Sadhana Chatushtaya

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Sadhana Chatushtaya (Sanskrit: साधनचतुष्टय sādhana-catuṣṭaya n.) wörtl.: "Vierheit (Chatushtaya) der spirituellen Praxis (Sadhana)"; die vier Eigenschaften eines Schülers, die auf dem spirituellen Weg notwendig sind: Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Verhaftungslosigkeit), Shatsampat (sechsfache Tugenden) und Mumukshutva (intensives Verlangen nach Befreiung).

Sadhana Chatushtaya – Eigenschaften eines Schülers

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Ich möchte dich zunächst einführen in ein wichtiges Konzept im Jnana Yoga. Das sind die vier Eigenschaften (Chatushtaya), die ein Schüler entwickeln sollte, um im Sadhana, in der spirituellen Praxis, voranzukommen. Und danach möchte ich dich einführen in Laya Chintana, eine der besonders schönen Meditationstechniken im Vedanta, die auch Ähnlichkeiten mit der Laya-Yoga-Meditation aus dem Kundalini-Yoga hat.

Sadhana Chatushtaya. Chatush heißt vier, Chatushtaya die Vierheit. Sadhana die spirituelle Praxis. Wenn du in deinen spirituellen Praxen Erfolg haben willst, solltest du zusätzlich zu allen spirituellen Praktiken, auch zusätzlich zu den Vedanta-Techniken der Analyse Vichara, diese vier Eigenschaften kultivieren. Diese vier Eigenschaften heißen:

  • Vairagya - Abwesenheit von Gier,
  • Viveka - Unterscheidungskraft,
  • Shatsampat - die sechs edlen Tugenden und
  • Mumukshutva - intensive Sehnsucht nach Befreiung.

Diese vier Eigenschaften spielen gerade im Vedanta eine besondere Rolle. Und damit die Vedanta-Meditationen tief gehen, gilt es diese vier zu kultivieren. Umgekehrt gilt, wenn du die vedantische Analyse betreibst und auch im Alltag nach Vedanta-Prinzipien lebst und auch wenn du die Vedanta-Meditation übst, dann werden diese vier Eigenschaften in dir wachsen. Mein Meister der Swami Vishnu Devananda hat gerne gesagt, wenn du feststellen willst, ob du auf dem spirituellen Weg vorankommst, hängen geblieben bist oder gar Rückschritte gemacht hast, dann überprüfe anhand dieser vier Prinzipien. Wenn du dort Fortschritte machst, ist dein spiritueller Weg gut. Wenn du dort aber Rückschritte machst, dann pass auf, um diese wieder zu kultivieren.

Vairagya

Vairagya hat viele Definitionen. Und es gibt ja auch von mir (zumindest bald) eine Reihe zum Viveka Chudamani, d.h. eine 560-reihige Vortragsserie über alle Verse vom Viveka Chudamani von Shankaracharya. Und dort siehst du umfangreiche Definitionen von Vairagya. Die einfachste Definition von Vairagya ist die tiefe Überzeugung, dass ein äußerlich geführtes Leben einen nicht dauerhaft glücklich macht. Wenn du denkst, dass du nur genügend Geld zu verdienen brauchst, dann wärst du glücklich. Dann fehlt es dir an Vairagya. Wenn du glaubst, du müsstest nur die richtige Frau oder den richtigen Mann finden, dann wärst du dauerhaft glücklich. Dann hast du noch nicht Vairagya.

