Sannyasa Upanishad: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Sannyasa Upanishad''' ([[Sanskrit]]: ''f''.) ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Die Sannyasa Upanishad gehört zum [[Atharvaveda]] und wird außerdem den [[Sannyasa | Die '''Sannyasa Upanishad''' ([[Sanskrit]]: संन्यासोपनिषत्, ''Saṃnyāsopaniṣat'' ''f''.) ist ein Teil der indischen [[Heilig]]en [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Schriften], die [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veda] genannt werden. Die Sannyasa Upanishad gehört zum [[Atharvaveda]] und wird außerdem den [[Sannyasa Upanishaden]] zugeordnet. Sie spricht über die vier Lebensstadien, insbesondere den Übergang vom Haushälter zum Waldeseinsiedler. | ||
[[Datei:Herz Schlüssel Aufziehen.JPG|thumb|"Vor neuem Mutterschoß schaudernd, von neuem [[Leid]] durch Warm und Kalt, will in mein Herz ich einkehren, wo die Stätte ist frei von Leid!" Zitat: Sannyasa Up.]] | [[Datei:Herz Schlüssel Aufziehen.JPG|thumb|"Vor neuem Mutterschoß schaudernd, von neuem [[Leid]] durch Warm und Kalt, will in mein Herz ich einkehren, wo die Stätte ist frei von Leid!" Zitat: Sannyasa Up.]] | ||
Die '''Sannyasa Upanishad''' ist eine umfangreiche [[Upanishad]] des [[Samaveda]] und steht in der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] an 65. Stelle. Sie verbindet genaue Regeln des altindischen Entsagungsordens mit einer tiefen Lehre des [[Advaita Vedanta]]: Der äußere Verzicht soll in die unmittelbare Erkenntnis führen, dass der [[Atman]] reines, ungeteiltes Bewusstsein ist. | |||
Die hier verwendete Sanskritfassung besitzt zwei Kapitel. Das erste ist eine zusammenhängende Prosalehre über den Eintritt in den [[Sannyasa]]. Das zweite enthält 104 ausdrücklich nummerierte Verse und zahlreiche eingeschobene Prosapassagen. In der Studienfassung wird deshalb jeder der 104 Verse einzeln übersetzt und Wort für Wort erläutert; auch jede eigenständige Prosalehre erhält ihren eigenen Block. Die Kapitelzahlen in den Kolophonen werden nicht fälschlich als zusätzliche Verse gezählt. | |||
[[Datei:Swami_Vishnu_in_Meditation.jpg|thumb|Die Sannyasa Upanishad verbindet äußere Einfachheit mit der inneren Erkenntnis des ungeteilten Selbst.]] | |||
Der Text enthält auch zeitgebundene Ausschlussregeln, soziale Hierarchien, ein problematisches Frauenbild und extreme Speisevorschriften. Sie werden hier genau wiedergegeben, aber historisch eingeordnet. Ihre bleibende spirituelle Mitte liegt in [[Vairagya]], Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit, Einfachheit und [[Selbsterkenntnis]]. In diesem Sinne können [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] und [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] auch heutigen Menschen helfen, innere Abhängigkeiten zu erkennen und schrittweise loszulassen. | |||
== Sannyasa Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung == | |||
Die Studienfassung folgt der echten Gliederung der Sanskritquelle. Jeder der 104 nummerierten Verse des zweiten Kapitels steht einzeln mit eigener Übersetzung und eigener Wort-für-Wort-Erläuterung. Die langen Prosateile sind an vollständigen Satz- und Sinneinheiten geteilt; ihre Zwischenüberschriften sind redaktionelle Orientierungshilfen, keine erfundenen Verszahlen. | |||
'''Eröffnungsvers Sannyasa Upanishad'''<br> | |||
saṃnyāsopaniṣadvedyaṃ saṃnyāsipaṭalāśrayam |<br> | |||
sattāsāmānyavibhavaṃ svamātramiti bhāvaye ||<br> | |||
'''Ich meditiere über mein eigenes Selbst, das durch die Sannyasa Upanishad erkannt wird, den Scharen der Entsagten als Grundlage dient und die Herrlichkeit des allen gemeinsamen reinen Seins ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyāsa-upaniṣad-vedyam'' – durch die Sannyasa Upanishad zu erkennen; ''saṃnyāsi-paṭala-āśrayam'' – Grundlage der Scharen der Entsagten; ''sattā-sāmānya-vibhavam'' – Herrlichkeit des allen gemeinsamen Seins; ''sva-mātram'' – das eigene Selbst allein; ''iti bhāvaye'' – so meditiere ich. | |||
'''Shanti Mantra'''<br> | |||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ śrotramatho balamindriyāṇi ca ||<br> | |||
sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇamastvanirākaraṇaṃ mestu<br> | |||
tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste mayi santu te mayi santu |<br> | |||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br> | |||
'''Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein, möge kein Zurückweisen für mich sein. Mögen die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin; mögen sie in mir sein. Om. Frieden, Frieden, Frieden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āpyāyantu'' – mögen erstarken; ''mama aṅgāni'' – meine Glieder; ''vāk-prāṇa-cakṣuḥ-śrotram'' – Sprache, Lebenshauch, Auge und Ohr; ''bala-indriyāṇi ca'' – Kraft und Sinne; ''sarvam brahma-upaniṣadam'' – alles ist das Brahman der Upanishaden; ''mā aham brahma nirākuryām'' – möge ich Brahman nicht zurückweisen; ''mā mā brahma nirākarot'' – möge Brahman mich nicht zurückweisen; ''anirākaraṇam astu'' – möge kein Zurückweisen sein; ''tat-ātmani nirate'' – in mir, der dem Atman hingegeben ist; ''upaniṣatsu dharmāḥ'' – die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften; ''mayi santu'' – mögen in mir sein; ''śāntiḥ'' – Frieden. | |||
'''Erstes Kapitel – Sannyasa Vidhi'''<br> | |||
atha prathamo'dhyāyaḥ | saṃnyāsavidhiḥ |<br> | |||
'''Nun folgt das erste Kapitel: die Vorschrift für den Eintritt in den Sannyasa.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''atha'' – nun; ''prathamaḥ adhyāyaḥ'' – erstes Kapitel; ''saṃnyāsa-vidhiḥ'' – Vorschrift beziehungsweise Ritus der Entsagung. | |||
'''1.1 Prosaeinheit – Ankündigung der Lehre'''<br> | |||
hariḥ oṃ athātaḥ saṃnyāsopaniṣadaṃ vyākhyāsyāmo yo'nukrameṇa saṃnyasyati sa saṃnyasto bhavati |<br> | |||
'''Hari Om. Nun werden wir die Sannyasa Upanishad erklären. Wer in der vorgeschriebenen Reihenfolge entsagt, wird zu einem wahrhaft Entsagten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''hariḥ oṃ'' – Hari Om; ''atha ataḥ'' – nun also; ''saṃnyāsa-upaniṣadam vyākhyāsyāmaḥ'' – wir werden die Sannyasa Upanishad erklären; ''yaḥ anukrameṇa saṃnyasyati'' – wer in der richtigen Reihenfolge entsagt; ''saḥ saṃnyastaḥ bhavati'' – der wird ein Entsagter. | |||
'''1.2 Prosaeinheit – Die Grundfrage'''<br> | |||
ko'yaṃ saṃnyāsa ucyate kathaṃ saṃnyasto bhavati |<br> | |||
'''Was wird Sannyasa genannt, und wie wird ein Mensch zum Entsagten?''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kaḥ ayam'' – was ist dieser; ''saṃnyāsaḥ ucyate'' – wird Entsagung genannt; ''katham'' – wie; ''saṃnyastaḥ bhavati'' – wird man zum Entsagten? | |||
'''1.3 Prosaeinheit – Zustimmung und Abschiedsopfer'''<br> | |||
ya ātmānaṃ kriyābhirguptaṃ karoti mātaraṃ pitaraṃ bhāryāṃ putrānbandhūnanumodayitvā ye cāsyartvijastānsarvāṃśca pūrvavatprāṇitvā vaiśvānareṣṭiṃ nirvapetsarvasvaṃ dadyād |<br> | |||
'''Der Kandidat bereitet und schützt sich durch die vorgeschriebenen Riten. Nachdem er die Zustimmung von Mutter, Vater, Ehefrau, Söhnen und Angehörigen eingeholt und die beteiligten Priester ordnungsgemäß geehrt hat, soll er das Vaishvanara-Opfer darbringen und seinen gesamten Besitz weggeben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yaḥ'' – wer; ''ātmānam kriyābhiḥ guptam karoti'' – sich durch Riten vorbereitet und schützt; ''mātaram pitaram bhāryām putrān bandhūn anumodayitvā'' – die Zustimmung von Mutter, Vater, Frau, Söhnen und Verwandten eingeholt habend; ''ṛtvijaḥ'' – Opferpriester; ''pūrvavat prāṇitvā'' – wie vorgeschrieben geehrt beziehungsweise entlassen habend; ''vaiśvānara-iṣṭim nirvapet'' – soll das Vaishvanara-Opfer darbringen; ''sarvasvam dadyāt'' – soll alles verschenken. | |||
'''1.4 Prosaeinheit – Verinnerlichung der Opferfeuer'''<br> | |||
yajamānasya gā ṛtvijaḥ sarvaiḥ pātraiḥ samāropya yadāhavanīye gārhapatye vānvāhāryapacane sabhyāvasathyośca prāṇāpānavyānodānasamānānsarvānsarveṣu samāropayet |<br> | |||
'''Er soll die Kühe des Opferherrn den Priestern zusammen mit allen Gefäßen übergeben. Die fünf Lebenskräfte – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – soll er meditativ in die fünf Opferfeuer, Ahavaniya, Garhapatya, Anvaharyapacana, Sabhya und Avasathya, zurücknehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yajamānasya gāḥ'' – die Kühe des Opferherrn; ''ṛtvijaḥ'' – den Priestern; ''sarvaiḥ pātraiḥ samāropya'' – mit allen Gefäßen übergeben habend; ''āhavanīye gārhapatye anvāhāryapacane sabhya-āvasathyoḥ ca'' – in die fünf genannten Opferfeuer; ''prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānān'' – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; ''sarvān sarveṣu samāropayet'' – soll er alle in alle übertragen. | |||
'''1.5 Prosaeinheit – Haar, Opferschnur und Sohn'''<br> | |||
saśikhānkeśānvisṛjya yajñopavītaṃ chittvā putraṃ dṛṣṭvā tvaṃ yajñastvaṃ sarvamityanumantrayet |<br> | |||
'''Er soll Haarschopf und Haare ablegen, die Opferschnur durchschneiden und mit Blick auf seinen Sohn sprechen: „Du bist das Opfer; du bist alles.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sa-śikhān keśān visṛjya'' – Haare samt Haarschopf ablegend; ''yajñopavītam chittvā'' – die heilige Opferschnur durchschneidend; ''putram dṛṣṭvā'' – den Sohn anblickend; ''tvam yajñaḥ'' – du bist das Opfer; ''tvam sarvam'' – du bist alles; ''iti anumantrayet'' – so soll er ihn ansprechen. | |||
'''1.6 Prosaeinheit – Aufbruch ohne Sohn'''<br> | |||
yadyaputro bhavatyātmānamevemaṃ dhyātvā'navekṣamāṇaḥ prācīmudīciṃ vā diśaṃ pravrajecca |<br> | |||
'''Hat er keinen Sohn, soll er über diesen Atman selbst meditieren und, ohne zurückzublicken, nach Osten oder Norden in die Wanderschaft ziehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yadi aputraḥ bhavati'' – wenn er ohne Sohn ist; ''ātmānam eva imam dhyātvā'' – über eben diesen Atman meditierend; ''anavekṣamāṇaḥ'' – nicht zurückblickend; ''prācīm udīcīm vā diśam'' – in östliche oder nördliche Richtung; ''pravrajet ca'' – soll er fortziehen. | |||
'''1.7 Prosaeinheit – Bettelgang'''<br> | |||
triṣu varṇeṣu bhikṣācaryaṃ caret |<br> | |||
'''Er soll seinen Bettelgang bei den drei in der Quelle zugelassenen gesellschaftlichen Gruppen ausüben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''triṣu varṇeṣu'' – bei drei Varnas beziehungsweise gesellschaftlichen Gruppen; ''bhikṣā-caryam caret'' – soll er den Bettelgang ausüben. Dies ist eine historische Sozialregel. | |||
'''1.8 Prosaeinheit – Die Hand als Schale'''<br> | |||
pāṇipātreṇāśanaṃ kuryāt |<br> | |||
'''Er soll mit der Hand als einziger Schale seine Mahlzeit einnehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pāṇi-pātreṇa'' – mit der Hand als Gefäß; ''aśanam kuryāt'' – soll er die Mahlzeit einnehmen. | |||
'''1.9 Prosaeinheit – Essen wie Medizin'''<br> | |||
auṣadhavadaśanamācaret | auṣadhavadaśanaṃ prāśnīyāt |<br> | |||
'''Er soll das Essen wie eine medizinische Behandlung vollziehen und Nahrung wie Medizin zu sich nehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''auṣadha-vat'' – wie Medizin; ''aśanam ācaret'' – soll er das Essen vollziehen; ''aśanam prāśnīyāt'' – soll er Nahrung zu sich nehmen. | |||
'''1.10 Prosaeinheit – Maßvolle Nahrung'''<br> | |||
yathālābhamaśnīyātprāṇasandhāraṇārthaṃ yathā medovṛddhirna jāyate |<br> | |||
'''Er soll essen, was er erhält, allein um die Lebenskraft zu erhalten, und zwar so, dass keine Zunahme von Körperfett entsteht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yathā-lābham aśnīyāt'' – er soll gemäß dem Erhaltenen essen; ''prāṇa-sandhāraṇa-artham'' – zum Erhalt der Lebenskraft; ''yathā medaḥ-vṛddhiḥ na jāyate'' – so, dass keine Fettzunahme entsteht. | |||
'''1.11 Prosaeinheit – Aufenthaltsdauer'''<br> | |||
kṛśībhūtvā grāmaikarātraṃ nagare pañcarātraṃ caturomāsānvārṣikāngrāme vā nagare vāpi vaset |<br> | |||
'''Schlank geworden, soll er in einem Dorf nur eine Nacht und in einer Stadt fünf Nächte bleiben; während der vier Regenmonate darf er in einem Dorf oder einer Stadt verweilen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kṛśī-bhūtvā'' – schlank geworden; ''grāme eka-rātram'' – eine Nacht im Dorf; ''nagare pañca-rātram'' – fünf Nächte in der Stadt; ''caturaḥ māsān vārṣikān'' – die vier Regenmonate; ''grāme vā nagare vā api vaset'' – darf er in Dorf oder Stadt bleiben. | |||
'''1.12 Prosaeinheit – Kleidung und Askese'''<br> | |||
viśīrṇavastraṃ valkalaṃ vā pratigṛhṇīyānānyatpratigṛhṇīyādyadyaśakto bhavati kleśatastapyate tapa iti |<br> | |||
'''Er soll nur ein abgetragenes Gewand oder Rindenkleid annehmen und nichts anderes. Ist er dazu nicht imstande und erträgt dadurch Not, gilt dieses Ertragen als Askese.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''viśīrṇa-vastram'' – abgetragenes Gewand; ''valkalam vā'' – oder Rindenkleid; ''pratigṛhṇīyāt'' – soll er annehmen; ''na anyat'' – nichts anderes; ''yadi aśaktaḥ bhavati'' – wenn er nicht imstande ist; ''kleśataḥ tapyate'' – durch Mühsal geläutert wird; ''tapaḥ iti'' – das gilt als Askese. | |||
'''1.13 Prosaeinheit – Die inneren Kennzeichen'''<br> | |||
yo vā evaṃ krameṇa saṃnyasyati yo vā evaṃ paśyati kimasya yajñopavītaṃ kāsya śikhā kathaṃ vāsyopasparśanamiti |<br> | |||
'''Über den, der so stufenweise entsagt oder diese Wahrheit erkennt, fragt man: „Was ist seine Opferschnur? Was ist sein Haarschopf? Wie vollzieht er die rituelle Reinigung?“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yaḥ vā evam krameṇa saṃnyasyati'' – wer so stufenweise entsagt; ''yaḥ vā evam paśyati'' – oder wer so erkennt; ''kim asya yajñopavītam'' – was ist seine Opferschnur; ''kā asya śikhā'' – was ist sein Haarschopf; ''katham vā asya upasparśanam'' – wie vollzieht er die rituelle Reinigung; ''iti'' – so lautet die Frage. | |||
'''1.14 Prosaeinheit – Meditation als Opferschnur'''<br> | |||
taṃ hovācedamevāsya tadyajñopavītaṃ yadātmadhyānaṃ vidyā śikhā nīraiḥ sarvatrāvasthitaiḥ kāryaṃ nirvartayannudarapātreṇa jalatīre niketanam |<br> | |||
'''Darauf lautet die Antwort: „Seine Opferschnur ist die Meditation über den Atman; Erkenntnis ist sein Haarschopf. Mit dem überall verfügbaren Wasser vollzieht er das Notwendige, sein Bauch ist sein Gefäß und das Ufer sein Aufenthaltsort.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tam ha uvāca'' – zu ihm sprach man; ''idam eva asya yajñopavītam'' – dies allein ist seine Opferschnur; ''yat ātma-dhyānam'' – nämlich Meditation über den Atman; ''vidyā śikhā'' – Erkenntnis ist der Haarschopf; ''nīraiḥ sarvatra avasthitaiḥ'' – mit überall vorhandenem Wasser; ''kāryam nirvartayan'' – das Notwendige ausführend; ''udara-pātreṇa'' – mit dem Bauch als Gefäß; ''jala-tīre niketanam'' – mit dem Ufer als Wohnort. | |||
'''1.15 Prosaeinheit – Die Frage nach Tag und Nacht'''<br> | |||
brahmavādino vadantyastamita āditye kathaṃ vāsyopasparśanamiti |<br> | |||
'''Die Brahman-Kenner fragen: „Wie vollzieht er nach Sonnenuntergang seine rituelle Reinigung?“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''brahma-vādinaḥ vadanti'' – die über Brahman Lehrenden fragen; ''astamite āditye'' – wenn die Sonne untergegangen ist; ''katham vā asya upasparśanam'' – wie ist dann seine rituelle Reinigung; ''iti'' – so. | |||
'''1.16 Prosaeinheit – Jenseits der Zeitgegensätze'''<br> | |||
tānhovāca yathāhani tathā rātrau nāsya naktaṃ na divā tadapyetadṛṣiṇoktam |<br> | |||
'''Er antwortete ihnen: „Wie am Tage, so in der Nacht; für ihn gibt es weder Nacht noch Tag.“ Auch dies ist von einem Rishi gesagt worden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tān ha uvāca'' – zu ihnen sprach er; ''yathā ahani tathā rātrau'' – wie am Tag, so in der Nacht; ''na asya naktam'' – für ihn gibt es keine Nacht; ''na divā'' – keinen Tag; ''tat api etat ṛṣiṇā uktam'' – auch dies ist von einem Rishi gesagt worden. | |||
'''1.17 Prosaeinheit – Der eine Tag'''<br> | |||
sakṛddivā haivāsmai bhavatīti | ya evaṃvidvānetenātmānaṃ saṃdhatte ||<br> | |||
'''„Für ihn wird es wahrlich zu einem einzigen, ungeteilten Tag.“ Wer dies erkennt, sammelt durch diese Einsicht sein Wesen im Atman.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sakṛt divā'' – ein einziger Tag; ''ha eva asmai bhavati'' – wird wahrlich für ihn; ''iti'' – so; ''yaḥ evam-vidvān'' – wer dies erkennt; ''etena'' – dadurch; ''ātmānam saṃdhatte'' – sammelt beziehungsweise verbindet das Selbst. | |||
'''Kolophon des ersten Kapitels'''<br> | |||
iti prathamo'dhyāyaḥ || 1 ||<br> | |||
'''So endet das erste Kapitel.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''iti'' – so; ''prathamaḥ adhyāyaḥ'' – erstes Kapitel. | |||
'''Zweites Kapitel'''<br> | |||
atha dvitīyo'dhyāyaḥ |<br> | |||
'''Nun folgt das zweite Kapitel.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''atha'' – nun; ''dvitīyaḥ adhyāyaḥ'' – zweites Kapitel. | |||
'''Quellenüberschrift – Eignung zum Sannyasa'''<br> | |||
saṃnyāsādhikārī<br> | |||
'''Der zur Entsagung Berechtigte.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyāsa'' – Entsagung; ''adhikārī'' – der Berechtigte, Geeignete. | |||
'''2.1 Prosaeinheit – Voraussetzungen'''<br> | |||
oṃ catvāriṃṣatsaṃskārasampannaḥ sarvato viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṃkāraṃ dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampanna eva saṃnyastumarhati |<br> | |||
'''Om. Wer die vierzig traditionellen Samskaras empfangen hat, in jeder Hinsicht leidenschaftslos geworden ist, Reinheit des Geistes erlangt, Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrannt hat und mit den vier Mitteln zur Befreiung ausgestattet ist, ist zum Sannyasa berechtigt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''catvāriṃśat-saṃskāra-sampannaḥ'' – mit den vierzig traditionellen [[Samskara]]s versehen; ''sarvataḥ viraktaḥ'' – in jeder Hinsicht leidenschaftslos; ''citta-śuddhim etya'' – Reinheit des Geistes erlangend; ''āśā-asūyā-īrṣyā-ahaṃkāram dagdhvā'' – Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrennend; ''sādhana-catuṣṭaya-sampannaḥ'' – mit den vier Mitteln zur Befreiung versehen; ''eva saṃnyastum arhati'' – allein der ist zur Entsagung berechtigt. | |||
'''Quellenüberschrift – Merkmale des Gefallenen'''<br> | |||
patitalakṣaṇam<br> | |||
'''Kennzeichen eines aus der Ordensdisziplin Gefallenen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''patita'' – gefallen, aus der Disziplin herausgefallen; ''lakṣaṇam'' – Kennzeichen. | |||
'''1. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
saṃnyāsaṃ niścayaṃ kṛtvā punarna ca karoti yaḥ |<br> | |||
sa kuryātkṛcchramātraṃ tu punaḥ saṃnyastumarhati || 1 ||<br> | |||
'''Wer den festen Entschluss zum Sannyasa gefasst hat, ihn dann aber nicht ausführt, soll lediglich eine Kricchra-Sühne vollziehen; danach ist er erneut zur Entsagung berechtigt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyāsam niścayam kṛtvā'' – den festen Entschluss zur Entsagung gefasst habend; ''punaḥ na ca karoti yaḥ'' – wer ihn dann nicht ausführt; ''saḥ kuryāt'' – der soll vollziehen; ''kṛcchra-mātram'' – lediglich die Kricchra-Sühne; ''tu'' – jedoch; ''punaḥ saṃnyastum arhati'' – ist danach wieder berechtigt zu entsagen. | |||
'''2. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
saṃnyāsaṃ pātayedyastu patitaṃ nyāsayettu yaḥ |<br> | |||
saṃnyāsavighnakartā ca trīnetānpatitānviduḥ || 2 || iti ||<br> | |||
'''Wer einen anderen aus dem Sannyasa herausfallen lässt, wer einem Gefallenen erneut Sannyasa erteilt und wer die Entsagung behindert – diese drei gelten als gefallen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyāsam pātayet yaḥ'' – wer die Entsagung zu Fall bringt; ''tu'' – aber; ''patitam nyāsayet yaḥ'' – wer einen Gefallenen erneut in den Entsagungsstand einsetzt; ''saṃnyāsa-vighna-kartā'' – wer Hindernisse für Sannyasa schafft; ''ca'' – und; ''trīn etān'' – diese drei; ''patitān viduḥ'' – kennt man als Gefallene; ''iti'' – so endet die Bestimmung. | |||
'''2.2 Prosaeinheit – Historische Ausschlussliste'''<br> | |||
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako mūkaḥ pāṣaṇḍaścakrī liṅgī kuṣṭhī vaikhānasaharadvijau bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko nāstiko vairāgyavanto'pyete na saṃnyāsārhāḥ |<br> | |||
'''Es folgt eine historische Ausschlussliste: Genannt werden unter anderem sexuell oder körperlich andersartige Menschen, Gefallene, Kinder, Gehörlose und Stumme, Menschen mit Krankheiten, Vertreter bestimmter religiöser Gruppen, bezahlte Lehrer, Menschen ohne Opferfeuer und Nichtgläubige. Selbst bei vorhandener Leidenschaftslosigkeit galten sie in dieser Ordensordnung nicht als zum Sannyasa berechtigt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ṣaṇḍaḥ'' – ein als geschlechtsunfähig bezeichneter Mensch; ''patitaḥ'' – ein Gefallener; ''aṅga-vikalaḥ'' – körperlich beeinträchtigt; ''straiṇaḥ'' – ein als verweiblicht bezeichneter Mann; ''badhiraḥ'' – gehörlos; ''arbhakaḥ'' – Kind; ''mūkaḥ'' – stumm; ''pāṣaṇḍaḥ, cakrī, liṅgī, vaikhānasa'' – Vertreter unterschiedlicher, aus Sicht der Quelle nicht zugelassener Gruppen; ''kuṣṭhī'' – an einer schweren Hautkrankheit leidend; ''bhṛtaka-adhyāpakaḥ'' – bezahlter Lehrer; ''anagnikaḥ'' – ohne Opferfeuer; ''nāstikaḥ'' – Nichtgläubiger; ''vairāgyavantaḥ api'' – selbst wenn leidenschaftslos; ''na saṃnyāsa-arhāḥ'' – nicht zum Sannyasa berechtigt. Die Liste ist diskriminierend und wird hier als historische Textaussage, nicht als heutige Norm wiedergegeben. | |||
'''2.3 Prosaeinheit – Mahavakya-Unterweisung'''<br> | |||
saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśe nādhikāriṇaḥ ||<br> | |||
'''Selbst wenn solche Menschen formal entsagt hatten, galten sie nach dieser Regel nicht als berechtigt zur Unterweisung in den Mahavakyas.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyastāḥ yadi api'' – selbst wenn sie entsagt haben; ''mahā-vākya-upadeśe'' – zur Unterweisung in den großen upanishadischen Sätzen; ''na adhikāriṇaḥ'' – nicht berechtigt. Auch diese Aussage ist historisch zu kontextualisieren. | |||
'''3. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ārūḍhapatitāpatyaṃ kunakhī śyāvadantakaḥ |<br> | |||
kṣībastathāṅgavikalo naiva saṃnyastumarhati || 3 ||<br> | |||
'''Ein Nachkomme eines aus dem Entsagungsstand Gefallenen, ein Mensch mit entstellten Nägeln oder verfärbten Zähnen, ein Trunksüchtiger sowie ein körperlich schwer Beeinträchtigter soll nach dieser historischen Regel nicht Sannyasa empfangen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ārūḍha-patita-apatyam'' – Nachkomme eines nach Eintritt in den Entsagungsstand Gefallenen; ''kunakhī'' – jemand mit entstellten Nägeln; ''śyāva-dantakaḥ'' – jemand mit dunklen beziehungsweise verfärbten Zähnen; ''kṣībaḥ'' – Trunksüchtiger, berauschter Mensch; ''tathā'' – ebenso; ''aṅga-vikalaḥ'' – körperlich schwer beeinträchtigt; ''na eva'' – keineswegs; ''saṃnyastum arhati'' – soll beziehungsweise darf entsagen. Die Aussage gibt eine vormoderne Ausschlussregel wieder, keine heutige Bewertung menschlicher Würde. | |||
'''4. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sampratyavasitānāṃ ca mahāpātakināṃ tathā |<br> | |||
vrātyānāmabhiśastānāṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 4 ||<br> | |||
'''Menschen, die jüngst vom vorgeschriebenen Weg abgefallen sind, schwere Vergehen begangen haben, außerhalb der Initiationsordnung stehen oder öffentlich angeklagt sind, soll man nach dieser Regel nicht in den Sannyasa aufnehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''samprati-avasitānām'' – der jüngst Abgefallenen; ''ca'' – und; ''mahā-pātakinām'' – der schweren Sünder; ''tathā'' – ebenso; ''vrātyānām'' – der aus der Initiationsordnung Herausgefallenen; ''abhiśastānām'' – der öffentlich Beschuldigten; ''saṃnyāsam na kārayet'' – man soll die Entsagung nicht vollziehen lassen. | |||
'''5. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vratayajñatapodānahomasvādhyāyavarjitam |<br> | |||
satyaśaucaparibhraṣṭaṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 5 ||<br> | |||
'''Wer Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium aufgegeben hat und von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen ist, soll nach der überlieferten Vorschrift nicht zum Sannyasa zugelassen werden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vrata-yajña-tapaḥ-dāna-homa-svādhyāya-varjitam'' – frei von beziehungsweise ohne Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium; ''satya-śauca-paribhraṣṭam'' – von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen; ''saṃnyāsam na kārayet'' – man soll ihn nicht zum Sannyasa führen. | |||
'''2.4 Prosaeinheit – Ausnahme bei Todesnähe'''<br> | |||
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam |<br> | |||
'''Diese gelten nicht als zum Sannyasa berechtigt; bei einem todkranken Menschen darf jedoch der abgekürzte Notsannyasa ohne die übliche Stufenfolge vollzogen werden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ete'' – diese; ''na arhanti saṃnyāsam'' – sind nicht zur Entsagung berechtigt; ''ātureṇa'' – bei einem Schwerkranken; ''vinā kramam'' – ohne die gewöhnliche Stufenfolge. Die knappe Syntax wird traditionell als Ausnahmeregel für den Notsannyasa verstanden. | |||
'''2.5 Prosaeinheit – Ablegen der Zeichen'''<br> | |||
oṃ bhūḥ svāheti śikhāmutpāṭya yajñopavītaṃ bahirna nivaset |<br> | |||
'''Mit der Formel „Om Bhuh Svaha“ soll er den Haarschopf entfernen; die Opferschnur soll er ablegen und nicht länger außerhalb des Körpers tragen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''oṃ bhūḥ svāhā iti'' – mit der Formel „Om Bhuh Svaha“; ''śikhām utpāṭya'' – den Haarschopf entfernend; ''yajñopavītam'' – die Opferschnur; ''bahiḥ na nivaset'' – soll er nicht länger äußerlich tragen. | |||
'''2.6 Prosaeinheit – Dreifache Entsagungserklärung'''<br> | |||
yaśo balaṃ jñānaṃ vairāgyaṃ medhāṃ prayaccheti yajñopavītaṃ chittvā oṃ bhūḥ svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūyaṃ ca visṛjya saṃnyastaṃ mayeti trivāramabhimantrayet |<br> | |||
'''Mit der Bitte „Schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht“ soll er die Opferschnur durchschneiden. Mit „Om Bhuh Svaha“ legt er Gewand und Hüftschnur im Wasser ab und spricht dreimal: „Von mir ist entsagt worden.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yaśaḥ balam jñānam vairāgyam medhām prayaccha'' – schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht; ''yajñopavītam chittvā'' – die Opferschnur durchschneidend; ''apsu'' – im Wasser; ''vastram kaṭi-sūtram ca visṛjya'' – Gewand und Hüftschnur ablegend; ''saṃnyastam mayā iti'' – „von mir ist entsagt worden“; ''tri-vāram abhimantrayet'' – soll er dreimal aussprechen. | |||
'''6. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
saṃnyāsinaṃ dvijaṃ dṛṣṭvā sthānāccalati bhāskaraḥ |<br> | |||
eṣa me maṇḍalaṃ bhittvā paraṃ brahmādhigacchati || 6 ||<br> | |||
'''Beim Anblick eines zweimalgeborenen Sannyasin weicht selbst die Sonne von ihrem Platz und denkt: „Dieser wird meinen Kreis durchbrechen und das höchste Brahman erlangen.“''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saṃnyāsinam dvijam dṛṣṭvā'' – einen zweimalgeborenen Entsagten erblickend; ''sthānāt calati bhāskaraḥ'' – weicht die Sonne von ihrem Ort; ''eṣaḥ'' – dieser; ''me maṇḍalam bhittvā'' – meinen Kreis durchbrechend; ''param brahma adhigacchati'' – erlangt das höchste [[Brahman]]. | |||
'''7. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ṣaṣṭiṃ kulānyatītāni ṣaṣṭimāgāmikāni ca |<br> | |||
kulānyuddharate prājñaḥ saṃnyastamiti yo vadet || 7 ||<br> | |||
'''Der Weise, von dem ausgesprochen wird: „Er hat entsagt“, erhebt sechzig vergangene und sechzig zukünftige Generationen seiner Familie.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ṣaṣṭim kulāni atītāni'' – sechzig vergangene Familiengenerationen; ''ṣaṣṭim āgāmikāni ca'' – und sechzig zukünftige; ''kulāni uddharate'' – erhebt die Geschlechter; ''prājñaḥ'' – der Weise; ''saṃnyastam iti yaḥ vadet'' – von dem man sagt: „Er hat entsagt“. | |||
'''8. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ye ca santānajā doṣā ye doṣā dehasaṃbhavāḥ |<br> | |||
praiṣāgnirnirdahetsarvāṃstuṣārinniva kāñcanam || 8 ||<br> | |||
'''Alle Fehler, die aus der Nachkommenschaft oder aus dem Körper hervorgegangen sind, verbrennt das Feuer der Entsagungsformel vollständig – wie ein Läuterungsfeuer das Gold von Schlacken reinigt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ye ca santāna-jāḥ doṣāḥ'' – Fehler, die aus der Nachkommenschaft entstanden sind; ''ye doṣāḥ deha-saṃbhavāḥ'' – Fehler, die aus dem Körper entstanden sind; ''praiṣa-agniḥ'' – das Feuer der Entsagungsformel; ''nirdahat sarvān'' – verbrennt sie alle; ''tuṣārin iva kāñcanam'' – wie ein Läuterungsfeuer das Gold. | |||
'''2.7 Prosaeinheit – Annahme des Stabes'''<br> | |||
sakhā mā gopāyeti daṇḍaṃ parigrahet |<br> | |||
'''Mit den Worten „Freund, beschütze mich“ soll er den Stab annehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sakhā'' – Freund; ''mā gopāya'' – beschütze mich; ''iti'' – so sprechend; ''daṇḍam parigrahet'' – soll er den Stab annehmen. | |||
'''9. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
daṇḍaṃ tu vāṇavaṃ saumyaṃ satvacaṃ samaparvakam |<br> | |||
puṇyasthalasamutpannaṃ nānākalmaṣaśodhitam || 9 ||<br> | |||
'''Der Stab soll aus Bambus sein, angenehm, noch mit Rinde versehen und gleichmäßige Knoten haben; er soll an einem heiligen Ort gewachsen und von vielfältigen Verunreinigungen gereinigt sein.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''daṇḍam tu'' – der Stab aber; ''vāṇavam'' – aus Bambus; ''saumyam'' – angenehm, sanft; ''sa-tvacam'' – mit Rinde; ''sama-parvakam'' – mit gleichmäßigen Knoten; ''puṇya-sthala-samutpannam'' – an einem heiligen Ort entstanden; ''nānā-kalmaṣa-śodhitam'' – von verschiedenen Makeln gereinigt. | |||
'''10. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
adagdhamahataṃ kīṭaiḥ parvagranthivirājitam |<br> | |||
nāsādaghnaṃ śirastulyaṃ bhruvorvā bibhṛyādyatiḥ || 10 ||<br> | |||
'''Der Yati soll einen Stab tragen, der weder verbrannt noch von Insekten beschädigt ist, durch seine Knoten schön erscheint und bis zur Nase, zu den Augenbrauen oder bis zum Scheitel reicht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''adagdham'' – unverbrannt; ''ahatam kīṭaiḥ'' – nicht von Insekten beschädigt; ''parva-granthi-virājitam'' – durch Knoten an den Gliedern geschmückt; ''nāsā-daghnam'' – bis zur Nase reichend; ''śiras-tulyam'' – dem Scheitel entsprechend; ''bhruvoḥ vā'' – oder bis zu den Augenbrauen; ''bibhṛyāt yatiḥ'' – soll der Entsagte tragen. | |||
'''11. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
daṇḍātmanostu saṃyogaḥ sarvathā tu vidhīyate |<br> | |||
na daṇḍena vinā gacchediṣukṣepatrayaṃ budhaḥ || 11 ||<br> | |||
'''Die Verbindung zwischen Stab und Selbst wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben. Der Verständige soll ohne den Stab nicht einmal die Strecke von drei Pfeilschüssen gehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''daṇḍa-ātmanoḥ saṃyogaḥ'' – Verbindung von Stab und Selbst; ''sarvathā vidhīyate'' – wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben; ''na daṇḍena vinā gacchet'' – er soll nicht ohne Stab gehen; ''iṣu-kṣepa-trayam'' – drei Pfeilschussweiten; ''budhaḥ'' – der Verständige. | |||
'''2.8 Prosaeinheit – Annahme des Kamandalu'''<br> | |||
jagajjīvanaṃ jīvanādhārabhūtaṃ māte māmantrayasva sarvasaumyeti kamaṇḍaluṃ parigṛhya yogapaṭṭābhiṣikto bhūtvā yathāsukhaṃ viharet ||<br> | |||
'''Mit der Anrufung „Mutter, du Leben der Welt und Grundlage des Lebens, sprich zu mir, du Allgütige“ soll er das Kamandalu annehmen. In den Stand des Yoga eingeweiht, möge er in innerer Freiheit wandern.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''jagat-jīvanam'' – Leben der Welt; ''jīvana-ādhāra-bhūtam'' – Grundlage des Lebens geworden; ''mātaḥ'' – o Mutter; ''mām āmantrayasva'' – sprich zu mir; ''sarva-saumyā'' – Allgütige; ''iti'' – so; ''kamaṇḍalum parigṛhya'' – das Wassergefäß annehmend; ''yoga-paṭṭa-abhiṣiktaḥ bhūtvā'' – in den Stand des Yoga eingeweiht; ''yathā-sukham viharet'' – möge er in innerer Freiheit wandern. | |||
'''12. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tyaja dharmamadharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja |<br> | |||
ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi tattyaja || 12 ||<br> | |||
'''Gib Dharma und Adharma auf; gib Wahrheit und Unwahrheit als Gegensatzpaar auf. Nachdem du beide – Wahrheit und Unwahrheit – losgelassen hast, lass auch dasjenige los, womit du sie loslässt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tyaja'' – gib auf; ''dharmam adharmam ca'' – Dharma und Adharma; ''ubhe satya-anṛte'' – beide, Wahrheit und Unwahrheit; ''tyaktvā'' – aufgegeben habend; ''yena tyajasi'' – das, wodurch du aufgibst; ''tat tyaja'' – auch das gib auf. Gemeint ist zuletzt das Loslassen selbst des begrifflichen Instruments der Unterscheidung. | |||
'''2.9 Prosaeinheit – Vier Arten des Sannyasa'''<br> | |||
vairāgyasaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī jñānavairāgyasaṃnyāsī karmasaṃnyāsīti cāturvidhyamupāgataḥ |<br> | |||
'''Vier Arten werden unterschieden: der Entsagte aus Leidenschaftslosigkeit, der Entsagte aus Erkenntnis, der Entsagte aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sowie der Entsagte gemäß der rituellen Lebensordnung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vairāgya-saṃnyāsī'' – Entsagter aus Leidenschaftslosigkeit; ''jñāna-saṃnyāsī'' – Entsagter aus Erkenntnis; ''jñāna-vairāgya-saṃnyāsī'' – Entsagter aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit; ''karma-saṃnyāsī'' – Entsagter nach der rituellen Ordnung; ''cāturvidhyam upāgataḥ'' – in vier Arten gegliedert. | |||
'''2.10 Prosaeinheit – Vairagya-Sannyasin'''<br> | |||
tadyatheti dṛṣṭānuśravikaviṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmaviśeṣātsaṃnyastaḥ sa vairāgyasaṃnyāsī |<br> | |||
'''Wer durch die besondere Reife früherer guter Handlungen frei von Verlangen nach sichtbaren und nur aus Überlieferung bekannten Genüssen geworden ist und deshalb entsagt, ist ein Vairagya-Sannyasin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tat yathā'' – dies ist so; ''dṛṣṭa-ānuśravika-viṣaya-vaitṛṣṇyam etya'' – Durstlosigkeit gegenüber sichtbaren und überlieferten Sinneszielen erlangend; ''prāk-puṇya-karma-viśeṣāt'' – aufgrund besonderer früherer guter Handlungen; ''saṃnyastaḥ'' – entsagt habend; ''saḥ vairāgya-saṃnyāsī'' – der ist ein Entsagter aus Vairagya. | |||
'''2.11 Prosaeinheit – Jnana-Sannyasin'''<br> | |||
śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇātprapañcoparato dehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ tyaktvā vamanānnamiva pravṛttiṃ sarvaṃ heyaṃ matvā sādhanacatuṣṭayasampanno yaḥ saṃnyasyati sa eva jñānasaṃnyāsī |<br> | |||
'''Wer durch Schrifterkenntnis und durch das Hören von den durch Schuld und Verdienst erlangten Welten von der Erscheinungswelt zurücktritt, Körperprägung, Schriftgelehrsamkeit und Weltverlangen aufgibt, jede nach außen gerichtete Geschäftigkeit wie erbrochene Speise als abzuwerfen betrachtet, die vier Mittel besitzt und dann entsagt, ist ein Jnana-Sannyasin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śāstra-jñānāt'' – aus Erkenntnis der Schriften; ''pāpa-puṇya-loka-anubhava-śravaṇāt'' – aus dem Hören von Erfahrungen in durch Schuld und Verdienst erworbenen Welten; ''prapañca-uparataḥ'' – von der Erscheinungswelt zurückgetreten; ''deha-vāsanām śāstra-vāsanām loka-vāsanām tyaktvā'' – Körper-, Schrift- und Weltprägung aufgebend; ''vamana-annam iva'' – wie erbrochene Speise; ''pravṛttim sarvam heyam matvā'' – alle äußere Geschäftigkeit als abzuwerfen betrachtend; ''sādhana-catuṣṭaya-sampannaḥ'' – mit den vier Mitteln versehen; ''saḥ eva jñāna-saṃnyāsī'' – der allein ist Erkenntnis-Entsagter. | |||
'''2.12 Prosaeinheit – Jnana-Vairagya-Sannyasin'''<br> | |||
krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya jñānavairāgyābhyāṃ svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī |<br> | |||
'''Wer schrittweise alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sein wahres Wesen erforscht, nur noch den Körper als Restbesitz behält und ohne äußere Hülle entsagt, ist ein Jnana-Vairagya-Sannyasin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''krameṇa sarvam abhyasya'' – schrittweise alles übend; ''sarvam anubhūya'' – alles erfahren habend; ''jñāna-vairāgyābhyām'' – durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit; ''svarūpa-anusandhānena'' – durch Erforschung des eigenen Wesens; ''deha-mātra-avaśiṣṭaḥ'' – nur mit dem Körper als Rest; ''saṃnyasya'' – entsagend; ''jāta-rūpa-dharaḥ'' – die ursprüngliche, unbekleidete Gestalt tragend; ''saḥ jñāna-vairāgya-saṃnyāsī'' – der ist Erkenntnis-und-Leidenschaftslosigkeits-Entsagter. | |||
'''2.13 Prosaeinheit – Karma-Sannyasin'''<br> | |||
brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya vairāgyābhāve'pyāśramakramānusāreṇa yaḥ saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī |<br> | |||
'''Wer Brahmacharya beendet hat, Haushälter geworden ist, in den Vanaprastha-Ashrama eingetreten ist und schließlich auch ohne spontan entstandenes Vairagya gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien entsagt, ist ein Karma-Sannyasin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''brahmacaryam samāpya'' – [[Brahmacharya]] beendet habend; ''gṛhī bhūtvā'' – Haushälter geworden; ''vānaprastha-āśramam etya'' – in den Wald-Einsiedlerstand gelangend; ''vairāgya-abhāve api'' – selbst bei fehlender spontaner Leidenschaftslosigkeit; ''āśrama-krama-anusāreṇa'' – gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien; ''yaḥ saṃnyasyati'' – wer entsagt; ''saḥ karma-saṃnyāsī'' – der ist ein rituell geordneter Entsagter. | |||
'''2.14 Prosaeinheit – Sechs Stufen der Entsagung'''<br> | |||
sa saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati kuṭīcakabahūdakahaṃsaparamahaṃsaturīyātītāvadhūtāśceti |<br> | |||
'''Dieser Sannyasa hat sechs Formen: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''saḥ saṃnyāsaḥ'' – dieser Sannyasa; ''ṣaṭ-vidhaḥ bhavati'' – ist sechsfach; ''kuṭīcaka, bahūdaka, haṃsa, paramahaṃsa, turīyātīta, avadhūta'' – die sechs Stufen; ''ca iti'' – und so weiter beziehungsweise so lautet die Aufzählung. | |||
'''2.15 Prosaeinheit – Kutichaka'''<br> | |||
kuṭīcakaḥ śikhāyajñopavīti daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnaśāṭīkanthādharaḥ pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimātrasādhanapara ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ |<br> | |||
'''Der Kutichaka trägt Haarschopf, Opferschnur, Stab und Wassergefäß sowie Lendenschurz, Tuch und Flickengewand. Er verehrt Vater, Mutter und Guru, besitzt nur wenige notwendige Geräte, nimmt Nahrung an einem Ort, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den dreifachen Stab.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kuṭīcakaḥ'' – Kutichaka; ''śikhā-yajñopavītī'' – Haarschopf und Opferschnur tragend; ''daṇḍa-kamaṇḍalu-dharaḥ'' – Stab und Wassergefäß tragend; ''kaupīna-śāṭī-kanthā-dharaḥ'' – Lendenschurz, Tuch und Flickengewand tragend; ''pitṛ-mātṛ-guru-ārādhana-paraḥ'' – Vater, Mutter und Guru verehrend; ''piṭhara-khanitra-śikya-ādi-mātra-sādhana-paraḥ'' – nur wenige notwendige Geräte besitzend; ''ekatra-anna-adana-paraḥ'' – an einem Ort essend; ''śveta-ūrdhva-puṇḍra-dhārī'' – weißes senkrechtes Stirnzeichen tragend; ''tri-daṇḍaḥ'' – den dreifachen Stab tragend. | |||
'''2.16 Prosaeinheit – Bahudaka'''<br> | |||
bahūdakaḥ śikhādikanthādharastripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī |<br> | |||
'''Der Bahudaka trägt Haarschopf und Flickengewand sowie das dreifache Stirnzeichen. Im Übrigen gleicht er dem Kutichaka; er lebt nach Art der Honigbiene und isst acht Bissen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bahūdakaḥ'' – Bahudaka; ''śikhā-ādi-kanthā-dharaḥ'' – Haarschopf und Flickengewand tragend; ''tri-puṇḍra-dhārī'' – das dreifache Stirnzeichen tragend; ''kuṭīcaka-vat sarva-samaḥ'' – in allem dem Kutichaka ähnlich; ''madhukara-vṛttyā'' – nach Art der Honigbiene; ''aṣṭa-kavala-āśī'' – acht Bissen essend. | |||
'''2.17 Prosaeinheit – Hamsa'''<br> | |||
haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī asaṃklṛptamādhūkarānnāśī kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī |<br> | |||
'''Der Hamsa trägt verfilztes Haar, ein dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen, lebt von unverabredetem Bienenalmosen und trägt einen Lendenschurz sowie ein zerrissenes Stoffstück.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''haṃsaḥ'' – Hamsa-Entsagter; ''jaṭā-dhārī'' – verfilztes Haar tragend; ''tri-puṇḍra-ūrdhva-puṇḍra-dhārī'' – dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen tragend; ''asaṃklṛpta-mādhūkara-anna-āśī'' – nicht verabredete Bienenalmosen essend; ''kaupīna-khaṇḍa-tuṇḍa-dhārī'' – Lendenschurz und zerrissenes Tuch tragend. | |||
'''2.18 Prosaeinheit – Paramahamsa'''<br> | |||
paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheṣu karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo vā bhasmoddhṛlanaparaḥ sarvatyāgī |<br> | |||
'''Der Paramahamsa besitzt weder Haarschopf noch Opferschnur. Er bettelt bei fünf Häusern und benutzt die Hand als Schale. Er trägt nur einen Lendenschurz und gegebenenfalls ein Tuch und einen Bambusstab; alternativ trägt er ein einziges Gewand, bestreicht sich mit Asche und ist allem Besitz entsagend.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''paramahaṃsaḥ'' – höchster Hamsa; ''śikhā-yajñopavīta-rahitaḥ'' – ohne Haarschopf und Opferschnur; ''pañca-gṛheṣu'' – bei fünf Häusern; ''kara-pātrī'' – die Hand als Schale habend; ''eka-kaupīna-dhārī'' – einen einzigen Lendenschurz tragend; ''śāṭīm ekām'' – ein einziges Tuch; ''vaiṇavam daṇḍam'' – Bambusstab; ''bhasma-uddhūlana-paraḥ'' – sich mit Asche bestreuend; ''sarva-tyāgī'' – allem entsagend. | |||
'''2.19 Prosaeinheit – Turiyatita'''<br> | |||
turīyātīto gomukhavṛttyā phalāhārī annāhārī cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīnvṛttikaḥ |<br> | |||
'''Der Turiyatita nimmt wie eine Kuh unmittelbar mit dem Mund auf, was ihm zukommt, und lebt von Früchten. Isst er gekochte Nahrung, nimmt er sie nur bei drei Häusern. Er besitzt allein den Körper, ist mit den Himmelsrichtungen bekleidet und betrachtet den Körper wie einen Leichnam.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''turīyātītaḥ'' – der über Turiya Hinausgegangene; ''go-mukha-vṛttyā'' – mit der Lebensweise einer Kuh, unmittelbar mit dem Mund aufnehmend; ''phala-āhārī'' – Früchte essend; ''anna-āhārī cet'' – wenn er gekochte Nahrung isst; ''gṛha-traye'' – bei drei Häusern; ''deha-mātra-avaśiṣṭaḥ'' – nur den Körper als Restbesitz habend; ''digambaraḥ'' – mit den Himmelsrichtungen bekleidet; ''kuṇapa-vat śarīra-vṛttikaḥ'' – den Körper wie einen Leichnam behandelnd. | |||
'''2.20 Prosaeinheit – Avadhuta'''<br> | |||
avadhūtastvaniyamaḥ patitābhiśastavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |<br> | |||
'''Der Avadhuta folgt keinen äußeren Besitzregeln mehr. Unter Meidung der in seiner Ordensregel ausgeschlossenen Quellen nimmt er Nahrung bei allen gesellschaftlichen Gruppen nach Art einer reglos wartenden Python-Schlange an und widmet sich ganz der Erforschung seines wahren Wesens.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''avadhūtaḥ tu'' – der Avadhuta aber; ''aniyamaḥ'' – ohne äußere Regelbindung; ''patita-abhiśasta-varjana-pūrvakam'' – unter vorherigem Meiden der Gefallenen und Geächteten; ''sarva-varṇeṣu'' – bei allen Varnas; ''ajagara-vṛttyā'' – nach Art einer Python-Schlange, ohne aktives Suchen; ''āhāra-paraḥ'' – Nahrung so annehmend; ''svarūpa-anusandhāna-paraḥ'' – der Erforschung des wahren Wesens hingegeben. | |||
'''13. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
jagattāvadidaṃ nāhaṃ savṛkṣatṛṇaparvatam |<br> | |||
yadbāhyaṃ jaḍamatyantaṃ tatsyāṃ kathamahaṃ vibhuḥ || 13 ||<br> | |||
'''Diese Welt mit Bäumen, Gräsern und Bergen bin ich nicht. Was äußerlich und völlig unbewusst ist – wie könnte ich, das allgegenwärtige Bewusstsein, dies sein?''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''jagat tāvat idam'' – zunächst diese Welt; ''na aham'' – bin ich nicht; ''sa-vṛkṣa-tṛṇa-parvatam'' – samt Bäumen, Gräsern und Bergen; ''yat bāhyam'' – was äußerlich ist; ''jaḍam atyantam'' – völlig unbewusst; ''tat syām katham'' – wie könnte ich das sein; ''aham vibhuḥ'' – ich, der Allgegenwärtige. | |||
'''14. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kālenālpena vilayī deho nāhamacetanaḥ |<br> | |||
jaḍayā karṇaśaṣkulyā kalpamānakṣaṇasthayā || 14 ||<br> | |||
'''Der Körper, der sich schon nach kurzer Zeit auflöst und ohne Bewusstsein ist, bin ich nicht. Auch das nur augenblicklich durch die leblose Ohrmuschel vorgestellte Hören bin ich nicht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kālena alpena vilayī'' – nach kurzer Zeit sich auflösend; ''dehaḥ'' – der Körper; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanaḥ'' – unbewusst; ''jaḍayā karṇa-śaṣkulyā'' – durch die leblose Ohrmuschel; ''kalpamāna'' – vorgestellt, gebildet; ''kṣaṇa-sthayā'' – nur einen Augenblick bestehend. | |||
'''15. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
śūnyākṛtiḥ śūnyabhavaḥ śabdo nāhamacetanaḥ |<br> | |||
tvacā kṣaṇavināśinyā prāpyo'prāpyo'yamanyathā || 15 ||<br> | |||
'''Der Klang, dessen Gestalt leer und dessen Auftreten vergänglich ist, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Auch das durch die augenblicklich vergehende Haut erfasste oder nicht erfasste Tastbare bin ich nicht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śūnya-ākṛtiḥ'' – von leerer Gestalt; ''śūnya-bhavaḥ'' – von vergänglichem beziehungsweise leerem Auftreten; ''śabdaḥ'' – Klang; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanaḥ'' – unbewusst; ''tvacā kṣaṇa-vināśinyā'' – durch die augenblicklich vergehende Haut; ''prāpyaḥ aprāpyaḥ'' – erfasst oder nicht erfasst; ''ayam anyathā'' – dieses in wechselnder Weise. | |||
'''16. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
citprasādopalabdhātmā sparśo nāhamacetanaḥ |<br> | |||
labdhātmā jihvayā tuccho lolayā lolasattayā || 16 ||<br> | |||
'''Die Berührung, deren Natur nur durch die Helligkeit des Bewusstseins erkannt wird, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ebenso wenig bin ich der geringfügige Geschmack, den die ruhelose Zunge in ihrer Beweglichkeit erfasst.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''cit-prasāda-upalabdha-ātmā'' – dessen Wesen durch die Klarheit des Bewusstseins erkannt wird; ''sparśaḥ'' – Berührung; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanaḥ'' – unbewusst; ''labdha-ātmā jihvayā'' – durch die Zunge als Gegenstand erfasst; ''tucchaḥ'' – geringfügig; ''lolayā'' – durch die Ruhelose; ''lola-sattayā'' – aufgrund ihres beweglichen Wesens. | |||
'''17. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
svalpasyando dravyaniṣṭho raso nāhamacetanaḥ |<br> | |||
dṛśyadarśanayorlīnaṃ kṣayikṣaṇavināśinoḥ || 17 ||<br> | |||
'''Der Geschmack, ein geringer, an einer Substanz haftender Ausfluss, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Die sichtbare Form geht im Verhältnis von Sehen und Gesehenem auf, die beide vergänglich und augenblicklich sind.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''svalpa-syandaḥ'' – ein geringer Ausfluss; ''dravya-niṣṭhaḥ'' – an einer Substanz haftend; ''rasaḥ'' – Geschmack; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanaḥ'' – unbewusst; ''dṛśya-darśanayoḥ līnam'' – im Verhältnis von Gesehenem und Sehen aufgegangen; ''kṣayi-kṣaṇa-vināśinoḥ'' – von zwei vergänglichen, augenblicklich vergehenden Größen. | |||
'''18. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kevale draṣṭari kṣīṇaṃ rūpaṃ nāhamacetanam |<br> | |||
nāsayā gandhajaḍayā kṣayiṇyā parikalpitaḥ || 18 ||<br> | |||
'''Wenn Sehen und Gesehenes vergehen, löst sich die Form im reinen Seher auf; die unbewusste Form bin ich nicht. Auch der von der leblosen, vergänglichen Nase vorgestellte Geruch bin ich nicht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kevale draṣṭari'' – im reinen Seher; ''kṣīṇam rūpam'' – die aufgelöste Form; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanam'' – unbewusst; ''nāsayā'' – durch die Nase; ''gandha-jaḍayā'' – die gegenüber dem Geruch selbst unbewusst ist; ''kṣayiṇyā'' – durch die vergängliche; ''parikalpitaḥ'' – vorgestellt. | |||
'''19. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pelavo niyatākāro gandho nāhamacetanaḥ |<br> | |||
nirmamo'mananaḥ śānto gatapañcendriyabhramaḥ || 19 ||<br> | |||
'''Der schwache, fest umrissene Geruch ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ich bin ohne Besitzdenken und begriffliches Messen, still und frei vom Irrtum der fünf Sinne.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pelavaḥ'' – schwach, fein; ''niyata-ākāraḥ'' – von bestimmter Gestalt; ''gandhaḥ'' – Geruch; ''na aham'' – bin ich nicht; ''acetanaḥ'' – unbewusst; ''nirmamaḥ'' – ohne Mein-Gedanken; ''amananaḥ'' – frei von begrifflichem Messen; ''śāntaḥ'' – still; ''gata-pañca-indriya-bhramaḥ'' – dem Irrtum der fünf Sinne entgangen. | |||
'''20. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
śuddhacetana evāhaṃ kalākalanavarjitaḥ |<br> | |||
caityavarjitacinmātramahameṣo'vabhāsakaḥ || 20 ||<br> | |||
'''Ich bin einzig reines Bewusstsein, frei von Zeit, Teilen und Berechnung. Ich bin dieses bloße Bewusstsein ohne gedachte Objekte – der Erleuchter aller Erfahrungen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śuddha-cetanaḥ eva aham'' – ich bin einzig reines Bewusstsein; ''kalā-kalana-varjitaḥ'' – frei von Teilen, Zeit und Berechnung; ''caitya-varjita'' – frei von Bewusstseinsobjekten; ''cit-mātram'' – Bewusstsein allein; ''aham eṣaḥ'' – ich bin dieses; ''avabhāsakaḥ'' – der Erleuchter, Offenbarende. | |||
'''21. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sabāhyābhyantaravyāpī niṣkalo'haṃ nirañjanaḥ |<br> | |||
nirvikalpacidābhāsa eka ātmāsmi sarvagaḥ || 21 ||<br> | |||
'''Innen und außen alles durchdringend, bin ich ohne Teile und ohne Makel. Als nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins bin ich der eine, allgegenwärtige Atman.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sa-bāhya-abhyantara-vyāpī'' – Äußeres und Inneres durchdringend; ''niṣkalaḥ aham'' – ich bin ohne Teile; ''nirañjanaḥ'' – fleckenlos; ''nirvikalpa-cit-ābhāsaḥ'' – nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins; ''ekaḥ ātmā asmi'' – ich bin der eine Atman; ''sarvagaḥ'' – allgegenwärtig. | |||
'''22. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
mayaiva cetaneneme sarve ghaṭapaṭādayaḥ |<br> | |||
sūryāntā avabhāsyante dīpenevātmatejasā || 22 ||<br> | |||
'''Durch mich als Bewusstsein werden alle Dinge – Töpfe, Tücher und alles bis hin zur Sonne – offenbar, so wie Gegenstände durch eine Lampe, hier aber durch das Licht des Selbst.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''mayā eva cetanena'' – durch mich allein als Bewusstsein; ''ime sarve'' – alle diese; ''ghaṭa-paṭa-ādayaḥ'' – Töpfe, Tücher und Ähnliches; ''sūrya-antāḥ'' – bis hin zur Sonne; ''avabhāsyante'' – werden erhellt; ''dīpena iva'' – wie durch eine Lampe; ''ātma-tejasā'' – durch das Licht des Selbst. | |||
'''23. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
mayaivaitāḥ sphurantīha vicitrendriyavṛttayaḥ |<br> | |||
tejasāntaḥprakāśena yathāgnikaṇapaṅktayaḥ || 23 ||<br> | |||
'''Durch mich allein leuchten hier die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne auf – durch das innere Licht, wie Reihen von Funken aus dem Feuer.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''mayā eva'' – durch mich allein; ''etāḥ sphuranti iha'' – leuchten diese hier auf; ''vicitra-indriya-vṛttayaḥ'' – die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne; ''tejasā antaḥ-prakāśena'' – durch das Licht, das innen erhellt; ''yathā agni-kaṇa-paṅktayaḥ'' – wie Reihen von Feuerfunken. | |||
'''24. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
anantānandasaṃbhogā paropaśamaśālinī |<br> | |||
śuddheyaṃ cinmayī dṛṣṭirjayatyakhiladṛṣṭiṣu || 24 ||<br> | |||
'''Diese reine, aus Bewusstsein bestehende Schau triumphiert über alle begrenzten Sichtweisen: Sie genießt unendliche Glückseligkeit und ruht in höchstem Frieden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ananta-ānanda-saṃbhogā'' – unendliche Glückseligkeit genießend; ''para-upaśama-śālinī'' – mit höchstem Frieden begabt; ''śuddhā iyam'' – diese reine; ''cinmayī dṛṣṭiḥ'' – aus Bewusstsein bestehende Schau; ''jayati'' – triumphiert; ''akhila-dṛṣṭiṣu'' – unter allen Sichtweisen. | |||
'''25. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sarvabhāvāntarasthāya caityamuktacidātmane |<br> | |||
pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namo namaḥ || 25 ||<br> | |||
'''Immer wieder verneige ich mich vor mir selbst: vor dem, der im Inneren aller Zustände wohnt, vor dem Bewusstseinsselbst ohne gedachte Objekte, vor der Gestalt des nach innen gerichteten Bewusstseins.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sarva-bhāva-antara-sthāya'' – dem in allen Zuständen innen Wohnenden; ''caitya-mukta-cid-ātmane'' – dem Bewusstseinsselbst, frei von Objekten; ''pratyak-caitanya-rūpāya'' – der Gestalt des inneren Bewusstseins; ''mahyam eva'' – mir selbst allein; ''namaḥ namaḥ'' – wieder und wieder Verehrung. | |||
