Existenz

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Existenz: Existenz bedeutet "das Dasein", "das Vorhanden sein".

Existenz - interpretiert vom Yoga Standpunkt.

Existenz

Existenz kommt eigentlich vom Lateinischen: existere, heraustreten; vorhanden sein. Genau genommen bedeutet existere, dass etwas ist, lateinisch: esse, und aus diesem Seinszustand heraustritt. Existenz bedeutet also, dass etwas existiert und sich bemerkbar macht.

Existenz ist in der Philosophie die Bezeichnung des Vorhandenseins eines Dinges oder auch überhaupt das vorhanden sein von überhaupt etwas.

Kann man die Existenz Gottes beweisen? Die Existenz Gottes ist nicht beweisbar. Die Existenz Gottes ist auch nicht falsifizierbar. Aber die Existenz Gottes ist zu erfahren. Indem du meditierst, indem du Yoga übst, indem du dein Herz öffnest, spürst du eine höhere Wirklichkeit. Und das was du in tiefer Meditation erfährst, diese Gewissheit, kannst du für dich als Zeichen für die Existenz Gottes sehen.

Im höchsten Bewusstseinszustand schließlich erfährst du deine vollständige Einheit mit Allem. Dort stellt sich die Frage der Existenz Gottes nicht mehr. Du wirst eins mit diesem Göttlichen, mit der kosmischen Existenz.

Über die Existenz

Artikel aus Stories from Yoga Vasishtha von Swami Sivananda. The Divine Life Society Publication, 9. Auflage, Uttarakhand, 2009, S. 41.

Vasishtha sprach zu Rama: „Oh tapferer Rama! Der Geist ist alles. Er ist der Erfüllungsgehilfe aller Handlungen. Die Verneinung der äußeren Welt und die Unterdrückung der Gedanken dienen dazu, den Dämon Geist zu zügeln. Die Welt weilt im Geist genauso wie die Sonnenstrahlen in der Sonne. Der Geist ist der Speicher dieser Welten. Der Geist ist dasselbe wie die Welt und die Welt ist identisch mit dem Geist. Der Geist und die Welt sind aufs Engste und untrennbar miteinander verbunden. Das Spiel des Geistes begründet die Welt. Die Welt erstrahlt nur durch das Bewusstsein.

Das Bild des Universums wird ohne das Zutun eines Malers, einer Leinwand, eines Pinsels oder sonstigen Materials auf die makellose Chidakasha gemalt. Das Bild erscheint von alleine. Es sieht sich selbst. Diese Welt ist wie ein langer Traum im Aufwachstadium. Das Spiegelbild der Welt im allesdurchdringenden, unteilbaren, einheitlichen, sich selbst erfüllenden und selbstleuchtenden Brahman, der der stille Zeuge ist, ist wie das Bild in einem Spiegel. Brahman ist die Grundlage dieses Universums. Es gibt keine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Meditiere auf den ewigen, reinen, allesdurchdringenden, sich selbst erfüllenden Brahman. Allmählich hören alle Schwankungen des Geistes auf. Du wird eins mit dem Höchsten Selbst.

Warum Gott existiert

Stellst du dir folgende Fragen: "Existiert überhaupt Gott? Warum existert Gott? Können wir Gott beweisen? Warum existiert die Welt? Warum existierst du? Wenn du fragst warum existiert Gott, dann könntest du auch fragen: Warum existiere ich?

Es gibt verschiedene Arten von Gottesbeweisen. Kant hat irgendwann einmal gezeigt, dass alle Gottesbeweise letztlich nicht schlüssig sind. Letztlich ist Gott eine Frage der Erfahrung. Wenn du in die tiefe Meditation gehst, dann spürst du das zugrundeliegende Prinzip hinter allem und dann weißt du was Gott ist.

Wenn du ins tiefe Gebet gehst und dich ganz an Gott richtest und dann, in der Tiefe deines Wesens dich auf Gott ausrichtest, spürst du eine Antwort im Gebet, und dann ist dir klar, dass Gott existiert. Für einen Menschen der tiefe Gotteserfahrung hat stellt sich nicht die Frage warum Gott existiert, sondern Gott existiert. Er stellt sich eher die Frage – warum bin ich scheinbar getrennt von Gott?

Warum sehen die meisten Menschen die Welt getrennt von Gott? Das sind wichtigere Fragen. Warum existiert Gott? Gott existiert. Er ist das was ursprünglich existiert hat, ist das was immer weiter existiert, egal was passiert. Darum – warum existiert Gott? Er existiert. Warum existierst du als Individuum? Letztlich als Schöpfung der Welt, als Schöpfung Gottes. Warum existiert die Welt? Weil Gott sie geschaffen hat. Gott allein IST.

Mehr zum Thema Gott findest du auf unseren Internetseiten: www.yoga-vidya.de

Existenz - Video und Audio

Hier findest du einen Videovortrag zum Thema Existenz:

Erfahre einiges über Existenz in dieser kurzen Abhandlung. Sukadev interpretiert hier das Wort bzw. den Ausdruck Existenz vom Standpunkt der Yoga Philosophie aus.