Wenn du denkst, wenn du die Menschen ausreichend wären oder wenn du nur geschickt genug handeln würdest, dann würdest du glücklich sein. Dann hast du noch nicht Vairagya. Vairagya sagt – Nichts Äußeres kann einen dauerhaft glücklich machen. Selbst wenn all deine äußeren Sehnsüchte erfüllt werden, wird dir dennoch etwas fehlen. Denn was du wirklich suchst, ist nichts Äußeres. Alles, was du äußerlich bekommst, ist letztlich der Vergänglichkeit unterworfen. Selbst wenn dein Chef nett ist, selbst wenn du viel Geld bekommst, du wirst feststellen, langfristig sagt dir das nicht viel. Man sagt manchmal, Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Aber das Ziel des Lebens ist nicht Beruhigung. Und wir wissen auch von Menschen, die Millionäre und Milliardäre sind; diese sind auch nicht beruhigter als andere. Manchmal sagt man auch, die meisten Menschen denken, sie müssten nur 20 % mehr haben, als bisher. Und es stimmt solange bis jemand Millionär ist. Dann möchte er mindestens die 2- bis 5-fache Summe haben, um glücklich zu sein. Egal wieviel man hat, es wird nicht ausreichen. Und wenn man glaubt, dass alles an der Beziehung hängt und man den Partner für sein Glück und Unglück verantwortlich macht, dann wird es besonders schwierig. So gelingt keine Beziehung, wenn man zu viel dort reinsteckt. In diesem Sinne: Vairagya ist die tiefe Überzeugung, dass ein äußerlich geführtes Leben nicht dauerhaft glücklich macht. Es muss mehr geben, als das. Vairagya ist auch in Verbundenheit mit einer gewissen Verhaftungslosigkeit. Man spielt zwar manchmal das Spiel mit und erfüllt sich den einen oder anderen Wunsch; versucht geschickt mit allem umzugehen. Man genießt es, wenn es mal was Schönes gibt. Aber man weiß auch, dass es mal vorbei sein wird. Schöne Erfahrungen kommen, schöne Erfahrungen gehen. Menschen sind freundlich und manchmal weniger freundlich. Erfahrungen mit Partner und Partnerin sind mal schön und vielleicht auch mal weniger schön. Im Beruf gibt es mal Erfolg und mal weniger Erfolg. Wir bemühen uns, schöne Erfahrungen zu machen. Wir bemühen uns im Beruf Erfolg zu haben. Wir bemühen uns in der Beziehung liebevoll freundlich zu sein, schöne Erfahrungen zu haben. Aber wir wissen, dass es nie dauerhaft möglich sein wird. Es kommt und es geht. Wir können versuchen so zu kommunizieren, dass wir mit der Mehrheit der Menschen gut zurechtkommen. Aber Menschen sind mal freundlich, mal weniger freundlich. Was wir machen, hat einen gewissen Einfluss. Aber auch die größten Menschenliebhaber, Menschen mit der größten Liebe wie Buddha oder Jesus sind auch verfolgt worden. Wie sollte es bei uns anders sein? Vairagya – Loslassen.

Viveka

Viveka, die Unterscheidungskraft. Viveka und Vairagya hängen etwas zusammen. Man könnte sagen, Vairagya ist ein bisschen von den Emotionen und Gefühlen her und Viveka ist von den intellektuellen Überzeugungen her.

Ich hatte, in einer der vorherigen Lektionen darüber gesprochen: Die Unterscheidung dem Selbst und dem Nichtselbst. Sich bewusstmachen, ich bin nicht der Körper, ich bin nicht die Psyche. Die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Bewusstsein. Was ein Ende hat, hat auch ein Ende. Was ich erreicht habe, wird auch wieder vergehen. Das, was mir jetzt besonders Spaß macht, wird auch wieder verschwinden. Die Unterscheidung zwischen Ananda, Sukha, Duhkha. Dauerhafte Freude, die aus dem Inneren kommt und die aus dem des Bewusstseins kommt. Und Vergnügen, Schmerz, was notwendigerweise in dieser Welt kommt. Sat Asat Viveka – letztlich wissen, die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist nicht so, wie wir sie wahrnehmen. Diese Viveka immer wieder vielleicht auch mit heiterer Amüsiertheit schauen, wie die Welt Chimären hinterherläuft. Wie du selbst öfter Chimären hinterherläufst. Also scheinbaren Dingen. Die Aufregung des Geistes. Öfter mal amüsiert humorvoll anschauen; deine eigene und die von anderen. Viveka.

