurā.

15.TV.10 aiṃ aiṃ sauḥ ṣaṇḍikāyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Ṣaṇḍikā-Tripurā.

15.TV.11 aiṃ aiṃ sauḥ tālumadhyamāyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Tripurā in der Gaumenmitte.

15.TV.12 aiṃ aiṃ sauḥ kapālāṃkuravāsinyai tripurāyai namaḥ – Verehrung Tripurā, die im Kapālāṅkura wohnt.

15.TV.13 ṭhaḥ ṭhaḥ ṭha – [die dreizehnte Stelle besteht nur aus dieser Lautfolge; ein Göttinnenname ist nicht ausgeschrieben].

Man wiederhole nach Vermögen und verehre am Kopf siebenmal mit roten Blüten, Duft und ungebrochenen Reiskörnern: Aiṃ Īṃ Sauḥ Ātmadehāya Namaḥ, „Verehrung dem eigenen Leib“. Nach Räucherwerk und Licht meditiere man in diesem Tripurā-Leib mit Aiṃ Īṃ Sauḥ über die große Kāmakalā, die nach dem Text Frauen in Erregung versetzt. Danach rezitiere man das folgende hundertversige Lob mit der inneren Verfolgung des Nyāsa.

Das große Śakti-Lob: Körperorte und Schutzbitten

[Das angekündigte „hundertversige“ Lob hat in der Vorlage 105 nummerierte Verse. Die Nummern bleiben erhalten. Die folgenden Bitten verbinden Göttinnennamen, Körperorte, Schutz, weltliche Ziele und Befreiung; ihre Gewalt- und Machtvorstellungen gehören zur historischen Gebetssprache.]

15.SL.1 Tripurā, mache meinen Körper ganz zu Śakti und Rudra. Herrin der Götter der Götter, gewähre mir stets die ersehnte [Gabe; die Vorlage bietet hier eine Ergänzungsvariante].

15.SL.2 Maṅgalādevī schütze den Kopf, Kulasundarī die Stirn, Mahākālī beide Augen, Kuṇḍalī die Ohren.

15.SL.3 Kapālī schütze das Innere der Ohren, Kamalāvatī die Wangen, Cāmuṇḍā die Zähne, Meruvāsinī das Kinn.

15.SL.4 Bhuvaneśvarī schütze mir Brauenmitte und Halsbereich, Sarasvatī die Zunge, Tāluvāsinī den Gaumen.

15.SL.5 Kapilā wohne auf meiner Schulter, Kulamālinī auf der Schulter [Variante: auf der linken Schulter], Vināyakī im Bauch, Jayānandā an beiden Brüsten.

15.SL.6 Mahālakṣmī wohne in der Halsgrube, Caṇḍabhairavī im Herzen, Brahmāṇī im Nabelbereich, Jvālāvatī am After.

15.SL.7 Liṅgaprabhā sei am Geschlechtsorgan, Muṇḍinī im Fettgewebe, Mahāyogā im Nāḍī-Kreis, Udbhaṭā in der rechten Hand.

15.SL.8 Mahāmāyā sei in der linken Hand, Vidyā in den Fingern; Vaiṣṇavī wohne mit ihrem Diskus am linken Fuß.

15.SL.9 Ebenso sei Ekapādā, die Götterherrin, am rechten Fußende; Kauverī in den Zehen, Mahādbhaṭā in den Haarporen.

15.SL.10 Maṇḍalī sei an der Nasenwurzel, Vārāhī im Fettgewebe, Jālandharī am Wasserort, Kāmākṣī in der Mitte des Begehrens.

15.SL.11 Udbhaṭā sei zwischen Nabel und Geschlechtsorgan, die am Pūrṇa-Pīṭha Gegenwärtige an der Nasenspitze, Jayādevī an der Wirbelsäule, Carcikā an den Knochengelenken.

15.SL.12 Die ruhmreiche Carmadhārī wohne stets in der Haut; im Blut und im Inneren des Geistes wohne die glückverheißende Hiṃsinī.

15.SL.13 Māheśvarī und Kaumārī mögen an linkem und rechtem Unterschenkel wohnen, Vīrālī an den Hüftgelenken.

15.SL.14 Die Göttin schütze meinen Leib, Kulakāminī mein Haupt. In Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum …

15.SL.15 … in den fünf Elementen schütze Bhūteśī stets meine Kula-Gemeinschaft. Aindrī gebe mir Herrschaft, Prajāvatī Nachkommenschaft.

15.SL.16 Māyā gewähre mir stets Vermögen, Getreide und Ruhm. Im Kampf, am Königshof, inmitten der Feinde und im großen Wald …

15.SL.17 … erfülle die große Göttin Raktanetrā das von mir Ersannene. Samayā schütze die überlieferte Ordnung, Vidyā die Vidyā im Kula-Āgama.

15.SL.18 Jagannāthā gewährt den Sādhakas die Früchte von Lebensgenuss und Befreiung. Prāṇā wirke mir Vollendung, Trailokyavijayā Wohlergehen.

15.SL.19 Die große Vidyā Ghaṇṭālī gewähre mir Segen. Sie, die Herrin der sieben Koṭis und tausend Mantras [die Zahlengliederung bleibt wie zuvor unsicher], …

15.SL.20 … jene Götterherrin und Göttin gewähre mir stets Vollendung. Ulkāmukhā wohne im Gesicht, Mārjārī in den Körpergelenken.

15.SL.21 Die Vidyā Bhadrakālī wohne in meinem von Śiva erfüllten [Wesen]. Das Dreieck und der dreifache Umlauf, das höchste Tripurā-Cakra, …

15.SL.22 … seien stets an meinem Haupt, an dessen Ende Bahurūpiṇī. Die zuvor genannte Tripurā-Śakti, aus Manmatha hervorgegangen, wohne in mir.

15.SL.23 Du bewegst die ganze Welt und bist von der Freude des berauschenden Trankes überwältigt. Nimm jetzt Wohnung in meinem Leib, göttliche Yoginī.

15.SL.24 Komm, komm, große Göttin, vollendete Yoginī, in meine Kula-Gemeinschaft, zur Vernichtung der Feinde, den Siegern Genuss gewährend.

15.SL.25 Große Yoginī, wohne stets in diesem Körper. Māhendrī sei am Scheitelhaar, Gaṇeśvarī in der Yoni-Mitte.

15.SL.26 Die unter dem Namen Pretāśī Bekannte wirke mein Wohlergehen; Ḍākinī im vorderen Bereich gewähre mir Glück.

15.SL.27 Śākinī in den hinteren Körperteilen, rechts Rākiṇī oder Rākṣasī [ausdrückliche Lesungsunsicherheit der Vorlage], links Mahāmāyā: Sie wirke mein Wohlergehen.

15.SL.28 Sie schütze unser Haupt; Bhairavī sei stets gegenwärtig. Die Weite, Weitäugige, Reine, von Befleckung Freie …

Das Śakti-Lob: der wiederkehrende Ruf an die Yoginī

[Von Vers 29 an nimmt der wiederholte erste Halbvers jeweils die vorausgehende Göttinnenbeschreibung auf; der zweite beginnt häufig bereits die nächste. Diese übergreifende Satzfolge bleibt erhalten.]

15.SL.29 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die von der Zeit gestaltete Kālī, die Kālarātrī genannt wird …

15.SL.30 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die von den Herrschern der Nachtwanderer verehrt wird und selbst Niśācarī, Nachtwandlerin, heißt …

15.SL.31 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Ūrdhvakeśikā mit aufgerichtetem Haar heißt, mit gelöstem Haar, große Furcht [hervorrufend] …

15.SL.32 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Vīrā genannt wird und den Helden Sieg verleiht …

15.SL.33 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Mālinī genannt wird, an der Nasenspitze Vidrumājinī [die zweite Bezeichnung ist nicht erläutert] …

15.SL.34 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, deren Körper als schreckliches Knochengerüst erscheint, mit wilden Skelett-Ohrringen …

15.SL.35 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Heftige, mit ungewöhnlichen Augen, vielgestaltig und alle Gestalten verkörpernd …

15.SL.36 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Khaṭvāṅgī, Trägerin des Schädelstabes, genannt wird, die Wilde, von Rudra verehrt …

15.SL.37 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die als Kaliyāginī bekannt ist und von der in der Welt im Kali[-Zeitalter] gehört wird …

15.SL.38 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Pretākṣī genannt wird … [der Anschluss „phetkārokaṭavarjitā“ ist bereits in der Vorlage als unsicher markiert und bleibt unübersetzt] …

15.SL.39 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die in diesem Yoginī-Lehrtext Dhūmrākṣī, Rauchäugige, genannt wird …

15.SL.40 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die große Göttin, die im Kula-Āgama als von schrecklicher Gestalt bezeichnet wird …

15.SL.41 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Allgestaltige, die insbesondere die drei Welten hervorbringt …

15.SL.42 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die im Kula-Āgama Bhayaṅkarī, Furchterregende, genannt wird …

15.SL.43 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Göttin namens Kapālamālikā, Trägerin von Schädeln und Schädelgirlanden …

15.SL.44 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Göttin namens Bhīṣaṇā Bhairavī, die Schreckliche von gewaltiger Kraft …

15.SL.45 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Nyagrodhavāsinī, Bewohnerin des Banyanbaums, genannt und von Göttern verehrt wird [die Vorlage schreibt „nyagrādha“] …

15.SL.46 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Bhairavī, die Schreckliche, die von den acht Bhairavas verehrt wird …

15.SL.47 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Dīrghalamboṣṭhī genannt wird, mit langen hängenden Lippen, Mahāmāyā von großer Kraft …

15.SL.48 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die große Śakti Khaṭvāṅgī, die über den Ozean des Saṃsāra hinüberführt …

15.SL.49 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die in allen Mantras Mantravādinī, Sprecherin der Mantras, genannt wird …

15.SL.50 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die am Ende des Yuga Kālaghnī heißt, die höchste Herrin, welche die Zeit vernichtet …

15.SL.51 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die von Göttern, Dämonen und großen Schlangen Grāhiṇī, Ergreifende, genannt wird …

15.SL.52 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Cakriṇī genannt wird, mit einem Fuß und drei Augen …

15.SL.53 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Göttin mit allumfassenden Armen, stets Viśvanātha lieb …

15.SL.54 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die in sämtlichen Lehrsystemen bekannte höchste Herrin …

15.SL.55 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die in der Lehre Kaṇṭakī heißt, zum Abschneiden der Dornen oder Hindernisse …

15.SL.56 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die Kīlakī genannt wird, siebenarmig und von großer Kraft …

15.SL.57 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die große Göttin, die im Kampf Mahāmārī, große Verderberin, genannt wird …

15.SL.58 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Sie, die als Yamadūtī, Botin Yamas, bekannt ist und von Göttern und Dämonen verehrt wird …

15.SL.59 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Die Göttin Karālinī, die große Vidyā von großer Kraft …

15.SL.60 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Lalitāmbā, die große Königin, die eine Herrin sämtlicher Cakras …

15.SL.61 Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt. Kaulikā wohne an der Nasenspitze, Madanāsyā ebenso am Mund [die Form „madanasyā“ ist unsicher].

15.SL.62 Vyomajaṅghā [die Wortform ist unsicher] sei an der Wange, Apahāriṇī am Hals. Jene Yoginī, Mahāmāyā und Śrī, wohne auf meinem Haupt.

Das Śakti-Lob: die Göttin in Welt und Leib

15.SL.63 Drāviṇī, Kṣobhiṇī, Stambhinī und Mohinī, Raudrakarmā, Mahāghaṇṭā, Camarī und Tvaritā werden [in den Lehren] genannt;

15.SL.64 Raudrī, Kulamātā, Kākadṛṣṭi, Adhomukhī, Kapālakuṇḍalā, Dīrghā, Kapālī und Kulagāminī.

15.SL.65 Die Göttin schütze meinen Leib, Kulamālinī mein Haupt. In Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum …

15.SL.66 … in den fünf Elementen schütze Bhūteśī stets meine Kula-Gemeinschaft. Aindrī gebe mir Herrschaft, Prajāvatī Nachkommenschaft.

15.SL.67 Māyā gebe mir stets Vermögen, Getreide und Ruhm. Im Kampf, am Königshof, unter Feinden und im großen Wald …

15.SL.68 … erfülle die große Göttin Raktanetrā meinen Gedanken. Samayā schütze in der überlieferten Ordnung, Vidyā die Vidyā im Kula-Āgama.

15.SL.69 Jagannāthā gewährt den Sādhakas die Früchte von Lebensgenuss und Befreiung. Genannt werden Dvijaṭī, Trijaṭī, Kandalī und Lalitākhilā [die letzte Wortverbindung ist nicht eindeutig getrennt];

15.SL.70 Gāyatrī, Ambikā, Tārā, Pārvatī, Kamalaprabhā, Mādinī, Madanonmādā, Mandārī und Madanāturā;

15.SL.71 Bhīṣaṇā, die Bhīṣaṇī Genannte, Pretasiddhā, Vibhiṣaṇā; Hunger, Durst, Schlaf, Anmut, Einsicht und Glanz;

15.SL.72 Sandhyā, Standhaftigkeit, Freude, Geduld: So wird sie unablässig genannt. Als Suranāthā ist sie bekannt, als Gottheit von Stadt und anderen Orten;

15.SL.73 als Dorf-Göttin und örtliche Schutzgöttin, am Pīṭha als Pīṭheśvarī. Sie wird Kāverī, Narmadā, Gaṅgā und Yamunā genannt;

15.SL.74 als höchst heilige Godāvarī und auch als Arundhatī. Jede große Göttin, die in den drei Welten unter einem weiblichen Namen offenbar ist, …

15.SL.75 … jene Göttin in hunderttausend Gestalten wohne als Śrī in meinem Herzen. Die Vidyā, die Suvarṇarekhiṇī genannt wird, …

15.SL.76 … welche die Schlangen entwurzelt oder vernichtet, wirke mein Wohlergehen. Die als Kurukullā bekannte, aus dem Mund des Vogelkönigs hervorgegangene …

15.SL.77 … Vidyā von großer Gestalt wohne stets an meiner Zungenspitze. Die als Oṃkāriṇī Bekannte wohne stets in meinem Körper.

15.SL.78 Vidyāpahāriṇī mit Namen, welche die Kali-Gestalt zerreißt; Bheruṇḍā wohne an meiner Kehle, Toralā auf meinem Haupt.

15.SL.79 Ebenso wohne Śavalarekhā stets an meiner Wurzel. Jāṅgalī gewähre mir zur Vernichtung des Giftes Vollendung der Rede.

15.SL.80 Die alle Vollkommenheiten gewährende Vidyā gibt die Früchte von Lebensgenuss und Befreiung. Ich bin Brahmā, ich bin Viṣṇu, ich bin der Gott Maheśvara.

15.SL.81 Ich bin die Wohnstätte aller Wesen, in der Welt ein Betrachter der erhabenen Śakti. Durch den vom Śakti-Nyāsa gereinigten Körper mögen Götter und Dämonen …

15.SL.82 … auf bloße maßgebliche Weisung stets meinen Wunsch oder Befehl erfüllen [die Vorlage bietet die Variante Āśā/Ājñā]. Welche Yoginī-Gestalt es auch in den drei Welten gibt, Śaṅkara, …

15.SL.83 … sie alle wohnen im Leib, wenn der Śakti-Nyāsa verehrt wird. Auch eine Frau, die diesen Nyāsa hingebungsvoll ausführt, …

15.SL.84 … gilt als jene Göttin, in göttlicher Gestalt als Tripurā in der Welt. Verehrung dir, Mutter der Welt, Verehrung dir, Bhuvaneśvarī!

15.SL.85 Verehrung dir, Genuss gewährende Göttin, [Verehrung dir,] große Herrin! Offenbar und verborgen sind sie alle: Nirvāṇā, Bhairavī und Śivā …

15.SL.86 … Sambhramā, Vijayā, Haṃsā, Śubhā, die Feuer-Gottheit [die Worttrennung ist unsicher], Yakṣiṇī, Cūḍakanyā und Ākāśagāminī …

15.SL.87 … Bhūcarī, Caritā, Kumbhī, die in allen Āgamas Wohnende. Wer die Yoginīs als die Göttin mit ihren vierundsechzig Stützen vergegenwärtigt …

15.SL.88 … und ihre Auflösung im Grundzentrum [betrachtet], wird ein Yogi, der Yoga kennt. Maṇḍalā wohne an meiner Stirn, Virajā auf meinem Haupt.

15.SL.89 Ekākṣī sei an der rechten Schulter, Trilocanā an der linken; Jayantī wohne an meinem Bauch, Kandarpakuṇḍalī an der Hüfte.

15.SL.90 Mālinī sei am Ansatz des Geschlechtsorgans, Samādhinī im Herzen, Ambikā an der Wirbelsäule, Medinī an den Flanken.

15.SL.91 Diggajāṅgī sei an den Fingerspitzen, Nāgendrī an den Nagelansätzen, Vyāghrī und Cakrī an den Unterschenkeln, Mahī an den Fußsohlen.

15.SL.92 Amṛtā und Śaṅkhinī seien an der Öffnung [nicht näher bestimmt], Vilāsinī an den Augen, Kālindī an der Zungenwurzel; Raktinī schütze das Blut.

15.SL.93 Lāṅgalī und Jaṅgalī mögen schützen, Asthinī an den Knochengelenken; Mañjinī [Quellenform] das Körpermark, Śukreśvarī den Samen.

15.SL.94 Vetālī, meine Krankheiten vernichtend, schütze die Haut. Rudghaṭā stifte stets Frieden in meinem Leib.

15.SL.95 Pādā wohne an den Fußsohlen, Panthinī schütze auf dem Weg. Bhairavī schütze vor der Furcht durch Räuber, Feuer, Könige und Schlangen.

15.SL.96 Bandhinī binde stets den Blick der Übelgesinnten. Die Vidyā namens Cāpeṭī wirke mir Segen.

15.SL.97 Markaṭī, Ghaṇṭakarṇī, Hanumantī, Rāvaṇī und die berühmte Ghurghurā: Ich verehre die Vierergruppe der Vidyās. [Der Vers nennt fünf Namen, bezeichnet sie aber als vier; die Abweichung bleibt erhalten.]

15.SL.98 Ceṭakā, die Erkenntnis gewährende Vidyā [oder der Eigenname Jñānadā], Kaumārī, Caraṇāvalī, danach die Vighnarāja Genannte [Wortform unsicher], Tuṣṭā, Santānarūpiṇī …

15.SL.99 … Haṃsī im Mūlādhāra, kraftvoll im Zerschlagen des Unrechts [die Vorlage schreibt pātakī]: Diese zehn Mantra-Vidyās mögen auf meinem Haupt wohnen. [Die genaue Abgrenzung der zehn Namen ist aus der überlieferten Wortfolge nicht sicher herzustellen.]

15.SL.100 Śubhā sei vor mir, Lohitā rechts, [sie schütze] die linke Seite zur Zeit der Vereinigung; Śṛṅkhalā sei im Westen. [Die linke Zuordnung nennt in dieser Fassung keinen eindeutigen eigenen Göttinnennamen.]

15.SL.101 Śaṅkhinī schütze am Scheitelhaar, die glückverheißende Vastravatī am Gewand, Kavacāṅgī an der Schutzhülle, Netrakṛtotsavā an den Augen.

15.SL.102 Alle Yoginīs, die in Yoginī-Gestalt in den drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem gegenwärtig sind, mögen meinen Leib zu ihrem Körper machen.

15.SL.103 Den Söhnen und besonders den Hingebungsvollen soll dies gegeben werden. Dieser Śakti-Nyāsa soll weitergegeben werden, aber nicht wahllos an jeden.

15.SL.104 Er gewährt den Menschen auf der Erde die Frucht ihrer Gedanken. Wer diesen großen Nyāsa und den Ṣoḍhā-Nyāsa und weitere vollzieht, Herr, …

15.SL.105 … ist schon lebend von Śakti-Gestalt, fähig, die drei Welten zu entwurzeln. Wenn der Śakti-Nyāsa vollzogen ist, [heißt es über] jeden, der verletzend eingreift …

… durch Handlung, Gedanken oder Rede: Ihn werde Vernichtung treffen. [Der Satzanschluss des letzten Verses ist gedrängt; die abschließende Strafdrohung wird als solche der Quelle wiedergegeben.]

Damit endet der Śakti-Nyāsa.

Das innere Opfer nach dem Mahāśakti-Nyāsa

Nachdem der Guru den Mahāśakti-Nyāsa selbst vollzogen und den Schüler hat vollziehen lassen, bringe er das innere Opfer dar. Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra zeichne er mit gewöhnlichem Arghya-Wasser ein Quadrat vor sich. Mit dem Ātma-Mantra oṃ hrīṃ haṃsaḥ so ’haṃ svāhā stelle er das Ātma-Gefäß samt Untersatz und Krugwasser auf.

Den eigenen Körper und den Schülerkörper stelle er als Śrīcakra vor. Mit den sechsunddreißig Lauten von Aṃ, Kaṃ an verehre er den Yogapīṭha der Śrīmahātripurasundarī als die sechsunddreißig Tattvas. Die zusammengesetzte Formel nennt:

Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Rāga, Kāla, Niyati, Vidyā, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṃkāra, Gehör, Tastsinn, Auge, Zunge, Geruchssinn, Manas, Buddhi, Sprache, Hand, Fuß, Ausscheidungsorgan, Fortpflanzungsorgan, Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack, Geruch, Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde, Jīva und das Allselbst.

[Diese ausdrücklich ausgeschriebene Sechsunddreißigerliste weicht von der früheren Tattva-Reihe ab: Māyā und Kalā fehlen, Jīva und das Allselbst treten hinzu. Sie wird nicht nach dem früheren Schema umgeschrieben.]

Mit dieser zusammenfassenden Pīṭha-Vidyā bringe man eine Handvoll Blüten am Herzen dar, schmücke mit Duft und Kränzen und meditiere über die Göttin im Herzen, einem selbst zugewandt. Man zeige die Mudrās vom Herbeirufen an und bringe die Gaben vom Sitz an dar. Nach der Meditation verehre und erquicke man sie dreimal mit der Formel „im Herzen mit ihren Gliedern …“. Mit dem Wurzelmantra bringe man die Gaben von Duft bis Betel dar und vollziehe die Reinigung der vier Tattvas.

Reinigung des groben Leibes

Mit Aiṃ, den sechzehn Lauten von Aṃ bis Aḥ und der Formel „dem Selbst von Erde, Jīva und allem“, ferner Aṃ Āṃ Aiṃ, beginne man das vedische Zitat idaṃ viṣṇur vicakrame … (1.22.17): „Dieses [All] hat Viṣṇu durchschritten …“ [Die Quelle gibt hier nur den Anfang; der nicht ausgeschriebene Rest wird nicht ergänzt.]

Danach spreche man:

„Den höchsten Nektar des Ich-Seins, der im Gefäß des Dies-Seins entsteht, opfere ich als Śiva in das Feuer, das aus dem höchsten Ich-Sein besteht.“

Mit dem Wurzelmantra: „Dem Selbst des Ātma-Tattva: Ich reinige den groben Leib, Svāhā.“ Man nehme etwas aus dem Ātma-Gefäß zu sich.

Reinigung des feinen Leibes

Mit Klīṃ und den fünfundzwanzig Lauten von Kaṃ, Khaṃ an folgt die Formel an das Selbst von Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Rāga, Kāla, Niyati, Vidyā, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṃkāra, Gehör, Tastsinn, Auge, Zunge, Geruchssinn, Manas, Buddhi, Sprache und Hand. [Die Lautzahl 25 und die Zahl der ausgeschriebenen Tattva-Namen decken sich hier nicht; die Formel wird nicht erweitert.]

Nach den fünfundzwanzig Lauten und Klīṃ steht ein vedisch formulierter Spruch, dessen überlieferte Wortfolge beschädigt ist: Die Mächtigen fördern mit Verneigungen ein mit Surā verbundenes Opfer am mit Streu versehenen Ort … Soma unter den Gottheiten tragend … als Opfernde mögen wir uns an Indra erfreuen. [Insbesondere barhi padaṃ suṣīraṃ und devi devatāsu lassen keine sichere zusammenhängende Übersetzung zu.]

Danach:

„In dem innen unablässig ohne Brennstoff aufflammenden Feuer des Bewusstseins, dem Gegner der Finsternis der Verblendung, in jener Stätte, in der sich wunderbare Strahlen entfalten, opfere ich das All von der Erde bis zu Śiva.“

Mit dem Wurzelmantra: „Dem Selbst des Vidyā-Tattva: Ich reinige den feinen Leib, Svāhā.“ Wie zuvor nehme man etwas zu sich.

Reinigung des Ursachenleibes

Mit Sauḥ und den zehn Lauten von Yaṃ, Raṃ an folgt die Formel an das Selbst von Fuß, Ausscheidungsorgan, Fortpflanzungsorgan, Klang, Berührung, sichtbarer Gestalt, Geschmack, Geruch, Raum, Luft, Feuer und Wasser. [Auch hier ist die Zahl der ausgeschriebenen Tattva-Namen nicht zehn.]

Nach den zehn Lauten steht der Spruch (Quellenverweis: Yajurveda 8.6): „Gewähre uns heute Gutes, Savitṛ, und morgen Gutes; Tag für Tag bringe uns Gutes hervor. Mögen wir, Gott, durch Reichtum und Einsicht Anteil an deiner reichen guten Wohnstätte haben.“ [Die Wortabstände des Sanskritzitats sind in der Vorlage teilweise zusammengezogen.]

Dann:

„Alle Mütter mögen zufrieden sein, die Bhairavas mit den Vināyakas, die Kṣetrapālas und Yoginīs, die in meinem Körper gegenwärtig sind.“

Mit dem Wurzelmantra: „Dem Selbst des Śiva-Tattva: Ich reinige den Ursachenleib, Svāhā.“ Wie zuvor nehme man etwas zu sich.

Reinigung aller Leibebenen

Mit Aiṃ Klīṃ Sauḥ und den einundfünfzig Lauten von Aṃ an folgt die zusammenfassende Tattva-Formel. Die Vorlage nennt Erde, Jīva und das Allselbst [am Übergang ist die Wortfolge beschädigt], Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Rāga, Kāla, Niyati, Vidyā, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṃkāra, Gehör, Tastsinn, Auge, Zunge, Manas, Buddhi, Sprache, Hand, Fuß, Ausscheidungsorgan, Fortpflanzungsorgan, Klang, Berührung, Raum, Luft, Feuer und Wasser. [Einige zuvor genannte Prinzipien fehlen hier in der ausgeschriebenen Reihe.]

Nach den einundfünfzig Lauten und Aiṃ Klīṃ Sauḥ spreche man:

„Im Selbstfeuer, das von den Opfergaben Dharma und Adharma leuchtet, opfere ich mit dem Geist als Opferlöffel auf dem Weg der Suṣumnā unablässig die Tätigkeiten der Sinne.“

Mit dem Wurzelmantra: „Dem Selbst aller Tattvas: Ich reinige den groben, feinen, ursächlichen und höchsten Ursachenleib, Svāhā.“ Wie zuvor nehme man etwas zu sich.

Das Bewusstseinsfeuer und die Hingabe aller Handlungen

Im Grundzentrum oder in der [inneren] Feuergrube vergegenwärtige man das Bewusstseinsfeuer, von Kuṇḍalinī getragen, in einem Quadrat der vier Selbstformen, entzündet durch den Brennstoff der anfangslosen Prägungen. Mit dem Wurzelmantra, Haṃsaḥ und „Verehrung dem Kreis des Bewusstseinsfeuers“ verehre man es geistig.

Rein geistig opfere man: „Ich opfere Verdienst, Svāhā“; ebenso Unrecht, das zu Tuende, das nicht zu Tuende, Entschluss, unterscheidende Vorstellung, Dharma und Adharma.

Das Ātma-Gefäß in der Hand haltend spreche man mit Wurzelmantra und Haṃsaḥ:

„Was immer ich zuvor, kraft Lebensatem, Einsicht, Geist, Ichbewusstsein und Körper, in Wachen, Traum und Tiefschlaf, mit Gedanken, Worten und Handlungen, mit Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan erinnert, ausgesprochen oder getan habe: All dies sei Guru und Gottheit dargebracht, Svāhā.“

Nach dieser vollständigen Hingabe stelle man das Gefäß auf den Untersatz. Man meditiere über Kuṇḍalinī in Göttinnengestalt: vom Grundzentrum bis zum Brahmarandhra reichend, feiner als ein Lotusfaden, strahlend wie Millionen Blitze, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung aller Welten bewirkend. Mit der Gebetskette wiederhole man nach Vermögen das Wurzelmantra und bringe es dar.

Die innere Aussage „Ich bin Śiva“

Man vergegenwärtige:

„In der bis Māyā reichenden Wirklichkeit bin ich Sein, ich bin Śiva. In der bis Śakti reichenden Wirklichkeit bin ich Bewusstsein, ich bin Śiva. In der bis Śiva reichenden Wirklichkeit bin ich glückgewährend, ich bin Śiva. Jenseits davon bin ich die Fülle, das Unübertreffliche.

Durch die mündliche Unterweisung des Lehrers vergehen die Vorstellungen von Körper, Atem und leerem Raum. Als Freude der bewussten Erkenntnis des Nicht-Zweiten bin ich heute Śiva, bin ich Śiva, bin ich Śiva.“

Nach dieser Betrachtung verneige man sich. Auch beim Schüler setze man anstelle der drei Bālā-Bījas die drei Kūṭas ein und vollziehe die Reinigung. Ebenso bilde man die drei Abschnitte der sechzehnsilbigen Vidyā und reinige damit.

Weihebesprengung, Unterweisung und Abschluss

Den Schüler lasse man auf einem Sitz aus Śrīparṇī oder entsprechendem Material Platz nehmen. Der Guru erhebe selbst den Hauptkrug, Opferpriester und Überlieferungsangehörige die übrigen. Unter Rezitation der jeweiligen Mantras besprenge der Guru den Schüler; auch die anderen vollziehen die Besprengung.

Den mit Gewand, Kranz und Weiterem Geschmückten lasse man im Śrīcakra Platz nehmen und unterweise ihn vollständig in der Folge des Ūrdhvāmnāya. Genannt werden Parāprāsāda, die Varianten der erhabenen sechzehnsilbigen Vidyā, die sechs Śāmbhava-Folgen, Caraṇa-Vidyās, Āmnāya- und Samayā[-Vidyās], die fünf Throne, sechs Darśanas, Pañcapañcikā-Gruppen, Pañcāyatana-Vidyās, die verschiedenen Śrīvidyā-Gruppen und die zehn Mahāvidyās, die śivaitischen, vaiṣṇavischen, gāṇapatyischen, solaren und śāktischen Vidyās, Guru-Pādukā-Vidyās, die sechzehn Nityā-Vidyās und die beim Mahāṣoḍhā genannten Vidyās. Auch die eigene Überlieferungsfolge erkläre er ihm.

Der Schüler erfreue den Guru mit Kühen, Land, Gold, Gewändern, Elefanten, Pferden, Büffelkühen, Dienerinnen, Dienern, Häusern und weiteren Gaben. Opferpriester und Überlieferungsangehörige erfreue er mit reichlicher Dakṣiṇā. Nachts vollziehe er eine große Verehrung. Am nächsten Tag speise er Brahmanen gemeinsam mit Armen, Blinden und Bedürftigen und erfreue sie mit Gaben. Mit der Erlaubnis des Gurus darf er von nun an Gunstgewährung und die weiteren [Lehrerhandlungen] ausführen. [Die historische Gabe von abhängigen Menschen wird als Quelleninhalt benannt und nicht als heutige Norm übernommen.]

Damit endet die Pūrṇābhiṣeka-Vorschrift nach dem Kālī-Lehrweg.

Kolophon des fünfzehnten Śvāsa

So endet der fünfzehnte Śvāsa des Śrīvidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati, dem Schüler Śrīpragalbhācāryas, des Schülers Śrīviṣṇuśarmācāryas, des Schülers Śrībhagavacchaṅkarācāryas, des Schülers des verehrungswürdigen großen Lehrers Śrīgovindācārya.

[Die Kapitelzahl 15 im Kolophon wird nicht als weiterer Vers gezählt. Die anschließenden Wörter „Nun im Śrīvidyārṇava-Tantra“ leiten zum nächsten Kapitel über.]

16. Śvāsa

Puraścaraṇa im Kālī-Lehrweg

Nun die Vorschrift des Puraścaraṇa nach dem Kālī-Lehrweg:

16.VA.1 Erst ein durch Puraścaraṇa vollendeter Mantra trägt Frucht. Was nützen Homas, was Japa und ausführliche Mantra-Nyāsas, …

16.VA.2 … wenn bei den geheimen Mantras die vorbereitende Handlung fehlt? Die Vorbereitung gilt als das hauptsächliche Bīja der Mantras.

16.VA.3 Wie ein verkörpertes Wesen ohne Kraft zu [allen oder schöpferischen] Handlungen nicht fähig ist, so wird auch ein Mantra ohne Puraścaraṇa beschrieben. [Die Vorlage bietet sarva(rga) als Lesungsalternative.]

Weil Vaiśaṃpāyana so die Notwendigkeit des Puraścaraṇa erklärt und weil es heißt, „Nirṛti vernichtet die Frucht von Handlungen, denen die Vorschrift fehlt“, wird die Durchführung nun im Einzelnen erläutert.

Bedeutung von Puraścaraṇa und Viniyoga

Die Vāyavīya-Saṃhitā erklärt den Ausdruck:

16.VS.1 Das Sādhana des Wurzelmantras heißt Puraścaraṇa, weil es vor den als Anwendung bezeichneten Handlungen auszuführen ist;

… oder es wird so genannt, weil es vor der Anwendung vollzogen wird.

Der Mantratantraprakāśa bestimmt die Anwendung:

16.MP.1 Die nach dem Lehrweg erfolgende Ausrichtung eines vollendeten Mantras auf Dharma, Wohlstand, Begehren und Befreiung nennen die Kundigen Viniyoga.

16.MP.2 Diese Anwendung hat notwendig Puraścaraṇa als Voraussetzung. Zur Frucht der Mantra-Dienung verhält sie sich wie [die Frucht] des Dienstes bei einem König.

Weil diese Handlung vorangeht, heißt sie Puraścaraṇa. [Danach stehen Lückensterne in der Vorlage.]

Damit wird Puraścaraṇa als Handlung bezeichnet, welche die Fähigkeit zur Anwendung erzeugt; oder als Handlung, welche die Erkenntnis des Mantra-Selbst in diesem und im jenseitigen Dasein begründet.

Drei-, fünf-, sechs- und zehngliedrige Auffassungen

Manche berufen sich auf den Prapañcasāra, Kapitel 6, Vers 123: „Nach Empfang dieser [Einweihung] sollen die Wissenden sorgfältig Japa zusammen mit Homa vollziehen, zur Erfüllung ihres eigenen ersehnten Ziels.“ Śrīśaṅkarācārya, dem der Text die Verfasserschaft zuschreibt, nennt im Einweihungsabschnitt wiederholt Verehrung, Japa und Homa und schließt mit Mantras, Gottheitslob, Japa, Meditation, Homa und Verehrung. Auch der Verfasser des Śāradātilaka lehrt die Anwendungen nach Pūjā, Japa und Homa.

Der Brahmaprakāśa-Tantra sagt:

16.BP.1 Ohne Japa wird ein Mantra nicht vollendet, ohne Opfergabe trägt er keine Frucht; unverehrt entzieht er die Wünsche. Deshalb vollziehe man alle drei.

Darauf gestützt nennen manche Puraścaraṇa dreigliedrig. Andere zitieren den Kulamūlāvatāra:

16.KM.1 Wer im überwiegend leidvollen Saṃsāra das Heil des eigenen Selbst wünscht, gelangt als Puraścaraṇa-Übender durch fünffache Verehrung zum Glück.

16.KM.2 Die fünf Glieder sind, große Göttin: Japa, Homa, Tarpaṇa, Selbstbesprengung und die Ehrung der Brahmanen, Herrin.

Jeweils ein Zehntel des vorangehenden [Gliedes] gilt als Puraścaraṇa. [Danach steht eine Textlücke.] Aufgrund dieser Aussage wird es fünffach genannt. Ein vaiṣṇavischer Tantra sagt:

16.VT.1 Japa, Homa, Tarpaṇa, Besprengung und Speisung von Brahmanen: Diese fünffache Verehrung heißt in der Welt Puraścaraṇa.

Andere nennen sechs Glieder, weil Kapila sagt: „Japa und Weiteres der Gliedermantras sollen ein Zehntel des Wurzelmantras ausmachen“, und die Vāyavīya-Saṃhitā: „Wer Vollendung wünscht, soll die Glieder mit einem Zehntel rezitieren.“ [Als weiteres Glied wird damit die Rezitation der zugeordneten Gliedermantras berücksichtigt.]

Wieder andere berufen sich auf einen weiteren Tantra:

16.DA.1 Japa, Homa, Tarpaṇa, Selbstbesprengung, Reinigung von Unrecht, Arghya an die Sonne, Wassertrinken, Verneigung, Gottheitsverehrung …

16.DA.2 … und Speisung von Brahmanen, jeweils ein Zehntel des Vorhergehenden: Diese hingebungsvolle zehngliedrige Verehrung heißt Puraścaraṇa. [Die Vorlage bietet im Wort „zehngliedrig“ eine Korrekturalternative.]

Warum die Zahlen vom jeweiligen Ritualtext abhängen

An manchen Stellen hat das Homa dieselbe Zahl wie der Japa und das Tarpaṇa dieselbe Zahl wie das Homa; anderswo sind alle Glieder gleich. Manche Anwendungen schreiben das Homa mit einem Hundertstel der Japa-Zahl vor. Bei Nartaka-Gopāla heißt es: „Man erquicke diese Mantras ebenso oft wie die Opferzahl.“ Beim Puraścaraṇa während einer Finsternis und ähnlichen Fällen: „So oft man den Mantra rezitiert hat, ebenso oft vollziehe man Homa und die weiteren [Glieder].“ [Der Anschluss vor „an manchen Stellen“ ist in der Vorlage als unsicher markiert.]

Solche Unterschiede werden unter anderem mit der geringen oder großen Zahl des Japa erklärt. Bei Mahiṣamardinī heißt es: „Man rezitiere den Mantra achthunderttausendmal und [opfere] davon ein Tausendstel mit reinem Sesam.“ Die Vaiśaṃpāyana-Saṃhitā nennt dagegen: „Oder man spreche den mit Svāhā endenden Mantra ein Viertel so oft wie den Japa.“

Der Śāradātilaka verlangt: „Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal je Laut und opfere ein Tausendstel davon mit in Ghee getränktem Milchreis.“ Der Dakṣiṇāmūrti-Kalpa nennt in einem anderen Bereich einen achten Teil des Japa als ausreichend zur Vollendung. Der Sārasaṃgraha sagt: „Man opfere ein Zehntel davon mit Sesam und Reiskörnern samt Ghee.“ Deshalb ist die Homa-Zahl nicht überall einheitlich.

Auch das Tarpaṇa ist verschieden bestimmt. Sanatkumāra sagt: „Man vollziehe Tarpaṇa mit einem Zehntel davon, mit Milchreis samt Ghee; Homa mit einem Zehntel, dann wird der Mantra vollendet.“ Ein śivaitischer Āgama: „Für die anderen Mantras vollziehe man Tarpaṇa in gleicher Zahl wie die Opfergaben; Tarpaṇa ist stets vorgeschrieben.“

Daraus folgt die Auffassung des Verfassers: Maßgeblich ist jeweils das Puraścaraṇa, das der betreffende Ritual-Kalpa selbst vorschreibt.

Die Rezitationszahl der Śrīvidyā

Für die Śrīvidyā sagt die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā:

16.DS.1 Wenn erst hunderttausend Wiederholungen vollzogen sind, treten Göttinnen beziehungsweise Frauen [Lesungsvariante] als Hinderniswirkende auf. Wenn er durch sie nicht im Geringsten erschüttert wird, …

… soll der reine, verständige Übende unter Einhaltung der Regeln dreihunderttausendmal rezitieren. [Die Fortsetzung ist nach diesem Halbvers lückenhaft.]

Im Vāmakeśvara:

16.VM.1 Bei hunderttausend Wiederholungen werden die Frauen auf der Erde bewegt. Wenn dabei der Geist des Sādhaka nicht im Geringsten bewegt wird, …

16.VM.2 … werden danach die Schlangenfrauen der Unterwelt bewegt. Wenn er auch durch sie nicht im Geringsten erschüttert wird, …

16.VM.3 … geraten die im Himmel wohnenden Götterfrauen in Bewegung. So rezitiere der vorzügliche Sādhaka, seinem Gelübde treu, dreihunderttausendmal …

… und bewege, Herrin der Götter, die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem. [Danach steht eine Lücke.]

Der Kommentar erklärt die weltbewegende Wirkung hier als eine Art Hindernis. [Das Motiv verbindet weibliche Verführung mit einer Prüfung der geistigen Beständigkeit; es ist eine historische Darstellung und keine gesicherte Wirkung von Mantrarezitation.]

Die Auffassung einer hunderttausendfachen Vorbereitung

Im Jñānārṇava, Kapitel 17, wird das Puraścaraṇa der Śrīvidyā erklärt:

16.JA.1 Wo sich ein nach Westen gerichtetes Liṅga befindet, ein selbstentstandenes oder ein Bāṇa-Liṅga, ohne Stier und im Wasser stehend …

16.JA.2 … oder ein nach Westen gerichtetes Heiligtum oder ein anderes [Liṅga], Gelübdetreue; in Śakti-Feldern, an der Gaṅgā, an einem Fluss oder auf einem Berggipfel …

16.JA.3 … an einer reinen, geeigneten Stelle, Göttin, rezitiere man die Vidyā mit heiterem Geist. Dort verweile man und rezitiere hunderttausendmal, unmittelbar von Göttinnengestalt.

16.JA.4 Dann wird diese Vidyā fähig, die drei Welten unter Einfluss zu bringen. Nachdem der vorzügliche Sādhaka zuerst so nach Vermögen den Japa vollzogen hat, …

16.JA.5 … bringe er ein Zehntel als Homa mit Kiṃśuka-Blüten oder mit Kusumbha-Blüten, vermischt mit den drei süßen Stoffen, dar, Schönangesichtige.

16.JA.6 Nach der vorgeschriebenen Weise beseitige er augenblicklich die Schar der Hindernisse; [die Praxis gilt als] alle Wünsche, Herrschaft, Lebensgenuss und Befreiung gewährend.

„Ein anderes“ erläutert der Kommentar als Berg-Liṅga. Daraus könne man folgern, dass hunderttausend Japa das Puraścaraṇa der Śrīvidyā bilden. Denn das Homa mit einem Zehntel wird als zugehörige Pflicht genannt und ihm die Erfüllung von Wünschen als Ergebnis zugesprochen. Die Argumentation beruft sich auf den Grundsatz, aus den im Abschnitt gelehrten Eigenschaften dessen Gegenstand zu bestimmen.

Fragt man, wie Anwendungen gelingen könnten, wenn zu Beginn keine Vorbereitung erklärt wird, so verweist man auf den Satz: „Die Anwendung hat Puraścaraṇa zur Voraussetzung.“ Auch die Śrīkrama-Saṃhitā nennt nach Entfaltung der Lopāmudrā-Vidyā lediglich: „Nach hunderttausend solchen Wiederholungen werde man von allem Unrecht befreit.“ Manche meinen, auch der Vāmakeśvara-Tantra lehre dasselbe.

Der Verfasser hält dagegen: Im Zusammenhang mit der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā erscheine die dreihunderttausendfache Rezitation, die der Jñānārṇava im Abschnitt über das Śrīcakra-Sādhana nennt, als das eigentliche Puraścaraṇa.

Śrīcakra-Sādhana und die Gebetskette

Der Jñānārṇava, Kapitel 14:

16.JB.1 Höre, in allen Gliedern Glückverheißende, die höchste Śrīcakra-Vorschrift. Durch bloße Erkenntnis ihrer [Ordnung] ist man Śiva, stets Schöpfer und Auflöser.

16.JB.2 Wo das Śrīcakra nach dieser Ordnung mit seiner überlieferten Folge verehrt wird, bringt man alles unter Einfluss, daran bestehe kein Zweifel.

16.JB.3 Stadt, Land und Gebiet kommen unter Einfluss, Bergestochter. Alle Frauen werden beeinflussbar, von loderndem Begehrensfeuer gepeinigt …

16.JB.4 … ihre Herzen durch die Vidyā verwirrt, ihre Gedanken auf den Sādhaka gerichtet: So werden nach der Aussage des Textes alle Frauen bei seinem Anblick.

16.JB.5 Man nehme eine Gebetskette, welche die Mātṛkā-Laute verkörpert, etwa eine Perlenkette, welche Rede und Befreiung als Frucht gewährt;

16.JB.6 sie gilt als alle Vollkommenheiten und den Einfluss über alle Könige gewährend. Wie die Perlenkette gilt auch eine aus Bergkristall.

16.JB.7 Eine Rudrākṣa-Kette diene der Befreiung und gewähre alle Fülle; eine Korallenkette der Einflussnahme und der Erfüllung aller Handlungsziele.

16.JB.8 Eine Rubinkette trägt Frucht und gewährt Herrschaft; eine Kette aus Putrajīvaka[-Samen] gewähre Einfluss und Genuss.

16.JB.9 Nachdem man die Gebetskette verehrt und mit Sandel geehrt hat, nehme man sie und rezitiere rein die Vidyā hunderttausendmal.

16.JB.10 Frauen versuchen ihn zu verwirren; bleibt sein Geist sehr fest, rezitiere der vorzügliche Sādhaka ein zweites Hunderttausend.

16.JB.11 Die Frauen der Schlangenkönige der Unterwelt versuchen ihn zu erschüttern. Wird der Sādhaka durch das Netz ihrer Seitenblicke nicht verblendet, …

16.JB.12 … führe er die drei Hunderttausend mit festem Geist aus. Beim dritten Hunderttausend versuchen die Götterfrauen ihn zu bewegen …

16.JB.13 … mit Stolz, Schönheit und berauschendem Glück; sie versuchen den Sādhaka zu erschüttern, doch er bleibt geistig beständig.

16.JB.14 Dann sind die drei Hunderttausend heilbringend, alles Unrecht durchschneidend. Nach dieser Rezitation, dem Gelübde treu und innerlich bei sich, …

16.JB.15 … bewegt er die Bewohner von Erde, Himmel und Unterwelt; Männer, Frauen, Bewegliches und Unbewegliches werden beeinflussbar, Geliebte.

[Die behauptete Beherrschung anderer ist ein historisches Ritualziel; die Übersetzung übernimmt sie nicht als Empfehlung oder tatsächlichen Wirkungsnachweis. Die Erzählung behandelt dieselbe Attraktion hier zugleich als Hindernis für die Beständigkeit des Übenden.]

Warum der Verfasser dreihunderttausend als Grundform ansieht

Nach der dreihunderttausendfachen Rezitation wird das Śrīcakra-Sādhana erklärt. Dieses ist eine wunschorientierte Anwendung, die einen vollendeten Mantra voraussetzt; dessen Vollendung wiederum beruht auf Puraścaraṇa. Es wäre daher unangemessen, die Anwendung ohne vorherige Vorbereitung zu lehren.

Auch die Unterscheidung der Gebetsketten gehöre in den Puraścaraṇa-Abschnitt. Die ausführlich beschriebenen Hindernisse seien dort unzulässig, weil sie die Vollendung verhindern; beim wunschorientierten Japa würden dieselben Erscheinungen dagegen als Ergebnis genannt. Ebenso seien Gelübdetreue und geistige Festigkeit gerade bei der Vorbereitung unbedingt notwendig. Darum passe ihre ausdrückliche Nennung zu Puraścaraṇa.

Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā beginnt ebenfalls:

16.DSq.1 Höre, Göttin, ich werde das Sādhana des Śrīvidyā-Mantras erklären: mit Śamī, Dūrvā-Sprossen, Aśvattha-Blättern und aus Arka hervorgegangenen [Pflanzenteilen] …

16.DSq.2 … verehre man gesammelt einen Monat lang das Śrīcakra, Göttin. In einem Monat vernichtet der Lehrer das aus tausend Geburten entstandene Unrecht.

Danach folgen vorbereitende Wiedergutmachung, Ort, Gebetskette, leise Rezitation und die drei Hindernisse wie im Jñānārṇava, anschließend dreihunderttausend Wiederholungen und Homa mit einem Zehntel: mit Blüten des Brahma-Baums oder Kusumbha-Blüten, in den drei süßen Stoffen gewendet. Dies begründe, so der Verfasser, die dreihunderttausendfache Rezitation als Puraścaraṇa.

Das zuvor zitierte „hunderttausend“ beim westwärts gerichteten Liṅga erinnere deshalb an die bereits erklärten drei Hunderttausend, damit beide Quellen zusammenstimmen. Dort seien nur Ort und Homa ergänzt, die im Śrīcakra-Abschnitt nicht genannt wurden; andernfalls hätte man auch die Gebetskette erneut erklären müssen. [Dies ist die harmonisierende Auslegung des Verfassers, nicht eine Änderung des zuvor übersetzten Wortlauts.]

Neunhunderttausend und die gestuften Verheißungen

Manche nennen auch neunhunderttausend Wiederholungen Puraścaraṇa. Die entsprechende Aussage wird hier teils als Mittel zu einer größeren, unvergänglichen Frucht verstanden. Der Vāmakeśvara, Kapitel 5, nennt Ergebnisse einzelner Hunderttausender:

16.NL.1 Nach hunderttausend Wiederholungen, Göttin, werde man von großen Verfehlungen frei; durch zweihunderttausend [vernichtet Tripurā] das in sieben Geburten begangene Unrecht …

16.NL.2 … des Sādhaka, daran bestehe kein Zweifel. Nach dreihunderttausend Wiederholungen ist der Mantrin gesammelt und von Mantragestalt …

16.NL.3 … und vernichtet rasch Verfehlung selbst aus tausend Geburten. Nach vierhunderttausend Wiederholungen der Vidyā werde er ein großer Herr der Rede.

16.NL.4 Nach fünfhunderttausend werde selbst ein Armer unmittelbar Vaiśravaṇa gleich; nach sechshunderttausend ein großer Herr der Vidyādharas.

16.NL.5 Nach siebenhunderttausend komme die Begegnung mit Khecarīs zustande. Nach achthunderttausend Wiederholungen, große Herrin, …

16.NL.6 … werde er Herr der acht Siddhis von Aṇimā an, von den Göttern verehrt. Nach neunhunderttausend Wiederholungen der Tripurasundarī[-Vidyā] …

16.NL.7 … werde der Mantrin bei vorschriftsmäßigem Vollzug gleichsam eine weitere Gestalt Haras, selbst Schöpfer und Auflöser, Gaurī, ein ungehinderter Herr in der Welt;

… heiter, freudig, standhaft, frei in seiner Bewegung und herrschaftlich. [Danach steht eine Textlücke.]

Auch anderswo heißt es: „Oder man wiederhole die Vidyā neunhunderttausendmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit.“ Die andernorts genannte einfache Hunderttausenderzahl wird dem Fall begrenzter Fähigkeit zugeordnet. Zwischen diesen drei Möglichkeiten entscheidet die Guru-Überlieferung.

Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā sagt ebenfalls:

16.DSn.1 Oder man rezitiere gesammelt die Vidyā neunhunderttausendmal und vollziehe das Homa mit einem Zehntel nach der zuvor genannten Weise;

… [so] gewinne man die Bewohner von Himmel, Erde und Unterwelt.

Im Jñānārṇava dagegen werde keine zusammenhängende Neunhunderttausender-Praxis gelehrt, sondern für hunderttausend, zweihunderttausend und so fort bis neunhunderttausend jeweils eine eigene Frucht. Nicht der zweite oder dritte Hunderttausender sei gemeint. Zusammengenommen ergebe dies fünfundvierzig Lakṣas, also 4.500.000 Wiederholungen. Daher sei dort zweifelsfrei wunschorientierter Japa gemeint, nicht Puraścaraṇa. Ferner heißt es: „Weil der Mantra bereits vollendet ist, bedarf es hier keiner Mühe mit den Yuga-Zahlen.“

Die Bestimmung der Rezitationszahl nach den Weltaltern

Nun wird die Zahl der Mantrawiederholungen bestimmt:

16.JZ.1 Wo die Zahl eines Mantras schlicht angegeben wird, richtet sich die Vervielfachung dieser Zahl bei allen Mantras nach der Folge der Weltalter.

16.JZ.2 Im Kṛta-Weltalter gilt die im Ritualtext genannte Zahl; im Tretā wird sie verdoppelt, im Dvāpara verdreifacht und im Kali vervierfacht.

Das Rudrayāmala sagt: Im Kali soll man das Vierfache der angegebenen Zahl rezitieren.

Manche meinen deshalb, auch die im Prapañcayāga und Śāradātilaka genannten Zahlen müssten für das Puraścaraṇa im Kali nochmals vervierfacht werden. Dagegen zeigt der Vergleich mit dem Nāradapañcarātra und anderen Schriften, dass die im Prapañcasāra und verwandten Werken angegebenen Zahlen bereits das Vierfache darstellen. Im Nāradapañcarātra steht:

16.NPZ.1 Im Monat Mārgaśīrṣa faste man drei Tage oder einen Tag; am zwölften Tag der hellen Monatshälfte beginne man die Rezitation des achtsilbigen Mantras.

16.NPZ.2 Der Zweimalgeborene, der das Puraścaraṇa vollzieht, rezitiere ohne Unterbrechung achthunderttausendmal: von reinem Lebenswandel, gereinigt und gebadet, im Reden zurückhaltend und Herr seiner Sinne.

16.NPZ.3 Durch zweihunderttausend Wiederholungen entsteht die Mantravollendung für ein unsichtbares Ziel. Durch die doppelte Übung entsteht sodann die Vollendung, die sich auf diese oder die andere Welt richtet.

16.NPZ.4 So kommt die Reinigung des eigenen Wesens zustande. Dies ist das Maß im ersten Weltalter; im Tretā gilt das Doppelte, im Dvāpara das Dreifache.

Im Kali gilt das Vierfache, nämlich zweiunddreißig Lakh, also 3.200.000 Wiederholungen. [Hier folgt eine in der Vorlage markierte Textlücke.]

„Auf ein unsichtbares Ziel gerichtet“ bedeutet: die Vereinigung mit dem Mantra bewirkend. „Diesseitig“ bedeutet: Glück in dieser Welt verleihend; „jenseitig“: Himmelswelten und andere Welten verleihend. Die „Reinigung des eigenen Wesens“ ist jene Reinigung, die zur Grundlage der Erkenntnis der Wirklichkeit wird. Daher wird von 3.200.000 Wiederholungen gesprochen. Auch die verehrten Lehrer sagen: „Er soll dieses Mantra wiederum im Umfang von zweiunddreißig Lakh rezitieren.“

Im Bālā-Abschnitt des Jñānārṇava heißt es: „Für jede Silbe rezitiere man das Mantra hunderttausendmal und bringe, Geliebte, ein Zehntel davon als Feueropfer dar.“ Für das Bhairavī-Mantra wird anschließend angeordnet: „Alle Einsetzungen, Verehrungen und weiteren Handlungen für sie vollziehe man wie zuvor.“ Die dreihunderttausend Wiederholungen werden also vervierfacht. Auch der Verfasser des Śāradātilaka schreibt bei Bhairavī: „Nachdem er die Einweihung empfangen hat, rezitiere der seine Sinne beherrschende Übende das Mantra in der durch die Tattvas bezeichneten Lakh-Zahl.“ Bei Bālā sagt er entsprechend: „Diese ist als Bālā bekannt, welche die drei Welten ihrem Einfluss unterstellt. Ihre Rezitation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie zuvor.“

Der Verfasser erläutert hier tattvārdhalakṣa als zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, und beruft sich auf eine Aussage des Prayogasāra: „Einige Gelehrte sprechen von zwölf …“ [Das Ende dieses Zitats ist beschädigt. Auch die Zahlendeutung ist nicht eindeutig: „die Hälfte der Tattvas“ ergibt bei einer Gruppe von 36 nicht zwölf; die ausdrückliche Deutung der Vorlage bleibt hier erhalten.]

Im Bhairavī-Abschnitt des Prapañcasāra (9.9) heißt es: „Nachdem er von einem Guru einer guten Überlieferung, der die besonderen Kennzeichen besitzt, die Einweihung und dieses Mantra empfangen hat, rezitiere der Selbstbeherrschte es mit strenger Sammlung in der halben Tattva-Lakh-Zahl.“ Dies wird hier wiederum als zwölf Lakh verstanden.

Ebenso wird für das Tripuṭā-Mantra, für das die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā dreihunderttausend Wiederholungen nennt, im Prapañcasāra und Śāradātilaka gesagt: „Man rezitiere das Mantra in der Āditya-Lakh-Zahl“ beziehungsweise „in der Bhānu-Lakh-Zahl“, also zwölf Lakh. Auch dort ist demnach bereits das Vierfache angegeben. Nach dem Auslegungsgrundsatz, dass eine an einer Stelle festgestellte Bedeutung auch die anderen Stellen klärt, gilt dies überall.

Dagegen lässt sich nicht einwenden, der Prapañcasāra gestatte „auch die Hälfte dieser Zahl, weil kein Widerspruch vorliegt“. Gerade die zuvor angeführte Aussage Nāradas erklärt, dass sich eine solche Bestimmung auf eine diesseitige oder jenseitige Vollendung beziehen kann; insofern besteht kein Widerspruch.

Orte der Mantrarezitation

„Am Ufer von Flüssen, die ins Meer münden, im eigenen abgeschiedenen Haus oder in einem Heiligtum Viṣṇus soll der innerlich gefestigte Mensch rezitieren.“ „Ins Meer mündend“ bedeutet hier unmittelbar ins Meer mündend: Andernfalls wäre die Einschränkung überflüssig, weil alle Flüsse mittelbar dorthin gelangen. „Innerlich gefestigt“ erläutert der Text als „von Vertrauen erfüllt“.

Sanatkumāra sagt:

16.SK.1 An einem ins Meer mündenden Fluss, an seinem Ufer, o Weiser, in einem Rinderbezirk, am Fuß eines Aśvattha- oder Bilva-Baumes, am Meeresufer oder an einem Wasserbecken …

… in einem nach Westen gerichteten Göttertempel oder auf einem Berggipfel.

Mit „Gott“ ist hier Śiva gemeint. Dazu passt das Wort des Kumbhasambhava: „An einer nach Westen gerichteten Śiva-Stätte ohne Stier.“

Im Nāradapañcarātra heißt es:

16.NPO.1 Berge, Rinderplätze, Quellen, Flüsse, Wälder, Einsiedeleien und Seen sind heilige Orte der Rezitation – oder auch jener Ort, zu dem eine innere Neigung entsteht.

Praviṣyanda bedeutet Quelle. Mit „Fluss“ ist das Ufer eines heiligen Flusses gemeint; mit „Wald“ ein heiliger Wald wie Puṣkara oder Arbuda. Der Śāradātilaka wird mit „reinigendes …“ angeführt. [Die Vorlage liest hier dhana, „Vermögen“; im Ortszusammenhang ist die Lesung unklar und wird nicht stillschweigend zu vana, „Wald“, geändert.]

Das Trailokyasaṃmohana-Tantra sagt:

16.TSO.1 Im Schatten eines Bilva-Baumes oder am Fuß eines Aśvattha, Geliebte, in der Nähe des Gurus, an einem Rinderplatz oder in einem Śiva-Tempel ohne Stier …

16.TSO.2 … am Flussufer, auf einem Berggipfel, in einem Tulasī-Hain oder in der Gegenwart der erwählten Gottheit rezitiere man das Mantra gesammelt.

„Flussufer“ meint wiederum das Ufer eines heiligen Flusses, da andere Flussufer hier als ausgeschlossen gelten. Im Kapilapañcarātra heißt es:

16.KPO.1 Pilgerstätten, heilige Bezirke, Wälder, Gärten, Tempel, Flüsse, Seen und eine abgeschiedene Stätte Haris: Diese Orte sollen Mantravollendung verleihen.

In der Vāyavīya-Saṃhitā:

16.VYO.1 In der Gegenwart der Sonne, des Feuers, des Gurus, des Mondes oder einer brennenden Lampe sowie bei Brahmanen und Kühen wird die Rezitation gepriesen.

16.VYO.2 Oder man halte sich dort auf, wo der Geist heiter und klar wird. Für die Rezitation zu Hause wird das einfache Ergebnis angegeben; am Rinderplatz das Zehnfache.

16.VYO.3 Im Garten und im Wald wird das Tausendfache genannt, auf einem heiligen Berg das Zehntausendfache, am Fluss das Hunderttausendfache.

Im Tempel nennt man das Zehnmillionenfache, in meiner Gegenwart ein unbegrenztes Ergebnis.

„In meiner Gegenwart“ bedeutet: in der Gegenwart Śivas. Śaṅkha sagt entsprechend: „Unbegrenzt in der Gegenwart Viṣṇus.“ [Diese Zahlen geben die religiöse Wertung der zitierten Überlieferungen wieder.]

Im Yāmala steht:

16.YO.1 An einem abgeschiedenen, reinen Ort, frei von der Angst vor Mlecchas, gefährlichen Tieren und Jägern, frei von Schmähung und von Hingabe erfüllt, …

16.YO.2 … in einer guten Gegend, in einem rechtschaffenen, wohlversorgten und ungestörten Land, an einem schönen Ort unter hingebungsvollen Menschen soll man wohnen, ohne von fremder Unterkunft abhängig zu sein.

[„Mleccha“ ist eine ausgrenzende historische Fremdbezeichnung des Textes.]

16.YO.3 An einem Weg, den Könige, Minister, königliche Amtsträger und mächtige Menschen benutzen, soll der Kenner der Wahrheit nicht wohnen.

16.YO.4 In verfallenen Tempeln, Gärten und Häusern, unter Bäumen, an Flussufern und Bergabstürzen sowie in Erdlöchern und ähnlichen Stellen soll er nicht wohnen.

[Die Reichweite des Ausdrucks „verfallen“ ist nicht eindeutig. Die Ortsausschlüsse stehen teilweise neben zuvor ausgesprochenen Empfehlungen; die Übersetzung gleicht diese nicht eigenmächtig an.]

16.YO.5 Nachdem er einen heiligen Bezirk oder einen entsprechenden Ort erreicht hat, nehme er den Boden rituell in Besitz und spreche: „Zur Vollendung des Puraścaraṇa des betreffenden Mantras …

16.YO.6 … nehme ich diesen Boden an mich. Möge mein Mantra Vollendung erlangen.“ Nach der Annahme des Bodens lege er dessen Ausdehnung nach allen Seiten fest.

16.YO.7 An Flüssen, Bergen, Pilgerstätten und dergleichen wird der Bereich durch ein festgelegtes Maß abgegrenzt. Im Dorf gilt ein Krośa, in der Stadt das Doppelte.

16.YO.8 Pflöcke aus dem Holz milchsaftführender Bäume, die mit dem Waffenmantra besprochen wurden, vergrabe er in den zehn Richtungen und verehre an ihnen die göttliche Waffe.

16.YO.9 Das durch den Herrn des Feldes befestigte Mantra wird nicht von Hindernissen überwältigt. Dort verehre der kundige Ritualkenner Kṣetrapāla und die weiteren Schutzmächte.

16.YO.10 Nachdem er den Hütern der Richtungen eine Bali-Gabe dargebracht hat, betrete er den Bezirk. Wer aber das Rezitationsopfer vollzieht, ohne das Kūrmacakra zu kennen, …

… dessen Rezitation trägt keine Frucht und gereicht nach dieser Aussage zu allerlei Unheil. [Die Vorlage bezeichnet anschließend eine Lücke.]

Das Kūrmacakra

In einem anderen Tantra heißt es:

16.KC.1 Wer das Kūrmacakra kennt und sich der Rezitation und den zugehörigen Handlungen widmet, erlangt alle genannten Ergebnisse; andernfalls verfällt er dem Verderben.

16.KC.2 Deshalb soll man die Gliederung der Schildkröte kennen und danach alle Handlungen ausführen. Sie besteht in der Welt in vier Formen, die nun erläutert werden.

16.KC.3 Zuerst besteht die höchste Schildkröte, dann die auf das Land bezogene, die auf das Dorf bezogene und die auf das Haus bezogene: So ist ihre vierfache Einteilung.

16.KC.4 Land, Dorf, Haus oder Baugrund teile man in neun Felder. Von Osten bis Westen ordne man die Buchstabengruppen von Ka bis Ma an.

16.KC.5 Dann schreibe man die acht mit Ya beginnenden Buchstaben an die beiden Füße, zwei im Nordosten; sodann ordne man in der Mitte die Vokale, vom Osten beginnend, an …

16.KC.6 … jeweils zu zweit bis zum Nordosten. Das Feld, in dem der Anfangsbuchstabe des Namens liegt, bildet das Gesicht; seitlich liegen die Hände, sodann Bauch und Füße.

16.KC.7 Ein Feld ist der Schwanz; das mittlere Feld ist der Rücken: So ergeben sich sechs Körperbereiche. Am Gesicht soll die Erfüllung aller Ziele eintreten, an den Händen sämtliche Vollendungen.

16.KC.8 Am Bauch besteht beständige Fruchtlosigkeit, an den Füßen ergeben sich keine Vollendungen, am Schwanz wird der Tod als gewiss bezeichnet; „Vollendungen aller Ziele“ …

[Die letzte Aussage ist syntaktisch unvollständig; ihr zugehöriger Körperbereich fehlt. Auch die vorangehende Buchstabenverteilung ist in dieser knappen und stellenweise beschädigten Fassung nicht eindeutig rekonstruierbar. Es wird deshalb keine vermeintlich vollständige Zeichnung ergänzt.]

Darum solle man das Diagramm genau kennen und dann sämtliche Handlungen wie die Rezitation ausführen.

Die Kādi-Praxis der Śrīvidyā

Für die Śrīvidyā nach der Kādi-Lehrweise sagt das Kulamūlāvatāra:

16.KMĀ.1 Der Verständige stelle sich die Buchstaben von A bis Kṣa in der Brahmanāḍī vor, versehe den jeweiligen Buchstaben mit einem Bindu und rezitiere das Mantra seiner erwählten Gottheit.

16.KMĀ.2 Er verbinde es der Reihe nach mit den bei A und dann mit den bei Ka beginnenden Lauten. Den Laut Kṣa bestimme er dabei zum Meru, o Herrin der Welt.

16.KMĀ.3 So wird die Schriftzeichenreihe zu einer Gebetskette von fünfzig Gliedern. Die Rezitation sämtlicher Mantras mit dieser Kette führt nach dem Text zur Verwirklichung aller Ziele.

16.KMĀ.4 Mit Kṣa an der Stelle der Meru-Perle rezitiere er von La an in umgekehrter Reihenfolge, jeweils mit dem Mantra zwischen den einzelnen Lauten. So wird sie fruchtbringend.

Wenn hierbei 1.008 oder 108 Wiederholungen auszuführen sind, gilt: Durch die Unterscheidung der acht Lautgruppen ergeben sich 108. Die Rezitation der acht Gruppen wird jeweils erst am Ende der vorgeschriebenen Hunderterzahl und entsprechender anderer Zahlen angefügt. Diese Angabe gilt für das Kṛta-Weltalter; im Kali ist die vierfache Rezitation auszuführen.

Der Śrītantrarāja (Kapitel 5, ab Vers 68) sagt:

16.TRK.1 Die Ausübung der Vidyā, ihre Vollendung, das dazugehörige Gelübde, das zu Meidende, die Zeichen einer Annäherung an die Vollendung und die durch frühere Ursachen und anderes entstehenden Hindernisse …

16.TRK.2 … höre nun der Reihe nach, Herrin der Götter: Dies erfreut stets, und dadurch kann selbst ein Sterblicher Vollendung erlangen, bereits im Leben befreit und mit mir erfüllt werden. [Das letzte Wort ist in der Vorlage nicht sicher lesbar.]

16.TRK.3 Nach dem Bad mit duftendem Wasser nehme er die für die zuvor beschriebene Verehrung angegebene Gestalt an. Nachdem er den Guru durch eine Vermögensgabe zufriedengestellt hat, widme er sich in einem roten Raum der überlieferten Abfolge.

16.TRK.4 Zu jeder der drei Tagesübergangszeiten rezitiere er schweigend tausendmal. Er bringe Milch und Milchspeise dar, ohne Banane, Rohzucker und weißen Zucker. [Die Vorlage liest apeta, „ohne“; diese ungewöhnliche Verbindung wird nicht stillschweigend verändert.]

16.TRK.5 Zu diesen Tageszeiten vollziehe er außerdem das Schwenken des Kampferlichts. Das Feueropfer führe er mit einem Zehntel der Zahl aus, die Sättigungsdarbringung mit kampferhaltigem Wasser.

16.TRK.6 Zusätzlich zu seiner täglichen Pflichtrezitation soll er jeden Tag dreitausend Wiederholungen ausführen. Dadurch wird bis zum Vollmond ein Lakh vollständig, o Herrin. [Bei einer wörtlichen Monatsrechnung ergeben dreitausend Wiederholungen täglich nicht genau hunderttausend; die Vorlage erläutert die Differenz hier nicht.]

16.TRK.7 So werden im ersten, dem Kṛta-Weltalter, drei Lakh vorgeschrieben. Im Tretā gilt das Doppelte, im Dvāpara entsprechend das Dreifache.

16.TRK.8 Im Kali wird das Vierfache genannt, außerdem die Berechnung nach den Buchstaben. Für den dritten Abschnitt beträgt deren Zahl sieben; dadurch ergibt sich einundzwanzig.

Wenn die Vokale, Konsonanten und der Bindu des dritten Mantraabschnitts einzeln gezählt werden, ergeben sich sieben Laute. Für jeden dieser sieben Laute werden drei Lakh angesetzt. Zusammen sind daher im Kṛta-Weltalter einundzwanzig Lakh, also 2.100.000 Wiederholungen, das Puraścaraṇa; im Kali gilt dessen Vierfaches.

Das Puraścaraṇa besteht aus fünf Teilen: Rezitation, Feueropfer, Sättigungsdarbringung, Selbstbesprengung und Speisung von Brahmanen. Diese fünf Teile werden wie zuvor jeweils im Zehntelverhältnis ausgeführt. Als Besonderheit schreibt der Tantrarāja allerdings für die Sättigungsdarbringung dieselbe Zahl wie für das Feueropfer vor.

Weiter heißt es dort:

16.TRK.9 Daraus ergibt sich die erläuterte Steigerung der Zahlen in den anderen Weltaltern. Wenn durch die Erregung von Frauen und durch Genuss kein Hindernis entsteht, …

16.TRK.10 … soll er nach Vollendung dieser Zahlen seine Bitte aussprechen und sich wieder seiner eigenen Praxisabfolge zuwenden. Höre nun, Herrin der Götter, was während dieser Tage stets zu meiden ist:

16.TRK.11 Gespräche mit Leugnern der religiösen Lehre, geschlechtliche Vereinigung, die hierbei getadelt wird, Sorgen und Trauer, Geschwätz sowie das Umherreisen in andere Gegenden.

16.TRK.12 Für diese Tage werden noch weitere Dinge als zu meiden genannt, Śāṅkarī. Höre auch, was überall, für alle und zu jeder Zeit zerstörerisch wirkt:

16.TRK.13 Das Begehren nach fremdem Land, fremden Häusern und fremden Frauen sowie deren Verunglimpfung. Gegen Frauen soll man weder Zorn noch Schläge richten, selbst wenn man sie für schlecht hält.

16.TRK.14 Die Zeichen der Vollendung habe ich bei der Darlegung der inneren Deutungen genannt. Höre nun die Zeichen günstiger Entwicklung bei dem, der sich zu dieser Zeit der Praxis widmet.

„Der sich der Praxis widmet“ bedeutet: der in das Puraścaraṇa eingetreten ist; „zu dieser Zeit“ meint die Zeit dieses Puraścaraṇa.

16.TRK.15 Im nächtlichen Traum Begegnungen mit Frauengruppen in Booten, das Verweilen auf Elefanten, Berggipfeln und Palastspitzen sowie der Anblick eines Königs …

16.TRK.16 … der Anblick von Elefanten und Frauen, von Tanz und Gesang, ein Fest sowie das Sehen und Berühren von alkoholischem Getränk und Fleisch.

16.TRK.17 Höre nun, Herrin der Götter, die getadelten Zeichen, die Hindernisse und Unheil bringen: Im Traum von dunkel gefärbten Kriegern geschlagen und mit Öl bestrichen zu werden, …

16.TRK.18 … der Geschlechtsverkehr mit fremden Frauen und der Verlust des Samens, Unruhen im Land, Feuer- und Windereignisse […] sowie der Verlust von Angehörigen. [Die Wortfolge zwischen „Wind“ und „Angehörigen“ ist beschädigt und enthält bereits in der Vorlage eine unsichere Lesungsangabe.]

16.TRK.19 Gleichgültigkeit gegenüber dem Guru, […] Gegenstände, Bedrängnis durch Krankheit, Vertrauen auf die Verehrung anderer Mantras und beständige Hindernisse bei der täglichen Verehrung. [Die Verbindung mit „Gegenstände“ ist syntaktisch unklar.]

16.TRK.20 Durch viele verdienstvolle Handlungen in vielen Geburten entstehen bei Menschen Vertrauen, Beständigkeit und Vollendung in der Überlieferung bei ihrer täglichen Verehrung.

[Die günstigen und ungünstigen Traumzeichen gehören zur historischen Deutung des Ritualtextes; sie werden hier als solche wiedergegeben.]

Eine weitere Beschreibung des Kūrmacakra

Zum Kūrmacakra sagt derselbe Text (Kapitel 5, ab Vers 88):

16.TRK.21 Wer die Rezitation und ihre begleitenden Handlungen ausführt, ohne die Lage der Schildkröte zu kennen, erlangt die genannten Früchte nicht; bei verkehrter Anordnung entstehen schädliche Folgen.

16.TRK.22 Darum soll man die Gliederung der Schildkröte kennen und danach alles ausführen. Sie besteht in der Welt in vier Formen; höre ihre Art, Geliebte.

16.TRK.23 Zuerst besteht die höchste Schildkröte, dann die auf das Land bezogene, die auf das Dorf bezogene und die auf das Haus bezogene: So ist ihre vierfache Ordnung.

16.TRK.24 Land, Dorf, Haus oder Baugrund teile man in neun Felder. Von Osten bis Westen ordne man die mit Ka beginnenden und mit Ma endenden Buchstabengruppen an.

16.TRK.25 Je vier gleichartige Buchstaben ordne man in den beiden weiteren Feldern an, zwei im Nordosten; dann die Vokale in der Mitte, vom Osten an …

16.TRK.26 … jeweils zu zweit bis zum Nordosten. Wo der Anfangsbuchstabe des Namens liegt, befindet sich das Gesicht; seitlich davon die Hände, dann Bauch und Füße.

16.TRK.27 Ein Feld bildet den Schwanz und das mittlere den Rücken: So besteht die sechsfach gegliederte Gestalt. Am Gesicht sollen alle Ziele erreicht werden; an den Händen ergibt sich geringe Vollendung.

16.TRK.28 Am Bauch besteht dauernde Fruchtlosigkeit, an den Füßen Verlust von allem, am Schwanz sicherer Tod; der Rücken verleiht sämtliche Ziele.

[Diese Fassung nennt für die Hände ausdrücklich ein geringes Ergebnis, während das zuvor zitierte Tantra dort sämtliche Vollendungen nennt. Die Varianten bleiben erhalten.]

16.TRK.29 Darum soll man die Anordnung genau kennen und alles gesammelt ausführen. Bei der Land-Schildkröte gelten die Konsonanten, bei der Haus-Schildkröte die Vokale.

16.TRK.30 Bei der Dorf-Schildkröte und den entsprechenden Formen gilt beides, bei der höchsten Schildkröte dagegen nicht beides. Denn sie blickt stets nach Osten; dadurch wird ihre Vollendung erklärt. [Der Bezug von „beides“ bleibt im knappen Wortlaut nicht völlig eindeutig.]

16.TRK.31 So wurde dir diese vierfache Gliederung der Schildkröte erklärt, durch die alle Mantras in jeder Hinsicht Vollendung erlangen sollen.

16.TRK.32 Man multipliziere Länge und Breite und teile durch acht. Aus dem Rest bestimme man eine der Gruppen und setze deren Anfangsbuchstaben als Anfang des Namens an.

16.TRK.33 So besteht an den entsprechenden Orten sicher Freiheit von Unheil. Bei Grundstücken von unbekannter Gestalt ergibt sich die Bestimmung aus dem gebräuchlichen Namen.

Bei einem Ortsnamen, der Konsonanten enthält, soll in der Land-Schildkröte der Konsonant maßgeblich sein; entsprechend ist bei der Dorf-Schildkröte der Vokal maßgeblich. [Der Kommentar sagt hier „Dorf“, während Vers 29 „Haus“ nennt.] Besteht ein Name nur aus Vokalen, gilt überall das entsprechende äußere Vokalfeld als Gesicht. [Die Vorlage enthält bei „äußeres Feld“ eine unsichere Lesungsvariante.]

Im Devīyāmala heißt es:

16.DYO.1 In Kurukṣetra, Prayāga, an der Mündung der Gaṅgā ins Meer, bei Mahākāla und in Kāśī braucht man den Standort der Lampe nicht eigens zu bestimmen.

Die Einrichtung des Rezitationsplatzes

Die praktische Durchführung wird folgendermaßen beschrieben. Man wähle einen der genannten Orte: Meeresufer, Fluss oder Berggipfel; das Ufer eines unmittelbar ins Meer mündenden Flusses; einen Viṣṇu-Tempel oder das eigene abgeschiedene Haus; einen Rinderplatz, den Fuß eines Aśvattha- oder Bilva-Baumes, ein Wasserbecken, einen nach Westen gerichteten Śiva-Tempel ohne Stier; die Nähe des Gurus, einen Tulasī-Hain oder die Gegenwart der erwählten Gottheit; einen heiligen Bezirk, eine Pilgerstätte, einen Wald, einen Hain, einen Fluss, einen See oder einen selbst als geeignet empfundenen Ort. Er soll abgeschieden, frei von Schmähung und von der Furcht vor Mlecchas, gefährlichen Tieren und Schlangen sein, rechtschaffen, von Verehrern der eigenen Gottheit bewohnt, gut versorgt und ungestört sowie ohne den Durchgangsverkehr von Königen, deren Ministern und ähnlichen Personen.

Im Dorf umfasst der Bereich ein Krośa, in der Stadt zwei Krośa; an Flüssen, Bergen und Pilgerstätten wird hier keine feste Ausdehnung verlangt. Mit der Formel „Zur Vollendung des Puraścaraṇa dieses bestimmten Mantras nehme ich diesen Boden an mich. Möge mein Mantra Vollendung erlangen“ wird der Boden rituell angenommen.

Man fertige zehn je eine Spanne lange Pflöcke aus milchsaftführendem Holz, bespreche jeden achtmal mit dem Waffenmantra und vergrabe sie in den acht Richtungen, vom Osten an, sowie zwischen Osten und Nordosten und zwischen Südwesten und Westen. An ihnen wird die göttliche Waffe verehrt. Dort bringe man Indra und den übrigen zehn Richtungshütern Bali-Gaben aus gekochtem Reis mit Māṣa-Bohnen dar.

Danach verehre man Kṣetrapāla, Gaṇeśa und den Vāstupuruṣa. Je vier Linien in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung bilden neun Felder. In sieben Felder schreibe man, von Osten ausgehend, die sieben Gruppen Ka, Ca, Ṭa, Ta, Pa, Ya und Śa; in das nordöstliche Feld La und Kṣa. Das Mittelfeld wird wiederum in neun Felder unterteilt. In dessen acht äußere Felder schreibe man, von Osten beginnend, je zwei der sechzehn Vokale.

Nach der Herstellung dieses Kūrmacakra verehre man in der Mitte des inneren Neunerfeldes und in dessen acht Richtungen neun Feldhüter. Die Vorlage gibt ihre Namen als zusammengezogene Reihe: Amṛta, Vṛṣabha, Śaularāja, Vāsuki, Arthakṛt, Śakti, Padmayoni, Mahāśaṅkha sowie Chāyācchatragaṇa. [Die Trennung insbesondere der letzten Glieder ist unsicher; die Zahl neun wird ausdrücklich genannt.] Jeder Name wird im Dativ mit vorangestelltem Oṃ und abschließendem namaḥ verwendet.

In der Richtung des Feldes mit dem Anfangsbuchstaben des Dorfnamens, am Gesicht der Schildkröte, errichte man für die Rezitation eine Unterkunft, die vor Kälte, Wind und Hitze schützt. Ist dies nicht möglich, wähle man die Mitte als Rücken der Schildkröte oder eines der beiden unterhalb des Gesichts liegenden Felder als Hand der Schildkröte.

Das Kālikodbhava sagt:

16.KO.1 Wo zwischen den Namen des Ortes und des Sādhaka Feindschaft besteht, soll man dies aus der Buchstabenlehre erkennen und den Ort vollständig meiden.

In der Buchstabenlehre heißt es:

16.AK.2a Das Paar A und Ā steht in gegenseitiger Feindschaft zu Ga; das Paar Ṛ und Ṝ zu Ṭha und Ṭha wiederum zu diesem Paar.

16.AK.2b Das Paar Ḷ und Ḹ steht zu Pa in Feindschaft und Pa zu diesem Paar; das O-Paar zu Ṣa und Ṣa zum Au-Paar. [Die Bezeichnungen der letzten Vokalpaare stimmen im überlieferten Wortlaut nicht eindeutig überein. Beide Verse tragen die Nummer 2.]

16.AK.3 Ja steht zu Ṭa in Feindschaft, Jha zu Kha, Ḍa zu Ta und Pha zu Dha.

16.AK.4 Bha steht zu Ra und Ya zu Sa in Feindschaft. Für diese Buchstaben gilt Feindschaft, für die übrigen Freundschaft.

16.AK.5 Im Kūrmacakra meide der Sādhaka sorgfältig den feindlichen Ort. So ist die große Stadt Aṭṭahāsa für Garga feindlich.

16.AK.6 Entsprechend ist Gayā für Amareśvara feindlich; ebenso verfahre man mit Namen, die mit Ā beginnen. Für Ṛjubhaṭṭa ist der Ṭhakka genannte Ort feindlich, für Ḷtaka Padmaka.

16.AK.7 Für Ṣaṇmukha ist Uḍḍiyāṇa feindlich, für Ṣaḍguṇaka Raudra, für Ṭaṅkadhāra Jyantī und für […] Khaṃdhāra. [Der Personenname beim letzten Paar ist beschädigt; auch die ersten beiden Beispiele passen nicht ohne Weiteres zur vorangehenden Lautregel.]

16.AK.8 Für Ḍākadeva ist der Tārā genannte Ort feindlich, für Phaṇḍibhaṭṭa der Dharma genannte, für Bhadra Ramyaka und für Yajñadatta Somaka.

16.AK.9 Nachdem der Verständige die Verhältnisse so der Reihe nach geprüft hat, meide er den feindlichen Ort. [Die zweite Vershälfte fehlt.]

Die Gebetskette

Nun folgt die Gebetskette. Sie ist zweifach: als Kette der Mātṛkā-Buchstaben und als Kette aus Rudrākṣa-Samen oder anderen Perlen. Zur ersten Form sagt das Uttaratantra:

16.UTM.1 Mit der Buchstabenkette, die aus den mit Bindu versehenen Mātṛkā-Lauten von A bis Kṣa in vorwärts- und rückwärtslaufender Reihenfolge gebildet wird, …

16.UTM.2 … werden die jeweils mit einem einzelnen Buchstaben verbunden rezitierten Mantras zu Verleihern sämtlicher Vollendungen – selbst Mantras, die zu einem Menschen in Feindschaft stehen, um wie viel mehr die als Susiddha und ähnlich eingestuften.

Der Śāradātilaka sagt:

16.ŚTM.1 Wegen der Verbindung mit den Lauten von A bis Kṣa wird sie Akṣamālā genannt. Mit ebenso vielen Perlen wie diesen Buchstaben fertige man die Rezitationskette an.

Im Jñānārṇava heißt es unnummeriert: „A ist der erste Laut, o Göttin, Kṣa der letzte. Daher ist sie als Akṣamālā bekannt; sie besteht aus den Mātṛkā-Buchstaben.“

Die Rezitation der acht Lautgruppen wird am Ende der vorgeschriebenen Zahl ausgeführt. Dazu sagt das Mātṛkārṇava:

16.MĀM.1 Mit A beginnend rezitiere man im Geist die Mātṛkā bis zu ihrem Ende. Diesen Endlaut festhaltend, spreche man sie im Abstieg wiederum bis A. Danach rezitiere man die acht bis La reichenden Laute; erneut am Ende die bis Kṣa reichende Reihe, verbunden mit der Auflösung. Dies ist die von Paśupati im Yāmala gelehrte Kette.

„Festhaltend“ bedeutet: an der Meru-Stelle. „Endlaut“ ist Kṣa. Die acht bis La reichenden Laute sind Ka, Ca, Ṭa, Ta, Pa, Ya, Śa und La. „Danach“ bedeutet: nach Abschluss der vorgeschriebenen Zahl. „Am Ende“ meint ausdrücklich das Ende der vorgeschriebenen Hunderterzahl und entsprechender anderer Zahlen.

Zur zweiten Form sagt das Uttaratantra:

16.UTP.1 Nun erläutere ich die Einrichtung der Gebetskette nach dem Wunsch des Mantraübenden. Eine Kette mit fünfundzwanzig Perlen wird als genussverleihend bezeichnet.

16.UTP.2 Eine mit dreißig Perlen verleiht Vermögen; mit siebenundzwanzig Perlen stets […] und mit fünfzehn wird sie für Schadenzauber angefertigt. [Beim Glied „siebenundzwanzig“ ist die Zuordnung des Ergebnisses im Satzbau nicht eindeutig.]

16.UTP.3 Mit vierundfünfzig Perlen verleiht sie Vollendung bei wunschorientierten Handlungen; mit hundertacht gilt sie als Erfüllerin aller erwünschten Ziele.

16.UTP.4 Perlen aus Muschelschalen gelten als Verleiherinnen von Wohlstand, solche aus Bergkristall als befreiend; Lotossamen mehren das Gedeihen.

16.UTP.5 Rudrākṣas werden als Verleiher von Genuss, Befreiung und sämtlichen Vollendungen bezeichnet. Putrajīva-Samen sollen Söhne, Vieh und Getreidefülle schenken.

16.UTP.6 Korallenperlen sollen Vermögen, Glück und Einfluss verleihen; echte Perlen werden als befreiend und als Verleiherinnen aller Fülle gepriesen.

Perlen aus Kuśa-Gras beseitigen nach dem Text Verfehlungen, solche aus Gold und Silber erfüllen Wünsche. [Anschließend ist eine Lücke bezeichnet.]

Der Śāradātilaka (Kapitel 23, ab Vers 118) sagt:

16.ŚTP.1 Eine Rudrākṣa-Kette bringt dem Rezitierenden die ersehnten Dinge hervor. Eine Kette aus Lotossamen gilt als Vernichterin der Feinde.

16.ŚTP.2 Eine Kette aus Kuśa-Knoten beseitigt unmittelbar Verfehlungen; eine aus Putrajīva-Früchten verschafft Reichtum an Söhnen.

16.ŚTP.3 Eine Rezitationskette aus Silberperlen verleiht das Erwünschte; eine aus goldenen Perlen erfüllt Wünsche.

16.ŚTP.4 Eine Korallenkette verschafft reichliches Vermögen, eine Bergkristallkette Glück, eine aus echten Perlen Wohlstand.

16.ŚTP.5 Eine Kette aus Muschelperlen verschafft unvergänglichen Ruhm. Eine aus all diesen gefertigte Kette dient den Menschen zur Befreiung.

„Aus all diesen“ wird von manchen so verstanden: aus jeweils einer oder jeweils fünf Perlen. Gegen eine Mischung führt der Verfasser jedoch das Uttaratantra an:

16.UTV.1 Wenn mit Indrākṣa-, Rudrākṣa- oder Bergkristallperlen rezitiert wird, soll dazwischen nichts anderes eingesetzt werden, etwa Putrajīva-Samen oder Ähnliches.

16.UTV.2 Wer bei der Rezitation anderes in die Kette einfügt, dem verleiht die Wohltätige weder Wunscherfüllung noch Befreiung.

16.UTV.3 In einer späteren Geburt wird er zwar in den Veden und Vedāṅgas bewandert, gerät dann aber in Gemeinschaft mit den als sündhaft bezeichneten Caṇḍālas.

[Der letzte Vers begründet das Mischungsverbot mit einer historischen, diskriminierenden Kastenvorstellung; diese wird als Textaussage wiedergegeben.]

Im Brahmayāmala heißt es:

16.BYM.1 Eine Kette aus Nashornhorn soll den Ahnen Befreiung bringen. Eine aus Niśā-Holz wird dem Einflusszauber zugeordnet, eine aus Lack einer auf Fieber gerichteten Handlung.

16.BYM.2 Für Vertreibung wird eine aus Arka angefertigt, für die Erlangung von Erkenntnis eine aus Śrīphala. Eine aus Elfenbeinperlen wird als alle Ziele verleihend bezeichnet.

16.BYM.3 Eine silberne dient allen Arten der Beeinflussung, eine kupferne der Verblendung, eine eiserne wird für Tötungszauber genannt; ferner eine aus Śrīphala, aus Bilva-Holz. [Die Zuordnung der zuletzt genannten Materialien ist im Versbau unklar.]

16.BYM.4 Die Kette wird außerdem dreifach genannt: sattvisch, rajasisch und tamasisch. Die erste besteht aus hundertacht glückverheißenden …

16.BYM.5 … Perlen aus Muschel, weißen Lotossamen, Putrajīva-Samen oder Silber …

16.BYM.6 … aus weißem Sandelholz, anderen weißen Hölzern oder Kuśa-Knoten. Die rajasische besteht aus vierundfünfzig …

16.BYM.7 … roten Lotossamen oder Perlen aus rotem Sandelholz, Gold, rotem Holz oder gelbem Kernholz …

16.BYM.8 … aus Padmaka-Holz, Rajanī-Holz, Devadāru-Holz oder dunklem Holz.

16.BYM.9 Die tamasische besteht aus achtundzwanzig Perlen: aus Śamī, Nimba, Bimba beziehungsweise deren Samen und aus Indrabhadra …

16.BYM.10 … oder aus Knochen von Affen, Tigern und Bären, auch aufgefädelt mit Sehnen von Menschen, Pferden, Eseln und Elefanten.

16.BYM.11 Je nach der besonderen Handlung soll der Kundige die entsprechende Kette anfertigen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Die Materiallisten und die Zuordnung zu schädigenden Ritualen dokumentieren die historische Quelle; sie sind keine praktische Empfehlung.]

Die Kette aus Kuśa-Knoten ist nach dem Kommentar ausschließlich Brahmanen vorbehalten. Denn Nārada sagt: „Der Brahmane rezitiere mit Kuśa-Knoten, der König mit Goldperlen, der Vaiśya mit Putrajīva-Samen; mit Lotossamen aber jeder.“ Für die Rezitation Gopālas wird die Lotossamenkette besonders gepriesen, weil Gautama gerade diese vorschreibt: „Mit gesammeltem Geist rezitiere er mit der als Lotossamenkette bezeichneten Kette.“ Auch das Nāradapañcarātra sagt: „Die Zählung der Rezitation wird mit Lotossamen gelehrt, welche die Hingabe mehren.“

Für Vaiṣṇavas wird ebenso die Rudrākṣa-Kette besonders gepriesen. Als Beleg dient die Aussage des Varāha, die mit „Wer ein Bhagavata geworden ist …“ beginnt und „mit Rudrākṣas die vorzügliche …“ fortsetzt.

Zeitpunkt und Faden der Gebetskettenweihe

Zum Zeitpunkt der Weihe der Rezitationskette sagt das Yoginītantra:

16.YMW.1 Am zwölften Mondtag sollen vorzügliche, mantrakundige Sādhakas die Viṣṇu-Kette sorgsam mit dem Viṣṇu-Mantra am lichten Tagesabschnitt herstellen.

„Am lichten Tagesabschnitt“ bedeutet: am Vormittag. Für die Śaktis soll die Kette nach der Mahlzeit nachts regelgerecht hergestellt werden; die Mahlzeit selbst wird noch am Tag eingenommen.

16.YMW.1b Am achten, neunten und ebenso am dreizehnten Mondtag; für Śiva soll man sie am vierzehnten herstellen, o Götterherrin.

16.YMW.2 Für Gaṇanātha am vierten Mondtag zu Mittag, für Bhāskara aber am siebten Mondtag am Vormittag, o Göttin, Herrin der Welt.

[Die Vorlage beginnt die Verszählung nach dem Prosazusatz erneut mit 1. Die Zuordnung der ersten drei Mondtage zu den Śaktis ergibt sich aus diesem Zusammenhang.]

Über die Fäden heißt es dort:

16.YMF.1 Eine aus Seidenfaden gefertigte Kette erfreut die Göttin stets. Die Viṣṇu-Kette besteht aus Baumwollfäden oder auch aus Lotosfasern.

16.YMF.2 Die Śiva-Kette wird aus Wolle oder Rindenfasern gelehrt. Für die anderen fertige man die Rezitationskette mit Baumwollfäden an.

Eine besondere Bestimmung für Baumwollfäden lautet dort: „Dann nehme man einen knotenlosen Faden, der von einer tugendhaften Frau eines hervorragenden Zweimalgeborenen hergestellt wurde, lege ihn dreifach und wasche ihn sorgfältig.“ [Im überlieferten Satz steht zusätzlich viṣṇum; dessen syntaktischer Bezug ist unklar.]

Das Auffädeln der Rudrākṣas

Im Kālottara spricht Skanda:

16.KMW.1 Gott der Götter, großer Gott, Herr von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung: Wie soll eine Rezitationskette aus Rudrākṣas hergestellt werden, Maheśvara?

16.KMW.2 Wie wird ihre Weihe ausgeführt, Vater, und was ist ihr Ergebnis? [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Īśvara spricht:

16.KMW.3 Höre, Sechsgesichtiger. Ich werde erläutern, wie nach der Vorschrift eine Rezitationskette aus Rudrākṣas hergestellt wird, damit sie Vollendung der Rezitation verleiht.

16.KMW.4 Man fertige sie aus Rudrākṣas mit einem, zwei, vier, fünf oder sechs Gesichtern an; eine Mischung untereinander soll man meiden. [Die Klammerlesung vor „gemischt“ ist beschädigt. Dreigesichtige Samen werden in dieser Aufzählung nicht genannt.]

16.KMW.5 Gesicht soll auf Gesicht ausgerichtet werden; Gesicht gegen Wurzel ist zu vermeiden. Als Gesicht der Rudrākṣa gilt die erhöhte Seite, als Rücken die vertiefte.

16.KMW.6 Die Größe einer Āmalaka-Frucht gilt als die beste; die Größe einer halben Jujubenfrucht […] einer Kichererbse […] mittlere und […] . [Die weiteren Größenklassen sind im überlieferten Wortlaut beschädigt und lassen sich nicht zuverlässig zuordnen.]

16.KMW.7 Der Meru genannte Abschluss soll sein Gesicht nach oben richten; ihn darf man nicht überschreiten. Die Perlen sollen mit einem neuen Faden aufgefädelt werden, ohne einander zu berühren.

Der Kommentar bestätigt: „ohne einander zu berühren“ bezieht sich auf die Perlen untereinander. Im Uttaratantra heißt es:

16.UTG.1 Ein Meru ist einzusetzen, der größer als alle übrigen ist. Die erste Perle sei groß, die nächste kleiner und die folgende wiederum kleiner.

16.UTG.2 So ordne man sie nacheinander an, damit die Kette Schlangengestalt erhält. Bei jedem Samen bringe man regelgerecht einen Brahma-Knoten an.

16.UTG.3 Oder man verwende einen festen Strang ohne Knoten. Mit drei Windungen in der Mitte und einer halben Windung am Ende …

16.UTG.4 … wird ein rechtsläufiger Knoten gebildet, der Brahma-Knoten heißt. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Im Kālottara heißt es ferner: „Nachdem der Sādhaka nur eine Mahlzeit eingenommen hat, fädle er selbst die Kette.“ Die Beschränkung auf eine Mahlzeit gilt für den Vortag, nicht für den Tag der Weihe. Andernfalls müsste man vor einer am Vormittag vorgenommenen Weihe essen, was hier weder möglich noch angemessen wäre.

16.KMP.1 Der gereinigte Mantrakenner, der seine täglichen Handlungen vollzogen hat, beschaffe unter den genannten Perlen sorgfältig jene, die er wünscht und erhalten kann.

Die besondere Sorgfalt betrifft die Vermeidung einer Mischung verschiedener Gesichtszahlen.

16.KMP.2 Die Perlen sollen einander in der Gestalt gleichen, weder übermäßig groß noch übermäßig klein, nicht von Würmern oder anderen Tieren angefressen, nicht alt, sondern neu sein.

16.KMP.3 Jede einzeln wasche er mit den fünf Erzeugnissen der Kuh. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

„Zu Beginn“ bedeutet am Vortag. Mit „Perlen“ sind Rudrākṣas gemeint. „Nach Wunsch“ erklärt sich daraus, dass für die verschiedenen Gesichtszahlen verschiedene Ergebnisse gelehrt werden. Die Beschränkung auf eine Mahlzeit gilt außerhalb der Śakti-Praxis.

Die überlieferte Reinigung und Weihe

Zu Pañcagavya heißt es im Nṛsiṃhapurāṇa:

16.PG.1 Die Milch einer goldfarbenen Kuh, der Dung einer weißen, der Harn einer kupferfarbenen und der Dickmilchanteil einer dunklen Kuh …

16.PG.2 … sowie das geklärte Butterfett einer schwarzen: Dies sind die fünf Kuherzeugnisse. Wo Kühe dieser Farben im jeweiligen Land leicht verfügbar sind, …

16.PG.3 … beschaffe man die fünf Erzeugnisse entsprechend den Farben. Sind diese Farben nicht erhältlich, liegt darin kein Fehler; ein unzureichendes Mengenverhältnis soll man jedoch vermeiden.

16.PG.4 Der Harn beträgt das Doppelte des Dungs, das Butterfett und die Dickmilch das Vierfache, die Milch wird als das Achtfache angegeben. [Die Vorlage nennt am Versende nochmals Dickmilch; die genaue Zuordnung der Mengen bleibt dadurch unsicher.]

16.PG.5 Den Kuhharn nehme man mit der Gāyatrī, den Dung mit „Gandhadvārām“, die Milch mit „Āpyāyasva“ und die Dickmilch mit dem Vers „Dadhikrāvṇo“.

16.PG.6 Das Butterfett nehme man mit „Tejo'si śukram“, das Kuśa-Wasser mit „Devasya tvā“. Mit dem Mantra „Sadyojāta“ wasche man die Perlen mit den fünf Kuherzeugnissen.

[Die angeführten Mantraanfänge sind teilweise orthographisch beschädigt; hier dienen die erkennbaren Anfangswörter zur Identifikation. Die Beschreibung betrifft die historische rituelle Reinigung der Perlen.]

Wie das Waschen geschieht, wird ausdrücklich erläutert: mit Pañcagavya und Wasser unter dem Mantra „Sadyojāta“. Dazu sagt das Tattvasāra: „Mit Pañcagavya samt Wasser wasche man unter Sadyojāta.“

16.KMD.1 Mit Sandelholz, Agaru und anderen Duftstoffen reibe man die Kette unter dem Vāmadeva-Mantra ein; unter Aghora beräuchere man sie mit dunklem Agaru und gutem Guggulu.

16.KMD.2 Unter dem Tatpuruṣa-Mantra bestreiche man sie mit Sandelholz und weiteren Duftstoffen. [Die Fortsetzung fehlt.]

Unter „weiteren“ werden Kampfer, Moschus, Safran beziehungsweise Kuṅkuma und Ähnliches verstanden. „Mit dem fünften Mantra bespreche man jede Perle hundertmal. Auch den Meru bespreche man mit dem fünften Mantra sowie mit Aghora.“

Im Śaiva-Āgama heißt es:

16.ŚAM.1 Neun Aśvattha-Blätter ordne man in Lotosgestalt an und lege den Faden und die mit Duftwasser gewaschenen Perlen darauf.

16.ŚAM.2 Oṃ, die Śakti-Silbe und die Mātṛkā setze man gesondert auf den Faden und auf die Rudrākṣa-Perlen. Man verehre sie und bringe nach Kräften Butterfett ins Feuer dar.

16.ŚAM.3 Man nehme jede Perle einzeln und füge sie in den Faden ein. Die Kette soll einem Kuhschwanz gleichen oder gleichförmig sein und einen Meru besitzen.

16.ŚAM.4 Nach dem Zeigen der acht Mudrās verehre man die einzelnen Glieder der Reihe nach. Die aufgefädelte Kette werde wie zuvor stets mit den fünf Mantras behandelt, o Śivā.

Die fünf Mantras sind Sadyojāta und die weiteren. Auch das Feueropfer wird mit diesen Mantras vollzogen, weil Verehrung und Feueropfer denselben Mantra verwenden müssen. „Gleichförmig“ bedeutet: von gleichartiger Gestalt. Mit den acht Mudrās sind Anrufung und die weiteren gemeint, da danach die Verehrung vorgeschrieben wird.

Die Meinung, diese Weihe gelte ebenso für alle anderen Perlen, weist der Verfasser als Ausdruck von Unwissenheit zurück. Er beruft sich auf das Kālottara: „Für Rudrākṣas ist diese von der Śruti angeordnete Weihe gelehrt; bei den anderen sollen Gurus und Sādhakas die jeweils im Tantra angegebene ausführen.“

Herkunft und Bedeutung der Rudrākṣas

Nun werden der Ruhm der Rudrākṣas, ihre Herkunft, die Unterschiede ihrer Gesichter und die ihnen zugeschriebenen Wirkungen erläutert. Im Skandapurāṇa heißt es:

16.SKR.1 Einst lebte ein Dämon namens Tripura, der überaus schwer zu besiegen war. Er hatte alle Götter, Brahmā, Viṣṇu, Indra und die übrigen Gottheiten, überwältigt.

16.SKR.2 Um Tripura zu töten, die Götter zu schützen, die Furcht der Welten zu beseitigen und die Ordnung der Jahreszeiten und des Dharma wieder in Gang zu bringen, …

16.SKR.3 … versenkte ich mich, mein Sohn, in die unvergleichliche Aghora-Waffe: göttlich, flammend, von furchtbarer Gestalt und alle Götter in sich enthaltend.

16.SKR.4 […] viele tausend göttliche Jahre […] das Auge geöffnet […]. [Der Vers über Dauer und Abschluss der Versenkung ist stark beschädigt; eine zusammenhängende Übersetzung wäre spekulativ.]

16.SKR.5 Aus den Lidern der angestrengten Augen fielen Wassertropfen. Diese Tränentropfen wurden zu den großen Rudrākṣa-Bäumen.

16.SKR.6 Um den Sterblichen Gnade zu erweisen, nahmen sie die unbewegliche Daseinsform an. Sie tragen stets Früchte und gewähren ununterbrochen Ergebnisse.

Im Vāsiṣṭha-Abschnitt des Liṅgapurāṇa heißt es:

16.VLR.1 Als Śambhu einst zur Bewahrung sämtlicher Götter, angefangen mit Brahmā und Indra, die Tat der Zerschmetterung des Dämons der Städte vollzog, entstand durch das Schließen seiner Augen bei diesem Tripura-Geschehen Wasser. Daraus wurden die Gruppen der Rudrākṣa-Bäume.

16.VLR.2 Wer am Hals so viele Rudrākṣas wie Zähne, auf dem Kopf zweimal zwanzig, an jedem Ohr sechs, an jeder Hand zwölf, an jedem Arm so viele wie die Mondphasen, am Haarschopf einen und auf der Brust hundertacht trägt, ist selbst Nīlakaṇṭha.

16.VLR.3 Wer hier auf Erden Rudrākṣa-Samen an der Hand, auf dem Kopf und auf der Brust […] trägt, wohnt gleichberechtigt in den Städten […] des Lotosäugigen, des auf dem Lotos Sitzenden, Indras, der Götter und Kinnaras. [Mehrere Wörter und ihre Zuordnung sind beschädigt.]

16.VLR.4 Die Kopfkette zählt sechsunddreißig, die Halskette zwölf; für die Ellenbogen werden sechzehn, für die Handgelenke zwölf genannt.

16.VLR.5 Eine heilige Schnur wird mit hundertacht Perlen angefertigt, die Brustkette mit der Hälfte davon; am Haarschopf wird eine genannt.

16.VLR.6 Für die Ohren gilt die Zahl sechs. So ist die Trageordnung erklärt. Weniger als die vorgeschriebene Zahl soll es nicht sein; eine größere Zahl schadet nicht.

[Die Zahlen dieser zweiten Anordnung stimmen teilweise nicht mit Vers 2 überein; beide stehen so im Text.]

16.VLR.7 Nun erläutere ich die unterschiedliche Perlenzahl einer Rezitationskette: fünfundzwanzig für die Befreiung, siebenundzwanzig zur Förderung des Gedeihens, …

16.VLR.8 … dreißig für Vermögensfülle und fünfzehn für Schadenzauber. Ferner gibt es die vier Arten Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra.

16.VLR.9 Diese sind der Reihe nach weiß, rot, goldglänzend und schwarz. Unter ihnen ist die „Brahmanen“-Art für die Herstellung einer Rezitationskette besonders vorzüglich.

16.VLR.10 Wenn diese nicht verfügbar ist, verwenden die Zweimalgeborenen die ihrer eigenen Gruppe entsprechende Art. Eine übermäßig große, übermäßig kleine, gesprungene, brüchige oder leichte …

16.VLR.11 … beschädigte, schon früher getragene oder alte Rudrākṣa gilt nicht als vorzüglich. Die erhöhte Stelle an der Perle ist das Gesicht, die vertiefte der Rücken.

16.VLR.12 Richte die Perlen in dieselbe Richtung aus, mein Kind, wie eine gute Zahnreihe. Denn durch gegenseitiges Reiben entsteht nach dem Text sicher eine Minderung der Rezitation.

16.VLR.13 Mit einem festen Faden in dreifacher Windung sollen zwischen den einzelnen Perlen glückverheißende Knoten angebracht werden.

16.VLR.14 Die Gesichter der Rudrākṣas reichen der Reihe nach bis vierzehn. Nun werden die Ergebnisse ihres Tragens in entsprechender Ordnung erklärt.

16.VLR.15 Die eingesichtige ist Śiva selbst und beseitigt die Schuld des Brahmanentötens. Die zweigesichtige ist Gott und Göttin; sie soll die Schuld des Kuhtötens tilgen.

16.VLR.16 Die dreigesichtige ist das Feuer selbst und nimmt augenblicklich die Schuld des Tötens einer Frau; die viergesichtige ist Brahmā selbst und beseitigt die Schuld des Tötens des Gurus.

16.VLR.17 Die fünfgesichtige ist Śiva selbst; durch sie wird man von allen Verfehlungen frei. Die sechsgesichtige ist Kārttikeya; man trägt sie an der rechten Hand.

16.VLR.18 Dadurch wird man, so heißt es ohne Zweifel, von Brahmanentötung und anderen Verfehlungen frei. Die siebengesichtige ist der große Nāga namens Ananta.

16.VLR.19 Durch sie wird der Mensch von der Schuld des Kuhtötens und Golddiebstahls frei. Die achtgesichtige, o Mahāsena, ist der Gott Gaṇādhipa selbst.

16.VLR.20 Seine Hindernisse vergehen, und zuletzt erreicht er den höchsten Zustand. Die neungesichtige ist Bhairava; sie wird an der linken Hand getragen.

16.VLR.21 Sie wird als Verleiherin von Genuss und Befreiung beschrieben; ihr Träger soll mächtig wie ich sein. Die zehngesichtige, mein Kind, ist der Gott Janārdana selbst.

16.VLR.22 Durch ihr Tragen vergehen rasch die Störungen, die von Piśācas, ergreifenden Mächten, Vetālas, Brahmarākṣasas und Schlangen herrühren.

16.VLR.23 Die elfgesichtige Rudrākṣa gilt als die elf Rudras. Man trage sie stets am Haarschopf. Höre ihren verdienstvollen Ertrag:

16.VLR.24 Den Ertrag von tausend Pferdeopfern, hundert Vājapeya-Opfern und der regelgerechten Gabe von hunderttausend Kühen …

16.VLR.25 … erlangt man durch das Tragen einer elfgesichtigen. Die zwölfgesichtige Rudrākṣa besteht aus den zwölf Sonnengestalten.

16.VLR.26 Durch ihr Tragen erlangt man den Ertrag von Bahusuvarṇa-, Pferde- und Rinderopfern. Wenn man, mein Kind, eine dreizehngesichtige Rudrākṣa trägt, …

16.VLR.27 … wird man stets von den Göttern verehrt und erlangt höchstes Verdienst. Wenn man eine Rudrākṣa mit vierzehn guten Gesichtern trägt …

16.VLR.28 … und als Mensch stirbt, während sie beständig auf dem Kopf liegt, […] wird man selbst zu dem, dessen Haupt die Mondsichel trägt. [Ein Glied dieses Verses ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen.]

16.VLR.29 Stets wird man von den Göttern verehrt. Höre dies wahrhaftig, Sechsgesichtiger: Reichliches Verdienst wird erlangt, und der Mensch wird glücklich und begünstigt.

16.VLR.30 Beim Bad, bei Gaben, Rezitation, Feueropfer, Vaiśvadeva, Götterverehrung, Sühnehandlungen und Ahnenopfer, besonders aber bei der Einweihung, …

16.VLR.31 … wird jede vedische Handlung fruchtbar, die ein Brahmane beständig als Träger von Rudrākṣas vollzieht.

[Die Aussagen über Tilgung schwerer Schuld sind religiöse Heilszusagen der Quelle. Die soziale Rangordnung und die magischen Wirkungszuschreibungen gehören ebenfalls zu deren historischem Weltbild.]

Im Padmapurāṇa heißt es:

16.PPR.1 Allein durch das Tragen von Rudrākṣas an Hals, Kopf, Hand, Ohren und heiliger Schnur wird ein Mensch zu Rudra.

Im Śaivapurāṇa heißt es:

16.ŚPR.1 Der Brahmane soll bei den Tagesübergangsritualen und anderen Handlungen Rudrākṣas tragen. All dies wird als fruchtbar und sicher hunderttausendfach mal zehnmillionenfach beschrieben.

16.ŚPR.2 Aus dem Anblick einer Rudrākṣa entsteht Verdienst wie aus dem Anblick eines Liṅga. Durch ihr Tragen erlangt der Mensch ein nochmals hundert Koṭi großes Verdienst.

16.ŚPR.3 Durch das Tragen am Kopf eine Koṭi, an den Ohren zehn Koṭi, am Hals hundert Koṭi und am Scheitel tausend Koṭi.

16.ŚPR.4 An der heiligen Schnur zehntausend, an beiden Armen hunderttausend Koṭi; an der Hand wird der Träger guter Rudrākṣas eines unermesslichen Ergebnisses teilhaftig.

[Eine Koṭi entspricht zehn Millionen. „Kopf“ und „Scheitel“ werden hier nebeneinander mit unterschiedlichen Zahlen genannt.]

Im Vāsiṣṭha-Abschnitt des Liṅgapurāṇa steht:

16.VLV.1 Selbst wer Fleisch isst, Alkohol trinkt und mit Menschen der als niedrigsten eingestuften Gruppen verkehrt, wird sogleich innerlich rein, wenn sich eine Rudrākṣa auf seinem Kopf befindet.

Im Skandapurāṇa heißt es:

16.SKV.1 Selbst wenn ein Hund mit einer Rudrākṣa am Hals stirbt, erlangt er den Zustand Rudras – um wie viel mehr Menschen und andere.

16.SKV.2 Ob jemand durch Speisereste unrein, in verbotene Handlungen verstrickt oder mit allen schweren Verfehlungen belastet ist: Durch das Tragen einer Rudrākṣa wird er von allen Verfehlungen frei.

16.SKV.3 Selbst wer ohne Hingabe ist und schlechte Handlungen begeht, wird in Rudras Welt geehrt, wenn er stets eine Rudrākṣa-Kette am Hals trägt.

Das Śaivapurāṇa sagt unnummeriert: „Ein Brahmane, der aus Verblendung eine vedische Handlung ausführt, ohne Rudrākṣas zu tragen, erlangt deren Frucht nicht.“ Im Vāsiṣṭha-Abschnitt des Liṅgapurāṇa steht:

16.VLS.1 Bei denen, die sich des Tragens von Rudrākṣas schämen, großer Weiser, gilt die Abstammungsfolge als vermischt, o Brahmane.

[Die letzte Aussage verwendet eine diskriminierende Abstammungsvorstellung zur Bekräftigung des Tragegebots.]

Die Weihe anderer Gebetsketten

Für die anderen Perlenarten sagt das Yoginītantra:

16.YMA.1 Der vorzügliche Sādhaka fertige aus den genannten Perlen und den vorgeschriebenen Fäden eine Kette an, lege sie in ein Gefäß und behandle sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben.

16.YMA.2 Nach Abschluss der Elementereinigung und der übrigen Verehrung verehre er sie dort. Er rufe Gaṇeśa, Sūrya, Viṣṇu, Īśa und Durgā an und verehre sie.

16.YMA.3 Der Mantrakenner lege die Kette unter dem Mantra Hauṃ in Pañcagavya, hebe sie danach heraus und lege sie in ein goldenes Gefäß.

16.YMA.4 Der Verständige vollziehe an ihr nacheinander den Ritus der fünf Nektare mit Milch, Dickmilch, Butterfett, Honig, Zucker und den weiteren zugehörigen Handlungen bis zur Räucherung. [Ein verbindendes Wort vor „Räucherung“ ist beschädigt.]

16.YMA.5 Nachdem er sie dort niedergelegt hat, bade er sie mit kühlem Wasser. Dann mit Sandelholz, Duftstoffen, Moschus, Kuṅkuma und weiteren Stoffen …

16.YMA.6 … bestreiche er sie und rezitiere das Bīja Hsauṃ hundertachtmal. An ihr verehre er auch die neun Planeten und die Hüter der Richtungen.

16.YMA.7 Nach der Verehrung des Gurus nehme er die glückverheißende Kette entgegen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Das Bhairavītantra sagt:

16.BMW.1 Zuerst verehre der Kundige gesammelt an der Kette den Gott Gaṇapati, Sūrya, Viṣṇu, Umāpati und Durgā.

16.BMW.2 Er lege die mit dem Prāsāda-Mantra besprochene Kette in Pañcagavya, hebe sie danach heraus und lege sie in ein goldenes Gefäß.

„Mit Prāsāda“ meint den nachfolgend erläuterten Prāsāda-Mantra.

16.BMW.3 Nachdem er sie mit den fünf Nektaren und mit kühlem Wasser gebadet hat, verwende er duftendes Sandelholz, Moschus, Kuṅkuma und weitere Duftstoffe.

16.BMW.4 Danach vollziehe der Mantrakenner mit diesem Mantra die Besprengung: Prāṇa, auf Jīva aufgesetzt und mit dem Vokal Au geschmückt, …

16.BMW.5 … versehen mit Bindu und Nāda: Diesen Mantrakönig setze er ein. Nach der Verehrung der neun Planeten folgt die Verehrung der Richtungshüter.

16.BMW.6 Dann bringe er nach Kräften mit Butterfett vermischten Sesam ins Feuer dar. Als Lehrergabe gebe er Gold und stelle die Brahmanen zufrieden.

„Mit diesem“ bedeutet: mit dem Prāsāda-Mantra. „Einsetzen“ wird als hundertachtmaliges Rezitieren erläutert. Prāṇa ist Ha, Jīva ist Sa; der Kommentar schreibt die Formel als hsoṃ. [Dies weicht von dem im Vers ausdrücklich genannten Au und von hsauṃ im vorhergehenden Zitat ab; die Lesung bleibt sichtbar.] Die Lehrergabe erhält der Ācārya. Fehlt ein goldenes Gefäß, soll nach der angeführten Aussage des Yoginītantra ein Gefäß aus Aśvattha verwendet werden.

Eine weitere Methode steht im Kubjikātantra:

16.KBM.1 Zuerst verehre man den Handwerker mit Kleidung, Duftstoffen und Salbungen. Freudig lasse man eine ganz reine Kette aus Gold oder Silber herstellen.

16.KBM.2 Der Kundige lasse die Perlen angemessen durchbohren. Die Kette soll der Buchstabenzahl entsprechen; drei Tage lege man sie in Pañcagavya.

„Der Buchstabenzahl“ bedeutet: der Zahl der Mātṛkā-Buchstaben. Daraus folgert der Kommentar hier eine Kette mit hundert Perlen. [Die bloße Mātṛkā-Reihe wird zuvor mit fünfzig angegeben; eine Verdoppelung ist an dieser Stelle nicht ausdrücklich erklärt.]

16.KBM.3 Am vierten Tag wasche man auch den Faden mit den Waffenmantras. Mit einem farblich entsprechenden Faden messe beziehungsweise richte man die Kette unter dem Herzmantra ein.

16.KBM.4 Der vorzügliche Sādhaka kann sie auch auf Goldfäden oder entsprechenden Fäden auffädeln. Dann bringe er einen Brahma-Knoten oder einen Nāgapāśa-Knoten an.

16.KBM.5 In die Meditation versenkt binde er die Kette mit dem Panzer-Mantra. Ganz zuletzt füge er den Meru mit zwei Fadenenden ein …

16.KBM.6 … und knüpfe und befestige ihn unter Verbindung mit Oṃ. Nachdem die Kette so hergestellt ist, Götterherrin, vollziehe er ihre Einsetzung.

16.KBM.7 Auf einem geweihten Boden bereite er ein Maṇḍala nach der vorgeschriebenen Gliederung und verehre darin regelgerecht die erwählte Gottheit.

Mit „Maṇḍala“ ist das Verehrungsdiagramm der eigenen Gottheit gemeint.

16.KBM.8 Nach vollständigem Nyāsa rezitiere er das Mantra 1.008-mal. Ein Zehntel davon opfere er ins Feuer, und zwar mit dem, was der jeweiligen Gottheit lieb ist.

Die Wendung „was ihr lieb ist“ bezeichnet die für das zu dieser Gottheit gehörende Puraścaraṇa-Feueropfer vorgeschriebenen Stoffe.

16.KBM.9 Dann lege der Verständige die Kette in die Mitte des Maṇḍala, setze den Waffenmantra auf sie und danach den Grundmantra.

16.KBM.10 Nach Einsetzung seiner Gliedermantras stelle er sich die Kette als die Gottheit vor. Indem er die Gestalt der Nichtverschiedenheit verwirklicht, mache er die Kette zu deren Wesen.

16.KBM.11 Dann bringe der vorzügliche Sādhaka mit jenen Stoffen regelgerecht eine Bali-Gabe dar. Nachdem die erwählte Gottheit so in der Kette eingesetzt worden ist, …

16.KBM.12 … verehre der Mantrakenner den Ācārya und den Handwerker vorschriftsgemäß. Auf dieser Kette soll er keinen anderen Mantra rezitieren, wenn er für sich Vollendung wünscht.

Waffenmantra und weitere Mantras sind diejenigen des Mantras, das auf der Kette rezitiert werden soll. Die Bali-Gabe für die Kette besteht aus den Stoffen des Feueropfers.

Das Uttaratantra sagt:

16.UTR.1 Man verwende einen festen Faden, damit die Rezitation freudig geschieht. Wenn der Faden alt geworden ist, fädle man die Kette neu auf und rezitiere hundertmal.

Im Śaiva-Āgama heißt es:

16.ŚAR.1 Wenn eine Kette zerreißt, knüpfe man sie wieder wie zuvor. Nach erneuter Einsetzung rezitiere man auf ihr mit ungeteilter Aufmerksamkeit das Mantra.

Weitere unnummerierte Regeln lauten: „Man berühre den Faden nicht mit dem Zeigefinger, lasse die Kette weder erzittern noch schüttle man sie. Man berühre sie nicht mit der linken Hand und lasse sie nicht aus der Hand fallen. Beim Weiterschieben der Perlen soll der Daumen keine andere Perle berühren. Während der Rezitation überschreite der Kundige niemals den Meru. Beim Wenden verursache man kein Geräusch: Geräusch führt zu Streit, und wenn die Kette schwankt, schwankt der Geist. Bewegung führt zu Feindschaft, ein Sprung zu Krankheit, das Fallen aus der Hand zu großem Hindernis und ein Reißen des Fadens zum Untergang.“ [Die letzten Zuordnungen sind die im Text überlieferten Omen.]

Zählen mit der Hand

Manche behaupten, die Rezitation müsse ausschließlich an den Fingern gezählt werden. Der Verfasser hält die Beleggrundlage dafür für prüfungsbedürftig. Tatsächlich ist das Folgende auch beim Puraścaraṇa zu beachten: Fehlt eine Gebetskette, wird mit der Hand gezählt. Das Nāradapañcarātra sagt: „Auch mit den Fingern kann man die Rezitationshandlung beginnen.“ Im Prapañcasāra (20.40) steht:

16.PSH.1 Im Lotossitz, nach Osten gewandt, ohne zu plaudern und mit darauf gerichtetem Geist rezitiere man das Mantra mit einer Perlenkette oder mit den Fingern unter Ausschluss des Zeigefingers, weder zu schnell noch zu langsam.

Das Mantratantraprakāśa sagt: „Oder man zähle die Rezitation an den Fingergliedern.“ Das Śrībhairavītantra beschreibt die Weise so:

16.BHK.1 Vom mittleren Glied des Ringfingers ausgehend, in der Folge über den kleinen Finger bis zum Grundglied des Mittelfingers: Dies heißt die Handkette.

Auch Gautama sagt: „Man rezitiere stets mit kleinem Finger, Ringfinger, Daumen und Mittelfinger.“

Dabei zählt man am mittleren und am unteren Glied des Ringfingers, dann am unteren, mittleren und oberen Glied des kleinen Fingers, danach am oberen Glied des Ringfingers sowie am oberen, mittleren und unteren Glied des Mittelfingers. So ergeben sich neun Glieder und neun Wiederholungen. Zwölf Durchgänge ergeben hundertacht Wiederholungen. Hundertzwölf Durchgänge ergeben 1.008 Wiederholungen. Entsprechend sind zehntausend und weitere Zahlen zu berechnen.

Nach dem Vergleich mit anderen Tantras hält der Verfasser jedoch auch das Zählen unter Einbeziehung des Zeigefingers für maßgeblich. Das Kulamūlāvatāra sagt:

16.KHZ.1 Nun erläutere ich, Maheśānī, das Ergebnis der verschiedenen Zählweisen. Das Ergebnis des Zählens mit den Fingern gilt als einfach.

16.KHZ.2 Beim Zählen an den Linien wird das Achtfache genannt, mit Putrajīva-Samen das Zehnfache, mit den übrigen Perlen das Hundertfache, mit Korallen das Tausendfache.

16.KHZ.3 Mit Bergkristallen das Zehntausendfache, mit echten Perlen das Hunderttausendfache, mit Lotossamen das Millionenfache und mit Gold das Zehnmillionenfache.

16.KHZ.4 Mit Kuśa-Knoten und Rudrākṣas soll das Ergebnis unbegrenzt vervielfacht werden. Bei der Rezitation mit Ketten aus weißen Lotossamen gilt es als unermesslich.

16.KHZ.5 Wer mit den Fingern rezitiert, soll den Daumen mitverwenden. Ohne Daumen ausgeführte Rezitation bleibt, Geliebte, ohne Frucht.

16.KHZ.6 Oder man rezitiere täglich an den Fingergliedern, Geliebte. Die beiden mittleren Glieder von Mittel- und Ringfinger …

16.KHZ.7 … bestimme man dabei zum Meru. Rechtsherum beginne man beim Grundglied des Ringfingers und gehe über den kleinen Finger weiter.

16.KHZ.8 Von der Spitze des Zeigefingers ausgehend zähle man bis zum mittleren und unteren Glied weiter, o Göttin, und wölbe dabei die Handfläche etwas ein. [Der genaue Bezug des zusammengesetzten Ausdrucks für die letzten Glieder ist nicht eindeutig.]

16.KHZ.9 Während der Rezitation spreize man die Finger nicht, Maheśvarī. Wenn sie getrennt sind, fließt nach diesem Bild die Rezitation durch die Zwischenräume ab.

16.KHZ.10 Niemals rezitiere man den Mantra unter Überspringen der Zählung, o Göttin; denn diese Rezitation nehmen die Rākṣasas gewaltsam an sich, o Herrin.

16.KHZ.11 Oder man bestimme das mittlere und das untere Glied des Mittelfingers zum Meru und rezitiere bis zum Grundglied des Zeigefingers …

16.KHZ.12 … vom mittleren Glied des Ringfingers ausgehend, in rechtsläufiger Folge. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die Handkettenrezitation ist also dreifach: Fingerzählung, Linienzählung und Gliederzählung. Wiederholtes Zählen vom kleinen Finger bis zum Daumen ist Fingerzählung; Zählen an den Linien des kleinen Fingers und der übrigen Finger ist Linienzählung; die Gliederzählung entspricht der soeben beschriebenen Weise.

Weitere Lautketten

Im Mātṛkārṇava heißt es:

16.MLK.1 Die Buchstaben des „weißen Mantras“ trenne man in Vokale und Konsonanten und bilde gerade daraus eine Buchstabenkette. [Die Vorlage liest śvetamantra; ob damit tatsächlich „weißer Mantra“ oder eine beschädigte Bezeichnung gemeint ist, bleibt offen.]

16.MLK.2 Oṃ bestimme man zum Meru und rezitiere mit dieser Kette. Rasch tritt Vollendung ein: wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.

16.MLK.3 Nachdem man nach den Unterschieden der Entfaltungsordnung den vorherrschenden Anteil bestimmt hat, an der Stelle der zu jenem Element gehörenden Konsonanten, o Götterherrin, …

16.MLK.4 … verbinde man diese mit den Vokalen des entsprechenden Elements und füge die drei Vokale hinzu. Den im jeweiligen Element vorherrschenden Laut bestimme der Kundige zum Meru.

16.MLK.5 Mit dieser Kette rezitiere man den betreffenden Mantra; dadurch soll er sicher Vollendung erlangen. Mit einer Kette aus Kügelchen des Pulvers der den Mantrabuchstaben entsprechenden Kräuter …

16.MLK.6 … rezitiere man: Alle Ziele sollen sich verwirklichen; daran solle kein Zweifel bestehen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Die Verse setzen eine andernorts erklärte Zuordnung von Elementen, Lauten und Kräutern voraus. Diese Zuordnung wird hier nicht durch erfundene Listen ergänzt.]

Förderliche Verhaltensweisen während des Puraścaraṇa

Nun folgen die für die Zeit des Puraścaraṇa vorgeschriebenen Verhaltensweisen. Nārada sagt:

16.NPV.1 Das Zurücknehmen des Geistes, Reinheit, Schweigen, Nachdenken über den Sinn des Mantras, Unzerstreutheit und Unverzagtheit führen zum Gelingen der Rezitation.

Das Trailokyasammohana-Tantra sagt:

16.TPV.1 Frei von Gier und Neid, frei von Begierde und Zorn erlangt man in jeder Hinsicht Vollendung; andernfalls bleibt die Übung fruchtlos.

Kumbhasambhava sagt:

16.KPV.1 Welche täglichen und anlassbezogenen Pflichten nach der Ordnung der sozialen Gruppe und Lebensstufe zu erfüllen sind, eben diese Handlungen vollziehe man mit darauf gerichtetem Geist und ganzer Hingabe.

16.KPV.2 Selbstbeherrscht, dreimal täglich badend, schweigend und innerlich gereinigt vollziehe man die Viṣṇu-Verehrung, mit beständigem Geist und gezügelten Sinnen.

Gautama sagt:

16.GPV.1 Wer an seiner eigenen Pflicht Freude hat, dem ist Vollendung nicht fern. Der andere erlangt sie auch nach langer Zeit nicht, o vorzüglicher Zweimalgeborener.

16.GPV.2 Auch ein grausamer Mensch erlangt keine Vollendung: Dies ist wahr, daran besteht kein Zweifel. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

„Der andere“ meint den, der seiner eigenen Pflicht nicht zugetan ist. „Nach langer Zeit“ bedeutet: selbst bei sehr langer Dauer.

Im Mantrārṇava heißt es:

16.MPV.1 Auf dem Boden schlafen, sexuelle Enthaltsamkeit, Schweigen, Freiheit von Missgunst, täglich dreimaliges Baden und das Meiden niedriger Handlungen …

16.MPV.2 … tägliche Verehrung, tägliches Geben, Singen und Aussprechen des Lobes der Gottheit, anlassbezogene Verehrung sowie Vertrauen in Guru und Gottheit …

16.MPV.3 … und Beständigkeit in der Rezitation: Diese zwölf Verhaltensweisen sollen Mantravollendung verleihen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Sexuelle Enthaltsamkeit bedeutet hier das Ablassen von den acht Formen der sexuellen Betätigung. Dazu sagt Gorakṣa:

16.GBR.1 Erinnern, davon sprechen, spielerischer Umgang, Anschauen, vertrauliches Reden, innerer Entwurf, fester Entschluss und die Ausführung der Handlung …

16.GBR.2 … werden von den Weisen als achtgliedrige sexuelle Betätigung bezeichnet. Deren Gegenteil ist die entsprechend achtfach gekennzeichnete Enthaltsamkeit.

Verboten sind dabei Erinnern, Reden und Anschauen, wenn sie von Begehren getragen sind. „Spielerischer Umgang“ bezeichnet äußere Handlungen wie Scherzen. „Vertrauliches Reden“ meint geheime Absprachen zum Geschlechtsverkehr; „innerer Entwurf“ einen geistigen Vorgang und „fester Entschluss“ die Entscheidung zum Geschlechtsverkehr.

Das dreimalige Bad gilt für den, der dazu imstande ist. Vaiśaṃpāyana sagt: „Dreimaliges Baden ist vorgeschrieben; bei Unvermögen vollziehe man es zweimal oder einmal.“

Als niedrige Handlungen nennt das Nārāyaṇīya unter Berufung auf eine andere Smṛti: „Heuchelei, Hass, Zerstörung, Vertreibung, Verwirrung, Tötung und Hervorrufen von Krankheit.“

Die tägliche Verehrung wird vorgeschrieben, weil die tägliche Rezitation stets nach einer Sättigungsdarbringung erfolgt. Anlassbezogene Verehrung ist die besondere Verehrung etwa zur Sonnenwende. Das Mantratantraprakāśa sagt:

16.MTJ.1 Wenn man nach einer ehrerbietig vollzogenen Sättigungsdarbringung täglich 1.008-mal rezitiert, heißt dies tägliche Rezitation.

16.MTJ.2 Zu Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen, bei Mond- und Sonnenfinsternissen, am zwölften Mondtag und bei Vollmond erfolgt die anlassbezogene Rezitation.

Diese umfasst das Dreifache der täglichen Zahl; ebenso wird Haris Verehrung ausgeführt.

Im Kapilapañcarātra heißt es: „Der Mantra werde auch zu den der Gottheit zugeordneten Sternständen, Mondtagen und Wochentagen rezitiert.“ Gautama sagt:

16.GGU.1 Danach verehre man die Lotosfüße des Gurus mit einer Handvoll Blumen. Von ihm empfange man stets den Segen und sorge für seine Zufriedenheit.

16.GGU.2 Wenn der Guru zufrieden ist, ist die Gottheit zufrieden, andernfalls nicht. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Als Wort des erhabenen Herrn wird angeführt:

16.BGU.1 Wem der Guru gewogen ist, dem sind die drei Welten gewogen. Wenn der Guru sehr zufrieden ist, o Weiser, gibt es in dieser Welt nichts Unerreichbares.

16.BGU.2 Man nehme das Wort des Gurus ins Herz und überschreite es niemals. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Kumbhasambhava sagt:

16.KBA.1 Man bade mit Pañcagavya oder allein mit Āmalaka; danach bade man unter den in Śruti, Smṛti und Purāṇas gelehrten Mantras.

16.KBA.2 Rein und seinen Gelübden hingegeben erfülle man unablässig das zu Erfüllende. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Im Prapañcasāra (10.41) steht: „So rezitiere man den Mantra, indem man opfergeeignete Speise isst oder nachts isst.“ Das „oder“ wird hier als verbindend verstanden: opfergeeignete Nahrung und nächtliche Mahlzeit.

Das Phetkāriṇītantra sagt:

16.PHV.1 Die nach den Regeln beschaffte Nahrung, etwa erbettelte Speise, ist einmal nachts vorgeschrieben. Oder man ernähre sich täglich von Knollen, Wurzeln und Früchten.

Im Trailokyasammohana-Tantra heißt es:

16.TSV.1 Gegenüber Guru, Kühen, Brahmanen, Kindern, Armen, Blinden und Hilfsbedürftigen sei der Mantrakenner reinen Sinnes und füge ihnen keinen Schaden zu.

16.TSV.2 Danach verehre er die Kühe und gebe ihnen einen guten Bissen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Gautama sagt:

16.GKU.1 Den Kühen bringe man stets Hingabe entgegen und diene ihnen. Wenn die Kühe zufrieden sind, ist auch Gopāla zufrieden.

Während der Übungszeit zu Meidendes

Das Trailokyasammohana-Tantra sagt:

16.TNV.1 Man sage niemandem etwas Verletzendes und niemals Unwahres. Der Kundige betrete nicht den Schatten von Vibhītaka- und Karañja-Bäumen. [Die Vorlage liest an der Stelle „Unwahres“ amṛta, „Unsterblichkeit/Nektar“; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Satzsinn, die beschädigte Lesung bleibt hier vermerkt.]

16.TNV.2 Während der Rezitationszeit tue man nichts für einen anderen und nehme nichts an. Man reibe sich nicht mit Öl ein und meide Honig und Fleisch.

16.TNV.3 Von Verlangen verblendet führe man keine Gespräche mit Frauen, o Göttin. Man sei weder nackt noch überreich parfümiert und meide Gesang und Instrumentalmusik.

„Nichts annehmen“ gilt, sofern es möglich ist. Andernfalls darf die für den betreffenden Tag benötigte Bettelspeise angenommen werden, da Nahrung erlaubt ist. „Verblendet“ bedeutet: von Begierde überwältigt. Das Prayogasāra sagt: „Man suche nicht den Schatten von Vibhītaka, Arka, Karañja und Snuhī auf.“ Kumbhasambhava sagt:

16.KNV.1 In Wort, Gedanken und Handlungen sei man stets ohne Begehren nach Frauen und anderem. Gespräche mit Frauen, Śūdras, Ausgestoßenen, außerhalb der Initiationsordnung Stehenden, Leugnern der Lehre und durch Speisereste Unreinen …

16.KNV.2 … sowie unwahre und anstößige Rede soll man stets meiden. Während Rezitation, Feueropfer, Verehrung und ähnlichen Handlungen spreche man nicht einmal mit Gleichgestellten.

16.KNV.3 Man meide das Hören von Gesang, Instrumentalmusik und Ähnlichem, den Anblick von Tanz, Betelkauen, duftende Salben und das Tragen von Blumen.

16.KNV.4 Man meide Geschlechtsverkehr, Gespräche darüber und darauf gerichtete Gesellschaft; ebenso übermäßige unwürdige Rede und die Verehrung anderer Gottheiten.

16.KNV.5 Hinterlist, Rasur, Öleinreibung, das Essen nicht dargebrachter Speisen, nicht im Vorsatz eingeschlossene Tätigkeiten sowie Massage und Ähnliches meide man.

16.KNV.6 Man lasse das Baden in heißem Wasser und die Verwendung duftender Āmalaka-Zubereitungen und ähnlicher Mittel. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Die Gesprächsverbote spiegeln die sozialen und geschlechtlichen Ausschlüsse der historischen Ritualordnung wider. Auch die zeitlich begrenzten Verzichtsregeln werden hier als Quelleninhalt wiedergegeben.]

Für Übertretungen bei solchen Kontakten nennt Nārada eine Ausgleichshandlung:

16.NAU.1 Wenn ein Wort ausgesprochen wurde, spreche man Oṃ. Bei einer gemeinen oder ungehörigen Äußerung vollziehe man einmal Prāṇāyāma.

16.NAU.2 Bei vielem Reden vollziehe man Ācamana, setze die Gliedermantras ein und rezitiere dann weiter; ebenso nach dem Niesen und nach Berührung von als unberührbar geltenden Stellen.

Unterbrechungen der Rezitation

Yogiyājñavalkya sagt:

16.YJV.1 Wenn bei der Rezitation oder einer ähnlichen Handlung das Schweigen irgendwie unterbrochen wird, spreche man einen Viṣṇu-Mantra oder erinnere sich an den unvergänglichen Viṣṇu.

In der Vāyavīya-Saṃhitā heißt es:

16.VYU.1 Beim Anblick von Ausgestoßenen und Menschen der als niedrigsten eingestuften Gruppen, beim Sprechen mit ihnen oder Hören ihrer Worte, beim Niesen, Entweichen von Darmwind und Gähnen unterbreche man die Rezitation.

16.VYU.2 Nach solchen Ereignissen vollziehe man Ācamana, Atemregelung und die sechs Gliedereinsetzungen; dann rezitiere man den Rest ordnungsgemäß. Oder man schaue die Sonne und andere Lichtgestalten an.

16.VYU.3 Hat man eine Katze, einen Hahn, einen Kranich, einen Hund, einen Geier, einen Esel oder einen Affen gesehen, vollziehe man Ācamana und fahre mit der Handlung fort. Nach Berührung wird ein Bad vorgeschrieben.

16.VYU.4 Solche und ähnliche Regeln soll ein Puraścaraṇa-Übender einhalten. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Als Wort Śivas wird angeführt:

16.ŚJU.1 Zorn, Niesen und Rausch, ferner Spucken, Gähnen und den Anblick von Hunden sowie als niedrig eingestuften Menschen meide man bei der Rezitation.

16.ŚJU.2 Tritt solches ein, vollziehe man Ācamana oder erinnere sich an mich zusammen mit dir, schaue Lichtgestalten an oder übe Atemregelung.

„An mich“ bedeutet an Maheśvara, „zusammen mit dir“ an ihn zusammen mit Pārvatī. Das Liṅgapurāṇa erläutert:

16.LJL.1 Sonne, Feuer, Mond, Planeten, Mondhäuser und Sterne werden von den Kundigen als Lichtgestalten bezeichnet, ebenso der Brahmane.

Weiter heißt es:

16.LJL.2 Zorn, Rausch, Hunger, Trägheit, Spucken, Gähnen, der Anblick einer Hündin, Schlaf und Geschwätz sind Feinde der Rezitation.

Das Viṣṇudharmottara sagt:

16.VDJ.1 Gebadet und sitzend rezitiere man. Bei Niesen, Stolpern und ähnlichen Ereignissen während der Verehrung spreche man siebenmal den Namen Kṛṣṇas.

Das Phetkāriṇītantra sagt:

16.PJU.1 Wenn der kundige Mantrakenner während der Rezitation etwas Unreines sieht, vollziehe er Atemregelung und beende dann den verbleibenden Teil.

16.PJU.2 Wird der Mantrakenner aber selbst unrein, bade er, vollziehe regelgerecht Ācamana, führe die Einsetzungen aus und rezitiere erneut.

Das Nyāsa stellt die rituelle Befähigung wieder her. Daraus ergibt sich: Bei Unreinheit durch Wasserlassen und ähnliche Vorgänge ist ein Bad vorgesehen; andernfalls werden Atemregelung und die sechs Gliedereinsetzungen vollzogen und anschließend die übrigen Wiederholungen beendet.

Vaiśaṃpāyana sagt:

16.VŚR.1 Wer nicht gebadet hat, erlangt keine Frucht; ebenso wenig, wer die Ahnen oder Götter nicht gesättigt hat oder Unwahres redet.

16.VŚR.2 Man rezitiere den Mantra weder nur mit einem Kleidungsstück noch von vielen Kleidern behindert. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Das Yoginītantra sagt:

16.YJR.1 Gleichgültige Rezitation, großer Mangel an Vertrauen in die Rezitationshandlung, Trägheit und Unfähigkeit zur inneren Vergegenwärtigung führen sicher zum Verlust der Vollendung.

16.YJR.2 Man lasse böswillige Rede und Verleumdung, meide den Umgang mit schlechten Menschen und lasse Zweifel und ähnliche Zustände.

In der Vāyavīya-Saṃhitā heißt es:

16.VJK.1 Mit Turban, engem Obergewand, nackt, mit gelöstem Haar, verhülltem Hals, ohne Reinigungsgras an der Hand, unrein oder plaudernd soll man niemals rezitieren.

16.VJK.2 Auch nicht mit unbedeckten Händen oder verhülltem Kopf, mit von Sorgen verwirrtem Geist, zornig, verwirrt oder hungrig; …

16.VJK.3 … nicht ohne Sitzunterlage, nicht liegend, gehend oder stehend, nicht auf einer Straße, an einem unheilvollen Ort oder in einem dunklen Raum.

16.VJK.4 Auch nicht mit beschuhten Füßen, auf einem Fahrzeug oder Bett, mit ausgestreckten Beinen oder in Uṭkaṭāsana.

Das Kapilapañcarātra sagt:

16.KJU.1 Steht man während Rezitation, Feueropfer oder Verehrung aus Zerstreutheit oder Trägheit auf, so führe man danach die sechs Gliedereinsetzungen erneut aus.

[Die Reinheits- und Kontaktregeln dieses Abschnitts geben die historische Ritualordnung einschließlich ihrer sozialen Ausschlüsse wieder.]

Kuśa-Gras und der Pavitra-Ring

„Ohne Pavitra an der Hand“ bedeutet: ohne Kuśa-Gras. Denn das Wörterbuch nennt Kuśa, Darbha und Pavitra als entsprechende Bezeichnungen. Die Notwendigkeit wird mit dem Kūrmapurāṇa begründet: „Eine Handlung ohne Darbha oder ohne heilige Schnur gehört den Rākṣasas; sie verleiht weder hier noch jenseits Frucht.“ Mit „Schnur“ ist die heilige Opferschnur gemeint.

Auch Viṣṇu sagt: „Gebadet, mit gut gewaschenen Händen und Füßen, rein, mit gebundenem Haarschopf, Darbha in der Hand und nach Ācamana sitze man nach Osten oder Norden gewandt, schweige, meditiere und verehre die Gottheiten.“ Dabei werden links mehrere Kuśa-Halme gehalten, rechts der eigens so bezeichnete Pavitra-Ring.

Zu Beginn der Sandhyā-Handlung sagt Kātyāyana:

16.KDP.1 Mit Kuśa-Gras in der linken Hand vollziehe man Ācamana. Kurze Kuśa-Halme werden für die Ausführung der einzelnen Handlungen verwendet, lange als Barhis-Streu.

16.KDP.2 Darbha wird als Pavitra bezeichnet. Deshalb soll bei Sandhyā und anderen Handlungen die linke Hand ein Bündel halten, die rechte mit einem Pavitra versehen sein.

Savya bedeutet hier links. Auf die Frage nach der Art des Grases und seiner Verwendung rechts antwortet die Unterscheidung: Kurze Halme dienen den einzelnen Verrichtungen etwa beim Pārvaṇa-Ritus und bei den fünf Opfern; lange, Barhis genannte Halme dem Ausbreiten und Umlegen. Bei anderen Handlungen, etwa Sandhyā, werden mehrere Darbha-Halme ohne weitere Besonderheit als Reinigungsmittel gehalten, nicht nur ein einzelner.

Pāraskara, Gobhila und andere sagen: „Kuśa haltend“, „gesammelt, mit Kuśa in der Hand“ und „Man lasse die Hand nicht leer, sondern versehe sie mit Gold, Silber oder Kuśa“. Mangels einer weiteren Einschränkung trägt die linke Hand bei Sandhyā also ein Kuśa-Bündel, die rechte einen Pavitra der beschriebenen Art: „Zwei Kuśa-Blätter mit unversehrter Spitze, ohne eingeschlossenes inneres Blatt, eine Spanne lang: So ist überall ein Pavitra zu verstehen.“

Bei der Auswahl soll man das innere Blatt sowie das zweite und dritte, noch ineinander eingeschlossene Blatt beiseitelassen und das vierte nehmen. [Die botanisch-rituelle Unterscheidung der ineinander liegenden Blätter ist im Wortlaut knapp und nicht völlig eindeutig.]

Laghuhārīta sagt:

16.LHP.1 Bei Rezitation, Feueropfer, Gabe, eigenem Schriftstudium und Sättigung der Ahnen lasse man die Hand nicht leer, sondern versehe sie mit Gold, Silber oder Kuśa.

Gold wird am Ringfinger der rechten Hand getragen. Dazu sagt das Devīpurāṇa im Abschnitt über das Tragen von Gold: „Am Ringfinger der rechten Hand ist es zu tragen.“ Silber wird am Zeigefinger getragen. Kātyāyana erläutert: „Wenn eine Handlung vorgeschrieben wird, ohne das ausführende Körperglied zu nennen, ist bei solchen Handlungen die rechte und nicht die andere Hand zu verstehen.“ Da die Wurzel des Zeigefingers als Ahnen-Tīrtha gilt, hält der Kommentar das Tragen des den Gottheiten zugeordneten Silbers dort für angemessen. Die Gültigkeit dieser Begründung werde durch die anerkannte Praxis gestützt; außerdem steht im Smṛtisamuccaya: „Silber ist am Zeigefinger zu tragen.“

Eine weitere Vorschrift lautet: „Nach links und rechts gewunden, mit einem Brahma-Knoten versehen, soll der Ring nur ein Fingerglied überschreiten, nicht das zweite.“ Daraus wird gefolgert, dass der geknotete Pavitra am mittleren Glied des Ringfingers getragen wird. Śaṅkha sagt: „Während der Handlung versehe man den Ringfinger mit Pavitra. Er soll ein Glied überschreiten, aber nicht das zweite.“

Der Plural in „mit Gold und Silber“ deutet zunächst auf mehrfaches Tragen als Bestandteil der Handlung. Der Kommentar erklärt jedoch, dass die Stoffarten Gold und Silber schon von ihren kleinsten zusammengesetzten Einheiten an vorliegen, ähnlich wie die Stoffart Dickmilch; daher sei der Plural auch mit einem einzelnen getragenen Gegenstand vereinbar.

Im Vāmanapurāṇa heißt es:

16.VMP.1 Verehrung ohne Wasser, eine Ritualhandlung ohne Darbha und ein Feueropfer ohne Butterfett verleihen keine Frucht.

Das Smṛtyarthasāra sagt:

16.SDP.1 Kuśa, Kāśa, Gerste, Dūrvā, Uśīra, Śara, Weizen, Reis, Muñja und Balvaja bilden die zehn Darbha-Arten.

16.SDP.2 Am Neumond des […] Monats sammle man rein die Darbha-Halme. Diese Halme gelten als nicht verbraucht und können wiederholt verwendet werden. [Der Monatsname ist als namo beschädigt.]

16.SDP.3 „Mit Viriñci zusammen entstanden, aus der Schöpfung des Parameṣṭhin hervorgegangen: Vertreibe alle meine Verfehlungen und bringe mir Wohlergehen!“

16.SDP.4 Nachdem man diesen Mantra gesprochen hat, nach Osten oder Norden gewandt, schneide man mit dem Mantra Huṃ Phaṭ einmal ab und nehme die Halme auf.

16.SDP.5 Unbeschädigte Halme mit nicht vertrockneten Spitzen, grün und gut, gelten für die Ahnenhandlungen. Ohne Wurzel werden sie bei Götterhandlungen, Rezitation und Ähnlichem verwendet.

16.SDP.6 Kuśa mit sieben Blättern gilt für Götter- und Ahnenhandlungen als gut. Für die beiden Pavitra-Blätter gelten unversehrte Spitzen, kein eingeschlossenes inneres Blatt und eine Spanne Länge.

16.SDP.7 Der Pavitra des Brahmanen besteht aus vier Darbha-Büscheln; bei jeder folgenden sozialen Gruppe wird der Reihe nach je ein Blatt weggelassen.

16.SDP.8 Für alle ist auch ein aus zwei Halmen geknüpfter Pavitra möglich. Für Befriedungsriten wird er mit drei, für Gedeihensriten mit fünf gefertigt.

16.SDP.9 Für Schadenzauber besteht er aus vier, für […] aus einem. Mit Pavitra oder mit Darbha vollziehe man das zur Handlung gehörende Ācamana. [Die Benennung des Rituals vor „einem“ ist beschädigt; die Vorlage bietet selbst eine unsichere Variante.]

16.SDP.10 Dadurch wird das Gras nicht durch Speisereste unrein; nach einer Mahlzeit verunreinigtes Gras ist dagegen zu meiden. Halme, mit denen Piṇḍa-Gaben niedergelegt, ein Śrāddha oder eine Ahnensättigung vollzogen wurde, …

16.SDP.11 … sowie Darbha bei Stuhlgang, Wasserlassen und ähnlichen Vorgängen werden weggegeben. Auch im Hüftbund befindliche Halme und solche auf dem Opferboden sind zu verwerfen.

16.SDP.12 Mit Darbha in der linken Hand soll man nicht mit der rechten trinken; beim Aufnehmen von Wasser mit einem Tuch oder ähnlichem entsteht dem Trinkenden kein Fehler. [Der genaue Bezug der ersten Verbotsklausel bleibt im knappen Satz unsicher.]

16.SDP.13 Ācamana vollziehe man niemals mit einem Brahma-Knoten und niemals mit Dūrvā. Beim Bad, Feueropfer, bei Rezitation, Gabe, Schriftstudium und Ahnensättigung …

16.SDP.14 … versehe man die Hände mit Pavitra oder Darbha, nicht anders. Fehlt Kuśa, nehme man Kāśa; Kāśa wird dem Kuśa gleichgestellt.

16.SDP.15 Fehlt Kāśa, nehme man andere geeignete Darbha-Arten. Man schneide nicht, solange man nass ist, nicht nachts und nicht in den beiden Dämmerungszeiten.

16.SDP.16 Fehlt Darbha überhaupt, kann man die Handlungen auch mit Gold, Silber oder Kupfer ausführen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Damit genug dieser ausführlichen Erörterung.

Kleidung und Sitzhaltung

Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NJK.1 Soweit jemand ohne Pavitra an der Hand, nackt, mit verhülltem Kopf oder plaudernd rezitiert, soweit gilt die Rezitation als fruchtlos.

Was hier „nackt“ heißt, erläutert Atri:

16.ANK.1 Als nackt gilt, wer schmutzige Kleidung trägt, ebenso wer ein nasses Tuch trägt, doppelte Kleidung oder ein fettiges Tuch.

16.ANK.2 Ebenso, wer zwei eingesteckte Gewandenden hat, wer kein Obergewand trägt und wer tatsächlich unbekleidet ist. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Das Bhaviṣyapurāṇa sagt:

16.BNK.1 Mit zwei eingesteckten Gewandenden, nur mit dem eingesteckten Rest, mit außen hängendem Ende, mit einem eingesteckten Ende oder ohne eingestecktes Ende: So werden fünf Arten des „Nacktseins“ genannt.

Devala sagt: „Auch wer viele Kleider trägt, gilt als nackt; ebenso wer nur einen Lendenschurz trägt.“ [„Nackt“ wird in diesen Zitaten als rituelle Bewertung unterschiedlicher Bekleidungsweisen verwendet; die Listen ergeben keine widerspruchsfreie allgemeine Kleiderregel.]

Kātyāyana sagt:

16.KSP.1 Mit hochgezogenen Füßen soll man weder Gabe, Ācamana, Feueropfer, Mahlzeit, Götterverehrung, Schriftstudium noch Sättigungsdarbringung vollziehen.

16.KSP.2 Wer die Füße auf den Sitz legt und Knie beziehungsweise Unterschenkel in dieser Weise anzieht oder zusammenhält, wird als einer mit hochgezogenen Füßen bezeichnet.

Nach der Nennung dieser Regeln schließt das Mantratantraprakāśa: „All dies gilt bei vorhandener Fähigkeit; wer dazu nicht imstande ist, rezitiere nach seinen Kräften.“

Die Formen der Rezitation

Zur Rezitation sagt Kumbhasambhava:

16.KJA.1 Die beständige Wiederholung des vom Guru empfangenen Mantras, die innere Wiederholung seiner Buchstaben nach vorausgehendem Nyāsa, heißt Japa.

Das Wort aṅga wird im Kommentar als Anrede an Sutīkṣṇa verstanden. Der Satzbezug lautet demnach: Die innere Wiederholung der Buchstaben ist Japa.

Ihre Formen beschreibt die Vāyavīya-Saṃhitā:

16.VJA.1 Japa ist die Wiederholung der Buchstaben, hörbar, flüsternd oder geistig. Wer mit hohen, tiefen und Svarita-Tönen, mit deutlich ausgesprochenen Wörtern und Silben …

16.VJA.2 … das Mantra mit der Stimme ausspricht, vollzieht hörbare Rezitation. Spricht man den Mantra leise und bewegt dabei die Lippen nur wenig, …

16.VJA.3 … sodass er eben noch hörbar ist, heißt dies flüsternde Rezitation. Die allein mit der Zunge ausgeführte Rezitation wird Zungenrezitation genannt.

16.VJA.4 Wer die Lautreihe aus Wörtern, Buchstaben und Tönen im Geist ausspricht und dabei ihren Sinn vergegenwärtigt, vollzieht geistige Rezitation.

16.VJA.5 Laute Rezitation soll Opfer und ähnliche Handlungen um das Zehnfache übertreffen, flüsternde um das Hundertfache und geistige um das Tausendfache.

Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NJA.1 Die hörbare dient allen Handlungen, die flüsternde sämtlichen Vollendungen und die geistige der Befreiung. In jeder Hinsicht soll dabei meditiert werden.

Im Mahābhārata heißt es:

16.MBJ.1 Unter allen Opfern wird das Rezitationsopfer gepriesen. Denn ohne die Lebewesen zu verletzen entsteht seine große Frucht.

16.MBJ.2 Der vorzügliche Zweimalgeborene, der beständig in der Rezitation bleibt, erlangt die Frucht sämtlicher Opfer. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Auch der erhabene Herr sagt: „Unter den Opfern bin ich das Rezitationsopfer.“ Im Padma- und Nāradīya-Purāṇa steht:

16.PNJ.1 Alle rituellen Opfer und alle glühenden Askeseübungen kommen nicht einmal einem Sechzehntel des Rezitationsopfers gleich.

16.PNJ.2 Die Gottheit, die durch Rezitation beständig gepriesen wird, ist erfreut. Erfreut schenkt sie reiche Genüsse und ewige Befreiung.

Die Bhṛgu-Saṃhitā sagt:

16.BSJ.1 Die vier Speiseopfer zusammen mit den vorgeschriebenen Opfern kommen nicht einmal einem Sechzehntel des Rezitationsopfers gleich.

Die Sitzunterlage

Zu den Sitzunterlagen sagt Nārada:

16.NAS.1 Mit Kuśa, Fell und Tuch versehen, vier Fingerbreit hoch, vier Ellen beziehungsweise zwei Ellen messend, sehr fest, weich und rein …

16.NAS.2 … bereite man die Sitzunterlage und beginne darauf die Rezitation. [Die weitere Vershälfte fehlt. Die beiden Längenmaße werden nicht eigens als Länge und Breite bezeichnet.]

Vaiśaṃpāyana sagt:

16.VAS.1 Tigerfell wird für sämtliche Vollendungen genannt, Antilopenfell für die Vollendung der Erkenntnis; eine Stoffunterlage beseitigt Krankheit, eine aus Rohrgeflecht mehrt Wohlstand.

Eine seidene gilt als förderlich für das Gedeihen, eine Wolldecke als Befreierin von Leiden.

Mit „Stoff“ ist hier nach dem Kommentar Wollstoff gemeint, da die nachfolgende Aussage des Brahmayāmala eine bloße Stoffunterlage beanstandet. Das Uttaratantra sagt: „Unter den Stoffen ist die Wolldecke die vorzüglichste Sitzunterlage zur Freude der Gottheit.“ Bhṛgu sagt:

16.BAS.1 Für wunschorientierte Ziele nehme man eine Wolldecke; eine rote Wolldecke gewährt das Erwünschte. Auf einer Unterlage aus Tuch, Fell und Kuśa werden Dharma, Wohlstand, Genuss und Befreiung erlangt.

Im Brahmayāmala heißt es:

16.BYA.1 Weiße und rote Wolldecken, bunte, blaue und gelbe, Tigerfell und Antilopenfell sowie andere verschiedenartige Sitzunterlagen …

[Die Aussage endet hier ohne vollständiges Prädikat.]

Ausgeschlossene Sitzunterlagen

Das Sārasaṃgraha sagt:

16.SSA.1 Eine Unterlage aus Bambus, Ziegeln, Stein, bloßer Erde, Gras oder Blättern soll der Mantrakenner meiden; sie wird als Armut, Krankheit und Leiden bringend bezeichnet.

16.SSA.2 Ein nicht eingeweihter Haushälter setze sich niemals auf das Fell einer schwarzen Antilope. Ein Entsagender, Waldbewohner, Brahmacārin oder Absolvent der Schülerzeit darf darauf sitzen.

Das Brahmayāmala sagt:

16.BNA.1 Gras, Blätter, Holz, Stein, Lehm, Bambus, bloßer Stoff und bloßer Erdboden: …

16.BNA.2 … diese acht Arten von Sitzunterlagen soll man meiden, o Göttin. Auf einer Grasunterlage entsteht Krankheit, auf Blättern Verwirrung des Geistes.

16.BNA.3 Auf Stein entsteht Vertreibung, auf einer Lehmunterlage Fieber; der bloße Erdboden bringt Bedrängnis, Verfehlung, Ausschläge und Leiden.

16.BNA.4 Auf Bambus wird man arm, auf bloßem Stoff verliert man seine Stellung; Sorgen, großer Verlust, Vertreibung und verschiedene Fieber …

16.BNA.5 … Trauer, stechende Schmerzen und andere Krankheiten sowie Tod werden der Holzunterlage zugeschrieben. So meide man, o Göttin, bei allen Handlungen diese acht Unterlagen.

[Die Krankheits- und Unheilszuordnungen sind traditionelle Wirkungsbehauptungen des Textes. Der allgemeine Ausschluss von Gras steht neben der zuvor empfohlenen Kuśa-Unterlage; eine nähere Abgrenzung wird hier nicht gegeben.]

Der Vorbereitungstag und der Beginn

Zu den Handlungen am Tag vor Beginn der Rezitation sagt das Trailokyasammohana-Tantra:

16.TVB.1 Zu einer günstigen Stunde, unter einem günstigen Mondhaus und zu einer reinen Zeit beginne man, seinen Gelübden treu, nach Empfang der Erlaubnis des Gurus die Handlung.

Sanatkumāra sagt:

16.SVB.1a Nun erläutere ich das vorzügliche Puraścaraṇa des Mantras. Nachdem man regelgerecht die Weihe erhalten und den Mantra aus dem Mund des Gurus empfangen hat, …

16.SVB.1b … bade man vorschriftsgemäß zu einer günstigen Stunde, unter einem günstigen Mondhaus und an einem günstigen Mondtag. Man stelle die Brahmanen angemessen mit Speisen, Kleidung und weiteren Gaben zufrieden.

16.SVB.2 Den eigenen Guru erfreue man mit Land, Vermögen, Kleidung, Schmuck und anderen Gaben. Danach beginne man die Rezitation, seiner Erlaubnis folgend.

[Die Vorlage enthält eine über mehrere Zeilen reichende Klammer und führt zweimal die Versnummer 1; beide Textvorkommen sind erhalten.]

Im zuerst genannten Tantra heißt es: „Nach der Verehrung der Feldhüter bringe man regelgerecht eine Bali-Gabe dar.“ Der Mantra dieser Gabe wird so angegeben:

16.TBM.1 Zuerst zweimal „Ehi“, danach […] zweimal „Muru“, dann zweimal „Mañjaya“ und ebenso zweimal „Tarjaya“ …

16.TBM.2 … dann zweimal das Wort „Vighna“, darauf „Mahābhairava“, „Kṣetrapāla“, „Baliṃ“, zweimal „Gṛhṇa“ und die Schöne des Feuers, also Svāhā.

16.TBM.3 Dies wird als der Bali-Mantra gelehrt, der die Frucht aller Wünsche verleiht. Ebenso bringe man mit ihm eine Gabe für das Gefolge dar.

[Mehrere Wörter der verschlüsselten Mantraangabe sind unsicher. Der Verfasser kündigt die ausgeschriebene Formel für den praktischen Ablauf an; hier wird keine abweichende Formel ergänzt.]

Danach ist Fasten vorgesehen. Zum Beginn der Rezitation sagt das Mahākapilapañcarātra:

16.MKB.1 Unter solchen Mondhäusern, Mondtagen, Karaṇas, Yogas und Wochentagen bringen die Mantraunterweisung durch den Guru und die Praxis Glück.

Für Einweihung und Puraścaraṇa gelten demnach dieselben Mondhäuser und weiteren Zeitbestimmungen. Nach der zuvor erläuterten Prüfung wähle man eine geeignete Zeit und beginne.

Das Dakṣiṇāmūrtikalpa sagt:

16.DKB.1 Der kundige, vorzügliche Übende praktiziere in der hellen Monatshälfte. Zu günstiger Stunde, unter günstigem Mondhaus und an günstigem Mondtag bade er regelgerecht …

… und verneige sich vor Guru, Gaṇeśa, Durgā und den Mātṛkās.

Kumbhasambhava sagt: „Danach fasse man den Vorsatz und vollziehe das Puraścaraṇa ehrerbietig.“ Das Nāradīya sagt: „Der Kundige fasse seinen Vorsatz nach vorausgehenden Segensworten.“ Devala sagt:

16.DSA.1 Ohne die Morgenmahlzeit gegessen zu haben, gebadet und nach Ācamana, teile man gesammelt den Sonnengöttern und den weiteren Gottheiten den Vorsatz mit und nehme am Morgen das Gelübde auf sich.

Der Satzbezug lautet: Am Morgen soll man das Gelübde beginnen. Das Gelübde ist der Vorsatz einer verbindlichen Regel für die eigene Aufgabe. Kumbhasambhava sagt:

16.KSA.1 Das Übernehmen einer Regel für die gesamte auszuführende Aufgabe ist ein Gelübde. Ohne eine solche Regel bleibt alles ohne Frucht.

Aus der ausdrücklichen Formulierung „ohne die Morgenmahlzeit gegessen zu haben“ folgert der Kommentar, dass am Vortag eine Mahlzeit erlaubt ist. Wer nicht vollständig fasten kann, halte sich also an eine einzige Mahlzeit. Die Mitteilung an Sonne und weitere Gottheiten erfolgt mit der im Matsyapurāṇa genannten Reihe „Sūrya, Soma …“. Diese Verse werden später beim praktischen Ablauf angegeben.

Das Mahābhārata sagt:

16.MSA.1 Mit einem wassergefüllten Gefäß aus Udumbara-Holz, nach Norden gewandt, nehme der Kundige das Fastengelübde auf sich und fasse so seinen Vorsatz.

Die Nordausrichtung gilt für das Übernehmen der Regel. „Den Vorsatz fassen“ bedeutet, sich im Geist zu verpflichten. Gautama sagt entsprechend: „Mit der Hand zwischen den Knien, mit Wasser samt Kuśa, auf das Ergebnis gerichtet …“ Kumbhasambhava sagt: „Für die Wunschlosen entsteht eben hierdurch unmittelbare Schau.“ Gemeint ist durch dieses Puraścaraṇa die Schau der erwählten Gottheit.

Der Wortlaut des Vorsatzes

Hārīta sagt: „Im Geist fasst man den Vorsatz, mit der Stimme spricht man ihn aus und durch die Handlung verwirklicht man ihn.“ Entsprechend sagt die Śruti: „Was der Mensch im Geist erfasst, spricht er mit der Stimme aus; was er ausspricht, tut er durch die Handlung.“ Daraus folgt zunächst, dass das innerlich Erfasste genau in der innerlich gemeinten Weise auszusprechen ist. Man könnte daher meinen, es genüge, nur Ergebnis und Handlung zu nennen: „Ich, der dieses Ziel wünscht, habe diese Handlung zu vollziehen.“ Dennoch sind auch Monat und weitere Zeitangaben zu nennen.

Das Brahmāṇḍapurāṇa sagt: „Wer Monate, Monatshälften, Mondtage und Anlässe nicht in jeder Hinsicht bezeichnet, erhält keinen Anteil an der Frucht.“ „In jeder Hinsicht“ bedeutet allgemein und besonders. Allgemein werden „Monat“, „Monatshälfte“ und „Mondtag“ genannt, besonders etwa „Kārttika“, „helle Hälfte“ und „erster Mondtag“. Bei den Weisen begegnen entsprechend Formulierungen wie „in diesem Monat, in der hellen Hälfte“.

Auch die Anlässe, insbesondere Ort und Zeit, sind allgemein und besonders zu bezeichnen. Allgemein nennt man Bhāratavarṣa, da es als Voraussetzung für den Ertrag aller Handlungen gilt. Dazu sagt das Viṣṇupurāṇa: „Von hier aus wird der Himmel erreicht, von hier aus geht man zur Befreiung; von hier aus gelangt der Mensch, o Weiser, auch zum Tierdasein oder in die Hölle. Anderswo wird für die Sterblichen kein Feld der Handlung bestimmt.“ Besonders nennt man etwa Kāśī. Die Zeit wird allgemein mit „heute“, besonders etwa mit „bei der Sonnenfinsternis“ bezeichnet.

Der Einwand, dadurch müssten Monate und weitere Angaben zweimal als Anlass genannt werden, wird zurückgewiesen: Nach dem Grundsatz unterschiedlicher Beziehungen kann eine einzige Nennung beide Funktionen erfüllen. Gerade das Unterlassen der ausgesprochenen Bezeichnung wird als Ursache des Ausbleibens der Frucht genannt.

Daher lautet die Formel im Śrāddha-Abschnitt des Garuḍapurāṇa etwa: „Oṃ, heute an diesem Ort, in diesem Monat, in dieser Monatshälfte, an diesem Mondtag, während die Sonne in diesem Tierkreiszeichen steht …“ Das Agnipurāṇa nennt: „Heute bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis, einem Sonnenübergang oder einem entsprechenden Anlass, an einer guten Pilgerstätte …“ Ferner: „Wenn die Sonne im Steinbock steht, im Monat Māgha, zur reinen Morgenzeit, verleiht ein Bad selbst in Wasser von der Tiefe eines Kuhhufabdrucks den Himmel, auch Sündern.“ Auch das Padmapurāṇa verwendet in einer Vorschrift die Bestimmung „bei der Sonne im Steinbock, im Māgha“. Entsprechendes begegnet in anderen Vorschriften.

Als Ergebnis gilt hier die Mantravollendung, denn zuvor wurde gesagt: „Mantravollendung für jene, die Wünsche haben.“ Man soll aber nicht ausschließlich eine diesseitige Mantravollendung aussprechen, weil nach der angeführten Nārada-Aussage beide Arten der Vollendung Ergebnisse des Puraścaraṇa sein können.

Kumbhasambhava definiert: „Tägliche Verehrung zu den drei Tageszeiten, Rezitation und Sättigungsdarbringung, Feueropfer und Speisung von Brahmanen heißen Puraścaraṇa.“ Weil also gerade diese Handlungen unter dem Wort Puraścaraṇa zusammengefasst werden, spreche man: „Ich werde das Puraścaraṇa vollziehen.“

Dass dieses Vorhaben lange dauert, macht die Formulierung „Heute, an diesem Mondtag, werde ich das Puraścaraṇa vollziehen“ nicht unpassend. Die Wurzel „tun“ bezeichnet Handeln überhaupt. Wenn am gegenwärtigen Mondtag irgendein zugehöriger Handlungsteil ausgeführt wird, ist damit die Zuordnung einer Handlung zu diesem Tag erfüllt. So kann man sagen: „Von heute an werde ich die Rezitation vollziehen.“ Danach wird die begonnene Rezitation auch durch später eintretende rituelle Unreinheit nicht aufgehoben.

Fortsetzung einer begonnenen Praxis

Viṣṇu sagt:

16.VSU.1 Bei Opfer, Gelübde, Hochzeit, Ahnenopfer, Feueropfer, Verehrung und Rezitation gilt nach dem Beginn keine durch Geburt bedingte Unreinheit; vor dem Beginn gilt sie.

16.VSU.2 Beim Opfer ist die Wahl der ausführenden Priester der Beginn, beim Gelübde und bei der Rezitation der Vorsatz, bei Hochzeit und ähnlichen Anlässen das Nāndīmukha-Ritual, beim Ahnenopfer die Vorbereitung des Kochens.

Tatsächlich wird nach dem Verfasser für tantrisch Eingeweihte bei Eintritt ritueller Unreinheit nicht einmal die tägliche Verehrung aufgehoben. Das Devīyāmala sagt: „Eingeweihte Menschen sollen Rezitation und Götterverehrung ausführen; denn für diese Selbstbeherrschten besteht weder Verfehlung noch Geburtsunreinheit.“ Das Mṛḍānītantra sagt: „Auch bei Geburt, Tod, Rauchaufstoßen und Ähnlichem vollziehe man Rezitation, Verehrung und die weiteren Handlungen nach vorausgehendem Mantranyāsa.“

Das Viṣṇuyāmala sagt: „Wer in die Verehrung Śivas oder Viṣṇus eingeweiht ist oder ein Opferfeuer übernommen hat, ebenso Brahmacārins und Entsagende: An ihrem Körper besteht keine Geburtsunreinheit.“ Das Nāradapañcarātra sagt: „Bei Geburt und Tod entsteht für den, der beständig von Viṣṇu erfüllt ist und seine Praxis ausführt, o vorzüglicher Brahmane, sofortige Reinheit.“ Parāśara sagt: „Bei der Gottesverehrung entsteht für die Brahmanen Reinheit der Glieder.“

Aus der ausdrücklichen Nennung der Brahmanen leitet der Kommentar zunächst ab, dass Kṣatriyas und andere dieses Recht nicht hätten. Er führt ein Viṣṇu-Wort an: „Vom Brahmanen allein bin ich zu verehren, sei er rein oder unrein; die Berührung durch Frauen, Śūdras […] ist schwerer zu ertragen als ein Donnerschlag.“ [Das Zitat ist in der Vorlage verkürzt.]

Daneben wird Śiva angeführt: „Vom Brahmanen nehme ich die Verehrung stets an, sei er rein oder unrein; vom Śūdra dagegen, wenn er seinem vorgeschriebenen Verhalten folgt.“ Das Liṅgapurāṇa sagt: „Man esse niemals, ohne das Śiva-Liṅga verehrt zu haben, Maheśvarī. Auch bei Geburt und Tod darf die Śiva-Verehrung nicht aufgegeben werden.“ Der Ausdruck Śūdra wird hier als stellvertretend für die übrigen nichtbrahmanischen Gruppen erklärt, da der Brahmane bereits gesondert genannt wurde.

[Die Begründung enthält ausdrücklich diskriminierende Aussagen über soziale Gruppen und Frauen. Diese gehören zur historischen Quellenargumentation.]

Dies gilt nach dem Kommentar für die tantrische Verehrung; für die fünf Opfer und ähnliche Handlungen bestehe dagegen keine entsprechende allgemeine Befugnis. Zugleich wird Gautama zitiert: „Für Agnihotra und ähnliche Handlungen gilt eine zeitweilige Reinheit. Man vollziehe die fünf Opfer; danach ist man wieder unrein.“ „Zeitweilig“ bedeutet: solange die betreffende Handlung dauert.

Für anlassbezogene und wunschorientierte Verehrung besteht während solcher Unreinheit auch für tantrisch Praktizierende keine Befugnis. Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NSU.1 Wenn bei Geburt oder Tod die Unreinheitszeit besteht, o Nārada, und jemand aus Wunsch einen Mantra in einem Befriedungsritus oder einer ähnlichen Handlung verehrt, …

16.NSU.2 … rezitiere der Mantrakenner hingebungsvoll fünfhundertmal den Siṃha-Mantra. Geschah es ohne Wunsch, rezitiere er als Ausgleich dreihundertmal.

„Ohne Wunsch“ bedeutet hier: bei einer anlassbezogenen Verehrung.

Die tägliche Folge der Rezitation

Die Vāyavīya-Saṃhitā sagt:

16.VTJ.1 Unter Beschränkung auf eine Mahlzeit vollziehe man zur Vollendung des Puraścaraṇa die genannte Zahl von Wiederholungen, weder schleppend noch hastig.

16.VTJ.2 Die Einheit von Gottheit, Guru und Mantra im Geist vergegenwärtigend, rezitiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit vom Morgen bis zum Mittag.

16.VTJ.3 Mit welcher Zahl man begonnen hat, diese erfülle man Tag für Tag. Wer weniger oder mehr ausführt, fällt nach dieser Regel aus seinem Gelübde.

Auch das Phetkāriṇītantra schreibt ausdrücklich die Tageszeit vor: „Am Tage rezitiere man; dies ist die Puraścaraṇa-Regel.“ Kumbhasambhava untersagt entsprechend nächtliche Rezitation. Wenn Störungen durch Ort, Zeit oder andere Umstände zu erwarten sind, darf die Rezitation bis zum vierten Zeitabschnitt ausgedehnt werden. Der fünfte wird im Matsyapurāṇa getadelt: „Diese Zeit heißt die rākṣasische und wird bei allen Handlungen verworfen.“ Mit Muhūrta ist hier ein Teil des Tages gemeint; ausgeschlossen wird also das fünfte Tagesfünftel.

Im Piṅgalāmata heißt es:

16.PTJ.1 Auch ein als Susiddha eingestufter Mantra ist nicht günstig, wenn über ihn nicht meditiert und er nicht verehrt wird; unrezitiert will er keine Vollendung schenken, ohne Feueropfer verleiht er keine Frucht.

16.PTJ.2 Darum vollziehe der Sādhaka täglich die vier Handlungen Verehrung, Meditation, Rezitation und Feueropfer, wenn er selbst Vollendung wünscht.

16.PTJ.3 Am Ende der Rezitation meditiere man über Śiva, am Ende der Meditation rezitiere man erneut. Der Mantrakenner, der Rezitation und Meditation verbindet, gelangt rasch zur Vollendung.

Nārada sagt:

16.NTH.1 Nach Vollendung der Zahl bringe man gesammelt mit den eigenen zugehörigen Opferstoffen ein Zehntel der Rezitationszahl in der vorgeschriebenen Feuergrube regelgerecht dar.

Oder man rezitiere täglich dieselbe Zahl wie zuvor und bringe ein Zehntel davon ins Feuer dar. [Die zweite Satzhälfte steht in der Vorlage als ergänzende Klammerlesung.]

Vaiśaṃpāyana sagt:

16.VNT.1 Die Regel der Ununterbrochenheit ist vorgeschrieben: Man überspringe keinen Tag. Wenn ein Tag ausgelassen wird, entsteht für den Menschen keine Mantravollendung.

16.VNT.2 Wie oft man am vorhergehenden Tag rezitiert hat, ebenso oft rezitiere man am nächsten; andernfalls wird die Vollendung behindert.

Gautama sagt:

16.GAT.1 Am Anfang und Ende von Meditation, Verehrung und Rezitation sind jeweils drei durch die Nasenöffnungen geführte Atemregelungen vorgeschrieben.

Verehrung der Kette und innere Sammlung

Das Uttaratantra sagt:

16.UTB.1 Zu Beginn der Rezitation verehre man die Kette, nachdem man sie sorgfältig mit Wasser besprengt und in das Maṇḍala gelegt oder in die linke Hand genommen hat.

16.UTB.2 Die Besprengung der Kette wird mit dem Mantra der erwählten Gottheit gelehrt. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

16.MAG.1 „Oṃ Māṃ! O Kette, große Māyā, Gestalt sämtlicher Kräfte! In dir ruhen die vier Lebensziele; darum verleihe mir Vollendung.“

16.MAG.2 Nach dieser Verehrung nehme man die Kette in die rechte Hand. Zuerst spreche man das Bīja Gaṇapatis, danach …

16.MAG.3 … „Mache die Handlung hindernisfrei, o Kette!“ Mit dieser Formel nehme man sie auf. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Der Zusammenhang ist: Man legt die Kette ins Maṇḍala oder hält sie links, besprengt und verehrt sie. Ferner heißt es:

16.ISJ.1 Danach beginne man die Rezitation, in der zuvor beschriebenen Meditation verweilend, die Kette in der Hand und Śivā im Geist vergegenwärtigend.

16.ISJ.2 Man stelle sich den Guru auf dem Kopf in der entsprechenden Farbe und Gestalt vor und meditiere über den Mantra am Hals, gelb und golden.

16.ISJ.3 Mahāmāyā stelle man sich im Herzen vor, sich selbst an den Füßen des Gurus; danach im Ājñācakra Guru, Mantra, sich selbst …

16.ISJ.4 … und die Göttin in Einheit. Diese eine Gestalt der Wirklichkeit führe man dann auf dem Weg der Suṣumnā zum folgenden Cakra. [Der Bezug des Cakra-Ausdrucks ist im Vers knapp und nicht vollständig eindeutig.]

16.ISJ.5 Auch im Sechser-Cakra meditiere man einen Augenblick sorgsam über Mahāmāyā; mit dem Grundmantra führe man sie zum ursprünglichen Sechzehner-Cakra.

16.ISJ.6 Die im ursprünglichen Sechzehner-Cakra weilende, den Sādhakas Freude schenkende Göttin vergegenwärtigend, beginne der Sādhaka die Rezitation, o Göttin.

16.ISJ.7 Oberhalb der Augenbrauen wird das Ende der drei Nāḍīs angegeben. Dort liegt der Ort der drei Wege, sechseckig und vier Fingerbreit groß.

16.ISJ.8 Er ist rot und wird von den Kennern des Kula-Yoga als Ājñācakra bezeichnet. Im Hals befindet sich beim Menschen die Umschlingung der drei Nāḍīs.

16.ISJ.9 Dieser Ort von Suṣumnā, Iḍā und Piṅgalā ist sechseckig und sechs Fingerbreit groß. Er heißt Sechser-Cakra, ist weiß und liegt in der Mitte des Halses.

16.ISJ.10 Im Herzen vereinigen sich die drei Nāḍīs. Dieser Ort hat sechzehn Speichen und misst sieben Fingerbreit.

16.ISJ.11 Die Yogakenner nennen ihn gelb und das ursprüngliche Sechzehner-Cakra. Weil für das Vergegenwärtigen der Meditationsgestalten und Mantras sowie für die Rezitation …

16.ISJ.12 … das Herz der ursprüngliche Ort ist, heißt er „ursprünglich“. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Diese Cakra-Beschreibung wird in ihrer eigenen Form wiedergegeben; sie wird nicht an verbreitete andere Cakra-Systeme angepasst.]

Daraus folgt nach dem Kommentar das Aussprechen von Oṃ. Derselbe Text sagt:

16.SET.1 Wie Wasser ohne Damm augenblicklich in die Tiefe fließt, so entweicht der Mantra der Opfernden augenblicklich, wenn er ohne Damm ist.

16.SET.2 Darum sollen die Menschen der vier sozialen Gruppen und die Zweimalgeborenen bei allen Mantras an beiden Seiten den Damm setzen und dann die Rezitation beginnen.

Die grammatisch singularische Form „beginne“ wird hier als vedisch-poetische Form für den Plural „sollen beginnen“ erklärt. Der Damm der Mantras ist Oṃ. Für Śūdras wird als Damm hingegen der vierzehnte Vokal, Au, zusammen mit Anusvāra und Halbmond genannt. [Die soziale Unterscheidung gehört zur Ritualordnung der Quelle.]

Die zuvor genannte Śivā steht stellvertretend für die eigene erwählte Gottheit, denn der Text erklärt selbst, dass die Vorschrift zu allen Verehrungen passt.

Das Führen der Kette

Ferner heißt es:

16.MHF.1 Nach der Verehrung nehme man die Kette in die rechte Hand und lege sie auf den mittleren Bereich des Mittelfingers, unter Ausschluss des Zeigefingers.

16.MHF.2 Der Mittelfinger sei mit Ringfinger und kleinem Finger verbunden und leicht gebeugt. Dort lege man die Kette auf und erfasse mit der Daumenspitze …

16.MHF.3 … jede einzelne Perle, wobei die Hand oberhalb des Schoßes bleibt, Bhairava. Bei jeder Perle spreche man den Mantra leise, ohne die Lippen zu bewegen.

16.MHF.4 Die jeweils zu rezitierende Kettenperle berühre man nicht zugleich mit einer anderen durch die zuvor zur Rezitation verwendete Daumenspitze, Bhairava.

16.MHF.5 Wer beim Rezitieren an der vorherigen Perle mit dem Daumen bereits die nächste berührt, dessen Rezitation bleibt nach dieser Regel fruchtlos.

16.MHF.6 Die Kette mit der rechten Hand nahe dem Herzen haltend, rezitiere man und vergegenwärtige sich die Göttin. Mit der linken Hand berühre man sie nicht.

„Oberhalb des Schoßes“ bezieht sich auf die Daumenspitze beziehungsweise ihre Lage. Mit „Kettensamen“ ist die betreffende Perle gemeint.

Im Śaiva-Āgama heißt es:

16.ŚHK.1 Man berühre den Faden nicht mit dem Zeigefinger, lasse die Kette nicht zittern und schüttle sie nicht. Man berühre sie nicht mit der linken Hand und lasse sie nicht aus der Hand fallen.

16.ŚHK.2 Beim Bewegen der Perlen berühre der Daumen keine andere Perle. Während der Rezitation überschreite der Kundige niemals den Meru.

16.ŚHK.3 Beim Wenden lasse man die Perlen nicht gegeneinanderschlagen. Klappern bringt Streit; beim Schwingen der Kette wird der Geist unruhig.

16.ŚHK.4 Beim Herabgleiten entsteht Feindschaft, beim Springen Krankheit, beim Fallen aus der Hand ein großes Hindernis und beim Reißen des Fadens Untergang.

„Herabgleiten“ bedeutet hier: vom Mittelfinger auf einen anderen Finger geraten. „Springen“ bezieht sich auf eine Perle. Das Reißen des Fadens schließt auch das Reißen eines Teilfadens ein.

Weitere Regeln lauten:

16.KHA.1 Beim Husten, Niesen oder Gähnen lasse man eine Wiederholung ungezählt; ebenso bei versehentlicher Berührung mit dem Zeigefinger.

16.KHA.2 Bei einer verbotenen Berührung während der Rezitation wasche man die Kette und rezitiere erneut. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Mit „Wiederholung“ ist eine Wiederholung des Mantras gemeint. Das Yoginītantra sagt:

16.YME.1 Bei allen Ketten wird der Meru seitlich angebracht. Man berühre ihn niemals; bei Berührung wiederhole man den Durchgang.

„Nicht berühren“ wird als „nicht mit dem Zeigefinger berühren“ verstanden, weil überall gerade dessen Berührung untersagt ist und sich die Berührung durch andere Finger nicht vermeiden lässt.

Das Mahākapilapañcarātra sagt:

16.MKA.1 Mit einheitlich gesammeltem Geist, innerlich ruhig, rein und mit der Gebetskette in der Hand, den Hals leicht gebeugt und den Körper aufgerichtet, friedlich, ohne Kratzen und ohne Öffnen der Augen …

16.MKA.2 … rezitiere der Verständige den Mantra der Reihe nach, deutlich, mit Visarga, den richtigen Lautlängen, Bindu und allen Buchstaben, weder hastig noch mit Unterbrechungen.

Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NLA.1 Von Buchstabe zu Buchstabe frei von allen Fehlern, nicht allzu langsam und mit deutlicher Wortbildung …

16.NLA.2 … ohne Zerstreuung des Geistes und mit höchster Aufmerksamkeit vollziehe man die Rezitation, o Brahmane, und bringe sie danach wie ein Opfer dar.

Darbringung der Rezitation

Das Yoginītantra sagt:

16.YJE.1 Nach hundertacht Wiederholungen oder am Ende der Rezitation lege man die Kette auf den Kopf: „Du, o Kette, erfreust alle Götter und bringst mir Gutes.

16.YJE.2 Schenke mir stets Heil, Ruhm und Kraft, du Gute!“ Puṣkara, mit dem Feuer-Bīja verbunden und mit dem ganz Feinen versehen, …

16.YJE.3 … zusammen mit Raum und Mond, danach „Siddhyai“ und das Herz: Dies wird als der fünfsilbige Mantra der Kette gelehrt.

16.YJE.4 Beim Aufnehmen, Niederlegen und Verehren soll man ihn verwenden. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Puṣkara bedeutet Ha, das Feuer Ra, das „ganz Feine“ Ī. Raum und Mond stehen für Bindu und Halbmond. Darauf folgen siddhyai und das mit „Herz“ bezeichnete namaḥ. [Die ausgeschriebene Formel ergibt sich daraus als hrīṃ siddhyai namaḥ; sie ist hier aus der unmittelbar folgenden Erläuterung erschlossen.]

Das Phetkāriṇītantra sagt: „Nach der Rezitation nach Kräften vollziehe man drei Atemregelungen.“ Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NJE.1 Dann rezitiere man nach Kräften zehntausendmal oder in entsprechender Zahl. Diese Rezitation bringe man dem Herrn mit Wort, Handlung und Geist dar.

16.NJE.2 „Lotosäugiger, Seele des Alls, Verkörperung des Mantras, Janārdana! Nimm diese Rezitation von mir Hilfsbedürftigem an, o Herr, Ewiger!“

16.NJE.3 Nach diesen Worten lege man Arghya-Wasser auf eine Blume, halte sie in der rechten Hand und lege sie mit dem Grundmantra vor Viṣṇu nieder, o Nārada.

Der erhabene Viṣṇu, dessen Wesen der Mantra ist, soll dann bald Vollendung gewähren.

Für Śiva und andere Gottheiten sagt Somaśambhu:

16.SJE.1 Man vollziehe eine der Formen geistiger, flüsternder oder hörbarer Rezitation und rezitiere den Grundmantra achthundertmal, weder hastig noch langsam. [Die Vorlage liest aṣṭaśata, achthundert; dies wird nicht zu hundertacht geändert.]

16.SJE.2 „Du bist der Hüter des Geheimsten der Geheimnisse. Nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Möge mir durch deine Gnade, o Gott, die in dir gegründete Vollendung zuteilwerden.“

16.SJE.3 Der nach Genuss Strebende spreche diesen Vers und bringe die Rezitation mit der rechten Hand und mit durch den Grundmantra geweihtem Arghya-Wasser Śambhu in dessen Gaben gewährende Hand dar.

Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NJT.1 Nach der Verehrung rezitiere man zwei Praharas lang. Danach bade der Vorschriftenkundige wie zuvor, mit besonderer Sorgfalt.

16.NJT.2 Er vollziehe sämtliche zuvor beschriebenen Handlungen bis zum Nyāsa und weiter bis zu Verehrung und Feueropfer. Dann beginne er erneut die Rezitation.

16.NJT.3 Bis zum Tagesende rezitiere er; dann bade der Zweimalgeborene wieder, vollziehe wie zuvor die Sandhyā und verehre die Gottheit erneut.

16.NJT.4 Nach der Verabschiedung der Gottheit nehme man stets beim Aufgehen der Sterne die Mahlzeit ein. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Der Satzbezug ist: Nach der Sandhyā verehre man die Gottheit wie zuvor.

Speisen während der Übungszeit

Nun folgen zu meidende und nicht zu meidende Speisen. Das Trailokyasaṃmohana-Tantra sagt:

16.TSP.1 Von Bettelspeise oder opfergeeigneter Speise, von Gemüse, Wurzeln und Früchten lebend oder ein Milchgelübde einhaltend, rezitiere man geregelt und mit einspitzigem Geist.

Welche Bettelspeise gemeint ist, erläutert Kumbhasambhava:

16.KBS.1 Man lebe von Bettelspeise aus dem Haus vedischem Verhalten treuer, reiner, wohlhabender und rechtschaffener Brahmanen, die aus guter Familie und Herkunft stammen.

Nārada sagt:

16.NSP.1 Opferbrei, Wurzeln, Früchte, Milch, Dickmilch, erbettelte Speise und geröstetes Getreidemehl: Diese sieben Arten gelten als reine Gelübdenahrung.

Kapila sagt:

16.KSPe.1 Gerstenzubereitung, dünner Getreidebrei, Gemüse, Milch, Bettelspeise und opfergeeignete Nahrung: Bei der Mantrapraxis gilt jeweils die zuvor genannte als vorzüglicher.

Kumbhasambhava beschreibt die opfergeeignete Nahrung:

16.KHAh.1 Weiße Winterernte einer einzigen Sorte, Asketenreis, aus eigenem Bestand zubereitet, nicht von einem Śūdra bearbeitet, nicht mit den Füßen […] und nicht durch […] geschlagen. [Die Ausdrücke zur Getreidebearbeitung am Versende sind beschädigt.]

16.KHAh.2 Dickmilch, Milch und geklärtes Butterfett von der Kuh, Zuckerrohrerzeugnisse außer Rohzucker, Sesam, weiße Mungbohnen und Knollen außer Kemuka, …

16.KHAh.3 … Kokosnuss, Banane, Lavalī, Mango, Āmalaka, Jackfrucht und Harītakī …

16.KHAh.4 … sowie das bei anderen Gelübden Gepriesene betrachtet der Kundige als opfergeeignete Nahrung. Was nicht zur Viṣṇu-Verehrung passt, nicht rechtmäßig erhältlich ist oder bei anderen Gelübden nicht gepriesen wird, …

16.KHAh.5 … all dies meide man hier, wenn man Vollendung wünscht. Man esse leichte, wohlschmeckende und bekömmliche Nahrung, sei bescheiden und innerlich ruhig.

„Asketenreis“ bedeutet Nīvāra, Wildreis. Śātātapa sagt:

16.ŚHA.1 Weißer Winterreis, nicht vorgekocht, Śāli-Reis, Mungbohnen, Sesam, Gerste, Kalāya-Erbsen, Kaṅgu-Hirse, Nīvāra, Vāstūka und Hilamocakā, …

16.ŚHA.2 … Sechzig-Tage-Reis, Kālaśāka, Rettich, Knollen außer Kemuka, Steinsalz und Meersalz sowie Dickmilch und Butterfett von der Kuh, …

16.ŚHA.3 … Milch, deren Rahm nicht abgenommen wurde, Jackfrucht, Mango, Harītakī, langer Pfeffer, Kreuzkümmel, Nāgaraṅga und Tintiṇī, …

16.ŚHA.4 … Banane, Lavalī und Āmalaka-Früchte sowie Zuckerrohrerzeugnisse außer Rohzucker: Ohne Öl gekocht nennen die Weisen dies opfergeeignete Nahrung.

Obwohl Rettich hier zu dieser Nahrung zählt, wird er für Vaiṣṇavas ausgeschlossen. Das Viṣṇuyāmala sagt:

16.VHR.1 Wo Fleisch, Alkohol, Aubergine und Rettich dargebracht werden, dort besteht keine ausschließliche Liebe zu Hari.

Ausgeschlossene Speisen und förderliche Haltungen

Zu den Ausschlüssen sagt Kumbhasambhava:

16.KNS.1 Salz, Fleisch, Laugen beziehungsweise alkalische Stoffe, Honig, andere Säfte oder Geschmacksstoffe, Māṣa-Bohnen, Mungbohnen, Linsen und ähnliche Hülsenfrüchte, Kodrava-Hirse und Kichererbsen.

Nach dem Kommentar sind „alkalisch“ und „Salz“ zusammenzulesen; mit Mungbohnen seien weiße gemeint. [Diese Auslegung widerspricht der vorherigen Zulassung weißer Mungbohnen; die verschiedenen Aussagen bleiben erhalten.]

Das Uttaratantra nennt:

16.UNS.1 Vorgekochtes, Salz, Fleisch, Gṛñjana, das Essen aus Bronze, Māṣa-Bohnen, Straucherbsen, Linsen, Kodrava-Hirse und Kichererbsen, …

16.UNS.2 … Betel, zweimaliges Essen, schlechte Gespräche und Unachtsamkeit. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

All dies soll gemieden werden. Das Brahmayāmala sagt:

16.BMS.1 Durch sechs Dinge wird der Mantra vollkommen: Entschlossenheit, Begeisterung, Ausdauer, Einsicht in die Wahrheit, mäßiges Essen und Ungebundenheit.

16.BMS.2 Durch sechs Dinge wird er nicht vollkommen: Überanstrengung, übermäßiges Essen, Geschwätz, starres Festhalten an Regeln, Umgang mit als niedrig geltenden Menschen und Unstetigkeit. [Der zusammengesetzte Ausdruck zur Regelhaltung kann je nach Worttrennung auch mangelnde Regelbeachtung bedeuten; die Vorlage löst dies hier nicht auf.]

16.BMS.3 Zweifelnden Geistes sei man nicht; als von Śiva und Śakti erfüllt vergegenwärtige man sich selbst im eigenen Inneren unmittelbar als die Göttin, deren Wesen der Mantra ist.

16.BMS.4 Ist der Geist anderswo, Śiva anderswo, Śakti anderswo und der Atem wiederum anderswo, so tritt Vollendung selbst nach hundert Koṭi Weltperioden nicht ein, o Schöne.

16.BMS.5 Abgestandene Speise, saurer Getreidetrank, Kodrava-Speise, Linsen, ein Bronzegefäß und Öl: Diese sechs gelten als der Kraft des Mantras abträglich.

16.BMS.6 Abgestandenes wird als Zerstörer von Kraft, Einsicht und Erkenntnis bezeichnet. Darum meide der Mantrakenner mit aller Sorgfalt abgestandene Speisen.

16.BMS.7 Sauren Getreidetrank und anderes Eingelegtes oder Eingeweichtes soll der Mantrakenner beim Anblick zurückweisen. Es führe sicher zum Verlust der Frucht und nehme dem Mantra seine Kraft. [Die zweite Stoffbezeichnung ist nicht eindeutig lesbar.]

16.BMS.8 Aus demselben Grund meide der Mantrakenner auch alkalische Stoffe. Das kleine Korn Kodrava wird als galleerregend und todbringend bezeichnet.

16.BMS.9 Kodrava-Speise ist bei der Rezitation in jeder Weise zu meiden; Linsen werden als ehrenmindernd bezeichnet und sollen stets gemieden werden.

16.BMS.10 Das Bronzegefäß gilt als unrein und als einst von Viṣṇu verflucht. Es nehme rasch die Kraft des Mantras, selbst wenn der Übende Maheśvara wäre.

16.BMS.11 Darum sollen Sādhakas Bronze mit aller Sorgfalt meiden. Durch Mantras gereinigtes Sesamöl dagegen gilt als läuternd und selbst für die Götter schwer erreichbar.

16.BMS.12 Nach sorgfältiger Einreibung soll stets ein Bad erfolgen. Während der Rezitationszeit ist es zu meiden; von Kundigen soll es niemals gegessen werden.

16.BMS.13 Niemals, niemals soll ein Mantrakenner es essen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Diese Ernährungs- und Stoffbewertungen gelten hier als historische Ritualvorschriften. Die Quelle enthält ausdrücklich unterschiedliche Zulassungen und Ausschlüsse; daraus wird keine einheitliche Ernährungslehre konstruiert.]

Mahlzeit und Schlaf

Zur Folge der Mahlzeit sagt Kumbhasambhava:

16.KBMh.1 Nach Unterlegen und Übergießen, nach Reinigung durch Besprengen und weitere Handlungen bereite der Mantrakenner die Speise mit vedischen Mantras zu und bespreche sie danach mit dem Grundmantra.

Der Kommentar verbindet das Zubereiten mit den vedischen Besprengungs- und weiteren Mantras; beim Grundmantra ist „besprechen“ zu ergänzen. Somaśambhu sagt: „Mit dem Herzmantra lasse der Mantrakenner essen und mit gereinigtem Wasser Ācamana vollziehen.“ Das Wasser wird mit dem Grundmantra besprochen und dann getrunken.

Manche schreiben vor, ausschließlich von einem Blattteller aus Palāśa-Blättern unter Ausschluss des mittleren Blatts zu essen. Der Verfasser erklärt dies aus dem Verbot des Bronzegefäßes.

Zum Schlaf sagt das Vijayamālinītantra: „Auf dem Boden liegend, innerlich rein, mit überwundenem Zorn und beherrschten Sinnen …“ Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NSL.1 Nach dem Essen schlafe man auf einem sehr reinen und angenehm kühlen Lager. Um Mitternacht stehe der Zweimalgeborene auf und wasche die Füße.

16.NSL.2 Nach Ācamana erinnere er sich an die Gottheit, verehre sie kurz wie zuvor, rezitiere nach Kräften und bringe die Rezitation entsprechend dar, o Herrin.

[Diese nächtliche Zusatzpraxis steht neben dem zuvor zitierten Verbot, das eigentliche Puraścaraṇa-Japa nachts auszuführen.]

Vaiśaṃpāyana sagt:

16.VSL.1 In reiner Kleidung lege man sich auf ein Kuśa-Lager. Diese Kleidung wasche man täglich, sonst entstehen Hindernisse.

Die Vāyavīya-Saṃhitā sagt:

16.VYS.1 Rein schlafe man nachts mit dem Kopf nach Osten auf einem Darbha-Lager, das mit einem neuen Tuch bedeckt und mit Mantras besprochen ist, während man über Śiva meditiert.

„Mit Mantras besprochen“ bedeutet: mit dem Mantra der erwählten Gottheit. Śiva steht auch hier stellvertretend für diese.

Traumgebet und Traumdeutung

Das Kapilapañcarātra sagt:

16.KTR.1 Nach der Verehrung der Füße des Gurus lege sich der Fastende mit beherrschten Sinnen nachts auf ein Darbha-Lager. Den gesehenen Traum teile er danach mit.

Das Yoginītantra sagt:

16.YTR.1 Die mit „Yajjāgrato dūramudeti daivam“ beginnenden Mantras wiederhole man gesammelt dreimal. Nach einer einzigen leichten Mahlzeit schlafe man auf der rechten Seite und prüfe den Traum gemäß der Unterweisung.

Der Plural „Mantras“ bezeichnet das gesamte Sūkta. Ferner heißt es:

16.TGB.1 „Erhabener Herr, Gott der Götter, Dreizackträger, auf dem Stier Reitender! Zeige mir das Günstige und Ungünstige meines Traums, o Ewiger!“

16.TGB.2 So schlafe man mit gesammeltem Geist auf einer Kuśa-Unterlage; am Ende der Nacht sieht man einen günstigen oder ungünstigen Traum. [Die Vorlage schreibt am Schluss nochmals „günstig“; der Gegensatz ist aus dem Satz und dem Zusammenhang erschlossen.]

Im Piṅgalāmata heißt es:

16.PTM.1 Oṃ, zweimal Hili, „Śūlapāṇaye“ und zweimal Ṭha: So wird der von Śambhu gelehrte Svapnamāṇava-Mantra angegeben.

16.PTM.2 „Verehrung dem Ungeborenen, Dreiäugigen, Rotbraunen, Großwesenden, Vāma, dem Allgestaltigen; Verehrung dem Herrn der Träume!

16.PTM.3 Im Traum sage mir vollständig die Wahrheit über alle Vorhaben. Durch deine Gnade werde ich die Vollendung der Handlung bewirken, Maheśvara.“

Das Mantratantraprakāśa sagt:

16.MTM.1 „Oṃ, Namaḥ dem, der alle Welten umfasst, Viṣṇu, dem Mächtigen, dem All, dem Allgestaltigen; Verehrung dem Herrn der Träume!“ [„Namaḥ“ wird im Vers durch das Codewort „Herz“ bezeichnet.]

16.MTM.2 Dies ist der von Nārada und anderen gelehrte Svapnamāṇava-Mantra. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Als günstig gedeutete Träume

Das Yoginītantra unterscheidet:

16.YTD.1 Dreifach ist die Erscheinung: wirklichkeitsgemäß, nicht wirklichkeitsgemäß und ohne Reifung. Was Gesunde von […] sehen, …

16.YTD.2 … ist wirklichkeitsgemäß; was bei nicht Gesunden aus einer Störung entsteht, ist nicht wirklichkeitsgemäß; geistig Hervorgebrachtes bleibt ohne Reifung. Das Wirklichkeitsgemäße trägt Frucht.

[Die Einteilung ist im Wortlaut beschädigt. Der Kommentar bezieht die erste Art auf das Sehen von Gottheiten und Ähnlichem, die aus Störungen entstandene auf Erscheinungen von Vätern beziehungsweise Ahnen und die geistige auf Veränderungen des Geistes. Eine lückenlose Klassifikation ist daraus nicht sicher herzustellen.]

Das Āgamasiddhānta sagt:

16.ATZ.1 Im ersten Nachtviertel reift der Traum nach einem Jahr, im zweiten nach einem halben Jahr, im dritten nach einem Vierteljahr, im vierten nach einem Monat. Was beim Ausgang der Nacht gesehen wird, reift sogleich.

„Reifen“ bedeutet: das Eintreten des Ergebnisses. „Ausgang“ bezeichnet das Ende der Nacht. Ein weiteres Zitat ordnet niedrigere, mittlere und höchste Vollendung entsprechend der Qualität des Traums zu; sein erster Ausdruck ist beschädigt. Mit dem höchsten Traum soll eine Vollendung angezeigt werden, über der keine höhere steht.

Dort heißt es:

16.ATG.1 Im Traum sieht man die eigene erwählte Gottheit, nach allen Seiten gewandt, den Guru mit gnädigem Gesicht oder die makellose Mondscheibe, …

16.ATG.2 … die Gaṅgā, eine Kuh, Bhāratī, die Sonne, einen religiösen Zeichen tragenden Asketen oder das Liṅga des Herrn. Bei einer solchen Traumerscheinung erkenne man Gunst und Vollendung.

„Gnädig“ bezieht der Kommentar auf die eigene erwählte Gottheit; darum gelte auch die Vollendung als angezeigt.

Das Nāradapañcarātra nennt:

16.NTG.1 Erwerb von Land, […] Überqueren des Meeres, Verehrung des Feuers, Opfer im lodernden Feuer und Sieg im Kampf …

16.NTG.2 … sowie das Besteigen eines Wagens mit Schwänen, Cakravākas oder Pfauen. [Die weitere Vershälfte fehlt; ein Ausdruck im ersten Vers ist beschädigt.]

Koka wird als Cakravāka erklärt. Das Kapilapañcarātra sagt:

16.KTG.1 Ein Mädchen, ein Schirm, ein Wagen, eine Lampe, ein Palast, ein Lotos, ein Fluss, ein Elefant, ein Stier, eine Girlande, das Meer, ein fruchttragender Baum, …

16.KTG.2 … ein Berg, ein opfergeeignetes Pferd, rohes Fleisch und alkoholischer Trank: Wer diese und ähnliche Dinge sieht, soll Vollendung erlangen.

Auch die Śruti sagt:

16.ŚTG.1 Wenn man bei wunschorientierten Handlungen im Traum eine Frau sieht, erkenne man in dieser Traumerscheinung das Gedeihen des Vorhabens.

Das Bhairavītantra nennt:

16.BTG.1 Das Überqueren von Flüssen und Meer, das Gehen durch den Luftraum, Sonnenaufgang und loderndes Feuer …

… das Sehen von Planeten, Mondhäusern, Sternen und der Mondscheibe. „Mondhäuser“ meint Aśvinī und die übrigen; „Sterne“ die anderen Gestirne.

16.BTG.2 Das Besteigen eines hohen Hauses oder einer Palastspitze, großer Elefanten, Pferde und Stiere sowie von Bäumen und Berggipfeln, …

16.BTG.3 das Reisen in einem Himmelswagen, das Sehen eines vollendeten Mantras, der Gewinn eines Wunderbaums und das Sehen von Göttinnen:

16.BTG.4 Wer dies und Ähnliches sieht, soll Vollendung erlangen. Ebenso im Traum Alkohol zu trinken, rohes Fleisch zu essen, …

16.BTG.5 … mit Würmern und Kot bestrichen oder mit Blut übergossen zu werden, Reis mit Dickmilch zu essen, weiße Kleidung und Salbung, …

16.BTG.6 … einen Thron, Wagen, ein Fahrzeug, eine Fahne, eine Königsweihe, Edelsteine und Schmuck zu sehen: Dadurch wird im Traum Vollendung angezeigt.

Das Nāradapañcarātra nennt:

16.NTG2.1 Guru, Gottheit, Brahmane, Mädchen, Kuh, Elefant, Pferd, Löwe, Spiegel, Muschelhorn, Trommel, Saiteninstrument und Rocanā, …

16.NTG2.2 … Betelkauen, […] Dickmilch, gekochte Speise, rohes Fleisch, Alkohol, Frauen und verschiedene gegorene Getränke, …

16.NTG2.3 … Schirm, Fahrzeug, weißes Gewand, weißes Sandelholz, Girlanden, Perlen, Halsketten und der aufgegangene Vollmond, …

16.NTG2.4 … der mächtig strahlende Himmelskörper, ein Fluss, das große Meer, blühender Baum, Reis, Rocanā, Kuṅkuma und Honig, …

16.NTG2.5 … Puffreis, Senfsamen, ein neues Gefäß, Milchspeise, der herangekommene Lehrer und die mit einem Segen verbundene Gāyatrī, …

16.NTG2.6 … sowie andere Dinge, die das Herz erfreuen und in der Welt als lobenswert gelten: All diese Träume heißen günstig und sollen Vollendung und Befreiung als Frucht verleihen.

[Ein Wort bei Dickmilch ist mit einer Lesungsvariante überliefert; auch die Wendung zur Gāyatrī bleibt knapp und mehrdeutig.]

Als ungünstig gedeutete Träume und Ausgleichsriten

Nārada sagt:

16.NTU.1 Die anderen, entgegengesetzten Träume, die das Herz bedrücken, getadelt werden und in der Welt als verhasst gelten, bringen Ungünstiges.

„Die anderen“ bedeutet: andere als die zuvor als günstig genannten. Das Kapilapañcarātra sagt:

16.KTU.1 Einen Caṇḍāla, ein junges Kamel, einen Raben, eine Grube, Leere, Unheilvolles, einen mit Öl bestrichenen nackten Menschen, einen vertrockneten dornigen Baum …

16.KTU.2 … oder einen Palast ohne Grundlage zu sehen, soll Krankheit anzeigen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Kalabha wird hier ausdrücklich als junges Kamel erklärt. [Die Nennung des Caṇḍāla ist eine diskriminierende Zuordnung innerhalb der historischen Traumlehre.]

Als Ausgleich sagt Kapila: „Nach einem schlechten Traum erlangt man durch ein Feueropfer Vollendung.“ Das Piṅgalāmata sagt: „Bei einem günstigen Traum ergibt sich Günstiges; bei einem ungünstigen bringe der Kundige hundert Gaben mit dem Waffenmantra dar.“ Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NTA.1 Nach dem Anblick vollziehe man das im Abschnitt über das Zahnreinigungsholz genannte Feueropfer, o Weiser; oder allein mit Butterfett und dem Siṃha-Mantra zur Befriedung.

Im Abschnitt über das Zahnreinigungsholz heißt es:

16.ZTA.1 Der Zweimalgeborene bringe hundert oder tausend, jeweils mit acht zusätzlichen Gaben, oder nach Kräften dar, mit dem Namen der betreffenden Ursache, von Waffenmantras eingerahmt und mit Svāhā verbunden.

16.ZTA.2 Nach dem Namen stehen die Worte „Doṣāñ jahi jahi“ – „Vernichte, vernichte die Fehler!“ [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Waffenmantra und Siṃha-Mantra sind Alternativen. „Die betreffenden“ meint die Ursachen der Störungen.

[Die Traumlisten und ihre Folgen werden als Deutungen der historischen Quelle wiedergegeben, nicht als sichere Vorhersagen.]

Mitteilung an den Guru und Zeichen der Vollendung

Über das Mitteilen des Traums sagt derselbe Text:

16.TMI.1 Der reine Schüler vollziehe Ācamana, nehme Blumen in die Hand, verneige sein Haupt vor dem vorzüglichen Guru und teile ihm freudig den Traum mit.

16.TMI.2 Wenn im Traum oder vor den offenen Augen unvermittelt etwas Staunenswertes und höchst Erfreuliches erscheint, soll es niemandem außer dem Guru mitgeteilt werden.

16.TMI.3 Wer Vollendung wünscht, soll auch ein durch die Gnade des Mantras entstandenes Zeichen niemandem außer dem Guru offenbaren, o vorzüglicher Brahmane.

16.TMI.5 Wer aus Verblendung oder Aufregung das aus dem Mantra entstandene Glück öffentlich macht, von dem entfernen sich die schon nahe gekommenen Vollendungen.

16.TMI.6 Leiden und mancherlei Kummer treten hervor. [Die weitere Vershälfte fehlt; die Nummer 4 steht in der Vorlage nicht.]

Das Vakratuṇḍakalpa nennt: „Klarheit des Geistes, innere Zufriedenheit, geringe Nahrungsaufnahme und Abwendung von unruhiger Bewegung.“ Das Bhairavītantra sagt:

16.BVZ.1 Man sieht überall Licht oder den eigenen Körper leuchtend, oder man sieht den eigenen Körper ganz von der Gottheit erfüllt.

Das Nāradapañcarātra sagt:

16.NVZ.1 Für den, der sich der Verehrung des Mantras widmet und die Regeln einhält, entstehen in den ersten drei Jahren viele Hindernisse, o Nārada.

16.NVZ.2 Wenn der Sādhaka weder in seinem Handeln noch im Geist in Unruhe gerät, dann bitten nach dem dritten Jahr Könige und Herrscher …

16.NVZ.3 … selbst stolze und selbstbewusste, mit Nachdruck: „Erweise mir Gnade, Herr, damit ich emporgehoben werde!“

16.NVZ.4 Sie sehen ihn in Glanz und Macht erstrahlen und vermögen darum, o Tiger unter den Weisen, nicht hart zu ihm zu sprechen.

16.NVZ.5 Nach dem neunten Jahr vollendet sich der Mantrakönig von selbst. Im Herzen erscheinen verschiedene Wunder aus der Mantravollendung …

16.NVZ.6 … die rasch höchste Freude schenken, ebenso draußen vor den Augen. Einen Augenblick ist der Geist wie erstarrt, o Brahmane, einen anderen voller Freude.

16.NVZ.7 Einen Augenblick hört er aus dem Luftraum Trommeldonner, einen anderen süße Instrumentalmusik mit mannigfaltigem Gesang.

16.NVZ.8 Einen Augenblick riecht er Düfte von Kampfer und Moschus; einen anderen sieht er sich selbst emporfliegen.

16.NVZ.9 Einen Augenblick schaut er den Himmel von Mond- und Sonnenstrahlen erfüllt, einen anderen hört der Zweimalgeborene Elefanten, Kühe und Stiere rufen.

16.NVZ.10 Einen Augenblick nimmt er das gewaltige Aufwallen voller Regenwolken wahr, mannigfaltige Sterne und im Luftraum befindliche Yogins …

16.NVZ.11 … und sieht sie den Mantra ergreifen beziehungsweise unterweisen. Einen Augenblick hört der Gelübdetreue Jubelrufe sowie die Rufe von Schwänen und Pfauen. [Die Verbindung der ersten Vershälfte mit dem Vorhergehenden ist nicht völlig eindeutig.]

16.NVZ.12 Einen Augenblick sieht er Wolken aufsteigen, einen anderen Nacht am Tag; nachts sieht er wiederum einen Augenblick Tageslicht mit der Sonne.

16.NVZ.13 Er ist voller Kraft, im Glanz der Sonne gleich, in der Schönheit dem Vollmond und in der Bewegung einem Vogel.

16.NVZ.14 Er wird als von Schwung, Tiefe und Glück erfüllt beschrieben. [Die Vorlage bietet beim ersten Merkmal eine unsichere Variante.] Bei wenig Nahrung wird er nicht mager, bei viel Nahrung nimmt er nicht zu.

16.NVZ.15 Ausscheidungen werden gering, der Schlaf wird überwunden; der in Rezitation und Meditation versunkene Mantrakenner verspürt keine Ermüdung.

16.NVZ.16 Auch ohne Essen und Trinken über eine Monatshälfte, einen Monat oder länger, o Weiser. Durch das Auftreten solcher höchst erstaunlichen Zeichen …

16.NVZ.17 … soll erkannt werden, dass der Mantrakönig gnädig geworden ist. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Dies sind hagiographische und religiöse Wirkungszuschreibungen. Insbesondere die Aussagen zum Auskommen ohne Nahrung, Wasser oder Schlaf werden nicht als Übungsanweisung übernommen.]

Baudhāyana nennt drei Zeichen der Vollendung: „Gebend, genießend und nicht bittend.“ Gemeint ist: Man gibt und genießt, ohne andere um Gaben zu bitten.

Im Prapañcasāra (10.43) heißt es:

16.PVZ.1 Dann entstehen bei dem, der den Mantra rezitiert, solche Gewissheitszeichen: Das von ihm bewohnte Haus ist nachts ohne Lampe frei von Dunkelheit.

Anschließend wird Vers 10.47 ohne neue lokale Versnummer zitiert: „Im Glanz wird er der Sonne gleich; die Lotosgeborene steht ihm beständig als Dienerin zur Seite. Krankheiten verschwinden rasch bei seinem Anblick, seine Umgebung ist voller Vermögen und Getreide. Die Götter erweisen ihm stets Verehrung, Schlangen beißen ihn nicht; Söhne, Enkel und Freunde gedeihen. Beim Vergehen des Körpers wird er zur höchsten Wohnstatt Viṣṇus gelangen.“

Wenn trotz dieser Ausführung keine Vollendung eintritt, soll man das Puraścaraṇa zweimal oder dreimal vollziehen. Das Phetkāriṇītantra sagt:

16.PWH.1 Wenn wegen eines mächtigen entgegenwirkenden Karmas ein Hindernis besteht und keine Vollendung erlangt wird, vollziehe man die Praxis erneut zweimal oder dreimal.

Feueropfer und mögliche Ersatzhandlungen

Nun wird die Folge des Feueropfers erörtert. Die Vāyavīya-Saṃhitā sagt:

16.VHO.1 Nun erläutere ich die Feuerhandlung: in einer Feuergrube, auf einer erhöhten Bodenfläche oder einem Altar, in einem eisernen oder einem neuen, guten irdenen Gefäß.

Das Jñānārṇava sagt:

16.JHO.1 Das tägliche oder anlassbezogene Feueropfer kann auf einer Bodenfläche vollzogen werden. Auf mit Kuhdung bestrichenem Boden bereite man einen gut gestalteten erhöhten Platz.

16.JHO.2 Eine Elle groß, aus Sand schön geformt, einen Fingerbreit hoch und ringsum viereckig soll er sein.

Das Kriyāsāra sagt:

16.KHO.1 Als Platz für die Opferfläche gilt ein nach allen acht Richtungen ebener Boden oder einer, der sich nach Osten, Nordosten oder Norden neigt.

Prahva bedeutet geneigt. Kapila sagt: „Die Opferfläche werde aus Sand oder roter Erde bereitet.“ Vasiṣṭha sagt: „Für ein verkürztes Feueropfer eine Opferfläche von einer Elle.“ Weil hier „verkürzt“ steht, meinen manche, Feueropfer mit tausend und mehr Gaben dürften nicht auf einer solchen Fläche ausgeführt werden.

Dagegen steht im Vāyupurāṇa: „Nach dem Herbeiführen des Feuers beginne der in allen Veden kundige Ācārya das Opfer in der verehrten Feuergrube oder auf der verehrten Bodenfläche: 1.008 Sesamgaben mit den Vyāhṛtis.“ Das Padmapurāṇa sagt: „In einer Feuergrube oder auf einer Bodenfläche ist dieses Feueropfer vorgeschrieben: zehntausend Gaben mit Palāśa-Brennhölzern.“

Wer das Feueropfer nicht ausführen kann, vollzieht stattdessen Rezitation, denn das Nārāyaṇīya sagt: „Für den Unvermögenden gilt überall Rezitation.“ Dazu werden verschiedene Ersatzmaße erörtert.

Zunächst sollen Brahmanen das Vierfache der Puraścaraṇa-Rezitationszahl, Kṣatriyas das Sechsfache und Vaiśyas das Achtfache rezitieren. Das Uttaratantra sagt: „Für die drei Gruppen, die zum Feueropfer fähig sind, ist die Rezitationszahl gleich; für die zum Feueropfer Unfähigen entspricht sie Veda, Jahreszeiten und Vasus“, also vier, sechs und acht.

Wer auch dazu nicht imstande ist, rezitiert als Brahmane das Doppelte, als Kṣatriya das Dreifache und als Vaiśya das Vierfache. Gautama sagt: „Für Brahmanen, die das Feueropfer nicht ausführen können, gilt doppelte Rezitation; für die anderen sozialen Gruppen werden das Dreifache und die folgenden Vielfachen vorgeschrieben.“

Wer auch dies nicht vermag, rezitiert das Vierfache der Feueropferzahl. Vasiṣṭha sagt: „Bei Unfähigkeit zum Feueropfer rezitiere man dessen Zahl vierfach.“ Auch dies wird nur auf Brahmanen bezogen; für Kṣatriyas und Vaiśyas gelten nach der zuvor genannten Aussage entsprechend das Sechs- und Achtfache.

Als weitere Möglichkeit bei Unvermögen wird das Doppelte der Feueropferzahl genannt. Kumbhasambhava sagt: „Welcher Teil auch ausfällt: Zur Vollendung samt allen Gliedern soll der dazu Unfähige hingebungsvoll das Doppelte der Zahl dieses Teils rezitieren.“ „Dazu unfähig“ bezieht der Verfasser auf den, der die vierfache Puraścaraṇa-Zahl und die entsprechenden höheren Zahlen nicht erfüllen kann. Auch diese Verdoppelung gilt seiner Auslegung nach für Brahmanen; für Kṣatriyas und Vaiśyas das Drei- und Vierfache.

Für Śūdras, die nicht im Dienst beziehungsweise in Hingabe an Zweimalgeborene stehen, gilt nach dieser Auslegung beim vierfachen Modell das Zehnfache, beim doppelten Modell das Fünffache. Für Śūdras, die einer der Gruppen verbunden sind, gilt dagegen deren vorgeschriebene Zahl. Das Uttaratantra sagt:

16.UEJ.1 Die von den Weisen bei Ausfall des Feueropfers für Zweimalgeborene gelehrte Rezitation gilt ebenso für deren Frauen. Welcher sozialen Gruppe ein Śūdra verbunden ist, …

16.UEJ.2 … die für deren Frauen vorgeschriebene Rezitation soll er mit Hingabe ausführen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Gautama sagt:

16.GEJ.1 Die bei Ausfall des Feueropfers für Zweimalgeborene gelehrte Rezitation gilt ebenso für ihre Frauen und ihre Śūdra-Diener.

Der Verfasser folgert daraus, dass Frauen und Śūdras wegen der hier angenommenen fehlenden Berechtigung zum Feueropfer allein Rezitation ausführen sollen. [Die Abstufungen und Ausschlüsse geben die historische soziale Ordnung des Textes wieder.]

Sättigungsdarbringung, Besprengung und Speisung

Das Uttaratantra sagt:

16.UTA.1 Danach verehre man die Gottheit im Wasser und vollziehe mit einem Zehntel der Feueropferzahl die Sättigungsdarbringung. Am Ende des Mantras spreche man „Tarpayāmi“, „ich sättige“, und bringe das vorgeschriebene Wasser über ihrem Haupt dar.

Vaiśaṃpāyana sagt:

16.VAB.1 Mit einem Zehntel der Sättigungszahl, unter Rezitation des auf Namaḥ endenden Mantras, besprenge man das eigene Haupt mit Wasser unter Verwendung der Kumbha-Mudrā.

Das Uttaratantra sagt:

16.UBS.1 Am Ende speise man rechtschaffene Brahmanen im Zehntelverhältnis mit vielerlei festen, zu essenden, zu leckenden, zu saugenden und weiteren Speisen.

16.UBS.2 In jedem Fall speise man Brahmanen, um die Vollständigkeit der ausgeführten Handlung zu erreichen. Allein durch ihre ehrerbietige Bewirtung kann eine unvollständige Handlung vollständig werden.

16.UBS.3 Fehlt ein Glied, wird das Erwünschte nicht erreicht. Eine Handlung, der ein Glied fehlt, verwirklicht das erstrebte Ziel nicht.

16.UBS.4 Handlungen mit zu wenig oder zu viel erfüllen die Wünsche nicht. Sie gelangen zur Fülle, wenn sämtliche Glieder vorhanden sind.

16.UBS.5 Darum speise man bei allen Handlungen sorgfältig die Kundigen. Welche Handlungen auch ohne Speisung von Zweimalgeborenen bleiben, …

16.UBS.6 … sie sollen vergeblich sein wie Samen auf salzigem Ödland. Danach erfreue man den Guru mit Kühen, Gold, Kleidung und anderen Gaben.

16.UBS.7 Ist der Guru zufrieden, ist der Mantra zufrieden und vollendet sich für den Mantrakenner. So wird durch das Puraścaraṇa die Gottheit gnädig.

Das Śrīkulārṇava sagt:

16.KGM.1 Wer einen zufällig gehörten, durch Verstellung oder Täuschung erlangten, von anderen ausgesprochenen Mantra oder eine Strophe rezitiert, bewirkt Unheil.

16.KGM.2 Für jene, die Mantras aus einem Buch ablesen und rezitieren, wird eine der Brahmanentötung gleiche Verfehlung behauptet.

16.KGM.3 Viele Millionen Mantras sind eine Ursache der Verwirrung des Geistes; ein einziger aus dem Mund des Gurus empfangener Mantra soll sämtliche Vollendungen verleihen.

[Diese scharfe Wertung bekräftigt das Einweihungs- und Überlieferungsverständnis der zitierten Schule.]

Zusammenhängender Ablauf: Vorbereitung der Gebetskette

Nun folgt die praktische Darstellung. Die Gebetskette ist zweifach, darunter die aus Mātṛkā-Buchstaben bestehende. Als Perlenmaterialien werden genannt: Putrajīva-Samen, Muschel, Koralle, Edelsteine, echte Perlen, Lotossamen, Gold, Silber, Kuśa-Knoten und Rudrākṣas. Nach sattvischer, rajasischer und tamasischer Art beträgt die Perlenzahl hundertacht, vierundfünfzig oder siebenundzwanzig. [Für die tamasische Kette wurden zuvor achtundzwanzig genannt.]

Die Weihezeiten sind: für Viṣṇu der Vormittag des zwölften Mondtags; für Śakti die Nacht des achten, neunten oder vierzehnten; für Gaṇeśa der Mittag des vierten; für Śiva der dreizehnte bei Tage; für Sūrya der Vormittag des siebten. [Die Zuordnung von dreizehntem und vierzehntem Mondtag unterscheidet sich von der früheren Aufzählung.]

Die Fäden: für Viṣṇu Lotosfasern oder Baumwolle, für die Göttin Seide, für Śiva Wolle oder Rindenfasern, für Sūrya und Gaṇeśa Baumwolle oder Seide. Baumwollfaden soll von einer Brahmanin oder einer Frau der eigenen sozialen Gruppe gesponnen sein; er wird dreifach und nochmals dreifach gelegt. Andere Fäden werden entsprechend ihrer Eignung verwendet.

Für die Weihe bereite man Pañcagavya im zuvor belegten Verhältnis aus Kuhharn, Kuhdung, Milch, Dickmilch und Butterfett sowie Kuśa-Wasser. Außer bei der Śakti-Praxis hat der Sādhaka am Vortag nur eine Mahlzeit eingenommen. Nach den morgendlichen Pflichten wasche er Faden und Perlen jeweils einzeln mit Pañcagavya und Wasser und lege sie auf neun in Lotosgestalt angeordnete Pippala-Blätter.

Oṃ, das Bhuvaneśvarī-Bīja und die Mātṛkā-Buchstaben werden auf Faden und Perlen eingesetzt, an den einzelnen Perlen beziehungsweise zugehörigen Stellen. Faden und Perlen werden mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt. In einer Feuergrube oder entsprechenden Vorrichtung errichte man nach der täglichen Feuerritualregel das Feuer und opfere nach Kräften Sesam mit Butterfett oder reines Butterfett unter den fünf mit Sadyojāta beginnenden Mantras. Wer das Feueropfer nicht ausführen kann, rezitiert stattdessen.

Rudrākṣa-, Putrajīva- und Lotossamen werden Gesicht gegen Gesicht aufgefädelt, andere Perlen entsprechend ihren Vorderseiten. Zwischen je zwei Perlen knüpfe man nach der Unterweisung des Gurus einen Brahma-Knoten. Die ganze Kette erhält die Gestalt eines Kuhschwanzes. Als Meru verwende man eine größere Perle derselben Art, mit dem Gesicht nach oben, und verbinde darin die beiden Fadenenden.

