Yoni Tantra
Yoni Tantra (Sanskrit: Yonitantra, Devanagari: योनितन्त्र) ist eine kurze Schrift des Shaktismus und des Kaula-Tantra in acht Kapiteln. Im Gespräch zwischen Devī beziehungsweise Pārvatī und Śiva erscheint die Yoni – Mutterschoß, Ursprung und weibliches Geschlechtsorgan – als Ort der schöpferischen Shakti. Der Körper einer Frau wird zum Kultort der Göttlichen Mutter. Mantra, Pūjā, geschlechtliche Vereinigung, Hingabe und das Streben nach Befreiung stehen dabei in einem engen Zusammenhang.

Für Yoga-Aspiranten eröffnet die Schrift eine anspruchsvolle Frage: Wie verändert sich unser Blick auf das Leben, wenn wir auch den Körper, Geburt und Vergänglichkeit als Erscheinungen göttlicher Kraft betrachten? Das Yoni Tantra antwortet darauf in der Sprache des historischen Vāmācāra, des „linken Weges“. Es beschreibt körperliche Rituale ausdrücklich und verbindet sie mit der Verehrung der Göttlichen Mutter. Seine Lektüre kann zu Ehrfurcht, genauer Selbstbeobachtung und vertieftem Verständnis tantrischer Überlieferung führen.
Der Artikel enthält die deutsche Übersetzung aller acht Kapitel, den zugrunde gelegten Sanskrittext in IAST und Devanagari sowie eine heutige spirituelle Betrachtung. Die Quellenlücke bei 1.7–1.16 wird nur im Deutschen aus dem Englischen ergänzt; unklare Lesungen sind an Ort und Stelle kenntlich gemacht. Historische Textaussage und moderne Praxisanregung bleiben unterscheidbar.
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Über die Schrift Yoni Tantra
Titel und zentrale Begriffe
Yoni besitzt im Sanskrit ein weites Bedeutungsfeld: Schoß, Mutterschoß, Geburtsort, Ursprung, Stätte und weibliches Geschlechtsorgan. Im Yoni Tantra bleibt diese Mehrdeutigkeit lebendig. Die Yoni ist kosmischer Ursprung und zugleich der konkrete Körper einer verehrten Frau. Liṅga bezeichnet entsprechend sowohl das Zeichen Śivas als auch das männliche Geschlechtsorgan. Die Schrift verbindet beide in einer rituellen Einheit von Śiva und Śakti.
Yoni-Tattva bedeutet wörtlich etwa „Wirklichkeit“ oder „Wesen der Yoni“. In den Ritualbeschreibungen bezeichnet es konkret weibliche Körperflüssigkeit beziehungsweise deren Mischung mit Samen; die englische Einleitung erläutert besonders die Mischung von Menstruationsblut und Samen. Die Zusammensetzung ist deshalb jeweils aus dem Zusammenhang zu verstehen.[1]
Pañcatattva, die „fünf Elemente“, sind hier Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und geschlechtliche Vereinigung. Mudrā meint in dieser Aufzählung eine rituelle Speise, häufig Getreide; an anderer Stelle kann dasselbe Wort eine Geste oder ein rituelles Zeichen bezeichnen. Kāraṇa, wörtlich „Ursache“, wird im Ritualzusammenhang mit Hilfe der englischen Fassung als Wein beziehungsweise ritueller Trank übersetzt. Puṣpa, „Blüte“, kann im Zusammenhang des Yoni-Tattva Menstruationsblut bezeichnen; die tatsächlich dargebrachten Blumen bleiben davon zu unterscheiden.
Sādhaka ist ein Übender, Sādhana seine spirituelle Praxis. Vīra, „Held“, bezeichnet hier einen für den tantrischen Weg qualifizierten Praktizierenden; Divya heißt „göttlich“. Paśu, wörtlich „Tier“, ist die abwertende Eigenbezeichnung des Textes für Menschen, die an gewöhnliche Normen gebunden beziehungsweise außerhalb dieser Einweihung stehen. Kulīna wird hier für einen Angehörigen oder Kenner der Kula-Tradition gebraucht. Die Begriffe beschreiben die Sicht der Schrift, keine Rangordnung des Wertes von Menschen.
Vidyā bezeichnet je nach Zusammenhang heiliges Wissen, einen Mantra oder eine Göttin in Mantragestalt. Siddhi ist Vollendung beziehungsweise Wirksamkeit der Praxis; Moksha meint Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. Mahācīna bezeichnet eine im Werk vorausgesetzte tantrische Ritualordnung. Aus dem Namen allein lässt sich keine sichere Entstehung des Textes in China oder Tibet ableiten.
Historische Einordnung und Überlieferung
Die moderne englische Einleitung ordnet das Werk dem bengalisch-nordostindischen Umfeld des Shaktismus zu. Kapitel 4 nennt das Land Kocha und eine Madhavī; Magee verbindet Kocha mit Cooch Bihar. Diese Deutung gibt einen Hinweis auf den Überlieferungsraum, beweist aber weder Entstehungsort noch Entstehungszeit.[1] Die göttliche Lehrautorität Śivas gehört zur religiösen Rahmenerzählung; sie ist von der Frage nach einem historischen menschlichen Verfasser zu unterscheiden.
Autor, genaue Datierung und Schichtung des Textes sind anhand der hier verwendeten Quellen nicht verlässlich zu bestimmen. Die in der Lokanath-Einleitung genannte Frühdatierung ins elfte Jahrhundert oder früher wird deshalb nicht als gesicherte Tatsache übernommen. Zur neueren Überlieferung gehört die von J. A. Schoterman herausgegebene Ausgabe The Yoni Tantra, Manohar, 1980. Sie ist bibliografisch belegt, bildet hier aber nicht die Sanskrittextgrundlage.[2]
Magee bezeichnet seine englische Fassung von 1995 als Überarbeitung einer 1980 veröffentlichten Ausgabe. Die weiteren Vergleichstexte schreiben die Übersetzung Sri Lokanath zu und nennen eine frühere Veröffentlichung in Azoth Magazine, Nr. 16–19. Diese Angaben dokumentieren die Geschichte der modernen Übersetzung; sie belegen keine voneinander unabhängigen alten Sanskritfassungen. Die Einleitungen und ihre historischen Deutungen sind nicht Teil des Werktextes.
In modernen Einteilungen wird die Schrift oft dem „Roten Tantra“ zugeordnet, weil Sexualität, Körper und schöpferische Polarität im Mittelpunkt stehen. Das ist eine heutige Orientierungskategorie. Der Text selbst arbeitet vor allem mit Begriffen wie Vāma, Kaula, Kula, Vīra und Mahācīna.
Stellung innerhalb des Tantra
Die acht Kapitel entfalten keine systematische Philosophie im modernen Sinn. Sie verbinden Lobpreis, Geheimhaltungsgebote, Ritualregeln, Heilsversprechen, soziale Grenzüberschreitungen und Polemik gegen andere Wege. Wiederkehrende Themen sind die Vorrangstellung der Yoni-Pūjā, die Einheit von Genuss und Befreiung, die Verehrung der Mahāvidyās, die Bedeutung des Guru und die Aufhebung gewöhnlicher Reinheitsunterscheidungen.
Der Text ist zugleich von seiner Zeit geprägt. Er enthält Tieropfer, rituelle Vorschriften mit Blut und Sexualsekreten, soziale Kategorien, Aussagen über sehr junge Mädchen und Handlungen, die ohne ausdrückliche Zustimmung gewaltsam wirken können. Historische Texttreue bedeutet, dies zu benennen. Spirituelle Wertschätzung bedeutet nicht, jede Vorschrift zu übernehmen. Für heutige Praxis gelten Einvernehmlichkeit, Volljährigkeit, Schutz der Beteiligten, Ahiṃsā und geltendes Recht.
Zum vergleichenden Studium bietet sich das Kularnava Tantra an, das ebenfalls Guru, Einweihung, Kula-Praxis und Befreiung behandelt. Die Bhavana Upanishad eröffnet einen Vergleich mit der inneren Vergegenwärtigung von Körper, Gottheit und Ritual; das Vijnana Bhairava Tantra mit meditativen Zugängen. Solche thematischen Nachbarschaften beweisen keine unmittelbare Textabhängigkeit. Yoni Tantra und das eigenständige Yogini Tantra sind unterschiedliche Werke.
Bedeutung für moderne Yoga-Aspiranten
Historisch spricht das Yoni Tantra von konkreter Kultpraxis. Eine heutige spirituelle Deutung kann darüber hinaus vier Impulse aufnehmen, ohne die historische Ebene zu leugnen:
- Ehrfurcht vor dem Ursprung des Lebens: Die Yoni kann als Erinnerung an Geburt, Leiblichkeit und die schöpferische Kraft der Göttlichen Mutter betrachtet werden.
- Überwindung von Verachtung: Der Text fordert dazu auf, den weiblichen Körper nicht als unrein abzuwerten. Heute schließt dies Respekt vor Selbstbestimmung und Grenzen ausdrücklich ein.
- Einheit von Bewusstsein und Energie: Śiva und Śakti können als untrennbare Aspekte von stillem Gewahrsein und lebendiger Erfahrung meditiert werden.
- Hingabe statt Aneignung: Verehrung ist nur dann glaubwürdig, wenn sie den anderen Menschen nicht zum Mittel macht. Liebe, Einwilligung und Verantwortung sind für eine heutige Übertragung unverzichtbar.
Ein heutiger Satsang mit Sukadev zum „Fest der göttlichen Mutter“, mit Meditation, Kirtan und Arati:
Deutsche Übersetzung
Hinweise zur Übersetzung
Die deutsche Fassung folgt dem gelieferten Devanagari-Text und vergleicht ihn mit der englischen Übersetzung von Michael Magee sowie den Sri Lokanath zugeschriebenen Nachdrucken. Die englischen Einleitungen und Herausgeberkommentare gehören nicht zum übersetzten Werk. Die Sprecher reden im Folgenden unmittelbar; Heilsversprechen, Wertungen und Ritualgebote sind Aussagen der historischen Schrift.
Zur Gliederung: In Kapitel 1 fehlen im Sanskrit die Verse 7–16. Dieser Abschnitt wird vollständig nach dem fortlaufenden englischen Text übersetzt, jedoch ohne eine erfundene Verteilung auf einzelne Versnummern. Die übrige Zählung folgt der Vorlage. Die nach 2.21 und 3.21 jeweils gedruckte Nummer 12 ist zu 22 berichtigt; der unnummerierte Abschnitt zwischen 4.13 und 4.15 trägt die redaktionell ergänzte Nummer 14. Die in Kapitel 8 versprengten Wiederholungen von 7.32 und 8.12 erscheinen nur an ihrer jeweiligen Stelle. Seitenköpfe und eingestreute Hindi-Kommentarfragmente sind kein Sanskrit-Werktext.
Zu unsicheren Stellen: Eckige Klammern kennzeichnen sinngemäße Ergänzungen oder nicht übersetzbare Teile beschädigter Zeilen. Auslegungsentscheidungen und wesentliche Unterschiede zum Englischen werden in eigenen, kursiv gesetzten Anmerkungen erklärt. Eine ausdrücklich bezeichnete sinngemäße Wiedergabe ersetzt an einzelnen beschädigten Stellen die nicht sicher mögliche wörtliche Übersetzung. Der Sanskritwortlaut wird dafür nicht verändert.
Zum historischen Ritualkontext: Die körperlichen Beschreibungen sind als solche übersetzt. Die Schrift enthält auch Vorschriften über Minderjährige, Verwandtschaftsbeziehungen, Tier- und Menschenopfer sowie die Aufnahme von Körperflüssigkeiten. Ihre Dokumentation ist keine Anleitung für heutige Praxis. Die moderne spirituelle Übertragung im Schlussabschnitt orientiert sich an Ahimsa, der Würde jedes Menschen und freiwilliger, verantwortlicher Begegnung unter Erwachsenen.
Erstes Kapitel: Die Yoni als höchster Kultort
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Devī fragt nach dem vorzüglichsten Tantra. Śiva erklärt die Yoni zum höchsten Kultort und beschreibt eine Verehrung, die körperliches Ritual, Mantra, Hingabe und Dankbarkeit gegenüber dem Guru verbindet.
Eingangsverehrung: Oṃ, Verehrung der höchsten Gottheit. Oṃ, Verehrung dem ehrwürdigen Guru.
1.1 Auf dem Gipfel des Kailāśa saß der Gott der Götter, der Lehrer der Welt. Durgā, die Tochter des Berges, deren Antlitz stets lächelte, fragte ihn.
Devī sprach:
1.2 Herr, vierundsechzig Tantras hast du geschaffen. Nenne mir die vorzüglichsten unter ihnen, o Ozean des Mitgefühls.
Mahādeva sprach:
1.3 Höre, anmutige Pārvatī, Geliebte: Es gibt ein höchstes Geheimnis. Zehn Millionen Mal wurdest du zurückgewiesen, und dennoch möchtest du es hören.
1.4 Deiner weiblichen Natur entsprechend, Schöne, fragst du mich immer wieder. Dieses Wissen musst du mit aller Sorgfalt geheim halten.
1.5 Es gibt den Sitz des Mantra, den Sitz des Yantra und den Sitz der Yoni, Pārvatī. Der Yoni-Sitz ist der vorzüglichste. Aus Liebe zu dir wird er offenbart.
1.6 Hari, Hara und die anderen Götter, die Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bewirken, sind alle aus der Yoni hervorgegangen. Höre, Tochter des Berges.
1.7–1.16 – Ergänzung nach der englischen Übersetzung
Quellenhinweis: Der Sanskritwortlaut dieses Abschnitts fehlt in der Vorlage. Die folgenden Absätze übersetzen den entsprechenden fortlaufenden Abschnitt der englischen Fassung; deren Absatzgrenzen belegen keine einzelnen Sanskritversgrenzen.
Wer den Shakti-Mantra nicht besitzt, soll die Yoni nicht verehren. Diese Einweihung und dieser Mantra befreien aus der Hölle.
Ich bin Mṛtyuñjaya, der deiner Yoni Geliebte. O Surasundarī, im Lotos meines Herzens verehre ich stets Durgā. Dies befreit den Geist von Unterscheidungen wie divya und vīra. O Göttin, wer auf diese Weise verehrt, dem liegt die Befreiung in greifbarer Nähe.
Der Verehrer der Yoni soll den Shakti-Mantra vorbereiten. Er erlangt Reichtum, Dichtkunst, Weisheit und Allwissenheit. Für hundert Millionen Weltalter wird er dem viergesichtigen Brahmā gleich.
Was nützen viele Worte? Darüber zu sprechen bringt nichts. Wer mit den Menstruationsblüten verehrt, erlangt auch Macht über das Schicksal. Wenn er auf diese Weise häufig Pūjā vollzieht, kann er befreit werden.
Der Verehrer soll eine Shakti in einen Kreis setzen: leidenschaftlich, schön, frei von Scham und Ekel, von Natur aus bezaubernd, höchst anziehend und schön. Nachdem er ihr vijayā gegeben hat, soll er sie mit größter Hingabe verehren.
Er soll sie zu seiner Linken setzen und ihre mit Haar geschmückte Yoni verehren. An deren Rändern soll er Sandelholzpaste und schöne Blüten darbringen. Dort soll er die Göttin herbeirufen und mit dem Mantra Jīva-Nyāsa vollziehen, nachdem er ihr Wein gegeben und mit rotem Pulver einen Halbmond gezeichnet hat.
Anmerkung zu 1.7–1.16: Shakti bezeichnet hier die Ritualpartnerin. „Menstruationsblüten“ ist eine Bezeichnung für Menstruationsblut. Vijayā bezeichnet in diesem Ritualzusammenhang vermutlich ein Cannabispräparat; die englische Werkübersetzung belässt das Sanskritwort. Jīva-Nyāsa ist eine rituelle Einsetzung beziehungsweise Vergegenwärtigung der lebendigen göttlichen Gegenwart. Der Text erklärt hier weder seine Einzelheiten noch die Vorbereitung des Mantras.
1.17 Nachdem er Sandelholzpaste auf ihre Stirn gegeben hat, soll er beide Hände auf ihre Brüste legen. Zwischen den Brüsten, o Schönantlitzige, soll er [den Mantra] hundertachtmal wiederholen.
1.18 Nach einem Kuss auf die Wange soll er ihre Brüste massieren. Im Yoni-Maṇḍala soll er [den Mantra] hundertacht- oder tausendmal wiederholen.
Anmerkung zu 1.18: Das beschädigte Wort für die Berührung der Brüste wird mithilfe der englischen Fassung als „massieren/liebkosen“ wiedergegeben. Diese nennt 1008 Wiederholungen, die Sanskritvorlage dagegen 1000.
1.19 Nachdem er den großen Mantra rezitiert hat, soll der ganz der Hingabe ergebene Verehrer den Hymnus sprechen. Wenn der Guru zur Zeit der Verehrung nicht anwesend ist,
1.20 soll der vortreffliche Sādhaka die Pūjā selbst vollziehen; darüber braucht er nicht zu zweifeln. Eine gesonderte Pūjā in Gegenwart des Guru bleibt gewiss ohne Frucht.
Anmerkung zu 1.19–1.20: Die englische Fassung formuliert strenger, der Guru solle bei dieser Verehrung nicht anwesend sein. Hier bleibt der bedingte Satz der Sanskritvorlage erhalten.
1.21 Deshalb soll er sich mit großer Sorgfalt dem Guru darbringen [beziehungsweise ihm die Frucht der Verehrung widmen]. Am Ende der Pūjā soll er zum Yoni-Maṇḍala kommen und sich verneigen.
1.22 Nachdem er drei Hände voll Blüten dargebracht hat, soll er sich erneut vor seinem Guru verneigen. Mit gefalteten Händen soll der Verständige mit vielen Mantras beten:
1.23 „Nachdem ich die Weise der Yoni-Verehrung geschaut habe, ist mein Ziel erreicht, ohne Zweifel. Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, und mein Leben ist ein gut gelebtes Leben.
1.24 Durch die Verehrung der großen Yoni bin ich aus dem Ozean der Hölle emporgehoben worden.“
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das erste Kapitel vollständig.
Zweites Kapitel: Partnerin, Pañcatattva und rituelle Vereinigung
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Devī fragt nach der Wahl der Ritualpartnerin. Śiva nennt Frauen verschiedener sozialer Gruppen und beschreibt Yoni- und Liṅga-Pūjā, geschlechtliche Vereinigung, Opfergaben und die rituelle Verwendung der Körperflüssigkeiten.
Devī sprach:
2.1 Gott der Götter, Herr der Welt, Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung: Ohne dich gibt es keinen Vater und ohne mich keine höchste Mutter.
2.2 Du hast die unübertreffliche Weise der Yoni-Verehrung kurz dargelegt. Wessen Yoni soll verehrt werden, und welche Yoni ist glückverheißend?
Mahādeva sprach:
2.3 Eine Schauspielerin, eine Kāpālinī, eine Prostituierte, eine Wäscherin, die Frau eines Barbiers, eine Brahmanin, ein Mädchen aus der Śūdra-Gruppe und die Tochter eines Kuhhirten,
2.4 ebenso die Tochter eines Gärtners: Diese werden als die neun jungen Frauen genannt. Oder [man verehre] eine kundige Frau aus irgendeiner sozialen Gruppe, mit lebhaften Augen.
Anmerkung zu 2.3–2.4: Kāpālinī kann eine Angehörige der Kāpālika-Tradition bezeichnen. Die sozialen Bezeichnungen werden hier als Kategorien der Quelle wiedergegeben.
2.5 Die Yoni der Mutter ausgenommen, soll er sich mit jeder Yoni vereinigen. Die genannte Altersspanne reicht von über zwölf Jahren bis zum vollendeten sechzigsten Jahr.
Anmerkung zu 2.5: Die englischen Fassungen übersetzen den ersten Satz abweichend als Verehrung der mütterlichen Yoni. Die Sanskritvorlage sagt ausdrücklich „ausgenommen“. Die Altersangabe ist historischer Textinhalt, keine heutige Praxisempfehlung.