Shatsampat

Shatsampat – die sechs edlen Tugenden. Die sechs edlen Tugenden der Gelassenheit. Shankara nennt sie Shatsampat; er nennt sie auch Samadhi Shat Kam. Die Sechsheit von Gleichmut des Geistes und anderen. Shatsampat bedeutet eine gewisse Gelassenheit im Alltag kultivieren. Es gibt sechs Tugenden, dich ich auch kurz aufzählen möchte: Sie heißen

  • 1. Shama – Ruhe des Geistes
  • 2. Dama – Die Fähigkeit zur Sinneskontrolle
  • 3. Uparati – Die Fähigkeit das zu meiden, was zu meiden ist
  • 4. Titiksha – Duldungskraft, etwas aushalten können
  • 5. Shraddha – Vertrauen
  • 6. Samadhana – Gleichmut und Gelassenheit

Shama heißt die Fähigkeit den Geist ruhig zu halten; was auch immer kommt und den Geist zur Ruhe zu führen. Also angenommen: Dich ärgert etwas. Du sagst einen Moment – Stopp, Ruhe des Geistes. Wenn es dir so gelingt. Wenn du willst, den Geist zur Ruhe zu bringen, dann hast du Shama erreicht.

Dama heißt die Fähigkeit, die Sinne zu beherrschen. Was heißen würde: Angenommen du regst dich auf, bist du wenigstens in der Lage, nicht mit Gegenständen zu werfen und nicht andere zu beschimpfen. Dir gelingt es wenigstens Körper und Stimme zu beherrschen. Wenn du merkst, dass du dich nicht beherrschen kannst, dann Uparati heißen, den Ort des Geschehens zu verlassen. Dich mühselig noch zu beherrschen und sagen: Es tut mir Leid. Ich muss jetzt mal gehen.

Titiksha heißt auch etwas aushalten können. Sowohl Hitze und Kälte, Vergnügen und Schmerz, Lob und Tadel. Und auch mal auszuhalten, dass du dich doch nicht so unter Kontrolle hast, wie du dir das eigentlich vorgenommen hast. Aushalten können.

Shraddha heißt Vertrauen. Vertraue langfristig; es wird dir gelingen. Langfristig wirst du zu dieser Ruhe, Sinnesbeherrschung kommen. Du wirst es aushalten können. Auch ein Vertrauen in die Worte der Schriften, Worte der Heiligen, Meister und Meisterinnen. Und die tiefe Überzeugung: Langfristig werde ich Gott erfahren. Langfristig werde ich die Einheit erfahren. Und wenn du soweit bist, Samadhana.

Samadhana heißt Gelassenheit. Dass du dich noch nicht einmal aufregst. Und selbst wenn du dich aufregst, bist du in der Lage einen Standpunkt einzunehmen, der hinter dem ist. Du merkst, da ist gerade Aufregung; da ist gerade Unruhe. Meine Emotionen sind angesprungen. Aber ich bin das Unsterbliche und das Ewige.

Du magst sagen, dass das ja schon eine Menge ist. Und das soll die Eigenschaft eines Schülers sein. Ja, es ist eine Menge. Und in dem Maße, in dem du in diesen vieren wächst, in dem Maße wächst du auf dem spirituellen Weg.

Beispiel für Shatsampat im Alltag

Angenommen du willst deine Gewohnheit ändern.

