Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja

Aus Yogawiki

Rajopachara – königliche Ehrengaben in der Puja (Sanskrit: राजोपचार rājopacāra) bezeichnet Dienste, mit denen die Gottheit als höchste Herrscherin oder höchster Herr geehrt wird. Dazu können Schirm, Fliegenwedel, Fächer, Spiegel, Musik, Gesang und Tanz gehören. Diese Gaben erweitern die Bewirtung des göttlichen Gastes um die Sprache königlicher Ehrerbietung.

Stellung und Formen

In ausführlichen Pujas können solche Dienste nach den Hauptgaben folgen. Ihre Anzahl wird verschieden gezählt; mehrere können zu einem gemeinsamen Upachara zusammengefasst werden. Deshalb sind sie nicht automatisch zusätzliche durchnummerierte Schritte einer überall gleichen 32er-Puja. Chatra bezeichnet den Schirm, Chamara einen Wedel, Vyajana einen Fächer und Adarsha einen Spiegel. Ein Tempel kann wirkliche Gegenstände und geschulte Musik- oder Tanzdienste verwenden. In einer häuslichen oder rein geistigen Puja werden die Gaben auch innerlich vorgestellt.

Beispiel aus Shiva Manasa Puja

Die dritte Strophe der Shiva Manasa Puja zählt solche Ehrungen auf und verbindet sie mit Verneigung und Lobpreis:

Shiva Manasa Puja, Vers 3; überlieferte Versform
chatraṃ cāmarayor yugaṃ vyajanakaṃ cādarśakaṃ nirmalaṃ
vīṇā-bheri-mṛdaṅga-kāhala-kalā gītaṃ ca nṛtyaṃ tathā |
sāṣṭāṅgaṃ praṇatiḥ stutir bahuvidhā hy etat samastaṃ mayā
saṅkalpena samarpitaṃ tava vibho pūjāṃ gṛhāṇa prabho ||

छत्रं चामरयोर् युगं व्यजनकं चादर्शकं निर्मलं
वीणा-भेरि-मृदङ्ग-काहल-कला गीतं च नृत्यं तथा ।
साष्टाङ्गं प्रणतिः स्तुतिर् बहुविधा ह्य् एतत् समस्तं मया
सङ्कल्पेन समर्पितं तव विभो पूजां गृहाण प्रभो ॥

Bedeutung: Einen Schirm, ein Paar Wedel, einen Fächer und einen makellosen Spiegel; die Kunst von Vina, Bheri, Mridanga und Kahala, Gesang und Tanz; eine Verneigung mit acht Gliedern und vielfältigen Lobpreis: All dies bringe ich dir in meiner Vorstellung dar, Allgegenwärtiger. Nimm die Verehrung an, o Herr.

Saṅkalpa meint in diesem Vers die geistige Vorstellung beziehungsweise Absicht, mit der die Gaben dargebracht werden. Es bezeichnet hier nicht den langen, mit Kalender und Gotra ausgefüllten Ritualvorsatz. Bheri und Mridanga sind Trommelbezeichnungen, Kahala bezeichnet ein Blasinstrument; der Vers beschreibt einen reichen musikalischen Dienst.

Praktisches Beispiel und Bhava

Bei einer geistigen Shiva-Puja stellt man sich während des Verses den Schirm, die bewegten Wedel, den Spiegel und die Musik nacheinander vor. Danach verweilt man einen Moment in stiller Hingabe. Die Bedeutung der Strophe wird auch dann vollständig geachtet, wenn diese Gegenstände nicht physisch vorhanden sind. Bei wirklicher Ausführung werden Bewegungen ruhig und passend zur Größe des Bildnisses gehalten. Ein Wedel berührt weder Flamme noch frische Darbringung. Musik und Tanz werden als bewusster Dienst gestaltet. Die innere Haltung kann lauten: „Auch meine Fähigkeiten, meine Freude und meine Schönheitsempfindung gehören zur Hingabe.“

Ritualbeispiele und Quellen

Weitere Ritualbestandteile

Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan · Bestandteile der Yoga Vidya Rituale