2.6 Täglich soll er die Yoni verehren, besonders mit den fünf Tattvas. Schon durch ihren Anblick erlangt er den Verdienst von zehn Millionen Wallfahrtsorten.
2.7 Das Stirnzeichen soll aus Yoni-Tattva bestehen. Gewand, Sitz und Verehrung sollen der Kula-Weise entsprechen.
2.8 Zuerst soll der vortreffliche Sādhaka ihren Körper massieren, an ihrem Haar ziehen und Ähnliches tun; seinen Liṅga soll er in ihre Hand legen.
2.9 Nachdem die Yoni-Pūjā vollzogen ist, folgt die vorzügliche Liṅga-Pūjā. Sandelholzpaste und rotes Pulver soll er auf den Liṅga geben, o Schönantlitzige.
2.10 Er soll Yoni und Liṅga zusammenführen und mit kräftigen Stößen verkehren. Bei dieser Vereinigung entsteht aus ihr das höchste Tattva.
2.11 Mit diesem Tattva soll er die Göttin verehren, die die Gestalt der Yoni hat und die ganze Welt erfüllt. In einer Neumondnacht, die auf einen Dienstag fällt, soll er eine Wegkreuzung aufsuchen.
Anmerkung zu 2.11: Die englische Fassung nennt hier Vollmond. Die deutsche Übersetzung folgt der Neumondangabe der Sanskritvorlage.
2.12 Er soll zu einem Verbrennungsplatz oder in eine einsame Gegend gehen und mit gebratenem Fisch und Milchspeise ein Opfer darbringen. Dann wird er [an Reichtum] dem Kubera gleich.
2.13 Wer am Dienstag auf einem Scheiterhaufen im Yoni-Maṇḍala Japa vollzieht, soll den Schutztext und danach die tausend Namen rezitieren, o Devī.
2.14 Er wird zu einem Sohn Kālikās und mit zehn Millionen Familienlinien befreit. In einem leeren Gebäude oder im eigenen Haus soll er fleischhaltige Speise als Opfer darbringen.
2.15 Durch Japa und Rezitation wird er ein Herr des Yoga. Nachdem der Sādhaka selbst die menstruierende Vulva gesehen und berührt hat,
2.16 soll er hundertachtmal rezitieren; dann wird er auf Erden dem Purandara [Indra] gleich. Er soll seinen eigenen Samen und die Yoni-Blüten opfern und den Mantra wiederholen.
2.17 Bei Einbruch der Nacht soll er gebratenen Fisch, Hühnerei, Maus, Büffel, Mensch, Honig [beziehungsweise einen berauschenden Trank], Fleisch und Mehlspeise als Opfer darbringen.
Anmerkung zu 2.17: Die englische Fassung versteht die genannten Tiere und den Menschen als Aufzählung von Fleischsorten und madhu als Wein. Die Vorlage lässt bei dieser Liste Opferwesen und Fleischgaben nebeneinander stehen.
2.18 Wo immer er sich an einer großen [heiligen] Stätte befindet: Dem Tanz hingegeben, nackt und mit gelöstem Haar, wird er zu einer Stätte des Gedeihens.
2.19 In der Yoni einer anderen [Frau] soll er zu jeder Zeit den Mantra rezitieren. Er soll die Yoni als Göttin verehren und in dieser Shakti die Gestalt der Shakti erkennen.
2.20 Wer nach Dharma, Artha, Kāma und Moksha strebt, erlangt die vier Lebensziele. Der vortreffliche Sādhaka soll nachts Wein und Fleisch opfern.
2.21 Nachdem er die Brüste massiert hat, soll er sich mit kräftigen Stößen mit der Yoni vereinigen. Wenn sie in der umgekehrten Stellung verkehrt, ist sie die Göttin in Shakti-Gestalt.
Anmerkung zu 2.21: Mit der „umgekehrten Stellung“ ist in der englischen Deutung die Stellung der Frau über dem Mann gemeint.
2.22 Dann ist sein Leben, zusammen mit zehn Millionen Familienlinien, ein gut gelebtes Leben. Mit dem Wasser vom Waschen der Yoni und vom Waschen des Liṅga
2.23 soll er die Verehrung vollziehen und die vorgeschriebene Gabe darbringen. Er soll das Wasser in drei Teile teilen und einen Teil der Shakti anbieten.
Anmerkung zu 2.22–2.23: Das Ende von 2.22 wird mit 2.23 verbunden. Der beschädigte Wortlaut von 2.23 enthält ardhaṃ („die Hälfte“), während der folgende Satz eine Dreiteilung verlangt. Die deutsche Wiedergabe folgt für den Zusammenhang sinngemäß der englischen Fassung; das Verhältnis dieser Angaben bleibt unsicher.
2.24 Die zwei übrigen Teile soll der Mantrin mit dem rituellen Wein mischen und trinken, o Mahādevī – so [handelt] der vortreffliche Sādhaka.
2.25 Mit Gewändern, Schmuck und Düften soll er die höchste Schöne erfreuen. In ihrer Yoni soll er zum Ende der Nacht die Vidyā vorschriftsgemäß verehren.
2.26 Der vortreffliche Sādhaka soll die Flüssigkeiten von Yoni und Liṅga mit Wasser mischen und diesen als Nektar bezeichneten Trank zu sich nehmen und sich damit nähren.
Anmerkung zu 2.26: Diese Zeile ist im Sanskrit erheblich beschädigt. Der ganze Vers wird hier sinngemäß nach der englischen Übersetzung wiedergegeben; seine einzelnen Wörter sind in der Vorlage nicht sicher zuzuordnen.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das zweite Kapitel vollständig.
Drittes Kapitel: Geheimhaltung und die Göttinnen in der Yoni
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Śiva fordert Geheimhaltung und preist das Yoni-Tattva. Verschiedene Bereiche der Yoni werden als Wohnorte der Mahāvidyās beschrieben. Der Kaula-Weg soll Yoga und Genuss verbinden.
Mahādeva sprach:
3.1 Nun werde ich sprechen, Große Herrin; höre aufmerksam zu. Dies soll mit aller Sorgfalt geheim gehalten und niemals öffentlich gemacht werden.
3.2 Durch Offenlegung geht Siddhi verloren; durch Offenlegung kommt gewiss der Tod. Durch Offenlegung geht der Mantra verloren; durch Offenlegung wird man zum Töter Śivas.
Anmerkung zu 3.2: „Töter Śivas“ gibt die ungewöhnliche Lesung śivahā wieder. Die englische Übersetzung spricht stattdessen davon, der Offenbarende könne in Stücke gerissen werden. Beide Aussagen lassen sich anhand der gelieferten Lesung nicht gleichsetzen.
3.3 Dieses aus dem Yoni-Tattva hervorgegangene Tantra ist das vorzüglichste der Tantras. Es soll gut verborgen bleiben; aus Liebe zu dir wird es offenbart.
3.4 Von sündigem Wesen ist, wer bei der Vereinigung Ekel vor Blut und Samen empfindet, beim Trinken [des Ritualtranks] in Verwirrung gerät und unter den Sādhakas Unterschiede macht.
Anmerkung zu 3.4: Das Wort für die Haltung beim Trinken ist beschädigt; „in Verwirrung geraten“ ist eine unsichere sinngemäße Wiedergabe. Die Verurteilung ist eine Aussage des Werkes.
3.5 Wie könnte ein solcher Schlechtgesinnter, selbst wenn er den Shakti-Mantra verehrt, [zum Ziel] gelangen? Nachdem man Mahāmāyā verehrt hat, soll man [Opfer darbringen] mit Ziegen, Schafen, Menschen, Ruru-Antilopen, Hirschen, Kamelen, Elefanten, Rindern und Schakalen,
3.6 ebenso mit Löwen, [einem in der Vorlage unklar bezeichneten Tier] und Eseln; mit Hingabe soll er verehren.
Anmerkung zu 3.5–3.6: Der erste Satz wird als Fortsetzung der Verurteilung in 3.4 verstanden. Die englische Fassung fragt dagegen, wie jemand durch den Shakti-Mantra schlecht werden könne. Die Tierliste enthält mehrere beschädigte Wörter. Das Wort zwischen Löwen und Eseln ist nicht sicher übersetzbar. Die englische Fassung bietet eine abweichende Liste mit Pferden und Schildkröten. Ihre Liste wird hier nicht als Sanskritlesung eingesetzt.
3.7 Schon durch den Anblick der Yoni errettet man zehn Millionen Familienlinien. Wenn man bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis die Yoni verehrt
3.8 und mit Yoni-Tattva Tarpana, die sättigende Opferdarbringung, vollzieht, wird man nicht wieder auf Erden geboren. Nachdem man die Welten der Reihe nach erreicht hat, wird man in der Welt der Göttin geehrt.
3.9 Dort verweilt der Herr der Sādhakas als Maheśvara, mit Shakti vereint. O Glückverheißende, alle Handlungen wie Japa [sollen mit der Mahāśaṅkha-Mālā vollzogen werden].
Anmerkung zu 3.9: Die zweite Halbzeile ist beschädigt. Die Ergänzung folgt der Lokanath-Fassung, die eine „Great Conch Rosary“ nennt, eine Mahāśaṅkha-Gebetskette. Es geht nach dieser Vergleichsfassung um ein Ritualgerät, nicht um eine „große rituelle Speise“. Magees Fassung von 1995 lässt den Abschnitt 3.7–3.9 aus und wiederholt stattdessen die Aussage aus 3.25.
3.10 Was Menschen ohne die fünf Tattvas tun, o Devī, bleibt alles ohne Frucht; am Ende gelangen sie in die Hölle.
3.11 [Sādhakas, die] zwischen der einen und der anderen Yoni unterscheiden, werden bis zur Auflösung der Wesen in Kumbhīpāka gekocht.
Anmerkung zu 3.11: Der Satzanfang ist sprachlich gestört und hier sinngemäß wiedergegeben. Kumbhīpāka ist der Name einer Hölle; die drastische Vorstellung des Kochens gehört zum Wortlaut.
3.12 Wer den Mund an die Öffnung der Yoni legt und zehntausendmal rezitiert, dessen in zehn Millionen Geburten angesammelte Sünde vergeht augenblicklich.
3.13 Er soll die mit Samen verbundenen „Blüten“ oder die mit der eigenen „Blüte“ vermischten [Substanzen] mit dem rituellen Wein weihen und sorgfältig in der Yoni darbringen.
Anmerkung zu 3.13: „Blüte“ bezeichnet hier Menstruationsblut. Die genaue Bedeutung von svapuṣpa („eigene Blüte“) und das beschädigte Verb bleiben unsicher; die englischen Fassungen bieten ebenfalls unterschiedliche Formulierungen. Der Mischungs- und Opferzusammenhang ist erkennbar.
3.14 Er wird als Sohn Kālikās bekannt. Am Grund der Yoni wohnt Gaurī, in der Yoni die Tochter des Berges.
3.15 Kālī und Tārā wohnen am Zeichen der Yoni, Chinnamastā im Haar. Bagalāmukhī und Mātaṅgī wohnen bei der Yoni.
3.16 Im Inneren der Yoni wohnen Mahālakṣmī, Ṣoḍaśī und Bhuvaneśvarī. Allein durch die Verehrung der Yoni wird gewiss Shakti verehrt.
3.17 Man soll sie mit dem Blut von Vögeln und anderen Opfertieren verehren. Wenn der Sādhaka während des Japa „Yoni, Yoni“ spricht,
3.18 wird die Yoni ihm gnädig und schenkt Genuss und Befreiung. Ein Yogī ist kein Genießer; ein Genießer ist kein Yogī.
3.19 Wer jedoch die Yoni verehrt, [verbindet] Yoga und Genuss. Ohne Yoni-Pūjā, o Durgā, ist jede andere Pūjā vergeblich.
Anmerkung zu 3.17–3.19: In 3.17 hat die englische Übersetzung die Bīja-Folge „Aiṃ Aiṃ“ anstelle des wiederholten Wortes „Yoni“. Hier wird die Sanskritvorlage übersetzt. Der beschädigte Anfang von 3.19 wird im Sinne der englischen Fassung wiedergegeben: Der Yoni-Verehrer als Kaula vereinigt Yoga und Bhoga, Genuss.
3.20 In der Mitte der Yoni ist Caṇḍālī die vorzüglichste, die Herrin der Scharen. Allein durch ihre Verehrung wird man mir gleich, ohne Zweifel.
3.21 Was nützen Erkenntnisse, Askese und Gaben, was Japa und Kula-Nektar? Ohne Yoni-Pūjā, o Durgā, ist alles fruchtlos.
3.22 Diese Sādhana, die mein Ein und Alles ist, darf nicht jedem Beliebigen gegeben werden. Wer selbst [zu ihrer Ausführung] nicht imstande, aber der Yoni-Pūjā hingegeben ist,
3.23 soll einen Sādhaka wählen und ihn mit Kleidung, Schmuck und Ähnlichem ehren, o Durgā. Nach der Verehrung der großen Yoni [wendet er sich] dem anderen Maṇḍala [zu].
Anmerkung zu 3.22–3.23: Die Lesung yadya samarthaḥ ist mehrdeutig getrennt; „wenn er nicht imstande ist“ folgt dem Zusammenhang und der englischen Fassung. Der Schluss von 3.23 besitzt in der Vorlage kein vollständiges Prädikat. Die englische Fassung versteht ihn als Eintritt in den Ritualkreis.
3.24 Nachdem er sich lang ausgestreckt verneigt hat, soll er die Yoni-Mudrā betrachten. Wer stets Hingabe an die Yoni und an die Sādhana besitzt, Geliebte,
3.25 dem ist Durgā gnädig. Was nützen weitere Worte? Verehrt werden soll eine kṣata-Yoni, keine akṣata-Yoni. Durch die Verehrung einer akṣata-Yoni geht die Siddhi bei jedem Schritt verloren, o Devī.
Anmerkung zu 3.25: Kṣata bedeutet „verletzt, geöffnet“, hier vermutlich „defloriert“, akṣata entsprechend „unversehrt“. Die englischen Fassungen übersetzen „eine Yoni, die geblutet hat“ beziehungsweise „noch nie geblutet hat“. Eine eindeutige Gleichsetzung mit Menstruation oder einem bestimmten Lebensalter ist durch diese Lesung allein nicht gesichert.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das dritte Kapitel vollständig.

Viertes Kapitel: Mahācīna, Kula und der Vorrang der Yoni-Pūjā
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Die Schrift verbindet die Yoni-Pūjā mit Mahācīna und dem Land Kocha. Sie preist Madhavī, erzählt von der Yoni-Verehrung durch Gottheiten und ordnet religiöse Wege aus der Perspektive des Kaula hierarchisch.
Śiva sprach:
4.1 Alle Handlungen wie Japa sollen nach der Ordnung von Mahācīna vollzogen werden. Damit habe ich dir, o Devī, die Weise der Yoni-Pūjā erklärt.
4.2 Obwohl sie gut verborgen bleiben soll, wird sie aus Liebe zu dir offenbart, o Herrin der Götter. Im Land namens Kocha, nahe [einem in der Vorlage undeutlich bezeichneten Yoni-Ort],
4.3 westlich der Gaṅgā, ist Madhavī berühmt. Dort bin ich Tag und Nacht ganz der Yoni-Pūjā hingegeben, o Devī.
4.4 Im Zusammenhang mit meinem Bettelgang gehe ich Tag und Nacht dorthin.
Anmerkung zu 4.2–4.4: Die englische Übersetzung liest den Ortsnamen „Yonigarta“. Ob die beschädigte Sanskritstelle tatsächlich diesen Eigennamen enthält, bleibt offen. Der Text beschreibt Madhavī anschließend als Frau.
4.5 Auf Erden gibt es keine Yoni wie die Madhavīs. Ihre Brüste sind fest, o Durgā, und ihre Yoni ist voll und schön.
4.6 Allein durch ihre Verehrung bin ich Śiva. Höre, [Pārvatī]! Kṛṣṇa erlangte sein Kṛṣṇa-Sein, nachdem er Rādhās Yoni verehrt hatte.
4.7 Śrī Rāma, der Gemahl Jānakīs, verehrte Sītās Yoni. Nachdem er Rāvaṇa und dessen Geschlecht getötet hatte, kehrte er zurück, o Schöne,
4.8 und nahm selbst Wohnung in der lieblichen Stadt Ayodhyā. Am Meeresufer, unter einem Banyanbaum, [ist] Mahāviṣṇu.
4.9 Baladeva als Bhairava hat bei der Yoni der Schwester Zuflucht genommen. Mit Lakṣmī und Sudarśana steht er allein, ohne Furcht.
Anmerkung zu 4.8–4.9: Der Sanskrittext ist hier grammatisch gestört. Die zweite Hälfte von 4.8 und Vers 4.9 werden mit ihren erkennbaren Aussagen wiedergegeben; insbesondere der Bezug von „er“ ist nicht sicher. Die englischen Fassungen überspringen diesen Abschnitt.
4.10 Ich, Viṣṇu, Brahmā und die großen Weisen – von Brahmā bis zum Grashalm entsteht alles in der Yoni.
4.11 Wer in den drei Welten könnte die Größe des Yoni-Tattva aussprechen? Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und geschlechtliche Vereinigung [sind die fünf Tattvas].
4.12 Ohne diese fünf Tattvas, o Devī, ist alles fruchtlos. Die Veden sind höher als alles; höher als die Veden ist der Vaiṣṇava-Weg.
4.13 Höher als der Vaiṣṇava-Weg ist der Śaiva-Weg, höher als dieser der Dakṣiṇa-Weg. Höher als Dakṣiṇa ist Vāma, höher als Vāma ist Siddhānta.
4.14 Höher als Siddhānta ist Kaula; darin wiederum [ragt] der nach der Yoni Verlangende [hervor].
Anmerkung zu 4.12–4.14: Die Begriffe bezeichnen hier Stufen einer werkimmanenten Rangordnung: Viṣṇu-Verehrung, Śiva-Verehrung, „rechter“ und „linker“ Weg, Siddhānta und Kaula. Dies ist keine allgemeine Rangordnung aller hinduistischen Traditionen. In der Vorlage fehlt die Nummer 14; sie ist hier nach der Stellung zwischen 13 und 15 ergänzt.
4.15 Der Kulīna wird als zu allen Vidyās berechtigt gepriesen. Wenn man durch glückliche Fügung einen Kulīna erblickt,
4.16 soll man ihn mit Speisen erfreuen und ihn eindringlich bitten: „Komm, vortrefflicher Sādhaka, der du ganz der Yoni-Pūjā hingegeben bist!
4.17 Schon durch deinen Anblick habe ich mein Ziel erreicht, ohne Zweifel.“ Wenn Gespräch oder Umgang mit einem Paśu [stattgefunden haben],
4.18 [und dies] durch Schicksalsfügung [geschah], o Mahādevī, soll man sich der Schau der Yoni zuwenden. Durch ein Stirnzeichen aus Yoni-Tattva wird man dann rein.
Anmerkung zu 4.17–4.18: Die Verse bilden einen grammatisch unvollständigen Zusammenhang. Die in Klammern angegebenen Verbindungen sind eine sinngemäße Lesart, keine Rekonstruktion des Sanskrit. Kulīna bezeichnet hier einen Angehörigen beziehungsweise Kenner der Kula-Tradition.
4.19 Kumārī-Pūjā und die Speisung eines Kulīna, o Durgā, sind die beiden vorzüglichsten Handlungen; das steht in dieser Schrift fest.
4.20 Innerlich Śāktas, äußerlich Śaivas, in der Versammlung Vaiṣṇavas: In vielerlei Gestalten wandern die Kaulas über die Erde.
4.21 Die Familie, in der nach tausend Geburten ein Kulīna geboren wird, soll als geheiligt gelten, o Tochter des Berges.
4.22 Wenn man einem Kulīna die Füße wäscht, werden der eigene Körper und das eigene Haus geheiligt, ohne Zweifel.
4.23 Das Land, in dem ein nach der Yoni verlangender Kulīna lebt, wird von Brahmā, Viṣṇu, Śiva und den anderen Göttern verehrt.