  • Shama heißt du bist in der Lage deinen Geist zur Ruhe zu führen, selbst wenn der Wunsch kommt, die Gewohnheit zu wiederholen.
  • Dama heißt, du hältst deinen Geist unter Kontrolle. Angenommen du hast dir vorgenommen, eine Woche keine Schokolade zu essen und du gehst beim Naturkostladen vorbei, siehst deine Lieblingsvegane-Schokolade im Schaufenster; du wiederholst dein Mantra, hast Ruhe, dehnst dein Bewusstsein aus, fühlst dich voller Freude. Keine Frage mehr – Schokoladenwunsch längst verschwunden. Wenn dir das nicht gelingt, dann wenigstens Dama – nicht reingehen, beherrsche dich. Wenn du weißt, dass wenn du am Laden vorbeigehst, du nicht in der Lage sein wirst, nicht rein zu gehen, wählst du am besten eine andere Straße.
  • Uparati – du gehst gar nicht erst in die Nähe.
  • Titiksha. Falls du es doch gemacht hast, dann wütest du nicht gegen dich selbst und sagst stattdessen: Okay, dieses Mal hat es nicht geklappt. Beim nächsten Mal wird es klappen.
  • Shraddha – du hast Vertrauen. Langfristig wirst du diese Verhaftungen überwinden.
  • Samadhana – du kannst an dem Naturkostladen vorbeigehen. Du siehst die Schokolade. Überhaupt kein Wunsch taucht auf. Das ist tiefes Shatsampat gegenüber einem Wunsch, den du mal hattest.

Mumukshutva

Mumukshutva ist der intensive Wunsch nach Befreiung. Moksha heißt Befreiung, Freiheit, Einheit, höchstes Glück, Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung. Mumukshutva ist die intensive Überzeugung, dass es eine intensive Wirklichkeit gibt; ich kann sie erreichen; ich will sie erreichen. Und es heißt, wenn Mumukshutva, also die Sehnsucht nach Befreiung, die Sehnsucht nach Gottverwirklichung, die Sehnsucht nach der unendlichen Einheit – wenn diese größer ist als alle anderen Wünsche, dann erreichst du sie noch in diesem Leben. Und wenn sie alles verzehrend ist, dann kannst du in einem Moment Moksha erreichen, sofern nicht einige karmische Aufgaben noch vorher zu erledigen sind.

Also diese vier gilt es zu kultivieren. Immer wieder bewusst machen, ein äußeres Leben macht mich nicht glücklich. Und immer wieder merken, wenn im Geist wieder etwas kommt. Wo du wieder in die Opferrolle hineinkommst und du denkst, wenn nur nicht mein Chef wäre, dann wäre ich glücklich. Wenn nur nicht mein Vermieter so unverschämt wäre. Wenn nur der Nachbar nicht so laut wäre. Wenn nur meine Freundin sich besser benehmen würde. Wenn nur meine Kinder vernünftiger wären. Wenn meine Eltern usw.

Sowie du merkst, dass du dein Glück von äußeren Dingen abhängig machst, halte einen Moment inne und lächle darüber. Auf einer relativen Ebene wirst du auch verschiedenen Anliegen gerecht werden müssen. Und vielleicht dann schauen, wie du mit allem zurechtkommst. Aber glücklich macht dich nichts Äußeres. Und – das ist der große Trost – unglücklich macht dich auch nichts Äußeres.

Viveka. Das kannst du immer wieder auch bewusst machen. Und immer wieder dir im Alltag bewusst machen. Es gibt eine unendliche Wirklichkeit. Was ich jetzt vielleicht momentan sehe ist relativ. Aber auch im Relativen ist die höchste Wirklichkeit. Da will ich hingehen. Das will ich erfahren. Das ist es Wert dorthin zu gehen. Und ich will mich nicht mit Kleinem identifizieren. Körper geht durch Höhen, Körper geht durch Tiefen. Körper ist gesund, Körper ist auch einmal krank. Körper altert irgendwann. So vieles kommt. So vieles geht. Immer wieder bewusst machen: ich bin das unsterbliche Selbst.

Shatsampat – bemühe dich im Gleichmut und Gelassenheit im Alltag. Mumukshutva. Und kultiviere immer wieder die Sehnsucht nach dem Göttlichen. Die Sehnsucht nach dem höchsten Bewusstsein. Die Sehnsucht das zu erfahren, was du wirklich bist. Das zu erfahren, was das einzig Wirkliche ist. Das Unendliche. Das Ewige.

