Rajjusarpa Nyaya

Aus Yogawiki

Rajjusarpa Nyaya Das ist die vedantische Analogie (Nyaya) von Seil (Rajju) und Schlange (Sarpa). Im Yoga und auch Vedanta wird oft mit Gleichnissen gearbeitet, um Dinge anschaulicher erklären zu können.

Vedanta und Yoga Meister berichten oft in Gleichnissen, um Lehren anschaulicher zu vermitteln.

Rajjusarpa Nyaya

Im Dunkeln tritt ein Mann auf ein Seil, hält es aber irrtümlich für eine giftige Schlange, springt auf und schreit vor Angst. Sein Herz pocht. Aber wenn ihm ein Freund ein Licht reicht, so sieht er, dass es keine Schlange ist, sondern ein Seil. Sofort verschwindet seine Angst. Dies veranschaulicht die unwirkliche Natur der Welt als Überlagerung auf das höchste Brahman. Brahman ist die Wirklichkeit und die Welt ist nur eine Projektion auf Brahman, so wie die Schlange eine Projektion auf das Seil ist.

Es war einmal ein alter Mann...

der in einem Dorf in Indien lebte und als er eines Tages durch den Hintergarten in seine Hütte ging, stolperte er über etwas und sah, da war eine Schlange. Entsetzt sprang er zur Seite und schon spürte er einen Schmerz in seiner Ferse. Er wusste, er war gebissen worden von der Schlange. Er wusste, es gab Giftschlangen im Dorf und er spürte, wie seine Lebenskraft schon gleich nachließ. Er schleppte sich weiter in seine Hütte und rief seine Kinder und den Priester und wusste, er werde bald sterben. Eine alte Frau aus der Nachbarschaft kam auch dazu und schaute sich die Ferse an und nahm eine Öllampe und ging in den Hintergarten und dort sah sie ein Seil. Daneben war ein Dornenbusch mit etwas Blut und so konnte sie sehen, dass der alte Mann über ein Seil gestolpert war. Dann ist er zur Seite gesprungen und hat sich dabei am Dornenbusch verletzt. Sie ging zum alten Mann und erzählte es ihm, doch der sagte nur: “Das sagst du nur so!“ Doch dann nahm sie ihn mit und mit letzten Kräften kam er in den Hintergarten und als der bleiche alte Mann das Seil und den Busch sah, bekam er wieder Farbe ins Gesicht, fing sogar an sich zu freuen und tänzelte zurück in die Hütte.

Dieses Gleichnis soll verdeutlichen, es gibt nur Brahman, die eine unendliche Wirklichkeit. Die Welt, die wir erleben, ist unwirklich. Es gibt keine wirkliche Welt die losgelöst ist von Brahman. Die Vorstellung, dass es eine Welt gibt ist Adhyaropa. Eine Projektion unseres Geistes über die Welt. Brahman ist nie zur Welt geworden, so ähnlich wie das Seil nie zur Schlange geworden ist. Die Schlange wird auch nie mehr zum Seil werden. Denn es gab nie eine Schlange. So gibt es keine von Brahman getrennte Welt, sondern es gibt nur das eine unendliche Brahman. Man muss nur durch das Licht des Wissens erkennen, dass dort ein Seil war und die Angst vor der Schlange ist weg. Wenn du durch das Licht der Meditation siehst, verschwinden alle Ängste in dieser Welt.

Diese Analogie gilt für alle möglichen kleinen anderen Irrtümer, die du immer wieder projizierst. Man spricht deshalb von Adhyaropa erster Ordnung und zweiter Ordnung. Die erste Ordnung ist überhaupt die Vorstellung, dass es eine Welt gibt. Dann kannst du dir vorstellen, dass ein anderer Mensch das so oder so denkt, dass er aber in Wahrheit das und das meint. Er sagt das eine, er meint etwas anderes. Er schaut so und du interpretierst es. Und so weiter. Sei dir bewusst, ständig interpretierst du Schlangen auf Seile. Manchmal muss man das humorvoll zur Kenntnis nehmen. In jedem Fall sollte man nicht auf seinen Schlangenprojektionen bestehen.

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