Atharva Shiras Upanishad

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Die Atharva Shiras Upanishad (Sanskrit अथर्वशिरोपनिषत् atharvaśiropaniṣat f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Atharva Shiras Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Shiva Upanishaden zugeordnet, da sie die Verehrung des Höchsten als Rudra zum Ausdruck bringt.

"Ich bin der Eine [welcher] zuerst war, ich bestehe und ich werde sein. Kein anderer ist außer mir vorhanden." Zitat: Atharva Shiras Up.; Rudra, Lehrbuchdarstellung, 19. Jh.

Die Atharvashiras Upanishad oder Shiva Atharvashirsha stellt Rudra als die eine Wirklichkeit aller Götter, Welten und Wesen dar. Sie gehört zum Atharvaveda und verbindet Selbstoffenbarung, Lobpreis, Deutung des Om und das Pashupata-Gelübde. Sie ist nicht mit dem Ganapati Atharvashirsha gleichzusetzen. Der Sanskritname lautet अथर्वशिरोपनिषत् (atharvaśiropaniṣat).

Sanskrittext mit Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Atharvashiras Upanishad oder Shiva Atharvashirsha stellt Rudra als die eine Wirklichkeit aller Götter, Welten und Wesen dar. Sie gehört zum Atharvaveda und verbindet Selbstoffenbarung, Lobpreis, Deutung des Om und das Pashupata-Gelübde. Sie ist nicht mit dem Ganapati Atharvashirsha gleichzusetzen. Der Sanskritname lautet अथर्वशिरोपनिषत् (atharvaśiropaniṣat).

Sammlung und das Studium der Upanishaden ergänzen sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis.

Zur Textgestalt: Diese deutsche Studienübersetzung folgt der unten verlinkten Sanskritfassung. Unnummerierte Verse und Prosasätze erhalten redaktionelle Leseüberschriften. Zusammengehörige Vershälften werden gemeinsam wiedergegeben; jeder vollständige Abschnitt hat seine eigene Übersetzung. Merkverse, Friedensgebete und Kolophone werden als eigene Textbestandteile kenntlich gemacht. In der Worterklärung sind Sandhi-Verbindungen und Zusammensetzungen nach Möglichkeit aufgelöst. Offenkundige Schreib- und Trennfehler sind berichtigt; sinnrelevante Unsicherheiten werden angegeben. Die Devanagari- und IAST-Volltexte geben denselben redaktionellen Sanskritstand wieder.

Überlieferungszuordnung

atharvavedīya śaiva upaniṣat ||

Eine shaivistische Upanishad des Atharvaveda.

Wort für Wort: atharvavedīya – zum Atharvaveda gehörig; śaiva – auf Shiva bezogen; upaniṣat – Upanishad.

Vorangestellter Merkvers

atharvaśirasāmarthamanarthaprocavācakam |
sarvādhāramanādhāraṃ svamātratraipadākṣaram ||

Der Merkvers weist auf das durch Atharvashiras erklärte Unvergängliche: Grundlage aller Dinge und selbst ohne Grundlage, allein das Selbst, dreifüßig. Die erste Vershälfte ist in der vorliegenden Lesart beschädigt.

Wort für Wort: atharvaśirasaḥ artham – Sinn des Atharvashiras; anartha-proca-vācakam – gestörte Fügung, wohl auf Aufhebung des Unheils bezogen; sarva-ādhāram – Grundlage aller; anādhāram – selbst ohne Grundlage; sva-mātra – allein das Selbst; traipada-akṣaram – dreifüßiges Unvergängliches.

Shanti-Mantra

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devā bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhirvyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen.

Wort für Wort: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ aṅgaiḥ – mit festen Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit den Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit.

Segensbitten

svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort für Wort: svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz, ein Beiname; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

1a. Die Frage der Götter

oṃ devā ha vai svargaṃ lokamāyaṃste rudramapṛcchanko bhavāniti |

Om. Die Götter gelangten zur Himmelswelt und fragten Rudra: „Wer bist du?“

Wort für Wort: devāḥ – Götter; svargam lokam āyan – gingen zur Himmelswelt; te – sie; rudram apṛcchan – fragten Rudra; kaḥ bhavān – wer bist du.

1b. Rudras Antwort

so'bravīdahamekaḥ prathamamāsaṃ vartāmi ca bhaviṣyāmi ca nānyaḥ kaścinmatto vyatirikta iti |

Er sagte: „Ich allein war am Anfang; ich bin jetzt und werde künftig sein. Niemand sonst ist von mir getrennt.“

Wort für Wort: saḥ abravīt – er sprach; aham ekaḥ prathamam āsam – ich allein war zuerst; vartāmi – bin gegenwärtig; bhaviṣyāmi – werde sein; na anyaḥ kaścit – niemand anderer; mattaḥ vyatiriktaḥ – von mir getrennt.

1c. Rudra als alles

so'ntarādantaraṃ prāviśat diśaścāntaraṃ prāviśat so'haṃ nityānityo'haṃ vyaktāvyakto brahmābrahmāhaṃ prāñcaḥ pratyañco'haṃ dakṣiṇāñca udañcohaṃ adhaścordhvaṃ cāhaṃ diśaśca pratidiśaścāhaṃ pumānapumān striyaścāhaṃ gāyatryahaṃ sāvitryahaṃ triṣṭubjagatyanuṣṭup cāhaṃ chando'haṃ gārhapatyo dakṣiṇāgnirāhavanīyo'haṃ satyo'haṃ gaurahaṃ gauryahamṛgahaṃ yajurahaṃ sāmāhamatharvāṅgiraso'haṃ jyeṣṭho'haṃ śreṣṭho'haṃ variṣṭho'hamāpo'haṃ tejo'haṃ guhyohaṃaraṇyo'hamakṣaramahaṃ kṣaramahaṃ puṣkaramahaṃ pavitramahamugraṃ ca madhyaṃ ca bahiśca purastājjyotirityahameva sarvebhyo māmeva sa sarvaḥ samāṃ yo māṃ veda sa sarvāndevānveda sarvāṃśca vedānsāṅgānapi brahma brāhmaṇaiśca gāṃ gobhirbrāhmāṇānbrāhmaṇena havirhaviṣā āyurāyuṣā satyena satyaṃ dharmeṇa dharmaṃ tarpayāmi svena tejasā |

Er drang ins Innerste und in alle Richtungen ein: „Ich bin das Ewige und Nichtewige, das Sichtbare und Unsichtbare, Brahma und Nicht-Brahma, Osten und Westen, Süden und Norden, Unten und Oben, Hauptrichtungen und Zwischenrichtungen. Ich bin Mann, Nicht-Mann und Frau; Gayatri, Savitri, Trishtubh, Jagati, Anushtubh und das Versmaß. Ich bin Hausfeuer, südliches Feuer und Opferfeuer, Wahrheit, Kuh und Gauri, Rig-, Yajur-, Sama- und Atharva-Angiras-Veda. Ich bin der Älteste, Beste und Höchste, Wasser und Licht, das Verborgene und der Wald, das Unvergängliche und Vergängliche, der Lotus, das Reine und Furchtbare, Mitte, Außen und Licht vor allem. Ich allein bin alles. Wer mich kennt, kennt alle Götter und alle Veden samt ihren Hilfslehren. Mit eigenem Glanz sättige ich Brahman durch Brahmanen, die Kuh durch Kühe, Brahmanen durch Brahmanisches, Opfergabe durch Opfergabe, Leben durch Leben, Wahrheit durch Wahrheit und Dharma durch Dharma.“ Einzelne Übergänge der Aufzählung sind sprachlich gestört.

Wort für Wort: antarāt antaram prāviśat – drang ins immer Innerlichere; diśaḥ antaram – in die Richtungen hinein; aham – ich; nitya-anityaḥ – ewig und nichtewig; vyakta-avyaktaḥ – manifest und unmanifest; brahma-abrahma – Brahma und Nicht-Brahma; prāñcaḥ pratyañcaḥ – östlich, westlich; dakṣiṇāñcaḥ udañcaḥ – südlich, nördlich; adhaḥ ūrdhvam – unten, oben; diśaḥ pratidiśaḥ – Richtungen, Zwischenrichtungen; pumān apumān strī – Mann, Nicht-Mann, Frau; gāyatrī sāvitrī triṣṭubh jagatī anuṣṭubh chandas – Mantras und Versmaße; gārhapatya-dakṣiṇāgni-āhavanīya – drei Opferfeuer; satya – Wahrheit; gauḥ gaurī – Kuh, Gauri; ṛg-yajus-sāma-atharvāṅgiras – vier Veden; jyeṣṭha-śreṣṭha-variṣṭha – ältester, bester, höchster; āpaḥ tejaḥ – Wasser, Licht; guhya-araṇya – verborgen, Wald; akṣara-kṣara – unvergänglich, vergänglich; puṣkara-pavitra-ugra – Lotus, rein, furchtbar; madhya-bahiḥ-purastāt-jyotis – Mitte, außen, vorderes Licht; yaḥ mām veda – wer mich kennt; sarvān devān vedān sa-aṅgān – alle Götter, Veden samt Gliedern; brahma brāhmaṇaiḥ – Brahman mit Brahmanen; gām gobhiḥ – Kuh mit Kühen; brāhmaṇān brāhmaṇena – Brahmanen durch Brahmanisches; haviḥ haviṣā – Gabe mit Gabe; āyuḥ āyuṣā – Leben mit Leben; satyena satyam – Wahrheit mit Wahrheit; dharmeṇa dharmam – Dharma mit Dharma; tarpayāmi svena tejasā – sättige mit eigenem Glanz.

1d. Die Götter suchen Rudra

tato ha vai te devā rudramapṛcchan te devā rudramapaśyan |

Darauf fragten die Götter Rudra und schauten nach ihm. Die Lesart „apaśyan“ bedeutet „sie sahen“; Vergleichsübersetzungen setzen hier teils ein Nicht-mehr-Sehen voraus.

Wort für Wort: te devāḥ – diese Götter; rudram apṛcchan – fragten Rudra; apaśyan – sahen; die im Kontext vertretene negative Deutung ist nicht eindeutig im vorliegenden Wortlaut markiert.

1e. Der Lobpreis beginnt

te devā rudramadhyāyan tato devā ūrdhvabāhavo rudraṃ stuvanti || 1 ||

Die Götter meditierten über Rudra. Dann erhoben sie die Arme und priesen ihn.

Wort für Wort: te devāḥ – die Götter; rudram adhyāyan – meditierten über Rudra; tataḥ – darauf; ūrdhva-bāhavaḥ – mit erhobenen Armen; rudram stuvanti – preisen Rudra.

2.1. Rudra als Brahma

oṃ yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca brahmā tasmai vai namonamaḥ || 1 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Brahma. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; brahmā – Brahma; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.2. Rudra als Vishnu

yo vai rudraḥ sa bhagavān yaśca viṣṇustasmai vai namonamaḥ || 2 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Vishnu. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; viṣṇuḥ – Vishnu; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.3. Rudra als Skanda

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca skandastasmai vai namonamaḥ || 3 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Skanda. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; skandaḥ – Skanda; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.4. Rudra als Indra

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaścendrastasmai vai namonamaḥ || 4 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Indra. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; indraḥ – Indra; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.5. Rudra als Agni

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaścāgnistasmai vai namonamaḥ || 5 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Agni. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; agniḥ – Agni; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.6. Rudra als Vayu

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca vāyustasmai vai namonamaḥ || 6 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Vayu. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; vāyuḥ – Vayu; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.7. Rudra als Surya

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca sūryastasmai vai namonamaḥ || 7 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Surya. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; sūryaḥ – Surya; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.8. Rudra als Soma

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca somastasmai vai namonamaḥ || 8 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Soma. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; somaḥ – Soma; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.9. Rudra als die acht Ergreifer

yo vai rudraḥ sa bhagavānye cāṣṭau grahāstasmai vai namonamaḥ || 9 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die acht Ergreifer. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; aṣṭau grahāḥ – die acht Ergreifer; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.10. Rudra als die acht Gegenergreifer

yo vai rudraḥ sa bhagavānye cāṣṭau pratigrahāstasmai vai namonamaḥ || 10 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die acht Gegenergreifer. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; aṣṭau pratigrahāḥ – die acht Gegenergreifer; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.11. Rudra als Bhuh

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca bhūstasmai vai namonamaḥ || 11 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Bhuh. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; bhūḥ – Bhuh; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.12. Rudra als Bhuvah

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca bhuvastasmai vai namonamaḥ || 12 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Bhuvah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; bhuvaḥ – Bhuvah; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.13. Rudra als Svah

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca svastasmai vai namonamaḥ || 13 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Svah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; svaḥ – Svah; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.14. Rudra als Mahah

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca mahastasmai vai namonamaḥ || 14 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Mahah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; mahaḥ – Mahah; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.15. Rudra als die Erde

yo vai rudraḥ sa bhagavānyā ca pṛthivī tasmai vai namonamaḥ || 15 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Erde. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; pṛthivī – die Erde; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.16. Rudra als der Zwischenraum

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccāntarikṣaṃ tasmai vai namonamaḥ || 16 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Zwischenraum. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; antarikṣam – der Zwischenraum; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.17. Rudra als der Himmel

yo vai rudraḥ sa bhagavānyā ca dyaustasmai vai namonamaḥ || 17 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Himmel. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; dyauḥ – der Himmel; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.18. Rudra als die Wasser

yo vai rudraḥ sa bhagavānyāścāpastasmai vai namonamaḥ || 18 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Wasser. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; āpaḥ – die Wasser; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.19. Rudra als das Feuerlicht

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca tejastasmai vai namonamaḥ || 19 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Feuerlicht. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; tejaḥ – das Feuerlicht; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.20. Rudra als die Zeit

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca kālastasmai vai namonamaḥ || 20 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Zeit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; kālaḥ – die Zeit; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.21. Rudra als Yama

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca yamastasmai vai namonamaḥ || 21 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Yama. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; yamaḥ – Yama; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.22. Rudra als der Tod

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca mṛtyustasmai vai namonamaḥ || 22 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Tod. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; mṛtyuḥ – der Tod; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.23. Rudra als die Unsterblichkeit

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccāmṛtaṃ tasmai vai namonamaḥ || 23 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Unsterblichkeit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; amṛtam – die Unsterblichkeit; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.24. Rudra als der Raum

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccākāśaṃ tasmai vai namonamaḥ || 24 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Raum. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; ākāśam – der Raum; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.25. Rudra als das Weltall

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca viśvaṃ tasmai vai namonamaḥ || 25 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Weltall. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; viśvam – das Weltall; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.26. Rudra als das Grobe

yo vai rudraḥ sa bhagavānyācca sthūlaṃ tasmai vai namonamaḥ || 26 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Grobe. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; sthūlam – das Grobe; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.27. Rudra als das Feine

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca sūkṣmaṃ tasmai vai namonamaḥ || 27 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Feine. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; sūkṣmam – das Feine; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.28. Rudra als das Helle

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca śuklaṃ tasmai namonamaḥ || 28 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Helle. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; śuklam – das Helle; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.29. Rudra als das Dunkle

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca kṛṣṇaṃ tasmai vai namonamaḥ || 29 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Dunkle. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; kṛṣṇam – das Dunkle; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.30. Rudra als das Ganze

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca kṛtsnaṃ tasmai vai namonamaḥ || 30 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Ganze. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; kṛtsnam – das Ganze; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.31. Rudra als die Wahrheit

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca satyaṃ tasmai vai namonamaḥ || 31 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Wahrheit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; satyam – die Wahrheit; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

2.32. Rudra als alles

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca sarvaṃ tasmai vai namonamaḥ || 32 || || 2 ||

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch alles. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ vai rudraḥ – wer Rudra ist; saḥ bhagavān – er ist der erhabene Herr; yaḥ/yat/yāḥ ca – und wer beziehungsweise was; sarvam – alles; tasmai – diesem; vai – wahrlich; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

3a. Die kosmische Gestalt

bhūste ādirmadhyaṃ bhuvaḥ svaste śīrṣaṃ viśvarūpo'si brahmaikastvaṃ dvidhā tridhā vṛddhistaṃ śāntistvaṃ puṣṭistvaṃ hutamahutaṃ dattamadattaṃ sarvamasarvaṃ viśvamaviśvaṃ kṛtamakṛtaṃ paramaparaṃ parāyaṇaṃ ca tvam |

Bhuh ist dein Anfang, Bhuvah deine Mitte, Svah dein Haupt. Du bist allgestaltig, das eine Brahman, zweifach und dreifach entfaltet. Du bist Wachstum, Frieden, Gedeihen, Geopfertes und Nichtgeopfertes, Gegebenes und Nichtgegebenes, Alles und Nichtalles, Welt und Nichtwelt, Gemachtes und Ungemachtes, Höheres, Niederes und die höchste Zuflucht.