Die fertige Kette wasche man mit Pañcagavya und kühlem Wasser unter folgendem Mantra:

„Oṃ. Zum eben Geborenen nehme ich Zuflucht; dem eben Geborenen wahrhaftig Verehrung! Von Dasein zu Dasein, nicht in übermäßiges Werden: Sei mir gnädig! Verehrung dem Ursprung des Werdens!“ [Der mittlere Wortlaut bhave bhave nātibhave bhavasva mām ist in seiner Syntax mehrdeutig; eine eindeutige prosaische Lesung wird nicht behauptet.]

Unter dem folgenden Mantra reibe man sie mit Sandelholz, Agaru, Kampfer und Kuṅkuma ein:

„Oṃ. Verehrung Vāmadeva, Verehrung dem Ältesten, Verehrung dem Besten, Verehrung Rudra, Verehrung Kāla, Verehrung dem Verwandler der Zeit, Verehrung dem Verwandler der Kraft, Verehrung der Kraft, Verehrung dem Bezwinger der Kraft, Verehrung dem Bezähmer aller Wesen, Verehrung Manonmana!“

Dann beräuchere man sie mit Agaru, Uśīra, Kampfer, Zucker, Guggulu, Honig, Sandelholz und Butterfett unter dem Mantra:

„Oṃ. Den nicht furchtbaren, den furchtbaren und den noch furchtbareren Gestalten, allen, allen Śarva-Gestalten: Euch, den Gestalten Rudras, sei Verehrung!“ [Das verbindende Wort nach aghorebhyaḥ ist in der Vorlage beschädigt.]

Mit Sandel- und weiteren Duftstoffen, Moschus, Kuṅkuma und Kampfer bestreiche man sie unter der Gāyatrī:

„Oṃ. Jenen Puruṣa wollen wir erkennen; über den großen Gott meditieren wir. Möge Rudra uns dazu anregen!“

Danach bespreche man jede Perle hundertmal mit:

„Oṃ. Herr aller Wissensformen, Herr aller Wesen, Gebieter über Brahmā, Gebieter über Brahman: Brahmā, Śiva, sei mir gnädig, Sadāśiva!“ [Die Schlussform der Vorlage ist beschädigt.]

Den Meru bespreche man ebenfalls hundertmal mit diesem und hundertmal mit dem Aghora-Mantra. Als Alternative nennt die Vorlage je eine Wiederholung.

Danach rufe man an jeder Rudrākṣa jene Gottheit an, die ihrer zuvor erläuterten Gesichtszahl entspricht. Mit den jeweiligen Mudrās vollziehe man Anrufung, Einsetzung, Herbeiführen der Gegenwart, Festhalten, Zuwendung, Vervollständigung der Glieder, Verhüllung, Nektarisierung und Erhebung zur höchsten Gestalt. Mit den fünf genannten Mantras und den fünf Verehrungsgaben verehre man die Gottheit an jeder Perle wie die eigene erwählte Gottheit. Mit der so geweihten Kette rezitiere man. Dies ist die Weiheordnung der Rezitationskette.

Wenn man beim Gebrauch der eingesetzten Kette erkennt, dass der Faden alt geworden ist, fädle man sie sofort auf einen festen Faden neu auf. Als Ausgleich rezitiere man den eigenen Mantra hundertachtmal und verwende die Kette danach wie zuvor. [Das zuvor angeführte Zitat nannte hierfür hundert Wiederholungen.]

Diese Einsetzungsweise gilt ausdrücklich nur für Rudrākṣas, nicht für andere Perlen. Für Lotossamen und die übrigen wird folgende Weise dargestellt: Die aufgefädelte Kette wird in ein Gefäß gelegt. An ihr werden Gaṇeśa, Sūrya, Viṣṇu, Śiva und Durgā einzeln angerufen und verehrt. Unter hauṃ wird sie in Pañcagavya gelegt, danach herausgenommen und in die fünf Nektare getaucht, die sich in einem goldenen Gefäß oder auf einem Pippala-Blatt befinden und mit Räucherduft versehen sind. Danach wird sie in kühlem Wasser gewaschen, mit einer duftenden Paste aus Sandelholz, Agaru, Moschus, Kampfer, Kuṅkuma und weiteren Duftstoffen bestrichen und hundertachtmal mit hauṃ besprochen. [Hier steht Hauṃ; die zuvor zitierten Weihen nannten auch Hsauṃ beziehungsweise Hsoṃ.]

Dann verehre man die neun Planeten und zehn Richtungshüter und opfere nach Kräften Sesam mit Butterfett unter dem eigenen Mantra. Dem Guru gebe man nach Kräften Gold als Lehrergabe und stelle Brahmanen mit Speisen und weiteren Gaben zufrieden.

Eine andere Weise besteht darin, Faden und Perlen drei Tage in Pañcagavya zu legen. Am vierten Tag werden sie herausgenommen, mit dem Waffenmantra gewaschen und mit dem Herzmantra aufgefädelt. Auf einer Opferfläche bereite man das Verehrungsmaṇḍala der eigenen Gottheit, verehre sie darin und rezitiere den Grundmantra hundertachtmal. [Das frühere Kubjikā-Zitat nannte hierfür 1.008 Wiederholungen.]

Nach Kräften bringe man die im Ritualtext der Gottheit für das Puraścaraṇa-Feueropfer genannten Stoffe oder Butterfett dar. Die Kette wird in die Mitte des Maṇḍala gelegt; auf sie werden Waffenmantra, Grundmantra und die sechs Gliedermantras eingesetzt. Man vergegenwärtige sie als die eigene Gottheit, bringe nach der später beschriebenen Weise eine Bali-Gabe für alle Wesen dar und verehre an ihr die Gottheit. Den Ācārya erfreue man durch Lehrergabe und weitere Gaben, verneige sich und stelle die Brahmanen mit Speisen und anderem zufrieden. Mit einer so eingesetzten Kette rezitiere man täglich den Mantra.

Zusammenhängender Ablauf: Regeln und Beginn

Für die Zeit des Puraścaraṇa werden vorgeschrieben: Zurücknehmen des Geistes, Reinheit, Schweigen, Nachdenken über den Sinn des Mantras, Unzerstreutheit, Unverzagtheit, Vertrauen, Begeisterung für die Rezitation, Freiheit von Zorn, Loslassen, Erfüllung der Pflichten der eigenen sozialen Gruppe und Lebensstufe, Zufriedenheit, Beherrschung der Sinne, sexuelle Enthaltsamkeit und Verneigung vor dem Guru. Dazu kommen ein Bad mit reiner Āmalaka, Besprengung mit mantrageweihtem Wasser sowie dreimaliges, zweimaliges oder bei Unvermögen einmaliges Baden. Man sättige Götter, Ṛṣis, Ahnen und die eigene Gottheit, esse nachts maßvoll von einem aus Palāśa-Blättern ohne Mittelblatt gefertigten Teller und übe Mitgefühl gegenüber Kühen, Brahmanen, Kindern und anderen.

Als ausgeschlossen werden aufgezählt: verletzende und unwahre Rede; das Betreten des Schattens von Karañja, Vibhītaka, Arka und Snuhī; Annahme von Gaben; Gespräche mit den zuvor ausgeschlossenen Gruppen; Unterlassen von Bad, Sättigungsdarbringung und weiteren Pflichten; zu viele Kleider, nur ein Kleidungsstück oder schmutzige Kleidung; wunschorientierte Handlungen, nicht im Vorsatz enthaltene Tätigkeiten und Handlungen außerhalb der Pflichten der eigenen Gruppe und Lebensstufe; Essen aus Bronze und Essen am Tage; unwürdige Rede, andere Verehrungen, Hinterlist, Rasur, Öleinreibung, Umgang mit schlechten Menschen, heißes Bad, Massage, Musik hören, Tanz ansehen; die acht Formen sexueller Betätigung und Gespräche darüber; niedrige oder schädigende Rituale, Berührung unzulässiger Stellen, Verletzung von Lebewesen; enges Obergewand, Turban, unbedeckte Hände, […] Umgang mit dem Haar und Verhüllung des Kopfes; Sorge, Zorn, Verwirrung, Hast und Wunschphantasien; Rezitation im Liegen, Stehen oder Gehen, im Dunkeln, an unheilvollen Orten, mit Schuhen, auf Fahrzeugen oder Betten, mit ausgestreckten Beinen oder in Uṭkaṭāsana; Niesen, Gähnen, Schluckauf, geistige Zerstreutheit, fehlende Sitzunterlage, hochgezogene Füße, rituelles Nacktsein und fehlendes Kuśa-Gras. [Die Wortverbindung bei Haar und Bedeckung ist beschädigt. Die sozialen Ausschlüsse entsprechen den zuvor zitierten historischen Vorschriften.]

Als geeignete Unterlagen werden Tigerfell, Antilopenfell, Rohrgeflecht, Wolldecke, Kuśa-Matte und roter Stoff genannt. Ausgeschlossen werden Bambus, Holz, Stein, gewöhnliches Gras, bloßer Stoff, Blätter, Ziegel und der bloße Erdboden. [Die Spannungen zwischen den Stoffangaben bleiben im Wortlaut bestehen.]

Der Tag vor dem Beginn

Am Morgen bade man, vollziehe die täglichen Pflichten und stelle die Brahmanen durch Speisung und andere Gaben zufrieden. Den eigenen Guru erfreue man mit Kleidung, Schmuck, Vermögen, Getreide und Weiterem. Am Rezitationsplatz zeichne man ein Maṇḍala aus Dreieck, Kreis und Quadrat. Mit „Kṣaṃ, Verehrung dem Kṣetrapāla“ und „Kṣetrapāla, komm hierher, komm hierher!“ rufe man den Feldhüter an und verehre ihn mit Duftstoffen und weiteren Gaben.

Vor ihm lege man auf ein dreieckiges Maṇḍala ein auf einer Unterlage stehendes Bali-Gefäß mit Speise, Beilagen und Wasser. Die Gabe erfolgt mit der Formel:

ehyehi vidvi(du)pi murumuru bhañjayabhañjaya tarjayatarjaya vighnavighna mahābhairava kṣetrapāla baliṃ gṛhṇagṛhṇa svāhā.

Sinngemäß: „Komm, komm! […] Zerschmettere, zerschmettere! Bedrohe, bedrohe! Hindernis, Hindernis! Großer Bhairava, Feldhüter, nimm die Gabe, nimm sie! Svāhā.“ [vidvi(du)pi und murumuru bleiben als unsichere beziehungsweise mantrische Lautfolge stehen; vighnavighna ist wörtlich überliefert und wird nicht in ein anderes Befehlswort umgeschrieben.] Danach faste man.

Der erste Rezitationstag

In einem günstigen Monat, bei günstigem Mond- und Sternverhältnis und nach Prüfung von Mondtag, Wochentag, Mondhaus und weiteren Merkmalen bade man an einem guten Morgen. Man hole die Erlaubnis von Guru und Brahmanen ein und lasse von Brahmanen Segensworte sprechen. Kuśa in der Hand, rezitiere man:

„Oṃ. Sonne, Mond, Yama, Zeit, die beiden Dämmerungen, die Wesen, Tag und Nacht, Wind, Richtungshüter, Erde, Raum und die im Himmel wandelnden Götter: Der Anordnung Brahmās folgend, seid hier gegenwärtig!“

In ein kupfernes Gefäß nehme man Kuśa, Sesam, ungebrochene Reiskörner und Wasser. Nach Norden gewandt fasse man den Vorsatz:

„Oṃ. Heute, in diesem bestimmten Monat, während die Sonne in diesem bestimmten Tierkreiszeichen steht, in dieser Monatshälfte, an diesem Mondtag, im Land Bhāratavarṣa“ – gegebenenfalls ergänzt um den besonderen heiligen Ort – „werde ich, [Name] Śarmā, im Wunsch nach der Vollendung dieses Mantras dessen Puraścaraṇa in Form dieser bestimmten Rezitationszahl vollziehen.“ Für einen Kṣatriya wird statt Śarmā Varmā, für einen Vaiśya Gupta und für einen Śūdra Dāsa eingesetzt. Oder man ergänzt: „Von heute an werde ich dies innerhalb dieser bestimmten Zahl von Tagen vollziehen.“

Nach Verneigung vor Guru, Gaṇapati, Durgā und den Müttern beende man die Verehrung und beginne die Rezitation. Mit dem Grundmantra vollziehe man drei Atemregelungen, dann dessen Ṛṣi- und weitere Einsetzungen sowie Hand- und sechs Gliedereinsetzungen.

Die Gottheit im Herzen vergegenwärtigend, halte man die Kette links oder lege sie in ein Gefäß, besprenge sie unter dem Grundmantra mit Arghya-Wasser und verehre sie mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern:

„Oṃ Māṃ! O Kette, große Māyā, Gestalt sämtlicher Kräfte! In dir ruhen die vier Lebensziele; darum verleihe mir Vollendung.“

Mit „Oṃ. Mache die Handlung hindernisfrei, o Kette!“ nehme man sie in die rechte Hand. Man meditiere über den Guru auf dem eigenen Kopf, den gelben Grundmantra am Hals, die eigene Gottheit im Herzen und sich selbst zu Füßen des Gurus. Im zwischen den Brauen befindlichen Ājñācakra vergegenwärtige man die Einheit von Guru, Gottheit, Mantra und eigenem Selbst.

Dieses vereinigte Vierfache führe man durch die Suṣumnā in das Viśuddhicakra am Hals und meditiere dort über die Gottheit. Mit dem Grundmantra führe man es weiter in das Anāhatacakra im Herzen und meditiere auch dort. [Der praktische Kommentar verwendet hier die Namen Viśuddhi und Anāhata für die zuvor eigens beschriebenen Hals- und Herzbereiche.]

Man bringe die Kette nahe ans Herz und lege sie auf das mittlere Glied des rechten Mittelfingers. Mit einheitlich gesammeltem Geist, leicht gebeugtem Hals und aufgerichtetem Körper, ohne Kratzen, Augenöffnen oder Klappern, mit dem Sinn auf die Bedeutung des Mantras gerichtet, spreche man an jeder Perle den Mantra. Während der Wiederholung an einer Perle berühre man die nächste noch nicht.

Nach vorausgehendem Oṃ beginne man den Mantra und rezitiere vom Morgen bis zum Mittag. Bei zu erwartenden örtlichen oder anderen Störungen oder wenn rascher Abschluss nötig ist, wird hier als Grenze zweieinhalb Praharas genannt. [Das Verhältnis zwischen dem Wort „rascher“ und dieser gegenüber zwei Praharas längeren Zeit ist im Satz nicht schlüssig erläutert.]

Am Ende der allerletzten Wiederholung spreche man nochmals Oṃ und beende die Rezitation. Mit „Du, o Kette, erfreust alle Götter und bringst mir Gutes; schenke mir stets Heil, Ruhm und Kraft, du Gute!“ lege man die Kette auf den Kopf. Danach folgen erneut drei Atemregelungen sowie Ṛṣi-, Hand- und sechs Gliedereinsetzungen. Mit Arghya-Wasser und dem zuvor genannten Mantra bringe man die Rezitation dar, verehre die Kette mit dem bereits genannten Verehrungsmantra und bewahre sie an einem verborgenen Ort auf.

Oṃ wird hier nur den drei oberen sozialen Gruppen zugeordnet; Śūdras und andere sollen am Anfang und Ende stattdessen Au als Praṇava verwenden. [Dies ist die historische Zugangsbeschränkung des Textes.]

Feueropfer und Abschluss des Tages

Nach Mittagsbad und den weiteren Handlungen verehre man die Gottheit erneut ausführlich. Wird das Feueropfer täglich ausgeführt, opfere man ein Zehntel der Rezitationszahl mit den im jeweiligen Ritualtext angegebenen Stoffen in das regelgerecht geweihte Feuer. Ein Zehntel der Feueropferzahl entfällt auf die Sättigungsdarbringung, ein Zehntel davon auf die Besprengung und wiederum ein Zehntel auf die Zahl der zu speisenden Brahmanen.

Wählt man dagegen das Feueropfer nach jeweils hunderttausend Wiederholungen, beende man zuerst ein Lakh, vollziehe dessen Zehntel-Feueropfer und die weiteren Glieder und beginne danach das nächste Lakh. Bei der dritten Möglichkeit wird erst die ganze vorgeschriebene Rezitationszahl vollendet und danach das Zehntel-Feueropfer mit den weiteren Gliedern ausgeführt. Eine dieser drei Möglichkeiten ist zu wählen. Die Ordnung des Feueropfers wurde bereits im Einweihungsabschnitt beschrieben.

Bei Unfähigkeit zum Feueropfer ist Rezitation vorgeschrieben. Brahmanen rezitieren das Vierfache der Puraścaraṇa-Zahl, Kṣatriyas das Sechsfache und Vaiśyas das Achtfache. Ist dies nicht möglich, gelten das Doppelte, Dreifache und Vierfache. Ist auch das nicht möglich, wird die Feueropferzahl für Brahmanen vervierfacht, für Kṣatriyas versechsfacht und für Vaiśyas verachtfacht. Als weitere Erleichterung gilt deren Doppeltes, Dreifaches beziehungsweise Vierfaches.

Für Śūdras ohne Bindung an Zweimalgeborene wird das Zehnfache genannt; beim niedrigeren Ersatzmodell das Fünffache. [Die entsprechende Satzverbindung der Vorlage fasst „vierfaches und doppeltes Modell“ unklar zusammen; die Auslegung folgt der ausführlicheren früheren Erörterung.] Wer einer bestimmten sozialen Gruppe dienstlich oder in Hingabe verbunden ist, verwendet die für diese Gruppe vorgeschriebene Zahl; ebenso die Frauen der Zweimalgeborenen. Frauen und Śūdras werden hier wegen der angenommenen fehlenden Berechtigung zum Feueropfer auf die Rezitation verwiesen.

Nach dem Feueropfer vergegenwärtige man die Gottheit im Wasser, verehre und sättige sie mit durch Sandelholz, Agaru, Kampfer und andere Stoffe duftendem Wasser, in einem Zehntel der Feueropferzahl. Dann meditiere man über sich selbst als die Gottheit und besprenge unter der Kumbha-Mudrā das eigene Haupt. Am Ende des Grundmantras spreche man: „Ich besprenge mich selbst. Namaḥ.“ Die Zahl ist ein Zehntel der Sättigungszahl.

Für ein Zehntel dieser Besprengungszahl lade man am Morgen rechtschaffene Brahmanen ein, die der eigenen Gottheit ergeben sind. Man lasse sie mit Einreibung und weiteren Handlungen baden, schmücke sie mit Kleidung und Duftstoffen und speise sie, sie als Gestalten der eigenen Gottheit betrachtend, mit vielerlei festen und weichen Speisen aller sechs Geschmacksrichtungen. Mit Betel, Gaben und Weiterem stelle man sie zufrieden und verabschiede sie. Dies geschieht hingebungsvoll täglich, nach jedem Lakh oder nach Abschluss der Gesamtzahl.

Nach der Mittagsverehrung vollziehe man Vaiśvadeva und die weiteren Tagespflichten. Den übrigen Tag verbringe man mit Rezitation, Meditation, Lobgesang und Hören über die eigene Gottheit. Wenn möglich, bade man am Abend, verehre die Gottheit und esse danach.

Als Speisen werden hier genannt: Bettelspeise; weißes, einheitliches, nicht vorgekochtes Wintergetreide, Nīvāra, Sechzig-Tage-Reis, Kaṅgu und Gerste, nicht von Śūdras und nicht durch wiederholtes Treten mit den Füßen bearbeitet; Zuckerrohrerzeugnisse außer Rohzucker; schwarzer Sesam, Mungbohnen und Kalāya-Erbsen; Knollen außer Kemuka; Kokosnuss, Banane, Lavalī, Jackfrucht, Mango, Āmalaka, frischer Ingwer, Harītakī, Vāstūka, Kālaśāka und Hilamocakā; Stein- und Meersalz; Kuherzeugnisse wie nicht entrahmte Milch; langer Pfeffer, Kreuzkümmel, Nāraṅga, Tintiṇī und Rettich.

Zu meiden sind: Rohzucker, künstlich bereitetes Salz, alkalisches Salz, vorgekochte oder abgestandene Speisen, Fettloses, durch Würmer und andere Tiere Verdorbenes, saurer Reis- beziehungsweise Getreidetrank, Gṛñjana, Bilva, Karañja, Knoblauch, Lotosstängel, Kodrava, Maṇḍaka, in Öl Gekochtes, Māṣa-Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Weizen, Devadhānya und Ähnliches; außerdem übermäßiges Essen und Essen am Tag. [Einzelne Lebensmittel, etwa Weizen und Rettich, werden in früheren Listen anders bewertet. Diese Varianten werden nicht vereinheitlicht.]

Die der eigenen Gottheit dargebrachte und als ihre Gnade empfangene Speise lege man auf einen Teller aus Palāśa-Blättern ohne Mittelblatt, bereite sie mit vedischen Mantras rituell vor und besprenge sie mit dem Grundmantra. Jede Speise werde siebenmal mit dem Grundmantra besprochen und unter dem Herzmantra in maßvoller Menge gegessen. Das Trinkwasser werde zweiunddreißigmal mit dem Grundmantra besprochen.

Śivasaṅkalpa und Schlaf

Auf das gereinigte Kuśa-Lager lege man ein mit Laugenwasser gewaschenes Tuch und bespreche das Lager siebenmal mit dem Grundmantra. Für das mit „Yajjāgrataḥ“ beginnende Sūkta werden angegeben: Ṛṣi Śivasaṅkalpa, Versmaß Triṣṭubh, Gottheit der Geist; Verwendung bei der Rezitation des Sūkta.

16.ŚSS.1 Was im Wachen als göttliche Kraft weit hinausgeht und ebenso zum Schlafenden gelangt, das weithin gehende eine Licht der Lichter: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.

16.ŚSS.2 Wodurch die tätigen Weisen, die Einsichtigen, bei Opfer und Versammlung ihre Handlungen vollziehen, das ursprüngliche ehrwürdige Wesen im Innern der Geschöpfe: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.

16.ŚSS.3 Was Erkenntnis, Bewusstsein und Festigkeit ist, das unsterbliche innere Licht in den Geschöpfen, ohne das keine Handlung ausgeführt wird: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.

16.ŚSS.4 Wodurch als Unsterblichem alles Vergangene, Gegenwärtige und Künftige umfasst wird und wodurch sich das Opfer mit seinen sieben Opferpriestern entfaltet: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein. [Die mittlere Zeitbezeichnung ist in der Vorlage als bhuvana überliefert; die Zeitreihe ergibt sich aus dem Satzbau.]

16.ŚSS.5 Worauf die Ṛc-, Sāman- und Yajus-Texte ruhen wie Speichen auf der Radnabe, worin das gesamte Bewusstsein der Geschöpfe eingewoben ist: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.

16.ŚSS.6 Was die Menschen führt wie ein guter Wagenlenker die Pferde, wie schnelle Rosse mit Zügeln geführt werden, das im Herzen gegründete, nicht alternde, schnellste Wesen: Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.

Diese Mantras werden dreimal rezitiert. Danach:

16.PTG.1 „Erhabener Herr, Gott der Götter, Dreizackträger, auf dem Stier Reitender! Zeige mir das Günstige und Ungünstige meines Traums, o Ewiger!“

oṃ hili hili śūlapāṇaye svāhā – „Oṃ, Hili Hili, dem Dreizackträger Svāhā.“

16.PTN.1 „Verehrung dem Ungeborenen, Dreiäugigen, Rotbraunen, Großwesenden, Vāma, dem Allgestaltigen; Verehrung dem Herrn der Träume!

16.PTN.2 Im Traum sage mir vollständig die Wahrheit über alle Vorhaben. Durch deine Gnade werde ich die Vollendung der Handlung bewirken, Maheśvara.

16.PTN.3 Verehrung dem, der alle Welten umfasst, Viṣṇu, dem Mächtigen, dem All, dem Allgestaltigen; Verehrung dem Herrn der Träume!“

Nach einmaliger Rezitation dieser Mantras schlafe man auf der rechten Seite, den Kopf nach Osten, und prüfe den Traum. Bei einem gesunden Menschen soll ein im ersten Nachtviertel gesehener Traum nach einem Jahr, im zweiten nach sechs Monaten, im dritten nach drei Monaten, im vierten nach einem Monat und am Ende der Nacht sogleich Frucht tragen.

Die Traumlisten im praktischen Ablauf

Als Vollendung anzeigend werden erneut genannt: der Anblick der eigenen Gottheit und des Gurus mit gnädigem Gesicht, makelloser Mond- und Sonnenscheiben, Gaṅgā, Kuh, Sarasvatī, Entsagender und Śiva-Liṅga; Erwerb von Land, Überqueren eines roten Meeres, Sieg im Kampf, Feueropfer und Feuerverehrung; Schwäne, Cakravākas, Pfauen und Sārasas; Besteigen eines Wagens; Mädchen, Schirm, Wagen, Lampe, Palast, Elefant, Stier, Girlanden, Meer, Schlangen, Bäume, Berg, reines rohes Fleisch, Pferd, alkoholischer Trank und Frau; Überqueren eines Flusses, Gehen im Luftraum, Sehen von Planeten und Mondhäusern; Besteigen von Häusern, Palastspitzen, Elefanten, Pferden, Stieren, Bäumen und Berggipfeln; Reisen in einem Himmelswagen, Erwerb […] und Sehen von Göttinnen; Alkoholtrinken, Essen von rohem Fleisch, Bestreichen mit Kot, Besprengung mit Blut sowie der Anblick von Edelsteinen und Schmuck. [Einige Glieder der langen Zusammensetzung sind beschädigt oder in ihrer Trennung unsicher.]

Als ungünstig und Krankheit anzeigend werden genannt: Caṇḍāla, junges Kamel, Rabe, leere Grube, unheilvolle Gegenstände, ein mit Öl bestrichener oder nackter Mensch, vertrockneter Baum, dorniger Baum und ein Palast ohne Grundlage.

Als Ausgleich rezitiere man den Nṛsiṃha-Mantra, dann „Vernichte, vernichte die durch den schlechten Traum angezeigten Fehler“, nochmals den Nṛsiṃha-Mantra und Svāhā; damit bringe man hundertacht Butterfettgaben ins Feuer dar. Alternativ geschieht dies mit dem Waffenmantra. Der einsilbige Nṛsiṃha-Mantra ist kṣrauṃ; der Waffenmantra gehört zur eigenen verehrten Grundvidyā.

Mit Blumen in der Hand verneige man sich vor den beiden Lotosfüßen des Gurus und teile ihm den Traum mit, niemandem sonst.

Als Vollendungszeichen werden zusammenfassend genannt: Klarheit und Zufriedenheit des Geistes, geringe Nahrung, Überwindung des Schlafs, Lichtschau, unerwartete große Freude, das Hören von Himmelstrommeln, süßer Instrumentalmusik und verschiedenen Gesängen, das Riechen von Kampfer und anderen Düften sowie das Sehen des von Mond- und Sonnenstrahlen erfüllten Himmels. Tritt trotz allem keine Vollendung ein, soll man die Praxis zweimal oder dreimal wiederholen.

Weitere Formen zur Mantravollendung

Das Kulaprakāśatantra erläutert eine andere Form des Puraścaraṇa:

16.KGF.1 Auch auf andere Weise wird Puraścaraṇa gelehrt: Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet.

16.KGF.2 In einem unmittelbar ins Meer mündenden Fluss stehe man in nabeltiefem Wasser und rezitiere gesammelt vom ersten Kontakt bis zum Ende der Verfinsterung.

16.KGF.3 Nach der Rezitation während dieser ganzen Zeit vollziehe man Feueropfer und die weiteren Glieder. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die Erläuterung lautet: Bei Sonnenfinsternis wird am Vortag, bei Mondfinsternis am selben Tag gefastet. Nach dem Anblick des Beginns bade man und fasse den Vorsatz unter Nennung von Monat, Sonnenstand, Monatshälfte, Mondtag, Pilgerort, Sonnen- oder Mondfinsternis, Gotra und Namen: „Im Wunsch nach Vollendung dieses Mantras werde ich vom Beginn dieser Finsternis bis zu ihrem Ende diesen Mantra rezitieren.“ So rezitiere man bis zum Ende. Der Vorsatz für das Feueropfer lautet: „Ich werde ein Feueropfer mit einem Zehntel der während der Finsternis vollzogenen Rezitationszahl ausführen.“ Bei Unvermögen tritt wie zuvor Rezitation an seine Stelle. [Die Wasserpraxis wird als historischer Ritualinhalt beschrieben.]

Eine weitere Weise nennt Kumbhasambhava:

16.KAF.1 Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zu ihrem vierzehnten vergegenwärtige man die Gottheit und rezitiere den Mantra vierzigtausendmal.

16.KAF.2 Danach bringe man ein Zehntel ins Feuer dar, vollziehe Sättigung und Besprengung; dann soll der Mantra vollendet sein. [Der Vers ist danach lückenhaft.]

Nach dem entsprechenden Vorsatz verteile man die vierzigtausend Wiederholungen auf sieben Tage. Der Kommentar nennt täglich 5.714 Wiederholungen und die zugehörigen Zehntel-Feueropfer. [Siebenmal 5.714 ergibt 39.998; die zwei zur Gesamtzahl fehlenden Wiederholungen werden in der Vorlage nicht eigens verteilt.]

Das Kālottara sagt:

16.KMF.1 Der Mantrakenner rezitiere den Mantra, eingerahmt von Mātṛkā-Buchstaben in vorwärts- und rückwärtslaufender Reihenfolge; dadurch entsteht Mantravollendung.

16.KMF.2 Von der aus dreiundsechzig Lauten bestehenden Mātṛkā eingerahmt, in auf- und absteigender Reihenfolge hundertmal wiederholt, soll der Mantra innerhalb eines Monats vollendet werden.

16.KMF.3 Allein durch Mātṛkā-Rezitation sollen unzählige Millionen Mantras vollendet werden, ohne Zweifel, weil alles aus ihr hervorgeht.

Die Erläuterung schreibt täglich hundert Wiederholungen des entsprechend eingerahmten Mantras über einen Monat vor. Der Vorsatz benennt ausdrücklich den Monat und die tägliche Zahl. „Hundert“ schließt hier nach dem Verfasser nur eine geringere Zahl aus; tatsächlich sollen hundertacht rezitiert werden.

Die im Text ausgeschriebene Mātṛkā-Einrahmung lautet; mūlam bezeichnet die Stelle des eigenen Grundmantras:

aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ mūlaṃ kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ aṃḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ āṃ aṃ

Danach soll der Grundmantra hundertmal rezitiert werden. Die dreiundsechziggliedrige Mātṛkā wurde nach dem Kommentar schon früher erläutert, unter Hinweis auf das Bahvṛcaprātiśākhya: „Dreiundsechzig oder vierundsechzig Laute werden nach Śambhus Lehre angenommen“ (Verweis der Vorlage: Śvāsa 3, Seite 64). Mit dieser Mātṛkā, jeden Laut mit Bindu versehen, wird der eigene Mantra ebenfalls eingerahmt und einen Monat täglich hundertachtmal rezitiert; der Vorsatz erfolgt entsprechend. [Die ausgeschriebene Reihe und die Zahl dreiundsechzig sind nicht identisch; der Text verweist für die erweiterte Reihe ausdrücklich zurück.]

Das Kulārṇava sagt:

16.KBF.1 Einen Monat rezitiere man den von der Bhūtalipi in vorwärts- und rückwärtslaufender Folge eingerahmten Mantra tausendmal; nach einem Monat soll er vollendet sein.

Der Kommentar versteht darunter täglich 1.008 Wiederholungen über einen Monat. Vorsatz und Ausführung entsprechen dem Vorhergehenden. Die Bhūtalipi wurde früher beschrieben (Verweis der Vorlage: Śvāsa 3, Seite 64). Die Lesung „hundertacht“ wird auf einen Mantra bezogen, den bereits der Guru rezitiert hat.

Eine andere Weise nennt die Vāyavīya-Saṃhitā:

16.VNF.1 Wer nachts zu drei Zeiten die Gottheit mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt, dem wird sie auch ohne die Puraścaraṇa-Handlung gnädig.

Der Vorsatz lautet entsprechend: „Im Wunsch nach Vollendung dieses Mantras werde ich nachts dreimal verehren.“ Ein Jahr lang verehre man jede Nacht dreimal die Göttin mit ihren Gliedern und Umhüllungen und allen Gaben. Auch sechs Monate, drei Monate oder ein Monat werden genannt. So soll Mantravollendung auch ohne Puraścaraṇa entstehen.

Die den Buchstaben zugeordneten Stoffe

Nach der Kādi-Lehre heißt es:

16.KAU.1 Aus den Kräutern der Buchstaben eines Mantras gefertigte Kügelchen, in der für die jeweiligen Buchstaben genannten Zahl, sollen Mantravollendung verleihen.

16.KAU.2 Ebenso Besprengung, Tragen, Essen, Bestreichen und Verehrung mit ihnen: All dies wird ohne Zweifel als vollendungsbringend bezeichnet.

Die Erläuterung nennt Kügelchen aus den den Mantrabuchstaben zugeordneten Stoffen, in derselben Zahl wie die Mantrabuchstaben. Sie werden getragen, gegessen, als Salbe oder zur Verehrung verwendet; man badet mit ihrem Abkochungswasser und trägt ihre Asche. Dadurch soll Mantravollendung entstehen. [Diese historische Stoffanwendung wird dokumentiert; die teils unsicheren Pflanzenbezeichnungen ergeben keine verlässliche Rezeptur.]

Der Prapañcasāra (Kapitel 3, ab Vers 53) nennt die Buchstabenstoffe in folgender Reihenfolge:

16.PAU.1 Candana, Kucandana, Agaru, Karpūra, Uśīra, Roga, Jala, Ghusṛṇa, Kakkola, Jātimāṃsī, Murā, Cora, Granthi, Rocanā und Patrā.

16.PAU.2 Pippala, Bilva, Guhā, Aruṇa, Tṛṇaka, Lavaṅga, Kumbhi, Vandinī, Udumbara, Kāśmarikā, Sthirā, Abja, Darapuṣpikā und Mayūraśikhā.

16.PAU.3 Plakṣa, Agnimantha, Siṃhī, Kuśa, Darbha, Kṛṣṇadarapuṣpī, Rohiṇa, Ṭuṇṭuka, Bṛhatī, Pāṭala, Citrā, Tulasī und Apāmārga.

16.PAU.4 Śatamūlī, Latādvirephā, Viṣṇukrāntā, Musalī, Añjalinī, Dūrvā, Śrīdevī, Sahā, Lakṣmī und Sadābhadrā.

16.PAU.5 So sind die Kräuter der mit A beginnenden Buchstaben der Reihe nach genannt. In Form von Kügelchen, Abkochungen und Asche sollen sie sämtliche Vollendungen verleihen.

[Die Namensgruppen des Verszitats sind stellenweise unsicher zu trennen und stimmen nicht glatt mit der anschließenden Prosareihe überein.]

Der Kommentar nennt dafür folgende Namen: Candana, Raktacandana, Agaru, Karpūra, Uśīra, Kuṣṭha, Vāla, Kuṅkuma, Jātīphala, Jaṭāmāṃsī, Murā, Cora, Granthi, Gorocanā, Patrā, Pippala, Bilva, Pṛśniparṇī, Citraka, Lavaṅga, Kattṛṇa, Kaṭphala, Vandī, Udumbara, Pāṣāṇabheda, Padma, Śaṅkhapuṣpī, Mayūraśikhā, Plakṣa, Agnimantha, Siṃhī, Kuśa, Kṛṣṇaśaṅkhapuṣpī, Rohiṇa, Syonāka, Bṛhatī, Pāṭala, Mūṣakaparṇī, Tulasī, Apāmārga, Indravallī, Bhṛṅgarāja, Aparājitā, Tālamūlī, Kṛtāñjali, Dūrvā, Śrīdevī, Kumārī, Bhāraṅgī und Bhadramustā. Er bezeichnet dies als einundfünfzig Stoffe für die einundfünfzig Buchstaben von A bis Kṣa. [Bei der hier möglichen Worttrennung ergeben sich nur fünfzig Namen; eine fehlende Zuordnung wird nicht erfunden.]

Rituelle Vereinigung von Mantra und Übendem

Eine weitere Weise nennt das Mantratantraprakāśa:

16.MVE.1 Nachdem der Lehrer den geweihten und verehrten Mantra dem Schüler gegeben hat, stelle er ihre Einheit auf dem in der Schrift beschriebenen Weg her.

16.MVE.2 Den Mantra verflechte er der Reihe nach mit den Buchstaben des Namens; an Anfang und Ende schreibe er den vollständigen Namen und Oṃ.

16.MVE.3 Die Vokale schreibe man auf die Blätter und meditiere über sie als Nektar. Auf Birkenrinde werde dies mit Rocanā und Duftstoffen inmitten eines schönen Lotos geschrieben.

16.MVE.4 Man umhülle es mit reiner Erde und dann mit Wachs und lege es in Süßes in einem kleinen irdenen Gefäß.

16.MVE.5 Das kleine Gefäß lege man in einen neuen, mit Milch gefüllten Krug. Der Lehrer stelle den Krug nahe der Feuergrube auf.

16.MVE.6 Zur Verwirklichung der Einheit von Mantra und Sādhaka bringe der Mantrakenner dann mit dem Grundmantra tausend oder hundert Gaben dar.

16.MVE.7 Von den drei glückverheißenden süßen Stoffen gebe er jeweils auch in den Krug. Nach Abschluss des Feueropfers versenke man den Krug in einem Gewässer.

16.MVE.8 Den eigenen Guru und die Brahmanen erfreue man mit Gold, Lehrergaben und Weiterem. Wer dies nicht kennt, wird hier nicht Sādhaka genannt.

16.MVE.9 Dieses Geheimnis ist nun erklärt; man teile es nicht irgendeinem Menschen mit, sondern einem vorzüglichen Schüler oder Sohn.

Die praktische Erläuterung: Auf Birkenrinde zeichne man mit Gorocanā und Duftstoffen einen achtblättrigen Lotos. In seinen Kelch schreibe man den mit den Namensbuchstaben des Sādhaka verflochtenen Mantra, an Anfang und Ende den ganzen Namen sowie Oṃ. Auf die Blätter kommen die Vokale paarweise. Das Schriftstück wird zusammengerollt, mit reiner Erde und dann Wachs umhüllt und in ein kleines, mit den drei süßen Stoffen gefülltes Tongefäß gelegt. Dieses kommt in einen neuen Milchkrug.

Nach der zuvor beschriebenen Feuerweihe stelle man den Krug neben das Feuer und fasse den Vorsatz: „Im Wunsch nach Vollendung dieses Mantras werde ich zur Verwirklichung der Einheit von Vidyā und Sādhaka 1.008 oder hundert Gaben der drei süßen Stoffe darbringen.“ Unter dem verehrten Mantra bringe man die bestimmte Zahl von Gaben dar und lasse jeweils den am Opferlöffel haftenden Rest in den Krug fallen. Danach versenke man den Krug im Gewässer und erfreue Guru und Brahmanen mit Gold und weiteren Gaben.

Sieben rituelle Mantrabehandlungen

Wenn auch danach keine Vollendung eintritt, soll man nach dem Text am Mantra das „Verflüssigen“ und die weiteren Behandlungen ausführen. Das Mahāhārakatantra sagt:

16.MBH.1 Verflüssigen, Erwecken, Unterwerfen, Bedrängen, Nähren, Austrocknen und Verbrennen soll der Kundige vollziehen; danach soll der Mantra vollendet sein.

16.MBH.2 Das Verflüssigen geschieht durch Verflechtung mit Wasser-Bījas. Man schreibe den so verflochtenen Mantra in ein Yantra mit Śilā, Kampfer und Kuṅkuma …

16.MBH.3 … sowie Uśīra und Rocanā. Das beschriebene Stück lege man in eine Mischung von Milch, Butterfett, Honig und Wasser.

16.MBH.4 Durch Verehrung, Rezitation und Feueropfer wird er „verflüssigt“ und soll Frucht verleihen. Bleibt er dennoch unvollendet, lasse man sein Erwecken ausführen.

16.MBH.5 Eingerahmt vom Sārasvata-Bīja rezitiere man ihn. So erweckt soll er vollendet sein; andernfalls bringe man ihn unter Einfluss.

16.MBH.6 Mit rotem Sandelholz, Dāru, Haridrā, Madana und Śilā wird der Mantra auf gute Birkenrinde geschrieben …

Madana wird hier als Moschus, Śilā als Manaḥśilā erläutert.

16.MBH.7 … und am Hals getragen; so soll er vollendet sein. Andernfalls vollziehe man das Bedrängen: Die Wörter werden in umgekehrter Ordnung rezitiert …

16.MBH.8 … und die Gottheit ebenso in umgekehrter Gestalt meditiert. Man schreibe die Vidyā mit Arka-Milchsaft und trete mit dem Fuß darauf.

16.MBH.9 Mit dem so veränderten Mantra wird täglich Feueropfer ausgeführt. Bedrängt und von Scham ergriffen soll er sich vollenden; andernfalls nähre man ihn.

16.MBH.10 Vom dritten Bīja Bālās eingerahmt, mit Honig und Milch geschrieben, werde der Mantra getragen. Oder man vollziehe das Austrocknen.

16.MBH.11 Mit zwei Luft-Bījas verflochten schreibe man den Mantra mit Asche und trage ihn am Hals. Andernfalls ist er mit dem Feuer-Bīja zu „verbrennen“.

16.MBH.12 Die Mantrabuchstaben, in allen vier Richtungen vom Feuer-Bīja umgeben, schreibe man mit Palāśa-Öl und trage sie am Hals.

16.MBH.13 Dann soll der Mantra ohne Zweifel vollendet werden: So spricht Śaṅkara. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

[Die „Behandlungen“ richten sich in diesem Abschnitt an den Mantra und seine schriftliche Darstellung. Die Stoffnennungen dokumentieren das historische Ritual und sind keine Empfehlung zur Verwendung.]

Die praktische Erläuterung beschreibt die sieben Formen erneut:

Beim Verflüssigen wird der Grundmantra mit dem Varuṇa-Bīja vaṃ verflochten. Man schreibt ihn mit Kampfer, Kuṅkuma, Gorocanā, Manaḥśilā und Uśīra in die Mitte eines Yantras in Gestalt des Verehrungscakra. Das Yantra wird in einem Gefäß in Milch, Honig, Butterfett und Wasser gelegt; dann folgen Verehrung, Rezitation und Feueropfer.

Das Erwecken besteht in der Rezitation des vom Vāgbhava-Bīja eingerahmten Mantras.

Beim Unterwerfen schreibt man den Grundmantra auf Birkenrinde mit rotem Sandelholz, Dāruharidrā, Moschus und Manaḥśilā und trägt das Schriftstück am Hals. [Die Prosafassung nennt Dāruharidrā zusammen, während die Verszeile auch eine andere Worttrennung zulässt.]

Beim Bedrängen rezitiert man die Mantrawörter in umgekehrter Folge und vergegenwärtigt auch die Gottheit umgekehrt. Auf ein Arka-Blatt schreibt man den Mantra mit Arka-Milchsaft, tritt mit dem Fuß darauf und vollzieht das Feueropfer mit der umgekehrten Wortfolge.

Beim Nähren schreibt man den vom dritten Bīja Bālās eingerahmten Mantra mit Kuhmilch und Honig auf Birkenrinde oder einen entsprechenden Träger und trägt ihn.

Beim Austrocknen schreibt man den mit dem Luft-Bīja verflochtenen Mantra mit Opferasche und trägt ihn am Hals.

Beim Verbrennen schreibt man mit Palāśa-Samenöl jeden einzelnen Mantrabuchstaben, vom Feuer-Bīja eingerahmt; über und unter jeden Buchstaben wird zusätzlich das Feuer-Bīja gesetzt. Das Schriftstück wird am Hals getragen.

Die Verflechtung vidarbha definiert der Śāradātilaka: „Zwischen je zwei Mantrabuchstaben schreibe man einen Buchstaben des Namens des Zieles; dies heißt Vidarbha.“ Ein anderes Tantra sagt: „Abwechseln nach einem Laut heißt Grathana, Einfügen nach jeweils zwei heißt Vidarbha.“

Das Ekavīrākalpa sagt:

16.EBM.1 Jede dieser Handlungen soll für die Dauer eines Maṇḍala vollzogen werden. Die Zahl für Rezitation, Feueropfer und weitere Glieder ist jeweils hundertacht.

16.EBM.2 Wenn der Mantra so nicht vollendet wird, rezitiere ihn der Verständige; dann lege er Mantra, Yantra und Kette auf neun Aśvattha-Blätter …

16.EBM.3 … ebenso Vorschrift und Handbuch, verehre alles und gebe es ins Wasser. Danach suche er rasch den Guru auf, um Einweihung zu empfangen.

All dies gilt nach dem Verfasser für andere Mantras als die Mahāvidyās. Bei den Mahāvidyās steht allein die Befreiung im Vordergrund; Genüsse sind kein eigens anzustrebendes Ziel. Nach einem hier beschädigt benannten Auslegungsgrundsatz gilt: Wenn Genüsse nebenher entstehen, mögen sie entstehen; wenn nicht, mögen sie ausbleiben. Die Mahāvidyās dürfen deshalb nicht aufgegeben werden.

Stufen und Kennzeichen der Vollendung

Anlässlich dessen erläutert ein anderes Tantra die Kennzeichen der Vollendung:

16.SST.1 Mühelose Erfüllung der Wünsche ist ein höchstes Kennzeichen der Vollendung, ebenso das Abwenden von Todesgefahren und das Sehen der Gottheit.

16.SST.2 Auch die mühelose Verwirklichung ritueller Anwendungen ist ein Zeichen der Vollendung, ferner das Eingehen in einen fremden Körper und das Eintreten in eine Stadt beziehungsweise einen Körperbereich.

16.SST.3 Ebenso das Aufsteigen nach oben, das Wandeln in den Bereichen des Beweglichen und Unbeweglichen, Begegnung mit Khecarīs und das Hören ihrer Gespräche.

16.SST.4 Man sieht Öffnungen in der Erde, begegnet Wesen in den Unterwelten und zieht Götterfrauen und Nāga-Frauen an.

16.SST.5 Nach Erlangung der Kräfte von Sandalen, Kügelchen, Augensalbe und verborgenen Zugängen sowie der Aṇimā- und weiteren Fähigkeiten erlangt man schließlich allein die Befreiung.

16.SST.6 So sind dir, o Brahmane, die hauptsächlichen Vollendungszeichen erläutert. Ruhm, Erwerb von Fahrzeugen, Schmuck und Ähnlichem, sehr langes Leben, …

16.SST.7 … starker Einfluss auf Könige und Frauen, überall in allen Welten Staunen hervorrufend und glücklich zu sein, …

16.SST.8 … durch den Blick Krankheit und Gift zu entfernen, Gelehrsamkeit und vierfache Dichtkunst ohne Mühe, …

16.SST.9 … Leidenschaftslosigkeit, Wunsch nach Befreiung, Freigebigkeit beziehungsweise Loslassen, Einfluss auf alle, Übung des achtgliedrigen Yoga und Verzicht auf den Wunsch nach Genuss, …

16.SST.10 … Mitgefühl mit allen Wesen und das Aufgehen von Allwissenheit und anderen Eigenschaften: Solche Fülle an Eigenschaften ist das Kennzeichen mittlerer Vollendung.

16.SST.11 Ruhm, Erwerb von Fahrzeugen, Schmuck und Ähnlichem, sehr langes Leben, die Zuneigung von Königen und Frauen, Einfluss auf die Menschen, …

16.SST.12 … große Macht, Reichtum und Fülle an Söhnen, Ehefrau und Weiterem: Dies heißt niedere Vollendung und bildet die ersten Stufen des Mantrakenners.

[Mehrere Merkmale werden in der mittleren und der niederen Gruppe wiederholt. Die übernatürlichen Kräfte werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben.]

16.SST.13 Mantraunterweisung an einer Pilgerstätte, Vertrauen in die Rezitation und Zuversicht, dass sie Frucht tragen wird: Dies ist ein Kennzeichen wirklicher Vollendung.

16.SST.14 Mantras ohne Bīja versehe man mit Bījas, etwa dem Kāma- oder Viṣa-Bīja. So soll der Mantra den Rezitierenden Vollendung verleihen.

16.SST.15 Am richtigen Ort eingesetzt gewähren Mantras Gaben, in Meditation gegründet verleihen sie Frucht. Fehlen Ort und Meditation, entsteht auch nach zehn Millionen Wiederholungen keine Frucht.

16.SST.16 Der Verständige rezitiere den von der Mātṛkā eingerahmten Grundmantra hundertmal in vorwärts- und rückwärtslaufender Folge; danach den Mantra allein.

16.SST.17 So rezitiere man täglich, bis ein Monat vollendet ist. Gewiss entsteht Mantravollendung: So erklären es die Kenner des Tantra.

16.SST.18 Den Guru erfreue man hingebungsvoll mit Schmuck, Kleidung und anderen Gaben. Allein durch die Zufriedenheit des Gurus soll sichere Mantravollendung entstehen.

16.SST.19 All dies wurzelt im Guru, sagen die Tantra-Kenner. Wer den Guru übergeht, besitzt in dieser Lehre keine Befugnis, o Götterherrin.

16.SST.20 Werden diese Mantra- und Tantra-Anwendungen ohne die Erlaubnis des Gurus ausgeführt, o Göttin, entsteht Verlust der Vollendung.

16.SST.21 Wenn Śiva zürnt, schützt der Guru; wenn der Guru zürnt, niemand. Wessen Hingabe an Gottheit, Mantra und Guru, diese drei, fest ist …

16.SST.22 … und nicht abreißt, dem ist die Vollendung nahe. Für die ohne innere Vergegenwärtigung, für niedrige und eng gesinnte Menschen …

16.SST.23 … wird zur Vollendung die vierfache Rezitation vorgeschrieben; anders soll sie nicht eintreten. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Unter Berufung auf diese Aussage des Ekavīrākalpa erklärt der Kommentar, dass Menschen in der Paśu-Haltung durch vier Puraścaraṇas Mantravollendung erlangen. Daher sei zuvor von einem vierfach praktizierten Mantra gesprochen worden. „Niedrige“ wird hier als Bezeichnung der Paśus erklärt; die vorausgesetzte innere Haltung sei die Divya- oder Vīra-Haltung. [Dies sind wertende Kategorien der tantrischen Schule.]

Das Divya-Puraścaraṇa und die Verehrung der Kula-Śakti

Zum Divya-Puraścaraṇa sagt ein anderes Tantra:

16.DPK.1 Wenn ein Brahmane ein vorzüglicher Kula-Praktizierender und den Kula-Stoffen hingegeben ist, dann soll er nach dieser Vorschrift die Kula-Praxis ausführen.

16.DPK.2 Alkohol, Fleisch, Fisch, Mudrā und geschlechtliche Vereinigung werden bei der Verehrung der Kula-Göttin als wechselseitig zusammengehörig und beständig verstanden.

„Vorzüglicher Kula-Praktizierender“ bedeutet einer der Divya- oder Vīra-Art; „nach dieser Vorschrift“ meint die nachfolgend erläuterte. Durch die ausdrückliche Nennung eines Brahmanen wird die Ansicht zurückgewiesen, für Brahmanen seien ausschließlich Ersatzformen nach Paśu-Art vorgesehen.

Das Kulārṇava sagt nach Einführung der Kula-Abfolge:

16.KKV.1 Von Brahmanen soll sie stets ausgeführt werden, von Kṣatriyas beim Eintritt in den Kampf, von Vaiśyas beim Einsatz von Vermögen, von Śūdras dagegen niemals.

Aussagen wie „Für Brahmanen gilt die Ersatzform“ bezieht der Kommentar auf Brahmanen der Paśu-Art; die meisten Brahmanen gehörten nach seiner Wertung zu dieser Art.

[Der Abschnitt beschreibt eine initiatorische historische Ritualform mit sozialen Ausschlüssen. Die knappe Nennung sexueller Vereinigung wird nicht zu einer praktischen Anleitung erweitert.]

Das Kulacūḍāmaṇi sagt:

16.KŚP.1 Während des Puraścaraṇa verehre man eine eingeweihte Kula-Śakti mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben sowie mit Speisen aus Milchreis.

16.KŚP.2 Zu Beginn bringe man die Frau persönlich mit festen Speisen, gekochter Nahrung und Beilagen in ein unbenutztes Haus und reinige Arghya und die weiteren Gaben.

16.KŚP.3 Nach der Nektarisierung lasse man die Śakti sich zuwenden. Zuerst gebe man ihr einen Sitz und spreche erneut ein Willkommen.

16.KŚP.4 Wasser für die Füße, Arghya, Trinkwasser, Madhuparka und weiteres Wasser werden gegeben. Man bade sie mit duft- und blumenhaltigem Wasser und beginne die Haarpflege.

16.KŚP.5 Nach dem Beräuchern der Haare überreiche man Seidenkleidung. An einer anderen Stelle bereite man einen Sitz und gebe ein Paar Sandalen.

16.KŚP.6 Die dort Sitzende schmücke man mit mannigfaltigen Schmuckstücken und bringe ihr Salbung, Duft und Girlanden dar.

16.KŚP.7 In einem schönen goldenen Gefäß inmitten des Maṇḍala gebe man fünf Arten von Nahrung: zu kauende, zu saugende, zu leckende, zu trinkende und zu essende Speisen.

16.KŚP.8 Verschiedene Kuchen mit vielerlei Geschmack, Milch, Dickmilch, Butterfett, Buttermilch und frische Butter mit Zucker, …

16.KŚP.9 … reichlich Zuckerstücke und mancherlei stärkende Zubereitungen, Kokosnuss, Kapittha, Nāgaraṅga und Sudarśana, …

16.KŚP.10 … Limpāka, Bījapūra und vorzügliche Granatapfelfrucht, verschiedene Waldfrüchte und vielfältige duftende Salben, …

16.KŚP.11 … Sandelholz, Moschus, Śrīkhaṇḍa, frische Blätter, Ṭaṅkaṇa, Lodhra, im Wasser und im Wald Entstandenes, …

16.KŚP.12 … an verschiedenen Bergen Entstandenes sowie verschiedene Schmuckstücke: Zu Beginn, am Ende und in der Mitte, besonders bei Rezitation und Verehrung, …

16.KŚP.13 … soll die Geliebte verehrt werden. Geschieht dies nicht, wird der Übende von Hindernissen erfasst; das zuvor Erworbene trägt keine Frucht – was erst wäre von einer späteren Geburt zu sagen?

16.KŚP.14 Darum sollen, wenn man das eigene Wohl, auch die Besänftigung meines Zorns und meiner Erregung sowie das Beseitigen von Hindernissen wünscht, …

16.KŚP.15 … die Kula-Frauen und die Frauen der Kula-Gemeinschaft mit aller Sorgfalt verehrt werden. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die Beschränkung auf Anfang, Mitte und Ende ist nach dem Kommentar für den Fall zu beachten, dass häufigere Verehrung nicht möglich ist. Bei noch größerer Einschränkung bleibt sie am Anfang und Ende verpflichtend; dafür werden die Formulierungen „zu Beginn“ und „besonders beim Abschluss der Rezitation“ angeführt.

Kolophon des sechzehnten Śvāsa

Damit endet der sechzehnte Śvāsa des Śrīvidyārṇava-Tantra, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler Śrī Pragalbhācāryas, in der genannten Schülerfolge über Śrī Viṣṇuśarmācārya und Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya zu dem großen Lehrer, dem verehrten Śrī Govindācārya.

[Nach dem Kolophon stehen in der Vorlage bereits ein „Nun“ und der Werktitel als Übergang zum folgenden Kapitel; sie enthalten keinen weiteren Lehrtext dieses Śvāsa.]

17. Śvāsa

Besondere, geheim überlieferte Puraścaraṇa-Formen

Nun folgt das geheime Puraścaraṇa. [Die folgenden Passagen dokumentieren historische Ritualformen, darunter Handlungen mit menschlichen Überresten sowie sexuelle Kula-Rituale. Sie werden sachlich als Quelleninhalt übersetzt; beschädigte Einzelheiten werden nicht zu praktischen Anleitungen ergänzt.]

Das Svatantratantra sagt:

17.SR.1 Auch auf andere Weise wird Puraścaraṇa gelehrt: Ein am Dienstag oder Samstag beschaffter Menschenschädel …

17.SR.2 … wird mit Pañcagavya und besonders mit Sandelholz und weiteren Stoffen behandelt und in einem Wald oder Hain eine halbe Elle tief in die Erde gelegt.

17.SR.3 Wenn man dort in derselben Nacht allein den Mantra tausendmal entsprechend dem Maß rezitiert, soll man einem wunscherfüllenden Baum gleich werden.

17.SR.4 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Man bringt einen Leichnam und gräbt ihn an jener Tür ein […]. [Die Wendung tenaiva parikhanya ist unklar; der Bezug von „jener Tür“ wird hier nicht erläutert.]

17.SR.5 Von jenem Tag bis zu dessen Wiederkehr rezitiere man jeweils hundertachtmal. Man soll zum Herrn aller Vollendungen werden; daran sei nicht zu zweifeln. [Der gemeinte Zeitraum wird im Vers nicht genauer bestimmt.]

17.SR.6 Noch eine andere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Am achten und vierzehnten Tag beider Monatshälften …

17.SR.7 … rezitiere man vom Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang ohne Furcht; dadurch soll man Herr sämtlicher Vollendungen werden.

Das Muṇḍamālā-Tantra sagt:

17.MR.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt, besonders im Herbst vom vierten bis zum neunten Mondtag.

17.MR.2 Nach hingebungsvoller Verehrung rezitiere man nachts tausendmal, allein an einem einsamen Ort, in einem völlig dunklen Raum.

17.MR.3 Vom achten bis zum neunten Tag halte man Fasten. Vom achten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum nächsten achten Tag der dunklen Hälfte …

17.MR.4 … gilt die Rezitation in Tausenderzahl als Puraścaraṇa. Vom vierzehnten Tag der dunklen Hälfte bis zum neunten Tag des großen Festes …

17.MR.5 … vollziehe man besonders in der achten und neunten Nacht die Verehrung; am zehnten Tag breche man das Fasten mit Fisch, Fleisch und weiteren Speisen.

17.MR.6 Täglich rezitiere man hingebungsvoll sechstausendmal, vom vierzehnten Mondtag bis zum nächsten vierzehnten.

17.MR.7 Wird über diese Zeit rezitiert, Maheśānī, gilt dies als Puraścaraṇa. Allein durch die Rezitation sollen die Mantras vollendet werden.

[Die Versfolge verbindet mehrere Zeitmodelle; deren Übergänge sind nicht durchgehend ausdrücklich markiert.]

Das Svatantratantra sagt:

17.SV.1 Nach regelgerechter nächtlicher Verehrung der Göttin mit Fleisch und Trank nähere sich der unbekleidete Übende einer unbekleideten Frau zur sexuellen Vereinigung. [Der zusätzliche Ausdruck kledayuta bezeichnet Feuchtigkeit beziehungsweise Erregung; sein genauer Bezug bleibt offen.]

17.SV.2 Er rezitiere hunderttausendmal und bringe danach der Göttin im lodernden Feuer einer Yoni-förmigen Grube, gesammelt, zehntausend Gaben von Butterfett, Fleisch und Fisch dar.

17.SV.3 Mit einem Zehntel davon vollziehe der Sādhaka die Sättigungsdarbringung mit Fisch, mit Fleisch vermischt; mit einem Zehntel der Sättigungszahl besprenge er die Göttin, die aus der Welt besteht.

17.SV.4 Im Zehntelverhältnis speise er einen der Gottheit lieben Sādhaka mit wohlschmeckender Nahrung. Die erste Gabe, Fleisch, Fisch und zu kauende Speise bringe er dar.

17.SV.5 Danach erfreue er hingebungsvoll den Guru mit Gold und weiteren Gaben, Geliebte. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Wegen des Vorrangs der Divya-Lehrweise gilt hier nach dem Kommentar nur ein Lakh als Gesamtzahl und täglich nur tausend Wiederholungen. So wird die Anordnung „Er rezitiere ein Lakh“ mit der zuvor angeführten Aussage verbunden. Bei Feueropfer und weiteren Handlungen haben die als „erste“ bezeichneten Kula-Stoffe Vorrang; für die Feuergrube wird Yoni-Gestalt verbindlich verlangt.

Das Kulasambhava sagt:

17.KS.1 Nachts, unbekleidet, mit gelöstem Haar und auch während der sexuellen Vereinigung soll man sorgsam rezitieren, zur Verwirklichung sämtlicher Wünsche und Ziele.

Ein anderes Tantra sagt:

17.AT.1 Man rezitiere den Mantra bis zum Samenerguss; danach rezitiere der Verständige erneut, o Götterherrin.

17.AT.2 Nachts, mit Betel im Mund, auf dem Lager, bis zur Zahl von hunderttausend. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Ein weiteres Wort lautet: „Das Eintreten in das Haus des Liṅga hat größere Frucht als der Leichensitz.“ [Die Bildsprache wird hier nicht weiter aufgelöst.]

Wie bei der Besprechung der Yoni und beim Dūtī-Opfer wurde bereits gesagt, dass der Anblick einer unbekleideten Frau außerhalb der eigentlichen Praxis untersagt ist. Andererseits wird an einer Stelle vorgeschrieben: „Wenn durch günstiges Geschick, o Göttin, ein Kula-Anblick entsteht, soll man sogleich selbst die geistige Verehrung dieser Frauen vollziehen.“

Der Verfasser löst den scheinbaren Widerspruch durch die Unterscheidung der Haltung: Eine erzwungene, verzerrende Anwendung der Regel soll nicht erfolgen; darauf richtet sich das Verbot. Die Vorschrift gilt dagegen bei entsprechender innerer Vergegenwärtigung. [Der knappe Ausdruck zur gewaltsamen Regelanwendung ist mehrdeutig.]

Ein anderes Tantra sagt:

17.FV.1 Schläge gegen diese Frauen, Verleumdung, Hinterlist und Verletzendes dürfen unter keinen Umständen ausgeübt werden; andernfalls wird Vollendung behindert.

17.FV.2 Frauen sind Gottheiten, Frauen sind Lebenskräfte, Frauen sind das Leben selbst. Gegenüber Frauengruppen soll man stets diese Haltung einnehmen, andernfalls auch gegenüber der eigenen Frau.

17.FV.3 Von ihrer Hand gepflückte Blumen, von ihrer Hand geschöpftes Wasser und von ihrer Hand bereitete Speise bringe man den Gottheiten dar.

Aus der Aussage „Ob Divya oder Vīra, nachts vollziehe man ein Lakh Rezitation“ folgert der Kommentar für beide dieselbe Vorschrift. Im Divya-Weg ist die Kula-Praxis notwendig. Dazu wird gesagt: „Auf dem Gāndharva-Weg ist das fünfte Element auf Erden schwer zu erlangen.“ Für die Śrīvidyā gelte die Divya-Abfolge, während in anderen Zusammenhängen beide Wege gleichgestellt seien.

Das Vīra-Puraścaraṇa

Zur Kula-Form des Vīra-Puraścaraṇa sagt das Bhāvacūḍāmaṇi:

17.BV.1 Die Vīra-Praxis ist von Vīra-Menschen auszuführen, auch von Divya-Praktizierenden, jedoch nicht von Paśus und Unkundigen.

17.BV.2 Eine Handlung der Vīra- oder Divya-Art gehört entschieden nicht dem Paśu. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die ausdrückliche Nennung der Divyas zeigt, dass auch sie diese Praxis ausführen dürfen. Beim Divya bleibt die Vīra-Handlung verborgen, beim Vīra die Divya-Handlung; sie kann nur gelegentlich vorkommen. Sichtbar sind die jeweiligen äußeren Erscheinungsformen. Tatsächlich soll nach dem Kommentar jedoch alles geheim gehalten werden. Ein anderes Tantra sagt: „Mit Sorgfalt soll man es verbergen wie den eigenen Intimbereich, Pārvatī; Offenbarung führt zum Verlust der Vollendung, daran sei nicht zu zweifeln.“ Ein weiteres Vergleichswort lautet: „Man verberge es wie den Liebhaber der Mutter.“

Zu Beginn des Puraścaraṇa und bei entsprechenden Anlässen sollen Vīras nach Kräften eine eingeweihte Frau verehren, die nicht die eigene Ehefrau ist. Dazu folgt nun das Zitat des Kulacūḍāmaṇi.

Verehrung der acht Śaktis

Das Kulacūḍāmaṇi sagt:

17.KC.1 Während des Puraścaraṇa verehre man eine eingeweihte Frau, die nicht die eigene ist, mit Kleidung, Schmuck und weiteren Gaben sowie mit Milchreisspeisen.

17.KC.2 Zu Beginn bereite man selbst gekochte Speise und Beilagen, Milch, Dickmilch, Butterfett, Buttermilch und frische Butter mit Zucker, …

17.KC.3 … Zuckerstücke, frische […] und vielerlei stärkende Zubereitungen, Kokosnuss, Kapittha, Nāgaraṅga und Sudarśana, …

17.KC.4 … Limpāka, Bījapūra, vorzügliche Granatapfelfrucht, verschiedene Waldfrüchte und mancherlei duftende Salben, …

17.KC.5 … Sandelholz, Moschus, Śrīkhaṇḍa, frische Blätter, Ṭaṅkaṇa, Lodhra sowie im Wasser und im Wald Entstandenes, …

17.KC.6 … an verschiedenen Bergen Entstandenes und verschiedenartigen Schmuck. Man bringe dies in ein unbenutztes Haus und reinige es mit Arghya-Wasser.

17.KC.7 Nach der Nektarisierung lasse man die Śakti sich zuwenden. Eine Brahmanin, Kṣatriya-Frau, Vaiśya-Frau und Śūdra-Frau als Schmuck des Kula, …

17.KC.8 … eine Prostituierte, die Tochter eines Barbiers, eine Wäscherin und eine Schauspielerin: Mit besonderer Gewandtheit ausgestattet gelten sie alle als Kula-Frauen.

[Die Bezeichnung „Tochter eines Barbiers“ benennt hier eine soziale Herkunft und macht keine Altersangabe. Im Folgenden wird ihre rituelle Verehrung beschrieben.]

Die acht eingeweihten Śaktis werden der Reihe nach eingesetzt. Man stelle das Arghya-Gefäß auf, besprenge sie mit dessen Wasser und vollziehe unter vaṃ und der Dhenu-Mudrā die Nektarisierung. Sie werden als acht verschiedene Śakti-Gestalten vergegenwärtigt und nach Brāhmī und den weiteren acht Śaktis benannt.

17.KC.9 Zuerst gebe man einen Sitz und heiße sie wiederholt willkommen; dann Arghya, Fußwasser, Trinkwasser, Madhuparka und weiteres Wasser.

17.KC.10 Man bade sie mit duft- und blumenhaltigem Wasser, pflege die Haare, beräuchere sie und überreiche Seidenkleidung.

17.KC.11 An einer anderen Stelle bereite man einen Sitz, gebe ein Paar Sandalen und führe sie dorthin; mit verschiedenen Schmuckstücken …

17.KC.12 … und Räucherung, Salbung, Duft und Girlanden verehre man sie. Die jeweilige Śakti rufe man an und führe sie auf das Haupt der betreffenden Frau.

Man rufe also Brāhmaṇī und die weiteren Śaktis der Reihe nach an und vollziehe Jīvanyāsa und die anderen Einsetzungen. Beim zuvor beschriebenen Prāṇapratiṣṭhā-Mantra wird anstelle des Platzhalters etwa gesagt: „Die Lebenskräfte Brāhmaṇīs seien hier als Lebenskräfte …“ Entsprechend wird mit Māheśvarī und den weiteren verfahren. Danach gebe man Duftstoffe, Blumen, Licht, Speise und Beilagen und spreche der Reihe nach das Lob in ihr linkes Ohr. Derselbe Text sagt:

17.KC.13 In der Mitte des Maṇḍala, in einem schönen goldenen Gefäß, bringe man Speisen dar: zu kauende, zu saugende, zu leckende, zu trinkende, feste und weiche Nahrung.

17.KC.14 Ist eine Frau nicht eingeweiht, teile man ihr das Māyā-Bīja mit. Dann spreche man das Lob in die linken Ohren.

17.KC.15 „Mutter, Göttin, Verehrung sei dir, die du Brahmās Gestalt trägst, Makellose! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.16 Māheśī, Gaben gewährende Göttin, Gestalt höchster Freude! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.17 Kaumārī, Herrin aller Wissensformen, Höchste im Spiel Kumāras! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.18 Göttin in Viṣṇus Gestalt, auf Vinatās Sohn reitend! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.19 Vārāhī, Gaben gewährende Göttin, die du mit dem Hauer die Erde emporgehoben hast! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.20 Göttin in Śakras Gestalt, von Śakra und den anderen Göttern verehrt! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.21 Cāmuṇḍā, mit Schädelgirlande und Blut geschmückt, Hindernisvernichterin! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.22 Mahālakṣmī, von großer Tatkraft, Vernichterin von Unruhe und Bedrängnis! Nimm gnädig mein Hindernis und gewähre mir Mantravollendung.

17.KC.23 Göttin, die du aus Erkenntnis und Erkennendem bestehst und doch über Erkenntnis und Erkennendem stehst, Eine und Vielfältige, allgestaltige Göttin: Verehrung sei dir!“

17.KC.24 Wer dieses Lob gesammelt beim Beginn seiner Handlungen rezitiert oder beim Anblick einer kundigen Frau, dem soll kein Hindernis entstehen.

17.KC.25 Für den Kula-Angehörigen sind diese deine Torgottheiten genannt, mein Sohn. Werden sie bei Einweihung oder täglicher Verehrung nicht verehrt, …

17.KC.26 … tragen Yakṣas und Rākṣasas die Frucht seiner Verehrung fort, mein Kind. Ist eine Frau beim Essen sehr schamhaft, stehe man außerhalb des Hauses …

17.KC.27 … und rezitiere oder vergegenwärtige das Lob, bis sie gesättigt ist. Nach Ācamana bringe man Mundduftmittel, Betel und Weiteres dar.

17.KC.28 Dann gebe man nochmals Girlanden, Duft und Sandelpaste. Nach der Verabschiedung umschreite man sie ehrerbietig, bitte um einen Segen und sei froh.

17.KC.29 Kommt keine andere Frau, verehre man die eigene Tochter, die jüngere Schwester, die ältere Schwester, die Frau des mütterlichen Onkels, die Mutter oder deren Mitfrau.

17.KC.30 Fehlt die jeweils zuvor genannte, wird die folgende verehrt; Frauen gelten als meine Anteile. Fehlen alle, verehre man sorgfältig irgendeine einzelne.

17.KC.31 Ist dort auch nur ein Kenner der Kula-Schriften der Verehrung würdig, Bhairava, so werden in ihm wahrhaftig alle Götter, Brahmā, Śiva und die übrigen, verehrt.

17.KC.32 Ist dort auch nur eine junge Frau verehrt und ehrerbietig angesehen worden, so sind alle höchsten Göttinnen verehrt, Kula-Bhairava.

[Die Verwandtenliste in Vers 29 betrifft die hier beschriebene Bewirtung, Verehrung und Segensbitte. Der Wortlaut dieser Verse enthält keine sexuelle Handlung.]

Vīra-Praxis und ihre Voraussetzungen

Das Vīratantra sagt:

17.VT.1 Wer gesammelt die Vīra-Praxis ausführt, soll höchste Vollendung erlangen; daran sei nicht zu zweifeln.

17.VT.2 Darum ist die Vīra-Praxis mit aller Sorgfalt auszuführen, furchtlos und rein, als Verwirklichung sämtlicher Ziele.

17.VT.3 Nichts anderes wird als höher und rascher vollendungsbringend bezeichnet. Bhairava hat sie einst als Erfüllung aller Wünsche und Ziele gelehrt.

17.VT.4 Unter dem Grundmantra lege man ein fest gebundenes Gewand und darüber ein weiteres Tuch an; mit dem Grundmantra salbe man die Glieder.

17.VT.5 Mit Turban und unter dem Grundmantra aufgetragener senkrechter Stirnmarkierung aus Sindūra verneige man sich vor eigener Gottheit und Guru. Inmitten eines Prahara beginnt der Weg …

17.VT.6 … zusammen mit anderen Sādhakas, den Mantra im Herzen vergegenwärtigend. Unerschüttert und nach eingenommener Mahlzeit führe man die Praxis aus.

17.VT.7 Am achten oder vierzehnten Tag beider Monatshälften, an einem Dienstag in dunkler Nacht, strebe man nach höchster Vollendung.

17.VT.8 Mit Verehrungsgaben, Kula-Nektar und weiteren Stoffen gehe man nachts zum Leichenplatz, als Unmattānanda-Bhairava …

17.VT.9 … unbekleidet, rein, mit Asche geschmückt und mit gelöstem Haar. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Unbekleidetsein wird nach dem Kommentar nur in bestimmten Vorschriften verlangt. Anderswo heißt es:

17.AM.1 Der mit Dienstag zusammentreffende Neumond ist glückverheißend; bei günstigem Puṣkara-Zusammentreffen soll an ihm der vorzügliche Vīra […] . [Die Aussage ist hier nicht vollständig fortgeführt.]

Unterschiedliche Aussagen über die Kula-Stoffe

Das Rudrayāmala sagt:

17.RK.1 Im Satya-Weltalter verehren die vier sozialen Gruppen mit Milch, Butterfett, Honig und Kuchen; im Tretā verehren alle Gruppen die Göttin mit Butterfett.

17.RK.2 Im Dvāpara verehren alle Gruppen mit Honig; im Kali ist die Göttin allein mit jenen gegorenen Getränken zu verehren.

Der Kommentar erklärt zunächst: Ersatzstoffe gelten in den anderen Weltaltern allgemein für alle Gruppen; im Kali gilt entsprechend die Hauptform allgemein. Eine weitere Quelle sagt jedoch:

17.RK.3 Mit dem Saft von Rohzucker und frischem Ingwer […] ; für den Brahmanen kein Alkohol. Der Kṣatriya verwendet Gauḍī, der Vaiśya Mādhvī …

17.RK.4 … Alkohol aus Banane, Honigmischung und Reis beziehungsweise Rinde […]; für den Śūdra wird jede Art genannt, wo dies als Opfergabe dient. [Die Stofffolge und ihre grammatische Verbindung sind beschädigt.]

Der Verfasser erwägt mehrere Deutungen. Wie zuvor könne der Ersatz bei fehlendem Hauptstoff eintreten, nicht aufgrund des Weltalters oder der sozialen Gruppe; die besonderen Namen Gauḍī und Mādhvī könnten sich auf bestimmte Wünsche beziehen. Oder bei „kein Alkohol“ sei „wenn kein Alkohol vorhanden ist“ zu ergänzen. Die Namen Gauḍī und Mādhvī werden aus Rohzucker und Honig abgeleitet. Auch bei Śūdras wären dann Banane und weitere Stoffe Ersatz bei fehlendem Hauptstoff.

Eine weitere Möglichkeit ist, das Wort „dort“ auf den Scheiterhaufen zu beziehen, da der Abschnitt von Vīra-Praxis handelt. Wo der Gang zum Verbrennungsplatz und die Berührung eines Leichnams nicht beanstandet würden, sei auch der Hauptstoff innerhalb dieser Vorschrift nicht ohne Weiteres zu beanstanden. Für den genannten Zusammenhang würden Haupt- und Ersatzform beide gelehrt. [Eine zusätzliche Wendung zum „Bewegen des Kopfes“ ist im Kommentar nicht klar in das Argument einzuordnen.]

Zu den Ersatzstoffen werden weitere Worte angeführt: „Kokoswasser gebe man in Bronze, Honig in Kupfer; Dickmilch und Milch ebenfalls in Kupfer, ebenso mit Rohzucker gemischte Dickmilch. Oder man bereite Rohzucker und frischen Ingwer zur Verehrung.“ Durch die Verbindung mit dem entsprechenden Gefäß und weiteren Bedingungen werde der Ersatz dem Hauptstoff ähnlich. Der Kommentar folgert hier, dass diese Aussagen auch bei Verfügbarkeit des Hauptstoffs auf Ersatzformen bezogen werden können. [Die Argumentation ist sprunghaft und hebt die zuvor erwogenen Alternativen nicht durchgehend auf.]

Ferner wird die allgemeine Aussage angeführt: „Nach der Ordnung des Kula-Āgama verehre man die höchste Herrin.“ Unter Kula-Āgama wird hier das Kulārṇava verstanden. Dort heißt es im fünften Kapitel:

17.KD.1 Im Śaiva-, Vaiṣṇava-, Śākta- und Saura-Weg, in der Sugata-Lehre, im buddhistischen, Pāśupata-, Sāṃkhya-, Mantra- und Kālāmukha-Weg, …

17.KD.2 … im rechten, linken und Siddhānta-Weg sowie in vedischen und weiteren Wegen, Pārvatī, sei die Verehrung ohne Alkohol und Fleisch fruchtlos. [Die beiden Stoffe werden im Vers mit den traditionellen Codewörtern ali und piśita bezeichnet.]

17.KD.3 Wer Rezitation, Verehrung, Gelübde oder Askese ohne Kula-Stoffe ausführt, dessen Handlung sei fruchtlos, Göttin, wie ein Opfer in Asche.

17.KD.4 Wie das Somatrinken der Brahmanen bei Opfern nicht getadelt wird, so soll auch das rituelle Trinken, Göttin, wie Soma Genuss und Befreiung verleihen.

Der Kommentar beruft sich auf zahlreiche solche Aussagen. Wie bei Jyotiṣṭoma und anderen Opfern sei auch hier die Handlung durch eine aus der Smṛti erschlossene vedische Vorschrift begründet und daher nicht von sich aus ein Mittel des Unrechts. Außerhalb der erlaubten Form entstehe dagegen Unrecht.

Es folgen Gegenstimmen. Im von Śrī Dharmācārya verfassten Laghustava steht: „Brahmanen, Könige, Vaiśyas und die anderen [verehren] mit Milch, Butterfett, Honig und gegorenem Trank.“ Das Jñānārṇava sagt: „Nach der Reihenfolge der sozialen Gruppen ergeben sich unterschiedliche Zuordnungen.“ Ferner: „Der Brahmane verehre Śivā nur mit sattvischem Stoff.“

17.KD.5 Ebenso soll der Kṣatriya darbringen, jedoch niemals Paiṣṭikī. Kokoswasser gebe man in Bronze, Honig in Kupfer.

17.KD.6 Diese Gabe gilt für Kṣatriya und Vaiśya, niemals für den Brahmanen; allein durch eine solche Darbringung werde die Lebensdauer des Brahmanen vermindert.

[Die Zählung setzt hier mit 5 und 6 fort, obwohl die Quellenzuordnung durch die dazwischenstehenden Zitate wechselt.]

Das Bhairavītantra sagt:

17.BAE.1 Wo die Verehrung durch Darbringung von Alkohol notwendig vorgeschrieben ist, soll ein Brahmane Honig in einem Kupfergefäß als Alkohol-Ersatz bereiten.

17.BAE.2 Gibt ein Brahmane Alkohol dar, fällt er vom Brahmanenstand ab. Gibt er das Blut seines eigenen Körpers dar, zieht er sich die Schuld der Selbsttötung zu.

Nach Prüfung verschiedener Schriften wird daraus eine Verehrung der Brahmanen mit Ersatzstoffen begründet: „Allein in sattvischer Haltung sättige der Brahmane Śivā.“ Die Śrīkramasaṃhitā sagt:

17.ŚKR.1 Wer uns Fleisch, Blut oder Alkohol darbringt, o Götterherrin, ohne die seiner sozialen Gruppe und Lebensstufe entsprechende Ordnung zu berücksichtigen, …

17.ŚKR.2 … wird zu Bhūta, Preta, Piśāca oder Brahmarākṣasa. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Der Kommentar nimmt dann ausdrücklich die restriktive Auffassung auf: Aus „mit Rohzucker-Ingwersaft; kein Alkohol für den Brahmanen“ folge, dass für ihn auch im linken Āgama keine Berechtigung bestehe. Die Śruti-Aussage „Stets meide der Brahmane Alkohol“ werde durch „stets“ auch auf solche Fälle bezogen, in denen ein Wunsch eine anderweitige Vorschrift nahelegen könnte; ebenso gelte das Verbot ohne Wunsch. Daher müsse auch im linken Āgama das Verbot erkannt werden.

Eine weitere Aussage wird mit der Möglichkeit einer negierenden Worttrennung angeführt: „Für den Brahmanen stets untrinkbar, für den Kṣatriya beim Eintritt in den Kampf, für den Vaiśya beim Einsatz von Vermögen, für den Śūdra niemals.“ [Der Bezug des abschließenden „niemals“ bleibt in dieser verkürzten Zitatform unklar.]

Die Mahākālasaṃhitā sagt: „Von Brahmanen werde sie mit Milch gesättigt, von Königssöhnen mit Butterfett, von Vaiśyas mit Honig und von Śūdras mit gegorenen Getränken.“ Der Verfasser betont, dass eine Unterscheidung des Wesentlichen vom Unwesentlichen erforderlich bleibe.

Erlaubte Form und ausdrücklich getadelte Handlungen

Zur erlaubten Form heißt es:

17.VER.1 Ohne Zweifel und Furcht, ohne Scham und bloße Neugier, nachdem er den Sinn von Veda und Schrift geklärt hat, trinke der Vīra die gabenverleihende Vāruṇī.

17.VER.2 Wenn bei den Menschen, die diese Handlung ausführen, eine Zerstörung ihrer religiösen Handlungen entstünde, wie könnten sie dann siebzig Millionen große Weise vollziehen?

Zur getadelten Form heißt es dagegen:

17.VNI.1 Ohne den Umkreis, die Guru-Reihe, Vaṭuka und die weiteren verehrt zu haben, zieht sich selbst ein Vīra hier durch zweckloses Trinken den Fluch der Gottheit zu.

17.VNI.2 Ohne den Gott Bhairava verehrt und die Mantra-Sättigung vollzogen zu haben, gelangt selbst ein Vīra, der in der Weise des Paśu trinkt, in die Hölle.

17.VNI.3 Wer ohne Kenntnis des Kaula-Verhaltens und ohne Verehrung der Guru-Pādukā in dieser Lehre tätig wird, den bedrängst du gewiss.

17.VNI.4 Wer im Kaula-Wissen nicht bewandert ist und dennoch den Stoff genießen möchte, gilt als schwerer Übeltäter, o Göttin, außerhalb aller religiösen Ordnung.

17.VNI.5 Wer ohne überlieferte Verpflichtung und Verhaltensregel eigenwillig lebt und schlechten Sinnes ist, erlangt keine Vollendungen, fällt aus dem Kula und richtet all dies auf die Hölle.

17.VNI.6 Wer die Schriftvorschrift aufgibt und nach bloßem Verlangen handelt, erlangt hier keine Vollendung und jenseits nicht den höchsten Zustand.

17.VNI.7 Wer ohne Einweihungsweihe nach eigener Willkür handelt, für den entsteht auch durch Askese, Pilgerstätten, Gelübde und Ähnliches kein guter Weg.

17.VNI.8 Wer ungeweihten Alkohol trinkt, sexuelle Vereinigung erzwingt oder Fleisch allein zum eigenen Vergnügen beschafft, gelangt nach dieser Aussage in die Raurava-Hölle.

Der Kommentar bezeichnet zahlreiche solche Aussagen als Regeln der Erlaubnis und des Verbots. Auch die begrenzte Ausnahme „Wenn zufällig ein ritueller Trank erlangt wird, nehme man ihn hingebungsvoll unter dem Grundmantra, erinnere sich an Guru und Pādukā und empfange ihn mit den drei Tattvas unter Rezitation des Grundmantras“ bezieht er ausschließlich auf bereits geweihte Stoffe einer besonderen Verehrung.

Es folgen zugeschriebene Wirkungen:

17.VNI.9 Paiṣṭī soll sämtliche Vollendungen bewirken, Gauḍī Genuss gewähren und Mādhvī Befreiung bringen: So werden drei Arten des Surā-Tranks genannt, Geliebte.

17.VNI.10 Die Zuckerrohrart soll Wissen verleihen, die Traubenart Herrschaft. Palmtrank wird für das Stillstellen gepriesen, Datteltrank als feindvernichtend.

17.VNI.11 Kokosnussgetränk soll Wohlstand verleihen, Jackfruchtgetränk Gutes bringen, Madhūka-Getränk Erkenntnis bewirken und Armut und Feinde entfernen.

17.VNI.12 Die Maireya genannte Art soll alle Verfehlungen beseitigen, Kula-Herrin; ferner wird aus milchsaftführenden Bäumen oder Rinde gewonnener Trank genannt.

17.VNI.13 Welcher Stoff ungeteilte Freude, Wohlgeruch und angenehmes Empfinden schenkt, der gilt als vorzüglich, o Göttin, und erfreut die Gottheit.

17.VNI.14 Allein aus dem Anblick des rituellen Tranks soll der Ertrag von zehn Millionen Pilgerstätten entstehen; allein aus dem Riechen seines Dufts der Ertrag von hundert Opfern.

17.VNI.15 Durch sein Trinken soll man unmittelbar vierfache Befreiung erlangen, Göttin. Für den Anblick von Fleisch und die weiteren entsprechenden Handlungen wird ein Ergebnis wie beim Anblick des Tranks genannt.

[Diese Ergebnisse sind religiöse Zuschreibungen der zitierten Rituallehre.]

Der Verfasser schließt, es erscheine folgerichtig, gerade die Aussagen des Kulārṇava zu beachten. Damit beendet er die Erörterung. [Die vorausgehenden restriktiven und erlaubenden Stimmen bleiben in ihrer tatsächlichen Verschiedenheit erhalten.]

Die Nīla-Abfolge am Verbrennungsplatz

Im Nīlatantra, Kapitel 11, spricht die Göttin:

17.NC.1 Die große Nīla-Abfolge hast du angedeutet, o Gott, aber nicht offengelegt. Erläutere sie, Mahādeva, die große, alle Vollendungen verleihende.

Bhairava spricht:

17.NC.2 Höre, Göttin, du Schöne, die vorzügliche Vīra-Praxis, die unmittelbar alle Vollendungen verleihen soll und von allen Göttern verehrt wird.

17.NC.3 Sie wird als Beseitigerin aller Verfehlungen und Krankheiten beschrieben, Göttin, für Brahmā, Viṣṇu, Śiva und die Richtungshüter, du Strahlende, …

17.NC.4 … für alle Bhairavas, Gandharvas und Yogins als von selbst vollendungsbringend, als große Wohnstatt aller, o Göttin.

17.NC.5 Keine andere Praxis außer der Vīra-Praxis wird hier als vollendungsbringend bezeichnet. Wer große Kraft, große Einsicht und großen Mut besitzt, rein ist, …

17.NC.6 … sehr klar, mitfühlend und dem Wohl aller Wesen zugetan: Für solche Menschen ist die Nīla-Praxis gelehrt, große Göttin.

17.NC.7 Am achten oder vierzehnten Tag beider Monatshälften, besonders in der dunklen Hälfte, übe man nach Vorschrift.

17.NC.8 An einem Dienstag in dunkler Nacht, wenn ein Nachtviertel vergangen ist, innerhalb der Hälfte des folgenden, bringe man die Verehrungsgegenstände und Bali-Gaben zusammen, du Strahlende, …

17.NC.9 … fleischhaltige Speise, Rohzucker, eine Ziege, alkoholischen Trank, Kuchen, verschiedene Früchte und Speisegaben sowie das im eigenen Ritualtext genannte Zubehör.

17.NC.10 Dies bringe der furchtlose Sādhaka zum Scheiterhaufenplatz, zusammen mit Freunden, die Waffen tragen und dieselben Eigenschaften besitzen.

17.NC.11 Er blicke nicht in alle vier Richtungen, sondern sei auf die Meditation der Gottheit gerichtet. Ist der Sādhaka dort ängstlich, stehen andere Sādhakas in den vier Richtungen.

17.NC.12 Andernfalls gilt der allein Praktizierende selbst als Bhairava. Der vorzügliche Sādhaka begebe sich zum gereinigten Verbrennungsboden.

17.NC.13 Ist er nicht gereinigt, lasse man die Knochen zusammentragen. Die Opferfläche werde mit dem Grundmantra, abgeschlossen durch den Waffenmantra, besprengt. [Die Vorlage bietet beim Wort „gereinigt“ eine Variante mit Verneinung.]

17.NC.14 Man meditiere über den Staub der Guru-Füße, Gaṇeśa, Vaṭuka, Yoginīs und Mātṛkās und setze den linken Fuß voran.

17.NC.15 „Die hier anwesenden Götter, furchtbaren Rākṣasas, Piśācas, Yakṣas, Siddhas, die Scharen der Gandharvas und Apsarases, …

17.NC.16 … Yoginīs, Mütter, Geister und alle im Luftraum wandelnden Frauen: Sie mögen heute Vollendung verleihen und meine Beschützer sein!“

17.NC.17 Mit diesem Mantra verneige man sich und streue drei Handvoll Blumen. Danach verehre man den Herrn des Verbrennungsplatzes, Bhairava, Kālabhairava …

17.NC.18 … und Mahākāla sorgsam in den vier Richtungen von Osten an, mit Fußwasser und weiteren Gaben; anschließend bringe der Mantrakenner die Bali-Gaben dar.

[Die Reihenfolge von Kālabhairava und Mahākāla in dieser Aufzählung weicht von der nachfolgenden Richtungszuordnung ab.]

17.NC.19 Das Leichen-Bīja, danach „Śmaśānādhipate“, dann „Imam“, „Sāmiṣānnam“, „Balim“, „Gṛhṇa“ …

17.NC.20 … nochmals „Gṛhṇa“, zweimal „Gṛhṇāpaya“, danach „Vighnanivāraṇam“, „Kuru“, „Siddhiṃ me“, „Prayaccha“ und Svāhā.

17.NC.21 Mit diesem von Oṃ eingeleiteten Mantra wird die erste Bali-Gabe gelehrt, Göttin. Nach dem Māyā-Bīja folgen „Bhairava“ und „Bhayānaka“.

17.NC.22 Den übrigen Mantra bilde man wie zuvor und bringe die Gabe im Süden dar. Nach Hūṃ folge „Mahākāla“, der Rest wird wie zuvor gebildet.

17.NC.23 Im Westen bereite man die Gabe für den Zeitgott mit Oṃ am Anfang. Nach dem […] und dem Wort „Kāla“ folgt „Bhairava“ …

17.NC.24 … und „Śmaśānādhipa“; so bringe man die Gabe im Norden wie zuvor dar. In die Mitte des Scheiterhaufens gebe man dann drei vorzügliche Bali-Gaben. [Die Wortfolge zum Beginn des Nord-Mantras enthält eine unsichere Lesung.]

17.NC.25 „Kālarātri, Mahākālī, Kālikā mit furchtbarem Klang! Nimm diese Gabe an, Mutter; gewähre höchste Vollendung!“

17.NC.26 Nach der Gabe für Kālikā gebe man eine für Bhūtanātha. Nach dem […] folgen „Bhūtanātha“ und „Śmaśānādhipa“.

17.NC.27 Mit dem von Oṃ eingeleiteten Mantra bringe man die vorzügliche Gabe dar. Hūṃ, „Sarvagaṇanātha“, danach „Adhipa“ …

17.NC.28 … am Kopfende des Verbrennungsplatzes gebe man die Gabe und spreche wie zuvor. Nach der mit Oṃ eingeleiteten Darbringung besprenge man, Schöne, mit Pañcagavya …

17.NC.29 … die Knochen und setze danach den Sitzmantra ein. Auf Birkenrinde oder einem Vaṭa-Blatt schreibe man diesen Sitzmantra.

17.NC.30 Man bereite darauf den Sitz und nehme Vīrāsana ein. Mit dem Vīra-Verehrungsmantra werfe man Erdklumpen in die Richtungen, Götterherrin.

17.NC.31 Zweimal das Kūrca-Bīja, dann zweimal Māyā, anschließend „Kālike“, „Ghoradaṃṣṭre“, „Pracaṇḍe“ und „Caṇḍanāyike“, …

17.NC.32 … danach „Dānavān dāraya“, zweimal „Hana“, dann „Paravīram“ beziehungsweise die abweichende Lesung „Parabījam“, „Mahāvighnam“ und zweimal „Chedaya“.

17.NC.33 Zweimal Ṭha, danach Panzer- und Waffenmantra bilden den Schluss: Dies gilt als Vīra-Verehrungsmantra. Mit ihm besprochene Erdklumpen werfe man in die zehn Richtungen.

17.NC.34 In ihrer Mitte gilt der Übende als Gott Bhairava und soll von Hindernissen nicht überwältigt werden. Wird der Sādhaka durch Unachtsamkeit von Furcht erschüttert, Götterherrin, …

17.NC.35 … so wird er, von den Freunden geschützt, nicht überwältigt. Einen Docht aus Arka, […] und weißer Vāṭyāla-Faser …

17.NC.36 … setze man in eine Lampe und verehre dort das Yantra. Erlischt diese große Lampe, wird man nach dem Text von Hindernissen überwältigt. [Die Dochtstoffe sind in der Vorlage nicht eindeutig zu lesen.]

17.NC.37 Darunter verberge beziehungsweise befestige man mit dem Waffenmantra das Kula-Licht. Dann vollziehe man nach den jeweiligen Ritualtexten Elementereinigung und die weiteren Handlungen.

17.NC.38 Die mit Mātṛkā-Buchstaben verbundene Vidyā setze man danach sechsfach ein. In vorwärts- und rückwärtslaufender Ordnung heißt dies die sechsfache Tārā-Einsetzung.

17.NC.39 Wer den Körper sechsfach eingesetzt hat, soll Viśveśvara selbst sein. Nach sechsfacher oder Tārā-Einsetzung rezitiere man.

[Die Verse 7–8 und ein Teil der Verse 38–39 stehen in der Vorlage in Klammern. Die beschriebenen Handlungen gehören zur historischen Verbrennungsplatzpraxis.]

Weitere Aussagen zur Verbrennungsplatzpraxis

Ein anderes Tantra sagt:

17.CB.1 Wenn am Ende oder inmitten der Rezitation die Worte „Gib, gib!“ ertönen, bringe man eine Bali-Gabe dar, Göttin; andernfalls werde man zuletzt selbst zur Gabe.

Mit Bali ist hier nach dem Kommentar eine Ziege oder ein entsprechendes Tier gemeint; fleischhaltige Speise und Ähnliches dienen den Gabegefäßen. Anderswo heißt es: „Man setze sich an die Westseite des Scheiterhaufens und rezitiere.“ Ferner: „Als weiterer Sādhaka werde im Süden ein Guru, Mitschüler, Schüler oder anderer Praktizierender aufgestellt, etwas entfernt, im Abstand eines Pfeilwurfs.“ [Die Stelle beschreibt die Vorstellung eines bedrohlichen Ritualgeschehens und seiner Absicherung.]

Das Rudrayāmala sagt:

17.RC.1 Dann verehre man die Gottheit vor sich mit den fünf Gaben, schließe die Augen, meditiere über die Göttin und rezitiere den Mantra.

17.RC.2 Einen einsilbigen rezitiere man zehntausendmal, einen dreisilbigen ebenfalls zehntausendmal; bei den folgenden gilt die als „Elefant–Ende“ bezeichnete Tausenderzahl. [Der letzte Zahlencode ist nicht eindeutig; er wird nicht zu einer sicheren Zahl ergänzt.]

17.RC.3 Oder man beginne nachts und setze bis zum Sonnenaufgang fort. Bei unerträglicher Furcht verhülle man Ohren und Augen mit einem Tuch.

17.RC.4 Wenn bis Mitternacht nichts wahrgenommen wird, verwende man den Jayadurgā-Mantra für Arghya und ebenso für Senfsamen.

17.RC.5 „Du bist Sesam, dem Soma als Gottheit zugeordnet, […] Sättigung bewirkend. Den Ahnen verleihst du den Himmel, den Sterblichen vermagst du Furchtlosigkeit zu geben.

17.RC.6 Bei Hindernissen durch Bhūtas, Pretas und Piśācas bringst du Befriedung.“ Mit diesen Worten werfe man Sesam in die vier Richtungen, von der Śiva-Richtung an, Göttin.

17.RC.7 Dann gehe man sieben Schritte, setze sich wieder an denselben Ort, verehre die Gottheit erneut und rezitiere den vorzüglichen Mantra.

17.RC.8 Furchtlos rezitiere man, bis Vollendung entsteht. Furchterscheinungen sind wie Träume zu verstehen; am nächsten Tag vollziehe man den verbleibenden Rest. [Die Wendung zur Furcht enthält eine Lesungsvariante.]

Mit dem Rest sind Brahmanenspeisung und die weiteren Handlungen gemeint. An anderer Stelle wird zur Abwehr von Furcht eine Schutz-Stirnmarkierung genannt: „Mit dem zuvor genannten Stoff markiert, stehe man auf und rezitiere den Mantra.“

17.RC.9 Kuṅkuma, Agaru, Moschus, Rocanā, rotes Sandelholz, Kampfer, Padmarāga, Kesara und Haricandana …

17.RC.10 … werden zunächst einzeln zubereitet und dann vereinigt. Der gesammelte Vīra verwendet am Verbrennungsplatz Blut von der Zungenspitze …

17.RC.11 … und bildet damit ein Kügelchen. Er rezitiert den Bhadrakālī-Mantra sowie die Mantras Nīlās, Nīlapatākās, der Göttin mit bewegter Zunge und der Furchtbaren.

17.RC.12 Der Sādhaka bringt die Stirnmarkierung an und wird als furchtlos beschrieben. Raum, verbunden mit Waffe, linkem Auge und Mond, Göttin, …

17.RC.13 … bilden das Bīja der einzelnen Stoffe. Höre auch über die Göttinnen, Pārvatī. Der Mantrakenner rezitiere den Grundmantra dreihundertfünfzigmal.

17.RC.14 „Nimm das Blut der Zungenspitze an, Cāmuṇḍā mit furchtbarem Klang! Nach dem Genuss der Gabe gewähre einen Segen; [nimm] das Blut im dichten Wald!

17.RC.15 Kālī, Kālī, heftig und furchtbar!“ Danach Waffen- und Panzer-Mantra. Dies wird als Kālikā-Mantra genannt, im Wunsch nach dem Wohl der Lebewesen.

17.RC.16 Für Nīlā sind dir die beiden Kūrca-Bījas genannt, große Göttin. Raum mit Feuer verbunden, Bala und Indra, …

17.RC.17 … zusammen mit dem Mondstück, danach „Nīla“, dann „Patāke“, Hūṃ Phaṭ: Dies gilt als der mit dem vorangehenden Kūṭa versehene Mantra.

17.RC.18 Jaya, Śrī, Dharaṇī, Göttin, „Patāke“, Varaṇa und Skhala: So wird Nīlapatākā verschlüsselt; sie kann in der Nīla-Praxis verwendet werden.

17.RC.19 Die Vidyā, die Mahātārā ist, wird auch Kālī genannt. Padmarāga und Kesara gelten hier insbesondere als Duftstoffe.

[Die Blutverwendung wird als Quelleninhalt dokumentiert; ein Verfahren zur Entnahme wird weder im zitierten Abschnitt erläutert noch hier ergänzt.]

Der Kommentar entschlüsselt: Raum ist Ha, Waffe hier Ra, linkes Auge Ī, Mond Anusvāra; daraus ergibt sich hrīṃ. Bei „Waffe und Panzer“ meint der Kommentar letztlich huṃ phaṭ, obwohl die Reihenfolge der Codewörter umgekehrt steht. Die beiden Kūrca-Laute sind hūṃ hūṃ. Bala bleibt als Lautfolge, Indra bezeichnet Ī; daraus wird hier das Kūṭa harabalīṃ gebildet. Jaya ist Na, Śrī Ī, Dharaṇī La, zusammen nīla. Varaṇa bedeutet Panzer, also Huṃ; Skhala bedeutet Waffe, also Phaṭ. [Die ungewöhnliche Kūṭa-Schreibung bleibt als Lesung der Vorlage erhalten.]

An anderer Stelle heißt es außerdem: „Die Augen mit Augensalbe bestrichen.“ Weiter wird gesagt:

17.BLC.1 Dort wandelt der erhabene Bhairava selbst mit einem Stab umher. Wenn der Vīra ihn erblickt, rezitiere er den Mantra.

17.BLC.2 Wird dort durch glückliches Geschick der Stab erlangt, Göttin, so soll der Übende selbst Bhairava und der Weltträger werden.

17.BLC.3 Nach Verneigung vor Mahādeva und Mahākāla, du Strahlende, bringe man eine Stirnmarkierung mit jener Asche an und werde so selbst zum Herrn der Vīras.

„Jene Asche“ bedeutet Asche des Verbrennungsplatzes; die Stirnmarkierung ist das Tragen der Vibhūti.

Zusammenhängende Darstellung der Citā-Praxis

Der praktische Kommentar führt die zuvor genannten Vorschriften zusammen. Man wähle den vorgeschriebenen Termin, etwa einen mit Dienstag zusammenfallenden Neumond. Nach Ablauf eines halben Nachtviertels, nüchtern oder nach einer Mahlzeit, lege man unter dem Grundmantra ein fest gebundenes Gewand an und darüber ein weiteres, ganz bedeckendes Tuch. Vorgesehen sind je nach Variante Turban, gelöstes Haar oder Unbekleidetsein.

Unter dem Grundmantra bringe man die zuvor bereitete Stirnmarkierung an, versehe die Augen mit Augensalbe, bestreiche den Körper mit rotem Sandelholz und weiteren Stoffen und trage unter demselben Mantra eine senkrechte Sindūra-Markierung auf. Im Herzen werde die Göttin, auf dem Kopf der Guru vergegenwärtigt; vor beiden verneige man sich.

Nach Verfügbarkeit nehme man Kula-Nektar, fleischhaltige Speise, Kuchen, Fisch sowie die Gegenstände für die Verehrung Vaṭukas und der weiteren Gottheiten und für die Bali-Gefäße mit. Hinzu kommen ein Tier wie eine Ziege für die Bali-Gabe, Duftstoffe, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Pañcagavya und die fünf Nektare.

Von Freunden mit Schwertern begleitet und beschützt, den Haarschopf mit dem Aghorāstra-Mantra oder entsprechenden Mantras gebunden und die Grundvidyā im Herzen erinnernd, begebe man sich zu einem frischen, nicht gereinigten Scheiterhaufen oder zu einem alten gereinigten. Bei der gereinigten Form werden die Knochen zusammengetragen.

Die waffentragenden Freunde werden als begleitende Sādhakas in den vier Richtungen, etwa einen Pfeilwurf entfernt, aufgestellt. Ist nur einer vorhanden, steht er im Süden in entsprechendem Abstand. Der Hauptübende selbst steht im Westen, gibt gewöhnliches Arghya und besprengt den Opferboden mit Pañcagavya unter dem Grundmantra mit abschließendem Waffenmantra.

Nach Verneigung vor Guru, Gaṇeśa, Vaṭuka, Yoginīs und den acht Mātṛkās von Brāhmī an setzt er den linken Fuß vor und spricht:

„Oṃ. Die hier anwesenden Götter und furchtbaren Rākṣasas, Piśācas, Yakṣas, Siddhas, Gandharva- und Apsaras-Scharen, Yoginīs, Mütter, Geister und alle im Luftraum wandelnden Frauen mögen heute Vollendung verleihen und meine Beschützer sein!“

Dabei werden drei Handvoll Blumen und drei Bissen in die Mitte des Scheiterhaufens gegeben. Dann richtet man sieben Bali-Gefäße her: vier in den Himmelsrichtungen, drei auf dem Scheiterhaufen, im Westen, in der Mitte und im Osten oder in Dreiecksform.

Im Osten verehre man auf einem Dreieck den Herrn des Verbrennungsplatzes beziehungsweise den Verbrennungsplatz-Pfeiler mit Fußwasser und weiteren Gaben. Die Darbringung lautet:

„Oṃ Hūṃ, Herr des Verbrennungsplatzes! Nimm diese fleischhaltige [Variante: mit Nektar versehene] Speisegabe an, nimm sie an! Lass sie annehmen, lass sie annehmen! Beseitige die Hindernisse, beseitige sie! Gewähre mir Vollendung! Svāhā.“

Der Vorsatz wird überall mit Milch oder Pañcagavya verbunden. Entsprechend wird im Süden Bhairava verehrt: „Oṃ, Herr des Verbrennungsplatzes, furchtbarer Bhairava, diese …“, mit Fortsetzung wie zuvor. Im Westen Mahākāla: „Oṃ Hūṃ, Herr des Verbrennungsplatzes, Mahākāla, diese …“ Im Norden Kālabhairava: „Oṃ Hūṃ, Herr des Verbrennungsplatzes, Kālabhairava, diese …“

Auf dem Scheiterhaufen wird zuerst Śmaśānakālikā verehrt:

„Oṃ Hūṃ, Bewohnerin des Verbrennungsplatzes, höchst Furchtbare, Kālarātri, Mahākālī, Kālikā mit schrecklichem Klang! Nimm diese Gabe an, Mutter, gewähre höchste Vollendung! [Oṃ Hrīṃ] Kālikāyai Svāhā.“

Danach Bhūtanātha: „Oṃ Hūṃ, Herr des Verbrennungsplatzes, Bhūtanātha, diese …“ Am Kopfende wird Gaṇanātha verehrt: „Oṃ Hūṃ, Herr des Verbrennungsplatzes, Herr aller Scharen, diese …“ Die nicht wiederholten Formelglieder entsprechen jeweils der ersten Gabe.

An der West- oder Südseite werden einige Knochen zusammengelegt und mit Pañcagavya besprengt: „Oṃ Hrīṃ, Verehrung der tragenden Kraft!“ Auf Birkenrinde oder einem Vaṭa-Blatt werden mit rotem Sandelholz und weiteren Stoffen die Mantras des Sitzes der fünf Pretas geschrieben. Das Blatt kommt über die Knochen, darüber eine Unterlage wie Wolldecke oder Fell. Nach Verehrung des Sitzes nimmt man Vīrāsana ein.

Zehn Erdklumpen werden mit dem Vīra-Verehrungsmantra besprochen und in die zehn Richtungen geworfen:

hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ kālike ghoradaṃṣṭre pracaṇḍe caṇḍanāyike dānavān dāraya dāraya hana hana paravīraṃ mahāvighnaṃ chedaya chedaya svāhā huṃ phaṭ.

Sinngemäß: „Hūṃ Hūṃ Hrīṃ Hrīṃ, Kālikā mit furchtbaren Hauern, Heftige, Herrin der Wilden! Zerreiße, zerreiße die Dānavas; schlage, schlage! Zerschneide, zerschneide den gegnerischen Vīra und das große Hindernis! Svāhā Huṃ Phaṭ.“

Eine Schutzlampe mit einem Docht aus den hier als Arka, […] Kampfer und weißer Vāṭyāla-Faser angegebenen Stoffen wird mit Butterfett oder Öl und dem Aghorāstra-Mantra vorbereitet und unter dem Grundmantra entzündet. Dort wird das Yantra verehrt. Man achtet darauf, dass die Lampe bis zum Ende der Rezitation brennt. [Ein Wort der Dochtliste ist beschädigt.]

Nach der Vorschrift des jeweiligen Ritualtexts werden Elementereinigung, die sechsfachen und weiteren Nyāsas und die Arghya-Vorbereitung vollzogen. In der Mitte des Scheiterhaufens wird das große Cakra vergegenwärtigt. Nach der Sitzverehrung wird die Gottheit eingesetzt, mit den verfügbaren Gaben verehrt und die Verehrung ihrer Umhüllungen ausgeführt. Dann rezitiert man mit der vorgeschriebenen Kette die bestimmte Zahl, während man über die Gottheit meditiert.

Wird dabei nichts wahrgenommen, gibt man der Göttin Arghya mit dem Jayadurgā-Mantra oṃ durge durge rakṣaṇi svāhā – „Oṃ, Durgā, Durgā, Beschützerin, Svāhā.“ Mit der zuvor genannten Sesamformel wird überall Sesam ausgestreut; sie preist ihn als Soma zugeordnet, sättigend, den Ahnen den Himmel verleihend, den Sterblichen Furchtlosigkeit und bei Geisterhindernissen Befriedung bringend. Senfsamen werden mit dem Jayadurgā-Mantra ausgestreut.

Man steht auf, geht sieben Schritte, setzt sich wieder an denselben Ort, verehrt die Göttin und rezitiert furchtlos weiter. Die tierische Bali-Gabe wird zum in der überlieferten Abfolge bestimmten Zeitpunkt ausgeführt. Am Ende der Rezitation folgen Segensbitte und Verabschiedung. Die Ritualgegenstände werden ins Wasser gegeben; nach einem Bad kehrt man nach Hause zurück. Wird durch glückliches Geschick der Stab erlangt, nimmt man ihn mit.

Damit endet die Citā-Sādhana, die Praxis am Scheiterhaufen.

Śava-Sādhana im Nīlatantra

Nun folgt die Śava-Sādhana, die historische Praxis mit einem Leichnam, nach dem Nīlatantra.

17.NŚ.1 Der Sādhaka nehme die zuvor genannten Gaben und weiteren Gegenstände mit und begebe sich an den für die Vollendungspraxis bestimmten Ort.

17.NŚ.2 Guru-Meditation und alles Weitere vollziehe er wie zuvor im Geist. Wo die Vīra-Verehrung auf dem Boden ausgeführt wurde, soll keine Verblendung durch Māyā bestehen.

17.NŚ.3 Mit dem Mantra „Die hier anwesenden …“ streue man drei Handvoll Blumen und bringe den Herren des Verbrennungsplatzes die Bali-Gaben wie zuvor dar.

17.NŚ.4 Mit dem Aghora-Mantra binde man den Haarschopf, mit Sudarśana vollziehe man den Selbstschutz oder verwende beide.

17.NŚ.5 Māyā, zweimal „Sphura“, dann zweimal „Prasphura“, „Ghora“, „Ghoratara“ und „Tanurūpa“, …

17.NŚ.6 … zweimal „Caṭa“, zweimal „Pracaṭa“, zweimal „Kaha“, zweimal „Vama“, dann zweimal „Bandha“, …

17.NŚ.7 … zweimal „Ghātaya“, Panzer und Phaṭ bilden den Schluss. Dieser Mantra wird als einundfünfziggliedriger Aghorāstra-Mantra bezeichnet.

17.NŚ.8 Nach dem Hālāhala-Codewort folgt „Sahasrāra“, danach Panzer und Waffe: So wird der große Sudarśana-Mantra gelehrt.

17.NŚ.9 Nach der Elementereinigung führe man die Nyāsa-Folge aus und streue mit dem Jayadurgā-Mantra Senfsamen in die Richtungen.

17.NŚ.10 Mit „Du bist Sesam …“ streue man Sesam in die Richtungen. Ein durch Stock, Speer oder Schwert Getöteter, ein im Wasser Gestorbener, …

17.NŚ.11 … ein durch Strick Gebundener, ein von einer Schlange Gebissener, ein Caṇḍāla oder ein Überwältigter, ein junger, schöner, tapferer, […] strahlender Mensch, …

17.NŚ.12 … der im Kampf dem Gegner zugewandt und ohne Flucht war; dagegen ein aus eigenem Entschluss Gestorbener, ein Zweijähriger, ein Gebundener, eine Frau, eine Kuh, ein Zweimalgeborener, …

17.NŚ.13 … ein an Nahrungsmangel Gestorbener, ein schwer Geplagter, ein Dreieinhalbjähriger: Unter Ausschluss der so genannten acht Arten nehme man einen der zuvor genannten Leichname …

[Die Verse 10–13 vermischen eine Liste als geeignet bezeichneter Toter mit einer Ausschlussliste. Mehrere Wörter, die Altersangaben und die Trennung der Gruppen sind beschädigt; die ausdrücklich genannte Zahl acht lässt sich daraus nicht sicher rekonstruieren. Die Übersetzung gibt die erkennbaren Glieder wieder, ohne eine vermeintlich eindeutige Auswahlregel herzustellen.]

17.NŚ.14 … und bringe ihn mit dem Grundmantra an den Verehrungsplatz. Ein Caṇḍāla oder ein gewaltsam Überwältigter wird als rasch vollendungsbringend bezeichnet.

17.NŚ.15 Mit dem von Oṃ eingeleiteten Waffenmantra besprenge man den Leichnam. Oṃ, das Kūrma-Bīja, „Mṛtakāya namo'stu“ und Phaṭ …

17.NŚ.16 … begleiten drei Handvoll Blumen und die Verneigung nach Berührung. „O Vīra, höchste Freude, Śiva-Freude, Herr des Kula, …

17.NŚ.17 … Gestalt des Ānanda-Bhairava, Lager der Göttin, Śaṅkara! Als Vīra nehme ich Zuflucht zu dir. Erhebe dich zur Verehrung Caṇḍikās!“

17.NŚ.18 Nach der Verneigung mit diesem Mantra wasche man ihn. Oṃ, Śakti, „Mṛtakāya“ und Namaḥ bilden den hierfür gesprochenen Mantra.