Die 32 Puja-Schritte
Dhyana – die Gottheit im Ritual vergegenwärtigen · Avahana – Einladung der göttlichen Gegenwart · Asana – der Gottheit einen Sitz anbieten · Padya – Wasser für die Füße der Gottheit · Arghya – ehrerbietige Wassergabe · Achamaniya – Schluckwasser für die Gottheit · Madhuparka – süße Ehrenspeise für den göttlichen Gast · Panchamrita Snana – Bad mit fünf Nektaren · Snana – das rituelle Bad der Gottheit · Plota – das Bildnis nach dem Bad trocknen · Vastra – Gewänder als Darbringung · Yajnopavita – heilige Schnur als Puja-Gabe · Abharana – Schmuck der Gottheit darbringen · Gandha – Duft und Sandelholz als Verehrungsgabe · Saubhagya Dravya – glückverheißende Gaben für die Göttin · Akshata – ungebrochener Reis als Ritualgabe · Pushpa – Blüten als Verehrungsgabe · Anga Puja – die Glieder der Gottheit verehren · Ashtottarashata Namavali – Verehrung mit 108 Namen · Dhupa – Räucherwerk als Darbringung · Dipa – die Lichtgabe der Puja · Naivedya – Speisen der Gottheit darbringen · Paniya – Trinkwasser zur Speisedarbringung · Tambula – Betelgabe als Abschluss der Bewirtung · Dakshina – Ehrengabe und Dank an die Ritualtragenden · Karpura Nirajana – feierliche Kampferlichtgabe · Mantrapushpa – Blütengabe und vedischer Schlussgesang · Pradakshina – ehrerbietige Umrundung · Namaskara – ehrerbietiger Gruß und Verneigung · Stotra – Lobgesang innerhalb des Rituals · Kshamapana – um Vergebung und Vollendung bitten · Samarpana – die Früchte des Rituals hingeben

Weitere Begriffe und Feuerbestandteile
Abhisheka – rituelles Übergießen und Weihen · Angavastra – Ober- und Schultertuch als Gabe · Kanthasutra – Halsschmuck der Göttin · Pranama – sich in Hingabe verneigen · Prarthana – Gebet und persönliche Bitte im Ritual · Visarjana – Verabschiedung der angerufenen Gegenwart · Arati – gemeinschaftliche Lichtverehrung · Achamana – rituelles Wasserschlucken der ausführenden Person · Alankara – das göttliche Bild schmücken · Pushpanjali – die gemeinsame Blütengabe · Upachara – Formen liebevoller Darbringung · Sankalpa – traditioneller Ritualvorsatz mit Zeit, Ort und Anliegen · Purnahuti – die volle Schlussgabe einer Yajna · Agnimukha – Vorbereitung und Eröffnung des Feueropfers · Sthandila und Rekha – Feuerplatz und rituelle Linien · Agni Sthapana – das Ritualfeuer einsetzen · Paristarana – Darbha um das Feuer auslegen · Patra Sadana – die Opfergeräte bereitstellen · Pranita und Prokshani – die Wassergefäße des Homa · Ajya Samskara – Ghee für das Feueropfer bereiten · Paridhi – Begrenzungshölzer des Feueropfers · Parishechana – Wasser um das Opferfeuer geben · Samidhadhana – geeignete Hölzer ins Feuer geben · Aghara – die eröffnenden Ghee-Ströme · Ajyabhaga – Ghee-Anteile für Agni und Soma · Ahuti – Mantra und Feuerdarbringung verbinden · Vyahriti Ahuti – Gaben mit den heiligen Weltenrufen · Svishtakrit – Agni um die Vollendung des Opfers bitten · Jayadi – ergänzende Gaben für das Gelingen des Rituals · Prayashchitta – rituelle Berichtigung und Wiedergutmachung · Vasordhara – der zusammenhängende Ghee-Strom · Agnyupasthana – das Feuer abschließend verehren · Anujna und Brahma Varana – Zustimmung und Ritualverantwortung · Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen · Punyahavachana – Reinheit und Wohlergehen feierlich zusprechen · Nyasa – Mantra und göttliche Gegenwart im Körper verorten · Ghanta – die Ritualglocke erklingen lassen · Puja - 32 Schritte · Bestandteile von Homa, Yajna und Havan