4.24 Eine Gabe an einen Kulīna bringt unendliche Frucht. Eine Gabe in die Hand eines Paśu bleibt in jeder Hinsicht fruchtlos.
4.25 Ich vermag die Größe des Kulīna nicht auszusprechen. Wer einen Kulīna erfreut, wird mit zehn Millionen Familienlinien befreit.
4.26 Allein durch Kula-Yoga werde ich gnädig, ohne Zweifel. Unter den vier Lebensständen ist der Stand des Avadhūta der große.
4.27 Dort erlangte ich durch Kula-Yoga den Zustand Mahādevas. Auch dort, o Mahādevī, bin ich ganz der Yoni-Pūjā hingegeben.
4.28 Durch die Gnade deiner Yoni vernichtete ich einst Tripura. Die Pāṇḍavas siegten im Kampf, indem sie bei Draupadīs Yoni Zuflucht nahmen.
4.29 [Als Möglichkeiten nennt der Text] die Yoni einer jungen Frau und die einer Ehefrau; sind sie nicht verfügbar, soll man bei der Yoni einer Schwester oder einer Schülerin Zuflucht nehmen.
Anmerkung zu 4.29: Der syntaktisch gestörte Vers wird hier sinngemäß nach der englischen Fassung wiedergegeben. Kanyakā kann Mädchen, unverheiratete junge Frau oder Jungfrau bedeuten. Die Verwandtschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse sind Aussagen des historischen Textes.
4.30 Täglich soll man die Yoni verehren; andernfalls soll man den Mantra rezitieren. Ohne Yoni-Pūjā soll man keine vergebliche Pūjā ausführen, Geliebte.
4.31 Andernfalls soll man allein Japa übend über die Erde wandern.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das vierte Kapitel vollständig.
Fünftes Kapitel: Guru und die Vereinigung von Mahāmāyā und Sadāśiva
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Der Guru und die Einweihung erhalten eine zentrale Stellung. Die Schrift untersagt den Geschlechtsverkehr mit der Frau des Guru und mit der Mutter. Zugleich beschreibt sie die Vereinigung von Yoni und Liṅga als Verehrung von Mahāmāyā und Sadāśiva.
Mahādeva sprach:
5.1 Wer die Mahāvidyā verehrt, die Yoni aber nicht verehrt, dessen Mantra erlangt auch durch hundert Puraścaraṇas keine Siddhi.
5.2 Wer drei Hände voll Blüten in der Vertiefung der Yoni darbringt, o Maheśvarī, dessen Pūjā [entspricht der Verehrung] in tausend früheren Geburten.
5.3 Der Guru ist unmittelbar Śiva, und seine Frau ist dessen eigene Gestalt. Ein Kaulika, der mit ihr geschlechtlich verkehrt, gelangt in die Hölle.
5.4 Der vortreffliche Sādhaka soll mit einer allgemein zugänglichen Yoni [verkehren]. Auf seiner Stirn ist das Zeichen des Yoni-Tattva zu sehen.
Anmerkung zu 5.4: Das Handlungswort ist beschädigt; „verkehren“ folgt der englischen Fassung. „Allgemein zugänglich“ übersetzt die historische Bezeichnung sarvasādhāraṇī und behauptet kein Verfügungsrecht über eine Frau.
5.5 Dort sind Götter, Asuras, Yakṣas und die vierzehn Welten. Zum Śrāddha, dem Ahnenritual, soll man Kulīna-Brahmanen einladen, o Schöne.
5.6 Dann wird dieses Śrāddha fruchtbar. Seine im Himmel wohnenden Ahnen freuen sich und singen voller Freude:
5.7 „Möge in unserem Geschlecht einer geboren werden, der das Kula kennt!“ In der Yoni, die der Herr der Sādhakas beständig verehrt,
5.8 soll der Sādhaka stets die dort wohnende Göttin vergegenwärtigen. Das Yoni-Tattva, o Mahādevī, soll er auf seinen Körper auftragen.
5.9 Dadurch wird sein Leib fruchtbar, zusammen mit zehn Millionen Familienlinien. Wenn er seinen eigenen Liṅga in die Höhlung der Vulva einführt,
5.10 ist dies die große Pūjā in der Vereinigung von Liṅga und Yoni. Beim Austritt des Samens soll er ganz Japa und Verehrung hingegeben sein.
5.11 Samen und Yoni-Tattva soll der Herr der Sādhakas vorschriftsgemäß mischen und in der Höhlung der Yoni zur Festigung und Vermehrung darbringen.
5.12 Dann [strömt die Gnade der Göttin] von ihren ehrwürdigen Füßen herab, o Schöne. Während der Pūjā soll man jedes andere Gespräch unterlassen, o Herrin der Götter.
Anmerkung zu 5.12: Die erste Halbzeile ist erheblich beschädigt; sie wird sinngemäß nach der englischen Fassung übersetzt. Deren ergänztes Wort „Gnade“ ist hier ebenfalls als Ergänzung sichtbar. Die zweite Halbzeile spricht im Sanskrit von anderem Gespräch, nicht vom Aufgeben anderer Übungsmethoden.
5.13 Der Verständige soll die Yoni nach der Lehre des Kāmaśāstra liebkosen. Wer die Yoni seiner Mutter zum Gegenstand der Verehrung macht,
5.14 soll sie vorschriftsgemäß verehren, aber keinen Geschlechtsverkehr vollziehen. Diese Yoni soll er ausnehmen und nur mit einer kṣata-Yoni verkehren.
Anmerkung zu 5.14: Kṣata wird wie in 3.25 verwendet: vermutlich „defloriert“, in der englischen Fassung „eine Yoni, die blutet“. Die zweite Halbzeile enthält keine Einschränkung auf „bloße rituelle Berührung“, sondern unterscheidet die verehrte mütterliche Yoni von der für den Geschlechtsverkehr bezeichneten Yoni.
5.15 Wenn er durch glückliche Fügung einer Brahmanin begegnet, Geliebte, soll er ihr Yoni-Tattva nehmen und damit eine andere Yoni verehren.
5.16 Ohne die fünf Tattvas ist eine Paśu-Einweihung vergeblich. Durch das Aussprechen von Oṃ, durch Feueropfer und die Verehrung des Śālagrāma-Steins,
5.17 ebenso durch Geschlechtsverkehr mit einer Brahmanin wird ein Śūdra zum Caṇḍāla. O Devī, mit aller Sorgfalt soll man bei einem Kula-Guru der Shakti Zuflucht suchen.
Anmerkung zu 5.16–5.17: Der Satz läuft über die Versgrenze: Die in 5.16 aufgezählten Handlungen gehören zur Kastenwertung in 5.17. Diese historische Ausschlussregel wird hier übersetzt, nicht übernommen. Das beschädigte kulaguhaṃ wird mit Hilfe des Englischen als „Kula-Guru“ verstanden. Die englischen Fassungen lassen die Kastenwertung aus.
5.18 Wenn jemand eine Paśu-Einweihung erhalten hat und dennoch diese Verehrung ausübt, führen seine Einweihung und seine Vidyā in die Hölle.
5.19 Deshalb soll man mit aller Sorgfalt bei einem Kulīna-Guru Zuflucht suchen. Wenn man sich einem solchen Guru anvertraut und die Pūjā vollzieht,
5.20 wird die Yoni gnädig: wie Rādhās Vulva für Kṛṣṇa, Sītās für Rāmacandra und deine Yoni für mich, Geliebte.
5.21 Wer ein Haar der Yoni nimmt und damit zum Königshaus geht, dessen Vorhaben werden alle fruchtbar, ohne Zweifel.
5.22 Dann soll er den Liṅga verehren und die Göttin in Shakti-Gestalt anbeten. Wenn er ein Stirnzeichen aus Yoni-Tattva beziehungsweise der „Blüte“ trägt, [weist er] Yama [zurück] und wird in Durgās Welt geehrt.
Anmerkung zu 5.22: Das Verb vor dem Namen Yama, des Todesgottes, ist beschädigt; die Überwindung beziehungsweise Zurückweisung Yamas ist eine vorsichtige sinngemäße Lesart. Die englische Übersetzung nennt an dieser Stelle Reichtum, der aus der vorliegenden Sanskritzeile nicht hervorgeht.
Pārvatī sprach:
5.23 Auf welche Weise soll die Yoni-Gestalt verehrt werden, die die ganze Welt erfüllt? Durch welches Tun wird sie gnädig? Sage es mir, Ozean des Mitgefühls.
5.24 Soll man die Yoni selbst verehren oder durch einen Sādhaka verehren lassen? All dies möchte ich hören; meine Wissbegierde ist groß.
Mahādeva sprach:
5.25 Verehrt werden soll die Yoni-Gestalt, die die ganze Welt erfüllt. Bei ihr soll man den Liṅga aufrichten und die Göttin in Shakti-Gestalt verehren.
Anmerkung zu 5.25: Die englische Fassung ergänzt ausdrücklich das Einführen des erigierten Liṅga. Die Sanskritzeile nennt hier das Aufrichten und die Verehrung; die Vereinigung wird im folgenden Vers vorausgesetzt.
5.26 Mahāmāyā hat die Gestalt der Vulva, Sadāśiva die Gestalt des Liṅga. Allein durch ihre Verehrung wird man noch im Leben befreit, ohne Zweifel.
5.27 [Man bringe] Blüten, Opfergaben und die übrigen Materialien der Pūjā [dar]. Sind sie nicht vorhanden, o Durgā, soll man mit dem rituellen Wein verehren.
5.28 Dann soll man die Yoni auch allein mit dem Mantra verehren. Im Bereich der Yoni [vollziehe man] Prāṇāyāma und die sechsgliedrige [rituelle Einsetzung] mit Māyā, Geliebte.
Anmerkung zu 5.28: Die knappe Ritualformulierung ist nicht eindeutig. Ṣaḍaṅga bedeutet „sechsgliedrig“ und kann auf Nyāsa verweisen; Māyā kann eine Mantrabezeichnung sein. Die englische Fassung versteht „meine sechsgliedrige Pūjā“. Eine im Vers nicht ausgeschriebene Bīja-Silbe wird hier nicht ergänzt.
5.29 Nachdem man am Grund der Yoni hundertmal rezitiert hat, soll man Liṅga und Yoni reiben. Dies wird als allen Sādhanas gleichwertig bezeichnet.
5.30 Dieses Tantra, o Herrin der Götter, darf niemals öffentlich gemacht werden. Man soll es nicht den Schülern anderer und insbesondere nicht Menschen ohne Hingabe geben.
5.31 Das Yoni-Tattva, o Mahādevī, wurde aus Liebe zu dir offenbart.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das fünfte Kapitel vollständig.

Sechstes Kapitel: Vertrauen, Genuss und verborgene Verehrung
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Das Kapitel preist die Schau der Yoni und die Bedeutung von Vertrauen. Es verbindet Genuss mit Befreiung, beschreibt den Gebrauch der Ritualsubstanzen und fordert die Verbergung dieser Verehrung vor Außenstehenden.
Mahādeva sprach:
6.1 Wenn ein Sādhaka beim Baden eine Yoni betrachtet, o Herrin der Götter, wird sein Leben gewiss fruchtbar.
6.2 Er soll die Yoni der eigenen [Partnerin] oder einer anderen [Frau], besonders die einer Ehefrau betrachten; wenn diese nicht verfügbar ist, die einer jungen Frau oder einer Schülerin.
6.3 In wessen Haus dieses Tantra gegenwärtig ist, o Mahādevī, der braucht Feuer und Diebe nicht zu fürchten und hat am Ende Anteil an Moksha.
6.4 Wenn [eine solche Yoni] nicht verfügbar ist, soll er zur Yoni von Tieren und Ähnlichem Zuflucht nehmen und sie verehren. Allein durch Yoni-Pūjā wird er unmittelbar Viṣṇu, ohne Zweifel.
Anmerkung zu 6.3–6.4: Die Sanskritvorlage nennt ausdrücklich die Tier-Yoni als Ersatz. Die englische Vergleichsfassung bietet in diesem Abschnitt stattdessen das Verbot, vor Paśus zu verehren. Diese erhebliche Abweichung wird nicht durch eine stillschweigende Umdeutung der Sanskritwörter beseitigt. Das Wort für Feuer in 6.3 ist beschädigt, sein Sinn im Zusammenhang jedoch naheliegend.
6.5 Er wird in der Himmelswelt und in der Unterwelt von Göttern und Asuras verehrt. Die Handlungen der Vīra-Sādhana sind nur mit Mühe zu erlangen.
6.6 Diese leicht zugängliche Sādhana, o Durgā, wird aus Liebe zu dir offenbart. Wer Yoni-Tattva nimmt und damit in den Kampf zieht,
6.7 besiegt alle Feinde und wird gewiss siegreich, o Durgā. Was nützt bloßes Baden in der Gaṅgā? Was das Aufsuchen heiliger Orte?
6.8 Nichts gleicht der Hingabe an die Yoni; alles andere ist vergeblich. Selbst mit meinen fünf Gesichtern, o Herrin der Götter, kann ich die Größe der Yoni
6.9 nicht aussprechen. Höre, Tochter des Berges: Durch die Gnade deiner Yoni bin ich zu Mahādeva geworden.
6.10 Der Sādhaka, der mit einer Yoni mit frischem Haar [verkehrt], wird vom großen Leid des furchtbaren Ozeans des Saṃsāra befreit.
Anmerkung zu 6.10: Das Handlungswort ist beschädigt; „verkehren“ folgt der englischen Übersetzung. Das Haar bezeichnet hier die Körperbehaarung.
6.11 Was nützen viele Worte? Höre, schöne Pārvatī: [Niemand vermag das Yoni-Tattva angemessen auszusprechen; nichts ist in der Welt würdiger, gepriesen zu werden.]
Anmerkung zu 6.11: Die zweite Halbzeile ist grammatisch gestört. Die Wiedergabe ihres Lobpreisgedankens ist sinngemäß und bezieht die englische Vergleichsfassung ein.
6.12 Wer außer Śiva und Viṣṇu wäre fähig, es zu beschreiben, o Devī? Vergib meine Schwäche, Mutter Durgā, vergib mir.
6.13 Aus Unbedachtheit habe ich in deiner Gegenwart ein wenig davon beschrieben.
Devī sprach:
6.14 Gott der Götter, Herr der Welt, Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung: Aus deinem Mund habe ich die Handlungen der Vīra-Sādhana vernommen, o Herr.
6.15 Vielerlei leicht zugängliche Sādhana habe ich gehört, o Gott. Wie kann das, was du erklärt hast, im Kali-Zeitalter verwirklicht werden? Hinsichtlich des Vertrauens daran bleibt mir immer wieder Zweifel, Mahādeva.
Mahādeva sprach:
6.16 Höre, anmutige Pārvatī, höre, Tochter des Berges! Höre mit höchster Hingabe; höre mir aufmerksam zu.
6.17 Dies darf nicht jedem Beliebigen gegeben werden, selbst bei Lebensgefahr nicht. Wie deine eigene Yoni, o Herrin der Götter, sollst du es stets verbergen, Geliebte.
6.18 [Im Verborgenen] werde ich es aussprechen. Wahr, wahr und gewiss: Allein durch seine Ausübung versinkt man nicht im Ozean des Werdens.
6.19 Mahāmāyā hat die Gestalt der Yoni, Sadāśiva die Gestalt des Liṅga. Ihr Tarpana soll mit Samen sowie mit Wein und Fleisch vollzogen werden, o Schöne.
6.20 Nachdem er den Liṅga in die Yoni eingeführt und bewegt hat, soll er das Tattva aufnehmen, o Schöne. Einen Teil soll er in die Yoni geben und alles der Shakti darbringen.
6.21 Mit dem Tattva soll er die Göttin erfreuen, die die Gestalt der Vulva hat und die ganze Welt erfüllt. [Durch die hier bezeichnete Handlung] wird die Schuld des Brahmanenmordes getilgt, o Herrin der Götter.
Anmerkung zu 6.21: Das Wort für die Handlung ist beschädigt. Eindeutig ist in der vorliegenden Lesung aber brahmahatyā vyapohati, die Tilgung des Brahmanenmordes. Die englische Fassung behauptet das Gegenteil: Wer das Geheimnis offenbare, begehe Brahmanenmord. Diese Gegenüberstellung ist eine Textabweichung, keine sichere Erklärung der Sanskritzeile.
6.22 [Nicht bei Menschen von geringem Verdienst entsteht dieses feste Vertrauen], o Durgā. Durch Vertrauen erlangt man Siddhi; durch Vertrauen auch Moksha.
Anmerkung zu 6.22: Der erste Satz ist beschädigt und hier vorsichtig sinngemäß wiedergegeben. Die englische Fassung verbindet das „heilige Vertrauen“ ebenfalls mit großem Verdienst. Die zweite Halbzeile ist klar verständlich.
6.23 Ohne Vertrauen gelangt man gewiss in die Hölle, o Herrin der Götter. Unter allen Sādhanas ist die Yoni-Sādhana die höchste.
6.24 Wer nach Essen und Trinken die Yoni verehrt, o Herrin der Götter, dessen in zehn Millionen Geburten angesammelte Sünde vergeht augenblicklich.
6.25 Durch Genuss erlangt man Moksha; durch Genuss erlangt man Glück. Deshalb soll der Sādhaka mit aller Sorgfalt ein Genießer werden.
6.26 Der Verständige soll Schmähung der Yoni, Ekel und Scham stets ablegen. Wer im Kulācāra die Yoni nicht verehrt,
6.27 dem nützen auch hunderttausend Sādhanas nichts; alles ist für ihn vergeblich. Wer das in der Yoni Befindliche mit einem feinen [Tuch] abwischt,
6.28 dessen Körper und Haus werden gewiss von Sünde befreit. Was nützt dann bloßes Baden in der Gaṅgā? Was das Aufsuchen von Wallfahrtsorten?
Anmerkung zu 6.27–6.28: Das Wort sūkṣmāṃśunā ist in diesem Zusammenhang unsicher; „mit einem feinen Tuch“ ist eine mögliche sinngemäße Deutung, keine verbesserte Sanskritlesung. Die englische Fassung beschreibt stattdessen das Ablecken des Elixiers am Rand der Yoni.
6.29 Die Göttin in Vulva-Gestalt wird vom Herrn der Sādhakas stets verehrt, Geliebte. Was nützen viele Worte? Höre, du mir so teuer wie das Leben.
6.30 Diese Verehrung ist allen Sādhakas gemeinsam, Geliebte. Ohne die fünf Tattvas, o Devī, bleiben die vier [allein] vergeblich.
6.31 Für die Śāktas gibt es hinsichtlich Glück und Befreiung nichts Höheres als das fünfte Tattva. Jeder Trank, der ohne Shakti getrunken wird, bleibt ohne Frucht.
6.32 Man soll den von der Shakti übriggelassenen Trank trinken, ebenso das vom Vīra Übriggelassene. Nachdem man so gehandelt und die große Yoni Tag und Nacht verehrt hat,
6.33 soll man essen, trinken und über die Erde wandern, o Große Herrin. Man soll eine Tulasī-Kette tragen und einen Hari-Tempel [errichten beziehungsweise aufsuchen].
Anmerkung zu 6.32–6.33: Am Ende der ersten Hälfte von 6.32 stehen unverständliche Silben; sie erlauben keine weitere sichere Übersetzung. In 6.33 steht wörtlich „einen Hari-Tempel machen“; die englische Fassung versteht darunter Rezitation in einem Hari-Tempel.
6.34 Man soll Erzählungen und Gespräche führen und die Eigenschaften Śrī Haris besingen. Von Hingabe an Haris Namen erfüllt, soll man sich unter Paśus bewegen.
Anmerkung zu 6.34: Die englische Fassung enthält hier eine selbst mit Fragezeichen versehene Aussage über das Töten von Tieren. Die vorliegende Sanskritlesung spricht vom Aufenthalt unter Paśus und stützt diese Aussage nicht.
6.35 Die Pūjā ist verborgen und noch verborgener; durch ihre Offenlegung entsteht Verlust. Besser, sie gar nicht auszuführen, als sie vor einem Paśu zu vollziehen, Pārvatī.