Wort für Wort: bhūḥ te ādiḥ – Bhuh dein Anfang; madhyam bhuvaḥ – Bhuvah Mitte; svaḥ te śīrṣam – Svah dein Haupt; viśva-rūpaḥ asi – allgestaltig bist du; brahma ekaḥ tvam – du ein Brahman; dvidhā tridhā – zweifach, dreifach; vṛddhiḥ – Wachstum; śāntiḥ – Frieden; puṣṭiḥ – Gedeihen; huta-ahutam – geopfert/nicht geopfert; datta-adattam – gegeben/nicht gegeben; sarva-asarvam – alles/nicht alles; viśva-aviśvam – Welt/nicht Welt; kṛta-akṛtam – gemacht/ungemacht; para-aparam – höher/niederer; parāyaṇam ca tvam – und Zuflucht bist du.

3b. Der Soma-Vers

apāma somamamṛtā abhūmāganma jyotiravidāma devān |
kiṃ nūnamasmānkṛṇavadarātiḥ kimu dhūrtiramṛtaṃ mārtyasya |

Wir haben Soma getrunken und sind unsterblich geworden; wir sind zum Licht gelangt und haben die Götter erkannt. Was kann Feindseligkeit uns jetzt noch antun, was der Angriff eines Sterblichen dem Unsterblichen?

Wort für Wort: apāma somam – wir tranken Soma; amṛtāḥ abhūma – wurden unsterblich; aganma jyotiḥ – gelangten zum Licht; avidāma devān – erkannten die Götter. kim nūnam asmān kṛṇavat – was könnte uns nun antun; arātiḥ – Feindseligkeit; kim u – was denn; dhūrtiḥ – Angriff, Schädigung; amṛtam – den Unsterblichen; mārtyasya – eines Sterblichen.

3d. Der feine Purusha

somasūryapurastāt sūkṣmaḥ puruṣaḥ |

Vor Mond und Sonne steht der feine Purusha.

Wort für Wort: soma-sūrya-purastāt – vor Mond und Sonne; sūkṣmaḥ – fein; puruṣaḥ – geistiges Wesen.

3e. Die Rücknahme der Welt

sarvaṃ jagaddhitaṃ vā etadakṣaraṃ prājāpatyaṃ sūkṣmaṃ saumyaṃ puruṣaṃ grāhyamagrāhyeṇa bhāvaṃ bhāvena saumyaṃ saumyena sūkṣmaṃ sūkṣmeṇa vāyavyaṃ vāyavyena grasati svena tejasā tasmādupasaṃhartre mahāgrāsāya vai namo namaḥ |

Diese ganze Welt ist in ihm gegründet: dem unvergänglichen, zu Prajapati gehörenden, feinen und milden Purusha. Mit eigenem Glanz nimmt er Ergreifbares ins Nichtergreifbare zurück, Zustand in Zustand, Mildes in Mildes, Feines in Feines und Lufthaftes in Lufthaftes. Diesem Einziehenden, großen Verschlinger sei immer wieder Verehrung. Die Parallelglieder sind teilweise verkürzt überliefert.

Wort für Wort: sarvam jagat hitam – ganze Welt darin niedergelegt; akṣaram – unvergänglich; prājāpatyam – Prajapati zugehörig; sūkṣmam saumyam puruṣam – feiner, milder Purusha; grāhyam agrāhyeṇa – Ergreifbares durch Nichtergreifbares; bhāvam bhāvena – Zustand durch Zustand; saumyam saumyena – Mildes durch Mildes; sūkṣmam sūkṣmeṇa – Feines durch Feines; vāyavyam vāyavyena – Lufthaftes durch Lufthaftes; grasati – verschlingt; svena tejasā – mit eigenem Glanz; upasaṃhartre – dem Einziehenden; mahāgrāsāya – großen Verschlinger; namo namaḥ – wiederholte Verehrung.

3f. Alle Kräfte im Herzen

hṛdisthā devatāḥ sarvā hṛdi prāṇāḥ pratiṣṭhitāḥ |
hṛdi tvamasi yo nityaṃ tisro mātrāḥ parastu saḥ |

Alle Gottheiten wohnen im Herzen; alle Lebenskräfte sind im Herzen gegründet. Du bist stets im Herzen; doch er steht jenseits der drei Lautteile.

Wort für Wort: hṛt-sthāḥ – im Herzen wohnend; devatāḥ sarvāḥ – alle Gottheiten; hṛdi – im Herzen; prāṇāḥ pratiṣṭhitāḥ – Lebenskräfte gegründet. hṛdi tvam asi – im Herzen bist du; yaḥ nityam – der stets; tisraḥ mātrāḥ – drei Lautmaße; paraḥ tu saḥ – er aber jenseits.

3h. Vom Om zum höchsten Herrn

tasyottarataḥ śiro dakṣiṇataḥ pādau ya uttarataḥ sa oṅkāraḥ ya oṅkāraḥ sa praṇavaḥ yaḥ praṇavaḥ sa sarvavyāpī yaḥ sarvavyāpī so'nantaḥ yo'nantastattāraṃ yattāraṃ tatsūkṣmaṃ tacchuklaṃ yacchuklaṃ tadvaidyutaṃ yadvaidyutaṃ tatparaṃ brahma yatparaṃ brahma sa ekaḥ ya ekaḥ sa rudraḥ ya rudraḥ yo rudraḥ sa īśānaḥ ya īśānaḥ sa bhagavān maheśvaraḥ || 3 ||

Sein Haupt ist oben, seine Füße unten. Was oben ist, ist Om; Om ist Pranava; Pranava ist allgegenwärtig; das Allgegenwärtige ist unendlich; das Unendliche führt hinüber; das Hinüberführende ist fein und hell; das Helle ist blitzartig; das Blitzartige ist höchstes Brahman. Höchstes Brahman ist das Eine; das Eine ist Rudra; Rudra ist Ishana; Ishana ist der erhabene Maheshvara.

Wort für Wort: uttarataḥ śiraḥ – Haupt oben beziehungsweise nördlich; dakṣiṇataḥ pādau – Füße unten beziehungsweise südlich; oṅkāraḥ – Om-Laut; praṇavaḥ – heiliger Urlaut; sarva-vyāpī – alles durchdringend; anantaḥ – unbegrenzt; tāram – hinüberführend; sūkṣmam – fein; śuklam – hell; vaidyutam – blitzartig; param brahma – höchstes Brahman; ekaḥ – einer; rudraḥ – Rudra; īśānaḥ – herrschender Herr; bhagavān maheśvaraḥ – erhabener großer Herr.

4a. Warum Om?

atha kasmāducyata oṅkāro yasmāduccāryamāṇa eva prāṇānūrdhvamutkrāmayati tasmāducyate oṅkāraḥ |

Warum heißt er Om? Weil er schon beim Aussprechen die Lebenskräfte aufwärtssteigen lässt, heißt er Om.

Wort für Wort: atha kasmāt ucyate – warum wird genannt; oṅkāraḥ – Om; yasmāt uccāryamāṇaḥ eva – weil schon ausgesprochen; prāṇān ūrdhvam utkrāmayati – Lebenskräfte aufwärtssteigen lässt; tasmāt – deshalb.

4b. Warum Pranava?

atha kasmāducyate praṇavaḥ yasmāduccāryamāṇa eva ṛgyajuḥsāmātharvāṅgirasaṃ brahma brāhmaṇebhyaḥ praṇāmayati nāmayati ca tasmāducyate praṇavaḥ |

Warum Pranava? Weil der ausgesprochene Laut den Brahmanen das Brahman in Rig-, Yajur-, Sama- und Atharva-Angiras-Veda näherbringt und zur Verneigung führt.

Wort für Wort: praṇavaḥ – Pranava; uccāryamāṇaḥ – ausgesprochen; ṛg-yajus-sāma-atharvāṅgirasam brahma – Brahman in vier Veden; brāhmaṇebhyaḥ – den Brahmanen; praṇāmayati nāmayati ca – lässt sich zuneigen, neigt; tasmāt ucyate – darum genannt.

4c. Warum allgegenwärtig?

atha kasmāducyate sarvavyāpī yasmāduccāryamāṇa eva sarvāṃlokānvyāpnoti sneho yathā palalapiṇḍamiva śāntarūpamotaprotamanuprāpto vyatiṣaktaśca tasmāducyate sarvavyāpī |

Weil der ausgesprochene Laut alle Welten durchdringt, wie Öl eine Sesammasse durchdringt: in friedvoller Gestalt als Kette und Schuss eingewebt, überall eingegangen und verbunden.

Wort für Wort: sarvān lokān vyāpnoti – alle Welten durchdringt; snehaḥ – Öl; yathā palala-piṇḍam iva – wie eine Sesammasse; śānta-rūpam – friedvolle Gestalt; ota-protam – eingewebt; anuprāptaḥ – eingegangen; vyatiṣaktaḥ – verbunden; sarva-vyāpī – allgegenwärtig.

4d. Warum unendlich?

atha kasmāducyate'nanto yasmāduccāryamāṇa eva tiryagūrdhvamadhastāccāsyānto nopalabhyate tasmāducyate'nantaḥ |

Weil beim Aussprechen weder seitwärts noch oben noch unten eine Grenze von ihm gefunden wird, heißt er unendlich.

Wort für Wort: tiryak – seitwärts; ūrdhvam – oben; adhastāt – unten; asya antaḥ – sein Ende; na upalabhyate – wird nicht gefunden; anantaḥ – ohne Ende.

4e. Warum hinüberführend?

atha kasmāducyate tāraṃ yasmāduccāramāṇa eva garbhajanmavyādhijarāmaraṇasaṃsāramahābhayāttārayati trāyate ca tasmāducyate tāram |

Weil der ausgesprochene Laut über die große Furcht des Samsara – Mutterleib, Geburt, Krankheit, Alter und Tod – hinüberführt und davor schützt.

Wort für Wort: garbha-janma-vyādhi-jarā-maraṇa – Mutterleib, Geburt, Krankheit, Alter, Tod; saṃsāra-mahā-bhayāt – aus großer Samsara-Furcht; tārayati – führt hinüber; trāyate – schützt; tāram – hinüberführend.

4f. Warum hell?

atha kasmāducyate śuklaṃ yasmāduccāryamāṇa eva klandate klāmayati ca tasmāducyate śuklam |

Warum heißt er hell? Die überlieferte Begründung lautet mit unsicheren Verben: Er macht feucht beziehungsweise löst auf und lässt ermüden. Eine sichere Herleitung des Namens ist daraus nicht zu gewinnen.

Wort für Wort: śuklam – hell, weiß; uccāryamāṇaḥ eva – schon beim Aussprechen; klandate – unklare Form, wohl befeuchten oder auflösen; klāmayati – lässt ermüden; tasmāt ucyate – darum genannt.

4g. Warum fein?

atha kasmāducyate sūkṣmaṃ yasmāduccāryamāṇa eva sūkṣmo bhūtvā śarīrāṇyadhitiṣṭhati sarvāṇi cāṅgānyamimṛśati tasmāducyate sūkṣmam |

Weil er beim Aussprechen fein wird, in allen Körpern wohnt und sämtliche Glieder durchdringt, heißt er fein.

Wort für Wort: sūkṣmaḥ bhūtvā – fein geworden; śarīrāṇi adhitiṣṭhati – wohnt in Körpern; sarvāṇi aṅgāni – alle Glieder; amimṛśati – berührt, durchdringt; sūkṣmam – fein.

4h. Warum blitzartig?

atha kasmāducyate vaidyutaṃ yasmāduccāryamāṇa eva vyakte mahati tamasi dyotayati tasmāducyate vaidyutam |

Weil er beim Aussprechen in der ausgebreiteten großen Dunkelheit aufleuchtet, heißt er blitzartig.

Wort für Wort: vyakte mahati tamasi – in der ausgebreiteten großen Dunkelheit; dyotayati – leuchtet, erhellt; vaidyutam – blitzartig.

4i. Warum höchstes Brahman?

atha kasmāducyate paraṃ brahma yasmātparamaparaṃ parāyaṇaṃ ca bṛhadbṛhatyā bṛṃhayati tasmāducyate paraṃ brahma |

Weil er Höheres, Niederes und letzte Zuflucht durch seine Größe wachsen und sich entfalten lässt, heißt er höchstes Brahman.

Wort für Wort: param aparam parāyaṇam ca – Höheres, Niederes, letzte Zuflucht; bṛhat bṛhatyā – Großes durch Größe; bṛṃhayati – lässt wachsen; param brahma – höchstes Brahman.

4j. Warum der Eine?

atha kasmāducyate ekaḥ yaḥ sarvānprāṇānsaṃbhakṣya saṃbhakṣaṇenājaḥ saṃsṛjati visṛjati tīrthameke vrajanti tīrthameke dakṣiṇāḥ pratyañca udañcaḥ prāñco'bhivrajantyeke teṣāṃ sarveṣāmiha sadgatiḥ |

Er zieht alle Lebenskräfte ein und lässt sie als Ungeborener erneut entstehen und hervortreten. Manche suchen heilige Übergänge im Süden, Westen, Norden oder Osten; für alle ist hier das wahre Ziel.

Wort für Wort: ekaḥ – einer; sarvān prāṇān saṃbhakṣya – alle Lebenskräfte eingezogen; saṃbhakṣaṇena – durch Einziehen; ajaḥ – ungeboren; saṃsṛjati visṛjati – erschafft und entlässt; tīrtham eke vrajanti – manche gehen zum heiligen Übergang; dakṣiṇāḥ pratyañcaḥ udañcaḥ prāñcaḥ – Süden, Westen, Norden, Osten; teṣām sarveṣām iha sadgatiḥ – für alle hier das wahre Ziel.

4k. Der Eine in allen

sākaṃ sa eko bhūtaścarati prajānāṃ tasmāducyata ekaḥ |

Als Einer bewegt er sich gemeinsam mit allen Geschöpfen; darum heißt er der Eine.

Wort für Wort: sākam – gemeinsam; sa ekaḥ bhūtaḥ – er, einer geworden; carati prajānām – bewegt sich unter den Geschöpfen; tasmāt ucyate ekaḥ – darum Einer genannt.

4l. Warum Rudra?

atha kasmāducyate rudraḥ yasmādṛṣibhirnānyairbhaktairdrutamasya rūpamupalabhyate tasmāducyate rudraḥ |

Weil seine Gestalt von Sehern und hingebungsvollen Menschen rasch erkannt wird, von anderen aber nicht, heißt er Rudra. Der Text spielt mit „ṛṣi“ und „drutam“.

Wort für Wort: ṛṣibhiḥ – durch Seher; na anyaiḥ – nicht durch andere; bhaktaiḥ – durch Hingebungsvolle; drutam – rasch; asya rūpam upalabhyate – seine Gestalt erkannt; rudraḥ – Rudra.

4m. Warum Ishana?

atha kasmāducyate īśānaḥ yaḥ sarvāndevānīśate īśānībhirjananībhiśca paramaśaktibhiḥ |

Er heißt Ishana, weil er durch seine herrschenden, hervorbringenden höchsten Kräfte alle Götter lenkt.

Wort für Wort: īśānaḥ – Herrscher; yaḥ sarvān devān īśate – der über alle Götter herrscht; īśānībhiḥ jananībhiḥ ca – durch herrschende und gebärende Kräfte; parama-śaktibhiḥ – höchste Kräfte.

4n. Vedischer Anruf, erster Teil

amitvā śūra ṇo numo dugdhā iva dhenavaḥ |

„Dich, Held, rufen und preisen wir wie Milchkühe.“ Die erste Wortfügung ist in der überlieferten Fassung gestört.

Wort für Wort: ami tvā – unklare Fügung, an dich gerichtet; śūra – Held; naḥ – uns, unsere; numaḥ – wir preisen; dugdhāḥ iva dhenavaḥ – wie gemolkene beziehungsweise milchende Kühe.

4o. Vedischer Anruf, zweiter Teil

īśānamasya jagataḥ svardṛśamīśānamindra tasthiṣa iti tasmāducyate īśānaḥ |

„Als Herrn dieser Welt, der das Himmelslicht schaut, haben wir dich, Indra, als Herrscher aufgestellt.“ Darum heißt er Ishana.

Wort für Wort: īśānam asya jagataḥ – Herrn dieser Welt; svaḥ-dṛśam – Himmelslicht schauend; īśānam indra – als Herrscher, Indra; tasthiṣa – aufgestellt, unregelmäßige Form; tasmāt ucyate īśānaḥ – darum Ishana genannt.

4p. Warum Bhagavan Maheshvara?

atha kasmāducyate bhagavānmaheśvaraḥ yasmādbhaktā jñānena bhajantyanugṛhṇāti ca vācaṃ saṃsṛjati visṛjati ca sarvānbhāvānparityajyātmajñānena yogeśvairyeṇa mahati mahīyate tasmāducyate bhagavānmaheśvaraḥ |

Die Hingebungsvollen verehren ihn durch Erkenntnis, und er gewährt Gnade. Er bringt Sprache hervor und entlässt sie wieder. Nach dem Loslassen aller begrenzten Zustände wird er durch Selbsterkenntnis und die Herrlichkeit des Yoga als der Große erkannt. Deshalb heißt er Bhagavan Maheshvara.