'''26. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vicitrāḥ śaktayaḥ svacchāḥ samā yā nirvikārayā |<br> | |||
citā kriyante samayā kalākalanamuktayā || 26 ||<br> | |||
'''Die vielfältigen Kräfte werden durch das unveränderliche Bewusstsein, das frei von zeitlicher Einteilung und Berechnung ist, klar, ausgeglichen und in Einklang gebracht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vicitrāḥ śaktayaḥ'' – vielfältige Kräfte; ''svacchāḥ'' – klar; ''samāḥ'' – ausgeglichen; ''yā nirvikārayā citā'' – durch jenes unveränderliche Bewusstsein; ''kriyante'' – werden gemacht; ''samayā'' – gleichmäßig; ''kalā-kalana-muktayā'' – frei von Zeiteinteilung und Berechnung. | |||
'''27. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kālatrayamupekṣitryā hīnāyāścaityabandhanaiḥ |<br> | |||
citaścaityamupekṣitryāḥ samataivāvaśiṣyate || 27 ||<br> | |||
'''Wenn Bewusstsein die drei Zeiten unbeachtet lässt und von der Bindung an Objekte frei ist, bleibt allein seine Gleichheit zurück – die Gelassenheit des Bewusstseins gegenüber allem Gedachten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kāla-trayam upekṣitryā'' – die drei Zeiten unbeachtet lassend; ''hīnāyāḥ caitya-bandhanaiḥ'' – frei von Bindungen an Bewusstseinsobjekte; ''citaḥ'' – des Bewusstseins; ''caityam upekṣitryāḥ'' – das Gedachte unbeachtet lassend; ''samatā eva avaśiṣyate'' – allein Gleichheit bleibt zurück. | |||
'''28. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sā hi vācāmagamyatvādasattāmiva śāśvatīm |<br> | |||
nairātmasiddhātmadaśāmupayātaiva śiṣyate || 28 ||<br> | |||
'''Weil diese Wirklichkeit für Worte unerreichbar ist, erscheint sie wie ein ewiges Nichtsein. Was bleibt, ist allein der Zustand, in dem das begrenzte Ich erloschen und das wahre Selbst verwirklicht ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sā hi'' – diese wahrlich; ''vācām agamyatvāt'' – weil sie durch Worte nicht erreichbar ist; ''asattām iva śāśvatīm'' – wie ewiges Nichtsein; ''nairātma-siddha-ātma-daśām'' – den Zustand, in dem das begrenzte Selbst nichtig und der Atman verwirklicht ist; ''upayātā eva'' – erreicht habend; ''śiṣyate'' – bleibt übrig. | |||
'''29. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
īhānīhāmayairantaryā cidāvalitā malaiḥ |<br> | |||
sā cinnotpādituṃ śaktā pāśabaddheva pakṣiṇī || 29 ||<br> | |||
'''Ist das Bewusstsein innerlich von den Unreinheiten des Strebens und Nichtstrebens umhüllt, kann es seine freie Leuchtkraft nicht entfalten – wie ein Vogel, der in einer Schlinge gebunden ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''īhā-anīhā-mayaiḥ'' – aus Streben und Nichtstreben bestehend; ''antaḥ-yā cit'' – jenes innere Bewusstsein; ''āvalitā malaiḥ'' – von Unreinheiten umhüllt; ''sā cit'' – dieses Bewusstsein; ''na utpāditum śaktā'' – kann nicht hervortreten beziehungsweise sich entfalten; ''pāśa-baddhā iva pakṣiṇī'' – wie ein in einer Schlinge gebundener Vogel. | |||
'''30. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
icchādveṣasamutthena dvandvamohena jantavaḥ |<br> | |||
dharāvivaramagnānāṃ kīṭānāṃ samatāṃ gatāḥ || 30 ||<br> | |||
'''Durch den aus Begehren und Abneigung entstehenden Wahn der Gegensätze sinken die Wesen auf den Zustand von Würmern herab, die in Erdspalten stecken.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''icchā-dveṣa-samutthena'' – aus Begehren und Abneigung entstanden; ''dvandva-mohena'' – durch den Wahn der Gegensatzpaare; ''jantavaḥ'' – die Lebewesen; ''dharā-vivara-magnānām'' – der in Erdspalten Versunkenen; ''kīṭānām samatām gatāḥ'' – sind dem Zustand von Würmern gleich geworden. | |||
'''31. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ātmane'stu namo mahyamavicchinnacidātmane |<br> | |||
parāmṛṣṭo'smi labdho'smi prodito'smyacirādaham |<br> | |||
uddhṛto'smi vikalpebhyo yo'smi so'smi namo'stu te || 31 ||<br> | |||
'''Verehrung sei mir selbst, dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst! Ich bin berührt, gefunden und in kurzer Zeit zum Licht gekommen; ich bin aus allen gedanklichen Alternativen emporgehoben. Ich bin, der ich bin – Verehrung sei dir, meinem Selbst!''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ātmane astu namaḥ'' – Verehrung sei dem Selbst; ''mahyam'' – mir; ''avicchinna-cid-ātmane'' – dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst; ''parāmṛṣṭaḥ asmi'' – ich bin berührt beziehungsweise erfasst; ''labdhaḥ asmi'' – ich bin gefunden; ''proditaḥ asmi acirāt'' – ich bin bald zum Licht gekommen; ''uddhṛtaḥ asmi vikalpebhyaḥ'' – ich bin aus den Vorstellungen emporgehoben; ''yaḥ asmi saḥ asmi'' – ich bin, der ich bin; ''namaḥ astu te'' – Verehrung sei dir. | |||
'''32. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane |<br> | |||
namastubhyaṃ pareśāya namo mahyaṃ śivāya ca || 32 ||<br> | |||
'''Verehrung dir, der du ich bist, dem Unendlichen; Verehrung mir, der ich du bin, dem Bewusstseinsselbst. Verehrung dir, dem höchsten Herrn, und Verehrung mir, dem Segensreichen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tubhyam mahyam'' – dir, der du ich bist; ''anantāya'' – dem Unendlichen; ''mahyam tubhyam'' – mir, der ich du bin; ''cid-ātmane'' – dem Bewusstseinsselbst; ''namaḥ tubhyam'' – Verehrung dir; ''para-īśāya'' – dem höchsten Herrn; ''namaḥ mahyam'' – Verehrung mir; ''śivāya ca'' – und dem Segensreichen. | |||
'''33. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tiṣṭhannapi hi nāsīno gacchannapi na gacchati |<br> | |||
śānto'pi vyavahārasthaḥ kurvannapi na lipyate || 33 ||<br> | |||
'''Obwohl er steht, steht er nicht festgebunden; obwohl er geht, geht das Selbst nicht. Obwohl er still ist, bewegt er sich im Alltag; obwohl er handelt, wird er nicht befleckt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tiṣṭhan api'' – obwohl stehend; ''na āsīnaḥ'' – nicht fest sitzend beziehungsweise gebunden; ''gacchan api'' – obwohl gehend; ''na gacchati'' – geht er nicht; ''śāntaḥ api'' – obwohl still; ''vyavahāra-sthaḥ'' – im weltlichen Handeln stehend; ''kurvan api'' – obwohl handelnd; ''na lipyate'' – wird er nicht befleckt. | |||
'''34. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sulabhaścāyamatyantaṃ sujñeyaścāptabandhuvat |<br> | |||
śarīrapadmakuhare sarveṣāmeva ṣaṭpadaḥ || 34 ||<br> | |||
'''Dieses Selbst ist außerordentlich leicht zugänglich und wie ein vertrauter Angehöriger gut zu erkennen. Es ist die Biene in der Höhle des Körperlotus aller Wesen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sulabhaḥ ca ayam atyantam'' – dieses ist äußerst leicht zugänglich; ''sujñeyaḥ'' – gut zu erkennen; ''āpta-bandhu-vat'' – wie ein vertrauter Angehöriger; ''śarīra-padma-kuhare'' – in der Höhle des Körperlotus; ''sarveṣām eva'' – wahrlich aller; ''ṣaṭpadaḥ'' – die Biene, wörtlich das sechsfüßige Wesen. | |||
'''35. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
na me bhogasthitau vāñchā na me bhogavisarjane |<br> | |||
yadāyāti tadāyātu yatprayāti prayātu tat || 35 ||<br> | |||
'''Ich verlange weder danach, im Genuss zu verbleiben, noch danach, ihn gewaltsam fortzuwerfen. Was kommt, mag kommen; was geht, mag gehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na me'' – nicht bei mir; ''bhoga-sthitau vāñchā'' – Wunsch nach Verbleiben im Genuss; ''na me bhoga-visarjane'' – auch kein Wunsch, Genuss fortzuwerfen; ''yat āyāti tat āyātu'' – was kommt, mag kommen; ''yat prayāti prayātu tat'' – was geht, mag gehen. | |||
'''36. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
manasā manasi cchinne nirahaṃkāraṃ gate |<br> | |||
bhāvena galite bhāve svasthastiṣṭhāmi kevalaḥ || 36 ||<br> | |||
'''Wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist und der Ich-Gedanke gegangen ist, wenn alles Vorgestellte in seinem Grund erloschen ist, verweile ich allein in meinem eigenen Wesen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''manasā manasi chinne'' – wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist; ''nirahaṃkāram gate'' – wenn der Ich-Gedanke vergangen ist; ''bhāvena galite bhāve'' – wenn das Vorgestellte in seinem Sein zerflossen ist; ''svasthaḥ tiṣṭhāmi'' – verweile ich im eigenen Selbst; ''kevalaḥ'' – allein, ungeteilt. | |||
'''37. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
nirbhāvaṃ nirahaṃkāraṃ nirmanaskamanīhitam |<br> | |||
kevalāspandaśuddhātmanyeva tiṣṭhati me ripuḥ || 37 ||<br> | |||
'''Frei von Vorstellungen, Ich-Gedanken, Geist und Absicht ruht selbst mein früherer Feind, der Geist, nun im reinen Selbst, das allein und ohne Regung ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''nirbhāvam'' – frei von Vorstellungen; ''nirahaṃkāram'' – ohne Ich-Gedanken; ''nirmanaskam'' – ohne gewöhnlichen Geist; ''anīhitam'' – ohne Absicht; ''kevala-aspanda-śuddha-ātmani'' – im reinen Selbst, allein und ohne Regung; ''eva tiṣṭhati'' – ruht allein; ''me ripuḥ'' – mein früherer Feind, der Geist. | |||
'''38. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tṛṣṇārajjugaṇaṃ chitvā maccharīrakapañjarāt |<br> | |||
na jāne kva gatoḍḍīya nirahaṃkārapakṣiṇī || 38 ||<br> | |||
'''Nachdem sie das Bündel der Durstseile aus dem Käfig meines Körpers durchschnitten hat, ist der ichlose Vogel davongeflogen; ich weiß nicht, wohin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tṛṣṇā-rajju-gaṇam chitvā'' – das Bündel der Seile des Durstes durchschneidend; ''mat-śarīra-kapañjarāt'' – aus dem Käfig meines Körpers; ''na jāne kva gataḥ'' – ich weiß nicht, wohin er ging; ''uḍḍīya'' – davongeflogen; ''nirahaṃkāra-pakṣiṇī'' – der Vogel ohne Ich-Gedanken. | |||
'''39. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate |<br> | |||
yaḥ samaḥ sarvabhūteṣu jīvitaṃ tasya śobhate || 39 ||<br> | |||
'''Schön und sinnvoll ist das Leben dessen, der keinen ichhaften Anspruch erhebt, dessen Einsicht unbefleckt bleibt und der allen Wesen gegenüber gleich ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yasya na ahaṃkṛtaḥ bhāvaḥ'' – bei wem kein ichhafter Anspruch besteht; ''buddhiḥ yasya na lipyate'' – dessen Einsicht nicht befleckt wird; ''yaḥ samaḥ sarva-bhūteṣu'' – wer allen Wesen gegenüber gleich ist; ''jīvitam tasya śobhate'' – dessen Leben erstrahlt. | |||
'''40. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
yo'ntaḥśītalayā buddhyā rāgadveṣavimuktayā |<br> | |||
sākṣivatpaśyatīdaṃ hi jīvitaṃ tasya śobhate || 40 ||<br> | |||
'''Schön ist das Leben dessen, der mit innerlich kühler, von Anhaftung und Abneigung freier Einsicht diese Welt wie ein Zeuge betrachtet.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yaḥ antaḥ-śītalayā buddhyā'' – wer mit innerlich kühler Einsicht; ''rāga-dveṣa-vimuktayā'' – frei von Anhaftung und Abneigung; ''sākṣivat paśyati idam'' – dieses wie ein [[Sakshi|Zeuge]] betrachtet; ''hi'' – wahrlich; ''jīvitam tasya śobhate'' – dessen Leben erstrahlt. | |||
'''41. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
yena samyakparijñāya heyopādeyamujjhatā |<br> | |||
cittasyānte'rpitaṃ cittaṃ jīvitaṃ tasya śobhate || 41 ||<br> | |||
'''Schön ist das Leben dessen, der Anzunehmendes und Aufzugebendes richtig erkannt und hinter sich gelassen und den Geist am Ende des Geistes selbst dargebracht hat.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yena samyak parijñāya'' – von wem vollständig erkannt; ''heya-upādeyam'' – Aufzugebendes und Anzunehmendes; ''ujjhatā'' – zurücklassend; ''cittasya ante'' – am Ende des Geistes; ''arpitam cittam'' – der Geist dargebracht; ''jīvitam tasya śobhate'' – dessen Leben erstrahlt. | |||
'''42. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
grāhyagrāhakasaṃbandhe kṣīṇe śāntirudetyalam |<br> | |||
sthitimabhyāgatā śāntirmokṣanāmābhidhīyate || 42 ||<br> | |||
'''Wenn die Beziehung zwischen Erfasstem und Erfasser erschöpft ist, geht vollkommener Frieden auf. Dieser zur Festigkeit gelangte Frieden wird Befreiung genannt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''grāhya-grāhaka-saṃbandhe kṣīṇe'' – wenn die Beziehung von Erfasstem und Erfasser geschwunden ist; ''śāntiḥ udeti alam'' – geht vollkommener Frieden auf; ''sthitim abhyāgatā śāntiḥ'' – zur Festigkeit gelangter Frieden; ''mokṣa-nāmā abhidhīyate'' – wird mit dem Namen [[Moksha]] bezeichnet. | |||
'''43. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
bhraṣṭabījopamā bhūyo janmāṅkuaravivarjitā |<br> | |||
hṛdi jīvadvimuktānāṃ śuddhā bhavati vāsanā || 43 ||<br> | |||
'''Im Herzen der zu Lebzeiten Befreiten bleibt eine reine Prägung zurück, die einem unfruchtbar gewordenen Samen gleicht und keinen neuen Keim der Geburt hervorbringt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bhraṣṭa-bīja-upamā'' – einem unfruchtbar gewordenen Samen gleich; ''bhūyaḥ janma-aṅkura-vivarjitā'' – ohne einen weiteren Keim der Geburt; ''hṛdi'' – im Herzen; ''jīvan-vimuktānām'' – der zu Lebzeiten Befreiten; ''śuddhā bhavati vāsanā'' – besteht eine reine Prägung. | |||
'''44. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pāvanī paramodārā śuddhasattvānupātinī |<br> | |||
ātmadhyānamayī nityā suṣuptistheva tiṣṭhati || 44 ||<br> | |||
'''Diese Prägung ist reinigend, höchst edel und folgt dem reinen Sattva. Sie besteht immer aus Meditation über das Selbst und ruht wie im Tiefschlaf.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pāvanī'' – reinigend; ''parama-udārā'' – höchst edel; ''śuddha-sattva-anupātinī'' – dem reinen [[Sattva]] folgend; ''ātma-dhyāna-mayī'' – aus Meditation über das Selbst bestehend; ''nityā'' – beständig; ''suṣupti-sthā iva tiṣṭhati'' – ruht wie im Zustand des Tiefschlafs. | |||
'''45. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
cetanaṃ cittariktaṃ hi pratyakcetanamucyate |<br> | |||
nirmanaskasvabhāvatvānna tatra kalanāmalam || 45 ||<br> | |||
'''Bewusstsein, das vom Gedankenstrom leer ist, wird nach innen gerichtetes Bewusstsein genannt. Weil sein Wesen frei vom gewöhnlichen Geist ist, gibt es dort keinen Makel begrifflicher Einteilung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''cetanam citta-riktam'' – vom Gedankenstrom leeres Bewusstsein; ''hi'' – wahrlich; ''pratyak-cetanam ucyate'' – wird inneres Bewusstsein genannt; ''nirmanaska-svabhāvatvāt'' – weil es von Natur aus ohne gewöhnlichen Geist ist; ''na tatra'' – dort nicht; ''kalanā-malam'' – der Makel des Einteilens und Vorstellens. | |||
'''46. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sā satyatā sā śivatā sāvasthā pāramātmikī |<br> | |||
sarvajñatā sā saṃtṛptirnatu yatra manaḥ kṣatam || 46 ||<br> | |||
'''Das ist Wahrhaftigkeit, das ist Segenskraft, das ist der höchste Zustand des Selbst; das ist Allwissenheit und vollkommene Zufriedenheit – dort ist der Geist nicht mehr verletzt oder zerrissen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sā satyatā'' – das ist Wahrhaftigkeit; ''sā śivatā'' – das ist Segenskraft; ''sā avasthā pāramātmikī'' – das ist der höchste Zustand des Selbst; ''sarvajñatā sā'' – das ist Allwissenheit; ''saṃtṛptiḥ'' – Zufriedenheit; ''na tu yatra manaḥ kṣatam'' – wo der Geist nicht mehr verwundet beziehungsweise zerteilt ist. | |||
'''47. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pralapanvisṛjangṛhṇannunmiṣannimiṣannapi |<br> | |||
nirastamananānandaḥ saṃvinmātraparo'smyaham || 47 ||<br> | |||
'''Ob ich spreche, ausscheide, ergreife, die Augen öffne oder schließe: Frei vom Denken ruhe ich in Glückseligkeit und bin ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pralapan'' – sprechend; ''visṛjan'' – ausscheidend beziehungsweise loslassend; ''gṛhṇan'' – ergreifend; ''unmiṣan nimiṣan api'' – die Augen öffnend und schließend; ''nirasta-mananānandaḥ'' – glückselig, da das begriffliche Denken beseitigt ist; ''saṃvit-mātra-paraḥ asmi aham'' – ich bin ganz dem Bewusstsein allein hingegeben. | |||
'''48. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
malaṃ saṃvedyamutsṛjya mano nirmūlayanparam |<br> | |||
āśāpāśānalaṃ chittvā saṃvinmātraparo'smyaham || 48 ||<br> | |||
'''Ich lasse die Verunreinigung des Erkennbaren los, entwurzele den Geist vollständig und durchtrenne das brennende Fesselwerk der Hoffnungen. So bin ich ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''malam saṃvedyam utsṛjya'' – die Verunreinigung des Erkennbaren loslassend; ''manaḥ nirmūlayan param'' – den Geist vollständig entwurzelnd; ''āśā-pāśa-analam chitvā'' – das brennende Fesselwerk der Hoffnungen durchschneidend; ''saṃvit-mātra-paraḥ asmi aham'' – ich bin ganz dem Bewusstsein allein hingegeben. | |||
'''49. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
aśubhāśubhasaṃkalpaḥ saṃśānto'smi nirāmayaḥ |<br> | |||
naṣṭeṣṭāniṣṭakalanaḥ saṃmātraparosmyaham || 49 ||<br> | |||
'''Die Vorstellungen von günstig und ungünstig sind zur Ruhe gekommen; ich bin friedvoll und heil. Die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; ich ruhe im bloßen Sein und Bewusstsein.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''aśubha-śubha-saṃkalpaḥ saṃśāntaḥ'' – die Vorstellungen von ungünstig und günstig sind völlig beruhigt; ''asmi nirāmayaḥ'' – ich bin heil, frei von Gebrechen; ''naṣṭa-iṣṭa-aniṣṭa-kalanaḥ'' – die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; ''sat-mātra-paraḥ asmi aham'' – ich bin dem bloßen Sein allein hingegeben. | |||
'''50. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ātmatāparate tyaktvā nirvibhāgo jagatsthitau |<br> | |||
vajrastaṃbhavadātmānamavalaṃbya sthiro'smyaham || 50 ||<br> | |||
'''Nachdem ich die Trennung von Selbst und Anderem aufgegeben habe, bin ich innerhalb der Weltordnung ungeteilt. Auf das Selbst gestützt wie auf eine Diamantsäule stehe ich fest.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ātmatā-aparate tyaktvā'' – Selbstheit und Andersheit aufgegeben habend; ''nirvibhāgaḥ'' – ungeteilt; ''jagat-sthitau'' – in der bestehenden Welt; ''vajra-stambha-vat'' – wie eine Diamantsäule; ''ātmānam avalambya'' – auf das Selbst gestützt; ''sthiraḥ asmi aham'' – stehe ich fest. | |||
'''51. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
nirmalāyāṃ nirāśāyāṃ svasaṃvittau sthito'smyaham |<br> | |||
īhitānīhitairmukto heyopādeyavarjitaḥ || 51 ||<br> | |||
'''Ich ruhe in meiner makellosen, erwartungsfreien Selbsterkenntnis. Von Gewolltem wie Ungewolltem frei, bin ich jenseits von Verwerfen und Ergreifen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''nirmalāyām'' – in der makellosen; ''nirāśāyām'' – erwartungsfreien; ''sva-saṃvittau'' – eigenen Bewusstheit; ''sthitaḥ asmi aham'' – ruhe ich; ''īhita-anīhitaiḥ muktaḥ'' – frei von Gewolltem und Ungewolltem; ''heya-upādeya-varjitaḥ'' – ohne Aufzugebendes und Anzunehmendes. | |||
'''52. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kadāntastoṣameṣyāmi svaprakāśapade sthitaḥ |<br> | |||
kadopaśāntamanano dharaṇīdharakandare || 52 ||<br> | |||
'''Wann werde ich, im Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet, die innere Zufriedenheit erlangen? Wann wird mein Denken in einer Berghöhle vollkommen zur Ruhe kommen?''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kadā'' – wann; ''antaḥ-toṣam eṣyāmi'' – werde ich innere Zufriedenheit erlangen; ''sva-prakāśa-pade sthitaḥ'' – am Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet; ''kadā upaśānta-mananaḥ'' – wann mit völlig beruhigtem Denken; ''dharaṇī-dhara-kandare'' – in einer Berghöhle. | |||
'''53. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sameṣyāmi śilāsāmyaṃ nirvikalpasamādhinā |<br> | |||
niraṃśadhyānaviśrāntimūkasya mama mastake || 53 ||<br> | |||
'''Wann werde ich durch den begriffslosen Samadhi die Unbewegtheit eines Felsens erlangen und in ungeteilter Meditation ruhen – so still, dass mein schweigendes Haupt unbewegt bleibt?''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sameṣyāmi'' – werde ich erlangen; ''śilā-sāmyam'' – Gleichheit beziehungsweise Unbewegtheit eines Felsens; ''nirvikalpa-samādhinā'' – durch [[Nirvikalpa Samadhi]]; ''niraṃśa-dhyāna-viśrānti'' – Ruhe in ungeteilter Meditation; ''mūkasya mama mastake'' – auf meinem schweigenden, stillen Haupt. Der Satz wird im folgenden Vers fortgeführt. | |||
'''54. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kadā tārṇaṃ kariṣyanti kulāyaṃ vanaputrikāḥ |<br> | |||
saṃkalpapādapaṃ tṛṣṇālataṃ chittvā manovanam || 54 ||<br> | |||
'''Wann werden die Vögel des Waldes auf meinem Haupt ein Nest aus Gras bauen? Nachdem du den Baum der Vorstellungen und die Ranke des Durstes gefällt hast, durchstreife den Wald des Geistes.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kadā'' – wann; ''tārṇam kulāyam kariṣyanti'' – werden sie ein Nest aus Gras bauen; ''vana-putrikāḥ'' – die Töchter des Waldes, die Vögel; ''saṃkalpa-pādapam'' – den Baum der Vorstellungen; ''tṛṣṇā-latām'' – die Ranke des Durstes; ''chitvā'' – gefällt habend; ''mano-vanam'' – den Wald des Geistes. | |||
'''55. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vitatāṃ bhuvamāsādya viharābhi yathāsukham |<br> | |||
padaṃ tadanu yāto'smi kevalo'smi jayāmyaham || 55 ||<br> | |||
'''Nachdem du die weite Erde erreicht hast, wandere frei und nach Herzensruhe. Ich aber bin jenem Zustand gefolgt und habe ihn erreicht; ich bin allein und ungeteilt – ich habe gesiegt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vitatām bhuvam āsādya'' – die weite Erde erreicht habend; ''vihara yathā-sukham'' – wandere nach innerem Wohlsein; ''padam tat anu yātaḥ asmi'' – ich bin jenem Zustand gefolgt; ''kevalaḥ asmi'' – ich bin allein, ungeteilt; ''jayāmi aham'' – ich siege. | |||
'''56. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
nirvāṇo'smi nirīho'smi niraṃśo'smi nirīpsitaḥ |<br> | |||
svacchatorjitatā sattā hṛdyatā satyatā jñatā || 56 ||<br> | |||
'''Ich bin im Nirvana, frei von Streben, ohne Teile und ohne Verlangen. Klarheit, Kraft, Sein, Herzensgüte, Wahrhaftigkeit und Erkenntnis sind in mir gegenwärtig.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''nirvāṇaḥ asmi'' – ich bin im [[Nirvana]]; ''nirīhaḥ asmi'' – ich bin frei von Streben; ''niraṃśaḥ asmi'' – ich bin ohne Teile; ''nirīpsitaḥ'' – ohne etwas erlangen zu wollen; ''svacchatā'' – Klarheit; ''ūrjitatā'' – Kraft; ''sattā'' – Sein; ''hṛdyatā'' – Herzensgüte; ''satyatā'' – Wahrhaftigkeit; ''jñatā'' – Erkenntnis. | |||
'''57. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ānanditopaśamatā sadā pramuditoditā |<br> | |||
pūrṇatodāratā satyā kāntisattā sadaikatā || 57 ||<br> | |||
'''Freude und Frieden, beständig aufleuchtende Heiterkeit, Fülle, Großherzigkeit, Wahrheit, Ausstrahlung, Sein und immerwährende Einheit – all dies kennzeichnet diesen Zustand.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ānanditā'' – Freude; ''upaśamatā'' – Frieden; ''sadā pramudita-uditā'' – beständig aufleuchtende Heiterkeit; ''pūrṇatā'' – Fülle; ''udāratā'' – Großherzigkeit; ''satyā'' – Wahrheit; ''kānti'' – Ausstrahlung; ''sattā'' – Sein; ''sadā-ekatā'' – immerwährende Einheit. | |||
'''58. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ityevaṃ cintayanbhikṣuḥ svarūpasthitimañjasā |<br> | |||
nirvikalpasvarūpajño nirvikalpo babhūva ha || 58 ||<br> | |||
'''Indem der Bettelmönch so kontempliert, gelangt er mühelos zur Festigkeit in seinem wahren Wesen. Weil er die nichtbegriffliche Natur des Selbst erkennt, wird er selbst frei von gedanklicher Unterscheidung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''iti evam cintayan'' – so in dieser Weise kontemplierend; ''bhikṣuḥ'' – der Bettelmönch; ''svarūpa-sthitim'' – Festigkeit im eigenen Wesen; ''añjasā'' – unmittelbar, mühelos; ''nirvikalpa-svarūpa-jñaḥ'' – Kenner des nichtbegrifflichen Wesens; ''nirvikalpaḥ babhūva ha'' – wurde wahrlich frei von gedanklicher Unterscheidung. | |||
'''2.21 Prosaeinheit – Notsannyasa'''<br> | |||
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ |<br> | |||
'''Bleibt ein Schwerkranker am Leben, soll anschließend der vollständige Sannyasa in der vorgeschriebenen Ordnung vollzogen werden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āturaḥ'' – ein Schwerkranker; ''jīvati cet'' – wenn er am Leben bleibt; ''krama-saṃnyāsaḥ'' – die Entsagung in geordneter Stufenfolge; ''kartavyaḥ'' – ist zu vollziehen. | |||
'''2.22 Prosaeinheit – Historisches Kontaktverbot'''<br> | |||
na śūdrastrīpatitodakyā saṃbhāṣaṇam |<br> | |||
'''Die vormoderne Ordensregel verbietet Gespräche mit als Shudras, Frauen, Gefallene oder rituell Unreine bezeichneten Menschen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na saṃbhāṣaṇam'' – kein Gespräch; ''śūdra'' – mit einem als Shudra bezeichneten Menschen; ''strī'' – mit einer Frau; ''patita'' – mit einem Gefallenen; ''udakyā'' – mit einer rituell als unrein bezeichneten Frau. Diese diskriminierende Vorschrift wird als historischer Quelleninhalt dokumentiert, nicht als heutige Norm bestätigt. | |||
'''2.23 Prosaeinheit – Festbesuche'''<br> | |||
na yaterdevapūjanotsavadarśanam |<br> | |||
'''Ein Yati soll nicht zum Zuschauen bei Tempelverehrungen und Festen gehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''yateḥ'' – für den Yati; ''deva-pūjana-utsava-darśanam'' – das Zuschauen bei Götterverehrungen und Festen. | |||
'''2.24 Prosaeinheit – Nicht für diese Welt'''<br> | |||
tasmānna saṃnyāsina eṣa lokaḥ |<br> | |||
'''Daher ist diese gewöhnliche Welt nicht mehr die eigentliche Heimat des Sannyasin.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasmāt'' – daher; ''na'' – nicht; ''saṃnyāsinaḥ'' – für den Sannyasin; ''eṣaḥ lokaḥ'' – diese Welt. | |||
'''2.25 Prosaeinheit – Welten von Atura und Kutichaka'''<br> | |||
āturakuṭīcakayorbhūlokabhuvarlokau |<br> | |||
'''Dem Notsannyasin und dem Kutichaka werden Bhurloka beziehungsweise Bhuvarloka zugeordnet.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ātura-kuṭīcakayoḥ'' – dem Notsannyasin und dem Kutichaka; ''bhū-loka-bhuvar-lokau'' – die Welten Bhur und Bhuvar. | |||
'''2.26 Prosaeinheit – Welt des Bahudaka'''<br> | |||
bahūdakasya svargalokaḥ |<br> | |||
'''Dem Bahudaka wird die Himmelswelt zugeordnet.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bahūdakasya'' – dem Bahudaka; ''svarga-lokaḥ'' – die Himmelswelt. | |||
'''2.27 Prosaeinheit – Welten von Hamsa und Paramahamsa'''<br> | |||
haṃsasya tapolokaḥ | paramahaṃsasya satyalokaḥ |<br> | |||
'''Dem Hamsa wird Tapoloka, dem Paramahamsa Satyaloka zugeordnet.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''haṃsasya'' – dem Hamsa; ''tapo-lokaḥ'' – die Welt des Tapas; ''paramahaṃsasya'' – dem Paramahamsa; ''satya-lokaḥ'' – die Welt der Wahrheit beziehungsweise Brahmas Welt. | |||
'''2.28 Prosaeinheit – Kaivalya von Turiyatita und Avadhuta'''<br> | |||
turīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva kaivalyaṃ svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |<br> | |||
'''Für Turiyatita und Avadhuta besteht Kaivalya im eigenen Atman selbst. Durch ununterbrochene Erforschung des wahren Wesens werden sie diesem gleich – nach dem traditionellen Gleichnis von Raupe und Wespe.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''turīyātīta-avadhūtayoḥ'' – für Turiyatita und Avadhuta; ''sva-ātmani eva'' – im eigenen Atman allein; ''kaivalyam'' – [[Kaivalya]], vollkommene Freiheit; ''svarūpa-anusandhānena'' – durch Erforschung des wahren Wesens; ''bhramara-kīṭa-nyāya-vat'' – gemäß dem traditionellen Gleichnis von Wespe und Raupe. | |||
'''2.29 Prosaeinheit – Vorrang der Selbsterforschung'''<br> | |||
svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsa uṣṭrakuṅkumabhāravadvyarthaḥ |<br> | |||
'''Das Studium anderer Lehren ohne die Erforschung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine kostbare Safranlast auf dem Rücken eines Kamels, das ihren Wert nicht erkennt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''svarūpa-anusandhāna-vyatirikta'' – getrennt von der Erforschung des eigenen Wesens; ''anya-śāstra-abhyāsaḥ'' – Studium anderer Lehren; ''uṣṭra-kuṅkuma-bhāra-vat'' – wie die Safranlast eines Kamels; ''vyarthaḥ'' – zwecklos. | |||
'''2.30 Prosaeinheit – Kein technischer Yoga als Selbstzweck'''<br> | |||
na yogaśāstrapravṛttiḥ |<br> | |||
'''Der voll entsagte Yati soll sich nicht in der bloßen Beschäftigung mit technischen Yoga-Lehrbüchern verlieren.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''yoga-śāstra-pravṛttiḥ'' – Beschäftigung mit Yoga-Lehrbüchern. Gemeint ist im Kontext der Vorrang unmittelbarer Selbsterforschung, keine allgemeine Ablehnung von [[Yoga]]. | |||
'''2.31 Prosaeinheit – Kein Sankhya-Studium als Selbstzweck'''<br> | |||
na sāṅkhyaśāstrābhyāsaḥ |<br> | |||
'''Ebenso soll das Studium der Sankhya-Schriften nicht zum bloßen Selbstzweck werden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''sāṅkhya-śāstra-abhyāsaḥ'' – Studium der [[Sankhya]]-Schriften. | |||
'''2.32 Prosaeinheit – Kein Mantra-Tantra-Geschäft'''<br> | |||
na mantratantravyāpāraḥ |<br> | |||
'''Auch soll der Yati kein Geschäft aus Mantras und Tantras machen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''mantra-tantra-vyāpāraḥ'' – Geschäft beziehungsweise äußere Betriebsamkeit mit [[Mantra]] und [[Tantra]]. | |||
'''2.33 Prosaeinheit – Andere Wissenschaften'''<br> | |||
netaraśāstrapravṛttiryaterasti |<br> | |||
'''Für den Yati soll es keine zerstreuende Beschäftigung mit weiteren Wissenschaften geben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''itara-śāstra-pravṛttiḥ'' – Beschäftigung mit anderen Wissenschaften; ''yateḥ asti'' – soll beim Yati bestehen. | |||
'''2.34 Prosaeinheit – Wissen ohne Verwirklichung'''<br> | |||
asti cecchavālaṅkāravatkarmācara vidyādūraḥ |<br> | |||
'''Besteht diese bloß äußere Beschäftigung dennoch, gleicht sie Schmuck an einem Leichnam; wer nur Handlungen vollzieht, bleibt von verwirklichter Erkenntnis fern.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''asti cet'' – wenn sie dennoch besteht; ''śava-alaṅkāra-vat'' – wie Schmuck an einem Leichnam; ''karma-ācara'' – bloßer Vollzieher von Handlungen; ''vidyā-dūraḥ'' – von Erkenntnis fern. | |||
'''2.35 Prosaeinheit – Rezitation und Karma'''<br> | |||
na parivrāṇnāmasaṅkīrtanaparo yadyatkarma karoti tattatphalamanubhavati |<br> | |||
'''Ein Wandermönch soll nicht allein der lauten Wiederholung von Namen ergeben sein; jede Handlung, die er aus bindender Absicht vollzieht, bringt ihm die entsprechende Folge.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''parivrāṭ'' – Wandermönch; ''na nāma-saṅkīrtana-paraḥ'' – nicht allein der Namensrezitation ergeben; ''yat yat karma karoti'' – welche Handlung auch immer er ausführt; ''tat tat phalam anubhavati'' – deren jeweilige Folge erfährt er. | |||
'''2.36 Prosaeinheit – Vollständiges Loslassen'''<br> | |||
eraṇḍatailaphenavatsarvaṃ parityajet |<br> | |||
'''Wie der Schaum des Rizinusöls spurlos zerfällt, soll er alles vollständig loslassen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''eraṇḍa-taila-phena-vat'' – wie der Schaum von Rizinusöl; ''sarvam parityajet'' – soll er alles vollständig aufgeben. | |||
'''2.37 Prosaeinheit – Keine Tempelgaben'''<br> | |||
na devatāprasādagrahaṇam |<br> | |||
'''Er soll keine als Tempelgabe dargebrachte Speise oder Gabe für sich beanspruchen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na'' – nicht; ''devatā-prasāda-grahaṇam'' – das Annehmen einer Gottheitsgabe beziehungsweise von Prasada. | |||
'''2.38 Prosaeinheit – Verinnerlichte Verehrung'''<br> | |||
na bāhyadevābhyarcanaṃ kuryāt |<br> | |||
'''Er soll keine äußere Gottheitsverehrung mehr vollziehen, weil die Verehrung für ihn vollständig verinnerlicht ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na kuryāt'' – er soll nicht vollziehen; ''bāhya-deva-abhyarcanam'' – äußere Verehrung einer Gottheit. | |||
'''2.39 Prosaeinheit – Leben von Madhukara-Almosen'''<br> | |||
svavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā madhukaravṛttyāhāramāharankṛśībhūtvā medovṛddhimakurvanviharet |<br> | |||
'''Nachdem er alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgegeben hat, soll er Nahrung nach Art der Honigbiene sammeln, schlank bleiben, keine Fettzunahme verursachen und frei wandern.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sva-vyatiriktam sarvam tyaktvā'' – alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgebend; ''madhukara-vṛttyā'' – nach Art der Honigbiene; ''āhāram āharan'' – Nahrung sammelnd; ''kṛśī-bhūtvā'' – schlank werdend; ''medaḥ-vṛddhim akurvan'' – keine Fettzunahme verursachend; ''viharet'' – soll er wandern. | |||
'''2.40 Prosaeinheit – Gefäßlosigkeit'''<br> | |||
mādhūkareṇa karapātreṇāsyapātreṇa vā kālaṃ nayet |<br> | |||
'''Mit Bienenalmosen und der Hand oder dem Mund als Schale soll er seine Tage verbringen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''mādhūkareṇa'' – durch Bienenalmosen; ''kara-pātreṇa'' – mit der Hand als Schale; ''āsya-pātreṇa vā'' – oder mit dem Mund als Schale; ''kālam nayet'' – soll er die Zeit beziehungsweise sein Leben verbringen. | |||
'''2.41 Prosaeinheit – Nahrung nach rechtem Maß'''<br> | |||
ātmasaṃmitamāhāramāharedātmavānyatiḥ |<br> | |||
'''Der selbstbeherrschte Yati soll Nahrung nur in einem dem eigenen Bedarf angemessenen Maß aufnehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ātma-saṃmitam'' – dem eigenen Bedarf angemessen; ''āhāram āharet'' – soll Nahrung aufnehmen; ''ātmavān'' – selbstbeherrscht; ''yatiḥ'' – der Entsagte. | |||
'''59. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
āhārasya ca bhāgau dvau tṛtīyamudakasya ca |<br> | |||
vāyoḥ sañcaraṇārthāya caturthamavaśeṣayet || 59 ||<br> | |||
'''Zwei Viertel des Magens soll der Entsagte mit Nahrung füllen und ein drittes mit Wasser; das vierte lasse er frei, damit der Atem sich bewegen kann.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āhārasya bhāgau dvau'' – zwei Anteile für Nahrung; ''tṛtīyam udakasya ca'' – und den dritten für Wasser; ''vāyoḥ sañcaraṇa-arthāya'' – für die Bewegung des Atems; ''caturtham avaśeṣayet'' – das vierte soll er frei lassen. | |||
'''60. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |<br> | |||
nirīkṣante tvanudvignāstadgṛhaṃ yatnato vrajet || 60 ||<br> | |||
'''Er soll stets von Almosen leben und niemals nur aus einem einzigen Haushalt essen. Sorgfältig soll er zu einem Haus gehen, dessen Bewohner ihn ruhig und ohne Unwillen erwarten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bhaikṣeṇa vartayet nityam'' – er soll stets von Almosen leben; ''na eka-anna-āśī bhavet kvacit'' – niemals von der Speise nur eines Haushalts leben; ''nirīkṣante tu anudvignāḥ'' – sie erwarten ihn ohne Beunruhigung; ''tat gṛham yatnataḥ vrajet'' – zu diesem Haus soll er sorgfältig gehen. | |||
'''61. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pañcasaptagṛhāṇāṃ tu bhikṣāmicchetkriyāvatām |<br> | |||
godohamātramākāṅkṣenniṣkrānto na punarvrajet || 61 ||<br> | |||
'''Er soll bei fünf oder sieben pflichtbewussten Haushalten um Almosen bitten. Nur die Zeit eines Melkens soll er warten; ist er fortgegangen, kehre er nicht zurück.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pañca-sapta-gṛhāṇām'' – bei fünf oder sieben Häusern; ''tu'' – aber; ''bhikṣām icchet'' – soll er Almosen erbitten; ''kriyāvatām'' – von pflichtbewussten Menschen; ''go-doha-mātram ākāṅkṣet'' – er soll nur die Dauer eines Kuhmelkens warten; ''niṣkrāntaḥ'' – fortgegangen; ''na punaḥ vrajet'' – soll er nicht wieder hingehen. | |||
'''62. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
naktādvaraścopavāsa upavāsādayācitaḥ |<br> | |||
ayācitādvaraṃ bhaikṣyaṃ tasmātbhaikṣeṇa vardhayet || 62 ||<br> | |||
'''Besser als nur nachts zu essen ist das Fasten; besser als Fasten ist ungebeten erhaltene Nahrung; besser als ungebeten erhaltene Nahrung ist das regelgerechte Bettelmahl. Darum soll er sein Leben durch Almosen erhalten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''naktāt varaḥ upavāsaḥ'' – besser als ein Nachtmahl ist Fasten; ''upavāsāt ayācitaḥ'' – besser als Fasten ist das Ungebetene; ''ayācitāt varam bhaikṣyam'' – besser als Ungebetenes ist das regelgerechte Almosen; ''tasmāt'' – daher; ''bhaikṣeṇa vardhayet'' – soll er sich durch Almosen erhalten. | |||
'''63. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
naiva savyāpasavyena bhikṣākāle viśedgṛhān |<br> | |||
nātikrāmedgṛhaṃ mohādyatra doṣo na vidyate || 63 ||<br> | |||
'''Zur Zeit des Bettelgangs soll er die Häuser weder nach rechts noch nach links systematisch ablaufen. Aus Verblendung soll er kein Haus übergehen, an dem kein erkennbarer Makel besteht.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na eva savya-apasavyena'' – weder nach rechts noch nach links; ''bhikṣā-kāle'' – zur Bettelzeit; ''viśet gṛhān'' – soll er Häuser betreten; ''na atikrāmet gṛham'' – er soll kein Haus übergehen; ''mohāt'' – aus Verblendung; ''yatra doṣaḥ na vidyate'' – wo kein Makel vorhanden ist. | |||
'''64. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
śrotriyānnaṃ na bhikṣeta śraddhābhaktibahiṣkṛtam |<br> | |||
vrātyasyāpi gṛhe bhikṣecchraddhābhaktipuraskṛte || 64 ||<br> | |||
'''Er soll keine Speise bei einem schriftgelehrten Menschen erbitten, wenn dort Vertrauen und Hingabe fehlen. Selbst im Haus eines außerhalb der Initiationsordnung Stehenden darf er Almosen nehmen, wenn Vertrauen und Hingabe vorausgehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śrotriya-annam na bhikṣeta'' – er soll Speise eines Schriftgelehrten nicht erbitten; ''śraddhā-bhakti-bahiṣkṛtam'' – wenn sie ohne Vertrauen und Hingabe ist; ''vrātyasya api gṛhe'' – selbst im Haus eines Vratya; ''bhikṣet'' – darf er betteln; ''śraddhā-bhakti-puraskṛte'' – wenn Vertrauen und Hingabe vorangehen. | |||
'''65. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
mādhūkaramasaṅklṛptaṃ prākpraṇītamayācitam |<br> | |||
tātkālikaṃ copapannaṃ bhaikṣaṃ pañcavidhaṃ smṛtam || 65 ||<br> | |||
'''Fünf Arten des Almosens werden gelehrt: das „Bienenalmosen“, das nicht vorher verabredete, das zuvor angebotene, das im Augenblick angebotene und das von selbst zugebrachte.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''mādhūkaram'' – das Almosen nach Art der Honigbiene; ''asaṅklṛptam'' – das nicht vorher verabredete; ''prāk-praṇītam'' – das zuvor angebotene; ''ayācitam'' – das ungebetene; ''tātkālikam'' – das im Augenblick angebotene; ''ca'' – und; ''upapannam'' – das von selbst zugebrachte; ''bhaikṣam pañca-vidham smṛtam'' – Almosen gilt als fünffach. | |||
'''66. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
manaḥsaṅkalparahitāṃstrīngṛhānpañca sapta vā |<br> | |||
madhumakṣikavatkṛtvā mādhūkaramiti smṛtam || 66 ||<br> | |||
'''Wenn der Entsagte ohne vorherige Absicht zu drei, fünf oder sieben Häusern geht und wie eine Honigbiene jeweils nur wenig nimmt, wird dies Madhukara genannt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''manaḥ-saṅkalpa-rahitān'' – ohne geistige Vorplanung; ''trīn gṛhān pañca sapta vā'' – drei, fünf oder sieben Häuser; ''madhu-makṣikā-vat kṛtvā'' – wie eine Honigbiene handelnd; ''mādhūkaram iti smṛtam'' – wird Madhukara genannt. | |||
'''67. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
prātaḥkāle ca pūrvedyuryadbhaktaiḥ prāthitaṃ muhuḥ |<br> | |||
tadbhaikṣaṃ prākpraṇītaṃ syātsthitiṃ kuryāttathāpi vā || 67 ||<br> | |||
'''Was Verehrende am Morgen oder schon am Vortag wiederholt angeboten haben, gilt als zuvor dargebrachtes Almosen; auch damit darf der Entsagte sein Leben erhalten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''prātaḥ-kāle'' – am Morgen; ''ca pūrvedyuḥ'' – oder am Vortag; ''yat bhaktaiḥ prārthitam muhuḥ'' – was von Verehrenden wiederholt angeboten wurde; ''tat bhaikṣam prāk-praṇītam syāt'' – dieses Almosen gilt als zuvor dargebracht; ''sthitim kuryāt tathā api vā'' – auch damit darf er seinen Lebensunterhalt bestreiten. | |||
'''68. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
bhikṣāṭanasamudyogādyena kena nimantritam |<br> | |||
ayācitaṃ tu tadbhaikṣaṃ bhoktavyaṃ ca mumukṣubhiḥ || 68 ||<br> | |||
'''Wird er, sobald er sich zum Bettelgang anschickt, von irgendjemandem eingeladen, gilt dieses Almosen als ungebeten; ein nach Befreiung Strebender darf es annehmen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''bhikṣā-aṭana-samudyogāt'' – beim Aufbruch zum Bettelgang; ''yena kena nimantritam'' – von irgendjemandem eingeladen; ''ayācitam tu tat bhaikṣam'' – das ist ungebetenes Almosen; ''bhoktavyam'' – darf gegessen werden; ''mumukṣubhiḥ'' – von nach Befreiung Strebenden. | |||
'''69. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
upasthānena yatproktaṃ bhikṣārthaṃ brāhmaṇena tat |<br> | |||
tātkālikamiti khyātaṃ bhoktavyaṃ yatibhistadā || 69 ||<br> | |||
'''Was ein Brahmane bei der unmittelbaren Begegnung als Almosen anbietet, wird „im Augenblick erhalten“ genannt; der Entsagte darf es dann essen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''upasthānena'' – bei der unmittelbaren Begegnung; ''yat proktam'' – was angeboten wurde; ''bhikṣā-artham'' – als Almosen; ''brāhmaṇena'' – von einem Brahmanen; ''tat tātkālikam iti khyātam'' – das wird als im Augenblick erhalten bezeichnet; ''bhoktavyam yatibhiḥ tadā'' – soll beziehungsweise darf dann von Entsagten gegessen werden. | |||
'''70. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
siddhamannaṃ yadānītaṃ brāhmaṇena maṭhaṃ prati |<br> | |||
upapannamiti prāhurmunayo mokṣakāṅkṣiṇaḥ || 70 ||<br> | |||
'''Wenn ein Brahmane fertig zubereitete Nahrung in das Kloster bringt, nennen die nach Befreiung strebenden Weisen dies „von selbst zugekommenes“ Almosen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''siddham annam'' – fertig zubereitete Nahrung; ''yat ānītam'' – die gebracht wurde; ''brāhmaṇena'' – von einem Brahmanen; ''maṭham prati'' – zum Kloster; ''upapannam iti prāhuḥ'' – nennen sie „von selbst zugekommen“; ''munayaḥ mokṣa-kāṅkṣiṇaḥ'' – die nach Befreiung verlangenden Weisen. | |||
'''71. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
carenmādhūkaraṃ bhaikṣaṃ yatirmlecchakulādapi |<br> | |||
ekānnaṃ natu bhuñjīta bṛhaspatisamādapi |<br> | |||
yācitāyācitābhyāṃ ca bhikṣābhyāṃ kalpayetsthitam || 71 ||<br> | |||
'''Ein Yati darf das Bienenalmosen sogar bei einer als fremd geltenden Familie sammeln, soll aber niemals nur von einem einzigen Haushalt essen – selbst wenn dieser dem Brihaspati gliche. Aus erbetenen und ungebetenen Gaben soll er seinen Lebensunterhalt gestalten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''caret mādhūkaram bhaikṣam'' – er soll das Bienenalmosen sammeln; ''yatiḥ'' – der Entsagte; ''mleccha-kulāt api'' – selbst bei einer als fremd geltenden Familie; ''eka-annam na tu bhuñjīta'' – er soll nicht nur aus einem Haus essen; ''bṛhaspati-samāt api'' – selbst wenn es Brihaspati gleich wäre; ''yācita-ayācitābhyām bhikṣābhyām'' – aus erbetenen und ungebetenen Almosen; ''kalpayet sthitim'' – soll er seinen Lebensunterhalt gestalten. | |||
'''72. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
na vāyuḥ sparśadoṣeṇa nāgnirdahanakarmaṇā |<br> | |||
nāpo mūtrapurīṣābhyāṃ nānnadoṣeṇa maskarī || 72 ||<br> | |||
'''Wie der Wind nicht durch Berührung, das Feuer nicht durch Verbrennen und das Wasser nicht durch Urin oder Kot verunreinigt wird, so wird der Stabträger nicht durch einen bloßen Fehler der Nahrung befleckt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na vāyuḥ sparśa-doṣeṇa'' – der Wind nicht durch den Fehler der Berührung; ''na agniḥ dahana-karmaṇā'' – das Feuer nicht durch seine Tätigkeit des Verbrennens; ''na āpaḥ mūtra-purīṣābhyām'' – das Wasser nicht durch Urin und Kot; ''na anna-doṣeṇa maskarī'' – der Stabträger nicht durch einen Fehler der Nahrung. | |||
'''73. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vidhūme sannamusale vyaṅgāre bhuktavajjane |<br> | |||
kāle'parāhṇe bhūyiṣṭhe bhikṣācaraṇamācaret || 73 ||<br> | |||
'''Wenn der Rauch verschwunden ist, der Mörser ruht, die Kohlen erloschen sind und die Menschen gegessen haben, soll der Entsagte möglichst am späten Nachmittag seinen Bettelgang ausführen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vidhūme'' – wenn der Rauch fort ist; ''sanna-musale'' – wenn der Mörser beziehungsweise Stößel ruht; ''vyaṅgāre'' – wenn die Glut erloschen ist; ''bhuktavat-jane'' – wenn die Menschen gegessen haben; ''kāle aparāhṇe bhūyiṣṭhe'' – möglichst am späten Nachmittag; ''bhikṣā-caraṇam ācaret'' – soll er den Bettelgang vollziehen. | |||
'''74. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
abhiśataṃ ca patitaṃ pāpaṇḍaṃ devapūjakam |<br> | |||
varjayitvā caredbhaikṣaṃ sarvavarṇeṣu cāpadi || 74 ||<br> | |||
'''Nach dieser historischen Ordensregel soll er Verfluchte, Gefallene, Andersgläubige und berufsmäßige Tempelpriester meiden; in einer Notlage darf er jedoch bei Angehörigen aller gesellschaftlichen Gruppen um Almosen gehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''abhiśastam'' – einen Verfluchten beziehungsweise öffentlich Beschuldigten; ''patitam'' – einen Gefallenen; ''pāṣaṇḍam'' – einen aus Sicht der Quelle Andersgläubigen; ''deva-pūjakam'' – einen berufsmäßigen Tempelpriester; ''varjayitvā'' – meidend; ''caret bhaikṣam'' – soll er Almosen sammeln; ''sarva-varṇeṣu'' – bei allen sozialen Gruppen; ''āpadi'' – in einer Notlage. Die Aufzählung ist historisch zu kontextualisieren. | |||
'''75. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
ghṛtaṃ svamūtrasadṛśaṃ madhu syātsurayā samam |<br> | |||
tailaṃ sūkaramūtraṃ syātsūpaṃ laśunasaṃmitam || 75 ||<br> | |||
'''Der Text verlangt strenge Nahrungsentsagung: Ghee sei wie eigener Urin anzusehen, Honig wie Alkohol, Öl wie Schweineurin und gewürzte Brühe wie Knoblauch.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ghṛtam'' – Ghee; ''sva-mūtra-sadṛśam'' – dem eigenen Urin vergleichbar; ''madhu'' – Honig; ''surayā samam'' – alkoholischem Getränk gleich; ''tailam'' – Öl; ''sūkara-mūtram syāt'' – soll wie Schweineurin gelten; ''sūpam'' – Brühe beziehungsweise gewürztes Gericht; ''laśuna-saṃmitam'' – Knoblauch gleichgesetzt. | |||
'''76. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
māṣāpūṣādi gomāṃsaṃ kṣīraṃ mūtrasamaṃ bhavet |<br> | |||
tasmātsarvaprayatnena ghṛtādīnvarjayedyatiḥ |<br> | |||
ghṛtasūpādisaṃyuktamannaṃ nādyātkadācana || 76 ||<br> | |||
'''Gerichte aus schwarzen Bohnen und Kuchen sowie Ähnliches gelten hier wie Rindfleisch, Milch wie Urin. Deshalb soll der Yati Ghee und Ähnliches mit größter Sorgfalt meiden und niemals Speise essen, die mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbunden ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''māṣa-apūpa-ādi'' – schwarze Bohnen, Kuchen und Ähnliches; ''go-māṃsam'' – Rindfleisch; ''kṣīram'' – Milch; ''mūtra-samam bhavet'' – soll Urin gleich gelten; ''tasmāt'' – deshalb; ''sarva-prayatnena'' – mit größter Sorgfalt; ''ghṛta-ādīn varjayet yatiḥ'' – soll der Yati Ghee und Ähnliches meiden; ''ghṛta-sūpa-ādi-saṃyuktam annam'' – mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbundene Speise; ''na adyāt kadācana'' – soll er niemals essen. | |||
'''77. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pātramasya bhavetpāṇistena nityaṃ sthitiṃ nayet |<br> | |||
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret || 77 ||<br> | |||
'''Seine Hand soll sein Gefäß sein; mit ihr soll er sein Leben beständig führen. Der wandernde Yogi, dessen Hand die Schale ist, soll nicht mehrfach am Tag um Almosen gehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pātram asya bhavet pāṇiḥ'' – seine Hand soll sein Gefäß sein; ''tena nityam sthitim nayet'' – damit soll er beständig sein Leben führen; ''pāṇi-pātraḥ'' – die Hand als Schale habend; ''caran yogī'' – der wandernde Yogi; ''na asakṛt bhaikṣam ācaret'' – soll den Bettelgang nicht mehrmals ausführen. | |||
'''78. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |<br> | |||
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 78 ||<br> | |||
'''Wenn der Muni Nahrung mit dem Mund sucht wie eine Kuh und dabei allen gegenüber gleich bleibt, wird er zur Unsterblichkeit befähigt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āsyena tu'' – mit dem Mund aber; ''yat āhāram'' – die Nahrung, welche; ''go-vat mṛgayate'' – er wie eine Kuh sucht; ''muniḥ'' – der Weise; ''tadā samaḥ syāt sarveṣu'' – dann soll er allen gegenüber gleich sein; ''saḥ amṛtatvāya kalpate'' – er wird für Unsterblichkeit geeignet. | |||
'''2.42 Prosaeinheit – Radikale Gleichnisse der Entsagung'''<br> | |||
ājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ palalamiva gandhalepanamaśuddhalepanamiva kṣāramantyajamiva vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva jñātacaradeśaṃ caṇḍālavāṭikādiva striyamahimiva suvarṇaṃ kālakūṭamiva sabhāsthalaṃ śmaśānasthalamiva rājadhānīṃ kuṃbhīpākamiva śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na devatārcanam |<br> | |||
'''In einer bewusst drastischen Bildreihe soll der Entsagte Ghee wie Blut, Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch, Duftsalbe wie Schmutz, scharfe Würze wie soziale Ächtung, Kleidung wie ein benutztes Gefäß, Einölen wie sexuelle Bindung, schmeichelnde Freundschaft wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, vertraute Gegenden wie einen Ort der Ausgestoßenen, sexuelle Verlockung wie eine Schlange, Gold wie tödliches Gift, Versammlungsorte wie Verbrennungsstätten und Königshöfe wie eine Höllenqual meiden. Er soll weder von nur einem Haushalt leben noch äußere Gottheitsverehrung zu seinem neuen Besitz machen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''ājyam rudhiram iva tyajet'' – Ghee wie Blut meiden; ''ekatra-annam palalam iva'' – Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch; ''gandha-lepanam aśuddha-lepanam iva'' – Duftsalbe wie unreine Salbe; ''kṣāram antyajam iva'' – Scharfes wie soziale Ächtung; ''vastram ucchiṣṭa-pātram iva'' – Kleidung wie ein benutztes Gefäß; ''abhyaṅgam strī-saṅgam iva'' – Einölen wie sexuelle Verbindung; ''mitra-āhlādakam mūtram iva'' – schmeichelnde Freundschaft wie Urin; ''spṛhām go-māṃsam iva'' – Begehren wie Rindfleisch; ''jñāta-cara-deśam caṇḍāla-vāṭikām iva'' – vertraute Gegend wie einen Ort der Ausgestoßenen; ''striyam ahim iva'' – eine sexuell begehrte Frau wie eine Schlange; ''suvarṇam kālakūṭam iva'' – Gold wie das Gift Kalakuta; ''sabhā-sthalam śmaśāna-sthalam iva'' – Versammlungsort wie Verbrennungsstätte; ''rājadhānīm kumbhīpākam iva'' – Königshof wie eine Höllenqual; ''śava-piṇḍa-vat ekatra-annam'' – Nahrung aus einer Quelle wie Totenspeise; ''na devatā-arcanam'' – keine äußere Gottheitsverehrung. Die Vergleiche spiegeln eine extreme historische Askese. | |||
'''2.43 Prosaeinheit – Jivanmukti'''<br> | |||
prapañcavṛttiṃ parityaya jīvanmukto bhavet ||<br> | |||
'''Indem er die bindende Bewegung der Erscheinungswelt vollständig aufgibt, soll er zu einem zu Lebzeiten Befreiten werden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''prapañca-vṛttim'' – die bindende Bewegung der Erscheinungswelt; ''parityajya'' – vollständig aufgebend; ''jīvanmuktaḥ bhavet'' – soll er ein [[Jivanmukta]] werden. | |||
'''79. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
āsanaṃ pātralopaśca sañcayaḥ śiṣyasañcayaḥ |<br> | |||
divāsvāpo vṛthālāpo yaterbandhakarāṇi ṣaṭ || 79 ||<br> | |||
'''Sechs Dinge binden den Yati: ein fester Wohnsitz, das Ansammeln von Gefäßen, Vorratshaltung, das Ansammeln von Schülern, Schlaf am Tage und leeres Gerede.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āsanam'' – dauerhafter Sitz beziehungsweise Wohnsitz; ''pātra-lopaḥ'' – Überschreitung beim Gefäßbesitz; ''sañcayaḥ'' – Vorrat; ''śiṣya-sañcayaḥ'' – Ansammlung von Schülern; ''divā-svāpaḥ'' – Tagschlaf; ''vṛthā-ālāpaḥ'' – leeres Gerede; ''yateḥ bandha-karāṇi ṣaṭ'' – sechs Bindungen des Yati. | |||
'''80. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
varṣābhyo'nyatra yatsthānamāsanaṃ tadudāhṛtam |<br> | |||
utkālābvādipātrāṇāmekasyāpīha saṅgrahaḥ || 80 ||<br> | |||
'''Als „fester Sitz“ gilt ein Aufenthalt außerhalb der Regenzeit. Als Überschreitung beim Gefäßbesitz gilt hier schon das Sammeln auch nur eines der genannten zusätzlichen Gefäße.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''varṣābhyaḥ anyatra'' – außerhalb der Regenzeit; ''yat sthānam'' – welcher Aufenthalt; ''āsanam tat udāhṛtam'' – der wird als fester Sitz bezeichnet; ''utkāla-abja-ādi-pātrāṇām'' – von besonderen Gefäßen aus Kürbis, Holz oder Ähnlichem; ''ekasya api iha saṅgrahaḥ'' – hier schon das Sammeln auch nur eines. | |||
'''81. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
yateḥ saṃvyavaharāya pātralopaḥ sa ucyate |<br> | |||
gṛhītasya tu daṇḍāderdvitīyasya parigrahaḥ || 81 ||<br> | |||
'''Das wird als Überschreitung des Gefäßgebrauchs eines Yati bezeichnet. Auch die Annahme eines zweiten Stücks von einem bereits besessenen Gegenstand wie dem Stab gehört dazu.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yateḥ saṃvyavahārāya'' – für den praktischen Gebrauch des Yati; ''pātra-lopaḥ saḥ ucyate'' – wird dies Gefäßüberschreitung genannt; ''gṛhītasya'' – von etwas bereits Angenommenem; ''daṇḍa-ādeḥ'' – vom Stab und Ähnlichem; ''dvitīyasya parigrahaḥ'' – die Annahme eines zweiten Exemplars. | |||
'''82. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kālāntaropabhogārthaṃ sañcayaḥ parikīrtitaḥ |<br> | |||