6.36 Wer die Yoni auch nur mit drei Händen voll Blüten verehrt, für den gibt es in den drei Welten nichts Unerreichbares.
Anmerkung zu 6.36: Die zweite Halbzeile ist beschädigt. „Nichts Unerreichbares“ folgt dem Zusammenhang des Lobpreises und der englischen Fassung; eine sichere wörtliche Übersetzung aller Wörter ist nicht möglich.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das sechste Kapitel vollständig.
Heutige thematische Ergänzung: Sukadev erläutert Kuṇḍalinī als kosmische Energie im Menschen. Der Vortrag führt in einen verwandten Begriff des modernen Yoga ein; er kommentiert nicht die vorstehenden Ritualverse.
Siebtes Kapitel: Vīra-Sādhana und Freiheit von äußeren Regeln
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Śiva beschreibt den Vīra, die geistige Ausführung von Ritualen und die Aufhebung gewöhnlicher Zeit- und Reinheitsregeln. Im Zentrum stehen die Verehrung von Frauen, die fünf Tattvas und die Verbindung von Genuss, Mantra und Hingabe.
Mahādeva sprach:
7.1 Nun werde ich, o Große Herrin, von der höchsten Vīra-Sādhana sprechen. Schon durch ihr rechtes Erkennen wird der Sādhaka noch im Leben befreit.
7.2 Der Divya lebt nach Art eines Gottes; der Vīra besitzt einen kühnen Geist. Das Land, in dem ein Vīra lebt, wird von den Göttern verehrt.
7.3 Schon durch den Anblick eines Vīra erlangt man den Verdienst von zehn Millionen Wallfahrtsorten. Wer Wasser in seine Hand gibt, wird mit zehn Millionen Familienlinien befreit.
7.4 Was in den drei Welten bleibt unerreichbar, wenn man einen Vīra erfreut, o Herrin der Götter? Für den Japa der Vīras wird jede Zeit gepriesen.
7.5 Am Fuß eines Bilva-Baums, auf dem Verbrennungsplatz, in einer einsamen Gegend oder im Haus, bei einem einzelnen Liṅga und in der großen Yoni rezitieren die vortrefflichen Sādhakas.
7.6 [Indem er annimmt, was alle ihm geben,] soll er seinen eigenen Bauch füllen. Ohne Wein und Fleisch, o Devī, lebt er keinen Augenblick länger.
Anmerkung zu 7.6: Die erste Halbzeile ist beschädigt. Die in Klammern wiedergegebene Aussage ergibt sich vorsichtig aus dem Anschluss an 7.7. Die englische Fassung versteht stattdessen den Inhalt des Schoßes der Shakti als vorzüglichste Opferspeise. Das Wort für „eigener Bauch“ in der Sanskritvorlage lässt sich nicht ohne Weiteres so übersetzen.
7.7 Deshalb soll er essen, trinken und über die Erde wandern. Von allen soll er Speise annehmen und sie ohne Furcht verzehren.
7.8 Geschlechtliche Vereinigung mit jeder Yoni wird gepriesen, o Große Herrin. Bald mit Sandelholzpaste, bald mit Wein
7.9 oder auch mit Menstruationsblut soll er sich salben. Der Vīra strahlt stets voller Wonne, o Durgā.
Anmerkung zu 7.8–7.9: Zwischen „salben“ und „Menstruationsblut“ stehen beschädigte Silben ohne sicher erkennbaren zusätzlichen Sinn. Die englische Fassung nennt ausdrücklich die Stirn als Ort des Salbens und Samen anstelle von Wein. Hier bleibt die lesbare Sanskritangabe surā, Wein, erhalten.
7.10 Ich werde diese Sādhana vollständig erklären, die alle Ziele verwirklicht. Bad und Reinigung geschehen im Geist; [auch die vorzüglichste Rezitation geschieht] im Geist.
Anmerkung zu 7.10: Das letzte Wort der gelieferten Zeile lautet jayaḥ, „Sieg“. Im Zusammenhang geistig vollzogener Rituale versteht die englische Übersetzung die Stelle als Rezitation. Diese Deutung wird für die deutsche Fassung übernommen, ohne im Sanskrit japa einzusetzen. Ein eigenständiger Lehrsatz vom „inneren Sieg“ wird daraus nicht abgeleitet.
7.11 Die göttliche Pūjā geschieht im Geist, ebenso Tarpana und die übrigen Handlungen. Jede Zeit ist glückverheißend; nirgendwo gibt es eine unglückverheißende Zeit.
7.12 Es gibt keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht, zwischen Dämmerung und tiefer Nacht. Auch bei Kleidung, Sitz, Bad, Haus, Berührung des Körpers und Ähnlichem
7.13 soll man hier keine Reinheitsunterscheidungen anstellen; der Geist soll ohne unterscheidende Vorstellungen verweilen. Es gibt keine Regeln für Himmelsrichtung und Zeit, auch keine Regeln für Standort und Ähnliches.
7.14 Für Japa gibt es keine feste Zeitregel, auch nicht für Opfer [mit Pferden und anderen Opfertieren]. Frauen darf man nicht hassen; vielmehr soll die Frau besonders verehrt werden.
Anmerkung zu 7.14: Die Bezeichnung der Opfer ist beschädigt; „Pferde und andere Opfertiere“ bleibt eine unsichere Lesart. Die Aufforderung, Frauen nicht zu hassen und sie zu verehren, ist im Sanskrit klar ausgesprochen.
7.15 Wo immer der Sādhaka zu einer Frau geht, sie berührt oder sie betrachtet, soll er ihr Speise geben und den Mantra rezitieren; die zum Verzehr bestimmte Substanz [nehme er] nach seinem Wunsch.
7.16 Als Regel für die Handlungen der Vīra-Sādhana wird der eigene Wille genannt. Frauen sind Gottheiten, Frauen sind das Leben, Frauen sind der höchste Schmuck.
7.17 Man soll stets mit einer Frau verbunden sein, andernfalls auch mit der eigenen Frau. Dies ist im Bhāvasarvasva ausgesprochen und in allen Tantras verborgen.
Anmerkung zu 7.16–7.17: Der eigene Wille heißt in der Vorlage svecchā; der umfassendere Begriff Svecchācāra bezeichnet das Handeln nach eigenem Willen. „Mit einer Frau verbunden“ schließt im Ritualzusammenhang den Geschlechtsverkehr ein, den die englische Fassung ausdrücklich nennt. Der ungewöhnliche Anschluss „andernfalls auch mit der eigenen Frau“ bleibt erhalten. Bhāvasarvasva kann ein Werktitel sein; die englische Fassung versteht es als Bezeichnung einer „Essenz“.
7.18 Die Ordnung der Vīra-Siddhi wird aus Liebe zu dir offenbart. Wenn man die rituelle Substanz verzehrt, soll man sie zuerst der Shakti darbringen.
7.19 Oder man soll den ersten Anteil ins Wasser geben. Der Sādhaka soll mit seiner Shakti zu einem Verbrennungsplatz oder in eine einsame Gegend gehen.
7.20 Nachdem er die Substanz zu sich genommen hat, soll er den Mantra rezitieren und danach geschlechtliche Vereinigung vollziehen. Höre, schöne Pārvatī, [was] beim Austritt des Samens [geschieht]:
7.21 Wenn er das Yoni-Tattva nimmt und daraus ein Stirnzeichen macht, vergeht augenblicklich die in hundert Geburten angesammelte Sünde.
7.22 Ist kein Verbrennungsplatz verfügbar, gehe er in ein verlassenes Gebäude; ist auch dieses nicht vorhanden, soll der Mantrin in einem abgeschlossenen Haus rezitieren.
7.23 Selbst bei Lebensgefahr, o Große Herrin, soll er dies nicht vor Paśus aussprechen. Schmähung eines Vīra, zweckloses Trinken und zwecklose geschlechtliche Vereinigung,
7.24 ebenso zweckloses Essen soll der Mantrin bei der Vīra-Sādhana vermeiden. Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und geschlechtliche Vereinigung [sind die fünf Tattvas].
Anmerkung zu 7.23–7.24: Das Verb „vermeiden“ in 7.24 gilt auch für die Aufzählung am Ende von 7.23. Vīranindā bedeutet „Schmähung eines Vīra“, nicht „Lob“. Vṛthā heißt „vergeblich, zwecklos“; im Zusammenhang ist eine vom Ritual gelöste Handlung gemeint.
7.25 Ohne die fünf Tattvas, o Durgā, wird niemand auf Erden zum Vīra. Deshalb soll der Mantrin nach Essen und Trinken den großen Mantra rezitieren.
7.26 Die Sādhana der Vīras ist höchst geheim, o Devī, Geliebte. Was nützen hunderttausend Sādhanas mit Ritualsubstanzen, was ebenso viele Vīra-Sādhanas,
7.27 was eine Milliarde Japa-Wiederholungen oder hundert Puraścaraṇas, was hunderttausend Besuche heiliger Orte oder die Beschäftigung mit Tantras und Ähnlichem,
7.28 was zehn Millionen Pūjās, was Gaben und Askese? Ohne die Vulva, o Große Herrin, ist alles gleichermaßen vergeblich.
Anmerkung zu 7.26–7.28: Die Sanskritvorlage liest in 7.26 dravya, Ritualsubstanz; die englische Fassung spricht von Divya-Sādhana. In 7.27 bedeutet koṭiśata hundertmal zehn Millionen, also eine Milliarde; in 7.28 bedeutet śatalakṣa hundertmal hunderttausend, also zehn Millionen. Die großen Zahlen dienen dem emphatischen Lobpreis.
7.29 Allein durch Yoni-Pūjā erhält man Anteil an allen Sādhanas. Durch Tarpana mit Yoni-Tattva gelangen die Ahnen in den Himmel.
7.30 Stets soll man die Yoni liebkosen, unter anderem durch Ziehen an ihrem Haar. Wenn man die große Yoni [beziehungsweise die Partnerin] auf den Schoß nimmt und den Tāṇḍava-Tanz vollzieht,
7.31 wird man von den Sünden zehntausendfacher Geburt befreit, zusammen mit zehn Millionen Familienlinien. Besonders die Yoni einer jungen Schülerin [beziehungsweise einer jungen Frau unter den Schülern]
7.32 soll man allein mit Duft und Blüten voller Hingabe verehren. Nachdem man in dieser Welt Glück genossen hat, wird man in der Welt der Göttin geehrt.
Anmerkung zu 7.30–7.32: „Auf den Schoß nehmen“ ist eine vorsichtige Deutung des beschädigten Wortes koṛe in 7.30. Die zweite Hälfte von 7.31 ist ebenfalls beschädigt; „junge Schülerin“ folgt sinngemäß der englischen Fassung. Sie lässt sich nicht sicher in weitere Personengruppen auflösen. Diese Stelle nennt Duft und Blüten als Verehrungsgaben. Ihre genaue Beziehung zur Ausschlussregel in 3.25 bleibt offen.
7.33 Sind Duft und Blüten nicht vorhanden, soll man auch mit dem rituellen Wein verehren. Wenn während der Pūjā jemand hinzukommt, o Herrin der Götter,
7.34 soll man eine Vaiṣṇava-Pūjā, Viṣṇu-Nyāsa und einen Lobpreis zeigen.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das siebte Kapitel vollständig.

Achtes Kapitel: Kālī und die alles umfassende Yoni
Redaktionelle Inhaltsübersicht: Das Schlusskapitel preist Kālī, verbindet sie mit weiteren Mahāvidyās und führt die Sinne in die Betrachtung des Yoni-Cakra zurück. Es endet mit dem Vorrang der Yoni-Pūjā und der Bedeutung des Guru.
Mahādeva sprach:
8.1 Alle Frauen, von Urvaśī an, die es in den drei Welten gibt: Zur Zeit der Vīra-Sādhana ist der Kaulika ihr Herr.
8.2 Ohne geschlechtliche Vereinigung gibt es keine Befreiung – so lautet die Entscheidung der Schrift. Die vielfältigen Śrutis, Smṛtis und Purāṇas habe ich geschaffen,
8.3 um das Erkenntnisvermögen der Paśus zu zerstören. Höre, du mir so teuer wie das Leben: Man soll die mit Haar versehene Yoni als Gestalt höchster Wonne verehren.
Anmerkung zu 8.2–8.3: Der Sanskritsatz läuft über die Versgrenze. Buddhināśa bedeutet Zerstörung des Erkenntnis- beziehungsweise Unterscheidungsvermögens. Die englische Fassung bezieht die Zerstörung auf die geistige Haltung der Paśus. Der aggressive Gegensatz zu anderen Schriften ist eine Polemik des Werkes; er wird nicht zu einer allgemeinen Aussage über den Hinduismus gemacht.
8.4 Besonders im Kali-Zeitalter: Wer die Yoni-Gestalt, die die ganze Welt erfüllt, mit höchster Hingabe und Japa verehrt, dem liegt die Befreiung in der Hand.
8.5 Unter Tausenden Sādhakas und Millionen Verehrenden widmet sich [nur einer] durch glückliche Fügung der Kālī-Sādhana.
8.6 Kālī ist die Mutter der Welten – so entscheiden alle Schriften. Schon durch die Erinnerung an Kālikā wird man von allen Sünden befreit.
8.7 Wahr, wahr, abermals wahr, wahr und ganz gewiss: Wer den großen Mantra Kālīs rezitiert, wird ohne Zweifel ein Sohn Kālīs.
8.8 Sie selbst ist Tripurā, Kālī, Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī, Chinnā, Tārā, Mahālakṣmī, Mātaṅgī und Kamalātmikā.
8.9 Auch Sundarī, Bhairavī und andere Formen der Vidyā sind [sie]. Für Dakṣiṇā und Tāriṇī gibt es keine Siddhi ohne die Ordnung von Cīna.
8.10 Die zu einem Mantra gehörende Handlungsweise gilt als die höchste. Fehlendes Vertrauen lässt die Frucht verloren gehen; deshalb soll man ganz dem Bhāva, der inneren Haltung, hingegeben sein.
8.11 Alles, was in diesem „Yoni“ genannten Tantra geschrieben steht, o Devī, soll der Sādhaka ausführen, der diesen Bhāva sucht.
8.12 Die Zunge ist Yoni, der Mund ist Yoni; Yoni ist in Ohren und Augen. Überall, o Große Herrin, soll man das Yoni-Cakra vergegenwärtigen.
8.13 Ohne Yoni, o Große Herrin, ist jede Pūjā vergeblich. Auch die Mantras erlangen keine Siddhi. Wahr, wahr spreche ich.
8.14 Man soll alle anderen Pūjās aufgeben und Yoni-Pūjā vollziehen. Ohne den Guru, o Große Herrin, gelangt auch die Hingabe an mich nicht zur Vollendung.
Anmerkung zu 8.14: Der letzte Satz enthält die sprachlich unregelmäßige Lesung madabhaktī. Die deutsche Fassung gibt ihren naheliegenden Sinn als „Hingabe an mich“ wieder. Die englische Fassung fasst stattdessen zusammen, ohne Hingabe an den Guru gebe es keine Siddhi.
Abschlussmantra: Oṃ, Verehrung dem Sitz der Yoni.
Kolophon: Damit ist im Yoni Tantra das achte Kapitel vollständig.
Sanskrittext in IAST
Redaktioneller Hinweis: Die Umschrift folgt ausschließlich der tatsächlich gelieferten Sanskritlesung. Offensichtliche Seitenköpfe und vier eingestreute Hindi-Fragmente wurden nicht als Sanskrit-Werktext umschrieben. Die in den Übersetzungshinweisen genannten Zähl- und Wiederholungsfehler sind technisch bereinigt. Die im Liefertext fehlenden Verse 1.7–1.16 werden nicht rekonstruiert.