Wort für Wort: bhaktāḥ jñānena bhajanti – Verehrer verehren durch Erkenntnis; anugṛhṇāti – gewährt Gnade; vācam saṃsṛjati visṛjati – bringt Sprache hervor und entlässt; sarvān bhāvān parityajya – alle Zustände losgelassen; ātma-jñānena – durch Selbsterkenntnis; yoga-aiśvaryeṇa – durch Yoga-Herrlichkeit; mahati mahīyate – als Großes verherrlicht; bhagavān maheśvaraḥ – erhabener großer Herr.

4q. Schluss der Namenserklärung

tadetadrudracaritam || 4 ||

Dies ist die Darstellung Rudras.

Wort für Wort: tat etat – eben dies; rudra-caritam – Rudras Wirken, Darstellung.

5a. Der eine Gott

eko ha devaḥ pradiśo nu sarvāḥ pūrvo ha jātaḥ sa u garbhe antaḥ |
sa eva jātaḥ janiṣyamāṇaḥ pratyaṅjanāstiṣṭhati sarvatomukhaḥ |

Der eine Gott durchdringt alle Richtungen. Vor allem geboren, ist er im Inneren des Mutterleibs gegenwärtig. Er ist das Geborene und das künftig Geborene; allen zugewandt steht er im Inneren der Menschen.

Wort für Wort: ekaḥ devaḥ – ein Gott; pradiśaḥ sarvāḥ – alle Richtungen; pūrvaḥ jātaḥ – zuvor geboren; saḥ garbhe antaḥ – er im Mutterleib. sa eva jātaḥ – er das Geborene; janiṣyamāṇaḥ – künftig geboren; pratyaṅ janān tiṣṭhati – steht Menschen innerlich gegenüber; sarvataḥ-mukhaḥ – nach allen Seiten blickend.

5c. Kein Zweiter

eko rudro na dvitīyāya tasmai ya imāṃllokānīśata īśanībhiḥ |
pratyaṅjanāstiṣṭhati saṃcukocāntakāle saṃsṛjya viśvā bhuvanāni goptā |

Rudra ist einer; kein Zweiter steht neben ihm. Mit seinen herrschenden Kräften regiert er diese Welten. Er steht im Inneren der Menschen. Als Beschützer erschafft er alle Welten und zieht sie am Ende der Zeit wieder zusammen.

Wort für Wort: ekaḥ rudraḥ – ein Rudra; na dvitīyāya tasmai – kein Zweiter neben ihm; imān lokān īśate – beherrscht diese Welten; īśanībhiḥ – durch herrschende Kräfte. pratyaṅ janān tiṣṭhati – steht im Inneren der Menschen; saṃcukoca anta-kāle – zog am Ende zusammen; saṃsṛjya viśvā bhuvanāni – alle Welten geschaffen; goptā – Beschützer.

5e. Ursprung aller Ursprünge

yo yoniṃ yonimadhitiṣṭhatityeko yenedaṃ sarvaṃ vicarati sarvam |
tamīśānaṃ puruṣaṃ devamīḍyaṃ nicāyyemāṃ śāntimatyantameti |

Er allein wohnt in jedem Ursprung; durch ihn bewegt sich dieses ganze All. Wer diesen Herrn, Purusha und lobwürdigen Gott erkennt, erlangt den äußersten Frieden.

Wort für Wort: yaḥ yonim yonim adhitiṣṭhati – der in jedem Ursprung wohnt; ekaḥ – allein; yena idam sarvam vicarati – durch den dieses Ganze sich bewegt. tam īśānam puruṣam devam īḍyam – diesen Herrn, Purusha, lobwürdigen Gott; nicāyya – erkannt habend; imām śāntim atyantam eti – erreicht diesen höchsten Frieden.

5g. Sammlung in Rudra

kṣamāṃ hitvā hetujālāsya mūlaṃ buddhyā sañcitaṃ sthāpayitvā tu rudre |
rudramekatvamāhuḥ śāśvataṃ vai purāṇamiṣamūrjeṇa paśavo'nunāmayantaṃ mṛtyupāśān |

Man lasse die Bindung an die Erde beziehungsweise Duldung los und richte den durch den Intellekt gesammelten Grund des Ursachennetzes auf Rudra. Die Lesart „kṣamā“ und die Syntax sind unsicher. Rudra wird die Einheit genannt, ewig und uralt. Die weitere Fügung verbindet Nahrung, Kraft, gebundene Wesen und das Beugen der Todesschlingen; ihr genauer Satzbau ist beschädigt.

Wort für Wort: kṣamām hitvā – Erde beziehungsweise Duldung losgelassen; hetu-jālasya mūlam – Grund des Ursachennetzes; buddhyā sañcitam – durch den Intellekt gesammelt; sthāpayitvā rudre – in Rudra gegründet. rudram ekatvam āhuḥ – nennen Rudra Einheit; śāśvatam purāṇam – ewig, uralt; iṣam ūrjeṇa – Nahrung durch Kraft; paśavaḥ – gebundene Wesen; anunāmayantam – niederbeugend; mṛtyu-pāśān – Todesschlingen.

5i. Die halbe vierte Lautdauer

tadetenātmannetenārdhacaturthena mātreṇa śāntiṃ saṃsṛjanti paśupāśavimokṣaṇam |

Durch dieses Selbst, durch das halbe vierte Lautmaß, gelangen sie zum Frieden: zur Lösung der Fesseln der gebundenen Wesen.

Wort für Wort: etena ātmanā – durch dieses Selbst; ardha-caturthena mātreṇa – mit halbem viertem Lautmaß; śāntim saṃsṛjanti – bringen Frieden hervor; paśu-pāśa-vimokṣaṇam – Lösung der Fesseln gebundener Wesen.

5j. Das erste Lautmaß

yā sā prathamā mātrā brahmadevatyā raktā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchetbrahmapadam |

Das erste Lautmaß gehört Brahma und ist rot. Wer stets darüber meditiert, gelangt zum Stand Brahmas.

Wort für Wort: prathamā mātrā – erstes Lautmaß; brahma-devatyā – Brahma als Gottheit; raktā varṇena – rotfarbig; yaḥ tām dhyāyate nityam – wer stets darüber meditiert; brahma-padam gacchet – erreicht Brahmas Stand.

5k. Das zweite Lautmaß

yā sā dvitīyā mātrā viṣṇudevatyā kṛṣṇā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchedvaiṣṇavaṃ padam |

Das zweite Lautmaß gehört Vishnu und ist dunkel. Wer stets darüber meditiert, gelangt zu Vishnus Stand.

Wort für Wort: dvitīyā mātrā – zweites Lautmaß; viṣṇu-devatyā – Vishnu als Gottheit; kṛṣṇā varṇena – dunkelfarbig; nityam dhyāyate – meditiert stets; vaiṣṇavam padam gacchet – erreicht Vishnu-Stand.

5l. Das dritte Lautmaß

yā sā tṛtīyā mātrā īśānadevatyā kapilā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchedaiśānaṃ padam |

Das dritte Lautmaß gehört Ishana und ist gelbbraun. Wer stets darüber meditiert, gelangt zu Ishanas Stand.

Wort für Wort: tṛtīyā mātrā – drittes Lautmaß; īśāna-devatyā – Ishana als Gottheit; kapilā varṇena – gelbbraun; dhyāyate nityam – meditiert stets; aiśānam padam gacchet – erreicht Ishana-Stand.

5m. Das halbe vierte Lautmaß

yā sārdhacaturthī mātrā sarvadevatyā'vyaktībhūtā khaṃ vicarati śuddhā sphaṭikasannibhā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchetpadamanāmayam |

Das halbe vierte Lautmaß gehört allen Gottheiten, ist unmanifestiert und bewegt sich im Raum, rein wie Kristall. Wer stets darüber meditiert, gelangt zum leidfreien Zustand.

Wort für Wort: ardha-caturthī mātrā – halbes viertes Lautmaß; sarva-devatyā – allen Gottheiten zugehörig; avyaktībhūtā – unmanifestiert geworden; kham vicarati – bewegt sich im Raum; śuddhā sphaṭika-sannibhā – rein wie Kristall; dhyāyate nityam – meditiert stets; padam anāmayam gacchet – erreicht leidfreien Stand.

5n. Der höhere Weg

tadetadupāsīta munayo vāgvadanti na tasya grahaṇamayaṃ panthā vihita uttareṇa yena devā yānti yena pitaro yena ṛṣayaḥ paramaparaṃ parāyaṇaṃ ceti |

Darüber soll man meditieren. Die Weisen sprechen davon, doch bloßes Reden erfasst es nicht. Dies ist der höhere Weg der Götter, Ahnen und Seher, das Höhere, Niedere und die letzte Zuflucht.

Wort für Wort: tat etat upāsīta – darüber meditiere man; munayaḥ vāk vadanti – Weise sprechen Worte; na tasya grahaṇam – kein Erfassen dessen; ayam panthāḥ vihitaḥ uttareṇa – dieser als höher bestimmte Weg; yena devāḥ yānti – auf dem Götter gehen; pitaraḥ ṛṣayaḥ – Ahnen, Seher; param aparam parāyaṇam – Höheres, Niederes, Zuflucht.

5o. Das Licht im Herzen

vālāgramātraṃ hṛdayasya madhye viśvaṃ devaṃ jātarūpaṃ vareṇyam |
tamātmasthaṃ yenu paśyanti dhīrāsteṣāṃ śāntirbhavati netareṣām |

Wie eine Haarspitze fein, mitten im Herzen, ist der allgestaltige, goldglänzende und verehrungswürdige Gott. Die Weisen, die ihn im eigenen Selbst schauen, finden Frieden; andere nicht.

Wort für Wort: vāla-agra-mātram – haarspitzenfein; hṛdayasya madhye – mitten im Herzen; viśvam devam – allgestaltiger Gott; jāta-rūpam – goldglänzend; vareṇyam – verehrungswürdig. tam ātma-stham – ihn im Selbst wohnend; paśyanti dhīrāḥ – Weise schauen; teṣām śāntiḥ bhavati – ihnen wird Frieden; na itareṣām – nicht den anderen; yenu – überlieferte fehlerhafte Verbindungsform.

5q. Die Leidenschaften aufgeben

yasminkrodhaṃ yāṃ ca tṛṣṇāṃ kṣamāṃ cākṣamāṃ hitvā hetujālasya mūlam |
buddhyā saṃcitaṃ sthāpayitvā tu rudre rudramekatvamāhuḥ |

Man lasse Zorn, Durst nach Erfahrung, Duldung und Ungeduld sowie die Wurzel des Ursachennetzes los und gründe das durch den Intellekt Gesammelte in Rudra. Rudra nennen sie die Einheit.

Wort für Wort: krodham – Zorn; tṛṣṇām – Durst, Begehren; kṣamām akṣamām – Duldung und Unduldsamkeit; hitvā – aufgegeben; hetu-jālasya mūlam – Grund des Ursachennetzes. buddhyā sañcitam – durch den Intellekt gesammelt; sthāpayitvā rudre – in Rudra gegründet; rudram ekatvam āhuḥ – Rudra nennen sie Einheit.

5s. Rudra als Lenker

rudro hi śāśvatena vai purāṇeneṣamūrjeṇa tapasā niyantā |

Rudra lenkt durch ewige, ursprüngliche Nahrung und Kraft sowie durch Askese.

Wort für Wort: rudraḥ – Rudra; śāśvatena purāṇena – durch Ewiges, Ursprüngliches; iṣam ūrjeṇa – Nahrung und Kraft, Kasusfügung verkürzt; tapasā – durch Askese; niyantā – Lenker.

5t. Das Pashupata-Gelübde

agniriti bhasma vāyuriti bhasma jalamiti bhasma sthalamiti bhasma vyometi bhasma sarvaṃha vā idaṃ bhasma mana etāni cakṣūṃṣi yasmādvratamidaṃ pāśupataṃ yadbhasmanāṅgāni saṃspṛśettasmādbrahma tadetatpāśupataṃ paśupāśa vimokṣaṇāya || 5 ||

Feuer ist Asche, Wind ist Asche, Wasser ist Asche, Erde ist Asche, Raum ist Asche; wahrlich, all dies ist Asche. Die folgende Wendung nennt Geist und Augen. Dieses Pashupata-Gelübde besteht darin, die Glieder mit Asche zu berühren; es ist auf Brahman und die Lösung der Fesseln der Wesen gerichtet. „Bhasma nāṅgāni“ wird dabei als „bhasmanā aṅgāni“, mit Asche die Glieder, gelesen.

Wort für Wort: agniḥ vāyuḥ jalam sthalam vyoma – Feuer, Wind, Wasser, Erde, Raum; iti bhasma – jeweils Asche; sarvam idam bhasma – all dies Asche; manaḥ etāni cakṣūṃṣi – Geist und diese Augen, verkürzt; vratam idam pāśupatam – dieses Pashupata-Gelübde; bhasmanā aṅgāni saṃspṛśet – mit Asche die Glieder berühren; brahma – Brahman; paśu-pāśa-vimokṣaṇāya – zur Lösung der Fesseln der Wesen.

6a. Rudra in der Natur

yo'gnau rudro yo'psvantarya oṣadhīrvīrudha āviveśa |
ya imā viśvā bhuvanāni caklṛpe tasmai rudrāya namo'stvagnaye |

Rudra ist im Feuer und im Wasser; er ist in Kräuter und Pflanzen eingegangen und hat diese sämtlichen Welten gestaltet. Diesem Rudra als Feuer sei Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ agnau rudraḥ – Rudra im Feuer; yaḥ apsu antaḥ – im Wasser; oṣadhīḥ vīrudhaḥ āviveśa – Kräuter und Pflanzen betreten. yaḥ imāḥ viśvāḥ bhuvanāni cakḷpe – der diese gesamten Welten schuf; tasmai rudrāya – diesem Rudra; namaḥ astu agnaye – Verehrung als Feuer.

6c. Wiederholter Anruf

yo rudro'gnau yo rudro'psvantaryo oṣadhīrvīrudha āviveśa |
yo rudra imā viśvā bhuvanāni caklṛpe tasmai rudrāya namonamaḥ |

Rudra ist im Feuer, Rudra im Wasser; er ist in Kräuter und Pflanzen eingegangen; Rudra hat alle diese Welten gestaltet. Ihm sei immer wieder Verehrung.

Wort für Wort: yaḥ rudraḥ agnau – Rudra im Feuer; yaḥ rudraḥ apsu antaḥ – Rudra im Wasser; oṣadhīḥ vīrudhaḥ āviveśa – in Kräuter und Pflanzen eingegangen. yaḥ rudraḥ – jener Rudra; imāḥ viśvāḥ bhuvanāni cakḷpe – alle diese Welten gestaltete; tasmai rudrāya namo namaḥ – diesem Rudra wiederholte Verehrung.

6e. Wasser, Kräuter und Bäume

yo rudro'psu yo rudra oṣadhīṣu yo rudro vanaspatiṣu |
yena rudreṇa jagadūrdhvaṃdhāritaṃ pṛthivī dvidhā tridhā dhartā dhāritā nāgā ye'ntarikṣe tasmai rudrāya vai namonamaḥ |

Rudra ist im Wasser, in den Kräutern und in den Bäumen; durch ihn wird die Welt aufrecht gehalten, die Erde in ihrer Zwei- und Dreigliederung getragen und auch die Nagas im Luftraum gehalten. Diesem Rudra sei Verehrung. Die Aufzählung ist grammatisch gestört.

Wort für Wort: yaḥ rudraḥ apsu – Rudra im Wasser; oṣadhīṣu – in Kräutern; vanaspatiṣu – in Bäumen. yena rudreṇa – durch welchen Rudra; jagat ūrdhvam dhāritam – Welt aufrecht gehalten; pṛthivī – Erde; dvidhā tridhā – zweifach, dreifach; dhartā dhāritā – Träger und Getragenes; nāgāḥ ye antarikṣe – Nagas im Luftraum; tasmai namaḥ – ihm Verehrung.

6g. Atharvan und das Haupt

mūrdhānamasya saṃsevyāpyatharvā hṛdayaṃ ca yat |
mastiṣkādūrdhvaṃ prerayatyavamāno'dhiśīrṣataḥ |

Atharvan verehrt dessen Haupt und Herz und lenkt von der Hirnregion aus nach oben, über das Haupt hinaus. Der Bestandteil „avamāna“ ist in dieser Fügung unklar.

Wort für Wort: mūrdhānam asya – dessen Haupt; saṃsevya – verehrt habend; atharvā – Atharvan; hṛdayam ca yat – und dessen Herz. mastiṣkāt ūrdhvam – vom Gehirn nach oben; prerayati – lenkt; avamānaḥ – unklare Lesart; adhi-śīrṣataḥ – über das Haupt hinaus.

6i. Atharvans Haupt

tadvā atharvaṇaḥ śiro devakośaḥ samujjhitaḥ |
tatprāṇo'bhirakṣati śiro'ntamatho manaḥ |

Dies ist Atharvans Haupt, die hervorgehobene Hülle des Göttlichen. Der Lebenshauch schützt dieses bis an die Grenze des Hauptes, ebenso den Geist.