Existenz Audio Vortrag

Hier findest du die Tonspur des oberen Videos, also einen Audio Vortrag über Existenz:

Zeit und Existenz

Vergangenheit und Zukunft existieren schon jetzt

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2020 -

Kommentar zum 4. Kapitel des Yoga Sutras, Verse 12 – 17

In den Versen 12 – 17 geht Patanjali ein klein wenig in die Metaphysik hinein. Zwar ist das Yoga Sutra nicht so sehr Philosophie, sondern mehr eine praktische Anleitung zur Beherrschung des Geistes, aber in diesen Versen wird er etwas metaphysisch. Er beschreibt eine etwas andere Sichtweise der Welt.

Vers 12:

Vergangenheit und Zukunft existieren in ihrer eigenen Form; aus den unterschiedlichen Wegen ergeben sich die verschiedenen Eigenschaften. In diesem Vers steckt so viel drin, ich habe in meinem Buch „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ auch einen mehrseitigen Kommentar dazu geschrieben. Heute will ich es nicht so philosophisch ausführen – du kannst es ja nachlesen.

Im wesentlichen sagt er hier: Vergangenheit und Zukunft existiert schon jetzt, das heißt die Zukunft existiert und die Vergangenheit existiert. Du hast gar nicht so sehr die Freiheit, die Zukunft zu verändern. Du kannst nur auswählen, welchen Aspekt der Zukunft du erfahren willst.

Es gibt ja das Bild eines mehrdimensionalen Universums, wie es zum Beispiel das Yoga Vasishta beschreibt. Man könnte auch sagen, dass du ja immer wieder in deinem Leben an Scheidewegen standest, immer wieder konntest du unterschiedliche Entscheidungen treffen. In diesem mehrdimensionalen Universums existierst du an den verschiedensten Stellen, an denen du nämlich unterschiedliche Entscheidungen getroffen hast. So traf ich irgendwann die Entscheidung, die Sivananda Yoga-Vedanta-Zentren zu verlassen. Vielleicht gibt es in einem Parallel-Universum den Sukadev ganz woanders, zum Beispiel in Amerika. Irgendwann habe ich die Entscheidung getroffen, kein Swami mehr zu sein – vielleicht gibt es in einem Parallel-Universum einen Swami Sukadevananda, der jetzt genauso alt oder noch älter ist. Es gibt so viele andere parallele Universen.

Dieser Vers will uns letztlich von unserem Ego lösen und und auch etwas entspannen. Man könnte sagen, dass schon jetzt alle Möglichkeiten existieren. Vergangenheit und Gegenwart existiert, aber du kannst auswählen, auf welchem Weg du durch alles hindurchgehen willst. Und wenn du an einem Scheideweg bist, ist es nicht wirklich tragisch, denn alle Möglichkeiten der Entscheidung werden von dir in einer anderen Dimension auch gegangen. Du kannst entscheiden, welchen Weg du hindurch gehst. Wann immer du eine Wahl triffst, triffst du nur die Wahl, welchen Weg du durch dieses Dickicht der Welt nimmst.

Vers 13:

Sie, ob manifest oder unmanifest, existieren in den drei Gunas.

Manche der Möglichkeiten sind manifest, du hast dich dafür entschieden, manche sind unmanifest. Sie sind alle nur in den Gunas. Man muss betonen, dass sie nur in den drei Gunas existieren, denn es geht darum, über sie - über die Eigenschaften sattva, rajas und tamas - hinauszuwachsen. Ja, es ist wichtig, Entscheidungen ethisch und nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen, aber trotzdem: Entscheidungen sind letztlich nur innerhalb der Gunas. Wir wollen über die Gunas hinausgehen, Purusha erfahren, Kaivalya erreichen.

Vers 14:

Die Besonderheit eines Objektes ist die für dieses Objekt spezielle Einzigartigkeit in der Veränderung der Gunas.

Hier will uns Patanjali ein bisschen von unserer Faszination von Objekten lösen. Manche Menschen sagen: „Ich brauche unbedingt dieses Kleid, es ist so schön und so großartig.“ Aber was ist das letztlich?

  • Einfach nur Gunas, einfach nur Elektronen, Protonen und Neutronen.
  • Ein bisschen Farbe, gelb und rot und blau gemischt. Alle Farben kann man aus gelb, rot und blau mischen. Was ist da diese Faszination?
  • Alles rajas, sattva und tamas – was soll's?

Wir müssen uns nicht so sehr an Objekte halten. Die Gunas gehen durch Parinama, durch ständige Veränderungen. Mal ist das eine Guna mehr, mal das andere. Alle Objekte sind nur in den Gunas. Wenn du den Wunsch nach dem neuesten Smartphone, dem neuesten Modell hast, mit dem besten Speicher und dem tollsten Display. Oder wenn du dieses Video in ein paar Jahren siehst, dann willst du den besten Hologramm-Projektor haben und sehen, wie dieser Yogalehrer in der Mitte des Raumes steht und dich persönlich anleitet – dieses Ding brauch ich! Alles nur Gunas, in Parinama, in Veränderung. Nicht so großartig, du kannst dich davon lösen, sei nicht so fasziniert davon.