yonitantra
Erstes Kapitel
oṃ paramadevatāyai namaḥ |
oṃ śrīgurave namaḥ ||
kailāśaśikharārūḍhaṃ devadevaṃ jagadgurum |
sadāsmeramukhī durgā papraccha naganandinī ||1||
śrīdevyuvāca
catuḥṣaṣṭi ca tantrāṇi kṛtāni bhavatā prabho Π
teṣāṃ madhye pradhānāni vada me karuṇānidhe ||2||
śrīmahādeva uvāca
śṛṇu pārvati cārvaṅgi asti guhyatamaṃ priye |
koṭivāraṃ vāritāsi tathāpi śrotumicchasi ||3||
strīsvabhāvācca cārvaṅgi tathā māṃ paripṛcchasi |
gopanīyaṃ prayatnena tvayeva vidyate ca tat ||4||
mantrapīṭhaṃ yantrapīṭha yonipīṭhañca pārvatī |
yonipīṭhaṃ pradhānaṃ hi tava snehāt prakāśyate ||5||
harihārādyāścaye devāḥsṛṣṭi sthityantakārakāḥ |
sarve vai yonisambhūtāḥ śṛṇuṣva naganandini ||6||
lalāṭe candanaṃ dattvā hastadvayaṃ kucopari |
aṣṭottaraśataṃ japtvā stanamadhye varānane || 17||
kucayorma naṃ kuryāt gaṇḍacumbanapūrvakam |
aṣṭottaraśataṃ vāpi sahastra yonimaṇḍale || 18||
japtvā mahāmanuṃ stotraṃ paṭhed bhaktiparāyaṇaḥ |
pūjākāle gururna syāt yadi sādhaka sattamaḥ || 19||
svayaṃ pūjāprakarttavyā nātra kāryā vicāraṇā |
guroragre pṛthak pūjā viphalā ca na saṃśayaḥ ||20 ||
tasmāt bahutarai ryatnai gurave ca samarpayet |
pūjāvasāne āgatya praṇamet yonimaṇḍale || 21||
puṣpāñjalitrayaṃ dattvā svaguruṃ praṇamet punaḥ ||
prārthayed bahumaṃtrena kṛtāñjali puṭaḥ sudhīḥ ||22||
yonipūjāvidhiṃ dṛṣṭvā kṛtārtho'smi na saṃśayaḥ |
adya me saphalaṃ janma jīvitañca sujīvitam || 23||
pūjāṃ kṛtvā mahāyonimuddhṛtaṃ narakārṇavāt || 24||
iti yonitantre prathamo'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Zweites Kapitel
śrīdevyuvāca
devadeva jagannātha sṛṣṭisthityantakārakaḥ |
tvāṃ vinā janakaḥ ko'pi māṃ vinā jananī parā ||1||
saṃkṣepāt kathitā yoni pūjāvidhi ranuttamā |
kasyā yoniḥ pūjitavyā yoniśca kīdṛśī śubhā ||2||
śrīmahādeva uvāca
naṭī kāpālinī veśyā rajakī nāpitāṅganā |
brāhmaṇī śūdrakanyā ca tathā gopālakanyakā ||3||
mālākārasya kanyā ca nava kanyāḥ prakīrtitāḥ
athavā sarvajātīyā vidagdhā lolalocanā ||4||
mātṛyoni parityajya sarvvayoniñca tār̤ayet |
dvādaśābdādhikā-yoniṃ yāvat ṣaṣṭīṃ samāpayet ||5||
pratyahaṃ pūjayeda yoni pañcatattvai viśeṣataḥ |
yonidarśanamātreṇa tīrthakoṭiphalaṃ labhet ||6||
tilakaṃ yonitattvena vastrañca kularūpakam |
āsanaṃ kularūpañca pūjanañca kulocitam ||7||
prathamaṃ mardanaṃ tasyāḥ kuntalā karṣaṇādikam |
taddhaste ca svāliṅgañca dadyāt sādhaka sattamaḥ ||8||
yonipūjāṃ vidhāyātha liṅga -pūjanamuttamam |
candanaṃ kukumaṃ dadyāt liṅgopari varānane ||9||
yonīliṅga samākṣipya tāḍayebahuyatnataḥ |
tāḍyamāne punastasyā jāyate tattvamuttamam ||10||
tattvena pūjyeddevīṃ yonirūpāṃ jaganmayīm |
bhaumāvāsyāṃ niśābhāge catuṣpatha gato naraḥ ||11||
śmaśāne prāntare gatvā dagdhamīna - samanvitaḥ |
pāyasānaṃ baliṃ dattvā kubera iva pāragaḥ ||12||
citāyāṃ bhaumavāre ca yo japed yonimaṇḍale |
paṭhitvā kavacaṃ devi paṭhennāmasahastrakam ||13||
sa bhavet kālikāputro muktaḥ koṭikulaiḥ saha |
sāmiṣānnaṃ baliṃ dattvā śūnyagehe athavā gṛhe ||14||
japitvā ca paṭhitvā ca bhaved yogīśvarī naraḥ |
rajasvalābhagaṃ dṛṣṭvā spṛṣṭvā sādhakaḥ svayam || 15||
aṣṭatottaraśataṃ japtvā bhavet bhuvi purandaraḥ |
svaśukre yonipuṣpaiśca baliṃ dattvā japenmanum ||16 ||
dagdhamīnaṃ kukkuṭāṇḍaṃ mūṣakaṃ mahirṣa naram |
madhu māṃsaṃ piṣṭakānnaṃ baliṃ dattvā niśāmukhe || 17||
yatra tatra mahāsthāne svayaṃ nṛtyaparāyaṇaḥ |
digambaro muktakeśaḥ sa bhavet sampadāṃpadam || 18 ||
parayonī japenmantraṃ sarvakāle ca sarvadā|
devī buddhayā bajeṭyoniṃ tāṃ śaktiṃ śaktirūpiṇīm || 19||
dhamarthakāmamokṣārthī caturvagaṃ labhennaraḥ |
madyaṃ māṃsaṃ baliṃ dadyāt niśāyāṃ sādhakottamaḥ || 20 ||
yatnatastāḍayed yoni kucamaīna pūrvakam |
śaktirūpā ca sā devī viparītaratā yadi || 21||
tadā koṭi kulaiḥ sārddha jīvitañca sujīvitam |
yonikṣālana-toyena liṅga prakṣālanena ca ||22||
pūjayitvā mahādeva ardhaṃ dadyāt vidhānataḥ |
tattīyaṃ trividhaṃ kṛtvā bhāgaṃ śaktyai nivedayet || 23||
bhāgadvayaṃ tathā mantrī kāraṇena vyavasthitam
miśrayitvā mahādevi pibet sādhakasattamaḥ || 24||
vastrālaṅkāra-gandhādyai stoṣayet parasundarīm |
tad yonau pūjayed vidyāṃ niśāśeṣe vidhānataḥ || 25||
bhagaliṅgai bhagakṣālai bhaṃgaśabdābhidhānakaiḥ |
bhagaliṅgāmṛtaiḥ kunaivedyaṃ sādhakottamaḥ || 26||
iti yonitantre dvitīyo'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Drittes Kapitel
śrīmahādeva uvāca
atha vakṣye maheśāni sāvadhānāvadhāraya |
gopanīyaṃ prayatnena na prakāśyaṃ kadācana ||1||
prakāśāt siddhihāniḥ syāt prakāśāt maraṇaṃ dhruvam |
prakāśāt mantrahāni syāt prakāśāt śivahā bhavet ||2||
yonitattvaṃ samudbhūtaṃ tantraṃ tantrapradhānakam
sugopyo'yaṃ hi tantraścet tava snehāt prakāśitam ||3||
pāpātmā maithune yasya ghṛṇā syād raktaretasoḥ |
pāne prāntirbhaved yasya bhedabuddhiśca sādhake ||4||
śaktimantramupāsyaiva sa durātmā kathaṃ brajet |
pūjayitvā mahāmāyāṃ chāgameṣādibhirnaraiḥ
rūrubhi hariṇa rūṣṭrai gajai gobhiḥ śivāsubhiḥ
||5||
siṃhairasai gardabhaiśca pūjayed bhaktibhāvataḥ ||6||
yonidarśanamātreṇa kulakoṭiṃ samuddharet |
candrasūryoparāge ca yadi yoniṃ prapūjayet ||7||
tarpaṇaṃ yonitattvena naṃ punarjāyate bhuvi |
kramaśo lokamāsādya devīloke mahīyate ||8||
tatra, tiṣṭhet sādhakendraḥ śaktyāyukto maheśvaraḥ |
mahāśana kalyāṇi sarvva kāryya japādikam ||9||
pañcatattvaṃ vinā devi yat kiñcit kriyate naraiḥ |
tat sarvaṃ niṣphalaṃ tasya ante ca narakaṃ brajet ||10||
anya -yoni vibhedasta yat kiñcit sādhakottamaiḥ |
kumbhīpāke ca pacyante yāvadā bhūtasaṃplavam ||11||
yonimukhe mukhaṃ dattvā prajapedayutaṃ yadi |
koṭijanmārjitaṃ pāpaṃ tatkṣaṇādeva naśyati ||12||
retoyuktāni puṣpāṇi svapuṣpa miśritāni vā |
kāraṇenābhimanyātha dayāt yonau prayatnataḥ ||13||
sa bhavet kālikāputra iti khyātimupāgataḥ |
yonimūle vaseṭ gaurī yonyāñca naganandinī || 14||
kālī tārā yonicihne kuntale chinnamastakā |
bagalāmukhī ca mātaṅgī vaset yoni samīpataḥ ||15||
yonigarne mahālakṣmīḥ ṣoḍaśī bhuvaneśvarī |
yoni pūjanamātreṇa śaktipūjāṃ bhaved dhruvam ||16||
pakṣyādi-balijātīnāṃ rudhiraiśca prapūjayet |
yoni yonīti yo vyakti japakāle ca sādhakaḥ || 17||
tasya yoniḥ prasannā syād bhukti mukti pradāyinī |
yogī cennaiva bhogī syād bhogī ca na tu yogavān ||18 ||
yogabhogātmakaṃ kālaṃ yadi yoniprapūjakaḥ |
yonipūjāṃ vinā durge sarvvapūjā vṛthā bhavet || 19||
yonimadhye pradhānā ca cāṇḍālī gaṇanāyikā |
tasyāḥ pūjanamātreṇa mama tulyo na saṃśayaḥ ||20 ||
kiṃ jñānaiḥ kiṃ tapodānaiḥ kiṃ japaiḥ kiṃ kulāmṛtaiḥ |
yonipūjāṃ vinā durge sarvvañca niṣphalaṃ bhavet || 21||
yasmai kasmai na dātavyaṃ mama sarvvasva-sādhanam |
svayaṃ yadya samarthaḥsyāt yonipūjana tatparaḥ ||22||
sādhakaṃ vṛṇuyāt durge vastrālaṅkāraṇādibhiḥ |
pūjayitvā mahāyoniṃ tatpaścād anyamaṇḍalam || 23||
daṇḍavat praṇipatyātha yonimudrāṃ nirīkṣayet |
yasya yonau sadā bhaktiḥ sādhane ca tathā priye || 24||
tasya durgā prasannā syāt kimanyai bahubhāṣitaiḥ |
kṣatayoniḥ pūjitavyā akṣatāṃ naiva pūjayet |
akṣatāṃ pūjanādevi siddhihāniḥ pade pade || 25||
iti yonitantre tṛtīyo'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Viertes Kapitel
śiva uvāca
mahācīna kramoktena sarva kārya japādikam |
iti te kathitaṃ devi yonipūjā-vidhirmyayā ||1||
sugopyaṃ yadi deveśi tava snehāt prakāśitam |
kocākhyāne ca deśe ca yonigasamīpataḥ ||2||
gaṅgāyāḥ paścime bhāge mādhavī nāma viśrutā
tatra cāharniśaṃ devi yonipūjana - tatparaḥ | 3 ||
bhikṣācāra-prasaṅgena gacchāmi ca divāniśam ||4||
mādhavī sadṛśī yoni nasti yoni rmahītale
tatkucau kaṭhinau durge yonistasyāḥ supīnatā ||5||
tasyā pūjanamātreṇa śivo'haṃ śṛṇu pā ti !
rādhāyoni pūjayitvā kṛṣṇaḥ kṛṣṇatvabhāgataḥ ||6||
śrīrāmojānakīnāthaḥ sītāyoni prapūjakaḥ |
rāvaṇaṃ sakulaṃ hatvā punarāgatya sundari ||7||
ayodhyā nagarīṃ ramyāṃ vasatiṃ kṛtavān svayam |
samudrasya mahāviṣṇu vailāyāṃ vaṭamūlataḥ ||8||
bhāginīyonimāśritya baladevastu bhairavaḥ |
lakṣmayā sudarśanenāpi tiṣṭhatyeko'kutobhayaḥ || 9||
ahaṃ viṣṇuśca brahmā ca munayaśca mahāśayāḥ |
ābrahma stambaparyantaṃ yonau sarvaṃ prajāyate ||10||
yonitattvasya māhātmyaṃ ko vada bhuvanatraye |
madya māṃsaṃ tathā matsyaṃ mudrā maithunameva ca ||11||
pañca tattvaṃ binā devi sarvañca niṣphalaṃ bhavet
sarvebhyaścottamā vedā vedebhyo vaiśraṇavaṃ param ||12||
vaiṣṇavāduttamaṃ śaivaṃ śaivādakṣiṇamuttamam |
dakṣiṇāduttamaṃ vāmaṃ vāmāt siddhāntamuttamam ||13||
siddhāntāduttamaṃ kaulaṃ tatrāpi yonilampaṭaḥ ||14||
kulīnaḥ sarvavidyānā madhikārīti gīyate |
yadi bhāgyavaśenāpi kulīnadarśanaṃ labhet || 15||
bhakṣyai bhojyaiśca saṃtoṣya prārthayed bahuyatnataḥ |
āgaccha sādhaka śreṣṭha yonipūjana tatparaḥ ||16||
tava darśanātreṇa kṛtārtho'smi na saṃśayaḥ |
paśunā saha saṃlāpaḥ paśusaṃsarga evaṃ ca ||17||
yadi daivānmahādevi yonidarśana tatparaḥ |
tilakaṃ yonitattvena tadā śuddho bhaviṣyati || 18 ||
kumārī pūjana durge kulīnabhojanaṃ tathā |
pradhāna dvayamevāsmin granthehapica suniścitam ||19||
aṃtaḥ śāktā vahiḥśaivāḥ sabhāyāṃ vaiṣṇavā matāḥ |
nānāveśa - dharāḥ kaulāḥ vicaranti mahītale || 20 ||
janmāntarasahasreṣu yasya vaṃśe prajāyate |
kulīnastaṃ kulaṃ jñeyaṃ pavitraṃ naganandini || 21||
pādaprakṣālanaṃ yatra kulīnaḥ kriyate yadi |
tasya dehaśca gehaśca pavitrañca na saṃśayaḥ || 22||
yonilampaṭaḥ kulīnaśca yasmin deśe virājate |
sa deśaḥ pūjyate devaiḥ brahma viṣṇu-śivādibhiḥ || 23||
kulīnaṃ prati dānañca anantāyopapadyate |
paśuhaste pradānañca sarvvatra niṣphalaṃ bhavet || 24||
kulīnasya ca māhātmyaṃ mayā vaktuṃ na śakyate |
kulīnañcāpi saṃtoṣya muktaḥ koṭikulaiḥ saha || 25||
kevalaṃ kulayogena prasīdāmi na saṃśayaḥ |
caturthā śramiṇāṃ madhye avadhūtāśramo mahān || 26 ||
tatrāhaṃ kulayogena mahādevatvamāgataḥ |
tatrāpi ca mahādevi yonipūjana tatparaḥ ||27||
tava yoniprasādena tripuraṃ hatavāna purā draupadīyonimāśritya pāṇḍavā jayino raṇe || 28 ||
abhāve kanyakāyoniṃ vadhūyoniṃ tathaiva ca |
bhāginīyonimāśritya śiṣyāṇāṃ yonimāśrayet || 29||
pratyahaṃ pūjayed yonimanyathā mantramacayet |
vṛthā pūjā na kartavyā yonipūjāṃ binā priye || 30 ||
anyathā japamātreṇa viharet kṣitimaṇḍale ||31||
iti yonitantre caturtho'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Fünftes Kapitel
śrīmahādeva uvāca
mahāvidyāmupāsyaiva yadi yoni naṃ pūjayet |
puraścaryā śatenāpi tasya mantro na siddhayate ||1||
puṣpāñjalitrayaṃ dattvā yonigarte maheśvari
janmāntara- sahastrāṇāṃ pūjā tasya prajāyate ||2||
gururevaḥ śivaḥ sākṣāt tatpatnī tatsvarūpiṇī |
tasyā ramaṇamātreṇa kauliko nārakī bhavet ||3||
sarvasādhāraṇīṃ yoniṃ mayet sādhakottamaḥ
tilakaṃ yonitattvena tasya bhāle pradṛśyate ||4||
tatra devāsurāḥ yakṣāḥ bhuvanāni caturddaśa |
śrāddhe nimantrayedviprān kulīnāna yatra sundari ||5||
tat śrāddhaṃ saphalaṃ tasya pitaraḥ svargavāsinaḥ |
nandanti pitarastasya gāthāṃ gāyanti te mudā ||6||
apināsmat kule jātaḥ kulajñānī bhaviṣyati |
yasyā yonī sādhakendraḥ pūjanaṃ kriyate dṛḍham ||7||
tadyonāvaṃdhiṣṭhitāṃ devīṃ sādhako bhāvayetsadā |
yonitattvaṃ mahādevi sadā gātre pramayet ||8||
tad gātraṃ saphalaṃ tasya api koṭikulaiḥ saha
svaliṅga bhagagarne ca praviśecca svayaṃ yadi ||9||
tadaiva mahatī pūjā liṅga yoni samāgaṇe
śukrotsāraṇa-kāle ca japapūjāparāyaṇaḥ ||10||
tat śukra yonitattvañca miśrayitvā vidhānataḥ |
yonigarne sādhakendraḥ pradadyāddhṛti vṛddhaye ||11||
tadā śrīcaraṇāddevīṃ samutpati te'ṅgane |
pūjākāle ca deveśi anyālāpaṃ vivarjayet ||12||
kāmaśāstra prasaṅgena tad yoni lālayet budhaḥ
mātṛyoni puraskṛtya yadi pūjāṃ karoti yaḥ ||13||
pūjayitvā vidhānena maithunaṃ na samācaret |
parityajya tad yoniṃ kṣatamātrañca tāḍayet || 14
yadi bhāgyavaśenāpi brāhmaṇī militā priye |
tad yonitattvamādāya anyayoni prapūjayet || 15
pañcatattvaṃ binā devi paśudīkṣā vṛthā bhavet |
oṃkāroccāraṇāddhomāt śālagrāma śilācanāt ||16 ||
brāhmaṇīgamanāccaiva śūdro cāṇḍālatāṃ brajet |
śakti kulaguhaṃ devi āśrayedvahuyatnataḥ ||17
paśudīkṣāṃ samādāya yadi pūjāparāyaṇaḥ |
tasya dīkṣā ca vidyā ca narakāyopapadyate ||18||
tasmāt sarvaprayatnena kulīnaṃ guhamāśrayet |
kulīnaṃ guhamāśritya yadi pūjāṃ samācaret ||19||
tadā yoniḥ prasannā syāt kṛṣṇe rādhābhagaṃ yathā |
sītā bhagaṃ rāmacandre tava yoni mayi priye ||20 ||
yonikuntalamādāya yadi rājagṛhaṃ brajet |
tasya kāryāṇi sarvāṇi phalavanti na saṃśayaḥ || 21||
tadā liṅgañca sampūjya pūjayet śaktirūpiṇīm |
tilaka yonitattvena puṣpeṇa dhārayed yadi |
sa nirbhartasya yamaṃ mantrī durgāloke mahīyate ||22||
pārvatyuvāca
kayā ca vidhayā pūjyā yonirupā jaganmayīṃ |
kiṃ kṛte ca prasannā syāt vada me karuṇānidhe || 23||
svayaṃ vā pūjayed yoniṃ athavā sādhakena ca |
tat sarvaṃ śrotumicchāmi paraṃ kautūhalaṃ mama || 24||
śrīmahādeva uvāca
pūjitavyā yonirūpā jaganmayīṃ |
tayā liṅga samuddhṛtya pūjayet śaktirūpiṇīm || 25||
bhagarūpā mahāmāyā liṅgarūpaḥ sadāśivaḥ |
tayoḥ pūjanamātreṇa jīvanmukto na saṃśayaḥ || 26||
puṣpādikaṃ baliñcaiva pūjāsāmagrīmeva ca |
yadi naiva tadā durge kāraṇena prapūjayet || 27||
manunā kevalenāpi tadā yoniṃ prapūjayet |
prāṇāyāmo yonigarne ṣaḍaṅga māyayā priye ||28||
yonimūle śataṃ japtvā liṅgayoniṃ pramārjayet |
sarveṣāṃ sādhanānāñca susamaṃ parikīrtitam || 29||
etat tantrañca deveśi na prakāśyaṃ kadācana |
na deyaṃ paraśiṣyebhyo' bhaktebhyo viśeṣataḥ ||30||
yonitattvaṃ mahādevi tava snehāt prakāśitam || 31 ||
iti yonitantre pañcamo'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Sechstes Kapitel
śrīmahādeva uvāca
snānakāle ca deveśi yadi yoni nirīkṣayet |
saphalaṃ jīvanaṃ tasya sādhakasya suniścitam ||1||
svayoniṃ parayoniṃ vā vadhūyoniṃ viśeṣataḥ |
abhāve kanyakāyoniṃ śiṣyāyoniṃ nirīkṣayet ||2||
etat tantraṃ mahādevi yasya gehe virājate |
nāṅgicaurabhayaṃ tasya ante ca mokṣabhāk bhavet ||3||
paśvādiyonimāśritya abhāve ca prapūjayet |
yonipūjanamātreṇa sākṣād viṣṇurna saṃśayaḥ ||4||
svargaloke ca pātāle sampūjya ca surāsuraiḥ |
vīrasādhana karmāṇi duḥkhalabhyāni kevalam ||5||
sugamaṃ sādhanaṃ durge tava snehāt prakāśitam |
yonitattvaṃ samādāya saṃgrāmaṃ praviśed yadi ||6||
jitvā sarvānarīna durge vijayī ca na saṃśayaḥ |
kiṃ gaṅgāsnānamātreṇa kimvā tīrthaniṣevaṇāt ||7||
nāsti yonau samā bhaktiranyat sarvaṃ vṛthā bhavet |
pañcavaktraiśca deveśi yonimāhātmyameva ca ||8||
tadā vaktuṃ na śaklomi śṛṇuṣva naganandini |
tava yoniprasādena mahādevatvamāgataḥ ||9||
navīna kuntalā yoniṃ maīyet yo hi sādhakaḥ |
sa mukto hi mahaduḥkhāt ghorasaṃsārasāgarāt ||10||
bahunā kimihoktena śṛṇu pārvati sundari |
vaktuṃ kohapi yonitattvaṃ loke ko'pi praśasyate ||11||
śivaviṣṇuṃ vinā devi kaḥ kṣamo varṇituṃ bhavet |
kṣamasva mama daurbalyaṃ māta durge kṣamasva me ||12||
cāpalyāttuṃ mayā kiñcit varṇitaṃ tava sannidhau ||13||
devyuvāca
devadeva jagannātha sṛṣṭisthityantakārakaḥ |
vīrasādhana karmāṇi śrutāni tanmukhāt prabho || 14||
sugamaṃ sādhanaṃ deva śrutaṃ bahuvidhaṃ mayā |