Wort für Wort: tat vai – eben dies; atharvaṇaḥ śiraḥ – Atharvans Haupt; deva-kośaḥ – göttliche Hülle, Behälter; samujjhitaḥ – herausgehoben beziehungsweise abgelegt. tat prāṇaḥ abhirakṣati – Lebenshauch schützt dieses; śiraḥ-antam – bis zum Ende des Hauptes; atha manaḥ – und den Geist.

6k. Jenseits begrenzter Schutzräume

na ca divo devajanena guptā na cāntarikṣāṇi na ca bhūma imāḥ |
yasminnidaṃ sarvamotaprotaṃ tasmādanyanna paraṃ kiñcanāsti |

Weder der Himmel mit seinen göttlichen Bewohnern noch die Zwischenräume noch diese Erden begrenzen oder schützen es. Der Satz ist im Sanskrit unvollständig. In ihm ist dieses ganze All wie Kette und Schuss eingewebt. Nichts anderes ist höher als es.

Wort für Wort: na divaḥ – nicht Himmel; deva-janena guptāḥ – durch Göttervolk geschützt; na antarikṣāṇi – nicht Zwischenräume; na bhūmaḥ imāḥ – nicht diese Erden. yasmin idam sarvam ota-protam – worin alles eingewebt; tasmāt anyat – etwas anderes als dieses; na param kiñcana asti – nichts Höheres existiert.

6m. Ohne Vorher und Nachher

na tasmātpūrvaṃ na paraṃ tadasti na bhūtaṃ nota bhavyaṃ yadāsīt |
sahasrapādekamūrdhnā vyāptaṃ sa evedamāvarīvarti bhūtam |

Nichts ist vor ihm oder nach ihm, weder das Gewesene noch das Zukünftige. Mit tausend Füßen und einem Haupt durchdringt er alles; er allein umgibt dieses gewordene All.

Wort für Wort: na tasmāt pūrvam – nichts vor ihm; na param – nichts nach ihm; na bhūtam – nichts Vergangenes; na uta bhavyam – auch nichts Künftiges; yat āsīt – was war. sahasra-pāda – tausendfüßig; eka-mūrdhnā – mit einem Haupt; vyāptam – durchdrungen; sa eva – er allein; idam bhūtam – dieses Gewordene; āvarīvarti – umgibt, umgreift.

6o. Unvergänglichkeit und Zeit

akṣarātsaṃjāyate kālaḥ kālādvyāpaka ucyate |

Aus dem Unvergänglichen entsteht die Zeit; aus der Zeit wird das Allgegenwärtige erklärt.

Wort für Wort: akṣarāt – aus Unvergänglichem; saṃjāyate kālaḥ – Zeit entsteht; kālāt – aus Zeit; vyāpakaḥ ucyate – Allgegenwärtiger genannt.

6p. Rudras kosmisches Ruhen

vyāpako hi bhagavānrudro bhogāyamano yadā śete rudrastadā saṃhāryate prajāḥ |

Der Allgegenwärtige ist der Herr Rudra. Wenn er sich zum Ruhen niederlegt, werden die Geschöpfe eingezogen.

Wort für Wort: vyāpakaḥ – Allgegenwärtiger; bhagavān rudraḥ – Herr Rudra; bhogāyamānaḥ – sich dem Erleben hingebend, überlieferte Form gestört; yadā śete – wenn er ruht; tadā saṃhāryate prajāḥ – dann Geschöpfe eingezogen.

6q. Die Entstehungsfolge

ucchvāsite tamo bhavati tamasa āpo'psvaṅgulyā mathite mathitaṃ śiśire śiśiraṃ mathyamānaṃ phenaṃ bhavati phenādaṇḍaṃ bhavatyaṇḍādbrahmā bhavati brahmaṇo vāyuḥ vāyoroṅkāraḥ oṃkārātsāvitrī sāvitryā gāyatrī gāyatryā lokā bhavanti |

Bei seinem Ausatmen entsteht Dunkelheit, daraus Wasser. Durch Rühren mit dem Finger wird es kühl; aus weiterem Rühren entsteht Schaum, daraus ein Ei, daraus Brahma. Aus Brahma entsteht Wind, aus Wind Om, aus Om Savitri, aus Savitri Gayatri und aus Gayatri die Welten.

Wort für Wort: ucchvāsite – beim Ausatmen; tamaḥ bhavati – Dunkelheit entsteht; tamasaḥ āpaḥ – aus Dunkelheit Wasser; apsu aṅgulyā mathite – Wasser mit Finger gerührt; śiśiram – kühl; mathyamānam phenam bhavati – gerührt zu Schaum werdend; phenāt aṇḍam – aus Schaum Ei; aṇḍāt brahmā – aus Ei Brahma; brahmaṇaḥ vāyuḥ – aus Brahma Wind; vāyoḥ oṅkāraḥ – aus Wind Om; oṅkārāt sāvitrī – aus Om Savitri; sāvitryāḥ gāyatrī – aus Savitri Gayatri; gāyatryāḥ lokāḥ – aus Gayatri Welten.

6r. Askese und Wahrheit

arcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti yadbhuvam |

Sie verehren Askese und Wahrheit und lassen Süße auf die Welt strömen. Der Schluss des Verses ist verkürzt überliefert.

Wort für Wort: arcayanti – verehren; tapaḥ – Askese; satyam – Wahrheit; madhu kṣaranti – lassen Süße strömen; yat bhuvam – auf die Welt beziehungsweise welche Welt, unsicher.

6s. Die höchste Askese

etaddhi paramaṃ tapaḥ |

Dies ist wahrlich die höchste Askese.

Wort für Wort: etat hi – dies wahrlich; paramam tapaḥ – höchste Askese.

6t. Die kosmische Formel

āpo'jyotī raso'mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ svaro nama iti || 6 ||

Wasser, Licht, Essenz und Unsterblichkeit sind Brahman. Bhuh, Bhuvah, Svah – Verehrung.

Wort für Wort: āpaḥ – Wasser; jyotiḥ – Licht; rasaḥ – Essenz; amṛtam – Unsterblichkeit; brahma – Brahman; bhūḥ bhuvaḥ svaḥ – Erde, Zwischenraum, Himmel; namaḥ – Verehrung.

7a. Traditionelle Verheißungen des Studiums

ya idamatharvaśiro brāhmaṇo'dhīte aśrotriyaḥ śrotriyo bhavati anupanīta upanīto bhavati so'gnipūto bhavati sa vāyupūto bhavati sa sūryapūto bhavati sa sarvairdevairjñāto bhavati sa sarvairvedairanudhyāto bhavati sa sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati tena sarvaiḥ kratubhiriṣṭaṃ bhavati gāyatryāḥ ṣaṣṭisahasrāṇi japtāni bhavanti itihāsapurāṇānāṃ rudrāṇāṃ śatasahasrāṇi japtāni bhavanti |

Wenn ein Brahmane dieses Atharvashiras studiert, wird nach dem Text ein Veda-Unkundiger zum Kundigen und ein Nicht-Eingeweihter zum Eingeweihten. Er werde durch Feuer, Wind und Sonne gereinigt, von allen Göttern erkannt, von allen Veden getragen, an allen Pilgerstätten gebadet und durch alle Opfer geheiligt. Das Studium gelte als sechzigtausend Gayatri-Rezitationen und hunderttausende Rezitationen von Itihasas, Puranas und Rudra-Hymnen.

Wort für Wort: brāhmaṇaḥ adhīte – Brahmane studiert; aśrotriyaḥ śrotriyaḥ bhavati – Unkundiger wird Vedakundiger; anupanītaḥ upanītaḥ – Nicht-Eingeweihter wird Eingeweihter; agni-vāyu-sūrya-pūtaḥ – durch Feuer, Wind, Sonne gereinigt; sarvaiḥ devaiḥ jñātaḥ – allen Göttern bekannt; sarvaiḥ vedaiḥ anudhyātaḥ – von allen Veden bedacht; sarveṣu tīrtheṣu snātaḥ – an allen Pilgerstätten gebadet; sarvaiḥ kratubhiḥ iṣṭam – alle Opfer vollzogen; gāyatryāḥ ṣaṣṭi-sahasrāṇi japtāni – sechzigtausend Gayatris rezitiert; itihāsa-purāṇānām rudrāṇām śata-sahasrāṇi – hunderttausende Itihasa-, Purana- und Rudra-Rezitationen.

7b. Om-Rezitation

praṇavānāmayutaṃ japtaṃ bhavati |

Es gilt als zehntausendmalige Rezitation des Om.

Wort für Wort: praṇavānām ayutam – zehntausend Om; japtam bhavati – gilt als rezitiert.

7c. Reinigung des Umkreises

sa cakṣuṣaḥ paṅktiṃ punāti |

Er reinigt die Reihe derer, die sein Blick erreicht; die Formulierung ist knapp.

Wort für Wort: saḥ – er; cakṣuṣaḥ paṅktim – die Reihe beziehungsweise Gemeinschaft im Blick; punāti – reinigt.

7d. Die Generationen

ā saptamātpuruṣayugānpunātītyāha bhagavānatharvaśiraḥ sakṛjjaptvaiva śuciḥ sa pūtaḥ karmaṇyo bhavati |

Bis zur siebten Generation reinigt er, sagt die Atharvashiras-Lehre. Schon nach einmaliger Rezitation gilt er als rein, geläutert und zu heiligen Handlungen befähigt.

Wort für Wort: ā saptamāt puruṣa-yugān – bis zur siebten Menschengeneration; punāti – reinigt; āha – sagt; sakṛt japtvā eva – schon einmal rezitiert; śuciḥ – rein; pūtaḥ – geläutert; karmaṇyaḥ bhavati – handlungsfähig, ritualberechtigt.

7e. Zweite Rezitation

dvitīyaṃ japtvā gaṇādhipatyamavāpnoti |

Nach der zweiten Rezitation erlangt er nach dieser Verheißung die Herrschaft über die Ganas.

Wort für Wort: dvitīyam japtvā – zum zweiten Mal rezitiert; gaṇa-ādhipatyam – Herrschaft über die Scharen; avāpnoti – erlangt.

7f. Dritte Rezitation

tṛtīyaṃ japtvaivamevānupraviśatyoṃ satyamoṃ satyamoṃ satyam || 7 ||

Nach der dritten Rezitation geht er in ihn ein. Om, Wahrheit; Om, Wahrheit; Om, Wahrheit.

Wort für Wort: tṛtīyam japtvā – drittes Mal rezitiert; evam eva anupraviśati – so geht er ein; oṃ satyam – Om, Wahrheit, dreimal.

Wiederholung des Shanti-Mantras

oṃ bhadraṃ karṇebhiriti śāntiḥ ||

Das am Anfang stehende Friedensgebet wird erneut gesprochen: Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort für Wort: bhadram karṇebhiḥ iti – mit den Worten „Heilsames mit den Ohren“; śāntiḥ – Friedensgebet. Die Sanskritvorlage kürzt das schon ausgeschriebene Gebet hier ab.

Schlussvermerk

||
ityatharvaśiropaniṣatsamāptā ||

Hier endet die Atharvashiras Upanishad.

Wort für Wort: iti – so, hiermit; atharvaśiropaniṣat – Atharvashiras Upanishad; samāptā – beendet.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Textgestalt und Datierung

Die Atharvashiras Upanishad ist ein shaivischer Text in der Überlieferung des Atharvaveda. Ihre Gestalt verbindet Prosa, wiederholte Litaneien, mantraartige Verse und einen Schluss mit religiösen Verdienstzusagen. Die benutzte Fassung enthält sprachlich schwierige Stellen. Eine verlässliche Datierung oder Rekonstruktion ihrer Schichten würde den Vergleich mehrerer Handschriften und Ausgaben voraussetzen; aus dem elektronischen Text allein wird hier keine Jahreszahl abgeleitet.

Rudra als umfassende Wirklichkeit

Die Götter fragen nach Rudras Identität. Seine Antwort führt über einzelne Formen und Namen hinaus: Er bezeichnet sich als Ursprung und bleibenden Grund des Ganzen. Eine umfangreiche Litanei setzt Rudra mit Gottheiten, Himmelskörpern, Elementen, Veden, Richtungen und Zeit gleich. Die Wiederholung ist ein eigenständiges Mittel der Betrachtung und wird deshalb nicht durch eine zusammenfassende Übersetzung ersetzt.

Im folgenden Teil werden heilige Benennungen aus ihrer Wirkung oder aus einer geistlichen Wortdeutung erklärt. Pranava, das Hinüberführende, das Feine und der höchste Herr bezeichnen dieselbe Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln. Solche Ableitungen sind traditionelle Deutungen des Textes und nicht überall historische Wortetymologien. Die Herzenssymbolik lenkt die Aufmerksamkeit von der kosmischen Weite zum inneren Erkennen.

Gelübde, Verehrung und Bedeutung

Die Passage über Asche verbindet die Elemente und alle Dinge mit Asche und stellt dies in den Zusammenhang des Pashupata-Gelübdes. Weitere Mantras verehren Rudra im Feuer, im Wasser, in Pflanzen und in der Welt. Der Text hält damit ritualbezogene Verehrung und umfassende Wirklichkeitsschau zusammen.

Für die heutige Lektüre kann die Litanei zu einer Betrachtung der Einheit im Vielfältigen werden. Schwierige Aussagen sollen dabei nicht durch beliebige moderne Bedeutungen ersetzt werden. Die Fruchtverheißungen am Ende sind vollständig als traditionelle religiöse Aussagen übersetzt. Sie unterscheiden sich von einer überprüfbaren Zusicherung bestimmter Lebensfolgen.

Atharva Shiras Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 862 - 872.

Einleitung

Die Atharva Shiras Upanishad[1], welche sich selbst pag. 10,9 (der Kalkuttaer Ausgabe) Atharvasiras (d. h. wohl: "Hauptsache des Atharvaveda", - vgl. Vedanta "Endziel des Veda") nennt und 9,3 den (wohl mißverstandenen) Vers Atharvav. 10,2,27 zur Erläuterung dieses Namens zitiert, feiert als Prinzip aller Dinge und als höchstes Ziel, Parama Param (nicht Param Aparam), Parayanam, den Rudra (Isana, Bhagavan Mahesvara, - der Name Siva kommt nicht vor). Rudra ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ist allumfassend und der Dinge Innerstes, ist das Offenbare und das Unoffenbare. Wer ihn weiß, weiß damit alles 1,12; nur durch Schweigen ist er zu verkünden 7,13. Sein Symbol ist der Laut Om, und speziell die dreiundeinhalbte (imaginäre) Mora desselben 4,10. Rudra weilt im Herzen 4,10 und durchdringt die ganze Schöpfung 8,10 f., welche aus neun Himmeln, neun Lufträumen und neun Erden besteht 9,5. Er absorbiert, wenn er sich als Schlange zusammenringelt, die Welt und läßt sie aus seinem Hauch wieder hervorgehen 9,10f. Er ist die Einheit der Lebensorgane und der entsprechenden Gottheiten 6,1f. Der Mensch ist sein Geschöpf (Pasu) und an den Strick (Pasa) des Erdendaseins gebunden. Die Erlösung von Geburt, Leiden, Tod, 5,10, erfolgt, indem man Zorn und Begierde (Trishna), die Erde als Wurzel der Kausalitätskette (Hetujalasya Mulam) und alle Habe in Rudra aufgibt 7,3. 8,3. - Die Upanishad scheint einer Sekte der Pasupatas anzugehören; als deren Gelübde (Vratam Pasupatam) das symbolische Bestreichen mit Asche erwähnt wird 8,8. Die weitere Systematik der Pasupatas kommt in dieser Upanishad noch nicht vor. Der Text derselben ist vielfach korrupt, so daß durch Konjekturen geholfen werden mußte.

Die Atharva Shiras Upanishad

1.

Om! Es geschah einmal, daß die Götter zur Himmelswelt gingen. Und sie fragten den Rudra: "Wer bist du?" - Und er sprach: "Ich bin der Eine [welcher] zuerst war, ich bestehe und ich werde sein. Kein anderer ist außer mir vorhanden. Ich bin es [der] aus dem Inneren in das Innere drang, der auch in das Innere des Raumes drang. Ich bin ewig und nichtewig, offenbar und nichtoffenbar, Brahman und Nicht-Brahman. Ich bin östlich und westlich, bin nach Süden und nördlich, ich bin unten und bin oben (Chand. 7,25,1), bin die Gegenden und Nebengegenden. Ich bin männlich und sächlich und das Weibliche (Atharvav. 10,8,27). Ich bin die Savitri und die Gayatri, bin die Trishtubh, die Jagati und Anushtubh. Ich bin der Schein und bin die Wahrheit. Ich bin die Feuer Garhapatya und Daksina und Ahavaniya. - Ich bin die Kuh und die Büffelkuh. Ich bin Ric, Yajus und Saman, und bin die Atharvangiras'. Ich bin der älteste, der edelste, bin der beste (Brih. 6,1,1). Ich bin das Wasser und bin das Feuer, verborgen bin ich in den Reibhölzern. Ich bin das Unvergängliche und bin das Vergängliche. Ich bin die Lotosblüte und bin die Somaseihe. Ich bin das Gewaltige, bin in der Mitte und draußen, bin "das im Osten [geborene] Licht" (Atharvav. 4,1,1). Ich bin alle, bin das Unendliche.[2] Der wird zu allen zugleich, wer mich weiß. Der weiß die Götter und alle Veden mit den Vedangas. Und ich bin es auch, der ich das Brahman durch die Brahmanen, die Kuh durch die Stiere, die Brahmanen durch Brahmanwürde, die Opferspeise durch Opferspeise, das Leben durch Leben, die Wahrheit durch Wahrheit, das Recht durch Recht sättige vermittelst meiner Kraft." - Da geschah es, daß die Götter den Rudra befragten, daß die Götter den Rudra anschauten, daß die Götter den Rudra überdachten, daß die Götter mit erhobenen Armen den Rudra [mit folgendem Lobgesange] preisen.

