Sühne

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Sühne : Was ist Sühne? Was will man mit diesem Begriff sagen? Welche anderen Substantive, welche Adjektive und Verben stehen im Zusammenhang mit dem Wort Sühne? Sühne ist das was man tut, um ein Vergehen, ein begangenes Unrecht wieder gut zu machen. Man kann für etwas Sühne leisten. Man kann jemandem etwas zur Sühne auferlegen. Es gibt Sühneopfer und Sühneversuche. Ein Verbrechen kann gesühnt werden.

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Vermutlich kommt das Wort Sühne vom althochdeutschen suona, Gericht, Urteil Friedensschluss. Daraus entstanden dann die Bedeutungen Genugtuung, Vergeltung, Strafe für begangenes Unrecht, Versöhnung für Sühne. Es gibt ein tief verankertes ethisches Bewusstsein im Menschen. Wenn man selbst oder jemand anderes dagegen verstößt, dann erfordert es eine Sühne, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wer etwas Unrechtes getan hat, muss sühnen. Das geht durch Bitte um Entschuldigung, durch Wiedergutmachung, durch Bestrafung oder auch durch ein religiöses Ritual.

Sühne und Rückenschmerzen

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Was haben Rückenschmerzen Selbstbestrafung zu tun

Was hat Sühne mit Rückenschmerzen zu tun? Darüber möchte ich jetzt sprechen. Man weiß, dass die psychische Komponente bei Rückenschmerzen recht groß ist, wie bei allen chronischen Schmerzen und manchmal könnte man auch überlegen, haben die Rückenschmerzen etwas zu tun mit Selbstbestrafung? Willst du dich vielleicht selbst mit den Rückenschmerzen bestrafen? Ist das irgendeine Art von Sühne für dich selbst oder für andere? Es ist eine Überlegung wert, sicherlich nicht immer. Ich will dort auf vier Aspekte eingehen:

Trägst du die Schuld anderer?

Der erste Aspekt ist etwas, was von Bert Hellinger inspiriert ist. Bert Hellinger ist ja derjenige, der das Familienstellen populär gemacht hat und in dessen Tradition viele systemische Therapien heute sind. Und er hat so ein paar Dinge postuliert, z.B. ein Satz lautet, „lieber ich als du“ und als zweites, „ich folge dir nach“. Was heißen soll, es gibt irgendwo so eine Art magisches oder pseudomagisches Denken, wo man z.B. denkt, irgendjemandem in der Familie muss es schlecht gehen. Und angenommen, es geht jemand anderem schlecht, dann kann ein Mensch innerlich sagen, „lieber ich als du“, dann sagt man, „ok, dann entwickle ich z.B. Rückenschmerzen“, um letztlich das Leid des anderen auf sich zu laden, vielleicht die Schuld des anderen auf sich zu laden, dass der andere vielleicht gesund werden kann, vielleicht gerettet werden kann. So wäre eine Überlegung, wenn du Rückenschmerzen hast, gibt es jemand in deiner Familie, dem es nicht so gut geht oder vielleicht auch früher nicht so gut ging, wo irgendwie du überlegen kannst, „lieber ich als du“. Und dann mache dir bewusst, diese Art des Schuldaufladens ist eigentlich sinnlos.

Im Yoga sprechen wir ja schon vom Karma, aber da sprechen wir nicht davon, dass man das Karma anderer auf sich nehmen kann, indem man leidet. Du kannst im Gegenteil sagen: „Ich will dem anderen helfen, indem es mir gut geht, denn mein Vater, meine Mutter wird mehr davon haben, wenn es mir gut geht, als wenn es mir schlecht geht. Ich will meinem Vater, meiner Mutter helfen, indem es mir gut geht.“ Es gibt noch andere Weisen, damit umzugehen, das soll ja nur eine Anregung sein. Überlege jedenfalls, ob dieser magische Satz, „lieber ich als du“, vielleicht eine Rolle spielt bei deinen Rückenschmerzen.

Folgst du anderen und erlaubst dir nicht mehr als sie?

Zweiter ist, „ich folge dir nach“. Das ist etwas, was ich öfters beobachtet habe bei Menschen, die eine schwache Vaterfigur haben, die einen Vater hatten, den sie als Versager erleben. Sei es, dass der Vater langzeitarbeitslos war, immer nur von Sozialstütze gelebt hat, sei es, dass der Vater ein Alkoholiker war, sei es, dass er es zu nichts gebracht hat. Menschen wollen ihren Vater ehren, in der Bibel heißt es ja: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Wenn jetzt Menschen irgendwo das Gefühl haben, sie haben keinen Respekt vor ihrem Vater, vielleicht auch vor ihrer Mutter, dann haben sie ein schlechtes Gewissen und dann folgt das Prinzip, „ich folge dir nach“. Und dann mögen sie sich erstmal sehr anstrengen, um ihrem Vater zu zeigen, dass sie besser sind als der Vater, und dann torpedieren sie sich selbst.

