Atembewusstsein

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Atembewusstsein - Wer wünscht sich nicht gelegentlich mehr Energie? Die Zusammenhänge von Atem, Bewusstheit und Lebensenergie sind dem praktizierenden Yogi wohlbekannt. Eine sanfte, ganzheitliche, achtsame Herangehensweise an dieses Thema stellt uns der Autor im Folgenden vor.

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Atembewusstsein und integraler Yoga

Ein Artikel von Bhajan Noam, aus dem Yoga Vidya Journal Nr.35 - Herbst 2017

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Bevor wir uns hier der Rolle des Atems im menschlichen Sein nähern, gilt es zunächst auf geisteswissenschaftlichem Wege die Rolle des Menschen, seinen Daseinszweck und seine exponierte Stellung im kosmischen Ganzen zu erforschen, um dann, ausgehend von dem so für uns anschaulich entstandenen Menschenbild, Aufgaben und Ziele einer integralen Yogawissenschaft zu definieren und daraus dynamische Konzepte für eine praktische Umsetzung sowohl im alltäglichen, prophylaktischen Gebrauch, wie auch in der speziell ausgerichteten therapeutischen Nutzung zu entwickeln.

Grundlage für geisteswissenschaftliches Forschen ist eine bewusst gewählte, konsequent kontemplativ ausgerichtete Lebensweise, sowie jahrelange Meditationserfahrung, da nur in tiefer Meditation, in völliger Abwesenheit mechanisch aktiver Denkvorgänge, geistige Wahrheiten sich dem ernsthaft Suchenden enthüllen. Auf diesem Weg wird uns nun schon zu Beginn recht deutlich, dass der Mensch befähigt ist – und sich durch Übung immer mehr dazu befähigen kann, sich weit über das tierische Instinktverhalten hinaus, aber ebenso über jene nur dem menschlichen Geist zugesprochenen, komplexen assoziativen Denkvorgänge zu erheben, hin zu einem lichtvollen intuitiven Erfassen, welches an Klarheit vorhergenannte Fähigkeiten nicht nur weit übertrifft, sondern als zu einer vollkommen anderen Ebene des Seins zugehörig erkennen lässt.

Der Mensch als geistiges Wesen

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Entscheiden wir daher folgerichtig, dass der Mensch ein geistiges Wesen ist, welches jedoch noch auf unterschiedlichsten Entwicklungsstufen mit dem Entwachsen aus der materiellen Welt reichlich befasst ist. Ein für ihn als „Freiheit“ empfundenes, ambivalentes Gefühl, das ihm in Folge der evolutionären Entwicklung ohne eigenes Zutun in den Schoß fiel, führte den Menschen einst – und führt ihn auch heute noch – in fortschreitende Irritation. Was im Stadium des Tieres das Instinkthafte perfekt und autonom regelte, ging ihm größtenteils verloren, entriss ihn dafür aber auch jener Dumpfheit, indem seine Sinne jetzt erstmals mit dem Geist in Verbindung geführt wurden; doch was im Zustand des „im Geiste gänzlich Neugeborenen“ spielerischen Umgang mit allen Dimensionen gewährt, scheint dem heutigen Menschen noch in weiter Ferne zu liegen.

So zeigt sich uns nun das Bild eines Zerrissenen. Der Mensch ist nicht mehr Tier, aber auch noch nicht Gottgleicher. Irgendwo in der Mitte der Leiter verharrt er in einem vermeintlichen Nirgendwo zwischen den Sprossen „Hoffnung“, „Glauben“, „Ahnung“ einerseits und „Verzweiflung“, „Schmerz“ und „Lähmung“ andrerseits. Als Außenstehende sehen wir die Verbindung, da ist ja die Leiter, die es einfach nur mutig zu erklimmen gilt. Doch als blind in seiner Situation Steckengebliebener umgibt den Menschen ein scheinbar undurchdringlicher Nebel – darunter ein grauenerregender Abgrund, darüber ein schwindelerregendes Nichts. Ein vielleicht übertrieben beschriebenes Bild, doch wer von uns erkennt sich, zumindest zeitweise, nicht darin.

Mit Yoga zur Ursprungsquelle

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Lassen wir an dieser Stelle Yoga ins Spiel kommen! Yoga: die Leiter, das Verbindende, das Einende, das Sichtbarmachende, den Träumer Weckende, Zerstörer der Maya, die Methode des Willens, Weg der Erkenntnis, das tiefgründige Gesetz. Yoga hat viele Namen, Formen und Facetten und ist so alt wie die Menschheit selbst. Wir müssen aber, wenn wir uns Yoga nutzbar machen wollen, unseren Blick jenseits von Methode, Lehre, Philosophie und Tradition werfen.