2.

Om!
Rudra ist dieser Erhabene und Brahman, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Visnu, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Skanda, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Indra, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Agni, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Vayu, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Surya, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Soma, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und die acht Greifer, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und die acht Übergreifer (Brih. 3,2), ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Bhur, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Bhuvah, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Svar, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Mahas (Taitt. 1,5), ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und die Erde, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und der Luftraum, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und der Himmel, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und die Wasser, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Feuer, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Kala, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Yama, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und Mrityu, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Unsterbliche, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und der Äther, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das All, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Grobe, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Feine, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Weiße, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Schwarze, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Ganze, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Wahre, ihm sei Ehre, Ehre!
Rudra ist dieser Erhabene und das Weltall, ihm sei Ehre, Ehre!

3.

Bhur ist dein Anfang, Bhuvar deine Mitte, Svar dein Haupt. Du bist der allgestaltige, der Brahman. Einer bist du, zweifach, dreifach. Wachstum bist du, Ruhe bist du, Gedeihen bist du. Geopfertes und Nichtgeopfertes, Gegebenes und Nichtgegebenes, Alles und Nichtalles, Ganzes und Nichtganzes, Getanes und Nichtgetanes, des Höchsten Höchstes (Paramaparam zu trennen), das höchste Ziel bist du.

Wir tranken Soma, sind unsterblich worden,
Gingen ins Licht ein, fanden auf die Götter!
Was könnte jetzt Feindseligkeit uns schaden,
Was, o Unsterblicher, der Menschen Tücke! (Rigv. 8,48,3.)

Vor Soma und Surya ist der feine Geist. Aber die ganze Welt einbegriffen [implicite, Hitam] ist jene Silbe [Om], welche das Prajapati-artige, das Soma-artige, den feinen Geist, das Faßbare durch ihr Unfaßbares, das Sein durch ihr Sein, das Soma-artige durch ihr Soma-artiges, das Feine durch ihr Feines, das Wind-artige durch ihr Windartiges verschlingt. Ihr als der großen Verschlingerin sei Ehre, Ehre!

Im Herzen alle Gottheiten,
In ihm die Lebenshauche sind,[3]
Als der, der stets die drei Moren
Überragt, bist im Herzen du!

Sein Haupt ist nördlich (Chand. 5,10,1), seine Füße südlich. Der da nördlich ist, das ist der Laut Om, als der Laut Om ist er der heilige Ruf, als der heilige Ruf ist er alldurchdringend, als alldurchdringend ist er unendlich, als unendlich ist er das Rettende (Taram), als das Rettende ist er das Reine, als das Reine ist er das Feine, als das Feine ist er das Blitzartige, als das Blitzartige ist er das höchste Brahman, als das höchste Brahman ist er der Eine, als der Eine ist er Rudra, als Rudra ist er der Herr, als der Herr ist er der erhabene Mahesvara.

4.

Die heilige Silbe Om

Aber warum heißt er der Laut Om? - Weil er, wenn ausgesprochen, die Lebenshauche in die Höhe steigen macht, darum heißt er der Laut Om.

Und warum heißt er der heilige Ruf (Pranava)? - Weil er, wenn ausgesprochen, das aus Ric, Yajus, Saman, Atharvangiras bestehende Brahman den Brahmanen zuneigt (Pranamayati) und geneigt macht, darum heißt er der heilige Ruf. Aber warum heißt er alldurchdringend? - Weil er, wenn ausgesprochen, gleichsam wie mit Öl einen Sesamteigklumpen, das Ruheartige (Kath. 3,13), das Eingewobene und Verwobene (Brih. 3,6) durchdringt und durchsetzt, darum heißt er alldurchdringend.

Aber warum heißt er unendlich? - Weil, wenn er ausgesprochen, in die Quere, nach oben und nach unten kein Ende desselben zu finden ist, darum heißt er unendlich.

Aber warum heißt er das Rettende? - Weil er, wenn ausgesprochen, aus der großen Furcht vor Empfängnis, Geburt, Krankheit, Alter, Tod und Seelenwanderung Rettung schafft und errettet, darum heißt er das Rettende.

Aber warum heißt er das Reine (Suklam)? - Weil er, wenn ausgesprochen, lärmt (Klandate) und müde macht (Klamayati), darum heißt er das Reine.

Aber warum heißt er das Feine? - Weil er, wenn ausgesprochen, in feiner Gestalt sich der Leiber bemächtigt und alle Glieder überstreicht, darum heißt er, das Feine.

Aber warum heißt er das Blitzartige? - Weil er, wenn ausgesprochen, es in der unoffenbaren (Avyakte) großen Finsternis aufleuchten macht, darum heißt er das Blitzartige.

Aber warum heißt er das höchste Brahman? - Weil er das Höchste des Höchsten, das höchste Ziel, das Starke (Brihat) ist und durch starke [Zauberkraft] erstarken macht (Brihatya Brinhayati), darum heißt er das höchste Brahman.

Aber warum heißt er der Eine? - Er der, alle Lebenskräfte (Pranah) verschlingend, indem er sie verschlingt, als ewiger sie zusammenfaßt und wieder auseinanderbreitet, also daß zu ihrem Meister die einen eilen und zu ihrem Meister wieder einige, und nach Süden, Westen, Norden und Osten wieder andere [als die den Pranas entsprechenden Naturkräfte] hineilen, er ist ihrer aller Sammelplatz hier, und zusammenfassend einer geworden, streicht er hin [als der Lebenshauch] der Geschöpfe, - darum heißt er der Eine.

Aber warum heißt er Rudra? - Weil nur von den Sehern (Rishi), nicht von anderen Verehrern, flugs (Drutam) seine Wesenheit (Rupam) erfaßt wird, darum heißt er Rudra.

Aber warum heißt er der Herr? - Weil er der ist,

Der alle Götter mit seinen Herrscherkräften,
Mit Zeugungskräften auch beherrscht (vgl. Svet. 3,1), -
Zu dir, o Held, aufschreien wir,
Wie Kühe, die zur Melkung gehn,
Dem Herrn des, das sich regt, dem himmelschauenden,
Dem Herrn, o Indra, des, das steht (Rigv. 7,32,22),

darum heißt er der Herr.

Aber warum heißt er der erhabene Mahesvara? - Weil er die Verehrer (Bhaktan) an der Erkenntnis teilnehmen läßt und mit ihr begnadigt; weil er die Rede [des Veda] in sich zurücknimmt und wieder ausströmen läßt (Brih. 2,4,10); weil er, alle Wesenheiten aufgebend, durch die Erkenntnis des Atman und die Herrschaft des Yoga sich erhebt und erhaben ist, darum heißt er der erhabene Mahesvara.

Dieses ist die Kunde des Rudra.

5.

"Wer haaresspitzegroß in Herzens Mitte den Alldurchdringer, Gott, den goldnen, teuern im eigenen Selbst weilen sieht als Weiser, dem wird zuteil die Ruhe, keinem anderen." Zitat: Atharva Shiras Up.
Der eine Gott in allen Weltenräumen,
Vordem geboren und im Mutterleibe;
Er ward geboren, wird geboren werden,
Ist in den Menschen und allgegenwärtig.
(Vaj. Samh. 32,4. Svet. 2,16.)
Der eine Rudra - nicht ihm als zweitem [huldigt]! -
Ist's, der die Welt beherrscht mit Herrscherkräften;
Er weilt in den Wesen und rafft sie in sich ein zur Endzeit,
Wenn alte Wesen er einschlingt, der Hüter (Svet. 3,2).
Der jedem Mutterschoß als der Eine vorsteht,
Durch den dies ganze Weltall aus sich breitet,
Wer den als Herrn, als Gott, reichspendend, preiswert
Erkennt, geht ein in jene Ruh für immer.
(Svet. 4,11. Vgl. Svet. 5,2. Kath. 1,17.)
Fliehend die Welt, des Ursachnetzes Wurzel,
Erworbnes weislich hingebend an Rudra,

bekannten Rudra als die Einheit, als den ewigen, den alten an Labung-und-Kraft[4], die Geschöpfe, als den, der vor ihnen senkt des Todes Stricke.

Also geschieht es, daß mittels jenes [heiligen Lautes], wenn er in die Seele dringt, durch seine dreiundeinhalbte Mora (der Isvara) die Ruhe verleiht, die Erlösung des Geschöpfes (Pasu) von seiner Fessel (Pasa).

Nämlich die erste Mora [von Om = A + U + M) hat Brahman als Gottheit und ist rot von Farbe; wer diese immerfort meditiert, der geht zur Stätte des Brahman.

Die zweite Mora aber hat Visnu als Gottheit und ist schwarz von Farbe; wer diese immerfort meditiert, der geht zur Stätte des Visnu.

Aber die dritte Mora hat den Isana als Gottheit und ist braun von Farbe; wer diese immerfort meditiert, der geht zur Stätte des Isana.

Aber die dreiundeinhalbte Mora hat sie alle als Gottheiten, ist unoffenbar, geht hinaus in die Weite, ist rein und dem Bergkristall gleich an Farbe; wer diese immerfort meditiert, der geht zur Stätte des Heiles.

Darum soll man dieses verehren! Lautlos verkünden es die Schweiger (Asketen), denn nicht ist es zu ergreifen.

Das ist der Weg, der nach Norden vorgezeichnet ist, auf dem die Götter gehen (Chand. 5,10,1) und die Väter und die Rishis zum Höchsten des Höchsten, zum höchsten Ziel.

Wer haaresspitzegroß in Herzens Mitte
Den Alldurchdringer, Gott, den goldnen, teuern
Im eigenen Selbst weilen sieht als Weiser,
dem wird zuteil die Ruhe, keinem anderen.
In ihm Zorn [lassend], Willensdurst und Weltlust,
Fliehend die Welt, des Ursachnetzes Wurzel,
Erworbnes weislich hingebend an Rudra,

bekannten sie Rudra als die Einheit; denn Rudra ist durch ewige, alte Labung-und-Kraft und Kasteiung der Überwinder. Was Feuer genannt wird, ist Asche, und was Wind, Asche, und was Wasser, Asche, und was Erdboden, Asche, und was Äther, Asche, und diese ganze Welt ist Asche und der Geist und diese Augen! Weil dieses das Gelübde des Pasupata ist, daß er mit Asche seine Glieder überstreicht, darum ist dieses die Pasupata-Gebetsformel, damit das Geschöpf von seinen Banden erlöst werde.

6.

"Dem Rudra, der im Feuer, der im Wasser, der einging in die Kräuter und Gewächse, der alle diese Wesen ist geworden, diesem Rudra sei Verehrung, Verehrung!" Zitat: Atharva Shiras Up.
Dem Rudra, der, im Feuer, der im Wasser,
Der einging in die Kräuter und Gewächse,
Der alle diese Wesen ist geworden,
diesem Rudra sei Verehrung, als dem Agni.
Dem Rudra, der im Feuer, der im Wasser,
Der einging in die Kräuter und Gewächse,
Der alle diese Wesen ist geworden,
diesem Rudra sei Verehrung, Verehrung!

Rudra, der im Wasser, Rudra, der in den Kräutern, Rudra, der in den Bäumen, Rudra, von dem die Welt hoch empor gehalten wird, von dem die Erde als Träger in zweifacher, dreifacher Form getragen wird und die Schlangen, die im Luftraum wohnen, diesem Rudra sei Verehrung, sei Verehrung!

[Rudra als Prana im Menschenhaupt:]

Als zusammen sein Haupt nähte
Atharvan und das Herz in ihm,
Regt' er über dem Hirn ihn an
Als Läuterer vom Haupte her.
Dem Atharvan gehört dies Haupt,
Ein Faß mit Göttern vollgestopft,
Es schützen dieses Haupt Prana,
Nahrung und Manas im Verein.[5]
Neun Himmel sind, beschützt vom Göttervolk,
Neun Lufträume, und neun auch dieser Erden;
Dem eingewoben alles und verwoben,
Nichts anderes ist außer ihm vorhanden.
Nicht gibt es Früheres als ihn, nicht Spät'res,
Nichts, was gewesen oder künftig wäre;
Mit tausend Füßen und nur einem Haupte
Durchdringt er diese Welt und macht sie rollen.
Aus Ew'gem ist die Zeit worden,
Von der Zeit heißt Durchdringer er,

denn der Durchdringer ist der erhabene Rudra. Wenn Rudra in Schlangenringelung daliegt, dann werden die Geschöpfe in ihn hereingezogen. Haucht er aus (Brih. 4,5,11), so entsteht Finsternis, aus der Finsternis Wasser; wenn er in dem Wasser mit dem Finger umrührt, so wird das Umgerührte in der Kälte kalt und, nachdem es umgerührt worden, zu Schaum; aus dem Schaum entsteht das (Welt-)Ei, aus dem Ei der Brahman, aus dem Brahman der Wind, aus dem Wind der Laut Om, aus dem Laut Om die Savitri, aus der Savitri die Gayatri, aus der Gayatri die Welten (vgl. Rigv. 1,164,25. Chand. 3,12).

Sie preisen Tapas und Wahrheit, weil sie den Süßtrank ausströmen, der nicht vergeht [die Erlösung]. Ja, dieser ist das höchste Tapas, ist Wasser, Licht, Essenz, Unsterbliches, Brahman (vgl. oben, S. 652 Anm. 1).

Bhur, Bhuvah, Svar! Om! Verehrung! -

7.

(Vgl. Maha Up. 4.)

Der Brahmane, welcher dieses Atharvasiras studiert, wird aus einem nichtschriftgelehrten ein schrittgelehrter, aus einem nichteingeführten ein eingeführter; der wird durch Agni geläutert, durch Vayu geläutert, durch Soma geläutert, durch die Wahrheit geläutert; der wird von allen Göttern gekannt, wird von allen Veden [die hier als Personen erscheinen] meditiert, wird ein in allen heiligen Badeplätzen gebadet habender, und von ihm sind alle Opfer geopfert worden. Sechzigtausend Gayatri-Strophen sind von ihm gemurmelt, hunderttausend [Strophen] der Itihasa Puranas und der Rudra-Lieder sind von ihm gemurmelt, zehntausend Pranavas sind von ihm gemurmelt. So weit sein Blick reicht (A Cakshushah), läutert er die Versammlung, bis zur siebenten Generation läutert er [Vorfahren und Nachkommen]; also hat es der Erhabene verheißen.

Wer einmal das Atharvasiras murmelt, der wird rein, geläutert, werktüchtig: - wer es zum zweitenmal murmelt; der erlangt Oberherrschaft über die Schar [des höchsten Gottes]: wer es zum drittenmal murmelt, geht zum Ebensosein ein.

Om! Die Wahrheit! Om! Die Wahrheit! Om! Die Wahrheit!

Fußnoten

  1. Zur Anordnung. Weiter folgen fünf Upanishaden, welche den Gott Siva als eine symbolische Personifikation des Atman auffassen, nämlich: Atharvasiras, Atharvasikha, Nilarudra, Kalagnirudra und Kaivalya. Wir behalten diese, aus Colebrookes und Narayanas Liste sich ergebende Reihenfolge bei, wiewohl sie gewiß nicht durchweg der Entstehungszeit entspricht, da die Nilarudra Upanishad sofern sie nur einen Auszug aus Vaj. Samh. 16 und ähnlichen Stellen darbietet, bei weitem das älteste Stück ist, auch die Kaivalya Upanishad ungeachtet ihrer späten Stellung in den genannten Verzeichnissen, ihrem Hauptinhalt nach aus verhältnismäßig alter, der Svetasvatara-, Mundaka- und Mahanarayana Upanishad nahestehender Zeit stammen dürfte.
  2. Lesart und Sinn sind hier und in den nächsten Zeilen sehr unsicher.
  3. Vgl. den Vers Brahma Up. 2, oben S. 682.
  4. Ishamurjena; aus der Formel Isham Urjam wird ungrammatisch das Kompositum Isham-urja gebildet; so auch unten, p. 8,5. Einem ähnlichen Fall begegneten wir oben S. 347, Z. 2.
  5. Atharvav. 10,2,26-27, dessen Lesarten wir folgen. Der Läuterer, der, zu Kopf steigend, den Menschen anregt, ist der Soma. Vgl. unsere Erklärung des Hymnus, Gesch. d. Phil. I, 269.