17.NŚ.19 Dieser wird für das Baden des Leichnams in allen Tantras gelehrt. Man beräuchere ihn und besprenge beziehungsweise bestreiche ihn mit Duftstoffen und Weiterem.

17.NŚ.20 Wenn er rote Augen hat, Götterherrin, […] genieße man den Kula-Stoff; man nähere sich dem Leichnam und halte ihn im Hüftbereich. [Subjekt und Zusammenhang der ersten Vershälfte sind nicht eindeutig.]

17.NŚ.21 Falls er eine Störung verursacht, spucke man auf den Leichnam, wasche ihn erneut und bringe ihn an den Rezitationsplatz.

17.NŚ.22 Nach Bereitung eines Kuśa-Lagers lege man ihn darauf. Mit Kardamom, Gewürznelke, Kampfer, Jātī und Khadira-Extrakt …

17.NŚ.23 … versehe man Betel und gebe diesen in seinen Mund. Dann lege man den Leichnam mit dem Gesicht nach unten und bestreiche den Rücken mit Sandelholz.

17.NŚ.24 Vom Ansatz der Arme bis zur Hüfte vergegenwärtige man ein Quadrat, darin einen Lotos mit vier Toren und acht Blättern.

17.NŚ.25 Dann lege man ein Antilopenfell mit einer dazwischenliegenden Wolldecke auf. In den Richtungen stelle man zwölf Fingerbreit lange Opferhölzer auf …

17.NŚ.26 … und verehre dort Indra und die übrigen zehn Gottheiten. Nach dem Viṣa-Codewort folgen „Indrāya“ und „Surādhipataye“, …

17.NŚ.27 … „Idaṃ balim“, zweimal „Gṛhṇa“, zweimal „Gṛhṇāpaya“, „Vighnanivāraṇaṃ kṛtvā“, „Siddhiṃ prayaccha“ und zweimal Ṭha.

17.NŚ.28 Mit diesem Mantra bringe man im Osten eine fleischhaltige Gabe dar. Unter Einsetzung der jeweiligen Namen werden die weiteren Gaben entsprechend dargebracht …

17.NŚ.29 … für alle Welthüter. Danach bringe der vorzügliche Sādhaka den über den Leichnam gebietenden Gottheiten eine Bali-Gabe dar, Götterherrin.

17.NŚ.30 Den vierundsechzig Yoginīs gebe man eine Gabe mit Alkohol. Die Verehrungsgegenstände halte man nahe, den begleitenden Sādhaka etwas entfernt.

17.NŚ.31 Nach Verehrung des Sitzes füge man dem eigenen Mantra Trapā und Phaṭ an und nehme darauf einen Sitz wie beim Besteigen eines Pferdes ein.

17.NŚ.32 Kuśa komme unter die Füße; das Haar des Leichnams werde ausgebreitet und fest zu einem Knoten gebunden. Der Sādhaka fasse den Vorsatz …

17.NŚ.33 … und nehme auf dem Leichnam Platz. Nach Atemregelung bespreche er Erdklumpen mit dem Vīra-Verehrungsmantra und werfe sie in die Richtungen.

17.NŚ.34 Dann verehre er die Göttin mit ausführlichen Gaben und vollziehe regelgerecht die Sättigung der Gottheit am Mund des Leichnams, o Göttin.

17.NŚ.35 Er stehe auf, stelle sich vor ihn und spreche hingebungsvoll: „Sei mir zugewandt und unter meinem Einfluss, Götterherr! Mir gewähre die bestimmte …

17.NŚ.36 … Vollendung, Hochbegünstigter, […]!“ Unter Rezitation des Grundmantras binde der Mantrakenner dann beide Füße des Leichnams …

17.NŚ.37 … mit Seidenfaden, damit er sich nicht erheben könne. „Furchtbarer, Furchtbarer, von großem Wesen, glückverheißend Blickender, Wohlgesinnter, …

17.NŚ.38 … beschütze mich, Herr der Götter, Herr über die Herren der Leichname!“ Unter den Fußsohlen zeichne man ein dreieckiges Cakra.

[Ein Anredeglied in Vers 36 ist beschädigt. Die Vorstellung eines sich erhebenden Leichnams gehört zur Ritualerzählung.]

17.NŚ.39 Dann soll er sich nicht erheben können, und der Leichnam bleibt unbewegt. Man setze sich erneut, strecke seine Arme seitlich aus …

17.NŚ.40 … und lege Kuśa auf seine Hände, darauf die eigenen Füße. Mit geschlossenen Lippen, festem Geist und beherrschten Sinnen …

17.NŚ.41 … meditiere man stets über die Göttin im Herzen und rezitiere schweigend. Am Verbrennungsplatz rezitiere man die genannte Zahl, Kula-Herrin.

17.NŚ.42 Oder man rezitiere vom Beginn bis zum Sonnenaufgang. Wird nach der Rezitation bis Mitternacht nichts wahrgenommen, …

17.NŚ.43 … vollziehe man Arghya und die weiteren Handlungen wie zuvor sowie die sieben Schritte, setze sich wieder an denselben Ort und rezitiere mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

Die im Ritualtext beschriebenen Erscheinungen

17.NŚ.44 Vor Beweglichem und Unbeweglichem bestehe keine Furcht. Entsteht Furcht, spreche man erneut: „Was du verlangst, Götterherr, einen Menschen, Elefanten oder Ähnliches, …

17.NŚ.45 … werde ich an einem späteren Tag geben. Sage mir deinen Namen!“ Nachdem dies auf Sanskrit gesagt wurde, rezitiere man wieder furchtlos.

[Die späteren Verse 70–72 bestimmen die Erfüllung dieser Forderungen ausdrücklich durch Figuren aus Teig.]

17.NŚ.46 Spricht die Erscheinung wiederum freundlich, antworte man freundlich. Man verpflichte sie auf Wahrheit und bitte dann um einen Segen.

17.NŚ.47 Gibt sie keine Wahrheitszusage oder keinen Segen, rezitiere der Verständige weiter und vergegenwärtige mit einspitzigem Geist.

17.NŚ.48 Auch eine Gottheit nähert sich dort nur in Menschengestalt. Durch ein anderes Yantra soll erkannt werden, ob es ein Mensch oder ein Wesen göttlicher Herkunft ist. [Die betreffende Prüfung wird hier nicht erläutert.]

17.NŚ.49 Als Mutter, deren Tochter oder als Frau des mütterlichen Onkels erscheint eine durch Māyā schön gestaltete Figur und verursacht ein Hindernis:

17.NŚ.50 „Steh auf, Kind! Deine Aufgabe ist ganz erfüllt, ohne Zweifel. Der Morgen ist gekommen, dein Vater ruft zu Hause.

17.NŚ.51 Die Menschen sind meist missgünstig, und Könige tragen den Strafstab. Wenn dich jemand bestraft, was wirst du dann tun?“

17.NŚ.52 Wegen solcher verschiedenen Worte soll man die Rezitation nicht aufgeben. Verstorbene Väter und andere Ahnen oder Angehörige, die in fremden Ländern leben, …

17.NŚ.53 … erscheinen dort in Göttergestalt. Frauen, Söhne und Diener werden von anderen ergriffen und herbeigebracht.

17.NŚ.54 Alle Kinder weinen, ebenso Brüder, jüngere Angehörige und Schüler. Kleidung, Schmuck und andere Gegenstände, die den Körper der eigenen Geliebten berührt haben, …

17.NŚ.55 … werden von Wächtern herbeigebracht; die dadurch entstehende Furcht lasse man los. Wird man dabei nicht erschüttert, was könnte dann unerreichbar bleiben?

17.NŚ.56 Die Göttin trägt Frauengestalt, der Gott die Gestalt eines Brahmanen. Nach dreimaligem „[…] nimm!“ soll man den Segen erlangen. [Der vorangehende Laut ist als ūrūṃ mit der Variante huṃ huṃ überliefert.]

17.NŚ.57 Ob in guter oder schlechter Erscheinungsform, als Frau gewährt sie Gaben. Was könnte dem Herrn der Vīras dann durch ein Wesen nicht gelingen? [Die Satzverbindung ist mehrdeutig.]

17.NŚ.58 Bei einem schuldlosen Menschen und im Kula ist sie gut geordnet beziehungsweise spricht kultiviert; bei einem schuldbehafteten nicht, o Göttin, ohne Zweifel. [Der Ausdruck saṃskṛta kann hier sowohl rituelle Verfeinerung als auch Sanskritsprache bezeichnen.]

17.NŚ.59 Ob zugewandt oder abgewandt, wenn die Erscheinung außerdem Sanskrit spricht, ist sie nach dieser Regel die Göttin, ohne Zweifel, und jener ist Bhairava selbst.

17.NŚ.60 Ist es nicht so, gilt sie als trügerische Māyā-Gestalt. Dort soll man keinen Segen erbitten und nichts sprechen.

17.NŚ.61 Spricht sie Sanskrit, antworte man entsprechend; andernfalls wird hier doch ein ruhiges Empfangen des Segens in gewöhnlicher Sprache genannt. [Diese Aussage steht in Spannung zum unmittelbar vorangehenden Verbot.]

17.NŚ.62 Oder etwas Überwältigendes und dem eigenen Wohl Dienliches wird erlangt, oder ein deutlicher Laut entsteht, oder […] wird nicht erlangt. [Das letzte Glied ist beschädigt und mit einer Variante versehen.]

17.NŚ.63 All dies muss erwogen und erkannt werden. So werden die Hindernisse beschrieben: Gestalten von Gottheiten, o Göttin, mit […] Bhairava […] . [Die zweite Vershälfte ist nicht sicher zu übersetzen.]

17.NŚ.64 Dort ist unbedingt Vorsicht beziehungsweise Furcht geboten; man vertraue nicht ohne Weiteres. Bhairava, Vaṭuka und die anderen sind der Kula-Lehre hingegeben …

17.NŚ.65 … doch eine trügerische Kṛtyā-Gestalt kann unter dem Anschein dieser Lehre als Sohn erscheinen und die Vidyā entwenden oder als Frau erscheinen und verblenden.

17.NŚ.66 Darum bemühe sich der an der Wahrheit ausgerichtete Vīra um sorgfältige Prüfung. Erst nach Wahrheitszusage und Empfang des Segens beende er Rezitation und weitere Handlungen.

[Der Abschnitt schildert die vom Ritualtext erwarteten Erscheinungen und seine Unterscheidungsregeln. Er behauptet damit keine von der Übersetzung bestätigten äußeren Ereignisse.]

Abschluss und Nachriten

17.NŚ.67 Wenn erkannt ist, dass das Ergebnis eingetreten sei, löse man den Haarknoten, wasche den Leichnam, lege ihn nieder und löse die Fußbindung.

17.NŚ.68 Man wische das Cakra an den Füßen ab und gebe die Verehrungsgegenstände ins Wasser. Den Leichnam lege man ins Wasser oder in eine Grube und bade danach.

17.NŚ.69 Dann kehre man nach Hause zurück und gebe an einem späteren Tag die Bali-Gabe. In der folgenden Nacht: „Jene Gottheiten, deren Opfernder ich bin, …

17.NŚ.70 … mögen die von mir gegebene Gabe annehmen.“ Dies ist der Bali-Mantra. Wurden Pferde, Menschen, Elefanten oder Schweine verlangt, …

17.NŚ.71 … gebe man aus Teig gefertigte Figuren davon und halte anschließend Fasten. Sie können aus Gerstenmehl oder aus Reismehl bestehen.

17.NŚ.72 Mit dem Candrahāsa-Schwert werden sie regelgerecht unter dem entsprechenden Mantra zerteilt. Am nächsten Tag vollziehe man die täglichen Pflichten und trinke danach Pañcagavya.

[Die Gabe in den Versen 71–72 besteht ausdrücklich aus Teigfiguren. Die Pañcagavya-Einnahme wird als historische rituelle Vorschrift dokumentiert.]

17.NŚ.73 Man speise fünfundzwanzig Brahmanen oder vermindere ihre Zahl stufenweise jeweils um fünf bis auf zehn.

17.NŚ.74 Nach Bad und Mahlzeit halte man sich an einem guten Ort auf. Fehlt die Brahmanenspeisung, soll nach dem Text Armut eintreten.

17.NŚ.75 Entsteht dadurch Armut, so zürne die Gottheit. Drei oder sechs Nächte halte man die Kula-Praxis geheim.

17.NŚ.76 Geht man in dieser Zeit zum Beischlaf auf das Lager, wird Krankheit angekündigt; durch Musikhören Taubheit, durch das Ansehen von Tanz Verlust des Augenlichts.

17.NŚ.77 Spricht man am Tag, wird Stummheit angekündigt. Denn die Gottheit verbleibt bis zum Ende von fünfzehn Tagen im Körper.

17.NŚ.78 Niemals soll man Kühe, Brahmanen oder Gottheiten verunglimpfen. Rein berühre man täglich Gottheiten, Kühe, Brahmanen und die weiteren.

17.NŚ.79 Morgens nach den täglichen Pflichten trinke man Pañcagavya-Wasser. Wenn der sechzehnte Tag gekommen ist, bade man an einer Pilgerstätte oder einem entsprechenden Ort.

17.NŚ.80 Man spreche den Grundmantra mit Svāhā am Ende, danach „Tarpayāmi Namaḥ“. So sättige man die Gottheit mit Wasser über dreihundertmal hinaus.

17.NŚ.81 Fehlen Bad und Sättigungsdarbringung, entsteht keine Sättigung der Gottheit. Durch diese Vorschrift soll man gewiss Vollendung erlangen.

17.NŚ.82 Nach dem Genuss vorzüglicher Freuden in dieser Welt geht man zuletzt zu Haris Stätte. Ob unvollständig oder vollständig, ohne oder mit Frucht, …

17.NŚ.83 … allein durch diese ausgeführte Praxis wird man der Śakti besonders lieb. Ist kein Leichnam vorhanden, kann die Vīra-Praxis auch am Verbrennungsplatz ausgeführt werden.

17.NŚ.84 Verehrt man nicht mit den für die jeweilige Person vorgeschriebenen Haltungen, fällt der Sādhaka im Verlauf von zehn Tagen aus seiner Praxis.

17.NŚ.85 Man unterweise andere nicht im Vīra-Zustand und ordne dort keine Verehrung an, bis nach Empfang des Kula-Mantras Vollendung eingetreten ist. [Der abschließende Satz ist knapp; der Zusammenhang legt diese zeitliche Einschränkung nahe.]

Ein anderes Tantra sagt:

17.ŚA.1 Bei der Vīra-Praxis mit allen leblosen Wesen […] fertige man einen Brahmanen aus Kuhdung und vollziehe die Vīra-Praxis. [Die grammatische Beziehung der beiden Vershälften und der Umfang dieser Ersatzanweisung sind unklar.]

17.ŚA.2 Wer Pārvatī, Śivā, ohne Totensitz verehrt, soll so lange in einem furchtbaren Zustand verweilen, bis die Wesenwelt sich auflöst.

17.ŚA.3 Große Leichname werden für die Vīra-Verehrung der Gottheit gepriesen; kleine für Ausführende besonderer Anwendungen, als alle Vollendungen verleihend.

17.ŚA.4 So ist dir, makellose Göttin, die Nīla-Abfolge erklärt. Man soll sie niemandem mitteilen; aus Zuneigung habe ich sie dir gesagt.

Zusammenhängende Darstellung der Śava-Praxis

Der praktische Kommentar setzt den zuvor bestimmten Festtermin und Zeitpunkt voraus. Der Sādhaka mit den genannten Eigenschaften nimmt die Gegenstände mit, erreicht mit einem begleitenden Praktizierenden den vorgeschriebenen Ort, bereitet gewöhnliches Arghya, reinigt den Platz und verneigt sich vor Guru, Gaṇeśa und den weiteren Gottheiten. Der Vīra-Verehrungsmantra wird auf den Boden geschrieben.

Mit „Die hier anwesenden …“ folgen die drei Handvoll Blumen und die weiteren Handlungen. Die sieben zuvor beschriebenen Bali-Gefäße werden den Herren des Verbrennungsplatzes dargebracht. Zum Binden des Haarschopfs wird der Aghorāstra-Mantra verwendet:

oṃ hrīṃ sphura sphura ghora ghoratara tanurūpa caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa kaha kaha vama vama bandha bandha ghātaya ghātaya huṃ phaṭ.

Sinngemäß: „Oṃ Hrīṃ, leuchte auf, leuchte auf, Furchtbarer, noch Furchtbarerer, in körperlicher Gestalt! Caṭa Caṭa, Pracaṭa Pracaṭa, Kaha Kaha, stoße aus, stoße aus, binde, binde, schlage, schlage! Huṃ Phaṭ.“ [Nicht eindeutig übersetzbare Befehls- und Lautformen bleiben als Mantralaut erhalten. Die frühere verschlüsselte Versfassung enthielt zusätzlich prasphura prasphura; diese Prosafassung nicht.]

Mit oṃ sahasrāra huṃ phaṭ, dem Sudarśana-Waffenmantra, folgt der Selbstschutz. Dann werden Elementereinigung und die Nyāsa-Folgen nach dem eigenen Ritualtext ausgeführt; mit dem Jayadurgā-Mantra wird Senf, mit „Du bist Sesam …“ Sesam ausgestreut.

Beim vorgesehenen Leichnam wird der Grundmantra zur Betrachtung verwendet, der Waffenmantra zur Besprengung. Mit oṃ hūṃ mṛtakāya namo'stu phaṭ – „Oṃ Hūṃ, dem Toten sei Verehrung, Phaṭ“ – werden drei Handvoll Blumen darübergegeben. Nach Berührung und Verneigung folgt:

„Oṃ Hūṃ! Vīra, höchste Freude, Śiva-Freude, Herr des Kula, Gestalt des Ānanda-Bhairava, Lager der Göttin, Śaṅkara! Als Vīra nehme ich Zuflucht zu dir. Erhebe dich zur Verehrung Caṇḍikās!“

Unter oṃ hrīṃ mṛtakāya namaḥ – „Oṃ Hrīṃ, Verehrung dem Toten“ – und den fünf Brahma-Mantras wird er mit Pañcagavya und Duftwasser gewaschen, beräuchert, mit Duftstoffen bestrichen und an der Hüfte gefasst zum Rezitationsplatz gebracht, während der Grundmantra rezitiert wird. Die rituelle Vorbereitung kann auch erst dort erfolgen.

Auf dem Boden wird ein Kuśa-Lager ausgebreitet und der Leichnam daraufgelegt. In seinen Mund kommt Betel mit Kardamom, Nelke, Kampfer, Jātī und Khadira. Er wird mit dem Gesicht nach unten gelegt. Auf dem Rücken wird mit Sandelholz ein Quadrat vom Armansatz bis zur Hüfte bestrichen, darin ein achtblättriger Lotos mit einer äußeren viertorigen Begrenzung gezeichnet. Darauf kommt eine Sitzunterlage wie eine Wolldecke.

Zehn zwölf Fingerbreit lange Pflöcke aus Opferholz werden in den zehn Richtungen gesetzt. An ihnen verehrt man Indra und die weiteren Richtungshüter und gibt mit den vorhergehenden Mantras fleischhaltige Bali-Gaben. Etwas entfernt werden drei weitere Gaben dargebracht:

oṃ hūṃ śavādhiṣṭhātṛdevatābhyo namaḥ – „Verehrung den über den Leichnam gebietenden Gottheiten.“
oṃ ḍāṃ ḍākinībhyo namaḥ – „Verehrung den Ḍākinīs.“
oṃ hrīṃ catuḥṣaṣṭhikoṭiyoginībhyo namaḥ – „Verehrung den vierundsechzig Koṭi Yoginīs.“ [Hier steht die vervielfachte Zahl, während das Verszitat nur vierundsechzig Yoginīs nennt.]

Die Gegenstände bleiben in der Nähe, der begleitende Sādhaka etwas entfernt. Der Sitz wird mit dem Grundmantra und anschließend hrīṃ phaṭ śavāsanāya namaḥ verehrt: „Hrīṃ Phaṭ, Verehrung dem Totensitz.“ Unter Erinnerung an den Grundmantra setzt man sich nach Osten gewandt wie ein Reiter auf den Leichnam. Kuśa liegt unter den Füßen; das Haar des Leichnams wird ausgebreitet und fest zusammengeknotet.

Links werden Arghya und weitere Gaben vorbereitet. Nach Vorsatz und Atemregelung wirft man unter dem Vīra-Verehrungsmantra Erdklumpen in die zehn Richtungen. Rechts wird die zuvor beschriebene Schutzlampe aufgestellt. Im gebundenen Haarknoten vergegenwärtigt man das Cakra der eigenen Gottheit. Nach der Sitzverehrung wird die Göttin angerufen und mit allen Umhüllungen und Gaben verehrt; es folgen die Bali-Gaben für Vaṭuka und die weiteren.

Danach steht der Übende vor dem Leichnam und spricht hingebungsvoll: „Sei mir zugewandt und unter meinem Einfluss, Götterherr! Gewähre mir die bestimmte Vollendung, Hochbegünstigter, […]!“ [Die letzte Anrede bleibt auch in der Prosawiederholung beschädigt.] Beide Füße werden unter dem Grundmantra mit Seidenfaden gebunden. Unter den Fußsohlen wird ein dreieckiges Cakra gezeichnet, begleitet von:

„Oṃ, Furchtbarer, Furchtbarer, von großem Wesen, glückverheißend Blickender, Wohlgesinnter! Beschütze mich, Gott, Herr der Götter, Herr über die Herren der Leichname!“

Man setzt sich erneut, legt die Arme des Leichnams seitlich aus, breitet Kuśa auf dessen Händen aus und setzt die eigenen Füße darauf. Nach erneuter Atemregelung und weiteren Handlungen rezitiert man furchtlos, über die Gottheit meditierend, mit der geheimen Gebetskette, schweigend und mit ruhigem Körper, ruhiger Rede und ruhigem Geist. Es gilt die für den Verbrennungsplatz genannte Zahl oder die ganze Zeit bis zum Sonnenaufgang.

An manchen Stellen wird eine Rückenlage des Leichnams genannt; dann liegt der Sitz über dem Herzen. Die Verehrung der Gottheit erfolgt am Mund des Leichnams; Arghya und weitere Handlungen während der Rezitation wie zuvor. Bei sehr großer Furcht ist die tierische Bali-Gabe am Anfang, in der Mitte oder am Ende vorgesehen.

Nachdem die beschriebenen Furchterscheinungen überwunden wurden, rezitiert man aufmerksam weiter, erbittet unter Wahrheitszusage einen Segen und beendet die Rezitation. Wenn das Ergebnis als eingetreten erkannt wird, wird die Gottheit verabschiedet, der Haarknoten gelöst, der Leichnam gewaschen, die Fußbindung geöffnet und das Fußdiagramm abgewischt. Die Ritualgegenstände kommen ins Wasser, der Leichnam ins Wasser oder in eine Grube. Nach einem Bad kehrt man nach Hause zurück.

An einem späteren Tag wird die zuvor zugesagte Gabe aus Teig geformt. Die Formel lautet: „Oṃ. Jene Gottheiten, deren Opfernder ich in der vorhergehenden Nacht gewesen bin, mögen die von mir gegebene Menschen-, Elefanten- oder Schweinegestalt annehmen.“ Die Teigfigur wird mit dem Schwert zerteilt.

Am folgenden Tag werden die täglichen Pflichten ausgeführt, Pañcagavya eingenommen und nach Kräften fünfundzwanzig, zwanzig, fünfzehn oder zehn Brahmanen gespeist. Danach badet und isst auch der Übende und hält sich an einem guten Ort auf. Drei oder sechs Nächte soll die Kula-Praxis geheim bleiben.

Für fünfzehn Tage werden Pañcagavya-Einnahme, Schweigen am Tag, Verzicht auf sexuelle Kontakte, Tanz, Gesang, Instrumentalmusik, Ausgehen und Ähnliches sowie Wahrhaftigkeit und Sinnesbeherrschung genannt, besonders Hingabe an Kühe, Brahmanen und Gottheiten. Am sechzehnten Tag wird an einer Pilgerstätte gebadet und die Gottheit dreihundertfünfzigmal gesättigt. [Die Prosafassung präzisiert hier die zuvor nur als „über dreihundert“ angegebene Zahl.]

Damit endet die Śava-Sādhana. Der Satz „Für die besonders furchtbaren Göttinnen gilt diese Vorschrift“ begrenzt sie auf diese Gottheiten. Die Divya- und Vīra-Abfolgen werden auch mit dem Namen „geheim“ bezeichnet.

Verkürzte Formen des Puraścaraṇa

Ein anderes Tantra sagt:

17.SPF.1 Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein, habe zuvor gefastet und stehe in einem ins Meer mündenden Fluss in nabeltiefem Wasser.

17.SPF.2 Vom ersten Kontakt bis zum Ende der Verfinsterung rezitiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Ein Zehntel davon bringe man ins Feuer dar, ein Zehntel davon als Sättigungsdarbringung.

17.SPF.3 Mit einem Zehntel davon besprenge man sich; ein weiteres Zehntel gilt für die Brahmanenspeisung. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

„Gefastet“ bedeutet: nichts gegessen. Der Fluss kann nach diesem Kommentar unmittelbar oder mittelbar ins Meer münden. [Damit wird anders entschieden als in der entsprechenden Erörterung des sechzehnten Kapitels.] Ist dies nicht möglich, kommt auch ein Teich oder anderes Gewässer infrage; wer nicht im Wasser stehen kann, bleibt am Ufer.

„Vom ersten Kontakt“ kann den durch Atemregelung, Ṛṣi-, Hand- und sechs Gliedereinsetzungen etwas verzögerten Beginn einschließen. Auch wenn einzelne Glieder unvollkommen sind, soll das Finsternis-Puraścaraṇa wegen seines als groß geltenden Ergebnisses ausgeführt werden.

Eine andere Form lautet:

17.SPT.1 Noch eine andere Weise des Puraścaraṇa wird gelehrt: am achten oder vierzehnten Tag beider Monatshälften …

17.SPT.2 … rezitiere man vom Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang ohne Furcht und soll dadurch Herr aller Vollendungen werden.

Nach dem Kommentar ergeben sich durch die unterschiedlichen Mondtage verschiedene Formen. Feueropfer und weitere Glieder bleiben wie zuvor; „ohne Furcht“ bedeutet frei von Zweifel.

17.SPH.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird besonders im Herbst vom vierten bis zum neunten Mondtag gelehrt.

17.SPH.2 Nach hingebungsvoller Verehrung rezitiere man nachts die entsprechende Tausenderzahl, allein an einem einsamen Ort oder auch allein in einem Śiva-Tempel.

17.SPH.3 Vom achten bis zum neunten Tag halte man Fasten. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Der Beginn am vierten Tag entspricht einer besonderen Lehrmeinung. Andere Quellen beginnen am neunten Tag der dunklen Monatshälfte, am ersten oder am sechsten Tag. Als überlieferungsgemäß bezeichnet der Verfasser den Beginn am ersten Tag. „Nachts“ stehe hier stellvertretend, also nicht als ausschließliche Einschränkung.

Die „entsprechende Tausenderzahl“ wird als dem Mondtag entsprechende Zahl von Tausenden oder einfach als täglich tausend verstanden. Bei kurzen Mantras wird eine Steigerung der Zahl erwogen, bei anderen nur tausend; dann dient „entsprechend“ lediglich der Versfüllung. Feueropfer und die weiteren Glieder bleiben wie zuvor. Dies wird als Ersatzform für die Paśu-Lehrweise bezeichnet.

Kurzformen der Śakti-Verehrung

17.SPL.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt. Dabei darf man den vom Guru gewiesenen Weg keinesfalls überschreiten.

17.SPL.2 Zur Übergangszeit am achten Mondtag trete der Mantrakenner regelgerecht in ein Latā-Haus mit hundertacht […] ein und verehre jene sorgsam.

17.SPL.3 Nach der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man Verehrung und weitere Handlungen. Als Kāma selbst rezitiere man hundertachtmal.

17.SPL.4 Am Blattgrund und im Kelch verehre man Ugrā; durch das Sehen und Verehren der Latās soll sogleich Mantravollendung entstehen.

Die Übergangszeit wird wegen des vorangehenden Zusammenhangs auf das Herbstfest bezogen. Der Ausdruck „acht darüber“ wird als hundertacht verstanden; alternativ könne nur acht gemeint sein und „darüber“ im Sinn von „vorzüglich“ stehen. Latā ist hier ein Codewort für Śakti beziehungsweise die verehrte Frau; „eintreten“ wird als Zusammenkommen oder Umgebensein erklärt.

Die frühere Vorschrift ist die Śakti-Verehrung. „Blattgrund“ wird auf den Grund der Mudrā bezogen; im Kelch beziehungsweise an drei Seiten sollen die drei Teile der Vidyā eingeschrieben werden. Die hundertacht Wiederholungen gelten jeweils einzeln. „Kāma“ bezeichnet den in Divya-Gestalt Erscheinenden. [Die verschlüsselten Orts- und Körperbezeichnungen werden durch den Kommentar nicht vollständig eindeutig.]

17.SPK.1 Eine weitere Weise des Puraścaraṇa wird gelehrt: Im Kula-Haus der herangezogenen Frau vergegenwärtige man mit entsprechender innerer Haltung den vorzüglichen Mantra.

17.SPK.2 Auf den Körper der Latā […] schreibe man den Mantra, vollziehe dort die rituelle Vorbereitung und bringe ihr die Verehrung dar.

17.SPK.3 Nach geringer Rezitation und Herbeiführen des Mantras, ganz auf die Gottheitsvorstellung gerichtet, verabschiede und ehre man sie und rezitiere selbst erneut in Freude.

17.SPK.4 Am Morgen bringe man Frauen eine Bali-Gabe dar; so soll ohne Zweifel Mantravollendung eintreten. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

„Herangezogen“ erläutert der Kommentar hier als Frau, mit der geschlechtlicher Umgang stattgefunden hat. Im „Kula-Haus“, der Mudrā, wird die vollständige Vidyā vergegenwärtigt; an drei Seiten werden ihre drei Teile geschrieben. Die Vorbereitung ist die Śakti-Weihe, die Darbringung ihre Sättigung. „Geringe Rezitation“ bedeutet hundertacht Wiederholungen mit vorausgehender Berührung; die anschließende eigene Rezitation wird als 1.008 Wiederholungen ausgelegt. [Die genaue Körperzuordnung der Codewörter bleibt offen.]

17.SPS.1 Oder man halte sich an einem schönen, einsamen Ort auf, auf Lager und Sitz verweilend, und rezitiere am Tage bis zum Aufgang; so soll man Herr sämtlicher Vollendungen werden. [Die Verbindung von Tageszeit und „bis zum Aufgang“ ist nicht eindeutig.]

Bei „Lager und Sitz“ wird im Kommentar „zusammen mit der Śakti“ ergänzt. Dies sei eine Ersatzform der Divya-Lehrweise.

Weitere Kurzformen und Guru-Verehrung

17.SPM.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Ein am Dienstag oder Samstag beschaffter Menschenschädel …

17.SPM.2 … wird mit Pañcagavya, besonders mit Sandelholz und weiteren Stoffen behandelt und in einem Wald oder Hain eine halbe Elle tief in die Erde gelegt.

17.SPM.3 Wenn dort in dieser Vertiefung nachts ein Mensch allein den Mantra tausendmal rezitiert, soll er einem wunscherfüllenden Baum gleich werden.

Kuja bedeutet Dienstag. Der Schädel wird als frisch abgetrennt oder nach Verfügbarkeit beschafft beschrieben; für ihn gelten dieselben Eignungs- und Ausschlussregeln wie für den Leichnam. Eine halbe Elle entspricht zwölf Fingerbreiten. Wald oder Hain wird als besonders dichter Wald erläutert. [Eine Tötung zur Beschaffung wird in diesem Kommentar nicht beschrieben.]

17.SPŚ.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Man bringe an jenem Wochentag einen Leichnam und grabe ihn nach demselben Maß ein.

17.SPŚ.2 Von diesem Tag bis zu dessen Wiederkehr rezitiere man jeweils hundertachtmal und soll Herr sämtlicher Vollendungen werden; daran sei nicht zu zweifeln.

„An jenem Wochentag“ bedeutet Dienstag oder den anderen zuvor genannten Tag; „nach demselben“ bezieht sich auf das Maß. Vom Anfangstag an sind täglich hundertacht Wiederholungen zu ergänzen. [Hier wird tadvāre, „an jenem Wochentag“, gelesen; das frühere Zitat bot taddvāri, „an jener Tür“.]

17.SPB.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Nachts am Leichenplatz, als Unmattānanda-Bhairava, …

17.SPB.2 … unbekleidet, rein, mit Asche geschmückt, mit gelöstem Haar, Schädel und Schwert in den Händen, rezitiere man mit der Mātṛkā.

17.SPB.3 Dann soll, große Göttin, sämtliche Vollendung entstehen. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Mit Nacht ist hier Mitternacht gemeint, mit Leichenplatz der Verbrennungsplatz. Unmattānanda-Bhairava bezeichnet die gesteigerte Freude; „mit der Mātṛkā“ meint die Mātṛkā-Kette und hundertacht Wiederholungen. Dies wird als Ersatzform der Vīra-Lehrweise bezeichnet.

17.SPG.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Man lade den Guru ein, gebe ihm einen Platz und verehre ihn wie die Gottheit.

17.SPG.2 Mit Kleidung, Schmuck, Gold und anderen Gaben erfreue man ihn; ebenso verehre man seinen Sohn, seine Tochter und seine Ehefrau.

17.SPG.3 Nach ihrer Verehrung rezitiere man den Mantra und soll Herr sämtlicher Vollendungen werden. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die Rezitationszahl wird hier als tausend erläutert.

17.SPD.1 Eine weitere Form des Puraścaraṇa wird gelehrt: Im Sahasrāra meditiere man über die Lotosfüße des Gurus und rezitiere.

17.SPD.2 Allein mit der Haltung, ihn als Gottheit zu sehen, soll man Herr aller Vollendungen werden. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Zu „rezitieren“ ist nach dem Kommentar die für den eigenen Mantra vorgeschriebene Zahl zu ergänzen. Dies gilt bei Abwesenheit des Gurus und wird als Ersatzform für alle Lehrweisen bezeichnet. Für diese Formen besteht keine verbindliche Forderung nach Feueropfer und weiteren Gliedern. Damit enden die verkürzten Puraścaraṇas.

17.SPZ.1 Durch Prüfung verschiedener Tantras und Anerkennung unterschiedlicher innerer Haltungen bemühe sich der Mensch mittels Puraścaraṇa um Vollendung.

Besondere Anwendungen

Das Vaiṣṇavatantra sagt:

17.VA.1 Nach Vollzug der täglichen Abfolge führe man die anlassbezogene aus. Durch ihre Ausführung, o Brahmane, wird die tägliche Praxis vollständig.

17.VA.2 Hunderttausendmal rezitiere man den Mantra und soll Aṇimā und die weiteren Fähigkeiten erlangen. Mit dem Wasser eines ins Meer mündenden Flusses als Nahrung rezitiere man gesammelt ein Lakh.

17.VA.3 Wenn die Sonne an ihrer Geburtsstellung steht, bringe man zehntausend Lotosgaben ins Feuer dar; dadurch sollen die aus zehn Millionen Geburten entstandenen Verfehlungen vergehen.

17.VA.4 Man soll alle Verfehlungen beseitigen und Vollendung der Rede erlangen. Auf einem Berggipfel verehre man die Gottheit, von Gemüse, Wurzeln und Früchten lebend.

17.VA.5 Einen Monat verehre man die Gottheit mit vorzüglichen weißen Lotosblumen; Dharma, Wohlstand, Genuss und Befreiung sollen dann gleichsam in der Hand liegen.

17.VA.6 Lakṣmī soll beständig bleiben und Söhnen und Enkeln folgen. Ebenso bringe man im Monat Vaiśākha, von Milch lebend, Śrī-Blüten ins Feuer dar.

17.VA.7 Dies wird als Vernichtung aller Unreinheit und Mehrung sämtlicher Vollendungen beschrieben. Alle Götter sollen sich hingebungsvoll vor diesem vorzüglichen Menschen verneigen.

17.VA.8 Mit Śrī-Wasser, versehen mit Zuckersirup und Kampfer, vollziehe man nach der Verehrung hingebungsvoll hundertacht Sättigungsdarbringungen an die Gottheit. [Die genaue Bedeutung von „Śrī-Wasser“ wird hier nicht erklärt.]

17.VA.9 Nach einem Maṇḍala-Zeitraum soll er Vollendung erlangen. Ob schwer oder leicht zu erreichen: Was der Mantrakenner wünscht, soll ihm mühelos zufallen.

17.VA.10 Wer täglich mit Wasser, das er als Milch vergegenwärtigt, hundertacht […] Sättigungsdarbringungen ausführt, soll alle Wünsche und auch Befreiung erlangen. [Nach hundertacht steht nochmals „hundert“; die Zahl ist nicht eindeutig.]

17.VA.11 Einen Monat verehre man mit Kuśa-Blüten, frei von Krankheit und im Enthaltsamkeitsgelübde, für Ruhm und Mehrung des Dharma.

17.VA.12 Mit weißen Hayāri-Blüten soll man nach einem Maṇḍala Erkenntnis erlangen; mit roten Aśvamāra-Blüten unerschütterliche Hingabe.

17.VA.13 Mit beiden zusammen soll man Genuss und Befreiung erlangen. Für Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, die übrigen sozialen Gruppen …

17.VA.14 … und besonders auch Frauen ist dies die anlassbezogene Praxis. Nachdem man eine dieser Formen einen Monat ausgeführt hat, kann man wunschorientierte Anwendungen ausführen.

Der Kommentar fügt hinzu: Wer den mit Oṃ eingerahmten Mantra über drei Nächte zehntausendmal rezitiert, soll ein Bṛhaspati gleicher Ausleger aller Schriften werden. Am Sonntag wird wiederholte Rezitation von jeweils hundertacht mit einer Aśvattha-Kette genannt; als Ergebnis gelten Befriedung und einhundertacht Lebensjahre.

Einmonatige Verehrung mit feinen Tüchern soll von unreinen, bedrückenden und besonders schweren Verfehlungen befreien. Mit Seidenfäden wird unvergleichlicher Besitz verbunden, mit Korallen Einfluss auf die drei Welten, mit Māṇikya-Edelsteinen Weltherrschaft, mit Padmarāga Königtum, mit Gārutmata-Steinen Erkenntnis, mit Diamant sämtliche Vollendungen und mit goldenen Blumen Kubera gleicher Reichtum sowie nach dem Tod der Nirvāṇa-Zustand. Überall ist nach dem Kommentar die Dauer eines Monats zu ergänzen.

[Die genannten Heil-, Macht- und Wohlstandsfolgen sind Wirkungszuschreibungen der historischen Ritualtexte.]

Ein anderes Tantra sagt: „Nachdem der Mantrakenner den Mantra so vollendet hat, führe er besondere Anwendungen aus.“

Die sechs Ritualarten

Der Śāradātilaka (Kapitel 23, ab Vers 123) sagt:

17.ŚṢ.1 Nun erläutere ich in diesem Tantra die Kennzeichen der sechs Handlungen entsprechend den verschiedenen Tantras, als Mittel zur Verwirklichung ihrer zugeschriebenen Ergebnisse.

17.ŚṢ.2 Befriedung, Unterwerfung, Stillstellung, Entzweiung, Vertreibung und zuletzt Tötung: Diese sechs Handlungen nennen die Weisen.

17.ŚṢ.3 Das Entfernen von Krankheit, Schadenszauber, ergreifenden Mächten und Ähnlichem heißt Befriedung. Alle Menschen gefügig zu machen heißt Unterwerfung.

17.ŚṢ.4 Das Hemmen der Tätigkeit aller heißt Stillstellung. Zwischen einander zugetanen Menschen gegenseitigen Hass hervorzurufen heißt Entzweiung.

17.ŚṢ.5 Das Verdrängen aus dem eigenen Land oder entsprechenden Bereich heißt Vertreibung. Lebewesen das Leben zu nehmen heißt Tötung.

[Die folgenden Zuordnungen dokumentieren historische Vorstellungen magischer Einflussnahme und Schädigung. Die behaupteten Wirkungen werden dadurch nicht bestätigt.]

17.ŚṢ.6 Nach Kenntnis der jeweiligen Gottheit, Richtung, Zeit und weiteren Bedingungen führe man die Handlungen aus. Rati, Vāṇī, Ramā, Lakṣmī, Durgā und Kālī …

17.ŚṢ.7 … heißen der Reihe nach die Gottheiten der sechs Handlungen; zu Beginn werden sie verehrt. Als Richtungen gelten Nordosten, Norden, Osten, Südwesten, Nordwesten und Südosten.

17.ŚṢ.8 Von Sonnenaufgang an gelten der Reihe nach je zehn Ghaṭikās als die mit Frühling beginnenden Jahreszeiten; so werden Tag und Nacht täglich gegliedert.

17.ŚṢ.9 Frühling, Sommer, Regenzeit, Herbst, Frühwinter und Spätwinter heißen sie. Frühwinter wird der Befriedung, Frühling der Unterwerfung zugeordnet.

17.ŚṢ.10 Spätwinter gilt für Stillstellung, Sommer für Entzweiung, Regenzeit für Vertreibung und Herbst für Tötungsrituale.

17.ŚṢ.11 Padma, Svastika, Vikaṭa, Kukkuṭa, Vajra und Bhadra nennen die Weisen als Sitzhaltungen.

17.ŚṢ.12 Die sechs Mudrās für Befriedung und die weiteren Handlungen sind der Reihe nach Lotos, Schlinge, Keule, Stampfer, Donnerkeil und Schwert.

17.ŚṢ.13 Wasser wird für Befriedung gepriesen, Feuer für Unterwerfung, Erde für Stillstellung und Raum für Entzweiung.

17.ŚṢ.14 Wind gilt für Vertreibung, wiederum Feuer für Tötung. Wenn das jeweilige Element wirksam ist, verbunden mit seinem Maṇḍala, …

17.ŚṢ.15 … vollziehe der scharf gesammelte Mantrakenner die betreffende Handlung. Die Laute von Mond, Wasser, Erde, Raum, Wind und Feuer …

17.ŚṢ.16 … gelten der Reihe nach als Yantra-Bījas der sechs Handlungen. Grathana, Vidarbha, Saṃpuṭa, Rodhana, …

17.ŚṢ.17 … Yoga und Pallava sind deren sechs Anordnungen. Die Buchstaben des Namens setze man regelgerecht abwechselnd mit Mantrabuchstaben.

17.ŚṢ.18 Dies heißt Grathana und wird für Befriedung gepriesen. Setzt man einen Buchstaben des Zielnamens zwischen je zwei Mantrabuchstaben, …

17.ŚṢ.19 … heißt dies Vidarbha bei der Unterwerfung. Steht der Mantra am Anfang und Ende des Namens, gilt dies als Saṃpuṭa.

17.ŚṢ.20 Diese Einrahmung wird für Stillstellung gepriesen. Steht der Mantra am Anfang, in der Mitte und am Ende des Namens, heißt dies Rodhana.

17.ŚṢ.21 Dies wird als vorzüglich für Entzweiung bezeichnet. Steht der Name am Ende des Mantras, heißt es Yoga und gilt für Vertreibung.

17.ŚṢ.22 Steht der Mantra am Ende des Namens, heißt es Pallava und gilt für Tötung. Weiß, rot, gelb, gemischt, schwarz und rauchfarben …

17.ŚṢ.23 … werden der Reihe nach als Farben der im jeweiligen Mantra-Tantra genannten Gottheiten gelehrt. Als Schreibstoffe der Yantras gelten Sandelholz, Rocanā, Niśā …

17.ŚṢ.24 … Hausruß, Scheiterhaufenkohle und für Tötungsrituale die acht als Giftstoffe bezeichneten Bestandteile. Genannt werden Śyena, Agni, Loṇa, Piṇḍa und Dhattūra-Saft …

17.ŚṢ.25 … Hausruß und Trikaṭuka; dies wird als achtfache Giftgruppe bezeichnet. [Die Stoffnamen und ihre Trennung ergeben keine eindeutig bestimmbare achtteilige Liste.] Nach genauer Kenntnis von Gottheit, Zeit, Mudrā und den weiteren Bedingungen …

17.ŚṢ.26 … führe der Kundige die sechs Handlungen zur Erlangung der ihnen zugeschriebenen Ergebnisse aus. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

Die Vorstellung des Prāṇa-Yantras

Nach Einführung des Prāṇapratiṣṭhā-Mantras heißt es im selben Werk, dem Śāradātilaka (Kapitel 23, ab Vers 91):

17.ŚPY.1 Der so vollendete Mantra soll die Ergebnisse der sechs Handlungen verleihen. Mit ihm setze der Lehrer überall die Lebenskräfte ein.

17.ŚPY.2 Nach dem Bīja, vor den mit „dieses“ bezeichneten Namensstellen, werden die Botinnen eingesetzt: Mṛtā, Vaivasvatā, Jīvahā, Prāṇahā, …

17.ŚPY.3 … Ākṛṣyā, Grathanī, Pramādā, Visphuliṅginī und Kṣetrapratiharī: Dies sind die neun Botinnen der Lebenskräfte.

17.ŚPY.4 Von der Zielperson, deren Bewegungen durch die Schlinge gebunden, deren Bewusstsein durch Śakti ergriffen und die durch den Haken herangezogen vorgestellt wird, sollen die Lebenskräfte herbeigeführt werden.

17.ŚPY.5 Eine zwölf Fingerbreit große Figur der Zielperson wird hergestellt. In ihrem Herzbereich wird das Prāṇa-Yantra mit dem Insekt eingesetzt. [Die Insektvorstellung wird in den folgenden Versen als Bienenbild entfaltet.]

17.ŚPY.6 Um Mitternacht, wenn die Zielperson schläft, vergegenwärtige man auf den Blättern ihres Herzlotus die Richtungen von Wind, Feuer, Indra und Varuṇa, …

17.ŚPY.7 … danach Īśa, Rākṣasa, Mond und Yama; in diesem Kelch beziehungsweise Blattbereich die mit Ya beginnenden, mit Haṃsa verbundenen Laute in Bienengestalt.

17.ŚPY.8 Ihre Körper stelle man sich mit einem vom Kopf beziehungsweise Bindu ausgehenden Faden verbunden vor. Ebenso im eigenen Herzlotus Gestalten weiblicher Bienen.

17.ŚPY.9 Diese weiblichen Bienen aus dem eigenen Herzlotus sende man auf dem Atemweg aus; jede soll eine männliche Biene aus dem Herzlotus der Zielperson herbeiführen.

17.ŚPY.10 Der kundige Mantrakenner setzt sie in der Figur oder im eigenen Bewusstsein ein und stellt sich das Durchtrennen des Fadens mit dem Feuer-Bīja vor.

17.ŚPY.11 Die herangezogenen Herzbienen werden danach mit dem Erd-Bīja stillgestellt. Elf solche Durchgänge werden für alle Handlungen genannt.

17.ŚPY.12 Bei Unterwerfung und Heranziehung werden die mit Ya beginnenden Laute rot vorgestellt, bei Verblendung und Entzweiung rauchfarben, bei Tötungsritualen schwarz.

17.ŚPY.13 Bei Stillstellung und Heranziehung der Lebenskräfte meditiere man sie gelb. Nach dem Heranziehen der Herz-Lebenskräfte der Zielperson werden sie im eigenen Herzen eingesetzt.

17.ŚPY.14 Bei grausamen Handlungen wird ihre Einsetzung in einer Figur genannt. Die Lebenskräfte der Zielperson stelle man sich als Frösche, die eigenen als Schlangen vor …

17.ŚPY.15 … und vergegenwärtige dies als Kundiger bei grausamen Handlungen stets so. [Die weitere Vershälfte fehlt.]

17.ŚPY.16 Auf die Blätter in den Richtungen von Wind, Feuer, Indra, Varuṇa, Īśvara, Rākṣasa, Mond und dem Herrn der Toten kommen die mit Ya beginnenden Laute mit abschließendem Bindu. In der Mitte steht Haṃsa in Verbindung mit Kṣa; das Prāṇa-Yantra ist von Buchstaben umgeben und mit der Erdbegrenzung versehen. [Der Ausdruck für die Verbindung von Kṣa und Haṃsa ist knapp.]

17.ŚPY.17 Der in diesen Anwendungen kundige Mantrakenner soll mit diesem Mantra alle Götter seinem Einfluss unterstellen können – um wie viel mehr irdische Herrscher.

[Die Verse beschreiben eine magische Visualisierung, keine nachgewiesene Übertragung von Lebenskräften.]

Weitere Verflechtungen von Mantra und Zielname

Ein anderes Tantra sagt:

17.MAN.1 Wenn jeder Buchstabe des Zielnamens mit einem Mantrabuchstaben verbunden wird, heißt dies Grathita und wird als besonders wirksam für Unterwerfung und Heranziehung bezeichnet.

17.MAN.2 Zuerst wird der vollständige Mantra gesprochen, danach der Zielname und zuletzt der Mantra in umgekehrter Reihenfolge: Dies ist Saṃpuṭa.

17.MAN.3 Es soll Befriedung und Gedeihen bewirken und Herrschaft über die drei Welten verleihen. Setzt der Kundige je eine Hälfte des Mantras an Anfang und Ende, …

17.MAN.4 … mit dem Zielnamen in der Mitte, heißt dies Grasta, „verschlungen“. Es wird allen Schadensritualen und auch der Tötung zugeordnet.

17.MAN.5 Zuerst wird der Name gesprochen, danach der Mantra. Dies heißt Samasta und gilt als Vertreibung von Feinden bewirkend.

17.MAN.6 Wo auf je zwei Mantrabuchstaben ein Buchstabe des Zielnamens kommt, heißt es Vidarbhita und wird als gegen Schädigende gerichtet und unterwerfend beschrieben.

17.MAN.7 Ist der Zielname ringsum durch Mantrabuchstaben durchsetzt beziehungsweise umgeben, heißt dies Ākrānta und soll unmittelbar sämtliche Ziele verwirklichen.

17.MAN.8 Bei Erschütterung, Stillstellung, Ergriffenheit, Unterwerfung und Vertreibung spreche man den Mantra einmal zuvor und nochmals am Ende, …

17.MAN.9 … den Zielnamen in der Mitte. Dies heißt Ādyanta und wird ferner als besonders geeignet für die Entzweiung einander Liebender bezeichnet.

17.MAN.10 Wird der Mantra am Anfang und Ende jeweils zweimal eingesetzt und der Zielname in der Mitte einmal, heißt dies Garbhastha, „im Innern befindlich“.

17.MAN.11 Es wird Tötung, Vertreibung und Unterwerfung zugeordnet, ebenso dem Stillstellen von Waffen, Schiffen, Heeren, Denken, Schwangerschaft und Bewegung.

17.MAN.12 Wird der Mantra vorher dreimal und am Ende wieder dreimal gesprochen, der Zielname aber einmal in der Mitte, heißt dies Sarvatovṛta, „allseitig umgeben“.

17.MAN.13 Es soll alle Bedrängnisse befrieden, unzeitigen Tod abwenden, alles Glück erzeugen und Toten Unsterblichkeit verleihen.

17.MAN.14 Zuerst der Mantra, dann der Name, erneut der Mantra: Wird dies dreifach angeordnet, heißt es Yuktividarbhita.

17.MAN.15 Es wird als Beseitigung aller Krankheiten, von Geisterstörungen und Apasmāra beschrieben. Wenn jeder Buchstabe des Zielnamens mit dem Mantra verflochten wird …

17.MAN.16 … und an Anfang und Ende die zuvor genannte weitere Anordnung hinzukommt, heißt diese besondere Mantraform Vidarbhagrathita.

17.MAN.17 Sie wird als alle Handlungen bewirkend und sämtliche Herrschaftsformen verleihend beschrieben. So sollen diese Anwendungen bei einem bereits vollendeten Mantra Vollendung gewähren.

Der Kommentar stellt klar, dass Grathita und die übrigen Formen auf das Schreiben von Yantras und entsprechende Anwendungen in den jeweiligen Ritualarten bezogen sind. [Die Zuordnungen weichen teilweise von der früheren Liste ab und werden hier nicht vereinheitlicht.]

Ein anderes Tantra sagt:

17.MKP.11 Oṃ wird das Haupt aller Mantragruppen genannt. Huṃ, Phaṭ, Svāhā, Vaṣaṭ, Vauṣaṭ und Namaḥ heißen ihre Pallavas, ihre abschließenden „Sprosse“.

17.MKP.2 Bei der Ausführung der jeweiligen Handlung und der Prüfung ihres Mantras soll dieser, mit Haupt und passendem Abschluss versehen, Vollendung verleihen.

[Der erste der beiden Verse trägt in der Vorlage die Nummer 11, der zweite die Nummer 2.]

Anwendungen des Cakrarāja nach der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā

Die Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā sagt:

17.DM.1 Nun erläutere ich die Praxis des Königs der Cakras. Höre die Anwendungsfolge der so vollendeten Vidyā.

17.DM.2 Man zeichne das Cakra mit Sindūra-Pulver und vergegenwärtige darin das Abbild der Zielperson, nachdem ihr Name eingeschrieben wurde.

17.DM.3 Die Zielperson werde als brennend vorgestellt; die Frau soll dann sogleich verblendet, frei von Furcht und unter Aufgabe ihrer Scham herankommen. Nun wird eine weitere Form erklärt, Geliebte.

17.DM.4 Der Mantrakenner stelle sich inmitten des Cakras selbst rot leuchtend vor, ebenso die Zielperson; dadurch soll er von Glück und Schönheit erfüllt werden.

17.DM.5 Mit roten Gaben verehre man, von der Mudrā umgeben. Wessen Name damit verbunden wird, der soll zum Diener werden.

17.DM.6 Schreibt man die Namensbuchstaben einer noch ungesehenen Frau in die Mitte des Cakras und bildet die Yoni-Mudrā, soll rasche Heranziehung erfolgen.

17.DM.7 Dies wird für eine Götterfrau, Königstochter oder Nāga-Frau behauptet. Gorocanā, Kuṅkuma und Sandelholz zu gleichen Teilen …

17.DM.8 … werden hundertachtmal besprochen und als alle verblendende Stirnmarkierung verwendet. Blume, Frucht, Wasser, Speise, Duft, Kleidung, Schmuck …

17.DM.9 … oder Betel werden zuvor besprochen und jemandem gesandt; diese Person oder die Frau soll dann sogleich wie eine Dienerin abhängig werden, Geliebte.

[Die Verse beschreiben magische Vorstellungen von Einfluss und sexueller Anziehung, einschließlich fehlender Selbstbestimmung der Zielperson. Sie sind historische Quelleninhalte, keine bestätigten Wirkungen oder Verhaltensregeln.]

17.DM.10 Mit roten Karavīra-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind, verehre man einen Monat lang unter Vergegenwärtigung der namentlich bezeichneten Frau.

17.DM.11 Bei solcher Verehrung der rot leuchtenden Göttin im aus Sindūra bereiteten Cakra, Maheśānī, soll selbst ein König sogleich verblendet werden.

17.DM.12 Auch die die drei Welten bezaubernde Rambhā soll rasch herangezogen werden. Das Cakra wird ferner mit Scheiterhaufenkohle und roter Flüssigkeit geschrieben.

17.DM.13 Am Arm oder anderswo gebunden soll es augenblicklich Fieber beseitigen. Eine weitere Fassung wird mit Arka- und Nimba-Saft und einem Arka-Schreibgerät geschrieben.

17.DM.14 Zwei Namen kommen in den inneren und äußeren Bereich des Cakras. In Kuhharn gelegt soll es sofort Entzweiung bewirken.

17.DM.15 Nachts wird Sandelholz oder ein Tuch beräuchert und dann getragen; mit hundertacht Wiederholungen soll man die drei Welten verblenden.

17.DM.16 Auf mit Kuhdung bestrichenem Boden zeichne man mit Rocanā eine schöne Gestalt und vergegenwärtige sie als ansprechend und reich geschmückt.

17.DM.17 An Stirn, Hals, Herz, Nabel und Ursprungsbereich werden Geburtsname und Mahāvidyā eingesetzt, verflochten mit dem Haken-Bīja.

17.DM.18 An allen Gliedergelenken werde das Kāmakūṭa eingeschrieben. Zur Richtung der Zielperson gewandt und mit Śrīvidyā-Nyāsa am Körper …

17.DM.19 … rezitiere man unter dem Kṣobhaṇī-Bīja und der entsprechenden Mudrā die Vidyā achthundertmal. Die Gestalt wird im aus Mond- und Sonnenkräften bestehenden Kāma-Haus eingesetzt.

17.DM.20 Die als Schönheit der drei Welten bezeichnete Frau soll daraufhin von Begehren verwirrt und bedrängt herankommen.

17.DM.21 Oder der Mantrakenner schreibe die gesamte Mātṛkā außen um das Cakra, verehre es regelgerecht und trage die vollständige Vidyā.

17.DM.22 Dadurch soll er von schädigenden Wesen, Tigern und anderen nicht getötet werden können. Mit Śrīkhaṇḍa, Agaru, Moschus, Kampfer und Kuṅkuma …

17.DM.23 … wird der eigene Name der Reihe nach geschrieben, die Mātṛkā wie zuvor. Dadurch wird dem Sādhaka Alterslosigkeit und Unsterblichkeit zugeschrieben.

17.DM.24 Auf dieselbe Weise schreibt man das Cakra mit Rocanā, Agaru und Kuṅkuma, die Buchstaben der Zielperson und des Sādhaka miteinander verflochten.

17.DM.25 So soll der Mantrakenner ohne Zweifel die drei Welten verblenden. Jeden einzelnen Buchstaben des Zielnamens verflechte man mit dem Kāmakūṭa, Götterherrin, …

17.DM.26 … innerhalb des Dreiecks; außen wird die Mātṛkā herumgelegt. In Gold gefasst wird dies am Haarschopf oder anderswo getragen.

17.DM.27 Welthüter, Könige, schädigende Wesen in den drei Welten und auch Fieber wie Sannipāta sollen dadurch unter Einfluss geraten.

17.DM.28 Auf dieselbe Weise wird der Name einer Stadt verflochten und das Schriftstück in ihrer Mitte, an einer Kreuzung und in den Richtungen von Osten an niedergelegt.

17.DM.29 Dadurch soll dem Übenden Glück zufallen und Könige sollen seine Diener sein. Die von Glanz erfüllte, flammende Erde mit Beweglichem und Unbeweglichem …

17.DM.30 … werde sechs Monate lang täglich inmitten des Cakras vergegenwärtigt; dadurch soll ein Mensch in der Welt Kāma gleich anziehend werden.

17.DM.31 Allein durch den Blick soll er Menschen heranziehen, Gift und Fieber beseitigen, Gift entfernen und Ergriffenheit hervorrufen. [Die Giftbeseitigung wird im Vers zweimal genannt.]

17.DM.32 Ein nachts mit Sindūra gezeichnetes und mit gesammeltem Geist verehrtes Cakra soll Heranziehung aus der Ferne, selbst über hundert Yojanas, bewirken.

17.DM.33 Wenn man es ununterbrochen der Reihe nach in Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt, soll die Welt unter Einfluss geraten, andernfalls nicht.

17.DM.34 Auf Birkenrinde schreibe man das Cakra mit Rocanā, Agaru und Kuṅkuma, mit dem eigenen Namen verflochten, oder einen Landstrich […] . [Der Schlussausdruck zur Einrahmung ist beschädigt.]

17.DM.35 Einen Bezirk oder unwegsamen Ort […] ; man lege das Cakra in die Erde oder trage es. Dann soll der Mantrakenner eine Stadt durch den Blick in Erregung versetzen. [Die erste Vershälfte ist grammatisch nicht eindeutig angeschlossen.]

Weitere Cakra-Anwendungen und Kāmakalā

17.DM.36 Unmatta-Saft, Lack, Arka-Milchsaft, Kuṅkuma und Rocanā werden mit Moschus und Alakta vereinigt und zum Schreiben verwendet.

17.DM.37 Für die Person, deren Name damit eingeschrieben wird, soll keine Furcht vor Dieben, Tigern, ergreifenden Mächten, Krankheit, Feinden, Löwen, …

17.DM.38 … Schlangen oder Pferden bestehen; sie soll alle sogleich verblenden. Mit Rocanā und Kuṅkuma zeichne der Kundige die in der Mitte befindliche Gestalt …

17.DM.39 … und die an beiden Seiten des Dreiecks befindliche, darunter den Zielnamen. Wer dieses Cakra trägt, soll nach sieben Tagen fieberfrei werden.

17.DM.40 Mit gelbem Stoff werde im Cakra die Vidyā geschrieben, darunter der Zielname; das Schriftstück wird im Osten niedergelegt.

17.DM.41 Dadurch sollen selbst Brahmā, Jīva oder ein Allwissender stumm werden. Auf dieselbe Weise wird mit Nīlī-Saft geschrieben …

17.DM.42 … und, nach Süden gewandt, im Feuer verbrannt; so soll man Feinde verbrennen. Eine weitere Schrift wird mit Büffel- und Pferdemist sowie Kuhharn angefertigt …

17.DM.43 … und in sauren Getreidetrank gelegt; dadurch soll unmittelbar Entzweiung entstehen. Der Zielname wird in die Mitte geschrieben, mit einer Rabenfeder […] . [Der letzte Handlungsausdruck ist nicht eindeutig.]

17.DM.44 Mit Rocanā-Stoffen geschrieben und so aufgehängt, dass es im Luftraum sichtbar ist, soll es Feinde rasch vertreiben. Dies heißt gewaltsame Vertreibung.

17.DM.45 Mit Mahānīlī-Saft, Rocanā, Milch und Lacksaft wird das Cakra geschrieben; es soll die vier sozialen Gruppen unter Einfluss bringen.

17.DM.46 Auf dieselbe Weise wird es ins Wasser gelegt. Durch Baden und Trinken mit diesem Wasser wird großes Glück behauptet, ohne Zweifel.

[Die stofflichen Anwendungen und behaupteten Krankheitswirkungen werden als historische Quelle wiedergegeben. Insbesondere wird aus den uneindeutigen Stoffnamen keine verlässliche Zubereitung abgeleitet.]

17.DM.47 Ein im Osten verehrtes gelbes Cakra soll alle Streitredner stillstellen; ein mit Sindūra geschriebenes im Norden die Menschen unter Einfluss bringen.

17.DM.48 Wird das Cakra mit roter Erde geschrieben und im Westen verehrt, sollen die Gottheiten dem Mantrakenner folgen – um wie viel mehr Frauen, Geliebte.

17.DM.49 Nach Süden gewandt verehre man entsprechend ein schwarzes Cakra; der Zielperson wird dadurch Verlust des Mantras und besonders Tod zugeschrieben.

17.DM.50 Der Reihe nach zu den Zwischenrichtungen, vom Südosten an, gewandt werden Stillstellung, Entzweiung, Krankheit und Vertreibung zugeordnet.

17.DM.51 Mit Rocanā geschrieben und in Milch gelegt soll es rasche, zwingende Unterwerfung bewirken; im Feuer verbrannt die Vernichtung sämtlicher Feinde.

17.DM.52 In Kuhharn gelegt soll es die Vertreibung eines Feindes bewirken; demselben Cakra wird auch Entzweiung zugeschrieben, höchste Herrin.

17.DM.53 An einer einsamen Kreuzung zeichne man das Cakra mit Sindūra; mit dem gesamten Ziel […] schreibe man die Mātṛkā bis zur Mitte beziehungsweise zum Ende. [Die genaue Anordnung ist aus der beschädigten Satzverbindung nicht sicher zu bestimmen.]

17.DM.54 Nach der Kula-Verhaltensordnung verehre man die Abfolge nachts. Dadurch soll der Sādhaka zum Khecarī werden, Göttin, ohne Zweifel.

17.DM.55 Am vierzehnten Mondtag verehre man nachts gesammelt auf Rudras Boden. Nach sechs Monaten soll man unmittelbar wie ein zweiter Rudra sein.

17.DM.56 Vollendete Augensalbe, verborgener Zugang, Kügelchen, siegreiche Sandalen, Schwert, Vetāla-Gunst, Yakṣiṇī und dienende Geister …

17.DM.57 … all diese vollendungsbringenden Dinge soll der Mantrakenner erlangen, nicht anders. An jedem vierzehnten und jedem achten Mondtag gesammelt, …

17.DM.58 … über einundzwanzig Nächte auf dem Totenstein, verehre man so das Śrīcakra; dann soll der Sādhaka selbst von Göttern verehrt werden.

17.DM.59 Mit Schlinge, Haken, Bogen und Pfeilen in männlicher Form, Maheśvarī, als Kāma, soll man Frauen im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt …

17.DM.60 … heranziehen und beeinflussen; so wird große Anziehung behauptet. Ebenso mit Kāmeśvarīs Waffen, selbst als Göttin, in den drei Welten …

17.DM.61 … erfolgt nach dem Text das Heranziehen von Männern; Könige werden zu Dienern, Geliebte. So ist die Kāmakalā-Meditation nach den unterschiedlichen Bījas erklärt.

17.DM.62 Bei der Verehrung des Vāgbhava soll Sarasvatī-Wissen entstehen. Man verehre die weiß leuchtende, weiß gekleidete Göttin mit weißen Blumen.

17.DM.63 So geschieht die Vāgbhava-Verehrung, Göttin. Höre nun, Pārvatī, die als Kāmakalā bezeichnete Wirkkraft.

17.DM.64 Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaradhvaja und Mahākāma sind die zuvor genannten fünf Kāmas in dieser Reihenfolge.

17.DM.65 Kāma befindet sich inmitten von Manmatha, im Haus Kandarpas; darin eingeschlossen Mīnaketu, mit Mahākāmeśa als Haupt.

17.DM.66 Durch dieses Kāma-Prinzip soll die Welt verblendet werden. Die von der Wurzel an in Schöpfung und Auflösung wirkende Kraft hat die Gestalt eines Lotosfadens …

17.DM.67 … und ist daher die Kuṇḍalinī-Śakti im Śaktikūṭa, Maheśvarī. Als dreigipflige Tripurā soll die Göttin alle Vollendungen verleihen.

17.DM.68 Denn vierundsechzig Koṭi mächtiger Yoginīs, auf dieses Cakra gestützt, verleihen den Guten stets Vollendung.

Mantrayoga im Vāmakeśvara-Tantra

Im Vāmakeśvara-Tantra, zweites Kapitel, heißt es:

17.VM.1 Höre, Göttin, ich erläutere den Mantrayoga nach Vorschrift. Wo ein Sādhaka auf diese Weise verehrt, …

17.VM.2 … in einem Land, einer Stadt oder einem Dorf, dort soll Erregung der Welt entstehen. Von der Hitze des Begehrens im Geist bedrängt, …

17.VM.3 … sollen Frauen aus der Ferne herankommen wie Ameisen zu einem Knochen, durch den Mantra geistig verwirrt und körperlich erregt.

17.VM.4 Durch seinen Anblick sollen alle Frauen in diesen Zustand geraten, große Göttin. Schon nach einem Lakh Rezitation werden die Frauen auf der Erde erregt.

17.VM.5 Wird der Geist des Sādhaka dadurch nicht im Geringsten erschüttert, sollen anschließend alle Nāga-Frauen in der Unterwelt erregt werden.

17.VM.6 Wird er auch durch sie nicht im Geringsten erschüttert, kommen die im Himmel wohnenden Götterfrauen herbei.

17.VM.7 So soll der vorzügliche Sādhaka nach drei Lakh Rezitation, seinem Gelübde treu, die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem erschüttern, Götterherrin.

17.VM.8 Wenn ein großes Cakra gezeichnet und darin eine Gestalt mit ihrem Namen eingeschrieben wurde, vergegenwärtige man diese als brennend.

17.VM.9 Auch eine hundert Yojanas entfernte und noch nie gesehene Frau soll dann, von Furcht und Scham gelöst, verblendet herankommen.

17.VM.10 Oder der Mantrakenner befindet sich in seiner Vorstellung in der Mitte und vergegenwärtigt sich ganz rot, ebenso die Zielperson rot geworden.

17.VM.11 Dadurch soll der Sādhaka schön und von allem Glück erfüllt, von der ganzen Welt geliebt werden, höchste Herrin.

17.VM.12 Mit ausschließlich roten Gaben verehre man, von der Mudrā umgeben. Wessen Name damit verbunden wird, der soll wie ein Diener gefügig werden.

17.VM.13 Wird der Name einer noch ungesehenen Frau in die Mitte des Cakras gesetzt und die Yoni-Mudrā gebildet, soll sie augenblicklich herangezogen werden.

17.VM.14 Ob Yakṣiṇī, Gandharvī, Kinnarī, Siddha-Frau, Nāga-Frau, Götterfrau oder Khecarī, Götterherrin, …

17.VM.15 … Vidyādharī, Apsaras, Ṛṣi-Tochter oder Urvaśī, durch Begehren körperlich erregt: …

17.VM.16 … durch die große Kāmakalā-Meditation sollen alle Frauen erregt werden. Rocanā, Kuṅkuma und Sandelholz zu gleichen Teilen …

17.VM.17 … werden hundertachtmal besprochen und als Stirnmarkierung getragen. Wen man dann ansieht, anspricht, berührt oder intensiv bedenkt, …

17.VM.18 … der soll mit Vermögen und Körper wie ein Diener unter Einfluss geraten. Ebenso Blume, Frucht, Duft, Getränk und Kleidung, Maheśvarī, …

17.VM.19 … die hundertachtmal besprochen und einer Frau gesandt werden: Sie soll daraufhin sogleich herangezogen werden, im Herzen verwirrt.

17.VM.20 Dies heißt gewaltsame Heranziehung und wird als nirgends aufzuhalten bezeichnet, du Gute. An einem abgeschiedenen Ort zeichne man mit Rocanā eine Gestalt auf den Erdboden …

17.VM.21 … von schöner Form, mit ansprechender Kleidung und Schmuck. An Stirn, Hals, Herz, Nabel und Ursprungsbereich …

17.VM.22 … werden Geburtsname und Mahāvidyā mit dem Haken-Bīja verflochten; an alle Gliedergelenke schreibe man den Madana-Laut.

17.VM.23 Zur Richtung der Zielperson gewandt, den eigenen Körper als Tripurā vergegenwärtigend, bilde man die Kṣobhiṇī-Mudrā und rezitiere die Vidyā hundertachtmal.

17.VM.24 Die Gestalt wird in das Feuerhaus eingesetzt, erfüllt von Mond- und Sonnenlicht beziehungsweise deren Kräften. Dann wird die Frau mit unruhigem Blick, vom Begehren bedrängt, vorgestellt, …

17.VM.25 … von heftiger körperlicher Erregung bewegt und von den Strahlen des Śakti-Cakras erfasst, …

17.VM.26 … von ihren bisherigen Verhaltensgrenzen, von Furcht und Scham gelöst, im Herzen herangezogen, ihrer Festigkeit beraubt und außer sich, …

17.VM.27 … selbst wenn sie durch Mauern, Paläste, Fesseln, Flüsse und Vorrichtungen gut geschützt ist, im Innern von neuem Verlangen bewegt, …

17.VM.28 … deren Gewand vom als Wind gedachten übermächtigen Mantra fortgetragen wird, wie verwirrt, erschüttert, erschöpft und eilend, …

17.VM.29 … wie gemalt, bewusstlos, überwältigt, hilflos, durcheinander und von aufgewühltem Geist, …

17.VM.30 … wie verborgen, bewegungslos oder zu einer anderen geworden, wie ein vom kreisenden Mantrawind aufgewirbeltes Blatt im Luftraum: …

17.VM.31 … so soll sie selbst aus hundert Yojanas Entfernung herangeführt werden. Oder man schreibe die gesamte Mātṛkā außen um das Cakra.

[Die Verse 3–31 schildern eine magische Vorstellung erzwungener Anziehung und Kontrollverlusts. Die Übersetzung erhält diesen problematischen Inhalt in sachlicher Sprache; sie deutet ihn nicht zu einer freiwilligen Begegnung um.]

17.VM.32 Wer es am Oberarm trägt, soll von keinem Lebewesen getötet werden können. Ebenso, Maheśānī, mit der Folge des eigenen Namens …

17.VM.33 … und mit Sandelholz, Agaru und Kampfer soll man Alterslosigkeit und Unsterblichkeit erlangen. Auf dieselbe Weise, Göttin, mit Rocanā, Agaru und Kuṅkuma …

17.VM.34 … schreibt man das Cakra auf irgendeinen Träger, innen mit dem Zielnamen und dem eigenen Namen verflochten.

17.VM.35 Dadurch soll man bald alle Menschen zu Füßen haben. Mit dem mittig stehenden Bīja in Gestalt der großen Kāmakalā …

17.VM.36 … wird jeder einzelne Buchstabe des Zielnamens umfasst, Geliebte; auch außen wird geschrieben und alles mit Mātṛkā-Buchstaben umgeben.

17.VM.37 In Gold gefasst trage man es am linken Arm, am Haarschopf, am Gewand oder an einem anderen Ort.

17.VM.38 Es soll die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem dienstbar machen und König, Pferd oder gefährlichen Elefanten verblenden, …

17.VM.39 … Dieb, Löwe, Schlange, einen mächtigen fremden Tantra-Einfluss, Feinde, hundert Donnerkeile, Waffen, Vetālas und Rākṣasas, …

17.VM.40 … Bhūtas, Pretas und Piśācas: So wird die als Cakra getragene Kraft beschrieben. Mit demselben Mantra verflechte man die Namen von Städten, Schöne, …

17.VM.41 … lege man es in der Mitte, an einer Wegkreuzung oder in den vier Himmelsrichtungen nieder. Dadurch soll dort große Unruhe unter den Menschen entstehen, …

17.VM.42 … besonders unter Frauen, selbst ungesehenen, Herrin. Die in seiner Mitte befindliche Erde mit Bergen, Wäldern und Hainen …

17.VM.43 … bis an die vier Meere vergegenwärtige man als brennend, Geliebte. Durch sechs Monate dieser Meditation soll man außerordentlich anziehend werden.

17.VM.44 Allein durch den Blick soll man Menschen heranziehen und gefügig machen, eine Frau erregen und Gift beseitigen.

17.VM.45 Durch den Blick soll man Besessenheit hervorrufen, alle verblenden und unregelmäßige Fieber, darunter das Viertagefieber, vernichten.

17.VM.46 Dieses mit Sindūra gerötete und nachts verehrte Cakra soll eine starke Heranziehung selbst sehr ferner Frauen bewirken.

17.VM.47 Wird es so stets in den Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt, Göttin, soll durch die Abfolge der Richtungen die ganze Welt unter Einfluss geraten.

17.VM.48 Man zeichne es mit Rocanā, Agaru und Kāśmīra auf Birkenrinde, setze eine Stadt in seine Mitte ein und bringe es in einem Bauminnern unter, das als nirvivara, ohne Öffnung, bezeichnet wird.

17.VM.49 Oder man verbinde ein großes Land, einen Bezirk oder ein Gebiet mit dem eigenen Namen und lege es in die Erde, Göttin, …

17.VM.50 … oder trage es an der Hand, am Hals, am Oberarm, im Haarknoten, im Gewand oder an irgendeiner anderen Stelle.

17.VM.51 Dieses Cakra wird als vorzüglich zur Erschütterung einer Stadt bezeichnet, du Glückliche. Arka-Milchsaft, Kuṅkuma und Dhattūra-Saft …

17.VM.52 … werden mit Rocanā, Alaktaka, Lākṣā-Saft und reichlich Moschus vereinigt; mit dem Gemisch wird das Cakra unter dem Namen der betreffenden Person geschrieben.

17.VM.53 Für diese soll keine Gefahr bestehen durch Diebe, Grahas, Krankheit, Feinde, Löwen, Schlangen und Wasser sowie durch Yakṣas, Rākṣasas, Vetālas, Bhūtas, Pretas und Piśācas, …

17.VM.54 … durch Spinnen, Skorpione, Insekten und dergleichen, Gelbsucht und Kältebeschwerden oder durch fremde Mantras und Schadenzauber.

17.VM.55 Durch beständiges Tragen, Göttin, sollen Zeit, Tod, Yama und andere nicht einmal ein einziges Haar schädigen können.

17.VM.56 Oder die Göttin wird in der Mitte, im Innern des Dreiecks, dargestellt, darunter mit dem Namen verbunden und mit Rocanā und Kuṅkuma bezeichnet.

Textanmerkung: Die Vorlage fügt hinter trikoṇodara die unverbundene Klammerlesung (bhaya) ein. Sie lässt sich nicht sicher in den Satz einordnen.

17.VM.57 Wird dies niedergelegt, soll die Zielperson nach sieben Tagen wie ein Diener gefügig werden. Mit gelbem Stoff geschrieben, wird es in der Indra-Richtung, dem Osten, getragen beziehungsweise gehalten.

17.VM.58 Selbst ein Allwissender, dessen Name damit verbunden ist, soll augenblicklich verstummen. Ebenso wird mit Mahānīlī-Saft der Name wie zuvor verbunden.

17.VM.59 Nach Süden gewandt, soll das Verbrennen im Feuer augenblicklichen Tod bewirken. Ein blaues Tuch wird vollständig mit blauem Faden umwickelt.

17.VM.60 Frei aufgehängt soll es augenblickliche Vertreibung bewirken. Ferner nennt der Text eine Beschriftung mit Büffel- und Pferdemist und Kuhurin, …

17.VM.61 … die in saure Getreideflüssigkeit gelegt wird: Die Zielperson soll allen Wesen verhasst werden. Mit einer Krähenfeder wird der mit Rocanā verbundene Name geschrieben, …

17.VM.62 … auf ein mit blauem Faden umwickeltes blaues Tuch. Frei aufgehängt soll dies eine besonders starke Vertreibung bewirken.

17.VM.63 Wird das Cakra mit Milch, Lākṣā, Rocanā und Mahānīlī-Saft geschrieben und getragen, soll es die vier gesellschaftlichen Stände gefügig machen.

17.VM.64 Nach demselben Verfahren wird es in Wasser gelegt. Baden, Trinken und dergleichen sollen der betreffenden Person unvergleichliches Glück verschaffen.

Einordnung: Die Verse geben historische magische Wirkungsbehauptungen wieder. Weder die genannten Stoffgemische noch das damit in Berührung gebrachte Wasser werden hier zur Anwendung empfohlen; auch die behaupteten Heil- und Todeswirkungen sind keine festgestellten Wirkungen.

17.VM.65 Eine in seiner Mitte befindliche Stadtbewohnerin oder schöne Frau wird als brennend vorgestellt. Nach sieben Tagen soll sie dadurch erregt werden, Göttin.

17.VM.66 Selbst ein mit großen Verfehlungen belasteter Mensch verehre die Göttin mit jungen Trieben von Śamī, Dūrvā, Sahā und Aśvattha oder mit solchen des Arka.

17.VM.67 Binnen eines Monats soll er die in sieben Geburten begangene Befleckung tilgen. Wird dieses Cakra gelb gezeichnet und verehrt, …

17.VM.68 … nach Osten gewandt, sollen alle Streitredner zum Stillstand gebracht werden. Mit Sindūra-Pulver gezeichnet verehre man es nach Norden gewandt.

17.VM.69 Dann soll die Welt ihm vollständig gefügig werden. Mit rotem Ocker gezeichnet, wird es nach Westen gewandt verehrt.

17.VM.70 Dadurch soll man alle Frauen heranziehen, beeinflussen und erregen können. Nach Süden gewandt wird das schwarze Cakra verehrt.

17.VM.71 Derjenige, dessen Name darin steht, soll seine Mantrakraft dauerhaft verlieren. In entsprechender Weise in den Zwischenrichtungen verehrt, höchste Herrin, …

17.VM.72 … soll es Stillstellung, Zwietracht, Krankheit und Feindvertreibung bewirken. Mit Rocanā gezeichnet und in Milch gelegt, soll es gefügig machen.

17.VM.73 In Kuhurin gelegt soll es Feinde vertreiben; in Öl gelegt soll das Cakra besonders starke Zwietracht bewirken.

Vergleichsanmerkung: Hier wird Öl ausdrücklich der Zwietracht zugeordnet. Die zuvor zitierte Dakṣiṇāmūrti-Fassung weist die betreffenden Wirkungen teilweise anders zu; die Fassungen werden nicht vereinheitlicht.

17.VM.74 In loderndes Feuer gelegt, soll es alle Feinde vernichten. Oder, Herrin der Götter, an einer abgelegenen Wegkreuzung …

17.VM.75 … zeichne man in deren Nähe mit Sindūra das strahlende Cakra. Von ganz außen bis zur Mitte, Maheśvarī, …

17.VM.76 … wird die Mātṛkā von A bis Kṣa eingesetzt. Wer es zur Nachtzeit nach der Abfolge des Kula-Brauches verehrt, …

17.VM.77 … soll augenblicklich ein Khecara, ein im Luftraum Wandelnder, werden, große Göttin. Nach entsprechender Verehrung bei einem einzelnen Baum auf einem Berg …

17.VM.78 … soll er tatsächlich Alterslosigkeit und Unsterblichkeit erlangen, daran gebe es keinen Zweifel. Wird es am Mahābhūta-Tag auf einem Verbrennungsplatz verehrt, …

17.VM.79 … wie zuvor nachts, von einem Sādhaka mit festem Geist, so sollen die großen Errungenschaften der Zaubersandalen, des Schwertes, des Vetāla und wirkmächtiger Stoffe erreichbar werden, …

17.VM.80 … ebenso magische Augensalbe, Zugang zu verborgenen Räumen, eine dienende Geistgestalt, eine Yakṣiṇī und das Zurücklegen großer Entfernungen. Welche Folge von Siddhis auch immer in den drei Welten existiert, …

17.VM.81 … all dies soll der vorzügliche Sādhaka rasch verwirklichen.

Textlücke: Die zweite Vershälfte ist in der Vorlage nur durch Sternchen vertreten. Mahābhūta-Tag wird an dieser Stelle nicht näher bestimmt.

Soweit das Zitat. Bei allen diesen Verfahren ist nach dem Kommentar eine Dauer von einem Maṇḍala einzuhalten; für die Rezitation ist eine Zahl von einem Ayuta, also zehntausend, zu verstehen. Die Länge des Maṇḍala wird hier nicht erneut angegeben.

Die Vergegenwärtigung der drei Kūṭas

Nun die Sādhana der drei Mantra-Gruppen; in demselben Werk heißt es:

17.KT.1 Höre, Götterherrin, die Sādhana ihrer drei Bījas. In weiße Kleidung gehüllt und inmitten weißer Gewänder sitzend, …

17.KT.2 … verehre der Mensch unter Wahrung der Enthaltsamkeit mit weißen Blüten und ausschließlich weißen Speisegaben wie Dickmilch, Milch und gekochtem Reis.

17.KT.3 Mit insgesamt weißen Gaben verehre er diejenige, die die jeweils begehrten Früchte gewährt. Nach ihrer Verehrung meditiere er über die höchste Herrin der Rede.

Lesart: sakalpadhavalaiḥ ist nicht glatt überliefert; die Übersetzung folgt dem aus dem Zusammenhang erkennbaren Bezug auf weiße Gaben.

17.KT.4 In Gestalt des Bīja erstrahlt sie bis zum Anaṅga-Ort. Den Brahma-Knoten durchbrechend, wird sie als Bīja an der Zungenspitze …

17.KT.5 … vergegenwärtigt. Selbst wer innerlich abgestumpft, ungebildet, töricht, schwer schuldig oder betrügerisch ist und kein Wort, keinen Laut deutlich auszusprechen vermag, …

17.KT.6 … selbst ein geistig träger oder stummer Mensch, ohne Einsicht und Urteilskraft, soll dadurch beredt werden wie ein zweiter Vācaspati, der Herr der Rede.

17.KT.7 Er soll die machtvolle Versammlung guter Gelehrter überwinden, von ungehinderter Ausstrahlung sein und das Wesentliche von schlüssiger Argumentation, Wort, Satz, Bedeutung, Laut und rhetorischem Schmuck kennen.

17.KT.8 Seine Darlegungen sollen den vom Wind aufgewühlten Wogenreihen des Meeres gleichen; mit besonders feiner, reicher Gestaltung und rhetorischem Schmuck …

17.KT.9 … soll er Wortfolgen fügen und ein Verfasser großer Dichtungen werden, Götterherrin; Veda, Vedāṅga, Vedānta und die Erkenntnis der Lehrsysteme soll er durchdringen.

17.KT.10 Er soll Astralkunde, Überlieferungsgeschichte und anderes, Mīmāṃsā und die Aussagen der Smṛtis kennen; ebenso viele Mantras zu Prāṇa, Rasavāda und Garuḍa.

17.KT.11 Er soll die Lehren von der Unterwelt verstehen, Wesen und Bedeutung der Bhūta-Tantras kennen und in zahlreichen Künsten wie vielfältiger Malerei bewandert sein.

17.KT.12 Seine gesamte Rede soll durch die erhabene Sprachlehre geläutert werden. Er soll alle Sprachen und Laute kennen und sich aller Schriftformen bedienen können.

17.KT.13 Er soll Bedeutung und Unterweisung der vielfältigen Lehrwerke kennen und in der Welt berühmt sein; alles sprachlich Überlieferte soll er verstehen und allwissend werden, Göttin.

17.KT.14 Dies ist die Sādhana des Vāgbhava, große Göttin. Höre nun die Sādhana des Kāmarāja, Götterherrin.

17.KT.15 Sie hat die Gestalt der Kāmakalā und ist im Bereich des aufkeimenden Begehrens gegenwärtig; sie gleicht der Scheibe der aufgehenden Sonne und besitzt einen hell leuchtenden Leib, Geliebte.

17.KT.16 Ihre Form ist die einer flackernden Lampenflamme; sie lässt einen Strom von Bindus herabregnen und hat die Lebenskraft der gesamten Weltenfülle in sich aufgenommen.

17.KT.17 Rein und von ihrer eigenen großen Herrlichkeit erfüllt, bildet sie den Grund des Haṃ-Lautes. Darauf erstrahlt sie schrittweise bis zum Anaṅga-Bereich, …

17.KT.18 … im Körper bis zum Anaṅga-Bereich, jeweils von zweifacher Natur. Dadurch wird der Sādhaka, Götterherrin, unter allen, die sich ihrer Liebeskunst rühmen, …

Textanmerkung: Die Wortverbindungen mahāsvamahīmākrānta und śarīrānaṅgaparyantam in Vers 17–18 sind unsicher. Die Übersetzung gibt ihren erkennbaren Bild- und Bewegungszusammenhang wieder, ohne daraus eine zusätzliche Körpertechnik abzuleiten.

17.KT.19 … unter allen Leidenschaftlichen ein über den Liebesgott hinausgehender Bedränger. Eine Frau, die in seinen Blickbereich tritt, sei sie Göttin oder Asurī, …

17.KT.20 … Vidyādharī, Kinnarī, Yakṣiṇī, Nāga-Frau, Tochter eines besonders mächtigen Königs oder eine Siddha-Tochter, …

17.KT.21 … soll vom schwer erträglichen Feuer des Begehrens im Geist erhitzt, körperlich erregt, mit unruhigem Blick, verwirrt und überwältigt werden, …

17.KT.22 … sich selbst und ihren gesamten Besitz hingeben und gefügig werden, Göttin. Die Śakti gleicht dem im bewegten Wasser gespiegelten Mond und ist rot wie die Strahlen der jungen Sonne.

17.KT.23 Im Geschlechtsbereich der gedachten Frauen vergegenwärtigt, soll sie augenblicklich Erregung hervorrufen. Dieselbe Śakti, sindūrafarben und im Herzen vergegenwärtigt, …

17.KT.24 … gilt als Heranzieherin eines von Verblendung und Erregung erfassten Geistes. Oder sie wird am Scheitel eingesetzt, rote Bindus herabregnend.

17.KT.25 Durch die Verbindung mit konzentrierter Vergegenwärtigung soll sie die Welt gefügig machen. Nun werde ich eine weitere, auf Erden schwer erlangbare Anwendung verkünden.

17.KT.26 Allein durch deren Kenntnis soll der Sādhaka dem Liebesgott gleichen. Das im Kāma befindliche, inmitten des Kāma stehende und vom Innern des Kāma umschlossene …

17.KT.27 … Kāma soll man durch Kāma begehren lassen und Kāma in die Kāmas einsetzen. Durch Kāma begehrt gemacht, soll das im Kāma Befindliche gewiss erregt werden.

Auslegungsgrenze: Die wiederholten Kāma-Ausdrücke des Verses sind eine verschlüsselte Mantra- und Ritualsprache. Ohne gesicherte Auflösung wird kein bestimmter Laut oder Körperort eingesetzt. Die vorausgehenden Verse beschreiben die historische Vorstellung erzwungener Anziehung; sie sind kein Leitbild einvernehmlicher Beziehungen.

17.KT.28 In Kürze werde ich die Sādhana des Śakti-Bīja verkünden. Wenn diejenige, deren Wesen das Śakti-Bīja ist, erschafft und wieder einzieht, …

17.KT.29 … vergegenwärtige man sie im Körper vom Erschaffen bis zum Einziehen. Dadurch soll man wie ein zweiter Vainateya, Garuḍa, werden, Götterherrin.

17.KT.30 Schon durch den Anblick soll man Schlangen erstarren lassen, Göttin; für die von Brennen Geplagten soll man einer mächtigen Wolke gleichen, die einen Nektarstrom ergießt.

17.KT.31 Man soll die als ortsfest, künstlich und durch Verdacht bezeichneten Gifte und Nebengifte vernichten. Von Scharen böser Krankheiten, Grahas, Ḍākinīs und Rūpikās, …

17.KT.32 … von Bhūtas, Pretas, Piśācas und anderen soll man wie der Dreiäugige angesehen werden. Oder wer diese Vidyā in ihrer Vollständigkeit vergegenwärtigt, …

17.KT.33 … allein inmitten des Ursprungsbereichs, des Herzlotus und des Gesichtsbereichs, Maheśānī, mit dem Glanz eines Rubins, …

17.KT.34 … bei dem soll sich bald die achtfache übernatürliche Macht einstellen. Wenn der Sādhaka auch nur ihren Namen im Geist erinnert, …

17.KT.35 … soll er sogleich dem Kreis der Mütter bekannt werden, Geliebte. Sobald die Vidyā Mahātripurasundarī erkannt wird, …

17.KT.36 … soll die Weisungsgewalt des Mütterkreises auf seinen Leib übergehen. Allen Yoginīs an allen ihren Aufenthaltsorten soll er lieb werden, …

17.KT.37 … wie ein Sohn, höchste Herrin, allein durch die Meditation. Verehrt er aber die Vollständige, höchste Herrin, …

17.KT.38 … sollen sie ihm sogleich die höchste Khecarī-Siddhi verleihen. Denn vierundsechzig Koṭis mächtiger Yoginīs …

17.KT.39 … haben in diesem Cakra ihren Aufenthalt genommen, von Helden Verehrte. Zunächst im zugehörigen Bereich, in der Mitte die acht Bījas, außen …

17.KT.40 … im Spielraum der Freude der Kula-Frauen soll er Anaṅga gleichen, Geliebte. Für jede einzelne der Vidyās, beginnend mit der Reinigung der Hände, höchste Herrin, …

Textanmerkung: Die Ortsfolge in Vers 39 bleibt syntaktisch unvollständig. Vierundsechzig Koṭis ist die überlieferte Größenangabe und wird nicht zu vierundsechzig einzelnen Yoginīs verkürzt.

17.KT.41 … habe ich früher im Rudrayāmala-Tantra die jeweilige Handlung verkündet. Durch die zugehörigen Meditationen dem Liebesgott gleich geworden, soll man mit Schlinge, Haken, Bogen und Pfeilen …

17.KT.42 … die Frauen der Götterwelt und der Unterwelt erregen. Ebenso mit den Śakti-Formen, Götterherrin, den eigenen Leib zu Tripurā geworden, …

17.KT.43 … soll man Siddhas, Gandharvas, Götter und Vidyādharas gewinnen. Dabei sind die Śakti-Pfeile aus der Mahāvajra-Anordnung hervorgegangen.

17.KT.44 Die Madana-Pfeile werden jedoch vom Anfang her und darunter eingesetzt. Die am Anfang und Ende befindliche große Schlinge wird als männlich bezeichnet.

17.KT.45 Die Rudra-Śakti, Kuṇḍala genannt, und Māyā werden als weibliche Schlinge bezeichnet. Der vierte und der zweite Laut aus der Aruṇa-Gruppe, Pārvatī, …

17.KT.46 … bilden das Paar des männlichen und weiblichen Bogens; Kāma, Agni und Vyāpaka bilden den Haken.

Text- und Auslegungsanmerkung: Die zweite Hälfte von Vers 46 fehlt und ist durch Sternchen angezeigt. Auch die Pfeilanordnung in Vers 44 ist sprachlich unsicher. Die verschlüsselten Lautnamen der Waffen-Mantras bleiben als solche erhalten; eine nicht belegte vollständige Mantraformel wird nicht ergänzt. Damit endet das Zitat.

Weitere Anwendungen und der Vorrang innerer Verehrung

Im Jñānārṇava, vierzehntes Kapitel, heißt es:

17.JA.1 Mit Gorocanā und anderen Stoffen zeichne man das königliche Cakra, in dessen Mitte eine sehr schöne, anmutige, glückverheißende Gestalt.

17.JA.2 Man stelle sie sich brennend vor, mit ihrem Namen versehen und mit dem Kāma-Bīja verflochten. Selbst aus einer Entfernung von Tausenden Yojanas, Göttin, …

17.JA.3 … soll eine zuvor nie gesehene, nur vom Hörensagen bekannte, schwer erreichbare Frau, selbst eine dem Blick entzogene Königstochter, frei von Furcht und Scham, …

17.JA.4 … vom Mantra verwirrt zum Sādhaka kommen. Wenn der Sādhaka sich in der Mitte des Cakras befindet und meditiert, …

17.JA.5 … stelle er sich selbst rot vor, strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, und die Zielperson ebenfalls rot geworden, höchste Herrin.

17.JA.6 Durch diese Abfolge soll er selbst eine Verkörperung Kandarpas werden, mit aller Schönheit begabt und fähig, alle Menschen gefügig zu machen.

17.JA.7 Mit ausschließlich roten Gaben und unter Einbeziehung der Mudrā verehre er das Cakra, in das Name und Gestalt der betreffenden Person eingeflochten sind.

17.JA.8 Diese soll dann wie ein Diener werden, Göttin, sei es ein Reicher oder ein König. Den Namen einer Frau setze er in die Mitte des Cakras.

17.JA.9 Selbst wenn sie ungesehen ist, Maheśānī, soll der Kundige durch die Yoni-Mudrā sie rasch gewaltsam heranziehen können: eine Yakṣiṇī, eine Königstochter, …

17.JA.10 … eine Nāga-Tochter, Apsaras, Khecarī, Götterfrau, göttlich schöne Vidyādharī, Ṛṣi-Tochter oder Frau eines Feindes, …

17.JA.11 … durch Begehren erhitzt, körperlich erregt, innerlich von Kāmas Pfeilen getroffen und mit unruhigen Augen.

17.JA.12 Durch die Meditation über die große Kāmakalā soll er die Frauen des Himmels, der Erde und der Unterwelt erregen, von Göttern Verehrte.

17.JA.13 Ein Teil Rocanā, ein Teil Kuṅkuma und zwei Teile Sandelholz werden gleichmäßig verrieben, Göttin.

17.JA.14 Daraus wird ein Tilaka gemacht, dem die Beeinflussung der drei Welten zugeschrieben wird. Nach hundertachtmaligem Besprechen soll es gefügig machen.

Vergleich: Hier werden zwei Teile Sandelholz genannt; die frühere Vāmakeśvara-Stelle nennt gleiche Teile. Die gewaltsame Anziehung in diesem Zitat bleibt als problematischer historischer Inhalt erkennbar.

In der Śāradā, Kapitel 12, ab Vers 65, heißt es:

17.ŚT.1 Zwei Teile Sandelholz, ein Teil Kuṅkuma-Blütenfäden und ein Teil Gorocanā werden mit kaltem Wasser verrieben.

17.ŚT.2 Daraus werde eine Stirnmarkierung gemacht. Wen der Träger ansieht oder wer ihn ansieht, wen er berührt oder wer ihn berührt, soll ihm bald gefügig werden.

17.ŚT.3 Karpūra, Kapi und Cora werden zu gleichen Teilen genommen, Jaṭāmāṃsī zu vier Teilen und Rocanā ebenso.

17.ŚT.4 Kuṅkuma soll sieben Teile, Sandelholz zwei und Agaru neun Teile ausmachen; in dieser Anteilsfolge …

17.ŚT.5 … wird alles von einer jungen Frau mit kaltem Wasser gut verrieben und zubereitet. Als Stirnmarkierung getragen, soll es Könige und Menschen, …

17.ŚT.6 … eine von Begehren und Stolz erfüllte Frau, brünstige Elefanten, Löwen, Tiger, große Schlangen, Bhūtas, Vetālas und Rākṣasas …

17.ŚT.7 … allein durch den Anblick gefügig machen, wenn ein Mensch diese Stirnmarkierung trägt.

Textanmerkung: Die zweite Hälfte von Vers 7 fehlt in der Vorlage. Die Stoffnamen Kapi und Cora bleiben unidentifiziert; aus der historischen Aufzählung wird kein heutiges kosmetisches Rezept abgeleitet.

Andernorts heißt es:

17.MÜ.1 Die Anwendungen, die in den Anleitungen sämtlicher Mantras mit Meditation, Feueropfer, Rezitation und anderen Mitteln gelehrt werden, sollen gewiss gelingen, daran bestehe kein Zweifel.

Aus dieser Aussage folgert der Verfasser, dass die bei anderen Mantras gelehrten Anwendungen auch im Bereich der Śrīvidyā zu verstehen sind. Ferner heißt es:

17.IV.1 Man soll nicht im äußeren Feuer opfern, wie es das Tantra beschreibt, solange man nicht im großen Feuer des eigenen Selbst den Geist als vollständige Opfergabe dargebracht hat.

17.IV.2 Man selbst ist die Göttin Tripurā; ihre Röte ist die reflektierende Bewusstseinskraft, Vimarśa. Ihre Schlinge und ihr Haken gelten als Begehren und Abneigung.

17.IV.3 Klang, Berührung und die weiteren Sinnesgegenstände sind ihre Pfeile; der Geist ist ihr Bogen. Ihre Śaktis lassen der Reihe nach die Erfahrung des Unter-Einfluss-Geratens entstehen.

17.IV.4 Das östliche und das westliche Tor gelten als Prāṇa und Apāna. Die neun Cakras sind der Reihe nach von den Fesseln der Zeit durchdrungen beziehungsweise überwältigt.

Lesart: Die Verbindung kālāddāmābhibhūtāni ist sprachlich unsicher; die Zuordnung der Tore zu den beiden Lebenskräften ist dagegen eindeutig.

17.IV.5 Die Göttin, deren Wesen Bewusstsein ist und die im Kreis der Handlungs- und Erkenntnisorgane wohnt, verehre man mit den Blumen des Vertrauens, um alle Vollendungen zu erlangen.

Textanmerkung: In der Wendung für die Blumen ist die Vorlage beschädigt (vihvāsahasta pūṣpaiḥ); „Blumen des Vertrauens“ gibt den erkennbaren Sinn wieder, nicht eine gesicherte vollständige Lesung.

Aus solchen Aussagen ist zu erkennen, dass die innere Verehrung als die höchste gilt. Das Feueropfer steht dabei stellvertretend auch für Rezitation und die weiteren Handlungen; deren innerer Charakter ist bereits in anderen Tantras gelehrt worden. Da die Anwendungen unendlich zahlreich sind, zeigt der Verfasser nur ihre Richtung, um das Werk nicht übermäßig anwachsen zu lassen.

„Ein vorzüglicher Sādhaka, der solche Handlungen ausführt, soll zum eigenen Schutz den Mṛtyuñjaya-Mantra rezitieren.“ Weil eine solche Sühne beziehungsweise Absicherung vorgeschrieben wird, folgert der Verfasser, dass die Anwendungen unerwünschte Folgen hervorrufen können. Daher sei erwiesen: Die Kundigen sollen eine von eigennützigen Wünschen freie Verehrung üben.

Befähigung und innere Bedeutung der fünf Mudrās

Über die zur Praxis Befähigten heißt es im Kulārṇava:

17.KA.1 Menschen, die verwerfliche Handlungen abgelegt haben, verdienstvoll handeln und in denen die Erkenntnis des Kula entstanden ist, verehren mich mit festem Gelübde.

Lesart: Die Vorlage bietet deha (heya) karmāṇaḥ; die Übersetzung folgt der Klammerlesung heya, „abzulegen, verwerflich“.

17.KA.2 Mit vollständiger Weihe versehen, in das Wesen der Bedeutung von Veda und Lehrwerken eingedrungen, der Gottheit und dem Guru ergeben, gesammelt und der Verehrung zugetan, …

17.KA.3 … mit den Geheimnissen des Kula-Āgama vertraut, eifrig in der Verehrung der Gottheit und durch den Guru unterwiesen, sollen sie die Herrin des Kula verehren.

17.KA.4 Mit reinem Innern, großer Freude, frei von Zorn und Gier, abgewandt von Verleumdung und Ähnlichem, freundlich gesinnt, soll man Śivā sättigen.

17.KA.5 Wenn Kaulas zugleich am Paśu-Gelübde festhalten, machen sie beide Seiten zur Karikatur. So lange, wie Haare gezählt werden, sollen sie in der Raurava-Hölle verbleiben.

Einordnung: Dies ist eine polemische innertraditionelle Grenzziehung mit einer Höllendrohung. Sie wird als Aussage des zitierten Textes wiedergegeben.

Ferner:

17.KA.6 Wer die Besonderheit der drei Liṅgas kennt und die sechs Stützpunkte durchdringt, gelange zu den Pīṭha-Orten und betrete den großen Lotuswald.

17.KA.7 Immer wieder vom Mūlādhāra bis zum Brahmarandhra gelangend, entsteht im Mondkreis des Bewusstseins die Freude völliger Einheit mit der Śakti.

17.KA.8 Wer sich am Trinken des Nektars erfreut, der aus dem Himmelslotus strömt, ist der wahre Honigtrinker und Fleischgenießer; die anderen sind lediglich Alkoholtrinker.

17.KA.9 Wer als Yogakundiger mit dem Schwert der Erkenntnis das Opfertier von Verdienst und Schuld getötet hat und den Geist im höchsten Śiva auflöst, wird Fleischesser genannt.

17.KA.10 Wer mit dem Geist die Gruppe der Sinne zügelt und im Selbst vereint, ist der Fischesser, Göttin; die übrigen töten lediglich Lebewesen.

17.KA.11 Ichhaftigkeit, Unwahrheit, Verleumdung und Zorn sind diese vielfältige Speise. Wer sie im Feuer opfert, …

17.KA.12 … ist ein Angehöriger des Kula, der den heiligen Rest genießt; die anderen essen Schuld. Wer von der Freude der Verbindung des Paares aus höchster Śakti und eigenem Selbst erfüllt ist, …

17.KA.13 … dessen Verweilen ist Maithuna; ein anderer hat lediglich Umgang mit einer Frau. Die zuvor unerwachte höchste Śakti ist beim Kaulika erwacht.

17.KA.14 Wer dieser Śakti dient, ist ein Diener der Śakti. Wer die innere Bedeutung der fünf Mudrās auf diese Weise, Herrin des Kula, …

17.KA.15 … aus dem Mund des Gurus erkennt und sie dann übt, Göttin, wird so bezeichnet.

Textlücke: Die zweite Hälfte von Vers 15 fehlt. Die ungewöhnliche Verbindung von Honigtrinker und Fleischgenießer in Vers 8 ist überliefert; Vers 9 gibt anschließend eine eigene Deutung des Fleischessens.

Ferner wird sinngemäß gesagt: Das Gestalten und Nichtgestalten von Gesichts-Mudrās und ähnlichen Formen, Meditation und das Eingehen in die Śakti seien die große Einheit. Der genaue Wortlaut dieser unnummerierten Aussage ist beschädigt, besonders madhyānāṃ mukhamudrādikalpanāparikalpanam.

Solche Aussagen zeigen nach dem Verfasser, dass nur derjenige zur äußeren Verehrung und den weiteren Handlungen befähigt ist, der in der inneren Verehrung gefestigt ist. Dass diese Befähigung den vier gesellschaftlichen Ständen gemeinsam zukommen kann, wurde bereits durch entsprechende Aussagen belegt.

In der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā, Kapitel 31, ab Vers 35, heißt es:

17.DA.1 Nur ein Eingeweihter ist hierzu befähigt, kein anderer, höchste Herrin. Wer das in einem Buch Geschriebene sieht, es sich selbst erklärt und danach handelt, …

17.DA.2 … soll mit Verfehlungen wie Brahmanentötung, Alkoholtrinken und Golddiebstahl befleckt werden; daran bestehe kein Zweifel, und er werde in der Hölle wohnen.

Andernorts heißt es: „Unter Umgehung des Gurus besteht in dieser Lehre nicht einmal für die Götter eine Befugnis.“ Die überlieferte Sanskrit-Zeile lässt die erwartete Verneinung sprachlich nur in der Wortverbindung erkennen; ihr Zusammenhang ist eindeutig eine Einschränkung der Befugnis. Die drastische Sanktion gehört zur historischen Begründung der Einweihungspflicht.

Wunschbezogene Feueropfer: Zeitbestimmung und Gaben

Nun das Verfahren des wunschbezogenen Feueropfers. Zunächst soll nach tantrischer Ordnung das Agni-Cakra geprüft werden: In den Mund welches milden oder grausamen Planeten gelangen die Opfergaben? An einem Tag, an dem sie in den Mund eines günstigen Planeten eintreten, beginnt das günstige Feueropfer; bei Eintritt in den Mund eines ungünstigen Planeten das ungünstige.

Die Bestimmung erfolgt so: Vom Nakṣatra, in dem die Sonne steht, bis zu demjenigen, in dem der Mond steht, wird gezählt. Je drei Nakṣatras werden den neun Planeten zugeteilt. Deren Reihenfolge lautet hier: Sonne, Merkur, Venus, Saturn, Mond, Mars, Jupiter, Rāhu, Ketu. In wessen Dreiergruppe der Beginn des Feueropfers fällt, in dessen Mund gehen die Opfergaben ein. So wird das Agni-Cakra bestimmt.

Bei einem auf günstige Wirkung gerichteten Feueropfer werden folgende Ergebnisse zugeschrieben: der Sonne Trauer, Merkur Vermögenszuwachs, Venus das Erlangen der gewünschten Frucht, Saturn Bedrängnis, dem Mond Wohlbefinden, Mars Fesselung, Jupiter Vermögensgewinn, Rāhu Krankheit und Ketu Tod. Bei Jupiter ist dhaprāptiḥ verkürzt überliefert; „Vermögensgewinn“ folgt der naheliegenden Lesung dhanaprāptiḥ.

Danach wird bestimmt, ob sich das Feuer im Himmel, in der Menschenwelt oder in der Unterwelt befindet; erst unter Berücksichtigung der zugeordneten Folgen beginnt das wunschbezogene Feueropfer. Man zählt die Tithis vom ersten Mondtag bis zum Opfertag und die Wochentage von Sonntag bis zum Beginn des Opfers. Zu beiden Zahlen zusammen wird neunundzwanzig addiert. Die Summe wird durch drei geteilt. Beim Rest eins befindet sich das Feuer im Himmel, beim Rest zwei in der Unterwelt, beim Rest null in der Menschenwelt.

Dem Himmelsstand wird Unheil zugeschrieben, dem Unterweltsstand Vermögensverlust und dem Stand in der Menschenwelt das Erlangen aller Welten. Der letzte Ausdruck lautet in der Vorlage sakalalokaprāptiḥ; er wird nicht stillschweigend in „Erfüllung aller Wünsche“ geändert. Ein Teil des Satzes steht bereits in der Vorlage in Klammern.

Nach dieser Bestimmung werden im zuvor beschriebenen Pavillon die neun Feuergruben an den ebenfalls zuvor erläuterten zwölf Tierkreisorten berücksichtigt. In den für günstige oder ungünstige Zwecke beschriebenen Formen wird nach der bereits gelehrten Vorschrift das Feuer eingesetzt. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Feuerzungen werden die jeweils genannten Stoffe in der vorgeschriebenen Weise geopfert.

Über die Gaben für milde Feueropfer heißt es im Jñānārṇava; die Stellenangabe der Vorlage lautet 17|152:

17.JH.1 Mālatī-, Jāti- und Mallikā-Blüten, mit Honig gemischt und von Ghee erfüllt, werden geopfert, Göttin. Dadurch soll Herrschaft über die Rede entstehen, …

17.JH.2 … selbst bei einem Stummen, einem Unverständigen oder einem wie ein Stein Erstarrten, gewiss. Mit Ghee versehenen Japā-Blüten oder ebenso bereiteten Karavīra-Blüten …

17.JH.3 … soll der Mantrakenner durch das Feueropfer die Bewohner der drei Welten verblenden. Karpūra und Kuṅkuma, Göttin, mit Moschus gemischt, …

17.JH.4 … sollen beim Feueropfer bewirken, dass der Mantrakenner den Liebesgott an Glück, Anmut und Vermögen übertrifft, du Gelübdetreue.

17.JH.5 Nach einem Opfer mit Campaka und Pāṭala soll der Mantrakenner große, in leuchtendes Gewand gekleidete Śrī erlangen und diese Erde stillstellen können.

17.JH.6 Śrīkhaṇḍa, Guggula, Candra und Agaru werden geopfert; dadurch sollen die Frauen von Königen, Nāga-Fürsten und Göttern gefügig gemacht werden.

17.JH.7 Alle Menschen sollen ihm dann gefügig sein, ohne Zweifel. Durch ein Opfer von Lākṣā soll ein von Armut und Furcht Bedrängter ein Königreich erlangen.

17.JH.8 Ein Opfer von Fleisch mit den drei süßen Stoffen soll schwere Bedrängnisse stillen. Für weit entfernte Zielpersonen, Götterherrin, ist nach dem vom Guru gelehrten Weg …

17.JH.9 … das Feueropfer von denjenigen auszuführen, die Beeinflussung begehren; sonst bleibe es fruchtlos. Durch ein nächtliches Opfer von blutbenetztem Ziegenfleisch, …

17.JH.10 … mit den drei süßen Stoffen verbunden und nach der Unterweisung des Gurus, soll ein ganzes fremdes Reich samt großer Festung unter eigene Gewalt gebracht werden.

17.JH.11 Durch Mahāpala, den verschlüsselten Ausdruck für Menschenfleisch, soll das Heer eines Feindes vernichtet werden. Ein nächtliches Feueropfer an einer Wegkreuzung soll zum Wandel im Luftraum befähigen.

Einordnung: Die kriegerischen und übernatürlichen Wirkungen werden ausschließlich als Behauptungen der Quelle wiedergegeben. Der Text wechselt hier innerhalb des als „mild“ angekündigten Abschnitts zu aggressiven Zielsetzungen; dieser Wechsel bleibt erhalten.

17.JH.12 Durch getrennte Opfer von Milch, Honig, Dickmilch und Ghee sollen Menschen, du Schönangesichtige, Lebensdauer, Vermögen, große Gesundheit und Gedeihen erlangen, …

17.JH.13 … in dieser Reihenfolge, Tochter des Berges. Milch mit Honig soll den Tod beseitigen; Dickmilch mit Honig soll Glück und Vermögen bringen.

17.JH.14 Ein Opfer allein von weißem Zucker soll Feinde stillstellen; eines von roten Lotusblüten soll vollkommenen Wohlstand schenken.

17.JH.15 Rote Wasserlilien sollen die Welt gefügig machen und Könige augenblicklich beeinflussen; blaue Wasserlilien sollen selbst sehr Bösartige gefügig machen, gewiss.

17.JH.16 Durch ein Opfer weißer Wasserlilien soll man Wohlstand und Redegewandtheit erlangen, Geliebte; durch weiße Lotusblüten Lakṣmī und Glück.

17.JH.17 Durch Kahlāra-Blüten soll der Mantrakenner Glück und Vermögen gewinnen. Mit ganzen Badara-Früchten soll er die „Erdengötter“, die Brahmanen, beeinflussen.

17.JH.18 Durch Mātuliṅga-Früchte sollen Kṣatriyas, durch Nāraṅga-Früchte Vaiśyas gefügig werden.

17.JH.19 Durch Kūṣmāṇḍa-Früchte sollen Śūdras und andere beeinflusst werden; durch ein Lakh Opfer mit Weintrauben sollen die acht Siddhis erlangt werden, ohne Zweifel.

17.JH.20 Durch ein Lakh Opfer mit Bananenfrüchten sollen zehn Könige gefügig werden, gewiss.

