Yoga der Meditation

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Der Yoga der Meditation ist der Yoga, der sich besonders mit Meditation befasst. Zwar gehört zum ganzheitlichen Yoga immer auch die Meditation. Aber man kann die verschiedenen Übungen der Meditation auch als Yoga der Meditation bezeichnen.

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Swami Sivananda über den Yoga der Meditation

Swami Sivananda hat ein ganzes Buch geschrieben zum Thema „The Yoga of Meditation“. Und in vielen seiner Bücher gibt es ein Kapitel „Der Yoga der Meditation“. Hier ist ein Auszug daraus:

Im Yoga Vasishta heißt es: »Die rechte Methode für den Anfänger ist die folgende: Zwei Teile des Bewusstseins müssen mit Gegenständen der Freude erfüllt werden, ein Teil mit Philosophie und der letzte mit Hingabe an den Lehrer. Nach einigem Fortschritt sollte ein Teil des Bewußtseins mit den Gegenständen der Freude, zwei Teile mit Hingabe an den Lehrer und der letzte mit Einsicht in den Sinn der Philosphie erfüllt sein. Hat der Schüler einen höheren Zustand erreicht, sollte er täglich zwei Teile seines Bewußtseins mit Philosophie und mit höchster Entsagung und die anderen zwei Teile mit Meditation und mit Hingabe an den Guru erfüllen. Dies wird schließlich zu einer Meditation von vierundzwanzig Stunden führen.« Der Schüler sollte in der Stellung sitzen, die ihm die liebste ist, Kopf, Hals und Runpf in gerader Linie aufrechterhalten, die Augen schließen und sich ruhig auf die Nasenspitze, auf den Zwischenraum zwischen den Augenbrauen, auf das Herz-Lotus oder auf den Scheitel des Kopfes konzentrieren. Hat er sich einmal für ein Zentrum der Konzentration entschieden, soll er an ihm mit der Zähigkeit eines Blutegels festhalten und es nicht wechseln. Wurde nach verschiedenen Versuchen mit anderen Zentren das Herz-Zentrum gewählt, darf der Schüler sich nur auf dieses konzentrieren, wenn er schnellen Fortschritt erreichen will. Es gibt zweierlei Meditation: suguna, bei der man das Bewußtsein der gunas (Eigenschaften oder Attribute des Gegenstandes, über den man meditiert) behält, und nirguna, bei der alle Eigenschaften sich auflösen. Meditation über Krishna, Shiva, Rama oder Jesus ist saguna. Form und Eigenschaften bleiben erhalten, und der Name des Herrn wird wiederholt angerufen. Diese Meditation übt der shakta-Yogi. Meditation, die die Vedanta-Anhänger über das wirkliche Selbst üben, ist nirguna; ebenso die Meditation über OM, so-ham, aham brahmasmi und tat tvam asi (Formeln, in denen man sich mit dem Absoluten identifiziert). Blitzt ein Strahl der Erleuchtung auf, ist dies nicht Anlaß zur Furcht, sondern eine bisher noch unbekannte Erfahrung unermeßlicher Freude. Man darf keinen Schritt zurückgehen, die Meditation nicht aufgeben, nicht stehenbleiben, sondern muß weiter voranschreiten. Noch offenbart der Lichtstrahl nicht die volle Wahrheit, noch vermittelt er nicht die ganze Erfahrung, die höchste Erkenntnis. Nur eine neue Stufe ist erreicht, auf der man weiter voranschreiten muß, um das letzte Ziel, das Unendliche (brahman), zu erreichen. Erst dann sind alle Anfechtungen zu Ende. In langen Zügen trinkt man den Nektar der Unsterblichkeit und genießt die ewige Ruhe. Der Gipfel, die letzte Stufe, ist erklommen~ Nun bedarf es keiner Meditation mehr.

Unendliche Kräfte und latente Fähigkeiten ruhen im Menschen, deren er sich eigentlich niemals bewußt ist. Sie müssen durch Yoga und Meditation geweckt werden. Der Wille muß entwickelt werden, um die Sinne in Zaum zu halten. Läuterung und regelmäßige Meditation allein wecken den Übermenschen, den Gottmenschen in uns.