Vollständiger Text in Devanagari

अथर्ववेदीय शैव उपनिषत् ॥

अथर्वशिरसामर्थमनर्थप्रोचवाचकम् ।
सर्वाधारमनाधारं स्वमात्रत्रैपदाक्षरम् ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवा भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिर्व्यशेम देवहितं यदायुः ॥

स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

ॐ देवा ह वै स्वर्गं लोकमायंस्ते रुद्रमपृच्छन्को भवानिति ।

सोऽब्रवीदहमेकः प्रथममासं वर्तामि च भविष्यामि च नान्यः कश्चिन्मत्तो व्यतिरिक्त इति ।

सोऽन्तरादन्तरं प्राविशत् दिशश्चान्तरं प्राविशत् सोऽहं नित्यानित्योऽहं व्यक्ताव्यक्तो ब्रह्माब्रह्माहं प्राञ्चः प्रत्यञ्चोऽहं दक्षिणाञ्च उदञ्चोहं अधश्चोर्ध्वं चाहं दिशश्च प्रतिदिशश्चाहं पुमानपुमान् स्त्रियश्चाहं गायत्र्यहं सावित्र्यहं त्रिष्टुब्जगत्यनुष्टुप् चाहं छन्दोऽहं गार्हपत्यो दक्षिणाग्निराहवनीयोऽहं सत्योऽहं गौरहं गौर्यहमृगहं यजुरहं सामाहमथर्वाङ्गिरसोऽहं ज्येष्ठोऽहं श्रेष्ठोऽहं वरिष्ठोऽहमापोऽहं तेजोऽहं गुह्योहंअरण्योऽहमक्षरमहं क्षरमहं पुष्करमहं पवित्रमहमुग्रं च मध्यं च बहिश्च पुरस्ताज्ज्योतिरित्यहमेव सर्वेभ्यो मामेव स सर्वः समां यो मां वेद स सर्वान्देवान्वेद सर्वांश्च वेदान्साङ्गानपि ब्रह्म ब्राह्मणैश्च गां गोभिर्ब्राह्माणान्ब्राह्मणेन हविर्हविषा आयुरायुषा सत्येन सत्यं धर्मेण धर्मं तर्पयामि स्वेन तेजसा ।

ततो ह वै ते देवा रुद्रमपृच्छन् ते देवा रुद्रमपश्यन् ।

ते देवा रुद्रमध्यायन् ततो देवा ऊर्ध्वबाहवो रुद्रं स्तुवन्ति ॥ १ ॥

ॐ यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च ब्रह्मा तस्मै वै नमोनमः ॥ १ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान् यश्च विष्णुस्तस्मै वै नमोनमः ॥ २ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च स्कन्दस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ३ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्चेन्द्रस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ४ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्चाग्निस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ५ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च वायुस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ६ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च सूर्यस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ७ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च सोमस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ८ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्ये चाष्टौ ग्रहास्तस्मै वै नमोनमः ॥ ९ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्ये चाष्टौ प्रतिग्रहास्तस्मै वै नमोनमः ॥ १० ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च भूस्तस्मै वै नमोनमः ॥ ११ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च भुवस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १२ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च स्वस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १३ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च महस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १४ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्या च पृथिवी तस्मै वै नमोनमः ॥ १५ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्चान्तरिक्षं तस्मै वै नमोनमः ॥ १६ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्या च द्यौस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १७ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्याश्चापस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १८ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च तेजस्तस्मै वै नमोनमः ॥ १९ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च कालस्तस्मै वै नमोनमः ॥ २० ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च यमस्तस्मै वै नमोनमः ॥ २१ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यश्च मृत्युस्तस्मै वै नमोनमः ॥ २२ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्चामृतं तस्मै वै नमोनमः ॥ २३ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्चाकाशं तस्मै वै नमोनमः ॥ २४ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च विश्वं तस्मै वै नमोनमः ॥ २५ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्याच्च स्थूलं तस्मै वै नमोनमः ॥ २६ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च सूक्ष्मं तस्मै वै नमोनमः ॥ २७ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च शुक्लं तस्मै नमोनमः ॥ २८ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च कृष्णं तस्मै वै नमोनमः ॥ २९ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च कृत्स्नं तस्मै वै नमोनमः ॥ ३० ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च सत्यं तस्मै वै नमोनमः ॥ ३१ ॥

यो वै रुद्रः स भगवान्यच्च सर्वं तस्मै वै नमोनमः ॥ ३२ ॥ ॥ २ ॥

भूस्ते आदिर्मध्यं भुवः स्वस्ते शीर्षं विश्वरूपोऽसि ब्रह्मैकस्त्वं द्विधा त्रिधा वृद्धिस्तं शान्तिस्त्वं पुष्टिस्त्वं हुतमहुतं दत्तमदत्तं सर्वमसर्वं विश्वमविश्वं कृतमकृतं परमपरं परायणं च त्वम् ।

अपाम सोमममृता अभूमागन्म ज्योतिरविदाम देवान् ।
किं नूनमस्मान्कृणवदरातिः किमु धूर्तिरमृतं मार्त्यस्य ।

सोमसूर्यपुरस्तात् सूक्ष्मः पुरुषः ।

सर्वं जगद्धितं वा एतदक्षरं प्राजापत्यं सूक्ष्मं सौम्यं पुरुषं ग्राह्यमग्राह्येण भावं भावेन सौम्यं सौम्येन सूक्ष्मं सूक्ष्मेण वायव्यं वायव्येन ग्रसति स्वेन तेजसा तस्मादुपसंहर्त्रे महाग्रासाय वै नमो नमः ।

हृदिस्था देवताः सर्वा हृदि प्राणाः प्रतिष्ठिताः ।
हृदि त्वमसि यो नित्यं तिस्रो मात्राः परस्तु सः ।

तस्योत्तरतः शिरो दक्षिणतः पादौ य उत्तरतः स ओङ्कारः य ओङ्कारः स प्रणवः यः प्रणवः स सर्वव्यापी यः सर्वव्यापी सोऽनन्तः योऽनन्तस्तत्तारं यत्तारं तत्सूक्ष्मं तच्छुक्लं यच्छुक्लं तद्वैद्युतं यद्वैद्युतं तत्परं ब्रह्म यत्परं ब्रह्म स एकः य एकः स रुद्रः य रुद्रः यो रुद्रः स ईशानः य ईशानः स भगवान् महेश्वरः ॥ ३ ॥

अथ कस्मादुच्यत ओङ्कारो यस्मादुच्चार्यमाण एव प्राणानूर्ध्वमुत्क्रामयति तस्मादुच्यते ओङ्कारः ।

अथ कस्मादुच्यते प्रणवः यस्मादुच्चार्यमाण एव ऋग्यजुःसामाथर्वाङ्गिरसं ब्रह्म ब्राह्मणेभ्यः प्रणामयति नामयति च तस्मादुच्यते प्रणवः ।

अथ कस्मादुच्यते सर्वव्यापी यस्मादुच्चार्यमाण एव सर्वांलोकान्व्याप्नोति स्नेहो यथा पललपिण्डमिव शान्तरूपमोतप्रोतमनुप्राप्तो व्यतिषक्तश्च तस्मादुच्यते सर्वव्यापी ।

अथ कस्मादुच्यतेऽनन्तो यस्मादुच्चार्यमाण एव तिर्यगूर्ध्वमधस्ताच्चास्यान्तो नोपलभ्यते तस्मादुच्यतेऽनन्तः ।

अथ कस्मादुच्यते तारं यस्मादुच्चारमाण एव गर्भजन्मव्याधिजरामरणसंसारमहाभयात्तारयति त्रायते च तस्मादुच्यते तारम् ।

अथ कस्मादुच्यते शुक्लं यस्मादुच्चार्यमाण एव क्लन्दते क्लामयति च तस्मादुच्यते शुक्लम् ।

अथ कस्मादुच्यते सूक्ष्मं यस्मादुच्चार्यमाण एव सूक्ष्मो भूत्वा शरीराण्यधितिष्ठति सर्वाणि चाङ्गान्यमिमृशति तस्मादुच्यते सूक्ष्मम् ।

अथ कस्मादुच्यते वैद्युतं यस्मादुच्चार्यमाण एव व्यक्ते महति तमसि द्योतयति तस्मादुच्यते वैद्युतम् ।

अथ कस्मादुच्यते परं ब्रह्म यस्मात्परमपरं परायणं च बृहद्बृहत्या बृंहयति तस्मादुच्यते परं ब्रह्म ।

अथ कस्मादुच्यते एकः यः सर्वान्प्राणान्संभक्ष्य संभक्षणेनाजः संसृजति विसृजति तीर्थमेके व्रजन्ति तीर्थमेके दक्षिणाः प्रत्यञ्च उदञ्चः प्राञ्चोऽभिव्रजन्त्येके तेषां सर्वेषामिह सद्गतिः ।

साकं स एको भूतश्चरति प्रजानां तस्मादुच्यत एकः ।

अथ कस्मादुच्यते रुद्रः यस्मादृषिभिर्नान्यैर्भक्तैर्द्रुतमस्य रूपमुपलभ्यते तस्मादुच्यते रुद्रः ।

अथ कस्मादुच्यते ईशानः यः सर्वान्देवानीशते ईशानीभिर्जननीभिश्च परमशक्तिभिः ।

अमित्वा शूर णो नुमो दुग्धा इव धेनवः ।

ईशानमस्य जगतः स्वर्दृशमीशानमिन्द्र तस्थिष इति तस्मादुच्यते ईशानः ।

अथ कस्मादुच्यते भगवान्महेश्वरः यस्माद्भक्ता ज्ञानेन भजन्त्यनुगृह्णाति च वाचं संसृजति विसृजति च सर्वान्भावान्परित्यज्यात्मज्ञानेन योगेश्वैर्येण महति महीयते तस्मादुच्यते भगवान्महेश्वरः ।

तदेतद्रुद्रचरितम् ॥ ४ ॥

एको ह देवः प्रदिशो नु सर्वाः पूर्वो ह जातः स उ गर्भे अन्तः ।
स एव जातः जनिष्यमाणः प्रत्यङ्जनास्तिष्ठति सर्वतोमुखः ।

एको रुद्रो न द्वितीयाय तस्मै य इमांल्लोकानीशत ईशनीभिः ।
प्रत्यङ्जनास्तिष्ठति संचुकोचान्तकाले संसृज्य विश्वा भुवनानि गोप्ता ।

यो योनिं योनिमधितिष्ठतित्येको येनेदं सर्वं विचरति सर्वम् ।
तमीशानं पुरुषं देवमीड्यं निचाय्येमां शान्तिमत्यन्तमेति ।

क्षमां हित्वा हेतुजालास्य मूलं बुद्ध्या सञ्चितं स्थापयित्वा तु रुद्रे ।
रुद्रमेकत्वमाहुः शाश्वतं वै पुराणमिषमूर्जेण पशवोऽनुनामयन्तं मृत्युपाशान् ।

तदेतेनात्मन्नेतेनार्धचतुर्थेन मात्रेण शान्तिं संसृजन्ति पशुपाशविमोक्षणम् ।

या सा प्रथमा मात्रा ब्रह्मदेवत्या रक्ता वर्णेन यस्तां ध्यायते नित्यं स गच्छेत्ब्रह्मपदम् ।

या सा द्वितीया मात्रा विष्णुदेवत्या कृष्णा वर्णेन यस्तां ध्यायते नित्यं स गच्छेद्वैष्णवं पदम् ।

या सा तृतीया मात्रा ईशानदेवत्या कपिला वर्णेन यस्तां ध्यायते नित्यं स गच्छेदैशानं पदम् ।

या सार्धचतुर्थी मात्रा सर्वदेवत्याऽव्यक्तीभूता खं विचरति शुद्धा स्फटिकसन्निभा वर्णेन यस्तां ध्यायते नित्यं स गच्छेत्पदमनामयम् ।

तदेतदुपासीत मुनयो वाग्वदन्ति न तस्य ग्रहणमयं पन्था विहित उत्तरेण येन देवा यान्ति येन पितरो येन ऋषयः परमपरं परायणं चेति ।

वालाग्रमात्रं हृदयस्य मध्ये विश्वं देवं जातरूपं वरेण्यम् ।
तमात्मस्थं येनु पश्यन्ति धीरास्तेषां शान्तिर्भवति नेतरेषाम् ।

यस्मिन्क्रोधं यां च तृष्णां क्षमां चाक्षमां हित्वा हेतुजालस्य मूलम् ।
बुद्ध्या संचितं स्थापयित्वा तु रुद्रे रुद्रमेकत्वमाहुः ।

रुद्रो हि शाश्वतेन वै पुराणेनेषमूर्जेण तपसा नियन्ता ।

अग्निरिति भस्म वायुरिति भस्म जलमिति भस्म स्थलमिति भस्म व्योमेति भस्म सर्वंह वा इदं भस्म मन एतानि चक्षूंषि यस्माद्व्रतमिदं पाशुपतं यद्भस्मनाङ्गानि संस्पृशेत्तस्माद्ब्रह्म तदेतत्पाशुपतं पशुपाश विमोक्षणाय ॥ ५ ॥

योऽग्नौ रुद्रो योऽप्स्वन्तर्य ओषधीर्वीरुध आविवेश ।
य इमा विश्वा भुवनानि चक्लृपे तस्मै रुद्राय नमोऽस्त्वग्नये ।

यो रुद्रोऽग्नौ यो रुद्रोऽप्स्वन्तर्यो ओषधीर्वीरुध आविवेश ।
यो रुद्र इमा विश्वा भुवनानि चक्लृपे तस्मै रुद्राय नमोनमः ।

यो रुद्रोऽप्सु यो रुद्र ओषधीषु यो रुद्रो वनस्पतिषु ।
येन रुद्रेण जगदूर्ध्वंधारितं पृथिवी द्विधा त्रिधा धर्ता धारिता नागा येऽन्तरिक्षे तस्मै रुद्राय वै नमोनमः ।

मूर्धानमस्य संसेव्याप्यथर्वा हृदयं च यत् ।
मस्तिष्कादूर्ध्वं प्रेरयत्यवमानोऽधिशीर्षतः ।

तद्वा अथर्वणः शिरो देवकोशः समुज्झितः ।
तत्प्राणोऽभिरक्षति शिरोऽन्तमथो मनः ।

न च दिवो देवजनेन गुप्ता न चान्तरिक्षाणि न च भूम इमाः ।
यस्मिन्निदं सर्वमोतप्रोतं तस्मादन्यन्न परं किञ्चनास्ति ।

न तस्मात्पूर्वं न परं तदस्ति न भूतं नोत भव्यं यदासीत् ।
सहस्रपादेकमूर्ध्ना व्याप्तं स एवेदमावरीवर्ति भूतम् ।

अक्षरात्संजायते कालः कालाद्व्यापक उच्यते ।

व्यापको हि भगवान्रुद्रो भोगायमनो यदा शेते रुद्रस्तदा संहार्यते प्रजाः ।

उच्छ्वासिते तमो भवति तमस आपोऽप्स्वङ्गुल्या मथिते मथितं शिशिरे शिशिरं मथ्यमानं फेनं भवति फेनादण्डं भवत्यण्डाद्ब्रह्मा भवति ब्रह्मणो वायुः वायोरोङ्कारः ओंकारात्सावित्री सावित्र्या गायत्री गायत्र्या लोका भवन्ति ।

अर्चयन्ति तपः सत्यं मधु क्षरन्ति यद्भुवम् ।

एतद्धि परमं तपः ।

आपोऽज्योती रसोऽमृतं ब्रह्म भूर्भुवः स्वरो नम इति ॥ ६ ॥

य इदमथर्वशिरो ब्राह्मणोऽधीते अश्रोत्रियः श्रोत्रियो भवति अनुपनीत उपनीतो भवति सोऽग्निपूतो भवति स वायुपूतो भवति स सूर्यपूतो भवति स सर्वैर्देवैर्ज्ञातो भवति स सर्वैर्वेदैरनुध्यातो भवति स सर्वेषु तीर्थेषु स्नातो भवति तेन सर्वैः क्रतुभिरिष्टं भवति गायत्र्याः षष्टिसहस्राणि जप्तानि भवन्ति इतिहासपुराणानां रुद्राणां शतसहस्राणि जप्तानि भवन्ति ।

प्रणवानामयुतं जप्तं भवति ।

स चक्षुषः पङ्क्तिं पुनाति ।

आ सप्तमात्पुरुषयुगान्पुनातीत्याह भगवानथर्वशिरः सकृज्जप्त्वैव शुचिः स पूतः कर्मण्यो भवति ।