17.JH.21 Durch ein Lakh Opfer mit Datteln sollen zwanzig Könige gefügig werden; so lautet die Weisung der höchsten Herrin.

17.JH.22 Durch Opfer von Kokosfrüchten soll Gedeihen entstehen, Geliebte; nach einem Lakh soll der Mantrakenner einem weiteren König gleichen.

17.JH.23 Durch ein Lakh Opfer mit reifen Mangofrüchten soll er die Erde bis an die vier Meere unter Einfluss bringen, Schöne.

Lesart: pasvāmra ist fehlerhaft überliefert; „reife Mango“ folgt der naheliegenden Lesung pakvāmra.

17.JH.24 Durch ein Lakh Opfer mit Panasa-Früchten sollen hundert Könige gefügig werden, Götterherrin; daran solle nicht gezweifelt werden.

17.JH.25 Ein Opfer von Sesam und Ghee soll das Vorhaben erfüllen, Göttin; Rājikā und Salz sollen bösartige Menschen gefügig machen.

17.JH.26 Durch Kuṅkuma sollen die drei Welten beeinflusst, durch Guggula alle Leiden vernichtet werden.

17.JH.27 Auch durch Sandelholz sollen Feinde rasch gefügig werden; durch rotes Sandelholz Männer und Frauen.

17.JH.28 Durch Karpūra soll die Macht entstehen, Menschen mittels der Rede zu beeinflussen. Durch Moschus, Göttin, sollen Könige und königliche Minister …

17.JH.29 … samt ihrem gesamten Gefolge gefügig werden, Geliebte. Ein Opfer von Sesam und Reis soll Frieden im Haus schaffen.

17.JH.30 Durch Śarkarā und Guḍa, mit weißem Zucker verbunden, sollen die drei Welten dem Mantrakenner gefügig werden; er soll Fülle an Getreide erlangen.

17.JH.31 Durch Opfer verschiedener āsra soll gewiss Getreidefülle entstehen; durch gewürzte Vaṭaka-Speisen sollen Bedrängnisse verschwinden.

Textanmerkung: nānāvidhāsra ist unklar. Die Lesung wird nicht zu einer vermeintlich sicheren Pflanzen- oder Speisenliste ausgeweitet.

17.JH.32 Bandhūka-Blüten sollen alle Wesen gefügig machen; Japā-Blüten die Welt beeinflussen und Bāṇa-Blüten Verblendung bewirken.

17.JH.33 Mit Vakula-Blüten soll großes Glück entstehen; mit zehnteiligem Räucherwerk unvergleichliches Glück.

Im Kulamūlāvatāra wird dazu unnummeriert gesagt: Māṃsī, Śivā, Kauśika und Sarja-Mark sind zu gleichen Teilen genannt; Vṛkṣaruja in einem als „der Reihe nach halb“ bezeichneten Verhältnis. Śaileya, Mustā, Karaja und Kuṣṭha folgen. Diese Zusammensetzung wird als zehnteiliges Räucherwerk bezeichnet, das allen Zwecken dient.

Textanmerkung: Die Zusammensetzungen und Mengen der überlieferten Zeile sind nicht eindeutig trennbar, insbesondere vṛkṣarujaḥ kramārdham und sarvārthakhaṇḍaḥ. Es wird keine ergänzte Liste von zehn sicher identifizierten Stoffen vorgetäuscht.

Weiter heißt es:

17.JH.34 Durch Jambū-Früchte sollen Frauen, durch Kūṣmāṇḍa-Früchte Daitya-Töchter gefügig werden. Śrī-Früchte oder deren Blätter sollen unvergleichliche Lakṣmī gewähren, von Göttern Verehrte.

17.JH.35 Zuckerrohrstücke sollen Wohlbefinden bringen, sein Saft oder Kokoswasser soll Königstöchter gefügig machen, Götterherrin.

Unnummeriert folgt: Durch ein Feueropfer allein mit Ghee sollen sämtliche Śaktis Gaben gewähren. Die anschließende Vershälfte fehlt und ist durch Sternchen angezeigt.

Feueropfer nach dem Tantrarāja

Im Tantrarāja, Kapitel 32, heißt es:

17.TH.1 Nun werde ich das Feueropfer mit der Lalitā-Vidyā verkünden, Śivā. Dadurch soll selbst ein Sterblicher in der Welt berühmt und den Göttern gleich werden.

17.TH.2 Höre seine Vorschrift nach den Unterschieden von Stoffen, Zeiten und Weiterem, du Weise. In der unter den neun beschriebenen Gruben für die betreffende Handlung vorgeschriebenen …

17.TH.3 … opfere man auf dem gelehrten Weg, nachdem man über das Feuer meditiert hat. Vom ersten Tag der hellen Monatshälfte bis zum Vollmond werden Lotusblüten geopfert.

17.TH.4 Mit Kairava-Blüten an diesen Tagen soll Wohlstand erlangt werden. Auch mit glückverheißenden roten Blüten, von den drei süßen Stoffen durchtränkt, …

17.TH.5 … und unversehrt, soll ein Mensch binnen eines Jahres einem König gleichen. An denselben Tagen werden weiße, mit Ghee versehene Lotusblüten geopfert.

17.TH.6 Durch Kahlāra-Blüten an diesen Tagen soll man reich an Vermögen und Getreide werden; ebenso soll man durch Utpala-Blüten reichlichen Wohlstand erlangen.

17.TH.7 Durch rote Utpala-Blüten soll man eine junge Frau gewinnen; durch Ketaka-Blüten an diesen Tagen Wohlstand erlangen.

17.TH.8 Glück, Ruhm und Gesundheit sollen auch durch die Verehrung entstehen. Werden jene sechs Blütenarten mit Kuṅkuma-Pulver bestreut und an den genannten Tagen geopfert, …

17.TH.9 … soll man beständigen Wohlstand erlangen und glücklich auf Erden leben. Mit Sandelholz bestrichen und an den betreffenden Tagen vorschriftsmäßig geopfert, …

17.TH.10 … sollen sie ein langes Leben mit Söhnen, Dienerinnen und Dienern bringen. Dieselben, mit Indu-drava, dem „Mondfluidum“, versehen, sollen einen dem Liebesgott gleichenden Menschen hervorbringen, …

17.TH.11 … der mit Frauen lange und reich lebt. Vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum Neumond soll ebenfalls mit ihnen geopfert werden.

17.TH.12 Mit Ghee bestrichen, sollen sie binnen eines Jahres unangefochtenen Wohlstand bringen. An denselben Tagen wird mit Honig benetzter Guḍa ins Feuer gegeben.

Lesart: vṛttākta in Vers 12 ist unsicher; die Übersetzung folgt der im Zusammenhang naheliegenden Lesung ghṛtākta, „mit Ghee bestrichen“.

17.TH.13 Dadurch soll man mit Schönheit, Wohlstand, Sieg und Gesundheit auf Erden leben. Durch an diesen Tagen mit Milch benetzte Weintrauben …

17.TH.14 … soll ein von Milch lebender Mensch lange und reinen Sinnes auf Erden bleiben. Datteln, mit den drei süßen Stoffen versehen und an diesen Tagen geopfert, …

17.TH.15 … sollen Wohlstand samt Lebensdauer, Gesundheit und Sieg verschaffen. Ebenso soll ein Opfer von Bananen an den betreffenden Tagen …

17.TH.16 … guten Ruf, Ehre bei Königen und hundert glückliche Lebensjahre bringen. Kokosraspel mit weißem Zucker und Honig …

17.TH.17 … sollen, an den genannten Tagen geopfert, alles Gewünschte verschaffen. Mit Zuckerrohrsaft benetzt sollen sie beim Opfer an diesen Tagen …

17.TH.18 … kostbare Gewänder in vielfältigen Farben bringen. Alle diese Gaben, mit den drei süßen Stoffen versehen, sollen Wohlstand schenken.

17.TH.19 Mit Milch einer weißen Kuh, die ein Kalb hat, oder mit Büffelmilch benetzt, sollen sie beim Feueropfer ebenfalls das Gewünschte gewähren.

17.TH.20 Mit Ziegenmilch oder Schafsmilch benetzt und auch mit Milch und Kokosraspeln verbunden werden die Gaben geopfert.

17.TH.21 Ebenso soll das tägliche Opfer der zwölf Stoffe, einzeln oder gemeinsam, mit Milch, Honig und Ghee verbunden, …

17.TH.22 … sicher eine Erde voller gedeihender Feldfrüchte verschaffen. Reich an Kühen, Land, Gold und Gewändern soll man auf Erden leben.

Textanmerkung: Die erste Vershälfte von Vers 22 steht in der Vorlage in Klammern. Welche Aufzählung genau die „zwölf Stoffe“ umfasst, wird hier nicht ausdrücklich zusammengeführt.

17.TH.23 Sonntags sollen weiße, mit Milch versehene Reisspeisen, auch mit Ghee oder Honig, binnen eines Jahres Nahrungsfülle bringen.

17.TH.24 Montags sollen mit weißem Zucker verbundene Kokosfrüchte beim Opfer sicher fruchtbares Land mit gedeihender Ernte verschaffen.

17.TH.25 Dienstags sollen mit Honig versehene Speisen Wohlstand bringen; mit Erde des gewünschten Grundstücks vermischt sollen sie dessen Erwerb bewirken.

17.TH.26 Mittwochs sollen mit Ghee versehener Sesam und Reis binnen eines Jahres einen Wohlstand bringen, der Sitz allen Wohlergehens ist.

17.TH.27 Donnerstags soll mit Milch benetztes Pulver von Panasa-Kernen geopfert werden; binnen eines Jahres soll dadurch ein vorzügliches Haus erlangt werden.

17.TH.28 Freitags sollen Kokosraspel mit weißem Zucker oder Guḍa geopfert werden; dadurch soll man lange im Wohlstand gedeihen.

17.TH.29 Samstags sollen reine Sesamsamen, auch andere als die zuvor genannten, mit Öl benetzt geopfert werden; binnen eines Jahres sollen sie besonders anmutige Lakṣmī bringen.

17.TH.30 Mit sämtlichen genannten Gaben und ihren jeweiligen Zusätzen soll an den sieben Wochentagen der Reihe nach geopfert werden. Durch die Kraft des Feueropfers mit der Vidyā soll man reich an Indirās Segen werden.

17.TH.31 An den betreffenden Tagen bewirte man aus Hingabe jeweils zwei oder drei Menschen gut, mit Ghee, Milch, weißem Zucker, Honig, Guḍa und Apūpa-Gebäck.

17.TH.32 Unter den neun Nakṣatras ab Aśvinī wird der Reihe nach geopfert mit Śāli-Korn, Reis, Mudga-Bohnen, Māṣa-Bohnen und dunklem Sesam, …

17.TH.33 … ebenso mit dunklen Senfsamen und Kodrava, um Indirā zu gewinnen. Honig, Ghee, Sesam, Milch, Kokoswasser und Zuckerrohrsaft werden als Zusätze genannt, …

17.TH.34 … sowie Büffel-, Ziegen- und Schafsmilch, in der Folge der neun Sternstationen. Ebenso soll unter den neun Nakṣatras ab Maghā mit neun Gaben geopfert werden: …

Textanmerkung: Die Aufzählung in Vers 32–34 ist syntaktisch und zahlenmäßig nicht eindeutig gegliedert. Die genannten Körner und Flüssigkeiten werden deshalb vollständig bewahrt, ohne eine ungesicherte Neuner-Zuordnung zu konstruieren.

17.TH.35 … mit Kichererbsen, Kichererbsenspeise, Mudga-Speise, Kṛsara, Māṣa-Speise, Kurkuma-Reis, Guḍa-Reis, Milchreis …

17.TH.36 … und gut gegarter Speise, jeweils mit den drei süßen Stoffen, um Ruhm, Wohlstand und Sieg zu erlangen. Ebenso soll unter den neun Nakṣatras ab Mūla mit neun Gaben geopfert werden: …

17.TH.37 … mit Pṛthuka, Saktu, geröstetem Korn, in Milch getauchten Zuckerrohrstücken sowie aus Śāli, Kichererbsen, Mudga, Māṣa-Mehl und Sesam …

17.TH.38 … bereiteten, mit süßen Stoffen bestrichenen Kuchen. Dadurch sollen gewiss Sieg, Ruhm, Indirā, Gesundheit, Lebensdauer, Glück und Ansehen erlangt werden.

17.TH.39 Welche Stoffe in Siddha-Yogas geopfert werden, an diesen soll Fülle entstehen. Ebenso soll in den Amṛta genannten Yogas zur Stillung von Krankheit geopfert werden, …

17.TH.40 … hingebungsvoll mit Guḍūcī, Sesam und Dūrvā, versehen mit den drei süßen Stoffen. In Ucca-Yogas soll auch mit roten Utpala-Blüten geopfert werden.

17.TH.41 Dadurch soll man gewiss in der eigenen Familie eine hohe Stellung erlangen. Was für Stoffe im Parvata genannten Yoga geopfert werden, davon soll ein Berg …

17.TH.42 … binnen kurzer Zeit entstehen, höchste Herrin. Höre nun ein anderes wunderbares Feueropfer; ich verkünde es dir.

17.TH.43 Steht ein Planet im eigenen Zeichen oder in seiner Erhöhung, soll zu seiner Sättigung Milchreis mit Ghee und weißem Zucker unter Verwendung der Vidyā geopfert werden.

17.TH.44 Wer dieses Feueropfer stets ordnungsgemäß zu den jeweils genannten Zeiten ausführt, in dessen Familie soll keine Bedrängnis durch Planeten entstehen.

17.TH.45 In den Monaten soll zu den drei geburtsbezogenen Zeitpunkten vorschriftsmäßig mit Dūrvā, Amṛtā und Sesam geopfert werden; dadurch soll man das ganze Leben glücklich bleiben.

Auslegungsgrenze: Die „drei geburtsbezogenen Zeitpunkte“ werden hier nicht erklärt. Eine genaue astrologische Terminberechnung wird daher nicht hinzugefügt.

17.TH.46 An diesen Tagen soll man die Vidyā zusammen mit der jeweiligen Tages-Nityā tausendmal rezitieren. Dann soll nirgendwo, durch niemanden und zu keiner Zeit Leid entstehen.

17.TH.47 An jenem Tag soll eine Sättigungsgabe mit süßem, durch Candra duftend gemachtem Wasser vollzogen oder mit besonders wohlriechenden Blüten verehrt werden.

17.TH.48 [Die erste Hälfte ist unsicher: Sie verbindet die drei geburtsbezogenen Zeitpunkte mit einem nicht fruchtlosen Vollzug durch den Mantrakenner.] Geschieht es anders, soll er gewiss von Krankheit und weiterer Bedrängnis betroffen sein.

Textanmerkung: Die Vorlage setzt avandhyajanmatritayaṃ syātkadācinna māntrikaḥ selbst in Klammern und versieht es mit einem Fragezeichen. Eine flüssige, aber ungesicherte vollständige Übersetzung wird deshalb vermieden.

17.TH.49 Stehen Mond oder Sonne in ihrer Erhöhung oder im eigenen Zeichen, soll man die Vidyā tausend- oder hundertmal rezitieren und Śivā verehren.

17.TH.50 Wer so handelt, den soll gewiss niemals eine Krankheit bedrängen. Daher soll glücklich werden, wer zu den genannten Zeiten so verfährt.

17.TH.51 Ist ein Mantrakenner von Planetenbedrängnis, Krankheit, Armut und Leid betroffen, soll seine Stellung als Mantrakenner in der Welt zum Anlass von Bedauern und Spott werden.

Einordnung: Dies ist eine wertende Aussage des historischen Textes. Krankheit oder Armut werden hierdurch nicht als persönliches oder spirituelles Versagen beurteilt; die versprochenen Heilwirkungen sind nicht belegt.

17.TH.52 Durch Opfer von Palāśa-Blüten, -Früchten, -Blättern, -Stängeln und -Wurzeln soll binnen eines Jahres selbst ein Mensch mit stockender Rede beredt werden.

17.TH.53 Arka-Blüten mit den drei süßen Stoffen sollen binnen eines Maṇḍala das Gewünschte bringen; ebenso dessen Blätter, Brennhölzer und Wurzeln.

17.TH.54 Bilva-Blüten, -Früchte, -Blätter, -Stängel und -Wurzeln sollen zur Vollendung des Wohlstands geopfert werden; Mā, Lakṣmī, soll dann auch bei den Nachkommen bleiben.

17.TH.55 Mit süßen Stoffen bestrichene Lotussamen sollen nach ebenso vielen Tagen anmutige Indirā bringen, die alle Menschen staunen lässt.

17.TH.56 Campaka-Blüten mit Honig werden bis zu demselben Zeitpunkt geopfert. Dadurch soll man reich werden; ein Kinderloser soll mit guten Eigenschaften versehene Söhne erlangen.

17.TH.57 Dieselben Blüten mit Ghee geopfert, während Mars erhöht steht, sollen reich tragendes Land verschaffen und zum Nutznießer dieses Landes machen.

17.TH.58 Mit Milch versehen, während der Mond erhöht steht, sollen sie nach den genannten Tagen dem Sādhaka hundert Kühe verschaffen. Mit den drei süßen Stoffen soll er das Dreifache beziehungsweise die zuvor genannten drei Güter erlangen.

Textanmerkung: trayam, „drei“, benennt seinen Bezug nicht ausdrücklich; die beiden naheliegenden Möglichkeiten bleiben offengelegt.

17.TH.59 Pāṭala-Blüten mit Honig sollen eine junge Frau gewinnen helfen; ebenso Tagara-Blüten, geröstetes Korn und Kuṭaja-Blüten.

17.TH.60 Diese vier Gaben mit Milch sollen nach den genannten Tagen Vermögen und verschiedenartige kostbare Gewänder bringen.

17.TH.61 Śatapatra-Blüten mit den drei süßen Stoffen sollen Lakṣmī bringen; ebenso Kesara, Kadamba, Kunda und Vicakila, …

17.TH.62 … Mallikā, Mālatī, Jāti, Punnāga und Nameru. Vom ersten bis zum fünften Mondtag werden sie mit Honig versehen geopfert.

17.TH.63 Einzeln oder gemeinsam sollen sie große Lakṣmī bringen; dieselben mit Milch verbunden sollen Gold verschaffen.

17.TH.64 Ebenso sollen sie mit Ghee Wohlstand an Schmuck bringen. Karṇikāra-Blüten mit Honig sollen an den genannten Tagen …

17.TH.65 … gewiss beständige Lakṣmī verschaffen. Kahlāra, rote Kumuda, Utpala und die beiden Lotusarten …

17.TH.66 … sollen wie zuvor in der Folge von Nandā bis Pūrṇā, einzeln oder als fünf Arten gemeinsam geopfert, Wohlstand an Land, Schmuck und Fahrzeugen bringen.

17.TH.67 Mit den drei süßen Stoffen versehen, werden sie einzeln oder gemeinsam vom vorzüglichen Sādhaka geopfert. Ketakī-Blüten mit Honig sollen an jenen Tagen …

17.TH.68 … viele verschiedenartige unbezahlbare Gewänder verschaffen. Weiße Blüten mit Milch sollen an denselben Tagen …

17.TH.69 … weiße Gewänder, Perlenketten und Silber bringen. Maruvaka mit Honig wird geopfert, um das Gewünschte zu verwirklichen.

17.TH.70 Ebenso soll man durch Damana-Blätter Wohlstand erlangen. Welche Farbe die mit der Vidyā geopferten Blüten besitzen, Geliebte, …

17.TH.71 … eben diese Farbe sollen die erlangten Gewänder haben. Durch ein nächtliches Feueropfer mit Pfeffer und Senf, von Öl durchtränkt, …

17.TH.72 … soll man die gewünschte Frau heranziehen, bereit, Scham, Selbstachtung und Familie aufzugeben. Pāṭalī-, Kunda-, Mandāra- und Śephālī-Blüten, …

17.TH.73 … dazu die glückverheißenden Blüten von Campaka, Aśoka, Punnāga und Nameru, sollen mit Honig geopfert alle Frauen gefügig machen.

17.TH.74 Dieselben sollen mit Ghee auch Männer beeinflussen; nachts mit Ghee geopfert sollen sie königlichen Wohlstand bringen.

17.TH.75 Mit weißem Zucker sollen sie die gesamte belebte Welt gefügig machen. Tägliche Opfer von Speisen mit Ghee sollen Nahrungsfülle bringen.

17.TH.76 Ebenso wird täglich mit Sesam und Reis für langes Leben geopfert. Um Mitternacht soll fein zerriebenes, gut verbundenes Salz, …

17.TH.77 … mit den drei süßen Stoffen geopfert, alle Frauen beeinflussen. Salz mit Dickmilch soll beim Opfer einen feindlich Gesinnten gefügig machen.

17.TH.78 Mit Saft der Puṇḍra-Zuckerrohrart soll es Könige gefügig machen. Ghee allein soll an den genannten Tagen Reichtum bringen.

17.TH.79 Durch tägliches Ghee-Opfer soll man wohlhabend werden und Genüsse erhalten. Gebadet, gesalbt, mit Kranz sowie mit weißem Duftstoff, weißen Blüten und weißem Gewand versehen, …

17.TH.80 … verehre man die Göttin mit zufriedener Seele am geweihten Feuer. In der doppelten Menge Milch einer weißen Kuh, die ein Kalb hat, …

17.TH.81 … werde ein Prastha weißen Śāli-Reises gekocht, mit weißem Zucker, Milch und Ghee versehen und zu einer großen Reisportion geformt.

17.TH.82 Man nehme sie in die Hand, rezitiere die Vidyā hundertmal und spreche: „Göttin, gib mir Śrī!“ Dann wird sie in das von Holz hell lodernde Feuer …

17.TH.83 … geopfert und die Verehrung abgeschlossen. Nach dem Essen wird der übrige Tag schweigend verbracht. Binnen eines Jahres soll dadurch reicher Wohlstand erlangt werden.

17.TH.84 Wird dies täglich und ohne Unterbrechung fortgeführt, soll Ramā die Nachkommenschaft niemals verlassen. Wunderbar seien die Kräfte des Mantras!

17.TH.85 An Vollmondtagen und Sonntagen soll der Sādhaka Milchreis opfern und auch während der Verehrung darbringen. Binnen eines Jahres soll er sehr reich werden.

17.TH.86 Frische Butter aus der Milch einer rötlichen Kuh mit Kalb und die Speise jenes Tages werden in eine Kahlāra-Blüte gelegt.

17.TH.87 Herausgenommen werden sie dienstags geopfert, während Mars erhöht steht. Nach den genannten Tagen soll man sicher einen an Schmuck beziehungsweise Land reichen Wohlstand erlangen.

Lesarten: Die Vorlage bietet uccake(ge) und bhūṣā(myā)ḍhyām. Daher bleibt die Alternative zwischen Schmuck- und Landreichtum sichtbar. Auch die Verbindung der Speise mit der Butter in Vers 86 ist sprachlich nicht ganz glatt.

17.TH.88 Ebenso wird Butter von einer weißen Kuh in einen weißen Lotus gelegt, wieder herausgenommen und freitags schweigend ins Feuer gegeben.

17.TH.89 Nach sieben Vollzügen soll großer, von Königen geachteter, allen angenehmer und mit vielerlei Genüssen verbundener glückverheißender Wohlstand entstehen.

17.TH.90 Ebenso wird Butter von einer rötlichen Kuh sonntags in die Mitte eines geöffneten Lotus gelegt.

17.TH.91 Nach acht solchen Opferterminen soll der Sādhaka reich werden, Śivā. Karṇikāra- und Campaka-Blüten …

17.TH.92 … werden mit frischer Butter bestrichen geopfert, während Jupiter in seiner Erhöhung steht. Dadurch soll großer Wohlstand entstehen, frei von Bedrängnis und der Wegnahme durch Könige, Diebe oder Räuber, …

17.TH.93 … der auch die Nachkommen begleitet. Durch ein Opfer allein mit frischer Butter und weißem Zucker …

17.TH.94 … soll man Lebensdauer samt Ruhm, Wohlstand, Vermögen, Gesundheit und Sieg erlangen. Bandhūka-, Kiṃśuka- und Cūta-Blüten mit den drei süßen Stoffen …

17.TH.95 … sollen Glück, Wohlstand, Sieg, Schönheit und Einsicht bringen. Ein Opfer von Dickmilch-Reis soll den Sādhaka nach drei Monaten mit Nahrung reichlich versorgen.

17.TH.96 Auf feuchte Stücke eines Palmblattes wird der eigene Wunsch geschrieben. Mit frischer Butter verbunden werden sie nachts geopfert.

17.TH.97 Nach einem Maṇḍala, einem Monat oder einer Woche soll das Gewünschte erlangt werden. Ebenso wird mit Darada auf Palāśa-Blätter geschrieben und geopfert.

17.TH.98 Oder nachts nach einer Beschriftung mit Kuṅkuma auf Mangoblättern; ebenso nach einer Beschriftung mit Sandelholz auf einem Panasa-Blatt.

17.TH.99 Der Wunsch wird mit dem als pakṣakṣoda überlieferten Pulver auf Nāgavallī-Blätter geschrieben. Werden diese geopfert, soll er sich nach der genannten Zeit erfüllen.

Textanmerkung: pakṣakṣoda ist nicht sicher identifiziert. Eine bestimmte Substanz wird nicht ergänzt.

17.TH.100 Der mit Moschus auf ein Campaka-Blatt geschriebene Wunsch soll nach einem Opfer dieser Blätter gemäß dem Verfahren an den genannten Tagen erfüllt werden.

17.TH.101 Mit Elā, Lavaṅga, Kakkola und Jāti-Frucht verbundenem weißem Zucker wird der Wunsch auf ein Lotusblatt geschrieben.

17.TH.102 Man opfere es zur Erfüllung dieses Wunsches. Wozu hier viele weitere Worte? Durch die beschriebenen Feueropfer mit der Vidyā soll in der Welt nichts unerreichbar sein.

Damit endet das Zitat. Die darin zugesprochenen Ergebnisse gehören zur religiösen Wirkungslehre des Textes; sie sind keine Zusicherung tatsächlicher Heilung, Lebensverlängerung, Bereicherung oder Kontrolle über andere Menschen.

Krūra-Homa: aggressive Ritualzwecke im historischen Text

Nun das als grausam beziehungsweise aggressiv bezeichnete Feueropfer. Im Tantrarāja, Kapitel 31, heißt es:

17.KH.1 Das feine und das höchste Feueropfer habe ich dir verkündet, höchste Herrin. Nun erläutere ich das grobe Feueropfer, das Feinde zermalmen soll.

17.KH.2 In der für die jeweilige Handlung bezeichneten Grube soll nach den gelehrten Vorschriften geopfert werden: für Zwietracht, Tod, Krankheit, Niederwerfung und Vertreibung.

17.KH.3 Zunächst seien die Lebensspanne des Feindes, die günstige Stellung der beim Aszendenten genannten Sternstation, die Stellung der zugehörigen Planeten und der Aṣṭakavarga zu erkennen.

17.KH.4 Sind die drei Gesichtspunkte günstig, soll gegen ihn kein Schadenzauber ausgeführt werden; andernfalls sollen die grausamen Handlungen ihren Ausführenden selbst vernichten.

17.KH.5 Daher sollen diese Handlungen bei Ungunst jener drei Gesichtspunkte erfolgen. Seine Hingabe an die Gottheit, sein religiöses Vertrauen, sein Verhalten, sein Guru …

17.KH.6 … und die Mantrakundigen an seiner Seite seien zuvor zu bedenken, bevor die Niederwerfung des Feindes unternommen wird. Andernfalls soll die Kraft wirkungslos bleiben oder den eigenen Untergang herbeiführen.

Einordnung: Das folgende Zitat beschreibt historischen Schadenzauber durch astrologische Zuordnungen, Stellvertreterfiguren und Feueropfer. Die behauptete Fernwirkung ist kein festgestellter Wirkmechanismus. Der anschließende Quellkommentar erläutert die Regeln teils abweichend; diese Abweichungen bleiben sichtbar.

17.KH.7 Zum achten Aszendenten des Feindes, zu dessen Zeit und an dem Ort, der dem achten Tierkreiszeichen entspricht, soll der Sādhaka unheilvolle Handlungen zu dessen Vernichtung vollziehen.

17.KH.8 Im Osten befinden sich Widder und Stier, im Südosten die Zwillinge, im Süden Krebs und Löwe, im Südwesten die Jungfrau.

17.KH.9 Waage und Skorpion stehen im Westen, Schütze im Nordwesten, Steinbock und Wassermann im Norden und Fische fest im Nordosten.

17.KH.10 Kennt man diese Zeichenfolge, sollen die Handlungen räumlich entsprechend vollzogen werden. Zeitlich entfallen der Reihe nach je fünf Ghaṭikās auf ein Zeichen.

17.KH.11 In den zwölf Monaten ab Caitra durchläuft die Sonne die Zeichen ab Widder, ebenso im Zusammenhang mit den übrigen Planetenkreisen.

17.KH.12 Entsprechend sind im Körper der Lebewesen vom Scheitel bis zu den Füßen in Abständen von acht Fingerbreiten zwölf Bereiche zu erkennen.

17.KH.13 Nur bei Übereinstimmung der drei soll gehandelt werden, nicht anders. Günstige wie ungünstige Handlungen sollen, so ausgeführt, gewiss Frucht tragen.

17.KH.14 Ebenso sollen am jeweiligen Tag die Gift- und Nektarstellen erkannt werden; danach wird die Anwendung an der Stellvertreterfigur vollzogen.

17.KH.15 In der hellen Monatshälfte werden Herz, Brust, Hals, Nase, Auge, Ohr, Braue, Schläfe und Scheitelmitte genannt; von dort wieder Brauen- und Schläfenbereich, …

17.KH.16 … Ohr, Auge und Nase, beim Mann sodann linker Hals, Brustbereich, Herz, Nabel und Geschlechtsbereich, …

17.KH.17 … Knie, Gelenk, Fußseite und Großzehe; auf der rechten Seite dann Fuß, Gelenk, Knie, Geschlechtsbereich und Nabel, in der dunklen Monatshälfte.

17.KH.18 Dort soll die Gift-Kalā beim Mann verweilen; bei der Frau beginnt die Folge links. Zur Gift-Nāḍī-Zeit wird die Giftstelle der Figur mit einem Dorn durchstochen, …

17.KH.19 … ebenso mit einem scharfen Knochen des Saṃkocaka, mit Dornen von Badara und anderen Pflanzen oder mit eisernen Nadeln.

17.KH.20 Welcher Teil der Figur durchstochen wird, der entsprechende Körperteil des Feindes soll von Krankheit gequält und mit der Zeit unbeherrschbar werden.

17.KH.21 Von diesem Leiden geplagt, soll er zur Stadt des Herrn des Lebens gelangen. Ich werde zur Erreichung der Niederwerfung die Herstellung der Figur erläutern; höre.

17.KH.22 Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, der Sonnensohn und Jupiter sind die Herrscher der Zeichen und ihrer Abschnitte.

Textanmerkung: Manda und Arki, „der Sonnensohn“, bezeichnen hier beide Saturn. Die doppelte Nennung bleibt entsprechend der Zwölferfolge erhalten. Die Körperstellenfolge in Vers 15–18 ist gedrängt und wird vom anschließenden Kommentar ausführlicher, teils mit eigenen Unstimmigkeiten, erklärt.

17.KH.23 Die Sternstationen besitzen jeweils vier Viertel; zusammen sind es hundertacht. Ebenso viele Stellvertreterfiguren ergeben sich aus der Folge dieser Abschnitte.

17.KH.24 In der ersten Neunergruppe betragen die Maße für Mond- und Sonnenabschnitte der Reihe nach sechzehn und zwölf Fingerbreiten.

17.KH.25 In den übrigen Abschnitten sind vierzehn genannt. In der zweiten Neunergruppe betragen die übrigen Maße dreizehneinhalb, …

17.KH.26 … in der dritten Neunergruppe dreizehn. Für Mond und Sonne bleibt die zuvor genannte Zahlenfolge unverändert.

17.KH.27 Als Stoffe für die Figur werden Erde von der Hand eines Töpfers, Erde und Asche vom Scheiterhaufen, Salz, getrockneter Ingwer und Pippalī genannt, …

17.KH.28 … ferner Pfeffer, Hausruß, Knoblauch, Hiṅgu, Steinsalz und roter Ocker. Dies seien die Stoffe der Figur, Herrin.

17.KH.29 Für die Figur werden auch dem Geburtsstern der Zielperson zugeordnete Stoffe, Teig, Māṣa-Mehl und Wachs genannt, verbunden mit Haaren und anderem vom Körper des Feindes.

17.KH.30 Die Gesamtlänge der Figur wird in acht Teile geteilt: ein Teil für den Kopf, drei für den Bereich oberhalb der Hüfte und drei für beide Beine; …

17.KH.31 … für Hüfte und Vorderfüße bleibt ein Teil. So gestaltet soll die Figur bei den verschiedenen tantrischen Anwendungen verwendet werden.

Textanmerkung: Die Proportionsangabe ist gedrängt und nicht vollständig widerspruchsfrei. Der spätere Kommentar nennt teilweise andere Teilungen; beide Überlieferungen bleiben erkennbar.

17.KH.32 Im Pātāla-Yoga, im Nīca-, Viṣa-, Mṛtyu- und Nāśa-Yoga, beim Tages-Mṛtyu und im Krakaca-Yoga, …

17.KH.33 … in Caṇḍīśa, Caṇḍāyudha, Mahāśūla, Kāṇa, Raktasthūṇa, Kaṇṭaka, Sthūṇa und Pañcārka …

17.KH.34 … sollen Anwendungen zur Niederlage, Tötung und Unterwerfung des Gegners erfolgen. Nach genauer Prüfung vollzogen, sollen sie Erfolg bringen.

17.KH.35 Für Gefügigmachen, Heranziehung, Zwietracht, Stillstellung, Vertreibung und Tötung werden nach den genannten Zuordnungen jeweils vier Figuren hergestellt.

17.KH.36 Aus Teig, Wachs, Erde von der Töpferhand und aus dem dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Holz sollen sie die beschriebenen Merkmale besitzen.

17.KH.37 Am Sitzplatz, an der Stelle der Füße und in der Mitte der Feuergrube werden die Figuren aus Teig, Erde und Holz vergraben; die Wachsfigur wird im freien Raum aufgehängt, …

17.KH.38 … über der Mitte der Feuergrube, mit den Füßen nach oben und dem Kopf nach unten. Nach dieser gemeinsamen Vorbereitung soll die jeweils gelehrte Handlung folgen.

Quellkommentar zu den schwierigen Ausdrücken

Nun folgt die Erklärung der schwierigen Wörter. Nigraha, Niederwerfung, bezeichnet hier die Niederlage in einem Krieg und ähnlichen Auseinandersetzungen.

Die vier Verse von „die Lebensspanne“ bis „eigener Untergang“ werden so erläutert: Zur Zeit eines gegen den Feind gerichteten Schadenzaubers seien nach den im Horā-Zweig der Astralkunde gelehrten Verfahren dessen gegenwärtige Lebensspanne sowie die Planetenstellungen im Transit und im Aṣṭakavarga zu prüfen. Sind diese drei günstig, solle der Schadenzauber vollzogen werden, bei Ungunst dagegen nicht. Ohne diese Prüfung ausgeführte grausame Handlungen sollen ihren Ausführenden selbst vernichten. Daher sei die Prüfung unbedingt erforderlich.

Widerspruch der Vorlage: Die Verse 4–5 untersagen den Angriff bei günstiger Lage der Zielperson und erlauben ihn bei deren ungünstiger Lage. Der Kommentar formuliert „bei Günstigkeit ausführen, bei Ungünstigkeit nicht“, ohne den Bezugswechsel zu erklären. Dies wird nicht stillschweigend harmonisiert.

Außerdem seien die Hingabe des Feindes an seine Gottheit, sein religiöses Vertrauen, sein Lebenswandel, sein Guru und die Mantrakundigen an seiner Seite zu prüfen. Mit Sachkundigen sei über deren Wirkmacht zu beraten. Wenn sie überlegen sind, soll kein Schadenzauber gegen ihn ausgeführt werden.

Der Vers über den achten Aszendenten bedeute: Im achten Zeichen vom Geburtsstern-Zeichen oder vom Mond-Aszendenten-Zeichen des Feindes, während dieses aufgeht, und an dem dem achten Zeichen zugeordneten Ort der später erläuterten Zwölferordnung werde die auf seine Vernichtung gerichtete Handlung angesetzt.

Die beiden Verse über die Himmelsrichtungen werden so erklärt: Der für die betreffende Handlung errichtete quadratische Pavillon wird in neun Felder geteilt. Im östlichen Feld befinden sich Widder und Stier, von Norden nach Süden geordnet. Im Südosten stehen die Zwillinge, im südlichen Feld Krebs und Löwe von Osten nach Westen, im Südwesten die Jungfrau. Im Westen stehen Waage und Skorpion von Süden nach Norden, im Nordwesten der Schütze, im Norden Steinbock und Wassermann von Westen nach Osten und im Nordosten die Fische. Ein Teil dieser Aufzählung steht in der Vorlage in Klammern. Das Wort „fest“ besagt, dass dieser räumliche Tierkreis nicht wie der Tierkreis im Zeitrad kreist.

Der Vers über die Zeichenfolge bedeute: Nachdem die räumliche Ordnung erkannt ist, wird auch die zeitliche Folge der zwölf aufsteigenden Zeichen berücksichtigt, beginnend mit dem von der Sonne eingenommenen Zeichen und mit je fünf Ghaṭikās pro Zeichen. So sollen die aggressiven Handlungen zeitlich angesetzt werden. Dass Zeichen je nach Ort beziehungsweise Zeit unterschiedlich lange aufsteigen, wird in den Rechenlehren erklärt, soll hier aber nach Aussage des Kommentars nicht angewendet werden.

Der Vers über Caitra bedeute: In den Sonnenmonaten ab Caitra durchläuft die Sonne die Zeichen ab Widder, jeweils eines nach dem anderen, zusammen mit den Planetenkreisen von Mond und den anderen Planeten entsprechend ihren in der Astralkunde gelehrten Umlaufzeiten.

Der Vers über den Körper bedeute: Im Körper sämtlicher Lebewesen sind von Widder bis Fische zwölf Zeichen an zwölf Stellen in Abständen von acht Fingerbreiten zu erkennen.

Der Vers über die drei Gesichtspunkte bedeute: Die später beschriebenen Handlungen sollen nur bei günstiger Übereinstimmung von Ort, Zeit und Körper Frucht bringen, andernfalls nicht.

Der Vers über die Nektarstellen wird so erklärt: „Am Tag“ heißt „am Tag der Anwendung“; „ebenso“ ist mit den Nektarstellen zu verbinden. Diese Stellen sind Großzehe, Fuß, Fußgelenk, Knie, Geschlechtsorgan, Nabel, Herz, Brust, Hals, Nase, Auge, Ohr, Braue, Schläfe und Scheitel.

Beim Mann soll die Nektar-Kalā in der hellen Monatshälfte vom ersten Mondtag bis zum Vollmond an diesen fünfzehn Stellen aufsteigen: von der rechten Großzehe bis zum Scheitel, täglich um eine Stelle. In der dunklen Monatshälfte soll sie vom ersten Tag nach Vollmond bis zum Neumond auf der linken Seite vom Scheitel bis zur Großzehe absteigen.

Für Frauen beschreibt der Kommentar in der dunklen Monatshälfte den Abstieg von der rechten Scheitelseite bis zur rechten Großzehe, wiederum täglich um eine Stelle. Für die helle Monatshälfte nennt er anschließend ebenfalls die rechte Seite, nun aufsteigend von der rechten Großzehe bis zur rechten Scheitelseite.

Textanmerkung: Die doppelte Nennung der rechten Seite bei Frauen ist eine Unstimmigkeit der Vorlage. Sie wird nicht ohne Beleg durch eine linksseitige Folge ersetzt. Die anschließende Erklärung der Giftstellen verlangt dagegen ausdrücklich einen Wechsel von rechts und links zwischen Mann und Frau.

Die dreieinhalb Verse beginnend mit „in der hellen Monatshälfte“ erklären den Umlauf des Giftes über dreißig Mondtage: Beim Mann zunächst rechts an neun Stellen vom Herzen bis zum Scheitel, dann links an fünfzehn Stellen vom Scheitel bis zur Großzehe, danach rechts an sechs Stellen von der Großzehe bis zum Nabel. Zusammen sind es dreißig Stellen. Bei Frauen sollen an den entsprechenden Tagen und Stellen rechte und linke Seite vertauscht sein.

Die dreieinhalb Verse beginnend mit „zur Gift-Nāḍī-Zeit“ werden als Figurenzauber erläutert: Bei jeder der siebenundzwanzig Sternstationen gebe es vier in der Astralkunde als giftartig bezeichnete Nāḍīs. Wird zur betreffenden Zeit die vorgesehene Stelle der Feindfigur mit einem scharfen Knochen der Saṃkocaka genannten Fischart oder mit einem Badara-Dorn getroffen, sollen dem Feind entsprechende Gliederschmerzen und Krankheiten entstehen. Je nach Stärke oder Schwäche der Anwendung werde ein rascher oder verzögerter Tod behauptet. Gemeint ist ausdrücklich eine Stellvertreterfigur; die Zuschreibung körperlicher Fernwirkung gehört zur magischen Theorie des Textes.

Der Vers beginnend mit „Mars“ wird so erläutert: Arki, der Sonnensohn, ist Saturn. Mars und die weiteren genannten Planeten sind der Reihe nach die Herrscher der zwölf Zeichen ab Widder sowie der je zwölf Abschnitte, die sich aus jeweils drei Sternstationen ab Aśvinī ergeben.

Der Vers über die Sternstationen bedeute: Die siebenundzwanzig Nakṣatras ab Aśvinī ergeben mit ihren je vier Vierteln hundertacht Abschnitte. Ihnen entsprechen hundertacht Figuren-Zuordnungen.

Die drei Verse über die erste Neunergruppe werden so erklärt: In den Abschnitten der neun Nakṣatras von Aśvinī bis Āśleṣā beträgt das Maß der Sonnenfigur zwölf und das der Mondfigur sechzehn Fingerbreiten. Für Mars und die anderen Planeten beträgt es vierzehn. In der zweiten Neunergruppe von Maghā bis Jyeṣṭhā bleiben Sonne und Mond unverändert; die übrigen Figuren messen dreizehneinhalb Fingerbreiten. In der dritten Neunergruppe von Mūla bis Revatī messen die Figuren der übrigen Planeten dreizehn Fingerbreiten; Sonne und Mond behalten ihre früheren Maße.

Die drei Verse über die Stoffe der Figur werden erläutert: Erde von der „Hand des Radbesitzers“ heißt Erde von der Hand eines Töpfers. Genannt werden auch Erde und Asche vom Scheiterhaufen, Salz und die pulverisierten Stoffe ab getrocknetem Ingwer. Laśuna bezeichnet Knoblauch beziehungsweise dessen Saft; der Baum der Zielperson ist der ihrem Nakṣatra zugeordnete Baum; sikthaka ist Bienenwachs. Unter Haaren „und anderem“ vom Körper des Feindes versteht der Kommentar auch Nägel und Material vom Fuß. Der letzte Ausdruck ist als pādaparśu unsicher überliefert.

Als zusammengefassten Sinn nennt der Kommentar vier Figuren für die verschiedenen Handlungen: eine aus dem dem Geburtsstern zugeordneten Holz, eine aus Töpfererde, eine aus Māṣa-Teig und eine aus Bienenwachs. Für aggressive Handlungen werden die acht Stoffe ab Ingwer, die Aschenbestandteile sowie Haare und andere der Zielperson zugeschriebene Bestandteile als Zusätze der drei formbaren Materialien beschrieben. Der Kommentar ergänzt damit die Materialzuordnung des Verses; er ist keine unabhängige Bestätigung der behaupteten Wirkung.

Die beiden Verse über die Figurenlänge werden so erläutert: Das dem jeweiligen Abschnitt entsprechende Längenmaß wird in acht Teile geteilt. Ein Teil entfällt auf den Bereich oberhalb des Halses, ein Teil auf die Hüftregion, drei Teile auf den Bereich oberhalb der Ferse und ein halber Teil auf die übrigen Glieder ab dem Vorderfuß.

Offene Maßangabe: Diese Kommentaraufzählung ergibt keine vollständige, eindeutige Aufteilung der acht Teile und weicht von der Versfassung ab. Fehlende Körperabschnitte oder Maße werden nicht ergänzt.

Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats

17.KH.39 Bei unheilvollen Handlungen werde mit einem schlangenköpfigen Opferlöffel geopfert. Das Blut eines der Yoni des Feindes zugeordneten Wesens wird genannt; das Opfer soll an einem öffentlichen Kreuzungsplatz erfolgen.

Begriffshinweis: Yoni meint in dieser astrologischen Zuordnung eine dem Geburtsstern zugeschriebene Tierart. Die Wendung wird nicht als Aufforderung verstanden, Blut aus dem Geschlechtsorgan eines Menschen zu entnehmen.

17.KH.40 In einer dreieckigen Grube, nach Süden gewandt, um Mitternacht, auf einem Verbrennungsplatz oder an einem menschenleeren Ort soll der Schadenzauber stattfinden.

17.KH.41 Wo der Sādhaka ein solches Feueropfer vollzieht, soll der König ringsum Wachen aufstellen lassen, um den eigenen Erfolg zu sichern.

17.KH.42 Andernfalls werde ein feindlicher König durch Spione davon erfahren und ihn töten lassen. Die Handlung solle an der Landesgrenze, nicht im eigenen inneren Herrschaftsgebiet stattfinden.

17.KH.43 Führt ein Mantrakenner sie aus Unachtsamkeit und Unwissenheit dort aus, sollen feindliche Könige sein Land allmählich bedrängen.

17.KH.44 Ein Feuer aus Akṣa-Holz und ein Opfer seiner Früchte sowie Karañja, mit Saft von Haimī-Blättern versehen, sollen Feinde vernichten.

17.KH.45 Ebenso werden Naktamāla-Holz und dessen Früchte genannt. Selbst ein mächtiger Feind soll dann krank zur Wohnstatt Yamas gelangen.

17.KH.46 Ein Feuer aus Unmatta-Holz und ein Opfer seiner Samen mit dem Saft seiner Blätter sollen den Feind binnen eines Monats in Verwirrung stürzen.

17.KH.47 Ein Feuer aus Āragvadha-Holz sowie dessen Brennhölzer und Früchte, eine Spanne messend und mit Öl versehen, sollen den Tod des Feindes bewirken.

17.KH.48 Ein Feuer aus Aruṣkara-Holz mit dessen Samen, in dem zugehörigen Fett getränkt, soll den Feind an heftigem Fieber sterben lassen.

17.KH.49 Baumwollsamen mit Sauvīra sollen binnen eines Maṇḍala dazu führen, dass Feinde durch gegenseitigen Streit umkommen.

17.KH.50 Getrockneter Ingwer, Māgadhī und Pfeffer mit Senföl, geopfert in einem Feuer aus dem dem Geburtsstern des Feindes zugeordneten Holz, sollen binnen eines Maṇḍala dessen Fiebertod bewirken.

17.KH.51 Die aus den zuvor genannten Stoffen nach dem beschriebenen Verfahren gefertigte Figur wird nachts mit Senf- und Aruṣkara-Fett verbunden geopfert.

17.KH.52 In zorniger Haltung und rotem Gewand sollen ihre Teile, mit roten Kränzen, Duftstoffen und Blüten versehen, wie zuvor geopfert werden und Feinde vernichten.

17.KH.53 Die mit Aruṣkara-Fett bestrichenen Samen werden mit sarpaśīrṣaka, „Schlangenköpfen“ beziehungsweise einem schlangenköpfigen Gerät, verbunden; das Opfer soll binnen drei Tagen brennendes Fieber beim Feind auslösen.

Lesart: Der Bezug von sarpaśīrṣakaiḥ in Vers 53 ist nicht eindeutig. Anders als in Vers 39 steht hier nicht ausdrücklich „Opferlöffel“.

17.KH.54 Fleisch der dem Geburtsstern des Feindes zugeordneten Tierart, mit deren Blut benetzt, und Brennhölzer des entsprechenden Baumes werden als weitere Opfergaben genannt.

17.KH.55 Dadurch soll der Feind binnen weniger Tage gequält zugrunde gehen: durch einen umstürzenden Baum oder eine Mauer, durch einen vernichtenden Schlag oder ein Schwert, …

17.KH.56 … im Wasser, im Feuer, durch Schlangenbiss, einen wilden Elefanten, Krankheit, Yakṣas, Rākṣasas, Gandharvas, Piśācas oder Brahmarākṣasas …

17.KH.57 … oder durch andere Ursachen. Nimba-Blätter, Baumwollsamen und die zugehörigen Holzstücke …

17.KH.58 … sollen mit Senföl geopfert Zwietracht bewirken. Im Nīca-Yoga werde in einem Feuer aus dem dem Feind zugeordneten Baum …

17.KH.59 … um Mitternacht mit dessen ölbenetzten Holzstücken geopfert. Binnen weniger Tage soll der Feind, von der Mantrakraft getroffen, vertrieben fortgehen.

17.KH.60 Blätter, Holz und Samen des als Mṛtyu bezeichneten Gewächses werden in dessen Feuer geopfert; dadurch sollen die Elefanten und Reittiere des Feindes an Krankheiten zugrunde gehen.

17.KH.61 Aus rotem Ocker wird eine Figur gebildet. Im achten Zeichen des Feindes wird an ihr ein Körperteil allmählich mit den zuvor genannten Dornen und ähnlichen Gegenständen durchstochen, …

17.KH.62 … zur Gift-Nāḍī-Zeit an der Giftstelle, ebenso im Yamakaṇṭaka. Eine halbe oder ganze Prahara lang wird insbesondere der Kopf genannt.

17.KH.63 Am entsprechenden Körperteil des Feindes soll binnen einer Prahara oder einer ähnlichen Frist Zerstörung entstehen, durch Knotenbildungen oder durch das Anwachsen und Aufbrechen der den Dornstichen zugeschriebenen Wunden.

Textanmerkung: Die Zeit- und Körperstellenzuordnung in Vers 62–63 ist syntaktisch gedrängt. Die Übersetzung bewahrt die genannten Angaben, ohne eine eindeutige zusätzliche Handlungsabfolge zu konstruieren.

17.KH.64 Eine einzelne Figur aus dem dem Nakṣatra zugeordneten Holz wird in Eselinnenurin gestellt und langsam erhitzt.

17.KH.65 Der Feind soll dadurch, von brennendem Fieber erfasst, allmählich zu Yama gelangen. Eine entsprechende Wachsfigur werde nachts langsam erwärmt.

17.KH.66 Dadurch soll er an verwirrendem Fieber allmählich sterben. Die an den Gliedern durchstochene Figur wird nachts auf einem Verbrennungsplatz vergraben.

17.KH.67 Dann soll der Feind augenblicklich von einem Piśāca ergriffen werden und zu Yama gelangen. Ebenso wird eine Figur aus sämtlichen zuvor genannten Stoffen hergestellt, …

17.KH.68 … in der Mitte der Feuergrube vergraben und nachts in einem Feuer aus dem Feindbaum mit dessen ölbenetzten Hölzern geopfert.

17.KH.69 Ihn soll ein Sannipāta-Fieber erfassen; mit verkrümmter Zunge, stark getrübtem Geist und wirrer Rede soll er allmählich den Körper verlassen und zu Yama gelangen.

17.KH.70 Eine entsprechende Figur werde in der dunklen Monatshälfte, an einem auf Dienstag fallenden neunten Mondtag, beim vorderen Sitz im Heiligtum der Mütter vergraben.

17.KH.71 Binnen einer Woche soll der Feind sterben, nachts von Bhūtas und anderen unsichtbar am Kopf getroffen, einem vernichtenden Schlag gleich.

17.KH.72 Senf, Māṣa-Mehl, Sesam und Śāli-Reis werden als verriebene Bestandteile genannt, zusammen mit Splittern des dem Geburtsstern der Zielperson zugeordneten Baumes, …

17.KH.73 … ferner Eraṇḍa-Samen. In die daraus gefertigte Figur wird im Brustbereich der auf ein Palmblatt geschriebene Name des Feindes eingelegt.

17.KH.74 Unter Berührung der Figur soll die Vidyā tausendmal in einer als „dritte Rückwärtsfolge“ bezeichneten Weise rezitiert werden, unter dem Tötungs-Nakṣatra der Zielperson und im achten Zeichen.

Auslegungsgrenze: tārtīyapratilomataḥ wird hier nicht zu einer ungesicherten vollständigen rückläufigen Mantraformel aufgelöst.

17.KH.75 Die Figur wird an den Füßen mit einem Faden vom Bhānu-Baum gebunden, mit der als jīva bezeichneten Hand genommen und unter Rezitation ins Feuer gegeben.

17.KH.76 Nach tausend Opfergaben mit den genannten Stoffen wird die Figur mit Füßen nach oben und Gesicht nach unten geopfert. Noch am selben Tag soll den Feind ein mit Hitze und Durst verbundenes Fieber erfassen, …

17.KH.77 … sodass er sich am Boden wälze, das Bewusstsein verliere, immer wieder wirr rede und durch die behauptete Kraft der Anwendung rasch sterbe, Śivā.

17.KH.78 Eine Figur aus dem dem Geburtsstern zugeordneten Holz, mit Arka- oder Vajrī-Milchsaft bestrichen, wird wie zuvor kopfüber gebunden.

17.KH.79 Mit dem Namen und den weiteren Angaben der Zielperson versehen, wird sie über der Feuergrube aufgehängt; nachts werden die entsprechenden Hölzer mit demselben Milchsaft geopfert.

17.KH.80 Binnen drei Tagen soll der Feind von Fieber geplagt werden. Soll er dagegen bewahrt werden, wird die Figur im Innern eines Teiches …

17.KH.81 … im Schlamm vergraben. Dadurch soll sein Wohlbefinden allmählich zurückkehren; andernfalls soll er lange krank bleiben.

17.KH.82 Ebenso wird die Figur in ein ungebranntes Gefäß gesetzt und dienstags im Heiligtum der Caṇḍikā vergraben. Ein Tier der zugeordneten Yoni wird zuvor als Bali …

17.KH.83 … getötet und dargebracht; dadurch sollen Bedrängnisse den Feind vernichten. Wird die Figur im eigenen Haus unter dem Herd vergraben und darüber das Feuer unterhalten, …

17.KH.84 … sollen beim Feind ununterbrochen Fieber und weitere Krankheiten auftreten. Eine entsprechend gestaltete Figur wird auch mit einem Unterschenkelknochen des Ruru verbunden, …

17.KH.85 … mit dem zuvor genannten Faden gebunden und nachts im Haus des Feindes vergraben. Im achten Zeichen soll dies binnen eines Monats seine Vertreibung bewirken.

17.KH.86 Zwei entsprechende Figuren werden auf die genannte Weise hergestellt, mit Katzen- und Mäusehaut umhüllt und mit den Namen der Zielpersonen versehen.

17.KH.87 An beiden Ufern eines Flusses, auf einem Verbrennungsplatz oder im Heiligtum der Mütter beim Hochwasser vergraben, sollen sie dauerhafte Zwietracht zwischen den beiden hervorrufen.

17.KH.88 Dieselben Figuren, wie zuvor hergestellt, mit Namen und weiteren Angaben versehen und durch die zugehörige Vidyā-Rezitation ritualisiert, werden wiederum im Haus des Feindes vergraben, …

17.KH.89 … in der Mitte und in den acht Richtungen. Dadurch soll dessen Familie vernichtet werden. So wurde der Schadenzauber gegen nahe wohnende Personen beschrieben.

17.KH.90 Wie aber soll Schadenzauber gegen weit entfernte Feinde wirken? Ich werde es dir sagen; höre, du Weise, das gegen einen sehr fernen Feind gerichtete …

17.KH.91 … Verfahren zur Vernichtung und zum raschen Schadenzauber. Dadurch soll der ferne Feind sogar noch vor einem nahen sterben.

17.KH.92 Hundertacht Figuren werden der Reihe nach aus dem dem Geburtsstern zugeordneten Holz gefertigt, mit den zuvor genannten beiden Milchsäften versehen und namentlich bezeichnet.

17.KH.93 Sie besitzen die den jeweiligen Abschnitten zugeordneten Maße. Ab Mitternacht werden sie, zur Richtung des Feindes gewandt, einzeln und vollständig geopfert.

17.KH.94 Oder dies erfolgt zur Zeit des jeweiligen Abschnitts. Selbst ein sehr weit Entfernter soll dann zugrunde gehen. Wie aber könnte einer getötet werden, der durch Mantrakundige stark geschützt ist?

17.KH.95 Höre dies, Śivā; ich erläutere das Verfahren seiner Niederwerfung. Zunächst soll zwischen ihm und jenen Mantrakundigen Zwietracht erzeugt werden.

17.KH.96 Haben diese sich von ihm abgewandt, sei sein Tod leicht zu bewirken, weil ihm der Schutz fehle. [Es folgt eine Frage:] Ein durch Glück und weitere Umstände stark geschützter und von Mantrakundigen begleiteter …

17.KH.97 … König oder Königssohn: Wie könnte er durch eine Anwendung getötet werden? Sage mir dies, Götterherr, falls es dafür ein Mittel gibt.

17.KH.98 [Antwort:] Ich werde es dir sagen; höre, du Weise, den als unfehlbar und von furchtbarer Gestalt beschriebenen höchsten Schadenzauber, der Feinde rasch vernichten soll.

17.KH.99 Sechzehn Personen mit vollendetem Mantra, besonders zugetan und von sehr festem Sinn, sollen das Feueropfer ohne Unterbrechung nach der Abfolge von Nachtwachen und Richtungen aufrechterhalten.

17.KH.100 Dadurch soll selbst der Geschützte mühelos zugrunde gehen. So werde nach der beschriebenen Vorschrift der Tod des Feindes bewirkt.

Abschließende Einordnung dieses Zitats: Die Formulierungen „soll“ und „werde“ kennzeichnen durchgehend die Behauptungen und Anweisungen der historischen Quelle. Der Abschnitt ist als Dokument einer aggressiven Ritualtradition übersetzt, nicht als Empfehlung, Tiere zu töten, Menschen zu bedrohen oder fremde Grundstücke zu betreten. Die angenommene Übertragung von Eingriffen an einer Figur auf einen entfernten Menschen ist nicht als tatsächliche Wirkung bestätigt.

Maße der Opfergaben und Beschaffenheit der Hölzer

Nun die Maße der Gaben für wunschbezogene Feueropfer. Im Jñānārṇava, Kapitel 17, heißt es:

17.JM.1 Höre, Göttin, ich werde die Maße verkünden, die das Feueropfer gelingen lassen sollen. Eine Blüte wird ganz geopfert, ebenso ein voller Lotus.

17.JM.2 Kusumbha- und Bāṇa-Blüten können nach Wunsch bemessen werden, Geliebte. Rājikā-Samen und Sesam werden jeweils zu hundert gezählt.

17.JM.3 Geröstetes Korn wird als Handvoll bemessen, Ghee mit dem als gāndhāra überlieferten Maß; Dickmilch und Milch mit einem halben Cullaka, gekochte Speise mit einem Bissen.

17.JM.4 Große Früchte wie Kūṣmāṇḍa und Mātuliṅga werden in angenehm bemessenen Stücken gegeben; dadurch soll sich die Frucht sicher einstellen, Maheśānī.

Textanmerkung: Die zweite Hälfte von Vers 3 und Vers 4 stehen in der Vorlage zusammen in Klammern. Gāndhāra als Maß ist an dieser Stelle nicht erläutert und wird nicht in ein modernes Gewicht umgerechnet.

17.JM.5 Eine Bananenfrucht wird geviertelt, eine kleine dagegen nicht geteilt. Ein Kokosstück soll groß und ansprechend sein.

17.JM.6 Ein Zuckerrohrstück wird an einem Knoten abgeteilt und soll erfreulich bemessen sein. Weintrauben, Nāraṅga-Früchte und Datteln werden ganz gegeben.

17.JM.7 Guggula hat die Größe einer halben Kramuka-Frucht, Kuṅkuma ebenso. Karpūra, Moschus und Ghusṛṇa werden in Guñjā-Größe genannt.

17.JM.8 Sandelholz und Agaru sollen einer Kramuka-Frucht entsprechen, Göttin. Mit angenehm bemessenen Gaben vollziehe man das Feueropfer, du Schönäugige.

17.JM.9 Diese Maße der Opfergaben wurden dir als Mittel aller Vollendungen genannt. Nach eigenem Wunsch soll man Śrīvidyā zufriedenstellen, du Schöne.

Vergleichsanmerkung: Kuṅkuma und Ghusṛṇa, häufig gleichbedeutend verwendet, erscheinen hier mit verschiedenen Mengen. Die Angaben werden als überlieferte Varianten bewahrt.

Im Śāradātilaka, Kapitel 5, ab Vers 141, heißt es:

17.ŚM.1 Ghee wird beim Feueropfer mit einem Karṣa bemessen, Milch mit einem Śukti. Die fünf Kuhprodukte werden von den Kundigen mit demselben Maß angegeben.

17.ŚM.2 Honig wird ebenso bemessen, Milchreis mit einem Akṣa. Dickmilch soll ein Prasṛti, geröstetes Korn eine Handvoll ausmachen.

Textanmerkung: Die Aussage über die fünf Kuhprodukte und die anschließende erste Hälfte von Vers 2 stehen in der Vorlage in Klammern.

17.ŚM.3 Pṛthuka und Saktu haben dasselbe Maß. Guḍa soll ein halbes Pala ausmachen, Śarkarā ebenfalls.

17.ŚM.4 Caru wird als halber Bissen bemessen, Zuckerrohr als ein Knotenglied. Blätter, Blüten und Apūpa-Gebäck werden jeweils einzeln dargebracht.

17.ŚM.5 Bananen und Nāraṅga-Früchte werden einzeln gegeben; Mātuliṅga wird in vier, Panasa in zehn Stücke geteilt.

17.ŚM.6 Kokosfrüchte werden von den Kundigen in acht Stücke geteilt; die Bilva-Frucht wird geteilt, Kapittha dreigeteilt.

Lesart: Bei Bilva fehlt in vidhākṛtam die Zahl beziehungsweise eine eindeutige Teilungsangabe. Sie wird nicht ergänzt.

17.ŚM.7 Die Urvāruka-Frucht wird für das Feueropfer gedrittelt. Andere Früchte bleiben ungeteilt. Brennhölzer sollen zehn Fingerbreiten lang sein.

17.ŚM.8 Dūrvā wird zu dreien angegeben, Guḍūcī vier Fingerbreiten lang. Ungeschälter Reis, Mudga, Māṣa und Gerste werden jeweils als Handvoll bemessen.

17.ŚM.9 Geschälter Reis erhält die Hälfte dieses Maßes, Kodrava eine Handvoll. Weizen und die als „rote Lotusblüten“ überlieferte Gabe werden ebenfalls mit einer Handvoll angegeben.

17.ŚM.10 Sesam soll einen Culuka ausmachen, Senf ebenso; Salz einen Śukti, Pfeffer dreißig Körner.

17.ŚM.11 Pura soll die Größe einer Badara-Frucht besitzen, Rāmaṭha ebenso. Sandelholz, Agaru, Karpūra, Moschus und Kuṅkuma …

Unnummeriert wird fortgesetzt: … werden von den Lehrern mit der Größe eines Tintiḍī-Samens bemessen. Die zweite Vershälfte fehlt und ist durch Sternchen dargestellt.

Das Karṣa-Maß wird im Sārasaṃgraha erläutert: „Ein Māṣa soll zehn Guñjās entsprechen; sechzehn Māṣas werden Karṣa genannt.“ Dasselbe Maß gelte auch für Öl. Ein Śukti entspricht zwei Karṣas; ein Prasṛti wird mit zwei Palas angegeben. Eine Handvoll entspricht einem Pala, ein halbes Pala zwei Karṣas. Ein halber Bissen wird mit achtzig Raktikās bemessen.

Dazu heißt es im Piṅgala-Mata:

17.PM.1 Zehn Guñjās bilden einen Māṣa, vier Māṣas einen Śāṇa. Zwei Śāṇas bilden einen Ghaṭaka; derselbe heißt auch Kola, Badara oder Drakṣaṇa.

17.PM.2 Zwei davon heißen Pāṇitala, Karṣa, Suvarṇa, Kavalagraha, Picu, Biḍālapadaka, Tinduka oder Akṣa; dessen Doppeltes …

Die unnummerierte Fortsetzung nennt Śukti, sodann aus zwei davon Pala, Bilva, Caturthikā, Muṣṭi, Āmra und Praguñja; zwei Palas werden Prasṛti genannt. Die Verbindung śuktiraṣṭātmikā bleibt sprachlich unsicher. Eine zusätzliche exakte moderne Gewichtstabelle wird aus diesen nicht durchgehend glatten Angaben nicht abgeleitet.

Der Kommentar erläutert weiter: Mātuliṅga ist Bījapūra; Urvāruka ist Karkaṭī. „Die Hälfte davon“ bedeutet das Śukti-Maß. Culuka heißt ein Handflächenmaß, also ein Karṣa. Pura ist Guggulu; die Badara-Größe entspricht achtzig Guñjās. Rāmaṭha ist Hiṅgu.

Im Nārada-Pañcarātra heißt es unnummeriert: Wurzeln werden zu einem Drittelstück gegeben, kleine nach ihrer eigenen Größe. Auch im Śaiva-Āgama heißt es:

17.ŚW.1 Wurzeln werden in drei Stücke geteilt; feine sollen entsprechend geopfert werden. Von Knollen wird ein Achtel, von Ranken ein Stück von zwei Fingerbreiten gegeben.

Nun die Brennhölzer. Im Nārada-Pañcarātra heißt es:

17.NH.1 Ein Opferholz soll eine Handspanne messen und gleichmäßig geschnitten sein. Zerfallene, gespaltene, zu kurze, krumme, zu dicke, zu dünne oder zweigeteilte, …

17.NH.2 … von Würmern angefressene, zu lange und entrindete Stücke sind ausgeschlossen. Zerfallene sollen die Lebensdauer vermindern, gespaltene Krankheit hervorrufen.

17.NH.3 Zu kurze sollen Tod, krumme Hindernisse, zu dicke den Verlust von Lakṣmī und zu dünne Schwund bewirken.

17.NH.4 Zweigeteilte sollen Augenleiden hervorrufen, von Insekten angefressene Vermögensverlust, zu lange Zwietracht; entrindete gelten als lebensvernichtend.

17.NH.5 Saftige, weder zu große noch zu kleine Hölzer sollen alle Wünsche erfüllen. Mit feuchter Rinde, gleichmäßigem Schnitt und dem Umfang eines Zeigefingers …

17.NH.6 … sollen sie vom Kundigen geopfert werden; dadurch soll er großen Wohlstand erlangen. Diese Opferhölzer werden für Śrauta-, Smārta- und tantrische Riten genannt.

Einordnung: Die Verknüpfungen von Holzform und Schicksalsfolge sind rituelle Deutungen der Quelle, keine festgestellten kausalen Wirkungen.

In der Vāyavīya-Saṃhitā heißt es:

17.VH.1 Die Hölzer sollen von Palāśa oder einem anderen opfergeeigneten Baum stammen, zwölf Fingerbreiten lang, nicht krumm, nicht ausgetrocknet, mit Rinde, unversehrt und gleichmäßig.

17.VH.2 Auch zehn Fingerbreiten Länge und die Dicke eines kleinen Fingers sind vorgesehen. Fehlen solche Hölzer, können sämtliche handspannenlangen geeigneten Stücke geopfert werden.

Wunschbezogene Rezitation und ihre Abstufungen

Nun das Verfahren der wunschbezogenen Rezitation; die Überschrift der Vorlage lautet kāmyahoma(japa), also „wunschbezogenes Feueropfer (Rezitation)“. Im Jñānārṇava, Kapitel 17, heißt es:

17.JP.1 Mit festem Gelübde verehre man das gesamte Cakra, Göttin, oder das äußere und mittlere beziehungsweise das mittlere Cakra allein.

17.JP.2 Nach der Verehrung mit den Gaben rezitiere der reine Mantrakenner vor ihm tausendmal. Dadurch soll er unendliche Frucht erlangen.

17.JP.3 Oder der Einsichtige vergegenwärtigt den König der Cakras innerlich zusammen mit seiner Verehrung und beginnt die Rezitation; dadurch soll er große Verfehlungen tilgen.

17.JP.4 Er rezitiere hörbar, flüsternd oder geistig. Hörbare Rezitation bedeutet deutlich ausgesprochene Rede, höchste Herrin.

17.JP.5 Nicht deutlich hörbar und mit sich bewegenden Lippen heißt flüsternd; geistige Rezitation besitzt die Gestalt innerer Vergegenwärtigung, du Schöne.

17.JP.6 Ein Lakh hörbarer Rezitationen soll einer einzigen flüsternden entsprechen, du Schönangesichtige, Tochter des Berges.

17.JP.7 Ein Lakh flüsternder Rezitationen soll einer einzigen geistigen entsprechen, du Lotusäugige, höchste Herrin.

17.JP.8 Wer mit Mudrās verbunden und nach der zuvor beschriebenen Meditation ein Lakh rezitiert, soll von allen Verfehlungen frei werden.

17.JP.9 Zwei Lakh sollen selbst die Verfehlungen aus sieben Geburten einschließlich der großen Verfehlungen vernichten, daran bestehe kein Zweifel.

17.JP.10 Nach drei Lakh, mit einem gleichsam vollständig zum Yantra gewordenen Leib, soll man Koṭis großer Verfehlungen vernichten, ohne Zweifel.

17.JP.11 Nach vier Lakh soll man ein großer Herr der Rede werden; nach fünf Lakh wie Kubera, Götterherrin, gewiss.

17.JP.12 Sechs Lakh sollen zu einem großen Vidyādhara machen; sieben Lakh zur Begegnung mit den Khecarīs führen.

17.JP.13 Acht Lakh sollen einen Menschen selbst für die Götter verehrungswürdig und zum Herrn der acht Siddhis ab Aṇimā machen, Geliebte.

17.JP.14 Könige und besonders Frauen sollen gefügig werden. Neun Lakh Rezitationen der Tripurasundarī sollen bewirken, …

17.JP.15 … dass man selbst zur Gestalt Rudras wird, unmittelbar Schöpfer und Auflöser, gewiss; von allen verehrt, stets im eigenen Wesen ruhend und mit allem Glück ausgestattet.

Vergleichsanmerkung: Die hier genannten Wertverhältnisse der drei Rezitationsarten sind die Aussagen dieses Zitats. Sie ersetzen nicht stillschweigend anderslautende Zahlen in früheren Abschnitten.

Die drei Kūṭas einzeln nach dem Jñānārṇava

Nun das getrennte Verfahren für die drei Mantra-Gruppen. Im Jñānārṇava, Kapitel 19, ab Vers 2, heißt es:

17.JK.1 Diese Vidyā ist durch die Folge der Überlieferung herabgekommen, du Schöne. Erinnert, soll sie die Fessel des Werdens und die Verfehlungen vernichten.

17.JK.2 Durch Rezitation soll sie Sieg über den Tod und Frieden gewähren, durch Meditation alle Ziele verwirklichen; verehrt soll sie Leid, Unglück, Armut und Furcht beseitigen.

17.JK.3 Schon durch Erinnerung soll sie die große Flut der Schuld stillen, gewiss. Ich erläutere dir nun die gesonderte Sādhana der drei Bījas.

17.JK.4 Der Vīra trägt weiße Kleidung, ist mit Duftstoffen und Moschus geschmückt, mit leuchtendem Perlenschmuck versehen und trägt einen weißen Kranz.

17.JK.5 In einem weißen Raum und in Enthaltsamkeit soll er mit glückverheißenden Blüten und hellen Speisegaben verehren.

17.JK.6 Milchreis, reichlich Milch, Reis mit Amṛta-Früchten sowie verschiedene weiße Speisen mit Ghee-Kugeln …

17.JK.7 … sollen der Göttin Vāgīśvarī als Speisegabe gezeigt werden, Götterherrin. Oder man verwirkliche mit reinem geistigem Entschluss die auf Befreiung gerichtete Sprachkraft.

Textanmerkung: mokṣavāṅmayam in Vers 7 ist nicht eindeutig gegliedert. Die Verbindung von Befreiung und Sprache wird bewahrt, ohne eine gesicherte zusammengesetzte Fachbezeichnung vorzutäuschen.

17.JK.8 Der Kundige rezitiere die Vāgbhava genannte Vidyā und erinnere sich an die Herrin der Rede: weiß wie Karpūra und mit weißen Blütenornamenten geschmückt, …

17.JK.9 … mit überaus hellem Antlitz, mit Diamanten und Perlen als Schmuck, in einer Hand eine leuchtende Gebetskette aus Perlen und reinen Edelsteinen, …

17.JK.10 … ein Buch tragend sowie die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit zeigend. Wer so meditiert, Maheśānī, soll Träger allen Wissens werden.

17.JK.11 Vom Wurzelbereich bis zum Brahmarandhra lässt sie fließenden Nektar herabregnen. Danach meditiere man über sie als lichtvoll und nektarartig an der Zungenspitze.

17.JK.12 Selbst ein einem Stein gleichender Tor soll Jīva, Bṛhaspati, dem Lehrer der Götter, gleichen. Nun der Sādhaka, der sich Kāmakalā widmet, höchste Herrin: …

17.JK.13 … mit rotem Schmuck, roten Duftsalben und roter Kleidung versehen, verehre er in der Mitte die Kāmakalā-Gestalt, …

17.JK.14 … mit verschiedenen roten Blüten, Kuṅkuma und weiteren Gaben. Vom Wurzelbereich bis zum Brahmarandhra leuchtet sie wie eine flackernde Flamme, …

17.JK.15 … geschmückt mit einem Glanz rot wie die Bandhūka-Blüte; ihre Hände tragen Zuckerrohrbogen und Blütenpfeile und zeigen Segen und Furchtlosigkeit.

17.JK.16 Man stelle sich vor, dass ihre sindūrarote Ausstrahlung die drei Welten erfüllt, höchste Herrin. Dadurch soll man die drei Welten augenblicklich verblenden.

17.JK.17 Könige, Schlangenwesen, Rākṣasas und Götter sollen gefügig werden; wie Kandarpa soll man den Stolz der Frauen nehmen, Götterherrin.

17.JK.18 Eine im Geist vorgestellte Frau soll wie eine Dienerin gefügig werden. Die Śakti gleicht dem Mondbild in bewegtem Wasser und besitzt eine junge, rote Gestalt.

17.JK.19 Im Geschlechtsbereich von Frauen vergegenwärtigt, soll sie selbst eine himmlische Schöne erregen; um wie viel mehr eine menschliche Frau, Göttin, ja die drei Welten verblenden.

17.JK.20 Sindūrafarben im Herzen vergegenwärtigt, soll sie augenblicklich selbst Rambhā oder Tilottamā heranziehen.

17.JK.21 Die Frau wird rot vorgestellt, erfüllt vom Glanz der Śakti. Auf ihrem Scheitel wird das Bīja erinnert, das einen fließenden Nektarregen ergießt.

17.JK.22 Durch diese Meditation soll der vom Begehren erhitzte Geist verblendet und sollen die drei Welten augenblicklich gefügig gemacht werden, Götterherrin.

17.JK.23 Durch diese Kāmakalā-Meditation sollen die fünf Kāmas die gesamte Welt verblenden, du Schönangesichtige. Höre die Anwendung, Pārvatī.

17.JK.24 Die zuvor genannten Kāmas sind als fünf zu erkennen, Götterherrin. Mit dem ersten Kāma verflochten, wird es in Manmatha eingesetzt, …

17.JK.25 … von Kandarpa umschlossen und in den Winkelraum gebracht. Das Makaradhvaja Genannte und all dies zusammen, du Schönangesichtige, …

17.JK.26 … wird in Mīnaketu eingesetzt und soll diese Welt verblenden. Diese Anwendung heißt „Verblendung der drei Welten“.

Der Kommentar erklärt die verschlüsselte Anordnung der knapp zwei Verse: Zunächst wird als Manmatha-Kūṭa klīṃ geschrieben. In den Innenraum seines Ka wird das Kāmarāja-Kūṭa hrīṃ gesetzt. In dessen Ha steht mama, „mein/für mich“, unter dem Ra amukaṃ, „die betreffende Person“, und zwischen beiden vaśamānaya, „bringe unter Einfluss“. So wird der Name der Zielperson mit hrīṃ verflochten.

Außen um diese beiden Bījas stehen zwei aiṃ als drittes, Kandarpa genanntes Kūṭa, in Dreiecksform beziehungsweise als umschließende Sechseckform. In die sechs Winkel kommt das vierte, Makaraketana genannte Kūṭa bl-ūṃ. Innen und außen um die Sechseckform wird das Mīnaketana-Kūṭa strīṃ gelegt. Die entsprechende Passage über das Sechseck steht in der Vorlage in Klammern; die ungewöhnliche Schreibung bl-ūṃ bleibt erhalten.

Der Text weist diese Anordnung den gewünschten Zwecken zu. Als geheimen Sinn nennt er, dass durch das Schreiben des fünften Kūṭa das ganze Yantra in den Feuerbereich dieses Lautes zu liegen komme; dies sei nach der vom Guru gelehrten Folge zu zeichnen. Die Erklärung wird als historische Mantra-Schriftdeutung wiedergegeben. Eine moderne Anleitung zur Beeinflussung einer konkreten Person wird daraus nicht entwickelt.

Das Śakti-Bīja und die vollständige Tripurasundarī

Weiter heißt es:

17.JŚ.1 Höre, Göttin, ich werde die Sādhana des Śakti-Bīja verkünden. Vom Erschaffen bis zum Einziehen vergegenwärtige man den höchsten Leib.

17.JŚ.2 Sie lässt Ströme fließenden Nektars herabregnen, beseitigt Gift, leuchtet golden und strahlt wie eine Ansammlung von Blitzen.

17.JŚ.3 Sie trägt einen Krug, erfüllt von der leuchtenden Mond-Kalā, zeigt die Gesten des Segens, der Furchtlosigkeit und der Erkenntnis und ist unmittelbar Nektar selbst.

17.JŚ.4 Durch diese Meditation soll der Mantrakenner Gift in seinen verschiedenen Erscheinungsformen beseitigen. Durch die Erinnerung an sie, Göttin, bin ich zum Blauhalsigen geworden.

17.JŚ.5 Als Mṛtyuñjaya, Sieger über den Tod, wandle ich im Wasser und auf dem Land. Der Mantrakenner soll Vainateya gleichen und tausende Giftlasten beseitigen.

17.JŚ.6 Bhūtas, Pretas, Piśācas und eine Vielzahl von Krankheiten soll er vernichten, ebenso alle Viertagefieber und Anfallsleiden.

17.JŚ.7 Nun die vollständige Mahātripurasundarī mit ihren drei Kūṭas: Vom Sādhaka vergegenwärtigt, soll sie rasch die drei Welten gefügig machen.

17.JŚ.8 Der Reihe nach befindet sie sich im Nabel-, Herz- und Gesichtsbereich, mit rotem Glanz und klar wie ein Rubin, von Göttern Verehrte.

17.JŚ.9 Dadurch sollen achtfache Macht und Glück entstehen. Wer ihren Namen erinnert, soll den Yoginīs lieb werden.

17.JŚ.10 Der Kreis der Mütter soll in seinem Leib gegenwärtig sein und mit ihm Freude erfahren. Durch Meditation soll der Mantrakenner wie ein Sohn sein, Götterherrin, ohne Zweifel.

Lesart: In Vers 10 steht putravān, wörtlich „mit einem Sohn versehen“. „Wie ein Sohn“ folgt der Parallelstelle über das Verhältnis zu den Yoginīs; die Abweichung wird ausdrücklich offengelegt. Die Aussagen zu Gift und Krankheit sind religiöse Wirkungszuschreibungen, keine medizinischen Behandlungsangaben.

Weiter heißt es:

17.JŚ.11 Wenn die Vollständige im Cakra gegenwärtig ist, soll sie die Khecarī-Siddhi verleihen. Denn vierundsechzig Koṭis mächtiger Yoginīs …

17.JŚ.12 … wohnen in diesem Cakra, von Helden Verehrte. Am Anfang steht die Anrede, in der Mitte die Gruppe von acht Bījas, außen …

17.JŚ.13 … wird die Kalā im Anaṅga-Bereich einer Frau vergegenwärtigt; wie ein zweiter Kāmarāja soll man mit den dem Liebesgott zugehörigen Schlingen, Haken, Bogen und Pfeilen …

17.JŚ.14 … die göttlichen Schönheiten der drei Welten verblenden, um wie viel mehr sterbliche Frauen. Ebenso soll man durch die Śakti-Bindungen und Waffen, den eigenen Leib ihnen angeglichen, …

17.JŚ.15 … Siddhas, Gandharvas und Götter gefügig machen, gewiss. Durch ihre Verehrung soll man mit begehrtem Glück und Schönheit ausgestattet werden, Götterherrin.

17.JŚ.16 Hari wurde durch die Verehrung Tripurās zum Verblender der drei Welten und zum beständigen Erhalter, höchste Herrin, Geliebte.

17.JŚ.17 Durch ihre Verehrung wurde Brahmā zum Schöpfer; Mond und Sonne wurden zu Kräften des Erschaffens und Einziehens, du Schöne.

Textanmerkung: Die Ortsanordnung in Vers 12–13 ist ebenso gedrängt wie die Parallelfassung zuvor. Aus der knappen Wendung wird keine ergänzte vollständige Ritualgeometrie abgeleitet.

Weitere Śrīcakra-Anwendungen aus dem Jñānārṇava

Nun das Verfahren der Śrīcakra-Sādhana. Im Jñānārṇava, Kapitel 14, heißt es:

Redaktioneller Hinweis: Dieser Abschnitt wiederholt große Teile früherer Zitate, enthält aber eigene Lesarten und eine zurückspringende Verszählung. Die Wiederholung bleibt vollständig erhalten. Die ersten Verse tragen das Kürzel SCa; nach Vers 27 springt die Vorlage auf 22 zurück, weshalb anschließend SCb verwendet wird. Die zweimalige Nummer 76 erhält die Zusätze a und b.

17.SCa.1 Höre, an allen Gliedern Schöne, das höchste Śrīcakra-Verfahren. Allein durch dessen Erkenntnis soll man Sadāśiva gleichen, Schöpfer und Auflöser.

17.SCa.2 Wo das Śrīcakra nach diesem Verfahren mit seiner geordneten Folge verehrt wird, soll alles gefügig gemacht werden, daran bestehe kein Zweifel.

17.SCa.3 Eine Stadt und zehn Gebiete sollen unter Einfluss kommen, Tochter des Berges; alle Frauen sollen gefügig werden, vom lodernden Feuer des Begehrens gequält.

Lesart: Die Vorlage liest daśamaṇḍalam, „zehn Gebiete“. Die naheliegende Alternative deśamaṇḍalam, „Landgebiet“, wird nicht stillschweigend eingesetzt.

17.SCa.4 Durch die Vidyā im Herzen verwirrt und im Geist auf den Sādhaka gerichtet sollen alle Frauen allein durch seinen Anblick werden, Götterherrin.

Weiter:

17.SCa.5 Mit Gorocanā und anderen Stoffen zeichne man den König der Cakras und darin eine sehr schöne, anmutige, vorzügliche Gestalt.

17.SCa.6 Sie wird brennend, mit ihrem Namen versehen und mit dem großen Bīja verflochten vorgestellt.

Die zweite Vershälfte fehlt und ist durch Sternchen angezeigt. Der Kommentar erklärt: Das große Bīja ist das zweite Kūṭa der Wurzel-Vidyā. Die Merkmale des Verflechtens wurden schon zuvor erläutert.

17.SCa.7 So soll meditiert werden, Göttin. Selbst aus Tausenden Yojanas Entfernung soll eine zuvor ungesehene, nur vom Hörensagen bekannte, schwer erreichbare Frau, …

17.SCa.8 … eine Königstochter oder eine andere, ohne Furcht und Scham, durch den Mantra verwirrt zum Sādhaka kommen, Geliebte.

17.SCa.9 Wenn sich der Sādhaka in der Mitte des Cakras befindet, stelle er sich selbst rot vor, mit dem Glanz von tausend aufgehenden Sonnen.

17.SCa.10 Auch die Zielperson wird als rot geworden vorgestellt, höchste Herrin. Durch diese Abfolge soll er selbst Kandarpas Gestalt besitzen, …

17.SCa.11 … mit aller Schönheit begabt und alle Menschen beeinflussend. Mit ausschließlich roten Gaben, den Leib mit Mudrā verbunden beziehungsweise versehen, …

17.SCa.12 … verehre er das Cakra, in das der Name der Zielperson eingeflochten ist. Diese soll dann wie ein Diener werden, sei es ein Reicher oder ein König.

17.SCa.13 Der Name einer ungesehenen Frau wird in die Mitte des Cakras gesetzt; der Kundige bilde die Yoni-Mudrā, Maheśānī.

17.SCa.14 So soll er rasch und gewaltsam eine Yakṣiṇī, Königstochter, Nāga-Tochter, Apsaras, Khecarī oder Götterfrau heranziehen, …

17.SCa.15 … eine göttlich schöne Vidyādharī, Ṛṣi-Tochter oder Ṛṣi-Frau, von Begehren erhitzt und körperlich erregt, …

17.SCa.16 … innerlich von Kāmas Pfeilen getroffen und mit unruhigen Augen. Durch die Meditation über die große Kāmakalā, von Göttern Verehrte, …

17.SCa.17 … sollen die Frauen des Himmels, der Erde und der Unterwelt erregt werden.

Die zweite Hälfte von Vers 17 fehlt. Anders als im früheren Zitat steht hier ṛṣistrī, „Ṛṣi-Frau“, statt ripustri, „Frau eines Feindes“. Die Unterschiede bleiben erhalten. Die erzwungene Anziehung ist Inhalt der historischen Quelle und kein Leitbild für Beziehungen.

Nun die Anwendung mit Tilaka und anderen Mitteln:

17.SCa.18 Ein Teil Rocanā, ein Teil Kuṅkuma und zwei Teile Sandelholz werden gleichmäßig verrieben, Göttin.

17.SCa.19 Daraus wird eine Stirnmarkierung gemacht, die die drei Welten beeinflussen soll. Hundertachtmal besprochen, soll sie gefügig machen.

17.SCa.20 Einen König, eine Stadt, ein Dorf oder was auch immer der Mantrakenner ansieht, höchste Herrin: All dies soll ihm gefügig werden.

17.SCa.21 Betel, Räucherwerk, Wasser, Blatt, Blüte, Frucht, Dickmilch, Milch, Ghee, Pulver, Gewand und Karpūra, …

17.SCa.22 … Moschus, Ghusṛṇa, Elā, Lavaṅga, Jātipatra, Frucht oder irgendein anderer Gegenstand, höchste Herrin, …

17.SCa.23 … werden nach hundertacht Rezitationen übergeben. Wem auch immer man sie gibt, der soll gefügig werden, Göttin; daran solle nicht gezweifelt werden.

17.SCa.24 Alle Frauen sollen gefügig und wie Dienerinnen werden. Dies wird dir als gewaltsame Heranziehung beschrieben, die nicht anders ausfallen solle.

Nun die Anwendung zur Heranziehung:

17.SCa.25 An einem abgeschiedenen Ort zeichne der Mantrakenner mit Rocanā auf den Boden eine Gestalt in reizvoller Kleidung und mit allem Schmuck, …

17.SCa.26 … schön an den Gliedern und sehr ansprechend. An Stirn, Hals, Herz, Nabel und den jeweiligen Bereichen beziehungsweise dem Ursprungsbereich …

17.SCa.27 … werden Geburtsname und Mahāvidyā im Haken-Bīja verflochten; an alle Körpergelenke wird der Madana-Laut geschrieben.

17.SCb.22 In den Körpergelenken wird er als eingegangen vorgestellt, leuchtend wie eine Granatapfelblüte. Zur Richtung der Zielperson gewandt, vergegenwärtige man sich selbst in Gestalt der Göttin.

17.SCb.23 Mit der Kṣobhiṇī-Mudrā wird der Mantra hundertachtmal rezitiert; die Gestalt wird im Madana-Haus eingesetzt, dessen Wesen Mond- und Sonnen-Kalā sind.

17.SCb.24 Darauf wird sie vorgestellt als an allen Gliedern erschüttert, von Kāmas Pfeilen bedrängt, mit ganz auf ihn gerichtetem Geist, von Verlangen verwirrt und überwältigt.

17.SCb.25 So soll eine Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung herangezogen werden.

Die zweite Vershälfte fehlt. Die abweichende ursprüngliche Nummerierung 22–25 bleibt unter neuem Abschnittskürzel erhalten.

Weiter:

17.SCb.26 Die gesamte Mātṛkā werde außen um das Cakra geschrieben, Geliebte, auf Birkenrinde oder auf Gold-, Silber- oder Kupferfolie.

17.SCb.27 Dadurch soll man für sämtliche Wesen, besonders Tiger und andere Tiere, unverwundbar werden. Ebenso wird die eigene Bezeichnung mit der Mātṛkā und dem Cakra verbunden, …

17.SCb.28 … unter Verwendung von Karpūra, Kuṅkuma und Weiterem; dadurch sollen Alterslosigkeit und Unsterblichkeit erlangt werden. Nach demselben Verfahren mit Rocanā, Agaru und Kuṅkuma …

Lesart: Die Verbindung svamājñā cakramaṇḍitām in Vers 27 ist unsicher; der Bezug auf eine eigene Bezeichnung ist eine kontextbezogene Deutung.

17.SCb.29 … wird der Name der Zielperson im Cakra geschrieben und mit dem eigenen Namen verflochten, du Schönangesichtige. Wo auch immer sich dies befindet, …

17.SCb.30 … soll die gesamte Menschenwelt mit Beweglichem und Unbeweglichem unter Einfluss und unter die eigenen Füße gebracht werden, Maheśānī, ohne Zweifel.

17.SCb.31 Mit dem leuchtenden Kāma-Kūṭa der Mahātripurasundarī werden die einzelnen Buchstaben des Namens der Zielperson umschlossen.

17.SCb.32 Auch außen wird geschrieben und mit den Lauten der Mātṛkā umgeben. In Gold eingefasst, wird es im Haarknoten oder am linken Oberarm …

17.SCb.33 … oder an irgendeiner anderen Stelle getragen und soll die drei Welten gefügig machen. Selbst einen großen König soll es zum Diener machen, Götterherrin.

17.SCb.34 Könige, Pferde, sehr wilde und von Erregung erfüllte Wesen, Tiger und Löwen sollen dadurch gefügig werden. Die gedrängte Aufzählung ist in der Vorlage grammatisch unregelmäßig.

17.SCb.35 Nach dem früheren Verfahren wird der Name einer Stadt eingeflochten, Tochter des Berges, und das Cakra in ihrer Mitte, an einer Wegkreuzung oder in den vier Richtungen niedergelegt.

17.SCb.36 Große Erregung soll unter den Frauen, bedeutenden Menschen und allen Übelgesinnten der Stadt entstehen.

17.SCb.37 In seiner Mitte wird die Erde vorgestellt, mit Bergen, Wäldern und Hainen, brennend, von allen Königen bewohnt und vom Meer wie von einem Gewand umgeben.

17.SCb.38 Wer sechs Monate so meditiert, soll Erregung hervorrufen können. Ein bloßer Seitenblick soll Frauen gefügig machen, Geliebte.

17.SCb.39 Könige, Brahmanen, Vaiśyas, Śūdras, Tiere und die Welt: Durch den Blick sollen die drei Welten mit Beweglichem und Unbeweglichem herangezogen werden.

17.SCb.40 Durch den Blick soll Gift vernichtet werden; daran solle nicht gezweifelt werden. Bhūtas, Pretas, Piśācas und Fieber wie das Viertagefieber, …

17.SCb.41 … Schmerzen, Gulma und andere Krankheiten sollen durch den Blick augenblicklich verschwinden. Mit Sindūra geschmückt und nachts verehrt, Geliebte, …

17.SCb.42 … soll dieses Cakra eine Frau aus hundert Yojanas Entfernung heranziehen. Wird es in den Haupt- und Zwischenrichtungen richtig verehrt, …

17.SCb.43 … sollen die dort lebenden Menschen samt Kindern, Tieren und Verwandten rasch unter Einfluss geraten, Schöne.

17.SCb.44 Auf Birkenrinde wird mit Rocanā, Agaru und Kuṅkuma geschrieben; in die Mitte kommen Stadt, Land, Gebiet oder Bezirk.

17.SCb.45 Mit dem eigenen Namen verflochten und ordnungsgemäß verehrt, soll das in die Erde gelegte Cakra die drei Welten gefügig machen.

17.SCb.46 Oder man trägt es am Hals, im Haarknoten, am Oberarm oder an irgendeiner anderen Stelle; dadurch soll eine große Stadt erschüttert werden, du Gute.

17.SCb.47 Arka-Milchsaft, Dhattūra-Saft, Rocanā, Kuṅkuma, Lākṣā und Alaktaka …

17.SCb.48 … werden mit flüssigem Moschus vereinigt. Mit dem Gemisch wird dieses Cakra unter dem Namen der betreffenden Person geschrieben, Maheśvarī.

17.SCb.49 Für sie soll keine Gefahr von Tigern, Krankheiten, Feinden, Schlangen, Elefanten, Dieben, Grahas und Wasser bestehen; auch keine von Śākinīs und Ḍākinīs …

17.SCb.50 … oder fremden Mantras und Schadenzauber, Göttin. Bei täglicher Verehrung soll der zeitlich bestimmte Tod vernichtet werden.

17.SCb.51 Oder die Göttin wird in der Mitte beider Dreiecke vergegenwärtigt, darunter mit dem Namen verbunden und mit Rocanā und Kuṅkuma bezeichnet.

17.SCb.52 Niedergelegt soll dies nach sieben Tagen bewirken, dass die Zielperson wie ein Diener gefügig wird. Mit gelben Stoffen geschrieben, wird es mit gelben Blüten verehrt.

17.SCb.53 Nach Osten gewandt sollen alle Streitredner stillgestellt werden. Selbst ein Tausendmündiger soll augenblicklich verstummen, Göttin.

17.SCb.54 Der Redekundige, dessen Name darin steht, soll unbeweglich wie ein Stein werden, Götterherrin. Mit Mahānīlī-Saft …

17.SCb.55 … wird der Name vorschriftsmäßig verbunden. Nach Süden gewandt soll das Verbrennen im Feuer den Feind töten, Maheśānī, Geliebte.

17.SCb.56 Ein Auszug aus Büffel- und Pferdemist, verbunden mit Kuhurin, wird als Schreibstoff genannt; der Name wird wie zuvor eingeflochten.

17.SCb.57 In saure Getreideflüssigkeit gelegt soll dies starke Zwietracht bewirken. Der mit Rocanā geschriebene Name wird in die Mitte einer Krähenfeder gesetzt.

Textanmerkung: Vers 57 steht in der Vorlage vollständig in Klammern.

17.SCb.58 Frei aufgehängt soll dies den Feind vertreiben. Mit Mahānīlī, Rocanā, Milch, Lākṣā-Saft und Weiterem …

17.SCb.59 … soll der Mantrakenner das Cakra schreiben und tragen, um alle gesellschaftlichen Stände gefügig zu machen. Nach demselben Verfahren wird es in den als tīra überlieferten Bereich gestellt.

17.SCb.60 Wer mit dem zugehörigen Wasser badet oder es trinkt, soll alle beeinflussen können und Glück erlangen, ohne Zweifel.

Text- und Sachanmerkung: Vers 59 liest tīramadhyagam, wörtlich „inmitten des Ufers“. Der Zusammenhang mit dem folgenden Wassergebrauch ist nicht glatt; eine Änderung zu einem Flüssigkeitsnamen wird nicht stillschweigend vorgenommen. Die Stoffgemische und das Kontaktwasser werden nicht zur Anwendung empfohlen; die genannten Wirkungen sind historische Behauptungen.

17.SCb.61 Die Erde oder eine Stadt wird in der Mitte als brennend vorgestellt, du Schönäugige. Nach sieben Tagen soll sie tatsächlich erschüttert werden.

17.SCb.62 Nun werde ich die Tilgung großer Verfehlungen verkünden, Maheśānī. Śivā wird mit wohlriechenden Blüten verehrt, Göttin, Geliebte.

17.SCb.63 Selbst ein mit großen Verfehlungen Belasteter soll augenblicklich Schuld tilgen. Mit Śamī, Dūrvā-Sprossen, Aśvattha-Trieben oder Arka-Trieben …

17.SCb.64 … soll ein Mensch binnen eines Monats die Befleckung aus sieben Geburten beseitigen. Nach Osten gewandt verehre man mit gelben Stoffen.

17.SCb.65 Eine gelbe Stätte gezeichnet, sollen alle Streitredner stillgestellt werden. Nach Norden gewandt wird mit Sandelholz gezeichnet …

17.SCb.66 … und vorschriftsmäßig mit Hingabe verehrt; dadurch soll die ganze Welt beeinflusst werden. Nach Westen gewandt wird ebenfalls mit Sandelholz gezeichnet …

17.SCb.67 … und ordnungsgemäß verehrt; dadurch soll der Kundige die Herzen aller Frauen gewinnen, ihnen lieb werden und sie wie Dienerinnen gefügig machen.

Vergleich: Diese Fassung nennt sowohl für Norden als auch für Westen Sandelholz; die früheren Zitate nennen an entsprechenden Stellen andere Farb- und Schreibstoffe. Die Varianten werden nicht vereinheitlicht.

17.SCb.68 Nach Süden gewandt, soll die Verehrung des schwarzen Cakras demjenigen, dessen Name darin steht, die Mantrakraft nehmen.

17.SCb.69 In den Winkeln Agnis, des Rākṣasa, Vāyus und Śambhus, also Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten, wie zuvor der Reihe nach verehrt, höchste Herrin, …

17.SCb.70 … soll es Stillstellung, Zwietracht, Krankheit und Feindvertreibung bewirken. Ein mit Rocanā geschriebenes Cakra wird in Milch gelegt.

17.SCb.71 Dadurch soll es alle gefügig machen, Göttin, gewiss. In Kuhurin gelegt soll es besonders stark Feinde vertreiben.

17.SCb.72 In Öl gelegt soll der König der Cakras starke Zwietracht hervorrufen, in loderndes Feuer gelegt Feinde vernichten.

17.SCb.73 An einer abgelegenen Wegkreuzung wird es mit Sindūra-Pulver gezeichnet; von ganz außen bis zur Mitte, Maheśvarī, …

17.SCb.74 … wird die Mātṛkā von A bis Kṣa eingesetzt. Nachts wird es in der Folge des Kula-Brauches verehrt.

17.SCb.75 Dadurch soll der Sādhaka im Luftraum wandeln können, Göttin, gewiss. Ebenso wird auf einem Berg bei einem einzelnen Baum nach dem Kula-Weg verehrt.

17.SCb.76a Alterslosigkeit und Unsterblichkeit erlangend, soll der Mantrakenner glücklich werden. Wer das Cakra am Mahābhūta-Tag auf einem Verbrennungsplatz verehrt, …

17.SCb.76b … nach der früheren Ordnung, vorschriftsmäßig und mit festem Geist, soll die Siddhi des Schwertes, des Vetāla und der magischen Kugel erlangen, …

17.SCb.77 … ferner der Sandalen, der Augensalbe, des Geistes und der Metallgewinnung sowie eine als große Helden-Siddhi bezeichnete Vollendung, die mit Yakṣiṇīs und dienenden Geistwesen verbunden ist.

17.SCb.78 All dies soll der Mantrakenner erlangen; daran solle nicht gezweifelt werden.

Textanmerkung: Die zweite Hälfte des letzten Verses fehlt. Die Verbindung samahāvīrasiddhi in Vers 77 ist nicht sicher gegliedert. Die doppelte Versnummer 76 ist eine Eigenschaft der Vorlage und wird nicht als bloßes Redaktionsversehen entfernt.

Kolophon des siebzehnten Śvāsa

So endet der siebzehnte Śvāsa in dem Śrīvidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler des Śrī Pragalbhācārya, der Schüler des Śrī Viṣṇuśarmācārya war, eines Schülers des Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya, des Schülers des hochverehrten großen Lehrers Śrī Govindācārya.

Die Zahl 17 des Kolophons bezeichnet das Kapitel und wird nicht als zusätzlicher Vers gezählt. Danach setzt die Vorlage mit „Nun im Śrīvidyārṇava-Tantra“ zum nächsten Kapitel über.

18. Śvāsa

Samayācāra: verbindliche Haltung und Verhalten

Nun Samayācāra, die an die Überlieferungsbindung geknüpfte Lebensführung. Im Prayogasāra heißt es:

18.PS.1 An der Stätte der Gottheit oder des Gurus, auf einem Verbrennungsplatz oder an einer Wegkreuzung meide man Schuhe, das Einnehmen eines Sitzes, Ausscheidungen und Geschlechtsverkehr.

18.PS.2 Gottheit, Guru, Gurustätte, heiligen Bezirk, dessen Schutzgottheiten, einen Siddha und die Wohnstätten der Siddhas nenne man mit vorangestelltem „Śrī“.

18.PS.3 Eine unachtsame oder berauschte Frau, eine Frau aus einer gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppe, ein Mädchen, eine Menstruierende, eine Frau mit erschlafften Brüsten, eine als unansehnlich Bezeichnete, eine mit offenem Haar oder eine von Begehren bewegte Frau soll man nicht schmähen.

18.PS.4 Man soll nicht auf den Genitalbereich eines Mädchens, auf die Paarung von Tieren, auf eine unbekleidete Frau oder auf entblößte Brüste starren. Fremdes Eigentum und die Partnerin eines anderen soll man meiden.

Textanmerkung: Die Verse 2 und 4 stehen in der Vorlage in Klammern. Die historischen körperlichen und sozialen Kategorien in Vers 3 werden wiedergegeben, ohne sie als Werturteile der Ausgabe zu übernehmen. Vers 4 ist eine Verhaltensbeschränkung, keine erotische Beschreibung.

18.PS.5 Gegen Getreide, Kühe, Guru, Gottheit, Feuer, Vidyā, Schatz und Menschen strecke man die Füße nicht aus und steige nicht über sie hinweg.

18.PS.6 Trägheit, Überheblichkeit, Verblendung, Hinterlist, Verleumdung, Streit, Missgunst, Selbstüberhöhung und das Schmähen anderer soll man meiden.

Der Kommentar erläutert: Trägheit ist Schwerfälligkeit. Überheblichkeit ist die innere Aufgeblasenheit, die aus Wissen, Vermögen, hoher Herkunft oder Besitz entsteht. Verblendung ist das Festhalten an einer falschen Auffassung. Hinterlist wird als Verbergen der eigenen Fähigkeit bezeichnet. Verleumdung ist das Bekanntmachen fremder Fehler in Abwesenheit der betreffenden Person. Missgunst ist, Vorzüge als Fehler auszulegen. Selbstüberhöhung ist die Vorstellung, man selbst verdiene besondere Verehrung.

18.PS.7 Einen Träger religiöser Kennzeichen, einen Gelübdehaltenden, einen Brahmanen, Veda, Vedāṅgas, Saṃhitās, Purāṇas, Āgama-Lehrwerke und Kalpas soll man nicht herabsetzen.

Die Vedāṅgas sind bekannt. Unter Saṃhitās versteht der Kommentar hier die von Manu und anderen verfassten Smṛti-Lehrwerke. Āgama-Lehrwerke sind die von Śiva und anderen verkündeten Yāmalas und verwandten Texte. Eine traditionelle Wortauslegung lautet: „Aus den Mündern Śivas gekommen, zum Mund der Bergestochter gelangt und von Vāsudeva anerkannt – deshalb heißt es Āgama.“ Die Erklärung verbindet die Silben des Wortes mit den Verben des Kommens, Gehens und Anerkennens; sie ist die religiöse Deutung der Quelle.

Als Kalpas nennt der Kommentar Nakṣatra-Kalpa, Vidhāna-Kalpa, Abhicāra-Kalpa und Śānti-Kalpa als Glieder der Atharvaveda-Überlieferung sowie Śrāddha-Kalpa und andere Ritualanleitungen.

18.PS.8 Joch, Stößel, Stein, Seil, Herd, Mörser, Worfelkorb, Besen, Stab, Banner, Vaiḍūrya-Edelstein und Waffe, …

18.PS.9 … Krug, Wedel, Schirm, Spiegel, Schmuck, andere zum Gebrauch bestimmte Gegenstände und sämtliche Opferstoffe, …

18.PS.10 … Dinge an großen heiligen Stätten oder in einem Gottheitstempel, als göttlich bezeichnete Gegenstände und solche, die als von Geistern besetzt gelten: …

18.PS.11 … Über all diese soll man niemals hinwegsteigen und sie nicht mit dem Fuß berühren. Eine Gesellschaft, die in der Welt verhasst ist oder zügellos umherschweift, …

18.PS.12 … oder die an der Schädigung anderer Freude hat, soll man niemals aufsuchen. Geschenke soll man nicht mit der Absicht annehmen, sich selbst Genuss zu verschaffen.

18.PS.13 Für die Verehrung von Gottheit und Guru soll man sich dagegen um Mittel bemühen. Aufrichtigkeit, Wahrheit, gutes Wesen, Gleichmut, Standfestigkeit, …

18.PS.14 … Geduld, Mitgefühl, Nichtanhaften und göttliche Kraft soll man stets bewahren.

Die zweite Vershälfte fehlt und ist durch Sternchen angezeigt. Der Kommentar erklärt: Aufrichtigkeit ist Unverbogenheit. Wahrheit ist das Sprechen entsprechend dem wahrgenommenen Sachverhalt. Gutes Wesen bedeutet, in einer guten Grundhaltung zu bleiben. Gleichmut ist Freiheit von Begehren, Abneigung und Ähnlichem. Standfestigkeit heißt, den durch Leid und andere Belastungen sinkenden Geist zu festigen. Geduld ist das Hemmen des Zorns, der bei Kränkung und ähnlichen Anlässen entsteht. Mitgefühl ist, das Leid anderer nicht ertragen zu können.

Im Mantratantraprakāśa heißt es:

18.MT.1 Den Schatten von Vibhītaka, Arka, Karañja und Snuhī soll man nicht aufsuchen; ebenso werden die Schatten von Pfeilern, Lampen, Menschen und anderen Lebewesen genannt.

18.MT.2 Den Kontakt mit Wasser von Nagelspitzen, ausgeschüttelten Haaren, Badegewändern und Gefäßen soll man meiden, ebenso den von Eseln, Hunden und Ziegen aufgewirbelten Staub.

Einordnung: Diese Angaben gehören zu historischen Reinheits- und Verhaltensregeln. Sie werden nicht als allgemeine medizinische oder naturkundliche Aussagen dargestellt.

Im Liṅga-Purāṇa heißt es:

18.LP.1 Berührt ein Unverständiger den Staub von Ziegen, Hunden, Eseln, Kamelen oder einem Besen, so soll dies selbst die Śrī Haris vernichten.

18.LP.2 Die Gottheit als Ursache und das von ihr geschaffene Lehrwerk, den Guru und den Sādhaka soll man nicht schmähen; über den Schatten eines Liṅga soll man nicht hinwegsteigen.

18.LP.3 Nirmālya soll man weder essen noch darüber hinwegsteigen, sondern es einem in Śiva Eingeweihten geben.

Die zweite Vershälfte fehlt. Der Kommentar präzisiert, dass hier die von Śiva stammenden Verehrungsreste gemeint sind.

Im Nārada-Pañcarātra heißt es:

18.NP.1 Entsprechend der Eigenart der Praxis seien Kopf- und Barthaare entfernt; soweit möglich trage man ein frisches Gewand und sei frei von Schmutz und Läusen.

18.NP.2 Wohl erzogen und mitfühlend soll man den höchsten Mantra verehren.

Die zweite Vershälfte fehlt. Der Kommentar erklärt die Wendung über die Eigenart der Praxis so, dass während des Puraścaraṇa keine Rasur vorgenommen werden soll; gemeint sei ein zuvor von Kopf- und Barthaar befreiter Zustand. Damit unterscheidet er Vorbereitung und laufende Übungsphase.

Dazu werden folgende Aussagen angeführt:

18.HR.1 Wer außerhalb der Gaṅgā, einer Bhāskara-Stätte oder des Todesfalls eines Elternteils ohne Anlass die Haare schneidet, wird einem Brahmanentöter gleichgesetzt.

18.HR.2 Auf einer Pilgerreise nach Prayāga und bei Verlust von Vater oder Mutter soll man das Haupthaar rasieren; ohne Anlass soll man nicht kahl sein.

Textanmerkung: Die Verbindung gaṅgāyāṃ bhāskare kṣetre in Vers 1 lässt die genaue Abgrenzung der genannten Anlässe beziehungsweise Orte offen. Die drastische Gleichsetzung ist eine Sanktion der historischen Quelle, kein Urteil der Ausgabe.

Die Rasurverbote des Kālikā-Purāṇa und der Viṣṇu-Überlieferung beziehen sich nach dem Verfasser auf nicht Eingeweihte. Er verweist dagegen auf das Kūrma-Purāṇa, das Śaivas auch als kahlgeschoren beschreibt: „Mit verfilztem Haar oder geschoren, mit weißer heiliger Schnur, der Enthaltsamkeit ergeben, friedvoll und auf die Erkenntnis des Vedānta ausgerichtet.“ So begründet er, dass unterschiedliche Regeln für unterschiedliche religiöse Lebensformen gelten.

Mantragebrauch, Hingabe und Lebensformen

Die Hauptzählung des Verhaltensabschnitts wird fortgesetzt:

18.PS.15 Der eigene Mantra soll niemals für gewöhnliche Erfolge oder zum Schutz anderer eingesetzt werden; auch in einer Notlage soll man dies nicht tun.

18.PS.16 Garuḍa-Verfahren und die Behandlung von Geistereinwirkungen sollen nicht aus Furcht oder eigenem Interesse ausgeübt werden. Aus höchstem Mitgefühl können sie für Schutzlose erfolgen, außerhalb einer öffentlichen Versammlung.

Textanmerkung: Die beiden Verse stehen in einer Spannung zwischen allgemeinem Verbot und der anschließenden Ausnahme aus Mitgefühl. Die unklare Wendung na cātmani in Vers 16 wird nicht zu einer weiteren sicheren Regel erweitert. Die Quelle beschreibt rituelle Heilvorstellungen; sie ersetzt keine tatsächliche Behandlung.

18.PS.17 Viṣṇu soll zwischen Mond und Sonne, inmitten der Kühe, zwischen Pferd beziehungsweise Wind und Feuer sowie im Leib von Guru und Brahmanen vergegenwärtigt werden.

Lesart: Die Vorlage bietet aśvā (vāyva)gni, also eine Alternative zwischen Pferd und Wind im Zusammenhang mit Feuer. Beide Lesmöglichkeiten bleiben genannt.

18.PS.18 Vater und Mutter soll man als Viṣṇu ansehen, ebenso einen willkommenen Gast. Viṣṇu ist als Zuflucht des Alls zu erkennen, und auch das eigene Selbst soll wie Viṣṇu erkannt werden.

18.PS.19 Wo immer aus Neid eine Schmähung des Gurus zu hören ist, soll man nicht bleiben, sondern fortgehen und dabei Hari erinnern.

18.PS.20 Mit denen, die Guru, Herrn oder Lehrwerk geschmäht haben, Nārada, soll man weder sprechen noch zusammenwohnen.

18.PS.21 Durch Tat, Gedanken oder Worte soll man keinen Umgang mit der Partnerin eines anderen anstreben. Brahmanen, Götter, Viṣṇu und Kühe sollen nicht geschmäht werden, …

18.PS.22 … ebenso Rudras, Ādityas, Feuer, Weltenhüter, Planeten, Guru, ein Vaiṣṇava oder ein früher Eingeweihter.

18.PS.23 Der Sādhaka soll bei keiner Angelegenheit Verfluchung oder Begünstigung vollziehen. Mantra, Mudrā und die verbindlichen Regeln soll er nicht offenbaren.

18.PS.24 Alles, was er in seiner eigenen Praxis tut, soll er vor allen verborgen halten. Der Mantra ist stets geheim zu bewahren, um seine Vollendung zu erlangen.

Der Kommentar präzisiert: „Er“ bezeichnet den Sādhaka. Die Abgrenzung von Kritikern und das Geheimhaltungsgebot sind Regeln der historischen Überlieferung, keine allgemeine Forderung, berechtigte Kritik oder Hilfe von außen auszuschließen.