Vom Menschengemachten zum Gottgeschenkten bohren wir unablässig unseren Brunnen, bis die ursprüngliche Quelle wieder segenbringend fließt und Wahrheit über Wahrheit ans helle Licht sprudeln lässt. Jeder Mensch ist in sich eine reine Quelle. Alle Wahrheit liegt in ihm selbst verborgen, aller Segen wurde schon zu Anfang ihm gegeben, die Erlösung war bereits vor der Sünde wirksam, seine letzte Geburt geschah vor dem ersten Tod.

Die Quelle, das Göttliche, hauchte dem Menschen Atem ein, vermachte ihm Geist aus dem Geist, jenen ersten Funken des Bewusstseins, ohne den kein Leben existiert. Was wir Atem nennen, ist der feine Motor des Lebens, der jede Zelle, jedes Atom und ebenso jede Galaxie, ja die unzählbaren Universen in ihre Rhythmen versetzt – eine nvorstellbare Kraft: unvorstellbar zart! Dies begreifend müssen wir uns, wie in der äußeren Welt, so auch in der inneren Welt des Yoga, von einer übertriebenen Technikgläubigkeit verabschieden.

Wie wir erkennen werden, ist der Atem in seiner Ursprünglichkeit etwas sehr Behutsames – und gerade dadurch so machtvoll. Er darf nicht gewaltsam beeinflusst werden, wenn wir kein Ungleichgewicht mit fatalen Folgen erzeugen wollen. Fatal in Bezug auf unsere innere Entwicklung – und gerade dieser dient ja der Atem im Yoga. Fatal auch in Bezug auf unsere körperliche Gesunderhaltung.

Die Nadis, die unseren Körper wie ein feines Geflecht durchweben, sind sehr sensible Kanäle, durch die hindurch Prana (Lebensenergie), von unserem Atem genährt, unablässig schwingt. In ihnen bewegt sich also Bewusstseinsenergie, die unser Denken und Fühlen, unsere ganze momentane Persönlichkeit prägt und ausdrückt. Atem und Bewusstsein stehen in denkbar engster Wechselbeziehung, sie können faktisch als identisch betrachtet werden. Darum sollte im Hinblick auf unsere geistige Entfaltung nicht mehr Technik den Atem lenken und forcieren, sondern als Erstes und Dringlichstes unsere Bewusstheit hinsichtlich der Rolle, die der Atem in unserem Leben spielt, geschult werden. Es gilt die folgende einfache Formel zu verstehen und vornehmlich zu erfahren:

Bewusstheit ist Atem – Atem ist Leben – Leben ist Bewegung.

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Diese Formel kann Ausdruck für einen integralen Yoga sein und führt zugleich zu dessen Verständnis. In der praktischen Arbeit mit uns selbst bedeutet dies: Wo wir bewusst, wo wir präsent in unserem Körper sind, ist auch der Atem anwesend oder folgt unmittelbar, und mit ihm die Lebensenergie. Ebenso sind unsere Bewegungen natürlicherweise mit dem Atem gekoppelt.

Bewegen wir uns mit Bewusstheit, regt jede Bewegung ihr gemäß unseren Atem und Energiefluss an. Daraus folgt dann der umgekehrte Schluss: Ein auf natürliche Weise frei zugelassener Atem und ein aus dem Inneren veranlasster, ungehemmter Bewegungsfluss (den man auch Tanz nennen könnte) verändert auch unseren Geist. Die Kunst eines ganzheitlichen Yoga ist es also, ein im Menschen durch unwissenschaftliche Erziehung und naturferne Lebensweise gespaltenes Ganzes wieder schrittweise zusammenzufügen.

Das heißt: Atem, Bewusstheit und Bewegung in ihre ursprüngliche Verbundenheit zurückzuführen. Hierzu sollten wir, und das auch nur anfangs, ein geringes Maß an Technik einsetzen, aber ein hohes Maß an gezielter Aufmerksamkeitslenkung, eine fortschreitende Schulung des Bewusstseins also. Alle hierfür notwendigen Übungen sind dann so konzipiert und werden vor und während ihrer Ausführung in der Weise angeleitet, dass der Übende unmittelbar spürbare und innerlich klar nachvollziehbare Erfahrungen macht.

So können wir eine Entwicklung in Gang setzen, die Abhängigkeiten auflöst und entgegenwirkt und die eine natürliche Autonomie fördert. Zum Abschluss dieser Ausführungen noch ein Satz aus yogischer Weisheit: „Geschenkte Freiheit ist keine Freiheit. Nur bewusst gewählte und mit Mut zurückeroberte Freiheit ist die uns vorbestimmte natürliche Seinsweise, in der Körper, Geist und Seele ihrer höchsten Bestimmung zugeführt werden.“

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