Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals
Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals (Sanskrit: स्तोत्र stotra) ist ein Lobtext zur Verehrung einer Gottheit, eines Lehrers oder einer heiligen Wirklichkeit. In einem Ritual kann er Meditation vertiefen, eine Darbringung begleiten oder den Abschluss tragen. Er unterscheidet sich von einem einzelnen Mantra und von einer nur aus Namen bestehenden Namavali.
Stellung und Textwahl
Puja - 32 Schritte ordnet Stotra und Gebet gemeinsam in den Schlussbereich ein. Eine Puja kann bereits früher einen Lobgesang enthalten, etwa beim Bad. Prarthana betont das Bitten und persönliche Ansprechen; ein Stotra kann solche Bitten einschließen, ist aber nicht mit jedem freien Gebet identisch. Der Text wird passend zur Gottheit gewählt. Ein Sukta ist ein vedischer Hymnus und besitzt je nach Schule eine bestimmte Rezitationsweise. Nicht jeder Sanskrit-Lobgesang ist deshalb ein vedisches Sukta.
Kurzes Beispiel
Die erste Strophe der traditionellen Shiva Manasa Puja zeigt, wie ein Lobtext zugleich innere Darbringungen entfalten kann:
Shiva Manasa Puja, Strophe 1
ratnaiḥ kalpitam āsanaṃ himajalaiḥ snānaṃ ca divyāmbaraṃ
nānā-ratna-vibhūṣitaṃ mṛgamadāmodāṅkitaṃ candanam |
jātī-campaka-bilva-patra-racitaṃ puṣpaṃ ca dhūpaṃ tathā
dīpaṃ deva dayānidhe paśupate hṛt-kalpitaṃ gṛhyatām ||
रत्नैः कल्पितम् आसनं हिमजलैः स्नानं च दिव्याम्बरं
नाना-रत्न-विभूषितं मृगमदामोदाङ्कितं चन्दनम् ।
जाती-चम्पक-बिल्व-पत्र-रचितं पुष्पं च धूपं तथा
दीपं देव दयानिधे पशुपते हृत्-कल्पितं गृह्यताम् ॥
Bedeutung: Ein aus Edelsteinen vorgestellter Sitz, ein Bad mit kühlem Wasser, ein mit vielerlei Edelsteinen geschmücktes göttliches Gewand, mit Moschusduft versehenes Sandelholz, eine Blütengabe aus Jasmin, Champaka und Bilvablättern sowie Räucherwerk und Licht: Nimm an, o Gott, Meer des Erbarmens, Pashupati, was im Herzen bereitet ist.
Die vollständige Hymne ist unter Shiva Manasa Puja verlinkt. Dieser Text beschreibt geistige Gaben; er verpflichtet nicht dazu, alle genannten kostbaren oder tierischen Duftstoffe materiell zu beschaffen.
Ausführung und Wirkung
Die Leitung liest oder singt in einem Tempo, in dem Worte und Bedeutung Raum finden. Bei langen Texten kann die Gemeinschaft zuhören, eine vereinbarte Zeile wiederholen oder still betrachten. Gaben werden nur dann gleichzeitig ausgeführt, wenn die Ritualanleitung dies zuordnet. Lobgesang lenkt Aufmerksamkeit auf Eigenschaften wie Erbarmen, Weisheit und Schutz. Eine kurze, verstandene Strophe kann tiefer wirken als eine hastig gesprochene lange Folge. Im Artikel zum jeweiligen Stotra findet sich der vollständige Text; der Bestandteilartikel erklärt seine Verwendung.
Ritualbeispiele und Quellen
- Weiterführende Ritualartikel und verwandte Fassungen: Shiva Manasa Puja – Shiva im Herzen bewirten und den Alltag weihen · Große Shiva Puja · Große Krishna Puja · Stotra und Sukta – Hymnenrezitation im Ritual bei Yoga Vidya
- Shiva Manasa Puja, traditionell Shankaracharya zugeschrieben: Shiva Manasa Puja, Strophe 1.
- Pandit Sri Ram Sivan: Puja Sangraha, Ausgabe 18. Januar 2025: Puja Sangraha, General Shlokas und Gottheitspujas.
Weitere Ritualbestandteile
Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale
Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben
Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan