Gefühlstiefe

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Gefühlstiefe bezeichnet die meist positiv gesehene Tiefe eines Gefühls. Gefühlstiefe ist nicht nur Gefühlsintensität. Gefühlstiefe bedeutet, dass das Gefühl aus der Tiefe des Wesens stammt, einen mit einer tieferen Empfindung verbindet, was meist mit größerer Dauer, Verlässlichkeit und einem tieferen Sinn verbunden ist.

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Gefühlstiefe spielt in der Liebe eine große Rolle. In der Zeit der deutschen Romantik war Gefühlstiefe ein sehr wichtiges Ideal, nach dem die Romantiker in Kunst, Poesie, Naturerleben, aber auch im persönlichen Umgang miteinander und ganz allgemein im Leben strebten. Gefühlstiefe ist auch das, wonach ein Gläubiger in Religionen in Bezug auf die Gotteserfahrung, die Gottesliebe, strebt.

Im Yoga gibt es einen ganzen Zweig, nämlich Bhakti Yoga, dem es darum geht, die Gefühlstiefe in Bezug auf Gott zu vertiefen. Gefühlstiefe und Gelassenheit scheinen manchmal als Gegensätze. Aber oft ist eine tiefe Verankerung der Gefühle in bedingungslose Liebe eine gute Grundlage für eine Gelassenheit, die mit Weisheit verbunden ist.

Gefühlstiefe - eine Tugend. Was versteht man unter Gefühlstiefe? Woher stammt dieser Begriff? Wozu ist Gefühlstiefe hilfreich? Was sind Synonyme (ähnliche Begriffe), was sind Antonyme (Gegenteile) von Gefühlstiefe? Umfangreicher Artikel mit Vortragsvideo und Tipps.

Gefühlstiefe als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Gefühlstiefe, das ist ein interessanter Ausdruck, der heute nicht mehr ganz so viel gebraucht wird wie früher. Der Ausdruck "Gefühlstiefe" stammt so etwas aus der deutschen Romantik, so um 1800, da gab es ja erstmal die Zeit der Aufklärung. Die Aufklärung, diese große philosophische Richtung, die versucht hat, alte Traditionen zu überwinden, indem man eben Vernunft geprägt hat.

Der Aufklärung ging es um die Gleichheit der Menschen, um Freiheit, um Brüderlichkeit, der Aufklärung ging es darum, Aberglauben aufzuheben, ging es darum, religiöse Verfolgung zu überwinden, der Aufklärung ging es darum, dass alle Menschen auch als Menschen behandelt werden, den Philosophen ging es auch darum, Krieg zu überwinden. Also sehr viele der heutigen Konzepte, auf die Staatswesen aufgebaut sind, mindestens in ihrem Ideal, beruhen auf den Idealen der Aufklärung.

Die Aufklärung hatte aber auch einen Nachteil, nämlich, sie war verstandesbetont. Gerade Kant und andere Philosophen der Aufklärung, denen ging es um die Vernunft. Kant hat in seinem berühmten Aufsatz gesagt, "Was ist Aufklärung?" Dort hat er gesagt: "Aufklärung ist die Befreiung des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit." Er hat gesagt: "Sapere aude. Wage es, zu wissen." Und auch sagte er: "Aufklärung ist die Fähigkeit, sich seinen eigenen Verstandes zu bedienen."

So viele Menschen bedienen sich ihres Verstandes nicht, sie sind einfach emotional geprägt und tun das, was ihnen dort gesagt wurde und da ist es sehr wichtig, dass man lernt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Das ist also das Konzept der Aufklärung. Und dort gab es dann eine Gegenbewegung, die begann mit Jacques Rousseau, der eben gesagt hatte, dass man nicht nur auf die Vernunft hören sollte, sondern dass Emotion wichtig ist, Gefühl wichtig ist, dass die Natur wichtig ist.

Rousseau hat auch gesagt, dass das Kind von Natur aus harmonisch ist, dass Menschen von Natur aus gut sind, dass man also nicht die Menschen irgendwo formen muss, sondern Menschen kommen aus sich selbst heraus. Und Rousseau begann auch zu sagen, dass Gefühlstiefe auch wichtig ist. Und auf diesen Grundlagen hat sich dann die so genannte Romantik entwickelt.

Die Romantik, Dichter wie Eichendorff oder Novalis oder auch Schlegel, Schelling usw., denen ging es darum, dass man Gefühlstiefe entwickelt. Dort wurde eben gesagt, zum einen die alten Traditionen, die sind nicht gut, zum anderen aber auch, die reine Vernunft ist auch nicht gut, die Ökonomisierung des Lebens, die ja seit dem 16./17. Jahrhundert begonnen hatte, ist auch nicht gut, tiefe Gefühle sind wichtig.