śuśrūṣālābhapūjārthaṃ yaśorthaṃ vā parigrahaḥ || 82 ||<br> | |||
'''Was für späteren Gebrauch zurückgelegt wird, heißt Vorrat. Schüler um des Bedientwerdens, des Gewinns, der Verehrung oder des Ruhmes willen anzunehmen, heißt Schüleransammlung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kāla-antara-upabhoga-artham'' – zum Gebrauch zu späterer Zeit; ''sañcayaḥ parikīrtitaḥ'' – wird Vorrat genannt; ''śuśrūṣā'' – Dienstleistung; ''lābha'' – Gewinn; ''pūjā-artham'' – um der Verehrung willen; ''yaśaḥ-artham vā'' – oder um des Ruhmes willen; ''parigrahaḥ'' – Annahme beziehungsweise Ansammlung. | |||
'''83. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
śiṣyāṇāṃ natu kāruṇyācchiṣyasaṅgraha īritaḥ |<br> | |||
vidyā divā prakāśatvādavidyā rātrirucyate || 83 ||<br> | |||
'''Schüler nur aus Mitgefühl anzunehmen, wird dagegen nicht als Schüleransammlung verurteilt. Weil Erkenntnis Licht ist, heißt sie Tag; Nichtwissen wird Nacht genannt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śiṣyāṇām'' – von Schülern; ''na tu kāruṇyāt'' – nicht jedoch aus Mitgefühl; ''śiṣya-saṅgrahaḥ īritaḥ'' – wird als verwerfliche Schüleransammlung bezeichnet; ''vidyā'' – Erkenntnis; ''divā'' – Tag; ''prakāśatvāt'' – weil sie Licht ist; ''avidyā'' – Nichtwissen; ''rātriḥ ucyate'' – wird Nacht genannt. | |||
'''84. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vidyābhyāse pramādo yaḥ sa divāsvāpa ucyate |<br> | |||
ādhyātmikīṃ kathāṃ muktvā bhikṣāvārtāṃ vinā tathā || 84 ||<br> | |||
'''Nachlässigkeit im Studium der Erkenntnis wird „Schlaf am Tage“ genannt. Außer einem spirituellen Gespräch und der notwendigen Mitteilung über Almosen soll der Yati unnötige Gespräche meiden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vidyā-abhyāse pramādaḥ'' – Nachlässigkeit in der Übung der Erkenntnis; ''saḥ divā-svāpaḥ ucyate'' – das wird Tagschlaf genannt; ''ādhyātmikīm kathām muktvā'' – abgesehen von einem spirituellen Gespräch; ''bhikṣā-vārtām vinā tathā'' – ebenso mit Ausnahme einer notwendigen Mitteilung über Almosen. | |||
'''85. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
anugrahaṃ paripraśnaṃ vṛthājalpo'nya ucyate |<br> | |||
ekānnaṃ madamātsaryaṃ gandhapuṣpavibhūṣaṇam || 85 ||<br> | |||
'''Eine Segnung und eine ernsthafte Frage sind ausgenommen; anderes Reden heißt leeres Geschwätz. Nahrung nur aus einem Haus, Stolz, Neid sowie Schmuck mit Duftstoffen und Blumen gehören zu den weiteren Hindernissen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''anugraham'' – Segnung; ''paripraśnam'' – ernsthafte Frage; ''vṛthā-jalpaḥ anyaḥ ucyate'' – anderes wird leeres Geschwätz genannt; ''eka-annam'' – Nahrung aus nur einem Haus; ''mada'' – Stolz; ''mātsaryam'' – Neid; ''gandha-puṣpa-vibhūṣaṇam'' – Schmuck mit Duftstoffen und Blumen. | |||
'''86. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tāmbūlābhyañjane krīḍā bhogākāṅkṣā rasāyanam |<br> | |||
katthanaṃ kutsanaṃ svasti jyotiśca krayavikrayam || 86 ||<br> | |||
'''Betelkauen, Einölen, Spiele, Verlangen nach Genuss, Verjüngungsmittel, Prahlen, Herabsetzen anderer, weltliche Segensrituale, Astrologie sowie Kaufen und Verkaufen sind zu meiden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tāmbūla'' – Betel; ''abhyañjane'' – Einölen; ''krīḍā'' – Spiel; ''bhoga-ākāṅkṣā'' – Verlangen nach Genuss; ''rasāyanam'' – Verjüngungsmittel; ''katthanam'' – Prahlen; ''kutsanam'' – Herabsetzen; ''svasti'' – Segensritual; ''jyotiḥ'' – Astrologie; ''kraya-vikrayam'' – Kaufen und Verkaufen. | |||
'''87. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
kriyākarmavivādaśca guruvākyavilaṅghanam |<br> | |||
sandhiśca vigraho yānaṃ mañcakaṃ śuklavastrakam || 87 ||<br> | |||
'''Streit über Riten und Handlungen, Übertretung des Guru-Wortes, Bündnisse und Feindschaften, Fahrzeuge, erhöhte Betten und weiße Kleidung sind für diesen Entsagungsorden ebenfalls untersagt.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kriyā-karma-vivādaḥ'' – Streit über Riten und Handlungen; ''guru-vākya-vilaṅghanam'' – Übertretung des Wortes des [[Guru]]; ''sandhiḥ'' – Bündnis; ''vigrahaḥ'' – Konflikt; ''yānam'' – Fahrzeug; ''mañcakam'' – Bettgestell; ''śukla-vastrakam'' – weißes Kleid. | |||
'''88. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
śuklotsargo divāsvāpo bhikṣādhārastu taijasam |<br> | |||
viṣaṃ caivāyudhaṃ bījaṃ hiṃsāṃ taikṣṇyaṃ ca maithunam || 88 ||<br> | |||
'''Samenerguss, Schlaf am Tage und ein metallisches Almosengefäß, ferner Gift, Waffen, Saatgut, Gewalt, Härte und Geschlechtsverkehr werden in dieser strengen Ordensregel verworfen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''śukla-utsargaḥ'' – Samenerguss; ''divā-svāpaḥ'' – Tagschlaf; ''bhikṣā-ādhāraḥ tu taijasam'' – ein Almosengefäß aus Metall; ''viṣam'' – Gift; ''āyudham'' – Waffe; ''bījam'' – Saatgut; ''hiṃsām'' – Gewalt; ''taikṣṇyam'' – Härte; ''maithunam'' – Geschlechtsverkehr. | |||
'''89. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
tyaktaṃ saṃnyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam |<br> | |||
gotrādicaraṇaṃ sarvaṃ pitṛmātṛkulaṃ dhanam |<br> | |||
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ || 89 ||<br> | |||
'''Durch den Yoga des Sannyasa sind häusliche Pflichten und Gelübde, alle Regeln von Herkunft und Familie, die Bindungen an väterliche und mütterliche Linie sowie Besitz aufgegeben. Wer diese untersagten Dinge weiter pflegt, sinkt nach der Lehre des Textes herab.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tyaktam saṃnyāsa-yogena'' – durch den Yoga der Entsagung aufgegeben; ''gṛha-dharma-ādikam vratam'' – Gelübde und Pflichten des Hauses; ''gotra-ādi-caraṇam sarvam'' – alle Regeln von Gotra und Herkunft; ''pitṛ-mātṛ-kulam'' – väterliche und mütterliche Familie; ''dhanam'' – Besitz; ''pratiṣiddhāni ca etāni'' – diese untersagten Dinge; ''sevamānaḥ'' – weiter pflegend; ''vrajet adhaḥ'' – geht abwärts. | |||
'''90. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sujīrṇo'pi sujīrṇāsu vidvāṃstrīṣu na viśvaset |<br> | |||
sujīrṇāsvapi kanthāsu sajjate jīrṇamambaram || 90 ||<br> | |||
'''Selbst wenn er sehr erfahren ist, soll der Gelehrte nach der asketischen Warnung nicht auf sexuelle Nähe vertrauen: Selbst an sehr abgetragenen Flickendecken bleibt ein altes Gewand leicht hängen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sujīrṇaḥ api'' – selbst sehr erfahren beziehungsweise alt geworden; ''sujīrṇāsu'' – bei sehr Erfahrenen beziehungsweise Alten; ''vidvān'' – der Gelehrte; ''strīṣu na viśvaset'' – soll Frauen nicht vertrauen; ''sujīrṇāsu api kanthāsu'' – selbst an sehr abgetragenen Flickendecken; ''sajjate'' – haftet; ''jīrṇam ambaram'' – ein altes Gewand. Das problematische Frauenbild ist zeit- und ordensgeschichtlich einzuordnen, nicht zu verallgemeinern. | |||
'''91. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ bījaṃ taijasaṃ viṣamāyudham |<br> | |||
ṣaḍetāni na gṛhṇīyādyatirmūtrapurīṣavat || 91 ||<br> | |||
'''Ein Yati soll sechs Dinge so meiden wie Urin und Kot: unbewegliches und bewegliches Saatgut beziehungsweise Besitz, Metall, Gift und Waffen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sthāvaram'' – Unbewegliches, auch pflanzliches Saatgut; ''jaṅgamam'' – Bewegliches; ''bījam'' – Samen; ''taijasam'' – Metallgegenstand; ''viṣam'' – Gift; ''āyudham'' – Waffe; ''ṣaṭ etāni'' – diese sechs; ''na gṛhṇīyāt yatiḥ'' – soll der Yati nicht annehmen; ''mūtra-purīṣa-vat'' – wie Urin und Kot. | |||
'''92. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
naivādadīta pātheyaṃ yatiḥ kiñcidanāpadi |<br> | |||
pakvamāpatsu gṛṇhīyādyāvadannaṃ na labhyate || 92 ||<br> | |||
'''Außer in einer Notlage soll ein Yati keinerlei Reisevorrat annehmen. In Notzeiten darf er gekochte Nahrung mitnehmen, bis wieder Essen erhältlich ist.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na eva ādādīta'' – er soll keineswegs annehmen; ''pātheyam'' – Reisevorrat; ''yatiḥ'' – der Entsagte; ''kiñcit'' – irgendetwas; ''anāpadi'' – wenn keine Notlage besteht; ''pakvam'' – Gekochtes; ''āpatsu gṛhṇīyāt'' – in Notlagen darf er annehmen; ''yāvat annam na labhyate'' – solange keine Nahrung erlangt wird. | |||
'''93. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
nīrujaśca yuvā caiva bhikṣurnāvasathe vaset |<br> | |||
parārthaṃ na pratigrāhyaṃ na dadyācca kathañcana || 93 ||<br> | |||
'''Ein gesunder und junger Bettelmönch soll nicht in einer Herberge oder einem dauerhaften Haus wohnen. Für andere soll er nichts annehmen und unter keinen Umständen etwas weitergeben, was ihm als Entsagtem anvertraut wurde.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''nīrujaḥ ca'' – gesund; ''yuvā ca eva'' – und jung; ''bhikṣuḥ'' – der Bettelmönch; ''na āvasathe vaset'' – soll nicht in einer Herberge beziehungsweise einem Haus wohnen; ''para-artham'' – für einen anderen; ''na pratigrāhyam'' – soll nichts angenommen werden; ''na dadyāt ca kathañcana'' – soll es keinesfalls weitergeben. | |||
'''94. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
dainyabhāvāttu bhūtānāṃ saubhagāya yatiścaret |<br> | |||
pakvaṃ vā yadi vā'pakvaṃ yācamāno vrajedadhaḥ || 94 ||<br> | |||
'''Aus Mitgefühl für die Bedrängnis der Wesen und zu ihrem Wohl soll der Yati wandern. Wer jedoch gezielt gekochte oder ungekochte Vorräte verlangt, fällt nach dieser Ordensregel von seinem Gelübde ab.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''dainya-bhāvāt tu bhūtānām'' – aus Mitgefühl für den bedrängten Zustand der Wesen; ''saubhagāya'' – zu ihrem Wohl; ''yatiḥ caret'' – soll der Yati wandern; ''pakvam vā'' – Gekochtes oder; ''yadi vā apakvam'' – Ungekochtes; ''yācamānaḥ'' – gezielt erbittend; ''vrajet adhaḥ'' – fällt herab. | |||
'''95. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
annapānaparo bhikṣurvastrādīnāṃ pratigrahī |<br> | |||
āvikaṃ vānāvikaṃ vā tathā paṭṭapaṭānapi || 95 ||<br> | |||
'''Ein Bettelmönch, der vor allem auf Essen und Trinken aus ist und Kleider und andere Dinge annimmt – seien sie aus Wolle, aus anderem Stoff oder sogar aus Seide –, gefährdet seine Entsagung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''anna-pāna-paraḥ'' – auf Essen und Trinken ausgerichtet; ''bhikṣuḥ'' – der Bettelmönch; ''vastra-ādīnām pratigrahī'' – Kleider und Ähnliches annehmend; ''āvikam vā'' – aus Wolle; ''anāvikam vā'' – aus anderem Material; ''tathā paṭṭa-paṭān api'' – ebenso sogar Seidenstoffe. | |||
'''96. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pratigṛhya yatiścaitānpatatyeva na saṃśayaḥ |<br> | |||
advaitaṃ nāvamāśritya jīvanmuktatvamāpnuyāt || 96 ||<br> | |||
'''Nimmt der Yati solche Dinge an, fällt er ohne Zweifel aus seiner Disziplin. Wenn er dagegen das Boot der Nichtdualität besteigt, kann er Befreiung zu Lebzeiten erlangen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pratigṛhya'' – angenommen habend; ''yatiḥ ca etān'' – der Yati diese Dinge; ''patati eva'' – fällt wahrlich; ''na saṃśayaḥ'' – ohne Zweifel; ''advaitam nāvam āśritya'' – das Boot des [[Advaita]] besteigend; ''jīvanmuktatvam āpnuyāt'' – kann er [[Jivanmukti]] erlangen. | |||
'''97. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
vāgdaṇḍe maunamātiṣṭetkāyadaṇḍe tvabhojanam |<br> | |||
mānase tu kṛte daṇḍe prāṇāyāmo vidhīyate || 97 ||<br> | |||
'''Als Zügel der Sprache soll er Schweigen üben, als Zügel des Körpers Fasten. Wird der Geist gezügelt, ist dafür Pranayama vorgesehen.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vāk-daṇḍe'' – bei der Disziplin der Rede; ''maunam ātiṣṭhet'' – soll er Schweigen üben; ''kāya-daṇḍe'' – bei der Disziplin des Körpers; ''tu abhojanam'' – dagegen Nichtessen; ''mānase tu kṛte daṇḍe'' – wenn die geistige Disziplin vollzogen wird; ''prāṇāyāmaḥ vidhīyate'' – wird [[Pranayama]] vorgeschrieben. | |||
'''98. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
karmaṇā badhyate janturvidyayā ca vimucyate |<br> | |||
tasmātkarma na kurvanti yatayaḥ pāradarśinaḥ || 98 ||<br> | |||
'''Durch Handeln wird das Lebewesen gebunden, durch Erkenntnis wird es befreit. Deshalb verrichten Entsagte, die das jenseitige Ufer schauen, kein bindendes Ritualhandeln.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''karmaṇā badhyate jantuḥ'' – durch Handeln wird das Lebewesen gebunden; ''vidyayā ca vimucyate'' – durch Erkenntnis wird es befreit; ''tasmāt'' – deshalb; ''karma na kurvanti'' – führen sie kein bindendes Ritualhandeln aus; ''yatayaḥ'' – die Entsagten; ''pāra-darśinaḥ'' – die das jenseitige Ufer sehen. | |||
'''99. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
rathyāyāṃ bahuvastrāṇi bhikṣā sarvatra labhyate |<br> | |||
bhūmiḥ śayyāsti vistīrṇā yatayaḥ kena duḥkhitaḥ || 99 ||<br> | |||
'''Auf den Wegen finden sich viele weggeworfene Kleidungsstücke, und Almosen gibt es überall; die weite Erde dient als Lager. Wodurch sollten Entsagte da unglücklich sein?''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''rathyāyām'' – auf der Straße, auf dem Weg; ''bahu-vastrāṇi'' – viele Kleidungsstücke; ''bhikṣā sarvatra labhyate'' – Almosen wird überall gefunden; ''bhūmiḥ śayyā asti vistīrṇā'' – die weite Erde ist als Lager vorhanden; ''yatayaḥ kena duḥkhitāḥ'' – wodurch sollten Entsagte unglücklich sein? | |||
'''100. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
prapañcamakhilaṃ yastu jñānāgnau juhuyādyatiḥ |<br> | |||
ātmanyagnīnsamāropya so'gnihotrī mahāyatiḥ || 100 ||<br> | |||
'''Der Yati, der die gesamte Erscheinungswelt in das Feuer der Erkenntnis opfert und die Opferfeuer in den eigenen Atman zurücknimmt, ist der wahre Agnihotrin und ein großer Entsagter.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''prapañcam akhilam'' – die gesamte Erscheinungswelt; ''yaḥ tu'' – wer aber; ''jñāna-agnau juhuyāt'' – in das Feuer der Erkenntnis opfert; ''yatiḥ'' – der Entsagte; ''ātmani agnīn samāropya'' – die Feuer in den Atman übertragend; ''saḥ agnihotrī'' – der ist ein Feueropfernder; ''mahā-yatiḥ'' – ein großer Entsagter. | |||
'''101. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
pravṛttirdvividhā proktā mārjārī caiva vānarī |<br> | |||
jñānābhyāsavatāmoturvānarībhāktvameva ca || 101 ||<br> | |||
'''Zwei Arten des geistlichen Fortschritts werden gelehrt: der Weg der Katze und der Weg des Affen. Für Menschen, die Erkenntnis beständig üben, wird hier besonders der Affenweg – das eigene beharrliche Festhalten an der Lehre – hervorgehoben.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''pravṛttiḥ dvi-vidhā proktā'' – zweierlei Vorgehensweise wird gelehrt; ''mārjārī'' – die katzenartige, bei der das Junge getragen wird; ''ca eva vānarī'' – und die affenartige, bei der das Junge selbst festhält; ''jñāna-abhyāsa-vatām'' – für Menschen mit beständiger Erkenntnisübung; ''vānarī-bhaktvam eva'' – besonders die Zugehörigkeit zum Affenweg. Die überlieferte Lesart des zweiten Halbverses ist unsicher; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Gegensatzpaar. | |||
'''102. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
nāpṛṣṭaḥ kasyacidbrūyānna cānyāyena pṛcchataḥ |<br> | |||
jānannapi hi medhāvī jaḍavallokamācaret || 102 ||<br> | |||
'''Ungefragt soll er zu niemandem sprechen und auch dem nicht antworten, der in ungehöriger Weise fragt. Obwohl der Einsichtige die Antwort kennt, soll er sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''na apṛṣṭaḥ'' – nicht ungefragt; ''kasyacit brūyāt'' – soll er zu irgendjemandem sprechen; ''na ca'' – und nicht; ''anyāyena pṛcchataḥ'' – zu einem, der ungehörig fragt; ''jānan api'' – obwohl wissend; ''hi medhāvī'' – der Einsichtige; ''jaḍa-vat loke ācaret'' – soll sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten. | |||
'''103. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
sarveṣāmeva pāpānāṃ saṅghāte samupasthite |<br> | |||
tāraṃ dvādaśasāhasramabhyasecchedanaṃ hi tat || 103 ||<br> | |||
'''Wenn sich die Folgen aller Verfehlungen zu einem großen Bündel verdichtet haben, soll man den rettenden Laut Om zwölftausendmal üben; dies durchschneidet jene Bindung.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sarveṣām eva pāpānām'' – aller Verfehlungen; ''saṅghāte samupasthite'' – wenn ihr Bündel hervorgetreten ist; ''tāram'' – den rettenden Laut, [[Om]]; ''dvādaśa-sāhasram'' – zwölftausendmal; ''abhyaset'' – soll man üben; ''chedanam hi tat'' – dies ist wahrlich das Durchschneiden. | |||
'''104. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)'''<br> | |||
yastu dvādaśasāhasraṃ praṇavaṃ japate'nvaham |<br> | |||
tasya dvādaśabhirmāsaiḥ paraṃ brahma prakāśate || 104 ||<br> | |||
'''Wer Tag für Tag den Pranava zwölftausendmal wiederholt, dem offenbart sich nach zwölf Monaten das höchste Brahman.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''yaḥ tu'' – wer aber; ''dvādaśa-sāhasram'' – zwölftausendmal; ''praṇavam japate'' – den [[Pranava]] wiederholt; ''anvaham'' – Tag für Tag; ''tasya'' – ihm; ''dvādaśabhiḥ māsaiḥ'' – nach zwölf Monaten; ''param brahma prakāśate'' – offenbart sich das höchste Brahman. Die Zahl ist eine traditionelle asketische Vorschrift, keine Erfolgsgarantie. | |||
'''Kolophon des zweiten Kapitels'''<br> | |||
ityupaniṣat hariḥ oṃ tatsat || iti dvitīyo'dhyāyaḥ || 2 ||<br> | |||
'''So lautet die Upanishad. Hari Om Tat Sat. So endet das zweite Kapitel.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''iti upaniṣat'' – so lautet die Upanishad; ''hariḥ oṃ'' – Hari Om; ''tat sat'' – Das ist das Wirkliche; ''iti'' – so; ''dvitīyaḥ adhyāyaḥ'' – zweites Kapitel. | |||
'''Abschließendes Shanti Mantra'''<br> | |||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ śrotramatho balamindriyāṇi ca ||<br> | |||
sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇamastvanirākaraṇaṃ mestu<br> | |||
tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste mayi santu te mayi santu |<br> | |||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br> | |||
'''Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein. Mögen die Lehren der Upanishaden in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin. Om. Frieden, Frieden, Frieden.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''āpyāyantu'' – mögen erstarken; ''mama aṅgāni'' – meine Glieder; ''vāk-prāṇa-cakṣuḥ-śrotram'' – Sprache, Atem, Auge und Ohr; ''balam indriyāṇi ca'' – Kraft und Sinne; ''sarvam brahma-upaniṣadam'' – alles ist Brahman, wie die Upanishaden lehren; ''mā nirākuryām'' – möge ich nicht zurückweisen; ''mā nirākarot'' – möge es mich nicht zurückweisen; ''dharmāḥ mayi santu'' – mögen die Lehren in mir sein; ''śāntiḥ'' – Frieden. | |||
'''Schlusskolophon'''<br> | |||
iti saṃnyāsopaniṣatsamāptā ||<br> | |||
'''So endet die Sannyasa Upanishad.''' | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''iti'' – so; ''saṃnyāsa-upaniṣat'' – die Sannyasa Upanishad; ''samāptā'' – beendet, vollendet. | |||
== Sannyasa Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung == | |||
=== Name, Zugehörigkeit und Textgestalt === | |||
''Saṃnyāsa'' bedeutet wörtlich „vollständiges Niederlegen“ oder „gänzliches Loslassen“. Gemeint ist sowohl der formelle Eintritt in den vierten [[Ashrama]] als auch die innere Aufgabe des Besitz- und Ichanspruchs. Die Upanishad wird dem [[Samaveda]] zugeordnet. In der Muktika-Liste folgt sie unmittelbar auf die [[Turiyatita Upanishad]] und vor der [[Paramahamsaparivrajaka Upanishad]]. | |||
Die erhaltene Fassung ist kompositorisch vielschichtig. Ritualprosa, Ordensrecht, asketische Merkverse, eine längere nichtduale Kontemplation und detaillierte Regeln über Nahrung und Besitz stehen nebeneinander. Gerade diese Verschiedenheit macht wahrscheinlich, dass ältere Überlieferungen gesammelt und in einer späteren Redaktion verbunden wurden. Die Zählung der benutzten Sanskritausgabe ist eindeutig: Kapitel zwei besitzt die Verse 1 bis 104; die Prosastücke zwischen ihnen gehören ebenfalls zum vollständigen Text. | |||
=== Datierung und historischer Hintergrund === | |||
Autor und genauer Entstehungsort sind unbekannt. Die entwickelte Einteilung in mehrere Entsagungsstufen, die ausgebauten Regeln monastischer Lebensführung und die Verknüpfung mit spätadvaitischen Kontemplationsversen sprechen für eine mittelalterliche Endgestalt. Die Forschung ordnet die meisten jüngeren Sannyasa-Upanishaden ungefähr dem 14. bis 15. Jahrhundert zu; für einzelne Schichten dieses Textes bleibt eine frühere Herkunft möglich. Eine genaue Jahreszahl wäre ohne eine kritische Gesamtausgabe der Handschriften nicht seriös. | |||
Der Text setzt eine institutionalisierte Welt wandernder und sesshafter Asketen voraus. Er unterscheidet Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta. Zugleich kennt er vier Beweggründe oder Wege zur Entsagung: Vairagya, Erkenntnis, die Verbindung beider und den regelgerechten Übergang durch die Lebensstadien. | |||
=== Aufbau und Inhalt des ersten Kapitels === | |||
Das erste Kapitel schildert den Übergang vom Haushälter zum Entsagten. Familie und Priester sollen einbezogen, Besitz verschenkt und die äußeren Opferfeuer in die fünf [[Prana]]s beziehungsweise in das eigene Leben zurückgenommen werden. Haarschopf und Opferschnur werden abgelegt. Besonders bedeutsam ist die Verinnerlichung: Meditation über den Atman wird zur wahren Opferschnur, Erkenntnis zum wahren Haarschopf. | |||
Nahrung wird wie Medizin betrachtet. Sie dient der Erhaltung des Lebens, nicht der Befriedigung von Gier. Der Wandernde soll wenig besitzen, nicht lange an einem Ort bleiben und Tag und Nacht aus der Perspektive des unveränderlichen Bewusstseins betrachten. | |||
=== Aufbau und Inhalt des zweiten Kapitels === | |||
Der erste Teil behandelt Voraussetzungen, Riten, Stab und Wassergefäß sowie unterschiedliche Formen der Entsagung. Einige Bestimmungen schließen Menschen aufgrund von Geschlecht, Körper, Krankheit, sozialer Zugehörigkeit oder religiöser Position aus. Solche Aussagen spiegeln die Begrenzungen einer vormodernen Männer- und Ordensgesellschaft. Sie dürfen nicht als zeitlose Aussagen über spirituelle Fähigkeit oder Menschenwürde ausgelegt werden. | |||
Die Verse 13 bis 58 bilden eine großartige nichtduale Meditation. Körper, Sinnesobjekte und Sinnesvorgänge werden als vergänglich und unbewusst erkannt. Das wahre Selbst ist dagegen das Licht, in dem sie erscheinen. Aus dieser Einsicht folgen Gleichmut, Zeugenbewusstsein und die Auflösung der Trennung zwischen Erkennendem und Erkanntem. | |||
Nach Vers 58 kehrt der Text zu Ordensregeln zurück. Er beschreibt Bettelpraxis, Speisemaß, Besitzlosigkeit, Schweigen und den vorsichtigen Umgang mit Schülern. Die letzten Verse führen erneut zur inneren Bedeutung: Der wahre Agnihotrin opfert die ganze Erscheinungswelt im Feuer der Erkenntnis; Om wird als rettender Pranava verehrt. | |||
[[Datei:Vedanta-medit.jpg|thumb|Die nichtduale Kontemplation der Sannyasa Upanishad fragt: Was ist der unveränderliche Seher aller Erfahrungen?]] | |||
=== Philosophische Kernlehre === | |||
Die zentrale Unterscheidung lautet: Körper, Sinne, Klang, Berührung, Geschmack, Form und Geruch sind wahrnehmbar, wechselhaft und an Bedingungen gebunden. Der [[Atman]] ist nicht ein weiteres wahrgenommenes Objekt. Er ist das Bewusstsein, durch das alle Objekte und selbst die Tätigkeit der Sinne offenbar werden. | |||
Diese Lehre mündet nicht in Weltverachtung, sondern in Nichtanhaftung. Der verwirklichte Mensch kann handeln, ohne sich als begrenzten Täter festzuschreiben. Er lässt Kommendes kommen und Gehendes gehen. Frieden entsteht, wenn die starre Beziehung zwischen Erfasser und Erfasstem erlischt; dieser gefestigte Frieden wird im Text [[Moksha]] genannt. | |||
=== Sannyasa als äußere und innere Entsagung === | |||
Die Upanishad nimmt äußere Entsagung sehr ernst. Dennoch überbietet sie äußere Zeichen durch innere Erkenntnis. Stab, Kleidung und Bettelregeln können Disziplin fördern, sind aber nicht mit Befreiung identisch. Wer Gelehrsamkeit, Anhänger oder Ansehen sammelt, kann auch im Gewand eines Mönchs gebunden bleiben. | |||
Für Menschen außerhalb eines formellen Ordens bedeutet dies: Jede Lebensform besitzt ihre eigene verantwortliche Form des Loslassens. Ein Haushälter muss seine Familie nicht verlassen, um Besitzdenken, Geltungssucht und zwanghafte Wünsche zu prüfen. [[Karma Yoga]] kann zu innerem Sannyasa werden, wenn Handlungen gewissenhaft, aber ohne egoistische Aneignung ausgeführt werden. | |||
=== Problematische und zeitgebundene Passagen === | |||
Mehrere Regeln widersprechen heutigen Grundsätzen von Gleichwertigkeit und Inklusion. Körperlich beeinträchtigte, kranke oder sozial ausgegrenzte Menschen werden vom formellen Sannyasa ausgeschlossen; Frauen erscheinen an einzelnen Stellen einseitig als Gefahr für männliche Askese. Solche Aussagen sind weder medizinisch noch ethisch als heutige Norm zu übernehmen. Eine genaue Ausgabe soll sie nicht verschweigen, muss sie aber ausdrücklich als historische Ordensregeln kennzeichnen. | |||
Auch die drastischen Speisevergleiche sind keine allgemeine Ernährungslehre. Sie dienen der radikalen Abkühlung von Genussverlangen innerhalb einer besonderen asketischen Lebensform. Für heutige Übende sind maßvolle, gesundheitsverträgliche und verantwortliche Ernährung sowie gegebenenfalls medizinische Beratung wichtiger als eine wörtliche Nachahmung extremer Regeln. | |||
=== Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten === | |||
Ein [[Yoga Aspirant]] kann fünf bleibende Anregungen aufnehmen: Nahrung als Unterstützung statt als Ersatzbefriedigung betrachten; Besitz vereinfachen; Lob und Tadel beobachten; den Zeugen der Gedanken erforschen; Wissen nicht zur Selbstdarstellung benutzen. Äußere Reduktion wird so zu einem Raum für innere Klarheit. | |||
Die nichtdualen Verse eignen sich für [[Shravana]], [[Manana]] und [[Nididhyasana]]: zuerst genau hören und lesen, dann ihre Logik prüfen und schließlich still darüber meditieren. Aussagen wie „Ich bin reines Bewusstsein“ sollen nicht bloß wiederholt, sondern an der unmittelbaren Erfahrung von Wahrnehmen, Denken und Gewahrsein untersucht werden. | |||
=== Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Gemeinschaften === | |||
Für [[Yogalehrer]] und Gemeinschaften ist der Text zugleich Inspiration und Warnung. Er preist Einfachheit, warnt vor Anhäufung und nennt das Sammeln von Schülern um Dienst, Gewinn, Verehrung oder Ruhm ausdrücklich eine Bindung. Geistliche Autorität soll der Befreiung dienen, nicht Abhängigkeit erzeugen. | |||
Historische Vorschriften benötigen Kontext. Ein verantwortungsvoller Lehrer unterscheidet zwischen dem Ziel einer Lehre, ihrer vormodernen sozialen Form und einer heute ethisch tragfähigen Anwendung. Besonders Schweigen, Fasten, Pranayama und radikale Besitzlosigkeit sollten der körperlichen und psychischen Situation angepasst und nicht als Beweis spiritueller Überlegenheit benutzt werden. | |||
=== Bleibende Botschaft === | |||
Die Sannyasa Upanishad führt von der sichtbaren Entsagung zur Quelle aller Freiheit. Am Ende genügt es nicht, Dinge wegzugeben: Auch der Anspruch „Ich bin der Entsagende“ muss durchsichtig werden. Was bleibt, ist der Atman – nicht als persönlicher Besitz, sondern als das eine Licht aller Erfahrung. Wo diese Erkenntnis mit Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Bescheidenheit verbunden ist, beginnt innerer Sannyasa mitten im Leben. | |||
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== Sannyasa Upanishad – vollständiger Text in Devanagari == | |||
संन्यासोपनिषद्वेद्यं संन्यासिपटलाश्रयम् ।<br> | |||
सत्तासामान्यविभवं स्वमात्रमिति भावये ॥<br> | |||
ॐ आप्यायन्तु मामाङ्गानि वाक्प्राणश्चक्षुः<br> | |||
श्रोत्रमथो बलमिन्द्रियाणि च ॥ सर्वाणि सर्वं ब्रह्मोपनिषदं<br> | |||
माहं ब्रह्म निराकुर्यां मा मा ब्रह्म निराकरोदनिराकरण-<br> | |||
मस्त्वनिराकरणं मेस्तु तदात्मनि निरते य उपनिषत्सु धर्मास्ते<br> | |||
मयि सन्तु ते मयि सन्तु । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br> | |||
अथ प्रथमोऽध्यायः । संन्यासविधिः ।<br> | |||
हरिः ॐ अथातः संन्यासोपनिषदं व्याख्यास्यामो<br> | |||
योऽनुक्रमेण संन्यस्यति स संन्यस्तो भवति । कोऽयं संन्यास<br> | |||
उच्यते कथं संन्यस्तो भवति । य आत्मानं क्रियाभिर्गुप्तं करोति<br> | |||
मातरं पितरं भार्यां पुत्रान्बन्धूननुमोदयित्वा ये<br> | |||
चास्यर्त्विजस्तान्सर्वांश्च पूर्ववत्प्राणित्वा वैश्वानरेष्टिं<br> | |||
निर्वपेत्सर्वस्वं दद्याद्यजमानस्य गा ऋत्विजः सर्वैः पात्रैः<br> | |||
समारोप्य यदाहवनीये गार्हपत्ये वान्वाहार्यपचने<br> | |||
सभ्यावसथ्योश्च प्राणापानव्यानोदानसमानान्सर्वान्सर्वेषु<br> | |||
समारोपयेत् । सशिखान्केशान्विसृज्य यज्ञोपवीतं छित्त्वा पुत्रं<br> | |||
दृष्ट्वा त्वं यज्ञस्त्वं सर्वमित्यनुमन्त्रयेत् ।<br> | |||
यद्यपुत्रो भवत्यात्मानमेवेमं ध्यात्वाऽनवेक्षमाणः<br> | |||
प्राचीमुदीचिं वा दिशं प्रव्रजेच्च । त्रिषु वर्णेषु<br> | |||
भिक्षाचर्यं चरेत् । पाणिपात्रेणाशनं कुर्यात् ।<br> | |||
औषधवदशनमाचरेत् । औषधवदशनं प्राश्नीयात् ।<br> | |||
यथालाभमश्नीयात्प्राणसन्धारणार्थं यथा मेदोवृद्धिर्न<br> | |||
जायते । कृशीभूत्वा ग्रामैकरात्रं नगरे पञ्चरात्रं<br> | |||
चतुरोमासान्वार्षिकान्ग्रामे वा नगरे वापि वसेत् ।<br> | |||
विशीर्णवस्त्रं वल्कलं वा प्रतिगृह्णीयानान्यत्प्रतिगृह्णीयाद्यद्यशक्तो<br> | |||
भवति क्लेशतस्तप्यते तप इति । यो वा एवं क्रमेण संन्यस्यति यो वा<br> | |||
एवं पश्यति किमस्य यज्ञोपवीतं कास्य शिखा कथं वास्योपस्पर्शनमिति ।<br> | |||
तं होवाचेदमेवास्य तद्यज्ञोपवीतं यदात्मध्यानं विद्या शिखा<br> | |||
नीरैः सर्वत्रावस्थितैः कार्यं निर्वर्तयन्नुदरपात्रेण जलतीरे निकेतनम् ।<br> | |||
ब्रह्मवादिनो वदन्त्यस्तमित आदित्ये कथं वास्योपस्पर्शनमिति ।<br> | |||
तान्होवाच यथाहनि तथा रात्रौ नास्य नक्तं न दिवा तदप्येतदृषिणोक्तम् ।<br> | |||
सकृद्दिवा हैवास्मै भवतीति । य एवंविद्वानेतेनात्मानं संधत्ते ॥<br> | |||
इति प्रथमोऽध्यायः ॥ १॥<br> | |||
अथ द्वितीयोऽध्यायः ।<br> | |||
संन्यासाधिकारी<br> | |||
ॐ चत्वारिंषत्संस्कारसम्पन्नः सर्वतो<br> | |||
विरक्तश्चित्तशुद्धिमेत्याशासूयेर्ष्याहंकारं<br> | |||
दग्ध्वा साधनचतुष्टयसम्पन्न एव संन्यस्तुमर्हति ।<br> | |||
पतितलक्षणम्<br> | |||
संन्यासं निश्चयं कृत्वा पुनर्न च करोति यः ।<br> | |||
स कुर्यात्कृच्छ्रमात्रं तु पुनः संन्यस्तुमर्हति ॥ १॥<br> | |||
संन्यासं पातयेद्यस्तु पतितं न्यासयेत्तु यः ।<br> | |||
संन्यासविघ्नकर्ता च त्रीनेतान्पतितान्विदुः ॥ २॥ इति॥<br> | |||
अथ षण्डः पतितोऽङ्गविकलः स्त्रैणो बधिरोऽर्भको मूकः<br> | |||
पाषण्डश्चक्री लिङ्गी कुष्ठी वैखानसहरद्विजौ<br> | |||
भृतकाध्यापकः शिपिविष्टोऽनग्निको नास्तिको वैराग्यवन्तोऽप्येते<br> | |||
न संन्यासार्हाः । संन्यस्ता यद्यपि महावाक्योपदेशे नाधिकारिणः ॥<br> | |||
आरूढपतितापत्यं कुनखी श्यावदन्तकः ।<br> | |||
क्षीबस्तथाङ्गविकलो नैव संन्यस्तुमर्हति ॥ ३॥<br> | |||
सम्प्रत्यवसितानां च महापातकिनां तथा ।<br> | |||
व्रात्यानामभिशस्तानां संन्यासं न कारयेत् ॥ ४॥<br> | |||
व्रतयज्ञतपोदानहोमस्वाध्यायवर्जितम् ।<br> | |||
सत्यशौचपरिभ्रष्टं संन्यासं न कारयेत् ॥ ५॥<br> | |||
एते नार्हन्ति संन्यासमातुरेण विना क्रमम् ।<br> | |||
ॐ भूः स्वाहेति शिखामुत्पाट्य यज्ञोपवीतं<br> | |||
बहिर्न निवसेत् । यशो बलं ज्ञानं वैराग्यं<br> | |||
मेधां प्रयच्छेति यज्ञोपवीतं छित्त्वा ॐ भूः<br> | |||
स्वाहेत्यप्सु वस्त्रं कटिसूयं च विसृज्य संन्यस्तं<br> | |||
मयेति त्रिवारमभिमन्त्रयेत् ।<br> | |||
संन्यासिनं द्विजं दृष्ट्वा स्थानाच्चलति भास्करः ।<br> | |||
एष मे मण्डलं भित्त्वा परं ब्रह्माधिगच्छति ॥ ६॥<br> | |||
षष्टिं कुलान्यतीतानि षष्टिमागामिकानि च ।<br> | |||
कुलान्युद्धरते प्राज्ञः संन्यस्तमिति यो वदेत् ॥ ७॥<br> | |||
ये च सन्तानजा दोषा ये दोषा देहसंभवाः ।<br> | |||
प्रैषाग्निर्निर्दहेत्सर्वांस्तुषारिन्निव काञ्चनम् ॥ ८॥<br> | |||
सखा मा गोपायेति दण्डं परिग्रहेत् ।<br> | |||
दण्डं तु वाणवं सौम्यं सत्वचं समपर्वकम् ।<br> | |||
पुण्यस्थलसमुत्पन्नं नानाकल्मषशोधितम् ॥ ९॥<br> | |||
अदग्धमहतं कीटैः पर्वग्रन्थिविराजितम् ।<br> | |||
नासादघ्नं शिरस्तुल्यं भ्रुवोर्वा बिभृयाद्यतिः ॥ १०॥<br> | |||
दण्डात्मनोस्तु संयोगः सर्वथा तु विधीयते ।<br> | |||
न दण्डेन विना गच्छेदिषुक्षेपत्रयं बुधः ॥ ११॥<br> | |||
जगज्जीवनं जीवनाधारभूतं माते मामन्त्रयस्व सर्वसौम्येति<br> | |||
कमण्डलुं परिगृह्य योगपट्टाभिषिक्तो भूत्वा यथासुखं विहरेत् ॥<br> | |||
त्यज धर्ममधर्मं च उभे सत्यानृते त्यज ।<br> | |||
उभे सत्यानृते त्यक्त्वा येन त्यजसि तत्त्यज ॥ १२॥<br> | |||
वैराग्यसंन्यासी ज्ञानसंन्यासी ज्ञानवैराग्यसंन्यासी<br> | |||
कर्मसंन्यासीति चातुर्विध्यमुपागतः । तद्यथेति दृष्टानुश्रविक-<br> | |||
विषयवैतृष्ण्यमेत्य प्राक्पुण्यकर्मविशेषात्संन्यस्तः<br> | |||
स वैराग्यसंन्यासी । शास्त्रज्ञानात्पापपुण्यलोकानुभवश्रवणा-<br> | |||
त्प्रपञ्चोपरतो देहवासनां शास्त्रवासनां लोकवासनां त्यक्त्वा<br> | |||
वमनान्नमिव प्रवृत्तिं सर्वं हेयं मत्वा साधनचतुष्टयसम्पन्नो<br> | |||
यः संन्यस्यति स एव ज्ञानसंन्यासी । क्रमेण सर्वमभ्यस्य सर्वमनुभूय<br> | |||
ज्ञानवैराग्याभ्यां स्वरूपानुसन्धानेन देहमात्रावशिष्टः संन्यस्य<br> | |||
जातरूपधरो भवति स ज्ञानवैराग्यसंन्यासी । ब्रह्मचर्यं समाप्य<br> | |||
गृही भूत्वा वानप्रस्थाश्रममेत्य वैराग्याभावेऽप्याश्रमक्रमानुसारेण<br> | |||
यः संन्यस्यति स कर्मसंन्यासी । स संन्यासः षड्विधो भवति<br> | |||
कुटीचकबहूदकहंसपरमहंसतुरीयातीतावधूताश्चेति । कुटीचकः<br> | |||
शिखायज्ञोपवीति दण्डकमण्डलुधरः कौपीनशाटीकन्थाधरः<br> | |||
पितृमातृगुर्वाराधनपरः पिठरखनित्रशिक्यादिमात्रसाधनपर<br> | |||
एकत्रान्नादनपरः श्वेतोर्ध्वपुण्ड्रधारी त्रिदण्डः । बहूदकः शिखादिकन्थाधर-<br> | |||
स्त्रिपुण्ड्रधारी कुटीचकवत्सर्वसमो मधुकरवृत्त्याष्टकवलाशी ।<br> | |||
हंसो जटाधारी त्रिपुण्ड्रोर्ध्वपुण्ड्रधारी असंक्लृप्तमाधूकरान्नाशी<br> | |||
कौपीनखण्डतुण्डधारी । परमहंसः शिखायज्ञोपवीतरहितः पञ्चगृहेषु<br> | |||
करपात्री एककौपीनधारी शाटीमेकामेकं वैणवं दण्डमेकशाटीधरो वा<br> | |||
भस्मोद्धृलनपरः सर्वत्यागी तुरीयातीतो गोमुखवृत्त्या फलाहारी अन्नाहारी<br> | |||
चेद्गृहत्रये देहमात्रावशिष्टो दिगंबरः कुणपवच्छरीन्वृत्तिकः ।<br> | |||
अवधूतस्त्वनियमः पतिताभिशस्तवर्जनपूर्वकं सर्ववर्णेष्वजगरवृत्त्याहारपरः स्वरूपानुसन्धानपरः ।<br> | |||
जगत्तावदिदं नाहं सवृक्षतृणपर्वतम् । यद्बाह्यं<br> | |||
जडमत्यन्तं तत्स्यां कथमहं विभुः ॥ १३॥<br> | |||
कालेनाल्पेन विलयी देहो नाहमचेतनः ।<br> | |||
जडया कर्णशष्कुल्या कल्पमानक्षणस्थया ॥ १४॥<br> | |||
शून्याकृतिः शून्यभवः शब्दो नाहमचेतनः ।<br> | |||
त्वचा क्षणविनाशिन्या प्राप्योऽप्राप्योऽयमन्यथा ॥ १५॥<br> | |||
चित्प्रसादोपलब्धात्मा स्पर्शो नाहमचेतनः ।<br> | |||
लब्धात्मा जिह्वया तुच्छो लोलया लोलसत्तया ॥ १६॥<br> | |||
स्वल्पस्यन्दो द्रव्यनिष्ठो रसो नाहमचेतनः ।<br> | |||
दृश्यदर्शनयोर्लीनं क्षयिक्षणविनाशिनोः ॥ १७॥<br> | |||
केवले द्रष्टरि क्षीणं रूपं नाहमचेतनम् ।<br> | |||
नासया गन्धजडया क्षयिण्या परिकल्पितः ॥ १८॥<br> | |||
पेलवो नियताकारो गन्धो नाहमचेतनः ।<br> | |||
निर्ममोऽमननः शान्तो गतपञ्चेन्द्रियभ्रमः ॥ १९॥<br> | |||
शुद्धचेतन एवाहं कलाकलनवर्जितः ।<br> | |||
चैत्यवर्जितचिन्मात्रमहमेषोऽवभासकः ॥ २०॥<br> | |||
सबाह्याभ्यन्तरव्यापी निष्कलोऽहं निरञ्जनः ।<br> | |||
निर्विकल्पचिदाभास एक आत्मास्मि सर्वगः ॥ २१॥<br> | |||
मयैव चेतनेनेमे सर्वे घटपटादयः ।<br> | |||
सूर्यान्ता अवभास्यन्ते दीपेनेवात्मतेजसा ॥ २२॥<br> | |||
मयैवैताः स्फुरन्तीह विचित्रेन्द्रियवृत्तयः ।<br> | |||
तेजसान्तःप्रकाशेन यथाग्निकणपङ्क्तयः ॥ २३॥<br> | |||
अनन्तानन्दसंभोगा परोपशमशालिनी ।<br> | |||
शुद्धेयं चिन्मयी दृष्टिर्जयत्यखिलदृष्टिषु ॥ २४॥<br> | |||
सर्वभावान्तरस्थाय चैत्यमुक्तचिदात्मने ।<br> | |||
प्रत्यक्चैतन्यरूपाय मह्यमेव नमो नमः ॥ २५॥<br> | |||
विचित्राः शक्तयः स्वच्छाः समा या निर्विकारया ।<br> | |||
चिता क्रियन्ते समया कलाकलनमुक्तया ॥ २६॥<br> | |||
कालत्रयमुपेक्षित्र्या हीनायाश्चैत्यबन्धनैः ।<br> | |||
चितश्चैत्यमुपेक्षित्र्याः समतैवावशिष्यते ॥ २७॥<br> | |||
सा हि वाचामगम्यत्वादसत्तामिव शाश्वतीम् ।<br> | |||
नैरात्मसिद्धात्मदशामुपयातैव शिष्यते ॥ २८॥<br> | |||
ईहानीहामयैरन्तर्या चिदावलिता मलैः ।<br> | |||
सा चिन्नोत्पादितुं शक्ता पाशबद्धेव पक्षिणी ॥ २९॥<br> | |||
इच्छाद्वेषसमुत्थेन द्वन्द्वमोहेन जन्तवः ।<br> | |||
धराविवरमग्नानां कीटानां समतां गताः ॥ ३०॥<br> | |||
आत्मनेऽस्तु नमो मह्यमविच्छिन्नचिदात्मने ।<br> | |||
परामृष्टोऽस्मि लब्धोऽस्मि प्रोदितोऽस्म्यचिरादहम् ।<br> | |||
उद्धृतोऽस्मि विकल्पेभ्यो योऽस्मि सोऽस्मि नमोऽस्तु ते ॥ ३१॥<br> | |||
तुभ्यं मह्यमनन्ताय मह्यं तुभ्यं चिदात्मने ।<br> | |||
नमस्तुभ्यं परेशाय नमो मह्यं शिवाय च ॥ ३२॥<br> | |||
तिष्ठन्नपि हि नासीनो गच्छन्नपि न गच्छति ।<br> | |||
शान्तोऽपि व्यवहारस्थः कुर्वन्नपि न लिप्यते ॥ ३३॥<br> | |||
सुलभश्चायमत्यन्तं सुज्ञेयश्चाप्तबन्धुवत् ।<br> | |||
शरीरपद्मकुहरे सर्वेषामेव षट्पदः ॥ ३४॥<br> | |||
न मे भोगस्थितौ वाञ्छा न मे भोगविसर्जने ।<br> | |||
यदायाति तदायातु यत्प्रयाति प्रयातु तत् ॥ ३५॥<br> | |||
मनसा मनसि च्छिन्ने निरहंकारं गते ।<br> | |||
भावेन गलिते भावे स्वस्थस्तिष्ठामि केवलः ॥ ३६॥<br> | |||
निर्भावं निरहंकारं निर्मनस्कमनीहितम् ।<br> | |||
केवलास्पन्दशुद्धात्मन्येव तिष्ठति मे रिपुः ॥ ३७॥<br> | |||
तृष्णारज्जुगणं छित्वा मच्छरीरकपञ्जरात् ।<br> | |||
न जाने क्व गतोड्डीय निरहंकारपक्षिणी ॥ ३८॥<br> | |||
यस्य नाहंकृतो भावो बुद्धिर्यस्य न लिप्यते ।<br> | |||
यः समः सर्वभूतेषु जीवितं तस्य शोभते ॥ ३९॥<br> | |||
योऽन्तःशीतलया बुद्ध्या रागद्वेषविमुक्तया ।<br> | |||
साक्षिवत्पश्यतीदं हि जीवितं तस्य शोभते ॥ ४०॥<br> | |||
येन सम्यक्परिज्ञाय हेयोपादेयमुज्झता ।<br> | |||
चित्तस्यान्तेऽर्पितं चित्तं जीवितं तस्य शोभते ॥ ४१॥<br> | |||
ग्राह्यग्राहकसंबन्धे क्षीणे शान्तिरुदेत्यलम् ।<br> | |||
स्थितिमभ्यागता शान्तिर्मोक्षनामाभिधीयते ॥ ४२॥<br> | |||
भ्रष्टबीजोपमा भूयो जन्माङ्कुअरविवर्जिता ।<br> | |||
हृदि जीवद्विमुक्तानां शुद्धा भवति वासना ॥ ४३॥<br> | |||
पावनी परमोदारा शुद्धसत्त्वानुपातिनी ।<br> | |||
आत्मध्यानमयी नित्या सुषुप्तिस्थेव तिष्ठति ॥ ४४॥<br> | |||
चेतनं चित्तरिक्तं हि प्रत्यक्चेतनमुच्यते ।<br> | |||
निर्मनस्कस्वभावत्वान्न तत्र कलनामलम् ॥ ४५॥<br> | |||
सा सत्यता सा शिवता सावस्था पारमात्मिकी ।<br> | |||
सर्वज्ञता सा संतृप्तिर्नतु यत्र मनः क्षतम् ॥ ४६॥<br> | |||
प्रलपन्विसृजन्गृह्णन्नुन्मिषन्निमिषन्नपि ।<br> | |||
निरस्तमननानन्दः संविन्मात्रपरोऽस्म्यहम् ॥ ४७॥<br> | |||
मलं संवेद्यमुत्सृज्य मनो निर्मूलयन्परम् ।<br> | |||
आशापाशानलं छित्त्वा संविन्मात्रपरोऽस्म्यहम् ॥ ४८॥<br> | |||
अशुभाशुभसंकल्पः संशान्तोऽस्मि निरामयः ।<br> | |||
नष्टेष्टानिष्टकलनः संमात्रपरोस्म्यहम् ॥ ४९॥<br> | |||
आत्मतापरते त्यक्त्वा निर्विभागो जगत्स्थितौ ।<br> | |||
वज्रस्तंभवदात्मानमवलंब्य स्थिरोऽस्म्यहम् ॥ ५०॥<br> | |||
निर्मलायां निराशायां स्वसंवित्तौ स्थितोऽस्म्यहम् ।<br> | |||
ईहितानीहितैर्मुक्तो हेयोपादेयवर्जितः ॥ ५१॥<br> | |||
कदान्तस्तोषमेष्यामि स्वप्रकाशपदे स्थितः ।<br> | |||
कदोपशान्तमननो धरणीधरकन्दरे ॥ ५२॥<br> | |||
समेष्यामि शिलासाम्यं निर्विकल्पसमाधिना ।<br> | |||
निरंशध्यानविश्रान्तिमूकस्य मम मस्तके ॥ ५३॥<br> | |||
कदा तार्णं करिष्यन्ति कुलायं वनपुत्रिकाः ।<br> | |||
संकल्पपादपं तृष्णालतं छित्त्वा मनोवनम् ॥ ५४॥<br> | |||
विततां भुवमासाद्य विहराभि यथासुखम् ।<br> | |||
पदं तदनु यातोऽस्मि केवलोऽस्मि जयाम्यहम् ॥ ५५॥<br> | |||
निर्वाणोऽस्मि निरीहोऽस्मि निरंशोऽस्मि निरीप्सितः ।<br> | |||
स्वच्छतोर्जितता सत्ता हृद्यता सत्यता ज्ञता ॥ ५६॥<br> | |||
आनन्दितोपशमता सदा प्रमुदितोदिता ।<br> | |||
पूर्णतोदारता सत्या कान्तिसत्ता सदैकता ॥ ५७॥<br> | |||
इत्येवं चिन्तयन्भिक्षुः स्वरूपस्थितिमञ्जसा ।<br> | |||
निर्विकल्पस्वरूपज्ञो निर्विकल्पो बभूव ह ॥ ५८॥<br> | |||
आतुरो जीवति चेत्क्रमसंन्यासः कर्तव्यः ।<br> | |||
न शूद्रस्त्रीपतितोदक्या संभाषणम् ।<br> | |||
न यतेर्देवपूजनोत्सवदर्शनम् ।<br> | |||
तस्मान्न संन्यासिन एष लोकः ।<br> | |||
आतुरकुटीचकयोर्भूलोकभुवर्लोकौ ।<br> | |||
बहूदकस्य स्वर्गलोकः ।<br> | |||
हंसस्य तपोलोकः । परमहंसस्य सत्यलोकः ।<br> | |||
तुरीयातीतावधूतयोः स्वात्मन्येव कैवल्यं<br> | |||
स्वरूपानुसन्धानेन भ्रमरकीटन्यायवत् ।<br> | |||
स्वरूपानुसन्धानव्यतिरिक्तान्यशास्त्राभ्यास<br> | |||
उष्ट्रकुङ्कुमभारवद्व्यर्थः । न योगशास्त्रप्रवृत्तिः ।<br> | |||
न साङ्ख्यशास्त्राभ्यासः । न मन्त्रतन्त्रव्यापारः ।<br> | |||
नेतरशास्त्रप्रवृत्तिर्यतेरस्ति । अस्ति चेच्छवालङ्कारव-<br> | |||
त्कर्माचर विद्यादूरः ।<br> | |||
न परिव्राण्नामसङ्कीर्तनपरो यद्यत्कर्म करोति तत्तत्फलमनुभवति ।<br> | |||
एरण्डतैलफेनवत्सर्वं परित्यजेत् । न देवताप्रसादग्रहणम् ।<br> | |||
न बाह्यदेवाभ्यर्चनं कुर्यात् । स्वव्यतिरिक्तं सर्वं त्यक्त्वा<br> | |||
मधुकरवृत्त्याहारमाहरन्कृशीभूत्वा मेदोवृद्धिमकुर्वन्विहरेत् ।<br> | |||
माधूकरेण करपात्रेणास्यपात्रेण वा कालं नयेत् ।<br> | |||
आत्मसंमितमाहारमाहरेदात्मवान्यतिः ।<br> | |||
आहारस्य च भागौ द्वौ तृतीयमुदकस्य च ।<br> | |||
वायोः सञ्चरणार्थाय चतुर्थमवशेषयेत् ॥५९॥<br> | |||
भैक्षेण वर्तयेन्नित्यं नैकान्नाशी भवेत्क्वचित् ।<br> | |||
निरीक्षन्ते त्वनुद्विग्नास्तद्गृहं यत्नतो व्रजेत् ॥ ६०॥<br> | |||
पञ्चसप्तगृहाणां तु भिक्षामिच्छेत्क्रियावताम् ।<br> | |||
गोदोहमात्रमाकाङ्क्षेन्निष्क्रान्तो न पुनर्व्रजेत् ॥ ६१॥<br> | |||
नक्ताद्वरश्चोपवास उपवासादयाचितः ।<br> | |||
अयाचिताद्वरं भैक्ष्यं तस्मात्भैक्षेण वर्धयेत् ॥ ६२॥<br> | |||
नैव सव्यापसव्येन भिक्षाकाले विशेद्गृहान् ।<br> | |||
नातिक्रामेद्गृहं मोहाद्यत्र दोषो न विद्यते ॥ ६३॥<br> | |||
श्रोत्रियान्नं न भिक्षेत श्रद्धाभक्तिबहिष्कृतम् ।<br> | |||
व्रात्यस्यापि गृहे भिक्षेच्छ्रद्धाभक्तिपुरस्कृते ॥ ६४॥<br> | |||
माधूकरमसङ्क्लृप्तं प्राक्प्रणीतमयाचितम् ।<br> | |||
तात्कालिकं चोपपन्नं भैक्षं पञ्चविधं स्मृतम् ॥ ६५॥<br> | |||
मनःसङ्कल्परहितांस्त्रीन्गृहान्पञ्च सप्त वा ।<br> | |||
मधुमक्षिकवत्कृत्वा माधूकरमिति स्मृतम् ॥ ६६॥<br> | |||
प्रातःकाले च पूर्वेद्युर्यद्भक्तैः प्राथितं मुहुः ।<br> | |||
तद्भैक्षं प्राक्प्रणीतं स्यात्स्थितिं कुर्यात्तथापि वा ॥ ६७॥<br> | |||
भिक्षाटनसमुद्योगाद्येन केन निमन्त्रितम् ।<br> | |||
अयाचितं तु तद्भैक्षं भोक्तव्यं च मुमुक्षुभिः ॥ ६८॥<br> | |||
उपस्थानेन यत्प्रोक्तं भिक्षार्थं ब्राह्मणेन तत् ।<br> | |||
तात्कालिकमिति ख्यातं भोक्तव्यं यतिभिस्तदा ॥ ६९॥<br> | |||
सिद्धमन्नं यदानीतं ब्राह्मणेन मठं प्रति ।<br> | |||
उपपन्नमिति प्राहुर्मुनयो मोक्षकाङ्क्षिणः ॥ ७०॥<br> | |||
चरेन्माधूकरं भैक्षं यतिर्म्लेच्छकुलादपि ।<br> | |||
एकान्नं नतु भुञ्जीत बृहस्पतिसमादपि ।<br> | |||
याचितायाचिताभ्यां च भिक्षाभ्यां कल्पयेत्स्थितम् ॥ ७१॥<br> | |||
न वायुः स्पर्शदोषेण नाग्निर्दहनकर्मणा ।<br> | |||
नापो मूत्रपुरीषाभ्यां नान्नदोषेण मस्करी ॥ ७२॥<br> | |||
विधूमे सन्नमुसले व्यङ्गारे भुक्तवज्जने ।<br> | |||
कालेऽपराह्णे भूयिष्ठे भिक्षाचरणमाचरेत् ॥ ७३॥<br> | |||
अभिशतं च पतितं पापण्डं देवपूजकम् ।<br> | |||
वर्जयित्वा चरेद्भैक्षं सर्ववर्णेषु चापदि ॥ ७४॥<br> | |||
घृतं स्वमूत्रसदृशं मधु स्यात्सुरया समम् ।<br> | |||
तैलं सूकरमूत्रं स्यात्सूपं लशुनसंमितम् ॥ ७५॥<br> | |||
माषापूषादि गोमांसं क्षीरं मूत्रसमं भवेत् ।<br> | |||
तस्मात्सर्वप्रयत्नेन घृतादीन्वर्जयेद्यतिः ।<br> | |||
घृतसूपादिसंयुक्तमन्नं नाद्यात्कदाचन ॥ ७६॥<br> | |||
पात्रमस्य भवेत्पाणिस्तेन नित्यं स्थितिं नयेत् ।<br> | |||
पाणिपात्रश्चरन्योगी नासकृद्भैक्षमाचरेत् ॥ ७७॥<br> | |||
आस्येन तु यदाहारं गोवन्मृगयते मुनिः ।<br> | |||
तदा समः स्यात्सर्वेषु सोऽमृतत्वाय कल्पते ॥ ७८॥<br> | |||
आज्यं रुधिरमिव त्यजेदेकत्रान्नं पललमिव<br> | |||
गन्धलेपनमशुद्धलेपनमिव क्षारमन्त्यजमिव<br> | |||
वस्त्रमुच्छिष्टपात्रमिवाभ्यङ्गं स्त्रीसङ्गमिव<br> | |||
मित्राह्लादकं मूत्रमिव स्पृहां गोमांसमिव<br> | |||
ज्ञातचरदेशं चण्डालवाटिकादिव स्त्रियमहिमिव<br> | |||
सुवर्णं कालकूटमिव सभास्थलं श्मशानस्थलमिव<br> | |||
राजधानीं कुंभीपाकमिव शवपिण्डवदेकत्रान्नं न<br> | |||
देवतार्चनम् । प्रपञ्चवृत्तिं परित्यय जीवन्मुक्तो भवेत् ॥<br> | |||
आसनं पात्रलोपश्च सञ्चयः शिष्यसञ्चयः ।<br> | |||
दिवास्वापो वृथालापो यतेर्बन्धकराणि षट् ॥ ७९॥<br> | |||
वर्षाभ्योऽन्यत्र यत्स्थानमासनं तदुदाहृतम् ।<br> | |||
उत्कालाब्वादिपात्राणामेकस्यापीह सङ्ग्रहः ॥ ८०॥<br> | |||
यतेः संव्यवहराय पात्रलोपः स उच्यते ।<br> | |||
गृहीतस्य तु दण्डादेर्द्वितीयस्य परिग्रहः ॥ ८१॥<br> | |||
कालान्तरोपभोगार्थं सञ्चयः परिकीर्तितः ।<br> | |||
शुश्रूषालाभपूजार्थं यशोर्थं वा परिग्रहः ॥ ८२॥<br> | |||
शिष्याणां नतु कारुण्याच्छिष्यसङ्ग्रह ईरितः ।<br> | |||
विद्या दिवा प्रकाशत्वादविद्या रात्रिरुच्यते ॥ ८३॥<br> | |||
विद्याभ्यासे प्रमादो यः स दिवास्वाप उच्यते ।<br> | |||
आध्यात्मिकीं कथां मुक्त्वा भिक्षावार्तां विना तथा ॥ ८४॥<br> | |||
अनुग्रहं परिप्रश्नं वृथाजल्पोऽन्य उच्यते ।<br> | |||
एकान्नं मदमात्सर्यं गन्धपुष्पविभूषणम् ॥ ८५॥<br> | |||
ताम्बूलाभ्यञ्जने क्रीडा भोगाकाङ्क्षा रसायनम् ।<br> | |||
कत्थनं कुत्सनं स्वस्ति ज्योतिश्च क्रयविक्रयम् ॥ ८६॥<br> | |||
क्रियाकर्मविवादश्च गुरुवाक्यविलङ्घनम् ।<br> | |||
सन्धिश्च विग्रहो यानं मञ्चकं शुक्लवस्त्रकम् ॥ ८७॥<br> | |||
शुक्लोत्सर्गो दिवास्वापो भिक्षाधारस्तु तैजसम् ।<br> | |||
विषं चैवायुधं बीजं हिंसां तैक्ष्ण्यं च मैथुनम् ॥ ८८॥<br> | |||
त्यक्तं संन्यासयोगेन गृहधर्मादिकं व्रतम् ।<br> | |||
गोत्रादिचरणं सर्वं पितृमातृकुलं धनम् ।<br> | |||
प्रतिषिद्धानि चैतानि सेवमानो व्रजेदधः ॥ ८९॥<br> | |||
सुजीर्णोऽपि सुजीर्णासु विद्वांस्त्रीषु न विश्वसेत् ।<br> | |||
सुजीर्णास्वपि कन्थासु सज्जते जीर्णमम्बरम् ॥ ९०॥<br> | |||
स्थावरं जङ्गमं बीजं तैजसं विषमायुधम् ।<br> | |||
षडेतानि न गृह्णीयाद्यतिर्मूत्रपुरीषवत् ॥ ९१॥<br> | |||
नैवाददीत पाथेयं यतिः किञ्चिदनापदि ।<br> | |||
पक्वमापत्सु गृण्हीयाद्यावदन्नं न लभ्यते ॥ ९२॥<br> | |||
नीरुजश्च युवा चैव भिक्षुर्नावसथे वसेत् ।<br> | |||
परार्थं न प्रतिग्राह्यं न दद्याच्च कथञ्चन ॥ ९३॥<br> | |||
दैन्यभावात्तु भूतानां सौभगाय यतिश्चरेत् ।<br> | |||
पक्वं वा यदि वाऽपक्वं याचमानो व्रजेदधः ॥ ९४॥<br> | |||
अन्नपानपरो भिक्षुर्वस्त्रादीनां प्रतिग्रही ।<br> | |||
आविकं वानाविकं वा तथा पट्टपटानपि ॥ ९५॥<br> | |||
प्रतिगृह्य यतिश्चैतान्पतत्येव न संशयः ।<br> | |||
अद्वैतं नावमाश्रित्य जीवन्मुक्तत्वमाप्नुयात् ॥ ९६॥<br> | |||
वाग्दण्डे मौनमातिष्टेत्कायदण्डे त्वभोजनम् ।<br> | |||
मानसे तु कृते दण्डे प्राणायामो विधीयते ॥ ९७॥<br> | |||
कर्मणा बध्यते जन्तुर्विद्यया च विमुच्यते ।<br> | |||
तस्मात्कर्म न कुर्वन्ति यतयः पारदर्शिनः ॥ ९८॥<br> | |||
रथ्यायां बहुवस्त्राणि भिक्षा सर्वत्र लभ्यते ।<br> | |||
भूमिः शय्यास्ति विस्तीर्णा यतयः केन दुःखितः ॥ ९९॥<br> | |||
प्रपञ्चमखिलं यस्तु ज्ञानाग्नौ जुहुयाद्यतिः ।<br> | |||
आत्मन्यग्नीन्समारोप्य सोऽग्निहोत्री महायतिः ॥ १००॥<br> | |||
प्रवृत्तिर्द्विविधा प्रोक्ता मार्जारी चैव वानरी ।<br> | |||
ज्ञानाभ्यासवतामोतुर्वानरीभाक्त्वमेव च ॥ १०१॥<br> | |||
नापृष्टः कस्यचिद्ब्रूयान्न चान्यायेन पृच्छतः ।<br> | |||
जानन्नपि हि मेधावी जडवल्लोकमाचरेत् ॥ १०२॥<br> | |||
सर्वेषामेव पापानां सङ्घाते समुपस्थिते ।<br> | |||
तारं द्वादशसाहस्रमभ्यसेच्छेदनं हि तत् ॥ १०३॥<br> | |||
यस्तु द्वादशसाहस्रं प्रणवं जपतेऽन्वहम् ।<br> | |||
तस्य द्वादशभिर्मासैः परं ब्रह्म प्रकाशते॥ १०४॥<br> | |||
इत्युपनिषत् हरिः ॐ तत्सत् ॥ इति द्वितीयोऽध्यायः ॥ २॥<br> | |||
ॐ आप्यायन्तु मामाङ्गानि वाक्प्राणश्चक्षुः<br> | |||
श्रोत्रमथो बलमिन्द्रियाणि च ॥ सर्वाणि सर्वं ब्रह्मोपनिषदं<br> | |||
माहं ब्रह्म निराकुर्यां मा मा ब्रह्म निराकरोदनिराकरण-<br> | |||
मस्त्वनिराकरणं मेस्तु तदात्मनि निरते य उपनिषत्सु धर्मास्ते<br> | |||
मयि सन्तु ते मयि सन्तु । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥<br> | |||
इति संन्यासोपनिषत्समाप्ता ॥<br> | |||
== Sannyasa Upanishad – vollständiger Text nur in IAST == | |||
saṃnyāsopaniṣadvedyaṃ saṃnyāsipaṭalāśrayam |<br> | |||
sattāsāmānyavibhavaṃ svamātramiti bhāvaye ||<br> | |||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ<br> | |||
śrotramatho balamindriyāṇi ca || sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ<br> | |||
māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇa-<br> | |||
mastvanirākaraṇaṃ mestu tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste<br> | |||
mayi santu te mayi santu | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br> | |||
atha prathamo'dhyāyaḥ | saṃnyāsavidhiḥ |<br> | |||
hariḥ oṃ athātaḥ saṃnyāsopaniṣadaṃ vyākhyāsyāmo<br> | |||
yo'nukrameṇa saṃnyasyati sa saṃnyasto bhavati | ko'yaṃ saṃnyāsa<br> | |||
ucyate kathaṃ saṃnyasto bhavati | ya ātmānaṃ kriyābhirguptaṃ karoti<br> | |||
mātaraṃ pitaraṃ bhāryāṃ putrānbandhūnanumodayitvā ye<br> | |||
cāsyartvijastānsarvāṃśca pūrvavatprāṇitvā vaiśvānareṣṭiṃ<br> | |||
nirvapetsarvasvaṃ dadyādyajamānasya gā ṛtvijaḥ sarvaiḥ pātraiḥ<br> | |||
samāropya yadāhavanīye gārhapatye vānvāhāryapacane<br> | |||
sabhyāvasathyośca prāṇāpānavyānodānasamānānsarvānsarveṣu<br> | |||
samāropayet | saśikhānkeśānvisṛjya yajñopavītaṃ chittvā putraṃ<br> | |||
dṛṣṭvā tvaṃ yajñastvaṃ sarvamityanumantrayet |<br> | |||
yadyaputro bhavatyātmānamevemaṃ dhyātvā'navekṣamāṇaḥ<br> | |||
prācīmudīciṃ vā diśaṃ pravrajecca | triṣu varṇeṣu<br> | |||
bhikṣācaryaṃ caret | pāṇipātreṇāśanaṃ kuryāt |<br> | |||
auṣadhavadaśanamācaret | auṣadhavadaśanaṃ prāśnīyāt |<br> | |||
yathālābhamaśnīyātprāṇasandhāraṇārthaṃ yathā medovṛddhirna<br> | |||
jāyate | kṛśībhūtvā grāmaikarātraṃ nagare pañcarātraṃ<br> | |||
caturomāsānvārṣikāngrāme vā nagare vāpi vaset |<br> | |||
viśīrṇavastraṃ valkalaṃ vā pratigṛhṇīyānānyatpratigṛhṇīyādyadyaśakto<br> | |||
bhavati kleśatastapyate tapa iti | yo vā evaṃ krameṇa saṃnyasyati yo vā<br> | |||
evaṃ paśyati kimasya yajñopavītaṃ kāsya śikhā kathaṃ vāsyopasparśanamiti |<br> | |||
taṃ hovācedamevāsya tadyajñopavītaṃ yadātmadhyānaṃ vidyā śikhā<br> | |||
nīraiḥ sarvatrāvasthitaiḥ kāryaṃ nirvartayannudarapātreṇa jalatīre niketanam |<br> | |||
brahmavādino vadantyastamita āditye kathaṃ vāsyopasparśanamiti |<br> | |||
tānhovāca yathāhani tathā rātrau nāsya naktaṃ na divā tadapyetadṛṣiṇoktam |<br> | |||
sakṛddivā haivāsmai bhavatīti | ya evaṃvidvānetenātmānaṃ saṃdhatte ||<br> | |||
iti prathamo'dhyāyaḥ || 1 ||<br> | |||
atha dvitīyo'dhyāyaḥ |<br> | |||
saṃnyāsādhikārī<br> | |||
oṃ catvāriṃṣatsaṃskārasampannaḥ sarvato<br> | |||
viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṃkāraṃ<br> | |||
dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampanna eva saṃnyastumarhati |<br> | |||
patitalakṣaṇam<br> | |||
saṃnyāsaṃ niścayaṃ kṛtvā punarna ca karoti yaḥ |<br> | |||
sa kuryātkṛcchramātraṃ tu punaḥ saṃnyastumarhati || 1 ||<br> | |||
saṃnyāsaṃ pātayedyastu patitaṃ nyāsayettu yaḥ |<br> | |||
saṃnyāsavighnakartā ca trīnetānpatitānviduḥ || 2 || iti||<br> | |||
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako mūkaḥ<br> | |||
pāṣaṇḍaścakrī liṅgī kuṣṭhī vaikhānasaharadvijau<br> | |||
bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko nāstiko vairāgyavanto'pyete<br> | |||
na saṃnyāsārhāḥ | saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśe nādhikāriṇaḥ ||<br> | |||
ārūḍhapatitāpatyaṃ kunakhī śyāvadantakaḥ |<br> | |||
kṣībastathāṅgavikalo naiva saṃnyastumarhati || 3 ||<br> | |||
sampratyavasitānāṃ ca mahāpātakināṃ tathā |<br> | |||
vrātyānāmabhiśastānāṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 4 ||<br> | |||
vratayajñatapodānahomasvādhyāyavarjitam |<br> | |||
satyaśaucaparibhraṣṭaṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 5 ||<br> | |||
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam |<br> | |||
oṃ bhūḥ svāheti śikhāmutpāṭya yajñopavītaṃ<br> | |||
bahirna nivaset | yaśo balaṃ jñānaṃ vairāgyaṃ<br> | |||
medhāṃ prayaccheti yajñopavītaṃ chittvā oṃ bhūḥ<br> | |||
svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūyaṃ ca visṛjya saṃnyastaṃ<br> | |||
mayeti trivāramabhimantrayet |<br> | |||
saṃnyāsinaṃ dvijaṃ dṛṣṭvā sthānāccalati bhāskaraḥ |<br> | |||
eṣa me maṇḍalaṃ bhittvā paraṃ brahmādhigacchati || 6 ||<br> | |||
ṣaṣṭiṃ kulānyatītāni ṣaṣṭimāgāmikāni ca |<br> | |||
kulānyuddharate prājñaḥ saṃnyastamiti yo vadet || 7 ||<br> | |||
ye ca santānajā doṣā ye doṣā dehasaṃbhavāḥ |<br> | |||
praiṣāgnirnirdahetsarvāṃstuṣārinniva kāñcanam || 8 ||<br> | |||
sakhā mā gopāyeti daṇḍaṃ parigrahet |<br> | |||
daṇḍaṃ tu vāṇavaṃ saumyaṃ satvacaṃ samaparvakam |<br> | |||
puṇyasthalasamutpannaṃ nānākalmaṣaśodhitam || 9 ||<br> | |||
adagdhamahataṃ kīṭaiḥ parvagranthivirājitam |<br> | |||
nāsādaghnaṃ śirastulyaṃ bhruvorvā bibhṛyādyatiḥ || 10 ||<br> | |||
daṇḍātmanostu saṃyogaḥ sarvathā tu vidhīyate |<br> | |||
na daṇḍena vinā gacchediṣukṣepatrayaṃ budhaḥ || 11 ||<br> | |||
jagajjīvanaṃ jīvanādhārabhūtaṃ māte māmantrayasva sarvasaumyeti<br> | |||
kamaṇḍaluṃ parigṛhya yogapaṭṭābhiṣikto bhūtvā yathāsukhaṃ viharet ||<br> | |||
tyaja dharmamadharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja |<br> | |||
ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi tattyaja || 12 ||<br> | |||
vairāgyasaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī jñānavairāgyasaṃnyāsī<br> | |||
karmasaṃnyāsīti cāturvidhyamupāgataḥ | tadyatheti dṛṣṭānuśravika-<br> | |||
viṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmaviśeṣātsaṃnyastaḥ<br> | |||
sa vairāgyasaṃnyāsī | śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇā-<br> | |||
tprapañcoparato dehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ tyaktvā<br> | |||
vamanānnamiva pravṛttiṃ sarvaṃ heyaṃ matvā sādhanacatuṣṭayasampanno<br> | |||
yaḥ saṃnyasyati sa eva jñānasaṃnyāsī | krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya<br> | |||
jñānavairāgyābhyāṃ svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya<br> | |||
jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī | brahmacaryaṃ samāpya<br> | |||
gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya vairāgyābhāve'pyāśramakramānusāreṇa<br> | |||
yaḥ saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī | sa saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati<br> | |||
kuṭīcakabahūdakahaṃsaparamahaṃsaturīyātītāvadhūtāśceti | kuṭīcakaḥ<br> | |||
śikhāyajñopavīti daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnaśāṭīkanthādharaḥ<br> | |||
pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimātrasādhanapara<br> | |||
ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ | bahūdakaḥ śikhādikanthādhara-<br> | |||
stripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī |<br> | |||
haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī asaṃklṛptamādhūkarānnāśī<br> | |||
kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī | paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheṣu<br> | |||
karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo vā<br> | |||
bhasmoddhṛlanaparaḥ sarvatyāgī turīyātīto gomukhavṛttyā phalāhārī annāhārī<br> | |||
cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīnvṛttikaḥ |<br> | |||
avadhūtastvaniyamaḥ patitābhiśastavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |<br> | |||
jagattāvadidaṃ nāhaṃ savṛkṣatṛṇaparvatam | yadbāhyaṃ<br> | |||
jaḍamatyantaṃ tatsyāṃ kathamahaṃ vibhuḥ || 13 ||<br> | |||
kālenālpena vilayī deho nāhamacetanaḥ |<br> | |||
jaḍayā karṇaśaṣkulyā kalpamānakṣaṇasthayā || 14 ||<br> | |||
śūnyākṛtiḥ śūnyabhavaḥ śabdo nāhamacetanaḥ |<br> | |||
tvacā kṣaṇavināśinyā prāpyo'prāpyo'yamanyathā || 15 ||<br> | |||
citprasādopalabdhātmā sparśo nāhamacetanaḥ |<br> | |||