Das gilt auch für einzelne Menschen, ihren Charakter und ihr Temperament. Menschen sind heutzutage fasziniert von ihrer Psyche. Was ist Psyche? Auch sie ist nichts anderes als eine Manifestation von Guna. Ein bisschen mehr rajas, und dann ist da mehr Ärger dabei, ein bisschen mehr tamas und dann ist mehr Niedergeschlagenheit dabei, ein bisschen mehr sattva führt zu mehr Erhabenheit des Gemüts. Noch ein bisschen mehr tamas, und dann ist da schon wieder die Trägheit – es gibt keine Notwendigkeit, sich zu sehr damit zu identifizieren. Du bist das unsterbliche Selbst.

Vers 15:

Ist das Objekt dasselbe, rührt der augenscheinliche Unterschied zwischen zwei Wahrnehmungen von den verschiedenen Wegen des Chittas her.

Schritt für Schritt will Patanjali uns die Illusionen über diese Welt nehmen. Zunächst einmal sagte er: „Du kannst gar nicht so viel bewegen, denn alles ist schon da in den verschiedenen Parallel-Universen.“ Dann sagt er, dass alles letztlich nur Guna ist, und der Unterschied liegt nur in der graduellen Ausprägung der Gunas. Und dann: „Wie du ein Objekt wahrnimmst, ist nur dein subjektiver Eindruck, weil du auf anderen Wegen durch das Universum gegangen bist.“

Angenommen, drei Menschen erleben die gleiche Situation – für jeden ist es anders. Warum? - Weil man unterschiedliche Wege durch das Dasein hatte ist und deshalb unterschiedliche Samskaras und Vasanas. Ein Mensch, der von einem anderen Menschen angelächelt wird, denkt: „Ah, schön, netter Mensch!“ Der nächste sagt sich: „Oh, der hat es gut und kann lächeln, während ich ein armer Schlucker bin. Außerdem macht er sich über mich lustig und lacht mich aus.“ Und der dritte, der angelächelt wird, reagiert mit „Oh, der will was von mir. Will ich auch was von ihm?“ Also unterschiedliche Hintergründe bei gleichem Gesichtsausdruck führen zu unterschiedlicher Interpretation.

Sei dir bewusst: Die Erfahrung, die du durch Objekte in der Prakriti bekommst, sind sehr subjektiv. Du kannst dich davon lösen – löse dich von Gunas, von Objekten und von deiner Reaktion.

Vers 16:

Ein Objekt ist nicht von einem Verstand (von einem Citta) abhängig. Was würde geschehen, wenn es nicht erkannt würde?

Dieser Vers wird manchmal etwas konträr diskutiert.

  • Wenn niemand da ist, um etwas zu erfahren – existiert das überhaupt?
  • Wenn kein Bewusstsein da ist, um etwas zu beobachten – existiert es?

Patanjali sagte ja im zweiten Kapitel, das Prakriti für Purusha da sei. Aber es gibt nicht nur Purusha, sondern eben auch Citta, den Verstand. Und Patanjali sagt, dass es irgendwo auch ein Universum außerhalb des Cittas gebe. Aber bestimmte Teile des Universums werden im Citta reflektiert. Sie werden nicht rein reflektiert, weil das Citta ja auch gefärbt ist. Aber die äußere Welt existiert erst einmal, aber du kannst sie nicht direkt wahrnehmen, sondern normalerweise nur über das Citta.

Vers 17:

Je nachdem, ob das Objekt den Verstand färbt, ist es diesem bekannt oder unbekannt.

Du bekommst nur eine Erfahrung der äußeren Wirklichkeit, wenn diese in deiner Psyche reflektiert wird. Im Normalfall nimmst du ein Objekt jetzt nicht wirklich wahr, sondern du nimmst die Reflektion dieses Objektes in deinem Geist wahr.

Das Objekt selbst ist zunächst einmal Guna, und es war immer schon da. Es ist wie jedes Objekt eine Mischung von Gunas. Dann wird es in deiner Psyche wiedergespiegelt und damit verändert und modifiziert von den subjektiven Eindrücken. Du nimmst dieses Objekt jetzt wahr – oder auch nicht.

Wenn du dir all das bewusst machst, dann kannst du dich aus der Identifikation lösen. Patanjali geht es um Freiheit. Sei dir also bewusst: das Universum ist es da, besteht aus verschiedenen Gunas, verschiedenen Eigenschaften. Du selbst gehst auf verschiedene Weisen durch dieses Universum. Du nimmst es wahr durch die Reflektion von Teilen des Universums in deinem Citta, aber du selbst bist davon unabhängig.

Wer bist du wirklich? - Darüber schreibt Patanjali in den nächsten Versen.

Video - Zeit und Existenz

Siehe auch

Literatur

Seminare

07.10.2020 - 09.10.2020 - Bewusstseinstechniken aus dem Vijnana Bhairava Tantra
Tantra benutzt alle Sinne, um durch Achtsamkeits- und Meditationstechniken den Schleier der materiellen Welt zu lüften und hinter allen Erscheinungen reines Bewusstsein - unser wahres Selbst - zu…
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Kalyani Friedrich,