Selbstlosigkeit

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Selbstlosigkeit : Was bedeutet das Wort Selbstlosigkeit? Woher stammt dieser Begriff? Wozu ist Selbstlosigkeit eine gute Bezeichnung? Was sind Synonyme und Antonyme von Selbstlosigkeit? Selbstlosigkeit ist die Fähigkeit für andere da zu sein, ohne etwas von ihnen zu wollen. Selbstlosigkeit bedeutet, dass man sich einsetzt für eine Person, eine Gruppe von Personen, einen Verein, eine Initiative oder allgemein einen wichtigen Zweck, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten.

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Selbstloses Dienen gehört zu den wichtigen Empfehlungen verschiedenster Religionen. Selbstlosigkeit bedeutet natürlich nicht, dass man selbst nichts davon hat: Wer sich mit Selbstlosigkeit einsetzt, mag kein Geld für sein Tätigsein bekommen. Aber er bekommt innere Zufriedenheit, spirituelles Wachstum, das Gefühl der Liebe und Verbundenheit. Im Yoga spricht man auch gerne von selbstlosem Dienen, das man aber besser als uneigennütziges Dienen bezeichnen sollte. Denn durch selbstloses Dienen will man zur Erfahrung des höchsten Selbst in allen Wesen kommen.

Selbstlosigkeit als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

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Selbstlosigkeit, eine wichtige Eigenschaft eines spirituellen Aspiranten, eine wichtige Tugend, die man entwickeln sollte, um mehr Freude zu haben, Zugang zu finden zu einer höheren Wirklichkeit, um Gott zu verwirklichen. Selbstlosigkeit ist natürlich ein etwas eigenartiger Ausdruck im Deutschen. Selbstlos heißt ohne Selbst. Natürlich, geht das gar nicht, letztlich, wir sind das Selbst.

Im Yoga sagen wir ja auch, wir sind eine unsterbliche Seele, wir sind Atman und in der Tiefe des Selbst sind wir eins mit der Weltenseele, unser wahres Selbst ist letztlich eins mit dem kosmischen Selbst, so wie es auch heißt, Jivatman ist eins mit Paramatman, individuelles Selbst ist eins mit dem höchsten Selbst. Weshalb wir auch im Yoga nicht wirklich von Selbstlosigkeit sprechen, man spricht z.B. von Nishkamya Karma Yoga, das heißt uneigennütziges Dienen. Nishkamya-, Kama heißt Wunsch, Kama heißt Gier, Kama heißt Lust, aber Kama heißt eben auch Nutzen, Nishkamya heißt Uneigennütziges. Man spricht also beim Nishkamya Karma Yoga, vom uneigennützigem Dienen.

Im Deutschen spricht man dort oft von selbstlosen Dienen und Selbstlosigkeit, denn das findet man eben in dem christlichen Kontext mehr. Selbstlosigkeit, könnte man auch vom Christlichen her sagen, Jesus hat gesagt, "liebe deinen Nächsten wie dich selbst", das heißt auch, "liebe deinen Nächsten als dein Selbst" und von daher, so ganz so selbstlos muss es auch nicht sein. Aber Selbstlosigkeit wird ja eher definiert, dass man etwas tut für andere, dass man etwas tut für eine höhere Sache, dass man etwas tut für eine Gruppe von Menschen, dass man den Armen dient, den Kranken dient, den Alten dient, den Bedürftigen dient, denen, die Hilfe brauchen.

Selbstlosigkeit heißt, etwas zu tun, ohne etwas Materielles direkt zurück zu bekommen. Angenommen, du gibst eine Spende und du erwartest einen großen Dank, dann ist es nicht selbstlos. Aber angenommen, du gibst eine Spende, vielleicht sogar so, dass es keiner weiß, dass du eine Spende gegeben hast, dann ist es selbstlos. Natürlich, wenn du eine Spende gibst, ohne dass es jemand weiß, irgendwo bekommst du eine innere Befriedigung. Und deshalb, die Selbstlosigkeit führt doch zu einem schönen Gefühl.

Angenommen, du tust jemandem einen Gefallen, wenn du erwartest, dass er diesen Gefallen zurückgibt und nachher enttäuscht bist, wenn er ihn dir nicht zurückgibt, dann war es keine selbstlose Handlung. Du hast nur eine Art Krämertum gehabt, du hast irgendwo schon etwas gegeben, es ist wie eine Art Tauschhandel, du hast etwas gegeben und du hoffst, der andere gibt wieder etwas zurück. Das ist keine Selbstlosigkeit, das ist Tauschhandel. Tauschhandel ist auch ok, ist ja nichts Schlimmes, nur Selbstlosigkeit ist es nicht.