labdhātmā jihvayā tuccho lolayā lolasattayā || 16 ||<br> | |||
svalpasyando dravyaniṣṭho raso nāhamacetanaḥ |<br> | |||
dṛśyadarśanayorlīnaṃ kṣayikṣaṇavināśinoḥ || 17 ||<br> | |||
kevale draṣṭari kṣīṇaṃ rūpaṃ nāhamacetanam |<br> | |||
nāsayā gandhajaḍayā kṣayiṇyā parikalpitaḥ || 18 ||<br> | |||
pelavo niyatākāro gandho nāhamacetanaḥ |<br> | |||
nirmamo'mananaḥ śānto gatapañcendriyabhramaḥ || 19 ||<br> | |||
śuddhacetana evāhaṃ kalākalanavarjitaḥ |<br> | |||
caityavarjitacinmātramahameṣo'vabhāsakaḥ || 20 ||<br> | |||
sabāhyābhyantaravyāpī niṣkalo'haṃ nirañjanaḥ |<br> | |||
nirvikalpacidābhāsa eka ātmāsmi sarvagaḥ || 21 ||<br> | |||
mayaiva cetaneneme sarve ghaṭapaṭādayaḥ |<br> | |||
sūryāntā avabhāsyante dīpenevātmatejasā || 22 ||<br> | |||
mayaivaitāḥ sphurantīha vicitrendriyavṛttayaḥ |<br> | |||
tejasāntaḥprakāśena yathāgnikaṇapaṅktayaḥ || 23 ||<br> | |||
anantānandasaṃbhogā paropaśamaśālinī |<br> | |||
śuddheyaṃ cinmayī dṛṣṭirjayatyakhiladṛṣṭiṣu || 24 ||<br> | |||
sarvabhāvāntarasthāya caityamuktacidātmane |<br> | |||
pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namo namaḥ || 25 ||<br> | |||
vicitrāḥ śaktayaḥ svacchāḥ samā yā nirvikārayā |<br> | |||
citā kriyante samayā kalākalanamuktayā || 26 ||<br> | |||
kālatrayamupekṣitryā hīnāyāścaityabandhanaiḥ |<br> | |||
citaścaityamupekṣitryāḥ samataivāvaśiṣyate || 27 ||<br> | |||
sā hi vācāmagamyatvādasattāmiva śāśvatīm |<br> | |||
nairātmasiddhātmadaśāmupayātaiva śiṣyate || 28 ||<br> | |||
īhānīhāmayairantaryā cidāvalitā malaiḥ |<br> | |||
sā cinnotpādituṃ śaktā pāśabaddheva pakṣiṇī || 29 ||<br> | |||
icchādveṣasamutthena dvandvamohena jantavaḥ |<br> | |||
dharāvivaramagnānāṃ kīṭānāṃ samatāṃ gatāḥ || 30 ||<br> | |||
ātmane'stu namo mahyamavicchinnacidātmane |<br> | |||
parāmṛṣṭo'smi labdho'smi prodito'smyacirādaham |<br> | |||
uddhṛto'smi vikalpebhyo yo'smi so'smi namo'stu te || 31 ||<br> | |||
tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane |<br> | |||
namastubhyaṃ pareśāya namo mahyaṃ śivāya ca || 32 ||<br> | |||
tiṣṭhannapi hi nāsīno gacchannapi na gacchati |<br> | |||
śānto'pi vyavahārasthaḥ kurvannapi na lipyate || 33 ||<br> | |||
sulabhaścāyamatyantaṃ sujñeyaścāptabandhuvat |<br> | |||
śarīrapadmakuhare sarveṣāmeva ṣaṭpadaḥ || 34 ||<br> | |||
na me bhogasthitau vāñchā na me bhogavisarjane |<br> | |||
yadāyāti tadāyātu yatprayāti prayātu tat || 35 ||<br> | |||
manasā manasi cchinne nirahaṃkāraṃ gate |<br> | |||
bhāvena galite bhāve svasthastiṣṭhāmi kevalaḥ || 36 ||<br> | |||
nirbhāvaṃ nirahaṃkāraṃ nirmanaskamanīhitam |<br> | |||
kevalāspandaśuddhātmanyeva tiṣṭhati me ripuḥ || 37 ||<br> | |||
tṛṣṇārajjugaṇaṃ chitvā maccharīrakapañjarāt |<br> | |||
na jāne kva gatoḍḍīya nirahaṃkārapakṣiṇī || 38 ||<br> | |||
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate |<br> | |||
yaḥ samaḥ sarvabhūteṣu jīvitaṃ tasya śobhate || 39 ||<br> | |||
yo'ntaḥśītalayā buddhyā rāgadveṣavimuktayā |<br> | |||
sākṣivatpaśyatīdaṃ hi jīvitaṃ tasya śobhate || 40 ||<br> | |||
yena samyakparijñāya heyopādeyamujjhatā |<br> | |||
cittasyānte'rpitaṃ cittaṃ jīvitaṃ tasya śobhate || 41 ||<br> | |||
grāhyagrāhakasaṃbandhe kṣīṇe śāntirudetyalam |<br> | |||
sthitimabhyāgatā śāntirmokṣanāmābhidhīyate || 42 ||<br> | |||
bhraṣṭabījopamā bhūyo janmāṅkuaravivarjitā |<br> | |||
hṛdi jīvadvimuktānāṃ śuddhā bhavati vāsanā || 43 ||<br> | |||
pāvanī paramodārā śuddhasattvānupātinī |<br> | |||
ātmadhyānamayī nityā suṣuptistheva tiṣṭhati || 44 ||<br> | |||
cetanaṃ cittariktaṃ hi pratyakcetanamucyate |<br> | |||
nirmanaskasvabhāvatvānna tatra kalanāmalam || 45 ||<br> | |||
sā satyatā sā śivatā sāvasthā pāramātmikī |<br> | |||
sarvajñatā sā saṃtṛptirnatu yatra manaḥ kṣatam || 46 ||<br> | |||
pralapanvisṛjangṛhṇannunmiṣannimiṣannapi |<br> | |||
nirastamananānandaḥ saṃvinmātraparo'smyaham || 47 ||<br> | |||
malaṃ saṃvedyamutsṛjya mano nirmūlayanparam |<br> | |||
āśāpāśānalaṃ chittvā saṃvinmātraparo'smyaham || 48 ||<br> | |||
aśubhāśubhasaṃkalpaḥ saṃśānto'smi nirāmayaḥ |<br> | |||
naṣṭeṣṭāniṣṭakalanaḥ saṃmātraparosmyaham || 49 ||<br> | |||
ātmatāparate tyaktvā nirvibhāgo jagatsthitau |<br> | |||
vajrastaṃbhavadātmānamavalaṃbya sthiro'smyaham || 50 ||<br> | |||
nirmalāyāṃ nirāśāyāṃ svasaṃvittau sthito'smyaham |<br> | |||
īhitānīhitairmukto heyopādeyavarjitaḥ || 51 ||<br> | |||
kadāntastoṣameṣyāmi svaprakāśapade sthitaḥ |<br> | |||
kadopaśāntamanano dharaṇīdharakandare || 52 ||<br> | |||
sameṣyāmi śilāsāmyaṃ nirvikalpasamādhinā |<br> | |||
niraṃśadhyānaviśrāntimūkasya mama mastake || 53 ||<br> | |||
kadā tārṇaṃ kariṣyanti kulāyaṃ vanaputrikāḥ |<br> | |||
saṃkalpapādapaṃ tṛṣṇālataṃ chittvā manovanam || 54 ||<br> | |||
vitatāṃ bhuvamāsādya viharābhi yathāsukham |<br> | |||
padaṃ tadanu yāto'smi kevalo'smi jayāmyaham || 55 ||<br> | |||
nirvāṇo'smi nirīho'smi niraṃśo'smi nirīpsitaḥ |<br> | |||
svacchatorjitatā sattā hṛdyatā satyatā jñatā || 56 ||<br> | |||
ānanditopaśamatā sadā pramuditoditā |<br> | |||
pūrṇatodāratā satyā kāntisattā sadaikatā || 57 ||<br> | |||
ityevaṃ cintayanbhikṣuḥ svarūpasthitimañjasā |<br> | |||
nirvikalpasvarūpajño nirvikalpo babhūva ha || 58 ||<br> | |||
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ |<br> | |||
na śūdrastrīpatitodakyā saṃbhāṣaṇam |<br> | |||
na yaterdevapūjanotsavadarśanam |<br> | |||
tasmānna saṃnyāsina eṣa lokaḥ |<br> | |||
āturakuṭīcakayorbhūlokabhuvarlokau |<br> | |||
bahūdakasya svargalokaḥ |<br> | |||
haṃsasya tapolokaḥ | paramahaṃsasya satyalokaḥ |<br> | |||
turīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva kaivalyaṃ<br> | |||
svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |<br> | |||
svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsa<br> | |||
uṣṭrakuṅkumabhāravadvyarthaḥ | na yogaśāstrapravṛttiḥ |<br> | |||
na sāṅkhyaśāstrābhyāsaḥ | na mantratantravyāpāraḥ |<br> | |||
netaraśāstrapravṛttiryaterasti | asti cecchavālaṅkārava-<br> | |||
tkarmācara vidyādūraḥ |<br> | |||
na parivrāṇnāmasaṅkīrtanaparo yadyatkarma karoti tattatphalamanubhavati |<br> | |||
eraṇḍatailaphenavatsarvaṃ parityajet | na devatāprasādagrahaṇam |<br> | |||
na bāhyadevābhyarcanaṃ kuryāt | svavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā<br> | |||
madhukaravṛttyāhāramāharankṛśībhūtvā medovṛddhimakurvanviharet |<br> | |||
mādhūkareṇa karapātreṇāsyapātreṇa vā kālaṃ nayet |<br> | |||
ātmasaṃmitamāhāramāharedātmavānyatiḥ |<br> | |||
āhārasya ca bhāgau dvau tṛtīyamudakasya ca |<br> | |||
vāyoḥ sañcaraṇārthāya caturthamavaśeṣayet || 59 ||<br> | |||
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |<br> | |||
nirīkṣante tvanudvignāstadgṛhaṃ yatnato vrajet || 60 ||<br> | |||
pañcasaptagṛhāṇāṃ tu bhikṣāmicchetkriyāvatām |<br> | |||
godohamātramākāṅkṣenniṣkrānto na punarvrajet || 61 ||<br> | |||
naktādvaraścopavāsa upavāsādayācitaḥ |<br> | |||
ayācitādvaraṃ bhaikṣyaṃ tasmātbhaikṣeṇa vardhayet || 62 ||<br> | |||
naiva savyāpasavyena bhikṣākāle viśedgṛhān |<br> | |||
nātikrāmedgṛhaṃ mohādyatra doṣo na vidyate || 63 ||<br> | |||
śrotriyānnaṃ na bhikṣeta śraddhābhaktibahiṣkṛtam |<br> | |||
vrātyasyāpi gṛhe bhikṣecchraddhābhaktipuraskṛte || 64 ||<br> | |||
mādhūkaramasaṅklṛptaṃ prākpraṇītamayācitam |<br> | |||
tātkālikaṃ copapannaṃ bhaikṣaṃ pañcavidhaṃ smṛtam || 65 ||<br> | |||
manaḥsaṅkalparahitāṃstrīngṛhānpañca sapta vā |<br> | |||
madhumakṣikavatkṛtvā mādhūkaramiti smṛtam || 66 ||<br> | |||
prātaḥkāle ca pūrvedyuryadbhaktaiḥ prāthitaṃ muhuḥ |<br> | |||
tadbhaikṣaṃ prākpraṇītaṃ syātsthitiṃ kuryāttathāpi vā || 67 ||<br> | |||
bhikṣāṭanasamudyogādyena kena nimantritam |<br> | |||
ayācitaṃ tu tadbhaikṣaṃ bhoktavyaṃ ca mumukṣubhiḥ || 68 ||<br> | |||
upasthānena yatproktaṃ bhikṣārthaṃ brāhmaṇena tat |<br> | |||
tātkālikamiti khyātaṃ bhoktavyaṃ yatibhistadā || 69 ||<br> | |||
siddhamannaṃ yadānītaṃ brāhmaṇena maṭhaṃ prati |<br> | |||
upapannamiti prāhurmunayo mokṣakāṅkṣiṇaḥ || 70 ||<br> | |||
carenmādhūkaraṃ bhaikṣaṃ yatirmlecchakulādapi |<br> | |||
ekānnaṃ natu bhuñjīta bṛhaspatisamādapi |<br> | |||
yācitāyācitābhyāṃ ca bhikṣābhyāṃ kalpayetsthitam || 71 ||<br> | |||
na vāyuḥ sparśadoṣeṇa nāgnirdahanakarmaṇā |<br> | |||
nāpo mūtrapurīṣābhyāṃ nānnadoṣeṇa maskarī || 72 ||<br> | |||
vidhūme sannamusale vyaṅgāre bhuktavajjane |<br> | |||
kāle'parāhṇe bhūyiṣṭhe bhikṣācaraṇamācaret || 73 ||<br> | |||
abhiśataṃ ca patitaṃ pāpaṇḍaṃ devapūjakam |<br> | |||
varjayitvā caredbhaikṣaṃ sarvavarṇeṣu cāpadi || 74 ||<br> | |||
ghṛtaṃ svamūtrasadṛśaṃ madhu syātsurayā samam |<br> | |||
tailaṃ sūkaramūtraṃ syātsūpaṃ laśunasaṃmitam || 75 ||<br> | |||
māṣāpūṣādi gomāṃsaṃ kṣīraṃ mūtrasamaṃ bhavet |<br> | |||
tasmātsarvaprayatnena ghṛtādīnvarjayedyatiḥ |<br> | |||
ghṛtasūpādisaṃyuktamannaṃ nādyātkadācana || 76 ||<br> | |||
pātramasya bhavetpāṇistena nityaṃ sthitiṃ nayet |<br> | |||
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret || 77 ||<br> | |||
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |<br> | |||
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 78 ||<br> | |||
ājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ palalamiva<br> | |||
gandhalepanamaśuddhalepanamiva kṣāramantyajamiva<br> | |||
vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva<br> | |||
mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva<br> | |||
jñātacaradeśaṃ caṇḍālavāṭikādiva striyamahimiva<br> | |||
suvarṇaṃ kālakūṭamiva sabhāsthalaṃ śmaśānasthalamiva<br> | |||
rājadhānīṃ kuṃbhīpākamiva śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na<br> | |||
devatārcanam | prapañcavṛttiṃ parityaya jīvanmukto bhavet ||<br> | |||
āsanaṃ pātralopaśca sañcayaḥ śiṣyasañcayaḥ |<br> | |||
divāsvāpo vṛthālāpo yaterbandhakarāṇi ṣaṭ || 79 ||<br> | |||
varṣābhyo'nyatra yatsthānamāsanaṃ tadudāhṛtam |<br> | |||
utkālābvādipātrāṇāmekasyāpīha saṅgrahaḥ || 80 ||<br> | |||
yateḥ saṃvyavaharāya pātralopaḥ sa ucyate |<br> | |||
gṛhītasya tu daṇḍāderdvitīyasya parigrahaḥ || 81 ||<br> | |||
kālāntaropabhogārthaṃ sañcayaḥ parikīrtitaḥ |<br> | |||
śuśrūṣālābhapūjārthaṃ yaśorthaṃ vā parigrahaḥ || 82 ||<br> | |||
śiṣyāṇāṃ natu kāruṇyācchiṣyasaṅgraha īritaḥ |<br> | |||
vidyā divā prakāśatvādavidyā rātrirucyate || 83 ||<br> | |||
vidyābhyāse pramādo yaḥ sa divāsvāpa ucyate |<br> | |||
ādhyātmikīṃ kathāṃ muktvā bhikṣāvārtāṃ vinā tathā || 84 ||<br> | |||
anugrahaṃ paripraśnaṃ vṛthājalpo'nya ucyate |<br> | |||
ekānnaṃ madamātsaryaṃ gandhapuṣpavibhūṣaṇam || 85 ||<br> | |||
tāmbūlābhyañjane krīḍā bhogākāṅkṣā rasāyanam |<br> | |||
katthanaṃ kutsanaṃ svasti jyotiśca krayavikrayam || 86 ||<br> | |||
kriyākarmavivādaśca guruvākyavilaṅghanam |<br> | |||
sandhiśca vigraho yānaṃ mañcakaṃ śuklavastrakam || 87 ||<br> | |||
śuklotsargo divāsvāpo bhikṣādhārastu taijasam |<br> | |||
viṣaṃ caivāyudhaṃ bījaṃ hiṃsāṃ taikṣṇyaṃ ca maithunam || 88 ||<br> | |||
tyaktaṃ saṃnyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam |<br> | |||
gotrādicaraṇaṃ sarvaṃ pitṛmātṛkulaṃ dhanam |<br> | |||
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ || 89 ||<br> | |||
sujīrṇo'pi sujīrṇāsu vidvāṃstrīṣu na viśvaset |<br> | |||
sujīrṇāsvapi kanthāsu sajjate jīrṇamambaram || 90 ||<br> | |||
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ bījaṃ taijasaṃ viṣamāyudham |<br> | |||
ṣaḍetāni na gṛhṇīyādyatirmūtrapurīṣavat || 91 ||<br> | |||
naivādadīta pātheyaṃ yatiḥ kiñcidanāpadi |<br> | |||
pakvamāpatsu gṛṇhīyādyāvadannaṃ na labhyate || 92 ||<br> | |||
nīrujaśca yuvā caiva bhikṣurnāvasathe vaset |<br> | |||
parārthaṃ na pratigrāhyaṃ na dadyācca kathañcana || 93 ||<br> | |||
dainyabhāvāttu bhūtānāṃ saubhagāya yatiścaret |<br> | |||
pakvaṃ vā yadi vā'pakvaṃ yācamāno vrajedadhaḥ || 94 ||<br> | |||
annapānaparo bhikṣurvastrādīnāṃ pratigrahī |<br> | |||
āvikaṃ vānāvikaṃ vā tathā paṭṭapaṭānapi || 95 ||<br> | |||
pratigṛhya yatiścaitānpatatyeva na saṃśayaḥ |<br> | |||
advaitaṃ nāvamāśritya jīvanmuktatvamāpnuyāt || 96 ||<br> | |||
vāgdaṇḍe maunamātiṣṭetkāyadaṇḍe tvabhojanam |<br> | |||
mānase tu kṛte daṇḍe prāṇāyāmo vidhīyate || 97 ||<br> | |||
karmaṇā badhyate janturvidyayā ca vimucyate |<br> | |||
tasmātkarma na kurvanti yatayaḥ pāradarśinaḥ || 98 ||<br> | |||
rathyāyāṃ bahuvastrāṇi bhikṣā sarvatra labhyate |<br> | |||
bhūmiḥ śayyāsti vistīrṇā yatayaḥ kena duḥkhitaḥ || 99 ||<br> | |||
prapañcamakhilaṃ yastu jñānāgnau juhuyādyatiḥ |<br> | |||
ātmanyagnīnsamāropya so'gnihotrī mahāyatiḥ || 100 ||<br> | |||
pravṛttirdvividhā proktā mārjārī caiva vānarī |<br> | |||
jñānābhyāsavatāmoturvānarībhāktvameva ca || 101 ||<br> | |||
nāpṛṣṭaḥ kasyacidbrūyānna cānyāyena pṛcchataḥ |<br> | |||
jānannapi hi medhāvī jaḍavallokamācaret || 102 ||<br> | |||
sarveṣāmeva pāpānāṃ saṅghāte samupasthite |<br> | |||
tāraṃ dvādaśasāhasramabhyasecchedanaṃ hi tat || 103 ||<br> | |||
yastu dvādaśasāhasraṃ praṇavaṃ japate'nvaham |<br> | |||
tasya dvādaśabhirmāsaiḥ paraṃ brahma prakāśate|| 104 ||<br> | |||
ityupaniṣat hariḥ oṃ tatsat || iti dvitīyo'dhyāyaḥ || 2 ||<br> | |||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ<br> | |||
śrotramatho balamindriyāṇi ca || sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ<br> | |||
māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇa-<br> | |||
mastvanirākaraṇaṃ mestu tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste<br> | |||
mayi santu te mayi santu | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||<br> | |||
iti saṃnyāsopaniṣatsamāptā ||<br> | |||
== Sannyasa Upanishad – vollständige deutsche Übersetzung == | |||
Eröffnungsvers Sannyasa Upanishad<br> | |||
Ich meditiere über mein eigenes Selbst, das durch die Sannyasa Upanishad erkannt wird, den Scharen der Entsagten als Grundlage dient und die Herrlichkeit des allen gemeinsamen reinen Seins ist. | |||
Shanti Mantra<br> | |||
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein, möge kein Zurückweisen für mich sein. Mögen die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin; mögen sie in mir sein. Om. Frieden, Frieden, Frieden. | |||
Erstes Kapitel – Sannyasa Vidhi<br> | |||
Nun folgt das erste Kapitel: die Vorschrift für den Eintritt in den Sannyasa. | |||
1.1 Prosaeinheit – Ankündigung der Lehre<br> | |||
Hari Om. Nun werden wir die Sannyasa Upanishad erklären. Wer in der vorgeschriebenen Reihenfolge entsagt, wird zu einem wahrhaft Entsagten. | |||
1.2 Prosaeinheit – Die Grundfrage<br> | |||
Was wird Sannyasa genannt, und wie wird ein Mensch zum Entsagten? | |||
1.3 Prosaeinheit – Zustimmung und Abschiedsopfer<br> | |||
Der Kandidat bereitet und schützt sich durch die vorgeschriebenen Riten. Nachdem er die Zustimmung von Mutter, Vater, Ehefrau, Söhnen und Angehörigen eingeholt und die beteiligten Priester ordnungsgemäß geehrt hat, soll er das Vaishvanara-Opfer darbringen und seinen gesamten Besitz weggeben. | |||
1.4 Prosaeinheit – Verinnerlichung der Opferfeuer<br> | |||
Er soll die Kühe des Opferherrn den Priestern zusammen mit allen Gefäßen übergeben. Die fünf Lebenskräfte – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – soll er meditativ in die fünf Opferfeuer, Ahavaniya, Garhapatya, Anvaharyapacana, Sabhya und Avasathya, zurücknehmen. | |||
1.5 Prosaeinheit – Haar, Opferschnur und Sohn<br> | |||
Er soll Haarschopf und Haare ablegen, die Opferschnur durchschneiden und mit Blick auf seinen Sohn sprechen: „Du bist das Opfer; du bist alles.“ | |||
1.6 Prosaeinheit – Aufbruch ohne Sohn<br> | |||
Hat er keinen Sohn, soll er über diesen Atman selbst meditieren und, ohne zurückzublicken, nach Osten oder Norden in die Wanderschaft ziehen. | |||
1.7 Prosaeinheit – Bettelgang<br> | |||
Er soll seinen Bettelgang bei den drei in der Quelle zugelassenen gesellschaftlichen Gruppen ausüben. | |||
1.8 Prosaeinheit – Die Hand als Schale<br> | |||
Er soll mit der Hand als einziger Schale seine Mahlzeit einnehmen. | |||
1.9 Prosaeinheit – Essen wie Medizin<br> | |||
Er soll das Essen wie eine medizinische Behandlung vollziehen und Nahrung wie Medizin zu sich nehmen. | |||
1.10 Prosaeinheit – Maßvolle Nahrung<br> | |||
Er soll essen, was er erhält, allein um die Lebenskraft zu erhalten, und zwar so, dass keine Zunahme von Körperfett entsteht. | |||
1.11 Prosaeinheit – Aufenthaltsdauer<br> | |||
Schlank geworden, soll er in einem Dorf nur eine Nacht und in einer Stadt fünf Nächte bleiben; während der vier Regenmonate darf er in einem Dorf oder einer Stadt verweilen. | |||
1.12 Prosaeinheit – Kleidung und Askese<br> | |||
Er soll nur ein abgetragenes Gewand oder Rindenkleid annehmen und nichts anderes. Ist er dazu nicht imstande und erträgt dadurch Not, gilt dieses Ertragen als Askese. | |||
1.13 Prosaeinheit – Die inneren Kennzeichen<br> | |||
Über den, der so stufenweise entsagt oder diese Wahrheit erkennt, fragt man: „Was ist seine Opferschnur? Was ist sein Haarschopf? Wie vollzieht er die rituelle Reinigung?“ | |||
1.14 Prosaeinheit – Meditation als Opferschnur<br> | |||
Darauf lautet die Antwort: „Seine Opferschnur ist die Meditation über den Atman; Erkenntnis ist sein Haarschopf. Mit dem überall verfügbaren Wasser vollzieht er das Notwendige, sein Bauch ist sein Gefäß und das Ufer sein Aufenthaltsort.“ | |||
1.15 Prosaeinheit – Die Frage nach Tag und Nacht<br> | |||
Die Brahman-Kenner fragen: „Wie vollzieht er nach Sonnenuntergang seine rituelle Reinigung?“ | |||
1.16 Prosaeinheit – Jenseits der Zeitgegensätze<br> | |||
Er antwortete ihnen: „Wie am Tage, so in der Nacht; für ihn gibt es weder Nacht noch Tag.“ Auch dies ist von einem Rishi gesagt worden. | |||
1.17 Prosaeinheit – Der eine Tag<br> | |||
„Für ihn wird es wahrlich zu einem einzigen, ungeteilten Tag.“ Wer dies erkennt, sammelt durch diese Einsicht sein Wesen im Atman. | |||
Kolophon des ersten Kapitels<br> | |||
So endet das erste Kapitel. | |||
Zweites Kapitel<br> | |||
Nun folgt das zweite Kapitel. | |||
Quellenüberschrift – Eignung zum Sannyasa<br> | |||
Der zur Entsagung Berechtigte. | |||
2.1 Prosaeinheit – Voraussetzungen<br> | |||
Om. Wer die vierzig traditionellen Samskaras empfangen hat, in jeder Hinsicht leidenschaftslos geworden ist, Reinheit des Geistes erlangt, Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrannt hat und mit den vier Mitteln zur Befreiung ausgestattet ist, ist zum Sannyasa berechtigt. | |||
Quellenüberschrift – Merkmale des Gefallenen<br> | |||
Kennzeichen eines aus der Ordensdisziplin Gefallenen. | |||
1. Vers<br> | |||
Wer den festen Entschluss zum Sannyasa gefasst hat, ihn dann aber nicht ausführt, soll lediglich eine Kricchra-Sühne vollziehen; danach ist er erneut zur Entsagung berechtigt. | |||
2. Vers<br> | |||
Wer einen anderen aus dem Sannyasa herausfallen lässt, wer einem Gefallenen erneut Sannyasa erteilt und wer die Entsagung behindert – diese drei gelten als gefallen. | |||
2.2 Prosaeinheit – Historische Ausschlussliste<br> | |||
Es folgt eine historische Ausschlussliste: Genannt werden unter anderem sexuell oder körperlich andersartige Menschen, Gefallene, Kinder, Gehörlose und Stumme, Menschen mit Krankheiten, Vertreter bestimmter religiöser Gruppen, bezahlte Lehrer, Menschen ohne Opferfeuer und Nichtgläubige. Selbst bei vorhandener Leidenschaftslosigkeit galten sie in dieser Ordensordnung nicht als zum Sannyasa berechtigt. | |||
2.3 Prosaeinheit – Mahavakya-Unterweisung<br> | |||
Selbst wenn solche Menschen formal entsagt hatten, galten sie nach dieser Regel nicht als berechtigt zur Unterweisung in den Mahavakyas. | |||
3. Vers<br> | |||
Ein Nachkomme eines aus dem Entsagungsstand Gefallenen, ein Mensch mit entstellten Nägeln oder verfärbten Zähnen, ein Trunksüchtiger sowie ein körperlich schwer Beeinträchtigter soll nach dieser historischen Regel nicht Sannyasa empfangen. | |||
4. Vers<br> | |||
Menschen, die jüngst vom vorgeschriebenen Weg abgefallen sind, schwere Vergehen begangen haben, außerhalb der Initiationsordnung stehen oder öffentlich angeklagt sind, soll man nach dieser Regel nicht in den Sannyasa aufnehmen. | |||
5. Vers<br> | |||
Wer Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium aufgegeben hat und von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen ist, soll nach der überlieferten Vorschrift nicht zum Sannyasa zugelassen werden. | |||
2.4 Prosaeinheit – Ausnahme bei Todesnähe<br> | |||
Diese gelten nicht als zum Sannyasa berechtigt; bei einem todkranken Menschen darf jedoch der abgekürzte Notsannyasa ohne die übliche Stufenfolge vollzogen werden. | |||
2.5 Prosaeinheit – Ablegen der Zeichen<br> | |||
Mit der Formel „Om Bhuh Svaha“ soll er den Haarschopf entfernen; die Opferschnur soll er ablegen und nicht länger außerhalb des Körpers tragen. | |||
2.6 Prosaeinheit – Dreifache Entsagungserklärung<br> | |||
Mit der Bitte „Schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht“ soll er die Opferschnur durchschneiden. Mit „Om Bhuh Svaha“ legt er Gewand und Hüftschnur im Wasser ab und spricht dreimal: „Von mir ist entsagt worden.“ | |||
6. Vers<br> | |||
Beim Anblick eines zweimalgeborenen Sannyasin weicht selbst die Sonne von ihrem Platz und denkt: „Dieser wird meinen Kreis durchbrechen und das höchste Brahman erlangen.“ | |||
7. Vers<br> | |||
Der Weise, von dem ausgesprochen wird: „Er hat entsagt“, erhebt sechzig vergangene und sechzig zukünftige Generationen seiner Familie. | |||
8. Vers<br> | |||
Alle Fehler, die aus der Nachkommenschaft oder aus dem Körper hervorgegangen sind, verbrennt das Feuer der Entsagungsformel vollständig – wie ein Läuterungsfeuer das Gold von Schlacken reinigt. | |||
2.7 Prosaeinheit – Annahme des Stabes<br> | |||
Mit den Worten „Freund, beschütze mich“ soll er den Stab annehmen. | |||
9. Vers<br> | |||
Der Stab soll aus Bambus sein, angenehm, noch mit Rinde versehen und gleichmäßige Knoten haben; er soll an einem heiligen Ort gewachsen und von vielfältigen Verunreinigungen gereinigt sein. | |||
10. Vers<br> | |||
Der Yati soll einen Stab tragen, der weder verbrannt noch von Insekten beschädigt ist, durch seine Knoten schön erscheint und bis zur Nase, zu den Augenbrauen oder bis zum Scheitel reicht. | |||
11. Vers<br> | |||
Die Verbindung zwischen Stab und Selbst wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben. Der Verständige soll ohne den Stab nicht einmal die Strecke von drei Pfeilschüssen gehen. | |||
2.8 Prosaeinheit – Annahme des Kamandalu<br> | |||
Mit der Anrufung „Mutter, du Leben der Welt und Grundlage des Lebens, sprich zu mir, du Allgütige“ soll er das Kamandalu annehmen. In den Stand des Yoga eingeweiht, möge er in innerer Freiheit wandern. | |||
12. Vers<br> | |||
Gib Dharma und Adharma auf; gib Wahrheit und Unwahrheit als Gegensatzpaar auf. Nachdem du beide – Wahrheit und Unwahrheit – losgelassen hast, lass auch dasjenige los, womit du sie loslässt. | |||
2.9 Prosaeinheit – Vier Arten des Sannyasa<br> | |||
Vier Arten werden unterschieden: der Entsagte aus Leidenschaftslosigkeit, der Entsagte aus Erkenntnis, der Entsagte aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sowie der Entsagte gemäß der rituellen Lebensordnung. | |||
2.10 Prosaeinheit – Vairagya-Sannyasin<br> | |||
Wer durch die besondere Reife früherer guter Handlungen frei von Verlangen nach sichtbaren und nur aus Überlieferung bekannten Genüssen geworden ist und deshalb entsagt, ist ein Vairagya-Sannyasin. | |||
2.11 Prosaeinheit – Jnana-Sannyasin<br> | |||
Wer durch Schrifterkenntnis und durch das Hören von den durch Schuld und Verdienst erlangten Welten von der Erscheinungswelt zurücktritt, Körperprägung, Schriftgelehrsamkeit und Weltverlangen aufgibt, jede nach außen gerichtete Geschäftigkeit wie erbrochene Speise als abzuwerfen betrachtet, die vier Mittel besitzt und dann entsagt, ist ein Jnana-Sannyasin. | |||
2.12 Prosaeinheit – Jnana-Vairagya-Sannyasin<br> | |||
Wer schrittweise alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sein wahres Wesen erforscht, nur noch den Körper als Restbesitz behält und ohne äußere Hülle entsagt, ist ein Jnana-Vairagya-Sannyasin. | |||
2.13 Prosaeinheit – Karma-Sannyasin<br> | |||
Wer Brahmacharya beendet hat, Haushälter geworden ist, in den Vanaprastha-Ashrama eingetreten ist und schließlich auch ohne spontan entstandenes Vairagya gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien entsagt, ist ein Karma-Sannyasin. | |||
2.14 Prosaeinheit – Sechs Stufen der Entsagung<br> | |||
Dieser Sannyasa hat sechs Formen: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta. | |||
2.15 Prosaeinheit – Kutichaka<br> | |||
Der Kutichaka trägt Haarschopf, Opferschnur, Stab und Wassergefäß sowie Lendenschurz, Tuch und Flickengewand. Er verehrt Vater, Mutter und Guru, besitzt nur wenige notwendige Geräte, nimmt Nahrung an einem Ort, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den dreifachen Stab. | |||
2.16 Prosaeinheit – Bahudaka<br> | |||
Der Bahudaka trägt Haarschopf und Flickengewand sowie das dreifache Stirnzeichen. Im Übrigen gleicht er dem Kutichaka; er lebt nach Art der Honigbiene und isst acht Bissen. | |||
2.17 Prosaeinheit – Hamsa<br> | |||
Der Hamsa trägt verfilztes Haar, ein dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen, lebt von unverabredetem Bienenalmosen und trägt einen Lendenschurz sowie ein zerrissenes Stoffstück. | |||
2.18 Prosaeinheit – Paramahamsa<br> | |||
Der Paramahamsa besitzt weder Haarschopf noch Opferschnur. Er bettelt bei fünf Häusern und benutzt die Hand als Schale. Er trägt nur einen Lendenschurz und gegebenenfalls ein Tuch und einen Bambusstab; alternativ trägt er ein einziges Gewand, bestreicht sich mit Asche und ist allem Besitz entsagend. | |||
2.19 Prosaeinheit – Turiyatita<br> | |||
Der Turiyatita nimmt wie eine Kuh unmittelbar mit dem Mund auf, was ihm zukommt, und lebt von Früchten. Isst er gekochte Nahrung, nimmt er sie nur bei drei Häusern. Er besitzt allein den Körper, ist mit den Himmelsrichtungen bekleidet und betrachtet den Körper wie einen Leichnam. | |||
2.20 Prosaeinheit – Avadhuta<br> | |||
Der Avadhuta folgt keinen äußeren Besitzregeln mehr. Unter Meidung der in seiner Ordensregel ausgeschlossenen Quellen nimmt er Nahrung bei allen gesellschaftlichen Gruppen nach Art einer reglos wartenden Python-Schlange an und widmet sich ganz der Erforschung seines wahren Wesens. | |||
13. Vers<br> | |||
Diese Welt mit Bäumen, Gräsern und Bergen bin ich nicht. Was äußerlich und völlig unbewusst ist – wie könnte ich, das allgegenwärtige Bewusstsein, dies sein? | |||
14. Vers<br> | |||
Der Körper, der sich schon nach kurzer Zeit auflöst und ohne Bewusstsein ist, bin ich nicht. Auch das nur augenblicklich durch die leblose Ohrmuschel vorgestellte Hören bin ich nicht. | |||
15. Vers<br> | |||
Der Klang, dessen Gestalt leer und dessen Auftreten vergänglich ist, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Auch das durch die augenblicklich vergehende Haut erfasste oder nicht erfasste Tastbare bin ich nicht. | |||
16. Vers<br> | |||
Die Berührung, deren Natur nur durch die Helligkeit des Bewusstseins erkannt wird, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ebenso wenig bin ich der geringfügige Geschmack, den die ruhelose Zunge in ihrer Beweglichkeit erfasst. | |||
17. Vers<br> | |||
Der Geschmack, ein geringer, an einer Substanz haftender Ausfluss, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Die sichtbare Form geht im Verhältnis von Sehen und Gesehenem auf, die beide vergänglich und augenblicklich sind. | |||
18. Vers<br> | |||
Wenn Sehen und Gesehenes vergehen, löst sich die Form im reinen Seher auf; die unbewusste Form bin ich nicht. Auch der von der leblosen, vergänglichen Nase vorgestellte Geruch bin ich nicht. | |||
19. Vers<br> | |||
Der schwache, fest umrissene Geruch ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ich bin ohne Besitzdenken und begriffliches Messen, still und frei vom Irrtum der fünf Sinne. | |||
20. Vers<br> | |||
Ich bin einzig reines Bewusstsein, frei von Zeit, Teilen und Berechnung. Ich bin dieses bloße Bewusstsein ohne gedachte Objekte – der Erleuchter aller Erfahrungen. | |||
21. Vers<br> | |||
Innen und außen alles durchdringend, bin ich ohne Teile und ohne Makel. Als nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins bin ich der eine, allgegenwärtige Atman. | |||
22. Vers<br> | |||
Durch mich als Bewusstsein werden alle Dinge – Töpfe, Tücher und alles bis hin zur Sonne – offenbar, so wie Gegenstände durch eine Lampe, hier aber durch das Licht des Selbst. | |||
23. Vers<br> | |||
Durch mich allein leuchten hier die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne auf – durch das innere Licht, wie Reihen von Funken aus dem Feuer. | |||
24. Vers<br> | |||
Diese reine, aus Bewusstsein bestehende Schau triumphiert über alle begrenzten Sichtweisen: Sie genießt unendliche Glückseligkeit und ruht in höchstem Frieden. | |||
25. Vers<br> | |||
Immer wieder verneige ich mich vor mir selbst: vor dem, der im Inneren aller Zustände wohnt, vor dem Bewusstseinsselbst ohne gedachte Objekte, vor der Gestalt des nach innen gerichteten Bewusstseins. | |||
26. Vers<br> | |||
Die vielfältigen Kräfte werden durch das unveränderliche Bewusstsein, das frei von zeitlicher Einteilung und Berechnung ist, klar, ausgeglichen und in Einklang gebracht. | |||
27. Vers<br> | |||
Wenn Bewusstsein die drei Zeiten unbeachtet lässt und von der Bindung an Objekte frei ist, bleibt allein seine Gleichheit zurück – die Gelassenheit des Bewusstseins gegenüber allem Gedachten. | |||
28. Vers<br> | |||
Weil diese Wirklichkeit für Worte unerreichbar ist, erscheint sie wie ein ewiges Nichtsein. Was bleibt, ist allein der Zustand, in dem das begrenzte Ich erloschen und das wahre Selbst verwirklicht ist. | |||
29. Vers<br> | |||
Ist das Bewusstsein innerlich von den Unreinheiten des Strebens und Nichtstrebens umhüllt, kann es seine freie Leuchtkraft nicht entfalten – wie ein Vogel, der in einer Schlinge gebunden ist. | |||
30. Vers<br> | |||
Durch den aus Begehren und Abneigung entstehenden Wahn der Gegensätze sinken die Wesen auf den Zustand von Würmern herab, die in Erdspalten stecken. | |||
31. Vers<br> | |||
Verehrung sei mir selbst, dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst! Ich bin berührt, gefunden und in kurzer Zeit zum Licht gekommen; ich bin aus allen gedanklichen Alternativen emporgehoben. Ich bin, der ich bin – Verehrung sei dir, meinem Selbst! | |||
32. Vers<br> | |||
Verehrung dir, der du ich bist, dem Unendlichen; Verehrung mir, der ich du bin, dem Bewusstseinsselbst. Verehrung dir, dem höchsten Herrn, und Verehrung mir, dem Segensreichen. | |||
33. Vers<br> | |||
Obwohl er steht, steht er nicht festgebunden; obwohl er geht, geht das Selbst nicht. Obwohl er still ist, bewegt er sich im Alltag; obwohl er handelt, wird er nicht befleckt. | |||
34. Vers<br> | |||
Dieses Selbst ist außerordentlich leicht zugänglich und wie ein vertrauter Angehöriger gut zu erkennen. Es ist die Biene in der Höhle des Körperlotus aller Wesen. | |||
35. Vers<br> | |||
Ich verlange weder danach, im Genuss zu verbleiben, noch danach, ihn gewaltsam fortzuwerfen. Was kommt, mag kommen; was geht, mag gehen. | |||
36. Vers<br> | |||
Wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist und der Ich-Gedanke gegangen ist, wenn alles Vorgestellte in seinem Grund erloschen ist, verweile ich allein in meinem eigenen Wesen. | |||
37. Vers<br> | |||
Frei von Vorstellungen, Ich-Gedanken, Geist und Absicht ruht selbst mein früherer Feind, der Geist, nun im reinen Selbst, das allein und ohne Regung ist. | |||
38. Vers<br> | |||
Nachdem sie das Bündel der Durstseile aus dem Käfig meines Körpers durchschnitten hat, ist der ichlose Vogel davongeflogen; ich weiß nicht, wohin. | |||
39. Vers<br> | |||
Schön und sinnvoll ist das Leben dessen, der keinen ichhaften Anspruch erhebt, dessen Einsicht unbefleckt bleibt und der allen Wesen gegenüber gleich ist. | |||
40. Vers<br> | |||
Schön ist das Leben dessen, der mit innerlich kühler, von Anhaftung und Abneigung freier Einsicht diese Welt wie ein Zeuge betrachtet. | |||
41. Vers<br> | |||
Schön ist das Leben dessen, der Anzunehmendes und Aufzugebendes richtig erkannt und hinter sich gelassen und den Geist am Ende des Geistes selbst dargebracht hat. | |||
42. Vers<br> | |||
Wenn die Beziehung zwischen Erfasstem und Erfasser erschöpft ist, geht vollkommener Frieden auf. Dieser zur Festigkeit gelangte Frieden wird Befreiung genannt. | |||
43. Vers<br> | |||
Im Herzen der zu Lebzeiten Befreiten bleibt eine reine Prägung zurück, die einem unfruchtbar gewordenen Samen gleicht und keinen neuen Keim der Geburt hervorbringt. | |||
44. Vers<br> | |||
Diese Prägung ist reinigend, höchst edel und folgt dem reinen Sattva. Sie besteht immer aus Meditation über das Selbst und ruht wie im Tiefschlaf. | |||
45. Vers<br> | |||
Bewusstsein, das vom Gedankenstrom leer ist, wird nach innen gerichtetes Bewusstsein genannt. Weil sein Wesen frei vom gewöhnlichen Geist ist, gibt es dort keinen Makel begrifflicher Einteilung. | |||
46. Vers<br> | |||
Das ist Wahrhaftigkeit, das ist Segenskraft, das ist der höchste Zustand des Selbst; das ist Allwissenheit und vollkommene Zufriedenheit – dort ist der Geist nicht mehr verletzt oder zerrissen. | |||
47. Vers<br> | |||
Ob ich spreche, ausscheide, ergreife, die Augen öffne oder schließe: Frei vom Denken ruhe ich in Glückseligkeit und bin ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben. | |||
48. Vers<br> | |||
Ich lasse die Verunreinigung des Erkennbaren los, entwurzele den Geist vollständig und durchtrenne das brennende Fesselwerk der Hoffnungen. So bin ich ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben. | |||
49. Vers<br> | |||
Die Vorstellungen von günstig und ungünstig sind zur Ruhe gekommen; ich bin friedvoll und heil. Die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; ich ruhe im bloßen Sein und Bewusstsein. | |||
50. Vers<br> | |||
Nachdem ich die Trennung von Selbst und Anderem aufgegeben habe, bin ich innerhalb der Weltordnung ungeteilt. Auf das Selbst gestützt wie auf eine Diamantsäule stehe ich fest. | |||
51. Vers<br> | |||
Ich ruhe in meiner makellosen, erwartungsfreien Selbsterkenntnis. Von Gewolltem wie Ungewolltem frei, bin ich jenseits von Verwerfen und Ergreifen. | |||
52. Vers<br> | |||
Wann werde ich, im Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet, die innere Zufriedenheit erlangen? Wann wird mein Denken in einer Berghöhle vollkommen zur Ruhe kommen? | |||
53. Vers<br> | |||
Wann werde ich durch den begriffslosen Samadhi die Unbewegtheit eines Felsens erlangen und in ungeteilter Meditation ruhen – so still, dass mein schweigendes Haupt unbewegt bleibt? | |||
54. Vers<br> | |||
Wann werden die Vögel des Waldes auf meinem Haupt ein Nest aus Gras bauen? Nachdem du den Baum der Vorstellungen und die Ranke des Durstes gefällt hast, durchstreife den Wald des Geistes. | |||
55. Vers<br> | |||
Nachdem du die weite Erde erreicht hast, wandere frei und nach Herzensruhe. Ich aber bin jenem Zustand gefolgt und habe ihn erreicht; ich bin allein und ungeteilt – ich habe gesiegt. | |||
56. Vers<br> | |||
Ich bin im Nirvana, frei von Streben, ohne Teile und ohne Verlangen. Klarheit, Kraft, Sein, Herzensgüte, Wahrhaftigkeit und Erkenntnis sind in mir gegenwärtig. | |||
57. Vers<br> | |||
Freude und Frieden, beständig aufleuchtende Heiterkeit, Fülle, Großherzigkeit, Wahrheit, Ausstrahlung, Sein und immerwährende Einheit – all dies kennzeichnet diesen Zustand. | |||
58. Vers<br> | |||
Indem der Bettelmönch so kontempliert, gelangt er mühelos zur Festigkeit in seinem wahren Wesen. Weil er die nichtbegriffliche Natur des Selbst erkennt, wird er selbst frei von gedanklicher Unterscheidung. | |||
2.21 Prosaeinheit – Notsannyasa<br> | |||
Bleibt ein Schwerkranker am Leben, soll anschließend der vollständige Sannyasa in der vorgeschriebenen Ordnung vollzogen werden. | |||
2.22 Prosaeinheit – Historisches Kontaktverbot<br> | |||
Die vormoderne Ordensregel verbietet Gespräche mit als Shudras, Frauen, Gefallene oder rituell Unreine bezeichneten Menschen. | |||
2.23 Prosaeinheit – Festbesuche<br> | |||
Ein Yati soll nicht zum Zuschauen bei Tempelverehrungen und Festen gehen. | |||
2.24 Prosaeinheit – Nicht für diese Welt<br> | |||
Daher ist diese gewöhnliche Welt nicht mehr die eigentliche Heimat des Sannyasin. | |||
2.25 Prosaeinheit – Welten von Atura und Kutichaka<br> | |||
Dem Notsannyasin und dem Kutichaka werden Bhurloka beziehungsweise Bhuvarloka zugeordnet. | |||
2.26 Prosaeinheit – Welt des Bahudaka<br> | |||
Dem Bahudaka wird die Himmelswelt zugeordnet. | |||
2.27 Prosaeinheit – Welten von Hamsa und Paramahamsa<br> | |||
Dem Hamsa wird Tapoloka, dem Paramahamsa Satyaloka zugeordnet. | |||
2.28 Prosaeinheit – Kaivalya von Turiyatita und Avadhuta<br> | |||
Für Turiyatita und Avadhuta besteht Kaivalya im eigenen Atman selbst. Durch ununterbrochene Erforschung des wahren Wesens werden sie diesem gleich – nach dem traditionellen Gleichnis von Raupe und Wespe. | |||
2.29 Prosaeinheit – Vorrang der Selbsterforschung<br> | |||
Das Studium anderer Lehren ohne die Erforschung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine kostbare Safranlast auf dem Rücken eines Kamels, das ihren Wert nicht erkennt. | |||
2.30 Prosaeinheit – Kein technischer Yoga als Selbstzweck<br> | |||
Der voll entsagte Yati soll sich nicht in der bloßen Beschäftigung mit technischen Yoga-Lehrbüchern verlieren. | |||
2.31 Prosaeinheit – Kein Sankhya-Studium als Selbstzweck<br> | |||
Ebenso soll das Studium der Sankhya-Schriften nicht zum bloßen Selbstzweck werden. | |||
2.32 Prosaeinheit – Kein Mantra-Tantra-Geschäft<br> | |||
Auch soll der Yati kein Geschäft aus Mantras und Tantras machen. | |||
2.33 Prosaeinheit – Andere Wissenschaften<br> | |||
Für den Yati soll es keine zerstreuende Beschäftigung mit weiteren Wissenschaften geben. | |||
2.34 Prosaeinheit – Wissen ohne Verwirklichung<br> | |||
Besteht diese bloß äußere Beschäftigung dennoch, gleicht sie Schmuck an einem Leichnam; wer nur Handlungen vollzieht, bleibt von verwirklichter Erkenntnis fern. | |||
2.35 Prosaeinheit – Rezitation und Karma<br> | |||
Ein Wandermönch soll nicht allein der lauten Wiederholung von Namen ergeben sein; jede Handlung, die er aus bindender Absicht vollzieht, bringt ihm die entsprechende Folge. | |||
2.36 Prosaeinheit – Vollständiges Loslassen<br> | |||
Wie der Schaum des Rizinusöls spurlos zerfällt, soll er alles vollständig loslassen. | |||
2.37 Prosaeinheit – Keine Tempelgaben<br> | |||
Er soll keine als Tempelgabe dargebrachte Speise oder Gabe für sich beanspruchen. | |||
2.38 Prosaeinheit – Verinnerlichte Verehrung<br> | |||
Er soll keine äußere Gottheitsverehrung mehr vollziehen, weil die Verehrung für ihn vollständig verinnerlicht ist. | |||
2.39 Prosaeinheit – Leben von Madhukara-Almosen<br> | |||
Nachdem er alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgegeben hat, soll er Nahrung nach Art der Honigbiene sammeln, schlank bleiben, keine Fettzunahme verursachen und frei wandern. | |||
2.40 Prosaeinheit – Gefäßlosigkeit<br> | |||
Mit Bienenalmosen und der Hand oder dem Mund als Schale soll er seine Tage verbringen. | |||
2.41 Prosaeinheit – Nahrung nach rechtem Maß<br> | |||
Der selbstbeherrschte Yati soll Nahrung nur in einem dem eigenen Bedarf angemessenen Maß aufnehmen. | |||
59. Vers<br> | |||
Zwei Viertel des Magens soll der Entsagte mit Nahrung füllen und ein drittes mit Wasser; das vierte lasse er frei, damit der Atem sich bewegen kann. | |||
60. Vers<br> | |||
Er soll stets von Almosen leben und niemals nur aus einem einzigen Haushalt essen. Sorgfältig soll er zu einem Haus gehen, dessen Bewohner ihn ruhig und ohne Unwillen erwarten. | |||
61. Vers<br> | |||
Er soll bei fünf oder sieben pflichtbewussten Haushalten um Almosen bitten. Nur die Zeit eines Melkens soll er warten; ist er fortgegangen, kehre er nicht zurück. | |||
62. Vers<br> | |||
Besser als nur nachts zu essen ist das Fasten; besser als Fasten ist ungebeten erhaltene Nahrung; besser als ungebeten erhaltene Nahrung ist das regelgerechte Bettelmahl. Darum soll er sein Leben durch Almosen erhalten. | |||
63. Vers<br> | |||
Zur Zeit des Bettelgangs soll er die Häuser weder nach rechts noch nach links systematisch ablaufen. Aus Verblendung soll er kein Haus übergehen, an dem kein erkennbarer Makel besteht. | |||
64. Vers<br> | |||
Er soll keine Speise bei einem schriftgelehrten Menschen erbitten, wenn dort Vertrauen und Hingabe fehlen. Selbst im Haus eines außerhalb der Initiationsordnung Stehenden darf er Almosen nehmen, wenn Vertrauen und Hingabe vorausgehen. | |||
65. Vers<br> | |||
Fünf Arten des Almosens werden gelehrt: das „Bienenalmosen“, das nicht vorher verabredete, das zuvor angebotene, das im Augenblick angebotene und das von selbst zugebrachte. | |||
66. Vers<br> | |||
Wenn der Entsagte ohne vorherige Absicht zu drei, fünf oder sieben Häusern geht und wie eine Honigbiene jeweils nur wenig nimmt, wird dies Madhukara genannt. | |||
67. Vers<br> | |||
Was Verehrende am Morgen oder schon am Vortag wiederholt angeboten haben, gilt als zuvor dargebrachtes Almosen; auch damit darf der Entsagte sein Leben erhalten. | |||
68. Vers<br> | |||
Wird er, sobald er sich zum Bettelgang anschickt, von irgendjemandem eingeladen, gilt dieses Almosen als ungebeten; ein nach Befreiung Strebender darf es annehmen. | |||
69. Vers<br> | |||
Was ein Brahmane bei der unmittelbaren Begegnung als Almosen anbietet, wird „im Augenblick erhalten“ genannt; der Entsagte darf es dann essen. | |||
70. Vers<br> | |||
Wenn ein Brahmane fertig zubereitete Nahrung in das Kloster bringt, nennen die nach Befreiung strebenden Weisen dies „von selbst zugekommenes“ Almosen. | |||
71. Vers<br> | |||
Ein Yati darf das Bienenalmosen sogar bei einer als fremd geltenden Familie sammeln, soll aber niemals nur von einem einzigen Haushalt essen – selbst wenn dieser dem Brihaspati gliche. Aus erbetenen und ungebetenen Gaben soll er seinen Lebensunterhalt gestalten. | |||
72. Vers<br> | |||
Wie der Wind nicht durch Berührung, das Feuer nicht durch Verbrennen und das Wasser nicht durch Urin oder Kot verunreinigt wird, so wird der Stabträger nicht durch einen bloßen Fehler der Nahrung befleckt. | |||
73. Vers<br> | |||
Wenn der Rauch verschwunden ist, der Mörser ruht, die Kohlen erloschen sind und die Menschen gegessen haben, soll der Entsagte möglichst am späten Nachmittag seinen Bettelgang ausführen. | |||
74. Vers<br> | |||
Nach dieser historischen Ordensregel soll er Verfluchte, Gefallene, Andersgläubige und berufsmäßige Tempelpriester meiden; in einer Notlage darf er jedoch bei Angehörigen aller gesellschaftlichen Gruppen um Almosen gehen. | |||
75. Vers<br> | |||
Der Text verlangt strenge Nahrungsentsagung: Ghee sei wie eigener Urin anzusehen, Honig wie Alkohol, Öl wie Schweineurin und gewürzte Brühe wie Knoblauch. | |||
76. Vers<br> | |||
Gerichte aus schwarzen Bohnen und Kuchen sowie Ähnliches gelten hier wie Rindfleisch, Milch wie Urin. Deshalb soll der Yati Ghee und Ähnliches mit größter Sorgfalt meiden und niemals Speise essen, die mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbunden ist. | |||
77. Vers<br> | |||
Seine Hand soll sein Gefäß sein; mit ihr soll er sein Leben beständig führen. Der wandernde Yogi, dessen Hand die Schale ist, soll nicht mehrfach am Tag um Almosen gehen. | |||
78. Vers<br> | |||
Wenn der Muni Nahrung mit dem Mund sucht wie eine Kuh und dabei allen gegenüber gleich bleibt, wird er zur Unsterblichkeit befähigt. | |||
2.42 Prosaeinheit – Radikale Gleichnisse der Entsagung<br> | |||
In einer bewusst drastischen Bildreihe soll der Entsagte Ghee wie Blut, Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch, Duftsalbe wie Schmutz, scharfe Würze wie soziale Ächtung, Kleidung wie ein benutztes Gefäß, Einölen wie sexuelle Bindung, schmeichelnde Freundschaft wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, vertraute Gegenden wie einen Ort der Ausgestoßenen, sexuelle Verlockung wie eine Schlange, Gold wie tödliches Gift, Versammlungsorte wie Verbrennungsstätten und Königshöfe wie eine Höllenqual meiden. Er soll weder von nur einem Haushalt leben noch äußere Gottheitsverehrung zu seinem neuen Besitz machen. | |||
2.43 Prosaeinheit – Jivanmukti<br> | |||
Indem er die bindende Bewegung der Erscheinungswelt vollständig aufgibt, soll er zu einem zu Lebzeiten Befreiten werden. | |||
79. Vers<br> | |||
Sechs Dinge binden den Yati: ein fester Wohnsitz, das Ansammeln von Gefäßen, Vorratshaltung, das Ansammeln von Schülern, Schlaf am Tage und leeres Gerede. | |||
80. Vers<br> | |||
Als „fester Sitz“ gilt ein Aufenthalt außerhalb der Regenzeit. Als Überschreitung beim Gefäßbesitz gilt hier schon das Sammeln auch nur eines der genannten zusätzlichen Gefäße. | |||
81. Vers<br> | |||
Das wird als Überschreitung des Gefäßgebrauchs eines Yati bezeichnet. Auch die Annahme eines zweiten Stücks von einem bereits besessenen Gegenstand wie dem Stab gehört dazu. | |||
82. Vers<br> | |||
Was für späteren Gebrauch zurückgelegt wird, heißt Vorrat. Schüler um des Bedientwerdens, des Gewinns, der Verehrung oder des Ruhmes willen anzunehmen, heißt Schüleransammlung. | |||
83. Vers<br> | |||
Schüler nur aus Mitgefühl anzunehmen, wird dagegen nicht als Schüleransammlung verurteilt. Weil Erkenntnis Licht ist, heißt sie Tag; Nichtwissen wird Nacht genannt. | |||
84. Vers<br> | |||
Nachlässigkeit im Studium der Erkenntnis wird „Schlaf am Tage“ genannt. Außer einem spirituellen Gespräch und der notwendigen Mitteilung über Almosen soll der Yati unnötige Gespräche meiden. | |||
85. Vers<br> | |||
Eine Segnung und eine ernsthafte Frage sind ausgenommen; anderes Reden heißt leeres Geschwätz. Nahrung nur aus einem Haus, Stolz, Neid sowie Schmuck mit Duftstoffen und Blumen gehören zu den weiteren Hindernissen. | |||
86. Vers<br> | |||
Betelkauen, Einölen, Spiele, Verlangen nach Genuss, Verjüngungsmittel, Prahlen, Herabsetzen anderer, weltliche Segensrituale, Astrologie sowie Kaufen und Verkaufen sind zu meiden. | |||
87. Vers<br> | |||
Streit über Riten und Handlungen, Übertretung des Guru-Wortes, Bündnisse und Feindschaften, Fahrzeuge, erhöhte Betten und weiße Kleidung sind für diesen Entsagungsorden ebenfalls untersagt. | |||
88. Vers<br> | |||
Samenerguss, Schlaf am Tage und ein metallisches Almosengefäß, ferner Gift, Waffen, Saatgut, Gewalt, Härte und Geschlechtsverkehr werden in dieser strengen Ordensregel verworfen. | |||
89. Vers<br> | |||
Durch den Yoga des Sannyasa sind häusliche Pflichten und Gelübde, alle Regeln von Herkunft und Familie, die Bindungen an väterliche und mütterliche Linie sowie Besitz aufgegeben. Wer diese untersagten Dinge weiter pflegt, sinkt nach der Lehre des Textes herab. | |||
90. Vers<br> | |||
Selbst wenn er sehr erfahren ist, soll der Gelehrte nach der asketischen Warnung nicht auf sexuelle Nähe vertrauen: Selbst an sehr abgetragenen Flickendecken bleibt ein altes Gewand leicht hängen. | |||
91. Vers<br> | |||
Ein Yati soll sechs Dinge so meiden wie Urin und Kot: unbewegliches und bewegliches Saatgut beziehungsweise Besitz, Metall, Gift und Waffen. | |||
92. Vers<br> | |||
Außer in einer Notlage soll ein Yati keinerlei Reisevorrat annehmen. In Notzeiten darf er gekochte Nahrung mitnehmen, bis wieder Essen erhältlich ist. | |||
93. Vers<br> | |||
Ein gesunder und junger Bettelmönch soll nicht in einer Herberge oder einem dauerhaften Haus wohnen. Für andere soll er nichts annehmen und unter keinen Umständen etwas weitergeben, was ihm als Entsagtem anvertraut wurde. | |||
94. Vers<br> | |||
Aus Mitgefühl für die Bedrängnis der Wesen und zu ihrem Wohl soll der Yati wandern. Wer jedoch gezielt gekochte oder ungekochte Vorräte verlangt, fällt nach dieser Ordensregel von seinem Gelübde ab. | |||
95. Vers<br> | |||
Ein Bettelmönch, der vor allem auf Essen und Trinken aus ist und Kleider und andere Dinge annimmt – seien sie aus Wolle, aus anderem Stoff oder sogar aus Seide –, gefährdet seine Entsagung. | |||
96. Vers<br> | |||
Nimmt der Yati solche Dinge an, fällt er ohne Zweifel aus seiner Disziplin. Wenn er dagegen das Boot der Nichtdualität besteigt, kann er Befreiung zu Lebzeiten erlangen. | |||
97. Vers<br> | |||
Als Zügel der Sprache soll er Schweigen üben, als Zügel des Körpers Fasten. Wird der Geist gezügelt, ist dafür Pranayama vorgesehen. | |||
98. Vers<br> | |||
Durch Handeln wird das Lebewesen gebunden, durch Erkenntnis wird es befreit. Deshalb verrichten Entsagte, die das jenseitige Ufer schauen, kein bindendes Ritualhandeln. | |||
99. Vers<br> | |||
Auf den Wegen finden sich viele weggeworfene Kleidungsstücke, und Almosen gibt es überall; die weite Erde dient als Lager. Wodurch sollten Entsagte da unglücklich sein? | |||
100. Vers<br> | |||
Der Yati, der die gesamte Erscheinungswelt in das Feuer der Erkenntnis opfert und die Opferfeuer in den eigenen Atman zurücknimmt, ist der wahre Agnihotrin und ein großer Entsagter. | |||
101. Vers<br> | |||
Zwei Arten des geistlichen Fortschritts werden gelehrt: der Weg der Katze und der Weg des Affen. Für Menschen, die Erkenntnis beständig üben, wird hier besonders der Affenweg – das eigene beharrliche Festhalten an der Lehre – hervorgehoben. | |||
102. Vers<br> | |||
Ungefragt soll er zu niemandem sprechen und auch dem nicht antworten, der in ungehöriger Weise fragt. Obwohl der Einsichtige die Antwort kennt, soll er sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten. | |||
103. Vers<br> | |||
Wenn sich die Folgen aller Verfehlungen zu einem großen Bündel verdichtet haben, soll man den rettenden Laut Om zwölftausendmal üben; dies durchschneidet jene Bindung. | |||
104. Vers<br> | |||
Wer Tag für Tag den Pranava zwölftausendmal wiederholt, dem offenbart sich nach zwölf Monaten das höchste Brahman. | |||
Kolophon des zweiten Kapitels<br> | |||
So lautet die Upanishad. Hari Om Tat Sat. So endet das zweite Kapitel. | |||
Abschließendes Shanti Mantra<br> | |||
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein. Mögen die Lehren der Upanishaden in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin. Om. Frieden, Frieden, Frieden. | |||
Schlusskolophon<br> | |||
So endet die Sannyasa Upanishad. | |||
== Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Sannyasa Upanishad == | |||
* Betrachte Nahrung, Besitz und Anerkennung als Mittel, nicht als Identität. | |||
* Verbinde [[Vairagya]] mit [[Jnana]]: Loslassen wird stabil, wenn sein innerer Grund verstanden wird. | |||
* Beobachte Sinneserfahrungen und erkenne das unveränderliche Bewusstsein, in dem sie erscheinen. | |||
* Sammle weder Wissen noch Menschen zur Vergrößerung des Ego; spirituelle Begleitung soll Freiheit fördern. | |||
* Übernimm historische Askesevorschriften nicht unkritisch, sondern verwirkliche ihre ethische Mitte: Einfachheit, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl. | |||
== Literatur und Quellen == | |||
* Patrick Olivelle: ''The Samnyasa Upanisads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation''. Oxford University Press, New York 1992. | |||
* Joachim Friedrich Sprockhoff: ''Saṃnyāsa: Quellenstudien zur Askese im Hinduismus''. Wiesbaden 1976. | |||
* Paul Deussen: ''Sechzig Upanishad’s des Veda''. Brockhaus, Leipzig 1897. | |||
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/sanyasa.html Sanskrit Documents: Sannyasa Upanishad] – Sanskrittext der verwendeten vollständigen Fassung. | |||
* [https://www.celextel.org/upanishads-sama-veda/sannyasa-upanishad/ Celextel: Sannyasa Upanishad] – englische Vergleichsübersetzung nach A. A. Ramanathan. | |||
==Sannyasa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen== | ==Sannyasa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen== | ||
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*[[Vedanta]] | *[[Vedanta]] | ||
*[[Vedanta Schulen]] | *[[Vedanta Schulen]] | ||
*[[ | * [[Sannyasa]] | ||
*[[ | * [[Vairagya]] | ||
* [[Jivanmukta]] | |||
* [[Paramahamsa]] | |||
* [[Avadhuta]] | |||
* [[Advaita Vedanta]] | |||
* [[Pranava]] | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
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==Seminare== | ==Seminare== | ||
===Yoga und Meditation Intensiv-Praxis=== | ===[https://https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/yoga-und-meditation-intensiv-praxis/ Yoga und Meditation Intensiv-Praxis]=== | ||
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==Multimedia== | ==Multimedia== | ||
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'''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden''' | '''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden''' | ||
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'''111 Geschichten aus den Upanishaden''' | '''111 Geschichten aus den Upanishaden''' | ||
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[[Kategorie:Upanishaden]] | [[Kategorie:Upanishaden]] | ||
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[[Kategorie:Deussen Upanishaden]] | [[Kategorie:Deussen Upanishaden]] | ||
[[Kategorie:Sannyasa Upanishaden]] | [[Kategorie:Sannyasa Upanishaden]] | ||
Aktuelle Version vom 31. August 2026, 16:22 Uhr
Die Sannyasa Upanishad (Sanskrit: संन्यासोपनिषत्, Saṃnyāsopaniṣat f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Sannyasa Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Sannyasa Upanishaden zugeordnet. Sie spricht über die vier Lebensstadien, insbesondere den Übergang vom Haushälter zum Waldeseinsiedler.