Zusammenfassung

Mein Name ist Sukadev und ich möchte dich animieren, das was du in dieser Lektion gelernt hast, auch in den nächsten Tagen umzusetzen. Immer wieder: Übe Vairagya. Werde dir bewusst, Wunscherfüllung macht nicht glücklich. Mache dein Glück nicht abhängig von anderen Menschen und Ereignissen. Dein Glück muss nicht abhängig von dem wie andere zu dir sind, was geschieht. Du bist auch nicht deines Glückes Schmied, im Sinne davon, dass du alles erreichen musst. Yogis sagen: Anandoham – in mir ist das Glück. Und in jedem anderen ist auch das Glück. Vairagya. Analysiere immer wieder – Wer bin ich? Mach dir immer wieder bewusst (im Sinne von Viveka), es gibt eine allumfassende Wirklichkeit. Und alles andere kommt und geht. Was ein Anfang hat, hat ein Ende. Aber es gibt ein Ewiges. Alles ist Viveka. Führe immer wieder deinen Geist zum Gleichmut. Immer wieder, wenn es Herausforderungen im Alltag gibt, mache dir bewusst, wunderbare Gelegenheit Samadhana zu üben – Gelassenheit. Shatsampat – die sechs edlen Tugenden zu genießen. Und mach dir auch immer wieder bewusst: Nur die Gottverwirklichung macht dich dauerhaft glücklich. Kultiviere Mumukshutva. Die Sehnsucht nach der höchsten Erfahrung. Übe die Vedanta-Meditationen, zum Beispiel die Ausdehnungsmeditation, zum Beispiel Laya Chintana. Dieses Auflösen von allen Beschränkungen. Wann immer du merkst, dass du irgendwo Schmerzen hast, kannst du auch hineinatmen und ausstrahlen lassen. Wenn du irgendwo eine Emotion in dir hast, kannst du hineinatmen und ausstrahlen lassen. Wenn irgendwo ein emotionaler Schmerz ist, löse ihn auf. Hineinatmen und ausstrahlen lassen. Oder gehe in die Tiefe; gehe in die Weite. Gott ist überall. Zu erfahren in der Tiefe. Zu erfahren in der Weite. Nur im Feststecken ist es schwierig.

So übe das, was du in dieser Lektion gelernt hast. Vedanta heißt auch Praxis. Vedanta heißt Schritt für Schritt Verwirklichung der höchsten Wahrheit.

Nochmals den Tipp: Eine Weile in einen Ashram zu kommen hilft auch, aus diesem Bewusstsein heraus zu leben. Und wenn du wirklich tiefe Sehnsucht hast, das höchste zu erfahren, dann überlege vielleicht dauerhaft in einen Ashram zu gehen oder mal für ein Jahr oder für ein paar Wochen oder Monate. Und wenn du jemand bist, der schon im Ashram ist, lass den Alltag dich nicht aus deiner spirituellen Motivation herausführen. Immer wieder übe Viveka, Vairagya, Shatsampat, Mumukshutva und überprüfe dich. Swami Sivananada hat gerne gesagt: scrutinize your motives. Analysiere, was deine Motivation ist. Bist du wieder jemand geworden, der sein Glück von anderen abhängig macht. Bist du jemand geworden, er immer wieder von anderen erwartet. Bist du wieder im Hamsterrad des Anspruchs und Leistungsdenkens gefangen? Löse dich daraus. Übe Vairagya. Übe Viveka. Übe eine Gelassenheit. Shatsampat. Und immer wieder: Sei dir bewusst, worum es im Leben geht. Übe Mumukshutva. Sehnsucht nach Befreiung.

Video - Sadhana Chatushtaya - Eigenschaften eines Schülers

Video - Laya Chintana Meditation

Laya Chintana ist eine Vedanta Meditationstechnik für die Auflösung von Begrenzungen, löst auch Spannungen und Energieblockaden auf und hilft, das Bewusstsein zu lösen von Verhaftungen und Identifikationen. Laya Chintana führt gerade Menschen, denen es schwer fällt, in tiefe Meditation zu kommen, zu außergewöhnlichen Erfahrungen.