In einem anderen Tantra heißt es:

18.LF.1 Mitgefühl mit allen Wesen, Geben, die Ehrung von Gästen, die fünf Opfer, der Dienst an heiligen Orten, eigenes Schriftstudium und der Dienst am Guru …

18.LF.2 … sind die allen Menschen gemeinsame beständige Lebensordnung. Ein eingeweihter Brahmacārin soll die Gottheit zu den drei Tagesübergängen verehren.

18.LF.3 Dreimaliges Baden, Veda-Studium, das Erbitten von Almosen und ununterbrochene Meditation über die Gottheit werden ihm zugeordnet.

18.LF.4 Ein durch Einweihung geweihter Haushälter soll alles wie zuvor ausführen. Keine äußere Rezitation, keine äußere Verehrung, keine entsprechende Meditation oder Abfolge von Ritualvorschriften …

18.LF.5 … wird dagegen für die Befreiung suchenden Entsagenden als gesonderter äußerer Vollzug gefordert: Für diejenigen, die stets an den herrlichen Lotusfüßen teilhaben, wird allein eine geistige Folge gelehrt.

Textanmerkung: Der Satz erstreckt sich über Vers 4–5. „Äußerlich“ ist eine erklärende Ergänzung, um die Verneinung der einzelnen Handlungen mit der ausdrücklich genannten geistigen Folge zu verbinden.

18.LF.6 Ein umherziehender Entsagender ohne Losgelöstheit und ein losgelöster Haushälter sollen beide bis zum Untergang der Welt in einer furchtbaren Hölle leiden.

Überlieferungshinweis: Die zweite Aussage wirkt widersprüchlich; dennoch steht viraktaśca gṛhī, „und ein losgelöster Haushälter“, in der Vorlage. Eine gegenteilige Lesung wird nicht erfunden. Die Höllendrohung bleibt als historische Sanktion erkennbar.

18.LF.7 Der Haushälter soll mit seiner rechtmäßig verbundenen Frau täglich die Gottheit verehren. Mitgefühl und großzügiges Geben lassen die Gottheit zufrieden sein.

18.LF.8 Entsagende besitzen keine Befugnis zum Verschenken von Vermögensgegenständen, du Gelübdetreue. Für Brahmacārins und Waldbewohner wird ebenfalls eine nicht eigenmächtig vorauszusetzende Regelung angesprochen.

Textanmerkung: Die zweite Hälfte ko vadedanapekṣitam ist nicht eindeutig. Sicher erkennbar sind die genannten Lebensformen; eine vollständige zusätzliche Besitzregel wird nicht ergänzt.

Andernorts heißt es:

18.SA.1 Nun werde ich die Lebensführung verkünden, durch deren Erinnerung man das Unsterbliche kosten soll: dem Wohl aller Wesen zugewandt und die Überlieferungsregeln wahrend, …

18.SA.2 … nicht dauernd erforderliche Handlungen aufgebend, der täglichen Praxis zugetan und bei der Verwirklichung der Mantras auf die Vergegenwärtigung Śivas gerichtet, …

18.SA.3 … bringe man alle Handlungen der höchsten Gottheit dar. Hingabe an die Verehrung anderer Mantras und deren rituelle Verehrung, …

18.SA.4 … die Schmähung von Kula-Frauen und Vīras, die Aneignung ihrer Güter sowie Zorn und Schläge gegen Frauen soll der Hingebungsvolle stets meiden.

18.SA.5 Die ganze Welt wird als weiblich verstanden, und auch man selbst soll sich entsprechend vergegenwärtigen. Frauen soll kein Hass entgegengebracht werden; besonders ihre Verehrung wird betont.

18.SA.6 Essbares, Betel und weitere Speisen nach Geschmack, Trinkbares, Kaubares, Saugbares, Essbares und Leckbares samt ihrer Annehmlichkeit …

18.SA.7 … soll man mit gesammeltem Geist in Gestalt der jungen Göttin vergegenwärtigen. Erblickt man eine dem Kula zugehörige junge Frau, soll man ihr gesammelt Verehrung erweisen.

18.SA.8 Ob ein Kind, eine Jugendliche oder Erwachsene, eine alte, schöne, als verachtet oder sehr schwierig bezeichnete Frau: Nach einer Verneigung soll man sie in dieser göttlichen Bedeutung betrachten.

18.SA.9 Die Kumārī-Verehrung soll bei allen Vorhaben gepflegt werden. Durch sie sollen sämtliche Vollendungen entstehen, Göttin.

Der Verfasser kündigt an, die Kumārī-Verehrung später zu erläutern. Die hier geforderte Ehrung eines Kindes ist eine Verehrungshandlung; sie enthält keine sexuelle Handlung.

18.SA.10 Welche Lebensführung zu einem bestimmten Mantra gehört, eine solche ist dort der Dharma. Durch sie soll der Mensch sein Ziel erreichen, sei es Himmel oder Befreiung.

18.SA.11 Dadurch entstehe kein Unrecht, vielmehr großer Dharma. Die durch andere Lehrvorschriften verwirrten Paśus sollen staunend vergehen.

18.SA.12 Darin solle man sich nicht verwirren lassen, sonst gehe die Vollendung verloren. Mit ganz reinem Geist soll man auch die zur Befreiung führende Vollendung erlangen.

18.SA.13 Der von begrifflicher Zerspaltung freie Mantrakenner sei unmittelbar Brahman, ohne Zweifel. Ist er zur Bhairavī geworden, bestehe kein Zweifel an der Vollendung.

Lesart: Die ungewöhnliche weibliche Form bhairavī beim zuvor männlich bezeichneten Mantrakenner bleibt erhalten. Sie passt zur Vergegenwärtigung der eigenen göttlich-weiblichen Gestalt, ohne dass damit eine sichere textkritische Entscheidung vorweggenommen wird.

18.SA.14 Wer Vollendung wünscht, soll besonders nachts verehren. Was immer der Göttin dargebracht wurde, soll der Mensch als Gabe empfangen und essen.

18.SA.15 Von derselben Speise wie seine Gottheit soll auch der Übende leben. Erblicken die Yoginī-Scharen einen, der die Speisegabe schmäht, beginnen sie zu tanzen, …

18.SA.16 … alle bereit, Blut zu trinken und Fleisch und Knochen zu kauen.

Die zweite Vershälfte fehlt. Die bedrohliche Bildsprache begründet innerhalb der Quelle das Verbot, geweihte Speisen zu schmähen. Sie ist keine Billigung tatsächlicher Gewalt.

Kulārṇava: Grenzen des Rituals und Teilnahme

Im Kulārṇava heißt es:

18.KG.1 Ungeweihtes, bloß zweckloses Trinken, gewaltsamer Geschlechtsverkehr und um des eigenen Vergnügens willen beschafftes Fleisch sollen in die Raurava-Hölle führen.

18.KG.2 Die Verletzung von Lebewesen für den eigenen Vorteil habe ich niemals gelehrt. Abgesehen von der Bali-Darbringung an die Göttin sei Gewalt überall zu meiden.

18.KG.3 Ohne Anlass soll man nicht einmal einen Grashalm abschneiden. Selbst Verdienst, unter Missachtung meiner Person erworben, könne durch die daraus folgende Verfehlung zur Schuld werden.

18.KG.4 Eine um meinetwillen begangene Verfehlung werde dagegen zum Verdienst, Śāmbhavī. Eben die Stoffe, durch die Sättigung geschieht, seien auch für die Vollendung vorgeschrieben.

18.KG.5 Sieht diese Welt nicht Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara, die mit berauschendem Trank gefüllte Wassergefäße, Krüge und Schädelschalen tragen?

18.KG.6 Nachdem man durch den Guru und die Kula-Lehrwerke ihre innere Bedeutung richtig erkannt hat, soll man die fünf Mudrās üben; andernfalls werde man in die Hölle gelangen.

18.KG.7 Wer Kula-Stoffe verwendet, während er einer anderen Lehranschauung folgt, soll so oft in Geisterdaseinsformen geboren werden, wie sein Körper Haare besitzt.

Einordnung: Vers 1 verurteilt ausdrücklich erzwungenen Geschlechtsverkehr; Vers 2 beschränkt das Gewaltverbot durch die historische Ausnahme des Tieropfers. Die weiteren Verse begründen eine traditionsinterne Sonderregel, nach der die rituelle Bindung über erlaubt und verboten entscheidet. Diese Argumentation wird dokumentiert, nicht als allgemeine Rechtfertigung schädlicher Handlungen übernommen.

Weiter im selben Werk, mit der Stellenangabe 8|7:

18.KT.1 Mit nicht Eingeweihten, Menschen ohne rechte Lebensführung, ohne Tantra-Kenntnis oder Gottheitsbezug, mit Schmähenden und solchen, die ihre Bindung gebrochen haben, soll man keine Gemeinschaft beim Gebrauch der Ritualstoffe eingehen.

18.KT.2 Ebenso nicht mit Menschen, die sich bloß für kundig halten, mit nur äußerlich Gelübdehaltenden, mit Paśus und mit Menschen, die niedrigen Handlungen nachgehen.

Textanmerkung: Die Verbindung prapañcaḥ vratadhāribhiḥ ist beschädigt; die Deutung als bloß äußerliches Gelübdehalten folgt dem Zusammenhang, nicht einer gesicherten vollständigen Lesung.

18.KT.3 Mit Frauenhassenden, von Gurus Verfluchten, Hingabelosen, Übelgesinnten und Menschen ohne Kula-Unterweisung soll keine solche Stoffgemeinschaft bestehen.

18.KT.4 Auch nicht mit Unkundigen und Ungeeigneten. Selbst diejenigen, die Wort, Satz und Erkenntnismittel sowie die Bedeutung von Śruti und Smṛti kennen, …

18.KT.5 … aber den Kula-Dharma nicht verstehen, soll man meiden, Geliebte. Auch Menschen aus der eigenen Familie, die sich an den ererbten Bräuchen orientieren, …

18.KT.6 … aber deiner Verehrung abgewandt sind, soll man in diesem Zusammenhang meiden. Selbst Frau, Kinder, Freunde und Verwandte, die einem liebevoll zugetan sind, Pārvatī, …

18.KT.7 … aber den Kula-Brauch nicht kennen, sollen von dieser Gemeinschaft ausgeschlossen bleiben. Mit zuvor unbekannten Personen und solchen aus anderen Gegenden …

18.KT.8 … soll ohne das vereinbarte Erkennungszeichen keine Gemeinschaft der Ritualstoffe eingegangen werden. Einen Angehörigen des Kula soll der Kundige nicht geringschätzen, sondern verehren.

Geltungsbereich: Der wiederholte Ausdruck dravyasaṅgati bezeichnet hier die Gemeinschaft bei den Ritualstoffen. Daraus wird keine allgemeine Aufforderung der Ausgabe abgeleitet, familiäre Beziehungen oder gewöhnliche Kontakte abzubrechen.

18.KT.9 Sind die Kula-Angehörigen zufrieden, soll auch die Gottheit zufrieden sein. Den Rest aus dem eigenen Gefäß soll man einem Bhairava nicht geben.

18.KT.10 Gibt man ihn dennoch, Herrin des Kula, soll man den Fluch der Gottheit erfahren. Sitz, Mahlzeit, Gefäß, Schuhe und Lager …

18.KT.11 … sollen nicht mit Unkundigen und Ungeeigneten vermischt beziehungsweise geteilt werden. Wer böswillig die Kula-Verehrung behindert, …

18.KT.12 … soll mit einundzwanzig Familienlinien in eine furchtbare Hölle geraten. Daher soll man sich mit aller Mühe der Kula-Verehrung widmen.

18.KT.13 Dadurch sollen sämtliche Vollendungen erlangt werden; daran solle nicht gezweifelt werden. Wer zur eigenen Verehrung nicht fähig ist, soll die dafür nötigen Mittel geben.

18.KT.14 Wer auch zum Geben nicht fähig ist, soll die Verehrung anschauen. Welche Frucht man durch hundert richtig vollzogene Opfer erlangt, …

18.KT.15 … dieselbe soll eine einzige geordnete Verehrung gewähren. Welche Frucht ein Mensch durch die sechzehn großen Gaben erlangt, …

18.KT.16 … dieselbe soll er durch das Bereitstellen der Śrīcakra-Verehrungsmittel gewinnen. Welche Frucht das Baden an dreieinhalb Koṭis heiliger Orte bringt, …

18.KT.17 … dieselbe soll ein hingebungsvoller Anblick des Śrīcakra gewähren. Wozu viele Worte, Göttin? Wer nach seinem Vermögen …

18.KT.18 … dem Kula-Lehrer die Stoffe für die Verehrung gibt, der gilt als allwissend. Wie einem König die in seinem Innern beziehungsweise inneren Bereich Dienenden näherstehen als die Außenstehenden, …

18.KT.19 … so sind mir diejenigen lieb, die in der inneren Opferverehrung gefestigt sind, Göttin, nicht die anderen. Sie bringen uns beiden mit Hingabe Fleisch und berauschenden Trank dar.

18.KT.20 Wer dabei Freude entstehen lässt, ist mir als Kaulika lieb, Geliebte. Auch wer nicht studiert hat und die Lehrwerke nicht kennt, aber dem Guru ergeben und fest in seinem Gelübde ist, …

18.KT.21 … und sich der Kula-Verehrung widmet, soll mir besonders lieb sein.

Die zweite Vershälfte fehlt. Das Zitat verbindet strenge Zugangsschranken mit einer abgestuften Teilnahmemöglichkeit nach den eigenen Mitteln: selbst verehren, Mittel bereitstellen oder die Verehrung hingebungsvoll anschauen. Es stellt außerdem die innere Hingabe über bloße Gelehrsamkeit, ohne die zuvor verlangte Unterweisung aufzuheben.

Śakti-Verehrung und Mahāvidyās

In einem anderen Tantra heißt es:

18.ŚV.1 Erblickt man eine dem Kula zugehörige junge Frau, soll man sich gesammelt verneigen. Wenn durch glückliche Fügung der Kula-Anblick entsteht, Göttin, …

18.ŚV.2 … soll man sogleich an dieser Stelle eine geistige Verehrung der betreffenden Göttinnen vollziehen.

Die zweite Vershälfte fehlt. Der Kommentar verweist auf die mit Bhaga verbundenen Göttinnen. Weiter heißt es:

18.ŚV.3 Bhaginī, Bhagajihvā, Bhagāsyā, Bhagasākṣiṇī, Bhagadantā, Bhagākṣī, Bhagakarṇā und Bhagatvac, …

18.ŚV.4 … Bhaganāsā, Bhagastanī, Bhagasthā und Bhagasarpiṇī werden mit geistigen Duftgaben und Weiterem verehrt, ebenso der Guru.

Namenshinweis: Diese zwölf Namen verbinden Bhaga, hier mit weiblicher Schöpferkraft und Genitalbereich verbunden, mit Zunge, Mund, Zeugenschaft, Zähnen, Augen, Ohren, Haut, Nase, Brust und weiteren Gestaltmerkmalen. Sie bleiben als Göttinnennamen erhalten.

18.ŚV.5 Nach der vorschriftsmäßigen Verneigung bleibe der Einsichtige selbst unerschüttert. Ob ein Kind, eine von Jugend erfüllte, alte oder schöne Frau, …

18.ŚV.6 … eine als verachtet oder sehr schwierig bezeichnete: Er soll sich verneigen und sie entsprechend vergegenwärtigen. Schläge, Schmähung, Hinterlist und verletzendes Verhalten gegen sie …

18.ŚV.7 … sind auf jede Weise zu vermeiden; andernfalls sollen sie die Vollendung verhindern. Frauen werden als Gottheiten, Lebenskräfte und Schmuck bezeichnet.

18.ŚV.8 Man soll stets mit Frauen verbunden sein; andernfalls werde die Vollendung beeinträchtigt. An der Rezitationsstätte wird ein Mahāśaṅkha niedergelegt, danach wird rezitiert.

Textanmerkung: Die Ehrung unabhängig vom Alter in Vers 5–7 ist keine sexuelle Anweisung. Mahāśaṅkha, „große Muschel“, kann eine besondere Ritualbezeichnung sein; eine hier nicht ausdrücklich erklärte Gleichsetzung wird nicht als sicher ausgegeben.

18.ŚV.9 Im Umgang, bei Berührung oder beim Anblick einer Frau, insbesondere einer glückverheißenden Kula-Angehörigen, sowie beim Genuss von Betel und weiteren Speisen nach Geschmack …

18.ŚV.10 … und nach dem Verzehr der verschiedenen Speisen und ihrer Reste soll man rezitieren.

Die zweite Hälfte fehlt. Striyaṃ gacchan in Vers 9 kann auch sexuellen Umgang bezeichnen. Dies ist als eigenständige Aussage über die erwachsene Ritualpartnerin zu lesen; die altersunabhängige Verehrung der vorangehenden Verse wird dadurch nicht sexualisiert.

Im Vīra-Tantra heißt es:

18.VT.1 Hier gibt es keine feste Vorschrift für Richtung, Zeit oder Haltung, auch keine Zeitvorschrift für Rezitation, Lebensführung und Bali-Darbringungen.

18.VT.2 Bei der Sādhana des großen Mantras wird eine dem eigenen Willen entsprechende Regelung gelehrt.

Die zweite Hälfte fehlt. Die großen Mantras werden im selben Werk genannt:

18.MV.1 Kālī, Tārā, die große Vidyā Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī, Bhairavī, Chinnamastā und die Vidyā Dhūmāvatī, …

18.MV.2 … Bagalā, die Siddha-Vidyā Mātaṅgī und Kamalātmikā: Diese werden als die zehn Mahāvidyās verkündet.

18.MV.3 Hier bestehe keine Abhängigkeit von den Prüfungen der Reinheit und Weiterem, kein Fehler aus Feind- oder Freund-Zuordnungen, keine Vielzahl mühevoller Vorbedingungen und keine entsprechende Unterscheidung günstiger und ungünstiger Zeit.

Der Kommentar nennt die eingeschlossenen Formen: Kālī umfasst Dakṣiṇākālikā und andere Varianten; Tārā ihre jeweiligen Formen. Die große Vidyā Ṣoḍaśī ist Śrī Mahātripurasundarī samt den Ṣoḍaśī- und Pañcadaśī-Formen. Bhuvaneśvarī umfasst ihre Varianten, Bhairavī unter anderem Bālā, Chinnamastā ihre Formen. Bei Dhūmāvatī werden Gharmaṭī, Markaṭī, Ārdrapaṭī und weitere Varianten genannt; diese teils ungewöhnlichen Namen bleiben in der überlieferten Gestalt erhalten. Bagalā wird mit ihren Formen und acht Vārāhī-Varianten verbunden. Mātaṅgī umfasst Sumukhī, Śyāmā, Laghumātaṅgī und Rājamātaṅgī; Kamalātmikā umfasst Mahālakṣmī und deren Formen.

18.MV.4 Hier soll man keine gesonderte Reinigung von Gewand, Sitz, Ort, Haus, Körper, Berührung und Wasser vollziehen, sondern mit einem von unterscheidender Zerspaltung freien Geist handeln.

Geltungsbereich: Die Aussage bezieht sich auf die hier dargestellte besondere Mantrapraxis. Sie ist keine allgemeine Aufhebung alltäglicher Sauberkeit oder sämtlicher früherer Vorschriften des Werkes.

Im Kulārṇava heißt es:

18.KN.1 Man gehe in das Haus der Kula-Praxis und reinige die Verfehlung durch Hingabe. Man erbitte den Kaula-Nektar; bei dessen Fehlen wird Kula als Ersatz beziehungsweise Bezug genannt.

18.KN.2 Nach dem Kula-Brauch und mit Hingabe, nach einer Verneigung, soll das Gefäß angenommen werden; andernfalls werde man in die Hölle gelangen.

Textanmerkung: tadabhāve kulaṃ bhavet und die Verbindung yatkṛtvā daṇḍapātram sind nicht eindeutig. Eine bestimmte Ersatzsubstanz oder eine zusätzliche Körperhandlung wird nicht erfunden.

Andernorts heißt es:

18.ZP.1 Der Einsichtige soll die Zeit nicht mit Würfelspiel und Ähnlichem ungenutzt verstreichen lassen, sondern mit Gottheitsverehrung, Rezitation, Opfer und Lobpreis.

18.ZP.2 Für Vīras wird das Opfer der Rezitation zu allen Zeiten gepriesen; es soll an allen Orten und allen Pīṭhas geübt werden, ohne Zweifel.

18.ZP.3 Śakti ist Śiva, Śiva ist Śakti; Śakti ist Brahmā und Janārdana. Śakti ist Indra und Sonne, Śakti ist Mond, Planeten und Dhruva.

18.ZP.4 Wer nicht erkennt, dass die ganze Welt die Gestalt der Śakti besitzt, wird als der Hölle zugehörig bezeichnet.

Die zweite Hälfte fehlt. Die drastische Sanktion steht neben der Aussage einer umfassenden Gegenwart der göttlichen Kraft.

Im Vīra-Tantra heißt es:

18.VI.1 Baden und weitere Reinigung sind geistig; die höchste Rezitation ist geistig. Die göttliche Verehrung und ebenso Sättigungsdarbringung und Weiteres geschehen geistig.

18.VI.2 Jede Zeit ist günstig, nirgends gibt es eine ungünstige. Es besteht kein grundsätzlicher Unterschied zwischen Tag und Nacht oder den Tagesübergängen.

18.VI.3 Man soll die Göttin jederzeit verehren, auch ungebadet und nach dem Essen. In der großen Nacht werde an einem reinen Ort mit dem Mantra eine Bali-Gabe dargebracht.

18.VI.4 Besonders nachts soll die große Verehrung erfolgen, von Helden Verehrte; an dem betreffenden Tag sei sie nach meiner Weisung unbedingt zu vollziehen, du Gelübdetreue.

Die große Nacht wird im selben Werk so bestimmt:

18.VI.5 Die zwei Muhūrtas nach Mitternacht heißen Mahārātri. Was in dieser Zeit geschieht, soll unvergänglich sein.

Vergleich: Die allgemeine Freiheit von Zeitbindungen und die besondere Hervorhebung der Nacht stehen in derselben Quelle nebeneinander. Die Übersetzung bewahrt beides.

Körpersymbolik und Verehrung im Alltag

Im Gandharva-Tantra heißt es:

18.GT.1 Unter Betrachtung der menstruierenden „Erde“ soll täglich tausendmal rezitiert werden. Dadurch soll ein Streitredner, von seinem eigenen Lehrsatz geschlagen, zu Boden sinken.

Der Kommentar deutet „Erde“ als Kula; „täglich“ bedeute hier sechzehn Tage lang. Die körperbezogene Verschlüsselung bleibt als solche sichtbar. Es handelt sich um die historische Ritualvorstellung, nicht um eine Empfehlung, die Intimsphäre anderer zu verletzen.

18.GT.2 Furchtlos und mit beherrschtem Geist, die Hand auf den „Berg“ gelegt, soll man Dichtkunst und Unsterblichkeit erlangen.

Auch hier ist nach dem Kommentar „tausendmal“ zu ergänzen. „Berg“ wird ausdrücklich als Brust erklärt.

Im Nīla-Tantra heißt es:

18.NT.1 Nach dem Anblick von Lotus, Bimba-Frucht, Khañjana-Vogel, Bergspitze, Wedel, Sonnenscheibe, Sesamblüte, Wasserlotus …

18.NT.2 … und Dreizack, mit jeweils hundert Rezitationen aus reiner Haltung, sollen Heiterkeit des Gesichts, ein schönes Antlitz, schöne Augen, ein schönes Lächeln, …

18.NT.3 … schönes Haar, ein schöner Gang, Wohlgeruch und Wohlbefinden in entsprechender Reihenfolge erlangt werden. Höre aufmerksam, Pārvatī.

Der Kommentar löst die Bilder auf: Lotus heißt Gesicht, Bimba-Frucht Lippe, Khañjana Auge, Bergspitze Brust, Wedel Haar, Sonnenscheibe Sindūra-Markierung, Sesamblüte Nase, Wasserlotus Nabel und Dreizack die drei Bauchfalten. Die beiden Aufzählungen sind nicht ohne Weiteres zahlenmäßig deckungsgleich; eine zusätzliche Wirkung wird nicht erfunden, um sie auszugleichen.

Im Bhāvacūḍāmaṇi heißt es:

18.BC.1 Allein, an einem menschenleeren Ort, auf einem Verbrennungsplatz, im einsamen Wald, in einem leeren Gebäude oder am Flussufer soll man sich stets furchtlos aufhalten.

18.BC.2 Am Mahācīna-Baum soll man über die Göttin meditieren und sie dort hingebungsvoll mit der Blüte dieses Baumes verehren.

18.BC.3 Dadurch soll man zu einer Kula-Gottheit werden, in die Kula-Folge eingetreten und rein. Im großen Lotus des Brahma-Baumes wird die Göttin nach Vorschrift vergegenwärtigt, …

18.BC.4 … und mit dessen wesentlichem Nektarsaft im Gesicht beziehungsweise Wald der Mātṛkā gesättigt. Der vorzügliche Sādhaka ist dabei von der Ranke des Mahācīna-Baumes umschlungen.

18.BC.5 Wenn er nachts den Mantra rezitiert, soll diese selbst zur wunscherfüllenden Ranke werden. Ist er in der Folge der Mondtage von einer entsprechenden Anzahl von Ranken umgeben, …

18.BC.6 … soll bei tausend Rezitationen binnen eines Monats Vollendung entstehen. Wenn am achten und vierzehnten Mondtag das Doppelte erscheint, …

18.BC.7 … soll dort eine große, selbst den Göttern schwer erreichbare Vollendung entstehen.

Die zweite Hälfte fehlt. Die Ausdrücke Mahācīna-Baum, Brahma-Baum, Blüte, Nektar und Ranke gehören hier zu einer verschlüsselten Ritualsprache. Der Abschnitt löst sie nicht vollständig auf. Auch mātṛkānane kann als „im Gesicht“ oder „im Wald der Mātṛkā“ gegliedert werden. Eine konkrete zusätzliche Handlungsanleitung wird nicht hineingelesen.

Im Kulacūḍāmaṇi heißt es:

18.KC.1 Höre, Sohn, mein Geheimnis des Samayācāra. Ohne dieses soll selbst in Tausenden Koṭis von Geburten keine Vollendung entstehen.

18.KC.2 Der Mensch, der den Kula-Lehrwerken und Kula-Lehrern folgt, soll sich überall zugleich einer vaiṣṇavischen Lebensführung zuwenden.

18.KC.3 Er soll fremde Schmähung ertragen und stets auf Hilfe bedacht sein. Gelangt er zufällig auf einen Berg, in einen Wald, in einen einsamen leeren Pavillon …

18.KC.4 … oder an eine menschenleere Wegkreuzung, soll er einen Augenblick meditieren, den Mantra rezitieren, sich verneigen und dann nach Belieben weitergehen.

18.KC.5 Beim Anblick eines Geiers verehre er unbemerkt Mahākālī. Ebenso beim Anblick einer Kṣemaṅkarī genannten Erscheinung oder einer Schakalin als Botin Yamas, …

18.KC.6 … eines Kurara-Vogels, Falken, einer als Bhūkāka bezeichneten Vogelart oder einer schwarzen Katze: „Du mit schmalem Leib, große Caṇḍā, mit offenem Haar, Liebhaberin der Bali-Gabe, …

18.KC.7 … deren Angesicht durch den Kula-Brauch erfreut ist, dir Verehrung, Geliebte Śaṅkaras!“ Beim Anblick eines Verbrennungsplatzes und einer Śivā genannten Schakalin, rechtsherum vorbeigehend, …

18.KC.8 … soll der Mantrakenner sich mit folgendem Mantra verneigen und dadurch Wohlbefinden erlangen: „Du mit furchtbaren Zähnen und schrecklichem Gesicht, die den Phiṭi-Laut ertönen lässt, …

18.KC.9 … weithin erschallend mit furchtbarem Ruf, dir Verehrung, Vindhyavāsinī! Mit dem Aufgang des Glücks erschienen, dir Verehrung, du von herrlicher Gestalt!“

Begriffshinweis: Śivā bezeichnet im folgenden Zusammenhang sowohl die Göttin als auch die Schakalin, in der sie vergegenwärtigt wird. Die Namen Kṣemaṅkarī und Bhūkāka sind hier nicht sicher zoologisch bestimmt.

18.KC.10 Beim Anblick einer schwarzen Blüte, eines Königs oder Königssohns, von Elefanten, Pferden, Wagen, Waffen, Schilden und tapferen Männern …

18.KC.11 … sowie eines Büffels und der Kula-Gottheit soll man sich vor Mahiṣamardinī oder Jayadurgā verneigen. Dadurch sollen Hindernisse nicht anhaften.

18.KC.12 „Sieg dir, Göttin, Trägerin der Welt, Ursprung Tripurās, dreifache Gottheit! Göttin, die den Verehrenden Gaben gewährt, Büffeltöterin, dir sei Verehrung!“

18.KC.13 Beim Anblick eines Gefäßes mit berauschendem Trank, von Fisch, Fleisch oder einer vorzüglichen Frau soll man sich vor Bhairavī verneigen und den Mantra bedenken:

18.KC.14 „Zur Vernichtung schwerer Hindernisse und zum Gedeihen des Kula-Brauches verehre ich dich, gabenspendende Göttin, mit einer Schädelkette geschmückt.

18.KC.15 Von Blutströmen umgeben, Gabenspenderin, dich verehre ich. Göttin, die alle Hindernisse nimmt, dir Verehrung, Geliebte Haras!“

18.KC.16 Wer bei solchen Anblicken nicht so handelt und den Śakti-Mantra voranstellt, soll keine Vollendung erlangen.

18.KC.17 Im Kula-Brauch, besonders an der Kula-Aṣṭamī und am vierzehnten Mondtag, ist die Yoginī-Verehrung die wichtigste Kula-Verehrung.

18.KC.18 Wie Viṣṇu, an seinem Mondtag verehrt, das Gewünschte gewährt, so soll Durgā, am Kula-Mondtag verehrt, Gaben verleihen.

Die Kula-Zeitordnung wird im Yāmala beschrieben:

18.KZ.1 Sonntag, Montag, Donnerstag und Samstag heißen Akula; Dienstag und Freitag heißen Kula, Mittwoch Kula-Akula.

18.KZ.2 Der zweite, zehnte und sechste Mondtag heißen Kula-Akula. Alle ungeraden heißen Akula, die übrigen Kula.

18.KZ.3 Vāruṇa, Ārdrā, Abhijit und Mūla heißen Kula-Akula. Die als gleich beziehungsweise paarig bezeichneten Sternstationen heißen Kula, die übrigen Akula.

Textanmerkung: samayugmāni in Vers 3 ist nicht sicher aufgelöst. Eine vollständige zusätzliche Zuordnungstabelle der Sternstationen wird nicht ergänzt.

18.KZ.4 Bei einem Akula-Mondtag, -Wochentag und -Nakṣatra soll der Standhaltende siegen; bei Kula der Angreifende beziehungsweise zum Sieg Ausziehende; bei Kula-Akula herrsche Gleichgewicht.

Der Verfasser schließt: Nachdem der Sādhaka den Kula-Brauch und seine weiteren Bedingungen so verstanden hat, soll er handeln.

Śivā-Bali: die Göttin in Tiergestalt

Nun die Śivā-Bali. Im Kulacūḍāmaṇi heißt es:

18.SB.1 Am Fuß eines Bilva-Baumes, auf offenem Gelände oder auf einem Verbrennungsplatz soll der Sādhaka zur Dämmerung eine vorwiegend aus Fleisch bestehende Speisegabe darbringen.

18.SB.2 Mit einem als kālikālālī überlieferten Ruf angerufen, soll Umā in Gestalt der Śivā, eine Tiergestalt annehmend, samt ihrem Gefolge herankommen.

18.SB.3 Wenn sie nach dem Fressen den Kopf nach Nordosten hebt und laut ruft, soll dies für ihn günstig sein, nicht anders, Schmuck des Kula.

18.SB.4 Durch Speisedarbringung soll Śivā unbedingt und regelmäßig erfreut werden. Wie tägliches Śrāddha, Verehrung an den Tagesübergängen und Sättigung der Ahnen …

18.SB.5 … gilt für die dem Kula Dienenden die Kula-Verehrung als regelmäßig verpflichtend. Wer die Göttin Śivā in Tiergestalt nicht an einsamer Stätte verehrt, …

18.SB.6 … dessen Rezitations- und Verehrungshandlungen sowie sämtliches Verdienst sollen durch den Ruf der Schakalin rasch zugrunde gehen.

18.SB.7 Sie nehme dies an sich, verhänge einen Fluch und heule in der Einsamkeit. Wo eine einzige Śivā die Gabe frisst, göttlicher Bhairava, …

18.SB.8 … soll die sonst schwer erreichbare Zufriedenheit sämtlicher Śaktis entstehen. Tier-Śakti, Vogel-Śakti und Nava-Śakti werden der Reihe nach genannt.

18.SB.9 Durch ihre Verehrung soll die Handlung verdoppelt beziehungsweise mit ihren Vorzügen verwirklicht werden. Daher sei die große Verehrung mit aller Mühe auszuführen.

Textanmerkung: Navaśakti und die genaue Steigerungsfolge in Vers 8–9 werden hier nicht erklärt. „Neu“ und „neun“ sind beim ersten Ausdruck mögliche Bezüge; eine bestimmte neunteilige Ordnung wird nicht ergänzt.

18.SB.10 Bei Furcht vor Königen und anderen Gefahren, auch in einem fremden Land, soll man die günstigen und ungünstigen Möglichkeiten bedenken und eine Bali-Gabe darbringen.

18.SB.11 „Nimm an, große Göttin, Śivā in Gestalt des Zeitenfeuers! Sage deutlich die günstige oder ungünstige Frucht voraus; nimm deine Bali-Gabe an!“

18.SB.12 Nach diesem Spruch sollen die der Kula-Verehrung Zugewandten die Gabe darbringen. Wird sie nicht gefressen, Sohn, soll dies ungünstig sein.

18.SB.13 Ist es günstig, werde sie vollständig gefressen. Nach dieser Erkenntnis, großer Gott, sollen Befriedungs- und Wohlergehensriten vollzogen werden.

Einordnung: Das Tierverhalten wird hier als Orakel gedeutet. Die Quelle beschreibt damit eine religiöse Zeichenlehre, keine verlässliche Vorhersage tatsächlicher Ereignisse.

Der Kula-Weg soll nach Aussage des Verfassers überall verborgen werden. In einem anderen Tantra heißt es:

18.GH.1 Die Handlung ist in Einsamkeit auszuführen, nicht in Gegenwart von Menschen, ja nicht einmal beim Anblick von Vögeln, Insekten und anderen Wesen.

18.GH.2 Sie soll in einem unterirdischen Pavillon, in einer abgeschlossenen Höhle oder in einem Pavillon ohne Öffnungen erfolgen, nicht in Gegenwart anderer.

18.GH.3 Kula-Blüte, Kula-Stoffe, Kula-Verehrung, Kula-Rezitation, Kula, Kula-Herr, Kula-Gebetskette, Kula und Akula, …

18.GH.4 … Kula-Cakra und Kula-Meditation sollen keinesfalls offenbart werden. Offenbarung soll das Vorhaben zunichtemachen und Untergang herbeiführen.

18.GH.5 Sie soll den Mantra vernichten, das Kula schädigen und Tod bringen. Deshalb dürfe niemals offenbart werden.

18.GH.6 Kommt während der Verehrung jemand hinzu, Götterherrin, soll man eine vaiṣṇavische Mudrā, Viṣṇu-Nyāsa und einen Viṣṇu-Lobpreis zeigen.

18.GH.7 Wenn eine Offenlegung letztlich Verborgenheit bewirkt, gelte sie nicht als Fehler. Wenn Verbergen dagegen zur Enthüllung führt, werde es nicht als wirklicher Schutz bezeichnet.

18.GH.8 Eher könne der Körper zugrunde gehen, als dass eine Enthüllung stattfinde. Besser sei es, die Verehrung nicht auszuführen, als sie offenzulegen.

Einordnung: Das Zitat beschreibt eine besonders strenge historische Geheimhaltungsethik. Die Übersetzung übernimmt weder die Forderung nach Selbstgefährdung noch nach Täuschung Außenstehender als eigene Empfehlung.

Im Vīra-Tantra werden der Śivā-Bali folgende Wirkungen zugeschrieben:

18.BF.1 Menschenfleisch wird der Feindvernichtung und dem Sieg im Krieg zugeordnet, Ziegenfleisch besonders der Stillstellung eines fremden Heeres.

18.BF.2 Büffelfleisch wird zur Stillung aller Krankheiten, zur Abwehr aller Gefahren und zum Verstummenlassen gegnerischer Streitredner gepriesen.

18.BF.3 Wildfleisch soll besonders stark alle Feinde vertreiben; Hasenfleisch wird dem Gefügigmachen, Schaffleisch der Heranziehung zugeordnet.

18.BF.4 Fleisch eines als paśu bezeichneten Opfertieres gilt als geeignet zur Verblendung, Pferdefleisch zur Zwietracht, Kamelfleisch zur Vertreibung und Eselfleisch zur Vernichtung von Zuneigung.

18.BF.5 Höre die Früchte der acht großen Fleischarten in ihrer Folge: Lebensdauer, Ruhm, Vermögen, Gesundheit, Sohn, Wohlstand, Sieg und Schönheit.

Die acht Arten werden im selben Werk genannt:

18.BF.6 Rind, Mensch, Elefant, Pferd, Büffel, Eber, Ziege und Wild: Dies sind die acht großen Fleischarten, denen die Zufriedenstellung der Gottheit zugeschrieben wird.

18.BF.7 Fleisch fliegender Wesen soll besonders die Khecarī-Siddhi bringen. Sämtliches Fleisch wird als mit berauschendem Trank verbundene Gabe an die Göttin genannt.

18.BF.8 Fisch wird der Mantravollendung, Hühnerfleisch der Abwehr von Schadenzauber zugeordnet.

Die zweite Hälfte fehlt. Diese Aufzählungen dokumentieren die Opfer- und Wirkungslehre der Quelle. Sie sind keine Empfehlung zur Beschaffung oder Verwendung menschlicher Überreste oder zur Tötung von Tieren.

Die im Text beschriebene Abfolge der Śivā-Bali

Der anschließende unnummerierte Abschnitt beschreibt den Vollzug: Zur Dämmerung wird der zuvor genannte einsame Ort am Bilva-Baum, auf freiem Gelände oder an einem entsprechenden Platz aufgesucht. Die Gabe wird beiseitegestellt, und der Übende nimmt seinen Sitz ein. Vor sich, etwa auf einem Stein, zeichnet er mit Sandelholz ein Verehrungs-Yantra oder ein Maṇḍala aus Dreieck, Sechseck, Kreis und Quadrat.

Nach der Verneigung vor Guru, Gaṇapati und dem Herrn des Ortes folgen dreifaches Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra, die Ṛṣi- und weiteren Zuordnungen, Hand- und sechsgliedriger Nyāsa sowie Meditation. Der formale Entschluss lautet sinngemäß: „Heute werde ich, [Name] Devaśarman, mit dem Wunsch nach [Ziel], zur Freude der höchsten Gottheit das Verfahren der Śivā-Bali vollziehen.“

Mit „Verehrung dem Bali-Maṇḍala“ wird das Maṇḍala mit Duft und weiteren Gaben verehrt. Nach dem Einlegen der Speise folgt „Verehrung der Bali-Gabe“. Dann wird die Wurzel-Vidyā gesprochen und die Anrufung angefügt: „Kāli, Kāli, Umā, du in Śivās Gestalt, die du Tiergestalt annimmst, komm mit deinem Gefolge hierher! Nimm, nimm die Bali-Gabe mit Räucherwerk, Licht und den weiteren Gaben an! Svāhā.“

Nach erneuter Wurzel-Vidyā lautet die Darbringung: „Der [genannten] Gottheit mit ihren Waffen und Kräften, die Tiergestalt angenommen hat, gilt diese Bali-Gabe. Verehrung!“ Anschließend wird der bereits zitierte Spruch wiederholt: „Nimm an, große Göttin, Śivā in Gestalt des Zeitenfeuers! Sage deutlich die günstige oder ungünstige Frucht voraus; nimm deine Bali-Gabe an!“

Der Text lässt den Übenden darauf in einiger Entfernung einen einsamen Sitz aufsuchen und nach Prāṇāyāma und weiteren Vorbereitungen den Wurzelmantra rezitieren. Die Rezitation dauert, bis die Śivā genannte Schakalin gekommen ist, die Gabe angenommen hat und ruft. Danach wird die Rezitation dargebracht; Füßewaschen und Ācamana folgen. Über die Göttin meditierend, schweigend und ohne zurückzublicken kehrt der Übende nach der beschriebenen Ordnung heim.

Dūtī-Yāga: Verehrung der erwachsenen Ritualpartnerin

Nun der Dūtī-Yāga. Im Devī-Yāmala spricht Śrī Mahādeva:

18.DY.1 Ich werde das Verfahren des Dūtī-Yāga erläutern, das als Höchstes des Kaula-Dharma gilt. Schon durch seinen Vollzug soll man selbst den Zustand Brahmans erlangen.

18.DY.2 Es gibt vielerlei religiöse Wege, die Früchte in dieser und der anderen Welt gewähren. Nach Betrachtung ihres Wesentlichen und der weiteren Mantrasammlung …

18.DY.3 … wird hier deren Kern beschrieben, der unmittelbar Gewissheit verschaffen soll. Ich habe ihn niemandem verkündet, nicht einmal den Göttern, du Schöne.

18.DY.4 Nach Vollzug des Dūtī-Yāga soll der Mantrakenner gewiss allwissend werden; selbst nach hundert Koṭis von Weltaltern soll es für ihn keine Wiederkehr geben.

18.DY.5 Götter, Yakṣas, Gandharvas, Ṛṣis, große Weise, Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die weiteren Ahnen-Gottheiten …

18.DY.6 … sollen ihre jeweilige Stellung durch dieses Verfahren erlangt haben. Wer es verdienstvoll und nach Vorschrift vollzieht, Pārvatī, …

18.DY.7 … soll sein Ziel erreicht haben, ohne Zweifel; Sundarī werde sehr erfreut. In wessen Familie ein Dūtī-Yāga stattfindet, Maheśvarī, …

18.DY.8 … die Angehörigen sollen gesegnet, erfolgreich, verehrungswürdig, wohlgesinnt und gleichmütig sein. Durch Körper, Geist oder Wort soll das Verfahren keinesfalls offenbart werden.

18.DY.9 Eher gebe man Sohn, Frau oder den eigenen Kopf hin als dieses Höchste preis. Mit aller Mühe soll die Verehrung der Dūtī vollzogen werden, Geliebte.

Einordnung: Die drastische Geheimhaltungsformel in Vers 9 ist eine rhetorische Forderung der Quelle. Sie erteilt keine tatsächliche Verfügungsgewalt über Angehörige und wird nicht als Aufforderung zu Selbst- oder Fremdschädigung übernommen.

18.DY.10 Wer die Dūtī verehrt hat, soll damit sämtliche Opfer vollzogen haben; er gilt als mit allen heiligen Orten und allen Gottheiten verbunden.

18.DY.11 Alles, einschließlich Puraścaraṇa, soll dadurch bereits ausgeführt sein, ohne Zweifel: tausende Pferdeopfer, hunderte Vājapeyas, …

18.DY.12 … die Schenkung der Erde bis zum Meer samt Opferlohn und Goldgaben groß wie Meru und Mandara.

18.DY.13 Das Verdienst der Gabe einer Koṭi Kühe und weiterer Gaben soll entstehen, Geliebte. Deshalb soll der Dūtī-Yāga mit aller Mühe vollzogen werden.

18.DY.14 Er soll die Verehrung vollständig machen und alle Unheilszeichen stillen; durch seinen bloßen Vollzug soll alles vollzogen sein, du Gute.

18.DY.15 Die Śakti-Verehrung ist nach Vorschrift und mit Hingabe auszuführen. Nun werde ich die Dūtī und ihre Merkmale beschreiben, Schöne.

18.DY.16 Sie wird als beständig, zurückhaltend, dem Kula zugehörig beziehungsweise darin geboren, sanft sprechend, geschickt, von gutem Wesen, freundlich im Wort und dem Dienst am Guru zugetan beschrieben.

18.DY.17 Mitgefühl und Dharma ergeben, friedvoll, wohltuend und angenehm, mit Schönheit und Jugend versehen, fest und auf den Mantra ausgerichtet, …

18.DY.18 … stets zufrieden, von kräftiger Gestalt, schön, selbstachtend und rein, weder sehr gebeugt noch klein und mit ansprechender Körpergestalt, …

18.DY.19 … mit langem Haar, großen Augen, einer klar geformten Nase, vollen Wangen, roten Lippen und guten Zähnen, …

18.DY.20 … mit rundem, hellem Gesicht, gut geformtem Kinn, muschelartig gefaltetem Hals, wohlgeformten Armen und voller Brust, …

18.DY.21 … schmaler Mitte, geformtem Nabel, kräftigen Oberschenkeln und geraden Fingern wird sie als mit den entsprechenden Merkmalen versehen beschrieben.

18.DY.22 In Körper, Geist und Wort frei von eigennütziger Gier, soll sie sorgfältig verehrt werden; ihr Alter wird mit fünfundzwanzig Jahren angegeben.

18.DY.23 Als besonders geeignet gilt eine Frau, die noch nicht geboren hat, und eine als Śyāmā bezeichnete Frau.

Die zweite Hälfte fehlt. Die Aufzählung dokumentiert das historische Auswahl- und Schönheitsideal des Textes, keine Rangordnung des Wertes von Menschen. Die hier genannte Ritualpartnerin ist ausdrücklich erwachsen.

Der Kommentar zitiert zur Śyāmā ein Kāma-Lehrwerk: Sie besitze glänzende Nägel, Augen und Zähne, sei ohne Nachtragen, selbstachtend und in ihrer Zuneigung beständig. Der Schluss beschreibt eine angenehm kühle körperliche Beschaffenheit einschließlich des Genitalbereichs; die Wortfolge susparśaśiśiravarāṅgavivarāṅganāḥ ist dabei nicht vollständig glatt überliefert. Śyāmā wird hier somit durch ein traditionelles körperliches und charakterliches Merkmalsbild erklärt.

18.DY.24 Oberhalb dieses Alters soll keine solche Verehrung stattfinden; so lautet die Weisung der höchsten Herrin. Geschieht sie dennoch, soll die Sättigungsdarbringung fruchtlos bleiben, du Schöne.

18.DY.25 Frauen mit hingebungsvollem Geist werden zur Verehrung herangezogen. Während ihrer Menstruation soll ihre Verehrung besonders große Frucht tragen.

18.DY.26 Die eigene wie eine andere menstruierende Partnerin werden als zu Verehrende genannt. Wer ihnen dabei töricht mit Abneigung begegnet, soll Armut erfahren.

Geltungsbereich: Die Altersbeschränkung ist eine Aussage dieser Ritualquelle und widerspricht nicht dem zuvor allgemein geforderten Respekt gegenüber Frauen jeden Alters. Die Unterscheidung von eigener und fremder Partnerin wird historisch wiedergegeben; daraus entsteht keine Erlaubnis, Zustimmung oder bestehende Bindungen zu übergehen.

Im Uttara-Tantra heißt es:

18.UT.1 Nach Ablauf einer Nachtwache begebe sich der Mann in das Kula-Haus, mit Betel im Mund und vom Duft des Räucherwerks erfüllt, …

18.UT.2 … mit rotem Sandelholz gesalbt, mit rotem Kranz und roter Salbe versehen, in rotes Gewand gehüllt, in ein mit Lākṣā gerötetes Haus.

18.UT.3 Von rotem Schmuck beziehungsweise Kranz umgeben und mit roten Blüten geschmückt, verehre er die Kula-Herrin nach den Zeichen der Fünferverbindung.

Die Kula-Herrin wird im selben Werk beschrieben:

18.UT.4 Schauspielerin, Kāpālinī, Prostituierte, Pukkasī, Frau aus einer Barbierfamilie, Wäscherin, Färberin, Sairandhrī und Suvāsinī, …

18.UT.5 … Ghaṭikā, Khaṭikā und eine Frau aus einer Hirtenfamilie: Mit besonderem Geschick versehen gelten sie alle als Kula-Frauen.

Textanmerkung: Die historischen Berufs- und Gruppennamen bleiben teilweise unübersetzt, wenn ihre genaue Bedeutung hier nicht gesichert ist. Kanyā in einer Herkunftsbezeichnung wird im gegenwärtigen Kontext nicht als Altersangabe gelesen; die Ritualpartnerin wurde ausdrücklich als erwachsen beschrieben.

18.UT.6 Dem Guru und der Gottheit ergeben, frei von Abscheu und Scham, der Geheimhaltung zugewandt und jung sollen sie alle Vollendungen gewähren.

18.UT.7 Von unversehrter Lebensführung, gutem Wesen und Glück, als dauerhaft angenommene Partnerin oder nach einer Verabredung gekommen, …

18.UT.8 … oder im betreffenden Augenblick aus eigenem Begehren hinzugekommen, mit rotem Duftstoff gesalbt und mit rotem Gewand geschmückt, …

18.UT.9 … mit wohlriechenden roten Blüten und allem Schmuck versehen, beständig der Praxis zugetan, klar und hingebungsvoll, …

18.UT.10 … ohne innere Trübung und den Verehrenden wohlgesinnt, mit Geschick, Großzügigkeit, Entgegenkommen und weiteren Vorzügen ausgestattet, soll sie in der Versammlung gegenwärtig sein.

18.UT.11 Schön und jung, von gutem Wesen und Glück, mit wohlriechendem Rauch umgeben und von schlanker Gestalt, wird sie für die Dūtī-Handlungen genannt.

Im Kumārī-Tantra heißt es:

18.KU.1 Schauspielerin, Kāpālinī, Prostituierte, Wäscherin, Frau aus einer Barbierfamilie, Brahmanin, Frau aus einer Śūdra-Familie und aus einer Hirtenfamilie …

Der Kommentar präzisiert, dass die Brahmanin hier auf den Brahmanen als Ritualteilnehmer bezogen ist.

18.KU.2 … sowie die Frau aus einer Blumenbinderfamilie: Diese neun werden genannt. Eine entsprechend beschriebene Frau wird auf einem Blütenpolster verehrt.

18.KU.3 Ein Mantrakenner, der wegen Gewinn, bloßem Begehren oder Vergnügen allein an der Verbindung von Liṅga und Yoni hängt, soll in die Raurava-Hölle gelangen.

Zusammenhang: Der letzte Vers unterscheidet in der Wertung der Quelle zwischen ritueller Verehrung und bloßer sexueller Nutzung. Die historischen Sanktionen werden als solche wiedergegeben.

Wertungen der Dūtī und die Mātaṅgī-Erzählung

Im Devī-Yāmala heißt es:

18.DW.1 Nun werde ich die jeweils gesteigerte Frucht der Verehrung nennen. Bei der eigenen Śakti wird ein Ayuta an Verdienst genannt; bei der Verehrung einer anderen Śakti …

18.DW.2 … gelte eine Prostituierte als höher, eine Wäscherin wiederum höher; über dieser stehe eine Frau aus einer Barbierfamilie, darüber eine Lederarbeiterin.

18.DW.3 Noch höher werde eine Hetu-Frau genannt, du Schönangesichtige; darüber eine Frau aus einer als randständig bezeichneten Gruppe, darüber eine Caṇḍālī.

18.DW.4 Darüber stehe eine Mātaṅginī, über ihr eine Pukkasī, darüber eine als Akṣatā bezeichnete Frau und darüber eine besonders schöne.

18.DW.5 Über äußerer Schönheit stehe eine liebevoll zugewandte, mitgehende Frau, die sich der höchsten Herrin widmet, deren Geist darauf ausgerichtet ist und die günstige Merkmale besitzt, …

18.DW.6 … die Samayācāra wahrt, den Mantra kennt, furchtlos und kundig ist, noch nicht geboren hat und Standfestigkeit sowie Eigenständigkeit besitzt.

18.DW.7 Alle mit solchen Eigenschaften versehenen Frauen soll man verehren. Es gelte keine Trennung in eigene und andere; allein als Śakti seien sie zu betrachten, Maheśvarī.

18.DW.8 In der Auffassung, dass sie die herrschende Gottheit des Mantras sind, werden sie mit allen Gaben verehrt: mit verschiedenen Früchten, Betel, Gewändern, Schmuck und Gold.

18.DW.9 Nach vorschriftsmäßiger, hingebungsvoller Verehrung wird reichlich Hetu, der rituelle Trank, angeboten. Wer dagegen die Śakti-Verehrung mit der Absicht sexuellen Genusses ausführt, …

18.DW.10 … soll Armut erlangen und gewiss der Hölle verfallen. Die Verehrung soll in der Gestalt höchster Freude und frei von einer bloß körperlichen Auffassung geschehen.

18.DW.11 Was die Śakti spricht, soll als Śāmbhavī-Lobpreis gewürdigt werden, Götterherrin. Ihre Weisung sei zu befolgen; dann soll Wohlergehen entstehen.

18.DW.12 Überschreitet der Mantrakenner ihre Weisung, sei seine Askese vergeblich. Verspottet er sie, soll er aussätzig werden, gewiss.

18.DW.13 Daher solle er sich mit aller Mühe nach ihrem Wort richten. [Es folgt eine Ausschlussliste:] Eine Frau mit fehlgebildeten Gliedern, körperlicher Abweichung, einäugig oder gehörlos, …

18.DW.14 … kahlgeschoren, verwitwet, stumm, verwirrt sprechend oder mit der als amṛtabhāṣiṇī überlieferten Sprechweise, nicht eingeweiht, ohne Hingabe und ohne Dienst am Guru, …

18.DW.15 … schmähend, von ihrer Bindung abgefallen, furchterregend, betrügerisch, alt, krank, mit schiefem Gesicht, zornig, übelriechend oder unrein, …

18.DW.16 … stets hart sprechend, ohne rechte Lebensführung, mit krähenartiger Stimme, langen Zähnen, hängenden Lippen, eingefallener Brust oder eingefallenem Gesäß, …

18.DW.17 … dunkelhäutig, sehr schmutzig, abgemagert, geistig beeinträchtigt, sehr korpulent, schwer krank oder mit hängender Brust, …

18.DW.18 … mit kleiner Nase und kleinen Augen, ausgetrockneten Gliedern, hochstehendem Haar, als kaniṣṭhā bezeichnet, mit eberartigen Zähnen oder stets eigennützig, …

18.DW.19 … aussätzig, mit fehlenden Gliedern, gehbehindert, blind, krank oder träge, mit weißlichen Gliedern, schrecklichem Antlitz oder mit den Beschimpfungen chāgayoni und piśācikā belegt, …

18.DW.20 … ohne Urteilsvermögen, stark beeinträchtigt, übermäßig groß oder stark gebeugt: Solche Śaktis sollen nach Aussage dieser Quelle sorgfältig ausgeschlossen werden.

Einordnung und Textanmerkung: Diese diskriminierende historische Liste wird zur Vollständigkeit dokumentiert; sie beschreibt keine tatsächliche geistige Minderwertigkeit, keine Ursache von Behinderung und keinen Maßstab menschlicher Würde. Sie steht in deutlicher Spannung zur zuvor geforderten Ehrung von Frauen unabhängig von Alter und Aussehen. Amṛtabhāṣiṇī bedeutet wörtlich „Nektar sprechend“ und passt nicht in die Liste; eine vermutlich beschädigte Lesung bleibt deshalb offen. Kaniṣṭhā ist hier mehrdeutig. Die beiden Beschimpfungen in Vers 19 werden als solche bezeichnet, nicht zu medizinischen Kategorien gemacht. Auch die Krankheitsandrohung in Vers 12 ist eine historische Sanktion, keine Erklärung realer Erkrankungen.

18.DW.21 Einer Witwe soll niemals das Śakti-Gefäß gegeben werden. Geschieht es aus Unwissenheit, Gier oder Verblendung, soll die Verehrung fruchtlos sein.

18.DW.22 Deshalb soll, Pārvatī, eine Dūtī nach den genannten Merkmalen gewählt werden.

Die zweite Hälfte fehlt. Spätere Quellen desselben Werkes nennen Witwen in anderen Ritualzusammenhängen; auch diese Abweichung wird nicht harmonisiert.

Mātaṅgī und die Gleichheit im Cakra

Im Brahma-Yāmala spricht Nārada:

18.MA.1 Allwissender Herr der Welten! Wenn der Śākta-Weg durch die Śruti geboten ist, wie kann darin die Mātaṅgī-Verehrung Befreiung gewähren?

18.MA.2 Bei der Verehrung wird eine Prostituierte genannt, diese wiederum als menstruierend; die Menstruierende wird Mātaṅgī genannt, die Dūtī als allglückverheißend.

18.MA.3 So hast du früher gesprochen. Nun scheint deine Aussage dem zu widersprechen, Brahmā. Erkläre dies, Großvater!

Brahmā antwortet:

18.MA.4 Zweifle daran nicht. Der höchste Śākta-Weg sei vedisch gelehrt. In diesem Kalpa lebte jener vorzügliche Weise Mātaṅga, du Allwissender.

18.MA.5 Zehntausend Jahre lang übte er strenge Askese, Sohn. Dadurch wurde die große Göttin, die den Göttern Wohlergehen bringt, erfreut.

18.MA.6 „Wähle eine Gabe, ehrwürdiger Herr; ich werde deinen Wunsch erfüllen.“ Als er dies hörte, bat der vorzügliche Zweimalgeborene sie um ein Mittel zur Verwirklichung des Dharma.

18.MA.7 „Göttin, Mutter der Welten, wenn du jetzt erfreut bist, nimm die Stellung meines Kindes an und werde zur Stütze meiner Familie!“

18.MA.8 Nach dieser Bitte erhielt der große Weise sie als Tochter: Śyāmalā, mit schönem Antlitz, Vīṇā und Papagei versehen, …

18.MA.9 … mit einer Śārikā, mit Erkenntnis ausgestattet, eine Gebetskette in ihren Lotushänden tragend, großäugig und mit muschelförmigem Ohrschmuck glänzend.

18.MA.10 Die große Göttin wurde zur Freude der Familie Mātaṅgas; deshalb wurde sie als gabenspendende Mātaṅgī bekannt.

18.MA.11 Śambhu erblickte die Göttin mit ihren günstigen Merkmalen und nahm sie als Dūtī an. In der Absicht, die Tripuras zu besiegen, wurde die Yoni-Verehrung vollzogen.

18.MA.12 Die Göttin nahm in Pratyālīḍha-Haltung die Verehrung an. Als sie menstruierend erschien, erwählte Śaṅkara sie zur Geliebten.

18.MA.13 Seitdem sei der anmutige Dūtī-Yāga entstanden. Śambhu vereinigte sich unter Verwendung des Praṇava mit ihr.

18.MA.14 Aus dem Praṇava ging der Mātaṅga genannte Mantra hervor; er wurde zu einem Mālā-Mantra, dem alles Glück zugeschrieben wird.

18.MA.15 Der göttliche, als untadelig und die Welt erfreuend bezeichnete Mātaṅgī-Mantra gilt als Zugang zum Erleben von Rasa und als besondere Entfaltung der Liebeskraft.

18.MA.16 Weil die Göttin ohne Anfang und Ende sei, heiße sie Antyajā. Da Mātaṅgī zugleich im letzten gesellschaftlichen Stand verortet werde, sei sie als Antyajā bekannt geworden.

Worterklärung: Der Text verbindet eine metaphysische Deutung von Anfang und Ende mit einer gesellschaftlichen Bezeichnung. Dies ist eine religiöse Namensauslegung; die beiden Bedeutungen werden nicht als sprachgeschichtlich bewiesene Herleitung ausgegeben.

18.MA.17 Im Cakra wird die Einheit der gesellschaftlich Ausgegrenzten und der Zweimalgeborenen gepriesen. Die Göttin verlieh allen Ständen eine unübertreffliche Gabe, …

18.MA.18 … setzte die vereinbarten Zeichen und Bindungen fest und begründete den höchsten Mātaṅga-Zusammenhang. „Für alle Stände besteht darin kein Fehler“, so lautete ihre Gabe.

18.MA.19 Daher sei darin kein Fehler zu sehen; es gelte überall als von der Śruti geboten. Was auf die Göttin und auf Befreiung gerichtet vollzogen werde, sei frei von Fehlern.

18.MA.20 Dieses göttliche, als Śruti-geboten bezeichnete Lehrwerk soll nicht öffentlich ausgesprochen werden. Dies ist als inneres Opfer zu verstehen, das äußere Opfer als vedisch.

18.MA.21 Mit Mantra und Tantra verbunden sollen beide Brahman erkennen lassen. Die Zeichen und Bindungen des Cakras wurden dir vollständig erklärt.

18.MA.22 Sie sind sorgfältig geheim zu halten und nicht in Gegenwart eines Paśu auszusprechen. Gib den Zweifel auf, du Glücklicher; ich habe dies als Wahrheit verkündet.

18.MA.23 Mātaṅgī-Verehrung gilt im Dūtī-Yāga als besonders hoch. Ohne Yoni-Verehrung sei eine ausgeführte Verehrung gleichsam nicht ausgeführt.

18.MA.24 Wer sie vollzieht, soll frei von Krankheit werden und unermessliche Lebensdauer, Gesundheit und Wohlstand erlangen, du Allwissender.

18.MA.25 Durch dasselbe Verfahren soll ein von Gift Betroffener giftfrei werden, ein Sohnsuchender einen Sohn und ein Vermögensuchender Vermögen erhalten.

18.MA.26 Nach der Verehrung der Mātaṅgī-Śakti wird gemeinsam mit ihr verehrt; Mātaṅgī erscheint mit Manmatha verbunden zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele.

18.MA.27 Mātaṅgī als Mantra-Gottheit soll gemeinsam mit der Śakti verehrt werden. Ohne die Śakti soll die Göttin den Herzenswunsch nicht erfüllen.

Einordnung: Die Erzählung begründet eine rituelle Gleichheit verschiedener sozialer Gruppen innerhalb des Cakras. Ihre Berufung auf die Śruti und die behaupteten Gesundheitswirkungen sind Aussagen der Quelle; sie werden hier weder unabhängig bewiesen noch als Behandlungsversprechen übernommen.

Fortsetzung des Mātaṅgī-Zitats: Altersangabe und Auslegungsgrenze

18.MA.28 Die Ritualpartnerin wird als furchtlos, rein, schlank, als Śyāmā, körperlich ansprechend, aus einer Kaula-Überlieferung stammend, eingeweiht und frei von Zorn beschrieben.

18.MA.29 Sie soll in das Kaula-Ritual eingeweiht, von gutem Wesen und fest im Gelübde sein. Als Altersbereich nennt diese Quelle über sechzehn und unter dreißig Jahren.

Redaktionelle Grenze: Diese Altersangabe kann nach heutigem Verständnis auch Minderjährige einschließen und weicht von den zuvor ausdrücklich genannten fünfundzwanzig Jahren ab. Die folgenden sexualrituellen Aussagen werden deshalb hier nur nichtgrafisch zusammengefasst, ohne intime Handlungsdetails oder zugehörige Anwendungsformeln. Die Quellenzählung und die Unterschiede der Aussagen bleiben nachvollziehbar. Eine Altersangabe wird weder stillschweigend geändert noch als heutige Zustimmungsvoraussetzung übernommen.

18.MA.30 Der Vers verbindet die Verehrung der Partnerin mit der Vergegenwärtigung Kālarātris und einer genitalbezogenen Ritualvorstellung.

18.MA.31 Sexuelles Erleben wird als Darbringung an die Göttin gedeutet; schon einer oder wenigen Rezitationen wird Vollendung zugeschrieben.

18.MA.32 Der Vers grenzt diesen Vollzug von einem als Paśu bezeichneten Umgang und dessen Reinigungsvorstellungen ab. Als Alternative nennt er die Verehrung der eigenen menstruierenden Ehefrau. Die genaue Satzverbindung des ersten Halbverses ist unsicher.

18.MA.33 Für die Verehrung werden als kanyakāḥ und pramadāḥ bezeichnete weibliche Teilnehmerinnen hervorgehoben; ihre Bewirtung wird ausdrücklich gefordert.

18.MA.34 Freude, die der Śakti zugeschrieben wird, wird als Befreiung bezeichnet. Danach folgt eine Liste möglicher Dūtī-Beziehungen, die auch nahe weibliche Verwandte umfasst: Schwester, Tochter, Enkelin, weitere weibliche Nachkommenschaft und Schwiegertochter.

18.MA.35 Die Liste setzt sich mit Wäscherin, Lederarbeiterin, Mātaṅgī, Ehefrau und einer mantraerfahrenen Prostituierten fort.

18.MA.36 Eine Mātaṅgī beziehungsweise Prostituierte wird besonders während der Menstruation als rituell hochstehend bezeichnet.

Kritische Einordnung: Die Verbindung der Alters- und Verwandtschaftsliste mit dem vorausgehenden sexualrituellen Kontext ist problematisch und wird nicht durch die Behauptung verharmlost, sämtliche Nennungen seien sicher nur unverfängliche Ehrenbezeichnungen. Der Abschnitt bietet keine Rechtfertigung sexueller Handlungen mit Minderjährigen oder abhängigen Angehörigen. Seine diskriminierenden und hierarchiegebundenen Kategorien sowie seine Heilsversprechen sind Aussagen der historischen Quelle. Damit endet dieses Zitat.

Weitere Aussagen zum Dūtī-Yāga – nichtgrafische Darstellung

Redaktioneller Hinweis: Die folgenden Abschnitte schließen an die zuvor erläuterte problematische Alters- und Verwandtschaftsangabe an. Die sexualrituellen Einzelheiten werden nicht wörtlich wiedergegeben. Erhalten bleiben die Quellenzuordnung, die Verszählung, die behaupteten Ergebnisse und die für das Verständnis wichtigen Widersprüche. Diese Darstellung ist eine gekennzeichnete Zusammenfassung.

Im Kulacūḍāmaṇi heißt es:

18.DK.1 Die Ritualpartnerin wird auf einem Lager platziert; der Text verlangt die Überwindung von Furcht und Scham.

18.DK.2 Der Vers beschreibt das Ablegen von Kleidung und die dem Lehrer folgende, zugewandte Haltung der Partnerin.

18.DK.3 Körperbezogene Selbstvorstellungen sollen zurücktreten; anschließend nennt der Text intime Handlungen, die hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden.

18.DK.4 Das Ziel wird als Einheit der Lebenskräfte beschrieben. Die gelungene Verbindung mit der Dūtī soll das Leben erfüllen.

18.DK.5 Beide Familienlinien sollen dadurch erhoben und ein ewiger Zustand erlangt werden; dauerndes Glück und umfassende Macht werden verheißen.

18.DK.6 Schuld und Furcht vor Seuchen sollen verschwinden. Einzelnen intimen Handlungen werden Macht und Ruhm zugeordnet.

18.DK.7 Die Freude der Vereinigung wird mit Viṣṇus höchstem Zustand gleichgesetzt. Das Unterlassen einer verlangten Handlung wird mit Armut bedroht.

18.DK.8 Weitere Unterlassungen werden mit Krankheit und gesellschaftlicher Missbilligung sanktioniert.

18.DK.9 Der sogenannte fünfte Bestandteil wird bei wiederholtem Vollzug mit Sāvitrī, Lakṣmī und Pārvatī verbunden. Die Vorlage bietet dabei pañcamīṃ (maṃ), also eine grammatische Variante.

18.DK.10 Der Freude der Partnerin wird unermessliches Verdienst zugeschrieben; weiteren Handlungen werden Heilung und materieller Wohlstand zugeordnet.

18.DK.11 Den intimen Handlungen werden Befreiung und der Vereinigung das Sāyujya, die Einheit mit der Gottheit, zugeschrieben.

Kritische Einordnung: Die Krankheits- und Armutsandrohungen können Druck auf Beteiligte erzeugen; sie werden nicht als berechtigte Forderungen übernommen. Keine religiöse Zielsetzung setzt die freie Zustimmung oder den Schutz Minderjähriger außer Kraft. Die behaupteten Heilwirkungen sind keine medizinischen Tatsachen.

Es folgt ein Lob des fünften Ritualbestandteils aus dem Bhairava-Yāmala:

18.BY.1 Die Verehrung einer nach dem historischen Ideal ausgewählten jungen Frau wird mit Vertreibung, Zwietracht, Tötung und Verblendung verbunden.

18.BY.2 Ein freundliches Gesicht, Glück, eine angesehene Herkunft und Freude an der entgegengenommenen Verehrung werden als Merkmale genannt.

18.BY.3 Die vorschriftsmäßige Verehrung einer so beschriebenen Suvāsinī soll das Vorhaben unmittelbar erfüllen.

18.BY.4 Der Vers erklärt eine genitalbezogene Verehrungsform zum Mittel gewünschter Ergebnisse und nennt dafür eine Prostituierte.

18.BY.5 Ihr wird die Verblendung aller Menschen zugeschrieben. Anschließend wird eine Dienerin als Teilnehmerin genannt.

18.BY.6 Dieser Zuordnung wird das Gefügigmachen der Welt zugeschrieben; der Text geht dann zu einer Mātaṅginī mit den gewünschten Eigenschaften über.

18.BY.7 Deren Verehrung wird der Stillstellung zugeordnet. Außerdem wird eine Frau genannt, in deren Körper die Gottheit als gegenwärtig angesehen wird.

18.BY.8 Ihr wird Heranziehung zugeschrieben. Es folgt die Nennung einer Yoginī.

18.BY.9 Mit ihrer Verehrung werden Vertreibung und verwandte Handlungen verbunden; anschließend nennt der Text eine durch Rausch gekennzeichnete Teilnehmerin.

18.BY.10 Bei einer Menstruierenden wird Zwietracht als Ergebnis behauptet. Danach wird eine Witwe genannt.

18.BY.11 Ihrer Verehrung wird die rasche Tötung eines Gegners zugeschrieben. Für den Vollzug wird Furchtlosigkeit verlangt.

18.BY.12 Die Verehrung einer menstruierenden Frau aus jeder sozialen Herkunft soll sämtliche Vorhaben erfüllen.

18.BY.13 Für alle Vorhaben wird außerdem die Verehrung einer Suvāsinī nach Nyāsa und Gebet mit dem Bhagamālinī-Mantra genannt.

18.BY.14 Dadurch sollen alle Ziele erreicht werden; die Verehrung mit sechzehn Gaben wird allgemein gepriesen.

18.BY.15 Die Verehrung einer Frau, in deren Körper die Gottheit als gegenwärtig gilt, soll Gefügigmachen, Heranziehung und die im Geist gewünschten Ziele bewirken.

18.BY.16 Rasche Erfüllung wird zugesichert. Die Verehrung einer historisch als „unberührbar“ ausgegrenzten Frau wird der Erzeugung von Zwietracht zugeordnet.

18.BY.17 Der Vollzug soll nach Kenntnis der Unterweisung des Gurus und des Lehrwerks erfolgen; den jeweiligen Anwendungen wird sicherer Erfolg zugeschrieben.

18.BY.18 Als weitere Ziele werden das Stillstellen eines fremden Heeres und von Wasser, das Heranziehen von Wolken, die Bewältigung von Furcht und die Vernichtung sämtlicher Feinde genannt.

Vergleich und Einordnung: Anders als das frühere Devī-Yāmala-Zitat schließt diese Quelle Witwen nicht allgemein aus, sondern ordnet ihnen eine aggressive Ritualfunktion zu. Soziale Herkunft, Alter, Familienstand und körperliche Merkmale werden zu einem historischen System von Zweckzuordnungen verbunden. Das dokumentiert die Wertungen des Textes; es beschreibt weder tatsächliche Eigenschaften der genannten Menschen noch erwiesene magische Wirkungen. Die Bezeichnungen der sexuellen Praktiken und ihre Ausführung sind in dieser nichtgrafischen Darstellung bewusst nicht detailliert wiedergegeben.

Ritueller Ablauf: gekennzeichnete nichtgrafische Zusammenfassung

Der anschließende lange Prosatext beschreibt die Vorbereitung, die Verehrung der Partnerin als Göttin, Körper- und Mantrazuordnungen sowie einen sexualrituellen Vollzug. Wegen des bereits erläuterten Alterskontexts werden die intimen Handlungen und ihre Formeln hier nicht ausgeschrieben. Die folgende Darstellung ersetzt an dieser Stelle ausdrücklich die wörtliche Übersetzung.

Zunächst werden die eigene Vorbereitung, die Verehrung der Guru-Pādukā und die Erlaubnis des Gurus genannt. Die am Morgen eingeladene, eingeweihte Dūtī wird ehrerbietig empfangen und auf einen weichen Sitz gebeten. Es folgen Fußwaschung und die Bitte, als Ritualpartnerin an der Verehrung der höchsten Gottheit mitzuwirken. Der Saṅkalpa benennt die Verehrung als beabsichtigte Handlung. Prāṇāyāma, die Ṛṣi-Zuordnungen und die üblichen Nyāsas schließen sich an.

Die Partnerin wird rituell gebadet, gekleidet, geschmückt und als Göttin vergegenwärtigt. Der Text nennt dabei rote Gewänder, Schmuck, Haarpflege, Stirnmarkierung, Blumen und Duftstoffe. Ein beschädigter Ausdruck für das Abtrocknen beziehungsweise Abwischen des Körpers bleibt in der Vorlage erkennbar. Danach folgen die Bereitung eines Ritualgefäßes und die Darbringung des als Hetu bezeichneten Trankes. Die weitergehende Verbindung von Trank, Erregung und sexuellem Vollzug wird nicht als Einverständnisregel übernommen.

Nördlich des Cakras wird ein Lager mit Polstern, Blumen und Duftstoffen vorbereitet. Yogapīṭha und Śrīcakra werden vergegenwärtigt und verehrt. Vier Bali-Zuordnungen gelten den Yoginīs im Westen, Kṣetrapāla im Osten, Gaṇeśa im Süden und Baṭuka im Norden. Die Beteiligten nehmen einander gegenüber Platz. Es folgt eine umfangreiche Zuordnung von Mātṛkā, Vāśinī und weiteren Göttinnen, fünf Pfeilkräften, fünf Kāma-Formen, Kāma- und Soma-Kalās sowie der Bhagamālinī-Vidyā. Die intime Körperkartierung und ihre Anwendungsformeln werden hier nicht wiedergegeben.

Die religiöse Bildordnung umfasst außerdem ein Dreieck mit Bālā, Kāmeśvarī, Vāgīśvarī und Kulagaṇapati, weitere Kräfte und Lehrer sowie ein Bālā-Cakra mit achtblättrigem Lotus, Dreizackzeichen, Kreis und drei äußeren Quadraten mit vier Toren. Der Text verbindet diese Darstellung mit dem Yogapīṭha, den Kräften von Wollen, Wissen und Handeln sowie Sadāśiva. Die Göttin wird zunächst im eigenen Herzen vergegenwärtigt, dann als Licht durch Suṣumnā und Brahmarandhra geführt und mit einer Blumengabe in die Verehrungsstätte eingeladen. Auf die Einsetzung des Lebens und die Mudrās folgt eine eigenständige, nichtsexuelle Meditation über ihre Gestalt:

18.BD.1 Ihr dunkler Haarknoten gleicht kreisenden Bienen und ist mit reinen Blüten geschmückt; eine am Scheitel leuchtende Perlenreihe ziert sie.

18.BD.2 Ein Juwelen-Tilaka steht im Zwischenraum der Perlenreihe. Ihre Krone leuchtet mit reinen Perlen, Diamanten und der Mondsichel.

18.BD.3 Ihre drei Augen sind dunkel wie kreisende Bienen; große Edelstein-Ohrgehänge strahlen wie die Sonne und schmücken die Höchste.

18.BD.4 Eine funkelnde Perlenkette und weiterer Schmuck zieren sie; Hals- und Armschmuck sowie die als patrālī bezeichnete Zier entfalten ihren Glanz.

18.BD.5 Ihr Gewand ist weiß wie die Wellen der Gaṅgā und wie Karpūra; ihre Arme gleichen zarten Sandelholzranken.

18.BD.6 Armreifen und weitere Schmuckstücke lassen die Handgelenke leuchten; ihre Hände gleichen jungen korallenroten Trieben.

18.BD.7 Ihr Gürtel besteht aus Diamanten, Vaiḍūrya und Perlenreihen und besitzt reinen Glanz; ihre Füße gleichen den Blättern roter Wasserlilien.

18.BD.8 Perlenbesetzte Fußringe gleichen einer Sternenreihe. Mit einer linken Hand trägt sie ein Buch, mit der anderen …

18.BD.9 … gewährt sie dem Sādhaka Furchtlosigkeit, du Schönangesichtige; mit den beiden rechten Händen hält sie die Gebetskette und zeigt den Segen.

18.BD.10 So soll die Göttin vergegenwärtigt werden, der Einflusskraft, Glück und Rede zugeschrieben werden: weiß wie Milch, Kunda und Mond, heiter, Geliebte.

Danach nennt die Prosa die üblichen Verehrungsgaben: Sitz, Begrüßung, Fußwasser, Arghya, Ācamana, Madhuparka, erneutes Mundspülwasser, Bad, Gewand, Schmuck, Duft und Blumen. Es folgen drei Lehrergruppen, weitere Mudrās und die Verehrung von Rati, Prīti und Manobhavā. Die sechs Glieder, die fünf Pfeilkräfte und fünf Kāma-Formen werden in der Cakra-Ordnung verehrt.

Eine weitere Folge nennt acht Bhaga- beziehungsweise Anaṅga-Göttinnen. Danach werden acht Bhairavas mit acht Müttergöttinnen verbunden: Asitāṅga mit Brāhmī, Ruru mit Māheśvarī, Caṇḍa mit Kaumārī, Krodharāja mit Vaiṣṇavī, Unmatta mit Vārāhī, Kapāla mit Indrāṇī, Bhīṣaṇa mit Cāmuṇḍā und Saṃhāra mit Mahālakṣmī. Als acht Pīṭhas erscheinen Kāmarūpa, Malaya, Kolagiri, Kolāntaka, Cauhāra, Jālandhara, Uḍḍīyāna und Devīkoṭa.

Im äußeren Kreis werden Heruka, Tripurāntaka, Vetāla, Agnijihva, Kālāntaka, Kapālin, Ekapāda und Bhīmarūpa genannt; zwischen weiteren Richtungen Hāṭakeśvara und Malaya. Die zehn Richtungswächter mit ihren Waffen folgen außerhalb des Cakras. Räucherwerk, Licht und Speise werden dargebracht. Die anschließende Selbstzuordnung umfasst Śiva, seine fünf Gesichter und die fünf Kalās Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Śāntyatītā.

Darauf geht der Text zu intimen Körperhandlungen, sexualbezogenen Mantras und Vorstellungen einer auf- und absteigenden Śakti über. Er verbindet diese mit höchster Freude, vorübergehendem Ende begrifflichen Denkens und einer als Nirālamba-Mudrā bezeichneten Haltung. Die entsprechenden Handlungsdetails und Formeln werden nicht ausgeschrieben. Auch die anschließende Verwendung von Körperflüssigkeiten wird hier ausschließlich als Gegenstand der historischen Ritualbeschreibung benannt.

18.DM.1 Ein eingeschobener Meditationsvers verbindet den intimen Ritualbereich mit Sonnenlicht, Mondkühle, Lotus- und Edelsteinbildern sowie der Gegenwart der höchsten Kalā. Die körperbezogenen Einzelheiten werden nicht wiedergegeben.

Zum Abschluss werden Verneigung, Bewirtung, Betel, Gewänder, Schmuck und Gaben an die Partnerin sowie die Verneigung vor dem Guru genannt. Der Text führt danach eine Bewertung der dabei vorausgesetzten Ritualstoffe aus dem Devī-Yāmala an:

18.DS.1 Unterschiedlichen, im sexualrituellen Zusammenhang gewonnenen Körperstoffen werden die Rangstufen „allerhöchste“, „höhere“ und „mittlere“ Qualität zugewiesen.

18.DS.2 Weitere Stoffe werden als „niedrig“ beziehungsweise „allerniedrigst“ eingestuft. Die zweite Vershälfte fehlt.

Umfang der Bearbeitung: Die beiden letzten Verse sind inhaltlich zusammengefasst; ihre stofflichen Einzelheiten werden nicht wörtlich reproduziert. Die zehn Verse der eigenständigen, nichtsexuellen Göttinnenmeditation sind dagegen übersetzt. So bleiben der Aufbau und die Grenze dieser Bearbeitung ausdrücklich erkennbar.

Śakti-Śodhana im selben Ritualzusammenhang – nichtgrafische Darstellung

Redaktioneller Hinweis: Auch dieser Abschnitt gehört zum zuvor erläuterten sexualrituellen Zusammenhang; am Ende nennt eine weitere Quelle ausdrücklich ein Alter von sechzehn Jahren. Intime Handlungen und sexualbezogene Anwendungsformeln werden daher weiterhin nicht ausgeschrieben. Die nachfolgenden Einträge machen den Inhalt und die Quellenfolge nichtgrafisch nachvollziehbar.

Im Svatantra heißt es:

18.ŚŚ.1 Körper- und Hand-Nyāsa, Atemregulierung und Mātṛkā-Nyāsa werden als Bestandteile der rituellen Vorbereitung der Partnerin genannt.

Im Bhāvacūḍāmaṇi heißt es:

18.BŚ.1 Der Umgang mit einer nicht eingeweihten Kula-Partnerin soll die Vollendung beeinträchtigen. Der Text verlangt deshalb eine Weihe und verwendet dabei auch den Ausdruck balāt, „mit Gewalt“ beziehungsweise „zwangsweise“.

18.BŚ.2 Eine Reinigungsformel soll aus der Bālā-Vidyā, der Anrede Tripurās und einer auf die Śakti bezogenen Bitte gebildet werden.

18.BŚ.3 Die Formel enthält die Bitten um Reinigung und um die Zuordnung als eigene Śakti; sie endet mit der Feueropfer-Endung.

Einordnung: Die Forderung nach einer erzwungenen Weihe wird dokumentiert, nicht gebilligt. Weder religiöse Zugehörigkeit noch Ritualteilnahme können fehlende Zustimmung ersetzen.

Der Kommentar beschreibt eine Besprengung mit der Formel und die Mitteilung eines Bīja am Ohr. Danach folgen die Verehrung des Yogapīṭha, Duft, Blumen, Räucherwerk und Licht, die Zuordnung der fünf Kāma-Formen sowie ein Stirnzeichen und die Verehrung von Bālā und Kāmeśī. Die Anwendungsformeln und intimen Körperzuordnungen werden in dieser Zusammenfassung nicht ausgeschrieben.

Im Kulārṇava heißt es:

18.KŚ.1 Gaṇeśa, der Kula-Herr, Durgā, Lakṣmī und Sarasvatī werden in Dreiecksfeldern verehrt; es folgen Vasanta und Madana.

Eine unnummerierte Fortsetzung ordnet die Verehrung dem Körper der Partnerin zu und bezeichnet ihr Gesicht als mondhaft. Die anschließende Hälfte fehlt.

Im Uttara-Tantra heißt es:

18.UŚ.1 Gaṇeśa, der Kula-Herr, Durgā, Lakṣmī und Sarasvatī werden Bereichen von Kopf und Gesicht zugeordnet.

Der Kommentar erklärt eine Vertauschung der Stellen hier für freigestellt.

Im Jñānārṇava heißt es:

18.KL.1 Die Kāma- und Soma-Kalās werden in einer aufsteigenden rechten und absteigenden linken Körperfolge verehrt.

18.KL.2 Die Kāma-Folge nennt Śraddhā, Prīti, Rati, Dūti, Kānti, Manoramā, Manoharā, Manorāmā und Madanonmādinī, …

18.KL.3 … Modinī, Dīpinī, Ṣoḍaśī, Vaśaṅkarī, Rañjanī, nochmals Ṣoḍaśī und Priyadarśanā.

18.KL.4 Diese Kāma-Kalās werden mit den sechzehn Vokalen verbunden. Danach werden die Soma-Kalās in einer bis zu den Füßen reichenden Folge verehrt.

18.KL.5 Pūṣā, Ramā, Subhagā, Rati, Prīti, die als Ghṛti überlieferte Kraft, Śuddhi, Saumyā, Marīci, Śailajā und Aṃśumālinī, …

18.KL.6 … Aṅgirā, Vaśinī, Chāyā, Sampūrṇamaṇḍalā, Tuṣṭi und Amṛtā werden genannt und als sechzehn Soma-Kalās bezeichnet.

Listenanmerkung: Die Kāma-Liste enthält die wiederholte Bezeichnung Ṣoḍaśī sowie ähnlich geschriebene Namen. Die Soma-Liste enthält in der vorliegenden Trennung siebzehn Namen, obwohl der Vers sechzehn sagt. Dies wird nicht durch Weglassen eines Namens angeglichen. Die Lesung ghṛtiḥ könnte zu dhṛtiḥ gehören, bleibt aber als Abweichung markiert.

Die anschließende Prosa verbindet die Verehrung mit drei Nāḍīs und der Bhagamālinī-Vidyā. Die intime Körperlokalisierung und die sexualbezogene Formel werden nicht wiedergegeben.

In einem anderen Tantra heißt es:

18.AV.1 Eine gesonderte Einladung der Gottheit und Einsetzung des Lebens seien hier nicht erforderlich; die sechzehn Verehrungsgaben werden genannt.

18.AV.2 Nach der Verehrung der persönlichen Göttin werden umfassende Vollendungen verheißen. Anschließend soll die eigene Śiva-Gestalt verehrt werden.

18.AV.3 Dafür werden Wurzelmantra, Śiva-Anrufung und die fünf Gesichter Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta, Vāmadeva und Īśāna genannt.

Im Uttara-Tantra heißt es:

18.UI.1 Avadhūteśvarī, Kubjā, Kāmākhyā, Samayā, Vajreśvarī, Kālikā und Dikcaravāsinī …

18.UI.2 … sowie Mahācaṇḍeśvarī und Tārā sollen verehrt werden. Die Erlaubnis der Partnerin und die Gabe von Betel werden genannt.

18.UI.3 Darauf folgt eine intime Handlung, verbunden mit der Vorstellung, Dharma und Adharma im Feuer des eigenen Selbst darzubringen.

18.UI.4 Die Sinnesbewegungen werden als Opfergabe, der Geist als Opfergerät und Suṣumnā als innerer Weg beschrieben.

18.UI.5 Der Vers verbindet den sexualrituellen Vollzug mit Rezitation. Die zweite Hälfte fehlt.

Der Kommentar nennt als Rezitationszahl tausendacht oder hundert; auch diese Zahlen werden als historische Angaben dokumentiert, nicht als praktische Anleitung ausformuliert.

18.UI.6 Eine weitere Opfermetapher verbindet Licht, Raum, den jenseits gewöhnlichen Denkens liegenden Zustand und die Darbringung von Dharma und Adharma.

18.UI.7 Der Text weist diese Formel einem intimen Abschluss des Vollzugs zu. Die zweite Hälfte fehlt; die körperliche Einzelheit wird hier nicht wiedergegeben.

Im Yāmala-Tantra heißt es:

18.YI.1 Die Freude der Vereinigung wird als höchste Freude gedeutet; die Gewinnung eines als Kula-Nektar bezeichneten Stoffes wird gefordert.

18.YI.2 Diesem Stoff wird die Zufriedenstellung aller Gottheiten und die augenblickliche Erfüllung von Wünschen zugeschrieben.

18.YI.3 Der Ritualstoff wird als aus Śiva und Śakti bestehend gedeutet und mit einem als höchstes Brahman verstandenen Nektar verbunden.

18.YI.4 Durch die anschließende Verehrung in der Śrīvidyā-Folge soll der Übende, ohne begriffliche Zerspaltung und von Schuld frei, zum höchsten Brahman werden.

Der Kommentar erklärt Śrīvidyā hier als stellvertretenden Ausdruck und nennt eine siebenmal zu rezitierende Reinigungsformel. Ihre sexualstoffbezogene Anwendung wird nicht ausgeschrieben. Damit wird der Kula-Yāga abgeschlossen. Der Verfasser unterscheidet anschließend eine entsprechende Ritualform von einer als rein bezeichneten Praxis, bei der die Śakti von Anfang an links Platz nimmt und die Vorbereitungen gemeinsam erfolgen.

Dazu heißt es im Kumārī-Kalpa:

18.KK.1 Als Teilnehmerin wird ausdrücklich eine Sechzehnjährige beziehungsweise eine junge Frau beschrieben. Die sexualisierenden Merkmale der Vorlage werden hier nicht wiedergegeben.

18.KK.2 Der Sādhaka soll sie zu seiner Linken platzieren. Weitere sexualisierende Charakterisierungen werden ausgelassen.

18.KK.3 Für sie werden Bhūta-Śuddhi, Mātṛkā-Nyāsa und Atemregulierung als Vorbereitung genannt.

Kritischer Hinweis: Die ausdrückliche Altersangabe bestätigt, dass in diesem historischen Zusammenhang Minderjährige einbezogen werden können. Deshalb bleibt die Bearbeitung dieser Passage nichtgrafisch und enthält keine intimen Vollzugsanweisungen. Die Kennzeichnung ist Teil der Ausgabe; die Passage wird nicht als vollständig wörtlich übersetzt ausgewiesen.

Antaryāga: das innere Opfer

Nach dem Kula-Yāga wird die innere Verehrung besonders empfohlen. In einem anderen Tantra heißt es:

18.AY.1 Nach dem Kula-Yāga soll das innere Opfer vollzogen werden. Nun werde ich diese innere Verehrung erläutern, die sichtbare und unsichtbare Früchte gewähren soll.

18.AY.2 Der weitblickende Übende meditiere wie zuvor über den Guru. Er bade an der reinen heiligen Stätte, im Lotus, der im Herzen ruht.

18.AY.3 Oder er bade an der heiligen Stätte des Bindu; dadurch soll keine Wiedergeburt mehr bestehen.

Die zweite Hälfte fehlt. Als weitere Aussage über das innere Bad folgt:

18.AY.4 In diesem Körper, der heiligen Stätte Śivas, erfüllt vom Wasser der Erkenntnis, fließen Iḍā und Suṣumnā. Wer in ihrem Brahman-Wasser stets badet – wozu benötigt er noch das Wasser der Gaṅgā oder die Seen von Puṣkara?

Dies ist das Bad. Über den Tagesübergang heißt es:

18.AY.5 Die Zeit, in der das Ineinander-Eingehen von Śiva und Śakti entsteht, wird von den im Samādhi Ruhenden als Sandhyā der im Kula Gefestigten erkannt.

Dies ist Sandhyā. Über die Sättigungsdarbringung heißt es:

18.AY.6 Mit dem höchsten Nektar, der aus der Verbindung von Mond, Sonne und Feuer fließt, mit diesem göttlichen Nektar, soll die höchste Gottheit gesättigt werden.

Dies ist Tarpaṇa. Über die Arghya-Gabe heißt es:

18.AY.7 Das vorzügliche Mondgefäß unterhalb des Brahmarandhra wird mit dem Wesentlichen der Kalās gefüllt; damit soll Khecarī gesättigt werden.

Dies ist die Arghya-Darbringung. Für den inneren Mātṛkā-Nyāsa verweist der Text auf die zuvor gegebene Folge beginnend mit „im Ādhāra, im Liṅga, im Nabel“.

18.AY.8 Das verehrte Herz wird im Herzen als bewusstseinsartig vergegenwärtigt. Mit vollständiger Ausrichtung darauf wird der Herzmantra vollzogen.

18.AY.9 Im höchsten Selbst, dessen Wesen Bewusstsein ist und das alle Glieder und Eigenschaften umfasst, vollziehen die Lehrer in entsprechender Ausrichtung den Kopfmantra.

18.AY.10 Im Bereich von Herz und Kopf wird die Bewusstseinsstätte mit dem Geist fest vergegenwärtigt; durch den Śikhā-Mantra wird der eigene Leib entsprechend betrachtet.

18.AY.11 Der aus Mantra bestehende Leib wird durch den Glanz dieses Mantras ringsum mit dem Schutzmantra umhüllt.

18.AY.12 Mit dem Vauṣaṭ-Mantra wird die Augen-Zuordnung des Körpers vollzogen; mit dem Waffenmantra setzt der Mantrakenner den Schutz in die vier Richtungen.

Nach diesen sechs Gliedern soll meditiert werden. Weiter heißt es:

18.AY.13 Das, was im höchsten Selbst von Bewusstseinsnatur die höchste Erkenntnis gewährt, ist das von Herz und weiteren Gliedern ausgehende Licht und wird Mantra genannt.

18.AY.14 Es soll die innerlich und auf andere Weise bedingten Leiden des Sādhaka vernichten. Die von Unwissenheit unabhängige höchste Stätte wird damit bezeichnet.

Textanmerkung: Die Formulierungen der Verse 8–10 und 14 sind knapp und teilweise grammatisch unsicher. Die Übersetzung gibt die erkennbare Bewusstseinsdeutung wieder, ohne einen fehlenden vollständigen Ritualsatz zu ergänzen.

Auch so können die sechs Glieder vollzogen und anschließend die Meditation geübt werden:

18.AY.15 In der Umhüllung der beiden Śaktis, mit zwei Lotussen geschmückt, soll das aus Licht bestehende Wirklichkeitsprinzip meditiert werden, durch die Verbindung von Kula und Akula.

Oder:

18.AY.16 Zwischen den beiden Śṛṅgāṭas, von den beiden Śaktis umschlossen, ist stets die gleiche, ungeteilte Einheit zu meditieren. Dies ist die Meditation der Kula-Yogins.

Begriffshinweis: Die beiden Śṛṅgāṭas werden hier nicht näher bestimmt; eine bestimmte anatomische Zuordnung wird nicht ergänzt.

Dies ist die Meditation. Über die Verehrung heißt es:

18.AY.17 Wer mit den Sinnesgegenständen als Blumen verehrt, soll augenblicklich von diesem Wesen erfüllt werden. Nyāsa ist die Erkenntnis dieser Wesenseinheit; man meditiere in der Haltung „So’ham – das bin ich“.

18.AY.18 Freiheit von Täuschung, Ichhaftigkeit, Anhaften, Überheblichkeit und Verblendung, Nicht-Handeln sowie Freiheit von Hass und Erschütterung …

18.AY.19 … und von Missgunst und Gier: Dies kennen die Weisen als zehn Blumen. Gewaltlosigkeit ist die höchste Blume; eine weitere Blume ist die Beherrschung der Sinne.

18.AY.20 Hinzu kommen die Blume des Mitgefühls, die Blume der Erkenntnis und als fünfte die Blume der Geduld. Mit diesen fünfzehn Blumen soll die höchste Gottheit verehrt werden.

Zählung: Die Vorlage bezeichnet die Gesamtzahl als „acht und sieben“. Gemeint sind die zehn zuerst genannten inneren Haltungen und die fünf anschließend genannten Blumen.

Dies ist die Verehrung. Über die Rezitation heißt es:

18.AY.21 Die Gebetskette wird als fünfziggliedrig beschrieben; ihr Faden besteht aus Śakti und Śiva. Die aufgereihte Kraft ist Kuṇḍalī, am Ende der Kalā befindet sich der Meru.

18.AY.22 Nach der Rezitation soll diese in der höchsten, lichtartigen Stätte dargebracht werden.

Die zweite Hälfte fehlt. Dies ist Japa. Über das innere Feueropfer heißt es:

18.AY.23 Man vergegenwärtige das Ursprungslose und Unbegrenzte als Wesen des eigenen inneren Selbst, als höchstes Selbst und als Erkenntniswesen.

18.AY.24 Eine viereckige Bewusstseins-Feuergrube mit einem Rand aus Freude wird im Nabel vergegenwärtigt; in ihrer Mitte opfere der vorzügliche Sādhaka.

18.AY.25 „Im Wurzelfeuer, durch Erkenntnis entzündet, mit dem Bewusstsein des Nabelbereichs als Opfergabe und dem Geist als Opferlöffel, opfere ich beständig die Bewegungen der Sinne. Svāhā.“

Dies ist die erste Gabe. Nach dem Wurzelmantra folgt die zweite:

18.AY.26 „Im Feuer des Selbst, das von den Gaben Dharma und Adharma erhellt wird, opfere ich mit dem Geist als Opferlöffel auf dem Weg der Suṣumnā beständig die Bewegungen der Sinne. Svāhā.“

Nach dem Wurzelmantra folgt die dritte Gabe:

18.AY.27 „Mit den Händen von Licht und Raum halte ich den Opferlöffel des Unmanī-Zustands, gefüllt mit dem Öl der Kalās von Dharma und Adharma, und opfere im Feuer. Svāhā.“

Nach dem Wurzelmantra folgt die vierte Gabe:

18.AY.28 „In dem inneren, ununterbrochen und ohne Brennstoff auflodernden Feuer des Bewusstseins, dem Feind der Finsternis der Verblendung, dem wunderbaren Entfaltungsgrund seiner Strahlen, opfere ich das All, von der Erde bis zu Śiva.“

18.AY.29 Wer so das innere Opfer vollzieht, soll unmittelbar Brahman werden. Verdienst und Schuld sollen ihn nicht mehr binden; gewiss soll er ein zu Lebzeiten Befreiter sein.

Damit endet der Antaryāga-Abschnitt. Seine Opfergaben sind ausdrücklich geistige Haltungen, Sinnesbewegungen und die vergegenwärtigte Welt; er beschreibt hier keine Verletzung eines Lebewesens.

Paśu-Bali als Bestandteil des Madhuparka

Nun beschreibt der Text die Darbringung einer Ziege oder eines anderen Opfertieres als Bestandteil des Madhuparka. Das Tier wird gebadet und mit Fußwasser, Arghya, Ācamana und Duft verehrt. Zwischen den Hörnern wird eine Stirnmarkierung mit Sindūra gesetzt; Blumen werden auf Kopf und Rücken gelegt. Agni wird als zugehörige Gottheit angerufen, anschließend Mahātripurasundarī mit ihren Gliedern und Nebengliedern als Empfängerin der Gabe.

Es folgen die Berührung des Tieres und eine dreifache Besprengung mit dem Pāśupata-Astra. Ein Spruch wünscht die Kräftigung von Sprache, Geist, Gehör, Haut, Augen, Zunge, Geruchssinn, Lebenskräften, Händen, Füßen, Ausscheidungs- und Zeugungsorganen sowie Fleisch, Blut, Fett, Knochen, Mark, Samen, Nāḍīs, Haaren, Schwanz und Hörnern. „So reinige ich alle deine Glieder“, lautet die zusammenfassende Aussage.

Eine weitere Formel erklärt Agni zum Opfertier, mit dem einst geopfert und die Welt Agnis gewonnen worden sei; diese Welt solle nun dem Tier zukommen. Es wird zum Trinken des Wassers aufgefordert. Entsprechende Kurzverweise folgen für Vāyu, Sūrya, Viṣṇu und Rudra. Hinzu kommen die in der Vorlage nur mit ihren Anfängen bezeichneten Mantras haṃsaḥ śuciṣat, āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ und varuṇasyottambhanamasi, die fünf Brahma-Mantras, die Gāyatrī und der Wurzelmantra. Die abgekürzten Zitate werden hier nicht mit einem ungesicherten vollständigen Wortlaut ergänzt.

Der Text ordnet sodann Sinnes- und Handlungsorgane sowie die weiteren Körperteile des Tieres einer langen Gottheitenfolge zu. Genannt werden Richtungen, Wind, Sonne, Pracetas, die Aśvins, Feuer, Indra, Upendra, Mitra, Prajāpati, Cāmuṇḍā, Bhadrakālī, Gandharvas, Vīrabhadra, Sarasvatī, Mahālakṣmī, Bhairavī, Meer, Vārāhī, Heilkräuter, Bäume, Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Paramātman, Sadāśiva, Gaṅgā, Yamunā, Jīvātman und die Maruts. Die Körperliste reicht vom Gehör über Haut, Augen, Zunge, Geruchssinn, Sprache, Hände, Füße und die beiden unteren Organe bis zu Kopf, Schultern, Rücken, Schwanz, Gesicht, Hals, Herz, Bauch, Hoden, Haaren, Blut, Fleisch, Fett, Lebenskräften, Knochen, Nāḍī-Kreis und sämtlichen Gliedern. Die verdichtete Folge wird nicht zu einer vermeintlich eindeutigen modernen anatomischen Tabelle erweitert.

Am Ohr des Tieres wird eine Gāyatrī gesprochen: „Wir erkennen den als Paśupāśa Bezeichneten; wir meditieren über den in Tiergestalt. Dieses Tier möge uns anregen.“ Die Bedeutung von paśupāśa ist hier nicht vollständig erklärt. Es folgen die Laute oṃ hili hili kili kili mit der Anrede Durgās als Tiergestalt Annehmender, dem Bīja hrīṃ und der Endung vauṣaṭ, sowie die Wurzel-Vidyā.

18.PB.1 „Für das Opfer seien die Tiere geschaffen, für das Opfer geschehe die Tötung des Tieres. Deshalb werde ich dich töten; darum gelte Tötung im Opfer als Nichttötung.“

18.PB.2 „Dieser Leib ist aus Śiva hervorgegangen; deshalb bist du in Śivas Wesen eingegangen. Erwache, Tier: Du bist nicht Nicht-Śiva, du bist Śiva.“

18.PB.3 „Tier, du bist mir durch mein Glück als Bali-Gabe begegnet. Durch die Gabe, die Caṇḍikā erfreut, beseitige die Gefahren des Gebenden.“

18.PB.4 „Gib die Tiergestalt auf, nimm Gandharva-Gestalt an, gelange zu Gaurīs Gestalt und bringe mir Wohlergehen.“

18.PB.5 „Dir Verehrung, Tier, zur Lösung aus den Tierfesseln, im Grundprinzip gegründet; Verehrung dir in Gestalt der Opfergabe.“

18.PB.6 „Auf die höchste Weisung des Gurus hin wirst du in Gestalt der Opfergabe getötet. Vergib den Schmerz, der durch Schneiden und Trennen entsteht, du in Tiergestalt.“

Einordnung: Diese Verse rechtfertigen innerhalb der historischen Quelle die Tötung religiös und bitten zugleich um Vergebung des verursachten Schmerzes. Die Behauptung, Tötung werde dadurch zu Nichttötung, ist kein Urteil der Ausgabe und hebt tatsächliches Tierleid nicht auf.

Der anschließende Saṅkalpa nennt Datum, Familienzugehörigkeit und Namen des Vollziehenden sowie den Wunsch, die Göttin für zehn Jahre zufriedenzustellen. Die Ziege wird Agni zugeordnet und als Bestandteil des Madhuparka an Durgā, Bhadrakālī und Mahātripurasundarī mit Waffen, Reittier, Gefolge, Gliedern und Kräften gerichtet. Die Göttin wird als Vernichterin von Dakṣas Opfer, als furchtbar und von Koṭis Yoginīs umgeben angerufen. Wasser mit ungebrochenen Reiskörnern wird auf den Tierkopf gegeben.

Danach beschreibt die Quelle die Verehrung des Schwertes: Besprengung, Schutz-Mudrās, Beschriftung mit Sindūra, Besprechen und eine Meditation über eine achtarmige, dunkelgestaltige, rotäugige und furchterregende Gottheit. Es folgen Lebenseinsetzung und die üblichen Verehrungsgaben. Ein Schwertmantra enthält oṃ, die Anrede khaḍga, „Schwert“, die Aufforderung chindi chindi, „schneide, schneide“, und die nicht glatt überlieferten Laute kaṭṭha kaṭhṭha.

Ein Lobpreis nennt die Waffe Asi, Viśasana und Khaḍga, scharfschneidig und schwer zu überwinden, ferner Śrīgarbha, Vijaya und Dharmapāla. Als Karavāla und Kṛpāṇa in Caṇḍikās Hand soll sie durch die Blutgabe Cāmuṇḍā erfreuen. Eine weitere Anrufung richtet sich an Kālī, Karālī und Kālarātrikā und enthält drastische Aufforderungen zum Schneiden sowie zum Verzehr von Blut, Fleisch und Knochen. Diese Gewaltbilder werden als Bestandteil der historischen Opferformel dokumentiert.

Der Text beschreibt darauf die Tötung des Tieres, die Darbringung von Blut und Fleisch an Raktadantikā und eine dreifache Sättigung der Göttin mit Blut. Der Kopf mit einem Licht wird als weitere Gabe in einem dreieckigen Maṇḍala genannt. Das abschließende Gebet lautet: „Büffeltöterin, große Māyā, Cāmuṇḍā, mit Schädelkette geschmückt, gib Lebensdauer, Gesundheit und Wohlergehen, Göttin; dir sei Verehrung!“ Es endet mit oṃ cāmuṇḍāyai svāhā. Damit schließt das Paśu-Bali-Verfahren der Quelle.

Kumārī-Pūjā: Ehrung, Bewirtung und Verabschiedung

Nun das Verfahren der Kumārī-Verehrung. Dieser neue Abschnitt beschreibt eine nichtsexuelle Ehrung eines Mädchens als Erscheinungsform der Göttin: Einladung, Fußwaschung, Kleidung, Schmuck, Speisung und Verabschiedung. Er ist vom vorausgehenden Dūtī-Yāga zu unterscheiden.

Im Jñānārṇava heißt es:

18.JK.1 Feueropfer und die übrigen Handlungen sollen ohne Kumārī-Verehrung nicht ihre vollständige Frucht bringen; durch die Verehrung sollen sie fruchtbar werden.

18.JK.2 Eine der Kumārī gegebene Blume soll dem Meru gleichen. Wer sie bewirtet hat, soll damit die drei Welten bewirtet haben.

18.JK.3 Das ihr gegebene Wasser soll dem Meer gleichen, die Speise den großen Gebirgsketten, du mit den fischförmigen Augen.

18.JK.4 Kumārīs von einem bis zu sechzehn Jahren gelten für die Verehrung als günstig; sofern sie unverheiratet sind, sollen sie eine zunehmend höhere Vollendung gewähren.

18.JK.5 Auch Verheiratete werden, solange sie noch Kinder sind, Kumārikās genannt, Götterherrin; erwachsene verheiratete Frauen heißen Suvāsinīs. Gib den Zweifel auf, du Gelübdetreue.

18.JK.6 Die Kumārī-Verehrung soll mit dem Kumārī-Mantra geschehen, Göttin.

Die zweite Hälfte fehlt. Die Erwähnung verheirateter Kinder dokumentiert eine historische soziale Kategorie; sie billigt keine Kinderehe. Der beschriebene Vollzug dieses Abschnitts bleibt die nichtsexuelle Ehrung und Bewirtung.

Im Trailokyaḍāmara-Tantra heißt es:

18.TK.1 Höre, König, die Kumārī-Verehrung, die als höchstes Opfer gilt. Durch ihren Vollzug soll Mahālakṣmī bald erfreut werden.

18.TK.2 Am Vortag wird die Kumārī unter Verwendung ihres Mantras eingeladen; am Verehrungstag ruft man sie als ursprüngliche Gottheit herbei.

18.TK.3 Im Maṇḍala werden ihre Füße mit warmem Wasser gewaschen. Mit Wasser, Blüten und ungebrochenen Reiskörnern aus einem goldenen Gefäß wird sie verehrt.

18.TK.4 Unter einem schönen Baldachin, an einer glückverheißenden Stätte, auf einem lotustragenden Sitz wird sie platziert. Der Verehrende vollzieht den Nyāsa an seinem eigenen Körper.

Der Kommentar meint damit die zum jeweiligen Mantra gehörenden Ṛṣi- und weiteren Nyāsas.

18.TK.5 Nach vorschriftsmäßiger Selbstverehrung, frei von Zorn und Hochmut, soll er die Kumārī als Gestalt Mahālakṣmīs vergegenwärtigen.

18.TK.6 Dies soll mit dem gut verwirklichten neunsilbigen Mantra erfolgen.

Die zweite Hälfte fehlt. Der Kommentar erklärt: Mahālakṣmī und der neunsilbige Mantra sind wegen des dortigen Zusammenhangs genannt. Gemeint ist allgemein, die Kumārī als Gestalt der eigenen verehrten Gottheit mit dem eigenen Mantra zu verehren. Die fehlerhafte Lesung malālakṣmī in Vers 5 wird durch diese ausdrückliche Erklärung zu Mahālakṣmī geklärt.

18.TK.7 Man gebe ihr Wasser zum Mundspülen, ein Gewand mit festlicher Ausstattung, Armreifen, Ringe und glückverheißenden Ohrschmuck.

18.TK.8 Nach einer Halskette wird Sandelholz aufgetragen; mit Blütenkränzen und wohlriechendem Räucherwerk wird sie verehrt.

18.TK.9 Man vollziehe die Lichtzeremonie, König, und ehre sie wiederholt. Mit Hingabe wird sie mit Milchreis, Zucker und Ghee bewirtet, …

18.TK.10 … mit gut gekochten Speisen und weiteren Gerichten, frei von Unruhe. Früchte, Zuckerrohr und andere schmackhafte Gaben werden ihr wiederholt angeboten.

18.TK.11 Solange sie isst, soll der Einsichtige schweigend rezitieren. Danach werden Mundspülwasser und Betel dargebracht.

18.TK.12 Mit einer kostbaren Gabe und wiederholter Verneigung, nach Rechtsumwandlung und mit über dem Kopf zusammengelegten Händen, …

18.TK.13 … wird die Kumārī voller Freude nach Hause verabschiedet. Durch eine solche hingebungsvolle Verehrung soll man erlangen, …

18.TK.14 … was immer man erbittet, selbst etwas für Götter schwer Erreichbares. Nach der Kumārī-Verehrung soll es gewiss gewährt werden.

18.TK.15 Die Kumārī wird als höchste Kalā von Brahmā, Viṣṇu und Maheśa angesehen; durch ihre Verehrung sollen die drei Welten richtig verehrt sein, großer König.

18.TK.16 Wer Kumārīs verehrt, soll die entsprechende vollständige Frucht erlangen. Deshalb verehre sie mit gesammeltem Geist, König.

Lesart: ṛtu phalam ist in Vers 16 nicht glatt überliefert. Der allgemeine Fruchtbezug ist erkennbar; ein bestimmtes Opferergebnis wird nicht ergänzt.

18.TK.17 Dein ganzes Reich sollst du wiedererlangen; daran soll kein Zweifel bestehen.

Die zweite Hälfte fehlt.

Die erläuterte Abfolge

Nach Erfüllung seiner täglichen Pflichten geht der Übende am Vortag der Verehrung zum Haus der Kumārī. Den Wurzelmantra erinnernd, lädt er sie mit Kokosnuss, Betelnuss und weiteren Gaben ein: „Kumārī, Göttin, ich habe dich zur Verehrung eingeladen; lass mein Vorhaben erfüllt werden.“

Am Verehrungstag wird sie nach der täglichen Pūjā gebadet und geschmückt herbeigerufen. Außerhalb des Verehrungsraums werden in einem Maṇḍala ihre Füße mit warmem Wasser gewaschen und mit einem feinen Tuch getrocknet. Im Raum nimmt sie auf einem glückverheißenden Sitz mit achtblättrigem, etwa mit Sindūra gezeichnetem Lotus nach Westen gewandt Platz; der Übende sitzt ihr gegenüber.

Der Saṅkalpa benennt den eigenen Wunsch und die beabsichtigte Kumārī-Verehrung. Nach der Ehrung des Gurus und der weiteren Bezugspersonen folgen dreifaches Prāṇāyāma mit dem Wurzelmantra, sämtliche zugehörigen Nyāsas und die Selbstverehrung. Nach Verehrung des Sitzes wird die Göttin in der Kumārī eingeladen und vergegenwärtigt.

Mundspülwasser, Kleidung, Schmuck, Duft, Blumen, Räucherwerk und Licht werden dargebracht. Während das Mädchen Milchreis und die weiteren Speisen und Getränke genießt, rezitiert der Übende schweigend den Wurzelmantra. Danach folgen Wasser zum Händewaschen und Mundspülen, Betel mit Karpūra sowie die Lichtzeremonie. Schirm, Wedel und weitere königliche Ehrengaben werden genannt. Mit einer Gabe nach den eigenen Möglichkeiten, Verneigung und Verabschiedung endet die Verehrung. Die Speise- und Stoffnennungen dokumentieren den historischen Ritus, nicht eine heutige Ernährungsempfehlung für Kinder.

Historische Auswahlkriterien

Im Skanda-Purāṇa heißt es über die als geeignet beschriebene Kumārī:

18.SK.1 Ein gesundes, kräftiges, nach dem damaligen Ideal schönes Mädchen ohne Wunden und aus einer einheitlich bezeichneten Abstammung soll verehrt werden.

Als Ausschlussmerkmale nennt dieselbe Quelle:

18.SK.2 Fehlende oder zusätzliche Glieder, als Aussatz bezeichnete Hautveränderungen, Herkunft aus einer als sittenwidrig bewerteten Familie, Knotenbildungen, rissige oder geschädigte Glieder sowie blutende oder eiternde Wunden …

18.SK.3 … angeborene Blindheit, Schielen, Einäugigkeit, als unansehnlich bewertetes Aussehen, Körperbehaarung, Krankheit oder die Geburt von einer Dienerin werden als Ausschlussgründe genannt.