Die Sannyasa Upanishad ist eine umfangreiche Upanishad des Samaveda und steht in der Muktika-Liste an 65. Stelle. Sie verbindet genaue Regeln des altindischen Entsagungsordens mit einer tiefen Lehre des Advaita Vedanta: Der äußere Verzicht soll in die unmittelbare Erkenntnis führen, dass der Atman reines, ungeteiltes Bewusstsein ist.
Die hier verwendete Sanskritfassung besitzt zwei Kapitel. Das erste ist eine zusammenhängende Prosalehre über den Eintritt in den Sannyasa. Das zweite enthält 104 ausdrücklich nummerierte Verse und zahlreiche eingeschobene Prosapassagen. In der Studienfassung wird deshalb jeder der 104 Verse einzeln übersetzt und Wort für Wort erläutert; auch jede eigenständige Prosalehre erhält ihren eigenen Block. Die Kapitelzahlen in den Kolophonen werden nicht fälschlich als zusätzliche Verse gezählt.

Der Text enthält auch zeitgebundene Ausschlussregeln, soziale Hierarchien, ein problematisches Frauenbild und extreme Speisevorschriften. Sie werden hier genau wiedergegeben, aber historisch eingeordnet. Ihre bleibende spirituelle Mitte liegt in Vairagya, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit, Einfachheit und Selbsterkenntnis. In diesem Sinne können Yoga und Meditation auch heutigen Menschen helfen, innere Abhängigkeiten zu erkennen und schrittweise loszulassen.
Sannyasa Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die Studienfassung folgt der echten Gliederung der Sanskritquelle. Jeder der 104 nummerierten Verse des zweiten Kapitels steht einzeln mit eigener Übersetzung und eigener Wort-für-Wort-Erläuterung. Die langen Prosateile sind an vollständigen Satz- und Sinneinheiten geteilt; ihre Zwischenüberschriften sind redaktionelle Orientierungshilfen, keine erfundenen Verszahlen.
Eröffnungsvers Sannyasa Upanishad
saṃnyāsopaniṣadvedyaṃ saṃnyāsipaṭalāśrayam |
sattāsāmānyavibhavaṃ svamātramiti bhāvaye ||
Ich meditiere über mein eigenes Selbst, das durch die Sannyasa Upanishad erkannt wird, den Scharen der Entsagten als Grundlage dient und die Herrlichkeit des allen gemeinsamen reinen Seins ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyāsa-upaniṣad-vedyam – durch die Sannyasa Upanishad zu erkennen; saṃnyāsi-paṭala-āśrayam – Grundlage der Scharen der Entsagten; sattā-sāmānya-vibhavam – Herrlichkeit des allen gemeinsamen Seins; sva-mātram – das eigene Selbst allein; iti bhāvaye – so meditiere ich.
Shanti Mantra
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ śrotramatho balamindriyāṇi ca ||
sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇamastvanirākaraṇaṃ mestu
tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste mayi santu te mayi santu |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein, möge kein Zurückweisen für mich sein. Mögen die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin; mögen sie in mir sein. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āpyāyantu – mögen erstarken; mama aṅgāni – meine Glieder; vāk-prāṇa-cakṣuḥ-śrotram – Sprache, Lebenshauch, Auge und Ohr; bala-indriyāṇi ca – Kraft und Sinne; sarvam brahma-upaniṣadam – alles ist das Brahman der Upanishaden; mā aham brahma nirākuryām – möge ich Brahman nicht zurückweisen; mā mā brahma nirākarot – möge Brahman mich nicht zurückweisen; anirākaraṇam astu – möge kein Zurückweisen sein; tat-ātmani nirate – in mir, der dem Atman hingegeben ist; upaniṣatsu dharmāḥ – die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften; mayi santu – mögen in mir sein; śāntiḥ – Frieden.
Erstes Kapitel – Sannyasa Vidhi
atha prathamo'dhyāyaḥ | saṃnyāsavidhiḥ |
Nun folgt das erste Kapitel: die Vorschrift für den Eintritt in den Sannyasa.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun; prathamaḥ adhyāyaḥ – erstes Kapitel; saṃnyāsa-vidhiḥ – Vorschrift beziehungsweise Ritus der Entsagung.
1.1 Prosaeinheit – Ankündigung der Lehre
hariḥ oṃ athātaḥ saṃnyāsopaniṣadaṃ vyākhyāsyāmo yo'nukrameṇa saṃnyasyati sa saṃnyasto bhavati |
Hari Om. Nun werden wir die Sannyasa Upanishad erklären. Wer in der vorgeschriebenen Reihenfolge entsagt, wird zu einem wahrhaft Entsagten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: hariḥ oṃ – Hari Om; atha ataḥ – nun also; saṃnyāsa-upaniṣadam vyākhyāsyāmaḥ – wir werden die Sannyasa Upanishad erklären; yaḥ anukrameṇa saṃnyasyati – wer in der richtigen Reihenfolge entsagt; saḥ saṃnyastaḥ bhavati – der wird ein Entsagter.
1.2 Prosaeinheit – Die Grundfrage
ko'yaṃ saṃnyāsa ucyate kathaṃ saṃnyasto bhavati |
Was wird Sannyasa genannt, und wie wird ein Mensch zum Entsagten?
Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ ayam – was ist dieser; saṃnyāsaḥ ucyate – wird Entsagung genannt; katham – wie; saṃnyastaḥ bhavati – wird man zum Entsagten?
1.3 Prosaeinheit – Zustimmung und Abschiedsopfer
ya ātmānaṃ kriyābhirguptaṃ karoti mātaraṃ pitaraṃ bhāryāṃ putrānbandhūnanumodayitvā ye cāsyartvijastānsarvāṃśca pūrvavatprāṇitvā vaiśvānareṣṭiṃ nirvapetsarvasvaṃ dadyād |
Der Kandidat bereitet und schützt sich durch die vorgeschriebenen Riten. Nachdem er die Zustimmung von Mutter, Vater, Ehefrau, Söhnen und Angehörigen eingeholt und die beteiligten Priester ordnungsgemäß geehrt hat, soll er das Vaishvanara-Opfer darbringen und seinen gesamten Besitz weggeben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; ātmānam kriyābhiḥ guptam karoti – sich durch Riten vorbereitet und schützt; mātaram pitaram bhāryām putrān bandhūn anumodayitvā – die Zustimmung von Mutter, Vater, Frau, Söhnen und Verwandten eingeholt habend; ṛtvijaḥ – Opferpriester; pūrvavat prāṇitvā – wie vorgeschrieben geehrt beziehungsweise entlassen habend; vaiśvānara-iṣṭim nirvapet – soll das Vaishvanara-Opfer darbringen; sarvasvam dadyāt – soll alles verschenken.
1.4 Prosaeinheit – Verinnerlichung der Opferfeuer
yajamānasya gā ṛtvijaḥ sarvaiḥ pātraiḥ samāropya yadāhavanīye gārhapatye vānvāhāryapacane sabhyāvasathyośca prāṇāpānavyānodānasamānānsarvānsarveṣu samāropayet |
Er soll die Kühe des Opferherrn den Priestern zusammen mit allen Gefäßen übergeben. Die fünf Lebenskräfte – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – soll er meditativ in die fünf Opferfeuer, Ahavaniya, Garhapatya, Anvaharyapacana, Sabhya und Avasathya, zurücknehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yajamānasya gāḥ – die Kühe des Opferherrn; ṛtvijaḥ – den Priestern; sarvaiḥ pātraiḥ samāropya – mit allen Gefäßen übergeben habend; āhavanīye gārhapatye anvāhāryapacane sabhya-āvasathyoḥ ca – in die fünf genannten Opferfeuer; prāṇa-apāna-vyāna-udāna-samānān – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana; sarvān sarveṣu samāropayet – soll er alle in alle übertragen.
1.5 Prosaeinheit – Haar, Opferschnur und Sohn
saśikhānkeśānvisṛjya yajñopavītaṃ chittvā putraṃ dṛṣṭvā tvaṃ yajñastvaṃ sarvamityanumantrayet |
Er soll Haarschopf und Haare ablegen, die Opferschnur durchschneiden und mit Blick auf seinen Sohn sprechen: „Du bist das Opfer; du bist alles.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa-śikhān keśān visṛjya – Haare samt Haarschopf ablegend; yajñopavītam chittvā – die heilige Opferschnur durchschneidend; putram dṛṣṭvā – den Sohn anblickend; tvam yajñaḥ – du bist das Opfer; tvam sarvam – du bist alles; iti anumantrayet – so soll er ihn ansprechen.
1.6 Prosaeinheit – Aufbruch ohne Sohn
yadyaputro bhavatyātmānamevemaṃ dhyātvā'navekṣamāṇaḥ prācīmudīciṃ vā diśaṃ pravrajecca |
Hat er keinen Sohn, soll er über diesen Atman selbst meditieren und, ohne zurückzublicken, nach Osten oder Norden in die Wanderschaft ziehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yadi aputraḥ bhavati – wenn er ohne Sohn ist; ātmānam eva imam dhyātvā – über eben diesen Atman meditierend; anavekṣamāṇaḥ – nicht zurückblickend; prācīm udīcīm vā diśam – in östliche oder nördliche Richtung; pravrajet ca – soll er fortziehen.
1.7 Prosaeinheit – Bettelgang
triṣu varṇeṣu bhikṣācaryaṃ caret |
Er soll seinen Bettelgang bei den drei in der Quelle zugelassenen gesellschaftlichen Gruppen ausüben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: triṣu varṇeṣu – bei drei Varnas beziehungsweise gesellschaftlichen Gruppen; bhikṣā-caryam caret – soll er den Bettelgang ausüben. Dies ist eine historische Sozialregel.
1.8 Prosaeinheit – Die Hand als Schale
pāṇipātreṇāśanaṃ kuryāt |
Er soll mit der Hand als einziger Schale seine Mahlzeit einnehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pāṇi-pātreṇa – mit der Hand als Gefäß; aśanam kuryāt – soll er die Mahlzeit einnehmen.
1.9 Prosaeinheit – Essen wie Medizin
auṣadhavadaśanamācaret | auṣadhavadaśanaṃ prāśnīyāt |
Er soll das Essen wie eine medizinische Behandlung vollziehen und Nahrung wie Medizin zu sich nehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: auṣadha-vat – wie Medizin; aśanam ācaret – soll er das Essen vollziehen; aśanam prāśnīyāt – soll er Nahrung zu sich nehmen.
1.10 Prosaeinheit – Maßvolle Nahrung
yathālābhamaśnīyātprāṇasandhāraṇārthaṃ yathā medovṛddhirna jāyate |
Er soll essen, was er erhält, allein um die Lebenskraft zu erhalten, und zwar so, dass keine Zunahme von Körperfett entsteht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā-lābham aśnīyāt – er soll gemäß dem Erhaltenen essen; prāṇa-sandhāraṇa-artham – zum Erhalt der Lebenskraft; yathā medaḥ-vṛddhiḥ na jāyate – so, dass keine Fettzunahme entsteht.
1.11 Prosaeinheit – Aufenthaltsdauer
kṛśībhūtvā grāmaikarātraṃ nagare pañcarātraṃ caturomāsānvārṣikāngrāme vā nagare vāpi vaset |
Schlank geworden, soll er in einem Dorf nur eine Nacht und in einer Stadt fünf Nächte bleiben; während der vier Regenmonate darf er in einem Dorf oder einer Stadt verweilen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kṛśī-bhūtvā – schlank geworden; grāme eka-rātram – eine Nacht im Dorf; nagare pañca-rātram – fünf Nächte in der Stadt; caturaḥ māsān vārṣikān – die vier Regenmonate; grāme vā nagare vā api vaset – darf er in Dorf oder Stadt bleiben.
1.12 Prosaeinheit – Kleidung und Askese
viśīrṇavastraṃ valkalaṃ vā pratigṛhṇīyānānyatpratigṛhṇīyādyadyaśakto bhavati kleśatastapyate tapa iti |
Er soll nur ein abgetragenes Gewand oder Rindenkleid annehmen und nichts anderes. Ist er dazu nicht imstande und erträgt dadurch Not, gilt dieses Ertragen als Askese.
Wort-für-Wort-Erläuterung: viśīrṇa-vastram – abgetragenes Gewand; valkalam vā – oder Rindenkleid; pratigṛhṇīyāt – soll er annehmen; na anyat – nichts anderes; yadi aśaktaḥ bhavati – wenn er nicht imstande ist; kleśataḥ tapyate – durch Mühsal geläutert wird; tapaḥ iti – das gilt als Askese.
1.13 Prosaeinheit – Die inneren Kennzeichen
yo vā evaṃ krameṇa saṃnyasyati yo vā evaṃ paśyati kimasya yajñopavītaṃ kāsya śikhā kathaṃ vāsyopasparśanamiti |
Über den, der so stufenweise entsagt oder diese Wahrheit erkennt, fragt man: „Was ist seine Opferschnur? Was ist sein Haarschopf? Wie vollzieht er die rituelle Reinigung?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ vā evam krameṇa saṃnyasyati – wer so stufenweise entsagt; yaḥ vā evam paśyati – oder wer so erkennt; kim asya yajñopavītam – was ist seine Opferschnur; kā asya śikhā – was ist sein Haarschopf; katham vā asya upasparśanam – wie vollzieht er die rituelle Reinigung; iti – so lautet die Frage.
1.14 Prosaeinheit – Meditation als Opferschnur
taṃ hovācedamevāsya tadyajñopavītaṃ yadātmadhyānaṃ vidyā śikhā nīraiḥ sarvatrāvasthitaiḥ kāryaṃ nirvartayannudarapātreṇa jalatīre niketanam |
Darauf lautet die Antwort: „Seine Opferschnur ist die Meditation über den Atman; Erkenntnis ist sein Haarschopf. Mit dem überall verfügbaren Wasser vollzieht er das Notwendige, sein Bauch ist sein Gefäß und das Ufer sein Aufenthaltsort.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam ha uvāca – zu ihm sprach man; idam eva asya yajñopavītam – dies allein ist seine Opferschnur; yat ātma-dhyānam – nämlich Meditation über den Atman; vidyā śikhā – Erkenntnis ist der Haarschopf; nīraiḥ sarvatra avasthitaiḥ – mit überall vorhandenem Wasser; kāryam nirvartayan – das Notwendige ausführend; udara-pātreṇa – mit dem Bauch als Gefäß; jala-tīre niketanam – mit dem Ufer als Wohnort.
1.15 Prosaeinheit – Die Frage nach Tag und Nacht
brahmavādino vadantyastamita āditye kathaṃ vāsyopasparśanamiti |
Die Brahman-Kenner fragen: „Wie vollzieht er nach Sonnenuntergang seine rituelle Reinigung?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma-vādinaḥ vadanti – die über Brahman Lehrenden fragen; astamite āditye – wenn die Sonne untergegangen ist; katham vā asya upasparśanam – wie ist dann seine rituelle Reinigung; iti – so.
1.16 Prosaeinheit – Jenseits der Zeitgegensätze
tānhovāca yathāhani tathā rātrau nāsya naktaṃ na divā tadapyetadṛṣiṇoktam |
Er antwortete ihnen: „Wie am Tage, so in der Nacht; für ihn gibt es weder Nacht noch Tag.“ Auch dies ist von einem Rishi gesagt worden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tān ha uvāca – zu ihnen sprach er; yathā ahani tathā rātrau – wie am Tag, so in der Nacht; na asya naktam – für ihn gibt es keine Nacht; na divā – keinen Tag; tat api etat ṛṣiṇā uktam – auch dies ist von einem Rishi gesagt worden.
1.17 Prosaeinheit – Der eine Tag
sakṛddivā haivāsmai bhavatīti | ya evaṃvidvānetenātmānaṃ saṃdhatte ||
„Für ihn wird es wahrlich zu einem einzigen, ungeteilten Tag.“ Wer dies erkennt, sammelt durch diese Einsicht sein Wesen im Atman.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sakṛt divā – ein einziger Tag; ha eva asmai bhavati – wird wahrlich für ihn; iti – so; yaḥ evam-vidvān – wer dies erkennt; etena – dadurch; ātmānam saṃdhatte – sammelt beziehungsweise verbindet das Selbst.
Kolophon des ersten Kapitels
iti prathamo'dhyāyaḥ || 1 ||
So endet das erste Kapitel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; prathamaḥ adhyāyaḥ – erstes Kapitel.
Zweites Kapitel
atha dvitīyo'dhyāyaḥ |
Nun folgt das zweite Kapitel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun; dvitīyaḥ adhyāyaḥ – zweites Kapitel.
Quellenüberschrift – Eignung zum Sannyasa
saṃnyāsādhikārī
Der zur Entsagung Berechtigte.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyāsa – Entsagung; adhikārī – der Berechtigte, Geeignete.
2.1 Prosaeinheit – Voraussetzungen
oṃ catvāriṃṣatsaṃskārasampannaḥ sarvato viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṃkāraṃ dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampanna eva saṃnyastumarhati |
Om. Wer die vierzig traditionellen Samskaras empfangen hat, in jeder Hinsicht leidenschaftslos geworden ist, Reinheit des Geistes erlangt, Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrannt hat und mit den vier Mitteln zur Befreiung ausgestattet ist, ist zum Sannyasa berechtigt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: catvāriṃśat-saṃskāra-sampannaḥ – mit den vierzig traditionellen Samskaras versehen; sarvataḥ viraktaḥ – in jeder Hinsicht leidenschaftslos; citta-śuddhim etya – Reinheit des Geistes erlangend; āśā-asūyā-īrṣyā-ahaṃkāram dagdhvā – Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrennend; sādhana-catuṣṭaya-sampannaḥ – mit den vier Mitteln zur Befreiung versehen; eva saṃnyastum arhati – allein der ist zur Entsagung berechtigt.
Quellenüberschrift – Merkmale des Gefallenen
patitalakṣaṇam
Kennzeichen eines aus der Ordensdisziplin Gefallenen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: patita – gefallen, aus der Disziplin herausgefallen; lakṣaṇam – Kennzeichen.
1. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
saṃnyāsaṃ niścayaṃ kṛtvā punarna ca karoti yaḥ |
sa kuryātkṛcchramātraṃ tu punaḥ saṃnyastumarhati || 1 ||
Wer den festen Entschluss zum Sannyasa gefasst hat, ihn dann aber nicht ausführt, soll lediglich eine Kricchra-Sühne vollziehen; danach ist er erneut zur Entsagung berechtigt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyāsam niścayam kṛtvā – den festen Entschluss zur Entsagung gefasst habend; punaḥ na ca karoti yaḥ – wer ihn dann nicht ausführt; saḥ kuryāt – der soll vollziehen; kṛcchra-mātram – lediglich die Kricchra-Sühne; tu – jedoch; punaḥ saṃnyastum arhati – ist danach wieder berechtigt zu entsagen.
2. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
saṃnyāsaṃ pātayedyastu patitaṃ nyāsayettu yaḥ |
saṃnyāsavighnakartā ca trīnetānpatitānviduḥ || 2 || iti ||
Wer einen anderen aus dem Sannyasa herausfallen lässt, wer einem Gefallenen erneut Sannyasa erteilt und wer die Entsagung behindert – diese drei gelten als gefallen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyāsam pātayet yaḥ – wer die Entsagung zu Fall bringt; tu – aber; patitam nyāsayet yaḥ – wer einen Gefallenen erneut in den Entsagungsstand einsetzt; saṃnyāsa-vighna-kartā – wer Hindernisse für Sannyasa schafft; ca – und; trīn etān – diese drei; patitān viduḥ – kennt man als Gefallene; iti – so endet die Bestimmung.
2.2 Prosaeinheit – Historische Ausschlussliste
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako mūkaḥ pāṣaṇḍaścakrī liṅgī kuṣṭhī vaikhānasaharadvijau bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko nāstiko vairāgyavanto'pyete na saṃnyāsārhāḥ |
Es folgt eine historische Ausschlussliste: Genannt werden unter anderem sexuell oder körperlich andersartige Menschen, Gefallene, Kinder, Gehörlose und Stumme, Menschen mit Krankheiten, Vertreter bestimmter religiöser Gruppen, bezahlte Lehrer, Menschen ohne Opferfeuer und Nichtgläubige. Selbst bei vorhandener Leidenschaftslosigkeit galten sie in dieser Ordensordnung nicht als zum Sannyasa berechtigt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣaṇḍaḥ – ein als geschlechtsunfähig bezeichneter Mensch; patitaḥ – ein Gefallener; aṅga-vikalaḥ – körperlich beeinträchtigt; straiṇaḥ – ein als verweiblicht bezeichneter Mann; badhiraḥ – gehörlos; arbhakaḥ – Kind; mūkaḥ – stumm; pāṣaṇḍaḥ, cakrī, liṅgī, vaikhānasa – Vertreter unterschiedlicher, aus Sicht der Quelle nicht zugelassener Gruppen; kuṣṭhī – an einer schweren Hautkrankheit leidend; bhṛtaka-adhyāpakaḥ – bezahlter Lehrer; anagnikaḥ – ohne Opferfeuer; nāstikaḥ – Nichtgläubiger; vairāgyavantaḥ api – selbst wenn leidenschaftslos; na saṃnyāsa-arhāḥ – nicht zum Sannyasa berechtigt. Die Liste ist diskriminierend und wird hier als historische Textaussage, nicht als heutige Norm wiedergegeben.
2.3 Prosaeinheit – Mahavakya-Unterweisung
saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśe nādhikāriṇaḥ ||
Selbst wenn solche Menschen formal entsagt hatten, galten sie nach dieser Regel nicht als berechtigt zur Unterweisung in den Mahavakyas.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyastāḥ yadi api – selbst wenn sie entsagt haben; mahā-vākya-upadeśe – zur Unterweisung in den großen upanishadischen Sätzen; na adhikāriṇaḥ – nicht berechtigt. Auch diese Aussage ist historisch zu kontextualisieren.
3. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ārūḍhapatitāpatyaṃ kunakhī śyāvadantakaḥ |
kṣībastathāṅgavikalo naiva saṃnyastumarhati || 3 ||
Ein Nachkomme eines aus dem Entsagungsstand Gefallenen, ein Mensch mit entstellten Nägeln oder verfärbten Zähnen, ein Trunksüchtiger sowie ein körperlich schwer Beeinträchtigter soll nach dieser historischen Regel nicht Sannyasa empfangen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ārūḍha-patita-apatyam – Nachkomme eines nach Eintritt in den Entsagungsstand Gefallenen; kunakhī – jemand mit entstellten Nägeln; śyāva-dantakaḥ – jemand mit dunklen beziehungsweise verfärbten Zähnen; kṣībaḥ – Trunksüchtiger, berauschter Mensch; tathā – ebenso; aṅga-vikalaḥ – körperlich schwer beeinträchtigt; na eva – keineswegs; saṃnyastum arhati – soll beziehungsweise darf entsagen. Die Aussage gibt eine vormoderne Ausschlussregel wieder, keine heutige Bewertung menschlicher Würde.
4. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sampratyavasitānāṃ ca mahāpātakināṃ tathā |
vrātyānāmabhiśastānāṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 4 ||
Menschen, die jüngst vom vorgeschriebenen Weg abgefallen sind, schwere Vergehen begangen haben, außerhalb der Initiationsordnung stehen oder öffentlich angeklagt sind, soll man nach dieser Regel nicht in den Sannyasa aufnehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: samprati-avasitānām – der jüngst Abgefallenen; ca – und; mahā-pātakinām – der schweren Sünder; tathā – ebenso; vrātyānām – der aus der Initiationsordnung Herausgefallenen; abhiśastānām – der öffentlich Beschuldigten; saṃnyāsam na kārayet – man soll die Entsagung nicht vollziehen lassen.
5. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vratayajñatapodānahomasvādhyāyavarjitam |
satyaśaucaparibhraṣṭaṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 5 ||
Wer Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium aufgegeben hat und von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen ist, soll nach der überlieferten Vorschrift nicht zum Sannyasa zugelassen werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vrata-yajña-tapaḥ-dāna-homa-svādhyāya-varjitam – frei von beziehungsweise ohne Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium; satya-śauca-paribhraṣṭam – von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen; saṃnyāsam na kārayet – man soll ihn nicht zum Sannyasa führen.
2.4 Prosaeinheit – Ausnahme bei Todesnähe
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam |
Diese gelten nicht als zum Sannyasa berechtigt; bei einem todkranken Menschen darf jedoch der abgekürzte Notsannyasa ohne die übliche Stufenfolge vollzogen werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ete – diese; na arhanti saṃnyāsam – sind nicht zur Entsagung berechtigt; ātureṇa – bei einem Schwerkranken; vinā kramam – ohne die gewöhnliche Stufenfolge. Die knappe Syntax wird traditionell als Ausnahmeregel für den Notsannyasa verstanden.
2.5 Prosaeinheit – Ablegen der Zeichen
oṃ bhūḥ svāheti śikhāmutpāṭya yajñopavītaṃ bahirna nivaset |
Mit der Formel „Om Bhuh Svaha“ soll er den Haarschopf entfernen; die Opferschnur soll er ablegen und nicht länger außerhalb des Körpers tragen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ bhūḥ svāhā iti – mit der Formel „Om Bhuh Svaha“; śikhām utpāṭya – den Haarschopf entfernend; yajñopavītam – die Opferschnur; bahiḥ na nivaset – soll er nicht länger äußerlich tragen.
2.6 Prosaeinheit – Dreifache Entsagungserklärung
yaśo balaṃ jñānaṃ vairāgyaṃ medhāṃ prayaccheti yajñopavītaṃ chittvā oṃ bhūḥ svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūyaṃ ca visṛjya saṃnyastaṃ mayeti trivāramabhimantrayet |
Mit der Bitte „Schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht“ soll er die Opferschnur durchschneiden. Mit „Om Bhuh Svaha“ legt er Gewand und Hüftschnur im Wasser ab und spricht dreimal: „Von mir ist entsagt worden.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaśaḥ balam jñānam vairāgyam medhām prayaccha – schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht; yajñopavītam chittvā – die Opferschnur durchschneidend; apsu – im Wasser; vastram kaṭi-sūtram ca visṛjya – Gewand und Hüftschnur ablegend; saṃnyastam mayā iti – „von mir ist entsagt worden“; tri-vāram abhimantrayet – soll er dreimal aussprechen.
6. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
saṃnyāsinaṃ dvijaṃ dṛṣṭvā sthānāccalati bhāskaraḥ |
eṣa me maṇḍalaṃ bhittvā paraṃ brahmādhigacchati || 6 ||
Beim Anblick eines zweimalgeborenen Sannyasin weicht selbst die Sonne von ihrem Platz und denkt: „Dieser wird meinen Kreis durchbrechen und das höchste Brahman erlangen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saṃnyāsinam dvijam dṛṣṭvā – einen zweimalgeborenen Entsagten erblickend; sthānāt calati bhāskaraḥ – weicht die Sonne von ihrem Ort; eṣaḥ – dieser; me maṇḍalam bhittvā – meinen Kreis durchbrechend; param brahma adhigacchati – erlangt das höchste Brahman.
7. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ṣaṣṭiṃ kulānyatītāni ṣaṣṭimāgāmikāni ca |
kulānyuddharate prājñaḥ saṃnyastamiti yo vadet || 7 ||
Der Weise, von dem ausgesprochen wird: „Er hat entsagt“, erhebt sechzig vergangene und sechzig zukünftige Generationen seiner Familie.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣaṣṭim kulāni atītāni – sechzig vergangene Familiengenerationen; ṣaṣṭim āgāmikāni ca – und sechzig zukünftige; kulāni uddharate – erhebt die Geschlechter; prājñaḥ – der Weise; saṃnyastam iti yaḥ vadet – von dem man sagt: „Er hat entsagt“.
8. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ye ca santānajā doṣā ye doṣā dehasaṃbhavāḥ |
praiṣāgnirnirdahetsarvāṃstuṣārinniva kāñcanam || 8 ||
Alle Fehler, die aus der Nachkommenschaft oder aus dem Körper hervorgegangen sind, verbrennt das Feuer der Entsagungsformel vollständig – wie ein Läuterungsfeuer das Gold von Schlacken reinigt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ye ca santāna-jāḥ doṣāḥ – Fehler, die aus der Nachkommenschaft entstanden sind; ye doṣāḥ deha-saṃbhavāḥ – Fehler, die aus dem Körper entstanden sind; praiṣa-agniḥ – das Feuer der Entsagungsformel; nirdahat sarvān – verbrennt sie alle; tuṣārin iva kāñcanam – wie ein Läuterungsfeuer das Gold.
2.7 Prosaeinheit – Annahme des Stabes
sakhā mā gopāyeti daṇḍaṃ parigrahet |
Mit den Worten „Freund, beschütze mich“ soll er den Stab annehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sakhā – Freund; mā gopāya – beschütze mich; iti – so sprechend; daṇḍam parigrahet – soll er den Stab annehmen.
9. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
daṇḍaṃ tu vāṇavaṃ saumyaṃ satvacaṃ samaparvakam |
puṇyasthalasamutpannaṃ nānākalmaṣaśodhitam || 9 ||
Der Stab soll aus Bambus sein, angenehm, noch mit Rinde versehen und gleichmäßige Knoten haben; er soll an einem heiligen Ort gewachsen und von vielfältigen Verunreinigungen gereinigt sein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: daṇḍam tu – der Stab aber; vāṇavam – aus Bambus; saumyam – angenehm, sanft; sa-tvacam – mit Rinde; sama-parvakam – mit gleichmäßigen Knoten; puṇya-sthala-samutpannam – an einem heiligen Ort entstanden; nānā-kalmaṣa-śodhitam – von verschiedenen Makeln gereinigt.
10. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
adagdhamahataṃ kīṭaiḥ parvagranthivirājitam |
nāsādaghnaṃ śirastulyaṃ bhruvorvā bibhṛyādyatiḥ || 10 ||
Der Yati soll einen Stab tragen, der weder verbrannt noch von Insekten beschädigt ist, durch seine Knoten schön erscheint und bis zur Nase, zu den Augenbrauen oder bis zum Scheitel reicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: adagdham – unverbrannt; ahatam kīṭaiḥ – nicht von Insekten beschädigt; parva-granthi-virājitam – durch Knoten an den Gliedern geschmückt; nāsā-daghnam – bis zur Nase reichend; śiras-tulyam – dem Scheitel entsprechend; bhruvoḥ vā – oder bis zu den Augenbrauen; bibhṛyāt yatiḥ – soll der Entsagte tragen.
11. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
daṇḍātmanostu saṃyogaḥ sarvathā tu vidhīyate |
na daṇḍena vinā gacchediṣukṣepatrayaṃ budhaḥ || 11 ||
Die Verbindung zwischen Stab und Selbst wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben. Der Verständige soll ohne den Stab nicht einmal die Strecke von drei Pfeilschüssen gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: daṇḍa-ātmanoḥ saṃyogaḥ – Verbindung von Stab und Selbst; sarvathā vidhīyate – wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben; na daṇḍena vinā gacchet – er soll nicht ohne Stab gehen; iṣu-kṣepa-trayam – drei Pfeilschussweiten; budhaḥ – der Verständige.
2.8 Prosaeinheit – Annahme des Kamandalu
jagajjīvanaṃ jīvanādhārabhūtaṃ māte māmantrayasva sarvasaumyeti kamaṇḍaluṃ parigṛhya yogapaṭṭābhiṣikto bhūtvā yathāsukhaṃ viharet ||
Mit der Anrufung „Mutter, du Leben der Welt und Grundlage des Lebens, sprich zu mir, du Allgütige“ soll er das Kamandalu annehmen. In den Stand des Yoga eingeweiht, möge er in innerer Freiheit wandern.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jagat-jīvanam – Leben der Welt; jīvana-ādhāra-bhūtam – Grundlage des Lebens geworden; mātaḥ – o Mutter; mām āmantrayasva – sprich zu mir; sarva-saumyā – Allgütige; iti – so; kamaṇḍalum parigṛhya – das Wassergefäß annehmend; yoga-paṭṭa-abhiṣiktaḥ bhūtvā – in den Stand des Yoga eingeweiht; yathā-sukham viharet – möge er in innerer Freiheit wandern.
12. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tyaja dharmamadharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja |
ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi tattyaja || 12 ||
Gib Dharma und Adharma auf; gib Wahrheit und Unwahrheit als Gegensatzpaar auf. Nachdem du beide – Wahrheit und Unwahrheit – losgelassen hast, lass auch dasjenige los, womit du sie loslässt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tyaja – gib auf; dharmam adharmam ca – Dharma und Adharma; ubhe satya-anṛte – beide, Wahrheit und Unwahrheit; tyaktvā – aufgegeben habend; yena tyajasi – das, wodurch du aufgibst; tat tyaja – auch das gib auf. Gemeint ist zuletzt das Loslassen selbst des begrifflichen Instruments der Unterscheidung.
2.9 Prosaeinheit – Vier Arten des Sannyasa
vairāgyasaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī jñānavairāgyasaṃnyāsī karmasaṃnyāsīti cāturvidhyamupāgataḥ |
Vier Arten werden unterschieden: der Entsagte aus Leidenschaftslosigkeit, der Entsagte aus Erkenntnis, der Entsagte aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sowie der Entsagte gemäß der rituellen Lebensordnung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vairāgya-saṃnyāsī – Entsagter aus Leidenschaftslosigkeit; jñāna-saṃnyāsī – Entsagter aus Erkenntnis; jñāna-vairāgya-saṃnyāsī – Entsagter aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit; karma-saṃnyāsī – Entsagter nach der rituellen Ordnung; cāturvidhyam upāgataḥ – in vier Arten gegliedert.
2.10 Prosaeinheit – Vairagya-Sannyasin
tadyatheti dṛṣṭānuśravikaviṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmaviśeṣātsaṃnyastaḥ sa vairāgyasaṃnyāsī |
Wer durch die besondere Reife früherer guter Handlungen frei von Verlangen nach sichtbaren und nur aus Überlieferung bekannten Genüssen geworden ist und deshalb entsagt, ist ein Vairagya-Sannyasin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat yathā – dies ist so; dṛṣṭa-ānuśravika-viṣaya-vaitṛṣṇyam etya – Durstlosigkeit gegenüber sichtbaren und überlieferten Sinneszielen erlangend; prāk-puṇya-karma-viśeṣāt – aufgrund besonderer früherer guter Handlungen; saṃnyastaḥ – entsagt habend; saḥ vairāgya-saṃnyāsī – der ist ein Entsagter aus Vairagya.
2.11 Prosaeinheit – Jnana-Sannyasin
śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇātprapañcoparato dehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ tyaktvā vamanānnamiva pravṛttiṃ sarvaṃ heyaṃ matvā sādhanacatuṣṭayasampanno yaḥ saṃnyasyati sa eva jñānasaṃnyāsī |
Wer durch Schrifterkenntnis und durch das Hören von den durch Schuld und Verdienst erlangten Welten von der Erscheinungswelt zurücktritt, Körperprägung, Schriftgelehrsamkeit und Weltverlangen aufgibt, jede nach außen gerichtete Geschäftigkeit wie erbrochene Speise als abzuwerfen betrachtet, die vier Mittel besitzt und dann entsagt, ist ein Jnana-Sannyasin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śāstra-jñānāt – aus Erkenntnis der Schriften; pāpa-puṇya-loka-anubhava-śravaṇāt – aus dem Hören von Erfahrungen in durch Schuld und Verdienst erworbenen Welten; prapañca-uparataḥ – von der Erscheinungswelt zurückgetreten; deha-vāsanām śāstra-vāsanām loka-vāsanām tyaktvā – Körper-, Schrift- und Weltprägung aufgebend; vamana-annam iva – wie erbrochene Speise; pravṛttim sarvam heyam matvā – alle äußere Geschäftigkeit als abzuwerfen betrachtend; sādhana-catuṣṭaya-sampannaḥ – mit den vier Mitteln versehen; saḥ eva jñāna-saṃnyāsī – der allein ist Erkenntnis-Entsagter.
2.12 Prosaeinheit – Jnana-Vairagya-Sannyasin
krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya jñānavairāgyābhyāṃ svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī |
Wer schrittweise alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sein wahres Wesen erforscht, nur noch den Körper als Restbesitz behält und ohne äußere Hülle entsagt, ist ein Jnana-Vairagya-Sannyasin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: krameṇa sarvam abhyasya – schrittweise alles übend; sarvam anubhūya – alles erfahren habend; jñāna-vairāgyābhyām – durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit; svarūpa-anusandhānena – durch Erforschung des eigenen Wesens; deha-mātra-avaśiṣṭaḥ – nur mit dem Körper als Rest; saṃnyasya – entsagend; jāta-rūpa-dharaḥ – die ursprüngliche, unbekleidete Gestalt tragend; saḥ jñāna-vairāgya-saṃnyāsī – der ist Erkenntnis-und-Leidenschaftslosigkeits-Entsagter.
2.13 Prosaeinheit – Karma-Sannyasin
brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya vairāgyābhāve'pyāśramakramānusāreṇa yaḥ saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī |
Wer Brahmacharya beendet hat, Haushälter geworden ist, in den Vanaprastha-Ashrama eingetreten ist und schließlich auch ohne spontan entstandenes Vairagya gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien entsagt, ist ein Karma-Sannyasin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmacaryam samāpya – Brahmacharya beendet habend; gṛhī bhūtvā – Haushälter geworden; vānaprastha-āśramam etya – in den Wald-Einsiedlerstand gelangend; vairāgya-abhāve api – selbst bei fehlender spontaner Leidenschaftslosigkeit; āśrama-krama-anusāreṇa – gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien; yaḥ saṃnyasyati – wer entsagt; saḥ karma-saṃnyāsī – der ist ein rituell geordneter Entsagter.
2.14 Prosaeinheit – Sechs Stufen der Entsagung
sa saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati kuṭīcakabahūdakahaṃsaparamahaṃsaturīyātītāvadhūtāśceti |
Dieser Sannyasa hat sechs Formen: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ saṃnyāsaḥ – dieser Sannyasa; ṣaṭ-vidhaḥ bhavati – ist sechsfach; kuṭīcaka, bahūdaka, haṃsa, paramahaṃsa, turīyātīta, avadhūta – die sechs Stufen; ca iti – und so weiter beziehungsweise so lautet die Aufzählung.
2.15 Prosaeinheit – Kutichaka
kuṭīcakaḥ śikhāyajñopavīti daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnaśāṭīkanthādharaḥ pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimātrasādhanapara ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ |
Der Kutichaka trägt Haarschopf, Opferschnur, Stab und Wassergefäß sowie Lendenschurz, Tuch und Flickengewand. Er verehrt Vater, Mutter und Guru, besitzt nur wenige notwendige Geräte, nimmt Nahrung an einem Ort, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den dreifachen Stab.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kuṭīcakaḥ – Kutichaka; śikhā-yajñopavītī – Haarschopf und Opferschnur tragend; daṇḍa-kamaṇḍalu-dharaḥ – Stab und Wassergefäß tragend; kaupīna-śāṭī-kanthā-dharaḥ – Lendenschurz, Tuch und Flickengewand tragend; pitṛ-mātṛ-guru-ārādhana-paraḥ – Vater, Mutter und Guru verehrend; piṭhara-khanitra-śikya-ādi-mātra-sādhana-paraḥ – nur wenige notwendige Geräte besitzend; ekatra-anna-adana-paraḥ – an einem Ort essend; śveta-ūrdhva-puṇḍra-dhārī – weißes senkrechtes Stirnzeichen tragend; tri-daṇḍaḥ – den dreifachen Stab tragend.
2.16 Prosaeinheit – Bahudaka
bahūdakaḥ śikhādikanthādharastripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī |
Der Bahudaka trägt Haarschopf und Flickengewand sowie das dreifache Stirnzeichen. Im Übrigen gleicht er dem Kutichaka; er lebt nach Art der Honigbiene und isst acht Bissen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bahūdakaḥ – Bahudaka; śikhā-ādi-kanthā-dharaḥ – Haarschopf und Flickengewand tragend; tri-puṇḍra-dhārī – das dreifache Stirnzeichen tragend; kuṭīcaka-vat sarva-samaḥ – in allem dem Kutichaka ähnlich; madhukara-vṛttyā – nach Art der Honigbiene; aṣṭa-kavala-āśī – acht Bissen essend.
2.17 Prosaeinheit – Hamsa
haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī asaṃklṛptamādhūkarānnāśī kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī |
Der Hamsa trägt verfilztes Haar, ein dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen, lebt von unverabredetem Bienenalmosen und trägt einen Lendenschurz sowie ein zerrissenes Stoffstück.
Wort-für-Wort-Erläuterung: haṃsaḥ – Hamsa-Entsagter; jaṭā-dhārī – verfilztes Haar tragend; tri-puṇḍra-ūrdhva-puṇḍra-dhārī – dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen tragend; asaṃklṛpta-mādhūkara-anna-āśī – nicht verabredete Bienenalmosen essend; kaupīna-khaṇḍa-tuṇḍa-dhārī – Lendenschurz und zerrissenes Tuch tragend.
2.18 Prosaeinheit – Paramahamsa
paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheṣu karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo vā bhasmoddhṛlanaparaḥ sarvatyāgī |
Der Paramahamsa besitzt weder Haarschopf noch Opferschnur. Er bettelt bei fünf Häusern und benutzt die Hand als Schale. Er trägt nur einen Lendenschurz und gegebenenfalls ein Tuch und einen Bambusstab; alternativ trägt er ein einziges Gewand, bestreicht sich mit Asche und ist allem Besitz entsagend.
Wort-für-Wort-Erläuterung: paramahaṃsaḥ – höchster Hamsa; śikhā-yajñopavīta-rahitaḥ – ohne Haarschopf und Opferschnur; pañca-gṛheṣu – bei fünf Häusern; kara-pātrī – die Hand als Schale habend; eka-kaupīna-dhārī – einen einzigen Lendenschurz tragend; śāṭīm ekām – ein einziges Tuch; vaiṇavam daṇḍam – Bambusstab; bhasma-uddhūlana-paraḥ – sich mit Asche bestreuend; sarva-tyāgī – allem entsagend.
2.19 Prosaeinheit – Turiyatita
turīyātīto gomukhavṛttyā phalāhārī annāhārī cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīnvṛttikaḥ |
Der Turiyatita nimmt wie eine Kuh unmittelbar mit dem Mund auf, was ihm zukommt, und lebt von Früchten. Isst er gekochte Nahrung, nimmt er sie nur bei drei Häusern. Er besitzt allein den Körper, ist mit den Himmelsrichtungen bekleidet und betrachtet den Körper wie einen Leichnam.
Wort-für-Wort-Erläuterung: turīyātītaḥ – der über Turiya Hinausgegangene; go-mukha-vṛttyā – mit der Lebensweise einer Kuh, unmittelbar mit dem Mund aufnehmend; phala-āhārī – Früchte essend; anna-āhārī cet – wenn er gekochte Nahrung isst; gṛha-traye – bei drei Häusern; deha-mātra-avaśiṣṭaḥ – nur den Körper als Restbesitz habend; digambaraḥ – mit den Himmelsrichtungen bekleidet; kuṇapa-vat śarīra-vṛttikaḥ – den Körper wie einen Leichnam behandelnd.
2.20 Prosaeinheit – Avadhuta
avadhūtastvaniyamaḥ patitābhiśastavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |
Der Avadhuta folgt keinen äußeren Besitzregeln mehr. Unter Meidung der in seiner Ordensregel ausgeschlossenen Quellen nimmt er Nahrung bei allen gesellschaftlichen Gruppen nach Art einer reglos wartenden Python-Schlange an und widmet sich ganz der Erforschung seines wahren Wesens.
Wort-für-Wort-Erläuterung: avadhūtaḥ tu – der Avadhuta aber; aniyamaḥ – ohne äußere Regelbindung; patita-abhiśasta-varjana-pūrvakam – unter vorherigem Meiden der Gefallenen und Geächteten; sarva-varṇeṣu – bei allen Varnas; ajagara-vṛttyā – nach Art einer Python-Schlange, ohne aktives Suchen; āhāra-paraḥ – Nahrung so annehmend; svarūpa-anusandhāna-paraḥ – der Erforschung des wahren Wesens hingegeben.
13. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
jagattāvadidaṃ nāhaṃ savṛkṣatṛṇaparvatam |
yadbāhyaṃ jaḍamatyantaṃ tatsyāṃ kathamahaṃ vibhuḥ || 13 ||
Diese Welt mit Bäumen, Gräsern und Bergen bin ich nicht. Was äußerlich und völlig unbewusst ist – wie könnte ich, das allgegenwärtige Bewusstsein, dies sein?
Wort-für-Wort-Erläuterung: jagat tāvat idam – zunächst diese Welt; na aham – bin ich nicht; sa-vṛkṣa-tṛṇa-parvatam – samt Bäumen, Gräsern und Bergen; yat bāhyam – was äußerlich ist; jaḍam atyantam – völlig unbewusst; tat syām katham – wie könnte ich das sein; aham vibhuḥ – ich, der Allgegenwärtige.
14. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kālenālpena vilayī deho nāhamacetanaḥ |
jaḍayā karṇaśaṣkulyā kalpamānakṣaṇasthayā || 14 ||
Der Körper, der sich schon nach kurzer Zeit auflöst und ohne Bewusstsein ist, bin ich nicht. Auch das nur augenblicklich durch die leblose Ohrmuschel vorgestellte Hören bin ich nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kālena alpena vilayī – nach kurzer Zeit sich auflösend; dehaḥ – der Körper; na aham – bin ich nicht; acetanaḥ – unbewusst; jaḍayā karṇa-śaṣkulyā – durch die leblose Ohrmuschel; kalpamāna – vorgestellt, gebildet; kṣaṇa-sthayā – nur einen Augenblick bestehend.
15. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
śūnyākṛtiḥ śūnyabhavaḥ śabdo nāhamacetanaḥ |
tvacā kṣaṇavināśinyā prāpyo'prāpyo'yamanyathā || 15 ||
Der Klang, dessen Gestalt leer und dessen Auftreten vergänglich ist, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Auch das durch die augenblicklich vergehende Haut erfasste oder nicht erfasste Tastbare bin ich nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śūnya-ākṛtiḥ – von leerer Gestalt; śūnya-bhavaḥ – von vergänglichem beziehungsweise leerem Auftreten; śabdaḥ – Klang; na aham – bin ich nicht; acetanaḥ – unbewusst; tvacā kṣaṇa-vināśinyā – durch die augenblicklich vergehende Haut; prāpyaḥ aprāpyaḥ – erfasst oder nicht erfasst; ayam anyathā – dieses in wechselnder Weise.
16. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
citprasādopalabdhātmā sparśo nāhamacetanaḥ |
labdhātmā jihvayā tuccho lolayā lolasattayā || 16 ||
Die Berührung, deren Natur nur durch die Helligkeit des Bewusstseins erkannt wird, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ebenso wenig bin ich der geringfügige Geschmack, den die ruhelose Zunge in ihrer Beweglichkeit erfasst.
Wort-für-Wort-Erläuterung: cit-prasāda-upalabdha-ātmā – dessen Wesen durch die Klarheit des Bewusstseins erkannt wird; sparśaḥ – Berührung; na aham – bin ich nicht; acetanaḥ – unbewusst; labdha-ātmā jihvayā – durch die Zunge als Gegenstand erfasst; tucchaḥ – geringfügig; lolayā – durch die Ruhelose; lola-sattayā – aufgrund ihres beweglichen Wesens.
17. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
svalpasyando dravyaniṣṭho raso nāhamacetanaḥ |
dṛśyadarśanayorlīnaṃ kṣayikṣaṇavināśinoḥ || 17 ||
Der Geschmack, ein geringer, an einer Substanz haftender Ausfluss, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Die sichtbare Form geht im Verhältnis von Sehen und Gesehenem auf, die beide vergänglich und augenblicklich sind.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svalpa-syandaḥ – ein geringer Ausfluss; dravya-niṣṭhaḥ – an einer Substanz haftend; rasaḥ – Geschmack; na aham – bin ich nicht; acetanaḥ – unbewusst; dṛśya-darśanayoḥ līnam – im Verhältnis von Gesehenem und Sehen aufgegangen; kṣayi-kṣaṇa-vināśinoḥ – von zwei vergänglichen, augenblicklich vergehenden Größen.
18. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kevale draṣṭari kṣīṇaṃ rūpaṃ nāhamacetanam |
nāsayā gandhajaḍayā kṣayiṇyā parikalpitaḥ || 18 ||
Wenn Sehen und Gesehenes vergehen, löst sich die Form im reinen Seher auf; die unbewusste Form bin ich nicht. Auch der von der leblosen, vergänglichen Nase vorgestellte Geruch bin ich nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kevale draṣṭari – im reinen Seher; kṣīṇam rūpam – die aufgelöste Form; na aham – bin ich nicht; acetanam – unbewusst; nāsayā – durch die Nase; gandha-jaḍayā – die gegenüber dem Geruch selbst unbewusst ist; kṣayiṇyā – durch die vergängliche; parikalpitaḥ – vorgestellt.
19. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pelavo niyatākāro gandho nāhamacetanaḥ |
nirmamo'mananaḥ śānto gatapañcendriyabhramaḥ || 19 ||
Der schwache, fest umrissene Geruch ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ich bin ohne Besitzdenken und begriffliches Messen, still und frei vom Irrtum der fünf Sinne.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pelavaḥ – schwach, fein; niyata-ākāraḥ – von bestimmter Gestalt; gandhaḥ – Geruch; na aham – bin ich nicht; acetanaḥ – unbewusst; nirmamaḥ – ohne Mein-Gedanken; amananaḥ – frei von begrifflichem Messen; śāntaḥ – still; gata-pañca-indriya-bhramaḥ – dem Irrtum der fünf Sinne entgangen.
20. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
śuddhacetana evāhaṃ kalākalanavarjitaḥ |
caityavarjitacinmātramahameṣo'vabhāsakaḥ || 20 ||
Ich bin einzig reines Bewusstsein, frei von Zeit, Teilen und Berechnung. Ich bin dieses bloße Bewusstsein ohne gedachte Objekte – der Erleuchter aller Erfahrungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śuddha-cetanaḥ eva aham – ich bin einzig reines Bewusstsein; kalā-kalana-varjitaḥ – frei von Teilen, Zeit und Berechnung; caitya-varjita – frei von Bewusstseinsobjekten; cit-mātram – Bewusstsein allein; aham eṣaḥ – ich bin dieses; avabhāsakaḥ – der Erleuchter, Offenbarende.
21. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sabāhyābhyantaravyāpī niṣkalo'haṃ nirañjanaḥ |
nirvikalpacidābhāsa eka ātmāsmi sarvagaḥ || 21 ||
Innen und außen alles durchdringend, bin ich ohne Teile und ohne Makel. Als nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins bin ich der eine, allgegenwärtige Atman.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa-bāhya-abhyantara-vyāpī – Äußeres und Inneres durchdringend; niṣkalaḥ aham – ich bin ohne Teile; nirañjanaḥ – fleckenlos; nirvikalpa-cit-ābhāsaḥ – nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins; ekaḥ ātmā asmi – ich bin der eine Atman; sarvagaḥ – allgegenwärtig.
22. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
mayaiva cetaneneme sarve ghaṭapaṭādayaḥ |
sūryāntā avabhāsyante dīpenevātmatejasā || 22 ||
Durch mich als Bewusstsein werden alle Dinge – Töpfe, Tücher und alles bis hin zur Sonne – offenbar, so wie Gegenstände durch eine Lampe, hier aber durch das Licht des Selbst.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mayā eva cetanena – durch mich allein als Bewusstsein; ime sarve – alle diese; ghaṭa-paṭa-ādayaḥ – Töpfe, Tücher und Ähnliches; sūrya-antāḥ – bis hin zur Sonne; avabhāsyante – werden erhellt; dīpena iva – wie durch eine Lampe; ātma-tejasā – durch das Licht des Selbst.
23. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
mayaivaitāḥ sphurantīha vicitrendriyavṛttayaḥ |
tejasāntaḥprakāśena yathāgnikaṇapaṅktayaḥ || 23 ||
Durch mich allein leuchten hier die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne auf – durch das innere Licht, wie Reihen von Funken aus dem Feuer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mayā eva – durch mich allein; etāḥ sphuranti iha – leuchten diese hier auf; vicitra-indriya-vṛttayaḥ – die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne; tejasā antaḥ-prakāśena – durch das Licht, das innen erhellt; yathā agni-kaṇa-paṅktayaḥ – wie Reihen von Feuerfunken.
24. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
anantānandasaṃbhogā paropaśamaśālinī |
śuddheyaṃ cinmayī dṛṣṭirjayatyakhiladṛṣṭiṣu || 24 ||
Diese reine, aus Bewusstsein bestehende Schau triumphiert über alle begrenzten Sichtweisen: Sie genießt unendliche Glückseligkeit und ruht in höchstem Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ananta-ānanda-saṃbhogā – unendliche Glückseligkeit genießend; para-upaśama-śālinī – mit höchstem Frieden begabt; śuddhā iyam – diese reine; cinmayī dṛṣṭiḥ – aus Bewusstsein bestehende Schau; jayati – triumphiert; akhila-dṛṣṭiṣu – unter allen Sichtweisen.
25. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sarvabhāvāntarasthāya caityamuktacidātmane |
pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namo namaḥ || 25 ||
Immer wieder verneige ich mich vor mir selbst: vor dem, der im Inneren aller Zustände wohnt, vor dem Bewusstseinsselbst ohne gedachte Objekte, vor der Gestalt des nach innen gerichteten Bewusstseins.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarva-bhāva-antara-sthāya – dem in allen Zuständen innen Wohnenden; caitya-mukta-cid-ātmane – dem Bewusstseinsselbst, frei von Objekten; pratyak-caitanya-rūpāya – der Gestalt des inneren Bewusstseins; mahyam eva – mir selbst allein; namaḥ namaḥ – wieder und wieder Verehrung.
26. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vicitrāḥ śaktayaḥ svacchāḥ samā yā nirvikārayā |
citā kriyante samayā kalākalanamuktayā || 26 ||
Die vielfältigen Kräfte werden durch das unveränderliche Bewusstsein, das frei von zeitlicher Einteilung und Berechnung ist, klar, ausgeglichen und in Einklang gebracht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vicitrāḥ śaktayaḥ – vielfältige Kräfte; svacchāḥ – klar; samāḥ – ausgeglichen; yā nirvikārayā citā – durch jenes unveränderliche Bewusstsein; kriyante – werden gemacht; samayā – gleichmäßig; kalā-kalana-muktayā – frei von Zeiteinteilung und Berechnung.
27. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kālatrayamupekṣitryā hīnāyāścaityabandhanaiḥ |
citaścaityamupekṣitryāḥ samataivāvaśiṣyate || 27 ||
Wenn Bewusstsein die drei Zeiten unbeachtet lässt und von der Bindung an Objekte frei ist, bleibt allein seine Gleichheit zurück – die Gelassenheit des Bewusstseins gegenüber allem Gedachten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kāla-trayam upekṣitryā – die drei Zeiten unbeachtet lassend; hīnāyāḥ caitya-bandhanaiḥ – frei von Bindungen an Bewusstseinsobjekte; citaḥ – des Bewusstseins; caityam upekṣitryāḥ – das Gedachte unbeachtet lassend; samatā eva avaśiṣyate – allein Gleichheit bleibt zurück.
28. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sā hi vācāmagamyatvādasattāmiva śāśvatīm |
nairātmasiddhātmadaśāmupayātaiva śiṣyate || 28 ||
Weil diese Wirklichkeit für Worte unerreichbar ist, erscheint sie wie ein ewiges Nichtsein. Was bleibt, ist allein der Zustand, in dem das begrenzte Ich erloschen und das wahre Selbst verwirklicht ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sā hi – diese wahrlich; vācām agamyatvāt – weil sie durch Worte nicht erreichbar ist; asattām iva śāśvatīm – wie ewiges Nichtsein; nairātma-siddha-ātma-daśām – den Zustand, in dem das begrenzte Selbst nichtig und der Atman verwirklicht ist; upayātā eva – erreicht habend; śiṣyate – bleibt übrig.
29. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
īhānīhāmayairantaryā cidāvalitā malaiḥ |
sā cinnotpādituṃ śaktā pāśabaddheva pakṣiṇī || 29 ||
Ist das Bewusstsein innerlich von den Unreinheiten des Strebens und Nichtstrebens umhüllt, kann es seine freie Leuchtkraft nicht entfalten – wie ein Vogel, der in einer Schlinge gebunden ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: īhā-anīhā-mayaiḥ – aus Streben und Nichtstreben bestehend; antaḥ-yā cit – jenes innere Bewusstsein; āvalitā malaiḥ – von Unreinheiten umhüllt; sā cit – dieses Bewusstsein; na utpāditum śaktā – kann nicht hervortreten beziehungsweise sich entfalten; pāśa-baddhā iva pakṣiṇī – wie ein in einer Schlinge gebundener Vogel.
30. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
icchādveṣasamutthena dvandvamohena jantavaḥ |
dharāvivaramagnānāṃ kīṭānāṃ samatāṃ gatāḥ || 30 ||
Durch den aus Begehren und Abneigung entstehenden Wahn der Gegensätze sinken die Wesen auf den Zustand von Würmern herab, die in Erdspalten stecken.
Wort-für-Wort-Erläuterung: icchā-dveṣa-samutthena – aus Begehren und Abneigung entstanden; dvandva-mohena – durch den Wahn der Gegensatzpaare; jantavaḥ – die Lebewesen; dharā-vivara-magnānām – der in Erdspalten Versunkenen; kīṭānām samatām gatāḥ – sind dem Zustand von Würmern gleich geworden.
31. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ātmane'stu namo mahyamavicchinnacidātmane |
parāmṛṣṭo'smi labdho'smi prodito'smyacirādaham |
uddhṛto'smi vikalpebhyo yo'smi so'smi namo'stu te || 31 ||
Verehrung sei mir selbst, dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst! Ich bin berührt, gefunden und in kurzer Zeit zum Licht gekommen; ich bin aus allen gedanklichen Alternativen emporgehoben. Ich bin, der ich bin – Verehrung sei dir, meinem Selbst!
Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmane astu namaḥ – Verehrung sei dem Selbst; mahyam – mir; avicchinna-cid-ātmane – dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst; parāmṛṣṭaḥ asmi – ich bin berührt beziehungsweise erfasst; labdhaḥ asmi – ich bin gefunden; proditaḥ asmi acirāt – ich bin bald zum Licht gekommen; uddhṛtaḥ asmi vikalpebhyaḥ – ich bin aus den Vorstellungen emporgehoben; yaḥ asmi saḥ asmi – ich bin, der ich bin; namaḥ astu te – Verehrung sei dir.
32. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane |
namastubhyaṃ pareśāya namo mahyaṃ śivāya ca || 32 ||
Verehrung dir, der du ich bist, dem Unendlichen; Verehrung mir, der ich du bin, dem Bewusstseinsselbst. Verehrung dir, dem höchsten Herrn, und Verehrung mir, dem Segensreichen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tubhyam mahyam – dir, der du ich bist; anantāya – dem Unendlichen; mahyam tubhyam – mir, der ich du bin; cid-ātmane – dem Bewusstseinsselbst; namaḥ tubhyam – Verehrung dir; para-īśāya – dem höchsten Herrn; namaḥ mahyam – Verehrung mir; śivāya ca – und dem Segensreichen.
33. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tiṣṭhannapi hi nāsīno gacchannapi na gacchati |
śānto'pi vyavahārasthaḥ kurvannapi na lipyate || 33 ||
Obwohl er steht, steht er nicht festgebunden; obwohl er geht, geht das Selbst nicht. Obwohl er still ist, bewegt er sich im Alltag; obwohl er handelt, wird er nicht befleckt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tiṣṭhan api – obwohl stehend; na āsīnaḥ – nicht fest sitzend beziehungsweise gebunden; gacchan api – obwohl gehend; na gacchati – geht er nicht; śāntaḥ api – obwohl still; vyavahāra-sthaḥ – im weltlichen Handeln stehend; kurvan api – obwohl handelnd; na lipyate – wird er nicht befleckt.
34. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sulabhaścāyamatyantaṃ sujñeyaścāptabandhuvat |
śarīrapadmakuhare sarveṣāmeva ṣaṭpadaḥ || 34 ||
Dieses Selbst ist außerordentlich leicht zugänglich und wie ein vertrauter Angehöriger gut zu erkennen. Es ist die Biene in der Höhle des Körperlotus aller Wesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sulabhaḥ ca ayam atyantam – dieses ist äußerst leicht zugänglich; sujñeyaḥ – gut zu erkennen; āpta-bandhu-vat – wie ein vertrauter Angehöriger; śarīra-padma-kuhare – in der Höhle des Körperlotus; sarveṣām eva – wahrlich aller; ṣaṭpadaḥ – die Biene, wörtlich das sechsfüßige Wesen.
35. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
na me bhogasthitau vāñchā na me bhogavisarjane |
yadāyāti tadāyātu yatprayāti prayātu tat || 35 ||
Ich verlange weder danach, im Genuss zu verbleiben, noch danach, ihn gewaltsam fortzuwerfen. Was kommt, mag kommen; was geht, mag gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na me – nicht bei mir; bhoga-sthitau vāñchā – Wunsch nach Verbleiben im Genuss; na me bhoga-visarjane – auch kein Wunsch, Genuss fortzuwerfen; yat āyāti tat āyātu – was kommt, mag kommen; yat prayāti prayātu tat – was geht, mag gehen.
36. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
manasā manasi cchinne nirahaṃkāraṃ gate |
bhāvena galite bhāve svasthastiṣṭhāmi kevalaḥ || 36 ||
Wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist und der Ich-Gedanke gegangen ist, wenn alles Vorgestellte in seinem Grund erloschen ist, verweile ich allein in meinem eigenen Wesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: manasā manasi chinne – wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist; nirahaṃkāram gate – wenn der Ich-Gedanke vergangen ist; bhāvena galite bhāve – wenn das Vorgestellte in seinem Sein zerflossen ist; svasthaḥ tiṣṭhāmi – verweile ich im eigenen Selbst; kevalaḥ – allein, ungeteilt.
37. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
nirbhāvaṃ nirahaṃkāraṃ nirmanaskamanīhitam |
kevalāspandaśuddhātmanyeva tiṣṭhati me ripuḥ || 37 ||
Frei von Vorstellungen, Ich-Gedanken, Geist und Absicht ruht selbst mein früherer Feind, der Geist, nun im reinen Selbst, das allein und ohne Regung ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nirbhāvam – frei von Vorstellungen; nirahaṃkāram – ohne Ich-Gedanken; nirmanaskam – ohne gewöhnlichen Geist; anīhitam – ohne Absicht; kevala-aspanda-śuddha-ātmani – im reinen Selbst, allein und ohne Regung; eva tiṣṭhati – ruht allein; me ripuḥ – mein früherer Feind, der Geist.
38. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tṛṣṇārajjugaṇaṃ chitvā maccharīrakapañjarāt |
na jāne kva gatoḍḍīya nirahaṃkārapakṣiṇī || 38 ||
Nachdem sie das Bündel der Durstseile aus dem Käfig meines Körpers durchschnitten hat, ist der ichlose Vogel davongeflogen; ich weiß nicht, wohin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tṛṣṇā-rajju-gaṇam chitvā – das Bündel der Seile des Durstes durchschneidend; mat-śarīra-kapañjarāt – aus dem Käfig meines Körpers; na jāne kva gataḥ – ich weiß nicht, wohin er ging; uḍḍīya – davongeflogen; nirahaṃkāra-pakṣiṇī – der Vogel ohne Ich-Gedanken.
39. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate |
yaḥ samaḥ sarvabhūteṣu jīvitaṃ tasya śobhate || 39 ||
Schön und sinnvoll ist das Leben dessen, der keinen ichhaften Anspruch erhebt, dessen Einsicht unbefleckt bleibt und der allen Wesen gegenüber gleich ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yasya na ahaṃkṛtaḥ bhāvaḥ – bei wem kein ichhafter Anspruch besteht; buddhiḥ yasya na lipyate – dessen Einsicht nicht befleckt wird; yaḥ samaḥ sarva-bhūteṣu – wer allen Wesen gegenüber gleich ist; jīvitam tasya śobhate – dessen Leben erstrahlt.
40. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
yo'ntaḥśītalayā buddhyā rāgadveṣavimuktayā |
sākṣivatpaśyatīdaṃ hi jīvitaṃ tasya śobhate || 40 ||
Schön ist das Leben dessen, der mit innerlich kühler, von Anhaftung und Abneigung freier Einsicht diese Welt wie ein Zeuge betrachtet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ antaḥ-śītalayā buddhyā – wer mit innerlich kühler Einsicht; rāga-dveṣa-vimuktayā – frei von Anhaftung und Abneigung; sākṣivat paśyati idam – dieses wie ein Zeuge betrachtet; hi – wahrlich; jīvitam tasya śobhate – dessen Leben erstrahlt.
41. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
yena samyakparijñāya heyopādeyamujjhatā |
cittasyānte'rpitaṃ cittaṃ jīvitaṃ tasya śobhate || 41 ||
Schön ist das Leben dessen, der Anzunehmendes und Aufzugebendes richtig erkannt und hinter sich gelassen und den Geist am Ende des Geistes selbst dargebracht hat.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yena samyak parijñāya – von wem vollständig erkannt; heya-upādeyam – Aufzugebendes und Anzunehmendes; ujjhatā – zurücklassend; cittasya ante – am Ende des Geistes; arpitam cittam – der Geist dargebracht; jīvitam tasya śobhate – dessen Leben erstrahlt.
42. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
grāhyagrāhakasaṃbandhe kṣīṇe śāntirudetyalam |
sthitimabhyāgatā śāntirmokṣanāmābhidhīyate || 42 ||
Wenn die Beziehung zwischen Erfasstem und Erfasser erschöpft ist, geht vollkommener Frieden auf. Dieser zur Festigkeit gelangte Frieden wird Befreiung genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: grāhya-grāhaka-saṃbandhe kṣīṇe – wenn die Beziehung von Erfasstem und Erfasser geschwunden ist; śāntiḥ udeti alam – geht vollkommener Frieden auf; sthitim abhyāgatā śāntiḥ – zur Festigkeit gelangter Frieden; mokṣa-nāmā abhidhīyate – wird mit dem Namen Moksha bezeichnet.
43. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
bhraṣṭabījopamā bhūyo janmāṅkuaravivarjitā |
hṛdi jīvadvimuktānāṃ śuddhā bhavati vāsanā || 43 ||
Im Herzen der zu Lebzeiten Befreiten bleibt eine reine Prägung zurück, die einem unfruchtbar gewordenen Samen gleicht und keinen neuen Keim der Geburt hervorbringt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhraṣṭa-bīja-upamā – einem unfruchtbar gewordenen Samen gleich; bhūyaḥ janma-aṅkura-vivarjitā – ohne einen weiteren Keim der Geburt; hṛdi – im Herzen; jīvan-vimuktānām – der zu Lebzeiten Befreiten; śuddhā bhavati vāsanā – besteht eine reine Prägung.
44. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pāvanī paramodārā śuddhasattvānupātinī |
ātmadhyānamayī nityā suṣuptistheva tiṣṭhati || 44 ||
Diese Prägung ist reinigend, höchst edel und folgt dem reinen Sattva. Sie besteht immer aus Meditation über das Selbst und ruht wie im Tiefschlaf.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pāvanī – reinigend; parama-udārā – höchst edel; śuddha-sattva-anupātinī – dem reinen Sattva folgend; ātma-dhyāna-mayī – aus Meditation über das Selbst bestehend; nityā – beständig; suṣupti-sthā iva tiṣṭhati – ruht wie im Zustand des Tiefschlafs.
45. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
cetanaṃ cittariktaṃ hi pratyakcetanamucyate |
nirmanaskasvabhāvatvānna tatra kalanāmalam || 45 ||
Bewusstsein, das vom Gedankenstrom leer ist, wird nach innen gerichtetes Bewusstsein genannt. Weil sein Wesen frei vom gewöhnlichen Geist ist, gibt es dort keinen Makel begrifflicher Einteilung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: cetanam citta-riktam – vom Gedankenstrom leeres Bewusstsein; hi – wahrlich; pratyak-cetanam ucyate – wird inneres Bewusstsein genannt; nirmanaska-svabhāvatvāt – weil es von Natur aus ohne gewöhnlichen Geist ist; na tatra – dort nicht; kalanā-malam – der Makel des Einteilens und Vorstellens.
46. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sā satyatā sā śivatā sāvasthā pāramātmikī |
sarvajñatā sā saṃtṛptirnatu yatra manaḥ kṣatam || 46 ||
Das ist Wahrhaftigkeit, das ist Segenskraft, das ist der höchste Zustand des Selbst; das ist Allwissenheit und vollkommene Zufriedenheit – dort ist der Geist nicht mehr verletzt oder zerrissen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sā satyatā – das ist Wahrhaftigkeit; sā śivatā – das ist Segenskraft; sā avasthā pāramātmikī – das ist der höchste Zustand des Selbst; sarvajñatā sā – das ist Allwissenheit; saṃtṛptiḥ – Zufriedenheit; na tu yatra manaḥ kṣatam – wo der Geist nicht mehr verwundet beziehungsweise zerteilt ist.
47. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pralapanvisṛjangṛhṇannunmiṣannimiṣannapi |
nirastamananānandaḥ saṃvinmātraparo'smyaham || 47 ||
Ob ich spreche, ausscheide, ergreife, die Augen öffne oder schließe: Frei vom Denken ruhe ich in Glückseligkeit und bin ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pralapan – sprechend; visṛjan – ausscheidend beziehungsweise loslassend; gṛhṇan – ergreifend; unmiṣan nimiṣan api – die Augen öffnend und schließend; nirasta-mananānandaḥ – glückselig, da das begriffliche Denken beseitigt ist; saṃvit-mātra-paraḥ asmi aham – ich bin ganz dem Bewusstsein allein hingegeben.
48. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
malaṃ saṃvedyamutsṛjya mano nirmūlayanparam |
āśāpāśānalaṃ chittvā saṃvinmātraparo'smyaham || 48 ||
Ich lasse die Verunreinigung des Erkennbaren los, entwurzele den Geist vollständig und durchtrenne das brennende Fesselwerk der Hoffnungen. So bin ich ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: malam saṃvedyam utsṛjya – die Verunreinigung des Erkennbaren loslassend; manaḥ nirmūlayan param – den Geist vollständig entwurzelnd; āśā-pāśa-analam chitvā – das brennende Fesselwerk der Hoffnungen durchschneidend; saṃvit-mātra-paraḥ asmi aham – ich bin ganz dem Bewusstsein allein hingegeben.
49. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
aśubhāśubhasaṃkalpaḥ saṃśānto'smi nirāmayaḥ |
naṣṭeṣṭāniṣṭakalanaḥ saṃmātraparosmyaham || 49 ||
Die Vorstellungen von günstig und ungünstig sind zur Ruhe gekommen; ich bin friedvoll und heil. Die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; ich ruhe im bloßen Sein und Bewusstsein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: aśubha-śubha-saṃkalpaḥ saṃśāntaḥ – die Vorstellungen von ungünstig und günstig sind völlig beruhigt; asmi nirāmayaḥ – ich bin heil, frei von Gebrechen; naṣṭa-iṣṭa-aniṣṭa-kalanaḥ – die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; sat-mātra-paraḥ asmi aham – ich bin dem bloßen Sein allein hingegeben.
50. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ātmatāparate tyaktvā nirvibhāgo jagatsthitau |
vajrastaṃbhavadātmānamavalaṃbya sthiro'smyaham || 50 ||
Nachdem ich die Trennung von Selbst und Anderem aufgegeben habe, bin ich innerhalb der Weltordnung ungeteilt. Auf das Selbst gestützt wie auf eine Diamantsäule stehe ich fest.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmatā-aparate tyaktvā – Selbstheit und Andersheit aufgegeben habend; nirvibhāgaḥ – ungeteilt; jagat-sthitau – in der bestehenden Welt; vajra-stambha-vat – wie eine Diamantsäule; ātmānam avalambya – auf das Selbst gestützt; sthiraḥ asmi aham – stehe ich fest.
51. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
nirmalāyāṃ nirāśāyāṃ svasaṃvittau sthito'smyaham |
īhitānīhitairmukto heyopādeyavarjitaḥ || 51 ||
Ich ruhe in meiner makellosen, erwartungsfreien Selbsterkenntnis. Von Gewolltem wie Ungewolltem frei, bin ich jenseits von Verwerfen und Ergreifen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nirmalāyām – in der makellosen; nirāśāyām – erwartungsfreien; sva-saṃvittau – eigenen Bewusstheit; sthitaḥ asmi aham – ruhe ich; īhita-anīhitaiḥ muktaḥ – frei von Gewolltem und Ungewolltem; heya-upādeya-varjitaḥ – ohne Aufzugebendes und Anzunehmendes.
52. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kadāntastoṣameṣyāmi svaprakāśapade sthitaḥ |
kadopaśāntamanano dharaṇīdharakandare || 52 ||
Wann werde ich, im Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet, die innere Zufriedenheit erlangen? Wann wird mein Denken in einer Berghöhle vollkommen zur Ruhe kommen?
Wort-für-Wort-Erläuterung: kadā – wann; antaḥ-toṣam eṣyāmi – werde ich innere Zufriedenheit erlangen; sva-prakāśa-pade sthitaḥ – am Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet; kadā upaśānta-mananaḥ – wann mit völlig beruhigtem Denken; dharaṇī-dhara-kandare – in einer Berghöhle.
53. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sameṣyāmi śilāsāmyaṃ nirvikalpasamādhinā |
niraṃśadhyānaviśrāntimūkasya mama mastake || 53 ||
Wann werde ich durch den begriffslosen Samadhi die Unbewegtheit eines Felsens erlangen und in ungeteilter Meditation ruhen – so still, dass mein schweigendes Haupt unbewegt bleibt?
Wort-für-Wort-Erläuterung: sameṣyāmi – werde ich erlangen; śilā-sāmyam – Gleichheit beziehungsweise Unbewegtheit eines Felsens; nirvikalpa-samādhinā – durch Nirvikalpa Samadhi; niraṃśa-dhyāna-viśrānti – Ruhe in ungeteilter Meditation; mūkasya mama mastake – auf meinem schweigenden, stillen Haupt. Der Satz wird im folgenden Vers fortgeführt.
54. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kadā tārṇaṃ kariṣyanti kulāyaṃ vanaputrikāḥ |
saṃkalpapādapaṃ tṛṣṇālataṃ chittvā manovanam || 54 ||
Wann werden die Vögel des Waldes auf meinem Haupt ein Nest aus Gras bauen? Nachdem du den Baum der Vorstellungen und die Ranke des Durstes gefällt hast, durchstreife den Wald des Geistes.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kadā – wann; tārṇam kulāyam kariṣyanti – werden sie ein Nest aus Gras bauen; vana-putrikāḥ – die Töchter des Waldes, die Vögel; saṃkalpa-pādapam – den Baum der Vorstellungen; tṛṣṇā-latām – die Ranke des Durstes; chitvā – gefällt habend; mano-vanam – den Wald des Geistes.
55. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vitatāṃ bhuvamāsādya viharābhi yathāsukham |
padaṃ tadanu yāto'smi kevalo'smi jayāmyaham || 55 ||
Nachdem du die weite Erde erreicht hast, wandere frei und nach Herzensruhe. Ich aber bin jenem Zustand gefolgt und habe ihn erreicht; ich bin allein und ungeteilt – ich habe gesiegt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vitatām bhuvam āsādya – die weite Erde erreicht habend; vihara yathā-sukham – wandere nach innerem Wohlsein; padam tat anu yātaḥ asmi – ich bin jenem Zustand gefolgt; kevalaḥ asmi – ich bin allein, ungeteilt; jayāmi aham – ich siege.
56. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
nirvāṇo'smi nirīho'smi niraṃśo'smi nirīpsitaḥ |
svacchatorjitatā sattā hṛdyatā satyatā jñatā || 56 ||
Ich bin im Nirvana, frei von Streben, ohne Teile und ohne Verlangen. Klarheit, Kraft, Sein, Herzensgüte, Wahrhaftigkeit und Erkenntnis sind in mir gegenwärtig.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nirvāṇaḥ asmi – ich bin im Nirvana; nirīhaḥ asmi – ich bin frei von Streben; niraṃśaḥ asmi – ich bin ohne Teile; nirīpsitaḥ – ohne etwas erlangen zu wollen; svacchatā – Klarheit; ūrjitatā – Kraft; sattā – Sein; hṛdyatā – Herzensgüte; satyatā – Wahrhaftigkeit; jñatā – Erkenntnis.
57. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ānanditopaśamatā sadā pramuditoditā |
pūrṇatodāratā satyā kāntisattā sadaikatā || 57 ||
Freude und Frieden, beständig aufleuchtende Heiterkeit, Fülle, Großherzigkeit, Wahrheit, Ausstrahlung, Sein und immerwährende Einheit – all dies kennzeichnet diesen Zustand.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ānanditā – Freude; upaśamatā – Frieden; sadā pramudita-uditā – beständig aufleuchtende Heiterkeit; pūrṇatā – Fülle; udāratā – Großherzigkeit; satyā – Wahrheit; kānti – Ausstrahlung; sattā – Sein; sadā-ekatā – immerwährende Einheit.
58. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ityevaṃ cintayanbhikṣuḥ svarūpasthitimañjasā |
nirvikalpasvarūpajño nirvikalpo babhūva ha || 58 ||
Indem der Bettelmönch so kontempliert, gelangt er mühelos zur Festigkeit in seinem wahren Wesen. Weil er die nichtbegriffliche Natur des Selbst erkennt, wird er selbst frei von gedanklicher Unterscheidung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti evam cintayan – so in dieser Weise kontemplierend; bhikṣuḥ – der Bettelmönch; svarūpa-sthitim – Festigkeit im eigenen Wesen; añjasā – unmittelbar, mühelos; nirvikalpa-svarūpa-jñaḥ – Kenner des nichtbegrifflichen Wesens; nirvikalpaḥ babhūva ha – wurde wahrlich frei von gedanklicher Unterscheidung.
2.21 Prosaeinheit – Notsannyasa
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ |
Bleibt ein Schwerkranker am Leben, soll anschließend der vollständige Sannyasa in der vorgeschriebenen Ordnung vollzogen werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āturaḥ – ein Schwerkranker; jīvati cet – wenn er am Leben bleibt; krama-saṃnyāsaḥ – die Entsagung in geordneter Stufenfolge; kartavyaḥ – ist zu vollziehen.
2.22 Prosaeinheit – Historisches Kontaktverbot
na śūdrastrīpatitodakyā saṃbhāṣaṇam |
Die vormoderne Ordensregel verbietet Gespräche mit als Shudras, Frauen, Gefallene oder rituell Unreine bezeichneten Menschen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na saṃbhāṣaṇam – kein Gespräch; śūdra – mit einem als Shudra bezeichneten Menschen; strī – mit einer Frau; patita – mit einem Gefallenen; udakyā – mit einer rituell als unrein bezeichneten Frau. Diese diskriminierende Vorschrift wird als historischer Quelleninhalt dokumentiert, nicht als heutige Norm bestätigt.
2.23 Prosaeinheit – Festbesuche
na yaterdevapūjanotsavadarśanam |
Ein Yati soll nicht zum Zuschauen bei Tempelverehrungen und Festen gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; yateḥ – für den Yati; deva-pūjana-utsava-darśanam – das Zuschauen bei Götterverehrungen und Festen.
2.24 Prosaeinheit – Nicht für diese Welt
tasmānna saṃnyāsina eṣa lokaḥ |
Daher ist diese gewöhnliche Welt nicht mehr die eigentliche Heimat des Sannyasin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – daher; na – nicht; saṃnyāsinaḥ – für den Sannyasin; eṣaḥ lokaḥ – diese Welt.
2.25 Prosaeinheit – Welten von Atura und Kutichaka
āturakuṭīcakayorbhūlokabhuvarlokau |
Dem Notsannyasin und dem Kutichaka werden Bhurloka beziehungsweise Bhuvarloka zugeordnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ātura-kuṭīcakayoḥ – dem Notsannyasin und dem Kutichaka; bhū-loka-bhuvar-lokau – die Welten Bhur und Bhuvar.
2.26 Prosaeinheit – Welt des Bahudaka
bahūdakasya svargalokaḥ |
Dem Bahudaka wird die Himmelswelt zugeordnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bahūdakasya – dem Bahudaka; svarga-lokaḥ – die Himmelswelt.
2.27 Prosaeinheit – Welten von Hamsa und Paramahamsa
haṃsasya tapolokaḥ | paramahaṃsasya satyalokaḥ |
Dem Hamsa wird Tapoloka, dem Paramahamsa Satyaloka zugeordnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: haṃsasya – dem Hamsa; tapo-lokaḥ – die Welt des Tapas; paramahaṃsasya – dem Paramahamsa; satya-lokaḥ – die Welt der Wahrheit beziehungsweise Brahmas Welt.
2.28 Prosaeinheit – Kaivalya von Turiyatita und Avadhuta
turīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva kaivalyaṃ svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |
Für Turiyatita und Avadhuta besteht Kaivalya im eigenen Atman selbst. Durch ununterbrochene Erforschung des wahren Wesens werden sie diesem gleich – nach dem traditionellen Gleichnis von Raupe und Wespe.
Wort-für-Wort-Erläuterung: turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; sva-ātmani eva – im eigenen Atman allein; kaivalyam – Kaivalya, vollkommene Freiheit; svarūpa-anusandhānena – durch Erforschung des wahren Wesens; bhramara-kīṭa-nyāya-vat – gemäß dem traditionellen Gleichnis von Wespe und Raupe.
2.29 Prosaeinheit – Vorrang der Selbsterforschung
svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsa uṣṭrakuṅkumabhāravadvyarthaḥ |
Das Studium anderer Lehren ohne die Erforschung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine kostbare Safranlast auf dem Rücken eines Kamels, das ihren Wert nicht erkennt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svarūpa-anusandhāna-vyatirikta – getrennt von der Erforschung des eigenen Wesens; anya-śāstra-abhyāsaḥ – Studium anderer Lehren; uṣṭra-kuṅkuma-bhāra-vat – wie die Safranlast eines Kamels; vyarthaḥ – zwecklos.
2.30 Prosaeinheit – Kein technischer Yoga als Selbstzweck
na yogaśāstrapravṛttiḥ |
Der voll entsagte Yati soll sich nicht in der bloßen Beschäftigung mit technischen Yoga-Lehrbüchern verlieren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; yoga-śāstra-pravṛttiḥ – Beschäftigung mit Yoga-Lehrbüchern. Gemeint ist im Kontext der Vorrang unmittelbarer Selbsterforschung, keine allgemeine Ablehnung von Yoga.
2.31 Prosaeinheit – Kein Sankhya-Studium als Selbstzweck
na sāṅkhyaśāstrābhyāsaḥ |
Ebenso soll das Studium der Sankhya-Schriften nicht zum bloßen Selbstzweck werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; sāṅkhya-śāstra-abhyāsaḥ – Studium der Sankhya-Schriften.
2.32 Prosaeinheit – Kein Mantra-Tantra-Geschäft
na mantratantravyāpāraḥ |
Auch soll der Yati kein Geschäft aus Mantras und Tantras machen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; mantra-tantra-vyāpāraḥ – Geschäft beziehungsweise äußere Betriebsamkeit mit Mantra und Tantra.
2.33 Prosaeinheit – Andere Wissenschaften
netaraśāstrapravṛttiryaterasti |
Für den Yati soll es keine zerstreuende Beschäftigung mit weiteren Wissenschaften geben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; itara-śāstra-pravṛttiḥ – Beschäftigung mit anderen Wissenschaften; yateḥ asti – soll beim Yati bestehen.
2.34 Prosaeinheit – Wissen ohne Verwirklichung
asti cecchavālaṅkāravatkarmācara vidyādūraḥ |
Besteht diese bloß äußere Beschäftigung dennoch, gleicht sie Schmuck an einem Leichnam; wer nur Handlungen vollzieht, bleibt von verwirklichter Erkenntnis fern.
Wort-für-Wort-Erläuterung: asti cet – wenn sie dennoch besteht; śava-alaṅkāra-vat – wie Schmuck an einem Leichnam; karma-ācara – bloßer Vollzieher von Handlungen; vidyā-dūraḥ – von Erkenntnis fern.
2.35 Prosaeinheit – Rezitation und Karma
na parivrāṇnāmasaṅkīrtanaparo yadyatkarma karoti tattatphalamanubhavati |
Ein Wandermönch soll nicht allein der lauten Wiederholung von Namen ergeben sein; jede Handlung, die er aus bindender Absicht vollzieht, bringt ihm die entsprechende Folge.
Wort-für-Wort-Erläuterung: parivrāṭ – Wandermönch; na nāma-saṅkīrtana-paraḥ – nicht allein der Namensrezitation ergeben; yat yat karma karoti – welche Handlung auch immer er ausführt; tat tat phalam anubhavati – deren jeweilige Folge erfährt er.
2.36 Prosaeinheit – Vollständiges Loslassen
eraṇḍatailaphenavatsarvaṃ parityajet |
Wie der Schaum des Rizinusöls spurlos zerfällt, soll er alles vollständig loslassen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: eraṇḍa-taila-phena-vat – wie der Schaum von Rizinusöl; sarvam parityajet – soll er alles vollständig aufgeben.
2.37 Prosaeinheit – Keine Tempelgaben
na devatāprasādagrahaṇam |
Er soll keine als Tempelgabe dargebrachte Speise oder Gabe für sich beanspruchen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; devatā-prasāda-grahaṇam – das Annehmen einer Gottheitsgabe beziehungsweise von Prasada.
2.38 Prosaeinheit – Verinnerlichte Verehrung
na bāhyadevābhyarcanaṃ kuryāt |
Er soll keine äußere Gottheitsverehrung mehr vollziehen, weil die Verehrung für ihn vollständig verinnerlicht ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na kuryāt – er soll nicht vollziehen; bāhya-deva-abhyarcanam – äußere Verehrung einer Gottheit.
2.39 Prosaeinheit – Leben von Madhukara-Almosen
svavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā madhukaravṛttyāhāramāharankṛśībhūtvā medovṛddhimakurvanviharet |
Nachdem er alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgegeben hat, soll er Nahrung nach Art der Honigbiene sammeln, schlank bleiben, keine Fettzunahme verursachen und frei wandern.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sva-vyatiriktam sarvam tyaktvā – alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgebend; madhukara-vṛttyā – nach Art der Honigbiene; āhāram āharan – Nahrung sammelnd; kṛśī-bhūtvā – schlank werdend; medaḥ-vṛddhim akurvan – keine Fettzunahme verursachend; viharet – soll er wandern.
2.40 Prosaeinheit – Gefäßlosigkeit
mādhūkareṇa karapātreṇāsyapātreṇa vā kālaṃ nayet |
Mit Bienenalmosen und der Hand oder dem Mund als Schale soll er seine Tage verbringen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mādhūkareṇa – durch Bienenalmosen; kara-pātreṇa – mit der Hand als Schale; āsya-pātreṇa vā – oder mit dem Mund als Schale; kālam nayet – soll er die Zeit beziehungsweise sein Leben verbringen.
2.41 Prosaeinheit – Nahrung nach rechtem Maß
ātmasaṃmitamāhāramāharedātmavānyatiḥ |
Der selbstbeherrschte Yati soll Nahrung nur in einem dem eigenen Bedarf angemessenen Maß aufnehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ātma-saṃmitam – dem eigenen Bedarf angemessen; āhāram āharet – soll Nahrung aufnehmen; ātmavān – selbstbeherrscht; yatiḥ – der Entsagte.
59. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
āhārasya ca bhāgau dvau tṛtīyamudakasya ca |
vāyoḥ sañcaraṇārthāya caturthamavaśeṣayet || 59 ||
Zwei Viertel des Magens soll der Entsagte mit Nahrung füllen und ein drittes mit Wasser; das vierte lasse er frei, damit der Atem sich bewegen kann.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āhārasya bhāgau dvau – zwei Anteile für Nahrung; tṛtīyam udakasya ca – und den dritten für Wasser; vāyoḥ sañcaraṇa-arthāya – für die Bewegung des Atems; caturtham avaśeṣayet – das vierte soll er frei lassen.
60. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |
nirīkṣante tvanudvignāstadgṛhaṃ yatnato vrajet || 60 ||
Er soll stets von Almosen leben und niemals nur aus einem einzigen Haushalt essen. Sorgfältig soll er zu einem Haus gehen, dessen Bewohner ihn ruhig und ohne Unwillen erwarten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhaikṣeṇa vartayet nityam – er soll stets von Almosen leben; na eka-anna-āśī bhavet kvacit – niemals von der Speise nur eines Haushalts leben; nirīkṣante tu anudvignāḥ – sie erwarten ihn ohne Beunruhigung; tat gṛham yatnataḥ vrajet – zu diesem Haus soll er sorgfältig gehen.
61. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pañcasaptagṛhāṇāṃ tu bhikṣāmicchetkriyāvatām |
godohamātramākāṅkṣenniṣkrānto na punarvrajet || 61 ||
Er soll bei fünf oder sieben pflichtbewussten Haushalten um Almosen bitten. Nur die Zeit eines Melkens soll er warten; ist er fortgegangen, kehre er nicht zurück.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-sapta-gṛhāṇām – bei fünf oder sieben Häusern; tu – aber; bhikṣām icchet – soll er Almosen erbitten; kriyāvatām – von pflichtbewussten Menschen; go-doha-mātram ākāṅkṣet – er soll nur die Dauer eines Kuhmelkens warten; niṣkrāntaḥ – fortgegangen; na punaḥ vrajet – soll er nicht wieder hingehen.
62. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
naktādvaraścopavāsa upavāsādayācitaḥ |
ayācitādvaraṃ bhaikṣyaṃ tasmātbhaikṣeṇa vardhayet || 62 ||
Besser als nur nachts zu essen ist das Fasten; besser als Fasten ist ungebeten erhaltene Nahrung; besser als ungebeten erhaltene Nahrung ist das regelgerechte Bettelmahl. Darum soll er sein Leben durch Almosen erhalten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: naktāt varaḥ upavāsaḥ – besser als ein Nachtmahl ist Fasten; upavāsāt ayācitaḥ – besser als Fasten ist das Ungebetene; ayācitāt varam bhaikṣyam – besser als Ungebetenes ist das regelgerechte Almosen; tasmāt – daher; bhaikṣeṇa vardhayet – soll er sich durch Almosen erhalten.
63. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
naiva savyāpasavyena bhikṣākāle viśedgṛhān |
nātikrāmedgṛhaṃ mohādyatra doṣo na vidyate || 63 ||
Zur Zeit des Bettelgangs soll er die Häuser weder nach rechts noch nach links systematisch ablaufen. Aus Verblendung soll er kein Haus übergehen, an dem kein erkennbarer Makel besteht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na eva savya-apasavyena – weder nach rechts noch nach links; bhikṣā-kāle – zur Bettelzeit; viśet gṛhān – soll er Häuser betreten; na atikrāmet gṛham – er soll kein Haus übergehen; mohāt – aus Verblendung; yatra doṣaḥ na vidyate – wo kein Makel vorhanden ist.
64. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
śrotriyānnaṃ na bhikṣeta śraddhābhaktibahiṣkṛtam |
vrātyasyāpi gṛhe bhikṣecchraddhābhaktipuraskṛte || 64 ||
Er soll keine Speise bei einem schriftgelehrten Menschen erbitten, wenn dort Vertrauen und Hingabe fehlen. Selbst im Haus eines außerhalb der Initiationsordnung Stehenden darf er Almosen nehmen, wenn Vertrauen und Hingabe vorausgehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śrotriya-annam na bhikṣeta – er soll Speise eines Schriftgelehrten nicht erbitten; śraddhā-bhakti-bahiṣkṛtam – wenn sie ohne Vertrauen und Hingabe ist; vrātyasya api gṛhe – selbst im Haus eines Vratya; bhikṣet – darf er betteln; śraddhā-bhakti-puraskṛte – wenn Vertrauen und Hingabe vorangehen.
65. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
mādhūkaramasaṅklṛptaṃ prākpraṇītamayācitam |
tātkālikaṃ copapannaṃ bhaikṣaṃ pañcavidhaṃ smṛtam || 65 ||
Fünf Arten des Almosens werden gelehrt: das „Bienenalmosen“, das nicht vorher verabredete, das zuvor angebotene, das im Augenblick angebotene und das von selbst zugebrachte.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mādhūkaram – das Almosen nach Art der Honigbiene; asaṅklṛptam – das nicht vorher verabredete; prāk-praṇītam – das zuvor angebotene; ayācitam – das ungebetene; tātkālikam – das im Augenblick angebotene; ca – und; upapannam – das von selbst zugebrachte; bhaikṣam pañca-vidham smṛtam – Almosen gilt als fünffach.
66. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
manaḥsaṅkalparahitāṃstrīngṛhānpañca sapta vā |
madhumakṣikavatkṛtvā mādhūkaramiti smṛtam || 66 ||
Wenn der Entsagte ohne vorherige Absicht zu drei, fünf oder sieben Häusern geht und wie eine Honigbiene jeweils nur wenig nimmt, wird dies Madhukara genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: manaḥ-saṅkalpa-rahitān – ohne geistige Vorplanung; trīn gṛhān pañca sapta vā – drei, fünf oder sieben Häuser; madhu-makṣikā-vat kṛtvā – wie eine Honigbiene handelnd; mādhūkaram iti smṛtam – wird Madhukara genannt.
67. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
prātaḥkāle ca pūrvedyuryadbhaktaiḥ prāthitaṃ muhuḥ |
tadbhaikṣaṃ prākpraṇītaṃ syātsthitiṃ kuryāttathāpi vā || 67 ||
Was Verehrende am Morgen oder schon am Vortag wiederholt angeboten haben, gilt als zuvor dargebrachtes Almosen; auch damit darf der Entsagte sein Leben erhalten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prātaḥ-kāle – am Morgen; ca pūrvedyuḥ – oder am Vortag; yat bhaktaiḥ prārthitam muhuḥ – was von Verehrenden wiederholt angeboten wurde; tat bhaikṣam prāk-praṇītam syāt – dieses Almosen gilt als zuvor dargebracht; sthitim kuryāt tathā api vā – auch damit darf er seinen Lebensunterhalt bestreiten.
68. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
bhikṣāṭanasamudyogādyena kena nimantritam |
ayācitaṃ tu tadbhaikṣaṃ bhoktavyaṃ ca mumukṣubhiḥ || 68 ||
Wird er, sobald er sich zum Bettelgang anschickt, von irgendjemandem eingeladen, gilt dieses Almosen als ungebeten; ein nach Befreiung Strebender darf es annehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhikṣā-aṭana-samudyogāt – beim Aufbruch zum Bettelgang; yena kena nimantritam – von irgendjemandem eingeladen; ayācitam tu tat bhaikṣam – das ist ungebetenes Almosen; bhoktavyam – darf gegessen werden; mumukṣubhiḥ – von nach Befreiung Strebenden.
69. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
upasthānena yatproktaṃ bhikṣārthaṃ brāhmaṇena tat |
tātkālikamiti khyātaṃ bhoktavyaṃ yatibhistadā || 69 ||
Was ein Brahmane bei der unmittelbaren Begegnung als Almosen anbietet, wird „im Augenblick erhalten“ genannt; der Entsagte darf es dann essen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: upasthānena – bei der unmittelbaren Begegnung; yat proktam – was angeboten wurde; bhikṣā-artham – als Almosen; brāhmaṇena – von einem Brahmanen; tat tātkālikam iti khyātam – das wird als im Augenblick erhalten bezeichnet; bhoktavyam yatibhiḥ tadā – soll beziehungsweise darf dann von Entsagten gegessen werden.
70. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
siddhamannaṃ yadānītaṃ brāhmaṇena maṭhaṃ prati |
upapannamiti prāhurmunayo mokṣakāṅkṣiṇaḥ || 70 ||
Wenn ein Brahmane fertig zubereitete Nahrung in das Kloster bringt, nennen die nach Befreiung strebenden Weisen dies „von selbst zugekommenes“ Almosen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: siddham annam – fertig zubereitete Nahrung; yat ānītam – die gebracht wurde; brāhmaṇena – von einem Brahmanen; maṭham prati – zum Kloster; upapannam iti prāhuḥ – nennen sie „von selbst zugekommen“; munayaḥ mokṣa-kāṅkṣiṇaḥ – die nach Befreiung verlangenden Weisen.
71. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
carenmādhūkaraṃ bhaikṣaṃ yatirmlecchakulādapi |
ekānnaṃ natu bhuñjīta bṛhaspatisamādapi |
yācitāyācitābhyāṃ ca bhikṣābhyāṃ kalpayetsthitam || 71 ||
Ein Yati darf das Bienenalmosen sogar bei einer als fremd geltenden Familie sammeln, soll aber niemals nur von einem einzigen Haushalt essen – selbst wenn dieser dem Brihaspati gliche. Aus erbetenen und ungebetenen Gaben soll er seinen Lebensunterhalt gestalten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: caret mādhūkaram bhaikṣam – er soll das Bienenalmosen sammeln; yatiḥ – der Entsagte; mleccha-kulāt api – selbst bei einer als fremd geltenden Familie; eka-annam na tu bhuñjīta – er soll nicht nur aus einem Haus essen; bṛhaspati-samāt api – selbst wenn es Brihaspati gleich wäre; yācita-ayācitābhyām bhikṣābhyām – aus erbetenen und ungebetenen Almosen; kalpayet sthitim – soll er seinen Lebensunterhalt gestalten.
72. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
na vāyuḥ sparśadoṣeṇa nāgnirdahanakarmaṇā |
nāpo mūtrapurīṣābhyāṃ nānnadoṣeṇa maskarī || 72 ||
Wie der Wind nicht durch Berührung, das Feuer nicht durch Verbrennen und das Wasser nicht durch Urin oder Kot verunreinigt wird, so wird der Stabträger nicht durch einen bloßen Fehler der Nahrung befleckt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na vāyuḥ sparśa-doṣeṇa – der Wind nicht durch den Fehler der Berührung; na agniḥ dahana-karmaṇā – das Feuer nicht durch seine Tätigkeit des Verbrennens; na āpaḥ mūtra-purīṣābhyām – das Wasser nicht durch Urin und Kot; na anna-doṣeṇa maskarī – der Stabträger nicht durch einen Fehler der Nahrung.
73. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vidhūme sannamusale vyaṅgāre bhuktavajjane |
kāle'parāhṇe bhūyiṣṭhe bhikṣācaraṇamācaret || 73 ||
Wenn der Rauch verschwunden ist, der Mörser ruht, die Kohlen erloschen sind und die Menschen gegessen haben, soll der Entsagte möglichst am späten Nachmittag seinen Bettelgang ausführen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vidhūme – wenn der Rauch fort ist; sanna-musale – wenn der Mörser beziehungsweise Stößel ruht; vyaṅgāre – wenn die Glut erloschen ist; bhuktavat-jane – wenn die Menschen gegessen haben; kāle aparāhṇe bhūyiṣṭhe – möglichst am späten Nachmittag; bhikṣā-caraṇam ācaret – soll er den Bettelgang vollziehen.
74. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
abhiśataṃ ca patitaṃ pāpaṇḍaṃ devapūjakam |
varjayitvā caredbhaikṣaṃ sarvavarṇeṣu cāpadi || 74 ||
Nach dieser historischen Ordensregel soll er Verfluchte, Gefallene, Andersgläubige und berufsmäßige Tempelpriester meiden; in einer Notlage darf er jedoch bei Angehörigen aller gesellschaftlichen Gruppen um Almosen gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: abhiśastam – einen Verfluchten beziehungsweise öffentlich Beschuldigten; patitam – einen Gefallenen; pāṣaṇḍam – einen aus Sicht der Quelle Andersgläubigen; deva-pūjakam – einen berufsmäßigen Tempelpriester; varjayitvā – meidend; caret bhaikṣam – soll er Almosen sammeln; sarva-varṇeṣu – bei allen sozialen Gruppen; āpadi – in einer Notlage. Die Aufzählung ist historisch zu kontextualisieren.
75. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
ghṛtaṃ svamūtrasadṛśaṃ madhu syātsurayā samam |
tailaṃ sūkaramūtraṃ syātsūpaṃ laśunasaṃmitam || 75 ||
Der Text verlangt strenge Nahrungsentsagung: Ghee sei wie eigener Urin anzusehen, Honig wie Alkohol, Öl wie Schweineurin und gewürzte Brühe wie Knoblauch.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ghṛtam – Ghee; sva-mūtra-sadṛśam – dem eigenen Urin vergleichbar; madhu – Honig; surayā samam – alkoholischem Getränk gleich; tailam – Öl; sūkara-mūtram syāt – soll wie Schweineurin gelten; sūpam – Brühe beziehungsweise gewürztes Gericht; laśuna-saṃmitam – Knoblauch gleichgesetzt.
76. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
māṣāpūṣādi gomāṃsaṃ kṣīraṃ mūtrasamaṃ bhavet |
tasmātsarvaprayatnena ghṛtādīnvarjayedyatiḥ |
ghṛtasūpādisaṃyuktamannaṃ nādyātkadācana || 76 ||
Gerichte aus schwarzen Bohnen und Kuchen sowie Ähnliches gelten hier wie Rindfleisch, Milch wie Urin. Deshalb soll der Yati Ghee und Ähnliches mit größter Sorgfalt meiden und niemals Speise essen, die mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbunden ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: māṣa-apūpa-ādi – schwarze Bohnen, Kuchen und Ähnliches; go-māṃsam – Rindfleisch; kṣīram – Milch; mūtra-samam bhavet – soll Urin gleich gelten; tasmāt – deshalb; sarva-prayatnena – mit größter Sorgfalt; ghṛta-ādīn varjayet yatiḥ – soll der Yati Ghee und Ähnliches meiden; ghṛta-sūpa-ādi-saṃyuktam annam – mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbundene Speise; na adyāt kadācana – soll er niemals essen.
77. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pātramasya bhavetpāṇistena nityaṃ sthitiṃ nayet |
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret || 77 ||
Seine Hand soll sein Gefäß sein; mit ihr soll er sein Leben beständig führen. Der wandernde Yogi, dessen Hand die Schale ist, soll nicht mehrfach am Tag um Almosen gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pātram asya bhavet pāṇiḥ – seine Hand soll sein Gefäß sein; tena nityam sthitim nayet – damit soll er beständig sein Leben führen; pāṇi-pātraḥ – die Hand als Schale habend; caran yogī – der wandernde Yogi; na asakṛt bhaikṣam ācaret – soll den Bettelgang nicht mehrmals ausführen.
78. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 78 ||
Wenn der Muni Nahrung mit dem Mund sucht wie eine Kuh und dabei allen gegenüber gleich bleibt, wird er zur Unsterblichkeit befähigt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āsyena tu – mit dem Mund aber; yat āhāram – die Nahrung, welche; go-vat mṛgayate – er wie eine Kuh sucht; muniḥ – der Weise; tadā samaḥ syāt sarveṣu – dann soll er allen gegenüber gleich sein; saḥ amṛtatvāya kalpate – er wird für Unsterblichkeit geeignet.
2.42 Prosaeinheit – Radikale Gleichnisse der Entsagung
ājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ palalamiva gandhalepanamaśuddhalepanamiva kṣāramantyajamiva vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva jñātacaradeśaṃ caṇḍālavāṭikādiva striyamahimiva suvarṇaṃ kālakūṭamiva sabhāsthalaṃ śmaśānasthalamiva rājadhānīṃ kuṃbhīpākamiva śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na devatārcanam |
In einer bewusst drastischen Bildreihe soll der Entsagte Ghee wie Blut, Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch, Duftsalbe wie Schmutz, scharfe Würze wie soziale Ächtung, Kleidung wie ein benutztes Gefäß, Einölen wie sexuelle Bindung, schmeichelnde Freundschaft wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, vertraute Gegenden wie einen Ort der Ausgestoßenen, sexuelle Verlockung wie eine Schlange, Gold wie tödliches Gift, Versammlungsorte wie Verbrennungsstätten und Königshöfe wie eine Höllenqual meiden. Er soll weder von nur einem Haushalt leben noch äußere Gottheitsverehrung zu seinem neuen Besitz machen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ājyam rudhiram iva tyajet – Ghee wie Blut meiden; ekatra-annam palalam iva – Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch; gandha-lepanam aśuddha-lepanam iva – Duftsalbe wie unreine Salbe; kṣāram antyajam iva – Scharfes wie soziale Ächtung; vastram ucchiṣṭa-pātram iva – Kleidung wie ein benutztes Gefäß; abhyaṅgam strī-saṅgam iva – Einölen wie sexuelle Verbindung; mitra-āhlādakam mūtram iva – schmeichelnde Freundschaft wie Urin; spṛhām go-māṃsam iva – Begehren wie Rindfleisch; jñāta-cara-deśam caṇḍāla-vāṭikām iva – vertraute Gegend wie einen Ort der Ausgestoßenen; striyam ahim iva – eine sexuell begehrte Frau wie eine Schlange; suvarṇam kālakūṭam iva – Gold wie das Gift Kalakuta; sabhā-sthalam śmaśāna-sthalam iva – Versammlungsort wie Verbrennungsstätte; rājadhānīm kumbhīpākam iva – Königshof wie eine Höllenqual; śava-piṇḍa-vat ekatra-annam – Nahrung aus einer Quelle wie Totenspeise; na devatā-arcanam – keine äußere Gottheitsverehrung. Die Vergleiche spiegeln eine extreme historische Askese.
2.43 Prosaeinheit – Jivanmukti
prapañcavṛttiṃ parityaya jīvanmukto bhavet ||
Indem er die bindende Bewegung der Erscheinungswelt vollständig aufgibt, soll er zu einem zu Lebzeiten Befreiten werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prapañca-vṛttim – die bindende Bewegung der Erscheinungswelt; parityajya – vollständig aufgebend; jīvanmuktaḥ bhavet – soll er ein Jivanmukta werden.
79. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
āsanaṃ pātralopaśca sañcayaḥ śiṣyasañcayaḥ |
divāsvāpo vṛthālāpo yaterbandhakarāṇi ṣaṭ || 79 ||
Sechs Dinge binden den Yati: ein fester Wohnsitz, das Ansammeln von Gefäßen, Vorratshaltung, das Ansammeln von Schülern, Schlaf am Tage und leeres Gerede.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āsanam – dauerhafter Sitz beziehungsweise Wohnsitz; pātra-lopaḥ – Überschreitung beim Gefäßbesitz; sañcayaḥ – Vorrat; śiṣya-sañcayaḥ – Ansammlung von Schülern; divā-svāpaḥ – Tagschlaf; vṛthā-ālāpaḥ – leeres Gerede; yateḥ bandha-karāṇi ṣaṭ – sechs Bindungen des Yati.
80. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
varṣābhyo'nyatra yatsthānamāsanaṃ tadudāhṛtam |
utkālābvādipātrāṇāmekasyāpīha saṅgrahaḥ || 80 ||
Als „fester Sitz“ gilt ein Aufenthalt außerhalb der Regenzeit. Als Überschreitung beim Gefäßbesitz gilt hier schon das Sammeln auch nur eines der genannten zusätzlichen Gefäße.
Wort-für-Wort-Erläuterung: varṣābhyaḥ anyatra – außerhalb der Regenzeit; yat sthānam – welcher Aufenthalt; āsanam tat udāhṛtam – der wird als fester Sitz bezeichnet; utkāla-abja-ādi-pātrāṇām – von besonderen Gefäßen aus Kürbis, Holz oder Ähnlichem; ekasya api iha saṅgrahaḥ – hier schon das Sammeln auch nur eines.
81. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
yateḥ saṃvyavaharāya pātralopaḥ sa ucyate |
gṛhītasya tu daṇḍāderdvitīyasya parigrahaḥ || 81 ||
Das wird als Überschreitung des Gefäßgebrauchs eines Yati bezeichnet. Auch die Annahme eines zweiten Stücks von einem bereits besessenen Gegenstand wie dem Stab gehört dazu.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yateḥ saṃvyavahārāya – für den praktischen Gebrauch des Yati; pātra-lopaḥ saḥ ucyate – wird dies Gefäßüberschreitung genannt; gṛhītasya – von etwas bereits Angenommenem; daṇḍa-ādeḥ – vom Stab und Ähnlichem; dvitīyasya parigrahaḥ – die Annahme eines zweiten Exemplars.
82. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kālāntaropabhogārthaṃ sañcayaḥ parikīrtitaḥ |
śuśrūṣālābhapūjārthaṃ yaśorthaṃ vā parigrahaḥ || 82 ||
Was für späteren Gebrauch zurückgelegt wird, heißt Vorrat. Schüler um des Bedientwerdens, des Gewinns, der Verehrung oder des Ruhmes willen anzunehmen, heißt Schüleransammlung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kāla-antara-upabhoga-artham – zum Gebrauch zu späterer Zeit; sañcayaḥ parikīrtitaḥ – wird Vorrat genannt; śuśrūṣā – Dienstleistung; lābha – Gewinn; pūjā-artham – um der Verehrung willen; yaśaḥ-artham vā – oder um des Ruhmes willen; parigrahaḥ – Annahme beziehungsweise Ansammlung.
83. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
śiṣyāṇāṃ natu kāruṇyācchiṣyasaṅgraha īritaḥ |
vidyā divā prakāśatvādavidyā rātrirucyate || 83 ||
Schüler nur aus Mitgefühl anzunehmen, wird dagegen nicht als Schüleransammlung verurteilt. Weil Erkenntnis Licht ist, heißt sie Tag; Nichtwissen wird Nacht genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śiṣyāṇām – von Schülern; na tu kāruṇyāt – nicht jedoch aus Mitgefühl; śiṣya-saṅgrahaḥ īritaḥ – wird als verwerfliche Schüleransammlung bezeichnet; vidyā – Erkenntnis; divā – Tag; prakāśatvāt – weil sie Licht ist; avidyā – Nichtwissen; rātriḥ ucyate – wird Nacht genannt.
84. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vidyābhyāse pramādo yaḥ sa divāsvāpa ucyate |
ādhyātmikīṃ kathāṃ muktvā bhikṣāvārtāṃ vinā tathā || 84 ||
Nachlässigkeit im Studium der Erkenntnis wird „Schlaf am Tage“ genannt. Außer einem spirituellen Gespräch und der notwendigen Mitteilung über Almosen soll der Yati unnötige Gespräche meiden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vidyā-abhyāse pramādaḥ – Nachlässigkeit in der Übung der Erkenntnis; saḥ divā-svāpaḥ ucyate – das wird Tagschlaf genannt; ādhyātmikīm kathām muktvā – abgesehen von einem spirituellen Gespräch; bhikṣā-vārtām vinā tathā – ebenso mit Ausnahme einer notwendigen Mitteilung über Almosen.
85. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
anugrahaṃ paripraśnaṃ vṛthājalpo'nya ucyate |
ekānnaṃ madamātsaryaṃ gandhapuṣpavibhūṣaṇam || 85 ||
Eine Segnung und eine ernsthafte Frage sind ausgenommen; anderes Reden heißt leeres Geschwätz. Nahrung nur aus einem Haus, Stolz, Neid sowie Schmuck mit Duftstoffen und Blumen gehören zu den weiteren Hindernissen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: anugraham – Segnung; paripraśnam – ernsthafte Frage; vṛthā-jalpaḥ anyaḥ ucyate – anderes wird leeres Geschwätz genannt; eka-annam – Nahrung aus nur einem Haus; mada – Stolz; mātsaryam – Neid; gandha-puṣpa-vibhūṣaṇam – Schmuck mit Duftstoffen und Blumen.
86. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tāmbūlābhyañjane krīḍā bhogākāṅkṣā rasāyanam |
katthanaṃ kutsanaṃ svasti jyotiśca krayavikrayam || 86 ||
Betelkauen, Einölen, Spiele, Verlangen nach Genuss, Verjüngungsmittel, Prahlen, Herabsetzen anderer, weltliche Segensrituale, Astrologie sowie Kaufen und Verkaufen sind zu meiden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tāmbūla – Betel; abhyañjane – Einölen; krīḍā – Spiel; bhoga-ākāṅkṣā – Verlangen nach Genuss; rasāyanam – Verjüngungsmittel; katthanam – Prahlen; kutsanam – Herabsetzen; svasti – Segensritual; jyotiḥ – Astrologie; kraya-vikrayam – Kaufen und Verkaufen.
87. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
kriyākarmavivādaśca guruvākyavilaṅghanam |
sandhiśca vigraho yānaṃ mañcakaṃ śuklavastrakam || 87 ||
Streit über Riten und Handlungen, Übertretung des Guru-Wortes, Bündnisse und Feindschaften, Fahrzeuge, erhöhte Betten und weiße Kleidung sind für diesen Entsagungsorden ebenfalls untersagt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kriyā-karma-vivādaḥ – Streit über Riten und Handlungen; guru-vākya-vilaṅghanam – Übertretung des Wortes des Guru; sandhiḥ – Bündnis; vigrahaḥ – Konflikt; yānam – Fahrzeug; mañcakam – Bettgestell; śukla-vastrakam – weißes Kleid.
88. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
śuklotsargo divāsvāpo bhikṣādhārastu taijasam |
viṣaṃ caivāyudhaṃ bījaṃ hiṃsāṃ taikṣṇyaṃ ca maithunam || 88 ||
Samenerguss, Schlaf am Tage und ein metallisches Almosengefäß, ferner Gift, Waffen, Saatgut, Gewalt, Härte und Geschlechtsverkehr werden in dieser strengen Ordensregel verworfen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śukla-utsargaḥ – Samenerguss; divā-svāpaḥ – Tagschlaf; bhikṣā-ādhāraḥ tu taijasam – ein Almosengefäß aus Metall; viṣam – Gift; āyudham – Waffe; bījam – Saatgut; hiṃsām – Gewalt; taikṣṇyam – Härte; maithunam – Geschlechtsverkehr.
89. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
tyaktaṃ saṃnyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam |
gotrādicaraṇaṃ sarvaṃ pitṛmātṛkulaṃ dhanam |
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ || 89 ||
Durch den Yoga des Sannyasa sind häusliche Pflichten und Gelübde, alle Regeln von Herkunft und Familie, die Bindungen an väterliche und mütterliche Linie sowie Besitz aufgegeben. Wer diese untersagten Dinge weiter pflegt, sinkt nach der Lehre des Textes herab.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tyaktam saṃnyāsa-yogena – durch den Yoga der Entsagung aufgegeben; gṛha-dharma-ādikam vratam – Gelübde und Pflichten des Hauses; gotra-ādi-caraṇam sarvam – alle Regeln von Gotra und Herkunft; pitṛ-mātṛ-kulam – väterliche und mütterliche Familie; dhanam – Besitz; pratiṣiddhāni ca etāni – diese untersagten Dinge; sevamānaḥ – weiter pflegend; vrajet adhaḥ – geht abwärts.
90. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sujīrṇo'pi sujīrṇāsu vidvāṃstrīṣu na viśvaset |
sujīrṇāsvapi kanthāsu sajjate jīrṇamambaram || 90 ||
Selbst wenn er sehr erfahren ist, soll der Gelehrte nach der asketischen Warnung nicht auf sexuelle Nähe vertrauen: Selbst an sehr abgetragenen Flickendecken bleibt ein altes Gewand leicht hängen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sujīrṇaḥ api – selbst sehr erfahren beziehungsweise alt geworden; sujīrṇāsu – bei sehr Erfahrenen beziehungsweise Alten; vidvān – der Gelehrte; strīṣu na viśvaset – soll Frauen nicht vertrauen; sujīrṇāsu api kanthāsu – selbst an sehr abgetragenen Flickendecken; sajjate – haftet; jīrṇam ambaram – ein altes Gewand. Das problematische Frauenbild ist zeit- und ordensgeschichtlich einzuordnen, nicht zu verallgemeinern.
91. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ bījaṃ taijasaṃ viṣamāyudham |
ṣaḍetāni na gṛhṇīyādyatirmūtrapurīṣavat || 91 ||
Ein Yati soll sechs Dinge so meiden wie Urin und Kot: unbewegliches und bewegliches Saatgut beziehungsweise Besitz, Metall, Gift und Waffen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sthāvaram – Unbewegliches, auch pflanzliches Saatgut; jaṅgamam – Bewegliches; bījam – Samen; taijasam – Metallgegenstand; viṣam – Gift; āyudham – Waffe; ṣaṭ etāni – diese sechs; na gṛhṇīyāt yatiḥ – soll der Yati nicht annehmen; mūtra-purīṣa-vat – wie Urin und Kot.
92. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
naivādadīta pātheyaṃ yatiḥ kiñcidanāpadi |
pakvamāpatsu gṛṇhīyādyāvadannaṃ na labhyate || 92 ||
Außer in einer Notlage soll ein Yati keinerlei Reisevorrat annehmen. In Notzeiten darf er gekochte Nahrung mitnehmen, bis wieder Essen erhältlich ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na eva ādādīta – er soll keineswegs annehmen; pātheyam – Reisevorrat; yatiḥ – der Entsagte; kiñcit – irgendetwas; anāpadi – wenn keine Notlage besteht; pakvam – Gekochtes; āpatsu gṛhṇīyāt – in Notlagen darf er annehmen; yāvat annam na labhyate – solange keine Nahrung erlangt wird.
93. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
nīrujaśca yuvā caiva bhikṣurnāvasathe vaset |
parārthaṃ na pratigrāhyaṃ na dadyācca kathañcana || 93 ||
Ein gesunder und junger Bettelmönch soll nicht in einer Herberge oder einem dauerhaften Haus wohnen. Für andere soll er nichts annehmen und unter keinen Umständen etwas weitergeben, was ihm als Entsagtem anvertraut wurde.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nīrujaḥ ca – gesund; yuvā ca eva – und jung; bhikṣuḥ – der Bettelmönch; na āvasathe vaset – soll nicht in einer Herberge beziehungsweise einem Haus wohnen; para-artham – für einen anderen; na pratigrāhyam – soll nichts angenommen werden; na dadyāt ca kathañcana – soll es keinesfalls weitergeben.
94. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
dainyabhāvāttu bhūtānāṃ saubhagāya yatiścaret |
pakvaṃ vā yadi vā'pakvaṃ yācamāno vrajedadhaḥ || 94 ||
Aus Mitgefühl für die Bedrängnis der Wesen und zu ihrem Wohl soll der Yati wandern. Wer jedoch gezielt gekochte oder ungekochte Vorräte verlangt, fällt nach dieser Ordensregel von seinem Gelübde ab.
Wort-für-Wort-Erläuterung: dainya-bhāvāt tu bhūtānām – aus Mitgefühl für den bedrängten Zustand der Wesen; saubhagāya – zu ihrem Wohl; yatiḥ caret – soll der Yati wandern; pakvam vā – Gekochtes oder; yadi vā apakvam – Ungekochtes; yācamānaḥ – gezielt erbittend; vrajet adhaḥ – fällt herab.
95. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
annapānaparo bhikṣurvastrādīnāṃ pratigrahī |
āvikaṃ vānāvikaṃ vā tathā paṭṭapaṭānapi || 95 ||
Ein Bettelmönch, der vor allem auf Essen und Trinken aus ist und Kleider und andere Dinge annimmt – seien sie aus Wolle, aus anderem Stoff oder sogar aus Seide –, gefährdet seine Entsagung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: anna-pāna-paraḥ – auf Essen und Trinken ausgerichtet; bhikṣuḥ – der Bettelmönch; vastra-ādīnām pratigrahī – Kleider und Ähnliches annehmend; āvikam vā – aus Wolle; anāvikam vā – aus anderem Material; tathā paṭṭa-paṭān api – ebenso sogar Seidenstoffe.
96. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pratigṛhya yatiścaitānpatatyeva na saṃśayaḥ |
advaitaṃ nāvamāśritya jīvanmuktatvamāpnuyāt || 96 ||
Nimmt der Yati solche Dinge an, fällt er ohne Zweifel aus seiner Disziplin. Wenn er dagegen das Boot der Nichtdualität besteigt, kann er Befreiung zu Lebzeiten erlangen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pratigṛhya – angenommen habend; yatiḥ ca etān – der Yati diese Dinge; patati eva – fällt wahrlich; na saṃśayaḥ – ohne Zweifel; advaitam nāvam āśritya – das Boot des Advaita besteigend; jīvanmuktatvam āpnuyāt – kann er Jivanmukti erlangen.
97. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
vāgdaṇḍe maunamātiṣṭetkāyadaṇḍe tvabhojanam |
mānase tu kṛte daṇḍe prāṇāyāmo vidhīyate || 97 ||
Als Zügel der Sprache soll er Schweigen üben, als Zügel des Körpers Fasten. Wird der Geist gezügelt, ist dafür Pranayama vorgesehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk-daṇḍe – bei der Disziplin der Rede; maunam ātiṣṭhet – soll er Schweigen üben; kāya-daṇḍe – bei der Disziplin des Körpers; tu abhojanam – dagegen Nichtessen; mānase tu kṛte daṇḍe – wenn die geistige Disziplin vollzogen wird; prāṇāyāmaḥ vidhīyate – wird Pranayama vorgeschrieben.
98. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
karmaṇā badhyate janturvidyayā ca vimucyate |
tasmātkarma na kurvanti yatayaḥ pāradarśinaḥ || 98 ||
Durch Handeln wird das Lebewesen gebunden, durch Erkenntnis wird es befreit. Deshalb verrichten Entsagte, die das jenseitige Ufer schauen, kein bindendes Ritualhandeln.
Wort-für-Wort-Erläuterung: karmaṇā badhyate jantuḥ – durch Handeln wird das Lebewesen gebunden; vidyayā ca vimucyate – durch Erkenntnis wird es befreit; tasmāt – deshalb; karma na kurvanti – führen sie kein bindendes Ritualhandeln aus; yatayaḥ – die Entsagten; pāra-darśinaḥ – die das jenseitige Ufer sehen.
99. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
rathyāyāṃ bahuvastrāṇi bhikṣā sarvatra labhyate |
bhūmiḥ śayyāsti vistīrṇā yatayaḥ kena duḥkhitaḥ || 99 ||
Auf den Wegen finden sich viele weggeworfene Kleidungsstücke, und Almosen gibt es überall; die weite Erde dient als Lager. Wodurch sollten Entsagte da unglücklich sein?
Wort-für-Wort-Erläuterung: rathyāyām – auf der Straße, auf dem Weg; bahu-vastrāṇi – viele Kleidungsstücke; bhikṣā sarvatra labhyate – Almosen wird überall gefunden; bhūmiḥ śayyā asti vistīrṇā – die weite Erde ist als Lager vorhanden; yatayaḥ kena duḥkhitāḥ – wodurch sollten Entsagte unglücklich sein?
100. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
prapañcamakhilaṃ yastu jñānāgnau juhuyādyatiḥ |
ātmanyagnīnsamāropya so'gnihotrī mahāyatiḥ || 100 ||
Der Yati, der die gesamte Erscheinungswelt in das Feuer der Erkenntnis opfert und die Opferfeuer in den eigenen Atman zurücknimmt, ist der wahre Agnihotrin und ein großer Entsagter.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prapañcam akhilam – die gesamte Erscheinungswelt; yaḥ tu – wer aber; jñāna-agnau juhuyāt – in das Feuer der Erkenntnis opfert; yatiḥ – der Entsagte; ātmani agnīn samāropya – die Feuer in den Atman übertragend; saḥ agnihotrī – der ist ein Feueropfernder; mahā-yatiḥ – ein großer Entsagter.
101. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
pravṛttirdvividhā proktā mārjārī caiva vānarī |
jñānābhyāsavatāmoturvānarībhāktvameva ca || 101 ||
Zwei Arten des geistlichen Fortschritts werden gelehrt: der Weg der Katze und der Weg des Affen. Für Menschen, die Erkenntnis beständig üben, wird hier besonders der Affenweg – das eigene beharrliche Festhalten an der Lehre – hervorgehoben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pravṛttiḥ dvi-vidhā proktā – zweierlei Vorgehensweise wird gelehrt; mārjārī – die katzenartige, bei der das Junge getragen wird; ca eva vānarī – und die affenartige, bei der das Junge selbst festhält; jñāna-abhyāsa-vatām – für Menschen mit beständiger Erkenntnisübung; vānarī-bhaktvam eva – besonders die Zugehörigkeit zum Affenweg. Die überlieferte Lesart des zweiten Halbverses ist unsicher; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Gegensatzpaar.
102. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
nāpṛṣṭaḥ kasyacidbrūyānna cānyāyena pṛcchataḥ |
jānannapi hi medhāvī jaḍavallokamācaret || 102 ||
Ungefragt soll er zu niemandem sprechen und auch dem nicht antworten, der in ungehöriger Weise fragt. Obwohl der Einsichtige die Antwort kennt, soll er sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na apṛṣṭaḥ – nicht ungefragt; kasyacit brūyāt – soll er zu irgendjemandem sprechen; na ca – und nicht; anyāyena pṛcchataḥ – zu einem, der ungehörig fragt; jānan api – obwohl wissend; hi medhāvī – der Einsichtige; jaḍa-vat loke ācaret – soll sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten.
103. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
sarveṣāmeva pāpānāṃ saṅghāte samupasthite |
tāraṃ dvādaśasāhasramabhyasecchedanaṃ hi tat || 103 ||
Wenn sich die Folgen aller Verfehlungen zu einem großen Bündel verdichtet haben, soll man den rettenden Laut Om zwölftausendmal üben; dies durchschneidet jene Bindung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarveṣām eva pāpānām – aller Verfehlungen; saṅghāte samupasthite – wenn ihr Bündel hervorgetreten ist; tāram – den rettenden Laut, Om; dvādaśa-sāhasram – zwölftausendmal; abhyaset – soll man üben; chedanam hi tat – dies ist wahrlich das Durchschneiden.
104. Vers Sannyasa Upanishad (zweites Kapitel)
yastu dvādaśasāhasraṃ praṇavaṃ japate'nvaham |
tasya dvādaśabhirmāsaiḥ paraṃ brahma prakāśate || 104 ||
Wer Tag für Tag den Pranava zwölftausendmal wiederholt, dem offenbart sich nach zwölf Monaten das höchste Brahman.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ tu – wer aber; dvādaśa-sāhasram – zwölftausendmal; praṇavam japate – den Pranava wiederholt; anvaham – Tag für Tag; tasya – ihm; dvādaśabhiḥ māsaiḥ – nach zwölf Monaten; param brahma prakāśate – offenbart sich das höchste Brahman. Die Zahl ist eine traditionelle asketische Vorschrift, keine Erfolgsgarantie.
Kolophon des zweiten Kapitels
ityupaniṣat hariḥ oṃ tatsat || iti dvitīyo'dhyāyaḥ || 2 ||
So lautet die Upanishad. Hari Om Tat Sat. So endet das zweite Kapitel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti upaniṣat – so lautet die Upanishad; hariḥ oṃ – Hari Om; tat sat – Das ist das Wirkliche; iti – so; dvitīyaḥ adhyāyaḥ – zweites Kapitel.
Abschließendes Shanti Mantra
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ śrotramatho balamindriyāṇi ca ||
sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇamastvanirākaraṇaṃ mestu
tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste mayi santu te mayi santu |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein. Mögen die Lehren der Upanishaden in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: āpyāyantu – mögen erstarken; mama aṅgāni – meine Glieder; vāk-prāṇa-cakṣuḥ-śrotram – Sprache, Atem, Auge und Ohr; balam indriyāṇi ca – Kraft und Sinne; sarvam brahma-upaniṣadam – alles ist Brahman, wie die Upanishaden lehren; mā nirākuryām – möge ich nicht zurückweisen; mā nirākarot – möge es mich nicht zurückweisen; dharmāḥ mayi santu – mögen die Lehren in mir sein; śāntiḥ – Frieden.
Schlusskolophon
iti saṃnyāsopaniṣatsamāptā ||
So endet die Sannyasa Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; saṃnyāsa-upaniṣat – die Sannyasa Upanishad; samāptā – beendet, vollendet.
Sannyasa Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung
Name, Zugehörigkeit und Textgestalt
Saṃnyāsa bedeutet wörtlich „vollständiges Niederlegen“ oder „gänzliches Loslassen“. Gemeint ist sowohl der formelle Eintritt in den vierten Ashrama als auch die innere Aufgabe des Besitz- und Ichanspruchs. Die Upanishad wird dem Samaveda zugeordnet. In der Muktika-Liste folgt sie unmittelbar auf die Turiyatita Upanishad und vor der Paramahamsaparivrajaka Upanishad.
Die erhaltene Fassung ist kompositorisch vielschichtig. Ritualprosa, Ordensrecht, asketische Merkverse, eine längere nichtduale Kontemplation und detaillierte Regeln über Nahrung und Besitz stehen nebeneinander. Gerade diese Verschiedenheit macht wahrscheinlich, dass ältere Überlieferungen gesammelt und in einer späteren Redaktion verbunden wurden. Die Zählung der benutzten Sanskritausgabe ist eindeutig: Kapitel zwei besitzt die Verse 1 bis 104; die Prosastücke zwischen ihnen gehören ebenfalls zum vollständigen Text.
Datierung und historischer Hintergrund
Autor und genauer Entstehungsort sind unbekannt. Die entwickelte Einteilung in mehrere Entsagungsstufen, die ausgebauten Regeln monastischer Lebensführung und die Verknüpfung mit spätadvaitischen Kontemplationsversen sprechen für eine mittelalterliche Endgestalt. Die Forschung ordnet die meisten jüngeren Sannyasa-Upanishaden ungefähr dem 14. bis 15. Jahrhundert zu; für einzelne Schichten dieses Textes bleibt eine frühere Herkunft möglich. Eine genaue Jahreszahl wäre ohne eine kritische Gesamtausgabe der Handschriften nicht seriös.
Der Text setzt eine institutionalisierte Welt wandernder und sesshafter Asketen voraus. Er unterscheidet Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta. Zugleich kennt er vier Beweggründe oder Wege zur Entsagung: Vairagya, Erkenntnis, die Verbindung beider und den regelgerechten Übergang durch die Lebensstadien.
Aufbau und Inhalt des ersten Kapitels
Das erste Kapitel schildert den Übergang vom Haushälter zum Entsagten. Familie und Priester sollen einbezogen, Besitz verschenkt und die äußeren Opferfeuer in die fünf Pranas beziehungsweise in das eigene Leben zurückgenommen werden. Haarschopf und Opferschnur werden abgelegt. Besonders bedeutsam ist die Verinnerlichung: Meditation über den Atman wird zur wahren Opferschnur, Erkenntnis zum wahren Haarschopf.
Nahrung wird wie Medizin betrachtet. Sie dient der Erhaltung des Lebens, nicht der Befriedigung von Gier. Der Wandernde soll wenig besitzen, nicht lange an einem Ort bleiben und Tag und Nacht aus der Perspektive des unveränderlichen Bewusstseins betrachten.
Aufbau und Inhalt des zweiten Kapitels
Der erste Teil behandelt Voraussetzungen, Riten, Stab und Wassergefäß sowie unterschiedliche Formen der Entsagung. Einige Bestimmungen schließen Menschen aufgrund von Geschlecht, Körper, Krankheit, sozialer Zugehörigkeit oder religiöser Position aus. Solche Aussagen spiegeln die Begrenzungen einer vormodernen Männer- und Ordensgesellschaft. Sie dürfen nicht als zeitlose Aussagen über spirituelle Fähigkeit oder Menschenwürde ausgelegt werden.
Die Verse 13 bis 58 bilden eine großartige nichtduale Meditation. Körper, Sinnesobjekte und Sinnesvorgänge werden als vergänglich und unbewusst erkannt. Das wahre Selbst ist dagegen das Licht, in dem sie erscheinen. Aus dieser Einsicht folgen Gleichmut, Zeugenbewusstsein und die Auflösung der Trennung zwischen Erkennendem und Erkanntem.
Nach Vers 58 kehrt der Text zu Ordensregeln zurück. Er beschreibt Bettelpraxis, Speisemaß, Besitzlosigkeit, Schweigen und den vorsichtigen Umgang mit Schülern. Die letzten Verse führen erneut zur inneren Bedeutung: Der wahre Agnihotrin opfert die ganze Erscheinungswelt im Feuer der Erkenntnis; Om wird als rettender Pranava verehrt.

Philosophische Kernlehre
Die zentrale Unterscheidung lautet: Körper, Sinne, Klang, Berührung, Geschmack, Form und Geruch sind wahrnehmbar, wechselhaft und an Bedingungen gebunden. Der Atman ist nicht ein weiteres wahrgenommenes Objekt. Er ist das Bewusstsein, durch das alle Objekte und selbst die Tätigkeit der Sinne offenbar werden.
Diese Lehre mündet nicht in Weltverachtung, sondern in Nichtanhaftung. Der verwirklichte Mensch kann handeln, ohne sich als begrenzten Täter festzuschreiben. Er lässt Kommendes kommen und Gehendes gehen. Frieden entsteht, wenn die starre Beziehung zwischen Erfasser und Erfasstem erlischt; dieser gefestigte Frieden wird im Text Moksha genannt.
Sannyasa als äußere und innere Entsagung
Die Upanishad nimmt äußere Entsagung sehr ernst. Dennoch überbietet sie äußere Zeichen durch innere Erkenntnis. Stab, Kleidung und Bettelregeln können Disziplin fördern, sind aber nicht mit Befreiung identisch. Wer Gelehrsamkeit, Anhänger oder Ansehen sammelt, kann auch im Gewand eines Mönchs gebunden bleiben.
Für Menschen außerhalb eines formellen Ordens bedeutet dies: Jede Lebensform besitzt ihre eigene verantwortliche Form des Loslassens. Ein Haushälter muss seine Familie nicht verlassen, um Besitzdenken, Geltungssucht und zwanghafte Wünsche zu prüfen. Karma Yoga kann zu innerem Sannyasa werden, wenn Handlungen gewissenhaft, aber ohne egoistische Aneignung ausgeführt werden.
Problematische und zeitgebundene Passagen
Mehrere Regeln widersprechen heutigen Grundsätzen von Gleichwertigkeit und Inklusion. Körperlich beeinträchtigte, kranke oder sozial ausgegrenzte Menschen werden vom formellen Sannyasa ausgeschlossen; Frauen erscheinen an einzelnen Stellen einseitig als Gefahr für männliche Askese. Solche Aussagen sind weder medizinisch noch ethisch als heutige Norm zu übernehmen. Eine genaue Ausgabe soll sie nicht verschweigen, muss sie aber ausdrücklich als historische Ordensregeln kennzeichnen.
Auch die drastischen Speisevergleiche sind keine allgemeine Ernährungslehre. Sie dienen der radikalen Abkühlung von Genussverlangen innerhalb einer besonderen asketischen Lebensform. Für heutige Übende sind maßvolle, gesundheitsverträgliche und verantwortliche Ernährung sowie gegebenenfalls medizinische Beratung wichtiger als eine wörtliche Nachahmung extremer Regeln.
Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten
Ein Yoga Aspirant kann fünf bleibende Anregungen aufnehmen: Nahrung als Unterstützung statt als Ersatzbefriedigung betrachten; Besitz vereinfachen; Lob und Tadel beobachten; den Zeugen der Gedanken erforschen; Wissen nicht zur Selbstdarstellung benutzen. Äußere Reduktion wird so zu einem Raum für innere Klarheit.
Die nichtdualen Verse eignen sich für Shravana, Manana und Nididhyasana: zuerst genau hören und lesen, dann ihre Logik prüfen und schließlich still darüber meditieren. Aussagen wie „Ich bin reines Bewusstsein“ sollen nicht bloß wiederholt, sondern an der unmittelbaren Erfahrung von Wahrnehmen, Denken und Gewahrsein untersucht werden.
Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Gemeinschaften
Für Yogalehrer und Gemeinschaften ist der Text zugleich Inspiration und Warnung. Er preist Einfachheit, warnt vor Anhäufung und nennt das Sammeln von Schülern um Dienst, Gewinn, Verehrung oder Ruhm ausdrücklich eine Bindung. Geistliche Autorität soll der Befreiung dienen, nicht Abhängigkeit erzeugen.
Historische Vorschriften benötigen Kontext. Ein verantwortungsvoller Lehrer unterscheidet zwischen dem Ziel einer Lehre, ihrer vormodernen sozialen Form und einer heute ethisch tragfähigen Anwendung. Besonders Schweigen, Fasten, Pranayama und radikale Besitzlosigkeit sollten der körperlichen und psychischen Situation angepasst und nicht als Beweis spiritueller Überlegenheit benutzt werden.
Bleibende Botschaft
Die Sannyasa Upanishad führt von der sichtbaren Entsagung zur Quelle aller Freiheit. Am Ende genügt es nicht, Dinge wegzugeben: Auch der Anspruch „Ich bin der Entsagende“ muss durchsichtig werden. Was bleibt, ist der Atman – nicht als persönlicher Besitz, sondern als das eine Licht aller Erfahrung. Wo diese Erkenntnis mit Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Bescheidenheit verbunden ist, beginnt innerer Sannyasa mitten im Leben.
Sannyasa Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
संन्यासोपनिषद्वेद्यं संन्यासिपटलाश्रयम् ।
सत्तासामान्यविभवं स्वमात्रमिति भावये ॥
ॐ आप्यायन्तु मामाङ्गानि वाक्प्राणश्चक्षुः
श्रोत्रमथो बलमिन्द्रियाणि च ॥ सर्वाणि सर्वं ब्रह्मोपनिषदं
माहं ब्रह्म निराकुर्यां मा मा ब्रह्म निराकरोदनिराकरण-
मस्त्वनिराकरणं मेस्तु तदात्मनि निरते य उपनिषत्सु धर्मास्ते
मयि सन्तु ते मयि सन्तु । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
अथ प्रथमोऽध्यायः । संन्यासविधिः ।
हरिः ॐ अथातः संन्यासोपनिषदं व्याख्यास्यामो
योऽनुक्रमेण संन्यस्यति स संन्यस्तो भवति । कोऽयं संन्यास
उच्यते कथं संन्यस्तो भवति । य आत्मानं क्रियाभिर्गुप्तं करोति
मातरं पितरं भार्यां पुत्रान्बन्धूननुमोदयित्वा ये
चास्यर्त्विजस्तान्सर्वांश्च पूर्ववत्प्राणित्वा वैश्वानरेष्टिं
निर्वपेत्सर्वस्वं दद्याद्यजमानस्य गा ऋत्विजः सर्वैः पात्रैः
समारोप्य यदाहवनीये गार्हपत्ये वान्वाहार्यपचने
सभ्यावसथ्योश्च प्राणापानव्यानोदानसमानान्सर्वान्सर्वेषु
समारोपयेत् । सशिखान्केशान्विसृज्य यज्ञोपवीतं छित्त्वा पुत्रं
दृष्ट्वा त्वं यज्ञस्त्वं सर्वमित्यनुमन्त्रयेत् ।
यद्यपुत्रो भवत्यात्मानमेवेमं ध्यात्वाऽनवेक्षमाणः
प्राचीमुदीचिं वा दिशं प्रव्रजेच्च । त्रिषु वर्णेषु
भिक्षाचर्यं चरेत् । पाणिपात्रेणाशनं कुर्यात् ।
औषधवदशनमाचरेत् । औषधवदशनं प्राश्नीयात् ।
यथालाभमश्नीयात्प्राणसन्धारणार्थं यथा मेदोवृद्धिर्न
जायते । कृशीभूत्वा ग्रामैकरात्रं नगरे पञ्चरात्रं
चतुरोमासान्वार्षिकान्ग्रामे वा नगरे वापि वसेत् ।
विशीर्णवस्त्रं वल्कलं वा प्रतिगृह्णीयानान्यत्प्रतिगृह्णीयाद्यद्यशक्तो
भवति क्लेशतस्तप्यते तप इति । यो वा एवं क्रमेण संन्यस्यति यो वा
एवं पश्यति किमस्य यज्ञोपवीतं कास्य शिखा कथं वास्योपस्पर्शनमिति ।
तं होवाचेदमेवास्य तद्यज्ञोपवीतं यदात्मध्यानं विद्या शिखा
नीरैः सर्वत्रावस्थितैः कार्यं निर्वर्तयन्नुदरपात्रेण जलतीरे निकेतनम् ।
ब्रह्मवादिनो वदन्त्यस्तमित आदित्ये कथं वास्योपस्पर्शनमिति ।
तान्होवाच यथाहनि तथा रात्रौ नास्य नक्तं न दिवा तदप्येतदृषिणोक्तम् ।
सकृद्दिवा हैवास्मै भवतीति । य एवंविद्वानेतेनात्मानं संधत्ते ॥
इति प्रथमोऽध्यायः ॥ १॥
अथ द्वितीयोऽध्यायः ।
संन्यासाधिकारी
ॐ चत्वारिंषत्संस्कारसम्पन्नः सर्वतो
विरक्तश्चित्तशुद्धिमेत्याशासूयेर्ष्याहंकारं
दग्ध्वा साधनचतुष्टयसम्पन्न एव संन्यस्तुमर्हति ।
पतितलक्षणम्
संन्यासं निश्चयं कृत्वा पुनर्न च करोति यः ।
स कुर्यात्कृच्छ्रमात्रं तु पुनः संन्यस्तुमर्हति ॥ १॥
संन्यासं पातयेद्यस्तु पतितं न्यासयेत्तु यः ।
संन्यासविघ्नकर्ता च त्रीनेतान्पतितान्विदुः ॥ २॥ इति॥
अथ षण्डः पतितोऽङ्गविकलः स्त्रैणो बधिरोऽर्भको मूकः
पाषण्डश्चक्री लिङ्गी कुष्ठी वैखानसहरद्विजौ
भृतकाध्यापकः शिपिविष्टोऽनग्निको नास्तिको वैराग्यवन्तोऽप्येते
न संन्यासार्हाः । संन्यस्ता यद्यपि महावाक्योपदेशे नाधिकारिणः ॥
आरूढपतितापत्यं कुनखी श्यावदन्तकः ।
क्षीबस्तथाङ्गविकलो नैव संन्यस्तुमर्हति ॥ ३॥
सम्प्रत्यवसितानां च महापातकिनां तथा ।
व्रात्यानामभिशस्तानां संन्यासं न कारयेत् ॥ ४॥
व्रतयज्ञतपोदानहोमस्वाध्यायवर्जितम् ।
सत्यशौचपरिभ्रष्टं संन्यासं न कारयेत् ॥ ५॥
एते नार्हन्ति संन्यासमातुरेण विना क्रमम् ।
ॐ भूः स्वाहेति शिखामुत्पाट्य यज्ञोपवीतं
बहिर्न निवसेत् । यशो बलं ज्ञानं वैराग्यं
मेधां प्रयच्छेति यज्ञोपवीतं छित्त्वा ॐ भूः
स्वाहेत्यप्सु वस्त्रं कटिसूयं च विसृज्य संन्यस्तं
मयेति त्रिवारमभिमन्त्रयेत् ।
संन्यासिनं द्विजं दृष्ट्वा स्थानाच्चलति भास्करः ।
एष मे मण्डलं भित्त्वा परं ब्रह्माधिगच्छति ॥ ६॥
षष्टिं कुलान्यतीतानि षष्टिमागामिकानि च ।
कुलान्युद्धरते प्राज्ञः संन्यस्तमिति यो वदेत् ॥ ७॥
ये च सन्तानजा दोषा ये दोषा देहसंभवाः ।
प्रैषाग्निर्निर्दहेत्सर्वांस्तुषारिन्निव काञ्चनम् ॥ ८॥
सखा मा गोपायेति दण्डं परिग्रहेत् ।
दण्डं तु वाणवं सौम्यं सत्वचं समपर्वकम् ।
पुण्यस्थलसमुत्पन्नं नानाकल्मषशोधितम् ॥ ९॥
अदग्धमहतं कीटैः पर्वग्रन्थिविराजितम् ।
नासादघ्नं शिरस्तुल्यं भ्रुवोर्वा बिभृयाद्यतिः ॥ १०॥
दण्डात्मनोस्तु संयोगः सर्वथा तु विधीयते ।
न दण्डेन विना गच्छेदिषुक्षेपत्रयं बुधः ॥ ११॥
जगज्जीवनं जीवनाधारभूतं माते मामन्त्रयस्व सर्वसौम्येति
कमण्डलुं परिगृह्य योगपट्टाभिषिक्तो भूत्वा यथासुखं विहरेत् ॥
त्यज धर्ममधर्मं च उभे सत्यानृते त्यज ।
उभे सत्यानृते त्यक्त्वा येन त्यजसि तत्त्यज ॥ १२॥
वैराग्यसंन्यासी ज्ञानसंन्यासी ज्ञानवैराग्यसंन्यासी
कर्मसंन्यासीति चातुर्विध्यमुपागतः । तद्यथेति दृष्टानुश्रविक-
विषयवैतृष्ण्यमेत्य प्राक्पुण्यकर्मविशेषात्संन्यस्तः
स वैराग्यसंन्यासी । शास्त्रज्ञानात्पापपुण्यलोकानुभवश्रवणा-
त्प्रपञ्चोपरतो देहवासनां शास्त्रवासनां लोकवासनां त्यक्त्वा
वमनान्नमिव प्रवृत्तिं सर्वं हेयं मत्वा साधनचतुष्टयसम्पन्नो
यः संन्यस्यति स एव ज्ञानसंन्यासी । क्रमेण सर्वमभ्यस्य सर्वमनुभूय
ज्ञानवैराग्याभ्यां स्वरूपानुसन्धानेन देहमात्रावशिष्टः संन्यस्य
जातरूपधरो भवति स ज्ञानवैराग्यसंन्यासी । ब्रह्मचर्यं समाप्य
गृही भूत्वा वानप्रस्थाश्रममेत्य वैराग्याभावेऽप्याश्रमक्रमानुसारेण
यः संन्यस्यति स कर्मसंन्यासी । स संन्यासः षड्विधो भवति
कुटीचकबहूदकहंसपरमहंसतुरीयातीतावधूताश्चेति । कुटीचकः
शिखायज्ञोपवीति दण्डकमण्डलुधरः कौपीनशाटीकन्थाधरः
पितृमातृगुर्वाराधनपरः पिठरखनित्रशिक्यादिमात्रसाधनपर
एकत्रान्नादनपरः श्वेतोर्ध्वपुण्ड्रधारी त्रिदण्डः । बहूदकः शिखादिकन्थाधर-
स्त्रिपुण्ड्रधारी कुटीचकवत्सर्वसमो मधुकरवृत्त्याष्टकवलाशी ।
हंसो जटाधारी त्रिपुण्ड्रोर्ध्वपुण्ड्रधारी असंक्लृप्तमाधूकरान्नाशी
कौपीनखण्डतुण्डधारी । परमहंसः शिखायज्ञोपवीतरहितः पञ्चगृहेषु
करपात्री एककौपीनधारी शाटीमेकामेकं वैणवं दण्डमेकशाटीधरो वा
भस्मोद्धृलनपरः सर्वत्यागी तुरीयातीतो गोमुखवृत्त्या फलाहारी अन्नाहारी
चेद्गृहत्रये देहमात्रावशिष्टो दिगंबरः कुणपवच्छरीन्वृत्तिकः ।
अवधूतस्त्वनियमः पतिताभिशस्तवर्जनपूर्वकं सर्ववर्णेष्वजगरवृत्त्याहारपरः स्वरूपानुसन्धानपरः ।
जगत्तावदिदं नाहं सवृक्षतृणपर्वतम् । यद्बाह्यं
जडमत्यन्तं तत्स्यां कथमहं विभुः ॥ १३॥
कालेनाल्पेन विलयी देहो नाहमचेतनः ।
जडया कर्णशष्कुल्या कल्पमानक्षणस्थया ॥ १४॥
शून्याकृतिः शून्यभवः शब्दो नाहमचेतनः ।
त्वचा क्षणविनाशिन्या प्राप्योऽप्राप्योऽयमन्यथा ॥ १५॥
चित्प्रसादोपलब्धात्मा स्पर्शो नाहमचेतनः ।
लब्धात्मा जिह्वया तुच्छो लोलया लोलसत्तया ॥ १६॥
स्वल्पस्यन्दो द्रव्यनिष्ठो रसो नाहमचेतनः ।
दृश्यदर्शनयोर्लीनं क्षयिक्षणविनाशिनोः ॥ १७॥
केवले द्रष्टरि क्षीणं रूपं नाहमचेतनम् ।
नासया गन्धजडया क्षयिण्या परिकल्पितः ॥ १८॥
पेलवो नियताकारो गन्धो नाहमचेतनः ।
निर्ममोऽमननः शान्तो गतपञ्चेन्द्रियभ्रमः ॥ १९॥
शुद्धचेतन एवाहं कलाकलनवर्जितः ।
चैत्यवर्जितचिन्मात्रमहमेषोऽवभासकः ॥ २०॥
सबाह्याभ्यन्तरव्यापी निष्कलोऽहं निरञ्जनः ।
निर्विकल्पचिदाभास एक आत्मास्मि सर्वगः ॥ २१॥
मयैव चेतनेनेमे सर्वे घटपटादयः ।
सूर्यान्ता अवभास्यन्ते दीपेनेवात्मतेजसा ॥ २२॥
मयैवैताः स्फुरन्तीह विचित्रेन्द्रियवृत्तयः ।
तेजसान्तःप्रकाशेन यथाग्निकणपङ्क्तयः ॥ २३॥
अनन्तानन्दसंभोगा परोपशमशालिनी ।
शुद्धेयं चिन्मयी दृष्टिर्जयत्यखिलदृष्टिषु ॥ २४॥
सर्वभावान्तरस्थाय चैत्यमुक्तचिदात्मने ।
प्रत्यक्चैतन्यरूपाय मह्यमेव नमो नमः ॥ २५॥
विचित्राः शक्तयः स्वच्छाः समा या निर्विकारया ।
चिता क्रियन्ते समया कलाकलनमुक्तया ॥ २६॥
कालत्रयमुपेक्षित्र्या हीनायाश्चैत्यबन्धनैः ।
चितश्चैत्यमुपेक्षित्र्याः समतैवावशिष्यते ॥ २७॥
सा हि वाचामगम्यत्वादसत्तामिव शाश्वतीम् ।
नैरात्मसिद्धात्मदशामुपयातैव शिष्यते ॥ २८॥
ईहानीहामयैरन्तर्या चिदावलिता मलैः ।
सा चिन्नोत्पादितुं शक्ता पाशबद्धेव पक्षिणी ॥ २९॥
इच्छाद्वेषसमुत्थेन द्वन्द्वमोहेन जन्तवः ।
धराविवरमग्नानां कीटानां समतां गताः ॥ ३०॥
आत्मनेऽस्तु नमो मह्यमविच्छिन्नचिदात्मने ।
परामृष्टोऽस्मि लब्धोऽस्मि प्रोदितोऽस्म्यचिरादहम् ।
उद्धृतोऽस्मि विकल्पेभ्यो योऽस्मि सोऽस्मि नमोऽस्तु ते ॥ ३१॥
तुभ्यं मह्यमनन्ताय मह्यं तुभ्यं चिदात्मने ।
नमस्तुभ्यं परेशाय नमो मह्यं शिवाय च ॥ ३२॥
तिष्ठन्नपि हि नासीनो गच्छन्नपि न गच्छति ।
शान्तोऽपि व्यवहारस्थः कुर्वन्नपि न लिप्यते ॥ ३३॥
सुलभश्चायमत्यन्तं सुज्ञेयश्चाप्तबन्धुवत् ।
शरीरपद्मकुहरे सर्वेषामेव षट्पदः ॥ ३४॥
न मे भोगस्थितौ वाञ्छा न मे भोगविसर्जने ।
यदायाति तदायातु यत्प्रयाति प्रयातु तत् ॥ ३५॥
मनसा मनसि च्छिन्ने निरहंकारं गते ।
भावेन गलिते भावे स्वस्थस्तिष्ठामि केवलः ॥ ३६॥
निर्भावं निरहंकारं निर्मनस्कमनीहितम् ।
केवलास्पन्दशुद्धात्मन्येव तिष्ठति मे रिपुः ॥ ३७॥
तृष्णारज्जुगणं छित्वा मच्छरीरकपञ्जरात् ।
न जाने क्व गतोड्डीय निरहंकारपक्षिणी ॥ ३८॥
यस्य नाहंकृतो भावो बुद्धिर्यस्य न लिप्यते ।
यः समः सर्वभूतेषु जीवितं तस्य शोभते ॥ ३९॥
योऽन्तःशीतलया बुद्ध्या रागद्वेषविमुक्तया ।
साक्षिवत्पश्यतीदं हि जीवितं तस्य शोभते ॥ ४०॥
येन सम्यक्परिज्ञाय हेयोपादेयमुज्झता ।
चित्तस्यान्तेऽर्पितं चित्तं जीवितं तस्य शोभते ॥ ४१॥
ग्राह्यग्राहकसंबन्धे क्षीणे शान्तिरुदेत्यलम् ।
स्थितिमभ्यागता शान्तिर्मोक्षनामाभिधीयते ॥ ४२॥
भ्रष्टबीजोपमा भूयो जन्माङ्कुअरविवर्जिता ।
हृदि जीवद्विमुक्तानां शुद्धा भवति वासना ॥ ४३॥
पावनी परमोदारा शुद्धसत्त्वानुपातिनी ।
आत्मध्यानमयी नित्या सुषुप्तिस्थेव तिष्ठति ॥ ४४॥
चेतनं चित्तरिक्तं हि प्रत्यक्चेतनमुच्यते ।
निर्मनस्कस्वभावत्वान्न तत्र कलनामलम् ॥ ४५॥
सा सत्यता सा शिवता सावस्था पारमात्मिकी ।
सर्वज्ञता सा संतृप्तिर्नतु यत्र मनः क्षतम् ॥ ४६॥
प्रलपन्विसृजन्गृह्णन्नुन्मिषन्निमिषन्नपि ।
निरस्तमननानन्दः संविन्मात्रपरोऽस्म्यहम् ॥ ४७॥
मलं संवेद्यमुत्सृज्य मनो निर्मूलयन्परम् ।
आशापाशानलं छित्त्वा संविन्मात्रपरोऽस्म्यहम् ॥ ४८॥
अशुभाशुभसंकल्पः संशान्तोऽस्मि निरामयः ।
नष्टेष्टानिष्टकलनः संमात्रपरोस्म्यहम् ॥ ४९॥
आत्मतापरते त्यक्त्वा निर्विभागो जगत्स्थितौ ।
वज्रस्तंभवदात्मानमवलंब्य स्थिरोऽस्म्यहम् ॥ ५०॥
निर्मलायां निराशायां स्वसंवित्तौ स्थितोऽस्म्यहम् ।
ईहितानीहितैर्मुक्तो हेयोपादेयवर्जितः ॥ ५१॥
कदान्तस्तोषमेष्यामि स्वप्रकाशपदे स्थितः ।
कदोपशान्तमननो धरणीधरकन्दरे ॥ ५२॥
समेष्यामि शिलासाम्यं निर्विकल्पसमाधिना ।
निरंशध्यानविश्रान्तिमूकस्य मम मस्तके ॥ ५३॥
कदा तार्णं करिष्यन्ति कुलायं वनपुत्रिकाः ।
संकल्पपादपं तृष्णालतं छित्त्वा मनोवनम् ॥ ५४॥
विततां भुवमासाद्य विहराभि यथासुखम् ।
पदं तदनु यातोऽस्मि केवलोऽस्मि जयाम्यहम् ॥ ५५॥
निर्वाणोऽस्मि निरीहोऽस्मि निरंशोऽस्मि निरीप्सितः ।
स्वच्छतोर्जितता सत्ता हृद्यता सत्यता ज्ञता ॥ ५६॥
आनन्दितोपशमता सदा प्रमुदितोदिता ।
पूर्णतोदारता सत्या कान्तिसत्ता सदैकता ॥ ५७॥
इत्येवं चिन्तयन्भिक्षुः स्वरूपस्थितिमञ्जसा ।
निर्विकल्पस्वरूपज्ञो निर्विकल्पो बभूव ह ॥ ५८॥
आतुरो जीवति चेत्क्रमसंन्यासः कर्तव्यः ।
न शूद्रस्त्रीपतितोदक्या संभाषणम् ।
न यतेर्देवपूजनोत्सवदर्शनम् ।
तस्मान्न संन्यासिन एष लोकः ।
आतुरकुटीचकयोर्भूलोकभुवर्लोकौ ।
बहूदकस्य स्वर्गलोकः ।
हंसस्य तपोलोकः । परमहंसस्य सत्यलोकः ।
तुरीयातीतावधूतयोः स्वात्मन्येव कैवल्यं
स्वरूपानुसन्धानेन भ्रमरकीटन्यायवत् ।
स्वरूपानुसन्धानव्यतिरिक्तान्यशास्त्राभ्यास
उष्ट्रकुङ्कुमभारवद्व्यर्थः । न योगशास्त्रप्रवृत्तिः ।
न साङ्ख्यशास्त्राभ्यासः । न मन्त्रतन्त्रव्यापारः ।
नेतरशास्त्रप्रवृत्तिर्यतेरस्ति । अस्ति चेच्छवालङ्कारव-
त्कर्माचर विद्यादूरः ।
न परिव्राण्नामसङ्कीर्तनपरो यद्यत्कर्म करोति तत्तत्फलमनुभवति ।
एरण्डतैलफेनवत्सर्वं परित्यजेत् । न देवताप्रसादग्रहणम् ।
न बाह्यदेवाभ्यर्चनं कुर्यात् । स्वव्यतिरिक्तं सर्वं त्यक्त्वा
मधुकरवृत्त्याहारमाहरन्कृशीभूत्वा मेदोवृद्धिमकुर्वन्विहरेत् ।
माधूकरेण करपात्रेणास्यपात्रेण वा कालं नयेत् ।
आत्मसंमितमाहारमाहरेदात्मवान्यतिः ।
आहारस्य च भागौ द्वौ तृतीयमुदकस्य च ।
वायोः सञ्चरणार्थाय चतुर्थमवशेषयेत् ॥५९॥
भैक्षेण वर्तयेन्नित्यं नैकान्नाशी भवेत्क्वचित् ।
निरीक्षन्ते त्वनुद्विग्नास्तद्गृहं यत्नतो व्रजेत् ॥ ६०॥
पञ्चसप्तगृहाणां तु भिक्षामिच्छेत्क्रियावताम् ।
गोदोहमात्रमाकाङ्क्षेन्निष्क्रान्तो न पुनर्व्रजेत् ॥ ६१॥
नक्ताद्वरश्चोपवास उपवासादयाचितः ।
अयाचिताद्वरं भैक्ष्यं तस्मात्भैक्षेण वर्धयेत् ॥ ६२॥
नैव सव्यापसव्येन भिक्षाकाले विशेद्गृहान् ।
नातिक्रामेद्गृहं मोहाद्यत्र दोषो न विद्यते ॥ ६३॥
श्रोत्रियान्नं न भिक्षेत श्रद्धाभक्तिबहिष्कृतम् ।
व्रात्यस्यापि गृहे भिक्षेच्छ्रद्धाभक्तिपुरस्कृते ॥ ६४॥
माधूकरमसङ्क्लृप्तं प्राक्प्रणीतमयाचितम् ।
तात्कालिकं चोपपन्नं भैक्षं पञ्चविधं स्मृतम् ॥ ६५॥
मनःसङ्कल्परहितांस्त्रीन्गृहान्पञ्च सप्त वा ।
मधुमक्षिकवत्कृत्वा माधूकरमिति स्मृतम् ॥ ६६॥
प्रातःकाले च पूर्वेद्युर्यद्भक्तैः प्राथितं मुहुः ।
तद्भैक्षं प्राक्प्रणीतं स्यात्स्थितिं कुर्यात्तथापि वा ॥ ६७॥
भिक्षाटनसमुद्योगाद्येन केन निमन्त्रितम् ।
अयाचितं तु तद्भैक्षं भोक्तव्यं च मुमुक्षुभिः ॥ ६८॥
उपस्थानेन यत्प्रोक्तं भिक्षार्थं ब्राह्मणेन तत् ।
तात्कालिकमिति ख्यातं भोक्तव्यं यतिभिस्तदा ॥ ६९॥
सिद्धमन्नं यदानीतं ब्राह्मणेन मठं प्रति ।
उपपन्नमिति प्राहुर्मुनयो मोक्षकाङ्क्षिणः ॥ ७०॥
चरेन्माधूकरं भैक्षं यतिर्म्लेच्छकुलादपि ।
एकान्नं नतु भुञ्जीत बृहस्पतिसमादपि ।
याचितायाचिताभ्यां च भिक्षाभ्यां कल्पयेत्स्थितम् ॥ ७१॥
न वायुः स्पर्शदोषेण नाग्निर्दहनकर्मणा ।
नापो मूत्रपुरीषाभ्यां नान्नदोषेण मस्करी ॥ ७२॥
विधूमे सन्नमुसले व्यङ्गारे भुक्तवज्जने ।
कालेऽपराह्णे भूयिष्ठे भिक्षाचरणमाचरेत् ॥ ७३॥
अभिशतं च पतितं पापण्डं देवपूजकम् ।
वर्जयित्वा चरेद्भैक्षं सर्ववर्णेषु चापदि ॥ ७४॥
घृतं स्वमूत्रसदृशं मधु स्यात्सुरया समम् ।
तैलं सूकरमूत्रं स्यात्सूपं लशुनसंमितम् ॥ ७५॥
माषापूषादि गोमांसं क्षीरं मूत्रसमं भवेत् ।
तस्मात्सर्वप्रयत्नेन घृतादीन्वर्जयेद्यतिः ।
घृतसूपादिसंयुक्तमन्नं नाद्यात्कदाचन ॥ ७६॥
पात्रमस्य भवेत्पाणिस्तेन नित्यं स्थितिं नयेत् ।
पाणिपात्रश्चरन्योगी नासकृद्भैक्षमाचरेत् ॥ ७७॥
आस्येन तु यदाहारं गोवन्मृगयते मुनिः ।
तदा समः स्यात्सर्वेषु सोऽमृतत्वाय कल्पते ॥ ७८॥
आज्यं रुधिरमिव त्यजेदेकत्रान्नं पललमिव
गन्धलेपनमशुद्धलेपनमिव क्षारमन्त्यजमिव
वस्त्रमुच्छिष्टपात्रमिवाभ्यङ्गं स्त्रीसङ्गमिव
मित्राह्लादकं मूत्रमिव स्पृहां गोमांसमिव
ज्ञातचरदेशं चण्डालवाटिकादिव स्त्रियमहिमिव
सुवर्णं कालकूटमिव सभास्थलं श्मशानस्थलमिव
राजधानीं कुंभीपाकमिव शवपिण्डवदेकत्रान्नं न
देवतार्चनम् । प्रपञ्चवृत्तिं परित्यय जीवन्मुक्तो भवेत् ॥
आसनं पात्रलोपश्च सञ्चयः शिष्यसञ्चयः ।
दिवास्वापो वृथालापो यतेर्बन्धकराणि षट् ॥ ७९॥
वर्षाभ्योऽन्यत्र यत्स्थानमासनं तदुदाहृतम् ।
उत्कालाब्वादिपात्राणामेकस्यापीह सङ्ग्रहः ॥ ८०॥
यतेः संव्यवहराय पात्रलोपः स उच्यते ।
गृहीतस्य तु दण्डादेर्द्वितीयस्य परिग्रहः ॥ ८१॥
कालान्तरोपभोगार्थं सञ्चयः परिकीर्तितः ।
शुश्रूषालाभपूजार्थं यशोर्थं वा परिग्रहः ॥ ८२॥
शिष्याणां नतु कारुण्याच्छिष्यसङ्ग्रह ईरितः ।
विद्या दिवा प्रकाशत्वादविद्या रात्रिरुच्यते ॥ ८३॥
विद्याभ्यासे प्रमादो यः स दिवास्वाप उच्यते ।
आध्यात्मिकीं कथां मुक्त्वा भिक्षावार्तां विना तथा ॥ ८४॥
अनुग्रहं परिप्रश्नं वृथाजल्पोऽन्य उच्यते ।
एकान्नं मदमात्सर्यं गन्धपुष्पविभूषणम् ॥ ८५॥
ताम्बूलाभ्यञ्जने क्रीडा भोगाकाङ्क्षा रसायनम् ।
कत्थनं कुत्सनं स्वस्ति ज्योतिश्च क्रयविक्रयम् ॥ ८६॥
क्रियाकर्मविवादश्च गुरुवाक्यविलङ्घनम् ।
सन्धिश्च विग्रहो यानं मञ्चकं शुक्लवस्त्रकम् ॥ ८७॥
शुक्लोत्सर्गो दिवास्वापो भिक्षाधारस्तु तैजसम् ।
विषं चैवायुधं बीजं हिंसां तैक्ष्ण्यं च मैथुनम् ॥ ८८॥
त्यक्तं संन्यासयोगेन गृहधर्मादिकं व्रतम् ।
गोत्रादिचरणं सर्वं पितृमातृकुलं धनम् ।
प्रतिषिद्धानि चैतानि सेवमानो व्रजेदधः ॥ ८९॥
सुजीर्णोऽपि सुजीर्णासु विद्वांस्त्रीषु न विश्वसेत् ।
सुजीर्णास्वपि कन्थासु सज्जते जीर्णमम्बरम् ॥ ९०॥
स्थावरं जङ्गमं बीजं तैजसं विषमायुधम् ।
षडेतानि न गृह्णीयाद्यतिर्मूत्रपुरीषवत् ॥ ९१॥
नैवाददीत पाथेयं यतिः किञ्चिदनापदि ।
पक्वमापत्सु गृण्हीयाद्यावदन्नं न लभ्यते ॥ ९२॥
नीरुजश्च युवा चैव भिक्षुर्नावसथे वसेत् ।
परार्थं न प्रतिग्राह्यं न दद्याच्च कथञ्चन ॥ ९३॥
दैन्यभावात्तु भूतानां सौभगाय यतिश्चरेत् ।
पक्वं वा यदि वाऽपक्वं याचमानो व्रजेदधः ॥ ९४॥
अन्नपानपरो भिक्षुर्वस्त्रादीनां प्रतिग्रही ।
आविकं वानाविकं वा तथा पट्टपटानपि ॥ ९५॥
प्रतिगृह्य यतिश्चैतान्पतत्येव न संशयः ।
अद्वैतं नावमाश्रित्य जीवन्मुक्तत्वमाप्नुयात् ॥ ९६॥
वाग्दण्डे मौनमातिष्टेत्कायदण्डे त्वभोजनम् ।
मानसे तु कृते दण्डे प्राणायामो विधीयते ॥ ९७॥
कर्मणा बध्यते जन्तुर्विद्यया च विमुच्यते ।
तस्मात्कर्म न कुर्वन्ति यतयः पारदर्शिनः ॥ ९८॥
रथ्यायां बहुवस्त्राणि भिक्षा सर्वत्र लभ्यते ।
भूमिः शय्यास्ति विस्तीर्णा यतयः केन दुःखितः ॥ ९९॥
प्रपञ्चमखिलं यस्तु ज्ञानाग्नौ जुहुयाद्यतिः ।
आत्मन्यग्नीन्समारोप्य सोऽग्निहोत्री महायतिः ॥ १००॥
प्रवृत्तिर्द्विविधा प्रोक्ता मार्जारी चैव वानरी ।
ज्ञानाभ्यासवतामोतुर्वानरीभाक्त्वमेव च ॥ १०१॥
नापृष्टः कस्यचिद्ब्रूयान्न चान्यायेन पृच्छतः ।
जानन्नपि हि मेधावी जडवल्लोकमाचरेत् ॥ १०२॥
सर्वेषामेव पापानां सङ्घाते समुपस्थिते ।
तारं द्वादशसाहस्रमभ्यसेच्छेदनं हि तत् ॥ १०३॥
यस्तु द्वादशसाहस्रं प्रणवं जपतेऽन्वहम् ।
तस्य द्वादशभिर्मासैः परं ब्रह्म प्रकाशते॥ १०४॥
इत्युपनिषत् हरिः ॐ तत्सत् ॥ इति द्वितीयोऽध्यायः ॥ २॥
ॐ आप्यायन्तु मामाङ्गानि वाक्प्राणश्चक्षुः
श्रोत्रमथो बलमिन्द्रियाणि च ॥ सर्वाणि सर्वं ब्रह्मोपनिषदं
माहं ब्रह्म निराकुर्यां मा मा ब्रह्म निराकरोदनिराकरण-
मस्त्वनिराकरणं मेस्तु तदात्मनि निरते य उपनिषत्सु धर्मास्ते
मयि सन्तु ते मयि सन्तु । ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
इति संन्यासोपनिषत्समाप्ता ॥
Sannyasa Upanishad – vollständiger Text nur in IAST
saṃnyāsopaniṣadvedyaṃ saṃnyāsipaṭalāśrayam |
sattāsāmānyavibhavaṃ svamātramiti bhāvaye ||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ
śrotramatho balamindriyāṇi ca || sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ
māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇa-
mastvanirākaraṇaṃ mestu tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste
mayi santu te mayi santu | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
atha prathamo'dhyāyaḥ | saṃnyāsavidhiḥ |
hariḥ oṃ athātaḥ saṃnyāsopaniṣadaṃ vyākhyāsyāmo
yo'nukrameṇa saṃnyasyati sa saṃnyasto bhavati | ko'yaṃ saṃnyāsa
ucyate kathaṃ saṃnyasto bhavati | ya ātmānaṃ kriyābhirguptaṃ karoti
mātaraṃ pitaraṃ bhāryāṃ putrānbandhūnanumodayitvā ye
cāsyartvijastānsarvāṃśca pūrvavatprāṇitvā vaiśvānareṣṭiṃ
nirvapetsarvasvaṃ dadyādyajamānasya gā ṛtvijaḥ sarvaiḥ pātraiḥ
samāropya yadāhavanīye gārhapatye vānvāhāryapacane
sabhyāvasathyośca prāṇāpānavyānodānasamānānsarvānsarveṣu
samāropayet | saśikhānkeśānvisṛjya yajñopavītaṃ chittvā putraṃ
dṛṣṭvā tvaṃ yajñastvaṃ sarvamityanumantrayet |
yadyaputro bhavatyātmānamevemaṃ dhyātvā'navekṣamāṇaḥ
prācīmudīciṃ vā diśaṃ pravrajecca | triṣu varṇeṣu
bhikṣācaryaṃ caret | pāṇipātreṇāśanaṃ kuryāt |
auṣadhavadaśanamācaret | auṣadhavadaśanaṃ prāśnīyāt |
yathālābhamaśnīyātprāṇasandhāraṇārthaṃ yathā medovṛddhirna
jāyate | kṛśībhūtvā grāmaikarātraṃ nagare pañcarātraṃ
caturomāsānvārṣikāngrāme vā nagare vāpi vaset |
viśīrṇavastraṃ valkalaṃ vā pratigṛhṇīyānānyatpratigṛhṇīyādyadyaśakto
bhavati kleśatastapyate tapa iti | yo vā evaṃ krameṇa saṃnyasyati yo vā
evaṃ paśyati kimasya yajñopavītaṃ kāsya śikhā kathaṃ vāsyopasparśanamiti |
taṃ hovācedamevāsya tadyajñopavītaṃ yadātmadhyānaṃ vidyā śikhā
nīraiḥ sarvatrāvasthitaiḥ kāryaṃ nirvartayannudarapātreṇa jalatīre niketanam |
brahmavādino vadantyastamita āditye kathaṃ vāsyopasparśanamiti |
tānhovāca yathāhani tathā rātrau nāsya naktaṃ na divā tadapyetadṛṣiṇoktam |
sakṛddivā haivāsmai bhavatīti | ya evaṃvidvānetenātmānaṃ saṃdhatte ||
iti prathamo'dhyāyaḥ || 1 ||
atha dvitīyo'dhyāyaḥ |
saṃnyāsādhikārī
oṃ catvāriṃṣatsaṃskārasampannaḥ sarvato
viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṃkāraṃ
dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampanna eva saṃnyastumarhati |
patitalakṣaṇam
saṃnyāsaṃ niścayaṃ kṛtvā punarna ca karoti yaḥ |
sa kuryātkṛcchramātraṃ tu punaḥ saṃnyastumarhati || 1 ||
saṃnyāsaṃ pātayedyastu patitaṃ nyāsayettu yaḥ |
saṃnyāsavighnakartā ca trīnetānpatitānviduḥ || 2 || iti||
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako mūkaḥ
pāṣaṇḍaścakrī liṅgī kuṣṭhī vaikhānasaharadvijau
bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko nāstiko vairāgyavanto'pyete
na saṃnyāsārhāḥ | saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśe nādhikāriṇaḥ ||
ārūḍhapatitāpatyaṃ kunakhī śyāvadantakaḥ |
kṣībastathāṅgavikalo naiva saṃnyastumarhati || 3 ||
sampratyavasitānāṃ ca mahāpātakināṃ tathā |
vrātyānāmabhiśastānāṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 4 ||
vratayajñatapodānahomasvādhyāyavarjitam |
satyaśaucaparibhraṣṭaṃ saṃnyāsaṃ na kārayet || 5 ||
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam |
oṃ bhūḥ svāheti śikhāmutpāṭya yajñopavītaṃ
bahirna nivaset | yaśo balaṃ jñānaṃ vairāgyaṃ
medhāṃ prayaccheti yajñopavītaṃ chittvā oṃ bhūḥ
svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūyaṃ ca visṛjya saṃnyastaṃ
mayeti trivāramabhimantrayet |
saṃnyāsinaṃ dvijaṃ dṛṣṭvā sthānāccalati bhāskaraḥ |
eṣa me maṇḍalaṃ bhittvā paraṃ brahmādhigacchati || 6 ||
ṣaṣṭiṃ kulānyatītāni ṣaṣṭimāgāmikāni ca |
kulānyuddharate prājñaḥ saṃnyastamiti yo vadet || 7 ||
ye ca santānajā doṣā ye doṣā dehasaṃbhavāḥ |
praiṣāgnirnirdahetsarvāṃstuṣārinniva kāñcanam || 8 ||
sakhā mā gopāyeti daṇḍaṃ parigrahet |
daṇḍaṃ tu vāṇavaṃ saumyaṃ satvacaṃ samaparvakam |
puṇyasthalasamutpannaṃ nānākalmaṣaśodhitam || 9 ||
adagdhamahataṃ kīṭaiḥ parvagranthivirājitam |
nāsādaghnaṃ śirastulyaṃ bhruvorvā bibhṛyādyatiḥ || 10 ||
daṇḍātmanostu saṃyogaḥ sarvathā tu vidhīyate |
na daṇḍena vinā gacchediṣukṣepatrayaṃ budhaḥ || 11 ||
jagajjīvanaṃ jīvanādhārabhūtaṃ māte māmantrayasva sarvasaumyeti
kamaṇḍaluṃ parigṛhya yogapaṭṭābhiṣikto bhūtvā yathāsukhaṃ viharet ||
tyaja dharmamadharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja |
ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi tattyaja || 12 ||
vairāgyasaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī jñānavairāgyasaṃnyāsī
karmasaṃnyāsīti cāturvidhyamupāgataḥ | tadyatheti dṛṣṭānuśravika-
viṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmaviśeṣātsaṃnyastaḥ
sa vairāgyasaṃnyāsī | śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇā-
tprapañcoparato dehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ tyaktvā
vamanānnamiva pravṛttiṃ sarvaṃ heyaṃ matvā sādhanacatuṣṭayasampanno
yaḥ saṃnyasyati sa eva jñānasaṃnyāsī | krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya
jñānavairāgyābhyāṃ svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya
jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī | brahmacaryaṃ samāpya
gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya vairāgyābhāve'pyāśramakramānusāreṇa
yaḥ saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī | sa saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati
kuṭīcakabahūdakahaṃsaparamahaṃsaturīyātītāvadhūtāśceti | kuṭīcakaḥ
śikhāyajñopavīti daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnaśāṭīkanthādharaḥ
pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimātrasādhanapara
ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ | bahūdakaḥ śikhādikanthādhara-
stripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī |
haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī asaṃklṛptamādhūkarānnāśī
kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī | paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheṣu
karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo vā
bhasmoddhṛlanaparaḥ sarvatyāgī turīyātīto gomukhavṛttyā phalāhārī annāhārī
cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīnvṛttikaḥ |
avadhūtastvaniyamaḥ patitābhiśastavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |
jagattāvadidaṃ nāhaṃ savṛkṣatṛṇaparvatam | yadbāhyaṃ
jaḍamatyantaṃ tatsyāṃ kathamahaṃ vibhuḥ || 13 ||
kālenālpena vilayī deho nāhamacetanaḥ |
jaḍayā karṇaśaṣkulyā kalpamānakṣaṇasthayā || 14 ||
śūnyākṛtiḥ śūnyabhavaḥ śabdo nāhamacetanaḥ |
tvacā kṣaṇavināśinyā prāpyo'prāpyo'yamanyathā || 15 ||
citprasādopalabdhātmā sparśo nāhamacetanaḥ |
labdhātmā jihvayā tuccho lolayā lolasattayā || 16 ||
svalpasyando dravyaniṣṭho raso nāhamacetanaḥ |
dṛśyadarśanayorlīnaṃ kṣayikṣaṇavināśinoḥ || 17 ||
kevale draṣṭari kṣīṇaṃ rūpaṃ nāhamacetanam |
nāsayā gandhajaḍayā kṣayiṇyā parikalpitaḥ || 18 ||
pelavo niyatākāro gandho nāhamacetanaḥ |
nirmamo'mananaḥ śānto gatapañcendriyabhramaḥ || 19 ||
śuddhacetana evāhaṃ kalākalanavarjitaḥ |
caityavarjitacinmātramahameṣo'vabhāsakaḥ || 20 ||
sabāhyābhyantaravyāpī niṣkalo'haṃ nirañjanaḥ |
nirvikalpacidābhāsa eka ātmāsmi sarvagaḥ || 21 ||
mayaiva cetaneneme sarve ghaṭapaṭādayaḥ |
sūryāntā avabhāsyante dīpenevātmatejasā || 22 ||
mayaivaitāḥ sphurantīha vicitrendriyavṛttayaḥ |
tejasāntaḥprakāśena yathāgnikaṇapaṅktayaḥ || 23 ||
anantānandasaṃbhogā paropaśamaśālinī |
śuddheyaṃ cinmayī dṛṣṭirjayatyakhiladṛṣṭiṣu || 24 ||
sarvabhāvāntarasthāya caityamuktacidātmane |
pratyakcaitanyarūpāya mahyameva namo namaḥ || 25 ||
vicitrāḥ śaktayaḥ svacchāḥ samā yā nirvikārayā |
citā kriyante samayā kalākalanamuktayā || 26 ||
kālatrayamupekṣitryā hīnāyāścaityabandhanaiḥ |
citaścaityamupekṣitryāḥ samataivāvaśiṣyate || 27 ||
sā hi vācāmagamyatvādasattāmiva śāśvatīm |
nairātmasiddhātmadaśāmupayātaiva śiṣyate || 28 ||
īhānīhāmayairantaryā cidāvalitā malaiḥ |
sā cinnotpādituṃ śaktā pāśabaddheva pakṣiṇī || 29 ||
icchādveṣasamutthena dvandvamohena jantavaḥ |
dharāvivaramagnānāṃ kīṭānāṃ samatāṃ gatāḥ || 30 ||
ātmane'stu namo mahyamavicchinnacidātmane |
parāmṛṣṭo'smi labdho'smi prodito'smyacirādaham |
uddhṛto'smi vikalpebhyo yo'smi so'smi namo'stu te || 31 ||
tubhyaṃ mahyamanantāya mahyaṃ tubhyaṃ cidātmane |
namastubhyaṃ pareśāya namo mahyaṃ śivāya ca || 32 ||
tiṣṭhannapi hi nāsīno gacchannapi na gacchati |
śānto'pi vyavahārasthaḥ kurvannapi na lipyate || 33 ||
sulabhaścāyamatyantaṃ sujñeyaścāptabandhuvat |
śarīrapadmakuhare sarveṣāmeva ṣaṭpadaḥ || 34 ||
na me bhogasthitau vāñchā na me bhogavisarjane |
yadāyāti tadāyātu yatprayāti prayātu tat || 35 ||
manasā manasi cchinne nirahaṃkāraṃ gate |
bhāvena galite bhāve svasthastiṣṭhāmi kevalaḥ || 36 ||
nirbhāvaṃ nirahaṃkāraṃ nirmanaskamanīhitam |
kevalāspandaśuddhātmanyeva tiṣṭhati me ripuḥ || 37 ||
tṛṣṇārajjugaṇaṃ chitvā maccharīrakapañjarāt |
na jāne kva gatoḍḍīya nirahaṃkārapakṣiṇī || 38 ||
yasya nāhaṃkṛto bhāvo buddhiryasya na lipyate |
yaḥ samaḥ sarvabhūteṣu jīvitaṃ tasya śobhate || 39 ||
yo'ntaḥśītalayā buddhyā rāgadveṣavimuktayā |
sākṣivatpaśyatīdaṃ hi jīvitaṃ tasya śobhate || 40 ||
yena samyakparijñāya heyopādeyamujjhatā |
cittasyānte'rpitaṃ cittaṃ jīvitaṃ tasya śobhate || 41 ||
grāhyagrāhakasaṃbandhe kṣīṇe śāntirudetyalam |
sthitimabhyāgatā śāntirmokṣanāmābhidhīyate || 42 ||
bhraṣṭabījopamā bhūyo janmāṅkuaravivarjitā |
hṛdi jīvadvimuktānāṃ śuddhā bhavati vāsanā || 43 ||
pāvanī paramodārā śuddhasattvānupātinī |
ātmadhyānamayī nityā suṣuptistheva tiṣṭhati || 44 ||
cetanaṃ cittariktaṃ hi pratyakcetanamucyate |
nirmanaskasvabhāvatvānna tatra kalanāmalam || 45 ||
sā satyatā sā śivatā sāvasthā pāramātmikī |
sarvajñatā sā saṃtṛptirnatu yatra manaḥ kṣatam || 46 ||
pralapanvisṛjangṛhṇannunmiṣannimiṣannapi |
nirastamananānandaḥ saṃvinmātraparo'smyaham || 47 ||
malaṃ saṃvedyamutsṛjya mano nirmūlayanparam |
āśāpāśānalaṃ chittvā saṃvinmātraparo'smyaham || 48 ||
aśubhāśubhasaṃkalpaḥ saṃśānto'smi nirāmayaḥ |
naṣṭeṣṭāniṣṭakalanaḥ saṃmātraparosmyaham || 49 ||
ātmatāparate tyaktvā nirvibhāgo jagatsthitau |
vajrastaṃbhavadātmānamavalaṃbya sthiro'smyaham || 50 ||
nirmalāyāṃ nirāśāyāṃ svasaṃvittau sthito'smyaham |
īhitānīhitairmukto heyopādeyavarjitaḥ || 51 ||
kadāntastoṣameṣyāmi svaprakāśapade sthitaḥ |
kadopaśāntamanano dharaṇīdharakandare || 52 ||
sameṣyāmi śilāsāmyaṃ nirvikalpasamādhinā |
niraṃśadhyānaviśrāntimūkasya mama mastake || 53 ||
kadā tārṇaṃ kariṣyanti kulāyaṃ vanaputrikāḥ |
saṃkalpapādapaṃ tṛṣṇālataṃ chittvā manovanam || 54 ||
vitatāṃ bhuvamāsādya viharābhi yathāsukham |
padaṃ tadanu yāto'smi kevalo'smi jayāmyaham || 55 ||
nirvāṇo'smi nirīho'smi niraṃśo'smi nirīpsitaḥ |
svacchatorjitatā sattā hṛdyatā satyatā jñatā || 56 ||
ānanditopaśamatā sadā pramuditoditā |
pūrṇatodāratā satyā kāntisattā sadaikatā || 57 ||
ityevaṃ cintayanbhikṣuḥ svarūpasthitimañjasā |
nirvikalpasvarūpajño nirvikalpo babhūva ha || 58 ||
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ |
na śūdrastrīpatitodakyā saṃbhāṣaṇam |
na yaterdevapūjanotsavadarśanam |
tasmānna saṃnyāsina eṣa lokaḥ |
āturakuṭīcakayorbhūlokabhuvarlokau |
bahūdakasya svargalokaḥ |
haṃsasya tapolokaḥ | paramahaṃsasya satyalokaḥ |
turīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva kaivalyaṃ
svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |
svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsa
uṣṭrakuṅkumabhāravadvyarthaḥ | na yogaśāstrapravṛttiḥ |
na sāṅkhyaśāstrābhyāsaḥ | na mantratantravyāpāraḥ |
netaraśāstrapravṛttiryaterasti | asti cecchavālaṅkārava-
tkarmācara vidyādūraḥ |
na parivrāṇnāmasaṅkīrtanaparo yadyatkarma karoti tattatphalamanubhavati |
eraṇḍatailaphenavatsarvaṃ parityajet | na devatāprasādagrahaṇam |
na bāhyadevābhyarcanaṃ kuryāt | svavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā
madhukaravṛttyāhāramāharankṛśībhūtvā medovṛddhimakurvanviharet |
mādhūkareṇa karapātreṇāsyapātreṇa vā kālaṃ nayet |
ātmasaṃmitamāhāramāharedātmavānyatiḥ |
āhārasya ca bhāgau dvau tṛtīyamudakasya ca |
vāyoḥ sañcaraṇārthāya caturthamavaśeṣayet || 59 ||
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |
nirīkṣante tvanudvignāstadgṛhaṃ yatnato vrajet || 60 ||
pañcasaptagṛhāṇāṃ tu bhikṣāmicchetkriyāvatām |
godohamātramākāṅkṣenniṣkrānto na punarvrajet || 61 ||
naktādvaraścopavāsa upavāsādayācitaḥ |
ayācitādvaraṃ bhaikṣyaṃ tasmātbhaikṣeṇa vardhayet || 62 ||
naiva savyāpasavyena bhikṣākāle viśedgṛhān |
nātikrāmedgṛhaṃ mohādyatra doṣo na vidyate || 63 ||
śrotriyānnaṃ na bhikṣeta śraddhābhaktibahiṣkṛtam |
vrātyasyāpi gṛhe bhikṣecchraddhābhaktipuraskṛte || 64 ||
mādhūkaramasaṅklṛptaṃ prākpraṇītamayācitam |
tātkālikaṃ copapannaṃ bhaikṣaṃ pañcavidhaṃ smṛtam || 65 ||
manaḥsaṅkalparahitāṃstrīngṛhānpañca sapta vā |
madhumakṣikavatkṛtvā mādhūkaramiti smṛtam || 66 ||
prātaḥkāle ca pūrvedyuryadbhaktaiḥ prāthitaṃ muhuḥ |
tadbhaikṣaṃ prākpraṇītaṃ syātsthitiṃ kuryāttathāpi vā || 67 ||
bhikṣāṭanasamudyogādyena kena nimantritam |
ayācitaṃ tu tadbhaikṣaṃ bhoktavyaṃ ca mumukṣubhiḥ || 68 ||
upasthānena yatproktaṃ bhikṣārthaṃ brāhmaṇena tat |
tātkālikamiti khyātaṃ bhoktavyaṃ yatibhistadā || 69 ||
siddhamannaṃ yadānītaṃ brāhmaṇena maṭhaṃ prati |
upapannamiti prāhurmunayo mokṣakāṅkṣiṇaḥ || 70 ||
carenmādhūkaraṃ bhaikṣaṃ yatirmlecchakulādapi |
ekānnaṃ natu bhuñjīta bṛhaspatisamādapi |
yācitāyācitābhyāṃ ca bhikṣābhyāṃ kalpayetsthitam || 71 ||
na vāyuḥ sparśadoṣeṇa nāgnirdahanakarmaṇā |
nāpo mūtrapurīṣābhyāṃ nānnadoṣeṇa maskarī || 72 ||
vidhūme sannamusale vyaṅgāre bhuktavajjane |
kāle'parāhṇe bhūyiṣṭhe bhikṣācaraṇamācaret || 73 ||
abhiśataṃ ca patitaṃ pāpaṇḍaṃ devapūjakam |
varjayitvā caredbhaikṣaṃ sarvavarṇeṣu cāpadi || 74 ||
ghṛtaṃ svamūtrasadṛśaṃ madhu syātsurayā samam |
tailaṃ sūkaramūtraṃ syātsūpaṃ laśunasaṃmitam || 75 ||
māṣāpūṣādi gomāṃsaṃ kṣīraṃ mūtrasamaṃ bhavet |
tasmātsarvaprayatnena ghṛtādīnvarjayedyatiḥ |
ghṛtasūpādisaṃyuktamannaṃ nādyātkadācana || 76 ||
pātramasya bhavetpāṇistena nityaṃ sthitiṃ nayet |
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret || 77 ||
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 78 ||
ājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ palalamiva
gandhalepanamaśuddhalepanamiva kṣāramantyajamiva
vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva
mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva
jñātacaradeśaṃ caṇḍālavāṭikādiva striyamahimiva
suvarṇaṃ kālakūṭamiva sabhāsthalaṃ śmaśānasthalamiva
rājadhānīṃ kuṃbhīpākamiva śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na
devatārcanam | prapañcavṛttiṃ parityaya jīvanmukto bhavet ||
āsanaṃ pātralopaśca sañcayaḥ śiṣyasañcayaḥ |
divāsvāpo vṛthālāpo yaterbandhakarāṇi ṣaṭ || 79 ||
varṣābhyo'nyatra yatsthānamāsanaṃ tadudāhṛtam |
utkālābvādipātrāṇāmekasyāpīha saṅgrahaḥ || 80 ||
yateḥ saṃvyavaharāya pātralopaḥ sa ucyate |
gṛhītasya tu daṇḍāderdvitīyasya parigrahaḥ || 81 ||
kālāntaropabhogārthaṃ sañcayaḥ parikīrtitaḥ |
śuśrūṣālābhapūjārthaṃ yaśorthaṃ vā parigrahaḥ || 82 ||
śiṣyāṇāṃ natu kāruṇyācchiṣyasaṅgraha īritaḥ |
vidyā divā prakāśatvādavidyā rātrirucyate || 83 ||
vidyābhyāse pramādo yaḥ sa divāsvāpa ucyate |
ādhyātmikīṃ kathāṃ muktvā bhikṣāvārtāṃ vinā tathā || 84 ||
anugrahaṃ paripraśnaṃ vṛthājalpo'nya ucyate |
ekānnaṃ madamātsaryaṃ gandhapuṣpavibhūṣaṇam || 85 ||
tāmbūlābhyañjane krīḍā bhogākāṅkṣā rasāyanam |
katthanaṃ kutsanaṃ svasti jyotiśca krayavikrayam || 86 ||
kriyākarmavivādaśca guruvākyavilaṅghanam |
sandhiśca vigraho yānaṃ mañcakaṃ śuklavastrakam || 87 ||
śuklotsargo divāsvāpo bhikṣādhārastu taijasam |
viṣaṃ caivāyudhaṃ bījaṃ hiṃsāṃ taikṣṇyaṃ ca maithunam || 88 ||
tyaktaṃ saṃnyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam |
gotrādicaraṇaṃ sarvaṃ pitṛmātṛkulaṃ dhanam |
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ || 89 ||
sujīrṇo'pi sujīrṇāsu vidvāṃstrīṣu na viśvaset |
sujīrṇāsvapi kanthāsu sajjate jīrṇamambaram || 90 ||
sthāvaraṃ jaṅgamaṃ bījaṃ taijasaṃ viṣamāyudham |
ṣaḍetāni na gṛhṇīyādyatirmūtrapurīṣavat || 91 ||
naivādadīta pātheyaṃ yatiḥ kiñcidanāpadi |
pakvamāpatsu gṛṇhīyādyāvadannaṃ na labhyate || 92 ||
nīrujaśca yuvā caiva bhikṣurnāvasathe vaset |
parārthaṃ na pratigrāhyaṃ na dadyācca kathañcana || 93 ||
dainyabhāvāttu bhūtānāṃ saubhagāya yatiścaret |
pakvaṃ vā yadi vā'pakvaṃ yācamāno vrajedadhaḥ || 94 ||
annapānaparo bhikṣurvastrādīnāṃ pratigrahī |
āvikaṃ vānāvikaṃ vā tathā paṭṭapaṭānapi || 95 ||
pratigṛhya yatiścaitānpatatyeva na saṃśayaḥ |
advaitaṃ nāvamāśritya jīvanmuktatvamāpnuyāt || 96 ||
vāgdaṇḍe maunamātiṣṭetkāyadaṇḍe tvabhojanam |
mānase tu kṛte daṇḍe prāṇāyāmo vidhīyate || 97 ||
karmaṇā badhyate janturvidyayā ca vimucyate |
tasmātkarma na kurvanti yatayaḥ pāradarśinaḥ || 98 ||
rathyāyāṃ bahuvastrāṇi bhikṣā sarvatra labhyate |
bhūmiḥ śayyāsti vistīrṇā yatayaḥ kena duḥkhitaḥ || 99 ||
prapañcamakhilaṃ yastu jñānāgnau juhuyādyatiḥ |
ātmanyagnīnsamāropya so'gnihotrī mahāyatiḥ || 100 ||
pravṛttirdvividhā proktā mārjārī caiva vānarī |
jñānābhyāsavatāmoturvānarībhāktvameva ca || 101 ||
nāpṛṣṭaḥ kasyacidbrūyānna cānyāyena pṛcchataḥ |
jānannapi hi medhāvī jaḍavallokamācaret || 102 ||
sarveṣāmeva pāpānāṃ saṅghāte samupasthite |
tāraṃ dvādaśasāhasramabhyasecchedanaṃ hi tat || 103 ||
yastu dvādaśasāhasraṃ praṇavaṃ japate'nvaham |
tasya dvādaśabhirmāsaiḥ paraṃ brahma prakāśate|| 104 ||
ityupaniṣat hariḥ oṃ tatsat || iti dvitīyo'dhyāyaḥ || 2 ||
oṃ āpyāyantu māmāṅgāni vākprāṇaścakṣuḥ
śrotramatho balamindriyāṇi ca || sarvāṇi sarvaṃ brahmopaniṣadaṃ
māhaṃ brahma nirākuryāṃ mā mā brahma nirākarodanirākaraṇa-
mastvanirākaraṇaṃ mestu tadātmani nirate ya upaniṣatsu dharmāste
mayi santu te mayi santu | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti saṃnyāsopaniṣatsamāptā ||
Sannyasa Upanishad – vollständige deutsche Übersetzung
Eröffnungsvers Sannyasa Upanishad
Ich meditiere über mein eigenes Selbst, das durch die Sannyasa Upanishad erkannt wird, den Scharen der Entsagten als Grundlage dient und die Herrlichkeit des allen gemeinsamen reinen Seins ist.