Sukadev über Sadhana Chatushtaya

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Sadhana Chatushtaya

Sadhana Chatushtaya ist die Vierheit der spirituellen Praxis. Sadhana Chatushtaya wird auch bezeichnet als die vier Mittel zur Befreiung, die vier Eigenschaften eines Schülers, die man entwickelt haben sollte, bevor man sich einem Brahmanishta Guru nähert, also einem Guru, der sich in Brahman gut verankert hat. Shankaracharya erwähnt öfters die Sadhana Chatushtayas. Shankaracharya ist der große Meister um 800 n.Chr. Shankara spricht darüber, dass man sich erst ausstatten sollte mit Sadhana Chatushtaya. Wenn man sich ausgestattet hat mit Sadhana Chatushtaya, dann gehe man zu einem Guru und bitte ihn um Unterweisung. Dann folge man den Unterweisungen des Gurus und erreiche die Selbstverwirklichung.

Was ist jetzt Sadhana Chatushtaya? Sadhana Chatushtaya besteht aus Viveka, Vairagya, Shatsampat und Mumukshutwa. Sadhana Chatushtaya erwacht auf Subecha. Subecha ist die erste Stufe der spirituellen Evolution, erste der sieben Bhumikas. Was sind noch diese vier? Erstmal, Viveka – Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen, dem Vergänglichen und dem Ewigen, dem Selbst und dem Nicht-Selbst, dem wahrhaft Glücklichen und dem Nicht-Glücklichen. Zweitens: Vairagya – der Zustand von Abwesenheit von Wünschen. Drittens: Mumukshutva – intensiver Wunsch nach Befreiung, oft auch erst als viertes genannt. Und Shatsampat – die sechs edlen Tugenden der Gleichmut. Das sind die Sadhana Chatushtayas.

Diese vier gilt es, zu entfalten und zu entwickeln. Swami Vishnudevananda hat gerne gesagt: „Wenn du wissen willst, ob du auf dem spirituellen Weg voranschreitest, dann ist weniger erheblich, ob du jetzt flexibler wirst bei den Asanas, ob du die Luft länger anhalten kannst beim Pranayama, ob du in den Mudras deine Wirbelsäule heiß spürst, ob du dein Herz besonders intensiv fühlst beim Mantrasingen, ob du Lichter siehst in der Meditation oder Anahata-Klänge oder was auch immer.

Du kannst feststellen, ob du auf dem spirituellen Weg voranschreitest, wenn du siehst: „Wachse ich in den Sadhana Chatushtayas? Wird mein Vairagya größer?“ Vairagya ist die tiefe Überzeugung, dass nichts Äußeres mich dauerhaft glücklich macht. Wenn du denkst: „ich brauche das, ich brauche jenes, oder ich wäre glücklich wenn“, dann ist Vairagya noch nicht so tief. Dann musst du daran arbeiten, Vairagya tiefer werden zu lassen. Vairagya ist der Zustand, "Gya", der gekennzeichnet ist von Vai-Raga, von der Abwesenheit einer Verankerung von Mögen und Nicht-Mögen, Vairagya.

Als zweites Viveka. Vairagya ist mehr emotional, Viveka ist so ein bisschen intellektuell, vernunftmäßig. Viveka heißt, die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Es heißt, dass du dir bewusst bist: „Es gibt etwas Ewiges. Es rentiert sich, danach zu streben.“ Es gibt etwas Vergängliches, dem sollte man nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst: „Ich bin das Unendliche, das Ewige. Ich bin nicht der Körper und die Psyche. Körper und Psyche sind Instrumente, ich kümmere mich darum, aber ich bin es nicht.“ Es ist die Unterscheidung zwischen Sukha und Ananda. Ananda ist die ewige Freude, Sukha ist das vergängliche Vergnügen. Es nutzt nichts, nur nach vergänglichem Vergnügen zu streben, denn das rennt einem immer wieder weg. Es ist wichtig, die tiefe Wonne zu erreichen. Das ist alles Viveka.