Und das wurde gerade in der Zeit der Romantik auch unter den Dichtern besonders intensiv dargestellt, die Gemälde drücken eine Gefühltiefe aus usw. Und seit dieser Zeit von Aufklärung und Romantik, und vielleicht sogar vorher, gibt es diese beiden Pole. Die einen sagen, Vernunft und Verstand ist wichtig, die anderen sagen, Gefühlstiefe ist wichtig.

Man findet das auch in der Spiritualität, auch schon bei den alten Griechen, da gibt es die so genannte apollinische Vernunft getriebene Spiritualität, Philosophie, und es gibt das Dionysische, was besonders intensives Gefühl hat. Oder auch in Indien könnte man sagen, Raja Yoga und Vedanta, das ist mehr vernunftgetrieben, und Bhakti und Tantra ist mehr auf Intensität des Erlebens und Gefühlstiefe aufgebaut.

Und so spielt beides eine Rolle. Es gibt manche Menschen, die sind besonders Verstandesmenschen, Vernunftmenschen und die sind wichtig, und es gibt manche Menschen, die sind mehr Gefühlmenschen, haben eine besondere Gefühlstiefe. Wenn diese Gefühlstiefe wirklich tief ist und nicht auf der oberflächlichen Emotion hängenbleibt, dann kann die sehr hilfreich sein und tiefe Informationen geben.

Angenommen, es ist eine Vernunft, die aber auch tief ist, keine oberflächliche Vernunft, sondern eine Vernunft, die tief nachdenkt, dann ist das auch gut. In diesem Sinne ist es wichtig, dass du überlegst, Gefühlstiefe, solltest du vielleicht auch deinen Gefühlen mehr Stellenwert geben oder bist du zu emotional? Solltest du die Vernunft etwas weiter ausbauen oder solltest du auch die Vernunft auf eine größere Tiefe setzen? Oder im Umgang mit anderen, falls jemand anders ist als du, wertschätze sie. Egal, ob sie vernünftig sind oder gefühlsmäßig sind, es ist gut, Menschen wertzuschätzen für das, was sie sind.

Gefühlstiefe - Antonyme und Synonyme, andere Persönlichkeitsmerkmale und Tugenden

Hier einige Anmerkungen, wie man as Persönlichkeitsmerkmal, die Eigenschaft Gefühlstiefe in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Gefühlstiefe - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Gefühlstiefe, also Synonyme zu Gefühlstiefe sind z.B. Gefühlsüberschwang, Leidenschaft, Glut, Inbrunst, Sentimentalität, Sensibilität.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Gefühlstiefe übertrieben kann ausarten z.B. in Gefühlsduselei, Schwärmerei, Träumerei. Daher braucht Gefühlstiefe als Gegenpol die Kultivierung von Rationalität, Realitätssinn, klares Denken.

Gegenteil von Gefühlstiefe - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Gefühlstiefe, Antonyme zu Gefühlstiefe :

Gefühlstiefe Antonyme auf einen Blick

Antonyme Gefühlstiefe, also Gegenteile, sind Rationalität, Realitätssinn, klares Denken, Gefühlskälte, Gefühllosigkeit, Hartherzigkeit, Herzlosigkeit, Oberflächlichkeit,.

Gefühlstiefe und die großen Temperamentgruppen

Stärkung von Gefühlstiefe

Gefühlstiefe kann man sehen als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Gefühlstiefe in dir kultivieren. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Gefühlstiefe mehr zu leben, in dir stärker werden zu lassen.
  • Du kannst dir vornehmen: "Während der nächsten Woche werde ich Gefühlstiefe wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein gefühlstieferer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Gefühlstiefe ausdrückt. Lebe jeden Tag so, als ob du diese Eigenschaft besitzt - und handle entsprechend.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Gefühlstiefe."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin gefühlstief."

Affirmationen zum Thema Gefühlstiefe

Hier einige Affirmationen für mehr Gefühlstiefe. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Gefühlstiefe Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin gefühlstief.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin gefühlstief. Om Om Om.
  • Ich bin ein Gefühlstiefer, eine Gefühlstiefe OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Gefühlstiefe Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin gefühlstief " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Gefühlstiefe.
  • Ich werde gefühlstief.
  • Jeden Tag werde ich gefühlstiefer.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Gefühlstiefe.

Dankesaffirmation für Gefühlstiefe :

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag gefühlstiefer werde.

Wunderaffirmationen Gefühlstiefe Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr gefühlstief. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Gefühlstiefe entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr gefühlstief zu sein.
  • Ich bin jemand, der gefühlstief ist.

Gebet für Gefühlstiefe

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Gefühlstiefe:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Gefühlstiefe.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein gefühlstiefer Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Gefühlstiefe mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Gefühlstiefe zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Gefühlstiefe zu entwickeln?
  • Wie könnte ich gefühlstief werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Gefühlstiefe.
  • Angenommen, ich will gefühlstief sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre gefühlstief, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Gefühlstiefe kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als gefühlstiefer Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Gefühlstiefe

Eigenschaften im Alphabet nach Gefühlstiefe

Literatur

Weblinks

Seminare

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