Wie das Licht einer Sturmwindlaterne nicht ausgeht, so brennt seit unvorstellbaren Zeiten die göttliche Flamme in unserem Herzen. Meditiere über diese göttliche Flamme, versenke dich tief in dein Herz. Dann wirst du selbst zur Flamme. Ein kurzer Docht in der Lampe läßt die Flamme nur niedrig brennen, bei einem langen flammt sie hoch auf. Ebenso wird die Offenbarung, der Ausdruck des Selbst, mächtig sein und wunderbares Licht ausstrahlen, wenn jiva, die individuelle Seele, rein ist und sich der Meditation hingibt. Ist die Seele aber unrein und nicht erneuert, wird sie nur wie Holzkohle glimmen. Wie ein starker Magnet Eisenspäne selbst in weiter Entfernung beeinflußt, so wird ein hochentwickelter Yogi großen Einfluß auch auf weit entfernte Menschen auszuüben vermögen, die in Kontakt zu ihm kommen. Der Schüler sollte beobachten, wie lange er während der Meditation alle weltlichen Gedanken ausschalten kann. Erreicht er eine Dauer von zwanzig Minuten, sollte er sie auf dreißig Minuten erhöhen und das Bewußtsein immer erneut mit Gedanken an Gott erfüllen. »Auch wenn man sich die schwersten Beschränkungen (tapas) auferlegt, wenn man zum Beispiel tausend Jahre auf einem Bein stände, so würde dies nicht einmal den sechzehnten Teil einer rechten Meditation (dhyana Yoga) aufwiegen«, heißt es in den paingala Upanishaden . Täglich muß der Geist der Entsagung (viragya), müssen Meditationen und die wesentlichen Tugenden (sattva) wie Geduld, Ausdauer, Güte, Liebe, Verzeihen usw. zunehmen. Entsagung und Tugenden fördern die Meditation, und diese wieder verstärkt die sattva-Eigenschaften.

Durch die Meditation treten beachtliche Veränderungen im Bewußtsein, im Gehirn- und Nervensystem auf. Neue Nervenströme, neue Schwingungen, neue Wege, neue Zellen und Kanäle bilden sich. Herz und Bewußtsein erneuern sich, auch die Empfindungen und Gefühle, Denken und Handeln, selbst die Auffassung vom Weltall, das zur Offenbarung Gottes wird.

Im Lauf der Meditation verfällt man in höchste Begeisterung. Es gibt fünf Arten dieser Ekstase: ein einfacher Schauer, ein schwacher, kurz anhaltender Rausch, eine Begeisterung, in die der Mensch ganz eintaucht, eine Ekstase, die den Menschen weit fortführt, und endlich eine Begeisterung, in der man völlig versinkt. Im Erschauern sträuben sich die Haare, und der Körper erbebt. Der kurze Rausch erinnert an aufleuchtende Blitze. Die Begeisterung, in die der Körper ganz eingehüllt scheint, gleicht Wogen, die sich am Strande brechen. Die Ekstase, die den Körper erhebt, läßt ihn gleichsam in der Luft schweben. Und wenn die alles durchdringende Begeisterung den Menschen erfaßt, empfindet er seinen Körper als aufgeblähte Blase.

Was auch immer der Yogi mit seinen Augen erblickt, sei ihm Atman. Was er mit seinen Ohren vernimmt, sei ihm Atman. Was er mit seiner Nase riecht, sei ihm Atman. Was er mit seiner Zunge schmeckt, sei ihm Atman. Was er mit seiner Haut berührt, sei ihm Atman. So sollte sich der Yogi ohne zu ermüden jeden Tag bemühen, seine Sinne während eines yama (drei Stunden) zu begeistern. Dann werden ihm wunderbare Kräfte verschiedenster Art zuteil wie Hellsehen, Hellhören, die Möglichkeit, in einem Augenblick weiteste Entfernungen zu durchmessen, die Macht des Wortes, die Fähigkeit, jede Gestalt anzunehmen, sich unsichtbar zu machen, und Metalle zu verwandeln.« (yogatattva upanishad)

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Siehe auch

Literatur