द्वितीयं जप्त्वा गणाधिपत्यमवाप्नोति ।

तृतीयं जप्त्वैवमेवानुप्रविशत्यों सत्यमों सत्यमों सत्यम् ॥ ७ ॥

ॐ भद्रं कर्णेभिरिति शान्तिः ॥


इत्यथर्वशिरोपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

atharvavedīya śaiva upaniṣat ||

atharvaśirasāmarthamanarthaprocavācakam |
sarvādhāramanādhāraṃ svamātratraipadākṣaram ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devā bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhirvyaśema devahitaṃ yadāyuḥ ||

svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

oṃ devā ha vai svargaṃ lokamāyaṃste rudramapṛcchanko bhavāniti |

so'bravīdahamekaḥ prathamamāsaṃ vartāmi ca bhaviṣyāmi ca nānyaḥ kaścinmatto vyatirikta iti |

so'ntarādantaraṃ prāviśat diśaścāntaraṃ prāviśat so'haṃ nityānityo'haṃ vyaktāvyakto brahmābrahmāhaṃ prāñcaḥ pratyañco'haṃ dakṣiṇāñca udañcohaṃ adhaścordhvaṃ cāhaṃ diśaśca pratidiśaścāhaṃ pumānapumān striyaścāhaṃ gāyatryahaṃ sāvitryahaṃ triṣṭubjagatyanuṣṭup cāhaṃ chando'haṃ gārhapatyo dakṣiṇāgnirāhavanīyo'haṃ satyo'haṃ gaurahaṃ gauryahamṛgahaṃ yajurahaṃ sāmāhamatharvāṅgiraso'haṃ jyeṣṭho'haṃ śreṣṭho'haṃ variṣṭho'hamāpo'haṃ tejo'haṃ guhyohaṃaraṇyo'hamakṣaramahaṃ kṣaramahaṃ puṣkaramahaṃ pavitramahamugraṃ ca madhyaṃ ca bahiśca purastājjyotirityahameva sarvebhyo māmeva sa sarvaḥ samāṃ yo māṃ veda sa sarvāndevānveda sarvāṃśca vedānsāṅgānapi brahma brāhmaṇaiśca gāṃ gobhirbrāhmāṇānbrāhmaṇena havirhaviṣā āyurāyuṣā satyena satyaṃ dharmeṇa dharmaṃ tarpayāmi svena tejasā |

tato ha vai te devā rudramapṛcchan te devā rudramapaśyan |

te devā rudramadhyāyan tato devā ūrdhvabāhavo rudraṃ stuvanti || 1 ||

oṃ yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca brahmā tasmai vai namonamaḥ || 1 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavān yaśca viṣṇustasmai vai namonamaḥ || 2 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca skandastasmai vai namonamaḥ || 3 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaścendrastasmai vai namonamaḥ || 4 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaścāgnistasmai vai namonamaḥ || 5 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca vāyustasmai vai namonamaḥ || 6 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca sūryastasmai vai namonamaḥ || 7 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca somastasmai vai namonamaḥ || 8 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānye cāṣṭau grahāstasmai vai namonamaḥ || 9 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānye cāṣṭau pratigrahāstasmai vai namonamaḥ || 10 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca bhūstasmai vai namonamaḥ || 11 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca bhuvastasmai vai namonamaḥ || 12 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca svastasmai vai namonamaḥ || 13 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca mahastasmai vai namonamaḥ || 14 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyā ca pṛthivī tasmai vai namonamaḥ || 15 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccāntarikṣaṃ tasmai vai namonamaḥ || 16 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyā ca dyaustasmai vai namonamaḥ || 17 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyāścāpastasmai vai namonamaḥ || 18 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca tejastasmai vai namonamaḥ || 19 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca kālastasmai vai namonamaḥ || 20 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca yamastasmai vai namonamaḥ || 21 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaśca mṛtyustasmai vai namonamaḥ || 22 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccāmṛtaṃ tasmai vai namonamaḥ || 23 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyaccākāśaṃ tasmai vai namonamaḥ || 24 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca viśvaṃ tasmai vai namonamaḥ || 25 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyācca sthūlaṃ tasmai vai namonamaḥ || 26 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca sūkṣmaṃ tasmai vai namonamaḥ || 27 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca śuklaṃ tasmai namonamaḥ || 28 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca kṛṣṇaṃ tasmai vai namonamaḥ || 29 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca kṛtsnaṃ tasmai vai namonamaḥ || 30 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca satyaṃ tasmai vai namonamaḥ || 31 ||

yo vai rudraḥ sa bhagavānyacca sarvaṃ tasmai vai namonamaḥ || 32 || || 2 ||

bhūste ādirmadhyaṃ bhuvaḥ svaste śīrṣaṃ viśvarūpo'si brahmaikastvaṃ dvidhā tridhā vṛddhistaṃ śāntistvaṃ puṣṭistvaṃ hutamahutaṃ dattamadattaṃ sarvamasarvaṃ viśvamaviśvaṃ kṛtamakṛtaṃ paramaparaṃ parāyaṇaṃ ca tvam |

apāma somamamṛtā abhūmāganma jyotiravidāma devān |
kiṃ nūnamasmānkṛṇavadarātiḥ kimu dhūrtiramṛtaṃ mārtyasya |

somasūryapurastāt sūkṣmaḥ puruṣaḥ |

sarvaṃ jagaddhitaṃ vā etadakṣaraṃ prājāpatyaṃ sūkṣmaṃ saumyaṃ puruṣaṃ grāhyamagrāhyeṇa bhāvaṃ bhāvena saumyaṃ saumyena sūkṣmaṃ sūkṣmeṇa vāyavyaṃ vāyavyena grasati svena tejasā tasmādupasaṃhartre mahāgrāsāya vai namo namaḥ |

hṛdisthā devatāḥ sarvā hṛdi prāṇāḥ pratiṣṭhitāḥ |
hṛdi tvamasi yo nityaṃ tisro mātrāḥ parastu saḥ |

tasyottarataḥ śiro dakṣiṇataḥ pādau ya uttarataḥ sa oṅkāraḥ ya oṅkāraḥ sa praṇavaḥ yaḥ praṇavaḥ sa sarvavyāpī yaḥ sarvavyāpī so'nantaḥ yo'nantastattāraṃ yattāraṃ tatsūkṣmaṃ tacchuklaṃ yacchuklaṃ tadvaidyutaṃ yadvaidyutaṃ tatparaṃ brahma yatparaṃ brahma sa ekaḥ ya ekaḥ sa rudraḥ ya rudraḥ yo rudraḥ sa īśānaḥ ya īśānaḥ sa bhagavān maheśvaraḥ || 3 ||

atha kasmāducyata oṅkāro yasmāduccāryamāṇa eva prāṇānūrdhvamutkrāmayati tasmāducyate oṅkāraḥ |

atha kasmāducyate praṇavaḥ yasmāduccāryamāṇa eva ṛgyajuḥsāmātharvāṅgirasaṃ brahma brāhmaṇebhyaḥ praṇāmayati nāmayati ca tasmāducyate praṇavaḥ |

atha kasmāducyate sarvavyāpī yasmāduccāryamāṇa eva sarvāṃlokānvyāpnoti sneho yathā palalapiṇḍamiva śāntarūpamotaprotamanuprāpto vyatiṣaktaśca tasmāducyate sarvavyāpī |

atha kasmāducyate'nanto yasmāduccāryamāṇa eva tiryagūrdhvamadhastāccāsyānto nopalabhyate tasmāducyate'nantaḥ |

atha kasmāducyate tāraṃ yasmāduccāramāṇa eva garbhajanmavyādhijarāmaraṇasaṃsāramahābhayāttārayati trāyate ca tasmāducyate tāram |

atha kasmāducyate śuklaṃ yasmāduccāryamāṇa eva klandate klāmayati ca tasmāducyate śuklam |

atha kasmāducyate sūkṣmaṃ yasmāduccāryamāṇa eva sūkṣmo bhūtvā śarīrāṇyadhitiṣṭhati sarvāṇi cāṅgānyamimṛśati tasmāducyate sūkṣmam |

atha kasmāducyate vaidyutaṃ yasmāduccāryamāṇa eva vyakte mahati tamasi dyotayati tasmāducyate vaidyutam |

atha kasmāducyate paraṃ brahma yasmātparamaparaṃ parāyaṇaṃ ca bṛhadbṛhatyā bṛṃhayati tasmāducyate paraṃ brahma |

atha kasmāducyate ekaḥ yaḥ sarvānprāṇānsaṃbhakṣya saṃbhakṣaṇenājaḥ saṃsṛjati visṛjati tīrthameke vrajanti tīrthameke dakṣiṇāḥ pratyañca udañcaḥ prāñco'bhivrajantyeke teṣāṃ sarveṣāmiha sadgatiḥ |

sākaṃ sa eko bhūtaścarati prajānāṃ tasmāducyata ekaḥ |

atha kasmāducyate rudraḥ yasmādṛṣibhirnānyairbhaktairdrutamasya rūpamupalabhyate tasmāducyate rudraḥ |

atha kasmāducyate īśānaḥ yaḥ sarvāndevānīśate īśānībhirjananībhiśca paramaśaktibhiḥ |

amitvā śūra ṇo numo dugdhā iva dhenavaḥ |

īśānamasya jagataḥ svardṛśamīśānamindra tasthiṣa iti tasmāducyate īśānaḥ |

atha kasmāducyate bhagavānmaheśvaraḥ yasmādbhaktā jñānena bhajantyanugṛhṇāti ca vācaṃ saṃsṛjati visṛjati ca sarvānbhāvānparityajyātmajñānena yogeśvairyeṇa mahati mahīyate tasmāducyate bhagavānmaheśvaraḥ |

tadetadrudracaritam || 4 ||

eko ha devaḥ pradiśo nu sarvāḥ pūrvo ha jātaḥ sa u garbhe antaḥ |
sa eva jātaḥ janiṣyamāṇaḥ pratyaṅjanāstiṣṭhati sarvatomukhaḥ |

eko rudro na dvitīyāya tasmai ya imāṃllokānīśata īśanībhiḥ |
pratyaṅjanāstiṣṭhati saṃcukocāntakāle saṃsṛjya viśvā bhuvanāni goptā |

yo yoniṃ yonimadhitiṣṭhatityeko yenedaṃ sarvaṃ vicarati sarvam |
tamīśānaṃ puruṣaṃ devamīḍyaṃ nicāyyemāṃ śāntimatyantameti |

kṣamāṃ hitvā hetujālāsya mūlaṃ buddhyā sañcitaṃ sthāpayitvā tu rudre |
rudramekatvamāhuḥ śāśvataṃ vai purāṇamiṣamūrjeṇa paśavo'nunāmayantaṃ mṛtyupāśān |

tadetenātmannetenārdhacaturthena mātreṇa śāntiṃ saṃsṛjanti paśupāśavimokṣaṇam |

yā sā prathamā mātrā brahmadevatyā raktā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchetbrahmapadam |

yā sā dvitīyā mātrā viṣṇudevatyā kṛṣṇā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchedvaiṣṇavaṃ padam |

yā sā tṛtīyā mātrā īśānadevatyā kapilā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchedaiśānaṃ padam |

yā sārdhacaturthī mātrā sarvadevatyā'vyaktībhūtā khaṃ vicarati śuddhā sphaṭikasannibhā varṇena yastāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchetpadamanāmayam |

tadetadupāsīta munayo vāgvadanti na tasya grahaṇamayaṃ panthā vihita uttareṇa yena devā yānti yena pitaro yena ṛṣayaḥ paramaparaṃ parāyaṇaṃ ceti |

vālāgramātraṃ hṛdayasya madhye viśvaṃ devaṃ jātarūpaṃ vareṇyam |
tamātmasthaṃ yenu paśyanti dhīrāsteṣāṃ śāntirbhavati netareṣām |

yasminkrodhaṃ yāṃ ca tṛṣṇāṃ kṣamāṃ cākṣamāṃ hitvā hetujālasya mūlam |
buddhyā saṃcitaṃ sthāpayitvā tu rudre rudramekatvamāhuḥ |

rudro hi śāśvatena vai purāṇeneṣamūrjeṇa tapasā niyantā |

agniriti bhasma vāyuriti bhasma jalamiti bhasma sthalamiti bhasma vyometi bhasma sarvaṃha vā idaṃ bhasma mana etāni cakṣūṃṣi yasmādvratamidaṃ pāśupataṃ yadbhasmanāṅgāni saṃspṛśettasmādbrahma tadetatpāśupataṃ paśupāśa vimokṣaṇāya || 5 ||

yo'gnau rudro yo'psvantarya oṣadhīrvīrudha āviveśa |
ya imā viśvā bhuvanāni caklṛpe tasmai rudrāya namo'stvagnaye |

yo rudro'gnau yo rudro'psvantaryo oṣadhīrvīrudha āviveśa |
yo rudra imā viśvā bhuvanāni caklṛpe tasmai rudrāya namonamaḥ |

yo rudro'psu yo rudra oṣadhīṣu yo rudro vanaspatiṣu |
yena rudreṇa jagadūrdhvaṃdhāritaṃ pṛthivī dvidhā tridhā dhartā dhāritā nāgā ye'ntarikṣe tasmai rudrāya vai namonamaḥ |

mūrdhānamasya saṃsevyāpyatharvā hṛdayaṃ ca yat |
mastiṣkādūrdhvaṃ prerayatyavamāno'dhiśīrṣataḥ |

tadvā atharvaṇaḥ śiro devakośaḥ samujjhitaḥ |
tatprāṇo'bhirakṣati śiro'ntamatho manaḥ |

na ca divo devajanena guptā na cāntarikṣāṇi na ca bhūma imāḥ |
yasminnidaṃ sarvamotaprotaṃ tasmādanyanna paraṃ kiñcanāsti |

na tasmātpūrvaṃ na paraṃ tadasti na bhūtaṃ nota bhavyaṃ yadāsīt |
sahasrapādekamūrdhnā vyāptaṃ sa evedamāvarīvarti bhūtam |

akṣarātsaṃjāyate kālaḥ kālādvyāpaka ucyate |

vyāpako hi bhagavānrudro bhogāyamano yadā śete rudrastadā saṃhāryate prajāḥ |

ucchvāsite tamo bhavati tamasa āpo'psvaṅgulyā mathite mathitaṃ śiśire śiśiraṃ mathyamānaṃ phenaṃ bhavati phenādaṇḍaṃ bhavatyaṇḍādbrahmā bhavati brahmaṇo vāyuḥ vāyoroṅkāraḥ oṃkārātsāvitrī sāvitryā gāyatrī gāyatryā lokā bhavanti |

arcayanti tapaḥ satyaṃ madhu kṣaranti yadbhuvam |

etaddhi paramaṃ tapaḥ |

āpo'jyotī raso'mṛtaṃ brahma bhūrbhuvaḥ svaro nama iti || 6 ||

ya idamatharvaśiro brāhmaṇo'dhīte aśrotriyaḥ śrotriyo bhavati anupanīta upanīto bhavati so'gnipūto bhavati sa vāyupūto bhavati sa sūryapūto bhavati sa sarvairdevairjñāto bhavati sa sarvairvedairanudhyāto bhavati sa sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati tena sarvaiḥ kratubhiriṣṭaṃ bhavati gāyatryāḥ ṣaṣṭisahasrāṇi japtāni bhavanti itihāsapurāṇānāṃ rudrāṇāṃ śatasahasrāṇi japtāni bhavanti |

praṇavānāmayutaṃ japtaṃ bhavati |

sa cakṣuṣaḥ paṅktiṃ punāti |

ā saptamātpuruṣayugānpunātītyāha bhagavānatharvaśiraḥ sakṛjjaptvaiva śuciḥ sa pūtaḥ karmaṇyo bhavati |

dvitīyaṃ japtvā gaṇādhipatyamavāpnoti |

tṛtīyaṃ japtvaivamevānupraviśatyoṃ satyamoṃ satyamoṃ satyam || 7 ||

oṃ bhadraṃ karṇebhiriti śāntiḥ ||

||
ityatharvaśiropaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Überlieferungszuordnung

Eine shaivistische Upanishad des Atharvaveda.

Vorangestellter Merkvers

Der Merkvers weist auf das durch Atharvashiras erklärte Unvergängliche: Grundlage aller Dinge und selbst ohne Grundlage, allein das Selbst, dreifüßig. Die erste Vershälfte ist in der vorliegenden Lesart beschädigt.

Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen.

Segensbitten

Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

1a. Die Frage der Götter

Om. Die Götter gelangten zur Himmelswelt und fragten Rudra: „Wer bist du?“

1b. Rudras Antwort

Er sagte: „Ich allein war am Anfang; ich bin jetzt und werde künftig sein. Niemand sonst ist von mir getrennt.“

1c. Rudra als alles

Er drang ins Innerste und in alle Richtungen ein: „Ich bin das Ewige und Nichtewige, das Sichtbare und Unsichtbare, Brahma und Nicht-Brahma, Osten und Westen, Süden und Norden, Unten und Oben, Hauptrichtungen und Zwischenrichtungen. Ich bin Mann, Nicht-Mann und Frau; Gayatri, Savitri, Trishtubh, Jagati, Anushtubh und das Versmaß. Ich bin Hausfeuer, südliches Feuer und Opferfeuer, Wahrheit, Kuh und Gauri, Rig-, Yajur-, Sama- und Atharva-Angiras-Veda. Ich bin der Älteste, Beste und Höchste, Wasser und Licht, das Verborgene und der Wald, das Unvergängliche und Vergängliche, der Lotus, das Reine und Furchtbare, Mitte, Außen und Licht vor allem. Ich allein bin alles. Wer mich kennt, kennt alle Götter und alle Veden samt ihren Hilfslehren. Mit eigenem Glanz sättige ich Brahman durch Brahmanen, die Kuh durch Kühe, Brahmanen durch Brahmanisches, Opfergabe durch Opfergabe, Leben durch Leben, Wahrheit durch Wahrheit und Dharma durch Dharma.“ Einzelne Übergänge der Aufzählung sind sprachlich gestört.