Selbstlosigkeit ist all das, was du tust für andere, für eine gute Sache, ohne materiell etwas zurückzuhaben und auch ohne Anerkennung und Dank und Lob zurückhaben zu wollen, das ist Selbstlosigkeit. Wozu ist Selbstlosigkeit gut? Zum einen natürlich könntest du sagen, das gibt ein gutes Gefühl. Es ist irgendwo im Menschen drin, dass er selbstlos tätig sein will und dazu braucht es noch nicht mal die Religion. Es wird ja manchmal behauptet, dass Religion notwendig sei, dass Menschen ethisch handeln und dass sie für das Gute anderer tätig sind. Das stimmt aber nicht, die empirische Forschung zeigt durchaus, dass auch Atheisten genauso ethisch sein können wie religiöse Menschen und dass Atheisten sich genauso engagieren für die gute Sache wie andere.

Also, man braucht nicht unbedingt einen religiösen Unter- oder Überbau für Ethik und Selbstlosigkeit, es ist irgendwo im Menschen drin. Und ich stamme ja durchaus aus einer spirituellen Richtung, ich bin natürlich kein Atheist, sondern im Gegenteil, ich bin der festen Überzeugung, es gibt eine höhere Wirklichkeit, ich bezeichne sie auch als Gott, ich fühle mich von einem Göttlichen getragen und geführt und ich widme das, was ich tue, auch bewusst Gott. Wenn ich morgens aufwache, spreche ich ein Gebet, wenn ich abends einschlafe, spreche ich ein Gebet, zwischendurch spreche ich ein Gebet, ich bitte um Führung. Und mein Leben ist dem Dienen gewidmet.

Wenn ich jetzt z.B. diese Vorträge mache, dann erwarte ich nichts davon. Letztlich bin ich sogar in irgendeiner glücklichen Lage, dass ich irgendeine Erbschaft gemacht habe, dass ich niemals mehr tätig sein müsste für Geld, irgendwo ginge das, aber das mag ich nicht, warum sollte ich jetzt einfach nur Dinge tun. Aber ist es ganz selbstlos, was ich tue? Das kann ich auch nicht sagen, denn natürlich, ich bekomme eine innere Befriedigung, Menschen loben mich, geben mir Anerkennung usw. Ich hoffe, ich mache viel mit einer gewissen selbstlosen Einstellung, aber wenn man selbst es tut, dann kommt es auch gar nicht darauf an, dass man sich etwas einbildet auf Selbstlosigkeit oder nicht. Es geht aber grundsätzlich darum, man will etwas tun für andere, man will etwas tun, dass es anderen gut geht, man bittet Gott um Führung oder man schaut, was andere brauchen.

In meinem Fall, ich fühle mich geführt von meinen Meistern, nämlich von Swami Sivananda und von Swami Vishnudevananda, und ich habe irgendwo so ein Gefühl der Berufung und irgendwo ein Gefühl, dass das meine Aufgaben sind. Und öfters mal habe ich so Visionen und irgendwelche Eingebungen und sage, "ja, das muss jetzt getan werden". Und dann tue ich es auch. Nicht immer finden Menschen das richtig, was ich so tue, nicht immer schätzen mich Menschen wert deshalb, aber ich versuche, Menschen Gutes zu tun.

In diesem Sinne, Swami Vishnudevananda, mein Meister, von dem ich mich viel geführt fühle und z.B. von dem ich dieses Lexikon-Projekt übernommen habe. Swami Vishnudevananda wollte das Lexikon von Yoga schaffen, er wollte eine Encyclopaedia of Yoga, Yoga Sciene and Yoga Therapy, schaffen und da bin ich jetzt auch dabei mit diesen Vorträgen. Das Lexikon der Tugenden, Eigenschaften und geistigen Fähigkeiten ist ja ein Teilaspekt dieses großen Yoga-Lexikons, das ja schon seit einigen Jahren entsteht.

Selbstlosigkeit,- du kannst selbst überlegen, wie sehr bist du selbstlos tätig? Wie viele Handlungen machst du am Tag, die du nicht für dich machst? Und wie häufig tust du Dinge für andere, ohne von ihnen etwas zu erwarten? Wie häufig bist du enttäuscht, wenn Menschen einen Gefallen nicht erwidern? Wie häufig bist du enttäuscht, wenn du noch nicht mal gelobt und anerkannt wirst? Das sind alles Zeichen, es es nicht wirklich Selbstlosigkeit war.