Shatsampat sind die sechs edlen Tugenden der Gleichmut. Darüber gibt es einen eigenen Lexikon-Eintrag, deshalb nur ganz kurz: Shatsampat sind die sechs Tugenden der Gleichmut und der Gelassenheit. Es gilt, Gelassenheit zu entwickeln gegenüber den Höhen und Tiefen des Lebens, gegenüber dem, was schön ist und weniger schön ist. Diese Shatsampat gilt es zu kultivieren.

Und Mumukshutwa, vielleicht die wichtigste dieser Eigenschaften, das intensive Verlangen nach Wahrheit, die Sehnsucht nach Erleuchtung. Wenn die Sehnsucht nach Erleuchtung, die Sehnsucht nach der höchsten Wahrheit größer ist als alle anderen Wünsche, dann kannst du die Verwirklichung in diesem Leben erreichen.

Entwickle also die Sadhana Chatushtayas, mindestens ein wenig. Und jeden Monat ein wenig mehr. Und passe auf, dass dein Geist dich nicht in die Irre führt. Und entwickle so Vairagya, die tiefe innere Überzeugung, dass ein äußeres Leben allein dich nicht glücklich macht. Viveka, die Unterscheidung zwischen dem vergänglich äußerem Nicht-Selbst und nicht wahres Glück und dem, was wahres Glück ist, ewig, dein wahres Selbst. Shatsampat, entwickle Gelassenheit. Und Mumukshutwa, folge der tiefen Sehnsucht nach Wahrheit. Das sind Sadhana Chatushtayas, die Vierheit des Sadhanas.

Sadhana Chatushthaya - vier spirituelle Eigenschaften für Gelassenheit

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Das letzte Mal hatte ich einiges erzählt über Shatsampat, die sechs edlen Tugenden der Gelassenheit und die sechs Schritte zur Gelassenheit. Die sechs Schritte zur Gelassenheit, gehören zu den vier Eigenschaften eines Schülers, Sadhana Chatushthaya, die Shankarachaya, der große Vedantameister um 800 nach Christus erwähnt. Die vier Eigenschaften sind:

Es ist klar, dass man, wenn man diese Eigenschaften in sich entwickelt hat, natürlich auch Gelassenheit hat. Gut, Gelassenheit gehört selbst dazu.

Viveka

Viveka ist die Unterscheidungskraft und Shankaracharya unterscheidet:

  • Sat Asat Viveka - die Unterscheidung zwischen dem Wirklichen und dem Unwirklichen.
  • Atma Anatma Viveka - die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nicht-Selbst. Selbst, wer bin ich und nicht Selbst, wer bin ich nicht. Wenn du dich fragst, wer bin ich, und wovon hänge ich wirklich ab, kannst du vieles in die richtige Perspektive setzen. Wenn du weißt, ich bin Bewusstsein, dann wirst du dich nicht zu sehr aufregen über andere Dinge. Wenn du dich mit deinem Körper identifizierst, wirst du dann natürlich alle möglichen Probleme haben, wenn der Körper Probleme hat. Wenn du aber weißt, ich bin nicht der Körper, ich bin unsterbliches, unendliches Bewusstsein, dann wirst du dich weder zu sehr drüber aufregen, wenn etwas mit dem Körper passiert, noch, wenn etwas mit der Psyche passiert.
  • Ananda-Dukha Viveka – oder auch Ananda Sukha Viveka – die Unterscheidung zwischen wahrer Freude und Leiden oder wahrer Freude und Vergnügen. Vergnügen kommt und Vergnügen geht. Aber tief im Inneren bleibt Ananda.
  • Nitya Anitya Viveka – die Unterscheidung zwischen dem Ewigen und dem Vergänglichen. Das, was vergänglich ist, ändert sich, das was ewig ist, ändert sich nicht. Wenn du erkennst, dass etwas nicht ewig ist, sich ständig verändert, kannst du die Veränderungen akzeptieren. Viele Menschen regen sich auf, wenn etwas, das da war, plötzlich verschwindet. Nitya Anitya Viveka ist ja etwas ganz Entscheidendes. Zu erkennen, Dinge kommen, Dinge gehen, das ist der Lauf der Welt, daraus resultiert letztendlich Vairagya.