yat tvayā kathitaṃ deva kalau tacca kathaṃ bhavet |
viśvāso'tra mahādeva saṃśayo'bhūt sadā mama ||15||
mahādeva uvāca
śṛṇu pārvaticārvaṅgi śṛṇuṣva naganandini |
śṛṇu tvaṃ parayā bhaktyā sāvadhānaṃ śṛṇuṣva me || 16||
yasmai kasmai na dātavyaṃ prāṇānte'pi na saṃśayaḥ |
svayoniriva deveśi gopanīyaṃ sadā priye ||17||
igūte pravakṣyāmi satyaṃ satyaṃ suniścitam |
yasyānuṣṭhānamātreṇa bhavābdhau na nimajjati || 18 ||
yonirūpā mahāmāyā liṅgarūpaḥ sadāśivaḥ |
retasā tarpaṇaṃ tasyā madyamasaiśca sundari || 19 ||
yonyāṃ liṅga samutkṣipya tattvamādāya sundari |
yonau kiñcidvinikṣipya śaktau sarvaṃ samarpayet || 20 ||
tattvena toṣayeddevīṃ bhagarūpā jaganmayī |
pratyādyātena deveśi brahmahatyā vyapohati || 21 ||
nālyapuṇyaratāṃ durge viśvāso jāyate dhruvam |
viśvāsāt siddhimāpnoti viśvāsānmokṣameva ca ||22|
aviśvāsa ca deveśi narakaṃ jāyate dhruvam |
sarvasādhana madhye tu yonisādhanamuttamam || 23 ||
bhuktvā pītvā ca deveśi yadi yoniṃ prapūjayet |
koṭijanmāñjitaṃ pāpaṃ tatkṣaṇādeva naśyati || 24||
bhogena labhate mokṣaṃ bhogena labhate sukham |
tasmāt sarvaprayalena sādhako bhogavān bhavet || 25||
yoninindāghṛṇālajjāṃ varjayenmatimān sadā |
kulācāra-prasaṅgena yadi yoniṃ na pūjayet || 26||
kiṃ tasya sādhanai rlakṣaiḥ sarvaṃ tasya vṛthā bhavet |
sūkṣmāṃśunā yonigata mārjanaṃ kurute yadi || 27||
tasya dehasya gehasya pāpaṃ vinaśyati dhruvam |
kiṃ gaṅgāstānamātreṇa kimvā tīrthaniṣevanāt || 28 ||
pūjyate sādhakendreṇa bhagarūpā sadā priye |
bahunā kimihoktena śṛṇuṣva prāṇavallabhe || 29||
pūjanaṃ sādhakānāñca sarvasādhāraṇaṃ priye |
pañcatattvaṃ binā devi caturthañca vṛthā bhavet || 30 ||
pañcamāttu paraṃ nāsti śāktānāṃ sukhamokṣayoḥ |
binā śaktyā ca yat pānaṃ tat sarvaṃ viphalaṃ bhavet ||31||
śaktyucchiṣṭaṃ pibet dravyaṃ vīrocchiṣṭañca ca ṇaṃ |
evaṃ kṛtvā mahāyoni pūjayitvā divāniśam ||32||
bhuktvā pītvā maheśāni viharet kṣitimaṇḍale |
vidhṛtya tulasīmālyaṃ kuryācca harimandiram || 33||
kathopakathanaṃ vāpi śrīharerguṇakīrtanam |
harināmnā jāta bhāvo viharet paśusannidhau ||34||
guptā guptatarā pūjā prakaṭāt hānireva ca |
varaṃ pūjā na kartavyā paśoragre ca pārvati || 35
puṣpāñcalitrayeṇāpi yadi yoniṃ prapūjayet |
tasyā labhyāni kamaṇi na santi bhuvanatraye || 36
iti yonitantre ṣaṣṭhā'dhyāyaḥ sampūrṇam |
Siebtes Kapitel
śrīmahādeva uvāca
atha vakṣye maheśāni vīrasādhanamuttamam |
yasya vijñānamātreṇa jīvanmuktaśca sādhakaḥ ||1||
divyastu devavat prāṇo vīraścoddhatamānasaḥ |
yaddeśe vidyate vīraḥ sa deśaḥ pūjyate suraiḥ ||2||
vīradarśanamātreṇa tīrtha koṭiphalaṃ labhet |
vīrahaste jalaṃ dattvā muktaḥ koṭikulaiḥ saha ||3||
vīraṃ santoṣya deveśi kimalabhyaṃ jagatraye |
vīrāṇāṃ japakālasta sarvakālaḥ praśasyate ||4||
bilvamūle śmaśāne vā prāntare vā gṛhe'thavā |
ekaliṅge mahāyonau japyate sādhakottamaiḥ ||5||
sarveṣāmantramāśritya kuryāt svodarapūraṇam |
madya-māṃsa binā devi kṣaṇordhvaṃ na jīvati ||6||
tasmātbhuktvā ca pītvāca vihare kṣatimaṇḍale |
sarveṣāmannamāsādya bhojanaṃ cākutobhayam ||7||
maithunañca maheśāni sarvayonau praśasyate |
kadāciccandanenāpi kadācit surayāpi vā ||8||
lepanañca sadā kuryāt pa na rajasāpi vā |
sadānandamayo durge vīraścāpi virājate ||9||
tat sādhanamahaṃ vakṣye sarvaṃ sarvārthasādhanam |
snānādirmānasaḥ śauco mānasaḥ pravaro jayaḥ ||10||
pūjanaṃ mānasaṃ divyaṃ mānasaṃ tarpaṇādikam |
sarvaṃ eva śubhaḥ kālo nāśubho vidyate kvacit ||11||
na viśeṣo divārātrau na sandhyāyāṃ mahāniśi |
vastrāsanaṃ snāna geha dehasparśādikeṣvapi ||12||
śuddhiṃ vicārayennātra nirvikalpaṃ manaścaret |
dikkāla niyamonāsti sthityādi-niyamona ca || 13||
na jape kāla - niyamo nārśvādiṣu baliṣvapi |
strīdveṣo naiva kartavyo viśeṣāt pūjanaṃ striyāḥ ||14||
striyaṃ gacchan spṛśan paśyan yatra kutrāpi sādhakaḥ |
dattvā bhakṣya japenmatraṃ bhakṣyadravyaṃ yathāruci ||15 ||
svecchāniyamaḥ samprokto vīrasādhanakarmaṇi |
striyo devāḥ striyaḥ prāṇāḥ striyaḥ paramabhūṣaṇam || 16 ||
strīsaṅginā sadā bhāvyamanyathā sva-striyāmapi |
taduktaṃ bhāvasarvasve sarvatantreṣu gopitam ||17||
vīrasiddhi - vidhānantu tava snehāt prakāśitam |
dravya-bhakṣaṇakāle ca ādau śaktau nivedayet || 18
athavā prathamaṃ bhāgaṃ nikṣipejjalamadhyataḥ |
śmaśāne prāntare gatvā śaktyā yukto'pi sādhakaḥ ||19
bhuktvā dravyaṃ japenmantraṃ japtvā maithunamācaret |
śukrotsaraṇakāle ca śṛṇu pārvati sundari || 20 ||
yonitattvaṃ samādāya tilakaṃ kriyate yadi |
śatajanmārjitaṃ pāpaṃ tatkṣaṇādeva naśyati || 21 ||
preta bhūmerabhāve ca śūnyālayagate'pi ca |
tadbhāve japenmantrī nicchidra- gṛhamadhyataḥ || 22||
prāṇānte ca maheśāni na vadet paśusannidhau |
vīranindā vṛthā pānaṃ vṛthā maithunameva ca || 23||
vṛthānnaṃ varjayenmantrī vīrasādhanakamaṇi |
madyaṃ māṃsaṃ tathā matsyaṃ mudrāṃ maithunameva ca || 24||
pañcatattvaṃ binā durge na vīro jāyate bhuvi |
tasmātbhuktvā ca pītvā ca japenmantrī mahāmanum|| 25||
ati guhyātamaṃ devi vīrāṇā sādhanaṃ priye |
kiṃ dravya-sādhanairlakṣaiḥ kiṃ vīrasādhanaistathā || 26||
kiṃ koṭiśatajapaiśca puraścaryā- śataistathā |
kiṃ tīrthasevanairlakṣaiḥ kiṃvā tantrādi sevanaiḥ || 27||
kiṃ pūjā śatalakṣaiśca kiṃ dānaistapasāpi ca
bhagaṃ binā maheśāni sarvañcaiva vṛthā bhavet || 28 ||
yonipūjanamātreṇa sarvasādhanabhāg bhavet |
tarpaṇaṃ yonitattvena pitaraḥ svargagāminaḥ ||29||
lālayecca sadā yoni kuntalā-karṣaṇādinā |
kor̤e kṛtvā mahāyoniṃ tāṇḍavaṃ kurute yadi || 30 ||
tadāṃ janmāyutaiḥ pāpaimuktiḥ koṭikulaiḥ saha |
śiṣyāṇāṃ kanyakāyoniṃ va yoniṃ viśeṣataḥ ||31||
kevalaṃ gandhapuṣyeṇa pūjayed bhaktibhāvataḥ |
iha loke sukhaṃ bhuktvā devīloke mahīyate || 32||
abhāve gandhapuṣpābhyāṃ kāraṇenāpi pūjayet |
pūjākāle ca deveśi yadi ko'pyatrāgaccheti || 33||
darśayedvaiṣṇavīṃ pūjāṃ viṣṇoryāsaṃ tathā stavam ||34||
iti yonitantre saptamo'dhyāyaḥ sampūrṇam|
Achtes Kapitel
śrīmahādeva uvāca
urvaśyādyāśva yā nāryaḥ triṣu lokeṣu vidyate |
vīrasādhanakāle ca tāsāṃ nāthasta kaulikaḥ ||1||
maithunena vinā muktirneti śāstrasya nirṇayaḥ |
śruti smṛti purāṇāni kṛtāni vividhaṃ mayā ||2||
paśūnāṃ buddhināśāya śṛṇuṣva prāṇavallabhe |
paramānandarūpeṇa bhajet yoni sakuntalām ||3||
viśeṣataḥ kaliyuge yonirūpāṃ jaganmayīm |
yo japet parayā bhaktyā tasya muktiḥ kare sthitā ||4||
sādhakānāṃ sahasrāṇi upāsyānāñca koṭiśaḥ |
teṣāṃ bhāgyavaśenāpi kālīsādhana tatparaḥ ||5||
kālī ca jagatāṃ mātā sarvaśāstra viniścitā |
kālikā smṛtimātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate || 6 ||
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyaṃ satyameva suniścitam
japtvā mahāmanuṃ kālyāḥ kālīputro na saṃśayaḥ ||7||
sā eva tripurā kālī ṣoḍaśī bhuvaneśvarī |
chinnā tārā mahālakṣmī mataṅgī kamalātmikā ||8||
sundarī bhairavī vidyā prakārānyāpi vidyate |
dakṣiṇā tāriṇī siddhi naiva cīnakrama vinā ||9||
yasmin mantre yaṃdācāraḥ sa evaṃ paramo mataḥ |
phalahānistvaviśvāsāt tasmād bhāvaparo bhavet ||10||
yadatra likhitaṃ devi tantre ca yonisaṃjñake |
tatsarva sādhakānāñca kartavyaṃ bhāvamicchatā ||11||
jihvā yonimukhaṃ yoniḥ yoniḥ śrotre ca cakṣuṣi |
sarvatrāpi maheśāni yonicakraṃ vibhāvayet ||12||
yoni vinā maheśāni sarvapūjā vṛthā bhavet |
tathā mantrāḥ na siddhayanti satyaṃ satyaṃ vadāmyaham||13 ||
sarvāṃ pūjā parityajya yonipūjāṃ samācaret |
guruṃ vinā maheśāni madabhaktī nāpi siddhyate || 14||
oṃ yonipīṭhāya namaḥ ||
iti yonitantre aṣṭamo'dhyāyaḥ sampūrṇam
Sanskrittext in Devanagari
Redaktioneller Hinweis: Wiedergegeben wird der gelieferte Devanagari-Text. Offensichtliche Seitenköpfe und vier eingestreute Hindi-Fragmente wurden nicht als Sanskrit-Werktext übernommen. Die in den Übersetzungshinweisen genannten Zähl- und Wiederholungsfehler sind technisch bereinigt. Die im Liefertext fehlenden Verse 1.7–1.16 werden nicht rekonstruiert.
योनितन्त्र
Erstes Kapitel
ॐ परमदेवतायै नमः |
ॐ श्रीगुरवे नमः ।।
कैलाशशिखरारूढं देवदेवं जगद्गुरुम् |
सदास्मेरमुखी दुर्गा पप्रच्छ नगनन्दिनी ।।१।।
श्रीदेव्युवाच
चतुःषष्टि च तन्त्राणि कृतानि भवता प्रभो Π
तेषां मध्ये प्रधानानि वद मे करुणानिधे ।।२।।
श्रीमहादेव उवाच
शृणु पार्वति चार्वङ्गि अस्ति गुह्यतमं प्रिये |
कोटिवारं वारितासि तथापि श्रोतुमिच्छसि ।।३।।
स्त्रीस्वभावाच्च चार्वङ्गि तथा मां परिपृच्छसि |
गोपनीयं प्रयत्नेन त्वयेव विद्यते च तत् ।।४।।
मन्त्रपीठं यन्त्रपीठ योनिपीठञ्च पार्वती |
योनिपीठं प्रधानं हि तव स्नेहात् प्रकाश्यते ।।५।।
हरिहाराद्याश्चये देवाःसृष्टि स्थित्यन्तकारकाः |
सर्वे वै योनिसम्भूताः शृणुष्व नगनन्दिनि ।।६।।
ललाटे चन्दनं दत्त्वा हस्तद्वयं कुचोपरि |
अष्टोत्तरशतं जप्त्वा स्तनमध्ये वरानने ।। १७।।
कुचयोर्म नं कुर्यात् गण्डचुम्बनपूर्वकम् |
अष्टोत्तरशतं वापि सहस्त्र योनिमण्डले ।। १८।।
जप्त्वा महामनुं स्तोत्रं पठेद् भक्तिपरायणः |
पूजाकाले गुरुर्न स्यात् यदि साधक सत्तमः ।। १९।।
स्वयं पूजाप्रकर्त्तव्या नात्र कार्या विचारणा |
गुरोरग्रे पृथक् पूजा विफला च न संशयः ।।२० ।।
तस्मात् बहुतरै र्यत्नै गुरवे च समर्पयेत् |
पूजावसाने आगत्य प्रणमेत् योनिमण्डले ।। २१।।
पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा स्वगुरुं प्रणमेत् पुनः ।।
प्रार्थयेद् बहुमंत्रेन कृताञ्जलि पुटः सुधीः ।।२२।।
योनिपूजाविधिं दृष्ट्वा कृतार्थोऽस्मि न संशयः |
अद्य मे सफलं जन्म जीवितञ्च सुजीवितम् ।। २३।।
पूजां कृत्वा महायोनिमुद्धृतं नरकार्णवात् ।। २४।।
इति योनितन्त्रे प्रथमोऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Zweites Kapitel
श्रीदेव्युवाच
देवदेव जगन्नाथ सृष्टिस्थित्यन्तकारकः |
त्वां विना जनकः कोऽपि मां विना जननी परा ।।१।।
संक्षेपात् कथिता योनि पूजाविधि रनुत्तमा |
कस्या योनिः पूजितव्या योनिश्च कीदृशी शुभा ।।२।।
श्रीमहादेव उवाच
नटी कापालिनी वेश्या रजकी नापिताङ्गना |
ब्राह्मणी शूद्रकन्या च तथा गोपालकन्यका ।।३।।
मालाकारस्य कन्या च नव कन्याः प्रकीर्तिताः
अथवा सर्वजातीया विदग्धा लोललोचना ।।४।।
मातृयोनि परित्यज्य सर्व्वयोनिञ्च ताड़येत् |
द्वादशाब्दाधिका-योनिं यावत् षष्टीं समापयेत् ।।५।।
प्रत्यहं पूजयेद योनि पञ्चतत्त्वै विशेषतः |
योनिदर्शनमात्रेण तीर्थकोटिफलं लभेत् ।।६।।
तिलकं योनितत्त्वेन वस्त्रञ्च कुलरूपकम् |
आसनं कुलरूपञ्च पूजनञ्च कुलोचितम् ।।७।।
प्रथमं मर्दनं तस्याः कुन्तला कर्षणादिकम् |
तद्धस्ते च स्वालिङ्गञ्च दद्यात् साधक सत्तमः ।।८।।
योनिपूजां विधायाथ लिङ्ग -पूजनमुत्तमम् |
चन्दनं कुकुमं दद्यात् लिङ्गोपरि वरानने ।।९।।
योनीलिङ्ग समाक्षिप्य ताडयेबहुयत्नतः |
ताड्यमाने पुनस्तस्या जायते तत्त्वमुत्तमम् ।।१०।।
तत्त्वेन पूज्येद्देवीं योनिरूपां जगन्मयीम् |
भौमावास्यां निशाभागे चतुष्पथ गतो नरः ।।११।।
श्मशाने प्रान्तरे गत्वा दग्धमीन - समन्वितः |
पायसानं बलिं दत्त्वा कुबेर इव पारगः ।।१२।।
चितायां भौमवारे च यो जपेद् योनिमण्डले |
पठित्वा कवचं देवि पठेन्नामसहस्त्रकम् ।।१३।।
स भवेत् कालिकापुत्रो मुक्तः कोटिकुलैः सह |
सामिषान्नं बलिं दत्त्वा शून्यगेहे अथवा गृहे ।।१४।।
जपित्वा च पठित्वा च भवेद् योगीश्वरी नरः |
रजस्वलाभगं दृष्ट्वा स्पृष्ट्वा साधकः स्वयम् ।। १५।।
अष्टतोत्तरशतं जप्त्वा भवेत् भुवि पुरन्दरः |
स्वशुक्रे योनिपुष्पैश्च बलिं दत्त्वा जपेन्मनुम् ।।१६ ।।
दग्धमीनं कुक्कुटाण्डं मूषकं महिर्ष नरम् |
मधु मांसं पिष्टकान्नं बलिं दत्त्वा निशामुखे ।। १७।।
यत्र तत्र महास्थाने स्वयं नृत्यपरायणः |
दिगम्बरो मुक्तकेशः स भवेत् सम्पदांपदम् ।। १८ ।।
परयोनी जपेन्मन्त्रं सर्वकाले च सर्वदा।
देवी बुद्धया बजेट्योनिं तां शक्तिं शक्तिरूपिणीम् ।। १९।।
धमर्थकाममोक्षार्थी चतुर्वगं लभेन्नरः |
मद्यं मांसं बलिं दद्यात् निशायां साधकोत्तमः ।। २० ।।
यत्नतस्ताडयेद् योनि कुचमईन पूर्वकम् |
शक्तिरूपा च सा देवी विपरीतरता यदि ।। २१।।
तदा कोटि कुलैः सार्द्ध जीवितञ्च सुजीवितम् |
योनिक्षालन-तोयेन लिङ्ग प्रक्षालनेन च ।।२२।।
पूजयित्वा महादेव अर्धं दद्यात् विधानतः |
तत्तीयं त्रिविधं कृत्वा भागं शक्त्यै निवेदयेत् ।। २३।।
भागद्वयं तथा मन्त्री कारणेन व्यवस्थितम्
मिश्रयित्वा महादेवि पिबेत् साधकसत्तमः ।। २४।।
वस्त्रालङ्कार-गन्धाद्यै स्तोषयेत् परसुन्दरीम् |
तद् योनौ पूजयेद् विद्यां निशाशेषे विधानतः ।। २५।।
भगलिङ्गै भगक्षालै भंगशब्दाभिधानकैः |
भगलिङ्गामृतैः कुनैवेद्यं साधकोत्तमः ।। २६।।
इति योनितन्त्रे द्वितीयोऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Drittes Kapitel
श्रीमहादेव उवाच
अथ वक्ष्ये महेशानि सावधानावधारय |
गोपनीयं प्रयत्नेन न प्रकाश्यं कदाचन ।।१।।
प्रकाशात् सिद्धिहानिः स्यात् प्रकाशात् मरणं ध्रुवम् |
प्रकाशात् मन्त्रहानि स्यात् प्रकाशात् शिवहा भवेत् ।।२।।
योनितत्त्वं समुद्भूतं तन्त्रं तन्त्रप्रधानकम्
सुगोप्योऽयं हि तन्त्रश्चेत् तव स्नेहात् प्रकाशितम् ।।३।।
पापात्मा मैथुने यस्य घृणा स्याद् रक्तरेतसोः |
पाने प्रान्तिर्भवेद् यस्य भेदबुद्धिश्च साधके ।।४।।
शक्तिमन्त्रमुपास्यैव स दुरात्मा कथं ब्रजेत् |
पूजयित्वा महामायां छागमेषादिभिर्नरैः
रूरुभि हरिण रूष्ट्रै गजै गोभिः शिवासुभिः
।।५।।
सिंहैरसै गर्दभैश्च पूजयेद् भक्तिभावतः ।।६।।
योनिदर्शनमात्रेण कुलकोटिं समुद्धरेत् |
चन्द्रसूर्योपरागे च यदि योनिं प्रपूजयेत् ।।७।।
तर्पणं योनितत्त्वेन नं पुनर्जायते भुवि |
क्रमशो लोकमासाद्य देवीलोके महीयते ।।८।।
तत्र, तिष्ठेत् साधकेन्द्रः शक्त्यायुक्तो महेश्वरः |
महाशन कल्याणि सर्व्व कार्य्य जपादिकम् ।।९।।
पञ्चतत्त्वं विना देवि यत् किञ्चित् क्रियते नरैः |
तत् सर्वं निष्फलं तस्य अन्ते च नरकं ब्रजेत् ।।१०।।
अन्य -योनि विभेदस्त यत् किञ्चित् साधकोत्तमैः |
कुम्भीपाके च पच्यन्ते यावदा भूतसंप्लवम् ।।११।।
योनिमुखे मुखं दत्त्वा प्रजपेदयुतं यदि |
कोटिजन्मार्जितं पापं तत्क्षणादेव नश्यति ।।१२।।
रेतोयुक्तानि पुष्पाणि स्वपुष्प मिश्रितानि वा |
कारणेनाभिमन्याथ दयात् योनौ प्रयत्नतः ।।१३।।
स भवेत् कालिकापुत्र इति ख्यातिमुपागतः |
योनिमूले वसेट् गौरी योन्याञ्च नगनन्दिनी ।। १४।।
काली तारा योनिचिह्ने कुन्तले छिन्नमस्तका |
बगलामुखी च मातङ्गी वसेत् योनि समीपतः ।।१५।।
योनिगर्ने महालक्ष्मीः षोडशी भुवनेश्वरी |
योनि पूजनमात्रेण शक्तिपूजां भवेद् ध्रुवम् ।।१६।।
पक्ष्यादि-बलिजातीनां रुधिरैश्च प्रपूजयेत् |
योनि योनीति यो व्यक्ति जपकाले च साधकः ।। १७।।
तस्य योनिः प्रसन्ना स्याद् भुक्ति मुक्ति प्रदायिनी |
योगी चेन्नैव भोगी स्याद् भोगी च न तु योगवान् ।।१८ ।।
योगभोगात्मकं कालं यदि योनिप्रपूजकः |
योनिपूजां विना दुर्गे सर्व्वपूजा वृथा भवेत् ।। १९।।
योनिमध्ये प्रधाना च चाण्डाली गणनायिका |
तस्याः पूजनमात्रेण मम तुल्यो न संशयः ।।२० ।।
किं ज्ञानैः किं तपोदानैः किं जपैः किं कुलामृतैः |
योनिपूजां विना दुर्गे सर्व्वञ्च निष्फलं भवेत् ।। २१।।
यस्मै कस्मै न दातव्यं मम सर्व्वस्व-साधनम् |
स्वयं यद्य समर्थःस्यात् योनिपूजन तत्परः ।।२२।।
साधकं वृणुयात् दुर्गे वस्त्रालङ्कारणादिभिः |
पूजयित्वा महायोनिं तत्पश्चाद् अन्यमण्डलम् ।। २३।।
दण्डवत् प्रणिपत्याथ योनिमुद्रां निरीक्षयेत् |
यस्य योनौ सदा भक्तिः साधने च तथा प्रिये ।। २४।।
तस्य दुर्गा प्रसन्ना स्यात् किमन्यै बहुभाषितैः |
क्षतयोनिः पूजितव्या अक्षतां नैव पूजयेत् |
अक्षतां पूजनादेवि सिद्धिहानिः पदे पदे ।। २५।।
इति योनितन्त्रे तृतीयोऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Viertes Kapitel
शिव उवाच
महाचीन क्रमोक्तेन सर्व कार्य जपादिकम् |
इति ते कथितं देवि योनिपूजा-विधिर्म्यया ।।१।।
सुगोप्यं यदि देवेशि तव स्नेहात् प्रकाशितम् |
कोचाख्याने च देशे च योनिगसमीपतः ।।२।।
गङ्गायाः पश्चिमे भागे माधवी नाम विश्रुता
तत्र चाहर्निशं देवि योनिपूजन - तत्परः | ३ ।।
भिक्षाचार-प्रसङ्गेन गच्छामि च दिवानिशम् ।।४।।
माधवी सदृशी योनि नस्ति योनि र्महीतले
तत्कुचौ कठिनौ दुर्गे योनिस्तस्याः सुपीनता ।।५।।
तस्या पूजनमात्रेण शिवोऽहं शृणु पा ति !