Freue dich, wenn du etwas tun kannst, ohne dass Menschen es anerkennen. Freue dich, wenn du etwas tun kannst, wo dir keiner dankbar ist. Freue dich aber insbesondere, wenn du etwas tust, was etwas Gutes ist und womit du Gutes bewirkst. Diese Freude an sich ist auch ein Lohn und vielleicht ein sehr viel schönerer Lohn als vieles andere, für Selbstlosigkeit und selbstloses Tun. Im Karma Yoga sagt man ja sogar, dass man über Selbstlosigkeit zu seinem wahren Selbst kommt. Indem man selbstlos handelt, erfährt man sein Selbst als das Selbst aller Wesen und dann kommt man zur lebendigen Erfahrung des Selbst als Weltenseele.

Selbstlosigkeit - Antonyme und Synonyme, andere Persönlichkeitsmerkmale und Tugenden

Hier einige Anmerkungen, wie man as Persönlichkeitsmerkmal, die Eigenschaft Selbstlosigkeit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Selbstlosigkeit - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Selbstlosigkeit, also Synonyme zu Selbstlosigkeit sind z.B. Uneigennützigkeit, Edelmut, Hochherzigkeit, Freigebigkeit, nobles Verhalten,.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Selbstlosigkeit übertrieben kann ausarten z.B. in Selbstverleugnung, Entbehrung, Eigennutz. Daher braucht Selbstlosigkeit als Gegenpol die Kultivierung von Selbstliebe, Selbstachtung, Selbstbewusstsein.

Gegenteil von Selbstlosigkeit - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Selbstlosigkeit, Antonyme zu Selbstlosigkeit :

Selbstlosigkeit Antonyme

Antonyme Selbstlosigkeit sind Selbstliebe, Selbstachtung, Selbstbewusstsein, Egoismus, Selbstsucht, Ichsucht.

Selbstlosigkeit als Teil von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Selbstlosigkeit

Selbstlosigkeit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das man in sich stärker werden lassen kann. Vielleicht willst du ja Selbstlosigkeit als Fähigkeit in dir zu stärken. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Selbstlosigkeit zu kultivieren. Vielleicht kannst du nicht alle guten Eigenschaften auf einmal kultivieren. Aber es ist möglich, innerhalb einer Woche oder innerhalb eines Monats eine Tugend, eine Eigenschaft, stark werden zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Selbstlosigkeit ganz besonders kultivieren. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein selbstloserer Mensch zu sein."
  • Tu wirklich jeden Tag etwas, was Selbstlosigkeit ausdrückt. Mache jeden Tag einiges oder mindestens etwas, was du sonst nicht tun würdest, und was diese Eigenschaft zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Selbstlosigkeit ".
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin selbstlos ".

Affirmationen zum Thema Selbstlosigkeit

Hier einige Affirmationen für mehr Selbstlosigkeit. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Selbstlosigkeit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin selbstlos

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin selbstlos. Om Om Om.
  • Ich bin ein Selbstloser, eine Selbstlose OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Selbstlosigkeit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin selbstlos " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Selbstlosigkeit
  • Ich werde selbstlos
  • Jeden Tag werde ich selbstloser
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Selbstlosigkeit

Dankesaffirmation für Selbstlosigkeit :

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag selbstloser werde.

Wunderaffirmationen Selbstlosigkeit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr selbstlos. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Selbstlosigkeit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr selbstlos zu sein.
  • Ich bin jemand, der selbstlos ist.

Gebet für Selbstlosigkeit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Selbstlosigkeit :

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Selbstlosigkeit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein selbstloser Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Selbstlosigkeit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Selbstlosigkeit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Selbstlosigkeit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich selbstlos werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Selbstlosigkeit
  • Angenommen, ich will selbstlos sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre selbstlos, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Selbstlosigkeit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als selbstloser Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Selbstlosigkeit

Eigenschaften im Alphabet nach Selbstlosigkeit

Vortragsmitschnitt zu Selbstlosigkeit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Selbstlosigkeit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. Dieses Audio wird später eingefügt. Wir bitten um Verständnis

Gottvertrauen entwickeln Yoga Vidya Seminare

Seminare zum Thema Gottvertrauen entwickeln:

14. Jul 2017 - 14. Jul 2017 - Maha-Samadhi Swami Sivananda
Maha-Samadhi von Swami Sivananda - Festliche Zeremonie mit Puja, Mantra-Singen und Meditation.
Swami Divyananda,
14. Jul 2017 - 14. Jul 2017 - Maha-Samadhi Swami Sivananda
Maha-Samadhi von Swami Sivananda - Festliche Zeremonie mit Puja, Mantra-Singen und Meditation.
Sukadev Bretz,

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