Vairagya

Vairagya heißt Nichtanhaften, Loslassen, Verhaftungslosigkeit, Entsagen. Vairagya heißt auch Nicht-Wünschen. Indem du die Dinge so annimmst, wie sie kommen, kannst du gelassen sein. Indem du siehst, dass du von deinen Wünschen loslassen kannst, kannst du alles akzeptieren. Indem du erkennst, dass die Dinge vergänglich sind, kannst du gelassen bleiben, wenn du merkst, sie sind tatsächlich vergänglich. So ist Vairagya eine zweite wichtige Eigenschaft.

Mumukshutva

Die vierte Eigenschaft für einen Aspiranten ist Mumukshutva, intensives Verlangen nach der Wahrheit. Die tiefe Überzeugung, dass es eine tiefe Wirklichkeit gibt und dass diese höhere Wirklichkeit auch erfahrbar ist, und der Wunsch, diese auch tatsächlich zu erfahren. Mumukshutva setzt alles andere in die angemessene Perspektive. Wenn du den tiefen Wunsch hast, ja ich will das Höchste erfahren, nimmst du vieles andere in Kauf und vieles andere spielt nicht die ganz große Rolle. Es ist so ähnlich, wie wenn du wirklich einen Berg besteigen willst. Dann stört es dich jetzt nicht so, dass Bäume auf dem Weg vorübergehend mal nicht ganz so schön sind. Dich stört es nicht so, dass es vielleicht einmal ein bisschen riecht, dich stört es nicht so, dass vieles andere auf dem Weg nicht so gut ist.

Wenn ein tiefer Wunsch da ist, auf den Berg zu kommen, wenn du weißt, oben auf dem Berg wird es wirklich schön, dann nimmst du vieles andere in Kauf, und es stört dich nicht so sehr. Auf ähnliche Weise, wann immer dir etwas sehr wichtig ist, dann spielt vieles nicht die große Rolle. Wenn es dir sehr wichtig ist, das Höchste zu erreichen, dann kannst du vieles andere annehmen. So kannst du überlegen, gibt es ein übergeordnetes Ziel?

Sadhana Chatushtaya im Alltag

Diese vier Eigenschaften kannst du natürlich auch auf anderes anwenden. Auch wenn es nicht um das höchste Ziel geht, die vier sind auch hilfreich oder wichtig vom Standpunkt einer relativeren Wirklichkeit. Die vier Eigenschaften eines Suchenden stammen aus dem Jnana Yoga, aus dem Vedanta, also aus dem Breich einer sehr hohen Spiritualität.

Viveka ist aber auch Unterscheidungskraft. Angenommen, du regst dich über etwas auf, kommt Viveka und du kannst dich fragen, über was rege ich mich eigentlich auf? Macht das überhaupt einen Sinn? Viveka ist dann die intellektuelle Erkenntnis, ja ich brauche mich doch gar nicht aufzuregen, es gibt gar keine Notwendigkeit, mich darüber aufzuregen. Ich kann auch auf andere Weise damit umgehen. Vairagya heißt dann auch Loslassen. Angenommen, du stellst fest, du hast dich über etwas aufgeregt, und es ist gar nicht so wichtig, dann kannst du es loslassen.

Mumukshutva, angenommen, du hast ein übergeordnetes Ziel, und das muss nicht nur die höchste Verwirklichung sein - angenommen du hast ein übergeordnetes Ziel, dann kannst du fragen, vor dem Hintergrund meines übergeordneten Ziels, was heißt das, für das, was jetzt konkret ist? Viele Menschen vergessen das übergeordnete Ziel und regen sich dann über Kleinigkeiten auf. Indem du aber ein übergeordnetes Ziel erkennst, weißt du, dass du auf einiges auf dem Weg dorthin verzichten kannst, und dass du auch mit deinen Mitmenschen, zum Wohl des übergeordneten Zieles freundlich umgehen kannst.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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