राधायोनि पूजयित्वा कृष्णः कृष्णत्वभागतः ।।६।।
श्रीरामोजानकीनाथः सीतायोनि प्रपूजकः |
रावणं सकुलं हत्वा पुनरागत्य सुन्दरि ।।७।।
अयोध्या नगरीं रम्यां वसतिं कृतवान् स्वयम् |
समुद्रस्य महाविष्णु वैलायां वटमूलतः ।।८।।
भागिनीयोनिमाश्रित्य बलदेवस्तु भैरवः |
लक्ष्मया सुदर्शनेनापि तिष्ठत्येकोऽकुतोभयः ।। ९।।
अहं विष्णुश्च ब्रह्मा च मुनयश्च महाशयाः |
आब्रह्म स्तम्बपर्यन्तं योनौ सर्वं प्रजायते ।।१०।।
योनितत्त्वस्य माहात्म्यं को वद भुवनत्रये |
मद्य मांसं तथा मत्स्यं मुद्रा मैथुनमेव च ।।११।।
पञ्च तत्त्वं बिना देवि सर्वञ्च निष्फलं भवेत्
सर्वेभ्यश्चोत्तमा वेदा वेदेभ्यो वैश्रणवं परम् ।।१२।।
वैष्णवादुत्तमं शैवं शैवादक्षिणमुत्तमम् |
दक्षिणादुत्तमं वामं वामात् सिद्धान्तमुत्तमम् ।।१३।।
सिद्धान्तादुत्तमं कौलं तत्रापि योनिलम्पटः ।।१४।।
कुलीनः सर्वविद्याना मधिकारीति गीयते |
यदि भाग्यवशेनापि कुलीनदर्शनं लभेत् ।। १५।।
भक्ष्यै भोज्यैश्च संतोष्य प्रार्थयेद् बहुयत्नतः |
आगच्छ साधक श्रेष्ठ योनिपूजन तत्परः ।।१६।।
तव दर्शनात्रेण कृतार्थोऽस्मि न संशयः |
पशुना सह संलापः पशुसंसर्ग एवं च ।।१७।।
यदि दैवान्महादेवि योनिदर्शन तत्परः |
तिलकं योनितत्त्वेन तदा शुद्धो भविष्यति ।। १८ ।।
कुमारी पूजन दुर्गे कुलीनभोजनं तथा |
प्रधान द्वयमेवास्मिन् ग्रन्थेहपिच सुनिश्चितम् ।।१९।।
अंतः शाक्ता वहिःशैवाः सभायां वैष्णवा मताः |
नानावेश - धराः कौलाः विचरन्ति महीतले ।। २० ।।
जन्मान्तरसहस्रेषु यस्य वंशे प्रजायते |
कुलीनस्तं कुलं ज्ञेयं पवित्रं नगनन्दिनि ।। २१।।
पादप्रक्षालनं यत्र कुलीनः क्रियते यदि |
तस्य देहश्च गेहश्च पवित्रञ्च न संशयः ।। २२।।
योनिलम्पटः कुलीनश्च यस्मिन् देशे विराजते |
स देशः पूज्यते देवैः ब्रह्म विष्णु-शिवादिभिः ।। २३।।
कुलीनं प्रति दानञ्च अनन्तायोपपद्यते |
पशुहस्ते प्रदानञ्च सर्व्वत्र निष्फलं भवेत् ।। २४।।
कुलीनस्य च माहात्म्यं मया वक्तुं न शक्यते |
कुलीनञ्चापि संतोष्य मुक्तः कोटिकुलैः सह ।। २५।।
केवलं कुलयोगेन प्रसीदामि न संशयः |
चतुर्था श्रमिणां मध्ये अवधूताश्रमो महान् ।। २६ ।।
तत्राहं कुलयोगेन महादेवत्वमागतः |
तत्रापि च महादेवि योनिपूजन तत्परः ।।२७।।
तव योनिप्रसादेन त्रिपुरं हतवान पुरा द्रौपदीयोनिमाश्रित्य पाण्डवा जयिनो रणे ।। २८ ।।
अभावे कन्यकायोनिं वधूयोनिं तथैव च |
भागिनीयोनिमाश्रित्य शिष्याणां योनिमाश्रयेत् ।। २९।।
प्रत्यहं पूजयेद् योनिमन्यथा मन्त्रमचयेत् |
वृथा पूजा न कर्तव्या योनिपूजां बिना प्रिये ।। ३० ।।
अन्यथा जपमात्रेण विहरेत् क्षितिमण्डले ।।३१।।
इति योनितन्त्रे चतुर्थोऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Fünftes Kapitel
श्रीमहादेव उवाच
महाविद्यामुपास्यैव यदि योनि नं पूजयेत् |
पुरश्चर्या शतेनापि तस्य मन्त्रो न सिद्धयते ।।१।।
पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा योनिगर्ते महेश्वरि
जन्मान्तर- सहस्त्राणां पूजा तस्य प्रजायते ।।२।।
गुरुरेवः शिवः साक्षात् तत्पत्नी तत्स्वरूपिणी |
तस्या रमणमात्रेण कौलिको नारकी भवेत् ।।३।।
सर्वसाधारणीं योनिं मयेत् साधकोत्तमः
तिलकं योनितत्त्वेन तस्य भाले प्रदृश्यते ।।४।।
तत्र देवासुराः यक्षाः भुवनानि चतुर्द्दश |
श्राद्धे निमन्त्रयेद्विप्रान् कुलीनान यत्र सुन्दरि ।।५।।
तत् श्राद्धं सफलं तस्य पितरः स्वर्गवासिनः |
नन्दन्ति पितरस्तस्य गाथां गायन्ति ते मुदा ।।६।।
अपिनास्मत् कुले जातः कुलज्ञानी भविष्यति |
यस्या योनी साधकेन्द्रः पूजनं क्रियते दृढम् ।।७।।
तद्योनावंधिष्ठितां देवीं साधको भावयेत्सदा |
योनितत्त्वं महादेवि सदा गात्रे प्रमयेत् ।।८।।
तद् गात्रं सफलं तस्य अपि कोटिकुलैः सह
स्वलिङ्ग भगगर्ने च प्रविशेच्च स्वयं यदि ।।९।।
तदैव महती पूजा लिङ्ग योनि समागणे
शुक्रोत्सारण-काले च जपपूजापरायणः ।।१०।।
तत् शुक्र योनितत्त्वञ्च मिश्रयित्वा विधानतः |
योनिगर्ने साधकेन्द्रः प्रदद्याद्धृति वृद्धये ।।११।।
तदा श्रीचरणाद्देवीं समुत्पति तेऽङ्गने |
पूजाकाले च देवेशि अन्यालापं विवर्जयेत् ।।१२।।
कामशास्त्र प्रसङ्गेन तद् योनि लालयेत् बुधः
मातृयोनि पुरस्कृत्य यदि पूजां करोति यः ।।१३॥
पूजयित्वा विधानेन मैथुनं न समाचरेत् |
परित्यज्य तद् योनिं क्षतमात्रञ्च ताडयेत् ।। १४
यदि भाग्यवशेनापि ब्राह्मणी मिलिता प्रिये |
तद् योनितत्त्वमादाय अन्ययोनि प्रपूजयेत् ।। १५
पञ्चतत्त्वं बिना देवि पशुदीक्षा वृथा भवेत् |
ओंकारोच्चारणाद्धोमात् शालग्राम शिलाचनात् ।।१६ ।।
ब्राह्मणीगमनाच्चैव शूद्रो चाण्डालतां ब्रजेत् |
शक्ति कुलगुहं देवि आश्रयेद्वहुयत्नतः ।।१७
पशुदीक्षां समादाय यदि पूजापरायणः |
तस्य दीक्षा च विद्या च नरकायोपपद्यते ।।१८।।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन कुलीनं गुहमाश्रयेत् |
कुलीनं गुहमाश्रित्य यदि पूजां समाचरेत् ।।१९।।
तदा योनिः प्रसन्ना स्यात् कृष्णे राधाभगं यथा |
सीता भगं रामचन्द्रे तव योनि मयि प्रिये ।।२० ।।
योनिकुन्तलमादाय यदि राजगृहं ब्रजेत् |
तस्य कार्याणि सर्वाणि फलवन्ति न संशयः ।। २१।।
तदा लिङ्गञ्च सम्पूज्य पूजयेत् शक्तिरूपिणीम् |
तिलक योनितत्त्वेन पुष्पेण धारयेद् यदि |
स निर्भर्तस्य यमं मन्त्री दुर्गालोके महीयते ।।२२।।
पार्वत्युवाच
कया च विधया पूज्या योनिरुपा जगन्मयीं |
किं कृते च प्रसन्ना स्यात् वद मे करुणानिधे ।। २३।।
स्वयं वा पूजयेद् योनिं अथवा साधकेन च |
तत् सर्वं श्रोतुमिच्छामि परं कौतूहलं मम ।। २४।।
श्रीमहादेव उवाच
पूजितव्या योनिरूपा जगन्मयीं |
तया लिङ्ग समुद्धृत्य पूजयेत् शक्तिरूपिणीम् ।। २५।।
भगरूपा महामाया लिङ्गरूपः सदाशिवः |
तयोः पूजनमात्रेण जीवन्मुक्तो न संशयः ।। २६।।
पुष्पादिकं बलिञ्चैव पूजासामग्रीमेव च |
यदि नैव तदा दुर्गे कारणेन प्रपूजयेत् ।। २७।।
मनुना केवलेनापि तदा योनिं प्रपूजयेत् |
प्राणायामो योनिगर्ने षडङ्ग मायया प्रिये ।।२८।।
योनिमूले शतं जप्त्वा लिङ्गयोनिं प्रमार्जयेत् |
सर्वेषां साधनानाञ्च सुसमं परिकीर्तितम् ।। २९।।
एतत् तन्त्रञ्च देवेशि न प्रकाश्यं कदाचन |
न देयं परशिष्येभ्योऽ भक्तेभ्यो विशेषतः ।।३०।।
योनितत्त्वं महादेवि तव स्नेहात् प्रकाशितम् ।। ३१ ।।
इति योनितन्त्रे पञ्चमोऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Sechstes Kapitel
श्रीमहादेव उवाच
स्नानकाले च देवेशि यदि योनि निरीक्षयेत् |
सफलं जीवनं तस्य साधकस्य सुनिश्चितम् ।।१।।
स्वयोनिं परयोनिं वा वधूयोनिं विशेषतः |
अभावे कन्यकायोनिं शिष्यायोनिं निरीक्षयेत् ।।२।।
एतत् तन्त्रं महादेवि यस्य गेहे विराजते |
नाङ्गिचौरभयं तस्य अन्ते च मोक्षभाक् भवेत् ।।३।।
पश्वादियोनिमाश्रित्य अभावे च प्रपूजयेत् |
योनिपूजनमात्रेण साक्षाद् विष्णुर्न संशयः ।।४।।
स्वर्गलोके च पाताले सम्पूज्य च सुरासुरैः |
वीरसाधन कर्माणि दुःखलभ्यानि केवलम् ।।५।।
सुगमं साधनं दुर्गे तव स्नेहात् प्रकाशितम् |
योनितत्त्वं समादाय संग्रामं प्रविशेद् यदि ।।६।।
जित्वा सर्वानरीन दुर्गे विजयी च न संशयः |
किं गङ्गास्नानमात्रेण किम्वा तीर्थनिषेवणात् ।।७।।
नास्ति योनौ समा भक्तिरन्यत् सर्वं वृथा भवेत् |
पञ्चवक्त्रैश्च देवेशि योनिमाहात्म्यमेव च ।।८।।
तदा वक्तुं न शक्लोमि शृणुष्व नगनन्दिनि |
तव योनिप्रसादेन महादेवत्वमागतः ।।९।।
नवीन कुन्तला योनिं मईयेत् यो हि साधकः |
स मुक्तो हि महदुःखात् घोरसंसारसागरात् ।।१०।।
बहुना किमिहोक्तेन शृणु पार्वति सुन्दरि |
वक्तुं कोहपि योनितत्त्वं लोके कोऽपि प्रशस्यते ।।११।।
शिवविष्णुं विना देवि कः क्षमो वर्णितुं भवेत् |
क्षमस्व मम दौर्बल्यं मात दुर्गे क्षमस्व मे ।।१२।।
चापल्यात्तुं मया किञ्चित् वर्णितं तव सन्निधौ ।।१३।।
देव्युवाच
देवदेव जगन्नाथ सृष्टिस्थित्यन्तकारकः |
वीरसाधन कर्माणि श्रुतानि तन्मुखात् प्रभो ।। १४।।
सुगमं साधनं देव श्रुतं बहुविधं मया |
यत् त्वया कथितं देव कलौ तच्च कथं भवेत् |
विश्वासोऽत्र महादेव संशयोऽभूत् सदा मम ।।१५।।
महादेव उवाच
शृणु पार्वतिचार्वङ्गि शृणुष्व नगनन्दिनि |
शृणु त्वं परया भक्त्या सावधानं शृणुष्व मे ।। १६।।
यस्मै कस्मै न दातव्यं प्राणान्तेऽपि न संशयः |
स्वयोनिरिव देवेशि गोपनीयं सदा प्रिये ।।१७।।
िगूते प्रवक्ष्यामि सत्यं सत्यं सुनिश्चितम् |
यस्यानुष्ठानमात्रेण भवाब्धौ न निमज्जति ।। १८ ।।
योनिरूपा महामाया लिङ्गरूपः सदाशिवः |
रेतसा तर्पणं तस्या मद्यमसैश्च सुन्दरि ।। १९ ।।
योन्यां लिङ्ग समुत्क्षिप्य तत्त्वमादाय सुन्दरि |
योनौ किञ्चिद्विनिक्षिप्य शक्तौ सर्वं समर्पयेत् ।। २० ।।
तत्त्वेन तोषयेद्देवीं भगरूपा जगन्मयी |
प्रत्याद्यातेन देवेशि ब्रह्महत्या व्यपोहति ।। २१ ।।
नाल्यपुण्यरतां दुर्गे विश्वासो जायते ध्रुवम् |
विश्वासात् सिद्धिमाप्नोति विश्वासान्मोक्षमेव च ।।२२।
अविश्वास च देवेशि नरकं जायते ध्रुवम् |
सर्वसाधन मध्ये तु योनिसाधनमुत्तमम् ।। २३ ।।
भुक्त्वा पीत्वा च देवेशि यदि योनिं प्रपूजयेत् |
कोटिजन्माञ्जितं पापं तत्क्षणादेव नश्यति ।। २४।।
भोगेन लभते मोक्षं भोगेन लभते सुखम् |
तस्मात् सर्वप्रयलेन साधको भोगवान् भवेत् ।। २५।।
योनिनिन्दाघृणालज्जां वर्जयेन्मतिमान् सदा |
कुलाचार-प्रसङ्गेन यदि योनिं न पूजयेत् ।। २६।।
किं तस्य साधनै र्लक्षैः सर्वं तस्य वृथा भवेत् |
सूक्ष्मांशुना योनिगत मार्जनं कुरुते यदि ।। २७।।
तस्य देहस्य गेहस्य पापं विनश्यति ध्रुवम् |
किं गङ्गास्तानमात्रेण किम्वा तीर्थनिषेवनात् ।। २८ ।।
पूज्यते साधकेन्द्रेण भगरूपा सदा प्रिये |
बहुना किमिहोक्तेन शृणुष्व प्राणवल्लभे ।। २९।।
पूजनं साधकानाञ्च सर्वसाधारणं प्रिये |
पञ्चतत्त्वं बिना देवि चतुर्थञ्च वृथा भवेत् ।। ३० ।।
पञ्चमात्तु परं नास्ति शाक्तानां सुखमोक्षयोः |
बिना शक्त्या च यत् पानं तत् सर्वं विफलं भवेत् ।।३१।।
शक्त्युच्छिष्टं पिबेत् द्रव्यं वीरोच्छिष्टञ्च च णं |
एवं कृत्वा महायोनि पूजयित्वा दिवानिशम् ।।३२।।
भुक्त्वा पीत्वा महेशानि विहरेत् क्षितिमण्डले |
विधृत्य तुलसीमाल्यं कुर्याच्च हरिमन्दिरम् ।। ३३।।
कथोपकथनं वापि श्रीहरेर्गुणकीर्तनम् |
हरिनाम्ना जात भावो विहरेत् पशुसन्निधौ ।।३४।।
गुप्ता गुप्ततरा पूजा प्रकटात् हानिरेव च |
वरं पूजा न कर्तव्या पशोरग्रे च पार्वति ।। ३५
पुष्पाञ्चलित्रयेणापि यदि योनिं प्रपूजयेत् |
तस्या लभ्यानि कमणि न सन्ति भुवनत्रये ।। ३६
इति योनितन्त्रे षष्ठाऽध्यायः सम्पूर्णम् |
Siebtes Kapitel
श्रीमहादेव उवाच
अथ वक्ष्ये महेशानि वीरसाधनमुत्तमम् |
यस्य विज्ञानमात्रेण जीवन्मुक्तश्च साधकः ।।१।।
दिव्यस्तु देववत् प्राणो वीरश्चोद्धतमानसः |
यद्देशे विद्यते वीरः स देशः पूज्यते सुरैः ।।२।।
वीरदर्शनमात्रेण तीर्थ कोटिफलं लभेत् |
वीरहस्ते जलं दत्त्वा मुक्तः कोटिकुलैः सह ।।३।।
वीरं सन्तोष्य देवेशि किमलभ्यं जगत्रये |
वीराणां जपकालस्त सर्वकालः प्रशस्यते ।।४।।
बिल्वमूले श्मशाने वा प्रान्तरे वा गृहेऽथवा |
एकलिङ्गे महायोनौ जप्यते साधकोत्तमैः ।।५।।
सर्वेषामन्त्रमाश्रित्य कुर्यात् स्वोदरपूरणम् |
मद्य-मांस बिना देवि क्षणोर्ध्वं न जीवति ।।६।।
तस्मात्भुक्त्वा च पीत्वाच विहरे क्षतिमण्डले |
सर्वेषामन्नमासाद्य भोजनं चाकुतोभयम् ।।७।।
मैथुनञ्च महेशानि सर्वयोनौ प्रशस्यते |
कदाचिच्चन्दनेनापि कदाचित् सुरयापि वा ।।८।।
लेपनञ्च सदा कुर्यात् प न रजसापि वा |
सदानन्दमयो दुर्गे वीरश्चापि विराजते ।।९।।
तत् साधनमहं वक्ष्ये सर्वं सर्वार्थसाधनम् |
स्नानादिर्मानसः शौचो मानसः प्रवरो जयः ।।१०।।
पूजनं मानसं दिव्यं मानसं तर्पणादिकम् |
सर्वं एव शुभः कालो नाशुभो विद्यते क्वचित् ।।११।।
न विशेषो दिवारात्रौ न सन्ध्यायां महानिशि |
वस्त्रासनं स्नान गेह देहस्पर्शादिकेष्वपि ।।१२।।
शुद्धिं विचारयेन्नात्र निर्विकल्पं मनश्चरेत् |
दिक्काल नियमोनास्ति स्थित्यादि-नियमोन च ।। १३।।
न जपे काल - नियमो नार्श्वादिषु बलिष्वपि |
स्त्रीद्वेषो नैव कर्तव्यो विशेषात् पूजनं स्त्रियाः ।।१४।।
स्त्रियं गच्छन् स्पृशन् पश्यन् यत्र कुत्रापि साधकः |
दत्त्वा भक्ष्य जपेन्मत्रं भक्ष्यद्रव्यं यथारुचि ।।१५ ।।
स्वेच्छानियमः सम्प्रोक्तो वीरसाधनकर्मणि |
स्त्रियो देवाः स्त्रियः प्राणाः स्त्रियः परमभूषणम् ।। १६ ।।
स्त्रीसङ्गिना सदा भाव्यमन्यथा स्व-स्त्रियामपि |
तदुक्तं भावसर्वस्वे सर्वतन्त्रेषु गोपितम् ।।१७।।
वीरसिद्धि - विधानन्तु तव स्नेहात् प्रकाशितम् |
द्रव्य-भक्षणकाले च आदौ शक्तौ निवेदयेत् ।। १८
अथवा प्रथमं भागं निक्षिपेज्जलमध्यतः |
श्मशाने प्रान्तरे गत्वा शक्त्या युक्तोऽपि साधकः ।।१९
भुक्त्वा द्रव्यं जपेन्मन्त्रं जप्त्वा मैथुनमाचरेत् |
शुक्रोत्सरणकाले च शृणु पार्वति सुन्दरि ।। २० ।।
योनितत्त्वं समादाय तिलकं क्रियते यदि |
शतजन्मार्जितं पापं तत्क्षणादेव नश्यति ।। २१ ।।
प्रेत भूमेरभावे च शून्यालयगतेऽपि च |
तद्भावे जपेन्मन्त्री निच्छिद्र- गृहमध्यतः ।। २२।।
प्राणान्ते च महेशानि न वदेत् पशुसन्निधौ |