1d. Die Götter suchen Rudra

Darauf fragten die Götter Rudra und schauten nach ihm. Die Lesart „apaśyan“ bedeutet „sie sahen“; Vergleichsübersetzungen setzen hier teils ein Nicht-mehr-Sehen voraus.

1e. Der Lobpreis beginnt

Die Götter meditierten über Rudra. Dann erhoben sie die Arme und priesen ihn.

2.1. Rudra als Brahma

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Brahma. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.2. Rudra als Vishnu

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Vishnu. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.3. Rudra als Skanda

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Skanda. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.4. Rudra als Indra

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Indra. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.5. Rudra als Agni

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Agni. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.6. Rudra als Vayu

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Vayu. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.7. Rudra als Surya

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Surya. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.8. Rudra als Soma

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Soma. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.9. Rudra als die acht Ergreifer

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die acht Ergreifer. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.10. Rudra als die acht Gegenergreifer

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die acht Gegenergreifer. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.11. Rudra als Bhuh

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Bhuh. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.12. Rudra als Bhuvah

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Bhuvah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.13. Rudra als Svah

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Svah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.14. Rudra als Mahah

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Mahah. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.15. Rudra als die Erde

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Erde. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.16. Rudra als der Zwischenraum

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Zwischenraum. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.17. Rudra als der Himmel

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Himmel. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.18. Rudra als die Wasser

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Wasser. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.19. Rudra als das Feuerlicht

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Feuerlicht. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.20. Rudra als die Zeit

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Zeit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.21. Rudra als Yama

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch Yama. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.22. Rudra als der Tod

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Tod. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.23. Rudra als die Unsterblichkeit

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Unsterblichkeit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.24. Rudra als der Raum

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch der Raum. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.25. Rudra als das Weltall

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Weltall. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.26. Rudra als das Grobe

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Grobe. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.27. Rudra als das Feine

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Feine. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.28. Rudra als das Helle

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Helle. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.29. Rudra als das Dunkle

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Dunkle. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.30. Rudra als das Ganze

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch das Ganze. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.31. Rudra als die Wahrheit

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch die Wahrheit. Ihm sei immer wieder Verehrung.

2.32. Rudra als alles

Wer Rudra ist, ist der erhabene Herr; er ist auch alles. Ihm sei immer wieder Verehrung.

3a. Die kosmische Gestalt

Bhuh ist dein Anfang, Bhuvah deine Mitte, Svah dein Haupt. Du bist allgestaltig, das eine Brahman, zweifach und dreifach entfaltet. Du bist Wachstum, Frieden, Gedeihen, Geopfertes und Nichtgeopfertes, Gegebenes und Nichtgegebenes, Alles und Nichtalles, Welt und Nichtwelt, Gemachtes und Ungemachtes, Höheres, Niederes und die höchste Zuflucht.

3b. Der Soma-Vers

Wir haben Soma getrunken und sind unsterblich geworden; wir sind zum Licht gelangt und haben die Götter erkannt. Was kann Feindseligkeit uns jetzt noch antun, was der Angriff eines Sterblichen dem Unsterblichen?

3d. Der feine Purusha

Vor Mond und Sonne steht der feine Purusha.

3e. Die Rücknahme der Welt

Diese ganze Welt ist in ihm gegründet: dem unvergänglichen, zu Prajapati gehörenden, feinen und milden Purusha. Mit eigenem Glanz nimmt er Ergreifbares ins Nichtergreifbare zurück, Zustand in Zustand, Mildes in Mildes, Feines in Feines und Lufthaftes in Lufthaftes. Diesem Einziehenden, großen Verschlinger sei immer wieder Verehrung. Die Parallelglieder sind teilweise verkürzt überliefert.

3f. Alle Kräfte im Herzen

Alle Gottheiten wohnen im Herzen; alle Lebenskräfte sind im Herzen gegründet. Du bist stets im Herzen; doch er steht jenseits der drei Lautteile.

3h. Vom Om zum höchsten Herrn

Sein Haupt ist oben, seine Füße unten. Was oben ist, ist Om; Om ist Pranava; Pranava ist allgegenwärtig; das Allgegenwärtige ist unendlich; das Unendliche führt hinüber; das Hinüberführende ist fein und hell; das Helle ist blitzartig; das Blitzartige ist höchstes Brahman. Höchstes Brahman ist das Eine; das Eine ist Rudra; Rudra ist Ishana; Ishana ist der erhabene Maheshvara.

4a. Warum Om?

Warum heißt er Om? Weil er schon beim Aussprechen die Lebenskräfte aufwärtssteigen lässt, heißt er Om.

4b. Warum Pranava?

Warum Pranava? Weil der ausgesprochene Laut den Brahmanen das Brahman in Rig-, Yajur-, Sama- und Atharva-Angiras-Veda näherbringt und zur Verneigung führt.

4c. Warum allgegenwärtig?

Weil der ausgesprochene Laut alle Welten durchdringt, wie Öl eine Sesammasse durchdringt: in friedvoller Gestalt als Kette und Schuss eingewebt, überall eingegangen und verbunden.

4d. Warum unendlich?

Weil beim Aussprechen weder seitwärts noch oben noch unten eine Grenze von ihm gefunden wird, heißt er unendlich.

4e. Warum hinüberführend?

Weil der ausgesprochene Laut über die große Furcht des Samsara – Mutterleib, Geburt, Krankheit, Alter und Tod – hinüberführt und davor schützt.

4f. Warum hell?

Warum heißt er hell? Die überlieferte Begründung lautet mit unsicheren Verben: Er macht feucht beziehungsweise löst auf und lässt ermüden. Eine sichere Herleitung des Namens ist daraus nicht zu gewinnen.

4g. Warum fein?

Weil er beim Aussprechen fein wird, in allen Körpern wohnt und sämtliche Glieder durchdringt, heißt er fein.

4h. Warum blitzartig?

Weil er beim Aussprechen in der ausgebreiteten großen Dunkelheit aufleuchtet, heißt er blitzartig.

4i. Warum höchstes Brahman?

Weil er Höheres, Niederes und letzte Zuflucht durch seine Größe wachsen und sich entfalten lässt, heißt er höchstes Brahman.

4j. Warum der Eine?

Er zieht alle Lebenskräfte ein und lässt sie als Ungeborener erneut entstehen und hervortreten. Manche suchen heilige Übergänge im Süden, Westen, Norden oder Osten; für alle ist hier das wahre Ziel.

4k. Der Eine in allen

Als Einer bewegt er sich gemeinsam mit allen Geschöpfen; darum heißt er der Eine.

4l. Warum Rudra?

Weil seine Gestalt von Sehern und hingebungsvollen Menschen rasch erkannt wird, von anderen aber nicht, heißt er Rudra. Der Text spielt mit „ṛṣi“ und „drutam“.

4m. Warum Ishana?

Er heißt Ishana, weil er durch seine herrschenden, hervorbringenden höchsten Kräfte alle Götter lenkt.

4n. Vedischer Anruf, erster Teil

„Dich, Held, rufen und preisen wir wie Milchkühe.“ Die erste Wortfügung ist in der überlieferten Fassung gestört.

4o. Vedischer Anruf, zweiter Teil

„Als Herrn dieser Welt, der das Himmelslicht schaut, haben wir dich, Indra, als Herrscher aufgestellt.“ Darum heißt er Ishana.

4p. Warum Bhagavan Maheshvara?

Die Hingebungsvollen verehren ihn durch Erkenntnis, und er gewährt Gnade. Er bringt Sprache hervor und entlässt sie wieder. Nach dem Loslassen aller begrenzten Zustände wird er durch Selbsterkenntnis und die Herrlichkeit des Yoga als der Große erkannt. Deshalb heißt er Bhagavan Maheshvara.

4q. Schluss der Namenserklärung

Dies ist die Darstellung Rudras.

5a. Der eine Gott

Der eine Gott durchdringt alle Richtungen. Vor allem geboren, ist er im Inneren des Mutterleibs gegenwärtig. Er ist das Geborene und das künftig Geborene; allen zugewandt steht er im Inneren der Menschen.

5c. Kein Zweiter

Rudra ist einer; kein Zweiter steht neben ihm. Mit seinen herrschenden Kräften regiert er diese Welten. Er steht im Inneren der Menschen. Als Beschützer erschafft er alle Welten und zieht sie am Ende der Zeit wieder zusammen.

5e. Ursprung aller Ursprünge

Er allein wohnt in jedem Ursprung; durch ihn bewegt sich dieses ganze All. Wer diesen Herrn, Purusha und lobwürdigen Gott erkennt, erlangt den äußersten Frieden.

5g. Sammlung in Rudra

Man lasse die Bindung an die Erde beziehungsweise Duldung los und richte den durch den Intellekt gesammelten Grund des Ursachennetzes auf Rudra. Die Lesart „kṣamā“ und die Syntax sind unsicher. Rudra wird die Einheit genannt, ewig und uralt. Die weitere Fügung verbindet Nahrung, Kraft, gebundene Wesen und das Beugen der Todesschlingen; ihr genauer Satzbau ist beschädigt.

5i. Die halbe vierte Lautdauer

Durch dieses Selbst, durch das halbe vierte Lautmaß, gelangen sie zum Frieden: zur Lösung der Fesseln der gebundenen Wesen.

5j. Das erste Lautmaß

Das erste Lautmaß gehört Brahma und ist rot. Wer stets darüber meditiert, gelangt zum Stand Brahmas.

5k. Das zweite Lautmaß

Das zweite Lautmaß gehört Vishnu und ist dunkel. Wer stets darüber meditiert, gelangt zu Vishnus Stand.

5l. Das dritte Lautmaß

Das dritte Lautmaß gehört Ishana und ist gelbbraun. Wer stets darüber meditiert, gelangt zu Ishanas Stand.

5m. Das halbe vierte Lautmaß

Das halbe vierte Lautmaß gehört allen Gottheiten, ist unmanifestiert und bewegt sich im Raum, rein wie Kristall. Wer stets darüber meditiert, gelangt zum leidfreien Zustand.

5n. Der höhere Weg

Darüber soll man meditieren. Die Weisen sprechen davon, doch bloßes Reden erfasst es nicht. Dies ist der höhere Weg der Götter, Ahnen und Seher, das Höhere, Niedere und die letzte Zuflucht.

5o. Das Licht im Herzen

Wie eine Haarspitze fein, mitten im Herzen, ist der allgestaltige, goldglänzende und verehrungswürdige Gott. Die Weisen, die ihn im eigenen Selbst schauen, finden Frieden; andere nicht.

5q. Die Leidenschaften aufgeben

Man lasse Zorn, Durst nach Erfahrung, Duldung und Ungeduld sowie die Wurzel des Ursachennetzes los und gründe das durch den Intellekt Gesammelte in Rudra. Rudra nennen sie die Einheit.

5s. Rudra als Lenker

Rudra lenkt durch ewige, ursprüngliche Nahrung und Kraft sowie durch Askese.

5t. Das Pashupata-Gelübde

Feuer ist Asche, Wind ist Asche, Wasser ist Asche, Erde ist Asche, Raum ist Asche; wahrlich, all dies ist Asche. Die folgende Wendung nennt Geist und Augen. Dieses Pashupata-Gelübde besteht darin, die Glieder mit Asche zu berühren; es ist auf Brahman und die Lösung der Fesseln der Wesen gerichtet. „Bhasma nāṅgāni“ wird dabei als „bhasmanā aṅgāni“, mit Asche die Glieder, gelesen.

6a. Rudra in der Natur

Rudra ist im Feuer und im Wasser; er ist in Kräuter und Pflanzen eingegangen und hat diese sämtlichen Welten gestaltet. Diesem Rudra als Feuer sei Verehrung.

6c. Wiederholter Anruf

Rudra ist im Feuer, Rudra im Wasser; er ist in Kräuter und Pflanzen eingegangen; Rudra hat alle diese Welten gestaltet. Ihm sei immer wieder Verehrung.

6e. Wasser, Kräuter und Bäume

Rudra ist im Wasser, in den Kräutern und in den Bäumen; durch ihn wird die Welt aufrecht gehalten, die Erde in ihrer Zwei- und Dreigliederung getragen und auch die Nagas im Luftraum gehalten. Diesem Rudra sei Verehrung. Die Aufzählung ist grammatisch gestört.

6g. Atharvan und das Haupt

Atharvan verehrt dessen Haupt und Herz und lenkt von der Hirnregion aus nach oben, über das Haupt hinaus. Der Bestandteil „avamāna“ ist in dieser Fügung unklar.

6i. Atharvans Haupt

Dies ist Atharvans Haupt, die hervorgehobene Hülle des Göttlichen. Der Lebenshauch schützt dieses bis an die Grenze des Hauptes, ebenso den Geist.

6k. Jenseits begrenzter Schutzräume

Weder der Himmel mit seinen göttlichen Bewohnern noch die Zwischenräume noch diese Erden begrenzen oder schützen es. Der Satz ist im Sanskrit unvollständig. In ihm ist dieses ganze All wie Kette und Schuss eingewebt. Nichts anderes ist höher als es.

6m. Ohne Vorher und Nachher

Nichts ist vor ihm oder nach ihm, weder das Gewesene noch das Zukünftige. Mit tausend Füßen und einem Haupt durchdringt er alles; er allein umgibt dieses gewordene All.

6o. Unvergänglichkeit und Zeit

Aus dem Unvergänglichen entsteht die Zeit; aus der Zeit wird das Allgegenwärtige erklärt.

6p. Rudras kosmisches Ruhen

Der Allgegenwärtige ist der Herr Rudra. Wenn er sich zum Ruhen niederlegt, werden die Geschöpfe eingezogen.

6q. Die Entstehungsfolge

Bei seinem Ausatmen entsteht Dunkelheit, daraus Wasser. Durch Rühren mit dem Finger wird es kühl; aus weiterem Rühren entsteht Schaum, daraus ein Ei, daraus Brahma. Aus Brahma entsteht Wind, aus Wind Om, aus Om Savitri, aus Savitri Gayatri und aus Gayatri die Welten.

6r. Askese und Wahrheit

Sie verehren Askese und Wahrheit und lassen Süße auf die Welt strömen. Der Schluss des Verses ist verkürzt überliefert.

6s. Die höchste Askese

Dies ist wahrlich die höchste Askese.

6t. Die kosmische Formel

Wasser, Licht, Essenz und Unsterblichkeit sind Brahman. Bhuh, Bhuvah, Svah – Verehrung.

7a. Traditionelle Verheißungen des Studiums

Wenn ein Brahmane dieses Atharvashiras studiert, wird nach dem Text ein Veda-Unkundiger zum Kundigen und ein Nicht-Eingeweihter zum Eingeweihten. Er werde durch Feuer, Wind und Sonne gereinigt, von allen Göttern erkannt, von allen Veden getragen, an allen Pilgerstätten gebadet und durch alle Opfer geheiligt. Das Studium gelte als sechzigtausend Gayatri-Rezitationen und hunderttausende Rezitationen von Itihasas, Puranas und Rudra-Hymnen.

7b. Om-Rezitation

Es gilt als zehntausendmalige Rezitation des Om.

7c. Reinigung des Umkreises

Er reinigt die Reihe derer, die sein Blick erreicht; die Formulierung ist knapp.

7d. Die Generationen

Bis zur siebten Generation reinigt er, sagt die Atharvashiras-Lehre. Schon nach einmaliger Rezitation gilt er als rein, geläutert und zu heiligen Handlungen befähigt.

7e. Zweite Rezitation

Nach der zweiten Rezitation erlangt er nach dieser Verheißung die Herrschaft über die Ganas.

7f. Dritte Rezitation

Nach der dritten Rezitation geht er in ihn ein. Om, Wahrheit; Om, Wahrheit; Om, Wahrheit.

Wiederholung des Shanti-Mantras

Das am Anfang stehende Friedensgebet wird erneut gesprochen: Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern mögen wir euch preisen und die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Schlussvermerk

Hier endet die Atharvashiras Upanishad.

Anregungen für die spirituelle Praxis

  • Lies die Rudra-Litanei langsam und betrachte die jeweils genannte Erscheinungsform.
  • Unterscheide traditionelle Namensdeutung von grammatischer Worterklärung.
  • Verbinde Shiva-Verehrung mit Aufmerksamkeit für alle Lebewesen.
  • Nutze Om als Gegenstand ruhiger Sammlung und studiere seine Deutungen im Kontext.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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