Shanti Mantra
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein, möge kein Zurückweisen für mich sein. Mögen die in den Upanishaden gelehrten Eigenschaften in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin; mögen sie in mir sein. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Erstes Kapitel – Sannyasa Vidhi
Nun folgt das erste Kapitel: die Vorschrift für den Eintritt in den Sannyasa.
1.1 Prosaeinheit – Ankündigung der Lehre
Hari Om. Nun werden wir die Sannyasa Upanishad erklären. Wer in der vorgeschriebenen Reihenfolge entsagt, wird zu einem wahrhaft Entsagten.
1.2 Prosaeinheit – Die Grundfrage
Was wird Sannyasa genannt, und wie wird ein Mensch zum Entsagten?
1.3 Prosaeinheit – Zustimmung und Abschiedsopfer
Der Kandidat bereitet und schützt sich durch die vorgeschriebenen Riten. Nachdem er die Zustimmung von Mutter, Vater, Ehefrau, Söhnen und Angehörigen eingeholt und die beteiligten Priester ordnungsgemäß geehrt hat, soll er das Vaishvanara-Opfer darbringen und seinen gesamten Besitz weggeben.
1.4 Prosaeinheit – Verinnerlichung der Opferfeuer
Er soll die Kühe des Opferherrn den Priestern zusammen mit allen Gefäßen übergeben. Die fünf Lebenskräfte – Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana – soll er meditativ in die fünf Opferfeuer, Ahavaniya, Garhapatya, Anvaharyapacana, Sabhya und Avasathya, zurücknehmen.
1.5 Prosaeinheit – Haar, Opferschnur und Sohn
Er soll Haarschopf und Haare ablegen, die Opferschnur durchschneiden und mit Blick auf seinen Sohn sprechen: „Du bist das Opfer; du bist alles.“
1.6 Prosaeinheit – Aufbruch ohne Sohn
Hat er keinen Sohn, soll er über diesen Atman selbst meditieren und, ohne zurückzublicken, nach Osten oder Norden in die Wanderschaft ziehen.
1.7 Prosaeinheit – Bettelgang
Er soll seinen Bettelgang bei den drei in der Quelle zugelassenen gesellschaftlichen Gruppen ausüben.
1.8 Prosaeinheit – Die Hand als Schale
Er soll mit der Hand als einziger Schale seine Mahlzeit einnehmen.
1.9 Prosaeinheit – Essen wie Medizin
Er soll das Essen wie eine medizinische Behandlung vollziehen und Nahrung wie Medizin zu sich nehmen.
1.10 Prosaeinheit – Maßvolle Nahrung
Er soll essen, was er erhält, allein um die Lebenskraft zu erhalten, und zwar so, dass keine Zunahme von Körperfett entsteht.
1.11 Prosaeinheit – Aufenthaltsdauer
Schlank geworden, soll er in einem Dorf nur eine Nacht und in einer Stadt fünf Nächte bleiben; während der vier Regenmonate darf er in einem Dorf oder einer Stadt verweilen.
1.12 Prosaeinheit – Kleidung und Askese
Er soll nur ein abgetragenes Gewand oder Rindenkleid annehmen und nichts anderes. Ist er dazu nicht imstande und erträgt dadurch Not, gilt dieses Ertragen als Askese.
1.13 Prosaeinheit – Die inneren Kennzeichen
Über den, der so stufenweise entsagt oder diese Wahrheit erkennt, fragt man: „Was ist seine Opferschnur? Was ist sein Haarschopf? Wie vollzieht er die rituelle Reinigung?“
1.14 Prosaeinheit – Meditation als Opferschnur
Darauf lautet die Antwort: „Seine Opferschnur ist die Meditation über den Atman; Erkenntnis ist sein Haarschopf. Mit dem überall verfügbaren Wasser vollzieht er das Notwendige, sein Bauch ist sein Gefäß und das Ufer sein Aufenthaltsort.“
1.15 Prosaeinheit – Die Frage nach Tag und Nacht
Die Brahman-Kenner fragen: „Wie vollzieht er nach Sonnenuntergang seine rituelle Reinigung?“
1.16 Prosaeinheit – Jenseits der Zeitgegensätze
Er antwortete ihnen: „Wie am Tage, so in der Nacht; für ihn gibt es weder Nacht noch Tag.“ Auch dies ist von einem Rishi gesagt worden.
1.17 Prosaeinheit – Der eine Tag
„Für ihn wird es wahrlich zu einem einzigen, ungeteilten Tag.“ Wer dies erkennt, sammelt durch diese Einsicht sein Wesen im Atman.
Kolophon des ersten Kapitels
So endet das erste Kapitel.
Zweites Kapitel
Nun folgt das zweite Kapitel.
Quellenüberschrift – Eignung zum Sannyasa
Der zur Entsagung Berechtigte.
2.1 Prosaeinheit – Voraussetzungen
Om. Wer die vierzig traditionellen Samskaras empfangen hat, in jeder Hinsicht leidenschaftslos geworden ist, Reinheit des Geistes erlangt, Hoffnung, Missgunst, Neid und Ich-Stolz verbrannt hat und mit den vier Mitteln zur Befreiung ausgestattet ist, ist zum Sannyasa berechtigt.
Quellenüberschrift – Merkmale des Gefallenen
Kennzeichen eines aus der Ordensdisziplin Gefallenen.
1. Vers
Wer den festen Entschluss zum Sannyasa gefasst hat, ihn dann aber nicht ausführt, soll lediglich eine Kricchra-Sühne vollziehen; danach ist er erneut zur Entsagung berechtigt.
2. Vers
Wer einen anderen aus dem Sannyasa herausfallen lässt, wer einem Gefallenen erneut Sannyasa erteilt und wer die Entsagung behindert – diese drei gelten als gefallen.
2.2 Prosaeinheit – Historische Ausschlussliste
Es folgt eine historische Ausschlussliste: Genannt werden unter anderem sexuell oder körperlich andersartige Menschen, Gefallene, Kinder, Gehörlose und Stumme, Menschen mit Krankheiten, Vertreter bestimmter religiöser Gruppen, bezahlte Lehrer, Menschen ohne Opferfeuer und Nichtgläubige. Selbst bei vorhandener Leidenschaftslosigkeit galten sie in dieser Ordensordnung nicht als zum Sannyasa berechtigt.
2.3 Prosaeinheit – Mahavakya-Unterweisung
Selbst wenn solche Menschen formal entsagt hatten, galten sie nach dieser Regel nicht als berechtigt zur Unterweisung in den Mahavakyas.
3. Vers
Ein Nachkomme eines aus dem Entsagungsstand Gefallenen, ein Mensch mit entstellten Nägeln oder verfärbten Zähnen, ein Trunksüchtiger sowie ein körperlich schwer Beeinträchtigter soll nach dieser historischen Regel nicht Sannyasa empfangen.
4. Vers
Menschen, die jüngst vom vorgeschriebenen Weg abgefallen sind, schwere Vergehen begangen haben, außerhalb der Initiationsordnung stehen oder öffentlich angeklagt sind, soll man nach dieser Regel nicht in den Sannyasa aufnehmen.
5. Vers
Wer Gelübde, Opfer, Askese, Geben, Feueropfer und Selbststudium aufgegeben hat und von Wahrhaftigkeit und Reinheit abgefallen ist, soll nach der überlieferten Vorschrift nicht zum Sannyasa zugelassen werden.
2.4 Prosaeinheit – Ausnahme bei Todesnähe
Diese gelten nicht als zum Sannyasa berechtigt; bei einem todkranken Menschen darf jedoch der abgekürzte Notsannyasa ohne die übliche Stufenfolge vollzogen werden.
2.5 Prosaeinheit – Ablegen der Zeichen
Mit der Formel „Om Bhuh Svaha“ soll er den Haarschopf entfernen; die Opferschnur soll er ablegen und nicht länger außerhalb des Körpers tragen.
2.6 Prosaeinheit – Dreifache Entsagungserklärung
Mit der Bitte „Schenke Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Einsicht“ soll er die Opferschnur durchschneiden. Mit „Om Bhuh Svaha“ legt er Gewand und Hüftschnur im Wasser ab und spricht dreimal: „Von mir ist entsagt worden.“
6. Vers
Beim Anblick eines zweimalgeborenen Sannyasin weicht selbst die Sonne von ihrem Platz und denkt: „Dieser wird meinen Kreis durchbrechen und das höchste Brahman erlangen.“
7. Vers
Der Weise, von dem ausgesprochen wird: „Er hat entsagt“, erhebt sechzig vergangene und sechzig zukünftige Generationen seiner Familie.
8. Vers
Alle Fehler, die aus der Nachkommenschaft oder aus dem Körper hervorgegangen sind, verbrennt das Feuer der Entsagungsformel vollständig – wie ein Läuterungsfeuer das Gold von Schlacken reinigt.
2.7 Prosaeinheit – Annahme des Stabes
Mit den Worten „Freund, beschütze mich“ soll er den Stab annehmen.
9. Vers
Der Stab soll aus Bambus sein, angenehm, noch mit Rinde versehen und gleichmäßige Knoten haben; er soll an einem heiligen Ort gewachsen und von vielfältigen Verunreinigungen gereinigt sein.
10. Vers
Der Yati soll einen Stab tragen, der weder verbrannt noch von Insekten beschädigt ist, durch seine Knoten schön erscheint und bis zur Nase, zu den Augenbrauen oder bis zum Scheitel reicht.
11. Vers
Die Verbindung zwischen Stab und Selbst wird in jeder Hinsicht vorgeschrieben. Der Verständige soll ohne den Stab nicht einmal die Strecke von drei Pfeilschüssen gehen.
2.8 Prosaeinheit – Annahme des Kamandalu
Mit der Anrufung „Mutter, du Leben der Welt und Grundlage des Lebens, sprich zu mir, du Allgütige“ soll er das Kamandalu annehmen. In den Stand des Yoga eingeweiht, möge er in innerer Freiheit wandern.
12. Vers
Gib Dharma und Adharma auf; gib Wahrheit und Unwahrheit als Gegensatzpaar auf. Nachdem du beide – Wahrheit und Unwahrheit – losgelassen hast, lass auch dasjenige los, womit du sie loslässt.
2.9 Prosaeinheit – Vier Arten des Sannyasa
Vier Arten werden unterschieden: der Entsagte aus Leidenschaftslosigkeit, der Entsagte aus Erkenntnis, der Entsagte aus Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sowie der Entsagte gemäß der rituellen Lebensordnung.
2.10 Prosaeinheit – Vairagya-Sannyasin
Wer durch die besondere Reife früherer guter Handlungen frei von Verlangen nach sichtbaren und nur aus Überlieferung bekannten Genüssen geworden ist und deshalb entsagt, ist ein Vairagya-Sannyasin.
2.11 Prosaeinheit – Jnana-Sannyasin
Wer durch Schrifterkenntnis und durch das Hören von den durch Schuld und Verdienst erlangten Welten von der Erscheinungswelt zurücktritt, Körperprägung, Schriftgelehrsamkeit und Weltverlangen aufgibt, jede nach außen gerichtete Geschäftigkeit wie erbrochene Speise als abzuwerfen betrachtet, die vier Mittel besitzt und dann entsagt, ist ein Jnana-Sannyasin.
2.12 Prosaeinheit – Jnana-Vairagya-Sannyasin
Wer schrittweise alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis und Leidenschaftslosigkeit sein wahres Wesen erforscht, nur noch den Körper als Restbesitz behält und ohne äußere Hülle entsagt, ist ein Jnana-Vairagya-Sannyasin.
2.13 Prosaeinheit – Karma-Sannyasin
Wer Brahmacharya beendet hat, Haushälter geworden ist, in den Vanaprastha-Ashrama eingetreten ist und schließlich auch ohne spontan entstandenes Vairagya gemäß der Reihenfolge der Lebensstadien entsagt, ist ein Karma-Sannyasin.
2.14 Prosaeinheit – Sechs Stufen der Entsagung
Dieser Sannyasa hat sechs Formen: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta.
2.15 Prosaeinheit – Kutichaka
Der Kutichaka trägt Haarschopf, Opferschnur, Stab und Wassergefäß sowie Lendenschurz, Tuch und Flickengewand. Er verehrt Vater, Mutter und Guru, besitzt nur wenige notwendige Geräte, nimmt Nahrung an einem Ort, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den dreifachen Stab.
2.16 Prosaeinheit – Bahudaka
Der Bahudaka trägt Haarschopf und Flickengewand sowie das dreifache Stirnzeichen. Im Übrigen gleicht er dem Kutichaka; er lebt nach Art der Honigbiene und isst acht Bissen.
2.17 Prosaeinheit – Hamsa
Der Hamsa trägt verfilztes Haar, ein dreifaches oder senkrechtes Stirnzeichen, lebt von unverabredetem Bienenalmosen und trägt einen Lendenschurz sowie ein zerrissenes Stoffstück.
2.18 Prosaeinheit – Paramahamsa
Der Paramahamsa besitzt weder Haarschopf noch Opferschnur. Er bettelt bei fünf Häusern und benutzt die Hand als Schale. Er trägt nur einen Lendenschurz und gegebenenfalls ein Tuch und einen Bambusstab; alternativ trägt er ein einziges Gewand, bestreicht sich mit Asche und ist allem Besitz entsagend.
2.19 Prosaeinheit – Turiyatita
Der Turiyatita nimmt wie eine Kuh unmittelbar mit dem Mund auf, was ihm zukommt, und lebt von Früchten. Isst er gekochte Nahrung, nimmt er sie nur bei drei Häusern. Er besitzt allein den Körper, ist mit den Himmelsrichtungen bekleidet und betrachtet den Körper wie einen Leichnam.
2.20 Prosaeinheit – Avadhuta
Der Avadhuta folgt keinen äußeren Besitzregeln mehr. Unter Meidung der in seiner Ordensregel ausgeschlossenen Quellen nimmt er Nahrung bei allen gesellschaftlichen Gruppen nach Art einer reglos wartenden Python-Schlange an und widmet sich ganz der Erforschung seines wahren Wesens.
13. Vers
Diese Welt mit Bäumen, Gräsern und Bergen bin ich nicht. Was äußerlich und völlig unbewusst ist – wie könnte ich, das allgegenwärtige Bewusstsein, dies sein?
14. Vers
Der Körper, der sich schon nach kurzer Zeit auflöst und ohne Bewusstsein ist, bin ich nicht. Auch das nur augenblicklich durch die leblose Ohrmuschel vorgestellte Hören bin ich nicht.
15. Vers
Der Klang, dessen Gestalt leer und dessen Auftreten vergänglich ist, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Auch das durch die augenblicklich vergehende Haut erfasste oder nicht erfasste Tastbare bin ich nicht.
16. Vers
Die Berührung, deren Natur nur durch die Helligkeit des Bewusstseins erkannt wird, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ebenso wenig bin ich der geringfügige Geschmack, den die ruhelose Zunge in ihrer Beweglichkeit erfasst.
17. Vers
Der Geschmack, ein geringer, an einer Substanz haftender Ausfluss, ist unbewusst und nicht mein Selbst. Die sichtbare Form geht im Verhältnis von Sehen und Gesehenem auf, die beide vergänglich und augenblicklich sind.
18. Vers
Wenn Sehen und Gesehenes vergehen, löst sich die Form im reinen Seher auf; die unbewusste Form bin ich nicht. Auch der von der leblosen, vergänglichen Nase vorgestellte Geruch bin ich nicht.
19. Vers
Der schwache, fest umrissene Geruch ist unbewusst und nicht mein Selbst. Ich bin ohne Besitzdenken und begriffliches Messen, still und frei vom Irrtum der fünf Sinne.
20. Vers
Ich bin einzig reines Bewusstsein, frei von Zeit, Teilen und Berechnung. Ich bin dieses bloße Bewusstsein ohne gedachte Objekte – der Erleuchter aller Erfahrungen.
21. Vers
Innen und außen alles durchdringend, bin ich ohne Teile und ohne Makel. Als nichtbegriffliches Leuchten des Bewusstseins bin ich der eine, allgegenwärtige Atman.
22. Vers
Durch mich als Bewusstsein werden alle Dinge – Töpfe, Tücher und alles bis hin zur Sonne – offenbar, so wie Gegenstände durch eine Lampe, hier aber durch das Licht des Selbst.
23. Vers
Durch mich allein leuchten hier die vielfältigen Tätigkeiten der Sinne auf – durch das innere Licht, wie Reihen von Funken aus dem Feuer.
24. Vers
Diese reine, aus Bewusstsein bestehende Schau triumphiert über alle begrenzten Sichtweisen: Sie genießt unendliche Glückseligkeit und ruht in höchstem Frieden.
25. Vers
Immer wieder verneige ich mich vor mir selbst: vor dem, der im Inneren aller Zustände wohnt, vor dem Bewusstseinsselbst ohne gedachte Objekte, vor der Gestalt des nach innen gerichteten Bewusstseins.
26. Vers
Die vielfältigen Kräfte werden durch das unveränderliche Bewusstsein, das frei von zeitlicher Einteilung und Berechnung ist, klar, ausgeglichen und in Einklang gebracht.
27. Vers
Wenn Bewusstsein die drei Zeiten unbeachtet lässt und von der Bindung an Objekte frei ist, bleibt allein seine Gleichheit zurück – die Gelassenheit des Bewusstseins gegenüber allem Gedachten.
28. Vers
Weil diese Wirklichkeit für Worte unerreichbar ist, erscheint sie wie ein ewiges Nichtsein. Was bleibt, ist allein der Zustand, in dem das begrenzte Ich erloschen und das wahre Selbst verwirklicht ist.
29. Vers
Ist das Bewusstsein innerlich von den Unreinheiten des Strebens und Nichtstrebens umhüllt, kann es seine freie Leuchtkraft nicht entfalten – wie ein Vogel, der in einer Schlinge gebunden ist.
30. Vers
Durch den aus Begehren und Abneigung entstehenden Wahn der Gegensätze sinken die Wesen auf den Zustand von Würmern herab, die in Erdspalten stecken.
31. Vers
Verehrung sei mir selbst, dem ununterbrochenen Bewusstseinsselbst! Ich bin berührt, gefunden und in kurzer Zeit zum Licht gekommen; ich bin aus allen gedanklichen Alternativen emporgehoben. Ich bin, der ich bin – Verehrung sei dir, meinem Selbst!
32. Vers
Verehrung dir, der du ich bist, dem Unendlichen; Verehrung mir, der ich du bin, dem Bewusstseinsselbst. Verehrung dir, dem höchsten Herrn, und Verehrung mir, dem Segensreichen.
33. Vers
Obwohl er steht, steht er nicht festgebunden; obwohl er geht, geht das Selbst nicht. Obwohl er still ist, bewegt er sich im Alltag; obwohl er handelt, wird er nicht befleckt.
34. Vers
Dieses Selbst ist außerordentlich leicht zugänglich und wie ein vertrauter Angehöriger gut zu erkennen. Es ist die Biene in der Höhle des Körperlotus aller Wesen.
35. Vers
Ich verlange weder danach, im Genuss zu verbleiben, noch danach, ihn gewaltsam fortzuwerfen. Was kommt, mag kommen; was geht, mag gehen.
36. Vers
Wenn der Geist durch den Geist durchschnitten ist und der Ich-Gedanke gegangen ist, wenn alles Vorgestellte in seinem Grund erloschen ist, verweile ich allein in meinem eigenen Wesen.
37. Vers
Frei von Vorstellungen, Ich-Gedanken, Geist und Absicht ruht selbst mein früherer Feind, der Geist, nun im reinen Selbst, das allein und ohne Regung ist.
38. Vers
Nachdem sie das Bündel der Durstseile aus dem Käfig meines Körpers durchschnitten hat, ist der ichlose Vogel davongeflogen; ich weiß nicht, wohin.
39. Vers
Schön und sinnvoll ist das Leben dessen, der keinen ichhaften Anspruch erhebt, dessen Einsicht unbefleckt bleibt und der allen Wesen gegenüber gleich ist.
40. Vers
Schön ist das Leben dessen, der mit innerlich kühler, von Anhaftung und Abneigung freier Einsicht diese Welt wie ein Zeuge betrachtet.
41. Vers
Schön ist das Leben dessen, der Anzunehmendes und Aufzugebendes richtig erkannt und hinter sich gelassen und den Geist am Ende des Geistes selbst dargebracht hat.
42. Vers
Wenn die Beziehung zwischen Erfasstem und Erfasser erschöpft ist, geht vollkommener Frieden auf. Dieser zur Festigkeit gelangte Frieden wird Befreiung genannt.
43. Vers
Im Herzen der zu Lebzeiten Befreiten bleibt eine reine Prägung zurück, die einem unfruchtbar gewordenen Samen gleicht und keinen neuen Keim der Geburt hervorbringt.
44. Vers
Diese Prägung ist reinigend, höchst edel und folgt dem reinen Sattva. Sie besteht immer aus Meditation über das Selbst und ruht wie im Tiefschlaf.
45. Vers
Bewusstsein, das vom Gedankenstrom leer ist, wird nach innen gerichtetes Bewusstsein genannt. Weil sein Wesen frei vom gewöhnlichen Geist ist, gibt es dort keinen Makel begrifflicher Einteilung.
46. Vers
Das ist Wahrhaftigkeit, das ist Segenskraft, das ist der höchste Zustand des Selbst; das ist Allwissenheit und vollkommene Zufriedenheit – dort ist der Geist nicht mehr verletzt oder zerrissen.
47. Vers
Ob ich spreche, ausscheide, ergreife, die Augen öffne oder schließe: Frei vom Denken ruhe ich in Glückseligkeit und bin ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.
48. Vers
Ich lasse die Verunreinigung des Erkennbaren los, entwurzele den Geist vollständig und durchtrenne das brennende Fesselwerk der Hoffnungen. So bin ich ganz dem reinen Bewusstsein hingegeben.
49. Vers
Die Vorstellungen von günstig und ungünstig sind zur Ruhe gekommen; ich bin friedvoll und heil. Die Einteilung in Erwünschtes und Unerwünschtes ist vergangen; ich ruhe im bloßen Sein und Bewusstsein.
50. Vers
Nachdem ich die Trennung von Selbst und Anderem aufgegeben habe, bin ich innerhalb der Weltordnung ungeteilt. Auf das Selbst gestützt wie auf eine Diamantsäule stehe ich fest.
51. Vers
Ich ruhe in meiner makellosen, erwartungsfreien Selbsterkenntnis. Von Gewolltem wie Ungewolltem frei, bin ich jenseits von Verwerfen und Ergreifen.
52. Vers
Wann werde ich, im Ort des selbstleuchtenden Bewusstseins gegründet, die innere Zufriedenheit erlangen? Wann wird mein Denken in einer Berghöhle vollkommen zur Ruhe kommen?
53. Vers
Wann werde ich durch den begriffslosen Samadhi die Unbewegtheit eines Felsens erlangen und in ungeteilter Meditation ruhen – so still, dass mein schweigendes Haupt unbewegt bleibt?
54. Vers
Wann werden die Vögel des Waldes auf meinem Haupt ein Nest aus Gras bauen? Nachdem du den Baum der Vorstellungen und die Ranke des Durstes gefällt hast, durchstreife den Wald des Geistes.
55. Vers
Nachdem du die weite Erde erreicht hast, wandere frei und nach Herzensruhe. Ich aber bin jenem Zustand gefolgt und habe ihn erreicht; ich bin allein und ungeteilt – ich habe gesiegt.
56. Vers
Ich bin im Nirvana, frei von Streben, ohne Teile und ohne Verlangen. Klarheit, Kraft, Sein, Herzensgüte, Wahrhaftigkeit und Erkenntnis sind in mir gegenwärtig.
57. Vers
Freude und Frieden, beständig aufleuchtende Heiterkeit, Fülle, Großherzigkeit, Wahrheit, Ausstrahlung, Sein und immerwährende Einheit – all dies kennzeichnet diesen Zustand.
58. Vers
Indem der Bettelmönch so kontempliert, gelangt er mühelos zur Festigkeit in seinem wahren Wesen. Weil er die nichtbegriffliche Natur des Selbst erkennt, wird er selbst frei von gedanklicher Unterscheidung.
2.21 Prosaeinheit – Notsannyasa
Bleibt ein Schwerkranker am Leben, soll anschließend der vollständige Sannyasa in der vorgeschriebenen Ordnung vollzogen werden.
2.22 Prosaeinheit – Historisches Kontaktverbot
Die vormoderne Ordensregel verbietet Gespräche mit als Shudras, Frauen, Gefallene oder rituell Unreine bezeichneten Menschen.
2.23 Prosaeinheit – Festbesuche
Ein Yati soll nicht zum Zuschauen bei Tempelverehrungen und Festen gehen.
2.24 Prosaeinheit – Nicht für diese Welt
Daher ist diese gewöhnliche Welt nicht mehr die eigentliche Heimat des Sannyasin.
2.25 Prosaeinheit – Welten von Atura und Kutichaka
Dem Notsannyasin und dem Kutichaka werden Bhurloka beziehungsweise Bhuvarloka zugeordnet.
2.26 Prosaeinheit – Welt des Bahudaka
Dem Bahudaka wird die Himmelswelt zugeordnet.
2.27 Prosaeinheit – Welten von Hamsa und Paramahamsa
Dem Hamsa wird Tapoloka, dem Paramahamsa Satyaloka zugeordnet.
2.28 Prosaeinheit – Kaivalya von Turiyatita und Avadhuta
Für Turiyatita und Avadhuta besteht Kaivalya im eigenen Atman selbst. Durch ununterbrochene Erforschung des wahren Wesens werden sie diesem gleich – nach dem traditionellen Gleichnis von Raupe und Wespe.
2.29 Prosaeinheit – Vorrang der Selbsterforschung
Das Studium anderer Lehren ohne die Erforschung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine kostbare Safranlast auf dem Rücken eines Kamels, das ihren Wert nicht erkennt.
2.30 Prosaeinheit – Kein technischer Yoga als Selbstzweck
Der voll entsagte Yati soll sich nicht in der bloßen Beschäftigung mit technischen Yoga-Lehrbüchern verlieren.
2.31 Prosaeinheit – Kein Sankhya-Studium als Selbstzweck
Ebenso soll das Studium der Sankhya-Schriften nicht zum bloßen Selbstzweck werden.
2.32 Prosaeinheit – Kein Mantra-Tantra-Geschäft
Auch soll der Yati kein Geschäft aus Mantras und Tantras machen.
2.33 Prosaeinheit – Andere Wissenschaften
Für den Yati soll es keine zerstreuende Beschäftigung mit weiteren Wissenschaften geben.
2.34 Prosaeinheit – Wissen ohne Verwirklichung
Besteht diese bloß äußere Beschäftigung dennoch, gleicht sie Schmuck an einem Leichnam; wer nur Handlungen vollzieht, bleibt von verwirklichter Erkenntnis fern.
2.35 Prosaeinheit – Rezitation und Karma
Ein Wandermönch soll nicht allein der lauten Wiederholung von Namen ergeben sein; jede Handlung, die er aus bindender Absicht vollzieht, bringt ihm die entsprechende Folge.
2.36 Prosaeinheit – Vollständiges Loslassen
Wie der Schaum des Rizinusöls spurlos zerfällt, soll er alles vollständig loslassen.
2.37 Prosaeinheit – Keine Tempelgaben
Er soll keine als Tempelgabe dargebrachte Speise oder Gabe für sich beanspruchen.
2.38 Prosaeinheit – Verinnerlichte Verehrung
Er soll keine äußere Gottheitsverehrung mehr vollziehen, weil die Verehrung für ihn vollständig verinnerlicht ist.
2.39 Prosaeinheit – Leben von Madhukara-Almosen
Nachdem er alles als vom Selbst getrennt Vorgestellte aufgegeben hat, soll er Nahrung nach Art der Honigbiene sammeln, schlank bleiben, keine Fettzunahme verursachen und frei wandern.
2.40 Prosaeinheit – Gefäßlosigkeit
Mit Bienenalmosen und der Hand oder dem Mund als Schale soll er seine Tage verbringen.
2.41 Prosaeinheit – Nahrung nach rechtem Maß
Der selbstbeherrschte Yati soll Nahrung nur in einem dem eigenen Bedarf angemessenen Maß aufnehmen.
59. Vers
Zwei Viertel des Magens soll der Entsagte mit Nahrung füllen und ein drittes mit Wasser; das vierte lasse er frei, damit der Atem sich bewegen kann.
60. Vers
Er soll stets von Almosen leben und niemals nur aus einem einzigen Haushalt essen. Sorgfältig soll er zu einem Haus gehen, dessen Bewohner ihn ruhig und ohne Unwillen erwarten.
61. Vers
Er soll bei fünf oder sieben pflichtbewussten Haushalten um Almosen bitten. Nur die Zeit eines Melkens soll er warten; ist er fortgegangen, kehre er nicht zurück.
62. Vers
Besser als nur nachts zu essen ist das Fasten; besser als Fasten ist ungebeten erhaltene Nahrung; besser als ungebeten erhaltene Nahrung ist das regelgerechte Bettelmahl. Darum soll er sein Leben durch Almosen erhalten.
63. Vers
Zur Zeit des Bettelgangs soll er die Häuser weder nach rechts noch nach links systematisch ablaufen. Aus Verblendung soll er kein Haus übergehen, an dem kein erkennbarer Makel besteht.
64. Vers
Er soll keine Speise bei einem schriftgelehrten Menschen erbitten, wenn dort Vertrauen und Hingabe fehlen. Selbst im Haus eines außerhalb der Initiationsordnung Stehenden darf er Almosen nehmen, wenn Vertrauen und Hingabe vorausgehen.
65. Vers
Fünf Arten des Almosens werden gelehrt: das „Bienenalmosen“, das nicht vorher verabredete, das zuvor angebotene, das im Augenblick angebotene und das von selbst zugebrachte.
66. Vers
Wenn der Entsagte ohne vorherige Absicht zu drei, fünf oder sieben Häusern geht und wie eine Honigbiene jeweils nur wenig nimmt, wird dies Madhukara genannt.
67. Vers
Was Verehrende am Morgen oder schon am Vortag wiederholt angeboten haben, gilt als zuvor dargebrachtes Almosen; auch damit darf der Entsagte sein Leben erhalten.
68. Vers
Wird er, sobald er sich zum Bettelgang anschickt, von irgendjemandem eingeladen, gilt dieses Almosen als ungebeten; ein nach Befreiung Strebender darf es annehmen.
69. Vers
Was ein Brahmane bei der unmittelbaren Begegnung als Almosen anbietet, wird „im Augenblick erhalten“ genannt; der Entsagte darf es dann essen.
70. Vers
Wenn ein Brahmane fertig zubereitete Nahrung in das Kloster bringt, nennen die nach Befreiung strebenden Weisen dies „von selbst zugekommenes“ Almosen.
71. Vers
Ein Yati darf das Bienenalmosen sogar bei einer als fremd geltenden Familie sammeln, soll aber niemals nur von einem einzigen Haushalt essen – selbst wenn dieser dem Brihaspati gliche. Aus erbetenen und ungebetenen Gaben soll er seinen Lebensunterhalt gestalten.
72. Vers
Wie der Wind nicht durch Berührung, das Feuer nicht durch Verbrennen und das Wasser nicht durch Urin oder Kot verunreinigt wird, so wird der Stabträger nicht durch einen bloßen Fehler der Nahrung befleckt.
73. Vers
Wenn der Rauch verschwunden ist, der Mörser ruht, die Kohlen erloschen sind und die Menschen gegessen haben, soll der Entsagte möglichst am späten Nachmittag seinen Bettelgang ausführen.
74. Vers
Nach dieser historischen Ordensregel soll er Verfluchte, Gefallene, Andersgläubige und berufsmäßige Tempelpriester meiden; in einer Notlage darf er jedoch bei Angehörigen aller gesellschaftlichen Gruppen um Almosen gehen.
75. Vers
Der Text verlangt strenge Nahrungsentsagung: Ghee sei wie eigener Urin anzusehen, Honig wie Alkohol, Öl wie Schweineurin und gewürzte Brühe wie Knoblauch.
76. Vers
Gerichte aus schwarzen Bohnen und Kuchen sowie Ähnliches gelten hier wie Rindfleisch, Milch wie Urin. Deshalb soll der Yati Ghee und Ähnliches mit größter Sorgfalt meiden und niemals Speise essen, die mit Ghee, Brühe und Ähnlichem verbunden ist.
77. Vers
Seine Hand soll sein Gefäß sein; mit ihr soll er sein Leben beständig führen. Der wandernde Yogi, dessen Hand die Schale ist, soll nicht mehrfach am Tag um Almosen gehen.
78. Vers
Wenn der Muni Nahrung mit dem Mund sucht wie eine Kuh und dabei allen gegenüber gleich bleibt, wird er zur Unsterblichkeit befähigt.
2.42 Prosaeinheit – Radikale Gleichnisse der Entsagung
In einer bewusst drastischen Bildreihe soll der Entsagte Ghee wie Blut, Nahrung aus nur einem Haus wie Fleisch, Duftsalbe wie Schmutz, scharfe Würze wie soziale Ächtung, Kleidung wie ein benutztes Gefäß, Einölen wie sexuelle Bindung, schmeichelnde Freundschaft wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, vertraute Gegenden wie einen Ort der Ausgestoßenen, sexuelle Verlockung wie eine Schlange, Gold wie tödliches Gift, Versammlungsorte wie Verbrennungsstätten und Königshöfe wie eine Höllenqual meiden. Er soll weder von nur einem Haushalt leben noch äußere Gottheitsverehrung zu seinem neuen Besitz machen.
2.43 Prosaeinheit – Jivanmukti
Indem er die bindende Bewegung der Erscheinungswelt vollständig aufgibt, soll er zu einem zu Lebzeiten Befreiten werden.
79. Vers
Sechs Dinge binden den Yati: ein fester Wohnsitz, das Ansammeln von Gefäßen, Vorratshaltung, das Ansammeln von Schülern, Schlaf am Tage und leeres Gerede.
80. Vers
Als „fester Sitz“ gilt ein Aufenthalt außerhalb der Regenzeit. Als Überschreitung beim Gefäßbesitz gilt hier schon das Sammeln auch nur eines der genannten zusätzlichen Gefäße.
81. Vers
Das wird als Überschreitung des Gefäßgebrauchs eines Yati bezeichnet. Auch die Annahme eines zweiten Stücks von einem bereits besessenen Gegenstand wie dem Stab gehört dazu.
82. Vers
Was für späteren Gebrauch zurückgelegt wird, heißt Vorrat. Schüler um des Bedientwerdens, des Gewinns, der Verehrung oder des Ruhmes willen anzunehmen, heißt Schüleransammlung.
83. Vers
Schüler nur aus Mitgefühl anzunehmen, wird dagegen nicht als Schüleransammlung verurteilt. Weil Erkenntnis Licht ist, heißt sie Tag; Nichtwissen wird Nacht genannt.
84. Vers
Nachlässigkeit im Studium der Erkenntnis wird „Schlaf am Tage“ genannt. Außer einem spirituellen Gespräch und der notwendigen Mitteilung über Almosen soll der Yati unnötige Gespräche meiden.
85. Vers
Eine Segnung und eine ernsthafte Frage sind ausgenommen; anderes Reden heißt leeres Geschwätz. Nahrung nur aus einem Haus, Stolz, Neid sowie Schmuck mit Duftstoffen und Blumen gehören zu den weiteren Hindernissen.
86. Vers
Betelkauen, Einölen, Spiele, Verlangen nach Genuss, Verjüngungsmittel, Prahlen, Herabsetzen anderer, weltliche Segensrituale, Astrologie sowie Kaufen und Verkaufen sind zu meiden.
87. Vers
Streit über Riten und Handlungen, Übertretung des Guru-Wortes, Bündnisse und Feindschaften, Fahrzeuge, erhöhte Betten und weiße Kleidung sind für diesen Entsagungsorden ebenfalls untersagt.
88. Vers
Samenerguss, Schlaf am Tage und ein metallisches Almosengefäß, ferner Gift, Waffen, Saatgut, Gewalt, Härte und Geschlechtsverkehr werden in dieser strengen Ordensregel verworfen.
89. Vers
Durch den Yoga des Sannyasa sind häusliche Pflichten und Gelübde, alle Regeln von Herkunft und Familie, die Bindungen an väterliche und mütterliche Linie sowie Besitz aufgegeben. Wer diese untersagten Dinge weiter pflegt, sinkt nach der Lehre des Textes herab.
90. Vers
Selbst wenn er sehr erfahren ist, soll der Gelehrte nach der asketischen Warnung nicht auf sexuelle Nähe vertrauen: Selbst an sehr abgetragenen Flickendecken bleibt ein altes Gewand leicht hängen.
91. Vers
Ein Yati soll sechs Dinge so meiden wie Urin und Kot: unbewegliches und bewegliches Saatgut beziehungsweise Besitz, Metall, Gift und Waffen.
92. Vers
Außer in einer Notlage soll ein Yati keinerlei Reisevorrat annehmen. In Notzeiten darf er gekochte Nahrung mitnehmen, bis wieder Essen erhältlich ist.
93. Vers
Ein gesunder und junger Bettelmönch soll nicht in einer Herberge oder einem dauerhaften Haus wohnen. Für andere soll er nichts annehmen und unter keinen Umständen etwas weitergeben, was ihm als Entsagtem anvertraut wurde.
94. Vers
Aus Mitgefühl für die Bedrängnis der Wesen und zu ihrem Wohl soll der Yati wandern. Wer jedoch gezielt gekochte oder ungekochte Vorräte verlangt, fällt nach dieser Ordensregel von seinem Gelübde ab.
95. Vers
Ein Bettelmönch, der vor allem auf Essen und Trinken aus ist und Kleider und andere Dinge annimmt – seien sie aus Wolle, aus anderem Stoff oder sogar aus Seide –, gefährdet seine Entsagung.
96. Vers
Nimmt der Yati solche Dinge an, fällt er ohne Zweifel aus seiner Disziplin. Wenn er dagegen das Boot der Nichtdualität besteigt, kann er Befreiung zu Lebzeiten erlangen.
97. Vers
Als Zügel der Sprache soll er Schweigen üben, als Zügel des Körpers Fasten. Wird der Geist gezügelt, ist dafür Pranayama vorgesehen.
98. Vers
Durch Handeln wird das Lebewesen gebunden, durch Erkenntnis wird es befreit. Deshalb verrichten Entsagte, die das jenseitige Ufer schauen, kein bindendes Ritualhandeln.
99. Vers
Auf den Wegen finden sich viele weggeworfene Kleidungsstücke, und Almosen gibt es überall; die weite Erde dient als Lager. Wodurch sollten Entsagte da unglücklich sein?
100. Vers
Der Yati, der die gesamte Erscheinungswelt in das Feuer der Erkenntnis opfert und die Opferfeuer in den eigenen Atman zurücknimmt, ist der wahre Agnihotrin und ein großer Entsagter.
101. Vers
Zwei Arten des geistlichen Fortschritts werden gelehrt: der Weg der Katze und der Weg des Affen. Für Menschen, die Erkenntnis beständig üben, wird hier besonders der Affenweg – das eigene beharrliche Festhalten an der Lehre – hervorgehoben.
102. Vers
Ungefragt soll er zu niemandem sprechen und auch dem nicht antworten, der in ungehöriger Weise fragt. Obwohl der Einsichtige die Antwort kennt, soll er sich in der Welt wie ein Einfältiger verhalten.
103. Vers
Wenn sich die Folgen aller Verfehlungen zu einem großen Bündel verdichtet haben, soll man den rettenden Laut Om zwölftausendmal üben; dies durchschneidet jene Bindung.
104. Vers
Wer Tag für Tag den Pranava zwölftausendmal wiederholt, dem offenbart sich nach zwölf Monaten das höchste Brahman.
Kolophon des zweiten Kapitels
So lautet die Upanishad. Hari Om Tat Sat. So endet das zweite Kapitel.
Abschließendes Shanti Mantra
Om. Mögen meine Glieder erstarken – Sprache, Lebenshauch, Augen, Ohren, Kraft und alle Sinne. Alles ist das Brahman der Upanishaden. Möge ich Brahman nicht zurückweisen; möge Brahman mich nicht zurückweisen. Möge kein Zurückweisen sein. Mögen die Lehren der Upanishaden in mir sein, der ich dem Atman hingegeben bin. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Schlusskolophon
So endet die Sannyasa Upanishad.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Sannyasa Upanishad
- Betrachte Nahrung, Besitz und Anerkennung als Mittel, nicht als Identität.
- Verbinde Vairagya mit Jnana: Loslassen wird stabil, wenn sein innerer Grund verstanden wird.
- Beobachte Sinneserfahrungen und erkenne das unveränderliche Bewusstsein, in dem sie erscheinen.
- Sammle weder Wissen noch Menschen zur Vergrößerung des Ego; spirituelle Begleitung soll Freiheit fördern.
- Übernimm historische Askesevorschriften nicht unkritisch, sondern verwirkliche ihre ethische Mitte: Einfachheit, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl.
Literatur und Quellen
- Patrick Olivelle: The Samnyasa Upanisads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation. Oxford University Press, New York 1992.
- Joachim Friedrich Sprockhoff: Saṃnyāsa: Quellenstudien zur Askese im Hinduismus. Wiesbaden 1976.
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad’s des Veda. Brockhaus, Leipzig 1897.
- Sanskrit Documents: Sannyasa Upanishad – Sanskrittext der verwendeten vollständigen Fassung.
- Celextel: Sannyasa Upanishad – englische Vergleichsübersetzung nach A. A. Ramanathan.
Sannyasa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen
Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 829 - 835.
Einleitung
Ein sehr verwittertes Stück der altindischen Literatur liegt in dieser Upanishad vor, welche in Prosa mit eingelegten Versen den Übergang vom Stand des Hausvaters (Grihastha) zu dem des Waldeinsiedlers (Vanaprastha) und Entsagers (Sannyasin) schildert, welche beide hier nicht geschieden werden.
1. Das erste Kapitel schildert den Abschied des Sannyasin vom Opferdienst. In den Wald hinausziehend, vollbringt er noch einmal, gleichsam für alle Zukunft ausreichend, das Manen-Opfer; hierauf das Brahman-Opfer (Brahmeshti), worunter, nach der Beschreibung zu urteilen, hier ein wirkliches Opfer an Brahman verstanden werden muß. Endlich wirft er, unter Rezitation des ganzen Buches Atharvav. 18, die beiden Reibhölzer, deren er künftig nicht mehr bedarf, ins Feuer, womit seine Heiligung (Samskara) vollbracht ist. Von nun an huldigt er dem Opferkultus nur noch symbolisch, indem er, nach einer aus Manu 6,25. 38 bekannten Vorstellung, die Opferfeuer in seinen Leib aufnimmt.
2. Im zweiten Kapitel folgt in Versen eine kurze Erwähnung des Brahmacarin und des Grihastha und sodann eine Schilderung des vom Vanaprastha nicht unterschiedenen Sannyasin.
3. Im dritten Kapitel folgt die Weihe (Diksha) und die Schilderung des Sannyasin nach seiner äußeren Erscheinung.
4. Dieselbe bildet den Gegenstand der Verse, mit denen das vierte Kapitel beginnt. An sie schließt sich ein Abschnitt in Prosa, welcher zeigt, wie durch die an Taitt. 2,1 anknüpfende Meditation der Entstehung aller Wesen aus dem (hier durch Manas vertretenen) Brahman die Erhebung zu Brahman vollbracht wird. Die äußere Haltung des Meditierenden und die Frucht seiner Meditation sind der Gegenstand der dann folgenden Verse.
5. An sie anknüpfend beschreibt das fünfte Kapitel in Prosa das Emporsteigen zu Brahman nach dem Tode durch die Schädelnaht. Dies ist der Hauptinhalt der nur in dem sehr korrumpierten Texte der Kalkuttaer und Punaer Ausgabe vorliegenden Upanishad.[1] Der dort abgedruckte Kommentar des Narayana ist sehr mangelhaft, und seine Erklärungen sind teils höchst gezwungen, teils völlig unannehmbar. Unter diesen Umständen konnte die Übersetzung stellenweise nur auf gewaltsamem Wege hergestellt werden und mag als Notbehelf dienen, solange nicht ein besserer Text der Upanishad zugänglich sein wird.
Die Sannyasa Upanishad
1.
Wenn einer, der die Opferfeuer angelegt hatte, stirbt, so kommt durch Veda-Sprüche die Heiligung des Dahingeschiedenen zustande; - oder auch, wenn einer im Wohlsein den Wunsch hegt, über die Lebensstadien hinaus zu gelangen.
Dann bringt er die für das Manenopfer erforderliche Sammlung von Kräutern zusammen, geht in den Wald, und nachdem er in der Neumondsnacht gegen Morgen zum letzten Mal die heiligen Feuer angelegt hat und den Vätern die Sättigung durch die Totenspende bereitet hat, so soll er ein Brahman-Opfer (Brahmeshti) darbringen, indem er dabei die Worte spricht (die erste Zeile Mund. 1,1,9):
- Der Allkenner und Allwisser,
- Des Kasteiung Erkennen ist,
- Ihm zur Unsterblichkeit helfe
- Dieser himmlische Opferguß!
und sodann weiter [in rhythmischer Prosa]:
- Das Brahman, das empor zum Himmel stieg als Stätte,
- Erfüllend diese Welt und jene allerwärts,
- Das möge, allerzeugend, allen Segen uns
- Verleihen als wohlgesinnte Gottheit.
Nachdem er sodann mit dem Verse[2]:
- Brahman [zuerst vor Zeiten] ward geboren,
- [Und später deckt' es auf der Seher glanzvoll,
- Indem er seine tiefsten; höchsten Formen,
- Den Schoß des, was da ist und nicht ist, ausschloß.]
und mit den Worten: "Dem Brahman, Atharvan, Prajapati, der Anumati und dem Agni Svishtakrit!" geopfert, und ferner mit den Sprüchen:
- O Opfer, gehe zum Opfer,
- [Gehe zum schwarzen Gatten,
- Gehe zu deiner Wiege! Svaha!
und:
- Dies ist dein Opfer, o Opferherr,
- Und dein mannhafter Spruch,
- Den genieße! Svaha!]
die beiden Reibhölzer im Feuer geopfert hat, so soll er mit den vier Lektionen, welche anfangen: "Herbei will ich den Freund" usw. (Atharvav. 18,1-4) die Butterspenden darbringen. Durch diese [Lektionen] kommt sie [die Heiligung] zustande.
Dann soll er mit den Worten
- [In mir,] o Feuer, [nehm' ich auf] das Feuer,
- [Mitsamt der Macht, der Würde und der Kraft,
- In mir faß' ich. Nachkommenschaft und Leben! Svaha!]
die beiden Feuer [in denen er die Reibhölzer geopfert] in sich aufnehmen (vgl. Manu 6.25. 38) und sein Gelübde halten ohne Erschlaffen.
2.

Hierüber sind die Verse:
1. Wer, der Brahmanschülerschaft müde,
2. Ein ebenbürtig Weib wählend,
- Leg' er das heil'ge Feuer an,
- Und bringe jenen Gottheiten
- Das Brahman-Opfer Tag und Nacht.
3. Bis dann, den Kindern austeilend
- Das Gut, der Ehefreuden bar,
- Er sich ergibt dem Waldleben,
- In reiner Gegend schweifend hin.
4. Von Wasser und von Wind lebend
- Und Früchten nur so viel als recht[3],
- Im Leib das Feuer, auf Erden
- Weilt ohne Schuld und Tränen er.
5. Doch wenn das Feuer er mitnimmt,
- Wie heißt dann ein Entsager er? —
- Wie wär' das Feuer gleichartig,
- Bei dem er ein Entsager heißt![4]
6. Darum ein Feuer, das rein ist
- Von Lohn, stört die Entsagung nicht,
- Solch Feuer in den Wald[5] auszieht,
- Dem Einsiedler gesellend sich.
7. Aus der Welt in den Wald auszieht,
- Von der Gattin begleitet, er. -
- Doch da er jeden Wunsch wegwirft,
- Wie kann Furcht ihn ankommen noch?
8. Was kann der Schmerz ihm anhaben,
- Da er flieht alle holde Lust? -
- Vor neuem Mutterschoß schaudernd,
- Von neuem Leid durch Warm und Kalt,
9. Will in mein Herz ich einkehren,
- Wo die Stätte ist frei von Leid! -
3.
Nachdem er in dieser Weise das Opferfeuer aufgegeben hat, kehrt er nicht mehr [zu demselben] zurück.
Hierauf soll er, indem er die auf das Selbst bezüglichen Sprüche[6]:
- [Als sich] Manyu eine Gattin
- [Aus des Samkalpa Haus] erkor,
murmelt, die Weihe (Diksha) begehen. In braunrotem Gewande, an Achselhöhle und Scham die Haare beseitigt, soll er verharren, den Arm emporgestreckt, frei in der Wahl des Weges. Wenn er, auf diese Weise lebend, die erbettelte Nahrung zu sich nimmt, so soll er ein Sieb bei sich führen, um [sein Trinkwasser zu seihen und die etwa darin befindlichen] Lebewesen zu erhalten.
4.
Hierüber sind die Verse:

1. Topf, Trinkschale und Feldflasche,
- Die Dreistütze[7], das Schuhepaar,
- Geflickter Mantel, Schutz gebend
- Bei Frost und Glut, das Lendentuch,
2. Badehose und Tuchseihe,
- Dreifacher Stab und Überwurf,
- Was hinausliegt über dieses,
- Das alles meide der Asket.
3. Auf Sandbänken im Fluß schlafend
- Oder in Tempeln vor der Tür,
- Nicht übermäßig anspannend
- Weder in Lust noch Schmerz den Leib,
4. Baden, Nachsinnen und Reinheit
- Durch heil'ge Wasser streb' er an,
- Nicht sich freuend, wenn man ihn lobt,
- Nicht fluchend denen, die ihn schmähn.
5. Nur Bettelbrot und Spaltfrüchte,
- Trink- und Badezeug sind erlaubt
- Diese Lebensart einhaltend
- Tötet er ab die Sinnlichkeit.
Der Wissenschaft [d. h. des Vedawortes, des Brahman] Zusammenhalt ist im Manas, durch das Manas entsteht der Äther, aus dem Äther der Wind, aus dem Wind das Licht, aus dem Licht die Wasser, aus den Wassern die Erde; [wer] aus der Erde in dieser Weise [die Entstehung] der Geschöpfe [erkennt], geht ein zu Brahman, geht ein zu dem Nichtalternden, Unsterblichen, Unzerstörbaren, Unvergänglichen, wenn er in hingebendem Studium desselben den Aushauch und Einhauch zügelt.
Darüber sind die Verse:
2. Die Augen bohnengroß offen,
- Den Blick auf Ohr und Augenbrau'n
- Hinlenkend, nicht geruchriechend,
- Tonhörend, fühlend mit der Haut.[8]
3. Dann folgt die Seligkeitsstätte,
4. Durch diese Mittel feststellend
- Das Herz in der Kasteiung Zwang,
- Verläßt der Hauch den Leib aufwärts,
- Durch's Haupt dringend, zum Ew'gen hin.
5.
Sodann das Haupt verlassend, überwächst er es[9]; das ist der Gang derer, die ihn gehen; und die den höchsten Weg gefunden habend [auf ihm emporsteigen], die kehren nicht noch einmal zurück von der höchsten Hochstätte, - von der höchsten Hochstätte (Parama Vasthat für Paramavasthanat).
Fußnoten
- ↑ Der Telugudruck konnte nur selten Hilfe gewähren, da die Rezension, in welcher unser Text dort (p. 660-662) unter dem Namen Kundika Upanishad vorkommt, allzusehr von der unsrigen abweicht. Hingegen ist die Sannyasa Upanishad der genannten Sammlung eine andere und entspricht der Hauptsache nach unserer Kanthasruti 1-2.
- ↑ Atharvav. 4,1,1; vgl. unsere Übersetzung und Besprechung des Liedes, Gesch. d. Phil. I, 255.
- ↑ In der Erklärung des korrupten Vihitanottaraih Phalaih zeigt sich Narayana in seiner ganzen Größe. Lies Vihitan Nottaraih Phalaih.
- ↑ Der Sinn der dunklen Verse scheint zu sein: obgleich er die in seinen Leib aufgenommenen Opferfeuer mit sich in den Wald nimmt, so ist er dennoch ein Entsager (Samnyasta, aktivisch), weil diese Feuer von den wirklichen, dem Lohn dienenden Opferfeuern wesensverschieden sind.
- ↑ Lies Agnir Vanam.
- ↑ Atharvav. 11,8; übersetzt und erklärt Gesch. d. Phil. I, 270-277.
- ↑ Trivishtapam "der Dreistab"; das P. Wb. will dafür Trivishtabdham lesen, aber auch die Kanthasruti p. 292 und der Telugudruck (Kundika Up. p. 661,8) lesen Trivishtapam. Hingegen wird im nächsten Vers das nochmalige Tridandakam verderbt sein, wegen des metrischen Fehlers, und weil Kanthasruti und Kundika statt dessen übereinstimmend Eva Ca lesen.
- ↑ Wie schon das Metrum zeigt, ist die Stelle gänzlich korrupt. Helfen ließe sich etwa, indem man läse: Asravano, Na Gandhaya Nasike, Na Tvaca Spricet, aber auch auf manche andere Weise.
- ↑ Asya soll : Kahiptva, Deha : Dideha (Upacaye) sein. Ein indischer Scholiast weiß immer Rat.
Siehe auch
- Sannyasa
- Ashrama
- Sadhana
- Sannyasa Upanishaden
- Upanishad
- Veden
- Mahavakya
- Hinduismus
- Yoga
- Vedanta
- Vedanta Schulen
- Sannyasa
- Vairagya
- Jivanmukta
- Paramahamsa
- Avadhuta
- Advaita Vedanta
- Pranava
Literatur
- Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda
- Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980
- Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002
- Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
- Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda
- Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
Weblinks
- Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda
- Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda
- Buch: Klassische Upanishaden - die 11 wichtigsten Upanishaden in der Übersetzung von Paul Deussen
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