Ich erlebe das oft, dass Menschen, die aus einer solchen Konstellation stammen, dass die nach der Beförderung, wo sie eine tolle Stellung bekommen, wo sie sich beweisen können, plötzlich aus heiterem Himmel die Stelle kündigen oder irgendeine Dummheit begehen, wo sie dort unmöglich werden. „Ich folge dir nach“ heißt also Selbsttorpedierung, einfach um nicht in die Verlegenheit zu kommen, erfolgreicher zu sein als der Vater oder die Mutter es war. Und diese Selbsttorpedierung kann man auch über Rückenschmerzen schaffen. Man war gerade erfolgreich, gerade hat man etwas gemacht, was wirklich gut ist, wo man über das hinausgegangen ist, was der Vater jemals erreicht hat oder die Mutter. Und dann bekommt man die Rückenschmerzen, dass man nicht mehr weitergehen kann. Hier kannst du auch überlegen, spielt das vielleicht eine Rolle? Und Bert Hellinger würde empfehlen, verneige dich innerlich vor deinem Vater, vielleicht sogar physisch, und sage: „Ich erweise dir die Ehre, du hast mir das Leben geschenkt. Ich respektiere dich, du hast mir vieles gegeben, auch wenn ich manches nicht wertschätzen mag. Ich will dich erlösen, indem ich erfolgreich bin. Dein Vater war auch nicht so erfolgreich und vielleicht dein Großvater auch nicht, ich will das brechen, denn ich weiß, du willst, dass es mir gut geht.“ Egal, ob der Vater noch lebt oder nicht, statt zu sagen, „ich folge dir nach“, kannst du sagen: „Ich werde deine Bemühungen zum Erfolg bringen. Ich will erfolgreich sein nicht nur für mich, sondern auch für dich und die Vorfahren.“ Das ist eine bessere Sühne, als Rückenschmerzen zu bekommen.

Die Sühne für die Familie

Eventuell hast du das Gefühl, dass jemand in deiner Familie unethisch ist, vielleicht dein Ehemann, vielleicht dein Vater, vielleicht deine Mutter, ein Bruder, eine Schwester, dass sie sehr unethisch sind, und du das Gefühl hast, das ist nicht richtig.“ Und jetzt denkst du: „Ich kann diese Schuld sühnen, indem ich Rückenschmerzen bekomme.“ Das läuft alles unterbewusst ab. Das kannst du dir auch überlegen: „Denke ich irgendwo, dass jemand in meiner direkten Familie unethisch sich verhält und dass ich das absolut nicht ok finde?“ Schaffst du dir deshalb Rückenschmerzen? Allerdings kannst du auch hier wieder sagen: „Das ist unsinnig, es gibt nicht diese Kollektivhaftung oder diese Familienschuld.“ Du kannst auch nicht das Karma anderer auf dich laden, lasse es los und übergib es Gott. Das ist jetzt nicht ausreichend, aber du könntest erstmal überlegen: „Spielt das vielleicht eine Rolle?“

Trägst du deine eigene Schuld?

Und als letztes kannst du überlegen: „Habe ich mich selbst tatsächlich schuldig gemacht? Habe ich etwas getan, was ich nicht hätte tun sollen? Habe ich den beruflichen Aufstieg erreicht, indem ich unethisch mich verhalten habe?“ Das ist ja möglich. Falls das so ist, dann überlege, wie du es vielleicht anders machen kannst, wie du vielleicht nicht so sehr dich unethisch verhältst. Du kannst auch versuchen, deine Schuld auf andere Weise gut zu machen, als indem du deine Rückenschmerzen erzeugst, denn unterbewusst weißt du ja: „Das ist nicht wirklich richtig.“ Daher, zu versuchen, dich selbst zu bestrafen, für Schuld mit Rückenschmerzen, das wird sehr lange dauern, du kannst die Schuld nämlich nicht durch Rückenschmerzen gut machen. Wenn du eine Position unrechtmäßig und mit falschen Mitteln erreicht hast, ist es klüger, das offenzulegen und von der Position zurückzutreten, als dauerhaft Rückenschmerzen zu haben. Wenn du jemandem Schaden angetan hast, ist es besser, du versuchst, den Schaden wieder gut zu machen, entweder direkt gegenüber dem Menschen, indem du um Entschuldigung bittest oder indem du in einer karitativen Vereinigung mithilfst oder Spenden gibst oder auf andere Weise sühnst. Und bitte missverstehe mich nicht, ich sage nicht, dass jede Rückenschmerzen kommen, weil du etwas falsch gemacht hast oder als Sühne. Es ist nur überlegenswert, ob dem vielleicht so sein kann.

Sühne Antonyme, Synonyme und andere Eigenschaften

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Sühne in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Sühne - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Sühne, also Synonyme zu Sühne sind z.B. Buße, Wiedergutmachung, Entschädigung, Reue, Ausgleich, Kompensation.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Sühne übertrieben kann ausarten z.B. in Geißelung, Selbstbestrafung, Quälerei. Daher braucht Sühne als Gegenpol die Kultivierung von Gleichmut, Gelassenheit, Selbstbeherrschung.

Gegenteil von Sühne - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Sühne, Antonyme zu Sühne :

Sühne Antonyme auf einen Blick

Antonyme Sühne sind Gleichmut, Gelassenheit, Selbstbeherrschung, Rache, Vergeltung, Gegenangriff.

Sühne im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Sühne

Eigenschaften im Alphabet nach Sühne

Vortragsmitschnitt zu Sühne - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Sühne, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. Dieses Audio wird später eingefügt. Wir bitten um Verständnis

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Shivakami Bretz,
16. Jun 2017 - 18. Jun 2017 - Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut
Diese zu üben empfiehlt Patanjali im Yoga Sutra als Weg, einen klaren Geist zu entwickeln. Die Kräfte von Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut, die auch im Buddhismus eine wichtige Rolle spiel…
Radhika Nosbers,


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