Einordnung: Diese diskriminierenden Kriterien spiegeln historische Vorstellungen von ritueller Eignung. Sie sind kein Maßstab für den Wert, die Würde oder die religiöse Teilhabe eines Kindes. Sie stehen in Spannung zu der zuvor gelehrten umfassenden Ehrung der weiblichen göttlichen Gegenwart.

Für unterschiedliche Ziele nennt dieselbe Quelle:

18.SK.4 Eine Brahmanin wird allen Vorhaben zugeordnet, ein Mädchen aus einer Königsfamilie dem Sieg, aus einer Vaiśya-Familie dem Gewinn und aus einer Śūdra-Familie dem Wunsch nach einem Sohn.

18.SK.5 Für furchtbare beziehungsweise aggressive Zwecke werden Mädchen aus historisch ausgegrenzten Gruppen genannt, die nach Vorschrift verehrt werden sollen.

Die zweite Hälfte fehlt. Diese sozialen Zweckzuordnungen sind Aussagen der Quelle und werden nicht als tatsächliche Eigenschaften der Kinder übernommen. Damit endet der Kumārī-Pūjā-Abschnitt.

Bali-Darbringungen an Vaṭuka und weitere Gottheiten

Die Überschrift kündigt fünf Bali-Darbringungen an. Die folgende Prosa beschreibt jedoch vier: Vaṭuka, Yoginīs, Kṣetrapāla und Gaṇapati. Am Ende bezeichnet sie diese selbst als Vierergruppe. Eine fünfte Darbringung wird an dieser Stelle nicht ergänzt.

An den vier Zwischenrichtungen des Verehrungscakras werden Maṇḍalas aus Dreieck, Kreis und Quadrat angelegt. Im Nordosten wird Vaṭukabhairava mit vāṃ vaṭukabhairavāya namaḥ, Duft und weiteren Gaben verehrt. Ein auf einem Untersatz stehendes Kupfergefäß oder entsprechendes Gefäß enthält Speisen, Beilagen, Wasser und Blumen. Die Gabe wird mit „Verehrung der Vaṭuka-Bali-Gabe“ gewürdigt.

Die Anrufung lautet: „Komm, komm, Sohn der Göttin, Herr Vaṭuka, leuchtend mit rötlichem verfilztem Haar, Dreiäugiger, Flammengesichtiger! Vernichte, vernichte alle Hindernisse! Nimm, nimm die Bali-Gabe mit allen Verehrungsgaben an! Svāhā.“ Die vorangestellte Ziffer 4 steht als in der Vorlage verwendetes Mantra-Kürzel. Mit Wasser aus dem vorbereiteten Arghya-Gefäß wird die Gabe über linken Daumen und Ringfinger freigegeben; vāsāṃguṣṭha ist hier als beschädigte Form der linken Handangabe überliefert.

Im Südosten werden die Yoginīs mit yāṃ yoginībhyo namaḥ verehrt. Dazu folgt:

18.BA.1 Ob oberhalb des Welteneis, im Himmel, im Luftraum, auf Erden oder in der Tiefe, in der Unterwelt, im Feuer, in Wind oder Wasser, wo immer sie sich befinden; ob sie in Kṣetras, Pīṭhas oder Unter-Pīṭhas ihren Aufenthalt haben: Die von Räucherwerk, Licht und den weiteren Gaben erfreuten Göttinnen, von großen Vīras verehrt, mögen uns durch die glückverheißende Bali-Darbringung stets schützen.

Es folgen yāṃ yoginībhyaḥ svāhā und sarvayoginībhyo huṃ phaṭ svāhā. Der Wasserstrom wird über linken Daumen, Ring- und Mittelfinger dargebracht.

Im Südwesten wird Kṣetrapāla mit kṣāṃ kṣetrapālāya namaḥ verehrt. Nach Aufstellen des Gefäßes folgt die Lautreihe kṣāṃ kṣīṃ kṣūṃ kṣai kṣauṃ kṣaḥ und die Bitte: „Hüter dieses Ortes, nimm, nimm die Bali-Gabe mit Räucherwerk, Licht und Weiterem an! Svāhā.“ Die Schreibung kṣai wird nicht stillschweigend um einen Anusvāra ergänzt. Das Wasser wird über linken Daumen und Zeigefinger oder den Zeigefinger allein dargebracht.

Im Nordwesten wird Gaṇapati mit gāṃ gaṇapataye namaḥ verehrt. Die Formel lautet: gāṃ goṃ gūṃ gaṇapataye – „Gaṇapati, vorzüglicher Gabenspender, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss; nimm, nimm die Bali-Gabe an! Svāhā.“ Die ungewöhnliche Folge gāṃ goṃ gūṃ bleibt erhalten. Die Gabe wird über linken Daumen und Mittelfinger freigegeben. Damit endet die beschriebene Vierergruppe.

Kullikā, Setu, Mahāsetu und Nirvāṇa

Nun die Merkmale der Kullikā und der weiteren vorbereitenden Mantraformen. Im Śrī-Rudrayāmala spricht Īśvara:

18.KS.1 Die Kullikā wird am Scheitel rezitiert, Setu im Herzen vergegenwärtigt; den reinen Mahāsetu soll man im Sahasrāra erheben.

18.KS.2 Im Maṇipūra ist Nirvāṇa, darunter die große Kuṇḍalinī; im Svādhiṣṭhāna wird Kāmarāja, am Scheitel Rākiṇī vergegenwärtigt.

18.KS.3 Nach vorschriftsmäßiger Vergegenwärtigung, Göttin, erinnere man vom Mūlādhāra aus die Dreiheit bis zum Viśuddha, feiner als ein Lotusfaden, Śivā.

18.KS.4 Die Zungenspitze ist die Opferstätte, wiederholt vom Wurzelmantra umgeben. In Wollen und Handeln wird die eigene verehrte Göttin unablässig als eigene Wesensgestalt …

Unnummeriert wird fortgesetzt: … erkannt, höchste Herrin; so soll der höchste Mantra rezitiert werden. Die zweite Hälfte fehlt. Die Verse 3–4 sind syntaktisch nicht ganz glatt; der Ausdruck „Dreiheit“ wird nicht zu einer ungesicherten neuen Körpertechnik erweitert.

Die Göttin fragt:

18.KS.5 Wie beschaffen ist die Kullikā, Herr, und wie Setu? Wie ist Mahāsetu, und wie Nirvāṇa?

Unnummeriert folgt: „Und wie beschaffen ist das andere, das du mir beschrieben hast? Sage es mir, Herr!“ Die zweite Hälfte fehlt.

Īśvara antwortet:

18.KS.6 Das Geheimste des Geheimen wird dir aus Zuneigung erklärt, Göttin. Ohne dieses soll alles fruchtlos sein, höchste Herrin.

18.KS.7 Tārās Kullikā ist Mahānīlasarasvatī; Kālīkās Kullikā wird als fünfsilbig bezeichnet.

18.KS.8 Kālī, Kūrca, Vadhū, Māyā und Phaṭ bilden die genannte Folge, höchste Herrin. Chinnās Kullikā soll achtsilbig sein, Maheśānī.

18.KS.9 Vajravairocanyai wird mit huṃ phaṭ abgeschlossen. Bei Bhairavī wird zuerst die Kullikā der Sampatpradā genannt.

18.KS.10 Die Kullikā der Śrī Tripurasundarī ist zwölfsilbig: zuerst das Vāgbhava-Bīja, danach Kāmarāja, …

18.KS.11 … dann das Lajjā-Bīja, danach Tripureśī, anschließend das Wort bhagavatī und am Ende das doppelte Ṭha.

18.KS.12 Für Kālīkā werden das eigene Bīja, Kūrca und Vadhū eingesetzt; Lajjā und der Waffenlaut folgen am Ende. Tārā wird als Nīlasarasvatī genannt.

18.KS.13 Für die anderen soll die Kullikā dreisilbig sein, Maheśānī: Tāra, Kūrca und danach Aṅkuśa.

18.KS.14 So habe ich dir die Kullikā kurz erklärt. Wer niedrig gesinnt rezitiert, ohne sie zu kennen, Geliebte, …

18.KS.15 … soll rasch sterben und die Vollendung verlieren; seine ganze Rezitation soll vergeblich und fruchtlos sein, gewiss.

18.KS.16 Deshalb soll die Kullikā sorgfältig am Scheitel verehrt werden. Nun werde ich Weiteres erläutern; höre, du freundlich Sprechende, …

18.KS.17 … ohne dessen Kenntnis Rezitation und Feueropfer vergeblich sein sollen. Für Brahmanen ist der Praṇava der Setu, ebenso für Kṣatriyas.

18.KS.18 Für Vaiśyas wird Phaṭ genannt, für Śūdras Māyā. Nach dessen Rezitation folgt bei Sundarī Bhuvaneśvarī.

18.KS.19 Bei Kālīkā ist das eigene Bīja der Mahāsetu, bei Tārā das Kūrca-Bīja, bei den anderen das Vadhū-Bīja, du Schönangesichtige.

18.KS.20 Zuerst rezitiere man den Mahāsetu, danach den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Dadurch soll man an Vermögen dem Herrn des Reichtums und an Rede dem Herrn der Sprache gleichen.

18.KS.21 Im Kampf soll man Kṛtānta, dem Tod, gleichen, unter Frauen dem Liebesgott. Zu allen Zeiten soll Sieg entstehen, ohne Zweifel.

18.KS.22 Nun werde ich Nirvāṇa erläutern; höre, Göttin. Zuerst wird der Praṇava genommen, danach der Anfang der Mātṛkā gesprochen.

18.KS.23 So umschlossen soll der Wurzelmantra im Maṇipūra rezitiert werden. Wer dieses Nirvāṇa nicht kennt, Herrin, …

18.KS.24 … soll selbst in hundert Koṭis von Jahren niemals Vollendung erlangen. Daher ist alles, was gesagt wurde, höchste Herrin, …

18.KS.25 … sorgfältig und ordnungsgemäß auszuführen, dann der höchste Mantra zu rezitieren. Ṛṣi, Versmaß, Gottheit, Bīja, Śakti und Kīlaka …

18.KS.26 … sollen aufmerksam vergegenwärtigt werden, Göttin; danach werden Setu und die weiteren Formen rezitiert. Rezitiert der Mantrakenner so den höchsten König der Mantras, …

18.KS.27 … soll er nach sechs Monaten Vollendung erlangen; daran solle nicht gezweifelt werden. Er selbst soll unmittelbar Herr der Welten sein, ohne Zweifel.

18.KS.28 Er sei Zuflucht, Wissender und Kenner des Mantrawesens; auf Erden tanze er und bewege sich frei nach seinem Willen.

Unnummeriert folgt: „Schon bei seinem Anblick sollen die Feinde fliehen.“ Die zweite Hälfte fehlt.

18.KS.29 Wer so den vollständig umschlossenen Mantrakönig rezitiert und Nirvāṇa sowie die bis zur Kullikā reichenden Formen vollzieht, dem sollen in der ganzen Welt die acht Siddhis zur Hand sein; seine Rede soll wahrhaftig werden und im Innern der Lotusse das Wirkliche gegenwärtig sein.

Textanmerkung: Vers 29 ist deutlich beschädigt, insbesondere bhavanarudhitam und die Schlusswendung. Die Übersetzung gibt nur den erkennbaren Sinnzusammenhang wieder. Die Todes- und Erfolgsandrohungen des Abschnitts sind historische Aussagen und keine festgestellten Folgen einer fehlerhaften Rezitation.

Erläuterung der Lautformen und des Vollzugs

Der Kommentar löst die Kullikās so auf: Für Tārā samt ihren Varianten hrīṃ strīṃ hūṃ; für Dakṣiṇakālikā samt Varianten die fünfsilbige Folge krīṃ hrīṃ strīṃ hrīṃ phaṭ; für Chinnā vajravairocanyai huṃ phaṭ. Für Tripurasundarī und die Sampatpradā-Form Bhairavīs wird aiṃ klīṃ hrīṃ aiṃ klīṃ sauḥ bhagavati svāhā als zwölfsilbig angegeben. Für die übrigen Mantras und Vidyās lautet die dreisilbige Kullikā oṃ hrūṃ kroṃ.

Als Setu nennt der Kommentar für Brahmanen und Kṣatriyas oṃ, für Vaiśyas phaṭ, für Śūdras hrīṃ. Diese Einteilung folgt historischen Standesgrenzen und wird nicht als heutige Zugangsbeschränkung empfohlen. Als Mahāsetu werden für Kālī-Formen krīṃ, für Tārā hūṃ und für die übrigen strīṃ genannt. Der spätere praktische Absatz setzt für Sundarī ausdrücklich hrīṃ ein; die besondere Sundarī-Angabe bleibt neben der allgemeinen Formulierung erhalten.

Nirvāṇa wird als Umschließung des Wurzelmantras mit einzelnen Lauten beschrieben, beispielhaft: oṃ aṃ [Wurzelmantra] aiṃ aṃ oṃ, dann entsprechend mit āṃ, iṃ und der weiteren Mātṛkā. Andere nennen oṃ aṃ [Wurzelmantra] aiṃ aṃ, danach die ganze Mātṛkā und abschließend oṃ, siebenmal im Maṇipūra. Maßgeblich soll die Unterweisung des eigenen Gurus sein.

Für den Vollzug nennt der Text dreifaches Prāṇāyāma und die Zuordnung von Ṛṣi am Kopf, Versmaß am Mund, Mahātripurasundarī als Gottheit im Herzen, Bīja im Ursprungsbereich, Śakti an den Füßen und Kīlaka am Nabel. Die jeweils nicht ausgeschriebenen Namen werden durch amuka, „betreffend“, vertreten; sie werden nicht erfunden.

Die Kullikā aiṃ klīṃ hrīṃ aiṃ klīṃ sauḥ bhagavati svāhā wird am Scheitel sieben- oder dreimal erinnert, ebenso oṃ als Setu im Herzen und hrīṃ als Mahāsetu im Sahasrāra. Die Nirvāṇa-Kurzform wird im Maṇipūra vergegenwärtigt. Die Vorlage schreibt hier oṃ aṃ mūlaṃ 0 oṃ aiṃ aṃ 51 oṃ; das Zahlenkürzel 51 bezeichnet die Lautreihe, wird aber nicht zu einer scheinbar lückenlos überlieferten Formel erweitert. Klīṃ wird im Liṅga-Bereich, die Wurzel-Vidyā an der Zunge erinnert.

Am Scheitel im Sahasrāra wird Rākiṇī angerufen. Die überlieferte Lautfolge beginnt oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ rāṃ roṃ rūṃ raiṃ rauṃ raḥ ramalavarayūṃ. Es folgen die Bitten: „Rākiṇī, schütze, schütze mich; du, die allen Wesen Heil bringt, Göttin, komm, komm, nimm, nimm diese Verehrung an!“ Danach stehen aiṃ ghore devi hrīṃ saḥ paramaghore hrūṃ ghorarūpe ehyehi namaś cāmuṇḍe ḍalarakasahaiṃ śrīmahātripurasundari devi varade vicce – eine Anrufung der furchtbaren und höchst furchtbaren Gestalt, Cāmuṇḍās und der gabenspendenden Mahātripurasundarī. Die ungewöhnlichen verschlüsselten Lautgruppen werden unverändert bewahrt. Damit endet das Kullikā-Verfahren.

Prāṇa-Pratiṣṭhā: rituelle Einsetzung der Lebenskräfte

Nun das Verfahren der Prāṇa-Pratiṣṭhā. Im Kulārṇava heißt es:

18.PP.1 Tāra, Nārāyaṇa mit dem Mondzeichen, Māyā und Aṅkuśa werden genommen, danach sieben mit Bindu versehene Laute beginnend mit Ya und die mit dem Luftraumlaut verbundene Form.

18.PP.2 Mit Bindu folgt die als Ajapā bezeichnete Form, danach der Paramātman-Mantra. Nach dem Wort amuṣya, „dessen“, spreche man „die Lebenskräfte hier“.

18.PP.3 „Lebenskräfte“ folgt; die fünfzehn Laute beginnend mit Pāśa werden wiederholt. Danach heißt es „dessen Jīva ist hier gegenwärtig“.

18.PP.4 Nach den fünfzehn Lauten wird erneut amuṣya gesprochen, dann „sämtliche Sinne“, danach wiederum die fünfzehn Laute.

18.PP.5 „Dessen Sprache, Geist, Auge, Gehör, Geruchssinn und Lebenskräfte mögen hierherkommen und lange glücklich verweilen.“ Das doppelte Ṭha schließt an.

18.PP.6 So wird der Prāṇa-Pratiṣṭhā-Mantra von den Kundigen gelehrt. Die Zahlenangabe lautet caturdaśottarair varṇaiḥ; der Mantra soll alle Ziele verwirklichen.

Textanmerkung: Vers 6 nennt „um vierzehn vermehrte Laute“, ohne die Grundzahl eindeutig auszuschreiben. Eine genaue Gesamtzahl wird daraus nicht erfunden.

Der Kommentar löst die Chiffren auf: Tāra ist Praṇava, Nārāyaṇa der Laut Ā, das Mondzeichen der Anusvāra. Māyā ist das Bhuvaneśvarī-Bīja, Aṅkuśa kroṃ. Der Luftraumlaut ist Ha, verbunden mit O und Anusvāra also hoṃ. Ajapā ist haṃsa, der Paramātman-Mantra so’ham, das doppelte Ṭha bedeutet svāhā. Anstelle von amuṣya wird die Bezeichnung des betreffenden Wesens im Genitiv gesetzt; ist man selbst gemeint, steht mama, „mein“.

Nach manchen Lehrern werden die fünfzehn Laute beginnend mit Pāśa nur am Anfang gesprochen, nicht an jeder weiteren Stelle. Wiederholungen an den Zwischenstellen seien auf wunschbezogene Anwendungen beschränkt, nicht auf gewöhnliche Rezitation und Verehrung. Das Śāradātilaka verlangt dagegen vor jedem amuṣya die vollständige Folge beginnend mit Pāśa. Maßgeblich soll die Auffassung des eigenen Gurus sein.

18.PP.7 Die Ṛṣis dieses Mantras sind Brahmā, Viṣṇu und Īśa; als Versmaße nennen die im Āgama Kundigen Ṛg, Yajus und Sāman.

18.PP.8 Die Gottheit ist Prāṇaśakti, gegenwärtig im Herzen aller Lebewesen. Pāśa ist das Bīja, Śakti die Kraft und Aṅkuśa das Kīlaka.

18.PP.9 Die Anwendung gilt der Einsetzung der Lebenskräfte. Śrīkaṇṭha mit Bindu und die Ka-Gruppe mit Bindu …

18.PP.10 … werden mit „von der Natur von Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde“ verbunden. Ananta mit Bindu bildet den Herzmantra. Danach folgt Sūkṣma mit Bindu …

18.PP.11 … und die Ca-Gruppe mit Bindu, verbunden mit „von der Natur von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch“; am Ende steht Trimūrtīśa mit Bindu.

18.PP.12 Dies ist der Kopfmantra. Danach werden Amareśa mit Bindu und die Ṭa-Gruppe genommen, verbunden mit Gehör, Haut, Auge, …

18.PP.13 … Zunge und Geruchssinn; Arghīśa mit Bindu bildet den Śikhā-Mantra. Jhiṇṭīśa mit Bindu und die Ta-Gruppe in gleicher Weise …

18.PP.14 … werden mit „von der Natur von Sprache, Händen, Füßen, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan“ verbunden; Bhautikā mit Bindu gehört zum Schutzmantra. Danach folgen Sadya mit Bindu und die Pa-Gruppe mit Bindu.

18.PP.15 „Von der Natur des Sprechens, Nehmens, Ausscheidens, Gehens und der Freude“, verbunden mit Anugraha und Bindu, wird als Augenmantra gelehrt.

18.PP.16 Nach dem den Mondtagen zugeordneten Vokal werden zehn Laute ab Ya mit Bindu gesprochen, danach „von der Natur von Geist, Urteilskraft, Ichbewusstsein und Citta“.

18.PP.17 Mit Visarga wird dies als Waffenmantra bezeichnet. So beginnen die sechs Gliedermantras mit Tāra und den drei Bījas.

18.PP.18 Mit ihren jeweiligen Endungen werden sie an Händen und Gliedern eingesetzt. Vom Nabel bis zu beiden Füßen, vom Hals bis zum Nabel und vom Kopf …

18.PP.19 … bis zum Hals werden die Bījas ab Pāśa zugeordnet. Danach meditiert man inmitten des Herzlotus über einen achtblättrigen Lotus.

18.PP.20 In seinen Blättern im Nordwesten, Südosten, Osten, Westen, Nordosten, Südwesten, Norden und Süden sowie in seiner Mitte …

18.PP.21 … werden die Bindu-Laute von Ya bis Kṣa einzeln eingesetzt, unter Auslassung des als La bezeichneten Lautes. Danach wird die Göttin im Herzen erinnert.

Lesart: Das la-varjya, „ohne La“, in Vers 21 steht in Spannung zur nachfolgenden praktischen Aufzählung, die laṃ ausdrücklich einschließt. Möglich ist ein Bezug auf den zweiten L-Laut; die Vorlage unterscheidet dies nicht zuverlässig. Die praktischen Angaben bleiben deshalb unverändert erhalten.

Die praktische Mantraordnung der Quelle

Der Nyāsa benennt Brahmā, Viṣṇu und Śiva als Ṛṣis am Kopf, Ṛg, Yajus und Sāman als Versmaße am Mund, die höchste Prāṇaśakti als Gottheit im Herzen, āṃ als Bīja im Ursprungsbereich, hrīṃ als Śakti an den Füßen und kroṃ als Kīlaka am Nabel. Mit zusammengelegten Händen wird die Anwendung „zur Prāṇa-Pratiṣṭhā des betreffenden Wesens“ ausgesprochen.

Die sechs Glieder beginnen jeweils mit oṃ āṃ hrīṃ kroṃ. Der Herzmantra verbindet aṃ, die fünf Ka-Laute und āṃ mit den fünf Elementen und endet āṃ hṛdayāya namaḥ. Der Kopfmantra verbindet iṃ, die fünf Ca-Laute und īṃ mit den fünf Sinnesgegenständen und endet īṃ śirase svāhā. Der Śikhā-Mantra verbindet uṃ, die fünf Ṭa-Laute und ūṃ mit den fünf Erkenntnisorganen und endet ūṃ śikhāyai vaṣaṭ.

Der Schutzmantra verbindet eṃ, die fünf Ta-Laute und aiṃ mit den fünf Handlungsorganen und endet aiṃ kavacāya huṃ. Der Augenmantra verbindet oṃ, die fünf Pa-Laute und auṃ mit Sprechen, Nehmen, Ausscheiden, Gehen und Freude und endet auṃ netratrayāya vauṣaṭ. Der Waffenmantra verbindet aṃ, die zehn Laute ab Ya und aḥ mit Geist, Urteilskraft, Ichbewusstsein und Citta und endet aḥ astrāya phaṭ. Die Ziffern 5 und 10 der Vorlage werden als Gruppenangaben verstanden, nicht als zusätzlich auszusprechende Zahlen.

Diese sechs Mantras werden zunächst vom Daumen bis zu den Handflächen und dann an den sechs Körperstellen ab dem Herzen eingesetzt. Āṃ namaḥ gilt dem Bereich vom Nabel bis zu den Fußspitzen, hrīṃ namaḥ vom Hals bis zum Nabel und kroṃ namaḥ vom Kopf bis zum Hals. Im Herzlotus stehen yaṃ im Nordwesten, raṃ im Südosten, laṃ im Osten, vaṃ im Westen, śaṃ im Nordosten, ṣaṃ im Südwesten, saṃ im Norden, haṃ im Süden und kṣaṃ in der Mitte, jeweils mit namaḥ.

Die anschließende Formel beginnt in der Vorlage oṃ āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ rho haṃśaḥ sohaṃ. Die Formen rho und haṃśaḥ sind hier beschädigt beziehungsweise abweichend; sie werden nicht als gesicherte Normalform ausgegeben. Die gesprochenen Bitten lauten sinngemäß: „Dessen Lebenskräfte seien hier als Lebenskräfte; dessen Jīva sei hier gegenwärtig; dessen sämtliche Sinne, Sprache, Geist, Haut, Augen, Gehör, Zunge, Geruchssinn und Lebenskräfte mögen hierherkommen und lange glücklich verweilen. Svāhā, oṃ.“ An drei Zwischenstellen steht jeweils die Zahl 15 als Verweis auf die Lautfolge. Mit der Formel wird der ganze Leib dreifach durchdrungen vergegenwärtigt. Es folgt die Meditation:

18.PP.22 Ich verneige mich vor der roten, dreiäugigen Göttin, auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer sitzend, in ihren Händen Schlinge, Haken, Zuckerrohrbogen, Pfeile, Dreizack und Schädelschale tragend.

18.PP.23 So über die Trägerin der Welt meditierend, soll man den Mantra ein Lakh mal rezitieren und ein Zehntel davon mit Ghee vermischtem Caru opfern.

18.PP.24 Auf einem Śakti-Pīṭha mit Sechseck wird nach diesem Verfahren verehrt. In den sechs Winkeln werden Brahmā, Viṣṇu, Īśvara, …

18.PP.25 … Vāṇī, Lakṣmī und Ramā verehrt, danach die sechs Glieder. In den Blättern werden die Mütter, außen die Weltenhüter verehrt.

18.PP.26 So soll die Göttin mit wohlriechenden Blüten und weiteren Gaben verehrt werden. Der auf diese Weise vollendete Mantra soll die Früchte der sechs Ritualarten gewähren.

Unnummeriert folgt: „Mit diesem Mantra soll der Lehrer überall die Lebenskräfte einsetzen.“ Die zweite Hälfte fehlt.

Der Kommentar beschreibt die Verehrung nach den üblichen Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa, mit Prāṇāyāma, den Ṛṣi- und Gliedernyāsas und innerem Opfer. Vor dem Übenden wird ein Yantra aus Sechseck, achtblättrigem Lotus und Bhūpura gezeichnet. Auf Gefäßaufstellung und Selbstverehrung folgt die Pīṭha-Verehrung von Maṇḍūka bis zum höchsten Prinzip.

An den Lotusstaubfäden werden Jayā, Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā und Maṅgalā genannt. Das gesamte Pīṭha wird mit hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ als Lotussitz aller Kräfte verehrt. Die Gestalt wird mit dem Wurzelmantra vergegenwärtigt, eingeladen und mit den Gaben bis zu den Blumen verehrt.

Im Sechseck stehen Brahmā, Viṣṇu und die als rudrāya erwartete, aber rudrāyai geschriebene Form sowie Sarasvatī, Lakṣmī und Gaurī. Damit nennt der Kommentar Gaurī, wo Vers 25 Ramā nennt; die Abweichung bleibt sichtbar. Die sechs Glieder werden an den Verbindungsstellen, die acht Mütter ab Brāhmī in den Lotusblättern und die Weltenhüter mit ihren Waffen im Quadrat verehrt. Räucherwerk, Licht und die übrigen Gaben schließen die Handlung ab.

18.PPZ.17 Ein Lakh Rezitationen des Mantras und ein Zehntel davon als Feueropfer mit Ghee-Caru werden genannt; anschließend folgen Tarpaṇa und die weiteren Handlungen.

Nummerierung: Dieser abschließende Vers trägt in der Vorlage erneut die Nummer 17. Er erhält deshalb das gesonderte Kürzel PPZ und wird nicht mit dem früheren Vers 17 zusammengezogen.

Prāṇa-Anwendungen und ihre Parallelfassungen

In der Śāradā, Stellenangabe 23|62, heißt es:

18.ŚP.1 Nach den Bījas und vor den jeweiligen amuṣya-Wendungen sollen die Botinnen verehrt werden: Mṛtā, Vaivasvatā, Jīvahā und Prāṇahā, …

18.ŚP.2 … Ākṛṣyā, Grasanā, Bhramadā, Visphuliṅginī und Kṣetrapratiharī. Diese gelten als die neun Prāṇa-Botinnen.

18.ŚP.3 Die Zielperson wird als durch die Schlinge in ihren Bewegungen gebunden, durch Śakti im Bewusstsein erfasst und durch den Haken herangezogen vorgestellt; ihre Lebenskräfte sollen gesammelt werden.

18.ŚP.4 Eine zwölf Fingerbreiten große Stellvertreterfigur wird hergestellt; in ihr Herz wird das Prāṇa-Yantra mit dem als kīṭa bezeichneten Lebenselement eingesetzt.

18.ŚP.5 Um Mitternacht, wenn die Zielperson schläft, werden in ihrem Herzlotus die Blätter der Richtungen Wind, Feuer, Indra und Varuṇa …

18.ŚP.6 … sowie Īśa, Rākṣasa, Mond und Yama und die Mitte vergegenwärtigt. Die Laute ab Ya, mit Haṃsa verbunden, erscheinen in Gestalt von Bienen.

18.ŚP.7 Ihre Gestalten sind mit Fäden verbunden, die aus einem Bindu am Kopf hervorgehen. Im eigenen Herzlotus werden entsprechend weibliche Bienen vergegenwärtigt.

18.ŚP.8 Diese werden auf dem Weg des Atems ausgesandt und sollen jeweils eine der Bienen aus dem Herzlotus der Zielperson heranbringen.

18.ŚP.9 Der kundige Mantrakenner soll sie in der Figur oder im eigenen Geist einsetzen und mit dem Feuer-Bīja die Fäden ringsum durchtrennen.

18.ŚP.10 Die herangezogenen Herzbienen sollen mit dem Erdprinzip stillgestellt werden. Bei allen entsprechenden Handlungen wird eine elfmalige Wiederholung genannt.

18.ŚP.11 Für Gefügigmachen und Heranziehung werden die Ya-Laute rot, für Verblendung und Zwietracht rauchfarben, für Tötung schwarz vergegenwärtigt.

18.ŚP.12 Für Stillstellung werden sie gelb meditiert. Die aus dem Herzen der Zielperson herangezogenen Lebenskräfte sollen im eigenen Herzen eingesetzt werden.

18.ŚP.13 Bei aggressiven Handlungen wird dagegen ihre Einsetzung in die Figur genannt. Dabei werden die Lebenskräfte der Zielperson als Frösche, die eigenen als Schlangen vorgestellt.

Unnummeriert folgt die Aufforderung, dies bei aggressiven Handlungen entsprechend zu vergegenwärtigen; die zweite Hälfte fehlt.

18.ŚP.14 Das Prāṇa-Yantra trägt in den Wind-, Feuer-, Indra-, Varuṇa-, Īśvara-, Rākṣasa-, Mond- und Yama-Blättern die Bindu-Laute ab Ya. In der Mitte stehen Kṣa, Haṃsa und die Bezeichnung der Zielperson; außen wird es von Lauten und einem Erdquadrat umgeben.

18.ŚPZ.1 Wer in solchen Anwendungen kundig ist, soll durch diesen Mantra selbst alle Götter gefügig machen können, um wie viel mehr Menschen auf Erden.

Einordnung: Die Bienen, Fäden, Frösche und Schlangen gehören zu einer magischen Vergegenwärtigung. Die Quelle behauptet eine Einwirkung auf die Lebenskräfte eines anderen Menschen; diese wird nicht als tatsächliche Fernwirkung bestätigt. Die neu beginnende Nummer 1 erhält ein eigenes Kürzel.

Nach der Beschreibung des Puraścaraṇa nennt das Brahma-Yāmala weitere Einzelheiten:

18.BP.1 Täglich soll der Mantrakenner mit Japā- oder Kiṃśuka-Blüten oder roten Utpala-Blüten neun Gaben unter Verwendung des Wurzelmantras opfern.

18.BP.2 Danach werden mit den drei Bījas einzeln und der Reihe nach weitere Gaben dargebracht. Aus den Lauten von Ya bis Haṃsa werden neun Prāṇa-Botinnen verstanden.

18.BP.3 Mṛtā, Vaivasvatā, Jīvahā, Prāṇahā, Ākarṣiṇī, Grasanā, Bhramadā und Visphuliṅginī …

18.BP.4 … sowie Kṣetrajñahāriṇī werden in dieser Reihenfolge genannt. Mit dem jeweiligen Laut vor ihrem Namen werden ihnen Gaben geopfert.

Die Beispielformel lautet āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ mṛtāyai svāhā. Die Namen Ākarṣiṇī und Kṣetrajñahāriṇī weichen von Ākṛṣyā und Kṣetrapratiharī im vorigen Zitat ab.

18.BP.5 Nun werde ich die für die Anwendungen bestimmte Meditation erläutern, Maheśvarī: Die Botin wird vorgestellt, wie sie zur Zielperson geht und diese mit dem Schlingen-Bīja fest bindet, …

18.BP.6 … mit dem Śakti-Bīja deren Kraft erfasst und mit dem Haken-Bīja deren Lebenskräfte heranzieht und herbeibringt.

18.BP.7 Um Mitternacht, während die Zielperson schläft, werden in deren Herzlotus die Blätter von Wind, Feuer, Indra und Varuṇa …

18.BP.8 … sowie Īśa, Rākṣasa, Mond und Süden und die Mitte bedacht. Die mit Haṃsa verbundenen Laute ab Ya werden als Bienen vorgestellt.

18.BP.9 Ihre Gestalten hängen an Fäden, die aus einem Bindu am Kopf hervorgehen. Im eigenen Herzlotus stellt man sich entsprechend weibliche Bienen vor.

18.BP.10 Diese werden auf dem Atemweg ausgesandt und sollen einzeln jeweils eine Biene aus dem Herzlotus der Zielperson heranbringen.

18.BP.11 Der Mantrakenner setzt sie in die Figur oder im eigenen Geist ein; mit dem Feuer-Bīja wird das Trennen der Fäden vorgestellt, Pārvatī.

18.BP.12 Die herangezogenen Bienen werden mit dem Erd-Bīja stillgestellt. Bei allen entsprechenden Handlungen werden elf Wiederholungen genannt.

18.BP.13 Für Gefügigmachen und Heranziehung erscheinen die Ya-Laute rot, für Verblendung und Zwietracht rauchfarben, für Tötung schwarz, Geliebte.

18.BP.14 Für Stillstellung werden sie gelb vergegenwärtigt. Die herangezogenen Lebenskräfte sollen im eigenen Herzen eingesetzt werden.

18.BP.15 Bei aggressiven Handlungen ist dagegen die Einsetzung in der Figur vorgesehen; die Lebenskräfte der Zielperson werden als Frösche, die eigenen als Schlangen …

18.BP.16 … vorgestellt, Götterherrin. Wer so in der Anwendung kundig ist, soll mit diesem Mantra, Schöne, …

18.BP.17 … sämtliche Götter gefügig machen können, um wie viel mehr Menschen. In den Richtungsblättern von Wind, Feuer, Indra, Varuṇa, Śiva, Rākṣasa und Mond …

18.BP.18 … bis zum Süden werden die acht Bindu-Laute von Ya bis Ha geschrieben, Pārvatī, in der Mitte Kṣa.

18.BP.19 In dessen Mitte werden die beiden Laute haṃsa zusammen mit dem Namen der Zielperson geschrieben, Tochter des Berges.

18.BP.20 Das Prāṇa-Mantra-Yantra wird von einem Quadrat umgeben. Für aggressive Handlungen werden die zuvor genannten Stoffe einschließlich der acht als Gifte bezeichneten Bestandteile …

18.BP.21 … für eine zwölf Fingerbreiten große, deutlich gegliederte Figur genannt, der Haare der Zielperson beigegeben werden.

18.BP.22 In ihrem Herzbereich wird das auf ein Leichentuch geschriebene Prāṇa-Yantra mit dem kīṭa genannten Lebenselement eingesetzt, Göttin.

18.BP.23 Nach der beschriebenen Vorstellung werden die Lebenskräfte der Zielperson darin eingesetzt. Die Figur wird geteilt und nachts unter Erinnerung an die Zielperson im Scheiterhaufenfeuer geopfert.

Unnummeriert folgt die Behauptung, nach sieben Nächten solle der Feind dadurch getötet werden. Die zweite Hälfte fehlt. Der Kommentar erklärt sakīṭa als „belebt“, also mit den vorgestellten Lebenskräften der Zielperson versehen; es ist hier nicht notwendig als beigefügtes tatsächliches Insekt zu verstehen.

18.BP.24 Śyena, Agni, Loṇapiṇḍa, Dhattūra-Saft, Hausruß und die drei scharfen Stoffe werden als die acht Gifte genannt.

Der Kommentar deutet Śyena hier als Vogelkot, Agni als Citraka und Loṇapiṇḍa als künstlich bereitetes Salz; das Übrige sei leicht verständlich. Die Stoffnamen werden als Bestandteil der historischen Liste dokumentiert, ohne eine moderne Giftrezeptur, Beschaffung oder Anwendung daraus abzuleiten. Die behauptete Tötung durch die Stellvertreterfigur bleibt eine magische Wirkungszuschreibung der Quelle.

Kalā-Gruppen und die Einladung in ein Bild

Das Brahma-Yāmala-Zitat wird fortgesetzt:

18.BP.25 Der Mantrakenner soll die Kalās in einen Krug, ein Bild oder eine entsprechende Form einladen. Für śaivische und gāṇapatya Verehrung werden sechsundneunzig Kalās genannt.

18.BP.26 Für die Sonnenverehrung fünfundachtzig, für die vaiṣṇavische vierundneunzig, für die śākta Verehrung siebzig; manche nennen auch hier die śaivischen Kalās.

Der Kommentar erläutert: Manche Lehrer wenden auch in der śākta Verehrung die sechsundneunzig śaivischen Kalās an. Diese werden nun genannt:

18.BP.27 Sechsunddreißig Wirklichkeitsprinzipien, zweiunddreißig Kāma- und Soma-Kalās, neun Botinnen, zehn Lebenskräfte und neun Laute beginnend mit Ya bilden die Gruppen.

18.BP.28 Als śaivische Kalās werden zunächst Śiva, Śakti, Sadāśiva, Īśvara, Śuddhavidyā, Māyā, Vidyā und Kalā genannt, …

18.BP.29 … Rāga, Kāla, Niyati, Puruṣa, Prakṛti, Ahaṅkāra, Buddhi, Manas, Gehör und Haut, …

18.BP.30 … Zunge, Geruchssinn, Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Zeugungsorgan, Klang, Berührung, Geschmack, Geruch, Raum und Wind, …

18.BP.31 … Feuer, Wasser und Erde. Danach folgen Śraddhā, Prīti, Rati, Dhṛti, Kānti, Manoramā und Manoharā, …

18.BP.32 … Manorathā, Madanonmādinī, Mohinī, Śaṅkhinī, Śoṣiṇī, Vaśaṅkarī und Śiñjinī, …

18.BP.33 … Sutagā, jeweils mit Vokalen verbunden; sechzehn werden hier genannt. Danach Pūṣā, die als Ceddhā überlieferte Kraft, Sumanasā, Rati, Prīti und Dhṛti, …

18.BP.34 … Ṛddhi, Saumyā, Marīci, Aṃśumālinī, Śaśinī, Aṅgirā, Chāyā und Sampūrṇamaṇḍalā, …

18.BP.35 … Tuṣṭā und Amṛtā: Dies sind die mit Vokalen verbundenen Mond-Kalās. Amṛtā und die folgenden, die zehn Lebenskräfte und die neun Laute ab Ya werden genannt.

18.BP.36 Sechsundneunzig Kalās werden für śaivische, śākta und gāṇapatya Verehrung angegeben. Nun werde ich die vaiṣṇavischen erläutern; höre, du Schönangesichtige.

Listenprüfung: Die Gruppenzahlen in Vers 27 ergeben zusammen sechsundneunzig. Die ausgeschriebenen Listen sind jedoch beschädigt: Bei den Tattvas fehlen unter anderem die ausdrücklich erwartbaren Glieder Auge und Gestalt; die Kāma-Namensfolge lässt nicht ohne Ergänzung sechzehn sicher getrennte Namen erkennen. Die Botinnen werden in der späteren kompakten Zusammenfassung nicht eindeutig erneut aufgeführt. Śvaddhā, Ceddhā und Sutagā sind unsichere Lesungen. Die Ausgabe ergänzt keine vermeintlich ursprüngliche Gesamtliste, sondern bewahrt die tatsächlichen Angaben.

18.BP.37 Jīva, Prāṇa, Buddhi und Manas, zwanzig Glieder beginnend mit dem Gehör, der Herzlotus, Sonne, Mond, Feuer, Vāsudeva …

18.BP.38 … sowie Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha werden genannt; danach die Folge ab Śraddhā. Höre nun die solaren Kalās.

18.BP.39 Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch, Gehör, Haut und Auge, …

18.BP.40 … Zunge, Geruchssinn, Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan, Manas, Garva, Buddhi, Dhī und Prakṛti, …

18.BP.41 … danach die Folge ab Śraddhā werden hierfür genannt. Höre die śākta Kalās, du Schönangesichtige: Ātman, Vidyā und Śiva zunächst in umgekehrter Folge, …

18.BP.42 … danach erneut in vorwärtsgerichteter Folge, ebenso das Gesamttattva und anschließend die Kräfte ab Śraddhā. So sind alle Kalās erläutert.

Auslegungsgrenze: Die Verweise auf die Folge „ab Śraddhā“ ersetzen hier ausgeschriebene Namenslisten. Aus den verkürzten Angaben werden keine lückenlosen Tabellen mit erzwungener Übereinstimmung zu den genannten Summen erzeugt. Garva bedeutet Stolz beziehungsweise Ichüberhebung; Buddhi und Dhī bleiben als getrennt überlieferte Begriffe bestehen.

Einladung der Kalās bei günstigen Verehrungshandlungen

Der Kommentar erläutert den Sinn: Nach den täglichen Pflichten sitzt der Sādhaka vor dem entsprechend gestalteten Bild. Zwischen sich und dem Bild stellt er auf einem Untersatz einen vollen Krug auf, in den an einem früheren Tag alle Kalās eingeladen wurden. Nach Atemregulierung benennt der Saṅkalpa Datum, Bildgestalt, Gottheit und Zahl der Kalās, die deren Gegenwart herbeiführen sollen. Ein durch den Prāṇa-Pratiṣṭhā-Mantra geweihtes Prāṇa-Yantra wird am Hals des Bildes befestigt.

Das Yantra wird auf Birkenrinde oder einer entsprechenden Unterlage mit acht Duftstoffen als achtblättriger Lotus gezeichnet. In seiner Mitte steht Kṣa mit der Zielbezeichnung, umgeben von haṃsa. Auf den Blättern stehen yaṃ im Nordwesten, raṃ im Südosten, laṃ im Osten, vaṃ im Westen, śaṃ im Nordosten, ṣaṃ im Südwesten, saṃ im Norden und haṃ im Süden. Außen werden Bhūpura, Mātṛkā-Laute und an ihren jeweiligen Stellen die Bījas der Richtungswächter gezeichnet. Danach wird die Verbindung mit dem Feueropfer, Homa-Sampāta, vollzogen.

Mit dem Mantra der einzuladenden Gottheit folgen Prāṇāyāma, Ṛṣi-, Hand- und Gliedernyāsa und Meditation. Am Bild werden Bhūta-Śuddhi und Mātṛkā-Nyāsa ausgeführt. Unter Berührung seines Herzens wird der Prāṇa-Pratiṣṭhā-Mantra hundertachtmal rezitiert; anstelle von amuṣya wird der Name der Gottheit im Genitiv eingesetzt.

Die Abdeckung des mit Duftwasser und Blumen gefüllten Kruges wird entfernt. Eine Blüte wird entnommen, und die jeweilige Kalā wird angerufen. Die Beispielreihe beginnt oṃ āṃ hrīṃ kroṃ haṃsaḥ so’haṃ yaralavaśaṣasahoṃ. Darauf folgen die Bitten: „Die Lebenskräfte-Kalās der betreffenden Gottheit in Gestalt des Śiva-Tattva seien hier gegenwärtig; ebenso ihre Jīva-Kalā, sämtliche Sinnes-Kalās und die Kalās von Sprache, Geist, Augen, Haut, Gehör, Zunge, Geruchssinn und Lebenskräften. Sie mögen hierherkommen und lange glücklich verweilen. Svāhā.“ Die Zahl 15 steht wiederum als Kürzel für die wiederholte Lautfolge. Die Blüte wird auf den Kopf des Bildes gelegt.

Entsprechend werden die übrigen Tattva-Kalās eingeladen. Die Vorlage nennt beispielhaft Śakti und Īśvara; daraus wird keine neue abweichende vollständige Reihenfolge erschlossen. Nach der hier genannten Überlieferung wird die erste Kalā einmal angerufen, die zweite zweimal, die dritte dreimal, die vierte viermal und so fort mit jeweils einer Wiederholung mehr.

In einem anderen Tantra heißt es:

18.KA.1 Vom ersten Tag der hellen Monatshälfte bis zum Vollmond soll der Mantrakenner die Einladung in ein glückverheißendes Bild oder eine entsprechende Form vollziehen.

18.KA.2 Das Heranziehen beziehungsweise Zurücknehmen der Kalās wird dagegen vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte an angesetzt. Wie die Kalās des Mondes in dunkler und heller Hälfte ab- und zunehmen, …

18.KA.3 … so ergibt sich hier die Tagesfolge nach den Mondtagen. Der Lehrer soll nach richtiger Kenntnis durch Guru und Lehrwerk handeln.

18.KA.4 Wer ohne Kenntnis handelt, soll töricht selbst sterben.

Die zweite Hälfte fehlt. Die drastische Sanktion ist die historische Begründung sorgfältiger Unterweisung; sie ist keine tatsächlich nachgewiesene Folge eines rituellen Fehlers.

Einsetzung des Feuers für das tägliche Homa

Nun das Verfahren für das tägliche Feueropfer. Im Nordosten der Verehrungsstätte wird eine Feuergrube oder Bodenfläche mit Kuhdung bestrichen, mit dem Wurzelmantra betrachtet und mit dem Waffenmantra geschützt. Kuśa-Gras, Besprengung und die Schutzformel gehören zur Reinigung. Drei nach Osten gerichtete Linien werden Viṣṇu, Rudra und Indra zugeordnet, drei nach Norden gerichtete Brahmā, Yama und Candra. Sie werden mit der Kuśa-Wurzel gezeichnet und mit Kuśa-Wasser besprengt.

In der Mitte wird mit hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ das Yogapīṭha verehrt. Die Quelle vergegenwärtigt Bhuvaneśī als menstruierende schöpferische Göttin und das eingesetzte Feuer als Śivas Samen. Diese symbolische Vereinigung bezeichnet hier die Feuergründung, keine Handlung an einer menschlichen Partnerin. Das etwa mit einem Sonnenstein gewonnene Feuer wird mit dem Praṇava eingesetzt.

Der Anruf oṃ citpiṅgala hana hana daha daha paca paca sarvajñājñāpaya svāhā enthält die Aufforderungen „schlage“, „verbrenne“ und „koche“ sowie eine nicht ganz glatt gegliederte Anweisung an den Allwissenden. Das Feuer wird mit Kuśa und Atem angefacht und mit Holz verstärkt. Mit zusammengelegten Händen heißt es: „Ich verehre das entflammte Feuer, Jātavedas, den Opferverzehrer, goldfarben, rein, hell brennend und nach allen Seiten gerichtet.“

Die sieben Feuerzungen werden mit folgenden Lauten und Namen am eigenen Körper zugeordnet: sarayūṃ hiraṇyāyai namaḥ im Liṅga-Bereich, ṣarayūṃ kanakāyai namaḥ am Ausscheidungsbereich, śarayūṃ raktāyai namaḥ am Kopf, varayūṃ kṛṣṇāyai namaḥ am Mund, larayūṃ suprabhāyai namaḥ an der Nase, rarayūṃ atiraktāyai namaḥ an den Augen und yarayūṃ bahurūpāyai namaḥ am ganzen Körper.

Die sechs Glieder lauten: oṃ sahasrārciṣe hṛdayāya namaḥ, „dem Tausendflammigen, für das Herz“; oṃ svastipūrṇāya śirase svāhā, „dem von Wohlergehen Erfüllten, für den Kopf“; oṃ uttiṣṭhapuruṣāya śikhāyai vaṣaṭ, für die Śikhā; oṃ dhūmavyāpine kavacāya huṃ, „dem vom Rauch Durchdringenden, für den Schutz“; oṃ saptajihvāya netratrayāya vauṣaṭ, „dem Siebenzungenhaften, für die drei Augen“; oṃ dhanurdharāyāstrāya phaṭ, „dem Bogenträger, für die Waffe“.

Acht Feuergestalten werden danach eingesetzt: Jātavedas am Kopf, Saptajihva an der linken Schulter, Havyavāhana an der linken Seite, Aśvodara an der linken Hüfte, Vaiśvānara im Liṅga-Bereich, Kaumāratejas an der rechten Hüfte, Viśvamukha an der rechten Seite und Devamukha an der rechten Schulter, jeweils mit agnaye und namaḥ.

Um das Feuer wird Darbha-Gras ohne die als garbha bezeichneten inneren Teile gelegt, mit nach Norden und Osten gerichteten Spitzen. Im Feuermund wird ein Sechseck vorgestellt; in seiner Mitte und den sechs Winkeln werden die sieben Zungen verehrt. Außen folgen ein achtblättriger Lotus, die sechs Glieder an den Zwischenrichtungen und die acht Feuergestalten in den Blättern. Im äußeren Quadrat werden Richtungswächter und Waffen verehrt. Ein Teil dieser Anordnung steht in der Vorlage in Klammern.

Die zentrale Anrufung lautet: oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā – „Vaiśvānara, Jātavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollende alle Handlungen! Svāhā.“ Das Feuer wird mit Duft und weiteren Gaben verehrt.

Ghee wird in ein mit dem Waffenmantra gereinigtes Gefäß gegeben, achtmal mit dem Wurzelmantra besprochen und mit vaṃ und der Dhenu-Mudrā als Nektar vergegenwärtigt. Brennende Darbha-Halme werden zur Lichtumkreisung verwendet und danach ins Feuer gegeben. Eine weitere Flammenhandlung mit dem Waffenmantra folgt. Die beiden Opferlöffel werden erwärmt, mit Darbha gereinigt, erneut erwärmt, besprengt und auf Darbha gelegt. Fehlen die Löffel, nennt die Quelle zwei mittlere Palāśa-Blätter oder zwei Aśvattha-Blätter als Ersatz. Auch das Reinigungsgras wird nach Wasserkontakt ins Feuer gegeben.

Die ersten Ghee-Gaben gelten Agnis rechtem Auge mit agnaye svāhā, dem linken mit somāya svāhā, dem Stirnauge mit agnīṣomābhyāṃ svāhā und dem Mund mit agnaye sviṣṭakṛte svāhā. Der Verzicht auf persönlichen Besitz der Gabe wird mit „Dies ist für Agni beziehungsweise Soma, nicht für mich“ ausgesprochen.

Vier weitere Gaben lauten oṃ bhūḥ svāhā für Agni, oṃ bhuvaḥ svāhā für Vāyu, oṃ svaḥ svāhā für Sūrya und oṃ bhūrbhuvaḥ svāhā für Prajāpati, jeweils mit dem entsprechenden „Dies, nicht für mich“. Die vierte Formel enthält in der Vorlage kein zusätzliches svaḥ; dies wird nicht stillschweigend ergänzt. Mit der Vaiśvānara-Anrufung folgen drei Gaben.

Danach werden die Lebensweihen des Feuers mit jeweils acht Ghee-Gaben vollzogen: Garbhādhāna, Puṃsavana, Sīmantonnayana, Jātakarman, Annaprāśana, Cūḍākaraṇa, Upanayana, Samāvartana und Vivāha. Die Formel benennt jeweils die Weihe, etwa „Ich vollziehe das Garbhādhāna des Feuers, svāhā“. Den zuvor genannten Feuerzungen und Gestalten wird je eine Gabe mit ihrem Namen im Dativ und svāhā dargebracht.

Der Gaṇapati-Mantra wird in zehn wachsenden Stufen geopfert: zunächst oṃ, dann nacheinander mit śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ, gaṃ, gaṇapataye, varavarada, sarvajanaṃ me und schließlich vaśamānaya, jede Stufe mit svāhā. Die vollständige Formel lautet oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye varavarada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā. Es folgen vier Gaben mit dem vollständigen Mantra.

Im so geweihten Feuer wird die Gottheit vergegenwärtigt und mit dem Wurzelmantra verehrt; Feuer und Gottheit gelten als eins. Als Gaben nennt die Quelle Ghee, Milchreis, Sesam, geschälten Reis, ungeschälten Reis, Gerste oder gekochte Speise. Bei den anderen Stoffen als Ghee wird eine dreifache Verbindung oder die Verbindung mit Ghee allein erwähnt; die gedrängte Formulierung tridhāyoga wird hier nicht zu einer ungesicherten neuen Mischung ergänzt. Der betreffende Absatz steht in der Vorlage in Klammern.

Fünfundzwanzig Gaben mit dem Wurzelmantra, sechs mit den Gliedermantras und nochmals fünfundzwanzig mit dem Wurzelmantra werden genannt. Danach erhält jede Āvaraṇa-Gottheit eine Ghee-Gabe. Vier weitere Anrufungen gelten Agni und Erde, Vāyu und Zwischenraum, Āditya und Himmel sowie Mond, Sternen und Richtungen, jeweils zusammen mit dem Großen, Mahat, und den entsprechenden Vyāhṛtis.

Die umfassende Darbringung lautet sinngemäß: „Alles, was ich bisher in den Zuständen von Wachen, Träumen und Tiefschlaf, unter den Bedingungen von Leben, Einsicht, Körper, Dharma und Befugnis, mit Geist, Wort, Tat, Händen, Füßen, Bauch und Zeugungsorgan erinnert oder gesprochen habe, möge eine Gabe an Brahman sein. Svāhā.“ Mit ihr werden acht oder eine Ghee-Gabe dargebracht.

Nach erneuter Feuerverehrung folgt eine Sesamgabe mit Ghee zur Ausgleichung von Mangel und Überschuss: „Ich gebe Sesam mit Ghee zur Vollendung dessen, was zu wenig oder zu viel war. Oṃ hvaṃ, mache es vollständig, mache es vollständig, svāhā.“

Das Feuer wird gebeten: „Tausendflammiger, von großem Glanz, dir Verehrung, der du viele Gestalten trägst. Verehrung dem alles Verzehrenden, Allgegenwärtigen, Läuternden. Du vollziehst furchtbare Rudra-Handlungen und nimmst das Furchtbare; dir Verehrung. Du bist Viṣṇu und Weltenhüter; gewähre mir hier Frieden.“ Die Vorlage liest kokapāla anstelle des erwarteten lokapāla.

Der große Opferlöffel wird mit Ghee gefüllt und mit einer Blüte versehen; der kleinere deckt seine Öffnung ab. In einer muschelförmigen Handfassung erhoben, werden drei Gaben mit dem Wurzelmantra und vauṣaṭ dargebracht. Es folgen Umgießen mit dem Besprengungswasser und Verehrung der persönlichen Gottheit. Mit der Saṃhāra-Mudrā wird sie in das Verehrungscakra und in das eigene Herz zurückgenommen.

Abschließend wird auch das Feuer verehrt und gebeten: „Feuer, großer Weiser, Vollender aller Handlungen, sei auch bei einer weiteren Handlung wieder ehrerbietig gegenwärtig.“ Es wird mit der Saṃhāra-Mudrā im eigenen Herzen aufgenommen. Damit endet die Feuereinsetzung für das tägliche Homa.

Innere und äußere tägliche Verehrung

Die tägliche Śrīvidyā-Verehrung wurde nach dem Verfasser bereits früher erläutert; die Vorlage verweist auf Seite 181, Śvāsa 10. Nun wird die tägliche Verehrung für Mantras allgemein dargestellt. Es gibt zwei Formen: Anirmālya und Sanirmālya. Die erste ist geistige Verehrung, die zweite äußere Verehrung.

Im Tattvasāra heißt es:

18.PA.1 Die Verehrung wird als zweifach betrachtet: ohne Nirmālya und mit Nirmālya. Mit göttlichen, im Geist entstandenen Stoffen, Düften, Blüten und Kränzen …

18.PA.2 … vollzogene Verehrung heißt Anirmālya und soll göttlichen Genuss und Befreiung schenken. Mit ansprechenden Opferstoffen, die in Siedlung oder Wald entstanden sind, …

18.PA.3 … richtig und hingebungsvoll ausgeführte Verehrung heißt Sanirmālya. Kaum entstanden, seien die Blüten von Natur aus schon gerochen beziehungsweise in Anspruch genommen, …

18.PA.4 … von den fünf großen Elementen, Sonne und Mond; auch Bienen und andere Lebewesen saugen an ihnen, ohne Zweifel.

Daher werden sie hier Nirmālya genannt. Die doppelte Nennung sanirmālyaṃ in Vers 1 ist ein Überlieferungsfehler; die vom Kommentar ausdrücklich erklärte Zweiteilung ist eindeutig.

Für die erste Form nennt der Verfasser zunächst die Entsagenden als zuständig. Agastya erklärt: „Für den, der einen Mantra empfangen hat, ist Verehrung zweifach, äußerlich und innerlich. Für Entsagende wird die innere genannt.“ Eine andere Aussage lautet:

18.AG.1 Der Yogin verehre geistig oder mit im Wald entstandenen Blumen. Wer für Śiva Blumen pflückt, soll deshalb nicht als Gewaltübender gelten.

Der Kommentar bezieht dies auf einen Entsagenden mit beherrschten Sinnen. Weiter heißt es:

18.AG.2 Ein umherziehender Entsagender wird allein durch Erkenntnis, ohne Feueropfer und Gaben, von den Geistern sämtlicher Leiden frei, nicht anders.

18.AG.3 Verdienstvolle Frauen und Haushälter, die Wohlergehen wünschen, sollen mit glückverheißenden Verehrungsmitteln handeln und Gaben darbringen.

18.AG.4 Wenn Waldbewohner und Entsagende täglich auf dieselbe Weise handeln, sollen sie sich von den bedingenden Prägungen nicht lösen, weil sie die Ordnung der Erkenntnis überschreiten.

18.AG.5 Als vom erreichten Zustand Herabgefallene sollen sie zum Gefäß des Leidens werden.

Die zweite Hälfte fehlt. Aus diesen Aussagen Agastyas folgert der Verfasser, dass mangelnde Sinnesbeherrschung für Entsagende ein Fehler sei und deshalb für sie geistige Verehrung vorgeschrieben werde.

Oder aber, so fährt er fort, alle besitzen Zugang zur geistigen Verehrung. Im Padma-Purāṇa heißt es:

18.PD.1 Zum Erinnern und Verehren Viṣṇus und ebenso zur geistigen Verehrung sind stets alle befugt, selbst Menschen mit großen Verfehlungen.

An anderer Stelle wird die Verbindung beider Formen besonders auf Haushälter bezogen. Agastya sagt: „Für die anderen ebenso beide.“ Mit „den anderen“ sind hier Haushälter gemeint; beide heißt äußere und innere Verehrung. Die innere Verehrung gilt dabei als Bestandteil der äußeren, nicht als deren vollständiger Ersatz. Dazu heißt es:

18.HP.1 Ein Haushälter soll allein durch Erkenntnis, ohne Geben, Feueropfer und weitere Handlungen, weder hier noch jenseits das Wohlergehen erlangen, du Mondgesichtige.

18.HP.2 Wenn der Haushälter keine Gaben gäbe, kein Feueropfer vollzöge und nicht nach diesem Verfahren verehrte – wer würde dies dann täglich tun?

Textanmerkung: In der ersten Wendung steht dadyāt ohne ausdrückliche Verneinung. Die Übersetzung folgt der erkennbaren rhetorischen Frage und dem Verbot des Weglassens dieser Pflichten; die unregelmäßige Formulierung bleibt hier angezeigt.

18.HP.3 Brahmacārins besitzen keine Befugnis, Vermögensgaben zu machen, du Leuchtende. Waldbewohner haben nicht die Mittel; im Kali-Zeitalter gebe es sie zudem nicht.

18.HP.4 Wer würde auch von allen Gurus verlangen, solche Gaben zu machen?

Die zweite Hälfte fehlt. Die Aussage über das Fehlen der Waldbewohner ist die zeitbezogene Behauptung der Quelle, keine Feststellung der Ausgabe.

18.HP.5 Bereits berrochene Blumen und Früchte genügten nicht in gleicher Weise wie geistige Gaben zur Vollendung. Weil diese äußere Beschaffenheit unvermeidlich sei und kein anderer Weg offenstehe, …

18.HP.6 … und wegen der begrenzten Einsicht der Menschen, geschehe die Verehrung dennoch mit äußeren Blumen, Geliebte.

Die zweite Hälfte fehlt. Die sprachlich gedrängte Aussage aus dem Tattvasāra soll nach dem Verfasser gerade die Notwendigkeit des inneren Opfers als Bestandteil der Haushälter-Verehrung begründen. Daher sei für Haushälter die äußere Pūjā regelmäßig verpflichtend. Sie besitzt fünf Formen.

Im Mantratantraprakāśa heißt es:

18.FP.1 In Pañcarātra und verwandten Tantras wird Pūjā als fünffach gelehrt: Abhigamana, Upādāna, Ijyā, Svādhyāya und Yoga.

18.FP.2 Abhigamana nennen die Mantrakundigen das Reinigen, Bestreichen und entsprechende Vorbereiten des Gottheitshauses.

18.FP.3 Upādāna ist das Zusammenstellen der Mittel zur Gottheitsverehrung. Danach folgt die eigentliche Verehrung mit Duft, Blumen und weiteren Gaben, …

18.FP.4 … die Verehrung des Pīṭha und der Gottheit mit ihren Gliedern und Umkreisgottheiten. Die Rezitation unter vorheriger Vergegenwärtigung des Mantrasinns, das Aussprechen des Mantras …

18.FP.5 … und das rechte Studium des zugehörigen Lehrwerks heißen Svādhyāya. Die Vergegenwärtigung der Einheit von Guru, Gottheit und Selbst heißt Yoga.

18.FP.6 Als Früchte dieser fünf Formen werden der Reihe nach Sālokya, Sārūpya, Sāmīpya, Sārṣṭi und Sāyujya erkannt.

Begriffserklärung: Gemeint sind die Teilhabe an der Welt der Gottheit, Ähnlichkeit ihrer Gestalt, ihre Nähe, Teilhabe an ihrer Macht und Einheit mit ihr. Der Verfasser erklärt anschließend, durch die Darstellung der zentralen Ijyā würden zugleich die übrigen Formen behandelt; daher erläutert er nun zunächst diese.

Aufstehen, Guru-Meditation und Morgenpflege

Im Śrī-Nārada-Pañcarātra heißt es:

18.NM.1 Am Ende der Nacht erinnere man den Herrn Nārāyaṇa, erhebe sich über die rechte Seite aus dem Bett und setze den linken Fuß auf die Erde.

„Am Ende der Nacht“ bedeutet die letzte Nachtwache. Dazu heißt es im Bhārata:

18.BH.2 Manche schlafen die beiden mittleren Nachtwachen, König, erheben sich in der letzten und bedenken Dharma und Artha.

Die Nummer 2 ist die überlieferte Nummer des Zitats. Der Kommentar verbindet das Aufstehen über die rechte Seite mit der Erinnerung an Nārāyaṇa. Dieser Name steht hier stellvertretend für die jeweils verehrte Gottheit.

Im Uttara-Tantra heißt es:

18.UM.1 Gegen Ende der Nacht stehe man auf, erledige sorgfältig das Notwendige, lege die Nachtkleidung ab und ziehe zwei Gewandstücke an.

18.UM.2 Nach Ācamana und mit gereinigtem Körper reinige und bestreiche man den Verehrungsraum der Gottheit, hingebungsvoll und mit den Śaktis verbunden.

18.UM.3 An einem reinen Ort sitze man auf dem vorgeschriebenen Sitz nach Osten gewandt, vollziehe dreifaches Prāṇāyāma und den Nyāsa nach Vorschrift.

Mit Nyāsa ist hier der Ṛṣi- und weitere zugehörige Nyāsa gemeint.

18.UM.4 Nach Entfernen der alten Verehrungsgaben bringe man eine Blumengabe dar, dann Arghya, Fußwasser und ein Zahnreinigungsmittel für die Gottheit.

18.UM.5 Wasser zur Reinigung des Gesichts und zum Mundspülen folgen, danach ein reines, gutes Tuch zum Trocknen von Händen und Gesicht.

In der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā, Kapitel 24, heißt es:

18.DG.1 Nach dem Aufstehen am Morgen vergegenwärtige man auf dem Kopf einen strahlenden Lotus. Darin wird der Guru, wie Karpūra leuchtend und von göttlicher Gestalt, erinnert, …

18.DG.2 … sehr freundlich, mit leuchtendem Schmuck versehen und mit Frieden geschmückt.

Die zweite Hälfte fehlt. Dass sich der Lotus auf dem Kopf befindet, bestätigt der Kommentar mit der Uttara-Tantra-Aussage: „Man erinnere das Paar der Lotusfüße des Gurus auf dem eigenen Scheitel.“

Im Bhairava-Tantra heißt es:

18.GM.1 Im Himmelslotus, in dessen Mitte auf einem Löwenthron, meditiere man über die göttliche Gestalt des Gurus, strahlend wie Mondstein, ein gutes Buch tragend und Furchtlosigkeit sowie Segen gewährend.

18.GM.2 Weiß gekleidet, mit weißer Salbe, weißen Blüten und Perlen geschmückt, freudig und dreiäugig, die rote Śakti auf seinem linken Schoßsitz, sanft lächelnd und eine Fülle dichten Mitgefühls, …

18.GM.3 … so wird er meditiert. Die Śakti trägt rote Salbe, Schmuck und Gewand, lächelt, ist von voller Gestalt und sitzt links beim Geliebten, von intensiv rotem Glanz; in der linken Hand hält sie spielerisch einen Lotus.

Unnummeriert folgt: Mit dem anderen Arm umfasst sie ihren Herrn; sie wird als zweiarmig und dreiäugig meditiert. Der Halbvers gehört zur Beschreibung der göttlichen Śakti.

18.GM.4 Mit äußeren oder geistigen Düften, Blüten und weiteren Gaben verehre man den Guru unter den durch die Überlieferung bestätigten Namen und Bezeichnungen.

18.GM.5 Sind diese nicht bekannt, verehre man mit gurubhyo namaḥ, „den Gurus Verehrung“. Freudig preise man den Lehrer mit Lobgesängen, um alle Vollendungen zu erlangen.

Für andere Zeiten als die morgendliche Erinnerung nennt der Śaiva-Āgama die Meditation über den eigenen Guru:

18.ŚG.1 In genau der Gestalt, in der er zur Zeit der Einweihung beim Gewähren der Gnade gesehen wurde, soll er vergegenwärtigt und die tägliche Praxis vollzogen werden.

Im Vaikhānasa-Pañcarātra heißt es sinngemäß, der täglich Verehrende solle während des verbleibenden Nachtteils bis zum Sonnenaufgang Meditation samt Rezitation üben. Der Kommentar versteht darunter die Zeit bis zum ersten Morgenlicht, weil danach die Badezeit beginne.

Im Kapila-Pañcarātra heißt es:

18.KM.1 Man teile die Nacht in fünf Abschnitte; im letzten soll der Sādhaka täglich Gottheitsverehrung, Rezitation, Feueropfer und Meditation vollziehen.

Im Uttara-Tantra heißt es:

18.UE.1 Nach diesem Lobpreis meditiere man im eigenen Herzen über die verehrte Gottheit und vergegenwärtige ruhig die Einheit von Guru und Gottheit.

18.UE.2 Nach der Bitte um das gewünschte Ziel erbitte man die Erlaubnis der Gottheit und der Erde. Entsprechend dem Atem …

18.UE.3 … setze man den Fuß auf sie, erhebe sich und verrichte das Notwendige.

Die zweite Hälfte fehlt. Der Verfasser kündigt den Gebetsvers für später an. Nach dem Aussprechen und dem so verstandenen Erhalt der Erlaubnis folgt die Reinigung.

Im Nārada-Pañcarātra heißt es:

18.NR.1 Bei jedem Schritt den Waffenmantra erinnernd, gehe man weit vom Haus fort. Dann bitte der Lehrer mit folgendem Mantra die Gottheiten, den Ort zu verlassen.

18.NR.2 Nach dem Werfen von Gras und Erdklumpen sowie dreimaligem Klatschen heißt es: „Erhebt euch, Ṛṣis, Götter, Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas!

18.NR.3 Verlasst ringsum diesen Ort, damit ich mich erleichtern kann.“ Dort wird die Ausscheidung verrichtet, der Kopf mit einem Tuch bedeckt.

Der Kommentar erklärt ausdrücklich ka als Kopf.

18.NR.4 Dabei soll man nicht in den Himmel oder ringsum schauen. Danach geht man zu einer Wasserstelle, reinigt sich nach der Vorschrift und vollzieht Ācamana.

18.NR.5 Nach Verwendung des Zahnreinigungszweigs soll man baden, Nārada.

Die zweite Hälfte fehlt. Der Kommentar versteht „weit vom Haus“ als über die Entfernung eines Pfeilschusses hinaus; er verweist auf eine Viṣṇu-Aussage, die hierfür den Südwesten nennt. Die Anrede dvija wird als Anrede Nāradas erläutert.

Historische Reinigungsvorschriften

Im Nārada-Pañcarātra heißt es:

18.RV.1 Drei Anwendungen von Erde werden für das männliche Geschlechtsorgan genannt, jeweils mit einer dazwischenliegenden Reinigung; fünf für die linke Hand und drei für beide Hände.

18.RV.2 Dies soll nach dem Wasserlassen reinigen. Nach dem Stuhlgang werden fünf Erdanwendungen am Ausscheidungsbereich genannt, jeweils mit dazwischenliegender Reinigung.

18.RV.3 Zehn gelten der linken Hand, sieben beiden Händen, drei den Füßen und fünf den Unterschenkeln.

18.RV.4 Danach werden sieben Anwendungen im Hüftbereich genannt, Brahmane, um Schweißverunreinigung am eigenen Körper zu beseitigen und die Handlung zu vollenden.

18.RV.5 Für hingebungsvolle Kṣatriyas wird dies während der Regenzeit ebenso beschrieben. Außerhalb der Regenzeit wird eine Erdanwendung weniger genannt, …

18.RV.6 … im Herbst, Sommer und Frühling. Gegenüber diesem Maß werde wiederum je eine weitere Anwendung weggelassen, …

18.RV.7 … im frühen und späten Winter, wenn der Schriftkundige beherrscht bleibt. Unterwegs soll die Reinigung nach Ort und Zeit erfolgen.

18.RV.8 Nach Entfernung von Geruch und anhaftender Verunreinigung wird man durch Reinheit des Geistes rein.

Die zweite Hälfte fehlt. Vers 1 ist in der Vorlage nur mit einem einfachen Versstrich abgeschlossen, bleibt aber als ausdrücklich nummerierter Eintrag erhalten. Der Kommentar erläutert das Abwechseln: Nach der Reinigung des Geschlechtsorgans mit Erde und Wasser wird die linke Hand entsprechend gereinigt, danach erneut das Organ und so fort. Diese Angaben sind historische Ritualhygiene, keine heutige hygienische Empfehlung.

Im Kapila-Pañcarātra heißt es:

18.KR.1 Was tagsüber als Reinigung vorgeschrieben ist, wird nachts auf die Hälfte vermindert; bei Krankheit wiederum auf die Hälfte und auf Reisen auf die Hälfte des für Kranke genannten Maßes.

Für den Zahnreinigungsmantra nennt die Dakṣiṇāmūrti-Überlieferung:

18.ZM.1 Nach klīṃ steht kāmadevāya, danach sarvajana und priyāya, abschließend die Herz-Endung. Dies ist der Mantra zur Zahnreinigung.

Die erkennbare Formel lautet somit klīṃ kāmadevāya sarvajanapriyāya namaḥ, „Kāmadeva, dem allen Menschen Lieben, Verehrung“.

Im Pañcamīśvara-Tantra heißt es:

18.ZH.1 Täglich wird ein Zahnreinigungszweig genannt; für die Tötungsanwendung Plakṣa-Holz, für Verblendung Khādira und für Stillstellung ein Mango-Trieb.

18.ZH.2 Für Gefügigmachen wird Aśvattha-Holz, für Schutz Vañjula genannt. Eine solche Ordnung gebe es sonst in den drei Welten nicht, große Göttin.

Die magischen Zweckzuordnungen der Hölzer werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben; die Namen werden nicht zu einer heutigen Empfehlung für Mundpflege oder Schadenhandlungen erweitert.

Drei Formen des Badens

Ergänzend zur Morgenpflege heißt es im Uttara-Tantra: „Man reinige das Gesicht täglich mit dem Wurzelmantra, um die Vollendung zu erlangen.“

Das Bad wird nun in drei Formen unterschieden: Wasserbad, Mantrabad und Meditationsbad. Über das Wasserbad heißt es im Nārada-Pañcarātra:

18.WB.1 Zunächst werde ich das Bad erläutern, durch das die rituelle Befugnis erfüllt werden soll. Dadurch gereinigt soll der Verehrende zur Pūjā und zum Homa geeignet werden.

18.WB.2 Mit einem besprochenen Grabgerät nehme man Erde von einer reinen Stelle, bedenke sie mit dem Waffenmantra und begebe sich zu einer Wasserstelle.

18.WB.3 Zunächst wird das Ufer mit Waffenmantra-Wasser gereinigt. Die Erde wird in zwei Teile geteilt; bei dem einen Teil …

18.WB.4 … werden besprochener Kuhdung, Darbha und Sesam niedergelegt. Mit einem der Teile wird sorgfältig die gewöhnliche, vorbereitende Reinigung ausgeführt.

18.WB.5 Nach diesem Bad zur Entfernung der Verunreinigung folgt das vorgeschriebene rituelle Bad.

Die zweite Hälfte fehlt. Der Kommentar erklärt „besprochen“ als mit dem Waffenmantra versehen und das vorgeschriebene Bad als vedisches Bad. Die Formulierung gaunaṃ madhyena in Vers 4 ist nicht glatt; die grundsätzliche Zweiteilung der Reinigung ist dagegen erkennbar. Der Smṛtisamuccaya schränkt ein: Morgens solle kein Erdbad und nachts keine Reinigung mit Kuhdung stattfinden. Diese abweichende Aussage bleibt neben der vorigen Vorschrift erhalten.

In der Vasiṣṭha-Saṃhitā heißt es:

18.VB.1 Zuerst wird das vedische, danach das tantrische Bad vollzogen. Nach Atemregulierung werden die sechs Glieder am Körper eingesetzt.

18.VB.2 Mit der Aṅkuśa-Mudrā wird die heilige Wasserstätte aus dem Sonnenkreis herangezogen; danach erfolgt der eigene Schutz durch Wassersprengen und den Waffenmantra.

18.VB.3 Untertauchend wird die Gottheit vergegenwärtigt und der Mantra nach Vermögen rezitiert. Nach dem Auftauchen gießt man sich mit der Kumbha-Mudrā Wasser über den Kopf.

Die Einladungsmantras der heiligen Wasserstätte werden für die spätere praktische Darstellung angekündigt. Im Vahni-Purāṇa heißt es:

18.VP.1 Wo immer ein Zweimalgeborener nach diesem Verfahren im Wasser badet, soll er die Frucht einer heiligen Badestätte erlangen; an einer solchen Stätte selbst die zehnfache Frucht.

Das Übergießen des Kopfes wird sieben- oder dreimal genannt. Für siebenmal verweist der Kommentar auf Kapila, für dreimal auf das Uttara-Tantra. Danach sollen in knapper Form Gottheiten, Menschen und Ahnen mit Wasser gesättigt werden.

Im Tripurārṇava heißt es über weitere Einzelheiten:

18.TB.1 Nach dem vedischen wird das tantrische Bad vollzogen. Mit dem Waffenmantra wird Erde genommen und mit demselben Mantra besprochen.

18.TB.2 Mit dem Śikhā-Mantra gereinigt und mit dem Wurzelmantra besprochen, wird sie vom Kopf bis zu den Füßen aufgetragen.

18.TB.3 Mit der Sammukhīkaraṇī-Mudrā und angehaltenem Atem taucht man unter, erhebt sich schweigend und steht dann im nabeltiefen Wasser.

18.TB.4 Nach Atemregulierung mit dem Wurzelmantra setzt der Mantrakenner die sechs Glieder ein und vergegenwärtigt vor sich die heilige Wasserstätte.

18.TB.5 Er bittet um ihre Gegenwart aus der Sonne; mit dem Hakenmantra und der Aṅkuśa-Mudrā wird der Sonnenkreis in der Vorstellung geöffnet.

18.TB.6 Mit dem Einladungsmantra wird die heilige Wasserstätte herbeigerufen, Geliebte, und mit dem Wurzelmantra im vorgestellten Wasser-Maṇḍala verbunden.

18.TB.7 Die Tīrtha-Śakti wird aus dem Sonnenkreis eingeladen, meditiert und mit ihrem Mantra verehrt; danach wird das Wasser mit dem Gaṅgā-Mantra besprochen.

18.TB.8 Siebenmal, Śivā. Höre die beiden Mantras, Geliebte: Der Luftraumlaut steht im Wasserlaut und wird mit sechs langen Vokalen sowie Bindu verbunden.

Unnummeriert folgt die Anrede: „Du ganz von Freude Erfüllte, Tīrtha-Śakti, komm, komm“, abgeschlossen mit dem doppelten Ṭha. Der Kommentar erklärt Va als Wasserlaut und Ha als Luftraumlaut. Die Folge lautet hvāṃ hvīṃ hvūṃ hvaiṃ hvauṃ hvaḥ; das doppelte Ṭha bedeutet svāhā. Der Tīrtha-Śakti-Mantra wird als einundzwanzigsilbig bezeichnet. Die Anredeform śakti und die fehlende Lautverbindung werden aus seinem göttlichen Gebrauch und der angegebenen Silbenzahl erklärt.

18.TB.9 Nach Tāra und namo bhagavati folgen die Anreden ambe, ambike, ambālike, mahāmālini, „komm, komm“ und bhagavati.

18.TB.10 „Du Wurzelstätte sämtlicher heiliger Wasserorte“, danach Māyā- und Śrī-Bīja, „auf Śivas Haargeflecht thronend, Gaṅgā, Gaṅgāmbikā“, und das doppelte Ṭha bilden die weitere Folge.

Unnummeriert wird dieser Gaṅgā-Mantra als dreiundfünfzigsilbig bezeichnet; eine weitere Hälfte fehlt. Der Kommentar erklärt Tāra als oṃ, Māyā als hrīṃ, Śrī als śrīṃ und das doppelte Ṭha als svāhā. Die besondere Form ambe wird wiederum mit dem göttlichen Sprachgebrauch begründet.

18.TB.11 Mit Bhuvaneśī wird geschrieben, mit dem Nektar-Bīja zu Nektar gemacht, mit dem Schutzmantra umhüllt und mit dem Waffenmantra geschützt und besprochen.

18.TB.12 Mit dem Wurzelmantra wird die Gottheit samt Gliedern und Umkreis eingeladen und im Wasser meditiert. Das heilige Wasser wird als von ihren beiden Füßen ausgehend …

18.TB.13 … vergegenwärtigt. Unter Erinnerung an den Wurzelmantra wird die Göttin dreimal gesättigt. Danach steigt man aus dem Wasser, zieht zwei gewaschene gute Gewänder an …

Unnummeriert folgt: … setzt das Tilaka und vollzieht Sandhyā. Die zweite Hälfte fehlt. Die Meditation der Tīrtha-Śakti wird für den späteren Vollzugsabschnitt angekündigt.

Einordnung: Diese Beschreibungen gehören zu einer historischen rituellen Badeordnung. Die Aussagen über Untertauchen und Atemanhalten werden nicht als allgemeine Übungsempfehlung übernommen.

Mantrabad und Meditationsbad

Für Menschen, denen ein Wasserbad nicht möglich ist, beschreibt das Nārada-Pañcarātra das Mantrabad:

18.MB.1 [Der Anfang fehlt.] Höre nun das glückverheißende Mantrabad, das bei Wassermangel, in schwieriger Lage oder bei Kälte zu vollziehen ist, …

18.MB.2 … auf Reisen, wenn rasches Handeln nötig ist, beim sorgfältigen Dienst am Guru, in einer Notlage oder nachts, vorzüglicher Brahmane, Weiser.

18.MB.3a Nach dem Waschen der Füße und Ācamana mit herbeigebrachtem Wasser werden Ort und zehn Richtungen wie zuvor gereinigt; danach nimmt man Platz.

18.MB.3b Der Waffenmantra wird in den Handflächen eingesetzt, danach folgen die Nyāsas der Reihe nach, beginnend mit dem Wurzelmantra und unter Einbeziehung der Mantragruppe.

Nummerierung: Die Vorlage trägt zweimal die Nummer 3 und setzt danach mit 5 fort. Die beiden Einträge werden als 3a und 3b unterschieden.

18.MB.5 Welche Frucht ein bloßes Wasserbad ohne rituelle Vorbereitung an Prabhāsa und anderen heiligen Orten bringt, …

18.MB.6 … die zehnfache soll dem Mantrabad zukommen, Nārada. Nun werde ich das Meditationsbad erläutern, das über beiden steht.

18.MB.7 Man erinnere den lotusäugigen Herrn im Luftraum, dessen Gestalt Mantra ist. Ein Strom des Wassers von seinen Füßen fällt auf den eigenen Scheitel.

18.MB.8 Man stelle sich vor, wie dieser durch eine feine Öffnung in den eigenen Körper eintritt und sämtliche innere Verunreinigung fortwäscht.

18.MB.9 Sogleich soll der Mantrakenner frei von Staub und klar wie Kristall werden. Dieses Bad gilt als hundertmal höher als das Mantrabad.

18.MB.10 Daher soll der Gläubige eine dieser Badeformen vollziehen, denn alle ordnungsgemäßen Handlungen setzen ein Bad voraus, Nārada.

Unnummeriert folgt: „Wer das eigene Wohl wünscht, soll daher zuerst baden.“ Die zweite Hälfte fehlt.

Im Śaiva-Āgama heißt es:

18.ŚB.1 Geistig, mit dem Wurzelmantra und vorangehendem Prāṇāyāma, soll das überall vorgesehene geistige Bad vollzogen werden.

Der Kommentar erklärt den „Lotusäugigen“ als stellvertretende Bezeichnung der jeweiligen persönlichen Gottheit; ebenso ist der eigene Mantra gemeint. Für die śaivische Form wird die heilige Wasserstätte durch Śiva-Mantras als Śiva-artig vergegenwärtigt und mit den Saṃhitā-Mantras das Besprengen vollzogen.

Als Śiva-Saṃhitā nennt ein Zitat den Vyomavyāpin-Mantra, die fünf Brahma-Mantras, die Śiva-Gāyatrī und Rudra; diese Vidyā gilt als Tilgerin aller Verfehlungen. Der Vyomavyāpin-Mantra wird durch eine mit āmīmūm beginnende, nicht vollständig ausgeführte Lautfolge und das Wort vyomavyāpī beschrieben, am Anfang und Ende vom Praṇava umschlossen. Die Vorlage enthält nur dieses Ableitungsschema; eine darüber hinaus rekonstruierte Vollform wird nicht ergänzt.

Kleidung nach dem Bad und die Bedeutung der Stirnzeichen

Die folgenden Vorschriften beschreiben historische rituelle Kleidung und Körperzeichen. Die Zuordnung nach sozialem Stand gibt die Ordnung der zitierten Texte wieder.

18.KLW.1 (Nāradapañcarātra): Danach lege man zwei gut gewaschene, nicht beengende Kleidungsstücke an. Fehlen diese, trage man ein Untergewand zusammen mit einem Yogaband.

Unnummerierte Fortsetzung: Denn niemals soll man nur ein einziges Gewand tragen. Der weitere Halbvers fehlt in der Vorlage.

18.NK.1 (Nṛsiṃhapurāṇa): Nachdem man sich zum Wasser begeben und zwei weiße, gewaschene Gewänder sowie ein Obergewand angelegt hat, soll man die Haare nicht ausschütteln.

18.SM.1 (Smṛtisamuccaya): Wer draußen, etwa in einem Fluss, gebadet hat, ziehe das Badegewand nach unten aus. Wer zu Hause gebadet hat, nehme es nach oben ab.

18.SM.2: Zur Reinigung wasche man Oberschenkel und Hände mit Erde und Wasser. Nach dem Auswringen des Badegewandes vollziehe man die morgendliche Sandhyā.

Unnummerierte Ergänzung: Mittags soll das Gewand erst nach dem Tarpaṇa ausgewrungen werden.

Kommentar: Das Yāmala schreibt zwei reine Gewänder und ein dem sozialen Stand entsprechendes Tilaka vor. Vasiṣṭha sagt: Nachdem man ein senkrechtes Stirnzeichen oder drei Querlinien angebracht hat, vollziehe man die Sandhyā. Der Verfasser versteht dieses „oder“ als Hinweis auf die verschiedenen Standeszuordnungen.

18.NTIL.1 (Nāradapañcarātra): Für einen Brahmanen sei das Zeichen senkrecht, für einen Kṣatriya bestehe es aus drei Querlinien; für einen Vaiśya sei es ein Halbmond, für Śūdras kreisförmig.

18.KTIL.1 (Kūrmapurāṇa): Wer sich dem höchsten Gott Nārāyaṇa zuwendet, der das Leid der Schutzsuchenden nimmt, trage stets mit duftendem Wasser ein dreizackförmiges Zeichen auf der Stirn. Der Satz ist in der Vorlage verkürzt überliefert.

18.KTIL.2: Durch dieses Dreizackzeichen trägt man gewiss jenes Urprinzip, das aus den drei Guṇas besteht und die Gestalt von Brahmā, Viṣṇu und Śiva hat.

Kommentar: Für śivaitische und śāktische Angehörige aller vier Stände erklärt der Verfasser das Tragen der drei Querlinien für erforderlich. Er beruft sich auf das Liṅgapurāṇa:

18.LB.3: [Die überlieferte Versverbindung ist beschädigt.] Genannt werden Wasser beziehungsweise Speise ohne das dreifache Aschezeichen; anschließend wird die Asche als dasjenige bezeichnet, das sämtliche Sünden „verzehrt“. Eine eindeutige zusammenhängende Übersetzung lässt die Vorlage hier nicht zu.

18.LB.4: Selbst wenn jemand tausend unerlaubte Handlungen begangen hat: Badet er mit Asche, wird dies alles zu Asche, wie ein Wald durch die Glut des Feuers.

Diese Aussage gehört zur religiösen Verherrlichung der Asche; sie hebt die Verantwortung für begangenes Unrecht nicht auf.

Bereitung der Asche nach der Vāyavīyasaṃhitā

18.VA.1: Man sammle die Asche eines Śiva-Feuers, eines Agnihotra oder eines Hochzeitsfeuers: gut gebrannt, rein und wohlriechend.

18.VA.2: Als geeignet gilt der Dung einer braunen Kuh, noch im Fallen aufgefangen; er soll weder dünnflüssig noch übermäßig hart, weder übelriechend noch abgestanden sein.

18.VA.3: Ist er zu Boden gefallen, lasse man die obere und untere Schicht beiseite und nehme den übrigen Teil. Man zerteile ihn und gebe ihn mit dem Grundmantra in das Śiva-Feuer.

18.VA.4: Unzureichend oder übermäßig Gebranntes scheide man aus. Man nehme die weiße Asche, behandle sie mit einem Tuch und lege sie in den Aschebehälter.

18.VA.5: Die Asche werde gesammelt, solange das Feuer noch nicht rituell verabschiedet ist. Nach dessen Verabschiedung gilt sie nämlich als Caṇḍas Asche.

18.VA.6: Oder man hole mit dem Sadyojāta-Mantra frischen, noch nicht mit dem Boden in Berührung gekommenen Kuhdung, trockne ihn mit dem Vāmadeva-Mantra in einem Gefäß und verbrenne ihn mit dem Aghora-Mantra.

18.VA.7: Mit dem Puruṣa-Mantra nehme man die Asche heraus und reinige sie mit dem Īśāna-Mantra. Die so bereitete Asche behandle man mit den bei „Agni …“ beginnenden Mantras.

18.VA.8: Mit dem Yajus-Mantra „Tasmād brahma …“ bespreche man sie elfmal, entsprechend der Zahl der Rudras, und mit den Namen des Herrn, denen Oṃ vorangeht, die im Dativ stehen und mit Namaḥ enden.

18.VA.9: Mit diesen Namen, denen jeweils die Anfangsbuchstaben der fünf Silben vorangestellt sind, bringe man die drei Linien an Stirn, Schultern, Bauch und Herz an, am Scheitel dagegen mit dem fünfsilbigen Mantra.

Unnummerierter Halbvers: Der Mantraübende trage das Tripuṇḍra wie ein weiterer, leibhaftiger Śiva.

Kommentar: Mit den Namen sind Sadyojāta und die übrigen gemeint. „Schulter“ bezeichnet beide Schultern, da fünf Namen zugeordnet werden. Als Regel für die Finger zitiert der Text die Jābālopaniṣad: Die drei Linien, deren Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva sind, werden mit den drei mittleren Fingern und dem Grundmantra aufgetragen. Als Alternative nennt er Ringfinger, Mittelfinger und Daumen.

Die drei Linien als umfassendes Sinnbild

Im Skandapurāṇa spricht Śiva zu Sanatkumāra:

18.ST.1: Man nehme die Asche mit den fünf großen, brahmanhaften Mantras, beginnend mit Sadyojāta, und bespreche sie mit den Mantras, die bei „Agni …“ beginnen.

18.ST.2: Mit „Mā nastoke …“ verreibe man sie; mit „Tryambakam …“ bestreiche man den Kopf. An den genannten Stellen sollen drei Linien entstehen, o trefflicher Weiser.

18.ST.3: Man beginne zwischen den Brauen und führe sie bis zu deren Ende, mit Mittel- und Ringfinger; die mittlere Linie dagegen in umgekehrter Richtung …

18.ST.4: … mit dem Daumen. So wird das Tripuṇḍra beschrieben. Jede seiner drei Linien hat neun Gottheiten beziehungsweise heilige Entsprechungen.

18.ST.5: A, das Gārhapatya-Feuer, die Erde, das Selbst, der Rajas-Guṇa, der Ṛgveda, die Handlungskraft und die morgendliche Soma-Pressung …

18.ST.6: … sowie Mahādeva werden für die erste Linie genannt. U, das südliche Opferfeuer, der Luftraum, Sattva und der Yajurveda …

18.ST.7: … die mittägliche Soma-Pressung, Willenskraft, inneres Selbst und Maheśvara sind die Gottheiten der zweiten Linie.

18.ST.8: M, das Āhavanīya-Feuer, das höchste Selbst, Tamas, der Himmel, Erkenntniskraft, der Sāmaveda und die dritte Soma-Pressung …

18.ST.9: … sowie Śiva sind die zugeordneten Gottheiten der dritten Linie. Rein geworden, verehre man sie täglich und trage das Tripuṇḍra.

18.ST.10: Dies ist die in allen Veden gepriesene Observanz Maheśvaras. Menschen, die Befreiung wünschen, sollen sie pflegen; für sie gibt es dann keine erneute Geburt.

18.ST.11: Wer die drei Linien vorschriftsgemäß mit Asche trägt – sei es als Brahmacārin, Hausvater, Waldeinsiedler oder Entsagender – …

18.ST.12: … wird von der Gesamtheit schwerer und nachgeordneter Verfehlungen befreit, ebenso von anderen Sünden wie der Tötung von Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras, Frauen oder Kühen.

Unnummerierte Fortsetzung: Auch von der Tötung eines Helden und eines Pferdes werde er befreit; daran bestehe kein Zweifel. Dies ist eine historische religiöse Sühnezusage, keine Rechtfertigung solcher Taten.

Eine weitere Zuordnung der Körperzeichen

18.AT.1: Die auf diese Weise bereitete Asche verreibe man mit den bei „Agni …“ beginnenden Mantras, berühre die Glieder und nehme sie wiederum mit einem Mantra auf.

18.AT.2: Mit dem Yajus-Mantra „Tasmād brahma …“ bespreche man sie elfmal. Auf der Stirn erkenne man Brahmā, am Herzen den Opferfeuerträger Agni.

18.AT.3: Am Nabel ist Skanda, am Hals Pūṣan, am rechten Oberarm Rudra, in der Mitte des Arms Āditya und am Handgelenk der Mond.

18.AT.4: Am linken Oberarm ist Vāmadeva, in dessen Mitte der Wind, am Handgelenk die Vasus und am Rücken Hara.

Unnummerierter Halbvers: Am oberen Rücken beziehungsweise Nacken wird Śambhu genannt, am Kopf das höchste Selbst.

Kommentar: Eine mantralose Form belegt der Verfasser mit der Vāyavīyasaṃhitā: Der Übende lege die Hand erneut auf und zeichne die drei Linien mit Asche. Er bezieht dies auf Śūdras und andere Gruppen. Weitere Einzelheiten zum Tragen der Asche sollen später folgen. Für Śāktas führt er die sechshundert Verse umfassende Fassung des Vāmakeśvaratantra an, die im Abschnitt über die Śrīvidyā-Verehrung ebenfalls einen Träger des Tripuṇḍra nennt. Hier solle es mit Sandelholz und anderen duftenden Stoffen aufgetragen werden. Als Beleg zitiert er Durvāsas: „Mit einem schönen Tripuṇḍra aus dem Sandelholz des Nandana-Gartens auf der Stirn meditiere ich, o Mutter, über dein segensreiches Wesen.“

Sandhyā, Wassergaben und der Weg zum Verehrungsplatz

18.MS.1 (Mahākapilapañcarātra): Man setze sich an einen reinen Ort, führe nacheinander drei Atemregelungen mit dem Grundmantra aus und vollziehe dann die rituelle Besprengung des Körpers.

Im Śaivāgama heißt es:

18.SS.1: Nach drei Atemregelungen spreche man das Grundmantra. Dem Nyāsa der Hände lasse man die Einsetzung der Mantraglieder in den Körper folgen.

18.SS.2: Mit Vaṃ und der Dhenu-Mudrā verwandle der Übende das vor ihm stehende Wasser in Nektar; siebenmal bespreche er es mit dem Grundmantra.

18.SS.3: Mit jedem der mit einem Bindu versehenen Mutterbuchstaben von A bis Kṣa besprenge man den Kopf mittels Kuśa-Gräsern, anschließend dreimal mit dem Grundmantra.

18.SS.4: Der Mantrakundige meditiere über den Gott in der Sonnenscheibe. Dann nehme er Wasser und bespreche es mit den Keimsilben der Elemente.

18.SS.5: Laṃ, Vaṃ, Raṃ, Yaṃ und Haṃ werden sie genannt, o von den Göttern Verehrte. Dies geschehe siebenmal, danach noch dreimal mit dem Grundmantra.

18.SS.6: Man gebe das Wasser in die linke Hand und besprenge mit den herabtropfenden Wassertropfen, der rechten Hand und dem Grundmantra den Kopf.

18.SS.7: Den verbleibenden Rest stelle man sich als Lichtkraft vor, die durch die Nase eintritt, sämtliche innere Unreinheit reinigt und wieder austritt …

18.SS.8: … durch das rechte Nasenloch in die rechte Hand. Links stelle man sich einen diamantenen Fels vor und werfe das Wasser mit dem Waffenmantra darauf.

18.SS.9: Nach dem Waschen der Hände und dem rituellen Mundspülen gebe der kundige Übende drei Arghya-Gaben mit der Gāyatrī oder dem Grundmantra.

18.SS.10: Śiva in der Sonnenscheibe spende man mit dem Grundmantra dreimal eine Wassergabe; dann wiederhole man die Gāyatrī achtundzwanzigmal.

18.SS.11: Anschließend wiederhole der Mantraübende das Grundmantra hundertachtmal, bringe diesen Japa dar und verabschiede die Gottheit aus der Sonnenscheibe.

Unnummerierte Fortsetzung: Nachdem er sie in seinem eigenen Herzen eingesetzt hat, vollziehe er das Tarpaṇa.

Kommentar: Die Arghya-Gabe mit dem Grundmantra bezieht sich nach der Erläuterung auf Mantras, zu denen keine eigene Gāyatrī gehört. Das Ein- und Ausströmen in Vers 7–8 ist eine rituelle Vorstellung; der Wortlaut beschreibt die Reinigung durch als Licht visualisiertes Wasser.

18.SL.1 (Śaivāgama): Die Sandhyā soll nicht ausgelassen werden: So lautet Śambhus Gebot. Ein Eingeweihter, der sie unterlässt, erlangt die Frucht seiner Einweihung nicht.

18.SL.2: Wer eine Sandhyā versäumt hat, vollziehe beim nächsten Sandhyā-Termin zuerst die vorhergehende Handlung und danach aufmerksam die Handlung des gegenwärtigen Termins.

Kommentar: Zusätzlich ist nach dem Text eine Sühnehandlung vorgesehen. Der Tantrarāja sagt: „Beim Versäumnis von Bad, Sandhyā oder Verehrung wiederhole man die Vidyā hundertmal, o Śivā.“

18.TA.1: Nachdem man über den Gott im Wasser meditiert und ihn mit dem Grundmantra verehrt hat, spende man ihm mit diesem Mantra hundertacht Wassergaben.

18.TA.2: Oder man gebe die Hälfte, wiederum deren Hälfte oder zehn Gaben. Anschließend spende man nacheinander den Gottheiten seiner Glieder und Umkreise Wasser.

18.TA.3: Der Mantrakundige verwende für jede Gottheit eine gefüllte Handmulde und deren Namensmantra. Danach verehre er den Herrn der Götter erneut zusammen mit seinen Gliedern und Umkreisen.

Unnummerierter Abschluss: Er verabschiede ihn in sein eigenes Herz und vergegenwärtige sich, dass sein Selbst von ihm erfüllt ist.

18.NW.1 (Nāradapañcarātra): Danach nehme man ein mit Wasser gefülltes Gefäß in die Hand und begebe sich an einen abgeschiedenen, menschenleeren, angenehmen und ungestörten Ort.

18.NW.2: Man erinnere sich an Viṣṇu in der Mitte des Herzens, dessen Gestalt erwachte Glückseligkeit ist. Schweigend und mit zurückgehaltenem Blick schaue man nicht in die verschiedenen Richtungen umher.

18.MW.1 (Mahākapilapañcarātra): Unter Wiederholung des Grundmantras gehe man, bis man das Haus erreicht. Dort wasche man sorgfältig Hände und Füße und vollziehe das rituelle Mundspülen.

Unnummerierter Halbvers: Man nähere sich dem Verehrungspavillon, umschreite ihn im Uhrzeigersinn und trete ein.

Besinnung vor der Verehrung

18.UV.1 (Uttaratantra): Nachdem man das Mundspülen und ein gründliches Bad vollzogen und Reinheit erlangt hat, stelle man sich zur Götterverehrung vier Handlängen außerhalb des Verehrungsaltars auf.

18.UV.2: Findet sie im Haus statt, stehe man im Türbereich. Im Geist verneige man sich vor dem Guru, der eigenen erwählten Gottheit und den Hütern der Himmelsrichtungen.

18.UV.3: Man erinnere sich an früher begangenes Unrecht, sei es vom selben oder von einem anderen Tag, sofern man es noch nicht durch Sühnehandlungen abgetragen hat.

Unnummerierter Halbvers: Zur Beseitigung dieses Unrechts spreche man zwei Mantras.

Kommentar: Diese beiden Mantras werden erst im praktischen Ritualteil mitgeteilt; die Vorlage verweist auf 20.42.

18.PE.1: Wenn zunächst auf diese Weise das Ritual zur Entfernung der Sünde vollzogen ist, bleibt hartnäckigeres Unrecht in der Ferne zurück.

18.PE.2: Nach Abschluss der Verehrung kehrt es jedoch an seinen eigenen Ort zurück. Geringfügigeres Unrecht dagegen geht zugrunde.

Unnummerierter Halbvers: Wer durch die Verehrung von Sünde frei geworden ist, dessen gewünschtes Anliegen werde sogleich erfüllt. Der Text unterscheidet hier bemerkenswerterweise zwischen zeitweiligem Fernhalten und tatsächlichem Aufheben einer Verfehlung.

Arghya für die Sonne

Ein anderes Tantra erläutert:

18.SAUR.1: Morgens wasche man sorgfältig Füße und Hände, vollziehe das Mundspülen und gebe dem Herrn des Tages Arghya. Dessen Form wird nun beschrieben.

18.SAUR.2: Auf dem mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichne man mit rotem Pigment ein Maṇḍala und setze sich anschließend auf den eigenen Sitz.

18.SAUR.3: Nach Osten gewandt verneige man sich hingebungsvoll vor der erwählten Gottheit. Der Mantrakundige vollziehe mit dem Sonnenmantra drei Atemregelungen.

18.SAUR.4: Er setze dessen Ṛṣi und die übrigen Mantra-Zuordnungen ein, meditiere ungeteilt über Sūrya und verehre ihn mit den Darbringungen nach der Vorschrift seines Ritualtextes.

18.SAUR.5: Vor sich zeichne er im Maṇḍala mit Wasser ein Viereck. Dort stelle er ein mit Wasser gefülltes Kupfergefäß auf einen Untersatz.

18.SAUR.6: Er gebe Duftstoff, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Darbha-Gras, Dūrvā, Senfkörner und Sesam hinein, ebenso rote Blüten und Dūrvā. Die Wiederholung von Dūrvā steht bereits in der Vorlage.

18.SAUR.7: Das Gefäß berührend bespreche er es hundertachtmal mit dem Sonnenmantra. Dann hebe er es mit beiden Händen empor.

18.SAUR.8: Der Kundige gebe mit dem Sonnenmantra Arghya aus Kopfhöhe. Anschließend wiederhole er nach seinem Vermögen das Sonnenmantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

18.SAUR.9: Der vortreffliche Lehrer meditiere über die Sonne, die von diesem Arghya-Wasser überströmt wird; er vergegenwärtige sie sich, verneige sich und verabschiede den Tagesbringer am Ende des Maṇḍala-Rituals.

Kommentar: Das dreisilbige Sonnenmantra soll im zugehörigen Abschnitt nachgeschlagen werden; die Vorlage verweist auf Śvāsa 29.

18.SAUR.10: Solange dem Lichtspender die tägliche Arghya-Gabe noch nicht dargebracht wurde, soll man nach dieser Vorschrift weder Viṣṇu noch Śaṅkara noch die Herrin der Götter verehren.

18.SAUR.11: Diese Arghya-Gabe wird als Lebensdauer und Gesundheit mehrend gepriesen, als Geberin von Vermögen, Getreide, Vieh, Land, Kindern, Freunden und einer Ehegefährtin.

18.SAUR.12: Sie verleihe Glanz, Kraft, Ruhm, Wirkmacht, Wissen, Wohlstand und Glück. Danach erhebe man sich und vollziehe vorschriftsgemäß die Türverehrung.

Die genannten Wirkungen sind religiöse Verheißungen des Quellentextes.

Die Gottheiten an der Tür

18.SAUR.13: Man besprenge die Tür mit Arghya-Wasser und verehre oberhalb Vighna, rechts von ihm Mahālakṣmī und links Sarasvatī.

18.SAUR.14: In der Mitte verehre man die Herrlichkeit der Tür. An den rechten und linken Türpfosten folgen nacheinander Gaṇapati, Kṣetrapāla und die beiden Schatzgottheiten Śaṅkha und Padma.

18.SAUR.15: Dann verehre man Māyāśakti, Citśakti, Gaṅgā, Yamunā, Dhātṛ und Vidhātṛ, in der von oben ausgehenden Reihenfolge.

18.SAUR.16: Unten verehre man die Schwelle und anschließend die Türhüter. Vom westlichen Tor an werden diese der Reihe nach genannt:

18.SAUR.17: Nandin, Mahākāla, Gaṇeśa, Vṛṣabha, dann Bhṛṅgiriṭi und Skanda, Umā und Caṇḍeśvara.

18.SAUR.18: Diese acht gelten als Türhüter Maheśas. [Für Viṣṇu folgen:] Nanda, Sunanda, Caṇḍa, Pracaṇḍa und Bala …

18.SAUR.19: … Prabala, Bhadra und als achter Subhadra. Diese viṣṇuitischen Türhüter sind der Reihe nach zu verehren.

18.SAUR.20: Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahodara, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa und darauf Vighnarāja …

18.SAUR.21: … sowie Dhūmravarṇa werden als Türhüter Vighneśas genannt. [Für die Göttin folgen:] Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī …

18.SAUR.22: … Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā zusammen mit Śrī: Diese acht Śaktis sind der Reihe nach die Türhüterinnen der Göttin.

Kommentar: Dieselben gelten auch als Türhüterinnen der Sonne. Als Begründung zitiert der Verfasser das Vāmadevatantra: „Siegreich erstrahlt der aus Śakti bestehende Sonnenglanz, der Ort höchster Schönheit.“ Ein anderes Tantra spricht vom sonnengleichen und zugleich mondkühlen Leib der Weltherrin; die überlieferte Wortfolge dieses zweiten Zitats ist unsicher. Die Meditationen über die Türgottheiten wurden bereits früher mitgeteilt; die Vorlage verweist auf Śvāsa 5, Seite 83.

Eintritt, Raumreinigung und Sitz

18.ER.1: Man gehe zum westlichen Tor, klatsche zunächst dreimal und öffne die Tür. Mit dem Waffenmantra besprochene Senf- und ungebrochene Reiskörner …

18.ER.2: … zusammen mit Blüten streue der kundige Lehrer in den Pavillon, mit der Nārāca-Mudrā und dem Waffenmantra.

18.TE.1 (Tūrṇāyāga): Unter Vergegenwärtigung der Pfeilwaffe und mit dem Waffenmantra werfe der Kundige weißen Senf, ungebrochene Reiskörner und Blüten in den Pavillon.

18.NE.1 (Nārāyaṇīya): Nachdem er die beiden Mantras, beginnend mit „Die Wesen mögen weichen“, gesprochen hat, verstreue der Kundige Reis, weißen Senf und Blüten …

Unnummerierte Fortsetzung: … mit dem Waffenmantra im Innern des Pavillons.

Kommentar: Die beiden Mantras werden im praktischen Teil, Śvāsa 20, folgen. Mit dem Waffenmantra ist das betreffende Glied des Mantras der jeweils verehrten Gottheit gemeint.

18.PAṢ.1 (Pārijāta): Man spreche Ha und Ra mit Visarga und danach „Astrāya phaṭ“. Sodann streue man im Innern Senf, Reis und Blüten aus.

Kommentar: Die Tūrṇāpaddhati verlangt, den weichenden Hindernissen links einen Weg freizulassen.

18.SE.1 (Somaśambhu): Der Kundige trete mit dem linken Fuß zuerst in den Pavillon und vertreibe die drei Arten von Hindernissen, die sich in Unterwelt, Erde und Zwischenraum befinden …

Unnummerierte Fortsetzung: … mit dem Waffenmantra und dreimaligem Auftreten der Ferse sowie den weiteren Gesten.

18.TH.1 (Tūrṇāyāga): Die irdischen Hindernisse vertreibe man durch dreimaliges Auftreten der Ferse, diejenigen im Zwischenraum durch Händeklatschen und die himmlischen durch einen scharfen Blick mit dem Waffenmantra.

Kommentar: Gemeint ist die linke Ferse, wie ein weiteres Wort Somaśambhus ausdrücklich bestätigt.

18.UR.1 (Uttaratantra): Nachdem man die Hindernisse vorschriftsgemäß vertrieben hat, verhänge man die Tür mit einem Tuch und besprenge das Innere des Pavillons mit Pañcagavya und Arghya-Wasser.

18.KRĀ.1 (Kulārṇava): Durch Fegen, Bestreichen und ähnliche Arbeiten werde der Raum wie die Fläche eines Spiegels hergerichtet; Baldachine, Räucherwerk, Lampen, Blumengirlanden und weiteres sollen ihn schmücken.

18.KRĀ.2: Die bunte Gestaltung mit Pulvern in fünf Farben gilt als Reinigung des Ortes. Im Südwesten verehre man den Vāstupuruṣa mit Sandelholz und weiteren Gaben.

Unnummerierte Fortsetzung: Im Nordosten verehre man Dīpanātha. Mit der Erlaubnis Kṣetrapālas nehme der Mantraübende dann seinen Sitz ein.

Kommentar: Das an Kṣetrapāla gerichtete Bittmantra wird im praktischen Teil, Śvāsa 20, angegeben.

18.US.1 (Uttaratantra): Mit dem Mantra „Aḥ phaṭ“ betrete man die Verehrungsplattform. Den Sitzplatz bereite man durch vier Weihen vor, beginnend mit dem rituellen Anschauen.

18.US.2: Innerhalb der Plattform verehre man die Gottheiten des Sitzes, beginnend mit der tragenden Śakti, und lege dort den eigenen Sitz aus.

18.AP.1 (dem Āpastava zugeschrieben): Man bringe den Verehrungssitz mit Tuch, Fell und Kuśa-Gras herbei, setze sich vorschriftsgemäß darauf und erinnere sich freudig an Viṣṇu und den Guru. Die genaue Schichtung ist in dieser knappen Wortfolge nicht eindeutig.

Kommentar: Das Yoginītantra verlangt, mit dem Erdmantra Platz zu nehmen; dieses soll in Śvāsa 20 folgen.

18.BS.1 (Bhairavītantra): Als Ṛṣi wird Merupṛṣṭha genannt, als Versmaß Sutala, als Gottheit die Erde; die Anwendung betrifft den eigenen Sitz.

18.USQ.1 (Uttaratantra): An den vier Ecken des Sitzes verehre man, beginnend im Südosten, Gaṇeśa, Sarasvatī, Durgā und den Herrn des Feldes.

Kommentar: Das Gautamītantra nennt die Ausrichtung nach Osten oder Norden und das Sitzen im Svastikāsana.

18.USI.1 (Uttaratantra): Nach Norden oder Osten gewandt, mit gesammeltem Geist, sitze man im Svastikāsana oder im Padmāsana.

Anordnung und rituelle Reinigung der Gaben

18.AGĀ.1 (ein anderes Tantra): Der Kundige nehme mit aufrechtem Körper im Svastikāsana oder einer entsprechenden Sitzhaltung Platz. Rechts von sich stelle er die Verehrungsmaterialien auf.

18.AGĀ.2: Links stehe ein schön bereiteter Krug voller duftenden Wassers; hinter sich stelle man das Gefäß zum Waschen der Hände.

18.AGĀ.3: Ringsum stelle man glückverheißende Lampen auf, die mit Ghee und ähnlichen Brennstoffen leuchten, ebenso Spiegel, Yakschweifwedel, Schirm, Palmblattfächer und Sandalen.

Unnummerierter Abschluss: Alles werde am jeweils passenden Ort aufgestellt und vom gesammelten Übenden rituell vorbereitet.

Die folgenden Reinheitsregeln sind historische Ritualvorstellungen. Ihr Anspruch, Verunreinigungen durch Mantras aufzuheben, ersetzt keine sachgerechte Reinigung; auch die soziale Kategorie der „Unberührbarkeit“ wird hier ausschließlich als Quelleninhalt wiedergegeben.

18.UG.1 (Uttaratantra): Mit den Mantras „Hāṃ, hūṃ, phaṭ“, der Nārāca-Mudrā und gleichmäßigem Blick betrachte man Blüten, Speisegaben, Duftstoffe und weiteres.

18.UG.2: Unbemerkte Mängel an Blüten und anderen Gaben, eine Berührung durch als „unberührbar“ Bezeichnete oder eine unrechte Erwerbung …

18.UG.3: … die Berührung durch bereits dargebrachte Opferreste und das Heraufkriechen von Ungeziefer: All dies werde durch das rituelle Anschauen der Speisegaben und übrigen Materialien aufgehoben. Bei „Ungeziefer“ ist die Lesung der Vorlage unsicher.

18.UG.4: Dann berühre man mit dem Mantra „Ram“ die Flamme der Lampe. Dadurch werde sie segensreich, vom Charakter eines fleischverzehrenden Feuers frei und glückbringend.

18.UG.5: Wenn durch das Verbrennen von Faltern, Haaren, Insekten und Ähnlichem eine Verbindung zum fleischverzehrenden Feuer entstanden ist, oder wenn Stoffe aus Fett und Mark beim Opfer verwendet wurden …

18.UG.6: … so werde jede unbekannte derartige Verunreinigung durch diese Berührung beseitigt. Mit dem Narasiṃha-Mantra berühre man [das Wasser] mit der als Deva-Tīrtha bezeichneten Handpartie.

18.UG.7: Der Opfernde betrachte das Trinkwasser im Krug und das Verborgene; dann halte er das links stehende Gefäß mit der linken Hand. Die Verbindung „und das Verborgene“ ist im überlieferten Satz unklar.

18.UG.8: Während er das Gefäß mit dem Ādhāra-Mantra weiht, berühre er das Wasser. Falls sich unwissentlich eine Vermischung mit nicht Trinkbarem ereignet hat …

18.UG.9: … oder irgendeine andere unbemerkte Verunreinigung des Gefäßes oder Wassers vorliegt, etwa durch Berührung des Gewässers mit einem Leichnam oder durch das Baden von Menschen …

Unnummerierter Halbvers: … so würden diese Verunreinigungen für die Götterverehrung aufgehoben.

Kommentar: Das einsilbige Nṛsiṃha-Mantra ist dem entsprechenden Abschnitt zu entnehmen; die Vorlage verweist auf Śvāsa 20. Das Ādhāra-Mantra beschreibt der Text selbst als den ersten Buchstaben des eigenen Namens, verbunden mit Bindu und Halbmond.

Reinigung der Hände und ritueller Schutz

18.UH.1 (Uttaratantra): Mit gefalteten Händen verneige man sich links und rechts vor dem Guru und Gaṇeśa, vor sich vor der eigenen erwählten Gottheit.

18.UH.2: Der Mantrakundige nehme duftende, mit Sandelholz bestrichene Blüten, zerreibe sie gründlich zwischen den Händen und mache diese wohlriechend.

18.UH.3: Er nehme sie in die linke Hand, zerreibe und berieche sie nochmals und werfe sie mit dem noch mitzuteilenden Mantra weit nach Nordosten.

Kommentar: Das Wegwerfen geschieht mit der Nārāca-Mudrā. Ein anderes Tantra nennt dabei die Richtung Norden.

18.KH.1 (Kālikāpurāṇa): Bei der Reinigung der Hände nehme der Übende mit den Fingerspitzen und dem Viṣṇu-Mantra eine Blüte zum Zerreiben auf.

18.KH.2: Mit dem Roma-Bīja zerreibe er sie und rieche daran. Mit dem Prasāda-Mantra werfe er sie weg, vorzugsweise nach Nordosten.

18.KH.3: So werde die unvergleichliche Reinheit der Hände erlangt. Die Fingerspitzen würden durch das Aufnehmen der Blüten rein …

18.KH.4: … die beiden Handflächen durch das Zerreiben, die Handrücken durch das Reiben und die Nasenspitze durch das Riechen.

18.KH.5: Die heiligen Badeorte kämen zur Nasenspitze und zu den Händen. [Es folgt eine verschlüsselte Mantrabildung:] Der vorletzte Buchstabe, mit Feuer und Mond verbunden, mit Leere versehen …

18.KH.6: … und oben mit dem Ende Rudras berührt: Dies gilt als das viṣṇuitische Mantra. Der erste der Schlussbuchstaben, verbunden mit dem Buchstaben am Ende Vāsudevas …

18.KH.7: … und versehen mit Śambhus Mondsichel und Bindu, heißt Prasāda. [Der eingeklammerte Zusatz erläutert:] Feuer und Sadya, mit Bindu verbunden, werden als Roma-Bīja bezeichnet.

Kommentar zur Aufschlüsselung: Der vorletzte Buchstabe ist Ha: Das Alphabet wird hier mit fünfzig Buchstaben gerechnet, ohne einen zweiten La-Buchstaben. „Feuer“ bezeichnet Ra, „Mond“ Sa, „Leere“ den Bindu und „Rudras Ende“ Ai. Damit sei Bhairavīs Vāgbhava-Bīja bezeichnet. „Der erste der Schlussbuchstaben“ ist Ha, „Vāsudevas Ende“ Au, „Śambhus Scheitelschmuck“ der Halbmond; der Bindu ist Anusvāra. So wird das Prāsāda-Bīja erschlossen. Das Roma-Bīja lautet Roṃ. Das bei „Agni …“ beginnende Mantra soll im praktischen Teil folgen.

18.NS.1 (Nṛsiṃhakalpa): Nach der Reinigung der Hände klatsche der Lehrer dreimal, jeweils weiter nach oben, und vollziehe mit dem Grundmantra die Bindung der Himmelsrichtungen.

Unnummerierte Fortsetzung: Der dadurch hervorgebrachte Glanz gewähre ringsum Schutz – mit dem Waffenmantra.

Kommentar zur Mantraauslegung: Der Verfasser bezieht den Zusatz „mit dem Waffenmantra“ auf alle drei Handlungen, beginnend mit der Handreinigung. Dafür zitiert er den Dakṣiṇāmūrtikalpa: Der Mantrakundige reinige die Hand mit dem Waffenmantra. Gemeint sei das zur jeweiligen Gottheit gehörende vollständige Mantraglied, nicht lediglich „Phaṭ“. Kumbhasambhava sagt entsprechend: Nach „Raḥ astrāya phaṭ“ kreise man mit der rechten Hand. Wo der Text also „Waffe“ und ähnliche Kurzbezeichnungen verwendet, seien die zugehörigen Gliedmantras zu erschließen.

Daraus folgt nach seiner Argumentation jedoch nicht, dass jede Anweisung wie „Mit der Herzsilbe gebe man dem Gott Fußwaschwasser an die Lotosfüße“ zwingend ein vollständig ergänztes Gliedmantra erfordere: Dort bestehe kein Ergänzungsbedarf; eine solche Ausweitung der Mantraerschließung ginge zu weit und es fehle ein entsprechender sprachlicher Anhaltspunkt. Die Gliedmantras werden unmittelbar nach der Erschließung des Hauptmantras eigens erschlossen. Zudem nennt die Überlieferung sie teils unter „Waffe“, teils unter „Phaṭ“.

Zur Gestalt der Richtungsbindung zitiert der Prayogasāra: Die Richtungen werden mit dem Zeigefinger abgedeckt, dessen Spitze an derjenigen des Mittelfingers vorbeischnellt. Das Uttaratantra verlangt drei Feuerumwallungen mit dem Waffenmantra und der zugehörigen Mudrā. Diese Feuerwall-Mudrā soll später, in Śvāsa 20, erläutert werden.

18.SG.1 (Sanatkumārīya-Gopālakalpa): Man setze sich bequem hin, vollziehe die Atemregelung und anschließend die Reinigung der Elemente; danach nehme man den Nyāsa vor.

Kommentar: Hier ist der Nyāsa der Mutterbuchstaben gemeint.

Reinigung der Elemente und Rückkehr ins Herz

Im Uttaratantra heißt es:

18.BHU.1: Nach vorausgehender Atemregelung vollziehe man die Reinigung der Elemente. Von den Füßen bis zu den Knien stelle man sich ein Viereck mit einem Vajra-Zeichen vor …

18.BHU.2: … gelb, mit Laṃ versehen: die Region der Erde. Von den Knien bis zum Nabel sei eine halbmondförmige, mit einem Lotos gekennzeichnete Region …

18.BHU.3: … weiß und mit ihrer eigenen Keimsilbe versehen: So meditiere man über den Ort des Wassers. Vom Nabel bis zum Hals sei ein rotes Dreieck …

18.BHU.4: … mit Svastika-Zeichen und eigener Keimsilbe: das Maṇḍala des Feuers. Vom Hals bis zwischen die Brauen stelle man sich das schwarze Maṇḍala des Windes vor …

18.BHU.5: … sechseckig, mit sechs Punkten und seiner Keimsilbe versehen. Von der Brauenmitte bis zur Scheitelöffnung sei eine kreisförmige, mit einem Banner bezeichnete Region …

18.BHU.6: … rauchfarben und mit ihrer Keimsilbe versehen: So meditiere man über den Ort des Raumes. Nachdem der vortreffliche Lehrer die Elemente so im eigenen Körper vergegenwärtigt hat …

18.BHU.7: … meditiere er über den schönen Lotos seines Herzens, dessen Wurzelknolle Dharma, dessen Stängel Erkenntnis, dessen acht Blätter die Herrschaftskräfte und dessen innerer Blütenboden höchste Leidenschaftslosigkeit sind.

18.BHU.8: Diesen eigenen Herzlotos sehe er durch Oṃ erhellt. In seinem Inneren stelle er das Selbst wie die kleine Flamme einer Lampe vor …

18.BHU.9: … und verbinde es auf dem Weg der Suṣumṇā durch ein yogisches Verfahren mit dem höchsten Selbst, unter dem Mantra So'haṃ.

Unnummerierter Halbvers: Dort stelle er sich auch sämtliche Wirklichkeitsprinzipien als aufgelöst vor.

Kommentar zur Textfolge: Für den anschließenden Abschnitt, beginnend mit „die Sünde von menschlicher Gestalt“, verweist die Vorlage auf eine frühere Darstellung in Śvāsa 5, Seite 87. Ein eigener Vers 10 wird hier nicht ausgeschrieben; die Nummerierung setzt mit 11 fort.

18.BHU.11: Danach trockne man diesen [Sündenkörper] aus, indem man in der Folge von Einatmung und weiteren Atemphasen den Atem anhält und mit dem Wind-Bīja den Wind wirksam werden lässt. Die Verbform ist in der Vorlage fehlerhaft geschrieben; der Zusammenhang beschreibt das Austrocknen.

18.BHU.12: Mit dem Feuer-Bīja verbrenne man die gesamte Gestalt und stelle sich vor, dass ihre Asche auf dem Weg des Windes hinausgetragen wird.

18.BHU.13: Dann überflute man mit dem Bīja Vaṃ den ganzen Körper. Wenn der vollständige, zur Verehrung der Gottheit geeignete Körper entstanden ist …

18.BHU.14: … führe man die im Selbst aufgelösten Prinzipien wieder an ihre eigenen Orte und bringe das individuelle Selbst aus dem höchsten Selbst zurück in den Herzlotos.

18.BHU.15: Mit dem Haṃsa-Mantra vergegenwärtige man sich vorschriftsgemäß: Ein aus Licht bestehender, zur Verehrung der Gottheit geeigneter Leib ist entstanden.

Abweichende Überlieferungen und Maß der Wiederholung

Kommentar: Manche Lehrer stützen sich auf ein Wort des Yoginītantra: Das individuelle Leben werde auf dem schwer zugänglichen Weg des mittleren Kanals mit dem überaus feinen Śiva im Lotos vereinigt; genannt wird dabei Haṃsa mit einem vorangestellten, als „Herr der Unsterblichen“ verschlüsselten Laut. Der zitierte Satz ist verkürzt und syntaktisch nicht vollständig klar.

18.VJ.1 (Vasiṣṭhasaṃhitā): Nachdem man mit dem So'haṃ-Mantra über die ursprüngliche [Kraft] am Ende des inneren Klangs meditiert hat, als in Vollendung verwirklicht, setze man den Lebensanteil von der Scheitelöffnung her wieder im Herzen ein.

Kommentar: Auf dieser Grundlage vertreten manche das Emporführen des individuellen Lebens mit Haṃsa und das Zurückführen mit So'haṃ. Hier solle man der Unterweisung des eigenen Gurus folgen.

Manche setzen für die Wiederholung des Wind-Bīja und der übrigen Keimsilben Zahlen wie vierundsechzig fest. Der Verfasser hält deren Beleg jedoch für prüfbedürftig. Tatsächlich, so seine Auffassung, dauere der Japa jeweils so lange, bis die entsprechende innere Handlung vergegenwärtigt ist. Er zitiert die Kātyāyanīsaṃhitā: Mit dem Wind-Bīja werde der Wind angehoben und die aus Elementen bestehende Gestalt ausgetrocknet; in dieser Vorstellung werde sie rechts ausgeatmet. Das Yoginītantra ergänzt, man solle sich auf der rechten Seite mit dem Feuer-Bīja vorstellen, sie sei bereits verbrannt.

Kumbhasambhava erklärt, eine Verehrung ohne Elementereinigung bringe wie ein schädigendes Ritual ein gegenteiliges Ergebnis hervor, ähnlich einer Verehrung ohne Hingabe. Darum gilt dem Verfasser diese Reinigung als erforderlich. Manche beschränken sie auf Yogins, weil Śaṅkarācārya sie in einem Yoga-Abschnitt behandelt habe. Diese Auffassung weist er angesichts der überlieferten Folgen ihrer Unterlassung zurück.

Die geschilderte Auflösung und Neubildung des Körpers ist eine innere Ritualvorstellung. Der Text nennt dabei auch Atemanhalten; er wird hier übersetzt, nicht als selbstständig auszuführende Atemanleitung empfohlen.

18.KŚU.1 (Kulārṇava): Reinigung des Selbst, des Ortes, des Mantras, der Materialien und als fünfte des Körpers: Solange man diese nicht vollzogen hat, o Göttin, gibt es keine Götterverehrung.

18.KŚU.2: Durch gründliches Baden, Reinigung der Elemente, Atemregelung und die sämtlichen Nyāsas, beginnend mit den sechs Gliedern, geschieht, o Geliebte, die Reinigung des Körpers.

Kommentar: Das Uttaratantra sagt: Nach dieser Elementereinigung solle man die Lebenskräfte einsetzen. Mit dem betreffenden Ausdruck sind die Prāṇas gemeint; deren Einsetzungsritual wurde bereits in Śvāsa 5, Seite 88, erklärt. Das Trailokyasammohanatantra verlangt danach Atemregelung und Mātṛkā-Nyāsa. Die Atemregelung wurde schon in Śvāsa 6, Seite 94, beschrieben. Anschließend vollziehe man für das eigene Verehrungsmantra den Nyāsa von Ṛṣi und weiteren Zuordnungen, den Hand-Nyāsa, den Sechsglied-Nyāsa und danach den Yogapīṭha-Nyāsa.

Ṛṣi, Versmaß, Gottheit und die sechs Mantraglieder

Kommentar: Da sich die Gegenstände „Ṛṣi“ und so weiter nicht körperlich einsetzen lassen, werden nach der Erklärung des Verfassers die sie bezeichnenden Worte eingesetzt.

18.DN.1 (Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā): Der Ṛṣi bin ich, Dakṣiṇāmūrti; man setze mich am Kopf ein. Als Versmaß erkenne man Paṅkti und setze es am Mund ein, o Pārvatī.

Unnummerierter Halbvers: Die Gottheit Bālā setze man im Herzen ein, o höchste Herrin.

Kommentar: Nach dem Yoginītantra werden Ṛṣi und die übrigen mit Dativ und Namaḥ eingesetzt, beispielsweise „Dem Ṛṣi Verehrung“, „Dem Versmaß Verehrung“.

18.PN.1 (Prapañcasāra, 6. Abschnitt, Vers 2): Der Ṛṣi ist wegen seiner Guru-Würde auf dem Kopf zu tragen; das Versmaß gehört wegen seiner Silbengestalt auf die Zunge. Die Mantragottheit hat stets im Herzen ihren Ort, weil sie durch Erkenntnis zu erfassen ist.

Die folgenden Worterklärungen des Uttaratantra sind rituelle Deutungen und keine historische Sprachwissenschaft:

18.UN.1: Die mit Ṛ beginnende Wurzel bezeichnet Gehen und auch Erlangen; die mit Ṣ beginnende bezeichnet Erkenntnis. Daraus wird seine umfassende Bedeutung erklärt.

18.UN.2: Aus der Verbindung beider Formen ergibt sich „Ṛṣi“, als Guru verstanden. Die Wurzel Chād wird auf Wünschen bezogen, die mit D beginnende auf Geben.

18.UN.3: „Chandas“ bezeichnet die Buchstaben des Mantras, weil beide zusammen das Gewünschte gewähren. Das Wort „Devatā“ wird aus einer auf Scheu bezogenen Wurzel und „gibt“ gedeutet …

Unnummerierter Halbvers: … weil sie dem Übenden den Gehalt des Mantras gibt.

Die sechs Glieder

Im Jñānārṇava, 2. Abschnitt, bei Vers 113, heißt es zunächst unnummeriert: Man vollziehe den Sechsglied-Nyāsa.

18.JN.1: Herz, Kopf, o Göttin, Haarbüschel und dann Schutzpanzer …

18.JN.2: … Auge und Waffe setze man in der Dativform ein, der Reihe nach zusammen mit Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Huṃ, Vauṣaṭ und Phaṭ.

18.PṢ.1 (Prapañcasāra, 6. Abschnitt, Vers 6): An Herz, Kopf, Haarbüschel, Schutzpanzer, Augen und Waffe geschieht die Gliedereinsetzung mit den Dativformen und mit Verehrung, Opferausruf, Vaṣaṭ, Huṃ, Vauṣaṭ und Phaṭ.

Kommentar: „Verehrung“ bedeutet Namaḥ, „Opferausruf“ Svāhā.

18.ŚN.1 (Śāradātilaka, 4. Abschnitt, Vers 33): „Hṛdayāya namaḥ“ ist für das Herz genannt; auf „Śirase“ folgt die Geliebte des Feuers, also Svāhā. Für den Haarbüschel heißt es „Śikhāyai vaṣaṭ“, für den Schutzpanzer „Kavacāya huṃ“.

Unnummerierte Fortsetzung: Für das Auge heißt es „Netrāya vauṣaṭ“, für die Waffe „Astrāya phaṭ“.

Kommentar zur Hand-Einsetzung: Diesem Sechsglied-Nyāsa geht der Hand-Nyāsa voraus. Ein anderes Tantra schreibt ausdrücklich vor, zuerst die Hände und dann die sechs Glieder zu belegen. Manche lehren für den Hand-Nyāsa Formeln wie „Aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ – Verehrung den beiden Daumen“. Der Verfasser hält deren Beleg für prüfbedürftig und kritisiert diese Auffassung angesichts der Aussagen des Jñānārṇava und anderer Tantras als Folge mangelnder Kenntnis.

Das Śāradātilaka 4.31 verlangt, an den Fingern vom Daumen an die Mantraglieder zusammen mit ihren jeweiligen Abschlussformeln einzusetzen, die Waffe dagegen auf beiden Handflächen. Mit den Abschlüssen sind Namaḥ, Svāhā und die übrigen gemeint; eingesetzt werden also die für das betreffende Mantra genannten Glieder in der Form „Hṛdayāya namaḥ“, „Śirase svāhā“ und so weiter.

18.KJ.1 (Kāraṇāgama): Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Huṃ, Vauṣaṭ und Phaṭ: Diese sechs werden als die Abschlussklassen bezeichnet, den Gliedern vom Herzen bis zur Waffe zugeordnet.

Kommentar: Auch das Nāradapañcarātra verlangt, die Glieder vom kleinen Finger an in der Reihenfolge Herz und so weiter einzusetzen; der Verfasser versteht darunter wiederum die entsprechenden vollständigen Gliedformeln.

Ein Beispiel aus dem Yoginītantra

18.YN.1: Zuerst spreche man Oṃ, dann den als Māra bezeichneten Laut mit Bindu, darauf „Khaḍgāya hṛdayāya“ zusammen mit Namaḥ; dies werde am kleinen Finger eingesetzt.

18.YN.2: Nach Oṃ, o Göttin, spreche man Ī, mit der Mondscheibe versehen; danach „Sukhaḍgāya“ und anschließend „Śirase“ …

18.YN.3: … zusammen mit Svāhā, und setze es mit dem Zeigefinger am Ringfinger ein. Nach Oṃ, o Göttin, folgt Huṃ, dessen Haupt mit dem Bindu gekennzeichnet ist …

18.YN.4: … danach „Śrīvajrāya“, anschließend „Śikhāyai“, mit Vaṣaṭ am Ende; dies werde am Mittelfinger mittels des Mittelfingers eingesetzt.

18.YN.5: Nach Oṃ folgen zwölf Mātrās, verbunden mit Bindu und dem Wort Pāśāya; dann „Kavacāya huṃ“. Dies werde mit dem Ringfinger am Zeigefinger eingesetzt. Die genaue Aufschlüsselung der „zwölf Mātrās“ bleibt in diesem Zitat ungesagt.

18.YN.6: Nach Oṃ füge man die Buchstaben von A bis zum Visarga an, sodann die in der Vorlage als „Astrarakṣayamāye“ überlieferte Anrufung und danach „Astrāya“ …

Unnummerierter Abschluss: … verbunden mit Phaṭ; dies setze man auf beiden Handflächen ein. Die genannte Anrufung ist textlich unsicher und wird nicht stillschweigend berichtigt.

Der Verfasser schließt: Damit sei es ausdrücklich erklärt.

Kolophon: Hier endet der achtzehnte Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati in der im Kolophon angegebenen Lehrerfolge: der hochverehrte große Lehrer Śrī Govindācārya, dessen Schüler Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya, dessen Schüler Śrī Viṣṇuśarmācārya und dessen Schüler Śrī Pragalbhācārya. Damit ist der erste Teil, der Pūrvārdha, beendet.

Die Zuschreibung und Lehrerfolge werden als Angaben des überlieferten Kolophons wiedergegeben. Der Abschluss des Kapitels bedeutet hier zugleich das Ende der verwendeten Pūrvārdha-Textgrundlage. Die zuvor ausdrücklich gekennzeichneten nichtgrafischen Zusammenfassungen innerhalb des Dūtī- und Śakti-Śodhana-Abschnitts bleiben eine redaktionelle Ausnahme zur wörtlichen Übersetzung.

Dieser Teil des Shri Vidyarnava Tantra in einfachen Worten

Der dreizehnte Śvāsa in einfachen Worten

Der dreizehnte Śvāsa führt die im vorigen Kapitel vorbereitete Einweihung aus. Er verbindet eine Lehre über Mensch, Welt und Sprache mit einer sehr ausführlichen Ritualbeschreibung. Dabei spricht er nicht nur über ein einziges Verfahren. Er unterscheidet Einweihung durch äußere Handlungen, durch Laute, durch Kalās und durch innere Durchdringung. Hinzu kommen Berührung, Wort und Blick. Die verschiedenen Formen gehören jeweils in den Zusammenhang einer befähigten Lehrer-Schüler-Beziehung.

Sechs Wege verbinden Körper, Welt und Sprache

Die sechs Adhvans heißen Kalā, Tattva, Bhuvana, Varṇa, Pada und Mantra. Gemeint sind Wirkbereiche, Grundprinzipien, Welten, Laute, Wörter und Mantras. Der Text stellt sie am Leib des Schülers vor: von den Füßen über den Geschlechtsbereich, Nabel, Herz und Stirn bis zum Kopf. So werden körperliche Orte mit kosmischen und sprachlichen Ordnungen verbunden.

Der Guru soll diese Bereiche reinigen, nacheinander ineinander auflösen und schließlich auf Śiva zurückführen. Danach lässt er sie in umgekehrter Folge erneut entstehen und setzt das Bewusstsein des Schülers wieder in dessen Leib ein. Einweihung wird damit als geordnete Auflösung und Erneuerung dargestellt. Die frühere Gestalt des Menschen wird nicht einfach verworfen, sondern in einer anderen geistigen Beziehung wieder aufgenommen.

Die Tattva-Listen unterscheiden sich nach śivaitischer, vaiṣṇavischer, solarer und śāktischer Überlieferung. Das Werk stellt diese Ordnungen nebeneinander, ohne sie auf eine einzige Zahl zu reduzieren. Gerade hier lohnt sich genaues Lesen: Die erste śivaitische Versliste kündigt sechsunddreißig Prinzipien an, schreibt aber nur fünfunddreißig aus. Die spätere Prosafassung nennt zusätzlich Īśvara und erreicht die angekündigte Zahl. Die Übersetzung zeigt beide Fassungen mit ihrem Unterschied.

Alles Handeln wird dargebracht

Ein besonders weitreichender Gedanke erscheint im Brahmārpaṇa-Mantra. Denken, Sprechen und Handeln, Wachen, Träumen und Tiefschlaf sowie die Tätigkeiten des Körpers werden zusammengefasst und Brahman dargebracht. Die Formel behandelt spirituelles Leben dadurch nicht als einen kleinen, vom übrigen Dasein abgetrennten Bereich.

Im Ritual werden dazu acht Ghee-Gaben geopfert. Der Sinn der Worte reicht über das Material der Gabe hinaus: Was ein Mensch erinnert, sagt und tut, soll in eine umfassendere Beziehung gestellt werden. Die Worte „Dies ist für die Gottheit, nicht mein“ kehren auch bei anderen Opfergaben wieder. Sie drücken innerhalb dieser Ritualsprache den Verzicht auf den eigenen Anspruch an der dargebrachten Gabe aus.

Eine heutige Betrachtung kann hier ansetzen, ohne das historische Homa nachzubilden: Mit welcher Haltung handle ich? Was möchte ich durch meine Worte bewirken? Kann ich eine hilfreiche Tätigkeit bewusst ausführen, ohne jede Anerkennung für mich beanspruchen zu müssen? Solche Fragen sind heutige Anregungen zum Nachdenken, keine zusätzlichen Vorschriften des Tantra.

Die Einweihung hat einen ausführlichen äußeren Rahmen

Die lange Prosabeschreibung beginnt bereits am Vortag. Der Schüler bittet einen Guru um die Einweihung, der Guru nimmt die Aufgabe ausdrücklich an, und die benötigten Opferpriester werden ausgewählt. Die Halle wird vorbereitet, gereinigt und mit einem Sarvatobhadra-Maṇḍala versehen. Farben, Linien, Lotusformen, Tore und Umgänge erhalten bestimmte Plätze.

Der mittlere Krug wird mit Wasser, Duftstoffen, Pflanzen und weiteren Materialien gefüllt. Feuer-, Sonnen-, Mond- und andere Kalās werden herbeigerufen. Die fünf dazu verwendeten vedischen Formeln sind unterschiedlich überliefert: Einige stehen ausgeschrieben, andere nur mit einem Anfang oder Verweis. Die Übersetzung ergänzt deshalb keine angeblich vollständige Rezitationsfassung, wo die Vorlage nur auf einen Spruch verweist.

Weitere Krüge stehen bei den Toren und in den Zwischenrichtungen. Gottheiten, Welthüter, Planeten, Richtungselefanten, Schlangen, Seher und Zeitglieder werden in die Gesamtordnung aufgenommen. Der Ritualraum erscheint dadurch als ein verkleinertes Bild der Welt. Selbst die verschiedenen Veden erhalten bei den Toren ihre Vertreter.

Das Feuer wird als lebendige göttliche Gegenwart vorgestellt

Die Feuergrube wird nicht nur gereinigt, sondern durch eine Reihe von Saṃskāras vorbereitet. Das Feuer selbst verbindet der Guru in seiner Vorstellung mit innerem Feuer und Bewusstsein. Anschließend erhält es eine symbolische Lebensgeschichte: Empfängnis, Geburt, Namensgebung, erste Nahrung, Einführung ins Studium, Abschluss der Lehrzeit und Eheschließung.

Diese Übertragung menschlicher Lebensweihen auf das Feuer zeigt, dass es im Text mehr als ein Verbrennungsort ist. Es wird als Träger göttlicher Gegenwart verehrt, mit Zungen, Gliedern und Gestalten. Opfer- und Schöpflöffel, Wassergefäße, Ghee und Brennhölzer werden entsprechend vorbereitet. Auch ihre Maße und Materialien werden ausführlich beschrieben.

Dabei werden mehrere Quellen zitiert, die nicht immer dasselbe sagen. Zum Beispiel unterscheiden sich die Zuordnungen von Rauch, Holz, Flamme und Asche zu Augen, Ohren, Nase und Kopf des Feuers. Auch einzelne Namen der Feuerzungen wechseln. Eine zuverlässige Darstellung lässt diese Unterschiede sichtbar, statt daraus unbemerkt eine einzige neue Vorschrift zu bilden.

Die entscheidende Übertragung geschieht im Schüler

Nach den vorbereitenden Opfern wird der Schüler zum Krug geführt. Mit verbundenen Augen bringt er Blüten dar; dann wird die Binde gelöst. Der bekannte Guru-Vers spricht davon, dass das Auge durch die Erkenntnissalbe geöffnet wird. Das Bild verbindet die äußere Handlung mit dem Anspruch auf Erkenntnis.

Es folgen Reinigung, Nyāsas und die Besprengung mit geweihtem Krugwasser. Die Gottheit wird im Leib des Schülers vergegenwärtigt und dort verehrt. Der Guru teilt den Mantra dreimal ins rechte Ohr mit. Der Schüler wiederholt ihn in einer der genannten Zählungen und betrachtet Guru, Mantra und Gottheit als zusammengehörig.

Der Text erläutert sogar, was das „Geben“ eines Mantras bedeutet. Bei einer gewöhnlichen Schenkung verliert der Geber seinen Besitzanspruch. Beim Mantra ist das anders: Der Guru darf ihn weiterhin selbst wiederholen und anderen mitteilen. Der Kommentar fragt deshalb, ob die begleitende Wassergabe nur sinnbildlich ist und warum sie dann nicht allen sozialen Gruppen gleichermaßen offenstehen sollte. Diese Überlegung zeigt eine innere Diskussion des Textes, obwohl seine praktische Vorschrift die soziale Unterscheidung weiterhin enthält.

Verschiedene Möglichkeiten und begrenzte Mittel

Nicht jeder kann eine große Halle, viele Feuergruben und zahlreiche Priester bereitstellen. Das Kapitel nennt deshalb kleinere Ausführungen: eine kleinere Halle, eine einzige quadratische Feuergrube unter Leitung des Gurus, einen geeigneten Ort mit Maṇḍala oder schließlich ein einfacheres Sthaṇḍila. Der Umfang des äußeren Aufbaus kann angepasst werden.

Daneben stehen die stärker innerlich beschriebenen Einweihungsformen. Bei der Lauteinweihung werden die Mātṛkā-Laute im Schülerleib eingesetzt, aufgelöst und wieder hervorgebracht. Bei der Kalā-Einweihung geschieht Entsprechendes mit den Wirkbereichen vom Fuß bis zum Scheitel. Berührungs-, Wort- und Blickeinweihung konzentrieren sich auf die geistige Sammlung des Gurus und seine Beziehung zum Schüler.

Die Vedha-Einweihung führt Kuṇḍalinī durch die Cakras, verbindet Laute und Gottheiten miteinander und beschreibt schließlich ihre Vereinigung mit Paraśiva. Danach werden die zuvor aufgelösten Ordnungen wiederhergestellt. Die Lehrer erklären selbst, ein dazu befähigter Guru und ein geeigneter Schüler seien im Kali-Zeitalter schwer zu finden. Die geschilderte Bewusstlosigkeit wird hier nicht zu einer empfohlenen Praxis oder zu einem verlässlichen Erkenntnisnachweis umgedeutet.

Verantwortung und historische Grenzen

Der Text verlangt eine gegenseitige Prüfung von Guru und Schüler. Er warnt ausdrücklich davor, ungeeignete Menschen aus Geldverlangen, Angst oder Gier einzuweihen. Zugleich enthält er starke Forderungen nach Hingabe, großen Vermögensgaben und Gehorsam. In einer Aufzählung erscheinen sogar abhängige Menschen unter den übertragbaren Gütern.

Hinzu kommen soziale Ausschlüsse bei der Adhvan-Reinigung und eine Beschränkung der Einweihungsformen für Frauen. Diese Bestimmungen werden vollständig als Aussagen der historischen Quelle wiedergegeben. Sie sind keine heutigen Bewertungen menschlicher Würde oder spiritueller Fähigkeit. Ebenso sind Fluch-, Höllen- und Krankheitsdrohungen religiöse Ansprüche des Textes und keine nachgewiesenen Folgen eines Verhaltens.

Die Feuerzeichen zeigen besonders deutlich, wie äußere Beobachtung und religiöse Deutung verbunden werden. Farben, Gerüche, Geräusche und Flammenformen gelten als günstig oder ungünstig. Praktische Angaben zu Stoffen und Geräten stehen dabei neben Vorhersagen über Gesundheit, Reichtum oder ein ganzes Reich. Beides darf beim Lesen unterschieden werden, ohne den Wortlaut der Quelle zu beschönigen.

Die vollständige Weihebesprengung als weiterer Schritt

Am Ende steht der Pūrṇābhiṣeka, eine zweite Weihebesprengung für bereits eingeweihte Schüler, die hingebungsvoll sind und die überlieferten Geheimnisse und ihren Sinn gelernt haben. Der Hauptkrug und die Krüge der Glieder- und Umhüllungsgottheiten bilden erneut ein gemeinsames Ganzes. Unter dem Geburtsmondhaus des Schülers wird die Weihe vollzogen.

Das Kapitel schließt mit einer strengen Drohung aus dem Kulārṇava, durch die der Kommentar die Notwendigkeit dieser Weihe begründet. Auch diese Aussage bleibt als Überlieferungsanspruch sichtbar. Der verständliche Zugang zum Kapitel besteht darin, seine innere Ordnung zu erkennen: sorgfältige Vorbereitung, Prüfung der Beteiligten, Verbindung von äußerer Handlung und geistiger Vorstellung, Mitteilung des Mantras und bewusster Abschluss. Genauigkeit und Offenheit für die religiöse Bildsprache können dabei nebeneinander bestehen.

Vierzehntes Kapitel: Einweihung, Zeit und die Gestalten der Göttin

Das vierzehnte Kapitel verbindet drei Themen: die vollständige Weihe des Schülers, die Verehrung der Zeit und die unterschiedlichen Gestalten der Göttin. Was zunächst wie eine lange Sammlung einzelner Rituale wirkt, folgt einer gemeinsamen Vorstellung. Der Mensch soll sich nicht als ein von der Welt abgeschnittenes Wesen erfahren. Sein Körper, die Laute seiner Sprache, die Bewegung des Mondes und die Kräfte der Natur werden im Ritual miteinander in Beziehung gesetzt. Die Göttin erscheint dabei zugleich als Ursprung dieser Beziehungen und als ihre lebendige Vielfalt.

Die vollständige Weihe als vertiefte Zugehörigkeit

Zu Beginn wird die im vorangehenden Kapitel behandelte Weihe weitergeführt. Der Kādī-Lehrweg stellt die Einheit von Gottheit, Guru, Mantra und eigenem Selbst in den Mittelpunkt. Der Guru spricht die Vidyā in das Ohr des Schülers; der Schüler wiederholt sie und soll die empfangene Lehre nicht nur als fremdes Wissen behalten. Er soll sie als etwas erkennen, das sein eigenes Wesen betrifft. In dieser Sicht ist die Einweihung eine Verbindung von äußerer Handlung, innerer Vorstellung und einer fortgesetzten Lebenspraxis.

Die ausführliche Form sieht zahlreiche Krüge, besondere Pflanzen, Edelsteine, Getreide, Gewänder und ein großes Cakra vor. Musik, Gesang und Tanz begleiten die Besprengung. Die Feier ist damit nicht auf eine gedankliche Belehrung beschränkt: Sie beansprucht Körper, Sinne, Gemeinschaft und Vorstellungskraft. Zugleich nennt der Text kleinere Ausführungen bis hin zu einem einzigen Krug am Geburtstag. Die äußere Größe kann also verschieden sein; entscheidend bleibt innerhalb dieser Überlieferung die Fortführung der empfangenen Ordnung.

Die Rolle des Gurus ist sehr stark. Der Schüler soll in seiner Nähe bleiben und sich seiner Weisung anvertrauen. Das Kapitel verbindet dies auch mit Vermögen und weitreichender Abhängigkeit. Diese historischen Forderungen gehören zum Text und werden nicht verschwiegen. Sie sind jedoch von der spirituellen Aussage einer inneren Verbundenheit zu unterscheiden. Eine heutige, verantwortete Beziehung zu Lehrenden kann Vertrauen und Dankbarkeit einschließen, ohne die eigene Urteilskraft und persönliche Selbstbestimmung aufzugeben.

Zeit wird als Gegenwart der Göttin verstanden

Die Nityās werden mit den Mondtagen verbunden. Ihr Name verweist auf das Ewige, obwohl ihre Ordnung gerade an wechselnden Tagen sichtbar wird. Darin liegt eine wichtige Spannung des Kapitels: Das Wandelbare und das Beständige schließen sich nicht einfach aus. Die verschiedenen Mondphasen können als unterschiedliche Erscheinungen einer Kraft gesehen werden, deren Ursprung sich nicht mit jeder Phase verändert.

Besonders deutlich wird dies im Abschnitt über Vijayā. Die fünfzehn Nityās tragen die Mondsichel, weil sie die zu- und abnehmenden Mond-Kalās verkörpern. Lalitā wird dagegen als deren unvergänglicher Ursprung verstanden. Sie trägt den Mond in diesem Sinn nicht wie einen äußeren Schmuckgegenstand, sondern ist die Wirklichkeit, aus der seine wechselnden Erscheinungen hervorgehen. Für das Verständnis der Bildsprache ist diese Erklärung wichtiger als eine bloße Aufzählung von Kronen, Händen und Waffen.

Die Verehrung der Zeit reicht über die Mondtage hinaus. Wochentage, Mondhäuser und die neun Planeten erhalten eigene Plätze, Namen und Lautfolgen. Der aktuelle Tag oder das aktuelle Mondhaus wird in die Mitte gestellt; die übrigen bilden den umgebenden Kreis. Dadurch wird der jeweilige Augenblick zum Ausgangspunkt einer größeren Ordnung. Die historische Astrologie des Werkes bleibt dabei von heutigen astronomischen Beschreibungen zu unterscheiden.

Laute, Körper und Zeichnung gehören zusammen

Ein wiederkehrender Bestandteil ist der Nyāsa, das rituelle Einsetzen von Lauten und Gottheiten an Körperstellen. Kopf, Mund, Herz, Nabel, Sinnesorgane, Hände und Füße werden nicht als voneinander getrennte Teile behandelt. Die Vidyā verbindet sie zu einem vorgestellten Ganzen. Danach folgt häufig eine Durchdringung mit dem vollständigen Mantra. Erst aus dieser inneren Vergegenwärtigung heraus wird die äußere Verehrung entfaltet.

Die Mantras erscheinen in mehreren Darstellungsweisen. Der Text kann Laute zunächst mit technischen Decknamen verschlüsseln und anschließend die Formel ausdrücklich ausschreiben. Auch die Zuordnung von Seher, Versmaß, Gottheit, Bīja, Kraft und Riegel gehört zur Identität einer Vidyā. Ein Bīja ist dabei keine gewöhnliche Vokabel, die sich einfach durch ein deutsches Wort ersetzen ließe. Die Übersetzung erläutert deshalb verständliche Anrufungen und bewahrt die Lautformeln als solche.

Die Maṇḍalas ordnen dieselbe Welt räumlich. Dreiecke, Sechsecke, achtblättrige Lotusse, weitere Blattkreise und äußere Quadrate bilden unterschiedliche Ebenen der Verehrung. Häufig stehen Willen, Erkenntnis und Handlung im inneren Dreieck. Weiter außen folgen Kräfte, Mütter, Welthüter und ihre Waffen. Die Bewegungsrichtung und der jeweilige Ausgangspunkt sind Teil der Vorschrift. Sie werden in der Übersetzung erhalten, auch wenn verschiedene Stellen voneinander abweichen.

Die Vielfalt der Nityās

Die ausführlichen Nityā-Abschnitte zeigen, dass die Göttin nicht auf eine einzige Stimmung festgelegt wird. Kāmeśvarī und Bhagamālinī stehen in einer stark von Begehren und schöpferischer Kraft geprägten Bildwelt. Nityaklinnā verbindet sich mit dem Schmelzen oder Erweichen. Bheruṇḍā, Vahnivāsinī und Vajreśvarī bringen andere Farben, Lautfolgen, Gesten und Kräfteordnungen ein. Śivādūtī und Tvaritā ergänzen das Bild um ihre eigenen Formen von Wirksamkeit und Bewegung.

Kulasundarī wird mit drei Bījas und einer vielarmigen, vielgesichtigen Gestalt verbunden. Nityānityā entfaltet besonders umfangreiche Lautkreise. Bei ihr werden große und kleinere Anordnungen beschrieben; die Zahlen und Zeichnungen sollen eine Vielzahl von Kräften als geordnetes Ganzes sichtbar machen. Nīlapatākā trägt das blaue Banner und erscheint saphirfarben. Vijayā trägt den Namen der Siegreichen, kann in bestimmten Anwendungen furchterregend und in der Verehrung überaus sanft erscheinen.

Sarvamaṅgalā, die in allem Segensreiche, wird goldfarben und barmherzig beschrieben. Ihre Kräfte tragen Namen, die etwa auf Mitgefühl, Reinheit, Einsicht, Freude, Sprache und Fülle verweisen. Jvālāmālinī erscheint als Flammenkranz: Ihre Bildwelt betont Feuer, Auflösung und das Verzehren begrenzter Formen. Citrā schließlich wird vielfarbig, freudevoll und mit der aufgehenden Sonne verglichen. Am Ende ihrer Darstellung erinnert der Text daran, dass alle Nityās aus dem Ausströmen der Ursprünglichen hervorgegangen sind.

Diese Vielfalt ist nicht lediglich dekorativ. Jede Gestalt verbindet einen bestimmten Mantra, eine bestimmte Vorstellung und eine bestimmte Anordnung der Kräfte. Zugleich wiederholen sich Grundhandlungen: Atemordnung, Einsetzung, Meditation, Herbeirufung, Gaben, Verehrung des Gefolges und Abschluss. Die Gemeinsamkeit der Struktur hält die unterschiedlichen Formen zusammen.

Kurukullā, Tārā und die Fahrt auf dem Edelsteinschiff

Nach den Nityās folgt Kurukullā als Gottheit der Bali-Gabe. Ihre Verehrung entfaltet die Vorstellung einer Insel aus neun Edelsteinen, umgeben von besonderen Meeren. Lalitā wird auf der Insel verehrt, Vārāhī bewacht das Ufer, und ein Edelsteinschiff verbindet die einzelnen Bereiche. Der Verehrende besteigt dieses Schiff in der rituellen Vorstellung. Die Reise führt durch eine Welt, in der Landschaft, Körper, Zeitkräfte und Bewusstsein miteinander verbunden sind.

Auf den Lotusblättern stehen unter anderem die fünf Elemente zusammen mit ihren Sinnesqualitäten: Raum und Klang, Luft und Berührung, Feuer und sichtbare Gestalt, Wasser und Geschmack, Erde und Geruch. Hinzu kommen Lebensatem, Einsicht und Kraft. So wird die gewöhnliche Erfahrung der Welt in die Verehrung einbezogen. In der Mitte steht der Bewusstseinssitz, auf dem die Göttin vergegenwärtigt wird.

Die Tārā-Vidyā erscheint hier als Bestandteil des Abschlusses. Tārā wird als dunkel, lächelnd und von vielfältigen Kräften umgeben beschrieben. Die Quelle verbindet ihre Erinnerung mit Schutz vor Gefahren im Wasser. Dies ist eine traditionelle Schutzverheißung innerhalb des Rituals. Die anschließende Vārāhī-Verehrung zeigt die ebergesichtige Göttin mit Pflug, Stößel und weiteren Attributen; sie vervollständigt den Kreis der Begleitgottheiten.

Einige Mantras dieser Abschnitte verlangen ausdrücklich die Beeinflussung, Stillstellung oder Unterwerfung anderer Menschen. Solche Formeln gehören zum historischen Bestand und werden deshalb übersetzt. Sie sind nicht mit einer heutigen Einladung zur Meditation über Mitgefühl oder innere Sammlung gleichzusetzen. Ebenso wird die körperliche und sexuelle Bildsprache bestimmter Göttinnendarstellungen weder ausgelassen noch in moderne Handlungsanweisungen umgedeutet.

Wie mit Wiederholungen und beschädigten Stellen umgegangen wird

Die Vorlage ist kein überall glatter Text. Im Kurukullā-Abschnitt springt sie zurück zu den letzten Citrā-Versen und wiederholt dann einen längeren Teil der Kurukullā-Verehrung. Beide Vorkommen bleiben in der vollständigen Übersetzung erhalten und bekommen unterscheidbare Kennungen. So kann sichtbar bleiben, was tatsächlich in der Quelle steht, ohne die Wiederholung als neue Lehre auszugeben.

Auch an kleineren Stellen stimmen Zahlen, Namen und Zeichnungsangaben nicht immer überein. Eine Silbenzahl passt nicht zur ausgeschriebenen Formel; eine Kräftefolge nennt einen zusätzlichen Namen; eine spätere Verehrungsanweisung setzt eine geometrische Stelle voraus, die bei der Zeichnung nicht ausdrücklich genannt wurde. Solche Unterschiede werden örtlich erklärt. Es wäre irreführend, aus allen Varianten ohne Kennzeichnung eine vermeintlich ursprüngliche, fehlerfreie Anleitung zusammenzubauen.

Der vierzehnte Śvāsa umfasst in der vorliegenden Quelle 544 nummerierte Einträge, dazu umfangreiche Prosa, unnummerierte Formeln und den Schlussvermerk. Die Zahl schließt die ausdrücklich gekennzeichneten Wiederholungen ein. Seine vollständige Bearbeitung bedeutet, dass der gesamte vorhandene Textbestand berücksichtigt ist; sie bedeutet nicht, dass jede beschädigte Lesung endgültig geklärt werden konnte.

Eine zugängliche Betrachtung für heute

Als einfache Betrachtung kann dieses Kapitel dazu anregen, im Wechsel der Zeit nach einer verlässlichen inneren Haltung zu suchen. Freude, Entschlossenheit, Mitgefühl und Klarheit müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die verschiedenen Gestalten der Göttin machen sichtbar, dass ein geistiges Leben mehrere Qualitäten umfasst und nicht aus einer einzigen Empfindung besteht.

Eine ungefährliche persönliche Annäherung besteht darin, morgens einen stillen Augenblick wahrzunehmen, den Atem natürlich fließen zu lassen und eine hilfreiche Absicht für den Tag zu formulieren. Man kann sich fragen, wie Wille, Erkenntnis und Handlung heute zusammenfinden: Was möchte ich tun, was verstehe ich davon, und wie handle ich verantwortlich? Diese freie Betrachtung ist eine heutige Anregung; sie beansprucht weder die Stellung einer tantrischen Einweihung noch die Durchführung der ausführlichen historischen Rituale.

Fünfzehntes Kapitel: Tagespraxis, Zeit-Cakra und inneres Opfer

Das fünfzehnte Kapitel zeigt, wie die zuvor beschriebene Einweihung in eine fortlaufende Praxis eingebettet wird. Es beginnt beim Erwachen, führt durch die vier Zeiten der Sandhyā, entfaltet das Śrīcakra und große Lautreihen, beschreibt Weihe- und Jahresfeste und endet mit dem inneren Opfer. Der Zusammenhang ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, weil Verse aus mehreren Werken mit langen praktischen Erklärungen verbunden werden. Die gemeinsame Grundidee bleibt jedoch deutlich: Körper, Sprache, Zeit und Welt sollen als Erscheinungen der Göttin vergegenwärtigt werden.

Der Tag beginnt mit Erinnerung

Am Morgen soll der Lehrer sein eigenes Selbst als Tripurā betrachten und sich die Füße des Gurus als Licht am Scheitel vorstellen. Das folgende Lob der Tripurasundarī beschreibt sie als Mutter der Welten, als Ursprung göttlicher Tätigkeiten und als den Glanz, durch den die Welt erscheint. Die Erinnerung richtet sich also zugleich auf die Überlieferung und auf die umfassende Wirklichkeit, die durch sie erkannt werden soll.

Darauf folgen äußere Reinigung, Gaben, Atemordnung und Einsetzungen von Mantras am Körper. Diese Abfolge soll nicht bloß möglichst viele Handlungen aneinanderreihen. Der Text stellt sich vor, dass der Verehrende schrittweise aus einer gewöhnlichen, zerstreuten Haltung in eine geordnete Aufmerksamkeit eintritt. Zugleich sind einige seiner Atemzahlen sehr anspruchsvoll; ihre Übersetzung ist eine Dokumentation der historischen Vorschrift und keine allgemeine Übungsanleitung.

Vier Sandhyās, vier Formen der Vergegenwärtigung

Die vier Übergangszeiten sind Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht. Morgens steht Vāgīśvarī, die Herrin der Rede, im Vordergrund. Die Vorstellung verbindet sich mit dem Wurzelzentrum und dem Feuerkreis. Mittags erscheint Kāmeśvarī im Herzlotus und im Sonnenkreis; die sechsunddreißig Tattvas werden einbezogen. Abends steht die mondhafte Amṛteśvarī im Bereich zwischen den Brauen im Mittelpunkt, begleitet von den sechzehn Nityās. Um Mitternacht wird die Göttin im tausendblättrigen Lotus und im höchsten Raum vergegenwärtigt.

Die wiederkehrenden Handlungen sind Atemordnung, Reinigung, Meditation, Arghya, Tarpaṇa und Japa. Arghya bezeichnet hier eine ehrende Wassergabe; Tarpaṇa das rituelle Erquicken. Am Ende wird die außen vorgestellte Gegenwart wieder in Herz oder Körperzentrum zurückgeführt. Die Praxis bewegt sich dadurch zwischen innerer Betrachtung und äußerer Verehrung, ohne beide als voneinander unabhängige Welten zu behandeln.

Die Quelle fordert diese Praxis mit großer Strenge und droht bei Unterlassung schwere Folgen an. Daneben kennt sie Vereinfachung und Wiedergutmachung: Bei Unvermögen kann die Mitternachtsverehrung allein als Meditation geschehen; Versäumtes kann nach einer zusätzlichen Rezitation nachgeholt werden. Die Übersetzung lässt sowohl den strengen Geltungsanspruch als auch diese Abstufungen sichtbar.

Die Zeit wird in Lautfolgen lesbar

Das Ghaṭikā-Pārāyaṇa ordnet jedem Zeitabschnitt einen Alphabetlaut zu. Sechzig Abschnitte eines Tages und der fortlaufende Umlauf der als fünfzig gezählten Mātṛkā-Laute ergeben in fünf Tagen sechs Alphabetdurchläufe. Der Text beschreibt ausführlich, mit welchem Laut die einzelnen Tage beginnen. Er verlangt darüber hinaus, den Beginn der eigenen Praxis mit einer größeren überlieferten Zeitrechnung abzustimmen.

Noch umfangreicher ist die Kālanityā-Ordnung. Sechsunddreißig Grundstellen werden mit sechzehn Vokalen verbunden: Daraus entstehen 576 Formen, das „vollständige Maṇḍala“. Jede dieser Formen kann wiederum mit sechsunddreißig zweiten Gliedern verbunden werden; ein drittes Lautglied vervollständigt die Vidyā. So ergibt sich die im Text genannte Zahl 20.736. Die große Zahl ist hier das Ergebnis einer regelhaften Verbindung von Lautgruppen, keine Sammlung von ebenso vielen unabhängig erfundenen Sätzen.

Die Quelle schreibt einen Teil dieser Reihen vollständig aus, andere nur mit Anfang, Ende und dem Hinweis „ebenso“. Diese Unterschiede sind in der Übersetzung erhalten. Auch erkennbare Auslassungen und abweichende Summen werden nicht verdeckt. Beispielsweise ergeben die genannten Teilzahlen einer Rezitationsrechnung 1.346, während die Quelle als Summe 1.046 schreibt. Die innere Systematik hilft beim Verständnis; sie berechtigt aber nicht dazu, jede überlieferte Unstimmigkeit stillschweigend zu beseitigen.

Vom äußeren Śrīcakra zur inneren Einheit

Die Verehrung der neun Umhüllungen führt von äußeren Quadraten und Lotusblättern zum inneren Dreieck und schließlich zum Bindu. Jede Ebene hat ihre Kräfte, ihre Herrin, eine Darbringungsformel und eine Mudrā. Die Namen sprechen unter anderem von Anziehung, Erkenntnis, Schutz, Erfüllung und Freude. Zugleich nennt der Text Kräfte der Stillstellung und Beherrschung; seine historische Ritualwelt ist nicht ausschließlich sanft oder harmonisch.

Nach der äußeren Verehrung folgt die Betrachtung der Einheit von Gottheit, Guru, Mantra und eigenem Selbst. Die Göttin wird aus den Lautgliedern und Bindus des Mantras vergegenwärtigt. Der Guru wird ebenfalls als Mantra verstanden, das eigene Selbst als umfassend. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt: Die verehrte Wirklichkeit soll nicht nur vor dem Menschen stehen, sondern als Grundlage seines eigenen Daseins erkannt werden.

Dazu passt das achtsilbige Ātma-Mantra mit „Haṃsaḥ, So ’ham“. Der Verehrende bringt nicht nur äußere Gegenstände dar, sondern betrachtet auch die eigene Erfahrung als Teil der Verehrung. Das folgende Homa bleibt dennoch ausführlich äußerlich beschrieben, mit Feuergruben, Opferstoffen und Mitwirkenden. Innere Deutung ersetzt in dieser Überlieferung die rituelle Form nicht, sondern begleitet sie.

Die vollständige Weihe hat mehrere mögliche Umfänge

Der Text fasst die große Weihe in einem mehrtägigen Ablauf zusammen. Am ersten Tag werden Halle, Maṇḍalas, Krüge und Feuer vorbereitet. Am zweiten folgen Gottheitsverehrung, tägliches Homa und die ausgedehnte Besprechung des Hauptkrugs. Am dritten wird der Schüler unter seinem Geburtsmondhaus besprengt und erhält seine eigene fortlaufende Überlieferungsordnung. Am vierten Tag folgt eine große Verehrung im eigenen Haus mit Speisung und Gaben.

Die große Ausführung arbeitet mit zahlreichen unterteilten Dreiecken und Krügen. Daneben stehen eine Form mit sechsundneunzig Krügen und eine weitere mit nur einem Hauptkrug. Solche Abstufungen sind für das Verständnis wichtig: Das Werk kennt begrenzte Mittel und unterschiedliche Fähigkeiten. Es beharrt jedoch darauf, dass auch die kleinere Form in einer überlieferten Ordnung steht.

Die Gabenforderungen sind historisch weitreichend. Sie können das ganze Vermögen betreffen; in einer Liste erscheinen sogar abhängige Menschen neben Land, Tieren und Häusern. Die Übersetzung benennt dies offen. Spirituelle Aussagen über Dankbarkeit oder Hingabe dürfen nicht dazu dienen, diese sozialen Verhältnisse unbemerkt als zeitlose Verpflichtung zu übernehmen.

Das Zeit-Cakra verbindet Rechnung und Bild

Für das Zeit-Cakra werden zunächst siebzehn Kreise und sechsunddreißig radiale Bahnen beschrieben. In jeder Bahn stehen sechzehn Lautformen. Die Zeichen sollen zur Gottheit in der Mitte hin ausgerichtet sein. Außen folgen weitere Kreise, ein achtblättriger Lotus und ein Quadrat. Die Darstellung macht die Lautordnung zu einem räumlichen Bild.

Der Text kennt außerdem neun geometrische Grundformen und acht Arten der Lautanordnung, die nochmals durch acht Varianten unterschieden werden. So erklärt er 576 Cakra-Varianten. Ihre historischen Anwendungen reichen von Schutz und Wohlstand bis zu Feindabwehr und Schadenszauber. Auch die dazugehörigen Erfolgs- und Unsterblichkeitsversprechen bleiben als Aussagen der Quelle kenntlich; sie sind keine bestätigten Wirkungen.

Die Göttin wird durch das Jahr begleitet

Die anlassbezogene Verehrung baut nach diesem Kapitel auf der täglichen Praxis auf. Besondere Tage sind nicht nur Kalenderfeste, sondern auch Geburtstage, Einweihungstage, Guru-Gedenktage, Begegnungen mit Lehrenden und Besuche heiliger Orte. Die Praxis verbindet damit individuelle Lebensgeschichte, Gemeinschaft und Jahreslauf.

Im Frühling werden Damana-Pflanzen vorbereitet und dargebracht; Kāmadeva, Rati, Prīti und Vasanta treten als Gestalten von Begehren, Freude und Frühling hinzu. Andere Monate haben eigene Gaben: kühlendes Wasser, Früchte, Sandel, Safran, duftende Blüten, Milch, Sesam oder Lichter. Das Pavitra-Fest arbeitet mit sorgfältig gefertigten und geweihten Fäden. Die Herbstverehrung entfaltet sich über mehrere Tage und Nächte; bei begrenzten Möglichkeiten werden kürzere Formen genannt.

Bei der Kumārī- und Suvāsinī-Verehrung stehen ehrende Gaben und die Vorstellung göttlicher Gegenwart neben körperlichen und sozialen Ausschlussregeln. Verschiedene Quellen widersprechen sich sogar hinsichtlich des vorgesehenen Alters. Diese Unterschiede werden nicht geglättet. Die historischen Auswahlkriterien sind keine Grundlage dafür, den Wert heutiger Menschen nach Körpermerkmalen, Gesundheit oder Herkunft zu beurteilen.

Schutz kann auch eine ethische Bedeutung haben

Der Nityā-Kavaca bittet zunächst um Schutz vor Gefahren, Krankheiten und Feinden. Dann richtet er sich ausdrücklich gegen Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Neid, Zweifel, Unwahrheit, grausame Gedanken, Gewalt und Diebstahl. Zugleich bittet er darum, den Wunsch nach heilsamen Handlungen zu wecken. Hier wird Schutz nicht nur als Abschirmung vor einer feindlichen Außenwelt verstanden, sondern auch als Veränderung der eigenen Haltung.

Das spätere große Śakti-Lob setzt Göttinnennamen an zahlreiche Körperorte. Es nennt außerdem Flüsse, Dorfgöttinnen, menschliche Fähigkeiten und Zustände. Die Göttin soll in all diesen Erscheinungen erkannt werden. Der Text sagt ausdrücklich, dass auch eine Frau, die den Nyāsa hingebungsvoll vollzieht, als Tripurā in göttlicher Gestalt gilt. Die umfassende Aussage steht neben den Begrenzungen anderer Vorschriften und sollte mit ihnen zusammen gelesen werden.

Das abschließende Opfer umfasst das ganze Leben

Am Ende wird das Opfer nach innen verlegt. Der Geist ist der Opferlöffel, das Bewusstsein das Feuer. Nicht nur als gut bewertete Erfahrungen werden dargebracht, sondern auch Unrecht, Vorstellungen, Entschlüsse und die Gegensätze von Dharma und Adharma. Eine umfassende Formel übergibt alles Erinnerte, Gesprochene und Getane in Wachen, Traum und Tiefschlaf an Guru und Gottheit.

Die abschließende Betrachtung „Ich bin Śiva“ beschreibt im Text die Erkenntnis einer nichtzweiten Wirklichkeit. Durch die Unterweisung des Lehrers sollen begrenzende Vorstellungen von Körper, Atem und Leere ihre bindende Kraft verlieren. Dies bedeutet innerhalb der Lehre nicht bloß eine Steigerung des persönlichen Ichs, sondern eine andere Auffassung dessen, was als Selbst erkannt wird.

Für eine heutige, einfache Betrachtung kann man aus diesem Schluss die Frage mitnehmen: Kann ich mein Denken, Sprechen und Handeln bewusster wahrnehmen und Verantwortung dafür übernehmen? Ein stiller Tagesrückblick, eine ehrliche Anerkennung von Fehlern und ein freundlicher Entschluss für den nächsten Tag sind zugängliche Anregungen. Sie sind als heutige Übertragung gekennzeichnet und ersetzen weder die historische Einweihung noch ihre anspruchsvollen Rituale.

Sechzehnter Śvāsa: Ein Mantra wird zum Mittelpunkt des Lebens

Das sechzehnte Kapitel erklärt Puraścaraṇa, eine besondere Vorbereitungs- und Vertiefungsphase der Mantrapraxis. Ein Mantra soll nach dieser Überlieferung nicht nur gelegentlich ausgesprochen werden. Der Übende gibt ihm für eine bestimmte Zeit einen festen Platz im Tagesablauf. Er verbindet Wiederholung, Verehrung, Meditation und weitere Handlungen. Das Kapitel fragt sehr genau, wie diese Praxis vorbereitet, durchgeführt und abgeschlossen werden soll. Dabei sammelt es zahlreiche Aussagen aus unterschiedlichen Schriften. Es ist deshalb zugleich eine Ritualanleitung und eine gelehrte Diskussion darüber, wie verschiedene Vorschriften zusammenpassen.

Puraścaraṇa wird nicht überall gleich gegliedert. Manche Quellen nennen drei, andere fünf, sechs oder zehn Teile. Besonders wichtig ist die fünfteilige Form: Mantrawiederholung, Feueropfer, Sättigungsdarbringung mit Wasser, Besprengung des eigenen Hauptes und Speisung von Brahmanen. Häufig wird jeder folgende Teil mit einem Zehntel der Zahl des vorhergehenden bemessen. Doch auch davon gibt es Abweichungen. Der Verfasser versucht, die einzelnen Aussagen auf ihren jeweiligen Zusammenhang zu beziehen. Für den Leser ist wichtig: Die vielen Zahlen gehören zu bestimmten Ritualsystemen. Sie bilden keine einzige, überall unverändert gültige Tabelle.

Besonders ausführlich geht es um die Rezitationszahl der Śrīvidyā. Hunderttausend, dreihunderttausend und neunhunderttausend Wiederholungen begegnen in unterschiedlichen Begründungen. Dazu kommen Berechnungen nach den Buchstaben und Abschnitten des Mantras. Wieder andere Zahlen gelten für besondere gewünschte Ergebnisse. Der Verfasser unterscheidet deshalb zwischen dem grundlegenden Puraścaraṇa und einer wunschorientierten Anwendung. Die Frage lautet nicht nur: Wie groß ist die Zahl? Ebenso wichtig ist: Wofür wird diese Zahl in der jeweiligen Quelle genannt?

Auch die vier Weltalter verändern nach der Überlieferung die Zahlen. Im ersten Weltalter gilt die Grundzahl, in den folgenden das Doppelte, Dreifache und Vierfache. Der Verfasser warnt jedoch vor einer gedankenlosen erneuten Vervierfachung. Manche Werke haben den Zuschlag für das Kali-Zeitalter bereits eingerechnet. Diese Erörterung zeigt, wie sorgfältig der Text seine Quellen miteinander vergleicht. Zugleich bleiben wirkliche Widersprüche und beschädigte Zahlen bestehen. Die Übersetzung macht solche Stellen sichtbar, anstatt nachträglich eine vollkommene rechnerische Ordnung zu erzeugen.

Ein geeigneter Ort und ein geschützter Tagesablauf

Die Praxis braucht nach dem Kapitel einen geeigneten Ort. Genannt werden heilige Flussufer, Berge, Wälder, Tempel, ein eigener abgeschiedener Raum und die Nähe des Gurus. Eine besonders einfache Aussage lautet: Man könne dort bleiben, wo der Geist heiter und klar wird. Neben dieser inneren Eignung stehen sehr genaue äußere Bestimmungen. Der Ort soll nicht ständig durch Verkehr, Amtsträger oder andere Störungen beansprucht werden. Auch Unterkunft, Witterungsschutz und eine ausreichende Versorgung spielen eine Rolle.

Zur Ortsbestimmung gehört das Kūrmacakra, ein Diagramm in Gestalt einer Schildkröte. Ein Feld wird in neun Teile gegliedert; Buchstaben und Vokale werden darin angeordnet. Aus dem Anfangsbuchstaben eines Ortsnamens ergeben sich Gesicht, Hände, Bauch, Füße, Schwanz und Rücken. Diese Bereiche erhalten unterschiedliche Bewertungen. Das Kapitel überliefert mehrere Fassungen, die nicht vollständig übereinstimmen. Die Zeichnung wäre daher nur mit zusätzlichen Annahmen eindeutig herzustellen. In dieser Ausgabe bleiben die Unterschiede offen. Der geistige Gedanke hinter der ausführlichen Ortslehre ist dennoch erkennbar: Die Praxis soll nicht beliebig irgendwo beginnen, sondern in einem bewusst gewählten und geordneten Raum.

Vor dem Beginn werden der Guru und andere Beteiligte geehrt. Dann folgt der Saṅkalpa, der förmliche Vorsatz. Er nennt Ort, Zeit, Mantra, Ziel, Zahl und gegebenenfalls die Dauer des Vorhabens. Der Text erklärt ausführlich, warum innerer Entschluss und ausgesprochenes Wort zusammengehören. Das Vorhaben soll nicht vage bleiben. Wer sich innerlich verpflichtet, spricht diese Verpflichtung aus und verwirklicht sie anschließend durch Handeln. Dabei darf eine längere Übung durchaus mit den Worten „heute beginne ich“ angekündigt werden: Schon der erste ausgeführte Teil macht den Beginn wirklich.

Die Gebetskette als Trägerin der Sammlung

Ein großer Abschnitt gilt der Gebetskette. Es gibt eine äußere Kette aus Perlen oder Samen und eine innere Kette aus den Buchstaben der Mātṛkā. Die Lautreihe wird vorwärts und rückwärts durchlaufen; der Mantra wird mit den einzelnen Lauten verbunden. Damit wird die Sprache selbst zur Kette. Die materielle Mala hat unterschiedliche Materialien und Zahlen. Rudrākṣa, Lotossamen, Bergkristall, Perlen und weitere Stoffe werden verschiedenen Zielen zugeordnet. Die Texte stimmen in diesen Zuordnungen nicht immer überein.

Die Kette wird gereinigt, aufgefädelt, geweiht und schließlich als mit der Gottheit verbunden betrachtet. Ihre Meru-Perle dient als Wendepunkt. Beim Rezitieren soll der Übende nicht hastig darüber hinweggehen, die Perlen nicht klappern lassen und nicht schon die nächste Perle erfassen, während er noch an der vorherigen rezitiert. Hinter den vielen Einzelregeln steht die Verbindung von Aufmerksamkeit, Handbewegung und Laut. Eine kleine äußere Handlung soll die innere Sammlung unterstützen. Auch das Zählen an den Fingern wird beschrieben, insbesondere wenn keine Gebetskette vorhanden ist.

Die Rudrākṣa erhält eine eigene Herkunftserzählung. Ihre Bäume entstehen aus den Tränen Śivas. Die Samen werden so als Zeichen göttlicher Anteilnahme verstanden. Es folgen lange Lobtexte, in denen verschiedene Gesichtszahlen Gottheiten und Heilsergebnissen zugeordnet werden. Manche Zusagen sind außerordentlich weitreichend: Tilgung schwerer Schuld, Schutz und Befreiung. Diese Aussagen gehören zur religiösen Lob- und Heilssprache der Quellen. Das Kapitel unterscheidet außerdem die Weihe einer Rudrākṣa-Kette von der Weihe anderer Materialien; nicht jede Form soll einfach auf jede andere übertragen werden.

Was die Wiederholung innerlich trägt

Zu den schönsten einfachen Aussagen des Kapitels gehören die Voraussetzungen einer gelungenen Rezitation: den Geist zurücknehmen, rein und still werden, über den Sinn des Mantras nachdenken, unzerstreut bleiben und nicht verzagen. Gier, Neid, Zorn und Grausamkeit gelten als Hindernisse. Vertrauen, Beständigkeit und Mitgefühl werden hervorgehoben. Der Text betont sogar, dass ein grausamer Mensch keine Vollendung erlangt. Die Mantrapraxis steht damit nicht nur neben dem Verhalten im Alltag; sie verlangt eine innere Ausrichtung, die dieses Verhalten verändert.

Drei Hauptformen des Japa werden unterschieden. Bei hörbarer Rezitation werden die Laute deutlich ausgesprochen. Bei flüsternder Rezitation bewegen sich die Lippen nur wenig, und der Klang ist kaum hörbar. Bei geistiger Rezitation wird die Lautfolge innerlich vergegenwärtigt, verbunden mit dem Sinn des Mantras. Diese letzte Form wird besonders hoch bewertet. Auch das Rezitationsopfer insgesamt erhält ein großes Lob, weil es ohne Verletzung von Lebewesen ausgeführt werden kann. Die äußere Stimme wird also nicht zum alleinigen Maßstab. Entscheidend ist, ob die Aufmerksamkeit wirklich beim Mantra bleibt.

Ein anderes Grundmotiv ist die Einheit von Gottheit, Guru, Mantra und eigenem Selbst. Diese vier werden nicht bloß nacheinander bedacht, sondern innerlich zusammengeführt. Das Kapitel beschreibt dazu eine besondere Ordnung von Stirn-, Hals- und Herzbereich. Ihre Farben, Formen und Maße entsprechen nicht einfach jeder anderen bekannten Cakra-Lehre. Der Text hat hier seine eigene Darstellung. Das Herz wird als ursprünglicher Ort von Meditation und Rezitation hervorgehoben. In einfacher Sprache: Die Übung soll nicht an der Oberfläche der Stimme bleiben, sondern das eigene Innere erfassen.

Beständigkeit, Grenzen und unterschiedliche Regeln

Die tägliche Zahl soll gleich bleiben, und möglichst kein Tag soll ausfallen. Rezitation und Meditation werden miteinander verbunden: Nach der Rezitation folgt Meditation, danach wieder Rezitation. Zugleich erkennt der Text begrenzte Fähigkeiten an. Wer nicht dreimal baden kann, darf zweimal oder einmal baden. Wer ein Feueropfer nicht ausführen kann, erhält Rezitation als Ersatz. Eine zitierte Schlussregel sagt ausdrücklich, dass die vollständigen Vorschriften für den Fähigen gelten und der andere nach seinen Kräften üben soll. Strenge und Anpassung stehen also nebeneinander.

Andere Regeln spiegeln deutlich die historische Gesellschaft wider. Dazu gehören Ausschlüsse aufgrund sozialer Gruppe und Geschlecht, Reinheitsvorstellungen sowie unterschiedliche Berechtigungen zu Ritualen. Sie werden in der Übersetzung nicht verschwiegen, aber auch nicht als heutige allgemeine Wertmaßstäbe übernommen. Dasselbe gilt für Listen angeblich günstiger oder schädlicher Speisen, Sitzunterlagen und Materialien. Das Kapitel selbst enthält mehrere voneinander abweichende Listen. Wer es aufmerksam liest, begegnet einer vielstimmigen Überlieferung und keinem widerspruchsfreien modernen Handbuch.

Auch Unterbrechungen werden behandelt: Reden, Niesen, Müdigkeit, Unruhe und bestimmte Berührungen. Die vorgesehenen Antworten sind etwa eine kurze Sammlung, ein Mantra, Ācamana, erneutes Nyāsa oder Atemregelung. Nicht jede Störung soll die gesamte Praxis zunichtemachen. Der Übende kehrt nach einer passenden Handlung zur Wiederholung zurück. Dieses Motiv lässt sich als ernsthafte, aber nicht verzweifelte Beständigkeit verstehen: Unterbrechungen werden bemerkt und beantwortet, damit die Aufmerksamkeit neu gesammelt werden kann.

Träume, Zeichen und das Ziel der Übung

Vor dem Schlaf wird das Śivasaṅkalpa-Sūkta rezitiert. Sein wiederkehrender Wunsch lautet in dieser Übersetzung: „Möge dieser mein Geist von heilsamem Entschluss erfüllt sein.“ Die Verse beschreiben den Geist als weit wanderndes Licht, als Voraussetzung des Handelns, als Träger von Erkenntnis und als im Herzen gegründeten Lenker. Dieser Abschnitt verbindet die vielen äußeren Regeln mit einer stillen inneren Bitte. Nicht nur ein bestimmtes Ergebnis soll entstehen; der Geist selbst soll eine gute Ausrichtung gewinnen.

Danach folgen Traumgebete und umfangreiche Traumlisten. Gottheiten, Lichtgestalten, Gurus und viele andere Bilder gelten als günstig; andere werden als ungünstig gedeutet. Manche Zuordnungen können heutigen Lesern fremd erscheinen. Die Übersetzung behandelt sie als historische Deutungen, nicht als sichere Vorhersagen. Außergewöhnliche Erfahrungen sollen nach dem Text dem Guru mitgeteilt und nicht öffentlich ausgestellt werden. Dahinter steht die Sorge, dass Stolz und Aufregung die Sammlung unterbrechen könnten.

Die Vollendungszeichen reichen von Klarheit und Zufriedenheit bis zu großen übernatürlichen Wirkungsbehauptungen. Das Kapitel nennt jedoch auch Leidenschaftslosigkeit, den Wunsch nach Befreiung, Freigebigkeit und Mitgefühl mit allen Wesen. Diese Eigenschaften stehen neben Macht, Reichtum und wundersamen Fähigkeiten. Besonders deutlich wird die Rangordnung bei den Mahāvidyās: Ihr Hauptziel ist Befreiung. Wenn weltliche Genüsse nebenher entstehen, mögen sie entstehen; wenn nicht, soll die Übung deshalb nicht aufgegeben werden. Der Weg wird hier gerade nicht allein daran gemessen, ob alle persönlichen Wünsche erfüllt werden.

Zum Schluss kommen alternative Puraścaraṇa-Formen, Einrahmungen des Mantras durch Lautreihen und sieben besondere Mantrabehandlungen zur Sprache. Diese werden als historische Verfahren vollständig dokumentiert, ohne unsichere Stoffangaben in verlässliche Rezepte umzudeuten. Den Abschluss bildet die Verehrung einer eingeweihten Kula-Śakti. Auch hier unterscheidet der Text verschiedene Arten von Praktizierenden und setzt Unterweisung voraus. Über das ganze Kapitel hinweg bleibt damit ein Zusammenhang sichtbar: Der Mantra ist eingebettet in Beziehung, Aufmerksamkeit, geordnetes Handeln und die Frage nach dem höchsten Ziel des Lebens.

Siebzehnter Śvāsa: Äußere Wirkmacht und innere Freiheit

Der siebzehnte Śvāsa gehört zu den umfangreichsten und zugleich schwierigsten Teilen des bisherigen Werkes. Er führt die im vorigen Kapitel beschriebene Mantrapraxis in geheime und teilweise bewusst grenzüberschreitende Ritualformen weiter. Danach sammelt er zahlreiche Anwendungen des Śrīcakra, der drei Mantra-Gruppen und des Feueropfers. Der Text spricht von Verehrung und geistiger Erkenntnis, aber ebenso von der Beeinflussung anderer Menschen, Krankheit, Feindschaft und politischer Macht. Eine verständliche Darstellung darf diese Spannweite nicht verdecken. Sie soll zeigen, was die Quelle sagt, und zugleich erkennbar lassen, an welchen Stellen eine heutige spirituelle Aneignung Grenzen hat.

Geheime Praxis und ihre Voraussetzungen. Zu Beginn stehen besondere Formen des Puraścaraṇa. Die einzelnen zitierten Werke setzen verschiedene Orte, Zeiten, Zahlen und rituelle Bedingungen voraus. Der Verfasser reiht diese Stimmen nicht immer zu einem einheitlichen Regelwerk zusammen. Gerade bei den Stoffen des Kula-Rituals und bei der Frage, wer sie verwenden darf, stehen unterschiedliche Aussagen nebeneinander. Manche erlauben bestimmte Formen, andere verlangen Ersatzstoffe oder beschränken den Zugang. Die Übersetzung erhält diese Spannungen. Sie macht aus einer Sammlung verschiedener Traditionsstimmen keine nachträglich vereinheitlichte Praxisordnung.

Die Verehrung der Śakti erscheint dabei nicht nur als Meditation über eine göttliche Gestalt, sondern auch als rituelle Ehrung von Frauen. Acht soziale Herkunftsgruppen werden mit acht göttlichen Kräften verbunden. Darin liegt eine besondere Verschiebung gegenüber gewöhnlichen gesellschaftlichen Rangordnungen: Personen, die außerhalb eines privilegierten religiösen Zentrums stehen können, erhalten im Ritual eine sakrale Bedeutung. Dennoch ist der historische Text nicht frei von Hierarchie, Geschlechterrollen und Zugangsbeschränkungen. Er darf deshalb weder pauschal als moderne Gleichheitslehre gelesen noch auf bloße soziale Ausgrenzung reduziert werden.

Für die Auslegung ist die Unterscheidung verschiedener Handlungen entscheidend. Wo Angehörige als mögliche Empfängerinnen von Verehrung genannt werden, bedeutet dies nicht automatisch eine sexuelle Handlung. Umgekehrt werden ausdrücklich sexuelle Ritualpassagen nicht durch eine ausschließlich symbolische Übersetzung verdeckt. Der Text enthält außerdem Aussagen, die Gewalt gegen Frauen und erzwungenen sexuellen Umgang verurteilen. Spätere Zitate beschreiben jedoch erzwungene Anziehung und die Aufhebung des Willens einer Zielperson. Diese Spannung bleibt sichtbar; sie wird nicht mit einer angeblich überall gleichen Bedeutung des Wortes Liebe aufgelöst.

Grenzorte, Furcht und Schutz. Ausführliche Abschnitte behandeln den Verbrennungsplatz, den Scheiterhaufen und eine Leichen-Sādhana. In der dargestellten religiösen Welt sind dies Orte, an denen gewöhnliche Sicherheit und gesellschaftliche Ordnung an ihre Grenzen kommen. Der Übende wird als jemand beschrieben, der Furcht, erschreckenden Erscheinungen und ablenkenden Versprechen standhalten soll. Schutzformeln, Gaben und genaue Ritualfolgen gehören dazu. Die Erzählweise setzt eine von Geistern, Gottheiten und magischen Gegenkräften bewohnte Welt voraus.

Eine spirituelle Deutung kann darin die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Angst erkennen. Sie darf aber nicht behaupten, der ganze Abschnitt beschreibe ausschließlich innere Vorgänge. Die Quelle nennt konkrete Orte, Gegenstände und Handlungen. Ebenso wenig rechtfertigt eine historische Übersetzung deren Nachahmung. Die heute unmittelbar zugängliche Frage lautet vielmehr: Was geschieht mit dem Geist, wenn er seine Gewohnheit, Sicherheit und Kontrolle zu erwarten, verliert? Diese Frage kann in einer stillen, sicheren Betrachtung der eigenen Vergänglichkeit erwogen werden, ohne die beschriebenen Grenzrituale zu übernehmen.

Die sechs zweckbezogenen Ritualarten. Das Kapitel ordnet Anwendungen unter anderem nach Befriedung, Gefügigmachen, Stillstellung, Zwietracht, Vertreibung und Tötung. Diese Liste zeigt, dass „Wirksamkeit“ im Werk nicht überall dasselbe bedeutet wie ethisch heilsames Handeln. Ein Ritual kann innerhalb der historischen Theorie als wirkkräftig gelten und dennoch auf ein Ziel gerichtet sein, das anderen schadet. Die Übersetzung kennzeichnet diese Zielsetzungen ausdrücklich. Sie verwandelt aggressiven Zauber nicht in eine allgemeine Metapher für das Überwinden eigener Schwächen.

Auch die beschriebenen Figuren, Schriftanordnungen und astrologischen Entsprechungen gehören zu diesem historischen Modell. Namen, Buchstaben, Körperstellen, Sternstationen und Materialien werden miteinander verbunden. Der Text nimmt an, dass eine Handlung an einem solchen Abbild auf eine entfernte Person übergreifen könne. Diese angenommene Fernwirkung ist als Teil der Lehre dokumentiert, nicht als erwiesene Tatsache. Aus ihr lässt sich weder eine Diagnose von Krankheit noch ein tatsächlicher Nachweis für eine angebliche Verhexung ableiten.

Das Śrīcakra als geordneter Zusammenhang. Viele Anwendungen setzen das Śrīcakra voraus. Seine Mitte, Dreiecke, Richtungen und äußeren Lautreihen werden als aufeinander bezogene Bereiche verstanden. Das Cakra ist im Text daher nicht bloß ein dekoratives Bild. Es verbindet Raum, Sprache, Gottheit und den meditierenden Menschen. Die Mātṛkā, die Reihe der Sanskritlaute, kann es umgeben; ein Name kann in einen Mantra eingeschlossen werden; die Göttin wird in seiner Mitte vergegenwärtigt.

Die wiederholten Zitate aus der Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā, dem Vāmakeśvara-Tantra und dem Jñānārṇava zeigen ähnliche Grundmuster, aber nicht überall dieselben Einzelheiten. Farben, Schreibstoffe, Flüssigkeiten und Richtungen weichen voneinander ab. Auch einzelne Personenbezeichnungen ändern sich. Die vollständige Ausgabe bewahrt diese Unterschiede. Für das Verständnis bedeutet das: Die Wiederholung ist selbst ein Teil des Werkes. Sie zeigt, wie der Verfasser Aussagen mehrerer Quellen nebeneinanderstellt und durch ihre Ähnlichkeit Gewicht erzeugt.

Die drei Mantra-Gruppen. Die Darstellungen des Vāgbhava-, Kāmarāja- und Śakti-Bereichs verbinden verschiedene Aspekte der Göttin. Vāgbhava steht besonders im Zusammenhang mit Sprache, Lernen, Dichtung und klarer Darlegung. Die zugehörige Göttin erscheint weiß und lichtvoll, mit Buch, Gebetskette, Segen und Furchtlosigkeit. Das Kapitel entwirft dabei ein weit gespanntes Ideal der Bildung: Sprachlehre, Argumentation, überlieferte Lehren, Künste, Schriften und unterschiedliche Sprachen gehören zusammen. Die versprochene umfassende Gelehrsamkeit bleibt eine religiöse Verheißung; sie ersetzt nicht die tatsächliche Beschäftigung mit diesen Wissensgebieten.

Kāmarāja und Kāmakalā werden mit rotem Licht, aufgehender Sonne, Flamme, Begehren und Anziehung verbunden. Die Bildsprache beschreibt eine Kraft, die Grenzen durchdringt und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Gerade hier erscheinen jedoch viele Aussagen über das Gefügigmachen von Frauen. Für eine heutige Lektüre ist deshalb eine klare Unterscheidung nötig: Die Würdigung schöpferischer Lebensenergie ist etwas anderes als die Vorstellung, ein anderer Mensch müsse seinen eigenen Willen aufgeben. Eine verantwortbare persönliche Praxis kann die eigene Begierde beobachten und verwandeln; sie nimmt die Selbstbestimmung anderer ernst.

Das Śakti-Bīja erscheint als goldene oder blitzartige Kraft, die Nektar regnen lässt. Dazu treten Vorstellungen von Schutz, Heilung und der Überwindung von Gift und Tod. Die vollständige Tripurasundarī vereinigt die drei Bereiche. In verschiedenen Darstellungen werden Nabel oder Ursprungsbereich, Herz und Gesicht beziehungsweise Zunge miteinander verbunden. Der Körper wird so als Ort von Bewusstsein, Sprache und Kraft betrachtet. Unterschiede der Körperzuordnung bleiben im Text erhalten und werden nicht zu einer einzigen vermeintlich ursprünglichen Technik zusammengesetzt.

Yoginīs und die Zugehörigkeit zum Kreis der Mütter. Neben Herrschaft und Siddhis beschreibt das Kapitel auch ein Verhältnis des Geliebtwerdens. Wer sich der Göttin erinnert, soll dem Kreis der Mütter bekannt und den Yoginīs wie ein Sohn lieb werden. Dieses Bild setzt einen anderen Akzent als die zahlreichen Aussagen über Kontrolle: Der Übende ist hier nicht nur derjenige, der Macht erlangt, sondern auch derjenige, der aufgenommen und getragen wird. Zugleich gehören die riesigen Zahlen von Yoginīs und die übernatürlichen Fähigkeiten zur religiösen Vorstellungswelt der Quelle. Vierundsechzig Koṭis werden daher nicht einfach mit der bekannteren Zahl von vierundsechzig Yoginīs gleichgesetzt.

Der entscheidende Wechsel zur inneren Verehrung. Inmitten der vielen zweckbezogenen Anwendungen legt der Verfasser einen deutlichen Maßstab vor. Bevor im äußeren Feuer geopfert wird, soll der Geist im großen Feuer des eigenen Selbst als vollständige Gabe dargebracht werden. Die Göttin ist das Bewusstsein selbst. Ihre Schlinge und ihr Haken werden als Begehren und Abneigung gedeutet, ihre Pfeile als Sinnesgegenstände und ihr Bogen als Geist. Damit wird das äußere Götterbild zu einer Sprache der Selbsterkenntnis.

Diese innere Deutung hebt die äußeren Formen im Werk nicht vollständig auf. Sie ordnet ihnen jedoch eine Voraussetzung zu: Ohne innere Sammlung und Erkenntnis ist ihre tiefere Bedeutung nicht erreicht. Der Verfasser geht noch weiter. Weil für gefährliche Anwendungen Schutz- und Sühnehandlungen vorgeschrieben werden, schließt er auf die Möglichkeit unerwünschter Folgen. Daraus zieht er die ausdrückliche Folgerung, dass die Kundigen eine von eigennützigen Wünschen freie Verehrung üben sollen. Dieser Satz ist ein zentraler Orientierungspunkt für die Lektüre des gesamten Kapitels.

Die innere Bedeutung der fünf Mudrās. Ein Kulārṇava-Zitat beschreibt Wein, Fleisch, Fisch, Speise und Vereinigung in einer inneren Auslegung. Der Nektar aus dem Himmelslotus wird zum eigentlichen Trank. Das mit dem Schwert der Erkenntnis getötete Opfertier ist die Bindung an Verdienst und Schuld. Die gezügelten und im Selbst vereinten Sinne werden als wahrer Fischgenuss verstanden. Ichhaftigkeit, Unwahrheit, Verleumdung und Zorn erscheinen als Speisen, die im inneren Feuer dargebracht werden.

Die Vereinigung von höchster Śakti und eigenem Selbst wird schließlich als das eigentliche Maithuna beschrieben. Der Text unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen dieser inneren Bedeutung und einer bloß äußerlichen Handlung. Für eine spirituelle Lektüre ist das besonders fruchtbar: Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht nur darauf, was ein Mensch äußerlich tut, sondern darauf, welche Haltung er dabei nährt. Wird Zorn verstärkt oder durchschaut? Wird die eigene Bedeutung vergrößert oder die Bindung an sie gelockert? Wird ein Ritual zum Besitzstück oder zur Darbringung?

Feueropfer, Kalender und Materialien. Die zweite große Themenfolge behandelt Zeiten, Himmelsrichtungen, Planeten, Sternstationen und Stoffe des Feueropfers. Blumen, Früchte, Körner, Milchprodukte, Duftstoffe und Hölzer werden verschiedenen gewünschten Ergebnissen zugeordnet. An manchen Stellen nennt der Text lange Zeiträume, an anderen hohe Zahlen einzelner Opfergaben. Die Genauigkeit dieser Angaben gehört zur historischen Ritualsystematik. Sie belegt für sich genommen nicht, dass die zugeschriebenen Ergebnisse tatsächlich eintreten.

Die Maße werden außerdem aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Karṣa, Pala, Śukti, Prasṛti, Handvoll, Bissen und Fruchtgrößen stehen nebeneinander. Nicht jede Zahlenfolge ist widerspruchsfrei oder eindeutig überliefert. Deshalb wird keine scheinbar exakte moderne Umrechnung ergänzt. Ähnliches gilt für beschädigte Pflanzennamen und Stoffbezeichnungen. Gerade bei einer vollständigen Übersetzung besteht Sorgfalt darin, eine offene Stelle sichtbar zu lassen, statt sie mit einer plausibel klingenden Erfindung zu schließen.

Rezitation und die Sammlung des Geistes. Hörbares, flüsterndes und geistiges Japa werden unterschieden. Das Kapitel gibt der inneren Wiederholung ein besonders hohes Gewicht und verbindet zunehmende Rezitationszahlen mit immer größeren Verheißungen. Diese Zahlen sind innerhalb der zitierten Überlieferung zu lesen; anderslautende Angaben früherer Abschnitte bleiben daneben bestehen. Eine zugängliche geistige Anregung liegt in der Bewegung vom äußeren Klang zur bewussten inneren Gegenwart. Nicht jede Steigerung einer Zahl bedeutet bereits eine Vertiefung der Aufmerksamkeit.

Eine mögliche persönliche Lektüre. Wer aus dem Kapitel eine friedliche Anregung aufnehmen möchte, kann bei seinem eigenen Verhältnis zu Sprache, Begehren und Abneigung beginnen. Ein vertrauter, bereits erlernter Mantra kann mit Aufmerksamkeit wiederholt werden. Ein aufkommender Ärger kann als etwas betrachtet werden, das man dem inneren Feuer übergibt, statt es gegen einen anderen Menschen zu richten. Eine Begegnung kann zum Anlass werden, die Würde des Gegenübers wahrzunehmen. Diese Anregungen sind eine heutige Auswahl aus den inneren Leitgedanken, keine Behauptung, sämtliche historischen Rituale seien auf diese Weise gemeint gewesen.

Der Śvāsa enthält 1.008 nummerierte Einträge und zahlreiche unnummerierte Erläuterungen. Er endet mit weiteren Śrīcakra-Zitaten, nicht mit einer Auflösung aller Spannungen. Seine unterschiedlichen Stimmen bleiben deshalb nebeneinander hörbar: das Streben nach äußerer Macht, die Bindung an Einweihung und Überlieferung, die Verheißung göttlichen Schutzes und der ausdrückliche Vorrang wunschfreier innerer Verehrung. Für die Orientierung ist entscheidend, diese Stimmen unterscheiden zu können und den Maßstab der inneren Erkenntnis nicht im Reichtum der äußeren Einzelheiten zu verlieren.

Kapitel 18 in einfachen Worten: Verhalten, innere Verehrung und tägliche Ordnung

Der achtzehnte Śvāsa schließt den ersten Teil des Shri Vidyarnava Tantra ab. Er verbindet Regeln für das Verhalten mit sehr unterschiedlichen Ritualüberlieferungen und einer ausführlichen Ordnung der täglichen Verehrung. Man sollte ihn deshalb nicht wie eine einheitliche Anleitung lesen, die jeder Mensch vollständig übernehmen soll. Der Verfasser sammelt Aussagen vieler Tantras und anderer religiöser Texte, ordnet sie ein, entscheidet zwischen ihnen und lässt gelegentlich unterschiedliche Möglichkeiten nebeneinander stehen. Manche Vorschriften richten sich ausdrücklich an bestimmte eingeweihte Gruppen. Andere betreffen allgemein verständliche Haltungen: Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit, innere Sammlung und die Achtung vor der als göttlich verstandenen Wirklichkeit.

Zu Beginn steht der Samayācāra, das Verhalten innerhalb einer religiösen Verpflichtung. Ein Mantra ist nach dieser Sicht nicht nur eine Lautfolge. Seine Wiederholung gehört zu einer Lebensweise, in der Beziehungen zum Guru, zur Gottheit, zur Lehre und zu anderen Menschen gepflegt werden. Die Regeln verbinden Hingabe mit Grenzen: Nicht jede Person ist für jede Praxis zuständig, und nicht jede rituelle Aussage lässt sich aus ihrem Zusammenhang herauslösen. Für eine heutige Lektüre ist dabei die Unterscheidung wichtig zwischen dem geistigen Anliegen, das man nachvollziehen kann, und einer historischen Sozialordnung, die man nicht übernehmen muss.

Der Text führt mehrere Stimmen an, um Fragen der Berechtigung und der Lebensführung zu behandeln. Dadurch wird sichtbar, dass bereits innerhalb der Überlieferung über richtige Praxis gestritten wurde. Das ist mehr als eine Sammlung fester Befehle. Der Verfasser prüft Belege, erklärt Begriffe und versucht, scheinbar widersprüchliche Aussagen auf unterschiedliche Anwendungsfälle zu beziehen. Ein Beispiel findet sich am Ende bei der Reinigung der Elemente: Er bezweifelt, dass eine bestimmte Zahl von Mantrawiederholungen ausreichend belegt sei, und richtet die Dauer stattdessen auf das Gelingen der inneren Vergegenwärtigung aus. Auch dort, wo man seine religiösen Voraussetzungen nicht teilt, lässt sich seine Frage nachvollziehen: Was trägt eine Regel, und welchem Zweck dient sie?

Śakti und die Deutung des eigenen Lebens

Mehrere Abschnitte betrachten Körper, Wahrnehmung und Alltag im Licht der Shakti. Die göttliche Kraft wird nicht ausschließlich an einem entfernten Ort gesucht. Der Körper kann als Träger heiliger Zuordnungen erscheinen; gewöhnliche Handlungen können in eine Haltung der Verehrung einbezogen werden. Dies ist jedoch nicht die Behauptung, dass jede Handlung dadurch automatisch gut werde. Das Kapitel enthält zugleich Verhaltensregeln und unterscheidet erlaubte, unerlaubte und an besondere Voraussetzungen gebundene Handlungen. Die Sicht auf das Göttliche und die Frage nach verantwortlichem Verhalten gehören beim Lesen zusammen.

Für eine alltagstaugliche Betrachtung kann man hier ansetzen, ohne die Spezialrituale nachzuahmen. Man kann vor einer Arbeit kurz innehalten, eine Mahlzeit dankbar wahrnehmen oder die Aufmerksamkeit bewusst auf eine anwesende Person richten. Solche einfachen Übertragungen sind heutige, frei gewählte Anregungen; sie ersetzen keine historische Einweihung und werden nicht als wörtliche Vorschrift des Tantra ausgegeben. Ihr Bezug zum Kapitel besteht darin, dass Verehrung als eine Weise des Wahrnehmens verstanden werden kann, nicht nur als eine gelegentliche Zeremonie.

Historische Rituale und die Grenzen dieser Ausgabe

Das Kapitel enthält auch Tieropfer, sexualrituelle Überlieferungen und soziale Wertungen, die einer sorgfältigen Einordnung bedürfen. Die Übersetzung beschönigt diese Inhalte nicht. Tieropfer werden als historische Praxis beschrieben; ihre Nennung ist keine Empfehlung. Aussagen über Stände, Geschlechter oder als unrein bezeichnete Menschen geben die Vorstellungen der Quellen wieder. Sie begründen keine heutige Rangordnung menschlicher Würde. Gerade eine spirituell interessierte Lektüre braucht diese Unterscheidung, damit sie schwierige Stellen weder verdrängt noch unkritisch zum Maßstab macht.

Eine besondere redaktionelle Grenze betrifft den Dūtī- und Śakti-Śodhana-Komplex. Die dort genannten Altersangaben schließen Minderjährige ein. Deshalb werden die betreffenden sexualrituellen Aussagen ab dem entsprechend gekennzeichneten Vers nichtgrafisch und nach ihrer Textfolge zusammengefasst. Diese Passage liegt ausdrücklich nicht als vollständige wörtliche Übersetzung vor; auch die veröffentlichten Sanskritfassungen kennzeichnen die entsprechende Auslassung. Die nichtsexuelle Meditation über die Göttin Bālā ist davon als eigene, übersetzte Passage unterschieden. Ein Göttinnenname allein sagt nichts über die Art eines Rituals aus.

Ebenso ist die später beschriebene Kumārī-Pūjā getrennt zu betrachten. In diesem Abschnitt geht es um nichtsexuelle Verehrung von Mädchen, unter anderem durch Gaben und Bewirtung. Die Nähe verschiedener Themen innerhalb desselben Kapitels darf ihre Unterschiede nicht verwischen. Umgekehrt darf die religiöse Sprache nicht dazu führen, Altersangaben oder problematische Aussagen im sexualrituellen Teil zu übersehen. Die Ausgabe benennt die Grenze jeweils dort, wo sie den Text betrifft, und setzt anschließend die Übersetzung der übrigen Abschnitte fort.

Antaryāga: Was wird im Inneren dargebracht?

Ein besonders zugänglicher Abschnitt behandelt den Antaryaga, die innere Verehrung. An die Stelle äußerer Gegenstände treten innere Haltungen und Erkenntnisvorgänge. Der Gedanke dahinter ist einfach: Eine kostbare Gabe allein sagt noch wenig darüber aus, wie jemand innerlich ausgerichtet ist. Im inneren Ritual wird gerade diese Ausrichtung zum Gegenstand der Darbringung. Was man im eigenen Erleben festhält, was die Aufmerksamkeit bindet und was die Beziehung zum Göttlichen prägt, wird bewusst betrachtet.

Die Bilder des Rituals bleiben dabei erhalten. Auch innere Verehrung besitzt einen Ort, Gaben und eine Folge von Handlungen. Sie ist nicht bloß ein unbestimmtes gutes Gefühl. Zugleich erlaubt die Bildsprache, die Bedeutung einer Gabe tiefer zu verstehen: Eine Blüte kann für eine gepflegte innere Qualität stehen, Licht für Erkenntnis, eine Darbringung für das Loslassen von Selbstbezogenheit. Die jeweilige Übersetzung bewahrt die Einzelheiten der Quelle; diese Zusammenfassung macht nur ihre Grundbewegung verständlich. Die im Quellentext verwendeten Zahlen und Gruppierungen werden nicht nachträglich zu einem glatteren Schema umgebaut.

Für eine sichere heutige Besinnung kann man sich vornehmen, eine einzige hilfreiche Haltung in die nächste Handlung mitzunehmen: Geduld in ein Gespräch, Sorgfalt in eine Aufgabe oder Dankbarkeit in einen ruhigen Moment. Das ist keine Behauptung über übernatürliche Wirkungen. Es ist eine überschaubare Weise, den Gedanken ernst zu nehmen, dass äußere und innere Handlung miteinander verbunden sein können.

Prāṇapratiṣṭhā und die Anwesenheit des Heiligen

Die Abschnitte zur Prāṇapratiṣṭhā beschreiben die rituelle Einsetzung von Lebenskräften. Ein Bild oder ein rituell vorgestellter Körper wird nicht nur als Material betrachtet, sondern als Ort einer angerufenen Gegenwart. Dazu gehören Mantras, Zuordnungen von Körperteilen, Kräfte und weitere Gottheiten. Der Text erläutert auch spezielle Anwendungen. Diese sind aus ihrer religiösen Welt heraus zu verstehen; eine behauptete magische Wirkung ist damit nicht als beobachtete Tatsache nachgewiesen.

Der geistige Sinn lässt sich dennoch beschreiben: Die Verehrung verlangt eine Gegenwart, die mit Aufmerksamkeit verbunden ist. Das bloße Aufstellen eines Gegenstandes erfüllt für den Text noch nicht den ganzen Zweck. Die Beteiligten wenden sich ihm bewusst zu, erinnern die zugehörigen Bedeutungen und gestalten eine Beziehung. Bei der eigenen Lektüre kann man diese Ebene verstehen, ohne jedes genannte Verfahren zu übernehmen. Besonders bei beschädigten Formeln ist Zurückhaltung sinnvoll: Eine unklare Silbenfolge wird nicht durch eine frei erfundene „richtige“ Fassung ersetzt.

Auch der tägliche Homa wird ausführlich behandelt. Die Einrichtung des Feuers und seine rituellen Zuordnungen zeigen, wie sorgfältig der Verfasser den Übergang von gewöhnlichem Material zu einem heiligen Handlungsraum gestaltet. Dabei stehen technische Einzelheiten neben theologischen Vorstellungen. Die Ausgabe bewahrt beides. Sie verkürzt den Abschnitt nicht auf die Aussage „alles ist innerlich“, denn der Quellentext legt auf äußere Abläufe durchaus Wert. Zugleich bleibt erkennbar, dass diese Abläufe ihre Bedeutung aus einem größeren Zusammenhang von Mantra, Gottheit und Bewusstsein erhalten.

Der Morgen als bewusster Beginn

Im späteren Teil wendet sich das Kapitel den täglichen Handlungen zu. Aufwachen, Erinnerung an die Gottheit, Reinigung, Baden und Verehrung bilden eine geordnete Folge. Der Morgen erscheint als Gelegenheit, sich neu auszurichten, bevor man in die Tätigkeiten des Tages eintritt. Diese Ordnung ist umfangreicher als eine heutige kurze Morgenroutine. Ihr Grundgedanke ist aber verständlich: Ein Anfang kann bewusst gestaltet werden, statt nur aus Gewohnheit zu geschehen.

Der Text unterscheidet das Baden mit Wasser, das Baden durch Mantra und das Baden durch Meditation. Diese Formen haben innerhalb der Überlieferung jeweils ihren Platz. Es werden auch Umstände bedacht, unter denen gewöhnliches Baden erschwert ist, etwa fehlendes Wasser, Krankheit, Kälte oder eine Reise. Dadurch wird deutlich, dass Ritualvorschriften nicht völlig losgelöst von Lebensbedingungen behandelt werden. Die innere Form bietet eine religiöse Möglichkeit der Sammlung, wenn die äußere Handlung nicht wie gewohnt stattfinden kann. Sie ist jedoch keine Aussage darüber, dass körperliche Hygiene medizinisch überflüssig werde.

Eine ruhige Erinnerung an die gewählte Gottheit, ein kurzer Moment des Dankes oder eine einfache bewusste Ausrichtung können heute an diesen Gedanken anknüpfen. Wer mit einem vertrauten Mantra übt, kann es ohne Leistungsdruck wiederholen. Für diese alltagstaugliche Übertragung braucht es weder komplizierte Atemmanöver noch eine möglichst lange Liste von Pflichten. Die ausführliche historische Ordnung wird dadurch nicht ersetzt; man unterscheidet lediglich die Kenntnis der Quelle von einer frei gewählten kleinen Praxis.

Kleidung, Asche und die drei Linien

Nach dem Bad behandeln die Quellen Kleidung und Stirnzeichen. Die Vorschriften zeigen, dass ein Ritual auch durch sichtbare Formen strukturiert wird. Ein Kleidungswechsel kann den Übergang zu einer anderen Tätigkeit markieren. Ein Stirnzeichen kann Zugehörigkeit ausdrücken und an eine Lehre erinnern. Zugleich enthält der Text standesbezogene Regeln, die als historische Aussagen stehen bleiben. Ihre Dokumentation bedeutet nicht, dass die spirituelle Würde eines Menschen von Herkunft oder sozialer Zuordnung abhängt.

Besonders ausführlich wird das Tripuṇḍra, das Zeichen aus drei Querlinien, erläutert. Jede Linie erhält neun Entsprechungen. Buchstaben von Oṃ, Feuerformen, Weltbereiche, Bewusstseinsbegriffe, Guṇas, Veden, Kräfte und Zeiten der Soma-Pressung werden zusammengeführt. Das Zeichen verdichtet damit eine ganze Ordnung der Wirklichkeit. Wer es betrachtet, soll sich nach dieser Symbolik nicht nur an drei Striche erinnern, sondern an miteinander verbundene Aspekte des Heiligen.

Die Asche wird außerdem als reinigend und von Verfehlungen befreiend gepriesen. Solche Aussagen gehören zur religiösen Verherrlichung eines heiligen Stoffes. Sie dürfen nicht so verstanden werden, als könne eine äußere Markierung die Verantwortung für verletzendes oder gewaltsames Handeln ersetzen. Bemerkenswert ist, dass der Text für śāktische Zusammenhänge auch duftende Stoffe wie Sandelholz nennt. Das sichtbare Zeichen ist also in verschiedene rituelle Zusammenhänge eingebunden; seine Ausführung wird nicht überall gleich beschrieben.

Sandhyā, Wasser und die Sonne

Die Sandhyā ordnet die religiöse Aufmerksamkeit an den Übergängen des Tages. Der Text verbindet Atemregelung, Besprengung, Mantrawiederholung, Wassergaben und Meditation. Die Gottheit wird in der Sonnenscheibe vergegenwärtigt und schließlich ins eigene Herz zurückgenommen. Äußerer kosmischer Ort und innerer Ort stehen so in Beziehung. Das Herz ist nicht nur ein Körperteil, sondern der Ort, an dem die Verehrung gesammelt wird.

Auch versäumte Praxis wird behandelt. Eine ausgelassene Sandhyā soll nach der zitierten Regel beim nächsten Termin nachgeholt werden, bevor die gegenwärtige vollzogen wird. Der Text ergänzt eine rituelle Sühne. Für das Verständnis ist hier die Idee der Wiederaufnahme bedeutsam: Ein Versäumnis beendet die Beziehung zur Praxis nicht notwendigerweise. Man kehrt zu ihr zurück. Eine heutige einfache Entsprechung wäre, nach einer Unterbrechung wieder verlässlich zu beginnen, ohne daraus eine Überforderung zu machen.

Vor der Verehrung soll man sich auch an eigenes Unrecht erinnern. Eine auffällige Passage erklärt, dass schwerwiegendere Verfehlungen während des Rituals lediglich ferngehalten werden können und anschließend zurückkehren. Damit sagt die Quelle selbst nicht durchgehend, jede Schwierigkeit sei durch einen kurzen Vollzug endgültig aufgehoben. Die Unterscheidung zwischen zeitweiliger ritueller Entlastung und wirklicher Veränderung verdient Aufmerksamkeit. Für heutiges Handeln bleiben Einsicht, Wiedergutmachung, wo sie möglich ist, und das Vermeiden erneuter Verletzungen wesentlich.

Die Sonnenverehrung durch Arghya ist mit zahlreichen Glücksverheißungen verbunden. Der Text nennt Gesundheit, Lebensdauer, Wohlstand und Kraft. Diese Aussagen werden als religiöse Hoffnungen übersetzt, nicht als gesicherte Wirkungsbeschreibung. Anschaulich ist die Geste dennoch: Wasser wird dem Lichtspender dargebracht, und der Mensch stellt den eigenen Tag in einen größeren Zusammenhang. In einer heutigen stillen Betrachtung kann daraus Dankbarkeit für Licht und Lebensbedingungen entstehen, ohne die Wirkungsversprechen als Tatsachen auszugeben.

Der Ritualraum und die Reinigung der Aufmerksamkeit

Vor dem Eintritt in den Verehrungsraum stehen Türgottheiten, Schutzgesten und die Reinigung des Ortes. Fegen, Schmücken, Licht, Duft und geordnete Materialien schaffen einen bewusst gestalteten Raum. Die vielen Gottheiten an Türen und Richtungen drücken aus, dass der Raum nicht als bedeutungsleere Umgebung angesehen wird. Seine Grenzen, sein Zugang und seine Mitte erhalten jeweils eine Funktion. Die Quelle unterscheidet dabei unterschiedliche Gottheitenfamilien und nennt entsprechend verschiedene Türhüter.

Auch die Hände und die Gaben werden rituell gereinigt. Manche Aussagen behaupten, unbemerkte Verunreinigungen würden durch Mantras und Betrachtung aufgehoben. Das ist eine rituelle Vorstellung und kein Ersatz für die tatsächliche Sauberkeit von Wasser, Lebensmitteln oder Geräten. Zugleich lässt sich erkennen, wie stark das Kapitel auf Vorbereitung achtet. Eine Handlung soll nicht zerstreut beginnen: Material, Körper, Sprache und Geist werden nacheinander auf sie ausgerichtet.

Der Verfasser diskutiert sogar, wann eine kurze Mantrabezeichnung für eine vollständige Formel steht und wann nicht. Diese sprachlichen Einzelheiten können beim ersten Lesen mühsam wirken. Sie zeigen aber, dass ihm die Genauigkeit der Überlieferung wichtig ist. Aus einer allgemeinen Regel sollen nicht beliebig weitere Pflichten abgeleitet werden. Für die Ausgabe folgt daraus eine entsprechende Sorgfalt: Formeln werden nicht nach Vermutung ergänzt, widersprüchliche Anweisungen nicht stillschweigend vereinheitlicht.

Auflösung der Elemente und Rückkehr in einen lichtvollen Leib

Zum Abschluss beschreibt das Kapitel die Bhūtaśuddhi, die innere Reinigung der Elemente. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum werden bestimmten Körperbereichen zugeordnet und durch Farben, Formen und Keimsilben vergegenwärtigt. Das Selbst wird als kleine Flamme im Herzlotos vorgestellt und auf dem Weg der Suṣumṇā mit dem höchsten Selbst verbunden. Alle Prinzipien werden innerlich darin aufgelöst. Anschließend erscheint ein gereinigter, zur Verehrung geeigneter Leib, und das individuelle Leben kehrt ins Herz zurück.

Diese Bilder sprechen von einer Veränderung der Selbstwahrnehmung. Der Mensch tritt für die Dauer der Vorstellung aus dem gewohnten Bild seines Körpers heraus und versteht ihn als Teil einer größeren Wirklichkeit. Die Quelle beschreibt dabei auch Atemanhalten und besondere Mantras. Die Übersetzung ist deshalb keine Empfehlung, die gesamte Folge ohne persönliche Anleitung praktisch nachzuvollziehen. Als Betrachtung lässt sich der Gedanke aufnehmen, sich zu sammeln und den eigenen Körper mit Achtung zu behandeln, ohne die Atemverfahren auszuführen.

Am Ende folgen Nyāsa und die Zuordnung von Ṛṣi, Versmaß, Gottheit und sechs Mantragliedern. Der Ṛṣi wird am Kopf vergegenwärtigt, das Versmaß am Mund beziehungsweise an der Zunge, die Gottheit im Herzen. Die Erklärung verbindet Lehrerwürde, Sprache und Erkenntnis. Das Kapitel schließt mit genauen Fragen der Formelbildung und mit dem Kolophon des ersten Werkteils. So stehen am Ende nicht nur große geistige Bilder, sondern auch die Sorgfalt im Einzelnen: Die innere Ausrichtung und die genaue Gestalt der überlieferten Handlung sollen zusammenwirken.

Das Shri Yantra als Bild geordneter Verehrung in der Sri Vidya.

Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten

Die hier übersetzte Einweihungsordnung setzt einen besonderen Überlieferungszusammenhang voraus. Eine heutige Anregung zum Schriftstudium ist, die eigenen Worte, Vorstellungen und Handlungen aufmerksam miteinander in Beziehung zu setzen. Die historischen Ritualvorschriften bleiben davon unterscheidbar.

Moderne Begleitung zum Studium

Swami Sivananda als Inspiration für heutige Yoga-Aspiranten.

Diese zeitgenössischen Videos begleiten die Themen des Schriftstudiums; sie werden nicht als Rezitation des hier übersetzten Sanskrittextes ausgewiesen.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Grundlage ist der Muktabodha-E-Text M00217 in IAST; die entsprechende Devanagari-Fassung dient als Paralleltext. Dieser zweite deutsche Teil setzt nach dem vollständigen Textbestand der Kapitel 1–12 ein. Der dreizehnte Śvāsa ist mit 322 nummerierten Einträgen, sämtlicher zugehöriger Prosa, den Formeln und dem Kolophon bearbeitet. Darunter sind 71 nummerierte Listeneinträge mit einfachen Versstrichen. Kapitel 14 ist mit 544 nummerierten Einträgen, sämtlicher Prosa, Formeln und Kolophon bearbeitet. Die Citrā-/Kurukullā-Wiederholung ist als zweites Textvorkommen erhalten. Kapitel 15 ist mit 360 nummerierten Einträgen, sämtlicher Prosa, Lautreihen und Kolophon bearbeitet. Darunter sind 29 ausdrücklich nummerierte Listenpositionen. Kapitel 16 ist mit 671 nummerierten Einträgen, sämtlicher Prosa, Formeln und Kolophon bearbeitet. Kapitel 17 ist mit 1008 nummerierten Einträgen, sämtlicher Prosa, Formeln und Kolophon bearbeitet. Kapitel 18 ist mit 770 nummerierten Einträgen bis zum Kolophon erfasst, darunter ein Vers mit einfachem Schlussstrich. Die ausdrücklich markierte sexualrituelle Passage liegt ausschließlich als nichtgrafische Zusammenfassung vor. Insgesamt sind in beiden deutschen Teilen 8.849 nummerierte Einträge erfasst. Neu beginnende Verszählungen in Zitaten erhalten redaktionelle Abschnittskürzel. Unnummerierte Prosa und Fortsetzungen werden mitübersetzt; die Kapitelnummer eines Kolophons zählt nicht als zusätzlicher Vers.

Die Sanskritvorlage nennt Śrīvidyāraṇyayati als Verfasser und Ram Chandra Kak sowie Harabhatta Shastri als Herausgeber. Muktabodha Indological Research Institute, E-Text unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; Vorlage unter CC BY-NC 4.0. Die deutsche Übersetzung und ihre Erläuterungen sind neu hinzugefügt. Die Ausgabe umfasst alle 36 Śvāsas mit den jeweils bezeichneten Quellenlücken und redaktionellen Ausnahmen.

Siehe auch

Seminare

Kundalini Yoga

30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Arjuna Wingen
06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung

Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
Arjuna Wingen

Bhakti Yoga

27.10.2026 - 27.10.2026 Mantra-Konzert mit Shamana OM

Konzert mit Shamana OM
Shamana OM
31.10.2026 - 31.10.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita

Konzert mit der Gruppe Mudita
Gruppe Mudita

Indische Schriften

26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta

Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…
Vedamurti Dr Olaf Schönert

Chakras

20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren

Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …
Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online

Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…
Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner

Energiearbeit

30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Arjuna Wingen
04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop

Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…
Beate Menkarski

Mit Aufmerksamkeit weitergehen

Dieser Teil lässt erkennen, wie viel Gewicht das Werk der Vorbereitung und der Beständigkeit gibt. Die vielen Einzelregeln gehören zu bestimmten Überlieferungen; ihre innere Verbindung erschließt sich erst im Zusammenhang. Für das eigene Schriftstudium kann daraus eine schlichte Haltung erwachsen: bei einer Frage bleiben, ihre Begriffe klären und das Erkannte sorgfältig vertiefen.