वीरनिन्दा वृथा पानं वृथा मैथुनमेव च ।। २३।।
वृथान्नं वर्जयेन्मन्त्री वीरसाधनकमणि |
मद्यं मांसं तथा मत्स्यं मुद्रां मैथुनमेव च ।। २४।।
पञ्चतत्त्वं बिना दुर्गे न वीरो जायते भुवि |
तस्मात्भुक्त्वा च पीत्वा च जपेन्मन्त्री महामनुम्।। २५।।
अति गुह्यातमं देवि वीराणा साधनं प्रिये |
किं द्रव्य-साधनैर्लक्षैः किं वीरसाधनैस्तथा ।। २६।।
किं कोटिशतजपैश्च पुरश्चर्या- शतैस्तथा |
किं तीर्थसेवनैर्लक्षैः किंवा तन्त्रादि सेवनैः ।। २७।।
किं पूजा शतलक्षैश्च किं दानैस्तपसापि च
भगं बिना महेशानि सर्वञ्चैव वृथा भवेत् ।। २८ ।।
योनिपूजनमात्रेण सर्वसाधनभाग् भवेत् |
तर्पणं योनितत्त्वेन पितरः स्वर्गगामिनः ।।२९।।
लालयेच्च सदा योनि कुन्तला-कर्षणादिना |
कोड़े कृत्वा महायोनिं ताण्डवं कुरुते यदि ।। ३० ।।
तदां जन्मायुतैः पापैमुक्तिः कोटिकुलैः सह |
शिष्याणां कन्यकायोनिं व योनिं विशेषतः ।।३१।।
केवलं गन्धपुष्येण पूजयेद् भक्तिभावतः |
इह लोके सुखं भुक्त्वा देवीलोके महीयते ।। ३२।।
अभावे गन्धपुष्पाभ्यां कारणेनापि पूजयेत् |
पूजाकाले च देवेशि यदि कोऽप्यत्रागच्छेति ।। ३३।।
दर्शयेद्वैष्णवीं पूजां विष्णोर्यासं तथा स्तवम् ।।३४।।
इति योनितन्त्रे सप्तमोऽध्यायः सम्पूर्णम्।
Achtes Kapitel
श्रीमहादेव उवाच
उर्वश्याद्याश्व या नार्यः त्रिषु लोकेषु विद्यते |
वीरसाधनकाले च तासां नाथस्त कौलिकः ।।१।।
मैथुनेन विना मुक्तिर्नेति शास्त्रस्य निर्णयः |
श्रुति स्मृति पुराणानि कृतानि विविधं मया ।।२।।
पशूनां बुद्धिनाशाय शृणुष्व प्राणवल्लभे |
परमानन्दरूपेण भजेत् योनि सकुन्तलाम् ।।३।।
विशेषतः कलियुगे योनिरूपां जगन्मयीम् |
यो जपेत् परया भक्त्या तस्य मुक्तिः करे स्थिता ।।४।।
साधकानां सहस्राणि उपास्यानाञ्च कोटिशः |
तेषां भाग्यवशेनापि कालीसाधन तत्परः ।।५।।
काली च जगतां माता सर्वशास्त्र विनिश्चिता |
कालिका स्मृतिमात्रेण सर्वपापैः प्रमुच्यते ।। ६ ।।
सत्यं सत्यं पुनः सत्यं सत्यमेव सुनिश्चितम्
जप्त्वा महामनुं काल्याः कालीपुत्रो न संशयः ।।७।।
सा एव त्रिपुरा काली षोडशी भुवनेश्वरी |
छिन्ना तारा महालक्ष्मी मतङ्गी कमलात्मिका ।।८।।
सुन्दरी भैरवी विद्या प्रकारान्यापि विद्यते |
दक्षिणा तारिणी सिद्धि नैव चीनक्रम विना ।।९।।
यस्मिन् मन्त्रे यंदाचारः स एवं परमो मतः |
फलहानिस्त्वविश्वासात् तस्माद् भावपरो भवेत् ।।१०।।
यदत्र लिखितं देवि तन्त्रे च योनिसंज्ञके |
तत्सर्व साधकानाञ्च कर्तव्यं भावमिच्छता ।।११।।
जिह्वा योनिमुखं योनिः योनिः श्रोत्रे च चक्षुषि |
सर्वत्रापि महेशानि योनिचक्रं विभावयेत् ।।१२।।
योनि विना महेशानि सर्वपूजा वृथा भवेत् |
तथा मन्त्राः न सिद्धयन्ति सत्यं सत्यं वदाम्यहम्।।१३ ।।
सर्वां पूजा परित्यज्य योनिपूजां समाचरेत् |
गुरुं विना महेशानि मदभक्ती नापि सिद्ध्यते ।। १४।।
ॐ योनिपीठाय नमः ।।
इति योनितन्त्रे अष्टमोऽध्यायः सम्पूर्णम्
Abschließende Betrachtung
Die letzten Verse des Yoni Tantra weiten den Blick: Zunge, Mund, Ohren und Augen werden in die Vergegenwärtigung des Yoni-Cakra einbezogen. Der Kultort erscheint überall. Im Zusammenhang des Werkes hebt diese Weitung die konkreten Rituale nicht auf; sie lässt ihre kosmische Bedeutung hervortreten. Shakti ist die Kraft, aus der die Welt entsteht und in der das Leben sich entfaltet.
Als heutige spirituelle Übertragung kann daraus eine Haltung der Ehrfurcht wachsen. Der eigene Körper verdient achtsame Fürsorge; der Körper eines anderen Menschen verdient Respekt. Geburt, Reifung und Vergänglichkeit erinnern daran, dass unser Leben empfangen ist. Wer darin die Gegenwart der Göttlichen Mutter erahnt, kann Dankbarkeit und Mitgefühl vertiefen.

Hingabe kann schlicht beginnen: mit einem Licht, einem vertrauten Mantra, einem aufrichtigen Gebet und einigen Minuten stiller Meditation. Im ruhigen Sitzen darfst du spüren, wie der Atem kommt und geht und wie dein Gewahrsein diese Bewegung trägt. Śiva und Shakti lassen sich dabei als Bewusstsein und lebendige Kraft betrachten. Diese Meditation ist eine heutige Anregung; sie wird nicht als geheime Anleitung des historischen Textes ausgegeben.
Die eindringliche Verehrung der Frau in 7.14 und 7.16 kann im heutigen Alltag zu aufmerksamer Begegnung anregen. Die göttliche Würde des Gegenübers achten heißt auch, seine Selbstbestimmung, seine Grenzen und sein Nein zu achten. Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Fürsorge geben der Hingabe eine überprüfbare Gestalt. Die problematischen Vorschriften der Schrift werden dadurch nicht nachträglich gerechtfertigt; sie bleiben Gegenstand historischer und ethischer Unterscheidung.
So können Schriftstudium, Meditation und gelebter Respekt einander ergänzen. Lies aufmerksam, frage ehrlich und lass dich von dem ansprechen, was deine Hingabe vertieft. Möge die Beschäftigung mit der Göttlichen Mutter das Herz weiten, die Wahrnehmung klären und die Fähigkeit stärken, dem Leben mit Liebe zu begegnen.
Kirtan zur Göttlichen Mutter: „Jay Ma“ mit Leela Mayi vom Mantra Circle – eine heutige musikalische Einladung zur Hingabe.
Fünf heutige Praxisanregungen
Die folgenden Übungen sind moderne, frei zugängliche Übertragungen. Sie stammen nicht als solche aus dem Yoni Tantra und ersetzen keine persönliche Unterweisung.
- Meditation über den Ursprung: Sitze einige Minuten still. Spüre den Atem und erinnere dich: Dieses Leben wurde empfangen, getragen und geboren. Lass daraus Dankbarkeit entstehen. Als thematischer Anstoß kann Vers 4.10 dienen.
- Mantra und Hingabe: Wiederhole einen vertrauten Devi-Mantra ruhig und aufmerksam. Höre seinem Klang nach und kehre sanft zu ihm zurück. Die Bedeutung der Erinnerung an die Göttin in 8.6 kann dieses heutige Japa begleiten; eine im Text nicht ausgeschriebene Geheimformel wird damit nicht rekonstruiert.
- Śiva-Shakti-Betrachtung: Nimm stilles Gewahrsein und bewegte Lebensenergie gleichzeitig wahr. Vers 5.26 bietet den religiösen Ausgangspunkt; die Übertragung auf eine stille Meditation ist modern.
- Respekt als Verehrung: Achte heute besonders auf Bedürfnisse, Grenzen und Entscheidungen anderer Menschen. Die Aufforderung in 7.14, Frauen nicht zu hassen und sie zu verehren, kann zu einer konkreten Übung in Ahimsa und respektvollem Zuhören werden.
- Studium mit Unterscheidungskraft: Wähle einen Vers. Notiere zuerst seine historische Aussage und dann, getrennt davon, eine mögliche heutige Bedeutung. So verbindet Svadhyaya sich mit Viveka, der Unterscheidungskraft.
Für eine begleitete heutige Praxis bietet Yoga Vidya Informationen und Angebote zu Yoga und Meditation.
Quellen- und Texthinweise
- Sanskritgrundlage: der für diese Ausgabe gelieferte Devanagari-Text des Yonitantra in acht Kapiteln. Der Wortlaut wurde nicht grammatisch oder metrisch verbessert. Offensichtliche Verszählungen und zwei versprengte Dubletten wurden redaktionell geordnet; wiederholte Seitenköpfe und vier eingestreute Hindi-Fragmente wurden als Nicht-Werktext ausgeschieden.
- Englische Vergleichsübersetzung: Michael Magee, The Yoni Tantra, Worldwide Tantra Project, Volume II, Version 1.0, 1995; laut Vorwort eine überarbeitete Fassung einer 1980 veröffentlichten Übersetzung. Sie wurde als Verständnishilfe und zur deutschen Ergänzung der im Sanskrit fehlenden Verse 1.7–1.16 benutzt. Magees Einleitung und Kommentare sind kein Bestandteil des Sanskritwerks.
- Zusätzliche Vergleichsfassung: Die Sri Lokanath zugeschriebene, in The Scarlet Letter nachgedruckte englische Übersetzung wurde in drei weitgehend übereinstimmenden digitalen Nachdrucken verglichen. Diese sind keine drei voneinander unabhängigen Sanskritzeugen. Ihre Einleitung nennt die Sanskritausgabe von 1980 als Grundlage; die dort verunstaltete Herausgeberangabe ist bibliografisch als J. A. Schoterman nachgewiesen.[2]
- Grenzen der deutschen Fassung: Alle acht Kapitel und ihre Kolophone sind berücksichtigt. Der Sanskritabschnitt 1.7–1.16 fehlt und ist nur im Deutschen nach dem Englischen ergänzt, ohne erfundene Einzelversgrenzen. Beschädigte Wörter, sinngemäße Übertragungen und nicht sicher übersetzbare Reste sind lokal bezeichnet. Besonders 2.26, 3.9, 4.8–4.9, 5.12, 6.21 und 7.31 bleiben mit Textunsicherheiten verbunden. Die englische Fassung ist eine Vergleichshilfe, keine durchgehend verlässliche Korrekturinstanz.
- Die IAST-Umschrift bildet die tatsächlich gelieferte, redaktionell nur geordnete Devanagari-Lesung ab. Sie rekonstruiert die fehlenden Sanskritverse 1.7–1.16 nicht.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Michael Magee: The Yoni Tantra. Worldwide Tantra Project, Volume II, Version 1.0, 1995; Einleitung, besonders S. 1 und 7, sowie die acht Pāṭalas. Für die Übersetzung verwendete englische Ausgabe.
- ↑ 2,0 2,1 Shiva Shakti: Select Tantrik Bibliography, Einträge zu J. A. Schotermans The Yoni Tantra, Manohar 1980, und zur englischen Übersetzung von Lokanath Maharaj, London 1984. Die unrichtige Namensform „J. S. Schoeterman“ in den vorliegenden englischen Nachdrucken wird bibliografisch berichtigt.
Literatur
Verwendete Übersetzungen und bibliografisch nachgewiesene Ausgabe
- Magee, Michael: The Yoni Tantra. Worldwide Tantra Project, Volume II, Version 1.0, 1995.
- Sri Lokanath: Yoni Tantra. Revidierte englische Übersetzung, zuvor in Azoth Magazine, Nr. 16–19, veröffentlicht; bibliografische Angaben nach den vorliegenden digitalen Nachdrucken.
- Schoterman, J. A. (Hrsg.): The Yoni Tantra. Manohar, 1980. Bibliografischer Nachweis; diese Ausgabe wurde für den hier wiedergegebenen Sanskritwortlaut nicht herangezogen.
Weiterführende Literatur zum historischen und religiösen Kontext; keine zusätzlichen Textgrundlagen dieser Übersetzung
- Padoux, André: The Hindu Tantric World: An Overview. University of Chicago Press, Chicago 2017.
- White, David Gordon (Hrsg.): Tantra in Practice. Princeton University Press, Princeton 2000.
- Flood, Gavin: The Tantric Body: The Secret Tradition of Hindu Religion. I. B. Tauris, London 2006.
- Biernacki, Loriliai: Renowned Goddess of Desire: Women, Sex, and Speech in Tantra. Oxford University Press, New York 2007.
Siehe auch
- Yoni
- Yoni Mudra
- Lingam
- Shiva Shakti
- Göttliche Mutter
- Shakti
- Devi
- Kali
- Tara
- Tripurasundari
- Mahavidya
- Kaula
- Vamachara
- Panchamakara
- Kularnava Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Mahanirvana Tantra
- Rudrayamala Tantra
- Parashurama Kalpasutra
- Bhavana Upanishad
- Yogini Hridaya
- Vijnana Bhairava Tantra
- Tantraloka
- Tripura Rahasya
Weblinks
- Tantra-Bibliografie bei Shiva Shakti, mit Einträgen zur Sanskritausgabe und zur Lokanath-Übersetzung des Yoni Tantra.
- Satsang mit Sukadev: Fest der göttlichen Mutter, 20. September 2025.
- Jay Ma mit Leela Mayi vom Mantra Circle.
- Yoga-Praxis und Yoga-Wissen bei Yoga Vidya
- Meditation bei Yoga Vidya
Seminare
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
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Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
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- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
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- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski